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AnachB 07.2020 Bestände weltweit im Griff – bei Fahrradreifenspezialist Ralf Bohle

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Magazin f ür Supply Chain Management. Außenw ir tschaf t. Und IT. Juli. 2020

Der Fahrradreifenspezialist Ralf Bohle optimiert seine Supply Chain

Wie sich Unternehmen auf Außenwirtschaftsprüfungen vorbereiten

Exportkontrolle im grenz­überschreitenden ­Online-Handel

Wie lassen sich Verträge ­ für agile IT-Projekte ­gestalten?

AEB Media ▪ www.aeb.com/AnachB ▪ ISSN 2363-6831 ▪ 12 Euro

Bestände weltweit im Griff


Schluss mit dem ganzen

Fachchinesisch Wissen, das weiterführt – verständlich und unterhaltsam: AnachB. Magazin für Supply Chain Management. Außenwirtschaft und IT.

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So machen Sie Ihre Stammdaten zum Erfolgsfaktor

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1 ▪ 12 Euro dia ▪ ISSN 2363-683

mann: Winfried Kretsch ist „Protektionismus kein Erfolgsrezept“

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Jul i.2

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Editorial

Über Elche, Unvernunft und Recht & Gesetz Liebe Leserinnen und Leser, die Covid-19-Pandemie hat die Politik extrem gefordert. Und diese hat zu großen Teilen geliefert. Eine „Legislative in Rekordgeschwindigkeit“ war das Ergebnis. Wie erfolgreich die verabschiedeten Gesetze sind? Das werden die nächsten Wochen und Monate zeigen. Über die Sinnhaftigkeit von Gesetzen wird sowieso oft gestritten. Das zeigen bei „Corona“ die Anti-Lockdown-Demonstrationen. Und generell gibt es Regelungen, deren Zweck man durchaus in Frage stellen sollte. Warum gibt es in Kanada zum Beispiel ein Gesetz, das es verbietet, lebendige Elche aus einem Flugzeug zu stoßen? Sowohl bei Anti-Lockdown-Demonstrationen als auch beim Elcheaus-dem-Flieger-Schubsen wäre meiner Meinung nach gesunder Menschenverstand von Vorteil. Dabei machen Gesetze und rechtliche Regelungen in den meisten Fällen durchaus Sinn. Allerdings kann der Weg dorthin herausfordernd sein, wie unser Beitrag zur Vertragsgestaltung in agilen Projekten auf Seite 22 zeigt. Denn wie lässt sich vertraglich regeln, was noch nicht konkret definiert ist? Ebenfalls eine Herausforderung: Die Regelungen für das zukünftige Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien. Denn auch wenn das „Brexit-Thema“ aufgrund der Dauerbeschallung mit Pandemie-Schlagzeilen aus der medialen Berichterstattung weitestgehend verschwunden war: Beide Parteien verhandeln weiter. Eine Einschätzung dazu lesen Sie auf S. 18. Überhaupt steht diese AnachB sehr im Zeichen von Recht & Gesetz. So berichten wir auf S. 42 über den Fall eines Chemikalienhändlers, der wegen eines vermeintlichen Exportkontroll-Verstoßes ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten war. Und auf S. 40 zeigen wir, was bei Reihengeschäften beachtet werden sollte. Da soll noch mal einer sagen, juristische Themen seien trocken und langweilig :-). Ich wünsche Ihnen eine erkenntnisreiche und unterhaltsame Lektüre. Ihr

Jens Verstaen, Chefredakteur AnachB


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In der Supply Chain des Fahrrad­ reifenspezialisten Ralf Bohle läuft es nach einer Reorganisation richtig rund. Großen Anteil daran hat ein neues IT-System, das nicht nur die Lagerprozesse optimiert, sondern die Bestandstransparenz in der gesamten Lieferkette erhöht. S. 6

Der Brexit ist Realität, doch wie das zukünftige Verhältnis zwischen EU und Großbritannien aussehen wird, ist weiter ungewiss. Ein Kommentar von Carsten Bente zu dem was war – und was noch kommt. S. 18

Wie verändert die Digitalisierung das Thema Führung? Welche Erwartungen haben Unternehmen? Und welche die Mitarbeiter? AEB hat Antworten auf diese Fragen mit außergewöhnlichen Mitteln gesucht. S. 26

Es ist ein Dauerbrenner-Thema in der AEB-Community: Wie müssen Reihengeschäfte abgewickelt werden? Wir erklären zoll- und umsatzsteuerrecht­liche Regelungen an einem Beispiel. S. 40

Eine Außenwirtschaftsprüfung kann jedes Unternehmen treffen. Wir erläutern die Hintergründe und geben Praxistipps, um diese Herausforderung erfolgreich zu meistern. S. 30

Ein Chemikalienhändler wird angezeigt, weil er waffenfähige Chemikalien nach Syrien geliefert haben soll. Der Fall zeigt, wie komplex das Thema Exportkontrolle sein kann. AnachB erläutert die Fallstricke. S. 42


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Inhalt

E-Commerce soll schnell und einfach gehen – auch über Grenzen hinweg. Wie aber passt das mit Exportkontrollprüfungen zusammen, die oftmals viel Zeit benötigen? Tipps, wie Sie das scheinbar Unvereinbare unter einen Hut bekommen. S. 14

Agiles Projektmanagement ist bei IT-Vorhaben in Logistik und Außenwirtschaft auf dem Vormarsch. Das bringt besondere Herausforderungen bei der Vertragsgestaltung mit sich: Wie kann ein Vertrag aussehen, wenn der Leistungsgegenstand noch nicht konkret definiert ist? S. 22

Der Softwareanbieter SAP hat die Wartung für SAP® Business Suite 7 und damit auch die Frist für den Umstieg auf SAP S/4HANA® verlängert. Also abwarten? „Zeit zu handeln“, meint AEB-Experte Markus Strohm. Worauf es dabei ankommt, erläutert er im Interview. S. 36

Das Einreihen von Waren in den Zolltarif ist zeitaufwendig und fehleranfällig: In einem Workshop diskutierten Experten, wie Künstliche Intelligenz den Prozess vereinfachen kann. S. 48

Case Study Wie eine neue Software das Lager- und weltweite Bestandsmanagement bei Ralf Bohle optimiert

06

E-Commerce & Exportkontrolle Welche Besonderheiten sind beim Online-Handel in Sachen Trade Compliance zu beachten?

14

Brexit Was war? Was kommt? Ein Kommentar von Carsten Bente

18

Agiles Projektmanagement Wie können Verträge aussehen, wenn der Leistungsgegenstand nicht konkret definiert ist?

22

Digitalisierung & Führung Was macht Digitalisierung mit Führung? Und wie sollten Unternehmen darauf reagieren?

26

Außenwirtschaftsprüfungen 30 Was tun, wenn der Prüfer kommt – und wie können sich Unternehmen vorbereiten? Interview zu SAP S/4HANA® Frist verlängert, Handlungsbedarf bleibt: Warum Unternehmen jetzt starten sollten

36

Praxisfrage 1 aus der AEB-Community Wie müssen Reihengeschäfte rechtlich korrekt abgewickelt werden?

40

Endverwendungszweck-Prüfung Der Fall eines deutschen Chemikalienhändlers zeigt die Fallstricke

42

Covid-19 Eindrücke aus dem AEB-Arbeitsalltag in der Krise

46

Tarifieren mit Machine Learning Wie kann Künstliche Intelligenz den Einreihungs-Prozess erleichtern?

48

Praxisfrage 2 aus der AEB-Community Konsequenzen der Huawei-Sanktionen

51

Zahlen, bitte Aktuelle Zahlen und Fakten in aller Kürze

52

Impressum

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Supply Chain Management

Bestände weltweit im Griff Die Marke „Schwalbe“ ist bei Fahrradfreunden aus aller Welt ein Synonym für höchste Qualität, nicht zuletzt durch den ersten „unplattbaren“ Fahrradreifen, den „Schwalbe Marathon Plus“. Genauso gut wie die Schwalbe-Reifen rollt es nach einer Reorganisation auch in der Supply Chain des Fahrradreifenspezialisten Ralf Bohle GmbH. Großen Anteil daran hat das Warehouse Management System von AEB, das eine wichtige Rolle in der neuen IT-Landschaft übernimmt.


