business im Breisgau

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Wir t scha f t

Mai 2017 Ausgabe Nr. 14 gratis

Im Fokus:

Automobil

n Neues vom heilige Blechle

Freiburg beschließt Rekord-Haushalt Stadträte trotz Neuverschuldung in Spendierlaune Tüftler

Start-ups

Events

Am Batzenberg werden Bikes aus Bambus gebaut

Neue Plattformen made im Breisgau

1,4 Millionen LEDs: Zu Gast in der neuen Europapark-Arena



Editorial

Die Wirtschaft brummt Freiburg verabschiedet Rekordhaushalt

D

ie Wirtschaft in der Bundesrepublik boomt. Trotz Brexit, Trump und Flüchtlingswellen. Ende April waren in Deutschland 2,569 Millionen Menschen arbeitslos. Das ist der niedrigste AprilWert seit der Wiedervereinigung. Nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung wird das Bruttoinlandsprodukt im laufenden Jahr um 1,4 und im kommenden um 1,7 Prozent wachsen.

Foto © ns

Ungeteilt ist die Freude der Unternehmer aber nicht: Denn es gibt auch einen Höchststand an offenen Stellen: Bundesweit waren Ende April 760.000 Arbeitsplätze unbesetzt. In Freiburg sowie den Landkreisen Emmendingen und Breisgau-Hochschwarzwald warten aktuell knapp 5000 Jobs auf jemanden, der arbeiten, der anpacken will. Der chilli-Verlag, selbst einst Sieger beim Jobmotor-Wettbewerb der Badischen Zeitung, startet mit dieser Ausgabe seines Wirtschaftsmagazins business im Breisgau also zur rechten Zeit die neue Rubrik „Arbeitsmarkt & Stellenmarkt“. Auf diese Märkte werden wir ab sofort in jeder Ausgabe speziell eingehen und bieten mit einer Auflage von 25.000 Exemplaren damit für Firmen, die ebenfalls offene Stellen besetzen wollen, eine sehr gute Plattform. Eine gute Plattform, ja für kommunale Gemeinderäte die Plattform überhaupt, ist die Verabschiedung der Haushalte.

Das Freiburger Gremium hat soeben den nächsten Rekordhaushalt verabschiedet. 70 Millionen neue Schulden stehen zu Buche. Und noch einmal 37 Millionen Euro muss die Stadt aus Grundstücksverkäufen finanzieren. Dennoch gaben die Fraktionen auf der Zielgeraden noch einmal 2,4 Millionen Euro mehr aus als die Rathausspitze es wollte. Man kann durchaus kritisieren, dass das nicht generationengerecht ist. Man kann aber auch argumentieren, dass in diesen Zeiten des billigen Geldes die mächtige Investitionsoffensive mit 170 Millionen Euro am langen Ende Steuergeld spart, weil die Baukosten ständig steigen und alles, was jetzt liegen bleibt, später viel teurer wird. Um aber die ganzen Bauprojekte abzuwickeln, bräuchte auch das Rathaus mehr Personal. Doch auch die kommunalen Verwaltungen haben aktuell Tausende offene Stellen. Die Wirtschaft könnte noch mehr boomen, wenn diese besetzt würden.

Wir wünschen anregende Lektüre. Herzlichst,

Ihr Lars Bargmann Chefredakteur 5 Anzeige

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Inhalt Immobilien

Titel

Teure Mieten treiben Studierende ins Umland

Die Stadt Freiburg hat einen neuen Rekordhaushalt verbschiedet. So viel Einnahmen wie nie, so viel Ausgaben wie nie. Der Zoff um die Erhöhung der Gewerbesteuer mündete in einen Kompromiss. 6 -7

Unternehmer

IT-Branche

Neubauten

Das große Hickhack um Ciber ist beendet: Der neue Eigentümer der Europa-Sparte kommt aus München 5

Der Smart Green Tower wird doch noch real

Verbände

Der globale Siegeszug der Intersolar 15

Einigkeit. Reicht. Freiheit. Warum der WVIB sich zum ersten Mal mit einer politischen Kampagne zu Wort meldet 8- 9

Start-ups Freiburger gründen Airbnb des Sports 10

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Messewesen Handel Einkaufen 2.0: Regionale Gelassenheit trotz Amazon Fresh 16

Gründer

Neues Flirtportal made im Breisgau 11

Smart Grass Bicycles – Bambus-Bikes vom Batzenberg 17

Hintergrund

Familienunternehmen Die Roeder GmbH aus Emmendingen zwischen Tradition und Innovation 18 Schon 450 Kunden beim Lastenvelo in Freiburg

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Menschen und Meldungen Warum die Familie Mack mehr als 10 Millionen Euro in eine neue Eventhalle investiert 12 -13

Kongresse Was Tagungen für die Region wirtschaftlich bedeuten

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Privatbrauerei Waldhaus eilt von Rekord zu Rekord / Vida lebt / Testo mit Umsatzrekord / ebm-papst kauft Betrieb in Italien / Trumpf baut in Teningen / Der Optimismus der Schwarzwald AG / Pfizer investiert in Freiburg / Sick AG im Höhenflug / Handwerk zuversichtlich / Stadtbau erhöht 1800 Mieten / Baden IT wächst rasant 22 -25

Herausgeber: chilli Freiburg GmbH Neunlindenstr. 35, 79106 Freiburg fon: 0761-292 70 60 | fax: 0761-292 70 61 bargmann@chilli-freiburg.de www.business-im-breisgau.de

Die edlen Liqueure des Baron von Droste zu Hülshoff

Geschäftsführung: Michaela Moser (ViSdP) Redaktion: Lars Bargmann Autoren dieser Ausgabe: Tanja Bruckert, Till Neumann, Dr. Stephan Pawellek, Philipp Peters, Erik Herr, Isabel Barquero

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Automobil Wie sich der älteste Volvo-Händler in Freiburg fit für die Zukunft macht 28 70 Jahre Schmolck: Wo das Wiedeking-Diktum gelebt wird Automobil-Messe: So war’s bei der 35. Auflage in Freiburg

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Flottenmanagement made in Denzlingen: der fuhrpark-guide

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Titelsammler: BBS extrem fleißig

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Arbeits- & Stellenmarkt Frühjahrsschwung lässt Arbeitslosenzahlen sinken

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Gesucht: Arbeitnehmer. Fast 5000 offene Stellen in der Region

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Stellenanzeigen

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Fakten bitte Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen

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IMPRESSUM business im Breisgau

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Titel: © istock.com/sorbetto Fotograf: Neithard Schleier Grafik: Anke Huber Lektorat: Beate Vogt Anzeigen: Jonas Stratz (Leitung), Christina Miklusch, Tina Fehrenbach


IT-Branche

Das Hickhack um Ciber Übernahme, Pleite, Übernahme – und 110 gestrichene Jobs

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Foto: © bar

ür die deutschen Mitarbeiter des US-amerikanischen Softwarekonzerns Ciber ist 2017 ein bewegtes Jahr. Sie haben viel erlebt. Dass das Europageschäft für Ciber nicht gut lief zuletzt, war ein offenes Geheimnis. Also verkündete der Konzern, das Segment abzustoßen. Darunter auch den Standort Freiburg, der auf seinem Höhepunkt mal mehr als 200 Mitarbeiter hatte. Der Verkauf wurde bekannt gegeben, dann wegen der Insolvenz von Ciber gestoppt und geht nun doch über die Bühne. Käufer ist dieselbe Firma, mit der sich Ciber bereits einig gewesen war. Hin und her, vor und wieder zurück – war das wirklich notwendig? Anfang Februar war die Welt am Fahnenbergplatz noch in Ordnung. Dort sitzt die deutsche Ciber-Tochter. Die insgesamt 280 Mitarbeiter in Deutschland erlösten zuletzt einen Umsatz von 90 Millionen Euro. Doch weil der Konzernmutter in den USA das Geld ausging, stellte man die deutsche Tochter zum Verkauf. Mit vermeintlichem Erfolg: Der Münchener IT-Konzern Allgeier schnappte zu. Am 4. Februar wurde das Geschäft verkündet. Innerhalb der nächsten Wochen werde man Nägel mit Köpfen machen. Doch dazu kam es nicht. Denn als der Deal gerade über die Bühne gehen sollte, drehten die Amerikaner ihren europäischen Dependancen den Geldhahn zu. Ciber meldete Ende März Insolvenz für seine deutsche Tochter an. Allgeier stoppte die Übernahme – vorerst. Denn nur etwa eine Woche später verkündeten Ciber und Allgeier dann erneut Vollzug. Allerdings über den Insolvenzverwalter aus Köln und mit einem bitteren Bei-

geschmack: Mehr als 110 Menschen verlieren ihre Arbeitsplätze. Nach der Übernahme bleiben nur 170 Jobs erhalten. Schon der Verkauf im Februar erfolgte nicht aus freien Stücken. Ciber brauchte das Geld, um einen Kredit bei der US-Bank Wells Fargo zurückzuzahlen. Bereits im November hatte Wells Fargo dem IT-Unternehmen ein Ultimatum gestellt. Dies wurde zwar noch mal verlängert, doch ohne anhaltenden Erfolg. Insgesamt brauchte Ciber bereits damals deutlich mehr als die maximal acht Millionen Euro, die Allgeier zu zahlen bereit war. Es war in etwa so, als würde man versuchen, eine Kiste Bier mit dem Geld fürs Leergut zu kaufen. Die Erlöse aus

Die Eskalation war vorherbestimmt dem Verkauf von Ciber Deutschland kamen nie auch nur in die Nähe dessen, was Ciber Wells Fargo schuldete. Die Eskalation war vorherbestimmt. Das Europa-Geschäft war schon länger ein Sorgenkind des SAP-Spezialisten. Zuletzt waren die Umsätze hier um fast 30 Prozent eingebrochen. Sein Geschäft in Norwegen, Schweden und den Niederlanden hat Ciber darum bereits verkauft. Der Niedergang zeigt sich besonders eklatant am Standort Freiburg. Vor drei Jahren hatte das Unternehmen hier noch mehr als 200 Mitarbeiter. Die Niederlassung im Hochhaus am Fahnenbergplatz war die stärkste in Deutschland. Zuletzt ging es aber deutlich bergab. Anfang Februar waren in Freiburg noch 50 feste und 20 freie Mitarbeiter beschäftigt. Nach der Insolvenz gab es den nächsten Aderlass. Führungskräfte und ande-

Solitär am Fahnenbergplatz: Hier ist der Ciber-Sitz in Freiburg. re Mitarbeiter verließen das sinkende Schiff. Ciber drohte auszubluten. Aktuell sind vor Ort nur noch etwa 40 Mitarbeiter beschäftigt. Ein eindeutiges Bekenntnis zum Standort Freiburg fehlt noch. Firmensprecher Christopher Große sagt: „Teil unseres Kaufangebots im Februar war, alle Standorte zu erhalten. Ich gehe davon aus, dass sich daran nichts geändert hat.“ In Freiburg sollen künftig unter dem Namen Allgeier alle Leistungen angeboten werden. Verkauft sind auch die Büros in Köln, Sulzbach im Taunus und Heidelberg, Sitz der Deutschland-Verwaltung. Allgeier erlöst mit 6300 Mitarbeitern einen Umsatz von zuletzt knapp einer halben Milliarde Euro. Die Unternehmensgruppe mit Hauptsitz in München hat mehr als 100 Niederlassungen allein im deutschsprachigen Raum. Daneben ist das Unternehmen im übrigen Europa, den USA, Mexiko, Singapur, Vietnam und in Indien vertreten. Philipp Peters

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Kommunen

Mehr Steuern: Unternehmen sollen mehr Geld in die Stadtkasse einzahlen.

Zoff mündet in Kompromiss Im Freiburger Rekordhaushalt wird gegen vielstimmige Kritik auch die Gewerbesteuer erhöht

Illustration: © istock.com/sorbetto

A

bkassieren bei der Wirtschaft: Der Freiburger Gemeinderat hat in seinem neuen Rekordhaushalt mit einem Volumen von fast zwei Milliarden Euro auch eine Erhöhung der Gewerbesteuer beschlossen – der Hebesatz klettert um 10 Punkte auf 430 Prozent. Das soll ab kommendem Jahr 3,4 Millionen Euro mehr in die Kasse von Finanzbürgermeister Otto Neideck (CDU) spülen. Aufs Haushaltsjahr 2018 gerechnet, sind das rund 3,6 Promille der Einnahmen. Auf der anderen Seite gaben die Fraktionen kurz vor Schluss noch einmal 2,4 Millionen Euro mehr aus als geplant. Die Erhöhung der Gewerbesteuer (siehe Infobox) war einer der bittersten Zankäpfel in den Debatten: Nachdem

die Grünen angesichts der Neuverschuldung von mindestens 70 Millionen Euro mit einer sofortigen Erhöhung um 20 Punkte auf 440 Prozent vorgeprescht waren – was Freiburg in Baden-Württemberg zum teuersten Standort überhaupt gemacht hätte –, Unabhängige Listen (UL) und

»Das völlig falsche Signal« „Junges Freiburg, die Partei, Grüne Alternative“ (JPG) mitgezogen hatten, kam am Ende ein von der SPD ins Spiel gebrachter Kompromiss heraus: Die Erhöhung gilt erst ab 2018 und liegt nun bei 430 Prozent. So viel also, wie Karlsruhe oder Mannheim auch nehmen.

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CDU, Freie Wähler, die Fraktionsgemeinschaft Freiburg Lebenswert/Für Freiburg (FL/FF) und die FDP stimmten dagegen. „Angesichts sprudelnder Steuereinnahmen und nahezu vorhandener Vollbeschäftigung, ist die Erhöhung von Steuerlasten das völlig falsche Signal“, sagte etwa Freie-Wähler-Fraktionschef Johannes Gröger. SPD, Grüne, UL und JPG stimmten indes dafür und hatten die Mehrheit. Die Prognose für die Gewerbesteuereinnahmen im laufenden und kommenden Jahr wurde übrigens mitten in die Beratungen noch um 20 auf 378 Millionen Euro erhöht. Freiburg verdient gut an seinen Firmen: 1996 nahm die Stadt noch 66 Millionen Euro ein, 2006 waren es schon knapp 120 Millionen, vor zwei Jahren mehr als 180 Millionen. Aber Freiburg investiert auch massiv in seine Infrastruktur.


