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DAS WIRTSCHAFTSMAGAZIN

DIE ÖKO -NUMMER

STEP BY STEP. Funktioniert Nachhaltigkeit im Tourismus? SMART CITY. Projekt Sinfonia: im Zusammenklang besser DURCH ANDERE AUGEN. Wie Kinder Zukunft sehen GREEN INVESTMENTS. Rendite mit gutem Gewissen

GRÜN GRÜN GRÜN … ist die neue liebste Farbe Ausgabe Nr. 01 | Februar 2020 P.b.b. Verlagspostamt 6020 Innsbruck ZNr. GZ 02Z030672 M | Euro 3.00


Wirtschaft wählen. Wirtschaft stärken.


Jetzt.

Liebe Unternehmerin, lieber Unternehmer, Am 4. und 5. März ist das Finale der Kammerwahl 2020. Im ganzen Land stehen mehr als 100 Wahllokale zur Verfügung, damit du ein Zeichen setzen kannst. Ein Zeichen der Stärke. Für unsere Tiroler Wirtschaft. Deshalb bitte ich dich: Nutze dein Wahlrecht – in deinem Interesse.

Euer Christoph Walser Präsident der Wirtschaftskammer Tirol

wkwahl.tirol

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eco.edit

Mag. Sandra Nardin und Christoph Loreck, eco.nova-Herausgeber

Grad-Wanderung Es ist nicht die erste „grüne“ Ausgabe der eco.nova und vermutlich wird es auch nicht die letzte bleiben. Weil das Thema wichtig ist.

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eim Thema „grün“ scheiden sich die Geister. Das beginnt schon beim Twinni und geht hinauf bis in höchste Klimaebenen. Vom Apokalyptiker bis zum Klimawandelleugner ist quasi alles dabei. Das erste Mal, dass auf einem Cover unseres Wirtschaftsmagazines das Schlagwort „grün“ prangte, war übrigens im Juni 2011. Schon seinerzeit haben wir uns Gedanken über Nachhaltigkeit, ökolgische Fußabdrücke und regionales Wirtschaften gemacht – und über eine umweltverträgliche Verpackung (siehe Essay auf Seite 14). Weitere Ausgaben folgten im August 2012, Juni 2015 und Juni 2018. Umwelt- und Klimaschutz darf kein Trendthema sein. Dass dem Klima just ein junges Mädchen zu nie dagewesener Aktualität verhalf, scheint irgendwie bezeichnend für die heutige Zeit. Solange einem Thema – und sei es noch so wichtig, prekär oder dringend – nur in der Theorie begegnet wird, scheint es die breite Masse nicht anzusprechen. Geht einen persönlich ja nix an. Probleme und Geschichten brauchen reale Menschen, an denen man sich abarbeiten kann. Auf welche Weise auch immer. Und selbst wenn man zu jener Gruppe gehört, die mit der Person der Greta Thunberg reichlich wenig anfangen kann, so hat die Schwedin doch eines erreicht: Man beschäftigt sich mit dem Thema. Manchmal ist eben nicht der Weg, sondern schlichtweg das Ziel das Ziel. Grün zieht sich wie ein roter Faden durch diese Ausgabe und dennoch haben wir auch andere Themen mit hineingepackt. Wir sind sogar Auto gefahren. Weil Klimaschutz nicht mit der Brechstange funktioniert. Es geht nicht darum, mit dem Finger auf andere zu zeigen und sein eigenes Leben von heute auf morgen radikal auf den Kopf zu stellen. Das wäre zwar mitunter hilfreich, führte aber wohl eher zu kompletter Überforderung und folglich dazu, den ersten Schritt erst überhaupt nicht zu tun. Veränderungen gehen auch im Kleinen, meist sind sie dann in ihrer Gesamtheit auch nachhaltiger. Und bleiben. Machen Sie‘s grün, Ihre Redaktion der eco.nova.


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FOTOS: ISABELLE BACHER, MARIAN KRÖLL, ANDREAS FRIEDLE


eco.inhalt

E C O .T I T E L 22 ES WIRD WÄRMER

Im türkis-grünen Bund will man bis 2040 klimaneutral sein. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird es einen totalen Umbau unseres Energiesystems brauchen.

E C O .W I R T S C H A F T 32 IM SPANNUNGSFELD

Nachhaltigkeit im Tourismus ist relativ schwer zu definieren. Kann sie aber generell funktionieren? 40 DIE WIRTSCHAFT WÄHLT Im März gehen die Wirtschafts­ kammerwahlen über die Bühne. Christoph Walser im Gespräch.

ECO.ZUKUNFT 54 ZUKUNFTSMUSIK

ECO.GELD 64 GREEN INVESTMENTS

Es ist nicht alles grün, was ein Strickjäckchen trägt, andererseits ist Nachhaltigkeit auch nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Das gilt im Allgemeinen und bei der Geldanlage noch viel mehr. 68 RUHIGES FAHRWASSER Trotz geopolitischer Unwägbarkeiten zeigt sich der heimische Finanzmarkt fast verdächtig ruhig.

Nachhaltigkeit prägt auch die menschliche Kreativität. 84 VÖLKERVERSTÄNDIGUNG Friede ist es letztlich, wonach wir alle streben, und doch ist er ein filigranes Konstrukt. Das 32. Osterfestival Tirol steht heuer unter diesem Leitthema, hat jedoch ein Fragezeichen hintangehängt.

ECO.MOTOR 88 ELEKTROMOBILITÄT

Jetzt kommen die neuen Technologien. 90 MOBILE MÖGLICHKEITEN Nachhaltige Mobilität braucht eine Verhaltensänderung. 92 NEU ÜBERNOMMEN Das Autoland ist seit kurzem in neuer Hand. Geschäftsführer David Stecher im Interview. 94 HYUNDAI KONA HYBRID 96 KIA XCEED 98 BMW M 135I XDRIVE 100 NEUES AUS DER AUTOBRANCHE

ECO.LIFE 104 KULINARISCHE NACHHALTIGKEIT

In der Gastronomie ist Nachhaltigkeit die ursprünglichste Form des Handelns. Südtirol macht’s vor. 107 TIPPS & TRENDS Vom Urlauben und Basteln. 04 EDITORIAL 08 KOMMENTAR 10 11¾ FRAGEN 71 ECO.STEUERN 76 ECO.RECHT 110 IM GESPRÄCH

HER AUSGEBER & MEDIENINHABER: eco.nova Verlags GmbH, Hunoldstraße 20, 6020 Innsbruck, 0512/290088, redaktion@econova.at, www.econova.at GESCHÄF T SLEITUNG: Christoph Loreck, Mag. Sandra Nardin A S SIS TENZ: Martin Weissenbrunner CHEFREDAK TION: Marina Bernardi REDAK TION: eco.wirtschaft: Marian Kröll, Alexandra Keller, MMag. Klaus Schebesta, Renate Linser-Sachers, Barbara Liesener, DI Caterina Molzer-Sauper, Marion Witting, MSc., Stefan D. Haigner // eco.zukunft: Doris Helweg // eco.geld: Dr. Michael Posselt // eco.kultur: Julia Sparber-Ablinger // eco.mobil: Bruno König // steuer.berater: Dr. Verena Maria Erian // recht.aktuell: RA Mag. Dr. Ivo Rungg // eco.life: Marina Bernardi ANZEIGENVERK AUF: Ing. Christian Senn, Bruno König, Hannelore Weissbacher, Matteo Loreck L AYOUT: Tom Binder LEK TOR AT: Mag. Christoph Slezak DRUCK: Radin-Berger-Print GmbH Die Herstellung, der Verlag und der Vertrieb von Drucksorten aller Art, insbesondere der Zeitschrift eco.nova. GRUNDLEGENDE RICHT UNG: Unabhängiges österreichweites Magazin, das sich mit der Berichterstattung über Trends in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Architektur, Gesundheit & Well­ness, Steuern, Recht, Kulinarium und Life­s tyle beschäftigt. Der Nachdruck, auch auszugsweise, sowie anderwertige Vervielfältigung sind nur mit vorheriger Zustimmung des Herausgebers gestattet. Für die Rücksendung von unverlangt eingesandten Manuskripten und Bildmaterial wird keine Gewähr übernommen. Namentlich gekennzeichnete Beiträge stellen nicht unbedingt die Meinung der Redaktion dar. JAHRE SABO: EUR 25,00 (14 Ausgaben). // Sind Beiträge in dieser Ausgabe in der Kopfzeile mit dem FIRMENNAMEN gekennzeichnet, handelt es sich um BE Z AHLTE ANZEIGEN! UNTERNEHMENS GEGENS TAND:

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Das EU-Projekt „Sinfonia“ war für Innsbruck eine Initialzündung und hat gezeigt, dass der synergetische Einsatz verschiedener Techno­ logien mehr sein kann als die Summe seiner Teile. 58 DIE, DIE ES BETRIFFT Zukunft durch Kinderaugen.

ECO.ART 82 DIE KUNST IM KLIMAWANDEL

feb 2020


eco.mmentar

ZWEI WELTEN Wechselseitiges Dulden statt gemeinsames Gestalten. Waffenstillstand statt Friedensvertrag. Kalter Krieg statt Völkerverständigung. Ist das Nebeneinander das neue Gemeinsam?

I

m ersten Monat des neuen Jahrzehnts ist schon allerhand passiert. Heftige Diskussionen über die Nutzung der Berge, neue Bundesregierung, Brexit, Iran-Konflikt, Klimadebatten. Diese scheinbar unzusammenhängenden Ereignisse eint doch eine innere Logik: Um Gemeinsamkeiten geht es kaum mehr. Alle sind schon froh, wenn Parallelwelten halbwegs stabil nebeneinander bestehen können. Das zeigt sich in Tirol. In Österreich. In Europa. Und in der Welt.

V O N K L A U S S C H E B E S TA

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TIROL

Es muss nicht immer um weltbewegende politische Themen gehen – auch bei Alltagsfragen werden Bruchlinien sichtbar. In der aktuellen Tiroler Debatte um die Tourengeher lesen sich Blogeinträge in diversen Foren wie gegenseitige Kriegserklärungen. Auf einer Ebene höher scheint dasselbe stattzufinden, Stichwort Tourismusgesinnung. Da gibt es die einen, die den Beitrag des Tourismus für Arbeit und Wohlstand in allen Seitentälern erkennen. Und die anderen, die in dieser Branche eine Ausgeburt des Kapitalismus erblicken. Es schaut ganz so aus, als ob Extrempositionen eine wesentlich größere Anziehungskraft ausüben würden als die versöhnende Mitte.

ÖSTERREICH

Auf Österreich-Ebene wird’s schon politischer. Die „zwei Welten“, PR-mäßig aufgehübscht als „zwei Handschriften“, sind geradezu Programm im neuen Regierungsübereinkommen. Das ist ein schlauer Schachzug, um zwei extrem weit entfernte Gesinnungen auf eine kollektive Linie zusammenzubiegen. Es muss sich allerdings in Zukunft erst zeigen, ob dadurch der Hausfrieden auf Dauer gesichert werden kann. Papier ist geduldig – es kommt in den nächsten Monaten darauf an, dass die Protagonisten, Kurz und Kogler, im echten Leben miteinander ebenfalls die Geduld bewahren. Die neue Logik birgt nämlich neue Risiken: Der Teufel liegt im Detail und spätestens wenn es um die Umsetzung von Einzelmaßnahmen geht, führt an einem gemeinsamen Beschluss kein Weg vorbei.

EUROPA

Dreieinhalb Jahre wurde über den Bexit gefeilscht – jetzt sind sie tatsächlich weg, die Briten. Auch das ist bezeich-

nend: Es gab genügend moderate Stimmen – durchgesetzt haben sich jedoch Hau-drauf-Typen wie Johnson und Farage. Die beiden kennen die Worte Kompromiss oder Zusammenhalt nur vom Hörensagen. Bei seiner letzten Rede im EU-Parlament ließ Nigel Farage noch wissen, dass er „die Europäische Union hasst“ und sich „wünscht, dass sie abgerissen wird“. Brücken bauen geht anders. Die EU wird’s aushalten – in England selbst sind für die nächsten Jahre zwei unversöhnliche Lager garantiert.

WELT

Keiner trägt mehr zur moralischen Umweltverschmutzung bei als Donald Trump. Egal, wo er hinkommt, haben danach Diplomaten alle Hände voll zu tun, die Wogen einigermaßen zu glätten. Die Begriffe Deeskalierung oder gar Versöhnung sind ihm gänzlich fremd. Seit dem Drohnenattentat – dem nächsten Tabubruch Trumps – auf die politische Nummer 2 im Iran, General Soleimani, starren alle gebannt in den Nahen Osten und wünschen sich nur, dass die Stange Dynamit, die der gestörte amerikanische Präsident in das Pulverfass geworfen hat, keinen Flächenbrand auslöst. Doch Trump zündelt weiter. Etwa indem er via Twitter Millionen trauernder Iraner zuruft, ihr Nationalheld sei eh nur ein „Hurensohn“ gewesen. Dass (noch) kein offener Krieg ausgebrochen ist, grenzt schon fast an ein Wunder. Auch beim Weltwirtschaftsforum Davos hatte man das Gefühl, dass die einzelnen Protagonisten ihre Claims abstecken wollen, ohne sich zu einem gegenseitigen Hausbesuch einladen zu wollen. Dieser Nichtangriffspakt wird allerdings für tragfähige Friedenslösungen nicht reichen – und für die Klimarettung schon gar nicht. Da müssen schon alle an einem Strang ziehen, was schon daran scheitert, dass nicht einmal alle den Klimawandel als Tatsache akzeptieren. Bei all diesen Themen drängt sich eine Frage auf: Ist das Nebeneinander das neue Gemeinsam? Diese Sicht der Dinge ist unversöhnlichen Standpunkten geschuldet, die bestenfalls gegenseitig geduldet werden. Die gewohnten Graustufen, die etwas subtilere Handlungsmöglichkeiten eröffnen, scheinen jedenfalls ausgedient zu haben. Dabei haben wir schon öfter im Laufe der Geschichte erkennen müssen, dass eine kompromisslose Schwarz-Weiß-Sicht nie lange funktioniert. Wir können uns den ideologischen Blick auf zwei getrennte Welten einfach nicht leisten – schließlich haben wir nur eine. 


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eco.porträt

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eco.porträt

11 ¾ FRAGEN AN

GEORG WILLI 1. Wer sind Sie? Ich bin inzwischen schon einige Zeit in

ZUR PERSON

der Politik. Zuerst als Innsbrucker Gemeinderat, dann als Landtags- und Nationalratsabgeordneter. Seit 2018 bin ich Innsbrucker Bürgermeister. Ich würde mich selbst als Optimist bezeichnen.

Georg Willi wurde am 6. Mai 1959 in Innsbruck geboren, ist verheiratet mit Katharina und hat einen Sohn. Er studierte Biologie und Jus (nicht ganz abgeschlossen), war von 1989 bis 1994 Gemeinderat in Innsbruck, danach Landtagsabgeordneter und grüner Klubobmann, von 2013 bis 2017 Nationalratsabgeordneter und Sprecher für Verkehr und Tourismus. Seit 2018 ist Georg Willi Bürgermeister von Innsbruck.

2. Warum, glauben Sie, haben wir Ihnen geschrieben? Ich hoffe, aus Neugier an mir und meinem Amt als Bürgermeister. 3. Wie lautet Ihr Lebensmotto? Leben und leben lassen.

4. Was macht Sie stolz? „Stolz“ ist nicht meine Art. Aber es gibt viele Erfolge, die mich freuen, und natürlich freut es mich, Bürgermeister einer wunderschönen Stadt wie Innsbruck zu sein.

Was bedeutet für Sie Luxus? Richtig ausschlafen können. Mein Terminkalender als Bürgermeister lässt das leider nicht oft zu.

5.

6. Mit welcher historischen Persönlichkeit würden

Sie gerne einen Abend verbringen – warum? Johann Sebastian Bach – er ist für mich der Größte unter den Musiker*innen und ein einzigartiges Talent.

7. Ihr Leben in Pflanzen: Wenn Sie den größten Meilensteinen in Ihrem Leben je eine Pflanze zuordnen müssten, welche wären das? SONNENBLUME – die Blume der Grünen Partei, die mich seit langem begleitet. FLECHTEN – sehr bescheidene (Über)lebenskünstler, für die nicht so erfreulichen Meilensteine, als Symbol fürs Durchhalten. NUSSBAUM – groß und Schatten spendend und schnell wachsend, als Symbol für den Einsatz gegen den Klimawandel.

Wenn Sie an Politik denken: Welches Gefühl kommt Ihnen als Erstes in den Sinn? „Es ist alles sehr kompliziert“, frei nach Exkanzler Sinowatz, vor allem dann, wenn es mir nicht schnell genug geht oder Hürden auftauchen, mit denen ich davor nicht gerechnet habe.

Am unliebsamsten ist mir sicher die Sicherungshaft, ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, dass diese nicht kommen wird.

10. Wo sehen Sie Innsbruck in 20 Jahren? In zwanzig Jahren wird es in Innsbruck viel weniger Autos geben, die meisten Innsbrucker*innen sind mit dem Rad, zu Fuß oder den Öffis unterwegs. Wir haben wieder Platz in der Stadt, weil wir die meisten Parkplätze nicht mehr brauchen, Wohnen wurde durch viele Maßnahmen wieder leistbar. Und: Innsbruck wird weitestgehend energieautonom. 11. Haben Sie persönlich schon einmal ein Feuerwerk abgeschossen? Ja, vor rund 15 Jahren mit den Kindern aus der Nachbarschaft.

11 ¾ :

W E L C H E F R A G E W O L LT E N S I E S C H O N

I M M E R B E A N T W O R T E N , N U R H AT S I E N O C H N I E J E M A N D G E S T E L LT ?

8.

Welcher Punkt im neuen Regierungsprogramm ist Ihnen der wichtigste/unliebsamste? Am wichtigsten ist mir das Klimaschutzpaket. Wir haben nicht mehr lange Zeit, das Ruder herumzureißen, und es stecken viele Chancen für Österreich in dieser Zielsetzung. 9.

FOTO: © JAN HETFLEISCH

WILLI:

Was ist ein Viertelkommandant? *)

*) Viertelkommandant: Der Bund der Tiroler Schützenkompanien gliedert sich heute in die vier Viertel Oberland, Tirol Mitte, Unterland und Osttirol. Die Vierteleinteilung des Landes Tirol geht historisch auf das Jahr 1479 zurück. Damals hat man durch diese Maßnahme die Verteidigungsbereitschaft im Land gestärkt. Die regionalen Abgrenzungen waren im historischen Tirol allerdings andere als heute gebräuchlich. Im Jahr 1966 hat man im Bund der Tiroler Schützenkompanien die Notwenigkeit zur stärkeren Einbindung der Regionen erkannt und sich der traditionellen Vierteleinteilung des Landes besonnen. Seit diesem Zeitpunkt steht jedem Viertel ein Viertelkommandant vor, der als Bundesmajor die Anliegen seiner Bataillone (Talschaften) und Kompanien in der Bundesleitung vertritt. Die Bundesleitung wurde somit um vier Vertreter aus den Regionen aufgestockt.

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DAS BESTE AUS BEIDEN WELTEN?! „Aus Verantwortung für Österreich“ nennt sich das aktuelle Regierungsprogramm von Türkis-Grün. Wir haben ein paar ökologische Passagen herausgepickt und warten gespannt auf die Umsetzung. Oder das Vorhaben der Umsetzung. Und die Ergebnisse der Taskforce ... im Jahr 2022.

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AUS DER PRÄAMBEL Wir sind die erste Generation, die die Folgen der Klimakrise spürt, und gleichzeitig die letzte Generation, die noch gegensteuern kann. Der Schutz der Umwelt und eine starke Wirtschaft dürfen kein Widerspruch sein. Unser Wirtschaftsstandort kann noch dynamischer werden, wir können mehr und bessere Jobs schaffen, wenn wir in Nachhaltigkeit investieren: Wir können die Schöpfung bewahren und die Klimakrise bekämpfen. Beides heißt, den kommenden Generationen ein lebenswertes Österreich zu hinterlassen – ökonomisch und ökologisch intakt.

GEMEINSAMES ZIEL NR. 2 Die Bekämpfung des Klimawandels und die Einhaltung der Klimaziele von Paris.

ÖKOSOZIALE STEUERREFORM Bei der bevorstehenden Reform steht neben dieser Entlastung besonders die ökologisch soziale Umsteuerung im Vordergrund – ökologisch nachhaltiges Verhalten soll künftig stärker attraktiviert werden, während es bei ökologisch schädlichem Verhalten einer stärkeren Kostenwahrheit bedarf (unter Rücksicht auf die soziale Verträglichkeit bzw. die Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft).

SCHLAGWORTE AUS DEM PUNKT KLIMASCHUTZ & ENERGIE • Klimaneutralität bis 2040 • Klimaneutrale Verwaltung • Umsetzung einer „Green Finance Agenda“ (Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für die Mobilisierung von privatem Kapital zur Lösung gesellschaftlicher Herausforderungen, insbesondere im Bereich Klimaschutz und Energie) • Gebäude: Nachhaltig und energiesparend heizen, kühlen, bauen und sanieren • Phase-out-Plan für fossile Energieträger in der Raumwärme • Industrie & Gewerbe: ein Green Deal für Österreichs Wirtschaft

SCHLAGWORTE AUS DEM PUNKT VERKEHR & INFRASTRUKTUR • Mobilitätsmasterplan 2030 für eine wirkungsorientierte integrierte Strategie für Luft-, Wasser-, Schienen- und Straßenverkehr, von der sich konkrete Maßnahmen für einzelne Sektoren ableiten, die Österreichs Klima- und Wirtschaftsziele unterstützen • Umweltfreundliche, leistbare Mobilität für alle in Stadt und Land • Radpaket und Zufußgehen – Offensive für aktive, sanfte Mobilität • Strategie zur Verwendung alternativer Energieträger in der Mobilität • Güter in Einklang mit dem Klima transportieren

NACHHALTIGE ÖFFENTLICHE VERGABE SICHERN Einführung von ökosozialen Vergabekriterien, die bindend für die bundesweite Beschaffung sind.

WOHNEN • Vorrang von Nachverdichtung und Überbauung vor Versiegelung grüner Wiesen, Förderung von flächenoptimierten Bauweisen bei Neubauten • Vergabe von Wohnbaufördermitteln nur noch unter der Voraussetzung, dass umweltschonend gebaut wird • Ü berarbeitung der Anforderungen an den sozialen und geförderten Wohnbau in den Bauordnungen mit dem Ziel, dass Wohnraum unter Anwendung ökologischer Maßnahmen besser leistbar wird • Die Länder sollen klimarelevante Maßnahmen in den Bauordnungen implementieren.

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eco.mmentar

„ I M Ü B R I G E N G I LT J A H I E R DERJENIGE, DER AUF DEN S C H M U T Z H I N W E I S T, F Ü R V I E L G E FÄ H R L I C H E R A L S D E R , D E R D E N S C H M U T Z M A C H T.“ KURT TUCHOLSKY

DIE FOLIEN, DAS KLIMA UND DER HAUSVERSTAND Es gibt Situationen, in denen der Hausverstand den Blick auf eine gesamtheitliche Betrachtung unter Miteinbeziehung wissenschaftlicher Tatsachen und kritischer Selbstbefragung verstellt. Manches, was auf den ersten Blick logisch, ja fast sonnenklar ist, wird erst bei näherem Hinsehen diffus. So erging es uns mit der Verpackung unseres Magazins.

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K

lar ist, dass die Plastikfolie, in der Ihre eco.nova eingeschweißt postalisch daherkommt, nicht der Weisheit letzter Schluss sein kann, was die ökologischen Aspekte betrifft. Kein Zweifel. Oder etwa doch? Jein. Bereits seit Jahren und damit eine geraume Zeit länger, als das Umweltthema quasi zum Trend wurde, sehen wir uns nach Alternativen zur Kunststoffverpackung um und sind dabei unter anderem auf biobasierte Folien aus Kartoffel- oder Maisstärke gestoßen. Trotz aller Stärke gibt es auch Schwächen. Auf den ersten Blick ist die Klimabilanz von Biokunststoffen zwar günstiger, doch insgesamt sind sie wenig umweltfreundlich. Und irgendwie ist es zynisch, aus Grundnahrungsmitteln, die für den ärmsten Teil der Weltbevölkerung immer unerschwinglicher zu werden drohen, Verpackungsmaterialien zu machen. Außerdem sind diese Biosackerl nicht so einfach zu Hause kompostierbar. Die Voraussetzung für den richtigen Zerfall finden sich eigentlich nur in Kompostierungsanlagen. Auch Papierkuverts sind nicht so umweltfreundlich, wie man glauben möchte, und im Versand gänzlich auf eine Hülle zu verzichten, ist aus verschiedenen Gründen leider keine Option. Deshalb sind wir wieder auf den Kunststoff gekommen – und zwar auf die

AUS DER REDAKTION

seit einiger Zeit verwendete Folie aus Polyethylen, die ohne giftige Druckfarben hergestellt wird, sich auf Mülldeponien grundwasserneutral verhält und in Müllverbrennungsanlagen schadlos energetisch verwertet werden kann. Die Folie ist voll recyclingfähig und deshalb umweltfreundlich. Case closed. Zumindest so lange, bis es eine tatsächlich bessere Alternative gibt. Warum wir Ihnen das erzählen? Weil uns in letzter Zeit in schöner Regelmäßigkeit Anrufe, Mails und sogar handgeschriebene Briefe erreichen, von Menschen, die das Magazin nicht mehr zugesendet bekommen möchten, solange es in Folie eingepackt ist. Auch daran zeigt sich, dass gesellschaftlich etwas in Bewegung geraten ist. Verstärktes Nachdenken über das Klima, unsere Lebensgewohnheiten und unseren ökologischen Fußabdruck schadet gewiss nicht, profitiert aber von Differenziertheit.

KLIMARETTUNG EN WOKE (SIC!)

Die schwedische Schülerin Greta Thunberg ist zur Ikone einer ganzen Generation von Menschen geworden, deren Bewusstsein für das Klima erwacht ist. Man möchte meinen, dass sich diese – in Anlehnung an die Woke Culture – „Wokeness“ auch jenseits abstrakter Klima-Weltrettungs-Forderungen manifestiert. Im persönlichen Einfluss-


eco.mmentar

bereich, der eigenen Beziehung zur Umwelt und dem eigenen Ressourcenverbrauch, sprich Konsum, den jedes Individuum selbst gestalten kann. Aber der Konsumverzicht wird eher delegiert. Man zeigt gerne mit dem Finger auf andere, die auf dieses und jenes verzichten sollen, damit es der Umwelt besser geht. Nun fehlen nur noch Menschen, die auf der ganzen Welt herumjetten und anderen Menschen erzählen, dass sie weniger fliegen sollten. Oh wait! Solche gibt es ja schon. Etwa in Gestalt der Herzogin und des Herzogs von Sussex, der nunmehrigen Ex-Royals Meghan und Harry. Man kann das je nach Geschmack heuchlerisch oder herablassend nennen. Mit allerlei Umweltschutz-Belehrungen im Gepäck kann man sich im Privatjet herumfliegend relativ schnell vom Globetrotter zum Globetrottel machen.

LEUGNER UND APOKALYPTIKER

Es ist schwierig, sachlich über den Klimawandel zu diskutieren. Kühlen Kopf zu bewahren, während sich die Erde ungebremst aufheizt, die Menschheit an der Schwelle zur Klimakatastrophe steht, unser Haus noch immer brennt und unsere Untätigkeit die Flammen stündlich anheizt. Der vorangegangene Satz ist übrigens ein Beispiel dafür, wie sich nicht nur das Klima, sondern auch das zur Beschreibung desselbigen herangezogene Vokabular gewandelt hat. Seit geraumer Zeit hat die Erderwärmung Konkurrenz von ihrer heißeren Schwester, der Erderhitzung, bekommen, der nüchterne Klimawandel von seinen hässlichen Geschwistern, der Klimakrise, ja gar Klimakatastrophe. Wem das noch nicht reicht, kann gerne auch noch die Klima-Apokalypse, das Nonplusultra im Klimajargon, bemühen. Sprache schafft zwar nicht Realität, beeinflusst aber sehr wohl unsere Wahrnehmung derselben. Wer daran glaubt, dass uns binnen kürzester Zeit die Klima-Apokalypse droht, glaubt vermutlich auch ans Trio Christkind, Weihnachtsmann und Osterhase. Und nein, wir gehören nicht ins Lager der sogenannten Klimawandelleugner – der Begriff dient ohnehin nur der gesellschaftlichen Charaktervernichtung –, aber eben auch nicht ins Lager der Apokalyptischen Reiter der dräuenden Klimakatastrophe, deren baldiges Kommen im Übrigen von nicht wenigen erfolgreich bewirtschaftet wird. Der Klimawandel hat nach der im Westen vorherrschenden Lesart beinahe eschatologische Züge angenommen und die Auseinandersetzung mit ihm trägt Merkmale einer Säkularreligion. Differenzierte Debatte – Fehlanzeige. Kommt uns das nicht irgendwie aus den Sphären des Religiösen bekannt vor? Ein bisschen Agnostizismus schadet hüben wie drüben nicht, beim Klima ebenso wenig wie bei der Religion. Und etwas Gelassenheit.

Im Kalten Krieg war es schon einmal sehr viel wahrscheinlicher, dass die Welt tatsächlich nimmer lang steht, als beim Klimawandel. Wir leben zweifellos im Anthropozän, es wäre mit Blick auf die Entwicklung seit der Industriellen Revolution höchst unvernünftig, den menschgemachten, anthropogenen Anteil an der globalen Erwärmung zu bestreiten. Diskussionen über den Grad des vom Menschen verursachten Klimawandels und den Einfluss weiterer Faktoren müssen aber erlaubt sein. Klimaprognosen sind komplex und kompliziert, wie das Schlagzeugspiel des unlängst viel zu früh verstorbenen Rush-Drummers Neal Peart. Sie sind aber nicht annähernd so präzise. Wer in Klimafragen mit absoluten Gewissheiten dealt, dem sollte man grundsätzlich misstrauen. In Sachen Weltklima haben die Medien fast auf ganzer Linie versagt. Vieles in der Berichterstattung ist mit einem gewissen ökologischen Drall versehen, manches apodiktisch, wieder anderes gar in Relotius-Manier herbeifantasiert. Aber es liest sich halt so schön, wenn wieder eine Südseeinsel samt Mann und Maus dem durch die Klimakrise steigenden Meeresspiegel zum Opfer fällt. Und es passt so schön zur apokalyptischen Erzählung. Klimaflagellantentum, wie es etwa von der sogenannten Extinction Rebellion vorexerziert wird, ist ein neueres Phänomen, das bisweilen mit originellem Aktionismus auffällig wird – etwa in der Form von Die-ins oder Kunstperformances wie „Ice on the Rope.“

THE ECOLOGY, STUPID

Politisch kann man mittlerweile fast schon von einer grünen Welle sprechen, die über den Kontinent hinwegtost. In Deutschland wird ein grüner Kanzler bzw. eine grüne Kanzlerin mittlerweile in nicht allzu ferner Zukunft von politischen Beobachtern als unumgänglich gesehen. Ob die neue Umweltbewegtheit bei der nächsten Wirtschaftskrise oder Migrationsbewegung wieder in den Hintergrund rückt, bleibt abzuwarten. Jedenfalls darf vor allem die deutsche Medienszene als durchaus grün- bzw. ökoaffin gelten. Wer heute im politischen Spektrum nicht zumindest den Anschein der IRGENDWIE IST Ökologiebewegtheit macht, hat es nicht mehr so leicht. ES Z YNISCH, Grün ist die neue LieblingsAUS GRUNDNAHfarbe. Während unser NachRUNGSMIT TELN, barland energetisch ergrünt DIE FÜR DEN ist und dabei, je nach Sichtweise als Kollateralschaden ÄRMSTEN TEIL bzw. -nutzen mit der AtominD E R W E LT B E V Ö Ldustrie und der Autoindustrie KERUNG IMMER gleich zwei SchlüsselindusUNERSCHWING trien, vor allem Letztere ein Job- und Konjunkturmotor LICHER ZU ohnegleichen, abmontiert, WERDEN DROHEN, scheint man es in ÖsterV E R PA C K U N G S reich noch etwas gelassener M AT E R I A L I E N anzugehen. Türkis-Grün ist da, aber eben doch gefühlt ZU MACHEN.

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eco.mmentar

Aufs Klima zu achten und sich für dessen Schutz einzusetzen, ist etwas Gutes. Quasi uneingeschränkt, auch wenn es mittlerweile teils eigenartige Formen annimmt. Selbstgeißelung, also Flagellantentum, wie es etwa von der sogenannten Extinction Rebellion vorexerziert wird, ist ein neueres Phänomen, das bisweilen mit originellem Aktionismus auffällig wird – etwa in der Form von Kunstperformances wie „Ice on the Rope“.

viel mehr Türkis als Grün. Daher scheint selbst ein Abrücken vom sogenannten „Dieselprivileg“, der niedrigeren Mineralölbesteuerung von Diesel, keine abgemachte Sache. Währenddessen steigen die Deutschen auch noch aus der Kohleverstromung aus und setzen auf Sonne und Wind. Die europäischen Stromverbraucher dürfen dabei hoffen, dass in den deutschen Landen die Zahl der Dunkelflauten überschaubar bleibt. Frankreich konnte seinen Atomstrom noch nie so gewinnbringend ins nachhaltige Nachbarland exportieren. Aus ökonomischer Sicht darf man die Frage stellen, ob auf dem Weg der Ergrünung nicht auch eine Umverteilung stattfindet. Und zwar von unten nach oben. Von den Ärmeren zu den Wohlhabenderen. Strom darf nicht zum Luxusgut werden. „Cui bono?“ ist jedenfalls eine legitime Frage, die man auch im Zusammenhang mit der Energiewende stellen darf.

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Gewicht, mehr Gestaltungsmacht übertragen wollen. Und gewillt sind, das auf Kosten individueller Freiheiten zu tun. Das ist eine Entwicklung, die dem Grunde nach – auch wenn sie sich das Mäntelchen des Fortschritts umgehängt hat – regressiv ist und die eine liberale Gesellschaft wachsam beobachten sollte. Die selbsternannten Vertreter der 99 Prozent NACHHALTIGKEIT FOR FUTURE treten in Gestalt der Klimaaktivisten an die Eliten, an das eine Nachhaltigkeit ist heute alles und jeder. Ein Modewort, beProzent heran, dafür zu sorgen, dass wir unseren Lebensstil liebig dehnbar und wie’s scheint universell anwendbar. Und und unsere Konsumgewohnheiten ändern. Weniger fliegen, dadurch so nichtssagend, dass man vom N-Wort eigentlich weniger Fleisch, weniger Individualverkehr, mehr erneunur noch nachhaltig genervt sein kann. Überhaupt ist der erbare Energie. Kann man machen. Falls nötig per Gesetz. Weg von der Grünwäsche zur Gehirnwäsche kürzer als man Den Klimanotstand hat das EU-Parlament übrigens schon im annehmen möchte. Erst unlängst wieder zu besichtigen im November 2019 ausgerufen. Kufstein bereits im Juli 2019 und Schweizer Davos, im Rahmen des Weltwirtschaftsforums. Innsbruck als erste Landeshauptstadt Die dort versammelten WirtschaftskaÖsterreichs ebenfalls. Auf kommunaler pitäne und Politiker sind im Grunde geAUS Ebene zweifellos Symbolpolitik, weil nommen auf der verzweifelten Suche nach Ö KO N O M I S C H E R Klimaschutzmaßnahmen im gleichen moralischer Legitimität. Erstere sind ofAusmaß auch ohne Klimanotstand gefenbar nicht länger überzeugt davon, dass SICHT DARF setzt werden können. Auf europäischer es sinnstiftend genug ist, Güter zu erzeuMAN DIE FR AGE Ebene sollte man die Auswirkungen gen und damit Profite zu erzielen. Deshalb STELLEN, OB dieses „Notstandes“ auf die Demokrasind sie auf der Suche nach einem tieferen AUF DEM WEG tiequalität jedenfalls mit Argusaugen Sinn, den ihr unternehmerisches Handeln beobachten, denn der semantische – annehmen könnte. Der Kampf gegen KliDER ERGRÜNUNG und wohl auch politische – Weg vom mawandel, -krise, -katastrophe, wie auch NICHT AUCH EINE Notstand hin zum Notstandsgesetz ist immer, könnte ein solcher sein. Nun sind UMVERTEILUNG gar nicht so weit. Es ginge aber auch es nicht länger Popikonen wie Bono oder S TAT T F I N D E T. anders. Auf einem positiven MenHerbert Grönemeyer, die der versammelten schenbild fußend könnte man auf Elite die Leviten lesen, sondern (Umwelt-) U N D Z WA R V O N den Einfallsreichtum der Menschheit Aktivisten wie TIME’s Person of the Year UNTEN NACH vertrauen, sich den zukünftigen HerGreta Thunberg. OBEN. VON DEN ausforderungen zu stellen und innoHistorisch betrachtet haben soziale BeÄRMEREN ZU DEN vative Lösungen zu entwickeln. Dafür wegungen sich fast immer gegen die Obrigkeit gerichtet, von den Herrschenden W O H L H A B E N D E R E N . braucht es allerdings mehr Freiheit und nicht weniger, geistiger wie regulatoetwas gefordert, sie herausgefordert und rischer Natur. Wem gerade kein positives Menschenbild zur nicht selten auch in Gestalt von Revolutionen vor die Tür Verfügung steht, kann es freilich auch mit Kafka halten, sich befördert. Die neuen Öko-Bewegungen unterscheiden sich ins vermutet Unvermeidliche fügen und lakonisch sagen: „Es von den früheren sozialen Bewegungen darin, dass sie dem gibt unendlich viel Hoffnung, nur nicht für uns.“ Staat – und damit indirekt den Machthabern – noch mehr


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Ja, ja, ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt Tirols Wirtschaft startet im Allgemeinen recht verhalten ins Jahr 2020. Der Geschäftsklimawert – der Mittelwert zwischen der aktuellen wirtschaftlichen Lage der Betriebe und den Erwartungen für die kommenden drei Monate – liegt mit 37 Prozentpunkten auf dem tiefsten Wert seit Dezember 2015, damit aber immer noch über dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Letztlich belastet die schwache internationale Konjunktur vor allem den exportorientierten Produktionssektor und bremst damit auch das Wirtschaftswachstum. Der Schwäche des Exportsektors stehen jedoch nach wie vor ein robuster heimischer Arbeitsmarkt, eine gute Konsumstimmung und eine starke Tiroler Bauwirtschaft gegenüber. Trotz abflauender Wirtschaftsdynamik herrscht auch im Tiroler Gewerbe und Handwerk vorsichtiger Optimismus. Die Branche nimmt den Schwung aus dem Vorjahr zum Großteil auch ins heurige Jahr mit. Die Erwartungshaltung in Hinblick auf die Auftragseingänge und Umsätze ist zwar etwas gedämpfter als im Vorjahresquartal, dort lag es jedoch auf extrem hohem Niveau. Franz Jirka, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Tiroler Wirtschaftskammer, sieht die Branchen für die Zukunft gut aufgestellt – nicht zuletzt aufgrund des neuen Regierungsprogramms. „Wenn es darum geht, die festgeschriebenen Punkte, vor allem im Zusammenhang mit dem Klimaschutz, umzusetzen, dann sind die Gewerbe- und Handwerksbetriebe geradezu prädestiniert dafür. Denn das notwendige Know-how dafür ist längst vorhanden.“ Auch die Signale in Richtung Aufwertung der Lehre und Stärkung der dualen Ausbildung stimmen Jirka positiv.


eco.wirtschaft

© JULIA TÜRTSCHER

eco.mmentar

UNTERNEHMEN DER AUSGABE Passend zum Leitthema der Ausgabe loben wir an dieser Stelle STIHL Tirol. Als eines von 25 österreichischen Unternehmen wurde STIHL wieder für sein außerordentliches Engagement in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz ausgezeichnet und darf damit weiterhin den Titel „klimaaktiv“ tragen, den es erstmals 2016 bekommen hat. Der Gartengeräte-Hersteller verpflichtet sich freiwillig dazu, seinen Energieverbrauch kontinuierlich zu senken. Das gelingt unter anderem durch die hauseigene Photovoltaikanlage, mit der die Langkampfener jährlich 51.600 kWh bzw. 14 Tonnen CO2 einsparen. Bereits in den Vorjahren wurde eine ähnliche Stromersparnis durch die Umstellung auf LED-Beleuchtung in weiten Teilen des Unternehmens erzielt.

TOLLE SACHE Im vergangenen Jahr hat MPREIS die Grünfläche rund um die Filiale Ellmau ganz einem kleinen Insekt gewidmet, das für Natur und Menschen wirklich Großes leistet – der Honigbiene. Auf der über 2.000 Quadratmeter großen Gartenfläche ist ein einzigartiger Schaugarten entstanden, in dem man viel über die Nützlinge erfahren kann. Hintergrund der Aktion ist der Umstand, dass die Bienen mehr denn je unsere Hilfe brauchen. Denn Umweltbelastung und mangelndes Nahrungsangebot setzen ihnen zu. Neben der Wildist besonders die Honigbiene vom Insektensterben bedroht. Dabei ist sie für die Landwirtschaft von großer Bedeutung. Der Bienenschaugarten war der Auftakt zu vielen weiteren Projekten, die der Tiroler Lebensmittelhändler zum Thema Bienenschutz plant. Wir sind gespannt.

„V E R S Ö H N U N G V O N Ö KO N O M I E U N D Ö KO L O G I E B E D E U T E T, D A S S D E R S C H O R N S T E I N R A U C H T, A B E R N I C H T Q U A L M T.“ P E T E R G I L L I E S , D T. J O U R N A L I S T

Marina Bernardi, Chefredaktion

Entpört euch Kinners, es gibt Wichtigeres als einen Fast Food essenden Werner Kogler. Immer wieder bin ich erstaunt, wer oder was in schöner Regelmäßigkeit für Wellen der Empörung sorgt. Wobei: Wundern tut mich im Social-Media-Zeitalter eigentlich eh kaum mehr etwas. Dennoch sollten wir wieder mehr über die wirklich wichtigen Dinge reden. Der Ausflug eines Politikers zum Mittagsburger gehört da nicht dazu. In keinem für mich denkmöglichen Szenario ist das eine Meldung mit Relevanz. Mit Empörungspotenzial schon gar nicht. Offensichtlich braucht es heute nur eine Kleinigkeit und schon ist sie da: die Empörung. Natürlich ist es in vielerlei Hinsicht bequem, sich über Banalitäten Gedanken zu machen, weil man sich folglich nicht mit tiefergreifenden Problemen auseinandersetzen muss. Das Gehirn ist schließlich gerade anderweitig beschäftigt. Solche Nullinformationen eignen sich außerdem fabelhaft dazu, von anderen (eigenen) Unzulänglichkeiten abzulenken. Diese Nebelgranaten-Taktik hat in der Vergangenheit schon des Öfteren ganz gut funktioniert – wer hat noch über grausige Liederbücher gesprochen, wenn man sich doch auch an trappelnden Polizeipferden wunderbar abarbeiten kann? Fast täglich brechen über bekannte und weniger bekannte Menschen und ihre (Un)taten irgendwelche Shitstorms herein. Die Latte beim Empörungslimbo wird immer noch tiefer gelegt und meist sind es triviale Aussagen ohne jedwede weitreichende Bedeutung, die Anlass zu Beschimpfungen, Verunglimpfungen und teils wahren Hasstiraden geben. Leute, entpört euch! Anstatt sich über Dinge fast reflexartig aufzuregen, sollte man sich zuerst darüber Gedanken machen, was das eigene Gemüt denn tatsächlich derart erregt. In der Regel ist es genau eines, nämlich nichts. Empörung ist keine Lösung, sondern meist der Versuch, davon abzulenken, dass einem die Argumente fehlen. Das ist einer Debattenkultur nicht zuträglich – nicht im Netz und auch nicht im wahren Leben. Anregungen und Kommentare bitte an bernardi@econova.at

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© KUNSTFOTOGRAFIN

eco.mmentar

ÖKOLOMIAL Das Wort ökolomial gibt es nicht. Es ist eine Wortkreation aus ökologisch, ökonomisch und sozial. Drei Eigenschaften, die in ihrer Schnittmenge Nachhaltigkeit in Idealform beschreiben. Inwieweit lässt sich diese Idealform heute überhaupt erreichen? Wie lässt sich verhindern, dass sich Nachhaltigkeit in eine lange Reihe an Buzzwords einreiht und jeder etwas anderes darunter versteht?

