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Bürgerblick Nr. 113

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März 2018 | Nr. 113 | 3,50 Euro

Passauer freie Presse

Michael Kapfinger Baulöwe am Abgrund Michael Adam Der einsame Student

Till Hofmann

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Foto: Tobias Köhler

Genosse für gerechtes Wohnen Monat 2017

Bürgerblick


MEINUNGEN

I N H A LT Passauer Freie Presse

"Schlechter Journalismus"

Bürgerblick Februar 2018 | Nr. 112

Ich schätze den Bürgerblick, aber diese Art der Berichterstattung ist eine Sauerei. Man muss ja nicht unbedingt ein Freund der CSU sein, aber zu behaupten, dass es die Berufsschule I in Passau "kostenlos" gebe, "zumindest wenn sie CSU-Funktionär sind und Söder zu ihren Gästen gehört", ist ein Beispiel für richtig schlechten Journalismus. Warum wird nicht darauf hingewiesen, dass zum Beispiel der Frühlingsempfang der SPD in der Berufsschule stattgefunden hat (übrigens schon im Jahr 2016 und ganz sicher zu den gleichen Konditionen)? Ich erinnere mich nicht, dazu irgendetwas ähnlich Kritisches von Herrn Schuberl* gehört oder im Bürgerblick gelesen zu haben. Die jetzt zelebrierte Empörung ist durchweg verlogen. Holm Putzke CSU-Kreisvorsitzender *Anton Schuberl ist der Grünen-Kreisrat, der den CSU-Neujahrsempfang in Schulräumen öffentlich kritisierte, weil so die Türen für andere Parteien geöffnet werden. Parteipolitische Veranstaltungen sollten in Bildungseinrichtungen tabu sein. Mehr zu diesem Thema lesen Sie auf Seite 18.

BILDER DES MONATS

Herausgeber Hubert Jakob Denk

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Kapuzinerstr. 2 94032 Passau Telefon 0851 93 46 800 Fax 0851 93 46 801 www.buergerblick.de info@buergerblick.de Redaktion Hubert Jakob Denk (V.i.S.d.P.) Theatermann Till Hofmann will eine Genossenschaft für gerechtes Wohnen in Passau installieren.

Freie Mitarbeiter Ben Balzereit (Lokales) Karl-Heinz Hasenöhrl (Satire) Dominik Kalus (Kultur) Tobias Köhler (Foto) Philipp Liesenfeld (Lektorat) Tobias Mayerhofer (Lokales)

TITEL MIETE SPAREN I S. 24

Grafik/Produktion Tomasz Bolik (Kattowitz) Tobias Köhler (Passau) Kurt Meyer (Passau) Florian Stern (Berlin) Marketing/ Video Stephan Gauer gauer@buergerblick.de Vertrieb/Sekretariat Telefon 0851 93 46 800 Di. 10-12, Mi. 14-16 Uhr Do. 18-20, Fr. 10-12 Uhr abo@buergerblick.de

Der Macher des „Eulenspiegel-Zeltfestes“ und

den Boden entziehen. Genossen gesucht!

Bei den Bildern des Monats hatten wir geschrieben, dass Markus Söder von einem Reporter des Bayerischen Rundfunks befragt wird. Die Aufschrift am Windschutz des Miokrofons straft uns Lügen: Es war ein Kollege vom Lokalsender "Unser Radio."

Im Beitrag zur Innstadtluft hatten wir die Hausbesitzerin der ehemaligen Marienapotheke als Apothekerin bezeichnet. Marianne Schwägerl korrigiert: Sie war die Ehefrau des 1990 verstorbenen Apothekers Richard Schwägerl, ist selbst aber keine Apothekerin.

leserbriefe@buergerblick.de Redaktion Bürgerblick Kapuzinerstraße 2 94032 Passau

POLITIK UND GESELLSCHAFT 41 42 50 55 66

Archiv Was vor fünf Jahren bewegte Aschermittwoch Schwoam mas obe! Michael Adam Politik macht einsam Fantasy-Autorin Kreativ in der Bahn Die Letzte Baulöwe am Abgrund

KULTUR UND FREIZEIT

Finanzminister Söder kann nichts dafür. Er war in Passau nur zu Gast.

Im Inhaltsverzeichnis war eine Seitenzahl falsch angegeben, nachdem wir kurzfristig vor Redaktionsschluss die Position zweier Beiträge verschoben hatten. Zweimal Markus Söder in Folge - Neujahrsempfang und Aschermittwochsvorschau - galt es zu tilgen.

Teures Pflaster Straßenausbaubeiträge Handwerk Kleiner Bäcker, große Sorgen Neustift-Center Irrweg zur Post Geht's noch? Umwege für Fußgänger Lokalnachrichten Justiz, Probebohrungen, EW Innstadt Ampeln gegen Verkehrskollaps? Stadtluft Bürger greifen zur Selbsthilfe

einen neuen Coup: Er will Mietspekulanten

Druck Druckerei Tutte, Salzweg

Was bewegt Sie? Schreiben Sie uns!