Kommunen

Wirtschaftsverbände wie der Handelsverband, die Handwerkskammer, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU Freiburg, die Dehoga, die Industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein (IHK) oder auch die Werbegemeinschaft „Z’ Friburg in der Stadt“, die Händler in der Innenstadt vertritt, hatten die Pläne scharf kritisiert. Sie könne sogar in die falsche Richtung zielen: Denn nach der jüngsten Erhöhung der Gewerbesteuer 2013 sei etwa die Zahl der Handwerksbetriebe bis heute um 110 gesunken. Zudem sehen viele kleine Einzelhändler durch Frequenzrückgänge und steigende Mieten eine „existenzbedrohende Belastung“ auf sich zukommen, sodass mögliche Abwanderung und Betriebsaufgaben langfristig sogar für weniger Geld in den Kassen der Stadt sorgen würden, heißt es einer Erklärung der IHK. Bei vielen Umlandgemeinden ist ein tieferer Griff in die Unternehmenskassen derzeit kein Thema. „Eine Erhöhung ist in der nächsten Zeit nicht geplant, vielmehr setzt die Stadt Müllheim auf steuerliche Mehreinnahmen durch die Ansiedlung weiterer Unternehmen und arbeitet derzeit an einer entsprechenden Ansiedlungsstrategie“, heißt es auf Anfrage des business im Breisgau. In Müllheim liegt der Satz bei 350. In Bad Bellingen liegt er bei 360. Für Bürgermeister Christoph Hoffmann sind „in Zeiten der Rekordsteuereinnahmen Gewerbesteuererhöhungen absolut tabu“. Sein Kollege Michael Benitz in Staufen – wo aktuell 340 Prozent gelten – findet, dass eine „gesunde Konkurrenz unter den Gemeinden“ für alle Beteiligten von Vorteil ist: „Wenn eine Firma aus Freiburg zu uns nach Staufen kommen will, ist sie willkommen.“ In Neuenburg bei Bürgermeister Joachim Schuster liegt der Hebesatz aktuell bei 360 Prozent. „Mich hat aber bei Ansiedlungsgesprächen noch nie ein Unternehmer nach dem Hebesatz gefragt.“ Wichtiger für ansiedlungswillige Unternehmen seien etwa die verkehrliche Infrastruktur oder die Attraktivität des Standorts für die Arbeitskräfte. Die Stadt hat nicht vor, den Hebesatz zu verändern. In Bad Krozingen wurde der Hebesatz erst Ende 2015 um stolze 60 Punkte (!) auf 400 Prozent angehoben. „Die Schmerzgrenze lag eigentlich bei 380 Prozent“, heißt es aus dem Büro von Bürgermeister Volker Kieber. Da aber jedes zweite in der Kurstadt ansässige Unternehmen aus dem Gesundheitssektor komme und keine Gewerbesteuer zahlen muss, habe sich der Gemeinderat so entschieden. Bad Krozingen hat ein vergleichsweise geringes Gewerbesteueraufkommen: 2016 lag es bei 5,3 Millionen Euro. Fast die Hälfte dieser Einnahmen, 2,4 Millionen Euro, haben die Fraktionen in Freiburg auf der Zielgeraden der Beschlussfassung überraschenderweise noch zusätzlich hingeblättert. Trotz der 70 Millionen Euro an neuen Schulden, trotz des fest budgetierten Verkaufs von 37 Millionen Euro an Tafelsilber. So wird etwa der Skatepark Dietenbach weiter ausgebaut (200.000 Euro), Bewegungsart bekommt

100.000 Euro für ein Tanzkonzept, die Stadt bekommt doch noch einen Pop-Beauftragten (50.000 Euro), „Die Schönen der Nacht“ erhalten 14.000 mehr, das Jugendbildungswerk 30.000, Artik 50.000, Tritta 75.000, der SlowClub 15.000. Eine Million soll zudem in den barrierefreien Umbau der Innenstadt fließen. Nicht nur vereinzelte Unternehmenschefs werden sich angesichts der Spendierlaune des Gremiums und der eigenen, höheren Abgabenlast an den Kopf fassen. Auch der nächste Freiburger Doppelhaushalt 2019/2020 wird nach heutiger Lage übrigens einer mit Neuverschuldung sein. Vielleicht diskutiert Freiburg dann mal wieder über die Grundsteuer. Lars Bargmann

Info Gewerbesteuer Der Gewerbesteuermessbetrag beläuft sich auf etwa fünf Prozent des Unternehmensgewinns. Diese Summe wird mit den kommunalen Hebesätzen multipliziert. Bei einem Hebesatz von 430 Prozent muss das Unternehmen also 21,5 Prozent seines Gewinns an die Kommune abgeben. Die wiederum kann etwa 80 Prozent der Steuer für sich behalten. 5 Anzeige

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Verbände

»Koordiniertes PR-Orchester« Der Wirtschaftsverband WVIB wirbt für die Werte der Demokratie

Gemeinsam für Werte: Freiburgs Oberbürgermeister Dieter Salomon, SC-Präsident Fritz Keller und WVIB-Präsident Klaus Endress beim Trikottausch nach einer Veranstaltung unter dem Motto »Wurzeln, Werte, Weltwirtschaft«.

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it seiner ersten politischen Kampagne will der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen in Baden (WVIB) ein Zeichen setzen. Unter der Überschrift „Einigkeit. Recht. Freiheit.“ wirbt der südbadische Verband für die Grundwerte der Demokratie und der Marktwirtschaft. Es sei einfach an der Zeit gewesen, erklärte Verbands-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer unlängst auf einer Pressekonferenz in Freiburg.

tuellen Kampagne enthalten noch für die Zukunft vorgesehen. Dafür ist das Unternehmer-Spektrum dann doch zu vielfältig. Obschon sich die WVIB-Gremien wahrscheinlich auf eine gängige Partei einigen könnten, die man nicht wählen sollte. Bei der Pressekonferenz richtet sich die Kritik jedoch vor allem auf Akteure aus dem Ausland. Der US-Präsident Donald Trump steht dabei in der ersten Reihe, doch auch der türkische Staatspräsident Erdogan und die rechtsextreme Französin Marine LePen bekommen einen Seitenhieb verpasst. „Wir wollen uns einfach als Unternehmer zeigen“, sagt Bernd Neugart, geschäftsführender Gesellschafter des Getriebeherstellers Neugart aus Kippenheim. Nur so sei erkennbar, dass auch Unternehmer eine Haltung haben. Auch Neugart tritt als sogenanntes Testimonial in einer Anzeige auf. Seine Aussage lautet: Deutschland ist ein tolerantes Land für alle, die den Rechtsstaat respektieren. Egal ob Deutsche oder Ausländer.

Fotos: © WVIB

Seitenhiebe für Trump, Erdogan und LePen

In den 71 Jahren seiner Geschichte hat sich der WVIB nie in dieser Deutlichkeit politisch geäußert. Aber Münzer stellt klar: „Die Umstände erfordern es.“ Der WVIB vertritt eine Wirtschaftsmacht aus der Region, beschreibt sich gerne als „Schwarzwald AG“. Gut 1000 Unternehmen sind Mitglied im Verband. Zusammen beschäftigen sie mehr als 200.000 Menschen. Münzer betont, dass die Kampagne eine staatspolitische, keine parteipolitische Aussage habe. Eine Empfehlung für die Bundestagswahl am 24. September sei weder in der ak8 | chilli | business im Breisgau | 05.2017


Verbände

WVIB-Präsident Klaus Endress hatte die Kampagne mit seiner Rede auf der Hauptversammlung im Januar angestoßen. Er hatte sich damals sorgenvoll über den weltweit zunehmenden Populismus geäußert. So war die Idee zur Kampagne entstanden, die nun fertig ist. Mit Blick auf den Nationalismus und Protektionismus, den der US-Präsident Trump anstrebt, ätzt Endress: „Wenn man die Mauern und Zäune wieder hochzieht, lebt man in einem Schrebergarten.“ Er glaube aber vielmehr daran, dass jeder das machen solle, was er am besten könne. Das gelte nicht nur für Individuen, sondern auch für Wirtschaftsmärkte. Es sei dann sinnvoller, mit diesen Gütern zu handeln, als das Wissen in einen anderen Markt zu bringen, wo es vielleicht nicht funktioniert. Die Unternehmer wollen nun die Werte Einigkeit, Recht und Freiheit auch verstärkt in ihren Betrieben plakatieren. Der WVIB hat dafür Werbemittel geschaffen, die die Unternehmen über eine eigene Website bestellen können. Auch bei den rund 1000 Veranstaltungen, die der WVIB jährlich durchführt, sollten die Werte stets im Fokus sein. Die Unternehmer erhoffen sich nicht nur einen positiven Effekt nach außen, sondern auch innerhalb ihrer Betriebe. Doch welchen Wert hat eine solche Aktion überhaupt? Was erreichen die Unternehmer damit, dass sie in regionalen Zeitungen Anzeigen mit ihrem Konterfei schalten? „Zunächst finde ich es sehr gut, dass sich Unternehmer und ein Verband zu den Themen Grundwerte und europäische Idee positionieren“, sagt der Freiburger Werber Bernd Feyka. „Das kann in einer Zeit mit zunehmenden Tendenzen zu populistischen Gruppierungen nur sinnvoll sein.“ Bei der handwerklichen Ausführung der Kampagne sieht Feyka es jedoch kritischer. „Leider deutet das Zwischenergebnis nach einem Monat an, dass die Kampagne nicht bis zu Ende gedacht wurde – bis dato gibt es lediglich 400 Unterstützer auf der Website und 150 Fans auf

Christoph Münzer: »Die Umstände erfordern eine politische Kampagne.« Facebook. Da sollte bei über 200.000 Arbeitsplätzen der Schwarzwald AG doch wesentlich mehr drin sein, vor allem im Lichte des koordinierten PR-Orchesters.“ Zudem kritisiert er, dass die Werbe-Offensive viele Fragen offen lasse. Was genau will der WVIB mit der Botschaft erreichen? Welchen Wert hat die Unterstützung der Unternehmer oder der einzelnen Unterzeichner? Und vor allem: Wie geht’s weiter? Der WVIB hat die Kampagne übrigens ohne die Unterstützung einer Agentur realisiert. Lediglich ein Fotograf setzte Mitarbeiter eines Industrieunternehmens mit einem Banner in Szene. Alles andere wurde komplett eigenständig umgesetzt. Philipp Peters 5 Anzeige

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Start-up

»Airbnb des Sports«

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portler zusammenbringen, Vereine unterstützen, Netzwerke aufbauen. Das wollen Julian Eckmann und Frederik Strelczuk. Dafür haben sie Yolawo entwickelt, eine digitale Plattform für Sportler. Das „Airbnb des Sports“ nennen sie das Konzept. Und schmieden große Pläne.

Fotos: © tln

„Genau so etwas habe ich gesucht“, schwärmt Daniel Rath. Der 37-Jährige spielt seit einem Jahr mit Bekannten Basketball. Jeden Freitag, in der Wiehre. Vergangene Woche erstmals mit Yolawo-Vestärkung. Vier Leute haben sich angemeldet, sie waren wieder komplett. 12 bis 14 Leute sind in der Freizeitgruppe. Zehn brauchen sie für ein ordentliches Match. Doch oft kommen nur fünf bis acht Spieler. Also suchte Rath einen Weg, das Team aufzufüllen. Im Internet entdeckte er kürzlich Yolawo und war begeistert. Er konnte zwar noch kein eigenes Inserat erstellen, doch das übernahmen die Betreiber für ihn: Julian Eckmann (27) aus Freiburg und Frederik Strelczuk (28) aus Tübingen. Am 7. Mai sind die beiden offiziell mit ihrem Portal an den Start gegangen. Seitdem kann Rath seine Gesuche selbst posten. Die Basketballgruppe aus der Wiehre ist kein Einzelfall, davon sind die Yolawo-Erfinder überzeugt. Aus ihrem

Foto: © Yolawo

Zwei Freiburger wollen Menschen und Vereine vernetzen

Zusammen zum Ziel: Frederik Strelczuk (rechts) und Julian Eckmann haben Yolawo gestartet. Tennisclub-Vorsitzender Karl-Heinz Lickert (unten) macht mit. Bekanntenkreis bekommen sie es immer wieder mit: Wer fürs Studium oder einen neuen Job umzieht, verliert oft den Kontakt zu Vereinen – und möglicherweise auch die Zeit. „Viele wollen trotzdem Sport machen, am besten mit anderen Leuten“, erklärt Julian Eckmann. „Wie kann man das vereinfachen“, fragten sich die beiden während des Studiums. Eckmann lernte BWL, Strelczuk Informatik. Über zwei Jahre entwickelten sie das Konzept für Yolawo und sind nun an den Start gegangen. Schon nach wenigen Tagen hatten sie 100 Nutzer auf der Seite. 50 haben bisher bei den Aktivitäten mitgemacht. Mehr als 30 Angebote gibt es. Tennis, Fahrradfahren, Workout ... Yolawo bietet viele Möglichkeiten: Wer eine Gruppe oder Sportart sucht, kann sich für Angebote anmelden. Wer selbst etwas anbieten möchte, kann inserieren. Und auch Vereine sollen ins Spiel kommen. „Die Auslastung vieler Sportanlagen ist nicht so hoch, Vereine suchen händeringend Mitglieder“, sagt Eckmann. Bestätigen kann das Karl-Heinz Lickert, Vorsitzender des Tennis-Club Grün-Weiß Kirchzarten. „Uns geht es wie anderen Vereinen auch: Hauptpro-

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blem ist die Mitgliedergewinnung“, sagt der 68-Jährige. Der Verein müsse sich öffnen. Über Yolawo kann man mittlerweile den Gäste-Tennisplatz des TC mieten. „Das ist ein moderner Weg“, sagt der 68-Jährige. Bisher sei eine Buchung über den anliegenden Campingplatz oder die Touristen-Information in Kirchzarten möglich gewesen. Etwa 100 Buchungen gab es 2016, bis zu 2000 Buchungen wären möglich. Eckmann hat sein Studium abgeschlossen, Strelczuk ist fast fertig. Derzeit arbeiten sie in Vollzeit an ihrem Start-up. Noch sind alle Angebote kostenlos. Wobei auch Kostenpflichtiges angeboten werden kann – wie der Platz beim TC Grün-Weiß. Bis zum Sommer soll sich der Zugang ändern: „Wir wollen schnellstmöglich ein Bezahlmodell einführen“, sagt Eckmann. Ihrer Idee trauen sie so einiges zu. „Bisher läuft im Sport noch vieles analog“, sagt Strelczuk. Man müsse sich das vorstellen wie eine Flugbuchung. Früher habe man Preise auf Seiten der Airlines vergleichen müssen. Heute bekomme man von Portalen die besten Angebote zum Vergleich. So wollen sie es auch für Sportler anbieten. Zunächst in Freiburg. Bald weit darüber hinaus. Till Neumann


Start-up

Liebe auf den zweiten Brunch Freiburger starten Flirtevents für kleine Gruppen

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inder, Parship, ElitePartner. Flirtportale gibt es zuhauf. Jetzt auch eins im Breisgau. Caliope nennen drei Freiburger ihr Angebot. Auf ihrer Webseite kann man sich für Veranstaltungen anmelden: Bowling, Klettern, Kneipenabend ... So trifft man fünf weitere Singles mit ähnlichen Interessen. Eine 50-jährige Akademikerin hat’s probiert und ist begeistert.

Stefanie Maier (Name geändert) ist gerade 50 geworden und frisch geschieden: „Mein Freundeskreis hat sich durch die Trennung verkleinert, das Leben komplett geändert.“ Ein neuer Partner wäre perfekt für den Neuanfang. Doch den zu finden, ist gar nicht so einfach. Maier ist berufstätig, Leute kennenzulernen ist deutlich schwieriger, als noch in der Studienzeit. „Ich bin ja jetzt auch nicht mehr taufrisch“, sagt sie und lacht. Um Anschluss zu finden, hat sie es auf einschlägigen Partnerbörsen versucht – ohne Erfolg. „Das ist meist etwas einseitig. Die meisten Männer wollen einfach jemanden im Arm haben.“ Soll heißen: Sex. Sie möchte mehr: Eine Partnerschaft, langfristig, kein OneNight-Stand. Auch bei Vereinen hat sie sich umgeschaut, doch 100 Euro Jahresbeitrag waren ihr etwas viel, ohne sicher zu sein, auch regelmäßig mitzumachen. Kürzlich entdeckte sie Caliope auf einem Plakat. „Ich find’s eine tolle Perspektive, dass da jemand meine Freizeit organisiert“, erzählt sie dem chilli. Vergleichbares kennt sie aus der Flirtbranche bisher nicht. Kurzerhand meldete sie sich für einen Brunch an. 15 Euro kosten die Events pro Person – ohne Eintrittspreise und Verpflegung. Mit einem Onlineformular meldet man sich an: Familienstand, Bildungsabschluss, Alter, Raucher, Kinderwunsch ... Ausgedacht haben sich das drei Freiburger: Kurt Kiesewetter (65), Julia Jost (32) und Firat Delipata (30). Die drei Caliope-Macher stellen die Gruppen möglichst passend zusammen. Wichtig ist ihnen, dass die Teilnehmer sich vorher nicht kennen. „Die Leute sollen unvoreingenommen da rangehen“, sagt Jost. „Raus aus der digitalen Welt, rein ins echte Leben“, ergänzt Delipata. Bei anderen Plattformen verliere man zu viel Zeit mit dem Schreiben von Nachrichten. Enttäuschungen seien oft die Folge. Entscheidend ist dem Trio eine ungezwungene Atmosphäre in ausgewählten Locations. Jede einzelne schauen sie oder Freunde sich im Vorfeld an.