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S

chaut man in diverse Unternehmensbroschüren, ist Nachhaltigkeit als Begriff nicht mehr zu übersehen. Gerne lassen wir unser Gewissen damit beruhigen, dass die Produkte, die wir kaufen und konsumieren, nach ökologischen und sozialen Gesichtspunkten produziert wurden und das Unternehmen trotzdem ökonomisch auf sicheren Beinen steht. Spätestens beim Preis müssten dabei aber manchmal ernste Zweifel aufkommen. Was also ist Nachhaltigkeit? Wikipedia besagt, dass Nachhaltigkeit ein Prinzip ist, nach dem „nicht mehr verbraucht werden darf, als jeweils nachwachsen, sich regenerieren, künftig wieder bereitgestellt werden kann.“ Bereits im 19. Jahrhundert findet der Begriff Einzug in die Literatur durch den deutschen Forstmann Emil André. In der Holzwirtschaft war es ob der langen Aufforstungszyklen am augenscheinlichsten, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als nachwachsen kann. Zum Vergleich: Wenn man bedenkt, wie lange es dauerte, bis aus organischen Stoffen unter Druck und Wärme Erdöl wurde, dürften wir damit nur einen winzigen Bruchteil davon fördern und verbrauchen. Vermutlich wäre der damit verbundene CO2-Ausstoß auch für die Erde und das Klima zu verkraften.

VON ALEXANDER M. SCHMID

VERTRÄGLICHE RESSOURCENNUTZUNG

Obwohl ich kein Freund von Ressourcen in Verbindung mit menschlicher Arbeitskraft bin, kommt man an Human Resources nicht vorbei. Und auch da stellt sich die Frage, inwieweit wir heute nachhaltig damit umgehen. Die Errungenschaft der 40-Stunden-Woche haben wir unter anderem der technischen Weiterentwicklung zu verdanken. Dennoch gibt es immer wieder Bestrebungen, diese Errungenschaft aufzuweichen. Auch wenn wir heute tendenziell körperlich weniger angestrengt arbeiten als früher, sind an deren Stelle Belastungen im mentalen Bereich getreten, die einen anderen Belastungsund Regenerationsrhythmus benötigen.

GESELLSCHAFTSFÄHIG Der soziale Aspekt gewinnt in letzter Zeit an Bedeutung. Nachdem bei den meisten die menschlichen Grundbedürfnisse gedeckt sind, streben wir danach, unsere Umgebung lebenswert zu gestalten und zu erhalten. Besonders in Zeiten des Klimawandels stehen wir hier vor einer großen Herausforderung, da nur durch eine gemeinsame Verhaltensänderung ein wirksamer Einfluss auf das Klima erreicht werden kann. Besonders jene Wirtschaftszweige, die maßgeblich vom Klima abhängig sind, müssten sich schon lange den Kopf darüber zerbrechen, wie sie mit diesen absehbaren Veränderungen umgehen wollen. Noch mehr davon, was bisher getan wurde, wird nicht die Lösung sein. In unserem kapitalistischen System steht dabei früher oder später die Frage nach der Wirtschaftlichkeit im Raum. Das ist auch gut so. Die Zusatzfrage, die wir uns allerdings dazu stellen sollten, ist jene des Zeithorizonts. Ist etwas nur wirtschaftlich, wenn es sich binnen fünf, drei oder gar einem Jahr oder auch wenn es sich erst in zehn oder zwanzig Jahren rechnet? Bleibt immer noch die Frage, ob in dieser Rechnung auch etwaige Folgekosten mit inbegriffen sind, die auf Rechnung der Natur gehen und damit irreversibel sind.

NACHHALTIGE INNOVATION

Das Einzige, was uns bis dato noch immer gerettet hat, war der verschwenderische Umgang mit Ideen und Konzepten, aus denen nach langem Probieren, Versagen, daraus Lernen, erneutem Probieren und besser machen nachhaltige Lösungen wurden. Investitionen in eine Umgebung, die zeitlichen, räumlichen und finanziellen Spielraum bietet, sorgen garantiert für Erfolg im ökolomialen Sinne: ökologisch, ökologisch und sozial. 

ZUR PERSON Alexander M. Schmid – Der Vereinfacher – beschäftigt sich seit über sechs Jahren mit Vereinfachung in Unter­­nehmen, hat darüber ein Buch verfasst und erarbeitet mit Unternehmen Strategien, die sie am Markt einfach einzigartig positionieren. www.dervereinfacher.at


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MIT DER ABRISSBIRNE IN DIE ENERGIEZUKUNFT Tirol will bis 2050 energieautonom werden. Manche sagen, es muss. Im türkis-grünen Bund will man sogar bis 2040 klimaneutral sein. Um diese ehrgeizigen Ziele zu erreichen, wird es einen totalen Umbau unseres Energiesystems brauchen. TEXT: MARIAN KRÖLL

E

s scheint heutzutage fast undenkbar, dass der Klimawandel einst als etwas Positives gesehen wurde. „Wir haben das Recht auf die angenehme Annahme, dass unsere Nachkommen, auch wenn erst in vielen Generationen, unter milderen Himmeln und in weniger unwirtlicher Umgebung leben, als wir das heute tun“, schrieb gegen Ende des 19. Jahrhunderts der Nobelpreisträger Svante Arrhenius. Der Klimawandel bzw. die globale Erwärmung als potenzielle Bedrohung wurde Mitte der 1960er-Jahre erstmals von den USA aufs Tapet gebracht.

ES WIRD WÄRMER

Während sich die mittlere globale Temperatur seit Beginn des 20. Jahrhunderts um 0,9 Grad Celsius erwärmt hat, ist der Anstieg in Österreich fast doppelt so groß. Das ist nicht unbedingt ein Fanal, sondern dem physikalischen Umstand geschuldet, dass sich Luft über Landflächen schneller erwärmt als über Wasserflächen wie den thermisch trägen Ozeanen. Die Innsbrucker Sommer waren in den vergangenen zehn Jahren um 2,1 °C wärmer als im Vergleichszeitraum

DIE ÜBERWIEGENDE MEHRHEIT DER WISSENSCHAF TSTREIBENDEN I S T D E R A N S I C H T, D A S S D I E S I T U AT I O N R U N D U M D A S S I C H WA N D E L N D E W E LT K L I M A E R N S T I S T. Ä U S S E R S T E R N S T.

zwischen 1971 und 2000. Spoiler: Kälter ist es nirgendwo geworden. Die mittlere Tagestemperatur in Innsbruck ohne Klimaschutzmaßnahmen würde ab 2071 zwischen 3,4 und 7,2 °C zulegen, bei Einhaltung des Pariser Abkommens aber nur zwischen 0,8 und 1,9 °C, hat die Rechercheplattform Addendum in Kooperation mit wissenschaftlichen Einrichtungen errechnet. In Tirols niedrigstgelegener Gemeinde Ebbs stieg die Sommertemperatur um 1,9 Grad Celsius, in Spiss, der höchstgelegenen Gemeinde Tirols um 1,8 Grad Celsius. Die mittlere Sommer-Tagestemperatur in Spiss würde ohne Klimaschutzmaßnahmen zwischen 4 und 7,5 °C zulegen, bei Einhaltung des Pariser Abkommens dagegen nur zwischen 0,9 und 1,6 °C. Da drängt sich die Frage auf, ob wir es uns als Gesellschaft überhaupt leisten können, nichts zu tun?

KLIMANEUTRALITÄT UND ENERGIEWENDE Wolfgang Streicher ist kein Mann, dem man großes Verständnis für die politischen Mühen der Ebene nachsagen könnte. Das ist auch nicht sein Job. Streicher ist Wissenschaftler. An der Universität Innsbruck fällt unter anderem das energieeffiziente Bauen in seinen Wirkungs- und Forschungsbereich. Streicher war auch in den vom Land im Zuge der Energieautonomie 2050 in Auftrag gegebenen Szenarienbericht involviert, der fünf, womöglich bald sechs Szenarien vorzeichnen sollte, wie Tirol das ambitionierte Ziel der postfossilen Energieautonomie in den kommenden 30 Jahren erreichen könnte. Projektleiter und zuständig für die Potentiale an erneuerbaren Energieträgern war Wasser Tirol, für die Mobilität war der Arbeitsbereich „Intelligente Verkehrssysteme“

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„W E N N W I R U N S E R V E R H A LT E N A U F D E M J E T Z I G E N N I V E A U B E H A LT E N , W E R D E N W I R E B E N D A M I T L E B E N M Ü S S E N , DASS ALLES AN ERNEUERBAREN ENERGIE TR ÄGERN A U S G E B A U T W E R D E N M U S S , WA S M Ö G L I C H I S T.“ W OL F G A NG S T REIC HER , W I S S EN S C H A F T L ER A N DER UNI V ER S I TÄT INN S B R U C K


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„ N AT Ü R L I C H E R S C H L Ä G T E I N W I N D R A D H I N U N D WIEDER EINEN VOGEL, ABER AUTOS ERSCHL AGEN NOCH WESENTLICH MEHR VÖGEL, UND DAS I N T E R E S S I E R T K E I N E N M E N S C H E N .“ WOLFGANG STREICHER

von Markus Mailer zuständig, für die Gebäude Streichers Arbeitsbereich „Energieeffizientes Bauen“ und für den Bereich Industrie das MCI unter Angela Hofmann. Es gibt ein Strom-Szenario, ein Wasserstoff-Szenario, ein Methan-Szenario, ein adaptiertes Methan-Szenario und das Szenario Energiemix. Letzteres ist das flexibelste und vielleicht deshalb realistischste. So viel vorweg: Mit Kleckern wird es nicht getan sein, Klotzen ist angesagt. Streicher lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass rasches Handeln mittlerweile das Gebot der Stunde ist, die Zeit dränge. Das kann man nun teilen oder auch nicht, Fakt ist, dass sich auch – wenig überraschend – die neue türkis-grüne Bundesregierung zum Ziel gesetzt hat, zum Klima-Musterschüler in der Europäischen Union zu werden und notabene bis 2040 der immerwährenden Neutralität auch die Klimaneutralität an die Seite zu stellen.

KEIN KLIMA - MUSTERSCHÜLER

Vorerst wird vonseiten politisch Verantwortlicher überwiegend rhetorisch energiegewendet. Österreich hat, was die Einhaltung internationaler Klimaziele betrifft, keinen sonderlich herzeigbaren Track Record. Die meiste Zeit wurden diese Ziele komfortabel verfehlt, einmal, nämlich 2005, war man um stolze 47 Prozent von den damals geltenden Toronto-Zielen entfernt. Das will man nun mit grüner Regierungsbeteiligung deutlich besser machen. Mit größeren und kleineren Maßnahmen: Im Neubau ging es mittlerweile qua Ölkesseleinbauverbotsgesetz – ÖKEVG 2019 der Ölheizung an den Kragen. Mit dem sogenannten Dieselprivileg bzw. dessen Abschaffung steht ein türkis-grüner Lackmustest an, auf dessen Ergebnis man gespannt sein darf. Vor allem die Volkspartei fürchtet – wohl nicht unbegründet – den Zorn ihrer Wähler. Nicht zuletzt würden durch eine Angleichung der Steuersätze von Diesel an Benzin die üppigen Steuereinnahmen aus dem im Finanzministerium sicher nicht verhassten Tanktourismus versiegen. Ob dadurch ein einziger LKW weniger den Brenner überqueren würde, darf zumindest bezweifelt

werden, zumal meist unterschlagen wird, dass in einigen EU-Nachbarländern Frächter zwar an der Zapfsäule mehr bezahlen müssen, die Mineralölsteuer aber sogar – anders als in Österreich – refundiert bekommen. Die Abschaffung dieses sogenannten Privilegs würde vor allem heimische Frächter und Private, vielfach Pendler, treffen. Verglichen mit dem, was sich Tirol vorgenommen hat, sind das Peanuts. „Tirol will bis zum Jahr 2050 energieautonom werden. Bis dahin sollen alle fossilen Energieträger wie Öl, Kohle und Erdgas durch erneuerbare heimische Energieträger ersetzt werden. Dies erfordert einen tiefgreifenden Umbau des Energiesystems, wie wir es heute kennen. Neben einem sparsamen Umgang mit Energie ist vor allem die Energieeffizienz und der Einsatz alternativer Technologien zu erhöhen.“ Diese Devise wird im Vorwort des Szenarienberichts vom hauptzuständigen Landesrat Josef Geisler (ÖVP) ausgegeben.

WISSENSCHAFTSAKTIVISMUS FOR FUTURE

Mit weiten Teilen der Wissenschaft hat die Politik mittlerweile einen Partner an der Seite, der nicht länger dabei zusehen möchte, wie der Klimawandel voranschreitet. „Bei Scientists for Future geht es nicht nur darum,

den Klimawandel zu erklären, sondern auch darum, weg von einem System zu kommen, das ganz stark vom Erdöl abhängt. Um das zu schaffen, braucht es eine Transformation, die nicht nur von Naturwissenschaftlern und Technikern ausgeht, sondern an der auch Sozialwissenschaftler mitwirken müssen, um die Gesellschaft darauf vorzubereiten“, sagt Ingomar Glatz vom Institut für Geographie der Uni Innsbruck in einem Radiointerview. „Nur wenn die Menschheit schnell und entschlossen handelt, können wir die globale Erwärmung begrenzen, das anhaltende Massensterben von Tier- und Pflanzenarten stoppen und die natürlichen Grundlagen für die Nahrungsversorgung und das Wohlergehen heutiger und zukünftiger Generationen erhalten“, heißt es in einem Aufsatz von Scientists-for-Future-Gründer Gregor Hagedorn. Immerhin ist es ein seltenes Ereignis, dass eigentlich sich der Annäherung an das Ideal der Objektivität verpflichtete Wissenschaftler derart unverhohlen eine politische Agenda mit derart weitreichenden Konsequenzen verfolgen, wie das beim Klimawandel der Fall ist. „Wir Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler können das, was wir tun, nicht in dieselbe Emotionalität verpacken wie die Schülerinnen und Schüler. Damit würden wir das Vertrauen, das die Gesellschaft in uns

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DIE LEIDENSCHAFT SPÜREN.

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haben muss, verspielen. Die wissenschaftliche Arbeitsweise erfordert einerseits Objektivität und andererseits ein Wissen über die dennoch vorhandene Subjektivität. Wir können nicht einfach emotionalisiert und politisiert agieren“, sagte etwa der Berliner Klimageograf Christoph Schneider der Hamburger Wochenzeitung Die Zeit. Gefragt, ob er denn selbst durch die Mitwirkung bei Scientists for Future zum Aktivisten würde, meint Schneider: „Ja, ich glaube schon. Das Thema drängt so, dass ich nicht mehr sagen kann: Politischer Prozess kann mir egal sein, ich bin ja Wissenschaftler.“ Ähnliche Töne werden von nicht wenigen Wissenschaftlern angeschlagen. Wie mittlerweile sattsam bekannt sein dürfte, ist die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftstreibenden der Ansicht, dass die Situation rund um das sich wandelnde Weltklima ernst ist. Äußerst ernst. Rasches und tiefgreifendes Gegensteuern wird überwiegend als alternativlos erlebt. Naturgemäß kann sich aber selbst eine große Mehrheit irren, sehr wahrscheinlich scheint das im Zusammenhang mit dem anthropogenen Klimawandel aber nicht. The Stakes Are High. Es geht um die Wurst. Oder, wie es der Philosoph Hans Jonas in seinem ethischen Hauptwerk „Das Prinzip Verantwortung“ ungleich eleganter formuliert hat: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Und da ist noch Luft nach oben, nicht Kohlen(stoff)dioxid.

Immerhin hat es die Menschheit fertiggebracht, sich trotz – oder wahrscheinlich sogar wegen – der Doktrin der „wechselseitig zugesicherten Zerstörung“ (mutually assured destruction – sinnigerweise MAD) im Kalten Krieg nicht selbst zu vernichten. Es darf also gehofft werden, dass wir mit dem Klimawandel auch irgendwie zurande kommen werden. Die an der von Jonas in dessen Werk diskutierte Einschränkung individueller Freiheiten zugunsten eines kollektiven Überlebens geübte Kritik darf im Lichte der in der Öffentlichkeit diskutierten Maßnahmen gegen den Klimawandel als zeitlos aktuell gelten.

RAUS AUS ÖL UND GAS

Als ideologisch motiviert will Wolfgang Streicher seine Arbeit an der Energiezukunft explizit nicht verstanden wissen. Er sei Wissenschaftler und folglich der wissenschaftlichen Methode verpflichtet. Dementsprechend wurden die Energieszenarien unter Einbeziehung möglichst aller relevanten Stakeholder und nach streng wissenschaftlichen Methoden erarbeitet. Ihnen liegt die ganzheitliche und wirklichkeitsnahe Darstellung des Energiesystems zugrunde, das nach den Bestandteilen nutzbares Energie-Dargebot, Energie-Bedarf und Energie-Bedarfsdeckung gegliedert ist. In der Energiekette wird sogenannte Primärenergie unter Umwandlungsverlusten in Sekundärenergie gewandelt, die wiederum verlustreich in Endenergie übergeht.

Aus der Endenergie wird – wieder unter Verlusten – die Nutzenergie. Tirol importiert derzeit jährlich Öl im Ausmaß von rund 37.000 Terajoule, 12.800 Terajoule Erdgas sowie 1.000 Terajoule Kohle. Ein Terajoule (TJ) entspricht etwa 278 Megawattstunden, 56 TJ entsprechen der Explosionsenergie, die beim Atombombenabwurf der USA über Hiroshima im Zweiten Weltkrieg frei wurde. Die TIWAG als größter Tiroler Stromerzeuger produziert jährlich rund 3.000 Gigawattstunden (GWh) an Energie, was 10.800 Terajoule entspricht. Die Stromimporte und -exporte hielten sich im Beobachtungszeitraum die Waage. „Wir haben in Tirol einen Gesamtendenergieeinsatz von 87.000 Terajoule“, sagt Streicher. Diese Energie wird für die Mobilität, die Produktion, Gebäude und Landwirtschaft gebraucht. Alle Szenarien sehen bis 2050 den vollständigen Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen Öl und Gas vor. Energie hat die in den Hauptsätzen der Thermodynamik formulierte, unpraktische Angewohnheit, dass sie sich weder „gewinnen“ lässt noch dass aus 100 Prozent einer bestimmten Energieform jemals 100 Prozent einer anderen werden können. Es gibt immer Umwandlungsverluste, die teils drastisch sind. Die Wärme steht am Ende aller Energieumwandlungsprozesse. Sie lässt sich je tiefer die Temperatur umso weniger nutzen, um Arbeit zu verrichten bzw. in andere höherwertige Energieformen zurückwandeln. „Neben der Wasserkraft (22.000 TJ) haben wir derzeit in Tirol noch die Biomasse bzw.


„T I R O L W I L L B I S Z U M J A H R 2050 ENERGIEAUTONOM WERDEN. BIS DAHIN SOLLEN ALLE FOSSILEN ENERGIE TR ÄGER WIE Ö L , KO H L E U N D E R D G A S DURCH ERNEUERBARE HEIMISCHE ENERGIE TR ÄGER ERSETZT WERDEN. DIES ERFORDERT EINEN TIEFGREIFENDEN UMBAU DES ENERGIESYSTEMS, WIE WIR E S H E U T E K E N N E N .“ LANDESHAUPTMANNS T EL LV ER T RE T ER JO S EF GEIS L ER AUS: RESSOURCEN- UND TECHNOL O GIEEIN S AT Z-S ZEN A RIEN T IR OL 2 05 0

Holz (16.000 TJ) als wirklich relevante Energieträger“, erklärt Streicher, der einschränkend hinzufügt, dass selbst dieses Holz teilweise importiert werden müsse. Andere Energieträger fallen mit Stand heute quasi kaum ins Gewicht. Apropos Wärme: „Das Auto fährt im Durchschnitt mit einem Wirkungsgrad von 15 Prozent. Da bleibt viel Wärme über und wenig geht in die Mobilität. Produktion und Haushalte sind beim Wirkungsgrad wesentlich besser“, meint der Forscher. In der tirolischen Energiewende wird es wesentlich darum gehen, die Effizienz der eingesetzten Energie bzw. den Wirkungsgrad zu erhöhen. Über den Bau von Passivhäusern und flächendeckende Elektromobilität zum Beispiel.

KOSTEN UND NUTZEN

Das vielfach ins Treffen geführte Kostenargument will Streicher so nicht gelten lassen: „Es wird immer nur gefragt, was kostet uns das, und nie, was bringt uns das.“ Am Beispiel Fenster führt er exemplarisch aus: „Wer bei der Sanierung alte Fenster gegen neue austauscht, dem entstehen Kosten, die jedenfalls anfallen. Die Kostendifferenz zwischen einem Fenster nach Bauordnung und einem hochwertigeren Fenster ist eine Mehrkosteninvestition, die sich aber über die Betriebskosteneinsparung leicht rechnet.“

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„ES IST EIN ÜBER ALL K U R S I E R E N D E R FA K E , D A S S DIE ENERGIEWENDE SO T E U E R WÄ R E .“ WOLFGANG STREICHER

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Es gebe ferner gleich mehrere volkswirtschaftliche Rechnungen, deren Ergebnis sei, dass die Anpassung an den Klimawandel unterm Strich überhaupt nichts kosten würde, so Streicher, der noch zu bedenken gibt: „Jährlich überweisen wir Milliarden an die erdölproduzierenden Staaten. Dieses Geld ist weg. Investieren wir dieses Geld im eigenen Land, geht sich die Rechnung in einer volkswirtschaftlichen Betrachtung sogar für den Finanzminister aus.“ Streicher legt Wert auf die folgende Feststellung: „Es ist ein überall kursierender Fake, dass die Energiewende so teuer wäre.“ Selbiges gelte in der Mobilität. Das Elektroauto sei zwar in der Anschaffung teurer, berücksichtige man die Umweltfolgekosten, sehe die Welt dagegen völlig anders aus. „Wir müssen nicht nur Milliarden an Strafzahlungen leisten, wenn wir unsere CO2-Kontingente nicht einhalten, sondern der Klimawandel an sich kostet uns auch eine ganze Menge Geld. Das Nichtstun ist ja nicht gratis und zudem keine lustige Option“, meint der Forscher. „Man muss sich nur ansehen, welche Kosten durch klimabedingte Völkerwanderungen und Kriege entstehen und das in Relation zu den Investitionen setzen, die es braucht, um den Klimawandel zu bekämpfen. Das sind die Rechnungen, die wir anstellen müssen“, erklärt Wolfgang Streicher. Wir stellen, insinuiert der Wissenschaftler, im gesellschaftlichen Diskurs offenbar die falschen Fragen. „Können wir es uns leisten, dass beim Autofahren durchschnittlich 85 Prozent der Energie in Wärme umgewandelt wird und nur 15 in Bewegung?“ Oder: „Kein Mensch fragt, ob sich das Einfamilienhaus am Land rechnet. Das rechnet sich nie. Selbst für die Gemeinden ist das aufgrund der zu errichtenden Infrastruktur oft ein Negativgeschäft. Wann rechnet sich ein SUV gegenüber einem Kleinwagen? Nie.“ Es werde allgemein mit zweierlei Maß gemessen, meint Streicher, wenn er sagt: „Was nicht ins Konzept passt, ist automatisch zu teuer, und was passt, wird gar nicht erst nachgerechnet.“ Kostenprognosen sind überdies schwierig, weil der Ölpreis sehr variabel ist.

Über die letzten zehn Jahre variierte dieser beispielsweise um den Faktor 2,5. „Lege ich den Höchstpreis zugrunde, rechnet sich Erneuerbares bald einmal, nehme ich den Tiefstpreis, rechnet sich nichts mehr“, erläutert Streicher das Prognoseproblem. Nachsatz: „Dieser Wirtschaftlichkeitsrechnung wird ein hoher Stellenwert eingeräumt, den sie in Wirklichkeit gar nicht haben sollte.“ Es gibt also mathematisch genügend Spielräume bzw. Unsicherheiten, um Prognosen in die eine oder andere gewünschte Richtung zu drehen. Streicher bemüht sich um eine Versachlichung der Debatte und will weg vom Stammtisch, an dem dem Problem unterkomplex begegnet wird. Für die Energieszenarien 2050 sieht Streicher ein Einsparungspotenzial von etwa 30 Prozent. „Mehr schaf-

fen wir nicht, obwohl die gesamte Mobilität elektrifiziert ist, selbst die Autobahnen haben für den Fernverkehr eine Oberleitung bekommen. In der Produktion gibt es nicht viel Einsparungspotenzial, weil diese ohnehin schon sehr effizient ist. Es sollten außerdem keine Arbeitsplätze gefährdet werden“, sagt der Wissenschaftler. Generell wurden in den Energieszenarien keine Verhaltensänderungen der Bevölkerung angenommen. Man ging von derselben Anzahl an Personenkilometern aus, ebenso wie von derselben durchschnittlichen Wohnraumgröße. „Man könnte durchaus hinterfragen, ob man pro Person 46 Quadratmeter Wohnfläche braucht. Haben wir aber in dieser Studie nicht gemacht. Es geht darum, Bestehendes besser, intelligenter und effizienter zu machen“, meint der Wissenschaftler. (Konsum-) Verzicht ist äußerst unpopulär und macht die Energiewende „schwer zu verkaufen“. Der Professor macht aber kein Hehl daraus, dass mit einer Verhaltensänderung vor allem im Sektor Mobilität viel zu gewinnen wäre. Rechnen tun er und seine Kollegen damit nicht, wie er klar zum Ausdruck bringt: „Wenn wir unser Verhalten auf dem jetzigen Niveau behalten, werden wir eben damit leben müssen, dass alles an erneuerbaren


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„ E S W I R D I M M E R N U R G E F R A G T, WA S KO S T E T U N S D A S , U N D N I E , WA S B R I N G T U N S D A S .“ WOLFGANG STREICHER

Energieträgern ausgebaut werden muss, was möglich ist.“

IMPORT – EXPORT

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Stromexporte und -importe sind weiterhin vorgesehen. Damit können alle Pumpspeicher auch weiterhin ökonomisch genutzt werden und es ist ein gewisser Ausgleich zwischen Sommer und Winter mit den Nachbarländern möglich. „Für die Zukunft wird die Frage der Versorgungssicherheit bei weiterem Ausbau von Stromerzeugungsanlagen zur Gewinnung volatilen Stroms zunehmend bedeutend. Dunkelflauten – besser: Winter- und Windflauten – werden Zeitspannen genannt, zu denen aufgrund starker Bewölkung und gleichzeitig geringer Windstärken die Stromerzeugung aus Photovoltaikund Windkraftanlagen nahezu zum Erliegen kommt. Eine Versorgung zur Deckung des winterlichen Tiroler Strombedarfs aus dem benachbarten Ausland (...) ist zukünftig gegebenenfalls bei Winter- und Windflauten aufgrund der Entwicklung der Energieversorgungsinfrastruktur in Deutschland mit u.a. dem starken Ausbau von Photovoltaikund Windkraftanlagen nicht sichergestellt wie gegenwärtig“, heißt es im Bericht. Der Ausbau der Wasserkraft ist allein schon deswegen alternativlos. Im Strategiepapier heißt es dazu: „Die effizienteste Lösungsmöglichkeit besteht (…) in der Errichtung von Speicherkraftwerken, wobei diese derart ausgelegt sein müssen, dass die Speicherinhalte die Tiroler Strom-Versorgung über einen Zeitraum von rund sechs Wochen sicherstellen müssen. Hierzu würden neben Saisonspeichern auch Pumpspeicher im großen Stil benötigt. In Zeiten temporärer

Überproduktion könnten die Speicher durch – auch inländischen – Überschussstrom gefüllt und während Winter- und Windflauten durch Ablassen des Wassers aus den Speichern Strom erzeugt werden. Auch wenn Pumpspeicherkraftwerke die Energiebilanz im Jahressaldo verschlechtern, sind sie für den Ausgleich von Strom-Überschuss und Strom-Bedarfslücken sowie zur zukünftigen Überbrückung von Winter- und Windflauten nach Einschätzung von Experten absolut notwendig.“ Die Ausbeute aus der Wasserkraft muss von 22.000 auf 30.000 Terajoule ausgebaut werden. So viel dazu. Ob der Tiroler Bevölkerung „Pumpspeicher im großen Stil“ für die Energieautonomie zu vermitteln sind, ist zu bezweifeln. „Viele dieser Maßnahmen sind nicht populär. Trotzdem müssen wir das machen“, sagt Streicher. Dazu kommt ein beträchtlicher Ausbau des Stromnetzes. „Wenn wir 25 Jahre brauchen, um eine 380-kV-Leitung zu bauen, werden wir die Energiewende nicht schaffen.“ Von den „intelligenten Stromnetzen“ (Smart Grids) und den dazugehörigen intelligenten Stromzählern (Smart Meter) verspricht sich der Forscher aber nicht allzu viel: „In puncto Energieeinsparung bringen Smart Meter überhaupt nichts. Die bringen – und da bin ich sehr ketzerisch – nur den Firmen, die sie erzeugen, einen Mehrgewinn.“ Bis Ende 2022 sollen in Österreich dennoch 95 Prozent der analogen Stromzähler durch die digitalen, smarten Zähler ersetzt werden.

DIE SONNE AUFS DACH

Doch damit nicht genug. Dem Land Tirol wird bis 2050 heftig die Sonne scheinen

müssen, damit sich die Energieautonomie ausgeht. Photovoltaik (PV)-Anlagen werden das Landschafts- bzw. Dorf- und Stadtbild der Zukunft prägen müssen, wollen die ehrgeizigen Energieziele erreicht werden. Jedes Dach, das eine Einstrahlungsintensität von 950 kWh/(m²*a) erreicht, soll zukünftig eine PV-Anlage zieren. „Alle Dächer, nicht da und dort eines. Alle Dächer“, bekräftigt Wolfgang Streicher, „von null auf hundert sozusagen.“ Null ist in diesem Fall ein jährlicher Ertrag von 259 TJ, hundert wäre 14.000 TJ. Das ist in etwa 60 Prozent der Energiemenge, die heutzutage mittels Wasserkraft in Tirol erzeugt wird. Doch auch damit noch nicht genug. Es wird bei den meisten Szenarien auch Freiflächen-PV-Anlagen brauchen. In der konkreten Größe von zwischen sechs und elf Fußballfeldern. Pro Gemeinde. Wenig ist das nicht, vor allem wenn man sich die Topografie – Stichwort Dauersiedlungsraum – des Landes vor Augen führt. Relativ große Hoffnungen setzt man in der Strategie auf Umweltwärme, also Grundwasser, Erdwärme und Luft, die mittels Wärmepumpen nutzbar gemacht werden kann. Ein Feld, auf dem Tirol mit mehreren namhaften Herstellern zweifellos bereits gegenwärtig Kompetenz aufgebaut hat. Vor allem die Luftwärme hat theoretisch ein nahezu unbegrenztes Potenzial. Andere Quellen spielen wiederum nur eine sehr untergeordnete, fast vernachlässigbare Rolle. Auch in Zukunft. „Mit Biogas und brennbaren Abfällen werden wir Tirol nicht retten können“, sagt Wolfgang Streicher.

SAKRILEG WINDENERGIE

Die Windenergie ist für 2050 mit 900 TJ eingeplant. Das ist so viel wie derzeit an Kohle importiert wird und entspricht etwa 25 Windrädern. Um diese Form der Energiegewinnung wurde in Tirol vor allem von politischer Seite in der Vergangenheit viel Wind gemacht. Doch der Wind ist höchst unpopulär, die Bevölkerung läuft förmlich Sturm gegen derartige Projekte. „Warum, weiß ich eigentlich nicht“, meint Streicher achselzuckend. Die Windkraft wurde vor Jahren sogar zur Chefsache. „Wir sind ein Land der Gipfelkreuze und nicht ein Land der Windkraft“, beendete Landeshauptmann Günther Platter bereits 2012 die offizielle Debatte, bevor sie richtig begonnen hatte. Ein Blick auf die Strategie für 2050 zeigt, dass das eigentlich immer noch gilt. „Wir bauen Speicherseen, Beschneiungsanlagen, Hochspannungsleitungen. Das ist alles kein Thema. Warum ist


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das Windrad ein Thema?“, wundert sich Streicher, der mit der Tabuisierung der Windkraft hierzulande naturgemäß keine Freude hat. Um überhaupt eine realistische Chance zu haben, die energetische Wende zu schaffen, sollten energetische Tabus – bei den Erneuerbaren wohlgemerkt – eigentlich tabu sein. „In Tirol gäbe es auf den Bergen ziemlich viele gute Standorte für die Windkraft“, so der Forscher. Nachsatz: „Natürlich erschlägt ein Windrad hin und wieder einen Vogel, aber Autos erschlagen noch wesentlich mehr Vögel, und das interessiert keinen Menschen.“ Wenn andernorts konsequent umgesetzt wird, kann Tirol sich Eigenheiten wie den fast völligen Verzicht auf Windkraft erlauben. „Wir sind im Heiligen Land, wo früher das Floriani-Prinzip galt und heute das der Nimbys“, sagt Wolfgang Streicher. Das fancy Akronym Nimby steht für Not in My Backyard und bringt dasselbe zum Ausdruck wie ersteres Prinzip. Daraus darf man wohl folgern, dass der Strom aus dem Wind in Tirol der Kategorie Sakrileg zuzuschlagen ist. Alle von Wolfgang Streicher und Kollegen ausgearbeiteten Szenarien gehen von einer postfossilen Gesellschaft aus, Dekarbonisierungsgrad 100 Prozent. Das Wasserstoff-Szenario würde ein Ende der Gasleitung bedeuten und scheint allein deshalb politisch kaum durchsetzbar. Allerdings ließe sich mit Strom Wasserstoff (Power-to-Gas) erzeugen, der prinzipiell gut speicherbar ist. Dabei wird aber um circa drei Mal so viel Strom für die Erzeugung benö-

tigt als bei direkter Stromnutzung. Dieser zusätzliche Strom würde weitere PV-Freiflächen benötigen. In einer Nachfolgestudie wird man sich in der gleichen wissenschaftlichen Zusammensetzung mit einer Einschätzung der verschiedenen Energiespeichermöglichkeiten beschäftigen.

TEUFEL UND BEELZEBUB

SANFT UND HEFTIG

Mit der Fission bzw. Kernspaltung gibt es grundsätzlich noch eine andere Energiequelle, die in Österreich seit der Volksabstimmung über das Atomkraftwerk Zwentendorf aber tabu ist. Auch Deutschland steigt seit Fukushima aus der Atomkraft aus. Das ist jedoch nicht so zeitgeistig, wie man meinen möchte, denn überall auf der Welt sind neue Atomkraftwerke in Bau. Frankreich setzt weiterhin voll auf die Kernkraft und exportiert immer dann zu gar nicht wohlfeilen Preisen Atomstrom ins Energiewende-Deutschland, wenn die Erneuerbaren nicht liefern können. „Atomkraft heißt, den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. Das ist überhaupt keine Alternative“, ist Wolfgang Streicher überzeugt und verweist auf die weltweit ungelöste Endlagerproblematik von Atommüll, der über Jahrtausende strahlt. „Die AKW in Frankreich und Deutschland haben deshalb so billigen Strom produziert, weil noch nicht einmal Geld für den Rückbau zurückgelegt wurde. Den zahlt der Steuerzahler jetzt extra.“ In anderen Bereichen ist Europa technologisch hinter Chi-

Sanft und heftig zugleich ist der energetische Umbau unserer Gesellschaft, den man sich in Tirol bis 2050 vorgenommen hat. Sanft deshalb, weil alle Strategien ohne grundlegende Änderung unserer Konsumgewohnheiten auskommen. Heftig deshalb, weil in Sachen Infrastruktur wirklich kaum ein Stein auf dem anderen bleibt. Populär ist das nicht, für eine zunehmende Zahl an Wissenschaftlern aber alternativlos. In der Politik und in noch stärkerem Maße in der breiten Bevölkerung ist das Bewusstsein für die Dringlichkeit der Energiewende noch nicht allzu ausgeprägt. Für den wirklich großen Wurf, den es für eine echte Energieautonomie bräuchte, spricht derzeit (noch) nicht allzu viel. Die Pläne liegen zwar fixfertig in der Schublade, die Umsetzung steht aber auf einem gänzlich anderen Blatt. In Anlehnung an den italienischen Schriftsteller Giuseppe Tomasi di Lampedusa könnte man abschließend festhalten: „Wenn wir wollen, dass (in unserem Konsum) alles so bleibt, wie es ist, dann ist es nötig, dass sich (in unserer Energieversorgung) alles verändert.“

na zurückgefallen. Mit der Produktion – etwa von PV-Zellen – wurde anscheinend auch das Know-how ins Reich der Mitte transferiert. Es wird wirtschaftspolitischer Anstrengung und massiver Investitionen bedürfen, um in den Zukunftstechnologien Land zurückzugewinnen.

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STEP BY STEP

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DAS DREI-SÄULEN-MODELL DER N A C H H A LT I G E N E N T W I C K L U N G G E H T VON DER VORSTELLUNG AUS, DASS N A C H H A LT I G E E N T W I C K L U N G N U R DURCH DAS GLEICHZEITIGE UND GLEICHBERECHTIGTE UMSE TZEN V O N U M W E LT B E Z O G E N E N , WIRTSCHAF TLICHEN UND SOZIALEN ZIELEN ERREICHT WERDEN K ANN.


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Nachhaltigkeit im Tourismus ist relativ schwer zu definieren. Durch die pure ökologische Brille betrachtet würde von dem wirtschaftlichen Schwergewicht des Landes wohl nicht mehr viel übrig bleiben und die sozialen Folgen wären einschneidend. Das Spannungsfeld bleibt spannend, doch ohne Nachhaltigkeit geht’s nicht mehr.

NATURFOTOS: © ISABELLE BACHER

TEXT: ALEXANDRA KELLER

er Gedanke, der die Welt bewegt, kommt aus dem Wald. Aus dem deutschen Wald, um genau zu sein, der im 17. Jahrhundert regelrecht geplündert wurde. Im Schwarzwald wurden die Weißtannen fast schon industriell gerodet. Nicht für die Kuckucksuhren. Nein, in Holland wurden die stolzen Stämme verschifft und für die Pfahlgründung von Amsterdam verbaut. Im Erzgebirge sah es nicht minder trist aus, weil die Glasbläser und vor allem der Bergbau Holz „verheizten“ wie nie zuvor. Gleichzeitig vermehrte sich die Bevölkerung, die Städte wurden größer und mit ihnen wuchs der Bedarf an Holz derart rapide an, dass zu der Zeit, als Johann Wolfgang von Goethe damit begann, über die Natur zu dichten, dieselbe schon den ersten großen Raubbau erfahren hatte. Der bedrohliche Holzschwund war mit einer veritablen Energiekrise gleichzusetzen und es war Hans Carl von Carlowitz (1645 – 1714), den die Folgen nicht kalt ließen. Der stattliche Mann mit Doppelkinn und prächtig gelockter Perücke war Oberberghauptmann am kursächsischen Oberbergamt in der Silberstadt Freiberg und angesichts der Ausbeutung der Wälder verfasste er 1713 das Werk „Sylvicultura oeconomica“. Darin hielt er fest, dass immer nur so viel Holz geschlagen werden sollte, wie durch planmäßige Aufforstung wieder nachwachsen kann. Mit seiner Forderung „eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen, daß es eine continuierliche beständige und nachhaltige Nutzung gebe“ legte er nicht nur den Grundstein für die moderne Forstwirtschaft, sondern auch für das Prinzip des nachhaltigen Umgangs mit Rohstoffen. Carl von Carlowitz ist der Erfinder der Nachhaltigkeit. Ein barocker Rockstar, dessen Gedanken über 300 Jahre später die Welt bewegen.

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„ I D E A LT Y P I S C H M Ü S S E N W I R U N S E R E FA M I L I E N G E P R Ä G T E N S T R U K T U R E N E R H A LT E N . D A S I S T F Ü R M I C H A U C H N A C H H A LT I G .“ HUBERT SILLER, MCI-PROFESSOR

NACHHALTIGKEIT

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All die Ebenen durchzudeklinieren, in denen dieses Wort zu Revolutionen führt, ist fast unmöglich. Die 17 UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung oder Sustainable Developement Goals (SDGs), auf die sich die UN-Mitgliedstaaten im Rahmen der „Agenda 2030“ geeinigt haben und die am 25. September 2015 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York verabschiedet wurden, können dabei als Kompass dienen. Es geht um nicht weniger als die „Transformation der Welt“, damit brennende ökologische, ökonomische und soziale Probleme gelöst werden. Die Nachhaltigkeit hat den Wald längst verlassen und schlägt Wurzeln in allen Bereichen des Lebens und Wirtschaftens. „Es geht nicht mehr anders“, lenkt Hubert Siller den Blick etwa auf jenen Bereich, der sein Spezialgebiet ist. Den Tourismus. Siller ist Fachhochschul-Professor und langjähriger Leiter des Department für Tourismus- & Freizeitwirtschaft (MCI Tourismus) am MCI Management Center Innsbruck. „Auch aus dem MCI heraus kann ich sagen, dass eine Generation kommt, die in erster Linie die ökologische Nachhaltigkeit sieht. Sie kommen mit großen Vorurteilen aus den Schulen, wo der Tourismus als großer Zerstörer der Umwelt gelehrt wird“, sagt er und stellt fest: „Wir versuchen das dann schon in ein Maß zu bringen und zeigen, dass es ganz ohne Ressourcen, ohne Landschaft und ohne Wasser nicht geht. Wir dürfen uns nicht zu Tode ökologisieren.“ Nachhaltigkeit im Tourismus rein durch die ökologische Brille zu betrachten bezie-

hungsweise in aller Konsequenz umzusetzen, würde dem Tourismus wohl den Garaus machen und schon deswegen nicht mehr nachhaltig sein, weil die damit verbundenen wirtschaftlichen und sozialen Folgen einschneidend bis verheerend wären. Um Nachhaltigkeit für den Tourismus zu definieren, stützt sich Siller vor diesem Hintergrund auf das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung. Dieses Konzept geht von der Vorstellung aus, dass nachhaltige Entwicklung nur durch das gleichzeitige und gleichberechtigte Umsetzen von umweltbezogenen, wirtschaftlichen und sozialen Zielen erreicht werden kann. „Es leben viele Menschen davon und es hängen viele Arbeitsplätze dran. Und es geht auch darum, dass Unternehmen und Regionen langfristig Bestand haben“, sagt Siller. Als Experte war er beispielsweise bei den Diskussionen im Vorfeld des neuen Regierungsprogramms eingebunden und hat sich dabei für Erleichterungen bei Übergaben von Familienunternehmen stark gemacht: „Idealtypisch müssen wir unsere familiengeprägten Strukturen erhalten. Das ist für mich auch nachhaltig.“ Die hohe Auflagendichte und die Kraft des Wohlstandes, der potenzielle Nachfolger vertreibt, lassen diese Strukturen gerade wanken und Siller mahnt zu Vorsicht, sich nicht zu sehr von der aktuellen Wohlfühlsituation leiten zu lassen.

