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Nr.16 | Juli/August 2016

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Magazin für Gesellschaft. Lifestyle. Politik.

BIERSEELIG. MICHAEL KÖNIG IST SOMMELIER. DAS IST EURE LÜGENPRESSE. LEITARTIKEL. DIE REPORTAGE. HEYDER SCHLECHTGEREDET. FOTOSTRECKE. COBURG AUS DEM BALLON. GRILLEN. GLAUBENSFRAGE UM‘S FEUER.


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Lebendig und gemütlich präsentiert sich die


INHALT

Coburger / Das Magazin AUSGABE 16. JULI/AUGUST 2016 8 11 13 16 38 66 68 75 79 80 81 82

WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF WOLFRAM HEGEN

HÖREN. SEHEN. STAUNEN STADTGESPRÄCH SEBASTIAN BUFF MEINUNGEN THEATERVORSCHAU STATISTIK GALERIE BUCHEMPFEHLUNG IMPRESSUM MONACO FRANKE AUF EIN WORT DAS LETZTE

ALLES WIRD SCHLECHTGEREDET 18 Wolfgang Heyder nach seinem Abgang. 22

COBURG AUS DEM BALLON Fotos kleiner Idyllen

DAS IST EURE LÜGENPRESSE 30 Leitartikel. TESSMER. SO EIN THEATER

WOLFRAM HEGEN

Interview nach zwei Jahren OB Tessmer.

DIE DREI KURIOSESTEN BIERE

WOLFRAM HEGEN PETER EINHEUSER

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WOLFRAM HEGEN

DIENSTLEISTUNGSCHECK 44 Italienische Eisdielen.

WOLFRAM HEGEN

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WOLFRAM HEGEN

BIER-SOMMELIER MICHAEL KÖNIG 52 Kann man den Hopfenjahrgang schmecken?

HEIDI SCHULZ-SCHEIDT SEBASTIAN BUFF

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WOLFRAM HEGEN

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WOLFRAM HEGEN PETER EINHEUSER

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WOLFRAM HEGEN SEBASTIAN BUFF

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Einfach mal probieren.

GLAUBENSSTREIT UMS FEUER Am Grill: Holzkohle oder Gas?

HIER WOHNTE... ... bestimmt eine Prinzessin.

FRÄNKISCHE UNTERNEHMEN Mediengruppe Oberfranken.

SOMMERAUSFLÜGE Der Thüringer Wald.

ÜBER DEN DINGEN Range Rover Evoque Cabrio.

TITEL-ILLUSTRATION. „Bierseelig“ Peter Einheuser

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AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


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AUSSERGEWÖHNLICHES

E V ENT

ORCHESTERMUSIK DER SPITZENKLASSE TRIFFT AUF ERSTKLASSIGEN HANDBALLSPORT Wenn ein Orchester und eine Handball-Mannschaft ein gemeinsames Projekt aus der Taufe heben, muss es etwas Besonderes sein: Eine Handball-Sinfonie

nämlich.

Ge-

spielt und vorgetragen von zwei Leuchttürmen Coburgs: dem Philharmonischen des

Landestheaters

Orchester Coburg

und der Erstliga-Mannschaft des HSC 2000 Coburg. Zu hören gibt es den Soundtrack von „Mission Impossible“,ein „James Bond“-Medley, „Star Wars“ und viele andere Klassiker der Filmgeschichte. Die Handballer zeigen dazu eigens für sie geschaffene Choreografien, mit denen sie den einen oder anderen Soundtrack sportlich begleiten werden. Ein wirkliches außergewöhnliches Event – am Freitag, den 15. Juli 2016 um 20 Uhr in der HUK-Coburg arena. Tickets gibt es noch im Vorverkauf an allen bekannten Vorverkaufsstellen und unter www.eventim.de. AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

COBURGER | DAS MAGAZIN

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INHALT

30 LÜGENPRESSE Leitartikel

22 BALLON ÜBER COBURG Unsere Fotoseiten

48 FEUERFRAGE

Holzkohle oder Gas am Grill

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AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


INHALT

44 EISDIELEN

Unser Dienstleistungscheck

AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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BIERSOMMELIER Michael Kรถnig

COBURGER | DAS MAGAZIN

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HÖREN. SEHEN. STAUNEN

HÖREN. SEHEN. STAUNEN. IN COBURG Juli

August

September

im Juli PRÖSTERCHEN

SCHLOSSBEBEN

FEST FÜRS VOLK

Rummel ums Rondell

Tambach ruft

Wenn die Schützen schießen

Pils und Prosecco. Spanferkel und Shrimps. Auf dem Schlossplatzfest feiern die Coburger vom 14. bis zum 18. Juli vor allem – sich selbst. Das Schaulaufen der Einheimischen beginnt traditionsgemäß am Donnerstag. Und alle, die etwas auf sich geben, müssen dabei sein. Cocktails schlürfend in Stöckelschuhen und Sommerkleidchen auf dem sandigen Schlossplatz die anderen beobachten und Musik hören – das hat doch was.

Auch dieses Festival wird jedes Jahr größer – mit insgesamt acht Events lockt der Tambacher Sommer dieses Jahr. Es geht los mit Wolfgang Buck am 15. Juli und dann geben sich Joris, Patrick Kelly, die Spider Murphy Gang, Michl Müller, Gregor Meyle und Albert Hammond die Schlosstürklinke in die Hand. Jeweils um 20.30 Uhr mit Vorprogramm

Humba humba humba dääderä! Für alle daheim Gebliebenen dreht sich vom 29. Juli bis 7. August auf dem Ketschenanger wieder das Riesenrad des Coburger Vogelschießens.

BELLA ITALIA

RODEO OHNE PFERD

Roller rollen Ein besonderes Stück italienische Lebensart bringt das Vespa APE Jahrestreffen nach Kaltenbrunn. Kaltenbrunn? Im schönen Itzgrund in der Pizzeria La Statione machen die Kultroller aus Bella Italia jedes Jahr Station und können bestaunt werden. Am besten bei einem guten Glas Rotwein am 24. Juli ab 10 Uhr.

Punk goes Coburg

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im August SERVUS ÖSTERREICH Muntere Landwirte

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Vespatreffen

Foto: Adobe Stock

Im letzten Jahr zog die Coburger Sommeroperette über 8000 Zuschauer in ihren Bann. Dieses Jahr präsentiert

Foto: Adobe Stock

Foto: Sebastian Buff

Lokal – regional – international. Bereits das 12. Outside Rodeo findet dieses Jahr am 15./16. Juli am Alten Güterbahnhof statt. Aus der ganzen Welt kommen die Bands, von Down Under über die USA und Argentinien bis nach St. Pauli. Punk Rock, Pop Punk, Hardcore, Irish Folk, Ska. Für jeden Freak ist was dabei. Und after der Show geht’s weiter zum Feiern in die Pakethalle auf dem Gelände

Nordbayerns größte Party: Schlossplatzfest

Was für die Coburger die 5. Jahreszeit, ist für die Kinder ein großer Spaß. Ob Riesenrutsche, Autoskooter oder Riesen Bungeetrampolin. Alles ist riesig hier.

Coburger Vogelschießen AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


HÖREN. SEHEN. STAUNEN

Foto: Designforum

Best English Cider Brandy

„Auch noch: Genusstage Coburger Land 19. - 21.8.“

Didgeridoo Days

der Verein mit „Der fidele Bauer“ eine echte Österreich Operette mit hinreißender Musik. Zum ersten Mal erklingt dabei ein Stück des Komponisten Leo Fall – seinerzeit der einzig erst zu nehmende Konkurrent Franz Léhars. Ab 10. August bis 21. August auf der Waldbühne Heldritt.

im September OUTBACK IM OUTBACK

EIN PANDA KOMMT AUCH

Es röhrt auf der Ernstfarm

Die großen Open-airs

Bereits zum 3. Mal finden die Didgeridoo Sound Days auf der Ernstfarm statt. Am 3./4. September werden internationale Künstler und Lehrer dieses einmalige Instrument zum Klingen bringen.

Ein musikalisches Highlight jagt das andere auf dem Schlossplatz. Da heißt es für echte Fans entweder später in den Urlaub fahren oder früher wieder heim kommen! Los geht’s mit Sarah Connor am 12. August, gefolgt von Unheilig am 13. August, der auf seiner Abschiedstournee ist. Das Beste zum Schluss – mit großem Orchester kommt er, der Mann mit der Pandamaske. CRO, derzeit Deutschlands erfolgreichster Rapper, der immer mal wieder auch einen MTV Unplugged Überraschungsgast mitbringt. Am 14. August ab 19.30 Uhr.

ER LEBE HOCH Klöße bis zum Abwinken Am letzten Augustwochenende steigt das Marktfest im Herzen der Stadt und die Herzen der Liebhaber der runden Knolle gehen ganz weit auf. Der Klößmarkt lädt ein. Immer mit Musik und am Sonntag mit Jazz-Frühschoppen. Und wer keine Coburger Rutscher ned mooch: Brodwärscht gibt’s ach. Vom 26. bis 28. August.

Workshops zum Instrumentenbau, Kulinarisches und Konzerte vervollständigen das Programm. Der Eintritt ist frei.

HUNGER MITBRINGEN Essen aus dem Lieferwagen Ein Tag ganz im Zeichen des leckeren Essens. Am 4. September macht das Food Truck Festival auf dem Schlossplatz Station. Kulinarische Vielfalt trifft auf ungebremste Entdeckerfreude.

Der Ciderhof bietet Ihnen eine Vielfalt an hochwertigem, traditionell hergestellten englischen Cider, Perry (Birnenwein), Cider Brandy und Likör mit einer einzigartig britischen Seele. Cider Tasting mit dem Inhaber Alan Colbourn finden regelmäßig in unserem Laden auf der Ernstfarm statt. Infos: telefonisch, im Laden und im Internet.

Jeder Truck hat eine internationale Spezialität zum Probieren an Bord. So kann man sich genüsslich durch die Welt fressen: Blunch, Burritos und Burger. Von 12 bis 19 Uhr. Mahlzeit.

HUK Open Air: Sarah Connor AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

Foto: Stadt Coburg

Bildquelle: Sarah Connor

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Food Truck Festival COBURGER | DAS MAGAZIN

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STADTGESPRÄCH

VOM KAMPF DER BÜRGER

VOM HEFT IN DEN TEICH

Es war ein Prozess wie in einem Hollywood-Film, der Prozess gegen den Coburger Uli S. im Jahr 2013: Die junge von ihm geliebte Frau, eine Schrotflinte, eine Rattenjagd, ein Hund zum Stolpern, der Schuss in den eigenen Bauch, die allgegenwärtige und ihn immer noch liebende Ex-Frau, ein explodierender Richter.

Es ist ambitioniert, das Bauvorhaben im und um das ehemalige Diakonisch-Soziale-Zentrum in Coburg im Probstgrund entlang der Leopoldstraße. Im Frühjahr wurde die Baugenehmigung erteilt, zum einen für die Sanierung des ehemaligen DSZ, zum anderen für die Neubauten. Insgesamt sollen über 100 neue Wohnungen entstehen.

Am Ende musste Uli S. für 12 Jahre hinter Gitter – weil er seine Frau getötet hat, wie das Gericht entschied. Diese Zeit sitzt der bald 60jährige jetzt in der JVA Bayreuth ab. Aber das Stehaufmännchen, der

Doch es scheint ein wenig Sand ins Baugetriebe gekommen zu sein: So sollte mit den Bauarbeiten bereits im Frühjahr begonnen werden, noch rollen aber auch Ende Juni und Anfang Juli keine Bagger, und so

Eine Karikatur ist so etwas wie eine überzeichnete Darstellung eines Sachverhalts, Satire eben. So etwas machen wir im COBURGER gerne, vor allem in unseren Stadtgesprächen. Umso schöner, wenn eine Karikatur etwas bewirkt und Wellen schlägt. So oder so ähnlich geschehen in Lautertal: Unsere Karikatur im letzten Coburger mit einer weltberühmten Comicente namens Donald, die im Ortsteil Rottenbach im umstrittenen Dorfteich Entenhausen gründet, muss wohl anregend gewesen sein:

Liebt Harfouch Seßlach?

Neulich in der Kantine.

frühere Gastronom, der Lebemann, der bunte Hund wäre nicht Uli S., wenn er nicht auch dort wieder für Furore sorgen würde: Mittlerweile, so heißt es, sei er in der Küchenhierarchie der JVA aufgestiegen, und auch als Sprecher der Gefangenen im Einsatz.

Cartoon: einheuser

VOM KNAST IN DIE KÜCHE

Cartoon: einheuser.ardis&friends

Cartoon: einheuser

STADTGESPRÄCH...

Norbert Kastner wird Anwalt

Neulich am Teich.

laufen auch zahlreiche Anwohner Sturm: „Profit vor Lebensqualität“, „Keine neuen Bausünden in der Leopold“, „Die Stadt zerstören“, „Anwohner-Parkplätze ade – Stadt verkauft an Investor“, das alles ist auf großen Werbetafeln in den Vorgärten der Anwohner zu lesen.

Jetzt steht dort in der Tat ein Entenhaus, ist uns berichtet worden. Vielleicht dient das ja auch der Befriedung des dörflichen Konflikts vor Ort: den Tümpel zuschütten oder aufhübschen und zum Dorfmittelpunkt machen, das ist der Streitpunkt. Vielleicht heißt jetzt schon bald: Ente gut, alles gut.

Fortsetzung auf Seite 12

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STADTGESPRÄCH Fortsetzung von Seite 11

VOM APFEL EIN STÜCK

VOM GELD ZU WENIG

VOM GERICHT INS THEATER

Der HSC 2000 Coburg ist in der ersten Liga angekommen. Thomas Apfel aber wir als Pressesprecher nicht mehr dabei. Auch sein Stellvertreter Sebastian Straubel hört auf. Zu zeitaufwändig ist das Ehrenamt für den Radio-EINS Chef, der jetzt nur noch als Hallensprecher zu Verfügung steht. Und der Lautertaler Bürgermeister kann den Job beim HSC

Der Coburger Spitzenvolleyball heißt nicht mehr „VSG Coburg Grub“, sondern „Green Energy Volleys“, oder besser: hieß „Green Energy Volleys“. Nur ein paar Wochen nämlich arbeitete die neue Volleyballgesellschaft rund um Geschäftsführer Volker Jeziorski mit Hochdruck am Etat für die neue Saison in der 2. Handball-Bundesliga und warb vor allem um weitere Unterstützer, dann kam die

Bodo Busse geht nach Saarbrücken, bald, nächstes Jahr schon. Doch der Intendantenstuhl des Landestheaters Coburg wird nicht lange verwaist sein. Laut Oberbürgermeister Norbert Tessmer habe man ohne Ausschreibung schon einen ganzen Stapel Bewerbungen vorliegen und Polit-Jungstar Max Forkel von der CSU-Nachwuchsorganisation Junge Union redet von guten Kontakten, die man angehen wolle. Das alles wird in die Intendantenwahl münden, die ja nach den Erfahrungen von früher recht komplex sein kann …. Ins Reich der Märchen gehört allerdings das Gerücht, dass Ex-Richter Gerhard Amend den Intendantenposten anstrebt. Das nun wäre zu viel der Ehre und vor allem der Macht: Amend ist immerhin schon Vorsitzender des Theaterkreises und hat als Stadtrat auch im Theaterausschuss ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

VOM DUDEN GERN MEHR

Cartoon: einheuser

Wir sind verwirrt, als wir vor einem Lokal in der Coburger Innenstadt das Schild „Kotelette mit gemischter Salatplatte“ entdecken. Handelt es sich um ein gebratenes Rippenstück vom Kalb oder Schwein? Wir bekommen Hunger. Aber heißt das nicht das „Kotelett“ und nicht „Kotelette“? Ist eine Kotelette nicht vielmehr eine Hälfte eines Backenbarts? Und das mit Salat? Wir wenden uns

Ein Stück fehlt jetzt.

Cartoon: einheuser

...und wieder losgelassen....

Unerkannte Volleyballer am Ende.

nicht mehr mit seinem Beruf unter einen Hut bringen. Die neue Doppelspitze des HSC wird die Pressebetreuung jetzt selbst mit organisieren. Außerdem wechselt iTV-Redakteur Maximilian Heller als Pressesprecher zur Stadt Coburg, hat die Leiterin der Geschäftsstelle Stadtrat Tanja Angermüller gekündigt und soll der frühere Pressesprecher Michael Selzer zum Stadtmarketing abgeordnet werden und sich dort um die Landesausstellung 2017 kümmern.

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Nachricht: Spitzenvolleyball in Coburg ist tot. Der Lizenzantrag für die 2. Liga wird zurückgezogen. Zu wenig Geld. Vielleicht hätte man das vermeiden können, hätten die vielen Gesellschafter der Green Energy Volleys GmbH Farbe bekannt. Das wäre ein Stück Glaubwürdigkeit gewesen. Doch die Gesellschafter wollten nicht in der Öffentlichkeit genannt werden, musste Jeziorski bei einem Pressegespräch auf Nachfragen der Medien einräumen.

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angewidert ab … Der Duden hilft uns weiter: Wir waren schon zu Recht etwas verwirrt. Das Stückchen Fleisch nämlich schreibt man in der Regel „Kotelett“, aber eben – ausnahmsweise – auch selten „Kotelette“. Immerhin kommt es ja auch vom französischen „cotelette“, einer kleinen Rippe. Die Koteletten wiederum gibt es nur in der Mehrzahl, nicht in der Einzahl, auch sie kommen aus dem Französischen, von „coté“, also der Seite.

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Sebastian Buff. Aus meiner Sicht.

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INHALT

COBURGER | DAS MAGAZIN

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Externe Rechenzentren schaffen Sicherheit SÜC und süc // dacor sind Partner der Wirtschaft

Immer mehr Unternehmen nutzen das externe Rechenzentrum der SÜC, des Coburger Energieversorgers. Zentrale Serverstrukturen samt Infrastruktur stehen für höchste Sicherheit, geringere IT-Investitionskosten als bei inhouse-Lösungen, planbare monatliche Ausgaben, größtmögliche Leistung und hohe Flexibilität. Die Vorteile für Geschäftskunden liegen auf der Hand: ▪ Höchste Sicherheit ▪ Größtmögliche Leistung ▪ Hohe Flexibilität ▪ Planbare monatliche Ausgaben

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INHALT

Seit 1916 an der Neustadter Straße

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„Mobilität bewegt unsere Familie und unser Team seit Generationen. Wir sind Autoexperten mit Leidenschaft und Haltung. Und das seit 90 Jahren. Die Konstante, die uns am Laufen hält, lautet Qualität. Bei unseren Modellen, bei unseren Werkstattleistungen, bei jedem unserer Services und ganz besonders im persönlichen Umgang mit unseren Kunden. Unsere tägliche Mission lautet so einfach wie konsequent: gute Arbeit.“

NEUNZIG JAHRE AUTOHAUS ERNST Gründer Willy Ernst

Hubertus Ernst (gest. 2016)

Mit Adlern fing es an

Das ist heute wie damals die Philosophie des Autohauses Ernst. Damals, das war vor 90 Jahren 1926, als der gelernte Motorenschlosser Willy Ernst das Unternehmen gründete. Und zwar an genau der Stelle, an der das Autohaus Ernst bis heute sein Zuhause hat – in der Neustadter Straße 14. Willy Ernst muss überzeugt von seinem Erfolg gewesen sein, zu allererst nämlich erstellte er ein neues Gebäude für sein Unternehmen. Anfänglich spezialisierte man sich auf Adler-Fahrzeuge und sämtliche LKW, doch bald kamen andere Marken und eine Tankstelle dazu. Bereits zehn Jahre nach der Gründung zählten zur Betriebsgemeinschaft 17 Personen.