Innovative Verkuppler: Kurt Kiesewetter (links), Julia Jost und Firat Delipata haben Caliope entwickelt. Ihre Gruppendates sollen Singles helfen, die große Liebe zu finden. Stefanie Maier gefällt der ungezwungene Rahmen: „Das war nett und gut organisiert.“ Es seien auch 40-jährige Männer dabei gewesen, ein zehn Jahre jüngerer Partner würde sie jedoch nicht stören. „Wo die Liebe hinfällt“, sagt Maier. Sie mag, dass bei den Gruppenevents der Druck nicht so groß ist wie bei einem Zweierdate. Das wünschen sich auch die Veranstalter: Auch Freunde könne man so kennenlernen. Wie bei Tinder gibt’s auch bei Caliope Matches: Nach jeder Veranstaltung können die Teilnehmer online Personen anklicken, mit denen sie in Kontakt treten wollen. Wählen sich zwei Singles gegenseitig aus, gibt’s ein Match. Caliope stellt dann den Kontakt zwischen beiden her. Falls nicht schon Nummern getauscht wurden. Rund 130 Singles haben im März mitgemacht. Ebenso viele im April. Ein guter Start, finden die Macher. Die meisten seien Anfang 30, einige auch älter. Der Großteil der Teilnehmer ist aus Freiburg. Auch in Städten wie Karlsruhe, Berlin oder Frankfurt werden die Events angeboten. Um die Gruppen besser zusammenstellen zu können, wären weitere Singles gut. Vom ersten Caliope-Paar können Kiesewetter, Jost und Delipata noch nicht berichten. Auch Stefanie Maier hat ihren Traumprinzen beim Brunch nicht gefunden. Sie hat dafür eine Frau kennengelernt, mit der sie Kontakt hält. Gemeinsam wollen sie sich in Kürze fürs nächste Event anmelden. Till Neumann

Foto: © tln

Sie hat keine Lust auf ein reines Sexdate

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Veranstaltungen

10 Millionen Euro für die neue Arena Der Europa-Park hat eine neue Halle für Tagungen und Großevents eröffnet

Umsatz im zweistelligen Millionenbereich: 1200 bis 1300 Veranstaltungen steigen jedes Jahr im Park – unter anderem der Radio Regenbogen Award.

Foto: © Europa-Park

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und 390 Scheinwerfer, eine Bühnenwand aus 1,4 Millionen LEDs und mehr als sieben Kilometer Kabel: Der Radio Regenbogen Award, der Anfang April im Europa-Park über die Bühne gegangen ist, hat nicht nur hochkarätige Stars versammelt, sondern auch gezeigt, was in Sachen Technik möglich ist. Den Rahmen dafür bietet die neue Eventhalle des Freizeitparks: Die 3200 Quadratmeter große Europa-Park-Arena fasst bis zu 5000 Menschen. Zehn Millionen Euro hat sich der Park die Mega-Halle kosten lassen. Eine lohnende Investition: Denn obwohl nicht einmal ganz fertig, ist sie dieses Jahr schon zu 70 Prozent ausgelastet. Und so rechnet das „Confertainment“ – ein Wortspiel aus Conference und Entertainment – 2017 auch mit einem Umsatzplus von zehn Prozent.

Noch tummeln sich auf der Empore die Handwerker, ab Ende Mai sollen hier dann zahlungskräftige Konzertbesucher den Blick über die Halle genießen dürfen. Statt auf ein tanzendes Publikum und beleuchtete Bühnen fällt der Blick an diesem Tag auf Bierbänke und ovale Tische. Die süd-

Aperitif mit Karussellfahrt badische Zahnärztekammer hat kurz vorher noch hier getagt: 1600 Teilnehmer, für die Zimmer in den parkeigenen Hotels reserviert, Mittagessen gekocht und Shows organisiert werden mussten. Im Europa-Park kümmern sich darum die 14 Mitarbeiter des Confertainments. Ein „Rundum-Sorglos-Paket“ nennt das Marketing-Direktor Engel-

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bert Gabriel. Vor 19 Jahren hat er als erster und damals einziger Mitarbeiter des Confertainments die Abteilung gegründet. Heute ist aus dem Tagungsgeschäft ein wichtiger Bestandteil des Freizeitparks geworden, der Umsätze im zweistelligen Millionenbereich einfährt. Mit der neuen Arena will der Familienbetrieb da noch einen draufsetzen: Neben Großevents wie dem DJ-BoboKonzert zur Eröffnung, den Deutschen Skateboard Meisterschaften im November oder dem Auftritt der Ehrlich Brothers 2018 soll die Halle vor allem für Tagungen und Kongresse genutzt werden. Rund 70 Prozent der Veranstaltungen entfallen auf diesen Bereich. 25 Räume stehen dafür zur Verfügung – vom Konferenzraum für zehn Personen bis hin zur Arena, die, mit Tischen und Stühlen eingerichtet, noch knapp 2400 Menschen fasst.


Fotos: © tbr

Veranstaltungen

Von der Konferenz zu zehnt (li.) bis hin zur Tagung mit 1600 Personen (ganz rechts): Der Europa-Park bietet Räume für jeden Bedarf. Für die Orga sorgt das Team von Engelbert Gabriel. Der Eventcharakter des Freizeitparks zieht sich auch durch den Tagungsbereich: Wer will, kann sich bei seinem Kongress neben einem antiken Karussell von 1927 einen Aperitif servieren lassen. In einem mit Kronleuchtern und rotem Teppich ausgestatteten Ballsaal können die Veranstalter ihre Teilnehmer begrüßen. Oder sie laden zu Snacks an einem eigens aufgebauten StreetfoodMarkt. Das Programm planen die Confertainment-Mitarbeiter individuell. „Bisher gab es noch keinen Wunsch, den wir nicht erfüllen konnten“, sagt

Gabriel und berichtet von DinnerShows, Pop-Konzerten oder Achterbahnen, die extra für die Kongressteilnehmer fahren. Schließlich lebt der Park in der „OffSeason“, wenn die Achterbahnen stillstehen, vor allem von den Hotel- und Tagungsgästen. 1200 bis 1300 Veranstaltungen gab es bisher schon jährlich, mit der neuen Halle ist da noch Luft nach oben. Wenn hier abends eine Gala steigt, kann schon am nächsten Morgen wieder getagt werden. Noch in der Nacht wird umgebaut.

Bis zu 14 Lastwagen können gleichzeitig zum Ein- und Ausladen an die riesigen Rolltore der Halle fahren. So wird selbst der Umbau zur Mega-Show.

Tanja Bruckert

Das wurde verbaut: Blech: 3100 m2 Glas: 150 m2 Erdarbeiten: 4440 m3 Erde bewegt Beton: 4300 m3 Beton verbaut Stahlbau: 2400 t Stahl verbaut 5 Anzeige

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Immobilien

Baustart für Smart Green Tower

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Kongressmarkt profitiert von mehr Betten

„Wir sind begeistert, dass dieses Leuchtturm-Projekt nun definitiv Fahrt aufnimmt“, sagt der städtische Wirtschaftsförderer Bernd Dallmann. „Der Smart Green Tower ist ein Gebäude mit hoher Symbolkraft und ökologisch beispielhaft. Unter dem innovativsten Energiekonzept werden Working und Living vereint.“ Der 51 Meter hohe Turm ist das Hauptgebäude eines vierteiligen, 50 Millionen Euro schweren Gebäudekomplexes mit einer Bruttogeschossfläche von 15.000 Quadratmetern. Neben dem 16-stöckigen Turm gibt es zwei Seitenflügel, einer mit fünf und einer mit sieben Etagen, außerdem eine Garage mit 250 Stellplätzen. In den oberen Etagen entstehen auf 4500 Quadratmetern 70 Wohnungen. Obwohl der gemeinderätliche Beschluss für eine 50-Prozent-Quote an sozialem Mietwohnungsbau weit vor der Baugenehmigung fiel, muss Frey diese nicht erfüllen, da das Rathaus mit der Voreigentümerin Aurelis Real Estate schon deutlich vor diesem Beschluss einen städtebaulichen Vertrag geschlossen hatte, der etwa die Abgabe von Grundstücken an die Freiburger Stadtbau GmbH beinhaltet. Aus Freys Büro hört

Visualisierung: © Frey Architekten

s soll ein Vorzeigeprojekt werden, aber lange war es sehr still um den sogenannten Leuchtturm. Jetzt aber hat der Freiburger Architekt Wolfgang Frey den Termin für den Baustart seines Smart Green Tower benannt. Am 19. Juni soll es endlich losgehen. Die Pläne hatte er bereits vor drei Jahren vorgestellt. Die Baugenehmigung hat er seit einem Jahr.

Hingucker: Der Powertower entsteht am Südosteingang des Güterbahnhofes, zwischen Zollhof und Tankstelle. man jedoch, dass es dennoch bezahlbaren Lebensraum für alle Einkommensschichten geben soll. Die Vermietung wird über die Pro Scholare ablaufen, eine von Frey gegründete Gesellschaft. Diese hat sich auf die Fahnen geschrieben, für eine gesunde soziale Mischung in der Mieterstruktur zu sorgen. Die übrigen 3200 Quadratmeter im Turm sind für Büros oder auch als Boarding-Unterkünfte gedacht, die beiden Seitenflügel sind Büronutzungen vorbehalten. Der Power-Tower soll pro Jahr mehr als eine Viertelmillion kWh Strom erzeugen – und damit nicht nur das Gebäude selbst versorgen. Weil der Strom nicht immer dann gebraucht wird, wenn erzeugt wird, gibt es eine leistungsstarke Lithium-Ionen-Batterie, die Strom im Megawatt-Bereich speichern kann. Überschüssige Energie könnte aber auch ins Netz abgegeben werden. Philipp Peters

Frey will 70 bezahlbareWohnungen

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Foto: © FWTM

Wolfgang Frey investiert 50 Millionen Euro

Millionen mit Tagungen

Konzerthaus: Kostet viel Geld, bringt als Tagungsort aber auch viel Geld nach Freiburg.

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as Tagungsgeschäft wächst: Seit 2009 steigt die Zahl der Kongressteilnehmer in Deutschland stetig. Besuchten vor zehn Jahren noch 292 Millionen Geschäftsreisende eine Tagung, waren es 2016 bereits 394 Millionen.

Für die Städte sind die Kongresse ein lohnendes Geschäft: An jedem Teilnehmer verdienen Hotellerie, Gastronomie und Einzelhandel. Während ein privater Übernachtungsgast in Freiburg 89,50 Euro liegen lässt, gibt ein Tagungsbesucher in Frankfurt durchschnittlich 177 Euro pro Tag aus, in der Kongress-Hauptstadt Berlin sind es 209 Euro. Hier ist das Kongressgeschäft für ein Viertel der Übernachtungen verantwortlich. Für Freiburg gibt es solche Statistiken noch nicht. Die Auswertung der Bettensteuer zeigt jedoch: 40 Prozent der Besucher sind geschäftlich in der Stadt. Wie viele davon zu Kongressen und Tagungen anreisen, soll bis Ende des Jahres eine Gästebefragung zeigen. 


Messebranche

Expansion in Erdteile Intersolar rechnet mit 80.000 Besuchern auf vier Kontinenten

Foto: © Solar Promotion GmbH

 Eine unerhebliche Zahl wird dabei nicht herauskommen, hat Freiburg doch einige große, mehrtägige Kongresse vorzuweisen: So tagt etwa im Mai der Deutsche Ärztetag mit 1200 Teilnehmern im Konzerthaus, und im September treffen sich nicht nur 2000 Forstwissenschaftler der International Union of Forest Research Organizations, sondern auch 2500 Notfallmediziner in Freiburg. Auch für 2018 stehen schon Großereignisse wie der SUBUD Weltkongress mit 2500 Besuchern an, und selbst 2020 ist mit dem Medizinerkongress der Society for the Study of Inborn Errors of Metabolism bereits eine Großveranstaltung mit 2500 Teilnehmern gebucht. Insgesamt organisiert das Freiburger Convention Bureau dieses Jahr mehr als 20 Kongresse. Vermittelt werden dabei nicht nur die drei städtischen Veranstaltungsräume (Konzerthaus, Messe und Historisches Kaufhaus), sondern noch rund 50 weitere. Theoretisch könnte die Abteilung der Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM) Tagungen mit bis zu 3000 Teilnehmern annehmen, doch dafür hat Freiburg zu wenig Hotelbetten. „Wir haben in den letzten Jahren Kongresse nicht bekommen, weil wir keine ausreichenden Hotelkapazitäten nachweisen konnten“, sagt Franziska Pankow, FWTM-Abteilungsleiterin Tourismus, Kongresse und Events. „Für die Kongressbewerbungen ist es hilfreich, dass die Kapazitäten nun deutlich steigen.“ Rund 760 neue Betten sollen durch den Bau neuer Hotels wie dem Hampton by Hilton, dem Wyndham Super 8Hotel Freiburg, dem Holiday Inn Express oder dem Motel One in diesem Jahr dazukommen. Für die Freiburger Wirtschaft könnte das ein nettes Plus bedeuten: Rechnet man mit dem Frankfurter Tagesumsatz von 177 Euro pro Tagungstourist, spülen allein die fünf größten vom Convention Bureau organisierten Kongresse in diesem Jahr mehr als 7,6 Millionen Euro in die Kassen der Hoteliers, Gastronomen und Händler. Tanja Bruckert

Offizielles Bild der Intersolar 2017: Viele Anwendungen, eine Quelle.