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der „Oiden Dult“ startet in seiner Heimatstadt

IT-Technik Michael Schön (München)

Passauer Freie Presse Fehlerteufel

Schaufenster „Hirn is aus“ Verkehr Ilzstädter Hundsreibn Theater Operette des Jahres

LOKALES

Fotos: Tobias Köhler

Netzkommentar zur CSU-Affäre "Neujahrsempfang in Berufsschule"

IMPRESSUM

POLITIK MIETE SPAREN II S. 18

Spezlwirtschaft bei der CSU. Man hat sich für den Neujahrsempfang mit Söder die Miete gespart, ist auf eine Berufsschulaula ausgewichen. Im Nachhinein gesehen war das keine gute Idee.

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Genussquartet Kräuter-Gin aus dem Kurort Essen und Trinken Hoffragner im Test Satire Angedacht und aufgeschoben Kunst Souvenir für Berlin Ballett Zauberhaftes aus Böhmen Theater Zwischen Ekel und Mitleid Kalender Kultur im März


Bilder des Monats

„Hirn ist aus“ So wird man zum Stadtgespräch: Seppi Küblbeck, hier beim Fensterputz, hat ein Altstadtschaufenster mit Wurst aus Stoff und Plastik dekoriert, darüber schreibt er „Metzgerei Greiplinger“ darunter auf eine Tafel „Hirn ist aus“. Wir sind Zeugen einer Posse, eines Meinungsstreits. Stadtrat und Historiker Egon Greipl hatte in der „Süddeutschen“ über den Verfall des Passauer Tourismus geklagt und seiner Mitwirkenden: Masse statt Qualität, Kuckucksuhren-Kitsch statt lokaler Kunst. Küblbeck, Floristmeister, Souvenirhändler und Dackelmuseumsgründer, fühlt sich persönlich angegriffen. Mit „Hirn ist aus“ fährt der Kitschkönig eine Retourkutsche gegen Greipl, den ehemals obersten Landesdenkmalpfleger. FOTO | TOBIAS KÖHLER

Nr. 113


l a m h c a f in

e e f f a K n e t k e f per Werbung

LOKALES STADT UND LAND

JUSTIZ

ohne Deko

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Staatsaffäre „Schottdorf“

Mit lebensgefährlichen Stichverletzungen war im Mai 2016 ein 21-jähriger Mann auf die Neuburger Straße geflüchtet. Die Messerattacke in einer Stadtwohnung war das blutige Ende eines Filmabends zu dritt, der in Drogen und Sex ausartete. Der Fall wird jetzt am Landgericht verhandelt. Angeklagt wegen versuchten Totschlags ist Kelvin F. (26). Die Aussagen der Beteiligten sind widersprüchlich.

Der Fall Schottdorf (Labormedizin) hat gezeigt, wie Lobbyisten in einem Amigo-Staat Schaden anrichten können. Verfolgt wurden die, die Filz und Betrug aufzudecken versuchten: LKA-Beamte und der Herausgeber dieses Magazins. Das Blatt wendet sich: Die Staatsanwaltschaft in Würzburg überprüft jetzt das Verhalten ihrer Münchner Kollegen wegen Verdachts der „schuldhaften Amtsverletzung“.

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Messerattacke beim Filmabend

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Vorboten neuer Großbaustellen

Apfelkoch: Denkmal gerettet

Wie tief liegt tragfähiges Gestein? Probebohrungen kündigen neue Passauer Großbaustellen an. Vier Bohrkerne wurden am Ludwigsplatz (Foto) und in der Bahnhofstraße entnommen; Vorbereitungen für den Abriss und Neubau des gelben Buchnerhauses (McDonald‘s, Camera). Zwölf Bohrlöcher gibt es am Donauufer des Neumarkts für den geplanten Hochwasserschutz „Obere Donaulände“.

Historiker Matthias Koopmann und der Verein „Forum Passau“ haben erfolgreich an einem Strang gezogen: Die alten Gebäude der ehemaligen Metzgerei Fischer westlich vom Klinikum, heute teilweise Autowerkstatt, wurden in die Denkmalliste aufgenommen. Damit sind sie vor dem Abriss geschützt. Den Verlust der alten Gaststätte „Zum Apfelkoch“, ehemals schräg gegenüber, bedauern viele.

KULTUR

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Festspiele: Chorsänger gesucht

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„Europäische Wo-

Ein Novum in der 30-jährigen GeschichAlles Abholpreise. Die närrische Keine Mitnahmegarantie. Hausmacht hat die Löwenbrauerei vom gegenüberliegenden Flussufer übernommen. Zum Motto „Dreiflüsse-Bieraten“ verkleideten sich viele mit Kopftuch, Säbel und Augenbinde. Das Bieratentum greift um sich: Das Hutthurmer Volksfest wird erstmals nicht von der ortseigenen, sondern von der Bischofsbrauerei beliefert.

te des9.30-20 Innstadt-Faschings: ist im Vorjahr dem neuen Inten- Mo-Sa: Regensburger Str. 37 • 94036 Passau • Tel.chen“ 0851/95593-0 Öffnungszeiten: Uhr danten Thomas Ewald Bauer ein Paukenschlag gelungen: Auftakt mit Beethovens Neunter und einem lokalen Laienchor. Hohe Kunst und Bürgernähe vereint. Er will das Konzept beibehalten, sucht Chorsänger für zwei große Barockkonzerte am 23. Juni im Passauer Rathaus und am 1. Juli in der Pfarrkirche Fürstenzell.

