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Nr.17 | Oktober 2016

Magazin für Gesellschaft. Lifestyle. Politik.

HINTER GITTERN. ARBEITEN IM KNAST. LEITARTIKEL. SAUERTOPF GEGEN GELAGE. STREETFOOD. IMBISS IM TREND. AUTOTEST. TOYOTA PROACE VERSO. RAUHE FREIZEIT. RUGBY UNTER DER VESTE.


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Nutzt du dein Leben für die Dinge, die dir wirklich wichtig sind? Irgendein Abenteuer ist doch bei jedem auf der Strecke geblieben. Irgendeine Freude hat man sich verkniffen. Warum auch immer. Vielleicht ist gerade jetzt die Zeit, das eine oder andere nachzuholen. Folg deinem Naturell. Hinterlass deine

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INHALT

Coburger / Das Magazin AUSGABE 17. OKTOBER 2016 6 8 11 13 14 36 62 64 71 80 81 82

WOLFRAM HEGEN

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SEBASTIAN BUFF

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WOLFRAM HEGEN

IMPRESSUM HÖREN. SEHEN. STAUNEN STADTGESPRÄCH SEBASTIAN BUFF MEINUNGEN THEATERVORSCHAU STATISTIK GALERIE BUCHEMPFEHLUNG MONACO FRANKE AUF EIN WORT DAS LETZTE

HINTER GITTERN Leben im Knast.

COBURGER HÜTTE Leben auf dem Berg.

SAUERTOPF GEGEN GEL AGE 28 Leitartikel.

WOLFRAM HEGEN

DIENSTLEISTUNGSCHECK COFFEE TO GO 38 Koffeinschub für Zwischendurch.

WOLFRAM HEGEN

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WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF

MP3-ERFINDER 48 Portrait einer Revolution.

WOLFRAM HEGEN

RAUHE FREIZEIT 52 Rugby unter derVeste.

HEIDI SCHULZ-SCHEIDT SEBASTIAN BUFF

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WOLFRAM HEGEN

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WOLFRAM HEGEN

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WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF

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WOLFRAM HEGEN

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PETER EINHEUSER

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WOLFRAM HEGEN

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STREETFOOD Essen auf der Straße.

HIER WOHNTE... ... eine gute Idee.

COBURGER UNTERNEHMEN Saint-Gobain.

BERÜHMTE LITERATEN Die drei bedeutendsten Franken.

EINER VON DREIEN Neuer Bus von Toyota.

DER SPARZWANG Typisch Deutsch.

GESUND IN DEN HERBST Tipps für die kühle Jahreszeit.

RUTSCHPARTIE MIT DEM AUTO Gut gerüstet in den Herbst.

TITEL-ILLUSTRATION. „Nothing lost“ einheuser.ardis&friends

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AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


WILLKOMMEN IN COBURG

Natur, Kultur, Bildung, Sport, Wirtschaft: Coburg hat viel zu bieten. Erfolgreiche Unternehmen, die in der Region und weltweit tätig sind. Ein hoher Freizeitwert, ein reichhaltiges kulturelles Angebot mit vielen Festen, Theater und Konzerten. Eindrucksvolle Sehenswürdigkeiten, eine intakte Innenstadt mit schönen Plätzen zum Verweilen und Shoppen, erfolgreicher Spitzensport, eine angesehene Hochschule mit vielen Tausend Studenten und ein breites Angebot an Leistungen für die ganze Familie. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

Coburg gehört damit nach aktuellen Studien in Deutschland zu den Standorten mit den besten Zukunftsaussichten. Coburg ist eine ideale Stadt zum Leben. Mit attraktiven Arbeitsplätzen. Mit einem großen Freizeitangebot. Mehr Informationen und zahlreiche Filme über die Möglichkeiten der Vestestadt bekommt man unter www.coburg.de/stadtmarketing. COBURGER | DAS MAGAZIN

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INHALT

IMPRESSUM

16 HINTER GITTERN Arbeiten im Knast

Coburger – Das Magazin Ausgabe 17/Oktober 2016 Vierter Jahrgang Erscheinungsweise sechsmal jährlich Auflage 3500 Stück www.coburgermagazin.de Verlag: Das Magazin Verlagsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt) Bockenheimer Landstr. 108 60323 Frankfurt am Main Telefon: 01523.404.3021 info@das-magazin-verlag.de

Herausgeber: Wolfram Hegen Chefredakteur: Wolfram Hegen redaktion@das-magazin-verlag.de

Weitere Autoren dieser Ausgabe: Wolfram Porr Heidi Schulz-Scheidt Frederik Leberle Fotografen dieser Ausgabe: Sebastion Buff Illustrationen / Cartoons: Peter Einheuser Layout / Grafik / Gestaltung / Blatt einheuser.ardis&friends, Frankfurt Anzeigengestaltung: einheuser.ardis&friends, Frankfurt Anzeigenvertrieb: anzeigen@das-magazin-verlag.de Telefon: 01523.404.3021

Es gilt die Anzeigenpreisliste 01/2016 Druck: Louis Hofmann Druck- u. Verlagshaus GmbH 96242 Sonnefeld/Coburg Preis: kostenlos

Briefe an die Redaktion: briefe@das-magazin-verlag.de

22 COBURGER HÜTTE Leben auf dem Berg

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INHALT

38 DIENSTLEISTUNGSCHECK

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Rugby unter der Veste

Paolo Bona / Shutterstock.com

Coffee To Go

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HÖREN. SEHEN. STAUNEN

HÖREN. SEHEN. STAUNEN. IN COBURG Oktober November

im Oktober GANS OFFEN Einkaufsbummeln Bummeln. Schauen. Gans gewinnen. Beim Verkaufsoffenen Sonntag „Coburg gans offen“ am 9. Oktober von 13 bis 18 Uhr mit großem Rahmenprogramm, Musik und Straßenkunst.

AMERICAN POP ART Francis Gill Pop Art at its best in der Galerie in der Remise. James Francis Gill zeigt seine ausdrucksstarken Werke hier bis zum 29.Oktober. Zwar gilt er als Mitbegründer der American Pop Art Bewegung, aber durch seinen Rückzug aus der Öffentlichkeit geriet er zwischendurch fast in Vergessenheit. In Coburg zeigt er seine Werke, deren Grundlage oft das Foto ist. Gerne auch ganz klassisch mit Marylin Monroe oder Paul Newman.

Rathaussaal. Weiter jazzen kann man ab 21 Uhr im Ratskeller mit dem Emminger Hahn Quintett oder ein Häuschen weiter bei Leise am Markt und dem KaMa Quartett und dem bekannten indonesischen Conga-Spieler Nippy Noya.

KAISER WIEDER DA

OBSZÖN UND DIREKT

Bitterböse Pointen Fränkische Frotzeleien gibt’s am 14. Oktober ab 20 Uhr im Seßlacher Pörtnerhof von Jörg Kaiser frisch serviert. Und einen zuckersüßen Kaiserschmarrn zum Nachtisch? Freuen sie sich nicht zu früh. Die Rezepte des Herrn Kaiser habens in sich: a bisserla bitterböse Pointen, a Löffela Sarkasmus und a Stückla schwarzen Humor. Fertich sind die fröhlichen Frotzeleien.

Ingo Appelt in der Stadt Niveaulos. Obszön. Direkt. Bei Ingo Appelt weiß man, was man bekommt. Nun ist der Wanderprediger wieder unterwegs in Sachen „Männer-Verbesserungs-Tipps“.

JAZZNACHT

EULENSPIEGEL

Aber ganz ohne Sauereien geht’s halt nicht im Programm „Besser ist besser“ des selbst ernannten Konkursverwalters der Männlichkeit. Mit Highlights aus den letzten Jahren. Am 28. Oktober um 20 Uhr im Kongresshaus.

Foto: Wikipedia

Bildquelle: Ingo Appelt

Michael Wollny kommt auch Altmeister trifft auf Jazz-Popstar. Das klingt spannend. Zur 4. Coburger Jazznacht kommen am 15. Oktober um 19 Uhr Heinz Sauer und der vielfach ausgezeichnete Jazzpianist Michael Wollny in den

Das Eich kommt Als Frankens entspanntester Exportschlager wird er gern bezeichnet. Dabei macht er auch gerne mal mit seinen skurrilen Aktionen auf sich aufmerksam. Mit

Bildquelle: Jörg Kaiser

„Jetzt Eicht’s“ will Das Eich am 13. Oktober um 20 Uhr im Münchner Hofbräu seinen Mitmenschen aufs Maul schauen und vor allem den Politikern, denen anscheinend bloß noch Blödsinn einfällt, einen unterhaltsamen Spiegel vorhalten.

Böse Pointen: Jörg Kaiser

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Michael Wollny

Appelt wieder da. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


Seán Keane bei Leise am Markt

im November VOICE OF IRELAND

Foto: Shutterstock

Bildquelle: Seán Keane

Bildquelle: Shutterstock

HÖREN. SEHEN. STAUNEN

Coburg gans mobil

Kneipennacht

MARTINIMARKT Kurzwaren im November Nach dem Petrimarkt, dem Ostermarkt und dem Zwiebelmarkt kommt nun am ersten Donnerstag und Freitag im November der Martinimarkt.

Seán Keane bei Leise am Markt The Voice of Ireland wird er genannt. Seán Keane, der mit seiner Band am 2. November bei Leise am Markt mit seiner unverwechselbaren Stimme so zeitlose Themen wie Lebensfreude, Liebe, Schmerz und Trauer besingt.

Zwischen Marktplatz, Spitalgasse und Steinweg findet man viele Dinge, die man ansonsten lange suchen muss. Vom Klößquirl bis zur Wurzelbürste. Am 3. und 4. November und nur in Coburg.

Sein umfassendes Repertiore geht von klassischen gälischen Weisen bis hin zu Coversongs aus dem Countrybereich. Der Mann mit der Gänsehautstimme auf Europatournee.

Party an allen Ecken Auf zum musikalischen Stadtbummel bei der 10.Coburger Kneipennacht. Sie gehört mittlerweile zum festen Veranstaltungs-Highlight in der Innenstadt.

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Egal ob Rockabilly im Goldenen Hirsch oder Wirtshausmusi im Brauhaus. Party an allen Ecken. Bitte Programm beachten. Mit Shuttlebus Service für die sichere Fahrt an die Locations in der ganzen Stadt. Am 5.November ab 20 Uhr.

BUMMELN MIT AUTOSHOW Wieder gans mobil Coburg gans mobil am letzten Verkaufsoffenen Sonntag am 6. November in der Innenstadt. Von 13 bis 18 Uhr bummeln, schauen, einkaufen. Und auf dem Marktplatz in den kleinen und mittelgroßen Autos Platz nehmen beim Coburger Autoherbst mit gesonderten Aktionen der Einzelhändler.

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INHALT

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STADTGESPRÄCH

STADTGESPRÄCH... DIE CHRISTSOZIALE RADIERUNG

Die Diskussionen um den geplanten Verkehrslandeplatz in Meeder haben das Zeug zu einer Komödie: Die Brandensteinsebene könne über 2019 hinaus geeignet sein, hieß es aus dem Luftamt Nordbayern. Dieses Thema schien eigentlich vom Tisch. Von wegen. Also schrieb Brose-Chef Michael Stoschek einen Brief an den verantwortlichen Regierungspräsidenten von Mittelfranken. Es folgten ihm Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Verbänden, die sich für den neuen Standort stark machen. Zeitgleich wies das Verwaltungsgericht Bayern das Bürgerbegehren von Flugplatzgegnern in Coburg ab. Anfang

Im Oktober besucht der Thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow Coburg. Der erste Ministerpräsident der Linken in Deutschland zu Gast im CSU-Schwergewicht-Nachbarland Bayern. Und noch viel mehr: Der erste offizielle Besuch in Bayern überhaupt. Und das ausgerechnet in Coburg. Damit hat man sich in der SPD-geführten Coburger Stadtverwaltung augenscheinlich ein bisschen schwerer getan als wenn ein bayerischer Ministerpräsident Coburg besuchen würde, dem sicherlich fast so etwas wie ein roter Teppich ausgerollt werden würde. Wie sonst lässt sich erklären, dass es etwa vier Wochen

Ein Coburger Medium bekam kürzlich von einer höheren CSU-Parteistelle eine Anfrage bzgl. eines schönen Bildes der stellvertretenden bayerischen Ministerpräsidentin Ilse Aigner. Dieses war bei ihrem Besuch auf dem Coburger Sambafestival im Sommer dieses Jahres im VIP-Bereich auf den Arkaden über dem Schlossplatz entstanden. Schönes Wetter, beste Stimmung, ein fröhliche Aigner, das sah gut aus. Man würde gerne die Rechte an dem Bild inklusive Frau Aigner erwerben, aber ohne den Herrn daneben. Ob es daher möglich sei, diesen zu entfernen. Dabei

Cartoon: einheuser Neulich beim Regierungspräsidium

Oktober wiederum holte TV-Bayern-Live die Geschichte von der Brandensteinsebene wieder aus der Versenkung, sie sei doch zu ertüchtigen, heiße es, zitierte Moderator Uwe Brückner. Brückner selbst kommt übrigens ursprünglich aus Bad Rodach. Wir sind auf die nächsten Akte gespannt.

Cartoon: einheuser

DER LINKE KOMMT NACH BAYERN

Cartoon: einheuser.ardis&friends

DIE UNENDLICHE GESCHICHTE TEIL 1

Norbert Kastner wird Anwalt

Neulich im Fotostudio.

dauerte von der Anfrage bis hin zur Bestätigung eines Stadtempfangs mit Eintrag ins Goldene Buch der Stadt. Und wie sonst, dass nicht etwa Oberbürgermeister Norbert Tessmer Ramelow begrüßt, sondern 3. Bürgermeister Thomas Nowak?

handelte es sich um den Coburger Junge-Union-Nachwuchsmann Max Forkel … der hat trotz seiner jungen Jahre schon verstanden, dass die sogenannte „Gesichtspf lege“ im politischen Geschäft unerlässlich geworden ist, wenn man mal etwas werden möchte.

Fortsetzung auf Seite 12

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STADTGESPRÄCH Fortsetzung von Seite 11

DIE ZU RETTENDEN RETTER

DER TEURE RING

DIE BAGGER KOMMEN

Es war ein ungewöhnliches Bild an einem Spätsommermorgen auf der Angerkreuzung: Zwei verbeulte Rettungswagen, Scherben, Splitter auf dem Asphalt. Und weil niemand verletzt war oder zu Schaden kam, sah alles so ganz nach einer kuriosen Meldung aus, die auch dann durch die lokalen und sozialen Medien herumgereicht wurde. Immerhin hatte die

Das Geld, das liebe Geld. Langsam wird es knapp. Stellt sich daher zunehmend die Frage, wofür ausgeben? Sicher nicht für einen Ehrenring, fand Stadträtin Monika Uf ken und lehnte eine Ehrung für 20 Jahre Stadtratstätigkeit ab. Der damit verbundene Ring hätte nämlich über 3000 Euro gekostet. Das hielt Uf ken für unnötig und verzichtete – im Übrigen damit auf die ganze Ehrung, die gibt es nämlich

Am Geld scheitert es an anderen Stellen in der Stadt dagegen nicht: Am Johann-Strauß-Platz in Coburg sorgt ein Investor für 100 neue Wohnungen samt Tiefgarage und Studentenwohnheim. Das passt zwar einigen Anwohnern so gar nicht, ändert aber nichts. Mittlerweile nämlich ist mit den Abrissarbeiten von Teilen des ehemaligen Diakonisch-Sozialen-Zentrums und anderer Gebäude begonnen worden, damit danach mit dem Auf bau der neuen Gebäude und der Sanierung von Teilen des DSZ weitergemacht werden kann. Auch im Ortsteil Rögen soll gebaut werden, 16 Wohnhäuser insgesamt. Und auch auf dem alten Brockardt-Gelände im nördlichen Teil der Innenstadt wird wieder Leben einkehren, wenn Investor EDEKA dort bis 2019 einen neuen Supermarkt und ein Parkhaus hochzieht und danach auch Wohnungen baut.

DIE UNENDLICHE GESCHICHTE TEIL 2

Cartoon: einheuser

Frisches Obst, Salate, Gemüse, Wurst, Käse, Antipasti, Fisch – was könnte man nicht alles in einer Markthalle einkaufen. Ein belebter Ort mit vielen Händlern, mit vielen Käufern, ein Ort der Begegnung, ein echter Mittelpunkt. So etwas soll ja nach einem ersten missglückten Versuch im Steinweg jetzt am Albertsplatz entstehen. Im Juli 2015 brachte der Stadtrat das Thema auf den Weg, im Dezember 2015 wurde der Mietvertrag mit der Markthalle

Neulich auf der Kreuzung.

Cartoon: einheuser

Cartoon: einheuser

...und wieder losgelassen....

Neulich nach der Schule vor dem Rathaus.

Polizei den Zusammenstoß zweier Rettungsfahrzeuge ja bestätigt. Die Retter selbst fanden den Spott im Netz aber gar nicht witzig, wollten nicht als die Deppen Coburgs dastehen, und hatten damit Recht. Ein drittes Fahrzeug nämlich hatte den Unfall verursacht. Die Rettungsfahrzeuge selbst waren nur Opfer, nicht Täter. Der Shitstorm f laute schnell ab, was im Gedächtnis bleibt, ist dennoch das etwas kuriose Bilder zweier zu rettender Retter.

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Neulich im neuen Theater am Albertsplatz

nur ganz oder gar nicht. Das wiederum ehrt Uf ken umso mehr. Wobei jedem der anderen Geehrten kein Vorwurf zu machen ist, die Ehrung angenommen zu haben. So oder so hätten die ersparten Gelder nicht gereicht, um notwendige Schulsanierungen wie in Coburg-Scheuerfeld oder eine Unterstützung der Waldorfschule in Coburg-Beiersdorf zu leisten, die Geld dringend nötig hätten. Zusammen an die 300000 Euro, hört man. .

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Coburg GmbH aus Winnenden unterschrieben. Doch bis jetzt tut sich recht wenig. Im Herbst sollte Leben einkehren, hieß es, jetzt ist von 2017 die Rede. Bisher hat nur eine Eisdiele geöffnet. Und die hat sich wegen ihrer ungewöhnlichen Außenbestuhlung mit aus Paletten gebauten Garnituren noch den Ärger eingefangen. Immerhin gibt es ja Vorschriften, wie so etwas auszusehen hat.

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INHALT

Sebastian Buff. Aus meiner Sicht. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

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MEINUNGEN „MEINUNGEN“ Mit der Nummer 16 ging der COBURGER in die Sommerpause. Gedruckt und online (unter www.coburgermagazin.de gibt es alle aktuellen und alten Ausgaben zum Nachlesen): Geschichten als Urlaubslektüre für die Ferien. Zum Lachen und Schmunzeln, Illustration: einheuser.ardis&friends

zum Nachdenken und Aufregen. In unserem Leitartikel sind wir der Frage nachgegangen, was in der Coburger Journaille am Vorwurf „Lügenpresse“ dran ist. Wir haben uns von der Bierseeligkeit Michael Königs beschwipsen und vom Oberbürgermeister in die Tierwelt entführen lassen. Und wir haben uns mit schönen Bildern und mit Ausflugstipps auf den Sommer vorbereitet, der dann ja auch kam, wenn auch etwas spät. Ein paar Reaktionen auf unsere Geschichten haben wir zusammengefasst. LÜGENPRESSE … … ist ein Begriff, der immer dann aufkommt, wenn es ungemütlich wird in einer modernen offenen Gesellschaft. Wenn Sündenböcke gesucht werden für vermeintliche Probleme, wenn Populisten einfache Botschaften brauchen. Ein Begriff, der in der sauberen aufgeräumten Provinz nichts verloren hat, könnte man meinen. Damit aber

Lügenpresse in der Vorstellung der Verschwörungstheoretiker

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liegt man falsch, zeigte unser Leitartikel über die Coburger „Lügenpresse“. Die Redaktionsleiter vom Coburger Tageblatt, der Neuen Presse und Radio EINS erzählten uns, wie auch sie zunehmend mit Lügenvorwürfen konfrontiert werden. Keine einzige Reaktion auf diese Geschichte schlug in dieselbe Kerbe. Kein email-Schreiber, Anrufer oder persönlicher Kontakt sagte so etwas wie

OB Norbert Tessmer

„An jedem Vorwurf ist etwas Wahres dran.“ Im Gegenteil: Die meisten zeigten sich entsetzt über das Ausmaß und die Dreistigkeit der Anschuldigungen, mit denen sich auch lokale Medienmacher auseinanderzusetzen haben. Das habe man nicht erwartet – und das dringt ja auch kaum an die Öffentlichkeit.

