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DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

DIE GANZE WELT UND WIR

KAUFEN, KAUFEN KAUFEN. Ist weniger doch mehr? NACH DEM WACHSTUM. Krisen als Wendepunkte TIROLS TOURISMUS. Schmerz lass nach PRIVATES GELD. Wege aus dem Finanzierungsmanko

Die Realität der Regionalität

TI INNO ROL VAT I

ZUK V: UNF PER SPEK TSTIVE N Ausgabe Nr. 07 | Juni 2020 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00


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© MARIAN KRÖLL

eco.edit

Christoph Loreck und Mag. Sandra Nardin, eco.nova-Herausgeber

LEBEN UND LEBEN LASSEN Wenn jeder an sich denkt, ist an jeden gedacht. Das mag in der Theorie ein schöner Ansatz sein, in der (wirtschaftlichen) Praxis funktioniert das nicht.

D

ie Krise hat uns wieder einmal sehr deutlich vor Augen geführt, wie sehr wir alle voneinander abhängen. Der Erfolg des einen bedingt jenen des anderen. Das gilt in der Wirtschaft als Ganzes und in jedem Unternehmen im Kleinen. Wer allerdings erst in schweren Zeiten draufkommt, dass man alleine ganz schön einsam ist, hat vermutlich wenig Chance, diese schweren Zeiten überhaupt zu überstehen. „Spare in der Zeit, dann hast du in der Not“ gilt nicht nur für die Finanzen, sondern überall. Die Beziehungen, die man in guten Zeiten pflegt, tragen einen durch die herausfordernden. Wir haben uns schon seit jeher der Regionalität verschrieben, weil wir davon überzeugt sind, dass (Kunden-)Beziehungen nur aus der Nähe wirklich gut funktionieren. Deshalb möchten wir an dieser Stelle allen unseren Kunden und Partnern danken, die maßgeblich mitgeholfen haben, dass wir die letzten Wochen tun durften, was wir tun: hintergründig informieren, ausgiebig recherchieren und die Geschichten hinter den Unternehmen und über deren Menschen erzählen. Schon immer haben wir nicht überall nur das Negative gesehen, sondern die Erfolge anderer neidlos anerkannt und uns mit ihnen gefreut. Ein Danke auch an alle Mitarbeiter und freiberuflichen Redakteure, auf die wir uns in dieser Zeit immer verlassen konnten, wenn wir auch quasi als komplette Mannschaft ins Homeoffice gewechselt sind. Die Zusammenarbeit hat funktioniert – weil wir uns nicht zwangsläufig von Angesicht zu Angesicht sehen müssen, um zu wissen, was man voneinander erwartet, weil wir einander gut und lange kennen und respektieren und vor allem: Weil wir unsere Arbeit gerne machen. Das einzig Beständige ist der Wandel? Vielleicht, doch Bestand ist gerade in der heutigen Zeit ein unschätzbarer Wert.

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Lassen Sie uns beständig weitergehen – Ihre Redaktion der eco.nova.

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eco.inhalt

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FOTOS: TIROL WERBUNG, ANDREAS FRIEDLE, BIRGIT KOELL

164


E C O .T I T E L 16 KRISE MACHT GELEGENHEIT

Wo Regionalität sinnvoll und Globalisierung nötig ist und warum wir mit Kirchtumökonomie allein auch nicht weiterkommen.

E C O .W I R T S C H A F T 30 KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN?

In der Krise kommt dem Konsum eine Schlüsselrolle zu. Weniger ist nicht immer mehr. 36 NACH DEM WACHSTUM Krisen können Wendepunkte sein. Muss Wirtschaft zwangläufig immer weiterwachsen? 40 ERFOLG LIEGT IN DEN GENEN Familienunternehmen als Form des nachhaltigen Kapitalismus. 46 KRISE MIT LERNEFFEKT Multiunternehmer Manfred Pletzer über COVID-19 und die Zukunft.

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HIDDEN CHAMPIONS

Aus der Nische erfolgreich. 104 GESUNDHEIT NEU ERFUNDEN CellGenius soll den Gesundheitsmarkt revolutionieren. 108 REGIONAL KAUFEN Von der Wertschätzung zur Wertschöpfung. 120 IMMATERIELLE VERMÖGENSWERTE Unternehmensfinanzierung mit Grips.

ECO.GELD 124 PRIVATES GELD

Mit Private Equity und Crowdfunding heraus aus dem Finanzierungsmanko.

ECO.ZUKUNFT 58 TIROL UND DER TOURISMUS

ECO.MOTOR 148 HYUNDAI NEXO 149 CITROËN C5 AIRCROSS 150 BMW X5 152 MAZDA 3 154 IN BEWEGUNG BLEIBEN

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ECO.LIFE 164 URLAUB DAHOAM

Schaffen wir es mit einem blauen Auge aus der Krise? 66 KOMPETENZEN FÖRDERN Die Wirtschaft ruft nach kompetener Ausbildung.

T I R O L . I N N O VAT I V ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN

Wie Vertreter des Beraterkollektivs „Mit Allen Wassern“ Zukunft sehen. 80 DIE GROSSE CHANCE Was sich die Industrie als Konsequenz der Krise wünscht. 90 KREATIVES TIROL Das Start-up, das Revival und die Innovation der Ausgabe.

Auto Linser hat sich mit Kia eine zweite Marke ins Haus geholt. 156 ZWEIRAD-LIEBE Moriggl hat seine Motorrad- und Rollerpalette erweitert.

tob‘ dich aus. bring‘ frischen wind. rock‘ das grander. job auf den punkt. du bist allrounderin. eine stimmungskanone. sei chef de rang. sei lehrling oder kochin. sei du selbst. im grander.

Ausflugs- und Hoteltipps in Tirol und Österreich. Weil‘s zuhause doch am schönsten ist. 03 EDITORIAL 06 KOMMENTAR 08 11¾ FRAGEN 132 ECO.STEUERN 138 ECO.RECHT 160 KUNST & KULTUR

HER AUSGEBER UND MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck,

Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

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0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Renate LinserSachers, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc., Stefan D. Haigner // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Bruno König // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Bruno König, Hannelore Weissbacher, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH


eco.mmentar

DIE MÜHEN DER EBENE Der Lockdown ist vorüber. Aber Corona ist noch lange nicht ausgestanden. Ein Schritt vor, zwei zurück. Das wird wohl unsere neue Normalität in den kommenden Monaten. Auch wenn die Regierung nicht alles richtig gemacht hat – die permanente Dauerkritik nervt.

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A

m Anfang war der Schulterschluss. Die ersten Tage von Corona waren durch einstimmige Beschlüsse gekennzeichnet. Jetzt tummelt sich eine ganze Herde Babyelefanten zwischen Regierung und Opposition. Die ist momentan gar nicht gut drauf. Es gibt nichts, das die Regierung in ihren Augen richtig macht. Die Vorwürfe wachsen direkt proportional zur Zustimmung, die seitens der Bevölkerung kommt (laut einer aktuellen Gallup-Umfrage treffen die Corona-Maßnahmen bei 70 Prozent auf Akzeptanz). Gegen Kritik an sich ist nichts einzuwenden – davon lebt eine Demokratie. Aber es gibt zwei Arten davon. Die eine ist die inhaltliche, sachliche. Natürlich kann und muss die Opposition den Regierenden auf die Finger schauen. Nicht alle Verordnungen waren in sich schlüssig, nicht alle Maßnahmen rund. Hier gilt es, konkret aufzuzeigen, wo die Fehler liegen, und Verbesserungen einzufordern. Im Gegenzug muss die Regierung professionell genug sein, sich ohne herrschaftliches Getue auf Augenhöhe zu begeben, und Gutes besser machen oder noch wichtiger: Schlechtes zu streichen bzw. Alternativen zu suchen. Die andere ist die populistische Fundamentalkritik. Dass K & K alles falsch gemacht hätten und laufend Angst und Schrecken verbreiten, ist einfach Quatsch. Man sollte Angst nicht mit Realität verwechseln. Das Virus kümmert es nicht, wenn sich Frau Rendi-Wagner oder Herr Kickl davon eingeengt fühlen. Corona ist nach wie vor unter uns und wer die Pandemie und alles, was damit verbunden ist, kleinredet, riskiert leichtfertig, dass die Situation ins Gegenteil kippt – und uns budgetär und wirtschaftlich endgültig ins Nirwana spült. Die Opposition regt sich sogar über die Bezeichnung „neue Normalität“ auf – die genau genommen ganz gut getroffen ist: Die Situation in den Mühen der Ebene der Coronakrise ist neu und der aktuelle Status ist definitiv eine Art „Normalität“ – zumindest verglichen mit dem Quarantänezustand noch vor einigen Wochen. Wir sind gerade mitten im Neustart. Für Tirol wird viel davon abhängen, ob der

V O N K L A U S S C H E B E S TA

Tourismus wieder halbwegs Fuß fassen kann. Denn dieser ist und bleibt der Motor für viele andere Branchen, die als Partner, Zulieferer oder Auftragnehmer hautnah spüren, wenn es bei den Touristikern unrund läuft. Jetzt kommt es darauf an, dass die Eigenverantwortung der Bürgerinnen und Bürger hoch genug bleibt, um uns – vor allem Richtung Herbst und Winter – eine zweite Welle zu ersparen. Wenn diese doch in Sichtweite kommt, sind wir immerhin gerüstet und können zum Skalpell statt zum Holzhammer greifen: Testen, regional abgrenzen, punktgenau differenzieren, die Lockerungsschraube wieder anziehen. Wenn eine App die letzte Option sein sollte, muss man auch darüber diskutieren. Einen zweiten Lockdown können wir uns nicht mehr leisten – wir werden die Kosten für den ersten noch jahrelang abstottern. Tirol muss nach einer aktuellen Prognose der Bank Austria schon jetzt mit dem höchsten Rückgang der Wirtschaftsleistung aller Bundesländer in der Höhe von zwölf Prozent fertig werden. Dagegen war die Finanzkrise 2008/2009 ein Kindergeburtstag. Ob der Neustart gelingt, hängt viel an der Stimmung, die im Land herrscht. Wirtschaft ist Psychologie, das lässt sich an den Börsen live beobachten. In einer Aufbruchsstimmung ist vieles möglich – mutige Innovationen, motivierte Mitarbeiter, kauffreudige Konsumenten. Ist das Gegenteil der Fall, kann der Staat noch so viele Milliarden zuschießen, der Funke zündet nicht. Deswegen hat die Politik – und zwar die gesamte – die Verantwortung, konstruktiv-kritisch zu agieren und nicht mit negativem Dauerfeuer die Stimmung zu versauen. Das sollte allen zu denken geben, die jetzt über Kleinigkeiten meckern und dadurch leichtfertig das mühsam erkämpfte Niveau gefährden. Für politisches Kleingeld steht derzeit der Wechselkurs ungünstig. Corona ist definitiv nicht witzig für alle – da kann weder die Regierung noch Ischgl noch sonst wer was dafür. Wenn wir großes Glück haben, gibt es nächstes Jahr einen Impfstoff. Gegen das Virus wird er helfen, gegen Populismus nicht. Da bieten immer noch Wachsamkeit und Mitdenken die beste Immunisierung. 


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eco.porträt

Helene Schnitzer vor einem Bild von Martina Tscherni

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eco.porträt

11¾ FRAGEN AN

HELENE SCHNITZER 1. Wer sind Sie? Ich bin ein Spross der Sixties. Das Interesse für Kunst und Kultur ist eine der Konstanten in meinem Leben: von der Mitbegründung meiner ersten Kulturinitiative mit 15 über mein Studium der Kunstgeschichte bis hin zur gesamten bisherigen Berufstätigkeit. Seit 2000 bin ich Geschäftsführerin der TKI – Tiroler Kulturinitiativen, Interessenvertretung und Netzwerk von aktuell 146 Kulturinitiativen in ganz Tirol. Das war nicht so geplant, denn aus der ursprünglichen Karenzstelle, bei der ich mir einen Einblick in die zeitgenössische Kulturszene Tirols und in die Kulturpolitik verschaffen wollte, sind mittlerweile 20 Jahre geworden. Diese Arbeit hat mich bis heute einfach nicht mehr losgelassen. Ausdauer, Pioniergeist und Interesse an Kommunikation waren dabei hilfreich.

Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Wahrscheinlich, weil die Coronakrise gerade spürbar macht, wie sich unser Leben ohne Kunst und Kulturveranstaltungen anfühlen würde. 2.

3. Wie lautet Ihr Lebensmotto?

Da wir unser Leben nicht verlängern können, müssen wir es verdichten. (Roger Willemsen)

Was macht Sie stolz? Ich freue mich, wenn Dinge gelingen. Aber richtig stolz war ich zuletzt als Kind, als ich Rad fahren gelernt habe.

4.

5. Was bedeutet für Sie Luxus? Mein gar nicht so besonderer Lebensstil, der in einem der reichsten demokratischen Länder der Welt möglich und scheinbar selbstverständlich ist.

„Kultur ist das, was unsere Gesellschaft ausmacht, und ist damit unverzichtbar.“ HELENE SCHNITZER

9. Wie wichtig ist Kultur für eine Gesellschaft und was

braucht der Kulturbetrieb, damit wir nicht auf eine kulturlose(re) Zukunft zusteuern? Kultur ist das, was unsere Gesellschaft ausmacht, und ist damit unverzichtbar. Die Kunst kann berühren und verstören, unterhalten und zum Nachdenken anregen. Sie ist Seismograph für gesellschaftliche (Fehl-)Entwicklungen und Experimentierfeld für alternative Lebensentwürfe. Die Kunst braucht Freiheit und der Kulturbetrieb faire Arbeitsbedingungen für alle, die in dem Feld tätig sind.

10. Kränkt es Sie, dass Baumärkte, Gastronomie und der

Sportbetrieb in dieser Zeit wichtiger zu sein scheinen als Kunst und Kultur? Das nicht, aber ich wundere mich, wie sehr die Bedeutung von Kunst und Kultur unterschätzt wird. Schade, denn abgesehen vom ideellen Stellenwert bringt der kreative Sektor auch einen enormen finanziellen Mehrwert. Der Kulturbereich leistet für das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Österreich sogar mehr als die Landwirtschaft und beschäftigt rund 180.000 Menschen. Die Wirtschaft hat aber offensichtlich eine viel stärkere Lobby als die Kultur.

6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden Sie

11. Können Sie dieser Krise auch etwas Positives abgewinnen? Ja, sie gibt uns die Möglichkeit, die Prioritäten neu zu ordnen und herauszufinden, was wirklich wichtig ist. Für mich war das zum Beispiel die Erkenntnis, wie sehr wir einander brauchen – privat, aber auch gesellschaftlich.

Was ist das ungewöhnlichste Thema, über das Sie richtig viel wissen? Ich weiß, dass ich nichts weiß.

11¾ :

gerne einen Abend verbringen – warum? Mit Johanna Dohnal – weil die Coronakrise auch gezeigt hat, dass wir wieder eine Frauenpolitik brauchen, die diesen Namen verdient, um einer tatsächlichen Gleichberechtigung der Geschlechter näher zu kommen. 7.

8. Ihr Leben in Kunstwerken: NARROW HOUSE (Erwin Wurm) – für Kindheit und Jugend in Tirol. STRAWINSKIBRUNNEN IN PARIS (Jean Tinguely und Niki de Saint Phalle) – für Aufbruch, Bewegung, Lebensfreude und die berufliche Entscheidung für die Kunst. THE ARTIST IS PRESENT (Marina Abramović) – für die Liebe. FOTO: © CLEMENS BRUCH

W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N

I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?

SCHNITZER:

Was ist eine Dreiviertelansicht von hinten? *)

*) Dreiviertelansicht von hinten: … auch „verlorenes Profil“ genannt – ist eine Darstellung in der Porträtmalerei oder -fotografie, bei der der Kopf der porträtierten Person von hinten dargestellt wird und daher nur die Konturen der Wangenknochen erkennbar sind.

9


SELBSTVERSORGUNG In Zeiten wie diesen wird viel über das Thema Regionalität und den Kauf heimischer Lebensmittel gesprochen. In der Krise werden Fragen der Eigenversorgung und deren Sicherheit plötzlich wichtig. In Österreich sind wir grundsätzlich gut versorgt, doch nur in sehr ausgewählten Bereichen wäre es tatsächlich möglich, den gesamten Bedarf der Bevölkerung aus inländischer Produktion zu decken.

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FLEISCH

MILCH(PRODUKTE)

Rind & Kalb 141 %

Konsummilch 164 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERZEHR IN KG: 12,1

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 77,6

Schwein 101 %

Obers & Rahm 109 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERZEHR IN KG: 37,2

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 8,0

Geflügel 72 %

Butter 72 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERZEHR IN KG: 12,9

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 5,5

Eier 86 % JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN STÜCK: 240

Käse 99 % JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 21,8

Schmelzkäse 442 % (!) JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 1,0

Quelle: Versorgungsbilanzen 2018/19 der Statistik Austria Zahlen für Gesamtösterreich


Obst gesamt 59 %

Äpfel 94 %

Erdbeeren 35 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 80,3

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 21,0

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 2,9

Fisch 6%

Gemüse gesamt 54 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 7,8

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 113,2

Salatgurken 67 % Honig 46 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 5,7

Tomaten 20 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 1,0

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 30,3

Bier 104 %

Spargel 49 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN LITERN: 107,1

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 0,6

Wein 108 %

Kartoffeln 83 %

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN LITERN: 27,7

JÄHRLICHER PRO-KOPF-VERBRAUCH IN KG: 45

Getreide gesamt 87 %

Weizen 93 %

Roggen 107 %

Gerste, Hafer, Mais 82 %

JÄHRLICHER PRO-KOPFVERBRAUCH IN KG: 90,6

JÄHRLICHER PRO-KOPFVERBRAUCH IN KG: 63,8

JÄHRLICHER PRO-KOPFVERBRAUCH IN KG: 9,3

JÄHRLICHER PRO-KOPFVERBRAUCH IN KG: 16,0

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© TIROL WERBUNG

WIRTSCHAF

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wirtschaft & unternehmen

Tirol und der Tourismus Tirol erzielte im Jahr 2019 eine Bruttowertschöpfung von rund 32 Milliarden Euro. Davon entfielen ca. 4,9 Milliarden Euro auf den Sektor Beherbergung/Gastronomie (das sind rund 15 % der Gesamtwertschöpfung). Zählt man die Seilbahnwirtschaft und die tourismusnahen Dienstleistungen hinzu, beläuft sich der Wertschöpfungsanteil auf rund 18 Prozent. Durch die starke Verflechtung des Tourismus mit anderen Wirtschaftssektoren (insbesondere Gewerbe, Bau und Handel) wirkt sich ein Nachfrageausfall in diesem Wirtschaftssektor auch auf viele weitere Branchen aus. Im Gegensatz zur Wirtschafts- und Finanzkrise in den Jahren 2008 bis 2010 handelt es sich diesmal um eine ausgeprägte Krise des Dienstleistungssektors – auch wenn der produzierende Bereich durch die Unterbrechung internationaler Lieferketten ebenfalls stark betroffen ist. Anhand des regionalwirtschaftlichen Simulationsmodells TiRemo haben die Wirtschaftskammer Tirol und die Gesellschaft für Angewandte Wirtschaftsforschung (GAW) drei mögliche Szenarien berechnet, wie sich der durch die Corona-Pandemie verursachte Nachfrageausfall im Tourismus auf die Gesamtwirtschaft Tirols in den kommenden drei Saisonen auswirken könnte. Das optimistischste Szenario ist dabei derart optimistisch, dass wir es an dieser Stelle gedanklich wohl als unrealistisch streichen können. Das mittlere Szenario geht davon aus, dass Tirol die österreichischen Gäste beginnend mit Juli 2020 bis zum Ende der Sommersaison 2021 wieder zu 100 Prozent begrüßen kann. Die Nächtigungen deutscher Gäste ziehen schrittweise an und pendeln sich im Zeitraum Juli 2020 bis Oktober 2020 auf 50 Prozent ein. Für die Wintersaison 2020/2021 wird angenommen, dass das Niveau der Übernachtungen deutscher Gäste weiter auf 80 Prozent und in der Sommersaison 2021 auf 90 Prozent ansteigt. Alle übrigen Märkte erholen sich schrittweise. In diesem Fall ergibt sich für das Kalenderjahr 2020 ein Verlust von 3,6 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung in Tirol, insgesamt gehen durch den Nachfrageausfall unmittelbar im Jahr 2020 rund 31.600 Arbeitsplätze verloren. Die Einbußen in der Wintersaison 2020/2021 belaufen sich immer noch auf rund 1,9 Milliarden Euro und in der Sommersaison 2021 auf 596 Millionen Euro. Das pessimistischste Szenario geht von weniger Gästen heuer und zusätzlich davon aus, dass auch die Sommersaison 2021 noch massiv betroffen sein wird. Demnach ergäbe sich für 2020 ein Verlust von 4,8 Milliarden Euro an Bruttowertschöpfung, allein der Sektor „Beherbergung und Gastronomie“ verlöre fast zwei Milliarden Euro an Wertschöpfung, der Handel 593 Millionen und die Verkehrswirtschaft rund 478 Millionen Euro. Die Einbußen für die Wintersaison 2020/21 werden aufgrund der anhaltenden Schwäche der Tourismusnachfrage auf rund vier Milliarden Euro und im Sommer 2021 auf 1,65 Milliarden beziffert. Arbeitsplatzverlust: 42.500, Steuer- und Sozialversicherungsausfall: 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2020. Selbst am „mittleren Szenario“ werden wir wohl noch eine Weile zu knabbern haben, mögen wir am pessimistischen vorbeischrammen.

„DIE GLOBALISIERUNG DER WIRTSCHAF T I S T E I N E TAT S A C H E . A B E R I C H F Ü R C H T E , D A S S W I R I H R E A N FÄ L L I G K E I T U N T E R S C H ÄT Z T H A B E N .“ KOFI ANNAN


© JULIA TÜRTSCHER

eco.wirtschaft

eco.mmentar

Marina Bernardi, Chefredaktion

UNTERNEHMEN DER AUSGABE Die Coronakrise hat Österreichs Wirtschaft stark in Mitleidenschaft gezogen. Dennoch konnte der Gartengerätehersteller STIHL Tirol mit Sitz in Langkampfen in den vergangenen Wochen und Monaten alle Mitarbeiter weiterbeschäftigen, ohne auf Kurzarbeit umzustellen. Auch die Teileversorgung selbst aus Zulieferregionen wie Asien und Norditalien konnte überwiegend gewährleistet werden. Geholfen hat hier mit Sicherheit das erfolgreiche Jahr 2019, in dem der Umsatz um 18 Prozent auf über 456 Millionen Euro gesteigert werden konnte. Das Schöne daran: Man weiß um den Wert seiner Mitarbeiter. So wurde der Belegschaft für das erfolgreiche vergangene Jahr eine freiwillige Erfolgsprämie von durchschnittlich 1.000 Euro ausbezahlt. Bravo!

RESILIENZ IN DER KRISE Die Krisenresilienz von Unternehmen hängt sehr stark von ihrer Eigenkapitalquote und ihrer Umsatzrentabilität ab. Je höher beides ist, desto leichter können Unternehmen schwierige Situationen bewältigen. Laut Berechnungen der KMU-Forschung Austria galten vor Ausbruch der Krise rund 14 Prozent der 6.300 Tiroler Beherbergungsbetriebe als „überschuldete Unternehmen in der Verlustzone“, weitere 19 Prozent als Unternehmen mit „klarem Verbesserungsbedarf in der Finanzierungs- und Ertragssituation“. Sollte es tatsächlich zum pessimistischen Szenario von nebenan kommen, wären rund 32 Prozent der Beherbergungsbetriebe akut gefährdet. Noch angespannter ist die Lage bei den 3.500 Tiroler Gastronomiebetrieben: Rund 38 Prozent hatten bereits vor der Coronakrise eine Eigenkapitalquote von unter 15 Prozent und eine Umsatzrentabilität von unter fünf Prozent. 17 Prozent waren schon vor der Krise in der Verlustzone und überschuldet. Relativ hoch ist der Anteil von Unternehmen mit guter Krisenresilienz demgegenüber in den Wirtschaftssektoren „Bau“ und „Herstellung von Waren“ und vor allem im Bereich „Verkehr und Lagerei“. Im Handel verfügen 27 Prozent der Unternehmen über eine ausreichende Krisenresilienz; 31 Prozent hingegen kämpften bereits vor Corona mit einer ausgeprägten Schwäche im Finanzierungs- und Ertragsbereich. Es bleibt herausfordernd.

Wenn Dabeisein alles ist Ich mag Menschen, die sich engagieren. Wenn sie es aus der richtigen Motivation heraus tun. Es ist erstaunlich, wie schnell sich Menschen formieren, wenn es darum geht, gegen oder für etwas zu demonstrieren oder zu protestieren. Die #metoo-Kampagne hat ebenso hohe Wellen geschlagen wie die Fridays-for-Future-Bewegung oder kürzlich „Black lives matter“. Ich finde es wichtig und richtig, sich für seine Überzeugungen einzusetzen, Missstände aufzuzeigen und gegebenenfalls den Finger in die Wunden zu legen und Spiegel vorzuhalten. Es ist notwendig, sich gegen Ungerechtigkeit aufzulehnen und Minderheiten zu stärken. Recht muss Recht bleiben und für alle in gleichem Maße gelten. Und Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, wenn nicht das höchste überhaupt. Dennoch hinterlassen bei mir so manche Demo­ züge einen fahlen Beigeschmack, weil sie vielfach nur emotionale Momentaufnahmen sind. Man demonstriert um des Demonstrierens willen, um dabei zu sein, um auf Social Media sein Engagement zu bekunden, das im eigenen Zuhause so schnell wieder verschwunden ist, wie es dereinst aufgepoppt kam. Kaum ist die Tür hinter einem zu, sind es Augen und Ohren auch. Was interessiert mich meine Demo von gestern, wenn es plötzlich wirklich darum geht, Partei zu ergreifen, für andere einzustehen oder sein eigenes Verhalten für die gute Sache zu ändern? Für das Klima zu demonstrieren und sich von den Eltern im SUV zur Schule fahren zu lassen, ist nix. „Weil mir die Schwarzen leid tun“ (tatsächlich so gehört), ist argumentativ auch irgendwie ... dings. Verstehen Sie mich nicht falsch: Sich im Kollektiv Gehör zu verschaffen ist gut, weil man gemeinsam lauter ist und zusammen weniger allein. Wenn es aber darum geht, wirklich etwas zu verändern, dann muss jeder zuerst bei sich selbst anfangen ... Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

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© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

[NEU]ANFANG Das Gute im Schlechten zu suchen, ist eine Art, mit Krisen zurechtzukommen. Die kurze Zwangspause hat uns gezeigt, wie fragil unser Wirtschaftssystem durch die Verzahnung ineinander und miteinander geworden ist. Der Trend hin zu mehr Resilienz hat sich noch nicht ausreichend wirkungsvoll manifestiert.

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m Zuge der Wiederaufnahme aller wirtschaftlichen Aktivitäten wird es dringend notwendig sein, nicht nur die globalen, sondern auch die lokalen Wertschöpfungsketten und ihre gegenseitigen Abhängigkeiten zu analysieren. Zeitgleich ist es unabdingbar, den Verwaltungsapparat und seine Abläufe neu zu justieren. Wie in jeder hierarchischen Organisation müssen die schlechten Nachrichten schnellstmöglich fließen können, um rasch reagieren zu können. Der Tsunami 2004 in Südostasien hätte bei dem heute existenten Frühwarnsystem weit weniger Todesopfer gefordert. Diese Sicherheit sollte uns etwas wert sein. Wie man inzwischen erahnen kann, sind kurzfristige, lokal begrenzte Interventionen wirtschaftlich leichter zu bewältigen als eine großflächige Rezession.

VON ALEXANDER M. SCHMID

INNOVATION

Aus Schaden wird man klug, heißt es. Das stimmt aber nur, wenn man die Erfahrungen neutral analysiert, jegliches Fingerzeigen auf die Versäumnisse anderer unterbindet und konstruktiv mit den Erkenntnissen umgeht. Not macht erfinderisch. Diese Fähigkeiten und Fertigkeiten gilt es nun zu fordern und zu fördern. Wie sich in den ersten Tagen der Ausgehbeschränkungen gezeigt hat, können sich Menschen gut selbst organisieren und gegenseitig helfen. Sie können das auch sonst, wenn man sie lässt. Wir müssen in den Unternehmen mehr Innovation zulassen, anstatt sie auszubremsen.

INFRASTRUKTURNEUSTART

In einem so hoch entwickelten Land wie Österreich haben wir auf den unterschiedlichsten Ebenen so gut wie alle Möglichkeiten, uns die passenden Schutzmechanismen aufzubauen. Österreich ist eines der führenden Länder im Bereich E-Government. Es ist nur eine Frage des

Willens und der Priorität, diese Kompetenz auch für solche und andere Krisenfälle auf Landes- und Bundesebene auszubauen. Datenkommunikation ist wichtig. Bauen wir mehr Nahtstellen und lassen den Daten freien Lauf. Die Wertschöpfung beginnt bei der Infrastrukturvernetzung, geht über die Softwarehersteller bis hin zu den effizienter arbeitenden Institutionen. Als Kirsche auf dem Kuchen könnte man letztendlich sogar den Langzeitwunsch nach mehr Transparenz erfüllen.

LOKAL VS. GLOBAL

Anhand dieser Pandemie lässt sich ein Leitsatz wunderbar darstellen: Think global, act local. Global denken, lokal handeln. Die Zeiten von Entweder-oder sind vorbei. Es geht um ein Sowohlals-auch. Technisch sind wir bereits gut vernetzt, gesellschaftlich gibt es noch Aufholbedarf. Das gilt sowohl innerhalb Österreichs, innerhalb der Europäischen Union und erst recht im Kontext der Weltgemeinschaft. Das kleinstaatliche, nationalistische Denken ist an Kurzsichtigkeit nicht zu überbieten. Vielleicht ist hier die kleinteilige Wirtschaft Österreichs mit einem sehr großen Unterbau an vielen Klein- und Mittelbetrieben sogar ein Wettbewerbsvorteil im europäischen und internationalen Kontext. Die Hidden Champions und Exportweltmeister der österreichischen Wirtschaft beweisen das immer wieder aufs Neue. Woran es noch etwas mangelt, ist Kooperation, um gemeinsam bessere Angebote und Lösungen für Kunden zu schaffen und davon zu profitieren. Wenn im Silicon Valley sogar Apple und Google zusammenarbeiten, um die Basistechnologie für Pandemie-Contact-Tracing-Apps zu liefern, sollte das doch auch im Tiroler Kontext machbar sein, oder? 

ZUR PERSON Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unter­­nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at


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GLOBALISIERUNG IM KRIECHGANG Die wirtschaftliche Globalisierung ist eine Erfolgsgeschichte, die vor allem der westlichen Welt historischen Wohlstand gebracht, aber auch ihre Schattenseiten hat. Ihren Zenit hat die Globalisierung bereits vor der Krise überschritten. Autarkiebestrebungen sind im gesamteuropäischen Kontext sinnvoll, in der Regionalisierung sollte über den eigenen Kirchturm hinausgedacht und von einer Fetischisierung des Konzepts Abstand genommen werden. TEXT: MARIAN KRÖLL


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ährend des Lockdowns wurde für das Gesundheitspersonal geklatscht, einsam gemeinsam Musik gemacht und auch das Hohelied der Regionalität in bisher nicht gekannter Lautstärke angestimmt. Einhellig wurden und werden die Konsumenten – also wir alle – beschworen, regional zu kaufen. Bislang hat zwar noch niemand „Kauft nicht von Chinesen“ an die Wände geschmiert, aber selbst das wäre mittlerweile nicht mehr ganz auszuschließen, in der ganzen Seltsamkeit einer zu viel zitierten neuen Normalität. Immerhin wurde auch noch nicht gefordert, die gesellschaftliche Arbeitsteilung wieder aufzuheben, die auf der Grundannahme fußt, dass, wenn man einmal eine Aufgabe gewohnheitsmäßig übernommen hat, man bei deren Ausführung kaum mehr Fehler macht. Das hebt naturgemäß die Produktivität der Arbeit und ist ein Grundstein unseres kollektiven Wohlstands, der wahrscheinlich nicht gerecht verteilt, aber dennoch beträchtlich ist.

„SLOBALISIERUNG“ VOR DER KRISE

Im Regionalisierungs- bzw. Re-Regionalisierungstaumel hat die Globalisierung dieser Tage einen schweren Stand, steht sie doch im zweifelhaften Ruf, die Verbreitung von SARS-CoV-2 erstens überhaupt erst ermöglicht und zweitens rasant beschleunigt zu haben, bis hin zum Worst Case namens Pandemie. Doch die wirtschaftliche Globalisierung hat historisch betrachtet auch noch anderes am Kerbholz. So hat sie binnen Jahrzehnten die Verbreitung von Wohlstand und wohl auch Frieden rasant beschleunigt, global betrachtet zwar grob unterschiedlich verteilt, aber dennoch. Außerdem hat sie dafür gesorgt, dass trotz einer rasch zunehmenden Weltpopulation immer weniger Menschen hungern müssen. Ein überaus positiver Umstand, der von Globalisierungskritikern geflissentlich ignoriert und der sich angesichts dieser Wirtschaftskrise wieder umkehren wird. Der Welthunger – was für ein Wort – wird wieder zunehmen. Der vermeintlich bösen wirtschaftlichen Globalisierung werden nun die Regionalisierung oder vielmehr die Re-Regionalisierung im Kleinen und die Re-Nationalisierung im Größeren als Antithese entgegengehalten. Die Wahrscheinlichkeit, dass die wirtschaftliche Globalisierung in eine nachhaltige Krise gerät, analysiert Wirtschaftswissenschaftler Jürgen Huber von der Universität Innsbruck derart: „Tatsächlich wich die Globalisierung, die von 1990 bis 2015 die Weltwirtschaft geprägt hat, schon die letzten paar Jahre einer ‚Slobalisierung‘, das heißt, sie hat sich merklich abgebremst.

Dies lag daran, dass die drei wesentlichen Triebkräfte der Globalisierung an Kraft verloren, nämlich die globalen Lohnunterschiede, die Verringerung der Informations- und Transportkosten und die Senkung von Zöllen.“ Und der Wissenschaftler führt weiter aus: „Im Zuge der Globalisierung nutzten Konzerne die enormen Lohnunterschiede zwischen dem reichen Westen und vor allem Asien. So sind die Löhne in Thailand etwa nur rund ein Zehntel der österreichischen; jene in China waren lange Zeit noch einmal deutlich niedriger. Durch den ‚Erfolg‘ der Globalisierung, die Verlagerung sehr vieler Produktionsstätten nach Asien, stiegen dort aber die Löhne deutlich an, so dass heute die Lohnniveaus – dividiert durch die Produktion pro Arbeiter – sich zwischen den USA, Europa, Mexiko und China nur noch um 10 bis 15 Prozent unterscheiden. Bei derart geringen Unterschieden spielen Faktoren wie die räumliche Nähe zum Kunden nun wieder eine zunehmende Rolle.“ Bezüglich der Transportkosten ergänzt Huber: „Die Transportkosten zu Luft, Wasser und Land sind über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich und deutlich gesunken – so kostet Luftfracht heute weniger als ein Zehntel dessen, was sie 1960 kostete. Hauptgrund dafür sind neben effizienteren Transportmitteln auch die zu billigen fossilen Treibstoffe. Wären Rohöl und die daraus gewonnenen Produkte deutlich teurer, so würde es sich nicht mehr lohnen, so viele Güter rund um die Welt zu schicken.“ Doch nicht nur der physische Transport, sondern auch die Informationsübermittlung sei bedeutend billiger geworden: „War es 1970 noch mühsam und teuer, die Preise von Kaffeebohnen aus Ecuador, Ghana und Indonesien zu vergleichen, geht das nun mit Internet und E-Mail schnell und faktisch kostenlos. Auch dies hat die Welt miteinander verbunden und entscheidend zur Globalisierung beigetragen. In beiden Bereichen wurde aber nun ein Plateau erreicht, wo kaum noch weitere Senkungen und damit Impulse für die Globalisierung möglich sind.“ Im Hinblick auf die Zölle, eine weitere wesentliche Triebfeder der Globalisierung, sagt Jürgen Huber: „Durch die Welthandelsorganisation WTO wurden die Zölle über die letzten Jahrzehnte von durchschnittlich rund 40 Prozent auf nur noch rund drei Prozent des Warenwerts gesenkt. Dies hat naturgemäß den Handel befeuert. Auch hier waren weitere

DIE S E K RIS E K A NN EINE GEL EGENHEI T S EIN, GE W IS S E EN T W IC K L UNGEN ZU KORRIGIEREN. S O KÖNN T E IN DIE S EM ZU S A MMENH A NG DIE F R AGE GE S T EL LT W ERDEN, OB EINE ZUNEHMEND AUF DIENS T L EIS T UNGEN AUF GEB AU T E W IR T S C H A F T RE S IL IEN T GENUG IS T, DEN A L L GEMEINEN WOHL S TA ND AUC H IN S T ÜRMIS C HEN ZEI T EN ZU ERH A LT EN UND AU S ZUB AUEN.

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18 Senkungen – unter drei Prozent – kaum noch möglich. Und dann kam 2016 Trump, der mit seinem ‚America First‘ seit 2018 einen aggressiven Handelskrieg gegen China, aber auch gegen die EU führt, in dem höhere Zölle seine bevorzugte Waffe sind.“

ZENIT ÜBERSCHRITTEN

Ihren Zenit scheint die wirtschaftliche Globalisierung trotz ihrer Verdienste also auch vor dieser Krise bereits überschritten zu haben. „Die Globalisierung trat schon seit ein paar Jahren auf der Stelle oder wurde sogar etwas reduziert. Die Coronakrise hat nun jedem vor Augen geführt, wie essenziell es ist, bei lebensnotwendigen Gütern wie Schutzkleidung, Masken und Medikamente nicht auf andere Kontinente angewiesen zu sein – weil wir eben diese Güter auch einmal selbst brauchen könnten oder eine Lieferung aus anderen Gründen nicht möglich ist“, hält Huber fest, der aber auch die aus diesem Befund resultierenden positiven Aspekte und die europäische Perspektive betont: „Wir sollten das aber weniger als Bedrohung denn als große Chance für Europa sehen. Während ein Land wie Österreich zu klein ist, um alle wesentlichen Güter selbst zu produzieren, ist dies für einen großen Wirtschaftsraum wie die EU durchaus annähernd denkbar.“ Mit Protektionismus habe diese Vorstellung jedoch nichts zu tun, schickt Huber nach: „Ich will damit nicht einem dummen Protektionismus das Wort reden, sondern einfordern, dass wir die Anfälligkeit unserer Lieferketten erkennen und uns bei essenziellen und lebensnotwendigen Gütern die Kapazitäten erhalten, diese selbst herzustellen. Wenn man dann wie

vor wenigen Wochen hört, dass der letzte Hersteller von Penicillin in Europa, Sandoz in Kundl, die Produktion nach China verlagern will, kann man nur den Kopf schütteln. Österreich und Europa sollten diese Krise als Chance und Weckruf begreifen, sich ihrer Stärken zu besinnen und diese zu erhalten – indem in Forschung und Entwicklung sowie in Produktionskapazitäten in Europa investiert wird.“ Es bleibt abzuwarten, was von der Ankündigungspolitik in dieser Richtung übrigbleibt und ob die Aufgabe, die Produktion in manchen Bereichen zurückzuverlagern, als gesamteuropäisches Projekt oder aber – was aus heutiger Sicht wahrscheinlicher scheint – als nationalstaatliches Neben- und auch Gegeneinander begriffen wird.

AUTARKIE IM EUROPÄISCHEN WIRTSCHAFTSRAUM

Flirts mit dem Konzept der Autarkie, wie sie gerade in Krisenzeiten gerne angestellt werden, gibt der Wissenschaftler zumindest auf nationalstaatlicher Ebene eine wohlbegründete Abfuhr: „Autarkie, also die Selbstversorgung mit allen wesentlichen Gütern, ist für ein kleines Land wie Österreich nicht vorstellbar. Von Ananas über Großraumflugzeuge bis hin zu Metallen, die es bei uns einfach nicht gibt, ist es klar, dass Österreich einige Waren und Güter nicht herstellen kann oder soll, weil es extrem teuer wäre.“ Das ist völlig einleuchtend. Huber unterstreicht zugleich die Verdienste der Globalisierung: „Spezialisierung, Arbeitsteilung und Handel haben über die letzten Jahrhunderte die Welt um vieles reicher gemacht, weil durch diese Techniken die Ge-


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Jürgen Huber ist Professor für Finanzwissenschaft und seit 2010 Leiter des Instituts für Banken und Finanzen an der Universität Innsbruck.

„ Ö S T E R R E I C H U N D E U R O PA S O L LT E N D I E S E K R I S E A L S C H A N C E UND WECKRUF BEGREIFEN, SICH I H R E R S TÄ R K E N Z U B E S I N N E N U N D D I E S E Z U E R H A LT E N .“ J ÜR GEN HUB ER , UNI V ER S I TÄT INN S B R U C K

FEHLENTWICKLUNGEN BENENNEN

Die Globalisierung ist, was zu beweisen war, ein Wohlstandsmotor mit Rucklern und Aussetzern. Sie mit protektionistischen Methoden abzuwürgen, kann letztlich und gesamthaft betrachtet nicht im Interesse der Menschheit sein. Auf ihre Fehlentwicklungen hinzuweisen, dagegen sehr wohl. „Der weltweite Handel ist

WACHSTUMSSCHMERZEN

Immer wenn die Konjunktur aufgrund welcher Umstände auch immer einbricht, wird der Wachstumszwang in Frage gestellt und dessen Überwindung gefordert. Damit befasst sich unter anderem die sogenannte Postwachstumsökonomie, zu der auf Seite 36 auch der Ökologe und Politikwissenschaftler Andreas Exner Stellung genommen hat. In der bisweilen hitzigen Debatte um einen ökonomischen Paradigmenwechsel hört Jürgen Huber Befürworter und Gegner oft aneinander vorbeireden: „Versteht man unter Wachstum nur Mengenwachstum im Sinne eines ‚immer mehr‘, so ist daran in der Tat viel zu kritisieren. Versteht man Wachstum aber breiter als ‚besser‘, wird sich dagegen kaum jemand aussprechen.“ Huber illustriert den Sachverhalt anhand eines Beispiels: „Ersetzt man ein altes Kohlekraftwerk durch eine Photovoltaikanlage mit gleichem Stromoutput, so gibt es nicht mehr Strom, aber ‚besse-

IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764

samtproduktion um ein Vielfaches gesteigert werden kann.“ Das Streben nach Autarkie ist für Österreich nicht zielführend. Im gesamteuropäischen Kontext sieht die Gleichung aber ganz anders aus, wie Jürgen Huber ausführt: „Während Österreich zu klein ist, um wirtschaftlich autark zu sein, ist die EU ein so großer und diverser Wirtschaftsraum, dass sie in vielen Bereichen sehr wohl autark sein kann und dies auch Sinn macht. Je größer ein Wirtschaftsraum, desto kleiner ist üblicherweise der Prozentanteil seiner Wirtschaft, der im Außenhandel abläuft, weil eben vieles im Land hergestellt und verbraucht wird. Europa kann zwar massiv vom Handel mit anderen Ländern und Kontinenten profitieren, aber bei essenziellen Gütern kann und soll Europa durchaus weitgehend autark sein. Dies soll und muss jedoch nicht durch Protektionismus und ‚Europe First‘-Programme erreicht werden. Wenn wir in Europa ein dynamisches Wettbewerbsumfeld und attraktive Standortbedingungen sicherstellen können, werden Unternehmen gerne und erfolgreich hier agieren. Wenn dies aber nicht gegeben ist, werden Unternehmen immer wieder überlegen, ob eine Auslagerung der Produktion beispielsweise nach China nicht der bessere Weg ist.“

einer der Faktoren, der die Welt wohlhabend gemacht hat wie nie zuvor. Aber nicht alles an diesem globalisierten Handel ist zu befürworten. Der Verkauf von stark subventioniertem amerikanischem und europäischem Getreide und Fleisch in Afrika macht es für Bauern dort fast unmöglich, ihre eigenen Erzeugnisse zu verkaufen. Die Herstellung von Bergen extrem billiger Kleidung in Bangladesch unter völliger Missachtung von Umwelt- und Sozialstandards ermöglicht den Menschen dort kein menschenwürdiges Leben, zerstört aber durch die extrem niedrigen Preise die Textilindustrien in vielen anderen Ländern. Hier ist Globalisierung zu weit gegangen und ein Aufruf, weniger, aber dafür von hoher Qualität und regional hergestellt zu kaufen, ist für mich nachvollziehbar und richtig“, sagt Huber, der es für widersinnig und ökologisch unverantwortlich hält, Güter – vor allem Lebensmittel – zu importieren, die vor Ort in gleicher oder besserer Qualität, wenn auch zu geringfügig höheren Preisen erzeugt werden können.

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20 ren‘, nämlich nachhaltigen Strom, der die Umwelt nicht verpestet. Wachstum richtig verstanden ist nötig. Das heißt konkret, dass es für reiche Länder wie Österreich um ein Wachstum an Qualität, nicht Quantität geht. Dieses Wachstum, die technologische Weiterentwicklung, befürworte ich nachdrücklich und halte sie für nötig.“ Allerdings wurde und werde Wachstum seit Beginn der Industrialisierung oft rein quantitativ betrachtet, insbesondere in sich entwickelnden Ländern sei Mengenwachstum nach wie vor meist das Hauptziel, sagt Huber. Diese Form des Wachstums greife jedoch zu kurz und sei gefährlich, da die Menschheit dadurch die Naturressourcen über Gebühr beanspruche und damit auf Dauer ihren Wohlstand, wenn nicht gar ihre Existenz gefährde, mahnt der Wissenschaftler eindringlich. Jedenfalls ist der Wachstumsimperativ höchst umstritten, und zwar nicht nur in Bezug auf dessen etwaige Überwindung, sondern dessen bloße Existenz. Ein breiterer und vielfältigerer Diskurs unter Teilhabe aller gesellschaftlichen Kräfte darüber, welcher Art das Wirtschaftswachstum denn in Zukunft sein sollte, scheint jedenfalls erstrebenswert.

DIE VERKLÄRUNG DER STAGNATION

Die Alternativen zum Wachstum, sowohl quantitativer als auch qualitativer Natur, erscheinen auf den ersten Blick verlockend. Wer an die Re-Regionalisierung denkt, hört möglicherweise Kuhglocken läuten, hat den Duft von Heu in der Nase und einen reichlich gedeckten Tisch voll regionaler Produkte aus der kleinstrukturierten Tiroler Landwirtschaft vor Augen. Doch der schöne Schein

trügt. Eine völlige Abkehr von der „industrialisierten“ Landwirtschaft zugunsten einer ökologischen Landwirtschaft würde wohl zwangsläufig zu einer Preisexplosion bei Lebensmitteln führen, da bei Letzterer der Ertrag bei gleicher Flächennutzung wesentlich geringer ausfällt. Re-Regionalisierung ist damit nicht nur ein Bauch- bzw. Gefühlsthema, sondern eines, das rational bearbeitet werden und dem ein Zahlenwerk zugrunde gelegt sein will. Der Schweizer Ökonom Mathias Binswanger hat sich kritisch zur Rolle des Freihandels in der Landwirtschaft geäußert. Dort gilt es neben der Kostenseite auch andere Faktoren zu berücksichtigen, nämlich multifunktionale Leistungen wie Versorgungssicherheit, Ökologie und nicht zuletzt der Erhalt der Kulturlandschaft. Letzterer ist besonders für das Tiroler Landschaftsbild von großem Wert und wird auch touristisch inszeniert und vermarktet. Binswanger spricht sich deshalb dafür aus, die Landwirtschaft nicht wie andere Güter zu behandeln, und weist auf einen entscheidenden Zielkonflikt hin: „Man kann nicht eine hochproduktive Landwirt-

„ A U TA R K I E , A L S O D I E S E L B S T VERSORGUNG MIT ALLEN WESENTLICHEN GÜTERN, IST FÜR EIN KLEINES L AND WIE Ö S T E R R E I C H N I C H T V O R S T E L L B A R .“ JÜRGEN HUBER


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schaft wollen, die gleichzeitig idyllisch, nachhaltig und tiergerecht ist.“ Aus Konsumentensicht geht es auch kaum zusammen, einerseits möglichst billige und andererseits möglichst ökologisch erzeugte Lebensmittel zu verlangen.

KRISE MACHT GELEGENHEIT

© rococoon / Hanno Mackowitz

Vieles spricht dafür, wieder mehr vor Ort zu produzieren, um im Krisenzustand unabhängiger und widerstandsfähiger zu sein. Dabei geht es aber nicht nur um die schönen Dinge, die für positive Gefühle und Publicity sorgen, wie glückliche Freilandhühner, zufriedene Almschweine und alte, fast vergessene Getreidesorten. Nein, es geht dabei wesentlich auch um Güter, deren Produktion in der Vergangenheit bewusst ausgelagert wurde, weil sie einer saturierten westlichen Gesellschaft zu schmutzig, zu arbeitsintensiv, zu wenig gewinnträchtig oder aber ethisch fragwürdig erschienen. Dazu zählen etwa Schwerindustrie, Photovoltaik und Gentechnik sowie pharmakologische Erzeugnisse. In der Elektronikindustrie und bei potenziell disruptiven IT-Entwicklungen ist Europa global betrachtet überhaupt nur noch ein unbedeutender Nischenplayer. In der alten Welt wird in der IT-Technologie allem Anschein nach statt auf die künstliche Intelligenz noch überwiegend auf die naturgegebene Borniertheit gesetzt. Diese Krise kann eine Gelegenheit sein, gewisse Entwicklungen zu korrigieren. So könnte in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden, ob eine zunehmend auf Dienstleistungen aufgebaute Wirtschaft resilient genug ist, den allgemeinen Wohlstand auch in stürmischen Zeiten zu erhalten – und auszubauen. Die Globalisierung ist, wie Jürgen Huber illustriert hat, bereits vor dieser Krise in eine Phase der Verlangsamung eingetreten. Der weltumspannende Wirtschaftsmotor

„ D I E G L O B A L I S I E R U N G T R AT S C H O N S E I T E I N PA A R J A H R E N A U F D E R S T E L L E O D E R W U R D E S O G A R E T WA S R E D U Z I E R T. D I E C O R O N A K R I S E H AT N U N J E D E M V O R A U G E N G E F Ü H R T, W I E E S S E N Z I E L L E S I S T, B E I LEBENSNOT WENDIGEN GÜTERN N I C H T A U F A N D E R E KO N T I N E N T E ANGE WIESEN ZU SEIN – WEIL WIR EBEN DIESE GÜTER AUCH EINMAL S E L B S T B R A U C H E N KÖ N N T E N O D E R EINE LIEFERUNG AUS ANDEREN G R Ü N D E N N I C H T M Ö G L I C H I S T.“ JÜRGEN HUBER

wird zwar auch Post-Corona wieder anlaufen, wenn wohl auch nicht mehr so hochtourig. Allzu offensiv sollte man als exportorientiertes Land die neue Lust an heimatlichen Produkten und am Inlandskonsum möglicherweise nicht nach außen tragen. Tun andere Länder dasselbe und konsumieren überwiegend Inlandsprodukte und -dienstleistungen, könnten noch mehr bittere Monate auf die Wirtschaft und im Besonderen den Fremdenverkehr zukommen als die jetzigen und der ZIMMER-FREI-Wimpel auf rot-weißem Grund sich in der neuen Normalität als Nationalflagge anbieten. Die Antwort auf eine mitunter exzessive Globalisierung kann schwerlich in der Kirchturmpolitik gipfeln, sondern in einem Mittelweg zwischen Globalismus und Regionalisierungspathos, der mit Augenmaß beschritten werden kann.

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„GRUNDBEDÜRFNISSE GEHÖREN NICHT GLOBALISIERT“ Der Agrarsoziologe Markus Schermer sieht in der Krise die Chance, die globalisierte Wirtschaft vom Kopf auf die Füße zu stellen und das Lebensnotwendige wieder in der Region zu produzieren. Eine unreflektierte Re-Regionalisierung betrachtet der Wissenschaftler dagegen als zweischneidiges Schwert und vermisst eine Globalisierung der sozialen Beziehungen. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Jede Krise, erzählt man sich, berge auch Chancen. Sehen Sie solche auch in der gegenwärtigen Situation? MARKUS SCHERMER: Krise kommt vom griechischen Wort krísis und bedeutet Entscheidung. Sie eröffnet prinzipiell die Möglichkeit zu einer gesellschaftlichen Neuorientierung, die den Notwendigkeiten entspricht. Vor der Coronakrise war der Klimawandel das große Thema. Wenn die Wirtschaft jetzt von der öffentlichen Hand finanziell gestützt wird, müsste mehr darauf geachtet werden, dass das in einer Art und Weise geschieht, die – ein etwas unglückliches Wort – zukunftsfit ist. Die Wirtschaft sollte als Mittel zum Zweck gesehen werden und nicht die Arbeitswelt als Zweck zum Wirtschaftswachstum. Der Satz „Geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ müsste umgekehrt werden. Geht es uns allen gut, dann geht es auch der Wirtschaft gut. Das sollte das Ziel sein.

Was kann diese Krise für die Globalisierung bedeuten? Sie könnte eine Neuorientierung sein, ich fürchte aber, dass wir in die alten Pfade zurückfallen. Man hat in den vergangenen Monaten deutlich gesehen, dass die Grundbedürfnisse eigentlich nicht globalisiert gehören. Erst in den 1980er-Jahren wurden Lebensmittel dem freien Welthandel unterworfen. Davor war man der Meinung, dass Lebensmittel regional produziert werden sollten und nicht den Marktkräften ausgeliefert werden dürften.

Und der eigene Bedarf im Sinne der Ernährungssicherheit gedeckt sein sollte. Genau. Aktuell sieht man, dass dieser Anspruch nicht nur auf Lebensmittel beschränkt ist, sondern auch auf andere lebensnotwendige Güter wie Medikamente, bei denen man zukünftig keine so weitreichende globale Abhängigkeit haben möchte.

Was ist der Sinn von Globalisierung? Der wirtschaftliche Sinn von Globalisierung ist es, komparative Kostenvorteile zu erzielen. Davon sollten aber manche Güter ausgenommen sein, die aus unterschiedlichen Gründen gebraucht werden. Ein Problem, das wir bei der derzeitigen Form der Globalisierung haben ist jenes, dass wir durch sie ständig soziale und ökologische Probleme auslagern. Das haben, wir bei den Erntehelfern und Pflegekräften gesehen. Unsere Wirtschaft funktioniert nicht länger ohne eine globalisierte Arbeitsmarktsituation.

Zumindest nicht ohne den europäischen Binnenarbeitsmarkt. Na ja, in Norditalien sind es überwiegend chinesische Arbeitskräfte, die in der Textilindustrie unter fragwürdigen Bedingungen arbeiten. Aber

natürlich sind es hauptsächlich Arbeitskräfte aus Osteuropa, die bei uns tätig sind. Wo gab es zuletzt in Deutschland eine Häufung von Coronafällen? In der Fleischindustrie, in der überwiegend solche Arbeitskräfte beschäftigt sind. Uns geht es vor allem darum, weitere Virusherde zu verhindern. Die grundsätzliche Lebenssituation dieser Menschen ist uns eigentlich egal. Upton Sinclair hat bereits 1906 mit „The Jungle“ ein Buch über die Zustände in der Fleischindustrie in Chicago geschrieben. Noch heute sind eins zu eins dieselben Ausbeutungsmechanismen im Gange wie damals. Wir haben nichts dazugelernt. Verbessert haben sich nur die hygienischen Zustände, aber nicht die Arbeitssituation. „Ich habe auf ihr Herz gezielt und nur ihren Bauch getroffen“, hat Sinclair damals resigniert festgestellt. Heute ist es nicht anders. Es geht uns nicht darum, wie es den Beschäftigten geht, sondern nur darum, dass es keine negativen Konsequenzen für uns gibt. Sie haben angesprochen, dass wir mittels Globalisierung Probleme auslagern würden. Globalisierungsbefürworter argumentieren, dass diese es Menschen erst

„ D E R S AT Z ‚ G E H T ’ S D E R W I R T S C H A F T G U T, G E H T ’ S U N S A L L E N G U T ‘ M Ü S S T E U M G E K E H R T W E R D E N .“ MARKUS SCHERMER

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„EIN PROBLEM, DAS WIR BEI DER DERZEITIGEN FORM DER GLOBALISIERUNG HABEN, IST JENES, DASS WIR DURCH S I E S TÄ N D I G S O Z I A L E U N D Ö KO L O G I S C H E P R O B L E M E A U S L A G E R N .“ MARKUS SCHERMER

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ermöglicht, aus bitterster Armut und Elend auszubrechen und sich – langsam, aber stetig – ein besseres Leben zu erarbeiten. Natürlich ist das auch ein Aspekt. Die Pflegekraft aus Moldawien braucht auch Geld. Im Prinzip müssen wir aber so weit kommen, Mindestlöhne und ökologische wie soziale Standards zu schaffen, die auch dort ein halbwegs gutes Leben ermöglichen. Wenn es eine WTO – eine World Trade Organization – gibt, sollte es doch eine WSO – eine World Social Organization – auch geben. Auf der globalen Bühne scheint das Primat der Ökonomie über dem der Politik zu stehen. Auf jeden Fall. Für mich ist das zentrale Problem, dass wir es mit einer reinen Wirtschaftsglobalisierung zu tun haben und nicht mit einer Globalisierung sozialer Beziehungen. Letztere halte ich für wichtiger, als nur Wirtschaftsbeziehungen zu unterhalten. Denn diese sind letztlich Ungleichheitsbeziehungen.

Verlassen wir die globale Ebene und schauen auf die Region. Es wurde viel und unkonkret von der Re-Regionalisierung geredet. Was darf man sich darunter vorstellen? Darunter verstehe ich, das Regionale neu zu bewerten bzw. stärker in Wert zu setzen. Das ist aber durchaus ein zweischneidiges Schwert. Es besteht nämlich die Gefahr eines „defensive localism oder regionalism“, einer rechten Ideologie, die alles von außerhalb abwertet und die ich nicht befürworten würde. Die Möglichkeit einer

gewissen Re-Regionalisierung sehe ich, zu einer Re-Agrarisierung, also dass es wieder mehr Bauern in Tirol gibt, wird es dagegen sicher nicht kommen.

Ein derart export- und tourismusfokussiertes Land wie Tirol wäre mit einer ausgeprägten Wagenburgmentalität*) wohl auch sehr schlecht beraten. Ja. Export macht für Spezialitäten durchaus Sinn, aber nicht für Grundnahrungsmittel. Nehmen wir mit der Milch ein Beispiel aus dem Lebensmittelbereich. Da produziert Österreich ungefähr 160 Prozent des Eigenbedarfs. 60 Prozent müssen wir also irgendwo loswerden. Es wäre klüger, wir schauen, dass wir nicht viel mehr produzieren, als den Eigenbedarf zu decken, und diese Milch überwiegend regional verarbeiten. Dafür brauchen wir aber vor Ort die notwendigen Anlagen. In den letzten Jahrzehnten gab es starke Konzentrationstendenzen, es haben viele Kleinsennereien zugesperrt.

* WORT DER AUSGABE: WAGENBURG MENTALITÄT Ein skeptisches, zurückhaltendes und/oder reserviertes Verhalten gegenüber Fremdem, Auswärtigem oder Zugewandertem. Auch gerne verwendet: Burgmentalität, Haus-Hof-Garten-Mentalität, My-home-is-my-castle-Mentalität oder einfach Abschottung.

Gab es nicht vor einigen Jahren eine Trendwende in dem Sinne, dass mehr neue Kleine entstanden sind als zugesperrt haben? Das stimmt. Aber die Krux ist die, dass es eine Schere gibt, die immer weiter auseinandergeht. Die Großen, die die Masse produzieren, werden immer größer und es gibt wieder mehr ganz Kleine, die sich spezialisieren. Die mittleren Unternehmen erodieren. Das ist aber nicht auf den Lebensmittelsektor beschränkt und weltweit beobachtbar. In der Tiroler Landwirtschaft sind die gleichen Prozesse zu beobachten wie etwa in den USA, nur die Größenordnung ist eine andere. Noch einmal zur Milch. Wie soll man mit dem Überangebot umgehen? Weniger produzieren? Dass große Mengen von Milch vertrocknen und als Milchpulver exportiert werden, wirkt sich stark auf den Weltmarkt aus, wo der Preis gemacht wird. Zwar wird weniger als zehn Prozent der Milch international gehandelt, die aber bestimmen wiederum den Weltmarktpreis. Wenn zum Beispiel die Neuseeländer billiges Milchpulver auf den Markt werfen, bekommt der kleine Bauer im Stubaital ein Problem. Diesen Mechanismus müsste man entschärfen. In der Milchproduktion kommt die Schwierigkeit dazu, dass es nicht möglich ist, die Produktionsmenge rasch zu verändern, also zu drosseln oder zu erhöhen. Kostenseitig sind aber generell die Arbeitskosten das Problem. Alle müssen schauen, möglichst arbeitsextensiv zu wirtschaften und – umgelegt auf unser Beispiel – mit einer Arbeitskraft so viele Kühe wie möglich zu betreuen.

Die technologischen Voraussetzungen dafür bestehen mittlerweile ja in hohem Ausmaß. Ja. Das ist aber nichts anderes als eine Verlagerung von Arbeit in Kapital. Ganz grundlegend steckt eine gewisse Ideologie im Erfolgsmaßstab dahinter. Als Rinderzüchter reüssiere ich, wenn ich eine Kuh mit möglichst hoher Milchleistung züchte. Damit steigt auch die soziale Anerkennung. Es geht nicht nur um den Rechenstift, sondern auch um das soziale Prestige. Die Menschen denken ja nicht nur wirtschaftlich. Es geht um die Anerkennung in den eigenen Kreisen. Wenn ich als Direktvermarkter diese unmittelbar von den Konsumenten bekomme, rückt das Produkt in den Vordergrund. So kann man mit weniger Milch, dafür in veredelter Form als Käse, etwa die gleiche Wertschöpfung erzielen wie jemand, der wesentlich mehr Milch produziert, diese aber anonym vermarktet.


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Liegt der Schlüssel zur höheren Wertschöpfung in der Direktvermarktung? Es gibt die Betriebe, die auf Wachstum setzen und immer größer werden. Für die geht sich das aus, selbst wenn am Ende nur noch die EU-Förderung als Profit übrigbleibt. Manche dieser Großbetriebe sind gewissermaßen „too big to fail“. Darum wird man auch die EU-Förderungen in der Landwirtschaft kaum so umstellen können, dass die ganz großen Produzenten nichts mehr bekommen. Die sind zu wichtig für einen Teil des Systems, genauso wie der kleine Produzent wichtig für die lokale Versorgung und die Erhaltung der Strukturen ist. Der traditionelle Familienbetrieb mit seinen 20 bis 30 Kühen hat die größten Probleme. Wir sehen auch hier, dass die Schere auseinandergeht. Man darf nicht nur die großen Produzenten und die Direktvermarkter sehen, sondern auch die Systeme dazwischen, die es zu erhalten gilt. In Tirol fällt mir dazu etwa als positives Beispiel „Bio vom Berg“ ein, im Zuge dessen sich eine Supermarktkette mit einer gewissen Regionalitätsvorstellung und eine genossenschaftlich organisierte Gruppe von Bauern zusammengetan haben. Das ist für mich eine Stufe zwischen dem Bauernmarkt und der Variante, einfach die Milchkannen vor die Tür zu stellen und zu sagen „Macht damit, was ihr wollt“. Solch kleine Genossenschaften können dafür sorgen, dass abseits von Produktion und Vermarktung ein vitales ländliches Gefüge entsteht, in dem die Leute zusammenarbeiten. Das wertet den ländlichen Raum auf. Ist die Genossenschaft, wie sie vor allem in Südtirol weit verbreitet ist, ein Modell, das dazu beitragen kann, die heimische Produktion stärker in Wert zu setzen? In Südtirol und im Trentino gibt es eine starke genossenschaftliche Tradition. Dort gibt es nicht nur Wirtschaftsgenossenschaften, sondern auch Bürger- und Sozialgenossenschaften. Bei uns gibt es Letztere nicht. Ich glaube aber schon, dass Genossenschaften eine wichtige Rolle spielen können. Es braucht in Zukunft sicher verstärkt Kooperationsformen.

Es gab in den vergangenen Wochen verstärkt Appelle, lokal zu kaufen, und es wurde dem Heimischen zumindest rhetorisch eine neue Wertschätzung zuteil. Glauben Sie, dass sich diese in Wertschöpfung übersetzen lässt? Ich glaube, dass soziale Systeme nie exakt zurück auf den Ausgangspunkt kommen. Der Mensch verändert sich und lernt. Ich glaube aber auch nicht, dass die Welt eine völlig andere sein wird, sich aber doch manches ändern wird. Ich glaube, dass der Absatz über Onlinekanäle eine Form der Re-Regionalisierung sein kann. Die Bauernkiste hatte Lieferschwierigkeiten und konnte zeitweise keine neuen Kunden mehr aufnehmen. Manche haben sich auch im Garteln versucht. Vielleicht steigt so die Wertschätzung für selbst produzierte Lebensmittel. Das alles geschieht aber im Kleinen. Im Großen geht es eher weiter wie bisher. Halten Sie Protektionismus für ein geeignetes Mittel? Nein. Ich halte Global Governance für einen besseren Ansatz, ergänzt um ein lokales Bekenntnis zu den Bereichen, die erhalten und gefördert werden sollen. Wenn ich möchte, dass Grundbedürfnisse regional gestillt werden sollen, ist Kostenwahrheit anzustreben. Es ließen sich regionale Produkte auch steuerlich anders bewerten, etwa über unterschiedliche Mehrwertsteuersätze. Einen anderen Zugang hatte man lange Zeit in Vorarlberg gewählt. Dort wurden die Sozialversicherungskosten des Alppersonals von der öffentlichen Hand getragen. So konnten vermehrt Senner angestellt werden. Das ist eine sehr zielgerichtete Maßnahme, neben dem breit gefächerten – aber nicht immer treffsicheren – bestehenden Förderungssystem. Es könnte dazu übergegangen werden, verstärkt Arbeitskraft und nicht überwiegend Fläche zu subventionieren. Im gesamten Wirtschaftssystem muss ständig Arbeitskraft durch Kapital ersetzt werden, weil das wirtschaftlicher ist. Das verhindert in der Region die Entstehung von Kleinbetrieben, die arbeitsintensiver sind. Will man einen Bäcker und einen Metzger in der Ge-

gend haben, muss geschaut werden, dass eben nicht große Fleischfabriken gefördert werden, die ihre ausländischen Arbeitskräfte ausbeuten. Damit das handwerklich in kleineren Strukturen funktionieren kann, müssen andere Relationen zwischen den Produktionsfaktoren hergestellt werden, als es sie bisher gibt.

Österreicher geben weniger Geld für Lebensmittel aus als im EU-Durchschnitt. Durch die Krise dürfte die Preissensibilität noch zunehmen. Steht das der Erhöhung regionaler Wertschöpfung entgegen? Ich glaube wieder, dass sich das auseinanderentwickelt. Es gibt eine Schicht, die ökonomisch extrem unter dieser Krise leiden wird und darauf bedacht ist, möglichst billig zu Lebensmitteln zu kommen. Bei jenen, die ökonomisch nicht so stark betroffen sind, dürfte die Wertschätzung für das Regionale gestiegen sein. Preisvergleiche werden generell im Supermarkt eher angestellt als am Bauernmarkt. Es liegt an unterschiedlichen, meist historisch bedingten Faktoren, dass in Italien und Frankreich mehr Geld für Lebensmittel ausgegeben wird. In Italien hat etwa der Supermarkt aus raumordnerischen Gründen, welche die Kleinen geschützt haben, nie diese Rolle gespielt wie in Österreich oder Deutschland. Bei uns ist das amerikanische Modell mit großen Einkaufszentren auf der grünen Wiese angewandt worden.

Die Gemengelage rund um die Re-Regionalisierung ist also sehr vielfältig. Durchaus, man darf sich diesem Thema also nicht nur aus agrarpolitischer Sichtweise nähern. Es berührt ordnungspolitische, fiskalpolitische und raumordnungspolitische Maßnahmen. Gerade in dieser Krise könnten wir einen besseren Blick auf das große Ganze bekommen. Natürlich muss zunächst Geld in den Wirtschaftskreislauf gepumpt werden, aber es geht dahinter um Strukturveränderungen in allen Bereichen. Es besteht aber die Gefahr, dass die großen Player sich ihre Interessen sichern und alles großteils so weiterläuft wie bisher.


UNIQA TIROL

SPÜRBAR MIT ALLEN SINNEN Vom 2. bis 10. Oktober findet auch heuer das International Nature Festival statt – ein Festival der bewegten und bewegenden Bilder, der Begegnungen und Momente, digital und real, natürlich und echt. Erstmals wird im Zuge dessen auch der UNIQA INF Nachhaltigkeitspreis ausgeschrieben.

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as International Nature Festival hat sich über die Jahre zu einem herausragenden Filmfestival entwickelt, dessen Beiträge die Themen Natur und Umwelt in den Mittelpunkt rücken und das Kulturprogramm der Tiroler Landeshauptstadt auf vielfältige Weise bereichern. Gestaltet wird das Festival als internationaler Filmwettbewerb, der mittlerweile eine breite internationale Community erreicht. Heuer sind bereits zum 19. Mal Filme aus aller Welt zu sehen – Dokumentar- und Kurzfilme, als Fiction oder Realität. Natur auf Zelluloid gebannt.