A

ls kleines Licht war die heutige Intersolar 1991 in der kleinen Goldstadt Pforzheim gestartet: Es gab fünf Aussteller und 300 Interessierte. In diesem Jahr werden zur inzwischen als Weltleitmesse firmierenden Veranstaltungsreihe mehr als 80.000 Besucher und weit über 2000 Aussteller in vier Kontinenten kommen. Und da die Freiburger Messegesellschaft bei allen Spielorten mit dabei ist, macht das Geschäft mit der Intersolar mittlerweile auch schon die Hälfte des, in normalen Jahren etwa 20 Millionen Euro schweren, Umsatzes aus. 40.000 Besucher erwartet Messechef Daniel Strowitzki allein auf der Intersolar Europe in München, 18.000 in San Francisco, 12.000 in Mumbai, 12.000 im brasilianischen São Paulo. Die Intersolar Middle East läuft – noch – als reine Konferenzveranstaltung, mit 500 Teilnehmern. Den größten Sprung machte die Intersolar, als es ihr in Freiburg – wohin sie im Jahr 2000 gezogen war, weil sie in Pforzheim aus allen Nähten platzte – auch wieder zu eng wurde und sie 2008 erstmals in

München eröffnete: 32.000 Besucher gab es in der letzten Freiburg-Saison, 52.500 in der ersten in der bayerischen Landeshauptstadt. Im selben Jahr gab es zudem die erste Intersolar North America mit 13.000 Besuchern. Ein Jahr später gastierte das Erfolgsmodell erstmals im indischen Mumbai, 2011 erstmals in der chinesischen Hauptstadt Peking. 2013 folgte Brasilien, im vergangenen Jahr Dubai – nach einem ersten nicht vergnügungssteuerpflichtigen Versuch in Abu Dhabi. 2011 ist aber trotz der jüngsten Expansion in die Erdteile immer noch das Rekordjahr: Fast 110.000 Menschen zog die Messe damals an. Mit dem Kappen der politischen – und finanziellen – Förderung sackte das Geschäft hernach hierzulande abrupt um 35 Prozent ab. Durch die neuen Märkte macht sich die Intersolar seither politisch unabhängiger. Mehr als 90.000 Interessierte waren es 2016, irgendwann, hoffen die Veranstalter (Solar Promotion GmbH, Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH), wird der 2011er-Jahrgang wieder übertroffen werden. bar

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Einkaufen 2.0

Lebensmittel per Knopfdruck Händler im Spagat zwischen Regionalität und Digitalisierung

Fotos: © tbr

„Hier packen wir statt der Mango Orangen rein, und in diese Kiste kommt noch ein Kilo Äpfel dazu.“ Ursula Weigmann lässt das Obst in die grünen Kisten wandern, legt den Bestellzettel drauf und schon sind die Boxen fertig zum Transport. Dreimal pro Woche packen sie und ihre Mitarbeiterinnen in der Lagerhalle im Gundelfinger Industriegebiet die Gemüse-im-Abo-Boxen. Rund 1000 Kisten werden von hier aus jede Woche den Kunden nach Hause geliefert – im Stadtgebiet per Fahrrad, in den Umlandgemeinden oder den höher gelegenen Stadtteilen mit dem Auto. Seit 21 Jahren bietet die 48-Jährige auf Bestellung Obst und Gemüse aus der Region. Anfangs telefonisch, mittlerweile online. Nach und nach hat sich die einstige Gemüsekiste zum Rundum-Paket mit Milch, Eiern, Mehl oder Bio-Zitrusfrüchten aus Andalusien gemausert. Die Kunden nehmen das gerne an: Bis zu zehn neue Besteller pro

Foto: © Marktschwärmer Freiburg

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at der klassische Supermarkt ausgedient? Anfang Mai ist der Onlineriese Amazon mit seinem LebensmittelLieferservice in Deutschland an den Start gegangen. Nun fürchten viele Einzelhändler die neue OnlineKonkurrenz. Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter in Deutschland, sieht sogar eine Pleitewelle auf die Händler zurollen. In Freiburg gibt man sich da gelassener: Regionalität sei den Kunden wichtiger als das bequeme Bestellen per Knopfdruck, ist sich Edeka-Marktleiter Ronald Danner sicher. Doch einige Anbieter schaffen genau diesen Spagat – wie das in Freiburg etablierte „Gemüse im Abo“ oder die neu gegründeten Marktschwärmer.

Per Mausklick Frisches direkt vom Bauern: Das bieten Ursula Weigmann (li.) mit ihren Abokisten sowie die Marktschwärmer Schneider und Soravia (re.). Woche hat Weigmann. Ihr wöchentlicher Umsatz beträgt mittlerweile rund 20.000 Euro. Den regulären Supermärkten wird sie damit nicht gefährlich. Die Lebensmittelbranche fährt einen jährlichen Umsatz von 170 Milliarden Euro ein – nicht ein-

Insolvenzwelle durch Amazon Fresh? mal ein Prozent davon entfallen auf den Online-Handel. Doch der Anteil wächst stetig: Für 2025 rechnen die Marktforscher von GfK mit einer Steigerung um das Siebenfache. Der Start von „Amazon Fresh“ könnte das noch beschleunigen. Zwar können momentan nur Kunden in Berlin und Potsdam bestellen, doch schon bald dürfte der weltgrößte OnlineHändler auch in andere Städte vordringen. Insolvenzverwalter Niering warnt vor zahlreichen Insolvenzen und den Verlust tausender Arbeitsplätze, die die Expansion mit sich bringen könnte. Ronald Danner, der mit seinem Sohn die Freiburger Edeka-Märkte in Betzenhausen und Herdern betreibt, sieht das gelassen: „Es haben schon viele versucht, sich mit dem Online-Handel von Lebensmitteln durchzusetzen,

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geschafft hat es noch keiner.“ Der Kunde wolle die Frischware sehen, ist sich der Händler sicher. Dabei bietet auch er einen Lieferservice an. Statt online zu bestellen, können die Kunden direkt im Markt oder telefonisch bestellen – ihre Einkäufe werden dann per Lastenrad geliefert. „Es gibt so viele Fragen, die man persönlich klären muss“, sagt Danner, „das fängt schon beim simplen ‚Am Stück oder geschnitten?’ an.“ Bequem online bestellen und trotzdem den persönlichen Kontakt halten: Genau diesen Spagat wollen die Marktschwärmer schaffen. Die in Frankreich entwickelte Idee ist am 11. Mai auch in Freiburg an den Start gegangen. In einer Art Internet-Hofladen bestellen die Kunden Obst, Gemüse, Wein, Brot & Co. bei Erzeugern aus der Region. Die brauchen sich nicht mehr auf dem Bauernmarkt die Füße platt stehen und auch nicht – wie beim klassischen OnlineShop – die Waren bis vor die Haustür liefern. Stattdessen treffen sich Landwirte und Käufer einmal die Woche nach Feierabend in der Marktschwärmerei. Wie genau das funktioniert, erklären die Freiburger Marktschwärmer Barbara Schneider und Lisa Magdalena Soravia hier: bit.ly/chilli-markt Tanja Bruckert


Gründer

Keine romantische Bambuspflege: Oswald Wieser (2. und 4. Bild von links) verbindet Hightech und Nachhaltigkeit. Seinen Kursteilnehmern Günther Hartmann (3. Bild links) und Martin Aurel (3. Bild rechts) gefällt's.

Bambus-Bikes vom Batzenberg In Schallstadt gibt’s nachhaltige Hightechräder zum Selberbauen

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Fotos: © tbr

ahrräder aus Bambus – hört sich nach einer netten Spielerei, aber nicht nach Hightech an. Wer das denkt, kennt die „Smart Grass Bicycles“ von Oswald Wieser noch nicht: Mit Carbon ausgekleidete Bambusrahmen. E-Bikes, bei denen der Akku im Pflanzenrohr verschwindet. Fahrräder, die durch einen Reifenwechsel zum E-Bike werden. Mit diesen Innovationen treten Wieser und sein Partner Fazlul Hoque nicht nur bei Wettbewerben an, sie sind auch für den German Design Award 2017 nominiert. Zudem bieten die beiden seit Anfang des Jahres in Schallstadt Workshops zum Selberbauen an: An nur zwei Wochenenden entsteht hier ein maßgeschneiderter, nachhaltiger Rahmen. Und der Bambus dafür kommt nicht etwa aus Asien, sondern wächst direkt neben der Werkstatt. Weinberge, Spargelfelder und mittendrin ein mehr als Fußballfeld großer Bambuswald. Seit 27 Jahren baut Uwe Geigele auf seinem Hof in Schallstadt-Mengen Bambus an. Mehr als 30 Sorten gedeihen hier, darunter auch der bläuliche Phyllostachys glanca. Man kann ihm nahezu beim Wachsen zusehen: Nach nur zwei Monaten sind die Bambusstangen sieben Meter hoch. Wieser muss sich dennoch rund drei Jahre gedulden – erst dann sind die Rohre auch stabil genug für seine Räder. Eines davon baut an diesem Wochenende Günther Hartmann: ein Damenrad für seine Tochter. Es ist nicht sein erstes Bambus-Bike. Jahrelang hat der Rentner nach einem Fahrrad gesucht, „mit dem man auch nur ab und zu fahren kann, ohne dass einem alles weh tut“. Nun hat er sich selbst ein Rad zusammengeschraubt, das genau auf seine Körpergröße, Arm- und Beinlänge angepasst ist. 490 Euro netto kostet ihn der Rahmen, den er nach seinen Vorstellungen an zwei Wochenenden zusam-

menbaut. Wie teuer das fertige Rad wird, kann er dann selbst bestimmen, erklärt Wieser: „Man kann die Komponenten von einem gebrauchten Rad abschrauben, das einen 30 Euro kostet“, zeigt er die Spannbreite auf, „man kann sich aber auch eine Carbon-Felge für 3000 Euro kaufen.“ Seit drei Jahren bietet der Manager im Vorruhestand die Workshops zum Selberbauen an. Begonnen hat der Schwetzinger damit in Heidelberg – mit Bambus aus Asien oder Lateinamerika. Dann hört er auf der Fahrradmesse Eurobike vom Bambuswald bei Freiburg: Nur wenige Monate später steht die zweite Fahrradwerkstatt. Eine dritte soll im Herbst auf der Insel Mainau folgen, auch hier gibt es einen Bambuswald. „Wir machen keine romantische Bambuspflege“, betont Wieser, „sondern wollen Nachhaltigkeit und Hightech zusammenbringen.“ Wie das funktioniert, kann man im Workshop bereits erahnen: Der Computer errechnet die Geometrie, so dass jedes Rad perfekt auf den Fahrer angepasst ist. Nach dieser Vorgabe wird der Bambus zugesägt und verklebt. Da die Stangen zuvor abgeflammt wurden und nach dem Bau mit verdünntem Bootslack behandelt werden, trotzen die Öko-Bikes Wind und Wetter. Wer will, kann sein Rad anschließend mit einem Elektroantrieb ausrüsten oder mit dem Smartphone verbinden. Das dient dann etwa als Tacho oder ortet das Fahrrad nach einem Diebstahl. Solche Innovationen sind Wiesers Leidenschaft. „Wir könnten dreimal so viele Workshops anbieten“, sagt der 63-Jährige. Doch im Sommer schließen die Werkstätten ihre Türen, dann tüfteln die Fahrradprofis selbst – an neuen Prototypen. Die kann man in Einzelfällen auch bestellen, „aber wir sind da nicht scharf drauf“, sagt Wieser: „Wir wollen keine Produktionsstätte aufbauen, sondern Innovationen vorantreiben.“ Tanja Bruckert chilli | business im Breisgau | 05.2017 | 17


Advertorial

Familienunternehmen

»Optimaler Übergang« Die Walter Roeder GmbH mit Sitz in Emmendingen setzt nach Generationswechsel auf Wachstum

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Fotos: © Walter Roeder GmbH

en Spagat zwischen Tradition und Digitalisierung schaffen: Das ist der Walter Roeder GmbH mit Sitz in Emmendingen seit dem Generationswechsel im August 2016 gelungen. Daniel Roeder (26) hat neuen Schwung in das 110 Jahre alte Entsorgungs- und Verwertungsunternehmen gebracht und führt es in der vierten Generation weiter. Der Mix aus Tradition und Moderne optimiert nach Roeders Ansicht die laufenden Prozesse und sorgt für eine hohe Dienstleistungsqualität. Dadurch hat sich das Unternehmen in den letzten Jahren „zu einem Komplettlösungsanbieter rund um die Entsorgung und Verwertung jeglicher Materialien hin entwickelt“. Zu den Kunden des zertifizierten Entsorgungsfachbetriebs zählen unter anderem namhafte Großkunden wie die SICK AG oder MACK Rides, aber auch viele Privatkunden. „Wir erweitern uns gerade in alle Richtungen“, so Roeder. Noch in diesem Jahr soll der Stammsitz um 4000 Quadratmeter erweitert werden. Schon früh war ihm klar, dass er irgendwann das Familienunternehmen übernehmen wird: „Ich bin damit komplett aufgewachsen und war schon immer sehr eng mit der Firma verbunden.“ Während seines dualen BWL-Studiums jobbte er nebenher zu Hause als LKWFahrer und übernahm bereits eigene

Beständigkeit zahlt sich aus: Daniel Roeder (r.) führt das 1907 gegründete Familienunternehmen nach erfolgreicher Führung seines Vaters (l.) in der vierten Generation fort. Projekte. Nach seiner Tätigkeit im Außendienst bei der SICK AG sammelte er Branchenerfahrungen bei den Recyclingunternehmen ALBA Group (Berlin) und M. Kaatsch GmbH (Stuttgart). Anschließend zog es ihn zurück in das bis dahin von Vater Walter Roeder geführte Unternehmen. „Es war ein optimaler Übergang, total harmonisch“, sagt der Jungunternehmer. Er möchte frischen Wind und „einen neuen Touch“ in das Unternehmen bringen, aber „auf keinen Fall alles umschmeißen“. Den IT-Bereich hat er schon modernisiert: Prozesse wie die Angebotserstellung oder das Abrechnungswesen wurden automatisiert und laufen so schneller ab. Außerdem spielt Marketing seit dem Generationswechsel eine große Rolle. So gibt es unter anderem eine neue Homepage und auch einen eigenen Facebookauftritt. Zusätzlich hat Roeder mit einem Kollegen das Start-up „metalsale“ gegründet. Eine digitale Plattform mit dem Ziel: Metallhandel per Mausklick. Diese Veränderungen wirken sich bereits auf die Umsatzzahlen aus. Grund dafür sei vor allem die Erweiterung zum Komplettlösungsanbieter und die jahrzehntelange hohe Dienstleistungsqualität. Der Umsatz in den vergangenen

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Jahren lag zwischen acht und zehn Millionen Euro pro Jahr. „Wenn wir alles so machen, wie wir es vorhaben, können wir auch im Jahr 2017 auf ein sehr erfolgreiches Umsatzwachstum zurückblicken.“ Ein gut aufeinander abgestimmtes Team mit motivierten Mitarbeitern sei dabei das A und O. 2018 will er eine Ausbildung zum Kaufmann/ -frau im Groß- und Außenhandel, eine Berufskraftfahrerausbildung sowie ein duales Studium „Handels- und Dienstleistungsmanagement“ anbieten. Nachhaltiges Wirtschaften werde großgeschrieben: „Papierloses Büro, da müssen wir hinkommen“: Die LKWFahrer werden mit TomToms ausgestattet, um damit in Zukunft die Routenplanung zu optimieren und darüber Aufträge zu erhalten. Ohne Papierverschwendung. Roeder selbst legt im privaten Leben ebenfalls Wert auf Ressourcenschonung. In seiner Masterarbeit hat er Lösungskonzepte erarbeitet, um die Coffee-to-go-Müllproblematik in Deutschland zu verbessern. Mit Erfolg: Eine namhafte deutschlandweit agierende Kaffeehauskette setzt das Projekt um. Isabel Barquero www.roeder-emmendingen.de


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Mobilität

»Deswegen kein Auto« Lastenvelo Freiburg verleiht kostenlos Räder für Schwertransporte

Bärenstark: Robert Schneider bietet die Lastenräder seit rund zwei Jahren kostenlos an. Bis zu 180 Kilo können sie tragen.

