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ALTSTADTBRIEF

39. Jahrgang //// Nr.45 / 2018 /////////////////////////////// www.altstadtfreunde-kempten.de

F R E U N D E D E R A L T S T A D T K E M P T E N S e.V.

Denkmal König-Ludwig-Brücke

Burghalde

Studenten untersuchen Kulturraum

600 Wohnungen Goldenes Fässle Sozialbau investiert über 150 Mio. Euro

Wiederbelebung von 500 Jahren Geschichte


Wohntraum gesucht. die Sozialbau gefunden. Mit unserer Wohnbau Offensive 2020 beruhigen wir den angespannten Wohnungsmarkt spürbar. Dazu schaffen wir aktuell 600 neue Eigentumsund Mietwohnungen in Kempten und geben so rund 1.500 Menschen ein neues Zuhause.

Impressum Der Altstadtbrief, nunmehr im 39. Jahr, erscheint in unregelmäßiger Folge, jedoch mindestens einmal jährlich. Verantwortlich für den Inhalt ist der Vorstand. Mit Namen gekennzeichnete Beiträge geben die Meinung des Verfassers wieder. Herausgeber: Freunde der Altstadt Kemptens e.V., Vogtstraße 8, 87435 Kempten, E-Mail: info@altstadtfreunde-kempten.de Redaktion: Dietmar Markmiller (Vorsitzender), Stephan A. Schmidt Produktion: KuMaKom Gesellschaft für Kultur- & Markenkommunikation UG Titelfoto:

Ralf Linert

Nachdruck, auch in Auszügen, nur mit schriftlicher Genehmigung des Herausgebers und des Autors Bankverbindung: Sparkasse Allgäu BLZ 733 500 00, Konto 572 40, IBAN: DE42 7335 0000 0000 0572 40

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DER

ALTSTADTBRIEF

39. Jahrgang //// Nr.45 / 2018 ///////////////////////////// www.altstadtfreunde-kempten.de

F R E U N D E D E R A L T S T A D T K E M P T E N S e.V.

Inhalt Bericht des Vorsitzenden

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Illerrauschen und mit Freunden plauschen

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Goldenes Fässle: aus dem bauhistorischen Bericht

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600 neue Wohnungen für Kempten

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Kulturraum Burghalde

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200 Jahre vereintes Kempten

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Beitrittserklärung / Formular

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von Dietmar Markmiller

von Sandra Oberhaus, AÜW

von Dipl.-Ing. Benno Willburger und Christian Martinsohn, Reischmann

von Herbert Singer, Sozialbau

von Franz G. Schröck, Architekturforum Allgäu

Interview mit Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Projektleiterin Christa Eichhorst

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Bericht des Vorsitzenden von Dietmar Markmiller

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Geschäftsleben in unserer Altstadt mit einer stimmigen Mischung aus Handel, Gewerbe und Dienstleistungen war und ist auch heute ein mehr als wichtiger Bestandteil unserer Arbeit. Daher freut es uns besonders, dass die Firma Reischmann das ehemalige „Goldene Fässle“ in der Promenadestraße wunderbar wiederbelebt hat, und wünschen dem Pächter Christian Henze gutes Gelingen.

iebe Mitglieder und Freunde der Altstadt, zu unserem großen Bedauern mussten wir uns auch im Jahr 2018 von einem langjährigen Vorstandsmitglied verabschieden. Werner Sienz verstarb am 4. März 2018. Als Inhaber des gleichnamigen Fotostudio Sienz am Rathausplatz war er durch seine Leidenschaft und Liebe zur Fotografie weithin bekannt. Viele Bilder von Kempten zeugen von seiner Begeisterung auch für die Bei der Ausschreibung der SparkasAltstadt. Diesen Enthusiasmus brachte se Allgäu für eine temporäre Nutzung Werner Sienz auch als Vorstandsmitglied ihrer leer stehenden Räume entlang bei den Altstadtfreunden ein. Durch die der König­ straße überzeugte Künstler zentrale Lage seines Geschäftes war er Guido Weggenmann mit seinem Konimmer gut informiert zept, die Arkaden als über die GeschehAusstellungsf läche nisse in der Altstadt und Begegnungsort und konnte so auch u nterschied l icher dieses Wissen in den Künstler zu nutzen. Verein einbringen. Dieses Kunstprojekt Wir, die Freunde der trägt ebenfalls zur Altstadt, werden das Belebung der nördliAndenken an Werner chen Innenstadt bei. Sienz in Ehren halten Wir wünschen Herrn und sein Bestreben Weggenmann viel um eine vielfältige Erfolg und möglichst Geschäftswelt in der zahlreiche Besucher, Altstadt fortführen. wie er sie bereits zur Der Einsatz für ein ersten Vernissage beabwechslungsreiches Werner Sienz † 4. März 2018 grüßen konnte. 4

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In Sachen Kunsterlebnis verweise ich gern auch auf den artig e.V. mit seiner Galerie Kunstreich in der ehemaligen reichsstädtischen Münze. In den historischen Räumen im Herzen der Altstadt in der Schützenstraße 7 organisierte der Verein von April 2012 bis heute bereits 60 Ausstellungen verschiedenster Künstler und Kunstformen. So ist das Kunstreich zu einem Hotspot der Kunst in Kempten geworden. Auch 2019 werden interessante Ausstellungen stattfinden, zudem feiert der Verein im September sein zehnjähriges Bestehen. Wir wünschen auch weiterhin ein so gutes Gespür bei der Auswahl der Künstler. Dann wird der Strom interessierter Ausstellungsbesucher auch künftig zur Belebung im Quartier um den Sankt Mang Platz beitragen. Zurück zum Bereich zwischen König- und Promenadestraße. Bei den Planungen für das Sparkassenquartier ist es äußerst wichtig, die Kleinhäusigkeit in der Promenadestraße zu erhalten und damit dem Einzelhandel dort eine vernünftige zukunftssichere Entwicklung zu ermöglichen. Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, hat in einem Gespräch mit dem Heimatverein, den Stiftsstadtfreunden und den Altstadtfreunden, die sich gemeinsam für den Erhalt der historischen Gebäude in der Promenadestraße ausgesprochen

haben, zugesagt, sie in den Entwicklungsprozess des Quartiers einzubinden. Wir werden davon berichten. Die Wiedereröffnung des Zumsteinhaus als neues Kemptener Stadtmuseum wird als ein weiterer wichtiger Meilenstein für die entsprechende Frequentierung im Norden der Innenstadt sorgen. Vor einigen Jahren schon habe ich angeregt, dass sich der Norden der Innenstadt zu einem Quartier des Einkaufens und dem Erleben von Kunst und Kultur entwickeln möge, um nicht gänzlich gegenüber dem Süden abgehängt zu werden. Langsam nimmt es Fahrt auf, was mich sehr freut. Was mir allerdings Sorgen bereitet, ist einmal mehr die Gerberstraße mit dem Mühlbachquartier. Im Auftrag der Stadt Kempten hat seinerzeit das City-Management Kempten das Quartiersmanagement für das gesamte „Sanierungsgebiet Nördliche Innenstadt“ übernommen, das den Bereich Hildegardplatz sowie das Mühlbachquartier umfasst. Es wird gefördert über das Bund-Länder-Programm „leben findet innen stadt – aktive Stadtund Ortsteilzentren“. Einige Leerstände im Mühlbachquartier lassen vermuten, dass dieses Konzept für die Gerberstraße nicht so richtig aufgeht. Daher wollen wir ein Treffen mit dem Vorstand des Citymanagement organisieren, um DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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uns auszutauschen. Ideen, die zu einer Verbesserung der Situation führen könnten, haben wir schon gesammelt. Auf unserer diesjährigen Jahreshauptversammlung habe ich einen Tourismuspfad innerhalb der Doppelstadt präsentiert. Mit dieser Idee habe ich den Anspruch des Kemptener Stadtrates aufgegriffen, der sich im Jahr 2015 selbst das strategische Ziel „Kultur und Tourismus fördern“ verordnet hat, um die Stadt für Touristen attraktiver machen. Die Handlungsfelder wurden wie folgt festgelegt: • Kempten als Römerstadt positionieren - touristische Marke Kempten • Stadt-Erlebnisqualität erhöhen - Stadt mit Flair- Event- und Aktiv-Tourismus stärken • Kempten als Ausgangspunkt für das Allgäu positionieren • Business-/Tagungs-/Kongress-Tourismus entwickeln • starke touristische Online-Präsenz zeigen • Wohnmobiltourismus stärken • Gruppentourismus weiterentwickeln • Museumsentwicklungskonzept - Ziele fortentwickeln und umsetzen • Kulturentwicklungskonzept - Kulturelles Angebot schaffen, fördern und ausbauen Auszug aus dem Stadtratsbeschluss vom 10.12.2015: Durch die Umsetzung der festgeschriebenen Handlungsfelder wird Kempten als Stadt mit Anziehungs6