Bulliparade in den 1960ern

Das Unternehmen entwickelte sich gut weiter, der zweite Weltkrieg aber war ein tiefer Einschnitt. 1948 dann holte man VW an Bord. Damit ging es wieder bergauf. 1961 zählte man 100 Mitarbeiter, ein Ausstellungsraum war errichtet worden. 1964 trat Willys Sohn Hubertus in das Geschäft ein, der leider in diesem Jahr, im Jubiläumsjahr 2016, seine letzte Reise angetreten hat und im Alter von 78 Jahren verstarb. Er hatte das seit 1968 als Autohaus Willy Ernst GmbH firmierende Unternehmen ganz im Sinne seines Vater weiter nach vorne gebracht, Büros, Wohngebäude, Ausstellungsflächen erweitert.

Kompetenz und modernste Technik

AUSGABE 36 C O B16U/RJULI/AUGUST G E R | D A S M2016 AGAZIN

Sein Sohn Joachim Ernst wiederum führt das Unternehmen jetzt seit 2004 in dritter Generation. An die 80 Mitarbeiter sind beschäftigt. Ausstellungsflächen, Werkstätten, Büros sind auf dem neuesten Stand. Damals wie heute an der Neustadter Straße 14. Dort, wo vor 90 Jahren alles anfing.

COBURG E R | D A S12M A G A Z I N2015 15 AUSGABE / HERBST


MEINUNGEN „MEINUNGEN“ Der letzte COBURGER, die Nummer 15, war ein Rekordcoburger. Zum ersten Mal mit 10000 Auflage, zum ersten Mal mit 116 Seiten. Natürlich dank des großen Eventkalenders „COBURGER SOMMER“ im Mittelpunkt des Magazins. Und auch die VerteiIllustration: einheuser.ardis&friends

lung brach alle (unsere) bisherigen Rekorde: An fast 200 Stellen in der Region lag der COBURGER kostenlos zum Mitnehmen aus. Und oftmals war er bereits nach wenigen Tagen vergriffen. Wobei sich manch einer noch immer verwundert die Augen reibt, weil der COBURGER nichts mehr kostet. Ist aber so! Also auch in Zukunft einfach zugreifen, mitnehmen, lesen, und uns danach die Meinung sagen. So wie dieses Mal. Wir haben ein paar Reaktionen zusammengefasst. DICKMANN … „Es ist Frühjahr. Es ist wie jedes Frühjahr. Es ist Alarm an der Fettfront. Diäten haben Konjunktur. Als ob man sich gesundhungern könnte! Oder schlank! Eher wird man fetter. Und schlapper. Und trauriger.“ So begann unser Leitartikel der letzten Ausgabe zum Thema „Dick durch Diät“. War ja eigentlich nichts Neues, dass krampfhaft

Wampenparade am Strand.

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weniger oder anders essen nichts bringt. Dann doch lieber dauerhaft gesünder ernähren und vor allem: Bewegung, Bewegung, Bewegung. Das war unsere Botschaft. Vor allem unsere Zwischenüberschrift „Schlank und schlapp? Fett und fit!“ aber ist dem einen oder anderen doch aufgestoßen. „Hast Du schon mal einen fetten Menschen Sport machen sehen?“ wurden wir gefragt, „das geht doch auf die Gelenke…“ Oder: „Also wenn ich abnehme, motiviert

Festungsberg untertunnelt. Beinahe jedenfalls.

mich das auch, mehr Sport zu machen.“ Und ganz persönlich wurde unser Autor Wolfram Hegen darauf angesprochen, dass er mit der Geschichte wohl sein eigenes (leichtes!) Übergewicht zu entschuldigen versuche … P.S. Er hat seitdem 4 Kilo abgenommen. Mit Sport und einer Ernährungsumstellung…

Sportmanager, ein neuer Traumberuf? AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


MEINUNGEN TUNNELMANN … Es ist ja schon eine skurrile Geschichte, die vom verhinderten Tunnelbauer Dr. Friedrich Dinkel aus Coburg, der Untertunnelungsrechte für den Festungsberg besitzt. Die hätten fast einmal dazu geführt, dass Coburg einen Tunnel von der Rosenauer Straße bis zum Schlossplatz bekommen hätte – nahezu komplett von der damaligen Bundesrepublik Deutschland bezahlt, weil der Tunnel auch als Atombunker gegolten und entsprechend gefördert worden wäre. Doch so weit kam es nicht, weil einzelne Stadträte Dinkel das wohl so nicht zutrauten. Jakob Meyer sagt zu unsere kleinen Anekdote aus der Stadtgeschichte im letzten COBURGER: „Wusste ich gar nicht. Da hätte man ja das Thema Schlossplatztiefgarage gleich mit erledigen können. Schade. Wieder mal eine Chance verpasst.“ Und Heinrich B. sagt: „Typisch Coburgerische Großmannssucht. Ein Tunnel durch den Festungsberg? Wer braucht denn sowas?“ Wir vom COBURGER bedanken uns auf jeden Fall bei unserem „Informanten“, der uns den Kontakt zu Dr. Friedrich Dinkel vermittelt hat.

SPORTFACHMANN … Sportmanager zu sein, das ist ein faszinierender Beruf: Natürlich geht es um Finanzen, Marketing, Personal, Organisation, Strategie, alles was ein Geschäftsführer so zu tun hat, aber eben auch um Emotionen, Leidenschaft, Siege und Niederlagen, Tränen der Freude und der Trauer. Das ist es wohl, was den Beruf ausmacht. Immer mehr suchen diesen speziellen Kick. Wir haben in unserem letzten COBURGER zwei vorgestellt, die in der Vestestadt als Sportmanager arbeiten. Das hat wohl manche dazu animiert, auch diesen Berufsweg einzuschlagen. Sie fragen nach Ausbildungsmöglichkeiten. Kein Problem, die Seite karriere-im-sportmanagement.de gibt Auskünfte über klassische Ausbildungsberufe, unter www. management-studium.net/sportmanagement-studium gibt es verschiedene Studienangebote. Viel Spaß beim Stöbern und Studieren.

MANN UND FRAU UND KIND UND ALLE … 32 Seiten „Coburger Sommer“ im COBURGER: Unser Eventguide für die schönste Zeit des Jahres also im Gegensatz zu den letzten Jahren im Mittelteil des normalen Magazins zu finden, nicht als Extraauflage. 140 Veranstaltungstipps für Jung und Alt, Dick und Dünn, Coburger und Gäste, ausführliche Informationen zu den Highlights dieses Sommers. Das kam an bei unseren Lesern. „Endlich alles zusammen“, „Super-Überblick“ bekamen wir zu hören. Prima, freut uns. Wir denken darüber nach, ob wir etwas Ähnliches auch für den Herbst und Winter hinbekommen.

Mitreden, Meinung sagen, Anregungen, Wünsche: Ganz einfach unter info@das-magazin-verlag.de oder auf unserer Facebook-Seite.

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INHALT

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VON WOLFRAM HEGEN FOTOS: SEBASTIAN BUFF

Es war eine kleine Sportsensation im Jahr 2015. Wolfgang Heyder, der Macher des Bamberger Basketballerfolgs, wechselt die Stadt und den Sport. Von Bamberg nach Coburg, vom Basket- zum Handball. Zunächst als Manager, später als Geschäftsführer des HSC 2000 Coburg. Doch nach nicht einmal einem Jahr war klar: Die Wege des HSC und von Wolfgang Heyder trennen sich. Er wollte den Vertrag nicht unterschreiben. Jetzt blickt er zurück

„EIN WITZ, WIE ALLES SCHLECHTGEREDET WIRD.“

D

er Wolfgang Heyder der Zukunft beim HSC 2000 Coburg heißt Steffen Ramer und Florian Dotterweich. Aus einem mach zwei. Heyder selbst, der eigentlich als Geschäftsführer vorgesehen war, hält das für die richtige Lösung. „Die kriegen das schon gut hin“, sagt er. Beide seien ehrgeizig, am Anfang ihrer Karriere. Und eine Doppelspitze sei eine interessante Lösung. Er selbst werde sich das eine oder andere Spiel des HSC 2000 angucken, hat sich riesig über den Aufstieg gefreut, wünscht dem Verein alles Gute. Heyder, das merkt man seinen Worten an, will nicht mit dem Verein abrechnen, jetzt, nachdem schneller als erwartet alles vorbei ist. Aber es geht ihm darum, sein Gesicht zu wahren: „Ärgerlich ist, dass ich hier viel auf den Weg gebracht habe und jetzt wird so getan, als sei ich unbequem, schwierig, anstrengend, würde

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die Organisation HSC unter Druck setzen und das seien die Gründe, warum es nicht funktioniert.“ Ja, räumt er ein, er sei unangenehm gewesen, aber aus gutem Grund: Er forderte intern mehr Transparenz. Immer wieder habe er die gegenüber dem bisherigen Geschäftsführer und dem Vorstandssprecher des HSC 2000 Coburg angemahnt. Immer wieder seit dem letzten Jahr. „Die wurde mir aber nicht ermöglicht, deswegen konnte ich den Geschäftsführervertrag nicht unterschreiben.“ Auch andere Vorwürfe wurmen ihn: Dass er nie angekommen sei in Coburg, nie angekommen beim Handball. „Das stimmt nicht“. Sonst hätte er in seiner Zeit in Coburg nicht an die 300 Termine gemacht, um Sponsoren als Partner zu gewinnen, betont er. Mit Erfolg: Am Anfang der Saison 2015/2016 war der HSC 2000 Coburg bei um die 1,5 Millionen Euro Etat, am Ende bei etwa 2,3 Millionen. Einige

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REPORTAGE

Sponsoren sind neu eingestiegen, andere haben ihr Engagement aufgestockt. „Das war schon mein Part“ so Heyder. „Ich habe immer gesagt, dass wir innerhalb von 2 Jahren aufsteigen müssen, intern sogar, dass wir gleich aufsteigen müssen. Gerade auch der Hauptsponsor (HUK-COBURG) wollte das hören. Nur mit solchen Zielen kann man doch Budgets erhöhen. Und ich habe diese Ziele formuliert.“ Auch viele andere Themen habe er auf den Weg gebracht: Höhere Eintrittspreise zum Beispiel oder weniger Freikarten. „Alleine das hat für geschätzte 200000 Euro Mehreinnahmen gesorgt, das waren richtige Entscheidungen.“ Er habe sich für eine

„Das waren ewige Diskussionen und Streitereien.“ Die Stadt habe dann mitgemacht, man habe Geräte beschafft, fast zum Nulltarif, heute trainieren dort nicht nur die Handballer. Die Jugendarbeit sei im vergangenen Jahr auf neue Beine gestellt worden, auch die Zusammenarbeit der Vereine in der Region. „Eine Region, ein Verein, ein Ziel, das kam von mir. Ich habe alle Vereine eingeladen, mehrfach, wird haben große Meetings veranstaltet.“ Heyder setzt auf gesellschaftliche Integration, das hat er schon in Bamberg gemacht und im letzten Jahr in Coburg. Nachhaltigen Erfolg nämlich könne man im Sport schwer steuern, weil Geld nun einmal kei-

Viele Dinge also seien auf den Weg gebracht worden, sagt Heyder rückblickend und kurz darauf etwas zerknirscht: „Am Ende ist es dann natürlich schon ein Witz, wie alles schlechtgeredet wird.“ Das sei schade, er denke schon, dass er Input gegeben und sich sehr intensiv und auch emotional engagiert habe. „Das war dann schon eigenartig, dass man nach meiner Entscheidung, den Vertrag so nicht zu unterschreiben, so kühl mit mir umgeht.“ Auch bei der Aufstiegsfeier auf dem Marktplatz, beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt, beim Stadtempfang war kein Heyder zu sehen.

S

eine Zukunft führt ihn jetzt erst einmal für eine gewisse Zeit nach Erfurt, wo die Gotha Oettinger Rockets ihr Projekt weiter nach vorne bringen wollen. „Das mache ich jetzt, dann sehen wir weiter.“ Er sehe sich für seine weitere Zukunft aber nicht als Berater, er brauche eine emotionale Bindung an ein Projekt, einen Verein, eine Aufgabe. Das treibt ihn an, das sei auch in Coburg so gewesen, betont er. Er war angekommen, beim Handball, in der Stadt, er hätte auch gerne weitergemacht, es habe aber Gründe gegeben, es eben nicht zu tun. Dem HSC 2000 Coburg wünscht er auf jeden Fall alles Gute: Mit der klaren Konstruktion Gesellschafter, Aufsichtsrat, mit der Entscheidung, sich breiter aufstellen, um ein größeres Netzwerk zu haben, gehe man einen guten Weg. Die Altersstruktur der Fans habe sich positiv entwickelt. Mehr und mehr junge Fans pilgern in die HUK-Coburg arena. Und das Publikum stehe mehr und mehr hinter dem HSC. Das sei wichtig, auch wenn es mal nicht so läuft in der stärksten Liga der Welt in der kommenden Saison.

Wolfgang Heyder im Gespräch mit dem COBURGER

Kleiderordnung im VIP-Bereich eingesetzt, sei aber damit oft abgeprallt, „obwohl das kein Egothema von mir war, sondern da geht es um die Zukunft des HSC.“ Man müsse sich nur umgucken in Bamberg, in Würzburg beim Fußball, beim FC Nürnberg, bei den Bayern ohnehin: „Da gibt es Standards, die erwarten Firmenkunden einfach, denen muss ich etwas bieten.“ Auch für den geforderten Kraftraum in der Arena sei er gescholten worden.

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ne Tore schieße. „Aber Strukturthemen kann und muss man steuern.“ Zusammenarbeit mit anderen Vereinen, mit den Schulen, soziales Engagement, das alles habe er sehr vorwärtsgetrieben, auch die Handballsymphonie im Juli in der Arena gemeinsam mit dem Landestheater, um den HSC auch in diesen Kreisen zu etablieren. „Das habe ich alles nicht für mich gemacht, sondern um den HSC in der Gesellschaft zu integrieren.“

NIE ANGEKOMMEN IN COBURG, NIE ANGEKOMMEN BEIM HANDBALL? DAS STIMMT NICHT!

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REPORTAGE

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BALLON ÜBER COBURG

Eine Fotoreise von Sebastian Buff.

Ein Video der Ballonfahrt ist in Kürze bei iTV zu sehen. AUSGABE 14 / FEBRUAR/MÄRZ 2016

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Illustration: einheuser.ardis&friends 30

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Das ist Eure

Lügenpresse Most wanted: Lügenpresse. Vorwurf: Bewusste Falschinformation, Kollaboration mit den Regierenden. Protokoll eines Verhörs mit den Leitern der drei Coburger Medien Coburger Tageblatt, Neue Presse und Radio EINS. Und eigene Anmerkungen zu einem Begriff, der wieder Mode wird. Ein Leitartikel von Wolfram Hegen AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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LEITARTIKEL

UND DANN KOMMT DAS TOTSCHLAGARGUMENT, DASS DAS SOWIESO JA ALLES NICHT STIMME

Die meisten 80er und die Hits von heute.

DER

RADIOEINS

LIVESOMMER

UNSERE „LÜGENPRESSE“ - ERFAHRUNGEN Sie stehen alle unter Generalverdacht: Wolfgang Braunschmidt von der Neuen Presse Coburg gehört zur „Lügenpresse“, wenn es nach einem älteren Mann geht, der sich bei ihm beschwert hat. Man berichte nicht wahrheitsgemäß über Asylbewerber, so dessen Vorwurf, darüber, wie sie der Gesellschaft schadeten. Der Mann habe sein festes Weltbild gehabt, so Braunschmidt, war friedlich, war sachlich, habe sich aber nicht überreden lassen zu einer differenzierten Betrachtungsweise. „Wir werden ständig mit abfälligen Begriffen konfrontiert“, sagt der Redaktionsleiter der Coburger Lokalzeitung: „Schmierenjournalismus, Schreiberling“. Viele über Email. „Einige kündigen ihr Abo stillschweigend, wenige haben den Mut, in die Redaktion zu kommen und zu diskutieren.“ Oliver Schmidt berichtet von einem AfD-Anhänger, der das Coburger Tageblatt „als zur Flüchtlingszeitung verkommen“ beschimpfte. Natürlich habe man das Thema Flüchtlinge sehr intensiv begleitet, so Schmidt, und man habe sich natürlich auch das Parteiprogramm der AfD vorgenommen. „Das aber ist ja genau unsere Aufgabe, da haben wir einen gesellschaftspolitischen Auftrag.“

en Wir spiel GS LIVE-SONurz immer k rtel ie vor dreiv Coburg:........................................................ 89,2 MHz Neustadt b. Coburg / Sonneberg:.................. 92,2 MHz Lichtenfels: .................................................. 95,4 MHz Kronach: ...................................................... 90,0 MHz Ludwigstadt: ............................................... 93,7 MHz Pressig:.........................................................106,3 MHz

www.radioeins.com /RadioEinsCoburg

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Thomas Apfel von Radio EINS berichtet von anonymen Briefen an ihn „und seine Konsorten“. Er habe sich schon von Leuten anschreien lassen müssen am Telefon: „Man kann euch nicht mehr hören“. Im Rahmen der Diskussion über den Flugplatz Meeder-Neida habe er eine Unterlassungsklage am Hals gehabt wegen angeblicher Falschbehauptungen. Apfel sieht im Ton der Auseinandersetzung ein großes Problem. Auch wie man in der Redaktion mit den Angriffen umgeht, wie man selbst sachlich bleibe, sei nicht einfach. „Aber wer uns jetzt endgültig abschaltet, weil ihm unsere Berichterstattung nicht passt, bekommen wir natürlich nicht mit.“ Eines räumen auch alle drei ein, nämlich dass man Fehler mache, so wie alle Menschen. „Wenn man wirklich objektiv etwas falsch gemacht hat, dann muss man natürlich dazu bereit sein, das zu korrigieren.“

EIN BEGRIFF WIRD MODE „Halt die Fresse, Lügenpresse“ an den Fassaden von Lokalzeitungen, „Lügenpresse“-Sprechchöre auf Pegida-Demos, Lügenpresse-T-Shirts im Internet. Der Begriff ist von radikalen Gruppen ausgehend in weiten Teilen der Gesellschaft angekommen. Erst langsam, dann immer schneller: Die Flücht-

Hasserfüllter Blick zum Pressefotografen. Pegida-Demonstration in Dresden im September 2015. Foto: David Greitzer

lings-“krise“ sorgte für die nötige Beschleunigung. „Lügenpresse“ ist salonfähig geworden, je nach Umfrage teilt mittlerweile etwa jeder Dritte Deutsche die Meinung, dass die Presse lügt oder zumindest nicht die ganze Wahrheit sagt.

Das ist auf der einen Seite blanker Unsinn. Lüge impliziert vorsätzliches Handeln, Lügenpresse unterstellt eine Absprache aller handelnden Akteure und Organisatoren, eine Gleichschaltung. Das hatten wir mal in Deutschland. Heute aber ist die Pressefreiheit gesetzlich verankert, der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist allen gesellschaftlich relevanten Gruppen und der Programmvielfalt verpflichtet, die weitaus überwiegende Zahl an Medien- und Medienschaffenden sind in privatwirtschaftlichen Unternehmen organisiert und muss sich wirtschaftlich behaupten.