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Fotos: © tln

ahrradlaster für alle: Seit etwa zwei Jahren gibt’s Lastenvelo Freiburg. Robert Schneider (33) bietet ehrenamtlich Bikes an, die bis zu 180 Kilo tragen können. Rund 450 Freiburger nutzen das Angebot bisher. Für Hochzeiten, Flohmärkte oder Großeinkäufe. Mindestens ein Auto weniger verstopft dadurch die City. „Ich bin absoluter Fan“, sagt Fabian Urner. Der 29-Jährige fährt zwei Mal im Monat mit dem Lastenrad durch die City – meist für Großeinkäufe beim Supermarkt. Urner ist fürs Künstlercatering im Jazzhaus zuständig: „Mit einem normalen Rad wäre der Transport mega umständlich.“ Ohne die bärenstarken Drahtesel bräuchte er einen Wagen. „Ich habe unter anderem deswegen kein Auto“, schwärmt Urner. Vor rund einem Jahr saß er zum ersten Mal auf einem „Bullitt“. Das Lastenvelo auf zwei Rädern (es gibt auch Dreiräder) kann bis zu 180 Kilo transportieren – inklusive Fahrer. „Die ersten fünf Minuten waren etwas wackelig“, erinnert er sich. Seitdem fahre es sich wie ein ganz normales Rad. Möglich macht das Robert Schneider. Der Berufsschullehrer hatte vor zwei Jahren mit vier Freunden die Idee, kostenlose Lastenräder anzubieten. Als

Alternative zum Auto. Über Crowdfunding sammelte er fast 8000 Euro, seit dem 20. Juni 2015 kann man die Räder für zehn Euro Pfand leihen. Reserviert wird online. Dort bekommt man einen Code fürs Zahlenschloss. 445 Freiburger sind bisher mit den Velos unterwegs, berichtet Schneider. Erst kürzlich wurde die Flotte auf sieben Räder erweitert: In Kooperation mit dem ADAC und der VAG gibt es nun auch zwei Lastenräder mit Elek-

Foodsharer retten Lebensmittel troantrieb. Fünf bis zehn Stunden pro Woche kümmert er sich um Lastenvelo. Die Auslastung der Räder liegt bei rund 60 Prozent. Die neuen E-Bikes seien der Renner. „Tiptop“ läuft es bisher, so Schneider. Doch mit der Erweiterung stößt er an Grenzen: „Mehr können wir einfach nicht mehr leisten.“ Mit nur einer weiteren Person betreibt er Lastenvelo derzeit, Verstärkung ist dringend nötig. „Schön wäre langfristig, einen Verein zu gründen“, sagt der Fahrradcrack. Die Räder müssen instandgehalten werden, das System wird verfeinert. Auch eine Selbsthilfewerkstatt ist Teil von Lastenvelo.

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Nervenaufreibend war’s Ende des Jahres: Da wurde ein Rad an der Eschholzstraße geklaut. Sechs Wochen später fand Schneider es in der Neunlindenstraße wieder – umlackiert, ohne Transportbox und angeschlossen. Wer der Dieb ist, weiß er nicht. Seine Kunden nutzen die Velos für Flohmärkte, Möbeltransporte oder Infostände – sogar als Hochzeitsgefährt sei eines schon im Einsatz gewesen. „Sehr praktisch“, findet das auch Nenad Savic. Der 41-jährige Lagerist ist mehrmals im Monat mit dem Lastenrad für Foodsharing Freiburg unterwegs. Er und seine Kollegen retten so Lebensmittel vor der Tonne. Auch die Foodsharer bräuchten ohne die Velos ein Auto. Bisher stehen die Räder an festen Plätzen. Gerne würde Schneider ermöglichen, sie überall abzustellen. Technisch sei das mit einem Bordcomputer kein Problem. Doch in der Praxis sei beispielsweise unklar, ob Kunden sie an sicheren Orten parken. Die Bordcomputer werden in Kürze eingebaut. Das „Herzstück des Leihsystems“, so Schneider. So können sich Nutzer mit einer Chipkarte an- und abmelden sowie Schäden direkt melden. Die Chips sind schlechte News für Diebe: die Räder können so im Notfall geortet werden. Till Neumann



Menschen und Meldungen

»Pudelwohl im Markt«

Testo mit Umsatzrekord LENZKIRCH. Der MesstechnikSpezialist Testo setzte im vergangenen Jahr knapp 280 Millionen Euro um, ein Plus von rund acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ein neuer Umsatzrekord. „Das ist sehr erfreulich, da wir in den Regionen, also auf breiter Basis, erneut zulegen konnten. Mit einem Euro auf Vorjahresniveau wäre das Wachstum sogar noch 1,4 Prozentpunkte höher ausgefallen“, erklärt der Vorstandschef Burkart Knospe. Im deutschen Markt verzeichnet Testo ein Umsatzplus von 9,4 Prozent. Dieses belief sich bei Testo Industrial Services (TIS) auf 17,6 Prozent. Damit hat die Konzerntochter aus Kirchzarten mit ihrem Kalibriergeschäft die Pläne übererfüllt. Testo hatte 2016 zwei neue Töchter in Malaysia und Südafrika gegründet. Der Konzern beschäftigte zum Ende des Jahres weltweit rund 2700 Mitarbeiter, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Davon arbeiten in Deutschland 1494 Mitarbeiter, von denen 1174 Menschen in der Region (Lenzkirch, Titisee-Neustadt, Kirchzarten) beschäftigt sind. Der Aufsichtsrat beschloss zudem den Neubau für den zweiten Bauabschnitt am Standort Titisee und nimmt dafür 30 Millionen Euro in die Hand. Damit entsteht Platz für weitere 300 neue Arbeitsplätze im Hochschwarzwald.

Industrie stark BADEN. Wie der Wirtschaftsverband Industrieller Unternehmen Baden (WVIB) mitteilt, lag der Auftragseingang der Mitgliedsbetriebe im ersten Quartal 10,5 Prozent, der Umsatz 8,9 Prozent über dem Vorjahreszeitraum. Das geht aus einer Befragung unter rund 1000 Mitgliedern hervor. „Der schwache Euro, der erstarkende Dollar und niedrige Zinsen helfen der mittelständischen Industrie. Diese Faktoren und das starke Wachstum in China und Indien überkompensieren die politischen Unsicherheiten aus den USA, innerhalb der EU und in unserer unmittelbaren Nachbarschaft", kommentierte WVIB-Hauptgeschäftsführer Christoph Münzer.

Privatbrauerei Waldhaus mit Rekordumsatz Foto: © Waldhaus

Siegerbier: Dieter Schmid und Mitstreiter haben Grund zum Feiern. WEILHEIM. Anders als manch andere Brauerei hat die Privatbrauerei Waldhaus überhaupt kein Problem damit, ihren Bierausstoß anzugeben. Brauereichef Dieter Schmid geht mit dem steten Wachstum ganz offen um: 85.000 Hektoliter, also 12,5 Prozent mehr als im Vorjahr, haben 2016 Käufer gefunden. Rekord. Nicht zuletzt, weil mehr als 200 neue Gastronomiebetriebe hinzukamen. Die gesamte Branche wuchs zwar auch, in Baden-Württemberg aber nur um 0,2 Prozent. „10,2 Millionen Euro Umsatz bedeuten für uns zum 15. Mal in Folge ein Rekordjahr – wir fühlen uns im Markt pudelwohl und haben auch in Zukunft noch einiges vor“, freut sich Schmid. Erfolgsbringer war wieder das Diplom Pils mit fast 50 Prozent Anteil. Neu positionieren sich die Schwarzwälder mit ihren beiden Craft-Bier-Editionen. Während „Hopfensturm“ im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 163,3 Prozent höhere Absatzzahlen zu verzeichnen hatte (bei Neuprodukten nicht unüblich), war der Neuling „Hopfen-

zauber“ nach drei Wochen komplett vergriffen. „Unsere Craft-Biere sind so gut angekommen, dass wir sie dauerhaft ins Programm aufgenommen haben“, so Vertriebsleiter Jürgen Eichelmann. Das rasante Wachstum der Brauerei spiegelt sich auch in der Zahl der Beschäftigten wider, die um 3 auf 40 stieg. Auch neben den nackten Zahlen gab es Anlass zur Zufriedenheit: So zeichnete die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft die Privatbrauerei gleich mehrfach aus: Zehn Mal gab es Gold, einmal die Silbermedaille. Beim World Beer Award 2016 siegte zudem das Diplom Pils in der Kategorie „World’s Best German Pilsner“ und das „Sommer Bier“ in der Kategorie „World’s Best Low Carb Lager“. Für 2017 erwartet Schmid erneut eine positive Entwicklung. „Wir setzen weiterhin auf eine nachhaltige Expansion, ohne jedoch zu vergessen, wo wir herkommen und was uns stark gemacht hat“, erklärt Schmid. Der Mann ist jetzt seit 20 Jahren Geschäftsführer. bib

Strahlende Genossen

Vida lebt

STAUFEN. Die Volksbank Staufen hat im vergangenen Jahr bei einer Bilanzsumme von 745 Millionen Euro mit 7,5 Millionen Jahresüberschuss ein Rekordergebnis eingefahren und sieben Prozent Dividende auf die Geschäftsguthaben bezahlt.

FREIBURG. Das insolvente Bio-Restaurant Vida ist gerettet. Alle 24 Arbeitsplätze und die drei Standorte in Freiburg, Konstanz und Ravensburg bleiben erhalten.

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bib / bar


Menschen und Meldungen

HERBOLZHEIM. Die ebm-papst Gruppe mit Hauptsitz in Mulfingen (Baden-Württemberg) und einem Werk in Herbolzheim erwirbt rückwirkend zum 1. Januar die bei Mailand ansässige Firma Lae S.r.l., einen Spezialisten für Schutzgitter für Ventilatoren. Zum Kaufpreis machte das Unternehmen keine Angaben. Mit der Akquisition erhöht der Weltmarktführer von Ventilatoren und Motoren die Fertigungstiefe sicherheitsrelevanter Komponenten, die etwa bei Luft-, Kälte- und Klimatechnikanwendungen eingesetzt werden. „Mit der Übernahme unseres langjährigen Lieferanten stärken wir unseren internationalen Produktionsverbund hinsichtlich Flexibilität und Effizienz. Zudem erhöhen wir den Wissenstransfer im Bereich Konstruktion und Materialforschung“, so Stefan Brandl, Vorsitzender der Gruppengeschäftsführung. Lae S.r.L. beschäftigt rund 100 Mitarbeiter und setzte zuletzt jährlich knapp 10 Millionen Euro um.

Trumpf baut

TENINGEN. Die Trumpf Werkzeugmaschinen Teningen GmbH investiert sieben Millionen Euro in einen Neubau. Auf 3700 Quadratmetern entstehen ein neues Lager und eine Produktionshalle. „Wir haben durch eine gute gemeinsame Koordination das Bauvorhaben der Firma Trumpf vorangebracht, und es ist schön, wenn man sieht, wie aus Plänen Realität wird,“ so HeinzRudolf Hagenacker, Bürgermeister der Gemeinde Teningen beim Spatenstich. „Trumpf unterstreicht durch die Modernisierungsmaßnahmen die Bedeutung des Standorts in Teningen. Die Spezialisierung auf hochtonnagige Biegemaschinen und Sonderanlangen in einem kompakten Umfeld trägt Früchte. Dies schlägt sich in deutlich zweistelligen Wachstumsraten nieder, was ein modernes Produktionsumfeld umso wichtiger macht“, so Geschäftsführer Reinhold Groß. Das Unternehmen beschäftigt derzeit rund 130 Mitarbeiter.

Jungwissenschaftler Gad ausgezeichnet FREIBURG/STUTTGART. Auszeichnung für den Freiburger JungWissenschaftler Karim Mohamed Gad. Der 30-Jährige ist einer von neun Nachwuchswissenschaftlern aus Baden-Württemberg, denen unlängst der Förderpreis des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall verliehen wurde. Gad erhielt die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für seine Dissertation am Lehrstuhl für Elektrische Mess- und Prüfverfahren beim Institut für Mikrosystemtechnik (IMTEK) der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Thema der Dissertation: Entwicklung und Charakterisierung von funktionalen Nanoschichten in Silizium-Solarzellen. „Die klugen und kreativen Köpfe der jungen Wissenschaftsgeneration sind eine ganz zentrale und wichtige Ressource für Baden-Württemberg – für Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft“, sagte Wissenschaftsministerin Theresia Bauer.

Handwerker optimistisch SÜDBADEN. 70 Prozent der südbadischenHandwerksbetriebe sind mit ihrer Geschäftslage zufrieden. Das geht aus der vierteljährlichen Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Freiburg (HWK) hervor. „Bauinvestitionen und Konsum sorgen für ein stabiles Konjunkturhoch im südbadischen Handwerk", sagt HWK-Präsident Johannes Ullrich. Mehr als 80 Prozent rechnen sogar mit einer positiven Geschäftsentwicklung

Feierling-Rombach bestätigt BADEN. Der Verband deutscher Unternehmerinnen (VdU) Baden hat eine neue Doppelspitze: Neben Martina Feierling-Rombach (Baden Süd), die im Amt bestätigt wurde, wurde Vorstandsmitglied Erika Schroth (Baden Nord) als Landesverbandsvorsitzende gewählt und löst damit Viola C. Marguerre in der Spitze ab. bib / bar

Gehaltsverzicht und feiern! Der Freiburger Steuerberater Erik Herr ist ein Routinier im Geschäft. Für die bib-Leser berichtet er in jeder Ausgabe über Nützliches & Kurioses, Aktuelles & Steuerbares. Foto: © privat

ebm-papst kauft Lae

Kolumne

Gehaltsverzicht – aber richtig: Häufig reduzieren Gesellschafter-Geschäftsführer einer GmbH ihre Vergütungen, um temporäre Verlustsituationen zu kompensieren. Der Bundesfinanzhof (BFH) sagt, dass es maßgeblich darauf ankommt, wann der Verzicht erklärt wurde. Verzichtet der Steuerpflichtige bereits vor der Entstehung seines Gehaltsanspruchs, wird er unentgeltlich tätig und es kommt nicht zum fiktiven Zufluss von Arbeitslohn. Die Verzichtserklärung sollten Sie daher vorab schriftlich vereinbaren. Auszahlung aus einer Pensionskasse: Nach dem BFH kommt der ermäßigte Einkommensteuersatz nicht zur Anwendung, wenn statt laufender Auszahlungen eine einmalige Kapitalabfindung gewählt wird und diese bereits in der ursprünglichen Versorgungsregelung möglich war. Diese Grundsätze gelten meines Erachtens auch bei der Abfindung einer Pensionszusage direkt durch eine GmbH! Mietverhältnis mit nahen Angehörigen: Der BHF hat bestätigt, dass ein solches einem Fremdvergleich standhalten muss. Die Miete sollte mindestens 66 Prozent der ortsüblichen betragen. Vereinbarte Nebenkostenabrechnungen müssen gemacht, es muss monatlich überwiesen werden und übliche Kündigungsfristen gelten. Verwenden Sie einen Standard-Mietvertrag! Gartenfest: Ausgaben für die Bewirtung von Geschäftsfreunden bei einem Gartenfest fallen nicht zwingend unter das gesetzliche Abzugsverbot. Sie sollten die berufliche Veranlassung sauber dokumentieren, in dem Sie etwa eine Gästeliste mit den beruflichen Verbindungen anlegen. Steuerfreie Zuwendungen an Mitarbeiter: Eine Liste der Möglichkeiten stelle ich Ihnen gerne zur Verfügung. www.herr-stb.de