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Löwenbrauerei entert Innstadt

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Fotos: Tobias Köhler, Hubert Denk

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Politik Berufsschule

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Neujahrsempfang mit Söder Die CSU hielt ihre Parteiveranstaltung in einer Berufsschule ab; auf der Leinwand durften CSU-Mitglieder exklusiv für ihre Betriebe werben.

Das sollte keine Schule machen Text: Ben Balzereit/ Hubert J. Denk Fotos: Tobias Köhler

Ein CSU-Funktionär hat seiner Partei für den Neujahrsempfang mit Markus Söder einen kostenlosen Veranstaltungsraum organisiert. Jetzt stehen die Verantwortlichen mehrfach am Pranger. Sie öffneten Schulräume für Parteipropaganda, sparten sich Miete auf Kosten der Steuerzahler und schufen einen Präzedenzfall. Die AfD hat schon angefragt. Lesen Sie, wie der Fehltritt vertuscht wird.

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s beginnt damit, dass Anton Schuberl sich wundert. Warum feiert die CSU ihren Neujahrsempfang in einer Schule? Der 34-Jährige Grünen-Politiker nimmt an der Öko-Demo teil, steht draußen vor der Berufsschule am Fernsehturm, während drinnen Holm Putzke und Markus Söder sprechen. Anton Schuberl fragt nach, wendet sich an den Geschäftsleiter des Berufsschulzweckverbandes Franz Stangl. Dessen Antwort ist brisant: Für die Veranstaltungsräume, in denen der designierte Ministerpräsident Markus Söder vor 500 geladenen Gästen spricht, zahlte die CSU keine Miete, nur 80 Euro, die Reinigungspauschale. Ein Verein hätte für eine ähnliche Zusammenkunft in der Schulaula und -galerie an der Neuburger Straße 550 Euro zahlen müssen, plus jene Reinigungsgebühr. „Warum gelten für Bayerns größte Partei andere Regeln?“, fragt sich Schuberl. Hat es etwas mit Walter Taubeneder zu tun, der sowohl dem Berufschulzweckverband vorsitzt, als auch für die CSU im Münchner Landtag weilt? Taubeneder, der im Übrigen auch als Redner auftritt, nimmt eine zentrale Doppelfunktion ein. Schuberl verfasst einen offenen Brief an Taubeneder, kreidet den Vorgang an, beschuldigt den CSU-Mann, seiner Partei eine günstige Parteiveranstaltung verschafft zu haben. Schuberl sitzt als Kreisrat in den wichtigen Gremien des kommunalen Berufsschulverbandes, hat aber bei den letzten beiden Sitzungen krank gefehlt. „Wir diskutieren in der Verbandsversammlung leidenschaftlich darüber, ob man in den Klassenzimmern einer Berufsschule unbedingt Waschbecken braucht, 19

um wirklich noch den letzten Cent beim Neubau in Vilshofen herauszupressen. Und Du als Landtagskandidat der CSU erlässt einfach so Deiner Partei Gelder, die den Berufsschulen zustünden, um damit eine Wahlkampfveranstaltung zu finanzieren!“, schreibt er im offenen Brief. Taubeneders Rolle war nicht Schuberls einziger Kritikpunkt am CSU-Neujahrsempfang: „Dies war weder eine Veranstaltung des Berufsschulzweckverbands, noch ein überparteilicher Empfang. Er war einseitig parteipolitisch und diente in erster Linie dem Zweck, die CSU als Partei darzustellen.“ Der Vorwurf ist klar: Parteipolitische Veranstaltungen sollten nicht in öffentlichen Bildungseinrichtungen stattfinden. Es schafft Präzedenzfälle. Jede Partei kann danach Anspruch erheben, auf Bedarf klagen. Denn es gilt gleiches Recht für alle. DVU SCHON VERGESSEN?

Die Stadt Passau achtet normalerweise akribisch darauf, dass Bildungs- und Kulturräume frei von Parteipolitik bleiben. Aus gutem Grund: Es ist keine 20 Jahre her, dass sich die rechtsradikale DVU 2001 das letzte Mal in der Nibelungenhalle traf. Zwar blieben zuletzt viele Plätze leer, aber das Neonazi-Treffen samt Gegendemonstrationen und dem notwendigen Polizeiaufgebot versetzte Passau damals in einen Ausnahmezustand. Jedes Jahr klagte die Stadt erfolglos gegen den Aufmarsch, aber wo die CSU ihren politischen Aschermittwoch feiern durfte, durften sich auch die rechten Hetzer versammeln. Erst mit dem Abriss der Halle wurde die Stadt den braunen Spuk los. Schuberl fährt fort: Es sei sympMärz 2018

Bürgerblick


Rückschau

Blick ins Archiv

Was vor 5 Jahren bewegte Nummer 63/ März 2013

Der braune Verleger ist tot. Dr. Gerhard Frey, DVU-Gründer und Herausgeber der „National-Zeitung“, hatte bis zum Abriss der Nibelungenhalle der Stadt Passau jedes Jahr seinen braunen Stempel aufgedrückt: Er hielt hier seine Parteitage ab, klagte notfalls das Mietrecht der Halle ein. Dies war unser Titelthema: Frey, der mit 80 starb.

