Magazin für Supply Chain Management. Außenwirtschaft. Und IT. Juni.2021
International digital
Wie Würth die Transparenz in seinen FullfillmentProzessen erhöht
Überblick: Zollverfahren für Reparatursendungen
Import von Kleinsendungen: Was müssen Unternehmen ab 1. Juli 2021 beachten?
AEB Media ▪ www.aeb.com/AnachB ▪ ISSN 2363-6831 ▪ 12 Euro
Adient geht neue Wege bei der Digitalisierung seines Zollmanagements
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Editorial
Schöne neue Digitalisierung Liebe Leserinnen und Leser, es geht ein Ruck durch Deutschland. Dank der Corona-Pandemie boomt hierzulande die Digitalisierung. „Deutschland kann plötzlich digital“ – so oder so ähnlich lautete der Tenor zahlreicher Beiträge in Tages- und Wirtschaftsmedien in den letzten Wochen. Denken Sie jetzt auch: Moment mal! Was ist mit dem vielerorts rudimentären Home-Schooling? Was mit dem immer noch aus Papier bestehenden gelben Impfpass? Sie haben recht: Bei der „digitalen Erfolgsstory“ ist nicht alles Gold, was glänzt. Ganz im Gegenteil. Natürlich lässt sich eine umfassende Digitalisierung nicht in knapp 1,5 Jahren Pandemie erreichen – aber das Thema ist nicht neu. In vielen Bereichen hätte ich mir in der Verwaltung gerade jetzt mehr Fortschritt und Weitblick erwartet. Auch in den Unternehmen ist noch Luft nach oben. Laptops und Video-Conferencing für ein effizientes Home-Office sollten nur der Anfang sein. Schließlich geht es nicht darum, bestehende Abläufe digital abzubilden. Prozesse neu denken, gestalten und idealerweise neue Services und Produkte entwickeln – darin liegt die eigentliche Chance. Für derartige Ansätze gibt es zahlreiche Beispiele – auch in Außenwirtschaft und Logistik. So geht der Automobilzulieferer Adient neue Wege beim internationalen Zollmanagement, wie unsere Titelstory (S. 6) zeigt. Das Unternehmen hat zukünftige Optimierungen im Blick und will die (Daten-) Basis für neue Geschäftsprozesse und -modelle legen. Digitalisierung und Datenstrategie: Beides sollte zusammengedacht werden. Das zeigt auch ein IT-Projekt der Adolf Würth GmbH & Co. KG (S. 18), mit dem das Unternehmen die Transparenz in den Versandprozessen optimierte. Und nicht zuletzt sind Daten die Basis für den Einsatz von Digitalisierungstechnologien wie Künstliche Intelligenz. Auf S. 32 erläutern wir deren Potenziale im Außenhandel. Ich hoffe, damit liefern wir einige spannende Impulse für Ihre Digitalisierung und mit den weiteren Artikeln praktischen Mehrwert für Ihren Arbeitsalltag – viel Spaß beim Lesen! Ihr
Jens Verstaen, Chefredakteur AnachB
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Der Automobilzulieferer Adient liefert jährlich Autositze für 19 Mio. Fahrzeuge just-in-time an jeden Kunden weltweit. Damit Ländergrenzen in den ausgeklügelten Logistik- und Supply-Chain-Prozessen nicht zur Hürde werden, setzt das Unternehmen für sein Zollmanagement auf eine neue IT-Plattform. S. 6
Höhere Logistikqualität, zufriedenere Kunden: Die Adolf Würth GmbH & Co. KG optimiert die Auftragsabwicklung und erhöht die Transparenz entlang ihres Versandprozesses mit einer ausgeklügelten Monitoring-Software. S. 18
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Inhalt
Die Wahl der richtigen Zollverfahren bei Reparaturen ist manchmal herausfordernd. Eine Übersicht dazu finden Sie auf S. 24
Künstliche Intelligenz benötigt Daten, Daten und nochmal Daten. Auf S. 32 zeigen wir, wo im Außenhandel geeignete Anwendungsfelder zu finden sind – und worauf beim Einsatz zu achten ist.
Mit einer neuen Sanktionsverordnung kann die EU Menschenrechtsverletzungen gezielt bestrafen. Auf S. 44 erklären wir, wie der rechtliche Rahmen aussieht und was Unternehmen beachten müssen.
Mit S/4HANA® setzt SAP auf das Plattform-Prinzip – und eröffnet neue Möglichkeiten für die Versand- und Transportlogistik. Vor allem die Zusammenarbeit mit Partner-Lösungen liefert Chancen. S. 50
Zollmanagement Wie Adient seine internationalen Zollprozesse digitalisiert.
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Warenursprung und Präferenzen Der registrierte Ausführer gewinnt an Bedeutung. Wir zeigen, was mit dem REX möglich ist.
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Case Study Die Adolf Würth GmbH & Co. KG optimiert ihre Auftragsabwicklung dank höherer Transparenz entlang des Versandprozesses.
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Importabwicklung Der kompakte Überblick: Zollverfahren für Reparatursendungen.
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Zoll-IT Blick hinter die Kulissen: Wie die Zertifizierung von ATLAS-Teilnehmersoftware abläuft.
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Künstliche Intelligenz Welche Chancen bieten Daten und KI im Außenhandel?
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Low Value Consignments Was Unternehmen ab Juli bei der Einfuhr von Warensendungen im Wert von unter 22 Euro beachten müssen.
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Perspektivenwechsel 38 Arbeiten in Co-Working-Spaces: Warum setzen immer mehr Unternehmen auf diese Arbeitsplätze? Exportkontrolle Eine neue EU-Verordnung ermöglicht Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzung.
44
IT-Management 50 Ein Wechsel auf SAP S/4HANA® bringt Änderungen für die Versand- und Transportlogistik – und bietet neue Möglichkeiten. Zahlen, bitte Aktuelle Zahlen und Fakten in aller Kürze
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Impressum
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Zollmanagement
International digital Der Automobilzulieferer Adient liefert jährlich Autositze für 19 Mio. Fahrzeuge just-in-time an jeden Kunden weltweit. Damit Ländergrenzen in den ausgeklügelten Logistik- und Supply-Chain-Prozessen nicht zur Hürde werden, setzt das Unternehmen für sein Zollmanagement auf eine neue IT-Plattform von AEB.
Durch eine extreme Kunden- und Serviceorientierung wurde Adient zum dominierenden Akteur in der Branche. Das Unternehmen ist heute Teil der Lieferketten aller großen Pkw- und Lkw-Hersteller. Um seine Lieferversprechen einzuhalten, verfügt der Automobilzulieferer über ein Netzwerk von mehr als 200 strategisch günstig platzierten Fertigungs- und Montageanlagen rund um den Globus. „Wir bleiben immer ganz in der Nähe unserer Kunden“, sagt Christian Schmidt, Director of Global Customs and Trade Compliance bei Adient in EMEA. Der Zollexperte erklärt: „Die Lieferung unserer Sitze an den Kunden in EMEA ist selten ein Export – auch wenn die Teile, die zum Bau der Sitze benötigt werden, aus der ganzen Welt kommen.“ Die reibungslose Versorgung der eigenen Produktionsstandorte ist für Adient damit ein kritischer Erfolgsfaktor – ebenso wie reibungslose Außenhandelsprozesse. „Das Thema Zollabwicklung und Zollmanagement hat für uns größte Bedeutung“, sagt Christian Schmidt.
Effiziente Zollprozesse als Erfolgsfaktor Als Christian Schmidt im Jahr 2016 zu Adient kam, waren die Zollprozesse in der EMEA-Region weitestgehend dezentral organisiert. Jedes Werk war für die Abwicklung selbst verantwortlich, beauftragte damit externe Zollbroker, die wiederum oftmals unterschiedliche Dienstleister für die Zollanmeldungen einsetzten. Insgesamt waren für den Sitzhersteller über 80 Broker in Sachen Zoll tätig – und direkt oder indirekt mehr als 150 Bevollmächtigte. „All diese Dienstleister waren nicht in die IT-Systeme von Adient integriert. Stattdessen erfolgten Beauftragung und Kommunikation via E-Mails und Anhänge. Die darin enthaltenen Informationen mussten die Broker und Dienstleister immer erneut manuell in ihren IT-Systeme erfassen“, schildert Stephanie Schober, Senior Customs Specialist und Projektleiterin bei Adient. Christian Schmidt ergänzt: „Neben fehleranfälligen Prozessen verursachte der weitestgehend manuelle Datenaustausch mit unseren Customs Brokern hohe Kosten. Denn die Zollagenturen lassen sich diesen Aufwand natürlich vergüten.“ Adient-Sitze finden sich in Pkws fast aller großen Automobilhersteller
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Zukunft gestalten: Adient-Sitzkonzept für selbstfahrende Autos
„Wir hatten keinen zentralen Überblick über die Zollaktivitäten und vor allem hatten wir keine Daten.“ Christian Schmidt, Adient
Digitalisierung als Lösung Gemeinsam mit seinem Team macht sich Christian Schmidt an die Arbeit, seine Vision für das Zollmanagement bei Adient zu realisieren: Seamless customs and efficient Trade Compliance – in a digital age. „Durch Digitalisierung und Automatisierung – wo immer möglich und sinnvoll – sollten nahtlose und effiziente Außenhandelsprozesse entstehen“, erklärt der Adient Manager. Genau diese Vision beeindruckte auch Uwe Henning, International Business Development Director bei AEB,
Was ihn noch mehr beschäftigte als die Kosten: „Wir hatten
als er Christian Schmidt im Jahr 2017 kennenlernte.
keinen zentralen Überblick über die Zollaktivitäten und
Beide waren derselben Meinung, was die zukünftige Rolle
vor allem hatten wir keine Daten.“ Diese seien die Basis
digitaler Lösungen im Zollmanagement betrifft: In noch
für fundierte Optimierungsmaßnahmen – etwa um neue
überwiegend manuellen Abläufen soll weitestgehende
Services zu kreieren und mit neuen Technologien neue
Digitalisierung Kosten senken sowie Transparenz und
Wege zu gehen.
nutzerfreundliche Prozesse schaffen.
Blick in eine Automobil-Fertigungsstraße
Dabei muss digitales Zollmanagement einerseits die interne
dung“, erklärt Tabea Wosnitza, Projektleiterin bei AEB
Organisation, andererseits auch die Kommunikation mit
(siehe Kasten auf Seite 13 „So funktioniert die Adient-
Zollbehörden und Zollbrokern in einem hybriden Ansatz
Lösung“).
umfassen.
Direct Filing nutzt Adient bisher für den Export aus Deutschland. „Bei der hohen Anzahl an Zollanmeldungen hilft uns der hohe Automatisierungsgrad, der mit der
1.600-Punkte-Plan zu mehr Effizienz
AEB-Software möglich ist“, erläutert Christian Schmidt. In 2021 soll noch die Importabwicklung in Deutschland
Auf dem Weg zu „Seamless customs and efficient Trade
folgen. Wird Adient Direct Filing in einem weiteren Markt
Compliance“ wurde ein Optimierungsplan mit über 1.600
nutzen, lässt sich das entsprechende Land mit den entspre-
Punkten erarbeitet. Eine der ersten Maßnahmen: Die Anzahl
chenden Zollprozessen in die AEB-Plattform integrieren.
der Zollbroker auf eine sinnvolle Größe zu reduzieren.
In den meisten Ländern setzt Adient zurzeit weiterhin
Ein weiterer wesentlicher Punkt war es, die passende
auf die Services von Zollbrokern. „Wir haben auch
IT-Unterstützung zu schaffen. Um die internen Prozesse
Länder mit 50 Transaktionen. Hier lohnt sich ein
im Zollumfeld zu optimieren, entwickelte Adient die eigene IT-Plattform „Just Trade“. Diese digitalisiert und vereinfacht die Zusammenarbeit zwischen den Adient-Zollteams sowie deren Kooperation mit anderen Fachabteilungen. Bisher hatte die Kommunikation hier überwiegend telefonisch und via E-Mail stattgefunden.
Hybride Plattform für Zollkommunikation Für die Prozesse rund um die externe Zollkommunikation kam AEB ins Spiel. „Auf Basis unserer Standardlösungen haben wir für Adient eine hybride Zollplattform konzipiert. Über diese läuft sowohl die direkte Kommunikation mit den Zollbehörden im Direct Filing als auch die Kommunikation mit den Zollbrokern für die indirekte Zollanmel-
„Insgesamt haben wir mit unseren Lösungen eine maßgeschneiderte Plattform geschaffen, auf der Adient die Zollprozesse im Direct Filing und bei der Abwicklung über Broker konsolidieren kann.“ Tabea Wosnitza, AEB SE
„Die AEB-Plattform ermöglicht eine länderübergreifende Transparenz aller Zollanmeldungen, gleichgültig ob wir Self-Filing oder eine Broker-Anbindung nutzen.“ Stephanie Schober, Adient
hochautomatisiertes Direct Filing nicht. Mit der Anbindung unserer Zolldienstleister an die Zollplattform schaffen wir aber nahtlose Prozesse mit reibungslosem Datenaustausch.
Mehr Daten, mehr Transparenz – geringere Kosten
Und durch die Kombination unserer eigenen Plattform
„Insgesamt haben wir mit unseren Lösungen eine maßge-
Just Trade mit der AEB-Lösung erreichen wir eine hohe
schneiderte Plattform geschaffen, auf der Adient die Zoll-
Automatisierung“, erklärt Schmidt.
prozesse im Direct Filing und bei der Abwicklung über
Arbeitet Adient mit einem neuen Broker zusammen, wird
Broker konsolidieren kann“, sagt Tabea Wosnitza. Durch
dieser ebenfalls einfach in die Plattform integriert. Ein
die hochautomatisierte Zollabwicklung im Direct Filing
großer Vorteil: Quasi auf Knopfdruck kann der Automo-
konnte der Sitzhersteller mit Hilfe der AEB-Software in
bilzulieferer Services von Zolldienstleistern nutzen, die
zahlreichen Ländern die Kosten reduzieren.
am AEB Trusted Broker Partnerprogramm teilnehmen.
Zudem erzielte Adient durch die digitalisierte Anbindung
„Diese Dienstleister haben wir auf wesentliche Qualitäts-
bei den verbleibenden Brokern Einsparungen bei den
merkmale überprüft und bereits an unsere Lösungen
Gebühren. Und durch das AEB Trusted Broker-Netz-
angebunden“, sagt Uwe Henning. Die Broker zeichnen sich
werk kann Adient schnell neue Zolldienstleister finden
unter anderem durch technische Kompetenzen, finanzielle
und mit diesen zusammenarbeiten, ohne viel Zeit
Stabilität, Mehrsprachigkeit und einen guten Ruf bei den
und Ressourcen in Recherche, Qualitätsprüfungen,
jeweiligen nationalen Zollbehörden aus.
Vertragsverhandlungen und IT-Anbindung zu investieren.
Adient Landesgesellschaften
ERP-System
AEB
Zollbehörden
Self Filing
Deutschland Export Deutschland Import ...
Broker
Polen UK Frankreich Belgien Spanien Ungarn
Adient Zollplattform
Schweden ...