AUSGEZEICHNET NACHHALTIG

Dem Bereich Natur und Umwelt ist auch der UNIQA INF Nachhaltigkeitspreis zugeordnet, der heuer im Zuge des Festivals erstmals vergeben wird. Belohnt wird damit ein besonderes Werk, eine besondere Initiative, Aktion oder Veranstaltung oder auch ein besonderes Engagement. Alles, was eiFOTOS: © LANZANASTO, ANDREAS FRIEDLE

„ N A C HH A LT I G K E I T I S T B E I U NI Q A IN A L L E N U N T E R NE HME N S B E R E I C HE N F E S T V E R A NK E R T – V O N D E R U N T E R NE HME N S F Ü HR U N G Ü B E R D IE V E R S I C HE R U N G S P R O D U K T E B I S HIN Z U U N S E R E M S O Z I A L E N E N G A G E ME N T.“ MANFRED MIGLAR, UNIQA-LANDESDIREKTOR TIROL

nen wertvollen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Gesellschaft leistet, kann eingereicht werden. Das Themenumfeld ist weitreichend: Naturschutz, Umweltschutz, bewusster Umgang mit Ressourcen, erneuerbare Energien, Klimawandel, Nachhaltigkeit, Fairer Handel, Bioprodukte, Regionalität und Saisonalität. Das schafft viel Raum für Fantasie und Kreativität. Schulklassen, Einzelpersonen, Arbeitsgemeinschaften, Künstler, Firmen, Vereine, Projektgruppen, Bildungsinstitute und viele mehr – alle sind zum Mitmachen aufgerufen! Er-

laubt ist, was gefällt. Die Ausschreibung erfolgt international, die Einreichfrist endet am 20. September 2020. Die Preisübergabe findet am 9. Oktober 2020 im Rahmen der FILM Awards des Innsbruck Nature Film Festivals statt. Eine Vorjury sucht die vielversprechendsten Einreichungen aus, eine unabhängige Jury – ausgewählt vom Verein Nature Festival – bestimmt aus diesen Vorschlägen den Sieger. Der Preis ist mit 3.000 Euro dotiert. Infos zur Einreichung und Anmeldung finden Sie unter www.naturefestival.eu


eco.wirtschaft

KOMM ZURÜCK! Im Zuge der Coronakrise ist das Thema der Reindustrialisierung wieder aufgepoppt. Man hat festgestellt: Eine Dienstleistungsgesellschaft allein bringt uns auch nicht weit(er). Europa muss gerade in Schlüsselindustrien eine neue Unabhängigkeit vor allem von China erreichen. Neu ist der Gedanke nicht. INTERVIEW: MARINA BERNARDI & MARIAN KRÖLL

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ie Abhängigkeit Europas von Ländern wie China ist kein unbedingt neues Phänomen. Viel technologisches Know-how ist aus Europa abgewandert, weil es andernorts auf fruchtbareren Boden fiel (zugegeben manchmal auch auf einen fragwürdig reglementierten), auch Produktionsstandorte wurden in Länder mit niedrigeren Löhnen verlegt. Das ist betriebswirtschaftlich erst mal legitim, es sorgt jedoch für Abhängigkeiten. Wenn wichtige Waren, die man selbst nicht oder nicht in ausreichender Menge produzieren kann, aus welchen Gründen auch immer nicht mehr geliefert werden (können), steht man vor einem Problem. Das hat uns das tückische Covid-19 ziemlich drastisch vor Augen geführt. Einen Abgesang auf die Globalisierung anzustimmen, wäre jedoch der verkehrte Weg. Die Weltwirtschaft braucht einander, der Erfolg des einen basiert auf dem Erfolg des anderen und bedingt jenen des nächsten. So genannte Schlüsselindustrien wieder zurück nach Europa oder in noch engerem Rahmen nach Österreich zurückzuholen, macht indes Sinn. Wir haben bei Eugen Stark, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Tirol, nachgefragt, in welchen

Bereichen eine Reindustrialisierung möglich ist und warum auch Tiroler Unternehmen den Außenhandel dringend brauchen.

ECO.NOVA: Wie realistisch erscheint Ihnen aus derzeitiger Sicht eine weiterreichende Reindustrialisierung in Europa/ Österreich/Tirol? EUGEN STARK: Die weltweite Arbeitsteilung und Vernetzung der Industrie sind wesentliche Grundlagen unseres Wohlstandes und sie treiben die technologische und wirtschaftliche Entwicklung. Nur im weltweiten Zusammenspiel vieler Spezialisten entstehen hochtechnologische Produkte. Die Arbeitsteilung ist zudem auch eine Möglichkeit für Schwellen- und Entwicklungsländer, sich zu entwickeln. Globalisierung ist also per se in Ordnung. Wenn wir von der Reindustrialisierung Europas sprechen, geht es vor allem um Schlüsseltechnologien, bei denen die Abhängigkeit

von anderen Teilen der Erde unsere Wirtschaft verletzbar macht bzw. wo die Gefahr besteht, dass wir auf Zukunftsindustrien verzichten. Machbar ist eine Reindustrialisierung nur durch große Anstrengungen in Forschung und Entwicklung und durch Ausgleichsmaßnahmen gegen wettbewerbsverzerrende Subventionen und niedrigere Umwelt- und Sozialstandards.

Es wird derzeit viel von Schlüsselindustrien gesprochen. Von welchen Industrien sprechen wir in diesem Zusammenhang? In der Produktion sind es sicher Unternehmen im Gesundheitsbereich wie Pharma und Medizintechnik. Nicht zu vergessen sind sämtliche datengetriebenen Branchen, die von US-Unternehmen wie Google, Apple oder Facebook beherrscht werden und die es in Europa kaum gibt. Daten sind derzeit die wichtigsten Rohstoffe und die liefern wir

„ E N T S C H E I D E N D I S T E I N I N N O VAT I O N S FREUNDLICHES KLIMA,IN DEM SICH L E I S T U N G A U S Z A H LT.“ E U GEN S TA RK


eco.wirtschaft

aktuell freiwillig und unbezahlt in die USA. In Zukunft wird es auch vermehrt Umwelttechnologie sein. So kommen etwa Solaranlagen heute zum größten Teil aus China. In diesen Bereichen brauchen wir in Europa mehr Eigenständigkeit. Autarkie wird wohl eher eine Illusion bleiben und ist auch nicht anzustreben.

Besteht die Gefahr, dass die Globalisierung, die in den vergangenen Jahrzehnten ein Wohlstandsmotor gewesen ist, aus nationalistischen und protektionistischen Motiven zurückgefahren wird? Protektionismus ist immer schlecht. Anzustreben ist ein fairer, internationaler Wettbewerb, den wir unbedingt brauchen. Am Weg dazu kann es schon zu Verwerfungen kommen, die für fairere Regeln in Kauf zu nehmen wären. Die Tiroler Industrie, die bis zu 90 Prozent ihrer Produkte exportiert, benötigt aber auf jeden Fall einen möglichst freien Zugang zum weltweiten Markt.

Braucht es, um überhaupt rentabel im industriellen Maßstab arbeiten zu können, einen globalen Marktzugang? Könnte ein einziger Tiroler Industriebetrieb nur auf Basis der Binnennachfrage überleben? Nur ganz wenige Produktionsbetriebe – vielleicht aus der Nahrungsmittelindustrie – könnten ohne Export überleben. Alle anderen Unternehmen brauchen größere Märkte. Allein auf die Binnennachfrage zu setzen, geht vielleicht in den USA, aber sicher nicht im kleinen Österreich.

In welchen Sektoren gibt es in Tirol noch industrielles Wachstumspotenzial? Die Tiroler Industrie ist in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen, auch 2019. Der Produktionswert legte um knapp sechs Prozent zu und stieg auf stolze 11,7 Milliarden Euro. Einen neuen Schub bringen die Digitalisierung sowie Innovationen in Bereichen der Forschung und Entwicklung (F&E). Auch zukunftsorientierte Mobilitätsoder Energietechnologien – „Tech for Green“ – sowie Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft versprechen neues Wachstum. Ist Österreich als Industriestandort im Vergleich mit dem EU-Ausland konkurrenzfähig? In welchen Bereichen müsste nachjustiert werden, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen? Bei den Steuern liegen wir seit vielen Jahren am oberen Limit. Da braucht es Entlastung, et-

Dr. Eugen Stark, Geschäftsführer der Industriellenvereinigung Tirol

„PROTEK TIONISMUS IST IMMER S C H L E C H T. A N Z U S T R E B E N I S T E I N FA I R E R , I N T E R N AT I O N A L E R W E T T B E W E R B , D E N W I R U N B E D I N G T B R A U C H E N .“ E U GEN S TA RK

wa für Investitionen und nicht entnommene Gewinne. Auch wer Arbeitsplätze schafft und erhält, sollte steuerlich bevorzugt werden. Dazu kommt die starke Regulierung, die zurückgefahren werden muss. Die Zukunft unserer Wettbewerbsfähigkeit liegt ganz sicher in der Bildung unserer jungen Menschen, bei der wir leider nur mittelmäßig abschneiden. Forschung und Entwicklung sind weitere Erfolgsfaktoren. Entscheidend ist auch ein innovationsfreundliches Klima, in dem sich Leistung auszahlt. Erwarten Sie, dass die Industrie künftig in der öffentlichen Wahrnehmung aus dem Schatten des Tourismus heraustreten kann und mehr Wertschätzung vonseiten der Bevölkerung erfährt? Das Standing der Industrie verbessert sich in Tirol seit Jahren, das zeigen unsere Umfragen deutlich. Die Bedeutung des Tourismus wird bleiben, aber die Industrie als der Bereich mit der größten Wertschöpfung im Land wird sicher weiter an Bedeutung gewinnen. Schließlich ist die Industrie auch der Bereich mit den besten Löhnen und fast ausschließlich Ganzjahresarbeitsplätzen. Erwarten Sie im Zuge dessen eine größere Akzeptanz für zukünftige (Aus-)Bauvorhaben? Auch in der Vergangenheit hatte die Industrie kaum Probleme bei Investitionsvorhaben, von den oft mühsamen Verfahren einmal abgesehen. Unsere Industrie verursacht ja sehr geringe Emissionen und tritt kaum störend in Erscheinung. Bei Vor-

haben, die jemanden stören könnten, darf man sich aber keine Illusionen machen. Fast jeder ist für Arbeitsplätze und Wirtschaft, aber halt nicht in seiner Nähe. Rückt durch diese Krise die Ökologisierung des Wirtschaftssystems und von dessen Zweigen in den Hintergrund? Die Industrie investiert seit Jahrzehnten in die Reinhaltung von Luft und Wasser, Abfallentsorgung, Recycling und in den Lärmschutz. Dadurch konnten die Emissionen stark reduziert werden. Die Ökologisierung wird und muss weiter vorangetrieben werden, aber dazu braucht es Augenmaß. Niemand kann ernsthaft wollen, dass die klimaschonende Produktion aus Österreich in weniger klimaschonende Weltgegenden abwandert. Das hätte nur negative Folgen für unseren Standort und sogar Schaden für die Umwelt. Welche Kriterien muss ein Unternehmen generell erfüllen, um der Industrie zugerechnet zu werden? Entscheidend ist die Art der Produktion und der Tätigkeit, unabhängig von der Größe des Unternehmens. In der Wirtschaftskammer sind rund 480 Industrieunternehmen registriert. Der Begriff „Industrie“ kommt aus dem Lateinischen, wo „industria“ so viel wie Fleiß und Betriebsamkeit bedeutet. Industrie ist ein freies Gewerbe, das von der Herstellung verschiedener Konsum- oder Produktionsgüter bis hin zur IT oder Digitalisierung immer mehr Bereiche abdeckt.

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KAUFEN, KAUFEN, KAUFEN? In der Krise kommt dem Konsum eine Schlüsselrolle zu. Weitreichende Konsumzurückhaltung oder gar Konsumverzicht könnten der Konjunktur mehr als nur eine vorübergehende Delle bescheren. TEXT: MARIAN KRÖLL


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„ N A C H H A LT I G B E D E U T E T N I C H T N O T W E N D I G E R W E I S E KO N S U M V E R Z I C H T.“ ANDREA HEMETSBERGER

ckerungen ist sie quasi über Nacht virulent geworden. „Der Konsum ist der einzige Sinn und Zweck der Produktion, und den Interessen der Produzenten sollte man nur insoweit Beachtung schenken, als nötig ist, die der Verbraucher zu fördern“, wusste schon Adam Smith, Begründer der klassischen Nationalökonomie sowie der Ökonomie als Wissenschaft insgesamt.

IST WENIGER MEHR?

as passiert, wenn der Verbraucher plötzlich merkt, dass er nicht (mehr) im gewohnten Maße verbrauchen möchte? Und zwar nicht nur, weil er durch krisenbedingte Einkommensverluste nicht kann, sondern schlichtweg gemerkt hat, dass man auch zu Hause kochen kann oder manche Dinge gar nicht im angenommenen Ausmaß zum Glücklichsein braucht. Vor nicht allzu langer Zeit waren diese Überlegungen noch überwiegend theoretischer Natur, mit der Coronakrise samt plötzlichem Lockdown und den schrittweisen Lo-

Alles Wirtschaften ist auf den Konsum ausgerichtet. Mehr denn je wird Konsum seit der Pandemie als wichtigstes Rezept betrachtet, die schwer angeschlagene Wirtschaft wieder flott zu machen und eine Konjunkturerholung im V-Stil – und nicht etwa als U oder gar schmerzhaftes L – herbeizuführen. Konsum wird sogar von Politik wie Wirtschaftstreibenden zum patriotischen Akt hochstilisiert. Fällt der Konsum weg, wird das Produzieren frei nach Adam Smith sinn- und zwecklos. Dieser Zusammenhang ist ebenso einfach wie verhängnisvoll. Kaufen, kaufen, kaufen wird daher in der Krise gewissermaßen zur obersten Bürgerpflicht gemacht. Doch der Konsum erfährt Gegenwind, auch schon vor dieser Krise. In den letzten Jahren wurden nämlich Kaufzurückhaltung oder gar noch besser der möglichst weitreichende Konsumverzicht propagiert. Natürlich nicht von der produzierenden Wirtschaft, sondern von gewissen gesellschaftlichen Kreisen. Interessanterweise besonders von Menschen, die am Monatsletzten üblicherweise noch genügend Geld zum Konsumieren übrighaben. Dieser nicht notgedrungene Konsumverzicht wurde geradezu zelebriert, zum Lifestyle hochgejazzt, bei dessen Anhängern sich ein befriedigendes Gefühl der moralischen Überlegenheit einzustellen begann. Gewohnheitsmäßige Konsumkritik schickte sich in manchen Gesellschaftsschichten, dem blinden Konsumismus der Normalverbraucher begegnete man mit Spott und kaum verhohlener Verachtung. Der bereits 1899 vom US-amerikanischen Soziologen Thorstein Veblen konstatierte demonstrative Geltungskonsum der Oberschicht begann allmählich in einen demonstrativen Konsumverzicht umzuschlagen. Der Statuskonsum der gesellschaftlichen Eliten

wird zunehmend postmateriell. Freilich lässt es sich aus einer bequemen Position des materiellen Überflusses leichter auf die wesentlichen Dinge des Lebens besinnen, wenn es einem nicht am Nötigsten mangelt. Weniger ist mehr, heißt es oft. Ob das für den Konsum und die Wirtschaft gilt, ist zumindest fragwürdig. Im volkswirtschaftlichen Zusammenhang scheint mehr doch mehr zu sein. Auf der individuellen Ebene kann diese Rechnung aber schon wieder ganz anders aussehen. Klar ist aber auch, man kann nicht nicht konsumieren. Eine Änderung unseres Konsumverhaltens sollte mit Blick auf die Gesamtwirtschaft wohl besser sanft und schrittweise erfolgen und nicht abrupt. Welche Rolle diese Krise für unsere Selbstperspektivierung als Konsumenten, die wir alle etwas wollen sollen, spielt, lässt sich noch nicht mit Gewissheit sagen. Zum Themenkomplex Konsum und Krise haben wir bei Andrea Hemetsberger nachgefragt, die als Universitätsprofessorin am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck tätig ist. ECO.NOVA: Welche Faktoren tragen in wirt-

schaftlichen Krisen abseits von Jobunsicherheit, Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit dazu bei, die Konsumlaune massiv zu dämpfen? ANDREA HEMETSBERGER: Einerseits kann das die Angst oder Unsicherheit sein, die Jobunsicherheit und Arbeitslosigkeit mit sich bringen, Angst auch um andere, denen man unter die Arme greifen möchte, Angst vor Ansteckung, wobei diese zunehmend abnimmt. Viele können sich an die Schutzmasken nicht gewöhnen und behaupten, sie wären unangenehm zu tragen. Stimmt. In Wahrheit ist es aber das Persönliche, das uns abgeht. Wer möchte schon gerne von „maskierten“ Menschen bedient werden? Andererseits ist es auch Erkenntnis – bewusst oder unbewusst. Die Erkenntnis, dass wir alle mehr haben als wir brauchen und ein genussvolles, schönes Leben nicht davon abhängt, wie viel ich habe oder konsumiere. Die Erkenntnis, dass es Freude macht, etwas selber zu machen, was wir sonst einfach kaufen und das da-

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„W I R KO M M E N W I E D E R D R A U F, WA S W I R W I R K L I C H B R A U C H E N , WA S U N S ‚ E T WA S W E R T I S T ‘. W E N N E S D I E S E N W E R T F Ü R U N S N I C H T H AT, I S T E S N I C H T W E R T, D I E R E S S O U R C E N D I E S E R E R D E A U F Z U B R A U C H E N .“ ANDREA HEMETSBERGER

mit an Wert verliert. Die Erkenntnis, dass man Gesundheit nicht kaufen kann. Nicht nur in Krisenzeiten, sondern generell kaufen Menschen letztendlich ihren Emotionen und Werthaltungen entsprechend ein; die Coronakrise hat uns emotional sehr berührt, eine neue Menschlichkeit ausgelöst und unsere Werthaltungen zurechtgerückt.

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Ist die gleichzeitige Propagierung von Konsumverzicht bzw. nachhaltigerem Konsum und die Wirtschaftsbelebung qua Aufforderung zum Konsum nicht ein Zielkonflikt? Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Nachhaltig bedeutet aber nicht notwendigerweise Konsumverzicht. Im Gegenteil, wir haben noch sehr viel in Nachhaltigkeit zu investieren, von der Fassadendämmung, der Jahreskarte für die Bahn bis zu upgecycelter Kleidung, biologisch abbaubaren Verpackungen und gesunden, biologischen und regionalen Nahrungsmitteln. Es macht auch gar keinen Sinn mehr, nicht nachhaltige Wirtschaftszweige zu beleben, weil sie auch nicht mehr zukunftsfähig sind. Aber zum Beispiel den Austausch von Ölheizungsanlagen zu fördern oder in andere zukunftsfähige Technologien zu investieren und diese Wirtschaftszweige zu beleben, macht sehr viel Sinn.

Halten Sie das Gerede von der „neuen Normalität“ für hilfreich, was die Konsumstimmung in Österreich betrifft? Das kann ich leider nicht sagen. Ich weiß nicht, was „neue Normalität“ bedeutet, und das wissen viele nicht. Soll es heißen, wir müssen unsere Freiheit dauerhaft einschränken, soll es heißen, wir werden aufmerksamer und achtsamer sein im Umgang mit Menschen, Gesundheit und Hygiene? Soll es heißen, dass die Wirtschaft mit Einschränkungen wird leben und arbeiten müssen? Also nein, es ist nicht hilfreich, weil es keine Bedeutung hat. Im schlimmsten Fall bedeutet

es Unsicherheit. Wir können nicht wirklich wissen, wie es weitergeht, und damit ist die Stimmung getrübt. Viel bedeutsamer ist das Faktische. Solange es ein eingeschränktes Sozialleben gibt, ist auch jeglicher Konsum getrübt. Solange Menschen in Kurzarbeit sind oder ohne Job, wird das ihren Konsum, auch den sinnvollen Konsum, einschränken. Dafür brauchen wir so viele Webcams, Yogamatten und Hefe, dass sie auf Wochen nicht lieferbar waren. Ich denke, dass die „Konsumstimmung“ nicht schlecht ist, aber was und wie wir konsumieren, hat sich bereits jetzt radikal geändert. Welche Branchen leiden besonders unter der getrübten Kauflaune, welche sind krisenresistenter? Es sind nicht zwingend ganze Branchen, die leiden, außer alle Unternehmen dieser Branchen machen die gleichen Fehler. Es sind Unternehmen, die keine Lösungen für die Zukunft haben, die leiden. Selbstverständlich sind sogenannte systemrelevante Branchen derzeit wesentlich resistenter, alle die auf Onlinelösungen umgestellt haben, konnten ihre Umsätze zum Teil auffangen. Im Grunde sind jene Unternehmen resilient, also krisenresistent, die ihren Daseinsgrund kennen; die kreativ und innovativ waren und sind; die nicht in engen Problemlösungen oder Produktkategorien denken, sondern mit ihren Kompetenzen neue, sinnvolle Angebote am Markt umsetzen können. Und es sind jene Unternehmen, die sich nicht von einem höchst volatilen globalen Kapital- und Beschaffungsmarkt abhängig gemacht haben. Gibt es auch Gewinner in der derzeitigen Situation? Die Erde und damit die Menschheit. Ich weiß, ich bin eine Träumerin. Aber genau das braucht die Wirtschaft jetzt. Menschen und Unternehmer, die eine gute Zukunft vor sich sehen und

sich die Frage stellen, wie können wir sie verwirklichen, was können wir dieser Welt geben, was braucht sie wirklich – und ja, wir brauchen auch Kultur; mehr denn je. Jene, die das tun und umsetzen, werden die Gewinner sein.

Mit welchen Methoden lässt sich die Konsumlaune beeinflussen und steuern? Ich bin eigentlich sehr froh darüber, dass sich die „Konsumlaune“ der Konsumenten derzeit in Grenzen hält. Wir kommen wieder drauf, was wir wirklich brauchen, was uns „etwas wert ist“. Wenn es diesen Wert für uns nicht hat, ist es nicht wert, die Ressourcen dieser Erde aufzubrauchen. Ich halte hingegen sehr viel von kreativen, innovativen Lösungen, die „von hohem Wert“ sind, gerade weil sie Ressourcen schonen und sparen. Die Weltwirtschaft wird sich konsolidieren müssen. Anstatt mit sehr intelligenten Methoden Konsumenten jetzt kurzfristig zum Kaufen zu bewegen, ist jeder Cent, der für innovative Lösungen verwendet wird, viel besser investiert, gerade in dieser Zeit.

Welche sind für eine Krise, wie wir sie gerade erleben, die tauglichsten? Die ehrliche, persönliche Kommunikation, die Vertrauen schafft.

Glauben Sie, dass die Appelle, lokal bzw. regional einzukaufen, den Trend zum Onlineshopping bei den bekannten global agierenden Handelsriesen bremsen werden? Appelle alleine werden das nicht können, wenn sie nicht auf fruchtbaren Boden fallen. Das hängt von so vielen verschiedenen Faktoren ab. Können es sich die Menschen leisten? Wissen sie genug darüber? Stimmt die Qualität der Produkte, das Angebot, die Verfügbarkeit, kenne ich den Hersteller, ist es cool, regional einzukaufen, und vieles mehr. Wesentlich wird aber sein,


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dass auch und im Besonderen lokale Anbieter Onlineshops und Zulieferangebote machen. Wenn es beim lokalen Anbieter genauso leicht ist einzukaufen oder sogar noch leichter und persönlicher, dann könnte sich das Blatt leicht wenden. Der Trend zum Onlineshopping wird bleiben, der Trend zur Regionalität wird davon abhängen, ob und wie kreativ lokale und regionale Anbieter ersteren Trend mit genau dieser Beziehungsqualität zu verbinden wissen. Durch Konsumzurückhaltung droht der Wirtschaft eine Abwärtsspirale. Gibt es beim Verbraucher ein Bewusstsein dafür, dass diese durch bewussten Konsum gebremst werden kann, oder ist der Konsument für derartige Argumente in der Regel nicht zugänglich? In bestimmten Branchen gibt es bereits eine Abwärtsspirale, in anderen nicht. Wem es bisher nicht gelungen ist, seinen Daseinsgrund für Konsumenten sichtbar zu machen, der wird sich auch in Zukunft schwertun. Damit meine ich natürlich nicht jene Branchen oder Betriebe, die derzeit noch unter den strengeren

„IM GRUNDE SIND JENE UNTERNEHMEN R E S I L I E N T, A L S O K R I S E N R E S I S T E N T, DIE IHREN DASEINSGRUND K E N N E N .“ ANDREA HEMETSBERGER

Verordnungen leiden. Diese Argumente, so sie dem Konsumenten bewusst sind, fallen dann auf fruchtbaren Boden, wenn es der Einstellung des Konsumenten entspricht und er sich diesen Konsum leisten kann oder will. Bewusster Konsum heißt aber so oder so, dass bestimmten Unternehmen oder gar Branchen eine Abwärtsspirale droht, manche gut weiterleben werden können und andere ganz massiv davon profitieren werden, nämlich jene, die schon bisher darüber nachgedacht haben, wer sie sind und was sie in dieser Welt beitragen wollen. Ich erwarte

mir einen substanziellen Innovationsschub von agilen, verantwortungsvollen Unternehmern, die jetzt Lösungen im Bereich Digitalisierung und Nachhaltigkeit umsetzen, die bei Kunden Resonanz erzeugen – vom digitalen Tante-Emma-Laden mit lokalen Produkten bis hin zu einkaufenden Robotern, digitalen Gesundheitschecks, ko-kreierten Sportgeräten, digital bewässerten Gemeinschaftsgärten oder real-virtuellen Entdeckungsreisen in die Heimat.

Ist es generell erfolgversprechender, den Konsumenten eher emotional denn rational abzuholen? Bei positiven Emotionen ist es das in jedem Fall. Selbst wenn wir unsere Emotionen rational kontrollieren können, wenn wir wollen oder müssen, haben Entscheidungen immer eine emotionale Basis. Und das sehr oft unbewusst. Es ist aber intelligent, Konsumenten ein rationales Argument zu liefern für seine emotionalen Entscheidungen, weil wir unsere Entscheidungen oftmals reflektieren oder reflektieren müssen, vor allem, wenn andere davon betroffen sind.

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DANKE AN ALLE MITARBEITER UND KUNDEN, die uns täglich unterstützen!

Andrea Gschwenter Ihre Andrea Gschwenter


STANDORTAGENTUR TIROL

DIE HERREN DER UNTERWELT 2007 gegründet, ist die Alpe Kanal Service GmbH mit ihren Standorten in Tirol, Salzburg und Wien zügigen Schrittes zum Marktführer in Westösterreich avanciert. Auf neuestem Stand der Technik und mit jeder Menge Knowhow um alles Unterirdische ist das 120-köpfige Alpe-Team der kompetente Ansprechpartner für Kanalreinigung und -sanierung.

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T E X T : D O R I S H E LW E G

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nverhofft kommt oft, gerade dann, wenn man es gar nicht braucht. Der Abfluss ist verstopft oder ein Kanalrohr defekt – unangenehme Situationen, die man schnell wieder behoben haben will. „Bei Rohrbruch, Überschwemmungen, Verstopfungen und anderen Notfällen sind wir mit unseren mobilen Geräten rund um die Uhr zur Stelle. Betroffene erreichen uns täglich unkompliziert über unsere 24-Stunden-Gratis-Hotline“, zeigt sich Firmengründer und Geschäftsführer Mario Manzl sichtlich stolz. Bei Alpe Kanal kommt modernste Technik zum Einsatz, gepaart mit jahrelang erworbenem Know-how der rund 120 Mitarbeiter. Denn Kanalsanieren ist keine einfache Tätigkeit, man braucht dazu Erfahrung und natürlich die entsprechende Technik. Mit 80 Spezialfahrzeugen vom kleinsten Saug-Spülfahrzeug bis zum hochmodernen Vierachser-LKW rücken die Spezialistenteams an, wenn es darum geht, akute Probleme zu lösen, Kanalreinigungen und Inspektionen

oder Sanierungen durchzuführen. „Wir arbeiten mit Hochdruckspül-Saugfahrzeugen, Kanal-TV-Systemen, Fräsrobotern und einem Spezialverfahren bei der Kanalsanierung. Unsere Mitarbeiter werden laufend geschult und arbeiten unter strengsten Sicherheitsauflagen“, erklärt der Tiroler Geschäftsführer René Fontes und ergänzt: „Ökologisches Arbeiten hat für uns oberste Priorität. Wir arbeiten mit modernsten Wasserrecyclingsystemen und bei unseren Kanalsanierungs- und Kanalreinigungsarbeiten nur mit trinkwassertauglichen und unbedenklichen Materialien.“

ALPE KANAL LÖST DAS PROBLEM UND DIE URSACHE

Das Erfolgsrezept des aufstrebenden Unternehmens sieht Mario Manzl vor allem darin, dass nicht nur schnell die Verstopfung gelöst wird, sondern anhand verschiedener Techniken wie dem Kanal-TV Schwachstellen erkannt und sogleich nachhaltig beho-

ben und saniert werden können. „Natürlich hat es sich bewährt, ein Komplettanbieter zu sein und eine Vielfalt an Leistungen zu bieten. Wir begleiten unsere Kunden von der ersten Kamerafahrt im Kanal bis hin zur Beseitigung von Wurzeln und Rückstaus im Rohr und der folgenden Sanierung der Risse. Unsere Kunden können sich dabei auf eine transparente Beratung verlassen. Dank dem Kamerasystem Kummert 3D dokumentieren wir alles mit Bewegtbild und erklären anhand dreidimensionaler Darstellungen, welche Maßnahmen durchzuführen sind, um den Idealzustand wiederherzustellen“, erklärt der Unternehmer. Alpe Kanal steht dafür, schnell beim Kunden zu sein und nachhaltige Lösungen zu bieten. „Wir werden deshalb unsere Standorte und Fuhrparks erweitern. Unser Ziel ist, auch die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Versicherungen, Installateuren und Hausverwaltungen weiter auszubauen. Zu unserem Angebot gehören außerdem Tief-


ALPE KANAL

garagen-, Lüftungs- und Öltankreinigungen sowie Entsorgung und Fettabscheiderreinigung“, erklärt Salzburg-Geschäftsführer Ferdi Celik. Alpe Kanal saniert sämtliche Abflussleitungen, die sich in einem Gebäude befinden. „Von der Küchenanbindung DN50 bis hin zum Fallstrang inklusive des Hauptkanals bis DN500 können wir alles mittels Inlinerverfahren sanieren. Auch punktuelle Schäden werden schnell mittels Kurzliner repariert“, erklären die drei Kanalprofis.

LAUFENDE BETREUUNG

„Wir stellen leider oft fest, dass den Installationen unter der Erde oder in den Wänden zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt und erst dann reagiert wird, wenn bereits ein Schaden zum Vorschein tritt. Dabei wäre es mit geringem Aufwand und regelmäßigen Kontrollen ein Leichtes, dem vorzubeugen. Bei uns sind dafür die modernsten Kanal-TV-Systeme im Einsatz, mit deren Hilfe sofort ermittelt werden kann, an welchen Stellen sich Ablagerungen oder Schäden gebildet haben. Bei solchen Vorkommnissen führen wir eine sofortige Reinigung oder Sanierung in Abstimmung mit dem Eigentümer durch. Vor allem nach Renovierungs- und Bauarbeiten ist so eine Überprüfung und Reinigung sehr zu empfehlen. So kommt es gar nicht erst zu gröberen Schäden“, erläutern Fontes und Celik. In Kürze werden neben den ALPE-Spezialfahrzeugen auch noch die Bagger auffahren. Natürlich keine herkömmlichen Bagger. Das Alpe-Team ist auch hier einen Schritt voraus und hat speziell für Aushubarbeiten, wo mehrere Leitungen sich queren, neuartige Saugbagger am Start. Wo herkömmliche Bagger Leitungen mitunter beschädigen könnten, leistet der Saugbagger behutsame und dennoch schnelle und effektive Arbeit.

FÜR SAUBERE GESCHÄFTE: PIPIFINE

Überall dort, wo ein stilles Örtchen gebraucht wird, sind die mobilen Toilettensysteme von PIPIFINE zur Stelle. Baustellen, Veranstaltungen oder Privatfeiern zählen dabei zur Hauptzielgruppe. Auf Wunsch bietet PIPIFINE ein umfassendes Komplettservice von der Vermietung, Aufstellung, Reinigung – wenn nötig auch mehrmals täglich – bis hin zur Abholung. Fast überall schnell aufgebaut, verfügen die Toiletten über ein fix eingebautes Raumduft-System für angenehme Frische – unangenehme Gerüche wer-

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Firmengründer Mario Manzl (Mi.) mit seinen Geschäftsführern René Fontes (Tirol) und Ing. Ferdi Celik (Salzburg)

den so schnell beseitigt. Mit mittlerweile über 1.000 Miet-WCs ist Alpe Kanal mit seiner Tochterfirma auch in diesem Segment Marktführer in Westösterreich.

WEITER AUF WACHSTUMSKURS

Um die Marktführerschaft vor allem in Westösterreich weiter auszubauen, soll neben dem 2011 errichteten Alpe-Center in Thaur in Kürze der Startschuss für ein weiteres Alpe-Center in Puch-Urstein in Salzburg fallen. Gemeinsam mit dem Salzburger Geschäftsführer Ferdi Celik wird Mario Manzl hier fünf Millionen Euro investieren, um in dem Gebäude des neuen Alpe-Standortes auch hochmoderne Büros zur Vermietung anzubieten. Weitere Standorte im Tiroler

Oberland bei Imst sowie in Vorarlberg sind bereits in Planung, ebenso wie die Erweiterung des Standortes Thaur mit dem Alpe-Center 2 im kommenden Jahr. PR

ALPE KANAL SERVICE GMBH Römerstraße 16 6065 Thaur Tel.: 05223/493 460 office@alpekanal.at www.alpekanal.at

Weitere Standorte in Kirchbichl, Salzburg, St. Pölten und Wien 24-Stunden-Gratis-Notruf unter 0800/93 00 96


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NACH DEM WACHSTUM Krisen können Wendepunkte sein. Einen solchen sieht Ökologe und Politikwissenschaftler Andreas Exner in der jetzigen Krise aber einstweilen nicht erreicht. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

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ndreas Exner ist Wissenschaftler vom Regionalen Zentrum für Nachhaltigkeit, übt postmarxistische Kritik am kapitalistischen System und zeigt mit der Postwachstumsbzw. solidarischen Ökonomie eine denkmögliche Alternative auf, die einen Ausbruch aus dem Wachstumsimperativ ermöglichte.

Können Sie skizzieren, wie ein Ausbrechen aus der gegenwärtigen Ökonomie im Sinne einer Postwachstum-

ECO.NOVA:

sökonomie und/oder einer solidarischen Ökonomie aussehen könnte? ANDREAS EXNER: Unter den Bedingungen der heute vorherrschenden Wirtschaftsweise, die undemokratisch und vom Profitmotiv getrieben ist, ist eine Abkehr vom Wachstumsimperativ nicht möglich. Eine Reduktion des Outputs an Gütern und Dienstleistungen würde dazu führen, dass die Erwerbslosigkeit zunimmt, mit einer Reihe schwerwiegender sozialer und politischer Probleme im Gefolge. Auch ein bloßer Rückgang des

Wirtschaftswachstums erweist sich in der Regel schon als problematisch. Eine Postwachstumsökonomie muss demokratisch sein, um den Übergang in eine neue Ökonomie auch solidarisch gestalten zu können. Dafür braucht es Demokratie in den Unternehmen, im Verhältnis zu Stakeholdern, zwischen einzelnen Unternehmen und auch in Hinblick auf wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Es geht, um es wie das Netzwerk für Ökonomischen Wandel NOW zu formulieren, um eine Demokratisierung


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des Staates, eine Gemeinwohlorientierung der Märkte und eine Ausweitung von Commons, wo es nicht um Kauf und Verkauf, sondern um Kooperation geht.

Was ist das Ziel dieser Ökonomien? Solidarische Ökonomien, die eine wichtige Dimension einer Postwachstumsökonomie darstellen, orientieren sich grundsätzlich primär an menschlichen Bedürfnissen, nicht an der Produktion von Profit und der Akkumulation von Kapital. Bedürfnisse sind dabei weit gefasst. Das heißt, es geht nicht nur um Güter und Dienstleistungen, sondern ebenso um Selbstentfaltung der Arbeit, um Freude an der Kooperation und dem Beisammensein mit anderen, um das Leben von sozialen Beziehungen.

Geht eine Wirtschaft ohne Wachstum nicht zwangsläufig mit einem Wohlstandsverlust einher? Der materielle Reichtum ist im Globalen Norden schon seit Langem in ausreichendem Maße gegeben. Es sind nicht mehr Güter und Dienstleistungen notwendig. Wohlstand hängt ab einem gewissen materiellen Niveau des Lebensstandards nicht mehr von Gütern und Dienstleistungen ab, sondern von der Qualität sozialer Beziehungen: von einer relativen sozialen Gleichheit, von Gelegenheiten der Selbstentfaltung in der Arbeit, von Lebenszeit, über die Menschen frei verfügen können. Wir brauchen soziale Infrastrukturen, die allen zugänglich sind, damit das möglich wird. Dass nur als Wohlstand gilt, wenn Wirtschaft wächst, ist den Mechanismen der kapitalistischen Produktionsweise geschuldet, nicht einem Naturgesetz, das nicht geändert werden kann.

Muss der Konnex mehr materieller Wohlstand bedeutet mehr Zufriedenheit hinterfragt werden? Auf alle Fälle. Im Grunde genommen wurde die durchschnittliche Zunahme des Konsums seit den 1980er-Jahren im Globalen Norden ja mit einer verstärkten Ausbeutung von Menschen im Globalen Norden, noch mehr jedoch im Globalen Süden erkauft. Zuvor waren die Produktivitätssteigerungen noch so groß, dass sowohl die Kapitaleigentümer große Profite als auch die Lohnabhängigen zunehmende Löhne für sich verbuchen konnten. Die wurden auch in mehr Konsum umgesetzt. Das ist heute nicht mehr der Fall und ökologisch auch gar nicht mehr tragbar. Die Zunahme des Konsums seit den 1980er-Jahren hat sicherlich nicht

„W O H L S TA N D H Ä N G T A B E I N E M G E W I S S E N M AT E R I E L L E N N I V E A U D E S L E B E N S S TA N D A R D S NICHT MEHR VON GÜTERN UND DIENSTLEISTUNGEN AB, S O N D E R N V O N D E R Q U A L I TÄT S O Z I A L E R B E Z I E H U N G E N .“ ANDREAS EXNER, ÖKOLOGE UND POLITIKWISSENSCHAFTLER

dazu geführt, dass Menschen heute glücklicher sind als in den 1970ern. Im Gegenteil. Die zunehmende soziale Ungleichheit und Prekarisierung führt zu einem massenhaften gesellschaftlichen Leiden, das Warenkonsum gar nicht aufwiegen kann.

Begreifen Sie diese Krise als Chance für einen ökologisch-ökonomisch-sozialen Transformationsprozess? Ob eine Krise Chancen der Veränderung bietet oder eher bestehende Probleme weiter vertieft, hängt wie auch in Zeiten gesellschaftlichen „Normalbetriebs“ von den jeweiligen Kräfteverhältnissen ab. Wenn es sich um eine wirkliche gesellschaftliche Krise handelt, dann müssen sich viele Akteure neu orientieren, nach neuen Strategien und Leitbildern der Entwicklung suchen. Das ist eine relative Situation der Offenheit, in der kein Akteur voraussehen kann, wer sich letztendlich durchsetzen wird. Dass wir uns durch die COVID-19-Krise in einer solchen Situation befinden, sehe ich noch nicht. Dennoch hat auch diese Krise, soweit ich es überblicken kann, gewisse Potenziale – neben spezifischen Gefahren, die damit verbunden sind, wie diese Krise momentan bearbeitet wird. Warum spielen wirtschaftspolitische Überlegungen, die nicht auf Wachstum abzielen, in den Politiken der meisten

Staaten keine oder eine sehr untergeordnete Rolle? Der Staat ist unter kapitalistisch geprägten Verhältnissen grundsätzlich ein „Steuerstaat“, und zwar in einem doppelten Sinn. Der Staat versucht, Prozesse zu steuern, um die kapitalistische Produktionsweise und ihren Wachstumsimperativ aufrechtzuerhalten, ihr Legitimität zu verschaffen. Das kann er aber nur, wenn diese Produktionsweise auch Steuereinnahmen generiert und sich die Erwerbslosigkeit in bestimmten Grenzen hält, jedenfalls nicht zum politischen Problem gemacht wird. Wenn wir von „dem Staat“ sprechen, so ist das freilich eine grobe Vereinfachung. „Der Staat“ setzt sich aus vielen und zum Teil widersprüchlichen Interessen und Institutionen zusammen. Es gibt daher immer auch Anknüpfungspunkte für Alternativen. Sie müssen aber erst einmal in staatlichen Strukturen verankert werden und sich dann auch gegen andere Interessen durchsetzen. Zu solchen Alternativen gehören beispielsweise makroökonomische, wirtschaftspolitische Überlegungen für eine Postwachstumsökonomie, aber auch eine starke Förderung Solidarischer Ökonomien. Solche Überlegungen sind per se nicht im Interesse der Kapitaleigentümer, bedeuten aber auch einen Bruch mit den gewohnten Leitbildern eines guten Lebens, das auch viele Gewerkschaften vertreten.

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„ S O L I D A R I S C H E Ö KO N O M I E N V E R E I N E N VERSCHIEDENE VORTEILE: ES GEHT UM EIN HÖHERES M A S S A N M AT E R I E L L E R S I C H E R H E I T, A B E R A U C H U M BESSERE SOZIALE BEZIEHUNGEN, MEHR SOZIALE G L E I C H H E I T, U M M E H R F R E U D E A M T U N , U M D I E BEREICHERUNG DES EIGENEN LEBENS DURCH Ö KO N O M I S C H E KO O P E R AT I O N .“ ANDREAS EXNER

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Würde eine Abkehr von einer wachstumsfokussierten Wirtschaft in der gegenwärtigen Situation die wirtschaftliche Abwärtsspirale nicht noch verschärfen? Es ist wichtig zu sehen, dass viele Regionen des Globalen Südens mehr Güter und Dienstleistungen brauchen. Das heißt aber nicht, dass es deshalb auch einer kapitalistischen, am Profit ausgerichteten Entwicklung bedarf. Genossenschaften zum Beispiel haben historisch oft die Funktion übernommen, materiellen, sozialen und kulturellen Wohlstand dort zu schaffen, wo er fehlte. Aber auch dort, wo absoluter Mangel großteils überwunden worden ist, wie in einigen Regionen des Globalen Nordens, gehören Genossenschaften und andere Formen Solidarischer Ökonomie zu den Elementen einer Postwachstumsökonomie, die dabei helfen können, die Abhängigkeit vom wirtschaftlichen Wachstum zu überwinden. Immer wieder zeigt sich, dass Genossenschaften Krisen besser überstehen als viele kapitalistische Unternehmen und dazu beitragen, die Folgen von Krisen abzufedern. Ich würde also sagen, es geht darum, massiv in den Ausbau der bereits bestehenden Solidarischen Ökonomien zu investieren. Diese Art von „Wachstum“ wäre in höchstem Maße notwendig. Sie haben die Neue Solidarische Ökonomie einmal als Repolitisierung des Genossenschaftsgedankens bezeichnet. Sind nicht Genossenschaften, wie wir sie heute kennen, auch dem Wachstum verpflichtet? Grundsätzlich sind Genossenschaften den Bedürfnissen ihrer Mitglieder verpflichtet. Diese Bedürfnisse werden im Idealfall demokratisch ausgehandelt. So kann auch viel besser auf ökologische Begrenzungen Rücksicht genommen werden als in einem herkömmlichen Unternehmen. Richtig ist, dass viele Genossenschaften sich von den Prinzipien Solidarischer Ökonomie entfernt haben. Dann kann es dahin kommen, dass es ebenfalls um Profit und Wachstum geht.

Ich denke, die Diskussion um Solidarische Ökonomie erinnert auch die traditionellen Genossenschaftssektoren daran, wo ihre eigentlichen Ursprünge liegen.

Welche Vorteile kann eine Solidarische Ökonomie ihren Teilnehmern gegenüber dem Status quo bieten? Die Motive für Solidarische Ökonomien sind so unterschiedlich wie die Menschen, die sie entwickeln. Es geht für viele, vor allem im Globalen Süden, zunächst einmal um das Überleben, um Erwerbseinkommen und Arbeitsplätze. Auch in diesen Fällen spielt aber oft eine wichtige Rolle, sich demokratisch zu organisieren, Vorgesetzte wählen zu können oder als Kollektiv zu arbeiten. Die Sicherung von Einkommen und Arbeitsplätzen ist allerdings auch im Globalen Norden ein wichtiges Motiv, gerade in Krisenzeiten. Davon abgesehen sehen viele Konsumierende Vorteile in Solidarischen Ökonomien. Beispielsweise was die Produktqualität, Regionalität und Saisonalität bei Lebensmitteln angeht. Solidarische Ökonomien vereinen verschiedene Vorteile: Es geht um ein höheres Maß an materieller Sicherheit, aber auch um bessere soziale Beziehungen, mehr soziale Gleichheit, um mehr Freude am Tun, um die Bereicherung des eigenen Lebens durch ökonomische Kooperation. Steht die Solidarische Ökonomie der Globalisierung unversöhnlich gegenüber? Es kommt darauf an, welche Globalisierung gemeint ist. Eine Globalisierung der Kooperation, der sozialen Gleichheit, des guten Lebens für alle ist ein Grundanliegen Solidarischer Ökonomie.

Wie wäre es um die Resilienz dieser Ökonomie bestellt? Die Krisen der kapitalistischen Ökonomie haben im Grunde zwei Wurzeln. Zum einen wird systematisch an gesellschaftlichen Bedarfen vorbeiproduziert, weil Produktion der chaotischen

Entwicklung einer unregulierten Marktwirtschaft überlassen wird. Zum anderen machen sich auch immer mehr die Krisen der Ökologie in der Ökonomie bemerkbar, die auf das Konto der kapitalistischen Produktionsweise gehen. Beispielsweise spielen der Landnutzungswandel und die Form der Landwirtschaft, die durch profitgetriebene Unternehmungen und Entwicklungen vorangetrieben wird, eine Rolle bei der Entstehung und Verbreitung von neuen Krankheitserregern. Solidarische Ökonomien setzen hier an der Wurzel der Probleme an: Es geht um eine wirtschaftliche Tätigkeit im Einklang mit menschlichen Bedürfnissen und um ein neues Verhältnis zur Natur. Solidarische Ökonomien erweisen sich aber auch unter kapitalistisch geprägten Bedingungen häufig als resilienter im Vergleich mit kapitalistischen Unternehmen. Beim Wachstum geht es nicht allein um mengenmäßiges Wachstum, sondern auch um einen Produktivitätszuwachs. Ist es im Sinne einer Solidarischen Ökonomie, das Verhältnis zwischen Produktionsergebnis und den dafür eingesetzten Produktionsfaktoren kontinuierlich zu verbessern? Solidarische Ökonomie geht von den menschlichen Bedürfnissen aus. Wirtschaftliches Handeln ist dann Teil sozialer Beziehungen. Ob die technische Effizienz der Produktion gesteigert werden soll oder nicht, ist zunächst eine Frage der demokratischen Entscheidung. Unter den Bedingungen kapitalistisch geprägter Märkte hat diese Frage aber schon eine vorgefertigte Antwort: Wer die Produktivität nicht steigert, hat in der Konkurrenz das Nachsehen. Zudem gehen die dafür nötigen Investitionen in der Regel mit einer Mengenausweitung einher. Deshalb ist für eine Solidarische Ökonomie sehr wichtig, auch die Beziehungen zwischen den Unternehmen und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen zu verändern, solidarisch und demokratisch zu gestalten.


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ERFOLG LIEGT IN DEN GENEN Familienunternehmen als Form des nachhaltigen Kapitalismus. TEXT: MARKUS WEISHAUPT


© BIRGIT KOELL

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„ D I E D N A D E R B E S T E N FA M I L I E N U N T E R N E H M E N I S T K R I S E N R E S I S T E N T. I H R E V E R B R E I T U N G KÖ N N T E D I E E R S E H N T E WIRTSCHAF TS - UND GESELL SCHAF TS F O R M D E R Z U K U N F T S E I N .“ MARKUS WEISHAUPT

weit agierenden Feind. Für Menschen, die in diesen Zeiten ihre Lieben verlieren, ist es ein Affront, wenn Mitbürger Social Distancing ausfallend kritisieren, für Herdenimmunität und Freiheit plädieren und jene, die das nicht verstünden, zu Ignoranten abstempeln.

KRISEN SCHAFFEN POLARISIERUNG

um 16. Mai 2020 zählt die traurige, anonyme Statistik über 300.000 Covid-19-Tote weltweit. Die nüchternen Zahlen verbergen die Einzelschicksale. Sie verbergen den tragischen Tod jedes einzelnen Menschen und das menschenunwürdige Trauern auf Distanz, das sogar bei den Beerdigungen in den überlasteten Friedhöfen nicht Halt macht, das Gefühl der subjektiven Machtlosigkeit gegen einen unsichtbaren, welt-

Die Covid-19-Krise ist ein treffender Anlass, über die Zukunft, in der wir und unsere Kinder leben wollen, nachzudenken und die Weichen zu stellen für ein künftig gutes Leben. Und weil es „kein richtiges Leben in einem falschen gibt“, um es mit Theodor W. Adorno zu sagen, machen sich derzeit renommierte Zukunftsforscher, Philosophen, Soziologen, Pädagogen, Politiker, Künstler, Wirtschaftswissenschaftler, Unternehmer, Angestellte, eigentlich mehr oder weniger die gesamte Bevölkerung, Jung und Alt, Gedanken über das zukünftig richtige Leben. Covid-19 hat es nicht nur geschafft, die Weltwirtschaft lahmzulegen und das Verhalten von Milliarden Menschen kurzfristig völlig zu verändern, es fördert auch ein breites, globales Nachdenken. Vielleicht treten wir gerade in eine neue Ära der Aufklärung, in der wir uns endlich mit Kant’schem Mut unseres eigenen Verstandes bedienen, um die globalen wirtschaftlichen, soziologischen und ökologischen Zusammenhänge ungeschminkt sichtbar zu machen und zukunftsfähig zu gestalten. So hat das Besinnen auf regionale Kreisläufe derzeit Hochkonjunktur. Alles Lokale sei gut, alles Globale schlecht, denn die Krise habe gezeigt, dass die weltweiten Wertschöpfungsketten einer Covid-19-Pandemie nicht gewachsen seien und sich somit nicht nur als ungerecht, sondern auch als krisenanfällig entpuppt hätten. Sie habe gezeigt, dass die Produktionsballungszentren zum Beispiel in Indien für Medikamente oder in China für medizinische Schutzausrüstung strategische Abhängigkeitsrisiken nicht nur von Unternehmen, sondern ganzer Staaten in sich bergen. Sie habe gezeigt, dass wir

uns auf Regionales verlassen können und auf Globales nicht. Die Krise bietet Ankerpunkte für Debatten zur bis dato kläglich gescheiterten Klimapolitik, für die Überlebenswichtigkeit funktionierender, großzügig ausgestatteter Gesundheitssysteme, für die wenig wertgeschätzten Berufsgruppen der Krankenpfleger, Reinigungskräfte und Verkäufer, für die Finanzierungsmethoden der neuen Staatsschulden, für die Überlebenskämpfe der Unternehmen, egal ob große Konzerne oder mittlere und kleine Familienbetriebe. Die Debatten sind wertvoll. Sie zeugen von weit durchdringendem Interesse an grundlegenden Fragen des Lebens und Zusammenlebens. Sie zeugen davon, dass der Druck eines gewichtigen Problems weit mehr auslöst als die Attraktivität jeder noch so reizvollen Vision. Die immense Kraft, die ein unsichtbares, lebensgefährliches kleines Virus freisetzt, ist imstande, Menschen freiwillig in Quarantäne zu begeben, Schulen und Fabriken zu schließen, Veranstaltungen jeglicher Art abzusagen, ja sogar Fußballmeisterschaften vorzeitig zu beenden und Olympiaden zu verschieben. Unmögliches wird plötzlich wie selbstverständlich möglich. Die Visionen eines ökologisch sauberen Planeten, der Gendergerechtigkeit, der gerechten Umverteilung von Vermögen, der Eindämmung der Waffenlobby inklusive Verbot von Waffenbesitz, der gerechten Besteuerung von Gewinnen multinationaler Konzerne, des weltweiten Verbotes von Kinderarbeit oder ganz einfach der Einhaltung der internationalen Menschenrechte, all das sind Visionen, die weniger Kraft zu haben scheinen als das riesige, immediate Covid-19-Problem. Viele sind der Meinung, wir seien an einem historischen Scheideweg angekommen, einer geschichtlichen Chance für das nachhaltige Verändern unserer Lebensprinzipien, und dabei meint man nicht Webinare als Alternative zur Veranstaltung oder Homeoffice als die neue Art des Arbeitens. Der Scheideweg, an den uns das Virus geführt hat, betrifft überfällig anstehende Entscheidun-

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„ FA M I L I E N UNTERNEHMEN S I N D R E S I S T E N T, K R E AT I V, I N N O VAT I V UND FINDEN IMMER WIEDER NEUE WEGE, D E N F O R T B E S TA N D Z U S I C H E R N .“

© BIRGIT KOELL

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MARKUS WEISHAUPT

gen zum Thema Globalisierung, Grundeinkommen, Klimapolitik, Gesundheitswesen, Digitalisierung und der eine oder andere führt auch das Thema Ungleichheit, sprich Vermögens- und Einkommensungleichheit, an. Infrage gestellt wird letztlich unser Wirtschaft- und Gesellschaftssystem, auf dem unser Wohlstand gründet, der Kapitalismus. Wird Corona der Anlass für tiefgreifende Veränderungen unseres Kapitalismus sein?

DER WERT DER LOYALITÄT

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Meine Einschätzungen als jemand, der sein (Berufs-)Leben mit kleinen, mittleren und großen Familienunternehmen im Alpenraum verbringt und diese international in ihren Entwicklungen unterstützt, sind geprägt von den Erfahrungen mit Familienunternehmen, Unternehmerfamilien und deren Mitarbeitern. Sie sind geprägt von ihren Fehlern und ihren Erfolgen, von Hochkonjunkturphasen und Krisenperioden. Diese Krise wird die DNA erfolgreicher Familienunternehmen nicht verändern. Im Gegenteil: Diese Krise wird die DNA der Besten weiter festigen und sie werden wieder, so wie bereits in der großen Finanzkrise, als Gewinner hervorgehen. Bereits jetzt zeigt sich, dass seriöse Familienunternehmen nun umso mehr ihre Werte leben, dass sie zu ihren Mitarbeitern halten, auch wenn es schwierig ist. Dort wo erlaubt, werden Mitarbeiter zum Beispiel in Schichten eingeteilt und dürfen arbeiten, nicht nur einige, sondern alle. Zwar etwas weniger, aber alle erhalten ihr Einkommen. Loyalität wird gelebt. Die Werte des ehrbaren Kaufmanns, der nicht nur auf sein Auskommen bedacht ist, sondern auch auf jenes seines sozialen Umfeldes, sind gefragter denn je. Die starke Kapitalausstattung erfolgreicher Familienunternehmen, die man letzthin in Finanzkreisen wieder angefangen hat als unökonomisch zu kritisieren, weil die Zinsen für Fremdkapital so niedrig seien, beweist sich wiederum

ZUR PERSON Markus Weishaupt ist FamilyBusiness-Experte, geschäftsführender Gesellschafter von Weissman International (www. weissman-international.com), Professor an der FH Kufstein – University of Applied Sciences, Entwickler des Family Business Model (ww.familybusinessmodel. com), Keynote-Speaker, Autor zahlreicher Artikel und verschiedener Bücher zur Welt der Familienunternehmen, unter anderem „Radikal anders. Die DNA erfolgreicher Familienunternehmen“, erschienen im Campus Verlag. Als Unternehmensberater begleitet er Familienunternehmen und Unternehmerfamilien in strategischen, organisatorischen und FührungsFragen und als Mitglied von Verwaltungs- und Beiräten.

als Stabilitätsfaktor. Eigenkapitalquoten von über siebzig Prozent sind plötzlich nicht mehr unproduktiv, sondern garantieren Unabhängigkeit nicht nur in der Krise, sondern vor allem auch in der Nach-Corona-Zeit. Denn der Aufbau kostet Geld. Es braucht einen langen Atem. Die Entscheidungsschnelligkeit gepaart mit Innovationskraft beweist sich wiederum als Wettbewerbsfaktor. So werden etwa Produktionsunternehmen umgebaut, aus Kunsttischlereien werden Covid-19-Plexiglaswand-Hersteller für den Einzelhandel. Schutzmaskenproduktionen werden in kürzester Zeit von traditionellen Textilherstellern hochgefahren und Melitta stellt plötzlich nicht nur Kaffeefilter, sondern

auch Schutzmasken her. Der Onlineservice boomt und fast jedes kleine Geschäft bietet nun einen Lieferservice an, egal ob Blumen, Pizza, Lebensmittel oder Produkte für den Garten. Die Welt der Familienunternehmen ist durch Anpassungsfähigkeit geprägt. Familienunternehmen sind resistent, kreativ, innovativ und finden immer wieder neue Wege, den Fortbestand zu sichern. Sie passen kurzfristig auch Management und Führungsstrukturen an die neue Realität an, sind dadurch schnell und effizient. Viele haben in den Jahren nach Lehman Brothers die Zeit bewusst genutzt, ihre Stabilität und Solidität zu stärken. Aber nicht alle hatten diese Weitsicht. Einige haben sich von der Niedrigzinspolitik zur Verschuldung und Überschuldung verleiten lassen. Mögen sie überleben, mit Hilfe der Finanzspritzen des Staates und Europas und einer schwierigen Zeit der Rückzahlung dieser Kredite in den kommenden Jahren. Vor allem aber mögen sie daraus die Lehren ziehen, denn die nächste Krise kommt bestimmt.

DAS ENDE DER INTERNATIO NALISIERUNG?

Einige behaupten, die Internationalisierung sei nun endgültig vorbei und dass eine starke Internationalisierung zukünftig sogar schädlich sei. Das erkenne man an international agierenden Unternehmen und an exportabhängigen Staaten, die anscheinend mehr leiden werden als andere. Diese These wird sich als falsch herausstellen. Gerade international tätige Unternehmen werden auch in Zukunft, so wie in der derzeitigen Krisenzeit auch, sofern ihnen erlaubt ist zu produzieren, einen Wettbewerbsvorteil haben. Wer internatio-


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nal agiert, streut das Risiko, denn Krisen in einem Land können von anderen kompensiert werden. Krisen sind schließlich nicht immer global, im Gegenteil, die meisten sind auf ein mehr oder weniger großes Gebiet beschränkt. Was wenn die Krise gerade in der Region ausbricht, in der ein Unternehmen tätig ist, es aber keine anderen Märkte hat? Internationalisierung ist und bleibt auch für die Zukunft ein wesentliches DNA-Kriterium erfolgreicher Familienunternehmen. Lassen wir uns in der guten Führung und Steuerung von Familienunternehmen durch diese Pandemie nicht beirren. Wer mit Bedacht, etwas Abstand und reflektiert agiert, wird zum Ergebnis kommen, dass die DNA erfolgreicher Familienunternehmen durch diese Krise nicht verändert wird, sondern dass gerade diese DNA den erfolgreichen Familienunternehmen wieder ihr Überleben sichern wird. Sie werden gestärkt aus diesem fast surrealen Jahr 2020 hervorgehen, denn ihr Geschäftsmodell beweist sich weiterhin als krisenresistent. Seriös geführte Familienunternehmen haben das Potential, viele der beschriebenen Makroprobleme positiv zu beeinflussen. Eine Welt von Familienunternehmen, von Klein- und Mittelbetrieben,

eine Welt des sogenannten Mittelstandes, die es durch ihre einzigartig gelebte DNA gewohnt ist, nachhaltige, generationenübergreifende Entscheidungen zu treffen, könnte das Wirtschafts- und Gesellschaftssystem der Zukunft verkörpern und wesentlich dazu beitragen, einen umsichtigen, zukunftsfähigeren Kapitalismus zu schaffen. Man könnte meinen, dass die hohe Anzahl der Familienunternehmen, die weltweit ca. 75 Prozent aller Unternehmen ausmacht und in vielen europäischen Staaten noch höhere Prozentsätze erreicht, diesen Kapitalismus bereits hätte schaffen können. Leider ist der Einfluss der Riesenkonzerne und jener der weltweit agierenden Finanzbranche immer noch um ein Vielfaches höher und prägender als die große Zahl der Familienbetriebe. Zum Verständnis bietet sich eine Analogie an: Etwa ein Prozent der Weltbevölkerung besitzt mehr als die Hälfte des Weltvermögens. Man ist sich grundsätzlich einig, dass die Macht dieser Elite so unglaublich groß ist, dass selbst Milliarden Menschen ihr bis dato so gut wie nichts anhaben konnten. Familienunternehmen des Mittelstandes sind anfassbar, sie sind nicht anonym, nicht

so groß und mächtig wie weltumspannende Riesenkonzerne, deren Kapitalisierung größer ist als jene ganzer Staaten. Sie sind nie too big to fail und als Einzelunternehmen sind sie nie systemrelevant. Langfristig erfolgreiche Familienunternehmen sind radikal anders, weil sie von ihrer Wurzel her anders sind. Ihre Herkunft, ihr Sinn, ihre Ziele, ihre Art des Arbeitens, Wirtschaftens und die Kriterien, aufgrund welcher Entscheidungen getroffen werden, sind grundlegend unterschiedlich zu anderen Unternehmensformen. Nachhaltig erfolgreiche Familienunternehmen sind auch deshalb radikal anders, weil ihre Geschäftsmodell-DNA nicht nur ein Lippenbekenntnis ist, sondern weil sie diese kompromisslos leben und sie dadurch ihr generationenübergreifendes Überleben sichern. Wenn man es schaffen würde, das bisher sehr selektive Leben der DNA der besten Familienunternehmen zum allgemein erstrebenden Standard zu erheben, dann könnte dies das Grundgerüst eines neuen Wirtschaftens und Lebens sein. Eine Chance für unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft, unsere Umwelt. Eine Chance für unsere Generation und die Generationen nach uns.

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© HOHLRIEDER

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TIROLER VERSICHERUNG

kurz.interview

Mag. Isolde Stieg, Direktorin der TIROLER

Wir schauen aufeinander – so einfach ist das Drei Fragen an Isolde Stieg, Direktorin der TIROLER VERSICHERUNG

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Die TIROLER ist auch heuer wieder Top-Arbeitgeberin. Was macht Ihr Unternehmen anders als andere? ISOLDE STIEG: Verschiedene Lebensabschnitte bedeuten verschiedene Herausforderungen. Wir gehen damit offen um. Teilzeitmöglichkeiten in allen Arbeitsbereichen, auch in Führungspositionen, Homeoffice, Angebote zur Gesundheitsförderung, das sind Maßnahmen, die zu einem entspannteren Alltag führen. Es ist kein Geheimnis, dass wir so bessere Leistungen bringen als unter Dauerbelastung. Wir schauen auf unsere Mitarbeiter*innen und unsere Mitarbeiter*innen schauen auf die TIROLER. Die Formel ist sehr einfach.

Auch 2020 wird der Personalstand wieder erhöht – entgegen dem derzeitigen Branchentrend. Woran liegt das? Mit 50 Pensionierungen in den nächsten fünf Jahren stehen wir vor einem Generationenwechsel. Darüber hinaus brauchen wir Verstärkung in der Kundenberatung. Das Versicherungsgeschäft ist komplex und beratungsintensiv. Unsere Kund*innen verdienen besten, persönlichen Service. Das Internet steht nicht an ihrer Seite, wenn es um die Existenz geht, die TIROLER Berater*innen schon.

Worauf achten Sie bei Bewerbungen besonders? Integre, ehrliche und mit Hausverstand ausgestattete Bewerber*innen haben die Nase vorn. Fachliche Qualifikationen und Erfahrungen sind wünschenswert – die Bereitschaft zu lernen, schätzen wir aber ebenso hoch ein. Durch unser Ausbildungsprogramm schaffen wir für Quereinsteiger*innen alle Voraussetzungen für eine Karriere in der TIROLER. Geschlecht, Alter, Herkunft etc. spielen für uns keine Rolle – entscheidend sind die Persönlichkeit und der Wille, etwas zu bewirken.

Mit Freude bei der Arbeit: Marcel Schmid (Kundenberater Kufstein) und Lisa Kofler (Schadenservice-Backoffice).

DER MENSCH IM MITTELPUNKT Die TIROLER VERSICHERUNG zählt auch 2020 wieder zu den Top-Arbeitgebern Österreichs.

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nter den Top 10 des Landes, innerhalb der Branche sogar Platz 3 in Österreich: Auch 2020 darf sich die TIROLER über die Auszeichnung zur Top-Arbeitgeberin freuen. „Es sind immer die Menschen, die den Unterschied machen, die mutig agieren und vom Unternehmen Entwicklungs- und Entscheidungsspielräume erhalten“, so Jane Platter, verantwortlich für das TIROLER Personalmarketing. „Unser Anspruch ist, in allen Bereichen die beste persönliche Dienstleistung anzubieten. Dazu brauchen wir die kompetentesten und engagiertesten Mitarbeiter*innen. Und für diese schaffen wir ein Arbeitsumfeld, in dem sie sich optimal entfalten können“, bringt es Platter auf den Punkt. Ungewöhnlich: Die Organisationsstruktur folgt dabei stets den Menschen. Einzigartig: Alle Stellen werden immer in Teil- und Vollzeit ausgeschrieben. „Weil wir die Kompetenz unserer Mitarbeiter*innen nicht daran messen, wie viele Stunden sie pro Woche arbeiten. Sondern an ihren Ergebnissen und ob sie mit Begeisterung für unsere Kund*innen da sind.“ Die nachhaltige Personalpolitik bewährt sich. Das Betriebsklima ist ausgezeichnet. Die Mitarbeiter*innen schätzen die umfassenden betrieblichen Angebote – im Gesundheitsbereich, aber auch die persönliche Weiterentwicklung und die Zukunftsperspektiven. „Corona hat einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, nachhaltig zu wirtschaften und langfristig zu investieren. Wir setzen auf Menschen, statt auf „Systeme“ zu vertrauen, und schaffen damit wahrhaft krisensichere Arbeitsplätze in der Region“, so Platter. „Trotz Ausnahmesituation suchen wir aktuell wie geplant neue Mitarbeiter*innen. Eine schöne Bestätigung, dass es sich lohnt, als Arbeitgeberin mutig neue Wege zu gehen.“ PR

„ES SIND IMMER DIE MENSCHEN, D I E D E N U N T E R S C H I E D M A C H E N .“ M AG. JA NE P L AT T ER


TIROLER VERSICHERUNG

CHANCEN ERGREIFEN, MUT BEWEISEN © KOCH

Sich das ganze Arbeitsleben lang weiterentwickeln – das ist bei der TIROLER gelebte Praxis. Eine Geschichte über bunte Karrierewege.

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Mag. Caroline Raffl leitet seit kurzem den Bereich Kundenservice. Vorher war sie 15 Jahre lang Leiterin der Personalentwicklung.

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ls sich Caroline Raffl vor rund 18 Jahren bei der TIROLER für die Leitung der Personalentwicklung beworben hat, war ihr Sohn dreieinhalb Jahre alt. „Die Übernahme dieser Aufgabe bedeutete eine große Verantwortung. Ich konnte diese Stelle nur annehmen, weil die TIROLER schon damals Vereinbarkeit von Beruf und Familie tatsächlich gelebt hat“, erinnert sich die Personalerin. „Mein Aufgabenbereich war immer sehr abwechslungsreich und spannend. Ich arbeite einfach gerne und Menschen faszinieren mich. Nach 15 Jahren Personalentwicklung wollte ich aber noch einmal neu durchstarten und habe den Schritt in den operativen Bereich gewagt.“

OFFEN FÜR NEUES

Heute leitet die Powerfrau den Bereich Kundenservice – eine Aufgabe, die neben viel

Fachwissen auch mindestens genauso viel Leidenschaft für die Arbeit mit Menschen erfordert. Sie und ihr 18-köpfiges Team sind die Anlaufstelle Nummer eins für Kund*innen-Anliegen. Der Anspruch ist hoch: den bestmöglichen Service für alle zu bieten. Keine einfache Aufgabe. Bereut hat sie den Schritt noch keine Sekunde. „Die Personalentwicklerin in mir lässt sich natürlich nicht leugnen. Ich liebe es, die Stärken meiner Mitarbeiter*innen zu fördern. Und ich ermutige sie, sich weiterzuentwickeln. Chancen zu ergreifen. Mutig zu sein“, erklärt Raffl und muss ein wenig schmunzeln. Denn das hat nicht nur Vorteile. Im Moment ist sie auf der Suche nach Verstärkung für ihr Team. Ihre Teamleiterin Katharina Bernhart hat den Karrieresprung gewagt und übernimmt die Leitung des Schadenservice-Backoffice. Eine tolle Chance. „Ich freue mich mit ihr“, meint Raffl

„und bin gespannt, welche interessanten Persönlichkeiten sich für ihre Nachfolge bewerben.“

VERSTÄRKUNG GESUCHT

Die Ausschreibung läuft. Sich zu bewerben, ist auch jetzt noch möglich. „Wir bieten tolle Rahmenbedingungen – bei der TIROLER steht der Mensch immer im Mittelpunkt. Wobei für den Erfolg auch die eigene Grundeinstellung zählt. Selbständigkeit und Eigeninitiative sind gefragt und Mitgestalten ist kein leeres Schlagwort. Mit der richtigen Einstellung ist in der TIROLER sehr viel möglich und die Karrierewege sind bunt.“ Wie bunt, zeigt nicht nur das Berufsleben von Caroline Raffl. Umsteigen, aufsteigen, quereinsteigen: Chancen gilt es zu ergreifen. Auch in turbulenten Zeiten wie diesen. www.tiroler.at


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KRISE MIT LERNEFFEKT Dass es nach COVID-19 wieder so sein werde wie vorher, glaubt Multiunternehmer Manfred Pletzer nicht. Dass sich die Wirtschaft rasch wieder erholt, auch nicht wirklich. Trotzdem sei er kein Pessimist, sagt er. Eher Realist. Und er kann der Krise durchaus Gutes abgewinnen. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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anfred Pletzer ist Unternehmer. Er ist auch Sportler. Dass er im Zuge der Coronakrise eine Analogie zum Bergsteigen zieht, ist quasi nur folgerichtig. Eine Bergtour mag gut vorbereitet werden, vor allem müsse man sein Ziel kennen – und sich realistische Ziele setzen. Dennoch kann es auf dem Weg zu Turbulenzen und Unvorhersehbarkeiten kommen. Nebel zum Beispiel. Dann heißt es, sich vorsichtig nach vorne zu arbeiten, kleine Schritte zu machen, um wohlbehalten durchzutauchen und danach vielleicht noch ein Stück klarer zu sehen als vorher. Die Krise hat uns – wie das Erklimmen eines Berggipfels – Demut gelehrt. Ein „höher, schneller, weiter“ kann nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Letztlich geht es auch am Berg darum, zurück zu sich selbst zu finden. Und um Achtsamkeit.

„DIE AK TUELLE KRISE UND DIE DAMIT VERBUNDENEN EINSCHR ÄNKUNGEN UND A U S W I R K U N G E N H AT N I C H T N U R J E D E S UNTERNEHMEN, SONDERN AUCH JEDER B Ü R G E R U N M I T T E L B A R G E S P Ü R T.“ MANFRED PLETZER, UNTERNEHMER UND SPORTLER

ECO.NOVA: Die Pletzer Gruppe ist mit In-

dustrie, Tourismus und Immobilien in den verschiedensten Bereichen tätig. Die Coronakrise ist nicht nur geografisch eine globale, sie betrifft auch quasi alle Branchen. Lassen sich dennoch Unterschiede feststellen, welche Branchen härter bzw. auch langfristiger betroffen sind/sein werden? MANFRED PLETZER: Die unternehmerische Breite mit den unterschiedlichen Standbeinen hat die Pletzer Gruppe bisher gut durch die Krise getragen. Die Nachfrage in der Industrie war konstant hoch. Wir haben hier sehr rasch reagiert und konnten unter Einhaltung der höchsten Sicherheitsstandards für unsere Mitarbeiter ohne Unterbrechung produzieren. Ganz anders das Bild im Tourismus: Mit dem verordneten Shutdown mussten wir mitten in der Wintersaison unsere Hotelresorts und Bergbahnen vom einen auf den anderen Tag schließen. Die wirtschaftlichen Verluste schmerzen, die Entscheidung war aber sicher richtig. Wir blicken zuversichtlich in die bevorstehende Sommersaison. Sie haben im Zuge der Krise keine Mitarbeiter entlassen, sondern weitestgehend auf Kurzarbeit umgestellt. Warum war Ihnen das wichtig? Wir haben vorwiegend für die Mitarbeiter in unseren Hotelresorts Kurzarbeit angemeldet und können auf diese Weise nahezu alle Beschäftigten halten. Dieses Signal war uns als Unternehmensgruppe sehr wichtig, zumal wir im Tourismus in den nächsten Jahren weiterhin sehr stark wachsen wollen und die Kompetenz und

Qualität der Mitarbeiter dabei eine zentrale Rolle spielen. In den letzten Wochen haben wir den Betroffenen umfangreiche Weiterbildungsangebote zur Verfügung gestellt. Auch wurden die Hotels auf Vordermann gebracht und Hygienemaßnahmen umgesetzt. Wir sind gut aufgestellt.

fen. Die aktuelle Entwicklung bei den Infektionszahlen ist sehr positiv. Jetzt geht es auch aus meiner Sicht darum, den durch den Lockdown besonders betroffenen Betrieben rasch wieder auf die Beine zu helfen. Sonst droht uns die nächste Krise mit Firmenpleiten und Massenarbeitslosigkeit.

