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Preis 4,00 Euro

Nr. 6

Magazin für Gesellschaft. Lifestyle.Politik.

SEX-TOURISMUS IN OBERFRANKEN · BELOGEN BETROGEN BEDROHT · TODESANGST BEI BASEJUMPER

Frühling 2014


Jenseits von Putz und Tapete gibt es viele aufregende Alternativen.


Carl-Brandt-Straße 4 96489 Niederfüllbach Telefon 09565-71-280 info@mein-brandt.de

Die Ausbau-Experten. Innovative Oberflächeneigenschaften und die große Auswahl an Dekoren machen unsere Innentüren zu den perfekten Türen für jedes Raumkonzept: BRANDT unterstützt Sie bei der Gestaltung Ihrer Räume und bei der Eröffnung neuer Wohnwelten. Die hier gezeigten Türen von GARANT werden im Thüringer Werk mit höchster Präzision und Qualität hergestellt. Trotz modernster Produktionstechnik geben erst die handwerkliche Arbeit und das geschulte Auge erfahrener Mitarbeiter allen Türen den letzten Schliff. Garantiert umweltverträglich: Ein bewusster Umgang mit Ressourcen ist für BRANDT selbstverständlich. Alle GARANT-Produkte z.B. dürfen das Gütesiegel »schadstoffgeprüft« der Landes Gewerbe Anstalt (LGA) tragen. Damit führt BRANDT einen der ersten Türenhersteller, der eine uneingeschränkte Umweltverträglichkeit seiner Produkte nachgewiesen hat.

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INHALT

Coburger / Das Magazin AUSGABE 6. FRÜHLING 2014 8 HÖREN. SEHEN.STAUNEN IN COBURG 11 STADTGESPRÄCH 16 64 84 94 96 97 98

DANIELA GRESCHKE

BRIEFE THEATER & KONZERT GALERIE IMPRESSUM/INTERN MONACO FRANKE AUF EIN WORT DAS LETZTE

SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN 18 Rotlichtviertel ohne Grenzen.

VAL THOERMER

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WOLFGANG NEUSTADT UND WOLFRAM HEGEN

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DAS BLÜHENDE LEBEN Fotos vom Frühling im Coburger Land.

DIE DÄMMLÜGE Hausbesitzer: belogen, betrogen und bedroht.

WOLFRAM HEGEN

COBURG HAT DIE WAHL 46 Oberbürgermeister oder -meisterin. Wer gewinnt?

WOLFRAM HEGEN PETER EINHEUSER

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FREDERIK LEBERLE

SOFTWARE-CHAMPIONS AUS COBURG Weltweit vorn: Computerspiele von CRYTEK .

TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS 58 Die Leiden mit dem feuchten Theater.

WOLFRAM HEGEN

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DANIELA GRESCHKE

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HEIDI SCHULZ-SCHEIDT VAL THOERMER

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PETER EINHEUSER

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WOLFRAM HEGEN

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EIN PAAR METER BIS ZUM TOD Base-Jumper betreiben Sport am Limit.

LEICHTE GAUMENFREUDEN Spitzenköche erzählen vom Essen.

HIER WOHNTE... Coburgs erster Immobilienspekulant

BÄLLE SUCHEN UND RAUS

Fit für den Golffrühling

LEGENDE AUF RÄDERN Der Landrover auf Coburgs Straßen.

TITEL-ILLUSTRATION. „Die Eisprinzissin geht“ Illustration von Bati Reinsbach

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AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


ADVERTORIAL

FÜR MEHR LEBENSQUALITÄT ROBERTO BAUER HERRENMODEN IN LICHTENFELS Wer zu Roberto Bauer Herrenmoden nach Lichtenfels geht, will nicht einfach nur einkaufen. Er sucht das Besondere, das Persönliche, die Beratung. Dafür steht Roberto Bauer seit fast 30 Jahren. „Wir wollen Partner unserer Kunden sein, wenn es um Kleidung geht“, sagt der gebürtige Coburger, denn „der Mensch steht im Mittelpunkt, nicht die Mode.“

Dazu beschäftigt sich Roberto Bauer intensiv mit seinen Kunden, kennt sie, oft auch persönlich, meistens über viele Jahre. „Unsere Kunden sollen sich in ihrer Kleidung wohlfühlen, erfolgreich sein, selbstbewusst“ so sein Credo.

Bauer-Oertel immer wieder unterstreichen, spiegeln sich in einem außergewöhnlichen Sortiment mit nationalen und internationalen Marken wider. Typgerechte Beratung ist garantiert, Qualität wird großgeschrieben und die Innovation gelebt.

Roberto Bauers hoher Qualitätsanspruch, sein ausgereiftes Gespür für aktuelle Trends und vor allem der Mut zur Mode, den Roberto Bauer und Sara

„Die Freiheit zur Innovation ist die Voraussetzung für das Neue“, so die Philosophie von Roberto Bauer und seiner Tochter Sara. Auf der Suche nach dem

Von links nach rechts: Christine Räder, Roberto Bauer und Sara Bauer-Oertel beim Aussuchen der neuen Kollektionen.

Besonderen fahren beide mehrmals im Jahr zu den großen Modemessen in Deutschland und Europa.

Roberto Bauer Herrenmoden im Stadttor Bamberger Straße 2 96215 Lichtenfels Öffnungszeiten Montag bis Freitag: 10.00 Uhr - 19.00 Uhr Samstag: 9.00 Uhr - 15.00 Uhr oder nach Vereinbarung

Kontakt Telefon 09571 42 55 info@robertobauer.de www.robertobaue.de

AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

Auch Maßkonfektion wird bei Roberto Bauer seit vielen Jahren sehr gepflegt. Anzug, Sacco, Hemd, Lederjacke – alles individuell „konfiguriert“. Eine Auswahl von ca. 5.000 Stoffen steht hierfür zur Verfügung. Dies alles präsentiert er in seinem Geschäft auf zwei Etagen im Stadttor in Lichtenfels. Einem Ort des Stils, der Mode und des Wohlfühlens. Nur logisch, dass die Ladenoptik zwei Mal pro Jahr neu gestaltet wird! Mit seinem Wissen, mit der Kompetenz von vielen Jahren im Modegeschäft berät Roberto Bauer auchFirmen, hält Seminare über die richtige Kleidung.

„Männer, die bewusst an ihrem Auftreten arbeiten wollen, sind bei uns genau richtig.“ Herrenmoden Roberto Bauer steht eben ganz einfach für einen unvergleichlichen Stil. Für mehr Lebensqualität. COBURGER | DAS MAGAZIN

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INHALT

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SEXTOURISMUS

Rotlichtviertel ohne Grenzen.

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DAS BLÜHENDE LEBEN

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DÄMMLÜGE

Frühlingsdufte Bilder.

Belogen, Betrogen, Bedroht.

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INHALT

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COBURG HAT DIE WAHL

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SOFTWARE-CHAMPIONS

Wieder ein Norbert?

Entwickler-Elite aus Coburg

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SCHAUSPIELER

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BASEJUMPER

Die Leiden mit dem feuchten Theater

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GAUMENFREUDEN

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HIER WOHNTE

Spitzenköche erzählen vom Essen

Ein Immobilienspekulant

Todesangst springt mit

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BÄLLE SUCHEN

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LEGENDE AUF RÄDERN

Golf ist ein Trendsport

Der unverwüstliche Landrover

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HÖREN. SEHEN. STAUNEN

HÖREN. SEHEN. STAUNEN. IN COBURG MÄRZ || APRIL || MAI

IM MÄRZ LESUNG Mann mit Silikonbrüsten Ein besonderes Experiment wagte da ein Mann, indem er ein Jahr lang in Frauenkleidern lebte, um sich des Innenlebens des anderen Geschlechts anzunehmen. Dass dabei fast seine Ehe in die Brüche gegangen ist mag nicht verwundern. Mein Mann mit Silikonbrüsten, Minikleid und Nylonstrümpfen? Keine schöne Vorstellung! Der Münchener Medienmanager und Journalist Christian Seidel liest aus seinem Buch „Die Frau in mir“ und es gelingt ein selbstkritischer Blick auf den ganzen klischeehaften Männerzirkus und das ewige Alphamännchengehabe. Am 10. März um 19 Uhr in der Stadtbücherei.

EINE ART LESUNG Dreharbeiten für Allgäu-Krimi Also eine Lesung wird das nicht werden, was Klüpfel & Kobr mit ihrer Show „Kluftinger“ da auf die Bühne des Kongresshauses am 20. März um 20 Uhr bringen. Aber saukomisch ist es, wenn zwei Bestsellerautoren aus Dunkeldeutschland (weil’s so tief drunten ist, das Allgäu) einem norddeutschen Kamerateam klar machen, wie man einen Allgäu-Krimi zu drehen hat. Kreuzkruzifix!

COMEDY Du sammeln, ich jagen Wer’s jetzt immer noch nicht geschnallt hat: Männer

sind und bleiben Jäger und Frauen sind und bleiben Sammlerinnen. Wie, bitte schön, soll denn da der gemeinsame Alltag gelingen, wenn für ihn die Welt aus scharf schießenden Fernbedienungen und rollenden Revieren samt ferngesteuerter Zentralverriegelung besteht? Sie aber allezeit ein lupenrein sauberes Badezimmer wünscht, auch ohne eine Operation am offenen Herzen zu planen? Schwierig - aber ein Muss für alle, die eine Beziehung führen, führten oder gerne führen wollen. „Caveman – Du sammeln, ich jagen“ am 21. März um 20 Uhr im Kongresshaus.

SHOW Akrobatische Schattenspiele In eine wunderbare virtuelle Welt abtauchen kann man am 27. März um 19.30 Uhr beim Schattentanztheater „Amazing Shadows“. Die Tanz- und Akrobatikshow, bei der die Künstler mit unglaublicher Präzision und nur mit Hilfe ihrer Körper Tiere, Maschinen, ganze Welten kreieren, ist ein Spektakel für die ganze Familie. So faszinierend können Schatten sein. Auf der Bühne des Kongresshauses.

COMEDY Air Amanda landet in Coburg Bauchschmerzen vor Lachen bekommen von einem Bauchredner samt moppeliger Nilpferddame. Kenner wissen, um wen es da nur gehen kann: Pierre Ruby mit seiner pfiffigen Handpuppe Amanda und dem neuen Programm „Bauchlandung“. Und weil Amanda Klatsch und Tratsch so sehr liebt, kommt sie in der 1.Klasse ihres Air Amanda Flugzeugs voll auf ihre Kosten bei der Vielzahl prominenter Gäste an Bord. Eingestiegen und los gelacht am 28. März um 20 Uhr im Kongresshaus.

Westens erzählen. Und auch wenn die Ausstellung gemeinhin nichts mit Lagerfeuerromantik und Winnetou Geschichten zu tun hat: Beim Rundgang durch Tipis und an mannshohen Bisons vorbei wird dieses Wilde-WestenGefühl doch aufkommen. Täglich bis 25.April.

KABARETT Barbie XXL Auch wenn die Magazine und der Mainstream uns etwas anderes glauben lassen wollen: knabengleiche Barbiepuppen mit Kleidergröße 0 will doch im Ernst Keiner sehen. Findet auch Daphne de Luxe in ihrem neuen Kabarettprogramm „Comedy in Hülle und Fülle“. Scharfzüngig, lebensbejahend und immer zweideutig fühlt sie den unerträglichen Kalorienzählern und Gewichtskontrolleuren in den Muckibuden auf den Zahn. Wem Barbie XXL auch lieber ist als tits on stick: Am 4.April um 20.30 Uhr im Schwarzen Bären.

KONZERTE AM STÜCK Jazzer grooven durch die Nacht Chris Jarrett, geboren in den USA und jüngerer Bruder der Jazz-Legende Keith Jarrett, Matthieu Bordenave aus Paris mit „Le Café Bleu International“, Uli Singer aus Leipzig und František Uhlíř aus Prag mit „SUPER TRIO WUH“ – sie alle waren bei der ersten Coburger Jazznacht 2013 zu Gast. Und auch dieses Jahr soll es eine Coburger Jazznacht geben. Am 5. April nämlich. Leider lagen bis Redaktionsschluss noch keine genaueren Informationen

IM APRIL AUSSTELLUNG

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© Chris Jarrett 2014

Der wilde, wilde Westen Ein wildes Stück Amerika zieht ein ins NaturkundeMuseum und nicht nur Jungenträume werden wahr zwischen „Indianern, Trappern und Bisons“, die in der neuen Sonderausstellung die Geschichte des Mittleren

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HÖREN. SEHEN. STAUNEN KONZERT Junges Orchester Da wird geblasen, gestrichen, posaunt, geflötet und getrommelt und das auf höchstem Niveau. Beim Osterkonzert des Jugendsymphonieorchesters des Bezirks Oberfranken. Am 20. April um 17 Uhr im Kongresshaus. Nur die Besten und das live und umsonst!

© Asya Fateyeva 2014

IM MAI FEST

vor. Macht nix. Der Jazz Liebhaber liebt die Improvisation. Also: Selber informieren.

Essen rund um den Brunnen Hoffentlich keine sintflutartigen Regenfälle gibt es beim Sintflutbrunnenfest im Rosengarten. Traditionsgemäß schwimmend-fischiges steht hier auf der Speisenkarte. Rund um Coburgs schönsten Brunnen kann hier vier Tage lang Forelle, Tintenfisch und Ähnliches unter hoffentlich blauem Himmel genossen werden. Vom 1. bis zum 4. Mai.

SHOPPING

SPORT

Ein Sonntag zum Geldausgeben Schon lange nicht mehr shoppen gewesen? Dann wird es Zeit, denn in der Coburger Innenstadt sind am 6.April alle Läden wieder beim verkaufsoffenen Sonntag geöffnet. Zahlreiche Aktionen machen den für Männer doch eher lästigen Ausflug erträglicher und vielleicht lässt die Frühlingssonne bis dahin schon die bunt geschmückten Osterbrunnen in gleißendem Licht erstrahlen.

Laufen im Dunkeln Die Sonne geht unter und die Lichter gehen an. Laufschuhe und wärmendes Jäckchen angezogen und los geht’s am 3. Mai ab 17.30 Uhr am Albertsplatz zum Coburger Nightrun. Zwischen illuminierten Bürgerhäusern hindurch und über stadtbekannte Plätze hinweg können Lauffreunde diesen Volkslauf zu dem machen was er sein möchte: Ein Lauf für alle. Anmeldung bei der Laufabteilung der Coburg Locals erforderlich!

KONZERT Ungewöhnliche Kombination Saxophon und Klavier? Das verspricht ein Feuerwerk an virtuosen Stücken unbekannterer Komponisten. Aber egal ob Zigeunerweisen oder Stücke aus Opern oder Ballett. Asya Fateyeva am Sopran- und Altsaxophon und Miao Huang am Klavier lassen ihre schönen Künste am 7. April um 20 Uhr im Foyer der HUK-Coburg erklingen. Sax Olé!

KABARETT Oberbayern meets Franken „G’scheid gfreid“ hat sich auch der Oberfranke, wenn eine viel versprechende oberbayerische Kabarettistin wie Martina Schwarzmann, den Leuten aufs Maul schaut und völlig unpolitisch Lacher am laufenden Band erzeugt. Am 11. April um 20 Uhr im Kongresshaus.

Foto: BMW

SEHEN UND GESEHEN WERDEN Oldies but goldies Benzin liegt in der Luft wenn der MSC Coburg am Wochenende vom 10./11. Mai sein Classic Wochenende veranstaltet. Neben der obligatorischen Veteranenfahrt durchs Coburger Land kann man am Sonntag dann all die Isettas, Käfer, R 70 und Zündapps bis Baujahr 1987 auf dem Schlossplatz bestaunen. Bisher war da immer schönstes Frühlingswetter!

deutschlands schönste plätze * besuchen sie uns in coburg * Magazin WirtschaftsWoche 18.05.2012

KONZERT © Martina Schwarzmann 2014

Geigen mal anders Musik liegt in der Luft. Machen Sie einfach mal die Fenster auf und lassen Sie einen frischen Wind herein! Kammermusik mal ganz anders mit „The Twiolins“. Einfach nur zwei Geigen und zwei Geschwister. Filmmusikartige Geschichten, jazzige Grooves und kühle Avantgarde – eine ganz eigene, faszinierende Mischung bringen Marie-Luise und Christoph Dengler zum Klingen mit „Progressive classical music“ am 12. Mai um 20 Uhr im HUK Foyer.

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ADVERTORIAL

NEUES LAND ROVER AUTOHAUS FÜR DIE STADT UND DEN LANDKREIS COBURG Mit einer großen Feier am 5. und 6. April 2014 eröffnet in Dörfles-Esbach das erste Land Rover Autohaus Deutschlands im neuen Design des britischen Traditionsunternehmens. Bereits seit September 2013 bietet das Land Rover Team im Autohaus Am Eichberg ein professionelles Verkaufs- und Serviceangebot - die Eröffnung des neuen Autohauses rundet nun den Auftritt der legendären Offroadmarke in der Region Coburg ab. Sehr zur Freude der Coburger Automobil-Enthusiasten, denn der Name Land Rover ist in der Automobilwelt Legende: Die britische Marke steht seit 60 Jahren für höchste Allradkompetenz, umfassenden Komfort und anspruchsvolle Technik. „Land Rover und Range Rover sind starke Marken die wir als regional verwurzelte Unternehmer für den gesamten Landkreis exklusiv betreuen. Dabei ist unser Anspruch hoch: Kunden sollen Vertrauen in die Marke Land Rover und in unsere Dienstleistungen „erfahren“, dazu gehört für unser Land Rover Team auch höchste Kundenzufriedenheit und beste S er v ic e qu a l it ät“, erklärt Autohausbesitzer Ralph Speyerer. Während der zweitägigen Eröffnungsfeier erwarten Besucher des neuen Land Rover Autohauses zahlreiche Unterhaltungsangebote und natürlich ein Off-Road-Parcours auf

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Ansprechpartner Verkauf: Christopher Schoenau Tel. 09561 35757142 · Fax 09561 3575719 schoenau@landrover-coburg.de

Ansprechpartner Service: Tommy Scheler-Stöhr Tel. 09561 3575710 · Fax 09561 3575719 ts@landrover-coburg.de

dem die Geländetauglichkeit der Land Rover Fahrzeuge live getestet werden kann. Gleichzeitig präsentiert sich die Traditionsmarke erstmals auch bei der Coburger Automeile. Unten: Das erste seiner Art in Deutschland: Das Land Rover Autohaus Am Eichberg im neuen Design des britischen Traditionsunternehmens.

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STADTGESPRÄCH

STADTGESPRÄCH... Die erotischen Anzüglichkeiten bei der SPDNominierungsversammlung an gleicher Stelle nahmen sich dagegen geradezu prüde aus: „Bürgermeister ist eines der ältesten Gewerbe der Welt“ witzelte OB-Kandidat Norbert Tessmer in seiner Nominierungsrede vor den Delegierten. Dass man den 60jährigen deswegen auf dem Wahlplakat sichtbar verjüngt hatte, bestreiten die Sozis vehement , auf jeden Fall aber werde er im Falle seiner Wahl den Fitnessgutschein annehmen, den er bereits zum 50. geschenkt bekommen habe, sagte Norbert II.

ins neue Jahr. Völlig enthemmt gipfelte dieser leidenschaftliche Neujahrsempfang dann in der Bitte Bauers an Söder, sich doch bei Kanzlerin Merkel für ein „Vorspiel“ seinerseits einzusetzen…Söder übrigens beklagte sich dagegen in seiner Rede über die sonst weit verbreitete Leidenschaftslosigkeit der Franken: sein Vater habe sein 1er Abitur mit den Worten kommentiert: „Na, do kamma jetzt wirklich nix sogn.“

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Das Publikum – leicht beschämt - soufflierte leise: “…und an Deiner Frau.“ Michelbach reagierte nicht leicht, sondern sichtlich beschämt: „…Ja, und natürlich an meiner Frau auch.“ Ein anderes Fettnäpfchen suchte und fand Gerhard Amend. Der EX-CSUler hatte es gewagt, als Abtrünniger die Veranstaltung seiner ehemaligen Parteifreunde zu besuchen. Das brachte CSU-Fraktionsvorsitzenden Hans-Herbert Hartan in Rage, was „dem“ wohl einfalle, hier vorbeizukommen und das (allerdings eher bescheidene) Buffet abzuräumen…dumm nur, dass die CSU selbst Amend eingeladen hatte.

Cartoon: Einheuser

Der Neujahrsempfang der Coburger CSU im großen Saal von St. Augustin war vor allem für alle Freunde der subtilen Erotik ein echter Höhepunkt. Der Coburger Konzertpianist Hans-Dieter Bauer eröffnete seinen sinnlichen Reigen mit dem „Eros“ eines russischen Komponisten, steigerte die Erregung dann noch mit einem selbstkomponierten Tango, von ihm uraufgeführt in Buenos Aires, wo der Tango ja „in Bordellen entstanden sei, dort habe ich aber noch nicht spielen dürfen.“ Gastredner Markus Söder bedankte sich sichtlich befriedigt bei Bauer für den „leidenschaftlichen“ AuftAKT

Cartoon: Einheuser

NACHSPIEL BEI SPD

Cartoon: Einheuser

VORSPIEL BEI CSU

NACHSPIEL BEI CSU

KEIN ENTSPANNTER ABEND

Da waren doch wieder einige Fettnäpfchen aufgestellt beim Neujahrsempfang der CSU – und die versammelte Politprominenz trat dann auch gerne mal mittenrein. So machte sich zunächst Hans Michelbach in seinem Plädoyer für eine Oberbürgermeisterin Dr. Birgit Weber die Sohlen schmutzig: „Was Frauen sich leisten können, sehe ich täglich…“, und jeder dachte, er spricht seine anwesende Frau an“, … an der Bundeskanzlerin.“

Nordlicht Ina Müller (Inas Nacht, NDR) ist für ihren manchmal derben Humor ja durchaus bekannt. Das ist lustig, solange man nicht selbst Opfer ihrer Ansagen wird. Das aber passierte dem Vorstand der Sparkasse Coburg – Lichtenfels, Siegfried Wölki. Der war mit seiner Lebensgefährtin zu Gast beim Konzert von Ina Müller in Bamberg. Und machte Fortsetzung auf Seite 12

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STADTGESPRÄCH Fortsetzung von Seite 11

dabei einen entscheidenden Fehler: Er saß ganz vorne. Prompt geriet er in Inas Visier, der „Siggi“, wie Ina ihn nannte. Wölki ertrug die Seitenhiebe des gesamten Abends geduldig. Und hatte sogar die Lacher auf seiner Seite: „Ich hatte mich so auf einen entspannten Abend gefreut“ sagte er, für alle sichtbar auf der überdimensionalen Videoleinwand. Ob er seinen Besuch bereut hat, ist nicht bekannt. Seiner Schaffenskraft taten die humoristischen Attacken jedenfalls keinen Abbruch: Er ist jetzt neben vielen anderen Aufgaben auch noch der neu gewählte Vorsitzende des BRK-Kreisverbandes.

STIMMENFANG Besonders schlau wollte Landrat Michael Busch sein, als das Coburger Tageblatt zu einer Umfrage aufrief: „Wer ist Ihr Favorit bei der Landratswahl in Coburg?“ hießt es auf der Homepage www.infranken. de. Neben Busch wollen ja auch Rainer Mattern von der CSU und Christoph Raabs von der ÖDP gerne Landkreischef werden. Die konnte man also bei der

Engagement im BRK: Sieg fried Wölki

APRILSCHERZ? Das Coburger Land ist nach wie vor auf der Suche nach sich selbst. Und Herr des Suchtrupps ist Regionalmanager Stefan Hinterleitner. In einer Einladung zur 3. Sitzung des Kernteams „Gemeinschaftliche Marketingaktivitäten im Coburger Land“ räumt er ein, „lange – ja eigentlich zu lange – unsere Überlegungen … bei Seite gelegt zu haben…Es fehlten einfach die zeitlichen Kapazitäten.“ Jetzt also soll es einen Workshop geben, der nach einigen weiteren Veranstaltungen darin münden soll, ob und wie ein gemeinsamer Prozess initiiert werden soll. Zu diesen Veranstaltungen gehört auch ein öffentlicher Marketingtag am 1. April…

SPIELPLAN VERZWEIFELT GESUCHT

Erwischt beim Mogeln: Michael Busch

Befragung auch anklicken oder auch die Alternativen „Der Geeignete ist nicht dabei“ und „Mir egal“. Busch rief über Facebook dazu auf, für ihn zu stimmen. Nachvollziehbar. Doch das reichte ihm nicht: Er merkte auch an, es sei auch möglich, mehrfach für ihn abzustimmen. Das brachte ihm ein negatives Feedback ein…kurze Zeit später war sein Stimmenfang entfernt.