Biersommelier Michael König AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


MEINUNGEN INTERVIEW MIT OB TESSMER … … war der Inhalt. Hase oder Igel die Headline. Die bezog sich auf das vom Oberbürgermeister im Interview geäußerte Gefühl, heutzutage würden Entscheidungen am besten schon vorgestern erwartet, früher habe man noch Zeit gehabt, Entscheidungen in der gebotenen Ruhe vorzubereiten oder zu sichten und eigentlich würde er gerne noch mehr gestalten, oftmals werde man aber von diesen Mechanismen getrieben. Das aber nimmt ihm nicht jeder ab. „Wer, wenn nicht der Oberbürgermeister, hat denn die Chance, etwas zu gestalten?“ meint zum Beispiel Harald Steinbock. Andere wiederum äußern Verständnis. In der Tat würden gerade durch soziale Medien heutzutage Themen schon platziert, vermeintliche Fakten geäußert, Meinungen gebildet, bevor die Politik die Chance auf Gestaltung habe, gesteht man auch einem Oberbürgermeister entlastend zu: „Wer will denn heute so einen Job überhaupt noch machen, Du kannst doch sowieso nur alles falsch machen“, ist sinngemäß eine häufige Äußerung zum politischen Tagesgeschäft im Jahr 2016.

...einmal vier Tage an der gleichen Stelle steht, könnte das darauf hindeuten, dass er defekt ist.

BIERKÖNIG … … ist Michael König schon aufgrund seines Namens. Und weil er Coburgs bekanntester Biersommelier ist und seit einiger Zeit in Diensten einer großen Brauerei aus Bayreuth, die in den letzten Monaten und Jahren vor allem mit einem neuen Gastronomiekonzept und mit zahlreichen Craftbieren (übersetzt „handwerklich gebraute Biere“) reüssierte. Seine Bedeutung verdeutlichten wir mit einem Bierbad von König auf unserer Titelseite. Das hielten nicht alle für geschmackvoll, und das bezog sich nicht auf das Bier, sondern darauf, König quasi im Gerstensaft zu versenken, andere dagegen fanden es sehr originell. Darüber hinaus scheiden sich beim zunehmendem Hype um neue Biersorten die Geister: „Bier ist fast immer handwerklich gebraucht, heutzutage wird das nur mit immer neuen Markennamen und Produkten und Geschichten mehr zum Thema gemacht“, sagt „peter68“. Tatsächlich ist der Bierkonsum ja rückläufig, dem versucht man mit neuen Produkten entgegenzuwirken. Wir finden: Das ist Marktwirtschaft und absolut legitim.

BALLONFAHRT … … ist der richtige Begriff für einen Ausflug mit dem Heißluftballon. Das haben wir in unserer Fotostory mit Bildern von Sebastian Buff in der letzten Ausgabe, aufgenommen aus dem Heißluftballon über dem Coburger Land, auch richtig gemacht. Was wir vergessen haben: die Orte und Landschaften zu benennen, die wir gezeigt haben. So wurde die Fotostory zum Rätsel. Wir geloben Besserung und werden in der nächsten Zeit auf unserer Facebook-Seite noch einmal alle Fotos zeigen …. Mit Ortsangaben.

Mitreden, Meinung sagen, Anregungen, Wünsche: Ganz einfach unter info@das-magazin-verlag.de oder auf unserer Facebook-Seite.

eher selten. gar nicht. 13. bis 16. Oktober... Kommt manchmal vor. Ist aber...

Und in diesem Fall...

Er ist einfach unser Zuhause vom

...auf der Messe Coburg auf dem Ketschenanger

Besuchen Sie uns. Im Bus auf dem Freigelände.

Kaffee... ...gibt’s auch.

Mehr als Fernsehen.

Ballonfahrt mit Sebastian Buff (Hier über Coburg-Cortendorf.) AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

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Foto: Shutterstock

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VON WOLFRAM HEGEN

HINTER GITTERN Arbeiten im Knast

S

chwere, vergitterte Türen, ein hasserfüllter rauer Umgangston, muskelbepackte maximaltätowierte Brutalos, Schlägereien, überfüllte Zellen oder Isolationshaft, Folter: Gefängnisse sind rechtlose anarchische Parallelgesellschaften, in denen Wärter mit den Rädelsführern der Umtriebe noch gemeinsame Sache machen oder lieber Mal wegschauen, wenn ein Insasse verprügelt wird, anstatt ihm zu helfen: Dieses Bild haben wohl viele, wenn sie an die Zustände in einem Knast denken. Geprägt von Filmen und Serien, weil eine scheinbar so fremde Welt spannender zu erzählen ist als der möglicherweise viel langweiligere Alltag. Geprägt sicher auch von Meldungen über die Zustände in Gefängnissen totalitärer Systemen ohne rechtsstaatliche Mindeststandards. Doch auch in Deutschland wird jeder

vierte Insasse einmal im Monat Opfer körperlicher Gewalt, sagt eine Studie des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen aus dem Jahr 2012. Das ist zwar nicht annähernd vergleichbar mit den Zuständen in manch anderen Ländern, aber eben auch alles andere als ein fröhlicher Urlaub in einer Jugendherberge. In so einem Umfeld zu arbeiten, als Justizvollzugsbeamter täglich seine Arbeit zu leisten, ist also auch hierzulande eine besondere Herausforderung. Nicht umsonst ist die Zahl der Frühpensionierungen in diesem Beruf hoch, liegt bei um die 50%. Jeder Zweite also hört vor der Rente auf. Auch der Krankenstand ist hoch. Ausdruck auch des hohen Drucks, unter dem Beamte in einer JVA stehen. Viele Gefangene sehen die Uniformträger nicht als Betreuer oder Helfer, als Begleiter oder Aufpasser auf

Weggeschlossen AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

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Foto: Adobe Stock

NEUES VON EVA

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Die Welt hinter Gittern ist eng. C O B U R G E R | D A S M A G A Z I N

Weggeschlossen AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


DAS EINGESPERRTSEIN AUF ENGEM RAUM, DAS AUFEINANDERTREFFEN VON MACHTINTERESSEN INNERHALB DES SYSTEMS GEFÄNGNIS, MÄNNLICHE AGGRESSIONEN OHNE NATÜRLICHES VENTIL DROHEN IMMER WIEDER ZU EXPLODIEREN. Zeit, im besten Fall sogar als Vorbereiter auf die Zeit nach dem Knast, sondern als Feind, als fleischgewordene Staatsgewalt, verantwortlich für das eigene Leben hinter Gittern. Auch die Belastung auf die Beamten in den oberfränkischen Gefängnissen in Bamberg, Kronach, Bayreuth und Hof steigt, weil die Gefängnisse an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt sind. So sind die 100 Plätze der JVA Kronach nahezu immer be-, meistens überbelegt, wobei in der Lucas-KranachStadt nur Männer einsitzen, in der JVA Bamberg in einer eigenen Abteilung auch Frauen. Insgesamt 200 Verurteilte verbüßen in der Domstadt ihre Strafen.

D

ie äußeren Insignien eines Justizvollzugsbeamten sind Uniform, Schlüsselbund, Funkgerät. Dazu aber braucht er vor allem auch gute Nerven, Menschenkenntnis und Autorität. Immerhin hat man es mit Menschen in einer Extremsituation zu tun, eingesperrt, unfrei, oft am Rande der Existenz, manchmal Schwerkriminelle mit ihren ganz eigenen Gesetzen. Grenzen ziehen, Regeln durchsetzen und es dabei nicht an Respekt und Umgangsformen für die Gefangenen mangeln zu lassen, selbiges aber auch einzufordern, ist entscheidend für eine erfolgreiche Karriere als Beamter im Vollzug. So beginnt auch eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten frühestens mit 20 Jahren. Im Schnitt liegen Auszubildende sogar bei Mitte 20. Ein Mindestmaß an Lebenserfahrung bringt man dann schon einmal mit, bevor man es in der praktischen Ausbildung mit den Inhaftierten zu tun bekommt. Das kann nicht schaden, viele haben schon in anderen Berufen gearbeitet, bevor sie sich bewerben. Und das tun viele: nach einer zweijährigen Probezeit lockt eine sichere Beschäftigung als Beamter mit einer ordentlichen Bezahlung. Das ist attraktiv in der schnelllebigen flexiblen Wirtschaftswelt, die nicht jedermanns Sache ist. Doch nur die wenigsten Bewerber schaffen den Einstellungstext: Diktat, Aufsatz, Allgemeinwissen, Mathe, Sport, Gesprächsführung und andere Skills sind Voraussetzung, um überhaupt eine Chance zu bekommen. Daran scheitern viele. Und natürlich werden die Persönlichkeit, die eigenen Werte, die psychologische Verfassung von Bewerbern durchgecheckt. Zwei Typen möchte man nämlich überhaupt nicht für den Dienst im Vollzug: Menschen mit einem Helfersyndrom, verkappte Psychotherapeuten also, die möglicherweise die eigenen Probleme mit der Hilfe für gescheiterte Existenzen im Gefängnis lindern

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REPORTAGE

hinaus aber muss er Gefangene auf die Entlassung vorbereiten. Der Schritt aus dem Knast hinaus ins wirkliche Leben ist für viele erst das eigentliche Problem. Wie geht’s weiter mit dem Job, mit Bekannten, Freunden, in der Familie, mit dem Partner. Schließlich soll der Aufenthalt im Gefängnis nicht zur Regel werden, sondern eine Ausnahme bleiben. Das gelingt nur mit einer guten Resozialisierung, auf die Justizvollzugsbeamte schon im Vorfeld einer Entlassung mit dem Gefangenen hinarbeiten.

Foto: Adobe Stock

im Juli dieses Jahres in Torgau in Sachsen, als es zu einer Messerstecherei zwischen zwei Gefangenen kam oder in Wuppertal im Frühjahr, als bei zwei Zwischenfällen zwei Männer sterben, oder im März in Berlin, als ein 15jähriger zwei Beamtinnen verprügelte. Aber auch Vorkommnisse wie der Hungerstreik von 40 Gefangenen in Würzburg, die für eine Methadon-Therapie demonstrierten oder zahlreiche Fluchtversuche dokumentieren die hohe Anspannung, unter der alle Insassen ob als Häftling oder als

Foto: Wikipedia

wollen, und auf der anderen Seite Bodyguards mit einem Hang zum rigorosen auch einmal körperbetonten Durchgreifen. Doch immer wieder bewerben sich gerade solche Persönlichkeitsbilder für den Job als Justizvollzugsbeamter. Gesucht werden dagegen stabile Menschen, konsequent, mit klaren Vorstellungen, Menschenkenntnis und einer guten Allgemeinbildung. Das fachliche Know-How kommt dann bei der schulischen Ausbildung dazu: Strafrecht, Psychologie, Kriminologie und auch Waffenkunde. Vor allem aber der praktische Teil mit der Ar-

JVA Kronach

beit im Gefängnis ist dann entscheidend, ob der Job der richtige für das weitere Berufsleben ist: Schichtdienst rund um die Uhr, auch an den Wochenende, und vor allem der Umfang mit den Inhaftierten. Denn auch wenn es in deutschen Gefängnissen relativ geordnet und gesittet zugeht, muss man als Beamter in einem Knast immer mit ernsten Zwischenfällen rechnen, mit Hass und Gewalt, so wie

Arbeit mit Gefangenen ist belastend

Beamter in einer JVA bisweilen stehen. Das Eingesperrtsein auf engem Raum, das Aufeinandertreffen von Machtinteressen innerhalb des Systems Gefängnis, männliche Aggressionen ohne natürliches Ventil drohen immer wieder zu explodieren. Das zu vermeiden, aufzupassen, dass jede Stunde, jeder Tage, jede Woche, jeder Monat seinen zwischen Schlafen, Essen, Arbeiten und Freizeit eng regelten Gang geht, ist die Aufgabe eines Beamten im Vollzug. Darüber

Kein leichter Job, wenn man es mit Häftlingen zu tun hat, die lange Haftstrafen verbüßen müssen, die zum wiederholten Male im Knast sind oder keine Perspektive mehr haben. Die meisten aber sind zwei, drei, vielleicht vier Jahre im Gefängnis. Oft wegen Drogendelikten, Diebstahl oder Einbruch.

ZWEI TYPEN MÖCHTE MAN NÄMLICH ÜBERHAUPT NICHT FÜR DEN DIENST IM VOLLZUG: MENSCHEN MIT EINEM HELFERSYNDROM ODER BODYGUARDS 20

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UNTER VERDACHT

Die Tücken des Strafrechts Eine Ordnungswidrigkeit ist schnell passiert. Oft beim Autofahren: Rotlicht übersehen, den Parkschein vergessen, zu schnell gefahren. Sollte nicht sein, kommt aber in den besten Familien vor. Oder im Alltag: Am Sonntag schnell mal den Küchenschrank aufbauen. Bohren, hämmern und sägen – das nennt man Lärmbelästigung. Meistens ist es bei Ordnungswidrigkeiten mit einer Ermahnung

immer wieder auf und davon machen. Die Gründe seien oft nur schwer nachzuvollziehen, eine Unfallflucht aber eben eine Straftat. Und vor allem Drogendelikte nähmen immer mehr zu. Vor allem bei Jugendlichen, ab 14 ist man strafmündig. „Der Konsum von Cannabis ist in Bayern übrigens kein Kavaliersdelikt“ warnt Albrecht, der schon viele Familien beraten hat, wenn aus dem Kiffen eine Straftat geworden ist.

NIEMAND MUSS ETWAS ERZÄHLEN Die Polizei kommt zum Unfallort, sie steht vor der Haustüre, sie ruft an, sie lädt vor. Natürlich wollen Ermittlungsbeamte im Gespräch mit Beteiligten ein Unfallgeschehen, ein Delikt, ein Verbrechen aufklären, wollen Fakten sammeln, Fragen beantwortet haben, das ist ihre Aufgabe. Manchmal reden sich Befragte dann um Kopf und Kragen. Auch als vermeintlich Unschuldiger kann man sich auf diese Weise unnötigen Ärger aufhalsen. All das hat Albrecht schon erlebt. Die wenigsten wissen, dass man nicht mit der Polizei sprechen muss, nicht zu einer polizeilichen Vorladung erscheinen, auch nicht absagen. Und wenn man schon dort ist, darf man auch bei einer Vernehmung aufstehen und gehen. Auch, wenn man nur als Zeuge befragt werden soll. „Meistens verfügt die Polizei bei so einem Gespräch ja über ein Vorwissen und richtet ihre Befragung darauf aus. Dann sagt man vielleicht etwas, das man später nicht mehr reparieren kann.“

Foto: Danny Elskamp

Und wenn man als Beschuldigter befragt wird, muss man ohnehin vor der Aussage belehrt werden, dass man eben nichts sagen muss – ein häufiger Streitfall, als vermeintlicher Zeuge plaudert man natürlich eher mal etwas aus, das man später bereut. Am besten also vor irgendeiner Aussage zum Rechtsanwalt gehen, der wird bei der Staatsanwaltschaft Akteneinsicht beantragen, dann kann man sich dazu entscheiden, ob und was man aussagt. Und das in der Regel schriftlich.

POLIZEI MUSS HELFEN Jeder kann unter Verdacht geraten.

und der Überweisung eines geringen Betrags auch getan. Was aber, wenn man sich strafbar gemacht hat oder zumindest einer Straftat verdächtigt wird? Wenn man einen schweren Unfall verursacht, einen Menschen verletzt, jemanden beleidigt oder betrogen hat? Oder wenn man als Zeuge involviert ist? Was ist dann zu tun? Fakten und Tipps zum Strafrecht von Volker Albrecht. Schnell stehen auch bis dahin ganz unbescholtene Bürger unter Verdacht, erzählt Albrecht: Schon wenn jemand bei einem Unfall nur leicht verletzt wird, erfolgt gegen den Unfallverursacher eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Häufig hat der Anwalt auch mit Unfallfluchten zu tun. Selbst bei Bagatellschäden würden sich Fahrer

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VON GELDSTRAFEN BIS ZUM KNAST Während Jugendliche bis 18 oder in Ausnahmefällen auch bis 21 bei kleineren Delikten und wenn es das erste Mal war, noch relativ glimpflich davonkommen, erzieherische Maßnahmen im Vordergrund stehen und nicht eine Strafe, ist das bei Kapitaldelikten, Wiederholungstätern und Erwachsenen anders: Je nach Vergehen reichen die Strafen vom Strafbefehl mit einer Geldstrafe im unteren Bereich ohne Hauptverhandlung über Gefängnisstrafen, die bis maximal 2 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden können bis hin zum langjährigen Freiheitsentzug. Vielleicht aber hätte man eine Strafe vermeiden können oder wäre mit einer geringeren davongekommen, wäre auch als Angeklagter zu seinem Recht gekommen, hätte man sich nicht frühzeitig falsch verhalten.

Auch wenn die Polizei einen Beschuldigten mit dem Hinweis auf einen Tatverdacht vorläufig festnimmt oder mit der Ingewahrsamnahme bis zum nächsten Tag droht, sollte man nichts sagen. Stattdessen müssen die Ermittlungsbeamten einem Tatverdächtigen auch am Wochenende helfen, einen Anwalt zu bekommen. Das Landgericht Coburg erstellt dazu aktuell zudem eine Liste mit Pflichtverteidigern, die rund um die Uhr erreichbar sind. Aber natürlich, räumt Albrecht ein, muss jeder letztlich im Einzelfall entscheiden, ob er sich nicht doch sofort äußert, wenn man beispielsweise als völlig unbeteiligter Passant einen Ladendiebstahl beobachtet hat oder Zeuge eines Unfalls war. Es gehe nicht darum, die Ermittlungsbeamten in ihrer Arbeit zu behindern, nur darum, als Angeklagter zu seinem Recht zu kommen, oder als vermeintlicher Zeuge nicht plötzlich in eine Tat verwickelt zu werden. Volker Albrecht ist Fachanwalt für Strafrecht bei der Rechtsanwaltskanzlei Hörnlein & Feyler in Coburg.

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COBURGER HÜTTE

Impressionen von Sebastian Buff.

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Entstanden bei der iTVHüttngaudi in Kooperation mit dem COBURGER, Sebastian Buff, der VR-Bank und der SÜC. Nächsten Sommer wieder iTVHüttngaudi Ende Juni. AUSGABE 14 / FEBRUAR/MÄRZ 2016

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Theologisch nicht fundierte Betrachtung von Wolfram Hegen

500 Jahre Luthers Thesen. Was für ein Fest. Ein ganzes Jahr wird gefeiert. Auch in Coburg, mit vielen Veranstaltungen und vor allem mit einer großen Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“. Coburg spielt damit in einer Liga mit anderen Lutherstädten. Coburg, die Stadt, in der Luther eine Zeitlang lebte, in deren Morizkirche er predigte. Der Reformator, dessen 95 Thesen bis heute nachwirken, der viele gesellschaftliche und politische Umbrüche ausgelöst hat. Der die Kirche ohne es zu wollen geteilt hat in Katholiken und Protestanten. Doch halt, gerade die Reformierten wollen jetzt ein Jahr lang feiern? Wo man ihnen doch nachsagt, sie seien bieder, sauertöpfisch, spießig? Die Katholiken dagegen der Sünde zugeneigte vom Ablasshandel erlöste feiste Biertrinker mit einem Hang zur barocken Lebensfreude? Stimmt nicht, finden wir.