MASTERPLAN

Das Drei-Säulen-Modell der nachhaltigen Entwicklung findet sich auch im „Plan T“ wieder, dem Masterplan für Tourismus, den

das „alte“ Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus im März vergangenen Jahres veröffentlicht hatte. Die grundlegende Stoßrichtung lässt sich vom Regierungswechsel nicht beeindrucken, heißt es im Plan T doch, dass nicht mehr der Gast allein im Mittelpunkt der Tourismuspolitik steht. Genauso wichtig seien die Bedürfnisse der Unternehmer, ihrer Mitarbeiter, der heimischen Bevölkerung und der Umwelt. Der Umwelt, die in Lebensraumtourismusländern, wo alles geteilt und nichts abgesperrt wird, zunehmend in den Fokus rückt. Und erhalten werden will. „Als tragende Säule sichert der Tourismus Existenzen und Wohlstand in den Alpen. Gleichzeitig sind die Alpen ein wertvoller Naturraum. Wirtschaftliche Perspektiven auf der einen Seite, sensibles Ökosystem auf der anderen – aktuell prägen


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DIE GÄSTE DER ZUKUNF T SIND EINE G E N E R AT I O N , D I E V O N F R I D AY S F O R FUTURE GEPR ÄG T SIND. BEI DEN GROS SEN KLIMAPROTESTEN UND -DEMOS WIRD NICHT N U R M E H R K L I M A - U N D U M W E LT B E W U S S T S E I N V O N D E N R E G I E R U N G E N D I E S E R W E LT E I N G E F O R D E R T, E S W E R D E N A U C H D I E U R L A U B S D E S T I N AT I O N E N H E R A U S G E F O R D E R T.

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verschiedene Konflikte das Meinungsklima. Zum Nachteil für die Menschen, die in den Alpen leben und wirtschaften“, hielt der Tiroler Seilbahnexperte Hannes Parth im Zuge der Gründung des Vereins Vitalpin fest. Im April 2019 wurde diese internationale Interessengemeinschaft ins Leben gerufen, die sich als neue Bewegung für Menschen und Unternehmen in den Alpen versteht, die von und mit dem Tourismus leben. Vitalpin möchte – so die Eigendefinition – im Dialog die Tourismusgesinnung positiv beeinflussen, damit auch in Zukunft touristische Projekte umgesetzt und damit Chancen für die Menschen in den Alpen geschaffen werden. „Ohne wirtschaftliche Infrastruktur keine Lebensgrundlage in den Alpen. Ohne Innovation keine Entwicklung in den Alpen. Ohne intakte Natur keine Lebensqualität in den

Alpen. Ohne lebendige Kultur keine Seele in den Alpen. Ohne gleichwertige Berücksichtigung der Bereiche Mensch, Wirtschaft und Natur keine ausgewogene Sichtweise auf die Zukunft in den Alpen“, lauten die Kernbotschaften des Vereins. Wieder ist es das Drei-Säulen-Modell für nachhaltige Entwicklung, das ins Auge sticht. Wieder sind es Mensch, Wirtschaft und Natur. Diese Dreifaltigkeit der touristischen Zukunft steht vor großen Herausforderungen. Einer Schätzung der Welttourismusorganisation UNWTO zufolge ist die Tourismusbranche für rund fünf Prozent aller weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Drei Viertel aller CO2-Emissionen im Tourismus werden dabei vom Verkehr verursacht. Wenig überraschend gehen 40 Prozent „auf die Kappe“ von Flugreisen. „Im internationalen

Vergleich ist der ökologische Fußabdruck eines Urlaubs in Tirol ausgesprochen gut“, weist Hubert Siller etwa auf die im Dezember 2018 vom Umweltbundesamt veröffentlichte Treibhausgas-Bilanz hin, in welcher der Ski- und Sommerurlaub in Österreich mit Urlauben verglichen wurde, an deren Beginn und Ende ein Kurz- oder Langstreckenflug steht. „Werden bei einem Flug auf die Malediven pro Person und Tag ca. 426 Kilogramm CO2 verursacht, sind es bei einem Flug nach Spanien ca. 138 Kilogramm. Bei Winter- oder Sommerurlaub in Österreich stammen zwischen drei und 21 Kilogramm aus der An- und Abreise – je nachdem, ob mit der Bahn oder mit dem PKW angereist wird“ heißt es in dem Factsheet des Bundesumweltamtes. Nur etwa neun Prozent der Österreich-Gäste nutzen die Bahn. „Im


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öffentlichen Diskurs ist der Tourismus der ideale Sündenbock fürs Verkehrsproblem. Aber solange die öffentlichen Transportmittel vielerorts keine praktikable Alternative für die einheimische Bevölkerung sind, wird es schwierig, auch die Touristen dafür zu begeistern“, stellte dazu etwa Theresa Haid, Geschäftsführerin des Vereins Vitalpin, gegenüber dem Fachmagazin „bulletin“ der Österreich Werbung fest.

NETZWERK BERG

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Als am 21. März 2019 das „Netzwerk Berg“ im Festsaal der Tiroler Wirtschaftskammer ins Leben gerufen wurde, hatte Professor Ralf Roth, der an der deutschen Sporthochschule Köln dem Institut für Natursport und Tourismus vorsteht, ebendiese Herausforderung in den Mittelpunkt gerückt. Die Gäste der Zukunft sind – ähnlich den MCI-Studenten, die Hubert Siller beschrieben hat – eine Generation, die von Fridays For Future geprägt sind. Bei den großen Klimaprotesten und -demos wird nicht nur mehr Klima- und Umweltbewusstsein von den Regierungen dieser Welt eingefordert, es werden auch die Urlaubsdestinationen herausgefordert. „Ein Drittel unserer Studierenden hat keinen Führerschein und damit auch kein Auto mehr“, so Roth. Wollen sie trotzdem in die Berge gebracht werden, muss dies zwingend auf an-

deren Wegen passieren. „Wie die Gäste heute zu ihnen kommen, ist nicht zukunftsfähig, es ist Zeitverschwendung, Luftverschmutzung, teuer, schwierig für Familien und nicht zeitgemäß“, drückte Roth den vollgepackten Straßen einen Zeitstempel auf und stellte fest: „Da müssen in den nächsten Jahren ganz neue Zugänge ermöglicht werden. Es ist wichtig, dass uns das gelingt.“ Kein Wandel geht ohne Extreme über die Bühne beziehungsweise ohne populistische Lagerbildungen auf der einen wie der anderen Seite. Das ist auch bei der Nachhaltigkeit so. Auch in Tirol. Doch selbst der brachialste Bewahrer einer vermeintlich besseren Vergangenheit kann sich dem Einfluss des Topthemas nicht entziehen, wenn die Gäste klare Fakten einfordern. In vielen Bereichen benötigt es große politische Bekenntnisse und Investitionen. Für eine teils führerscheinlose Gästegeneration müssen gleichsam zwingend Fakten geschaffen werden. Sonst können die Gäste nicht kommen. Selbst wenn sie wollen.

OHNE FLEISCH FÜR EIN BESSERES KLIMA

Das Spannungsfeld, in dem sich Nachhaltigkeit im Tourismus bewegt, ist riesig. Der schonende Umgang mit Ressourcen ist ein weiterer Teil. Am 28. Jänner 2020 wurde

beispielsweise berichtet, dass die neue Bahn in der Zillertal Arena in Gerlos mit Energie aus einer Photovoltaikanlage angetrieben wird. Es ist die vierte Anlage dieser Art im Skigebiet. Auch der hohe Nutzungsgrad erneuerbarer Energien trägt zum vergleichsweise „kleinen“ ökologischen Fußabdruck bei. Große touristische Infrastrukturunternehmen geraten allein wegen ihrer Existenz in das Kreuzfeuer der ökologiebasierten Nachhaltigkeitsdebatten und sie gehen das Thema längst offensiv an. Der Bogen des Wandels reicht von den Berggipfeln bis in die Küchen, für die der gebürtige Tiroler und Starkoch Siegfried Kröpfl eine vegetarische oder vegane Zukunft voraussagt und festhält: „Die Produktion von Gemüse, Obst und Getreide ist einfach ressourcenschonender als jene von Fleisch.“ Die fünf größten Fleischproduzenten der Welt stoßen zusammen mehr Treibhausgas aus als ExxonMobil, Shell oder BP. Die Aussage Kröpfls wird damit eindrücklich untermauert, selbst wenn der Abschied vom Tafelspitz und vom Wiener Schnitzel noch so undenkbar erscheint. „Wir fördern vegane Ernährung – nicht erst seit Greta Thunberg oder dem Film „The Game Changers“ und auch nicht, weil Leonardo di Caprio ein cooler Typ ist. Es ist uns ein Anliegen aus ökologischer Sicht, aus gesundheitlicher Sicht und für uns persönlich als Familie auch aus ethischer Sicht“, stellt dazu Karin Kühbacher fest. Zusammen mit ihrem Mann Manfred besitzt und führt sie seit sechs Jahren das Naturhotel LechLife in Wängle im Außerfern. Mit viel Leidenschaft, viel Herz und einer verantwortungsvollen Lebenseinstellung. Dass in der Küche des Ende der 1980er-Jahre von den Skilegenden Harti Weirather und Hanni Wenzel errichteten Hauses traditionell und vegan gekocht wird, ist nur ein Zeichen der Nachhaltigkeit, die auch für Karin Kühbacher nicht leicht zu definieren ist. „Natürlich informiert man sich und schaut, welche Möglichkeiten es gibt. Doch muss man immer auch ein bissl nach dem Bauchgefühl gehen“, sagt sie. Vor drei Jahren haben sich die Lech Life-Chefs beispielsweise dazu entschieden, den Gästen ein Package zur Verfügung zu stellen, das die Nutzung eines Allrad-Tesla beinhaltet. Schöne Natur genießen, ohne sie durch den CO2-Ausstoß zu belasten, ist dafür ein so überzeugendes wie elegantes Argument. „Wir haben das umgesetzt, doch immer mehr wird die E-Mobilität zum Buhmann. Egal, was du machst, es ist schwierig, weil es immer ein Kontra gibt“, weiß Kühbacher. Diese Gratwanderung schafft das Unternehmer-Ehepaar mit


HAUSER XB

DIGI – WAS? Neulich waren wir Besucher einer Veranstaltung mit dem Thema Digitalisierung. Einer von vielen mit diesem Thema im Moment.

„W I R F Ö R D E R N V E G A N E ERNÄHRUNG – NICHT ERST S E I T G R E TA T H U N B E R G O D E R D E M F I L M „T H E G A M E C H A N G E R S “ U N D A U C H N I C H T, WEIL LEONARDO DI CAPRIO E I N C O O L E R T Y P I S T. E S IST UNS EIN ANLIEGEN AUS Ö KO L O G I S C H E R S I C H T, A U S GESUNDHEITLICHER SICHT UND FÜR UNS PERSÖNLICH A L S FA M I L I E A U C H A U S E T H I S C H E R S I C H T.“ KARIN UND MANFRED KÜHBACHER, N AT URHO T EL L EC HL IF E

dem Slogan Respekt, Respekt im positiven Sinn, wie Karin Kühbacher erklärt: „Der das Schnitzel isst, ist nicht automatisch der Buhmann, und ein Veganer ist nicht automatisch ein Gutmensch. Wir sehen das sehr open minded. Jeder soll in seinem Bereich das machen, was ihm persönlich Sinn gibt. Wir selbst machen es im Betrieb immer in kleinen Schritten.“ Vor dem Hintergrund und in diesem Takt wurden etwa die provencalischen Kosmetikprodukte durch Naturkosmetik aus Tirol ersetzt. Statt Kapselkaffee des weltweit größten und die Welt in weiten Teilen knallhart beherrschenden Nahrungsmittelkonzerns wird nun Fairtrade-Biocafé einer österreichischen Firma angeboten. Die Produkte des Konzerns wurden zudem aus der Küche verbannt und gegen heimische Bioprodukte ausgetauscht. Und schon als der Umbau des Hauses nach der Übernahme anstand, haben sich die Unternehmer dafür entschieden, die zwar schon in die Jahre gekommenen, qualitativ aber hochwertigen Vollholzmöbel zu behalten. „Die heutigen Möbel haben mit Natur nichts zu tun“, weiß Karin Kühbacher und lenkt auf diesem Umweg den Blick zurück in den Wald. Dorthin, wo der Begriff Nachhaltigkeit vor über 300 Jahren erfunden wurde und heute mit allen Lebens- und Arbeitsbereichen auch den Tourismus in seinen Grundfesten verändert. Step by Step.

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eider war es wieder einer dieser Infoabende, der die anwesenden Besucher abgeschreckt hat, sich weiter mit diesem Thema zu beschäftigen – kein Praxisbezug, keine nützlichen Informationen, keine Beantwortung der Grundfrage: Was, lieber Unternehmer, bedeutet Digitalisierung speziell für dich und deinen Betrieb und welche Vorteile kannst du dir dadurch verschaffen? Wir machen in unserer täglichen Arbeit die Erfahrung, dass vielen Unternehmern der Zugang, der erste Schritt zu diesem Thema nicht gelingt. Es fehlt das Verständnis und viele erkennen den Nutzen nicht. Als zertifizierter Digital Consultant verschaffen wir unseren Kunden genau diesen ersten Überblick und zeigen die konkreten Vorteile auf. Wir beantworten offene Fragen, geben auf den jeweiligen Betrieb und die Branche abgestimmte Handlungsempfehlungen und zeigen den unkompliziertesten und kostengünstigsten Weg in die Digitalisierung auf. Diese Beratung kostet sicher viel? Im Gegenteil! Aktuell gibt es mehrere Förderprogramme im Bereich der Digitalisierung. Die Erstanalyse zum Beispiel wird im Programm KMU Digital unterstützt. Für unseren Kunden bleibt ein Selbstbehalt von 100 Euro, den Rest übernimmt das Förderinstitut. Wir wickeln die Förderung natürlich ab. Nach dieser Erstanalyse begleiten wir unsere Kunden auf dem weiteren Weg inklusive Ausschöpfung aller Förderungsmöglichkeiten. In den letzten zwei Jahren haben wir über 100 Unternehmen in den verschiedenen Bereichen der Digitalisierung unterstützt. Nütze unsere Erfahrung und vereinbare ein unverbindliches Erstgespräch mit uns. Wir freuen uns, dir zeigen zu dürfen, wie man mit einfachen Mitteln spürbare Erleichterungen in deinem Unternehmen erzielen kann. PR

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„Besser als du denkst“ – der Name der neuen Tourismusoffensive ist Programm. Die beiden Fachgruppenobleute Mario Gerber (re.) und Alois Rainer setzen auf authentische und ehrliche Kommunikation.

BESSER ALS DU DENKST

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Schluss mit dem Blick durch die rosarote Brille: Die Touristiker der Wirtschaftskammer Tirol setzen in ihrer neuen Offensive „Besser als du denkst“ auf Ehrlichkeit und Authentizität. I N T E R V I E W : K L A U S S C H E B E S TA

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reilich soll mit der Kampagne unterm Strich auch genau die Botschaft ankommen: Arbeiten im Tourismus ist „besser als du denkst“. Im Interview erklären die beiden Tourismusobmänner Mario Gerber (Hotellerie) und Alois Rainer (Gastronomie) die Hintergründe.

Was steckt hinter der Offensive? MARIO GERBER: Topqualität im Tourismus lässt sich nur mit engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern erreichen. Die Sparte Tourismus der Wirtschaftskammer Tirol setzt mit „Besser als du denkst“ auf Authentizität und Glaubwürdigkeit. Ein ehrliches Bild der Branche verleugnet keine Schwächen, zeigt aber auch auf, welche Chancen und Aufstiegsmöglichkeiten ein Job in der Hotellerie oder Gastronomie bietet.

ECO.NOVA:

Unterscheidet sich dieser selbstkritische Zugang von bisherigen Kampagnen? ALOIS RAINER: Definitiv. Für uns war

schnell klar, dass wir mit dem Schönreden unserer Arbeitsplätze keine neuen Fachkräfte gewinnen. Mario Gerber und ich sind mit dem Tourismus aufgewachsen und haben selbst erlebt, wie es ist, in dieser Branche zu arbeiten. Daher wissen wir natürlich auch um die Schwachstellen – und genau daran arbeiten wir. Dieser enge Schulterschluss der Fachgruppen Hotellerie und Gastronomie ist übrigens einzigartig in Österreich. Gemeinsam vertreten unsere beiden Fachgruppen über 10.000 Mitgliedsbetriebe in Tirol.

Geht es bei der Offensive vorwiegend um die Außenwirkung? GERBER: Natürlich wollen wir beim Image Dinge geraderücken, die zu Unrecht in der öffentlichen Wahrnehmung eine Schieflage haben. Aber es geht uns auch um handfeste Verbesserungen. Wir machen beispielsweise Druck auf eine bessere Entlohnung für Lehrlinge. Diese passt im ersten Lehrjahr, hinkt im zweiten und dritten aber hinterher. Wir wollen hier eine Änderung im Kollektivvertrag erreichen. Die Westachse haben wir bei diesem Anliegen bereits hinter

„ D E R T O U R I S M U S H AT W I E J E D E B R A N C H E A U C H S E I N E S C H AT T E N S E I T E N . ICH BIN JEDOCH FEL SENFEST Ü B E R Z E U G T, D A S S U N T E R D E M S T R I C H EIN GROSSES PRO FÜR DAS ARBEITEN IM T O U R I S M U S Ü B R I G B L E I B T.“ ALOIS RAINER


WK TOURISMUS

uns. Ich bin überzeugt, dass wir diese Verbesserung für unsere Lehrlinge in Kürze umsetzen können. RAINER: Der Tourismus hat wie jede Branche auch seine Schattenseiten. Ich bin jedoch felsenfest überzeugt, dass unter dem Strich ein großes Pro für das Arbeiten im Tourismus übrig bleibt. Ich sehe das laufend bei Betrieben, die ihren Mitarbeitern gute und faire Arbeitsbedingungen bieten: Dort herrscht hohe Arbeitszufriedenheit und auch die erbrachten Leistungen sind top. Das spüren die Gäste und belohnen diese Atmosphäre mit wiederholten Buchungen. Das hilft dem Betrieb und sichert die Arbeitsplätze – es haben also alle was davon.

Stichwort Arbeitszeiten – hier hat der Tourismus mit großen Vorbehalten zu kämpfen. RAINER: In der Gastronomie stellt die junge Generation an Mitarbeitern neue Ansprüche. So haben sich schon einige Gastronomiebetriebe entschlossen, am Sonntag zuzusperren, um ihren Mitarbeitern auch am Wochenende einen freien Tag zu ermöglichen. GERBER: Es lässt sich nicht ändern, dass im Tourismus gearbeitet werden muss, wenn die Gäste da sind. Das betrifft natürlich auch das Wochenende. Was sich aber ändern lässt, ist die individuelle Zeiteinteilung für die Mitarbeiter. Wir haben schon viele Betriebe, die auf die Work-Life-Balance achten und attraktive Arbeitszeitmodelle anbieten. Das können auf drei Tage geblockte Arbeitszeiten mit anschließenden vier freien Tagen sein. Auch die Teilzeitdienste erleben gerade eine Renaissance. Es kommt wieder in Mode, vormittags und abends zu arbeiten und den Nachmittag für Naturerlebnis oder Sport frei zu haben. Auch die oft kritisierte Zwischensaison wird von vielen Mitarbeitern als Pluspunkt gesehen. Schließlich lassen sich hier Urlaubstage und Zeitausgleiche etwa für Reisen nutzen. Der Branche wird häufig ein rauer Umgangston unterstellt. Trifft das heute noch zu? RAINER: Einen durchgängig rauen Umgangston können sich Betriebe gar nicht mehr leisten. Erstens hat es von der Einstellung her in den letzten Jahren einen massiven Wandel gegeben und zweitens müssen sich Mitarbeiter angesichts des Fachkräftemangels keine unkorrekte Behandlung gefallen lassen. Natürlich kann es zu Spitzenzeiten manchmal etwas stressig zugehen, aber das ist kein Dauerzustand. Die Branche hat hier definitiv aus Fehlern der Vergangenheit gelernt.

Auch die Bezahlung im Tourismus ist immer wieder ein Thema, das öffentlich angesprochen wird. RAINER: Dass im

„ES L ÄSST SICH NICHT ÄNDERN, DASS IM TOURISMUS GEARBEITET WERDEN MUSS, WENN DIE GÄ S TE DA SIND. DA S BE TRIFF T N AT Ü R L I C H A U C H D A S W O C H E N E N D E . WA S S I C H A B E R Ä N D E R N L Ä S S T, I S T D I E I N D I V I D U E L L E Z E I T E I N T E I L U N G F Ü R D I E M I TA R B E I T E R .“ MARIO GERBER

Tourismus grundsätzlich schlecht bezahlt wird, stimmt einfach nicht. Natürlich gibt es auch in unserer Branche schwarze Schafe, wie überall. Und natürlich muss sich ein Betrieb unterm Strich rechnen. Doch die Touristiker wissen längst, dass man eine solide Leistung nur mit einer soliden Bezahlung bekommt. Viele Tiroler Tourismusbetriebe haben ein gesundes Mittelmaß gefunden, mit dem Unternehmer und Mitarbeiter gut leben können.

Die Touristiker setzen massiv auf die Lehre. Ist die duale Ausbildung zukunftsfit? RAINER: Im Ausland genießt die österreichische Lehre hohes Ansehen, aber im eigenen Land gibt es noch Luft nach oben. Daran wollen und müssen wir arbeiten, denn viele Tiroler Betriebe überzeugen mit einer TopAusbildungsqualität. Um genau diese Unternehmen sichtbar zu machen, verleihen Land, Wirtschafts- und Arbeiterkammer jährlich das Qualitätssiegel „Ausgezeichneter Tiroler Lehrbetrieb“. GERBER: Ich kann das nur unterstreichen. Es gibt im Tiroler Tourismus ein hervorragendes Ausbildungsangebot. Mitarbeiter, die in Österreich gelernt haben, findet man auf der ganzen Welt in touristischen Toppositionen. Wir wollen diesen hohen Level der Lehre besser nach außen kommunizieren. Einen wichtigen Mosaikstein stellt das brandneue Bildungsangebot „Talents for Tourism“ dar. Über diese Schiene können Mitarbeiter bei voller Bezahlung in

18 Monaten zu einem Lehrabschluss kommen. Die Lehre ist alles eher als verstaubt und nach wie vor eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Qualifizierung im Tourismus.

Wie lauten Ihre Ziele für die Offensive? RAINER: Unsere Website www.besseralsdudenkst.at bietet speziell jungen Menschen viele Informationen über das Arbeiten im Tourismus und räumt mit Halbwahrheiten auf. Wenn wir damit bei potenziellen Lehrlingen und Mitarbeitern Interesse wecken, haben wir unser Ziel erreicht. GERBER: Wichtig ist uns, dass wir die Karten auf den Tisch legen und offen agieren. Die Branche ist nicht in den 1980er- oder 1990er-Jahren stecken geblieben, sondern hat sich massiv verändert. Es gibt sowohl eine neue Qualität an Touristikern als auch eine neue Generation an Mitarbeitern, die ganz klar ihre Wünsche äußern und sich aufgrund der angespannten Arbeitsmarktsituation aussuchen können, wo sie arbeiten wollen. Das sind die beiden Treiber für Veränderungen, die wir bewusst nutzen, um die Branche nach vorne zu bringen. Dieser neue Zugang spiegelt sich auch bei unseren Funktionären in der Wirtschaftskammer wider. Ich bin überzeugt, dass unsere Mitgliedsbetriebe diesen Zug zum Tor erkennen und das auch mit der Teilnahme an der Wirtschaftskammer -Wahl im März unterstreichen. Wir können als Interessenvertretung umso mehr erreichen, je stärker unsere Legitimation ist. PR

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„ A L S P R Ä S I D E N T Z Ä H LT F Ü R M I C H E I N Z I G D I E WA H L B E T E I L I G U N G . J E H Ö H E R D I E S E I S T, D E S T O S TÄ R K E R I S T D A S P O L I T I S C H E GEWICHT DER WIRTSCHAF TSK AMMER FÜR DIE U M S E T Z U N G I H R E R A N L I E G E N .“ CHRIS TOPH WAL SER


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„UNTERNEHMER SIND KONKURRENZ GEWOHNT“ Welchen Stellenwert hat die Wahl für die Wirtschaftskammer? CHRISTOPH WALSER: Einen sehr hohen. Die Wahl ist der direkte Auftrag seitens der Mitglieder für unsere Arbeit in den kommenden fünf Jahren. Die Wirtschaftskammer ist die Interessenvertretung von Unternehmern für Unternehmer. Daher ist es auch so wichtig, an dieser Wahl teilzunehmen. Wer wählt, gestaltet mit. Wer nicht wählt, verzichtet auf diese Chance und nimmt in Kauf, dass andere über ihn gestalten. Es sind in Summe 1.800 Kandidaten, die bei dieser Wahl antreten. Ich freue mich, dass so viele Unternehmer bereit sind, Verantwortung für die Allgemeinheit zu übernehmen und sich für die Interessen ihrer Branche einzusetzen. Dass mehrere Wahlgruppierungen antreten, garantiert Vielfalt und zeugt von einem lebendigen demokratischen Verständnis in der Wirtschaft. Unternehmer sind Konkurrenz gewohnt und stellen sich dieser Herausforderung auch innerhalb der Kammer. ECO.NOVA:

Warum ist die Wahl so kompliziert? Weil in allen Fachgruppen gewählt wird. Das hat seinen Sinn, schließlich wollen wir, dass die einzelnen Branchen ihre Vertreter direkt bestimmen können. Die Interessenlagen innerhalb der einzelnen Branchen sind sehr unterschiedlich. Da braucht es Profis, die fachlich im Thema sind und sich für die Anliegen ihrer Kollegenschaft einsetzen können. Der erforderliche Wahlmodus mag aufwendig sein, aber mehr Demokratie bis hinunter zu seinen persönlichen Branchenvertretern geht nicht. Die Kritik daran kann ich nicht wirklich nachvollziehen: Die komplexe Organisation der Wahl betrifft in erster Linie die dafür zuständigen Mitarbeiter in der Wirtschaftskammer selbst. Für die einzelnen Unternehmer ist Wählen alles andere als schwierig – schließlich kann man ganz bequem per Wahlkarte von zu Hause aus wählen. Wer das nicht will, kann in einer der Wahlkommissionen ohne große Fahrzeiten in seiner Nähe wählen. Wie lautet Ihr persönliches Wahlziel? Natürlich ist mir als Spitzenkandidat der Wählergruppe Wirtschaftsbund ein gutes FOTOS: © ADPARTNERS

Im März gehen die Wirtschaftskammerwahlen über die Bühne. Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser erläutert, warum es auf jede Stimme ankommt, wie seine Ziele für die kommende Periode aussehen und mit welchen Voraussetzungen die Tiroler Wirtschaft ins neue Jahrzehnt startet. I N T E R V I E W : K L A U S S C H E B E S TA

DIE AUSGANGSLAGE Bei den letzten Wirtschaftskammerwahlen 2015 erreichte der Wirtschaftsbund (WB) mit Ex-Präsident Jürgen Bodenseer 77,2 Prozent. Auf den Plätzen folgte der Ring Freiheitlicher Wirtschaftstreibender (RFW) mit 10,5 Prozent, die Grüne Wirtschaft mit 8,5 Prozent sowie der Sozialdemokratische Wirtschaftsverband (SWV) mit 2,6 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei knapp 35 Prozent.

Ergebnis wichtig. Das gilt auch für alle anderen Gruppierungen. Wir alle rittern mit unseren Programmen und Ideen um die Zustimmung der Mitglieder. Das bringt für die Wirtschaftskammer neue Impulse und ist für die Gesamtorganisation ein gesunder Prozess. Als Präsident zählt für mich jedoch einzig die Wahlbeteiligung. Je höher diese ist, desto stärker ist das politische Gewicht der Wirtschaftskammer für die Umsetzung ihrer Anliegen. Dieses Argument versuchen wir auch intensiv gegenüber den Mitgliedern zu kommunizieren. Es hilft jedem einzelnen Betrieb, wenn die Wirtschaftskammer Druck für die Umsetzung unternehmerischer Forderungen aufbauen kann. Welchen Gegenwert bieten Sie den Unternehmern im Gegenzug? Interessenpolitisch eine schlagkräftige Vertretung. Und im Bereich Service haben wir in den letzten Jahren den Kurs zu einem modernen Dienstleistungsunternehmen weiter fort-

gesetzt. Die Tiroler Wirtschaftskammer hat sich erfolgreich vom Kammeramt zum innovativen Dienstleister entwickelt – von der Gründungs- und Rechtsberatung bis hin zum Bildungscampus am WIFI für die Fachkräfte der Zukunft. Wir schaffen diese Leistungen nicht ins Blaue hinein. Regelmäßige Mitgliederbefragungen decken schonungslos Schwachstellen auf und zeigen uns, welche Serviceleistungen besonders gut ankommen und wo wir noch Verbesserungsbedarf haben. Wie schätzen Sie die Zukunft der Sozialpartnerschaft ein? Die neue Bundesregierung hat ein klares Bekenntnis zur Sozialpartnerschaft abgegeben. Aus gutem Grund: In Österreich werden Probleme auf Augenhöhe besprochen, anstatt sie auf der Straße auszutragen. Wir brauchen nur einen Blick nach Frankreich zu werfen. Dort legen gerade Streiks einen großen Teil des öffentlichen Verkehrs und damit des Gesellschafts- und Wirtschaftslebens lahm. Der volkswirtschaftliche Schaden ist enorm. Da ist der österreichische Weg, sich am Verhandlungstisch zusammenzusetzen und nach einem für alle tragbaren Weg zu suchen, die elegantere Variante. Wie beurteilen Sie das aktuelle politische Umfeld? In Tirol erleben wir seit Jahren stabile Verhältnisse – das schafft Planbarkeit für die Betriebe und ist für den Standort und die Arbeitsplätze wichtig. Ich bin erleichtert, dass nun auch auf Bundesebene wieder politische Normalität eingekehrt ist. Die Übergangsregierung hat brav verwal-

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tet, doch das ist auf Dauer zu wenig. Die aktuellen Herausforderungen und laufenden Veränderungen erfordern es, dass die politischen Rahmenbedingungen ständig angepasst werden.

Sind Sie mit dem Regierungsprogramm zufrieden? Das Regierungsübereinkommen ist eine gute Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit in dieser Legislaturperiode. Es ist aus meiner Sicht gut gelungen, die Handschriften beider beteiligten Parteien zu verankern, ohne laue Kompromisse einzugehen. Über unsere Tiroler Verhandler – Margarete Schramböck, Martha Schultz und Franz Hörl – sind viele Anliegen der Wirtschaft in das Regierungsprogramm eingeflossen. Dazu gehört beispielsweise die Fortsetzung der Steuerentlastung mit dem Ziel, die Abgabenquote auf 40 Prozent zu senken. Darüber hinaus sind weitere Erleichterungen vorgesehen: Der Gewinnfreibetrag soll erhöht werden, die Körperschaftsteuer auf 21 Prozent sinken. Das ist wichtig, damit unsere Betriebe wettbewerbsfähig bleiben. Im Regierungsübereinkommen ist zudem die Aufwertung der beruflichen Bildung in Österreich vorgesehen.

„ I C H B I N E R L E I C H T E R T, D A S S NUN AUCH AUF BUNDESEBENE W I E D E R P O L I T I S C H E N O R M A L I TÄT E I N G E K E H R T I S T.“ CHRIS TOPH WAL SER

Warum ist eine derartige Aufwertung überhaupt nötig? Unbestritten ist, dass die Lehre ein Erfolgsmodell ist, um das uns die Welt beneidet: hohe fachliche Kompetenz, niedrige Jugendarbeitslosigkeit und österreichische Lehrlinge und Meister, die laufend internationale Berufswettbewerbe gewinnen. Doch das duale System selbst ist ausbaufähig: Während mit Stufe 6 des Nationalen Qualifikationsrahmens (NQR) – also nach der Meister- bzw. Befähigungsprüfung – Schluss ist, reichen schulisch-theoretische Ausbildungen bis zur Stufe 8. Zudem bestehen Lücken bei NQR 5. Das ist eine Schieflage, die das erfolgreiche berufsbildende System nicht verdient hat. Die Wirtschaftskammer Tirol hat das Modell der „Neuen Dualen Berufsbildung“ bis zur Praxisreife entwickelt, das abgestimmt auf die österreichische Gesetzeslage die Gleichwertigkeit

des beruflichen und des schulisch-akademischen Bildungswegs herstellt. Die wichtigsten Eckpunkte dafür finden sich im Regierungsprogramm wieder.

Mit welchen konjunkturellen Voraussetzungen starten die Betriebe in das heurige Jahr? Die schwache internationale Konjunktur belastet den Produktionssektor und bremst auch das Wachstum deutlich auf 1 bis 1,5 Prozent ein. Besser läuft es in den Sektoren Bau, Handel und Tourismus. Es zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, dass die Tiroler Wirtschaft sehr breit aufgestellt ist. In konjunkturell schwächeren Zeiten ist es oft der Tourismus, der sich als Stabilitätsfaktor zeigt. Umso ärgerlicher ist es, dass die öffentliche Darstellung des Tourismus eine starke Schlagseite hat. Während die Schattenseiten von Projekten breiten


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Raum erhalten, wird den positiven Effekten zu wenig Platz eingeräumt. Viele ländliche Regionen in Tirol verdanken ihren Wohlstand und ihre Lebensqualität den touristischen Betrieben. Diese haben längst die Zeichen der Zeit erkannt. Sie setzen auf Qualität und investieren viel Geld in die Attraktivität als Arbeitgeber. Ähnlich wie den Touristikern geht es der Transportbranche in Tirol: Die Politik lobt am Montag die Wirtschaft für tolle Zahlen bei Beschäftigung, Wertschöpfung und Export – und kritisiert am Dienstag den damit verbundenen Verkehr. Das ist in hohem Maße unfair.

Hat die Wirtschaftskammer deswegen das Projekt „Wirtschaft in Bewegung“ ins Leben gerufen? Genau. Wir wollen nicht ständig in die Defensive geraten und hintennach schimpfen, sondern entwickeln innovative Lösungen für den heimischen Verteilerverkehr. Mit steigendem Verkehrsaufkommen braucht Tirol smarte Lösungen, um die Bevölkerung, die Täler bzw. Ballungsräume und die Umwelt zu entlasten. Die Tiroler Wirtschaftskammer hat daher Mitte vergangenen Jahres mit Experten und Partnern das Großprojekt „Wirtschaft in Bewegung“ an den Start geschickt. Das Ergebnis soll nicht aus Forderungen, sondern aus machbaren Lösungen im eigenen Einflussbereich bestehen. Die Wirtschaftskammer wird Plattform und Drehscheibe sein, um innovative Maßnahmen zu initiieren, bestehende Einzelprojekte auf eine neue Ebene zu heben, Türen zu öffnen und die wichtigsten Partner im Land zu vernetzen. Die Optimierung der Täler- und City-Logistik ist ein zentrales Anliegen. Weiters geht es beispielsweise um Sharing-Projekte bei E-Kleintransportern, um die Beratung von Betrieben sowie um neue Antriebstechnologien. Sind die Unternehmer überhaupt bereit, in alternative Antriebe zu investieren? Unternehmer zeichnen sich dadurch aus, dass sie Innovationen nicht scheuen. Aber es stimmt das Angebot am Markt noch nicht. Solange ein Transporteur für einen Wasserstoff-Lkw das Doppelte wie für einen Verbrenner bezahlen muss, lässt sich das betriebswirtschaftlich nicht bewerkstelligen. Daher ist es auch der falsche Zeitpunkt, jetzt über die Abschaffung des Dieselprivilegs zu diskutieren. Das macht erst Sinn, wenn den Betrieben erschwingliche Alternativen zur Verfügung stehen. Sonst führt das zu einer Kostenlawine, die auf dem Rücken der Konsumenten ausgetragen wird.

AKTUELLES ZUR WK-WAHL 2020

• Ab Februar ist die Wahl per Wahlkarte möglich, d.h. ab Februar werden die beantragten Wahlkarten zugeschickt. • Per Wahlkarte kann den ganzen Februar auch in der jeweiligen Bezirksstelle gewählt werden. • Wahlkarten müssen bis spätestens 28. Februar in der Bezirksstelle oder in der Geschäftsstelle der Hauptwahlkommission einlangen. • Wahltermine: 4. und 5. März • Öffnungszeiten der Wahllokale: 7.30 bis 19 Uhr

Alle Informationen auf wkwahl.tirol

erfolgs.geschichten

exceet-Geschäftsführer Robert Wolny mit Sabine Moser, Firmenkundenbetreuerin Hypo Tirol Bank

Herausragende Kartenvielfalt Mit einem einzigartigen Komplettangebot hat sich die exceet Card Austria in Kematen zu einem europaweit führenden Kartenproduzenten entwickelt. Mit Weitblick und unter großen Sicherheitsvorkehrungen werden jährlich mehr als 300 Millionen Karten produziert. Kaum jemand, der nicht schon mal eine Karte von exceet in Händen gehalten hat. Ob Schikarte, Führerschein, Kreditkarte oder Gesundheitskarte – die intelligenten Smartcards aus Kematen finden sich in vielen Brieftaschen, und das nahezu weltweit. Das innovative Produktportfolio umfasst nicht nur Design, Entwicklung, Beratung und Produktion von Smartcards, NFC-Lösungen und Readern, sondern auch die Personalisierung und den Lettershop. Mit diesem umfassenden Full-Service-Angebot zählt die exceet Card Group zu den weltweit führenden Anbietern. Das vielseitige Angebot lässt sich grob in drei Bereiche gliedern: Der Access-Bereich beinhaltet das komplette Leistungspaket rund um kartenbasierte Zugangs- und Zahlsysteme, im Government- oder Corporate-Bereich werden an die eingesetzten Karten hohe und besonders sicherheitsrelevante Anforderungen gestellt, und im Loyalty-Bereich kommen Kunden- und Gutscheinkartensysteme zur Kundenbindung und -motivation erfolgreich zum Einsatz. Und so fertigen am Produktionsstandort Kematen 130 Mitarbeiter sowie an den weiteren Standorten München und Prachatice insgesamt 320 Mitarbeiter Karten aller Art, Tag für Tag, rund um die Uhr. Über den Tellerrand schauen hat den umtriebigen Unternehmer Robert Wolny mit seiner Unternehmensgruppe dahin gebracht, wo er heute steht. Die Hypo Tirol Bank war dabei zu jeder Zeit an seiner Seite. „Schlussendlich waren es die Menschen, warum die Hypo Tirol Bank seit Jahrzehnten unser verlässlicher Partner in Finanzangelegenheiten ist“, freut sich Wolny. PR

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„ E S I S T D E R FA L S C H E Z E I T P U N K T, JE TZ T ÜBER DIE ABSCHAFFUNG DES DIESELPRIVILEGS ZU DISKUTIEREN. DAS MACHT ERST SINN, WENN DEN BE TRIEBEN E R S C H W I N G L I C H E A LT E R N AT I V E N Z U R V E R F Ü G U N G S T E H E N .“ CHRIS TOPH WAL SER

DIE WK-WAHL 2020 IN ZAHLEN GÜLTIGE WAHLVORSCHLÄGE: Tiroler Wirtschaft – Wirtschaftsbund Freiheitliche Wirtschaft – FW und Unabhängige Grüne Wirtschaft (GW) WIAR Wirtschaftsvielfalt für Tirol SWV – Wirtschaftsverband Tirol Fachliste der Tiroler Industrie NEOS – unternehmerisches Tirol (UNOS) Tiroler Wirtschaft Team Heilmasseure Tirol Innungsmeister Erich Moser und Team LTF-Liste Tiroler Fremdenführer Unabhängiges Wirtschaftsforum der Versicherungsmakler Florian Singer Unabhängiges Wirtschaftsforum der Finanzdienstleister Gerhard Ghetta

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Gesamt 262

Insgesamt treten bei der WK-Wahl 2020 in Tirol 1.889 Bewerber an.

Kommen wir noch einmal zurück zur Konjunktur: Bringt die Abkühlung nicht auch eine Entlastung beim Akutthema Fachkräftemangel? Es klingt zwar im ersten Moment paradox, aber diese Herausforderung wird uns erhalten bleiben. Aus zwei Gründen. Erstens: Die Arbeitslosenzahlen werden leicht steigen – aber das betrifft vor allem schlecht qualifizierte Personen. Und genau diese decken nicht den Fachkräftebedarf der Betriebe ab. Daher ist die allerwichtigste Maßnahme, laufend in Bildung zu investieren. Die vorher angesprochene Aufwertung der Lehre ist ein Mosaikstein dieser Anstrengungen. Der zweite Grund, warum die schwächere Konjunktur kaum eine Entlastung beim Fachkräftemangel bringt, liegt in der Struktur unserer Betriebe: Das bei internationalen Konzernen verbreitete „Hire and fire“ spielt bei uns keine Rolle. Unsere Klein- und Mittelbetriebe halten ihre Belegschaft, solange es geht, und überbrücken damit so manches konjunkturelle Wellental. Darin liegt eine hohe Qualität des Standorts Tirol, die direkt mit topaktuellen Schlagworten wie soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit verbunden ist.


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UNTER NEUER FÜHRUNG Die Junge Wirtschaft (JW) ist die Interessenvertretung der Jungunternehmer im Rahmen der Wirtschaftskammer. Seit 1. Jänner hat die JW Tirol mit dem 28-jährigen Dominik Jenewein einen neuen Landesvorsitzenden. I N T E R V I E W : K L A U S S C H E B E S TA

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ominik Jenewein ist Gründer und Geschäftsführer der Jewa Profi-Massmöbel GmbH in Mieders im Stubaital und hat die Aufgabe des Vorsitzenden der Jungen Wirtschaft Tirol von Clemens Plank übernommen. Im Interview gibt der Jungunternehmer Einblicke in seinen Werdegang und erklärt, worauf es ihm bei der JW ankommt.

Hat bei Ihnen die Nähe zum Unternehmertum „genetische“ Gründe? DOMINIK JENEWEIN: Als Sohn einer Unternehmerfamilie wurde mir wirtschaftliches Denken quasi in die Wiege gelegt. Ich wollte immer schon selbstständig werden, das war mir in der Schule schon klar. Dass ich im Möbelbereich lande, hätte ich mir allerdings nie gedacht. Mein Vater brauchte damals Unterstützung im Betrieb und ich habe ihn anfangs als Assistent unterstützt. Durch die Symbiose alt und neu haben sich viele Türen aufgetan. So waren Tradition und die neuen Ansätze der Digitalisierung perfekt vereint. Mein Vater hat mir immer vertraut, dafür bin ich sehr dankbar. Fast all mein kaufmännisches Know-how habe ich von ihm gelernt. ECO.NOVA:

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Worin sehen Sie die Hauptaufgabe der Jungen Wirtschaft? Die Gründung eines eigenen Unternehmens ist eine verantwortungsvolle Aufgabe. Darum ist es wichtig, dass die Rahmenbedingungen dafür möglichst attraktiv sind. Es ist unsere Aufgabe, die Jungunternehmer bei der Umsetzung ihrer Ideen zu unterstützen und Sprachrohr gegenüber der Politik zu sein. Die Chance, so aktiv an der Interessenpolitik mitzureden, wollte ich nützen. Einfach auch, um mich für die Junggründer, Start-ups und Jungunternehmer einsetzen zu können.