Natürlich aber haben Medien eine Nähe zu Politik und Politikern, zu Verbänden, Parteien, staatlichen Organisationen, Justiz, Polizei, einflussreichen Unternehmen und Unternehmer(-innen) - die brauchen auch, um ihre Arbeit machen zu können. Natürlich müssen Medien sogar staatstragend sein, die Demokratie stützen und schützen, als „vierte Gewalt“ im Land. Wären sie das nicht, wären sie verfassungsfeindlich. Natürlich sind auch Medienleute eitel, haben eine gewisse Macht, vielleicht das Gefühl, Teil der herrschenden Klasse zu sein, manchmal die Arroganz, von oben herab auf das „einfache Volk“ zu blicken, das ihren differenzierten Betrachtungsweisen nicht zugängig erscheint. Am Ende tun Populisten sich dann leicht, unterschwelligen Gefühlswelten dieser Menschen eine emotionale Heimat zu geben und sie für sich zu instrumentalisieren. Sie nutzen und schüren Ängste, die Menschen nun mal so umtreibt: Angst vor der Zukunft zumeist, ob berechtigt oder nicht, aber mit Angst macht man die besten Geschäfte. „Wir sind das Volk“ - und Politik und Presse werden als das Böse an den Pranger gestellt. Das war schon immer so. Dabei helfen ihnen unfreiwillig auch noch Freunde auf der linken Seite, Intellektuelle, auch wenn die das natürlich gar nicht so sehen: Matthias Horx beschreibt sie in seiner Geschichte vom „Immerschlimmerismus“ in der FAZ. Mit ihrem ewiglinken Gejammer über mangelnde Gerechtigkeit, Umwelt-

WAS WIR SCHREIBEN, ERREICHT NUR DIE LEUTE MIT EINEM DIFFERENZIERTEN WELTBILD AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


David Greitzer / Shutterstock.com

LÃœGENPRESSE

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LEITARTIKEL zerstörung, unfähiger und korrupter politischer Kaste, TTIP, mit ihrem typischen elitären Pessimismus eben machten die Linken genau das Geschäft rechter Populisten, so Horx. „Alles geht den Bach runter“ ist ein guter Nährboden für einfache Botschaften und Schuldzuweisungen.

UNSERE „LÜGENPRESSE“ - MACHTLOSIGKEITEN

Foto sSebastian Buff

Braunschmidt, Apfel und Schmidt – alle drei haben den Anspruch, ohne vorgefertigte Meinung Fakten zu recherchieren, Meinungen einzuholen, Zusammenhänge aufzuzeigen, eben genau das zu tun, was Lügenpresse nicht tun würde. „Da dürfen wir auch nicht müde werden“, sagt Oliver Schmidt. Es klingt wie eine Durchhalteparole, und in der Tat kämpfen sie damit, dass man, wie Wolfgang Braunschmidt es ausdrückt, „mit vielem von dem, was wir recherchieren und schreiben, ohnehin nur die Leute mit einem differenzierten Weltbild“ erreiche. „Wenn fremdländisch aussehende Menschen, die schlecht Deutsch sprechen, in einer Ortschaft auftauchen, entstehen schnell Vorurteile. Wie die entstehen, welche Schicksale die Flüchtlinge zu uns bringt, welche Ängste die Einwohner umtreibt, das alles müssen wir berichten, prallen aber gerade bei Älteren oft auf ein festgefahrenes Weltbild.“ Auch Thomas Apfel kennt dieses Phänomen: „Ich habe es oft genug probiert und Zusammenhänge aufgezeigt, aber dann kommt das Totschlagargument – das stimmt ja alles sowieso nicht.“ Kaum einer nehme sich die Zeit, „sich in Ruhe zusammenzusetzen“, so Wolfgang Braunschmidt. „Viele lassen sich einlullen in ihrer social-media-Blase“, ergänzt Oliver Schmidt, „und sind dann überrascht, wenn wir anders berichten. Und schnell ist man die Lügenpresse.“

EIN BEGRIFF ALS INDIKATOR Die Inflation des Begriffs „Lügenpresse“ aber ist ein Indikator für eine sich zunehmend radikalisierende Gesellschaft. Das zeigt ein Blick in die Geschichtsbücher: Mit „Lügenpresse“ konnte man schon immer, seit es freie Presse gibt, Schmierfinken und Schreiberlinge in Misskredit bringen, wenn deren Geschichten oder Meinungen einem nicht in den Kram passten. Ob Katholiken Mitte des 19. Jahrhunderts, Deutschland und Österreich-Ungarn im ersten Weltkrieg oder die Nazis im dritten Reich. Immer wieder wurden „die Medien“ der Lüge bezichtigt, als gesteuert diskreditiert. Der eigentliche Angriff galt wahlweise bürgerlich-liberalen Kräften oder den Feinden Deutschlands oder Juden und Kommunisten oder heute eben dem Islam und der Demokratie. Seit einigen Jahren nämlich taucht der Begriff Lügenpresse wieder auf – aus rechtsextremen Kreisen. Der Begriff verleumdet, vereinfacht, schmäht. Und hat nur ein Ziel: Einen Pfeiler unseres Rechtsstaats und damit die Gesellschaftsordnung an sich zum Einsturz

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LÜGENPRESSE dien nicht als Gegner, sondern mehr als bisher als Ideengeber zu nutzen. „Facebook liefert ja auch Geschichten, dort setzen Leute Themen, die wir sonst nicht mehr erreichen.“

tung mit der eigenen Erlebniswelt überein, die ja mehr denn je von sozialen Medien beeinflusst wird. Wenn nicht, wächst leicht das Gefühl, die Medien erzählten Geschichten aus einer anderen Welt.

UNSERE „LÜGENPRESSE“ - WIDERSPRÜCHE

EIN BEGRIFF WIRD SEZIERT

UNSERE „LÜGENPRESSE“ - HOFFNUNGEN

Die Diffamierung als Lügenpresse trifft lokale Medien zu einer empfindlichen Zeit: Die Verlage leiden unter Umsatzeinbrüchen, Personal wird abgebaut. Doch um die Wahrheit zu recherchieren und zu erzählen, um Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, braucht man gute Mitarbeiter. In Coburg fühlt man sich dafür gerüstet. „Es wird natürlich

Die Wissenschaft geht, wie es in ihrem Wesen liegt, weit nüchterner an den Begriff „Lügenpresse“ heran. Meinen große Teile der Bevölkerung wirklich, dass die Presse lügt, wie es Umfrageergebnisse naheliegen? Oder gehen sie eher davon aus, dass Meldungen geschönt seien oder unvollständig? Schon die Fragestellung lasse Spielraum für Interpretationen, sagt

Die Coburger Medien jedenfalls stellen sich der Diskussion. Sie wissen um die Leser oder Hörer, die hinter ihnen stehen, hinter einer freien Presse mit all ihren allzu menschlichen Fehlern, Unzulänglichkeiten, Personalabbau und Aktualitätsdruck. „Es gibt viele, die zu uns kommen und sagen: Toll, dass ihr diese Geschichte aufgegriffen habt.“ Und, betont er,

Foto Sebastian Buff

zu bringen. Zwar hat es der Begriff zum „Unwort des Jahres 2014“ geschafft, das aber hat seinem Erfolg keinen Abbruch getan, vielleicht sogar eher das Gegenteil bewirkt.

Wolfram Hegen (COBURGER), Wolfgang Braunschmidt (Neue Presse), Thomas Apfel (Radio EINS) und Oliver Schmidt (Coburger Tageblatt), von links.

schwerer mit begrenzteren Ressourcen für gute Recherchen, dann aber muss man eben andere Schwerpunkte setzen“, so Oliver Schmidt. „Wenn wir unsere Wächterfunktion weiterhin leisten wollen, müssen wir bei banalen unspektakulären Sachen kürzer treten.“ „Es wäre fatal, Themen liegenzulassen, weil keine Ressourcen da sind. Und man muss solche Recherchen auch zulassen“, bestätigt auch Wolfgang Braunschmidt. Dort setzt man für Recherchen freie Journalistinnen und Journalisten ein, wenn weniger festangestellte Redakteure zur Verfügung stehen. Thomas Apfel wiederum plädiert dafür, soziale Me-

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zum Beispiel Oliver Quiring, Professor am Institut für Publizistik in Mainz, der zwar ein erhöhtes Misstrauen in der Bevölkerung gegenüber „der Presse“ feststellt, aber eben auch, dass der Vorwurf der Lügenpresse umso größer ist, wenn das Berichtete nicht in das eigene Weltbild passt. Und stellt auch fest, dass durch Unterfinanzierung und höheren Aktualitätsdruck mehr handwerkliche Fehler gemacht werden, die Populisten natürlich in die Hände spielen. Prof. Lutz Hagen von der Technischen Universität Hagen redet weniger von Lügen oder handwerklichen Fehlern, sondern von einem anderen Qualitätskriterium, der Relevanz. Berichten die Medien über das, was die Menschen wirklich betrifft? Stimmen Themenauswahl und –gewich-

das sei auch die Mehrzahl. Oliver Schmidt vertraut ebenso auf die Vernunft großer Teiler seiner Leserschaft: „Viele schätzen unabhängigen Journalismus. Das ist doch auch eine große Chance für uns. “ Und Thomas Apfel möchte seinen Hörern weiterhin die Möglichkeit geben, sich auf der Basis fundierter Informationen „ein eigenes Urteil bilden zu können.“

VIELE LASSEN SICH IN IHRER SOCIAL-MEDIABLASE EINLULLEN UND SIND DANN ÜBERRASCHT, WENN WIR ANDERS BERICHTEN

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FOTOS: SEBASTIAN BUFF

Zwei Jahre Oberbürgermeister Norbert Tessmer

HASE ODER IGEL

Als der alte Bekannte ist er damals angetreten zur OB-Wahl 2014. Er war über Jahrzehnte allgegenwärtig in der Stadt, in der Partei, als Stadtrat, als Bürgermeister. Er war beliebt, auch weil er immer ein Kämpfer für die Menschen war, für Bildung, Kultur, die kleinen Leute. Diesen Norbert Tessmer wählten die Coburger dann auch 2014 zu ihrem neuen Stadtoberhaupt. Jetzt sind gute zwei Jahre vorbei. Ist er noch derselbe? Und welche Themen beschäftigen ihn? Der COBURGER hat sich mit ihm unterhalten.

Norbert Tessmer: Ich habe ja Schwerpunkte gesetzt und verfolge die auch, wie ganz oben auf der Agenda natürlich das Thema Landestheater. Aber auch die Entwicklung der Innenstadt liegt mir sehr am Herzen, da konnte ich viel auf dem aufsetzen, was vor mir entschieden und auf den Weg gebracht wurde. Jetzt bringen wir ja auch wieder einiges nach vorne, auf dem andere dann aufsetzen können. Es wurde und wird viel gebaut in Coburg, am Albertsplatz, am Brauhof, in Ketschendorf, am Diakonisch-Sozialen-Zentrum kommt ein Projekt, auch wenn es da aktuell ja Widerstände gibt. Also es tut sich viel, ich werte das als positiv.

COBURGER: Herr Tessmer, gute zwei Jahre sind Sie jetzt im Amt, haben ihren Stuhl im Bürglaßschlößchen geräumt und den OB-Sessel eingenommen. Jetzt müssen Sie mehr Entscheidungen treffen, und vor allem zu viel mehr Themengebieten. Haben Sie sich ihre neue Aufgabe so vorgestellt?

COBURGER: Das Geld aber geht zur Neige, der Haushalt wurde lange nicht genehmigt, man hat doch nach den fetten Jahren von früher viel weniger Spielraum?

Norbert Tessmer: Also eines hat sich schon sehr verändert, das gilt aber generell: Die Geschwindigkeit nimmt rasant zu. Das liegt an der Digitalisierung, das liegt an den sozialen Medien, das liegt an der permanenten Erreichbarkeit, das ist einfach die heutige Zeit. Dem muss man sich stellen. Parallel dazu nimmt die Fülle der Entwicklungen zu, die Komplexität steigt. Es muss also auch von einem Oberbürgermeister immer mehr immer schneller entschieden werden. Während man früher noch Zeit hatte, Entscheidungen oder Informationen in der gebotenen Ruhe vorzubereiten oder zu sichten, werden heute Entscheidungen am besten schon vorgestern erwartet. COBURGER: Das hört sich aber weniger nach Gestalten an, wie Sie es ja eigentlich vorhatten. Norbert Tessmer: Man kommt sich manchmal schon vor wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel. Das ist richtig. Und eigentlich würde ich gerne noch mehr gestalten, oftmals wird man aber von diesen Mechanismen getrieben. Das macht einem schon manchmal zu schaffen. COBURGER: Haben Sie Ihre Themen also in den ersten zwei Jahren schon aus den Augen verloren?

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COBURGER: Dennoch: Auf der einen Seite werden in der Stadt Gebühren erhöht in verschiedenen Bereichen, auf der anderen gibt man sehr viel Geld über sehr viele Jahre für einen Kulturtempel aus. Wie will man das den Menschen erklären? Norbert Tessmer: Klar ist das eine Riesenleistung einer Stadt mit 41000 Einwohnern, so ein Theater, so eine Sanierung und auch eine Ersatzspielstätte zu stemmen. Aber es ist für mich die einzig sinnvolle Lösung. Und wir dürfen nicht vergessen: Der Freistaat zahlt ja 75% der Sanierung des Haupthauses, 75% der Interimsspielstätte und die Hälfte der Kosten für die Erweiterungsbauten.

Norbert Tessmer: Mittlerweile ist der Haushalt genehmigt, wenn auch mit Auflagen. Und dass es so lange gedauert hat mit der Genehmigung, lag ja nicht an uns, an der Stadt oder der Stadtverwaltung, das lag an der Ausstattung bei der Behörde in Bayreuth, die einfach nicht früher dazu kam. Und von dort kam auch ein ganz wichtiges Signal: Wir stehen nach wie vor nicht schlecht da in Coburg, aber wir müssen unsere Hausaufgaben machen. COBURGER: In Coburg wird vor allem ein Kostentreiber heiß diskutiert: Das Landestheater. Hohe zweistellige Sanierungskosten, eine millionenteure Ersatzspielstätte. Kann sich die Stadt das wirklich leisten? Norbert Tessmer: Was ist die Alternative zu einer Sanierung des Theaters? In meinen Augen gibt es keine. Das Theater ist ein Alleinstellungsmerkmal. Das ist zwar schon ein großer Brocken, was die Sanierung angeht. Aber das Theater hat eine große Bedeutung für die Stadt, für ihre Bewohner, mit seiner Strahlkraft nach außen in die Nachbarregionen und darüber hinaus. Und man darf nicht vergessen: Die vielen Besucher von außen lassen hier ihr Geld, zahlen Eintritt, nutzen die Gastronomie, gehen essen und vielleicht noch etwas trinken, übernachten in Coburg, werden auf die Stadt aufmerksam, kommen vielleicht mal wieder.

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INTERVIEW MIT OB NORBERT TESSMER

MAN KOMMT SICH MANCHMAL VOR WIE BEIM WETTLAUF ZWISCHEN HASE UND IGEL

COBURGER: Der Freistaat ist aber auch Bauherr. Die Stadt hat also nur wenige Möglichkeiten, auf Kosten, auch eventuelle Mehrkosten wie bei anderen ähnlichen Maßnahmen in Bayern oder Deutschland Einfluss zu nehmen. Manche reden schon davon, dass die Sanierung über 100 Millionen kosten könnte. Norbert Tessmer: Auch der Freistaat ist doch interessiert daran, die Kosten einzuhalten. Er müsste sich ja im Landtag erklären, also man hat in München schon Interesse daran, dass so etwas wie Würzburg und Augsburg, wo die Kosten nach oben geschossen sind oder am Gärtnerplatztheater in München hier eben nicht passiert. COBURGER: Vor einer Sanierung könnte man ja auch, sagen Kritiker der teuren Sanierung, über andere Lösungen nachdenken: Man könnte in Coburg kleinere Brötchen backen, auf eine Sparte verzichten oder Lösungen wie andere Theater ohne eigenes Ensemble anstreben, z.B. nur mit Gastauftritten. Norbert Tessmer: Da würden wir uns ins Knie schießen. Also mit mir gibt es keine Abschaffung einer Sparte, keine Umwandlung des Landestheaters in eine andere Form, dass z.B. Ensembles von außen hier Station machen. Das würde eines der wesentli-

chen Aushängeschileder der Stadt bis ins Mark treffen und damit die Stadt selbst. Man darf beim Theater nämlich auch den geistigen Zins nicht vergessen. COBURGER: Was aber würde der geistige Zins bringen, wenn die Stadt irgendwann handlungsunfähig wäre, weil die Kassen leer sind? Das ist ja die Befürchtung der Kritiker. Norbert Tessmer: Wir dürfen nicht vergessen: Der befürchtete Einbruch der Bevölkerungszahl in Coburg ist nicht gekommen. Der Wanderungssaldo ist ausgeglichen. Wir sind stabil bei 41000 Einwohnern. Warum? Weil wir ein gutes Bildungssystem haben, gute Schulen, gute Einrichtungen für ältere Menschen, Arbeitsplätze, aber eben auch ein sehr breites Freizeit- und Kulturangebot, und dazu gehört als Standortfaktor eben ganz vorne auch das Theater. COBURGER: Nun gibt es ja eben auch das Problem mit der Übergangsspielstätte, von acht Millionen Euro Kosten war da die Rede. Norbert Tessmer: In Sachen Übergangsspielstätte hatten wir einen Workshop. Und nach wie vor ist klar: Entweder nutzen wir die noch vorhandene Angersporthalle und rüsten die um, wobei die danach

eben abgerissen werden würde, oder wir machen das, was wir in Genf gesehen haben. Eine Interimsspielstätte in Holzbauweise. Dort hat das zwar 11 Millionen gekostet, aber das ist in der Schweiz, dort ist alles teurer, die haben die Halle dort in 70 Lastwagen von Paris nach Genf gefahren, dort aufgeschnitten und noch einen Teil dazu gebaut, extra Parkplätze geschaffen, Anschlüsse gelegt usw. Wir könnten so etwas vielleicht in den Rosengarten bauen oder auf den Anger. Das wären zwar mehr als die 5 Millionen für die Angerhalle, aber deutlich weniger als die angeblichen acht Millionen. Meine Hoffnung ist außerdem, dass wir diese Halle danach weitergeben können für andere Zwecke, an eine andere Stadt oder einen Veranstalter und dadurch wieder etwas refinanzieren. Aber das ist Zukunftsmusik. COBURGER: Kommen wir zu anderen Themen, mit denen Coburg nach außen hin Werbung für sich machen kann. Was fällt Ihnen da ein? Norbert Tessmer: Dass nach 1997 wieder eine Landesausstellung in Coburg stattfindet, ist eine tolle Sache. Wir erwarten wieder viele Besucher, und wenn dann der Status als Lutherstätten-Welterbe dazu kommt, würde das natürlich prima passen im nächsten Jahr. Damit könnten wir landes- und bundesweit punkten. Das macht sich sicher für die Anziehungskraft der Stadt bemerkbar. Und natürlich ist auch die Sache mit dem Weihnachtsbaum aus Coburg für die Queen ist eine schöne Sache. Also das sind einige Themen, mit denen Coburg von sich reden machen kann. COBURGER: Auch ein anderes Thema hat kürzlich für Aufsehen gesorgt: Regiomed denkt über einen Neubau nach. Ein Megaprojekt wäre das mit Auswirkungen für die ganze Stadt. Wie ist da der Stand? Norbert Tessmer: Ich bin von Seiten Regiomed gefragt worden, ob die Stadt ein Grundstück für einen möglichen Klinikneubau zur Verfügung hätte bzw. eine passende Fläche in der Stadt. Da liegt das BGS- Gelände natürlich nahe. Das wird schon seit vielen Jahren kaum mehr genutzt, ist eine Brache, ist groß, liegt günstig, also habe ich das mal ins Spiel gebracht. Man wird sehen, wie das jetzt weitergeht. COBURGER: Und weitere handfeste Themen, Strukturprojekte, die Coburg nach vorne bringen? Nobert Tessmer: Das Güterbahnhofgelände macht gute Fortschritte. Der Brückenbau für die Brücke von der Ernst-Faber-Straße her auf das Gelände ist im Zeitplan, sie wird nächstes Jahr wie geplant fertiggestellt. Und dann soll und wird auf der Fläche Neues entstehen, es ist und wird ein Ort für innovative Ideen. Man muss dann noch sehen, was als Bausubstanz noch erhaltenswert ist, viel ist ja nicht mehr da. Die Pakethalle auf jeden Fall muss stehenbleiben, das ist der Anker auf dem Gelände, das ist ja jetzt schon ein Mittelpunkt, da tut sich ungeheuer viel. Und sie verbreitet einen morbiden Charme, der ja auch ankommt bei den Menschen.