Martin Luther und Eltern (rechts) Gemälde von Lucas Cranach d. Älterem

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Coburg feiert Luther 2017 JÄHRT SICH DER ANSCHLAG DER 95 THESEN LUTHERS ZUM 500. MAL. EIN HERAUSRAGENDER ANLASS FÜR DIE EVANGELISCHE KIRCHE DEUTSCHLANDS. COBURG SPIELT DABEI EINE GROSSE ROLLE.

Coburg lag an der südlichen Grenze des Kurfürstentums Sachsen, dessen Zentrum damals Wittenberg war. 1530 zog Kurfürst Johann (der Beständige) mit großem Gefolge nach Augsburg, um dort auf dem Reichstag für die Reformation einzustehen. Martin Luther ließ er für fast sechs Monate in Coburg und damit innerhalb des für ihn sicheren kursächsischen Machtbereichs zurück. Als Luther den Festungsberg zu Fuß hinaufging, fasst er seinen ersten Eindruck in diese Worte: „Es ist ein überaus reizender und für Studien geeigneter Ort.“ Hier verfasste er zahlreiche Bekenntnis- und Streitschriften und widmete sich Übersetzungsarbeiten. Er schrieb mehr als 120 Briefe in 172 Tagen an seine Freunde in Augsburg und auch an seine Familie in Wittenberg. Viele bekannte Schriften sind hier entstanden wie der „Sendbrief vom Dolmetschen“, Beiträge zur Vereinheitlichung der deutschen Schriftsprache, die zum Teil bis heute Gültigkeit besitzen.

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Genau an dieser historischen Stätte des Wirkens von Martin Luther, auf der Veste Coburg, findet vom 9. Mai bis zum 5. November 2017 die Bayerische Landesausstellung „Ritter, Bauern, Lutheraner“ statt. Diese erzählt von der Wendezeit um 1500 mit vielen kostbaren internationalen Exponaten und multimedial aufbereiteten Geschichten. Es war eine aufregende Zeit: Die Ritter kämpfen ihren letzten Kampf, die Bauern stehen auf und in den Städten gärt es. Buchdruck, Flugschriften und Kampflieder bringen neue Ideen unter die Leute, jahrhundertealte Gewissheiten geraten ins Wanken. Vor allem in Süddeutschland, in Franken, Schwaben und Altbayern, entscheidet sich Erfolg oder Misserfolg der evangelischen Bewegung. Von der Veste Coburg aus verfolgt Martin Luther den Augsburger Reichstag von 1530, von dem sich alle eine Lösung der Konfessionsfrage erhoffen.

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Begleitend zur Bayerischen Landesausstellung lässt eine Ausstellung im Staatsarchiv Coburg den Besucher anhand ausgewählter historischer Dokumente aus dem Archiv in die Welt um die Amtsstadt Coburg im Jahr 1517 eintauchen. Was beschäftigte die Menschen damals in der südlichsten „Pflege“, wie es damals hieß, des Kürfürstentums Sachsen? Die Dokumente führen das Bild einer gewachsenen historischen Landschaft rund um den kursächsischen Verwaltungssitz Coburg an der Schnittstelle zum fränkischen Raum vor Augen.

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Fabelhaft! Tiere, Natur und Schöpfung bei Martin Luther – so heißt eine Sonderausstellung vom 9. April bis 29. Oktober 2017 im Naturkundemuseum Coburg. Mit Luther nämlich begann auch ein neues Denken: Neben die religiöse Deutung der Welt trat die Wissenschaft, die das Alte hinterfragte und neu erklärte. Im Einklang mit der Bibel war für Martin Luther jedoch klar, dass die Welt und alles, was sie enthält, das Resultat des Schöpfungshandelns Gottes ist. Und Luther selbst war auch ein Naturfreund: In seiner freien Zeit hielt er sich gern in Gärten auf und erfreute sich an Bäumen und Blumen.

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Ende Oktober wird das Jubiläumsjahr in der Lutherstadt Coburg feierlich beendet mit dem Kirchenkreis-Kirchentag am 30. und 31. Oktober – mit einem großen Fest, mit Kabarett, einem ökumenischen Gottesdienst in der Morizkirche, einem Luthermusical, Gospelchören, einem Markt der Möglichkeiten und vielen Angeboten mehr. Weitere Informationen und Veranstaltungen hier: www.coburg.de/veranstaltungen, www.luther2017.de www.hdbg.de/reformation/luther_ausstellungsorte_veste-coburg.php

KK

Zum Chorfest des Fränkischen Sängerbundes werden ca. 100 Chöre mit über 2500 Sängerinnen und Sängern erwartet. Coburg als Gründungsstadt des Deutschen Sängerbundes steht damit ein weiteres Mal im Mittelpunkt der Chorbewegung. In diesem Rahmen wird Martin Luther in der einzigen Lutherstadt Bayerns im Rahmen des Luther-Jubiläums als großer Förderer und geistiger Vater der Kirchenmusik gewürdigt. Eröffnet wird das zweitägige Chorfest am Abend des 8. Juli. Geplant ist auch ein öffentliches Singen mit allen Besucherinnen und Besuchern auf dem Coburger Marktplatz.

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LEITARTIKEL

STUDIEREN MIT

WEITBLICK

Nur wer schon während seines Studiums Theorie und Praxis verknüpft, kann nachher voll durchstarten. Alle Studiengänge der Hochschule Coburg bereiten intensiv auf das Berufsleben vor. Die Professorinnen und Professoren verfügen über vielfältige Praxiserfahrungen. Im Studium spielen praxisorientierte Projekte eine wichtige Rolle. Die Studierenden lernen frühzeitig mit Leuten aus anderen Fachrichtungen zusammenzuarbeiten. Und sie haben die Chance, bei anwendungsorientierten Forschungsprojekten mit dabei zu sein.

Weih-nachten oder Wein-achten Bam-berg oder Co-burg Wohl an keinem kirchlichen Festtag könnte der Unterschied zwischen katholischen und evangelischen Regionen deutlicher zu Tage treten als an Weihnachten: Während man in katholischen Kirchen, vom Weihrauch benebelt, vom Gold geblendet, fetten Barockengeln beäugt, satten Orgelsounds und schmetternden Chören fast ertaubt die ganze überbordende kitschige Pracht der Geburt Jesu bis in die letzte Sinneszelle des Körpers implantiert bekommt, belassen es die Lutheraner schon mal bei ein paar Kerzen als Verpackung und einem durch die schmalen Lippen gepressten „O Du Fröhliche“ als akustisches Schleifchen obendrauf für das göttliche Geburtstagsgeschenk. An katholischen Festtagen kann es gar nicht prächtig genug zugehen, alle haben im feinen Zwirn zu kommen, bei einem Rosenkranz hat man schon einmal gefühlte 2 Stunden auf den Knien zu sitzen und zu leiden, alle schwitzen und stöhnen, leiden, fühlen – im besten Falle allenfalls getröstet alleine durch den folgenden mehrstündigen Frühschoppen Bei evangelischen Gläubigen geht es sachlich zu, manchmal im wahrsten Sinne nüchtern und ein bisschen wie in einer therapeutischen Klinik: Schön, dass Ihr alle da seid, wir nehmen uns alle an den Händen und singen erst einmal zusammen – in der Regel dann ein „Wir sind alle Kinder einer Erde“-Lied, begleitet von der kircheneigenen Gitarrengruppe. Macht das Spaß? Oder vielleicht besser: Muss Kirche Spaß machen? Muss Glauben Spaß machen? Darf er Spaß machen? Das Leben überhaupt? Oder sollten wir lieber von großer Dankbarkeit über unser Dasein geknechtet, in Bescheidenheit verkümmert, vom schlechten Gewissen gepeinigt still vor uns hin leben, bis der Erlöser uns erlöst?

STUDIENANGEBOT 20 Bachelor-Studiengänge 15 Master-Studiengänge

Bauen und Design Technik und Informatik Wirtschaft Soziale Arbeit und Gesundheit Angewandte Naturwissenschaften

www.hochschule-coburg.de 32

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Hm, da müssen wir mal kurz überlegen … Nein, müssen wir nicht. Warum aber sagt man den Protestanten überhaupt solche Spießigkeit nach, immerhin hat die von Luther ausgelöste Reformation uns doch freier gemacht, gebildeter, demokratischer, gleicher? Das hätte sich mit der barocken auf wenige Fürsten beschränkten elitären Lebensfreude nicht vertragen, die ja auch gründlich hinweggefegt wurde. Und deren Vertreibung hat uns ja auch Demokratie und Wohlstand gebracht – durch Disziplin, Pflichtbewusstsein, Ehrlichkeit, Sparsamkeit, Verzicht und Fleiß … Ok, klingt alles ziemlich anstrengend.

Werfen wir doch mal einen Blick auf zwei völlig unterschiedliche Städte, die sich, welch Zufall, hier in unserer Nähe befinden. Dort Bamberg, Sitz des katholischen Erzbischofs, Mittelpunkt des Erzbistums, überragt vom Dom, hier Coburg, ehemaliges Herzogtum, überragt von der Morizkirche, Luther zu Gast, berühmtester Sohn Albert, prüder Prinz. Alles spricht für Bamberg: das Bier, der Ablasshandel, der bei ausreichend vorhandenem Kleingeld nahezu jede Schandtat möglich macht, und natürlich die nicht zufällig entstandene Menge an Brauereien, die sicherlich auch so manchem Mönch und Priester einen lustigen Abend ermöglicht haben. Coburg dagegen ist quasi eine lutherische Modellstadt. Bis zur Reformation dem Bistum Würzburg zugehörig, seither eine protestantische Stadt durch und durch. Vor allem Lutheraner bestimmten das Stadtbild. Klar, war doch der große Meister selbst in der Stadt, predigte in der Morizkirche und verkroch sich auf der Veste Coburg. 1910, so schreibt die Stadt Coburg selbst auf ihrer Homepage, waren fast 100% (nur nochmal zum Nachdenken: also fast jeder…) Mitglied der evangelischen Landeskirche. Und deren Boss war immer der jeweilige Herzog von Sachsen-Coburg. Noch heute ist Coburg Sitz des mit über 82000 Mitgliedern größten Dekanats in Bayern. In Bayern! (Das erklärt manch Probleme mit der katholisch dominierten - sogenannten „christsozialen“ - Dauerregierung.) Der Fall scheint also klar - es stimmt: Die Katholiken haben es besser. Mehr Party, besseres Bier, Sünde kein Thema. Aber von wegen: Die Bamberger Sandkerwa zum Beispiel (Kerwa heißt ja - für alle Zugereisten – „Kirchweih“, das wäre doch das beste Argument für eine göttliche gepriesene Sause) leidet an Besucherschwund, weil es immer mehr Auflagen gegen nächtliche Partyexzesse gibt. Der Lärm in der Innenstadt durch große Veranstaltungen wie auf dem Maxplatz stößt immer mehr Anwohnern auf. Und viele Kneipen und Clubs machen zeitig dicht. Ob der Katholizismus das so toll findet, wenn er sich in Bambergs City immer weniger austoben kann, beziehungsweise freudlose (vermutlich zugereiste protestantische Migranten) sie zur spaßbefreiten Zone erklären wollen?

Das Schlaraffenland Gemälde von Pieter Bruegel der Ältere

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SAUERTOPF ODER GELAGE

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LEITARTIKEL

Ein Katholik hat den Champagner erfunden, ein Protestant die Sektsteuer

Politiker Stegner oft Sauertopf, kann auch lachen.

Und Coburg dagegen? Hier zeigen die Herzogtümler den Domstädtern, wie man richtig feiert. Beim Sambafest drei Tage lang bis tief in die Nacht oder eher bis ins Morgengrauen, und vor allem richtig laut und oftmals nur leichtbekleidet, beim Schlossplatzfest gar fünf Tage lang mitten in der Stadt vorzugsweise für mittlere und ältere Generationen, die noch (oder wieder) auf der Suche nach einem lustigen (oder lustvollen) Abend sind, beim HUK-Coburg open-air-Sommer wieder mitten in der Stadt mit Dezibelzahlen, die selbst die altehrwürdige herzoglich-protestantische Ehrenburg gegenüber erzittern lassen. Und im Steinweg pulsiert das Partyleben bis zum Frühstück. Die Sperrstunde ist reine Formsache. Vielleicht hat sich das evangelisch geprägte Coburg die Worte der Magdeburger Pfarrerin (um vom Kirchturmdenken einmal abzuschweifen) Gabriele Herbst zu Herzen genommen, die im Rundfunk sagte: „Gerechtigkeit, Frieden und Heiligkeit können sich bunt und laut gebärden. Gottes Schönheit leuchte nicht nur im Unauffälligen auf, im Verzicht, im Leisen, im eintönigen Mausgrau und Schwarz. Und ihr Glaube an ihn auch nicht.“ Na prima, Coburgs sommerliche Dauerparty ist

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Pure Fröhlichkeit beim Sambafestival in Coburg (Foto: Sebastian Buff)

also eigentlich ein Gottesdienst, oder? Trinken, Tanzen, Toben. Dabei haben doch die Katholiken die Fröhlichkeit für sich in Anspruch genommen, oder?

Katho – „liken“ Die Literatur und das Netz jedenfalls sind voll von „Selbstbeweihräucherungen“ überzeugter Katholiken in Sachen Lebensfreude. Florian Kolfhaus aus dem Bistum Regensburg zitiert z.B. den Satz „Das Bett eines Priesters sei leer, aber sein Kühlschrank voll.“ Katholisch zu sein, bedeute in der Tat, sinnenfroh und lebenslustig zu sein. Der konservative deutsche Journalist und Autor Matthias Matussek hat gleich ein ganzes Buch geschrieben („Das katholische Abenteuer“) und erzählt darin von seiner Kindheit. Die sei eine einzige lebenslustige Sinnfolklore gewesen. Frommer Hokuspokus und religiöse Sinnlichkeit. Auch der katholische Theologe, Autor und Kabarettist Manfred Lütz hat sich zu diesem Thema literarisch verewigt und bezeichnet die katholische Tradition als „ziemlich lebenslustig“ mit einem

ganzheitlichen Ansatz der Sexualität. Selbst kirchliche Streitschriften stellten erstaunlicherweise einen Lobgesang auf die Schönheiten der Sexualität dar. Und konservative katholischen Theologen verteidigen ihre Kirche vehement gegen jeglichen Modernismus, gegen jegliche sich Luther anbiedernde Spießigkeit und ziehen als Beleg dazu keine hochtrabenden theologischen Betrachtungen, sondern wahrhafte weltliche Gründe heran wie der katholische Theologe Wilhelm Imkamp in seinem Buch „Sei kein Spießer, sei katholisch“: „Zwei Benediktinermönche, Dom Pierre Pérignon und sein Mitbruder Dom Thierry Ruinart haben den Champagner erfunden, während der oberste Bischof seiner Landeskirchen, Kaiser Wilhelm II., den Deutschen die Sektsteuer beschert hat.“ Was hat das noch mit Glauben zu tun? Viel, findet Friedrich Reusch in einem Essay in einem onlinemagazin für katholische Lebensart: Ein Antispießer sei nämlich bei aller persönlichen Überzeugung kein Mensch, der schwer im Umgang ist oder die Öffentlichkeit scheut. Die Ausrichtung des eigenen Lebens in all seinen Facetten nach Gott schaffe frohe Gesichter, ist er sich sicher. Das klingt so gar nicht nach der Selbstdisziplin, Zucht und preußi-

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SAUERTOPF ODER GELAGE

scher Ordnung wie es evangelische Gläubige propagieren. Landesbischof und Ex-Coburger Heinrich Bedform-Strohm zum Beispiel tritt in einem Gespräch mit Dunja Halali für Zeit-Online für die traditionellen protestantischen Werte ein: Danke sagen, nicht alles für selbstverständlich erachten, Bescheidenheit üben, das Leben als Geschenk nehmen. Also, dann machen wir das doch. Das Leben als Geschenk nehmen in seiner ganzen Fülle und Pracht. Und das tun die Coburger ja auch, Protestanten hin oder her. Sie feiern gerne, sie freuen sich drüber das kann man als „Danke“ werten - und das mit der Bescheidenheit und mit der Selbstverständlichkeit, gut, das lernen wir auch noch.

Freude bei Bamberg zaubert....(Foto: Sebastian Buff)

Also dann fröhlich hinein ins 500jährige Jubiläum der Thesen von Martin Luther. Ein großer Vordenker, ein Revolutionär, einer, dem wir alle viel zu verdanken haben. Einer, den wir feiern sollten - auch und gerade in einer evangelischen Stadt, die gar nicht so spießig daherkommt, wie man es den Antikatholiken so gerne nachsagt.

Coburger Thesen Der COBURGER hat sich daher dazu entschlossen, eigene Thesen der Lebensfreude aufzustellen, keine 95 aber, sondern nur fünf, und natürlich auch nicht annähernd intellektuell vergleichbar mit denen des großen Reformators, sondern eher mit Humor zu nehmen (muss man das in den heutigen politisch korrekten Zeiten dazu sagen? Wir denken ja)

1. Zum Abendmahl gehört Wein. 2. Die Ordnungswidrigkeit ist die säkulare Form des Ablasshandels.

3. Kleine Sünden bestraft daher auch nicht der liebe Gott.

4. Du sollst nicht begehren Deines nächsten Weib bleibt ein frommer Wunsch (gilt natürlich genderneutral).

5. Oh Du Fröhliche ist ein fröhliches Lied! (Anmerkung: Der Autor ist katholisch getauft.)

ALBERT UND VICTORIA Musical begeistert Coburg Es war die Coburger Liebesgeschichte schlechthin, und es waren umjubelte Aufführungen im Riesensaal von Schloss Ehrenburg: Die Geschichte von Prinz Albert und seiner Victoria, als Musical in Szene gesetzt und komponiert von Ulrike Barz und zum Leben erweckt von Solisten, Sängern, Chor und Darstellern. Insgesamt neun Mal wurden die Zuschauer im September an diesem Originalschauplatz in die Mitte des 19. Jahrhunderts versetzt. Mit viel Liebe zum Detail, in wunderbaren Kostümen, garniert mit ein bisschen Geschichtsunterricht und getragen von aktuellen Sounds und Songs erzählt das Musical ein paar Jahre der großen Liebesromanze des Coburger Prinzen mit der jungen Königin. Mit der VR-Bank durch die schönste Zeit des Jahres: Den Bericht über „Albert und Victoria“ und viele andere Events gibt’s auch im Film auf www.itv-coburg.de. Weitere Veranstaltungen mit Unterstützung der VR-Bank:

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Tischtennis FM Munzer SuperCup Finale 2016 am 13.11.2016, HUK-Coburg-arena A Christmas Dream mit Joe Wulf & The Gentlemen of Swing am 17.12.2016, Kongresshaus Rosengarten

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ZUSCHAUEN.HÖREN

ZUSCHAUEN. DEMNÄCHST IM LANDESTHEATER DIE M.S. AMERICA MACHT HALT IN COBURG

ANYTHING GOES Musical von Cole Porter

A DARUM GEHT ES Schon der Titel verrät, dass auf dem Luxusliner, der von Amerika nach England schippert, wahrhaft nichts unmöglich ist: Anything goes! Ein Garant dafür sind die sich verstrickenden Berührungen der – im wahrsten Sinne des Wortes – durchgeknallten Reisegesellschaft, die sich an Bord der M.S. America befindet. Als da wären: die als Laienpredigerin auftretende Nachtclubsängerin Reno Sweeney in Begleitung ihrer Varieté-Girls. Die finanziell angeschlagene Witwe Evangeline Harcourt samt ihrer Tochter Hope und des, als reicher Schwiegersohn ausersehenen, Engländers Sir Evelyn Oakleigh. Der als Pfarrer verkleidete Gauner und Staatsfeind Nr. 1, Moonface Martin, begleitet von Erma, der Braut Schlangenauges, des meistgesuchten Verbrechers Amerikas. Ein echter geistlicher Würdenträger flankiert von zwei missionierten Chinesen, die die Traumschiffgesellschaft mächtig abzocken. Der Börsenmakler Elisha Whitney und schließlich sein Assistent, Billy Crocker, der sich zunächst als blinder Passagier einschleicht, um die Heirat seiner neuen Liebe Hope unter Zuhilfenahme seiner alten Freundin Reno zu verhindern.