Rosenschau in der Residenz

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Baustelle Oberhaus-Café

1.000 Huskies in Haidmühle

Braune Nibelungenhalle

Das Oberhaus-Café der Verlegerfamilie Diekmann (PNP) war noch Baustelle, da stellten sich die neuen Wirtsleute vor: Barbara (34) und Josef Feichtinger (37). „Alles, nur kein Champagnerschuppen soll es werden“, antwortete der Chefkoch Feichtinger auf die Frage nach seinem Konzept. Er hatte die letzten zehn Jahre in Nammering den elterlichen Betrieb geleitet, sich auf eine Zeitungsanzeige der Münchner Augustinerbrauerei beworben. Bis zur Eröffnung, im Juli 2013, sollten noch vier Monate vergehen.

Haidmühle, ein niederbayerisches Grenzdorf am Dreisessel, war zum zweiten Mal Austragungsort der „Europameisterschaft der reinrassigen Schlittenhunde“. Mehr als 200 „Musher“ aus 14 Ländern reisten mit rund 1.000 Huskys an, schlugen mit Wohnmobilen und Fahrzeuggespannen ein Winterlager auf. Polen war die erfolgreichste Nation. Seine Vertreter belegten bei fünf der 15 verschiedenen Disziplinen den ersten Platz. Im Foto ein sibirisches Huskytrio in Weiß, Braun und Grau.

DVU-Gründer Dr. Gerhard Frey, der braune Provokateur, der immer wieder juristisch über die Stadt triumphierte, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Wir blickten zurück auf die Schande, die dieser Mann mit seinen Parteitagen von 1984 bis 2001 über Passau brachte. Selbst als die finanzschwache NPD Passau den Rücken gekehrt hatte und der Abriss der Nibelungenhalle beschlossen war, buchte die DVU sie 2001 ein letztes Mal. Wer die Geschichte kennt, weiß, warum öffentliche Räume für Parteien in Passau ein sensibles Thema sind.

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Fotos: Tobas Köhler, Hubert Jakob Denk

Floristmeister Seppi Küblbeck sitzt an der Barocktafel, die das Passauer Rosenstänglporzellan präsentieren wird. Jeder der 16 Teller wird eine Frucht tragen, die mit der Rose verwandt ist: „Quitte, Wildapfel, Hagebutte“. Küblbeck und sein Ehepartner Oliver Storz sorgen in der Stadt beständig für aufsehenerregende Inszenierungen. Vor fünf Jahren war es die Rosenschau, für welche ihnen der Bischof die Prunkräume der Neuen Residenz zur Verfügung gestellt hatte. Derzeit richten sie ihre eigene „Kleine Residenz“ ein, ein Dackelmuseum in der Altstadt.


Foto: dpa/Sven Hoppe

Politik Aschermittwoch

Schwoam mas obe! In Passau läuft das CSU-Spektakel erstmals ohne Ministerpräsidenten ab, in Vilshofen tritt unerwartet der SPD-Parteivorsitzende auf. Der Aschermittwoch steht im Zeichen überraschender Personalwechsel: „Schwoam mas obe!“ Markus Söder setzt den Steinkrug zum Trinken an, Andreas Scheuer hält ihn fotogen in der Hand. Ob der Nebenmann sein neuer Chef wird oder er selbst den Sprung nach Berlin schafft? Unsichere Zeiten. Nur Söder ist siegessicher.

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Bürgerblick


Politik Aschermittwoch

Umfragetiefs und Ränkespiele beherrschen die regierungslose Republik. Die Hauptdarsteller des politischen Aschermittwochs, CSU-Kronprinz Markus Söder und SPD-Interimsherrscher Olaf Scholz, üben sich in Passau und Vilshofen nach alter Manier: gute Miene zum schmutzigen Spiel in den eigenen Reihen, mit dem Finger stets auf die anderen zeigen. Die verbalen Aschermittwochsschmankerl serviert in der Dreiländerhalle nicht der Franke, sondern der Niederbayer, der Haudrauf der CSU: der Passauer Andreas Scheuer.

treiber im Schlusswort ermahnen. „Mit uns zieht die neue Zeit“, beschwört der kommissarische Parteichef Olaf Scholz die Zukunft. Die Stimmung im Zelt sei von Optimismus getragen, habe sich gut angefühlt, wird er später einem Reporter erklären. Den Namen Schulz, dessen Amt er nach seinem überraschenden Rücktritt quasi über Nacht übernommen hat, erwähnt er mit keinem Wort in seiner Rede.

Schnappschüsse aus der CSU-Herzkammer

SCHEUER MIT STRAUSS´SCHEM SPOTT

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Am Manuskript feilen Markus Söder, 51, hat sich während Scheuers Rede Notizen gemacht. „Wer so gut Generalsekretär macht, der kann auch einen guten Bundesminister abgeben“, wird er den Passauer loben.

Für Ordnung sorgen Strafrechtsprofessor Holm Putzke, 44, dem Kreisvorsitzenden der CSU, ist die Aufgabe eines Neulings zugewiesen worden. Er war im Ordnerdienst eingeteilt.