Die Coburger Innenstadt braucht Kunden.

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HASE UND IGEL COBURGER: Aber die leeren Geschäfte in der Innenstadt bekommt man damit auch nicht wieder voll? Norbert Tessmer: Wir müssen die Innenstadt weiter stärken. Wir haben den Arbeitskreis Einzelhandel wieder belebt, da gibt es intensive Dialoge auch mit der IHK. Dann nenne ich nur das Stichwort Digitale Einkaufsstadt, da greifen wir Händlern aktiv unter die Arme, damit sie die neue Welt im Internet nicht nur als Gegner, sondern auch als Chance begreifen und für sich entsprechend nutzen. COBURGER: Der HSC ist kürzlich in die stärkste Handball-Liga der Welt aufgestiegen. Was hat das für eine Bedeutung für die Stadt? Norbert Tessmer: Coburg hat eine bunte Sportwelt. Natürlich ist da der HSC mit seinem Aufstieg in die erste Liga aktuell die Nummer Eins. Aber wir haben auch erfolgreiche Paddler, Billardspieler, Basketballer, aufstrebende Fußballer wie Bosporus, das Nachwuchsleistungszentrum vom FC, um nur einige zu nennen. Die darf man bei der aktuellen Handballeuphorie nicht vergessen. Wir sind eben nicht nur im Spitzen-, sondern auch im Breitensport sehr gut aufgestellt. Und dass es Volleyball als Spitzensport in Coburg jetzt nicht mehr gibt, finde ich persönlich schade, ausgesprochen schade. Das hätte Coburgs Vielfalt auch weiterhin bereichert.

Die Bratwurst als Anziehungspunkt reicht nicht.

Norbert Tessmer: Es hat keinen Deal mit Michael Stoschek gegeben, wir haben jetzt einfach wieder ein konstruktives Miteinander. Und das ist gut für die Stadt. COBURGER: Kommen wir noch zu ein paar stadtinternen Problemen. Die Stadtratsfraktionen erodieren ja zum Teil. Wechsel zwischen den Fraktionen, neue Vorsitzende, neue Gruppierungen, ist das ein Spiegelbild der aktuellen Situation auf großer Bühne? Norbert Tessmer: Die etablierten Parteien haben große Probleme. National, aber auch lokal. Viele Menschen haben kein Interesse mehr an Politik, an großen Volksparteien, wir leben ja auch seit 1945 in Frieden, den Krieg haben die wenigsten noch erlebt, wir haben einen gewissen Wohlstand, eine gewisse Stabilität, auch wenn sicher nicht alle auf der Sonnenseite sind. Aber eigentlich müssten wir doch dankbar sein im Großen und Ganzen. Stattdessen erodieren die klassischen Parteien, die für große Teile der Bevölkerung stehen. Das stimmt mich schon sehr nachdenklich. COBURGER: Nächstes stadtinternes Thema: das neue Beteiligungsmanagement der Stadt. Möchte man damit wieder mehr Einfluss gewinnen auf SÜC & Co? Oder möchte man ihre Gewinne anzapfen?

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Foto: Jutta Adam

COBURGER: Es gibt jetzt seit geraumer Zeit eine Max-Brose-Straße, die Aufregung ist abgeklungen, hat sich der Deal mit Brose-Chef Michael Stoschek für die Stadt gelohnt?

Sorgenkind Landestheater.

Norbert Tessmer: Wir wollten und wollen nicht, dass sich die städtischen Töchter von der Mutter, der Stadt, entfernen. Da muss es eine Klammer geben. Das muss eine der Aufgaben des Beteiligungsmanagements sein. Es geht nicht in erster Linie darum, dass die städtischen Töchter gewinnmaximierend arbeiten und ihre Gewinne an die Stadt abführen so wie in anderen Städten, auch wenn wir das natürlich wissen und uns da auch informieren. COBURGER: Und auch in Ihrem nächsten Umfeld im Büro ändert sich so einiges. Neuer Pressesprecher, der alte wird abkommandiert, eine Kündigung einer leitenden Mitarbeiterin liegt auch auf dem Tisch. Das spricht für große Unruhe. Norbert Tessmer: Ich stelle mir gerade Schritt für Schritt die Mannschaft zusammen, mit der ich in die nächsten vier Jahre gehen möchte. Das werden keine riesig großen Veränderungen sein, aber an der einen oder anderen Stellschraube müssen wir schon drehen. Das Gespräch führte Wolfram Hegen.

DAS THEATER HAT EINE STRAHLKRAFT NACH AUSSEN IN DIE NACHBARREGIONEN UND DARÜBER HINAUS COBURGER | DAS MAGAZIN

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D I E   K U R I O S E N

DER REGION B I E R E

Pils, Helles, Dunkles, Weißbier: Jahrzehntelang herrschte Einfalt in den Getränkemärkten. Doch in den letzten Jahren entstehen viele neue Biersorten.

Für

Traditionalisten

haben die zwar oft nichts mehr mit Gerstensaft zu tun, sie sorgen aber für mehr Vielfalt und sprechen vor allem ein junges Publikum an. Das ist dringend nötig, geht der Bierdurst der Deutschen doch seit Jahren zurück. Wir haben einmal drei ganz besonders kuriose Biere zusammengestellt, die noch dazu bestens erfrischen. Prost!

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SCHARFES DING

FRUCHTBOMBE

Gurken Gose von der Hopfmeister Braumanufaktur

Crazy Coriander von Weyermann Braumanufaktur

Gose ist ein alter Biertyp, der eigentlich aus Niedersachsen kommt, benannt nach seiner Heimatstadt Goslar. Er ist verwandt mit der Berliner Weißen oder auch mit belgischen Bieren. Ein säuerliches Bier, obergärig gebraut. Marco Gallo hat dieses Bier für seine junge Hopfmeister Biermanufaktur wiederentdeckt und ihm ein neues geschmackliches Design verpasst.

Die Weyermann Braumanufaktur aus Bamberg ist so etwas wie eine Ausgründung der Weyermann Malzfabrik. Eigentlich 2003 als Versuchsbrauerei gegründet, steht man mittlerweile auf eigenen Füßen. Zu den in dieser Zeit entstandenen außergewöhnlichen Bieren gehört auch das Crazy Coriander. Diese Weyermann Spezialität beruht auf einem Rezept des in Belgien so beliebten Witbeers.

Kein Wunder, Marco Gallo ist ja eigentlich auch Grafik Designer und wollte eigentlich nur Etiketten für Bierflaschen kreieren – Heute gestaltet er eben gleich das ganze Bier selbst. So verpasste er seinem gosetypisch mit Salz, Koriander und Milchsäure gebrauten Bier eine Dosis Gurken aus Franken. So riecht und schmeckt es dann auch. Dazu gesellen sich Stachelbeer- und Birnennoten. Das Gurken-Gose sieht also mit seiner orangenen Farbe nicht nur

Diese Biersorte ist noch ein Überbleibsel aus der Zeit, als viele verschiedene, auch oftmals ungewöhnliche Zutaten in Biere gegeben wurden. In einem Witbeer sind dies klassischerweise Koriandersamen und Orangeschalen - so auch im „Crazy Coriander“. Diese Zutaten und die ausschließliche Verwendung von Weizenmalz verleihen dem Bier eine erfrischende Note. Es verströmt den Duft von Zitrone, Limette und natürlich von Koriander. Die Aromen der Oran-

Auch bei der oberfränkischen Traditionsbrauerei Maisel sind längst moderne Zeiten eingekehrt. Das Weißbier ist zwar nach wie vor der Kassenschlager, aber mit Maisels & Friends hat man sich ein neues junges Image zugelegt mit den entsprechenden Bieren dazu. Eines davon ist das Citrilla. Ein Crossover-Bier, ein Zwitter aus Weißbier und amerikanischem India Pale Ale. Entstanden eigentlich als Citrilla Wheat IPA 2014 gemeinsam mit der Ratsherrn Brauerei Hamburg.

sehr frisch aus, sondern ergibt am Ende ein sehr kalt zu trinkendes fruchtig-gemüsig-frisches Bier für den Sommer, das mit 6% aber ganz schön in den Kopf steigt. Also Vorsicht, wobei man angesichts der limitierten Abfüllung ohnehin kaum in den Besitz eines großen Bestandes an Flaschen kommen dürfte.

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Citrilla von Maisel & Friends

Die befreundeten Brauereien wollten ein gemeinsames Bier brauen, das Bayern und die Hafenstadt zusammenführt. Und weil Bayern Weißbier ist und für lange Seefahrten IPA gebraut wurde, war man sich schnell einig. Das nach dem Reinheitsgebot gebraute Citrilla ist die zweite Auflage: Viel Schaum wie es sich für ein Weißbier gehört, vor allem aber: ein

Foto: Msisel

Foto: Hopfmeister

Foto: Weyermann

REIN INS GEMÜSEBEET

Bildquelle: Maisel

Symbolbild

Bildquelle: Hopfmeister

KURIOSE BIERE

genschalen unterstreichen das Würzige des Korianders und geben dieser außergewöhnlichen Komposition einen besonderen Kick - ideal für die heißen Tage jetzt im Sommer. Die äußerst helle Farbe und der kompakte, feinporige Schaum unterstützen das Sommerfeeling. Am Besten auch mal zu Zitronensorbet probieren.

Fruchtkorb zu trinken. Ananasnoten, Zitrusfrüchte, Nelke, Pfirsich, ein Hauch Banane. Wie in einer gutsortierten Fruchtabteilung vom Discounter. Ist das noch Bier oder eine Vitaminkur mit Alkohol? Der nämlich ist mit an die 7 Prozent auch wieder reichlich vertreten, so dass man das Citrilla zwar gerne gut gekühlt im Sommer süffeln kann, aber eben auch nicht in Unmengen.

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ZUSCHAUEN.HÖREN

DEMNÄCHST IM LANDESTHEATER SPIELZEIT 2015/16

FAREWELL AND GOODBYE Das große Finale

Die Sommerpause am Landestheater steht kurz bevor. Bis sich am 17. Juli nach der letzten Vorstellung von Iris Limbarths „Barry-Manilow-Musical“ COPACABANA der Vorhang bis zum September schließt, stehen noch einige Abschiede bevor. So werden im Juli weitere Produktionen zum letzten Mal zu sehen sein: Mark McClains märchenhafter Ballettabend ASCHENBRÖDEL (1.7.), Matthias Straubs humorvolle Heinz-Erhardt-Hommage NOCH’N GEDICHT, die im Hofbräuhaus zum Dauerbrenner avancierte (2.7.), Tara Yipps grandiose Umsetzung von Anthony Burgess Kultroman A CLOCKWORK ORANGE als bilderstarkes Ballett in der Reithalle (3.7.), Luca Pauers generationsübergreifendes TanzTheaterProjekt CONSTRUCT: VERSUNKEN (5.7.), sowie François De Carpentries eindrucksvolle und aktuelle Interpretation der Oper LAKMÉ (12.7.). Auch von einigen Künstlern muss sich das Coburger Publikum bedauernswerter Weise verabschieden. Der fulminante Tänzer Po-Sheng Yeh beendet sein Karriere und verlässt die Vestestadt in Richtung seiner Heimat Taiwan. Die anmutige Eun Kyung Chung zieht es (auf den Spuren des Ozeanpianisten Danny Boodman T.D. Lemon Novecento?) über den Atlantik, um dort neue Herausforderungen und künstlerische Abenteuer zu suchen. Und auch der ausdrucksstarke Mariusz Czochrowski verlässt das Ballettensemble auf der Suche nach beruflicher Veränderung. Dafür bleibt zumindest das Schauspielensemble unverändert und geht als Einheit gemeinsam in die nächste Spielzeit. Und auch im Musiktheater wird lediglich der bereits während dieser Spielzeit verabschiedete Tenor José Manuel ersetzt – in der nächsten Spielzeit darf sich der Coburger Opernliebhaber auf den Bariton Salomón Zulic del Canto freuen.

SPIELZEIT 2015/16

THE BEST IS YET TO COME Das finale Große

Wenn das Landestheater am 10. September – genau zwei Monate nach dem EM-Finale – für das Theaterfest zur Museumsnacht seine Pforten wieder öffnet und vielfältige Einblicke in die kommenden Produktionen gewährt, ist dieser Spielzeitauftakt auch gleichzeitig der Beginn eines weiteren Abschieds. Intendant Bodo Busse wird am Ende seiner siebten Spielzeit Coburg verlassen und übernimmt zur Spielzeit 2017/18 die Intendanz am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken. Doch vorher hat er sich für seine letzte Spielzeit noch einige besondere Produktionen aufgehoben, um sowohl den mit Stolz immer wieder zitierten Ruf des Coburger Musiktheaters als „Broadway Oberfrankens“, als auch die stetig gewachsene, überregionale Anerkennung der bemerkenswerten Leistungen des Schauspiels und Balletts zu bestätigen und zu verstärken.

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Zur Eröffnung der Spielzeit stehen FIDELIO (18.9.) und DIE SCHATZINSEL (25.9.) auf dem Spielplan. Rudolf Frey stellt sich mit seiner Inszenierung von Beethovens „Rettungs- und Befreiungsoper“ erstmals dem Coburger Publikum vor – Schauspieldirektor Matthias Straub knüpft hingegen an seine erfolgreichen Produktionen in diesem Genre an (Blues Brothers, Kohlhiesels Töchter, Tombstone) und verwandelt Stevensons Romanvorlage in ein „Abenteuer-Rock-Musical“, das sicherlich wieder einer der Publikumsrenner der Spielzeit werden dürfte. Unterhaltung wird auch um die Weihnachtszeit groß geschrieben. Das Familienstück DIE SCHNEEKÖNIGIN (12.11.) wird für Mascha Pitz zum Regiedebüt im Großen Haus, nachdem sie bereits in der Reithalle mit dem Monolog Novecento, die Legende vom Ozeanpianisten ihr Talent unter Beweis stellen konnte. Nach den Blockbustern Hair und Copacabana widmet sich Iris Limbarth mit ANYTHING GOES (17.12.) einem echten Klassiker von Cole Porter und garantiert mit diesem Steptanz-Musical auf hoher See „Entertainment at it’s best“. Den nötigen Ernst und die entsprechende Dramatik liefert im Gegenzug das Schauspiel. Bei Konstanze Lauterbachs Interpretation von Sophokles ANTIGONE (14.1.2017) wird es sicherlich ebenso kontrovers zur Sache gehen wie in Thorsten Köhlers Konzept zu Fassbinders KATZELMACHER. Die Frage nach der Autorität und Legitimation des Staates auf der einen Seite und die Mechanismen im Umgang mit der Angst vor Unbekanntem und Fremdem auf der anderen Seite sind zeitlos und gewinnen gerade heute an beängstigender Aktualität. Der aktuellen Realität entflieht dagegen das Ballett – und begibt sich mit ALICE IN WONDERLAND (18.3.) in ein magisches Paralleluniversum. Rosemary Helliwell arbeitet nach Four Ladies erneut in Coburg und choreografiert diese Uraufführung im Großen Haus. Auch das Musiktheater begibt sich auf eine Reise in mystische Welten. Wagners „Bühnenweihfestspiel“ PARSIFAL (9.4.) wird von Jakob Peters-Messer inszeniert, der am Landestheater bereits mit Produktionen wie Der Rosenkavalier, Pelléas und Mélisande sowie Rinaldo begeisterte. Das Ende der Spielzeit und damit auch der Intendanz von Bodo Busse bilden zwei Meilensteine ihres jeweiligen Fachs. Für Mozarts komische Oper DIE HOCHZEIT DES FIGARO (3.6.) ist Susanne Lietzow verantwortlich, die in Coburg bereits als Schauspielregisseurin (Viel Lärm um Nichts, Geschichten aus dem Wienerwald, Die Probe) nachhaltig Eindruck hinterlassen hat. Und getreu Samuel Becketts geflügeltem Wort „Das Beste kommt zum Schluss“ wagt sich das Landestheater mit Schillers epischem Werk WALLENSTEIN (24.6.) zum Lutherjahr an eine logistische Herausforderung, wie man sie bisher nur im Musiktheater erleben durfte. Die Herausforderung angenommen hat Torsten Schilling, der in der letzten Spielzeit mit Kästners Fabian beeindruckte und auf dessen konzeptionelle Aufarbeitung dieses emotional gewürzten Politdramas man sich bereits freuen darf. Dass neben dieser (unvollständigen!) Auswahl diverser Premieren im Großen Haus noch etliche Juwelen in der Studiobühne Reithalle versteckt sind, ist nach den vergangenen sechs Spielzeiten wohl ein offenes Geheimnis. Ebenso, dass diese es sicherlich verdient haben, dass sich ihnen an einer anderen Stelle gewidmet wird...

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ZUSCHAUEN.HÖREN

Starkes Engagement von bayerischen Unternehmen Verantwortung für unsere Heimat

CSR muss freiwillig bleiben Corporate Social Responsibility (CSR) ist für viele bayerische Unternehmen selbstverständlich. Sie übernehmen Verantwortung für unsere Heimat und die Gesellschaft – und das weit über gesetzliche Vorgaben hinaus. Dennoch ist in der Öffentlichkeit zu wenig über die Engagements der Unternehmen bekannt. Mit dem Portal Wirtschaft weiß-blau sorgen wir für die nötige Transparenz und geben Unternehmen die Möglichkeit, ihr Engagement einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. Wir setzen uns dafür ein, dass CSR freiwillig bleibt. Denn nur auf freiwilliger Basis und ohne weitere gesetzliche Regelungen lassen sich die vielfältigen Engagements der Betriebe in diesem Ausmaß umsetzen. Beispiele für CSR-Aktivitäten und ausführliche Informationen finden Sie unter www.wirtschaft-weiss-blau.de

Wirtschaft weiß-blau ist eine Initiative von vbw – Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. www.vbw-bayern.de AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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Sommer Sonne Eis. Ein Dreiklang, der zusammengehört. Gut, auch Biergärten, Schwimmbäder, Badeseen, lauschige Nächte auf der Terrasse, Gartenpartys, Grillfeiern und der Jahresurlaub gehören zum Sommer, aber vor allem eben auch Eis, Fruchteis, Milcheis, Eisbecher, unseretwegen auch Wassereis – generationenübergreifend. Will man glückliche Kinder haben, mit einem Eis zaubert man ein zufriedenes Lächeln in Kindergesichter, möchte es sich die Familie am Sonntagnachmittag gutgehen lassen – Eis. Ältere Damen treffen sich zum Eisbecher, ein Prosecco davor darf es natürlich auch sein. Alles in allem: Eis verbindet. Eis macht glücklich. Eis ist wie Urlaub. Und Coburg hat einige Urlaubsziele zu bieten, Eisdielen mit ganz unterschiedlichen Angeboten. Wir haben vier von ihnen getestet.

DIE EISDIELEN

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Dazu haben wir uns mit einem Erwachse-

schön, wenn man uns nett behandelt und

nen und 2-3 Kindern auf den Weg gemacht.

wir uns vielleicht ein bisschen fühlen wie

Eine Zusammensetzung, die durchaus

im Urlaub in Bella Italia.

typisch ist, wenn der Papa und/oder die

Denn, das war klar, wir besuchen durch

Mama mal den Nachwuchs an die Hand

die Bank italienische Eisdielen, was auch

nimmt.

sonst. Die Frage nach der Qualität des Eises

Wir haben vorher überlegt, was uns wich-

stand daher nicht so sehr im Vordergrund.

tig ist: Man soll draußen sitzen können, es

Sondern mehr die Suche nach dolce vita in

soll eine große Auswahl geben, wäre auch

Coburg.