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kraft wahrgenommen. Durch eine stärkere Vernetzung kultureller Angebote mit einem attraktiven Einkaufserlebnis und touristischen Angeboten profitieren sowohl der örtliche Handel als auch das kulturelle Leben sowie die gesamte Tourismuswirtschaft der Stadt. Unser Tourismuspfad beinhaltet die Highlights der Stadtgeschichte. Darüber hinaus sind einige Alleinstellungsmerkmale (Erasmuskapelle, Burg­ halde, Beginenhaus, Römermuseum, König-Ludwig-Brücke) enthalten. Auch der neugestaltete Stadtpark findet sich darin in besonderer Beziehung zu den kulturellen Sahnestückchen. Ebenso sind das Wasserkraftwerk Keselstraße, die Sheddachhallen und der Altstadtpark einbezogen. Ausgangspunkt wäre das Zumsteinhaus. Von dort würden sich die Touristen durch die nördliche Innenstadt bewegen und zur Belebung beitragen, wovon hier auch die vielen Geschäfte partizipieren würden. Eine aufsehenerregende Attraktion innerhalb des Tourismuspfades könnte ein „Sky Aufzug“ sein, der ausgehend vom Römermuseum (Chapuis Villa) hoch zum APC führt und von dort weiter über eine „Sky Brücke“ bis hinüber zum Engelhaldepark reicht. Das sind natürlich außergewöhnliche Ideen – für zukunftsorientierte Impulse sind wir Altstadtfreunde ja bekannt –, die allesamt ein Ziel haben: die AttraktiBERICHT DES VORSITZENDEN


vität der Stadt für die nächsten Jahrzehnte zu sichern bzw. zu stärken.

Der Tourismuspfad mit den Highlights Kemptens

Auch der von uns entwickelte Illerlehrpfad – unter Einbeziehung der von uns entworfenen Erinnerungskultur des Industriezeitalters Kemptens – würde sich ebenfalls hervorragend in den Tourismuspfad integrieren lassen Dieser Pfad ist flexibel ausgelegt und ließe sich je nach Bedarf individuell verändern und erweitern. Wenn nun noch ein Stadtmarketing diesen Ball aufnimmt und unsere Idee in ein schlagfertiges außenwirksames Städtemarketing umwandelt, hätte das – wie wir Allgäuer sagen – „einen Schlanz“. Auf einige der bereits genannten Sehenswürdigkeiten auf dem Tourismuspfad möchte ich konkret eingehen, weil sie ein sehr hohes Alleinstellungsmerkmal für Kempten sind: Die König Ludwig Brücke Die Sanierung der Brücke stellt eine enorme Leistung dar. Dafür sprechen wir unseren Dank an alle aus, die dazu beigetragen haben, insbesondere an Markus Wiedemann und seinem Team vom Amt für Tiefbau und Verkehr der Stadt Kempten. Wenn man mit Markus Wiedemann und seinem Team zusamBERICHT DES VORSITZENDEN

menarbeitet, wie wir das seit Jahren praktizieren, merkt man deutlich, dass dort Menschen tätig sind, die sich mit Herz und Leidenschaft für eine lebenswerte Stadt einsetzen. Zudem ist bei der Zusammenarbeit bei allen Beteiligten eine gegenseitige Wertschätzung spürbar. So macht Zusammenarbeit Spaß, herzlichen Dank dafür! Ebenso gilt mein Dank den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses der Stadt, die letztendlich doch noch entschieden haben, 100.000 EUR für die König-Ludwig-Brücke im Haushalt 2019 vorzusehen. Dieses Geld ist für die Konzeptentwicklung vorgesehen, um eine Öffnung bzw. Begehbarkeit der Brücke für die Öffentlichkeit durch geführte Besichtigungen sicher zu stellen. Chapuis Villa In den letzten Wochen des Jahres ging es doch noch mal heiß her, als bekannt wurde, dass der Verkauf der Chapuis Villa forciert werden sollte. Der Verkauf ist für uns ein absolutes Tabu! Ein für die Entwicklung der Innenstadt und die Anbindung des Kemptener Ostens bzw. des Archäologischen Parks Cambodunum (APC) strategisch so wichtiges Grundstück samt denkmalgeschütztem DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Anwesen an einen privaten Investor veräußern zu wollen, ist ein Ding der Unmöglichkeit! Weitsicht sieht bei Gott wirklich anders aus. Auf unserer diesjährigen Jahreshauptversammlung hat Oberbürgermeister Thomas Kiechle seine Idee zu einem Römermuseum in diesem Bereich mitgeteilt. Dazu haben wir unsere vollste Unterstützung zugesagt und halten diese auch weiterhin aufrecht. Der Beschluss, der von den Mitgliedern des Liegenschaftsausschuss gefasst wurde – wenn möglich in der Chapuis Villa eine Kindertagesstätte unterzubringen – ist ebenso in unserem Sinne. Somit bleibt der Einfluss auf die Entwicklung dieses Gebietes in der Hand der Stadt Kempten. Sich diese Möglichkeit offen zu halten, das ist Weitsicht! Burghalde Die Entwicklung der Burghalde liegt uns seit Jahrzehnten am Herzen. Daher waren wir hellauf begeistert, als uns Professor Rommel, Leiter Studiengang Architektur an der Hochschule Augsburg mitteilte, dass er die Burghalde als Praxisprojekt im Wintersemester 2018/19 aufnimmt. Wir sind schon sehr gespannt auf die Arbeiten der Architekturstudenten. Der von Silvia Armbruster, künstlerische Direktorin am Theater Kempten, 8

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2018 ins Leben gerufene Märchensommer mit der Inszenierung „Alice im Wunderland – neu erträumt“ auf der Freilichtbühne der Burghalde war nicht nur ein grandioser Publikumserfolg für das Theater, sondern verhalf auch der Burghalde zu erhöhter Aufmerksamkeit in der Bevölkerung. Daher freut es uns umso mehr, weil der Märchensommer in 2019 mit dem Stück „Der Zauberer von Oz“ fortgesetzt wird. Ein imposantes Feuerwerk an Veranstaltungen gab es zum diesjährigen Kempten-Jubiläum „200 Jahre Doppelstadt“. Dass dieses Jubiläumsjahr so erfolgreich stattgefunden hat, verdanken wir besonders dem großen Engagement einer Frau, die sich mit viel Leidenschaft und Liebe zum Detail persönlich eingebracht und damit alle anderen mit dem „200 Jahre Doppelstadt Fieber“ angesteckt hat. Liebe Frau Christa Eichhorst, ein ganz herzliches Dankeschön von mir! Sie waren bzw. sind die treibende Kraft hinter diesem grandiosen Jahr. Welche Energie, Freude und Ausdauer Sie eingebracht haben, ist bemerkenswert; ich ziehe meinen Hut vor Ihnen. „Foodsharing“ ist eine etwas andere Aktion. Sie ist jedoch nicht weniger bemerkenswert. Sagt Ihnen „Foodsharing“ etwas? Wenn ja, dann wissen Sie BERICHT DES VORSITZENDEN