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Forschung und Entwicklung in Deutschland, Produktion

Der Produktionspartner lieferte aus seinen Werken in

in Asien, Lager für 3.500 Produkte in Asien und Europa,

Indonesien und Vietnam Reifen und Schläuche in das Logis-

Kunden in 69 Ländern auf allen Kontinenten: In der Wert-

tikzentrum in Reichshof (DE) sowie die Lagerstandorte in

schöpfungs- und Lieferkette des Familienunternehmens

den Niederlanden, Großbritannien und Nordamerika. Von

Ralf Bohle GmbH mit Sitz im Oberbergischen Reichshof

dort aus wurden dann die Kunden versorgt. Das zentrale

gibt es an Komplexität wahrlich keinen Mangel. Zumal

Lager in Reichshof übernahm hierbei auch einen Teil der

die Ansprüche der Kunden hoch sind. Fahrradhersteller

Versorgung der kleineren Lagerstandorte.

sowie Groß- und Einzelhändler erwarten von den etab-

Die Nachteile des alten Supply-Chain-Designs: Es gab

lierten Marken „Schwalbe“ und „Impac“ nicht nur hohe

keine Möglichkeit, Bestellungen zentral zu priorisieren

Qualität, sondern eine entsprechende Lieferfähigkeit und

und zu optimieren und dadurch die Losgrößen in der

Performance.

Produktion hocheffizient zu steuern. Außerdem fehlte es an einigen Stellen der Supply Chain an Transparenz über die Bestände. Eine Rückverfolgbarkeit auf Sendungsebene

Grundlegende Veränderungen in Supply Chain und IT-Landschaft

gab das System nicht her.

Um diesen Kundenanforderungen weiterhin effizient

Zwei neue Zentralläger in Asien dienen dem Vorstau

und zu besten Kosten gerecht zu werden, beschlossen die Verantwortlichen bei Bohle im Jahr 2016 grundlegende Veränderungen – sowohl in der physischen Logistik als auch

Seit der Neustrukturierung liefert der Produktionspartner

in der IT-Landschaft. Beides ist eng miteinander verknüpft.

in zwei Zentralläger in Indonesien und Vietnam, die von

„Ein ERP-System und ein WMS gleichzeitig zu einem Stichtag auszutauschen, ist so, wie eine Herz- und eine Lungentransplantation gleichzeitig durchzuführen.“ Maik Kuttig, Global Warehouse Manager, Ralf Bohle

Vor der Umstellung, die nach intensiven Vorarbeiten

Logistikdienstleistern betrieben werden. „In diesen Lägern

in verschiedenen Projektteams in 2018 abgeschlossen

findet der Vorstau statt. Sie dienen als Nachschub für alle

wurde, war der Lieferprozess folgendermaßen organisiert:

anderen Läger. Gleichzeitig werden viele große Kunden

Vier Bohle-Gesellschaften platzierten ihre Bestellungen

direkt von dort beliefert“, erklärt André Bösinghaus, Head

unabhängig voneinander beim Produktionspartner, dem

of Logistics bei der Ralf Bohle GmbH. Bohle entschied

koreanischen Familienunternehmen Hung-A.

sich zu einer Aufstockung der weltweiten Lagerkapazitä-


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ten von 26.200 Palettenplätzen auf heute 44.000. Grund für das Investment: Dem Produktionspartner sollte eine Optimierung der Losgrößen in der Herstellung ermöglicht werden, ohne dass Bohle an Lieferfähigkeit einbüßt.

ERP- und WMS-System gleichzeitig ausgetauscht Gleichzeitig setzte das Traditionsunternehmen auf eine Optimierung der Liefer- und Bestellprozesse. Dazu investierte der Fahrradreifenspezialist in die IT. Das gesamte ERP-System wurde ausgetauscht – und infolgedessen auch das Warehouse Management System. Besonders wichtig war es laut Bösinghaus, die bisher nicht koordinierten Bestellungen der vier Bohle-Gesellschaften zu konsolidieren. „Wir haben eine „Headquarter-Ebene“ in den Bestellprozess eingezogen, die eine klare Priorisierung bei Bestellungen und eine Warensteuerung aus Konzernsicht ermöglicht“, sagt der Logistik-Chef. Die Tochtergesellschaften platzieren ihre Bestellungen jetzt über diese Ebene. Diese priorisiert die Aufträge und steuert die Orders – und zwar auf Basis transparenter Bestände. Bestandsführendes System ist das von AEB gelieferte Warehouse Management System (WMS), das mit dem ERP-System synchronisiert wird. Auch die Bestände in den von Dienstleistern bewirtschafteten Zentrallägern werden regelmäßig im WMS abgeglichen und summarisch an das ERP-System übermittelt, sodass auf Konzernebene vollständige Bestandstransparenz erreicht werden konnte.

Der Tire Tracker verfolgt Sendungen um die ganze Welt Um über die reinen Lagerbestände hinaus vollständige Auftrags- und Bestandstransparenz zu bekommen, müssen die Bohle-Logistiker zudem diejenigen Bestände verfolgen, die in der Luft, auf Schiffen, der Straße oder der Blick in ein Logistikzentrum von Ralf Bohle: Mit der Erhöhung der Lagerkapazitäten konnten die Losgrößen in der Herstellung optimiert werden.

Schiene transportiert werden. Das ist keine zu vernachlässigende Größenordnung. Mehr als 100 Container mit Schwalbe-Fahrradreifen sind ständig unterwegs: von der Produktion in die Zentralläger in Asien, zur Zentrale in


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Reichshof, zu den Lägern der drei Tochterunternehmen

Chain von Bohle ist nur eine Seite der Medaille. Auch in

Schwalbe Nederland, Schwalbe UK und Schwalbe North

der täglichen Lagerpraxis in Reichshof-Wehnrath bewährt

America oder als Direktlieferungen ab Zentrallager an

sich das WMS aus dem Hause AEB. Um die Lagerbelegung

Kunden. Auch hierbei greift Bohle auf Software von AEB

optimal zu gestalten, führten die Verantwortlichen um

zurück: AEB Supply Chain Collaboration, die Visibility

Global Warehouse Manager Maik Kuttig und Lagerleiter

& Collaboration Platform des Stuttgarter Anbieters,

Klaus Ludwig auf Basis der Auftragsdaten eine ABC-­

speist sich aus Statusinformationen, die sowohl von den

Analyse und eine XYZ-Analyse durch.

Lagerlogistik-Dienstleistern als auch den Frachtführern elektronisch zur Verfügung gestellt werden. Außerdem werden Planungs- und Ist-Daten zum Auftragsstatus, z. B. Auftragseingang, Kommissionier- und Versandstatus, für die Auftragsverfolgung gewonnen. Die Bohle-Logistiker bekommen dadurch ein noch genaueres

WMS hat sich in der Lagerpraxis bewährt Bei der ABC-Analyse wurden die Bestände je nach Umschlag-

Bild über den Auftragsfortschritt und wo sich die Ware

häufigkeit in drei Kategorien klassifiziert. Die XYZ-Analyse

gerade befindet.

sortierte die Bestände nach Bedarfsschwankungen über

Von dieser Lösung sollen zukünftig auch die Bohle-

das Jahr. Das Ziel war eine Wegeoptimierung im Lager

Kunden profitieren. Unter dem Namen „Schwalbe Tire

als Grundvoraussetzung für hohe Effizienz in den Lager-

Tracker“ wird dann den Bohle-Kunden ein bisher im

prozessen. Gemäß der Klassifizierung ordnet das WMS

„Die neuen Strukturen zeigen Wirkung. Wir können voraus­ schauender und gezielter produzieren. Und wir schaffen für unsere Kunden eine bessere Lieferperformance und einen besseren Lieferservice.“ André Bösinghaus, Head of Logistics, Ralf Bohle

Reifengeschäft einzigartiger Service angeboten. Bei allen

eingehende Ware einem Lagerplatz zu. Ausgelagert wird

Sendungen, die von Asien oder von Reichshof aus direkt

wahlweise pickzahloptimiert, lagerplatzabbauend oder

an Großhändler, OEM oder Einzelhändler gehen, kann

nach dem Prinzip First in – First out. Die Entscheidung

der Kunde sehen, wo sich die Ware aktuell befindet und

trifft die Lagerleitung anhand von Kapazitäts- und Lager-

wann sie geliefert wird.

platzauslastung. Das Logistikzentrum Reichshof-Wehn-

Doch die Rolle des Warehouse Management Systems

rath verfügt über sechs Kommissionierplätze, an denen

als ein sehr wichtiger Bestandteil der weltweiten Supply

jeweils zwei Mitarbeiter pro Schicht arbeiten. Das System


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Die Firmenzentrale von Ralf Bohle GmbH in Reichshof-Wehnrath bei Köln.

berechnet, welches Team den kürzesten Weg zur Ware hat.

der Sendungen sicherstellen will. Als Grundlage werden

Unterstützt werden die Kommissionierer durch moderne

bereits während der Produktion in Asien die Reifen mit

mobile Datengeräte im Smartphone-Look. „Die Mitarbeiter

einem Single-Barcode versehen, der alle produktions­

mögen die modernen Oberflächen und das Arbeiten mit

basierten Daten enthält. Diese Einzelbarcodes werden bei

Apps. Das kennen sie ja auch aus dem privaten Bereich“,

der Verpackung in Gebinde unter einem Masterbarcode

sagt Lagerleiter Klaus Ludwig.