Sie sind mit Ihrer Gruppe international tätig. Ist ein unterschiedlicher Umgang mit der Krise in den verschiedenen Ländern (unternehmerisch) spürbar und wie geht Österreich Ihrer Meinung nach im Vergleich mit der Situation um? Tatsächlich hat unsere Bundesregierung – im Gegensatz zu manch anderen Ländern – sehr rasch und konsequent Maßnahmen getrof-

Die Krise hat uns gezeigt, wie filigran die Weltwirtschaft ist und wie sehr es zu einem Problem wird, wenn nur ein kleines Rädchen darin ins Stocken kommt. Glauben Sie, dass diese Erkenntnis zu einem achtsameren Wirtschaften führen wird? Wir erleben aktuell eine politische Debatte über eine Rückverlagerung gewisser Produktionsbereiche nach Europa. Unsere Unternehmensgruppe produziert und

Sie beschreiben sich selbst als traditionelles Tiroler Familienunternehmen, das nachhaltige Unternehmen entwickelt und betreibt sowie in solche investiert. Was bedeutet für Sie „Nachhaltigkeit“? Wir denken nicht in Quartalsergebnissen, sondern treffen unsere unternehmerischen Entscheidungen langfristig. Diesen Stil prägte schon mein Vater. Heute können wir auf eine über 50-jährige Erfolgsgeschichte zurückblicken. Die Pletzer Gruppe wächst gesund und kontinuierlich weiter. Unsere Unternehmensgruppe beschäftigt mittlerweile über 900 Mitarbeiter. Jedes Unternehmen muss sich dabei nach einer gewissen Zeit selbst tragen. Insofern sind wir auch finanziell gut aufgestellt und schließen weitere Akquisitionen für die Zukunft nicht aus.

Nach der Finanzkrise ist mit COVID-19 die nächste globale Krise entstanden, wenngleich mit weitreichenderen Folgen. Spüren Sie als Multi-Unternehmer einen Unterschied zwischen 2007 und 2020? Die aktuelle Krise und die damit verbundenen Einschränkungen und Auswirkungen hat nicht nur jedes Unternehmen, sondern auch jeder Bürger unmittelbar gespürt. Insofern ist diese Situation nicht mit früheren Krisen zu vergleichen. Wir haben in den letzten Wochen aber auch viel gelernt. Jetzt gilt es, die Learnings mitzunehmen, um künftig besser vorbereitet zu sein. Wir haben beispielsweise in den letzten Wochen viele Unternehmensabläufe komplett digitalisiert.

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investiert ausschließlich innerhalb der Alpenregion. Die in den letzten Jahren stark gewachsene Abhängigkeit von Asien ist sicher ein Problem und wurde in der Krise besonders deutlich. Jetzt müssen diesen Bekenntnissen aber auch Taten folgen. Ich denke hier beispielsweise an die Stärkung der beiden Novartis-Standorte als langfristige Chance für Tirol.

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Durch die Coronakrise ist die Thematik der Ökologisierung ins Hintertreffen geraten. Wird es auch hier ein Umdenken geben (müssen) oder steht uns mit dem Klimawandel die nächste Krise ins Haus? Der sorgsame Umgang mit unserer Umwelt und den Ressourcen bleibt die zentrale Herausforderung der Zukunft und darf im Zuge der Krisenbekämpfung jetzt nicht auf die lange Bank geschoben werden. Der Klimawandel macht keine Pause. Insofern ist es ratsam, auch bei den geplanten Konjunkturmaßnahmen und -paketen einen Fokus auf die Ökologisierung zu legen. Als größter Wärmepumpenhersteller in Österreich fordern wir den sofortigen Förderstopp für Öl- und Gasheizungen. Im Zuge der letzten Woche ist das Schlagwort „Regionalität“ wieder vermehrt in den Fokus gerückt und mit ihm die Stärkung heimischer Wirtschaftskreisläufe. Wie viel Regionalität darf/kann/muss sein, wie viel Globalisierung braucht es? Zweifelsohne hat der Wert der Regionalität zuletzt wieder an Bedeutung gewonnen. Auf der anderen Seite zählt auch der Paketriese Amazon zu den großen Krisengewinnern. Eine gesunde Balance ist richtig. Tatsache ist auch: Als Export- und Tourismusland brauchen wir ein internationales Publikum. Unsere regionale Stärke und Kompetenz sollten wir dabei künftig noch stärker im Rahmen unserer Lebensraum-Holding in den Vordergrund rücken. Sie sind mit Ihren Pletzer Resorts auch im Tourismus verankert. Trotz Krise gingen die Bauarbeiten am neuen Haus in Bayrischzell weiter, das Hotel am Tegernsee wird im Juli wie geplant eröffnet. Wie konnte in einer Zeit, in der quasi die gesamte Wirtschaft stillstand, ein Hotel gebaut werden? Wir sind zuversichtlich, planmäßig mit unserem fünften Move&Relax-Resort Ende Juli in Betrieb gehen zu können. Wir können damit auch vielen bayrischen und deutschen Gästen ein zeitgemäßes und attraktives Angebot

„DER SORGSAME UMGANG MIT UNSERER U M W E LT U N D D E N R E S S O U R C E N B L E I B T DIE ZENTRALE HER AUSFORDERUNG DER ZUKUNF T UND DARF IM ZUGE DER KRISENBEK ÄMPFUNG JE TZ T NICHT AUF DIE L A N G E B A N K G E S C H O B E N W E R D E N .“ MANFRED PLETZER

für den „Urlaub dahoam“ anbieten. Die Werbung hat voll begonnen, auch die Buchungen ziehen an. Wir setzen mit unseren Tourismusbetrieben einen klaren Gegentrend zu Fernreisen und Kreuzfahrten und glauben fest an den langfristigen Erfolg unseres Konzepts.

Viele Unternehmen haben ihre Investitionstätigkeit zurückgefahren – oftmals wegen aktuell starker finanzieller Einbußen, aber auch wegen großer Unsicherheiten ihre Zukunft betreffend. Sie nicht. Sind Sie ein derart großer Optimist und braucht es als Unternehmer auch Mut zum Risiko? Schon Aristoteles hat gewusst: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Insofern steckt in jeder Krise auch eine Chance. Als bodenständiges Familienunternehmen sind wir darüber hinaus keinen Investoren und Aktienkursen verpflichtet und können autonom und frei unsere Entscheidungen treffen. Auch die Edelbrennerei Erber aus Brixen im Thale ist Teil der Pletzer Gruppe. Statt Schnaps gebrannt wurde in den letzten Wochen Desinfektionsmittel hergestellt. Machen uns Krisen kreativ oder zwin-

gen sie uns dazu, auch mal über den Tellerrand zu schauen? Dieses Beispiel steht exemplarisch für die Innovationskraft und Flexibilität der Tiroler Wirtschaft. Wir haben mit unserem Desinfektionsmittel in kürzester Zeit über 80.000 Liter abgesetzt. Als älteste Edelbrennerei Tirols bleibt der Schnaps aber auch in Zukunft unser Kerngeschäft.

ZUR PLETZER GRUPPE KR Anton Pletzer machte schon früh von sich reden, als er mit 19 Jahren der jüngste Unternehmer des Landes Tirol wurde. Mit der Gründung der Firma Pletzer Installationen in Hopfgarten zündete er 1964 den Startschuss für die Unternehmensgruppe, die zwischenzeitlich im Tourismus (Hotelbetriebe, Bergbahnen), Immobilienbereich und in der Industrie (Pletzer Installationen, APL Apparatebau, iDM Energiesysteme, Brennerei Erber) tätig ist und mittlerweile 850 Mitarbeiter beschäftigt. Die Geschäfte der Gruppe werden von Manfred Pletzer geführt, der seine Erfahrungen im Energiebereich auch im Aufsichtsrat der TIWAG einbringt. 2016 knackte die Gruppe die 110-Millionen-Euro-Umsatzgrenze.


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VON DER VISION ZUR WIRKLICHKEIT Wie in partnerschaftlicher Teamarbeit ein einzigartiges Bauvorhaben umgesetzt wird.

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irekt im Innsbrucker Traditionsstadtteil Pradl nimmt die Vision der zwei Tiroler Familienunternehmen Panoramabau und Plus Immobilien vom urbanen Wohnen Gestalt an. An der Ecke Amraser Straße/ Pradler Straße entsteht das „Duett“ – zwei Baukörper in Niedrigenergiebauweise mit insgesamt 116 Eigentumswohnungen sowie Büro- und Geschäftsflächen und einem Seminarzentrum im Erdgeschoss. Jede Wohneinheit verfügt über einen Balkon, eine Loggia oder einen Dachgarten. Große Fensterflächen ermöglichen einen wunderbaren Ausblick auf die beeindruckende Bergkulisse rund um Innsbruck. Ziel des Projekts ist es, Wohnraum mit höchster Lebensqualität zu

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schaffen und gleichzeitig einen maßgeblichen Beitrag zur Stadtteilentwicklung zu leisten. Um das zu erreichen, haben sich die zwei Unternehmen zur Panorama Plus Immobilien GmbH zusammengeschlossen und bündeln somit ihre langjährige Erfahrung im Wohnbau und der Immobilienentwicklung. „Wir sehen im Pradler Duett sowohl die Chance als auch die Verantwortung, neue Qualität, neues Leben und neue Möglichkeiten nicht nur für die Bewohner, sondern auch für den Stadtteil und die unmittelbare Nachbarschaft zu schaffen“, schildert Karl Heinz Schlechter, einer der Geschäftsführer der Panorama Plus Immobilien GmbH. Bei der Umsetzung unterstützt wird der Bauträger vom Tiroler Architekten-Duo Karin Triendl und Peter Larcher. Sie überzeugten beim überregionalen Architektenwettbewerb mit einem Entwurf, durch den es gelang, wichtigen Anforderungen in städtebaulicher, architektonischer und sozialräumlicher Hinsicht gerecht zu werden.

HÖCHSTE QUALITÄT

Beim Duett in Pradl wird auf höchste Wohnund Bauqualität gesetzt: lichtdurchflutete Wohnungen mit moderner Ausstattung inmitten einer idealen Infrastruktur. Besonders gelungen ist der Mix an Ein- bis Vierzimmerwohnungen in Größenordnungen zwischen 36 und 110 Quadratmetern. Im Innenhof entsteht eine großzügig gestaltete Grünfläche, die für die Bewohner zur attraktiven Erholungs- und Begegnungszone wird. Durch die zentrale Lage bietet das Wohnduett neben der optimalen Anbindung ans

DAS DUETT IM ÜBERBLICK • 2 Baukörper in Niedrigenergiebauweise • 116 Eigentumswohnungen zwischen 36 und 110 m2 • Zentrumsnahes Wohnen • Optimale Infrastruktur und Anbindung • Jede Wohneinheit mit Freifläche • Hochwertige Ausstattung und Materialien – u.a. Echtholzparkett, Fußbodenheizung, DreifachIsolierverglasung, KomfortWohnraumlüftung, elektrischer Sonnenschutz, effiziente Wärmeversorgung über Grundwasser-Wärmepumpe und zentrale Gastherme • Großzügige Gartenanlage

NÄHERE INFOS UND VERKAUF: Bettina Schlechter Tel.: 0664/41 46 000 duett@panoramabau.at

www.panoramabau.at

Zentrum auch zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten in der Umgebung. Auf einzigartige Weise kombiniert das Projekt die Nähe zum pulsierenden Stadtleben mit der Einladung zum Rückzug und zur Erholung und will so Wohn- und Lebensqualität auf höchstem Niveau bieten.

INVESTIEREN IN INNSBRUCK

Es gibt nur wenige Städte, in denen der Bedarf an Mietwohnungen im Verhältnis zum Marktangebot so hoch ist wie in Innsbruck. Die Universitätsstadt punktet mit ihren vielfältigen Angeboten und Möglichkeiten in den Bereichen Kunst, Kultur, Sport, Freizeit, Wissenschaft und Arbeit – und das inmitten der traumhaften Tiroler Bergwelt. Da ist es wenig verwunderlich, dass Immobilien in den letzten zehn Jahren einen stabilen jährlichen Wertzuwachs zwischen vier und zehn Prozent erzielten. Und die besten Anlagen sind letztlich jene, die eine attraktive Rendite abwerfen – und den Investor gleichzeitig so wenig wie möglich beschäftigen. Deshalb bieten die Errichter professionelle Mietverwaltung an – beginnend bei der Mietersuche über Kontoführung und -kontrolle bis hin zur Erstellung der Unterlagen für den Steuerberater.


TIROLER SPARKASSE

GELD, KRISEN UND CHANCEN Es braucht kein „altes Geld“, um sich als junger Mensch ein Vermögen aufzubauen. Peter Tiefenthaler, Bereichsleiter Privatkunden und Leiter Private Banking der Tiroler Sparkasse, erklärt, warum es wichtig ist, sein Geld arbeiten zu lassen, und wie wir es trotz Krise am besten anlegen.

ECO.NOVA: Das Veranlagen in Aktien gilt für viele von uns immer noch als riskant. Und wer sein Geld am Kapitalmarkt gemacht hat, wirkt verdächtig. Warum ist das so? PETER TIEFENTHALER: Weil Geld oft ein negatives Image hat: Es sei irgendwie „schmutzig“, es korrumpiert, es zerstört, es regiert die Welt. Seltener hört man, es sorgt vor, ermöglicht Fortschritt, Innovation und Umverteilung.

Wo finden wir positive Geschichten? Die älteste steht wohl in der Bibel. Das Gleichnis von den anvertrauten Talenten. Da belohnt der Herr jene, die mit seinem Geld in seiner Abwesenheit gewirtschaftet haben, und nimmt dem alles weg, der das Geld aus Angst vergraben hat. Die Interpretation eines Bankers wäre: Wer sein Talent, in diesem Fall Geld, nicht nutzt, riskiert einen Verlust. Besitz verpflichtet uns, damit zu wirtschaften.

Ein interessanter Ansatz. Haben Sie auch ein aktuelleres Beispiel? Ein sehr aktuelles sogar. Es handelt von Aya Jaff, einer 25 Jahre jungen Deutsch-Irakerin, die eine Anwärterin für „Forbes 30 under 30“ ist. Mit 16 legte sie ihr gesamtes Taschengeld an und entwickelte das Börsenplanspiel „Tradity“. Vor wenigen Tagen erschien ihr neues Buch „Moneymaker: Wie du die Börse für dich entdecken kannst“. Ihre Mission: Jungen Menschen zu zeigen, wie man investiert und wie wichtig es ist, zu verstehen, wie die Börse tickt. Auch um zu wissen, welchen Einfluss man als Einzelperson tatsächlich auf eine bessere Zukunft und unsere Umwelt nehmen kann. Ihre Grundannahme ist eine alte Börsenwahrheit, die sehr aktuell ist: Die großen Vermögen werden in der Krise gemacht. Bei all dem Schaden ist die aktuelle Gesundheitskrise mit ihren wirtschaftlichen Folgen eine Jahrhundertchance in puncto Aktien, lautet der Tenor vieler Experten. Die Frage ist allerdings, in was wir jetzt investieren sollen? In Aktien mit hoher Rendite, durch Unternehmen, die mit Waffen und Tabak große Geschäfte machen? Oder in eine bessere Zukunft mit grünen Technologien und

53 Peter Tiefenthaler, Bereichsleiter der Tiroler Sparkasse und Leiter Private Banking

nachhaltigen Businessmodellen? Wenn wir nicht nur unser Geld, sondern auch die Welt retten wollen, müssen wir uns mit dem Thema Finanzen auseinandersetzen.

Raten Sie das auch Ihren Kunden? Mehr noch, die Erste Asset Management hat sich als größte Fondsgesellschaft in Österreich dazu entschlossen, Erdölunternehmen vorzeitig aus den nachhaltigen Umweltzeichen-Fonds auszuschließen. Damit übererfüllen wir sogar aktuelle Bestimmungen des österreichischen Umweltzeichens. Ein Ausschluss von Erdölunternehmen kann aus ethisch-moralischen Motiven erfolgen. Er kann aber auch aus Risikogesichtspunkten erfolgen. Hier stellt man sich die Frage, wie zukunftsfit die Branche langfristig ist. Wir haben uns aus beiden Gründen entschieden, die neuen Bestimmungen des österreichischen Umweltzeichens vorwegzunehmen. Ist es sinnvoll, mit einem Einmalerlag einzusteigen? Der Markt hat eine gewisse Schwankungsfreudigkeit. Rückschläge sind nicht auszuschließen. Wer überlegt, die günstigen Kurse zu nutzen, kann in Tran-

chen über einen kürzeren Zeitraum – etwa zwölf bis 24 Monate – einsteigen. Oder er greift zum bewährten Mittel des Fondssparens. Es hat sich nicht nur in dieser Krise gezeigt, dass der regelmäßige Erwerb von Fondsanteilen zu einer Verteilung der Einstiegskurse führt und das Risiko von Marktschwankungen reduziert wird. Eine gewisse Auseinandersetzung mit Themen bleibt dem Anleger aber nicht erspart.

Was raten Sie Ihren Anlegern? Niemand hat die Kristallkugel, die einem verrät, wann genau der beste Einstiegszeitpunkt ist. Auch die besten Experten können nicht sagen, ob die Börsen noch weiter fallen werden. Oder ob und wann ein Impfstoff gegen das Virus auf den Markt kommt und die Kurse steigen. Am besten hält man sich an die Empfehlung von Altmeister André Kostolany. Er sagte: „An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven haben, das Minus 1 auszuhalten“. tirolersparkasse.at

Wichtige rechtliche Hinweise: Prognosen sind kein zuverlässiger Indikator für künftige Entwicklungen.


eco.wirtschaft

DAS POTENZIAL DER KRISE Die Coronakrise hat die meisten Unternehmer ebenso überraschend wie hart getroffen. Doch bei allem Ungemach lässt sie sich auch als Verstärker nutzen, um in Beziehungen mit den Mitarbeitern zu investieren – intelligent und nicht monetär.

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s scheint, als liege in der Corona­ krise mehr Veränderungspotenzial als in früheren Krisenzeiten. Auch Business Pool, ein Beratungsunternehmen mit Standorten in Bozen und Innsbruck, hat sich während des Lockdowns darüber Gedanken gemacht. „Nach Jahren der Beschäftigung mit Personal- und Organisationsentwicklung und zuletzt intensiv mit dem Thema des Employer Branding stellte sich auch für uns die Frage: Was nun?“, so Mag. (FH) Günther Wurm, geschäftsführender Gesellschafter der Business Pool GmbH. Und auf Fragen wollen Antworten gefunden werden. Business Pool hat dafür zwischen dem 13. und 24. April Unternehmer, Geschäftsführer und Mitarbeiter in Nord- und Südtirol befragt und die Studie bestätigt wenig überraschend eine alte Binsenweisheit: Krisen wirken wie ein Vergrößerungsglas.

Sie haben während der Krise zu einer Onlineumfrage eingeladen. Was war das Ergebnis? GÜNTHER WURM: Unisono glauben Chefs und Angestellte, dass die aktuelle Situation die Stärken und Schwächen der Unternehmen hervorgebracht hat. Damit wissen wir: Krisen verstärken. Sowohl Unternehmer und Geschäftsführer als auch Mitarbeiter sind zu über 80 Prozent der Meinung – geprägt von den Erfahrungen dieser Wochen –, dass die Prozesse im eigenen Unternehmen optimiert werden sollten.

ECO.NOVA:

Sie beschäftigen sich in erster Linie mit der Entwicklung in und von Unternehmen. Ziehen die Befragten auch ganz persönliche Schlüsse? Ja. Knapp 45 Prozent der Mitarbeiter nehmen die jetzige Situation als Anlass, um die persönliche Arbeitssituation zu überdenken. Jeder zehnte Mitarbeiter möchte einen Arbeitsplatzwechsel vollziehen. Fast genauso viele wollen ein anderes Arbeitszeitmodell oder eine andere Aufgabe. Knapp 40 Prozent der Chefs denken über eine Neuausrichtung des Unternehmens nach. Gerade in Krisenzeiten brauchen Menschen Halt und Orientierung. Wie wirkt

Mag. (FH) Günther Wurm, geschäftsführender Gesellschafter Business Pool GmbH

sich das aufs Unternehmertum aus? Wir haben gesehen, dass Werte in der Krise deutlich in den Vordergrund rücken – Werte wie die Sicherheit des Arbeitsplatzes, soziale Verantwortung und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Auf der Arbeitgeberseite war die Bedeutung dieser Werte deutlich stärker priorisiert als die Auftragslage zu halten. Kurzum: Die Sicherheit des Arbeitsplatzes und soziale Verantwortung stehen vor allem anderen.

Kommunikation und Identifikation mit dem Unternehmen sind gerade in solchen Zeiten extrem wichtig. Hat die Krise darauf Auswirkungen? Nach der Kommunikation innerhalb des Unternehmens befragt, sagen 40 Prozent der Mitarbeiter, dass sie diese in dieser kritischen Phase schlechter als vor der Krise einstufen. Knapp 80 Prozent der Arbeitgeber sehen die Kommunikation im Unternehmen nun als besser an. Eine deutliche Diskrepanz. Die Kommunikation und die gelebten Werte stellen unter anderem die Basis für die Identifikation der Mitarbeiter mit dem eigenen Unternehmen dar. Gerade in Zeiten der Krise benötigen Unternehmen Mitarbeiter, die sich identifizieren, die auch bereit sind, diesen zusätzlichen Schritt mehr zu tun, um so gemeinsam aus der Krise zu kommen.

Viele Mitarbeiter sind in den letzten Wochen ins Homeoffice gewechselt. Hat das Thema der Flexibilisierung der Beschäftigung generell an Bedeutung gewonnen? Definitiv, und zwar besonders bei der Zielgruppe der 25- bis 45-Jährigen. Die Tatsache, dass der überwiegende Teil der befragten Unternehmer dieser Entwicklung positiv gegenübersteht, deutet darauf hin, dass wir am Beginn eines Kulturwandels in der Arbeitswelt stehen. Gefragt ist: Sicherheit des Arbeitsplatzes versus Flexibilisierung in der Arbeitsbeziehung. Welches Resümee ziehen Sie selbst aus der Studie? Zusammenfassend geht aus der Befragung ganz klar hervor, dass die Komplexität und der Individualismus auch im Bereich Human Resources zunehmen und es ein Arsenal an verschiedenen Methoden braucht, um zielgruppengerecht zu kommunizieren, Mitarbeiter dort abzuholen, wo sie gerade stehen, und dadurch belastbare Beziehungen zwischen Mitarbeitern und Unternehmen aufzubauen: intelligent und nicht monetär.

ZUR STUDIE Insgesamt wurden 12.800 Unternehmer, Geschäftsführer und Mitarbeiter in Süd- und Nordtirol in einer Onlineumfrage befragt, schwerpunktmäßig in den Sektoren Dienstleistungen, Handel, Industrie, Handwerk und öffentliche Verwaltung. Die Antworten lassen sich grob in drei große Blöcke gliedern: Arbeitsgestaltung während Corona, Einstellungen zur Arbeit und Wertehaltungen und Beziehungen bei der Arbeit. Durchgeführt wurde die Studie von Business Pool unter der Leitung von Mag. (FH) Günther Wurm, Dr. Gernot Gruber und Maximilian Troendle. Rücklaufquote: 11,4 % (ca. 1.000 Mitarbeiter und ca. 450 Führungskräfte, Geschäftsführer und Unternehmer, 80 % davon aus Südtirol)


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ZUKUNF

bildung & innovation

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Ein Plädoyer für mehr Transparenz Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie blickt die Welt gebannt auf Statistiken und Daten, um die Entwicklung dieser neuen Viruserkrankung zu verfolgen. Insbesondere im Gesundheitswesen ist ein solches Ausmaß an Informationstransparenz neu und ungewöhnlich. Für die Wissenschaft ist Corona zum Reallabor geworden, in dem unter anderem der Zugang zu medizinischen Daten zentral ist, um Vorhersagen tätigen zu können, wie und in welchem Zeitverlauf sich die Pandemie entwickeln wird. Dass in Österreich diesbezüglich eine unbefriedigende Situation herrscht, zeigte zuletzt eine Reihe von Personen aus der Wissenschaft, indem sie auf die fehlenden Zugänge zu Daten rund um die Coronakrise aufmerksam machten. Aus historischer Perspektive betrachtet, zeigt das nun zutage getretene Problem, dass Transparenz und Qualitätsmessung im österreichischen Gesundheitswesen bis jetzt einen weniger prominenten Stellenwert hatten. Dass die Wissenschaft keinen Zugang zu Daten hat, ist ein Resultat davon, zu grobe Datenerhebung ein anderes, wie Albrecht Becker von der Universität Innsbruck erklärt: „Die medizinischen Daten, mit denen in Österreich im Augenblick operiert wird, sind nicht ausreichend“, so der Wirtschaftswissenschaftler. Gemeinsam mit Silvia Jordan leitet er seit 2018 ein vom Wissenschaftsfonds FWF gefördertes Projekt zur Qualitätsmessung im österreichischen Gesundheitswesen. In ihren laufenden Analysen stellen Becker und Jordan unter anderem fest, dass es häufig an kontextrelevanten Informationen fehlt, die Zahlen nachvollziehbar machen. Doch nur so könnte man das Virus besser verstehen. Ebenso werde zu den Modellen wenig Information zu ihren Basisannahmen geliefert. Gerade bei Prognosen für die Zukunft wäre es aber wesentlich zu wissen, welche Annahmen dahinterstehen. In ihrem noch bis 2021 laufenden Grundlagenprojekt führt das Innsbrucker Forscherteam auch Fallstudien in ausgewählten Krankenhäusern durch. Das Ziel der Forschenden ist, die verschieden Perspektiven und Interessen von Verantwortungsträgern, Medizinern oder Pflegepersonal zusammenzuführen und die Ursachen der derzeit mangelnden Transparenz sowie die Anwendung der Qualitätsdaten zur Diskussion zu stellen.

„NUR WENN JEMAND EINE VISION V O N D E R Z U K U N F T H AT, H Ä LT E R D U R C H – A U C H I N D E R N O T.“ VIKTOR FRANKL


eco.mmentar

© RAUM13

eco.zukunft

Regionalität in der Arbeitswelt Herwig Zöttl

EINFACH MAL MACHEN – KÖNNTE JA GUT WERDEN. Die Ausnahmesituation durch die Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Verbreitung trifft viele Unternehmen hart. Sie fördert aber auch Unternehmer- und Innovationsgeist. Eine neue, private und unabhängige Plattform sucht Menschen, die während des immer noch anhaltenden Ausnahmezustandes und für die Zeit danach Neues starten wollen. Und auch Menschen, die das unterstützen. Interessierte und Macher können sich unter www.startjetzt.eu anmelden und werden kostenlos mit Mentoren zusammengebracht, die bereit sind, finanziell, mit Erfahrung oder Hands-on-Mentalität zu unterstützen.

SMARTE LÖSUNGEN Corona hat Veränderungen in unserem Alltag gebracht und einige davon werden uns wohl noch eine Weile begleiten. Fiegl + Spielberger hat unter anderem auf Basis intelligenter Datenanalyse Lösungen zur Pandemie-Eindämmung entwickelt, die sich nahtlos und einfach in den (unternehmerischen) Alltag integrieren lassen – videobasierte Personenzählungen etwa, um behördliche Auflagen sicher und ohne viel zusätzlichen Personalaufwand einhalten zu können; Maskendetektion für lückenlose Hygiene (das System erkennt zum Beispiel, ob jemand eine Maske trägt, und erteilt nur dann eine Zugangsfreigabe für bestimmte Bereiche) oder effiziente Temperaturmessung. Weitere Infos unter www.fiegl.co.at

Schon vor Corona haben viele Gespräche über die Zukunft der Arbeit stattgefunden. Mit Corona kam Bewegung.

Meist scheiterte das „Darübernachdenken“ an alteingesessenen Gewohnheiten. Sogar Selbständige ließen sich leicht von der Macht der Gewohnheit irritieren und folgten blindlings gewöhnlichen Arbeitsritualen. Arbeitgeberseitig wurde propagiert, Mitarbeiter seien fleißiger und pflichtgetreuer, wenn sie baulich konzentriert und zeitlich kontrolliert wären. Datensicherheit war eines der klassischen Hauptargumente für eine herkömmliche Unterbringung der Belegschaft und sicherte lange Zeit das innerbetriebliche Machtgefüge. Und dann? Dann kam die Pandemie. Innerhalb weniger Tage wurden Abertausende ins Homeoffice gesteckt. Das Problem der Datensicherheit und des Datenaustausches waren plötzlich wie weggezaubert. Der Kontrollzwang mittels technischer Zeiterfassung und visueller Anwesenheitsobservation zerplatzte wie eine Seifenblase. Unternehmer wie Mitarbeiter mussten schnell reagieren. Kosten- und Organisationsaufwand waren zwar teilweise enorm, aber wann, wenn nicht während Krisen war die Menschheit in ihren Handlungen situationselastischer? Unternehmen mit außerbetrieblich eingesetzten Mitarbeitern machten einzigartige positive Erfahrungen bezüglich Produktivität, Kontinuität und Kreativität. Das Messen von Arbeitsleistung in Zeiteinheiten wurde schlagartig zum Nebenschauplatz. Für die Mehrheit der Arbeitnehmer, die zum ersten Mal aus der Ferne arbeiten musste, erwies sich darüber hinaus die gewonnene Flexibilität als idealerer Arbeitsstil. In einer kürzlich durchgeführten Studie von „Coworking Insights“ über erstmalig aus der Ferne arbeitende Arbeitnehmer gaben über 70 Prozent an, dass sie in ihrer neuen unabhängigen Arbeitsplatzsituation produktiver sein konnten als in ihren statischen Alltagsbüros. Diese Ferneinrichtung wirkte sich zusätzlich positiv auf die persönlichen Finanzen, die psychische Gesundheit, das körperliche Wohlbefinden, das Familien- oder Sozialleben und den beruflichen Erfolg aus. Spätestens wenn jedoch die Work-Life-Balance zu kippen droht, weil man zuhause das Gefühl hat, nicht produktiv gewesen zu sein, und man beim Abendessen immer noch E-Mails beantwortet, bröckelt das schöne Bild vom Homeoffice. Privatleben und Arbeit beginnen sich zu vermischen. Die Alternative: Coworking. Coworking Spaces sind regionale Einrichtungen, die eine Möglichkeit schaffen, am Heimatort remote zu arbeiten. Trotzdem bleibt Privates vom Beruflichen getrennt und das Pendeln bleibt überschaubar. Ein guter Coworking-Space zeichnet sich durch eine vielseitige Community aus, an die man leicht andocken kann. Das produktive Tun und die Inspiration anderer steckt an und man kann sich auf seine Arbeit fokussieren, ohne innerbetrieblich abgelenkt zu werden. Eine großartige Chance, Regionalität in die Arbeitswelt zu bringen.

HERWIG ZÖTTL

Pionier in Sachen Coworking in Tirol | Raum13 – Coworking – in Innsbruck

www.raum13.at

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eco.zukunft

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SCHMERZ LASS NACH! Ischgl wirkt – aber wie? Wie groß die negativen Folgen der IschglDebatte auf den Tiroler Tourismus sein werden, darüber wird heftig spekuliert. eco.nova liegt exklusiv eine Umfrage von IMARK vor, die Licht ins Dunkel bringt. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass Tirol mit einem blauen Auge davonkommen dürfte. T E X T : K L A U S S C H E B E S TA


eco.zukunft

M A R K E N A S S O Z I AT I O N E N

BERGWELT (Berge, hohe Berge, alpin, Bergwelt)

WINTER (Skifahren, Skiurlaub, Schnee, Seilbahnen …)

WELLE 2 (MAI 2020)

76 % der Befragten

78 % der Befragten

34 %

38 %

62 %

NATUR (Seen, Wiesen, klares Wasser, klare Luft, Kühe …) SOMMER (Wandern, Bergsteigen, Klettern ...)

32 %

KULINARIK (Brotzeit, Speck, gutes Essen, Gastronomie …)

27 %

ÖSTERREICH

CORONA (Sperrgebiet, Ansteckungen, Coronaparty, Vertuschung …) ERHOLUNG (Urlaub, Reisen …)

WELLE 1 (APRIL 2020)

22 % 22 % 18 %

51 %

34 % 30 % 21 % 13 % 19 %

Die dominanten Assoziationen zur Urlaubsmarke Tirol bei deutschen Befragten.

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iel wurde in den vergangenen Jahren über „Overtourism“ diskutiert. Dann kam Corona. Und jetzt müssen wir uns mit einem ganz anderen Problem herumschlagen: Wie schafft es Tirol, den drohenden „Undertourism“ abzuwenden und seine Leitbranche wieder in Schwung zu bringen? Denn am Tourismus hängen zahlreiche weitere Branchen – vom Bau über den Handel bis hin zu regionalen Zulieferern aus allen Bereichen der Wirtschaft. Deswegen geht die Frage nach dem durch die Causa Ischgl verursachten Imageschaden weit über das Ski-Mekka hinaus. FOTOS: © TIROL WERBUNG

Wer was wann in Ischgl getan oder unterlassen hat, darüber zerbricht sich die eingesetzte Kommission den Kopf. Für einige Medien, darunter das deutsche Magazin Spiegel, ist ohnehin alles klar: Ischgl sei „Ground Zero“ der Corona-Verbreitung, wird in einer der letzten Ausgaben berichtet, quasi die Mutter aller Hotspots. Wie dem auch sei – eines ist abseits moralischer und politischer Verantwortlichkeiten derzeit ungeklärt: Wie stark hat die Causa Ischgl die Marke Tirol beschädigt? Darüber wird und wurde viel spekuliert. Eine Studie der Innsbrucker Beratungsfirma IMARK Strategy & Research in Kooperation mit der Universität Innsbruck weiß die Antworten darauf. Denn IMARK hat in der Studie „Auswirkungen von Corona auf Bedeutung und Stärke der Marke Tirol“ folgende Fragen untersucht: Hat die hauptsächlich negative Medienpräsenz das Wahrnehmungsbild der Marke Tirol in Deutschland beeinflusst? Wie stark ist eine allfällige negative Wirkung? Wie lange hält sie an? Welche Auswirkungen zeigen sich auf die Attraktivität Tirols als Urlaubsdestination bei (potenziellen) Urlaubsgästen aus Deutschland? IMARK führte zwei getrennte Onlinebefragungen im zeitlichen Abstand von knapp einem Monat in Deutschland durch. Welle 1 erfolgte Anfang April, Welle 2 Anfang Mai. Die Befragungen umfassten jeweils mehr als 500 Personen, die bezüglich Alter und Geschlecht repräsentativ zusammengesetzt waren. Rund 20 Prozent jeder Wel-

le waren in letzter Zeit zu Besuch in Tirol – das entspricht dem Reiseverhalten der deutschen Gesamtbevölkerung. Die Durchführung der Befragung in zwei zeitlich versetzten Wellen erlaubt es, die Entwicklung der Markenwahrnehmung zu prüfen: Wie stark war der negative Einfluss der Medienpräsenz rund um Corona am Höhepunkt der Krise – und wie lange hält dieser an? Um den großen Fragezeichen beim grenzüberschreitenden Tirol-Bild auf die Spur zu kommen, wurden drei zentrale Bereiche abgefragt. Erstens: Was wird mit der Marke Tirol assoziiert? Zweitens: Welches Profil hat die Marke Tirol? Und drittens: Wie attraktiv ist Tirol als Destination?

MARKENASSOZIATIONEN

Methodisch erfolgte die Ermittlung der Markenassoziationen zu Tirol durch folgende Herangehensweise: Auf die Fragestellung „Was kommt Ihnen spontan in den Sinn, wenn Sie an Tirol denken?“ wurden die offenen Assoziationen der Befragten erfasst. Es waren mehrere Antworten möglich, die Kategorisierung und Codierung erfolgte auf Basis einer Inhaltsanalyse durch IMARK. Wie positiv bzw. negativ diese Assoziationen für die Befragten waren, wurde auf einer Skala von 1 bis 5 festgehalten. Die Top-3-Assoziationen zur Urlaubsmarke Tirol bei deutschen Befragten lauten Bergwelt, Schnee/Skifahren/Wintersport und Natur. Und Corona? Kommt in Welle 1 an siebter Stelle. Zentral sind bei diesem

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MARKENPROFIL Bitte wählen Sie jene fünf Eigenschaften aus, die Tirol für Sie am besten beschreiben (aus vorgegebener Liste). Tirol hat ein klares Profil, das sich mit vier Haupteigenschaften beschreiben lässt: naturbelassen, erholsam, naturbelassen traditionell und gastfreundlich. Daran hat auch Corona nichts geändert.

erholsam naturbelassen naturbelassen naturbelassen gastfreundlich traditionell erholsamerholsam erholsam erlebnisreich gastfreundlich gastfreundlich gastfreundlich sportlich erlebnisreich erlebnisreich erlebnisreich authentisch sportlichsportlich sportlich kulturell authentisch authentisch authentisch liebenswürdig kulturellkulturell kulturell spaßig liebenswürdig liebenswürdig liebenswürdig ehrlich spaßig spaßig spaßig leidenschaftlich ehrlich ehrlich ehrlich modern leidenschaftlich leidenschaftlich 2 leidenschaftlich mutig modern 2 modern 2 modern mutig mutig 2

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mutig Bitte2wählen Sie jene fünf Eigenschaften aus, die Tirol für Sie am besten beschreiben (aus vorgegebener Liste). Tirol hat ein klares Profil, das sich mit vier Haupteigenschaften beschreiben lässt: naturbelassen, erholsam, traditionell und gastfreundlich. Daran hat auch Corona nichts geändert.

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naturbelassen Ergebnis abgesehen von der Rangfolge die erholsam markanten Unterschiede im zeitlichen Abstand: In Welle 1 wurde Corona noch von 22 gastfreundlich Prozent der Befragten mit Tirol assoziiert, erlebnisreich in Welle 2 nur mehr von 13 Prozent. Das bedeutet imsportlich Klartext: Die Zuschreibung dieser negativen Eigenschaft hat sich innerhalb eiauthentisch nes Monats fast halbiert. IMARK geht davon kulturell aus, dass sich dieser Trend fortsetzen wird. Diese Ergebnisse werden von den Stuliebenswürdig dienautoren so interpretiert: Die Wahrneh12 mung Tirolsspaßig war auch in den Hochphasen 6 zumindest der negativen Berichterstattung ehrlich 9 in Deutschland stark geprägt 6von markenleidenschaftlich 7 typischen Kategorien wie Bergwelt, Natur, 6 Winter- bzw. Sommeraktivitäten. Klarerweimodern 5 se nimmt die Kategorie2 Schnee mit zeitlimutig 2 chem Abstand zur Wintersaison etwas ab, und die Kategorie Sommer gewinnt an Bedeutung. „Anders gesprochen: Für den Sommer dominieren im Tirol-Bild Stereotype wie Berge, Natur, Almen, Kühe, dieRangfolge auch im Sinne Ergebnis abgesehen von der die der werblichen Botschaften sind. Im wirtmarkanten Unterschiede im zeitlichen Abschaftlich stärkeren Winter kommt zuvon diesen stand: In Welle 1 wurde Corona noch 22 Stereotypen das Ballermann-Klischee, Prozent der noch Befragten mit Tirol assoziiert, das nicht bei mehr allen von gut ankommt“, erklärt in Welle 2 nur 13 Prozent. Das beChristoph Antretter, Managing Partner bei deutet im Klartext: Die Zuschreibung dieser IMARK Strategy & Research. negativen Eigenschaft hat sich innerhalb eiman diese Assoziationen nun von nesLässt Monats fast halbiert. IMARK geht davon den dass Befragten bewerten 1 = sehr neaus, sich dieser Trend(von fortsetzen wird. gativ bis 5Ergebnisse = sehr positiv), so zeigt sich StuinsDiese werden von den dienautoren so interpretiert: Die Wahrnehmung Tirols war auch in den Hochphasen der negativen Berichterstattung zumindest in Deutschland stark geprägt von marken-

gesamt ein positives Bild der Marke Tirol. Selbst Befragte, die Corona als klarerweise negativen Aspekt mit Tirol in Verbindung bringen, bewerten mit Ausnahme dieser spezifischen Nennung ihre Assoziationen mit ei43 nem Wert von 4,0 – vs. 4,2 bei Befragten, die 41 nicht an Corona denken. „So gesehen kann 25 man nicht23davon sprechen, dass die Marke 20 Tirol nachhaltig geschädigt worden ist. Das 25 ist auch darauf zurückzuführen, dass das 20 18 über Jahre aufgebaute Markenbild stark, klar 17 und positiv besetzt ist – durch ein einmaliges negatives Ereignis wird dieser Markenwert nicht sofort zerstört“, erläutert Christoph Antretter. Abgesehen von der Abnahme der Corona-Nennungen ist das positive Gesamtbild der Marke Tirol in beiden Wellen mehr oder weniger stabil geblieben. Interessantes Detail: Diejenigen Befragten, die in Tirol in den letzten Jahren Urlaub gemacht hatten, assoziierten Tirol in Welleein 1 weniger Nur gesamt positivesstark Bild mit der Corona: Marke Tirol. 12 Prozent der Tirol-Besucher verbinden Selbst Befragte, die Corona als klarerweise die Marke Aspekt mit Corona, im Vergleich zu 20 negativen mit Tirol in Verbindung Prozent bewerten bei Österreich-Besuchern (inklubringen, mit Ausnahme dieser spesive Tirol) und 23 ihre Prozent bei Nicht-Besuzifischen Nennung Assoziationen mit eichern. Diese Tendenz in gleicher nem Wert von 4,0 – vs.zeigte 4,2 beisich Befragten, die Form an in Welle (8 % bei„So Tirol-Besuchern nicht Corona2 denken. gesehen kann vs. 9 nicht % beidavon Österreich-Besuchern vs.Marke 15 % man sprechen, dass die bei Nicht-Besuchern). IMARK interpretiert Tirol nachhaltig geschädigt worden ist. Das diesauch so: Markenfans – und man kann davon ist darauf zurückzuführen, dass das über Jahre aufgebaute Markenbild stark, klar und positiv besetzt ist – durch ein einmaliges negatives Ereignis wird dieser Markenwert nicht sofort zerstört“, erläutert Christoph

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ausgehen, dass Befragte, die die Destination 70 schon besucht haben, als solche 65 anzusehen sind – sind eher bereit, negative Nachrich63 63 ten zu ignorieren bzw. auszublenden, und 51 46haben natürlich auch mehr an sonstigen Assoziationen in Erinnerung, die sie aktivieren und das gesamte Wahrnehmungsbild positiv beeinflussen. „Diejenigen, die schon in Tirol zu Besuch waren, haben also salopp formuliert einfach weniger hingehört“, fasst Christoph Antretter zusammen.

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Welle 1 (n = 547) Die Marke Tirol punktet insbesondere bei Welle 2 (n = 514) Profildimensionen wie naturbelassen, erholsam, gastfreundlich und traditionell (siehe Grafik). Offenbar haben diese in den letzten Jahren intensiv beworbenen Eigenschaften Widerhall bei unseren nördlichen Nachbarn gefunden, die genau diese Bilder bei Befragungen abrufen. Diese Top 4 an vorgegebenen Eigenschaften werden deutlich ausgehen, dass Befragte, die dievon Destination mehr 60 Prozent derals Befragten der Marke schonals besucht haben, solche anzusehen Tirol – in beiden Wellen gleisind –zugeordnet sind eher bereit, negative Nachrichchermaßen stabil.bzw. auszublenden, und ten zu ignorieren IMARK geht auch davon aus,an dass diese Elehaben natürlich mehr sonstigen Asmente auch schon vor der Corona-Hochphasoziationen in Erinnerung, die sie aktivieren se alsdas besonders für die Marke posiTirol und gesamtetypisch Wahrnehmungsbild angesehen worden sind und den tiv beeinflussen. „Diejenigen, die Markenschon in kern Dies hat sichalso durch die Tirol ausmachen. zu Besuch waren, haben salopp Corona-Berichterstattung verändert. formuliert einfach weniger nicht hingehört“, fasst Christoph Antretter zusammen.

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Die Marke Tirol punktet insbesondere bei


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A N FA N G A P R I L , A M H Ö H E P U N K T D E R I S C H G L D E B AT T E , V E R K N Ü P F T E N 2 2 P R O Z E N T D E R D E U T S C H E N „ C O R O N A“ M I T T I R O L . E I N E N M O N AT S PÄT E R WA R E N E S N U R N O C H 1 3 P R O Z E N T . E S S I E H T G A N Z S O A U S , D A S S D I E S TA R K E M A R K E T I R O L D E N S C H A D E N I N G R E N Z E N H A LT E N K A N N .

Auffällig ist auch, dass die Versuche, Tirol als modernes Urlaubsland darzustellen, auf wenig fruchtbaren Boden gefallen sind. Nur 6 Prozent schreiben Tirol zu, modern zu sein, gar nur 2 Prozent mutig. Zu denken geben sollte, dass nur 6 Prozent ehrlich als Tiroler Eigenschaft nennen, auch wenn immerhin 25 Prozent an authentisch denken, wenn sie das Bild über Tirol in ihrem Kopf abrufen.

AUSWIRKUNGEN VON CORONA AUF DIE TOURISMUSDESTINATION TIROL

Bei der Beurteilung der Attraktivität Tirols auf einer Skala von 0 (überhaupt nicht attraktiv) bis 10 (sehr attraktiv) ergibt sich bei der Betrachtung aller Befragten ein klar positiver Wert von 6,7 (Welle 1) bzw. 6,6 (Welle 2). Falls Corona als Assoziation genannt wurde, hatte das eine deutlich negativere Beurteilung zur Folge, die sich auch verschlechtert hat: 5,7 (Welle 1) bzw. 5,0 (Welle 2). Attraktiv heißt aber noch nicht, dass tatsächlich der nächste Urlaub in Tirol gebucht wird. Auch diese Absicht wurde konkret abgefragt: Die Urlaubsintention für den Sommer lag im Schnitt in beiden Wellen bei 5,0 für den Winter und 4,7 für den Sommer. Personen, die Tirol mit Corona assoziieren, liegen deutlich darunter. Diese im Vergleich zur Gesamtattraktivität niedrigeren Werte sind auch dadurch begründet, dass viele Personen andere Destinationen bevorzugen oder sich keinen Urlaub in Tirol leisten können. Warum sich diese Bewertungen trotz Reduktion der Corona-Assoziation in Welle 2 nicht verbessert haben, erklärt Antretter so: „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass ein zwar kleinerer, aber ziemlich negativ eingestellter Kreis an deutschen potenziellen Urlaubern bestehen bleibt. In dieser Gruppe der kritisch Eingestellten befinden sich überdurchschnittlich viele, die noch nie in Tirol waren.“ Er empfiehlt Tirol, seine Anstrengungen in Richtung der großen Mehrheit zu lenken, die dem Urlaubsland positiv

gegenüber eingestellt ist. Die Studienautoren ziehen folgendes Fazit: „Der Sturm legt sich, bleibender Schaden sollte gering sein, mit Ausnahme einer kleinen Gruppe – bei denen allerdings nachhaltig.“

„TIROL IST UND BLEIBT EIN SEHNSUCHTSORT“

Wir haben mit den Studienautoren von IMARK Strategy & Research, das seit 2001 Unternehmen bei der Entwicklung ihrer Erfolgspfade unterstützt, gesprochen. Mag. Christoph Antretter, Managing Partner, und Univ.-Prof. Dr. Oliver Koll, Partner und Professor für Marketing am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus der Universität Innsbruck, im Interview.

ECO.NOVA: Corona und Ischgl – ist das ein Begriffspärchen oder muss es eher heißen Corona und Tirol? C H R I S TO P H ANTRETTER: Wenn im Zusammenhang mit Corona eine einzelne Destination genannt wurde, dann immer Ischgl, nie Sölden oder ein anderer bekannter Skiort. Das deutet darauf hin, dass Tirol als Urlaubsdestination beziehungsweise andere Orte oder Täler von dieser Diskussion nur am Rande getroffen werden.

Gibt es Parallelen zu Herausforderungen, die auch andere Marken zu bewältigen hatten? ANTRETTER: Da muss man schon zeitlich um einiges zurückgehen. Ischgl ist ein echter Krisenfall, vergleichbar mit dem Dieselskandal bei VW oder dem Elchtest-Desaster beim A-Mercedes. Also ein echter Su-

„NACH WELLE 2 BRINGT EINER VON ACHT DEUTSCHEN TIROL IMMER NOCH MIT CORONA IN VERBINDUNG. ES MACHT KEINEN SINN, ZU VERSUCHEN, DIESEN K R E I S M I T E N O R M E M A U F WA N D V O M GEGENTEIL ZU ÜBERZEUGEN. WESENTLICH AUSSICHTSREICHER IST ES, DASS TIROL AUF D I E G R O S S E Z A H L A N FA N S S E T Z T U N D H I E R S E I N E S TÄ R K E N W E I T E R A U S B A U T.“ CHRISTOPH ANTRETTER

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per-GAU für die betroffene Marke, dem nur mit professioneller Krisenkommunikation begegnet werden kann.

Bleiben wir gleich dabei – wie hat das Tirol bewältigt? ANTRETTER: Das Mantra „Wir haben alles richtig gemacht“ war vermutlich nicht sehr hilfreich. Die Öffentlichkeit erwartet sich schonungslose Aufarbeitung. Wenn ein Spitzenpolitiker zu verstehen gibt, dass aus seiner Sicht keine Fehler gemacht wurden, entstehen sofort Zweifel am Willen, die Angelegenheit restlos aufzuklären. Die Bewertung Tirols und die Weiterempfehlung haben sich auch bei ehemaligen Besuchern verschlechtert – das ist ein Indiz für nachlässiges Krisenmanagement – auch wenn sich am insgesamt sehr positiven Markenbild wenig verändert hat.

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Offenbar sind die positiven Tirol-Bilder stark – warum? OLIVER KOLL: Weil Tirol auf Markenbilder vertrauen kann, die stabil und weitgehend positiv besetzt sind: Einzigartige Natur, in den meisten Fällen attraktive Architektur und emotional positiv aufgeladene Erlebnisse stärken die Marke. Das sind auch Assoziationen, die unabhängig von der Herkunft des Besuchers hohe Anziehungskraft genießen und von den Tourismusverantwortlichen dementsprechend forciert wurden.

und die mediale Diskussion um Ischgl sind mit Sicherheit nicht in der Lage, das über Jahrzehnte aufgebaute Bild der Marke Tirol mit einem Schlag zu zerstören. Gleichzeitig ist es natürlich alles andere als ideal, wenn negative Signale zu lange präsent sind.

Stichwort Tourismusgesinnung. Es wird häufig unterstellt, dass es hier in Tirol massive Probleme gibt. ANTRETTER: Offenbar erlebt der Gast die im Land selbst hoch diskutierte Tourismusgesinnung positiv, sonst würde es die Eigenschaft „GastWie hängen Markenprofil und Wider- freundschaft“ nicht unter die vier häufigsten standsfähigkeit zusammen? KOLL: Je stär- Nennungen der Befragten schaffen. ker eine Marke positiv besetzt ist, desto resistenter ist sie im Krisenfall. Da überdecken die Lassen die Ergebnisse der Studie auch positiven Assoziationen kurzfristige Schwä- eine Schlussfolgerung zu, was Tirol jetzt chen oder Krisen, was sich auch bei anderen tun soll? ANTRETTER: Nach Welle 2 bringt Marken in Krisenzeiten gezeigt hat. Corona einer von acht Deutschen Tirol immer noch mit Corona in Verbindung. Es macht keinen Sinn, zu versuchen, diesen Kreis mit enormem Aufwand vom Gegenteil zu überzeugen.

D I E A S S O Z I AT I O N E N Z U TIROL ENTSPRECHEN BEI DEN BEFRAGTEN DER UMFRAGE DEN VON DEN TOURISMUSWERBERN VERBREITE TEN BILDERN: BERGE, S C H N E E , N AT U R , B O D E N S TÄ N D I G E S E S S E N . D I E A S S O Z I AT I O N „ C O R O N A“ NIMMT SOWOHL BEI DER ERSTEN AL S AUCH BEI DER ZWEITEN BEFRAGUNGSWELLE NUR EINEN H I N T E R E N P L AT Z E I N .


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tung während der Krise, die das Thema Tirol überlagerten. Zum anderen Vergessen bzw. Verdrängen. Auch bleibt der Absender von Nachrichten oft stärker in Erinnerung als konkrete positive oder negative Inhalte. Und letztlich stand oft Ischgl im Zentrum der Berichterstattung – möglicherweise hat das nur wenig auf die übergeordnete Destination Tirol abgefärbt.

„CORONA UND DIE MEDIALE DISKUS SION UM ISCHGL SIND MIT SICHERHEIT NICHT IN DER L AGE, DAS ÜBER JAHRZEHNTE AUFGEBAUTE BILD DER MARKE TIROL MIT EINEM SCHL AG ZU Z E R S T Ö R E N . G L E I C H Z E I T I G I S T E S N AT Ü R L I C H A L L E S A N D E R E A L S I D E A L , W E N N N E G AT I V E S I G N A L E Z U L A N G E P R Ä S E N T S I N D .“ OLIVER KOLL

Wesentlich aussichtsreicher ist es, dass Tirol auf die große Zahl an Fans setzt und hier seine Stärken weiter ausbaut. Das gelingt am besten, wenn die Tourismuswerbung bei den bewährten Bildern bleibt. Korrekturen von Schwächen sind allenfalls im Winter notwendig und zielführend.

Wie lässt sich erklären, dass sich die Assoziation der Urlaubsdestination Tirol mit Corona innerhalb eines Monats fast halbiert hat? KOLL: Das ist durch eine Reihe von Faktoren erklärbar: Zum einen die extreme Dichte an negativer Berichterstat-

Warum tendiert der Gast generell zum Vergessen/Verdrängen/Verzeihen? KOLL: Das ist eine Art Selbstschutz. Man will eine Destination, die man sich ausgesucht und bereist hat, nur ungern negativ wahrnehmen – vor allem wenn in einem Urlaub viel Geld ausgegeben und seinen Freunden davon begeistert berichtet wurde. Käufer bewerten Leistungen (sei es Autos, Mobiltelefone oder Lebensmittel) grundsätzlich besser als Nichtkäufer. Eine negative Bewertung würde ja einen Fehler in der eigenen Urteilsfähigkeit widerspiegeln. Damit tun wir uns schwer.

Kann es auch eine Rolle gespielt haben, dass die Diskussion um Ischgl nicht mitten, sondern gegen Ende der Wintersaison stattgefunden hat? ANTRETTER: Das ist durchaus möglich. Die Befragten haben ganz offenkundig von April auf Mai die Perspektive gewechselt: vom Blick zurück in den Winter hin zum Blick nach vorne in den Sommer. Der Sommer ist für die Marke Tirol noch etwas stärker mit positiven Kategorien wie Natur, Bergwelt und Kulinarik besetzt. Corona könnte stärker mit der Wintersaison verknüpft sein und auch deswegen an Bedeutung verloren haben.

IHR GOLDSCHMIED SEIT 1764 www.norz.gold | Maria-Theresien-St. 8 | Innsbruck

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MORGENSTIMMUNG Er wird immer gerne herangezogen, wenn es darum geht, Tirol gut durch Krisen zu reden: der Branchenmix in unserem Land. Fakt ist aber, dass fast alle Branchen hierzulande direkt oder indirekt am Tourismus hängen. So schön die touristische Stille für so manchen gerade sein mag, die Wirtschaft braucht den Gast. Möge die Sonne also bald wieder scheinen.

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INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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s gibt wohl kaum eine Branche, die sich in der Coronakrise nicht als die am meisten betroffene hochstilisiert hat. Den Tourismus hat’s tatsächlich arg erwischt – und in seinem Sog zahlreiche andere Unternehmen. Die Causa Ischgl hat dazu die Branche vermeintlich kollektiv in Verruf gebracht. Dass dem gar nicht so ist, haben Christoph Antretter und Oliver Koll von IMARK Strategy & Research im vorigen Beitrag ausgiebig erörtert. Dennoch werden Rufe über einen Wandel im Tourismus immer lauter. Wo soll es hingehen und wohin eher nicht? Wir haben Florian Phleps, Geschäftsführer der Tirol Werbung, um seine Einschätzung gebeten.

Wie sieht, nachdem sich der Staub etwas gelegt hat, Ihre erste Bestandsaufnahme aus, was die Auswirkungen auf die Marke „Tirol“ betrifft? Oder anders gefragt: Ist die Marke „Tirol“ durch die Coronakrise beschädigt worden? FLORIAN PHLEPS: Kurzfristig ist ein Imageschaden entstanden. Gleichzeitig bin ich ECO.NOVA:

zuversichtlich, dass die Marke Tirol keinen nachhaltigen Schaden nehmen wird. Das zeigen uns unter anderem die vielen positiven Nachrichten von Gästen, die wieder in unser Land auf Urlaub kommen wollen. Hier kommt uns der überdurchschnittlich hohe Anteil an Stammgästen in Tirol zugute.

Braucht Tirols Fremdenverkehr generell einen Paradigmenwechsel? Die Corona-Pandemie bedeutet eine weltweite Zäsur. Ich sehe sie daher als Gelegenheit zur Standortbestimmung, um Tirols Tourismusstrategie zukunftsgerecht weiterzuentwickeln. Werte wie Natur, Freiheit, Gesundheit oder Regionalität haben in den vergangenen Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen und in der Krise nochmals mehr Wert bekommen. Derartige Entwicklungen gilt es im Strategieprozess zu berücksichtigen, der bereits im Vorjahr gestartet wurde. Ich bin mir sicher, dass wir zu einem guten Ergebnis kommen werden. Tirols Tourismus hat in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte immer schon bewiesen, dass er mit Veränderungen umgehen kann.

Laut einer Analyse von Zugriffszahlen auf Hotelplattformen favorisieren österreichische Urlauber heuer vor allem die Bundesländer Kärnten, Steiermark und Salzburg. Die Nachfrage nach Urlaub in Tirol ist kaum gestiegen. Woran liegt dies Ihrer Meinung nach? Ist das Potenzial heimischer Gäste generell ausgeschöpft oder kam es doch zu einem (kurzfristigen) Imageschaden? Österreichische Gäste haben sich beim Sommerurlaub im eigenen Land auch schon vor der Corona-Pandemie stark in Richtung dieser drei Bundesländer orientiert. Tirol ist in der Gunst heimischer Urlauber bisher an sechster Stelle gelegen. Gleichzeitig hat die Nachfrage in den vergangenen zehn Jahren deutlich zugelegt, die Zahl österreichischer Gäste in Tirol ist um 30 Prozent gewachsen. Unsere neue Kampagne „Es geht Bergauf“ fokussiert besonders auf den Heimmarkt. Wir wissen, dass wir das Potenzial hier noch nicht ausgeschöpft haben, und sind daher zuversichtlich, neue Gäste aus Österreich für das Urlaubsland Tirol zu gewinnen. FOTOS: © TIROL WERBUNG


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250 qualitätsgeprüfte Familienhotels. Das bedeutet, dass diese Betriebe klare Kriterien erfüllen müssen, wie eine familiengerechte Ausstattung oder eigene Spielbereiche, und regelmäßig auf deren Einhaltung überprüft werden.

„L ANGFRISTIG WIRD FÜR EINE ERFOLG REICHE TOURISTISCHE ENT WICKLUNG T I R O L S N I C H T E I N S TÄ N D I G E S M E H R ENTSCHEIDEND SEIN, SONDERN EIN B E S S E R U N D I N T E L L I G E N T E R .“ FLORIAN PHLEPS

Durch die aktuelle Krise ist der internationale Tourismus – zumindest für eine gewisse Zeit – völlig zum Erliegen gekommen. Es hängt nun für den Sommer einiges vom Inlandstourismus ab. Wie lautet die Botschaft für die Österreicher, um Urlaub in Tirol zu machen? Mit der Botschaft „Es geht Bergauf“ wollen wir nach dieser schweren Zeit Aufbruchstimmung und Zuversicht vermitteln. Darüber hinaus eignet sich diese Aussage ideal als Anknüpfungspunkt für Angebote und Aktivitäten wie Wandern oder Radfahren, die zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten im Tiroler Sommerurlaub zählen und für die unser Land mit seinen Bergen und seiner Natur ideale Voraussetzungen bietet. Wird an einer neuen Erzählung gearbeitet, die manche Aspekte stärker betont als bisher? Im Mittelpunkt unserer aktuellen Kampagne stehen zwei zentrale Stärken Tirols: die Berge und die Natur. Schon bisher dominierten diese Themen die Urlaubsmotive der Tiroler Sommergäste. Die aktuelle Situation verstärkt diesen Trend weiter. Daher haben wir sie noch bewusster in den Mittelpunkt unserer Kommunikation gerückt.

Ist ein „Höher, schneller, weiter“ überhaupt noch gefragt? Uns geht’s schon längst nicht mehr um quantitatives Wachstum oder gar Rekordzahlen, sondern vielmehr um Qualität und Wertschöpfung. Denn langfristig wird für eine erfolgreiche touristische Entwicklung Tirols nicht ein ständiges

Mehr entscheidend sein, sondern ein Besser und Intelligenter. Laut genannter Analyse möchten Tiroler selbst ihren Urlaub am liebsten in Kärnten verbringen, gefolgt von Urlaub in Tirol und der Steiermark. Welche Rolle soll der Tiroler Gast spielen, wenn es um den Urlaub in der Heimat geht? Gäste aus Tirol spielen für uns eine maßgebliche Rolle. Tirol ist die wichtigste und am stärksten wachsende Herkunftsregion unter den österreichischen Bundesländern und rangiert in puncto Gästeankünfte selbst vor Märkten wie Großbritannien oder Belgien. Mit unserer Kommunikation wollen wir selbstverständlich auch die Tirolerinnen und Tiroler ansprechen und von einem Urlaub in ihrer Heimat überzeugen. Aktuell steigt die Nachfrage vor allem im Bereich der Familienhotels. Wie ist Tirol diesbezüglich aufgestellt? Gut ein Drittel der Tiroler Sommergäste sind Familien und ich sehe unser Land dafür gut aufgestellt. Wir verfügen beispielsweise über mehr als

Erwarten Sie – sollte man die Pandemie bis zum Herbst global in den Griff bekommen – eine schnelle Erholung im Tourismus? Eine schnelle Erholung wird es im Tourismus angesichts der massiven Auswirkungen der Pandemie nicht geben. Auch wenn die Situation im Griff sein sollte und die Menschen wieder vermehrt Urlaubslust spüren, wird es noch dauern, bis wir wieder auf ein adäquates Niveau kommen. Hier spielen nicht nur gesundheitliche Aspekte oder Sicherheitsbedürfnisse eine Rolle, sondern auch Kriterien wie das zur Verfügung stehende Geld. Tirols Wintertourismus hat es mit schlechter Presse zuletzt sogar bis in die Weltnachrichten geschafft und dabei so manche Sprachbarriere überwunden. Gilt auch in der Tourismuswerbung das Credo, dass alle Publicity gute Publicity ist? Nein, in diesem Fall hat die Berichterstattung tatsächlich einen negativen Effekt und uns zumindest kurzfristig einen Imageschaden beschert.

Was kann jeder Einzelne derzeit tun, um den für Tirol so wichtigen Sektor zu unterstützen? Der Tiroler Tourismus trägt mit seinem Freizeitangebot, der Infrastruktur und seiner Dienstleistungsqualität sehr viel zur hohen Lebensqualität im Land bei. Das wissen nicht nur Gäste aus aller Welt, sondern auch Einheimische zu schätzen. Ich bin daher zuversichtlich, dass die Tirolerinnen und Tiroler diese Angebotsvielfalt weiterhin in Anspruch nehmen. Gleichzeitig darf dieser Zuspruch und diese Wertschätzung nicht als selbstverständlich vorausgesetzt werden. Gerade um die Wertschätzung der Tirolerinnen und Tiroler müssen wir uns in Zukunft verstärkt bemühen.

DAS TOURISMUSJAHR 2019 Nächtigungen: 49,6 Mio. Gästeankünfte: 12,4 Mio. Anzahl Betten: 340.000 Wichtigste Quellmärkte: Deutschland (52,1 % Anteil an Gesamtnächtigungen), Niederlande (10 %), Österreich (8,5 %), Schweiz (5,5 %), Vereintes Königreich (3,4 %) Wertschöpfung: 4,5 Mrd. Euro – jeder dritte Euro wird in Tirol direkt oder indirekt in der Tourismus- und Freizeitwirtschaft geschaffen (Zahlen vom 1. November 2018 bis Oktober 2019)

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KOMPETENZEN FÖRDERN Seit fünf Jahren ergänzt die private International School Kufstein (ISK) die Bildungslandschaft in Tirol. Ein Angebot, das sowohl von Seiten der Bildung als auch von Seiten der Wirtschaft gern gesehen ist. I N T E RV I E W & T E X T : D O R I S H E LW E G

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ie International School Kufstein Tirol hält für ihre „students“ eine besonders innovative Schulbildung bereit. Als IB World School schließen die Schülerinnen und Schüler hier sowohl mit der österreichischen Matura als auch mit dem internationalen Abschluss, dem „International Baccalaureate Diploma“, ab, was den Zugang zu nationalen, europäischen und internationalen Universitäten und Hochschulen ermöglicht. So kombiniert die ISK ein internationales, standardisiertes Curriculum mit dem österreichischen Lehrplan. Die Mission einer IB World School ist klar definiert: „Wir versuchen, Schülerinnen und Schüler zu sachkundigen Menschen zu erziehen, zu Menschen, die Gegebenheiten hinterfragen, sich um andere Menschen kümmern und die durch ihr interkulturelles Verständnis und gegenseitigen Respekt ihren Teil zu einer besseren und friedvolleren Welt beitragen“, so Claudia Atzl, seit September 2019 Direktorin der ISK in Kufstein. Im Sinne des interkulturellen Verständnisses sind alle Schülerinnen und Schüler willkommen, die sich für diese Ausbildung motiviert zeigen, egal welcher Herkunft, welcher Staatszugehörigkeit oder Religion. Dank großzügiger Unterstützung umliegender Betriebe kann das Schulgeld sozial gestaffelt werden, sodass die Chancengleichheit gewahrt ist.

WIRTSCHAFT RUFT NACH KOMPETENTER AUSBILDUNG

Der Ruf der Wirtschaft nach internationalen Schulen ist schon länger zu vernehmen. „An unseren Novartis-Standorten in Kundl und Schaftenau beschäftigten wir Mitarbeiter aus über 50 Nationen. Eine internationale Schule in unserem Umfeld ist ein Schlüsselkriterium, um diese Fachkräfte aus aller

„DAS ANGEBOT AN I N T E R N AT I O N A L E N S C H U L E N I N TIROL MUSS AUSGEBAUT WERDEN. WIE WIR IN DER CORONAKRISE SEHEN, K ANN SICH TIROL NICHT AUF DEN TOURISMUS ALLEINE SPEZIALISIEREN. ES GIBT MEHRERE TOURISMUSSCHULEN IN TIROL, ABER NUR ZWEI SCHULEN, D I E E I N E N I N T E R N AT I O N A L E N A B S C H L U S S A N B I E T E N .“ C L AUDI A AT ZL

Welt nach Tirol zu bekommen, und ich bin davon überzeugt, dass auch die heimische Bevölkerung sehr davon profitiert. Ich setze mich daher persönlich dafür ein, das bereits vorhandene Angebot noch weiter auszubauen in Richtung eines internationalen Bildungskontinuums – von der Volksschule über die Unterstufe bis hin zum internationalen Bakkalaureat“, betont Michael Kocher, Novartis Austria Country Head, und zeigt sich als großer Befürworter des weiteren Ausbaus des International-School-Angebotes in Tirol. Auch zahlreiche andere Unternehmen der Region unterstützen die ISK sowohl monetär als auch mit Kooperationen. So findet zum Beispiel der Theaterunterricht im Kulturquartier statt, der Musikunterricht in der Musikschule. „Die Zusammenarbeit mit der Stadt Kufstein und den heimischen Betrieben ist sehr gut“, unterstreicht die Direktorin, die auch die Zusammenarbeit mit dem Schulerhalter, dem Vorstand der FH Kufstein Tirol Privatstiftung, Dr. Herbert Marschitz, Franz Mayer und DDr. Herwig van Staa sehr schätzt.

AUF AUGENHÖHE Selbstmanagementkompetenzen und im Team zu arbeiten, das steht in der ISK im Vordergrund. Dabei arbeiten hier die Direktorin und Lehrpersonen auf Augenhöhe mit den Schülerinnen und Schülern, betreuen sie in ihren Projekten, bieten Unterstützung und fördern das Fragenstellen, das reflektierte Handeln, eine „open minded“ und „international minded“ Einstellung. „Lehrerinnen und Lehrer fungieren bei uns eher wie Trainer oder Lernbegleiter“, so Atzl. Auch in strukturellen Belangen ticken die Uhren im privaten Oberstufenrealgymnasium, das in Form einer Tagesschule geführt wird, anders: Gestartet wird um 8:35 Uhr, „weil ein Unterrichtsbeginn vor 8 Uhr nicht zum Biorhythmus vieler Jugendlicher passt. Unterrichtet wird vorrangig in Blöcken á 100 Minuten, um ein Thema auch wirklich erarbeiten und verstehen zu können, gefolgt von einer Mittagspause, in der die Schülerinnen und Schüler ein frisch zubereitetes Essen bekommen. Wegen der individuellen Betreuung und Kompetenzförderung werFOTOS: © ANDREAS FRIEDLE, ISK


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den die Klassen in der ISK mit zwanzig Schülern klein gehalten. Alle Fächer werden in der ISK auf Englisch unterrichtet. Deutsch und Spanisch sind die weiteren Sprachen, die gelehrt werden. Eingebettet in den Campus der FH Kufstein bringt die Zusammenarbeit des Oberstufenrealgymnasiums mit der Fachhochschule eine Win-win-Situation für beide Seiten. Der unterirdische Turnsaal oder die KUBI (Kufstein Bibliothek) der FH Kufstein und der ISK werden gemeinsam genutzt, genauso wie IT-Säle und die Cafeteria“, beschreibt die Schuldirektorin die Vorteile der gemeinsamen Nutzung.

JUNGE MENSCHEN BRAUCHEN EIN SOZIALES MITEINANDER

ISK-Schuldirektorin Claudia Atzl im Gespräch.