sicherlich Bescheid über das Foodsharing Projekt Kempten“ im Ankergässele. Und wenn nein, dann schauen Sie doch dort vorbei und retten Sie Lebensmittel vor der Vernichtung. Die Straßen in der Altstadt: seit Jahren ein fast ununterbrochenes Thema der Altstadtfreunde, das auch im Altstadtbrief schon immer einen wichtigen Platz eingenommen hat. Deshalb machen wir es diesmal kurz und bündig: Die Sanierung Gerberstraße Ost und die Platzgestaltung „Soziales Rathaus“ ist bereits in Gange. Wir freuen uns auf die Fertigstellung im Jahr 2019. Kronenstraße… „same procedure as last year; same procedure as every year“ oder anders ausgedrückt: Man sitzt das Thema weiter aus. Viel mehr möchte ich dazu nicht mehr schreiben. „Iller erleben“ – das vor drei Jahren eröffnete „Summer Bar“ erfährt einen Pächterwechsel. Wir danken dem bisherigen Pächter für sein Engagement an der bedeutenden Stelle beim Restwasserkraftwerk Kaufbeurer Straße/ Sankt-Mang-Brücke. Dem neuen Pächter wünschen wir einen erfolgreichen Start in die Sommersaison 2019, für die wir uns vor allem beständige Öffnungszeiten, zumindest an klar definierten Wochentagen, wünschen. BERICHT DES VORSITZENDEN

Defizitäre Veranstaltungen sind seit Jahren ein Dauerthema innerhalb des Stadtrates. Sei es die Allgäuer Festwoche, der Weihnachtsmarkt oder das Stadtfest etc. Unserer Meinung nach muss sich eine Stadt wie Kempten seiner Verantwortung für ein attraktives urbanes Leben bewusst sein. Jede der genannten Veranstaltungen lockt jährlich Tausende von Besuchern nach Kempten, die auch außerhalb der Veranstaltungen Geld in den Geschäften und der Gastronomie liegen lassen. Es ist nicht zielführend, wie bisher immer die einzelnen Defizite zu diskutieren, ohne dabei den „Mehrwert“ für den Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotellerie zu bewerten, der durch die Einkäufe und Ausgaben der Veranstaltungsbesucher entsteht. Dieser Mehrwert für eine attraktive Einkaufs- und Erlebnisstadt lässt sich freilich nicht auf Heller und Pfennig errechnen, sondern kann sicherlich nur mittels einem Annäherungswert (geschätzter Pro-Kopf-Umsatz) einfließen. Dieser muss bei der Kostenrechnung der Veranstaltungen, die ihn auslösen, berücksichtigt und durch einen städtischen Zuschuss Rechnung getragen werden. Das bedeutet aber auf keinen Fall, dass die Veranstalter nicht angehalten sind, auch weiterhin auf die Kosten zu achten. DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Meiner Meinung nach kann es nicht jedes Jahr in den Medien heißen, das Stadtfest steht auf der Kippe oder gar vor dem Aus. Welche negative Außenwirkung diese Meldungen für eine Stadt in der Größenordnung Kemptens haben, muss ich nicht erwähnen. Lesen Sie auf den kommenden Seiten interessante und aufschlussreiche Beiträge verschiedener Autoren., denen ich dafür herzlich Danke. Unsere Stadt ist in Bewegung – Stillstand bedeutet Rückstand, das will keiner. Darum freuen wir uns auf 2019 und die kommenden Themen, die uns auch weiterhin sicherlich nicht ausgehen werden. Lassen Sie uns die Zukunft in unserer lebenswerten Stadt Kempten aktiv mitgestalten! In diesem Sinne wünsche ich Ihnen auch im Namen meiner Vorstandskolleginnen und -Kollegen friedvolle Feiertage sowie ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2019. Herzlichst – Ihr Dietmar Markmiller 10

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adtfestes Partner des Altst

Daimlerstraße 1 87448 Waltenhofen Tel. 08303 923745 BERICHT DES VORSITZENDEN


Die AÜW Summer Bar an der St.-Mang-Brücke

Illerrauschen und mit Freunden plauschen in der AÜW Summer Bar von Sandra Oberhaus . aüw

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ie Iller ist ein prägendes Merkmal der Stadt Kempten. Jedoch integrieren nicht alle Bewohner Kemptens und seiner Umgebung den 147 Kilometer langen Fluss gleichermaßen in ihr Freizeitleben. Im Jahr 2016 setzte die in der Altstadt ansässige Allgäuer Überlandwerk GmbH (AÜW) diesbezüglich einen mittlerweile nicht mehr missen wollenden Meilenstein und erbaute ein Restwasserkraftwerk an der Kaufbeurer

Straße, das mit einem jährlichen Ertrag von 1,2 Millionen kWh Energie für rund 350 Haushalte bereitstellt. Parallel zur Einweihung eröffnete AÜW einen ins Kraftwerk integrierten saison- und wetterabhängigen Mix aus Café, Bistround Eventbetrieb: die AÜW Summer Bar. Erfreulicherweise entwickelte sich die neue Location am Illerstrand, wie der Ort bei den Bewohnern auch manchmal genannt wird, innerhalb weniger Wochen zu einem beliebten sommerlichen Treffpunkt für Jung und Alt. Die idyllische Lage sowie der Blick DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Seit über 6 Jahren und 60 Ausstellungen ist die Galerie Kunstreich der Ort für zeitgenössische Kunst im Herzen der Altstadt Kemptens.

AUSSTELLUN GE N 2 01 9 Fr. 11. Jan – So. 10. Feb Nora Matocza, Malerei, Amberg-Sulzb. Fr. 22. Feb – So. 24. März Christine Müller, Malerei, Hofgeismar / KS Fr. 5. April – So. 5. Mai Deniz Hasenöhrl, Malerei, Installationen, M Fr. 28. Juni – So. 28. Juli Yeunhi Kim, Malerei, Landsberg 14. – 21. Sept artig‘19 in der Markthalle am Königsplatz zum zehnjährigen Bestehen des artig e.V. 11. Okt – 10. Nov Judith Rautenberg, Video/Inst., Weimar 22. Nov – 22. Dez Thomas Silberhorn, Installationen, M geöffnet Sa + So 11-17 Uhr ·Di 16-20 Uhr Eintritt frei. Vernissagen immer am 1. Freitag um 20 Uhr

Galerie Kunstreich ·Schützenstr. 7 ·Kempten betrieben vom Allgäuer Kunst- und Künstlerverein artig e.V. auf drei Geschossen der ehemals reichsstädtischen Münze aus dem 15. Jahrhundert immer aktuell: www.artig.st ·fb.com/artig.st

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Du bist. Kunst ist. DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

auf Wasser und Altstadt sprechen für sich, bilden eine echte Alternative zu anderen Kemptener Locations und laden zu gemütlichem Feierabendbier, abendlicher Fotokulisse oder einfach nur zum Chillen ein. Mehrmals im Jahr finden dort Events – organisiert von AÜW oder dem Barbetreiber – statt und locken nun seit zwei Jahren immer mehr Leute in die AÜW Summer Bar. So haben sich die Lange Nacht des Kraftwerks oder andere Live-Musik-Abende erfolgreich etabliert, die zum längeren Verweilen einladen. Einen weiteren Erlebniswert bieten zehn Säulen bzw. Röhren, die zur Energie- und Erlebnisausstellung „Einblicke und Ausblicke“ gehören und den Besuchern die Energieerzeugung, Energieeffizienz, die Energiezukunft sowie die historische Industriegeschichte Kemptens erläutern. Gerade für Schulklassen und jüngeres Publikum ist die Ausstellung eine ideale Hilfestellung, wenn es darum geht, komplexe Themen im Energiebereich zu verstehen. Kurzum: An keinem anderen Ort in Kempten ist die Kraft des Wassers, wie diese in Energie umgewandelt wird, so spürbar wie auf den Iller-Terrassen – und nebenbei lässt sich’s dort bei Cappuccino oder Spritz auch einfach sehr gut aushalten! DIE AÜW SUMMER BAR