Fotos: Ben Balzereit

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en schönsten Versprecher liefert zum kammer des Aschermittwochs“, die erstmals mit einer Auftakt ein Phoenix-Reporter: „Markus Bühnenwirtshausstube dekorierte Dreiländerhalle. Gut Seehofer – pardon, Markus Söder zieht in fürs Heimatgefühl. die Halle ein.“ Ja, so schnell wie in diesen 500 GRENZPOLIZISTEN FÜR PASSAU Tagen die Parteifiguren an- und abtreten, da kommen CSU-Eröffnungsredner Walter Taubeneder, die Journalisten schon mal ins Schleudern. Der Bayerische Brille auf die Nasenspitze gerückt, liest vom Blatt ein Defiliermarsch ist normalerweise dem MinisterpräsiLoblied auf seine Partei ab: „Wir sind Premiumregion“, denten vorbehalten. Er sei damit emotional zurechtsagt er stolz. Keine Reaktion. „Da kannt´n die Niedergekommen, wird Markus Söder später die Lacher auf bayern schon klatschen“, setzt er nach. Das wirkt eher seiner Seite haben. peinlich. Schizophrene Ansätze: Man freue sich, dass Söder hat offenbar abgenommen, die Hose rutscht; Söder die neue Grenzpolizei in Passau stationieren zweimal zieht er sie hoch, als er winkend auf der Bühne möchte, aber: Die „Grenzkontsteht. Dunkler Trachtenjan­­ker, rollen“ müssten endlich verlegt grüngestreifte Krawatte mit rosa werden - vom Hinterland zur Hirschen. Scheuer, Meyer, Waschler, „Wir sind das SEK, das echten Grenze, meint TaubeTaubeneder, Putzke und Kneidinger Genau umgekehrt wird - die Passauer CSU-Hauptdarsteller Sondereinsatzkommando nender. Söder seinen Plan konkretisieren: drängen sich beim Einmarsch in Passau als Direktionsstandort der Söders Umfeld. Auf den Bierbänken der Vernunft“ neuen bayerischen Grenzpolizei überwiegt das Publikum „männAndreas Scheuer, Noch-CSU-Generalsekretär, zur Rolle mit mindestens 500 Beamte. Die lich, graue Haare“. seiner Partei bei den Koalitionsverhandlungen Bundespolizei bleibt zuständig „Das hier ist ein Fest der Demofür die Staatsgrenze. Gleich hinter kratie!“, ruft der schicke Mann, den dieser Linie, also weiterhin hinter die Passauer unter „Scheuer Andi“ der Grenze, da, wo man die Kontkennen, in den Saal. Wenigstens rollen nicht haben will, die neue Einheit. einer lässt zum zögerlichen Applaus einen Juchzer raus. „Es hat sich ausgeschulzt und ausgekernt“, kalauert GESTERN SCHULZ, HEUTE SCHOLZ der Generalsekretär mit Blick auf die Sozis in Berlin Im Vilshofener Zelt ist es nicht ganz so voll wie 2017, und Wien. Das kommt schon besser an. Er beschert die Stimmung angespannter. „Schulz hat sich unglaubEdmund Stoiber, den er offenbar in einem kurzen Telewürdig gemacht“, sagen Juso-Mitglieder am Bierfonat ermuntert hat, nach Passau zu kommen einen tisch über den Mann, den sie im Vorjahr hier bejubelt Sonderapplaus. „Du bist der Großmeister, der Träger des haben. Auf dem Podium steht heuer Scholz, der Erste schwarzen Gürtels der Koalitionsverhandlungen“, lobt Hamburger Bürgermeister. Die Kampagne „No Groko“ er seinen wegen Krankheit abwesenden Chef Seehofer. haben die jungen Sozis mit Flugblättern und Plakaten Treffer! Solche Bilder lieben man hier. Dass Seehofer ins Zelt geführt. Sie halte nichts davon, solche Schilder und Söder keine Freunde mehr werden, sagt keiner, aber hochzuhalten, „weil es gerade angesagt ist“, wird die jeder denkt es sich. niederbayerische SPD-Landrätin Rita Röhrl die QuerGut 4.000 Zuschauer zählt die „politische Herz-

„Was ist das für eine Arbeiterpartei, die von oben herab auf die Menschen hinaufschaut“, verstolpert sich Scheuer kurz bei seiner SPD-Schelte in Passau. Aber alles andere sitzt. SPD-Vize Ralf Stegner nennt er einen „linken Spinner“. Die Grünen „biegen sich wie ein Grashalm im Wind“. Sie wollten die Obergrenze verhindern und hätten die Obergrenze von 200.000 geschluckt, sagt er hämisch. Die drehten sich schneller wie jedes Windrad in Deutschland. Mal schauen, wann sie zum Kauf von bayerischen Dieselautos aufrufen, ätzt er. „Tofu predigen, aber schneller an die Futter- und Fleischtöpfe kommen, das sind die Grünen!“ Der Saal tobt. Für den SPD-Koalitionshinhaltekurs mit der Basisbefragung hat Scheuer einen Satz parat, „wie ihn der Karl Valentin gesagt hätte“: „Mögen hätte ich schon wollen, aber dürfen habe ich mich nicht getraut.“ Er läuft zur Hochform auf, gestikulierend und stimmgewaltig Strauß´sche Züge annehmend: „Der Sozi ist grundsätzlich nicht dumm, er hat nur viel Pech beim Nachdenken.“ Die Linken geißeln, läuft: „Der Geist ist nicht links, der Geist ist im Bürgertum, Freunde!“ Die Roten verspotten, die Seinen loben: „Wir sind die SEK, das Sondereinsatzkommando der Vernunft!“ „Ich bin der Markus, do bin in daham und da will ich auch bleiben!“, beendet der Noch-Finanzminister Markus Söder nach einer guten Stunde seine Rede. Sie hat sich an den Themen Heimat und Sicherheit festgehalten, an Belegen dafür, dass „die Balance nicht mehr stimmt“, dass für Asyl und Integration mehr Geld ausgegeben werde als für die Belange der einheimischen Bevölkerung. Er greift zu Rhetorik, die auch einem AfD-Publikum gefallen würde. „Wir sind das einzige Land auf der Welt, wo man ohne Pass hinein, aber nicht mehr hinauskommt.“ Er will das Kreuz als Symbol der Heimat zurück in allen Amtstuben sehen. „Am Münchner Marienplatz trifft man selten einen echten Bayern.“ „Das heißt nicht Rechtsruck, sondern Rückkehr zur alten Glaubwürdigkeit“, versucht er nach diesen heiklen Stellen linken Kritikern das Wasser abzugraben.