B WO UND WANN SPIELT ES Anything Goes ist eine Comedy Musical mit der Musik und den Gesangstexten von Cole Porter. Die Uraufführung fand am 21. November 1934 im Alvin Theatre in New York statt. Es war das erste von fünf Broadway-Musicals, das Cole Porter komponierte. Die deutschsprachige Erstaufführung fand am 10. Februar 1981 im Pfalztheater Kaiserslautern statt. Der Transatlantikliner M.S. America ist der zentrale Schauplatz des Musicals.

C WAS ERWARTET MICH

Anything Goes gilt als eines der schönsten amerikanischen Musicals der „goldenen“ SwingÄra, das mit einer turbulenten Handlung, viel Witz und den Hits von Cole Porter für stilvoll-swingende Unterhaltung sorgt. Wer hier Tiefgang erwartet, wird nicht enttäuscht: ANYTHING GOES ist quasi das komische Captains Dinner für Musicalfans. Na dann mal „Schiff Ahoi!“.

D WER IST DABEI

Noch nicht benannt.

E WANN

Die Premiere findet am 17. Dezember statt. Es folgen weitere Vorstellungen am 21., und 26. Dezember sowie ein Doppelspieltag am 31. Dezember (15 und 19.30 Uhr). Im neuen Jahr geht es dann mit dem Musical weiter.

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WEIHNACHTSMÄRCHEN FÜR DIE GANZE FAMILIE

DIE SCHNEEKÖNIGIN

Märchenstück von Jewgenie Schwarz nach dem Kunstmärchen von Hans Christian Andersens

A Es war einmal ein Spiegel aus Eis, der alles Schöne hässlich aussehen ließ und das Schlechte schön machte. Dieser Spiegel zerbrach und zersprang dabei in tausende kleine Stücke. Trafen diese Stücke ein Herz wurde es kalt wie Eis, trafen sie Augen, sahen sie alles nur noch hässlich und böse. Den Waisenjungen Kay treffen zwei Splitter in Herz und Auge, als er im Sommer mit seiner besten Freundin Gerda im Garten spielt. Von da an verspottet er Gerda und treibt sich von nun an mit den bösen Jungs herum. Im Winter fährt eines Tages die Kutsche der schönen Schneekönigin durch das Dorf in dem Kay lebt. Aus Spaß hängt er sich hinten an. Doch plötzlich zieht ihn die Königin in die Kutsche. Er verfällt ihrer kalten Schönheit und beschließt von nun an mit ihr in ihrem Palast zu leben. Der Frühling kommt und weil Kay noch immer nicht zurück ist, macht sich Gerda auf die Suche nach ihren Freund. Auf ihrem beschwerten Weg hat Gerda einige Abenteuer zu meistern. Als sie schließlich das Schloss der Schneekönigin erreicht, findet sie Kay fast erfroren vor. Er kann die Kälte nicht spüren und so spielt die Schneekönigin ihr grausames Spiel mit ihm. Sie versprach, dass er gehen dürfe, sobald er aus Eissplittern das Wort „Ewigkeit“ gelegt hätte. Wegen des Splitters in seinen Augen kann er aber nicht richtig sehen und legt immer wieder nur seltsame Muster aus Eis. Als Gerda ihren Freund so sieht, hat sie Sorge und weint um Kay. Ihre Tränen lassen sein gefrorenes Herz schmelzen und spülen die Splitter aus seinem Auge heraus. Endlich kann er das Wort Ewigkeit legen und folgt Gerda zurück nach Hause. Als die beiden im Dorf ankommen, sind sie bereits erwachsen. B Zu diesem Märchen sind neben den zahlreichen Filmen und Theaterinszenierungen auch ein Musical, Kinderopern und eine Hörspiel-CD erschienen. Dorf, Wald, Eispalast – Schauplätze gibt es einige. Der Zuschauer darf sich gespannt darauf freuen wie die Bühnenbilder des Märchens interpretiert werden. C Noch nicht benannt. E Der Premiere im Großen Haus (12.11.) folgen eine Vielzahl von Aufführungen im November (17., 18., 20., 24., 25., 26. und 30. November) und Dezember (1., 4., 9., 11., 14., 16., 17., 18., 20., 21., 22., 23., 26., 29., 30. Dezember). Die vorerst letzte Aufführung findet am 8. Januar 2017 statt.

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ZUSCHAUEN.HÖREN

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Früher war alles ganz einfach. Filter in die Maschine, Kaffeepulver rein, Wasser dazu und den Knopf drücken. Während der köstliche Sprit in die Glaskanne tröpfelt, ist genügend Zeit, um mit den Gästen zu schwatzen. Heute kann Kaffeetrinken ganz schön anstrengend sein. Wer nur einen Becher zum Mitnehmen möchte, muss sich konzentrieren. Cappuccino, Latte, Frappuccino, groß, klein, mittel, mit Soja-, Mandel- oder doch mit echter Kuhmilch? Coffee to go gibt es inzwischen an jeder Ecke und für jeden Geschmack. Egal ob weltweit erfolgreiche Coffeeshop-Kette, die kleine Bäckerei nebenan oder das klassische Café mit Kuchentheke – auch in Coburg ist die nächste Portion Koffein überall zu haben. Wir haben vier Anbieter getestet.

COFFEE TO GO

Dazu haben wir uns zu zweit in der Büro-

Kaffee, nicht nach Thermoskanne. Und ein

pause auf den Weg gemacht. Mal schnell

Cappuccino ist eben mehr als ein Kaffee mit

die Beine vertreten, sich die Herbstsonne

Milch, egal ob in der Tasse oder im Papp-

ins Gesicht scheinen lassen und dazu ei-

becher. Preis und Optik spielen ebenfalls

nen Kaffee genießen. Worauf also kommt

eine Rolle und auch, dass der Kaffee nicht

es dabei an? Coffee to go heißt natürlich

so heiß ist, dass man sich erst die Hände am

in erster Linie, dass es schnell gehen muss.

Becher und dann die Lippen am Inhalt ver-

Wir haben ja alle keine Zeit. Aber natürlich

brennt.

soll es trotzdem schmecken, und zwar nach 38

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DIENSTLEISTUNGSCHECK

Ambiente Schorsch & Schack, früher bekannt als Reißenwebers

Ambiente Das Queens gehört zur Coburger Konditorenfamilie Schu-

Service

Service Der Kaffee wird frisch an einer beeindruckend großen, italieni-

Backstuben, bietet seit einiger Zeit auch Kaffee zum Mitnehmen. Neben der Kuchen- und Brottheke lockt also eine Auswahl an heißen und kalten Getränken „to go“. Es gibt guten Dallmayr-Kaffee, der unter anderem als Milchkaffee, Espresso, Cappuccino oder, ganz schlicht, als klassischer Kaffee daherkommt. Wer seinen Kaffee kalt mit zur Arbeit nehmen möchte, wählt einen Iced Latte. Auch einen Schokoccino findet man auf der Karte. Die Pappbecher für die Getränke zum Mitnehmen sind klassisch cremefarben mit braunen Deckeln. Der Aufdruck wirbt für Dallmayr, nicht für Schorsch & Schack.

Nach einer Minute ist alles fertig, und die Becher wandern über die Theke. Milch, Zucker und Deckel können wir uns nach Bedarf selbst nehmen. Mit ein bisschen Tapferkeit können wir die heißen Becher auch in der Hand halten. Toll ist der Milchschaum auf dem Cappuccino, der auch nach fünf Minuten noch fest ist. Der kräftige Kaffee weckt unsere von der Büroarbeit müden Gehirnzellen und schmeckt gleich doppelt so gut, wenn man mit der netten Dame hinter der Theke ein kleines Schwätzchen halten kann. Wer sich schnell einen Kaffee holen möchte, muss nicht einmal in die Bäckerei hineingehen. Es gibt ein praktisches Verkaufsfenster zur Straße.

SCHORSCH & SCHACK

29. September, 15.00 Uhr

KETSCHENGASSE

bart. Neben den Klassikern wie Cappuccino oder Espresso gibt es im Queens auch alkoholische Varianten wie den Cappuccino Amsterdam mit Eierlikör oder einen Cappuccino Roma mit Grappa. Damit man die drei Größen gleich vor Augen hat, stehen drei Becher zur Ansicht auf der Theke. Der Kaffee kommt aus der Rösterei Coburger Kaffeewerkstatt, ist also, wenn man so will, ein regionales Produkt. Zucker, Milch und Deckel holen wir uns auch hier selbst. Auf Wunsch bekommt der Kunde im Queens laktosefreie Milch. Auf den weißen und braunen Bechern steht der Name der Coburger Kaffeewerkstatt.

schen Kaffeemaschine zubereitet. Die Bedienung ist sehr nett und erklärt uns alles ganz genau. Trotzdem geht es schnell. Kaffee wie Cappuccino sind aromatisch, gut geröstet und stark. Kleines Manko: beide Getränke sind ein bisschen zu heiß. Es fällt uns schwer, die Becher zu halten, ohne sie ab und zu von einer Hand zur anderen wandern zu lassen. Bevor wir trinken, warten wir vorsichtshalber einige Minuten. Zum Service gehört auch, dass selbst der Coffee to go auf einem kleinen Tablett mit Serviette über den Tresen wandert. Für Cappuccino und Kaffee zahlen wir 4,50 Euro.

QUEENS

29. September, 15.25 Uhr

ALBERTSPLATZ

Gesamteindruck Wir haben uns einen kleinen Cappuccino und

Gesamteindruck Der Kaffee ist schnell fertig und, was mindestens

Fazit Auch Bäcker können Kaffee Note Sehr Gut (1-)

Fazit Coburg schön kräftig Note Sehr Gut (1-)

einen normalen Kaffee ausgesucht. Beide kommen frisch und vor allem schnell aus dem Vollautomaten. Geschmacklich überzeugen uns beide Getränke, sie sind kräftig geröstet und lecker. Die Dame hinter der Theke ist sehr freundlich und erklärt uns, wo wir Deckel, Milch und Zucker finden. Wie für eine Bäckerei typisch, ist der Laden eher praktisch und mit wenig Schnickschnack eingerichtet. Für den Kaffee zum Mitnehmen spielt das freilich keine große Rolle. Für beide Getränke zahlen wir 3,25 Euro – in Sachen Preis ist das der Testsieger. Nur leider ist der Kaffee im Becher ein wenig zu heiß.

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genauso wichtig ist, er schmeckt einfach toll. Besonders positiv bleibt uns das kräftige Aroma in Erinnerung. Nicht so gut ist allerdings, dass sowohl Kaffee als auch Cappuccino deutlich zu heiß sind. Im Queens gilt das Prinzip Selbstbedienung. Wer ein Getränk zum Mitnehmen kaufen möchte, steht deshalb gemeinsam mit den Café-Besuchern an der Theke im Laden an. Die Einrichtung ist stilvoll und gemütlich. Das große Angebot an Getränken ist übersichtlich auf einen Blick zu sehen. Ganz billig ist es nicht im Queens, für den Preis bekommt der Kunde aber wirklich guten Kaffee.

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DIENSTLEISTUNGSCHECK

Ambiente Das Picknick ist ein neuer und origineller Laden. Kaum

größer als eine Studentenküche, aber mit einer feinen Auswahl an Getränken. Auch hier gibt es die Klassiker Espresso, Kaffee oder Cappuccino, auch eine würzige Chai Latte ist im Angebot. Wer mag, bekommt seinen Kaffee mit Sojaoder Mandelmilch. Der Mann hinter der Theke ist sehr nett und nimmt sich Zeit. Als Einziger unter den getesteten Anbietern fragt er, ob wir die Milch im Kaffee kalt oder heiß haben möchten. Im Angebot ist Kaffee von der Kaffeerösterei Torrefaktum aus Hamburg, eine zertifizierte Bio-Kaffeerösterei mit originellen Sorten wie „Hey Dude“ oder „Black Birdie“.

Service

Bis die Getränke fertig sind, dauert es ein bisschen länger. Die Kaffeemaschine im Picknick ist eben etwas kleiner. Dafür geht es persönlich zu, hektisch wird es hier bestimmt nicht. Der Schaum auf dem Cappuccino fehlt, lecker ist dieser trotzdem. Auch der Kaffee schmeckt gut, allerdings nicht so kräftig wie in den anderen Shops. Beide Getränke waren heiß, aber nicht zu heiß. Kein Problem also, die Becher in der Hand zu tragen und sofort einen Schluck zu probieren. Deckel, Milch und Zucker nehmen wir uns auch hier selbst. Die hellen Becher tragen den Namen des Cafés: Picknick. Wir zahlen 4,80 Euro, im Vergleich das teuerste Angebot.

PICKNICK

26. September 15.50 Uhr

NÄGLEINSGASSE

Ambiente Der kleine Tchibo-Shop ist ein beliebter und gut besuchter

Treffpunkt, um den sich oft viele Gäste drängen und an einem der kleinen Stehtische eine Tasse Kaffee genießen. Die Auswahl an Getränken ist klassisch: die Bandbreite reicht von Kaffee über Espresso, Milchkaffee, Latte Macchiato, Iced Caffee Latte bis hin zu heißer Schokolade. Wer hier Kaffee trinkt, kann das guten Gewissens tun: Er wird aus fair gehandelten Bohnen zubereitet. Auf den Bechern lesen wir auch von einem Rainforest-Alliance-Zertifikat. Der normale Kaffee kommt aus einem großen, schicken Warmhaltegefäß, der Cappuccino wird frisch am Automaten zubereitet.

Service

Die Bedienung ist freundlich und sehr fix. Kaum bestellt, steht der Kaffee auch schon in einem Becher auf der Theke. Auch der Cappuccino ist nach einer Minute fertig. Er ist von einem schönen Milchschaum gekrönt und lecker, erinnert aber ein wenig an einen Milchkaffee. Leider kommt der normale Kaffee aus dem Warmhaltegefäß und ist nicht besonders heiß. Wohl auch deshalb enttäuscht er geschmacklich ein wenig. Dafür können wir die Becher problemlos in der Hand halten. Deckel, Zucker, Milch können wir uns selbst nehmen. Mit 4,20 Euro ist es bei Tchibo günstig. Die Becher sind blau oder grün und tragen das Tchibo-Logo, eine Kaffeebohne..

COBURG

26. September 16.05 Uhr

TCHIBO, SPITALGASSE

Gesamteindruck Dass der Kaffee aus biologisch angebauten

Gesamteindruck Warten muss man bei Tchibo nicht lange. Es

Fazit Cooler Coffee-Shop. Hoher Preis Note Gut (2)

Fazit Der Klassiker Note Gut (2)

Bohnen zubereitet wird, ist positiv. Wem es geschmeckt hat, kann die Bohnen auch gleich für Zuhause kaufen. Das Picknick ist klein, aber fein. Man fühlt sich gut beraten und persönlich bedient. Das Café wirkt großstädtisch-cool und ein bisschen alternativ. Leider sind die Getränke etwas teuer. Allerdings bekommt der Kunde auch etwas für sein Geld: Geschmacklich haben Kaffee und Cappuccino absolut überzeugt. Es gibt einige Alternativen zur Kuhmilch im Kaffee, also sind auch Veganer und Allergiker gut im Picknick aufgehoben. Ein bisschen Großstadt statt Provinz auf wenigen Quadratmetern.

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geht schnell, die Dame hinter der Theke ist sehr freundlich. Fair ist nicht nur die Herkunft der Kaffeebohnen, sondern auch der Preis. Der Laden ist weder Café noch Coffeeshop oder Bäckerei. In erster Linie verkauft Tchibo hier seine Kaffeespezialitäten und viele Produkte für den täglichen Gebrauch. Wer einen Coffee to go kaufen möchte, steht also zwischen Tischtüchern, Kleidung und Kaffeebohnen an. Gibt es am Preis und Service absolut nichts auszusetzen, überzeugt uns der Geschmack nicht ganz. Vor allem der normale Kaffee schmeckt zu lasch, auch der Cappuccino könnte ein bisschen stärker sein.

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gesponserter Artikel

DER BUSINESS FÜHRERSCHEIN Gut gerüstet in das Berufsleben

Stellenanzeigen durchforsten, Anschreiben und Lebenslauf in den Computer tippen und sich auf jedes Vorstellungsgespräch individuell vorbereiten - die Suche nach einer passenden Ausbildungsstelle ist anstrengend. Wenn man dann auch noch gar keine Ahnung hat welchen Ausbildungsberuf man denn überhaupt wählen will, wird das schnell zum Horror für Jugendliche.

Um Jugendlichen diese Wahl leichter zu machen starteten die „Wirtschaftsjunioren Coburg“ vor sechs Jahren ein Programm, das ihnen einen Weg aufzeigt, wie sie ihre Talente erkennen und somit den optimalen Beruf ergreifen können – den „Business-Führerschein“. Damit dieses regionale Erfolgskonzept langfristig fortgeführt und zudem auch überregional realisiert werden kann, gründete Initiatorin Elke Gillardon 2016 die gemeinnützige Stiftung Lebenspfad.

spiele mit Arbeitgebern in zehn verschiedenen Modulen vermittelt, auf was es im Berufsleben ankommt. Die Module sind „Gesunde Lebensführung“, „Businessknigge“, „Rhetorik-, Präsentation und Kommunikation“, „Richtig Wirtschaften“, „Nachhaltigkeit und Zukunftsfähigkeit“, „Design und Innovation“, „Schüler als Bosse – Ein Tag im Chefsessel“, „Interkulturelles Teamtraining“, „Persönlichkeit und Motivation“, „Bewerbung und Assessment“.

Beim „Business-Führerschein“ wird durch altersgerechte Workshops, Camps und Rollen-

Ab diesem Jahr gibt es den „Business Führerschein“ auch im Landkreis Lichtenfels. So neh-

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men die Realschule Burgkunstadt, das Gymnasium Burgkunstadt und das Meranier-Gymnasium Lichtenfels teil. Weitere Schulen sind geplant. Die Teilnahme pro Schule erfolgt über eine Bewerbung der Schüler. Ziel des „Business-Führerscheins“ ist es, den Jugendlichen und den Unternehmen zu helfen und diese erfolgreich zusammenzubringen. Denn zwei Sachen liegen auf der Hand:

Die meisten Jugendlichen wollen anpacken ... beruflich! Sie wissen nur nicht, wie es geht... Viele Unternehmen suchen ausbildungsfähigen Nachwuchs! Sie müssen lernen mit dem Nachwuchs zu flirten...

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Talent entdecken. Talente finden. Vorstand: Elke Gillardon • Sitz: Scheßlitz www.stiftung-lebenspfad.de • www.karriere-wege.de Adresse Vorstand: Am Hofbräuhaus 1 • D- 96450 Coburg Tel.: +49 (0) 9561 83 63 310 www.facebook.com/StiftungLebenspfad

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VON WOLFRAM HEGEN

Fischsemmel, Burger oder Döner an der Straßenecke – das sind nicht nur kleine Mahlzeiten zwischendurch, nein, das ist heute „Streetfood“. So ein Anglizismus klingt moderner und hipper. Und vor allem ist Streetfood natürlich

auch internationaler als nur die allseits beliebte Coburger Bratwurst auf dem Markt. Das zeigen zahlreiche Streetfood-Festivals wie eines kürzlich auch in Coburg, kulinarische Entdeckungsreisen in die Garküchen aller Herren Länder.

(Fotos: Shutterstock)

Imbiss ist überall. Und gesünder als man gemeinhin denkt. Bilder von oben: Veganes Streetfood, Tortilla Wraps und Hamburger aus dem Schnellrestaurant.

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IMBISSTREND Bilder von oben im Uhrzeigersinn: Fritto Misto, belgische Pommes Frites, gegrillte Maiskolben nach indischer Art, Hot Dogs und Brezel.