Schematische Abbildung der neuen Zoll-IT-Landschaft
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Daten als Erfolgsfaktor
Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Und noch wichtiger: Mit der AEB-Lösung sind alle Daten
Nicht nur das Ergebnis des Projekts mit AEB ist positiv.
der Zollanmeldungen in einer Plattform vorhanden. „Die
Auch der gemeinsame Weg dorthin ist bei Adient in guter
AEB-Plattform ermöglicht eine länderübergreifende
Erinnerung. „Wir haben sehr strukturiert und sehr trans-
Transparenz aller Zollanmeldungen, gleichgültig ob wir
parent zusammengearbeitet“, sagt Stephanie Schober. „Wir
Self-Filing oder eine Broker-Anbindung nutzen“, erklärt
wussten alle genau, wo wir gestartet waren und wie die
Stephanie Schober.
Lösung aussehen würde. Entsprechend steuerten wir das
So liefert beispielsweise ein Dashboard volle Transparenz
Projekt so, dass wir konzentriert auf Kurs bleiben konnten.“
für jede Warenbewegung. Tritt an einer beliebigen Grenze
Ähnlich sieht es Zuzana Satkova, Senior Customs Manager
ein Zollproblem auf, wird Adient sofort benachrichtigt.
bei Adient in der Slowakei. Sie arbeitet seit zwei Jahrzehn-
„Insgesamt haben wir unsere Supply-Chain-Performance
ten im Zollmanagement und war wie Christian Schmidt
gesteigert und Risiken durch die Automatisierung im
der Meinung, dass die Zollprozesse soweit wie möglich
Zollbereich reduziert“, erläutert Christian Schmidt.
digitalisiert werden müssen. Die AEB mit ihren Lösungen passten gut zu unserer Vision und unseren Plänen. Ich war beeindruckt, wie offen, aufgeschlossen und motiviert
„Insgesamt haben wir unsere Supply-Chain-Performance gesteigert und Risiken durch die Automatisierung im Zollbereich reduziert.“
sie sich gemeinsam mit uns für das Projekt einsetzten.“
Christian Schmidt, Adient
Darüber kann Adient mit der konsolidierten Datenbasis fundierte Analysen erstellen, Muster für eine vorausschauende Planung erkennen und letztendlich bessere Entscheidungen treffen. „Die Daten sind die Basis, Technologien und Anwendungen wie Künstliche Intelligenz zu nutzen und so zukünftig noch robustere und effizientere Prozesse aufzusetzen“, sagt Christian Schmidt.
Der Autor: Zollmanagement ist nicht das Lieblingsthema von Jens Verstaen, der normalerweise über Logistik und Supply Chain Management berichtet. Doch den Beitrag über das Adient-Projekt wollte sich der Content-Spezialist nicht entgehen lassen. Das Digitalisierungsprojekt des Automobilzulieferers klang einfach zu spannend und innovativ – und war es letztendlich auch, wie es sich bei den weiteren Recherchen herausstellte.
SO FUNKTIONIERT DIE CUSTOMS-PLATTFORM BEI ADIENT Die zentrale Adient-Zollplattform von AEB läuft im Stuttgarter Rechenzentrum des Softwareanbieters. Für die Länder, in denen der Automobilzulieferer Direct Filing nutzt, erfolgt über die Software direkt die Kommunikation mit den Systemen der jeweiligen Zollbehörden. Gesetzliche Änderungen, wie beispielsweise neue Vorgaben durch den Zoll, aktualisiert AEB automatisch. So arbeitet die Lösung Bei einer Zollanmeldung übernimmt die Software in einem ersten Schritt Informationen – etwa zur Lieferung bzw. Bestellung – aus dem Adient-Just-Trade-System. Liefert dieses nicht alle notwendigen Daten für eine Zollanmeldung, reichert die AEB-Lösung, die für einen bestimmten Vorgang fehlenden Informationen mit intelligenten Logiken automatisiert an. Ist die Zollanmeldung vollständig, übernimmt die AEB-Plattform die Kommunikation mit den nationalen Zollbehörden und sorgt für eine direkte Datenübertragung. Dabei berücksichtigt sie jeweils die länderspezifischen Anforderungen und prüft die Zollanmeldung vor dem Versenden auf Vollständigkeit und Plausibilität. Die Antwortnachrichten vom Zoll werden automatisiert eingelesen und dem richtigen Vorgang zugeordnet. Nach der Überlassung durch den Zoll, erzeugt die Lösung die erforderlichen Dokumente wie zum Beispiel das Ausfuhrbegleitdokument. Nahtlose Integration der Zollbroker Bei der Zusammenarbeit und der Zollanmeldung über Zollbroker werden alle notwendigen Daten in der AEB-Software aufbereitet und an Adients Zolldienstleister übermittelt. Der jeweilige Broker erhält diese in sein System und kann sie direkt nutzen, um die Zollanmeldungen durchzuführen. Nach erfolgter Anmeldung spielt er Zollbescheide, Proof of Exits und weitere Daten in die Zollplattform zurück. „Die Synchronisation kann automatisiert und nahezu in Realtime in beide Richtungen erfolgen“, betont Uwe Henning. Die AEB-Lösung übergibt die notwendigen Daten dann an das Adient-ERP-System. Das Ergebnis ist ähnlich wie beim Direct Filing – und dies, obwohl ein Broker zwischengeschaltet ist: Ein durchgängiger digitaler Prozess, der zu weniger Fehlern, höherer Geschwindigkeit und mehr Transparenz führt. Außerdem kann der Zollbroker Ausfuhrbegleitdokumente, Steuerbescheide und andere wichtige Dokumente mit Adient teilen, die direkt mit einer Transaktion verknüpft sind. „Es ist alles direkt auf der Zollplattform vorhanden und kann in nachgelagerten Prozessen verwendet werden“, sagt Henning. Mehr zu AEBs Customs-Plattform: www.aeb.com/customs
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REX
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Präferenzmanagement
Der Status des registrierten Ausführers (REX) gewinnt zunehmend an Bedeutung – nicht zuletzt wegen des Brexits. Gleichzeitig sind seit Anfang des Jahres einige neue Anwendungsbereiche beim Status als registrierter Ausführer zu beachten. Der AnachB-Überblick zeigt, was mit dem REX möglich ist.
REX steht für „registrierter Exporteur“ und ist ein Status,
2022 sollen Anträge in Deutschland auch online über das
den ein Unternehmen im Rahmen des Allgemeinen Präfe-
Bürger- und Geschäftskundenportal gestellt werden können.
renzsystems für Entwicklungsländer (APS) oder eines
Prinzipiell lassen sich die Anwendungsgebiete des REX in
Freihandelsabkommens erfüllen muss. Als registrierter
drei Bereiche einteilen: Die Verwendung im Allgemeinen
Exporteur bzw. registrierter Ausführer können Unter-
Präferenzsystem, bei Weiterversendung von Waren in
nehmen Ursprungsnachweise auf der Rechnung ohne
die Schweiz oder nach Norwegen und im Rahmen von
eine Wertgrenze ausstellen. Der Status des REX kommt
Handelsabkommen. Die nach der Registrierung erteilte
sowohl in Freihandelsabkommen (Vereinigtes Königreich,
REX-Nummer ist für alle Einsatzgebiete anwendbar.
Japan, Kanada, Vietnam) als auch im APS zum Einsatz.
Drei Anwendungsfälle für den REX
Einfach registrieren
Anwendung im APS Im Gegensatz zum ermächtigten Ausführer (EA) ist der
Wenn Unternehmen EU-Ursprungswaren mit einem Präfe-
REX-Status nicht bewilligungspflichtig. Das bedeutet: Eine
renznachweis zur Weiterverarbeitung in einen APS-Staat
einfache Registrierung beim zuständigen Hauptzollamt
senden und die daraus hergestellten Waren anschließend
mit dem „Antrag auf Zulassung als registrierter
mit Präferenz zurück in die EU bringen wollen, benötigen
Ausführer (REX)“ reicht aus. Es wird weder
sie eine Registrierung (Geberlandanteil/Bilaterale Kumu-
die betriebliche Organisation geprüft
lierung). Seit dem 1. Januar 2018 ist dazu eine Erklärung
noch eine Arbeits- und Organisa-
zum Ursprung erforderlich. Bei präferenzbegünstigten
tionsanweisung verlangt. Und
Waren im Wert von über 6.000 Euro darf diese nur ein
voraussichtlich ab Ende
registrierter Ausführer ausfertigen.
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Weiterversendung in die Schweiz oder nach Norwegen
In diesem Abkommen benötigen Unternehmen den Status
Auch wenn Unternehmen Waren aus einem APS-Staat
als REX, wenn sie Sendungen mit einem Wert von über
in die EU bringen, können Sie diese – solange sie noch nicht zum freien Verkehr überlassen wurden – mit einem Ersatz-Präferenznachweis in die Schweiz oder nach Norwegen weitersenden. Dieser Nachweis wird seit dem
6.000 Euro pro Sendung exportieren wollen. Eine Erklärung zum Ursprung bei Waren im Wert von unter 6.000 Euro können in der EU alle Unternehmen abgeben. Dafür benötigen sie keine Registrierung.
aktualisierten Briefwechsel in beiden Ländern anerkannt.
Wichtig zu beachten: Der Status des ermächtigten Ausfüh-
Warenverkehr im Rahmen von Abkommen
Nordirland nicht zum Tragen. Hingegen der Status als
Die Verwendung im Rahmen des Handelsabkommens
registrierter Ausführer (REX) ist zwingend erforderlich.
rers (EA) kommt im Abkommen mit Großbritannien und
betrifft die neueren Freihandelsabkommen mit Kanada, Japan, Vietnam und dem Vereinigten Königreich sowie Abkommen mit Ghana, Côte d’Ivoire und Staaten nach dem
REX in weiteren Freihandelsabkommen
ESA-Wirtschaftspartnerabkommen (Komoren, Madagaskar, Mauritius, Seychellen, Simbabwe).
Neben dem Handelsabkommen mit dem Vereinigten Königreich ist das REX-System in den Abkommen der EU mit Vietnam, Kanada und Japan im Einsatz. Je Abkommen
REX und der Brexit
gibt es dabei teilweise unterschiedliche Regelungen.
Mit dem Brexit ist in der EU ein neues Handels- und
Vietnam
Kooperationsabkommen (Trade and Cooperation
Mit Inkrafttreten des Freihandelsabkommens am 1. August
Agreement, TCA) in Kraft getreten, das seit dem
2020 wurden viele Waren mit Ursprung im Land des
1. Januar 2021 vorläufig angewendet wird. Es umfasst die
anderen Vertragspartners bei der Einfuhr zollfrei. Für die
Länder Großbritannien, Nordirland und die Staaten der
meisten übrigen Waren beinhaltet das Abkommen einen
Europäischen Union.
Stufenplan für einen gestaffelten Zollabbau über einen Zeitraum von drei bis 15 Jahren. Gemäß einer am 11. Juni 2020 im Amtsblatt veröffentlichten Mitteilung kommen für Lieferungen aus der EU
„Der Status des ermächtigten Ausführers kommt im Abkommen mit Großbritannien und Nordirland nicht zum Tragen. Nur der Status als registrierter Exporteur ist zwingend erforderlich.“
nur Ursprungserklärungen in Betracht. Bei präferenzberechtigten Sendungen über 6.000 Euro muss diese ein registrierter Ausführer (REX) ausstellen. Bei Einfuhren in die EU sind eine im Abkommen als „Ursprungszeugnis“ bezeichnete EUR.1 und für präferenzberechtigte Sendungen bis 6.000 Euro eine Ursprungserklärung vorgesehen. Eine Umstellung auf das REX-System (oder auf eine andere Registrierung) für Sendungen über 6.000 Euro ist möglich – aber erst nach gesonderter Mitteilung durch Vietnam. Unternehmen sollten beachten, dass die Verwendung des REX durch Vietnam in diesem Freihandelsabkommen getrennt zu sehen ist von der Verwendung im Rahmen des allgemeinen Präferenzsystems.
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Kanada Im Rahmen des Freihandelsabkommens mit Kanada (CETA) werden Ursprungserklärungen als zulässige Präferenznachweise anerkannt. Registrierte Ausführer können diese bei Warenwerten über 6.000 Euro erstellen. CETA war das erste Freihandelsabkommen der EU, das den REX als Status vorsieht.
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EU – Japan – EPA der Generalzolldirektion näher eingegangen. Das Merkblatt klärt auch den Status des Ausführers: Erklärungen zum Ursprung können bei Warenwerten über 6.000 Euro nur von registrierten Ausführern erstellt werden. In der Erklärung zum Ursprung müssen Unternehmen außerdem die verwendeten Ursprungskriterien codiert angeben. Die Codes definieren den Herstellungsvorgang, der zur Erzielung des Präferenzursprungs geführt hat. Sollten auf einem Handelspapier Positionen mit unter-
Im Rahmen des Freihandelsabkommens mit Kanada werden Ursprungserklärungen als zulässige Präferenznachweise anerkannt. Registrierte Ausführer können diese bei Warenwerten über 6.000 Euro erstellen.
schiedlichen Ursprungskriterien gemeinsam aufgelistet sein, ist es notwendig, dass die Codierungen positionsgenau zugeordnet werden.
REX in APS-Staaten Das REX-System wird nicht nur in Freihandelsabkommen angewendet, sondern auch, wenn Unternehmen Waren von Unternehmen aus APS-Staaten erhalten. Ist dies der Fall, müssen dort angesiedelte Unternehmen seit dem 1. Januar 2021 eine Registrierung vorweisen. APS-Länder, die das REX-System noch nicht etabliert haben, sind damit ab sofort von den Vorteilen einer vergünstigten Einfuhr ausgenommen. Das betrifft zum Beispiel Somalia, den Süd-Sudan oder den Kongo. Die Website der Europäischen Kommission zum REX informiert mit einer tabellarischen Übersicht, bei welchen Ländern dies der Fall ist.
Seit dem 21. September 2020 findet das Draw-BackVerbot aus dem Wirtschafts- und Handelsabkommen mit Kanada Anwendung. Daher hat der Zoll zu dem Zeitpunkt das Merkblatt aktualisiert. Alle Informationen finden Sie im Merkblatt zu CETA auf den Seiten des Zolls.
Japan Das Abkommen mit Japan weist gegenüber anderen Ursprungsprotokollen Abweichungen auf. Auf die Besonderheiten wird in einem Merkblatt
Die Autorin: Mit den Hashtags #zoll #außenwirtschaft #digitalisierung beschreibt Kerstin Ullrich ihre Rolle beim Softwareanbieter AEB. Als Redakteurin der „AEB Community“ ist sie für praxisrelevante Neuerungen und Kundenfragen rund um Zoll und Außenwirtschaft verantwortlich.
Supply Chain Monitoring Software
Mit Transparenz zu optimierten Fulfillment-Prozessen Die Adolf Würth GmbH & Co. KG erhöht die Transparenz entlang ihres Versandprozesses mit einer Monitoring-Software der AEB SE und optimiert damit die Auftragsabwicklung. Das Ergebnis ist eine höhere Logistikqualität und zufriedenere Kunden.
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Jedem Kunden seine individuellen Bedürfnisse erfüllen
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wenn die Lieferqualität insgesamt stimmte, konnte es
und dem Kunden die Arbeit erleichtern, wenn es um die
beispielsweise vorkommen, dass mehrere Lieferungen eines
Versorgung mit Montage- und Befestigungsmaterial geht:
Auftrags zu unterschiedlichen Zeiten, an verschiedenen
Das ist der Anspruch der Adolf Würth GmbH & Co. KG.