POSITIONSWECHSEL

Ein potentieller Theatergänger aus der Region wollte sich kürzlich mal eben schnell einen Überblick über das aktuelle Programm des Landestheaters Coburg verschaffen – daraus wurde eine kleine Odyssee. Zunächst war die Homepage tot, dann der runterzuladende Spielplan vom November 2013, der Anruf im Theater endete mit dem Hinweis, ihn sich doch von der Homepage runterzuladen, eine Zusendung per Mail sei nicht möglich, man möge es doch später probieren. Ein nochmaliger Anruf klingelte nur durch, ein Anruf bei der Touristinfo endete wieder mit dem Hinweis auf die Homepage, Mailen und Faxen sei nicht möglich, nur eine Zusendung per Post. Immerhin. Die zugestellten Spielpläne waren allerdings für die falschen Monate.

Die Medienszene in der Region wird zur Zeit räumlich und personell ordentlich durchgewirbelt: Sebastian Straubel möchte seinen Radio-EINS Job gerne gegen das Bürgermeisteramt in Lautertal eintauschen, Katja Herrmann verlässt den Hofer Sender TV Oberfranken und wird Nachfolgerin von Jens Korn in der Unternehmenskommunikation von Brose in Coburg. Korn wiederum wird wohl 1. Mann seiner Heimatgemeinde Wallenfels im Landkreis Kronach. iTVCoburg ist gemeinsam mit der Mutterfirma süc//dacor GmbH umgezogen und hat sein neues Zuhause im Kreativzentrum am Schillerplatz 1 in Coburg. Dort ist ja auch schon des Coburger Designforum Oberfranken untergebracht. Und auch Radio EINS trägt sich möglicherweise mit Umzugsgedanken.

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Foto: Soupstock, Kanada 2013

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Vom FC Coburg zum FC Bayern: Jugendfussball ist erfolgreich

Hilfe für Kinder in Not: Kinderschutzbund wird 50

MIA SAN IHR

fältigen Angebote des Kinderschutzbundes werden übrigens hauptsächlich von Ehrenamtlichen getragen. Die Finanzierung erfolgt vor allem durch Beiträge und Spenden.

Vielleicht kickt ja bald ein Coburger für den FC Bayern: Der beste Club der Welt nämlich hat Interesse an Marlon Schad. Der ist zwar erst 13 Jahre jung, hat aber schon jetzt die Aufmerksamkeit der Scouts vom FC Bayern auf sich gezogen. Eine Entscheidung soll im Sommer fallen, erzählt die Mutter. Neben den Bayern wollen sich nämlich auch andere Clubs das Talent des Jungstars sichern. Der trainiert übrigens derzeit im erst wenige Jahre alten Nachwuchsleistungszentrum des FC Coburg, aus dem immer mehr junge Spieler den Sprung in Bundesliga-Nachwuchsteams schaffen.

RUNDER GEBURTSTAG 50 Jahre hat dagegen der Coburger Kinderschutzbund auf dem Buckel – und ist damit der älteste Ortsverein in Bayern. Genau am20. März 1964 schlug die Geburtsstunde der Organisation in der Vestestadt. Sie setzt sich für die körperliche, seelische, geistige und soziale Entwicklung von Kindern ein und kämpft für eine kinderfreundliche Gesellschaft. Das tun in Coburg fast 270 Mitglieder. Die viel-

GUTER ZWECK II Jad-Abi Haidar hat seine Heimat Coburg für ein halbes Jahr mit Ruanda getauscht. Weil er auf einen Studienplatz für Medizin wartet, hilft er jetzt dort als Freiwilliger in zwei Krankenhäusern mit und unterstützt den Verein Wikwiheba, der vor allem von der früheren Coburger Familie rund um den jetzigen evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm geleitet wird. Bei Wikwiheba handelt es sich um ein Projekt, das AIDS-Waisen und Waisen des Völkermords 1994 den Weg zurück in ein normales Leben ermöglichen soll. Die Kinder werden dabei mit einer täglichen warmen Mahlzeit und darüber hinaus mit der Finanzierung von Schulgeldern und -materialien unterstützt.

Wir bewegen Coburg(er).

Mit unseren Neu- und Gebrauchtwagen oder Nutzfahrzeugen von Volkswagen und anderen starken Marken kommt in der Region echt was ins Rollen.

Unsere 74-köpfige Mannschaft lebt für die gemeinsame Sache: Sie zu bewegen. Und das seit 1926. Besuchen Sie uns, wir machen Sie mobil!

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INHALT

kreativ und barrierefrei umbauen für mehr wohnkomfort

Beratung und Aufklärung auch nach medizinischen Aspekten

An erster Stelle steht die fundierte Beratung von Menschen mit und ohne Behinderung mit dem Ziel möglichst lange im eigenen Zuhause sorgenfrei zu wohnen – räumlich und medizinisch! Erst danach folgt die bauliche Planung und Umsetzung. Auch über finanzielle Zuschüsse bieten wir umfassende Beratung.

Einfacher leben Lösungen für einen barrierefreien Alltag

Ein Stück mehr Luxus Schöner Wohnen heute und morgen

Mehr Komfort durch ästhetisches und funktionales Umbauen. Auch für Menschen ohne Behinderung mit hohem Anspruch an das eigene Wohnumfeld lohnt sich die barrierefreie Gestaltung und erhält dauerhaft und sicher den Wert der Immobilie.

Barrierefreies Bauen und Wohnen bringt nicht nur für Senioren und behinderte Menschen viele Vorteile sondern stellt generell eine wichtige Investition in die Zukunft dar. Durchdachte architektonische, bauliche und sanitäre Anpassungen ermöglichen ein Leben ohne Schwellen oder Stolperkanten. Der vorhandene Wohnraum lässt sich so bis ins hohe Alter ohne Einschränkungen der Lebensqualität nutzen.

Kontakt: Tel. +49 9561 355 122 • Casimirstr. 4 • D-96450 Coburg • info@lebenstraum-coburg.de • www.lebenstraum-coburg.de

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FREIHEIT BIS INS HOHE ALTER

COBURGER TEAM HAT SICH AUF BARRIEREFREIES WOHNEN SPEZIALISIERT Leben in den eigenen vier Wänden, im eigenen Zuhause. Das hat für die meisten Menschen eine große Bedeutung. Selbständig bleiben, unabhängig sein, eigenverantwortlich handeln. Und das wenn möglich ein Leben lang. Dafür steht ein Team an Spezialisten aus Coburg, die in ganz Deutschland Häuser und Wohnungen barrierefrei umbauen. Das Team nennt sich „Lebenstraum“.

wie sie ein möglichst selbständiges Leben führen können. „Und manchmal übersetze ich dem Team an Handwerkern auch die ärztlichen Bulletins“ sagt er schmunzelnd. Der barrierefreie Umbau der eigenen vier Wände hat noch einen weiteren Vorteil: der Wert der Immobilie wird gesteigert. Die Gesellschaft wird älter, der Wunsch nach einem unabhängigen Leben in den eigenen vier Wänden bis ins hohe Alter oder trotz

Behinderung steigt, damit auch der Bedarf an entsprechendem Wohnraum. Und übrigens kann man für einen Umbau bis 2/3tel der Kosten als Zuschuss erhalten, wenn man eine Pflegestufe hat. Auch die KFW hilft mit günstigen Darlehen.

Weitere Informationen: www.lebenstraum-coburg.de

„Auslöser war damals Flo Sitzmann“ erzählt der Coburger Architekt Uli Müller, der Planer im Team. Sitzmann hatte bei einem Motorradunfall beide Beine verloren. Als „halber Mann“ hat er mittlerweile zwei Bücher geschrieben über seinen Weg zurück ins Leben. Dazu gehörte auch der Umbau seines Hauses in Darmstadt. Ausgeführt von Firmen aus Coburg, die sich als „Lebenstraum“ mittlerweile weit über die Grenzen ihrer Heimatstadt einen Namen gemacht haben. 40 Objekte haben sie schon umgebaut oder angepasst, an neue Lebenssituationen, an Behinderungen, an das Alter. „Die Leute verabschieden sich vom ganzen Team mit Tränen in den Augen, so glücklich sind sie“ erzählt Max Beyersdorf, Geschäftsführer der Baufirma Otto Hauch, der zweite im Team. „Wir schaffen für sie neue Lebensqualität.“ Die Kooperation der Fachleute hat für die Kunden dabei große Vorteile: „Oft muss es schnell gehen, da ist es gut, wenn man eingespielt ist“ sagt Uli Müller. „Wir schneidern den Maßanzug fürs häusliche Leben. Je nachdem, wer von uns gebraucht wird, ist dann mit im Boot“ ergänzt Thomas Bär aus Wiesenfeld bei Coburg, der Sanitärfachmann. Barrierefreie Bäder sind nämlich oft eines der wichtigsten Themen bei einem Umbau. Bodengleiche Duschen, Waschbecken, an die man mit dem Rollstuhl heranfahren kann, Halterungen an den Toiletten. „Es gibt auch von Herstellerseite mittlerweile nahezu für jede Anforderung eine Lösung“ so Uli Müller. Selbst körperlich Schwerstbehinderte können sich auf diese Weise selbst organisieren, z.B. über sprachgesteuerte Türen, Jalousien oder Heizungen. Teammitglied Michael Albrecht von Elektro Albrecht kümmert sich um diese Haustechnik, von einfachen Lösungen wie einer altersgerechten Beleuchtung bis hin zur kompletten Steuerung eines Hauses. Welche Lösungen im Einzelfall notwendig sind, dazu bringt Dr. Karl-Heinz Muggenthaler seine Erfahrung ein. Der Palliativmediziner berät ältere, behinderte oder kranke Menschen,

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BRIEFE

BRIEFE „NIEMALS DEN COBURGER KAUFEN“ Der Dezember 2013 kam – und mit ihm die fünfte Ausgabe von „COBURGER – DAS MAGAZIN“. Danach erreichten uns wieder zahlreiche Nachrichten unserer Leser. Außerdem haben wir aktuelle Themen der Stadt auf unserer facebook Seite (facebook.com/CoburgerMagazin) disktutiert. Wir fassen das Wichtigste zusammen und kommentieren es bei Bedarf.

LKW-Fahrer sind ein Sicherheitsrisiko. Übermüdet, ausgenutzt, immer am Rande der Legalität. Verantwortlich sind Logistikunternehmen, die von ihren Fahrern Unmögliches verlangen. Und wer da nicht mitfährt, fliegt raus. Das war das Fazit von Christiane Schult in ihrer Reportage. Dazu erreichte uns ein Leserbrief von Volker Hamann, den wir hier gerne in Auszügen wiedergeben (den gesamten Leserbrief finden Sie unter facebook.com/CoburgerMagazin): Ihr Artikel kann und darf so nicht unkommentiert stehen bleiben. Die Zeilen unterstellen einer ganzen Branche ausbeuterischen Umgang mit Ihren Mitarbeiter (Fernfahrern) und wirft ein völlig falsches Bild – mehr noch, das negativ belegte Image der Fernfahrer wird noch mehr beschädigt. Als ehemaliger Speditionsinhaber kenne ich die Branche sehr gut. Sie … haben - in Einzelfällen - Recht! Diese negativen Beispiele gibt es aber … in allen Branchen – auch bei Journalisten, Metzgern, Bäckern etc .!

(… ) Ihre Unterstellungen bringen jedoch das ganze Transportgewerbe unberechtigt in ein falsches Licht. (…) Firmenchefs halten Ihr Personal an, sich innerhalb der gesetzlichen Rahmen zu bewegen, da die Strafen und Kontrollen fast durchgängig sind. Im digitalen Tacho werden alle Daten, Fahr- und Pausenzeiten bis zu einem Jahr rückwirkend nachvollziehbar notiert … und stehen mindestens zwei Jahre allen Prüfungen der Gewerbeaufsichtsämter zur Verfügung. (…) Zudem unterstellen Sie, dass Unternehmer die Fahrerstrafen übernehmen – das ist nicht korrekt und würde bei Lohnsteuerprüfungen durch das Finanzamt auffallen. Zudem haben auch Disponenten … und die Unternehmer ein großes Interesse die gesetzlichen Rahmen einzuhalten, … bei jeder Strafe an den Fahrer erhält der Unternehmer meist die gleiche Strafe in der 2 oder 3-fachen Höhe (oftmals mehr) . Es ist nicht die Last und das Risiko des Fahrers sondern des Unternehmens! Dies verschweigt Ihr Artikel!

Foto: Val Thoermer

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Wie heißt der neue König von Coburg? Wieder Norbert? Diesmal allerdings Norbert Tessmer, SPD? Oder vielleicht doch Dr. Birgit Weber (CSU), die Merkel von Coburg? Sie musste sich im Wahlkampf ja hausintern schon mit Fraktionschef Hans-Herbert Hartan auseinandersetzen, dem Ambitionen auf das Bürgermeisteramt nachgesagt wurden (und werden.). Anne Zielosko kommentierte unsere Karikatur mit den Worten: „Hobberla, hat das Prinzenpaar neulich ned noch ganz annersch ausgschaud??“, Matthias Kirchner schrieb schlicht „Unfug!“, und Sig Simon: „Groucho Marx ist ein Idol meiner Kindheit. Ich verbitte mir, ihn so zu verunstalten.“ Das war wirklich komisch, danke. Und zu Webers Raute sagten unsere Leser und Fans: „Nur dieses Mal mit umgekehrten Vorzeichen. Die SPD kann merkeln und die CSU muss steinbrücken“ (Michael Jacob), Norbert Siegfried: „Nach dem Motto hat die SPD bereits gewonnen“, und Nickt Macht: „ Die Raute wieder, die Welt ist echt traurig.“ Auch die drei Musketiere, die für ProCoburg in den Ring steigen wollten (am Ende hat man sich ja für Jürgen Heeb entschieden), fanden

Zudem: Auch beim besten Willen, die Fahrzeitgesetze einzuhalten, müssen die Rahmenbedingungen vorhanden sein. Fahren Sie mal mit einem 40-Tonner um Mitternacht auf der Autobahn und suchen einen Parkplatz. Ihr digitaler Tacho mahnt mit einem eindringlichen Warnton das Ende der Fahrzeit an, bis zu 11 Stunden Pause sind notwendig, und alle Parkflächen sind überfüllt. Es ist unzumutbar einem Fahrer einen Parkplatz am Straßenrand zuzuweisen ohne Dusche, WC, Wasser und Versorgungsmöglichkeit! Gewerbegebiete werden für LKW in der Nacht gesperrt, um keine „Verunreinigungen“ zu bekommen – was soll denn der Fahrer tun? (… ) Man sollte dem Gewerbe deutlich mehr Achtung und Beachtung zukommen lassen und nicht mit solch aufreißerischen Bildern von Seite 24/25 Ihres Magazins

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WAHLKAMPF DIE LETZTE

Cartoon: Einheuser

GROLLENDE ZEITBOMBEN?

den Lesern suggerieren, es würden im Land nur Verbrecher am Bock sitzen – und nicht der engagierte Fernfahrer, der in der Nacht bei Regen, Schnee und Nebel die Tageszeitung transportiert! (Oder den COBURGER, Anm. der Redaktion)

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BRIEFE sich im letzten Heft wieder. Kommentiert hat das allerdings niemand, stattdessen zwei Äußerungen aus den beiden großen Lagern. In der roten Ecke Habibi Bo:“ ... hoffentlich rutscht Coburg bei der Wahl nicht in den bayerisch-schwarzen Sumpf ab, sondern bleibt sich fränkisch-rot treu. Aber klar, des müsst Ihr entscheiden“, in der schwarzen Arndt Schmidt: „In Coburg ist der Sumpf und der Filz rot In 24 Jahren kommt schon was zusammen.“

COBURG-FILM Coburg kommt ins Fernsehen. Der Film „Leben in Coburg“ wird am Sonntag, den 23. März um 19 Uhr im Bayerischen Fernsehen ausgestrahlt. Dass an einem solchen Projekt gearbeitet wird, haben wir im letzten COBURGER berichtet. Und dass die Münchner Filmemacherin Annette Hopfenmüller aus Coburg stammt. Falsch, mussten wir von Achim Fischer lernen. Er schrieb: „Annette kommt doch aus Ebersdorf…“ Wir schlaumeierten zurück: „Geboren in Coburg, aufgewachsen in Ebersdorf.“ Er ließ nicht locker: „Ja, geboren sind wir alle in Coburg…“ Da hat er natürlich

Schwesinger, die ihn allerdings nicht haben möchte, weil sie befürchtet, dass man ihn „ohne Garage und Wachpersonal“ nicht lange genug besitzt … Martin Beck erkannte auf unseren Fotos gleich, wo sie geschossen worden sind: Am „Güterbahnhof Coburg“ schrieb er. Das ist richtig. Er schrieb auch „Hybrid finde ich sehr interessant. Japaner in dieser Preislage lassen wahrscheinlich keine Wünsche bei der Ausstattung offen.“ Jürgen Zetzer Zetzmann wollte daraufhin gleich mal die Preislage wissen und wer den Lexus in Coburg vertreibt. Kein Problem: der Lexus kostet 45900 Euro, die getestete Version mit viel Sonderausstattung 57700 Euro. Hier in der Region gibt es allerdings keinen Händler. Der nächste ist das Lexus-Forum in Nürnberg.

VORSÄTZLICH Neues Jahr, neues Glück? Oder die alten Probleme. Wir wollten von unseren Lesern wissen, was sie sich vorgenommen haben. Tamara „Itsthelittlethings“ Walther schrieb, sie lasse es auf sich zukommen, Paul Kertel, er wolle die schönen Dinge im Leben viel mehr genießen und die anderen Dinge nicht aus den Augen verlieren. „Denn wer die schlechten Dinge aus den Augen verliert, hat verloren!!!“ Das ist philosophisch und gefällt uns natürlich besser als das Ansinnen für 2014 von Oli Schneider: „Niemals den Coburger kaufen!“ Dann doch lieber Astrid Doell folgen, die will im neuen Jahr einfach „glücklich sein“.

Europe Direct Informationszentrum www.coburg.eu www.facebook.de/europa.coburg eine Einrichtung der Volkshochschule Stadt und Land

Volkshochschule Coburg Stadt und Land

Foto: Annette Hopfenmüller

GLÜCKWUNSCH

Recht. Carmen W. Janusch aus Ebersdorf-Frohnlach, die als Fotografin in München arbeitet, kann der Bewunderung „für völlig selbstverständliche Filmerzählungen“ dagegen nicht folgen und äußerte auch manch andere leicht kryptisch formulierte Kritik, gerade weil sie ihre Heimat wirklich heiß und innig liebt: Ihre Liebeserklärung hier auf Grund ihrer Länge nur verkürzt (vollständig auf Facebook): „Für mich gibt es es nach 30 Jahren München ... nix Besseres ... als meine Freunde ... aus Frohnlach ... schließlich ... sind Frohnlacher nie Ebersdorfer ... ///... Ich fahre nach 30 Jahren ... in München ... noch immer mit Coburger KFZ- Schild ... die internationale Tätigkeit als sogenannte Starfotografin ... wird in keiner Wiki erwähnt ... wozu ... für uns Frohnlacher ... ist das Wurscht ... jo mei ... Carmen Janusch Frohnlach München.“

In Zusammenarbeit mit dem Veranstaltungsservice Bamberg haben wir wieder Tickets verlost. Dieses Mal unter anderem für Willy Astor, den Wortakrobaten unter den Comedians. Er war am 7. Februar in Bamberg. Gewinnen wollten viele seiner Fans, beispielsweise Dietmar Theile, „weil ich der Erste war, der geliked hat“, Katja Nikisch „weil wir schon sooooooooo lange gerne Willy Astor hören!!!!!“, San NE, „Vieles, was uns im Januar begegnet, lässt einem die Lachmuskeln gefrieren, Willy Astor wäre perfekt um die wieder aufzutauen! ...Krumm-und-buckelig-gelacht sehen wir gleich wieder viel lustiger aus“, Nicole Klebeg, „weil Willy Astor auf seine Art und Weise Humor, Musik und Bayern verbindet! Seine Wortspiele sind einzigartig und er damit als Comedian nicht vergleichbar mit anderen“ oder Annette Neeß, „weil er einfach super ist.“ Gewonnen aber hat Thomas Schörner aus Bamberg. Kleiner Tipp: in diesem Frühjahr verlosen wir Tickets im Wert von fast 1000 Euro! Unter anderen auch für die Konzerte beim Open-Air-Sommer auf dem Schlossplatz. Wer mitmachen will, muss nur Fan von uns werden.

Küchen-Diskussion Es kochen und diskutieren die EU-Abgeordneten Monika Hohlmeier und Kerstin Westphal!

Freitag, 28. März 2014, 17 Uhr Küchenarena Rödental Eintritt: 5 Euro Karten erhältlich bei der vhs Coburg, Löwenstraße 12 in Kooperation mit

und

ZWITTERAUTO Im letzten COBURGER sind wir den Lexus IS 300 Hybrid Probe gefahren. Lautlos durch Stadt und Land. Dazu haben wir schöne Fotos von diesem edlen Boliden geschossen. „Angucken ist nicht schlecht, ist ein tolles Teil“, kommentierte Renate AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

Dazu unter zum Mitdiskutieren einfach auf facebook.com/ CoburgerMagazin gehen oder eine email an leserbrief@ das-magazin-verlag.de schicken oder postalisch an „Das Magazin Verlagsgesellschaft, Creidlitzer Straße 3a, 96482 Ahorn-Finkenau“. COBURGER | DAS MAGAZIN

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Foto: Stephen Orsillo

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VON DANIELA GRESCHKE FOTOS: FRANK WUNDERATSCH

SEXTOURISMUS IN

OBERFRANKEN

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SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN

Beruf Prostituierte: Die 34jährige Isabel aus Spanien arbeitet oft in Coburg

EINBLICKE IN DAS ROTLICHTMILIEU

Als „größter Puff der Welt“ wird Deutschland allgemein belächelt. Die Grundlagen schuf 2002 das neue Prostitutionsgesetz. Auch für Zwangsprostitution und Menschenhandel. Vielleicht ja sogar für Sextourismus? Den suchten wir in Oberfranken ... Grenzenloser Verkehr: Sicherheit in acht Sprachen

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sabel hat sich umgezogen. Zu Beginn des Besuches noch in einen NetzCatsuit gehüllt, der die Dessous mehr präsentierte als verhüllte, steht sie nun im knappen Polizistinnen-Outfit mit Overknee-Stiefeln in der Küche und bietet lächelnd Kaffee an. Nebenbei repariert sie mit einer Gabel ihre Peitsche. Isabel ist 34 Jahre alt, Spanierin und Prostituierte. Wenn sie in Coburg ist, meist für einen Zeitraum von 14 Tagen, arbeitet sie in der Dieselstraße, im Porky´s. Freiwillig, wie sie sagt, und gerne. Seit rund sechs Jahren empfängt sie hauptberuflich Männer. Heute in einem großzügigen Raum, dominiert von einem Doppelbett, umrahmt von Spiegeln und erhellt von Kerzenlicht. Lila Tulpen stehen gleich neben dem Möbelstück, auf dem sonst die verschiedensten Kundenwünsche erfüllt werden. Ausgesprochen von Männern aus allen Schichten und aller Altersgruppen. „Von 21 bis 70, 80 Jahre alt. Manche können zwar nicht mehr,“ erzählt Isabel, „aber wollen gerne eine Frau im Arm halten.“ Beruflich Erfolgreichere wünschen sich oft devoten Sex. Isabel ist selbständig tätig. Für 80 Euro am Tag hat sie sich im Porky´s eingemietet, Werbung inklusive. „Die Frauen sind taff und unabhängig“, sagt Michael H., ihr Vermieter, „sie fahren Auto und verdienen ihr Geld.“ Mit Zwangsprostitution habe hier niemand zu tun. Es gibt zwar immer mal Anfragen von Rumäninnen, die mit Ehemann oder Bruder einziehen wollen. So wie das vor der amtlichen Schließung in einem ehemaligen Coburger Bordellbetrieb der Fall

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SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN

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SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN gewesen sei. Doch so etwas will man im Porky´s nicht. Nur Isabel und ihre 23 Jahre alte Schwester Alisia sind aktuell in der Dieselstraße tätig, normalerweise wohnen hier durchschnittlich drei Mädchen. „Ich fühle mich hier wie zu Hause.“ erklärt die grünäugige Spanierin. Kürzlich, ergänzt Michael H., habe er sie mit zu sich nach Hause genommen, zu seiner Frau. Die wollte ihr bei einem Problem helfen. Das klingt fast schon beschaulich und so gar nicht nach Rotlichtmilieu. Noch weniger nach Zwangsprostitution, nach Schlepperbanden, nach Horden ausländischer Gäste.