Wo wollen Sie Schwerpunkte setzen? Einen Schwerpunkt wird der Bereich wirtschaftliches Denken in Schulen einnehmen. Manche schulischen Inhalte sind einfach nicht mehr zeitgemäß. Auch die Entrepre-

neurship-Bildung an Schulen fehlt völlig. Worauf man bei einem Kredit achten muss, welche Versicherungen man braucht oder wie man Ideen entwickeln und konkret umsetzen kann, ist für jeden Jugendlichen essentiell. Mein Vater hat mich hier geprägt, sonst wäre ich wohl nie Unternehmer geworden und hätte auch nicht über das dafür notwendige Wissen verfügt. Auch Selbstständigkeit und Unternehmertum an sich werden in den meisten höheren Schulen sehr selten als Option genannt und Inhalte dafür kaum behandelt. Das muss sich ändern! Es braucht ein breiteres gesellschaftliches Verständnis, dass auch die Selbstständigkeit eine erstrebenswerte Karrieremöglichkeit ist. Können Sie den Schulen seitens der JW ein konkretes Angebot machen? Die Junge Wirtschaft Tirol hat ein modulares System für Schulen ausgearbeitet, um wirtschaftliches Interesse greifbarer zu machen. Mit diesem Programm können Experten der Wirtschaftskammer aus den verschiedensten

Bereichen informieren. Wie funktioniert das Steuersystem oder die Sozialpartnerschaft? Wie sieht ein Businessplan aus und wofür braucht es diesen? Wir möchten solche zentralen Fragen Jugendlichen näherbringen. Das läuft auch über Gespräche mit Jungunternehmern, die den Jugendlichen einen Einblick ins Unternehmerleben bieten und dadurch Schüler inspirieren können. Der Funke der Selbstständigkeit ist bei vielen Schülern da, man muss ihn nur zünden. Unser Ziel ist es, den Schulen die Möglichkeit zu bieten, mehr Praxisbezug aus der Wirtschaft in den Unterrichtsalltag einkehren zu lassen. An der HAK Innsbruck haben wir gestartet. Das Feedback ist sehr gut und weitere Schulen haben schon angefragt. Am Ende gibt es für teilnehmende Schüler ein Zertifikat zum Beilegen bei Bewerbungen sowie einen WIFI-Gutschein für einen Kurs ihrer Wahl. Gibt es spezielle unternehmerische Tugenden, die Ihnen besonders am Herzen liegen? Klassisches Unternehmertum soll FOTO: © DIE FOTOGRAFEN


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künftig wieder mehr in den Mittelpunkt gerückt werden. Betriebe, die langsam, aber stetig wachsen und sich vielleicht sogar zu generationsübergreifenden Familienunternehmen entwickeln, sollen mehr Raum bekommen. Start-ups sind wichtig als Innovationsfaktor, die gestandenes Unternehmertum erfrischen. Mein Ansatz ist aber, dass wir in Tirol wieder mehr auf mittelständische Unternehmen schauen sollten. Wir brauchen auch in Zukunft Unternehmen, die langfristig zehn, 50 oder gar 300 Angestellte haben, anstatt ihr Unternehmen oder ihre Idee per Exit an einen ausländischen Konzern zu verkaufen. Deswegen will ich die Betriebsnachfolge von Tiroler Unternehmen forcieren und auch klassischen Sparten wie dem Handwerk wieder mehr Raum geben. Unter dem Motto „Übernahme als Motor für Innovation“ soll auch auf die regionale Nachhaltigkeit geschaut werden. Sind am Bild des Unternehmers in der Öffentlichkeit Korrekturen nötig? Definitiv. Das Bild von Unternehmern ist in Tirol oft sehr falsch. Unternehmer sind keine Ausbeuter. Sie schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand für unser ganzes Land. Ich wün-

„ M E I N A N S AT Z I S T, D A S S W I R I N T I R O L W I E D E R M E H R A U F M I T T E L S TÄ N D I S C H E U N T E R N E H M E N S C H A U E N S O L LT E N . WIR BR AUCHEN AUCH IN ZUKUNF T UNTERNEHMEN, DIE L ANGFRISTIG ZEHN, 5 0 O D E R G A R 3 0 0 A N G E S T E L LT E H A B E N , A N S TAT T I H R U N T E R N E H M E N O D E R I H R E IDEE PER EXIT AN EINEN AUSL ÄNDISCHEN KO N Z E R N Z U V E R K A U F E N .“ DOMINIK JENEWEIN

sche mir in unserer Gesellschaft weniger Klassenkampf und mehr Ansehen für Unternehmer. Denn Selbstständige sind nicht nur superreiche Schnösel – im Gegenteil. Unternehmer investieren meist ihr gesamtes Geld und gehen auf volles Risiko. Da kann man ihnen im Erfolgsfall auch gerne einmal gratulieren. Statt Freude kommt in der Realität aber häufig Neid auf und hier will ich ein Umdenken. Der Sprung ins Unternehmertum kostet Mut, darf aber kein unüberwindbares Hindernis sein.

DEINE IDEE EROBERT KUFSTEIN

Wie lassen sich der eigene Betrieb und die JW unter einen Hut bringen? Beide Aufgaben zu vereinen ist viel Aufwand, aber ich mache es mit Herzblut und gehe dafür gern die nötige Extrameile. Ich vertraue meinen Mitarbeitern und das Unternehmen läuft dank ihnen auch stabil weiter, wenn ich einmal einen Tag nicht im Betrieb bin. Die eine oder andere Nachtschicht für mich wird wohl nicht ausbleiben, aber es ist mir jede Minute wert, solange es die Unternehmer und ihre Mitarbeiter in Tirol weiterbringt.

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VON SMARTPHONES UND FRÖSCHEN Seit zehn Jahren bietet Nikoletta Zambelis in ihrer Praxis „blickwinkel“ Coaching, Supervision und Organisationsentwicklung an. „Zehn spannende und lehrreiche Jahre“, zieht sie Bilanz, denn die Anliegen der Kunden sind so verschieden wie die Branchen. INTERVIEW: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Wer nimmt Ihr Beratungsangebot in Anspruch? NIKOLETTA ZAMBELIS: Einzelpersonen, Teams, Abteilungen, Unternehmen und Organisationen. Teams und Abteilungen stammen häufig aus Non-Profit-Organisationen und sozialen Einrichtungen, die schon eine längere Tradition mit dem Format Supervision verbindet. In den letzten fünf Jahren trauen sich aber auch mehr und mehr Führungskräfte und Unternehmen, Entwicklungsprozesse extern begleiten zu lassen.

Sie sprechen von „trauen“? Braucht man denn Mut, um zu Ihnen zu kommen? Ja, ich denke, es braucht Mut, sich als Organisation einzugestehen, einen nächsten Entwicklungsschritt gehen zu müssen, und sich dafür externe Begleitung zu holen. Letztlich ist es auch mutig, sich mit einem Anliegen zu zeigen und sich einer externen Person anzuvertrauen. Welchen Nutzen bietet eine externe Begleitung? Und muss man dafür Fach-

kenntnis im Unternehmen haben? Das hängt natürlich vom Anliegen ab. Ich könnte keine Bank in Finanzthemen beraten, weil mir hier die Expertise fehlt. In allen Belangen rund um die Persönlichkeitsentwicklung, Unternehmenskultur, Organisations- und Personalentwicklung oder Struktur- und Veränderungsthemen liegt der Wert einer externen Begleitung in der Außenperspektive. Betroffene sehen oft den Wald vor lauter Bäumen nicht, haben Scheu davor, Dinge konkret anzusprechen, oder fühlen


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sich sicherer, wenn sie ihre Sichtweise mit jemandem Externen sparren können. Für all das brauche ich kein Fachwissen im Unternehmen, ganz im Gegenteil. Je besser ich mich im Feld des Kunden auskenne, umso weniger Außenperspektive habe ich selber.

Haben Sie dafür ein Beispiel? Ja. Vor meiner Selbständigkeit war ich im Management einer Fluggesellschaft tätig. In den ersten Jahren als Beraterin kamen deshalb immer wieder Fluglinien auf mich zu. In einigen Fällen bin ich dann genau mit diesem Wissen in den Beratungsprozess „hineingefallen“, mit dem Ergebnis, dass ich mich inhaltlich eingemischt habe. Ein schwerer Fehler. Organisationsentwicklung und Coaching klingen nach einem Modetrend. Heute braucht jeder einen Coach. Ginge es denn nicht auch ohne? Natürlich geht es auch ohne. Das Leben hat früher auch ohne Smartphone funktioniert. Irgendwie würde es auch heute gehen, aber man wäre von vielen Möglichkeiten völlig abgeschnitten und würde den Anschluss verlieren. So ähnlich verhält es sich mit Beratung: Unternehmen und Personen haben sich in der immer komplexer und schneller werdenden Welt viel mehr mit der Aufrechterhaltung des Tagesgeschehens zu beschäftigen. Häufig fehlen dann Ressourcen, sich mit Entwicklungsfragen zu beschäftigen. Lässt man diese jedoch links liegen, holen einen die negativen Folgen rasch ein. Eine externe Ressource mit einem unverstellten Blickwinkel füllt diese Lücke.

Sie haben viel mit Führungskräften zu tun. Was macht gute Mitarbeiterführung aus? Mitarbeiterführung ist eine Frage der Haltung und nicht der Methoden. Methoden gibt es wie Sand am Meer. Sie können hilfreiche Werkzeuge sein, ersetzen aber nicht die innere Haltung. Eine Führungskraft muss mit Sichtbarkeit umgehen können und braucht zusätzlich zum unternehmerischen Blick Soft Skills. Dazu gehören eine gute Balance zwischen empathischer Beziehung, Zutrauen, Vertrauen und Fördern, ohne dabei die Unternehmensinteressen aus den Augen zu verlieren. Nur wer fördert, kann auch etwas fordern. Das klingt nach einem Spagat, der gar nicht so einfach zu bewerkstelligen ist. Ja. Man kann sich das wie eine Matrix vorstellen, in der eine Achse die Beziehungsorientierung, die zweite die Ergebnisorientierung darstellt. Hier gilt es, die richtige

„ M I TA R B E I T E R F Ü H R U N G I S T E I N E F R A G E D E R H A LT U N G U N D N I C H T D E R M E T H O D E N .“ NIKOL E T TA Z A MB EL I S

Balance zwischen diesen Achsen finden. Führungskräfte verlieren, wenn die Beziehungsorientierung zu überwiegen beginnt, ihre Rolle und fühlen sich dann als Betriebsräte. Steht die Ergebnisorientierung dauerhaft im Vordergrund, verliert man die Menschen. Beide Extreme schaden Menschen und Unternehmen.

Häufig wird von Mitarbeitern die interne Kommunikation in Unternehmen bemängelt. Worauf kommt es dabei an? Wir leben in einer sehr dynamischen Welt, in der Informationen von allen Seiten auf uns einprasseln. Wenn Mitarbeiter Kommunikation bemängeln, meinen sie meistens nicht, zu wenig Informationen zu bekommen, sondern dass auch hier eine Haltung fehlt. Sie ist entscheidend für den Zugang zu den Mitarbeitern. Das löst man nicht mit der hundertsten WhatsApp-Gruppe, sondern indem man Klima und Struktur dafür schafft, offene Rückmeldung, Nachfragen, Kritik und auch Scheitern ansprechen zu dürfen. Was haben Ihre Kunden von Ihrem Angebot? Gibt es so etwas wie eine Garantie auf Erfolg? Böse Zungen behaupten ja, dass Berater diejenigen sind, die Fröschen das Fliegen beibringen wollen, aber bei der Umsetzung wieder weg sind. Um in dem Bild zu bleiben, sehe ich den Nutzen von Beratung darin, mit den Fröschen gemeinsam Möglichkeiten und Handlungsspielräume zu erweitern, zu stärken, zu befähigen und neue Perspektiven zu ermöglichen. Als begleitender Frosch kann ich also garantieren, dass Entwicklung passiert sein wird.

Seit kurzem bieten Sie auch eine offene Coachinggruppe für Führungskräfte an. Was darf man sich darunter vorstellen? Auf die Idee gebracht haben mich einige Klienten, die noch relativ neu in ihrer Führungsfunktion sind. Nachvollziehbarerweise vermissen sie den Austausch mit Gleichgesinnten und Ideen aus anderen Branchen. In der eigenen Firma sind sie häufig Einzelkämpfer oder fürchten, von den „alten Hasen“ belächelt zu werden. Das Coaching in der Gruppe erfüllt das Bedürfnis nach Entwicklung und Austausch gleichermaßen. Die bisherige Resonanz dazu ist äußerst positiv. Zehn Jahre in der Branche zu bestehen, dürfte nicht einfach sein. Was ist Ihr Erfolgsrezept? Vertrauen und eigene Lernbereitschaft. Ich habe von meinen Kunden in den letzten zehn Jahren sehr viel gelernt. Und es bedarf einer Art Demut, selber Frosch zu sein, in der Sprache der Kunden zu sprechen und das System der Kunden zu würdigen. Käme ich als Storch mit der Haltung „Ich zeig Euch mal, wie das geht“, würde dieses Vertrauen nicht entstehen.

NIKOLETTA ZAMBELIS, MAS Systemische Perspektiven- & Organisationsentwicklung Seminare & Workshops Unternehmensberatung Herzog Friedrichstraße 7 6020 Innsbruck

www.derblickwinkel.at

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TIROLER VERSICHERUNG

NAH AN DEN MENSCHEN ... UND AN ZAHLEN Zahlen und das Pflegen von Unternehmenskultur prägen seit jeher den Berufsweg von Isolde Stieg, die vor Kurzem in die erweiterte Geschäftsleitung der TIROLER VERSICHERUNG aufgestiegen ist und 2021 ihr Vorstandsmandat übernehmen wird. Das Mann-Frau-Thema auf dem Weg nach oben sieht sie entspannt und als längst überholt. I N T E RV I E W : C AT E R I N A M O L Z E R - S A U P E R

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ECO.NOVA: Wie würden Sie Ihren Karriereweg mit wenigen Worten beschreiben? ISOLDE STIEG: Meine Leidenschaft galt schon immer den Zahlen und den Menschen. Demnach waren meine Schulausbildung an der HAK, das Studium der Wirtschaftspädagogik und die nachfolgenden Funktionen als Controllerin bei diversen großen Unternehmen wie Schwarzkopf, Swarovski oder den tirol kliniken im In- und Ausland ideale Schrit-

te und boten Chancen für meine berufliche Karriere. Ich hatte auch das Glück, auf Betriebe mit einer hohen Unternehmenskultur zu stoßen, und wurde bei meinen Entscheidungen und Vorhaben auch immer hervorragend unterstützt. Gab es jemals stürmische Zeiten oder ungeplante Schritte auf Ihrem Weg nach oben? Es gab spannende und sehr agile Zei-

ten, besonders bei meinen Auslandsaufenthalten in London, Hongkong oder den USA, aber diese Erfahrungen machen ein Leben aus, erweitern den Horizont und ermöglichen wichtige Erfahrungen mit unterschiedlichsten Menschen und Arbeitsweisen. Nach diesen mobilen Zeiten konnte ich mich in aller Ruhe fragen, wie es hier in der Heimat für mich weitergehen kann. Im Jahr 2011 stieg ich als Bereichsleiterin für RechnungsENTGELTLICHE EINSCHALTUNG / FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE


TIROLER VERSICHERUNG

Isolde Stieg: Mit den Beinen fest am Boden, mit dem Kopf schon weit voraus

wesen und Controlling in die TIROLER VERSICHERUNG ein, ging mit 35 in Karenz und bin seither ein fixer Bestandteil dieses Unternehmens.

Erfüllt die TIROLER VERSICHERUNG Ihre Vorstellungen von guter Unternehmenskultur? Ich könnte mir ehrlich gesagt keinen besseren Arbeitgeber und angenehmere Kolleg*innen vorstellen. Eine Führungsetage muss Unternehmenskultur vorleben, nur so kann ein Betrieb für seine Mitarbeiter*innen und Kund*innen gut funktionieren. Die leidige Mann-Frau-Thematik hat es hier nie gegeben und auch das Gendern geht über diese weit hinaus. Von Alt/Jung über Vollzeit/Teilzeit bis hin zum Thema Ausländer/Inländer – all das muss heutzutage mitgedacht und zum Wohle aller gelöst werden. Weiterbildung und echtes Interesse an den Mitarbeiter*innen und einer effektiven Teambildung werden hier tagtäglich kultiviert.

Wo sehen Sie Ihre besonderen Stärken und Ziele innerhalb der TIROLER VERSICHERUNG? Wir sind die einzige heimische Versicherung, die ihre Wurzeln und ihren Hauptsitz in Tirol hat. Dieses Alleinstellungsmerkmal, ganz nahe an den Kund*innen zu sein, ist mir sehr wichtig. Wenn etwas passiert, sind die Betroffenen oftmals auf schnelle Hilfe angewiesen und froh, sofort einen persönlichen Ansprechpartner an ihrer Seite zu haben. Diese Handschlagqualität gegenüber den Menschen und das konstruktive Miteinander im Unternehmen sind Dinge, die ich sehr schätze und weiter vorantreiben möchte. Was würden Sie Frauen raten, die am Beginn ihrer beruflichen Laufbahn stehen? Frauen müssen sich generell mehr zutrauen, das auch zum Ausdruck bringen und sich im besten Fall einen Arbeitgeber aussuchen, der auch wirklich zu ihnen passt und sie fördert. Wir haben beispielsweise einen Frauenanteil von 40 Prozent in unserer IT-Abteilung. Wir Frauen neigen oft dazu, zu viel auf Fachkompetenzen zu setzen, aber besonders in Führungspositionen sind menschliche Qualitäten immens wichtig und auch gefragt. Bei uns im Haus werden fast

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„F R AUEN MÜ S S EN S IC H GENEREL L MEHR ZU T R AUEN, DA S AUC H ZUM AU S DRUC K BRINGEN UND S IC H IM BE S T EN FA L L EINEN A RBEI T GEBER AU S S UC HEN, DER AUC H W IRK L IC H ZU IHNEN PA S S T UND S IE F ÖRDER T.“ ISOLDE STIEG

alle Jobs als Vollzeit- und als Teilzeitstellen angeboten. Auch das Home Office ist eine gute Möglichkeit, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen – und zwar für Frauen und Männer. Eine umfassende Grundschulung beim Einstieg ist für Arbeitgeber und Arbeitnehmer*innen gleichermaßen sinnvoll und angenehm. Wie gelingt Ihnen die viel zitierte Work-Life-Balance ganz persönlich? Mein Glück ist, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte und nicht am Freitag kopfschüttelnd aus dem Büro komme und

am Montag mit Kopfweh arbeiten gehe. Es gibt einen fließenden Übergang zwischen Berufs- und Privatleben und es macht mir Spaß, mich auch am Wochenende mal zwischendurch mit Fachliteratur zu beschäftigen oder mit meiner Familie über Themen zu sprechen, die mich gerade beschäftigen. Meine Tochter kommt seit sie klein ist gerne im Büro vorbei und bekommt so hautnah mit, wie schön der passende Beruf und ein angenehmes Arbeitsumfeld sein können. Ein lebensfreundliches Arbeitsklima im richtigen Job kann ich nur jedem von Herzen wünschen.


ZUKUNF

bildung & innovation

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AUF DER SUCHE NACH IDEEN Immer mehr Einkäufe werden heute übers Internet erledigt. Was das Netz allerdings nicht bieten kann: Erlebnis. Das klassische Shoppen gilt für viele deshalb immer noch als unterhaltsame Freizeitbeschäftigung, doch der stationäre Handel ist gefordert, genau diesen Erlebnisfaktor auch zu bieten. Und genau hier setzt der Gründerwettbewerb STADTUP Kufstein an. Das Projekt ist eines von mehreren, das die Stadt unter dem Titel „Region 4.0“ ins Leben gerufen hat. Mit Hilfe von Fördermaßnahmen durch Bund, Land und Europäischer Union (Leader-Förderung) soll damit die lokale Wirtschaft unterstützt und gestärkt werden. Thomas Ebner, Projektkoordinator und Geschäftsführer der Standortmarketing Kufstein GmbH: „Wir zeigen in Zeiten großer Herausforderungen für kleine Unternehmen durch die Digitalisierung Flagge. Anstatt den Kopf vor der digitalen Konkurrenz in den Sand zu stecken, geben wir dem Handel Werkzeuge in die Hand, um selbstbewusst und stark in die Zukunft zu gehen.“ STADTUP Kufstein hat dabei zum Ziel, innovative und zukunftsweisende Handels-, Gastronomie- und Dienstleistungsbetriebe in der Innenstadt anzusiedeln. Dafür werden ab sofort Ideen gesucht, bei denen das Einkaufserlebnis, der Mehrwert für den Kunden und die persönliche Betreuung wesentlicher Teil des Konzeptes sind. Dadurch soll die digitale Wahrnehmbarkeit der Unternehmen verbessert und gleichzeitig die Innenstadt belebt und weiter aufgewertet werden. Der Prämierung der besten Einreichungen geht eine sechsmonatige Bewerbungsphase voraus, in der Jungunternehmer und potenzielle Gründer unterstützt werden, ihre Geschäftsidee umzusetzen bzw. ihr Angebot zu verbessern und weiterzuentwickeln.

STADT UP KUFSTEIN Der Gründerwettbewerb lädt innovative Köpfe und leidenschaftliche Unternehmer dazu ein, ihre Unternehmenskonzepte bis 16. Juni 2020 einzureichen. Diese werden anschließend von einer Fachjury auf Durchführbarkeit, Schlüssigkeit, Innovationsfaktor, Standortkompatibilität sowie zahlreiche weitere Faktoren geprüft. Die fünf besten Einreichungen werden bei der Umsetzung des Geschäftskonzepts mit Leistungen im Gesamtwert von über 100.000 Euro unterstützt – darunter Beratungs- und Anwaltsleistungen, ein EDV-Sorglospaket oder verschiedene Werbemaßnahmen.

Infos und Anmeldung unter www.stadtup-kufstein.at


eco.zukunft

BUCHTIPP

WELTRETTEN FÜR ANFÄNGER

eco.mmentar

Susanne Fröhlich & Constanze Kleis GU Verlag, 208 Seiten, EUR 17,99 Was können wir für die Zukunft unseres Planeten tun, fragen sich Susanne Fröhlich und Constanze Kleis und stellen auf der Suche nach der Antwort ihr Leben – und das ihrer Lieben – auf den Kopf. Doch es geht auch in etwas kleineren Schritten. Humorig geschrieben, zeigen uns die beiden Ladys, dass es mitunter gar nicht so schwer ist, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen, und dass Weltrettung auch mit einem Lächeln auf den Lippen funktionieren kann und darf.

Tom Stadlmeyr

Es sollte alles mehr im Kreis laufen Wenn wir Menschen „im Kreis laufen“, bedeutet es sprichwörtlich, dass wir nicht weiterkommen. Bei der Nachhaltigkeit ist es genau umgekehrt.

20 FORSCHER UND MODERNE LABORS Bionorica ist einer der weltweit führenden Hersteller pflanzlicher Arzneimittel (Phytopharmaka) und verstärkt die Zusammenarbeit mit der Innsbrucker Universität. Insgesamt fünf Millionen Euro werden Prof. Michael A. Popp, Vorstandsvorsitzender der Bionorica SE, sowie das Land Tirol in das Kompetenzzentrum für Phytoforschung investieren, das jetzt seine Arbeit aufnimmt. Mit Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Andreas Koeberle konnte ein renommierter Experte für pflanzliche Wirkstoffforschung verpflichtet werden. Am neuen Michael-Popp-Institut werden künftig mehr als 20 Wissenschaftler beschäftigt sein; eine zusätzliche Professur für „Pflanzliche Biotechnologie“ ist in Ausschreibung. „Wir verzeichnen ein Comeback der Natur- und Pflanzenheilkunde“, so Popp, dessen Unternehmen mit dem Erkältungsmittel Sinupret eines der meistverkauften Medikamente auf Pflanzenbasis entwickelt hat: „Tirol verfügt durch seine immense pflanzliche Diversität und gewachsene Struktur an wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen, die seit Jahren auf diesem Sektor forschen, über beste Voraussetzungen zur Entwicklung neuer Anwendungen und Arzneimittel.“ Die Naturstoffforschung soll neue Therapieansätze für chronische Entzündungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und für Krebs liefern.

„ZUKUNF T IST KEIN SCHICKSAL S ­ SCHL AG, SONDERN DIE FOLGE DER ENTSCHEIDUNGEN, DIE WIR H E U T E T R E F F E N .“ F R A N Z A LT, J O U R N A L I S T U N D B U C H A U T O R

Das lineare Modell unserer „Wegwerfwirtschaft“ hat seinen Zenit mehr als überschritten. Unternehmen, die Rohstoffe für die Produktion von Produkten verwenden, die nach der Nutzbarkeitsdauer entsorgt werden, sammeln genau so wenig Karmapunkte wie wir Konsumenten mit unserer „Nehmen-Benutzen-Wegwerfen-Sozialisierung“. Der im Moment tobende Glaubenskrieg zwischen jener Generation, die ein radikales Umdenken fordert, und jener, die die Macht dazu hätte, ist ein Kampf der Zukunftsängste. Die junge Generation fürchtet um die Auswirkungen, die auf sie zukommen, die Wirtschaft fürchtet um ihr System, das sie in den vergangenen Jahrzehnten perfektioniert hat. Das Ziel: Immer mehr Absatz, Umsatz und Wachstum – teils auf dem Rücken der Konsumenten – mit Konzepten wie geplanter Obsoleszenz oder anderen Schummeleien, an die wir uns scheinbar schon gewöhnt haben. Im Moment scheint alles im Kreis zu laufen, ohne dabei in Kreisläufen zu denken. Unsere Natur ist ein natürlicher Kreislauf und wir sollten noch viel mehr von ihr lernen. Wie in der Bionik, wo Wissenschaftler sich die schlausten Konzepte von der Natur abgeschaut haben. Stichwort Lotusblüte und Nano-Effekt. Warum sollte das nicht bei der Nachhaltigkeit von Produkten gelingen? Stichwort Circular Economy oder auf gut Deutsch: Kreislaufwirtschaft. Wir werden – ob wir wollen oder nicht – den gewohnt verschwenderischen, linearen Weg aufgeben müssen, Start und Endpunkt miteinander verknüpfen und Wachstum neu definieren. Viele beteiligen sich nicht an den notwendigen Veränderungen, weil sie es nicht anders gelernt haben. Schade! Aber es gibt eine weitaus problematischere Gruppe als jene, die nichts beitragen: All jene, die es leugnen und verhindern wollen!

TOM STADLMEYR ist Unternehmer, Essenzialist und Auf-den-Punkt-Bringer. Er beschäftigt sich mit dem Weglassen von Unwesentlichem.

www.tomstadlmeyr.com

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eco.zukunft

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IM ZUSAMMENKLANG BESSER Das EU-Projekt „Sinfonia“ war für die „Pionierstadt“ Innsbruck eine Art Initialzündung und hat gezeigt, dass der synergetische Einsatz verschiedener Technologien, in denen Tirols Wirtschaft einiges an Kompetenz vorzuweisen hat, mehr sein kann als die Summe seiner Teile. TEXT: MARIAN KRÖLL


eco.zukunft

„NEBEN DEM FINANZIELLEN BEITR AG SIND EU-PROJEK TE AUCH D E S H A L B I N T E R E S S A N T, W E I L E S E U R O PAW E I T E PA R T N E R B R A U C H T. DABEI ENTSTEHT VIEL WISSENS - UND T E C H N O L O G I E T R A N S F E R .“ K L AU S K L EE W EIN, S TA ND OR TAGEN T UR T IR OL

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Innsbruck soll immer mehr zur Smart City werden und hat dafür schon einige Pilotprojekte gestartet.

irols Stärkefelder im Bereich der erneuerbaren Energien liegen, wie Klaus Meyer, Cluster-Manager in der Standortagentur Tirol ausführt, vor allem im energieeffizienten Bauen und der Energieversorgung von Gebäuden sowie der Bereitstellung von Strom aus Wasserkraft. Dabei punkten Tiroler Unternehmen mit der Planung und dem Betrieb von Anlagen, produzieren aber auch hochwertige Komponenten wie Wärmepumpen, spezielle Photovoltaik-Anwendungen, passivhauszertifizierte Fenster, Wasserkraftturbinen bis hin zum Holzkraftwerk der Firma Syncraft. Doch Technologie ist nur eine Seite der Medaille. „Bei Sinfonia geht es nicht nur um Technologie, sondern sehr viel um die Zusammenarbeit verschiedener Player im Sinne einer Smart City. Da ist im Zuge dieses Projekts viel passiert. Wohnbauträger, Energieversorger und andere Partner haben sich sehr intensiv ausgetauscht und gelernt, was der jeweils andere will und braucht“, erklärt Klaus Kleewein. Es kommt eben nicht nur auf die richtige Hardware an, sondern auf deren optimale Integration. „Dadurch konnten Systemlösungen entwickelt werden, die es in dieser Form vorher nicht gegeben hat“, so Meyer. Klaus Kleewein ist in der Standortagentur für die Betreuung des Smart-City-Projekts SINFONIA zuständig. Er erklärt: „Früher hat jeder seinen Bereich, sein Know-how protegiert. Dieses Muster wurde mit Sinfonia aufgebrochen. Und genau darum geht es, um eng verzahnte Zusammenarbeit, um integrative Stadtentwicklung.“ Eine Schlüsselrolle spielte die Sanierung jenes Gebäudebestandes, der zwischen den 1930er- und 1980er-Jahren errichtet wurde. „Eine derart umfassende Sanierung im bewohnten Zustand hat es davor nicht gegeben. Dafür sind intelligente Lösungen entwickelt worden, die auch bei zukünftigen Sanierungen zur Anwendung gelangen werden“, sagt

Kleewein. Minimalinvasiv würde man das in der Medizin wohl nennen.

SMARTES STADTLABOR

„Die Fördersumme für Sinfonia beträgt 27 Millionen Euro, wovon auf die Tiroler Partner 12,2 Millionen Euro entfallen. Die Investitionssummen, die dadurch ausgelöst wurden, können wir noch nicht exakt beziffern, betragen aber ein Vielfaches“, sagt Kleewein. Mit dem IKB-Smart-City-Lab gibt es seit Ende 2018 auf dem IKB-Areal in der Rossau ein österreichweites Pilotprojekt. In Sachen Sinfonia haben sich die Innsbrucker Kommunalbetriebe als Innovationsmotor gezeigt. Die IKB hat Strom- und Wärmenetze durch ein Hybridnetz miteinander verbunden und fossile Energieträger durch erneuerbare Energiequellen ersetzt. In Zusammenarbeit mit einem externen Partner wurde eine Energiemanagement-Software entwickelt, über die der Strom-Wärme-Haushalt kontrolliert und gesteuert wird. „Die Software, die das ganze System kontrolliert, steuert und optimiert, ist in dieser Form einzigartig. Unser Smart-City-Lab soll zur Drehscheibe für innovative Energie- und Infrastrukturlösungen für die Stadt und Bevölkerung werden. Ziel war und ist, dass das System auch kopiert werden kann, sodass es schlussendlich weiten Teilen der Bevölkerung zugutekommt“, heißt es von IBK-Vorstandsdirektor Thomas Pühringer. Wird die Steuerung von elektrischer und thermischer Energie kombiniert, entsteht ein Hybrid-Grid, ein Netz, das noch mehr kann als ein Smart Grid, ein intelligentes Stromnetz. „Das Smart-City-Lab hat Wellen geschlagen. Aus dem umliegenden Ausland sind immer wieder Delegationen zu Gast, die sich das ansehen“, weiß Klaus Kleewein. „Die Digitalisierung ist ein großer Treiber und Ermöglicher der Energiewende. Die Netzbetreiber und Energieversorger arbeiten an Smart Grids. Es gibt diverse Projekte, die in diesem Zusammenhang am Laufen sind.

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„DURCH DEN A U S TA U S C H INNERHALB DER P R O J E K T PA R T N E R KO N N T E N SYSTEMLÖSUNGEN E N T W I C K E LT WERDEN, DIE ES IN DIESER FORM VORHER NICHT G E G E B E N H AT.“

© MARIAN KRÖLL

eco.zukunft

KLAUS MEYER, S TA ND OR TAGEN T UR T IR OL

Klaus Meyer (re.) ist Manager des Cluster Erneuerbare Energien, Klaus Kleewein zuständig für das Smart-City-Projekt Sinfonia.

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Eine zusätzliche Dynamik hat sich durch die Smart Meter, die intelligenten Stromzähler, ergeben, die flächendeckend installiert werden sollen. Es wird aber durch die volatileren Energiequellen wie Sonne und Wind auch einen physischen Netzausbau brauchen“, erläutert Klaus Meyer.

EFFEKTIVE SUBVENTIONEN

Bei Projekten wie Sinfonia, die maßgeblich auch politische Projekte sind, spielen Förderungen naturgemäß eine wesentliche Rolle. Sie lösen Investitionen aus, die ein Vielfaches von den Förderbeträgen ausmachen. Subventionen sind, richtig eingesetzt, sowohl legitim als auch effektiv. Und zwar auf allen Ebenen, von der europäischen über die Bundes- bis hin zur Landesebene. Die europäische Dimension von Sinfonia mit den Pionierstädten Innsbruck und Bozen hat aber auch noch andere Vorteile, wie Kleewein erläutert: „Neben dem finanziellen Beitrag sind EU-Projekte auch deshalb interessant, weil es europaweite Partner braucht. Dabei entsteht viel Wissens- und Technologietransfer.“ Vieles deutet darauf hin, dass die Förderquellen für Projekte, wie sie mit Sinfonia in Innsbruck stattgefunden haben, in Zukunft sprudeln werden. Die EU will mit einem Green Deal, einem Marshall-Plan fürs Klima, als erster Kontinent bis 2050 klimaneutral werden. An überaus ambitionierten Zielen mangelt es also auf keiner politischen Ebene, in Brüssel und im Bund ebenso wenig wie in Tirol selbst. „Der europäische Grüne Deal ist unsere neue Wachstumsstrategie – für ein Wachstum, das uns mehr bringt, als es uns kostet. Er zeigt,

SINFONIA Das EU-Projekt SINFONIA (Smart INitiative of cities Fully cOmmitted to iNvest In Advanced large-scaled energy solutions) hat es sich zum Ziel gesetzt, in den Pionierstädten Innsbruck und Bozen durch qualitativ hochwertige Sanierungen und innovative Energiekonzepte den Energiebedarf um 40 bis 50 Prozent zu senken, den Anteil an Erneuerbaren um 20 Prozent zu steigern und den CO2-Ausstoß um 20 Prozent zu reduzieren. SINFONIA startete im Juni 2014 und wird 2020 nach sechsjähriger Laufzeit abgeschlossen werden. Im Osten des Innsbrucker Stadtgebietes entstand der sogenannte SINFONIA-District. Dort werden ca. 70.000 Quadratmeter Wohnund Nutzfläche – insgesamt neun Wohnanlagen und drei Volksschulen – umfassend saniert. Der Heizwärmebedarf soll dadurch auf durchschnittlich 30 kWh/ m²a gesenkt werden. Ein weiterer wesentlicher Teil des Projektes SINFONIA betrifft die Umsetzung von intelligent vernetzten Stromund Wärmenetzen mit einem hohen Anteil an erneuerbaren Energien. Damit verbunden ist gleichzeitig die Einbindung von zusätzlichen auf erneuerbaren Energien basierenden Energieerzeugern. Ein Beispiel dafür ist die Kläranlage Rossau: Diese wird zum Kraftwerk und liefert somit Wärme und Elektrizität sowie Aktivkohle und Ersatzbrennstoffe. Folgende Technologien kommen in der Rossau zur Anwendung: Holzvergasung, Kraft-WärmeKopplung, Klärschlammtrocknung, Wärmerückgewinnung und Photovoltaik.

wie wir unsere Art zu leben und zu arbeiten, zu produzieren und zu konsumieren ändern müssen, um gesünder zu leben und unsere Unternehmen innovationsfähig zu machen“, erklärte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen im Dezember 2019. Dafür sollen jährlich zusätzlich 260 Milliarden Euro in Europa investiert werden. Woher das Geld kommen soll, ist indes noch nicht ganz klar. Die Hälfte wird aber voraussichtlich aus dem EU-Haushalt stammen.

AKZEPTANZ IST GEFRAGT

Bei allem technologischen Fortschritt ist im Zuge von Sinfonia eine Erkenntnis gereift, die nichts mit Technologie zu tun hat, aber trotzdem unabdingbar ist, wie Kleewein formuliert: „Man muss die Menschen mit ins Boot holen, sonst funktioniert das nicht. Wir haben das mit Sinfonia jetzt im Kleinen gesehen. Es wird aber noch viel Bewusstseinsbildung brauchen, damit das in großem Stil funktioniert.“ Akzeptanz. Die endgültige Bilanz des EU-Projekts steht zwar noch aus, aber man darf durchaus annehmen, dass sie positiv sein wird. „Nahezu alle Sinfonia-Projektpartner sind in Folgeprojekten engagiert, um das Thema Smart City weiter voranzutreiben. Sinfonia war offenbar für die Teilnehmer ein so gutes Erlebnis, dass man gemeinsam weiterarbeitet“, zeigen sich Kleewein und Meyer erfreut. Sinfonia ist und war, das darf man schon jetzt verraten, eine gelungene Übung, die gezeigt hat, dass man in Sachen smarter Stadt der Zukunft im Zusammenklang – in der Sinfonie – mehr erreichen kann als einzeln.


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rung. Darum ist es ratsam, sich zu Beginn mit den wichtigsten Begriffen vertraut zu machen, damit Sie gut vorbereitet ins Beratungsgespräch mit der Bank gehen können. Nehmen Sie Ihre Finanzen unter die Lupe und tragen Sie so viele Informationen wie möglich zusammen.

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eco.zukunft

VON DENEN, DIE’S BETRIFFT Das bilding in Innsbruck ist ein ganz wunderbarer Ort für Kinder und Jugendliche, an dem immer wieder Workshops und Projekte stattfinden, die die Kreativität, aber auch die künstlerisch-kritische Auseinandersetzung mit verschiedensten Themen fördern. Unter anderem haben sich die Kids mit der nachhaltigen Gestaltung unserer Umwelt beschäftigt und dafür ganz persönliche Collagen angefertigt. Denn letztlich sind sie es, die mit den Folgen unseres heutigen Handelns konfrontiert sein werden. bilding-Leiterin Monika Abendstein hat uns ein paar davon zur Verfügung gestellt. Ein Blick durch Kinderaugen. I N K O O P E R AT I O N M I T : B I L D I N G K U N S T U N D A R C H I T E K T U R S C H U L E F Ü R K I N D E R U N D J U G E N D L I C H E , W W W. B I L D I N G . A T

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I D E E N AU S D E R B I L D I N G-S TA D T W E R K S TAT T I N KO O P E R AT I O N M I T D E R N M S R E I C H E N AU Z U M Ö F F E N T L I C H E N R AU M I M N E U E N W O H N G E B I E T C A M PA G N E R E I T E R-A R E A L :

„W I R W Ü N S C H E N U N S V I E L P L AT Z , W O A L L E S M Ö G L I C H I S T U N D J E D E R S E I N D A R F. G Ä R T E N Z U M G E M Ü S E UND OBST ANBAUEN, VIELE FREI LEBENDE TIERE UND WA S S E R – D A S KÖ N N T E S E I N , W I E D A S PA R A D I E S .“


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„W I R P F L A N Z E N U N S E I N E N W U N D E R - D S C H U N G E L M I T WA H N S I N N I G V I E L E N B Ä U M E N A U S D E R G A N Z E N W E LT. D A H AT A L L E S P L AT Z , M E N S C H E N , TIERE UND PFL ANZEN. WIR LEBEN IN DEN BÄUMEN U N D H A B E N R I C H T I G G U T E L U F T, V I E L P L AT Z Z U M S P I E L E N U N D S I N D I M M E R G E S U N D .“


eco.zukunft

P R O J E K T WA S W E N N ?

K I N D E R AU S D E R B I L D I N G-A R C H I T E K T U R W E R K S TAT T H A B E N S I C H G E D A N K E N D A Z U G E M A C H T, WA S WÄ R E , W E N N W I R U N S E R E W E LT AU S L AU T E R R E C YC L I N G M AT E R I A L I E N B AU E N W Ü R D E N. W I E KÖ N N T E D A S AU S S C H AU E N ?

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„W I R F I S C H E N A L L E P L A S T I K S Ä C K E A U S DEM MEER, HÄNGEN SIE ZUSAMMEN, FÜLLEN SIE MIT LUF T UND WOHNEN DRIN. A L L E S WÄ R E V I E L B U N T E R U N D W I R U N D D I E T I E R E WÄ R E N V I E L F R E I E R .“


REHA ZENTRUM MÜNSTER

GANZHEITLICHE KOMPETENZ

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aneben spielen beim Therapieangebot die Prävention und Rehabilitation bedeutende Rollen. Die medizinische Rehabilitation verfolgt dabei das Ziel, Menschen nach einem Unfall oder einer Akutbehandlung so rasch wie möglich wieder jenen wichtigen Teil des Lebens zurückzugeben, der dadurch manchmal verlorengegangen ist – die Selbstständigkeit. Mitte Juli 2011 eröffnete das REHA Zentrum Münster und mit ihm eines der modernsten Rehabiltationszentren Österreichs für neurologische, kardiologische, pulmologische und onkologische Erkrankungen. Neben der hochwertigen medizinisch-technischen Ausstattung ist es vor allem das multiprofessionelle Team, das seinen Beitrag für den Erfolg der Reha leistet. Aktuell wird das REHA Zentrum Münster umfangreich umund ausgebaut. Das Ziel: mehr Betten und die Erweiterung des Angebots. Nach dem Umbau des Haupthauses, dem Zubau eines zusätzlichen Therapiegebäudes sowie funktionalen Anpassungen des Bestandes erwarten die Patienten neben neuen infrastrukturellen Einrichtungen auch 72 neue Einzelzimmer. Davon werden 26 Betten für die neue Indikation Psychosoziale Rehabilitation bereitstehen. „Durch Synergien mit unseren bereits bestehenden Indikationen und die Kooperation mit dem Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrum Tirol optimieren wir das Angebot, damit Patienten wieder in einen Beruf zurückfinden“, erklärt der ärztliche Direktor des REHA Zentrums Münster, Univ.-Doz. Dr. Christian Brenneis. Mit der Psychosozialen Rehabilitation werden nun fünf Indikationen in Münster behandelt. „Durch die Möglichkeit, Patienten an einem Ort in mehreren Indikationen behandeln zu können, ergibt sich fast automatisch der von uns favorisierte ganzheitliche Behandlungsansatz. Bereits Ende Jänner konnte mit der Behandlung in den bestehenden Räumlichkeiten begonnen werden. Ins-

© REHA ZENTRUM MÜNSTER / JULIAN RAGGL

Das REHA Zentrum Münster wird seit Herbst letzten Jahres umfangreich um- und ausgebaut und ist künftig das erste Haus Westösterreichs mit fünf Indikationen. Somit können Patienten künftig ganzheitlicher betreut werden. Die Fertigstellung ist für den Frühsommer geplant. Auch weitere Arbeitsplätze entstehen.