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DIENSTLEISTUNGSCHECK

Ambiente Rustikales Designerambiente statt Einheitsbestuhlung: Vor

dem San Geladone sitzt man an aus Paletten zusammengezimmerten Tischen auf genau solchen Bänken. Der Blick geht auf den Albertsplatz mit seiner neugotischen Architektur und dem Brunnen. Kinder laufen durch die Fontänen. Gelegentlich fährt ein Auto vorbei Richtung Parkhaus Zinkenwehr. Auf dem Tisch ist keine Karte, ungewöhnlich, denken wir, bis man uns auf die Selbstbedienung aufmerksam macht. Klar, ist keine Eisdiele, sondern ein Eisshop. Wir gehen an die Theke im Inneren, dort laden auch Stehtische ein, bei schlechtem Wetter sein Eis oder seinen Espresso zu sich zu nehmen.

Ambiente Kleine runde klassische Eiscafe-Tische am Marktplatz emp-

fangen uns, auf ihnen laden zwei Eiskarten schon zu einem vorsichtigen Blick auf das Angebot ein, rote Decken hängen über den Lehnen für kühle Tage, Schirme schützen gegen die allzu heftige Sonneneinstrahlung, der Brunnen direkt daneben plätschert vor sich hin, der Blick schweift über den Marktplatz, eine laue Brise weht. Autos oder Busse sind hier Fehlanzeige, Fußgänger, in der Regel gemächlichen entspannten Schritts gehen vorbei. Hier hat man hat seine Ruhe und immer etwas zum Schauen. Langweilig wird es am Rande des Marktplatzes nicht. Das ist Urlaubsfeeling mitten in der Stadt.

Angebot/ Service 26 Eissorten sind im Angebot und weit an die 20 Angebot/ Service verschiedene Eisbecher, dazu Kaffeespezialitäten und natürlich auch alkoholische und nicht-alkoholische Kaltgetränke. Wir kommen schnell an die Reihe, auch wenn der junge Chef alleine im Laden steht. Die Kinder entscheiden sich für jeweils eine Kugel Apfelringe in der Waffel, eines noch dazu eine Kugel Melone. Sechs Euro 30 werden fällig, davon 4 Euro 30 für den Eiskaffee. Wir kehren zurück an unseren Platz draußen auf den Paletten-Bänken und lassen uns das Eis aus eigener Herstellung schmecken. Die Familie Pizzato hat Erfahrung in Sachen Eis. Der Vater ist seit Jahrzehnten Inhaber von Fabios Eiscafe in Neustadt.

COBURG

25. Juni, 18.00 Uhr

SAN GELADONA, ALBERTSPLATZ

Die Eiskarte ist eine Verführung: Gerade die an die sechzig Eisbecher. Von der Cassatta bis über verschiedenste Fruchtbecher, von alkoholgetränkten Varianten in allen Farben des Regenbogens bis zum Wallnussbecher ist alles dabei. Natürlich auch ein paar Eisbecher für die Kinder. Dazu eine kleine, feine Eiskarte mit saisonabhängigen Eissorten. Außerdem Getränke verschiedenster Art und Weise, heiß, kalt, alkoholisch oder nicht. Die Dame des Hauses bedient uns perfekt gekleidet, italienisch vornehm und sehr freundlich. Die Familie Marcon weiß in Coburg schon lange, was der in der Regel deutsche Gast von einer italienischen Eisdiele erwartet. Ein Klassiker.

COBURG

25. Juni, 18.30 Uhr

EISCAFE PANCIERA, MARKTPLATZ

Gesamteindruck Ein Schild Selbstbedienung wäre hilfreich, um

Gesamteindruck Die Kinder essen ein kleines Spaghettieis und

Fazit Eisdiele, aber anders. Note Gut (2-)

Fazit Immer eine Reise wert Note Sehr Gut (1)

nicht etwas ratlos auf den Außenbänken zu sitzen und vergeblich auf den Service zu warten, handelt es sich doch weniger um ein klassisches Eiscafe, sondern eben um einen Eisshop mit Sitzmöglichkeiten. Aber das ist sicherlich auch ein Lerneffekt bei uns als Gästen. Kennt man halt so nicht. Das Ambiente am Albertsplatz ist klasse, die Sitzmöbel modern, jung, ungewöhnlich. Das Eis ist ganz hervorragend, die Bedienung freundlich. Zwar keine klassische Eisdiele, auch nicht typisch italienisch, aber sicher eine Bereicherung für Coburg, eine Alternative, wenn man mal etwas anderes sucht. Wir kommen wieder.

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eine Kugel Joghurteis aus der Waffel, der „Vater“ einen Eiskaffee, wie überall. Alles wird gleichzeitig gebracht, so muss das sein. Und am Ende wird auf italienisch zusammengerechnet, bei geschlossenen Augen fühlt man sich an die Adria oder auf eine Piazza in Florenz versetzt. Das Eissafe Panciera ist daher sicher der Klassiker unter den Coburger Eisdielen. Die Eisqualität ohnehin, die Tischchen, die vornehme Bedienung, die umfangreiche Karte mit der großen Auswahl an Eisbechern, die Familie Marcon selbst, der Umgangston, all das ist molto italiano. Wer Urlaub in Coburg um die Ecke machen möchte, ist hier richtig.

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DIENSTLEISTUNGSCHECK

Ambiente Die Cortina, das war jahrelang der Treffpunkt am oberen

Ende der Mohrenstraße. Seit einiger Zeit findet man sie im Steinweg in Coburg. Hier ist es ruhiger, weniger Autos, weniger Busse. Das mag manchen Zeitgenossen fehlen, die das muntere Treiben gesucht haben, andere aber sind am neuen Standort zufriedener. Zehn Tische im Außenbereich laden ein, fast alle sind voll, das zeigt die Beliebtheit der „Cortina“. Die Tische sind einfach gehalten, die Stühle auch, große Schirme schützen vor Sonne oder leichtem Regen, kein Schnickschnack, eine Eiskarte, Diele pur. Wir nehmen Platz. Die Kinder stürzen sich auf die Karte, der Eishunger ist ungebrochen.

Angebot/ Service

25 Eissorten stehen schon alleine auf der Karte, es gibt aber noch ein paar mehr, dazu an die 30 Eisbecher verschiedenster fruchtiger, schokoladiger oder alkoholischer Ausführung, Quarkspeisen, Kaffee, Alkoholisches, Weine und dazu, das ist eine Ausnahme und gut zu wissen, Kleinigkeiten zum Essen in Form von verschiedenen Toastvarianten. Die zweite Besonderheit ist die große Freundlichkeit der Familie Da Col, die seit 1953 in Coburg lebt und jeden Sommer ihre Eisdiele öffnet. Immer nett, immer ein persönliches Wort, immer ein Lächeln im Gesicht, auch beim größten Stress. Man fühlt sich willkommen, darf einfach nur Gast sein.

COBURG

26. Juni, 13.40 Uhr

EISCAFE CORTINA, STEINWEG

Ambiente Das Adria ist mittendrin im Geschehen. Dort, wo Hinden-

burg-, Bahnhof- und Seifartshofstraße sowie Hintere Kreuzgasse aufeinandertreffen. Mitten an der Kreuzung. Klar, leise ist es hier nicht, wenn Motorräder vorbeiknattern und Cabrios an der Ampel warten. Aber wer Wert darauf legt, zu sehen, wer so in der Stadt unterwegs ist, ist hier natürlich richtig. Die zahlreichen relativ großen Tische unter Schirmen im eingezäunten Außenbereich haben Tischdecken und schöne, moderne, untypische Eiskarten, sehr stylisch. Es sind genug Tische frei, wir nehmen einen an der Ecke, eine Bedienung bringt unserer 5köpfigen Familie gleich noch eine zweite Karte.

Angebot/ Service

Auch hier weiß man gar nicht, für was man sich entscheiden soll: An die 50 Eisbecher vom Bounty-Becher über Eierlikör und Früchtebecher, Joghurt-Variationen und natürlich die Kinder-Klassiker Pinocchio oder Biene Maja. Ergänzt wird das Angebot mit alkoholfreien Kaltgetränken, Kaffee, Weinen, Bier, Spirituosen. Die Bedienung wechselt zwischen einer jungen Dame und dem Chef mit leichtem italienischen Einschlag, der unsere fünf Bestellungen nicht aufschreiben muss, um uns alles trotzdem nach kurzer Zeit in richtiger Zusammenstellung zu bringen. Eis-Kaffee, klar, ein großer Eisbecher mit viel Schokolade, einer mit Orangensaft und einen Stampf.

COBURG

26. Juni, 14.10 Uhr

EISCAFE ADRIA, HINDENBURGSTRASSE

Gesamteindruck Über das Eis muss man wie immer kaum ein Wort

Gesamteindruck Also eines vorneweg: Neben der Qualität des

Fazit Zu Gast bei Freunden. Note Sehr Gut (1)

Fazit Die Adria ist nicht nur Meer. . Note Gut (2-)

verlieren: Die Kinder bestellten Frozen Joghurt, ein Erdbeermilchshake, eine Kugel Melone und eine Kugel Holunderjoghurt und der „Vater“ natürlich einen Eiskaffee. Über das, was das Eis-Cafe Cortina darüber hinaus aber ausmacht, schon. Und das ist die große Gastfreundlichkeit der Familie, nicht nur die Bedienung, auch die anderen Familienmitglieder hinter der Theke. Dazu die Mischung aus Deutsch und Italienisch. Man ist irgendwie gleich ein Teil der Familie. Diese Mischung macht wohl den Erfolg des Eis-Cafe Cortina aus, die im Volksmund liebevoll ohnehin nur „die Cortina“ heißt.

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Eises fällt eines sofort auf - die Portionen sind sehr reichlich ausgefallen. So reichlich, dass sogar etwas übrig geblieben ist. Und das liegt nicht an dem Eis, das wir vorher schon zu uns genommen haben. Man bekommt also viel fürs Geld. Die Bedienung ist freundlich-korrekt, es geht schnell. Nur der Straßenlärm ist sicher nicht jedermanns-, aber natürlich ebenso Geschmackssache. Den Kindern war es das eine oder andere Mal zu laut, aber auch das kann ja Bella Italia sein, unsere Sache aber an diesem Sonntagmittag eher nicht. Das trübt ein wenig den ansonsten gelungenen und sehr sättigenden Ausflug in die „Adria“, die in Coburg eine Institution ist.

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GRILLEN

TIPPS DAMIT ES KEINEN ÄRGER GIBT

Die Sonne hat sich noch nicht ganz im Westen zurückgezogen. Der Grill ist aufgestellt. Holzkohle schon vor Wochen besorgt und erst vor wenigen Stunden beim Metzger gutes Fleisch besorgt, Steaks und Bratwürste. Die ersten Gäste sind schon da und trinken frisch Gezapftes. Und jetzt wird der Grill befeuert. Keine dreißig Minuten später beschweren sich die Nachbarn über den Zaun. Der Rauch störe sie. Von Aufhören und sogar von Polizei ist die Rede. Die Stimmung schlägt um.

zimmer der darüber liegenden Wohnungen qualmt. Und einen Unterschied macht es auch, ob sauber mit Strom oder Gas gegrillt wird oder ob die Holzkohle schwarz durch die Reihenhaussiedlung kokelt. Wenn wir das eigene Grundstück erwähnen, hat das natürlich auch einen Grund; denn ein Vermieter darf grundsätzlich im Mietvertrag und sogar nachträglich per Hausordnung das Grillen verbieten. Da ist dann nichts zu machen. Hier ein paar Tipps von Jan Hofer.

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Neben der Rauchbelästigung ist auch der Lärm durch Besucher und Gäste sowie durch Musik ein Thema. Grundsätzlich gilt, dass die Nachtruhe (ab 22.00) nicht gestört werden darf. Wer länger feiern will, muss das im Haus und notfalls bei geschlossenen Türen und Fenstern tun.

Am besten ist es tatsächlich, sich zu überlegen, ob man den alten Holzkohlengrill bei Gelegenheit durch einen Gas- oder Elektrogrill ersetzt. Und um die lokalen Gegebenheiten zu erfahren, kann man sich auch an das Ordnungsamt wenden.

Foto: Adobe Stock

Foto: Adobe Stock

Schon mal davon gehört, selber schon erlebt? Kann alles vorkommen. Doch was soll man tun, wie ist eigentlich die Rechtslage? Wir haben bei Rechtsanwalt Jan Hofer nachgefragt, der nach der Arbeit in der Kanzlei auch mal gerne am Grill steht

Der Balkon der Mietwohnung. Prüfen Sie Ihren Mietvertrag. Wenn das Grillen nicht grundsätzlich verboten ist, dürfen Sie. Aber nicht täglich und rund um die Uhr. Wenn man die verschiedenen Gerichtsurteile der vergangenen Jahre dazu liest, gibt es starke Einschränkungen. Ein- bis maximal zweimal monatlich ist das

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Generell verboten ist es aus umweltrechtlicher Sicht, einen Grill zu betreiben, der starken Rauch und Ruß absondert. Das kann schon passieren, wenn man ihn vorher nicht richtig gereinigt hat oder stark qualmendes Grillgut (mit stark tropfendem Fett) benutzt.

Streitobjekt: qualmender Grill.

„Das Beste ist immer, die Nachbarn gleich mit einzuladen“, erklärt er. Aber wenn das aus welchen Gründen auch immer nicht geht, gilt es, ein paar Grundsätze zu beachten. Um es jedoch gleich vorneweg zu sagen: Sie dürfen auf Ihrem eigenen Grundstück grillen und im Rahmen bestimmter Grenzen auch Ihre Musik bei der Gartenparty laufen lassen. Das muss Ihr Nachbar hinnehmen. Aber es gibt Regeln. Und diese können von Gemeinde zu Gemeinde verschieden sein. Und sie hängen auch davon ab, wo Sie Ihre Grillparty veranstalten. Es gibt schon einen Unterschied zwischen einem großen Gartengrundstück, bei dem Nachbars Wohnzimmer ein Stück weit entfernt ist und einem Balkon im Mehrfamilienhaus von dem es direkt in die Schlaf-

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Bügeleisen ist kein Grillersatz.

Grillen auf dem Balkon in Ordnung, wenn man die betroffenen Nachbarn rechtzeitig vorher informiert. Das letzte Wort hat aber immer der Vermieter.

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Im Garten einer Eigentumswohnanlage darf laut einem Urteil des Bayerischen Obersten Landesgerichts auf jeden Fall gegrillt werden. Bis zu fünf Mal im Jahr. Auch mit Holzkohle. Im eigenen Garten ist das Grillen auf jeden Fall erlaubt. Aber eben auch hier mit der Einschränkung „nicht zu oft“. Sollten jedoch die unmittelbar angrenzenden Nachbarn einverstanden sein, dann auch öfter als die fünf Mal jährlich.

Die freundlichen Beamten sind kompetent und helfen Ihnen gerne weiter. Jan Hofer ist Anwalt in der Coburger Anwaltskanzlei BGHK und kümmert sich neben Arbeitsrecht als Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht auch um Streitkeiten unter Nachbarn. Bei Fragen hilft er gerne weiter. Er legt Ihnen nochmal dringend ans Herz: Wenn Sie eine Grillparty planen, rufen Sie Ihre Nachbarn an oder besser noch, klingeln Sie gleich an deren Tür. Wer so nett eingeladen wird, kann Ihren Grillabend nicht mehr verderben.

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HOLZKOHLE ODER GAS?

GLAUBENS  

Es geht nicht ganz so heiß her wie einst zwischen Protestanten oder Katholiken, wenn Gas- gegen Holzkohlejünger um die absolute Wahrheit für ihre Methode des Grillens streiten, aber zur Glaubenssache ist die Diskussion schon eskaliert. Und zur Geschmackssache. Und zu einer Sache des persönlichen Stils, zum Statement gegenüber Freunden, der Familie, den Kollegen: Gas oder Kohle? Koch oder Jäger? Schlips oder Muskelshirt? Genuss oder Hunger? Bürgertum oder Freiheitskämpfer? Aber um was geht es eigentlich: Bei Grillen mit Holzkohle erhitzt eine Glut, erhitzen Flammen das Fleisch oder die Wurst, um die es geht (manche grillen auch vegane Würste, die sollen doch einfach nur Salat essen und alkoholfreies Bier trinken, aber das ist nur die Meinung des Autors). Beim Grillen mit Gas erhitzt die Gasflamme nur ein Material, und das wiederum grillt das Fleisch oder die Wurst, um die es geht (manche grillen auch vegane Steaks, dabei gibt es die gar nicht … ein Steak ist aus Fleisch, und das ist nicht nur die Meinung des Autors, das ist einfach so). Mit Gas zu grillen ist irgendwie wie Kochen, man kann die Temperatur wählen oder auch verschiedene Temperaturzonen, beim Holz wird’s heiß oder auch nicht. Die mit Abstand meisten Deutschen grillen auf Kohle, nur die wenigsten auf Gas (werden aber immer mehr, Baumärkte werben ja auch kräftig mit den kleinen Grillküchen für den Vorgarten). In den USA dagegen grillt jeder Dritte auf Gas, in Deutschland 18 Millionen mindestens einmal im Monat, oft häufiger, das gilt für die Monate Juni bis August.

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VON WOLFRAM HEGEN

   STREIT UM‘S FEUER

Foto: Lukas Gojda/Adobe Stock

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Das ist beim Gas besser Der Hungrige ist beim Gas-Grill sicherlich besser aufgehoben. Warum? Weil es ganz einfach schneller geht, mit Gas zu grillen. Logisch. Knopf drücken, Flamme an, Fleisch drauf. Nach wenigen Minuten liegt das saftige Steak auf dem Teller. Wer viele hungrige Menschen satt bekommen möchte, ist beim Gas auch richtig. Weil es schnell geht, gut planbar ist, und die Geräte auch meistens ziemlich groß sind, steht großen Familienfeiern mit glücklichen satten Gesichtern nichts im Wege. Und natürlich garantiert das Grillen mit Gas wesentlich genauere Ergebnisse. Temperatur einstellen, Deckel schließen, und schon gart das Steak in aller Ruhe vor sich hin. Auch die Reinigung ist relativ einfach. Manche Teile können sogar in die Spülmaschine.

Das ist beim Gas schlechter Mit Gas zu grillen ist teuer. So ein Gas-Grill ist ja ein technischer Apparat, nicht nur ein Drahtgitter über einer Feuerschale. Mindestens 150 Euro muss man auf den Tisch blättern. Dafür bekommt man dann aber wirklich nur den Grill, keine Sonderausstattung. Erst dann wird es aber komfortabel, und das ist es ja, was der Gasgriller möchte: einen Komfort wie beim Kochen in der Küche. Mindestens 300 Euro sind dann aber fällig. Nach oben sind dann fast keine Grenzen. Auf jeden Fall Augen auf beim Gasgrillkauf: Passen die Ventile, passt der Druck, erfüllt

Foto: by-studio/Adobe Stock

GRILLEN

er Sicherheitsstandards. Am besten den Verkäufer genau fragen und sich alles erklären lassen. Vor allem auch den Aufbau, der ist nämlich wesentlich komplexer als bei einem Holzkohlegrill. Wer sich für ein teureres Gerät entscheidet, braucht dann einen wirklich festen Untergrund und sollte sich vorher überlegen, wo er ihn hinstellt: An die 2 Zentner wiegt ein wirklich ausgewachsener Gas-Grill, und auch wenn man ihn auf Rollen schieben kann … das muss ja nicht sein. Wer schnell entschlossen grillen möchte, der sollte im Übrigen immer eine Gasflasche im Haus haben. Sonntags an der Tankstelle noch schnell eine besorgen – meistens Fehlanzeige.