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Menschen und Meldungen

Foto: © Kaiser

Kontinuität im Wirtschaftsrat Frank O. Bayer als Sektionssprecher bestätigt

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Neue Kaiserloft Leckeres im Lofthaus EHRENKIRCHEN/MERZHAUSEN. Seit dem 4. Mai betreibt Kaisers Gute Backstube in Merzhausen im Lofthaus an der Hexentalstraße 4 ihre jüngste Bäckereifiliale, die „Kaiserloft am Reichenbach“. Geschäftsführerin Birgit Kaiser hat einen mittleren sechsstelligen Betrag in die 40. Filiale des Familienbetriebs investiert. „Wir freuen uns, in einem so attraktiven Gebäude ganz in der Nähe unseres bisherigen Standorts unsere Kunden künftig den ganzen Tag hindurch kulinarisch versorgt zu wissen“, sagt Kaiser bei einem Cappuccino in den durchaus stilvollen neuen Räumen. Die Kaiserloft bietet auf rund 150 Quadratmetern 38 Sitzplätze innen, 24 außen und 6 Stellplätze. Es gibt – neben dem normalen Angebot – auch Pausensnacks, hausgemachte Suppen und Salate sowie ein wechselndes Tagesgericht. Unter der Woche erwartet Frühaufsteher eine umfangreiche Frühstückskarte, sonntags ein Frühstücksbüffet. Schon tags vor der Eröffnung am 4. Mai standen Dutzende Kunden an den großen Fenstern und begehrten Einlass. Als die Schiebetür sich dann öffnet, nehmen Verkäuferinnen Glückwünsche entgegen. Vier neue Mitarbeiter hat Kaiser eingestellt, insgesamt arbeiten 500 Menschen für das Unternehmen. Die nächste Filiale, die Nummer 41, wird Mitte Juni an der Ecke Merzhauserund Wiesentalstraße eröffnen. „50 Filialen werden wir aber nie haben, wir wollen nur mit Qualität wachsen.“ bib

Gruppenbild erstmals mit Dame: Eckart Wetzel, Hagen Schällig, Jürgen Erling, Frank O. Bayer, Christine Ernst, Achim Hornecker, Jürgen Henninger, Stephan Wilcken, Ralph Kollinger (v.l.n.r.). FREIBURG. Die Mitglieder der Sektion Freiburg-Emmendingen des Wirtschaftsrates Baden-Württemberg haben bei der jüngsten Wahl des Sektionsvorstands Ende März auf Kontinuität gesetzt. Sie bestätigten nicht nur einstimmig Frank O. Bayer, Studiengangsleiter BWL – Spedition, Transport und Logistik an der Dualen Hochschule BadenWürttemberg in Lörrach, in seinem Amt, sondern auch sieben weitere Vorstandsmitglieder. „Ich freue freue mich sehr, dass wir unsere erfolgreiche Arbeit auch in den nächsten Jahren weiterführen können“, kommentierte Bayer. Der Wirtschaftsrat sei sehr nah dran an den Bedürfnissen der Unternehmerinnen und Unternehmer, aber auch an den Vertretern aus der Politik: „Dabei sind wir branchenübergreifend und parteiunabhängig.“ Und nur das erlaube es, sich konsequent an einem marktwirtschaftlichen Ordnungsrahmen zu orientieren und für die Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft einzutreten.

Der Wirtschaftsrat kämpft etwa mit Veranstaltungen für diese Interessen. „Wir sprechen über die Themen, die die Unternehmen in der Region bewegen.“ Der Einsatz habe sich bewährt, denn viele Anliegen seien in der Öffentlichkeit und der Politik erfolgreich vermittelt worden. Ebenfalls im Vorstand bestätigt wurden Jürgen Henninger (Schmolck GmbH, Emmendingen), Achim Hornecker (Dr. Hornecker Softwareentwicklung und IT-Dienstleistungen, Freiburg), Ralph Kollinger (KollingerGruppe, Freiburg), Michael J. Pistecky (FreiburgConsult), Hagen Schällig (ELC External Legal Councels, Freiburg), Eckart Wetzel, Ernst & Young GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, Freiburg) sowie Stephan Wilcken (Südwestmetall e.V. Bezirksgruppe Freiburg). Eckhard Rein hatte sich nicht mehr zur Wahl gestellt, für ihn wurde Christine Ernst (Büba: Büro- und Industriereinigung GmbH, Freiburg) neu in den Vorstand gewählt. bib

Super 8 eröffnet FREIBURG. Die Marke Super 8 der US-amerikanischen WyndhamGruppe steht für Hotel-Komfort zu kleinen Preisen. Aktuell gehören zu Super 8 weltweit über 2600 Häuser. Die ersten

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beiden Häuser der Marke in Europa öffneten 2016 in München, das dritte hat nun mit 205 Zimmern auf dem Güterbahnhof eröffnet. bib / bar


Menschen und Meldungen

Pfizer bekennt sich zu Freiburg

Stadtbau erhöht 1800 Mieten

FREIBURG. Der Pharmakonzern Pfizer investiert nach BZ-Informationen 30 Millionen Euro in den Standort Freiburg. Erst im September 2015 hatte das Unternehmen ein 20 Millionen Euro schweres Investment in die Technik des Freiburger Werks gestartet, in dem jährlich rund 6 Milliarden Tabletten, Kapseln und Dragees sowie rund 200 Millionen Packungen hergestellt und verschickt werden. Pfizer beschäftigt in Freiburg etwa 1000 Menschen und ist damit einer der größten privaten Arbeitgeber.

FREIBURG. Die Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) erhöht zum 1. Juni die Mieten von 1800 Wohnungen um durchschnittlich zehn Prozent oder 60 Cent pro Quadratmeter und nimmt damit etwa fünf Millionen Euro mehr ein. Die SPD und Unabhängigen Listen im Gemeinderat kritisierten die Mieterhöhungen. Der Gemeinderat hatte 1994 selber beschlossen, dass die FSB die Mieten peu à peu dem Mietspiegel anpassen soll.

Sick im Höhenflug

FREIBURG. Die Baugenossenschaft Familienheim Freiburg hat Ende April mit dem Bau eines Wohnhauses an der Ecke Spittelackerstraße und Weidweg im Mooswald begonnen. In die sechs Mietwohnungen investiert sie rund 1,8 Millionen Euro. Das KfW Effizienzhaus 55 wird auf einem ehemaligen Garagengrundstück in Holzmassivbauweise errichtet und sorgt mit einem ökologischen Wärmedämmverbundsystem aus Holzfaserplatten für einen niedrigen Energieverbrauch, die Wärmeversorgung erfolgt über eine Luft-Wärme-Pumpe. „Die Mietpreise“, so die Vorstandsvorsitzende Anja Dziolloß, „werden sich voraussichtlich bei einem Quadratmeterpreis um die zehn Euro bewegen.“

WALDKIRCH. Der Sick-Konzern hat im Geschäftsjahr 2016 erneut Bestwerte erzielt: Der Umsatz kletterte um 7,4 Prozent auf 1,361 Milliarden Euro, der Auftragseingang wuchs um 10,1 Prozent auf fast 1,4 Milliarden. Der Gewinn lag nach Steuern bei 104 Millionen Euro und damit 14,5 Prozent über dem Vorjahr. „Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds, politischer Unsicherheiten und negativer Währungseffekte konnten wir ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum erzielen“, erklärte Markus Vatter, Vorstand für Finanzen, Controlling & IT, bei der Vorlage der Bilanz. Für den Sensorhersteller arbeiteten im vergangenen Jahr weltweit 8044 Menschen.

Karriere bei Pfizer

Familienheim investiert 1,8 Millionen Euro

BERLIN/FREIBURG. Seit dem 1. Mai leitet Stefanie Seltmann den Bereich External Communications bei Pfizer in Deutschland. In ihrer Funktion als Director External Communications leitet Seltmann künftig ein elfköpfiges Team, das für die Unternehmens-, Produkt und Onlinekommunikation verantwortlich ist. Ebenfalls seit 1. Mai ist Susanne Straetmans Teamleiterin in der Unternehmenskommunikation. Der amerikanische Pharma-Konzern beschäftigt weltweit 97.000 Menschen und betreibt ein großes Werk in Freiburg.

badenIT wächst rasant SÜDBADEN. BadenIT, eine Tochter der Badenova AG, hat 2016 mit 85 Beschäftigten 15,79 Millionen Euro Umsatz erwirtschaftet – 1,26 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Als Gewinn blieben 1,37 Millionen übrig. Das rasante Wachstum liegt nach Unternehmensangaben vor allem am Neugeschäft mit regionalen Großkunden. badenIT baut das Glasfasernetz in Freiburg, stellt Kunden Serverlandschaften, baut Netzwerke und bietet Support. Wegen des Erfolges plant Geschäftsführer Peter Lais noch in diesem Jahr den Bau eines weiteren Rechenzentrums in Freiburg.

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Studium

Ausgezogen: Ravisha Gaur (rechts) hat das Wohnheim Längenloh verlassen.

»Einfach zu teuer« Miete im Wohnheim Längenloh steigt rapide – wie vielerorts auch

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uf einen Schlag 32 Prozent mehr Miete. Was die Studenten derzeit im Wohnheim Längenloh im Freiburger Stadtteil Zähringen verkraften müssen, ist beim örtlichen Studierendenwerk ein Sonderfall. Doch er spricht Bände: Denn die Mieten für WG-Zimmer und kleine Wohnungen steigen seit Jahren. Stärker noch als sonstige Mieten, zeigt eine Studie aus Köln. Wer Glück hat, findet einen Platz in anderen Wohnheimen. Andere weichen ins Umland aus.

40 Prozent mehr zahlt das SWFR also der Stadt – und gibt die Erhöhung an seine Mieter weiter. „Weniger als zehn Prozent der rund 70 studentischen Bewohner sind deswegen ausgezogen“, sagt Heyberger. Ihre Wohnheimplätze sind heiß begehrt. Schließlich sind sie äußerst günstig: Ab 229 Euro warm zahlt man beispielsweise für ein WG-Zimmer in der Studentensiedlung am Seepark. Insgesamt 4000 SWFR-Zimmer gibt’s derzeit in Freiburg. „Wir würden auch 10.000 vollkriegen“, sagt Heyberger. 500

Ravisha Gaur ist ausgezogen. 80 Euro mehr Miete hinzublättern, war zu viel. Die Inderin macht ein Masterstudium in Freiburg. Ein halbes Jahr lang lebte sie im Wohnheim Längenloh, das vom Studentenwerk betrieben wird. Anfang des Jahres bekamen die rund 70 Studierenden dort eine Mail: Die Miete steigt zum Sommersemester von 250 auf 330 Euro. Statte 32 Prozent mehr. „Das ist einfach zu teuer“, sagt die 25-Jährige. „Die Erhöhung ist ein Sonderfall“, erklärt Renate Heyberger, Vize-Geschäftsführerin des Freiburger Studierendenwerks Freiburg-Schwarzwald (SWFR). Denn die Räumlichkeiten werden von der Stadt gemietet und die hat kürzlich eine neue Gebührenordnung erlassen. Im Rathaus wird das bestätigt: Statt 7200 Euro für ein Unterbringungsgebäude, werden nun 10.080 Euro fällig.

»Die Suche ist mega stressig« neue seien in den vergangenen Jahren hinzugekommen. Weitere 1000 sind bis 2025 in Planung. Um rund 25 Prozent sind die Mieten für SWFR-Zimmer seit 2008 gestiegen, berichtet Heyberger. Das klinge nach viel, es seien aber nur sechs Euro mehr pro eineinhalb Jahre. Auf dem freien Markt steigen die Preise für Studentenwohnraum rasanter: Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW-Köln) hat kürzlich elf Uni-Städte untersucht: Die Preissteigerung liegt weit über der allgemeinen Teuerrungsrate. So sei die Miete für ein Einzimmerapartment mit 30 Quadratmetern in Berlin von 2010 bis 2015 um 28 Prozent gestiegen. In München, Spitzenreiter der Statistik,

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zahle man im Schnitt 580 Euro warm für eine 30-Quadratmeter-Einzimmerwohnung. Auch in Freiburg müssen Studenten immer tiefer in die Tasche greifen: Das Portal studenten-wg.de hat den durchschnittlichen Preis für ein WGZimmer berechnet. Zahlte man 2008 inklusive Nebenkosten noch 266 Euro, sind es heute 382 Euro. Ein Plus von rund 44 Prozent. Von den teuren Preisen kann auch Christine Ferenz ein Lied singen. Die 31-jährige Studentin pendelt täglich von Oberried zur Uni. Zu gerne würde sie in Freiburg wohnen, hat dort aber nichts Bezahlbares gefunden. 550 Euro warm zahlt sie in Oberried für eine große Einzimmerwohnung. „In Freiburg kriege ich für den Preis nur die Hälfte“, sagt sie. Und die Suche sei mega stressig: Unmengen an Interessenten kämpften um den Zuschlag. Das dürfte sich auch so schnell nicht ändern. „Entspannung ist nicht in Sicht“, sagt Marco Wölfle vom Center For Real Estate Studies (CRES) in Freiburg. Er hat sich die Preise für Wohnungen, wie Christine Ferenz sie sucht, genauer angeschaut: Eine Ein- oder Zweizimmerwohnung auf dem freien Markt in Freiburg kostete 2016 pro Quadratmeter 10,88 Euro. Tendenz steigend. Damit ist Freiburg rund einen Euro teurer als Berlin. Aber immer noch fast fünf Euro billiger als München. Till Neumann


Unternehmer

Der berufene Destillateur Baron von Droste zu Hülshoff und die »Badische Lösung«

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Fotos: © privat

u seiner alten Familie gehört eine weltbekannte Dichterin, dazu Diplomaten, Musiker, Wissenschaftler und Verwaltungsbeamte. Ein Schnapsbrenner war bisher nicht darunter – und selbst die Ahnen seiner charmanten und geistreichen Mama Hortense von Gelmini brannten nur ab und an Südtiroler Obstler zum Hausgebrauch. Benedict Freiherr von Droste zu Hülshoff, Nachfahre der berühmten Annette, begründete also eine neue Familientradition: Er macht aus Äpfeln und Walnüssen, die rings um den Familienlandsitz „Villa Küchlin“ bei Horben wachsen, erlesene Liköre. Und vermarktet sie erfolgreich unter dem Rubrum „Badische Lösung“. Damit ist nicht etwa „alla guud, tringga mer oin“ gemeint, sondern laut von Droste ist „die Badische Lösung eine süddeutsche Form der Diplomatie, bei welcher man auf wundersamen Wegen vom Dissens zum Konsens findet“ – wohl nicht selten unter reichlichem Einsatz von Hochprozentigem. Der studierte Kulturmanager begann 2007 eine Ausbildung als Fachmann im Brennereiwesen und gründete 2010 die Firma Baron Droste Hülshoff. „Ich bin ein zu 100 Prozent berufener Destillateur“, sagt er und verweist darauf, dass der elterliche Hof genügend Ressourcen für den Einstieg in das Brennereigewer-

be bot. Nach der Ausbildung im Brennereiwesen in Offenburg machte er sich daran, einen „Liqueur Superieur“ zu kreieren. Das ist ihm gelungen: Seine Brennerei hinter der elterlichen Villa stellt zwei Liköre her, Apfel und Walnuss, die, so seine Beschreibung, „frische, natürliche Zutaten und Rohstoffe zu einem einzigartigen Blend verbinden“. Ausschließlich individuelle, kleine Chargen werden zu sortenreinen Apfelbränden ausgebaut. Und da die nicht beliebig zu vermehren sind, gibt es die Badische Lösung nur in limitierter Auflage – was die Preisgestaltung sicher nicht eben erschwert. Charmant, aber eisern verweigert er Angaben darüber, welche Mengen an Adels-Schnaps denn Jahr für Jahr in Horben destilliert werden. Baron von Droste ist Einzelkämpfer. Die Mitarbeiter-Kapazität ergänzt er je nach Saison um einige Helfer. Seine Produkte liefert er an Kunden in Deutschland, aber auch, in kleinen Mengen, in die USA, nach China, Belgien, Frankreich, Holland, Österreich oder in die Schweiz. Die Badische Lösung werde international goutiert, „weil sie echt ist, Liebe zur Heimat transportiert und dabei international und weltoffen bleibt“. Deshalb wohl wurde sein Produkt auf der „Cocktails-Spirits“ in Paris 2013 – weltweit führend für Spirituosen- und Bartrends – mit einem Preis als einer der 14 besten Newcomer-Liqueure Europas ausgezeichnet.