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Mag. Stefan Günther, Dr. Christian Brenneis, MMag. Veronika Ravanello (BBRZ), Dr. Lorenz Hohenauer und Ing. Thomas Kiss

gesamt wird das REHA Zentrum Münster um 4.500 Quadratmeter erweitert, wovon 1.400 Quadratmeter allein auf die Flächen für die Therapie entfallen. Dafür werden rund 16,5 Millionen Euro investiert.

VERLÄSSLICHER ARBEITGEBER

„Das REHA Zentrum Münster wird ab Sommer 2020 rund 320 Mitarbeiter beschäftigen“, sagt Geschäftsleiter Dr. Lorenz Hohenauer. Für sie werden teilweise Personalwohnungen zur Verfügung gestellt und man versucht auf die individuellen Lebensbedingungen der Mitarbeiter so gut wie möglich einzugehen. In näherer Zukunft ist auch eine eigene S-Bahn-Haltestelle für Münster geplant, die es sowohl den Mit-

arbeitern als auch den Gästen erleichtern wird, ins REHA Zentrum zu kommen. Bis zur Umsetzung, die für 2022 angedacht ist, stellt das REHA Zentrum einen Mitarbeiter-Busshuttle für die Bahnhaltestelle nach Jenbach zur Verfügung, für allfällige Wege wurde zusätzlich ein Beitrag zur E-Mobilität durch die Förderung und Anschaffung von E-Scootern geleistet. Auch sonst setzt das REHA Zentrum Münster stark auf Regionalität und Nachhaltigkeit. „Wir versuchen, unsere Einkäufe regional und saisonal zu erledigen, bauen auf die Zusammenarbeit mit Firmen aus der näheren Umgebung, heizen mit Grundwasser und verzichten mit Hilfe von Fernwärme auf Öl und Gas“, so Hohenauer. PR


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finanzieren & versichern

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Vermögensaufbau braucht Aktien 2019 war ein erfolgreiches Börsenjahr. Die meisten Indizes sind deutlich gestiegen und weisen Gewinne im zweistelligen Prozentbereich auf. Doch nicht nur 2019 war für Anleger erfreulich, sondern das gesamte vergangene Jahrzehnt – wenn man sein Geld nicht am Sparbuch liegen gelassen hat. Denn dort verlor es gemessen an der Kaufkraft rund ein Viertel seines Wertes. „Leider schätzen die meisten Menschen das Risiko von Kapitalanlagen nach wie vor falsch ein“, sagt Michael Posselt, gewerblicher Vermögensberater und Fachgruppenobmann der Finanzdienstleister in der Wirtschaftskammer Tirol. Während Aktienanlagen – unter Schwankungen – langfristig steigen, sinkt der Geldwert am Sparbuch oder anderen niedrig verzinsten Anlagen stetig. „Doch die verlorene Kaufkraft wird von den meisten Sparern negiert“, so Posselt. Wer demgegenüber langfristig und mit einem Plan investiert und seine Anlagen dabei breit streut, wird sein Vermögen aufbauen. Auch 2020 sollten Anleger dabei verstärkt auf Aktien setzen. Wer einen langen Horizont hat, braucht Rücksetzer nicht zu fürchten und sollte diese besser für den Einstieg oder Nachkäufe nutzen, rät Posselt. In der Praxis bewährt haben sich aber ohnehin langfristige Vermögensaufbaupläne mit regelmäßigen Raten, die solche Phasen automatisch ausnützen und den Kursverlauf glätten. Wer mehr Geld zur Verfügung habe, könne laut Posselt nach wie vor auf Immobilien setzen. Auch wenn die Rendite angesichts der gestiegenen Preise nicht mehr so hoch ist, so ist der regelmäßige Geldfluss durch die Mieteinnahmen nach wie vor gegeben und kann wiederum sinnvoll genutzt werden. Auch Gold sollte in einem breit gestreuten Portfolio nicht fehlen. Die anhaltende Niedrigzinspolitik, Liquidität und geopolitische Risiken werden auch in Zukunft positive Treiber für den Goldpreis sein.


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BUCHTIPPS

NACHHALTIGES INVESTIEREN

ÖKOETH INVESTING

Wolfgang Pinner Linde Verlag 228 Seiten, EUR 29,90

Christopher M. Klein KLHE Verlag 180 Seiten, EUR 19,99

Wie funktioniert nachhaltiges Investment? Experte Wolfgang Pinner erklärt in seinem Buch detailliert sinnvolle Vorgehensweisen und zeigt die Themenbereiche auf, die für eine nachhaltige Geldanlage aktuell relevant sind.

Dieses Buch führt Sie von der theoretischen Grundlage Schritt für Schritt in die Praxis nachhaltiger Geldanlagen. Das Highlight: Acht Strategien, wie auch Sie Ihr Geld nachhaltig anlegen und wachsen lassen können.

VORSORGE KOMMT VOR DER SORGE Die Erkenntnis, dass private Vorsorgemaßnahmen aufgrund sinkender Sozialleistungen essentiell sind, ist – laut vorliegender IMAS-Studie im Auftrag von s Versicherung, Erste Bank und Sparkassen – bei 88 Prozent der Tiroler bereits fest im Bewusstsein verankert. Lediglich jeder Zweite glaubt an eine gesetzliche Rente in der heutigen Form. Aktuell wenden die Österreicher laut Studie monatlich im Durchschnitt 120 Euro für die eigene private Pensions- und Gesundheitsvorsorge auf. Der erfreuliche Umstand, dass wir alle immer älter werden, hat leider auch eine Kehrseite: Diesen Zugewinn an Lebensjahren können nicht alle bei bester Gesundheit und ohne fremde Hilfe genießen. Demnach sind 73 Prozent der Tiroler der Überzeugung, dass auch der rechtzeitige Abschluss einer privaten Pflegeversicherung unabdingbar ist, um später selbst darüber entscheiden zu können, wie man betreut bzw. gepflegt werden möchte. Bedenkt man, dass ein entsprechender Platz in einem Pflegeheim bis zu 6.000 Euro monatlich kosten kann und die monatlichen Kosten für die Pflege zu Hause mit 3.500 Euro bis 4.500 Euro zu beziffern sind, die durchschnittliche Alterspension in Österreich im Schnitt aber bei rund 1.185 Euro und das mediane Pflegegeld bei 470 Euro liegt, lässt sich die Lücke unschwer erkenenn.

Daniela Knieling, Geschäftsführerin von respACT, mit Gerhard Burtscher (BTV) bei der Übergabe der Mitgliedschaftsurkunde

FORDERN UND FÖRDERN Mit der Bank für Tirol und Vorarlberg AG verstärkt respACT – austrian business council for sustainable development seinen Einfluss in den westlichen Bundesländern. Mit ihrer Mitgliedschaft bekennt sich die Bank nicht nur zu den Vereinsstatuten von respACT, sondern auch zu den Grundsätzen des österreichischen CSR-Leitbilds sowie zur Vision für nachhaltiges Wirtschaften. Die BTV verzichtet bewusst auf spekulative Geschäfte zugunsten langfristigen, nachhaltigen Wachstums. Dabei geht es nicht nur um Investitionen und Erträge, sondern auch um regionale Wertschöpfung: Die Einlagen kommen aus der Region und Kredite gehen in die Region – entsprechend dem Marktgebiet also nach Tirol, Vorarlberg, Wien, Bayern, Baden-Württemberg und in die deutschsprachige Schweiz.

PERSONALIA Einen Generationenwechsel auf Vorstandsebene vollzogen hat die Sparkasse Imst AG. Mario Kometer und Mag. Markus Scheiring leiten seit 1. Jänner als neues Führungsduo die Geschicke des Oberländer Bankinstitutes.

„GELD HABEN IS T S CHÖN, S OL ANGE MAN NICHT DIE FREUDE AN DEN D I N G E N V E R L O R E N H AT, D I E M A N M I T G E L D N I C H T K A U F E N K A N N .“ S A LVA D O R D A L Í, S PA NI S C HE R M A L E R

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RENDITE MIT GUTEM GEWISSEN Nachhaltigkeit und Ökologie sind seit längerer Zeit immer wiederkehrende Schlagworte und haben in Form von „Green Investments“ auch die Finanzbranche erreicht. Eine einheitliche Definition dafür gibt es (noch) nicht, ist aber auf EU-Ebene in Planung. Dass man für nachhaltige Investments auf Rendite verzichten muss, ist übrigens ein Mythos. Man kann also auch guten Gewissens Geld verdienen. INTERVIEW: MARINA BERNARDI


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„ES IST WICHTIG, RAHMENBEDINGUNGEN ABZUSTECKEN, DAMIT J E D E M A K T E U R K L A R I S T, WA S G R E E N I N V E S T M E N T S TAT S Ä C H L I C H S I N D .“ RICHARD BRUGGER

Kunden. Die Bank verzichtet auf spekulative Geschäfte und ist ganz bewusst in und für die Region tätig (siehe Kurzmeldung auf der Rubrikenstartseite). „Wir sammeln Geld unserer Kunden in unserem Marktgebiet ein und stellen es in Form von Krediten in der Region wieder zur Verfügung und unterstützen damit die heimische Wirtschaft“, sagt Mag. Stefan Nardin, Geschäftsleiter für das Privatkundengeschäft in Tirol. Auch mit nachhaltigen Veranlagungen beschäftigen sich die Berater ebenso lang wie intensiv. Wir haben mit Stefan Nardin und Dr. Richard Brugger, Leiter des Fondsmanagements der 3 Banken-Generali Investment-Gesellschaft m.b.H. in Innsbruck, gesprochen und dafür passenderweise in einem Klassenzimmer der ehemaligen Gilmschule Platz genommen, in der nun ein Teil des BTV Stadtforums untergebracht ist.

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s ist nicht alles grün, was ein Strickjäckchen trägt, andererseits ist Nachhaltigkeit auch nicht immer auf den ersten Blick zu erkennen. Das gilt im Allgemeinen und bei der Geldanlage noch viel mehr. Seit der Klimaschutz die Nachrichtenlage dominiert, entdecken auch immer mehr Unternehmen, Unternehmer, Institutionen, Politiker, Bürger und Konsumenten das Thema für sich. Was durchaus etwas Gutes ist. Eine Bank, die das Thema Nachhaltigkeit schon sehr lange und damit bereits weit vor der Trendwerdung sehr ernst nimmt, ist die Bank für Tirol und Vorarlberg (BTV) – in der eigenen Unternehmensstrategie und für die FOTOS: © ANDREAS FRIEDLE

ECO.NOVA: Welche Kriterien müssen nachhaltige Geldanlagen bzw. so genannte Green Investments erfüllen, um als solche zu gelten? RICHARD BRUGGER: Auch wenn die Begriffe oft synonym verwendet werden, gibt es einen Unterschied, was ihre Definition und somit auch die Kriterien anbelangt. Bei Green Investments wird in Bereiche investiert, deren Ziel es ist, die Erreichung der Klimaziele der EU zu unterstützen. Sie sind also recht eng gefasst. Nachhaltige Investments nehmen neben den ökologischen Aspekten auch soziale und unternehmerische Kriterien mit, was im Fachjargon unter dem Kürzel ESG zusammengefasst wird, also Environment (Umwelt/Ökologie), Social (Soziales) und Governance (Unternehmensführung). Für „Grüne“ Investments gibt es

noch keine Definition per se, deshalb ist es für Anleger wichtig, sich mit ihrem Berater zu besprechen und sich die Anlagen im Detail anzuschauen, weil sich dahinter viel verbergen kann.

Welche Kriterien werden in der BTV herangezogen, damit eine Anlage als nachhaltig klassifiziert wird? STEFAN NARDIN: Da es keine offiziellen Kriterien gibt, ziehen wir zertifizierte Produkte mit entsprechenden Gütesiegeln heran. Eines der bekanntesten im deutschsprachigen Raum ist das Österreichische Umweltzeichen, das es auch für Finanzanlagen gibt. Dieses wird vom Verein für Konsumenteninformation gemeinsam mit dem Bundesministerium für Nachhaltigkeit und Tourismus vergeben und ist mittlerweile weit über die Grenzen hinaus bekannt und anerkannt.

Wie wählt auf der anderen Seite der Kunde seine persönlichen Titel daraus aus? NARDIN: Hier gibt es drei Herangehensweisen: Man orientiert sich an Negativkriterien, schließt also bestimmte Branchen oder Unternehmen aus; man definiert Positivkriterien, zum Beispiel Unternehmen, die sich durch ihr Handeln bewusst für den Klimaschutz einsetzen; oder man geht den strengsten Weg des Impact Investing und investiert direkt in Unternehmen, Organisationen oder Fonds, die sich ausschließlich und gezielt damit beschäftigen, positive Auswirkungen auf die Umwelt oder die Gesellschaft zu erzielen. Unterscheiden Anleger bewusst zwischen Unternehmen, die sich quasi neben ihrer eigentlichen Tätigkeit auch für Klima-

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schutz einsetzen, und Unternehmen, die explizit in einer nachhaltigen Branche tätig sind? NARDIN: Es gibt Anleger, die bestimmte Branchen wie Rüstung oder Kernenergie ausschließen, weil sie sie per se nicht für nachhaltig erachten. Und es gibt Anleger, die direkt in nachhaltige Branchen investieren möchten, wobei das oft gar nicht einfach zu erkennen ist, weil die Kriterien dafür unterschiedlich festgelegt werden. BRUGGER: Ausschließlich mit Unternehmen, die speziell in nachhaltigen Branchen oder Themen verankert sind – etwa erneuerbare Energien oder Wasserwirtschaft –, lässt sich kein Grundinvestment abdecken. Wenn man ein breites Kerninvestment tätigen will, muss man sich breiter aufstellen und auch Unternehmen einbinden, die auf den ersten Blick die Kriterien vielleicht nicht erfüllen. Ein Beispiel ist die Lebensmittelproduktion, in der es wesentlich darauf ankommt, wie Lebensmittel hergestellt und unter welchen (Arbeits-)Bedingungen sie verarbeitet werden. NARDIN: Das Kerninvestment sollte generell durch eine breite Anlagepalette abgedeckt werden, die eine gewisse Stabilität und Sicherheit gibt. Dieser Kern kann durch spezielle Satelliteninvestments in Einzeltitel ergänzt werden. Diese sollten jedoch einen geringeren Anteil am Gesamtportfolio haben, weil sie in der Regel mit höheren Risikoschwankungen einhergehen.

Fast jedes Unternehmen heftet sich heute das Thema Nachhaltigkeit auf die Fahnen. Wie „grün“ sind grüne Anlagen tatsächlich bzw. wie erkennt man Mogelpackungen? BRUGGER: Das ist in der Tat oft gar nicht einfach, weil sich über die Bestimmung von Negativ-, aber auch Positivkriterien manche Bereiche nicht einschließen lassen. Man definiert zwar bestimmte Branchen, doch das sagt noch nichts darüber aus, wo etwa ein Unternehmen produzieren lässt, ob die Sozial- und Arbeitsstandards eingehalten werden oder wie hoch der tatsächliche CO2-Ausstoß in der Produktion ist. Hier ist es wichtig, Nachhaltigkeitsanalysen vorzunehmen, die es möglich machen, auch vermeintlich grüne Unternehmen auf Herz und Nieren zu prüfen. Manche Faktoren lassen sich auch mit Ausschlusskriterien nicht greifen. Hier braucht es einen guten Fondsmanager. Wenn sich Kunden für die ökologisch/ ethische Form der Investition entscheiden, tun sie es Ihrer Meinung nach aus Überzeugung und weil es ihrem Lifestyle entspricht oder weil sie damit andere

Bereiche ihres Lebens kompensieren möchten? NARDIN: Es gibt Kunden, denen es ein echtes Anliegen ist und die ihr komplettes Leben umgestellt haben. Oft sind es Unternehmer, die auch im Arbeitsleben darauf Wert legen. Auf der anderen Seite gibt es natürlich Kunden, die zwar an ihrem eigentlichen Lebensstil nicht viel ändern, denen es aber wichtig ist, mit ihrer Veranlagung etwas Sinnvolles zu erreichen. Leute, denen die Themen überhaupt kein Anliegen sind, sprechen auf die Möglichkeit von nachhaltigen Investments generell nicht an. BRUGGER: Letztlich ist die Motivation zweitrangig. Man wird sein Leben nicht bis in den letzten Winkel ändern können, aber es ist schon geholfen, wenn man es in Teilbereichen macht. Und wenn man vermehrt Unternehmen unterstützt, die in die richtige Richtung arbeiten, indem man zum Beispiel deren Aktien kauft, dann wird die Wirtschaft automatisch in eine andere Richtung gelenkt. Am Ende des Tages liegt es an jedem Einzelnen, das Bewusstsein zu ändern. Die Politik allein wird das nicht schaffen. Ich vertraue dabei stark auf den Konsumenten, die Unternehmen und die Wirtschaft an sich, dass sie die Chancen erkennen, die darin stecken. Das Thema ist gut aufgegleist und der Zug abgefahren. Jetzt gilt es, Tempo zu machen. Nachhaltigkeit ist letztlich so umfangreich, dass sich jeder in irgendeinem Bereich wiederfindet. Verzichten Kunden für nachhaltige Investments auf Rendite? BRUGGER: Es ist ein Irrglaube, dass nachhaltige Investments weniger Rendite erwirtschaften. Das ist zwischenzeitlich sogar empirisch widerlegt. Natürlich heißt es im Umkehrschluss nicht

zwangsläufig, dass man damit immer bessere Erträge erzielt, aber in der Regel sind solche Unternehmen oft innovativer, müssen neue Ideen entwickeln, neue Produkte auf den Markt bringen und sie unterliegen weniger Reputationsrisiken, weil sie in der öffentlichen Wahrnehmung generell positiver besetzt sind – in ökologischer wie sozialer Hinsicht. NARDIN: Außerdem steigt die Nachfrage nach nachhaltigen Investments und eine höhere Nachfrage wirkt sich auf den Preis aus. Es ist ein wenig wie eine Selffulfilling Prophecy: Wenn ein Anleger Aktien eines Unternehmens kauft, unterstützt er es direkt und erhöht auch die Nachfrage. Veranlagung funktioniert im Grunde auf dieselbe Weise wie Konsum: Wenn die Nachfrage nach Bioeiern steigt, werden mehr Bioeier produziert. Man kann mit nachhaltiger Veranlagung durchaus etwas bewirken und das ist vielen Kunden wichtig.

Viele Kunden der BTV sind Unternehmer. Lässt sich ableiten, ob sich nachhaltiges Arbeiten auf den Unternehmenserfolg auswirkt? Oder anders gefragt: Gibt es eine Versöhnung von Klima und Kapital? NARDIN: Ich würde behaupten, dass sich ökologisches und soziales Wirtschaften durchaus positiv auf den Erfolg auswirkt. Es macht für die Mitarbeiter mehr Sinn, in einem Unternehmen tätig zu sein, das in allen ESG-Kriterien Akzente setzt. Nachhaltiges Wirtschaften sollte schon im ureigensten Interesse jedes Unternehmens liegen und betrachtet man die aktuellen Entwicklungen in Europa, zeigt sich, dass sich nachhaltig geführte Unternehmen in den verschiedensten Branchen besser am


- www.riskonmind.at -

„ F Ü R N A C H H A LT I G E INVESTMENTS WÜRDEN ANLEGER SOGAR AUF RENDITE VERZICHTEN. DAS M Ü S S E N S I E A B E R N I C H T.“ STEFAN NARDIN

Markt behaupten. Ich bin der Meinung, dass wir in Europa eine Vorreiterrolle in Sachen Nachhaltigkeit einnehmen können. Seitens der EU wird es künftig Förderungen in diesen Bereichen geben, allein schon deshalb macht es für Unternehmen Sinn, sich mit dem Thema zu beschäftigen, da sie sonst von den Fördertöpfen ausgeschlossen sind. Ich glaube nicht, dass alle Unternehmen plötzlich aus Überzeugung „grün“ werden, manchmal hat es auch rein wirtschaftliche Gründe.

Sein Geld zu vermehren, ist im aktuellen Zinsumfeld generell nicht einfach. Ohne Aktienanteil wird es kaum gehen. Nun sind Österreicher Aktien gegenüber jedoch nach wie vor skeptisch. In den vergangenen Jahren unterlagen Aktien „grüner“ Unternehmen zudem häufig großen Schwankungen. Macht – zumindest für die Psyche – ein Ausweichen in Anleihen (Green Bonds) Sinn oder braucht man einfach Geduld? BRUGGER: Ich glaube nicht, dass die Anlagephilosophie der Kunden unmittelbar mit der Aktienquote im Portfolio zusammenhängt. Man entscheidet sich zuerst für eine bestimmte Asset Allocation, also eine Strategie, in welche Anlageklassen man investieren möchte, und erst in weiterer Folge, welche Unternehmen oder Branchen man unterstützt oder ausschließt. Natürlich kann man in Green Bonds – die im Übrigen aktuell noch ebenso wenig definiert sind wie Green Investments im Allgemeinen – investieren, das ändert aber nichts daran, dass die Renditeaussichten im festverzinslichen Bereich unter den aktuellen Gegebenheiten gering sind. Auch wir sind der Meinung, dass es langfristig ohne Aktienanteil nicht gehen wird. NARDIN: Noch zeigt sich, dass spezielle nachhaltige Themen in erster Linie durch Satelliteninvestments abgedeckt werden. Hier ist der Aktienanteil generell höher. Das hängt natürlich vom individuellen Risikoprofil ab, aber bei Satelliten ist man eher gewillt, eine höhere Schwankungsbreite hinzunehmen. Und natürlich lässt sich mit Aktien zielgerichteter in jene Unternehmen investieren, die man unterstützen möchte.

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RUHIGES FAHRWASSER Die Bankenbranche hat schon ganz andere Zeiten erlebt, turbulentere. Gänzlich ohne Herausforderungen zeigt sie sich auch aktuell nicht, dennoch präsentiert sich der heimische Finanzmarkt trotz geopolitscher Unwägbarkeiten ruhig. INTERVIEW: MARINA BERNARDI

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eit Jahren befinden sich die Zinsen auf historisch tief(st)em Niveau. Das wird sich auch in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich nicht ändern. Ohne Aktien im Portfolio ist ein sinnvolles Investieren kaum mehr möglich, das kommt mittlerweile auch bei Anlegern an. Darüber, über Wirtschafts- und Zinsentwicklung im Allgemeinen und das Regierungsprogramm haben wir mit MMag. Georg Frischmann, Geschäftsstellenleiter Private Banking der Hypo Tirol Bank, gesprochen.

ECO.NOVA: Die schwächelnde internationa-

le Konjunktur dämpft auch die wirtschaftliche Dynamik in Tirol und Österreich. Wird dies Auswirkungen auf den (heimischen) Finanzmarkt haben? GEORG FRISCHMANN: Dass die Konjunktur schwächelt, ist so nicht ganz richtig, vielmehr hat sie sich in den letzten Monaten stabilisiert. Dementsprechend sind die Auswirkungen auf den Finanzmarkt grundsätzlich keine großen. Vor allem im Bereich der Aktien sind Konjunktur- und Gewinnerwartungen von Unternehmen bereits eingepreist. Wir gehen davon aus, dass das Gewinnwachstum im heurigen Jahr bei rund zehn Prozent oder sogar leicht darüber liegen wird. Was den Finanzmarkt sehr wohl beeinflussen würde, wäre eine unerwartete Konjunktureintrübung. Nicht vorhersehbare Ereignisse sorgen in der Regel für Ausschläge am Finanzmarkt. Österreichs Wirtschaft zeigt sich relativ stabil, international kommt es jedoch immer wieder zu Turbulenzen. Wie sehr beeinflusst dies die Entscheidungen Ihrer Kunden? Fühlen sie sich am heimischen (Finanz)Markt sicher? Manchmal habe ich das Gefühl, dass sich die Bevölkerung fast ein bisschen zu sicher fühlt. Tirol ist ein Tourismusland, internationale Krisen treffen uns

oft in einem geringeren Ausmaß als andere Länder. Deshalb ist Tirol auch recht gut durch die Finanzkrise im Jahr 2008 gekommen. Was aber viele nicht wissen: Der stärkste Sektor in Tirol ist nicht der Tourismus, sondern die Industrie. Diese hat die Krise sehr wohl zu spüren bekommen und auch aktuell sind die Aussichten etwas getrübt. Vor allem Branchen, die sich an Deutschland und der Automobilindustrie orientieren, verzeichnen Auftragsrückgänge und merken den Kostendruck. Letztlich ist dies aber nur ein kleiner Teil der Bevölkerung. De facto belasten globale wirtschaftspolitische Themen die Menschen hierzulande kaum. Auf der anderen Seite bin ich auch froh, dass sich die Leute, was ihre Veranlagung betrifft, mit politischen Themen nicht allzu sehr auseinandersetzen, weil vieles davon schlichtweg nicht nachhaltig relevant ist.

Spielt der Brexit in den Köpfen Ihrer Kunden eine Rolle? Ein Brexit, in welcher Form auch immer, wird die Weltwirtschaft nicht aus der Bahn werfen. Es spielt für die Aktien­ veranlagung und das große Ganze keine Rolle. Das ist bei den meisten politischen Entscheidungen so. Sie mögen die Märkte kurzfristig beeinflussen, langfristig geht es aber darum, wie sich Konjunktur und Unternehmensgewinne entwickeln. Das ist klassisches Marktverhalten, Angebot und Nachfrage, und damit ein rationaler Prozess. Politische Börsen hatten schon immer kurze Beine. Sie haben das Thema Aktienmärkte angesprochen. Nun ist die Aktienquote in Österreich im Vergleich zu anderen Ländern eher gering. Sehen Sie hier eine Veränderung? Definitiv. Die Leute sind vermehrt bereit, für eine höhere Rendite auch mehr Risiko einzugehen. Gerade im vergangenen Jahr, in dem klar wurde, dass

die Europäische Zentralbank (EZB) den Leitzins noch eine ganze Weile auf unverändert niedrigem Niveau belassen wird, fand bei den Kunden ein Umdenken im Bereich der Veranlagung statt.

Haben Aktien ihr Image als Spekulationsobjekt also abgelegt? Nicht gänzlich, diese Meinung ist nach wie vor in den Köpfen. Das Verständnis für Risikoanlagen ist noch immer nicht in der Breite angekommen – dass man als Aktionär einen Anteil am Unternehmen hält und damit in die Wirtschaft eines Landes investiert zum Beispiel. Der Endkunde sieht vielfach immer noch die täglichen Schwankungen am Aktienmarkt und wird mitunter nervös, wenn es vier oder fünf Prozentpunkte nach unten geht. Dennoch wird den Kunden immer bewusster, dass eine Veranlagung ohne Aktien im Portfolio langfristig nicht viel bringt. Wenn man sich auf der anderen Seite die Sparbuch-Vermögen in Österreich anschaut, so zeigt sich, dass das Geld im Schnitt acht bis neun Jahre am Sparbuch belassen wird. Während einer solchen Laufzeit lassen sich am Aktienmarkt gute Renditen erzielen und auch das Risiko hält sich in Grenzen. Auch wenn Sie in absehbarer Zeit nicht mit steigenden Zinsen rechnen, welche Auswirkungen hätte ein Anheben auf die heimische Wirtschaft und Europa? Man muss sich vor Augen führen, welches Szenario zu einem Anheben der Zinsen führen würde. Die primäre Aufgabe der EZB ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Das heißt, das derzeit einzig denkbare Szenario für steigende Zinsen wäre eine hohe Inflationsrate in Europa. Diese wiederum nähme auf unterschiedlichste Weise Einfluss auf das gesamte (Wirtschafts-)Leben. Wenn in der derzeitigen Situation die Zinsen


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„POLITISCHE ENTSCHEIDUNGEN MÖGEN DIE MÄRK TE KURZFRISTIG BEEINFLUSSEN, L ANGFRISTIG GEHT E S A B E R D A R U M , W I E S I C H KO N J U N K T U R U N D U N T E R N E H M E N S G E W I N N E E N T W I C K E L N .“ GEORG FRISCHMANN


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„DIE LEUTE SIND VERMEHRT B E R E I T, F Ü R E I N E H Ö H E R E RENDITE AUCH MEHR R I S I KO E I N Z U G E H E N .“ GEORG FRISCHMANN

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ohne Anlassfall stiegen, hätte das natürlich grobe Auswirkungen auf private Haushalte als auch Unternehmen. Auch einige Staaten – allen voran südländische wie Italien oder Spanien – könnten ihre Schulden nicht mehr bedienen. Vor allem im südländischen Raum gibt es viele so genannte Zombie-Unternehmen, die ohne das Niedrigstzinsumfeld gar nicht existieren könnten. Zieht man diese Spirale weiter, würden auch einige südländische Banken arge Probleme bekommen. Das würde eine Kettenreaktion auslösen und die EU wohl in eine Rezession stürzen. Wenn jedoch die Zinsen im Zuge einer länger andauernden Inflation steigen, ist der Effekt nicht ganz so groß und relativiert sich. Ich halte steigende Zinsen dennoch in näherer Zukunft für Theorie. Die neue Bundesregierung hat in ihrem Programm angekündigt, den Kapitalmarktbereich zu entbürokratisieren. Müssen die Regulierungen in der Branche generell wieder „menschlicher“ und praxisorientierter werden? Das ist eine schwierige Frage. Ich weiß, Banken schimpfen gerne über die Regulierungen und natürlich sind manche davon extrem mühsam, vor allem in der Kommunikation mit dem Kunden. Deshalb finde ich es gut, dass hier etwas unternommen wird. Was ich positiv finde, ist, dass Banken und Versicherungen zu mehr Transparenz gezwungen wurden. Hier ist in der Vergangenheit viel passiert, das dem Kunden gegenüber nicht fair war. Manchmal war es selbst Experten nicht möglich, das Produkt der Konkurrenz zu verstehen und die Kosten zu erkennen. Nun kann man Vergleiche anstellen. Unter anderem durch die grüne Regierungsbeteiligung rücken die Schlagworte Nachhaltigkeit und Ökologie wieder in den Vordergrund. Spielen „green invest­ ments“ bei Ihnen bzw. Ihren Kunden eine Rolle? Interesse und Nachfrage steigen merklich, ja. Wir bieten auch nachhaltige Investmentlösungen für unsere Kunden an

und haben dazu einen eigenen internen Prozess entwickelt. Im Gegensatz zu manchem Mitbewerber sind wir in der Auswahl der Unternehmen viel strenger. Nachhaltigkeit ist mittlerweile zu einem eigenen Business geworden. Schaut man sich verschiedene Nachhaltigkeitsindizes an, finden sich darin auch Öl- oder Pharmaunternehmen, die in ihrem Unternehmen ein Nachhaltigkeitsprogramm gestartet und dafür ein Siegel aufgedrückt bekommen haben. Vielfach wird auch nach dem Best-of-class-Ansatz*) ausgewählt, doch auch das bietet keine Garantie für wirkliche ökologische, nachhaltige und ethisch korrekte Investitionen. Letztlich sucht man sich dabei die „bravsten“ Unternehmen der Branche aus, jene, die sich im Vergleich am korrektesten verhalten, aber dennoch kritisch sein können. Deshalb ist es wichtig, hier ganz genau hinzuschauen. Verzichten Anleger auf Rendite zugunsten nachhaltiger Veranlagung? Grundsätzlich sehen wir schon die Bereitschaft, dass Kunden auf Rendite verzichten, wenn tatsächlich und nachweislich nachhaltig und ethisch korrekt investiert wird. Interessanterweise haben sich nachhaltige Investments in der jüngeren Vergangenheit besser entwickelt als der breite Markt. Wenn die (Aktien-)Investitionen in solche Unternehmen zunehmen, wird diese Entwicklung auch noch weiter­ gehen. Im heurigen Jahr wird die Integration von Nachhaltigkeit in der Anlageberatung Pflicht. Nicht nur in der Industrie und der

Politik ist das Thema angekommen, es ist zu einer globalen Bewegung geworden – zumindest in der westlichen Welt. Und wenn Unternehmen nachhaltig wirtschaften, kann uns das allen nur recht sein.

*) FINANZBEGRIFF DER AUSGABE: BEST- IN - CLASS/ BEST- OF- CLASS Das Best-in-class-Prinzip besagt, dass zur Veranlagung aus allen Branchen jene konventionellen Unternehmen ausgewählt werden, die die besten Nachhaltigkeitsleistungen ihrer Branche erbringen. Diese Unternehmen, meist Konzerne, sind per se keine „nachhaltigen“ Unternehmen, sondern solche, die in vielen Bereichen der Unternehmensführung und des Kerngeschäfts überzeugende Aktivitäten hinsichtlich umwelt- und sozialverträglicheren Wirtschaftens unternehmen. Im Gegensatz dazu wird nach dem Best-of-class-Prinzip ausschließlich in nachhaltige Branchen und dort jeweils in die Branchenbesten investiert. Anders als bei Nachhaltigkeitsthemenfonds werden jedoch keine sozialen oder umfassenden ökosozialen Nachhaltigkeitskriterien angewendet, deshalb kann es vorkommen, dass trotzdem in heikle Unternehmen investiert wird. Die pure Zugehörigkeit zu einer ökologischen, nachhaltigen Branche bedeutet noch nicht, dass auch das Unternehmen selbst ethisch korrekt und in jeder Hinsicht nachhaltig handelt.


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TEMPORA MUTANTUR NOS ET MUTAMUR IN ILLIS Wer Nachhaltigkeit nicht mehr hören kann, muss ein neues Wort erfinden. Entziehen kann man sich dem Thema nicht. TEXT: ANDREA CZERMIN

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achhaltigkeit ist ein Wort, das in der täglichen Diskussion eine wahre Renaissance erlebt. Nachhaltigkeit ist dabei stets auf die Gegenwart und die Zukunft ausgerichtet. Man betrachtet materielle/immaterielle Güter und ökonomische/ökologische Einheiten, die geschützt werden sollen, da sie teilweise nicht erneuerbar sind. In der Diskussion und in der Wahrnehmung des Begriffes erweckt sich mir der Anschein, dass Nachhaltigkeit sehr verkürzt mit Naturschutz, Umweltschutz und erneuerbarer Energie verstanden wird. Diese traditionelle Betrachtungsweise erscheint mir als zu eng.

MEHR ALS NATUR - UND UMWELTSCHUTZ

Klar ist, dass die Ökologie (Schonung der Ressourcen, Bewahrung von ökologischen Einheiten) ein wichtiger Punkt ist. Aber dies steht immer im Spannungsfeld zu den anderen Punkten, der Ökonomie und dem Sozialen. Die Verwendung des ökologischen Fußabdruckes als alleiniges Druckmittel der Nachhaltigkeit greift zu kurz. Eine ökosoziale Steuerreform muss alle Bereiche der Nachhaltigkeit gleichzeitig bearbeiten. Wirtschaftlich nachhaltig ist ein Verhalten dann, wenn nicht nur Gewinne erzielt werden, die dann in Umwelt- und Sozialprojekte fließen, sondern diese bereits umwelt- und sozialverträglich erwirtschaftet werden. Eine ökologische Interpretation impliziert nicht nur den Schutz der natürlichen Ressourcen, sondern ist sich der begrenzten Kapazität dieser Ressourcen bewusst, die nicht beliebig oft verbraucht werden können.

ÖKOLOGIE UND STEUER

Steuern haben nicht nur die fiskalische Aufgabe, Gelder für die Ausgaben aufzutreiben, sondern sollen helfen, das Gesamtsystem entscheidend mitzuprägen (Lenkungseffekt) und Nachhaltigkeit im ökonomischen, ökologischen und sozialen Bereich zu erleichtern. Wir sollen darüber, was wir tun, nachdenken und uns überlegen, warum wir dafür Steu-

Mag. Andrea Czermin ist Steuerberaterin bei pro:west. www.innsbruck.pro-west.at

ern zahlen „müssen“! Es braucht Strategien und einheitliche Rahmenbedingungen, wie nachhaltiges Verhalten nicht nur regional, sondern auch weltweit gedacht werden soll. Die Verabschiedung der „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ beim Gipfeltreffen der Vereinten Nationen im September 2015 stellt eine verpflichtende Vereinbarung von 193 Mitgliedsstaaten – darunter auch Österreich – dar, an der Realisierung von 17 definierten Nachhaltigkeitszielen gemeinsam zu arbeiten (https://www.un.org/Depts/german/gv-70/band1/ar70001.pdf). Die Zielerreichung ist weder einfach zu messen noch einfach zu erreichen, denn es handelt sich dabei um eine komplexe, gesamtheitliche, länderübergreifende Problemstellung. Für die Zielerreichung sind erhebliche Geldmittel notwendig, für deren Umsetzung Expertengruppen eingesetzt werden sollen. Wahrgenommen wird in aktuellen Steuerdiskussionen meist die Aussage, dass die Senkung der Einkommensteuersätze des Einkommensteuertarifs die Abgabenquote für alle natürlichen Personen – egal ob angestellt oder selbständig – und die Senkung der Körperschaftsteuer die Abgabenquote für alle juristische Personen senken soll. Mehr verfügbare Mittel ermöglichen ein Mehr an Konsum. Und dieser ist dann hoffentlich nachhaltig. Außerdem gibt es Absichtserklärungen, dass Arbeitnehmer am Gewinn eines Unter-

nehmens einfacher beteiligt werden können und damit am Erfolg partizipieren können. Die Abzugsfähigkeit von gewissen Ausgaben des Unternehmens soll erleichtert werden (Grundfreibetrag und die Sofortabsetzung von kleineren Investitionen). Demgegenüber gibt es Überlegungen, ein Arbeitszimmer in einer privaten Wohnung einfacher steuerlich berücksichtigen zu können. Das vermeidet tägliche Fahrten zum Arbeitsplatz. Auch Reparaturdienstleistungen sollen gefördert werden. „Reparieren statt wegwerfen“ heißt die Devise. Die Familien sollten durch eine Erhöhung von Transferleistungen für Kinder gestärkt und die KFZ-Fahrtkosten für Dienstnehmer entsprechend einer Belastung mit Ökosteuern angepasst werden. Weiters soll es Vereinfachungen in der Lohnverrechnung geben und die Kürzung von Lohnnebenkosten angeregt werden. Den grundsätzlichen positiven angedachten Steuerentlastungen sollen klimaschädliche Emissionen aufkommensneutral „bepreist“, das heißt besteuert, werden. Die konkrete Ausgestaltung wird ab dem Jahr 2022 angedacht. Diese Ankündigung verursacht in der Diskussion den Eindruck, dass durch die Steuererhöhung in diesen Bereichen die eigenen Lebensgewohnheiten eingeschränkt werden könnten. Diese vermuteten Einschränkungen und die Unkenntnis der Umsetzung erzeugen Unbehagen und Skepsis. Wahr und richtig ist die Tatsache, dass durch diese aktuelle Diskussion über Nachhaltigkeit jeder dazu angehalten wird, seinen Lebensstil zu hinterfragen. Sauberes Wasser, bezahlbare und sauberere Energie, Maßnahmen zum Klimaschutz und Leben im Wasser sind bereits akzeptierte Ziele der UN, zu denen wir uns verpflichtet haben. Die Verfolgung dieser Ziele soll uns aber nicht davon abbringen, unseren Blick auf genauso wichtige Bereiche der ökonomischen und der sozialen Nachhaltigkeit zu richten. Veränderungen erzeugen Kraft und Potentiale, die wir erkennen müssen. Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihr („Tempora mutantur nos et mutamur in illis“).

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DAS NEUE JAHR FÄNGT GUT AN Am 30. Jänner 2020 wurden im Ministerrat erste Vorhaben zur Bekämpfung der Klimakrise und zur Entlastung der Menschen als zentrales Anliegen der neuen Regierung präsentiert. Zudem bringt die schon 2019 abgesegnete Steuerreform bereits 2020 einige Steuervorteile. TEXT: STB DR. VERENA MARIA ERIAN, STB RAIMUND ELLER, S T B M A G . E VA M E S S E N L E C H N E R

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esen Sie hier im Überblick, was das konkret bedeutet und auf was Sie sich noch alles freuen dürfen.

NORMVERBRAUCHSABGABE: Damit kommt es zu einer noch stärkeren Belastung emissionsstarker Fahrzeuge.

FLUGTICKETABGABE: Diese wird 2021 mit zwölf

Hier wird ebenso nach den CO 2-Werten differenziert. CO2-ärmere Fahrzeuge werden begünstigt.

ÖKOLOGISIERUNG DES STEUERSYSTEMS

Euro pro Flugticket vereinheitlicht. So werden nun vor allem Kurzstreckenflüge stärker belastet (Anti-Dumping-Regelung), womit künftig insbesondere Billigflüge, die zu spontanen zusätzlichen Flugreisen verleiten, relativ teurer und damit unattraktiver werden.

MOTORBEZOGENE VERSICHERUNGSSTEUER:

Auch für die fetten Brummer mit einem höheren Schadstoffausstoß (Euroklassen) soll noch mehr zu bezahlen sein.

LKW-MAUT:

DIENSTWAGENPRIVILEG: Durch die Schaffung eines steuerlichen Anreizes für emissionsfreie Dienstwägen zur Privatnutzung hofft man den Vormarsch CO2-freier Fahrzeuge weiter vorantreiben zu können.

Wie es hier zu einer Ökologisierung kommen soll, ist uns derzeit noch ein Rätsel. Geplant ist es jedenfalls.

PENDLERPAUSCHALE:

TANKTOURISMUS UND LKW-SCHWERVERKEHR:

Die Regierung will alle EU-rechtlich zulässigen Maßnahmen zur Unterbindung und Re-


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TABAKSTEUER: Durch eine neuerliche Erhöhung werden die geschmacklosen Luftverpester bereits seit Jahresbeginn zur Kasse gebeten.

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duzierung auffahren. Welche das wohl sein werden, bleibt ebenso noch abzuwarten.

Koproduktion der EMF Team Tirol Steuerberater GmbH und der Ärztespezialisten vom Team Jünger: StB Dr. Verena Maria Erian, StB Mag. Eva Messenlechner, StB Raimund Eller, v. l.

BEREITS UMGESETZTE ENTLASTUNGEN AB 2020

ERHÖHUNG des Grenzwertes für die soforti-

ge Abschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern von bisher 400 auf 800 Euro. Eine weitere Erhöhung auf 1.000 Euro ist für 2022 geplant.

ERHÖHUNG der Kleinunternehmergrenze von jährlich 30.000 auf 35.000 Euro für die Befreiung von der Umsatzsteuer.

ERHÖHUNG der Betriebsausgabenpauschale für Kleinunternehmer von 12 Prozent (6 Prozent) auf 45 Prozent (20 Prozent) der Betriebseinnahmen. ERHÖHUNG der Verkehrs- und Pensionisten-

absetzbeträge für Kleinverdiener.

ERMÄSSIGUNG der Umsatzsteuer auf 10 Pro-

zent für E-Books.

bei den Beiträgen zur Krankenversicherung von bisher 7,65 auf 6,8 Prozent.

ENTLASTUNG

FAMILIENBONUS PLUS: Seit 2019 reduziert sich die Steuerbelastung pro Kind jährlich um bis zu 1.500 Euro (ab 18 Jahren um bis zu 500 Euro).

GOODIES FÜR 2021/2022

FAMILIENBONUS PLUS: Dieser soll ab 2022 jährlich auf 1.750 Euro erhöht werden. STEUERSATZSENKUNGEN: Zunächst soll es mit

der Senkung von Steuersätzen für Bezieher niedriger Einkommen von bisher 25 auf 20 Prozent bereits ab 2021 losgehen. Ab 2022 sollen dann auch die nächsthöheren Tarifstufen von bisher 35 auf 30 Prozent sowie von 42 auf 40 Prozent gesenkt werden.