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extourismus gibt es bei uns weniger, das ist hier alles relativ überschaubar im ländlichen Raum.“ bestätigt Christian Lieb vom Kriminaldauerdienst der Polizei Coburg auf Anfrage. Fünf genehmigte Etablissements hat Coburg, in denen rund zwanzig Prostituierte wechselweise Dienst tun. Die Zahlen sind relativ stabil. Anders hingegen in Bamberg, hier ist der Andrang aus Bulgarien und Rumänien stärker spürbar. So wurden in der Domstadt im vergangenen Jahr 56 feste Rotlicht-Damen registriert. Und zwischendurch waren es sogar noch weit mehr: Gab es im Jahr 2000 nur fünf bis sechs genehmigte Bordellbetriebe, schwoll die Zahl bis 2012 auf 20 an. Doch dann griff die Stadt durch. Baurechtlich bedingt machte sie viele Läden zu. Heute ist die Bordelldichte wieder auf dem Anfangsniveau.

Der zwischenzeitliche Rotlichtboom hatte einen Auslöser: Das Prostitutionsgesetz von 2002. Das Gesetz, eines der liberalsten der Welt, sollte Sexarbeit zu einem ganz normalen Job machen. Inklusive aller Rechte und Pflichten, ja sogar mit Kranken-, Renten-, und Pflegeversicherung. Vorher galt die Rotlicht-Arbeit als sittenwidrig. Heute wird auch derjenige nicht mehr bestraft, der eine Wohnung für das Gewerbe an- oder vermietet, also für das Arbeitsumfeld sorgt: Solange er keine Prostituierten ausbeutet. Und doch scheint das global gesehen stärker der Fall als zuvor, wurde manch Großbordell erst durch die Reform möglich. Ursachen: der wachsende Markt und die Nachfrage nach illegal eingeschleusten Prostituierten. Und die kommen. Die Armut in den Heimatländern treibt die Frauen seit der EU-Zugehörigkeit von Rumänien und Bulgarien nach Deutschland. Die Aussicht auf tolle Jobs und viel Geld lässt sie in Flatrate-Puffs landen. Diese werben dann mit Slogans wie: „20 Minuten Sex für 20 Euro“ oder „Sex so oft du willst, solange du willst und wie du willst.“ Und das für schlappe 70 Euro. Was sich oft weder für Prostituierte noch Kunden lohnt, die meisten Freier, so der allgemeine Tenor, stoßen bereits nach dem zweiten Mal an ihre Grenzen. Eher für die Betreiber, denen gesetzlich nur schwer beizukommen ist. Wenn die Papiere der Damen in Ordnung scheinen. Manchmal jedoch klappt es: Eine ganze Kette „Flatrate-Clubs“ wurde 2010 in Heidelberg, Wuppertal, Stuttgart und Berlin geschlossen, die Prostituierten waren illegal in Deutschland und keine 21 Jahre alt. Nur wenige schaffen den Ausbruch aus solch misslicher Lage, kaum eine spricht über eine solche Situation. Warum, erklärt Kriminalhauptkommissar Harald Förtsch. „Auf so etwas kann man nicht hoffen, auch aus Angst vor Ausweisung oder Repressalien aus dem Milieu.“ Es sei eher die Ausnahme, dass sich eine Prostituierte einem Polizeibeamten anvertraue.

S

owohl in der Szene als auch bei der Polizei schien man mit dem „Bockschein“ glücklicher. So nannte man im Volksmund das amtsärztliche Gesundheitszeugnis, das Prostituierte in Bayern bis zum Jahr 2001 regelmäßig vorweisen mussten. Wobei „Bock“ den gynäkologischen Untersuchungsstuhl bezeichnete. Die meisten Damen, so Kriminalhauptkommissar Lieb, erneuerten das Attest freiwillig, Nichtvorlage endete schlimmstenfalls in der Gewerbeuntersagung. Doch nicht nur der regelmäßige Gesundheitscheck der Liebesdienerinnen war vorteilhaft, erinnert sich Michael H. „Außerdem wusste die Stadt, wer anwesend war.“ Was dann ja auch korrekte Arbeitspapiere einschloss. Statt „Bockschein“ gibt es heute einen in der „Hygieneverordnung“ verankerten Kondomzwang. Letztendlich scheint rein rechtlich alles etwas schwammiger seit der Gesetzesänderung durch RotGrün, sind Menschenhandel oder Zuhälterei schwerer nachzuweisen. Das

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SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN

Sicher durch die Nacht: Hygieneartikel und Kondome gehören dazu

belegen auch die bundesweit geltenden Zahlen. 151 verurteilten Zuhältern aus dem Jahre 2000 stehen 2011 nur noch 32 gegenüber. Ungleich kleiner, die oberfränkischen Ziffern: Die aus dem Jahr 2000 erzählen in drei Fällen von Menschenhandel und siebenmal von „Zuhälterei“. Letzteren Tatbestand gibt es rein statistisch elf Jahre später gar nicht mehr, zwei Personen werden wegen Menschenhandels verurteilt. Doch Veränderungen sollen kommen. Welcher Art, ist allerdings noch unklar: Im nach den Bundestagswahlen 2013 ausgehandelten Koalitionsvertrag wird eine „umfassende Überarbeitung“ des

Prostitutionsgesetzes prognostiziert. Auch die gesetzliche Grundlage für Kontrollen der „Luststätten“ will man verbessern. Was Zwangsprostitution und Menschenhandel angeht, hofft man auf mehr Schutz für die Opfer und härtere Strafen für die Täter. Eine für Freier interessante Passage: Strafen drohen künftig dann auch denen, „die wissentlich und willentlich die Zwangslage der Opfer von Menschenhandel und Zwangsprostitution ausnutzen und diese zu sexuellen Handlungen missbrauchen“. Ob Mann damit Probleme hat, mit einer zwangsprostituierten Frau zur Sache zu kommen,

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SEXTOURISMUS IN OBERFRANKEN

Ein Stück Zuhause im Puff: Kleiner Altar am Bett

haben werde, werde ich mich für ihn immer sexy anziehen.“ plant sie ein bisschen ihre Zukunft. Reden, das ist auch das, was die Freier hinterher oft wollen. Sie erzählen dann von zu Hause, von ihren Problemen. Bevor sie wieder aus dem Doppelbett verschwinden und in den Alltag eintauchen. Das klingt sehr menschlich, nicht nach schillernder Bordellwelt. „Bordellbetriebe, wie man sie aus dem Fernsehen kennt, gibt es weniger.“ weiß Kriminalhauptkommissar Lieb. Zumindest hier in der Region, in der Provinz. Statt luxuriöser Lusttempel eher Appartements und kleinere Betriebe.

D ist eine Thematik, die bereits in einschlägigen Internet-Foren kontrovers diskutiert wird. Und deren Auslegung zum jetzigen Zeitpunkt nur im ethischen Empfinden jedes Einzelnen liegt. Noch.

ie Probleme in der Rotlichtprovinz sind andere: Heimarbeiterinnen. Sie sind den Betreibern und Bewohnerinnen der Bordelle ein Dorn im Auge. Frauen, die ihre Dienste anbieten, zu Dumpingpreisen, zu Hause, und dazu oft auch ohne Kondome. Angebote zum schnellen Sex um die Ecke gibt es viele. Das Netz und Zeitungen sind voll mit Kleinanzeigen. Für jeden Wunsch, jede Vorliebe ist etwas dabei. FO bietet eine Inserentin da an und FT: Französisch ohne und Französisch total. „Oral wollen viele Männer ohne Gummi.“ sagt Michael H. Laut „Kondomverordnung“ aber verboten – zum Schutz der Prostituierten und ihrer Kunden. Doch beikommen kann man der Konkurrenz aus dem Wohnzimmer kaum. „Proben gibt es meist, wenn sich jemand beschwert.“ heißt es seitens der Polizei. Wenn sich Bewohner also am bezahlten Sex in der Nachbarwohnung stören. Wenn Freier ein und aus gehen. Doch schon die schiere Zahl an Angeboten macht es unmöglich, alle zu überprüfen, so die Polizei. Immerhin kann das Zollamt eingeschaltet werden, wenn es Zweifel an Aufenthalts- oder Arbeitserlaubnis gibt.

Isabel jedenfalls hat ihren Weg frei gewählt. Wochenweises Pendeln zwischen Coburg, Plauen und Hof inklusive. Nein, die Familie weiß nichts von ihrem Job. Sie hat nur sporadisch Kontakt nach Hause, ist schon lange nicht mehr dort gewesen. Sie habe einfach Spaß am Sex, sagt sie und kann auch erklären, welche Männer es zu ihr treibt. Und warum. „Ich denke, die Ehefrauen haben keinen Bock mehr auf Sex, deswegen kommen die Männer her.“ Sei eine Beziehung erst einmal eingefahren, rede man nicht mehr so viel miteinander, ziehe sich nicht mehr verführerisch an. „Wenn ich mal einen Mann

Wie viel Geld sie letztlich verdienen, wollen Isabel und Alisia nicht sagen. Die regionalen Preise bewegen sich zwischen 50 Euro für eine Viertelstunde bis rund 150 Euro für sechzig Minuten. Auch die unmittelbare Nachbarschaft zum Hotel vis a vis wirkt sich positiv aus. Die roten Lampen heischen in der Dunkelheit Aufmerksamkeit. „Manchmal wird auch eine Frau rüber bestellt über Nacht.“ Wie lange sie noch so arbeiten will? Isabel lächelt und schüttelt energisch die dunklen Locken. Darüber hat sie sich noch keine Gedanken gemacht.

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Foto: Val Thoermer

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FRÃœHLINGSFOTOS AUS OBERFRANKEN FOTOS AUS COBURG UND SEINER UMGEBUNG

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Foto: Val Thoermer

Foto: C. Duschinger

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Foto: Val Thoermer

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Foto: Harald Biebel

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Foto: C. Duschinger

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Foto: Jon Bor

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Foto: Val Thoermer

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WOLFGANG NEUSTADT UND WOLFRAM HEGEN

„ARMUTSRISIKO ENERGIESPAREN?“ DAS DÄMMEN VON HÄUSERN KOSTET VIEL GELD UND BRINGT NICHTS. GANZ IM GEGENTEIL: WER DÄMMT, ZAHLT DRAUF. UND WER DÄMMT, RISKIERT AUCH NOCH SCHIMMEL, NASSE WÄNDE, UNKALKULIERBARE FOLGEKOSTEN. DAS ZUMINDEST BEHAUPTEN KRITIKER DER AKTUELLEN DÄMMPOLITIK. IHRE ARGUMENTE HABEN WOLFGANG NEUSTADT UND WOLFRAM HEGEN ZUSAMMENGEFASST.

DIE DÄMMLÜGE BELOGEN UND BETROGEN.

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DIE DÄMMLÜGE

ONLINE-RECHNER FÜHREN ZU OFT IN DIE IRRE Der Wahnsinn begann 2002. Damals trat auf Basis des Energieeinsparungsgesetzes die ENEV in Kraft, die Energieeinsparverordnung. Unter diesem harmlosen Namen verbirgt sich seither eine Gelddruckmaschine für eine ganze Industrie, Planer und Banken, bezahlt von Hausbesitzern und Mietern, so Kritiker. Eine gigantische Geldumverteilung von unten nach oben.

Oben und unten: Verstopft - Lüftungsrohre in gedämmtem Haus

Die ENEV schreibt vor, welchen Anforderungen Gebäude in Sachen Energieeffizienz genügen müssen. Offizieller Titel: Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden. Zuletzt erneuert im Oktober 2013: Diese „ENEV 2014“ gilt dann ab 1. Mai. Sie ist Basis für staatlich verordnete Investitionen von Privathaushalten in Milliardenhöhe. Die Bundesregierung schießt noch einmal Milliarden in die Förderung des Neubaus energieeffizienter Häuser oder des Umbaus bestehender Altbauten. Es wird sich für die Bürger finanziell lohnen, rechnet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung DIW vor: 2020 könnten Einsparungen von knapp 4 Milliarden Euro noch über 7 Milliarden Investitionen gegenüberstehen, 2030 würden Häuslebesitzer und Mieter dann aber schon über 11 Milliarden Euro an Energiekosten sparen, aber nur neun Milliarden investieren müssen. Und im Jahr 2050, so das DIW, würden wir alle 18 Milliarden Euro mehr sparen als wir investieren. Das Deutsche Institut für Wirtschaft betreibt mit dieser simplen Hochrechnung Lobbyarbeit für die Industrie: Stimmung für alle, die am Dämmen mitverdienen. Bereits für das Jahr 2020, so das DIW, gäbe es in der Branche zudem 30 000 zusätzliche Arbeitsplätze, 2030 bereits 66 000.

Fotos im Artikel: Konrad Fischer

Mittelfristig Geld sparen, Arbeitsplätze schaffen, und noch etwas fürs Klima tun: Die Gegner tun sich schwer, gegen solche Argumente wahrgenommen zu werden. Die ENEV nämlich entstammt ursprünglich dem Kyoto-Protokoll von 1997 zum Klimaschutz. Die Bundesregierung legte daraufhin fest, bis 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen. Und wer möchte schon als Klimakiller oder als Leugner des Klimawandels gelten, als Umweltsünder oder Ewiggestriger?

Medien-Blickpunkt: Geschichten von vergammelten Häusern

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Foto: Val Thoermer

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DIE DÄMMLÜGE

Praxisnah studieren

Doch man sollte schon genau rechnen, bevor man sein Haus in Styropor einpackt und die Schotten dicht macht: Denn das Dämmen von Wänden, das neue Dach, dreifachverglaste Fenster, neue Türen, alles das kostet richtig Geld. Das Internet ist voll mit Online-Rechnern: Jeder Hausbesitzer kann sich ganz simpel ausrechnen, wie viel Geld er in die Hände nehmen muss und wann sich sein Investment rechnet. Die meisten Rechner freilich stellen Unternehmen zur Verfügung, die am Dämmen oder an gedämmten Immobilien mitverdienen.

Online-Rechner führen in die Irre Beispiel: Der Online-Rechner von Immonet. Hier gibt man ein, was für ein Haus man hat, wie alt es ist, wie viel Wohnfläche vorliegt, wie viele Stockwerke, welche Wände das Gebäude hat, wie alt die Heizung ist und einige weitere Angaben. Und nach nicht einmal einer Minute kommt als Ergebnis: Eine Dämmung lohnt sich, heißt es dann. Die Investitionskosten lägen bei unserem Beispiel bei exakt 23702 Euro, die Forderung betrüge 2370 Euro. Damit sänken die Heizkosten sofort von über 2000 auf unter 1000 Euro. Und in zehn Jahren sogar von angenommenen fast 4000 auf unter 2000 Euro! Wenn man das hochrechne, mache der Häuslebauer innerhalb von 20 Jahren über 20 000 Euro Gewinn! Da-

Theorie und Praxis miteinander verbinden – Wer das will, ist an der Hochschule Coburg genau richtig. Die Professorinnen und Professoren haben Erfahrungen aus Unternehmen und Institutionen. Führungskräfte aus der Praxis bringen Know-how als Lehrbeauftragte ein. Und die anwendungsbezogene Forschung liefert Lösungen und initiiert Innovationen in der Region und darüber hinaus.

Studienangebot: • •

20 Bachelor-Studiengänge 10 Master-Studiengänge

Bauen und Design Technik, Informatik und Naturwissenschaften Soziale Arbeit und Gesundheit Wirtschaft

Schwarz wie die Nacht: Fehlerhafte Dämmung zieht Staub und Schmutz

runter dann noch der Hinweis: „Auf Basis ihrer Angaben können Sie kostenlos und unverbindlich eine Anfrage an Fachbetriebe in ihrer Region stellen!“ Was der Rechner verschweigt: Er geht von einer Heizkostensteigerung von fast 100 Prozent in den nächsten zehn Jahren aus. In Wirklichkeit stiegen die Heizkosten in den letzten zehn Jahren in Deutschland von 2002 bis 2012 aber nur um 43%, wie es Anfang Januar aus dem Bundesumweltministerium verlautet. Auch nicht berücksichtigt: Die Zinsen für die Investitionskosten. Die belaufen sich in zehn Jahren je nach Zinssatz auch leicht auf zwei bis dreitausend Euro. Neue Heiztechnologien: Fehlanzeige. Dabei lässt sich auch mit Niedrigtemperatursystemen Geld sparen. Selbst die angenommenen Investitionskosten von gut 23000 Euro sind zu niedrig angesetzt, sagen Handwerker auf Anfrage. Hauptproblem aber: der angenommene Verbrauch. Schon die deutsche Energieagentur dena räumt in einer Studie ein, dass Untersuchungen gegenüber dem berechneten Bedarf systematisch einen geringeren gemessenen Energieverbrauch ergeben haben als eigentlich angenommen. Damit aber kommt die schöne Hochrechnerei endgültig ins Wanken.

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Das Schweizer Beratungsunternehmen Prognos geht noch weiter: Sanieren kostet mehr, als sich bei den Heizkosten der nächsten Jahre einsparen lässt. Investitionen ließen sich nicht allein aus den eingesparten Energiekosten finanzieren, heisst es in dem Gutachten laut „Welt“.

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DIE DÄMMLÜGE

Fraunhofer: Gedämmte Häuser brauchen mehr Doch warum sollte das so sein, dass Dämmen mehr kostet als es bringt? Weil alle Rechenmodelle nur die sogenannten U-Werte berücksichtigen, sagen die Kritiker. U-Werte sind grob vereinfacht gesagt die reinen Dämmwerte eines Hauses, sie geben nur Auskunft darüber, wie viel Energie von innen nach außen fließt. Doch was ist eigentlich mit der Energie, die von außen kommt? „Solare Wärmegewinne tragen wesentlich zur Reduzierung des Heizwärmebedarfs bei.“ räumt auch das für die ENEV zuständige Bundeswirtschaftsministerium auf Anfrage des COBURGER ein. „Die Sonne aber wird in diesen Formeln nicht berücksichtigt, also die externe Energiezufuhr auf ein Gebäude.“ sagt einer der aggressivsten Dämmgegner, der Architekt Konrad Fischer aus Hochstadt am Main (siehe Interview im Anschluss an diesen Artikel). Er bestreitet nicht, dass gedämmte Häuser einen besseren U-Wert haben. Er behauptet aber auch,

Schimmel statt wohlige Wärme: Feuchte KunststoffIsolierfenster

der Verlust an Sonnenenergie würde diesen Vorteil ins Gegenteil verkehren. Sie kann die eigentliche Fassade nicht mehr erwärmen. Wände unter einer Dämmung bleiben folglich immer kalt, müssen von innen aufgewärmt werden. Das kostet Energie. Er beruft sich auf zahlreiche Studien wie die vom Fraunhofer Institut Mitte der 80er Jahre, nach de„Die Untersuchung des nen gedämmte Häuser mehr Energie verbrauchen würden als ungedämmte Häuser. Das Fraunhofer Fraunhofer Instituts aus Institut selbst verwehrt sich zwar gegen eine solche eindeutige der eigenen Studie. Doch denInterpretation 80er Jahren, die zeigt, selbst das Bundesministerium für Wirtschaft und dass gedämmte Technologie räumt auf AnfrageHäuser des COBURGER ein: „Die Untersuchung des Fraunhofer Instituts aus nicht weniger, sondern mehr den 80er Jahren, die zeigt, dass gedämmte Häuser Energie verbrauchen nicht weniger, sondern mehr Energie als verbrauchen als nichtgedämmte Gebäude, ist bekannt.“ Warum nichtgedämmte aber steckt die Bundesrepublik Deutschland und damit wirGebäude, alle Steuerzahler in die Dämist Milliarden bekannt.“ mung von Gebäuden, wenn doch in §1 der ENEV

Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie:

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SANIEREN KOSTET MEHR ALS SICH EINSPRAREN LÄSST. COBURGER | DAS MAGAZIN

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DIE DÄMMLÜGE

WENN DER SCHIMMEL KOMMT, IST DIE GEWÄHRLEISTUNG LÄNGST VERSTRICHEN der Verlust an Sonnenenergie würde diesen Vorteil ins Gegenteil verkehren. Sie kann die eigentliche Fassade nicht mehr erwärmen. Wände unter einer Dämmung bleiben folglich immer kalt, müssen von innen aufgewärmt werden. Das kostet Energie. Er beruft sich auf zahlreiche Studien wie die vom Fraunhofer Institut Mitte der 80er Jahre, nach denen gedämmte Häuser mehr Energie verbrauchen würden als ungedämmte Häuser. Das Fraunhofer Institut selbst verwehrt sich zwar gegen eine solche eindeutige Interpretation der eigenen Studie. Doch selbst das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie räumt auf Anfrage des COBURGER ein: „Die Untersuchung des Fraunhofer Instituts aus den 80er Jahren, die zeigt, dass gedämmte Häuser nicht weniger, sondern mehr Energie verbrauchen, als nichtgedämmte Gebäude, ist bekannt.“ Warum aber steckt die Bundesrepublik Deutschland und damit wir alle Steuerzahler Milliarden in die Dämmung von Gebäuden, wenn doch in §1 der ENEV sogar steht: „Zweck dieser Verordnung ist die Einsparung von Energie in Gebäuden.“

Unkalkulierbare Risiken Denn selbst, wenn andere Zahlen aus diesem Ministerium stimmen sollten, nach denen ein Forschungsprojekt der TU Braunschweig deutliche Einsparungen von energetisch modernisierten Häusern ergeben habe, sind die Folgekosten in allen diesen Rechnungen nicht berücksichtigt: Die Wartungskosten aber lägen, sagen die Kritiker, bei einer mit EPS, also mit Hartschaum gedämmten Fassade 9 Euro pro Quadratmeter pro Jahr höher als bei einer verputzten Massivfassade. Man geht sogar davon aus, dass diese Dämmungen keine 20 Jahre mehr vor ihrer Amortisierung erleben: Dann bleiben nur Verbrennungsanlage und Sonderdeponie. Viele Erfahrungen von Häuslebauern und Mietern sprechen eine klare Sprache: Dämmen kann ein unkalkulierbares Risiko sein: Bei den üblichen EPS-, also Hartschaumdämmungen, bleibt das Mauerwerk vor Sonnenstrahlen abgeschirmt, die Sonne kommt gar nicht heran, es kühlt aus und es muss von innen gegengeheizt werden. Solche Fassaden unterschreiten nachts den Taupunkt und ertrinken im Kondensat, zeigen viele Beispiele. Die Schimmelpilzgefahr ist extrem. Die entsprechende Instandsetzung frisst die erhofften Ersparnisse wieder auf. Bei Fachwerkwänden können Dämmungen außen wie innen die Holztrocknung erheblich stören, Vermorschung droht. Dämmungen sind stoßanfällig oder werden aufgrund von Rissbildungen schnell undicht, Wasser dringt ein. Jede Durchfeuchtung führt zu zusätzlichem Wärmeverlust, weil feuchtes Material nicht dämmt. Sogar die hochgelobten Niedrigenergiehäuser können deutlich mehr Heizenergie verbrauchen als ihr Beipackzettel ausweist. Gründe sind u.a. die mitempfohlenen 3-fach Isolierverglasungen. Mögliche Folgeerscheinungen: Feuchtigkeit und Schimmel. Dagegen sollen angeblich Zwangslüftungen helfen. Dafür sind aber eine aufwändige Wartung mit regelmäßiger Reinigung und Desinfizierung erforderlich, die kalkulatorisch eben nur selten in das Gesamtkostenpaket eingerechnet sind. In EPS-Dämmungen sind ökologisch sowie gesundheitsgefährdend äußerst fragwürdige Flammschutzmittel und auch Biozide gegen Schimmelbildung verarbeitet (Nervengifte: Terbutryn oder Diuron). Die Material-/ Fassadenfeuchte transportiert Biozide an die Oberfläche, die dann der Regen auswäscht. Fünf Jahre dauert es, bis die Pilz- und Algenkiller aus der Fassade raus sind. Dann geht das böse Spiel der Schimmelbildung eigentlich erst richtig los, doch da ist ausgerechnet die Gewährleistung verstrichen. Für den ausführenden Handwerker gibt es keine Materialalternativen, wenn er vorzeitige Gewährleistungsansprüche vermeiden möchte. Kalkulation für Hochhaussanierung: Nach einer Generation soll es sich rechnen

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DIE DÄMMLÜGE

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DIE DÄMMLÜGE

FEUERWEHR: DÄMMUNGEN SIND BRANDBESCHLEUNIGER Wir haben auch die Bayerische Architektenkammer um die Beantwortung einiger Fragen zum Thema Dämmen gebeten. Die Fragen gingen der Architektenkammer eine Woche vor Redaktionsschluss zu. Trotz Zusage erreichten uns rechtzeitig keine Antworten mehr. Gerne veröffentlichen wir eine eventuelle Stellungnahme in einer der nächsten Ausgaben.