Tagen und mit verschiedenen Transportdienstleistern
Dieser Anspruch macht die tägliche Arbeit der Würth-
eintrafen.
Logistiker zu einer Herausforderung. Schließlich bedienen sie mit mehr als 125.000 Artikel über 540.000 Kunden. Und dazu zählen der 1-Mann-Handwerksbetrieb genauso wie das regionale Bauunternehmen sowie der global agierende Industriekonzern. Täglich werden von über 20 Versandstellen aus rund 40.000 Pakete sowie 1.500 Paletten verschickt.
„Wir wollten einen Paradigmenwechsel bei der Auftragsabwicklung herbeiführen.“ Dirk Antrack, Leiter Informationsmanagement Logistik, Würth
Paradigmenwechsel in der Logistik Das übergeordnete Ziel des Großprojekts: den Kundenservice weiter zu verbessern. „Wir wollten einen Paradigmenwechsel bei der Auftragsabwicklung herbeiführen“, sagt Dirk Antrack, Leiter Informationsmanagement Logistik bei Würth. Statt
Von Direktvertrieb bis E-Commerce
Kundenaufträge produktivitäts-
Das in Künzelsau in Baden-
Verlässlichkeit und Transpa-
Württemberg ansässige Unter-
renz gegenüber dem Kunden
nehmen setzt auf einen Mix aus
im Fokus stehen.
Direktvertrieb, E-Business und
Würth änderte daher die Vorge-
stationärem Handel. Über 530
hensweise bei der Einlastung,
orientiert abzuarbeiten, sollte vielmehr die Verbindlichkeit,
Verkaufsniederlassungen versorgen die Kunden in ganz
Bearbeitung und Fertigstellung von Lieferungen. „Unser
Deutschland bei Sofort-Bedarf und verfügen über einen
Taktgeber wurde der Zeitpunkt der Anlieferung beim
Bestand von 5.000 bis 6.000 unterschiedlichen Artikeln.
Kunden“, erklärt Dirk Antrack.
Fehlt dem Kunden ein Teil auf der Baustelle oder in der
Die Umstellung betraf den gesamten Fulfillment-Prozess,
Werkstatt, hilft der Würth-Sofort-Service: Kuriere liefern
der sich seitdem an den Verladezeiten der Transport-
innerhalb von drei Stunden jeden Artikel des Kernsorti-
dienstleister orientiert. Betroffen davon sind insgesamt
ments aus einer nahegelegenen Niederlassung zum Kunden.
15 Bearbeitungsschritte, die von der Bestellung bis zur
Diese dienen damit quasi auch als „Mini-Regionallager“.
Anlieferung beim Kunden neu definiert wurden.
Die Logistikservices und -prozesse haben sich über Jahre bewährt und erhielten im Jahr 2009 den Deutschen Logistikpreis. Aber natürlich arbeitet Würth permanent an der Optimierung seiner Prozesse – wie beispielsweise
Transparenz über Performance und Bottlenecks
im Jahr 2016, als das Großprojekt „Auftrags- und Transportsteuerung“ ins Leben gerufen wurde.
Um die Einlastung und Steuerung von Aufträgen und
„Wir wollten die Schwankungsbreite in unserer Lieferper-
Lieferungen immer weiter zu verbessern, nutzt Würth
formance weiter optimieren und die Services für unsere
ein Monitoring-System des Stuttgarter Softwareanbie-
Kunden noch vorhersehbarer gestalten“, erklärt Mino
ters AEB. Dieses hilft den Logistikern auf taktischer und
Broselge, Leiter Fulfillment Logistik bei Würth. Auch
strategischer Ebene, die Lieferperformance zu analysieren
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Screenshot der AEB-Monitoring-Software: Diese visualisiert Meilensteine im Fulfillment-Prozess und ermöglicht genaue Analysen der Lieferperformance.
und Optimierungspotenzial im Gesamtablauf wie in den
Mehr Transparenz, bessere Lieferqualität
einzelnen Bearbeitungsschritten zu identifizieren. In der Software sind die Bearbeitungsschritte des Fulfillment-Pro-
Seit 2018 ist das Monitoring-System der AEB bei Würth im
zesses als Meilensteine definiert und mit Soll-Zeiten
Einsatz. „Es hat sich seitdem richtig viel getan in Sachen
versehen, die im Würth-SAP -System hinterlegt sind.
Transparenz“, freut sich Broselge. Zudem hat Würth einen
Zudem sammelt sie Daten zu den Ist-Zeiten aus dem ERP-
Mentalitätswechsel nicht nur im Management, sondern
und Warehouse-Management-System von Würth sowie
auch auf Teamleiterebene angestoßen. Denn die Logistiker
von den Transportdienstleistern. Diese Ist-Zeiten gleicht
des Unternehmens richten ihr Handeln jetzt nicht mehr
das AEB-System mit den hinterlegten Soll-Zeiten ab. Auf
ausschließlich an der individuellen Bereichsproduktivität
diese Weise schafft die Software Transparenz, bei welchen
aus, sondern am Lieferversprechen gegenüber den Kunden.
Bearbeitungsschritten es wann, wo und wie oft zu Verzö-
In der Auftragseinlastung und Abarbeitung wird sicher-
gerungen kommt und wo sich Bottlenecks gebildet haben.
gestellt, dass die Verladequote auf Versandstellenebene
®
Erfolgreiche Zusammenarbeit mit guten Ideen Würth hat das Stuttgarter Softwarehaus schon sehr früh ins Projekt geholt. „Wir haben uns zwar auch andere Dienstleister angesehen, uns dann aber zügig für die AEB-Lösung entschieden“, sagt Würth-Projektleiter Dirk Antrack. Auch deshalb, weil bereits viele andere Unternehmen erfolgreich damit arbeiten. Nicht ganz einfach war es allerdings, das Pflichtenheft zu schreiben. Denn das neue Monitoring-System war nur einer von sieben Bausteinen des Großprojektes bei Würth. Deshalb nahm diese Phase mehr Zeit ein als üblich. „Aus den diversen Fachdiskussionen mit AEB ist aber der eine oder andere Impuls in unsere anderen Projekte geflossen“, freut sich Dirk Antrack. Er lobt die gute Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister: „AEB bohrte immer wieder nach, was genau wir bei Würth wollen, wofür wir stehen und welche Geschäftsprozesse dahinterstehen.“ „Im Fokus dieser Gespräche stand immer das Ziel, uns eine perfekt passende Software-Lösung für das Monitoring zu bieten“, ergänzt Mino Broselge.
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„Die AEB-Lösung hilft uns zu bewerten, wie gut wir unsere Versprechen Richtung Kunden eingehalten haben und wo noch Optimierungspotenzial liegt.“ Mino Broselge, Leiter Fulfillment Logistik, Würth
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explizit beim Dienstleister nachfragen und gemeinsam eine Lösung des Problems erarbeiten. „Wir wollten Problemfelder erkennen, um die Effizienz in der Prozessoptimierung zu steigern“, sagt Broselge. „Und das ist uns mit dem Monitoring-System der AEB gelungen.“ Am Ende der Lieferkette freuen sich aber vor allem die, um die es bei Würth immer geht: die Kunden. „An unseren gesteigerten Einhaltungsquoten merken wir, wie sich die Logistikqualität verbessert und wie stabil und verbindlich wir bei unseren Lieferungen geworden sind“, zeigt sich der Würth-Logistiker zufrieden.
Big Data in der Zukunft Auch wenn das Projekt eigentlich abgeschlossen ist, zeigen sich immer wieder weitere Vorteile des Monitoring-Systems von AEB – aktuell etwa in Sachen Big Data. „Wir rufen gerade ein sehr großes Statistik-System ins Leben. Daten, die wir aus der AEB-Software bekommen, übertragen wir in unser Statistiksystem SAP® BI und verknüpfen sie dort mit unseren Vertriebsdaten“, erklärt Dirk Antrack. Mit
eingehalten wird. Dazu werden aus der Applikation täglich
dieser Verknüpfung von Logistik- und Vertriebsdaten will
entsprechende Berichte generiert. „Die AEB-Lösung hilft
Würth künftig noch detailliertere Analysen der Logistik-
uns zu bewerten, wie gut wir unsere Versprechen Richtung
performance auf Kunden- und Branchenebene erstellen.
Kunden eingehalten haben und wo noch Optimierungs-
Einig sind sich Mino Broselge und Dirk Antrack in ihrem
potenzial liegt“, meint Mino Broselge.
Fazit zur Anwendung: „Wir sind komplett transparent
Mehr Transparenz gibt es auch in Richtung der Trans-
über den gesamten Auslieferungsprozess und können so
portdienstleister. Ihre Lauf- und Zustellzeiten können
gezielt weitere Prozessoptimierungen anstoßen“.
durch das Monitoring-System bewertet werden. Das hilft, Schwachstellen zu identifizieren. Verlässt beispielsweise eine Sendung rechtzeitig die Würth-Logistik, kommt aber dennoch verspätet beim Kunden an, kann der Großhändler
Die Autorin: Annett Boblenz ist freie Fachjournalistin und hat sich unter anderem auf Logistikthemen spezialisiert. Besondere Expertise bringt sie auf dem Feld der Kurier-, Express- und Postdienste mit.
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Informationshub zur operativen Steuerung Die AEB-Software umfasst auch Funktionen, mit denen die operativen Prozesse überwacht und besser gesteuert werden können. Dabei hilft die Software bei typischen Fragen wie: Platzt etwa ein Zustelltermin, weil die Ware noch nicht verpackt wurde? Könnte ein Kurier- oder Paketdienst statt des geplanten Spediteurs den Transport schneller zustellen? Oder schafft es der Spediteur doch noch rechtzeitig, selbst wenn er die Sendung erst am nächsten Tag bekommt? Kommt es tatsächlich zu einer verspäteten Zustellung, kann die Software auch automatisch etwa den zuständigen Kundenbetreuer informieren, damit dieser ggf. den Kunden vorwarnt.
Bessere Planung durch Workload-Monitoring … Die AEB-Lösung verfügt auch über Funktionen für das Workload Monitoring. Diese helfen, während eines Arbeitstages in den Versandstellen laufend zum anstehenden Arbeitsvolumen je Intralogistik-Prozessschritt zu informieren. Zudem lässt sich über das Workload Monitoring auch die Arbeitslast eines dedizierten Prozessschrittes – wie beispielsweise der Kommissionierung – im Stundenraster abbilden. So können die Ressourcen im operativen Betrieb gemäß dem geplanten und tatsächlich vorhandenen Workload bereichsübergreifend gesteuert werden.
… und Kapazitätsprognosen Zur Unterstützung der Kapazitätssteuerung bei den Transportdienstleistern kann das AEB-System basierend aus aktuellen Ist- und Vergangenheitszahlen Packstück-Prognosedaten für den jeweiligen Arbeitstag liefern. Die Abfrage der Prognosedaten kann auf Parametern wie dem Spediteur, der Versandstelle oder der Packstückart basieren. Zudem lässt sich das vorhergesagte Transportvolumen der Spediteure bis auf Postleitzahlen-Ebene herunterbrechen. Dadurch kann das erwartete Volumen je Transportdienstleister besser eingeschätzt und beispielsweise bei unerwarteten hohen Volumen in eine Region rechtzeitig eine Zusatzbrücke angefordert werden.
Monitoring & proaktives Alerting
Workload Monitoring
Kapazitätsprognosen
Permanenter Abgleich von Soll- und Istzeiten je Prozessschritt
Überblick über geleistetes Arbeitsvolumen je Prozessschritt
Packstück-Prognosedaten für den jeweiligen Arbeitstag
Automatische Alarmierung bei kritischen Verzögerungen
Überblick über anstehendes Arbeitsvolumen je Prozessschritt
Abfrage nach Kriterien wie Spediteur, Versandstelle oder Packstückart
Tranzparenz über Lieferbzw. Auftragsstaus über die gesamte Prozesskette
Arbeitslast jedes IntralogistikProzessschrittes im Stundenraster
Prognose des Aufkommens je Spediteur bis auf Postleitzahlen-Ebene
Die Funktionen der AEB-Monitoring-Lösung im Überblick
Infos und Demo zur Lösung www.aeb.com/monitoring-alerting
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Importabwicklung
Zollverfahren für Reparatursendungen Was tun, wenn ein Kunde aus einem Drittstaat eine Ware zur Reparatur zurücksendet? Oder wenn Reparaturen in einem Drittland durchgeführt werden sollen? Die Wahl des richtigen Zollverfahrens bei Reparaturen ist manchmal herausfordernd. AnachB liefert den Überblick. Abfertigung zum freien Verkehr Ein Unternehmen überführt die Sendung in der Standardabwicklung in den freien Verkehr. In diesem Fall darf die Ware im Ausland verändert worden sein und es müssen keine Fristen eingehalten werden. Zollabgaben und Einfuhrumsatzsteuer können bei der Wiedereinfuhr auf das Unternehmen zukommen. Hat der Geschäftspartner allerdings einen Präferenznachweis beigefügt, fallen bei der Einfuhr keine oder nur reduzierte Zollabgaben an. Zu beachten ist, dass in vielen Freihandelsabkommen keine Präferenz für eigene (EU) Ursprungserzeugnisse vorgesehen ist. Ausnahme ist beispielsweise die Schweiz.
Abfertigung zum freien Verkehr als Rückware Waren können auch als Rückware importiert werden. Bei diesem Zollverfahren fallen weder Zollabgaben noch Einfuhrumsatzsteuer an. Allerdings ist die Abfertigung als Rückware nur innerhalb einer Frist von drei Jahren möglich. Die vorhergehende Ausfuhr muss belegt werden – ebenso, dass die Ware seitdem nur benutzt und nicht verändert wurde (Nämlichkeitsnachweis).
Seminar-Tipp: Sparen durch Veredelungsverkehre Besondere Verfahren, Passive Veredelung, Vereinfachungen bei Garantiefällen und Ausbesserungen, Aktive Veredelungen: AEB-Experte Johannes Lieb bringt auf den Punkt, was Unternehmen wissen müssen – im Seminar „Reparaturabwicklung mit dem Drittland“ am 15. Juli 2021.
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Zollverfahren des Standardaustausches Unter die passive Veredelung fällt auch das Zollverfahren des Standardaustausches. Dieser wird auf Antrag bewilligt, wenn Unionswaren ausgebessert werden. Bei einer vorzeitigen Einfuhr des Ersatzerzeugnisses muss eine Sicherheit hinterlegt werden. Schadhafte Waren sind grundsätzlich ab dem Tag der Zollanmeldung innerhalb von zwei Monaten auszuführen. Für die Inanspruchnahme eines Ersatzwarenverkehrs benötigen Unternehmen eine förmliche Bewilligung des zuständigen Hauptzollamts. Auch hier wird in mit und ohne vorzeitige Einfuhr unterschieden und es gilt eine Frist von sechs Monaten.
Abfertigung mit passiver Veredelung Im Zollverfahren der passiven Veredelung können Unionswaren vorübergehend aus dem Zollgebiet der Union ausgeführt und in einem Drittland Reparaturen oder anderen Veredelungsvorgängen unterzogen werden. Die aus diesen Waren entstandenen Veredelungserzeugnisse können unter vollständiger oder teilweiser Befreiung von Einfuhrabgaben zum zollrechtlich freien Verkehr überlassen werden.