Der Baron und sein Produkt: Benedict Freiherr von Droste zu Hülshoff mit Liqueur (oben), in Paris am Stand und einfach mal bei der Arbeit (unten). Abgefüllt werden die Erzeugnisse des Freiherrn in originelle schwarze Flaschen. Die Farbe der „Bollen“ auf dem Bollenhut des stilisierten Schwarzwaldmädels signalisiert, ob es sich um Apfel- oder Walnuss-Liqueur handelt. Mit einer „Bar On Tour“ macht der Baron seine Produkte bekannter, so jüngst auf der Badischen Weinmesse in Offenburg. Daneben tüftelt er derzeit an einem speziellen Liqueur-Becher. Die Schnaps-Szene ist im Umbruch: Badischer Gin, Whisky und auch Wodka werden neben alten Sorten wie Kräuter, Williams oder Himbeergeist kreiert. Allen gemein ist eine frische Art – der Produkte und der Vermarktung. Benedict von Droste zu Hülshoff gehört zu den Trendsettern: „Ein Großteil dieser Trends hat sich noch nicht etabliert. Das sind Rebellen im Untergrund. Deswegen ist es ja gerade so spannend.“ Der Schlüssel zu internationalem Erfolg sei Stil und Niveau und dieses dann zu halten. Regionale Produkte schaffen das nur, wenn sie konstant mit Tradition den Nerv der Zeit treffen: „Ich denke, das wird wenigen gelingen, aber die, denen es gelingt, werden die ganze Region weit nach vorne bringen.“ Stefan Pawellek

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Automobil

Der Dino unter den Volvo-Händlern Autohaus Engelhard investiert in Standort und Neubau

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Foto: © Autohaus Engelhard

as Freiburger Autohaus Engelhard ist in der deutschen Liste der Volvo-Händler mit der Nummer 7 notiert. Da es aber die ersten sechs schon gar nicht mehr gibt, ist der mit 55 Jahren dienstälteste Händler an der Zinkmattenstraße im Industriegebiet Nord zu finden. Und der investiert derzeit kräftig. Auf dem Eckgrundstück Tulla- und Hans-Bunte-Straße hat Ralph Kollinger, Geschäftsführer der gleichnamigen Gruppe, zu der auch Engelhard zählt, ein 1500 Quadratmeter großes Grundstück gepachtet und wird darauf demnächst eine neue Volvo-Gebrauchtwagen-Fläche inszenieren. „Es ist das erste Mal, dass wir abseits unserer bestehenden Standorte etwas Neues machen“, sagt Kollinger. Zudem steckte er mehrere hunderttausend Euro in die Digitalisierung des Hauses an der Zinkmattenstraße. Das nun, nicht zuletzt, über einen Glasfaseranschluss verfügt. „Die Digitalisierung der Autos nimmt immer mehr Fahrt auf, wir als Händler müssen dafür professionell vorbereitet sein.“ Die finanzielle Offensive wird von einer inhaltlichen begleitet: „Ein bisschen Schweden für Südbaden“, heißt der eigens kreierte Slogan, der etwa Traditionsbewusstsein, Sicherheit, Nachhaltigkeit oder Zurückhaltung als verbindende Werte transportiert. Dass Volvo-Techniker es waren, die 1959 den Dreipunktsicherheitsgurt erfunden hatten, haben sie damals marketingmäßig nicht ausgeschlachtet. Und wenn heute Hersteller selbstbremsende Fahrzeuge offensiv bewerben, sagt Volvo-Vertriebschef Timo Schwörer: „Das macht der XC 60 schon seit fast zehn Jahren.“ Südbaden ist für Volvo schon seit jeher ein besonderer Markt: Während der An-

Stolze Gewinner: Anke Krämer und Timo Schwörer haben bei der Automobil Freiburg mit dem V90 den Publikumsaward in der Klasse Familienautos gewonnen. teil bundesweit bei 1,1 Prozent liegt, liegt er hier bei 2 Prozent. 800 neue und gebrauchte Volvos haben allein im vergangenen Jahr die Häuser in Freiburg und Müllheim verlassen. Vor zehn Jahren waren es 600, 1996 rund 400. Bis 2020, so die eigene Zielmarke, sollen es 1100

»Ein Volvo ist sozial neutral« sein. Mehr als die Hälfte der Volvos wird von Firmen geordert. „Ein Volvo ist sozial neutral“, sagt Marketingleiterin Anke Krämer. Wenn ein Außendienstleister mit einem Volvo vorfährt, werde er in keine Schublade gesteckt. „Und auch der Bruttolistenpreis ist im Vergleich zu anderen Premium-Anbietern sehr attraktiv“, sagt Schwörer. Die Kundschaft profitiert seit etwa drei Jahren von einer Produktoffensive. Die Göteborger platzieren in kurzen Intervallen neue Modelle und wollen auch die jüngere Klientel mehr für sich interessieren, etwa mit dem Small-Size-SUV

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XC 40. Diese Modellvielfalt in der Region verankern und mit Volvo Selekt – dem qualitätsgeprüften Gebrauchtwagenprogramm – punkten, das sind die beiden Motoren, die den Marktanteil in Südbaden noch weiter voranbringen sollen. Aktuell setzt das Autohaus Engelhard mit 55 Mitarbeitern jährlich rund 23 Millionen Euro um – etwa die Hälfte des Umsatzes der ganzen Gruppe. Die Volvo-Clique bringt übrigens demnächst umgekehrt auch ein bisschen Südbaden nach Schweden: Kollinger fährt mit der Belegschaft nach Göteborg, um dort nicht nur das Werk zu besichtigen. Vor der eigenen Haustür sponsert Engelhard den B2Run Freiburg, wo am 1. Juni das Führungsfahrzeug ein vermutlich junger Schwede sein wird und nach dem Lauf alle wohl 5500 Mitmacher eine Volvo-Finishertasche mitnehmen können. In der sind allerdings keine Reisegutscheine nach Schweden. bar


Automobil

Warum die Werkstatt so wichtig ist Schmolcks Erfolg fußt auf dem Service

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Foto: © Schmolck

as erste Auto verkauft der Verkäufer, alle anderen die Werkstatt!“ So brachte es einmal der frühere Porsche-Chef Wendelin Wiedeking auf den Punkt. Verfolgt man den Werdegang des Autohauses Schmolck in Emmendingen, so braucht es dazu keine Korrektur. 1947 gegründet – das Land lag noch zerstört darnieder –, beginnt Emil Schmolck in Emmendingen mit dem Handel mit Landmaschinen. Nur: Damals war die (findige) Reparatur beschädigter Maschinen wichtiger als alles andere, denn so viele Mitbürger gab es nicht, die sich neue Maschinen hätten leisten können. Hans-Rudolf Schmolck, Sohn des Firmengründers, erinnert sich: „Uns war von Anfang an klar, dass es nicht reicht, gute Produkte zu verkaufen.“ Für die Kunden sei es immer wichtig gewesen, dass sie jemanden haben, der sie rund um ihr Fahrzeug begleitet und sich um mehr als die Wartung und Reparaturen kümmert. Durch die Landmaschinenhistorie sei man es gewohnt, dann für den Kunden da zu sein, wenn er sein Fahrzeug gerade nicht benötigt oder ihm im Ernstfall sofort Hilfe anbieten zu können: „Wenn die Erntemaschine in der Saison einen Defekt hatte, rückten wir aus, egal zu welcher Tagesoder Nachtzeit, um unserem Kunden zu helfen.“ Heute gehört konsequenterweise ein 24-Stunden-Notdienst im Nutzfahrzeugbereich zum Angebot von Schmolck. Heute schicken Spediteure ihre Trucks bis zu 50 Kilometer weit nach Emmendingen, weil dort nicht nur ein Rundumangebot von Wartung, Reparatur, Fahrzeugbau, Reifendienst samt Kooperation mit Versicherungen im Unfallgeschäft besteht, sondern

Erfolgreiches Team: Auch nachts und am Wochenende für die Kundschaft bereit. auch die Möglichkeit, die Fahrzeuge zu Zeiten warten zu lassen, wenn sie nicht gebraucht werden, ihr Ausfall also kein Geld kostet. Was konkret heißt: abends und am Wochenende. Es war den Schmolcks – das Unternehmen ist in der dritten Generation ein Familienbetrieb – immer klar, dass

Arbeit für 280 Menschen man sich Marktveränderungen anpassen muss, dies aber, ohne grundsätzliche Erkenntnisse zu vernachlässigen: etwa die Wichtigkeit einer guten Werkstatt mit einer modernen, technisch führenden Ausstattung. Der Betrieb wurde zu einem der größten Landmaschinenhändler Südbadens, doch gleichzeitig wurde das Standbein Werkstatt weiterentwickelt. So folgte denn auch der Wartung von Landmaschinen eine Fachwerkstatt für Fahrzeugelektrik, aus der ein Bosch-Service erwuchs. Dies wurde dann, obwohl man schon mit der Marke mit dem Stern „verbandelt“ war, mit einem VW-Service flankiert,

dessen Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit immer wieder Kunden fragen ließ, ob man denn hier nicht auch Wolfsburger Fahrzeuge kaufen könne. 70 Jahre Schmolck, das sind nicht zuletzt 70 Jahre Werkstattleistungen, die aufgrund ihrer Qualität das eigentliche Autogeschäft nach sich zogen: Seit 20 Jahren ist Schmolck Mercedes-Partner für den gesamten Fahrzeugbereich, seit 2015 betreuen die Emmendinger erfolgreich die Marke Skoda. Heute beschäftigt das Familienunternehmen rund 280 Mitarbeiter, darunter 80 Auszubildende in 13 verschiedenen Ausbildungsberufen und DHBW-Studiengängen. Wenn das Unternehmen so gut läuft, dann nicht nur, weil viele Fahrzeuge verkauft werden. Sondern vor allem, weil der Werkstattservice so gut ist. Schmolck hat das WiedekingDiktum verstanden und erfolgreich umgesetzt. Und so bilanzieren die Geschäftsführer Bernhard Schmolck und Jürgen Henninger: „Dieser RundumService ist bis heute eine unserer größten Stärken.“ Stefan Pawellek

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Automobil

»Phänomenale Verkaufsergebnisse« Q5, V90 und i3 gewinnen den AUTOMOBIL AWARD 2017 Obacht: Inszeniert wird das Automobil in Freiburg wie auf der großen IAA.

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ie 32. AUTOMOBIL Freiburg mit der 7. Tuning & Sound Convention lockte 24.500 Besucher an. Der Freiburger Messechef Daniel Strowitzki zeigt sich äußerst zufrieden: „Die Zusammenarbeit zwischen der Interessengemeinschaft Freiburger Autohäuser und der Messe Freiburg war hervorragend.“ „Die Besucher lobten das besondere Ambiente und schätzten vor allem das vielseitige und individuelle Angebot dieser Messe“, berichtete Tobias Gutgsell, Sprecher der Interessengemeinschaft Freiburger Autohäuser und Geschäftsführer der Märtin GmbH. Das Autohaus Schmidt (Hyundai), Engelhard (Volvo) und Premium Automobile Freiburg (Land Rover + Jaguar) von der Kollinger-Gruppe hatten in diesem Jahr nach mehrjähriger Pause wieder mitgemacht. „Sowohl neue Erstkontakte als auch unsere Stammkunden gaben uns ausschließlich positive Rückmeldungen und hatten spürbare

Fotos: © FWTM

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Lust auf die Autos, sodass wir mit dem Verlauf mehr als zufrieden sind und auch ein hervorragendes Messenachgeschäft erwarten“, kommentierte Ralph Kollinger, Geschäftsführer der Kollinger-Gruppe. Die Kundenwünsche werden immer individueller, was sich im Angebot spiegelte. Die Modellpalette wird immer größer, die Ausstattungsmöglichkeiten immer vielfältiger. „Unsere Kunden und die Besucher der AUTOMOBIL nehmen dieses umfangreiche Angebot sehr gut an und so konnten phänomenale Verkaufsergebnisse auf der Messe erzielt werden“, sagte Dirk Zimmermann, Geschäftsführer der Märtin GmbH. Bereits am Samstagabend wurden die Verkaufsergebnisse aus dem Vorjahr erreicht. Das starke Kaufinteresse zieht sich durch alle Marken und die gesamten Modellpaletten hindurch. Dieter Rüd, Geschäftsführer des Autohauses Rüd, bestätigt diese Beobachtung und kann das beste Verkaufsergebnis seit der ersten AUTOMOBIL verzeichnen. „Die richtige Bedarfsanalyse mit dem Kunden ist für den Autokauf wichtiger denn je“, so Timo Schwörer, Gesamtvertriebsleiter für Volvo bei der Kollinger-Gruppe. Schon immer hatte die „kleine IAA“ – wie die Freiburger AUTOMOBIL zuweilen genannt wird – Neuheiten, Trends und Highlights der Branche präsentiert und rund ums Thema Automobilität informiert. Die qualitative Entwicklung des Auto-Events wurde 2017 sowohl bei den Ausstellern als auch seitens der Messeorganisatoren fortgesetzt. Eine Premiere hingegen feierte der AUTOMOBIL AWARD. Unter dem Motto „Südbaden wählt sein Lieblingsauto“ wählten die Besucher ihr Lieblingsfahrzeug in den Kategorien SUV, Familienauto und Alternative Antriebe. Die Sieger heißen Audi Q5 (SUV), Volvo V90 (Familienauto) und BMW i3 (Alternative Antriebe).


Messen

Ist das noch Auto oder schon Wohnzimmer: Die Automobil lockte fast 25.000 Interessierte an die Freiburger Messe.