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DIE DÄMMLÜGE

Brandbeschleuniger Dämmung Hausbesitzer gehen bei EPS-Dämmungen zudem unkalkulierbare Brandrisiken ein. Zusammen mit Dreifach-Verglasungen erschweren sie laut Feuerwehr die Brandbekämpfung erheblich. Frankfurts Branddirektor sieht in EPS sogar einen Brandbeschleuniger: „Hat es einmal Feuer gefangen, setzt es enorme Hitze und giftige Gase frei. Wie bei einem flüssigen, brennenden See, als hätte man mehrere Tausend Liter Benzin entzündet“. Der Dämmstoff müsse überprüft, das weitere Verbauen von EPS sofort gestoppt werden, fordert er. Überwiegend negativ bewerten die Dämmgegner auch den stadtplanerisch-ästhetischen Effekt

vieler bisher vor allem im Bestand ausgeführten Dämmungen. Gedämmte Fassaden ähneln verteidigungsähnlichen Trutzburgen: wuchtige Wände, wie Schießscharten erscheinende, möglichst kleine Fenster und Türen. Kleinere Öffnungen bedeuten aber auch weniger Tageslicht und weniger Wärme, also wieder mehr Energieverbrauch. Denn auch der Austausch vieler ein- oder zweifachverglaster Fenster gegen Dreifachglas ist den Dämmgegnern zufolge unsinnig: Altfenster mit Einfachverglasung ohne Dichtlippe (bzw. die mittlerweile von über 80% der Sachverständigen abgelehnte „nutzerunabhängige Zwangslüftung“) lassen wesentlich mehr Sonnenwärme hinein und sorgen für gesündere, trockenere und energiesparender zu beheizende Raumluft, wie z.B. Verbundfenster in Kombination mit Fensterläden/Rollos.

OB-Kandidat

Niemand muss dämmen Fazit: Die aktuell gültigen Förderanreize als auch die EPS-Dämmwerte und -Preise sind verführerisch. Und auch der Verkaufswert einer Immobilie steigt mit der Umsetzung der gesetzlich ja vorgeschriebenen Maßnahmen. Zudem wird es ohne den verlangten Energieausweis mittelfristig schwer sein, ein Haus noch zu einem vernünftigen Preis zu verkaufen oder zu vermieten. Ob dem Klima damit aber wirklich geholfen wird, ob Hausbesitzer und Mieter wirklich sparen, erscheint fraglicher denn je. Es sieht mehr danach aus, als ob es im besten Fall ein Nullsummenspiel ist. Doch Pleitegehen muss niemand, gibt es doch eine Befreiung von den Pflichten der ENEV. Laut Gesetz nämlich müssen sich die Kosten innerhalb der üblichen Nutzungsdauer rechnen – es gilt das gesetzliche Wirtschaftlichkeitsgebot.

Hohe Folgekosten können kommen: Gedämmte Fassaden

PRO HEEB – PRO COBURG

Kommen Sie mit uns ins Gespräch! an unseren Infoständen an den Samstagen in der Fußgängerzone und in unserem Wahllokal. Sie erreichen uns dort wochentags ca. 16 – 18 Uhr!

NIEMAND MUSS DÄMMEN, WENN ES SICH NICHT RECHNET

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Sind wir nicht alle …

LISTE 6 AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

?

V.i.S.d.P: Jürgen Heeb, Ketschendorfer Straße 41a, 96450 Coburg

Und immer mehr Hausbesitzer bekommen inzwischen mit, dass sich die versprochene Energieeinsparung nicht so einstellt wie eigentlich angenommen. Wie man sich aber von der „Energiesparpflicht“ befreien lassen kann, darüber muss jeder Architekt oder Energieberater aufklären. Er ist es, der die Wirtschaftlichkeit der Planung als vertragliche Nebenpflicht schuldet. Damit die eigenen vier Wände nicht im Fiasko enden.

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COBURGER | DAS MAGAZIN

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INTERVIEW

„Mafiöse Strukturen“ Fragen an Konrad Fischer, den Dämmrebell aus Hochstadt am Main. Von Berufs wegen ist er Architekt und Denkmalpfleger. In Wirklichkeit aber Widerstandskämpfer gegen die „Dämmmafia“. Doch ist er in seiner Rolle als Robin Hood der Baubranche einfach nur ein cleverer Vermarkter seiner selbst? Ein Populist? Weil er kein Blatt vor den Mund nimmt? Weil das in TV-Sendungen und bei Vorträgen gut ankommt? Weil er die Rolle David gegen Goliath perfekt spielt? Oder ist an seinen Thesen wirklich etwas dran? Um diese nämlich wird erbittert gestritten. Klar, legt er sich doch so ziemlich mit allen an, die mit Bauen und Sanieren Geld verdienen. Nur einer bleibe beim Milliardengeschäft Dämmen auf der Strecke, sagt er: Der Kunde.

Konrad Fischer

1

Herr Fischer, sie behaupten, gedämmte Häuser würden mehr Energie verbrauchen als ungedämmte. Wie kommen Sie zu dieser Behauptung?

Konrad Fischer Die gesamte Energieeinsparverordnung (EnEV) geht von falschen Annahmen aus. Die sogenannten U-Werte, die für die energetische Sanierung von Häusern ausschlaggebend sind, beruhen auf Laborwerten. Die Sonne wird in diesen Formeln nicht berücksichtigt, also die externe Energiezufuhr auf ein Gebäude.

2

Sie gehen also davon aus, dass die Sonne einem ungedämmten Haus tagsüber mehr Energie zuführt als es nachts verliert?

Konrad Fischer Es ist jedenfalls eine nicht unerhebliche Menge, auch in der Heizperiode. Das muss man sich mal überlegen: Da werden Photovoltaik und Solarthermie-Anlagen gebaut, aber keiner denkt mehr dran, die Außenfassade eines Hauses als Energiespeicher zu nutzen. Stattdessen dämmen wir die Häuser so, dass die Fassaden darunter immer kalt sind. Und das kostet Energie. Deswegen verbrauchen gedämmte Häuser mehr.

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Dafür gibt es aber keine anerkannten wissenschaftlichen Beweise.

Konrad Fischer Doch, alle relevanten, aber häufig eben nicht veröffentlichten Untersuchungen zeigen, dass gedämmte Häuser nicht weniger, sondern mehr Energie verbrauchen als nichtgedämmte

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Gebäude. Die ersten Untersuchungen stammen übrigens aus den 80er Jahren vom Fraunhofer-Institut. Schon damals hat man erkannt, dass durch die massive Dämmung der Außenwände weniger Wärme von außen kommt und so länger geheizt werden muss. Aber keiner will das wahrhaben. Stattdessen wird die ENEV weiter verschärft.

Außenluft, sondern durch den Himmel statt. Der hat oft Temperaturen sehr weit unter dem Gefrierpunkt, vor allem in sternenklaren Nächten. Dagegen hilft für die Fenster ein Außenrollo oder Klappladen am besten. Das haben schon die Großväter gewusst.

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Das müsste einem Hausbesitzer ja aber auffallen, dass durch Dämmung der Energieverbrauch steigt? Viele berichten ja aber in der Tat von gesunkenen Energiekosten nach einer Sanierung.

Konrad Fischer Ja, aber oft handelt es sich um Maßnahmenbündel für immens viel Geld. Dach, Dämmung, Fenster, Türen, Heizung. Und dann kann man nicht mehr auseinanderdividieren, welche Maßnahme in einem Einzelfall vielleicht mal Sinn macht. Oft ist es einfach der Austausch der Heizung gegen eine kleinere, die weniger Verluste produziert, und schon sinkt der Energiebedarf.

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Zu so einem Maßnahmenpaket gehören vor allem auch die Fenster. Auch hier sprechen Sie sich entgegen aller aktueller Entwicklungen und Innovationen immer noch für Einfachverglasung aus. Warum?

Konrad Fischer Ganz einfach: Auch da wird das Licht vergessen. Ein dreifach verglastes Fenster lässt viel weniger Sonnenenergie ins Haus. Weil der schwere Rahmen dann auch noch dicker ist, kommt nochmal weniger Licht durch. So einen Raum muss ich dann natürlich auch mehr aufheizen, abgesehen von den hohen Investitionskosten für die Fenster. Dann lieber ein Einfachglas und ein Rollo davor. Die größte Abkühlung nämlich findet nicht durch die

Sie behaupten also, dass alles, was vom Gesetzgeber gefordert und gefördert wird, unsinnig ist, weil es genau das Gegenteil von dem bewirkt, was es zum Ziel hat. Sind Sie ein Innovationsverweigerer. Sollen wir wieder leben wir früher?

Konrad Fischer Es ist nun einmal so: Viele Innovationen im Bereich des Hausbaus und der Sanierung sind den Möglichkeiten der alten Techniken unterlegen. Schon früher mussten die Leute Energie sparen und in den Städten auch die Luftverschmutzung in Grenzen halten. Wenn man z.B. den Heizenergieverbrauch pro Kubikmeter in Berliner Mietshäusern aus dem 19. Jahrhundert mit heutigen Durchschnittszahlen vergleicht, dann waren das damals Niedrigenergiehäuser nach heutigem Standard. Warum also sollten wir dann so viel Geld für sinnlose Investitionen ausgeben, die nichts einsparen und obendrein unsere Fassaden verpfuschen und vergiften?

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Damit legen sie sich natürlich mit allen an, die mit Hausbau und Sanierung Geld verdienen und dabei ja nur die gesetzlichen Vorschriften der EnEV umsetzen.

Konrad Fischer Die EnEV und die Urteilslage bis zum BGH sagen aber auch, dass sich Investitionen innerhalb von 10 Jahren amortisieren müssen. Doch egal, was ich bisher durchgerechnet habe, die Rechnung geht quasi nie auf. Zum Glück kann man

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DIE DÄMMLÜGE

Neu in Coburg

NIEDRIGENERGIEHÄUSER GAB ES SCHON IM 19. JAHRHUNDERT

KOLLEK T ION 2014

sich von den Vorschriften der EnEV befreien lassen, wenn man das nachweisen kann. Manche Architekten aber stehen jetzt vor dem Problem, dass sie in Haftung genommen werden, weil sich die von ihnen geplanten Energiesparinvestitionen nicht rechnen. Das ist eine gigantische Haftungsfalle.

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Neu in Coburg

Das ist ein massiver Vorwurf. Warum sollten denn manche Planer, Architekten oder Energieberater ihre Kunden falsch beraten?

Konrad Fischer Das kommt alles davon, daß unsere Ausbildung den späteren konstruktiven Herausforderungen nicht genügt. Diese tragische Lücke füllen Firmenprospekte und die Berater der Hersteller. Sie übernehmen kostenlos die Planung, die Kostenschätzung und die Ausschreibung, natürlich gerne auch für öffentliche Auftraggeber wie Staats- oder Stadtbauämter. Mit einem gravierenden Nachteil: Da steht dann pflichtwidrig in der Ausschreibung drin: „Dämmstoff von Hersteller X oder gleichwertig“. Bei anderen Produkten ist das genauso. Die Ausschreibung geht dann so raus. Es ist auf Seiten einer produktmanipulierten Planung zu wenig Interesse am Kunden, sie verkommt zum Transmissionsriemen für die Bauindustrie, liefert leider oft überteuerten Pfusch. Und ordentliche Provisionen werden da auch bezahlt. Das sind mafiöse Strukturen. Und das Ganze auf Kosten des Kunden. Der bekommt so nämlich keine wirtschaftliche Planung.

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Das sind heftige Vorwürfe, haben Sie dafür Belege?

KOLLEK T ION 2014

Neu in Rödental

Konrad Fischer Lassen Sie uns doch in eine x-beliebige Ausschreibung schauen. Auf dem 2010er Kalkseminar der bayerischen Kirchenmaler bestätigten mir die anwesenden Handwerker öffentlich, noch nie eine produktneutrale Ausschreibung erhalten zu haben. Mir persönlich sind von Baustoffherstellern schon 10-15% Umsatzbeteiligung angeboten worden, wenn ihr Produkt genommen wird.

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Die Fragen stellte Wolfram Hegen

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Rödental Bürgerplatz 8 Tel. 0 95 63 / 26 26

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INHALT

Was müssen wir, was sollen wir, was wollen wir?

Schluss mit dem Stillstand!

NORBERT TESSMER

DR. BIRGIT WEBER Ich bringe Coburg voran!

CHRISTIAN MÜLLER 46

C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

© Einheuser 2013

Ich will überzeugen und nicht regieren!

JÜRGEN HEEB AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


WEITER SO. ODER?

WEITER SO?

VON WOLFRAM HEGEN UND PETER EINHEUSER

ODER BEWEGT SICH DA ETWAS?

Jetzt ist sie also bald da – die Nach-Kastner Ära. Der König dankt ab. Nach 24 Jahren. Das Gejammer in seiner Entourage, in seinem Staat ist groß. Man hatte es sich doch gemütlich eingerichtet. Der Tisch war gedeckt, es gab Brot und Spiele für alle. Satt und träge sind wir geworden in unserem Städtchen. Je mehr man isst, desto weniger bewegt man sich. Jetzt vom Sofa hoch, das ist unbequem. Wieder ein paar Schritte gehen, raus aus dem Haus, da kommt man aus der Puste. Wir sind nicht mehr fit. Doch wir werden uns wieder bewegen müssen. Sonst kann ja nichts vorwärts gehen.

K

astners Opposition fühlt sich da schon meilenweilt enteilt. Sie werden jubiliert haben, als der König im Herbst seine Abdankung bekanntgab. Endlich haben wir ihn zu Fall gebracht, werden sie sich zugerufen haben, hoch die Krüge. Jetzt packen wir es an. Doch ihr Jubel könnte schnell der Ernüchterung weichen, denn jetzt müssen sie, egal ob sie auf dem OB-Sitz landen, im Stadtrat oder in der Verwaltung, Verantwortung übernehmen: Das Feindbild ist weg, keiner mehr da, der an allem Schuld ist. Das war ja auch praktisch: Motzen war leicht, schöne Bilder malen auch, aber jetzt muss man mitarbeiten und sich an seinen Taten messen lassen. Denn jetzt braucht das Königreich wieder Macher(innen).

N

orbert Kastner war so einer. Einer der angepackt hat, über den größten Teil seiner Amtszeit. Das werden auch seine erbittertsten Feinde nicht bestreiten. Ein Dominator, der durchsetzte, was er für richtig hielt. Das mag man kritisieren, aber das war berechenbar. Welche Aura der Unangreifbarkeit er sich aufgebaut hat, zeigte der Wahlkampf. Seine potentiellen Nachfolger wirkten fast schon schüchtern. Es fehlte ein Kandidat, der klare Worte spricht und auch mal auf den Tisch haut. Das muss man als Stadtoberhaupt aber. Ein(e) Vordenker(in), an dem (der) man sich orientieren kann, der stark ist nach innen und nach außen, dynamisch, der begeistert, aber auch bereit ist, zu diskutieren, auch mit seinen Gegnern. Die po-

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Foto: Val Thoermer

Eine Betrachtung des politischen Coburg kurz vor dem Machtwechsel am 1. Mai.

Darum geht es in Coburg: Das Rathaus.

litische Führung einer Stadt und ihrer Verwaltung ist eben kein Kindergeburtstag, bei dem Geschenke verteilt werden. Gewiss, man wächst an seinen Aufgaben. Die Messlatte aber ist hoch, das sollte man nach den letzten Jahren des Stillstands nicht vergessen: Als Norbert Kastner den Thron bestieg, war Coburg mit dem von heute nicht zu vergleichen. Die Vestestadt war ein verschlafenes Nest am Zonenrand, das von ostdeutschen Trabbis vom Baum geschubst worden war. Es ist vor allem auch Kastners Verdienst, dass die Stadt sich erfolgreich auf den Weg ins 21. Jahrhundert gemacht hat. Es waren unruhige Zeiten, die nach der Wende. Die mussten gestaltet werden. Coburg hat das gemacht, immer mit Volldampf voraus: Neue Verkehrswege, neues Stadtbild, neue Veranstaltungen, neue Stadtviertel, neue Bürger, neue Firmen, neue Kontakte (die gilt es wieder aufzubauen, die Netzwerke Kastners nämlich waren weitreichend, viele von ihnen werden jetzt erst einmal wegbrechen).

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WEITER SO. ODER? Ob das zu toppen ist – wohl kaum. Denn auch das gehört zu Kastners Erbe: Im 3. Jahrtausend angekommen ist Coburg nämlich nicht mehr. Irgendwann gab es eben zu viel zum Fressen und zum Saufen für alle. Dann kann man die Spur nicht mehr so richtig halten, macht vielleicht auch lieber mal eine Rast und schläft seinen Rausch aus. Und jetzt geht der Stadt auch noch der Sprit aus. Die Frage ist: braucht man in so einer Zeit einen, der schon die ganze Zeit auf dem Beifahrersitz mitgefahren ist? Der bei einem Blick auf die Tankanzeige hätte sehen können, dass der Sprit zur Neige geht? Ja, er ist ein netter, der Norbert Tessmer, er setzt sich für Bildung, Jugend und soziale Themen ein, das ist alles politisch korrekt, wer will das nicht. Damit steht er für ei n

Mehr Platz für Na­ tur und erneuerbare Energien!

MARTINA BENZEL-WEYH Weiter-So? Aber er will auch die die regelmäßigen Gespräche mit der Wirtschaft und der Hochschule suchen. Auf jeden Fall möchte er den Eindruck erwecken, nicht für ein Weiter-So zu stehen: So setzte er im Wahlkampf nicht auf die Unterstützung von Norbert Kastner und seinen erfahrenen Helfern. Fazit: mit Norbert Tessmer an der Spitze wird Coburg nicht in die falsche Richtung fahren, aber ist das der Mann, mit dem Coburg wieder zum Überholen ansetzt?

Alternativen?

© Einheuser 2013

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Fahrer, die schon die letzten Jahren auf dem Rücksitz mitgebraust sind, durch ihren Stadtratsposten Einblicke haben, die schnell durchstarten könnten: Jürgen Heeb für ProCoburg, Christian Müller für die CSB. Er ist auf jeden Fall einer, der öffentliche Auftritte souverän meistert, auch das wird eine Rolle spielen.

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WEITER SO. ODER? •

Quereinsteiger mit Chancen: Dr. Birgit Weber von der CSU. Im Wahlkampf hat sie ganz bewusst auf ein starkes Team gesetzt. Ein bisschen wenig Konfrontation, ein bisschen viel merkeln. Kann funktionieren, muss aber nicht. Dumm auf jeden Fall, dass sie keine Coburgerin ist. Das sind zwar im 21. Jahrhundert die Hälfte der in Coburg lebenden Menschen, Herkunft aber scheint immer noch eine Rolle zu spielen. Diese Mentalität hat mit der „gefühlten Großstadt“ aus dem Integrierten Stadtentwicklungskonzept nichts zu tun. Auch mit dieser Einstellung ist die Vestestadt immer noch nicht im 3. Jahrtaus e nd Wir müssen junge a nge Leute nach Coburg kommen. holen!

kann doch eigentlich keiner wollen, Coburg aber geht eben der Sprit aus. Die Verschuldung steigt von Jahr zu Jahr. Das kann man unterschiedlich rechnen, 2016 aber könnten es an die 70 Millionen Euro sein. Es wird niemand bestreiten, dass Coburg eigentlich eine reiche Stadt ist mit einer Gewerbesteuer pro Kopf von fast 1800 Euro. Zum Vergleich: der bayerische Durchschnitt liegt bei 550 Euro. Aber wir alle haben eben zu viel gefressen und gesoffen in den letzten Jahren. Jetzt wird man sich überlegen müssen, was auf den Tisch kommt. Die Abmagerungskur wird um die freiwilligen Leistungen nicht herumkommen. Und um eine Entschlackung der Behörden. Außerdem sollte die neue Stadtführung mehr auf das Fina nzreferat Ich mache Schluss hören.

mit hohen Miet­ preisen!

JENS-UWE PETER •

Quereinsteiger ohne Chancen (wenn doch, wäre das wohl eine Sensation): Rene Hähnlein von den Linken, Martina Benzel-Weyh von den Grünen, Jens-Uwe Peter von der FDP.

W

er auch immer das Zepter im Palast am Marktplatz von Norbert Kastner am 1. Mai übernehmen wird: er braucht einen Hofstaat, der die Themen der Zukunft mit ihm gemeinsam anpackt. Sowohl in der Verwaltung als auch im Stadtrat. Es werden Köpfe ausgetauscht. In der Verwaltung passiert das schon - altersbedingt. Auch im Stadtrat werden neue Gesichter Platz nehmen. Respekt für alle, die sich aufstellen lassen. Namhafte Personen sind dabei, die ganze Breite der Gesellschaft, so muss es sein. Nur: Haben wirklich alle, deren Bilder man da sieht und Namen man liest, den Aufwand für ein Stadtratsmandat überrissen? Denn sie alle werden sich bewegen müssen, damit Coburg sich wieder bewegt: •

Killerthema Sparen: Ja, Geld ist nicht alles, aber kein Geld ist gar nichts. Schulden machen abhängig, lasten auf den Schultern unserer Kinder. Das

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RENÉ HÄHNLEIN •

Megathema Bildung: Da herrscht wohl Einigkeit. Gute Schulen, gute Kindergärten, Kindertagesstätten, intensive Zusammenarbeit mit der Hochschule. Das hilft allen: Familien, den Unternehmen, der demografischen Entwicklung der Stadt, der Lebensqualität.

Und bei alledem das Investieren nicht vergessen. Investitionen aber müssen sich für die Stadt amortisieren. Deswegen sollte man mit Augenmaß in Projekte Geld stecken, die für Coburg mittelfristig etwas abwerfen werden: Güterbahnhofgelände, Parksituation rund um den zukünftigen ICE-Tagesrandhalt Coburg, Landestheater-Sanierung in Kombination mit Schlossplatz-Tiefgarage, Postareal, Coburgs neuen Süden. Und sich bei Investitionen gerne mal auf alternative Finanzierungsmodelle einlassen.

Also auf geht’s in ein neues Zeitalter. Mit wem auch immer. Coburg ist so schön. Coburg hat so ein Potential. Coburg hat so viel zu bieten. Man muss es nur wieder anpacken.

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kinder muss man schützen. vor gewalt. vor armut.