Abfertigung mit aktiver Veredelung Im Zollverfahren der aktiven Veredelung können Nicht-Unionswaren in das Zollgebiet der Union zur Durchführung von Veredelungsarbeiten und Reparaturen eingeführt werden. Dabei werden keine Abgaben erhoben oder handelspolitische Maßnahmen angewendet. Die Ware steht unter zollamtlicher Überwachung. Eine Wiederausfuhrfrist muss eingehalten und eine Sicherheit hinterlegt werden. Dazu ist entweder eine förmliche Bewilligung durch das zuständige Hauptzollamt notwendig. Oder ein Unternehmen beantragt die Bewilligung mit der Zollanmeldung selbst. Letzteres ist aber nur bei einmaligen Vorgängen möglich.
Dieser Beitrag stammt aus der AEB Community. In dem Online-Netzwerk diskutieren mehrere tausend Mitglieder Fragen zu Zoll, Exportkontrolle, Präferenzmanagement und mehr. Informationen und Anmeldung unter https://community.aeb.com/
Zoll-IT
Damit Software rund läuft Für die Export- und Importabwicklung im IT-Verfahren ATLAS nutzen zahlreiche Unternehmen Software spezialisierter Anbieter, die eigens vom Zoll zertifiziert wird. Wie läuft diese Zertifizierung ab? Und warum ist sie so wichtig?
Ob in der Generalzolldirektion in Bonn im Sommer
inter nat iona len Vergleich zu den schnellsten
2018 die Sektkorken geknallt haben, ist nicht bekannt.
Zollverwaltungen zählt. Eine wesentliche Grundlage
Wahrscheinlich ist aber, dass der damals veröffentlichte
für diesen Erfolg ist sicherlich das IT-Verfahren ATLAS
Logistics Performance Index den deutschen Zöllnern
(Automatisiertes Tarif- und Lokales Zollabwicklungssys-
ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Denn
tem). Mit diesem hat der deutsche Zoll eine weitgehend
Deutschland verfügt weltweit über die effizienteste
automatisierte Abfertigung und Überwachung des grenz-
Zollabwicklung, ist quasi „Zollweltmeister“, so die
überschreitenden Warenverkehrs geschaffen.
Analyse der Weltbank. Diese vergleicht alle zwei Jahre die
„Das IT-Verfahren ATLAS ist für eine effiziente Zoll-
Logistikstrukturen in 160 Staaten in einer großangelegten
abwicklung von zentraler Bedeutung. Das in Deutschland
Untersuchung.
anliegende Abfertigungsvolumen bei beständig steigendem Anteil zeitkritischer Logistikabläufe könnte ohne ein abgestimmtes Ineinandergreifen der IT-Systeme von
ATLAS als Erfolgsfaktor
Zoll und Wirtschaft nicht bewältigt werden“, teilte die Zolldirektion auf Anfrage von AnachB mit. „Dies stellt
Aus dem Bericht geht hervor, dass Deutschland bei
im internationalen Vergleich hohe Anforderungen an
der Geschwindigkeit der Abfertigungsprozesse im
beide Seiten.“
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Software auf dem Prüfstand
Reibungsloser Nachrichtenverkehr
Damit ATLAS im Zusammenspiel aller beteiligten Akteure
Durch die Zertifizierung soll insbesondere sichergestellt
reibungslos funktioniert, ist die Verwendung einer durch
werden, dass der Nachrichtenaustausch – also das Senden,
die Zollverwaltung geprüften („zertifizierten“) Teilneh-
Empfangen und Verarbeiten von Nachrichten – zwischen
mersoftware erforderlich. Im Rahmen der Zertifizierung
ATLAS und den meldenden Unternehmen fehlerfrei
wird bei neuen Softwareprodukten vor dem ersten
funktioniert.
Einsatz im Produktivbetrieb eine umfassende Prüfung
Die Zertifizierung muss dabei immer für das jeweilige
der wesentlichen in einem Verfahrensbereich geforderten
aktuelle ATLAS-Release vorgenommen werden. Denn
Funktionalitäten durchgeführt.
der Zoll arbeitet kontinuierlich daran, die Verfahrens-
Bei bereits im Produktivbetrieb eingesetzter Software
bereiche zu optimieren und Stabilität und Performance
werden die nach einem Releasewechsel neuen oder
zu verbessern.
geänderten Funktionalitäten geprüft. „Es wird damit
Neben vielen kleinen, laufenden Verbesserungen, die
gewährleistet, dass jede für den elektronischen Nach-
Anwender und Softwareanbieter in der Regel nicht
richtenaustausch verwendete Teilnehmersoftware einen
mitbekommen, gibt es auch in unregelmäßigen Abstän-
ausgereiften Entwicklungsstand hat und alle notwendigen
den mal mehr, mal weniger große Release-Wechsel mit
Funktionalitäten fehlerfrei abgewickelt werden können“,
umfassenderen Änderungen. Diese können Auswirkungen
erläutert der Zoll. „Die Fehlerhäufigkeit im Echtbetrieb
auf den sichtbaren Teil der Software haben, etwa wenn
wird so signifikant reduziert.“
neue Felder hinzukommen. Ob durch den Zoll eine (Neu-) Zertifizierung einer Zollsoftware stattfinden muss, hängt von Art und Umfang der Änderungen ab.
Zertifizierung für Einfuhr und Ausfuhr Der Zoll unterscheidet bei der Zertifizierung den einfuhr-
Durch die Zertifizierung soll sichergestellt werden, dass der Nachrichtenaustausch zwischen ATLAS und den meldenden Unternehmen fehlerfrei funktioniert.
seitigen Verfahrensbereich (Zertifizierung ATLAS) und den der Ausfuhr (Zertifizierung AES). Da sich in der Ausfuhr in den letzten Jahren sowohl rechtlich, formal als auch technisch wenig geändert hat, waren Zertifizierungen in diesem Bereich längere Zeit nicht mehr erforderlich. „Allerdings steht mit dem ATLAS-Release AES 3.0 ein größerer Release-Wechsel an. Laut Zoll ist die Durchführung der Zertifizierungen dafür ab dem vierten Quartal 2021 vorgesehen und soll voraussichtlich im Oktober 2022 enden“, meint Michael Sell, Product Lifecycle Manager im Bereich Customs Management beim IT-Anbieter AEB SE. Bei den einfuhrseitigen Verfahrensbereichen ist eine Zertifizierung seit mehreren Jahren in einem jährlichen Zyklus durchzuführen. „Hier gilt für unser Team das Motto: Nach der Zertifizierung ist vor der Zertifizierung“, sagt Michael Sell. Doch wie läuft diese ab?
Softwareanbietern erst unmittelbar vor Beginn der Zertifizierung zur Verfügung gestellt. Von diesen wird natürlich erwartet, dass sie im Rahmen des Verfahrens die Software einsetzen, die sie später ihren Kunden auch tatsächlich zur Verfügung stellen.
Erst selbstständiges … Das Prüfungsprozedere lässt sich in zwei Teile gliedern. Im ersten Teil, der – soweit technisch möglich – unbetreut durchlaufen wird, sind die Nachrichten aller Testfälle fehlerfrei zu übermitteln. Der Zoll liefert dazu alle vorgesehenen Antwortnachrichten und gibt dem Softwareanbieter die
Wie läuft die Zertifizierung ab?
Möglichkeit, die fehlerfreie Einarbeitung der Nachrichten zu überprüfen und sicherzustellen. Teil 1 endet damit, dass der Softwareanbieter ein sogenann-
„Die Zertifizierung ist Teil eines Prozesses, dem die
tes Logbuch über den vollständigen Nachrichtenaustausch
eigentliche Softwareentwicklung vorausgeht“, erläutert
übermittelt. Dieses überprüft der Zoll. Hat er nichts zu
Michael Sell. „Für uns ist daher immer die erste Version
beanstanden, kann Teil 2 des Zertifizierungsverfahrens
des sogenannten Implementierungshandbuches ein großer
erfolgen. Für diesen „betreuten Teil“ werden neue Testfälle
Meilenstein. Dieses beschreibt konkret ein kommendes
und ein entsprechendes Szenario zur Verfügung gestellt.
Release.“ Die große Aufgabe für einen Softwareanbieter sei es dann, das Handbuch durchzuarbeiten, die Änderungen zu identifizieren und daraus Arbeitspakete für
… dann betreutes Testen
deren Umsetzung zu gliedern – also kleine Projekte, die abgearbeitet werden.
Ein Ansprechpartner des Zolls gibt dann im Dialog mit
Ist die Software für das neue Release vorbereitet, ist der
dem Softwareanbieter die Abarbeitung der Testfälle vor,
Startschuss für den eigentlichen Zertifizierungsprozess
fordert Nachweise wie Screenshots oder Ausdrucke an und
der Antrag eines Softwareanbieters beim Teilnehmer-
stellt möglicherweise Kontrollfragen: „Wie würde sich die
management der Generalzolldirektion (GZD). Diese
Software verhalten, falls …?“ oder „Welches Ergebnis würde
bestätigt den Eingang und meldet sich wenige Tage vor
die Software liefern, wenn …?“ In Teil 2 wird erwartet,
dem voraussichtlichen Starttermin der Zertifizierung.
dass alle Testfälle übermittelt werden, ohne technische
Die Zertifizierung findet mit „virtuellen Zollstellen“ in einer
Fehler zu erzeugen. Im gesamten Zertifizierungsverfahren
Testumgebung des Zolls anhand von Testfällen statt, die
prüft der Zoll die Teilnehmersoftware einerseits auf die
das Teilnehmermanagement erstellt hat. „Das sind schon
zwingend notwendigen technischen, andererseits auch
sehr gründliche Prüfungen, die der Zoll vornimmt. Die
auf fachliche Plausibilitäten. Im ersten Fall wird beispiels-
Testfälle umfassen in der Regel dutzende Excel-Sheets,
weise untersucht, ob neue Abhängigkeiten abgebildet
die ausgedruckt einen mehreren hundert Seiten starken
und die Inhalte von Antwortnachrichten vollständig in
Papierstapel ergeben würden“, schildert Sebastian Dietz,
die Teilnehmersoftware eingearbeitet wurden. Um zu
Softwareentwickler bei AEB. „Und je mehr Änderungen in
verhindern, dass isoliert erstellte Nachrichten verwendet
einem Release, desto mehr Testfälle gibt es in der Regel.“
werden, müssen abgefangene Fehler anhand von „Bild-
Die Testfälle in Tabellenform und das Zertifizierungs-
schirmausdrucken“ (Screenshots) mit entsprechenden
szenario – das sogenannte Drehbuch – werden den
Fehlerhinweisen vorgelegt werden.
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Bei der fachlichen Plausibilitätsprüfung steht der Aspekt
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„Schließlich möchte man gegenüber dem Zoll keine Fehler
Nutzerführung im Vordergrund. Um etwa falsche Einga-
produzieren und die Prüfung möglichst schnell und
ben zu reduzieren, sollte die Software den Anwender
reibungslos durchlaufen. Zudem ist die Zertifizierung
möglichst gut durch hilfreiche Erläuterungen, Hilfetexte
auch sehr aufwändig. Bei AEB sind in der Regel zwei
und intuitive Grafikoberflächen unterstützen. „Hier prüft
Mitarbeiter drei bis vier Wochen damit beschäftigt.“
der Zoll etwa, ob die Software in bestimmten Konstella-
Doch der Aufwand lohnt: „Es ist auch für uns eine gute
tionen Hinweise gibt und ob diese gut aufbereitet sowie
Möglichkeit, die Software zu testen, bevor diese bei
verständlich formuliert sind“, erklärt Michael Sell.
tausenden unserer Kunden zum Einsatz kommt“, sagt Dietz. Schließlich mache sich das Zertifizierungsteam in Weiden sehr viele Gedanken, was getestet wird. „Der Kunde
Aufwändig, aber sicher
hat die Sicherheit, dass die Nachrichtenabläufe auch nach Änderungen seitens des Zolls reibungslos funktionieren.“
„Für mich sind Zertifizierungen immer sehr aufregend“,
Damit dies auch sicher gewährleistet ist, integriert AEB
schildert Sebastian Dietz, der im Jahr 2003 seinen ersten
auch zahlreiche Prüfungen in ihre Software, die über die
Zertifizierungsprozess beim ATLAS Release 6.0 erlebte.
Vorgaben des Implementierungshandbuches hinausgehen. „Wir eliminieren damit viele potenzielle Fehler schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Anmeldeprozess und sorgen zusätzliche durch einen elektronischen Assistenten in der Software für reibungslose Abläufe“, erklärt Michael Sell.
„Wir eliminieren viele potenzielle Fehler schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt im Anmeldeprozess und sorgen zusätzlich durch einen elektronischen Assistenten in der Software für reibungslose Abläufe.“
Zertifizierung: Worauf Anwender achten sollten Derartige Aspekte sind auch wesentliche Qualitätsmerkmale in Sachen ATLAS Teilnehmersoftware. Zwar werden die Softwareanbieter unter Angabe des Namens und der Version der geprüften Lösung auf der Website des Zolls veröffentlicht. „Die Zertifizierung und Listung liefert für Anwender allerdings keine qualitative Unterscheidung“, sagt Michael Sell. Unternehmen sollten daher bei der Suche nach einer Lösung auch auf solche Gesichtspunkte achten – ebenso, ob die Software verwendete Verfahren und Nachrichten unterstützt wie Zolllager oder aktive Veredelung.
Michael Sell, AEB SE Der Autor: Jens Verstaen war überrascht, wie viel Aufwand in die Zertifizierung seitens des Zolls und der Softwareanbieter fließt. Qualität hat anscheinend auch hier seinen Preis.
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Andere Länder, andere Zertifizierungen International agierende Unternehmen kennen die Herausforderung nur zu gut: Jedes Land hat in Sachen Zollanmeldungen seine nationalen Eigenheiten, voneinander abweichende Verfahren und unterschiedliche IT-Systeme. Das gilt selbst in der EU, einer Zollunion mit dem Unionszollkodex (UZK) als gemeinsamen Regelwerk. Jedes Land handhabt auch die Zertifizierung seiner Zoll-ITSysteme anders. „Viele Länder machen das gar nicht. Und gibt es eine Zertifizierung, sehen die Prüfungen meist ganz anders aus“, erklärt Olaf Kittelmann aus dem Team International Customs beim Softwareanbieter AEB, der Zolllösungen in mehr als zehn Ländern anbietet. „In der Schweiz beispielsweise wird man als Softwareanbieter vom Zoll zum persönlichen Termin eingeladen und schaut mit den Beamten gemeinsam über die Software. Dabei gibt es aber viel weniger Testfälle“, schildert Olaf Kittelmann die Vorgehensweise der Alpenrepublik. Auch in Schweden, wo AEB ihre Software beim Markteintritt zertifizieren lassen musste, gab es nur einen Bruchteil der Szenarien. „Getestet wurde anders als in Deutschland auch nicht im Randbereich – es gab also keine schwierigen Dateneingaben, um die Robustheit der Software zu testen. „Lediglich in den USA musste unsere Lösung 17 unterschiedliche Declarations meistern, inklusive Prüfungen in Randbereichen“, so der AEB-Experte.