Eindrücke von den Umbau- und Renovierungsarbeiten im Gasthaus „Goldenes Fässle“

Goldenes Fässle: aus dem bauhistorischen Bericht Geschichte reicht bis ins 15. Jahrhundert von Dipl.-Ing. Benno Willburger

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as Objekt Weinfässle in der Promenadenstraße 2 liegt innerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer im Randbereich der Stadt. Es ist somit bereits von einer mittelalterlichen Bebauung auszugehen, jedoch können es auch reine Holzbauten gewesen sein, die sich heute nicht mehr nachweisen lassen. (Es gibt eine Reihe von Altplänen in der Bauverwaltung. Diese wurden vom Verfasser eingesehen.) Die historischen Ansichten ergeben für diesen Stadtbereich kein klares Bild; es zeichnet sich aber eine kleinteilige Gebäudestruktur ab. Diese Kleinteiligkeit zeigt sich im Ansatz noch im Urkataster des frühen 19. Jahrhunderts, obwohl das Gelände bereits seit dem 18. Jahrhundert in einer Hand war. Das heutige Gebäude war damals in zwei

Parzellen aufgeteilt, wobei der Ostflügel zum Schlössle noch einmal unterteilt ist. Vermutlich bestand das mittelalterliche Areal aus fünf bis sechs Parzellen. Die Befensterung des Gewölbekellers und die teilweise erhöhte Lage der Kellerräume lassen auf eine Nutzung als Weberdunke vermuten. Die Weberzunft gehörte in Kempten zu den mitgliedstärksten Zünften der Stadt. Die Lage am Randbereich der Stadt spricht ebenfalls für Handwerker oder Tagelöhner als Bewohner. Über dem Keller ist ein Holzgebäude nachweisbar bzw. in Resten noch erhalten, dessen Dachwerk in das Jahr 1426 datiert.

Das Haus von 1426 Das Gebäude mit einer Größe von ca . 5 x 9 m reicht vom Keller bis in das heutige Dachgeschoss. Das Dachwerk ist zu größeren Teilen noch erhalten und wurDER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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de im Zuge der statischen Untersuchungen teilweise freigelegt. Die Sparren der Straßenseite sind noch erhalten, ebenso wie die Mittelpfetten. Die Ständer der beiden Giebelwände sind durch Mauerwerk bzw. jüngere Ständer ersetzt. An den Pfetten und dem innersten Deckenbalken finden sich Überblattungen für Kopfstreben; auch an dem südlichsten Sparren ist eine Überkämmung für einen Brustriegel. Somit ist klar, dass das Gebäude auch auf dieser Seite einen Giebel hatte und nicht nach Süden weitergeht. Die Sparren sind mit den Deckenbalken überblattet. Zwei Hölzer im Dachbereich konnten datiert werden. Eine Probe ist kurz nach 1423, die andere ist eine Winterfällung 1425/26

Umbau/Erweiterung von 1786 Aus den Hausakten im Stadtarchiv wird erstmals 1727 eine „Weinschenk-Gerechtigkeit“ mit einem Wert von 45 fl. („Florentiner“, Währung, Gulden) erwähnt. 1763 verkauft Helena Föhrin das Haus um 300 fl. Der Kaufbrief von 1764 nennt „Weinwirth Ferdinand Kohlers Wittwe“ z. Goldenen Faß; das Objekt umfasst zwei Häuser mit Schenk und Täfern-Gerechtigkeit. Im Winter 1785/86 erfolgt die Fällung der Hölzer für den Umbau bzw. Erweiterung. 1787 verkauft Kohlers Witwe das Objekt um 635 fl. 1809 wird extra erwähnt, „dass sich Haus durch starke Bäulichktn (= Bäulichtkeiten) seit 14

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dem [l763] s(ehr) verbess(ert) hat.“ Die Umbaumaßnahme zeigt sich im Flügel Promenadestraße . Der Flügel wird wohl in den Hof verbreitert und die Raumstruktur den Gegebenheiten angepasst. Im Erdgeschoss wird der breite Eingang mit dem großen Flur geschaffen, von dem links die leicht höher liegende Gaststube abgeht. Deren Wände werden wohl bereits zu diesem Zeitpunkt mit wandhohem Täfer versehen, das auch hinter dem heutigen Einbauschrank durchgeht. Allerdings unterscheiden sich die Täfer der verschiedenen Wandbereiche; einige Bereiche sind auch in neuester Zeit ausgetauscht worden. Das Deckentäfer ist jedoch durchgehend einheitlich; der Abschluss zur nördlichen Stirnwand liegt jedoch vor der heutigen Wandebene, hier unterscheidet sich auch das Täfer (in der Innenecke noch einmal im frühen 20. Jahrhundert geändert). Der Fußboden ist erst im 20. Jahrhundert in seiner jetzigen Form eingebracht worden. Zum Hof hin anschließend an den Gastraum ist die Küche mit großer Kaminhaube. Der Zugang erfolgt, wie die Umbaupläne zeigen, entweder über den Gastraum oder den Hof. Der kleine Raum zum Flur wird als Speisekammer genutzt und ist nur über die Küche begehbar. Die Treppenanlage in den Keller, mit dem Korbbogendurchgang und den zwei Eisentüren, ist dieser Phase zuzurechnen. Der Aufgang nach oben liegt DAS GOLDENE FÄSSLE


an der Hofwand, jedoch gegenläufig zur heutigen Treppe. Im Obergeschoss gibt es einen großen Flurbereich zum Hof, von dem aus eine große Stube mit Stuckdecke zugänglich ist. Die Stube wird vom Flur aus mit einem Hinterladeofen beheizt und hat an den Wänden ein brüstungshohes Täfer. Beide Türen des Raumes gehören zu dem Bestand des 18. Jahrhunderts. Von der Stube aus gelangt man in einen gefangenen Nebenraum, der über ein Lüftungsloch vom Erdgeschoss aus Warmluft bekommt. Zum Hof hin befindet sich eine weitere Kammer, die auf den Innenwänden ein einfaches Täfer bis zur Brüstungshöhe aufweist, das jedoch jünger sein dürfte. Der Raum wird 1900 als Comptoir bezeichnet. Im Flur geht eine schmale Treppe ins Dachgeschoss. Der Dachstuhl über dem Erweiterungsbereich ist nahezu vollständig erhalten. Lediglich ein Windverband ist für den späteren Einbau eines Lichtschachtes gestört. Es handelt sich um einen liegenden Dachstuhl mit Andreaskreuzen als Windverband in jedem Feld. Die Aufzugsgaupe gehört zu dieser Phase, hier erfolgt die Aussteifung über zwei Kopfstreben. Der gesamte Dachstuhl ist verzapft, sowohl Streben wie auch die Sparren. Was am Ostflügel im 17./18. Jahrhundert geschehen ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen, da der Umbau 1873 mit DAS GOLDENE FÄSSLE

seinen neuen Geschossebenen tief in die vorhandene Substanz eingegriffen hat.

Das 19. Jahrhundert 1825 kommt Johann Jakob Dannheimer durch Heirat mit Maria Elisabeth Wiedemann in Besitz der Liegenschaft, die 1836 als Weinwirtschaft zum goldenen Faß mit zwei Wohnhäusern mit realer Wein- und Tafern-Gerechtigkeit beschrieben wird. 1830 erweitert er die bisherige, in Holz erstellte Hofüberbauung um eine massiv gemauerte Waschküche, die dem heutigen Umfang der Hofüberbauung entspricht. Die beiden Aborte im Erdgeschoss und auch der Abort im Obergeschoss bleiben erhalten. 1845 wird im Hof der Brunnen eingebaut; hierzu gibt es Akten, und auch der gusseiserne Brunnen mit den Initialen J. D. und 1845 zeugt davon. 1857 übernimmt Heinrich Dannheimer von seinem Vater die beiden Wohnhäuser.