Wir erleben gerade Zeiten und Umbrüche, die vor wenigen Wochen noch nicht einmal denkbar waren. Wie war die ISK auf diese Umstellung auf Home-Schooling vorbereitet und wie funktioniert es in der Praxis? CLAUDIA ATZL: Wie für alle anderen kam die Umstellung von Präsenzunterricht auf Distance Learning wie ein Blitz aus heiterem Himmel, die Umstellung war jedoch sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule leicht zu bewältigen. An einer internationalen Schule ist man es gewohnt, mit digitaler Technik zu arbeiten. Es wurden sowohl Live-Lessons via Video-Conferencing gehalten, moderne Lernplattformen genutzt, aber auch Aufgaben via E-Mail versandt. Dabei arbeiten wir hauptsächlich mit Office 365, wie es in der Wirtschaft auch häufig genutzt wird. Die Schulleitung tauschte sich in der Zeit des Fernunterrichts mit den Lehrpersonen über Videokonferenzen aus. E C O. N OVA :

Waren Schulen aus technologischer Sicht gerüstet? Wie erwähnt, waren wir sehr gut gerüstet, da wir ohnehin mit digitaler Technik arbeiten. Generell hat das Bildungswesen in Österreich in diesem Bereich jedoch auf jeden Fall Aufholbedarf. Wie man weiß, gibt es Familien, in denen die Zeit des Home-Schoolings schwierig war, weil diese nicht über die nötige technische Ausstattung verfügen, die es brauchen würde, um den Unterricht online fortzusetzen. Auch Schulen müssten zum Teil besser ausgestattet werden im digitalen Bereich.

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Kann man aus Ihrer Sicht auch etwas für die Zukunft mitnehmen? Braucht es weiterhin die tägliche Zusammenkunft in der Schule oder kann man sich so einen Mix aus Schulpräsenz und Home-Schooling auch weiterhin vorstellen? Diese Zeit hat uns gezeigt, dass Schule mehr ist als ein Ort, an dem man lernt. Das Zusammenkommen, das soziale Miteinander, ist ein wesentlicher Bestandteil von Schule. Natürlich hatte die Home-Schooling-Zeit auch Vorteile: So empfanden es manche Schülerinnen und Schüler als angenehm, sich einen Teil der Zeit des Lernens selbst einteilen zu können. Andere wieder fanden es hilfreich, sich die aufgenommene Mathestunde zum besseren Verständnis noch einmal anschauen zu können. Ein Mix aus Schulpräsenz und Home-Schooling ist für motivierte Schülerinnen und Schüler in der Zukunft sicher vorstellbar. Insgesamt glaube ich jedoch nicht, dass Schule als Ort des Lebens und Lernens gänzlich ersetzbar ist.

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Eine gute Schulausbildung ist der wertvolle Grundstein jedes Menschen. Welche Kompetenzen sind gefragt und welche werden künftig noch mehr an Bedeutung gewinnen? Bildung ist das höchste Gut, das man einem Menschen zukommen lassen kann. Die Kompetenzen, die es für ein gelingendes Leben braucht, werden an einer IB World School geschult. Da sind zum einen Denkkompetenzen: kritisches, kreatives und ethisches Denken. Ich möchte hier auf das Fach Theory of Knowledge, einen Kernbereich des IB-Diploma-Programms, hinweisen, das sich mit der Frage beschäftigt, wie wir wissen, was wir wissen. Neben Forschungskompetenzen werden auch Kommunikations- und digitale Kompetenzen an einer internationalen Schule vermittelt. Soziale Kompetenzen werden in einem weiteren Kernbereich des IB-Diploma-Programms ausgebaut: CAS – Creativity, Activity, Service – Schülerinnen und Schüler müssen sich dabei im außerschulischen Bereich engagieren. Kompetenzen, die besonders in der Home-Schooling-Phase wichtig waren, sind Selbstmanagement und Time-Management. Wie wichtig ist eine international ausgerichtete Ausbildung für unseren Standort? Meiner Meinung nach sehr wichtig. Eine internationale Ausbildung ist eine hochwertige Ausbildung, eine tolle Sache für alle Jugendlichen, egal woher sie kommen. Das Angebot an internationalen Schulen in Tirol muss ausgebaut werden. Wie wir in der Co-

INTERNATIONALES BILDUNGSANGEBOT Das Land Tirol fasste kürzlich einen Grundsatzbeschluss für ein internationales Bildungsangebot vom Kindergarten bis zur Matura. In Kufstein soll an der International School Kufstein neben dem internationalen Oberstufenrealgymnasium auch eine Unterstufe für Schüler von zehn bis 14 Jahren etabliert werden. Der Unterrichtsbeginn ist für das Schuljahr 2021/22 geplant. Außerdem soll es einen Kindergarten und eine Volksschule als internationales Bildungsangebot am Schulstandort Kufstein geben.

ronakrise sehen, kann sich Tirol nicht auf den Tourismus alleine spezialisieren. Es gibt mehrere Tourismusschulen in Tirol, aber nur zwei Schulen, die einen internationalen Abschluss anbieten. Das Akademische Gymnasium in Innsbruck hat eine bilinguale, internationale Klasse für Schülerinnen und Schüler im Alter von zehn bis 18. Die ISK ist ein Oberstufengymnasium, also eine Schule für 14- bis 18-Jährige. Es wäre schön, wenn wir in Tirol eine internationale Ausbildung von der Volksschule bis zur Uni anbieten könnten, also nicht nur das IB-Diploma-Programm, sondern auch ein Primary-Years-Programm und ein Middle-Years-Programm. Kufstein wäre bereit dazu. Eine internationale Schule ist ein wichtiger Standortfaktor für ausländische Fach- und Führungskräfte, aber auch für Jugendliche aus der Region ist eine internationale Ausbildung erstrebenswert.


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eco.zukunft

„ B I L D U N G I S T D A S H Ö C H S T E G U T, D A S M A N E I N E M M E N S C H E N Z U KO M M E N L A S S E N K A N N .“ C L AUDI A AT ZL

In der Coronakrise hat sich gezeigt, dass eine zu starke globale Abhängigkeit bei allen Vorteilen auch negative Auswirkungen hat. Trotz aller Stärkung regionaler Wirtschaftskreisläufe wird es jedoch den Blick über den Tellerrand und internationale Verbindungen immer brauchen. Worauf wird es in der Ausbildung Ihrer Schüler künftig verstärkt ankommen? Junge Menschen sollten weltoffen, kommunikationsfreudig, sozial, forschend und reflektiert handeln. Das sind zentrale Elemente in einer IB Education. Und genau diese Eigenschaften braucht es, um im regionalen wie auch internationalen Bereich erfolgreich zu sein.

Welches Bildungsszenario würden Sie sich für die ISK oder auch für andere Schultypen wünschen? Da ich vom Konzept einer internationalen Schule überzeugt bin, würde ich mir wünschen, dass es mehr

internationale Schulen in Österreich gibt. Es wäre ein Traum, wenn wir nach dem internationalen Lehrplan unterrichten könnten, ohne die Herausforderung, diesen mit dem österreichischen Lehrplan zu verbinden. Insgesamt finde ich es gut, dass es verschiedene Schultypen in Österreich gibt und jeder junge Mensch seine für sich richtige Schulausbildung wählen kann.

Von welchen Lernformen würden Schüler in ihrer Ausbildung für den weiteren beruflichen Lebensweg profitieren? Beim klassischen Frontalunterricht mit sechs oder mehr Einzelstunden am Tag lernen die jungen Menschen meiner Meinung nach nicht nachhaltig. An der ISK setzen wir vielmehr auf das Erarbeiten von Inhalten in kleinen Gruppen. Wenn Schülerinnen und Schüler etwas selbst herausfinden und dafür ein Feedback bekommen, bleibt mehr hängen. Die Jugendlichen profitieren am meisten davon.

Sehen Sie auf Grund der Coronakrise die Chance, dass sich in unserem Bildungssystem etwas verändern kann bzw. wird? Es ist in der Zeit noch klarer geworden, dass manche Kinder und Jugendliche mehr Unterstützung brauchen als andere. Für diese müssen in der Zukunft mehr schulische Angebote geschaffen werden. Was die Maturantinnen und Maturanten betrifft, könnte man darüber nachdenken, ob in der Abschlussklasse der Unterricht in Form einer Mischung aus Präsenz- und Fernlehre stattfinden könnte. Man wird auch darüber nachdenken, ob und wie die Leistungen in der Abschlussklasse in die Maturanoten einfließen können. Auf jeden Fall sind Dinge, die nicht oder nicht so schnell für möglich gehalten wurden, rasch eingetreten, insofern sollte diese Zeit auch für notwendige Veränderungen nach dem Motto „Lernen von den Besten“ genützt werden.

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ZUKUNFTSPERSPEKTIVEN 70

IN KO O P ER AT ION MI T „ MI T A L L EN WA S S ER N“

Die folgenden mit gekennzeichneten Beiträge stammen aus dem Netzwerk des Beraterkollektivs. www.mitallenwassern.com


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VIDEO KILLED THE RADIO STAR Was hat ein Popsong mit der Art und Weise gemein, wie Unternehmen in Zukunft Mitarbeiter suchen und finden? Dafür müssen wir einen Blick zurück ins Jahr 1981 werfen.

VON MAX AURIEMMA

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m 1. August 1981 um 00:01 Uhr startete der Musiksender MTV sein Programm mit dem ersten Musikvideo der Band The Buggles. Der Titel beschrieb die Revolution, die Musikvideoclips in der Musikindustrie auslösten, perfekt. Natürlich hören wir auch heute noch Musik im Radio, aber das Medium Video hat eine ganze Generation und deren Konsumverhalten nachhaltig verändert. Im Recruiting, also der Mitarbeitersuche, könnte Ähnliches passieren. Die ersten Videoclips waren angesichts der damaligen technischen Möglichkeiten einfach, aber häufig umso kreativer. Durch die Epidemie waren wir gezwungen, auf Videokonferenzen (welch sperriges Wort) auszuweichen. Nicht dass wir vorher auch mal „geskypt“ hätten, aber „gezoomt“ hat das nicht wirklich. Aufgrund der Coronakrise standen und stehen wir vor neuen Herausforderungen und haben erkannt, dass wir aus der Not auch einiges an Tugenden machen können und dass fernbildliche Gespräche auch viele Vorteile mit sich bringen. Termine können schneller und einfacher fixiert werden, Verschiebungen sind unbürokratischer, Teilnehmerflexibilität und Umgang mit Technologie können mitbewertet werden, Zeit und Geld werden gespart, da Termine enger getaktet werden und Fahrten bzw. Nächtigungen wegfallen. Ein Trend, der sich bereits vor Corona abgezeichnet hat und jetzt einen endgültigen Boost erhält, ist jener von Unternehmens- und Bewerberpräsentationen über Video. Die Empfänger erhalten einen „rohen“ Blick hinter die Kulissen, Unternehmen gewäh-

ren Einblicke in den Arbeitsalltag ihrer Mitarbeiter, welche von ihrem Arbeitsplatz mögliche Besonderheiten ihres Wirkungsbereichs schildern, Bewerber ersetzen ihr Motivationsschreiben durch eine kurze Videobewerbung. Erst dann wird ein persönlicher Termin vereinbart, wo sich Werber und Bewerber persönlich kennenlernen. Das führt dazu, dass der erste Eindruck zum zweiten Eindruck wird. Denn zwischenmenschliche Aspekte, die Chemie zwischen Menschen, können nur bei persönlicher Anwesenheit authentisch wahrgenommen werden. Aber vielleicht führt diese Vorgangsweise dazu, dass wir Bewerber im Vorfeld neutraler wahrnehmen, weil wir weniger vom noch nicht präsenten ersten Eindruck abgelenkt sind. Vielleicht entscheiden wir sogar fairer. Jedenfalls ist die Zeit der Ausreden vorbei. Video funktioniert, auch bei Bewerbungen. Es mag das persönliche Abschlussgespräch nicht vollständig ersetzen, aber am Weg dorthin spart es Zeit, Geld und Nerven. Wir müssen nur noch lernen, besser damit umzugehen. Unternehmen wie Bewerber benötigen neue Skills, kreative Ansätze und ja, es soll auch Spaß machen, damit zu arbeiten. Schauen wir auf die Entwicklung der Musikvideos und lernen daraus, auch wenn wir heute wieder mehr Musik mit den Ohren hören. Aber Musik-Videoclips haben das Konsumverhalten schon einmal revolutioniert und nachhaltig verändert. Bei der Mitarbeitersuche und -auswahl könnten wir vor einer ähnlichen Entwicklung stehen.

MAX AURIEMMA versteht sich als Headhunter mit Herz. Als ehemaliger Personalleiter und jetziger Personalberater kennt er beide Seiten der Personalmedaille. Als Vermittler zwischen Menschen und Kulturen sorgt der gebürtige Südtiroler für Klarheit in der Kommunikation.

www.look4u.at

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E-COMMERCE: DER TEUFEL TRÄGT PRADA Während des Lockdowns war der Ruf nach regionalem Einkauf unüberhörbar. Der heimische Handel wurde von allen Seiten aufgefordert, seine Waren ins Netz zu bringen. Amazon und Co. wurden verteufelt, der eigene Onlineshop als Rettung für heimische Unternehmen angepriesen.

MARKUS KRISTANDL

V O N M A R K U S K R I S TA N D L

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akt ist, viele Onlineshops scheitern. Sie werden niemals profitabel sein und dafür gibt es Gründe. Am Markt werden oftmals schnelle, günstige Lösungen versprochen und Erwartungen geschürt, die nicht der Realität entsprechen. Der eigene Shop reicht bei dem enormen Wettbewerb im Internet schon lange nicht mehr aus. Ohne gezieltes Onlinemarketing werden sich nur wenige Besucher auf diesen verirren. Dieser Umstand ist vielen Unternehmen oftmals nicht bewusst. In gewisser Weise ist es notwendig, sich die Onlineverkäufe mit gezieltem Onlinemarketing zu erkaufen. Spätestens dann bemerken viele, dass sich diese Rechnung unterm Strich nicht ausgeht.

STRATEGIEN ENTWICKELN

Allem voran fehlt es oftmals an einer E-Commerce-Strategie. Viele Unternehmen haben schlichtweg keine, weil sie nie darüber nachgedacht haben. Viele beginnen einfach mit dem Launch des eigenen Onlineshops, ohne vorherige Analyse von Markt, Wettbewerb oder gar dem eigenen Businesscase. Onlinehandel wird oftmals gleichgesetzt mit dem Verkauf von Produkten über den eignen Onlineshop. E-Commerce ist aber weit mehr. Die meisten Waren werden nämlich über sogenannte Online-Marktplätze wie Amazon, eBay oder Zalando verkauft. Sie sind es, die den Onlinehandel dominieren. Mit exzellenter Software, perfektionierten Prozessen und einem Platz an der Sonne bei Google erreichen sie Besucherzahlen, von denen andere nur träumen

ist Mitgründer und Geschäftsführer der Digitalagentur MAWEO in Innsbruck und Co-Founder des Beraterkollektivs „Mit Allen Wassern“. Als Unternehmer, Berater und Umsetzer hilft er Unternehmen beim strategischen Wachstum durch digitales Marketing.

www.maweo.at

können. Jede Faser dieser Giganten ist auf Kundenzufriedenheit ausgerichtet. Bis zu tausend Tests täglich optimieren die Customer Experience bis ins letzte Detail und das macht sie letztendlich so erfolgreich. Kritiker werden nun zahlreiche Argumente einwenden, die wir alle kennen, aber das hat nichts damit zu tun, dass sie jeden Tag hart daran arbeiten, ihr Kerngeschäft, den Onlinehandel, zu perfektionieren. Ja, der Teufel trägt Prada und schaut verführerisch gut darin aus. Dagegen wirken die meisten von uns wie billig von der Stange gekleidet. Alleine in Tirol gibt es hunderte Onlineshops und nur ganz wenige schaffen es, ihre Kunden glücklich zu machen. Als überzeugter Digital Buyer habe ich den Selbsttest gewagt und in den letzten Wochen versucht, ausschließlich regional online zu kaufen. Der Großteil meiner Kundenerlebnisse war unbefriedigend bis inakzeptabel. Von der Lebensmittellieferung, für die ich über zehn Stunden lang zuhause warten musste, weil sich das Lieferfenster laufend nach hinten verschob, über die als Geburtstagsgeschenk geplante Buchbestellung, die 19 Tage dauerte, bis zum kürzlich in Innsbruck online bestellten Gartenmöbel, das einen Produktionsfehler hatte. Dass das bei Amazon und Konsorten passiert, ist nahezu ausgeschlossen. Verteufeln Sie die Besten also nicht, lernen Sie von ihnen. Entweder Prada oder Stange – beides geht nicht!


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DAS GUTE IST SO NAH! WO IST ES? Wenn man in eine „Neue Welt“ kommt, ist das Entdecken des Unbekannten oft nur am Anfang spannend.

VON ANTONY KURZ

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ls ich vor vierzehn Jahren berufsbedingt von meiner Tiroler Heimat nach Liechtenstein übersiedelte, habe ich mit meiner Familie die neue Umgebung naturgemäß intensiv erkundet. Einerseits für ganz banale Alltagsherausforderungen, andererseits wurden viele Ausflüge unternommen, um unsere neue Heimatregion kennenzulernen. Unseren ersten einheimischen Bekanntschaften erzählten wir stolz von unseren Entdeckungen, die unsere Erkundungstouren mit sich brachten. Die Reaktionen darauf waren nicht nur für uns überraschend. Mit unserer erst neu gewonnenen Ortskundigkeit erinnerten wir die Einheimischen an all jene Perlen, die sie vor der Haustür hatten, aber scheinbar – ob der Nähe – schon länger vor die Säue warfen. Wir motivierten sie, wieder stärker lokale Angebote in Betracht zu ziehen, Vernachlässigtes und auch Unbekanntes – oft gleich ums Eck – neu zu entdecken. Ähnlich ist es mir mit meiner Familie in den letzten Wochen und Monaten wieder ergangen. Durch unseren quarantänebedingt eingeschränkten Aktionsradius waren wir geradezu gezwungen, uns auf die Region und alles in unserer Nähe zu fokussieren. War es für die Beschaffung unserer Grundversorgung, für die Besorgung eines Barttrimmers, der in der Quarantänezeit seinen Geist aufgab, oder die Wahl der Route für den nächsten Spaziergang, um dem Lagerkoller vorzubeugen und etwas Luft zu schnappen. Nach einer dieser Runden verkündete mein Sohn ganz aufgeregt: „Ich habe einen neuen Ort entdeckt!“. Und das in einem Land, das ganze elf Gemeinden zählt! Begibt man sich jedoch bewusst auf die Suche nach regionalen Angeboten, um dem Aufruf der Unterstützung der lokalen Wirt-

schaft zu folgen und dabei idealerweise auch noch nachhaltiger zu handeln, bedarf es eines nicht unerheblichen Rechercheaufwands. Die mangelnde regionale Transparenz und Sichtbarkeit hat in der Zeit des Lockdowns entsprechende Initiativen und Plattformen wie Pilze aus dem Boden sprießen lassen. Sie sollten es dem Suchenden – mit Hilfe der regionalen Schwarmintelligenz – ermöglichen, das Gewünschte zu finden, und dem Anbieter, sich und seine Leistungen zu präsentieren.

HINTER DIE FASSADE SCHAUEN

Der sogenannte Trend zur Regionalität wird gerne und extensiv genutzt und verkommt manchmal leider auch zum Marketing-Gag. Wenn ein regionaler Lieferdienst mit den Attributen Hofladen und Express wirbt, entsteht eine Erwartungshaltung und ein Bild in den Köpfen von uns Konsumenten: Produkte von heimischen Bauern und ausgewählten Kleinproduzenten, denen ich auf Grund meines Kaufverhaltens Gutes tue und die Wertschöpfung in meiner Region fördere. Wenn sich dann allerdings Tomaten aus Spanien, Kartoffeln aus Israel und Knoblauch aus Nordafrika unter die wenigen heimischen Produkte mischen, bröckelt das Vertrauen in den heimischen Hofladen schneller als dessen Fassade. Da lobe ich mir die letzte Entdeckung auf einem meiner Erkundungsspaziergänge. Ein frei zugänglicher Kühlschrank am Eingang eines landwirtschaftlichen Betriebes, aus dem frische Eier entnommen werden können. Die Bezahlung erfolgt durch Einwurf in die an der Wand montierte Box – vertrauensvoll regional!

ANTONY KURZ ist Co-Founder von „Mit Allen Wassern“ und Generalist, Stratege, Potential-Profiler, Berater und Coach. Als Sparringpartner unterstützt er Menschen und Organisationen dabei, ihre Potentiale wirksam nutzen zu können.

www.antonykurz.com

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BEI KONFLIKTEN REICHT KEIN BABYELEFANT Den Babyelefanten als Abstandsregel kennen wir mittlerweile alle. Bei Konflikten brauchen wir auch den nötigen Abstand, um bereits zerschlagenes Porzellan aus unseren Köpfen zu verbannen und gemeinsam neue Lösungen zu finden.

VON ANDREAS OBERHAMMER

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risensituationen, wie wir sie gerade erleben, sind speziell für UnternehmerInnen eine der größten Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Die Auswirkungen haben zwischenzeitlich wirtschaftliche Schäden verursacht, die noch nicht absehbar sind. Auch viele – oft langjährige und gefestigte – Geschäftsbeziehungen sind in eine Schieflage geraten und stehen am Prüfstand. Vielen ist im Moment ihr eigenes Hemd am nächsten und das Verständnis für die Probleme der anderen rückt in den Hintergrund. Jeder ist zuerst darauf bedacht, den Schaden für sich bzw. sein Unternehmen möglichst gering zu halten. Die Angst um die wirtschaftliche Existenz wirkt wie ein Brandbeschleuniger bei bereits schwelenden Konflikten. So wie wir uns die Zukunft vorgestellt haben, wird sie nicht mehr. Es ist in wirtschaftlicher, persönlicher und gesellschaftlicher Hinsicht zu viel passiert. Es gilt auch hier: Abstand gewinnen und aufgeheizte Situationen wieder unter Kontrolle bringen. Wer jetzt einen kühlen Kopf bewahrt, kooperative Strategien entwickelt und eine offene Kommunikation wählt, kann nur gewinnen. Dies erfordert Mut, Selbstreflexion und mitunter das Überschreiten eigener, persönlicher Grenzen.

ANDERS DENKEN UND HANDELN MIT HILFE DER MEDIATION

Andere Lösungen bedürfen anderer Herangehensweisen. Für jeden nachvollziehbar, aber für viele

ohne Unterstützung von anderen kaum umsetzbar. Warum tun wir uns so schwer damit? Unsere Welt dreht sich im Regelfall um uns selbst und die eigenen Positionen werden oft am wenigsten kritisch betrachtet. Mediation unterstützt mit zahlreichen Werkzeugen, die zur richtigen Zeit, mit dem richtigen Wissen und der richtigen Dosierung eingesetzt werden. Erfahrung, Fingerspitzengefühl und Vertrauen sind Schlüsselfaktoren für die Konfliktlösung. Vieles, das anders gemacht werden muss, um endlich andere Ergebnisse zu erzielen, schafft man nicht aus dem Elfenbeinturm heraus. Hier gilt es für manche die erste Hürde erfolgreich zu überwinden. Das Ich muss dem Wir weichen. Konfliktsituationen, die zwei oder mehrere Parteien betreffen, sind ohne kooperatives Verhalten nicht lösbar. Nur wenn die wechselseitigen Bedürfnisse erkannt werden, ist eine zufriedenstellende Lösung möglich, die über den strittigen Positionen steht. Ein ausgebildeter Mediator kennt die Wege zum Ziel und unterstützt Medianten am herausfordernden Weg dorthin. Und vermeidet mit seiner Unterstützung im besten Fall nicht nur einen länger dauernden Gerichtsstreit, sondern schafft eine neue Basis, auf der Geschäftsbeziehungen wieder nachhaltig bestehen können. Unabhängig davon, wie viel welcher Elefant bereits Porzellan zerschlagen hat. Die Techniken der Mediation sind in Krisenzeiten wertvoller als Elfenbein.

ANDREAS OBERHAMMER ist selbständiger Unternehmensberater, Coach und eingetragener Mediator im Bundesministerium für Justiz. Als Partner bei „Mit Allen Wassern“ und Mitbegründer des Zentrums für Wirtschaftsmediation begleitet er Unternehmen in Konfliktsituationen und zur Vorbeugung.

www.linkedin.com/in/deroberhammer/


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CIRCULAR ECONOMY SOLLTE DIE NEUE NORMALITÄT WERDEN Ist Covid-19 nur ein temporäres Beruhigungsmittel für unseren Planeten oder könnten die Auswirkungen nachhaltiger sein?

OTTO REISINGER

VON OTTO REISINGER

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it einem Großteil der Weltbevölkerung in Quarantäne haben sich Mobilität und wirtschaftliche Aktivität und somit die Treibhausgasemissionen auf ein historisches Minimum reduziert. Diese Auswirkungen zeigen uns, wie eine Welt ohne fossile Brennstoffe aussehen könnte. Wenn wir die Krise jetzt nicht als Chance nutzen, wird dieser momentane Trend kaum langfristige Auswirkungen haben. Wir dürfen jetzt nicht zwischen Nachhaltigkeit und Wiederaufbau der Wirtschaft wählen, sondern müssen beides miteinander verbinden. Politisch wie unternehmerisch müssen jetzt jene Maßnahmen priorisiert werden, die beiden Herausforderungen Lösungen bieten und ohnehin bald eingeleitet werden müssen. Die derzeitige Bedrohung von Angebot und Nachfrage wirft weitere Fragen auf: Wie viel Globalisierung ist sinnvoll, wie viel Regionalisierung zweckmäßig und wie viel Digitalisierung notwendig?

MENSCH UND UMWELT

Circular Economy ist die intelligente, notwendige Antwort – nicht nur auf die aktuelle Krise. Sie stellt den Nutzen für Mensch und Umwelt in den Mittelpunkt. Produkte und Prozesse werden so gestaltet, dass keine Ressource verschwendet und kein Müll produziert wird. Eingesetzte Materialien und essentielle Produkte kommen vorzugsweise aus der Region und es wird ausschließlich auf erneuerbare Energie gesetzt. Jeglicher Abfall kann und muss als Rohstoff für Neues dienen. Produktdesign und technologische Entwicklungen folgen den Prinzipien der Natur. Materialien, aber auch

ist ein in Barcelona lebender Auslandsösterreicher mit mehr als 20 Jahren Erfahrung im Topmanagement. Seit 2018 stellt er seine Erfahrung, Qualifikation und Leidenschaft als Berater und Coach in den Dienst der Circular Economy.

www.linkedin.com/in/ottoreisinger

75 Fertigprodukte sind zu 100 Prozent wiederverwertbar, verbleiben im Wirtschaftskreislauf oder sind biologisch abbaubar. Für Unternehmen bedeutet das, den Moment des Wiederaufbaus und die dafür notwendigen Investitionen mit anstehenden Maßnahmen hinsichtlich Nachhaltigkeit und Innovation zu verbinden. So sind sie nicht nur widerstandsfähiger für die nächste Pandemie, sondern werden auch konkurrenzfähiger, profitabler und tragen zur Linderung der Klimakrise bei. Die weltweit gigantischen staatlichen Zuschüsse sind eine einmalige Chance und sollten gleich an diese Bedingungen geknüpft werden. Mit politischem und wirtschaftlichem Willen könnte so ein Boom in ökologischer und technologischer Innovation in Gang gesetzt werden. Die Wirtschaft würde nicht nur reaktiviert, sondern für die Zukunft gerüstet werden. Vor allem für Tirol sehe ich hier eine Chance. Tirol hat weltweit ein ökologisches Image, notwendige wirtschaftliche Kompetenzen sind vorhanden und es herrscht der Wille, die Wirtschaft mit Mensch und Umwelt in Einklang zu bringen. Es wäre für mich unverständlich, wenn jetzt der Moment nicht genutzt würde, Tirol schrittweise in eine ökoinnovative Region zu entwickeln, in der alle Wirtschaftssektoren integriert und miteinander verlinkt werden und den Prinzipien der Circular Economy folgen. Der Schock des derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Bruchs wird ohne Zweifel eine Veränderung der Erwartungen und Präferenzen in uns bewirken und die neue Normalität könnte besser als die alte sein.


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WER SICH NICHT POSITIONIERT, VERLIERT Unternehmen, die über eine klare Positionierung verfügen, gewinnen in Krisen am meisten. Vor allem neue Kunden und Marktanteile. Fast automatisch.

TOM STADLMEYR

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ositionierung ist Haltung. Wer keine hat und sich damit nicht beschäftigt, bekommt Haltungsschäden und beeinträchtigt damit seine Mobilität und Flexibilität. Vor allem wenn es bergab geht, machen sich daraus resultierende „Fehlstellungen“ schonungslos bemerkbar und zwingen viele sprichwörtlich in die – bereits überstrapazierten – Knie. Bei Unternehmen, die sich mit einer klaren Positionierung am Markt etabliert haben, kommt einer der größten Vorteile ihrer Markenstrategie zum Tragen: Sie gewinnen in der Krise (fast) automatisch Marktanteile. Warum ist das so? Viele Unternehmen rangieren im unprofilierten Mittelfeld und werden nur als weitere Anbieter unter vielen wahrgenommen. Somit sind sie nicht die erste Wahl und werden im besten Fall noch als eine mögliche Alternative wahrgenommen. Konsumenten brauchen Orientierung und folgen jenen Unternehmen, die sich sichtbar von anderen unterscheiden und eine klare Haltung vermitteln. Dieser Effekt verstärkt sich in Zeiten einer Krise, da Menschen dann noch sensibler und bewusster ihre Auswahl treffen. Dabei gewinnen nahezu alle Marktführer – auch in Nischen – fast automatisch Marktanteile von schwächeren Mitbewerbern. Eine starke Positionierung ist sozusagen eine Art Lebensversicherung für Krisenzeiten. Mit den Auswirkungen des Covid-19-Impacts werden Unternehmen kurz- und mittelfristig vor eine Reihe neuer Herausforderungen gestellt. Diese gilt es für die jeweilige Branche zu analysieren und eine

ist Co-Founder des Unternehmerkollektivs „Mit Allen Wassern“ und beschäftigt sich mit dem Weglassen von Unwesentlichem. Mit seinem Unternehmen „Auf den Punkt“ begleitet er UnternehmerInnen bei den Themen Positionierung, Orientierung, Klarheit und Komplexität.

www.tomstadlmeyr.com

Strategie zu entwickeln. Das Zukunftsinstitut von Matthias Horx stellt hierfür ein Canvas-Tool kostenlos auf seiner Webseite (zukunftsinstitut.de) zur Verfügung, das perfekt dazu geeignet ist, jene Grundlagen selbst zu erarbeiten, die für eine Repositionierung von Unternehmen entscheidend sein können. In der momentanen Situation geht es um Klarheit, Orientierung und Differenzierung. Wir müssen Kunden wieder klar sagen, wofür wir stehen, ihnen Orientierung bei der Auswahl von Produkten und Dienstleistungen geben und wodurch wir uns von anderen Anbietern unterscheiden. Klingt selbstverständlich? Mag sein, aber die Wirtschaftswelt da draußen sieht anders aus. Vielfach unfokussiert, ununterscheidbar und mehr denn je austauschbar. Wer es nicht einmal in seiner Region schafft, ausreichend wahrgenommen zu werden, braucht über neue Märkte nicht einmal nachdenken. Die werden viele UnternehmerInnen aber brauchen, wenn der eigene Heimatmarkt stagniert. Das Angebot vieler regionaler Unternehmen ist zuhause viel zu breit, um international punkten zu können. Wer dann in der Krise sein Angebot noch ausweitet, anstatt es zu verdichten, macht einen weiteren Schritt in die Bedeutungslosigkeit. Die Konzentration auf das Wesentliche ist die Pflicht, das Weglassen von Unwesentlichem die Kür. Nehmen Sie wieder Haltung an und schreiten Sie erhobenen Hauptes durch die Krise. Man wird Sie dann nicht übersehen können.


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DIE WAHREN (VERTRIEBS-) GRENZEN SIND IM KOPF Wenn es eine regionale Produzentin mit fair gefertigten Pyjamas vom Dorf nach London schafft, dann liegt es daran, dass ihr kleines Unternehmen in regionalen, internationalen und globalen Chancen denkt.

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s kommt immer weniger darauf an, wo kreative Menschen arbeiten oder ihre Produkte herstellen. Das genannte Beispiel ist real und die Gründerin dieses Labels kommt aus meiner Familie. Und Familien sind oft starke Bündnisse, zu denen neben den Eigeninteressen jedes Einzelnen auch das Wohl deren Mitglieder zählt. Wer es schafft, solche Kooperationen auch in seinem Vertrieb aufzubauen, kann im besten Fall die Welt erobern. Grundlage dafür ist das ehrliche Interesse an seinen Partnern und die Frage, wie man gemeinsam mehr erreichen kann. Dies gilt vor allem dann, wenn die regionale Produktion scheinbar unüberwindbare Nachteile mit sich bringt. Meist sind die lokalen Fertigungskosten zu hoch, um Produkte über den Handel zu vertreiben. Zu starr sind deren Kalkulationsmodelle, zu hoch die Hürden, zu unattraktiv die Marge. Aber wen sonst als Partner gewinnen? Diese Frage stellen sich viele, die regional produzieren. Im Falle der Pyjamas landeten Blumenboutiquen und Juweliere auf den vordersten Plätzen. Überrascht? Das waren diese auch, als sie deshalb telefonisch kontaktiert wurden. Aber die Neugier überwog, da schließlich ähnliche Zielgruppen angesprochen werden. So konnte bei einem gut vorbereiteten Pitch per Videocall das Pop-up-Konzept und die damit verbundenen Vorteile präsentiert werden und die Pyjamas fanden den Weg zu Blumen und Schmuck. Und nach London. Es geht darum, mutig zu sein, in Alternativen zu denken, übliche Pfade

zu verlassen und den ersten Schritt zu setzen. Es gibt sie, die Partner, die für Ihr Geschäft entscheidend sein können. Auch auf der Lieferantenseite. Diese sind häufig gut vernetzt, da sie Kunden aus unterschiedlichsten Branchen bedienen. Ein offenes Gespräch über Ihre Idee und Visionen führt nicht selten zu wertvollen Kontaktempfehlungen und schafft Vertrauen. Im Gegenzug können Sie Ihre Lieferanten auch mal vor den Vorhang holen und ihnen eine Plattform bieten. So wird die Familie immer stärker und wächst über die Grenzen hinaus. Dies passiert allerdings nur, wenn der eigene Anspruch hochgehalten wird und Ihre Umsetzung die Erwartungen erreicht oder sogar übertrifft. So kann ein kreatives Konzept vom Dorf auch für Inspiration in London sorgen. Wer im Vertrieb nur regional denkt und nicht über den globalen Tellerrand schaut, wird kaum die Voraussetzungen schaffen, um neue Märkte zu entdecken. Stellen Sie hohe Ansprüche – an das Produkt und an sich selbst. Selbst wenn Sie es nicht bis London oder in andere Metropolen der Welt schaffen, profitieren Sie durch ein offenes und grenzenloses Denken und schaffen einen Mehrwert für Ihre Kunden, Ihr Unternehmen und sich selbst. Wie sagte schon André Heller: „Die wahren Grenzen sind im Kopf und sind sie nicht im Kopf, dann sind sie nirgendwo!“

PATRICK SUTTERLÜTY ist Vertriebsexperte und verfolgt als solcher einen ganzheitlichen Ansatz. Er schaut mit etablierten Unternehmen über den Tellerrand und unterstützt Start-ups bei der Entwicklung von Strategie und Struktur. Sein Spezialgebiet ist die Entwicklung neuer Märkte und der Aufbau der dafür notwendigen Ressourcen.

www.linkedin/in/patrick-sutterluety/

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DIE ZUKUNFT IM KOLLEKTIV Die Welt steht Kopf. Was gestern noch war, wird morgen schon durch Neues ersetzt. Unsere Gesellschaft und die Wirtschaft erleben einen Paradigmenwechsel. Die Arbeitswelt auch. Das war schon vor Corona so, hat aber durch die Krise eine neue Intensität, Rasanz und Dimension erfahren. TEXT: MARINA BERNARDI

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Antony Kurz, Tom Stadlmeyr und Markus Kristandl, geschäftsführende Gesellschafter von „Mit Allen Wassern“


© TOM BAUSE

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„W I R B R I N G E N I H R E Z U K U N F T I N D I E G E G E N WA R T.“ T OM S TA DL ME Y R

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ls sich im Jahr 2016 eine Handvoll Unternehmer zusammengetan haben, um das Beraterkollektiv „Mit Allen Wassern“ zu gründen, taten sie das mit dem Bewusstsein, dass die Arbeits- und Wirtschaftswelt in ein paar Jahren eine andere sein würde und man schon jetzt damit beginnen müsse, Unternehmen neu zu denken. Dass es so kommen würde, war ihnen damals schon klar. Dass die Entwicklung auf eine solche Art und Weise ihre Beschleunigung erfahren würde, konnte indes niemand ahnen. Trotzdem ist diese Krise auch eine Chance, sich über sich selbst und die Zukunft seines Unternehmens klar zu werden. „Viele Unternehmen haben in den letzten Jahren die Zukunft bereits verschlafen“, war Gründungsmitglied und Auf-denPunkt-Bringer Tom Stadlmeyr damals schon der Überzeugung. „Vor dem Hintergrund der Digitalisierung müssen viele Geschäftsmodelle überprüft und neu gedacht werden. Es ist teilweise unglaublich, wie hoch die Schmerzgrenze von Unternehmern liegt, bis sie sich beginnen zu bewegen. Viele Unternehmer fahren mit ihrer Titanic sehenden Auges in den Eisberg.“ Die Krise hat vielen Unternehmen einen Spiegel vorgehalten. Wann, wenn nicht jetzt, ist es Zeit für eine Veränderung? Die Zukunft kommt nicht einfach so. Sie kann gestaltet werden.

UNTERNEHMEN NEU DENKEN

Sich als Unternehmen intensiv mit sich selbst zu beschäftigen, ist eine harte Aufgabe, weil das Ergebnis fast zwangsläufig Veränderungen mit sich bringt. Das aber mögen die wenigsten. Doch wer macht, was er immer schon gemacht hat, wird bleiben, was er immer schon war. Nur: Das funktio-

niert in der heutigen Zeit nicht mehr. „Wir sind überzeugt, dass Veränderung eine Konstante ist, die es laufend zu managen gilt, um für die sich ständig ändernde Zukunft gewappnet zu sein“, so Markus Kristandl, neben Stadlmeyer und Antony Kurz geschäftsführender Gesellschafter von „Mit Allen Wassern“. Ist die Bereitschaft zur Veränderung da, hilft neutrale, objektive Unterstützung und Begleitung von außen, weil sie wertvollen Input in den eigenen manchmal festgefahrenen Unternehmeralltag bringt und hilft, über den Tellerrand zu blicken. „Mit Allen Wassern“ geht dabei einen ganz eigenständigen Weg. Unternehmer aus den unterschiedlichsten Branchen haben sich zusammengefunden, um gemeinsam und je nach Bedarf unterstützend zur Seite zu stehen. So entstand über die Jahre ein breites Kollektiv aus Unternehmern für Unternehmer. Das ermöglicht einen Dialog auf Augenhöhe, weil man um die Bedürfnisse, Probleme und Herausforderungen der anderen weiß. Aus eigener Erfahrung. Die Herangehensweise an die Problembewältigung erfolgt mit kreativen und teils unkonventionellen Methoden, weil es durchaus hilft, zwischendurch die Perspektive zu wechseln, um das volle Potenzial eines Unternehmens ausschöpfen zu können. „Mit Allen Wassern“ besteht aus Experten aus verschiedenen Sachbereichen, die sich je nach Thematik und Kundenherausforderung zu einem schlagkräftigen Team formieren. Entsprechend ganzheitlich wird das Unternehmen und dessen Businessmodell betrachtet. Die Bekämpfung von Einzelsymptomen hilft in den seltensten Fällen weiter, es geht um das große Ganze, um zukunftsfähig zu

sein. „Wir sind Zukunftsgestalter und keine Vergangenheitsbewältiger“, gibt Kurz die Richtung vor und die geht ganz klar nach vorn. „Wir blicken in die Zukunft, Vergangenheit ist wie verschüttete Milch.“ Als Beratungsmodell wurde deshalb der so genannte Zukunftskompass entwickelt, der Orientierung für alle jene Bereiche geben soll, die das jeweilige Unternehmen, aber auch dessen gesamtes Umfeld und die Branche betreffen. Denn nur wer weiß, wo sein Ziel ist und wo der Weg entlangführt, kann entsprechend navigieren. Notfalls auch mal im Nebel. Die Strategie ist dabei recht simpel: So einfach wie möglich, so komplex wie nötig. Dazu braucht es weder Anzug noch Krawatte. Das Kollektiv agiert hemdsärmlig und pragmatisch und erarbeitet Lösungen nicht für den Kunden, sondern mit ihm. Nur so kann nachhaltiger Erfolg sichergestellt werden. Gerade in der Coronazeit habe sich das Kollektiv durch den Austausch und das Zusammenwirken bewährt, finden die drei Gesellschafter. Es ist nicht nur das Gefühl, in und mit der Krise nicht allein zu sein, es ist auch die wechselseitige Unterstützung, die hilft. Nicht nur innerhalb des Kollektivs, sondern bei allen, die mit ihm arbeiten.  www.mitallenwassern.com



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DIE GROSSE CHANCE Ja, die Coronakrise hat die Wirtschaft hart getroffen. Und nein, vermutlich wird sich die Normalität von vorher nicht mehr zu hundert Prozent einstellen. Die Industrie erwartet sich als größte Veränderung nach der Krise die Beschleunigung der Digitalisierung in den Unternehmen.

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T E X T & I N T E RV I E W S : D O R I S H E LW E G

I

n einer gemeinsamen Umfrage der Industriellenvereinigung (IV), Wirtschaftskammer und Standortagentur wagen die Tiroler Industrieunternehmen einen Blick in die Zukunft. Der Tenor: Sie erwarten sich zuvorderst Unterstützung – vor allem durch rasche Behördenverfahren. Corona hat die Industrie in einer insgesamt guten Zeit getroffen. Zwar zeichnete sich eine leichte Konjunkturdelle ab, trotzdem haben viele Unternehmen Investitionen geplant und werden diese auch zum großen Teil umsetzen. Es verwundert daher nicht, dass – nach rund zwei Monaten Verzögerung – der Wunsch nach schnellen Verfahren in der Industrieumfrage sehr häufig genannt wird. Gerade die Bauwirtschaft braucht jetzt rasch Genehmigungen, um Aufträge abwickeln und damit möglichst viele Mitarbeiter beschäftigen zu können.

JETZT DAS LAND MODERNISIEREN

Als größte Veränderung nach der Krise erwartet sich die Industrie die Beschleunigung der Digitalisierung in den Unternehmen. Und sie erhofft sich, dass die Verwaltung in Österreich diesen Weg mitgeht und E-Government (die Digitalisierung der Verwaltung) auch in Österreich forciert wird. Einige Vorbilder in Europa machen es bereits vor, besonders das kleine Lettland, wo die Bürger und Unternehmen durch E- Government wirklich entlastet werden. Österreich könnte seiner

Wirtschaft durch eine modernisierte Verwaltung den dringend benötigten Wettbewerbsvorteil verschaffen. Der politische Wille dazu ist vorhanden. Auf Bundesebene nimmt Digitalisierung einen wesentlichen Stellenwert ein und im aktuellen Tiroler Regierungsprogramm heißt es dazu vielversprechend: Tirol als Vorreiterland des E-Governments und der digitalen Verfahrensabwicklung im Rahmen der Digitalisierungsoffensive zu positionieren. Jetzt sieht die IV die Zeit der Umsetzung gekommen.

DEREGULIEREN UND NICHT BELASTEN

Krisenzeiten bergen immer die Gefahr der Regulierung und damit der Hemmung der Wirtschaft. Genau das Gegenteil ist jetzt erforderlich. Die Politik muss ermöglichen. Es geht darum, die bestehenden Arbeitsplätze möglichst zu erhalten und viele neue zu schaffen. Das können nur Unternehmen und sie brauchen dazu ein Umfeld, in dem sie sich gut entfalten können. Das gilt für große Unternehmen genauso wie für Neugründungen. Die besten Start-up-Förderungen sind Deregulierung und schnelle Genehmigungen. Die Gefahr, dass junge, agile Unternehmen ihre Zukunft nicht bei uns sehen, weil es woanders schneller geht, ist real und die bestehenden Unternehmen dürfen nicht durch neue Steuern und Belastungen in ihrem Aufholprozess gebremst werden. www.tirol.iv.at 


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P R O F. D R . M I C H A E L K R A X N E R H E A D O F R E S E A R C H & D E V E L O P M E N T, PROFESSOR FOR MECHANICAL PROCESS ENGINEERING AM MCI | THE ENTREPRENEURIAL SCHOOL®

INVESTITION IN HOCHQUALIFIZIERTES HUMANKAPITAL

Welche Technologien haben künftig das größte Potenzial – im Allgemeinen und im Speziellen in der Industrie? MICHAEL KRAXNER: Hier gäbe es eine Reihe von Optionen, allerdings ist eine gezielte Potential- und Relevanzanalyse für die gewünschte Prozessinnovation unerlässlich, um relevante Innovation im Unternehmen zu integrieren. Absolut gehypt ist zurzeit die Digitalisierung und Automatisierung von Prozessen und Arbeitsabläufen, welche gepaart mit künstlicher Intelligenz weitreichende Optionen eröffnen. Als Beispiele hierfür sind neben Preventive/Predictive Maintenance auch IOT-Systeme zu nennen, die aus dem Internetverhalten von Kunden den ferngelegenen Rohstoffeinkauf, die Produktion und die anstehende Logistik ebendieser Produkte in Echtzeit steuern. Bei allen verschiedenen Einsatzmöglichkeiten ist jedoch vorab die Sinnhaftigkeit zu hinterfragen, denn nicht alles ist nach der Digitalisierung zwingend effizienter bzw. besser. Somit gilt wie immer der Slogan „Never trust the hype“, weil vorab eine intensive Auseinandersetzung mit den zu erwartenden Effekten auf kurze und lange Sicht gemacht werden muss, um die Potentiale auch wirklich nachhaltig ausschöpfen zu können.

ECO.NOVA:

Welche Voraussetzungen braucht es für die Anwendung neuer Technologien? Qualifiziertes Fachpersonal für die Auswahl und Integration von Technologien, Breitband-Infrastruktur und exzellente Cybersecurity, Experten in der Datenanalyse und Interpre-

tation sowie reflektierende Mitarbeiter mit Willen zur ständigen Veränderung

Wo steht Tirol?Aufgrund fehlender natürlicher Ressourcen (mit Ausnahme von Wasser) ist dem internationalen Wettbewerb hierzulande nur durch Investition in hochqualifiziertes Humankapital zu begegnen. Tirol hat in den genannten Voraussetzungen hinsichtlich Personal eine gute Ausgangsposition. Die Lehrlingsausbildungsstätten, Schulen und Hochschulen hierzulande bilden exzellente Fachkräfte aus. Leider ist die Nachfrage von Auszubildenden in den bekannten Zukunftsfeldern stark ausbaufähig, weswegen eine Zuwanderung von Fachkräften unerlässlich ist. Hinsichtlich des Infrastrukturausbaus hat das Land Tirol mit den Breitbandanbietern eine Vorreiterrolle in Österreich eingenommen. Österreich war zudem erstes 5G-Testland in Europa. Die Coronakrise hat auch Abhängigkeiten von anderen Märkten aufgezeigt. Werden technologische Innovationen auch dazu

beitragen können, weniger global, sondern wieder mehr lokal produzieren zu können? Ja, das ist möglich, sofern Produktionen nicht aufgrund von Ressourcen- und Rohstoffverfügbarkeit an ferne Standorte gebunden sind. Die vor Jahren anvisierten Produktionsländer industrieller Großkonzerne wie China oder Indien haben ihren Charme verloren. Steigende Lohnkosten, fehlende örtliche Qualifikationsniveaus und steigende Unsicherheiten für entsandte heimische Experten in der Ferne haben die Attraktivität schwinden lassen. Die laufende Digitalisierungs- und Automatisierungswelle lässt den Lohnkostenvorteil schwinden. Zukünftig verschiebt sich das Qualifikationsniveau des Personals hin zu mehr Experten, die dünn gesät sind und unabhängig vom Ort auf dieser Erde ihren Preis haben. Somit gilt es Humankapital in relevanten Berufsfeldern vorausschauend und in relevanter Anzahl hierzulande aufzubauen bzw. auszubilden, um Produktionen in hochindustrialisierter Weise wertschöpfend zu halten und heimzuholen. Das Rennen um die schlausten Köpfe hat längst begonnen, jedoch zählt Österreich eher zu den Exportländern hierbei. Deswegen ist die Politik gefordert, neben attraktiven Wohnsituationen und Familienunterstützungsprogrammen für heimische Fachkräfte auch Integrationsmodelle für ausländische Experten sowie internationale Schulen aufzusetzen, sodass Tirol nicht nur zur Hochsaison im wöchentlichen Rhythmus des Urlauberwechsels gastfreundlich ist.

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BERNHARD HOFER, M.Sc. C E O U N D S E N I O R PA R T N E R , C E M I T

© ANDREAS FRIEDLE

INTERDISZIPLINÄRE ZUSAMMENARBEIT ALS SCHLÜSSEL ZUM ERFOLG

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ECO.NOVA: Sie haben mit Ihrem Unterneh-

men Cemit als auch bei Ihren 120 Kunden in der DACH-Region den Lockdown hautnah miterlebt. Welche Eindrücke und Erfahrungen konnten Sie machen? BERNHARD HOFER: Am Anfang standen alle unter Schock – die Ungewissheit betreffend die Auswirkungen eines bis dato unbekannten Shutdowns war bei allen spürbar – Mitarbeitern, Kunden und Partnern. Wir haben uns als Cemit rasch via Homeoffice virtuell aufgestellt und bis dato keinerlei Performanceeinbußen. Unsere Dienstleistungen wurden sogar verstärkt nachgefragt. Bei diversen Unternehmen aus unserem Umfeld konnten wir verschiedene Strategien beobachten: zum einen Unternehmen, bei denen die Strategie so ausgelegt war, dass der Staat größtmöglich für erlittene Einbußen und finanzielle Engpässe Verantwortung übernehmen soll und gleichzeitig erwartet wurde, dass nach dem Ende des Shutdowns in gewohnter Manier weitergearbeitet werden kann. Auf der anderen Seite haben wir eine Mehrzahl an Unternehmen erlebt, welche die Krise für eine Selbstevaluation ihrer bisherigen Entwicklung, laufenden Aktivitäten bzw. auch zur Ausrichtung ihrer zukünftigen Geschäftstätigkeit genutzt haben. Diesen Unternehmen war auch bewusst, dass möglicherweise nicht alles so weiterläuft wie vor dem Shutdown.

Haben Sie eine Veränderung des Kundenverhaltens im Zuge der Coronakrise erlebt? Ja, die Bevölkerung versucht regionaler, nachhaltiger und qualitätsbewusster einzukaufen, da im Zuge der Krise hautnah miterlebt werden konnte, welchen Stellenwert eine regionale Versorgung mit Produkten und Dienstleistungen hat. Ähnliches konnte auch im B2B-Bereich beobachtet werden, da mitunter internationale Zulieferer nicht mehr im geforderten Ausmaß Materialien und Dienstleistungen bereitstellen konnten. Demzufolge wurde auch hier, soweit wie möglich, auf regionale Lösungen ausgewichen bzw. konnte auch eine branchenübergreifende Interaktion bei Tiroler Unternehmen beobachtet werden. Wie unterstützt Ihr Unternehmen die Kunden dahingehend, wie sie interdisziplinärer agieren können? Hier haben wir als Cemit insofern einen entscheidenden Vorteil,

als dass wir seit einigen Jahren Kunden aus den verschiedensten Branchen unterstützen und es gewohnt sind, branchenübergreifende Mehrwerte und Lösungen zu erzeugen. Zum Beginn einer Zusammenarbeit sondieren wir mit dem jeweiligen Kunden seine aktuellen Anforderungen und quantifizieren, in welcher Art und Weise vorhandene Technologien, Know-how bzw. Produkte und Dienstleistungen zur Zielerreichung beitragen können. Hierzu haben wir ein eigenes Netzwerk, id4best, geschaffen, im Zuge dessen Technologien und Dienstleistungen, losgelöst von Branchen und Regionen, miteinander verknüpft werden können. Es geht hier rein um die technische Beschreibung und Know-how, welches auf der anderen Seite gesucht wird. Wohin soll sich Tirol bewegen? Neben dem Tourismus könnte sich in Tirol der Gesundheitsbereich als Wirtschaftskraft etablieren. Der demografische Wandel ist längst schon eingeleitet, die Menschen werden älter und man muss sich die Frage stellen, wie man diese in Zukunft serviciert. Daraus ergibt sich durchaus eine Kombination mit dem Tourismus, aber auch mit Hightech-Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich, der Vorsorge und der Pflege. Wir müssen meines Erachtens viel mehr in solchen Kreislaufprozessen denken.


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MAG. CHRISTINA MADERSBACHER PERSONALLEITERIN, SANDOZ GMBH KUNDL/SCHAFTENAU

FLEXIBILISIERUNG DER ARBEIT IM HOMEOFFICE

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ECO.NOVA: Der Lockdown hat schlagartig viele Unterneh-

men gezwungen, die Mitarbeiter aus dem Homeoffice aus arbeiten zu lassen. Hatten Sie vorher schon Homeoffice-Modelle? CHRISTINA MADERSBACHER: Unser Unternehmen setzt bereits sehr lange auf Arbeitszeitflexibilisierung als wichtigen Baustein für Mitarbeiterzufriedenheit und Motivation. Dabei war Homeoffice immer schon ein sehr wichtiger Bestandteil. Die Covid-19-Krise hat uns aber gezeigt, dass wir noch viel weiter gehen und auch weiterhin verstärkt an Digitalisierungsmaßnahmen arbeiten müssen. In diese aktuell stattfindende Diskussion fließen zahlreiche Argumente mit ein, von der Homeoffice-bedingten Zeitersparnis bis hin zur damit verbundenen CO2-Reduktion.

Welche technischen Voraussetzungen sind notwendig? Eine stabile Internetverbindung, idealerweise ein ergonomisch eingerichteter Arbeitsplatz und natürlich Laptop und Handy als Arbeitsmittel sind wesentliche Voraussetzung, um Homeoffice auch langfristig gesund zu gestalten. Besonders der ergonomisch eingerichtete Arbeitsplatz wird sicherlich oft unterbewertet.

Für welche Tätigkeiten eignet sich Homeoffice? Aus der Krise haben wir gelernt, dass sehr viele Tätigkeiten im Homeoffice möglich sind, auch jene, die wir uns vorher kaum vorgestellt hätten, wie leitende Funktionen oder technische Tätigkeiten. Im Wesentlichen eignen sich alle Tätigkeiten, welche zum überwiegenden Teil mit dem PC durchführbar

sind. Besonders geeignet sind auch Tätigkeiten und Jobs, die aufgrund von internationaler Ausrichtung ohnehin sehr viel durch Telefonkonferenzen geprägt sind. Studien besagen, dass Mitarbeiter mit Homeoffice-Möglichkeit zufriedenere Mitarbeiter sind. Können Sie dies aus Ihrer Erfahrung bestätigen? Kreativität, Inspiration und Eigenverantwortung zählen unter anderem zu den wichtigsten Werten in unserem Unternehmen. Die Möglichkeit der flexiblen Arbeitszeiten sowie die flexible Ausgestaltung des Arbeitsortes sind dabei wichtige Maßnahmen, um genau diese Werte zu fördern. Ich glaube fest daran, dass sich durch mehr Eigenverantwortung die Mitarbeiterzufriedenheit verbessert. Aus diversen unternehmensinternen Umfragen ergeben sich hier sehr viele positive Rückmeldungen. Die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, und die nötige Flexibilität in der Gestaltung, die dabei geboten wird, schätzen viele Mitarbeitende sehr. Werden sich Homeoffice-Modelle nun leichter etablieren? In unserem Unternehmen stellen wir uns aktuell die Frage, wie wir Homeoffice noch breiter ausrollen können und welche zusätzlichen Flexibilisierungsmöglichkeiten wir unseren Mitarbeitenden anbieten können. Arbeitszeitflexibilisierung in den unterschiedlichsten Ausprägungen wird jedenfalls auch weiterhin ein fixer Bestandteil unserer Unternehmensstrategie sein. Gerade die Krise hat uns gezeigt, dass es hier noch sehr viel mehr Potenzial gibt.


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MORITZ FRÖHLICH V I C E P R E S I D E N T D I G I TA L , I N N I O

WARTUNGEN GEHEN ONLINE

Störungen beheben. Zudem liegt ein großer Fokus auf der Entwicklung von Algorithmen und künstlicher Intelligenz, die es uns ermöglicht, vermehrt frühzeitig aktiv zu werden.

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ECO.NOVA: Inwiefern hat Digitalisierung Einfluss auf die verschiedenen Entwicklungen im Unternehmen? MORITZ FRÖHLICH: Digitalisierung ist ein zentraler Unternehmenszweck. INNIO hat in zwei technologisch fortschrittliche Fertigungsstandorte investiert und dabei digitale Technologien zum Einsatz gebracht, die dazu beitragen, dass die Ideen, Konzepte und Konstruktionen unserer Ingenieure in hervorragende technische Produkte umgewandelt werden. Unsere Lösungen zur digitalen Fernwartung für Verbrennungsmotoren und Generatoren können unsere Kunden dabei unterstützen, die Verfügbarkeit und Effizienz zu verbessern, die Kosten über die Nutzungsdauer zu reduzieren sowie die Leistung und Rentabilität für mehr als 52.000 unserer ausgelieferten Motoren zu optimieren. Hier sprechen wir über eine eigenentwickelte hochskalierte IoT-Plattform, die wir myPlant* genannt haben und die mehr als 15.500 Anlagen sicher mit der Cloud verbindet.

Wie funktioniert die Onlinewartung von Maschinen? myPlant* ermöglicht es dem Anlagenbetreiber, jederzeit und überall die Anlagenleistung und den Zustand bis auf Komponentenebene zu überwachen. In einem möglichen Bedarfsfall kann man sich (mit den richtigen Benutzerrechten) auf die Anlage einwählen und

Können diese Art Fernwartungen auch ein Beitrag für die Umwelt sein? Mehr als 65 Prozent aller Servicefälle können mittlerweile aus der Ferne gelöst werden – ohne einen Servicetechniker zur Anlage zu schicken. Neben dem positiven Effekt bezüglich der Zeitersparnis und der Anlagenverfügbarkeit reduzieren wir hier auch den Bedarf an Reisezeit mit dem Auto oder dem Flugzeug. Unsere Motoren stehen in weit über 100 Ländern.

Können wir aus den Erfahrungen der Coronakrise auch für die Zukunft lernen? Ich denke, die Coronakrise hat deutlich gezeigt, wie wichtig die Digitalisierung ist und in Zukunft sein wird. Neben der Arbeit im Homeoffice sehen wir als Industrieunternehmen die Wichtigkeit digitaler Technologien und die Verbindung zu unseren Motoren. Wir haben sofort reagiert und unseren Kunden eine kostenlose Verbindung ihrer Anlagen angeboten und Onlinetrainings aufgesetzt, um unsere myPlant*-Lösung erfolgreich einsetzen zu können. In Zeiten von Unsicherheit und Restriktionen kann die Digitalisierung Existenzen sichern und Unternehmen in schweren Zeiten unterstützen. So setzen beispielsweise allein in Europa 300 Krankenhäuser sowie 350 Stadtwerke und Fernwärmekraftwerke die Technologie aus Jenbach zur Energieversorgung ein. Die Unterstützung unserer Kunden ist Teil unseres Erfolges und muss auch aus der Ferne möglich sein.

ECO.NOVA: Was dürfen wir uns unter digitalen Managementsystemen vorstellen? FRANZ BAILOM: Digitale Assistenzsysteme finden wir heute fast überall. Mit my in-manas haben wir ein Management-Assistenzsystem entwickelt, das Unternehmen erstmals dazu befähigt, ihre strategische Arbeit digital abzuwickeln. Sie können auf die besten Managementinstrumente, auf Tools zur kollaborativen Lösungsentwicklung sowie auf eine inspirierende Wissens-, Trend- und Innovationsdatenbank zugreifen.

Welche Techniken werden die Welt des Managements revolutionieren? Wie beim Einsatz von anderen Assistenzsystemen geht es auch im Management um die Anwendung bzw. den Zugriff auf das beste Wissen, die aktuellsten Informationen und die geeignetsten Methoden, um Unternehmen und Organisationen erfolgreich führen zu können. Die Digitalisierung ermöglicht Unternehmen den Zugriff auf immer mehr Daten und Informationen (Stichwort: Big Data) sowie eine umfassende Auswertung dieser Informationen über Mustererkennung. Es geht also um die richtigen Rückschlüsse in der jeweiligen Managementsituation. Zudem werden in Zukunft Lösungswege verstärkt von künstlicher Intelligenz vorgeschlagen und erleichtern damit den Managementalltag. Warum brauchen wir diese Unterstützung in der Entscheidungsfindung? Insbesondere durch den Megatrend Digitalisierung kam es in unse-


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D I PA U L W E S S I A C K CEO, WORLD DIRECT

DR. FRANZ BAILOM GRÜNDER UND INHABER VON IN-MANAS: INTELLIGENT MANAGEMENT SOLUTIONS GMBH

DIE DIGITALE ZUKUNFT DES MANAGEMENTS

INNOVATIONEN ZUR ANWENDUNG BRINGEN

ECO.NOVA: Homeoffice- und Onlinemeetings sind dank des Lockdowns

salonfähig geworden. Welche IT-Infrastruktur ist dafür notwendig? PAUL WESSIACK: Für eine rasche Umstellung auf Homeoffice war es in unserem Fall ein enormer Vorteil, dass wir bereits vor zwei Jahren die gesamte Client-Infrastruktur auf VDI (Virtual Desktop Infrastructure) umgestellt hatten. Dies ermöglichte uns einen Homeoffice-Umstieg der gesamten Belegschaft innerhalb eines Tages. rer Wirtschaft weltweit zu einer drastischen Erhöhung in Bezug auf Komplexität und Menge an Informationen. In Unternehmen müssen viel öfter und unter verstärktem Zeitdruck grundlegende Entscheidungen getroffen werden. Für diese Entscheidungen müssen Informationen gesammelt und analysiert, es müssen Vorschläge und Optionen erarbeitet und bewertet werden. Dabei unterstützen digitale Assistenzsysteme.

Wie arbeiten diese digitalen Assistenzen? Sie übernehmen verschiedene Aufgaben. Sie suchen, sammeln und bereiten relevante Informationen für Unternehmen auf – beispielsweise in Form von intelligentem Innovation-Scouting oder Trendanalysen. Dabei werden Techniken wie Webcrawling, aber auch schon einfache Formen von künstlicher Intelligenz eingesetzt. Weiters bietet ein System wie my in-manas dem Management die Möglichkeit, Wissen, Ideen und Lösungen online auszutauschen und gemeinsam zu bearbeiten, ohne sich real treffen zu müssen.

Unternehmen werden noch mehr über Geschäftsprozessoptimierungen nachdenken müssen. Welche Technologien werden uns hier künftig besonders begleiten? Geschäftsprozessoptimierungen werden künftig noch stärker von standardisierten SaaS (software as a Service)-Lösungen aus der Cloud getragen werden. Zentrale Lösungen wie ERP, CRM oder ServiceDesk werden künftig auf Mietbasis aus der Cloud bezogen werden, wobei der Kunde seine Prozesse an der Standardsoftware ausrichten wird und nicht mehr zwangsläufig an seinen bestehenden Abläufen im Unternehmen. Sie haben binnen kürzester Zeit die Covid-19-Tests für Tirol digitalisiert. Können Sie uns diese Prozesse kurz beschreiben? Mitte März wurden wir vom damals am stärksten betroffenen Labor Dr. Obrist bzw. dem Krankenhaus Zams gefragt, ob wir bei der Datenerfassung Patient/ Probe kurzfristig eine Lösung umsetzen könnten, um Datenqualität und Prozessgeschwindigkeit zu verbessern. Aus dem Gespräch mit Zams entstand sehr rasch der Wunsch nach einer Lösung für alle 15 Screeningteams und PCR-Labore in Tirol, welche wir dann auch innerhalb von zwei Wochen gemeinsam mit der Firma ilvi/Graz umgesetzt haben. Durch diese Lösung erfolgt nun der Ablauf von „Anruf 1450-Hotline“ über die Abstrichnahme bis hin zum Laborauftrag bzw. der Ergebnisübermittlung an die Behörde/Land Tirol durchgängig digital. Somit kann eine höhere Anzahl an Tests schneller, zuverlässiger und sicherer als bisher durchgeführt werden. Dank unseres erfolgreichen Kooperationsmodells für digitale Innovation ist uns auch in diesem konkreten Fall gelungen, die Lösung rasch zur Anwendung zu bringen.

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DR. KLAUS M. GHERI VICE PRESIDENT & GENERAL MANAGER, BARRACUDA NETWORKS

CYBERSICHERHEIT IST EINE GROSSE HERAUSFORDERUNG

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ECO.NOVA: Welche Erfahrungen nehmen Sie mit Ihrem Unternehmen aus der Coronakrise mit? KLAUS M. GHERI: Wir mussten mit unseren 180 Mitarbeitern österreichweit von einem Tag auf den anderen auf Homeoffice umstellen, was dank ausreichend mobiler Endgeräte recht gut funktioniert hat. Nach den erfolgten Lockerungen ist gut die Hälfte der Belegschaft vom Homeoffice begeistert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Schon allein das tägliche ImStau-Stehen entfällt. Auch wollten wir schon lange unsere Büroräumlichkeiten umbauen und wussten nie, wohin währenddessen mit der Belegschaft. Mit der erzwungenen Umstellung auf Homeoffice hat sich dieses Problem von allein gelöst. Wir sehen auch bezüglich Mitarbeiter-Recruiting eine große Chance, denn des öfteren scheiterte eine Anstellung daran, dass der Bewerber nicht nach Innsbruck übersiedeln wollte.

Die Cyberkriminalität war vor der Krise bereits stark im Anstieg und hat jetzt noch mal ordentlich zugelegt. Was heißt das für Unternehmen? Wir werden künftig die größten Sicherheitsbedrohungen durch die anhaltende Netzwerk-Verbreitung, die große Anzahl an weniger gut gesicherten Heimarbeitsplätzen, die Migration in die Cloud sowie die Zunahme kritischer Infrastrukturen und industrieller Kontrollsysteme sehen. Besonders problematisch sind Endgeräte außerhalb des Firmennetzwerkes. Hier besteht eine erhöhte Gefahrenlage, dass Kriminelle durch die Hintertür ins Firmennetzwerk gelangen.

mäßig geschult und getestet werden, um ihr Sicherheitsbewusstsein für die Vielfalt gezielter Angriffe zu schärfen. Eine äußerst effektive Methode zur Prävention ist zudem die Inszenierung simulierter Angriffe zu Trainingszwecken. Nach allen technischen Präventionen spielt das Awareness Training sicher auch eine wichtige Rolle.

Künstliche Intelligenz oder Machine Learning hält immer mehr Einzug in Unternehmen. Wie wirkt sich dies auf die Sicherheit von Anwendungen aus? Die meisten Angriffe passieren über E-Mail. Künstliche Intelligenz (KI) bietet mittlerweile einige der größten Hoffnungen, um hochentwickelte, personalisierte Angriffe auszuschalten. Durch das Erlernen und Analysieren der einzigartigen Kommunikationsmuster eines Unternehmens kann eine KI-Engine Inkonsistenzen in Echtzeit aufspüren und Angriffe neutralisieren.

Heißt das, dass schlussendlich neben allen technischen Sicherheitsvorkehrungen auch der Mensch bzw. Mitarbeitende achtsam sein sollten? Der Ehrgeiz der Cyberkriminellen und die Plausibilität gefälschter E-Mails werden zunehmend raffinierter. Indem aber gleichsam eine Flut an Informationen tagein, tagaus auf jeden einzelnen Mitarbeiter hereinbricht, braucht es neben aktuellster Sicherheitstechnologie gleichsam eine kontinuierliche Sensibilisierung der Mitarbeiter. Diese sollten regel-

Welche Möglichkeiten stehen Unternehmern in Bezug auf Security und Cloud zur Verfügung? Jede Menge. Es handelt sich um geteilte Verantwortlichkeit zwischen dem Anwender und dem Cloud-Provider. Für Zugangssicherheit, Datenverschlüsselung, Absicherung von Workloads ist der Anwender zuständig. Der Cloud-Provider bürgt für die Sicherheit der Cloud-Infrastruktur. Herausforderung bei Public Cloud ist, die Übersicht über die Workloads, Datenspeicher und deren Einstellungen nicht zu verlieren. Hier können Tools wie Cloud Security Guardian von uns helfen, die die Assets darstellen, Kommunikationsbeziehungen visualisieren und Berechtigungseinstellungen überprüfen und auf Wunsch auch Abweichungen melden bzw. eigenständig auf den gewünschten Wert zurücksetzen. Zudem sind Anwendungen von bewährten Sicherheitsherstellern auch in der Cloud sinnvoll. Das betrifft vor allem die Bereiche Web-Anwendungen und Mikrosegmentierung. Native Tools der Cloudprovider können derzeit nicht alle wünschenswerten Anforderungen abbilden. Ähnliche Möglichkeiten gibt es im Bereich Office 365 bei der Absicherung gegen unerwünschte oder bösartige E-Mail-Inhalte.


GEMEINSAM FÜR EINE ERFOLGREICHE ZUKUNFT! Der Tiroler Personalbereitsteller InterWork-Personalservice stellt inländische Facharbeiter für Bau- und Industriebetriebe.

Interwork-Geschäftsführer Rainer Körber

Sie suchen Mitarbeiter für ihren Betrieb? Die in Rum ansässige Firma InterWork-Personalservice GmbH ist auf die Bereitstellung von inländischen Fachkräften aus Ostösterreich nach Tirol, Salzburg und Vorarlberg spezialisiert. Seit mehr als 10 Jahren ist der Geschäftsführer von InterWork Rainer Körber im Bereich Personalbereitstellung tätig. Er kann auf einen breiten Erfahrungsschatz auf diesem Gebiet verweisen.

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Das Besondere an InterWork-Personalservice: Es werden grundlegend inländische Fachkräfte aus Ostösterreich angeworben. InterWork konnte in den letzten Wochen einige neue Kunden gewinnen, vom Groß bis hin zum Kleinbetrieb und hat noch weitere Personalreserven. Unser Pool von mehreren 100 Mitarbeitern warten schon darauf am Bau oder in der Industrie eingesetzt zu werden. WIR BERATEN SIE GERNE: Bundesstraße 25 . 6063 Rum . Tel.: 0512/343060 office@interwork.co.at

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GENAU JETZT BRAUCHT ES INNOVATION Eine halbtote Angelegenheit soll sie sein, unsere Wirtschaft, nur noch am Leben erhalten durch Subventionen. Doch ist das wirklich so? Tut sich nicht an vielerei Orten und Begegnungen etwas, was weitergeht, Hoffnung schöpft, sich aus der Krise rausbewegt?

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ines kann mit Sicherheit gesagt werden: Trotz aller Hürden und aller Misere – fast keinem Unternehmen kann man nachsagen, dass es nicht in kürzester Zeit zum Wandel fähig ist. So haben zum Beispiel der Großteil der österreichischen Unternehmen innerhalb von drei Tagen auf Homeoffice umgestellt. Ein Zeichen, dass unter Druck vieles möglich ist. Doch wie viel Druck benötigt es jetzt, dass wir nicht zu alten Gewohnheiten zurückkehren und diese Krise als Chance begreifen?