Insgesamt sind die Prüfungen in anderen Ländern meistens weniger umfangreich – und auch nicht fortlaufend. „Das Vorgehen des deutschen Zolls, bei großen ATLAS-Releases immer eine Zertifizierung zu machen, gibt es in keinem anderen Land, in dem wir eine Zollsoftware anbieten“, sagt Olaf Kittelmann. „Viele Länder haben in ihrem IT-System eine viel geringere Dynamik und lösen dann eher ältere Systeme früher komplett ab, etwa wie in Großbritannien beim Wechsel von Chief auf CDS.“ Ein Vergleich der unterschiedlichen internationalen Zertifizierungspraktiken fällt schwer. „Das in Deutschland extrem hohe Nachrichtenaufkommen und der zeitliche Druck bei den Warenabfertigungen fordern von den Wirtschaftsbeteiligten und der Verwaltung einen hohen Automatisierungsgrad und bedingen eine hohe Fehlersensibilität, die in anderen Ländern in dieser Ausprägung möglicherweise nicht vorliegt“, gibt der Zoll auf Anfrage als Einschätzung. Fest steht: Mit dem deutschen Zertifizierungsverfahren sind Anwenderunternehmen auf der sicheren Seite, denn es resultiert in einer sehr niedrigen Fehlerhäufigkeit. Und das vermeidet wiederum, dass automatisierte Abfertigungsprozesse unterbrochen und manuell weiterbearbeitet werden müssen, dass Warensendungen blockiert sind und dass fehlerhafte Zollanmeldungen mehrfach übermittelt werden (trial and error). Zudem müssen keine Fehler im Echtbetrieb aufwändig analysiert und gelöst werden und auch die Offline-Zeiten werden minimiert.
Infos und Demo zur AEB-Zollsoftware www.aeb.com/atlas-ausfuhr
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Künstliche Intelligenz im Außenhandel
Von Datenströmen und Katzenfotos Daten, Daten, Daten: Sie sind allgegenwärtig und begegnen uns im Alltag überall. Die Datenmenge erschlägt den Menschen mitunter. Nicht so die IT: Sie lebt von riesigen Datenmengen. Ein Gespräch mit Daniel Schüler über die Chancen, die in Daten und Künstlicher Intelligenz liegen – und über Zukunftsvisionen und Katzenfotos.
Ganz themen- (und corona-) konform treffe ich mich mit
Künstliche Intelligenz hat in den letzten Jahren eine wahre
Daniel Schüler zum Interview digital in einer Videokonfe-
Renaissance erlebt. Mehrere Zettabytes an Daten werden
renz. Wir reihen uns also ein in den endlosen Datenstrom,
jährlich um den Globus geschickt. Ein Zettabyte hat 21
der sich täglich um den Erdball spannt.
Nullen. Für Menschen nicht mehr überschaubar – für
Über das Thema Einreihen werden wir im Zusammenhang
intelligente Maschinen schon. Und notwendig.
Außenhandel und Warennummern auch sprechen, denn
Denn damit ein künstliches neuronales Netz überhaupt
Daniel Schüler ist Entwickler und Produktmanager beim
funktionieren und arbeiten kann, erklärt Daniel Schüler,
Softwareunternehmen AEB. Sein Spezialgebiet: Künstli-
braucht es Daten, Daten und nochmal Daten. Abermil-
che Intelligenz und Maschinelles Lernen. Seine Vision:
lionen davon. Um beispielsweise eine Katze auf einem
Den Außenhandel mit Softwareprodukten noch einfacher
Foto erkennen zu können, muss ein „intelligentes System“
machen. Will er dabei ganz auf den Menschen verzichten?
erst einmal Millionen Fotos sehen, auf denen eine Katze
Dazu später mehr.
abgebildet ist.
Künstliche Intelligenz, Maschinelles Lernen und Deep Learning – Alles eins? Keineswegs. Vielmehr sind Maschinelles Lernen und Deep Learning aus der akademischen Disziplin Künstliche Intelligenz entstanden. Seit den 1950er Jahren beschäftigen sich Forscher mit künstlich lernenden Systemen. Daraus entstand das Maschinelle Lernen als Teilgebiet. Dieses ist eine Technologie, die Muster in Datensätzen erkennt und mit Hilfe von Algorithmen eigenständig Lösungen generiert. Die Regeln werden dabei vom Menschen vorgegeben. Das künstliche Wissen entsteht durch Erfahrung und Wiederholung. Die neueste Entwicklung in diesem Bereich ist Deep Learning. In dessen Fokus stehen künstliche neuronale Netze.
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Nummer mit extremem Einfluss
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Schnelligkeit und Prozesssicherheit durch Künstliche Intelligenz: Das ist möglich, weil die Technologie durch Daten
Katzenfotos gibt es im Außenhandel nicht, dafür aber
und Wiederholung lernt. Sie kombiniert also Erfahrung
Zolltarifnummern. Diese sind acht- bis elfstellig und
mit neuen Informationen und kann so Hilfestellungen
damit zig-fach kombinierbar.
anbieten – zum Beispiel in Form der Zolltarifnummer.
Die richtige Zolltarifnummer zu finden, ist vermutlich einer der zentralen Schmerzpunkte im Außenhandel. So formuliert es zumindest Daniel Schüler. Es ist nicht nur
Individuell wie das eigene Unternehmen
aufwendig und kompliziert, sondern erfordert zudem extrem viel Fachwissen und Produktverständnis.
Bei AEB findet sich derartige Künstliche Intelligenz in
Die komplexe Nomenklatur tut ihr übriges. Dabei hat
der Software Product Classification. Das Besondere: Sie
die richtige Warennummer einen extremen Einfluss –
ist auf unstrukturierte Daten optimiert und kann so auch
immerhin orientieren sich auch die Präferenzregelungen
Materialbeschreibungen mit einbeziehen.
zur Ein- und Ausfuhr an der richtigen Nummer.
In der Praxis heißt das für Unternehmen: Langfristig
So funktioniert Machine Learning Neue Daten
Daten Erwünschter Output
Training
Software (auch „Modell“)
Output
Beim Machine Learning findet ein Algorithmus neue Regeln, die aus den Daten das gewünschte Ergebnis erzeugen (Output). Er schreibt damit quasi eigenständig Software.
Neuronale Netze für den Außenhandel Komplexe Bestimmung, eine große Datenbasis und Beschleunigung durch Erfahrung – klingt geradezu nach einem idealen Einsatzort für Software, die ständig dazulernt. Ist auch so, bestätigt Daniel Schüler. „Mein Ziel ist es, mit der richtigen Software individuelle neuronale Netze im Außenhandel zu spannen“, beschreibt er seine Vision. „Gerade im E-Commerce bremst die Zolltarifnummer und wir können mit Machine Learning den Prozess unterstützen und beschleunigen. Das hilft, dem Kunden seine Ware so schnell wie möglich zur Verfügung zu stellen.“
„Gerade im E-Commerce bremst die Zolltarifnummer und wir können mit Machine Learning den Prozess unterstützen und beschleunigen.“ Daniel Schüler, AEB SE
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können sie mit Hilfe intelligent lernender Software nicht nur schneller ihre Produkte einreihen, sondern auch ihre internen Prozesse optimieren und automatisieren. Denn die Software und das darauf aufbauende neuronale Netz sind so individuell wie das Unternehmen selbst. Es basiert nur auf den eigenen Daten und kann so auch innerhalb eines Unternehmens Synergien schaffen – etwa in Form einer gemeinsamen Wissensbasis und Datenbank im Import und Export.
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„Ersetzt wird der Mensch nicht. Er wird nur effizienter – mit Hilfe von intelligenten Maschinen.“ Daniel Schüler, AEB SE
Maschinelles Lernen bei AEB Seit 2010 setzt AEB im Bereich Product Classification auf Künstliche Intelligenz. Was als klassischer Entscheidungsbaum anfing, ist mittlerweile ein künstliches neuronales Netz. Auf Basis individueller Kundendaten schlägt die Software eine Liste mit Zolltarifnummern vor, die dem Produkt entsprechen können. Das ist aber nur der Anfang. Weitere Produkte mit Künstlicher Intelligenz sind geplant. Vor allem im Bereich E-Commerce ist die Technologie spannend. Infos und Demo zur Lösung www.aeb.com/classification
Wo bleibt der Mensch? Und wo bleibt in diesem Zusammenspiel aus Software und Daten der Mensch? Hat er überhaupt noch einen Platz? Daniel Schüler lächelt: „Ersetzt wird der Mensch nicht. Er wird nur effizienter – mit Hilfe von intelligenten Maschinen.“ Ein künstliches neuronales Netz werde zwar immer besser, das Gehirn des Menschen bleibe aber dennoch unverzichtbar. Denn auch wenn Maschinen lernen: Die Qualität der dafür notwendigen Daten wird weiter vom Menschen bestimmt werden. Es gilt, so Daniel Schüler: „Je besser die Daten, desto besser das Ergebnis. Und diese kommen weiter vom Menschen.“ Es ist also nicht Mensch gegen Maschine – sondern Mensch mit Maschine. Zusammen im Dickicht der Zolltarifnummer, damit das Einreihen in Zukunft noch besser und schneller funktioniert.
Die Autorin: Anna Radermacher ist freiberufliche Redakteurin und Content Marketing Managerin – für AnachB schreibt sie über Themen, die den Außenhandel gerade beschäftigen. Meistens online, gerne aber auch mal für Print.
Importabwicklung
Kleine Sendung, großer Aufwand?
Ab 1. Juli ist für Import-Sendungen mit einem Warenwert unter 22 Euro Einfuhrumsatzsteuer zu entrichten. Zudem müssen diese elektronisch beim Zoll angemeldet werden. Was müssen Unternehmen beachten? Die Regelung war EU-ansässigen Onlinehändlern ein Dorn
2020 ist eine neue Mindestgrenze in der Zollverordnung
im Auge: Für Warensendungen aus einem Drittstaat mit
(§23 Abs. 1) gezogen worden, die ab dem 1. Juli 2021 gilt.
einem Wert bis 22 Euro musste bisher keine Einfuhrum- „Einfuhrabgaben […] werden nicht erhoben […], wenn sie satzsteuer gezahlt werden. Davon profitierten vor allem
bei der Einfuhr von Sendungen mit einem Sachwert von
Anbieter aus dem Ausland. Und der EU entgingen jährlich
höchstens 150 Euro weniger als 1 Euro betragen.“ Damit
Einnahmen in Millionenhöhe.
bleiben Importsendungen unter fünf Euro Sachwert
Doch mit der Steuerfreiheit dieser „Low Value Consignments“
laut dem Paragrafen zu Kleinbeträgen weiterhin von der
(Kleinsendungen) ist ab Mitte des Jahres Schluss. Dann
Mehrwertsteuerpflicht befreit.
tritt die zweite Stufe des Digitalpaketes in Kraft. Damit soll einer systematischen Unterfakturierung entgegengewirkt werden. Ursprünglich sollten die Reformen der EU bereits
Mehrwertsteuer gesammelt entrichten
ab Januar 2021 greifen. Wegen der Coronakrise wurde diese auf Mitte des Jahres verschoben.
Im Dezember 2020 stellte die EU-Kommission mit dem Leitfaden „Importation and Exportation of Low Value
Zollfreiheit bis 150 Euro bleibt bestehen
Consignments“ UZK-konforme Wege vor, wie der hohe Anstieg an Importmeldungen gelöst werden kann. Der Leitfaden ergänzt die bestehenden Erklärungen zur Mehr-
Mit dem Wegfall der 22-Euro-Grenze sind auch Unternehmen
wertsteuer im E-Commerce-Umfeld und konkretisiert das
verpflichtet, Kleinsendungen beim Import elektronisch zu
Modell des Import One Stop Shops (IOSS).
melden. Allerdings bleiben diese weiterhin zollfrei – und
Der IOSS ermöglicht es Lieferanten aus Drittländern, über
zwar bis 150 Euro.
eine EU-weit einzige MwSt-Nummer die fällige Mehrwert-
Für Kleinstsendungen ist sogar eine Ausnahme von
steuer in den EU-Mitgliedstaaten der
der Anmeldepflicht vorgesehen: Im Jahressteuergesetz
jeweiligen Empfänger
zu entrichten. Damit bleibt die Sendung für den Empfänger
schlägt der EU-Leitfaden Übergangsregelungen vor, denen
einfuhrumsatzsteuerfrei.
die nationalen Behörden folgen können.
Dieses Modell ist nur für das B2C-Umfeld vorgesehen.
Grundsätzlich bleibt allen Beteiligten weiterhin die
Alternativ können Post- und Kurierdienste im Rahmen
Möglichkeit offen, auch für Kleinsendungen eine vollstän-
der „Special Arrangements“ Sendungen in direkter oder
dige Einfuhranmeldung abzugeben. Jedes Unternehmen,
indirekter Vertretung des Empfängers anmelden. Die Mehr-
das bereits Importanmeldungen z. B. über Import Filing:
wertsteuer wird dann vom Empfänger an den Post- oder
ATLAS von AEB durchführt, kann dies natürlich auch für
Kurierdienst gezahlt, die die Mehrwertsteuer monatlich
Sendungen unter 22 Euro erledigen. Alternativ wird im
gesammelt abführen.
EU-Leitfaden vorgesehen, eine vereinfachte Zollanmeldung abzugeben. Diese Option ist in Deutschland an eine Bewilligung geknüpft und der Verpflichtung, die fehlenden
Zollmeldungen effizient durchführen
Daten in einer ergänzenden Zollanmeldung monatlich an den Zoll nachzumelden.
Für die Einfuhranmeldung ist vorgesehen, dass nur ein superreduzierter Datensatz (H7) notwendig ist. Dieser muss für Sendungen bis 150 Euro nur die Daten enthalten, die zur Erhebung der Mehrwertsteuer erforderlich sind.
Umsetzung konkret ab Juli 2021
Ausgenommen von diesem Verfahren sind verbrauchsteuerpflichtige Waren oder Sendungen, die Verboten und
Die Generalzolldirektion hat erste Informationen zu den
Beschränkungen unterliegen.
Übergangsregelungen herausgegeben. Geplant ist, dass
Für Waren im Wert von unter 150 Euro ist aktuell vorgesehen, dass nur ein superreduzierter Datensatz notwendig ist.
ATLAS Einfuhr zum 1. Juli 2021 angepasst wird. Für das ATLAS Release 9.1 ist in den technischen Nachrichten zu Einzelzollanmeldungen bereits der Hinweis auf die Meldung des IOSS vorgesehen. Außerdem wird durch die Generalzolldirektion eine Lösung außerhalb einer elektronischen Meldung angedacht. Die IHK Rhein-Neckar meldet auf ihrer Website dazu einen Workflow: Hierzu sollen Unternehmen einzelne Sendungen in Form von sogenannten „Manifesten“ (Excellisten) bündeln
Die deutsche Zollverwaltung plant, diese Anmelde-
und an die Zollverwaltung übermitteln. Auf Basis dieses
Möglichkeit mit ATLAS-IMPOST im ATLAS Release
Manifests soll dann ein zusammengefasster Abgabenbe-
10.0 für die Einfuhr umzusetzen. Dies wird technisch als
scheid erstellt werden. Die GZD bittet diejenigen Unter-
Webservice mit der Nachrichtenart APK (Anmeldungen von
nehmen, die ein hohes Importvolumen von Sendungen
Post- und Kuriersendungen von bis zu 150 Euro) angeboten.
bis 22 Euro haben bzw. ab dem 1. Juli 2021 erwar-
Laut Zollverwaltung ist der Produktivbetrieb frühestens
ten, um zeitnahe Kontaktaufnahme per E-Mail an
ab Januar 2022 geplant. Die Zertifizierungsphase beginnt
DVA2.gzd@zoll.bund.de.
voraussichtlich ab Oktober 2021.