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SOFTWARE-CHAMPIONS

ACTIONSPIELE AUF WELTNIVEAU. VOM GLOBALEN SIEGESZUG EINES EHEMALIGEN COBURGER STARTUPS

S O F T WA R E

CHAMPIONS AUS COBURG Es ist eine märchenhafte Story, die der drei Brüder Faruk, Avni und Cevat Yerli aus Coburg. Es ist aber kein Märchen, es ist eine wahre Geschichte: Die drei Söhne eines türkischen Gastarbeiters gehören mittlerweile zu den erfolgreichsten Spielentwicklern Deutschlands. Auch international sind sie mit ihrem Unternehmen ein Begriff: Crytek. Die Kreativschmiede zog 2006 von Coburg nach Frankfurt und hat weltweit heute über 850 Mitarbeiter. Die Kritik an ihren Ballerspielen ist nahezu verstummt. Gelegenheit für einen Rückblick. Die Geschichte beginnt in den 70er und 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die drei Brüder wachsen in Coburg auf, als die ersten Computer auf den Markt kommen, der Atari oder der Commodore C64. Die Spiele sind einfach, machen aber trotzdem Spaß auch den drei Jungs. Der jüngste der drei Yerli-Brüder, Cevat, ist es dann, der das heutige Unternehmen auf den Weg bringt, ohne wohl zu ahnen, welche

Dimensionen es einmal annehmen würde: Er will nicht nur selbst spielen, er möchte Spiele entwickeln. „Doch das war damals schwer“, erinnert sich sein größerer Bruder Faruk. „Es gab ja keine Community so wie heute, erst recht nicht in Coburg.“

DAS NETZ MACHT ES MÖGLICH In den 90er Jahren aber kommt das Internet immer mehr auf, jetzt werkeln die Drei gemeinsam mit Entwicklern aus aller Welt an ihren Ideen. Es entstehen Prototypen, Demoversionen, die Brüder besuchen Messen in den USA. Nebenbei studierten sie, aber ihre Leidenschaft und ein großer Teil ihrer Freizeit gehört der gemeinsamen Vision, etwas Großes zu schaffen. 1999 gründen sie Crytek, jetzt wollen sie Ernst machen. Und es klappt: 2001 finden sie in einem französischen Unternehmen einen wichtigen Partner.

Düstere Welten, zu allem entschlossene Kämpfer: Mit Ballerspielen ist Crytek groß geworden

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INHALT

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SOFTWARE-CHAMPIONS

KULTURMINISTER VERLEIHT PREIS

dacor.de

Jetzt zieht die bunte Truppe an Entwicklern aus aller Herren Länder in der Vestestadt ein: Esten, Russen, Amerikaner, Australier. „Das war damals für Coburg schon ziemlich exotisch, was wir hier gemacht haben“ sagt Faruk heute. Doch sie machen es richtig: Im Mai 2002 wird die CryEngine veröffentlicht, eine Software zur Entwicklung von 3-D-Spielen. Ein Meilenstein. Das erste Spiel des Unternehmens auf dieser Basis ist der Ego-Shooter Far Cry. Der Titel kommt im März 2004 auf den Markt und wird ein Welterfolg: Über 2,6 Millionen Exemplare werden verkauft. Gleichzeitig müssen sich die Brüder mit der auf kommenden Diskussion über Ballerspiele auseinandersetzen. „Wenn es ein Verbot von solchen Spielen in Deutschland gibt, gehen wir ins Ausland“ sagen sie in einem Interview. Heute hat sich die Diskussion beruhigt. Das Actionspiel Crysis 2 aus dem Hause Crytek erhält 2012 sogar den Deutschen Computerspielpreis – und zwar aus den Händen von Kulturstaatsminister Bernd Naumann.

COBURG WIRD ZU KLEIN Crytek also kann in Deutschland bleiben, verlässt aber seine Heimatstadt Coburg. „Wir hatten 2006 110 Mitarbeiter in Coburg, das Büro platzte aus allen Nähten“ erzählt Faruk. Und wenn man schon einmal umzieht, beschließen die Brüder, dann richtig, dann dorthin, wo man sich besser entwickeln kann. Eine Umfrage unter Mitarbeitern ergibt Frankfurt als idealen Standort. Klar: der Flughafen um die Ecke bringt das Unternehmen näher an die Kunden in aller Welt. „Wir hatten Geschäftspartner in London, die gesagt haben: wir sind doch schneller in New York als bei Euch in Coburg.“

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Mittlerweile arbeiten etwa 850 Mitarbeiter weltweit an neun Standorten für Crytek, davon über 400 alleine in Frankfurt. Eine rasante Entwicklung, die so weitergehen soll. Wie lange die drei Brüder dabei selbst mit an vorderster Front kämpfen, weiß Faruk noch nicht. Sicher keine zehn Jahre mehr: „Die letzten 15 Jahre sind unvorstellbar schnell vergangen“, sagt er. Da bleibt wenig Zeit für die eigene Familie, und alle drei haben Kinder. Die Familie ist wichtig für die Brüder: „Unser Vater war Gastarbeiter, wir sind in einfachen Verhältnissen aufgewachsen, insgesamt fünf Kinder, das hat uns schon geerdet“ sagt er. Und auch, wenn sie natürlich heute mehr reisen oder schönere Autos fahren, „eigentlich ist das alles nur Kosmetik, wir haben uns nicht wirklich verändert.“

Kontakt

Telefon: (09561) 97621-0 E-Mail: info@dacor.de

ZUM ZAHNARZT NACH COBURG So kommen sie immer noch nach Coburg, um Familie oder Freunde zu besuchen, selten zwar, aber regelmäßig. „Ich gehe immer noch zu meinem Coburger Zahnarzt, einen besseren findest Du in ganz Frankfurt nicht.“ schmunzelt Faruk. Ein Schild am ehemaligen Büro von Crytek in der Rosenauer Straße erinnert noch an ihre Wurzeln. Und nicht weit entfernt, am Floßanger, sind sie jetzt Sponsor vom SV Bosporus Coburg. „Die haben uns ein tolles Konzept vorgestellt, das wir gerne unterstützen. Das wird einer der Coburger Top-Clubs in den nächsten Jahren.“ Seine Heimat aber ist jetzt Frankfurt. Coburg hat sich zwar gut entwickelt, sagt er, es habe sich viel verändert, der Charme sei immer noch da, zurück aber möchte er nicht mehr.

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Detaillierte Szenen am Beginn der Spieleentwicklung

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Jede Figur ein Einzelstück: Entwickler bei der Arbeit

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Wurde irgendwann zu klein: Crytek-Büro in Coburg AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS

58 C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N Improvisation mal anders: Schauspieler Frederik Leberle auf der Ersatzbühne in Coburg-Cortendorf

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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS

VON FREDERIK LEBERLE FOTOS: FRANK WUNDERATSCH UND VAL THOERMER

DIE LEIDEN MIT DEM FEUCHTEN THEATER

TA G E B U C H

Ende Oktober 2013, Landestheater Coburg. Durch einen Bedienungsfehler bei Wartungsarbeiten einer externen Firma wird die Berieselungsanlage auf der Bühne ausgelöst. Riesige Wassermengen ergießen sich auf die Bühne. Das Große Haus ist dadurch viele Wochen lang nicht nutzbar. Der Spielbetrieb aber muss weitergehen –so beginnen Wochen der etwas anderen Improvisation. Wir haben uns von Schauspieler Frederik Leberle über diese ganz besondere Zeit ein weiteres Kapitel seines Tagebuchs öffnen lassen. „Auf der Bühne regnet es.“ Wenn man diesen Satz hört, denkt man zunächst erst mal an den 1. April. Oder an eine besonders raffinierte Idee des Bühnenbildners. Wenn die Antwort auf die ungläubige Nachfrage dann erneut wortgenau so lautet, verändert sich der eigene Gesichtsausdruck in Sekundenschnelle. „Ich denke, ihr habt heute Abend keine Vorstellung“, wird an die Antwort noch kurz und knapp angefügt und spätestens in diesem Augenblick hat man unterbewusst bereits begriffen, dass sich in den nächsten Tagen einiges ändern wird. Dass aus Tagen dann Wochen und aus Wochen Monate werden sollen, ahnt man zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Zunächst hat man auch keine Zeit sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen, denn die Proben für die aktuelle Produktion laufen ohne mit der Wimper zu zucken weiter. Erst nach Probenen-

de hört man dann den Erlebnisbericht der Kollegen: Das in dem Flur stehende Wasser hatte zunächst zu etwas Verwirrung geführt, so etwas ist zwar ungewöhnlich, aber nicht lebensverändernd. Öffnet man aber die seitliche Schiebetüre zur Bühne und steht mitten auf der Bühne in einem Monsunregen, ist dies ein Eindruck, den man sein Leben lang nicht vergisst. Während die Bühnenprobe für die erste Ballettproduktion der neuen Spielzeit, die in knapp einer Woche Premiere feiern soll, abgesagt werden muss, probt das Orchester im dritten Stock auf der Probebühne weiter. Man fühlt sich an die Titanic erinnert. Inzwischen ist es dunkel im ganzen Haus, wo der Strom nicht ausgefallen ist, ist er abgeschaltet worden. Das Orchester spielt dennoch unbeirrt weiter, da die Probebühne III dank der durchgehenden Fensterfront von Tageslicht beleuchtet wird. Den Weg nach draußen müssen die Musiker dann allerdings mit Taschenlampen oder Handylichtern finden. Was im folgenden auf der Bühne geschieht und wie fieberhaft daran gearbeitet wird, den Schaden in Grenzen zu halten, erfährt man erst im Nachhinein. Zunächst ist das Haus geschlossen und nur Gerüchte dringen nach außen. Dafür ist die Kommunikation unter den Kollegen umso lebhafter. An erster Stelle steht die Frage, ob irgendjemand inzwischen offiziell gehört habe, dass die Vorstellung Tombstone am Abend definitiv ausfällt. Den Schilderungen zufolge ist nichts anderes denkbar, aber bevor es keine offizielle Mitteilung gibt, kann auch nicht anderweitig

HUNDERT TAGE ÜBERSCHWEMMUNG SIND SCHLIMMER ALS HUNDERT TAGE TROCKENHEIT. (CHINESISCHES SPRICHWORT) AUSGABE

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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS

STATT THEATER GEORGE CLOONEY UND SANDRA BULLOCK IN DIE WEITEN DES ALLS FOLGEN

geplant werden. Als der Anruf des künstlerischen Betriebsbüros mit der Absage der Vorstellung erfolgt, wird der unerwartet freie Abend entsprechend verplant: Endlich mal wieder ins Kino. Das Programm durchgesehen, den Film gewählt und die Schuhe geschnürt, klingelt das Telefon erneut und der freie Abend ist schon wieder dahin – die laufende Produktion nutzt den Abend spontan für eine zusätzliche Probe. Im Gegensatz zu der ursprünglich angesetzten Vorstellung, nach der ich das Theater nach Abschminken, Mastix entfernen und Duschen gegen 22.30 verlassen hätte, endet die Probe aber bereits um 22.00 und damit ist bezüglich der Abendplanung nur eine leichte Improvisation von Nöten. Dank der Schulferien läuft eine Spätvorstellung und um 22.40 kann ich doch noch George Clooney und Sandra Bullock in die Weiten des Alls folgen. In den nächsten Tagen werde ich dann immer wieder von Außenstehenden auf die Situation im Theater angesprochen. Diese sind durch Pressemitteilungen über die Entwicklungen informiert. Die Anteilnahme ist groß. Die Ensemblemitglieder erhalten Informationen über Aushänge im Haus und

an der Theaterpforte. Doch vieles bleibt ungewiss, Dimension und Dauer des Schadens sind verständlicherweise nicht sofort absehbar. Ich probe in diesen Tagen auf einer externen Probebühne und nicht im Theater, sodass bisweilen ein kurzer Blick in die Fenster der Geschäftsstellen der Tageszeitungen, die dort erfreulicherweise ihre Tagesausgaben aushängen, das nötige Update in der Mittagspause mit sich bringt. Doch auch die Homepage des Theaters und eine außerordentliche Personalversammlung bringen dann bald Licht ins Dunke: noch am Tag des Desasters entsteht die Idee einer temporären Ausweichspielstätte und bereits zwei Tage später wird in Cortendorf aus der Montagehalle der Werkstätten eine provisorische Bühne. Die Ballettpremiere ist gerettet und findet an dem geplanten Termin statt. An demselben Tag spiele ich jedoch selbst, denn die Vorstellungen in den Außenspielstätten laufen völlig unbeeindruckt von dem Stillstand im Grossen Haus uneingeschränkt weiter. Tatsächlich sind diese nun die einzigen Spielstätten des Schauspiels. Bis der Schauspieldirektor eine weitere Idee aus dem Ärmel zaubert und unter dem Titel „Kohlhiesel unplugged“ eine auf die Bühne in Cortendorf zugeschnittene Version des Publikumsrenners „Kohlhiesels Töchter“ auf die Beine stellen will. Andernfalls würden zu

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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS viele ausverkaufte Vorstellungen ersatzlos ausfallen. The show must go on.

Theater auf Zeit: Die Werkstätten des Landestheaters Coburg

Erneut setzt das Rätselraten unter den Kollegen ein, was unter diesem Titel zu verstehen sein könnte und welche Veränderungen zu erwarten sind. Viel Zeit für Proben wird nicht vorhanden sein, so viel steht fest. Und tatsächlich bleibt nur ein Vormittag, um die inzwischen zwar insgesamt relativ oft, aber in der letzten Zeit auch lange nicht gespielte Vorstellung auf die Gegebenheiten der neuen Bühne zu adaptieren. Als ungemein hilfreich erweist es sich, dass ich die Ballettproduktion Bolero inzwischen gesehen habe und so einen ersten Eindruck der Bühnengegebenheiten vorab erfahren konnte.

Denn am Abend vor der einzigen Probe liegt für jeden Beteiligten ein mehrseitiger Ablaufplan an der Theaterpforte, in dem bereits alle Änderungen festgehalten sind. Die Probenzeit beträgt vier Stunden, die Inszenierung selbst dauert knapp zweieinhalb – da bleibt nicht viel Zeit um auszuprobieren oder erst vor Ort nach Lösungen zu suchen. Aber mit der Kenntnis der Bühne bleibt zumindest über Nacht noch Zeit, sich eigene Gedanken zu den veränderten Umständen und den erforderlichen Alternativen zu machen. Doch erst am nächsten Morgen ist das wahre Ausmaß der Veränderung ersichtlich, denn natürlich kann ein dreidimensionales Bühnenbild, das im Original auf einer Drehscheibe stand und sowohl ebenerdig als auch im ersten Stock bespielt werden konnte, so nicht in der ehemaligen Montagehalle aufgebaut werden. Statt Wirtshaus und Toilette,

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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS

DIE PRÜGELEI FINDET EIN NEUES ENDE AUF EINEM DER BIERTISCHE

Nun wird Szene für Szene technisch geklärt, was sich verändert. Zunächst liegt das Hauptaugenmerk

Auftritten sind aber auch andere Details zu klären. Aufgrund des beschränkten Platzes kann ich aus Sicherheitsgründen auf der Bühne nun kein Holz mehr hacken. Für die Szene, in der Naturbursche Toni Oberammer dem zugereisten Stadtmenschen Peter die komplizierte Situation in dem Gasthof des alten Kohlhiesel erklärt, fehlt damit der begleitende spielerische Vorgang. Schnell ist Abhilfe

Zwangspause: das Große Haus des Landestheaters

Hoffen auf Normalität: Frederik Leberle

auf den Auftritten und Abgängen, denn bisher wurden die Bühne zumeist im Off (und somit für den Zuschauer unsichtbar) betreten und dann drehte sich das Bühnenbild nach vorne. Nun müssen nicht nur die Schauspieler, sondern auch der beteiligte Chor und die Blaskapelle mit ihren verschiedenen Instrumenten auf Stichwort auftreten. Und der Platz für die Auftritte ist begrenzt, Nadelöhr und Elefant versuchen zueinander zu finden. Da die Abgänge der Kapelle zu lange dauern würden, wird spontan beschlossen, diese nicht abgehen zu lassen, sondern zusätzliche Stühle in das Bühnenbild einzubauen, auf denen die Musiker auch während der Schauspielszenen verweilen können. Neben den

geschaffen - statt des gehackten Holzes bleiben nur ein paar Trockenschwünge zum Aufwärmen. Die Dose des namensträchtigen Brauseherstellers, die bisher bis zu ihrem überraschenden Auftauchen hinter den Holzscheiten versteckt war, lasse ich kurzerhand in einem leeren Bierkrug verschwinden – und hoffe, dass diesen kein Kollege abräumt, bevor die Dose dann im Spiel benötigt wird. Statt der Leiter, die in guter Charlie Chaplin Manier durch das Bühnenbild geschwungen wurde, nehme ich nun eine Bierbank, die vorher natürlich so positioniert werden muss, dass ich zufällig über sie stolpern kann, um sie dann wie selbstverständlich aufzuheben. Und auch für die Prügelei, die bisher dadurch endete, dass beide Kon-

Biergarten und Küche, Balkon und Holztreppe steht nun lediglich ein für die gesamte Vorstellung unveränderliches Bühnenbild: eine Handvoll Bierbänke, eine Theke und Überbleibsel einer Häuserwand mit einer Tür, die ins Nichts führt.

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trahenten dank der Drehbühne im Schwitzkasten aus dem Bild gedreht wurden, findet sich nun ein neues Ende: ein gemeinsamer Knockout auf einem der Biertische. Die vier Stunden reichen knapp aus, wir manövrieren uns einmal durch das gesamte Stück und haben einen groben Plan für den Abend. Was nicht geklärt

wurde, muss dann improvisiert werden. Dafür ist glücklicherweise eine überzeichnete Komödie wie dieser Schwank besser geeignet als ein historisches Drama. Am Abend wird es dann ernst. Die Aufregung ist fast grösser als bei der Premiere. Obwohl wir das Stück schon so oft gespielt haben. Gleich in der ersten Szene wird offenbar, wie nah wir den Zuschauern sind. Das war uns am Morgen vor den leeren Tribünen so nicht bewusst geworden. Wir spielen förmlich in ihrem Wohnzimmer. Die Lichtstimmungen sind aufgrund der eingeschränkten Möglichkeiten

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TAGEBUCH EINES SCHAUSPIELERS

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ebenfalls ganz anders als gewohnt. Und wird nun erst mal das Adrenalin im Spiel freigesetzt, bleiben auch die ersten Neuerungen des Vormittags auf der Strecke. Hier und da treten plötzlich Kollegen anders als geplant auf oder stehen an unerwarteten Stellen. Nach diversen Aufwärmschwüngen mit der Axt, sehne ich Peters Auftritt herbei, um nicht doch noch in Versuchung zu geraten Holz zu hacken. Aber die Verabredung war nicht eindeutig genug, so dass mein Toni spontan die Zeit mit weiteren Kräftigungsübungen überbrückt. Dafür ist zumindest meine Dose noch am rechten Platz. Doch die Improvisation mit ungewohnten Situationen bringt auch jede Menge zusätzlicher Spielmöglichkeiten. Die Nähe des Publikums wird gnadenlos ausgenutzt, es wird angetanzt, angeschmachtet, angebettelt – und bekommt den Luftzug der kontrolliert geschwungene Bierbank zu spüren. Mein persönliches Highlight ist der neu entdeckte Auftritt eines Kollegen, der sich unter den Bierbänken in die Wirtshausszenerie robbt und von dort noch die Hühner im Off traktiert. Einzig bei der Applausordnung gerät die Improvisation an ihre Grenzen, das unberechenbare Schließen und Öffnen des Hauptvorhangs lässt lachende Schauspieler auf der Bühne zurück. In den nächsten beiden Vorstellungen sind die Veränderungen bereits verinnerlicht und die kleinen Ungereimtheiten ausgemerzt. Doch stets bleibt noch Raum für weitere Improvisationen – die jedoch mehr und mehr der Spielfreude als den Einschränkungen geschuldet sind. Die Zuschauer, die lediglich die „unplugged“-Variante gesehen haben, können sich daher auch gar nicht mehr vorstellen, wie diese Inszenierung davor anders ausgesehen haben könnte. Das Abenteuer in den Werkstätten Cortendorf ist nun abgeschlossen, die letzte Vorstellung im Schauspiel ist dort bereits gespielt und am Ende des Monats fällt auch ein letztes Mal der Vorhang für die dort getanzte Ballettproduktion. Man hätte sicherlich gerne auf diese Ausweichspielstätte verzichtet, hätte den routinierten Vorweihnachtsalltag dem Umbau der Montagehalle zu einer Bühne vorgezogen. Aber eine erinnerungsträchtige Erfahrung war es allemal. Ganz zu schweigen von dem Monsunregen auf der Bühne. (Frederik Leberle)

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ZUSCHAUEN.HÖREN.

THEATER & MUSIK. DEMNÄCHST. LANDESTHEATER COBURG Frühling. Der Wasserschaden ist überstanden und es darf wieder gespielt, getanzt und gesungen werden. Nachdem mit der verschobenen Premiere der Lustigen Witwe die Bühne des Großen Hauses nach knapp zehn Wochen endlich wiedereröffnet werden konnte und die Premiere des Balletts Gefährliche Liebschaften bereits begeistert aufgenommen wurde, stehen nun in der Oper und im Schauspiel die ersten Premieren des neuen Jahres auf dem Spielplan. Sie stehen im Zeichen des Aufbruchs. Aufbruch aus der Unterdrückung, aus der Verzweiflung, aus der Konvention und aus der Abhängigkeit. Aufbruch in die Freiheit, in den Traum, in das Wagnis und in die Selbstverwirklichung.

Grund zu gehen. Denn was Schiller vor fast 250 Jahren bewegt hat, scheint auch heute noch nichts an seiner Brisanz verloren zu haben: die Unzufriedenheit mit der Gegenwart und die Hilflosigkeit, eine adäquate Lösung für die Zukunft zu finden. Was tun?

D WER IST DABEI

Frederik Leberle als Karl von Moor und Sönke Schnitzer als Franz von Moor stehen sich wie bereits in Tombstone als ungleiche Brüder gegenüber – nun jedoch unter umgekehrten Vorzeichen. Als deren Vater Maximilian von Moor ist Nik Scheibli zu sehen, als Karls Geliebte Amalia Eva Marianne Berger. Die Räuber Spiegelberg, Roller und Schweizer spielen Mathias Renneisen, Alexander Peiler und Thorsten Köhler. Nils Liebscher übernimmt als Räuber Kosinsky, Hermann, Pastor und Pater verschiedene Rollen.

einen Bedingung, dass sie ihn niemals nach Name und Herkunft fragen möge. Doch die Verlockung ist zu groß. B Der Kahn des mysteriösen Fremden legt am Ufer der Schelde im mittelalterlichen Antwerpen an. Im frühen 10. Jahrhundert zur Zeit Heinrichs des Ersten. C Landestheater goes international: Durch die Koproduktion mit der Opéra de Rennes, Opéra de Rouen und Opéra de Limoges werden Kräfte gebündelt, um Wagners imposante Oper ins rechte Licht setzen zu können. Die musikalische Leitung ist dabei Generalmusikdirektor Roland Kluttig vorbehalten. Für die Inszenierung zeichnet sich Carlos Wagner verantwortlich, der in Coburg (bereits mit Kostümbildner Christof Cremer) den Barbier von Sevilla in Szene setzte. Bühnenbildner Rifail Ajdarpasic arbeitet hingegen erstmals am Landestheater Coburg. D Als Elsa von Brabant ist Betsy Horne, als Heinrich der Vogler Michael Lion zu sehen. Auch der Heerrufer des Königs (alternierend Falko Hönisch, Benjamin Werth und Martin Trepl) und die vier brabantischen Edlen (alternierend Mitglieder des Chores unter Leitung von Lorenzo Da Rio) werden aus dem festen Ensemble besetzt.

TOD ODER FREIHEIT!

DIE RÄUBER

Drama von Friedrich Schiller

A DARUM GEHT ES

Karl von Moor genießt das Studentenleben. In vollen Zügen. Als er sich zunehmend in Schulden verstrickt, will er ins väterliche Schloss zurückkehren und bittet den Vater um Verzeihung. Doch Karls kaum jüngerer Bruder Franz hat andere Pläne. Er unterschlägt und fälscht jegliche Korrespondenz, bis Karl verbannt und enterbt wird. In die Enge getrieben, lässt sich Karl von seinen Freunden zum Hauptmann einer Bande wählen. Doch der Kampf gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung gerät bald außer Kontrolle, die Gewalt der Räuber eskaliert. Von ständigen Zweifeln geplagt, kehrt Karl nach Hause zurück, um Vater und Geliebte zumindest noch einmal zu sehen – und entdeckt die Intrige seines Bruders. Doch es gibt kein Zurück mehr.

B WO UND WANN SPIELT ES

Neulich in der Oper

E WANN

Vor der Premiere im Großen Haus am 8. März findet bereits eine Matinee in der Reithalle statt (2.3., 11.00). Weitere Vorstellungen folgen im März (12., 13. und 28.3.), April (3. und 10.4.), Mai (9., 14., 15., 18. und 24.5.) und Juni (17.6.).