In die Kamera lächeln Ex-Verkehrsminister Alexander Dobrindt, 47, saß Schulter an Schulter auf der Bierbank mit Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber, 76, dem CSU-Ehrenvorsitzenden.

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Politik macht einsam

Politik Menschen

Jung, schwul, Sozi: Michael Adam aus dem Bayerwald war eine Sensation – dann kam die Sex-Affäre.

Foto: Tobias Köhler

Michael Adam Der ehemalige Berufspolitiker über sein aktuelles Leben als Student.

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err Adam, wenn Sie sich heute mit drei Worten beschreiben müssten, welche wären

das? Student. Kommunalpolitiker a.D. Bayer.

Wissen Ihre Kommilitonen von Ihrer politischen Vergangenheit? Ich befürchte, manche Kommilitonen wissen von jeglicher Vergangenheit (lacht). In Zeiten des Internets ist alles leicht zu finden. Der Umgang ist aber entspannt. Hier sind Studenten aus ganz Deutschland. Bei ihnen ist das Thema nicht so präsent. Man weiß tatsächlich viel, auch sehr Intimes über Sie. Warum haben Sie 2013 so offen über Ihr Sexualleben gesprochen? Diese Offenheit entsprang der Situation, dass öffentlich geworden war, dass ich mein Amtszimmer für intime Treffen verwendet habe. Es ist richtig: Ich bin damit offen umgegangen, aber nicht, weil es mir ein Bedürfnis war, mein Leben, meine Beziehung, meine Sexualität auszubreiten. Es standen ja Dinge im Raum seitens einer großen deutschen Boulevardzeitung, die erklärungsbedürftig waren. Es wurde ja auch unterstellt, ich hätte meinen Dienstwagen auf Staatskosten für private Zwecke genutzt oder Drogen konsumiert. Der Weg an die Öffentlichkeit war die einzige Möglichkeit, meine Glaubwürdigkeit nicht zu verlieren. Wie hat sich die Affäre auf Ihre Beziehungen ausgewirkt? Die Familie hält im Zweifel immer zusammen. Freundschaft ist ein interessantes Thema: Weit weg zu wohnen und beruflich eingespannt zu sein, ist Gift für die Freundschaft.

Politik macht, bewusst oder auch unbewusst, ein Stück weit einsam. Es gab also nicht viele Freundschaften, die darunter hätten leiden können. Und Ihre Partnerschaft? Die Affäre hatte kaum Auswirkungen auf meinen Lebenspartner und mich. Wir haben uns ausgesprochen und das aus der Welt geschafft. Die Trennung erfolgte aus anderen Gründen.

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Ich fühl’ mich manchmal wie der Dino. 16 Jahre älter und 30 Kilo schwerer – da fremdelt man anfangs schon.

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Noch mal zur Offenheit: Wieso haben Sie 2016 ihr Alkoholproblem öffentlich gemacht? Das ist auch so ein Ding – mein „Alkoholproblem“. Wegen meiner Diabeteserkrankung habe ich 2016 eine Reha gemacht. So abgeschottet von der Außenwelt ist mir aufgefallen, dass ich abends ein Glas Wein vermisse – vermisse, wohlgemerkt, ich hatte keine Entzugserscheinungen. Nach meiner Rückkehr habe ich mich bei einer Pressekonferenz dazu geäußert, dass ich sorgsamer mit mir umgehen sollte, hinsichtlich Ernährung, Nikotin und Alkohol. Das wurde ein paar Mal geschrieben, noch mal geschrieben –