gebündelt. Schnittstellen sorgen dafür, dass auch die Informationen zusammengeführt werden können – für

Masterbarcode ist der Schlüssel zur Rückverfolgbarkeit

Bohle ist es dadurch jederzeit ersichtlich, welcher Kunde welche Reifen bekommen hat. Bei der Kommissionierung wird jeder Masterbarcode, den ein Kunde erhält, vom WMS-System automatisch oder

Nach der Herstellung der Reifen in den Werken in Asien

durch erneutes Scannen ermittelt. Für jedes Gebinde

werden diese verpackt und es wird auf Gebindeebene

gibt es einen klaren Übergang. „Wir haben gemeinsam

ein individueller Barcode pro Packstück generiert. Neu

mit AEB eine Lösung geschaffen, die erheblich zu einer

eingeführte Prozessschritte sorgen dafür, dass dieser

Optimierung der gesamten Supply Chain beiträgt und

Masterbarcode die Ware über die gesamte Logistikkette

strukturiertes Arbeiten im Tagesgeschäft ermöglicht“, sagt

begleitet. Der Grund ist, dass man bei Bohle als Basis

Maik Kuttig, der als Projektleiter für die Implementierung

für das Qualitätsmanagement die Nachverfolgbarkeit

der Logistiksoftware zuständig war.


Ralf-Bohle-Reifenproduktion in Asien: Pro Jahr werden Ăźber 14 Mio. Reifen gefertigt.


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Wie eine Herz- und Lungentransplantation

Vergleich zwischen klassischem und agilem Vorgehen fällt

Um diese Optimierung zu erreichen, floss in der Projektphase

leicht. Ihr Fazit: „Man kommt mit dem agilen Vorgehen

bei allen Beteiligten einiger Schweiß. „Ein ERP-System und ein WMS gleichzeitig zu einem Stichtag auszutauschen,

erst in der Endphase mit der Lösung in Berührung. Der Nadja Rosa aus dem Bohle-Projektteam dennoch nicht relativ schnell zu Ergebnissen. Es muss einem aber klar sein, dass später noch vieles nachgearbeitet werden muss.“

ist so, wie eine Herz- und eine Lungentransplantation gleichzeitig durchzuführen“, bringt Global Warehouse Manager Maik Kuttig die Herausforderung auf den Punkt.

Termin gehalten, Ziele erreicht

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts: Die enge Kopplung von ERP- und WMS-System sowie der Logistik-­

Auf jeden Fall hielt das Projektteam den Termin. Zum

­IT der Zentrallagerbetreiber mit insgesamt mehr als acht

Jahreswechsel 2017/2018 wurden die alten Systeme abge-

kommunizierenden Systemen und eng abgestimmter

schaltet und die neue IT hochgefahren. Was folgte, war

Prozesslogik an den Nahtstellen. Sie forderte Bohle-­

ein intensives Finetuning, das der hohen Komplexität des

Mitarbeitern, Beratern und Entwicklern in der Einfüh-

Gesamtprojektes geschuldet war. „Diese kritische Phase

rungsphase aber auch alles ab.

haben wir dank des außergewöhnlichen Engagements der

„Priorität hatte nicht nur die Inbetriebnahme der Einzel-

beteiligten Teams gemeistert“, erinnert sich Bösinghaus.

prozesse. Genauso wichtig war bei allen Beteiligten

Dabei schließt er auch das AEB-Projektteam ein, das mit

das Verständnis für das Zusammenspiel der einzelnen

hoher Vor-Ort-Präsenz wirkungsvoll unterstützte.

Komponenten. Nur damit lassen sich Prozessschritte und

Mittlerweile läuft der gesamte Prozess – und die erwünsch-

Datenflüsse vollständig harmonisieren. Das galt auch für

ten Aspekte stellen sich ein. „Die neuen Strukturen zeigen

alle wesentlichen Sonderprozesse und Fehlerfälle“, erläutert

Wirkung. Wir können vorausschauender und gezielter

AEB-Projektleiter Dr. Jochen Fuhrmann.

produzieren. Und wir schaffen für unsere Kunden eine bessere Lieferperformance und einen besseren Liefer­ service“, zieht der Logistik-Chef ein positives Fazit.

Umstellung unter Zeitdruck Erschwerend hinzu kam, dass gerade die Einführung des WMS unter erheblichem Zeitdruck stattfand. „Normalerweise arbeitet Bohle bei IT-Projekten klassisch. Wir erstellen ein Pflichtenheft, das der IT-Dienstleister strukturiert abarbeitet“, sagt Kuttig. Doch dafür fehlte diesmal die Zeit. In Abstimmung mit Dr. Fuhrmann entschied sich das Bohle-Projektteam für ein agiles Vorgehen. Die AEB-­ Projektentwickler um Moritz Jung und Till Protzek konzentrierten sich zunächst auf die Hauptprozesse, die sie in mehreren Sprints programmierten. „Der Vorteil beim agilen Vorgehen ist, dass die echten Probleme früher im Projekt hochkommen, als es bei einem klassischen Projekt der Fall ist“, sagt Moritz Jung. Nach jedem Sprint wird das Ergebnis zusammen mit den Nutzern getestet – und falls notwendig angepasst. Bei den meisten klassischen Projekten dagegen kommen die Nutzer

Der Autor: Björn Helmke hat wahrscheinlich schon mehr als 100 Läger in seiner Journalisten-Laufbahn besucht. Bei der Ralf Bohle GmbH überzeugten ihn nicht nur die operativen Prozesse vor Ort, sondern vor allem wie smart sich die Logistikzentren in die weltweiten SupplyChain-Prozesse und Informationsflüsse integrieren.


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E-Commerce

Der illegale Warenkorb E-Commerce soll schnell und einfach gehen – auch über Grenzen hinweg. Wie aber passt das mit Exportkontrollprüfungen zusammen, die oftmals viel Zeit benötigen? Tipps, wie Sie das scheinbar Unvereinbare unter einen Hut bekommen.

Auf diese Zahlen ist der Bundesverband E-Com-

recht überschaubar. Nach Angaben des Beratungs-

merce und Versandhandel (bevh) mächtig

und Research-Institutes IFH Köln generieren

stolz: Auf 72,6 Mrd. Euro ist der Brutto-­Umsatz mit Waren im E-Commerce im Jahr 2019 gestiegen. Das

die deutschen Unternehmen im B2B-Geschäft über Marktplätze, Websites und Online-Shops 320

entspricht einem Plus von 11,6 % gegenüber 2018, wie

Mrd. Euro. Davon gehen 180 Mio. Euro auf das Konto

der Verband Anfang des Jahres 2020 mitteilte.

des güterbasierten Internethandels von Industrie und

Doch verglichen mit dem E-Commerce-Markt im

Großhandel. Auch das Wachstum von durchschnittlich

Geschäftskundenbereich (B2B) sind die bevh-Zahlen

mehr als 15 % jährlich seit 2012 ist beeindruckend.


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Grenzüberschreitender Handel „Der B2B-E-Commerce-Markt ist weit-

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Eines jedoch haben die beiden E-Commerce-Formen gemeinsam. Im grenzüberschreitenden Handel ist E-Commerce längst nicht so unkom-

aus komplexer als der Online-Handel

pliziert wie von Herstellern und

mit Endverbrauchern (B2C). Zwischen

Handel gewünscht. Im B2C-Han-

Geschäftskunden bestehen häufig

del müssen sich Händler und

längerfristige Geschäftsbeziehungen

Konsumenten mit Logistik- und

mit immer wiederkehrenden Käufen.