KINDERMEHRBETRAG: 2022 darf hier nicht nur mit einer Erhöhung von bisher 250 Euro auf 350 Euro pro Kind, sondern auch mit einer Ausweitung auf alle Erwerbsbezieher gerechnet werden. Bisher gab es den Kindermehrbetrag nur für Alleinverdiener

73 und Alleinerzieher mit einem sehr geringen Einkommen.

MITARBEITERERFOLGSBETEILIGUNG: Hier ist ebenso ab 2022 die Einführung einer steuerlichen Begünstigung vorgesehen. GEWINNFREIBETRAG: Konnte bisher für Ge-

winne von bis zu 30.000 Euro einfach so, ohne weiteres ein Gewinnfreibetrag von 13 Prozent beansprucht werden, so soll dies ab 2022 für Gewinne bis zu 100.000 Euro möglich sein. Im Ergebnis wird dadurch das Investitionserfordernis als Voraussetzung für die gänzliche Ausnutzung des Gewinnfreibetrages bei höheren Gewinnen um bis zu 9.100 Euro p.a. reduziert.

GEWINNRÜCKTRAG: Derzeit können Verluste

in die Folgejahre vorgetragen und mit künftigen Gewinnen verrechnet werden. Ab 2022 soll das auch umgekehrt funktionieren. Diese Möglichkeit bestand bisher nur für Künstler. Diese dürfen Gewinne des laufenden Jahres auf dasselbige und die zwei vorangegangen Jahre verteilen, also zwei Jahre rücktragen. Das ist dann interessant, wenn in den Vorjahren keine oder nur geringe Gewinne erzielt wurden. BEISPIEL: Bei einem Jahresgewinn von 30.000 Euro fallen aktuell rund 6.000

Euro an Steuern an. Gäbe es nun in den beiden vorangegangenen Jahren gar keine Gewinne, so würde bei einer entsprechenden Möglichkeit, die Gewinne zwei Jahre rückzutragen, gar keine Steuern anfallen. Der betreffende Steuerzahler hätte bei einer gleichmäßigen Verteilung der Rückträge ja dann drei Jahre lang immer nur einen Gewinn von 10.000 Euro, womit er jedes Mal unter dem grundsätzlichen Steuerfreibetrag (11.000 Euro p.a.) zu liegen käme. So können Progressionsunterschiede zwischen den einzelnen Jahren elegant geglättet werden und bei steigenden Gewinnen die unteren Progressionsstufen der vergangenen Jahre optimal genutzt werden.

RESÜMEE

Die 2020er Jahre fangen gut an. Auch wenn die Senkung der Körperschaftsteuer (angedacht ist eine Reduktion von 25 auf 21 Prozent) nun wohl erst nach 2022 kommen wird, so darf man sich doch schon jetzt auf erfreuliche Entlastungen und sinnvolle Klimaschutzmaßnahmen freuen. Besonders elegant sind die neu präsentierten Gewinnrücktragsmöglichkeiten, die flottere Gangart bei der Sofortabschreibung von geringwertigen Wirtschaftsgütern sowie bei der Inanspruchnahme des Gewinnfreibetrags.


eco.steuern

OUTSOURCING DER PERSONALVERRECHNUNG ALS CHANCE FÜR UNTERNEHMEN Monatliche Lohn- und Gehaltsabrechnung, rechtliche Beratung, Abwicklung von Lohnabgabenprüfungen, Einsatz modernster Technologie: Der Aufgabenbereich der Personalverrechnung ist sehr vielschichtig und unterliegt ständigen Veränderungen.

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eco.steuern

Mag. Theresa Schrettl und Mag. Claudia Rieckh-Rupp sind bei Deloitte Tirol im Bereich Personalverrechnung und Global Employer Services tätig.

D

ie Expertinnen Theresa Schrettl und Claudia Rieckh-Rupp von Deloitte Tirol unterstützen Unternehmen dabei und erklären im Interview, warum eine Auslagerung dieses komplexen Bereichs Sinn machen kann.

Warum eignet sich die Personalverrechnung besonders gut, um sie ganz oder teilweise auszulagern? Der Bereich der Personalverrechnung ist komplex, sensibel und von laufenden Änderungen betroffen. Dazu kommt, dass Verfehlungen schnell zu gravierenden Strafen führen können. Für Unternehmen ist es nicht einfach, ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Personalverrechnung am neuesten Stand zu halten, um den hohen Ansprüchen dieses Themenkomplexes gerecht zu werden. Mit dem Outsourcing der Personalverrechnung können Unternehmen sicherstellen, dass all diese Anforderungen erfüllt werden. Als externer Dienstleister übernehmen wir die abgabenrechtliche Verantwortung, da wir sämtliche gesetzliche Änderungen automatisch berücksichtigen und die Kosten durch Effizienzsteigerung senken. Eine Ausfallssicherheit aufgrund von informierten Vertretungen sowie die fristgerechte Durchführung aller relevanten Meldungen gegenüber Behörden sind ebenfalls garantiert – es gibt also gleich mehrere gute Gründe für die Auslagerung der Personalverrechnung.

ECO.NOVA:

Für welche Unternehmen ist die Auslagerung der Lohn- und Gehaltsabrechnung sinnvoll? Generell kann jedes Unternehmen vom Outsourcing der Personalverrechnung profitieren – unabhängig von Größe und Standort. Zu unseren Klientinnen und Klienten zählen in der Praxis sowohl Klein- und Mittelbetriebe als auch international tätige Konzerne. Auch größere Unternehmen mit einigen hundert Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern lagern die Personalverrechnung vielfach aus. Viele Betriebe finden zum Beispiel keine geeigneten Fachkräfte für diesen Bereich, da diese am Jobmarkt sehr gefragt sind. Ein Outsourcing sollte vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn im Unternehmen keine Vertretungsmöglichkeit besteht und nur eine Person die Personalverrechnung abwickelt. Damit gibt es keine Ausfallsicherheit. Dabei ist auch eine partielle Auslagerung der Payroll möglich. Generell kann die Form des Outsourcings sehr individuell auf die Bedürfnisse der Unternehmen angepasst werden. Gibt es Lösungswege, um vorübergehende Personalengpässe von Unternehmen zu überbrücken? In der Praxis bündelt sich das Personalverrechnungswissen in Unternehmen oft in einer Person. Ausfälle wie Karenz oder Pensionsantritt kann man planen. Wenn die zuständige Person allerdings durch ein unvorhergesehenes Ereignis wie Krankheit, Kündigung oder

Unfall nicht verfügbar ist, unterstützen wir auch kurzfristig für die Dauer dieses Engpasses vor Ort im Unternehmen. Wenn das Ziel eine langfristige Stabilisierung sein sollte, empfehlen wir ein vollständiges Outsourcing.

Worauf kommt es in der laufenden Zusammenarbeit mit Klientinnen und Klienten besonders an? Die Zusammenarbeit richtet sich immer an den Wünschen der Unternehmen aus. Das reicht von der Unterstützung direkt im Unternehmen bis hin zum externen Support via Online-Lösung. Da wir besonderen Wert auf eine effiziente Ablauforganisation legen, werden die einzelnen Prozesse immer kritisch hinterfragt, um gemeinsam die optimale Lösung zu definieren. Eine reibungslose Kommunikation und der einfache Informationsaustausch sind dafür entscheidend. Vor allem für größere Unternehmen ist es wichtig, dass auch im Falle einer Auslagerung an uns einfach und schnell auf alle Personalverrechnungsdaten zugegriffen werden kann. Auch bei der effizienten Abwicklung des Personalbereiches können wir unsere Unterstützung bei Software-Lösungen anbieten. Der Einsatz von Technologien oder die Nutzung unserer Web-Plattform ermöglichen einen sicheren Datenaustausch und können beispielsweise als elektronischer Personalakt oder für die elektronische Bereitstellung der Nettozettel genutzt werden. www.deloitte.at/tirol 

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eco.recht

FAIRNESS UND TRANSPARENZ AUF ONLINE-PLATTFORMEN In den letzten Jahren haben plattformbasierte Geschäftsmodelle nicht nur die Art und Weise der Kommunikation und den Ablauf von Geschäften revolutioniert. Sie haben auch unser Leben wesentlich beeinflusst. T E X T : I V O R U N G G & J O H A N N E S B A R B I S T, B I N D E R G R Ö S S W A N G R E C H T S A N W Ä LT E , I N N S B R U C K

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ie Urlaubsunterkunft, das Abendessen, ja sogar der Partner fürs Leben wird mittlerweile über digitale Plattformen schnell und mühelos gesucht und gefunden. Auch Fotos, Videos und Meinungen werden hochgeladen und mit der Öffentlichkeit geteilt. Online-Plattformen machen das Nutzererlebnis im Internet so interaktiv wie nie zuvor. Dabei gilt die Faustregel: Je mehr Nutzer die Plattform aufweisen kann, desto attraktiver und lukrativer ist sie. Aus rechtlicher Sicht muss allerdings festgestellt werden, dass Rechtsfragen, die in diesem Zusammenhang auftreten, mit dem bestehenden Rechtsrahmen nicht immer gelöst werden können. Derzeit beschäftigt sich die Justiz im Zusammenhang mit Online-Plattformen vor allem mit der Frage, wo die Meinungsfreiheit des Einzelnen endet und wann die Pflicht des Plattformbetreibers beginnt, persönlichkeitsverletzende Inhalte zu löschen. Unlängst befasste sich der Europäische Gerichtshof in der Rechtssache „Glawischnig-Piesczek gegen Facebook Ireland“ mit Haftungsfragen rund um Hasspostings und deren Löschung. In dieser Entscheidung wird auch die Haftung des Plattformbetreibers für Verstöße Dritter deutlich. Eben diese Haftung führt mitunter dazu, dass verstärkt technische Filter eingesetzt werden, die rechtswidrige Inhalte schnell und effektiv entfernen sollen. Doch nicht nur persönlichkeitsverletzende Inhalte, sondern auch wirtschaftliche Erwägungen spielen in den Regulierungsansätzen des europäischen Gesetzgebers eine wesentliche Rolle: Online-Plattformen sind Akteure an der Schnittstelle zwischen Unternehmen und deren Kunden; eine mächtige Position, die in der Vergangenheit bereits öfters von Plattformbetreibern zu Lasten der Vertragspartner genutzt wurde, beispielsweise durch einseitige Änderungen der Rahmenbedingungen. Diesen Umstand hat der europäische Gesetzgeber erkannt und entsprechend darauf reagiert. Die Verordnung zur Förderung von

Ranking sie in den Suchergebnissen einer Plattform erreichen. Die Ranking-Parameter müssen künftig aus den AGB ersichtlich sein. Ist ein Vorteil gegen Bezahlung zu erlangen, muss auch auf diesen Umstand hingewiesen werden. Künftig werden Plattformbetreiber auch verpflichtet, ein internes Beschwerdemanagementsystem einzurichten, das für gewerbliche Plattformnutzer leicht zugänglich und kostenfrei sein muss und Beschwerden „zügig und wirkungsvoll“ bearbeitet.

Dr. Ivo Rungg

Fairness und Transparenz für gewerbliche Nutzer von Online-Vermittlungsdiensten, die ab 12. Juli 2020 in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union unmittelbar gilt, soll undurchsichtigen Geschäftspraktiken digitaler Plattformen einen Riegel vorschieben, gleichzeitig aber die Vorteile der Online-Plattformwirtschaft unberührt lassen. Der Anpassungsbedarf, den die Verordnung für die Betreiber von Plattformen mit sich bringt, ist erheblich.

WAS WIRD GEREGELT?

Ziel der Verordnung ist mehr Transparenz für gewerbliche Nutzer. Die wesentlichsten Regelungen betreffen dementsprechend die Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB), die der jeweiligen Plattform zu Grunde liegen. Die AGB müssen klar und verständlich formuliert, zu jedem Zeitpunkt leicht verfügbar sein und präzise Angaben zu bestimmten Themen enthalten, beispielsweise zu den Gründen, aus denen der Plattformzugang für gewerbliche Nutzer ausgesetzt, beschränkt oder beendet werden kann. Erfolgt eine Änderung der AGB von Seiten des Plattformbetreibers, muss er dies den Nutzern unter Einhaltung einer angemessenen Frist mitteilen. Wie erfolgreich Unternehmen auf Plattformen sind, hängt besonders davon ab, welches

DER BEGINN EINES GROSSEN VORHABENS

Die neue Verordnung reiht sich in die Gesetzesinitiativen der EU ein, die die offenen Rechtsfragen der Online-Wirtschaft klären sollen. In dieser Hinsicht gilt es besonders auf die 2019 in Kraft getretene Urheberrechts-Richtlinie hinzuweisen, die Aspekte des geistigen Eigentums vor allem unter Berücksichtigung des technischen Fortschritts neu regelt. Der umfassende Wandel, den die Digitalwirtschaft mit sich bringt, spielt aber auch bei den weiteren geplanten Rechtsakten auf europäischer Ebene eine wesentliche Rolle. In ihrer „Agenda für Europa“ hat die nunmehrige Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen angekündigt, den Rechtsrahmen an die Anforderungen der Digitalisierung anpassen zu wollen. Unter dem Titel „Digital Services Act“ sollen als nächster Schritt die Haftung von Plattformen verschärft, Regelungen zu Hasspostings und politischer Desinformation („Fake News“) getroffen und regulatorische Lücken geschlossen werden. Offen bleibt, ob der anvisierte „Digital Services Act“ einen Rechtsrahmen schaffen kann, der die Grundsätze des freien Internets wahrt und dies mit regulatorischer Lückenschließung vereint. Spannend bleibt auch, ob es gelingt, Plattformen mit Sitz außerhalb der EU einer angemessenen Regulierung zu unterwerfen. Die Bemühungen zur Schaffung eines geeigneten Rechtsrahmens sind auf jeden Fall intensiv angelaufen.


BFI TIROL

BUSINESS COMPETENCES FÜR MITARBEITER Besonders angehende Führungskräfte und Neugründer benötigen betriebswirtschaftliche Kenntnisse und fundierte Führungskompetenzen. AKTUELLE SEMINARE • Business Competences – Lehrgang in drei Modulen: • MODUL 1: Betriebswirtschaftliche Kompetenzen Start am 2. Oktober 2020 • Strategisches Management Einzelmodul Start am 2. Oktober 2020 • Projektmanagement Basic Einzelmodul Start am 16. November 2020

D

as BFI Tirol hat einen neuen Lehrgang entwickelt, der in drei Modulen grundlegende betriebswirtschaftliche Themen vermittelt. Die Module gliedern sich in die Bereiche „Betriebswirtschaftliche Kompetenzen“, „Die operative Führungskraft“ und „Human Resources Management“. Jedes Modul bietet Seminare, die auch als Einzelkurs gebucht werden können.

FÜHRUNGSKOMPETENZEN UND HR - MANAGEMENT

BETRIEBSWIRTSCHAFTLICHE KOMPETENZEN

Die Module 2 und 3 widmen sich relevanten Inhalten für die Rolle als Führungskraft sowie der Personalverwaltung und -entwicklung. Dabei stehen Themen wie Mitarbeiterführung und Changemanagement bzw. Personalplanung, Recruiting oder Talentdevelopment im Vordergrund. Der gesamte Lehrgang und alle Einzelkurse sind vom Land Tirol gefördert.

Das erste Modul konzentriert sich auf wesentliche betriebswirtschaftliche Grundlagen wie Personalmanagement und Arbeitsrecht, Strategisches Management, Projektmanagement sowie Grundlagen Marketing und Sales. Diese Basiskenntnisse verhelfen zu einem besseren Verständnis für betriebliche Problemstellungen und kritische Prozesse in der beruflichen Praxis.

Das BFI Tirol bietet neben einem breiten Angebot an betriebswirtschaftlichen Seminaren auch persönlichkeitsbildende Schulungen und Ausbildungen für angehende Trainer sowie Jungunternehmer an. Für individuelle Anforderungen von Firmen werden maßgeschneiderte Schulungen konzipiert. Das BFI Tirol ist mit seiner mehr als 50-jährigen Erfahrung ein verlässlicher Partner für professionelle Firmentrainings. PR

MASSGESCHNEIDERTE TRAININGS

„BE TRIEBSWIRTSCHAF TLICHE GRUNDL AGEN VERHELFEN ZU E I N E M B E S S E R E N V E R S TÄ N D N I S DER UNTERNEHMERISCHEN P R O B L E M S T E L L U N G E N .“ O T HM A R TA MERL , GE S C H Ä F T S F ÜHRER B F I T IR OL

• MODUL 2: Die operative Führungskraft Start am 6. März 2020 • Changemanagement Einzelmodul Start am 18. April 2020

• MODUL 3: Human Resources Management Start am 9. Oktober 2020 • Eventorganisation und Eventmarketing Start am 2. März 2020

• Kurse in über 30 Sprachen ab Februar 2020

• Elektrotechnik Grundlagen Start am 2. März 2020

• Diplomlehrgang Konflikt- und Deeskalationstrainer/-in Start am 23. April 2020

• Web-Design und Social Media Informationsabend Am 3. März 2020

BFI TIROL Ing.-Etzel-Straße 7, 6020 Innsbruck Tel.: 0512/59 660 info@bfi-tirol.at www.bfi.tirol

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eco.recht

AUF GUTE NACHBARSCHAFT Beschäftigt man sich mit unserer Umwelt an sich, stellt sich auch immer die Frage, wie man sein Eigentumsrecht im Hinblick auf Rücksichtnahme auf andere Personen und auf unsere Umwelt ausüben darf und wo man an Grenzen stößt. T E X T : D R . E S T H E R P E C H T L - S C H AT Z

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O

bwohl das Eigentumsrecht in der österreichischen Rechtsordnung als das umfassendste Vollrecht eines Rechtssubjektes (Eigentümers) an einem Rechtsobjekt (bewegliche oder unbewegliche Sache) definiert wird, findet auch dieses Recht Einschränkungen, und zwar kann das Eigentumsrecht durch Rechte dritter Personen und zum allgemeinen Wohl (§ 364 Abs. 1 ABGB) eingeschränkt sein. Gegenständlich soll ein kurzer Überblick über die privatrechtlichen Beschränkungen des Eigentumsrechtes gewährt werden. Das Ziel der Bestimmungen der §§ 364 bis 364 b ABGB ist ein gerechter Interessenausgleich zwischen Eigentümern benachbarter Grundstücke. Es geht darum, dass einerseits die Befugnisse der Eigentümer jener Grundstücke, die sich in einem örtlichen Naheverhältnis zueinander befinden, wechselseitig abgegrenzt werden und andererseits ein gerechter Interessenausgleich

zwischen dem Nutzungsrecht jedes Eigentümers einerseits und dem berechtigten Interesse auf Unterlassung von Störungen anderseits gefunden wird, vereinfacht gesagt, dass das umfassende Eigentumsrecht an einer Sache beim berechtigten Interesse des Nachbarn sein Ende findet. Es geht um ein allgemeines wechselseitiges Rücksichtnahmegebot. Im Wesentlichen wird zwischen unzulässigen direkten Immissionen und zwischen indirekten Einwirkungen unterschieden. „Unmittelbare“ Zuleitungen jedweder „Stoffe“, die zu direkten Einwirkungen auf einen Grund führen, braucht ein Eigentümer unter gar keinen Umständen dulden, sofern hier nicht ein besonderer Rechtstitel (z.B. Dienstbarkeitsrechte etc.) besteht – diese sind also unter allen Umständen unzulässig. Unzulässige Einwirkungen im Sinne der Gesetzesbestimmung des § 364 Abs. 2 S 2 ABGB sind zum Beispiel die unmittelbare Zuleitung von Wasser oder Abwässern auf

den Nachbargrund etwa durch zur Grundstücksgrenze führende Abflussrohre oder künstliche Gerinne; unmittelbares (nicht natürliches) Hinüberwachsenlassen einer Schlingpflanze auf die Mauer des Nachbarn; unmittelbares Einwirken elektromagnetischer Wellen durch eine Mobilfunksendeanlage; aber auch die von grobkörperlichen Stoffen ausgehenden Einwirkungen, sodass auch Gewehrkugeln, Steinbrocken, Erdmassen etc. nach dieser Gesetzesnorm abwehrbar sind. Indirekte (mittelbare) Einwirkungen bzw. Immissionen sind hingegen nur dann untersagbar, wenn sie das nach den örtlichen Verhältnissen gewöhnliche Maß überschreiten und die ortsübliche Benutzung des Grundstückes wesentlich beeinträchtigen. Von der Norm des § 364 Abs. 2 S 1 ABGB sind damit Einwirkungen durch Abwasser, Rauch, Wärme, Geruch, Geräusch und Erschütterungen erfasst, die zu physischen Einwirkungen auf die benachbar-


eco.recht

te Liegenschaft führen. Die Ortsüblichkeit ist hier sowohl für das Maß der Immission als auch für das Maß der Beeinträchtigung von Bedeutung. Entsprechend dem Regelungskonzept sind demgemäß auch übermäßige Immissionen zu dulden, wenn sie die ortsübliche Nutzung eines Grundstückes nicht wesentlich beeinträchtigen, während Maß haltende Immissionen auch dann zulässig sind, wenn die ortsübliche Benützung wesentlich beeinträchtigt wird. Zu beachten sind jedenfalls der Grad und die Dauer der Einwirkung. Eine wesentliche Nutzungsbeeinträchtigung fehlt also bei bloß punktueller Beeinträchtigung (z.B. kurzfristiger Baulärm) oder einem Geräuschpegel, der etwa bloßem Blätterrauschen oder leisem Flüstern entspricht. Ortsunübliche wesentliche Beeinträchtigungen liegen hingegen zum Beispiel vor, wenn der Lärm das Wohlbefinden eines normal empfindenden Menschen zu beeinträchtigen geeignet ist, was nach der ständigen Rechtsprechung etwa auch dann angenommen wird, wenn die Lärmerregung in der Zeit zwischen 22 und 6 Uhr die gewöhnliche Zimmerlautstärke übersteigt. Für die Beantwortung der Frage, ob die ortsübliche Benützung wesentlich beeinträchtigt ist und damit die zweite Voraussetzung für einen Unterlassungsanspruch als erfüllt gilt, ist auch die subjektive Lästigkeit maßgeblich, für die beispielsweise vor allem die Tonhöhe, die Dauer und die Eigenart der Geräusche maßgebend entscheidend sind (z.B. Probelärm einer Heavy-Metal-Band in einem ruhigen Innenhof). Nach ständiger Rechtsprechung müssen neu hinzukommende Nachbarn sich grundsätzlich mit einer im Gebiet vorherrschenden Immission abfinden, zumal in immissionsbelasteteren Gebieten in der Regel auch die Grundstückspreise entsprechend niedriger sind als anderswo. Dies gilt allerdings nicht für gesundheitsgefährdende oder -schädliche Immissionen, da niemand davon ausgeht, dass man sich bewusst einer gesundheitlichen Beeinträchtigung unterzieht bzw. eine solche will.

DER FALL DER FICHTEN

Interessant ist in diesem Zusammenhang hinsichtlich der Duldungspflicht durch einen neu hinzugekommenen Nachbarn aber eine aktuellere Entscheidung des Obersten Gerichtshofes, in der es um den Entzug von Licht geht. Darin stellte sich für das Höchstgericht die Frage, ob eine zwölf

Dr. Esther Pechtl-Schatz

bis 15 Meter hohe und ca. 37 Meter lange Fichtenhecke, die aus 70 Bäumen besteht und unmittelbar an das klägerische Grundstück angrenzt, dem klägerischen Grundstück das Licht entzieht und der Kläger daraus ein Unterlassungsbegehren ableiten kann. Diese Entscheidung war deshalb so richtungsweisend, weil der sich nunmehr beschwert gefühlte und die Gerichtsbarkeit anrufende Kläger das Grundstück erst im Jahr 2010 erwarb, der Beklagte die Fichten jedoch bereits Ende der 1980er, Anfang der 1990er-Jahre pflanzte, sohin die Fichten bereits viel länger schon in dieser Höhe standen, als der Kläger überhaupt dort wohnte bzw. Eigentümer der angrenzenden Grundfläche war. Das Erstgericht gab der Klage statt und bejahte den Unterlassungsanspruch. Ganz anders sah dies das Berufungsgericht. Das Berufungsgericht stand auf dem Punkt, dass der Kläger als neu hinzugekommener Nachbar sich mit den bei Erwerb seines Grundstückes vorgefundenen örtlichen Verhältnissen abfinden müsse, wie dies von der Rechtsprechung in ähnlich gelagerten Fällen bislang so entschieden wurde. Für den Kläger sei bei Kauf seines nunmehri-

gen Grundstückes im Jahr 2010 vorhersehbar gewesen, dass es durch die hohe, schon seit vielen Jahren dort befindliche Fichtenhecke zu Beeinträchtigungen seines Grundstückes im Hinblick auf die Lichtverhältnisse und des Schattenwurfes kommen werde, sodass er sich damit abzufinden habe. Dagegen erhob der Kläger Rechtsmittel an den Obersten Gerichtshof. Das Höchstgericht hielt in seiner richtungsweisenden Entscheidung fest, dass die Frage, ob eine Beeinträchtigung vorliege oder nicht, nicht allgemein beantwortet werden könne, sondern vielmehr von der Beurteilung des Einzelfalles abhänge. Auch die Tatsache, dass die Fichtenhecke bereits seit vielen Jahren dort wuchs und sich der Voreigentümer des Klägers darüber nicht beschwerte, würde nicht automatisch bedeuten, dass der Kläger keine Beeinträchtigungen mehr geltend machen könne und diese hohe Hecke zu dulden habe. Das Höchstgericht setzte dem Beklagten im Urteilsspruch – und das ist durchaus eine weitere Besonderheit der Entscheidung – eine Frist von sechs Monaten, „den Entzug von Licht insoweit zu unterlassen, als wenn an der Grenze eine 2,5 Meter hohe Hecke stünde“. Beeinträchtigungen durch den Entzug von Licht oder Luft durch Bäume oder andere Pflanzen können nämlich seit der im Jahr 2004 hinzugekommenen Bestimmung des § 364 Abs. 3 ABGB dann untersagt werden, wenn die Beeinträchtigung eine unzumutbare Benützung des Grundstückes darstellt. Einhellige Rechtsprechung ist jedenfalls, dass ein solcher Unterlassungsanspruch dann vorliegt, wenn fehlender Lichteinfall zu Versumpfung, Vermoosung oder sonstiger Unbrauchbarkeit größerer Teile eines Grundstückes führt und beispielsweise auch, wenn dadurch eine künstliche Beleuchtung von Wohnräumen auch an hellen Sommertagen erforderlich ist oder der Schattenwurf so enorm ist, dass es zu einer völligen Unbrauchbarkeit einer dort montierten Solaranlage führt. Alles in allem bedeutet dies, dass die Fragen der Durchsetzung seines Eigentumsrechtes und der Umfang der Nutzung auch immer von einer Interessenabwägung geprägt ist und auch im Fall eines so weitgehenden Rechtes unsere Umwelt und die Lebensräume von anderen Personen nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Für weitere Fragen in diesem Zusammenhang stehen ich und mein Team selbstverständlich gerne zur Verfügung. www.anwaelte.cc 

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© EZRA GOZO MANSUR

KULTU

kunst & design

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Den Abschluss des internationalen Musikfestivals „The Art of Solo“ bildet Adam Ben Ezra, ein MultiInstrumentalist, YouTube-Sensation und Kontrabass-Phänomen.

Bewusst allein „Solo und ohne Unterstützung einer Band aufzutreten ist eigentlich die Königsdisziplin der Musik. Es bedeutet ohne Fallschirm zu musizieren“, beschreibt Michael Litzko vom Kulturverein KlangFarben sein neues Festivalprojekt „The Art of Solo“, das am 1. und 2. Mai seine Premiere in Kufstein feiert. Insgesamt werden an den zwei Tagen 14 Musiker ihr musikalisches Können im Soloauftritt auf verschiedenen Instrumenten darbieten. Vereint werden die unterschiedlichsten Musikrichtungen und -stile von Rock, Jazz, Pop, Metal, Klassik, Avantgarde, Ambient, Electronica, Folk, Worldmusic bis hin zu Blues und das in diversen Locations. Eröffnet wird der erste Festivaltag mit einer 25-minütigen Performance des preisgekrönten US-Organisten Jamie Saft auf der Heldenorgel Kufstein, der größten Freiluftorgel der Welt. Das Hauptprogramm startet dann jeweils um 17 Uhr im Kultur Quartier Kufstein und hält einen abwechslungsreichen Abend mit verschiedenen Musikrichtungen für seine Zuhörer bereit. Highlight eines jeden Abends bilden die Jam-Sessions und Kooperationen der Musiker des jeweiligen Tages. An beiden Tagen finden außerdem am Unteren Stadtplatz kostenlose Solokonzerte von Kufsteiner Musikern statt. Infos und Tickets unter www.klangfarben-kufstein.com


eco.art

Vergessen gehört zum Alltag. Doch nicht nur auf individueller Ebene, auch für Kultur und Gesellschaft ist es relevant. Welche Werke, Perspektiven und Informationen aufbewahrt und welche vergessen werden, entscheiden seit mehreren hundert Jahren Gedächtnisinstitutionen wie die Tiroler Landesmuseen. Die politische und gesellschaftliche Macht dieses Prozesses wird noch bis 3. März in einer Sonderausstellung beleuchtet. www.tiroler-landesmuseen.at

EINE REISE DURCH D I E K L A N G W E LT E N Werner Pirchner hätte im Feber seinen 80. Geburtstag gefeiert. Die 17. Ausgabe von „Musik im Riesen“ vom 21. bis 24. Mai 2020 in Wattens und Innsbruck beginnt deshalb mit einer Hommage an den Künstler. Den Anfang des Musikfestivals gestaltet dabei eines der bedeutendsten Ensembles für zeitgenössische Musik in Österreich: Windkraft – Kapelle für Neue Musik startet mit der Aufführung der „Kammer-Symphonie – Soirée Tyrolienne“ sowie des Klavierstücks „Birthday-Serenade“ im Haus der Musik mit zwei Konzerten des Tiroler Jazzmusikers und Komponisten in den musikalischen Reigen. Ein besonderes Highlight des heurigen Musikfestivals ist das darauffolgende Programm „Bach beflügelt“ mit Kantaten von Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann, interpretiert vom belgischen Vokalensemble Vox Luminis und dem Freiburger Barockorchester. Dazu zeigt die amerikanische Geigerin, Sängerin und Komponistin Caroline Shaw die Vielfalt ihres musikalischen Schaffens an zwei Konzertabenden: einmal als Instrumentalistin zusammen mit dem Attacca Quartet im Streichquintett B-Dur op. 87 von Felix Mendelssohn Bartholdy sowie als Sängerin und Komponistin mit dem Vokalensemble Roomful of Teeth. Streicher und Stimmen, klassische Kompositionen, zeitgenössisches Musikschaffen, Barock und Renaissance – der Bogen bei „Musik im Riesen 2020“ ist vielfältig. Kommen Sie, hören Sie!

Blick in die Ausstellung; Heidrun Sandbichler, o.T., 2008 bzw. 2019

AUFBRUCHSTIMMUNG

© TVB KUFSTEINERLAND/ PETER KITZBICHLER

Werner Pirchner, begnadeter Jazzmusiker und Komponist mit Tiroler Wurzeln

© WOLFGANG LACKNER

© SEPP HOFER

Fragmente der Erinnerung

ZWISCHENZEIT Bevor bei den Festspielen Erl Mitte Juni die Sommersaison beginnt, steht das Programm aktuell unter dem Motto „Zwischenzeit“. Neben den Klaviertagen von 2. bis 5. April sind im wunderbaren Konzertsaal ebenso wunderbare (Kammer)musikstücke zu hören. Unter anderem begleitet das Orchester Camerata Salzburg die Mezzosopranistin Bernarda Fink, besonders freuen wir uns auf die Kammerkonzerte der Münchner Philharmoniker. Am 22. Feber kommt das außergewöhnliche Programm „Mystic Flute“ zur Aufführung, im Zuge dessen ein Flötist und vier Schlagzeuger eine gemeinsame Reise durch das kammermusikalische Repertoire des 20. Jahrhunderts antreten, am 3. Mai folgt Igor Strawinskys „Die Geschichte vom Soldaten“, die von der Suche eines einfachen Soldaten nach einem erfüllten Leben erzählt. Reduziert und schön. www.tiroler-festspiele.at

www.kristallwelten.com/musik

„ D I E K U N S T I S T E I N E T O C H T E R D E R F R E I H E I T.“ FRIEDRICH SCHILLER

Die Ausstellung „widerstand und wandel. über die 1970er-jahre in tirol“ im Innsbrucker aut. bietet vom 21. Feber bis 20. Juni einen vielschichtigen Einblick in jenes Jahrzehnt, das in vielen Bereichen bis heute nachwirkt. Zum einen werden ausgewählte Bauwerke aus den Themenfeldern Wohnen, Schulbau, Kirchen und typologische „Zeitzeugen“ vorgestellt, zum anderen wird das kultur- und gesellschaftspolitische Umfeld anhand einer Synchronopse vermittelt, die lokale und nationale Entwicklungen mit dem „Weltgeschehen“ verbindet und in die Bücher, Plakate, Kunstwerke, Fotografien, Filme und Hörbeispiele eingewoben sind. Ergänzt wird die Ausstellung durch Interviews mit Persönlichkeiten, die den kulturellen Aufbruch initiiert und mitgetragen haben. Zur Ausstellung erscheint außerdem eine Begleitpublikation, in der 23 Autoren unterschiedlichste Themen aufarbeiteten und für die Günter Richard Wett 27 zentrale Bauten in ihrem heutigen Zustand dokumentierte. www.aut.cc

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eco.kultur Einblick in das ehemalige Feuermagazin der Stadt Hall. Wolfgang Wallner hat das alte Haus liebevoll renoviert und aus einem dunklen Winkel im Stiegenaufgang eine kleine Galerie gemacht.

Verrostete Metallteile im verwitterten Holz wurden zum funktionsfähigen Couchtisch mit unverwechselbarer Patina.

82 Der Haller Künstler Wolfgang Wallner sammelt scheinbar wertlose Dinge und transformiert sie zu neuen Formen und Funktionen.

FOTOS: © MICHAEL LIEBERT, WOLFGANG WALLNER, STEFAN MAIER

D

er Formationsprozess des Kunstbegriffs unterliegt einem permanenten Wandel, der sich entlang von dynamischen Diskursen, Praktiken und institutionellen Instanzen entfaltet. Eine grundlegende Definition von Kunst benennt das Ergebnis gezielter menschlicher Tätigkeit sowie eine Form von Kommunikation, die über viele Generationen wahrgenommen wird. „Die Kunst lässt uns symbolisch die Gegenwart erleben und stellt eine Verbindung zur Zukunft her. Die Zukunft ist nicht vorgegeben, sondern wird im Miteinander in die Welt gebracht“, erklärt der bekannte deutsche Neurobiologie Gerald Hüther, der in seiner Akademie für Potentialentfaltung vor

„Ein würdevolles Bild von uns selbst lässt eine ebensolche Welt entstehen.“

allem die „Ressourcenkultur“ thematisiert. Erst durch die gegenwärtige und zukünftige Wirkung von Kontinuität mache „die Kunst den Menschen erst zum Menschen“ und erfüllt demnach das Prinzip der Nachhaltigkeit. In diesem Verständnis hat also auch die Kunst nachhaltig zu sein. Hüthers Definition schließt neben den klassischen drei Säulen Ökonomie, Ökologie und Gesellschaft auch Kunst und Kultur mit ein. Das Prinzip der Nachhaltigkeit beruht auf einem langfristigen und beständigen System, das sich so gestaltet, dass es die Bedürfnisse der heutigen Generation befriedigt, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen einzuschränken. Die sogenannte Brundtland-Kommission formuliert eine nachhaltige Gesellschaft als „weitsichtig, die eigenen materiellen und sozialen Existenzgrundlagen nicht unterminierend“.

„JEDER MENSCH IST EIN KÜNSTLER“

Dieser Satz geht auf Joseph Beuys (1921– 1986) zurück, den deutschen Aktionskünst-


eco.kultur

DIE KUNST IM KLIMAWANDEL Nachhaltigkeit prägt auch die menschliche Kreativität. T E X T : J U L I A S PA R B E R - A B L I N G E R

Die Hingabe zu Form und Funktion spielt bei Wolfgang Wallner eine zentrale Rolle. Hier wurden alte Skier zum Garderobenständer.

ler und Kunsttheoretiker, der in seinem umfangreichen Werk den Humanismus und die Anthroposophie zum erweiterten Kunstbegriff verbunden hat. Er betrachtete den Menschen als Gesamtkunstwerk und „soziale Plastik“. Sein Zitat „Jeder Mensch ist ein Künstler“ findet heute verstärkt Akzeptanz, weil man weiß, dass menschliche Kreativität ein Grundanspruch ist, der in allen Lebensbereichen wirksam ist. Die menschliche Kreativität und der Anspruch, sich ständig neu zu erfinden, sich laufend weiterzuentwickeln, hat uns aber auch dahin gebracht, wo wir heute sind: Unsere Konsumbedürfnisse haben dem Planeten zugesetzt. Warum wollen wir immer mehr, auch wenn es längst genug ist? Der bekannte deutsche Hirnforscher erklärt dies mit der Nachhaltigkeit, die auch in unser Verhalten übergehen muss: „Im Außen haben unsere Strategien bis jetzt nicht funktioniert, noch nie ist so viel Plastikmüll in unseren Meeren geschwommen, noch nie dominierten so viele Extreme unser Klima. Wir brauchen also ein würdevolles Bild von uns selbst, um unser Verhalten entsprechend würdevoll anzupassen … Wenn man also

will, dass mehr Menschen nachhaltiger leben, müsste man ihnen ein Gefühl für ihre eigene Würde vermitteln. Es geht nicht mehr nur um Nachhaltigkeit, sondern um das, was uns im Leben wertvoll ist. Es muss eine öffentliche Diskussion darüber in Gang kommen, wie wichtig es ist, dass Menschen sich ihrer eigenen Würde bewusst werden, um auch Dinge wieder würdevoll betrachten zu können“, so Gerald Hüther in einem Interview auf seiner Website.

SCHEINBAR WERTLOSES WERTVOLL MACHEN

Ein Künstler, der sich auf den Wert des Bestandes konzentriert und diesen neu formt, ist der Haller Wolfgang Wallner. Er vermittelt zwischen den Werten, verbindet den Menschen mit der Natur: „Ich möchte nicht unbedingt in das nachhaltige Eck gerückt werden. Meine Form von Kunst beruht seit vielen Jahren darauf, scheinbar Wertloses wieder wertvoll zu machen, ohne einen ökologischen Trend zu verfolgen.“ So sieht er vor allem die Natur als kunstvollen Faktor, denn natürliche Einflüsse verleihen den Materialien erst die richtige Patina, um in seinen Händen zu Kunst zu werden. In seinem neuen Atelier in der Haller Salzburger Straße fügt Wolfgang Wallner alles zusammen, was scheinbar nicht zusammengehört: Verrostete Metallteile werden in verwittertem Holz eingeschraubt, um als Tisch neu zu erscheinen. Alte Bremsbeläge der Eisenbahn werden im weißen Filz eingebettet und zur Fischgestalt geformt, die mythologisch aufgeladen wird. Neben Designstücken wie Tischen, Kommoden und Lampen, die der Form auch Funktion verleihen, lässt Wallner auch Siebdrucke, Bilder und Skulpturen entstehen. Der Künstler mag den wertfreien Blick auf Weggeworfenes. Dadurch offenbart sich die Würde der zurückgelassenen Dinge, die er ästhetisch betonen will. Seine zentralen Themen sind „Transfor-

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Der bekannte Neurobiologe Gerald Hüther fordert einen Klimawandel auf gesellschaftlicher Ebene und die „Entwicklung einer nachhaltigen Potenzialentfaltungskultur“.

mationsprozesse und Entwicklungsstufen“, die allen Dingen zugrunde liegen. Wolfgang Wallner ist ein Künstler, der Dingen eine neue Nutzung geben will, statt einfach Neues zu kaufen: „Durch ständig neuen Konsum und immer neue Produkte, die nicht werthaltig und für Langlebigkeit gemacht sind, werden wir in Abhängigkeiten gebracht. Es wird künftig noch wichtiger, den Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zu überdenken.“ Wolfgang Wallner verleiht alten, abgenutzten Dingen wieder den Mehrwert, den der Hirnforscher Gerald Hüther beim Menschen mit „nachhaltiger Potentialentfaltung“ umschreibt. Nur wenn wir bei uns selbst anfangen, die Welt und ihren Reichtum als begrenztes, kostbares Gut zu betrachten, gestalten wir gemeinsam eine nachhaltige Welt. Unsere Kreativität sowie die daraus entstandene Kunst können uns im gesellschaftlichen Klimawandel enorm unterstützen.


eco.kultur

VÖLKERVERSTÄNDIGUNG Friede ist letztlich, wonach wir alle streben, und doch ist er ein filigranes Konstrukt. Das 32. Osterfestival Tirol steht heuer unter diesem Leitthema, hat jedoch ein Fragezeichen hintangehängt. Es ist eine Botschaft, dass so manches, das wir als selbstverständlich erachten, es nicht immer ist und laufender Auseinandersetzung bedarf.

© WOUTER MAECKELBERG

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TEXT: MARINA BERNARDI

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as heurige Osterfestival Tirol versucht unter dem Motto „Friede?“ vom 27. März bis 12. April mit Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt dem Wunsch nach Frieden und der Frage nach dessen Umsetzung im Kleinen wie im Großen auf den Grund zu gehen. Ab Aschermittwoch vereinen sich in Innsbruck, Hall und Umgebung neben Alter und Neuer Musik, Tanz und Performance, Film und Aktionen auch junge, am Beginn stehende, weltberühmte und außereuropäische Kunstschaffende. Ein vielfältiger Reigen. Hannah Crepaz hat mit der Übernahme der Organisation von ihren Eltern dem Festival eine neue Ordnung gegeben und widmet die Veranstaltungen stets einem großen Überthema. Weil sie es wichtig findet, Fragen anzusprechen, die jeden Menschen auf seine

ganz eigene Weise betreffen – es sind globale Themen wie Heimat im vergangenen Jahr oder eben Friede im heurigen, die aus den unterschiedlichsten Blickwinkeln betrachtet und damit auf jeden Einzelnen heruntergebrochen werden. Mit Künstlerinnen und Künstlern aus aller Welt, aus verschiedenen Genres; Tanz, Filme, Performances, Worte entstanden aus eigenen Erfahrungen und Erlebnissen, aus denen Geschichten werden, die es wert sind, gehört zu werden. Bis 2025 hat Crepaz die Themen bereits fixiert; „Friede?“ ist der Endpunkt der letzten fünf Editionen. Die folgenden Jahre bilden weitere Bausteine, jedes Programm bedingt das andere und führt es fort. Der Faden führt über das Verhältnis von Mensch zu Maschine, das Verhältnis von Mann und Frau bis zur Natur. Die Themen sind stets aktuell und keh-

Philippe Herreweghe ist einer der wichtigsten Bach-Interpreten unserer Zeit. In seiner Arbeit mit den Passionen findet er immer wieder neue Zugänge. Am 3. April kommt im Congress Innsbruck die MatthäusPassion zur Aufführung.

ren doch immer wieder. „Bei einem Thema wie ‚Friede?‘ ist es irgendwie tragisch, dass wir darüber immer wieder sprechen und versuchen, Wege zu finden, sich aber nichts verändert“, sagt Crepaz. „Deshalb gibt es ein großes Fragezeichen: Ist Friede überhaupt möglich?“ Auch das Festival wird letztlich keine endgültige Antwort darauf geben können, muss es aber auch nicht. Vielmehr geht es darum, Denkanstöße zu geben, sich mit sich selbst und seiner Umgebung auseinanderzusetzen.


eco.kultur

© VERONIQUE VERCHEVAL

32. OSTERFESTIVAL TIROL Hannah Crepaz bringt mit ihrem Team wieder ein breites Feld an Kunst- und Kulturschaffenden nach Tirol. Mit dabei sind Größen der europäischen und außereuropäischen Kunst- und Kulturwelt wie Hopkinson Smith, Philippe Herreweghe, Kaija Saariaho, Sara Maria Sun, Johannes Maria Staud, Markus Hinterhäuser, Jérôme Bel, die Palestinian Circus School und Jamal Hashemi. Sie alle geben auf verschiedene Weise Einblicke in ihre Kulturen, zeigen, was sie selbst mit dem Thema „Friede?“ verbinden und wie ihr Leben sie geprägt hat. Teil des Festivals sind auch Passionsmusiken in unterschiedlichster Interpretation.