und am Ende war daraus eine Alkoholbeichte geworden. Sie sind hier in Passau für „Governance and Public Policy – Staatswissenschaften“ eingeschrieben. Wie ist das Studentenleben? Ich habe Kommilitonen, die sind 17 und mussten zur Immatrikulation ihre Eltern mitbringen. Ich fühl’ mich manchmal wie der Dino. 16 Jahre älter und 30 Kilo schwerer – da fremdelt man anfangs schon. Vom Studieren her finde ich es besser als vor zehn Jahren. Mittlerweile weiß ich, warum ich im Staatsrecht oder Verwaltungsrecht das eine oder andere brauche und wie man es in der Praxis anwendet. Sie waren einmal Jungstar der SPD in Bayern. Wie kriegt man das hin, als junger, homosexueller Sozialdemokrat im tiefschwarzen Bayerwald eine Mehrheit der Wähler hinter sich zu bringen? Ich würde sagen, ich habe das getan, was CSU-Politiker sehr oft tun. Das heißt: unglaubliche Inte­ gration vor Ort. Vereine, Verbände – jeder kannte mich. Und die meisten, hoffe ich, mochten mich. Wenn man bekannt ist, spielt die parteipolitische Frage keine so große Rolle. Meine Nachfolgerin im Landratsamt ist ja auch SPD-Mitglied. Daran sehen Sie, dass dieses Parteidenken in der Kommunalpolitik sich auch in Bayern aufgelöst hat. Sind Sie ein konservativer Sozialdemokrat? Ich bin sicherlich nicht ganz links anzusiedeln. Ich denke, wenn man gute Kommunalpolitik machen will, dann ist es wichtig, es einigermaßen ideologiefrei zu tun und zu versuchen, verschiedene Strömungen zu integrieren.


Veranstaltungen

Ausstellungen im März PRODUZENTENGALERIE Rhizom Grafik und Installationen der niederbayerischen Künstlerin Verena Schönhofer. bis 11. März // Do. - So. von 15 bis 17 Uhr

PRODUZENTENGALERIE Hirnwirrn

LANDKREISGALERIE AUF SCHLOSS NEUBURG, NEUBURG AM INN Bright Side of Art Skulpturen und Malereien von Alfons Y. Bauernfeind und der Engländerin Ginger Gilmour. 11. März bis 22. April // Di. bis So. von 11 bis 17 Uhr SOIZ GALERIE IN DER SCHUSTERGASSE Northern Drifting Die in Passau aufgewachsene Fotografin Julia Baier hielt die vulkanische Landschaft Islands via Smartphone fest. Die teilweise verzerrten und fehlerhaften Schwarz-Weiß-Aufnahmen zeigen den Blick der Künstlerin auf eine mythische, bedrohte Natur. 3. März bis 20. April // Mi. bis Fr. von 15 bis 19 Uhr, Samstag von 11 bis 15 Uhr MUSEUM MODERNER KUNST Aus dem Atelier Die Ausstellung zeigt die verschiedenen Phasen des Passauer Malers Otto Sammer (1914-2004). Ursprünglich berühmt für heitere Stadt- und Reisebilde wurden seine Werke später abstrakter und sphärischer. bis 15. April (verlängert) // Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr, Mo. 9 bis 16 Uhr MUSEUM MODERNER KUNST Poesie und Prosa Das MMK zeigt Werke zeitgenössischer Künstler sowie den Werdegang bedeutender regionaler Maler wie Georg Philipp Wörlen (1886-1954). Die Schwerpunkte liegen auf den 1920er und 1930er Jahren sowie der Nachkriegsmoderne mit ihrer Entwicklung zur Abstraktion. // Di. bis So. von 10 bis 18 Uhr, Mo. 9 bis 16 Uhr

Werke von Florian Weber, seines Zeichens Schlagzeuger der Sportfreunde Stiller und Autor zweier Romane. Das Motto der Ausstellung lautet „Ein Blick in und auf Gehirnwirrungen.“ 17. März bis 15. April // Do. - So. von 15 bis 17 Uhr ST. ANNA-KAPELLE Farbton Bildende Kunst und Musik vereint: Der ungarische Komponist Zoltán Barabás verfasste Werke zur Untermalung der bunten Mosaik-Installationen des Landshuters Johannes Veit. Die Passauerin Luise Ramsauer steuert zusätzlich Gemälde bei. bis 8. April // Di. bis So. von 13 bis 18 Uhr

ST. NIKOLA Glanz und Elend In den Nischen des Nikolaklosters sind drei Wochen lang Werke des Holzbildhauers Sebastian Hertrich zu sehen. Der Künstlers verarbeitet in seinen von christlichen Motiven inspirierten Skulpturen auch Material wie entsorgte Computerplatinen oder Plexiglas. bis 8. April // KULTURMODELL BRÄUGASSE Passauer Saiten Audiovisueller Einblick in die Geschichte der Passauer Gitarrenkonzertreihe. bis 17. März // Fr., Sa., So. von 15 bis 18 Uhr

Kulturmodell Bräugasse

Drei Blickwinkel Drei tschechische Künstler stellen ihre Werke aus: Vladimír Šavel jun., Šárka Coganová und Lenka Herzogová bis 11. März // Fr., Sa., So. von 15 bis 18 Uhr

KLOSTER ST. NIKOLA

SOIZ GALERIE

SANKT ANNA-KAPELLE

PRODUZENTENGALERIE

Kleiner Exerzierplatz 15 | 94032 Passau

Schustergasse 19 | 94032 Passau www.soiz.de

Heiliggeistgasse 4 | 94032 Passau www.kunstverein-passau.de

Jesuitengasse 9 | 94032 Passau www.produzentengalerie-passau.de

MUSEUM MODERNER KUNST

KULTURMODELL

SPEKTRUMKIRCHE PASSAU

Bräugasse 17 | 94032 Passau www.mmk-passau.de

Bräugasse 9 | 94032 Passau www.kulturmodell.de

Schärdinger Straße 6 | 94032 Passau www.spectrumkirche.de

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LANDKREISGALERIE AUF SCHLOSS NEUBURG Am Burgberg 5 | 94157 Neuburg am Inn 0851-94960-15 info@landkreisgalerie.de www.landkreisgalerie.de

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BILDERWERKSTATT DERSCH Bahnhofstraße 22 | 94065 Waldkirchen www.glasdersch.de

März 2018

Bürgerblick


Kultur Ballett und Buch

Abschiedsgeschenk für Josephine Gabler: Das Gemälde entstand 1950 an diesem Ort.