Retourenproblemen, Zollfragen und sicheren Zahlungswegen

„Auch im E-Commerce muss ein Unternehmen die Prozesse so gestalten, dass genug Zeit für alle erforderlichen Prüfungen bleibt.“ Dr. Ulrike Jasper, AEB SE

beschäftigen. Im B2B-Geschäft gibt es zumindest für außenhandelserfahrene Unternehmen

unbe-

diese Probleme nicht. Allerdings müssen die im Offline-­Handel etablierten Geschäftsprozesse an den Online-Kanal angepasst werden.

kannter K u n d e in

einem

B2B-Webshop ein Dual-Use-Gut wie beispielsweise einen Frequenz­

Zeit ist entscheidender Faktor

umwandler auswählen, eine Lieferadresse in einem Drittland angeben und mit Kreditkarte zahlen. Bonität vorausgesetzt, könnte mit wenigen

Dass dies keineswegs trivial ist, zeigt

Klicks ein rechtsverbindlicher Kauf-

Dennoch erwarten auch die B2B-­

das Beispiel Exportkontrolle und Sank-

vertrag zustande kommen. Ergeben

Kunden bequeme Online-Bestellmög-

tionslistenprüfung. Viele Unternehmen

sich später außenwirtschaftsrecht­

lichkeiten, die sie aus ihrem privaten

haben sich hier auf die klassische

liche Hindernisse, kann der Verkäufer

Leben kennen“, vergleicht Hansjürgen

Geschäftsabwicklung mit einer langen

Heinick, B2B-E-Commerce-Experte

Anbahnungs- und Verhandlungsphase

des ­IFH Köln.

eingestellt. Dabei bleibt normalerweise

Zeit. Auch im E-Commerce muss ein

ausreichend Zeit, Informationen über

Unternehmen die Prozesse so gestalten,

diesen Vertrag nicht erfüllen. „Für die Exportkontrolle benötigt man

den Kunden und seinen Bedarf zu

dass genug Zeit für alle erforderlichen

sammeln. Die Prüfung von Sank-

Prüfungen bleibt“, sagt Rechtsanwältin

tionslisten, Embargos und Geneh-

und AEB-Expertin Dr. Ulrike Jasper.

migungspflichten verursacht damit

Grundlage dafür sei ein intelligentes

normalerweise keine Verzögerung

Zusammenspiel der an der E-Com-

der Belieferung – eine zeitgemäße

merce-Lösung beteiligten Systeme.

Softwareunterstützung vorausge-

Dies sind in aller Regel der Webshop

setzt. All das kann parallel zu den

und das ERP-System und/oder ein

kaufmännischen und logisti-

CRM-System. In diese IT-Landschaft

schen Prozessen erfolgen. In der

kann Software zur Sanktionslisten­

schnelllebigen E-Commerce-­

prüfung und Exportkontrolle intelli-

Welt w ird die Zeit zum

gent eingebunden werden. Dennoch

entscheidenden Faktor. Theoretisch kann sich ein bis dato

sollten sich Unternehmen zu diesen vier Themen Gedanken machen.


Sanktionslistenprüfung bereits im Webshop

Überlegungen im Vorder-

Die Prüfung der CFSP-Liste schafft

Lieferungen in bestimmte

Rechtssicherheit nach dem EU-Recht – das gilt auch im E-Commerce. Bereits mit Eingabe der Adressdaten kann

grund. Aber es ist zumindest eine Überlegung wert, Länder auch wegen bestehender Wirtschaftssanktionen nicht anzubieten.

im Hintergrund ein automatisierter Abgleich mit den hinterlegten Sank-

Dual-Use-Güter raus aus Webshops?

US-Reexportrecht

erst nach einer Registrierung frei. Die

Sollte man exportkontrollrelevante

Es gilt online wie offline: Wenn Sie

bei der Registrierung hinterlegten

Güter überhaupt in Webshops

Adressdaten sind dann Basis einer

handeln? Das ist grundsätzlich

im Hintergrund angebundenen Sank­

möglich. Erforderlich sind aller-

tionslistenprüfung.

dings umfassende organisatorische

tionslisten erfolgen. Viele Webshop-Betreiber schalten im B2B-Bereich den Zugang zum Webshop

Maßnahmen, die die Vorgaben der EG-Dual-Use-VO 428/2009 sicher-

Beschränkung von Lieferländern

stellen. Dazu gehört in erster Linie die Beachtung der bei der Ausfuhr von Dual-Use-Gütern bestehenden

Viele Webshops ziehen eine klare Grenze, wenn es um Lieferländer geht. Dabei stehen oftmals logistische

Genehmigungspflicht.

mit US-Produkten im Sinne der EAR (Export Administration Regulations) handeln, unterliegen diese den einschlägigen US-Bestimmungen. Einen Überblick über die Prüfpflichten des US-Exportkontrollrechts haben wir in der AnachB Nr. 02.2018 (erhältlich im Online-Kiosk: https://issuu.com/ aeb-software) veröffentlicht. Auf jeden Fall empfiehlt es sich, das Thema mit Exportkontrollrechtsexperten zu klären.

Der Autor: Björn Helmke hat als begeisterter Online-Shopper die Probe aufs Exempel gemacht und versucht, online eine als Dual-Use-Gut gelistete Chemikalie für eine Adresse in einem der dubioseren Staaten dieser Welt zu bestellen. Er scheiterte grandios nach Eingabe der Lieferadresse – der Chemiehändler hatte seine Aufgabe in Sachen Exportkontrolle gemacht.


Brexit

Hope for the best, prepare for the worst Nach mehr als 3,5 Jahren Verhandlungen ist der Brexit Realität. Das Tauziehen um den EU-Austritt des Vereinigten Königreichs mag oftmals wie eine unterhaltsame TV-Sitcom gewirkt haben. Dabei ist der Brexit alles andere als lustig, geht es doch um uns, die europäischen Bürger, um die europäische Wirtschaft, die europäische Politik und unsere Zukunft.


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Juli.2020

19

Am Ende ging es relativ schnell: Nachdem Boris John-

VK würden Zölle und ein erheblicher Aufwand für Zoll­

son am 12. Dezember 2019 mit absoluter Mehrheit die

formalitäten anfallen. Die britische Zollverwaltung geht

Neuwahlen gewonnen hatte, verabschiedeten das britische

davon aus, dass sich die Zahl der Zollanmeldungen von

Unterhaus sowie auch das House of Lords im Dezember

derzeit 55 Mio. pro Jahr auf 255 Mio. fast verfünffachen

2019 und Januar 2020 mehr oder weniger reibungslos das

würde.*

Brexit-Gesetz. Und auch die EU stimmte letztendlich dem

Der Brexit hat zudem zur Folge, dass das VK den Zugang zu

Austrittsvertrag zu.

allen Freihandelsabkommen der EU verliert. Ursprungser-

Damit ist mit dem 31. Januar 2020 das Vereinigte König-

zeugnisse der EU, die Vormaterialien mit „Ursprung im VK“

reich nicht mehr Mitglied in der Europäischen Union. Doch

enthalten bzw. ursprungsbegründend im VK hergestellt

die notwendige Planungssicherheit für Unternehmen mit

wurden/werden, gelten nach rechtlicher Auffassung der

internationalem Warenverkehr lässt weiter auf sich warten.

EU während der Übergangsphase noch als Ursprungs­

Wird es ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum in Schott-

erzeugnisse der EU.

land geben? Welche Ergebnisse werden die Verhandlungen über die künftigen Beziehungen zwischen der EU und dem Vereinigten Königreich (VK) liefern?

No-Deal hätte Schockwirkung Ein No-Deal-Brexit-Szenario zum Ende der Übergangszeit am 31. Dezember 2020, der die Wirtschaftlichkeit einiger Handelsbeziehungen mit dem VK in Frage stellen würde,

„Für die britische Wirtschaft und für die der übrigen EU-Staaten ist der harte Brexit der Worst Case.“

ist nicht vom Tisch. Dieses Szenario würde zusätzliche Grenzkontrollen und erhebliche Auswirkungen auf die Lieferketten für produzierende Unternehmen und den Handel mit sich bringen. Eine Analyse von AEB auf Basis von Branchenzahlen zeigt: Einige der wichtigsten britischen Schlüsselindustrien sind engstens mit Kunden und Lieferanten aus der EU verfloch-

Beschaffungsstrategien auf dem Prüfstand

ten. Eine Zwangsentflechtung durch einen kurzfristigen No-Deal-Brexit hätte zum einen eine vorübergehende

Es ist unwahrscheinlich, dass alle Freihandelspartner dem

Schockwirkung, würde aber auch langfristige strukturelle

zustimmen. Somit besteht die Gefahr, dass ausgestellte

Nachteile mit sich bringen.

bzw. ausgefertigte Ursprungsnachweise für Erzeugnisse mit Vormaterialien mit „Ursprung im VK“ in einigen

Anzahl Zollanmeldungen wird massiv steigen

Freihandelspartnerländern bereits in der Übergangsphase als nicht konform angesehen werden könnten und für die Inanspruchnahme einer Präferenzbehandlung in diesen Ländern nicht mehr anerkannt werden.

Für die britische Wirtschaft und für die der übrigen

Aus Sicht der Wirtschaftsbeteiligten in der EU disqualifiziert

EU-Staaten ist der harte Brexit der Worst Case. Für den

sich somit das VK als Beschaffungsmarkt für Waren, die

Warenverkehr zwischen den EU-Mitgliedstaaten und dem

für den präferenziellen Handel mit Drittländern in Frage

* Quelle: Guidance Note der EU, DG, TAXUD – „Withdrawal of the United Kingdom and Customs Related Matters.“


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20

kommen. Betroffene Unternehmen in

würden sich nach einem Brexit bzw.

der EU werden ihre Beschaffungsstra-

dem Ablauf des Austrittsabkommens

tegien überdenken und britische Liefe-

ohne erhebliche Anpassung der Lager-

ranten durch Lieferanten in anderen

kapazitäten schwer abbilden lassen.