DIE ZEIT DANACH

Es gibt eindeutige Szenarien, wie es weitergeht und was die neuen Megatrends der Zukunft nach dieser Zeit sind. Doch was wollen wir? Was wir als Letztes wollen, ist mit dem Satz aufzugeben, es habe eh keinen Sinn mehr. Mut ist gefragter denn je. Gerade jetzt heißt es, mit aller Klarheit auf Innovation zu setzen. Man weiß, dass innovative Unternehmen schlussendlich besser durch eine Krise kommen. Das gelingt aber nur, wenn diese innovativen Projekte genau die Anforderungen der Zukunft treffen. Die Coronakrise hat uns allerdings derart in den Grundfesten erschüttert und so vieles über den Haufen geworfen, dass gerade auch innovative Unternehmen gefragt sind, neue Wege zu gehen. War vorher schon an mancher Stelle ein Perspektivenwechsel notwendig, verstärkt sich genau diese Notwendigkeit. Es ist ein fast vergnüglicher Prozess: raus aus den alten Schuhen, rein in die neuen Lackschuhe. Doch wie kann so etwas gelingen?

„ I N N O VAT I O N B E D E U T E T PERSPEKTIVENWECHSEL GERADE JETZT BESTEHT DIE CHANCE, SICH VON NEUEM FÜR NEUES A N S T E C K E N Z U L A S S E N .“ ANJA NIEDWOROK

Unterstützend wirken Methoden wie Design Thinking oder Open-Innovation-Ansätze. Dabei werden externe Quellen einbezogen und es ergeben sich neue Sichtweisen auf die Herausforderungen und Problemstellungen der Zukunft. Oft lassen sich ganz neue Aspekte erschließen. Diese Ansätze helfen auch, seine eigenen Denkschemas zu verlassen und sich ganz auf die Sichtweise von Kunden, Kooperationspartnern oder Lieferanten einzulassen. Das mag zwar oft unbequem sein, vor allem am Anfang, denn nichts ist schöner als der eigene Ideen-Elfenbeinturm. Doch genau diese Auseinandersetzung zwingt zum Nachdenken und zur Neuformulierung der Problemstellung. Möglicherweise ergeben sich ganz neue, weitere Innovationsvorhaben daraus. „Spechteln“ ist dabei durchaus erlaubt. In vielen Fällen löst eine dem eigenen Unternehmen fremde Branche Herausforderungen viel eleganter und effizienter, als dies die eigene Branche traditionsgemäß macht. Manchmal gibt es Gründe dafür, warum das in der eige-

nen Branche noch nicht umgesetzt wurde, manchmal jedoch gab es einfach noch nicht genug „Quergedanken“. Gerade in einer Krise weichen bestehende Branchengrenzen auf und es eröffnen sich neue Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Und daraus resultieren völlig neue Geschäftsmodelle. Wie lange diese Krise dauern wird, weiß momentan niemand. Nur auf eines können wir vertrauen: Es hat immer wieder kluge Köpfe gegeben, die unser Leben durch ihr unternehmerisches Tun zum Besseren wenden. PR

MAG (FH) ANJA NIEDWOROK, M.Sc. Wirtschaftspolitik, Innovation und Strategie TIROLER Wirtschaftskammer Wilhelm-Greil-Straße 7 6020 Innsbruck Tel. 05 90 90 5-1522 E-Mail: innovation@wktirol.at

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UP R TS TA E R D E GAB AUS

DIE PFERDEFÜTTERER Mit Carevallo haben sich zwei junge Pferdeliebhaber an ein Unternehmen gewagt, das maßgeschneidertes Futter für Pferde bietet. Neben dem profunden Wissen um Pferde und ihre Ernährung steckt eine ausgeklügelte Software hinter dem Start-up im Stubaital. T E X T : D O R I S H E LW E G

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s war Stute Mandy, die den Stein ins Rollen brachte. Mandy begann im Alter von neunzehn Jahren, sich am ganzen Körper wundzuscheuern. Ein Marathon aus unzähligen Untersuchungen begann, brachte aber nicht den gewünschten Erfolg. Da bekam ihre Besitzerin Isabel Atzinger den Tipp, die Ernährung ihres Pferdes zu überdenken. Und siehe da: Des Rätsels Lösung war geboren. Der Versuch, Mandys Ernährung mit Produkten vom Markt einzustellen, scheiterte. Und so begann sie gemeinsam mit ihrem Partner Benjamin Knaus das Futter für Mandy selbst zu mischen. Es waren unzählige Stunden, Tage, Wochen und Monate, in denen die beiden wissenschaftliche Lektüren auswerteten und zum Schluss kamen: „Jetzt machen wir uns das Pferdefutter selbst.“ So begannen die beiden, von den Grundkomponenten ein individuelles Futter für ihre Stute Mandy zusammenzustellen. Mit Erfolg: Mittlerweile ist Mandy 28 Jahre alt und erfreut sich bester Gesundheit.

INDIVIDUELLE BEDÜRFNISSE

So wie wir Menschen haben auch Pferde unterschiedliche Bedürfnisse. „Jedes Pferd ist einzigartig und hat einen individuellen Energie- und Nährstoffbedarf. Wir analysieren den Bedarf des einzelnen Pferdes und konzipieren bedarfsgerechte Futtermittel“, erklärt Atzinger. Die gängige Ernährungsweise mit Müsli, Mineralfutter, Heu und Wasser ist nicht für jedes Pferd die richtige Mischung. Als Isabel Atzinger und Benjamin Knaus verfolgen mit ihrem nachhaltigen Geschäftsmodell eine klare Vision: Sie wollen in Europa die Nummer eins für individuelles, maßgeschneidertes Pferdefutter werden.


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S E I T 2 018 V E R S C H I C K T C A R E VA L L O D I E I N D I V I D U E L L E N F U T T E R M I S C H U N G E N P E R P O S T D I R E K T A N D E N P F E R D E H A LT E R . M I T D E R G E S C H Ä F T S E N T W I C K L U N G S I N D I S A B E L AT Z I N G E R U N D BENJAMIN KNAUS BISL ANG ZUFRIEDEN.

ehemalige Leiterin eines Pferde-Pensionsbetriebes und Trainerin wusste Atzinger, dass ihre Stute Mandy kein Einzelfall war. Und so keimte die Idee auf, das erworbene Wissen um die individuelle Ernährung von Pferden auch anderen zur Verfügung zu stellen. Aber wie? Individuell zusammengestellte Nahrung kann man nicht einfach in ein Geschäft stellen. Und wie kommt man an die individuellen Bedürfnisse der Pferde? Alles Fragen, denen sich die beiden Akademiker neben ihren beruflichen Tätigkeiten stellen mussten. Anfang 2018 entschied sich Isabel Atzinger im Zuge eines Jobwechsels, sich voll und ganz auf den Aufbau des Startups zu konzentrieren.

ONLINESHOP

Als richtige Lösung für den Vertrieb des maßgeschneiderten Pferdefutters stellte sich ein Onlineshop heraus. „Unser großes Anliegen ist es, den Pferdefuttereinkauf möglichst einfach und komfortabel für den Kunden zu gestalten“, erklären Isabel Atzinger und Benjamin Knaus. Dennoch, zu Beginn gilt es eine Vielzahl an Fragen zu beantworten. „Das Pferdeprofil beinhaltet Fotos, viele Fragen an den Pferdebesitzer, aber auch das Blutbild und die Meinung des Tierarztes können auf Kundenwunsch in das Profil einfließen, falls vorhanden, auch eine Heuanalyse. Dieses bildet die Grundlage für das individuelle Futterkonzept samt maßgeschneiderter Futterrezeptur für das Pferd“, schildert Atzinger. Das Futterkonzept beinhaltet neben der individuellen Rezeptur samt einer Auflistung, warum welcher Inhaltsstoff enthalten ist, auch Futterempfehlungen, BeweFOTOS: © ANDREAS FRIEDLE

gungstipps sowie eine Fressgarantie. „Weil wir sehr hohe Ansprüche an uns selbst haben, bieten wir unseren Kunden selbstverständlich eine ‚Fressgarantie‘. Sollte das Pferd die Kostprobe nicht mögen, adaptieren wir kostenlos so lange, bis das Pferd glücklich ist“, so die Expertin.

INDIVIDUELLES FUTTER VON HAND GEMISCHT

„Pferde unterscheiden sich nicht nur in Rasse und Alter, sie unterscheiden sich aufgrund ihres Charakters, ihrer Größe, ihres Gewichtes, ihrer Haltung und vieler weiterer Eigenschaften und Bedürfnisse, wie Krankheiten und Unverträglichkeiten. Werden nicht all diese Faktoren in der Pferdefütterung berücksichtigt, können vermeidbare Krankheiten und Fehlversorgungen auftreten. Aus diesem Grund analysieren wir das Profil jedes einzelnen Pferdes und berechnen auf wissenschaftlicher Basis den individuellen Bedarf. Wir konzipieren ein maßgeschneidertes Futter, das alle nötigen Vitalstoffe in Ergänzung zur täglichen Raufutterration enthält“, erklärt die geprüfte Ernährungstherapeutin für Pferde. Dabei verzichtet sie auf künstliche Aromen, ätherische Öle, unnötige Füllstoffe und verwendet ausschließlich GMO-freie Zutaten. „In der Herstellung unserer Futtermittel legen wir Wert auf beste Rohstoffqualität, regionalen Einkauf und umweltschonende Verpackung“, ergänzt Knaus. Auch das Älterwerden, eine beginnende Turniersaison, verletzungsbedingte Pausen, Fellwechsel oder die Pollensaison verändern den Ernährungsbedarf des Pferdes. „Wir stehen unseren Kunden laufend zur Seite und adaptieren die Futtermischung

unverzüglich, sobald das nötig ist. Auch geschmackliche Vorlieben berücksichtigen wir gerne. Wir sind für Pferd und Reiter da und sehen uns als langfristiger Partner mit dem Ziel der Gesunderhaltung der Pferde“, ist das Gründerpaar überzeugt. Auch wenn dies auf den ersten Schritt aufwendig erscheint, so erspart sich der Pferdebesitzer in weiterer Folge sehr viel Zeit, aber auch Geld. „Denn in unserem Futter sind sämtliche Nähr-, Mineral- und Vitalstoffe enthalten, die das Pferd braucht. Der Besitzer braucht kein zusätzliches Futtermittel zu kaufen oder beizumengen.“ Seit 2018 verschickt Carevallo die individuellen Futtermischungen per Post direkt an den Pferdehalter. Mit der Geschäftsentwicklung sind die beiden bislang zufrieden. „Natürlich sind wir noch nicht da, wo wir hinwollen. Wir können aber trotz Corona sehr zufrieden sein. Viele Kunden sind froh, dass sie vorher umgestellt und stets die perfekte Futtermischung zur Verfügung haben und sich keine Sorgen um eine Fehlversorgung machen müssen.“

AUSGEKLÜGELTE TECHNIK

Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so erscheint, steckt hinter dem Start-up aus dem Stubaital auch jede Menge Technik. „Wir haben eine eigene Software schreiben lassen und entwickeln diese stetig weiter, denn neben dem Onlineshop mitsamt seinen Angeboten sammeln und verarbeiten wir jede Menge Informationen über die Pferde.“ Das große Ziel: mit dem nachhaltigen Geschäftsmodell in Europa die Nummer eins für individuelles, maßgeschneidertes Pferdefutter zu werden.

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REV I VA DER L AUS GAB E

VON TIROL IN DIE WELT

In der heutigen Zeit spiele der Ort des Firmensitzes nur noch eine untergeordnete Rolle, ist „in the headroom“ überzeugt. Vor allem in ihrer Branche, den Medien. Die Agentur war unter anderem von Innsbruck aus maßgeblich am Relaunch des 90er-Jahre-Lifestyle-Kultmagazins „MAX“ beteiligt. Das hat italienische Wurzeln und ist in internationalen Kiosken zu Hause. Und hat nun auch ganz entscheidenden Tiroler Einfluss bekommen. 92

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s war genial. Ein Geschichtenerzähler der besonderen Art. DAS Magazin der Kreativbranche, das Gesichter zeigte, die gerade im Begriff waren, groß zu werden, und mit denen man als Leser mitwuchs. Ein Magazin, für das man sich gerne Zeit nahm. Nicht schnelllebig und oberflächlich, sondern eine Urgewalt – allein das Oversize-Format. Ein optisches wie haptisches Meisterwerk. MAX war Lifestyle, Reisen, Beauty, Mode, Fotokunst und Popkultur. Es hat den Magazinmarkt der 1990er-Jahre und seine Leser entscheidend mitgeprägt. Nun ist MAX zurück.

KREATIVITÄT MADE IN TIROL

Max Iannucci, der die Marke in Italien seinerzeit gemeinsam mit Paolo Pietroni gründete und mittlerweile selbst als Ikone gilt, wollte es noch einmal wissen: Kann man der Magazinlegende noch einmal neues Leben einhauchen? Wie wertvoll ist der Faktor Nostalgie, wie sehr darf man sie in die Neuzeit holen, wie treu ist die Fangemeinde und wie groß das Potenzial neuer Leser? Lesen junge Menschen überhaupt noch Magazine? „Sicherlich gehört zu unserem Mut auch eine gute Portion Wahnsinn, um ein Printmagazin gerade jetzt auf den Markt zu bringen“, findet selbst Chefredakteur Bastian Fuhrmann. „Doch besonders in dieser schnelllebigen,

digitalen Zeit sehnen sich viele nach Haptik und Themen, die einen Klick überdauern und nicht einfach im digitalen Kosmos verpuffen. Etwas, das bleibt, man noch einmal hervorholt und sich gerne anschaut. Das schafft kein digitales Produkt“, sagt er. Fuhrmann wiederum ist Deutscher und lässt damit erahnen, dass es sich beim MAX-Team generell um ein sehr buntes handelt. Und Tirol steckt mittendrin. In Form der Agentur „in the headroom“ nämlich, die Creative und Art Direction sowie das strategische Projektmanagement übernahm und damit zeigt, dass Kreativität nicht nur in den Metropolen der Welt zu Hause ist, sondern überall. Und dass gutes Design nichts damit zu tun hat, woher es kommt, sondern vom wem. Das erste Treffen des sehr bewusst gewählten und so international wie vielfältigen Kernteams fand im Herbst 2019 in Wien statt. Ende Feber erschien die erste internationale Ausgabe. Mit Wucht. Als Statement. MAX – zum Leben erweckt und bereit, sich seinen Status zurückzuholen: keinen geringeren, als wieder Kult zu werden.

IMMER BESSER WERDEN

Trotz aller Corona-Umstände, die die Gestaltung von Ausgabe zwei nicht leichter machen: Das neue MAX ist gerade im Entstehen und erscheint im Sommer. Aufgrund

der großen Nachfrage wird die Auflage von 25.000 auf 50.000 Stück verdoppelt. Auch eine deutsche Ausgabe ist in Planung. Bisher erschien das Magazin ausschließlich auf Englisch. MAX ist definitiv zurück und hat es geschafft, so zu sein, wie es immer war. Nur angekommen in 2020. Auch dank „in the headroom“. „Wir sind selbst unsere größten Kritiker. Oft sind unsere Kunden schon zufrieden, da finden wir immer noch kreatives Potenzial, um ein Produkt noch ein Stück besser zu machen. Erst wenn auch wir voll und ganz mit einem Ergebnis zufrieden sind, darf es hinaus in die Welt“, sagen Mark Grünberger und Alexander Kofler, als Geschäftsführer zuständig für den kreativen Part. Das gilt fürs MAX und alle anderen Kunden der Agentur, die nicht minder international sind und bis in die USA, Peru oder die Malediven verstreut sitzen. Für manche sind dabei Unternehmenskataloge in 20 und mehr Sprachen umzusetzen – nach dem Erstellen der ersten Sprachversion gehe es dann zwar weniger um kreative Arbeit, trotzdem mache es stolz, derart umfangreiche Projekte von der Idee bis zur sauberen Umsetzung betreuen zu dürfen. Ihren Standort Innsbruck sieht die Agentur dabei durchaus als Vorteil: Man arbeitet direkt aus dem Herzen Europas und kann von hier Shootings in Mailand genauso pla-


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nen und durchführen wie in Paris. „Internationale Marken, die sich für uns entscheiden, machen dies meist sehr bewusst: Mit 14 Mitarbeitern sind wir zwar deutlich kleiner als die großen internationalen Agenturen mit Standorten beispielsweise in München oder London, sind aber auch sehr viel wendiger und schlagkräftiger und können zielgerichtet komplexe Projekte umsetzen. Das Vertrauen in eine kleine, inhabergeführte Agentur, zu der ein enger persönlicher Kontakt besteht, ist zudem auch viel größer“, findet Geschäftsführerin Silvia Thaler. Mit sämtlichen Partnern arbeitet man mit demselben Respekt, derselben Herzlichkeit und Motivation zusammen. Corona hat aber auch die Agentur vor Herausforderungen gestellt. Selbst wenn sich gezeigt hat, dass sich viele Projekte virtuell planen und umsetzen lassen, so lebt vor allem Kreativität vom gemeinsamen Austausch. Natürlich lässt sich vieles digital erledigen, doch das persönliche Gespräch ist viel zu wichtig, als dass man es missen wollte. Vermutlich geht es uns allen so. Die Coronazeit hat „in the headroom“ jedenfalls dazu genutzt, um für sich selbst kreativ zu sein. Gleich zu Beginn des Lockdowns hat sich das Team einen langgehegten Wunsch erfüllt, die Website einem Relaunch unterzogen und das in einer großflächigen Out-ofHome-Kampagne in Form von Citylights und Großplakatflächen angekündigt. „Dabei hat uns Corona alles andere als eingeschränkt, vielmehr sogar beflügelt“, heißt es aus der Agentur. Und bei aller Internationalität weiß man gerade in solchen Zeiten auch den Wert der Regionalität zu schätzen. Gearbeitet wurde mit starken lokalen Partnern wie SP-Models, einer agilen und professionellen Agentur mit hervorragenden Talenten, oder der Heimatwerbung mit tirolweit ausgezeichneten Flächen. Kreativität ist eben völlig unabhängig von Zeit, Ort und Größe. Was zählt, ist das Ergebnis. www.intheheadroom.com 

? G E U C I F N F GE ME-O O H M VO

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Das Geschäftsführerteam von „in the headroom“: Silvia Thaler mit Mark Grünberger und Alexander Kofler (stehend)

Innsbruck

Maria-Theresien-Straße 42a

bei der Triumphpforte

THE MAX IS BACK Die erste Revival-Ausgabe des Kultmagazines stand passenderweise unter dem Thema Mut. Die eigenwillige Schauspielerin Noomi Rapace bildet das Cover des ikonischen Magazinformats. MAX soll künftig vier Mal im Jahr erscheinen. Um 8,90 Euro ist das Magazin an ausgewählten Verkaufsstellen in Deutschland und dem europäischen Ausland erhältlich, außerdem kann man das Magazin online über die Website erwerben.

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INNO

VAT I DER ON AUS GAB E

ROLLIN’

Ich dachte ja, ich wäre raus aus dem (Skate)Board-Alter. Zuletzt stand ich auf einem Brett, da war ich gefühlt 14, also zu einer Zeit, als es den Knochen noch egal war, wenn man hinfiel. Kurzum: Mein Bedarf an Skateboards war bis vor Kurzem enden wollend. Dann kam das Vyper-Board. TEXT: MARINA BERNARDI

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as Skateboard wurde in den 1950er-Jahren erfunden und obwohl fast jedes Kind mal eines hatte, so ist es dennoch nie wirklich massentauglich geworden. Das liegt vor allem daran, dass die Technik nicht sonderlich ausgereift war. Anfänglich war ein Skateboard einfach ein Surfboard mit angeschraubten Rollschuhrädern. Im Wesentlichen hat sich daran bis heute nicht viel geändert, wenngleich es natürlich Weiterentwicklungen gab. Und trotzdem: Letztlich machen Skateboarder nur ein Prozent der Menschheit aus und das, obwohl es für den Sport eigentlich nicht viel braucht, der Einstieg also relativ niederschwellig ist. „Wenn ein Produkt von mehr als 99 Prozent der Menschen nicht verwendet werden kann, dann liegt das nicht am Menschen, sondern an der Technik“, ist Hubert Petutschnig überzeugt und hat sich drangemacht, das zu ändern.

DIE STREETBOARD - INNOVATION

„Die gründliche Sichtung aller am Markt befindlichen Boards ergab rasch, dass kein

einziges davon als Massenprodukt geeignet war“, so Petutschnig. Wenn ein Gerät schwer zu bedienen ist, muss man es folglich einfacher machen. Am besten so einfach, dass es für jedermann brauchbar und verständlich wird. 2017 beginnt die Geschichte des Vyper-Boards. Die Zielsetzung war keine geringere, als dass jeder auch noch so untrainierte Mensch schon nach kurzer Zeit relativ sicher Streetboard fahren kann. Erreicht wird dies über eine hoch innovative lenkbare Drehachse. Die ist nicht starr, wie vielfach üblich, sondern sorgt dafür, dass man intuitiv drauflosfahren und lenken kann. Die Radachse befindet sich dabei räumlich vor der Drehachse und wird beim Fahren in Fahrtrichtung vor der Drehachse hergeschoben. Das wiederum vergrößert die kurveninnere Kontaktfläche beim Lenken und stabilisiert das Board. Das macht das Vyper-Board auch für Anfänger und Ungeübte beherrschbar. Nach rund 15 bis 30 Minuten hat man im wahrsten Sinne den Dreh raus und gleitet schon recht sicher und elegant dahin. Spezielle sportliche Voraussetzungen braucht’s nicht, auch keine klassischen

Skateboard-Kenntnisse. Die mittlerweile patentierte Lenkkinematik ermöglicht Richtungsänderungen, folgt aber andererseits den ungewollten Verlagerungen des Schwerpunktes eines ungeübten Fahrers und gleicht ihn aus. Das reduziert die Sturzgefahr auf ein Minimum. Diese Technik hat den Begriff „Vyper-Effekt“ bekommen. Im Zeitraum 2018/19 wurde das Projekt zur Serienreife gebracht, es wurden spezielle Produktionswerkzeuge gebaut und in Folge die Komponenten für die erste Serie von 2.000 Stück gekauft. Die Boards werden ausschließlich in Österreich gefertigt. „Somit sind wir vermutlich in Österreich und vielleicht sogar EU-weit das einzige Unternehmen, das fertige Streetboards nicht aus China bezieht. Vielleicht haben wir mit diesem Gedanken – Innovation kann sich Qualität leisten – Vorbildwirkung für andere Unternehmen“, sagt Hubert Petutschnig, Entwickler und Hauptgesellschafter von Vyper Sports, wie sich das Unternehmen offiziell nennt. Er selbst ist übrigens kein Skateboarder, es war die reine Neugierde, die ihn antrieb. „Obwohl ich nicht Skate-


„W E N N E I N P R O D U K T V O N MEHR AL S 99 PROZENT DER MENSCHEN NICHT VERWENDE T WERDEN K ANN, DANN LIEGT DAS NICHT AM MENSCHEN, SONDERN AN DER T E C H N I K .“ HUBERT PETUTSCHNIG, VYPER SPORTS

board fahren kann und auch nie können werde, habe ich mit dem Vyper-Board als meine bisher längste durchgängige Strecke bereits eine Distanz von 21 Kilometer zurückgelegt.“

MARKENBILDUNG

Dinge, und sind sie noch so gut, tragen sich nicht von alleine in die Welt. Deshalb hat man sich bei Vyper Sports mit der Universität Innsbruck zusammengetan. Am Institut für Strategisches Management, Marketing und Tourismus unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Oliver Koll wird für das innovative Start-up ein nachhaltiges Markenimage erarbeitet, um das Board entsprechend am Weltmarkt zu positionieren. „Wir als Universität freuen uns natürlich über Möglichkeiten für unsere Studierenden, ihr erlerntes Wissen im Rahmen von Praxiskooperationen anzuwenden. Selbst für innovative Marken wie das Vyper-Board ist Erfolg kein Selbstläufer. Die Studierenden haben auf Basis von Interviews und Beobachtung das Sollprofil der Marke herausgearbeitet und arbeiten momentan daran, dieses an unterschiedlichen Kontaktpunkten (Webauftritt, Instagram) in attraktiver und differenzierender Form zu verankern. In einigen Monaten werden wir sehen, ob diese Aktivitäten funktionieren“, so Koll. Wir drücken die Daumen und rollen inzwischen noch ein paar Runden. Wenn Sie sich als Vertriebspartner für das Produkt interessieren oder jemanden kennen, in dessen Portfolio es passen könnte, bitte melden Sie sich jederzeit gerne bei Vyper Sports. www.vyper-sports.com 

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WOHLIGE WÄRME FÜR DEN AUSSENBEREICH Unsere Terrassen und Balkone werden immer mehr zu Wohnräumen und dementsprechend wohnlich gestaltet. Am liebsten würden wir unseren gemütlichen Loungebereich mit Blick in den Sonnenuntergang 24 Stunden rund ums ganze Jahr nützen können. Mit modernen Technologien im Heizungs- und Beleuchtungsbereich ist es jetzt möglich, auf einfachem Wege Wärme und Licht entweder einzeln oder in Kombination in geschützten Außenbereichen zu installieren und zu genießen. T E X T : C AT E R I N A M O L Z E R - S A U P E R

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Heiztisch Johnny gibt es in verschiedenen Ausführungen und Größen, z.B. auch als Stehtisch für den Gastro Bereich.

Die Heizpaneele können quasi unsichtbar unter dem Tisch montiert werden und sorgen für eine perfekte Wärmeverteilung.

W

ie sehr lieben wir die Sonne, ein Feuer im offenen Kamin oder einen Kachelofen. Die patentierten Paneele von HL Innovation wärmen mit wohltuenden Wärmestrahlen, wobei die Wärme direkt am angestrahlten Körper entsteht. Durch den patentierten Aufbau und eine integrierte Regelung erfüllen sie nicht nur die Europäische Ökodesign-Richtlinie, sondern benötigen um vieles weniger Energie als eine herkömmliche elektrische Heizung. Die abgestrahlte Wärmeenergie beträgt nachweislich 95 Prozent der zugeführten Leistung, die Abstrahltemperatur kann dabei variabel auf Ihre Bedürfnisse eingestellt werden. Ein spezielles Paneel vereint zudem effiziente Infrarottechnik mit stromsparender LED–Technologie und wirkt wie eine vollwertige, moderne und nachhaltige Heizung. Die Heizpaneele sind in den Abmessungen 32 x 122, 62 x 62 und 62 x 122 Zentimeter erhältlich. Sondermaße werden auf Anfrage

angeboten und gefertigt. Sie können beispielsweise auch unter dem Tisch montiert werden und dienen so als Tischheizung mit perfekter Wärmeverteilung über die gesamte Fläche. Einer der bedeutendsten Unterschiede zu anderen Infrarotheizungen ist die integrierte Regelung, genannt „Helicon“. Mit ihr ist es möglich, die Oberflächentemperatur von 20 bis 100 °C individuell auf die Bedürfnisse der Benutzer einzustellen. Durch den patentierten Aufbau wird die Wärme nur an der Oberfläche und nicht an der Rückseite abgegeben, die Tischplatte wird also nicht erwärmt. Alle Paneele sind auch als Decken- oder Wandelemente erhältlich, auf Wunsch sogar mit individuellem Bilddruck. Dank innovativer Magnethalterung mit Sicherungsseil ist eine Selbstmontage ganz einfach möglich. Das patentierte Produkt CoPAN kann Wärme und Licht in verschiedenen Farben gleichzeitig oder getrennt voneinander abgeben.

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DISKRETER MARKTFÜHRER

Die Visualisierungsspezialisten Vizrt mit Sitz in Vomp und Zentrale in Skandinavien sind Weltmarktführer in Sachen TV-Grafik. TEXT & FOTOS: MARIAN KRÖLL

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Die Vizrt-Geschäftsführer Christian Huber (li.) und Bernhard Kathrein

V

izrt ist zunächst einmal leichter geschrieben als gesagt. Die meisten scheitern an der Aussprache des Firmennamens. /ˈvɪzɑːrtiː/ ist – je nach Lesart – die Kurzform von Visualiziation in Real-Time oder Visual Artist. Damit ist auch gleich das Hauptgeschäftsfeld des Unternehmens benannt, und zwar die Echtzeitvisualisierung von Fernsehgrafiken. In diesem Segment steht Vizrt weltweit unangefochten an der Spitze. Doch wie kommt ein Weltmarkt- und Technologieführer von diesem Format nach Tirol? Ganz einfach, er war gewissermaßen schon da. Und zwar in Gestalt einer 1996 von Christian Huber, Karl-Heinz Klotz und Hubert Oehm als Peak Software gegründeten GmbH, die ihre bescheideneren Anfänge in Schwaz nahm. Aber

bereits kurz nach der Gründung wurde Norwegens größter Privatsender TV 2 auf das damalige Startup aufmerksam und beteiligte sich am Unternehmen. Im Jahr 2000 fusionierte Peak Software mit dem israelischen Unternehmen RT-SET. Aus diesem Merger ging Vizrt hervor. Die Vizrt Austria GmbH ist in Vomp angesiedelt und beschäftigt heute um die 60 Mitarbeiter, die Konzernzentrale liegt im norwegischen Bergen.

VON DER BÖRSE ZU PRIVATE EQUITY

Das internationale Unternehmen ist alles andere als ein Familienbetrieb. Nach 15 Jahren an der Osloer Börse wurde Vizrt 2015 vom Private-Equity-Fonds Nordic Capital aufgekauft, dem das Unternehmen umgerechnet rund 370 Millionen US-Dollar wert gewesen

sein soll. Der Fonds ist nach wie vor an Bord, dürfte aber in den kommenden Jahren daran gehen, das Unternehmen – gewinnbringend, wie sich von selbst versteht – zu veräußern. Aus naheliegenden Gründen ist 2020 dazu wohl nicht der optimale Zeitpunkt. Vizrt ist in den letzten Jahren konstant gewachsen und angebotsseitig mittels strategischer Zukäufe gleichermaßen tiefer als auch breiter geworden. „Es gibt nicht viele Konkurrenten, die so breit aufgestellt sind wie wir“, sagt Geschäftsführer Christian Huber, der als Head of Global Procurement and Logistics auch den Einkauf für die gesamte Gruppe von Vomp aus steuert und verantwortet. Erst im vergangenen Jahr hat man NewTek, einen texanischen Anbieter von IP-basierten, softwaregesteuerten Videoproduktionslö-


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sungen übernommen. Nunmehr kann Vizrt vom High-End-Bereich bis zur kleinen, aber feinen Videoproduktion alle Marktsegmente optimal bedienen und den Übergang vom Breitband hin zu IP-Video bzw. Video-overIP entscheidend mitgestalten. Dabei geht es um nichts anderes als einen technologischen Paradigmenwechsel vom klassischen Videohin zum Netzwerkkabel, den die ersten großen Fernsehsender allmählich zu vollziehen beginnen. „Die diesbezüglichen Standards sind noch nicht so etabliert, so dass jedes Projekt derzeit noch eine große Herausforderung ist“, erzählt Huber.

STANDORT MIT KOMPETENZEN

Weil ein privater Kapitalgeber in erster Linie einen Return on Investment realisieren will, stieg der Legitimationsdruck auf jede Niederlassung im Konzern unter neuer Eigentümerschaft beträchtlich. Der Standort in Israel wurde kurzerhand geschlossen, in Vomp hat man es dagegen geschafft, von der Konzernleitung als unverzichtbarer Unternehmensbestandteil wahrgenommen zu werden. Und das mit gutem Recht. „In den vergangenen Jahren wurde Vizrt unter Nordic Capital neu aufgestellt, es wurden mehrere Akquisitionen getätigt. Private-Equity-Fonds sind immer nur für eine begrenzte Zeit an Bord und langsam kommt die Zeit, wo man mit einem Exit rechnen kann. Wohin die Reise dann geht, lässt sich derzeit nicht wirklich abschätzen“, sagt Huber. In Vomp hat man jedenfalls die Hausaufgaben gemacht, um das Standing in der Konzernhierarchie zu festigen. „Wir konnten uns in sehr vielen Bereichen als der Standort in Europa durchsetzen“, so Huber. So ist Vomp der zentrale Vertriebs- und Verrechnungsstandort für die gesamte sogenannte EMEA-Region (Europa, Mittlerer Osten und Afrika). Am Standort sind dadurch Umsatz und Verantwortung im gleichen Maß gewachsen und damit die Bedeutung innerhalb der Gruppe. „Wir sind zum einen das operative Kompetenzzentrum im Konzern, zum anderen wird das Kernprodukt von Vizrt, auf dem sämtliche Applikationen beruhen, immer noch bei uns im Haus entwickelt. Das macht uns zu einem sehr wichtigen Element im Konzern“, erklärt Bernhard Kathrein, ebenfalls Geschäftsführer in Österreich und gleichzeitig der Head of Finance EMEA.

KEIN JAHR WIE JEDES ANDERE

2020 ist auch für Vizrt kein Jahr wie jedes andere. Die zahlreichen Privatsender, die auf die Visualisierungslösungen zu-

„PROJEK TE, DIE NICHT DRINGEND UND ABSOLUT N O T W E N D I G WA R E N , W U R D E N VERSCHOBEN, ABER – UND DAS STIMMT UNS POSITIV – D E Z I D I E R T N I C H T G E C A N C E LT.“ B ERNH A RD K AT HREIN

rückgreifen, stehen unter erhöhtem Kostendruck, die öffentlich-rechtlichen auch, wenn auch in geringerem Maße. „Projekte, die nicht dringend und absolut notwendig waren, wurden verschoben, aber – und das stimmt uns positiv – dezidiert nicht gecancelt“, sagt Finanzchef Bernhard Kathrein, der infolge der Pandemie mit zwei bis drei schwächeren Quartalen rechnet, bis man wieder auf Vorkrisenniveau angelangt sein wird. Gerade in der Akutphase dieser Krise seien die Vizrt-Produkte im Live-TV weltweit besonders viel im Einsatz gewesen, so Huber. Die vorübergehende Nachfragedelle, auch bedingt durch die Absage von sportlichen Großereignissen wie der Fußball-EM und Olympia, ist nur eine Seite der Medaille. Vizrt ist bei der eingesetzten Hardware stark von Asien – hauptsächlich China – abhängig. Das ist freilich in der westlichen Welt kein Einzelschicksal. Deshalb hat Christian Huber vorgebaut und vorsorglich vor dem Höhepunkt der Coronakrise das Lager voll gemacht. Der Bestand an Hardware-Komponenten reicht für zwei Quartale.

PIMP MY GEISTERSPIEL

Vizrt ist außerdem bestrebt, sich ein Stück des größer werdenden E-Sport-Kuchens zu holen. Zudem sind Fernsehsender zunehmend bestrebt, auf stärkere Automation zu setzen, um mit weniger Personal ein Programm aufrechterhalten zu können. Vizrt bietet auch in diesem Bereich erprobte Lösungen. Dasselbe gilt für Remote-Produktionen, die es Sendern erlauben, ihren Mitarbeitern verschiedenen Content aus dem Homeoffice liefern zu lassen. „Gerade im Remote-Bereich sehen wir derzeit krisenbedingt sehr großes Interesse“, so Kathrein. In der Krise würden Unternehmen außerdem Investitionen in Anlagegüter (CAPEX) scheuen und stattdessen stärker auf OPEX (operational expenditures), das sind laufende Betriebskosten, setzen, erläutert Huber: „Deshalb überlegen wir, zukünftig verstärkt auf Subscription- bzw. Mietmodelle zu setzen.“ Abomodelle sind im Softwarebereich sowohl im B2B- aus auch im B2C-Bereich in den vergangenen Jahren generell am Vormarsch. Die Coronakrise scheint diese Entwicklung noch einmal beschleunigt zu haben.

In der Krise sieht man bei Vizrt auch Chancen. Vor allem im Sportbereich, der derzeit global gesehen keine Massenveranstaltungen zulässt. „Die Übertragungen von Sportevents ohne Zuschauer werden immer wichtiger. Dementsprechend möchten und können wir diese weiter ‚aufmotzen‘ und attraktiver machen“, sagt Huber mit Verweis auf das hauseigene, vielfältige Toolkit für innovative Sportanalysen, realistisch anmutende virtuelle Kameraflüge, Perspektivenwechsel und vieles mehr. Für die Vermarktung dieser Events durch die Sender ist insbesondere die von Vizrt angebotene Möglichkeit, auf den Zielmarkt zugeschnittene Bandenwerbung in den Liveübertragungen zu platzieren, von Interesse. „Da gibt es in Zukunft für uns sicher einige Möglichkeiten, den einen oder anderen Deal an Land zu ziehen“, ist Kathrein überzeugt.

Zu den Investitionen in die Attraktivität des Standorts zählt auch qualifiziertes Personal. Dementsprechend hat Vizrt die Anstrengungen in der Lehre jüngst noch einmal intensiviert. Seit heuer bildet das Unternehmen in der IT drei Lehrlinge statt wie in der Vergangenheit üblich einen aus. Zukünftig sollen außerdem im administrativen Bereich Lehrlinge ausgebildet werden. Geht es nach der Vizrt-Geschäftsführung in Vomp, soll die bisher eingeschlagene Richtung im Unternehmen beibehalten werden. „Unser Ziel war und ist Wachstum, sowohl organisch als auch durch Zukäufe. Wir haben relativ ambitionierte Ziele, die wir als Gesamtkonzern erreichen wollen“, formuliert Bernhard Kathrein. „Wir wollen darüber hinaus den Standort Vomp im Konzern weiter stärken“, fügt Christian Huber hinzu. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

STANDORT UND PERSONAL STÄRKEN

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FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE, EXCEET

DEN HID PION M CHA

Von der einfachen Plastikkarte bis zur Dual-Interface- oder Hybridkarte: An den Produktionsstandorten Kematen in Tirol, Unterschleißheim in Deutschland und Prachatice in Tschechien werden hunderte Millionen Karten im Jahr nach höchsten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen produziert.

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THE HOUSE OF CARDS Ohne großes Aufsehen, aber mit umso mehr Weitblick ist am Ortsrand von Kematen ein wahrer „Hidden Champion“ herangewachsen. Das einzigartige Komplettangebot und die vielseitige Kompetenz machen die exceet Card Austria zu einem europaweit führenden Kartenproduzenten. T E X T : D O R I S H E LW E G

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ie Geschichte des Unternehmens ist so spannend und abwechslungsreich wie das Angebot des vielseitigen Kartenproduzenten. Gefertigt werden bei exceet mehrere hundert Millionen Karten pro Jahr. Kreditkarten, Bankkarten, Gutscheinkarten, Skikarten, Gästekarten, Kundenkarten oder Gesundheitskarten, das Portfolio ist weitreichend und bedarf unterschiedlichster Herstellungsweisen. Welch ausgeklügelte Technik oder aufwendige Herstellungsverfahren hinter den diversen Karten stecken, ist vordergründig meist gar nicht zu erkennen. Erst ein Blick hinter die Kulissen lässt einen erahnen, was für ein Potential in diesem Unternehmen steckt.

INNOVATIVE TECHNIKEN Die Karten sind keineswegs nur ein Stück Plastik. Je nach Anforderung steckt ziemlich viel Hightech dahinter. Das beginnt bei den besonderen Druckmaschinen und endet bei eingebauten Antennen und RFID-Chips. Im neuen Hochsicherheitsbau in Kematen mit Visa/Mastercard-Zertifizierung werden Kredit- und Bankkarten nach modernsten Standards hergestellt. „Wir haben unseren Standort in Kematen mit der Produktion von Bank- und Kreditkarten erweitert und dafür das Werk in Paderborn geschlossen. Nun werden in Kematen sowohl Karten aus dem Loyalty-, Access/Transportation-Bereich als auch Bank- und Kreditkarten nach allerhöchsten Sicherheitsstandards produziert“,

verrät Robert Wolny, der zu gleichen Teilen mit Ulrich Reutner Inhaber und Geschäftsführer der exceet Card Austria GmbH ist. Erstaunlich und faszinierend ist der mehrschichtige Aufbau der Karten. Mehrere verschiedene Lagen versehen mit auf den μm präzisen technischen Inlays werden staubfrei und punktgenau von Hand zusammengeführt und in einem speziellen Verfahren laminiert, Farbechtheit selbstverständlich inbegriffen. „Am Standort München werden die Kartenkörper dann mit den notwendigen Informationen optisch personalisiert und die Codierung der Chips vorgenommen. Unser Werk im tschechischen Prachatice ist unser RFID-Zentrum der Gruppe mit eigener Antennenproduktion, so können wir auf


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Kundenwünsche individuell eingehen und sind von Lieferanten weitestgehend unabhängig“, erklärt Roland Theiner, Mitglied der Geschäftsführung und seit Unternehmensgründung mit an Bord. Grundsätzlich gliedert sich das Angebot in drei Bereiche: Banking & Government, Access & Transportation sowie Loyalty & Gift Cards. Von der einfachen gestanzten Plastikkarte bis hin zu Dual-Interface- oder Hybridkarten fertigen die Experten von exceet von kleinen Auflagen bis hin zu Millionenstückzahlen Karten aller Art.

LOYALTY & GIFT CARDS

Dieser Geschäftsbereich beinhaltet hauptsächlich Kunden-, Gutschein- oder Geschenkkarten in diversen Designs, mit oder ohne Magnetstreifen oder Personalisierung und Nummerierung. „Als Spezialist für Kartenstanzungen können wir selbst ausgefallenste Formen produzieren, auch in Formaten, die nicht dem ISO-Standard entsprechen“, so Wolny. Kundenkarten werden personalisiert und nummeriert und gelangen auf Wunsch direkt in den Versand, Gutscheinkarten werden bei Bedarf auch gleich mit der entsprechenden Umverpackung versehen. Zahlreiche namhafte Parfümerie- und Modehäuser zählen ebenso zu den exceet-Kunden wie Lebensmittelhandel und Payback.

ACCESS & TRANSPORTATION

Im Bereich der Zutrittssysteme und des öffentlichen Transports zählt wohl die „Oyster Card“ – eine Karte für den Public Transport in London – zu den bekanntesten Referenzen. Aber auch ein beachtlicher Teil aller Skikarten in Europa werden von exceet produziert – vom einfachen Magnetstreifenticket bis zur Smartcard sind hier alle gängigen Zutritts- und Abrechnungssysteme möglich. Auch spezielle Sicherheits-Features wie Hologramme, UV-Lack oder Kippfarben lassen sich dank modernster Technologien in die Karten integrieren.

„ALS SPEZIALIST F Ü R K A R T E N S TA N Z U N G E N KÖ N N E N W I R S E L B S T A U S G E FA L L E N S T E F O R M E N P R O D U Z I E R E N .“ R O B E R T W O L N Y, I N H A B E R UND GESCHÄFTSFÜHRER DER EXCEETCARD AUSTRIA GMBH

produziert. „Insbesondere im Fin Tech-Bereich werden täglich tausende neue Karten hergestellt, personalisiert und mit unserem weltweiten Lettershop-Service versandt. Bei diesen hippen Karten zählt neben den technologischen Features vor allem ein cooles Design“, sagt Wolny. „Als umweltfreundliche Neuheit haben wir sogar Dual-Interface-Holzkarten entwickelt und zertifiziert“, ergänzt der Unternehmer.

INTERESSANTE GESCHICHTE

Immer am Ball zu sein und keine halben Sachen zu machen, das ist für Robert Wolny Teil der Firmenphilosophie. Als einer der letzten Setzerlehrlinge bei der damaligen Druckerei Schwab hat er das Geschäft von der Pike auf kennengelernt. Im Jahr 2000 gründete er sein Unternehmen quasi auf einer Bierbank mit einer kleinen Druckmaschine in einer Tisch-

BANKING & GOVERNMENT

Höchste Sicherheitsstandards gelten für die Produktion von Payment- sowie Gesundheits- und ID-Karten oder Führerscheine. Hier kommen vor allem die Dual-Interfaceund Hybridkarten zum Einsatz, die sowohl kontaktbehaftet als auch kontaktlos gelesen werden können. An den von Mastercard und Visa zertifizierten Standorten Kematen und Unterschleissheim in Deutschland werden unter strengen Sicherheitsauflagen Kredit- und Bankkarten am laufenden Band

Bei exceet werden nicht nur Karten hergestellt, sondern auch exklusive Verpackungen – etwa die Star-AllianceKarten, die in einer edlen Verpackung samt Lederetui und Kofferanhänger mit einer Variantenvielfalt von 1.200 verschiedenen Kommissionierungen für die fünf Fluglinien in fünf Sprachen direkt versandt werden.

lerei in Kematen. Um auch Plastik bedrucken zu können, wurde die Druckmaschine in eine UV-Maschine umgebaut. „Plastik bedrucken und stanzen war damals noch eine Rarität“, erinnert sich Wolny. Nach und nach gewannen die Jungunternehmer immer mehr Kunden, bis sie im Jahr 2005 bereits einen Umsatz von 20 Millionen Euro erreicht hatten und 60 Mitarbeiter beschäftigten. Zu diesem Zeitpunkt wurde Werk 1 in Kematen angemietet, das heute noch für die Produktion von Kunden- und Gutscheinkarten dient. Es folgte der Verkauf und wenige Jahre später der Rückkauf des Unternehmens, Firmenzukäufe und schließlich 2011 der Gang der exceet Group an die Frankfurter Börse. „Ein interessantes Firmenkonstrukt, das Herr Reutner und ich führen durften“, resümiert Wolny. „2016 haben wir uns jedoch entschlossen, die exceet Card wieder rauszukaufen. 2019 haben wir den Standort Kematen mit dem hochsicheren Neubau erweitert und können hier nun auch im Banking- und Government-Bereich tätig sein. Der nächste Schritt ist bereits in Planung und wird auch die Einarbeitung der Intelligenz in die Karte am Standort Kematen ermöglichen, was bislang nur in München geschieht“, erzählt Wolny. Innovative Mitarbeiterführung mit Fitnesstrainern und Firmenpsychologen gehört hier seit Jahren ebenso dazu wie der visionäre Weitblick. Wie viele Unternehmen hat natürlich auch die exceet Card Austria die Coronakrise nicht kalt gelassen. „Vor allem im Loyalty-Card-Bereich sind große Aufträge weggefallen. Auch bei den Skikarten ist der Rückgang drastisch spürbar. Konstant hingegen verläuft das Bankengeschäft. Hier freuen wir uns besonders über österreichischen Neuzuwachs“, berichtet Wolny über die aktuelle Lage. Nach vorne schauen lautet die Devise, das Beste daraus machen und in gewohnter Qualität weiterarbeiten. www.exceet-card-group.com 

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HIDD EN CHA MPIO N

GRENZENLOSE BEWEGUNGSFREUDE Alois Praschberger entwickelt mit seinem Unternehmen seit den 1980erJahren Sportgeräte für Menschen mit körperlichen Einschränkungen und sorgt sommers wie winters dafür, mit Erfindergeist und Hightech ungehinderten Zugang zur sportlichen Mobilität zu ermöglichen. TEXT: MARIAN KRÖLL

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iemlich versteckt im Niederndorfer Ortsteil Sebi unweit der deutsch-österreichischen Grenze steht seit einigen Jahren ein großes, modernes Gebäude. Es beherbergt die Firma Alois Praschberger Rolltechnik & Sport GmbH, einen waschechten Hidden Champion. „No Limits for Disabled People“ prangt in großen Lettern auf einem Banner in der Halle. Die Grenzen für Körperbehinderte aufzuheben bzw. zu verschieben hat sich Firmengründer Alois Praschberger zur Lebensaufgabe gemacht. Der gelernte Schlossermeister sitzt selbst nach einem Motorradunfall, den der ehemalige Rennfahrer 1978 beim Training am Österreichring erlitten hat, im Rollstuhl. Damals gab es, ganz anders als heute, für Menschen mit Querschnittlähmung viel weniger Möglichkeiten, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Das galt besonders für sportliche Aktivitäten. Nach mehrmonatiger Rehabilitation kehrte Praschberger damals in den Betrieb zurück, in dem er vor seinem Unfall gearbeitet hatte, und wechselte von der Werkstatt ins Büro. Ein zunächst eigenartiges Gefühl für Praschberger, der schon immer ein Macher gewesen war. Doch er wusste die Beschäftigung zu schätzen und begann bald in seiner Freizeit zu Hause Rollstühle zu modifizieren. Zuerst für den eigenen Bedarf, später, als sich das herumsprach, auch für andere Rollstuhlfahrer. Anfang der 1980er-Jahre entwarf und baute der Tüftler den ersten Skischlitten, mit dem man Schlepplifte benutzen und auf ganz sanften Pisten hinabfahren konnte.

ZUR BEWEGUNG BEWEGEN

Aus dieser Freizeitbeschäftigung heraus, die zunehmend mehr Zeit in Anspruch zu nehmen beginnt, macht sich Alois Praschberger 1982 schließlich selbständig. Als Ein-Per-

Alois Praschberger sitzt seit einem Unfall im Jahr 1978 im Rollstuhl. Sein Speedbike ist eine echte Tiroler Erfolgsgeschichte.

sonen-Unternehmen, dem als erste „Werkstatt“ ein Kinderzimmer dient. Wenige Jahre später, 1985, gelingt ihm ein erster Coup. Praschberger sorgt im Rahmen eines internationalen Workshops in der Schweiz mit dem Prototyp eines Monoskis für Furore. Die Entwicklung ist ein echter Meilenstein. Dieser Monoski mit Fiberglaschassis und Stahlrahmen erlaubt es Menschen mit Querschnittlähmung, wieder in den Skisport einzusteigen. Er wird auch für Alois Praschberger zu einer Art Initialzündung. Im Jahr 1986 übersiedelt er mit seinem Betrieb in den geräumigen Keller des neu errichteten Eigenheims, Aufzug inklusive. Mit diesem Umzug stößt auch der erste Mitarbeiter zum Unternehmen, das nach und nach dem Kel-

ler entwächst. Also stellt Praschberger 1994 ein neues Firmengebäude in Ebbs auf die grüne Wiese. Seine Frau, die ihn von Anfang an unterstützt hatte, gibt ihren Beruf als Lehrerin auf und tritt in den Betrieb ein. Doch selbst der neue Standort in Ebbs sollte für das beständig wachsende Unternehmen irgendwann zu klein werden. Deshalb fasst Praschberger im reifen Unternehmeralter von 56 Jahren den Entschluss, am heutigen Standort in Niederndorf erneut zu bauen. Seit mittlerweile sechs Jahren ist das Unternehmen dort ansässig, in zwei Jahren steht das 40-jährige Firmenjubiläum an. Um die Fortführung seines Lebenswerks muss sich Alois Praschberger keine Sorgen machen, der Sohn ist ebenfalls Ma-


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schinenschlossermeister und entwickelt gemeinsam mit dem Vater neue Produkte, die Schwiegertochter führt die Bücher und hat die Finanzen im Auge. Mit seinen Produkten will Praschberger, wie er sagt, „Lifestyle für Behinderte“ vermitteln und fungiert winters wie sommers als sportlicher Ermöglicher. Mit dem Monoski hat das Unternehmen sowohl im Spitzen- als auch im Breitensport für Bewegung gesorgt. Mittlerweile ist Praschberger mit seinen Sportgeräten aber auf den Breitensport fokussiert. Mit Herausforderungen kann der Unternehmer umgehen und zeigt sich dementsprechend auch in der Coronakrise optimistisch: „Wir werden auch das gut überstehen.“ Die Freude und den Spaß an der Bewegung hat sich Alois Praschberger, der 1998 an den Paralympics in Nagano als Aktiver und an mehreren weiteren Paralympischen Spielen als Betreuer teilgenommen hat, bis heute erhalten. Und er gibt ihn gerne weiter. Unter anderem gibt er seit 35 Jahren Monoski-Kurse und zeigt selbst vor, wie sportlich man sich mit dem von ihm entwickelten Material bewegen kann. „Ich bin noch immer ein leidenschaftlicher Skifahrer und bringe es im Jahr sicher auf 30 bis 40 Skitage“, sagt Praschberger, der im Winter auch einen Verleih für Monoski und Langlaufschlitten betreibt.

GANZJÄHRIG SPORTLICH MOBIL

Die Entwicklung neuer Produkte geht bei Praschberger etwas anders als in der Industrie üblich vonstatten. Zuerst tüfteln die Praschbergers an Prototypen herum, probieren sie aus und verfeinern sie so lange, bis sie reif für die Serie sind. Erst dann werden sie technisch gezeichnet und in größeren Stückzahlen gefertigt. Die Schweißarbeiten für die verschiedenen Sportgeräte werden im Haus vorgenommen. „Ich habe alle unsere Sportgeräte an meinem eigenen Körper getestet“, sagt Alois Praschberger. Dazu zählt neben dem Monoski auch der Langlaufschlitten, der sich – wie der gesamte Langlaufsport – seit einigen Jahren wieder steigender Beliebtheit erfreut. Ein weiteres und mittlerweile nicht mehr wegzudenkendes Standbein für die wärmeren Jahreszeiten baute sich Alois Praschberger Anfang der 1990er-Jahre mit der Entwicklung von Handbikes auf, die sich ganz flexibel und unkompliziert vor den Rollstuhl spannen lassen. Nach dem Millennium wurde mit dem Speedbike der Tiroler Erfolgsgeschichte ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Diese Art von Liegebikes mit elektrischem Zusatzantrieb gibt es mittlerweile sogar mit Federung. Damit lassen sich selbst steile und steinige Forstwege und viele Höhenmeter problemlos bewältigen. Neben den selbst gefertigten Sportgeräten vertreibt Praschberger auch Produkte anderer Hersteller, die Rollstuhlfahrern das Leben erleichtern. Dazu gehört beispielsweise der Swiss-Trac, ein leistungsstarkes und kompaktes Zuggerät für den Handrollstuhl. Nutzerwünsche stoßen in Niederndorf immer auf ein offenes Ohr. Sind sie technisch machbar, werden sie auch umgesetzt. Das entspricht ganz dem Selbstverständnis des Firmengründers, der mit seinem Unternehmen seit bald 40 Jahren eindrucksvoll zeigt, dass es in der individuellen sportlichen Mobilität auch für Menschen mit körperlichen Einschränkungen kaum mehr Limits geben muss.

erfolgs.geschichten

Hotelier Mag. Simon Wilhelm mit Christian Walcher, BA MCI, Firmenkundenbetreuer Hypo Tirol Bank

Biohotel mit Wellnesskompetenz Was vor 48 Jahren mit der Eröffnung eines kleinen Kaffeehauses am Holzleitensattel begann, ist heute ein zertifiziertes Bio-Wellnesshotel mit außergewöhnlichem Wohlfühlcharakter. Es war im Jahr 1972, als Herbert und Maria Wilhelm ein kleines Kaffeehaus eröffneten. Mit viel Einsatz und Herzblut gelang es den beiden, den Gastbetrieb immer wieder zu erweitern. 1976 kam das Restaurant „Sattelklause“ hinzu – ein gemütlicher und zugleich beliebter Treffpunkt der damaligen Zeit. Nach zahlreichen weiteren kleineren Investitionen entschloss sich das Paar im Jahr 1989, einen größeren Schritt zu wagen: Der Gasthof Holzleiten wurde zum Hotel Holzleiten. „Seit 1990 glänzen vier Sterne an der Eingangstür zum Hotel und dem versuchen wir täglich aufs Neue gerecht zu werden“, so Mag. Simon Wilhelm, Sohn und mit seiner Frau heutiger Gastgeber des Hauses. Viele weitere Auszeichnungen und Erfolge waren schließlich Ansporn genug, den nächsten Schritt zu gehen. „Qualitätsanspruch war stets unser oberstes Gebot, und diesem Streben verleihen wir eine völlig neue Dimension.“ Seit Mai 2008 erstrahlt das Natur- und Spa-Resort Holzleiten ganz im Zeichen der Lärche – in Einklang mit der Natur und der Tradition, ohne dabei das Moderne zu vergessen. „Der letzte konsequente Schritt unserer Weiterentwicklung ist im Mai 2013 erfolgt: Wir sind Mitglied bei den Biohotels und somit zu 100 Prozent biozertifiziert, der Gesundheit unserer Gäste und unserer Umwelt zuliebe.“ Im Juni 2018 folgte mit der Eröffnung des neuen Saunahauses ein weiterer Meilenstein in der Geschichte des Hotels. „Wir sind sehr stolz darauf, dass wir als Biohotel auch eine hohe Wellnesskompetenz entwickeln konnten. Diese Kombination ist ziemlich einzigartig in Tirol. Dadurch können wir uns auch maßgeblich von unseren Mitbewerbern abheben“, erklärt der Hotelier. „Diese ständige Weiterentwicklung ist nur mit einem starken Partner wie der Hypo Tirol Bank möglich, die uns stets unterstützend zur Seite steht und mit uns diese Schritte geht. Die außerordentlich persönliche Betreuung spielt für uns eine zentrale Rolle. Man hat das Gefühl, nicht nur eine Nummer zu sein, sondern als Mensch wahrgenommen und unterstützt zu werden“, findet Simon Wilhelm lobende Worte für die Hypo Tirol Bank. PR

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GESUNDHEIT NEU ERFUNDEN Der Visionär Luis Schwarzenberger, Gründer und Erfinder der PhysiothermInfrarotkabine, ist im zarten Alter von 78 Jahren immer noch voll aktiv. Gemeinsam mit seinem Sohn Leon bringt er jetzt eine revolutionäre Gesundheitsmethode namens CellGenius auf den Markt. I N T E RV I E W : D O R I S H E LW E G

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nser Körper ist ein einzigartiges Wunderwerk und besteht aus einer riesigen Gemeinschaft von etwa 35 Billionen Körperzellen. Jede einzelne Zelle ist ein großartiges Lebewesen und soll gehegt und gepflegt werden wie ein kleines Kind“, erklärt uns Luis Schwarzenberger mit Begeisterung. „Die Zelle ist es, von der unsere Gesundheit, Wohlbefinden und Lebensfreude abhängen.“ Gemeinsam mit seinem Sohn Leon hat er nach intensiver Forschungs- und Entwicklungsarbeit eine richtungsweisende Methode entwickelt. Sie sehen in der CellGenius-Methode nicht nur in den Haushalten, sondern vor allem in der betrieblichen Gesundheitsförderung und Prävention das große Einsatzgebiet. Anwender der Methode sind gesünder, leistungsfähiger und weniger krankheitsanfällig. Vater und Sohn sind der Überzeugung, dass die CellGenius-Methode in der Gesundheitsprävention die bis heute revolutionärste Erfindung ist.

ckelte CellActivator bringt die Luft wieder in ein dynamisches Ionen-Gleichgewicht, wie es in der gesunden Natur vorzufinden ist. Der CellActivator wird in allen Büro- und Wohnräumen eingesetzt. Die Verwendung im Schlafzimmer ist besonders empfehlenswert. Die Körperzellen können sprichwörtlich wieder aufatmen.

Damit die Zellen ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden können, braucht es eine gute Atemluft. „Luft enthält negativ geladene Ionen, welche nur in freier Natur in ausreichender Menge vorhanden sind. Während sich bei einem Wasserfall bis zu 70.000 solcher Ionen pro Kubikzentimeter befinden, haben wir in Innenräumen nur etwa 200 bis 300 Ionen zur Verfügung. Für ein gesundes Leben sollten jedoch mindestens 1.000 Ionen in der Umgebungsluft vorhanden sein. Der von CellGenius entwi-

VOM LEBEN LERNEN

ENERGETISIERTE ATEMLUFT MIT DEM CELLACTIVATOR

KÖRPERZELLSTÄRKUNG MIT DEM CELLTRAINER

Der menschliche Körper braucht Bewegung. Für das regelmäßige Körperzelltraining haben die Gesundheitsexperten von CellGenius den CellTrainer entwickelt. Das leichte Schwingen auf dem CellTrainer sorgt für einen ständigen Rhythmuswechsel: Druck unten und Schwerelosigkeit oben. „Ein Trainingswunder, auf dem jeder auch noch so Ungeübte mit geringem Aufwand so leicht und mit so viel Spaß ein wirkungsvolles gesamtkörperliches Rundumtraining absolvieren und dabei einen so großen gesundheitlichen Nutzen erzielen kann“, betont Leon Schwarzenberger. Wir haben Luis Schwarzenberger und seinen Sohn Leon getroffen und ein sehr offenes Gespräch geführt, über das Leben – über prägende Lebenserfahrungen und über CellGenius. ECO.NOVA: Luis, Ihr Leben verlief bislang

durchaus spannend und erfolgreich. Nach der erfolgreichen Erfindung und Gründung der Physiotherm-Infrarotkabine könnten Sie sich eigentlich in Ihrem Al-

ter schön langsam zur Ruhe setzen. Was treibt Sie dennoch an? LUIS SCHWARZENBERGER: Solange ich mich noch körperlich und geistig fit fühle, bin ich nicht alt. Es wäre daher ein großer Fehler, sich zur Ruhe zu setzen. Aus tiefer Dankbarkeit meinem Leben gegenüber möchte ich mein Wissen und meine Erkenntnisse weitergeben. Dieser innere Antrieb hat zur Entwicklung der CellGenius-Methode geführt. Damit haben wir Gesundheit und Lebensqualität neu erfunden.

Sie rücken mit Ihrer Methode die Körperzellen in den Mittelpunkt. Ein neuer Ansatz mit teilweise uralten Wurzeln. Wie kam es dazu? LUIS SCHWARZENBERGER: Unsere Körperzellen in den Mittelpunkt zu

LUIS UND LEON SCHWARZENBERGER Luis Schwarzenberger ist erfolgreicher Unternehmer, Visionär und Vater. Seit mehr als sechs Jahrzehnten sammelt er uraltes Wissen, Weisheiten und Lebensphilosophien aus den unterschiedlichsten Teilen der Erde – immer auf der Suche nach den Geheimnissen für ein besseres Leben. Sohn Leon arbeitet mit Begeisterung und Elan daran, die neue Gesundheitsmethode erfolgreich zu etablieren und voranzutreiben. Nach seinem abgeschlossenen Gesundheitsstudium und einigen Praxisjahren legt er nun all seine Energie in das neue Familienunternehmen.

www.cellgenius.at


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© ANDREAS FRIEDLE

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Luis und Leon – Vater und Sohn – Schwarzenberger arbeiten gemeinsam an einer besseren Gesundheit für alle.


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„GUTE S GE SUNDHEIT S M A N A G E M E N T Z Ä H LT H E U T E M I T A B S TA N D Z U R R E N TA B E L S T E N B E T R I E B L I C H E N I N V E S T I T I O N .“

LUIS S CHWAR ZENBERGER

LEON S CHWAR ZENBERGER

rücken, bedeutet gleichzeitig, den Menschen in den Mittelpunkt zu rücken. Körperzellen brauchen Bewegung und Sauerstoff, darum ist eine gute Atemluft, die richtige Atmung und regelmäßige körperliche Betätigung so wichtig. Die meisten Menschen atmen zu flach, nutzen nur zehn bis 30 Prozent ihres Lungenvolumens und bewegen sich nicht ausreichend. Das führt zu permanent unterversorgten und geschwächten Zellen. Die Langzeitfolgen sind Anfälligkeit für Krankheiten und verminderte Lebensqualität. Mit CellGenius schafft sich jeder die Grundlage für gute Gesundheit und ein langes Leben. Können Sie uns die Wirkungs- und Funktionsweise des CellActivators in einfachen Worten erklären? LEON SCHWARZEN-

BERGER: Wir haben den CellActivator in enger Zusammenarbeit mit dem russischen Physiker Vladimir Danilov und dem Designerduo Lantschner & Seegers von der Universität für Design in Bozen entwickelt. Der CellActivator wandelt die „verbrauchte“ Raumluft in energetisierte und „aktivierte“ Luft um. Die Qualität dieser Luft ist der in der freien Natur, im Wald, am Meer, an Seen oder an Wasserfällen ähnlich und versorgt die Körperzellen mit ausreichend Sauerstoff.

Was bewirkt der CellTrainer und wie soll er eingesetzt werden? L E O N : Der CellTrainer ist mit einer von uns speziell abgestimmten, sanften Federung versehen. Schon zweimal täglich für sieben Minuten © ANDREAS FRIEDLE

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„AUS TIEFER DANKBARKEIT MEINEM LEBEN GEGENÜBER MÖCHTE ICH MEIN WISSEN UND MEINE ERKENNTNISSE W E I T E R G E B E N .“

wie „auf Wolke 7“ schwingen versetzt die Körperzellen in helle Begeisterung, Glück und Freude. Jeder Muskel, jede Faser und jedes Organ werden sanft und wirkungsvoll trainiert.

Für wen eignet sich die CellGenius-Methode? LUIS: Die ganzheitliche Methode ist für jeden geeignet, vom Kind bis zum 100-Jährigen. CellGenius ist für Menschen entwickelt, die Interesse an einer hohen Lebensqualität und einem guten Leben haben. Menschen, die nach einem einfachen und bewährten Konzept suchen, das sich leicht in das tägliche Leben integrieren lässt und langfristig Wirkung hat. LEON: Neben den Privathaushalten sprechen wir jene Unternehmen an, die auf gute Gesundheit ihrer Mitarbeiter und ihrer Kunden Wert legen. Gutes Gesundheitsmanagement zählt heute mit Abstand zur rentabelsten betrieblichen Investition.

Als dritten Baustein führen Sie die CellGenius-Betreuung an. Können Sie uns mehr darüber erzählen? LUIS: Es ist uns wichtig und wir sehen es als unseren Auftrag, dass unsere Kunden die CellGenius-Methode leicht und erfolgreich in ihr Leben integrieren. Aus diesem Grund bieten wir spezielle Anleitungen an, damit die Methode mit Erfolg angewendet wird. Jeder ist eingeladen, dieses wertvolle Angebot anzunehmen. Unsere Kunden werden mit der CellGenius-Methode ein Leben lang Freude haben.


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eben klassischen berufsbegleitenden Präsenzstudien, die sich weitgehend auf das Wochenende konzentrieren, bereichert eine wachsende Zahl qualitätsvoller Online-Studien das Studienangebot.

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Mittlerweile studieren mehr als 15 % aller MCI-Studierenden in onlinebasierten Studiengängen. Der intelligente Mix von Präsenz- und Online-Lehre und digitalen Materialien („Blended Learning“) gewährleistet exzellenten Wissenstransfer in Verbindung mit hoher zeitlicher und örtlicher Flexibilität.

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VON WERTSCHÄTZUNG UND WERTSCHÖPFUNG Not macht erfinderisch, sagt man. Die Krise hat gezeigt, wie initiativ selbst die kleinsten Unternehmen mit ihren teils raren Ressourcen werden können. Und wie schnell Veränderung und Anpassung gehen kann. Mögen sie hoffentlich auch langfristig dafür belohnt werden. REDAKTION: MARINA BERNARDI

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orona hat uns vor allem eines gezeigt, nämlich wie abhängig wir alle – als Individuen, Gesellschaft, aber auch als Wirtschaftssystem – voneinander sind. Nun ist die Sache die: Eigentlich haben wir das immer schon gewusst. Es war uns auch zu Prä-Corona-Zeiten klar, dass es besser wäre, sein Obst, Gemüse und Fleisch vom regionalen Bauern, seinen Krimi in der Buchhandlung ums Eck

und seine Kleidung und Wohnungs-Krimskrams-Schnuggi-Deko bei stationären heimischen Händlern zu kaufen. Wir habens trotzdem vielfach nicht gemacht. Aus Preis-, Bequemlichkeits- oder Was-auch-immerGründen. Dann kam das Virus und mit ihm die Rückbesinnung auf die viel zitierte Regionalität. Auf den Social-Media-Kanälen haben sich in Windeseile Initiativen zur Stärkung des heimischen Handels formiert,

die in ebensolcher Geschwindigkeit massenhaft Likes generierten. Das ist vorrangig natürlich etwas Gutes, hat aber zumindest einen kleinen fahlen Beigeschmack. Likes bringen keinen Umsatz, genauso wenig wie motivierendes Beifallklatschen für mehr Geld in der Pflege sorgt. Die Frage ist also: Lässt sich aus dieser Wertschätzung tatsächlich Wertschöpfung generieren? Und das am besten über die Krisenzeit hinaus? FOTOS: © TIROL WERBUNG


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„W I R H O F F E N D A R A U F, D A S S D I E M E N S C H E N NACH DIESER ZEIT NICHT VERGESSEN, BEI REGIONALEN HERSTELLERN ZU K AUFEN, UND D I E G A S T S TÄT T E N W I E D E R R E G E N Z U L A U F HABEN. ANSONSTEN IST ES GERADE FÜR UNS AL S JUNGES UNTERNEHMEN SEHR S C H W I E R I G , W E I T E R Z U B E S T E H E N .“ N I K O L A U S L E U P R E C H T, N A K O S I R U P

STADTLIEBE Eine dieser entstandenen Initiativen ist citylove. Über die Homepage www.citylove.community ließen und lassen sich Gutscheine für die Partnerbetriebe erwerben. Während der Geschäftsschließungen sollte dies eine Möglichkeit sein, um Umsatz zu generieren und damit zu helfen, über die schwerste Zeit zu kommen. Rund 30 Händler und Dienstleister aus den unterschiedlichsten Branchen haben sich angeschlossen. „Wir sind selber selbstständig, viele unsere Freunde betreiben kleine Geschäfte, Lokale oder andere kleinere oder größere Unternehmen. Corona stellt für uns alle eine Herausforderung dar“, erklärt Birgit Gruber, eine der Initiatorinnen. Das Angebot sei gut angenommen worden: „Wir waren sehr positiv überrascht über das starke Interesse und die Unterstützung von so vielen Seiten. Es war für viele Menschen eine einfache Möglichkeit, Solidarität zu zeigen. Es wurden auch viele Gutscheine als Geschenk weiterverschickt und man hat gespürt, dass es den Innsbruckern wichtig war, ein Zeichen zu setzen, mitzuhelfen, wo es geht. Manchmal mit kleineren Beträgen, teilweise aber auch mit sehr großzügigen.“ Marianne Kohlmaier-Ecker hat mit ihrem feinheiten in der Altstadt jedenfalls gute Erfahrungen mit citylove gemacht: „Die Aktion hat definitiv nicht nur positives Feedback, sondern auch etwas Umsatz gebracht, was in dieser schweren Zeit sehr hilfreich war.“ Dass die enormen Belastungen, die zum Teil auf den einzelnen Betrieben liegen, mit Gutscheinen allein nicht kompensiert werden konnten, ist Gruber bewusst, „aber durch die Aktion ist etwas Wichtigeres passiert“, sagt sie: „Man konnte den Betroffenen vermitteln, ihr seid nicht alleine.“ Auch Julia Seidls Facebookseite „Kaufe vor Ort“ hat in der Krise gut funktioniert. Sie hat dort viele regionale Unternehmen zusammengetragen, die Onlineshops oder einen Warenversand eingerichtet haben. „Die Klickraten waren sehr hoch und man-

che Unternehmer haben sich bedankt, weil ihr Onlineshop durch Direktlinks von Facebook Bestellungen generiert hat.“ Dennoch muss man etwas genauer hinschauen. In erster Linie haben nämlich jene Unternehmen davon profitiert, die schon vorher einen funktionierenden Onlineshop hatten. Die vermehrte Social-Media-Präsenz hat die Aufmerksamkeit gestreut und für einen zusätzlichen Werbeeffekt gesorgt. Denn auch wenn vielfach der Eindruck erweckt wird, ein Onlineshop sei einfach zu handhaben und mal flugs aus dem Boden gestampft – so simpel ist es nicht. Ist ein Onlineshop nicht funktional oder User-unfreundlich, kann er sogar den gegenteiligen Effekt haben und Kaufinteressierte erst recht in die Hände großer Versandhändler treiben. „Jeder, der einen Onlineshop aufmacht, muss sich bewusst sein, das geht nicht nebenbei“, weiß auch Julia Seidl, die selbst ein kleines Geschäft am Wiltener Platzl hatte und sich im Sachen PR und Öffentlichkeitsarbeit schon von Berufs wegen auskennt. „Ein Onlineshop muss als

eigenständiges Geschäftsmodell betrachtet werden. Die Pflege und das Investment sind ein Fulltimejob. Ein Onlineshop funktioniert nur, wenn man immer up to date ist, Angebote mit guten Fotos einstellt, Produkte auf Facebook, Instagram und Co präsentiert und mit seiner Zielgruppe kommuniziert. Das ist Arbeit.“ Außerdem ist es mit der Technik allein nicht getan. Es braucht ein Versandsystem, Etiketten, Verpackungsmaterial und Platz für all das. Das ist logistisch wie organisatorisch eine Herausforderung. Von Rücksendungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen noch gar nicht gesprochen. Während die Geschäfte noch geschlossen hatten, war das vielleicht noch zu bewerkstelligen, und Onlinekäufer waren ob der Situation vermutlich auch nachsichtiger, sollte es mal etwas chaotisch geworden sein. Das wird so nicht bleiben. Das Momentum gesteigerter Sensibilität wird nicht ewig bestehen bleiben und auch wenn man es nicht gerne hört: In Sachen Bequemlichkeit und Unkompliziertheit wird man auch als Kleiner an den Großen gemessen.