Der Umbau 1873 1873 baut Dannheimer die beiden Häuser zu einem Gebäude zusammen. Die bisher unbebaute Ecke wird geschlossen und die Geschossebene des Ostflügels verändert. Im Erdgeschoss werden neue Gaststuben mit Stuckdecke eingerichtet, die jedoch noch zwei Stufen höher liegen als heute. Ob die Ausstattung der Stube und Nebenzimmer zur Umbauphase 1873 gehört, zeigt sich vielleicht während des anstehenden DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Umbaus. Eine Postkarte von 1900 (leider nur in schlechter digitaler Qualität aus dem Internet vorhanden) zeigt auf jeden Fall die heute vorhandene Ausstattung der beiden Räume. Im Obergeschoss entsteht eine komplett neue Raumeinteilung. Die bisherige, fast mittige Wandachse wird zum Hof hin verschoben und der Bereich zur Straße in 3 etwa gleich große Räume unterteilt. Diese Querachsen werden nicht in Ziegelbauweise, sondern in einer leichten Holzbauweise errichtet, zumal sie nicht über den Wandachsen des Erdgeschosses stehen. Es handelt sich quasi nur um senkrecht eingebaute Bretter, die mit schräg verlaufenden Latten als Putzträger aufgedoppelt wurden. Dies ist an einer Wand noch deutlich zu sehen, ob jedoch die geplanten Türen so eingebaut wurden ist fraglich.Das Dachwerk über diesem Flügel mit seinem liegenden Stuhl gehört komplett in diese Bauphase.

Die Zeit bis 1914 In dieser Zeit kommt es zu mehreren kleineren Maßnahmen, die vor allem die Hofüberbauung betreffen, wo es I895 zu einem kleineren Umbau kommt und 1914 das Obergeschoss unter Einbeziehung von Vorgängersubstanz neu aufgebaut wird. 1903 wird der Kaminschoß in der Küche entfernt und durch einen modernen Kamin ersetzt. Zwischen 1903 und 1914 wird die Treppe vom Erd- ins Obergeschoss verlegt und die Laufrichtung ge16

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dreht. Zwischen 1873 und 1895 wird der Eckbereich im OG umgebaut. Im frühen 20. Jahrhundert werden Räume durch den Architekten Heydecker neugestaltet. Auf ihn dürften der Stuckrahmen und das innenseitige Wandtäfer zurückgehen.

Das 20. Jahrhundert Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts kommt es zu mehreren kleineren Umbauten: dünne Zwischenwände, Treppenverkleidung, Lichtschacht vom Dach, neue Treppe ins Dachgeschoss und Ausbau des Dachgeschosses im Ostflügel. Tiefer in die Substanz greift jedoch die Absenkung der Gasträume im Erdgeschoss. Vor allem das Gewölbe wird stark gestört. Die Fensterkappen werden alle zerstört und statisch durch eine neue Betondecke ersetzt. Der Umbau des Nachbarn (Modehaus Wagner) mit seinem Treppenhausneubau wird dazu genutzt, zusätzliche Fläche zu schaffen. Die Giebelwand im Ostflügel im Obergeschoss und Dachgeschoss wurde in diesem Zuge ersatzlos entfernt. Die neugebaute Wand des Nachbarn ist nun neuer Abschluss der Innenräume.

Der Umbau im Jahr 2018 von Christian Martinsohn, geschäftsleiter Reischmann Die Firma Reischmann hat im Jahr 2018 begonnen, das seit ca. 10 Jahren leerstehende und trotz Lüftung und HeiDAS GOLDENE FÄSSLE


Visualisierung des sanierten Goldenen Fässle inkl. noch nicht erfolgtem Ausbau des 3. und 4. OG des Neubaus

zung zunehmend geschädigte Gebäude zu sanieren und einer neuen Nutzung zuzuführen. Das Konzept sieht vor, im ehemalige Gebäude „Goldenes Fässle“ im Gewölbekeller einen Weinkeller einzurichten, der auch den Restaurantbesuchern zugänglich ist, in den historischen Gasträumen im Erdgeschoss unter Einbeziehung der bisherigen Küche ein Restaurant zu etablieren und im ersten Obergeschoss ein Tageskaffee mit eigener Backstube und Konditorei einzurichten. Das Dachgeschoss beherbergt zukünftig die Mitarbeitersozialräume. Das alte Gebäude im Innenhof wurde abgebrochen, der Innenhof ca. 6 Meter tief abgegraben, dabei wurden die Außenwände in einem aufwändigen Verfahren Stück für Stück unterfangen. Die ca. 500 m Aushub bestanden fast ausschließlich aus feinem Sand, der wohl in früheren Jahren von der Iller dort abgelagert wurde. Im Innenhof wurde dann ein modernes Stahlbetongebäude errichDAS GOLDENE FÄSSLE

tet, was einerseits die für die Gastronomie notwendigen Lager- und Kühlräume beherbergt, andererseits über eine gewendelte Treppe im Erdgeschoss und im ersten Obergeschoss das Modehaus mit dem Goldenen Fässle verbindet. Hierzu wurden die bisherigen Außenwände des Modehauses, die den Innenhof umschlossen, entfernt und durch eine Stahlkonstruktion ersetzt. Große Brandschutztore trennen die beiden Gebäude im Bedarfsfall voneinander ab. Die Herausforderung war dabei die Beibehaltung und Wiederherstellung der historischen Bausubstanz einerseits und andererseits die statische, haus- und brandschutztechnische sowie hygienische Ertüchtigung des alten Gebäudes nach derzeit gültigen Bauvorschriften. Der in der Visualisierung gezeigte Ausbau des dritten und vierten Obergeschosses des Neubaus bleibt zunächst einem zweiten Bauabschnitt vorbehalten. DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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600 neue Wohnungen für Kempten Sozialbau investiert über 150 Millionen Euro von Herbert Singer

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ie Neubauleistung der Sozialbau ist enorm. Mit 600 Neubau-Wohnungen sorgt die Sozialbau für schnellstmögliche Entlastung des angespannten Allgäuer Wohnungsmarktes. 350 Eigentumswohnungen und 250 neue Mietwohnungen entstehen bis 2020 für rund 1.500 Bürger der Stadt Kempten dank Wohnbau-Offensive und einer enormen Kraftanstrengung des Sozialbau-Teams. Damit verbunden sind stattliche Bauinvestitionen von über 150 Millionen Euro. Großen Wert legt die Sozialbau auf bezahlbaren Mietwohnraum und powert für ihre Wohnbau-Offensive 2020. Mit dem „Kemptener Modell“ ist die Sozialbau dabei neue Wege gegangen und schafft zudem staatlich geförderten Wohnraum für durchschnittlich 8 Euro/m² Miete auch für die bürgerliche Mittelschicht. Mehrwert des „Kemptener Modells“ ist, dass nicht nur die Neubauwohnungen um ca. 2 Euro/m² verbilligt, sondern rund 250 bisher nicht gebundene Mietwohnun18

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gen der Sozialbau neu an Wohnberechtigte für ca. 5,50 Euro/m² vermietet werden, um damit den angespannten Miet-Wohnungsmarkt mit bezahlbaren Wohnungen spürbar zu entlasten. Das ganz besondere Projekt des „Kemptener Modells“ ist das Industriedenkmal „SheddachHallen“ in der ehemaligen Weberei an der Iller. 120 Jahre nach Ersterrichtung erstrahlen die Sheddächer wieder in neuem Glanz und schützen perfekt saniert das einstige Industriegebäude aus dem vorletztem Jahrhundert. Die massiven, gusseisernen Stützen und die besondere

Cooles, junges Wohnen in den „SheddachHallen“ (Visualisierung)


Dachkonstruktion mit ihren filigranen Bindern und Trägern wurden sandgestrahlt und wieder neu eingebaut. Im Außenbereich sind diese offen zu sehen und schaffen eine atemberaubende Atmosphäre.