EU-Mitgliedstaaten ersetzen. Dieser

Das würde aber mit deutlich höhe-

Prozess hat bereits begonnen.

ren Kosten einhergehen. Denn nicht

Wie also bereiten Unternehmen ihre

umsonst haben moderne Produktions­

Supply Chain und Logistik auf die

netzwerke in den letzten Jahren die

Brexit-Szenarien vor? Der Einsatz

Bestände kontinuierlich reduziert. Eine

eines Zolllagerverfahrens, der aktiven

Verlagerung diverser Produktions­

und/oder passiven Veredelung, dem

standorte aus dem VK in die EU wird

gemeinsamen Versandverfahren kann

die Folge sein.

Juli.2020

die negativen Auswirkungen eindämmen, setzt aber Fachkompetenz und Bewilligungen voraus. Verfahren wie Carnet ATA für die vorübergehende

Eigene Lieferkette überprüfen

Verwendung sind hilfreich, um bspw. Reparaturaufträge oder Messen im

Die Vorbereitung auf den Brexit

VK effizient abzuwickeln. Allerdings:

erfordert in einem ersten Schritt die

Mindestens 130.000 britische Unter-

Beurteilung, inwieweit das eigene

nehmen werden sich erstmalig mit

Unternehmen betroffen ist. Hierzu

Zollprozeduren auseinandersetzen

ist die Abstimmung zwischen allen

müssen.

betroffenen Abteilungen, u. a. des Einkaufs, des Vertriebs, der Zoll-,

Transportlogistik: Überlastung droht

der Rechts-, der Konstruktions- und Finanzabteilung, notwendig. Aber auch der Dialog mit den Lieferanten, den Kunden und den eigenen Partnern

Eine Herausforderung bahnt sich auch

der Transportdienstleistungsbranche

bei der Transportlogistik an. Nicht

ist unerlässlich. Nur so lassen sich die

nur der Großteil der Transporte mit

unternehmensspezifischen Risiken

dem VK, sondern auch die Mehrheit

des Brexits identifizieren.

der Transporte von Irland zum euro-

Die Unternehmen werden am stärksten

päischen Festland und vice versa wird

von einem Hard-Brexit betroffen sein,

per Lkw über die Fährverbindung

der zu einem Handel nach den Regeln

Dover/Calais bzw. den Euro-Tunnel

der WTO führt. Daher empfehlen

abgewickelt. Sollten die Transportwege

zahlreiche Wirtschaftsverbände, die

zwischen dem VK und der EU durch

Bundesregierung, sowie die Industrie-

Zoll­kontrollen in Zukunft ständig über-

und Handelskammern den Unterneh-

lastet sein, könnten viele Unternehmen

men dringend, die Vorbereitungen auf

die Fertigung im VK überdenken.

einen No-Deal-Brexit voranzutreiben.

Denn Just-in-time- und Just-in-­ Getreu dem Motto: „Hope for the best, sequence-Produktionsprozesse

prepare for the worst.“

Der Autor: ​Carsten Bente ist Senior Consultant bei der AEB SE. Er hat den Brexit von Anfang an permanent begleitet und sich dazu intensiv mit Praktikern, Wissenschaftlern und Politikern ausgetauscht. Bente war und ist zu diesem Thema gefragter Autor und Referent etwa bei IHK-Seminaren, Export-Akademien und Kongressen. Der Beitrag ist zuerst am 11. Februar 2020 in „Entrepreneur“ erschienen, dem Wirtschaftsmagazin der Unternehmensberatung Roedl & Partner. Mehr Informationen und den Originalbeitrag gibt es unter www.roedl.de.


Wenn Ihre Versandsoftware die Wahl Ihrer Transportpartner einengt, heißt es dann für Sie „Augen zu und durch“? Carrier Connect von AEB ist die Versandsoftware für maximale Flexibilität bei der Transportpartner-Wahl. Mit über 150 verfügbaren Speditionen und KEP-Diensten. Mit mehr als 200 Services. Immer up-to-date mit den passenden Versandlabels, den richtigen Routingdaten und der korrekten EDI für jeden Carrier. Damit Ihre Waren weltweit gut ankommen.

www.aeb.com/carrier


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Juli.2020

Agiles Projektmanagement

Agile Vertragsgestaltung. Geht das überhaupt? Agiles Projektmanagement ist bei IT-Vorhaben in Logistik und Außenwirtschaft auf dem Vormarsch. Das bringt besondere Herausforderungen bei der Vertragsgestaltung mit sich: Denn wie kann ein Vertrag aussehen, wenn der Leistungsgegenstand noch nicht konkret definiert ist?

Langer Planungszeitraum und ein komplexer Projektverlauf – die Einführung einer neuen Software ist oftmals eine nicht alltägliche Herausforderung. Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein progressiver Ansatz eine sinnvolle Alternative zur klassischen Vorgehensweise sein, die sich in der Entwicklung von Individualsoftware bereits etabliert hat. Und so nutzt laut einer Untersuchung des Digitalverbands Bitkom bereits jedes zweite deutsche Unternehmen im IT-Bereich agile Konzepte wie Scrum für die Abbildung seiner Geschäftsprozesse. Dabei schätzen die Firmen vor allem qualitativ bessere Projektergebnisse

Individualität agil abbilden Vor allem in den Bereichen Logistik

erleichtert, sondern auch Spaß macht. Und hilft, Fehler zu reduzieren und die Effizienz zu erhöhen“, so Seineke.

und Intralogistik sind in IT-Projekten agile Vorgehensweisen interessant. Dort muss im Endeffekt zwar immer ein Produkt zum Versand gebracht werden,

Rechtssicherheit ist unentbehrlich

aber der Weg vom Lager zum Warenausgang kann hochindividuell sein. „Um

Bevor es allerdings mit einem agilen

diese Individualität abzubilden, setzen

Projekt losgehen kann, stehen auch hier

Unternehmen oftmals in bedeutenden,

erst einmal Vertragsverhandlung und

sehr speziell geprägten Prozessen

-gestaltung an. „Um Rechtssicherheit

auf maßgeschneiderte IT-Lösungen

und eine Leitlinie bei der Entwicklung

statt auf Standardsoftware“, erklärt

zu haben, sind auch bei agilen Projekten

Marcus Seineke, Account Manager

Verträge unentbehrlich“, erklärt der

beim Softwareanbieter AEB. AEB gestaltet, unter Einsatz von agilen

Roland Wanner in seinem Blog.

Schweizer Projektmanagement-­Experte

Methoden, zusammen mit dem Kunden

„Natürlich will der Auftraggeber auch

lere Umsetzung von Projekten (50 %),

eine einmalige Lösung, passend auf

bei agilen Projekten die wesentlichen

das frühzeitige Erkennen und Reagie-

dessen Bedürfnisse. Dabei kommen

Eckpunkte eines Softwareprojekts

ren auf Probleme (47 %) sowie die

Standardkomponenten ebenso zum

bereits im Vertrag definiert haben“,

höhere Flexibilität im Projekt (41 %)

Einsatz wie zugeschnittene Apps für

sagt Marcus Seineke. Dazu zählt, einen

sind Argumente, die für den Einsatz

die Benutzer. „Das Ergebnis ist eine

Fahrplan für den Projektverlauf vorzu-

agiler Methoden sprechen.

Software, die nicht nur die Arbeit

geben, die finanziellen Risiken für

(72 %), so die Studie. Auch eine schnel-


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Planungssicherheit zu minimieren

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ab. Denn Umfang und Ausprägung der

Eine mustergültige Antwort auf diese

und weitestgehend Sicherheit für beide

angestrebten IT-Lösung sind gerade zu

Frage gibt es nicht – ebenso wenig

Parteien zu schaffen.

Beginn noch nicht konkret festgelegt.

wie einen Standardvertrag, der auto-

Kein One-size-fits-all

Meist existiert davon nur eine grobe Ziel-

matisch für die unterschiedlichsten

vorstellung, eine Vision. Zu Beginn des

Ausprägungen agiler Projekte passt.