„ G R U N D S ÄT Z L I C H S E H E I C H B E I M I R I M L ADEN SEIT DER ÖFFNUNG EIN WIRKLICH H O H E S B E W U S S T S E I N F Ü R R E G I O N A L I TÄT U N D Q U A L I TÄT. I C H H A B E A B S O L U T D A S G E F Ü H L , DASS DIE KRISE DIESES BEWUSSTSEIN N O C H M A L V E R S TÄ R K T H AT.“ MARIANNE KOHLMAIER-ECKER, FEINHEITEN

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eco.mmentar

Therese Fiegl ist Initiatorin der Bauernkiste, eine Direktvermarktungsplattform für bäuerliche Produkte, und hat 2015 das Tiroler Edles in der Innsbrucker Altstadt eröffnet.

NUR ZUSAMMEN IST MAN STARK Der Lockdown ist vorüber. Aber Corona ist noch lange nicht ausgestanden. Ein Schritt vor, zwei zurück. Das wird wohl unsere neue Normalität in den kommenden Monaten.

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ir waren begeistert, dass zu Beginn der Krise so schnell verschiedenste Plattformen ins Leben gerufen wurden, um den regionalen Handel zu stärken. Wir haben uns bei mehreren eingetragen, und gleichzeitig natürlich unsere eigenen Kanäle genutzt, um unsere Onlineshops zu bewerben und zu forcieren. Wir waren sehr froh, als kleines Geschäft bereits vor zwei Jahren in einen Onlineshop investiert zu haben. Gerade Richtung Ostern haben uns viele Onlinekäufe in dieser doch sehr schwierigen Zeit geholfen. Nach Ostern haben die Onlinebestellungen aber wieder nachgelassen und nur wenige Kunden wagten sich in der ersten Zeit, nachdem wir wieder öffnen durften, direkt ins Geschäft. Ich denke, die vielfältigen Aktivitäten rund um die Krise haben sicher das Bewusstsein der Konsumentinnen und Konsumenten geschärft, dass ein Einkauf vor Ort und im eigenen Land für die heimische Wirtschaft und damit auch für die Bevölkerung sehr wichtig ist. Und trotzdem ist es eine große Herausforderung für den stationären Handel. Deshalb setze ich mich sehr für den Zusammenhalt der Altstadtbetriebe ein, weil ich glaube, dass wir mit unseren kleinen Geschäften nur zusammen stark sind. Bei der Bauernkiste war die Entwicklung eine ganz besondere. Unser Service mit der Hauszustellung regionaler Lebensmittel war seit Beginn der Coronakrise sehr begehrt. Uns war wichtig, dass unsere Kunden auch in dieser Zeit verlässlich und mit der gewohnten Qualität beliefert werden, und wir waren froh, unseren Nahversorgungsauftrag binnen so kurzer Zeit umfassend und reibungslos erfüllen zu können. Wir denken nun auch langfristig an eine nochmalige Erweiterung unserer Services, zum Beispiel in Form eines zusätzlichen Liefertages und zusätzlicher Produzenten. Das Bewusstsein für Regionalität und heimische Lebensmittel ist in den letzten Wochen sicherlich gestiegen. Bleibt nur zu hoffen, dass es auch anhalten wird. 

VON THERESE FIEGL

Vielfach ist ein Onlineshop ohnehin nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Wie bei Nako Sirup: „Wir haben die Zeit genutzt und einen Webshop eingerichtet. Der läuft so weit ganz gut und unsere Produkte werden viel nachgefragt. Wir hoffen, dieser regionale Trend bleibt uns auch nach der jetzigen Situation erhalten. Wir sind jedoch Zulieferer der Gastronomie, Hotellerie und von Berghütte. Diese mussten die letzten Wochen schließen, deshalb haben uns diese wichtigen Umsätze gefehlt und wir konnten nicht von der Situation profitieren.“ So wie Nikolaus Leuprecht ergeht es wohl vielen Kleinen. „Ich befürchte, wir werden im Herbst einige Läden sehen, die zusperren müssen, weil sie den verlorenen Umsatz einfach nicht aufholen und ohne Einnahmen auch keine Ware für den Herbst bestellen können. Dieses Geld musst du bis Ostern verdient haben“, ist Julia Seidl nicht ganz so optimistisch wie die „Wir-lassen-keinen-zurück“-Politik. Auch wir Menschen, ergo Konsumenten, vergessen schnell und fallen nach einiger Zeit gerne wieder in alte Muster zurück. So mancher kleine Laden hat seine Ware während der Coronazeit teils unter großen Umständlichkeiten versandt und es seinen Käufern fast so einfach und bequem gemacht, zu ihren Artikeln zu kommen, wie Amazon & Co. Sie wurden einem quasi vor die Haustür geliefert und weil der Großteil der Menschen ohnehin zu Hause war, fiel auch der verhasste gelbe Zettel weg, der einen höflich dazu auffordert, sich sein Zeug doch bitte in einer Filiale abzuholen. Diesen Service werden viele der kleinen Händler nicht aufrechterhalten (können) und erst dann wird sich zeigen, wie stark das Regionalitätsbekenntnis wirklich ist. Oder wie sehr es ein Lippenbekenntnis bleibt.

ZUSAMMEN IST MAN WENIGER ALLEIN

Noch eines hat die Krise gezeigt: Kundenbindung ist kein Selbstläufer. Unternehmer, die sich seit jeher um ihre (Stamm-)Kunden bemühen, hat-


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„ D I E KO N K U R R E N Z Z U O N L I N E S H O P S I S T S TA R K G E WA C H S E N , D A S B E D E U T E T, D A S S D I E I N V E S T I T I O N IN DEN SHOP ÜBER WERBUNG VIEL HÖHER GEWORDEN IST AL S FRÜHER. DAS Z AUBERWORT IST C R O S S - M E D I A S T R AT E G I E . M A N M U S S S C H A U E N , DASS MAN MENSCHEN ÜBER ANDERE K ANÄLE D I R E K T I N D E N E I G E N E N S H O P B E KO M M T.“ JULIA SEIDL

ten es tendenziell leichter. „In der Zeit der Schließung meines Geschäftes habe ich probiert, über Social Media immer in Kontakt zu meinen Kunden zu bleiben. Ich habe jeden Tag eine persönliche Story auf Instagram und Facebook gepostet. Daraufhin habe ich sehr viele positive Reaktionen bekommen. Das hat auf jeden Fall viel gebracht. Nicht nur für die Zeit während der Krise, sondern ich merke es auch jetzt, dass mir mei-

ne Stammkunden treu geblieben sind und sich wirklich darauf gefreut haben, wieder ins feinheiten zu kommen“, sagt Marianne Kohlmair-Ecker. Aber auch hier gilt: Das ist echte Arbeit. Dennoch wird es künftig mehr Miteinander brauchen. „Die Zukunft kann nur eine gemeinsame Handelsplattform sein, die die Vorteile von Amazon bietet – wo ich unterschiedliche Produkte in einen Warenkorb

legen kann und ich mich als Kunde nur mit einem Ansprechpartner beschäftigen muss. Plattformen, die lediglich in Onlineshops verlinken, haben eine Art Lexikonfunktion, aber nicht mehr. Schön wäre es, wenn in Tirol eine Plattform mit guter Reichweite, attraktiven Preisen für Händler und einer lückenlosen Liefer- und Rückversandkette zustande käme“, findet Seidl. Tatsächlich gibt es diese bereits … Mehr dazu auf Seite 118.

BFI TIROL

JETZT ZEIT FÜR FIRMENSCHULUNGEN NUTZEN! Seit Ende Mai ist das BFI Tirol wieder für alle Aus- und Weiterbildungen geöffnet. Nach mehreren Wochen mit Onlinekursen und Webinaren können nun alle Kurse und Lehrgänge mit Präsenzunterricht besucht werden.

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ie Nutzung von Onlinekursen hat zwar viele Vorteile, aber die aktuelle Situation hat auch die Bedeutung von sozialen Aspekten beim Lernen für Schule und Beruf klar aufgezeigt. Schulungen mit Präsenzunterricht fördern nachweislich die Motivation und den Lernerfolg.

NEUES BFI -TIROL - KURSPROGRAMM

Seit Juni ist das neue Kursprogramm des BFI Tirol für das Bildungsjahr 2020/2021 verfügbar. Die Palette an Schulungen am BFI Tirol beinhaltet nicht nur eine breite Vielfalt an EDV-Kursen. In gewohnter Qualität stehen auch zahlreiche Seminare und Lehrgänge für

das Nachholen von Abschlüssen sowie in den Bereichen Wirtschaft, Gesundheit und Soziales, Elementarpädagogik, Persönlichkeitsentwicklung und Technik zur Auswahl. Das neue Sprachenzentrum des BFI Tirol lässt mit über 30 verschiedenen Sprachen keine Wünsche offen. Die gesamte Auswahl ist bereits online auf www.bfi.tirol zu finden. Nach Bedarf konzipieren wir außerdem maßgeschneiderte Firmenschulungen, die auf Ihre spezifischen Bedürfnisse abgestimmt sind. Das BFI Tirol ist mit seiner mehr als 50-jährigen Erfahrung ein verlässlicher Partner für professionelle Firmentrainings. PR

AUSWAHL AKTUELLER KURSE • Ausbildung zum COVID-19-Beauftragten Start am 2. und 13. Juli 2020 • Ausbildung zum/zur Datenanalyst/-in I Start am 15. September 2020

• Modullehrgang Business Competences – Betriebswirtschaftliche Kompetenzen Start am 2. Oktober 2020 • Modullehrgang Business Competences – Human Resources Management Start am 9. Oktober 2020 • Diplomlehrgang Konflikt- und Deeskalationstrainer/-in Start am 24. September 2020 • Train the Trainer Infoabend am 25. Juni 2020 Start am 16. Oktober 2020

• Lehre mit Matura Start am 21. September 2020

BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/59 660, info@bfi-tirol.at

www.bfi.tirol


eco.interview

DER HYBRIDE KUNDE

© ANDREAS FRIEDLE

Gerade in Zeiten, die sich vermehrt und immer öfter online abspielen, gewinnt die Haptik, das Angreifen- und Erleben-Können von Dingen, an neuer Bedeutung. Trotzdem soll und darf es manchmal auch online gehen. Wir haben Markus Renk von der Wagner’schen in Innsbruck ein paar Fragen gestellt.

was in einer Phase von deutlich längeren Lieferzeiten nur durch den tollen Einsatz des Personals möglich war. Unser kostenloser Fahrrad-Zustelldienst war hier auch ein wichtiges Bestellargument für unsere Kunden.

Die Krise hat – zumindest gefühlt – zu einem höheren Regionalitätsbewusstsein geführt. Vor allem auf den Social-Media-Kanälen wurde immer wieder dazu aufgerufen, bei lokalen Händlern zu kaufen. Glauben Sie, dass der heimische Handel davon langfristig profitieren kann, oder bleibt es bei Lippenbekenntnissen? Das Kaufen vor Ort predige ich seit gut zehn Jahren. Bisher war es eher ein Minderheitenthema, gerade junge Leute waren hier bereits recht sensibel. Jetzt ist es ein breites Thema geworden. Die Leute haben gesehen, wie es sich anfühlt, nicht in Geschäfte shoppen gehen zu können. Das wäre die Situation, wenn man weiterhin immer stärker bei den großen internationalen Internetplattformen einkaufen würde. Außerdem bleibt die Steuer im Land und es kann somit auch die Versorgung vor Ort im Gesundheitsbereich aufrechterhalten bleiben.

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Die Wagner’sche hat ihre Bücher schon zu Vor-Corona-Zeiten versandt. Wie wird dieser Service genutzt und haben Sie in den vergangenen Wochen ein erhöhtes Bestellaufkommen bemerkt? MARKUS RENK: Bereits mit der Übernahme der Wagner’schen im Oktober 2015 haben wir einen eignen Webshop angeboten und diesen laufend verbessert. Dies war auch sehr wichtig. Vor Corona haben wir rund fünf Prozent unseres Umsatzes über unseren Onlineshop erzielt, diese Zahlen sind jetzt deutlich höher. Überhaupt sieht man, dass Buchhandlungen, die bereits mit ECO.NOVA:

Erfolg einen eigenen Webshop angeboten haben, erfolgreicher aus der Coronakrise gekommen sind. Ich sehe auch eine Chance, da der Buy-Local-Gedanke hier an Wichtigkeit gewonnen hat. Amazon hat über Wochen keine Bücher ausgeliefert, da sie mit Masken und Desinfektionsmitteln mehr verdient haben. Aber auch Bücher waren in dieser Phase des Lockdowns sehr wichtig für die Leute. Der Buchhandel hat funktioniert und sehr kreativ und schnell reagiert. Uns als Wagner‘sche ist es zum Beispiel gelungen, rund 80 Prozent der Bestellungen innerhalb von drei Tagen versandfertig zu haben,

Gerade kleine Läden leben von ihrer Atmosphäre und ihrer Persönlichkeit. Merken Sie, dass die haptische Erfahrung und auch der soziale Aspekt wieder wichtiger werden? Der Kunde möchte hybrid einkaufen, sprich online und offline. Wenn er am Sonntag auf eine Buchidee stößt, möchte er dieses Buch gleich bestellen und nicht warten müssen, bis die Buchhandlung am Montag aufsperrt. Wir sehen aber, dass der Großteil unserer Besteller die Bücher dann doch in der Buchhandlung abholen will. Das spricht dafür, dass man sich das Erlebnis in der Buchhandlung nicht nehmen lassen will. Eine Umfrage zeigt, dass der Gang in die Buchhandlung für zwei Drittel der Befragten keinen Einkaufsstress bedeutet, sondern Freizeitvergnügen.


UMIT

BESTENS GERÜSTET © UMIT TIROL/NIEDERKLAPFER

Die Lehrenden der Privatuniversität UMIT TIROL haben die Umstellung auf Distance Learning hervorragend gemeistert. Die Universität ist für den Start des Studienbetriebes im Herbst also gerüstet.

Unter strengen Sicherheits- und Hygienebestimmungen finden an der Privatuniversität UMIT TIROL wieder ausgewählte Prüfungen und Laborübungen im Präsenzbetrieb statt.

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orona-bedingt wurde an der Tiroler Privatuniversität UMIT TIROL im März der allgemeine Lehr- und Prüfungsbetrieb auf Distance Learning umgestellt. Anfang Juli kommen die Mitarbeiter in Forschung, Lehre und Verwaltung aus dem Homeoffice wieder an die Universität zurück. Unter strengen Sicherheits- und Hygienebestimmungen finden seit Anfang Mai ausgewählte Prüfungen und Laborübungen im Präsenzbetrieb statt. Auch die Bibliothek ist wieder geöffnet. Die Lehrveranstaltungen der UMIT TIROL werden aber jedenfalls bis zum Ende des Sommersemesters im Distance Learning abgewickelt. Das Rektorenteam der UMIT TIROL, Rektorin Univ.-Prof. Dr. Sabine Schindler und Vizerektor Philipp Unterholzner, M.Sc. zogen kürzlich Bilanz über diese für die Universität herausfordernde Zeit: „Das Coronavirus stellte auch uns vor vielfältige Herausforderungen, die die Mitarbeiter, aber auch unsere Studierenden in kürzester Zeit meistern mussten. Vor allem die qualitätsgeleitete Umstellung der universitären Lehre auf Distance Learning war ein hartes Stück Arbeit, das von unseren Mitarbeitern hervorragend gemeistert wurde.“

UMSTELLUNG AUF FERNLEHRE HAT DEN UNTERRICHT BEREICHERT

Die Leiterin der ArGe Hochschuldidaktik an der Universität UMIT TIROL, Univ.-Prof. Dr. Elske Ammenwerth, freut sich nach der Um-

stellung auf Distance Learning über die positiven Rückmeldungen. „Dabei ist der Universität zugutegekommen, dass sie bereits in der Vergangenheit in vielen Studiengängen online gestützte Lehreinheiten eingeführt hat. Auch die Erfahrungen aus dem ersten rein online basierten universitären Universitätslehrgang in Tirol, Health Information Management, den wir 2017 gestartet und für den wir auch einen internationalen Preis erhalten haben, konnten wir gut in die Onlinelehre einbauen. Im Zuge der Umstellung haben Lehrende die Möglichkeiten entdeckt, Lehrveranstaltungen durch Onlineelemente neu und interessant zu gestalten. Studierende schätzen den Umstand, dass sie individueller und im eigenen Lerntempo lernen können. Die Umstellung auf Long-Distance-Elemente hat den Unterricht auf alle Fälle bereichert“, sagte Ammenwerth. „Wir werden gewohnte Lehr- und Lernformen für unseren universitären Unterricht auch in Zukunft laufend überdenken. Wir sind bestrebt, neue didaktische Konzepte im Bereich Distance Learning zu entwickeln, zu implementieren und damit die universitäre Lehre an der UMIT TIROL kontinuierlich zu verbessern“, so das Rektorenteam. Was den Studienstart im Wintersemester 2020/21 betrifft, ist man davon überzeugt, dass ein regulärer Präsenzbetrieb unter Einhaltung von Hygienebestimmungen wieder möglich ist. „Sollte das wider Erwarten nicht möglich sein, werden wir den Studienbetrieb

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Bis zum Ende des Sommersemsters werden die Lehrveranstaltungen der UMIT TIROL weiterhin im Distance Learning abgewickelt. Mit Studienstart im Wintersemester 2020/21 sollte dann ein regulärer Präsenzbetrieb unter Einhaltung von Hygienebestimmungen wieder möglich sein.

jedenfalls mit Distance Learning starten. Dafür sind wir bestens gerüstet.“ Auch die Studienberatung der UMIT TIROL wurde auf online umgestellt und findet aktuell ausschließlich im virtuellen Raum statt. Alle, die sich für ein Studium der Universität interessieren, können sich online bequem von zu Hause aus ein Bild über das Ausbildungsprogramm machen. Dabei stellen Professoren, Assistenten und Studierende im Rahmen von Infonachmittagen, Master- und Doktorat-Lounges ihre Universität vor und geben in virtuellen Hörsälen und Seminarräumen einen Einblick in die unterschiedlichen Bachelor-, Masterund Doktoratsprogramme und Universitätslehrgänge der UMIT. Alle Termine und die Anmeldemöglichkeit dazu finden Sie unter www.umit-tirol.at/umitinfo.

PR


tirol.innovativ

KRISENMODUS Während der Hochphase der Krise konnten viele Unternehmen nicht mehr ihrer eigentlichen Tätigkeit nachgehen. Also haben sie etwas anderes gemacht.

DESINFEKTION MIT SCHNEEKANONE

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Seit Jahren ist das Kerngeschäft der DAKA Schadensanierung GmbH (ein Tochterunternehmen der DAKA Entsorgung GmbH) die Sonderreinigung und Hygiene. Doch in den letzten Wochen waren es nicht Gefahrstoffe wie Schimmel, Asbest oder verunreinigte Lüftungen, denen das Tiroler Familienunternehmen den Kampf ansagt, sondern das Coronavirus. Die Technologie dahinter: Kaltvernebelung. Mittels spezieller Gerätschaften wie selbstregulierenden Generatoren oder tragbaren ULV (Ultra-Low-Volume)-Geräten wird feiner – und desinfizierender – Nebel erzeugt. Das Besondere daran: Der trockene Nebel, der aus einer Mischung von Wasserstoffperoxid und Silberionen besteht, dringt selbst in kleinste Fugen ein. Nach einer kurzen Einwirkzeit sollten die Räume ausgiebig gelüftet werden. Das sorgt dafür, dass der Trockendampf zu Wasser und Sauerstoff zerfällt und es somit keine Rückstände gibt. Zum Desinfizieren ganz großer Räumlichkeiten hat man einfach eine Schneekanone umfunktioniert.

E I N K A U F S WA G E N - D E S I N F E K T I O N

Planlicht hat mit „SeCube“ eine Box entwickelt, die Einkaufswägen energieeffizient und umweltschonend desinfiziert. Statt Chemie kommt energiereiches UV-C-Licht zum Einsatz, das bis zu 99 Prozent der Bakterien, Viren, Pilze und Keime entfernt. Aktuell ist der erste SeCube in einem Lebensmittelgeschäft in Wattens im Testbetrieb. Sollte es funktionieren, könnten künftig auch andere Gegenstände mit UV-Licht desinfiziert werden.


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© EMICONTROLS / HANNES NIEDERKOFLER

DESINFEKTIONSTUNNEL

EmiControls, eine Tochterfirma des Beschneiungsexperten TechnoAlpin, hat mit dem „DisinfecTunnel“ einen neuartigen Desinfektionstunnel entwickelt. Damit können Personen, aber auch Gegenstände zur Gänze desinfiziert werden. Eigentlich produziert EmiControls Turbinenlösungen zur Bekämpfung von Bränden bzw. zur Staubbindung mithilfe von feinstem Wassernebel. Das Hochdruckverfahren wurde nun für die Desinfektion weiterentwickelt. Die Funktionsweise erinnert an den Körperscanner am Flughafen. Die Person betritt den Tunnel und bleibt mit ausgestreckten Armen stehen. Durch Düsen wird das Desinfektionsmittel zu einem feinen Wassernebel zerstäubt, der sich auf alle Oberflächen im Tunnel legt – Haut, Kleidung, Taschen oder auch Smartphones. In 15 Sekunden ist der Vorgang abgeschlossen. Der Desinfektionstunnel kann in 15 Minuten aufgestellt und mit normalem Hausstrom betrieben werden.

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C H AT B O T

Während des Shutdowns sind auf den Social-Media-Kanälen zahlreiche Linksammlungen zu regionalen Händlern entstanden. Die Innsbrucker Digitalagentur MAWEO geht einen anderen Weg und hat „Kauf ums Eck“ lanciert, einen Chatbot. Auf der gleichnamigen Facebookseite sucht man nicht nach (Online-)Shops, sondern fragt einfach danach. Gesucht werden kann nach Postleitzahl, Rubrik, Thema, Shopname oder Produkt. Rund 1.500 Shops, Einzelhändler und Gastrobetriebe sind dabei. Das Ding funktioniert einfach und unkompliziert über den Messenger, Antwort bekommt man sofort – nur eben nicht von einem Menschen, sondern einem klugen Computer. Mittlerweile informieren sich schon über 1.000 Tiroler Abonnenten über Angebote aus der Nachbarschaft. www.facebook.com/umsecktirol


FALGSCHLUNGER TISCHLEREI

HAND IN HAND Es ist immer ein gutes Zeichen, wenn die Fürsprecher der Dinge die Dinge selbst sind.

PROJEKTDATEN: STOFFWECHSELINSTITUT INNSBRUCK

Um den Kunden trotz großer Glasflächen ein Gefühl der Intimität und Wärme zu geben, wurden in den Behandlungsräumen vertikale Holzlamellen vorgesetzt. Für die Wirkung der Immobilie als einheitliches Gesamtkonzept wurde die Anzahl der Materialien auf wenige Komponenten reduziert. Warmes Holz für Möblierung und Bodenbeläge, Glas für die raumhohen Trennwände und Teppiche als optische und akustische Maßnahme.

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as bekanntlich hohe Niveau der Produkte der Tischlerei Falgschlunger in Patsch lässt sich vielleicht auch daran ermessen, dass man sich vor allem über qualitative Erzeugnisse und nicht so sehr über ideologische Abgrenzung definiert. Gerade heute, wo als Gegenbewegung zur Wegwerfgesellschaft der Wunsch nach Erzeugnissen aus regionalen und ressourcenbewussten Produktionsverfahren wächst, erlebt das Zusammenwirken von Handwerk und Design eine neue Blüte. Umso wichtiger ist es also, dass sich Planer und Ausführende verstehen und aufeinander eingehen. Was anderswo leider oft die Ausnahme ist, ist bei der Zusammenarbeit der zwei Falgschlunger-Brüder mit den verschiedensten Architekten die Regel: Wenn die Umsetzung der Planung funktioniert, entsteht ein Mehrwert. Nicht nur für den Bauherrn. Das unlängst fertiggestellte Stoffwechselinstitut Innsbruck ist ein weiteres gelunge-

nes Beispiel für die harmonische Zusammenarbeit. Architekt Andreas Hausbacher und die Tischlerei Falgschlunger bewiesen wieder einmal, dass nur eine enge Kooperation zwischen Design und Handwerk, welche Kreativität und Fachwissen vereint, optimale Ergebnisse hervorbringt. „Um Innenausbauten in der vorhandenen Qualität realisieren zu können, benötigt man Partner, die neben der Einhaltung der vorgegebenen Zeitschiene vor allem technisch und handwerklich auf dem höchsten Standard agieren. Wir haben mit der Tischlerei Falgschlunger bereits einige Projekte in dieser Güte ausgeführt und schätzen deren Kompetenzen für das Tischlerhandwerk ungemein. Durch die vorzeitige Einbeziehung in die Entwicklung von optischen und funktional ansprechenden Detaillösungen gibt es keine ungewünschten Überraschungen hinsichtlich der finalen Fertigung“, so Architekt Andreas Hausbacher. PR

• Nettonutzfläche ca. 345 m2 • 6 Behandlungsräume, Soleraum für Atmungsbehandlungen, Seminarraum, Büroräume, Foyer-Warteraum, welcher auch für Veranstaltungen genutzt werden kann, WC-Bereiche für Kunden und Mitarbeiter

Andreas Hausbacher

MAAARS ARCHITECTURE Hausbacher Architecture GmbH 6020 Innsbruck

www.maaars.com

Daniel Falgschlunger

TISCHLEREI GEBRÜDER FALGSCHLUNGER 6082 Patsch

www.tischlerei-falgschlunger.at

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JETZT MACHEN WIR’S EINFACH

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Im Zuge der Coronakrise haben sich flugs zahlreiche Initiativen formiert, um den heimischen Handel zu unterstützen. Für einen langfristigen Erfolg braucht es jedoch eine tirolweite, gemeinsame Strategie. TEXT: MARINA BERNARDI

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ie Idee gab es in der GemNova schon seit Längerem, allein es fehlten die zeitlichen Ressourcen für eine professionelle Umsetzung. Im Zuge der Coronakrise waren sie schließlich da und die Notwendigkeit des Projektes noch einmal sichtbarer geworden. Mit www.ganznah.tirol soll eine Art Amazon für Tirol aufgebaut werden. Die ersten Händler sind schon mit dabei. „Plattformen mit Linksammlungen zu verschiedenen Onlineshops zu entwickeln, mag ein Anfang sein, aber langfristig ist das aus meiner Sicht nicht erfolgversprechend. Das kann Google besser“, sagt Alois Rathgeb und auch nicht jeder Händler brauche einen eigenen Webshop, findet er: „Langfristig ist der Kunde nicht bereit, sich durch eine Reihe an Webshops zu klicken und sich überall zu registrieren, bis er das passende Produkt gefunden hat. Das ist der entscheidende Vorteil der Onlinerie-

sen – dass es einfach und bequem, funktional und das Angebot vielfältig ist.“ Mit ganznah.tirol soll dieser Erfolgsfaktor auf regionale Ebene heruntergebrochen werden.

AMAZON FÜR TIROL

Neben Beschreibungen zum Produkt gibt es Infos zum Händler, um der Plattform ihre ganz eigene Persönlichkeit zu geben und auch die Gesichter dahinter zu präsentieren. Gesucht wird nach möglichst kurzen Lieferwegen – die Ergebnisse also nach Entfernung gereiht. Das soll gleichzeitig den Nebeneffekt haben, dass man vielleicht doch kurz persönlich ins Geschäft ums Eck schaut, anstatt sich seine Waren liefern zu lassen. Online schauen, stationär kaufen sozusagen. Wer mag, kann sich individuell beraten lassen – der Händler ist ja nicht weit weg und auch telefonisch erreichbar – oder bestimmte Services da-

zubuchen, etwa den Einbau von Geräten oder die Entsorgung von Altgeräten. Diese Zusatzleistungen werden dann direkt mit dem Händler und nicht über die Plattform abgerechnet. „Hier sind wir stärker, als Amazon es je sein kann“, ist Rathgeb überzeugt. Wie bei allen Projekten und Unternehmungen von GemNova geht es auch hier nicht um eigene Profitmaximierung. Im Gegenteil: „Bei GemNova geht es uns immer um die Sache, darum, einen Beitrag für die Region, die Gesellschaft und die Menschen zu leisten, und damit letztlich um ein achtsameres Miteinander“, erklärt Rathgeb. Das ist vielen anderen Unternehme(r)n im Land mitunter durchaus suspekt, doch die GemNova ist als Teil des Tiroler Gemeindeverbandes nicht gewinnorientiert. Was erwirtschaftet wird, kommt den Tiroler Gemeinden zugute und damit letztlich wieder dem Bürger. Rathgeb: „Wir helfen und


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„ I C H B I N Ü B E R Z E U G T, D A S S M A N I N Z U K U N F T NUR ZUSAMMEN ERFOLGREICH SEIN K ANN. U N S I S T B E W U S S T, D A S S W I R A M A Z O N N I E E R S E T Z E N W E R D E N KÖ N N E N . D A S W O L L E N W I R A U C H N I C H T, A B E R W I R B I E T E N E I N E R E G I O N A L E A LT E R N AT I V E , D I E G E N A U S O U N KO M P L I Z I E R T U N D B E Q U E M F U N K T I O N I E R T. D A Z U B R A U C H E N WIR VIELE HÄNDLER, DIE DAS PROJEK T UNTERSTÜTZEN UND DAS ANGEBOT BREIT UND V I E L FÄ LT I G G E S TA LT E N .“ A L O I S R AT H G E B , G E S C H Ä F T S F Ü HR E R D E R G E MN O VA

unterstützen die Tiroler Gemeinden auf vielen verschiedenen Ebenen und sparen ihnen auf diese Weise rund 25 Millionen im Jahr. Diese wiederum können in gemeindeeigene Projekte investiert werden. Auch mit dem Onlineshop ist es also nicht unser primäres Ziel, Geld zu verdienen, sondern den wirtschaftlichen Kreislauf am Leben zu erhalten.“ Deshalb wird auch keine Provision pro verkauftem Produkt verlangt, sondern pauschal abgerechnet. „Wir wollen nicht in eine Konkurrenzsituation mit dem Händler treten, sondern ihm eine Plattform bieten“, erklärt Rathgeb. Tatsächlich ist die Pauschale mehr als fair: Für Unternehmen bis fünf Mitarbeiter werden neun Euro pro Monat verrechnet, bis 20 Mitarbeiter 19 Euro und darüber hinaus 29 Euro. Im Höchstfall bezahlt man also 348 Euro im Jahr. À la longue sollen in den Webshop auch Dienstleistungsunternehmen integriert werden. So soll man etwa seinen Friseurtermin online buchen können, mittelfristig sollen Restaurants oder Handwerksbetriebe hinzukommen. Auch hier kann die Plattform als reine Vermittlerin dienen, abgerechnet wird dann direkt mit dem Händler, der nach wie vor nur seinen monatlichen Pauschalbetrag bezahlt. Wenn der Shop eine gewisse Größe erreicht hat, kann man über neue Logistikkonzepte nachdenken, um den Versand noch effizienter zu gestalten. Die Plattform ist für Händler und Dienstleister eine riesige Chance. Einen eigenen Webshop erfolgreich umzusetzen, ist gerade für viele Kleine schlicht nicht machbar und auch für größere Unternehmen eine Herausforderung. Denn ein Webshop will

auch betreut und beworben werden. Das kostet Geld. Mitunter viel. Auch das geht im Kollektiv leichter. Und ohne Onlinepräsenz wird es zunehmend schwierig(er). Rathgeb: „Ich bin überzeugt, dass man in Zukunft nur zusammen erfolgreich sein kann. Uns ist bewusst, dass wir Amazon nie ersetzen werden können. Das wollen wir auch

nicht, aber wir bieten eine regionale Alternative, die genauso unkompliziert und bequem funktioniert. Dazu brauchen wir viele Händler, die das Projekt unterstützen und das Angebot breit und vielfältig gestalten. Im Moment werkelt in Tiroler jeder noch gerne für sich, doch ich bin überzeugt, dass wir das gemeinsam schaffen können.“

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UNTERNEHMENSFINANZIERUNG MIT GRIPS

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Die Fokussierung auf immaterielle Vermögenswerte hat dazu geführt, dass Österreich deutlich besser durch die Finanzkrise 2008/2009 gekommen ist als andere europäische Staaten (so der Abschlussbericht für das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend „Immaterielle Vermögenswerte – geistiges Eigentum als Wachstumstreiber“, 2013, Seite 3). Dies kann bei der heurigen Coronakrise durchaus Hoffnung machen. T E X T : S T E FA N WA R B E K

I

nnovation und technologische Vorteile sind heute wesentliche Faktoren für Wachstum und Wohlstand in den westlichen Industriestaaten. Durch die stetige Globalisierung steigt der internationale Wettbewerbsdruck insbesondere über die Lohnkostenvorteile in Schwellenländern. Innovation und Kreativität sind somit bedeutende Instrumente geworden, um Wettbewerbsnachteile zu kompensieren. Dieser anhaltende Strukturwandel zu wissensintensivem Dienstleistungsangebot und tech-

nologieintensiveren Produktionsprozessen hat es mit sich gebracht, dass das geistige Eigentum eines Unternehmens weiterhin ständig an Bedeutung gewinnt. Nach wie vor ist man sich aber sowohl in Unternehmen als auch in Banken oft nur des Werts körperlichen Eigentums bewusst. Das ist besonders für innovative Start-ups eine Hürde, wenn es für sie darum geht, Kapital für die Umsetzung ihrer Ideen zu lukrieren. Obwohl die herausragende Bedeutung immaterieller Vermögenswerte vor allem für

die sogenannten Zukunftsbranchen mittlerweile unbestritten ist, lässt sich nur ein schleppender Bedeutungszuwachs von Intellectual Property Rights (IP-Rechte) für die Unternehmensfinanzierung feststellen. Und obwohl gerade Marken und Patente grundsätzliche Anforderungen an Kreditsicherheiten wie Bewertbarkeit und auch juristische Durchsetzbarkeit erfüllen, werden sie nach wie vor nur in geringem Umfang als Sicherheit eingesetzt. Dies ist insofern kaum verständlich, als die Sicherheit, Ver-


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„NEBEN DER BEWERTBARKEIT ERFÜLLEN MARKEN, PAT E N T E U N D D E S I G N R E C H T E A U C H A N D E R E W I C H T I G E ANFORDERUNGEN AN KREDITSICHERHEITEN: SIE SIND RECHTLICH DURCHSE TZBAR UND ES K ANN MIT IHNEN – W I E M I T WA R E N – G E H A N D E LT W E R D E N .“ DR. S TEFAN WARBEK

wertungserlöse aus immateriellen Vermögenswerten realisieren zu können, zugenommen hat. Hinzu kommt, dass insbesondere für Marken und Patente in der Praxis allgemein anerkannte Bewertungsverfahren und auch liquide Märkte existieren. So wurde etwa zur Bewertung von Patent-Portfolios vom Europäischen Patentamt (EPA) das Programm IPscore konzipiert. IPscore ermittelt anhand der Antworten auf eine Fragenliste die Chancen und Risiken sowie Stärken und Schwächen einer Innovation. Zur monetären Bewertung von Marken und Patenten wurden spezielle ÖNORMEN entwickelt.

IP - RECHTE ALS INSTRUMENT DER UNTERNEHMENSFINANZIERUNG

Die klassische Funktion von Marken, Patenten und Designrechten liegt darin, Innovationen und kreative Leistungen zu monopolisieren, also jemandem ein exklusives Recht auf deren Nutzung zu verschaffen: Ein Logo zum Beispiel ist zunächst „nur“ eine Grafik. Wird diese Grafik jedoch als Marke registriert, hat deren Eigentümer ein staatlich anerkanntes und durchsetzbares Monopolrecht daran. Neben dieser klassischen Monopolfunktion werden IP-Rechte auf internationaler Ebene inzwischen standardmäßig dafür eingesetzt, die Eigenkapitalquote von Unternehmen zu stärken, Liquiditätsverbesserungen zu erreichen, den finanziellen Spielraum bei M&A-Transaktionen zu erweitern und Unternehmenswachstum und Entwicklungsprojekte zu finanzieren. Häufig sind IP-Rechte für die Vergabe öffentlicher Förderungen (z. B. Forschungsförderungen und -prämien), für Hybridfinanzierungen (z. B. Mezzanine, Leasing, Factoring) oder für Beteiligungsfinanzierungen (z. B. Private Equity, Venture Capital) sogar ein ausschlaggebendes Kriterium. Aber auch konzernintern spielt der Wert von IP-Rechten eine bedeutsame Rolle: Die Lizenzen, die zwischen in verschiedenen Staaten ansässigen verbundenen Unternehmen für die Überlassung von IP verrechnet

werden, sind im Rahmen der internationalen Besteuerung für den Erfolg eines Unternehmens bedeutsam. Allerdings erfordert vor allem die Festlegung der Lizenzhöhe eine professionelle Prüfung und Dokumentation, damit diese unter anderem letztlich auch der Prüfung der Abgabenbehörde(n) standhalten.

BEWERTUNG VON IP - RECHTEN ALS KERNFRAGE

Der Einsatz von IP-Rechten als Finanzierungsinstrument (z. B. als Sicherheit bei Kreditvergabe) macht es notwendig, ihnen einen Geldwert beizumessen. Dafür hat sich eine Bewertungspraxis etabliert, die sich an der Bewertung von Unternehmen orientiert und die zu verschiedenen Normen geführt hat: Das sind in Österreich die ÖNORM A 6801 über ein „Verfahren zur Patentbewertung“ und die ÖNORM A 6800 zur „Bewertung des immateriellen Vermögensgegenstands ‚Marke‘“, in Deutschland etwa die DIN 77100 zur Patentbewertung und international die ISO 10668 zur Markenbewertung. Diese Normen bieten einen verlässlichen Rahmen für fachgerechte Bewertungen. Neben der Bewertbarkeit erfüllen Marken, Patente und Designrechte auch andere wichtige Anforderungen an Kreditsicherheiten: Sie sind rechtlich durchsetzbar und es kann mit ihnen – wie mit Waren – gehandelt werden. Als Sicherheit im Rechtsverkehr qualifiziert sie weiters, dass diese IP-Rechte Registerrechte sind: Sie werden in öffentlichen Registern erfasst und können dort von jedermann eingesehen werden. Diesen Registern kann nicht nur der Schutzrechtsinhaber entnommen werden, sondern auch andere für die Werthaltigkeit der IP-Rechte bedeutsame Umstände, wie etwa Informationen über das Bestehen von Rechtsstreitigkeiten, Vorkaufsrechten, Vorbenutzerrechten oder Zwangslizenzen. Außerdem können darin auch Pfandrechte öffentlich begründet und ersichtlich gemacht werden.

FAZIT Die Analyse der volkswirtschaftlichen Kennzahlen in der Studie des Abschlussberichts für das Bundesministerium für Wirtschaft, Familie und Jugend „Immaterielle Vermögenswerte – geistiges Eigentum als Wachstumstreiber“ hat gezeigt, dass heutzutage immaterielle Vermögenswerte einen entscheidenden Anteil am Wachstum und der Steigerung der Produktivität besitzen, nicht nur in Österreich. Immaterielle Vermögenswerte liefern einen bedeutenden Wachstumsbeitrag zur Arbeitsproduktivität. Daran hat sich bislang nichts geändert. Die Verwissenschaftlichung der Industrie im internationalen Wettbewerb bedingt, dass österreichische Unternehmen und die gesamte Volkswirtschaft verstärkt in immaterielle Vermögenswerte (insbesondere in Forschung & Entwicklung) investieren. IP-Rechte haben daher einen festen Platz in der Wirtschaft. Ihr Erwerb sowie Nutzungsrechte an ihnen können signifikante wirtschaftliche und steuerliche Konsequenzen – im Guten wie im Schlechten – haben. Die Planung und Durchführung von Lizenzmodellen und -vereinbarungen erfordern besondere Detailarbeit und Dokumentation.

Dr. Stefan Warbek

WARBEK RECHTSANWÄLTE ist eine auf die Innovations- und Kreativwirtschaft spezialisierte Rechtsanwaltskanzlei.

www.warbek.at

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GEL

finanzieren & versichern

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In Gold we trust Der mehr als 300 Seiten starke „In Gold We Trust“-Report ist weltweit renommiert und wurde vom Wall Street Journal zum „Goldstandard aller Goldstudien“ geadelt. Kürzlich erschien die 14. Ausgabe davon. „Nicht zuletzt aufgrund der aktuellen Krise ist Gold wieder in aller Munde. Wir befinden uns in einer neuen Phase des Bullenmarktes“, wird die aktuelle und zukünftige Entwicklung im Report zusammengefasst, resümiert Michael Posselt, Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in der Tiroler Wirtschaftskammer. In jeder Währung – bis auf den US-Dollar – befindet sich Gold aktuell nahe oder auf dem Allzeithoch. „Die Goldhausse nahm schon vor der Coronakrise Fahrt auf, seit Ausbruch der Pandemie stieg das Interesse für Gold aber weiter an. Kleinanleger, die sich mit Goldmünzen oder Barren eindecken wollten, mussten vertröstet werden. Nicht nur für sie könnte auch Silber – gemeinhin als ,das Gold des kleinen Mannes‘ bezeichnet – interessant sein“, fügt Edelmetallexperte Josef Schwaninger an. Laut einer aktuellen Umfrage in der Schweiz hat Gold heuer erstmals Aktien als beliebteste Anlageform verdrängt. Sieben von zehn Befragten schätzen Gold als sichere Geldanlage und rund die Hälfte glaubt, dass Gold im Preis weiter steigen wird. „In Zeiten großer Verunsicherung und Marktvolatilität gibt es oft einen Ansturm auf das Edelmetall, das ist jetzt nicht anders. Aber auch weitere Gründe sprechen für einen nachhaltigen Aufwärtstrend“, so Posselt. Gold hat einen inhärenten Wert, den die meisten anderen Rohstoffe nicht haben. Gold behält seinen Glanz als wertvolle Absicherung. „Nicht umsonst lagern die Zentralbanken des 21. Jahrhunderts keine Öl-, Kupfer- oder Eisenreserven in ihren Tresoren: Sie besitzen Gold“, erklärt Posselt. Vor allem ist es die Angst vor Inflation und Geldentwertung, die viele Anleger in Gold investieren lässt. Posselt: „Angesichts der steigenden Schulden werden die Regierungen einen starken Anreiz haben, die Inflation zu erhöhen, um so zumindest einen Teil der Schulden wegzuinflationieren. Darüber hinaus werden sie durch weiterhin niedrige Zinsen und Konjunkturprogramme versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln. Dies macht Gold zusätzlich attraktiv, da der Preis für das Halten von Gold (Gold bringt naturgemäß keine Zinsen) niedrig, der reale Ertrag aber hoch ist.“


© JULIA TÜRTSCHER/BLICKFANG PHOTOGRAPHIE

eco.geld

I M M O T I O N E N proudly presented by

Präsident Klaus Hilber (re.) und Vizepräsident Helmut Schuchter

Who else?

B E S TÄT I G T Die österreichischen Steuerberater und Wirtschaftsprüfer haben für die Funktionsperiode 2020 bis 2025 ihre Standesvertretungen gewählt. In Tirol wurde Prof. Dr. Klaus Hilber als Präsident und Prof. Dr. Helmut Schuchter ein weiteres Mal bestätigt. Die Wahlbeteiligung war in Tirol mit fast 67 Prozent sehr hoch. Als Interessenvertretung für alle Steuerberater und Wirtschaftsprüfer im Land liegt das Augenmerk der Kammer in der Begutachtung von Gesetzen, der Förderung der beruflichen Weiterbildung und der fachlichen Information ihrer Mitglieder – wobei dem letztgenannten Punkt in Coronazeiten besonderer Stellenwert zukommt.

Waldvilla GNADENWALD, Wohnnutzfläche ca. 260 m², 2 Wohneinheiten, Baujahr 1992, generalsaniert 2012, Garten ca. 594 m² mit Pool, 1 GaragenAbstellplatz, 2 Carports, HWB 146,1 kWh/m² a, KP 1.100.000 Euro

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JA ZU AKTIEN Laut einer Integral-Studie im Auftrag der Erste Bank sehen die Österreicher in der Coronakrise Investitionspotenzial – über ein Drittel betrachtet das Börsentief als gute Anlagechance. Und: Das Interesse an Wertpapier­ anlagen ist deutlich gestiegen. 34 Prozent der österreichischen Anleger nutzen die vielversprechende Gelegenheit, um an den Aktienmärkten mitzumischen. Sparbuch und Bausparvertrag, aber auch die Pensionsvorsorge haben hingegen an Attraktivität verloren. Auch die Zahl jener, die in naher Zukunft größere Anschaffungen planen, ist gesunken. Wer allerdings einen Kredit aufnimmt, borgt sich vergleichsweise mehr Geld. Die geplante Kredithöhe ist um stattliche 57 Prozent gestiegen.

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FINANZBEGRIFFE DER AUSGABE: PRIVATE EQUITY (PE) Zu Deutsch: außerbörsliches Eigenkapital oder privates Beteiligungskapital – das heißt, private Kapitalgeber oder darauf spezialisierte Beteiligungsgesellschaften beteiligen sich direkt am Unternehmen. Sie investieren Geld, erhöhen damit das Eigenkapital des Unternehmens und erhalten im Gegenzug eine prozentuelle Beteiligung.

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Venture Capital, auch Wagnisoder Risikokapital, ist ebenso wie Private Equity außerbörsliches Beteiligungskapital. Der Unterschied: Von VC spricht man, wenn man sich an als besonders riskant geltenden Unternehmen beteiligt – meist an jungen Unternehmen oder Start-ups.

PE/VC- FONDS

Auch: PE- oder VC-Gesellschaft. Meist geschlossene Investmentfonds, das heißt, die Fondsanteile werden nicht wie sonst an der Börse gehandelt, sondern es wird eine vorher definierte Summe eingesammelt, um damit in der Regel in ein konkretes Projekt oder Unternehmen zu investieren. Meist ist der Einstieg erst ab einer recht hohen Anlagesumme möglich. Demgegenüber stehen so genannte Dachfonds (Funds of Funds), die das eingesammelte Anlagegeld wiederum in Anteilen von Investmentfonds anlegen. Diese Variante wäre theoretisch auch für kleinere Anleger denkbar.

ASSETKLASSE

Anlageklasse. Eine Gruppe von Anlagemöglichkeiten am Kapitalmarkt – z. B. Aktien oder Immobilien.


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WEGE AUS DEM FINANZIERUNGSMANKO Vielen österreichischen Unternehmen wurden gerade während der Coronakrise zu dünne Eigenkapitaldecken zum Verhängnis. Crowdfunding und Beteiligungen durch Private-EquityFonds sind Möglichkeiten, die durch bessere Rahmenbedingungen forciert werden könnten. TEXT: MICHAEL KORDOVSKY

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n den Jahren 2018 und 2019 haben laut Statistik der Oesterreichischen Nationalbank Banken in Österreich an heimische nichtfinanzielle Unternehmen Neukredite von jeweils 64,4 bzw. 71,3 Milliarden Euro vergeben. Im Vergleich dazu stehen Private Equity und Crowdfunding noch in den Kinderschuhen. Die Abhängigkeit von Bankkrediten ist also enorm, insbesondere in der Expansionsphase, denn Private-Equity-Beteiligungen in Österreich beschränken sich meist auf eine frühe Entwicklungsphase, später besteht die Gefahr einer Abwanderung aufgrund besserer Rahmenbedingungen im Ausland. In der Coronakrise, wo schnelle unbürokratische Hilfe erforderlich ist, wird diese Bankenabhängigkeit vielen Unternehmen zum Verhängnis. Selbst 80 bis 90 Prozent an Garantien der Österreichischen Hotel- und Tourismusbank (ÖHT) oder des aws waren laut Erfahrungsberichten diverser betroffener Firmen nicht ausreichend, um einen Kredit zu bekommen, da die Sicherheiten für die restlichen zehn bis 20 Prozent nicht zufriedenstellend dargestellt werden konnten oder es an einer Prüfung der Rückzahlungsfähigkeit scheiterte. Nach Basel III wirft das noch restriktivere Regelwerk Base IV mit einer strengeren Bewertung der Risikoaktiva bereits seine Schatten voraus, weshalb Banken gegenüber Unternehmen oft sehr zurückhaltend in der Finanzierung agieren. Ein Problem dabei: Es sind schlichtweg zu wenig Eigenmittel

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BIG BOYS Dr. Rudolf Kinsky, Präsident der AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation) im Interview. In der Coronakrise geraten immer mehr Firmen infolge einer zu dünnen Eigenkapitaldecke ins Schleudern und die Abwicklung von garantierten Überbrückungskrediten ist ein bürokratisches Unterfangen. Eine Pleitewelle rollt somit an. Warum verlassen sich österreichische Firmen dann noch immer so stark auf Bankkredite? RUDOLF KINSKY: Das hat einerseits – als europaweites Phänomen – mit der Vormachtstellung der Banken zu tun, die sich als Universalbanken seit der Nachkriegszeit als Hausbanken der Unternehmen etabliert haben. Anderseits fehlt es an einer Kapitalmarktkultur, zumindest in Kontinentaleuropa. Also sind vor allem die nicht börsennotierten Unternehmen hauptsächlich durch Kredite fremdfinanziert und weisen im Vergleich zu den USA niedrige Eigenkapitalquoten auf. Dazu kommt, dass die Hausbanken in einem overbanked Markt gerne die Kreditrahmen ausreizen, die Unternehmer eine Abscheu vor externen Investoren haben, weil sie nicht wollen, dass sich jemand in die Geschäftsgebarung einmischt, der Staat freigiebig Kreditgarantien verteilt und insgesamt von den Unternehmern nicht verstanden wird, dass Eigenkapital eine wichtige Rolle im Risikomanagement spielt und dass Venture- Capital- und Private-Equity-Fonds für die Unternehmensentwicklung gute Partner sein könnten. Welche Rolle spielen Risikokapitalgesellschaften, wie Venture-Capital-Fonds, Buyout-Fonds, Expansionskapital-Fonds oder KMU-Beteiligungsgesellschaften in Österreich? Leider gibt es in Österreich keine extern finanzierten Private-Equity-Fonds, nur ein paar, die mit Banken verbunden sind. Es gibt auch nur wenige Venture-Capi-

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tal-Fonds. Im unteren Ende des KMU-Marktes gibt es einige Crowdfunding-Plattformen, nur vermitteln die eher Nachrangdarlehen und nicht Eigenkapital-Investments. Nachdem es am Sparbuch keine Zinsen mehr gibt, wären KMU-Beteiligungsfonds eine interessante Alternative für die breite Masse, während Private-Equity-Fonds für qualifizierte Investoren mit über 250.000 Euro an unbelastetem Geldvermögen in Frage kämen. Wo liegen die Vor- und Nachteile beider Anlagealternativen und wie werden diese derzeit am österreichischen Markt wahrgenommen? Die „breite“ Masse wird nicht in Fonds investieren und soll sie auch nicht. Die einzige Lösung für private Investoren sind Fund of Funds oder Versicherungsprodukte, die leider selten oder gar keine Private-Equity-Investments beinhalten. Auch für Fondsmanager sind kleine (unter 250.000 Euro) Investoren nicht attraktiv, weil damit das Fundraising und das Beziehungsmanagement zu den Investoren schwierig werden. Private Equity und Venture Capital sind als Assetklasse eigentlich nur etwas for the big boys, also institutionelle Investoren.     Was müsste Ihrer Meinung nach geschehen, dass Beteiligungskapital in Österreich als Finanzierungsalternative stärker in Anspruch genommen wird? Das AVCO-Dachfondskonzept wäre ein guter erster Schritt. Wir haben auch als Rahmengesetz einen Entwurf für ein Wagniskapitalfondsgesetz entwickelt. Darin sind wichtige steuerrechtliche Änderungen enthalten. Zusätzlich wäre eine breite Verbesserung des Verständnisses für wirtschaftliche und finanzwirtschaftliche Zusammenhänge wichtig (financial literacy).

vorhanden, da in Österreich auch die Bereitschaft, Partner ins Unternehmen zu nehmen, nicht sehr verbreitet ist. In Österreich ist Private Equity (PE) oder Venture Capital (VC) also kaum ein Thema. So gibt es beispielsweise keinen einzigen extern (von privaten Investoren) finanzieren PE-Fonds in Österreich. Start-ups haben zwar in der Seedphase im Inland Kapitalgeber, doch ab Anschlussfinanzierungen über zwei Millionen Euro steigt in der Regel die Abhängigkeit von Kapitalgebern aus dem Ausland, mit der Gefahr, dass Teams und deren Unternehmen, die zuvor häufig in den Genuss staatlicher Fördermittel kamen, zum Teil oder zur Gänze das Land verlassen. Doch nicht nur die Finanzierungsseite der Unternehmen ist problematisch, auch das Verhalten der Sparer und Investoren fördert eine Beteiligungskultur nicht gerade. Schon alleine mit Aktieninvestments kann der durchschnittliche Privatanleger wenig anfangen, der lieber das Geld auf dem Sparbuch hortet, während Stiftungen primär in Grund und Boden investieren. Wenn schon einmal versteuertes Geld bei der Veranlagung mit 27,5 Prozent auf Anlageerträge erneut versteuert werden muss und Privatanlegern der Zugang zur lukrativen Anlagekategorie der Private-Equity-Dachfonds verwehrt bleibt, hält sich die Begeisterung für Aktien und erst recht für private Firmenbeteiligungen in engen Grenzen. Die AVCO (Austrian Private Equity and Venture Capital Organisation) hat verschiedene Lösungsansätze zur Verbesserung des Umfelds für privatwirtschaftlich getragene eigenkapitalfinanzierte Investitionen erarbeitet.

LÖSUNGSANSÄTZE

Zuvorderst brauche es eine Reform des Pensionssystems durch kapitalgedeckte Alterssicherung bzw. Pensionskonzepte, den Ausbau der dritten Säule und Freischalten der Pensionskassen für alternative Investments. Außerdem sollen Investitionskonzepte den vorbörslichen Kapitalmarkt und die Eigenkapitalfinanzierung heimischer Unternehmen beleben. An einem entsprechenden AVCO-Dach-


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fonds wird bereits gearbeitet. Dieser Fund of Funds soll privatwirtschaftlich organisiert werden und in Zielfonds investieren, die ihrerseits Start-ups sowie KMU in der Wachstumsphase durch Eigenkapital finanzieren. Um die Erstinvestition österreichischer institutioneller Investoren in die Assetklasse Private Equity zu erleichtern, begibt der Bund für einen Teil eine Ausfallbürgschaft, die mit einem marktkonformen Entgelt den Maastricht-Regeln entspricht“. Der von AVCO-Präsident Dr. Rudolf Kinsky forcierte „Dachfonds Österreich“ soll konkret wie folgt funktionieren: Österreichische institutionelle Anleger investieren 300 Millionen Euro über eine Anleihe in einen Dachfonds, der seinerseits als Ankerinvestor zehn bis 15 Zielfonds mit maximal 25 Prozent ihres Fondsvolumens speist. Also fließen 1,2 Milliarden Euro an Wachstumskapital in rund 200 Unternehmen. Die Fonds müssen ihren Sitz in Österreich haben und investieren in ganz Europa, wobei ein Österreichanteil von 20 bis 30 Prozent des Fondsvolumens angenommen wird. Das Besondere daran ist, dass es für die Anleihe von Bund und Europäischer Investitionsbank (EIB) insgesamt eine Garantie für 40 Prozent des Volumens gibt (bereits zugesagt). Daraus resultiere ein Rating von AA+, was eine niedrigere Kapitalhinterlegung bei Versicherungen und Banken bedeutet. Ein Anlegespektrum auf Zielfondsebene von 30 Prozent Venture Capital und 70 Prozent Wachstum/Buyout sowie ein international rekrutiertes unabhängiges Dachfondsmanagement sollten eine Bruttorendite von neun Prozent per anno ermöglichen. Allerdings wird für die Garantien von Bund (25-%-Anteil) und EIB (15-%-Anteil) eine marktgerechte Gebühr bezahlt. Resul-

tat: Den Investoren bleibt eine Nettorendite von 4,5 Prozent. Außerdem sollten bis zu 4.600 Arbeitsplätze geschaffen werden, der Kapitalstock könnte sich um 325 bis 488 Milliarden Euro erhöhen. Helfen können auch neue Anlegermodelle für institutionelle und private Anleger, wie flexiblere Lebensversicherungsprodukte und private Pensionsversicherungsmodelle. Hier könnten durch Beimischung von alternativen Investments höhere Renditen erzielt werden. Zudem brauche es eine bessere Verlinkung und Zusammenarbeit zwischen PE-Fonds und der Wiener Börse: Hier geht es um eine Koordination des vorbörslichen Kapitalmarktes mit der Börse. Bei PE-Fonds erfolgt der Exit (die Gewinnmitnahme) häufig über Börsengänge. Ein weiterer Punkt ist die Aufhebung der steuerlichen Benachteiligung von Eigenkapital.

CROWDINVESTING UND PRIVATE - EQUITY- DACHFONDS

PE- oder VC-Modelle kommen vor allem für institutionelle Investoren in Frage. Für Privatanleger gibt es andere Alternativen. Beim Crowdinvesting etwa investiert ein Privatanleger von Minibeträgen ab 100 bis hin zu mehreren tausend Euro in einzelne Projekte, wobei in der Regel nachrangige Darlehen mit einer höheren Verzinsung angeboten werden. Der Anleger ist im Aufbau eines Portfolios eigenverantwortlich. Wer konsequent mit Minibeträgen breit streut, kann sich auf diese Weise spielerisch in die außerbörsliche Investmentmaterie einarbeiten. Doch der Erfolg bleibt offen, zumal zur Beurteilung eines konkreten Track-Records in Österreich die Historie dieser Anlageform noch zu kurz ist.

Wesentlich bessere Daten gibt es zu Private-Equity-Dachfonds. Enthält zum Beispiel ein Dachfonds 30 bis 50 Zielfonds, dann sind über Jahrzehnte in die Vergangenheit betrachtet aufgrund der breiten Streuung und des professionellen Managements die Verlustrisiken nahe null. Trotzdem sind Nettorenditen zwischen sechs und acht Prozent per anno möglich, sofern die Zielfonds von altbewährten Fondsmanagern verwaltet werden. Was allerdings dazu benötigt wird, sind Zeit und Geduld (Laufzeiten von 7 bis 15 Jahren). Während Crowdinvestoren eine sportliche Herausforderung im Aufbau ihres eigenen außerbörslichen Portfolios haben, delegieren Private-Equity-(Dach-) Fonds-Investoren diese Schritte an Profis. Trotzdem hat Crowdinvesting auch eine gewisse volkswirtschaftliche Bedeutung, die Daniel Horak, Co-Gründer und Geschäftsführer der Crowdinvesting-Plattform Conda, skizziert: „99,6 Prozent aller Unternehmen in Österreich sind KMU. Crowdinvesting füllt die Lücke in ihrer Finanzierungskette, indem es die Möglichkeit flexibler Zwischenfinanzierungen auf gesetzlicher Basis bietet. Wir sind in dieser Hinsicht nicht als Gegenspieler von Banken zu verstehen, sondern arbeiten mit diesen zusammen. Ein Beispiel dafür ist das von Conda und der Erste Bank Österreich geschaffene Online-Finanzierungstool Fundnow.at. Viele Unternehmen können erst durch das Geld der Crowd, das als Eigenkapital gewertet wird, die Voraussetzungen einer Bankfinanzierung erfüllen. Zudem wird gerade in Krisenzeiten deutlich, wie wichtig es ist, auf schnelle und unbürokratische Weise Unterstützung zu erhalten.“ In diesem Zusammenhang zeigt Conda mit der Plattform „Conda hilft“ einen sozialen Ansatz:

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„Wir unterstützen Unternehmen mit den verschiedensten Backgrounds, indem wir unsere eigene Marge nicht weiterverrechnen. Zinszahlungen und Rückzahlungen an die Crowdinvestoren können auch in Form von Leistungen und Produkten erfolgen, womit neben der Schaffung von Liquidität zugleich der Umsatz angekurbelt wird“, erklärt Horak. Doch wenn ein Unternehmen Geld benötigt, wie hoch ist dann statistisch gesehen bei Conda die Wahrscheinlichkeit, dass ein eingereichtes Projekt auch öffentlich zur Finanzierung ausgeschrieben wird? Horak: „Basierend auf den Kriterien, die in unserem Investitionsleitfaden (www.conda.at/ ihr-investitionsleitfaden/) zu finden sind, übernehmen wir eine Vorselektion. Aus über 1.000 Anfragen pro Jahr wählen wir ca. 100 bis 150 aus, aufgrund der weiteren Gespräche und in Abstimmung mit den Unternehmen finanzieren wir pro Jahr zwischen 30 und 50 Unternehmen. Die letztendliche Investitionsentscheidung obliegt aber stets jedem Investor selbst.“ Daraus ist abzuleiten: Crowdfunding ist keine Rettungseinrichtung für KMU, die sich bereits in Liquiditätsengpässen befinden, und auch bei Start-ups ist die statistische Finanzierungswahrscheinlichkeit (von der Anfrage bis zur Umsetzung) eher gering. Somit ist Crowdfunding eine interessante Finanzierungsergänzung beim Unternehmensaufbau, aber kein „Feuerlöscher“, wenn bereits Feuer am Dach ist. In solchen Situationen zählen Verhandlungsgeschick in der Aushandlung von Kreditstundungen sowie der passende Finanzierungsmix, als dessen Bestandteil Crowdfunding durchaus in Frage kommen kann. Das macht diese Finanzierungsform noch zu keinem „Allheilmittel“. Auch sollte bei der Wahl der Finanzierungsalternativen auf die benötigten Summen geachtet werden, denn die bisherigen Finanzierungsgrößen im Crowdfunding blieben eher – sagen wir – bodenständig. „Das höchste Finanzierungsvolumen wurde im Rahmen der drei Crowdinvesting-Kampagnen zur Errichtung des Allianz-Stadions in Hütteldorf mit insgesamt drei Millionen Euro erzielt“, so Horak. Und auch Mag. Birgit Schmolmüller, Geschäftsführerin der RWB PrivateCapital (Austria) GmbH, relativiert: „Bei Crowdfunding und Private-Equity-Finanzierungen handelt es sich um andere Finanzierungszwecke, Zeitpunkte des Einstiegs und Finanzierungshöhen. Crowdfunding ist primär für Start-ups bzw. ganz junge Firmen. Die Finanzierungshöhen sind relativ gering. Im Hintergrund stehen oft Plattfor-

NICHT NUR DIE FINANZIERUNGSSEITE D E R U N T E R N E H M E N I S T P R O B L E M AT I S C H , A U C H D A S V E R H A LT E N D E R S PA R E R UND INVESTOREN FÖRDERT EINE B E T E I L I G U N G S K U LT U R N I C H T G E R A D E . S C H O N ALLEINE MIT AK TIENINVESTMENTS K ANN DER D U R C H S C H N I T T L I C H E P R I VATA N L E G E R W E N I G A N FA N G E N , D E R L I E B E R D A S G E L D A U F D E M S PA R B U C H H O R T E T, WÄ H R E N D S T I F T U N G E N PRIMÄR IN GRUND UND BODEN INVESTIEREN. men, wo das Management nur mittelmäßig professionell ist. Kunden investieren pro Firma für gewöhnlich recht kleine Summen, somit kann das hohe Ausfallrisiko durch den Betrag minimiert werden.“ Es ist auch nicht leicht, Private-Equity-Partner zu überzeugen, doch wenn es so weit ist, kommt neben größeren Beträgen auch ein professionelles Management ins Spiel. Schmolmüller: „Der Überbegriff Private Equity beinhaltet natürlich unterschiedlichste Stufen, auch die Frühphasenfinanzierungen. Verwendet wird der Begriff tendenziell für die Finanzierung größerer Firmen, abgewickelt werden die Deals von höchst professionellen Private-Equity-Fonds, die die Unternehmen proaktiv begleiten. Diese Professionalität bei den allermeisten PE-Fonds (Markt-Know-how, Branchenfokus, Topexperten für Marketing, Vertrieb, Finanzen, Technologie und vor allem Netzwerk) macht den Unterschied. Aber wie ein Unternehmen finanziert wird, hängt primär von seiner Größe ab. Ein Start-up sucht nach anderen Finanzierungsquellen als ein großes, mittelständisches Unternehmen.“ Während Crowdinvestoren dem Management schweigend zusehen, gestalten Private-Equity-Investoren in der Regel die Unternehmensentwicklung mit Hilfe eines Expertenteams, woraus spektakuläre Erfolge

resultieren können. Zweistellige Renditen über langjährige Zeiträume sind sohin keine Seltenheit. Nur der normalsterbliche Privatanleger hat nie den Zugang dazu, sondern bestenfalls über PE-Dachfonds. Doch hier hat das AIFMG (Alternative Investmentfonds Manager-Gesetz) normalen Kleinanlegern den Riegel vorgeschoben. „Es gibt gute Ansatzpunkte im Regierungsprogramm, aber die müssen überhaupt erst angegangen werden. Es wäre höchste Zeit und äußerst wünschenswert, dass das AIFMG gröbere Änderungen erfährt. Wir würden uns für den Privatkundenvertrieb einen Wegfall bzw. eine starke Reduktion im frei verfügbaren Finanzvermögen wünschen, das der Kunde vorweisen muss, um überhaupt erst investieren zu dürfen. Die Einstiegssumme ist mit 10.000 Euro sinnvoll festgelegt, aber es gibt eben kaum Kunden, die 250.000 Euro liquide Mittel vorweisen können. Immerhin hat der Österreicher sein Kapital immer noch primär in Immobilien und Lebensversicherungen investiert“, so Schmolmüller. „Eine Änderung des AIFMG wäre Voraussetzung, um überhaupt erst sinnvolle Sachwertprodukte für Privatkunden in Österreich anbieten zu können. Solange das nicht passiert, kommen nur sehr wohlhabende Kunden in den Genuss von Produkten, die Erspartes erhalten und vermehren können.“


DIGITALE FINANZBILDUNG Die Oesterreichische Nationalbank engagiert sich seit vielen Jahren mit zahl­ reichen Initiativen und bietet im digitalen Bereich zwei neue Online­Tools an.

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oesterreichische_nationalbank

OESTERREICHISCHE NATIONALBANK EUROSYSTEM


VOLKSBANK TIROL

VOLKSBANK TIROL ALS MODERNE HAUSBANK Bereits seit 15 Jahrzehnten sind die Tiroler Volksbanken finanzieller Nahversorger der klein- und mittelständischen Unternehmen sowie unternehmerisch denkenden Privaten.

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m Jahr 2020 begeht die Volksbank Tirol ihr 150-jähriges Jubiläum. Was sie über eineinhalb Jahrhunderte hinweg so erfolgreich macht, ist die Beständigkeit der Werte: Vertrauen, Regionalität und Kundenfokus. All das macht die Volksbank Tirol zur Hausbank von heute rund 94.400 Kunden in Tirol.

wird der wirtschaftliche Erfolg der Kunden in der Region gefördert. Mag. Markus Hörmann, Vorstandsvorsitzender der Volksbank Tirol AG: „Uns ist besonders wichtig, verantwortlich, nachhaltig und unternehmerisch zu agieren. Schließlich wird nachhaltiges Wirtschaften zunehmend wichtiger.“

Der Volksbank Tirol liegt es besonders am Herzen, eine vertrauensvolle Kundenbeziehung zu schaffen. Um das Vertrauen zu bestätigen, ist die Beratung entscheidend. „Deshalb setzen wir auf höchste Qualität in der Kundenberatung“, versichert Mag. Martin Holzer, Vorstand der Volksbank Tirol AG. So können Kunden bei der Volksbank Tirol auf individuelle Finanzdienstleistungen mit optimalem Nutzen vertrauen. Weil Vertrauen verbindet.

Bei der Volksbank Tirol steht der Kunde im Mittelpunkt. Die Kundennähe wird kanalübergreifend gelebt. „Als Hausbank sind wir sowohl in der Filiale, am Telefon, als auch online präsent. Denn die Hausbank macht auch hausbanking“, so Holzer. Beim hausbanking können Kunden ihr Bankgeschäft digital erledigen – einfach, schnell, überall und rund um die Uhr. Auch online steht die beste Beratung zur Verfügung; die Volksbank Tirol ist dort jederzeit erreichbar. PR

EINE BANK, AUF DIE MAN SICH VERLASSEN KANN

VOLKSBANK TIROL ALS HEIMISCHE REGIONALBANK

Die Volksbank Tirol ist mit der heimischen Wirtschaft durch die genossenschaftliche Idee eng vernetzt. Sie positioniert sich gerade in Zeiten der Globalisierung und Digitalisierung ganz bewusst als Regionalbank. Damit

Die Vorstände Mag. Martin Holzer und Mag. Markus Hörmann sind sich über einen wesentlichen Baustein der 150-jährigen Erfolgsgeschichte der Volksbank in Tirol einig: „Was uns über Dekaden hinweg so erfolgreich macht, ist die Beständigkeit unserer Werte: Vertrauen, Regionalität und Kundenfokus.“ Nähere Informationen unter www.volksbank.tirol/jubilaeum.

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KUNDEN ALS ZENTRALER BESTANDTEIL DER HAUSBANK

Als Hausbank und finanzieller Nahversorger der Tiroler Bevölkerung ist die Volksbank Tirol persönlich, telefonisch und online gerne erster Ansprechpartner für alle Fragen rund um die Themen Geld und Finanzen.

Als Hausbank ist die Volksbank Tirol für ihre Kunden erreichbar: • Persönlich in den 26 Filialen, Zuhause oder in der Firma (Beratungstermine von Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr) • telefonisch im KundenServiceCenter unter Tel. 050 566 (mit Telefonvereinbarung ideal für einfache Bankgeschäfte oder für Terminvereinbarungen im Zeitraum Montag bis Freitag von 8 bis 17 Uhr) und • online am Computer, Tablet oder Smartphone unter www.volksbank.tirol bzw. mit der hausbanking-App (viele praktische Online-Services täglich 24 Stunden).


VERTRAUEN

Vertrauen ist die Grundlage jeder guten Beziehung. Die Beratung ist entscheidend, um das Vertrauen zu bestätigen. Deshalb setzen wir auf höchste Qualität in der Kundenberatung.