Souvenir für Berlin Josephine Gabler, 56, hat zehn Jahre lang die wichtigste Passauer Kunststätte geleitet, das Museum Moderner Kunst. Sie wird Mitte März zurück in ihre alte Heimat Berlin gehen. Wir haben Sie mit ihrem Erinnerungsgeschenk zum Fototermin an den Inn gebeten.

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Die Schöne und das Biest

Eine zauberhafte Ballett­ inszenierung hat das Publikum im Passauer Opernhaus bejubelt. Zu Gast war das Ensemble des Südböhmischen Theaters in Budweis mit „Die Schöne und das Biest”. Der Kunstaustausch findet seit zwölf Jahren statt. Die Böhmen bringen das Ballett nach Niederbayern und die Niederbayern bereichern Böhmen mit Barockopern. Mit dabei ist einer der besten Tänzer aus Prag: Lukáš Slavický, bis vor zwei Jahren Erster Solist an der Bayerischen Staatsoper. Im Dezember ist das Ensemble, Tänzer aus sieben Nationen, in einem Ballett von John Neumeier zu sehen: Endstation Sehnsucht.

Foto: Michal Siron

Bravo für böhmisches Ballett

Szene mit Zdeněk Mládek (Biest) und Lucie Horná (Schöne).

Passauer Fantasy-Autorin

Kreativ in der Bahn

Foto: Privat

Foto: Tobias Köhler

D

er Fotograf und die Kunsth istor i ker in frieren an diesem kalten Februartag. Denn der Termin an der Innpromenade zieht sich. Es geht ums richtige Licht. „Das Gemälde darf nicht zuviel Lux abbekommen“, sorgt sich Museumsleiterin Josephine Gabler. Das Lächeln fällt ihr schwer, weil sie noch von einer schweren Grippe angeschlagen ist. Dann geraten sie beide ob der zauberhaften Stimmung ins Schwärmen. Die Sonne steht tief, zeichnet im Gegenlicht kahlen Kastanienbäumen und hohen Gräsern, die sich im Ostwind wiegen, goldene Konturen. Sie suchen die Perspektive, welche vor knapp 70 Jahren der Architekt und Kunstmäzen Hanns Egon Wörlen (1915-2014) gewählt hat. Als er eine Frau auf der Parkbank malte, die auf den Inn blickt, auf die Häuserzeile der Innstadt. Wörlen ist der Gründer des Museums Moderner Kunst, das Gabler seit 2008 geleitet hat. Das Gemälde, ein Abschiedsgeschenk des Hauses, wird sie als Erinnerung an Passau nach Berlin begleiten. Umzug ist Mitte März. Gabler übernimmt die Leitung des Käthe-Kollwitz-Museums. In Berlin ist sie aufgewachsen, dort hat sie studiert. Was wird sie am meisten an Passau vermissen? Ihre spontane Antwort ist ein tolles Kompliment an ihr Team. „Meine Mitarbeiterinnen“, sagt sie, „die werden mir fehlen.“ Als Erlebnis weniger erfreulicher Art haben sich ihr die Bilder der Flut 2013 eingeprägt. Die Donau schwappte ins Haus bis hinauf zum Kassenraum. Die Vorfahren hätten klug gebaut. Das erste Mal sei ihr klar geworden, warum alle Böden zum Fluss hin schief abfallen: Das Wasser konnte schneller wieder abfließen.

Lena Carl mit ihrem ersten Fantasy­Roman „Opfermond“.

„Ein wunderbares Debüt einer bis dato unbekannten Autorin“, urteilte die Jury einer Fantasy-Bestenliste über den Thriller „Opfermond“. Das Lob gilt der in Passau aufgewachsenen Lena Carl. Hauptberuflich ist die 29-Jährige an der psychologischen Fakultät Erlangen angestellt, wohin sie fast täglich von Regensburg aus pendelt. Auf den Zugfahrten und in den Nachtstunden am Schreibtisch arbeitet sie an ihren Büchern. Carl schreibt unter dem Pseu­ donym „Elea Brandt“. „Opfermond“ 63

ist ein Thriller. Ein Auftragsmörder und eine Dirne schicken sich gemeinsam an, einen Mord aufzuklären. Im Nachfolger „Unter einem Banner“ geht es um die homosexuelle Beziehung zweier Krieger. Sie vermeidet Rollenklischees. „Als Tochter zweier Germanisten bin ich früh mit Literatur in Berührung gekommen“, sagt Carl. Während ihrer Schulzeit am Adalbert-Stifter-Gymnasium war sie in der Redaktion der Schülerzeitung „Rückenwind“ tätig, die vom „Spiegel“ ausgezeichnet wurde. dk März 2018

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