Darum grill man mit Holz Nur auf echtem Feuer zu grillen, das garantiert das wirklich echte Raucharoma. Das kann man zwar auch auf Gas-Grillern nachempfinden, aber wirklich echt ist das nicht. Auch wer wirklich zeigen möchte, dass er ein guter Grillmeister ist, muss auf Kohle grillen: Die Temperatur zu halten, ist nämlich eine hohe Kunst. Das macht das Grillen mit Kohle wesentlich anspruchsvoller (steht unten nochmal als Nachteil…). Ganz zu Anfang ist ein Holzkohle-Grill selbst für Menschen mit zwei linken Händen und ohne technisches Vorwissen leicht und schnell aufzubauen. Vor allem aber ist er billig, bei ein paar Euro geht es los.

Der altbewährte Holzkohlegrill in Kugelform.

Darum grillt man nicht mit Holz Also Grillen auf Holzkohle ist natürlich nichts für den schnellen Hunger. Das kann jeder bestätigen, der mit Kohle heißt. Anzünden, Kohle durchglühen lassen, das kann schon eine halbe Stunde dauern. Dann erst kann das Fleisch drauf. Und (aber auch ein Vorteil, siehe oben): Die Temperatur der Kohle zu halten, ist eine hohe Kunst. Das macht das Grillen mit Kohle wesentlich anspruchsvoller (aber eben auch schwieriger).

Foto: Christian Delbert/Adobe Stock

Auf jeden Fall muss der Grillmeister Opfer bringen: Die Kleidung ist danach geräuchert, Haare und Haut benötigen eine dringende Reinigung. Auch wer mit den eh schon so komplizierten Nachbarn nicht noch einen weiteren Streit vom Zaun brechen möchte, sollte die Finger von der Kohle lassen. Qualmschwaden und Brandgeruch - das kommt nicht immer gut an. Viel Arbeit hat der Kohlegriller auch nach dem Schmaus: Rost reinigen, Asche entsorgen.

Unser Fazit

Ein Luxusexemplar von Gasgrill für die große Party

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Sauberer, schneller, bequemer ist das Grillen mit Gas. Aber eben auch teurer. Und natürlich auch ein bisschen spießiger. Der echte Mann kämpft mit Feuer und Glut. Das ist wohl der Kern des Glaubensstreits.

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GLAUBENSSTREIT UMS FEUER

Viele Einstellmöglichkeiten, leichte Reinigung. Doch Gasgrills sind teurer.

Foto: Michael Eichhammer/Adobe Stock

… jetzt auch 2go !

NEU: Die SuShi&Wine Bar im Restaurant Victoria Grill

R o m a n t i k h o t e l G o l d e n e Tr a u b e

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Te l e f o n : 0 9 5 6 1 - 8 7 6 0

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w w w. g o l d e n e t r a u b e . c o m

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VON WOLFRAM HEGEN FOTOS SEBASTIAN BUFF

Das Wortspiel liegt auf der Hand: Wenn man nach dem oberfränkischen Bierkönig sucht, kommt man an Michael König nicht vorbei. Seine Blogs über Biersorten haben über 10000 Fans und beruflich arbeitet der Biersommelier mittlerweile bei der Bayreuther Brauerei Maisel - vor allem für das neue gastronomische Konzept „Liebesbier“, das weit über die Grenzen Oberfranken hinaus Maßstäbe setzt. Die Liebe zum Bier, seines zweites berufliches Leben aber entstand bei Michael König eigentlich eher aus Zufall, aus „einer Bierlaune“ heraus

Wenn Michael König seine Bierkarriere Revue passieren lässt, muss er weit zurückdenken, zu weit eigentlich, aber früher war das nun einmal so, dass – und meistens waren es die Großeltern – man als Kind mal vom Gerstensaft probieren durfte, auch wenn man dann meistens angewidert die Mundwinkel verzog. Und auch bei Königs zuhause in Buch am Forst zwischen Coburg und Lichtenfels war das nicht anders, „bitter“ sei es gewesen, das erste Schlückchen Bier, „da war ich vier oder fünf, und der Opa hat mich einmal an einem Gampert nippen lassen“, der nämlich war Fan der traditionsreichen Biere der Brauerei aus Weißenbrunn bei Kronach („Buch am Forst war ein Ort ohne Brauerei“). „Kronkorken hat er auch gesammelt“, erinnert sich Michael König an diese Zeit. Später dann wurde Bier zum Lifestyle-Produkt, Marken standen für ein Lebensgefühl, eine ganze Generation ist mit den grünen Becks-Flaschen aufgewachsen, das habe er damals auch gemacht, „ich war da ganz begeistert“. Heute, mit der Erfahrung eines Biersommeliers würde er rückblickend sagen, „Becks schmeckt nach Licht.“ So richtig „bieraffin“ aber sei er als junger Erwachsener eigentlich nicht gewesen, zwei- bis dreimal die Woche habe er mal Bier getrunken, aber „nie übermäßig“. Auch sein beruflicher Weg sieht erst einmal so gar nicht nach einer Karriere in der Genussmittelindustrie aus. Eher nach richtiger Industrie: König lernt Zerspanungsmechaniker bei der Maschinenbaufirma Kapp in Coburg („in der Stadt gab es ja auch kaum Brauereien“), holt danach das Abitur nach, studiert Informatik. „Das war mir lieber als hinter Maschinen zu stehen, im Schichtbetrieb.“ Als Informatiker programmiert er vor allem Bankensoftware, erstellt Benutzeroberflächen, kümmert

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PORTRAIT

ALS KIND DURFTE ER MAL VOM GERSTENSAFT PROBIEREN. DA HAT ER NOCH DAS GESICHT VERZOGEN sich um Überweisungsvorgänge für ein Unternehmen in Coburg. Doch nebenbei bahnt sich der Weg an, der König letztlich dahin führt, wo er heute ist: Er arbeitet manchmal abends als DJ in einer Bar, kümmert sich dann auch um deren Facebook-Seite. Dadurch entdeckt er seine Leidenschaft für social media,

meldet ein Kleingewerbe an, betreut einige Kunden, hat aber vor allem ein Ziel: Eine Brauerei als Kunden zu gewinnen, letztlich um „ab und zu ein paar Flaschen Bier zu testen.“ König gründet die Facebook-Seite „Bier aus Franken“, und weil sich da ja etwas tun muss, kauft er Bier, testet und bewertet es. „Das habe ich alles selbst gemacht, das Bier gerochen, es geschmeckt, es beschrieben, das war learning-by-doing.“ Jeden Tag ein Bier, schnell verfolgen 800 Fans die Selbstversuche.

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Seine Frau habe damals schon gesagt, das müsse doch endlich mal eine Brauerei merken, das sei doch eine ideale Werbeplattform. „Das hat sie bald bereut“, schmunzelt er. Zwei Jahre später nämlich sei das ganze Haus „voll gestanden mit Bierkästen von allen möglichen Brauereien, alles kam kostenlos ins Haus.“ Eigentlich habe sich sein Wunsch damit erfüllt, er hatte ein schönes Hobby, viele Fans, genug

Grenzen zu sprengen, auch diese Seite hat heute schon bald 5000 Fans. So langsam kommen die Marketingabteilungen der Brauereien auf König zu. Sie schätzen die Art des Autodidakten König, Bier vorzustellen. „Ich war nie wirklich kritisch mit einem Bier, weil ich mir immer gedacht habe, wenn es in der Flasche ist, muss es irgendjemanden geben, dem das geschmeckt hat.“

Freibier. Und seine Freunde hätten sich auch immer über ein paar Flaschen Bier gefreut.

Bei der Bierakademie in Bamberg absolviert er ein Seminar. Gerade mal drei Stunden lang, aber er merkt: Das möchte er auch gerne machen, als Biersommelier anderen etwas über den Gerstensaft erzählen, Schulungen anbieten. Die Ausbildung zum Sommelier aber ist ihm zu teuer, mit Übernachtung insgesamt 5500 Euro. Doch dann gibt es eine günstigere Alternative in Bamberg, da kann er zwei Wochen lang hinfahren, spart sich die Übernachtung. Und so macht er es auch, opfert zwei Wochen Urlaub und absolviert das Seminar zum Biersommelier.

Damals kommt er zum ersten Mal in Berührung mit der Brauerei Maisel. Er wird eingeladen, sich das Unternehmen anzusehen. Also braucht er noch eine Website, um den Besuch zu dokumentieren, und vor allem – einen passenden Namen. Der fällt ihm unter der Dusche ein: „Neubierig“. „Bier aus Franken“ hatte damals schon über 4000 Fans, heute über 10000, mit „Neubierig“ macht er sich auf, die fränkischen

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BIERSOMMELIER MICHAEL KÖNIG

„Das ist wie ein Führerschein, Du bist dann offiziell Sommelier, aber deswegen bist Du noch kein Bierkenner. Ohne Vorwissen bist Du eigentlich überfordert. Und das meiste, was ich gelernt habe, kam danach.“ Das „Danach“, das ist bei Michael König der endgültige Wechsel von der Software-Branche in das Brauereiwesen. Bei einem Potsdamer Online-Bier-

So landet er wieder in Oberfranken, bei der Brauerei Maisel in Bayreuth. Die sucht 2015 einen Biersommelier für die Gastronomie. Aber nicht für irgendeine Gastronomie, sondern für ein neues Konzept: „Liebesbier“ heißt es mit mehreren Millionen Euro Investitionsvolumen. Deutschlandweit einzigartig. Ein hochwertiges Restaurant und dazu 100 regionale und internationale Biere, Craft-Biere. Michael König ist an der Entwicklung maßgeblich beteiligt, stellt die

So hat Michael König zum Reinheitsgebot auch ein ambivalentes Verhältnis, auch und gerade im Jahr des 500jährigen Jubiläums. „Wir wollen, sollen und müssen das Reinheitsgebot erhalten, aber auch offen sein, dass parallel dazu Biersorten entstehen, die nach einem einheitlichen Qualitätskodex mit nur natürlichen Zutaten gebraut werden“. In der Gastronomie wird es daher, sagt er, in Zukunft viel mehr Bier geben, größere Bierkarten - Sein Wort hat mitt-

Ob mit Strom, Gas oder Kohle − Viel Spaß beim Grillen!

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SÜC Energie und H2O GmbH www.suec.de | Tel.: 09561 749-1555 verkäufer wird er Produktmanager und –einkäufer. Jetzt kann er alle Kenntnisse einbringen, die er sich angeeignet hat: seine Erfahrung in sozialen Medien, Programmieren, Brauereien kennen, deren Marketingabteilungen, alles kommt zusammen. Und König lernt viel dazu, vor allem internationale Brauereien. Er erweitert das Angebot von „Bierdeluxe“ von 200 auf 480 Biere. Doch als er immer mehr zum Einkäufer wird, immer mehr über Preise und Zahlungsziele verhandeln soll, wird ihm das Geschäft zu „nüchtern“.

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82seitige Bierkarte zusammen, kümmert sich um das Personal. König ist angekommen, erst einmal. Er hat sein Bieruniversum gefunden, wenn er über Liebesbier, wenn er über die trendigen Craft Biere spricht, ist er ganz in seinem Element. Wobei er gerne betont, dass fränkische Biere eigentlich schon immer Craft Biere waren. Der Begriff nämlich steht eigentlich nur für handwerkliches, leidenschaftlich gebrautes Bier. Und das gibt es in Franken schon seit Jahrhunderten, aber auch in anderen vielen Regionen auf der Welt. „Gutes Bier ist das, an was ich mich gerne erinnere.“

lerweile Gewicht, nur ein paar Jahre, nachdem er sich „aus einer Bierlaune heraus“ auf einen anderen Lebensweg begeben hat.

ER HAT SEIN BIERUNIVERSUM GEFUNDEN, WENN ER ÜBER LIEBESBIER UND CRAFT-BIERE SPRICHT COBURGER | DAS MAGAZIN

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Foto: Val Thoermer

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VON HEIDI SCHULZ-SCHEIDT FOTOS: SEBASTIAN BUFF

HIER WOHNTE…

...BESTIMMT EINE PRINZESSIN Halb versteckt liegt es da, zwischen duftenden Rosenbüschen, mächtigen Farnen und ausladenden Bäumen an seinem prominenten Platz hoch über der Stadt. Das schmiedeeiserne Eingangsportal ist romantisch mit Efeu bewachsen. Wie im Traum bewächst ein Rosenbusch mit kleinen Singvögeln das ganze Jahr über als Rundglasfenster den Dielenbereich und taucht ihn in ein ganz besonderes Licht. Der perfekte Ort für ein Märchenschloss. Eine Prinzessin macht sie dennoch nicht auf, die Tür des Hauses im Gustav-Freytag-Weg 23. Eher eine Reinkarnation des Erbauers, des bekannten Stadtbaurats Max Böhme, der sich hier im Grünen sein ganz persönliches Wohnnest gebaut hat. So warm wie der Empfang in der mit Licht durchfluteten Diele ist auch das Willkommen des Hausherren Günter Steiger, der gleich zu Anfang eine Anekdote über die Ähnlichkeit mit dem einstigen Bauherren bereithält. „Die Tochter wollte, dass ich das Haus bekomme, weil ich ihrem Vater so ähnlich sah“, schmunzelt Steiger und deutet gleichzeitig auf den hölzernen Handknauf am Treppengeländer, der das Antlitz Böhmes zeigt. Und das, obwohl andere Interessenten mehr für die Immobilie geboten hatten. Dereinst wohnten drei Parteien darin. Die erforderliche Raumaufteilung besorgten eingezogene Trennwände aus Spanplatten – jeden Denkmalschützer erschaudert es selbst bei der Vorstellung noch im Nachhinein. Doch da kam Günter Steiger und sah in der Jugendstilvilla das Schatzkästlein, das es einst gewesen war. Seine Absicht war es, das Haus in seinen ursprünglichen Zustand zurück zu versetzen. Doch das war leichter gesagt als getan. Insgesamt acht Jahre brauchte die Familie, um in jeder freien Minute an dem Traum vom Märchenschloss im Grünen zu arbeiten. In diesem Falle, um die historische Bausubstanz von Jugendstil-Architekt Max Böhme erneut sichtbar zu machen. An manchen Stellen auch auszugraben, wie eine weitere Geschichte beweist. Denn eigentlich ist Günter Steiger neben seinem eigentlichen

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Beruf des Möbeldesigners und Innenarchitekten nämlich Schatzsucher. Im Garten damals stand eine Sandsteinfigur, der kleine Sämann. Bei einem Saufgelage schmiss der Schwiegersohn Böhmes die Figur im Rausch in den verwilderten Garten und keiner kümmerte sich mehr darum. Steiger erfuhr von dieser Aktion menschlichen Übermuts und wollte den kleinen Sämann wiederfinden. Er nahm also einen schweren Stein und schmiss ihn – laut Überlieferung – vor der Pergola stehend in die einzig mögliche Richtung und fing an zu graben. Und tatsächlich befand sich der Rumpf an genau der Einschlagstelle und der abgeschmetterte Kopf ein Stück weit entfernt davon. Bemerkenswert. Viele kleinere und größere Schätze hat der Besitzer seitdem in seinem Haus ausgegraben. Im Wohnzimmer ein Stuckrelief und eine Kassettendecke des Coburger Theatermalers Max Brückner. Überstrichene Kacheln mit floralen Motiven über den kunstvollen Rahmen der Füllungstüren. Mit Linoleum belegte und gestrichene Dielenböden. Schicht für Schicht wurde in jahrelanger Arbeit die alte Patina der Villa ins Leben zurückgeholt. Und über all dem Treiben scheint der Heilige Florian seine schützende Hand gehalten zu haben. Max Brückner selbst schwang den Pinsel und malte den Wächter überlebensgroß über die Eingangstür. Gute Musik und gutes Licht muss er zu schätzen gewusst haben, der Stadtbaurat. Schließlich ist die Wirkung von Licht ein zentrales Element des Jugendstils, dem sich Böhme ganz und gar verschrieben hatte. Auf

eindrucksvolle Weise zeugt davon auch die Stuckdecke im Esszimmer. Je nach Tageslicht verwandelt sich ihr Aussehen. Verändert sich das Licht- und Schattenspiel. In der Mitte eine prachtvolle Sonne und in den Ecken – Fledermäuse. Wer denkt da nicht sofort an Mozarts Zauberflöte. „Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht.“ Bis ins Schlafzimmer dringt diese Vorliebe. Bildnisse von Beethovens und Mozart zieren als Glasmalerei sogar dessen Fenster. Und fast alle Zimmer der Villa haben Fenster zu verschiedenen Seiten. Auch hier spielt der unterschiedliche Lichteinfall im Wechsel der Jahreszeiten eine Rolle. „Jeder Tag ist anders. Wir leben hier mitten in der Natur“, wie der Hausherr dazu ergänzt. Nicht alle Zeitgenossen waren zu Anfang des 20. Jahrhunderts von den Vorzügen der Jugendstilarchitektur angetan. Den Coburgern war es schlicht zu teuer, wie Böhme baute und ihrer Meinung nach Steuergelder verschwendete. So hatte das 1907 erbaute Alexandrinen-Volksbad einen Schornstein wie ein Minarettturm. Und auch bei der Einweihung der Heiligkreuzschule wurde Kritik laut, dass hier zu aufwendig gebaut wurde. Günter Steiger kann’s egal sein. Er freut sich jeden Tag an seinem Märchenschloss im Grünen. Getreu dem an der Südfassade in Holz gehauenen Spruch auf dem Erker aus dem Jahre 1904: Sonne und Luft, Licht und Leben. Als wäre es heute gesagt.

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HIER WOHNTE...

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FRANKENS GROSSE UNTERNEHMEN

VON WOLFRAM HEGEN

SECHSTER TEIL.MEDIENGRUPPE OBERFRANKEN

M E D I E N G R U P P E   O B E R F R A N K E N

M I T  H O C H D R U C K  I N

DIE ZUKUNFT Es ist ein junges Unternehmen mit einem alten Kern: Die Mediengruppe Oberfranken nämlich gibt es zwar gerade mal sieben Jahre. Die Anfänge aber gehen auf die 30er Jahre des 19. Jahrhunderts zurück. Damals erschienen die ersten Zeitungen, und die Nachfolger tun das bis heute. Doch von einem reinen Zeitungshaus ist die Mediengruppe im Jahr 2016 weit entfernt. Sonst hätte man die Umbrüche der letzten Jahrzehnte wohl kaum überlebt.

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OBERFRANKENS UNTERNEHMEN

1834 ERSCHEINT DAS BAMBERGER TAGEBLATT IN DER DOMSTADT

Bildquelle: Mediengruppe Oberfranken

Internet, Fernsehen, Social Media, Hörfunk. Das alles gab es nicht, als die Vorfahren der heutigen Mediengruppe Oberfranken das Licht der Welt erblickten. Damals gab es nur Gedrucktes. Angetrieben von liberalem Gedankengut und neuen technischen Möglichkeiten entstanden im 19. Jahrhundert die ersten Massenmedien – Zeitungen. 1834 war es in der Domstadt soweit, das Bamberger Tageblatt erscheint, der Vorläufer des Fränkischen Tags. Bereits vier Jahre vorher schon das Anzeige- und Unterhaltungsblatt in Kitzingen, dessen Nachfolger heute zur Mediengruppe Oberfranken gehören. Wenn man so will, ging es also 1830 los.

Alles andere als Hinterhof.

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In den Jahrzehnten danach sprießen andere Zeitungen aus dem freiheitlichen Boden, der heute von der Mediengruppe beackert wird: in Bad Kissingen, Coburg, Kulmbach. Schon bald kommen auch Fachmedien dazu: 1927 wird das Offertenblatt für den Bedarf öffentlicher und privater Heil-, Pflege- und Erholungsanstalten in Kulmbach gegründet, 1936 der Verlag Baumann Didaktische Medien. Doch unter den Nazis ist Schluss mit freier Presse: Alle Zeitungstitel werden gelöscht oder verlieren ihre Lizenz.