Projektes lassen sich damit Funktionen,

Meist sind sowohl Elemente eines

Meilensteine oder gar die finale Lösung

Werkvertrags als auch Bausteine des

Allerdings weichen Verträge in agilen

nicht vertraglich festhalten. Wie also

Dienstvertrags in der Vereinbarung

Projekten oft vom Aufbau und der

lässt sich der Leistungsgegenstand eines

enthalten. „Es gibt keinen Standard

Handhabung von denen in „normalen“

agilen Projekts vertraglich definieren?

für eine agile Vertragsgestaltung“, unterstreicht auch Lüder de Riese, der bei T-Systems als Chapter Lead SC&M Production Java fungiert. „Bei klassischen Projekten ändern sich als Faustregel etwa 2 % der Anforderungen pro Monat. Je agiler ich von Anfang an arbeiten kann, umso schneller kann ich auf diese Änderungen reagieren.“

Agiler Festpreis: Mischform aus Festpreis, Teilprodukten und Flexibilität Auch wenn es keinen Standard-­Vertrag für solche Projekte gibt, liegen doch Konzepte für agile Verträge vor, die Hinweise und Tipps für die Praxis liefern. Ein Beispiel ist etwa der agile Festpreis. Dessen wesentliches Merkmal ist es, dass der Kunde nicht die Arbeitszeit des Softwareanbieters einkauft, sondern weitestgehend konkrete Teilprodukte, wie der Berater Boris Gloger für das Magazin Informatik Aktuell schreibt. Innerhalb des Projektmanagements seien Termine und Kosten fixiert, während der Umfang variabel bleibt. Der Softwareanbieter entwickelt daher so viele Teilprodukte, wie in dem vorgegebenen Rahmen möglich sind. Der Kunde entscheidet, was für ihn essenziell und was verzichtbar


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ist. Natürlich versucht man, dem zu

tigste wird zuerst entwickelt und

Beginn angedachten Ergebnis so nahe

fertiggestellt. Daher besteht das

wie möglich zu kommen.

Projektteam, bei dem letztlich die

Unentbehrliche, nicht optionale Teil-

Entscheidung liegt, was entwickelt

produkte, werden in der Regel zuerst

wird, aus Umsetzern beim Kunden

entwickelt, um zu gewährleisten, dass

und Lieferanten. Diese sollen den

das gewünschte Produkt einsetzbar

Fokus auf die wirklich benötigten

ist. Die Änderungen finden in der

Funktionalitäten sicherstellen und

Regel dort statt, wo es Spielräume

beispielsweise gegen imageträchtige

gibt. Dabei gilt immer: Das Wich-

Funktionen verteidigen.

Juli.2020

Min-Max-Methode zur Absicherung Ein wichtiger Aspekt des agilen Festpreises: Teillieferungen werden mit einem konkreten Preis versehen. Der Kunde kauft ein Produkt basierend auf der Anzahl der Teile, die er pro Zeiteinheit bekommt. Auf diese Weise definieren sich eine Reihe von „Mini-Festpreisen“. Beim agilen Festpreis gibt es diverse Modifikationen (siehe Tabelle rechts). Das Modell „Aufwand mit fixierter Obergrenze“ kennt Marcus Seineke aus der Praxis. Hier hat Seineke in Sachen Vertragsgestaltung mit einem sogenannten „Min-Max-Modell“ gute Erfahrungen gemacht. Dabei wird für eine Mindestanforderung ein Maximal-Preis festgelegt: „In einem initialen Workshop bestimmen wir gemeinsam mit dem Kunden einen gewissen Funktionsrahmen. Daraus ergeben sich erste Apps und Anwendungen, für die wir konkret werden. Diese Mindestanforderung entwickeln wir zu einem festgelegten Maximalpreis oder im Idealfall günstiger“, sagt Seineke.

Rahmenvertrag mit Teilprojektverträgen als Alternative? Ein alternatives Vorgehen beschreibt Rechtsanwalt Niklas Plutte auf seiner Website. Der Experte für IT-Recht empfiehlt im ersten Schritt das Aufsetzen eines Rahmenvertrages. Hier werden die dienstvertraglichen Elemente des Projekts erfasst. Die definierten Sprints dienen als Teilprojektverträge, um die werkvertraglichen Inhalte abzubilden. „Im Gegensatz zu manchem Vorurteil


Qualitätsrisiko

Preisüberhöhungstendenz

Gewinnchance

Verlustrisiko

Auftragssicherheit

Abnahmeaufwand

Kalkulationstransparenz

Wasserfall-Vorgehen

Agiles Vorgehen

++

——

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++

++

—

Aufwandspreis

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——

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+

Aufwand mit Obergrenze

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——

——

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++

—

+

+

Mehrstufiger Festpreis

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+

+

++

+

+

+

Anforderungseinheitspreis

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—

+

Agiler Festpreis

++

++

++

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+

++

++

—

+

Quelle: https://www.arocom.de/fachbegriffe/agiler-festpreis

Schätzsicherheit

Festpreis

Preismodell

Aspekt

Verhandlungsaufwand

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Anforderungsflexibilität

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Budgetsicherheit

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Tabelle: Gegenüberstellung und Bewertung der verschiedenen Preis- und Vertragsmodelle

in der Wirtschaft ist Agilität nicht mit

ursprünglichen Anforderungen. Damit

Vertrauen ist dabei nicht nur in die Bezie-

Beliebigkeit oder mit unbestimmtem

lassen sich die weiteren Aufwände

hung zum Softwareanbieter notwendig,

Handeln gleichzusetzen“, meint Matthias

genauer kalkulieren.

sondern ebenso intern beim Auftrag-

Kieß, Managing Director beim Soft-

geber bzw. Anwenderunternehmen.

ware-Spezialisten AEB SE in Stuttgart.

„Wenn die Geschäftsführung bzw. der

„Ein agiles Projekt ist sehr stringent aufgebaut, in straffe Zyklen unterteilt mit klarer Rollenverteilung auf beiden Seiten.“ Diese Rollenverteilung gilt es

Verträge brauchen Freiraum

Einkauf den eigenen Projektleitern vertraut, entfallen beispielweise bei entsprechender Gestaltung der Leis-

„Agile Verträge brauchen mehr oder

tungsvereinbarung aufwändige Change

im Vertrag zu beschreiben, ebenso wie

weniger Freiraum, um sich an ändernde

Requests“, erklärt T-Systems-Experte

die Vision des Projekts.

Bedingungen anpassen zu können“,

Lüder de Riese. Diese seien im Zweifels-

Plutte rät zudem: „Halten Sie im Vertrag

meint auch Roland Wanner. „So entste-

fall kostspieliger und aufwändiger als eine flexible Handhabung des Budgets.

fest, in welcher Form die Absprachen

hen neue Möglichkeiten. Die Risiken, die

aus den Projekt-Meetings und die Teil­

durch diesen Freiraum in der Zusam-

ergebnisse aus den Sprints protokolliert

menarbeit jedoch entstehen, müssen

werden. Definieren Sie, welche Wirkun-

die Vertragsparteien berücksichtigen.“

gen die Protokolle und Änderungen auf

Matthias Kieß ist überzeugt: „Die

die Dokumentation des Projekts haben.“

Währung für ein erfolgversprechen-

Idealerweise werden Änderungen und

des agiles Vorgehen ist gegenseitiges

Erkenntnisse auch im Vertrag dokumen-

Vertrauen.“ Dieses hilft in der Praxis,

tiert – der Vertrag als „Living Document“,

auch unplanbare Situationen zu meis-

der sich dynamisch entwickelt. Mit

tern. Denn wie detailliert Verträge auch

jeder iterativen Verbesserung verfei-

gestaltet werden – sie können nie jede

nern Kunde und Softwareanbieter die

Eventualität berücksichtigen.

Der Autor: Alexander Beisse arbeitet als Journalist und Kommunikationsberater und hat sich auf IT- und Softwarethemen spezialisiert. Sein letztes agiles Projekt hat er gemeinsam mit seinem Internet-Provider durchgezogen. Eine einfache Tarifumstellung hat ihm ein elfseitiges Vertragswerk mit erstaunlichen „Nebenabsprachen“ beschert. Um künftig für alle Unwägbarkeiten im Kleingedruckten gewappnet zu sein, lässt er seine Nichte nun Jura studieren.


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Führung und Digitalisierung

„Es braucht Aufwand, Mut und Veränderungsbereitschaft“ Wie verändert die Digitalisierung das Thema Führung? Welche Erwartungen haben Unternehmen? Und welche die Mitarbeiter? Der Softwareanbieter AEB diskutierte diese und weitere Fragen mit einer interaktiven Ausstellung. Dr. Ulrich Lison, Initiator der Ausstellung, erklärt, warum das Thema so wichtig ist und was die Ausstellung bewirkt hat.