Insofern sind Unternehmen je nach Aufwand gut beraten, Kontakt zur GZD herzustellen oder auf ihr zuständiges Hauptzollamt zuzugehen.
Eine Lücke bleibt Organisatorisch bleibt für Unternehmen damit eine Lücke zwischen der Umsetzung von ATLAS-IMPOST und der Verpflichtung, alle Kleinsendungen anzumelden. Hier
Die Autorin: Als es in Sachen ATLAS 2009 in die heiße Phase ging, ist Kerstin Ullrich zur AEB gekommen. Als Redakteurin der „AEB Community“ ist sie für praxisrelevante Neuerungen und Kundenfragen rund um Zoll und Außenwirtschaft verantwortlich.
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Co-Working
Happy Together Während die einen nur auf Geschäftsreise in einem Co-Working-Space vorbeischauen, erfreuen sich andere regelmäßig an dieser besonderen Art von Büroalltag. So oder so: Co-Working boomt. Und dafür gibt es gute Gründe.
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Gespräche auf persönlicher und geschäftlicher Ebene gibt es quasi gratis dazu.
Heißer, duftender Kaffee plätschert aus dem Vollautomaten
nur ein paar der Eigenschaften, die die Community im
in die Tasse. Nebenher ein Gespräch mit dem Gründer
Co-Working-Space ausmacht. Gespräche auf persönlicher
eines Startups. Zurück am Platz wird angefangen zu
Ebene gibt es quasi gratis dazu.
arbeiten, inmitten von Freelancern und Mitarbeitenden unterschiedlichster Betriebe. Ein ganz gewöhnlicher Tag in einem Co-Working-Space.
Einfach gemeinsam arbeiten
Raus aus der Komfortzone Diese Kontakte und die außergewöhnliche Situation sind es, was das Arbeiten im Co-Working so spannend macht, bestätigt auch Matthias Kieß, geschäftsführender Direktor
Diese Art zu arbeiten ist längst nicht mehr nur die Domäne
der AEB SE. Das Stuttgarter IT-Unternehmen hat zwar
von Hipstern und Startups. Auch zahlreiche renommierte,
mehrere eigene Standorte in ganz Deutschland, nutzt
internationale Großunternehmen nutzen diese Möglichkeit
aber dennoch bewusst auch Co-Working-Spaces für seine
für ihre Mitarbeitenden. Die Zahl der Co-Working-Spaces
Mitarbeitenden.
hat sich innerhalb von zwei Jahren vervierfacht, wie der
„Man befindet sich außerhalb seiner Komfortzone, in einem
Bundesverband Co-Working-Spaces e. V. im Juni 2020
ungewohnten Umfeld, mit dem Überraschungseffekt, einfach
berichtete. Doch was macht diese so attraktiv?
angesprochen zu werden. Aber genau das ist für viele das
Um das zu verstehen, ist es wichtig zu wissen, was Co-Wor-
Inspirierende, dadurch entsteht eine gewisse Energie.“
king ist. Übersetzt ins Deutsche, bedeutet es ganz trivial
Das kann auch Andreas Kuttler, Produktmanager bei
„gemeinsam arbeiten“. Und es ist genau das, was einen
AEB, nachvollziehen, der in einem Co-Working-Space in
Co-Working-Space ausmacht – einfach zusammen arbeiten
Tübingen arbeitet: „Müsste ich mich zwischen dem Büro
in gemeinsam genutzten bzw. geteilten Büroräumlichkeiten.
und einem Co-Working-Space entscheiden, würde ich den
In Co-Working-Spaces arbeitet in der Regel jeder individuell,
Co-Working-Space wählen. Das impulsive Leben und der
aber im selben Raum. Dadurch entsteht ein Rahmen für
Austausch mit anderen Co-Workern sind einfach klasse.“
innovativen und kreativen Austausch mit einer ganz eigenen
Oftmals mündet der Austausch auch direkt in neue Ideen
Kultur: Gemeinschaft, Offenheit und Nachhaltigkeit sind
und gemeinsamen geschäftlichen Aktivitäten – etwa im
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Beispiel von Ruwen Reinhard, Innovationstreiber bei
„Das impulsive Leben und der Austausch mit anderen Co-Workern sind einfach klasse.“ Andreas Kuttler, AEB SE
der AEB und Johannes Freyer, Vermieter des Tübinger Co-Working-Space. Zusammen haben sie eine Plattform zum kollaborativen Arbeiten entwickelt – den „Open Innovation Circle“. „Das hat sich alles nur durch ein erstes zufälliges Gespräch in der Küche ergeben“, erzählt Ruwen Reinhard.
Komplette Ausstattung inklusive Neben der bereichernden „Zusammen-Arbeit“ gibt es auch zahlreiche praktische Gründe für Co-WorkingSpaces. Für Andreas Kuttler ist beispielsweise auch die kurze Anfahrtszeit ein Kriterium. Zum Co-Working in Tübingen sind es nur acht, nach Stuttgart ins Büro 40 Kilometer. „Die Nähe ist zum einen gut für die Umwelt, zum anderen aber natürlich für meine Work-Life-Balance. Bei AEB haben wir durch diese Option die Möglichkeit auf mehr persönlichen Gestaltungsspielraum“, erzählt Andreas Kuttler. Gerade die Corona-Pandemie hat gezeigt, dass Arbeiten nicht nur vom Büro aus funktioniert. Homeoffice ist aktuell beliebter denn je. Allerdings kommen dabei soziale Interaktionen oft zu kurz. Wenn also wieder normaler Büroalltag möglich ist, können Co-Working-Spaces das Beste aus beiden Welten verbinden: Bürofeeling durch den Austausch mit anderen und den Vorteil „kurzer Anfahrtswege“ wie im Homeoffice. Darüber hinaus sind Co-Working-Spaces in der Regel mit allem ausgestattet, was für einen produktiven Tag benötigt wird: Schreibtische, Bürostühle, Monitore, Flipcharts, Drucker, Beamer und vieles mehr. Das HomeofficeProblem einer instabilen Internetverbindung – vor allem wenn sich die ganze Familie zuhause befindet – gibt es nicht. Die meisten Co-Working-Räume glänzen mit schnellem, stabilem WLAN. Zudem gibt es im Normalfall ein
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„Co-Working muss zum jeweiligen Menschen passen. Für manche ist die Arbeit im Co-Working einfach belastend.“ Matthias Kieß, AEB SE
Raumangebot, das auf unterschiedliche Aufgaben ausgerichtet ist. Meist arbeiten alle im Open Space, einer Art Großraumbüro. Steht ein Meeting an oder werden ein paar Stunden für konzentrierte Stillarbeit benötigt, lässt es sich
auch
einfach in einen Konferenz- bzw. Rückzugsraum wechseln.
außerhalb der eigenen Standorte ermöglichen.
Nicht jedermanns Sache
A ndreas und seine Kollegen im Tübinger Co-Wor-
Während für Andreas Kuttler und Matthias Kieß das
king-Space haben aus diesem Grund einen geschlossenen
Co-Working-Space eine perfekte Alternative zum Büro
Raum und arbeiten nicht im Open Space. Zudem achtet
oder Homeoffice darstellt, könnten sich andere niemals
jeder darauf, keine Daten oder Namen zu nennen, egal wie
vorstellen, dort zu arbeiten. „Man kann das nicht über
persönlich der Smalltalk an der Kaffeemaschine sein mag.
einen Kamm scheren und sagen, dass ab jetzt jeder im
„Und im Co-Working-Space wird nicht gedruckt, sodass
Co-Working arbeiten soll. Das muss zum jeweiligen
beispielsweise niemand die gedruckten Daten kopieren
Menschen passen“, sagt Matthias Kieß. Nicht jeder komme
kann“, erklärt Matthias Kieß. „Das papierlose Arbeiten
mit der lockeren Stimmung und der lauten Umgebung
der AEB macht uns das natürlich einfach.“
zurecht. „Für manche ist die Arbeit im Co-Working-Space einfach belastend.“ Auch bei der Datensicherheit ist Vorsicht geboten. Niemand
Finanzieller Vorteil
möchte, dass interne Daten oder Kundennamen an die Öffentlichkeit gelangen. Dazu enthält beispielsweise das
Trotz dieser Einschränkungen, profitieren nicht nur die
IT-Sicherheitskonzept der AEB technische und organisa-
Mitarbeitenden vom Arbeiten im Co-Working-Space. „Es
torische Maßnahmen, die effizientes, sicheres Arbeiten
gibt auf jeden Fall Vorteile für die Unternehmen“, sagt
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Matthias Kieß. „Wenn wir ein eigenes Büro mieten, gibt es in der Regel langlaufende Verträge, die das Wachstum
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Einfach mal ausprobieren
an den Standorten limitieren. Zudem kommen zur Miete
Co-Working-Spaces sind nicht nur für Startups und
etwa noch Heizkosten und Reparaturen. Bei Co-Working
Freelancer geeignet. Ganz im Gegenteil. Für viele Mitar-
bezahlen wir den Raum ‚on demand‘.“
beitende trägt der innovative Austausch mit anderen
Die meisten Co-Working-Spaces bieten dazu verschiedene
und die lockere Atmosphäre im Open Space zu einem
Preismodelle an. Die Arbeitsplätze können für wenige
effektiveren Arbeiten bei.
Stunden, ein paar Tage oder auch längerfristig gebucht
Und laut einer Studie der französischen Co-Working-
werden. Dadurch entsteht die Möglichkeit, auch auf
Vermittlungs-Plattform „Neo-Nomade“, hat sich bei 65 %
Geschäftsreisen oder vom Urlaub aus ein Office nutzen
der Befragten auch das allgemeine Wohlbefinden erhöht,
zu können.
seit sie in Co-Working-Spaces ihrer Arbeit nachgehen. Diese
Doch nicht nur der finanzielle Aspekt zahlt sich aus. „Alle
Aspekte kommen natürlich auch den Unternehmen zugute.
Menschen, die hier in den Co-Working-Space kommen,
„Ich würde mir wünschen, dass viel mehr Menschen den
hören das erste Mal von der AEB. Das erhöht unseren
Mut haben im Co-Working-Space zu arbeiten und das mal
Bekanntheitsgrad ganz ohne zusätzliches Marketing. Das
ausprobieren“, ergänzt Matthias Kieß lächelnd.
sind dann Mehrwerte und Kontakte, die zum einen den finanziellen Nutzen für das Unternehmen haben, zum anderen aber auch gar nicht bezahlbar wären“, erklärt Andreas Kuttler.
Die Autorin: Karolin Rufner studiert Public Relations und ist Praktikantin bei der AEB. Mit unkonventionellen Arbeitssituationen kennt sie sich aus – ihr Praxissemester startete aus dem Homeoffice. Während ihrer Recherche konnte sie einen gedanklichen Ausflug durch die verschiedensten Co-Working-Spaces machen, der sie ihren Alltag im Wohnzimmer-Office für kurze Zeit vergessen ließ.
LORE Hamburg (20097 Hamburg) Arbeiten auf einem Hausboot – umgeben von Wasser. Was sich anhört wie ein Traum, ist der Arbeitsalltag von Co-Workern auf der LORE in Hamburg Süd. Kleinere Teams sowie Einzelpersonen können hier kreatives Co-Working betreiben und dabei dem Rauschen des Wassers lauschen. Die Co-Working-Community wird vor allem durch Langzeitmieten geprägt. So wechselt die Besatzung des Hausbootes nicht so regelmäßig wie in anderen Co-Working-Spaces.
Coconat (14806 Bad Belzig) Aufgebaut wie ein kleines Dorf, vereint das Coconat Workation (Work + Vacation), Co-Working und Co-Living in einem – und das inmitten der Natur. Das Coconat, steht für „community and concentrated work in nature“ und bietet nach eigenen Angaben ein offenes und vielfältiges Gemeinschaftsleben auf einem ehemaligen Gutshof, etwa eine Stunde entfernt von Berlin.
Außergewöhnliche Co-Working-Spaces
IDEA KITCHEN (81451 München) Die IDEA KITCHEN bietet mitten in München einen Raum für Ideen und Gemeinschaft. Das Besondere: Co-Worker haben die Möglichkeit, ihren Arbeitsort zu wechseln: Mit dem Mobile Office, einem Wohnwagen mit WLAN, Kaffeemaschine und Meeting-Plätzen, kann die Arbeit am See, im Wald oder in den Bergen erledigt werden.
Trade Compliance
Kein Entkommen mehr: EU-Verordnung gegen Menschenrechtsverletzungen Mit der Ende vergangenen Jahres geschaffenen Sanktionsverordnung kann die EU Menschenrechtsverletzungen gezielt bestrafen. Erste Maßnahmen gegen Personen etwa aus China wurden bereits verhängt. Wie sieht der rechtliche Rahmen aus? Und was müssen Unternehmen beachten?
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Seit 7. Dezember 2020 verfügt die EU über ein neues Mittel
gezielten länderunabhängigen Sanktionierung einzelner
im Kampf gegen Menschenrechtsverstöße. An diesem Tag
Personen oder Organisationen aus dem Terrorismusumfeld.
haben die EU-Außenminister die Sanktionsverordnung
Nach den Anschlägen auf das World Trade Center im Jahr
(EU) 2020/1998 verabschiedet. Diese ermöglicht es, schnell
2001 hatte die EU mit den sog. Anti-Terrorverordnungen
und länderunabhängig auf Menschenrechtsverletzungen
2580/2001 und 881/2002 die Rechtsgrundlagen für gezielte
unterschiedlicher Art zu reagieren – etwa Folter, Miss-
Sanktionsmaßnahmen in Form von Bereitstellungsverboten,
handlungen, Hinrichtungen oder staatliche Willkür. Die
Konteneinfrierungen und Einreisebeschränkungen gegen
verantwortlichen Personen oder Organisationen können
terroristische Vereinigungen und die Personen aus diesem
unabhängig von ihrer Herkunft bestraft werden. Diese
Umfeld geschaffen.
Möglichkeit bestand bislang nicht.
Verantwortliche gezielt bestrafen
Cyberangriffe und ChemiewaffenVerbreitung sanktionieren
Warum diese Verordnung so wichtig ist, verdeutlicht der
Im Jahr 2018 hat die EU eine weitere Verordnung zur
Falls des saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi.
Sanktionierung der verantwortlichen Personen und
Die Verantwortung für dessen brutale Tötung wurde
Organisationen im Zusammenhang mit dem Fall Skripal
recht schnell im saudischen Königshaus vermutet und
erlassen (auf den britisch-russischen Doppelagenten und
auch bestätigt. Eine Sanktionierung der verantwortlichen
seine Tochter war ein Giftgasanschlag verübt worden).
Personen seitens der EU war zum damaligen Zeitpunkt
Durch die Sanktionsverordnung (EU) 2018/1542 kann
allerdings nicht möglich.
die EU die Personen und Organisationen bestrafen, die
Sanktionsmaßnahmen hätte die EU nur mittels eines
für die Verbreitung chemischer Waffen verantwortlich
Länderembargos gegen Saudi-Arabien erlassen können. Eine
gemacht werden.