Schiller lässt sein 1781 zunächst anonym veröffentlichtes Drama in „Teutschland“ spielen, über einen Zeitraum von zwei Jahren folgen wir den Räubern zwischen sächsischen Städten, fränkischen Schlössern und böhmischen Wäldern.

LOHENGRIN

Selten war der Begriff „großes Drama“ so passend, wie für Schillers erstes Werk, das so brachial, so ungestüm und so leidenschaftlich den Sturm und Drang seiner Zeit widerspiegelt. Freiheit und Ehre, Stolz und Neid, Liebe und Verrat, Gewalt und Mord sind die Zutaten eines Stücks, das ungeschliffen und voller Pathos vom Scheitern eines Ideals an der Realität erzählt. Regisseur Matthias Straub und Ausstatterin Gabriele Wasmuth arbeiten nach Die Familie Schroffenstein und Verbrennungen erneut zusammen, um den zeitlosen Ideen von Revolution, Widerstand und Utopie auf den

A Im Herzogtum Brabant ist ein Streit um die Erbfolge entbrannt. Elsa wird des Brudermords bezichtigt. Das Gericht ordnet einen Zweikampf an, in dem ein Ritter für sie gegen ihren Ankläger, den Grafen Telramund, antreten soll. Dieser stand kurz vor der Hochzeit mit ihr, doch nun hat er Ortrud geheiratet, die selbst Ansprüche auf den vakanten Thron geltend machen kann. Für den Zweikampf findet sich kein Ritter, aber Elsa hat geträumt, ein gottgesandter Held werde sie beschützen. Dieser Fremde erscheint tatsächlich und rettet sie aus der misslichen Lage. Er will sie sogar heiraten und bei ihr bleiben - unter der

C WAS ERWARTET MICH

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SCHWANENDES UNHEIL

Für die Titelrolle des Schwanenritters Lohengrin (alternierend Daniel Kirch und Wolfgang Schwaninger), wie auch mit Juri Batukov als Friedrich von Telramund und Martina S. Langenbucher als Ortrud wurden hingegen Gäste engagiert. E Die Premiere wurde bereits am 23. Februar gefeiert. Weitere Vorstellungen stehen jedoch auch im März (6., 16., 21. und 25.3.), am 21. April, im Mai (4., 25. und 29.5.), sowie am 4. Juni und 16. Juli auf dem Spielplan.

Romantische Oper von Richard Wagner

LIEBE ZU DRITT?

STELLA

Schauspiel von Johann Wolfgang Goethe

A Stella liebt Fernando. Und Fernando liebt Stella. Cäcilie liebt Fernando. Und Fernando liebt Cäcilie. Doch Fernando hat Geliebte und Gattin verlassen. Dass ausgerechnet Cäcilie ihrer Tochter Lucie eine Anstellung bei Stella verschaffen möchte, als Fernando nach Jahren der Abwesenheit wieder zurückkehrt, offenbart das Beziehungsdreieck. Dass alle drei zwischen

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ZUSCHAUEN.HÖREN ihren Gefühlen füreinander und dem Großmut, diese zum Wohl und vermeintlichen Schutz des anderen zurückzustellen, zerrissen sind, macht die Situation nicht einfacher. B Goethes Urfassung seines „Schauspiels für Liebende“ verfasste er 1776, die auf gesellschaftlichen Druck veränderte Fassung veröffentlichte er 1816. Nach einer ersten Begegnung im Posthaus spitzt sich das Drama in Stellas Garten und ihrem Anwesen zu. C Ein Mann zwischen zwei Frauen. Zu bestimmten Zeiten und an bestimmten Orten heute sicherlich längst eine Selbstverständlichkeit, war dies für Goethes Zeitgenossen ein hausgemachter Skandal. Insbesondere wenn die Möglichkeit, eine Dreiecksbeziehung tatsächlich offen auszuleben, derart unverfroren ausgesprochen wurde, wie in Goethes Originalschluss, in dem Stella, Cäcilie und Fernando zu dritt - gemeinsam mit Lucie – zusammenleben wollen. Die geänderte Fassung, in der die Liebenden, aber moralisch Gescheiterten den Tod finden, war da weit weniger provokant. Und so aufgeklärt sich die moderne Gesellschaft auch zu geben versucht: im Vergleich zum Tempo der Weiterentwicklung unserer Lebens- oder Arbeitsbedingungen, bleibt die grundsätzliche Entwicklung unserer Beziehungsstrukturen doch weit zurück. Man darf daher gespannt sein, wie sich Regisseur Andreas Ingenhaag mit diesem Thema auseinandersetzt und auf welchen Stückschluss er zurückgreift. Doch nicht nur der Schluss, das gesamte Stück lädt dazu ein, sich mit der Frage zu beschäftigen, ob unsere Beziehungen eigentlich in der Tiefe ihres Wesens eher zum Weinen oder zum Lachen sind. Andreas Ingenhaag hat bereits mit seiner ersten Regiearbeit am Landestheater Coburg, dem Monolog Restwärme, eine sehr differenzierte Sichtweise auf gesellschaftliche Entwicklungen offenbart. D Als Stella und Fernando sind Philippine Pachl und Frederik Leberle zu sehen. Kerstin Hänel spielt Cäcilie, Eva Marianne Berger Lucie. E Nach der Premiere am 11. April in der Reithalle sind bisher nur vier Vorstellungen angesetzt (13., 16., 23. und 24. April). Mit weiteren Vorstellungen im Mai und Juni darf jedoch gerechnet werden.

Dr. Birgit Weber für Coburg

Dr. Birgit

IM BRUNNEN VERLOREN

WEBER

PELLÉAS UND MÉLISANDE

Oper von Claude Debussy, Libretto von Maurice Maeterlinck

A Golaud hat sich verirrt und findet die trauernde Mélisande. Er nimmt sich der scheuen Frau an, heiratet diese und kehrt mit ihr in das Königreich seines Vaters zurück. Dort fühlt sich die verängstigte Mélisande aber trotz der Fürsorge der Eltern Golauds ebenfalls unwohl. Als sie Golauds Halbbruder Pelléas kennenlernt, entsteht zwischen den beiden eine zarte Verbindung, die Mélisandes Seele zur Ruhe kommen lässt. Ganz im Gegensatz zu Golaud, der den Umgang der beiden mit wachsender Unruhe beobachtet. Die Eifersucht wächst... B Debussy komponierte seine impressionistische Oper um die Jahrhundertwende. Die Orte der Handlung bleiben abstrakt: ein Wald, ein Schloss, ein Gemach. Konkret wird hingegen das Element Wasser, das immer wieder auftaucht: im Brunnen, in der Felsgrotte, im Teich unter dem Schloss oder am Hafen. C Pelléas und Mélisande bilden ein geheimnisvolles Paar, dessen Faszination im Unausgesprochenen liegt. Debussy greift diese Stimmung in seinem Werk auf und arrangiert eine Oper, die fein mit Andeutungen spielt und die Komplexität der Gefühle zum Ausdruck bringt. Auch hier liegt die musikalische Gestaltung in den Händen von Roland Kluttig. Für die Interpretation der vielschichtigen Beziehungen ist Regisseur Jakob PetersMesser verantwortlich, der bereits mit seinem scharfen Blick auf Iphigenie auf Tauris und insbesondere Rinaldo für Aussehen gesorgt hat. Das Bühnenbild gestaltet Markus Meyer, die Kostüme Sven Bindseil. D Die Besetzung stand bei Redaktionsschluss leider noch nicht fest. E Premiere ist am 19. April im Großen Haus, davor lockt noch eine Matinee in die Reithalle (13.4., 11.00). Weitere Vorstellungen im April (23. und 25.4.), Mai (7., 15., 22. und 30.5.), Juni (6. und 14.6.) und am 17. Juli.

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BAMBERGER | DAS MAGAZIN

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BASE-JUMPER

Die Füße stehen über dem Abgrund. Der Blick geht nach unten. Mehrere hundert Meter. Die Menschen - kleiner als Ameisen. Im Kopf geht Hajo Schirber seine Checkliste durch. Der Puls rast, der Blutdruck schießt nach oben, das Adrenalin sprudelt. „Das kannst Du Dir nicht abtrainieren.“ Doch genau danach sucht er, nach diesen Grenzsituationen, immer wieder. Und will jedes Mal seine Scheißangst besiegen. Das schafft er auch dieses Mal. Er stößt sich leicht

von Wolfram Hegen

ab, lässt sich nach unten fallen, in die Tiefe. Mit über 200 Stundenkilometern dem Abgrund entgegen. Zwei, drei Sekunden freier Fall, dann öffnet

BASE-JUMPING. KEIN HOBBY. LEBENSSTIL. IM GRENZBEREICH.

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sich der Schirm. Die restlichen Minuten zurück auf den sicheren Boden sind der pure Genuss, die Gefäße voll mit Endorphinen. „Es ist eine Sucht, ganz klar“ gibt Hajo Schirber zu. „Die Sucht nach Adrenalin.“

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AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

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BASE-JUMPER Schirber aber ist kein junger Wilder, kein Draufgänger, er ist ein ganz normaler Typ, groß, schlank, 50 Jahre alt und steht mitten im Leben, hat eine gute Position in einem unterfränkischen Industrieunternehmen, lebt beschaulich in Königsberg im Landkreis Hassberge. Er glaubt genau zu wissen, was er tut, nach fast 5000 Fallschirmsprüngen und bald 800 Basejumps. Er springt von Brücken, Hochhäusern, Windrädern, Sendemasten. „Basen ist eine Geschichte, da ist man selbst für alles verantwortlich. Das ist das Faszinierende daran. Ich entscheide, wo wann wie ich springe.“ Dass seine Mitmenschen das ganz anders sehen, weiß er. „Wie gestört muss man sein, um sein Leben zu riskieren.“ hört er immer wieder. Und natürlich springt die Todesangst immer mit. Vier seiner Bekannten hat er schon durch den Sport verloren. Seit 1981

1000 Meter hohen Steilwand in Kalifornien, sieht, wie Fallschirmspringer sich dort hinunterstürzen. Für ihn ist klar: Das möchte ich auch. Er wird Fallschirmjäger, springt bis 1998 viele Tausend Male aus Flugzeugen. Erfüllt sich damit einen Traum. Doch er will mehr, er weiß, es gibt etwas, über das keiner in der Branche redet. Es gibt sie, die Männer, die sich von Brücken und Häusern stürzen. „Das war damals alles total geheim, undercover, das durfte und sollte keiner wissen.“ Doch er merkt: Ein guter Freund muss auch dazu gehören, zu dieser kleinen Gruppe. Er bohrt nach, fragt. Der gute Freund wird sein Mentor. Zuerst übt er die Sprünge aus dem Flugzeug, den Umgang mit dem speziellen Schirm, der doppelt so groß ist wie beim Fallschirmspringen. Einen Reserveschirm gibt es nicht. „Dafür wäre bei einem Basejump auch gar

sind insgesamt über 220 Todesfälle erfasst. Vierzig davon alleine im Lauterbrunnental in der Schweiz, einer senkrechten Felswand, bei allerdings in jedem Jahr bis zu 20 000 Sprüngen. „Eigentlich ist Basejumpen von der Technik her sehr sicher, das einzige Risiko ist der Mensch.“ Topfit muss man sein, Herr seiner Sinne, Respekt haben, Erfahrung. „Schon das richtige Packen des Schirmes ist die beste Lebensversicherung.“

keine Zeit.“ Eines Nachts 1998 ist es soweit: Der Freund nimmt ihn mit. Der Weg führt sie zu einer Autobahnbrücke südlich von Stuttgart. „Ich erinnere mich noch heute an jedes Detail.“ Der erste Sprung hat sich tief eingegraben in seine Persönlichkeit. Und das „Basen“ lässt ihn nicht mehr los. „Das war damals eine absolute Mini-Szene. Eine Handvoll Leute, die in Deutschland diesem Hobby nachgegangen sind“.

Los geht alles 1988. Hajo Schirber sieht im Fernsehen Aufnahmen vom El Capitan, jener legendären

Das ändert sich mit den Jahren: Hersteller steigen ein, Filme zeigen die halsbrecherischen Stunts.

Vom Windrad in die Tiefe: Basejumper Hajo Schirber

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BASE-JUMPER

SCHON DAS PACKEN DES SCHIRMES IST DIE BESTE LEBENSVERSICHERUNG

ein dynamisches team von spezialisten...

Heute kommt ohne actioncam am Helm keiner mehr aus. Mit mindestens einer, manchmal auch drei oder vier. Die Zeit der Heimlichkeiten ist lange vorbei. Die Basejumper sind ganz legal im VDO organisiert, dem Verein Deutscher Objektspringer. 100 von ihnen sind dort gemeldet, ein paar mehr springen aktiv in Deutschland. Alles ist ordentlich geregelt: Sprünge müssen genehmigt werden, Eigentümer von Objekten und von Landeflächen müssen ihre Erlaubnis erteilen. Ein Geländegutachten wird erstellt, die Ausrüstung muss zugelassen sein, Basejumper müssen ausgebildete Fallschirmspringer sein, auch eine Haftpflichtversicherung ist erforderlich. Nichtgenehmigte Sprünge sind dagegen eine Straftat. „Das Springen selber zwar nicht“ lacht Hajo, „aber das Landen.“ „Ungenehmigte Außenlandung“ heißt das im Behördendeutsch. Verfolgt werden solche Straftaten in der Regel zwar nicht. Auch Hajo Schirber sieht es allerdings nicht gerne, wenn Baser sich illegal von Brücken stürzen. Wem das alles zu kompliziert ist in Deutschland, der kann in die Schweiz oder nach Österreich. „Da kannst Du von jeder Brücke runterspringen, wenn Du Lust hast.“ In Frankreich saß er dagegen einmal bis früh um vier Uhr auf der Polizeiwache im Pariser Ortsteil La Defense. Dort war er von einem Hochhaus gesprungen. „12 Polizisten mit den Händen an ihrer Pistole haben mich in Empfang genommen. Das war mir eine Lehre.“

Er hat wirklich viel erlebt in seinen 16 Jahren Basejumpen. So wie den Sprung 2010 beim Wolkenkratzerfestival vom Messeturm in Frankfurt. Er muss wohl einen merkwürdigen Eindruck gemacht haben, als er oben stand, direkt am Abgrund: Sonst hätte die Security ihn wohl nicht gefragt, was denn mit ihm los sei. „Nichts“ hat er geantwortet, „gar nichts … aber ich habe ganz einfach zehn Jahre auf diesen Moment gewartet.“ Dann ließ er sich fallen. Auch der Sprung vom „Skyper“ in Frankfurt 2013 war etwas ganz Besonderes. „Da standen tausende Leute unten, und ich habe dann eine Punktlandung im Park hingelegt, da war ich schon richtig stolz“.

Er will noch oft springen. Aber Wingsuiten, das Fliegen entlang eines Geländes, an den Konturen eines Berges entlang, wie Batman durch Felsspalten, das reizt ihn nicht. Zu gefährlich. „Basen ist relativ entspannt, Wingsuiten aber wie Formel 1“. Früher war die Technik das Problem, heute der Faktor Mensch. „Du hast ja keine Möglichkeit, zu reagieren, jeder Fehler ist Dein letzter.“ Ein kleiner Aufwind, weil die Sonne höher als beim ersten Sprung steht, winzige Temperaturunterschiede, eine harmlose Erkältung und deswegen die falsche Entscheidung, weil Du nicht ganz fit bist, und „du bist tot“. Beim Basejumpen Ein paar Sekunden freier Fall: Base-Jumping an einer Felswand

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Foto: Magnus Manske

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Foto: Katja Lenz

BASE-JUMPER

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BASE-JUMPER

Eldorado für Basejumper: die Wolkenkratzer von Frankfurt

oder erst Recht beim Fallschirmspringen gibt es dagegen immer noch kurze Zeitfenster, um einen Fehler zu korrigieren. Ist er sich sicher. Außerdem: Wingsuiter wollen fliegen, er aber will lieber von Gebäuden runterspringen. Wie hat er einmal in einem Interview gesagt: „Ich kann hundert Mal die gleiche Brücke gesprungen sein, jeder Sprung bleibt etwas Besonderes. Es ist das Gefühl, die Technik sauber zu beherrschen und die eigenen Ängste zu besiegen. Wenn du unten sicher gelandet bist, weißt du, dass du für dich und dein Handeln absolute Verantwortung übernehmen kannst. Denn eines sind wir Baser ganz sicher nicht: lebensmüde.“ Und so kann er sich vielleicht noch den einen oder anderen Wunsch erfüllen. „Ich bin Franke, ich würde daher natürlich mal gerne vom Nürnberger Funkturm springen.“ Bisher gab es dafür aber keine Genehmigung. Und auch das andere große Traumziel wird wohl unerfüllt bleiben: der El Capitan in den USA, 1000 Meter Senkrechte. Springen strengstens verboten. „Da verstehen die Amis keinen Spaß“. Doch auch in der Region gibt es genug Brücken oder Windräder für den zweisekündigen Kick, den kleinen Adrenalinschub. Solange es Spaß macht und körperlich geht, will er weitermachen. Nicht mehr jedes Wochenende, „ich bin ja auch schon etwas älter, ich suche mir jetzt die Jumps schon gezielt aus.“ Aber ein paar Jahre hat er noch, der älteste Kollege ist 72…

BASE-JUMPING: Springen mit einem Fallschirm von festen Objekten. Base steht zum einen für die feste Unterlage, von der Baser abspringen, aber auch für B wie Building (Gebäude), A wie Antenna (Sendemasten), S wie Span (Brücke) oder E wie Earth (Boden). Ein spezielle Form des Basejumping ist das Springen mit Flügelanzügen, sogenannten Wingsuits, das gerade in den letzten Jahr für viel Aufsehen gesorgt hat.

BASEJUMPING-GESCHICHTE:

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Chinesische Artisten haben sich schon zu Zeiten Marco Polos mit schirmartigen Gebilden aus Seide von Türmen gestürzt

1617 springt ein Kroate mit einem Schirm vom Campanile di San Marco oder einer Brücke in Venedig oder vom Glockenturm des 86 m hohen St. Martinsdoms in Bratislava

1912 Der Österreicher Franz Reichelt springt vom Eiffelturm mit einer Art Wingsuit in den Tod.

1963 der erste Basesprung weltweit mit gutem Ausgang: Der Münchner Hartmut Huber

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Foto: Kontizas Dimitrios

Foto: Agentur X of 711, USA

BASE-JUMPER

Der besondere Kick: Rückwärts in den Abgrund

Foto: Richard Schneider, USA

In Memoriam: Verein Deutscher Objektspringer trauert um seine Opfer

Sprung vom höchsten Gebäude Chinas in Shanghai

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Fehler lassen sich nicht korrigieren: Wingsuit-Flieger AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


BASE-JUMPER

„DER SPION, DER MICH LIEBTE“ IST EIN BASEJUMPER

1999 springt der österreichische Basejumper Felix Baumgartner vom rechten Arm der Christusstatue auf dem Corcovado in Rio de Janeiro aus mit dem Fallschirm ab.

1966 Michael Pelkey und Brian Lee Schubert springen vom El Capitan, einer 1000 Meter hohen Felswand im Yosemite-Nationalpark.

2007 springt Felix Baumgartner als erster Mensch vom damals höchsten Gebäude der Welt, dem Taipei 101 (508 m) in Taipeh.

1970 Berthold Rubin aus Köln springt von der 190m hohen Europabrücke bei Innsbruck.

2010 springen zwei Baser vom Burj Khalifa, dem mit 828 Meter höchsten Gebäude der Welt.

Foto: Richard Schneider, USA

springt insgesamt fünf Mal mit einem bereits vor dem Absprung von Passanten offen gehaltenen Rundkappenfallschirm T10R von der 68m hohen Mangfallbrücke.

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Batman in Dubai: Anflug mit dem Wingsuit

1975 Owen Quinn springt vom World Trade Center in New York.

1976 Rick Sylvester springt vom Mount Asgard rd. 1100 Meter tief für den Vorspann des James Bond-Filmes „Der Spion, der mich liebte“.

1990 springt Russell Powell von der Whispering Gallery der Saint Paul’s Cathedral in London aus einer Höhe von gut 30 Meter den bis dahin niedrigsten Sprung innerhalb eines Gebäudes.

Die Absprunghöhe war auf gut 670 Metern. •

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2013 springt der Russe Valery Rozov von der Nordwand des Mount Everest aus einer Höhe von 7220 m. Mit einem speziell für die niedrige Luftdichte entwickelten Wingsuit fliegt er hinunter bis zu einem mehr als 1000 m tiefer gelegenen Gletscher, landet per Fallschirm und erzielte damit den Weltrekord für den Base-Jump aus der größten Höhe.

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SPITZENKÖCHE ERZÄHLEN VOM ESSEN

GENUSSVOLLER LENZ LEICHTE IDEEN FÜR DEN FRÜHLING Der Winter war zwar kein wirklicher Winter. Dennoch haben wir die eher schwere winterliche Küche genossen und sehen das auch an den Hüften. Gut, dass jetzt wieder die Zeit für leichte, phantasievolle Gerichte kommt, für gesunde Menüs mit frischen Zutaten, für Knackiges vom Markt, aus dem eigenen Garten oder einem der vielen Lieferanten aus der Region. Wir haben zwei Restaurants in der Region um ihre ganz persönlichen 3-Gänge Frühlingsmenüs gebeten: das Grüntal in Neustadt bei Coburg und das Restaurant La Villa in der Villa Geyerswörth in Bamberg „Man muss dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen“. Dieses Zitat von Winston Churchill ziert das Restaurant LA VILLA in der Villa Geyerswörth in der Geyerswörthstraße 15 in Bamberg. Churchill selbst hatte zwar etwas Viel auf den Rippen, wer wollte seiner Aussage aber nicht Recht geben. Und so arbeitet das kleine Team rund um Küchenchef ANDRE GEBHARD Tag für Tag an neuen Ideen für ihr Konzept einer zeitlosen, frischen Küche mit internationalen Einflüssen, schließlich sind in der Villa Geyerswörth oft Besucher aus aller Herren Länder zu Gast. Zur Standardkarte gesellen sich saisonale Gerichte, wenn möglich mit Zutaten von Lieferanten aus der Region. Entscheidend ist immer die bestmögliche Qualität. Im LA VILLA kommt dann aber auch nur Frisches auf den Tisch, eine ausgewogene Küche mit Vitaminen, Fett, Eiweiß, Kohlehydraten, allem eben, was der Körper braucht und was schmeckt. „Wir wollen unsere Gäste glücklich machen, sie sollen spüren, dass wir Freude bei der Arbeit haben“, sagt der 36jährige Chefkoch und fügt schmunzelnd hinzu: „satt sollen sie aber auch werden.“ So entstehen im LA VILLA immer wieder besondere Kreationen, das Team probiert gerne Neues aus, gerne geht man auch auf persönliche Wünsche der Gäste ein.

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SPITZENKÖCHE ERZÄHLEN VOM ESSEN

VON DANIELA GRESCHKE UND WOLFRAM HEGEN FOTOS: FRANK WUNDERATSCH

Das macht Appetit: Blick in die Küche vom Restaurant La Villa in Bamberg

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SPITZENKÖCHE ERZÄHLEN VOM ESSEN

RESTAURANT LA VILLA REZEPT 3-GÄNGE FRÜHLINGSMENÜ FÜR VIER PERSONEN Das Frühlingsmenü stimmt den Gast auf die warme Jahreszeit ein. Die Vorspeise besteht aus zweierlei Fisch, was leichtes eben. Die Hauptspeise weckt Vorfreude auf die Spargelsaison und beim Nachtisch greift man zur Tonkabohne, die wegen ihrer halluzinogenen Wirkung ja auch schon einmal verboten war. Dabei schmeckt sie so herrlich vanillig-zimtig und passt damit wunderbar zum Rhabarber, einem typischen Frühlingsgemüse. Das Restaurant LA VILLA ist übrigens von Montag bis Samstag immer mittags und abends geöffnet.