„Frisches Hackfleisch für selbstgemachte Paddys, Western-Style mit Bacon etc. und als Variante Gegrillte Hähnchenbrust mit Ananas-Teriyaki, Ruccola und Mozzarella. Dienstag, Donnerstag und Freitag frisch belegt.“

Die Welt is(s)t mobil Die Bedeutung von Streetfood weltweit steigt Jahr für Jahr an. Immer mehr Menschen leben in Städten, arbeiten tagsüber in Büros oder Fabriken fernab der eigenen vier Wände, sehen die Familie nur abends, am Wochenende oder noch seltener, sind als Single unterwegs, immerzu auf Reisen oder zumindest jeden Tag zwölf und mehr Stunden auf den Beinen. Da bleibt zum Selbstkochen oder sich Zuhause Bekochen-Lassen wie in der „guten alten Zeit“ kaum die Gelegenheit. Dafür gibt es ja mehr und mehr Convenience-Produkte aus dem Lebensmittelmarkt, moderne Gastronomietechnik, und vor allem eine tausendjährige Tradition des Kochens: Zweieinhalb Milliarden Menschen waren es laut den Ernährung- und Landwirtschaftsorganisationen der Vereinten Nationen schon 2007, die sich täglich von Streetfood ernähren, in Deutschland greift aktuell jeder Dritte mindestens einmal am Tag zum Snack von der Straßenecke. Echte Streetfood-Fans legen dabei Wert auf den Unterschied zum Fastfood: Mit Systemgastronomie möchte man nichts zu tun haben, Streetfood werde frisch zubereitet, frisch gebraten, gedünstet, belegt, sagen sie. Und Streetfood ist prinzipiell regionaltypisch. In Coburg die Bratwurst, in Mexiko Tortillas, in Burundi geröstetes Zuckerrohr. Mittlerweile aber gibt’s fast alles überall.

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BEIM KOCHEN ZUSCHAUEN UND SO WISSEN, WAS MAN BEKOMMT. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


(Fotos: Shutterstock)

STREETFOOD

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Das Prinzip ist weltweit annähernd dasselbe: Meistens sind es Einzelunternehmer oder Familien, die einen oder mehrere Stände betreiben, mal sind diese fest installiert, mal handelt es sich um einfache Buden, mal sind die mobilen Köche als fliegende Händler mit besseren Bauchläden unterwegs oder eben neudeutsch in Foodtrucks, die aus der schnellen Nahrungsaufnahme zwischendurch heutzutage fast so etwas wie eine neue Jugendkultur machen. Eine clevere Marketingidee, die ankommt. Die Wurzeln des Essens im Vorbeigehen aber liegen woanders: Vor allem die dichtbesiedelten Städte Asiens sind wahre Paradiese für die Freunde des besonders Snacks. Stand an Stand präsentieren sie ihre Angebote. In den Garküchen brodelt, dampft und brutzelt eine bunte Vielfalt an lokaltypischen Spezialitäten, oft mit Reis, Nudeln, frischen Gemüsen, Hühnchen, Fisch. Besser kann man es selbst kaum zubereiten, abwechslungsreicher auch nicht, und günstig sind die Speisen von der Straße auch. Klar: Der Straßenhändler braucht kaum Personal, macht nahezu alles in Eigenregie, und ein mobiler Stand oder eine Imbissbude sind auch billiger als Miete, Raten und Nebenkosten für eine Immobilie. Gerade in Gebieten mit einem größeren Anteil ärmerer Bevölkerung sorgen die fliegenden Händler damit auch für in der Regel gesunde und regionaltypische bezahlbare Nahrung. Und verdienen sich mit ihrem Angebot gleichzeitig ihren Lebensunterhalt. Das sind dann wohl die so oft beschworenen lokalen Wirtschaftskreisläufe: Jeder vor Ort hat etwas davon. Auch in den Städten Afrikas bildet der Snack an der Straßenecke fast schon so etwas wie die Grundversorgung großer Teile der Bevölkerung. Und ist zugleich auch Beleg für die kulturelle Vielfalt des Kontinents. Jeder Staat, jede Region verfügt über besondere Spezialitäten. Nicht anders in Süd-, Mittel- und Nordamerika, Vorderasien, Süd-, Ost- und Nordeuropa. Viele dieser kleinen Mahlzeiten und Leckereien aus den Regionen der ganzen Welt haben in den letzten Jahrzehnten durch Migranten ihren Weg auch nach Deutschland angetreten und sich neben den Curry- und Bratwurst-, Fisch- und Pommesbuden einen festen Platz erarbeitet: Döner ohnehin, Falafel, Curry, Glasnudeln, Tortillas und natürlich Burger, die schon längst dem Fastfood-Image entkommen sind und sich heute – einfallsreich kombiniert, garniert und serviert – schon zum eigenen Kult entwickelt haben. Und – nur fürs eigene Selbstwertgefühl: auch Deutschland exportiert fleißig sein „Streetfood“: Currywurst gibt’s nicht nur in Berlin.

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Foto: Shutterstock

STREETFOOD

Die Welt is(s) t gesünder als man meint Currywurst mit fettigen Pommes, dicker Pizzateig mit Formatschinken, Salami und Extra-Käse, Hamburger im pappigen Weißmehlbrötchen: Das schnelle Essen zwischendurch galt jahrelang als Dick- und Krankmacher. Ein Imbiss musste satt machen, und die Auswahl war ja auch beschränkt – Friss und stirb. Diese Zeiten sind zwar nicht vorbei, wer sich vollstopfen möchte, kann das immer noch tun und hat ja auch das gute Recht dazu, aber wer möchte, kann sich auch auf der Straße heute gesünder und leichter ernähren als noch vor zwei Jahrzehnten: Mehr Vielfalt auch für den schnellen Hunger macht es möglich. Mehr Gemüse, mehr Salate, mehr Fisch und leichtes Fleisch, weniger Fett, weniger Zucker und auch mal Vollkorn, alles das gibt es heutzutage auch in Snackform an der nächsten Ecke.

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Und wenn man beim Kochen auch noch zuschauen kann, kann man sich noch etwas sicherer sein, dass man seinem Körper etwas Gutes tut. Manch Imbissbude entwickelt sich auf diese Weise zum Gourmettempel, verschwimmen die Grenzen zwischen Restaurant und einfach nur einer schnellen Zwischenmahlzeit. Für den Urlaub in exotischen Ländern freilich gelten manchmal andere Vorsichtsmaßnahmen, die man beachten sollte. Guten Appetit. Coburg Stadt und Land aktiv GmbH Lauterer Straße 60 96450 Coburg

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VON WOLFRAM HEGEN FOTOS SEBASTIAN BUFF

  Fast jeder hat mit ihm zu tun. Täglich. Ob gewollt oder ungewollt. Beim Musik hören, bei den Radionachrichten, auf dem Smartphone: mit Professor Karlheinz Brandenburg. Der gebürtige Erlanger hat mit vielen anderen zusammen das Dateiformat MP3 entwickelt. Es komprimiert Audiodaten soweit, dass nur noch die für den Menschen wahrnehmbaren Anteile übrigbleiben. Vor fast 20 Jahren hat das Format seinen Siegeszug um die Welt angetreten. Professor Brandenburg hat es einen Platz in der „Internet Hall of Fame“ und viele andere Anerkennungen eingebracht. Vor allem aber hat es das Musikhören revolutioniert.

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INHALT

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PORTRAIT

WENN MAN 1990 MIT EINER E-MAIL ZU EINER BESPRECHUNG EINGELADEN HAT, HAT MAN NOCH DAZU GESAGT, DASS DAS WIRKLICH ERNST GEMEINT IST: BRANDENBURG ÜBER DIE ANFÄNGE. Wer früher unterwegs Musik hören wollte, der vertraute einem Walkman. Jahrelang war er ein Symbol für Innovation, Modernität, Mobilität. In einem Walkman befand sich eine Cassette mit einer A- und einer B-Seite. Meistens etwa 90 Minuten Musik, die Länge einer handelsüblichen Durchschnittskassette, 20, 30 Titel. In den Jahren danach versprach der Discman mehr Qualität. CDs waren etwas für Mu-

eine kleine Datei, reduziert auf das Wesentliche, auf das, was der Mensch überhaupt nur benötigt, um sie zu verstehen, sie zu hören, sie zu mögen, auf sie zu tanzen, mitzusingen.

sikliebhaber, perfekter digitaler Sound ohne Störgeräusche. Ein Discman war schick, nicht mehr so klobig wie ein rechteckiger Walkman. Doch CDs waren in ihrer Kapazität beschränkt, sie waren empfindlich, und für die umsichgreifende immer in Bewegung befindliche Fitnessgeneration eher ungeeignet. Dann aber kam die Revolution, Ende der 90 Jahre des 20. Jahrhunderts, und sie kam aus Franken: Mit dem neuen Format mp3 vom Fraunhofer-Institut aus Erlangen trennte sich die Musik von ihrem Trägermedium, sie war nur noch eine Datei,

schaftlern an der renommierten Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und später am Fraunhofer-Institut.

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Der Revoluzzer hieß Karlheinz Brandenburg, noch ohne den Titel Professor. Damals nämlich war er nur Doktorand in Erlangen, einer von vielen Wissen-

„Das mit mp3 war daher auch nicht meine alleinige Idee, die ich umsetzte, da waren viele Personen im Laufe der Jahre daran beteiligt.“ Sie ehrt ihn, diese Bescheidenheit, „ich habe ja keinen Heiligenschein“, es geht ihm bei aller Anerkennung nicht um Ruhm, es geht ihm um die Wissenschaft, um Forschung, um Technik. Im 90er Jahre Deutsch hätte man ihn

vielleicht als „Freak“ bezeichnet, heute als „Nerd“, obwohl er für einen solchen viel zu gesprächig rüberkommt, aufgeschlossen, kommunikativ. Vielleicht war er als solcher ja eben der ideale Ansprechpartner für seinen damaligen Doktorvater. Fasziniert von Technik und mit der Bereitschaft, das Unmögliche möglich zu machen:

Sein Doktorvater nämlich kam in den 1980er Jahren mit der Idee zu ihm, den damaligen ISDN-Telefonstandard für die Übertragung von Musik zu verwenden. Das aber war genau die Herausforderung: Sprache, Bilder oder Videos zu codieren, in ein Datenformat zu übersetzen, das galt damals schon als machbar. Für Musik galt das aber nicht. „Das war der Stand der Technik“ schmunzelt Brandenburg im Rückblick. Genau die richtige Aufgabe für die Doktorarbeit des ambitionierten Forschers. Er denkt das Problem von der anderen Seite her: Was braucht das Gehör eigent-

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MP3-ERFINDER KARLHEINZ BRANDENBURG

Mitglied der Academia Europaea, Ehrendoktor der Universität Valencia und zweier deutscher Universitäten, Mitglied der „Internet Hall of Fame“ und der „Hall of Fame“ der bedeutendsten Vordenker der Elektrotechnik aller Zeiten, Bundesverdienstkreuz, Deutscher Zukunftspreis u.a. lich, um einen Musiktitel wahrnehmen zu können? Dieser Perspektivwechsel ist entscheidend für die Lösung des Problems. Doch es dauert von da an über 10 Jahre bis zur Entwicklung und zur Marktreife des neuen Formats. Viele Forschungsprojekte sind notwendig, Gespräche und Konferenzen mit Forschern auf der ganzen Welt, Kämpfe gegen Großmächte wie Phillips, gegen CD-, Kassetten- und Plattenindustrie, gegen andere Technologien wie die Mini-Disc von Sony. Das Team muss Niederlagen verkraften, sich vom Massenmarkt verabschieden, mp3 - das damals noch MPEG Audio Layer-3 heißt - gilt zeitweise nur als professionelle Anwendung für die Überspielung von Audiodaten zwischen Rundfunkanstalten. Dann aber gewinnt das Internet immer mehr an Bedeutung, und das begreift man als Chance – und nutzt sie. „Ende der 90er Jahre haben wir gemerkt, jetzt geht’s so langsam ab.“ Die ersten Player werden verkauft, die Erfolgsgeschichte schreibt ihre nächsten Kapitel. Dabei ist mp3 3 mehr als einfach nur eine neue Art, Musik zu hören, praktisch, günstig, mobil. mp3 ist „so etwas wie ein Zauberwort, ein Symbol für die Entmaterialisierung der Musik.“ Und mp3 läutet den größten Umbruch in der Musikindustrie ein. Musik wird im Internet geteilt, heruntergeladen, kopiert, verbreitet sich in Windeseile. Alte Geschäftsmodelle funktionieren nicht mehr, neue entstehen. Der Mathematiker und Elektrotechniker Brandenburg hat auch in den vorübergehenden Jahren des Misserfolgs immer an die Erfindung geglaubt. Er sei wohl auch immer „mit einem großen Stück Optimismus“ herumgelaufen, habe man ihm bestätigt.

Man dürfe sich auf solchen Wegen auch nicht von einem „Wen interessiert das denn?“ abschrecken lassen, sagt er. Diese Botschaft vermittelt er auch heute den vielen jungen Menschen, mit denen er als Lehrstuhlinhaber für Elektronische Medientechnik an der TU Ilmenau und als Gründer und Leiter des Ilmenauer Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie zu tun hat. Die Entwicklung nämlich geht weiter, erzählt Brandenburg, der heute mehr als 100 Patente hält. Er selbst träumt von einem Holo-Deck, ähnlich wie in Raumschiff Enterprise, einer perfekten künstlichen Realität. „An den Virtual-Reality-Brillen merkt man ja, dass sich da viel bewegt hat in diese Richtung.“ Immersion heißt das Fachwort dafür, dieser Begriff beschreibt den Eindruck, dass sich die Wahrnehmung der eigenen Person in der realen Welt vermindert und sich die Identifikation mit einer Person in der virtuellen Welt vergrößert (Wikipedia). Brandenburgs Team in Ilmenau steuert dazu vor allem die perfekte akustische Illusion bei. Und steckt dabei auch in einem ethischen Dilemma, räumt der bei aller Faszination für die Wissenschaft gläubige Protestant ein: „Wenn man das Holodeck zu Ende denkt, will ich manches gar nicht.“ Auch er nämlich lebt gerne im hier und jetzt, trifft sich gerne mit anderen Menschen, und wenn er nicht forscht, geht er wandern, im Thüringer Wald nahe bei seiner Wahlheimat Ilmenau – und er hat auch in seinem Geburtsort Erlangen immer noch eine Wohnung – ganz in der Nähe der Bergkirchweih, wo man ihn alljährlich zu Pfingsten immer mal treffen kann.

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SUZANNE VEGA GILT ALS MUTTER DER MP3: IHR SONG „TOM’S DINER“ WAR EINE BESONDERS HARTE NUSS FÜR DAS TEAM IN ERLANGEN. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

Eintri� frei! COBURGER | DAS MAGAZIN

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VON WOLFRAM HEGEN

Ein ganz normaler Donnerstagabend in Coburg. Die Frühherbstsonne leuchtet hellgelb, wärmt mit ihren Strahlen. Auf einem sandigen Platz tummeln sich Volleyballer, pritschen und baggern. Daneben jagen ein paar alte Herren auf grünem Rasen einem runden Leder nach. Doch ab und zu werfen sie einen Blick auf den Nebenplatz. Dort bilden Männer ein Knäuel. Mitten auf dem Sportplatz. Das Knäuel löst sich auf, die Sportler rennen nebeneinander. Sie werfen sich einen Ball zu, mal nach links, mal nach rechts. Aber immer nach hinten, nie nach vorne. Ihr Ball ist nicht rund, sondern elliptisch. Die Spieler schreien sich an, geben Kommandos. Einer wird zu Boden gerissen, andere stürzen sich auf ihn. Es sind ungewöhnliche Szenen, die sich abspielen. Ungewöhnlich aber nur für hiesige Breiten. Die jungen Männer nämlich treiben einen Sport, der in vielen Ländern der Welt sehr populär ist und der in diesem Jahr nach 92 Jahren auch mal wieder olympisch war: Rugby. Ziel ist, den Ball hinter die gegnerischen Linien zu bringen. Wie beim Fußball oder American Football, mit denen Rugby verwandt ist. Aber mit anderen Regeln. Ein körperbetonter Sport, aber nicht brutal. Archaisch, männlich, echt. Und immer beliebter. Auch in Coburg.

Rugby ist eigentlich eine Stadt mitten in England. Sie wäre wohl nie berühmt geworden, lägen hier nicht die Wurzeln der bis heute bekannten Ballsportart. Es ist fast zwei Jahrhunderte her, als in dieser Stadt William Webb Ellis bei einem „Fußballspiel“ den Ball mit den Händen ins Tor des Gegners legte. Das mag stimmen oder nicht, und der Fußball der damaligen Zeit hatte mit dem heutigen auch wenig zu tun - man durfte den Ball treten, werfen, tragen, aber eben nicht mit der Hand ein Tor erzielen - zur Legendenbildung taugt es jedenfalls und auch dazu, den Pokal der Rugby-Union-Weltmeisterschaft bis heute nach eben jenem Webb Ellis zu benennen. Und in Rugby selbst ist bis heute auch die Rugby School ansässig, ein Internat, aus dem das Regelwerk dieser Sportart hervorgeht, die sich Mitte des 19. Jahrhunderts vom Fußball absetzte und eigenständig wurde - mit einem eigenen Verband

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und mit dem ersten Länderspiel, 1871 zwischen Schottland und England. Noch heute heißt es in einem Sprichwort, Fußball sei „eine von Raufbolden gespielte Gentleman-Sportart und Rugby eine von Gentlemen gespielte Raufbold-Sportart.“ Rugby ist bis heute eine Domäne der Länder des britischen Empires, des Commonwealth und einiger weiterer Nationen auf der ganzen Welt. In England, Australien und Neuseeland ist Rugby Nationalsport. Auch in Wales, Frankreich, Argentinien oder Südafrika ist der Sport sehr populär. Seit 1987 werden Weltmeisterschaften ausgetragen, einmal gewann England selbst den Titel, zweimal Südafrika und Australien und dreimal die Neuseeländer. Die legendären ganz in schwarz gekleideten „All Blacks“ sind weltweit vor allem auch berühmt durch den Kriegstanz Haka der Maori, der Ureinwohner Neu-

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FREIZEITSPORT

FITNESS, KRAFT, SPIELINTELLIGENZ, TEAMGEIST, GEGENSEITIGER RESPEKT UND DISZIPLIN MACHEN RUGBY AUS

Bildquelle: Coburg Wolves

seelands, den sie vor dem Spiel tanzen. Ursprünglich aber war Rugby der Sport der britischen Einwanderer, die damit ihre Verbundenheit zum Empire zum Ausdruck brachten. Dass Rugby heute Fans und Spieler aus allen gesellschaftlichen Schichten begeistert, mag so etwas wie ein Merkmal der Sportart sein: Denn neben dem sportlichen Erfolg, neben Fitness, Kraft und Spielintelligenz sind es vor allem Teamgeist, gegenseitiger Respekt und Disziplin, die den Rugbysport ausmachen. Und ja – auch blutende Kopfwunden, Knochenbrüche oder Bänderrisse gehören zum Rugbysport, immerhin spielt man ohne Schutzkleidung. Das Verletzungsrisiko ist etwas höher als beim American Football oder Fußball. Sagt die Statistik. Vielleicht ist es auch das, was den Sport so interessant macht.

100 000 Zuschauer beim Finale In den letzten Jahren nämlich gewinnt Rugby auch in Deutschland Schritt für Schritt an Bedeutung. Langsam tastet man sich an die Weltspitze heran. Immerhin gelang fast die Qualifikation für das olympische Turnier, allerdings weitestgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Und in einer der besten Rugby-Ligen der Welt, in Frankreich, ist der deutsche Profispieler Robert Mohr einer der Stars, quasi der Dirk Nowitzki im internationalen Rugby. Er spielt in La Rochelle, in einer Liga, die boomt wie kaum eine andere: 100 000 Zuschauer wollten das Finale um die französische Meisterschaft sehen.