„Sarab“ (Fata Morgana) ist ein berührendes Nouveau-Cirque-Stück über die Not der Flüchtlinge dieser Welt: die Suche nach einem sicheren Ort, die Hoffnung auf Zuflucht und ihre Grenzen. Der britische Regisseur Paul Evans sucht und findet gemeinsam mit sieben Performerinnen und Performern der Palestinian Circus School aus Ramallah bewegend starke Bilder.

Kunst kann und soll eine Diskussion auslösen. „Kunst hat viele Freiheiten und lässt es auch zu, dass sich Menschen an ihr reiben. Kunst zeigt selten Lösungen, aber sie provoziert im positiven Sinne. Sie kann viel bewirken, doch es hängt vom Einzelnen ab, ob er sich darauf einlässt“, so Crepaz. Kunst sei wie ein Samen, der gesät wird und der sich weiterentwickelt. Das ist die Idee des Osterfestivals: die Entwicklung und Weiterführung eigener Gedanken. Kunst ist immer nur ein Vorschlag. „Das ist für mich das Spannende an der Kunst: Dass sie jeder anders sieht und wahrnimmt und wie jeder Einzelne mit diesem Erlebten umgeht. Kunst berührt und trifft jeden anders.“

del möglich? „Viele Dinge, die man geglaubt hat, in der Vergangenheit bereits aufgearbeitet zu haben, sind es in Wahrheit nicht“, glaubt Crepaz. „Es ist wichtig, immer wieder darauf hinzuweisen, dass der Friede in unserem Land nichts Selbstverständliches ist. Wir denken oft nur, in einer offenen, freien Gesellschaft zu leben, doch wir befinden uns an einer gefährlichen Schwelle zurück.“ Das Osterfestival Tirol will mit seiner internationalen Ausrichtung diese Offenheit stärken, vermeintlich Fremdem ein Gesicht geben. Crepaz: „Was man nicht kennt, vor dem hat man Angst, aber man kann es ja kennenlernen. In der Offenheit dem Anderen gegenüber © ANDREAS FRIEDLE

DAS DENKEN ÖFFNEN

Hannah Crepaz ist es wichtig, verschiedene Kulturen, Menschen und Genres miteinander zu vereinen und die Kunst als Gesamtheit zu sehen. Jede Kunstform drückt sich anders aus und bereitet dieselbe Thematik unterschiedlich auf. Jeder kann, soll und darf sich im Programm wiederfinden. Einige Künstlerinnen und Künstler begleiten das Osterfestival dabei schon seit vielen Jahren, andere sucht die Organisatorin und findet sie. Oder sie wird gefunden. „Ich freue mich über alle Veranstaltungen, da jede ein Teil des Gesamten ist. Besonders sind uner anderem die Impulslesungen und das Gespräch mit Aleida Assmann und Max Czollek“, so Crepaz. Sie sind am 1. April im Treibhaus zu Gast und setzen sich mit den Spaltungen und Spannungen innerhalb der Gesellschaft auseinander und fragen zu Recht: Ist ein Wan-

Infos und Programm unter www.osterfestival.at

„Die Kunst kann im Kleinen viel bewirken. Sie ist wie ein Samen, der gesät wird und der langsam aufgeht.“ HANNAH CREPAZ

merkt man, dass die Unterschiede meist gar nicht so groß sind und dass man oft sehr ähnliche Ziele hat, nur anders dorthin kommt.“ Manche Aufführungen gehen sehr unter die Haut, treffen mehr als andere. Der Austausch mit und zwischen den Künstlerinnen und Künstlern ist deshalb ausdrücklich erwünscht. „Oft trifft ein Stück die Zuseher besonders“, bestätigt Crepaz. Heuer wird es wahrscheinlich beim palästinensischen Zirkus so sein, bei dem es vorrangig nicht um Akrobatik geht, sondern um das Thema der Flucht. „Sarab“ zeigt die Geschichte von Hoffnung auf Zuflucht und ihre Grenzen. Die meisten zeitgenössischen Ausdrucksformen beschäftigen sich mit den aktuellen Umständen, mit Krieg und Flucht. Das ist nicht immer einfach. Aber wichtig. Das Theaterstück „It’s a good day to die“ etwa beschreibt die Ausmaße und Folgen von Krieg und zeigt, wie er Menschen verändert. Vielleicht trägt er auch ein wenig dazu bei, Flüchtlinge und ihre Hintergründe mit anderen Augen zu sehen. „Unser Publikum ist sehr neugierig und lässt sich auf das Festival ein“, beobachtet Crepaz. „Ich denke, dass der Mensch im Grunde immer neugierig ist, nur manchmal wird die Neugierde unterdrückt. Dann muss man sie wieder hervorlocken. Das Osterfestival Tirol bildet einen wunderbaren Rahmen dafür, andere Kulturen kennenzulernen und über den Tellerrand zu schauen. Unsere Gesellschaft ist sehr vielfältig. Damit sie funktioniert, braucht es eine gewisse Offenheit, und wenn man sich anderen Kulturen öffnet, heißt das nicht, dass man seine eigene dadurch verliert. Eigentlich kann man nur gewinnen.“

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MOBILITÄ 86

auto & motor www.eco-mobil.at

Weitere Testberichte, News & Infos: 

Fauch! Wildkatzen mögen ihren Hausgenossen zwar optisch ähneln, doch in Sachen Temperament gibt‘s dann doch deutliche Unterschiede. So ähnlich verhält es sich mit einem Jaguar. Optisch übt er sich mit seiner neuen, schmaleren Frontpartie und dem modifizierten Heck in eleganter Zurückhaltung, tritt man aber aufs Gas, heißt es Obacht. Der F-Type generiert aus dem neuen V8-Kompressormotor 450 PS, im Topmodell F-Typ R warten 575 davon. Beide erreichen Höchstgeschwindigkeiten von 285 km/h. Innen dominiert edle Handwerkskunst samt feinsten Materialien wie Windsor-Leder oder satiniertem Chrom. Ansonsten braucht es für den Understatement-Briten keine Worte mehr. Nur eins noch: Eingestiegen wird ab rund 75.000 Euro.

GANZ EIN HÜBSCHER Die Franzosen haben einen Urinstinkt in Sachen Stil. Das zeigen sie nun auch im neuen Peugeot 2008, der ein gänzlich neues Design verpasst bekommen hat und auch um einiges gewachsen ist. Zudem wurde er technisch komplett überarbeitet und ist nun alles im allem ein gutes Stück toller als sein Vorgänger. Die hohe Gürtellinie wirkt robust, aber nicht wuchtig, im Innenraum fällt sofort das i-Cockpit auf, das den Fahrer unterstützt und informiert, ohne abzulenken. Das City-SUV ist in vier Ausstattungsvarianten ab 22.500 Euro (Grundausstattung Active) erhältlich und ist bereits bei den Händlern. Zusätzlich zu den Verbrennern steht auch eine rein elektische Variante (ab 37.200 Euro) zur Wahl.

FÜNF-STERNE-MAXIMALERGEBNIS Seit seinem Marktdebüt im Jahr 2008 (nicht zu verwechseln mit der Modellbezeichnung des Peugeot nebenan) hat Ford über eine Million Stück von seinem Kuga verkauft. Er gehört damit neben dem Fiesta und dem Focus zu den bestverkauften Baureihen der Marke und das nicht ohne Grund. Auch die dritte Generation ist ebenso geräumig wie vernetzt und überzeugt mit angenehmem Design. Und Sicherheit. Ende des letzten Jahres hat das Ford-SUV im Referenz-Crashtest Euro NCAP mit fünf Sternen das bestmögliche Ergebnis erreicht. Erhältlich ist der Kuga nebst Benziner und Diesel als erster Ford auch mit Mild-, Voll- und Plug-in-Hybrid-Antrieb. Startpreis: 27.200 Euro (derzeit gibt‘s Aktionspreise!)


© ANDREAS FRIEDLE

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eco.mmentar

Bruno König, Motorredaktion

Das Duell Das Autojahr 2020 steht im Zeichen des Umbruchs.

EXTREMSPORTLER Die Q-Familie von Audi fühlt sich auf der Straße ebenso wohl wie im Gelände und beim Kürzel RS geht Sportfans das Herz auf. Der neue RS Q8 ist eine kraftvolle Kombi aus beidem und schafft es auch noch, dabei ziemlich elegant auszusehen. Der V8-Biturbo-Benziner ist nicht umsonst die prestigeträchtige Speerspitze der RS-Modelle. 600 PS, von null auf 100 in 3,8 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 305 km/h sprechen eine deutliche Sprache. Das tut auch der Preis: Gestartet wird bei rund 170.000 Euro, dafür gibt‘s ein selbstbewusstes Auto, das quasi auf alle Lebenslagen vorbereitet ist und immer maximale Power liefert und das bei gleichzeitig hoher Effizienz.

KNUTSCHKUGEL Er ist schon sehr süß, der neue Kleine von Honda. Und er fährt elektrisch. Auf der Vienna Autoshow hat die Marke ihren Honda e vorgestellt und damit den nächsten Schritt auf dem Weg zur Umsetzung der Electric Vision gemacht. Bis 2022 sollen nämlich in Europa alle Volumenmodelle über einen elektrifizierten Antrieb verfügen. Das neue urbane Elektro­auto kommt bis zu 220 Kilometer weit und startet in der 136-PS-Version bei 34.990 Euro. Mit dem E-Mobilitätsbonus von bis zu 3.300 Euro geht‘s runter auf 31.690 Euro.

„ I C O U L D E I T H E R WAT C H I T H A P P E N O R B E A PA R T O F I T.“ ELON MUSK

Von den drohenden Strafzahlungen an die EU getrieben, lassen Autobauer neue Elektromobile von der Leine und müssen diese auch verkaufen. Das führt in manchen Segmenten zum Duell von Elektro gegen Tradition. VW definierte sich immer über den Golf. Das könnte sich heuer ändern. Der ID.3 soll eine neue Ära im Konzern einläuten und endlich den Durchbruch in der E-Mobilität ermöglichen. Gelingt dieses Vorhaben, wird der Golf VIII keinen Nachfolger mehr bekommen. BMW schickt den vollelektrischen iX3 an den Start. Das SUV soll 440 Kilometer weit kommen und den in die Jahre gekommenen i3 unterstützen. Auch Opel und Mazda kommen – wie zahlreiche weitere Hersteller – mit Stromautos und duellieren sich hausintern mit den Verbrennern. Tesla kündigt nicht nur ein Werk in Deutschland an, sondern will mit dem Modell Y den E-Boom zusätzlich befeuern. Es wird spannend, wer das Duell für sich entscheiden kann. Anregungen und Kommentare bitte an

koenig@econova.at

G R O S S E R K L E I N E R S PA S S M A C H E R Nach zehn Jahren (ja, es sind tatsächlich schon so viele), in denen Nissan mehr als eine Million Einheiten seines kompakten Crossover-Pioniers Juke verkauft hat, ist nun die zweite Generation am Start. Seinen ebenso frechen wie polarisierenden Charakter darf der Juke behalten, doch er ist erwachsener geworden. Er bietet mehr Platz und mehr Komfort und ist das am besten vernetzte Fahrzeug, das Nissan je gebaut hat. Der 117 PS starke TurboBenzinmotor passt perfekt dazu und findet eine feine Balance aus Leistung und Effizienz. Bereits in der Einstiegsversion „Visia“ ab 19.300 Euro ist eine umfangreiche Serienausstattung mit dabei.

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Volkswagen will mit dem elektrischen ID.3 nach Käfer und Golf ein völlig neues Kapitel in der Firmengeschichte aufschlagen.

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Die (kommende) Elektromobilität ist und bleibt das Topthema in der Automobilbranche. Auf den Straßen ist davon allerdings immer noch wenig zu spüren – das könnte sich 2020 ändern. TEXT: BRUNO KÖNIG

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ieses Jahr wird sich die Elektromobilität durchsetzen. Diesen Satz haben wir in den letzten Jahren wohl alle schon öfters gehört. Und irgendwie hat man das Gefühl, es verschiebt sich vom einen aufs andere Jahr. Ähnlich verhält es sich mit dem – angekündigt rasanten – Ausbau der Ladeinfrastruktur. Klar kommen ständig neue Ladepunkte und E-Tankstellen hinzu, doch von einer flächendeckenden Versorgung sind wir immer noch meilenweit entfernt. Im abgelaufenen Jahr betrug der Anteil von Elektrofahrzeugen rund 2,75 Prozent am Gesamtmarkt. Das heißt, jedes 36. verkaufte Auto war ein Elektrofahrzeug – nahezu jedes an eine Firma, eine Gemeinde oder eine öffentliche Institution. Der Anteil der Privatkäufer ist bereits seit 2018 rückläufig. Das hat damit zu tun, dass ein Elektroauto

immer noch teuer in der Anschaffung ist, vergleichbar wenig Reichweite und demgegenüber lange Ladezeiten hat und als Gebrauchter nicht gerade ein Bestseller ist. Umgekehrt ist ein E-Auto als Firmenwagen nicht nur gut für die (grüne) Optik bei den Kunden, sondern bessert durch den Entfall des Sachbezuges von einigen hundert Euro auch den Gehalt des Nutzers auf. Eine gern gesehene Nettolohn-Zulage, staatlich gefördert – wie diverse Ankaufsprämien – und finanziert aus Steuergeldern.

ELEKTRO - UND HYBRIDFLUT

Das neue Autojahr wird spannend wie kaum eines davor. Durch die neue EU-Gesetzge-

Elektronikriese Sony geht überraschend unter die Autobauer und stellte auf der Technikmesse in Las Vegas seine Elektroautos vor.


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Tesla will in Deutschland eine Fabrik bauen und rund 7.000 Arbeitsplätze schaffen.

Der Umstieg auf E-Mobilität gefährdet laut Experten langfristig über 400.000 Arbeitsplätze.

bung in Sachen CO2-Grenze (max. 95 g CO2/ km) bekommen wir es 2020 mit einer Flut an neuen Elektroautos und Plug-in-Hybriden zu tun. Von relativ leistbaren und kompakten E-Autos wie dem Opel Corsa-e, dem Peugeot e-208 bis hin zu dem E-SUV BMW iX3 oder zahlreichen Plug-in-Hybriden gibt es eine breite Palette an elektrifizierten Fahrzeugen von nahezu jedem Hersteller. Mit Spannung erwartet wird vor allem die Markteinführung des VW ID.3. Der von Grund auf neu entwickelte Elektrowagen des Volkswagen-Konzerns soll nach dem Käfer und dem Golf das nächste große Kapitel in der Firmengeschichte aufschlagen. Vom Erfolg des ID.3 hängt auch ab, ob der brandneue Golf VIII – das meistverkaufte Auto der letzten Jahrzehnte – überhaupt noch einen Nachfolger bekommt.

Darüber hinaus wollen jetzt die Chinesen ihre E-Autos endlich auch in Europa an die Frau und den Mann bringen. Neue Hersteller wie Sony oder Dyson werden am Markt auftauchen und Elektropionier Tesla möchte in Deutschland ein neues Werk errichten, in dem 500.000 Fahrzeuge pro Jahr gebaut werden sollen.

UMSTIEG GEFÄHRDET ARBEITSPLÄTZE

Auch wenn Tesla mit der neuen Fabrik in Deutschland rund 7.000 Arbeitsplätze schaffen will, gefährdet der Umstieg auf die Elektromobilität laut Experten langfristig mehr als 400.000 Arbeitsplätze in der Branche. Wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Hersteller in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Import-

bedarf für Batteriezellen und E-Fahrzeuge weiter steigere, wäre bis 2030 mit einem massiven Beschäftigungsrückgang zu rechnen, heißt es in einem Bericht der Plattform Zukunft der Mobilität. Davon betroffen wären auch zahlreiche Zulieferbetriebe in Österreich. Derweil bewerfen sich Gegner und Befürworter der Verbrenner mit ständig neuen Testergebnissen, wie sauber oder eben nicht sauber die neuesten Motorengenerationen noch immer wären. Aber auch die Versicherer machen sich aktuell Gedanken über neue Kaskotarife bei E-Autos. Das gehäufte Abfackeln samt Entsorgungsfiasko eines bestimmten Herstellers verursacht unerwartet hohe Kosten, weshalb eifrig an angepassten Prämienmodellen nachgerechnet wird.

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UMFRAGE Selbstfahrende Fahrzeuge sollen künftig Unfälle und Staus vermeiden, die Umwelt schonen und den Fahrern ermöglichen, die Reisezeit für andere Tätigkeiten zu nutzen. Letztlich sollen damit auch Kinder, Hochbetagte und Menschen mit Behinderungen ohne Fahrer unterwegs ein können. Werden sich die erhofften Effekte einstellen? Oder kommt es stattdessen zu mehr Verkehrsbelastungen und zunehmender Zersiedlung? Die Forschung zeigt, dass dies von der Gestaltung von Angeboten, Geschäftsmodellen und der damit verbundenen Akzeptanz und Nutzung abhängen wird. Die Uni Innsbruck arbeitet zu diesem Thema im EU-Projekt „WISE-ACT“ in einem Netzwerk aus 37 Ländern.

Unterstützen Sie die Forschung, nehmen Sie unter www.tiny.cc/uibk an einer internationalen Umfrage teil und gewinnen Sie attraktive Gutscheine.

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NACHHALTIGE MOBILITÄT BRAUCHT VERHALTENSÄNDERUNG Mit dem digitalen Zeitalter und der Entwicklung neuer Technologien entstehen auch neue Möglichkeiten in der Mobilität. Die Menschen werden ihr Verhalten an die neuen Bedingungen und Möglichkeiten anpassen.

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lektroautos, mit Wasserstoff betriebene Autos, neue Konzepte zur gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen oder neue Möglichkeiten der Vernetzung im öffentlichen Verkehr werden die Mobilität verändern. Wie die Menschen darauf reagieren werden, welche Angebote sie annehmen und wie sehr sie ihr eigenes Mobilitätsverhalten anpassen und verändern müssen, ist noch unklar. „Unumstritten ist, dass sich Mobilität verändern wird. Damit Verkehr dabei auch nachhaltiger wird, muss sich das Verhalten auch entsprechend ändern, das heißt beispielsweise vermehrt Autos zu teilen, aber auch Kurzstrecken wieder zu Fuß oder mit dem Rad zurückzule-

gen“, so Markus Mailer, Professor am Institut für Infrastruktur der Universität Innsbruck. Das „Centre for Mobility Change – Zentrum für Mobilitätsverhaltensänderung“, kurz CMC, wird im Programm Mobilität der Zukunft vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (BMVIT) und der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) gefördert. Im Zentrum steht für die Expertinnen und Experten um Markus Mailer die Transformation der Mobilität. „Das CMC sammelt Wissen zu Potentialen und Herausforderungen der Mobilitätsverhaltensänderung im digitalen Zeitalter und gibt dieses an alle Akteurinnen und Akteure weiter, die mit Verkehrsproble-

men konfrontiert sind und Lösungen dazu erarbeiten und entwickeln. Damit einher geht auch die Sensibilisierung der Änderung des Verhaltens im Bereich Mobilität“, erläutert Mailer, der am Arbeitsbereich „Intelligente Verkehrssysteme“ forscht und lehrt.

MENSCHEN UND IHRE BEDÜRFNISSE

Die Menschen stehen für Mailer und sein Team immer im Zentrum ihrer Überlegungen. „Ständig kommen neue Technologien, Nutzungsmöglichkeiten von Fahrzeugen und öffentlichen Verkehrsmitteln oder neue Fahrzeuge auf den Markt. Die Erfolge der jeweiligen Produkte oder Lösungen hängen aber von vielen Faktoren ab“, verdeutlicht der


Experte. Viele Studien versuchen bereits zu modellieren, wie sehr sich der Verkehr mit dem automatisierten Fahren verändern wird. „Es hängt ganz davon ab, wie Menschen bereit sind, sich zu verhalten, sich anzupassen oder Einschränkungen in ihrer Flexibilität in Kauf zu nehmen und welche Angebote und Geschäftsmodelle sie akzeptieren. Denn auch über die Finanzierung von neuen Systemen wird noch ausführlich diskutiert“, verdeutlicht Mailer. Im CMC war es den Verantwortlichen wichtig, viel sozialwissenschaftliche Kompetenz zu bündeln, um den Fokus auf die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer zu richten. „Wir müssen versuchen, herauszufinden, wie sich das Verhalten der Menschen verändern könnte. Sollten die Menschen weiterhin Autos privat besitzen wollen, dann wird der Verkehr in Zukunft zunehmen. Konzepte der gemeinsamen Nutzung von Fahrzeugen, wie Carsharing oder Ridesharing, können vor allem im städtischen Bereich weiter an Attraktivität gewinnen.“ Im Rahmen der Arbeit am CMC möchten die Expertinnen und Experten vor allem auch auf den ländlichen Raum eingehen. Auch der Tourismusverkehr zählt zu den Schwerpunktthemen. Vor dem Hintergrund der Transfor-

© MARIAN KRÖLL

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„ E S H Ä N G T G A N Z D AV O N A B , W I E MENSCHEN BEREIT SIND, SICH ZU V E R H A LT E N , S I C H A N Z U PA S S E N ODER EINSCHR ÄNKUNGEN IN IHRER F L E X I B I L I TÄT I N K A U F Z U N E H M E N UND WELCHE ANGEBOTE UND G E S C H Ä F T S M O D E L L E S I E A K Z E P T I E R E N .“ MARKUS MAILER, PROFESSOR AM INSTITUT FÜR INF R A S T R UK T UR DER UNI V ER S I TÄT INN S B R U C K

mation der Mobilität und der Digitalisierung ist es jedenfalls wesentlich, im Bereich der Mobilitätsverhaltensänderung Wissen aufzubauen, dieses mit den Akteurinnen und Akteuren auszutauschen und an die Beteilig-

ten weiterzugeben. „Das CMC will dazu beitragen, Rahmenbedingungen und disruptive Potentiale zu identifizieren sowie die Praxiswirksamkeit themenrelevanter Forschung zu erhöhen“, so Mailer.

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NEUE BESEN KEHREN GUT

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Das Autoland ist seit kurzem in neuer Hand. Geschäftsführer David Stecher erläutert die Ausrichtung, setzt bei den Marken auf Kontinuität, in der Dienstleistung auf neue Impulse und will heuer den Anteil der Elektrofahrzeuge auf zehn Prozent heben. INTERVIEW & FOTOS: MARIAN KRÖLL

ECO.NOVA: Wie wollen Sie das Autoland künftig am Tiroler Markt positionieren, womit soll Ihr Haus assoziiert werden? DAVID STECHER: Wir legen besonders auf eine vertrauensvolle und wertschätzende Kundenbeziehung wert. Als Familienbetrieb ist uns das sehr wichtig. Das Autoland wird Peugeot-Partner Nummer eins im Einzugsgebiet Innsbruck und Innsbruck-Land. Das ist unsere erste, wichtige Mission. Jeder, der ans Autoland denkt, soll an Peugeot denken und umgekehrt. Dafür werden wir sehr viel Wert auf eine partnerschaftliche Strategie mit der Marke legen. 

Wie macht sich diese Herzlichkeit beim Kunden bemerkbar? In der qualitativ hochstehenden Dienstleistung, persönlicher Be-

treuung auf Augenhöhe und einem rundum harmonischen Service. Das ist unser Ziel. Wir sind noch nicht ganz dort. Was halten Sie an der Marke Peugeot für zugkräftig und attraktiv? Die Stärke von Peugeot zeigt sich ganz klar an der Modellpalette 2020. Wir haben die ersten reinen Elektrofahrzeuge da, etwa den e-208, ab Frühsommer auch den e-2008. Der 3008er und 508er-Hybrid runden das nachhaltige Mo-

bilitätspaket ab. Der Anspruch von Peugeot, sich weiter in Richtung obere Mittelklasse zu entwickeln, spielt uns in die Hände. Mit den Elektrofahrzeugen in dieser Preiskategorie können wir vor allem den urbanen Markt sehr gut bedienen.

Die Elektromobilität ist seit Jahren schwer angesagt. Das macht sich in den Zulassungsstatistiken erst eingeschränkt bemerkbar, kann aber noch werden. Wie

„MIT SSANGYONG RICHTEN WIR UNS AN DIE KUNDEN, DIE EINEN S TA R K E N A L L R A D B R A U C H E N .“ DAV ID S T E C HE R


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sehen Sie die Zukunft des manchmal fast als obsolet betrachteten Verbrennungsmotors? Nach wie vor hat der Verbrennungsmotor seinen Platz. Wir werden versuchen, unseren Anteil an Elektrofahrzeugen – inklusive Hybridfahrzeugen – heuer auf zehn Prozent zu heben. Wenn, dann muss das zuerst in einem urbanen Ballungsraum wie Innsbruck funktionieren. Unseren Parkplatz werden wir mit Schnellladestationen ausrüsten, die der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen werden.

Die Margen im Autohandel sind bekanntermaßen nicht gerade üppig. In welchen Bereichen muss ein modernes Autohaus gut aufgestellt sein, um Geld zu verdienen? Es geht prinzipiell darum, faire Preise zu machen und mit einem starken Team im After-Sales-Bereich zu punkten. Es ist unser Anspruch, zukünftig ein ganzheitlicher Mobilitätsanbieter zu sein. Angefangen bei individuellen, auf die jeweiligen Fahrprofile und Mobilitätsbedürfnisse der Kunden ausgerichteten Konzepten – zum Beispiel dadurch, dass der Kunde gewisse Strecken mit einem Elektroauto zurücklegt, weitere Strecken, etwa Urlaubsfahrten, mit einem Verbrenner, den wir zur Verfügung stellen. Peugeot und der PSA-Konzern entwickeln in dieser Hinsicht interessante Konzepte. Man verkauft ein Elektroauto und der Kunde bekommt über eine gewisse Wochenanzahl ein Auto mit Verbrennungsmotor zur Verfügung gestellt. An den Details wird noch gearbeitet.

Das Auto ist nicht mehr im selben Maße wie früher Statussymbol, sondern wird allgemein pragmatischer gesehen. Was heißt das für den Handel? Das stimmt. Allerdings gibt es einen Faktor, der sich nicht so schnell ändern wird: Die individuelle Mobilität ist komfortabel. Ist man an sie gewöhnt, will man sie nicht missen. Sehr wohl verändern wird sich zukünftig der Modal Split, die Aufteilung der zurückgelegten Kilometer auf verschiedene Verkehrsmittel. Man wird sich gezielter überlegen, welche Strecken man am besten mit welchem Verkehrsmittel zurücklegen kann.

Sie waren unlängst auf der Vienna Autoshow. Welche Eindrücke haben Sie von dort mitgenommen? Sehr positive. Es ist sehr viel im Laufen, vor allem in Richtung Elektromobilität. Das Minus an Neuzulassungen ist mehr oder weniger kalkuliert,

weil manche Hersteller sich dafür rüsten, die Strafzahlungen aufgrund der Flottenverbräuche in den Griff zu bekommen. Das hat dazu geführt, dass man eine weniger aggressive Zulassungsstrategie gefahren ist. Es gibt also einen strategischen, aber auch einen politischen Part. Die Stimmung war nichtsdestotrotz gut. Unser Partner SsangYong hat den neuen Tivoli dort präsentiert. Das Modell wird erwachsen. Wer ist der typische SsangYong-Kunde? SsangYong steht ganz klar unter dem Motto 4x4 und bietet bei vielen Modellen eine Differentialsperre – keine Selbstverständlichkeit. Bei SsangYong bestens aufgehoben ist der Kunde, der einen Pick-up sucht. Wir können preislich sehr interessante, gut ausgestattete und vorsteuerabzugsfähige Fahrzeuge anbieten, die auch mit guten Nutzund Anhängelasten überzeugen. Wir richten uns an die Kunden, die einen starken Allrad

brauchen. Im Pick-up-Markt ist Bewegung. Den Amarok wird es nicht mehr geben, die X-Klasse wird ebenfalls ausgephast werden, Mitsubishi hat Lieferschwierigkeiten. SsangYong stellt den Anspruch, der koreanische Mercedes zu werden. Das merkt man an der Motoren- und Getriebe-Entwicklungskooperation mit Mercedes. Wir haben ein starkes Zugpferd für dieses Kundensegment, das auf Heavy Duty setzt.

Bleibt das Autoland-Portfolio in der derzeitigen Form bestehen? Derzeit haben wir die Marken Peugeot, Citroën, SsangYong und Subaru. In Schwaz führen wir überdies einen Mercedes-Betrieb mit allem, was dazugehört: Vertrieb, KFZ-Servicewerkstätte und Unfallinstandsetzung. Das ergibt ein sehr rundes Produktportfolio. Bei uns gibt es für jeden Geschmack und jedes Bedürfnis etwas und wir sind für 2020 sehr gut aufgestellt.

„JEDER, DER ANS A U T O L A N D D E N K T, S O L L AN PEUGEOT DENKEN UND U M G E K E H R T.“ DAV ID S T E C HE R

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VERNUNFT SIEGT Wer mit dem Gedanken spielt, ein E-Auto anzuschaffen, aber noch nicht ganz davon überzeugt ist, könnte mit dem Hybrid Kona von Hyundai glücklich werden. Er bietet alles aus beiden Welten und ist ein ehrliches Vernunftangebot. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

D E R KO N A H Y B R I D VEREINT ZWEI TECHNOLOGIEN OHNE EINSCHR ÄNKUNGEN.

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ie Koreaner wissen schon, wie es geht. Erst bauten sie Autos mit üppiger Ausstattung zum Sensationspreis, dann kam gutes Design dazu und zu guter Letzt auch noch Innovation. Der kompakte Crossover Kona ist aktuell das einzige Modell, das Hyundai sowohl als Verbrenner (Benzin und Diesel), Elektro und Hybrid anbietet. Mit Letzterem waren wir jüngst unterwegs und konnten uns mit der Zwischenlösung (Benzin und Elektro) bestens anfreunden. Mit dem Hybrid hat man alles, nur keine Reichweiten-Sorge. In der Stadt ist man elektrisch und lautlos unterwegs, auf Autobahnen mit dem 105-PS-Benziner. In Summe sind gut 700 Kilometer Reichweite drinnen, der Benzinverbrauch lag während unseres Tests bei knapp unter sechs

Litern im Schnitt. Was beim Hybrid schon angenehm ist: Er braucht nicht ständig an die Steckdose. Die Batterien werden automatisch über den Verbrenner oder durch Rekuperation aufgeladen.

SANFT ZUM GASPEDAL

Ist man sanft zum Gaspedal, sind einige Kilometer am Stück rein elektrisch möglich. Der Kona kann aber auch sportlicher, wenn gewünscht. Dank Sechsgang-DSG und Schaltwippen am Lenkrad geht’s sofort in den Sportmodus und damit zu mehr Power – optimal für ein schnelles Überholmanöver zwischendurch. Wer genau wissen will, welcher Antrieb gerade am Werk ist, kann dies über die Energieflussanzeige im Mitteldisplay verfolgen. Ausstattungsmäßig ist alles an Bord, was moderne Autos bieten. Das gilt

HYUNDAI KONA HYBRID Antriebsart: Hybrid (Benzin & Elektro) Leistung: 104 kW/140 PS Drehmoment: 240 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 11,6 sec Spitze: 160 km/h Testverbrauch: 5,9 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 99 g/km Spaßfaktor: 6 von 10 Preis: ab 17.990 Euro (Hybrid ab 27.990 Euro)

ebenso für die zahlreichen Assistenzsysteme und das überzeugende Handling. Wie hoch die Treibstoffersparnis im Vergleich zu einem reinen Verbrenner ausfällt, liegt vor allem am Fahrer und seiner Fahrweise. Auf jeden Fall ist der Hybrid eine echte Alternative ohne Einschränkungen und damit eventuell Wegbereiter zum E-Auto.


VVT

DAS ÖFFI-TICKET ALS SCHLÜSSEL ZUM E-AUTO Mit „Carsharing Tirol2050“ wurde im November ein umfangreiches CarsharingAngebot für Tirol gestartet. Besitzern eines VVT Jahres-Tickets stehen an 19 Standorten rund 50 Elektrofahrzeuge zur Verfügung. Weitere Gemeinden sollen folgen.

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eit Kurzem stehen tirolweit etwa 50 Elektrofahrzeuge exklusiv für Besitzer eines VVT Jahres-Tickets Land oder Region zur Verfügung. Um das Angebot nutzen zu können, ist einzig ein Upgrading auf das Öffi-Ticket von 100 Euro sowie ein Mindestalter von 21 Jahren und der Besitz eines gültigen Führerscheins notwendig. Im Angebot sind bereits 20 Carsharing-Stunden im ganzen Land inkludiert. Für jede weitere Stunde gilt ein Fixtarif von vier Euro. Ohne Kilometerbegrenzung und weitere Gebühren. Auf Wunsch gibt’s eine kostenlose Einschulung für die E-Fahrzeuge. Die Gültigkeit der Carsharing-Card endet zeitgleich mit

der des VVT-Jahrestickets. Die E-Autos können direkt über die Apps der Betreiber floMOBIL und Beecar rund um die Uhr gebucht werden. „Carsharing Tirol2050“ wird derzeit an 19 Stationen angeboten, ein sukzessiver weiterer Ausbau des Netzes ist geplant. Die Reichweite der Autos variiert je nach Hersteller zwischen 180 und 350 Kilometer. „Mit Einbindung des Produkts ‚Carsharing Tirol2050‘ in den Ticketshop können wir unseren StammkundInnen nun zusätzlich neue Möglichkeiten der Mobilität bieten. Somit kann die ‚Last Mile‘ in vielen Regionen Tirols jetzt umweltschonend bewältigt werden“, betont VVT-Projektleiterin Alexandra Medwedeff. PR

FACTS Das Ticket kann online im VVT Ticketshop oder im KundInnencenter erworben werden. Interessierte finden weitere Informationen unter

vvt.at/carsharing.

JOB-TICKET ArbeitgeberInnen machen Ihre MitarbeiterInnen mobil und sparen dabei. vvt.at/unternehmen

VERKEHRSVERBUND TIROL GESMBH Sterzinger Straße 3 6020 Innsbruck VVT KundInnencenter Hotline T +43 (0)512 56 16 16 F +43 (0)512 56 16 16 22 www.vvt.at | info@vvt.at Herausgeber & Text: Verkehrsverbund Tirol GesmbH. Foto: ©Tirol Werbung/Jenewein Markus. Stand: 2020

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eco.mobil

DER CROS S OVER XCEED IS T DA S VIERTE MODELL DER KIA-CEED-BAUREIHE.

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CROSSOVER MIT X Die Kia-Ceed-Familie wächst und wächst. Neben Hatchback, Kombi und dem im vergangenen Jahr eingeführten ProCeed kam kürzlich der XCeed dazu und will das Segment der Crossover neu aufmischen. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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it seiner Größe reiht sich der fesche XCeed ziemlich genau zwischen dem Ceed-Hatchback und dem kompakten SUV-Modell Sportage ein. Mit diesen Außenmaßen zeigt sich der Crossover praktisch, sehr geräumig und steht ziemlich mächtig auf seinen 18-Zoll-Rädern. Durch die vier Zentimeter höher montierten Sitze fällt der Einstieg in den XCeed besonders leicht. Die Übersicht ist damit zwar nicht auf dem Niveau des Sportage, fällt aber deutlich besser aus als in den anderen Ceed-Modellen. Kleiner Wermutstropfen: Allradantrieb gibt es auch für den Crossover keinen. Der 204-PS-Vierzylinder-Benzinmotor in unserem Testwagen leitet seine Kraft über ein siebengängiges Doppelkupplungsgetriebe auf die Vorderräder. Die Fahrleistungen, der bullige Durchzug und die kultivierte

Laufruhe überzeugen. Neben einer verbesserten Geräuschdämmung des Unterbodens modifizierte Kia auch den Auspuff.

KIA XCEED PLATIN 1.6 T-GDI Antriebsart: 1,6-Liter-Benziner Leistung: 150 kW/204 PS Drehmoment: 265 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 7,5 sec Spitze: 220 km/h Testverbrauch: 7,8 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 160 g/km Spaßfaktor: 7 von 10 Preis: ab 22.490 Euro

KOMFORTABEL UND SPORTLICH

Das Fahrwerk präsentierte sich während unseres Testlaufes überaus komfortabel, gefiel aber auch in flott gefahrenen Kurven mit einer gewissen Note Sportlichkeit. Ebenso beeindruckend das Platzangebot im Innenraum, fünf Personen finden ausreichend Platz, das Kofferraumvolumen liegt mit bis zu 1.378 Litern sogar über dem Niveau des Fünftürers. Hingegen zeigt sich der Innenraum kaum verändert zu seinen Modellbrüdern und punktet mit viel Ausstattung und hoher Qualitätsanmutung. Der Bildschirm fällt etwas größer aus (10,25 Zoll), lässt sich gut ablesen und bietet beachtliche sieben Jahre kostenloses Kartenupdate.

Zur Auswahl stehen vier unterschiedliche Ausstattungen, drei Benzinvarianten und zwei Dieselmotoren. Die Preise starten bei moderaten 22.490 Euro für den 1,0-Liter-Dreizylinder in der Ausstattungslinie Titan und mit sieben Jahren Garantie.


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eco.mobil

GEHT WIE EINE 1 BMW hat den 1er erneuert und noch sportlicher auf die Räder gestellt. Die Baureihe gipfelt mit dem Topmodell M 135i xDrive, welches mit 306 PS und Allradantrieb für beachtliche Fahrleistungen und jede Menge Fahrspaß sorgt. TEXT & FOTOS: BRUNO KÖNIG

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um einen wurde der „Einstiegs-BMW“ nicht nur sportlicher und sicherer, sondern auch deutlich hochwertiger. Die große Doppelniere prangt jetzt noch selbstbewusster an der Front, die fließende Silhouette und der völlig neu interpretierte Hofmeister-Knick heben den 1er optisch von der Masse ab. Die Fahrzeuglänge ließ BMW nahezu unangetastet, einzig in Breite und Höhe ist der 1er geringfügig gewachsen – das schafft mehr Raum für die Insassen. Beeindruckend zeigt sich dabei der Auftritt des Topmodells 135i, das mit 306 PS und xDrive-Allradantrieb fahrdynamisch die Benchmark legt. Der hochdrehende 4-Zylinder-Turbomotor liefert bis zu 450 Nm Drehmoment, packt in jeder Lebenslage kräftig an und beschleunigt den 135ix in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100. Wer die Qualitäten des Fahrwerks ohne elektronische Unterstützung erleben will, kann die Stabilitätskontrolle teilweise deaktivieren oder komplett abschalten.

MEHR LUXUS, MEHR PLATZ

„Alles für die Fahrfreude“, betont BMW, und das hat beim Innenraum ebenso seine Gültigkeit: hochwertige Materialien, ergonomisch optimierte Ausstattungen und zukunftsweisende Technologien. Die Sitze sind eine Wucht und halten einen auch in sehr schnell gefahrenen Kurven fest in der Schale. Erweitert hat BMW die Palette der Assistenzsysteme, wobei besonders die Rückfahrautomatik zu erwähnen ist, die auf Knopfdruck die zuletzt gefahrenen 50 Meter in entgegengesetzter Richtung ohne Lenkeingriff millimetergenau zurückspult. Überhaupt bietet der neue 1er die totale Vernetzung, bis hin zur Möglichkeit, das Smartphone als Autoschlüssel zu verwenden. Die 1er-Baureihe startet mit dem 118i bei 28.900 Euro. Für das Spitzenmodell M 135i xDrive werden mindestens 55.300 Euro fällig.

Sportlich und dynamisch: BMW M135i xDrive

BMW M 135I XDRIVE Antriebsart: 2,0-Liter-Benziner Leistung: 225 kW/306 PS Drehmoment: 450 Nm Beschleunigung: 0–100 km/h: 4,8 sec Spitze: 250 km/h Testverbrauch: 8,1 Liter/100 km CO2 -Ausstoß: 176 g/km Spaßfaktor: 9 von 10 Preis: ab 28.900 Euro


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MO AKT BIL UEL L

NEUES AUS DER AUTOBRANCHE

ERFOLGREICHER LÜCKENSCHLUSS

Billy Keller, Walter Bernabe, Hansjörg Kathrein, Peter Raffelsberger, Daniel Struggl und Michael Mayr (v. l.)

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M O B I L I TÄT S L Ö S U N G FÜR DEN GUTEN ZWECK Der Autopark und das Rote Kreuz freuen sich über eine erneute Allianz mit der Übergabe eines speziell umgebauten Ford Transit Custom. Im Rahmen der Initiative „Grias enk“ wird das Fahrzeug schwerpunktmäßig für Zubringerdienste von Klientinnen und Klienten des Sozial- und Gesundheitssprengels Telfs und Umgebung vom ehrenamtlichen Team „Betreuter Fahrdienst“ des Roten Kreuzes Telfs verwendet. „Wir sind als Autopark sehr stolz darauf, dem unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen Menschen unseres Landes und damit auch den betreuten Personen mit diesem Fahrzeug eine wertvolle Unterstützung bieten zu können“, erklärt Autopark-Inhaber Michael Mayr mit Freude.