AnachB: Lieber Uli, du bist als Portfoliomanager bei AEB tätig und verantwortest die Produktstrategie rund um das Thema Außenwirtschaft. Gehört denn das Organisieren von Ausstellungen zu deinen Aufgaben? Oder ist „Führung“ eines deiner zentralen Themen? Dr. Ulrich Lison: Wenn eine Ausstellung hilft, dass wir mit allen Kolleginnen und Kollegen ein so wichtiges Thema wie Führung diskutieren können, organisiere ich diese gerne mit. Denn das Thema gewinnt gerade in Zeiten der Digitalisierung immer mehr an Bedeutung, auch für AEB. Daher begleiten und unterstützen wir kontinuierlich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Rahmen von Fortbildungen und Workshops. Auch ich beschäftige mich schon lange damit, was die Digitalisierung für das Führungsverständnis für Unternehmen und jeden Einzelnen bedeutet. Was waren die Gründe, die AEB zu diesem Projekt

Dr. Ulrich Lison und weitere AEB-Mitarbeiter diskutierten in einem „AEB Talk“ ihr Verständnis von Führung.

bewegt haben? Ausschlaggebend war, dass wir das Thema mal ganz anders

Unternehmen anzustoßen. Mit einem physischen Raum,

angehen wollten, um eine möglichst breite Diskussion im

Haptik und unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich mit


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Man sieht in den Fotos, dass eure Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Installation agieren können. Wie kamt ihr auf die Idee? Die ursprüngliche Idee zur Installation entstand in einem Führungsworkshop. Ein kleines Projektteam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen hat diese Idee aufgegriffen, gemeinsam mit einem externen Mediendesigner in ein Konzept umgewandelt und letztendlich die Umsetzung organisiert.

An unterschiedlichen Stationen konnten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen schildern, wie sie Führung (er)leben.

dem Thema auseinander zu setzen. Für jeden sollte es einen passenden Zugang geben, um das eigene Führungsverständnis zu reflektieren, mit anderen zu diskutieren und in einen offenen Dialog zu gehen. Wie habt ihr dann eure Ideen in der „Führungsinstallation“ umgesetzt?

An einer Fotowand konnten unterschiedliche Motive zum Thema Führung ausgewählt und kommentiert werden.

Die Installation bestand insgesamt aus vier unterschiedlichen Stationen. Mittels eines Fadenseismografens konnten

Eine solche Installation zur Führung ist ja eine

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über unterschiedliche

äußerst kreative Art, sich diesem Thema zu nähern.

Thesen abstimmen, etwa ob Führung jeder übernehmen

Ist die AEB grundsätzlich offen für neue Wege des

kann oder ob Führung klare Hierarchien und Rollen braucht.

Führens und Arbeitens?

An einer Fotowand konnte man Bilder auswählen, die man

Natürlich machen wir uns laufend Gedanken, wie Arbeiten

mit dem Thema Führung verbindet. In einem One-Pager

und damit auch das Thema Führung bei AEB jetzt und

ließ sich beschreiben, was einem generell beim Thema

in Zukunft aussehen sollte. Dazu tauschen wir uns nicht

umtreibt. Und Videostatements, beispielsweise eines

nur mit allen AEB-Kollegen, sondern auch mit anderen

Dirigenten, eines Feuerwehrmanns und einer Zollleiterin

Unternehmen und Institutionen aus. Und natürlich sind

brachten neue Blickwinkel und Impulse.

wir immer offen für neue Ideen und Ansätze.

Zudem gab es Führungen durch die Ausstellung und

Diese müssen aber zu unserer Unternehmenskultur

begleitende Veranstaltungen. Wichtig war uns aber auch,

passen, die sich meiner Einschätzung nach deutlich von

dass sich Menschen sowohl ganz allein als auch in der Inter-

klassischen Unternehmen unterscheidet. Basis ist dabei die

aktion mit anderen dem Thema Führung nähern können.

Überzeugung, dass Menschen aus einer eigenen, von innen


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in vielen Bereichen auch kein festes Regelwerk. Freiheit bei AEB umfasst beispielsweise die Fragen „was mache ich“, „wie mache ich es“ und „wann und wo arbeite ich“. Kannst du in wenigen Worten erklären, wie in der AEB neues und gutes Arbeiten gelebt wird und was dabei die Herausforderungen sind? Ich denke, diese Freiheit und auch viele andere Aspekte aus unserer Kultur würde man heute mit dem Etikett „New Work“ versehen. Für uns ist das etwas Selbstverständliches. Von daher leben wir meiner Meinung nach Ideen des neuen Arbeitens bereits seit längerem. Natürlich bringt unsere Unternehmenskultur dabei auch Herausforderungen mit sich. Und sie bedeutet mehr Verantwortung für jeden einzelnen. Für uns selbst, für die Mittels „Fadenseismograf“ wurde über unterschiedliche Thesen zum Thema „Führung“ abgestimmt.

Sache und für AEB. Als Mitarbeiter muss ich mich daher immer wieder hinterfragen: Wo habe ich den größten Wirkungsbeitrag für AEB? Wo passe ich als Mensch mit

kommenden Motivation arbeiten und jeder die Freiheit

meinen Vorstellungen und Erwartungen am besten dazu?

hat, zu sein und zu denken, wie er will. Daher haben wir

Wir wissen, dass diese Art herausfordernd ist und dass es

Die Installation im Atrium des AEB Headquarters.


Aufwand, Mut und Veränderungsbereitschaft bei einem selbst braucht, sich auf dieses System einzulassen. Aber dieser Aufwand lohnt sich. Als Softwareunternehmen sind wir auf diese Weise mittlerweile seit über 40 Jahre am Markt und sehr erfolgreich.

„Wir machen uns laufend Gedanken, wie Arbeiten und das Thema Führung in der Zukunft aussehen sollte:“ Wie war das Feedback aus den Teams und was macht ihr mit den Ergebnissen der Installation? Das Feedback und die Resonanz waren sehr positiv. Sehr viele Kollegen und Kolleginnen haben aktiv ihr Feedback abgegeben. Darüber hinaus haben sich noch weitere mehr mit ihrem Führungsverständnis in der Installation auseinandergesetzt. Die hohe Beteiligung und auch die Antworten aus der Installation zeigen: Das Thema ist wichtig. Und es wird deutlich, dass wir bei vielen Fragen ein gemeinsames Bild haben, es aber auch durchaus Themen gibt, wo die Meinungen deutlich auseinander gehen. Ausgewählte Themen werden wir daher in weiteren internen Veranstaltungen vertiefen. Zudem werden wir Inhalte aus der Installation in unser Culture Book einfließen lassen.

Das Interview ist zuerst bei „mittwochs online“ erschienen, einem Magazin rund um das Thema „gutes neues Arbeiten“. Dieses wird herausgegeben und kuratiert von Menschen von LES ENFANTS TERRIBLES – eine Schule, Initiative und Community, die sich mit New Work, der Zukunft von Arbeit beschäftigt und sich für gutes neues Arbeiten einsetzt. Mehr Informationen unter mittwochs.online.

Blick auf die Installation aus Richtung der AEB-Kantine. >


Außenhandel

Keine Panik vor der Prüfung Wer Dual-use Güter in Drittländer ausführt oder Embargoländer beliefert, rechnet mit der Außenwirtschaftsprüfung. Aber es kann auch Exporteure unkritischer Waren treffen, die wenig bis gar keine Erfahrung damit haben. AnachB stellt die wichtigsten Fakten und Praxistipps zusammen, um diese herausfordernde Zeit zu meistern.


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Freundlich sehen sie drein, sie sind handlich in der Größe

Ausführende Unternehmen bekommen davon nicht viel mit;

und knuffig anzuschauen. Für manche sind sie Kult, für

es sei denn, sie finden sich auf dem Prüfungsplan wieder.

andere einfach Kitsch: Über 25 Mio. Gartenzwerge zieren

Der Zoll als kontrollierende Instanz hält sich verständ-

die Vorgärten und Fensterbänke rund um den Globus. Sie

licherweise mit Details zurück. Nur so viel verrät Luise

stammen beispielsweise von einem Hersteller aus Thürin-

Hoppe von der Pressestelle der Generalzolldirektion: „Es

gen, der vornehmlich Händler in Deutschland, Österreich

handelt sich um eine risikoorientierte Auswahl. Die alleinige

und der Schweiz beliefert.

Betrachtung des Warenkreises reicht hierbei nicht aus.“

Das Unternehmen staunte nicht schlecht, als vor einiger

Zur Risikoeinstufung erklärt sie: „Die Parameter sind

Zeit eine Anordnung zur Außenwirtschaftsprüfung (AWP)

vielfältig, werden regelmäßig überprüft und angepasst.“

eingeht, die etwa auf Verstöße gegen Embargos oder

Im groben kommt der Prüfungsplan so zustande: Die Zoll­ verwaltung sammelt die Daten von Exportunternehmen – wie personenbezogene Stammdaten und verfahrensbezogene Daten aus Bewilligungen, Erlaubnissen, Zulassungen –

„Regelt das Zollrecht vor allem das Wie des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, so befasst sich das Außenwirtschaftsrecht zuerst mit dem Ob.“ Thomas Peterka, Diplom-Finanzwirt (FH) und Rechtsanwalt

und wertet sie risikoorientiert aus. Mit Ziffern von 1 bis 3 beschreibt der Zoll das Risikopotenzial eines Beteiligten: 1 steht für geringes, 2 für mittleres und 3 für hohes Risiko. Aus der Analyse ergeben sich Vorschläge, welche die Sach­ gebiete Abgabenerhebung und Prüfungsdienst abstimmen und in die jährlichen Prüfungspläne der über 40 Hauptzollämter (HZA) in Deutschland aufnehmen. Diese Planprüfungen machen circa 90 % aller Außenwirtschaftsprüfungen aus.