REGIONALITÄT Regionalität bedeutet, direkt in der Region zu wirtschaften. Dies fördert den Wohlstand unseres Landes. Daher konzentrieren wir uns auf Bankgeschäfte in Tirol.

KUNDENFOKUS Kundenfokus garantiert Finanzdienstleistungen mit optimalem Nutzen. Höchste Kundenzufriedenheit ist unser Ziel. Darum orientieren wir uns am Kunden.

ALL DAS MACHT UNS ZUR

HAUSBANK VOLKSBANK. Vertrauen verbindet.

Tel. 050 566 www.volksbank.tirol/jubilaeum


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STIMMUNG HEBEN

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Steuererleichterungen zur Stärkung der heimischen Wirtschaftskreisläufe. TEXT: STB DR. VERENA MARIA ERIAN, STB RAIMUND ELLER, S T B M A G . E VA M E S S E N L E C H N E R

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eben den in unserer letzten Ausgabe beschriebenen Hilfsmaßnahmen (Fixkostenzuschuss, Härtefallfonds, Kurzarbeitszeit, Überbrückungsfinanzierung und Zahlungserleichterungen beim Finanzamt) hat sich die Regierung in der Zwischenzeit auch spezielle Steuererleichterungen zur Stärkung der heimischen Wirtschaft einfallen lassen. Die letzten Begünstigungen dieser Art wurden am 4. Juni 2020 im Bundesrat beschlossen (Stand zum Redaktionsschluss). Lesen Sie hier, wie Sie davon aktuell profitieren können.

1. STEUERFREIE PRÄMIEN VON BIS ZU 3.000 EURO

Wenn Sie Ihre Mitarbeiter nach der belastenden Zeit zur Bewältigung der Coronakrise in Ihrem Unternehmen endlich wieder einmal lachen sehen wollen, dann liegen Sie mit einer Prämie goldrichtig. Goldrichtig deshalb, da

das Geld 2020, anders als sonst, zur Gänze brutto für netto bei der Crew ankommt. Es ist nicht nur steuerfrei, sondern auch sozialversicherungsfrei. Wichtig ist, dass das Geld noch 2020 fließt. Voraussetzung ist lediglich, dass solche Boni ihre Ursache ausschließlich in der Covid-19-Krise finden und dass sie zusätzlich zu den auch in der Vergangenheit schon üblichen Zahlungen gewährt werden.

2. LEHRLINGSBONUS 2.000 EURO

Diesen gibt es für jedes zwischen dem 16. März und dem 31. Oktober 2020 neu begründete Lehrverhältnis. Die Antragstellung ist ab dem 1. Juli 2020 möglich. Der Betrag wird in zwei Tranchen ausbezahlt. Die erste Tranche erfolgt nach Meldung und Antragstellung und die zweite nach Ablauf der gesetzlichen Probezeit (in der Regel drei Monate). Wird das Lehrverhältnis bereits vor Absolvierung der Probezeit aufgelöst, ist die erste Tranche zurückzuzahlen.

3. DAS PENDLERPAUSCHALE KENNT KEIN CORONA Normalerweise steht ein Pendlerpauschale nur dann zu, wenn auch tatsächlich eine bestimmte Wegstrecke zum Dienstort zurückgelegt werden muss. Wird diese Strecke bei Inanspruchnahme eines Kurzarbeitszeitmodells oder auf Grund der Verlagerung der Tätigkeit in ein „Homeoffice“ nicht mehr oder nicht mehr in der bisherigen Intensität zurückgelegt, so bleibt das Pendlerpauschale dennoch im bisherigen Umfang aufrecht.

4. ESSENSGUTSCHEINE BIS ZU 8 EURO PRO TAG ABGABENFREI

Bisher konnte man Mitarbeitern als freiwillige Sozialleistung Essensgutscheine zur Konsumation in Restaurants in Höhe von 4,40 Euro pro Tag steuer- und sozialversicherungsfrei zukommen lassen. Für den Kauf einer Jause in einem Lebensmittelgeschäft waren es 1,10 Euro pro Tag. Mit 1. Juli 2020 steigen diese


Tagessätze für Restaurants nun auf acht Euro und für Lebensmittelgeschäfte auf zwei Euro. Die Gutscheine müssen nicht in Papierform ausgegeben werden, sodass nun auch eine digitale Lösung möglich ist.

Koproduktion der EMF Team Tirol Steuerberater GmbH und der Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian, StB Mag. Eva Messenlechner, StB Raimund Eller, v. l.

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5. GESCHÄFTSESSEN – FINANZ BETEILIGT SICH MIT 75 %

Unter bestimmten Voraussetzungen konnten Restaurantrechnungen zur Geschäftsanbahnung bisher zur Hälfte steuerlich abgesetzt werden. Dieser Anteil hat sich nun auf 75 Prozent erhöht.

6. AUCH DAS TRINKEN WIRD AB JULI STEUERLICH ATTRAKTIVER

So wird mit Wirkung 1. Juli 2020 zum einen die Schaumweinsteuer abgeschafft und zum anderen halbiert sich die Umsatzsteuer auf alkoholfreie Getränke von bisher 20 auf 10 Prozent. Letzteres gilt allerdings vorerst nur bis 31. Dezember 2020.

7. GROSSZÜGIGERE PAUSCHAL REGELUNGEN FÜR RESTAURANTS

Bei einem Jahresumsatz von bis zu 255.000 Euro können schon seit langem einfach 10 Prozent des Umsatzes bzw. mindestens 3.000 Euro als Grundpauschale für bestimmte Ausgaben ohne tatsächlichen Belegnachweis von der Steuerbemessungsgrundlage in Abzug gebracht werden. Ab dem Veranlagungsjahr 2020 steigt diese Umsatzgrenze nun auf 400.000 Euro und gleichzeitig auch das Grundpauschale auf 15 Prozent. Der Mindestabzugsbetrag wird auf 6.000 Euro erhöht. Zudem gibt es für Wirtshäuser im ländlichen Bereich eine sogenannte Mobilitätspauschale. Bei Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern beträgt diese 2 Prozent und steigt ab der Veranlagung 2020 nun auf 6 Prozent. Bei Gemeinden mit bis zu 10.000 Einwohnern wird es für die Mobilitätserschwernis ab 2020 ganz neu ebenso 4 Prozent geben. Das maximal absetzbare Mobilitätspauschale beläuft sich ab 2020 bei Gemeinden mit bis zu 5.000 Einwohnern auf 24.000 Euro (bisher 8.000 Euro) und bei bis zu 10.000 Einwohnern auf 16.000 Euro.

8. GEBÜHRENBEFREIUNG FÜR RECHTSGESCHÄFTE ZUR BEWÄLTIGUNG DER COVID - 19 - KRISE:

Seit 1. März 2020 sind Rechtsgeschäfte, die zur Durchführung von Maßnahmen im Zusammenhang mit der Bewältigung der COVID-19-Krisensituation notwendig sind (z. B. Änderungen von Mietverträgen) von

der Rechtsgeschäftsgebühr befreit. Dies soll für Vertragsunterzeichnungen bis Ende des Jahres gelten.

9. RÜCKZAHLUNG VON GUTSCHRIFTEN TROTZ AUSSENSTÄNDEN

Besteht auf Grund von gewährten Zahlungserleichterungen (z. B. Stundung) beim Finanzamt ein Rückstand, so können allfällige Gutschriften (z. B. Vorsteuerguthaben) dennoch rückerstattet werden. Achtung: Bei Gutschriften, die nach dem 10. Mai 2020 entstehen, muss die Rückerstattung gleichzeitig mit der Meldung (z. B. Umsatzsteuervoranmeldung) bzw. dem Antrag (bei Prämien) beantragt werden. Eine Rückerstattung ist allerdings nur insoweit möglich, als nicht ein Rückstand aus einer fälligen Einkommensteuer- oder Körperschaftsteuervorauszahlung besteht.

RESÜMEE

Wir sind angeschlagen. Eine florierende Wirtschaft bedarf einer positiven Grundstimmung. Angst und Pessimismus lösen einen verheerenden Teufelskreislauf aus und schaden uns auf ganzer Linie. In der Gastronomie zeigt sich das besonders deutlich und somit kann das Wirtshauspaket gar nicht dick genug sein. Ob allein die Anhebung der Absetzbarkeit von Restaurantrechnungen von 50 auf 75 Prozent, bei weiterhin restriktiven Voraussetzungen dem Grunde nach die Stimmung zu heben vermag, wagen wir allerdings zu bezweifeln. Solange gemäß den Einkommensteuerrichtlinien nur Einladungen im Zusammenhang mit Geschäftsanbahnungen im Vorfeld ei-

nes Geschäftsabschlusses absetzbar sind, wird die Wirkung ausbleiben. Weit effektiver wäre es hingegen, Einladungen von Geschäftsfreunden, mit denen nachweislich eine Geschäftsverbindung besteht (Kunden, Zuweiser, Lieferanten, Banker, Berater etc.), generell einer steuerlichen Absetzbarkeit zuzuführen. Dann wäre tatsächlich ein steuerlicher Anreiz gegeben, solche Einladungen zur Stärkung, Verbesserung und Aufrechterhaltung funktionsfähiger Geschäftsverbindungen wieder vermehrt auszusprechen. Sehr erfolgversprechend sehen wir jedenfalls die abgabenfreien Prämien und Essensgutscheine. Diese Gelder kommen zu 100 Prozent beim Dienstnehmer an, gehen in den Konsum und kehrtwendend kommen davon dann auch noch bis zu 50 Prozent in Form einer Steuerersparnis wieder zum Unternehmer zurück (Dreifachwirkung!). Das Auftauchen einer solchen Prämie am Lohnzettel macht gute Laune und genau das brauchen wir jetzt. In die gleiche Kerbe schlagen die Essensmarken. Mit den nunmehr komplett abgabenfreien acht Euro pro Tag ist mancherorts der ganze Mittagstisch bezahlt, was dazu führen wird, dass sich die Menschen vermehrt eine gepflegte Mittagspause beim Wirt gönnen werden. Das belebt die Gastronomie, ist gesund und steigert die Lebensqualität. Damit können wir gleich mehrfach eine Verbesserung der allgemeinen Stimmungslage für eine florierende Wirtschaft erreichen. Machen Sie also von diesen Möglichkeiten Gebrauch und verteilen Sie Prämien und Essensmarken, was das Zeug – im wahrsten Sinne des Wortes – hält.

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FIXKOSTENZUSCHUSS AUS DEM CORONAHILFSFONDS Die Covid-19-Krise ist derzeit in aller Munde und hat bei vielen Unternehmen zu signifikanten Umsatzeinbußen geführt. Davon betroffenen Unternehmen sollen durch einen Fixkostenzuschuss bestimmte Kosten durch nicht rückzahlbare Zuschüsse teilweise ersetzt werden. TEXT: ISABELL KRUG

B

ei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen kann seit Ende Mai 2020 ein Fixkostenzuschuss als kleine Entschädigung beantragt werden.

WER IST ANSPRUCHSBERECHTIGT?

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Fixkostenzuschüsse dürfen nur zugunsten von Unternehmen gewährt werden, bei denen nachstehende Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind: • Umsatzausfall von mindestens 40 Prozent zufolge der Ausbreitung von COVID-19 • Das Unternehmen übt eine wesentliche operative Tätigkeit in Österreich aus und erwirtschaftet Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft, Einkünfte aus selbständiger Arbeit oder Einkünfte aus Gewerbebetrieb. • Sitz oder Betriebsstätte des Unternehmens in Österreich • Keine rechtskräftige Finanzstrafe oder Verbandsgeldbuße innerhalb der letzten fünf Jahre • Das Unternehmen hat zumutbare Maßnahmen gesetzt, um die durch den Fixkostenzuschuss zu deckenden Kosten zu reduzieren. • Es handelt sich beim Unternehmen um kein „Unternehmen in Schwierigkeiten“ (dies ist anhand vorgegebener Kriterien zu prüfen).

BEOBACHTUNGSZEITRAUM DES UMSATZAUSFALLES

Bemessungsgrundlage für den Zuschuss sind bestimmte Fixkosten, das sind Kosten, die unabhängig von der vom Unternehmen erbrachten Leistung im Zeitraum von 16. März 2020 bis 15. September 2020 anfallen. Abhängig vom Umsatzrückgang

des Vergleichszeitraumes gegenüber dem Vorjahr besteht die Möglichkeit auf Gewährung von Zuschüssen zu bestimmten auf den Vergleichszeitraum entfallenden Fixkosten.

Als Betrachtungszeitraum können entweder • pauschal das zweite Quartal 2020 oder • ein, zwei oder drei Monate aus den folgenden sechs vorgegebenen Vergleichszeiträumen gewählt werden. Im Fall einer monatsweisen Betrachtung müssen die Vergleichszeiträume zeitlich aufeinanderfolgen:

Betrachtungszeitraum 1: 16. März 2020 bis 15. April 2020 Betrachtungszeitraum 2: 16. April 2020 bis 15. Mai 2020 Betrachtungszeitraum 3: 16. Mai 2020 bis 15. Juni 2020 Betrachtungszeitraum 4: 16. Juni 2020 bis 15. Juli 2020 Betrachtungszeitraum 5: 16. Juli 2020 bis 15. August 2020 Betrachtungszeitraum 6: 16. August 2020 bis 15. September 2020.


Als Vergleichszeitraum kann beispielsweise nur der Monatszeitraum von 16. Mai bis 15. Juni 2020 ausgewählt werden. Es kann aber auch beispielsweise der Zeitraum 16. Mai bis 15. August 2020 ausgewählt werden.

© DIE FOTOGRAFEN

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HÖHE DES ZUSCHUSSES

Der Fixkostenzuschuss ist abhängig vom Umsatzausfall des Unternehmens im Beobachtungszeitraum gegenüber dem Vorjahr: • 40 bis 60 % Umsatzausfall: 25 % Ersatzleistung • 60 bis 80 % Umsatzausfall: 50 % Ersatzleistung • 80 bis 100 % Umsatzausfall: 75 % Ersatzleistung Für eine Beantragung muss der Fixkostenzuschuss mindestens 500 Euro betragen.

FÜR WELCHE FIXKOSTEN WIRD EIN ZUSCHUSS AUSBEZAHLT?

Fixkosten sind Aufwendungen, die im Betrachtungszeitraum nicht kurzfristig reduziert werden können und zwangsläufig im Unternehmen anfallen. Dabei handelt es sich beispielsweise um Geschäftsraummieten, Versicherungsprämien, Zinsaufwendungen, Finanzierungskosten, Lizenzgebühren, Strom, Gas, Müll, Kommunikation, Wertverlust von Waren sowie sonstige vertragliche betriebsnotwendige Zahlungsverpflichtungen (z.B. Buchhaltungs- und Jahresabschlusskosten). Einkommensteuerpflichtige Unternehmen dürfen einen angemessenen Unternehmerlohn ansetzen (bis zu maximal 2.666,67 Euro/Monat). Vom Unternehmerlohn sind Nebeneinkünfte abzuziehen. Eine korrekte und optimierte Berechnung erfordert eine detaillierte Analyse und beinhaltet unternehmensabhängig einiges an Komplexität. Zu beachten ist, dass die ersatzfähigen Fixkosten auf den gewählten Betrachtungszeitraum abzugrenzen sind. So ist also eine im November 2019 bezahlte Jahresversicherungsprämie anteilig auf den Beobachtungszeitraum umzurechnen.

WO UND WIE IST DER ANTRAG EINZUBRINGEN?

• Die Einbringung von Anträgen erfolgt über FinanzOnline. Anträge können bis spätestens 31. August 2021 gestellt werden. • Der Fixkostenzuschuss ist um Zuwendungen von Gebietskörperschaften, die im Zusammenhang mit der COVID-19-Krise und dem damit zusammenhängenden

135 MMag. Isabell Krug, Director bei Deloitte

wirtschaftlichen Schaden geleistet werden, zu vermindern (z. B. Entschädigungen nach EpidemieG). • Die Anträge beinhalten eine Darstellung der geschätzten bzw. tatsächlichen Umsatzausfälle und Fixkosten im jeweiligen Betrachtungszeitraum. • Anträge sind vor Einreichung vom Steuerberater, Wirtschaftsprüfer oder Bilanzbuchhalter zu prüfen und zu bestätigen (außer 1. Tranche bei Gesamtzuschuss bis zu 12.000 Euro).

WIE SOLL ICH WEITER VORGEHEN?

Die Auszahlung des Fixkostenzuschusses kann in drei Tranchen beantragt werden. Die erste Tranche umfasst höchstens 50 Prozent des voraussichtlichen Fixkostenzuschusses und kann sofort beantragt werden. Die zweite Tranche umfasst zusätzlich höchstens 25 Prozent (somit in Summe 75 Prozent des voraussichtlichen Fixkostenzuschusses) und kann ab 19. August 2020 beantragt werden. Die dritte Tranche kann ab 19. November 2020 beantragt werden. Für die Antragstellung zur ersten (und auch noch zur zweiten) Tranche können die Fixkosten und der Ausfall des Umsatzes auf

einer bestmöglichen Schätzung anhand der Umsätze basieren. Die Umrechnung auf Istzahlen hat spätestens mit der dritten Tranche zu erfolgen. Es ist möglich, dass sich die Rahmenbedingungen für den Fixkostenzuschuss ändern. Derzeit bleiben noch viele Fragen offen, sodass mit Sicherheit Präzisierungen erfolgen werden. Ob eine rasche Antragslegung zur Sicherung der notwendigen Liquidität oder ein Zuwarten auf noch zu erwartende Klarstellungen bzw. die weitere wirtschaftliche Entwicklung im Hinblick auf die optimale Auswahl der Betrachtungszeiträume sinnvoll ist, muss für jeden Fall entschieden werden. Zu bedenken ist darüber hinaus, dass der vorgesehene budgetäre Rahmen derzeit auf acht Milliarden Euro begrenzt ist. Wie bereits bei anderen Regelungen im Zusammenhang mit COVID-19 stellt sich leider auch beim Fixkostenzuschuss heraus, dass dieser nicht so einfach ausgestaltet ist, wie dies von Unternehmerseite gewünscht wäre. Wir stehen Ihnen für Fragen oder einen fachlichen Gedankenaustausch zum Thema Fixkostenzuschuss gerne zur Verfügung. www.deloitte.at/tirol


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WER GEHT HEUER BADEN?

DER GAST ODER DER HOTELIER … 136

Zugegeben, wir sind weder für Marketing noch für Werbung zuständig. Auch für Incoming sind wir nicht zuständig und nicht für das Schaffen von Anreizen für neue Gästeschichten. Das sind nicht unsere Kernkompetenzen. Doch wir sind es seit Jahren gewohnt, Betriebe erfolgreich zu machen. Wichtig war das immer schon, aber ganz wichtig eben nicht. TEXT: WOLFGANG HOFFMANN

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enn nicht endenwollende Touristenströme die Urlaubsparadiese überfluten und das Wort Overtourism zum sprachlichen Allgemeingut wird, dann ist man gerne etwas träge im Unternehmerhirn. Die aktuelle Zeit zeigt uns jedoch, dass diejenigen, die nicht nur nach-, sondern vor allen Dingen vorgedacht haben, heute zu den Besten zählen. Wer sein Profil geschärft und seine Ziele definiert hat sowie seine Strukturen schlank hält, kann jederzeit Antworten auf die aktuellen Herausforderungen finden. Schlanke Strukturen bedeuten für uns jedoch nicht zu Tode gesparte Organisationen. Unter schlank verstehen wir quirlig, energiegeladen, am Puls der Zeit agierende Menschen, die sich an den Herausforderungen orientieren und nicht kopflos Panik verbreiten. Druck macht Kohle zu Diamanten, heißt es. Und an Druck mangelt es derzeit nicht – also schauen wir nach den Diamanten.

NORDWIND – DAS TOURISMUS NETZ.WERK Wir können vieles von dem, was Sie jetzt brauchen. Auch wenn Nordwind noch so neu ist, dass wir gerade erst einmal am Websiteauftritt arbeiten, zählt doch die jahrelange Erfahrung zu unseren Stärken. Dieses Netzwerk von Tourismusspezialisten hat sich in vielen Jahren eine große Expertise in allen Bereichen zeitgemäßer Organisation rund um das Rechnungswesen erarbeitet. Heute – in schwierigen Zeiten – kommt uns das allen zugute. Unser „Zahlenwerk“ – der Benchmarking-Spezialist für Hotellerie und Gastronomie – rückt die Grundlagen unserer Arbeit wieder in den Vordergrund. Seit Jahren sind wir darauf geschult, die Kosten der Betriebe im Griff zu halten, in Liquiditätsplänen alle relevanten Faktoren zu berücksichtigen, übersichtlich darzustellen und Budgets mit unterschiedlichen Szenarien zu errechnen. Trotzdem und noch immer können wir Ihnen

keine Gäste bringen, aber wir können Ihre Organisation effizient machen. Wir kennen die Auswirkungen steigender oder sinkender Gästezahlen und erarbeiten unternehmenssichernde Nächtigungspreise. Zahlen können sprechen und sie sollen es auch tun. Man muss ihnen nur zuhören oder sich dafür einen Zahlenübersetzer nehmen. Auf einmal wird der spannendste Tatort das eigene Unternehmen und Entscheidungen werden auf fundierter Basis getroffen. In diesem Jahr sind Steuerungsinstrumente in der Tourismusbranche keine Frage von Annehmlichkeit und Komfortzone, sondern oftmals „echte Überlebensinstrumente“ und schnelle, detaillierte Berechnungen sowie eine übersichtliche Darstellung geben zusätzlichen Halt. Viele Hotelbetriebe stellen sich die Frage, ab welcher Gästezahl sich das Hochfahren des Betriebes lohnt. Hotelbetriebe haben ab dem ersten Öffnungstag einen hohen Anteil


FOTO: © TOMMY SEITER

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Wolfgang Hoffmann ist Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sowie Geschäftsführer bei pro:west Innsbruck.

an Fixkosten, die es zu verdienen gilt. Die sogenannte „Break-even-Analyse“ befasst sich genau mit diesen kritischen Punkten. Verschiedene Umsatzparameter werden in Abhängigkeit gestellt und fixe und variable Kosten mit den möglichen Gästezahlen

verknüpft. Unterschiedliche Szenarien beleuchten die Preiselastizität und die Auswirkung auf das unternehmerische Ergebnis. Was uns besonders wichtig ist: Alle Zahlen sind nachvollziehbar und zu 100 Prozent verständlich. Dafür garantieren wir.

ZAHLENWERK & NORDWIND Und wer ist jetzt „Zahlenwerk“? Und dieser „NORDWIND“, der uns die frische Brise ins Haus weht? Nun – das „Zahlenwerk“ gibt es bereits seit einigen Jahren. Es beschäftigt sich mit Benchmarking auf höchstem Niveau, mit Controlling- und Consultingaufgaben und zuletzt – obwohl wir das nicht gerne zu unseren Kernkompetenzen zählen – auch viel mit Bank- und Überbrückungskrediten. Weil aber schlanke Organisationen auch ein hervorragend organisiertes Rechnungswesen benötigen, haben wir einen eigenen Partner, der diese Bereiche durchleuchtet, optimiert und gegebenenfalls auch selbst bearbeitet. Die „Tourikon“ betreut das Rechnungswesen in touristischen Betrieben – und nur dort. Weil Profil schärfen und Format zeigen immer eine Stärke derjenigen ist, die am Schluss erfolgreich sind. Und dann gibt es da noch einen Partner für HR-Management und Lohnverrechnung und einen für die Steuer…, aber das ist eine andere Geschichte.

www.zahlenwerk.at

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DIE CORONA-APP – EIN BRENNGLAS FÜR DIE THEMEN DER DIGITALISIERUNG IN EUROPA Aus Asien kennen wir sie zumindest vom Hörensagen, in den meisten europäischen Staaten werden sie vorbereitet, Österreich hat sie schon: Wir sprechen von der Contact Tracing App (vulgo Corona-App), jener App am Mobiltelefon also, die aufzeichnet, mit welchen Personen man in (elektronischem) Kontakt war und diese dann automatisch alle verständigt, wenn man selbst positiv getestet wurde. T E X T : I V O R U N G G , B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

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ie Corona-App ist für die einen eine wesentliche Unterstützung des sogenannten „Containment“, eine unerträgliche elektronische Überwachung für die anderen. In jedem Fall legt die App alle Vor- und Nachteile, alle Schwächen und alle Herausforderungen der Digitalisierung in Europa quasi wie in einem Brennglas offen. Da ist die Frage nach der eingesetzten Technologie und deren Verlässlichkeit, die Abhängigkeit von großen Technologieführern, die nationalen Egoismen, der Datenschutz, neue Lerninhalte und die immer grüne Frage nach der Eigenverantwortung. Beginnen wir bei den technologischen Herausforderungen und den Algorithmen: Wie kommunizieren die Geräte miteinander, wann wird festgehalten, dass eine Ansteckungsgefahr halbwegs verlässlich bestanden hat, nach fünf, zehn oder 15 Minuten und in welchem Abstand? Die zumeist eingesetzte Bluetooth-Technologie kann auch Abgrenzungen und dünnere Mauern durchdringen. Ist das dann noch verlässlich, wenn zwischen mir und dem vermeintlichen Kontakt eine Mauer war? Festgesetzt werden die Kriterien in diesem Fall grundsätzlich von den zuständigen Gesundheitsbehörden. Welche Fehlertoleranz in der Digitalisierung für uns und die Gesellschaft zulässig ist, ist aber eine Frage, die diskutiert und entschieden werden muss. Immer wieder begegnet uns dabei die Abhängigkeit von den Technologieriesen. Auch wenn flugs da und dort eine App programmiert wird, ist es aufmerksamen Zeitungslesern nicht entgangen, dass die für die Kontaktaufnahme über Bluetooth notwendige Schnittstelle von Apple und Google, die über die Betriebssysteme Android und iOS den Smartphonemarkt fast zu 100 Prozent

Dr. Ivo Rungg

beherrschen, zur Verfügung gestellt wird. Die betreffenden Apps werden vorher von den beiden Unternehmen geprüft, damit sie mit der Schnittstelle kompatibel sind. Und dann braucht es in Europa natürlich pro Land eine eigene App. Ist ja klar, die nationalen Unterschiede müssen auch bei COVID-19 entsprechend berücksichtigt werden. Ob das dann auch immer funktioniert, wenn die Grenzen wieder offen sind, ist eine andere Frage. Die EU-Kommission wurde zwar nicht müde, darauf hinzuweisen, dass die Bürger auf eine einzige App vertrauen können müssen, und hat auch Guidelines dazu veröffentlicht. Die EU-Mitglieder haben sich ihre eigenen Apps jedoch nicht nehmen lassen. Zumindest auf die Schnittstelle von Apple und Google wird hier Verlass sein. Trotz aller nationalen Ansprüche, nicht nur COVID-19, sondern auch die Digitalisierung kennt keine nationalen Grenzen. Und schließlich der Datenschutz. Wie die EU-Kommission in ihren Leitlinien zum Datenschutz bei Mobil-Apps zur Unterstützung der Bekämpfung der COVID-19-Pandemie (2020/C 124 I/01) so treffend feststellt,

können die in den Apps enthaltenen Funktionen „unterschiedliche Auswirkungen auf ein breites Spektrum von Rechten haben, die in der Charta der Grundrechte der EU verankert sind, darunter die Menschenwürde, die Achtung des Privat- und Familienlebens, den Schutz personenbezogener Daten, den freien Personenverkehr, die Nichtdiskriminierung, die unternehmerische Freiheit sowie die Versammlungs- und Vereinigungsfreiheit“. Also nichts weniger als die elementaren Grundlagen unserer demokratischen Gesellschaften. Bei der Ausgestaltung der Corona-Apps ist es daher ganz wesentlich, dass die personenbezogenen Daten weitgehend anonymisiert oder pseudonymisiert sind, also nur im unbedingt für den Zweck der App notwendigen Ausmaß auf einzelne Personen zurückgeführt werden können. Auch stellt sich die Frage, wer die faktische Datenhoheit über personenbezogene Daten hat. Neben einer hohen Datensicherheit und Zweckbindung, einer strengen Begrenzung der Datenspeicherung und einer Beschränkung der Offenlegung von und des Zugangs zu den Daten fordert die EU-Kommission daher in ihren Leitlinien auch, zu gewährleisten, dass die betroffene Person die Kontrolle über ihre personenbezogenen Daten behält. Dafür wird es jedoch notwendig sein, sich ein wenig mit der Technologie und der dahinterliegenden Datenverarbeitung auseinanderzusetzen. Eigenverantwortliches Handeln setzt dieses Wissen, auch zur verwendeten Technologie, voraus. Oft wissen wir eher, wie unser Auto denn unser Smartphone funktioniert. Werden wir – um mit Gerald Hörhan zu sprechen – wirklich zu „digitalen Analphabeten“? Die Corona App-ist so gesehen ein Lehrbeispiel für die Digitalisierung in Europa.


MEILENSTEIN REALITÄTEN

KLARE (ENT-)SCHEIDUNG © MEILENSTEIN REALITÄTEN / LAURA FICK

Gerade in Ausnahmesituationen wie bei einer Scheidung ist eine kompetente und vertrauensvolle Beratung essenziell – vor allem in Sachen Vermögen und Immobilien.

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as Allerwichtigste für Menschen in einer schwierigen und emotional aufgeladenen Situation wie einer Scheidung ist eine kompetente und vertrauensvolle Beratung sowie die Begleitung in einem oftmals sehr komplexen Prozess, wenn Vermögen und Immobilien vorhanden sind. Hierzu haben wir ein Gespräch mit der Expertin für Familien- und Scheidungsrecht Dr. Birgit Streif geführt. Wenn man sich trennen möchte, aber noch nicht den Mut dazu gefasst hat, weil neben dem zu erwartenden menschlichen Verlust auch Vermögen und Eigentum mit auf dem Spiel stehen, ist es wichtig, eine vertrauensvolle und kompetente Beratung zur Seite zu haben, die nicht nur über fachliche Kompetenz, sondern vor allem auch über menschliche und soziale Intelligenz verfügt. Dr. Streif rät dazu, dass auch in der ersten Phase ein Immobilienmakler unumgänglich ist, um eine Bestandsaufnahme des Vermö-

gens zu machen. Hierbei kann der Makler eine unrealistische Vorstellung der Eigentümer betreffend den Immobilienpreis bereits richtigstellen. Es geht aber auch darum, Mandanten die Angst und Sorgen zu nehmen, falls sie die derzeitige Wohnung verlassen wollen oder müssen. Hier geht es zuerst vorrangig um allgemeine Informationen, wie zum Beispiel: Wie sieht derzeit der Immobilienmarkt aus? Wie ist der momentane Verkehrswert der Immobilie einzuschätzen? Mit welchen Fristen ist zu rechnen? In der zweiten Phase geht es dann detailliert und genau in die Materie. Wie erfolgt die Aufteilung eines Hauses bei Trennung in Österreich? Die Expertin erklärt, dass man bei der Aufteilung einer Immobilie unterscheiden muss, ob sie als eheliche „Wohnung“ gedient hat oder nicht. Auch wichtig ist zu erfragen, wann die Immobilie erworben wurde, das heißt vor oder nach der Eheschließung. Je nachdem ist das weitere rechtliche Schicksal

der Liegenschaft ein anderes. Ziel ist es, dass keiner der Partner benachteiligt wird und beide möglichst gleich behandelt werden. Unser Ziel ist es, unseren KundInnen den Rücken in dieser unangenehmen Zeit frei zu halten, und wir organisieren alle notwendigen Schritte. Mehr zu diesem umfangreichen Thema erfährt man im gesamten Interview unter www.meilenstein.co.at unter der Rubrik NEWS. Lassen Sie sich von Expertinnen und Experten beraten und begleiten, denn guter Rat ist nicht teuer, aber kein Rat kann Sie teuer zu stehen kommen! PR

MEILENSTEIN REALITÄTEN GMBH Maria-Theresien-Straße 34 6020 Innsbruck Tel.: 0800/221 750 info@meilenstein.co.at

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BIS DASS DER TOD UNS SCHEIDET…?

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Wie die Entwicklung in den letzten Jahren zeigt, trifft dieser Satz nur mehr auf wenige verheiratete Paare zu. Die Scheidungsrate liegt in Österreich schon seit Jahren knapp unter 50 Prozent. Dem Scheidungsrecht kommt daher immer mehr Bedeutung zu. T E X T : D R . E S T H E R P E C H T L - S C H AT Z

G

rundsätzlich ist zu sagen, dass es in Österreich nicht „das eine“ Scheidungsverfahren gibt. Vielmehr wird – im Wesentlichen – zwischen zwei Formen der Scheidung unterschieden, die jeweils hinsichtlich des Ablaufes zum Teil erhebliche Differenzen aufweisen.

DIE EINVERNEHMLICHE SCHEIDUNG

Sie ist die wesentlich einfachere Art, sich scheiden zu lassen. Voraussetzung ist, dass sich die Ehepartner sowohl darüber einig sind, dass sie sich scheiden lassen wollen, als auch über die Scheidungsfolgen. Die einvernehmliche Scheidung kann nur von beiden Ehepartnern gemeinschaftlich beantragt werden. Die Eheleute müssen seit mindestens einem halben Jahr getrennt leben und die Ehe als endgültig zerrüttet angesehen werden. Wichtig ist, dass ein „Getrenntsein“ nicht zwingend getrennten Wohnraum voraussetzt.

Die einvernehmliche Scheidung wird mündlich oder schriftlich beim Bezirksgericht, in dessen Sprengel die Eheleute ihren letzten gemeinsamen gewöhnlichen Aufenthalt haben oder hatten, eingereicht. Mit diesem Antrag ist auch die Scheidungsfolgenvereinbarung, also jener Vertrag, in welchem die Eheleute zum Beispiel regeln, was mit deren gemeinsamen Vermögen und allfälligen gemeinsamen Schulden passiert, vorzulegen. In der Scheidungsfolgenvereinbarung sind auch die Regelungen betreffend allfälliger gemeinsamer Kinder zu treffen, nämlich dahingehend, wer künftig mit der Obsorge betraut ist, bei wem die Kinder fortan überwiegend aufhältig sind, wie viel Kindesunterhalt pro Kind bezahlt wird und wie es mit dem Kontaktrecht jenes Elternteiles, bei dem die Kinder nicht mehr wohnen, aussieht. In der Scheidungsvereinbarung ist zudem zu regeln, ob und wenn ja welcher Unterhaltsanspruch einem Ehegatten gegenüber dem anderen allenfalls zukommt, wobei – anders als bei

der streitigen Scheidung – das Gericht hier die Unterhaltsvereinbarung nicht im Detail prüft. So ist für die Unterhaltsleistung nicht zwingend Voraussetzung, dass jener Ehegatte, der Unterhalt an den anderen bezahlt, tatsächlich das Verschulden an der ehelichen Zerrüttung hat. Um eine korrekte Stellung des Scheidungsantrages zu gewährleisten sowie sicherzugehen, dass die Scheidungsfolgenvereinbarung korrekt formuliert ist, empfiehlt es sich, anwaltlichen Rat in Anspruch zu nehmen und diese Vereinbarung von einem Anwalt ausformulieren zu lassen, der über die notwendige Erfahrung im Scheidungsrecht verfügt. Für Eltern mit minderjährigen Kindern ist zudem zu beachten, dass sie dem Gericht nachweisen müssen, dass sie sich von einer geeigneten Person oder Einrichtung über die Bedürfnisse ihrer Kinder haben beraten lassen (sogenannte Erziehungsberatung). Mit dieser Regelung sollen die Kinder im Rahmen einer Scheidung möglichst weit geschützt werden.


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STREITIGES EHESCHEIDUNGS VERFAHREN Dort wird die Scheidung nur auf Wunsch eines Ehepartners durchgeführt und es liegt am Gericht, zu prüfen, ob die Ehe zerrüttet ist und wenn ja, aus wessen Verschulden das eheliche Verhältnis gestört ist. Die streitige Scheidung ist Teil eines regulären und vollständigen Zivilverfahrens. Der gesamte Prozess ist deshalb aufwendiger als bei einer einvernehmlichen Scheidung. Zur Durchführung eines streitigen Scheidungsverfahrens muss der scheidungswillige Ehepartner eine Klage bei Gericht überreichen und in dieser Klage einen Scheidungsgrund geltend machen, also behaupten und darlegen, dass die eheliche Gesinnung aus dem Verschulden des anderen Ehepartners (der beklagten Partei) tiefgreifend zerrüttet ist. Nur kurz zu erwähnen gilt, dass es neben der Verschuldensscheidung noch die Scheidung wegen Auflösung der häuslichen Gemeinschaft und aus sonstigen Gründen, beispielsweise wegen Geistes- oder Infektionskrankheit, gibt, wobei diese Verfahren in der täglichen Praxis fast keine Rolle spielen. Da es bei der Scheidungsklage um das Vortragen von Rechtsgründen geht, ist ein Rechtsanwalt mit Erfahrung im Scheidungsrecht wohl noch wichtiger als im einvernehmlichen Verfahren. Aufgrund dieser Klage beraumt das Gericht einen Verhandlungstermin an. Es obliegt der gesetzlichen Pflicht des Richters, zu Beginn dieser streitigen Ehescheidungstagsatzung nochmals eine Versöhnung der Eheleute zu versuchen und auch noch hier auf die Möglichkeit einer einvernehmlichen Scheidung hinzuweisen. Sollte eine Versöhnung unmöglich sein oder ein Ehepartner weiterhin die Zustimmung zur Scheidung verweigern, so wird das Gericht dieses streitige Ehescheidungsverfahren durchführen. Jede Partei erhält dann die Möglichkeit, ihre Ansicht vorzutragen. Ein streitiges Ehescheidungsverfahren endet, wenn dieses nicht doch noch in das Verfahren einer einvernehmlichen Scheidung übergeführt wird, mit einem Urteil. In diesem sogenannten Scheidungsurteil spricht der Richter einerseits aus, ob die Ehe tatsächlich zerrüttet, und wenn ja, aus wessen Verschulden dies geschehen ist. Scheidungsgründe können beispielweise Ehebruch, Verweigerung des Zutritts zur Ehewohnung, fehlende Körperhygiene, häusliche Gewalt, eigenmächtiges Abheben von Sparguthaben, Vernachlässigung der Haus-

haltsführung, Lieblosigkeit und Feindseligkeit, Bordellbesuche, religiöser und/oder politischer Fanatismus, grundlose Eifersucht, gefährliche Drohungen, Beschimpfungen, Anhäufung von Schulden, Auszug aus einem Schlafzimmer oder Aussperren eines Ehepartners sein. Wenn in einem solchen Scheidungsurteil steht, dass der Beklagte alleinig oder überwiegend das Verschulden an der Scheidung und der ehelichen Zerrüttung trägt, so kommt dem Kläger ein Unterhaltsanspruch gegenüber dem geschiedenen Partner zumindest dem Grunde nach zu. Die Höhe des Unterhaltes entspricht 33 Prozent des Nettodurchschnittseinkommens des Partners, wenn der andere Ehepartner selbst kein Einkommen hatte, also beispielsweise wenn die Ehegattin als Klägerin zuhause die Kinder betreute. Verfügt der Unterhaltsberechtigte selbst über ein Einkommen, werden beide Nettoeinkommen zusammengerechnet und in der Regel 40 Prozent des gemeinsamen Familieneinkommens zugesprochen. Bestehen gegenüber Kindern Unterhaltspflichten, so verringern sich die Prozentsätze. Wer aus der ehelichen Wohnung ausziehen möchte, sollte zuvor das Einverständnis seines Ehepartners einholen. Zieht man einfach ohne Einwilligung aus der häuslichen Gemeinschaft aus, kann das Gericht dies als böswilliges Verlassen und somit als schwere Eheverfehlung deuten. Selbst wenn beide der Meinung sind, dass die Ehe bereits gescheitert ist, sollte die Einwilligung zum Auszug schriftlich festgehalten werden. Diese Absicherung ist zwingend notwendig, da es im schlimmsten Fall bei fehlender Beweislage zu lebenslangen Unterhaltszahlungen kommen kann, wenn der Ehepartner eine zuvor getroffene mündliche Vereinbarung vor Gericht leugnet. Vorteil der einvernehmlichen Scheidung gegenüber dem streitigen Scheidungsverfahren ist, dass in einem Verfahren sämtliche Berührungspunkte zwischen den Ehegatten geregelt werden können, sohin auch allfällige Unterhaltsansprüche sowie Regelungen betreffend das Vermögen und die Schulden sowie auch betreffend die Kinder. In einem streitigen Ehescheidungsverfahren geht es grundsätzlich nur darum, festzustellen, ob die Ehe zerrüttet ist und aus wessem Verschulden. Sämtliche anderen Regelungen bleiben separaten Verfahren vorbehalten, sodass eine streitige Scheidung im Ergebnis weit aufwendiger und auch kostenintensiver ist.

Zur Vermögensaufteilung sei noch kurz zu erwähnen, dass während der aufrechten Ehe in Österreich die Gütertrennung gilt. Allerdings hebt sich dies im Fall einer Scheidung auf, sodass das gemeinsame Vermögen, aber auch gemeinsame Schulden aufgeteilt werden. Im Grunde wird das Vermögen beider Ehepartner zu gleichen Teilen, also 50:50 aufgeteilt. Es werden das eheliche Gebrauchsvermögen und die aktuell vorhandenen ehelichen Ersparnisse geteilt. Als eheliche Ersparnisse gelten alle Vermögenswerte die während aufrechter Ehe von den Ehepartner als Wertanlage angeschafft wurden, wobei hierzu beispielsweise Guthaben auf Konten, Sparbücher, Lebensversicherungen, Aktienfonds, Immobilien, Münzen und sonstige Wertsammlungen zählen. Es macht hierbei keinen Unterschied, wer der beiden Ehepartner diese Anschaffungen tatsächlich getätigt und bezahlt hat. Nicht der ehelichen Vermögensaufteilung unterliegen Vermögenswerte, die die Ehepartner bereits vor Eingehen der ehelichen Lebensgemeinschaft hatten. www.anwaelte.cc 

DR. ESTHER PECHTL-SCHATZ Seit Beginn meiner selbstständigen anwaltlichen Tätigkeit – also seit ca. fast 20 Jahren – befasse ich mich mit dem Scheidungsrecht und stehe aufgrund dieser Spezialisierung und umfassenden Erfahrung gerne für ein kostenloses Erstgespräch sowie damit zusammenhängende Fragen betreffend die gemeinsamen Kinder etc. nach entsprechender Terminvereinbarung (05412/63030 oder über imst@anwaelte.cc) gerne zur Verfügung.

www.anwaelte.cc

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Günther Gast, Christoph Haidlen, Florian Müller und Dietmar Czernich, Rechtsanwälte und Partner bei CHG Rechtsanwälte

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DIE WEITERDENKER CHG Czernich Rechtsanwälte aus Innsbruck wurde im Zuge des trend-Anwaltsrankings 2020 in der Kategorie „Beste Sozietäten in den Bundesländern“ von seinen Branchenkollegen auf Platz eins gewählt. Das hat viele Gründe. TEXT: MARINA BERNARDI


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as Magazin „trend“ hat in seiner Ausgabe vom April 2020 die Tiroler Rechtsanwaltskanzlei CHG Czernich mit Sitz am Innsbrucker Bozner Platz im österreichweiten Anwaltsranking auf den ersten Platz der besten Sozietäten außerhalb von Wien gereiht. Bereits in den vergangenen Jahren war CHG stets als eine der besten drei Kanzleien nominiert. Gewählt wurden die besten Anwälte des Landes von ihren Branchenkollegen. Ein doppeltes Kompliment also, sich hier ganz vorne zu platzieren. „Eine Auszeichnung durch Branchenkollegen ist schon etwas Besonderes. Es zeigt, dass die Arbeit, die man macht, anerkannt wird“, sagt Mag. Florian Müller, LL.M., Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei. „Es ist ein laufendes Hocharbeiten“, ergänzt Dr. Günther Gast, LL.M. „Wir haben uns in den 21 Jahren unseres Bestehens ständig weiterentwickelt und an unserer Qualität gearbeitet. Entsprechend werden wir am Markt wahrgenommen.“ Die Rechtsanwaltsbranche konzentriert sich generell stark auf die Bundeshauptstadt. Dort sitzt die Regierung, außerdem zahlreiche Bundeseinrichtungen und Unternehmens-Headquarter. In der „Provinz“ werde man deshalb als Anwalt kaum wahrgenommen. Anders CHG, denen es gelungen ist, auch Mandate in Wien zu erhalten. Das stärkt die überregionale Wahrnehmung. Dass man zu den meisten Branchenkollegen ein entspanntes Verhältnis unterhält, kommt positiv hinzu. „Selbst wenn man noch so gut ist: Wenn man sich gegenseitig unsympathisch ist, wird man den anderen vermutlich nicht wählen“, glaubt Müller. Es ist eine Sache des gegenseitigen Respekts und der Umgangsformen. Müller: „Natürlich handeln wir stets im Interesse unserer Kunden, aber wenn die Gesprächsbasis zum Gegner gegeben ist, ist man letztlich immer erfolgreicher. Unsere Kommunikation ist Teil unseres Erfolges.“

VOM KLIENTEN ZUM KUNDEN

Dass bei CHG nicht vom klassischen Klienten, sondern vom Kunden gesprochen wird, zeigt, dass das Verständnis des eigenen Berufsbildes hier ein etwas anderes ist. Die FOTO: © JAN HETFLEISCH, MARIA KNOLL

„DURCH UNSERE GRÖSSE MIT VIELEN S P E Z I A L I S I E R T E N A N WÄ LT E N KÖ N N E N W I R U N S E R E N K U N D E N S C H N E L L U N D G E Z I E LT HELFEN UND IHNEN INPUT GEBEN, DER F Ü R S I E R E L E VA N T I S T.“ GÜNTHER GAST

Anwaltei ist im Dienstleistungssektor angekommen. „Lange galt der Anwalt als verstaubter Beruf. Wir verstehen uns als Dienstleister, der vorausdenkt und Unternehmen dort unterstützt, wo sie Hilfe brauchen. Wir möchten unseren Kunden einen Mehrwert liefern und Input, der für sie relevant ist“, sagt Gast. Es geht um Serviceorientierung, darum, Empathie zu zeigen und seinen Kunden wirklich zu verstehen. „Unser Ansatz ist ein lösungsorientierter.“ CHG hat sich von Anbeginn auf Unternehmensrechtsberatung spezialisiert. Teilweise arbeiten Mitarbeiter der Kanzlei direkt in den betreuten Unternehmen und erbringen ihre Leistung vor Ort. Das hat den Vorteil, dass man seine Kunden im Innersten kennt, weiß, was sie antreibt, wie Abläufe funktionieren und ein Stück weit, wie sie „ticken“. Und selbst wenn sich auch wirtschaftlich vieles in Wien bündelt, so ist Tirol ein durchaus dynamischer Markt. Die Nähe zu Südtirol und Deutschland, aber auch der Schweiz ermöglicht es, grenzüberschreitend tätig zu sein. Das Netzwerk der Kanzlei ist breit und umfangreich und über zwei Jahrzehnte gewachsen. Man kennt regionale Feinheiten und das Lokalkolorit.

VON DER KRISE ZUR CHANCE

Einen Teilaspekt zum Rankingsieg trug die Einführung eines eigenen Thinktanks bei, der sich bereits während der COVID-19-Krise mit den rechtlichen Herausforderungen danach beschäftigt. Und die sind vielfältig,

denn keiner weiß so recht, wie es weitergehen wird und kann. Großprojekte sind von heute auf morgen unterbrochen worden, Unternehmenskäufe, große Vertragsverhandlungen, Zivilprozesse vorerst eingestellt. Auf der anderen Seite mehrten sich Anfragen zu Entschädigungszahlungen, Mietrechtsangelegenheiten oder Vertragsverletzungen, weil Verträge unter diesen Umständen nicht mehr (vollumfänglich) eingehalten werden konnten. Es stellten sich Fragen zu Mehrkosten von Großbaustellen und wer diese zu tragen habe, wenn der Hygieneaufwand steigen und die Anzahl der Arbeitnehmer auf der Baustelle sinken muss, und darüber, was die Änderung des Epidemiegesetzes tatsächlich bedeutet. „Wir haben versucht, sofort und flexibel Hilfestellungen zu geben, proaktiv Fragen zu erahnen und dafür Lösungen zu finden“, erklärt Müller. „Wir haben ein kleines Studio aufgebaut und unsere digitale Rechtsberatung CHG-live initiiert, im Zuge derer wir mit verschiedenen Webinaren gestartet sind und unter der sich künftig eine Reihe von Dienstleistungen subsumieren.“ Das kam an. Intern hat man viele Arbeiten ins Homeoffice verlagert und sich ebenfalls auf digitale Kommunikation fokussiert. Das hat deshalb problemlos funktioniert, weil man sich schon vorher intensiv mit den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung auseinandergesetzt hat, sämtliche Akten zum Beispiel auch digital vorliegen. Der Thinktank war also eine ebenso logische wie konsequente Weiterentwicklung.

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Das Team von CHG Rechtsanwälte vereint Spezialisten aus den unterschiedlichsten Fachbereichen.

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„W I R H A B E N S O F O R T N A C H D E M L O C K D O W N V E R S U C H T, U N S Z U KO N S O L I D I E R E N U N D F Ü R U N S E R E K U N D E N U N D PA R T N E R E I N E N S C H R I T T W E I T E R Z U D E N K E N .“ FLORIAN MÜLLER

Dass in der Kanzlei viele junge MitarbeiterInnen und damit Digital Natives arbeiten, hat mit Sicherheit geholfen, sich in derartiger Rasanz an die neuen Umstände anpassen zu können. Einige der Veränderungen haben sich auch als Vorteil erwiesen. „Ich persönlich hoffe, dass sich so manches dauerhaft etablieren wird, Videokonferenzen zum Beispiel. Man erspart sich dadurch zahlreiche Fahrten, auch wenn es für vieles trotzdem noch das persönliche Gespräch brauchen wird. Vertragsverhandlungen am runden Tisch wird ein Video nicht ersetzen können. Dennoch wird es wichtig sein, den Technologieschub, den uns die Krise gebracht hat, in Hinblick auf Effizienz und Flexibilität zu nutzen“, blickt Gast weiter. Vielleicht wird auch das seit Jahren viel beschworene papierlose Büro endlich Realität. CHG-live will die Kanzlei übrigens weiterhin beibehalten. Macht auch Sinn. Die Webi-

nar-Reihen zu den COVID-19-Maßnahmen waren der Anfang, künftig soll vor allem das Angebot der digitalen Rechtsberatungsdienste ausgeweitet werden, sodass man in Hinkunft auf allen Kanälen einfach und unkompliziert erreichbar ist. „Die Webinarreihen waren und sind ein praktisches Tool, um Kunden und Interessierte schnell und tagesaktuell über die neuen Entwicklungen zu informieren. Das war gerade zu Beginn der Krise essentiell, um mit unseren Kunden in Kontakt zu bleiben, ihnen Rechtssicherheit zu geben und Ruhe zu vermitteln“, so Gast. Nach wie vor gibt es in Bezug auf das COVID-19-Maßnahmenpaket viel zu tun und auch sonst steht die Welt nicht (mehr) still. Das Recht entwickelt sich weiter. Manchmal im Tagestakt. „Wir haben eine Kanzleigröße, die es uns ermöglicht, Teams für bestimmte Bereiche zu bilden. In allen Bereichen laufend up to date zu sein, ist quasi unmöglich

– vor allem in den letzten Wochen war es selbst für Experten eine echte Herausforderung, der Flut an Verordnungen Herr zu werden, ihre Bedeutung, ihr Ausmaß und ihre Tragweite zu erkennen“, sagt Müller. Dafür braucht es Spezialisten mit expliziten Kompetenzen. „Practice groups“ werden diese bei CHG Rechtsanwälte genannt. Müller: „Es geht darum, für den Kunden die hochwertigste, schnellste und beste Beratung zu gewährleisten. Nicht jeder muss alles machen, ganz im Gegenteil: Jeder macht, was er am besten kann.“ Wenn es komplex und schwierig wird, braucht es Spezialisten. Großkanzleien haben hier definitiv ihren Vorteil. „Hier haben wir unsere Stärken“, so Gast.

CHG CZERNICH HAIDLEN GAST & PARTNER RECHTSANWÄLTE GMBH Bozner Platz 4, Palais Hauser 6020 Innsbruck Tel.: 0512/56 73 73 office@chg.at

www.chg.at

Weitere Niederlassungen in St. Johann/Kitzbühel, Wien, Bozen und Vaduz


JETZT GEÖFFNET JETZT GEÖFFNE Carlos Spottorno & Guillermo Abril DIE VERWERFUNG Ausstellung Eine Photo-Graphic-Novel über die Grenze zwischen Österreich und Italien in Tirol 18. Mai bis 14. August 2020, BTV Stadtforum Innsbruck

ET JETZT GEÖFFNET JETZT GEÖFF


MOBILITÄ 146

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Weitere Testberichte, News & Infos: 

Kraftlackel Mit dem betont sportlichen GTS komplettiert Porsche seine Macan-Reihe und bringt mit dem neuen Kompakt-SUV ein performanceorientiertes Fahrzeug mit ordentlich Kraft. Das 2,9-Liter-V6-Biturbo-Triebwerk leistet 380 PS und peitscht den Macan GTS in 4,7 Sekunden von Null auf 100 km/h. Wer mag, kann und wo‘s erlaubt ist, treibt den Sportler auf bis zu 261 km/h hoch. Das neue Familienmitglied verdient sich das Kürzes GTS (Gran Turismo Sport) aber nicht nur ob seiner Power sondern auch seiner wirklich herausragende Fahrdynamik. Akustisch wird der Fahrspaß von der serienmäßigen und GTS-spezifisch abgestimmten Sport­ abgasanlage untermalt. Dass auch innen alles stimmt, braucht man kaum zu erwähnen. Ab 98.370 Euro.

WA S S E R S T O F F - KO N Z E P T Technisch anspruchsvoll, aber im Alltag funktional und praktisch: Mit rund 500 Kilometern Reichweite – auch im Winter–, kurzen Tankzeiten und null schädlichen Emissionen zeigt der Toyota Mirai seit 2015, wie eine saubere und nachhaltige Mobilität auf Wasserstoffbasis aussehen kann. Nun machen die Japaner den nächsten Schritt. Im Herbst 2020 startet die Produktion der zweiten Modellgeneration – zunächst für den japanischen, dann den nordamerikanischen und europäischen Markt. Mit deutlichen Fortschritten bei Technik, Fahrleistungen und Design beweist das Konzeptfahrzeug, dass der neue Mirai mehr wird als ein schnödes Öko-Auto. Noch sind Wasserstoffautos eher was für Pioniere, auch der Preis von rund 80.000 Euro hat‘s – noch – in sich, das Konzept an sich jedoch ist mehr als zukunftsfähig.

CITYFLITZER Mit dem Space Star bringt Mitsubishi einen kecken Cityflitzer auf den Markt, der sich in Sachen Konnektivität vor den Großen nicht zu verstecken braucht. Auch die Sicherheitsausstattung ist schon serienmäßig vorbildlich, auf Wunsch gibt‘s noch Notbrems-, Spurhalte- und Fernlichtassistent dazu. Und tatsächlich ist auch eine Rückfahrkamera mit an Bord, sodass beim Einparken des 3,85 Meter kurzen Autos ja nichts schief geht. Die Basis bildet ein 1.0-Liter-Benziner mit 71 PS ab 10.490 Euro. Die ist allerdings wirklich sehr „basic“. Für weitere Standards wie Klimaanlage, Zentralverriegelung mit Funkfernbedienung oder ein Audiosystem mit Radio, CD-/MP3-Funktion und AUX-/USB-Schnittstellte braucht‘s schon die Intro-Edition (ab 11.790 Euro). Das 80-PS-Topmodell ist ab 16.890 Euro zu haben.


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E C O .T I P P

SCHÖNER FAHREN MIT AUSSICHT HYBRID FÜR ALLE Mit der Oben-offen-Variante des T-Roc gibt Volkswagen ein Versprechen ab: Freiheit ohne Begrenzung nach oben und fröhliches Fahrvergnügen bei gleichzeitiger Robustheit und allen anderen Stärken eines SUV, sodass er sich in der urbanen Welt genauso zu Hause fühlt wie im großen Abenteuer. Offen für alles quasi. In der Tradition von Käfer und Golf verfügt auch das T-Roc Cabriolet über ein klassisches leichtes Stoffverdeck, das vollautomatisch öffnet und schließt. Unter der Haube werkelt je nach Wahl ein Benzinmotor mit 115 bzw. 150 PS. Gestartet wird beim 2+2-Sitzer bei 30.190 Euro.

Renault spendierte seinem Mégane eine umfassende Überarbeitung und bringt seinen kompakten Bestseller im Sommer erstmals mit E-TECH-Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt. Das System ermöglicht im Stadtverkehr eine rein elektrische Reichweite von bis zu 65 Kilometern, Stadt-Überland-kombiniert immer noch 50. Mit einem 9,3-Zoll-Touchscreen präsentiert sich auch das Cockpit neu, dazu gibt‘s adaptierte Assistenz- und Sicherheitssysteme. Preise indes sind noch keine zu erfahren.

PUZZLESTUNDE An dieser Stelle lesen Sie normalerweise den Kommentar unseres Motorredakteurs Bruno König. Aus gegebenem Anlass lassen wir diesen in der aktuellen Ausgabe weg, zumal die Autobranche gerade ausgiebig mit sich selbst beschäftigt ist. Stattdessen haben wir dieses Mal einen Tipp für Sie, der (Vor)Freude auf hoffentlich bald wieder uneingeschränkte Reisemöglichkeiten machen soll. Der typisch rote Londoner Doppeldeckerbus zieht nicht nur „in echt“ sondern auch als 3-D-Puzzle die Blicke auf sich: Mit stolzen 28 Zentimetern Länge, der Beschriftung und authentischem Zubehör steht er seinem Original um (fast) nichts nach. Doch eine Raffinesse bietet nur das 3-D-Puzzle: Der London-Fan kann dessen Dach abnehmen und durch einen speziellen Einsatz ersetzen. Dann hat er eine dekorative wie praktische Aufbewahrungsbox für Stifte & Co. Für Puzzler um 34,99 Euro.

„W E N N I C H D I E M E N S C H E N G E F R A G T H ÄT T E , WA S S I E W O L L E N , H ÄT T E N S I E G E S A G T: S C H N E L L E R E P F E R D E .“ HENRY FORD

URBAN MOBILITY Ende des letzten Jahres präsentierte Seat die neue Generation seines e-Kickscooters (599 Euro), die nun vor allem ein großes Stück weiter kommt als der Vorgänger, sowie seine vollelektrische e-Roller-Studie. Der Elektroscooter fällt mit seinem kompakten Design und der stilisiert geometrischen Form sofort ins Auge. Ausgestattet ist er mit einem 9,5 PS starken Motor, der das Gefährt in nur 3,8 Sekunden von null auf 50 km/h beschleunigt. Die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 100 km/h. Im WLTP-Zyklus kam die Konzeptstudie mit einer Akkuladung beachtliche 115 Kilometer weit. Der Rollerhersteller Silence wird den e-Scooter für Seat herstellen. Hola!

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Den umweltfreundlichen Hyundai gibt’s bei „Wasser Tirol“

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DER MACHT DAMPF Nur kurz tanken, aber trotzdem elektrisch fahren. Der Hyundai Nexo beweist, dass Wasserstoff gleich mehrere Vorteile gegenüber rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen hat. „Wasser Tirol“ stellte uns den koreanischen Saubermann für einen Test zur Verfügung. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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en Motor starten, per Knopfdruck den „D“rive-Modus wählen und der Nexo fährt los – hören kann man davon allerdings nichts. Deshalb meint man zu glauben, in einem Elektroauto zu sitzen – das stimmt aber nur zur Hälfte. Denn der stylische Hyundai hat zwar eine Batterie, diese wird aber nicht mittels Stromkabel, sondern durch eine Brennstoffzelle gespeist und mit Wasserstoffenergie geladen. Der Unterschied zu einem vollelektrischen Auto? Das Wichtigste zuerst: Es gibt keinerlei Sorge vor rasch schmelzender Reichweite. Weitere Vorteile sind der schnelle Tankvorgang und die nicht begrenzte Höchstgeschwindigkeit. Ist der gut sechs Kilogramm fassende Wasserstofftank geladen, sagt uns das Display: Rund 600 Kilo-

meter sind möglich. Das ist eine Ansage und macht neugierig auf die Testfahrt. In der Brennstoffzelle wird durch die chemische Umsetzung von Wasserstoff und Sauerstoff elektrische Energie gewonnen, die den Elektromotor antreibt. Das fährt sich hervorragend, spritzig und agil, ähnlich einem E-Auto. Der Antrieb leistet umgerechnet 163 PS und ist damit ordentlich motorisiert. Kleine Pufferbatterien machen den Nexo leichter, was sich wiederum positiv auf die Fahrdynamik und das Beschleunigungsverhalten auswirkt. In nur 9,5 Sekunden ist Landstraßentempo erreicht, bis zu 180 km/h wären (theoretisch) möglich. Aus dem Auspuff kommt nur Wasserdampf. Zudem ist der Nexo wirklich luxuriös ausgestattet: Von den belüfteten Sitzen über das Navi bis hin zur Lenkradheizung mangelt es an nichts.

ENERGIEGELADEN Nach einer ausgiebigen Stadtrunde fahren wir auf die Autobahn – ein Terrain, das Besitzer von Elektroautos oft meiden oder den Windschatten vom Vordermann suchen, um nicht rasant an Reichweite zu verlieren. Da brauchen wir uns im Nexo keine Sorgen zu machen: Auch bei flotterer Gangart sinkt die verbleibende Reichweite nicht übermäßig. Das fördert die Gelassenheit des Fahrers sowie den Mut, die Beschleunigung öfters auszukosten. Weil die Tanks am Fahrzeugboden verbaut sind, liegt der Kofferraumboden etwas höher, trotzdem ist das Ladevolumen ordentlich. Damit wird der Nexo nicht nur langstrecken-, sondern auch urlaubstauglich. Zu beachten ist allerdings, dass das Tankstellennetz derzeit noch sehr dünn ist. Das wird


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D E R N E X O FÄ H R T S A U B E R , FLOT T UND L ÄSST SICH U N KO M P L I Z I E R T TA N K E N .

sich zwar kontinuierlich verbessern, eine gute Planung ist dennoch anzuraten. Die ursprünglich angezeigte Reichweite schafft der Nexo übrigens relativ locker. Über 500 Kilometer sind immer möglich, bei sparsamer Fahrweise auch knapp 600.

DIE PREISE

Für Private lohnt sich die Anschaffung eines Wasserstoffautos derzeit (noch) nicht. Hyundai verlangt 78.000 Euro – abzüglich diverser Förderungen von Bund und Land bleiben immer noch gut 70.000 stehen. NoVa fällt beim Nexo ebenso keine an wie ein Sachbezug, vorausgesetzt man bekommt überhaupt einen, denn derzeit ist die Nachfrage größer als das Angebot. Trotzdem gibt es gute Nachrichten: „Wasser Tirol“ verleiht das umweltfreundliche Fahrzeug um 40 Euro pro Tag plus zehn Cent pro gefahrenem Kilometer. Damit können sich Interessierte ein Bild von der Technologie machen und den Nexo im Alltag testen. Unser Fazit: Der Nexo ist sauber, flott und luxuriös, dazu punktet er mit Reichweite, schnellem Tankvorgang und feschem Design. Die Anschaffung ist aber derzeit noch zu teuer.

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ALLES IM GRIP Citroën ist mit dem C5 Aircross schon länger erfolgreich unterwegs. Damit das auch so bleibt, haben ihm die Franzosen ein modernes System, namens „Grip Control“ spendiert.

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a der C5 Aircross nicht mit Allradantrieb angeboten wird, hat man das stylische SUV mit einer modernen „Grip Control“ ausgestattet. Das System kann per Drehschalter auf unterschiedliche Fahrbahneigenschaften abgestimmt werden, den Rest erledigt die feinfühlige Elektronik. Damit soll es nicht nur im Winter auf Schnee und Eis sicher vorangehen, sondern überall. Kraft genug hat der Citroën jedenfalls. Der C5 schöpft seine Leistung von 177 PS aus einem drehmomentstarken 2.0-Liter-Diesel mit strammen 400 Nm. Die feine und schnell schaltende Acht-Gang-Automatik hält stets die Verbindung zwischen Antriebsstrang und Straße. In weniger als zehn Sekunden beschleunigt der Citroën auf Tempo 100 und wird bis zu 211 km/h schnell. Unser gemessener Testverbrauch von 6,7 Liter im Schnitt ist mehr als akzeptabel.

Der Citroën C5 Aircross bietet mit der „Grip Control“ noch mehr Sicherheit.

Darüber hinaus setzen die Franzosen auf ihre altbekannten Stärken: Design, Komfort, üppige Ausstattung und Unverwechselbarkeit. Darauf springen die Kunden an, weshalb sich die Marke auch eines enorm hohen Stammkundenanteils erfreuen darf. In unserer getesteten Ausstattung „Shine“

bleiben kaum Wünsche offen. Im Kaufpreis von 40.900 Euro sind neben vielen anderen Annehmlichkeiten bereits Voll-LED-Scheinwerfer, ein schlüsselloser Zugang und ein adaptiver Tempomat verbaut. Damit steht einem gelungenen Österreich-Familienurlaub nichts mehr im Weg.


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KLINGT SAUBER BMW baut sein Plug-in-Portfolio weiter aus und spendiert dem X5Hybrid ab jetzt sechs statt vier Zylinder. Damit steigt nicht nur die Leistung, sondern auch die Souveränität und die Umweltfreundlichkeit. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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Beherrscht den Spagat zwischen Sportlichkeit und Sparsamkeit in Perfektion: BMW X5 xDrive 45e.

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amit hat der alles andere als überzeugende Vierzylinder-Benziner nun auch im X5 ausgedient und ist nach dem 7er jetzt in der Kombination mit dem Dreiliter-Reihensechszylinder und Elektromotor unterwegs. Die Leistung steigt deshalb auf 394 PS Systemleistung und mächtige 600 Nm Drehmoment. Damit wird der Hybrid-X5 zur sportlichen Fahrmaschine und – für den, der es will – zum Umweltfreund. Vorausgesetzt, es wird mit dem Gaspedal sachte umgegangen. Dann hat nämlich der 113 PS starke Elektromotor das Sagen. Dieser bewegt den Zweieinhalbtonner zwar gemächlich, aber lautlos durch die Gassen. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Akkueinheit immer frisch geladen wird. Das ist Voraussetzung, den X5 xDrive 45e sinnvoll, aber vor allem sparsam zu fah-

ren. Nur dann werden die vom Hersteller angegebenen 70 Kilometer rein elektrische Reichweite möglich.

MEHR KRAFT, MEHR KLANG

Der feine Sechszylinder glänzt sowohl mit deutlich mehr Tatendrang als auch einer feinen Soundkulisse. Das sorgt in Summe für mehr Sportlichkeit und ein gesteigertes Wohlfühl-Gefühl. Perfekt harmonieren dabei beide Motoren, Allradantrieb und Achtgang-Automatik. In dieser Kombination beschleunigt der Teilzeit-Elektro-X5 in nur 5,6 Sekunden auf Tempo 100 und erreicht bis zu 235 km/h. Der große 69-Liter-Tank macht es möglich, dass der Hybrid auf rund 800 Kilometer Gesamtreichweite kommt. Damit lässt es sich in der Realität gut leben. Apropos gut leben: Der Innenraum zeigt sich

BMW X5 XDRIVE 45E Antriebsart: Hybrid (Benzin & Elektro) Leistung: 290 kW/394 PS Drehmoment: 600 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 5,6 sec Spitze: 235 km/h Testverbrauch: 6,8 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 43 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 77.550 Euro

wie bei BMW gewohnt edel, hochwertig und superleicht zu bedienen. So macht das Fahren richtig Spaß und hält nicht nur das Gewissen, sondern auch die Umwelt reiner. Bleibt noch der Anschaffungspreis für das saubere BMW-SUV: 77.550 Euro sind in der Basisversion erforderlich, die Aufpreisliste ist wie üblich lang.


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Here comes the sun.

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DER MAZDA 3 LOCK T MIT MODERNSTER S K YA C T I V - X - T E C H N O L O G I E U N D A L L R A D

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HOCH VERDICHTET Mazda geht beim Thema Effizienz einen ganz eigenen Weg und setzt auf Hubraum und hohe Verdichtung statt auf Turbolader. Wir waren mit der neuesten Skyactiv-X-Version im Mazda 3 unterwegs. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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in hochverdichteter Benzinmotor hat den Vorteil, dass er selbst mit einem extrem mageren Benzin-Luft-Gemisch klarkommt und dann immer noch Höchstleistung abgeben kann. Es handelt sich dabei um ein System des kontrollierten Klopfens. Der eigentlich unerwünschte Vorgang der teilweisen Kraftstoff-Selbstzündung wird mittels modernster Technik zu einem Verbrauchsvorteil umfunktioniert. Mazda geht diesen unkonventionellen Weg schon eine Weile und verbessert seine „Skyactiv-X“-Technologie ständig. Mit der neuesten Generation waren wir im 180 PS starken Mazda 3 unterwegs. Erstmal fällt auf, dass der Motor recht kernig klingt, drinnen ist davon allerdings nicht viel zu bemerken – weil hervorragend gedämmt. Schon früh packt der Zweiliter-Benziner kräftig an und sorgt für flottes Vorankommen. Will man mehr Leis-

tung, brauchts natürlich mehr Drehzahl, weil Mazda in seinen Benzinern keine Turbos verbaut. Das geht dann jedoch auf Kosten des Verbrauchs. Deshalb nutzten wir meist das Drehzahlband zwischen 2.000 und 3.500 Umdrehungen und blieben so unter sechs Litern Verbrauch.

MAZDA 3 SKYACTIV-X 180 AWD Antriebsart: 2,0-Liter-Benziner Leistung: 132 kW/180 PS Drehmoment: 224 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 8,2 sec Spitze: 214 km/h Testverbrauch: 5,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 109 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 34.490 Euro

KNACKIGES GETRIEBE

Das Hightechaggregat glänzt mit seinem spontanen Antritt und dem gleichmäßigen Drehmoment-Verlauf. Einen besonders guten Eindruck hat das knackige Sechs-Gang-Schaltgetriebe hinterlassen. Dazu passt die sportliche Abstimmung des Fahrwerkes und die fein dosierbare Bremse bestens. Die Traktion ist dank Allradantrieb auf jedem Untergrund tadellos. Ebenso tadellos sind die gut konturierten Sitze und der wirklich pipifein aufgeräumte Innenraum mit überschaubaren Digitalisierungsfunk-

tionen. Der Mazda bietet jedenfalls viel, hat Allrad und ist hochwertig gefertigt. Daher auch sein stolzer Preis: 34.490 Euro Listenpreis plus 830 Euro Aufpreis für die rote „Mica-Metallic“-Lackierung machen gesamt 35.320 Euro. Wünsche bleiben dann kaum mehr offen.