Daniel Bätz ist Jugendleiter bei den Coburg Wolves

Mitch Gunn / Shutterstock.com

Davon ist man in Deutschland noch weit entfernt. Gerade einmal 124 Vereine sind Mitglied im Deutschen Rugby-Verband. Für das Nationalteam fand sich noch nicht einmal ein Trikotsponsor. Und das, obwohl man auch hierzulande bereits seit über 150 Jahren dem eiförmigen Leder nachjagt, das erste Mal verbrieft 1850 in Heidelberg. Briten aus besseren Hause brachten das Spiel an deutsche Gymnasien oder Privatschulen, auch nach Stuttgart, Bad Cannstadt oder Hannover. 1872 wurde ausgerechnet unter dem Namen Heidelberger Ruderklub der erste deutsche Rugbyverein aus der Taufe gehoben. In Coburg hat es 144 Jahre länger gedauert, bis sich Rugbyenthusiasten formierten. Dabei hätte es genug

Rugby ist britischer Nationalsport

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Italien gegen Frankreich im 6-Nationen-Turnier AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


RUGBY

Ansatzpunkte für eine lange Coburger Rugbytradition gegeben. Immerhin war der Gemahl von Königin Victoria, der Coburger Prinz Albert, in der Mitte des 19. Jahrhunderts häufig in England. Und immerhin, so eine These des COBURGER, trugen die „All Blacks“ aus Neuseeland ihre legendären schwarzen Trikots vielleicht auch aus Verbundenheit zu Queen Victoria, die über den frühen Tod ihres heißgeliebten Coburger Prinzen 1866 so traurig war, dass sie die über dreißig Jahre lang bis zu ihrem eigenen Ableben nur noch schwarze Kleidung trug.

ansprechpartner sportverletzungen

Jeff Lim C.W. / Shutterstock.com

Seit 2015 Rugby auch in Coburg

Paolo Bona / Shutterstock.com

Liga-Rugby in England

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So aber dauerte es bis ins Jahr 2015, als der heutige Jugendleiter Daniel Bätz vom Gymnasium Alexandrinum im Schulunterricht das erste Mal Rugby spielte. Er und seine Freunde waren sofort begeistert und trafen sich regelmäßig zum Spiel mit dem Lederei. Immer mehr Spieler schlossen sich der kleinen Truppe an. So war es nur noch ein kleiner Schritt zur Gründung einer Rugby-Abteilung des TV 48 Coburg. Mit Franz Roth konnte man zudem einen Trainer und heutigen Abteilungsleiter gewinnen, der selbst lange Jahre mit Rottweil und Frankfurt in der 1. Rugby-Bundesliga spielte und sogar zweimal für die Nationalmannschaft berufen wurde. Spieler wie Maxime Pommepuy mit Rugby-Erfahrung aus Frankreich kamen dazu. Heute sind schon über 45 Spieler Mitglied beim TV 48, eine bunte internationale Truppe mit Spielern aus verschiedenen Ländern, junge Coburger neben ausländischen Studenten, die alle eines gemeinsam haben: Sie nennen sich ganz selbstbewusst Coburg Wolves, starten Anfang Oktober in ihre erste Saison in der Verbandsliga Nord und wollen gleich in die Regionalliga aufsteigen. Außerdem legt die Abteilung viel Wert auf die Jugendarbeit, will Rugby an den Coburger Schulen verankern. Das wollen Handball, Basketball und Fußball auch, mit dem kernigen Männersport aber haben sie jetzt eine echte Konkurrenz bekommen.

COBURGS TRAINER KOMMT AUS DER ERSTEN RUGBY BUNDESLIGA

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Foto: Val Thoermer

HIERINHALT WOHNTE...

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VON HEIDI SCHULZ-SCHEIDT FOTOS: SEBASTIAN BUFF

HIER WOHNTE…

...EINE IDEE Der Platz war gut gewählt. Hier oben an der Stadtgrenze und schon inmitten ausgedehnter Felder auf einer kleinen Anhöhe in der Gemarkung Scheuerfeld. Viel Platz brauchte sie nämlich, die Idee von Prinz Albert, landwirtschaftliche Produktionsprozesse effektiver zu gestalten. Und so entstand im Jahre 1878 eine ganz moderne Farm nach englischem Vorbild. Die Ernstfarm.

Prinz Albert, seit 1840 mit der Königin von England verheiratet, dachte fortschrittlich. Eine erste Versuchsfarm ließ er 1850 in der Nähe von Schloss Windsor bauen. Auch die folgenden Musterfarmen unterschieden sich sehr von den herkömmlichen landwirtschaftlichen Betrieben auf der Insel. So waren die Wege zwischen den Nutzbauten kurz gehalten, grundsätzliche Hygienemaßnahmen kamen ins Bewusstsein und eine geradezu geniale Entsorgung der Gülle aus den Ställen wurde verwirklicht. Diese Idee trug Albert in seine Heimat und mit seinem ähnlich fortschrittlich denkenden Bruder Herzog Ernst II. hatte er einen Gleichgesinnten an seiner Seite. Aber erst nach dem Tod des Bruders ließ Ernst zwei dieser Mustergüter bauen: bei Schloss Callenberg das erste und aufgrund des positiven Echos danach, im Kürengrund, die später so genannte Ernstfarm. Das enorme Anwachsen der englischen Bevölkerung in der Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die dortige Agriculture-Bewegung hervorgebracht. Es mussten zügig und nachhaltig viel Futter angebaut und widerstandsfähige Rinderrassen gezüchtet werden, damit die Bevölkerung satt wird. Diese moderne Idee der effektiven Landwirtschaft schwappte also nach Coburg und sollte auf der Ernstfarm erprobt werden. Bis heute lässt sich erkennen, wie durchdacht das Ensemble inmitten landwirtschaftlicher Nutzflächen ist. Das Zentrum bildet ein rechteckiger Hof, um welchen sich alle

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wichtigen Gebäude gruppieren. Das Pächterwohnhaus, der Gesindetrakt, die Stallungen für Pferde, Rinder und Schweine und die lang gestreckten Wirtschaftsräume mit der Futterküche. Auch im Untergrund ging es modern zu. Ein weit verzweigtes System aus Gusseisenröhren entsorgte die Gülle aus den Stallungen direkt in eine unterirdische Grube. Bemerkenswert. Fortschrittlich auch die Idee, Ventilationsöffnungen in den Ställen einzubauen, um ein optimales Klima für die Tiere zu schaffen. Selbst hygienische Standards wurden hier umgesetzt. Denn die Milchkammer war weit weg vom rußenden Dampfmaschinenraum, und die Milchtische, an denen gearbeitet wurde, waren aus bestem Sienamarmor gefertigt, um besser sauber gehalten werden zu können. Klingt alles sehr plausibel aus heutiger Sicht. Warum hat sich dann aber diese Entwicklung nicht fort gesetzt? Letztendlich scheiterte sie am Coburger Boden und daran, dass die landwirtschaftlichen Flächen der einzelnen Bauern zu klein waren. Es ist überliefert, dass Prinz Albert 1860 freudestrahlend einen Dampfpflug auf die Reise nach Deutschland schickte. Der konnte aber auf den kleinteiligen Flächen und abschüssigen Lagen der Felder gar nicht eingesetzt werden. Und auch das großflächige Drainieren mit der englischen Röhrenpresse zur Bodenverbesserung misslang wegen der vielen, kleinen Felder. Die Flurbereinigung war einfach noch nicht so weit in Deutschland.

Nachdem die Ernstfarm aufgrund des Staatsvertrags mit Bayern 1920 an den Freistaat ging, wurden die Scheunen im Südwesten erweitert. Später erfolgten Umbauten in der Brennerei. 1976 sprengte man den Schornstein, der durch die Aufgabe der Dampfmaschine in der Brennerei überflüssig wurde. Um die Ernstfarm wurde es still. Viele Gebäude standen leer. Bis im Jahre 2003 eine Umnutzung zum Handwerkerhof mit Lehrlingsunterkünften beschlossen wurde. Wieder eine gute Idee. 2007 werkelten sage und schreibe 14 Betriebe auf dem Gelände, von der Schmiede über das Glaskunsthandwerk, die Schneiderwerkstatt, die Goldschmiede, die Korbflechterei bis hin zur Töpferwerkstatt. Auch Gastronomie siedelte sich an. Einige gibt es bis heute. Sie haben die Idee des Handwerkerhofes noch nicht aufgegeben. Auch wenn die Ernstfarm rein optisch ein bisschen in die Jahre gekommen ist. Prinz Albert und Herzog Ernst II. würden es sicher begrüßen, wenn die Handwerkstradition hier weiterleben könnte, so wie es der Pachtvertrag mit dem Forst- und Domänenamt ja auch vorsieht. Und vielleicht würden sie über die eine oder andere weitere gute Idee hier bei einem kühlen Schluck Cider nachdenken. Ja, das würden sie.

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...BESTIMMT EINE PRINZESSIN

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FRANKENS GROSSE UNTERNEHMEN

VON WOLFRAM HEGEN

ACHTER TEIL.SAINT-GOBAIN

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A

I

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D A S  A N N A W E R K

LEBT WEITER

Saint-Gobain – das ist ein internationaler Riese. Ein französischer Konzern mit etwa 180000 Mitarbeitern. Saint-Gobain – das ist ein Dinosaurier, über 350 Jahre alt. Saint-Gobain, das ist ein Global Player – mit Niederlassungen in fast 70 Ländern der Welt. Eine davon befindet sich in Rödental. Seit Ende 1998, als der in Paris gegründete Gigant das dort angesiedelte oberfränkische Traditionsunternehmen Annawerk übernahm. Hauptverwaltung von Saint-Gobain in Rödental

Das Annawerk – noch heute bekommen nicht nur ältere Rödentaler feuchte Augen bei diesem Namen, noch mehr die Oeslauer. In ihrem Stadtteil der so jungen Stadt nämlich hat der keramische Betrieb sein Zuhause. Und Generationen an Oeslauern und anderen heutigen Rödentalern, Coburgern, Neustadtern haben hier gearbeitet. 1868 wurde das Werk nach Anna Geith benannt, der ersten, früh verstorbenen Frau von Firmengründer Rudoph Geith. Der hatte im Juli 1857 von der damaligen Coburger Landesregierung unter Herzog Ernst dem Zweiten die Genehmigung bekommen, eine Brennerei zu errichten. Er tat das eben im damaligen kleinen Örtchen Oeslau. Dort sollte später die Bahnstrecke Coburg-Sonneberg vorbeiführen, dort in der Nähe gab es Tongruben. Der ideale Ort also für seine „Thonwaarenfabrik“, so der ursprüngliche Name, die schnell die Arbeit aufnahm und die im Laufe der weiteren Jahre und Jahrzehnte alles lieferte, was man aus Ton und Kalk so brennen kann. Backsteine, Schamotte, Ziegel, Sanitärprodukte und vieles

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mehr. Auch das Coburger Gaswerk profitierte wie geplant, Geith war dessen Pächter. Das alles war viel Arbeit, zu viel vielleicht? Das freilich ist Spekulation, aber Geith selbst stirbt auch schon selbst für damalige Verhältnisse relativ frühzeitig im Alter von 62, 18 Jahre nach dem Tod seiner Frau. Das mittlerweile renommierte Unternehmen aber bleibt im Familienbesitz: Geiths zweite Frau und sein Sohn übernehmen die Verantwortung. Das Annawerk wächst über 350 Beschäftigte Anfang des 20. Jahrhunderts auf 900 im Jahr 1937, nachdem zwei auswärtige Unternehmen aus Mannheim und Frechen die Mehrheit an der damaligen Annawerk AG übernommen hatten. Und obwohl man im zweiten Weltkrieg kriegswichtige Produkte herstellt, kommt das Werk in der Endphase des Krieges nahezu unbeschadet davon. So setzt sich auch nach dem Krieg die Erfolgsgeschichte fort bis weit in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sechs Fabriken stehen mittlerweile in Oeslau, sie verfügen über 100 000 Quadratmeter Produktionsfläche und bis zu 1000

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SAINT-GOBAIN Heute brennt man in Oeslau Hochleistungskeramik für die Geschirrporzellanindustrie, elektrokeramische Industrie, Baukeramik und Sanitärindustrie. Und auch wenn viele der alten Gebäude mittlerweile dem Abrissbagger zum Opfer gefallen sind, wird auch bald die Anna wieder zum Leben erweckt: Wenn nämlich noch in diesem Jahr der Annapark eröffnet wird, das Einkaufszentrum der Rödentaler in der Innenstadt.

Bildquelle: Mediengruppe Oberfranken

Mitarbeiter. Die Bedeutung für die Region ist immens, Oeslau selbst hat selbst nur etwas über 4000 Einwohner, als man 1971 gemeinsam mit anderen Gemeinden ein Teil der neuen Stadt Rödental wird. Auch wenn das mit der Stadtgründung sicher nichts zu tun hat, so langsam aber geht es bergab mit dem Annawerk: Die Baukeramikwerke werden geschlossen, das Unternehmen ist als GmbH mittlerweile eine Tochtergesellschaft der Deutsche Steinzeug

Foto: Julez

Cremer & Breuer AG und wird als solche 1998 an eine Tochtergesellschaft des heutigen Eigentümers Saint-Gobain verkauft. Kurz danach ist mit dem Annawerk Schluss: Das Unternehmen erhält den heutigen Namen Saint-Gobain IndustrieKeramik Rödental GmbH. Von ehemals 1000 Mitarbeitern sind da gerade noch 340 in Oeslau tätig. Der Verkauf ist aber wohl die Rettung des traditionsreichen Unternehmens, auch ohne den Namen, der so sehr mit der Geschichte Oeslaus verbunden ist. Es wächst wieder auf über 700 Mitarbeiter und beschäftigt heute immerhin noch etwa 500, nachdem man seit 2014 keine Rußpartikelfilter für Dieselmotoren mehr produziert. 200 Arbeitnehmer haben damals ihren Job verloren.

Saint-Gobain IndustrieKeramik Rödental GmbH Gründung: 2000/ Anfänge 1665 (Saint Gobain) bzw. 1857 (Annawerk) Sitz: Rödental Leitung: Richard T.Utzschneider, GF Mitarbeiter: ca. 500 Branche: Keramische Industrie Website: www.saint-gobain.de

www.stadtwerke-roedental.de

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IN ZAHLEN

Die Aussage "Gutes Essen und Trinken spielen in meinem Leben eine große Rolle"

Trifft gar nicht zu Trifft voll und ganz zu

Trifft kaum zu

2,01%

(Bevölkerung in Deutschland 2015)

4,15% 13,09% Trifft etwas zu

9,07%

20,56% 20,22%

Trifft meist zu

(pro Kopf in Mrd. Euro)

3,6

3,4

2,4

2,3

2,1

Sonstige

Kirschen

5,2

Beerenobst

12,1

Birnen

23,5

Erdbeeren

Bananen

0,9

(Umfrage, Einfachnennung, in %))

Pfiersiche

Äpfel

0,6

Süßwarenkonsum 2015

Beliebteste Schnellrestaurants 2015

(pro Kopf in kg)

Sonstige

9,1

Obstkonsum 2014

Ziege

36,9 11,6

Rind

Geflügel

Schwein

(pro Kopf in kg)

Weintrauben

Fleischkonsum 2015

Trifft zu

12,6

Beliebteste Getränke 2016

(Umfrage, in %, Mehrfachnennung möglich)

1,4

Wienerwald

1,7

Dinea (Kaufhof )

1,9

Mövenpick

2,2

Vapiano

2,4

Le Buffet (Karstadt)

2,9

IKEA Restaurant

6,75 2,72

2,75 1,88

5,6 9,5

Sekt

Weißwein

Rotwein Limo

Cola

Tee

Kaffee

Fruchtsaft

Bier

Mineralwasser

Gebäck

Süßes

Salziges

Schokolade

4,3

86,7 68,5 56,6 55,7 44,4 42,6 34,4 30,1 24,4 24,0

10,8

KFC Pizza Hut Subway Nordsee

16,9

Burger King

31,4

McDonalds

Quelle: Statista 2016 Infografik: © einheuser.ardis&friends, 2016

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INHALT

Hochleistungsaluminiumkolben geschmiedet auf hydraulischen

Pressen

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GALERIE

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GERD KANZ

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G E R D   K A N Z Der gebürtige Erlanger Gerd Kanz ist in der Kunstszene der Region und darüber hinaus schon seit langem einen Begriff. Einen Namen machte sich der Künstler vor allem mit seinen Tafelbildern. Er lebt und arbeitet freischaffend in Untermerzbach im Landkreis Hassberge und in Pombia in Griechenland. (Fotos: Pia Bayer)

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GALERIE

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GERD KANZ

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BEDEUTENDE HISTORISCHE

FRÄNKISCHE

SCHRIFTSTELLER

In der Neuzeit gibt es ja viele Franken, die ihre Zeilen zu Papier bringen und damit Erfolg haben: Tanja Kinkel, Paul Maar oder Helmut Vorndran, um nur einige zu nennen. Doch welche Franken waren in früheren Jahrhunderten die bedeutendsten Schriftsteller? Das haben wir uns gefragt und drei zusammengestellt, deren literarisches Erbe bis heute lebt. Ohne Anspruch natürlich auf der „Weisheit letzter Schluss“, um ganz unbescheiden aber thematisch angebracht Goethe zu zitieren.

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WOLFRAM VON ESCHENBACH

JEAN PAUL

FRIEDRICH RÜCKERT

Wolfram von Eschenbach verdankt seinen Ruhm vor allem einem Werk, das aber bis heute eine große Bedeutung in der deutschsprachigen Literatur hat: Der Parzival. Dieses Heldenepos um den heiligen Gral ist wohl die nachhaltigste Dichtung des Mittelalters. Ein Versroman, entstanden in den Jahren zu Beginn des 13. Jahrhunderts. Ein gigantisches Werk mit 25000 paarweisen gereimten Versen. Mit vielen Bildern, mit viel Ironie, eine erzählerischen Sprache, manchmal etwas schwierig zu lesen, aber für die damalige Zeit fortschrittlich und innovativ. So ist die Geschichte vom Parzival nicht nur inhaltlich für viele Generationen prägend und lebt bis heute in Werken wie dem Parsifal von Richard Wagner fort, auch formal beeinflusst Wolfram von Eschenbach mit seiner Strophenform viele Dichter in den Jahrhunderten nach ihm. Doch neben dem Parzival verfasste von Eschenbach in seinen etwa 50 Lebensjah-

Soviel vorneweg: Bei Jean Paul scheiden sich die Geister. Die einen können mit seinen bisweilen wirren zwischen Realität und Träumerei, zwischen Analyse und bissiger Kommentierung hin- und herwabernden Geschichten nichts anfangen, die anderen verehren ihn, auch heute noch. Eines ist sicher: Er war nicht angepasst, nicht stromlinienförmig, vereinte in seiner Person die ganze Komplexität der weltanschaulich vielschichtigen Zeit zwischen Klassik und Romantik. Er war wenn man so will ein kleiner Revolutionär, immerhin benannte der als Johann Paul Friedrich Richter Geborene sich ja aus Verehrung für den französischen Revoluzzer Jean-Jacques Rousseau in Jean Paul um. Goethe traute sich kein Urteil über den Franken zu, er sei einfach zu kompliziert, meinte er. Auch Schiller wurde mit ihm nicht so richtig warm, obwohl er in seiner Blütezeit schon zu Lebzeiten sehr anerkannt war. Die Frauen auf

Ist Rückert jetzt eher Wissenschaftler, Orientalist, Übersetzer oder Dichter? Letztlich ist die Antwort auf diese Frage nahezu egal. Die deutsche Literatur jedenfalls verdankt dem Weltpoeten eine große Auswahl an Gedichten, die zum einen zur Verständigung zwischen Abend- und Morgenland beigetragen haben und zum anderen bis heute in Kompositionen von Komponisten wie Mahler, Schubert, Schumann oder Brahms weiterleben. Bedrückend sind seine Kindertotenlieder, die er nach dem Tod zweier seiner Kinder geschrieben hat. Legendär seine Sammlung „Die Weisheit des Brahmanen aus dem Indischen“. Die noch heute bekannte Redewendung „Mein lieber Freund und Kupferstecher“ geht auf ihn zurück. Er schrieb politische Komödien, Sonette, Heldengeschichten, sammelte Volkslieder, übersetzte den Koran. Viele Jahre seines Lebens war er von einer nahezu unfassbaren Schaffenskraft geseg-

ren noch weitere Werke, wie die Reimpaarerzählung Willehalm sowie zahlreiche Lieder. Der Dichter aus richterlichem Stand lebte eine Zeit seines Lebens auch im heutigen Thüringen und im Bayerischen Wald. Beigesetzt wurde er nach seinem Tod in der Liebfrauenkirche in seinem Geburtsort Eschenbach.