Industriecharakter auch in den Wohnungen erlebbar Nach der Sanierung bleibt auch in den Wohnungen der Industriecharakter deutlich erlebbar. Stahlsprossenfenster und Galerietreppen mit passenden Geländern werden ein weiteres Gestaltungselement. Die künftigen Hoffassaden bekommen einen passenden Charakter aus Streckmetall. Der Bezug der 46 Wohnungen und die Nutzung der Tiefgarage mit 80 Stellplätzen sind ab Mai 2019 vorgesehen, die Vermietung beginnt zum Jahresanfang 2019.

Wohn-, Kreativ- und Dienstleistungsquartier an der Iller Seit 2013 revitalisiert die Sozialbau mit enormem Aufwand dieses besondere Areal direkt an der Iller. Nach über 150 Jahren Spinnerei/Weberei sind in Kürze alle quartiersprägenden Gebäude umgestaltet, ohne den äußeren und inneren Industriecharakter aus der Entstehungszeit von 1890 zu zerstören. Den Anfang machte im Jahr 2014 die „Alte Spinnerei“ mit der Bfz-Kempten (Berufliche Fortbildungszentren der Baye-

Die „SheddachHallen“ mit ihrer besonderen Dachkonstruktion

rischen Wirtschaft) als erstem Nutzer. Inzwischen nutzen auf rund 4.000 m² Bürofläche auch das Jobcenter und die Firma Dachser modernste Büro-, Schulungs- und Arbeitsplätze.

Digitales Gründerzentrum Seit Mitte 2017 ist in der ehemaligen Schlichterei des Industriedenkmals das neue Digitale Gründerzentrum Allgäu eröffnet. Der bewusst gewählte puristische Innenausbau bietet ein einzigartiges Ambiente für kreative Köpfe. Die Gründer profitieren von einer High-Speed-Infrastruktur sowie passenden Besprechungs- und Eventflächen.

Pförtnervilla Ende 2017 hat die Sozialbau begonnen, die ehemalige Pförtnervilla umzubauen und zu sanieren. Nun ist die Villa fertig saniert und hat neue Mieter mit den Architekturbüros Eisele/Back und Becker-Architekten. Das Gebäude – um 1880 errichtet und 1920 aufgestockt – besitzt eine starke, schön gestaltete Fassade, die behutsam DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Stadtquartier Keselstraße an der Iller

restauriert wurde. Ziel war es, die alte Bausubstanz zu erhalten, obgleich das Gebäude nicht unter Denkmalschutz steht. Darüber hinaus wurden die Nutzerwünsche erfolgreich mit Brandund Schallschutzrichtlinien sowie den Vorschlägen des Gestaltungsbeirats in Einklang gebracht – ein ambitioniertes Unterfangen. Im Jahr 2019 wird sich das gesamte Quartier der früheren Spinnerei/Weberei mit den vier Gebäuden aus 1850 bis 1880 als modernes Wohn-, Kreativ- und Dienstleistungsquartier präsentieren. Die Sozialbau investiert in die Revitalisierung dieses Standorts rund 28 Millionen Euro im Anlagevermögen.

10 Jahre Lückenschluss an der Burgstraße – 5 Jahre PassivBürohaus „Stadtmauer 4“ Dass sich Altstadt und Moderne ausgezeichnet ergänzen lassen, hat die So20

DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

zialbau vor zehn Jahren mit dem baulichen Lückenschluss – prämiert beim Baupreis Allgäu 2009 – zwischen „Soloplan“ und „Altstadt-Engel“ gezeigt. Mit dem als zeitgemäße Lochfassade altstadtgerecht gestalteten Dienstleistungsgebäude entstanden 2008/2009 rund 2.800 m² Nutzfläche für die Mieter „Telis-Finanz AG“ und „Barmer-GEK“ sowie 39 Privatstellplätze. Neue Arbeitsplätze konnten aufgrund der Investition von Sozialbau für die Altstadt angesiedelt werden, und aus früher unansehnlichen Hinterhöfen hat sich ein herrlich begrünter und ruhiger Innenhof mit hoher Aufenthaltsqualität entwickelt. Seit mittlerweile fünf Jahren präsentiert sich das zertifizierte Passiv-Bürohaus „Stadtmauer 4“ – prämiert beim Baupreis Allgäu 2013 und 2015 ausgezeichnet mit dem bedeutenden Thomas-Wechs-Preis – als zukunftsweisendes Bürogebäude in der Kemp600 NEUE WOHNUNGEN FÜR KEMPTEN


tener Altstadt. Energetisch hochwertig verfügt es über 2.600 m² Bürofläche: Es heizt ressourcenschonend mit Grundwasserwärme. Dies überzeugte auch Siemens als Premiummieter und weitere angesiedelte Top-Firmen, die das moderne Tagungszentrum mit Empfangsservice und Platz für bis zu 140 Personen samt Catering-Service sehr schätzen. 122 Parkplätze in der öffentlichen Quartiersgarage „Parkhaus-Altstadt“, direkt unter dem Bürogebäude, optimieren die Infrastruktur für das umliegende Altstadt-Quartier. Nach fünf Jahren bleibt allerdings die Erkenntnis, dass sich mit der Passivhausbauweise zwar grundsätzlich Energie einsparen lässt; wird aber die eingesparte Energie mit Kosten hinterlegt und zudem mit einem Gebäu-

Das Schwanengelände zwischen Burgstraße und Bäckerstraße 600 NEUE WOHNUNGEN FÜR KEMPTEN

Prämierter Lückenschluss an der Burgstraße

de in konventioneller Bauweise nach EnEV-Standard verglichen, fallen durch erhöhte Wartung, Aufwand für Lüftung etc. Zusatzkosten an. Dies belastet das Projekt wirtschaftlich, so dass die erhöhten Baukosten nicht einfach zu amortisieren sind. Das Fazit für das Schwanengelände ist hoch erfreulich: Insgesamt rund 20 Millionen Euro hat die Sozialbau auf dem Areal zwischen Burgstraße und Bäckerstraße investiert, um 9.000 m² zukunftsorientierte Dienstleistungsflächen und 180 öffentliche und private Tiefgaragenstellplätze entstehen zu lassen. Rund 350 Arbeitsplätze beleben seither die Reichsstadt und schaffen Lebens- und Aufenthaltsqualität. Fakten Sozialbau • Gründung 1956 • 6.757 Wohnungen in der Bewirtschaftung • 6.365 Pkw-Stellplätze • 548.516 m² Wohn- und Gewerbeflächen • 200,9 Mio. € Bilanzvolumen in 2017 • 57,0 Mio. € Jahresumsatz in 2017 Fotonachweis: die Sozialbau, Ralf Lienert DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Kulturraum Burghalde Semesteraufgabe an der Architekturfakultät der Hochschule Augsburg von Franz G. Schröck, architekturforum allgäu e.v.

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uf der Suche nach einem geeigneten Planungsareal für das Studienmodul „Stadt & Freiraum“ an der Architekturfakultät der Hochschule Augsburg nahm Prof. Marcus Rommel zusammen mit den Lehrbeauftragten Philip Sodeur aus Sonthofen und Franz

G. Schröck aus Kempten bereits im Sommer 2017 verschiedene Standorte im Allgäu in Augenschein, darunter auch die Burghalde in Kempten. Im Frühsommer 2018 traf Prof. Rommel nach einer erneuten ausführlichen Ortsbegehung mit dem Vorsitzenden der Altstadtfreunde Dietmar Markmiller die Entscheidung, im Wintersemester 2018/19 den Burghalde-Hügel als Semester-Entwurfsaufgabe zu stellen. Die Altstadtfreunde zeigten sich hierüber hocherfreut, erhoffen sie sich doch dadurch einen wesentlichen Impuls ihrer zuletzt ein wenig in Vergessenheit geratenen Initiative „Burghalde beleben“, die in direkter Nachfolge zum Projekt „Iller erleben“ ins Leben gerufen wurde.