Auto-Linser ist neuer Kia-Partner in Innsbruck und in Buch bei Jenbach. Damit deckt das Traditionsunternehmen den Bereich Innsbruck Stadt und östlich inklusive des Bezirks Schwaz als Handels- und Werkstattpartner für die Marke gut ab. Das Familienunternehmen blickt auf über 100 Jahre Expertise im Automobilgeschäft zurück. Zuletzt wurde 2018 in der Haller Straße im Osten Innsbrucks in einen großzügigen Schauraum und eine topmoderne Werkstatt investiert. Heute wird die Firma in vierter Generation von Eduard und Dorothea Linser geleitet: „Wir waren auf der Suche nach einer zweiten Marke, um unsere Angebotspalette zu erweitern und um Schwankungen, denen man mit nur einer Marke unterliegt, abzufangen.“ Dorothea Linser begründet die Entscheidung für Kia so: „Wir wollten auch eine Marke, die unser bisheriges Angebot ergänzt, und mit Kia haben wir dann schlussendlich eine Marke gefunden, die unsere Anforderungen bestens erfüllt.“ Als gut gerüstet für die Zukunft sieht auch Eduard Linser die koreanische Marke: „Bei alternativen Antrieben ist Kia ganz vorne dabei, Allradkompetenz, ein gutes Preis-Wert-Verhältnis und die europäische Produktion haben uns ebenso überzeugt wie die sieben Jahre Herstellergarantie.“ Für das Autohaus ist die Marke Kia indes nicht ganz neu. Bereits bis 2014 war Auto Linser Kia-Partner. So können einige Mitarbeiter bereits Erfahrungen mit der Marke aufweisen. Hannes Brandacher, Betriebsleiter in Buch bei Jenbach, blickt optimistisch in die Zukunft mit Kia. „Es freut uns auch, dass unser Eindruck vom Kia-Team durch den Sieg beim Händler-Radar 2019 bestätigt wurde. Somit haben wir mit Kia eine Marke gefunden, die Zukunft hat und gut zu uns passt. Wir freuen uns jedenfalls auf eine gute künftige Zusammenarbeit.“

Doris und Eduard Linser (re.) mit Werner Konrad und Hannes Brandacher

PORSCHE GIBT STROM Porsche erweitert seine Modellpalette und setzt mit dem Taycan voll auf Strom. Porsche Innsbruck präsentierte den brandneuen Sportwagen kürzlich im Congresspark Igls erstmalig der Öffentlichkeit. Das Interesse war enorm. An die 400 Gäste konnten Porsche-InnsbruckGeschäftsführer Gerhard Mairhofer und sein Team begrüßen. Der Taycan soll – so Porsche-Chef Oliver Blume – Faszination und Emotion in die Elektromobilität bringen. Melanie Grüll und Porsche-Innsbruck-Geschäftsführer Gerhard Mairhofer präsentierten den neuen Taycan.


eco.mobil

DER KLASSIKER Der Subaru Forester ist der SUV-Klassiker schlechthin. Er bleibt seinem Erfolgskonzept seit mehr als zwei Jahrzehnten treu und vereint die robuste Anmutung eines Geländegängers, der sowohl auf der Straße als auch abseits eine gute Figur macht.

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it einer Bodenfreiheit von 220 Millimetern, großen Böschungs- und Rampenwinkeln und dem permanenten Allradantrieb Symmetrical AWD bringt er für jeden Untergrund die besten Voraussetzungen mit. Der Klassiker zeigt sich auf der Straße komfortabel und sicher wie nie zuvor. Erstmals ist das preisgekrönte Fahrerassistenzsystem „EyeSight“ im Forester serienmäßig mit an Bord. Zusätzliche Sicherheit bieten eine Kamera im Außenspiegel sowie ein Spurwechsel- und Querverkehrassistent. Diese Neuerungen verbessern die Funktionalität und Alltagstauglichkeit des sportlich-robusten Forester nochmals und machen ihn so zum perfekten Begleiter für die ganze Familie. Alle wichtigen Informationen liefert ein hochauflösendes, sieben Zoll großes Multifunktionsdisplay im oberen Zentrum der Mittelkonsole. In Verbindung mit dem Info-

Der SUV-Klassiker von Subaru ist ab sofort als Forester e-Boxer zu haben.

tainment-System Subaru Starlink lässt sich auch das Smartphone ins Fahrzeug einbinden. Die Steuerung erfolgt wahlweise direkt über den Touchscreen, per Steuerung am Lenkrad oder Sprachbefehl. Der Forester wird mit einem überarbeiteten und optimierten, freisaugen-

den Vierzylinder-Boxer-Benzinmotor mit Zwei-Liter-Hubraum und 150 PS angeboten. Dessen Kraft überträgt das bekannte Lineartronic-Automatikgetriebe auf die Straße. Ab sofort ist der Forester als e-Boxer mit zusätzlichem E-Motor zu haben. Die Preise beginnen bei 36.990 Euro. www.kia.com

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LIFESTYL

genuss & trends

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Organisch gewachsen Seit den Anfängen von QWSTION im Jahr 2008 hat das Unternehmen mit Hauptsitz in Seefeld nach Antworten gesucht, um aus erneuerbaren Ressourcen Taschen herzustellen, die ebenso funktional wie umweltfreundlich sind. Gleichzeitig wird Nachhaltigkeit nicht als Luxusproblem verstanden, sondern als Thema, das uns alle angeht. Nach einigen Jahren Entwicklungsarbeit präsentierte QWSTION Ende 2018 Bananatex®, eine rein pflanzliche Alternative zu den Plastikgeweben, die heutzutage den Markt für Taschen und andere Outdoor-Applikationen dominieren. Das wasserdichte und langlebige Gewebe besteht aus nachhaltig angebauten Bananenpflanzenfasern und ist vollständig biologisch abbaubar. Ende 2019 wurde das Sortiment um die „Minimal Collection“ erweitert: Die kleine Hip Poch, den mittelgroßen Zip Pack (im Bild, 275 Euro) und den auf bis zu 25 Liter expandierbaren Roll Pack gibt‘s in je drei Farbvarianten. Alle drei Produkte sind im Design konsequent auf das Bananatex®-Material abgestimmt, mit Schnittmustern, die den Verschnitt minimieren. Am Ende ihres Taschenlebens ist der Stoff zu 100 Prozent biologisch abbaubar und die Metallteile können recycelt werden. www.qwstion.com


eco.life

BUCHTIPP

Vom Tal bis zum Gipfel

THE GREEN LIFE

Vom traditionellen Gasthaus über das erste Pop-up-Hotel der Alpen zum modernen, kunstvollen Klassiker: Im Sommer 2016 übernahmen Silvia Gschösser und Markus Rist den Zillertaler Grillhof. Bevor sie ihn aber komplett umbauten, durchlief das Haus eine Art Testphase und diese hatte einen Namen: Pop Down Hotel. Von Dezember 2017 bis April 2019 hatten Gäste die Möglichkeit, Teil eines einzigartigen Projektes und einer temporären Hotellandschaft zu sein. Nach eineinhalb Jahren Pop-up-Hotel und acht Monaten Umbau war es kürzlich so weit und aus dem „Pop Down Hotel ‟ wurde das „Mari Pop Hotel ‟, aus „stay a while‟ ein „stay forever‟. Das familiengeführte Haus beherbergt insgesamt 45 Zimmer, ein Café/Restaurant, einen Co-Working- und Eventspace sowie ein Rooftop- und Family-Spa. Die Preise beginnen bei 105 Euro pro Person im Doppelzimmer. www.maripop.at

Marion Hellweg, Prestel Verlag, 224 Seiten, EUR 26,00. Nachhaltig, natürlich und plastikfrei – das ist der neue grüne Lebensstil. Wohnexpertin Marion Hellweg zeigt, wie man sich mit einfachen Mitteln ein schönes Zuhause schaffen kann, das ganz im Einklang mit der Natur steht. Dazu enthüllen internationale Designer Konzepte für einen achtsamen Umgang mit der Umwelt und bewussten Konsum.

SCHON SCHÖN

PRAKTISCH Christian und Mirjam Griesser wollen die Mittagspause gesünder gestalten und haben unter dem Namen All4Lunch Edelstahl-Warmhalteboxen im Angebot, die genau das machen, was der Name verspricht: Sie halten das Befüllte bis zu zehn Stunden warm (siehe eco.nova Feber 2019). So kann man im Büro frisches Selbstgekochtes ohne extra Aufwärmen genießen. Dazu gibt's eine passende Isolierflasche und neuerdings auch einen Coffee-to-go-Becher, der Kaffee und Tee bis zu sechs Stunden warm hält und so dicht ist, dass man ihn auch samt Getränk in die Handtasche packen kann. Wir habens ausprobiert – klappt! Das ist super für die Umwelt und in manchen Coffee-to-goShops gibt's sogar Rabatt, wenn man seinen eigenen Behälter mitbringt. Die Trinköffnung lässt sich außerdem mit einer Hand aufklappen, das ist vor allem beim Autofahren fein, weil man immer eine Hand am Lenkrad hat. Becher: 14,90 Euro. www.all4lunch.at

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Fast schon routinemäßig hat die SkiWelt Söll Anfang Dezember ihren Winterbetrieb hochgefahren und neben dem Tagesskilauf auch Österreichs größtes Nachtskiangebot sowie zwei durchgehend beleuchtete Rodelbahnen in Betrieb genommen. Alles andere als Routine ist hingegen der Bau einer hochmodernen neuen Gondelbahn nach Hochsöll. Kürzlich gewährten die Bergbahnen Söll erstmals einen Blick auf die Architektur der neuen Talstation. Entworfen vom Innsbrucker Büro i-Unit Architekten präsentieren Volker Miklautz und sein Team einen in seiner Formsprache richtungsweisenden Seilbahnhof, der trotz seiner immensen Größe von 1.500 Quadratmetern optisch leicht wirkt. Ab 11. Juli 2020 soll die neue Hexenwasser-10er-Gondelbahn offiziell in Betrieb gehen.

REDEWENDUNG DER AUSGABE: ALLE REGISTER ZIEHEN alles Mögliche tun, um etwas zu erreichen, alle Chancen nutzen, nichts unversucht lassen Herkunft: „Alle Register ziehen“ stammt nicht aus dem Bürobedarf, wie man denken könnte, sondern kommt aus dem Musikbereich: In einer Orgel bezeichnet man ähnlich klingende Pfeifengruppen mit charakteristischer Klangfärbung als Register. Je mehr Register der Organist zieht, desto voluminöser und großartiger klingt sein Spiel.

© BERGBAHNEN SÖLL

HLUNG EMPFE R DE TION REDAK


eco.life

© IDM SÜDTIROL/ALEX FILZ

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FERMENTIEREN Das Fermentieren ist ein uralter Vorgang, der bei der Produktion von Wein und Käse angewendet wird. Doch auch zahlreiche Spitzenköche wie Mattia Baroni (La Fuga im Hotel Bad Schörgau, Sarntal), Claudio Melis (In Viaggio, Bozen) und Danilo d’Ambra (Johnson & Dipoli, Egna/ Neumarkt) bedienen sich mehr und mehr dieser Technik und kreieren so in der modernen Gastronomie wahre Geschmackserlebnisse. Der nachhaltige Umgang mit Lebensmitteln wird garantiert, denn durch das Fermentieren entsteht beinahe kein Abfall mehr.


DER NEUE TREND ZU ALTEN METHODEN Das Thema Nachhaltigkeit bekommt oft und gerne ein grünes Strickjäckchen umgeworfen. Der Anstrich ist bieder, dessen Vertreter mit erhobenem Zeigefinger belehrend. Vor allem in der Gastronomie ist Nachhaltigkeit jedoch die ursprünglichste Form des Handelns. Südtirol macht’s vor.

© DANIEL TÖCHTERLE

© IDM SÜDTIROL/DAMIAN PERTOLL

eco.life

Sternekoch Norbert Niederkofler

REDAKTION: MARINA BERNARDI

NACHHALTIGE RESTAURANTTIPPS:

SELCHEN UND RÄUCHERN Der Südtiroler Speck entwickelte sich aus der Notwendigkeit heraus, Fleisch das ganze Jahr über haltbar zu machen. In mediterranen Ländern wird der Schinken durch das Trocknen an der frischen Luft auf eine lange Lagerung vorbereitet, wohingegen das Fleisch nördlich der Alpen geräuchert wird. Eine Kombination aus beiden Methoden ermöglicht es den Südtirolern, das Klima der Region optimal zu nutzen und so den Speck zu produzieren, der auch die europäische Ursprungsbezeichnung g.g.A. bekommen hat.

„Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde.“ HANS JONAS „DAS PRINZIP VERANTWORTUNG“

© JESSICA GITZL

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n Südtirol spielt Nachhaltigkeit schon lange eine wichtige Rolle, denn die strengen Winter machten es seit jeher zu einer Selbstverständlichkeit, im Einklang mit der Natur zu leben. Was im Frühling gepflanzt wurde, im Sommer wuchs und im Herbst geerntet oder geschlachtet wurde, diente dazu, das Überleben in der kalten und kargen Jahreszeit zu sichern. Alles wurde verarbeitet und haltbar gemacht, damit es zu einem späteren Zeitpunkt noch genießbar war. Fleisch wurde geselcht und geräuchert, das Brot getrocknet und Gemüse im Erdboden eingegraben und so über viele Monate haltbar gemacht. Viele (sternengekrönte) Südtiroler Köche lassen die alten Konservierungsverfahren in der modernen Gastronomie wieder aufleben.

Insgesamt gilt Südtirol als kulinarischer Hotspot. Mit insgesamt 25 Sternen des neuesten Guide Michelin 2020 stellen unsere südlichen Nachbarn ihr enormes gastronomisches Können unter Beweis und räumen mit 98 haubengekränten Lokalen auch beim Gault&Millau ab. Ein absoluter Vorreiter der Nachhaltigkeit ist dabei ohne Zweifel Norbert Niederkofler (St. Hubertus im Rosa Alpina, St. Kassian in Abtei), der bereits drei Michelin-Sterne erhalten hat. Das Hauptaugenmerk seiner Küche liegt auf Regionalität und kurzen Kreisläufen der Natur. Auch zwei neue Restaurants haben sich aktuell ganz dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben: das b.local in Bruneck und die Blaue Traube in Algund, deren Motto „radikal lokal“ wohl alles aussagt.

Nachhaltig und gut: das Essen im b.local in Bruneck

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© IDM SÜDTIROL/DAMIAN PERTOLL

eco.life

TROCKNEN Brot wurde früher nur zwei bis drei Mal im Jahr gebacken, anschließend in luftiger Höhe in eigens angefertigten Holzgestellen aufbewahrt und über die kommenden Monate hinweg verzehrt. Mit Suppe, Wasser oder Milch wurde es wieder weich und essbar. Jeder Hof hatte seine eigenen Rezepte. Das wohl älteste ist jenes des „Vinschger Urpaarl“, das auch zu den Presidi Slow Food gehört.

REZEPTTIPP: KABELJAU in Südtiroler Speck mit Zitronenkartoffeln vom Blech für 4 Personen

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SALZEN Vor allem Kraut wird gerne durch die Zugabe von Salz konserviert. Direkt nach der Ernte werden die Kohlköpfe mit etwas Salz versehen, um den Gärungsprozess in Gang zu setzen. Nach rund zwei bis acht Wochen wird der Kohl zu wohlschmeckendem Sauerkraut. Der landwirtschaftliche Betrieb der Familie Lechner aus Laas im Vinschgau ist der einzige größere Sauerkraut-Hersteller aus Südtirol und produziert das bekannte Vinschger Bauern Sauerkraut. Eine wahre Rarität ist das Rübenkraut, das ursprünglich aus dem Pustertal und dem Sarntal stammt. Dazu verwendet man weiß-violette Rüben, die im Pustertal gerieben und im Sarntal sowie am Ritten gehobelt werden. Durch die Zugabe von Salz beginnt der Konservierungsprozess, der das Kraut lange haltbar macht.

NATURKÜHLUNG

© WELLNESS HOTEL ENGEL

Theodor Falser und Michael Pfeifer

Schon bevor Kühlschränke erfunden wurden, wussten sich Bauern zu helfen und gruben das Gemüse über die Wintermonate einfach in die kalte Erde ein oder lagerten es, mit Sand bedeckt, im Keller. In Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Bauern Michael Pfeifer vom Eisathhof lässt der Sternekoch Theodor Falser (Johannesstube im Hotel Engel, Welschnofen) diese traditionelle Konservierungsform aufleben. Eine alte Waschmaschinentrommel wird im Herbst mit verschiedenen Gemüsesorten eingegraben. So bleiben diese frisch und können bei Bedarf im Winter wieder herausgeholt werden.

800 g Kabeljau-Loins 12 Scheiben Südtiroler Speck g.g.A. 50 g Südtiroler Speck g.g.a. am Stück 1 kg kleine Kartoffeln 3 EL Olivenöl 3 Bio-Zitronen je 1 Bund Rosmarin und Thymian 250 g Zuckerschoten 1 Bund Radieschen Salz, Pfeffer 1) O  fen auf 200 Grad (Ober- und

Unterhitze) vorheizen.

2) D  ie Kartoffeln waschen und

halbieren. Die Zitronen heiß waschen und in Scheiben schneiden. Die Kartoffeln und die Zitronenscheiben auf ein Blech geben. Mit dem Olivenöl beträufeln und mit Salz und Pfeffer würzen. Einige Zweige Thymian und Rosmarin darübergeben, dann in den vorgeheizten Ofen schieben und 10 Minuten rösten. 3) D  en Kabeljau in vier Stücke teilen, je einen Zweig Rosmarin darauflegen und mit dem Speck umwickeln. Auf das Backblech mit den Kartoffeln legen und weitere 15 Minuten backen. 4) W  ährenddessen die Zuckerschoten in kochendem Wasser blanchieren, dann eiskalt abschrecken. Die Radieschen waschen und in feine Scheiben schneiden. Den Speck fein würfeln und in einer Pfanne ohne Fett anbraten. Die Zuckerschoten und die Radieschen dazugeben und kurz durchschwenken. Mit Salz und Pfeffer würzen.


eco.life

DIE SCHÖNHEIT DES WINTERS Es wäre nicht der Arlberg, würde die exklusive Bergwelt nicht auch mit einem weißen Traum für Nicht-Skifahrer aufwarten.

Edles Wohnambiente, perfekter Service, ein exklusives SPA und ein Paradies für Gourmets gehen an dieser Adresse Hand in Hand.

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lassen Ausblicke auf die glitzernden Bergrücken oder dicken Schneeflocken zu. Exklusiv für den Zürserhof kreierte Parfümeur Dr. Josef Franz aus reinstem Quellwasser, hochalpinen Bergkräutern und Beeren eine einmalige Duftkomposition. Wohlig warme Nuancen und der verführerische Hauch von Luxus liegen in der Luft. „Mit allen Sinnen genießen“ – das bleibt im Zürserhof kein leeres Versprechen.

NACHHALTIGE WEINPARTNERSCHAFT

Zimmer ist ein Juwel für sich. Die pünktlich zum Start der Wintersaison eröffnete Z Lounge bereichert zudem die kulinarische Welt des Hotels. Mit ihr ist ein ansprechender Wohlfühlort entstanden, an dem Gäste des Hauses Weine, Spirituosen und andere Köstlichkeiten genießen können. Mit der neuen Bio-Weinlinie aus der Weinmanufaktur Clemens Strobl, die eigens für die neue Z Lounge entwickelt wurde, erwartet die Weinliebhaber dabei ein echtes Unikat. In Niederösterreich am Wagram produziert der Familienbetrieb Weine „handmade“ für Individualisten. Ein besonders gelungener Tropfen aus dem unkonventionellen Weingut wird den Feinschmeckern im Zürserhof serviert. „Keine Chemie, keine künstliche Bewässerung, keine Massenproduktion“, beschreibt Clemens Strobl seine Arbeit. Generell ist der Zürserhof eine wahre Feinschmeckeradresse. So verwöhnt hier einer der besten Küchenchefs Österreichs die Gäste kulinarisch.

Wie bereits im vergangenen Jahr wurden auch heuer wieder einige der Zimmer im Zürserhof komplett umgestaltet. Jedes neue

Das Aureus SPA im Zürserhof*****S ist wohl eines der exklusivsten und beeindruckendsten SPAs des Landes. Riesige Glasfronten

6763 Zürs am Arlberg Hnr. 75 Tel.: 05583/2513-0 hotel@zuerserhof.at

it seinen 300 Kilometern Pisten ist der Arlberg Österreichs größtes zusammenhängendes Skigebiet. Er zählt zu den weitläufigsten, abwechslungsreichsten und schneesichersten Skiregionen überhaupt. 180 Kilometer Tiefschnee- und Variantenabfahrten im freien Gelände sind außerdem der ultimative Kick für jeden begeisterten Skifahrer. Und mittendrin verwöhnt Familie Skardarasy mit exquisiter Urlaubskultur. Seit jeher ist ihr Ski- und Spa-Resort Zürserhof*****S ein Haus der Hochgenüsse und eine Welt für sich: Edles Wohnambiente, perfekter Service, ein exklusives SPA und ein Paradies für Gourmets gehen an dieser Adresse Hand in Hand. Selten haben wir uns in einem hochdekorierten Haus so wohl gefühlt wie im Zürserhof. Dies liegt ganz sicher auch daran, dass die Hausherren genau das richtige Gespür im Umgang mit ihren Gästen haben – und das schon seit Generationen.

SCHÖN ENTSPANNEN

HOTEL ZÜRSERHOF *****S

www.zuerserhof.at


eco.life

ZU ENDE GEDACHT Die meisten Magazine sind irgendwann zu Ende gelesen. Dann kann man sie entweder in den Altpapiercontainer werfen … oder weiterhin etwas Sinnvolles daraus machen. Upcycling nennt sich das heute in schön.

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KERZENHALTER

MAGAZINHOCKER

Entsprechend viele Magazinseiten heraustrennen, zusammenfalten, damit sie ein bisschen stabiler werden und zusammenkleben. Natürlich könnte man auch eine echte Kerze hineinstellen, es empfiehlt sich dann aber doch besser elektrisches Licht. Gesehen bei petras-bastelecke.de, wo man die Dinger auch schon fertig bestellen kann, das ist in diesem Fall aber nicht der Sinn der Sache.

Von manchen Magazinen kann und will man sich einfach nicht trennen. Hier unser Aufbewahrungstipp: Auf einem festen Untergrund (Holzbrett) übereinanderstapeln, Polster drauf, Gürtelschlaufe drumrum und schon hat man einen feinen Hocker. Utensilien dafür findet man sicherlich irgendwo zu Hause, die Idee dafür haben wir uns bei connox abgeschaut.

BEISTELLTISCH

BLUMENÜBERTOPF

Kunstvoll zusammengerollt und entsprechend drapiert werden alte Magazine zum robusten Beistelltisch, auf dem man – wenn man mag – auch sitzen kann. Quelle: Pinterest/Recyclart, wo es noch viele weitere Do-it-yourself-Tipps für alles Mögliche gibt.

Mit ein bisschen Geschick lässt sich aus alten Magazinseiten eigentlich alles machen. Unter www.littlepeaceofme.com gibt’s etliche Ideen vom Bilderrahmen über einen Stiftehalter bis zum Übertopf für Blumen. Letzteren sollte man ordentlich auskleiden, damit das Papier nicht feucht wird.

Upcycling für Puristen: Sollte Ihr Tisch schief stehen und wackeln – einfach ein paar Magazinseiten drunterlegen und schon haben sie einen neuen Daseinszweck.


SONNENTOR

WIR LASSEN UNSERE HÜLLEN FALLEN Der Bio-Pionier SONNENTOR startet das Jahr 2020 mit einer Innovation im Bereich Verpackung. Dank verbesserter Aromaschutzbeutel für die Tees kann bei allen Schachteln die Hülle aus Holzfolie eingespart werden. Die „Enthüllung“ erspart der Umwelt rund 20.000 Kilogramm Verpackungsmaterial im Jahr.

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D

ie Verpackung unserer Produkte hat seit Beginn einen hohen Stellenwert. Ziel ist es, die wertvollen Inhaltsstoffe unserer Tees und Gewürze bestmöglich zu schützen – doch immer mit einem guten Gewissen der Umwelt gegenüber“, erklärt SONNENTOR-Gründer Johannes Gutmann. Bereits 2008 startete SONNENTOR mit dem Einsatz von Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen wie Holz in der Verpackung. Seit 2016 verstärkt ein eigener Verpackungsmanager das Team. Laufend wird nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. „Inzwischen trifft das bereits auf 70 Prozent unserer Verpackungen zu“, betont Gutmann und ergänzt: „Jetzt ist es Zeit für den nächsten Schritt: Reduktion. Durch neue innovative Verpackungen können wir tausende Kilogramm Material einsparen. Das freut uns und natürlich auch die Umwelt!“

DAS NEUE BEUTEL - SCHEMA

In den bisherigen Aufgussbeutelhüllen der Doppelkammerbeutel war ein Aromaschutz

aus Polypropylen eingearbeitet. Dieser wird ab sofort durch eine verbesserte Barriere ersetzt, die aus Holzfolie besteht. Durch den verbesserten Aromaschutz ist bei den Teeschachteln außen keine zusätzliche Verpackung mehr notwendig. Doch nicht nur hier wird Material eingespart. Dank einem dünneren Papier für die Aufgussbeutelhüllen wird der Papierverbrauch jährlich um weitere 22.000 Kilogramm reduziert. Die Farben für den Aufdruck auf die neuen Beutel sind natürlich kompostierbar.

WEITERE EINFÄLLE ZUM THEMA ABFALL

Ab sofort ist der Karton aller SONNENTOR-Schachteln aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft. Bei den Gewürzen gibt es eine zusätzliche Weiterentwicklung. Bestseller wie Kurkuma, Pfeffer und Oregano werden bereits in eine 30 Prozent dünnere Holzfolie eingepackt. Ebenfalls gibt es bei den Streudosen aus Weißblech eine Veränderung. Die Sichtfenster aus PET entfallen

bei der neuen Variante. Das spart Müll und verbessert den Produktschutz. PR

VERPACKUNGSKAMPAGNE STARTET IM FEBRUAR: „Uns ist es wichtig, unseren Fans einen transparenten Einblick in unser Tun zu geben und auch offen über die Entsorgung unserer Verpackungen zu sprechen. Aus diesem Grund starten wir im Februar einen Schwerpunkt zu diesem Thema. ‚Endlich mal eine sinnvolle Schmutzkübelkampagne‘ – so der Slogan“, so Johannes Gutmann. Ganz in diesem Zeichen gestaltet das SONNENTOR-Team auch den Auftritt bei der diesjährigen BIOFACH in Nürnberg. Die renommierte BioMesse ist der ideale Ort, um ein Statement für mehr Transparenz im Bereich Verpackung in der Lebensmittelbranche zu setzen. Alle Infos zur Verpackungsumstellung von SONNENTOR:

www.sonnentor.com/verpackung


© WETSCHER

IM GESPRÄC

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news & events

Wetscher-Innenarchitekt Patrick Klausner, Alice Wittmann (Head of Marketing, Wittmann) und Einrichtungsexperte Martin Wetscher

iDEALTOURS-Geschäftsleitung Susanne und Christof Neuhauser

B E T T- G E S C H I C H T E N

FERIENSTIMMUNG

„Neues Jahr, neues Bett“ nahm Einrichtungsexperte Martin Wetscher zum Motto und lud zum exklusiven Neujahrsempfang in die Wetscher Wohngalerien. Ein Wunderland der neuesten Traumbetten tat sich den Gästen auf. Prominenter Gast des Abends war Alice Wittmann, Repräsentantin der gleichnamigen österreichischen Polstermöbelmanufaktur. Für die Besucher gab es einiges zu sehen: Wittmann-Repräsentant Bernhard Endl etwa zeigte am „Corpus Delicti“ auf, was man sich heutzutage unter echtem Handwerk vorstellen kann. Während Handwerker Markus Schuster vor Augen aller ein Betthaupt fertigte, stand er den Gästen Rede und Antwort. Wetscher-Innenarchitekt Patrick Klausner zeigte die Entwicklungen in Sachen Schlafzimmerplanung auf.

Unter dem Motto „Reisen macht glücklich, darüber reden auch“ fand Mitte Jänner im SZentrum Schwaz das nun zweite iDEALTOURS-Reisefestival statt. Der Tiroler Reiseveranstalter freute sich über zahlreiche Besucher, die bei kulinarischen Köstlichkeiten den diesjährigen Referenten lauschten. Unter anderem begeisterten die Reisejournalisten Sabine Hoppe und Thomas Rahn mit spannenden Geschichten und lustigen Anekdoten zu ihrer Reise im Oldtimer „Paula“ durch Südostasien und Nordamerika. An den Informationsständen konnten sich die Gäste zudem Tipps zu den Urlaubshighlights und Trenddestinationen 2020 holen. Und es gab auch etwas zu gewinnen.

Das Präsidium der IV Tirol mit Landeshauptmann Günther Platter (Bildmitte): Max Kloger (Tiroler Rohre), Rainer Carqueville (Pirlo Metallverpackungen), Eduard Fröschl (Fröschl AG), Präsident Christoph Swarovski, Paul Unterweger (Unterweger Früchteküche) und Geschäftsführer Eugen Stark // Thomas Huter (Huter & Söhne), Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf und Johannes Ortner (RLB)

V E R H A LT E N P O S I T I V In seiner traditionellen Neujahrsansprache zog Industriellenpräsident Christoph Swarovski eine positive Bilanz über 2019. Trotz Auftragsrückgängen gegen Ende des Jahres sei auch der Ausblick für 2020 gut und es gebe noch ausreichende Wachstumspotentiale. „Es braucht ein starkes und geeintes Europa und eine auf die eigenen Interessen gerichtete, gemeinsame Linie etwa gegenüber den USA oder asiatischen Großstaaten wie China. Auch wir Europäer müssen unsere Politik strikter auf die eigenen Interessen ausrichten“, stellte Swarovski fest. Er wiederholte eine langjährige Forderung der Industriellenvereinigung Tirol, dass es bis zur Erlangung vergleichbarer Umwelt- und Sozialstandards und fairer Wettbewerbsbedingungen Zölle als wirtschaftspolitisches Regulativ brauche. Hier sieht Swarovski auch die Bundesregierung am richtigen Weg, die sich für die Bepreisung der importierten CO2-Belastung einsetzen will.


im.gespräch

SCHUBKRAFT

© VERBAND DER TIROLER TOURISMUSVERBÄNDE

Damit Tirol als Wirtschaftsregion seine ganze Kraft entfalten kann, braucht es zwei Dinge: Unternehmerinnen und Unternehmer mit Ideen. Und die finanzielle Schubkraft, um diese Ideen erfolgreich zu verwirklichen. Aus diesem Grund investiert die Hypo Tirol jährlich über 350 Millionen Euro in Projekte von heimischen Klein- und Mittelbetrieben und zeichnet außerdem jedes Jahr vier Vorzeigeunternehmen aus, die maßgebliche Impulse für den Wirtschaftsstandort Tirol setzen. Nun reiht sich exceet Card Austria aus Kematen in den illustren Kreis dieser Impulsgeber ein. Als Symbol für ihre unternehmerische Schaffenskraft überreichte Hypo-Vorstand Johannes Haid den Inhabern Robert Wolny und Ulrich Reutner die „aussichtsreiche Festgirlande“ – eine Skulptur des international renommierten Stahlbildhauers Alois Schild. MEHR ZU DIESER ERFOLGSGESCHICHTE AUF SEITE 43.

B F I-P R O J E K T G E G E N FA C H K R Ä F T E M A N G E L Das BFI Tirol hat 2019 das innovative Bildungsangebot „LAP-top! – Begleitung zur Lehrabschlussprüfung“ ins Leben gerufen und pilotiert. Das neue Projekt fördert und unterstützt Personen mit nichtdeutscher Erstsprache kostenlos dabei, den Lehrabschluss zu meistern, und erweist sich als wirkungsvolles Instrument gegen den Fachkräftemangel in Tirol. Das niederschwellige Angebot umfasst Beratung, Coaching, Lernbegleitung sowie Fachtutorien mit berufsspezifischen Inhalten. Aktuell werden 25 Lehrlinge aktiv beraten und gecoacht – mit steigender Tendenz. Die Nachfrage ist groß und nimmt laufend zu. Das Projekt wird im Jahr 2020 neben dem Bund auch vom Land Tirol gefördert. Sowohl die Lernbegleitung als auch die Tutorien finden vorwiegend abends statt, sodass die Teilnehmenden die Lernzeiten flexibel gestalten und an die eigene Arbeitszeit anpassen können. Der Einstieg in LAP-top! ist jederzeit möglich. Die Verweildauer und das Ausmaß der Teilnahme sind individuell und richten sich nach den Bedürfnissen des jeweiligen Teilnehmenden. Auf der Homepage gibt‘s einen entsprechenden Erklärfilm. MEHR DAZU UNTER WWW.BFI.TIROL (NEWS).

Karl Gostner, Hans Entner, Andreas Hundsbichler und Landes­ hauptmann Günther Platter

N E U E R V O R S TA N D Seit 2015 besteht der Verband der Tiroler Tourismusverbände. Nachdem Alfons Parth fünf Jahre lang die Geschicke der österreichweit einzigartigen Institution leitete, wurde in der aktuellen Vollversammlung das Führungsgremium für die nächsten Jahre bestimmt: Hans Entner, Andreas Hundsbichler und Karl Gostner wurden von den Obleuten der Tiroler TVBs einstimmig gewählt. Franz Tschiderer soll dem Vorstand weiterhin als kooptiertes Mitglied zur Seite stehen.

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© MARIAN KRÖLL

im.gespräch

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© CHORNIC-PICTURES, PATRICIA BAGIENSKI

MEHR DAZU IN DER KOMMENDEN ARCHITEKTUR-AUSGABE.

Anita Singer (Geschäftsführerin der Tiroler Krebshilfe), Susanne Auer (Vertriebsleitung Baguette), Mathias Mölk, Romana Moser und Dijana Todorovic (Bäckerei Therese Mölk)

THINK PINK! Bereits zum dritten Mal stand der Oktober bei Therese Mölk und Ba­guette ganz im Zeichen der Brustkrebshilfe. Durch verschiedene Aktionen (u. a. pink eingefärbte Brotsackerln und Brotverkauf für den guten Zweck) wurde auf das Thema Brustkrebs sowie die Wichtigkeit der Früherkennung aufmerksam gemacht und Geld für Brustkrebspatientinnen gesammelt. Bei der gelungenen Pink-Ribbon-Spendenaktion unter dem Motto „Liebe. Dein. Leben. Sorge vor.“ kamen 3.000 Euro zusammen, die kürzlich an die Österreichische Krebshilfe Tirol übergeben wurden. WWW.MPREIS.AT, WWW.PINKRIBBON.AT

© FRANZ OSS

EINE BANK ERFINDET SICH NEU Das Bankgeschäft ändert sich rasant. Die klassische Bankfiliale wird von manchen Brancheninsidern sogar komplett infrage gestellt. Nicht so bei Raiffeisen. Die Raiff­ eisen-Landesbank Tirol hat für den Umbau ihres neuen Hauptgebäudes einen ungewohnten Zugang gewählt: Die Vision ist es, neben der Revitalisierung eines in die Jahre gekommenen Gebäudes eine innovative Quartiersentwicklung zu realisieren und ein Quartier in Innsbruck Mitte zu schaffen, das allen offensteht und zum Dialog, Verweilen und Wohlfühlen einlädt. Die Entscheidung für den Entwurf des Wiener Architektenbüros Pichler & Traupmann fiel im Rahmen eines Wettbewerbs, zu dem die RLB Tirol 16 regionale, nationale und internationale Architekturbüros eingeladen hatte (15 davon haben teilgenommen). Eine Jury aus Vertretern der Stadt Innsbruck, der Architektenkammer, der Bank sowie Bauexperten entschied sich im März 2019 für zwei Finalisten, Pichler & Traupmann und Iris Reiter. Im Zuge einer weiteren Konkretisierung der beiden Projekte erhielten Pichler & Traupmann nun den Zuschlag. Diese Entscheidung bedeutet für die RLB Tirol einen wesentlichen Schritt von der Vision zum konkreten Projekt. Auf dem Areal, das aktuell fast ausschließlich als Bank genützt wird, soll ein Ort entstehen, der neben der Bank auch ein Vier-Sterne-Hotel, Gastronomie, Shops, einen neuen Art-Space und Seminar- und Veranstaltungsmöglichkeiten bieten wird. Die Gesamtkosten der Quartiersentwicklung belaufen sich auf 140 Millionen Euro. Der Startschuss der Bauarbeiten erfolgt im Juli 2020, der Abschluss des Projekts ist für 2023 geplant.

KO M M E R Z I A LR AT

I N N U N G SMEISTER

SPAR-Vorstandsdirektor Hans K. Reisch wurde der Berufstitel Kommerzialrat verliehen. Auf Grund seiner langjährigen Tätigkeit in den verschiedensten Aufgabenbereichen der SPAR Österreichischen Warenhandels-AG und seines Engagements hat er Verdienste um die Republik Österreich erworben, die nun ausgezeichnet wurden. Überreicht wurde ihm die Ehrung von Dr. Harald Mahrer, Präsident der Wirtschaftskammer.

Seit Kurzem haben die Tiroler Metalltechniker mit Christan Dollinger einen neuen Landesinnungsmeister. Der Unternehmer beschäftigt in seinem Betrieb in Volders rund 30 Mitarbeiter. In seiner neuen Funktion folgt er Johann Grisseman nach. Dollinger will unter anderem das Interesse am Beruf des Metalltechnikers stärken und Schwerpunkte im Ausbildungsbereich setzen. So soll etwa die Lehrabschlussprüfung überarbeitet werden.


© BERNHARD, BILDLMACHER/LADSTÄTTER, DIE FOTOGRAFEN, FOTODESIGN BIANCA WAGNER, BRUNNER IMAGES

im.gespräch

Balthasar Exenberger (Bezirksstellenleiter Kitzbühel), Klaus Lackner (Bezirksobmann Kitzbühel), Direktorin Evelyn Geiger-Anker, Vizepräsidentin Barbara Thaler, Präsident Christoph Walser, Landesrätin Patrizia Zoller-Frischauf, Vizepräsident Manfred Pletzer, Michael Berger (Bezirkshauptmann Kitzbühel) und Klaus Winkler (Bürgermeister Kitzbühel) // Stefan Bletzacher (Bezirksstellenleiter Schwaz), Evelyn Geiger-Anker, Martha Schultz (Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich), Martina Entner (Bezirksobfrau Schwaz), Nationalrätin Rebecca Kirchbaumer und Landeshauptmann Günther Platter

Nationalratsabgeordneter Hermann Gahr, Michael Kirchmair (Bezirkshauptmann Innsbruck Land) und Karl Ischia (Bezirksobmann Innsbruck Stadt) // Josef Huber (Bezirksobmann Imst), Juliane und Gerd Jonak mit Tochter Bernadette (Bäckerei Plattner) und Roman Polak (Agentur Polak) // Fünf Frisörinnen aus dem Bezirk Lienz: Heidi Kleinlercher, Patricia Kleinlercher, Maria Mußhauser, Judith Moosmann und Sophie Kleinlercher

Happy 2020 an die Tiroler Wirtschaft! Traditionell und bei Unternehmern sowie Vertretern der Politik gleichermaßen beliebt sind die jährlich stattfindenden Neujahrsempfänge in den Bezirksstellen der Tiroler Wirtschaftskammer. Entsprechend groß war auch heuer wieder der Andrang der Gäste und das Interesse an den Themen, die das Jahr 2020 in den jeweiligen Bezirken bestimmen werden und von Wirtschaftskammerpräsident Christoph Walser sowie den Obfrauen und Obmännern in den Bezirksstellen in diesem Rahmen präsentiert wurden. Die Stimmung war bereits beim Cocktailempfang sehr gut. Für die musikalische Umrahmung sorgte heuer das Duo „Harfonie“. Ausklingen ließ man den Abend gesellig am Buffet und mit dem einen oder anderen guten Tropfen. AB SEITE 40: CHRISTOPH WALSER IM INTERVIEW.

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© MARTIN VANDORY

© BLICKFANG PHOTOGRAPHIE

im.gespräch

KSW-Präsident Klaus Hilber, Gerhard Föger, Wirtschaftsprüfer Richard Schweis­­gut, Katharina Echerer (Linde Verlag), Steuerberater Oliver Kempf, Steuer­beraterin Andrea Hechenblaickner, Wirtschaftsprüfer Andreas Kapferer, Wirtschaftsprüfer Peter Paul Farmer, Steuerberater Peter Pülzl, Wirtschaftsprüfer Clemens Endfellner und Steuerberater Peter Helmut Schuchter

TRADITION VERPFLICHTET Auch die Kammer der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer (KSW) lud kürzlich zum traditionellen Neujahrsempfang – in die Räumlichkeiten des AC Hotel by Marriott nämlich. Der Einladung von KSW-Landespräsident Klaus Hilber folgten etliche Vertreter aus den Reihen der Politik, der Justiz, der Banken und Versicherungen und der Universität Innsbruck. Einer der Programmpunkte des Empfangs war die Buchpräsentation des ab Februar 2020 über den Linde Verlag erhältlichen Sachbuchs mit dem Titel: „Tiroler Tourismusgesetz – Kommentar zum Beitragsrecht“. Nach intensiver Erhebung der Sachlage und dem Einzelstudium belegter Fälle der Judikatur zu diesem Thema haben die Mitglieder des Tiroler Fachsenats für Steuerrecht dieses Nachschlagewerk verfasst. Am Ende des offiziellen Teils wurde das Buffet eröffnet und die Besucher des Neujahrsempfangs fanden sich zu einem geselligen Beisammensein ein.

Ende 2019 fand in den Räumlichkeiten von ATP Innsbruck ein Charityevent zugunsten des Projektes „Wasser für Pibu“ statt. Weitere Spenden sind immer gerne willkommen!

GUTES TUN! Sandra Eisner kommt aus Innsbruck, ist erfahrene Intensivkrankenschwester und Logopädin/Audiologin. Von 2015 bis 2017 arbeitete sie in Nepal und hat dort auch ihren heutigen Mann Dorchi kennengelernt. Er stammt aus einer nepalesischen Hochgebirgsregion, in der infrastrukturelle Versorgung und vor allem jene mit Wasser schwierig ist. Mit ihrer Initiative „Dagu Himalaya“ wollen die beiden helfen, die Region nachhaltig nach vorne zu entwickeln und die allgemeine Lebenssituation – vor allem Gesundheit und Bildung – zu verbessern. Gelingen soll dies durch Gesundheitserziehung sowie Projekte wie Wasserversorgung und Schulbildung. Begonnen wird im Örtchen Pibu, in dem vorerst jeder Haushalt mit Wasser versorgt werden soll. Alle Dorfbewohner helfen bei den Bauarbeiten mit, Spenden und Ingenieurleistungen dafür kommen aus Tirol. Das Dorf soll aber nur der Anfang sein. Wenn auch Sie helfen wollen: INFOS UNTER WWW.DAGU-HIMALAYA.ORG

Steuerberater Peter Pülzl, Wirtschaftskammer-Vizepräsidentin Barbara Thaler, Wirtschaftsprüfer Herbert Houf und Klaus Hilber Peter Benedetto, Christopher Kaeding, Kitzbühel-TourismusPräsidentin Signe Reisch, John Bergfeld, Christian Fink und Kitzbühel-Tourismus-Direktorin Viktoria Veider-Walser

H O C H K A R ÄT I G Rund 120 der hochkarätigsten Kniespezialisten aus 30 Nationen trafen sich kürzlich in Kitzbühel. Grund ist das ACL Study Group Meeting, das alle zwei Jahre zum Informations- und informellen Austausch ruft. Im Zentrum des Interesses stand dabei das Verständnis, die Lehre und neueste Forschung am Knie bzw. am vorderen Kreuzband. Dass die Wahl auf die Woche nach dem Hahnenkammrennen und auf Kitzbühel fiel, mag zwar im ersten Moment einleuchtend sein – vordere Kreuzbandverletzungen sind besonders im Skirennsport ein großes Thema –, betrachtet man jedoch die Gästeliste sowie die vorherigen Tagungsorte in den USA, Südafrika und Neuseeland, scheint Kitzbühel als Gastgeber doch besonders. Zu verdanken ist die heurige Wahl Gastgeber Karl Peter Benedetto, bereits seit 30 Jahren Mitglied in der ACL Study Group. Er zeichnet auch für die Organisation vor Ort verantwortlich, unter anderem für ein etwas anderes Skirennen mit integriertem kniechirurgischem Geschicklichkeitstest. Von Montag bis Donnerstag präsentieren hochkarätige Vortragende aus aller Welt in siebenminütigen Vorträgen neueste Erkenntnisse das vordere Kreuzband betreffend.


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