Rosa Kalbsfilet an grünem Spargel

VORSPEISE Lauwarmer Thunfisch mit Jacobsmuschel

Lauwarmer Thunfisch und Jacobsmuschel an Radieschen-Wakamesalat 200 g Thunfisch 8 Jakobsmuscheln 150 g Algensalat 50 g Radieschen

Den Thunfisch in gleichmäßige Würfel schneiden. Zusammen mit den Jakobsmuscheln in einer Pfanne kräftig anbraten. Die Radieschen in feine Streifen schneiden und mit dem Algensalat vermengen. Das Ganze mit Salz, Pfeffer, Essig und Zucker abschmecken.

Danach den Thunfisch und die Muscheln auf dem Salat anrichten.

Küchenchef im La Villa: Andre Gebhardt

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SPITZENKÖCHE ERZÄHLEN VOM ESSEN HAUPTGERICHT Rosa Kalbsfilet an grünem Spargel und Kräutersaitlingen, Kartoffelkrapfen 800 g Kalbsfilet 1 Bund grüner Spargel 300 g Kräutersaitlinge 500 g Kartoffeln (mehlig kochend) 100 ml Milch 50g Butter 150 g Mehl 3 Eier

Das Kalbsfilet in gleich Stücke teilen und scharf anbraten. Je nach Garstufe zwischen 3 und 15 Minuten bei 180 Grad in den Backofen, danach würzen. Die Kartoffeln kochen, schälen und durchpressen. Aus der Milch, der Butter, dem Mehl und den Eiern einen Krapfenteig herstellen und unter die Kartoffelmasse mengen. Den Teig mit einem Kaffeelöffel formen und in Fett schwimmend ausbacken. Grünen Spargel putzen und bissfest kochen. Die Kräutersaitlinge je nach Größe vierteln oder sechsteln, in einer Pfanne anbraten, mit Salz und Pfeffer würzen. Alles anrichten.

Zum Auftakt lauwarmer Thunfisch

Panna Cotta von der Tonkabohne

DESSERT Panna Cotta von der Tonkabohne auf Erdbeer-Rhabarberragout 320 ml Sahne ¼ Tonkabohne 3 Stangen Rhabarber 100 g Zucker 2 Blatt Gelatine 1 Schale Erdbeeren 500 ml Rhabarbersaft

Die Sahne mit der Tonkabohne und 50g Zucker erhitzen. Die Gelatine zugeben, durch ein Sieg geben, in vier

Gläser oder Stürzformen geben und ca. 2 Stunden kaltstellen. Den Rhabarber putzen und in Stifte schneiden, danach 50g Zucker im Topf karamellisieren und mit dem Rhabarbersaft ablöschen. Danach den Rhabarber zugeben und ziehen lassen. Die Erdbeeren putzen und in Stücke schneiden, mit dem Rhabarber mischen und in einen Teller geben. Zum Schluss die Panna Cotta hinzugeben.

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twas uriger geht es im Neustadter Restaurant „GRÜNTAL“ zu. Chef RALF PATZELT, der auch noch einen Partyservice betreibt, sorgt hier für die „gute und bürgerliche Küche.“ Und zwar die mit dem gewissen Pep. „Es ist für mich etwas Schlimmes, Rezepte zu schreiben.“ gesteht der leidenschaftliche Koch, den die Kunst der Improvisation bereits als Kind bei seiner Mutter begeisterte. „Sie hat aus wenig immer etwas Leckeres gemacht.“ Ein Credo, das ihn geprägt hat, wie er sagt, während die Forelle in der sonnenbeschienenen Pfanne brutzelt. Das „GRÜNTAL“ selbst hat sicher schon viel erlebt in den letzten 105 Jahren. In letzter Zeit Dinge wie Valentinsmenüs, Bier- oder Weinverkostungen, auch ein wunderschöner Saal ist da zum Feiern. Die Patzelts sind mit einer derartigen Begeisterung involviert, dass sie sich auch auf die Söhne übertragen hat. Der Ältere wird bald ausziehen, um die Kunst des Kochens zu erlernen. Was RALF PATZELT auch mit einem weinenden Auge sieht, „er ist mir schon sehr gut zur Hand gegangen.“ Am Frühling begeistert PATZELT besonders die Vielfalt und der Frischegrad der Würzmittel. “Du kannst rausgehen und einfach Rosmarin, Koriander oder Thymian abschneiden.“ Und auch der Spargel ist ihm im lieber in frühlingshaftem Grün, „der ist viel nussiger und kräftiger im Geschmack als der Weiße.“ Sagt er und lässt die Gnocchi in der Bärlauchbutter tanzen. Wer nun Appetit bekommen hat, das „GRÜNTAL“ ist außer Mittwoch täglich ab 16.00 Uhr geöffnet und Sonntag ab 11.30 Uhr.

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RESTAURANT GRÜNTAL REZEPT 3-GÄNGE FRÜHLINGSMENÜ FÜR VIER PERSONEN Forellendöner mit Limettenschmand und Frühlingszwiebel im hausgebackenem Pitabrot 1 Stück Forelle je 1 Zweig Thymian und Rosmarin 1 Stück Eisbergsalat 2 Stück Tomate kleiner Bund Frühlingszwiebeln 200 gr Schmand 1 Stück Bio-Limette 14 gr Hefe 350 ml Milch

Schweinefilet unter der Walnusskruste Forellendöner mit Limettenschmand 200 ml Olivenöl 1 Ei 350 gr Mehl 50 gr Püreepulver Sesam

Die Forelle... waschen, innen und außen salzen und pfeffern. Mit den Kräuterzweigen füllen. (Wahlweise auch andere frische Kräuter oder Zwiebeln möglich). Erst in der Pfanne oder auf dem Grill braten, dann im Ofen bei 100 Grad gar ziehen lassen. Nach dem Abkühlen filetieren und zur Seite stellen.

Küchenchef im Grüntal: Ralf Patzelt

Für den Teig... Mehl, Püreepulver, Hefe, Eiklar, Olivenöl und Milch glatt verkneten. An einem warmen Ort eine Stunde gehen lassen. Kleine Kugeln formen, diese auf einer geölten glatten Arbeitsfläche platt drücken, etwa handtellergroß. Zu einem Halbmond einschlagen, Ränder mit den Fingern oder einer Gabel fest drücken. Mit Eigelb bestreichen und Sesam bestreuen. Bei 220 Grad 10 bis 15 Minuten goldbraun backen. (Teig ergibt mehr als 4 Döner)

Creme Brulet mit marinierten Beeren

Den Eisbergsalat... in feine Streifen schneiden, Tomate fein würfeln, beides mischen. Die kleinen Pitabrote aufschlagen und mit dem Salat füllen. Forellenfiletstücke über den Salat geben. Schmand mit etwas Limettenabrieb, dem Limettensaft, Salz und Pfeffer abschmecken. Auf den Salat geben. Frühlingszwiebeln in feine Ringe schneiden und darüber streuen. Nach Belieben mit etwas Aci pul biber ( türkischer Pfeffer) würzen.

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In heißem Öl scharf anbraten: Die Schweinemedaillons

Schweinefilet unter der Walnusskruste auf Selleriepüree mit gebratenem grünen Spargel und Bärlauch-Gnocchi 600 gr Schweinefilet 250 gr Sellerie geputzt 300 gr Sahne 400 gr grüner Spargel 100 gr Cocktailtomaten Gemüse der Saison Bärlauch 600 gr Gnocchi je ein Zweig Rosmarin und Thymian Knoblauch/1 Zehe Zucker weißer Balsamico 50 gr Butter 100 gr Walnüsse Semmelmehl

Die Schweinemedaillons... mit Salz und Pfeffer würzen, von beiden Seiten in heißem Öl scharf anbraten. Butter schaumig schlagen. Walnüsse klein hacken und in einer Pfanne ohne Öl leicht anrösten, abkühlen lassen. Nüsse in die aufgeschlagene Butter geben, mit dem Semmelmehl zu einer kompakten Masse kneten. Mit Salz, Pfeffer und eventuell etwas Walnussöl abschmecken. Schweinemedaillons im Ofen bei 100 Grad gar ziehen lassen (zart rosa), dann die Walnussmasse auf die Medaillons geben und im Ofen bei Oberhitze goldbraun überbacken.

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Für das Selleriepüree... die Sahne mit Kräuterzweigen und der Knoblauchzehe aufkochen, mit Salz und Pfeffer abschmecken, Sellerie klein würfeln, dazu geben und in der Sahne weich kochen. Kräuter und den Knoblauch aus der Sahne nehmen, dann Sellerie und Sahne pürieren. Eventuell noch mal abschmecken. Den Spargel... an den Enden abschneiden, das untere Ende des Spargels schälen und in zirka zwei Zentimeter große Stücke schneiden. In heißem Olivenöl anbraten. Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und leicht karamellisieren lassen. Mit etwas weißem Balsamico ablöschen. Kurz vor dem Anrichten die halbierten Cocktailtomaten unterschwenken und nochmal abschmecken. Für die Gnocchi... etwas Butter auslassen (sollte nicht braun werden) den klein geschnittenen Bärlauch zugeben, dann die Gnocchi aufkochen, aus dem Wasser nehmen und in der Pfanne mit der Bärlauchbutter durchschwenken. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Creme Brulee von der weißen Schokolade mit marinierten Beeren 5 Eigelb 1 Vanilleschote 200 ml Milch 300 ml Sahne 125 Gramm weiße Kuvertüre 100 Gramm Zucker Beeren nach Geschmack Erdbeeren, Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren Orangenlikör Puderzucker

Für die Creme... die Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Beides mit Milch und Sahne aufkochen. Die Vanilleschoten herausnehmen, die kleingeschnittene weiße Kuvertüre in der Sahne–Milchmischung unter mehrmaligem Rühren auflösen. Eigelb mit Zucker zu einer cremigen Masse aufschlagen, aufgelöste Kuvertüre darunter ziehen. Die Masse in feuerfeste Förmchen füllen und im Wasserbad bei 130 Grad im Ofen stocken lassen. Nach dem Abkühlen mit braunem Zucker bestreuen und mit dem Flambierer oder im Ofen bei Oberhitze karamellisieren. Die Beeren... je nach Größe eventuell etwas kleinschneiden, dann mit Puderzucker und Orangenlikör marinieren. Zu der Creme auf dem Teller anrichten.

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Foto: Val Thoermer

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HIER WOHNTE...

HIER WOHNTE…

…COBURGS ERSTER IMMOBILIENSPEKULANT OHNE IHN WÄRE COBURG UM EIN PAAR IMPOSANTE VILLEN ÄRMER. UND WIRKLICH JEDER KENNT SIE, SEINE EINDRUCKSVOLLEN GEBÄUDE. SIE ENTSTANDEN IM AUSGEHENDEN 19. JAHRHUNDERT AN VIELEN PROMINENTEN KNOTENPUNKTEN BÜRGERLICHEN LEBENS - VOM JUGENDSTIL BEEINFLUSSTE BAUTEN AUS BACKSTEIN UND SANDSTEIN. SO WIE DAS IN DER BAHNHOFSTRASSE 17 IN COBURG. VON HEIDI SCHULZ-SCHEIDT FOTOS: VAL THOERMER

D

ie Rede ist von Carlo Otto Leheis. Er schwang Zeichenstift und Mörtelkelle gleichzeitig und erschuf dabei Villen, die wortwörtlich die Bedeutung des aufkommenden Bürgertums in der Vestestadt in Stein meißelten. Und er war ausgesprochen fleißig. In den Jahren von 1896 bis 1904 ließ er an die 30 Häuser im gesamten Stadtgebiet errichten. Von der Alexandrinenstraße über die Marienstraße bis hin zur Lossaustraße, der Löwenstraße und dem Weichengereuth. Seine Villen prägen bis heute das Stadtbild und sind allesamt denkmalgeschützt. Obwohl: Villen im engeren Sinne waren die meisten Bauten gar nicht. Der Eigentümer selbst wohnte nicht darin. Leheis konzipierte seine Objekte von Anfang an als Mietshäuser für gehobene Ansprüche. Seine Idee war es, durch den Verkauf dieser villenähnlichen Gebäude das nächste zu finanzieren.

merkenswert. Ein so üppiges Gebäude mit einer Grundfläche von fast 200 Quadratmetern zielgenau einzupassen zwischen vorbei fließender Itz und belebter Bahnhofsstraße. Damit machte der Bauherr auf sich aufmerksam und ganz nebenbei noch ein bisschen Werbung für sein Architekturbüro. Dazu passte dann auch der städtische Auftrag zum Neubau der Hohenlohebrücke in der Bahnhofstraße – direkt vor der neu gebauten Villa. Weil die Verbreiterung und Verstärkung der ehemaligen Holzbrücke durch den aufkommenden Verkehr notwendig wurde, bekam die Überfahrt über die Itz ein Korsett aus Eisenträgern. Die Steinarbeiten führte die Firma Leheis aus. Praktisch. Und bei der feierlichen Einweihung der Brücke im Oktober 1901 standen die Coburger allesamt vor dem eben erst errichteten Mietshaus mit dem herrschaftlichen Antlitz. Auch von Marketing verstand er etwas, dieser Carl Otto Leheis.

Mit Ausnahme der Bahnhofstraße 17. Hier richtete sich der Architekt im Erdgeschoss sein Büro und seine Wohnung ein. Damals war es schick, an einer belebten Straße zu wohnen. Man sah gerne auf vorbei Flanierende und konnte hin und wieder einen Blick auf die Gäste des Herzogshauses - vom Bahnhof kommend – erhaschen. Dumm nur für Leheis, dass auf dem damaligen Grundstück auch die wenig glanzvollen Lager für sein Baugeschäft Platz haben mussten. Aber selbst dafür hatte Leheis eine Lösung parat: Das Haus wurde so geplant, dass es das unschöne Hintergebäude verdecken würde. Und das alles auf sage und schreibe nur knapp 740 Quadratmetern Grundstück. Be-

Er kaufte weitere Grundstücke. Er baute weitere Häuser. Große, herrschaftliche Gebäude. Mit Details aus den verschiedensten Bauepochen. Baumeister Leheis rühmte sich damit, Bauten in jeder Stilrichtung planen zu können. Hier ein bisschen Gotik, da ein bisschen Renaissance – zusammen ergab das wunderbare Fassaden mit hübschen Details. Verstreut über das ganze Stadtgebiet hat der gebürtige Plauener gewerkelt. Und das nicht allein. Man kann davon ausgehen, dass Leheis sehr modern – schon zahlreiche Subunternehmer beschäftigt hatte, die sich auf die verschiedenen Baustile spezialisiert hatten. Nur so kann man die enorme Bautätigkeit dieser Jahre erklären. Und es waren ja allesamt weder kleine noch unaufwändige Bauten. Bis hin zum einzigen wirklichen Jugendstilgebäude Coburgs in der Alexandrinen-

Die frühere Lehais-Villa in der Bahnhofstraße AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

straße – die Coburger nennen es aufgrund des einladenden Gestirns unterm Westgiebel schlicht „Sonnenhaus“. Aber auch hier trügt der Schein. Denn alles Jugendstilhafte beschränkte sich allein auf die Fassade. Innen ist das Haus konventionell aufgeteilt. Zweckdienlich. Schließlich sollte auch dieses Prachtstück ehedem wieder verkauft werden. So der Plan. Doch die Investition ging nicht auf. Otto Leheis baute und baute. Aber es fanden sich nicht schnell genug Käufer mit entsprechend großen Geldbeuteln. So geriet der schöne Plan ins Wanken, mit dem Erlös aus dem Verkauf des einen Hauses das nächste zu finanzieren. Schließlich deckten die Miteinnahmen bei weitem nicht die Summen, die er investiert hatte. Es kam wie es kommen musste: Otto Leheis ging pleite. Sein ganzer Besitz musste zwangsversteigert werden. Selbst sein Sägewerk im Hahnweg und der Steinbruch in Weißenbrunn am Forst. Alles verlor der geniale Planer und Architekt, der den Anblick Coburgs mit seinen Fassaden nachhaltig prägte und bis heute prägt. Nach und nach ging sein Besitz verloren und als im Jahre 1907 auch noch sein Wohnhaus in der Bahnhofsstraße unter den Hammer musste, hielt ihn nichts mehr. Mittellos verließ er mit seiner Familie im September die Stadt. Nie mehr fasste er geschäftlich Fuß. Er zog als Arbeiter und Zeichner rastlos durch Deutschland und verstarb schließlich im November 1921 in der Nähe von Schleiz auf einem Bahnhof. Vermutlich an Herzversagen. Schön zu wissen, dass die meisten seiner Villen bis heute in guten Händen sind. Liebevoll saniert und: egal ob als Mietwohnungen oder Geschäftsetagen: voller Leben. Mitten in Coburg.

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HIER WOHNTE...

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HARALD BIEBEL

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AUS DEM PORTFOLIO UNSERER FOTOGRAFEN

HARALD BIEBEL Harald Biebel lebt in Steinhöring, 35 Kilometer östlich von München. Wir haben in unseren Magazinen schon häufiger seine beeindruckenden Landschaftsbilder aus Nordbayern und Franken abgedruckt. Heute stellen wir Ihnen zwei weitere Kategvorien aus seinem fast unerschöpflichen Portfolio vor: Die Lebensmittelund Pflanzenfotografie. Biebel ist ein ausgesprochener Outdoorfan und reist sehr viel. Wir werden ihn demnächst etwas ausführlicher im COBURGER vorstellen.

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FIT IN DEN GOLF-FRÜHLING

BÄLLE SUCHEN UND RAUS AUCH WENN ES VIELEN NOCH ZU KALT IST. JETZT IST ES ZEIT. FIT WERDEN FÜR DEN GOLF-FRÜHLING. VON PETER EINHEUSER

Ein kleiner Teil der Golf-Enthusiasten hat über den Winter nie aufgehört zu spielen und selbst bei kältesten Temparaturen die Schläger herausgeholt. Doch die Mehrheit hat spätestens Ende Oktober zusammengepackt und sich auf fünf Monate „ohne Ball“ eingestellt. Sich nach dem extrem langen und kalten Winter darauf zu freuen, bei milden Temperaturen und an der frischen Luft endlich wieder zu golfen, ist mehr als verständlich. Wir alle sind begierig darauf die Clubs aus dem Keller zu holen und zu entstauben, damit es endlich wieder raus geht auf die erste Runde. Aber eine Frage kann nicht ausbleiben: Wie mache ich mich fit? Wie schüttle ich den Rost von meinem Golfschwung ab und wie komme ich schnell wieder in die Punkteränge des Vorjahres?

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it der körperlichen Fitness fängt es an. Denn bevor man die Schläger wieder in die Hand nimmt, sollte man seine allgemeine Fitness überprüfen und, wie in jeder anderen Sportart auch, allmählich steigern. Es ist selbstverständlich ein Unterschied, ob man mit Anfang dreißig gleich vom Skitraining und dem täglichen Fünf-Kilometer-Lauf die Golfausrüstung auf die Ladefläche des SUV schiebt oder ob man nach mehreren Monaten Enkelbetreuung vor dem Kamin mit ausführlichem Erklären Grimmscher Märchen mühsam die Golftasche in den Kofferraum hievt.

Kuckucksei. Gerade nach einer langen Winterpause sind ungewollte Kunstschüsse nicht selten.

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Generell gilt es gerade beim Golf für eine gewisse Grundkondition zu sorgen und eine ausreichende körperliche Beweglichkeit sicher zu stellen. Ob man sich die Ausdauer bei morgendlichem Joggen oder zu Hause am Ergometer holt, ist dabei lediglich eine Frage von Neigung und Möglichkeiten. Golf ist ein Ausdauersport, bei dem man auf einer vollständigen Runde vier bis sechs Stunden unterwegs ist. Noch wichtiger als eine gute Kondition ist die Beweglichkeit; denn Golf beansprucht den ganzen Körper und es schadet nicht, ein wenig über den Zusammenhang zwischen Körpermechanik und Golfschwung zu verstehen. Eine erfolgreich ausgeführter Golfschwung erfordert Flexibilität, Gleich-

Elegant aber leider nicht erlaubt.

gewicht, Kraft und Ausdauer. Unzureichend oder falsch trainiert, sind Golfer-Ellbogen, -Schulter, Meniskusschäden und schwere Rückenverspannungen sogar bei jungen Golfern nach langer Spielpause gute Möglichkeiten, sich in den ersten Wochen der Saison ausschließlich an Loch Neunzehn aufzuhalten. Daher sind regelmäßige Dehn- und Schwungübungen im Garten oder auf dem Balkon in unseren Breitengraden ab Anfang März genau richtig, wenn man im April zum ersten Mal auf die Driving-Range will. Sehr hilfreich ist, wenn man in der Zeit sein Lieblingsholz in der Nähe hat und immer wieder für Griffübungen in die Hand nimmt.

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icht jeder Golfer kommt perfekt in eine neue Saison, aber um Verletzungen zu verhindern, sind Trockenübungen wichtig. Überbelastungen entstehen durch zu häufigen Bodenkontakt bei den Abschlägen und ungenaues

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FIT IN DEN GOLF-FRÜHLING

Sonntagsvergnügen: Mit Freunden am Grün.

Balltreffen. Und beides hat auch mit Unbeweglichkeit nach einem langen Winter zu tun. Nach der ersten Runde Golf im neuen Jahr sollte man sich auf einen Drink mit Freunden freuen können und nicht bereits an Loch 4 darüber nachdenken, wo man die Telefonnummer des Physiotherapeuten gespeichert hat.

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ich mental darauf einzustellen, dass es länger als zwei Wochen dauert, auf die alte Punktzahl der letzten Saison zu kommen, ist mehr als hilfreich. Gute Golfer wissen, wie man Ehrgeiz und Geduld kombiniert. Sie bereiten ihre erste Runde bereits Monate vor dem ersten Abschlag vor und schließen ein mentales Training mit ein. Profi-

golfer machen es genauso. Lassen Sie sich am Ende der Golfsaison Übungen für den Winter geben oder wenigstens rechtzeitig vor dem Frühling einen individuellen Vorbereitungsplan, der auf Ihre Stärken und Schwächen abgestimmt ist und alle Aspekte des Spiels enthält. Die Umsetzung führt dann automatisch neben der Verbesserung der körperlichen Fitness zu einem mentalen Training. Einzelne Übungen bekommen einen ganz anderen Wert, wenn Sie sich dabei vorstellen, sich auf einer Runde an einer ganz bestimmten Stelle ihres Golfplatzes zu befinden. Erst wenn Sie sich mit diesen Trainingseinheiten zu Hause im Form gebracht haben, sollten Sie sich mit Schläger UND Ball beschäftigen.

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Erstes Aufsetzen nach dem langen Winter

Nichts geht über den ersten Tag auf dem Platz.

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FIT IN DEN GOLF-FRÜHLING

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ange bevor Sie auf dem Übungsgelände Ihres Clubs das Lang- und Kurzspiel üben, können Sie bereits im Wohnzimmer an Ihren Puttingfähigkeiten arbeiten. Natürlich können Sie sich im einschlägigen Zubehörhandel ein Puttingset für Büro und Wohnzimmer kaufen. Doch davon raten wir eher ab; denn es ist nicht so sinnvoll mit einem anderen Putter im Büro zu üben und dann mit Ihrem „echten“ auf dem Platz zu spielen. Besser Sie benutzen zu Hause ein Putting-Cup aus Plastik oder Metall und Ihren vertrauten Putter. Sobald es das Wetter und Ihre körperliche Kondition zulässt, besuchen Sie das Übungsgelände und bringen Sie sich mit Ball und Schlägern in Schwung. Völlig unabhängig von Ihrer Erfahrung und Spielstärke ist es ratsam die ersten Schläge im Beisein Ihres Pros oder eines erfahrenen Mitspielers auszuführen.

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assen Sie es ruhig angehen und trainieren Sie nach dem vorher aufgestellten Plan. Vermeiden Sie vor allem „einseitige“ Übungstage und simulieren Sie statt dessen ein komplettes Spiel mit langen Abschlägen, Annäherungsschlägen, Kurz-, und Bunkerschlägen sowie Putten. Belassen Sie es nicht bei einem Besuch auf der Driving-Range. Erst wenn sich Sicherheit und Routine in den Schlägen eingestellt haben, planen Sie Ihr erstes Frühlingsspiel. Aber halten Sie es kurz. Neun Loch reichen für den Anfang. Und das Neunzehnte ist Ihnen ohnehin unbenommen. Sollten Sie noch nicht Golf spielen, aber Lust verspüren, einmal auszuprobieren, ob Golf Ihr Sport sein könnte, besuchen Sie einen der lokalen Golfclubs und schnuppern Sie mal rein. In Coburg (Tambach), Kronach, Bamberg und Breitengüßbach gibt es Achzehn- und einen Neun-Loch-Golfplätze. Innerhalb eines Umkreises von 50 Minuten sogar noch sieben weitere Golfclubs, die alle sehr gepflegt sind und über gute Standards verfügen. Der COBURGER wird regelmäßig über Golf schreiben und Ihnen die lokalen Clubs nach und nach vorstellen.