Studierende der HS Augsburg beim ersten Ortstermin auf der Burghalde (Foto: Hochschule Augsburg) 22

DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

Auch bei der Stadt Kempten fand das


S t u d e n t / i n n e n -Vo r h a b e n Anklang, weshalb es sich Tiefbau-Amtsleiter Markus Wiedemann und Landschaftsarchitektin Tina Großmann nicht nehmen ließen, beim ersten Ortstermin aller über 70 Studierenden am 18. Oktober auf der Burghalde eine kleine Einführung in die bestehende Situation zu geben. Bezugnehmend auf die große Resonanz der Lokalität bei den TIK-Aufführungen „Alice im Wunderland“ im Sommer, bei der in weiten Teilen der Stadtbevölkerung die Burghalde wiederentdeckt wurde, riet Markus Wiedemann den Studierenden: „Sie dürfen auch Visionen haben!“ Diese verbrachten anschließend den ganzen Tag mit der Erstellung eines Höhennivellements, Bestandsaufmaßen und Ortserkundigungen, auch in einem größeren Umfeld rund um die Burghalde. Nach einer gemeinsamen Besichtigung der Erasmus-Kapelle am St. Mang - Platz waren alle Teilnehmenden zu einem klassischen Allgäuer Kässpatzen-Essen bei Evi Endras im Altstadthaus eingeladen. Die Aufgabenstellung an der HS Augsburg steht unter der Überschrift „Kulturraum Burghalde“. Über eine sogenannte „SWOT-Analyse“, in der

Erste Vermessungsarbeiten (Foto: Hochschule Augsburg)

Stärken, Schwächen, Möglichkeiten und Gefahren des Ist-Zustandes individuell bewertet wurden, zogen die jeweiligen Zweier-Teams ihre Schlüsse und ließen diese in erste Konzeptgedanken einfließen. Deren Überprüfung geschieht an einem Arbeitsmodell im Maßstab 1:500. Begleitet wird die Entwurfsaufgabe von wöchentlichen Vorlesungen zum Thema und zweiwöchentlichen Korrekturterminen. Beim ersten Zwischentestat am 07.12.18 konnten sich Prof. Rommel und seine Lehrbeauftragten einen Überblick über die insgesamt 34 Arbeiten verschaffen. Schwerpunkte dabei waren u. a. die Auseinandersetzung mit den bestehenden baulichen Strukturen des besonderen Ortes, seiner Vergangenheit und Topographie, der Umgang mit dem historisch nicht immer so üppigen Baumbestand, und die barrierefreie Erschließung und Anknüpfungspunkte an die Stadt. Interessant erscheint in diesem Zusammenhang z. B. das Stollensystem DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Begehung der Burghalde bei bestem Wetter (Foto: Hochschule Augsburg)

vom Ende des zweiten Weltkrieges unter Burghalde und Lützelburg, das Wilhelm Fehr vom städtischen Geoinformations- und Vermessungsservice ausführlich erkundet hat. Eine Verfeinerung der jeweiligen Entwürfe erfolgt nach Weihnachten – ebenfalls modellbaumäßig – im Maßstab 1:200, die Endpräsentation ist im Beisein städtischer Vertreter und der Altstadtfreunde am 08. Februar 2019 an der Hochschule in Augsburg geplant. Anschließend wünschen sich alle Beteiligten eine öffentliche Ausstellung der besten Arbeiten in Kempten. Im kommenden Sommersemester ist an der HS Augsburg eine Vertiefung von einzelnen Gebäudeentwürfen auf

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dem Burghalde-Gelände vorgesehen, die sich den Themen einer Galerie für zeitgenössische Kunst sowie einer Dependance der Stadtbibliothek widmen. Im Idealfall befeuert das Student/ innen-Projekt fortan den Diskurs über die Zukunft der Burghalde, handelt es sich doch um die Pflege eines wertvollen Kleinods, das unbedingt zeitnah eine Aufwertung erfahren sollte. Ein entsprechendes professionelles Planungsverfahren, das eine ernstgemeinte Bürgerbeteiligung inkludiert, wäre dabei selbstverständlich – ebenso wie dies vor kurzem bereits bei der Neugestaltung des Stadtparks erfolgte.

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200 Jahre vereintes Kempten 10 Fragen an Oberbürgermeister Thomas Kiechle und Projektleiterin Christa Eichhorst 200 Jahre vereintes Kempten – wann begannen denn die ersten Vorarbeiten? Christa Eichhorst: Das Thema „Jubiläum 200 Jahre vereintes Kempten“ kam im Sommer 2017 ins OB-Büro, nachdem im Frühjahr bereits ein „runder Tisch“ mit möglichen Beteiligten im Kulturamt stattgefunden hatte. Damals hatte mich unser Oberbürgermeister gebeten, die Projektleitung zu übernehmen, Dr. Richard Schießl als auch für die Kultur zuständiger Referent war Projektverantwortlicher. Wer war am Konzept beteiligt? Christa Eichhorst: Ich erinnere mich gut an ein Zusammenkommen im September im Rathaus, u. a. mit Dietmar Markmiller von den Freunden der Altstadt Kemptens, Heimatpfleger Tilman Ritter und Ilse Roßmanith-Mitterer von den Stiftsstadtfreunden. Dann ging es mit Hochdruck an die Entwicklung eines erstes Grobkonzepts sowie eines Jubiläums-Logos mit hohem Wiedererkennungswert – das entwarf eine Kemptener Agentur – denn bis zum Beginn des Weihnachtsmarktes Ende 26

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November sollte ja schon ein Flyer vorliegen mit einer Übersicht der geplanten Veranstaltungen. Das heißt, es waren zahlreiche intensive Gespräche notwendig, um möglichst viele Mitwirkende aus den unterschiedlichsten Bereichen zum Mitmachen zu gewinnen. In dieser Zeit entstanden auch die Ideen für ein spezielles 1818-Bier und ein 1818-Brot, die dann von Kemptener Bäckermeistern und über Kemptens einzige Braustätte verwirklicht wurden und während des gesamten Jubiläumsjahres sehr nachgefragt waren. Das erste Konzept wurde bis zum Erscheinen eines Jubiläumsprogramms zum 1. März 2018 ständig ergänzt. Auch während des Jahres kamen weitere Veranstaltungen hinzu. Es sollte kein Festakt, sondern ein Festjahr werden. Ist dies aus Ihrer Sicht gelungen? OB Thomas Kiechle: Ich hatte von Anfang an gesagt, gerade das Jubiläum 200 Jahre vereintes Kempten eignet sich wie kein anderes dazu, das Miteinander, ein „Mir gheared zämed“ besonders herauszustellen, aus Kemptens ganz spe-


zieller Geschichte heraus. Das war am besten mit vielen Aktivitäten während eines ganzen Jahres zu vermitteln. Es hat sich immer wieder gezeigt, dass dieses Konzept funktionierte: ob nun Führungen, Vorträge, Ausstellungen, Konzerte und Theateraufführungen, Altstadtmärkte, Kunstgewinnspiel oder Fußball, Tage der offenen Tür oder Videomapping – das Interesse der Bürgerinnen und Bürger war sehr groß. Bei vielen war auch das Bewusstsein dafür zu spüren oder wurde sogar geweckt, dass unsere Stadt eine einzigartige Geschichte hat. Welche Veranstaltungen oder Aktionen sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben? Christa Eichhorst: Es sind viele Aktionen, die im Gedächtnis geblieben sind, natürlich so spektakuläre wie das Videomapping an der Residenz oder die „AÜW-Tafel“ an der ehemaligen Grenze zwischen Alt- und Neustadt beim „Bachschmidhaus“. Ein wunderbares Bild boten auch die vier Kemptener Musikkapellen beim Konzert auf der Freitreppe. Eine ganz besondere Stimmung herrschte beim „Fest für alle“ mit dem letzten öffentlichen Auftritt der Hilde-Bigband. Und in die Altstadtmärkte auf dem St.-Mang-Platz mit umfangreichem Begleitprogramm habe ich tatsächlich einiges an „Herzblut“ gesteckt.