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Erstausgabe „Dr. Katzenbergers Badereise“

jeden Fall fanden Gefallen an dem geistreichen sensiblen vielseitig interessierten Literaten und seinen Werken. Die Biographien, Romane, Erzählungen, Idyllen auf jeden Fall füllen Bücherschränke, haben Musiker bis ins 21. Jahrhundert hinein zu Vertonungen angeregt.

geb. 16.5.1788 in Schweinfurt, gest. 31.1.1866 in Neuses bei Coburg

Bildquelle: Wikimedia

Parzivaldarstellung 15. Jahrhundert

geb. 21.3.1763 in Wunsiedel, gest. 14.11.1825 in Bayreuth

Bildquelle: Wikimedia

geb. um 1170 in Eschenbach bei Ansbach, gest. etwa 1220

Bildquelle: Wikimedia

Bildquelle: Wikimedia

Bildquelle: Wikimedia

Bildquelle: Wikimedia

BEDEUTENDE FRÄNKISCHE SCHRIFTSTELLER

Wohn- und Sterbehaus in Coburg

net, arbeitete zudem als Professor in Erlangen und Berlin. Er ist mit Lebensstationen im heutigen Unterfranken, Mittelfranken und Oberfranken zudem quasi ein gesamtfränkischer Schriftsteller. Zahlreiche Denkmäler und viele Auszeichnungen und Ehrenbürgerwürden sind Beleg seiner Bekanntheit.

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Martin Vögele

Buchhandlung RIEMANN

Buchempfehlung Mit „Die Entscheidung“ hat Charlotte Link erneut einen Thriller der Spitzenklasse geschrieben, den ich kaum aus der Hand legen konnte. In zunächst lose erscheinenden Erzählfäden skizziert die großartige Autorin die Schicksale mehrerer Menschen. Diese Geschichten verweben sich mit dem Lesen zu einem atemraubenden Handlungsstrang. Sie erzählt von Simon, der gerade in einer Krise steckt, weil er es nicht schafft, sich von seinem Vater und seiner Ex-Frau zu emanzipieren. Zu gutmütig, lässt er sich gefallen, dass diese unter anderem die gemeinsamen Kinder benutzt, um ihn zu manipulieren und andauernd Störfeuer in sein Leben zu schießen. Weil er sich dagegen nicht wehrt, hat ihn gerade seine Freundin verlassen. Oder von Nathalie, einer jungen Französin. Als ihr Vater die Familie verlässt, ist sie sieben Jahre alt. Ihre Mutter ist alkoholabhängig, die Sucht wird immer schlimmer. Früh muss Sie also Verantwortung übernehmen und sich um Haushalt und Mutter kümmern. Zunehmend überfordert mit der Situation und der Tatsache, dass sich Ihr Vater nie mehr meldet, wird sie magersüchtig. Erst als sie mit 17 Jérôme kennen lernt, scheint sich Ihr Leben zum Besseren zu wenden. Simon trifft auf die junge Frau in der winterkalten Provence. Sie ist offensichtlich in großer Not. Was ist mir ihr passiert, was hat sie hierher geführt? Simon beschließt, Ihr zu helfen. Eine folgenschwere Entscheidung… Die Geschichte führt den Leser auch nach Bulgarien, dem Armenhaus der EU, wo Eltern aufgrund unglaublicher wirtschaftlicher Not Ihre Töchter an vermeintliche Modelagenturen in Westeuropa „verkaufen“. CHARLOTTE LINK

Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 576 Seiten: ISBN: 978-3-7645-0441-0, 22,99 Euro eBook: ISBN: 978-3-641-19980-7, 19,99 Euro Hörbuch: 10 Audio-CDs , Laufzeit: 11h 48 Minuten ISBN: 978-3-8371-3628-9, 22,99 Euro

Eigentlich will Simon mit seinen beiden Kindern in Südfrankreich ein ruhiges Weihnachtsfest feiern. Doch dann kommt alles ganz anders: Die Kinder sagen ihm kurzfristig ab, seine Freundin gibt ihm den Laufpass, und auf einem Strandspaziergang begegnet er einer jungen, völlig verwahrlosten Frau: Nathalie, die weder Geld, Papiere noch eine Unterkunft hat, die fürchterlich abgemagert und hochgradig verängstigt ist. Sie tut ihm leid, und er bietet ihr seine Hilfe an. Nicht ahnend, dass er durch diese Entscheidung in eine mörderische Geschichte hineingezogen wird, deren Spuren bis nach Bulgarien führen.

Fotorechte: Blanvalet Verlag

ORIGINALAUSGABE

WAS, WENN DU IM FALSCHEN MOMENT DIE FALSCHE ENTSCHEIDUNG TRIFFST?

CHARLOTTE LINK Charlotte Link, geboren in Frankfurt/Main, ist die erfolgreichste deutsche Autorin der Gegenwart. Ihre Romane sind internationale Bestseller. Allein in Deutschland wurden bislang über 26 Millionen Bücher von Charlotte Link verkauft; ihre Romane sind in zahlreiche Sprachen übersetzt. Ihre beiden letzten Kriminalromane, „Im Tal des Fuchses“ und „Die Betrogene“ eroberten auf Anhieb die SPIEGEL-Bestsellerliste.Charlotte Link lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Frankfurt/Main.

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EINER VON DREIEN

Fotos: Sebastian Buff

Der neue Toyota Proace Verso

Ein Drilling hat es gut – er ist nie alleine. Aber er bekommt eben die Zuwendung seiner Eltern auch nicht als Einziger – das kann ein Nachteil sein, muss aber nicht, so lernt er wenigstens, sich durchzusetzen. Ob das dem frischgeborenen Toyota Proace Verso gelingen kann, wird die Zukunft zeigen. Drillingsgeschwister des Japaners nämlich sind die baugleichen Peugeot Traveller und Citroen Spacetourer, alle drei kamen kürzlich auf den Markt, alle drei haben französischen Eltern: der dortige PSA-Konzert hat den Bus (Kleintransporter) gemeinsam mit Toyota entwickelt Gut, ganz neu ist der Proace nicht, es gab schon einen Vorgänger. Den aber hat Toyota ziemlich stiefmütterlich behandelt. Der alte Proace – ein Flop. Das soll jetzt anders werden. Deswegen haben sich die Japaner bei der Neuauflage mehr in die Nachwuchsplanung eingebracht. Dann steht man auch hinter seinem Sprössling. Gut so – der Proace Verso nämlich ist ein ernstzunehmender Konkurrent in der Multivan-Klasse. Merkmal 1: Raum! Warum nämlich kauft man sich einen Bus? Weil man Platz braucht für die Familie, den Urlaub, Hobbies. Gut, auch weil man gerne über den

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Dingen schwebt. Oder weil man es sich ganz einfach leisten kann. Das ist beim neuen Großraum-Japaner durchaus drin. Viel Raum für anständiges Geld. Um die fünf Meter Länge messen die drei Varianten, bis zu neun Sitzplätze reichen für die Großfamilie oder wahlweise auch für Mountainbikes oder Surfbretter. Dann nämlich, wenn man die Innensitze bzw. –bänke (je nach Wunsch) herausmontiert, was einfach funktioniert, auch wenn so ein stabiler Sitz natürlich sein Gewicht hat. Das muss auch so sein, dafür sitzt man als Reisender dann wirklich sicher und bequem im Proace. Guter Halt, variabel einstellbar, viel Beinfreiheit. Und ein Innenraum, der so gar nicht nach Transporter, sondern eher nach PKW aussieht: Bodenbelag, Verkleidungen, Blenden, das sieht schön aufgeräumt aus - wie in einem guten deutschen Wohnzimmer. Also dann ab auf die Straße, ob er sich auch so gut fährt wie er aussieht. Wir testen die Variante mit einem zweilitrigen 150PS-Dieselmotor und sechs Gängen, als Benziner gibt’s den Proace Verso nicht. Und wir sind zwar nicht begeistert, aber doch zufrieden. 150 Pferdestärken sind für ein Fahrzeug mit über 1,5 Tonnen eben nicht überdimensioniert, reichen aber gut aus, um einigermaßen flott auf Touren zu kommen. Seine Stärke entfaltet der Bus dann auch bei Reisegeschwindigkeit: ruhiges ent-

spanntes Dahingleiten, zartes Blubbern des Motors, sanftes Fahrwerk, leichte Lenkung. Zeit, sich ein wenig mit der Ausstattung zu beschäftigen. Die Variante „Family Comfort“ hat da Einiges zu bieten: Klimaautomatik mit zwei Zonen, Toter-Winkel-Warner, Geschwindigkeitsregelanlage, Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Scheinwerfer-Reinigung und einiges mehr an kleinen Annehmlichkeiten. Die Bedienelemente sind zwar nicht immer selbsterklärend und manchmal etwas versteckt, aber gut – nobody is perfect. Auch so werden der Toyota Proace Verso und seine Geschwister von Peugeot (Traveller) und Citroen (Spacetourer) ihren Platz in der Gesellschaft finden. Die Platzhirsche bekommen Konkurrenz.

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AUTOTEST

TECHNISCHE DATEN

Toyota Proace Verso Family Comfort 2.0 D mit 6-Gang-Schaltgetriebe Verbrauch (Stadt/Land/Mix)

(Stadt/Land/Mix) 5,9/4,9/5,3 Liter Diesel /100 Kilometer

Hubraum

1997 ccm

Leistung kW/PS

110 kW/ 150 PS

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 170 km/h, in 11,0 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Preis

Testmodell 40150,00 Euro

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LIFESTYLE

SPARE IN DER ZEIT

Typisch Deutsch?

Sparsam, solide, auf Sicherheit bedacht, so sind wir Deutsche. Das Phänomen „Sparen“ begann mit den Kriegen und dem „Sparwunder“ 1924, als die Deutschen das Geld nach der Hyperinflation wieder zu den Banken getragen haben und nicht zu Hause horteten. Im Krieg mussten die Leute hamstern, um Essen zu bekommen. Man musste etwas ansparen, das jederzeit verfügbar war um zu überleben. Das wurde dann von Generation an Generation weitergegeben. Es scheint in unsere Gene übergegangen zu sein, und das ist nicht unbedingt ein Nachteil. Heute, mehrere Währungsreformen und Jahrzehnte deutscher Wirtschaftsgeschichte später, häufen sich überall auf der Welt riesige Schuldenberge an. Doch

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diese Welt ist gleichzeitig auch durch Nullzinsen geprägt. Das ist auch ein Grund dafür warum der Ruf des Sparens heutzutage eigentlich ruiniert sein müsste. Denn wenig Zinsen bedeuten auch, daß das Geld auf dem Sparbuch nicht mehr wird.

Möglichkeiten sein Geld anzulegen, die aber oft gegen die deutsche Unsicherheitsvermeidung verstoßen und deswegen nicht probiert werden. Für diese „German Angst“ werden wir international öfters belächelt.

Die plötzlich aufgekommene „Haut-das-Geld-rausMentalität“ mag für viele naheliegend sein, doch sie ist nicht die Lösung. Denn die Sparsituation hat sich in den zurückliegenden Wochen und Monaten nicht wirklich verschlechtert. Im Gegenteil: Für alle Anhänger von Sparbüchern und Tagesgeldkonten waren die Rahmenbedingungen in den zurückliegenden dreieinhalb Jahren nie besser. Natürlich gibt es neben dem klassischen Sparbuch auch andere

Vergessen wird aber oft der eigentliche Sinn des Sparens: Menschen wollen etwas für später aufheben, für unsichere Zeiten oder größere Anschaffungen. Ihnen kommt es nicht wirklich darauf an, dass das Geld „arbeitet“. Arbeiten sie doch selbst Monat für Monat und legen ein wenig Geld für später zur Seite – und nicht unter das Kopfkissen, um nicht allzu großen Verlockungen zu erliegen.

AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


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Das liebe... Ist Sparen noch zeitgemäß? Klar ist auch: Je länger man Geld auf die hohe Kante legt, es anlegt, desto eher kann man das Ersparte vermehren und desto höher sind die Zinsen. Dafür gibt es zum Beispiel Festgelder, die sind völlig risikolos und ganz individuell zu vereinbaren, je nach Geldbetrag und Laufzeit. Egal, wie sich die Zinsen in dem Zeitraum entwickeln, der Zins ist sicher. Und die vereinbarte Auszahlung erfolgt am Ende der Laufzeit. Natürlich gibt es eine weitere Grundregel, über die sich jeder klar sein sollte und die ja nicht nur beim Geld gilt, sondern für das Leben allgemein: Je weniger Risiko man eingeht, desto weniger Chancen hat man auf höhere Renditen, je mehr Risiko man eingeht, desto verlockender klingen die möglichen Gewinne. Dann sollten aber auch die Alarmglocken läuten, denn wo mehr Erträge versprochen werden, kann man eben auch mal Geld verlieren. Mit einer guten Beratung von qualifizierten Fachleuten aber lässt sich auch dieses Risiko kalkulieren. Es gibt zum Beispiel gutgehende Immobilienfonds mit Gewerbeimmobilien oder natürlich Aktienfonds mit interessanten Renditen. Auch das muss man ganz individuell abwägen und zu aller Erst klären, ob es einem um Liquidität geht, um die Absicherung von Lebensrisiken, um mehr Geld im Alter oder Vermögensbildung. Am besten entscheidet man sich in Sachen Sparen in der Tat für eine Kombination unterschiedlicher Anlageformen.

Geld macht nicht glücklich, aber es beruhigt. Das ist wohl kaum zu bestreiten. Doch schon lange nicht mehr schien Geld so unsicher zu sein wie heute. Historisch niedrige Zinsen lassen Vermögen schmelzen. Was also tun? Ist Sparen noch zeitgemäß? Informationen dazu von Holger Löffler-Abt von der Sparkasse Coburg - Lichtenfels. Wichtig ist ein ganzheitlicher Ansatz, und der ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich, weil es einen großen Unterschied macht, um was es einem geht: Möchte man für den Fall der Fälle vorgesorgt haben? Sich in ein paar Jahren einen Wunsch erfüllen? Die Rente aufbessern? Oder alles zusammen? Viele Menschen stellen sich daher beim Thema Sparen ihre ganz individuelle Lösung zusammen. Die

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besteht oft aus unterschiedlichen Bausteinen, aus kurz- und langfristigen Anlagen, aus klassischem Sparen und zum Beispiel Aktienfonds. Möglichkeiten gibt es viele. Klar ist dabei: Je schneller man auf das zurückgelegte Geld zugreifen möchte, je kurzfristiger man es also anlegt, desto weniger Zinsen gibt es. Und weil wir zurzeit historisch niedrige Zinsen haben, kann das auch dazu führen, dass man beispielsweise mit dem guten alten Sparbuch nichts mehr verdient zwar liegt auch die Inflationsrate historisch niedrig, aber immer noch höher als der Zins auf das Ersparte. Dennoch kann auch das Sparbuch Sinn machen, wenn man einen Ort braucht, an dem Geld sicher aufgehoben ist und man bei Bedarf sofort darauf zugreifen kann - wenn die Waschmaschine kaputt geht zum Beispiel.

Ganz wichtig dabei: Ob und wenn ja für was und wieviel Geld man auf die Seite legt, das muss natürlich auch zu den eigenen Möglichkeiten passen. Ist man Student, Berufstätiger, hat man Familie oder nicht? Wieviel Geld kann man im Monat überhaupt guten Gewissens sparen? Das sind die entscheidenden Fragen am Anfang einer Beratung. Wenn die alle geklärt sind, ist Sparen auch oder gerade heute noch zeitgemäß, ist es der richtige Weg für weniger finanzielle Sorgen im Leben.

Holger Löffler-Abt weiß, was die Menschen heutzutage für Fragen in Sachen Sparen haben: Er ist Leiter der Vertriebsregion Coburg-Stadt bei der Sparkasse Coburg - Lichtenfels und steht gerne für weitere Fragen zur Verfügung.

www.sparkasse-co-lif.de. 09561/ 70-0

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LIFESTYLE

GESUND IN HERBST UND WINTER

JACKE AN, MÜTZE AUF UND NICHTS WIE RAUS!

Willkommen

Schmuddelwetter!

Auch

wenn es jetzt auf dem Sofa am gemütlichsten ist: Nichts tut so gut wie frische Bodystreet Coburg-Heiligkreuz Bahnhofstrasse 14 96450 Coburg Tel: 09561 / 973 44 66 Email: coburg-heiligkreuz@bodystreet.com

Luft und Bewegung! Mit der richtigen Kleidung und Motivation sind Wind und Wetter kein Grund, sich auf dem Sofa zu verkriechen. Mit diesen Tipps kommen Sie gut durch die Zeit.

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TIPP 1 Dass man im Sommer bei Hitze ausreichend trinkt, scheint logisch. Aber auch im Herbst und Winter verliert der Körper viel Wasser und braucht deshalb etwas „Nachschlag“. Kälte stumpft das natürliche Durstempfinden ab. Das führt dazu, weniger zu trinken. Der Deutsche Hausärzteverband rät, mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag zu sich zu nehmen. Unser Tipp: An kalten Tagen ungesüßten Tee trinken – der wärmt und schmeckt lecker. Noch gesünder ist abgekochter Ingwer, der enthält viel Vitamin C und beugt Erkältungen vor.

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GESUND IN DEN HERBST

TIPP 2 Wenn es draußen kälter wird, drehen die meisten die Heizung auf; denn frieren will niemand gerne. Das muss man auch nicht. Denken Sie aber daran Ihre Wohnung nicht zu überheizen. Die Heizungsluft trocknet die Nasenschleimhäute aus und deren wichtige Abwehrfunktion geht verloren. Unser Tipp: Mit Bedacht heizen und einfach mal unter die Decke kuscheln – so spart man nebenbei auch Kosten ein.

es nach draußen geht. Unser Tipp: Wenn es sehr kalt ist, Anziehen nach dem Zwiebelprinzip – mehrere Schichten übereinander. So kann man sich nach Bedarf an- oder ausziehen.

TIPP 5 Wenn unser Immunsystem von Kälte und Nässe gefordert wird, ist auch eine gesunde Ernährung wichtig. Dadurch werden auch Abwehrkräfte gestärkt.

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TIPP 3 Ab an die frische Luft. Auch wenn das Wetter nicht unbedingt dazu einlädt, sollte man sich dennoch nach draußen wagen. Zuwenig Sauerstoff macht müde, unkonzentriert und kann zu Antriebslosigkeit führen. Wer zur richtigen Zeit draußen ist, bekommt mehr Tageslicht ab. Das verbessert die Stimmung und trägt zu einem verbesserten Immunsystem bei. Unser Tipp: Spaziergänge oder kleine Radtouren. Das hält fit.

TIPP 4 Richtige Kleidung ist wichtig. Weder frieren noch schwitzen sind gut für unseren Körper. Mütze oder Stirnband, Schal, Handschuhe und warme Socken gehören zur herbstlichen Grundausstattung bevor

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Unser Tipp: Ausgewogen essen und trinken. Gemüse, Obst, Kohlenhydrate und Proteine. Besonders viele Vitalstoffe (das sind u.a. Vitamine, Mineralien) liefern zum Beispiel Brokkoli, Paprika, Sanddorn und Zitrusfrüchte. Ist man bereits angeschlagen, ist der Verzicht auf Alkohol und Nikotin selbstverständlich.

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TIPP 6

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Bewegung wird durch Ruhe und Entspannung ausgeglichen. Ausreichender Schlaf ist jetzt besonders wichtig. Unser Tipp: Entspannen in der Sauna.

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Lachen hält gesund! Wer viel lacht, baut Stress ab. Unser Tipp: Die Stadtgespräche und die Cartoons aus dem COBURGER.