Umrahmt wurde Süddeutschlands größte Neuwagen-, Informations- und Verkaufsausstellung von verschiedenen Aktionen und Sonderschauen, die sich mit dem Thema E-Mobilität, Motorsport, Oldtimer, Verkehrssicherheit und Barrierefreie Mobilität beschäftigten. Besuchermagnet war erneut auch die 7. Tuning & Sound Convention, deren Angebot zur Individualisierung von Autos und Motorrädern mit Neugier und Staunen quittiert wurde und in den vergangenen Jahren immer professioneller wurde. Das Rahmenprogramm, bei dem neben spektakulären Driftshows auch die Wahl zum Freiburger Tuning Girl am Samstagabend veranstaltet wurde – die Siegerin heißt Alexandra Wunderle und kommt aus Emmendingen –, lockte zusätzliche Besucher an und wurde von den Tuningfans förmlich „gefeiert“. Der Termin zur 33. AUTOMOBIL mit der 8. Tuning & Sound Convention steht schon: Sie rollt vom 16. bis 18. Februar 2018 vom Band. bib 5 Anzeige

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Automobil

Den Kosten auf der Spur Denzlinger »fuhrpark guide« bietet FlottenManagement aus einer Hand

Foto: © Fuhrpark Guide

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ffektiv, zeitgemäß und wirtschaftlich – so soll ein moderner Fuhrpark sein. Doch gerade für mittelständische Unternehmen mit einer überschaubaren Flotte lohnt sich ein eigener Manager oft nicht. Hier bietet Michael Maier die Lösung. Sein fuhrpark guide kümmert sich um das komplette Management: Von der Verwaltung der Flotte über KFZ-Überführungen bis hin zur elektronischen Fahrscheinkontrolle – der Kunde hat die Wahl zwischen einzelnen Leistungen oder einer Rundum-Betreuung aus einer Hand. Und das kann nicht nur bares Geld sparen, sondern kommt dank des fuhrpark-green-guides auch der Umwelt zugute.

3301 Autos betreut der Mittelständler momentan – etwa 1000 mehr als vor einem Jahr. Dabei setzen allerdings nicht alle Kunden auf das Rundum-Paket: Auch Unternehmen, die ihre Flotte selbst betreuen oder bereits einen Fuhrparkmanager an Bord haben, schätzen Maiers Dienstleistung – schließlich bietet er mit seiner sogenannten „Premium-Auslieferung“ einen Service, der einzigartig am Markt ist. Bei Fahrzeugüberführungen machen seine Mitarbeiter die Termine, schreiben die Fahrer an, kümmern sich um die elektronische Führerscheinkontrolle und führen die UVV durch. Hier wird nicht nur gecheckt, ob das Auto in einwandfreiem Zustand ist, sondern dem Fahrer auch erklärt, wie er etwa die Ladung richtig

Noch stehen in der Ecke ein paar Kisten, ein Handwerker verlegt Kabel – Maier und sein Team sind gerade erst von Emmendingen nach Denzlingen umgezogen. Das Unternehmen wächst, da müssen die Räumlichkeiten mithalten. Viel Zeit sich einzurichten bleibt den acht Mitarbeitern jedoch nicht: Allein in diesem Jahr sind drei neue Kunden hinzugekommen, die ihre insgesamt 240 Autos fassenden Flotten gemanagt haben wollen. Viele Kunden kommen aus der Region – auch namhafte Firmen wie TDK Micronas gehören dazu –, doch darauf beschränkt sich Maier nicht: Zwei weitere Niederlassungen gibt es in Dessau und Solingen, eine weitere ist in Hamburg geplant. Für Maier selbst ist ein größerer Umzug nicht denkbar: „Wir könnten in einem Ballungsgebiet sicher mehr Erfolg haben“, sagt der 38-Jährige, „aber wir sind in der Region gewachsen und wollen den persönlichen Kontakt zu unseren Kunden auf keinen Fall verlieren.“

Vergünstigungen für umweltfreundliche Modelle sichert oder wo er die Warnweste findet. „Die Logistik bietet in diesem Umfang sonst niemand an“, sagt Maier. „Den Unternehmen spart das Zeit und Geld.“ Neben den Überführungen hat das Team auch mit seinen Vertragskunden alle Hände voll zu tun – der FrühlingsCheck steht an. 440 Räderwechsel werden organisiert, zudem geht an jeden Dienstwagenfahrer ein Schreiben raus: Ist die Unterbodenwäsche gemacht? Die Beleuchtung geprüft? Hat die Windschutzscheibe einen Steinschlag? Seit Ende vergangenen Jahres bietet das Denzlinger Unternehmen einen 24-Stunden-Notdienst für Pannen und Schäden an. Hier werden über Deutschlands größten Schadensmanager alle Schäden geroutet und mit höchstmög-

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Will für den persönlichen Kontakt zu seinen Kunden in der Region bleiben: Michael Maier in seinem neuen Büro in Denzlingen. lichem Know-how abgewickelt. „Für den Kunden bleiben wir trotzdem Ansprechpartner“, sagt Maier. Ein weiterer Service: der fuhrparkgreen-guide. Für jede Flotte werten die Manager den CO²-Ausstoß aus, den Verbrauch oder den Verschleiß der Reifen. Wer ein umweltfreundliches Modell, ein Elektroauto oder einen Hybridwagen wählt, bekommt Vergünstigungen. Ob sie die Daten nutzen wollen, bleibt dabei den Kunden überlassen. „Für die einen sind umweltfreundliche Kriterien ganz wichtig“, erzählt Maier, „andere wollen dadurch beim Verbrauch sparen.“ tbr

Info:

Wer sich fürs Thema interessiert: Am 19. und 20. Juli ist der fuhrpark guide beim 7. Managementkongress Fuhrpark Bodensee, der FUBO 2017, am Start. Schwerpunkt ist das Thema „Elektromobilität“ – samt Tesla-Fahrt am Stand der Denzlinger.


Automobil

BBS setzt Siegesserie fort

Foto: © BBS GmbH

Premiumradhersteller sammelt Titel

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a läuft es rund: Die Schwarzwälder BBS GmbH hat ihren Triumphzug bei den Leserwahlen namhafter Automobilmagazine auch im Jahr 2017 fortgesetzt. Gleich zum Jahresbeginn hat die Traditionsmarke in vier großen Zeitschriften insgesamt fünf bedeutende Titel errungen und damit seine Siegesserie aus den Vorjahren beeindruckend fortgesetzt.

BBS-Headquarter: In Schiltach laufen die Geschäfte.

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So wurde BBS von den Lesern der AutoBild in den Kategorien „Felgen Qualität“ sowie „Felgen Aussehen/Design“ auf den ersten Platz gewählt. Fans von Motorsport aktuell kürten die Marke aus dem Schwarzwald zur „beliebtesten Marke im Automobil-Rennsport“. Ferner siegte BBS bei den Leserwahlen von auto motor und sport und Auto Zeitung jeweils in der „Kategorie Felgen“. Und schließlich hat der Premiumradhersteller noch beim Theo Award – Beste Marken 2017 den 1. Platz in der Kategorie Felgen erreicht. Der Erfolg kommt nicht von ungefähr: Mitarbeiter in der Designentwicklung und Produktion sowie im Vertrieb und Marketing geben „täglich 100 Prozent“ für atemberaubende Designs in höchster Qualität mit wegweisender Technik aus dem Motorsport, heißt es in einer Pressemitteilung. „Das hervorragende Abschneiden zeigt einmal mehr, welchen hohen Stellenwert die Marke BBS und unsere qualitativ hochwertigen Leichtmetallräder bei den Lesern genießen. Wir bedanken uns fürs Vertrauen und werden alles daransetzen, dass BBS weiterhin ‚100 Prozent die Nummer eins’ bleibt“, so Erwin Eigel, Bereichsleiter Aftermarket bei BBS. Auch in Zukunft wird BBS den Fahrspaß mit einem Höchstmaß an Komfort und Sicherheit verbinden. Geprüft, sicher und Made in Germany. BBS beschäftigt in Schiltach 350 Menschen, 180 arbeiten in Herbolzheim. bib chilli | business im Breisgau | 05.2017 | 33


Arbeitsmarkt/Stellenmarkt

Wo gute Zahlen kleine Zahlen sind: Agentur für Arbeit.

Frühjahrsaufschwung bringt Arbeit Foto: © dpa Alex Heimken

Arbeitslosenquote sinkt auf 3,8 Prozent

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n der Stadt Freiburg sowie den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen waren im vergangenen April 13.359 Frauen und Männer als

arbeitslos registriert, 447 weniger als im Vormonat. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,1 Punkte auf 3,8 Prozent. Die Jugendarbeitslosigkeit ist mit 2,3

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Prozent konstant sehr niedrig. Für den laufenden Mai rechnet die Freiburger Arbeitsagentur noch einmal mit sinkenden Arbeitslosenzahlen.


Arbeitsmarkt/Stellenmarkt

Der Frühjahrsaufschwung auf dem Arbeitsmarkt hat sich im April weiter fortgesetzt. Besonders stark ist die Entlastung in den Außenberufen, im Handwerk, in Lager und Logistik sowie im Gast- und Tourismusgewerbe, meldet die Arbeitsagentur. Weil Freizeitparks ihre Tore öffneten, fanden allein im Raum Emmendingen knapp 150 Menschen neue Arbeit. „Der Arbeitsmarkt ist weiter sehr stabil und es gibt keine Hinweise, dass sich daran in naher Zukunft etwas ändert“, sagt der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freiburg, Christian Ramm. Die Zahl arbeitsloser Menschen mit Migrationshintergrund sank nur leicht um 33 auf 838. Etwa 2000 Flüchtlinge besuchen derzeit Sprach- und Weiterbildungskurse. Ihre Integration in den Arbeitsmarkt bleibe in den nächsten Jahren eine Schwerpunktaufgabe. Zudem gehe es darum, die verfestigte Arbeitslosigkeit weiter aufzubrechen. „In den vergangenen 12 Monaten waren wir dabei sehr erfolgreich“, sagt Ramm. Eine Tatsache

bestätigt das: Denn in diesem Zeitraum sank die Zahl der Langzeitarbeitslosen um durchaus beachtliche 15,8 Prozent. Ein weiteres Arbeitsfeld: Weil die Digitalisierung die Arbeitswelt massiv verändert, müsse man die Arbeitslosen auf diesen Wandel vorbereiten und einige über einen längeren Zeitraum begleiten, „damit niemand den Anschluss verliert“. Die Zahl der Arbeitslosen verringerte sich in der Stadt Freiburg im April um 58 auf 6319 (Quote: 5,3 Prozent), im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald um 202 auf 4461 Arbeitslose (3,1 Prozent), und im Landkreis Emmendingen um 74 auf 2579 Arbeitslose (2,8 Prozent). Bundesweit sank die Zahl der Arbeitslosen gegenüber dem Vormonat um rund 93.000 auf 2,57 Millionen, gegenüber dem April 2016 waren sogar 175.000 Menschen weniger arbeitslos. Die Arbeitslosenquote sank somit auf 5,8 Prozent – das ist der niedrigste Wert in einem April seit der deutschen Wiedervereinigung. bib/bar

Niedrigster AprilWert seit 1991

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Arbeitsmarkt/Stellenmarkt

Rekord bei den offenen Stellen 706.000 Jobs warten auf Menschen

Foto: © dpa Jochen Lübke

Qual der Wahl: Stellenangebote gibt es wie Sand am Strand. Oft aber passen Stellenprofil und Qualifizierung der Jobsuchenden nicht zusammen.

D

ie Zahl der offenen Stellen in Deutschland ist im April auf ein Rekordhoch geklettert. Das meldet die Bundesagentur für Arbeit (BA) in Nürnberg. 706.000 offene Stellen, 66.000 mehr als vor einem Jahr, waren im April bei der BA gemeldet. Im Jahr 2011 waren es nur knapp über 400.000 gewesen. Zwar haben sich die ohnehin guten Chancen für Jobsuchende dadurch erneut verbessert, die Qualifizierung der Suchenden passt aber oft nicht zur angebotenen Stelle. Deswegen bleiben immer mehr Stellen immer länger unbesetzt. In Freiburg gab es Ende April exakt 2003 offene Stellen (die der Arbeitsagentur gemeldet sind), im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald 1850 und im Landkreis Emmen-

4800 offene Stellen in der Region dingen 913. Es lagen der Agentur also insgesamt 4766 Aufträge zur Stellenbesetzung vor. Den größten Bedarf nach Branchen meldeten: Unternehmensnahe Dienstleistungen (437 Stellen), darunter Zeitarbeit (379), Gesundheits- und Sozialwesen (193), Verarbeitendes Gewerbe (181), Handel (112), Gastgewerbe (104). bib 36 | chilli | business im Breisgau | 05.2017


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Fakten

Die Welt, die Wirtschaft in Zahlen 2,41 Mio. 42.975

Anzahl der Haltungsplätze von Hennen in Käfigen in Baden-Württemberg 1988 Anzahl der Haltungsplätze von Hennen in Käfigen in Baden-Württemberg 2016

4,45 3,80

Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden‑Württemberg Mitte 2016 (in Mio.) Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden‑Württemberg Mitte 2000 (in Mio.) Durchschnittliches Gehalt eines deutschen Ingenieurs im Jahr 2003 (in Euro) Durchschnittliches Gehalt eines deutschen Ingenieurs im Jahr 2016 (in Euro) Durchschnittliches Gehalt eines deutschen Ingenieurs im Jahr 2016 in Stuttgart (in Euro) Durchschnittliches Gehalt eines deutschen Ingenieurs im Jahr 2016 in Berlin (in Euro)

55.037 66.699 81.640 58.295 1,41 1,95

Volumen des Doppelhaushalts 2007/2008 der Stadt Freiburg (in Mrd. Euro) Volumen des Doppelhaushalts 2017/2018 der Stadt Freiburg (in Mrd. Euro) Anteil der unter 50-Jährigen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden‑Württemberg im Jahr 2000 (in %) Anteil der unter 50-Jährigen an den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in Baden‑Württemberg im Jahr 2016 (in %)

80 68

15.170 9.934

Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in Baden-Württemberg 1997 Schwangerschaftsabbrüche von Frauen mit Wohnsitz in Baden-Württemberg 2016 Zahl der (im Jahresdurchschnitt) gemeldeten offenen Stellen in Deutschland im Jahr 2009 Zahl der (im Jahresdurchschnitt) gemeldeten offenen Stellen in Deutschland im Jahr 2017

300.641 679.881 58,68 16.

Aktueller Wert (in Mio.) des Kaders des SC Freiburg (Quelle: transfermarkt.de) Platzierung im Wert-Ranking der Bundesliga Aktueller Wert (in Mio.) des Kaders von Bayer Leverkusen (Quelle: transfermarkt.de) Platzierung im Wert-Ranking der Bundesliga

273,95 3.

Aktueller Tabellenplatz des SC Freiburg* Aktueller Tabellenplatz von Bayer Leverkusen*

7. 12.

Anteil der Bevölkerung der 16- bis 74-Jährigen, die in Deutschland im Jahr 2016 Online-Banking nutzten (in Prozent) Anteil der Bevölkerung der 16- bis 74-Jährigen, die in Dänemark im Jahr 2016 Online-Banking nutzten (in Prozent) Anteil der Bevölkerung der 16- bis 74-Jährigen, die in Bulgarien im Jahr 2016 Online-Banking nutzten (in Prozent)

53 88 4 46,1 46,2

Wohnfläche je Einwohner in Deutschland im Jahr 2011 (in m²) Wohnfläche je Einwohner in Deutschland im Jahr 2016 (in m²)

165,7 176,5 114,6 122,7

Anzahl der Handys je 100 Haushalte in Deutschland im Jahr 2011 Anzahl der Handys je 100 Haushalte in Deutschland im Jahr 2016 Anzahl der Festnetztelefone je 100 Haushalte in Deutschland im Jahr 2011 Anzahl der Festnetztelefone je 100 Haushalte in Deutschland im Jahr 2011 Teuerster Quadratmeterpreis in einer neuen Eigentumswohnung im Jahr 2016 in Freiburg (in Euro) Teuerster Quadratmeterpreis in einer neuen Eigentumswohnung im Jahr 2017 in Berlin (in Euro) *nach dem 31. Spieltag 38 | chilli | business im Breisgau | 05.2017

9.950 31.880

Lars Bargmann / Idee: brandeins




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