Gibt es Programmpunkte, von denen Sie im Rückblick enttäuscht wurden? Christa Eichhorst: Enttäuscht waren weder mein Chef noch ich, im Gegenteil: Zu etlichen Veranstaltungen, auch zu „technischen Führungen“ kamen wesentlich mehr Gäste, als erwartet. Schade war, dass es ausgerechnet beim Konzert an der Freitreppe zu regnen begann, entgegen aller Vorhersagen, und dass auch in der zweiten Hälfte beim „Fest für alle“ Regenschirme nützlich waren. Wurden Orte durch dieses Festjahr gewissermaßen neu entdeckt die in Zukunft stärker in die Öffentlichkeit gerückt werden könnten oder sollten? OB Thomas Kiechle: Wir haben gerade auch mit den Altstadtmärkten, wie schon der Name sagt, den Fokus auf die Altstadt und hier auf den St.Mang-Platz gelegt, ein wunderschöner Platz, der es verdient, noch mehr in den Mittelpunkt gestellt zu werden. Und mit dem Märchensommer wurde auch die Burghalde zu ganz neuem Leben erweckt. Nächstes Jahr geht es dort mit „Der Zauberer von Oz“ weiter. So manches ist durch die große Hitze des Sommers 2018 beeinträchtigt – sagen wir gebremst – worden. Gibt es Überlegungen für eine Neuauflage des einen oder anderen Programmpunktes? DER ALTSTADTBRIEF 45/2018

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Christa Eichhorst: Auf jeden Fall gehen die Jubiläumsführungen von Kempten Tourismus ab Mai in eine weitere Runde, auch mit dem „kulinarischen Abschluss“ mit 1818-Bier und 1818-Brot. Die Veranstaltungen auf dem St.Mang-Platz haben unter der heißen Sonne besonders gelitten. War es rückblickend verfehlt, bei der Neugestaltung des St.-Mang-Platzes – wie auch beim Hildegardplatz – auf schattenspendende Bäume zu verzichten? OB Thomas Kiechle: Es mag zwar gefühlt so sein, dass Bäume fehlen. Tatsächlich wurde aber bei den Neugestaltungen die Zahl der Bäume erhöht: Beim St.-Mang-Platz gibt es jetzt 21 Bäume (vorher 20), beim Hildegardplatz stieg die Zahl sogar von 13 auf 23 Bäume. Sicherlich müssen die sich noch weiter entwickeln, bis sie eine stattliche Größe erreichen werden. Die Busrundfahrten waren ein großer Erfolg. Könnten Sie sich vorstellen, die zukünftig regelmäßig, zum Beispiel einmal im Monat, anzubieten? OB Thomas Kiechle: Ja, die Busrundfahrten entlang Kemptens Stadtgrenzen waren regelmäßig ausgebucht. Darum habe ich bereits in Aussicht gestellt, dass seitens der Stadt Kempten im kommenden Jahr Busfahrten ange28

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boten werden (wieder mit Abfahrt am St.-Mang-Platz und damit ein Beitrag zur Belebung der Altstadt). Da werde ich dann auch selbst dabei sein, um interessierten Bürgerinnen und Bürgern Projekte der Stadt vorzustellen und Wünsche aus der Bevölkerung aufzunehmen. Ralf Lienert, Heinz Singer, Birgit Kata und Frank Edele haben ein Buch als Zeitreise mit vielen historischen Fotos vorgelegt. Kommen bei Ihnen beim Betrachten der Bilder Erinnerungen auf, ja sogar Wehmut über unwiederbringlich verlorene Gebäude, Fassaden, Ensembles? OB Thomas Kiechle: Wie viel an Erinnerungen mit den historischen Fotos verbunden ist, hat sich ja schon bei der Ausstellung im Rathaus gezeigt. Auch ich habe mich bei manchen Aufnahmen gefragt „So sah das vor 100 Jahren mal aus?“ Und auch wenn viel kleinteilige Bebauung heute nicht mehr vorhanden ist und Kempten lediglich noch Stadtmauerreste aufweist – was aber nicht auf die Abbruchwut der Stadt zurückzuführen ist, sondern auf staatliche Anordnung geschah – so wurde und wird doch auch sehr viel Bausubstanz in Kempten erhalten und gepflegt. Das begegnet uns bei einem Gang in der ehemaligen Stifts- und der Reichsstadt auf Schritt und Tritt. 200 JAHRE VEREINTES KEMPTEN


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Der Jahresbeitrag für Einzelpersonen beträgt 11,- Euro. Gläubiger-Identifikationsnummer DE87ASF00000663823 Mandatsreferenz ___________________ (wird vom Verein ausgefüllt)

SEPA-Lastschriftmandat

Ich ermächtige den Verein Freunde der Altstadt Kemptens e.V., Zahlungen von meinem Konto mittels Lastschrift einzuziehen. Zugleich weise ich mein Kreditinstitut an, die vom Freunde der Altstadt Kemptens e.V. auf mein Konto gezogenen Lastschriften einzulösen. Hinweis: Ich kann innerhalb von acht Wochen, beginnend mit dem Belastungsdatum, die Erstattung des belasteten Betrages verlangen. Es gelten dabei die mit meinem Kreditinstitut vereinbarten Bedingungen. NAME, VORNAME KONTOINHABER NAME DER BANK BIC IBAN

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DATUM, ORT

UNTERSCHRIFT

Bitte senden Sie dieses Formular ausgefüllt per Post oder Fax an: Freunde der Altstadt Kemptens e.V. • Vogtstraße 8 • 87435 Kempten • Fax: 0831-5126297 30

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Bitte heraustrennen. Falls Sie diesen Altstadtbrief nicht zerschneiden wollen, lassen wir Ihnen gerne ein gesondertes Formular zukommen.

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Mit vielfältiger Badewelt: Strömungskanal, Erlebnisrutschen, Massagedüsen, Außenbecken, Sportbecken und Sprungturm. Mit neu erweiterter Saunawelt: eines der größten Kelohauskomplexe Deutschlands, komfortable Ruheräumen, gesellige Kaminlounges, wohltuende Salzhütte und ab Frühjahr 2019 neues Saunarestaurant. Mit eigenem Wellnessbereich: Lomi Lomi, klassische und ayurvedische Massagen. DER ALTSTADTBRIEF 45/2018 www.cambomare.de


Liebe Freunde des Altstadtbriefes! Für Ihre Mitgliedschaft im Verein FREUNDE DER ALTSTADT KEMPTENS e.V., der als parteipolitisch neutrale und unabhängige Bürgerinitiative seit 1980 seine Kompetenz beweist, gibt es gute Gründe. Von seinen Aufgaben und Zielen seien einige stichwortartig genannt: Kontaktpflege zwischen Altstadtbürgern Ansprechpartner für Probleme Mittler zwischen Bürgern und Stadtverwaltung unbequemer Mahner (wenn nötig) Erhalt der Nahversorgung und der Vielfalt des urbanen Lebens in unserer Altstadt Bewahrung der Unverwechselbarkeit des historischen Stadtbildes Mitwirkung bei wichtigen Entscheidungen Damit wir unsere Aufgaben und Ziele weiterhin erfolgreich wahrnehmen können, bitten wir Sie herzlich um Ihre Mitgliedschaft. Eine Beitrittserklärung finden Sie in diesem Heft. Ihr Vorstand und Beirat

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Der Altstadtbrief - Kempten 2018  

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