Rechtsgrundlage zur gezielten Bestrafung der Personen, die
Mit der Sanktionsverordnung (EU) 2019/796 folgte dann
für die schwere Menschenrechtsverletzung verantwortlich
im Jahr 2019 eine Rechtsgrundlage zur Sanktionierung
waren, hatte die EU nicht.
von Personen und Organisationen, die für die Cyberangriffe gegen kritische Infrastrukturen innerhalb der EU verantwortlich gemacht werden.
EU-Verordnungen im Rückblick Zwar hat die EU seit 2001 Verordnungen erlassen, die
Unterschiedliche Ziele, ähnliche Mittel
Sanktionen gegen einzelne Personen oder Organisationen ermöglichen. Diese zielten aber auf die Bereiche Terror-
Betrachtet man die Sanktionsverordnungen der EU, stellt
bekämpfung, chemische Waffen und Cyberangriffe.
man zwar unterschiedliche Zielrichtungen fest, die inhalt-
So hat die EU bereits seit dem Jahr 2001 ein Instrument zur
liche Ausgestaltung der Sanktionsmöglichkeiten
Get Connected Online-Workshop: Aufbau eines Internal Compliance Programs (ICP) Ob man nun ein ICP hat oder nicht: Sobald man als Unternehmen Waren international handelt, braucht man eins. Aber wie setzt man so ein internes Compliance Programm auf? Worauf ist zu achten? Und vor allem: Welche Hürden sind dabei oft zu meistern? Der Workshop verschafft einen praxisnahen Einblick, gibt Tipps und leitet zu konkreten Vorgehensweisen. Jetzt anmelden unter: www.aeb.com/gc/tickets.php
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ist jedoch nahezu identisch. Die gelisteten Personen und
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Personen und Organisationen verhängen, die für schwere
Organisationen sollen finanziell ausgetrocknet werden.
Menschrechtsverstöße verantwortlich gemacht werden.
Außerdem bestehen gegen natürliche Personen Einreise-
Von der Möglichkeit der Sanktionierung von Menschen-
beschränkungen in die EU.
rechtsverletzungen hat die EU bereits zweimal Gebrauch
Die für Wirtschaftsunternehmen in erster Linie relevanten
gemacht (Stand April 2021): Im Fall Alexej Nawalny
unmittelbaren und mittelbaren Bereitstellungsverbote
wurden die russischen Staatsfunktionäre sanktioniert, die
beziehen sich auf Vermögenswerte aller Art und sind folglich
für dessen Inhaftierung verantwortlich gemacht werden.
sehr weit gefasst. Welche Personen und Organisationen
Darunter finden sich derzeit unter anderem der Direktor
unter die Sanktionsmaßnahmen der EU fallen, ergibt sich
des russischen Föderalen Strafvollzugsdienstes (FSIN)
in allen EU-Sanktionsverordnungen aus einer Namensliste,
und der Generalstaatsanwalt der Russischen Föderation.
die sich im Anhang der jeweiligen Verordnung findet.
Die gelisteten Personen und
Maßnahmen wegen Unterdrückung der Uiguren
Organisationen sollen
Zudem bestehen seit dem 22. März 2021 Strafmaßnahmen
finanziell ausgetrocknet
treter sowie eine Organisation aus der Provinz Xinjiang.
werden. Außerdem bestehen gegen natürliche Personen Einreisebeschränkungen in die EU.
seitens der EU gegen chinesische Partei- und RegionalverDiese werden für die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China verantwortlich gemacht. Sämtliche Vermögenswerte der betroffenen Personen und der Organisation werden eingefroren. Es dürfen weder Gelder noch wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung gestellt werden. Außerdem bestehen Einreiseverbote in die EU.
Finanzsanktionen und Einreiseverbote Erste Anwendung im Fall Nawalny
In der tatsächlichen Umsetzung bedeutet dies, dass die von den Sanktionen betroffenen Personen und Organisationen
Zurück zur Sanktionierung von schweren Menschen-
in die Namensliste im Anhang der Sanktionsverord-
rechtsverletzungen: Mit der Sanktionsverordnung (EU)
nung (EU) 2020/1998 aufgenommen werden. Gegen die
2020/1998 vom 7. Dezember 2020 hat die EU wieder
Gelisteten gelten die im Verordnungstext beschriebenen
das oben beschriebene Muster weitergeführt. Mit der
Finanzsanktionen und Einreiseverbote.
Verordnung kann sie jetzt Bereitstellungsverbote, Einrei-
Personen und Organisationen, die unter Bereitstellungsver-
sebeschränkungen und Konteneinfrierungen gegen die
boten stehen, werden in der CFSP-Liste, einer Datenbank
Prüfungen mit Software automatisieren Unternehmen, die die Software AEB Compliance Screening nutzen, prüfen ihre Geschäftskontakte gegen die aktuelle CFSP-Liste der EU. Das bedeutet, dass mit Hilfe der AEB-Lösung tagesaktuell untersucht werden kann, ob gegen den überprüften Geschäftspartner Sanktionsmaßnahmen – Mehr Informationen unter auch wegen Menschenrechtsverletzungen – seitens der EU bestehen. www.aeb.com/compliance
Unterdrückung der Uiguren derzeit einen einheitlichen
Die EU hat bereits weitere
Weg bezüglich der Sanktionierung der verantwortlichen Personen und Organisationen einschlagen.
Sanktionen wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen gegen elf Personen aus Myanmar angekündigt.
… und nach Großbritannien Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick nach Großbritannien. Seit dem Austritt des Vereinigten Königreichs aus der EU werden UK-Sanktionsmaßnahmen nach nationaler britischer Rechtsvorschrift abgebildet. UK-Finanzsanktionen gegen Personen, Unternehmen und Organisationen werden in der UK Sanctions List konsolidiert. Diese Sanktionsliste enthält alle Listungen, die unter dem UK
der EU, konsolidiert. Der European External Service
Sanctions Act (Sanctions and Anti-Money Laundering Act
(EEAS) übernimmt sämtliche Namenseinträge, die von
2018) vorgenommen wurden.
Finanzsanktionen betroffen sind, aus allen Sanktions-
Im Bereich Menschrechtsverletzungen wurden in UK am
und Länderembargo-Verordnungen der EU laufend in die
6. Juli 2020 die Global Human Rights Sanctions Regu-
CFSP-Liste und stellt diese in einem maschinenlesbaren
lations 2020 erlassen. Im Rahmen dieser Verordnung
Format bereit.
hat Großbritannien am 22. März 2021 zum ersten Mal
Die EU hat bereits weitere Sanktionen wegen schwerer
Finanzsanktionen und Reiseverbote verhängen lassen.
Menschenrechtsverletzungen gegen elf Personen aus
Diese Maßnahmen richten sich gegen vier chinesische
Myanmar angekündigt. Diese Personen werden für den
Regierungsbeamte sowie ein Sicherheitsorgan in Xinji-
Militärputsch und die Gewalt gegen Demonstranten
ang. Die Sanktionen wurden zeitgleich mit denen der EU,
verantwortlich gemacht. Mit Inkrafttreten dieser Sankti-
Kanada und der USA erlassen. Die Strafmaßnahmen sind
onsmaßnahmen werden dann die Namen der elf Personen
ein international koordinierter Schritt gegen die Unterdrü-
in den Anhang der Sanktionsverordnung (EU) 2020/1998
ckung der Uiguren und anderer Minderheiten in Xinjiang.
aufgenommen.
Menschenrechtsverletzungen: Ein Blick in die USA … Wie in der EU gibt es auch in den USA eine Vielzahl verschiedener Sanktionsprogramme mit unterschiedlicher Zielrichtung. Mit dem Global Magnitsky Act aus dem Jahr 2017 haben die USA eine Rechtsgrundlage zur Sanktionierung von schweren Menschenrechtsverletzungen geschaffen. Die meisten der amerikanischen Sanktionsprogramme werden vom Office of Foreign Assets Control (OFAC) verwaltet und in der Specially Designated Nationals List (SDN) konsolidiert. Hervorzuheben ist an dieser Stelle, dass die USA und die EU in Bezug auf Sanktionsmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Fall Nawalny und der
Die Autorin: Dr. Ulrike Jasper ist Juristin und betreut mehr als seit 10 Jahren den Bereich des Außenwirtschaftsrechts bei der AEB SE. Sie verfasst Fachbeiträge zum europäischen Exportkontrollrecht, dem US-Re-Exportkontrollrecht sowie dem Sanktionslistenscreening.
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SAP S/4HANA® & Transportlogistik
Weiche Schale, harter Kern Der Kern des Systems soll möglichst unangetastet bleiben, das Zusammenspiel mit externen Lösungen wird einfacher: Mit S/4HANA setzt SAP auf das Plattform-Prinzip – und eröffnet neue Möglichkeiten für die Transportlogistik.
Unter der Maxime „Keep the core clean“
Funktionen, z. B. aus dem Extended
stellt SAP mit der Transformation auf SAP
Shipping, erfordern eine zusätzliche
S/4HANA ein gängiges Vorgehen in Frage:
Lizenzierung. Basis-Funktionen
Modifikationen des Kerns, auch Z-Program-
dagegen deckt die S/4HANA-Grund-
mierungen genannt, sollen überflüssig werden.
lizenz ab.
Um das zu ermöglichen, verbessert SAP u. a. die Zusammenarbeit mit Partner-Lösungen.
Änderungen bei Transport und Warehouse Management
Aus eigenständigen Systemen werden integrierte Module SAP integriert TM und EWM nicht nur in S/4HANA, sondern treibt auch das Zusammenspiel der beiden Module voran.
Ein zweites Grundprinzip ist das sogenannte „Principle of
Ein Beispiel: Mit dem Consignment wurde 2020 ein neues
one“: Jede Funktion soll im System genau einmal verfüg-
Datenobjekt eingeführt.
bar sein. Dies kann Folgen haben für alle, die bereits mit
„Durch das Consignment ist die EWM-Transportein-
SAP S/4HANA produktiv sind: Denn 2025 laufen einige
heit nicht mehr zwingend notwendig“, erläutert Stefan
Nutzungsrechte aus.
Ludwig. „Unternehmen haben dadurch die Option, für TM
„Prominente Beispiele sind die Transportbelege und
und EWM mit den Funktionen der Basislizenz zu arbeiten.“
Teile des Warehouse Managements“, sagt Stefan Ludwig,
Während SAP den Funktionsumfang von TM und EWM
AEB-Spezialist für SAP-Integrationen. „Dafür bettet
kontinuierlich erweitert, wird das Modul Warehouse
SAP das Transport Management (TM) und Extended
Management (WM) Ende 2030 eingestellt. Unternehmen
Warehouse Management (EWM) als Module in S/4HANA ein.
bleiben zwei Optionen: Auf EWM umsteigen oder sich
Ein Betrieb als eigenständige Systeme ist weiterhin
mit den gegenüber WM reduzierten Funktionalitäten des
möglich, aber zukünftig wird S/4HANA als Basis gesetzt
„Stock Room Managements“ begnügen. Dieses ist Teil von
sein.“ Ein wichtiger Aspekt: Bestimmte erweiterte
SAP S/4HANA.
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dienstleistern wie z. B. UPS, DHL und Dachser unterstützt SAP auch in S/4HANA nicht. Die Anforderungen
Freight Order
Freight Unit
Consignment
dafür sind komplex: Neben einer EDI-Schnittstelle verlangen die KEP-Dienste und Speditionen bestimmte Packstücklabel und Einlieferungslisten (Manifest). Für die Integration bieten sich daher Partnerlösungen wie Carrier Connect von AEB an. • Was ersetzt den Transportbeleg bei der Planung und
Warehouse Request
Handling Unit
Versandabwicklung in S/4HANA – und wie funktioniert die Integration in den Versandprozess? Die logistischen Funktionen von LE-TRA werden durch das Geschäftsobjekt Frachtauftrag bzw. Frachtbuchung
Ein Beispiel für die Verzahnung von TM und EWM: Warehouse Requests und Handling Units können im Consignment-Objekt abgebildet werden. TM greift darauf zu, um Frachtaufträge zu bilden.
abgelöst. Grundlage, um diese Belege zu erstellen, sind Frachteinheiten. Das eingebettete TM-Modul integriert sich dafür mit den Verkaufsaufträgen und Auslieferungen. Außerdem bietet das TM umfangreiche Funktionen für
Die Zukunft weiterer Funktionen Bei der Umstellung auf SAP S/4HANA stellen sich den Logistik-Verantwortlichen viele weitere Fragen. Eine
die Transportplanung und die Laderaumoptimierung.
Fazit: Flexibilität ist der neue Standard
Auswahl mit Antworten in Kurzform: • Wo wird künftig verpackt? Hier greift das „Principle of one“ noch nicht. Die
Der Kern von SAP S/4HANA soll stabil bleiben, gleichzeitig steigt aber der Bedarf an flexiblen Lösungen. Wie das
Verpackungsfunktionalität lässt sich in der bekannten
zusammenpasst, zeigt ein Blick auf die Cloud-Modelle von
Logistic Execution, in EWM und in TM abbilden.
SAP. Wer sich gegen On-Premise und für die Public Cloud
• Wie funktioniert das Tracking in S/4HANA?
entscheidet, kann nur noch sehr begrenzt die Prozesse
Das externe Event Management spielt Trackingdaten
anpassen. Erweiterungen erfolgen stattdessen über die
der KEP-Dienste und Speditionen auch in S/4HANA
Funktionen der SAP Business Technology Platform – oder
zurück. Die Wartungszusage läuft bis 2027. Funktio-
über Drittanbieter-Lösungen.
naler Nachfolger wird das Logistics Business Network
Beispiel Anbindung von Transportdienstleistern: Statt
(LBN). Unabhängig davon können Trackingdaten aber
Partner einzeln per individueller Entwicklung anzubinden,
auch über Partnerlösungen in S/4HANA zur Verfügung
kommt eine Standardschnittstelle zu einer Plattform ins
gestellt werden.
Spiel (siehe auch Kasten auf S. 52 „Eine Plattform für
• Wie ändert sich die Kommunikation mit
mehr Lieferperformance“). Die fachliche Logik wird per
externen Partnern?
Business Service angedockt. Einmal implementiert,
Die Kommunikationstechnologie ändert sich: weg von
steigt mittelfristig die Flexibilität
IDoc und RFC, hin zu Webservices. Das SHPMNT IDoc
und die Wartungskosten
ist nur noch bis Ende 2030 nutzbar. Ersatz ist ein neuer
sinken.
Webservice, der sich vom Datenmodell am EDIFACTIndustriestandard orientiert und so zusätzliche komplexe Mappings erspart. • Gibt es neue Funktionen für die Integration von Transportdienstleistern? Eine direkte individuelle Anbindung von Transport-
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Eine Plattform für mehr Lieferperformance Erst Pandemie, dann Brexit: Einzelintegrationen stoßen an ihre Grenzen, wenn die Flexibilität bei der Carrier-Wahl zum Erfolgsfaktor wird – oder gar die Lieferfähigkeit sichert. Als Lösung bietet sich eine Multi Carrier Platform an, die sich nahtlos in SAP® integriert. Alles auf eine Karte setzen bei der Carrier-Wahl? Wenn es um
eine EDI und alle nötigen Versanddokumente an den KEP-
die Anbindung von KEP-Diensten und Speditionen an SAP-
Dienst oder die Spedition. Die Trackingdaten der Carrier lassen
Systeme geht, trifft Logistik-Spezialist Andrej Grohar häufig
sich in das SAP-System zurückspielen. „Carrier Connect bringt
auf dieses Szenario: einzelne Schnittstellen zu Transportdienst-
diese Daten in eine Sprache und macht sie dadurch vergleich-
leistern, die individuell in SAP entwickelt wurden. „Die tiefe
bar. Und zwar direkt in SAP“, erläutert Andrej Grohar.