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Fotos Frank Wunderatsch

WIE AUF EINEM THRON DER NEUE RANGE ROVER SPORT Das britische Königshaus steht für Glamour, Luxus, die guten alten Zeiten, prachtvolle Paraden, Bewunderung. Für all das muss man nicht gleich nach London reisen, es reicht auch eine Fahrt mit dem neuen Range Rover Sport durch heimische Gefilde. Range Rover – schon die Marke lässt das Herz des Autofans höher schlagen, die neue Sportvariante – ein Fahrzeug, in dem man dann auch wahrhaft erhaben sitzt, wie auf einem Thron. Seit Herbst letzten Jahres ist der jüngste Spross des automobilen Königshauses auf dem Markt.

gehörten. Allesamt klangvolle Namen, zu denen sich 1994 auch noch BMW gesellte. Die Bavarisierung des britischen Landadels aber dauerte nicht lange, Land Rover gelangte über die Umwege Amerika und Indien (Ford und Tata) wieder zurück ins Königreich. Und da gehört die Marke auch hin.

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ach dieser Geschichtsklausur dürfen wir jetzt Platz nehmen auf dem Thron im neuen Range Rover Sport. Wir testen die Basisvariante, das klingt harmlos, heißt aber: eine Dreiliter-V6 Turbodiesel Maschine wummert unter der ausladenden Motorhaube. Wer möchte, kann sich aber auch einen Dieselhybrid, einen V8-Diesel mit fast viereinhalb Litern Hubraum oder einen 5 Liter V8-Benziner zulegen. Der kostet zwar schon in der Basisvariante 88 300 Euro, über Geld aber spricht man nicht, wenn man so ein Auto fahren möchte. Ein Range Rover ist kein Fahrzeug, er ist eine Lebenseinstellung.

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er ein britisches Fahrzeug fährt, sollte sich zuerst mit Stammbäumen beschäftigen. Ein Range Rover nämlich bringt einen nicht nur von A nach B, er ist immer auch ein Statement. Also: Der Range Rover kommt aus dem Hause Land Rover. Eine Marke mit einer stolzen, aber auch sehr wechselvollen und nicht immer würdigen Geschichte, die 1948 mit den Land Rover Geländewagen begann. Die Marke ging 1966 in British Leyland auf. Ende der 70er dann die Auferstehung von Land Rover als eigenes Unternehmen innerhalb einer Firmengruppe, zu der auch Jaguar und Triumph

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port nennt er sich, weil die britischen Autobauer dem Fahrzeug eine strenge Abmagerungskur verordnet haben. Eine selbsttragende Aluminium-Monocoque-Karosserie ersetzt dazu das alte Rahmen-Konzept. Das Schwergewicht ist jetzt

420 Kilogramm „leichter“ als der Vorgänger (wiegt aber immer noch über 2 Tonnen). Das schont bei einem Verbrauch von deutlich unter zehn Litern den Geldbeutel seiner stolzen Besitzer und macht den Boliden spritziger. In unter 8 Sekunden schnurrt das Kätzchen auf 100 Stundenkilometer, maximal sind gut 210 drin. Die spürt man - gut eingepackt in einer stabilen Karosserie - kaum, der Range Rover liegt so flach auf der Straße, wie ein Fahrzeug dieser Höhe liegen kann. Die Lenkung spricht locker an, die frühere Schwergängigkeit solcher Boliden ist schon lange Geschichte. Schön leise ist es auch, dem gepflegten Gespräch mit dem Beifahrer steht kein Brummen im Wege. Und wenn es mal brenzlig wird: Die Bremsen kommen mit dem Gewicht locker zurecht und lassen sich trotzdem schön sauber abstimmt einsetzen.

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LAND ROVER

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ir aber nehmen die erste Ausfahrt. Wir wollen ausreiten, so wie es Briten doch gerne tun. Und immerhin ist der Range Rover ja ein Geländewagen. Dazu begeben wir uns abseits der Straße in die Wildnis (aber frei für Fahrzeuge). Bergauf, bergab, über Berge und durch Täler, durch Sandgruben, ins Unterholz. Der Range Rover hat für jede Frage, die wir ihm stellen, die richtige Antwort. Verschiedene Elektronik-Programme ermöglichen Bergan- und -abfahrten, kontrollieren Bremsen, Traktion, Luftfederung, Dämpfung je nach Anforderung. So wird der Ausritt zum puren Vergnügen. Macht ihn das jetzt zum Geländewagen? Oder ist das eher eine Demonstration seiner Stärke: ich könnte, wenn ich wollte und ich bring Dich überall sicher hin.

TECHNISCHE DATEN

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ohl eher, denn eigentlich ist der Range Rover Sport natürlich vor allem ein Stück Luxus. Er er ist stark, er ist mächtig, er ist schön. Wie ein gutgebauter Modellathlet mit adliger Abstammung. Und auch seine inneren Werte lassen es nahezu an nichts fehlen: Standheizung, beheizbare Vorder- und Rücksitze, vollverglastes Panoramaschiebedach, Kühlfach, Dreizonen-Klimaregelung, beheizbares Lenkrad etc. pp. uvm. ua. Also dann mal lieber ab in Richtung Stadt. Ein Statement abgeben. Hier bin ich – Euer König.

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RANGE ROVER SPORT TDV6 Verbrauch

l/100km: 7,3/ 6,7/ 8,3 Diesel (kombiniert/ Überland/ Stadt)

Hubraum

2.993 ccm

Leistung kW/PS

190/258 bei 4.000 Umdrehungen/min

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 210 km/h (7,6 Sekunden 0 auf 100 km/h )

Preis

ab 59.600,00 € (Basisversion)

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COBURGER INTERN

Suchen Sie ein Grundstück für Ihre neue Produktionshalle, ein größeres Lager oder brauchen Sie einfach nur das ideale Büro für Ihre neue Firma? Rufen Sie an. Wir finden es für Sie.

Aus Verlag und Redaktion Neu im Team ist Wolfgang Neustadt aus Hallstadt bei Bamberg. Er arbeitet seit 30 Jahren als Kunsthistoriker, denkmalpflegerischer Bauforscher und freier Publizist. Schon seit langem wirft er einen kritischen Blick auf aktuelle Entwicklung, vor allem was (Bau-)kultur betrifft. In seinen Berichten nahm er schon in verschiedenen Veröffentlichungen kein Blatt vor den Mund. Für dieses Heft hat er zahlreiche seiner Recherchen für unseren Bericht über die „Dämmlüge“ zur Verfügung gestellt und als Co-Autor fungiert.

Unser Cover hat für diese Ausgabe Bati Reinsbach gestaltet. Sie ist ein kreatives Multitalent, fertigt Illustrationen für namhafte Magazine und Bücher an und „kalligrafiert“ Urkunden. Ihre Grundausbildung erhielt sie in München, wo sie nicht nur Agenturerfahrung sammelte sondern auch für Zeichentrickfilme zeichnete. Nebenbei entwickelte sich ihr Talent, Messestände der besonderen Art zu entwerfen, die den Besucher in Optik und Haptik (positiv) verblüffen. Ihr Messestand der “1000 Dachlatten“ wurde mehrmals kopiert. Sie designt auch Möbel und richtet Läden und Büros ein. Einige Kunden werden es bereits gemerkt haben: Das Magazin baut seine Kooperation mit Partnern aus. Zum einen kooperieren wir mit der Werbeagentur Markatus. Kunden der Agentur bekommen ermäßigte Werbepreise für Anzeigen im COBURGER. Außerdem hat das Magazin eine Tochtergesellschaft gegründet: Die „Anzeigenvertriebsgesellschaft Nordbayern“. Diese hat die Betreuung von Anzeigenkunden für den COBURGER übernommen und berät auch Kunden des lokalen TV-Senders iTVCoburg

Gemeinsam mit der Werbeagentur Markatus erscheinen in diesem Jahr auch zwei weitere Produkte unserer Verlags: der COBURGER SOMMER, schon bekannt aus dem letzten Jahr (in diesem Jahr aber bereits Anfang Juni), und ein Magazin rund um das runde Leder. Der Fußball ist in Coburg nach vielen Jahren in der Versenkung wieder auf dem Vormarsch. Zumindest im Jugendfußball setzen Coburger Kicker nämlich wieder Akzente und haben es auch schon bis in Bundesligaclubs geschafft. Ein Magazin rund um den FC Coburg und sein Nachwuchsleistungszentrum soll diese Entwicklung würdigen und weiter nach vorne bringen. Voraussichtliches Erscheinungsdatum ist Anfang Mai. Löwenstraße 13 · 96450 Coburg · Telefon 09561/794110 Email: info@coresale.de · www.coresale.de

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Das Konzept des COBURGER ist mittlerweile auch über die Grenzen des Magazins hinaus auf Aufmerksamkeit gestoßen: So haben sich Kollegen eines Passauer Stadtmagazins bei uns gemeldet, um sich über unsere Philosophie zu informieren. AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


IMPRESSUM

IMPRE SSUM

Coburger – Das Magazin Ausgabe 5/ Dezember 2013 Erscheinungsweise viermal jährlich Auflage 3500 Stück www.coburgermagazin.de Verlag: Das Magazin Verlagsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt) Creidlitzer Straße 3 96482 Ahorn Telefon: 01523.404.3021 info@das-magazin-verlag.de Herausgeber: Peter Einheuser und Wolfram Hegen Chefredakteur: Wolfram Hegen

WIR SIND COBURGER | DA S M AG A ZIN

Wolfram Hegen

Herausgeber und Chefredakteur

Daniela Greschke

Peter Einheuser Herausgeber und stv. Chefredakteur

Wolfram Porr

Freie Mitarbeiterin und Journalistin

Freier Mitarbeiter und Journalist

Heidi Schulz-Scheidt

Wolfgang Neustadt

Freie Mitarbeiterin und Lehrerin

Freier Mitarbeiter und Journalist

stv. Chefredakteur: Peter Einheuser redaktion@das-magazin-verlag.de Weitere Autoren dieser Ausgabe: Daniela Greschke Wolfram Porr Heidi Schulz-Scheidt Wolfgang Neustadt Frederik Leberle Fotografen dieser Ausgabe: Val Thoermer Frank Wunderatsch Peter Einheuser Hagen Lehmann Shutterstock Illustrationen / Cartoons: Peter Einheuser Bati Reinsbach

Val Thoermer

Christian Bittner

Frederik Leberle

Frank Wunderatsch

Bati Reinsbach

Henning Rosenbusch

Freier Mitarbeiter und Fotograf

Freie Mitarbeiter und Schauspieler

Freier Mitarbeiterin und Illustratorin

Freie Mitarbeiter und Grafikdesigner

Freier Mitarbeiter und Fotograf

Freier Mitarbeiter, Journalist und Fotograf

Layout / Grafik / Gestaltung: Peter Einheuser Christian Bittner Anzeigengestaltung: einheuser.ardis&friends, Coburg Anzeigenvertrieb: Denise Waletzko anzeigen@das-magazin-verlag.de Telefon: 01523/1788179 Es gilt die Anzeigenpreisliste 12/2013 Druck: FROMM Druck- und Verlagshaus 49074 Osnabrück

Daniela Greschke ist seit Anfang an im Team des COBURGER dabei. Sie ist eine Spezialistin für Beiträge, die besonderen Einsatz erfordern: Durch den Wald mit Marathonläufern, zu Besuch bei Schmetterlingskindern, oder für diese Ausgabe zum

Preis: 4 € inkl. 7% MwSt., Abo-Preis, jährlich: 18 € inkl. Porto und Versand Briefe an die Redaktion: briefe@das-magazin-verlag.de

Interview mit Prostituierten ins Rotlichtmilieu. Außerdem unterstützt Daniela Greschke den COBURGER auch in der Redaktion, vereinbart Termine und organisiert. Viel zu tun für Daniela Greschke, die das alles aber irgendwie unter einen Hut zu bekommen scheint.

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MONACO FRANKE

DER MONACO FRANKE DIE PROMINENZ „Wos willst’n do unt’n? Bei uns is doch schee?!“ Haben Sie sicher auch schon mal gehört, die Frage! Folgt danach auch noch der Satz „do konnst fei ned meggern“, dann ist das die vermutlich größte Liebesbezeugung an seine Heimat, zu der der gemeine Franke fähig ist. Dahaam is halt am schönsten, Neid ein Wesenszug, den er in diesem Zusammenhang kaum kennt. Denn dass es woanders auch schön ist, auch klar! Aber man muss auch gönnen können, das leuchtet hier den meisten Menschen ein. Im Frankenland ist man zufrieden mit dem, was man hat („wos willst’n nuch mehra?“), ist bescheiden („bassd scho!“) und protzt nicht gern („do kömma zufrieden saa!“). Wenn jemand behauptet, das hätte damit zu tun, dass wir in der nordbayerischen Provinz ja sowieso nichts hätten, um das man uns beneiden könnte, dann ist das eine böse Unterstellung! „Börschla, gell!“ Es ist einfach so, dass wir uns schon über die kleinen Dinge des Lebens freuen – was viele Nasehochs aus dem oberbayerisch-voralpenländischen Berge- und Seenland eben nicht können, weil sie sich selber im Wege stehen. Die schöne Natur zum Beispiel oder die Schafkopfrundn in der Wirtschaft ums Eck –a Draum! Und so a glaans Böödla auf der Regnitz oder auf dem Rothsee, is doch aa wos scheens, gell? Schaua’s! Auf dem Starnberger See würde ein großkopferter Oberbayer mit genau demselben kleinen schiff baren Untersatz schnell zum Gespött seiner Lacosteträgerfreunde. So schön er es insgeheim findet – ehe der sich der Gefahr aussetzt, damit gesehen zu werden, lässt er es dann lieber ganz und spart aufs Sportboot oder die Segelyacht. Ein anderes Beispiel: Essen. Ein schönes Krenf leisch oder ein Bierbraten, dazu ein Kloß mit Soß‘ für die Kinder, der vielleicht sogar nichts kostet, schon stellt sich bei einem Franken extreme innere Zufriedenheit ein. 250 Kilometer weiter südlich wird ob so eines profanen Mahls nicht selten die Nase gerümpft. Da muss die Currywurst schon vom Schuhbeck sein und der Braten von der glücklichen Bio-Landsau. Mindestens. Manch gutsituierte Familie bereitet sich auf ihren mittäglichen Sonntagsausf lug in eine zünftige, original altbayerische Wirtschaft ja vor, als ginge es um den Besuch des letzten Indianer-

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reservates. Ganz nach dem Motto: Heute schauen wir mal, wie der „Ureinwohner“ so ausgeht. Ein bisschen Heimat- und Sozialkunde schadet aber schließlich niemandem. Scho schee, wenn man über die Oberbayern a weng lästern kann, oder? Aber es ist doch so: Natürlich leidet der Franke unter der bayerischen Zwangsherrschaft, wie es Kabarettist Bernd Regenauer ausdrückt. Aber bevor er seine Bodenständigkeit aufgibt, nimmt er diese lieber in Kauf. Frotzeln ist die fränkische Art der Auf lehnung. Eigentlich – das zeigen Umfragen – ist er ja sogar ganz glücklich mit sich und seiner Heimat.

Auch wenn Bekanntheit in unseren Breiten kein Kriterium ist, eins muss man freilich schon zugeben: Selbst in Oberfranken ist man auf seine Vorzeige-Promis stolz: Kulmbach hat Thomas Gottschalk, Coburg seine Prinzen, Bamberg schmückt sich gerne mit international renommierten Basketballern, und Bayreuth macht jeden Sommer auf Hochkultur und legt den Thurn und Taxis, Merkels und Ferres-Maschmeyers den Roten Teppich aus. Aber überall ist man auch froh, wenn alle wieder weg sind, wenn hinterher wieder Normalität einkehrt. „Des hädd’ma aa widder g’schafft!“, ist dann der allgegenwärtige Erleichterungsseufzer der Einheimischen.

„Prominent san mia“

Er zeigt’s halt nicht so. Protz und Selbstdarstellung sind ihm ein Gräuel (Ausnahmen bestätigen auch hier wie immer die Regel), einen anständigen Lebensstil zieht der dem „Lifestyle“ jederzeit vor. Der Zeitgeist darf gerne woanders spuken. Auch das großstädtische Sehen und Gesehenwerden ist ihm fremd. Das überlässt er gerne den Reichen und Schönen und denkt sich seinen Teil, etwa: „Die werr’ns halt scho nödich ham.“ Wie hat Heiner Geißler mal gesagt? „Die Berühmtheit manches Zeitgenossen ist unmittelbar mit der Dummheit seiner Bewunderer verbunden.“ Der Mann ist zwar kein Franke, der Spruch könnte aber von einem sein.

© Leslie Murray 2014

Mit so a weng Glamour auf Zeit kann sich der Franke also noch anfreunden. Mehr widerstrebt seiner Natur. Da tickt die Schickeria-Stadt München natürlich komplett anders. Das Selbstwertgefühl der Schwabinger, Bogenhausener oder Haidhausener definiert sich maßgeblich über den Glanz, den ihnen die Stars und Sternchen dieser Welt verleihen. Genügend Futter für gleich drei Boulevardzeitungen, die sich täglich gegenseitig mit Promigeschichten überbieten. Da es sich bei der Landeshauptstadt ja aber bekanntlich um ein Millionendorf handelt – den Nobel-Vorort Grünwald im Süden zählen wir mal dazu - haben es die Paparazzi und Klatschkolumnisten nicht AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014


AUF EIN WORT

Wir brauchen mehr Ketzer Der Gastbeitrag von Hans G. Tanner

so schwer. Wer internationale Superstars oder die Polit-Prominenz vor die Linse kriegen will, schaut im „Vier Jahreszeiten“, im „Bayerischen Hof “ oder den umliegenden Bars vorbei. Eine sichere Bank sind für sie außerdem seit Jahrzehnten das Restaurant „Käfer“ in der noblen Prinzregentenstraße und die nicht weit davon gelegene Nobel-Diskothek „P1“, wo sich Sportler, Schauspieler, Sänger sowie lokale Größen der B- und C-Promikategorie tummeln. Wie sang schon die Spider Murphy Gang? „Ja in Schwabing gibt’s a Kneip’n, die muss ganz was B’sonders sei‘. Da lassen’s solche Leit wia di und mi erst goar ned nei!“ Und wenn mal wirklich gar nichts geht, lohnt sich immer ein Besuch bei Christine Neubauer oder Fritz Wepper. Aber auch wer nicht nach ihnen sucht, kann in München an praktisch jeder Ecke bekannten Gesichtern über den Weg laufen. Da sieht man schon mal Literaturkritiker Hellmuth Karasek beim Dallmayr, die Effenbergs im „Tambosi“ sitzen, trifft Bastian Schweinsteiger in einem Café am Gärtnerplatz und Komiker Wigald Boning beim Joggen an der Isar oder beim Schwimmen im Müller’schen Volksbad. Mit etwas Glück kann man sich bei so einer Begegnung sogar ein bisschen „Angeberwissen“ aneignen. Natürlich muss man nicht wissen, dass Fußball-Moderatorin Jennifer Kastrop ihren Hund nach dem französischen Fußballspieler „Anelka“ benannt hat oder Willi von „Willi will’s wissen“ gerade das neueste Buch von Paolo Coelho liest. Aber das kriegt man eben mit, wenn man in der Lach- und Schießgesellschaft zufällig am selben Tisch sitzt oder im Bus gegenüber. Und vielleicht kann man mit solchen Insiderinformationen ja am Fußballer-Stammtisch oder im VHS-Literaturkreis punkten. Bekannte Franken laufen einem auch gelegentlich über den Weg, in der Regel allerdings an Orten, die nicht so in und chic sind. Da kommt halt wieder das fränkische Understatement durch. Die Ausnahme? Sie ahnen es! Aber bevor ich hier den Schwabinger Stamm-Thai von Lothar Matthäus verrate … Dahaam is am schönsten, hatten wir doch gesagt, oder? Schätzla, schau wie iech schau! (Der Monaco Franke sucht auch auf Facebook neue Freunde: reinklicken und Gefällt mir drücken) Für den Coburger von Wolfram Porr AUSGABE 6 / FRÜHLING 2014

Die Süddeutsche Zeitung berichtet in einer Ausgabe vom Sommer letzten Jahres unter dem Titel „Feigheit vor der Zukunft“ über die Zögerlichkeit und die Vorsicht deutscher Entscheidungsträger in Unternehmen: „Sie übersehen vor lauter kurzfristigen Erfolgen die Chancen – ein fataler Trend. Offenbar fehlt es an Mut. Lieber bleiben die Konzerne beim Vertrauten.“ Der Autor nimmt als Beispiele Siemens oder Bosch, die sich aus der Solartechnologie zurückziehen, die Autoindustrie, die bis auf BMW lieber auf die alte Welt setzt als auf Elektroautos. Konzerne, die Angst vor Veränderungen haben und stattdessen auf das Bewährte setzen: Funktionierende Abläufe, vertraute Geschäftsmodelle. Immer noch also vertraut Deutschland auf seine Industrieführerschaft mit den Methoden der Vergangenheit. Kreativität, Andersdenken, das ist dagegen gefährlich. Die Reaktion von Politik und Gesellschaft ist immer gleich: Andersdenkende werden ausgegrenzt, wie auch immer man sie nannte oder nennt: Schamanen oder Medizinmänner, Priester, Hexen, Zauberer und Ketzer, Forscher, Wissenschaftler, Kreative und Künstler. „Neuerer“ war schon im Mittelalter ein Schimpfwort, als Ketzer gegen die „göttliche Ordnung“ wurde er entweder umgebracht, eingesperrt, aus der Gemeinschaft ausgeschlossen, galt als Spinner, Gestörter, Verrückter. Die Gesellschaft und auch die Politik nämlich wird von den „Gehemmten“ bestimmt, wie das Wirtschaftsmagazin Brand EINS sie genannt hat. Diese Geschichte wiederholt sich. Neuerer gelten auch heute noch viel zu vielen Unternehmen als Ketzer oder Spinner gegen die Ordnung. Aber nur mal so nebenbei: Die meisten Nobelpreise wurden an Menschen verliehen, denen Grenzüberschreitungen gelungen sind. Gegen alle Widerstände. Sie sind die „Gestörten“, wie Brand EINS sie nennt. Sie fördern Neues, in ihren Sternstunden Geniales und Wegweisendes zu Tage. Wissenschaft und Wirtschaft sind dort, wo sie am besten sind, im Wesentlichen also institutionalisierte Ketzerei. Wir also brauchen in unserer modernen Gesellschaft mehr Ketzer – denn Veränderung ist das einzig Beständige. Wir müssen aufhören, eingeschlagene Wege immer tiefer auszutrampeln, bis wir in ihnen verschwinden, wir müssen neue Wege gehen. Nur ein freier Geist kann kreativ und innovativ sein. An dieser Stelle laden wir Coburger und Nicht-Coburger, Zu- oder Abgereiste herzlich ein, ihre Meinung kundzutun. Hier in unserem Magazin. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie uns an.

COBURGER | DAS MAGAZIN

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DAS LETZTE Coburger | Das Magazin erscheint wieder im Juni 2014. Anzeigenschluss ist der 27. Mai 2014

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...UND DAS ZUM SCHLUSS „Dem guten Frager ist schon halb geantwortet.“ Friedrich Nietzsche „Arm ist nicht, wer wenig hat, sondern wer viel braucht.“ Peter Rosegger „Nichts macht uns feiger und gewissenloser als der Wunsch, von allen Menschen geliebt zu werden.“ Marie von Ebner-Eschenbach „Wer mit 19 kein Revolutionär ist, hat kein Herz. Wer mit 40 immer noch ein Revolutionär ist, hat keinen Verstand.“ Theodor Fontane „Der Jammer mit der Menschheit ist, dass die Klugen feige, die Tapferen dumm und die Fähigen ungeduldig sind.“ Truman Capote

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Coburger - Das Magazin #6  
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