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März.2018

„Protektionismus war nie ein Erfolgsmodell“ Digitalisierung, Nachhaltigkeit und aufkommender Protektionismus sind drei der großen Themen in den internationalen Lieferketten. Klar, dass wir als Magazin für Außenwirtschaft, Logistik und IT diese im Interview mit Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann in den Mittelpunkt stellten – und durchaus zukunftsorientierte Antworten erhielten.

AnachB: Die Digitalisierung wird die Arbeitswelten in

Wenn es um den Transport von Waren geht, dominieren

Zukunft massiv verändern. Das bietet neben Chancen

in der Logistik fossile Kraftstoffe. Was müssen die Unter-

auch Risiken, etwa die Gefahr auf Arbeitsplatzverlust.

nehmen tun, was muss der Wirtschaftsbereich Logistik

Wie sehen Sie die Auswirkungen auf die Industrie?

tun, damit er ökologisch wirklich nachhaltig wird?

Ministerpräsident Kretschmann: Die Digitalisierung hat

Erst mal muss die Logistik schauen, dass sie durch mehr

alle Lebensbereiche ergriffen und durchdringt diese –

digitale Intelligenz zum Beispiel unnötige Fahrten besei-

auch die Wirtschaft, und zwar in einem riesigen Tempo.

tigt. Das ist schon mal ein wichtiger Faktor, damit wir

Dem müssen wir uns stellen, wir können nicht sagen:

effizienter transportieren und damit weniger Schadstoffe

„Das vernichtet vielleicht auch Arbeitsplätze, deswegen

erzeugen. Das findet ja schon statt. Zudem müssen wir

machen wir es nicht.“

möglichst viele Transporte auf umweltfreundliche Ver-

sionsfreie Zukunft kommen, wie wir das bei den Pkws

die Wertschöpfung, denn das sind ja Bestprodukte.

Im Moment ist es nämlich umgekehrt, uns fehlen viele

kehrsmittel wie Bahn und Schiffe bekommen.

machen. Auch das wird kommen. Für größere Trans-

Schon daran sieht man, dass Protektionismus nicht

IT-Leute in der Bundesrepublik Deutschland. Daran

Zweitens müssen wir auch in der Logistik in eine emis-

porte werden zum Beispiel die sogenannten e-fuels eine

gelingen kann, weil auch die Empfänger durch unseren

sieht man: Erst mal werden auf diesem Gebiet durch das

große Rolle spielen, also Kraftstoffe, die aus regenera-

Export wettbewerbsfähiger werden, indem sie die Güter

Wachstum enorm viele Arbeitsplätze geschaffen. Dafür

tiven Energien gewonnen werden. Wir machen viele

etwa in ihre Produktionsketten einbauen.

wollen wir alles tun, dass wir genügend Nachwuchs

interessante Versuche, zum Beispiel den Lkw-Transport

Andere Volkswirtschaften müssen schauen, dass sie auch

haben. Wir konzentrieren uns in den Schulen drauf, aber

auf der Autobahn zu elektrifizieren mit Oberleitungen.

wettbewerbsfähig werden, d. h. dass wir einen fairen

wir müssen auch Leute einwandern lassen, die wir da

Das ist gerade ein Pilotprojekt, das wir Gott sei Dank an

Wettbewerb haben. Darauf kommt es an. Ich sage nur

gut gebrauchen können.

Land ziehen konnten.

China, das ist ein wichtiger Exportmarkt. Er ist nur

Ministerpräsident Winfried Kretschmann: „Wir müssen in der Logistik in eine emissionsfreie Zukunft kommen.“

leider unsymmetrisch, die Chinesen haben bei uns ganz

Natürlich schafft eine neue Technologie auch Probleme, Cybersicherheit zum Beispiel, aber eben auch, dass

Im globalen Handel gibt es in einigen Regionen, etwa

andere Chancen als wir bei ihnen. Das sind Dinge, die

Arbeitsplätze entfallen. Wir müssen immer schauen,

in der Türkei oder den USA, protektionistische Ten-

wir abbauen müssen. Aber zurück in den Protektionis-

dass auf der anderen Seite Arbeitsplätze entstehen. Und

denzen. Wie sehen Sie diese Entwicklungen und was

mus zu gehen, das kann mittelfristig und auf lange Sicht

da bin ich ganz sicher, das wird der Fall sein. Und das

Das Interview als Video

bedeuten diese für die exportorientierte Wirtschaft in

überhaupt nicht gut gehen. Protektionismus war nie ein

in der Balance zu halten, dazu ist ja die Politik da: Um

AnachB-Redakteur Jens Verstaen im Gespräch mit

Baden-Württemberg und Deutschland?

Erfolgsmodell. Wann immer es versucht wurde, hat er

Rahmenbedingungen zu schaffen, dass das nicht mit

Winfried Kretschmann (rechts) – die Antworten des

Also das Geschäftsmodell von Baden-Württemberg ist

allenfalls ein Strohfeuer entfacht.

Verwerfungen einhergeht, sondern ein Prozess ist, bei

Ministerpräsidenten können Sie unter

jedenfalls das Gegenteil: Freihandel. Wir exportieren

dem das Land nachher besser dasteht als vorher.

aeb.com/interview als Video anschauen.

den Großteil unserer Güter. Dadurch steigt im Zielland

Herr Ministerpräsident, vielen Dank für das Gespräch.

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AnachB 01.2018. IT-Management. Viva la Revolution!  

AnachB bringt zusammen, was zusammengehört: Informationen zu Außenwirtschaft, Logistik und IT. Im Fokus stehen dabei Nutzwert und Mehrwert f...

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