Bald nach dem Krieg geht es weiter: Schon im Januar 1846 erscheint der Fränkische Tag, drei Jahre später das Coburger Tageblatt und die Bayerische Rundschau. Es folgen gute Jahre, die Zeitungen des Wirtschaftswunders sind voll mit Reklame. Konkurrenz – Fehlanzeige. Das Geld investiert man in die Zukunft: Im Mai 1965 zieht der Fränkische Tag an den heutigen Standort am Berliner Ring und druckt ab sofort im Vierfarben-Rotationsdruck. Auch in Kulmbach und Coburg beziehen die Verlage bis in die 1980er Jahre hinein neue Firmensitze. Und sie modernisieren kräftig weiter: Neue Druckmaschinen verschlingen Millionenbeträge, tragen aber zum Erfolg bei: Sie drucken mehr Exemplare mit mehr Seiten und höherer Qualität – schon lange nicht mehr nur für das eigene Haus. Und auch sonst entwickeln sich die Verlags- immer mehr zu Medienhäusern mit einem Rundum-Service: So hatten sich nach dem Krieg selbständige Zusteller um den Vertrieb der Zeitungen gekümmert. Die waren mittlerweile in Zustellgesellschaften beschäftigt. Doch warum nur die eigene Zeitung verteilen? So entstand bis heute die Frankenbrief Post und Logistik GmbH, die weit mehr macht als nur Zeitungen zuzustellen.

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Bildquelle: Mediengruppe Oberfranken

MEDIENGRUPPE OBERFRANKEN

Das moderne Zentrum der Mediengruppe in Bamberg

Immer in die Zukunft investieren, immer weiterdenken, das hilft der heutigen Mediengruppe auch bei der Bewältigung ihrer größten wirtschaftlichen Herausforderung: die Digitalisierung seit den 1990er Jahren. Arbeitsprozesse müssen neu gedacht, Zeitungen anders gedruckt, Informationen neu verpackt werden. Neue lokale Medien kommen auf den Markt, auf allen Kanälen mit neuen Angeboten für Werbekunden und für den Zeitungsleser, der immer mehr auf kostenlose Informationsangebote im Netz, über Radio und TV zugreifen kann. Geschäftsmodelle von früher taugen nicht mehr. Verlage sind oft genug schwerfällige Tanker, die das Tempo der jungen schlanken Startups nicht mitgehen können. Aber: Sie haben Geld und starke Marktpositionen. So unternimmt der Fränkische Tag 1997 mit einem Onlineportal die ersten Schritte in das digitale Zeitalter. Vier Jahre später wird die digitale Zeitungsproduktion eingeführt. 2008 geht das Portal inFranken. de als neue Dachmarke online. Und 2003 schon wird die Mediengruppe endgültig auf den Weg gebracht: Der Fränkischer Tag verschmilzt mit der Baumann-Gruppe aus Kulmbach. Damit gehören fortan die Bayerische Rundschau, das Coburger Tageblatt

und der Fränkische Tag derselben Verlagsgruppe an. Hinzu kommen der Buch- und Fachverlag sowie die Druckerei der Baumann-Gruppe. Sechs Jahre nach dem Zusammenschluss firmieren die Medienhäuser dann unter dem gemeinsamen Namen Mediengruppe Oberfranken und bekommen schon 2010 Zuwachs aus Unterfranken mit den Verlagshäusern Bad Kissingen und Kitzingen. Jetzt ist man schlagkräftig genug für die Zukunft: Verschiedene lokale oder fachspezifische Internetportale kommen dazu, mobile Seiten, Apps, eine Bezahlschranke für Stories im Netz. Neue Zeitschriften und Fachverlage werden Teil der Mediengruppe. Man hält Beteiligungen an lokalen Radiosendern. Aus der früheren Druckvorstufe hat sich eine eigene Werbeagentur entwickelt. Man berät Kunden ganzheitlich in Sachen Marketing. Und man tut noch viel mehr rund um das Thema Medien.

Mediengruppe Oberfranken GmbH & Co. KG Gründung: 2003/2009, Anfänge 1830 Sitz: Bamberg Leitung: Walter Schweinsberg Mitarbeiter: ca. 1000 Umsatz: nicht bekannt Branche: Medien Website: www.mediengruppe-oberfranken.de

Aber noch immer schlägt das Herz der Mediengruppe Oberfranken in den Redaktionen der Tageszeitungen.

DAS HERZ SCHLÄGT NOCH IMMER IN DEN REDAKTIONEN DER TAGESZEITUNGEN AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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IN ZAHLEN

Quelle: Statista 2016 Infografik: © einheuser.ardis&friends, 2016

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BENNO NOLL

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B E N N O   N O L L Der in Odenbach/Pfalz geborene Künstler studierte Illustration an den Fachhochschulen in Mainz und Bielefeld und arbeitete danach als freischaffender Künstler in Berlin. Benno Noll lebt inzwischen in Coburg und hat sein Domizil im Westpavillon im Hofgarten.

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BENNO NOLL

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AUSFLUGSTIPPS THÜRINGER WALD Dunkle Wälder, tiefe Täler und natürlich mittendrin der Rennsteig. Das ist der Thüringer Wald. Denkt man. Doch das Mittelgebirge nördlich von Coburg ist weit mehr als nur ein Natur- und Wanderparadies. Die Region zwischen Eisenach und Saalfeld, Ilmenau und Sonneberg nämlich hat eine ganze Reihe an außergewöhnlichen Sehenswürdigkeiten zu bieten. Ein paar wenige von ihnen haben wir einmal zusammengefasst. Tipps für besondere Ausflüge im Sommer oder Herbst. Direkt vor der Haustüre von Coburg.

OBERWEISSBACHER BERGBAHN Eine Zeitreise im eigentlichen Wortsinn kann man in Oberweißbach im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt antreten: die Oberweißbacher Berg- und Schwarzatalbahn ist zum einen ein einzigartiges historisches Stück Bahngeschichte aus den Jahren um 1900. Zum anderen transportiert der spektakuläre Teil aus dem

quasi einem Schienencabrio. Das ermöglicht noch bessere Ein- und Ausblicke in die Landschaft im und über dem Schwarzatal. Wer dagegen eher technikbegeistert ist, wird sich an der sogenannten Abt`schen Ausweiche erfreuen. Die nach dem Schweizer Eisenbahn-Konstrukteur Carl Roman Abt benannte passive Weiche ermöglicht Standseilbahnen ein problemloses Aneinander vorbeifahren an einer Ausweichstelle. Und im Maschinenhaus kann man sich für Führungen anmelden. www.oberweissbacher-bergbahn.com.

PUMPSPEICHERWERK GOLDISTHAL Mitten im Thüringerwald steht seit 2003 eine der größten Batterien Europas: das Pumpspeicherwerk in Goldisthal im Landkreis Sonneberg. Die Funktionsweise eines Pumpspeicherwerks ist denkbar einfach. Man pumpt Wasser nach oben in ein Becken und speichert damit dessen Energie. Die kann man wieder in Strom verwandeln, wenn das Wasser abgelassen wird und Turbinen antreibt. In Goldisthal reicht die angestaute Wassermenge von 12 Millionen Kubikmetern für bis zu acht Stunden Betrieb.

Bergbahn. Foto SchiDD.Wikimedia

Feengrotten. Foto JoMa.Wikimedia

Pumpspeicherwerk Foto SchiDD.Wikimedia

Skiflyer. Foto Rennsteig-Outdoor-Center

Jahr 1923, die Oberweißbacher Bergbahn, ihre Insassen bis heute von der sogenannten Obstfelderschmiede unten im idyllischen Schwarzatal hinauf auf die Höhen des Thüringer Waldes zur Bergstation Lichtenhain. Dabei bewältigt die einzige breitspurige Standseilbahn Deutschlands auf 1,4 Kilometern über 300 Meter Höhenunterschied, klettert also mit durchschnittlich 25% Steigung nach oben. Dort geht es dann noch einmal zweieinhalb Kilometer weiter bis zur Endstation nach Cursdorf. Die denkmalgeschützte Bahn ist eine echte Attraktion für die ganze Familie, die man noch dazu in einem restaurierten Originalwagen aus den Anfängen genießen kann. Und an schönen trockenen Sommerund Herbsttagen sogar in einem offenen Wagen,

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Mit der maximalen Energiespeichermenge von 8,5 Gigawattstunden könnten theoretisch 2800 2-Personen-Haushalte ein Jahr lang mit Strom versorgt werden. Mit einem Wirkungsgrad von bis zu 80 Prozent ist das Pumpspeicherwerk Goldisthal eine effektive Möglichkeit, in großem Stil Strom zu speichern. Gerade im Rahmen der Energiewende kann es durch Wind- oder Sonnenenergie erzeugten Strom aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Dafür waren allerdings große Eingriffe in die Natur notwendig. Um das obere Speicherbecken auf knapp 900 Metern Höhe anzulegen, wurde ein Berggipfel abgetragen. Es ist mit zwei 800 Meter langen Stollen mit den Maschinenräumen 350 Meter weiter unten in einem unterirdischen Hohlraum mitten im Berg

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LIFESTYLE verbunden. Unterhalb der Turbinen nimmt ein Becken das Wasser wieder auf. Dafür war der Bau einer Talsperre für insgesamt knapp 19 Millionen Kubikmeter Wasser notwendig. Doch diese gewaltigen Baumaßnahmen sind heute eben auch Anziehungspunkt vieler Touristen. Aussichtsplattformen an den Speicherbecken bieten grandiose Ausblicke über den Thüringer Wald. Um das Unterbecken führt ein 10 Kilometer langer Wanderweg. Und über ein Besucherinformationszentrum am Kraftwerk gelangt man in die künstlich geschaffenen unterirdischen Kavernen mit Turbinen und Trafostationen. Faszinierend nicht nur für Technikfreaks. Die Nachfrage nach Führungen ist groß. Ohne vorherige schriftliche Anmeldung lange vor dem geplanten Besuch geht gar nichts. www.goldisthal.de/pumpspeicherwerk.html.

SAALFELDER FEENGROTTEN

Bereits 1937 wurde in einem separaten Teil das „Emanatorium“ eröffnet, der erste Inhalationsheilstollen Deutschlands. Weitere Angebote gibt es heute im Feengrottenpark: der Abenteuerwald Feenweltchen, in dem Groß und Klein die magischen Reiche der Naturwesen erkunden können, und das Erlebnismuseum Grottoneum mit zahlreichen Mitmachstationen zu den Themen Bergbau, Tropfsteine und Minerale. www.feengrotten.de.

SKIFLYER STEINACH Einmal wie die Skisprunglegenden Matti Nykänen, Jens Weißflog oder Sven Hannawald einen Berg hinunterfliegen, das wär es doch, oder? Für ganz Mutige kann dieser Traum im Thüringer Wald wahr werden. Sogar im Sommer. In Steinach im Landkreis Sonneberg nämlich kann man ganzjährig die Bretter anschnallen und sich mit dem Skiflyer in die Tiefe stürzen. Natürlich nicht

Foto: Adobe.Stock

„Lägen diese Grotten nicht in Deutschland, sondern etwa in Amerika, wäre man längst aus aller Welt dorthin gepilgert!“ Dieses Zitat prägte 1914 Professor Ernst Haeckel, ein berühmter Naturforscher seiner Zeit, zur Eröffnung des Schaubergwerkes Saalfelder Feengrotten. Am 22. Dezember 1913 stießen Wissenschaftler auf den schönsten Teil der Saalfelder Feengrotten, den Märchendom. „Und als das Lampenlicht die Finsternis durchbricht – wer wagt

ten Schaugrotten der Welt“ besucht, die es bis ins Guinness-Buch der Rekorde geschafft haben. Im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen gelang es auch, die gesundheitsfördernde Wirkung in dem ehemaligen Bergwerksstollen nachzuweisen.

Thüringer Wald

da ein Wort zu sprechen! – Ehrfurchtsgebietend, feierlich, erhaben in unangetasteter Reinheit und Pracht stand der Märchendom mit seiner Gralsburg vor den Entdeckern“, schreibt Hermann Meyer, einer der Entdecker. Von der Schönheit des Märchendoms beeindruckt, fasste der Berliner Bankkaufmann Adolf Mützelburg den Entschluss, die alte Grube „Jeremias Glück“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Am 31. Mai 1914 eröffnete er das Schaubergwerk für den Besucherverkehr. Bemerkenswert ist, dass die Grotten bereits zur Eröffnung mit elektrischem Licht ausgeleuchtet waren, da zu jener Zeit noch nicht jeder Haushalt über elektrischen Strom verfügte. Seitdem haben über 18 Millionen Gäste die „farbenreichs-

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ohne Training: Anfahrt, Absprung und Flughaltung werden kurz trainiert, Skisprungshelm auf – dann geht’s aber auch schon los in Richtung Schanzentisch. Das erfordert schon eine gehörige Portion Mut. Auch wenn ein Stahlseil dafür sorgt, dass auf den Höhenflug kein Absturz folgt. So geht es dann 150 Meter durch die Luft. Danach wird man sanft abgesetzt und bekommt zur Belohnung ein Zertifikat. www.skiflyer.de.

Quellen: Pumpspeicherwerk Goldisthal, Deutsche Bahn, Oberweißbacher Bergbahn, Wikipedia, Saalfelder Feengrotten, Rennsteig Outdoor Center, www.coburg-rennsteig. de, eigene Recherchen.

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EINSENFEN

NICHT VERGESSEN!

iTVCoburg wünscht einen schönen Sommer. iTVCoburg - mehr als Fernsehen.


gesponserter Artikel

Martin Vögele

Buchhandlung RIEMANN

Buchempfehlung Mit „Portugiesisches Erbe“ ist Luis Sellano ein packender Krimi gelungen, der Sehnsüchte weckt nach Lissabon, dieser wunderbaren, verträumt-melancholischen Stadt am Meer. Henrik Falkner steckt nach dem Unfalltod seiner Frau in einer Lebenskrise und hat seinen Dienst als Polizist gerade quittiert, als er überraschend das heruntergekommene Haus samt Antiquariat seines Onkels in Lissabon erbt. In der Familie war der Onkel „Persona non grata“, weshalb Henrik ihn auch nie kennengelernt hat. Schnell stößt er auf Ungereimtheiten: Die illustren Bewohner des Hauses verbergen etwas, der Tod des Onkels wirft Fragen auf, ein Anwalt bietet ihm einen sehr hohen Betrag für das Haus. Außerdem wird Henrik beinahe Opfer eines Unfalls mit Fahrerflucht. Seine Ermittlerinstinkte erwachen und so begibt er sich auf Spurensuche durch die „weiße Stadt am Tejo“, die Henrik immer mehr in ihren Bann zieht und seinem Leben wieder einen Sinn verleiht. Aus dem ursprünglich geplanten Kurztrip wird ein längerer Aufenthalt… Luis Sellano nimmt uns mit nach Lissabon und atemlos begleiten wir den Protagonisten bei seinen Ermittlungen durch die brillant und lebhaft skizzierte Metropole am Atlantik. Es ist diese Mischung aus spannendem Krimi und der Beschreibung dieser tollen Stadt, die den besonderen Reiz dieses Romans ausmacht, dem hoffentlich weitere folgen werden… LUIS SELLANO

SONNE, MORD UND PORTUGAL ISBN: 978-3-453-41944-5, 14,99 Euro eBook: ISBN: 978-3-641-17854-3, 11,99 Euro Hörbuch: Download , Laufzeit: 9h 38 ISBN: 978-3-8371-3539-8, 21,95 Euro

Henrik Falkner weiß kaum, wie ihm geschieht, als er die malerischen Altstadtgassen von Lissabon betritt. Der ehemalige Polizist soll ein geheimnisvolles Erbe antreten: Sein Onkel hat ihm ein Haus samt Antiquitätengeschäft vermacht. Während Henrik mehr und mehr in den Bann der pulsierenden Stadt am Tejo gerät, entdeckt er, dass sein Onkel offenbar über Jahre hinweg Gegenstände gesammelt hat, die mit ungelösten Verbrechen in Verbindung stehen. Und kaum hat Henrik seine ersten Pastéis de Nata genossen, versucht man, ihn umzubringen. Henrik stürzt sich in einen Fall, der sein Leben verändern wird.

Foto: Dirk Kittelberger

Paperback, 368 Seiten:

LUIS SELLANO Luis Sellano ist das Pseudonym eines deutschen Autors. Auch wenn Stockfisch bislang nicht als seine Leibspeise gilt, liebt Luis Sellano Pastéis de Nata und den Vinho Verde umso mehr. Schon sein erster Besuch in Lissabon entfachte seine große Liebe für die Stadt am Tejo. Luis Sellano lebt mit seiner Familie in Süddeutschland.

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Fotos: Sebastian Buff

ÜBER DEN DINGEN DAS RANGE ROVER EVOQUE CABRIO

Gregor Mendel hätte seine wahre Freude gehabt: Man nehme zwei verschiedene Fahrzeugarten und kreuze sie miteinander. Dann schaut man sich das Ergebnis an und stellt fest, was wie vererbt worden ist. Das gilt für das Range Rover Evoque Cabrio aus dem Hause Land Rover, das seit Juni auf dem Markt ist. Er vereinigt Merkmale eines Cabrios mit denen eines Geländewagens. Herausgekommen ist eine neue Art des Autofahrens. Ganz schön hoch für ein offenes Fahrzeug, ganz schon schick für einen Geländewagen. Es ist eben von beidem etwas, das neue Evoque Cabrio, in diesem Fall von beiden Elternteilen das Beste, und manchmal ist das Ganze ja sogar noch mehr als die Summe seiner Teile. Die schöne Linienführung nämlich kommt bei der Oben-Ohne-Version noch besser zur Geltung als bei der bedachten Variante. Auf jeden Fall ist das aufgebockte Cabrio beziehungsweise der offene Offroader ein echter Hingucker. Wer lieber unbeobachtet zum Cappuccino ins Straßencafe fährt oder sich im Wald unauffällig auf die Pirsch machen möchte, der sollte die Finger vom Evoque Cabrio lassen. Noch dazu bei der Farbe unserer Testversion, die beim Cruisen mit der Abendsonne um die Wette leuchtet.

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Dabei ist, was so bullig-beschwingt daherkommt, gar nicht so unkompliziert in der Herstellung. Wie nämlich soll ein Offroader die nötige Festigkeit haben ohne ein Dach und die entsprechenden Säulen? Und wie soll ein Cabrio mit einem Gewicht von 2 Tonnen die Sicherheit gewährleisten, dass es seine Passagiere im Fall des Falles nicht unter sich begräbt? Die Konstrukteure scheinen es hinbekommen zu haben, einige Versteifungen machen das Fahrzeug gerüstet auch für Ausflüge in unruhiges Gelände, und für den Notfall ist der Rahmen der Frontscheibe dicker als üblich und es gibt Überrollbügel, die aber nur im Überschlagsfall innerhalb der Dauer eines Augenzwinkerns in Erscheinung treten. Das gibt ganz einfach ein gutes sicheres Gefühl beim offenen Fahren. Der von uns getestete TD4 schaufelt mit einer 9stufigen Automatik 180 PS aus einer 2-Liter-Maschine auf die Straße. Das ist für einen 2000 Kilogramm Boliden nicht überdimensioniert, und er braucht auch über 10 Sekunden von Null auf Hundert, bei knapp 200 Stundenkilometern ist das Oben-Offen-Offroad Erlebnis auch vorbei, aber der Evoque will ja auch nicht rasen, sondern beeindrucken und seine Fähigkeiten auch in unebenem Gelände unter Beweis stellen. Das schafft er dann auch dank Vierradantrieb und einiger Technologien ganz gut. Vor allem nimmt das Geländecabrio genauso wie sein bedachter Bruder alle Bo-

denunebenheiten auch größerer Art relativ gelassen hin, ermöglicht seinen bis zu vier Insassen einen stylischen Ausritt ins Grüne mit Panoramablick. Auch im Innenraum glänzt das Evoque Cabrio mit Bestnoten. Erstklassige Verarbeitung, die Sitze bieten festen Halt, alles ist da, wo es hingehört. Gut, das kann man bei einem Preis von über 70000 Euro für die getestete Version auch erwarten. Die bietet aber dann auch fast alles, was man 2016 als Ausstattung so bieten kann. Kurz und gut: das Evoque Cabrio ist ein Auto für viele Gelegenheiten: Oben-ohne-schautmal-hier-bin-ich-Cruisen durch die City genauso wie beschwingtes Dahingleiten mit der Liebsten über Land, gelegentliche Abstecher ins Grüne nicht ausgeschlossen.

AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


AUTOTEST

TECHNISCHE DATEN

Range Rover Evoque Cabrio TD4 180 PS Automatik Verbrauch (Stadt/Land/Mix)

(Stadt/Land/Mix) 6,7/5,1/5,7 Liter Diesel/100 KM

Hubraum

1999 ccm

Leistung kW/PS

132 kW/180 PS

Fahrleistungen

Höchstgeschwindigkeit 195 km/h, in 10,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h

Preis

Testmodell (inkl. Pakete/ Sonderausstattung) 73 405,00 Euro/ Grundpreis Cabrio 51 400,00 Euro

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Birgit Eibl

Nägleinsgasse 1 96450 Coburg

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INHALT

Wohnen in der Innenstadt

Ein Projekt der Unternehmensgruppe Müllherr

BEZUGSFERTIG 2016

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MUSTER

AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


INHALT

Ein Standort mit Geschichte… Während der Gründerzeit wurde oberhalb des Hahnwegs um 1880 die „Vereinsbrauerei“ Coburg erbaut (Coburg besaß einst 30 Brauereien). Sie war später Namensgeber für das ganze Areal. In der ehemaligen Gaststätte wurde 1920 das Union Theater (Kino) eingerichtet, die anderen Baulichkeiten sind zu Wohnungen umgebaut und durch Neubauten ergänzt worden. Hier befanden sich früher auch das erste Arbeitsamt und eine Jugendherberge. In den Kellern hatte der Alpenverein der Sektion Coburg seine erste kleine Kletterhalle. Seit 2001 befindet sich an der Stelle des UNION – Theater ein modernes Multiplex – Kino.

Lage …für fünf zentrumsnahe Stadtvillen Direkt am Ausläufer des Festungsberges, in ruhiger Wohnlage und trotzdem absolut zentrumsnah entsteht die Wohnanlage mit Stadtvillen-Charakter. Fünf Gebäude in verschiedenen Abmessungen bieten auf über 3400qm insgesamt 44 Wohneinheiten mit unterschiedlichen Zuschnitten. Damit wird attraktiver Wohnraum geschaffen für alle Altersschichten, vom Studenten, über Familien und aktive Senioren. Durch die energieeffiziente Bauweise, eine hochwertige Ausstattung und vorhandene Autostellplätze durch die Tiefgaragen, erfüllen die Stadtvillen genau die Anforderungen an zeitgemäßes Wohnen, das in Coburg dringend gesucht wird.

Beratung und Verkauf CORESALE Gewerbeimmobilien GmbH & Co. KG Löwenstraße 13 · 96450 Coburg Tel.: +49 9561 7941 0 E-Mail: info@coresale.de www.coresale.de Investor und Bauträger WEBER GmbH Frohnlacher Str. 1 · 96242 Sonnefeld

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WOHNUNGEN IN KÜRZE ZU BESICHTIGEN AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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ADVERTORIAL

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AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


IMPRESSUM

IMPRE SSUM Coburger – Das Magazin Ausgabe 16/Juli 2016 Vierter Jahrgang Erscheinungsweise sechsmal jährlich Auflage 3500 Stück www.coburgermagazin.de Verlag: Das Magazin Verlagsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt) Bockenheimer Landstr. 108 60323 Frankfurt am Main Telefon: 01523.404.3021 info@das-magazin-verlag.de

WIR SIND COBURGER | DA S M AG A ZIN Wolfram Hegen Herausgeber und Chefredakteur

Peter Einheuser

Herausgeber und stv. Chefredakteur

Heidi Schulz-Scheidt Freie Mitarbeiterin und Lehrerin

Wolfram Porr

Freier Mitarbeiter und Journalist

Herausgeber: Peter Einheuser und Wolfram Hegen Chefredakteur: Wolfram Hegen Stv. Chefredakteur: Peter Einheuser

2

Jahre

Frederik Leberle Schauspieler und Freie Mitarbeiter

Sebastian Buff

Fotograf und freier Mitarbeiter

redaktion@das-magazin-verlag.de

Weitere Autoren dieser Ausgabe: Wolfram Porr Heidi Schulz-Scheidt Frederik Leberle Fotografen dieser Ausgabe: Sebastion Buff Illustrationen / Cartoons: Peter Einheuser Layout / Grafik / Gestaltung / Blatt einheuser.ardis&friends, Frankfurt Anzeigengestaltung: einheuser.ardis&friends, Frankfurt Anzeigenvertrieb: anzeigen@das-magazin-verlag.de Telefon: 01523.404.3021

PREMIERE. BEWEGTE BILDER. Dieser COBURGER ist eine Premiere. Oder ein Teil dieses COBURGERS. Unsere Fotostrecke mit Bildern aus dem Ballon ist nämlich zum ersten Mal eine Koproduktion mit dem lokalen TV-Sender

Die kreative IT-Basis Ihrer Firma.

ITVCoburg. Dort gibt es den Film zur Ballonfahrt über das Coburger Land zu sehen. Dort bekommt man auch einen Eindruck, was im Ballon wirklich los war. Diese Ballonfahrt nämlich war gleich in

Es gilt die Anzeigenpreisliste 01/2016 Druck: Louis Hofmann Druck- u. Verlagshaus GmbH 96242 Sonnefeld/Coburg Preis: kostenlos

Briefe an die Redaktion: briefe@das-magazin-verlag.de

zwei weiteren Hinsichten eine Premiere: Zum ersten Mal ist eines unseres Teams bei der Arbeit in Not geraten, besser in „Luftnot“: Der Ballon fuhr nicht in die Richtung wie geplant. Am Ende der Fahrt war kaum mehr ein Platz zum Landen. Also

www.ewc-web.de

visierte man das Dach der Therme Bad Colberg in Thüringen an, nahezu die letzte Möglichkeit, denn danach lagen nur noch Wald und Berge vor den Passagieren. Schließlich landete man zwischen Bäumen im dortigen Park. Eine Grenzerfahrung für das iTVCoburg/COBURGER-Team Sebastian Buff und Julian Uebe, und auch für den Piloten. „So was ist mir noch nie passiert“, gab er zu. Am Ende waren alle froh – und wir haben tolle Bilder.

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Telefon 09531 4123 COBURGER | DAS MAGAZIN

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MONACO FRANKE

DER MONACO FRANKE NEUES AUS DER HAUPTSTADT „Die Festlegung kann so oder ganz anders ausfallen. Das ist immer so bei mir.“ Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer, von dem dieses Zitat stammt, ist ja dafür bekannt, dass er auch schnell mal seine Meinung ändert, wenn es ihm politisch nutzt. Opportunismus ist allerdings keine Eigenschaft, die einem Staatsoberhaupt zu eigen sein sollte. Mit seiner Ankündigung, für eine zweite Amtszeit aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung zu stehen, hat Joachim Gauck die knapp ein Jahr vor der nächsten Bundestagswahl schon im Vorwahlkampf befindlichen Parteien ganz schön in die Bredouille gebracht. Nein, keine Angst! Horst Seehofer hat nach allem, was man weiß, keine Ambitionen auf den Posten. Die Nachfolgediskussion ist aber längst entbrannt. Von vernünftigen bis zu abwegigen Vorschlägen war schon so ziemlich alles dabei. Der Monaco findet ja: Jetzt muss endlich mal ein Franke ran!

vorgeschlagen werden. Der- oder diejenige sollte einen guten Leumund und – falls zum Beispiel die Queen mal wieder zu Besuch kommt - eine gute Kinderstube haben und sich nichts Schlimmes zu Schulden haben kommen lassen. Also Arme hoch: Wer kennt jemanden, der in der Bundesversammlung sitzt und da was deichseln kann? Joachim Gauck, so die allgemeine Wahrnehmung, hat dem Amt seine Würde zurückgegeben, die sie aufgrund der mehr oder weniger unrühmlichen Rücktritte von Horst Köhler und Christian Wulff eingebüßt hatte. Freiheit und Verantwortung waren seine große Themen. Wie vor ihm Theodor Heuss, Gustav Heinemann oder Richard von Weizsäcker hat er eine Amtszeit geprägt. Das erhoffen sich die Deutschen auch von der kommenden Nummer eins im Staate. Die Liste möglicher fränkischer Kandidaten jedenfalls ist hochkarätig. Da wäre zum Beispiel Gabriele Pauli. Die einstige Fürther Landrätin bringt beste Voraussetzungen für den Posten mit, z.B. gleich aus zwei

von der „Wetten, dass …“-Couch - extrem charmant sein. Er hat ein Herz für Kinder und eine Schwäche für Benachteiligte (Peter Maffay …) und trägt selbst seine angegrauten langen Haare mit geradezu präsidialer Würde. Okay, Gute-Laune-Onkel Gottschalk hat keinerlei politische Erfahrung und kommt sicherlich nicht so pastoral daher wie seine Vorgänger Gauck oder Johannes Rau. Dafür könnte er wohl mit Stimmen aus allen politischen Lagern rechnen. Wenn man sich die Liste der tatsächlich diskutierten Kandidaten so ansieht, müssen sich die Franken wahrlich nicht verstecken. Dass Bundestagspräsident und Bierbotschafter Norbert Lammert gehandelt wird, ist bekannt. Ob er als CDU-Mitglied aber mit der erforderlichen Mehrheit der Stimmen rechnen könnte, ist bei der voraussichtlichen Zusammensetzung der Bundesversammlung, die den Bundespräsidenten

Denn einen Bundespräsidenten aus Franken – das gab es seit 1949 noch nicht. Überhaupt hat es erst ein (Nieder-) Bayer an die Spitze der Bundesrepublik geschafft – das war der Landshuter Roman Herzog, der mit dem „Ruck“. Unter den elf Bundespräsidenten gab es große Redner und rhetorisch weniger talentierte Zeitgenossen, Wanderund Bürgerpräsidenten, Schwaben, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und zuletzt sogar einen Pfaffen aus Ostdeutschland! Die Franken blieben aber stets außen vor, wenn es um die Entscheidung ging, wer ins Schloss Bellevue (und vorher in die Bonner Villa Hammerschmidt) einziehen durfte. Aber warum eigentlich? An den Kriterien, die ein Bundespräsident oder eine Bundespräsidentin erfüllen sollte, kann es nicht liegen. Er/Sie sollte souverän und meinungsstark sein (etzadla sooch halt amoll wos’d maanst!), sollte verbinden, versöhnen, ausgleichen (glabbd ma’s, des werd scho widder!“), auch mal aufrütteln, mahnen (Gell, a wenig ruhig, Freindla!) und klare Kante zeigen können (Obochd, iech zeich Euch fei gleich, wo der Frosch die Logg’n hod!) , vor allem aber natürlich repräsentieren. Immerhin: Daniela Schadt, Lebensgefährtin von Joachim Gauck, ist so etwas wie eine fränkische „First Lady“. Zwar ist sie im hessischen Hanau geboren, hat aber seit 1986 in der – wie passend - ehemaligen Königsstadt für die Nürnberger Zeitung gearbeitet. Und des sooch iech Euch: Wer’s mehr als sei halb’s Leben lang in Franggn ausg’halten hat, der is aaner vo uns! Aber im Ernst: Wenn die CSU sogar schon ihre Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt als Kandidatin ins Gespräch bringt, dann ist, frei nach Christian Wulff, der Rubikon überschritten, dann sollten die Franken dem nicht nachstehen. Und die Hürden dafür, einen geeigneten Kandidaten ins Rennen zu schicken, sind nicht wirklich hoch. Jede(r) Deutsche, der/die das 40. Lebensjahr vollendet hat, ist wählbar. Er oder sie muss nur von irgendeinem Mitglied der Bundesversammlung

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Basketball, Handball, alles Bundesliga hier in Oberfranken. Nürnberger tun mir scho leid....

Parteien politische Erfahrung, ist aber inzwischen parteilos (ein ganz großer Vorteil!) und macht – egal ob im Dirndl, im Sylter Friesennerz oder in Leder - eine gute Figur. Zudem ist sie eine Frau und hat eindrucksvoll bewiesen, dass sie wenn’s sein muss auch unangenehm sein und sich einmischen kann (wovon vor allem Edmund Stoiber ein Lied singen kann). Apropos singen: Wer singen und musizieren kann („lustig schmettert das Horn!“) oder auch gerne wandert, der bringt von vorneherein schon mal einiges für das höchste Amt im Staate mit. „Soft skills“ nennt man das heutzutage in Recruiterkreisen. Auch heißt es immer wieder, ein Bundespräsident müsse moderieren können. Und wer wäre dafür nicht besser geeignet als Thomas Gottschalk?! Der Kulmbacher hat jahrzehntelange Moderationserfahrung und sitzt definitiv nicht nur beim Schwager vorn! Er ist witzig, weltoffen und wortgewaltig, spricht fließend Englisch und kann – das wissen wir

Leslie Ann Murrey 2015

im Februar 2017 wählen wird, fraglich. Gleiches gilt für andere bekannte Politköpfe wie Wolfgang Schäuble (CDU), Gerda Hasselfeldt (CSU) oder Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD). Also: Ein Franke für Berlin, und „Des grieng ma scho hi“ wäre das neue „Wir schaffen das“! Ganz erstaunlich ist, dass sich erneut der Name Margot Käßmann hält. Schon vor fünf Jahren war die ehemalige Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland in der Verlosung. Damals war ihre Alkoholfahrt, wegen der sie von all ihren Ämtern zurückgetreten war, aber wohl noch zu frisch, um reelle Chancen zu haben. Und song ma moll so: Da könnte dann genauso gut Günther Beckstein antreten, DER kann sogar nach zwei Maß Bier noch fahren! Schätzla, schau wie iech schau! AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016


AUF EIN WORT ...zu der AFD geh ich net...

Mörder an der Tastatur ...zu den Linken eh net..

Gastbeitrag von Hans G. Tanner Es ist schockierend, wenn man in nur wenigen Wochen gleich mehrfach damit konfrontiert wird, welche Blutspur ein einzelner Amokläufer oder Attentäter in kurzer Zeit ziehen kann. Inmitten unserer ansonsten so friedlichen zivilen Gesellschaft. Nicht gerade in Coburg oder Bamberg. Aber in Städten, die von uns nur in wenigen Stunden erreichbar sind und die gefühlt so aussehen, wie die unsere. Unsere Hilflosigkeit in solchen Augenblicken setzt ein, nachdem die schrecklichen Bilder, die wir über Fernsehnachrichten oder Internet erfahren haben, nicht mehr direkt vor unseren Augen stehen. Und nach der Hilflosigkeit folgt bei vielen dann die Wut. Die Wut auf den arbeitslosen rechten Dummkopf, der die Kölner Oberbürgermeisterkandidatin Reker versuchte, mit einem Stich in den Hals zu töten und nur durch Zufall erfolglos blieb. Wut auf die Islamisten, die in Brüssel 32 unschuldige Menschen weggebombt haben. Wut auf den sinnlos blöden BREXIT-Fanatiker, der eine junge Politikerin regelrecht abgeschlachtet hat.

...schadet doch nur...

Einige bringen ihre Wut dann in hasserfüllten Beschimpfungen und Rachewünschen zum Ausdruck, die ihren Weg in die Öffentlichkeit über Leserbriefe, Online-Kommentare unter Presseartikeln und letztlich am häufigsten auch durch die Sozialen Medien finden. Direkt aus dem Gefühl ohne Umweg über das Gehirn in die Tastatur. Oft mit abstrusen Rechtschreibund Grammatikfehlern am Rande der Legasthenie. Aber eben nicht nur. Schlimmer sind die, die subtil mit wohlgesetzten Worten die Gefühle der Wutschreiber aufnehmen und in mundgerechte Sprachbausteine übersetzen. Sprüche-Produzenten meist aus rechtem aber nicht so selten auch linkem Lager auf der Suche nach Anhängerschaft, die sich entweder dumpf-brütend oder naiv-engagiert schnell hinter den neuen Wahrheiten sammeln. Denn das Weitertragen banaler Scheinwahrheiten ist oft das eigentliche Ziel der Verführer. Wer sich fragt, wo all die Straßenmörder dieser Zeit herkommen, muss meistens nicht lange suchen. Hirnwäsche war schon immer dort am leichtesten, wo ein Hirn noch nie richtig aufgeladen war. Wo die richtigen Sätze auf das passende Gefühl treffen.

...wenns aber ein Freibier hätten....

Rattenfänger leben von der echten oder freiwilligen Naivität ihrer Jünger. Sie haben es heute leichter als je zuvor. Über die verfügbaren Medien können sie eine große Schar an Nachplapperern erzeugen, die ihren Sätzen folgt, wie früher die Kinder in Hameln den Flötentönen. Irgendwann, wenn wieder jemand aus ihrem geistigen Umfeld über die Stränge und andere Menschen totschlägt, ersticht oder zerbombt, waren sie es auch gewesen. Nicht nur der einzelne Täter vor Ort, sondern auch die Person am Mikrofon oder der Tastatur, die erst das Feld bereitet. Auch die, die zusehen und schweigen, auch in mancher Moschee und der ein oder anderen PEGIDA-Versammlung. Denn sie wissen, was sie tun oder unterlassen. Es war Alexander Gauland, der den NPD-Spruch, „heute sind wir tolerant und morgen fremd im eigenen Land“, mit größtmöglichem Geschick weiterverbreitet hat, indem er den Dummkopf spielte. Das ist höchst professionelles Rattenfängertum. Bedauerlich, wie viele darauf reinfallen. Wenn wir Fremden jedoch zeigen, dass zur Freiheit der Rede auch die Verpflichtung zum Lernen und Denken gehören, muss sich niemand Sorgen machen.

An dieser Stelle laden wir Coburger und Nicht-Coburger, Zu- oder Abgereiste herzlich ein, ihre Meinung kundzutun. Hier in unserem Magazin. Wenn Sie etwas zu sagen haben, sprechen Sie uns an.

AUSGABE 16 / JULI/AUGUST 2016

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Coburger | Das Magazin erscheint wieder im September 2016. Anzeigenschluss ist der 27. September 2016

SCHLUSS MIT FARBE

Unser Gau soll schöner werden.

BIERGARTENSAISON

POLITISCHE WITZE SIND HIER DAS LETZTE.... Im Düsseldorfer Landtag in den siebziger Jahren bezeichnete ein Politiker die Hälfte der Anwesenden als „Idioten.“ Der Landtagspräsident verlangt eine Entschuldigung des Redners. Dieser tritt erneut auf und sagt:“Ok, ich nehme es zurück: Die Hälfte der hier Anwesenden sind keine Idioten.“ (NRZ)

Was ist der Unterschied zwischen Windeln und Politikern? – Es gibt keinen! Beides muss man regelmäßig wechseln… aus demselben Grund. (unbekannt)

Gabriel zu Oppermann: „Ich will in diesem Laden keine Jasager um mich haben. Wenn ich Nein sage, sollen alle anderen auch Nein sagen.“ (aus einem Grünen Abgeordnetenbüro, Berlin)

„Was ist das: Es hat 80 Zähne und 4 Beine? Ein Krokodil! - Und was ist das: Es hat 8 Zähne und 52 Beine? - Das SED-Politbüro!“ (aus der ehem. DDR)

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96450 Coburg · Mohrenstr. 31 Tel.: 0 95 61 / 98 49 96472 Rödental · Bürgerplatz 8 Tel.: 0 95 63 / 26 26 www.optikmueller24.de


Verstehen ist einfach. Wenn man einen Finanzpartner hat, der die Region und ihre Menschen kennt. Sprechen Sie mit uns.

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Coburger - Das Magazin #16  
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