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LIFESTYLE

DER HERBST IST DA

Dunkle Zeiten für Autofahrer

Also machen wir uns nichts vor: Selbst wer den Herbst oder den Winter mag, weil er gerne auf Skiern oder mit dem Schlitten unterwegs ist, in der frischen Luft spazieren geht, sich auf den heißen Tee mit dem oder der Liebsten zuhause freut oder dann endlich wieder den schicken Wintermantel auspacken kann, der mit der eigenen Figur etwas schmeichelhafter umgeht als das sommerliche T-Shirt, selbst solche Liebhaber der kalten Jahreszeit also werden nicht gerne vereiste Scheiben kratzen oder auf Herbstlaub mit dem eigenen Wagen ins Schlittern kommen. Welche Aus-

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wirkungen also hat der Wechsel der Jahreszeiten auf das Autofahren und was gibt es zu beachten? Wir haben ein paar Tipps zusammengestellt.

der Versicherungsschutz in Gefahr sein. Also unser Tipp ist nichts neues, kann aber nicht oft genug wiederholt werden: Im Oktober die Winterreifen aufziehen und an Ostern abmontieren.

Klar und auch wieder nicht, weil es ja immer wieder heißt, man könne mit Ganzjahresreifen beruhigt durch den Winter fahren: Besser ist: Reifen wechseln, und zwar rechtzeitig. Ein diesbezügliches Gesetz gibt es zwar nicht, wann man also die neuen Pneus anbringt (oder in der Regel anbringen lässt), bleibt jedem selbst überlassen. Man sollte aber wissen, wenn es zu Unzeit kracht und man hat die schicken Sommerreifen noch drauf, kann

Selbst die tollsten, teuersten, modernsten Reifen aber schützen einen Autofahrer nicht vor einer Rutschpartie in der kalten Jahreszeit, wenn er die Lust an der Geschwindigkeit nicht einigermaßen im Griff hat. Also wieder ein denkbarer einfacher Tipp, der aber Blech oder im Extremfall Leben retten kann: Tempo den Straßenbedingungen anpassen und vorausschauend fahren. Und nicht vergessen: Vorausschauen fahren kann man natürlich nur,

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AUTO & REISEN

wenn man etwas sieht, heißt die Scheibe frei von Eis, Frost, Schmutz, Dreck, Laub ist. Und dann noch etwas: Nicht nur Schnee und Eis verursachen glatte Straßen, sondern auch nasses Laub oder die sogenannte „Bauernglätte“ durch schmutzige Straßen.

Vorsicht Wild! Nie ist die Gefahr eines Wildunfalls höher als im Herbst. Mit abnehmendem Tageslicht sind Wildtiere morgens später und abends früher aktiv. Besonders in der Dämmerung ist viel Wild unterwegs und die Sicht schlecht.

Neben Regen und Nebel gibt es im Herbst auch viel Wind und Stürme. Besonders auf Brücken oder in Waldschneisen gilt erhöhte Gefahr vor kräftiger Seitenwind. Unser Tipp: Beide Hände ans Lenkrad, nur dann kann schnell reagieren und gegensteuern. Beim Parken nach oben schauen – parkt man unter einem Baum, dessen beste Zeiten vorbei sind, können Äste auf das Auto fallen.

Unser Tipp: Wildwechsel-Schilder beachten. Taucht Wild auf der Fahrbahn auf, sollte man bremsen, abblenden und gegebenenfalls hupen, aber auf keinen Fall unkontrolliert ausweichen. Passiert dennoch ein Unfall, muss die Unfallstelle gesichert und die Polizei informiert werden, auch wenn das Tier danach wieder im Wald verschwindet. Strafbar ist es, getötetes Wild mitzunehmen.

1Kraftstoffverbrauch: 4,9l/100 km (innerorts), 3, 7l/100 km (außerorts), 4, 1l/100 km (kombiniert), CO2-Emissionen (kombiniert): 93g/km. Energieeffizienzklasse B. Die angegebenen Werte wurden nach dem jeweils vorgeschriebenen Messverfahren (§ 2 Nrn. 5,6, 6a Pkw-EnVKV in der jeweils geltenden Fassung) ermittelt. 2 Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers, zzgl. lokaler Überführungskosten. Andere Motorisierungsund Ausstattungsvarianten gegen Aufpreis möglich. 3 Ein Leasingbeispiel der Mercedes -Benz Leasing GmbH, Siemensstraße 7, 70469 Stuttgart. Stand 01.07.2016. Ist der Darlehens-/Leasingnehmer Verbraucher, besteht nach Vertragsschluss ein gesetzliches Widerrufsrecht nach §495 BGB. Abbildung zeigt Sonderausstattung. Anbieter: Autohaus Heinrich-G. Bender Gmbh & Co. KG

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MONACO FRANKE

DER MONACO FRANKE NEUES AUS DER HAUPTSTADT Ach, wie schön könnten der Spätsommer und der Herbst sein, wenn nur die vielen Baustellen nicht wären! Egal, ob nun auf der A70, A73, der A3,6 oder 9 – wohin man auch sieht, überall der ganz normale Wahnsinn! Fahrspurverengungen und Umleitungen am laufenden Meter, Zeitampeln, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Stop-and-Go. Die „Stauzeitrechner“ im Radio machen Überstunden. Allein in Bayern zählt der Automobilclub ADAC derzeit 28 Großbaustellen. Fett! Was der Monaco allerdings kürzlich in Stuttgart erlebt hat, das schlägt jedem Teerfass den Boden aus. In der Schwabenmetropole gibt es wegen „Stuttgart 21“ – der Tieflegung des Hauptbahnhofes – so viele Baustellen und Straßensperrungen wie sonst wohl nirgends im Moment. Und an einer Stelle wird der Verkehr hier doch innerhalb einer Umleitung tatsächlich nochmal umgeleitet. Do konnsd fei schnell amoll die Orientierung verlieren! Horchd, do bin iech scho froh, dass mir do in Franken kaane unterirdischen Extrawörschd brod‘n! Pünktlich zum ersten Schultag waren sie auch in der bayerischen Landeshauptstadt alle wieder da. Wer schulpflichtige Kinder hat oder selbst LehrerIn ist, war pünktlich zur ersten Rush-Hour auf den Beinen oder besser gesagt: im Auto unterwegs. Auf den großen Einfallstraßen, allen voran auf dem Mittleren Ring, der das Münchner Zentrum umschließt, bewegt sich von morgens bis abends eine einzige gigantische Blechlawine ganz gaaaanz langsam vorwärts. Immerhin ist die Ringstraße seit kurzem wieder durchgängig befahrbar, denn die letzte der drei Untertunnelungen am LuiseKiesselbach-Platz ist kürzlich fertig geworden. Ein jahrelanges Ärgernis fällt damit immerhin weg. Doch, als ob man nur darauf gewartet hätte: Kaum fließt der Verkehr hier im Südwesten wieder, wird am anderen Ende der Stadt schon wieder gebuddelt. Seit dem ersten Schultag ist die Ostumfahrung Münchens, die A99, die Heimat von Baggern und Betonmischmaschinen. Die viel frequentierte Umfahrung wird zwischen den Kreuzen München-Nord und München-Süd achtspurig ausgebaut – das Ganze wird bis zur Fertigstellung drei – ja, schon richtig gehört – drei Jahre (!) dauern. 36 Monate lang also Staus, Auffahrunfälle, Zeitverlust und Ärger für Pendler und Urlaubsreisende. Dagegen nehmen sich die Behinderungen in Franken doch wirklich geradezu bescheiden aus! Bundesverkehrsminister Andreas Dobrinth kam übrigens persönlich zum ersten Spatenstich vorbei und ließ es sich nicht nehmen, das 400 Millionen Euro teure Bauprojekt anzuschieben. Na ja, der Wahlkampf hat ja quasi schon begonnen, und da macht es sich gut, wenn der CSU-Minister bei seiner eigenen Klientel mal persönlich vorbeischaut. So wahnsinnig viel ist dem Politpennäler mit dem Konfirmandenanzug und der schwarzen NerdBrille in seiner Amtszeit ja nun wirklich nicht gelungen (iech soch nur: MAUT!).

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Dobrinth kandidiert übrigens für den Wahlkreis Peißenberg. Der Markt liegt im sogenannten „Speckgürtel im oberbayerischen Landkreis WeilheimSchongau, unweit des Starnberger- und des Ammersees - Autokennzeichen „WM“, was überraschenderweise nicht für „Weltmeister“ und natürlich schon gleich nicht für „wahnsinniger Minister“ steht. Wobei … Über die „wahre Bedeutung“ der Autokennzeichen gibt es ja ganze Abhandlungen. „WM“ jedenfalls steht in Teilen Bayerns für „Wilder Mann“. Das Ganze taugt übrigens als netter Zeitvertreib, zum Beispiel und eben gerade im Stau! „FÜ“ – Fahrer übt – kennt ja jeder. Auch „Frankens Übel“ ist auf den Straßen für die Fürther geläufig. Bamberger Autofahrer werden als „blinde/blutige Anfänger“ verunglimpft. Auch die Variante „Beiseite, Anfänger“ ist sehr beliebt. Die Bayreuther sind „blinde Trottel“ oder „besinnungslose

wenn die Verkehrsminister im Bund und in den Ländern wieder ihre neuesten Verkehrsprojekte vorstellen, die mal mehr, mal weniger sinnvoll erscheinen. Dass man sich manches Mal fragt, ob die eine oder andere Investitionen jetzt wirklich angesagt ist, könnte daran liegen, dass dieses Jahr bereits der Bundesverkehrswegeplan für das Jahr 2030 beschlossen wurde. Acht große bayerische Verkehrsprojekte wurden in den besagten Bundesverkehrswegeplan aufgenommen, darunter zwei große Autobahnprojekte (der Ausbau der A3 zwischen Regensburg und Passau und der Ausbau der A8 von Rosenheim nach Österreich) sowie die „Beschleunigung und Elektrifizierung der Bahnstrecken von München und Nürnberg nach Prag“. 128 bayerische Vorschläge wurden zwar nicht aufgenommen. Trotzdem war in allen Bundestagsfraktionen ein deutliches Murren zu vernehmen, weil Dobrinth wohl versucht

Leslie Ann Murrey 2016

Neulich in der Stadt

Trinker“ (iech kenn welche, do stimmt des fei!), Hofer müssen sich „hirnlose Ochsen“ (dito!), Kronacher „komplette Chaoten“ schimpfen lassen.

hat, überdurchschnittlich viele bayerische Projekte unterzubringen. A Hund isser scho! Man kann’s ja mal versuchen.

So weit die Franken. Für Oberbayern lassen sich aber auch „schöne“ Spitznamen finden. Das Münchner „M“ steht als KfZ-Initial für „Mörder“ (na ja) oder auch „Milchtütenfahrer“, „FS“ für „fährst Scheiße“. Sehr gerne genommen werden auch „Rasender Opa“ (Rosenheim), „Fahrer fährt blind“ (Fürstenfeldbruck) oder Größenwahnsinniger aus der Provinz“ (GarmischPartenkirchen). Monacos „Liebling“ ist aber eindeutig das Ostallgäu: Für „OA“ funktioniert „Ohne Ahnung“ recht gut oder ganz schlicht und direkt: „Obacht, Arschloch!“

Eines dieser Projekte mal herausgepickt: Der Ausbau der B 303 von Marktredwitz zur tschechischen Grenze zum Beispiel erschließt sich nicht nur den Autofahrern in Schleswig-Holstein oder in Brandenburg nicht sofort. Ich meine: Waren Sie schon mal in Marktredwitz? Oder an der tschechischen Grenze? Sehen Sie! Da wird’s aber mal Zeit! Aber vielleicht ja tut sich ja bis 2030 etwas, und alle Welt will plötzlich das östliche Oberfranken erkunden. In 14 Jahren, des sooch ich Ihnen aus eigener Erfahrung, kann so einiges an Wasser die Isar wie den Main runterfließen. Und da kommt einiges an Staukilometern zsamm!

Ach ja, scho schee, wenn ma sich gegenseitig a wenig verarschen und ärgern derf! Bluß ned alles so eng sehen, gell! Dabei sitzen wir dann doch wieder alle im selben Boot,

Schätzla, schau wie iech schau! AUSGABE 17 / OKTOBER 2016


AUF EIN WORT Bin wieder rasiert. Seh jetzt „geschäftsmäßig“ aus...

Immer die Besten nach Brüssel Gastbeitrag von Hans G. Tanner ...wenn I jetz auf‘s Oktoberfest geh,...

...und die jungn Geschäftsleit schon bsoffn sann, hock I mi...

Wer sich schon mal gefragt hat, wie die EU-Kommission in Brüssel nur all die vielen hochkomplizierten Gesetze und Verordnungen für über fünfhundert Millionen Menschen aus achtundzwanzig Ländern mit vierundzwanzig verschiedenen Sprachen handhabt, bekommt Hochachtung. Und ein ehrwürdiger Schauer durchströmt einen, wenn man an die achtundzwanzig EU-Kommissare denkt, die diese Super-Regierung anführen. Die Ehrfurcht steigt, wenn man daran denkt, dass ihnen allen zusammen nur knapp dreizehntausend Beamte zur Verfügung stehen. Da hat ja die Stadt Frankfurt mit ihren vierzehntausendneunhundert Mitarbeitern sogar mehr. Und die sind ja nur für siebenhundertdreißigtausend Einwohner zuständig. Nicht einmal das Ressort Digitale Wirtschaft ist besetzt. In der EU-Regierung kümmert sich der Minister, Entschuldigung, der Kommissar Günther Oettinger um die Digitalisierungsbefindlichkeiten der Wirtschaft. Den Oettinger kennen alle noch als den früheren Ministerpräsidenten von Baden Württemberg. Er wurde 2010 von Angela Merkel zur EU-Kommission vorgeschlagen, damit er dann sein Ministerpräsidentenamt ruhen lassen konnte. Aufgrund seiner begrenzten Englischkenntnisse (Originalzitate: „…das Grausamste, was man jemals in englischer Sprache auf der nördlichen Erdhalbkugel hören musste…“ und „I sink sis english is under all pig!“) hat sich ihm die Aufgabenstellung ganz offensichtlich noch nicht ganz erschlossen. Und die zu wenigen Beamten konnten ihn nicht daran hindern, sich vor wenigen Tagen auf Abwegen in die Leistungsschutzrechtsforderungen der deutschen Verleger einzubringen. Sein Vorschlag, die Verleger sollten ihre Journalisten zwingen, gegen die Internetwirtschaft, insbesondere Google, zu schreiben, bliebt im Gedächtnis. Ansonsten finden wir das schon bewundernswert, was ein Mann, der davon wirklich nichts versteht, alles leisten muss. Auch die anderen Kommissare müssen sich unmenschlich anstellen, um ihr tägliches Brot zu verdienen. Marianne Thyssen aus Belgien ist unsere Arbeits-Kommissarin, obwohl sie eigentlich doch nur Anwältin ist und mal Gemeinderätin der zehntausend-Einwohner-Stadt Oud-Heverlee war. Der Vizepräsident hinter Jean-Claude Juncker ist Frans Timmermans. Der hat mal Französisch und Literatur studiert. Der muss sich jetzt um unsere Grundrechte kümmern.

...grad dazu. Is immer umsonst!

Auch Miguel Arias Cañete aus Spanien reibt sich für die Coburger und anderen Europäer auf. Er hat Jura studiert, war Staatsanwalt und danach Rechtsprofessor. Anschließend ging er in die Politik und wurde Spanischer Landwirtschaftsminister. Das muss er sehr gut gemacht haben. Die Spanier haben ihn jedenfalls zur EU-Kommission geschickt. Dort ist er für das Thema Klimawandel zuständig. Wer sonst, als er? Am schwersten hat es Christos Stylianides aus Zypern. Der ist Zahnarzt und soll sich nach einer Katastrophe um uns kümmern, wenn mal was richtig Großes passiert. Dafür ist er zuständig. Ich bin jedenfalls dankbar, dass die europäischen Länder ihre Besten nach Brüssel geschickt haben, um sich um uns zu kümmern.

An dieser Stelle laden wir Coburger und Nicht-Coburger, Zu- oder Abgereiste herzlich ein, ihre Meinung kundzutun. Hier in unserem Magazin. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie uns an.

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Coburger | Das Magazin erscheint wieder im November 2016. Anzeigenschluss ist der 11. November 2016

FALSCH HERUM

Die Wahlbeteiligung steigt wieder.

DEUTSCHE POLIZEIWAGEN SIND ZU TEUER

POLITISCHE WITZE SIND HIER DAS LETZTE.... Obama und Putin werden eingefroren und werden 2040 wieder zum Leben erweckt. Putin kriegt eine Zeitung in die Hände und fängt an zu lachen. Obama fragt sich, was in ihn gefahren ist. Er nimmt die Zeitung und macht grosse Augen. Die Schlagzeile lautet: USA ist kommunistisch geworden. Während Putin sich nicht einkriegen kann, schnappt sich Obama eine andere Zeitung und lacht ebenfalls und noch lauter als Putin. Der fragt sich natürlich was denn noch witziger sein kann. Er schnappt sich Obamas Zeitung. Als er die Schlagzeile liest, kriegt er fast einen Herzinfakt: „Ausschreitungen an der polnisch-chinesischen Grenze!“ Riesenfete im Karl-Liebknecht-Haus der Linken, Sektkorken knallen. Kommt Gysi rein: „Was ist denn hier los?“ Antwort:“ Nächstes Jahr Rot-RotGrün, nach vier Jahren Rot-Rot und wir haben wieder unsere DDR.“

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ADVERTORIAL

BLUTIGE LESUNGEN UND STARS AUF DER BÜHNE

Veranstaltungsservice Bamberg mit ganz großem Programm Mit Beginn des Herbstes verlagert sich das Konzert- und Veranstaltungsgeschehen wieder in die Hallen in der Region. Der Veranstaltungsservice Bamberg konnte wieder einmal ein Programm schaffen, bei dem für jeden etwas dabei ist. Neben die hier genannten Veranstaltungen gibt es noch viele weitere Highlights. Eine noch junge Location geht in ihr zweites Jahr – der Kulturboden in Hallstadt: 87 Veranstaltungen von kulturellen Highlights über Firmenfeiern bis hin zu privaten Veranstaltungen – im Premierenjahr gab es ein buntes Programm. Und so geht es auch weiter: Mit einer Reihe an „blutigen“ Autorenlesungen der CRIME TIME (27.10., 6., 8., 18., 24.11. und 1.12), Kabarett von HG. Butzko (20.11.) und Konzerten von Ulla Meinecke mit Band (3.12.). Zu einem krönenden Abschluss des Konzertjahres kommt es am 20. Dezember in der brose ARENA, denn zu Gast sind: Die Fantastischen Vier. Nach Bamberg und zu allen weiteren Shows werden FANTA VIER nicht nur die Hits aus 25 Jahren Bandgeschichte mitbringen, sondern auch besondere Gäste. DJ Funk & Soul Act SEVEN, der durch seine Teilnahme an „Sing meinen Song“ bekannt ist, werden die fulminanten Live-Show eröffnen. DJ World Champion ESKEI83 sorgt mit weltmeisterlichen Skills an den Turntables gemeinsam mit der grandiosen Live-Band für einen fantastischen Abend. Auch für 2017 hat sich bereits das ein oder andere Highlight angekündigt. Seit sechs Jahren warten seine Fans nun schon auf das dritte Studioalbum von Philipp Poisel. Mit „Erkläre mir die Liebe“ veröffentlichte der deutsche Singer-Songwriter endlich die erste Singleauskopplung und im Frühjahr 2017 geht es auf große Hallentour. Nach dem Motto „Weil gut Ding eben Weile haben will!“ veröffentlicht Philipp Poisel kein Album, weil das letzte schon so viele Jahre zurückliegt oder weil man das Eisen schmieden sollte, solange es heiß ist. Er macht Musik wegen der Musik und „für keine Kohle dieser Welt…“. Zu Gast ist er am 7. April 2017 in der brose ARENA.

Infos und Eintrittskarten gibt es unter www.vs-bamberg.de oder an allen bekannten Vorverkaufsstellen. AUSGABE 17 / OKTOBER 2016

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Coburger - Das Magazin #17