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MIT OPEL UND KIA IN BEWEGUNG BLEIBEN Das Autohaus Linser hat sich mit Kia eine zweite Marke ins Haus geholt, welche die Opel-Modellpalette ideal ergänzt. Was es mit den beiden Marken bei Linser auf sich hat, erzählen uns der Betriebsleiter von Linser Buch in Tirol, Hannes Brandacher, und Linser-Innsbruck-Opel-Verkaufsleiter Benjamin Hauser im Interview. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

Welche Überlegungen haben dazu geführt, Kia neben Opel als zweite Marke im Autohaus Linser zu etablieren? HANNES BRANDACHER: Aufgrund der momentanen wirtschaftlichen Gesamtsituation und der Veränderungen, die auf die Automobilbranche in den kommenden Jahren zukommen werden, haben wir uns letztes Jahr damit beschäftigt, eine weitere Marke zu finden und uns breiter aufzustellen. Ein besonders wichtiges Kriterium für uns war es, eine Marke zu finden, die mit Opel gut harmoniert und die Modellpalette ideal ergänzt. Nachdem wir uns einige Marken näher angesehen hatten, sind wir bei Kia fündig geworden. Kia passt am besten zu uns und wir können die Marke an unseren beiden Standorten anbieten.   Wir haben zweifellos eine absolute Ausnahmesituation, die den Automarkt heuer durchaus schwierig machen wird. Welche Ziele haben Sie sich mit Kia für die kommenden Jahre gesetzt? Mit Kia haben wir einen Hersteller gefunden, der in den Bereichen alternative Antriebe und Allradkompetenz eine der weltweit führenden Rollen übernommen hat und außerdem mit sieben Jahren Herstellergarantie für unsere Kunden sicher ein gutes Gesamtpaket darstellt. In diesem Jahr wollen wir unsere Mitarbeiter wieder rasch auf den neuesten Stand bringen. Das ist insofern kein Problem, da unsere langjährigen Mitarbeiter bis Mitte 2014 bereits mit Kia gearbeitet haben. Was die Verkaufsziele betrifft, ist es momentan schwer einzuschätzen, da wir es durch diese coronavirusbedingte Ausnahmesituation mit einer allgemein großen Verunsicherung zu tun haben. Im Jänner haben wir für das heurige Jahr über beide Standorte hinweg mit 150 Neuwagen geplant. Im kommenden Jahr möchten wir dann 200 Stück er-

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„MIT KIA HABEN WIR EINEN HERSTELLER GEFUNDEN, DER IN DEN BEREICHEN A LT E R N AT I V E A N T R I E B E U N D A L L R A D KO M P E T E N Z E I N E D E R W E LT W E I T F Ü H R E N D E N R O L L E N Ü B E R N O M M E N H AT.“ HANNES BRANDACHER, LINSER BUCH

reichen und uns stetig weiterentwickeln. Dabei hilft uns auch unser offener Zugang zu den neuen Techniken und der Wille, uns täglich weiterzubilden.

Was schätzen Sie an den Fahrzeugen des südkoreanischen Herstellers, wo sehen Sie die Stärken? Die Südkoreaner arbeiten mit großem Ehrgeiz und Eifer, was die Forschung betrifft, produzieren aber dennoch den größten Teil in Europa. Wie erwähnt sehe ich die größten Stärken in den

alternativen Antrieben und der über sieben Jahre laufenden Garantieleistung. Ein noch größerer Vorteil ist aber sicher das hervorragende Preis-Leistungs-Verhältnis und die Qualität von Kia. Mit welchem Modell erwarten Sie sich die besten Absatzchancen in Tirol? Das Volumen stellt sicher die Ceed-Familie mit Ceed, Ceed Kombi, Pro Ceed und dem einzigartigen SUV X-Ceed. Dahinter folgt der Rio mit einem Einstiegspreis ab 11.990 Euro. Das ist wirk-


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lich ein Topangebot im Kleinwagensegment. SUVs sind eines der beliebtesten Segmente in Österreich. Auch hier sind wir mit Stonic, X-Ceed, Sportage und dem neuen Sorento, der in der zweiten Jahreshälfte kommen wird, in jedem Bereich vertreten und können damit unsere Stärken in Tirol voll ausspielen. Auch bereits Realität bei uns sind Hybride, Plug-in-Hybride und rein batterieelektrische Antriebskonzepte. Bei Letzteren sind E-Soul und E-Niro in einer führenden Position mit bis zu 455 Kilometer Reichweite nach WLTP in Verbindung mit einem sehr guten Verhältnis zwischen Preis und Leistung. Welches Auto der Marke gefällt Ihnen ganz persönlich am besten? Das wäre in emotionaler Hinsicht der Stinger und dann der Sorento, von dem wir auch einen Hybriden bekommen werden.   Wie ist Kia in Sachen Elektromobilität aufgestellt? Hervorragend. Wir können hier nahezu alles abbilden und haben sicher den einen oder anderen technologischen Vorteil. So können unsere Fahrzeuge etwa auch dreiphasig geladen werden. Das Angebot wird jährlich um einige Neuerungen erweitert. Damit ist Kia im Kampf um die Technologieführerschaft vorne dabei. Es ist zu erwarten, dass auch die Wasserstofftechnologie bald eine Rolle spielen wird.

Opel hat einige nicht ganz einfache Jahre hinter sich. Wie steht die Marke heute da? BENJAMIN HAUSER: Opel wurde bekanntermaßen vom PSA-Konzern übernommen. Die neuen Modelle bauen deshalb auch auf PSA-Plattformen auf. Die Synergien merkt man stark. Das Interieur ist ein klassischer Opel, in der Motorentechnologie kommt vieles von PSA. Das ist aber definitiv kein Nachteil, weil die Motorenpalette im Konzern sehr gut ist. Momentan ist ohnehin der gesamte Markt im Umbruch. Nicht nur, aber auch wegen der Elektromobilität. Jedes Opel-Modell, das neu kommt, gibt es sowohl mit Verbrennungsmotor als auch elektrisch oder als Hybrid. Welches Ziel haben Sie sich mit Opel in Sachen Hybride und reine Elektrofahrzeuge gesetzt? Wir haben jetzt den neuen Corsa-e bekommen und schauen uns an, für welche Kundenkreise der ein gutes Angebot darstellt. Außerdem haben wir den Grandland X als Plug-in-Hybrid und Allradfahrzeug bekommen. Heuer kommen noch der Crossland mit Facelift und der Mokka.

„DER HANDEL WIRD DEFINITIV B E R AT U N G S INTENSIVER. DURCH DIESES K N O W - H O W, D A S M A N T E I LT, ENTSTEHT ABER WIEDER MEHR B I N D U N G .“ BENJAMIN HAUSER, LINSER INNSBRUCK

Elektroautos sind generell sicher noch eine Preisfrage, für Firmenkunden sind sie aber jetzt aus steuerlichen Gründen schon hochinteressant. Ich rechne generell im kommenden Jahr mit einem Anteil von bis zu zehn Prozent Elektrofahrzeugen, vorausgesetzt die Verfügbarkeit ist gegeben. Das ist derzeit eine große Herausforderung.

Nimmt der Beratungsbedarf im Verkauf zu, weil es verschiedene Antriebskonzepte gibt, die unterschiedlich gut zum jeweiligen Fahrprofil des Kunden passen? Ja, der Handel wird definitiv wieder beratungsintensiver. Früher ist der Kunde gekommen, hat gesagt: Ich fahre seit 20 Jahren Diesel, welche Dieselfahrzeuge gibt es? Heute stellen sich Kunden zu Recht die Frage nach dem optimalen Antriebskonzept. Hier muss man den Kunden richtig beraten. Durch dieses Know-how, das man teilt, entsteht aber wieder mehr Bindung. Wir sind selbst noch in einem Lernprozess. Es gibt laufend Schulungen. Generell ist es so, dass der Autohandel stärker die Rolle des Mobilitätspartners einnimmt. Kauft ein Kunde ein Elektroauto und fährt eine weitere Strecke in Urlaub, wird er eventuell ein Auto mieten wollen. Dementsprechende Kauf- und Mietmodelle sind in Ausarbeitung.

Wie sieht es in der Elektromobilität bei den Firmenkunden aus? Jede größere Firma fragt Elektrofahrzeuge nach, weil sie von der NoVA befreit sind, es keinen Sachbezug

gibt und sie vorsteuerabzugsfähig sind. Das Elektroauto wird die Zukunft sein. Zumindest solange es diese steuerlichen Vorteile gibt. Im Transporter-Segment kommt heuer der elektrische Vivaro mit zwei Akkukonfigurationen. Generell haben wir mit dem Movano und Vivaro einen recht hohen Marktanteil bei den Transportern. Diese Autos sind wirklich gut und sehr zuverlässig. Die sehe ich nur zum Service. Da stimmen das Produkt und der Preis.

Die Komplexität im Autohandel nimmt ebenso zu wie der wirtschaftliche Druck. Wie kann man da reüssieren? Die Hersteller kürzen dem Handel die Margen, und zwar unabhängig von der Marke. Es tun sich aber neue Wege auf. Die muss man nützen. Und effizient arbeiten.

Sind Sie in der Werkstätte auf die verstärkt kommende Elektromobilität vorbereitet? Ja, wir haben Techniker mit Hochvolt-Ausbildung bis zu HV-3. Die dürfen sogar Zellen tauschen. Wir sind in der Werkstatt sehr gut aufgestellt. Es geht nicht mehr anders.

Was macht Opel Linser als Autohaus aus? Dass wir sehr nahe an unseren Kunden sind und familiäre Atmosphäre mit hochprofessioneller Dienstleistung verknüpfen. Wer bei uns einmal Kunde ist, bleibt es in der Regel. Mit Opel bieten wir gewohnt hohe Qualität zu einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

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VON DER MONKEY BIS ZUR GOLD WING

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Das Autohaus Moriggl hat seine Angebotspalette um Honda-Motorräder und -Roller erweitert. Aus einem Reifenlager entstand ein imposanter Schauraum, in dem die breite Produktpalette von Honda bestens zur Geltung kommt. Wie es zur Partnerschaft mit dem Weltmarktführer kam, erläutert Moriggl-Geschäftsführer Philipp Lantos im Interview. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Sie sind Innsbrucks einziger Händler für Honda-Motorräder und -Roller und haben eigens dafür an der Gebäudevorderseite – ebenerdig im Gewölbe – einen markanten Schauraum geschaffen. Wie kam es dazu? PHILIPP LANTOS: Der nunmehrige Schauraum war einst die Werkstätte meines Großvaters, wurde später als Spenglerei genutzt und in den letzten 15 Jahren als Reifenlager. Es war tatsächlich eine Herausforderung, einen alternativen Platz dafür zu finden. Wir haben deshalb in der Werkstätte, die wie ein Hangar aufgebaut ist, eine Zwischendecke eingezogen und dort unser neues Reifenlager samt Reifenlift eingerichtet.

Sie sind seit langer Zeit Honda-Vertragshändler. Wie sind die Motorräder dazugekommen? Es gibt seit einigen Jahren keinen Honda-Motorradhändler mehr in Innsbruck. Wir sind bei den Autos mit der Marke sehr erfolgreich, deshalb hat sich der Hersteller an uns gewandt. Die Leute von Honda waren öfter bei uns im Haus, haben uns sogar eine spanische Architektin

geschickt, die exklusiv für Honda arbeitet und den Schauraum geplant hat. Nach dem ersten Entwurf hat sich bereits abgezeichnet, dass wir das machen werden. Außerdem sind wir hier sehr motorradaffin, es gibt einige begeisterte Motorradfahrer in unserer Firma. Honda ist bei Zweirädern Weltmarktführer und hat eine super Qualität. Deshalb bietet Honda auch zu den zwei

„HONDA IST BEI ZWEIR ÄDERN W E LT M A R K T F Ü H R E R U N D H AT E I N E S U P E R Q U A L I TÄT.“ PHILIPP LANTOS


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Jahren Werksgarantie zusätzlich drei Jahre Red-Wing-Top-Service kostenlos. Weltweit werden jährlich 17 Millionen Honda-Zweiräder verkauft. Von der Super Cub wurden über 100 Millionen Exemplare gebaut. Wir bieten von der 125 ccm Monkey bis zur 1.800 ccm Gold Wing alle 51 Honda-Modelle an.

„DIE VERBRENNUNGSMOTOREN WERDEN AUCH BEI ZWEIR ÄDERN I M M E R B E S S E R U N D S PA R S A M E R .“ PHILIPP LANTOS

Wie schätzen Sie die Absatzchancen ein? Honda ist in Österreich die Nummer drei, in Europa Nummer eins. Es gibt einen gewissen Markt und eine Markterwartung. Wir befinden uns in einem urbanen Raum und rechnen damit, dass wir zu 50 Prozent Roller bis 300 ccm absetzen werden. Wir haben unseren Businessplan sehr vorsichtig angelegt. Ich sehe ein Marktpotenzial für bis zu 250 Zweiräder pro Jahr, weil wir vertraglich ein recht großes Gebiet von Honda überantwortet bekommen haben. Es ist außerdem auffällig, dass im Bereich der Fahrzeuge das Zweirad als einziges Zulassungssteigerungen verzeichnet.

Woran könnte das liegen? Gerade in urbanen Räumen sind die Straßen oft verstopft und mit einem Zweirad ist man da viel beweglicher und braucht weniger Raum zum Parken. Es ist günstiger und platzsparender und deshalb bequemer. Es wird zudem immer wärmer bei uns. Das heißt, man kann teilweise das ganze Jahr mit dem Motorrad oder Roller fahren.

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Welche neuen Anforderungen werden an die Mitarbeiter gestellt? Es war durchaus ein beträchtlicher Aufwand, einen unserer Meister und einen Techniker für die Reparatur und Wartung der Motorräder zu schulen. Das gilt natürlich auch für den Verkauf. Wir haben schon einige intensive Produktschulungen bei Honda in Wiener Neudorf hinter uns. Bei Autos wird viel über Elektromobilität gesprochen. Ist das bei Motorrädern auch ein Thema? Hier muss man differenzieren zwischen Motorrädern und Rollern. Bei Ersteren ist die Elektromobilität kein wirkliches Thema. Ein Motorrad soll leicht sein, ein Spaßgerät, und ein leichter Akku bringt keine Reichweite. Die neue Fireblade hat vollgetankt bei 200 Kilogramm 217 PS. Das geht elektrisch nicht, und auch das charakteristische Motorengeräusch fehlt. Bei kleinhubräumigen Rollern wird das wahrscheinlich ein Thema werden, derzeit

aber noch nicht. Die Verbrennungsmotoren werden zudem auch bei Zweirädern immer besser und sparsamer.

Gibt es eine Nummer Eins in der Honda-Motorradpalette? Nein, das ist auch gar nicht das Ziel, weil die Modellpalette derart umfangreich ist, dass es für alle Ansprüche und Anforderungen ein maßgeschneidertes Produkt gibt. Das ist auch die Herausforderung im Verkauf, genau herauszufinden,

welches Motorrad am besten zum jeweiligen Kunden passt.

In welcher Preisklasse spielen sich die Honda-Zweiräder ab? Es geht bei uns prinzipiell erst ab 110 ccm Hubraum los und beginnt bei 2.690 Euro, eine Gold Wing bekommt man ab 29.990 Euro. Jeder Kunde, der in der Einführungsphase bei uns ein Motorrad kauft, bekommt außerdem ein mehrstündiges ÖAMTC-Fahrsicherheitstraining dazu.


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HAND - HYGIENE- LOTION Brüder Unterweger aus Osttirol hat eine Pflegelotion entwickelt, die die Hände reinigt und zugleich desinfiziert. Mit 83,3 Prozent Alkohol sowie Wasserstoffperoxid entspricht die Hand-Hygiene-Lotion den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation. Toll: Sie pflegt die Hände und trocknet die Haut auch bei regelmäßiger Anwendung nicht aus. Ab 9,95 Euro. www.unterweger-wellness.com

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LATSCHENSIRUP Wir fanden ja schon den Latschenlikör „Zapfenstreich“ der Jungs von AlpPine Spirits eine gute Idee, nun gibt‘s die Latsche auch als Sirup. Entweder man gießt ihn zur Limonade auf, er macht sich aber auch gut im Prosecco, Gin oder als Radler-Variante im Bier. 500 ml um 10,90 Euro. www.alppinespirits.com

Lasst uns von goldenen Tellern essen Wir waren wohl noch sie so viel zuhause wie in den letzten Wochen. Wir haben das Selberkochen für uns entdeckt und mittlerweile dürfen wir auch wieder Gäste einladen. Und kredenzt auf schönem Geschirr schmeckt gutes Essen gleich noch besser. Wir haben uns sofort bei Ansicht in die Keramik von Andrea Baumann verliebt. Handgemacht in Sistrans verzaubert das Geschirr mit individuellem Touch und entspricht voll und ganz dem aktuellen Trend zum Wabi-Sabi – der Perfektion im Unperfekten. Ein Geschirr mit Charakter, das es neben Schwarz- auch in wunderbaren Rosa-Tönen gibt. Und in vielen verschiedenen Formen und Größen. Gesehen haben wirs im Resort in der Erlerstraße in Innsbruck.

TIROLER HONIG Seit über sechs Jahrzehnten beschäftigt sich die Familie Farthofer aus Schwaz nun schon mit ihren Bienenstöcken und lässt daraus ganz wunderbare Naturprodukte entstehen. Honig natürlich, in vielen verschiedenen und teils auch außergewöhnlichen Varianten, aber auch Met, Schokolade, Bienenwachsprodukte und Kosmetik. Tiroler Gebirgshonig: 250 g um 5,50 Euro. www.tirolerhonig.cc


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BUCHTIPP

GEHEIMNISVOLLE SCHÖNHEITEN

Das Leben ist schön Die Welt aus eigener Perspektive betrachten, einzigartige Momente aufnehmen und Erinnerungen für die Ewigkeit festhalten: Wer die Fotografie leidenschaftlich gerne hat, erfüllt alle Voraussetzungen für den CEWE Photo Award. Der weltweit größte Fotowettbewerb startet mit dem Motto „Our world is beautiful“ in die nächste Runde, in zehn spannenden Kategorien können Fotos eingesendet werden. Zu gewinnen gibt‘s tolle Preise, außerdem spendet CEWE für jedes eingesandte Foto zehn Cent an SOS-Kinderdorf. www.cewe-fotobuch.at

Meeresbewohner im Dunkeln Tobias Friedrich, Terra Mater Books 176 Seiten, EUR 35,00 Tobias Friedrich ist Fotograf – ein im wahrsten Sinne ausgezeichneter (German Photographer of the Year 2019 & Underwater Photographer of the Year 2018). In seinem neuen Bildband hat er sich in den Ozeanen der Welt wieder unter Wasser begeben und ist dabei auf faszinierende Lebewesen und spektakuläre Naturschauspiele getroffen – und hat sie in teils absoluter Dunkelheit abgelichtet. Wow. Oft braucht es nicht mehr Worte.

MEDITERRANER SORGLOS-URLAUB

Dass von Swarovski Optik ganz außergewöhnliche Ferngläser kommen, damit erzählen wir Ihnen nichts Neues. Dieses hier fasziniert uns aber ganz besonders. Mit dem dG kann man nämlich beobachten, fotografieren und dokumentieren, ohne es abzusetzen. Per Knopfdruck landen die Beobachtungen flugs am Smartphone und können via App automatisch identifiziert werden – das vereinfacht das Erkennen von Vögeln und anderen Lebewesen ungemein. Wer mag, teilt seine Erlebnisse dank integriertem Wifi-Hotspot auch gleich mit Freunden oder via Social Media. Ab 1.990 Euro. www.swarovskioptik.com

REDEWENDUNG DER AUSGABE: EINEN ZAHN ZULEGEN sich beeilen, das Tempo steigern, die Geschwindigkeit erhöhen, schneller/besser werden Herkunft: Diese Redewendung ist im Mittelalter entstanden. Damals kochte man noch in großen Töpfen über offenem Feuer. Von der Decke hingen Metallstreifen mit vielen Zacken in der Art eines Sägekamms, sogenannte „Kräuel“, in die man die Töpfe einhängte. Als einzige Möglichkeit der Temperaturregelung konnte man die Höhe der Zähne bestimmen – hängte man den Topf tiefer und somit näher an das Feuer, legte man also einen Zahn zu, kochte das Essen schneller.

© PIXELMAKER.AT/REGION BAD RADKERSBURG)

DURCHBLICK

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Warum über Österreichs Grenzen fahren, wenn man auch im Land mediterranes Flair genießen kann? In Bad Radkersburg zum Beispiel. In den Buschenschänken und Wirtshäusern warten regionale Schmankerln wie Käferbohnensalat und ein Glas Gewürztraminer, die sanfte Hügellandschaft lässt sich gerne mit dem Rad erkunden und in den Hofläden und Spezialgeschäften findet man wunderbare Mitbringsel. Wer es lieber actionreich hat, der ist in der Park­ therme Bad Radkersburg gut aufgehoben – besonders mit Kids –, und auch sonst gibt‘s in der gesamten Region vieles zu entdecken. Wer über www.badradkersburg.at bucht, kann bis zu vier Tage vor Anreise stornieren, sollten Sie noch unsicher sein.


© OLIVER LARIC

© EARTUNES.AT

eco.life

Bank macht Kunst Auch wenn die Rahmenbedingungen ein wenig anders sind als gewohnt, so ist er kürzlich dennoch verliehen worden: der RLB Kunstpreis 2020. Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis ging an den in Berlin lebenden Innsbrucker Oliver Laric. Teil des Preises ist außerdem eine Einzelausstellung im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum im nächsten Jahr. Die Jury überzeugte vor allem, wie sich Laric mit Werken unterschiedlichster Epochen auseinandersetzt, diese durch digitale Mittel umformt, verzerrt und neu inszeniert. Die zwei Förderpreise zu je 4.000 Euro gingen an die Osttirolerin Alexandra Kontriner und den Unterländer Gregor Sailer. Zusätzlich erhalten heuer alle von der Jury ausgewählten Ausstellungsteilnehmer einen Förderbetrag von 1.000 Euro. Die Arbeiten der insgesamt zwölf Künstler sind noch bis 3. Juli in der RLB Kunstbrücke in Innsbruck zu sehen.

E R F U N K E LT W I E D E R

© LAND TIROL/GRAUS

Seit 11. Juni sind die Kristallwelten in Wattens wieder geöffnet. Kurz vor der Wiedereröffnung waren sie Location für eine außergewöhnliche Videoproduktion heimischer Künstler. Ein Kollektiv aus DJ’s, Musikproduzenten, Musikern und Kameraleuten unter der Federführung von Roland Fugger (eartunes GmbH) hat die Zeit des Stillstandes als Chance genutzt, um an bildstarken Orten in Tirol ihre künstlerischen Visionen kreativ umzusetzen – zu sehen unter kristallwelten.com/wirsind. Tipp: Von 8. August bis 6. September 2020 gastiert auch der Circus Roncalli wieder in den Swarovski Kristallwelten – Oldtimer, Zirkuswagen und Schaugeschäft inklusive.

160 Franz Pegger und Barbara Psenner, beide Verein Landesmuseum Ferdinandeum, Landesrat Johannes Tratter, Aufsichtsratsvorsitzende Elisabeth Gürtler, Landeshauptmann Günther Platter, Landesrätin Beate Palfrader, Michael Zechmann und Hubert Haider, beide Tiroler Landesmuseen

RUNDUMERNEUERUNG Im Jahr 2023 feiert das Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum sein 200-jähriges Bestehen. Das Jubiläum nimmt man zum Anlass, um mit umfassenden Um- und Ausbaumaßnahmen die Attraktivität des Hauses zu steigern. Das EU-weite Vergabeverfahren soll rasch abgewickelt werden, sodass voraussichtlich im Frühjahr 2021 das Siegerprojekt feststehen wird. Für die Planungsleistungen stellt das Land eine Million Euro zur Verfügung. Die Gesamtkosten sind mit 36 Millionen Euro budgetiert.

KULTURTIPP Angepasst an die derzeitigen Sicherheitsauflagen überrascht das Festival LA GUITARRA in Erl mit einer Spezialausgabe. „The Power of Austria“ präsentiert vom 12. bis 16. August ausschließlich österreichische und in Österreich lebende und schaffende Musiker und Künstler und zeigt damit das vielseitige und außergewöhnliche musikalische Potenzial unseres Landes. Infos unter www.kufstein.com (Kultur & Leben)

A U S G E Z E I C H N E T E S M AT U R A P R O J E K T Die beiden Schülerinnen der HTL Imst, Hanna Draxl und Lisa Kogler, aus der Abteilung Bautechnik schlagen mit ihrem preisgekrönten Abschlussprojekt eine interkulturelle Brücke von Tirol nach Ghana. Sie entwarfen eine ökologisch wertvolle, nachhaltige und klimafreundliche Bettenstation für ein derzeit im Bau befindliches Krankenhaus. Die Idee für das Jordan Medical Center (JMC) entstand durch ihren Lehrer DI Harald Brutscher, der den gebürtigen Ghanesen Kofi Attah kennt. Dieser hat es sich seit einigen Jahren zum Ziel gesetzt, ein gut ausgestattetes Krankenhaus in seiner Heimatstadt Sekondi-Takoradi, der drittgrößten Stadt Ghanas, zu bauen. Dieser Traum ist für Kofi Attah bereits in greifbarer Nähe: Sein in ein Krankenhaus umgebautes Appartementhaus steht dank großzügiger Unterstützung von Tiroler Spitälern und Firmen kurz vor der Fertigstellung. www.jordan-medical-center.africa © HTL IMST


eco.life

Michael Hedwig „Bewegungen der Seele II“ Barbara Fuchs Holzdruck

Geboren 1957 in Lienz, Einzelaus­stellungen, Ausstellungs­beteiligungen, Teilnahmen an inter­ nationalen Kunst­messen. Zahlreiche Druckgrafik-Editionen, Projekte im öffentlichen und kirch­ lichen Raum.

Geboren 1966, aufge­ wachsen in Wattens, Teilnahme an internationalen Symposien, seit 1988 Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen im In- und Ausland. Lebt und arbeitet in Hall. Ihr Holzdruck ist die heurige Jahresgabe der Galerie Nothburga. Förderer, die einen Beitrag von 150 Euro leisten, erhalten diesen als Dankeschön.

Elisabeth Moser „Das Tödlein“ Geboren 1962 in Gmunden, lebt und arbeitet seit 1988 in Innsbruck. Zahlreiche Ausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen.

Kunst im Sommer Außergewöhnliche Zeiten erfordern außerordentliche Maßnahmen. So wird in der Galerie Nothburga in Innsbruck heuer eine Sommerausstellung eingeschoben. Zu Gast ist ein buntes Potpourri verschiedenster Druckgrafiker.

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ie ist ein wunderbar breites Feld und Spielwiese unterschiedlichster Herangehensweisen an die Kunst: die Druckgrafik. Im Sommer wird in der Galerie Nothburga in Innsbruck eine Gemeinschaftsausstellung von Druckgrafikern aus Tirol (Anna Maria Achatz, Karin Byrne, Manfred Egger, Barbara Fuchs, Maria Luise Gutmann, Michael Hedwig, Helga Hofer, Elisabeth Moser, Elisabeth Melkonyan, Gabriela Nepo-Stieldorf, Peter Matthias Pflug, Michael Ziegler) und Wien (Renate Polzer), Italien (Laura Manfredi), Deutschland (Christopher Coltzau) und Israel (Daphna Weinstein) zu sehen sein. Auch Michael Schneider, der an der geachteten Kunstuniversität Geidai in Tokio eine Professur innehat, ist bei dieser Präsentation vertreten. Von ihm wird es in der Galerie im Herbst

2021 außerdem eine Personale geben. Insgesamt sind in der Sommerausstellung also 17 KünstlerInnen vertreten und mit ihnen ein breiter Bogen an Arbeiten und Arbeitsmethoden – von Holz- bzw. Linolschnitt bis zur Radierung, farbig, monochrom, klassisch, modern und alles dazwischen. Die Ausstellung zeigt die Vielfältigkeit des künstlerischen Handdrucks auf eindrucksvolle Art und Weise: Der Farbdruck im verlorenen Schnitt (durch das Zerteilen des Druckstocks), der Schwarz-Weiß-Linien­ schnitt, die sperrige Holzmaserung sind mögliches Ausdrucksmittel des Hochdrucks. Im Gegensatz dazu stehen flächige Ätzungen oder feinste Linien beim Tiefdruck. Hier ist die Druckplatte aus Metall, die mit Stichel, Radiernadel oder Säure gestaltet wird. Ebenso breit gefächert ist die Verwendung

unterschiedlichster Papiere: Zum Einsatz kommt Bütte, Japan- oder China­p apier, auch Wasserzeichen und gerissene Ränder spielen ihre Rollen. Allen Drucken gemein ist das seitenverkehrte Arbeiten im Medium, alle Werke sind außerdem nur in Klein(st)auflagen erhältlich. Für Sammler bietet das Genre ebenso interessante wie abwechslungsreiche Möglichkeiten.

GALERIE NOTHBURGA Innrain 41, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/56 37 61

www.galerienothburga.at Ausstellung Druckgrafik

Sommerausstellung mit 17 KünstlerInnen Kuratierung: Barbara Fuchs Eröffnung: Di., 28. Juli 2020, 19:30 Uhr Dauer: 29. Juli bis 22. August 2020


ÖTZTAL

DAS ÖTZTAL STARTET IN DIE SOMMERSAISON

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Das Ötztal ist das längste Tiroler Seitental und überzeugt in der Sommersaison 2020 mit seiner Angebotsvielfalt und dem Mehrwert für den Gast. Dazu zählen die beliebten Inklusivkarten Ötztal Premium Card und Ötztal Card, die ein abwechslungsreiches Leistungsangebot bündeln. Aber auch für den heimischen Gast wird vieles geboten.

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rlebnisreiche Momente sind im Ötztal gesichert. Denn im 67 Kilometer langen Tal mit Sölden als flächenmäßig größter Gemeinde Österreichs reihen sich Natur-, Sport- und Kulturhighlights fast nahtlos aneinander. „Unsere Gäste schätzen diese unvergleichliche Auswahl – von Action beim Wildwasser-Rafting über Einsamkeit in unbekannten Seitentälern bis hin zu gemeinsamen Radtouren mit der Familie“, skizziert Oliver Schwarz, Direktor von Ötztal Tourismus, einen Bruchteil des variantenreichen Angebots. Um ihren Kunden die Urlaubsplanung in besonderen Zeiten deutlich angenehmer zu machen, wartet die Destination mit einer besonderen Aktion auf. Gebuchte Aufenthalte über die heimische Plattform booking.oetztal.com können bis zum 7. Tag vor

Anreise kostenlos und ohne Angaben von Gründen storniert werden (gültig bis 4. Oktober 2020). Weiters ist keine Anzahlung nötig. Das Online-Buchungsportal von Ötztal Tourismus bündelt mehr als 1.000 Betriebe in allen Kategorien.

ZIELE FÜR ENTDECKER

Bei 1.600 Kilometern an markierten Wander- und Trekkingrouten findet im Ötztal jeder seinen Weg. Ob beim Ötztal Trek als hochalpine Route, den zwölf Etappen des Urweges als talweite Weitwanderstrecke oder den familienkompatiblen Wasserläufern. Leicht erreichbar werden die Ausgangsund Zielpunkte mit den Sommerbergbahnen und Wanderbussen. Wer alles aus eigener Kraft schaffen will, nutzt das Rad zur Anfahrt und feiert dann seinen Bike&Hike-Gip-

felsieg beim Einkehren. Insgesamt 57 über das gesamte Tal verstreute Almen und Hütten eröffnen Sommerfrische mit Bergluft. Absoluter Liebling von Kindern ist das Maskottchen WIDI, das in der Almenregion Hochoetz seine Heimat hat. Hier liegt auch das Widiversum mit spannenden und interaktiven Spielstationen, die die Herzen kleinerer Wanderer höherschlagen lassen. Prädestiniert für einen Familienausflug ist auch die „Almzeit“ in Sölden. Der Themenweg verbindet die umliegenden Hütten und sorgt mit seiner Inszenierung für nachhaltige Erlebnisse.

GUT ZU BIKE

Als Zweiradnation weiß das Ötztal zu glänzen. In Sölden lockt die „Bike Republic Sölden“ mit ihren Lines und Natur-Trails; Neu-


ÖTZTAL

zugänge im Sommer 2020 sind der Fernar Trail mit Startpunkt am Tiefenbachgletscher auf 2.800 Metern und die Troaln Line im Bikegebiet am Giggijoch. Verbindendes Element ist der der Ötztal-Radweg, der durch das gesamte Tal führt. Abseits vom Verkehrsfluss können Zweiradfahrer ihre Urlaubsregion am Sattel erkunden.

VIELE GUTE ARGUMENTE FÜR EINEN G E L U N G E N E N Ö T Z TA L - S O M M E R U R L A U B L I E F E R T D I E Ö T Z TA L ( P R E M I U M ) C ARD. FÜR DEN HEIMIS CHEN GA S T STEHEN ZAHLREICHE ANGEBOTE UND A B E N T E U E R Z U R A U S WA H L .

ACTION AM WASSER, FELS UND BERG

Am Eingang zum Ötztal empfängt die AREA 47 als Österreichs größter Outdoor-Freizeitpark. Ob Blobbing, Rutschenpark, Hochseilgarten in 27 Metern Höhe oder Westösterreichs einzige Wakeboard-Anlage: Hier steigt das Adrenalin-Level nach oben. Gleiches gilt für eine Raftingpartie auf der Ötztaler Ache als meistbefahrener Wildwasserfluss Mitteleuropas. Freunde der Vertikalen bedienen sich aus 20 Klettergärten mit rund 750 Routen und abwechslungsreichen Klettersteigen. Filmreif präsentiert sich der Gipfel des Gaislachkogls in Sölden auf 3.048 Metern. Hier eröffnet 007 ELEMENTS als global erste Erlebniswelt einen Einblick in die Welt des weltbekannten Filmagenten James Bond. Das Haubenrestaurant ice Q an der Gipfelstation des Berges diente als Location für die Dreharbeiten zu „Spectre“. Wohlgefühl nach so viel Action bietet der AQUA DOME – Tirol Therme in Längenfeld, die zu den führenden Thermen Österreichs zählt.

KULTURSTARK

Im Ötzi-Dorf in Umhausen lässt sich die Geschichte des „Mannes aus dem Eis“ nachempfinden und in die Lebenswelt der Steinzeit eintauchen. Einblicke in die Kulturgeschichte des Tals und seiner Bewohner vermitteln die Ötztaler Museen mit Standorten in Längenfeld und Oetz. Viel Wissenswertes zu Flora und Fauna gibt die Ausstellung im Naturparkhaus in der Thermengemeinde Längenfeld preis. Ab etwa Mitte Juli wartet auch das Top Mountain Motorcycle Museum in Hochgurgl am Fuß der Timmelsjoch-Hochalpenstraße wieder PS-stark auf. Hier haben die Brüder Alban und Attila Scheiber ihren Traum von Europas höchstgelegenem Motorradmuseum mit einer einzigartigen Sammlung verwirklicht. Eine exklusive Sonderausstellung zeigt die schönsten „Indian“-Motorradmodelle, die jemals gebaut wurden. Weitere Informationen finden Sie unter www.oetztal.com. PR

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URLAUB DAHOAM Der heurige Sommer wird vermutlich ein anderer sein. Trotzdem wird er schön. Und abwechslungsreich, denn Tirol als unser Zuhause hat so viel zu bieten, dass man eigentlich gar nicht wegfahren muss.

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usflugstipps gibt es in Zeiten des Internets zweifellos in rauen Mengen. So viele, dass man oft gar nicht weiß, wo man hin soll. Uwe Schwinghammer hat in seinem Buch „Freizeit in Tirol“ eine schöne Auswahl getroffen, wir wiederum haben uns ein paar Ziele davon herausgepickt. Kommen Sie, schauen Sie.

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© TIROL WERBUNG/MICHAEL RATHMAYR

NOCH MEHR ZIELE FREIZEIT IN TIROL Uwe Schwinghammer, Tyrolia Verlag, 256 Seiten, EUR 19,95

Uwe Schwinghammer hat in seinem Buch die 100 Freizeittipps in Nordtirol zusammengetragen und dabei allesamt persönlich besucht, weshalb Sie sich mit gutem Gefühl auf die Empfehlungen verlassen können. Die Ausflüge kosten nicht viel Geld und sind auch für mehrköpfige Familien leistbar. Gut die Hälfte der Tipps sind – abgesehen von der Anreise – sogar kostenlos, fast alle Ausflüge sind gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu organisieren. Wichtige Angaben zu Anreise, Öffnungszeiten oder Zeitaufwand machen das Buch zum praktischen Jahresbegleiter und selbst leidenschaftliche Tiroler werden darin noch den ein oder anderen Aha-Moment erleben.


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KLETTERN ZWISCHEN BÄUMEN:

H O C H S E I L G A R T E N S T U B A I TA L Gegen Höhenangst ist ein Hochseilgarten nur bedingt als Therapie geeignet. Aber zur Koordination von Mut, Geschicklichkeit und Kraft ist er ideal. Und ein riesiger Spaß dazu für Groß und Klein. Im „1. Adventure Park Tirol“ in Fulpmes geht’s zuerst zur Ausgabe von Helm und Gurtzeug. Die Schwierigkeit der Routen im größten Hochseilgarten Tirols steigert sich dabei kontinuierlich. Kriechen durch eine Tonne, Fortbewegung auf schaukelnden Holzteilen, Fahren mit einem Skateboard, das auf Rollen über die Seile läuft. Und nicht zu vergessen: ein Rutscher mit dem Flying Fox. Dazwischen kann man auf Plattformen ausruhen. Immer höher und höher kommt man dabei, bis man irgendwo zwischen den Baumwipfeln herumschwingt. Am Ende kann man im gemütlichen Restaurant auf dem Areal den eigenen Mut ein wenig feiern. www.outdoorprofi.at Weitere Hochseilgärten: • Hochseilgarten Fieberbrunn, www.func.at • Kletterwald Hornpark, St. Johann, www.hornpark.at • Abenteuerpark Achensee, www.abenteuer-achensee.at • Abenteuer-Erlebnispark Zillertal, Kaltenbach, www.outdoorcenter-zillertal.com • Ötztaler Outdoor Parcours, Sautens, www.outdoor-parcours.com • Kletterwald Bichlbach, www.kletterwald-bichlbach.at

NOCH MEHR TIROL

FÜR ALLE BERGFEXE

Gipfelbuch, 168 Seiten, EUR 9,95 Der Autor deiner Abenteuer bist du. So lautet das Motto des neuen Gipfelbuchs von KOMPASS und ist gleichzeitig die Aufforderung, es mit den eigenen Erlebnissen und Erinnerungen zu füllen. Ein Mitmachbuch sozusagen und der richtige Ort, um Bergträume zu planen oder nach dem Verwirklichen festzuhalten. Als Geschenk, für sich selbst oder einfach als bergverliebtes Notizbuch.

VOM OACHKATZLSCHWOAF BIS ZUM GSCHISTIGSCHASTI

Das große Wörterbuch der Tiroler Dialekte, 528 Seiten, EUR 24,90

ZUM AUSTOBEN FÜR ALLE:

MUTTERER ALM Auf der „Mutterer“, da kann sich im Sommer einfach jeder austoben. Das Angebot ist riesig und reicht von Biketrails über den Speichersee bis zu den Bäumelhäusern. Für die ersten Versuche im Downhillen kann man sich an der Talstation gerne das Equipment ausborgen. Ebenfalls beliebt, um wieder ins Tal zu kommen, sind die Mountain Carts. Mit den Dreirädern kann man die Schotterpiste hinunterfahren, die eigens neben dem normalen Weg angelegt wurde. Wer es lieber gemächlich mag, für den ist vielleicht Yoga am Speichersee das Richtige. Tische und Bänke am See laden auch zu einer gemütlichen Jause ein und schließlich ist da noch eine ganze Kinderwelt zu entdecken: Beim Zauberwasser zum Beispiel warten große und kleine Wasserräder und Wasserrutschen, im Bewegungspark werden Balance und Koordinationsgefühl gefördert. Und nicht zuletzt ist die Mutterer Alm idealer Ausgangspunkt für Wanderungen und Mountainbiketouren. So lässt es sich zum Beispiel ohne große Höhenunterschiede wunderbar über die Raitiser auf die Kreither Alm wandern. Nach einer Stärkung auf der zweiten Alm schließlich in Kreith angekommen, kann man den Rückweg mit der Stubaitalbahn (Tipp Nr. 53) nehmen. Oder natürlich zu Fuß gehen. www.muttereralm.at

Wer ganz tief eintauchen möchte in die Welt der Tiroler Dialekte, dem sei dieses Buch aus dem heimischen Haymon Verlag empfohlen. Hans Moser nimmt Sie darin wortreich mit auf eine Reise durchs Land und die bunte Vielfalt der Sprache. Mundartwörter aus dem Alltag, deren Ursprung Ihnen Kopfzerbrechen bereitet, Ausdrücke und Wendungen, die Sie bis dato noch nie gehört haben, dialektale Neubildungen, die Sie überraschen werden, sowie aufschlussreiche Informationen zu Herkunft, Bedeutung und Aussprache.

LAUNIGE LANDESKUNDE

Tirol. Eine Landvermessung in 111 Begriffen, 86 Seiten, EUR 14,95 Grenzgeniales Glossar über das weltweit schönste Bundesland Österreichs, ebenso grenzgenial illustriert von Christian Opperer. Dominik Prantl erklärt, was Sie schon immer über Tirol wissen wollten. Oder auch nicht. Das Buch, erschienen im Tyrolia Verlag, spielt mit dem Genre Lexikon und ist eine wunderbare Mischung aus Tiefsinn und Ironie und ebenso gescheit wie witzig. Die perfekte Lektüre für alle, die Tirol kennen und trotzdem lieben.

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eco.life

VON ROLLERN UND SCHELLERN:

FA S N A C H T S M U S E U M I M S T „Söll mer huire in’d Fasnacht giah?“ Diese – wenngleich rein rhetorische – Frage stellen sich die Imster Fasnachtler alle vier Jahre am Dreikönigstag bei einer Versammlung. Erhält die Frage Zustimmung, so findet das bekannte Imster Schemenlaufen statt. Früher wurde es am Unsinnigen Donnerstag abgehalten, seit 1933 an einem Sonntag. Beginn ist um Schlag zwölf Uhr mittags, der Umzug endet mit dem Betläuten um 18 Uhr. Wie weit dieser Brauch zurückgeht, das weiß man nicht. Erstmals ausdrücklich verwendet wurde der Begriff des Schemenlaufes 1683. Seine Geschichte kann man im Imster Fasnachtshaus verfolgen. Vom groben Zirbenklotz bis zur fertigen Maske, von den verschiedenen Figuren und deren Funktionen, von der Planung der ersten Wagen bis zu deren Aufmarsch. Das aufwändig renovierte und umgebaute Fasnachtshaus ist halb Museum, halb Archiv. Dort werden nämlich auch die meisten der aufwändigen Kostüme und Masken gelagert, mit denen beim Schemenlauf bis zu 900 Männer und Buben am Umzug teilnehmen. www.fasnacht.at

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Weitere Fasnachtsmuseen: • Fasnachtshaus Nassereith, www.fasnacht-nassereith.at • Noaflhaus Telfs, www.telfs.at • S’Paules und S’Seppls Haus, Fiss, www.museum-fiss.at • Matschgerer-Museum, Absam, www.absam.at

IN UND AN DER MAUER:

S C H L E G E I S S TA U S E E 131 Meter hoch, 725 Meter lang, an der Basis 34, an der Krone 9 Meter breit – das ist der Schlegeisspeicher im hintersten Zillertal. Technisch beeindruckend, in eine großartige Bergwelt eingebettet, aber auch – vielleicht etwas überraschend – sportlich anspruchsvoll. Gebaut wurde der längste Stausee des Verbunds in den 1960er-Jahren, damals noch von den Tauern-Kraftwerken. Die reine Bauzeit betrug knapp drei Jahre, bis zu 1.200 Menschen waren bei der Errichtung beschäftigt. Bevor mit dem Bau jedoch begonnen werden konnte, musste erst einmal eine Straße errichtet werden. Heute ist sie eine spektakuläre Mautstraße, auf der man zum Stausee gelangt. Oben angekommen, ist man erst einmal überwältigt vom An- und Ausblick. Auch der höchste Berg des Zillertales, der Hochfeiler, zeigt sich in der Ferne jenseits des türkisfarbenen Wassers. www.schlegeis131.at Für Wanderlustige: Vom Parkplatz kann man in knapp zwei Stunden eine wunderbare Wanderung bis nach Südtirol aufs Pfitscher Joch unternehmen, zum Friesenberghaus oder zur Olpererhütte aufsteigen.

Für Adrenalinfreaks: Man kann sich an der Staumauer in allen möglichen Fun-Sportarten üben.

Für alle empfehlenswert: Interessant ist es, in das Innere der Staumauer vorzudringen – entweder in Form einer Führung oder man steigt über Treppen in der Mauer bis zu deren Grund hinunter und auf der anderen Talseite wieder hinauf. Außerdem führen vier Gänge auf verschiedenen Höhen von einer Seite der Mauer zur anderen. Gebaut zu Kontrollzwecken, werden sie heute auch als Attraktion genutzt.


Jeder Frau ihr Unikat. Dirndl, individuell auf Mass geschneidert.

Heimatgwand Dirndlschneiderei • Leopoldstraße 26 • 6020 Innsbruck • Christian Neff • Tel.: +43 664 2824771 • christian@heimatgwand.at • www.heimatgwand.at


SAGENHAFT:

ZAMMER LOCHPUTZ

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Wenn sich zwei Männer um eine Wassernymphe streiten, dann entsteht … der Zammer Lochputz: eine Sagengestalt und Freizeitattraktion gleichen Namens. Am Eingang zum Zammer Lochputz, einer Schlucht am östlichen Ortsbeginn von Zams, heißt es zuerst einmal „Helm ausfassen“. Denn aus Sicherheitsgründen darf das Areal nur mit Kopfschutz betreten werden. Erste Station ist ein Kleinkraftwerk der TIWAG, in dem man hinter Glas den zwei Turbinen bei der Arbeit zusehen kann. Draußen im Freien sticht einem links ein altes, verfallenes Gemäuer ins Auge: die Schmiede, Behausung eines der beiden Männer, die laut Sage um die Wassernymphe gestritten haben. Dorthin führt eine Hängebrücke, heute aus modernem Stahlgitter, früher wohl aus Seilen und Holz. Auf einem Steg geht es zu einem Wasserfall und danach viele, viele Stufen am Rande der Schlucht hinauf. Nun geht es wieder in Richtung Eingang zum Zammer Lochputz: Dort, in einem historischen Wehrturm, der einst zur Außenanlage der Burg Schrofenstein bei Stans gehört hat, wird in einem Film die gesamte Sage erzählt und man bekommt das Lied vom Lochputz zu hören. Für Kinder bis etwa zehn Jahren ausgesprochen nett. www.zammer-lochputz.at

© TIROL WERBUNG/MICHAEL RATHMAYR

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WO DIE Ö-TOUR SPITZE IST:

KITZBÜHELER HORN Egal ob von Kitzbühel oder St. Johann aus: Das Kitzbüheler Horn mit dem markanten Sendemasten dominiert die Landschaft. Und nichts ist atemberaubender, als von dort oben das Panorama zu genießen: Watzmann, Glockner, Großvenediger … Bis direkt auf den Gipfel führt nur die Seilbahn von Kitzbüheler Seite. Bei allen anderen Liften muss man sich den Berg erwandern. Auch die Mautstraße von Kitzbühel aus führt nur bis zum Alpenhaus. Die letzten rund 300 Höhenmeter geht es nur mehr zu Fuß oder mit dem Fahrrad weiter. Wer mit dem Rad von ganz unten wegfährt, der kann überhaupt in richtige Österreich-Radrundfahrt-Stimmung kommen, schließlich ist der Berg seit dem Jahr 2000 fast jedes Jahr fixer und oft auch höchster Punkt der Tour. Auch der Aufstieg über den Alpengarten lohnt sich, nichts toppt allerdings den Ausblick vom Gipfel. Unter sich hat man die Häuser von St. Johann wie bei einer Spielzeugeisenbahn-Landschaft liegen, den Wilden Kaiser, die Loferer und Leoganger Steinberge direkt vor der Nase, im Norden blitzt ein kleines Stückchen Chiemsee hervor, im Süden präsentieren sich glänzend die Hohen Tauern. Für Wissensdurstige: Nach einem kurzen Abstieg vom Alpenhaus über die Straße kommt man zur Trattalm. Dort beginnt der Karstweg, an dem an 17 Stationen die Eigenheit eines Karstgebirges erklärt wird: Wasser verschwindet einfach und kommt einige hundert Meter weiter unten wieder aus dem Felsen hervor, Berge brechen auseinander. Höhepunkt des ausgesprochen mäandernd angelegten Weges ist die „Weanerstadt“, in der hunderte bizarre kleine Felsen aus dem Almboden ragen und eine steinerne Stadt bilden. Von dort geht es wieder zurück zum Alpenhaus. www.alpenhaus.at

Tipp: Für bewegungshungrige Kinder besonders schön: Auf dem Weg vom Alpenhaus zum Horngipfel sind mehrere Kletterwiesen oder Mini-Klettergärten eingerichtet. Dort können sie sich spielerisch an das Kraxeln im Fels und das Begehen eines Klettersteiges herantasten.


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Den Sternen so nah Mit seinen stolzen 2.212 Metern thront der Venet hoch über dem Talkessel von Landeck, Zams und Fließ und ist neben dem bunten Freizeitangebot am Gipfel vor allem für eine grandiose Aussicht bekannt.

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achts tut sich ein einzigartiger Sternenhimmel auf. Die neue Sternwarte, direkt am Gipfel und ein in Tirol einzigartiges Observatorium legen den Blick auf die facettenreiche Himmelswelt frei. Und ermöglichen dank ihrer Topausstattung ein ungestörtes Bestaunen der Himmelskörper. Störende Faktoren wie Smog und Licht aus umliegenden Städten und Tälern sollten minimal und der Blick auf den Himmel uneingeschränkt sein. Zwei Dinge, die der Venet natürlicherweise erfüllt. Auf Anfrage wird man von einem ausgebildeten Sternenguide in die Warte begleitet und bekommt wertvolles Wissen über den glitzernden Himmel vermittelt. Dort warten Fernrohre, Teleskope und digitale Kameras. Anschließend befördert der Venet Bob abenteuerlustige Fahrgäste auf kurvenreichem Weg ins Tal.

VENET BERGBAHNEN AG Hauptstraße 38 6511 Zams Tel.: 05442/62663 info@venet.at

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Urlaub in den Bergen, in den รถsterreichischen Alpen. Das Hotel in Leogang liegt in herrlicher Alleinlage in 1.050 Metern Seehรถhe.

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NATUR IST FREIHEIT

Das Holzhotel Forsthofalm ermöglicht Individualität und Freiheit. Oberhalb von Leogang in toller Alleinlage auf 1.050 Metern Höhe bietet es an 365 Tagen einen Mix aus Naturhotel, Wellness, Rooftop-Pool, Organic Food und einem topaktuellen Mountain-Life-Programm mit täglichem Yoga, Fitness und fünf geführten Wanderungen pro Woche.

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ein ganzheitliches Erlebnis für Körper und Geist. Anregende oder entspannende Massagen mit den hausgemachten Almkräuterölen lassen den Alltag schnell vergessen. Das Spa der Forsthofalm folgt der Philosophie, auf die Sinne zu hören und den eigenen Empfindungen zu vertrauen. Anhand der fünf festgelegten „Moods“ Soul, Brain, Energy, Muscle und Love wird die jeweilige Anwendung individuell auf den Gast abgestimmt. An lauen Sommerabenden erleben Gäste einmal pro Woche am Rooftop von Leogang den Sundowner des Hotels und genießen neben DJ-Musik und Cocktails von der Dachterrassenbar die atemberaubende Aussicht auf die einzigartige Bergkulisse.

ugen zu und tief einatmen – das natürliche Aroma von frischem Holz verbreitet sich in der Nase, sobald man die Forsthofalm betritt. Als erstes Vollholzhotel im Salzburger Land wurde es komplett ohne Nägel errichtet, die Zimmer sind leim- und metallfrei. Für besonders ruhigen und tiefen Schlaf sorgt das mondgeschlagene Holz, dem wie dem Zirbenholz eine schlaffördernde Wirkung nachgesagt wird. In der Einrichtung der 56 Zimmer und Suiten harmonieren warme, erdverbundene Farben mit heimischen Naturmaterialien wie Fichten-, Kiefern- und Zirbenholz, grünem Schiefer, Leinen, Jute, Lehm und Leder.

WEITBLICK

KULINARISCHES BERGLEBEN

Im Sky Spa lässt es sich ganzjährig im beheizten Rooftop-Pool mit 360-Grad-Weitblick schwimmen, auf der großen Dachterrasse findet eine Vielzahl der Fitnesskurse statt. Ob Aquafitness, Hot Iron, Piloxing, Blackroll-Faszientraining oder Boxen – für alle ist etwas dabei und in der Gruppe macht es richtig Spaß. Wer sich inmitten der Natur lieber auf sich selbst konzentrieren und zur Ruhe kommen will, der findet bei den drei täglichen Yogastunden, egal ob Yin Yan oder Budokon Yoga,

Neben einem umfangreichen Sportangebot bietet das Hotel im Rahmen des wöchentlich wechselnden Mountain-Life-Programms geführte Wanderungen, Cocktailkurse, Fire-&-Wine-Abende an der Feuerschale oder Meet-&-Grill-Abende. Aber nicht nur Fleischliebhaber kommen mit dem Organic-Food-Konzept des Hotels aus heimischen Produkten auf ihre Kosten, sondern auch Vegetarier und Veganer. Das Küchenteam verwöhnt im Restaurant KUKKA mit

einer Bioküche vom Holzkohlengrill, denn angeboten wird vor allem das, was vor der Haustür wächst und aus der Region kommt. Bereits am Nachmittag glüht der hoteleigene Brotbackofen, um pünktlich zum Abendessen frisches Brot servieren zu können. Zum Frühstück sorgt eine reichliche Auswahl an veganen, vegetarischen und klassischen Produkten für einen guten Start in den Tag. KUKKA bedeutet im Skandinavischen „Blume“ und soll eine wilde, zugleich zahme, schöne, überraschende und vielfältige Küche widerspiegeln.

HOLZHOTEL FORSTHOFALM Hütten 37 5771 Leogang/Österreich Tel.: 06583/8545 info@forsthofalm.com

www.forsthofalm.com

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EINE PORTION „HOAMATGFÜHL“ Aktiv sein, entspannen und genießen: Im ****Berg & SPA Hotel Urslauerhof lässt sich die Region rund um den Hochkönig in ihrer ganzen Pracht erleben. So geht Urlaub im eigenen Land …

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ktiv sein und sich dabei die frische Bergluft um die Nase wehen lassen? Auf 1.000 Höhenmetern, inmitten der Bergwelt der Hochkönig-Region, liegt das ****Berg & SPA Hotel Urslauerhof – der ideale Ausgangspunkt für einen sportlichen Urlaub in den Salzburger Bergen. Mit der Hochkönig Card gibt’s jede Menge Hochgefühle zum Urlaub gleich mit dazu. Für Urslauerhof-Gäste heißt das unter anderem: unbegrenzte Nutzung sämtlicher Bergbahnen der Region Hochkönig, freie Fahrt mit dem Wanderbus, einmal mit dem Lift hinauf auf den Biberg und per Sommerrodelbahn wieder herunter sowie kostenlos geführte Biketouren und Wanderungen. Die Region begeistert dabei mit stolzen 340 wanderbaren Kilometern in verschiedensten Schwie-

rigkeitsstufen. Von gemütlichen Panoramawegen bis hin zu ambitionierten Touren ins imposante Bergmassiv ist alles dabei. Wer nach einem Aktivtag im Gebirge die Muskeln lockern will, findet in Hochkönig’s Wellnessreich im Urslauerhof seinen neuen Lieblingsplatz: ausspannen, relaxen, Kraft tanken und die Seele baumeln lassen. Und was neben der perfekten Entspannung auch nicht zu kurz kommen darf, ist der kulinarische Genuss. Im „Hoamatkörberl“ wartet bereits am Frühstückstisch eine Auswahl an regionalen und hausgemachten Produkten. Am Abend begeistert die Küchencrew mit einem Fünfgang-Wahlmenü, das neben internationaler Küche auch original Pinzgauer Spezialitäten und vegetarische Köstlichkeiten bietet.

****BERG & SPA HOTEL URSLAUERHOF 5761 Maria Alm/Hinterthal Tel.: 06584/8164 info@urslauerhof.at

www.urslauerhof.at

PAUSCHALE „OPENING ALL INCLUSIVE“ Buchbar noch bis 4. Juli 2020, ab zwei Übernachtungen bereits ab 208 Euro pro Person. Inkludiert sind Urslauerhof’s Verwöhnpension, Benützung von Hochkönig’s Sauna- und Badelandschaft, 40-EuroKonsumationsgutschein, 1 E-BikeBenützung, Hoamat-Jausensackerl, Hochkönig Card, 1 Flasche Hoamatwein u.v.m.


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eco.life

l’Arc-Betreiber Selle Coskun (re.) mit seinem Lokalpartner Bernhard Seebacher.

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© DAVID JOHANSSON


eco.life

MEERESBLAU UND SONNENGOLD Ende des letzten Jahres wurde aus dem Gang & Gebe unweit der Triumphpforte in Innsbruck das l’Arc, der Bogen. Gastgeber Selle Coskun hat darin seine ganz eigene Interpretation einer modernen Brasserie umgesetzt und erfreut damit Auge und Gaumen gleichermaßen. Das l’Arc ist eine echte Bereicherung für die Landeshauptstadt.

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elle Coskuns l’Arc ist nicht nur schick und cool sondern vor allem sympathisch und gemütlich. (Innen-)Architektonisch sorgen dunkelblauer Samt für Stühle, Pölster und Vorhänge für eine eigenständige, unverwechselbare Stimmung, Goldelemente bei Leuchten und Accessoires für den nötigen Kontrast, die Mitarbeiter geben dem Lokal zusätzlich Charakter. Hier nimmt man sich und die Welt nicht immer so furchtbar ernst und zelebriert vor allem eines: die Lust am Leben.

QU’EST- CE QUE C’EST?

Harmonische Gegensätze scheinen sinnbildlich für das l‘Arc, nicht nur farblich – auch in der räumlichen Aufteilung. Im hinteren Bereich: eine lange Bank, bequeme Sessel, Ruhe, Rückzug, perfekt für ein geschäftliches Meeting (das Businessmenü mit Suppe oder Salat als Vorspeise und Hauptgang mit je einer vegetarischen Variation um 12,50 Euro ist eine dringende Empfehlung!), zum Plausch mit der besten Freundin und abends zum Gern-länger-Sitzen. Das Essen hat uns dabei schon mehrere Male umgehauen. Serviert wird ein feiner Mix aus frischer mediterraner Küche und Cuisine Francaise, die in charmanter Lesart daherkommt. Entspannt und doch mit dem gewissen Etwas halten die Klein- und Großigkeiten am Gaumen, was sie dem Auge versprechen. Die ungezwungene, fröhliche Lebensart, die man am Mittelmeer so liebt, hat samt südlichem Gemüt nicht nur in der Innenarchitektur Einzug gehalten, sondern spiegelt sich auch am Teller wider – ein feines Spiel aus Aromen und Farbenpracht, kreativ, ohne sich in zu viel Chi-Chi zu verzetteln. Dazu ein schönes Glas Wein oder Champagner und die Welt ist zumindest für einen kleinen Augenblick uneingeschränkt in Ordnung. Im Sommer kann außerdem die große Fensterfront im

Bei uns kommt in entspannter Atmosphäre zusammen, um einen schnellen Kaffee, ein Glas exquisiten Wein oder gaumenfreundliche Cocktails zu genießen, über den Tag zu plaudern und dazu eine feine Auswahl kleiner Speisen zu bestellen – egal, zu welcher Tageszeit. SELLE COSKUN

175 hinteren Bereich geöffnet werden – dann kommt man in den Gastgarten und hat auch innen ein klein wenig das Gefühl, draußen zu sitzen. Vorne das Kontrastprogramm: Stehtische, an denen man sich untertags zum schnellen Kaffee oder lockeren Smalltalk und abends zum After-Work-Drink trifft, der mitunter auch mal länger dauert. Denn die reichlich und hochwertig bestückte Bar ist definitiv das Herzstück des Lokals. Ganz in Gold getaucht setzt sie nicht nur optisch Akzente, auch was Barkeeper Dan dahinter hervorzaubert, kann sich durchwegs sehen lassen. Und schmecken. Er hat Ahnung, wie man richtig gute Drinks mixt. Selle Coskun indes war bereits mit jungen 19 Jahren selbst Barchef im damaligen Szenelokal Hofgarten, drei Jahre später eröffnete er seine erste eigene Bar in Innsbruck, übernahm ein wenig später das Jimmy’s und wurde Teilhaber weiterer zwei Gastrobetriebe in Innsbruck. Als Markenbotschafter für verschiedene internationale Getränkemarken wirkte er zudem bei der Konzeptentwicklung mehrerer Bars in Istanbul, Berlin und New York mit. Er weiß also, wovon er spricht. Dass er unter anderem auch regelmäßig für Marken wie H&M, Baldessarini oder Dolce&Gabbana modelt, dürfte auch seinen Sinn für Ästhetik erklären.

Ein besonderes Element sind übrigens die eigens für das l’Arc angefertigten goldenen Raumtrennelemente aus Metall, die mit ihrer ornamentalen, lasergefertigten Optik einen echten mediterranen Hingucker bieten. Bei der Umsetzung unterstützt wurde Coskun dabei von Meissl Architects. Entstanden ist ein völlig neues Bar-Erlebnis abseits des Mainstream und von Stereotypen. Hier wird man immer wieder aufs Neue überrascht, weshalb wir auch immer wieder aufs Neue gerne kommen.

L‘ARC brasserie et bar méditerranée Leopoldstraße 7 6020 Innsbruck Tel.: 0676/60 20 547 info@larc.at

www.larc.at


eco.rezept

ESSEN IST MEINE LIEBLINGSSPEISE Schon Ephraim Kishon wusste sich mit der zweitschönsten Sache der Welt gut zu beschäftigen. Und weil grad eh schon alles kompliziert genug ist, sollte man sich statt Sorgen manchmal einfach Nudeln machen.

Le Fettuccine di riso con il pesto e i pomodorini Reis-Fettuccine mit Pesto und Kirschtomaten Z U TA T E N F Ü R 5 P E R S O N E N :

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400 g Reis-Fettuccine 1 Glas Pesto zu 180 g 200 g feste, reife Kirsch- oder Datteltomaten einige frische Basilikumblätter 1 Stückchen gealterter Pecorino zum Reiben (je nach Geschmack) Salz

TIPP: GLUTENFREIE FETTUCCINE Schon vor Jahren haben wir die wunderbaren Produkte von La Vialla aus der Toskana entdeckt und lieben jedes einzelne davon. Mittlerweile gibt es mit diesen Fettuccine auch eine glutenfreie Pastavariante, aus eigens für die Fattoria gemahlenem Reis, der auf biologische Weise in Italien angebaut wird. Das Mehl besteht aus normalem und Vollkornreis und schenkt zusammen mit weiteren glutenfreien Zutaten auch Spaghetti, Fussili, Ciabattine und Cantucci das Leben. Die Fettuccine mit Pesto und Kirschtomaten sind ein schnelles, wertvolles Sommerrezept und auch kalt serviert ganz wunderbar. Es schmeckt allen – auch denen, die keine Probleme mit Gluten haben. 4 Säcke zu 250 g gibt’s um 14,60 Euro unter www.lavialla.it.

SO WIRDS GEMACHT:

NUDELN: 11  50 g der Kirschtomaten waschen, abtrocknen, in dünne Scheiben

schneiden und beiseitestellen. Reichlich Wasser für die Pasta aufstellen. Sobald das Wasser zu kochen beginnt, salzen (wenn Sie das Pesto von La Vialla verwenden, geben Sie weniger Salz ins Wasser). Die übrigen, ganz belassenen Tomaten hineingeben und gleich darauf die Pasta. 2B  eginnt das Wasser erneut zu kochen, nehmen Sie die Tomaten mit einem Schaumlöffel heraus und zerdrücken diese in der Schüssel, in der Sie die Pasta anrichten; fügen Sie auch die Tomatenscheiben hinzu, einige Basilikumblätter und das Pesto. 3D  ie Fettuccine „al dente“ abgießen (nach etwa 5 Minuten) und im Nudelsieb mit einem Glas kalten Wasser abschrecken. Gut abtropfen lassen und in die Schüssel mit der Soße geben. Das Ganze sorgfältig miteinander vermischen, noch etwas Basilikum hinzufügen und … zu Tisch! 4E  twas geriebener Käse begleitet, für diejenigen, die ihn mögen, das Gericht auf perfekte Art und Weise.

TRINK DIR DAS LEBEN ROSA

Zu den Fettuccine passt der „Ca’ dell’Oro“ ganz hervorragend. Er war der erste RoséSekt von La Vialla, entstanden aus den Pinot-Nero-Trauben der viallinischen Weinberge im Oltrepò Pavese. 6er-Karton um 60 Euro. Außerdem mögen wir den Rosé-Sekt vom Weingut Lang aus Neckenmarkt sehr. Die Familie ist bekannt für ihre tiefgründigen Roten, aber auch der Sekt aus Blaufränkisch-Trauben prickelt schön am Gaumen (12,90 Euro unter www.rotweinelang.at). Quasi um die Ecke sind Josef und Maria Reumann zu Hause, die mit dem rosé secco die Welt auch mal rosarot färben (9 Euro unter www.weingut-reumann.at). Und weil guter Wein auch andernorts wohnt, lohnt mit dem samtigen Rioja Excellens Rosé von Marqués de Cáceres ein rosa Blick nach Spanien (um 9,50 Euro exklusiv bei Gottardi).


eco.life

SEITEN-WEISE ROMANE

Ein Sommer ohne Bücher? Möglich, aber schon ein bisschen sinnlos. Wir haben ein paar Tipps für Sie.

L E I C H E N, DI E AU F K Ü H E S TA R R E N TA T J A N A K R U S E , H A Y M O N V E R L A G ,

L E T Z T E R J ODL E R H E R B E RT D U T Z L E R , H AY M O N V E R L A G , 400 SEITEN, EUR 14,95

Die Altaussee-Krimis von Herbert Dutzler begleiten uns schon viele Bücher lang und stets aufs Neue mögen wir sie. In diesem Fall hat es einen Sänger erwischt. Wenn Inspektor Franz Gasperlmaier zu ermitteln beginnt, wird’s ernst. Und humorig.

288 SEITEN, EUR 12,95

SOMMERGESCHICHTEN Wenn schon das Thema Regionalität immer noch größer geschrieben wird, sollte man das auch bei Büchern beherzigen. Krimödienkönigin Tatjana Kruse mordet in ihrem Alpenkrimi in Kitzbühel und hält dem Ort damit gleichzeitig sehr liebevoll einen Spiegel vor. Pointiert und ungeniert lustig. Lesen Sie unbedingt mehr von ihr.

A N T O N Č E C H O V, D I O G E N E S V E R L A G , 272 SEITEN, EUR 22,70

Was passt besser in den Sommer? Anton Čechov erzählt unheimlich schöne, nachdenkliche, sanfte und unbeschwerte Geschichten. Peter Urban hat sie ganz wunderbar vom Russischen ins Deutsche übersetzt.

Ein Haus ohne Bücher ist arm, auch wenn schöne Teppiche seine Böden und kostbare Tapeten & Bilder die Wände bedecken. HERMANN HESSE

GEHEIME QUELLEN DONNA LEON, DIOGENES VERLAG, 320 SEITEN, EUR 24,70

Sie zählt längst zu unserem Standard-Sommerrepertoire und man mag es kaum glauben, dieser Fall ist schon der stattliche 29. des Commissario Brunetti. Dieses Mal beginnt die Geschichte mit einem Motorradunglück, das – man könnte es fast ahnen – nur vermeintlich ein Unfall war. Kommen Sie mit uns zumindest in Gedanken nach Venedig …

D E R WA L U N D D A S E N D E D E R W E LT JOHN IRONMONGER, FISCHER VERLAG, 480 SEITEN, EUR 12,40

John Ironmonger erzählt in fast erschreckender Aktualität (obwohl im Original bereits 2015 erschienen), wie sehr wir alle und auf der ganzen Welt miteinander verbunden sind. Und er erzählt von Menschlichkeit in Zeiten von Krisen. So wird der Roman zu einem, der Hoffnung darauf macht, dass am Ende alles gut wird.

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PING … PONG Wenn sich ein Laden „Mr. Tischtennis“ nennt, ist eigentlich nicht mehr viel dazu zu sagen. Es ist recht klar, wo hier die Reise hingeht. Zuhause ist Christoph Maiers Tischtennis-Paradies in der Innsbrucker Mentlgasse.

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s war 1988, als Christoph Maier erstmals mit Tischtennis in Berührung kam, seitdem hat ihn der Sport nicht mehr losgelassen. „Inzwischen ist aus meinem einstigen Hobby ein Beruf geworden, den ich auch als Berufung sehe“, sagt er. Wobei es „Hobby“ wohl nicht wirklich trifft. Maier war jahrelang Mitglied des österreichischen Nationalteams, EM-Teilnehmer und ehemalige Nummer 200 der Welt. Er hat die Ausbildung zum staatlich geprüften Tischtennistrainer gemacht und leitet das Tiroler Leistungszentrum. Kurzum: Christoph Maier ist einer, der sich auskennt mit Tischtennis. Deshalb tragen er und sein Shop den Namen auch völlig zu Recht. 2012 hat er sich mit seinem Laden selbständig gemacht, fünf Jahre darauf ist er damit von Fulpmes nach Innsbruck übersiedelt. Auf 65 Quadratmetern Verkaufsfläche findet sich hier alles, was man als Tischtennis-Begeisterter braucht – ob Spieler, Trainer, Funktionär oder Hallenbetreiber, ob Profi oder Freizeitspieler. Und wer meint, mit Schläger, Ball und Tisch wäre es getan, der irrt. Grundsätzlich stimmt das natürlich,

Bei Mr. Tischtennis finden Sie auch verschiedene wetterfeste Tische für draußen – zum SofortMitnehmen oder bequem liefern lassen.

aber allein das Sortiment an Hölzern ist gewaltig und auch Ball ist nicht einfach Ball. Dazu gibt’s Beläge und natürlich Komplettschläger, Reinigungsutensilien und Kleber, Netze, Taschen und Hüllen, Textilien und Schuhe und damit eigentlich nichts, das es nicht gibt. Auch die Auswahl an lagernden Tischen ist beeindruckend. Damit kann das Spiel ohne Umschweife losgehen. Die perfekte Beratung versteht sich als professioneller Fachhändler mit so viel Selbsterfahrung quasi von selbst. Wer schon sehr genau weiß, was er will und braucht, kann (fast) alle Produkte auch online bestellen, ein Gespräch unter Gleichgesinnten ist aber wohl durch nichts zu ersetzen. Und das Geschäft ist echt stylisch, es wäre also scha-

de, nicht mal persönlich vorbeizuschauen. Trotz seiner Selbstständigkeit hat Christoph Maier das Spielen nicht gelassen: „Falls ich gerade nicht im Geschäft stehe oder Tirols Nachwuchs coache, dann bin ich selbst beim Training. Denn wer kann schon nach bislang 25 Jahren als Bundesligaspieler für die Turnerschaft Innsbruck einfach aufhören?“ Das kann jeder verstehen, der selbst leidenschaftlicher Sportler ist.

MR. TISCHTENNIS Mentlgasse 7 6020 Innsbruck Tel.: 0650/24 62 437 info@mr-tischtennis.at

www.mr-tischtennis.at


Raus ins Leben, raus zum Shoppen! Ja zu Tirol!

MIR IST'S NICHT EGAL

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UND DU?

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eco.nova Juni/Juli 2020  

eco.nova ist ein unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissensc...

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