Integration erhöht leider den Wartungsaufwand. Routingdaten
In einem zentralen Monitor fließen Informationen über sämt-
müssen aktualisiert werden, die Label ändern sich oder das
liche Versandaufträge im SAP-System zusammen. Anwender
EDI-Format wird angepasst. Man hat einfach ständig mit diesen
können die Lieferungen überwachen, Vorgänge stornieren,
Schnittstellen zu tun.“
Tracking-Ereignisse prüfen und Label nachdrucken. Wer Details
Hier kommen Plattformen wie Carrier Connect ins Spiel. Die
von Versandaufträgen manuell bearbeiten möchte – etwa, weil
AEB-Plattform bietet mittlerweile Zugang zu mehr als 200
das SAP-System nicht alle notwendigen Daten geliefert hat –
KEP-Diensten und Speditionen – über eine einzige Schnittstelle
erreicht die Oberfläche der Carrier Connect Plattform ohne
zu SAP® ERP, SAP S/4HANA® oder EWM®.
SAP zu verlassen.
Die Fachanwender-Perspektive
Die IT-Perspektive
Der Versandprozess beginnt mit dem Frachtauftrag in SAP
Für die Integration ins SAP-System liefert AEB modifikati-
und endet mit dem Transfer der Trackingdaten zurück in SAP.
onsfreie Plug-ins. Entwickler-Ressourcen sind nicht nötig.
Dazwischen spielt die Plattform ihre Stärken im Hintergrund
Die Carrier-Plattform läuft unabhängig vom SAP-System im
aus.
AEB-Rechenzentrum in Stuttgart – ohne Zugriffe von außen auf
Aber der Reihe nach: Im ersten Schritt übergibt das SAP-
die Systemlandschaft im Unternehmen. Fachanwender nutzen
System den Frachtauftrag an Carrier Connect. Die Plattform
die Versandfunktionen trotzdem innerhalb ihrer gewohnten
legt einen Versandauftrag an, berechnet das Routing und berei-
SAP-Oberfläche.
tet das Label vor. Vorteil: ein beschleunigter Druck später am
Der AEB Service als zentraler Kontakt ersetzt alle Ansprech-
Packplatz oder auf einer Förderanlage.
partner bei Middleware-Providern und Transportdienstleistern.
Beim Tagesabschluss übermittelt die Plattform automatisch
Auch große Update-Projekte gehören der Vergangenheit an.
On-Demand-Webinar: Den SAP S/4HANA Umstieg meistern Was sollten Logistik-Spezialisten wissen, damit der Systemwechsel zum Erfolgsfaktor wird? Logistikexperte Andrej Grohar und SAP-Spezialist Stefan Ludwig bringen Stolpersteine, Chancen und Empfehlungen im Webinar der BVL.digital auf den Punkt. Das Replay bietet rund 60 Minuten Expertenwissen, übersichtlich gegliedert in 8 Kapitel – inklusive Roadmap, kurzer Demo-Tour in S/4HANA und Best Practice. www.aeb.com/sap-webinar
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Zentraler Monitor: alle Versandaufträge an einem Ort
Status Monitoring: die Lieferperformance auf einen Blick
Routing-Codes für Carrier einspielen? Neue Format-Vorgaben für die Label eines KEP-Dienstes? Fachliche Updates wie diese setzt AEB innerhalb der Plattform um. Startklar ist Carrier Connect bereits vor der Migration auf S/4HANA im Zusammenspiel mit SAP ERP. Beim Umstieg lässt sich das Plug-in einfach mitnehmen, ohne Testaufwand und Neuabnahmen durch einzelne Carrier.
Der Autor: Komplexe Themen für digitale Kanäle so aufbereiten, dass sie einen hohen Mehrwert bieten – und trotzdem leicht zu konsumieren sind. Mit diesem Ziel kümmert sich Steffen Heritsch seit 2019 um Inhalte auf den digitalen Kanälen des Softwareanbieters AEB – vor allem zu Themen wie SAP, Außenwirtschaft und Zoll. Mit gleicher Zielsetzung ist er auch regelmäßig als Autor für AnachB unterwegs.
Einzel-Integration vs. Plattform-Integration auf einen Blick EINZEL-INTEGRATION
PLATTFORM-INTEGRATION
Vorteile • Unabhängigkeit von Dritten • tiefe Integration möglich
Vorteile • bereits 200 Speditionen und KEPDienste angebunden • Format-Automatik: Label, EDI-Nachrichten und Co. immer nach Carrier-Vorgabe • ein einziger Support-Ansprechpartner • weitere Services wie Tracking und Gelangensbestätigung nutzbar
Nachteile • hohe Komplexität durch spezielle Vorgaben der Carrier • Expertenwissen erforderlich • großer Test- und Wartungsaufwand • Abnahme durch jeden einzelnen Carrier erforderlich • keine Flexibilität bei der Wahl des optimalen KEP-Dienstes
Nachteile • Kosten für Plattform
22. September 2021, 13.00 Uhr Die Multi Carrier Plattform für SAP live erleben Wir liefern tiefe Einblicke ins Multi Carrier Shipping mit S/4HANA frei Haus. Erleben Sie, wie Sie aus 200 Carriern die passenden KEP-Dienste und Speditionen nach Preis und Laufzeit automatisch auswählen. Und wie Sie per Event-Service die Lieferperformance überwachen. Auf Ihre Fragen antworten Logistikexperte Andrej Grohar und SAP-Spezialist Markus Strohm. www.aeb.com/sap-demo
Wenn in China ein Sack Reis umfällt, könnte er bald auf Ihrem Fuß landen China in e ll o r t n o k t r o p Ex rmin nd Demo-Te u n re ie rm fo in t tz Je om/china vereinbaren aeb.c
Was bedeutet das neue chinesische Exportkontrollgesetz für Sie? Mit AEB-Software haben Sie Handelsverbote und Beschränkungen fest im Griff. Sie minimieren Risiken und handeln sicher – weltweit. Mehr unter aeb.com/china
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Zahlen, bitte! Welchen Nutzen haben eigentlich Freihandelsabkommen für Unternehmen in Sachen Zollkosten? Wie pünktlich sind Containerschiffe? Und in welchem Ausmaß lassen sich durch Digitalisierung CO2-Emissionen einsparen? Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier in unserer Rubrik „Zahlen, bitte“.
Präferenzmanagement
Mehr als 2 Mrd. Franken haben Schweizer Firmen bei Importen dank Freihandelsabkommen (FHA) im Jahr 2019 an Zöllen gespart. Die Zahl geht aus einer Analyse des Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft hervor. Demnach nutzten über 140.000 Firmen 2019 niedrigere Einfuhrzölle im Rahmen eines FHA. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen gehörten dabei zu den größten Profiteuren. Besonders interessant: Die Abkommen waren häufig dann in Gebrauch, wenn die möglichen Zolleinsparungen hoch waren. Es fand also eine Abwägung seitens der Schweizer Unternehmen statt. Denn auch die Nutzung eines Freihandelsabkommens ist mit indirekten Kosten verbunden. Beispielsweise muss für einen reibungslosen Ablauf erst ein gewisser Lernaufwand betrieben werden. Die Analyse zeigt aber auch, dass ein FHA nach dem Aufbringen der Kosten meist regelmäßig weiter genutzt wird.
Lieferketten-Resilienz
66 % der Unternehmen in Einzelhandel und Konsumgüterindustrie wollen ihre Supply-Chain-Strategie in den nächsten drei Jahren erheblich ändern, um sich an die Auswirkungen der Pandemie anzupassen und die Resilienz ihrer Betriebsabläufe zu stärken. Das ist das Ergebnis einer Studie des Capgemini Research Institute, das 400 Führungskräfte dazu befragte. Um Störungen in Zukunft zu vermeiden, wollen die Unternehmen verstärkt auf regionale Produktion und Lieferanten setzen. 72 % der Konsumgüterunternehmen und 58 % der Einzelhändler geben an, dass sie aktiv in die Regionalisierung ihrer Produktionsstätten oder die Verlagerung der Fertigung ins nahegelegene Ausland investieren. Jeweils mehr als 60 % investieren zudem in die Regionalisierung ihrer Lieferantenbasis.
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Seeschifffahrt
Nur etwa 1/3 aller Containerschiffe kamen im Januar 2021 pünktlich an den Häfen an. Wie eine Analyse von Sea-Intelligence zeigt, laufen die Schiffe tendenziell immer unpünktlicher ein. Bereits den sechsten Monat in Folge sank die Pünktlichkeitsquote bis
Brexit
zum Tiefstand Anfang des Jahres. Beim Vergleich
75 % der Unternehmen
der einzelnen Carrier schnitt laut Sea-Intelligence
sehen beim Handel mit dem Vereinigten Königreich
mit 46,3 % den zweiten Platz.
Hamburg Süd noch am besten ab: Dessen Schiffe waren in 46,5 % der Fälle pünktlich. Maersk belegte
die Zollbürokratie als größtes Geschäftsrisiko des Brexits. Dies zeigt eine Sonderauswertung der IHK-Umfrage Going International 2021. Darüber hinaus belegen Logistikprobleme und Rechtliche Unsicherheit / fehlende Planbarkeit aktuell Platz 2 und 3 in der Statistik. Zum wiederholten Male stehen die befragten Unternehmen darin dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs skeptisch gegenüber.
Nachhaltigkeit
Bis zu 151 Megatonnen CO2 sollen sich laut einer Bitkom-Analyse durch den gezielten und beschleunigten Einsatz digitaler Lösungen in den kommenden zehn Jahren einsparen lassen. Das entspricht rund einem Fünftel der heutigen CO2-Emissionen. Entscheidend sei laut Bitkom, wie konsequent die Digitalisierung bis 2030 vorangetrieben werde. So beziffert die Studie das CO2-Einsparpotenzial bei einer eher moderaten Entwicklung der Digitalisierung, wie sie aktuell in Deutschland stattfindet, auf rund 102 Megatonnen bis zum Jahr 2030. Untersucht wurden sieben Anwendungsbereiche digitaler Technologien, in denen ein besonders großer CO2-Einspareffekt erzielt werden kann: Industrielle Fertigung, Mobilität, Energie, Gebäude, Arbeit & Business, Landwirtschaft sowie Gesundheit. Zugleich wurde auch der CO2-Ausstoß analysiert, der von den digitalen Technologien selbst ausgeht. Dieser reduziert das Netto-Einsparpotenzial auf 129 Megatonnen CO2.
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3D-Druck
Nur noch um 7,5 % ist der weltweite Markt für Additive Fertigung im Jahr 2020 gewachsen. Damit scheint das rapide Wachstum im Bereich 3D-Druck an Dynamik zu verlieren. Die von Wohlers Associates veröffentlichte Studie zeigt massive Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Branche: In den vergangenen zehn Jahren konnte noch ein durchschnittliches Wachstum von 27,4 % festgestellt werden.
Künstliche Intelligenz Piraterie
2/3 der Unternehmen
Um 20 %
halten KI für die wichtigste Zukunftstechnologie. Bislang nutzen jedoch erst 8 % KI-Anwendungen, jedes vierte Unter-
erhöhte sich die Zahl der Piraten-Angriffe 2020 im
nehmen will investieren. Zu diesem Schluss kommt eine
Vergleich zum Vorjahr. Das International Maritime
Untersuchung des Digitalverbands Bitkom.
Bureau (IMB) führt diesen Anstieg in ihrem Jahres-
Für 62 % der 600 befragten Unternehmen bietet Künstliche
bericht auf eine wachsende Zahl von bewaffneten
Intelligenz Chancen für das eigene Geschäft, vor einem
Diebstählen vor allem in der Straße von Singapur
Jahr waren es erst 55 %. Der Anteil derjenigen, die vor
und im Golf von Guinea zurück. In letzterer Region
allem Risiken sehen, ist von 28 auf 23 % zurückgegangen.
sieht IMB-Direktor Michael Howlett „gestiegene
Jedes neunte Unternehmen (11 %, 2020: 14 %) glaubt,
Fähigkeiten“ von Piraten. Die gute Nachricht: Bei
dass KI keinen Einfluss auf das eigene Geschäft hat.
den Angriffen, die vergangenes Jahr an das IMB
Unternehmen, die sich aktuell nicht mit Künstlicher Intel-
gemeldeten wurden, gab es unter den Crewmitglie-
ligenz beschäftigen, nennen dafür als wichtigste Gründe
dern keine Todesopfer. Allerdings kam es zu neun
fehlendes Personal (49 %), fehlende Zeit (47 %) und
Verletzten und 34 Geiselnahmen.
fehlende finanzielle Mittel (46 %).
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Nachhaltigkeit
Mehr als 50 % der europäischen Unternehmen, die in einer Studie der Kühne Logistics University (KLU) befragt wurden, verfügen bereits über eine nachhaltige Logistikstrategie oder sind zumindest in der Einführungsphase einer solchen. Die Studie zeige laut den Herausgebern, dass der sogenannte „Dekarbonisierungsprozess“ der europäischen Logistik auf einem guten Weg ist. Ziel des Prozesses ist ein niedrigerer Umsatz von Kohlenstoff. Die Corona-Pandemie hat auf die Nachhaltigkeit laut den Analysten keine Auswirkung.
Impressum Herausgeber: AEB SE Sigmaringer Str. 109 70567 Stuttgart www.aeb.com ISSN 2363-6831 Verantwortlich für den Inhalt: Jens Verstaen Redaktion: Stephanie Kollmann, Jens Verstaen Layout: Fiore Gmbh, www.fiore-gmbh.de Druckerei: Druckerei Raisch GmbH + Co. KG Auchtertstraße 14 72770 Reutlingen www.druckerei-raisch.de Auflage: 4.100 Stück Fotos/Grafiken: alles © AEB SE außer: © Adient Ltd. & Co. KG (S. 1, 4, 6, 8, 9, 13) © luismolinero - stock.adobe.com (S. 2) © fotomek - stock.adobe.com (S. 2) © kues1 - stock.adobe.com (S. 2) © jeson – stock.adobe.com (S. 10) © vadimborkin – stock.adobe.com (S. 10) © Ivonne Wiering – stock.adobe.com (S. 14) © Maksym Yemelyanov– stock.adobe.com (S. 14)
Lieferketten
62 % der Unternehmen ziehen eine Suche nach neuen Lieferanten langfristig in Erwägung. Dies ergab eine Studie von Euler Hermes zu den Auswirkungen und Konsequenzen der Corona-Pandemie auf bestehende Lieferketten. Länder in derselben Zollunion oder desselben Freihandelsabkommens stehen dabei besonders im Fokus. Die Unternehmen gaben für einen eventuellen Wechsel jedoch unterschiedliche Gründe an. Darunter nicht nur die Reduzierung von Verzögerungen, sondern auch die Verbesserung der Margen.
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mann: Winfried Kretsch ist „Protektionismus kein Erfolgsrezept“
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