Wie sich Unternehmen verhalten sollten Dazu kommen eine geringe Zahl an Anlassprüfungen und etwa 10 % Zufallsprüfungen wie eben jene beim Garten-

Sanktionslisten abzielt: Was haben seine Tonprodukte mit

zwerg-Hersteller. „Diese Zufallsprüfungen dienen auch der

Waffen oder Terroristen zu tun? Nichts, attestiert ihm der

Korruptionsvorsorge: Kein Exporteur in Drittländer ist

Prüfer nach nur zwei Tagen vor Ort.

sicher vor der Außenwirtschaftsprüfung“, erklärt Thomas Peterka, Inhaber der Zollkanzlei Peterka in Hamburg. Etwa 1.500 Außenwirtschaftsprüfungen fanden 2018 statt.

Wie der Zoll plant

Er empfiehlt, eine Prüfung gut vorzubereiten – und das fängt mit der richtigen Einstellung an: „Im Außenwirt-

Das Hauptzollamt in Erfurt hatte den Zwerg-Hersteller

schaftsrecht geht es um Gesetze, die einzuhalten sind. Ein

zufällig ausgewählt unter den vielen Unternehmen mit

Unternehmen muss es dem Prüfer ermöglichen, das zu

regelmäßigen Ausfuhranmeldungen in Drittländer. Für

kontrollieren“, betont der Diplom-Finanzwirt (FH) und

die Auswahl nutzt die Zollverwaltung komplexe IT­­­

Rechtsanwalt. Dazu gehört ein fachkundiger Ansprechpart-

Systeme, um exportierende Unternehmen zu bewerten.

ner, der über den gesamten Prüfzeitraum zur Verfügung

Ein automatisiertes Monitoring von Ausfuhrprozessen und

steht. Ist dies nicht möglich, etwa wegen Urlaubsplanung,

Datenanalysen dient dazu, Risikoprognosen zu erstellen.

sollte ein neuer Termin angestrebt werden.


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Mit dem Prüfer kooperieren Wenn die Prüfung stattfindet, sollten Unternehmen

Juli.2020

im Bereich Außenwirtschaftsrecht bei AEB SE. So folgt ein Außenprüfer in der Regel der 4-Schritt-Methode aus der Exportkontrolle:

kooperativ mit dem Prüfer zusammenarbeiten, sodass dieser seine Arbeit effizient erledigen kann. Manuel Sieben von der AWB Rechtsanwaltsgesellschaft mbH/AWB

1. Sanktionslisten

Steuerberatungsgesellschaft mbH in Münster, empfiehlt Hier fragt der Außenprüfer nach dem Screening-­Verfahren und der Dokumentation. Wer Software wie AEB Compliance Screening nutzt, ist hier im Vorteil. Die Lösung gleicht

„Prüfer wollen den kompletten Zahlungsfluss einer Ausfuhr sehen. Unternehmen müssen eine Referenzierung abbilden, etwa durch einen elektronischen Prüfpfad.“ Manuel Sieben, Steuerberater und Prokurist

automatisch Personen und Unternehmen mit den hinterlegten Sanktionslisten ab und protokolliert die Prüfungen. Theoretisch ließe sich der Abgleich auch manuell ausführen mit der Web-Version der FiSaLis (Finanzsanktionsliste zur Ermittlung von Personen, Gruppen und Organisationen für die aufgrund einer Sanktion ein umfassendes Verfügungsverbot besteht). Aber der Aufwand mitsamt händischer Dokumentation dürfte für größere Kundenstämme kaum praktikabel sein.

2. Embargoländer etwa: „Es macht wenig Sinn, sich mit dem Prüfer vor Ort zu streiten. Denn die Entscheidung über Bußgelder bzw.

Im Fokus der Prüfung stehen Ausfuhren in sanktionierte

Strafen treffen andere. Nichtsdestotrotz ist es natürlich

Länder wie Russland oder Iran. Anhand ausgewählter

legitim, auch andere Rechtsauffassungen zu vertreten

Vorgänge lässt sich der Prüfer die nötigen Ausfuhrgeneh-

und diese auch kundzutun.“

migungen vorlegen und sieht gegebenenfalls die Verfah-

Wie lange die Außenwirtschaftsprüfung dauert, hängt

rensanweisungen zum Umgang mit Embargoregeln ein.

vom Prüfungsumfang, dem abgewickelten Volumen

Exporteure mit solchen Geschäftsbeziehungen nutzen

des Außenwirtschaftsverkehrs und der Warengruppen

in der Regel spezialisierte Software wie Export Cont-

ab. Besonders sensible Branchen kontrolliert der Zoll

rols von AEB. Dort sind Prüfroutinen hinterlegt, die zu

deutlich intensiver. Das kann durchaus mehrere Monate

beachtende Embargo­regeln melden. Auch potenziell heikle

dauern. Was geprüft wird, also den Prüfungsumfang,

Reihengeschäfte werden abgebildet, weil unterschiedliche

darüber enthält die übermittelte Prüfungsanordnung

Datenfelder für Empfänger und Käufer existieren.

erste Informationen – ebenso wie zu Rechtsgrundlage,

Beliefert ein Unternehmen solche Länder nicht, wie der

Zeitraum und Beginn.

oben genannte Hersteller von Gartenzwergen, ist dieser Schritt während der Außenwirtschaftsprüfung schnell abgehakt.

Die vier Schritte der Prüfung Beim Außenwirtschaftsverkehr lässt sich in etwa vorher-

3. Exportkontrolle

sagen, welche Vorgänge sich der Prüfer in welcher Abfolge anschaut. „Im Juristischen prüft man immer das Speziellere

Gegenstand der Prüfung sind Dual-use-Güter – auch wenn

vor dem Allgemeinen“, erklärt Dr. Ulrike Jasper, Juristin

sie laut EU-Statistik nur etwa zwei Prozent des gesamten


A NACH B

Juli.2020

Ausfuhrvolumens aus der EU ausmachen. Der Prüfer lässt sich in diesem Schritt z. B. das Verfahren für die

33

Wie der Datenzugriff erfolgt

Güterklassifizierung zeigen und sucht in Maschinenstück-

Zur Außenwirtschaftsprüfung müssen alle zollrelevanten

listen nach potenziellen Bauteilen. Zu den „Klassikern“

Unterlagen zur Einsicht bereitstehen. Wenn sie digital archi-

gehören bestimmte Ventile, Frequenzumrichter und

viert sind, braucht der Prüfer einen geeigneten Arbeitsplatz

Pumpen, die im verbauten Zustand unkritisch, aber

mitsamt Lesezugriff für die entsprechenden IT-Systeme.

als Handelsware bzw. als einzelne Ersatzteile geneh-

Das allein reiche jedoch nicht, meint Steuerberater Manuel

migungspflichtig sind.

Sieben: „Der Zoll erwartet heute einen elektronischen Prüfpfad, um alle Dokumente im Idealfall auf Knopfdruck

4. Verwendungszwecke

zu finden.“ Gerade die Verbindung zur Buchhaltung sei wichtig. „Wenn in der Ausfuhranmeldung ein Wert von 100.000 Euro steht, muss dieser auch im Kundenauftrag

Hier sucht der Prüfer nach Gütern für bestimmte Verwen-

sowie der Rechnung auftauchen und eingegangen sein“,

dungszwecke, die nur mit Genehmigung ausgeführt

so der Master of Customs Administration (MCA) und

werden dürfen.

Diplom-Finanzwirt (FH). Der Prüfpfad lässt sich über eine interne Referenznummer umsetzen. Das können beispielsweise im ERP-System vergebene Bestell-, Liefer- oder Rechnungsnummer sein. Wichtig sei auf jeden Fall, dass eine derartige ID eine Verbindung zwischen allen Unterlagen ermöglicht – etwa Lieferschein, Packliste, Frachtbriefe, Rechnungen und Ausfuhranmeldung.

Kontrollinstanzen und Bußgeldverfahren • Zuständige Behörde für Ausfuhrgenehmigungen: BAFA Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle. • Kontrollierende Instanz für Außenwirtschaftsvorgänge: Hauptzollämter (HZA)

• Sachgebiet B Abgabenerhebung:

Export Filing: ATLAS von AEB, die nicht nur den Alltag der Zollverantwortlichen, sondern auch die Prüfungssituation erleichtert. So kann der Nutzer relevante Unterlagen zum gewünschten Ausfuhrvorgang auf Knopfdruck abrufen und dem Prüfer zur Verfügung stellen.

beauftragt

Beim Thema Sanktionslisten unterstützt die Lösung AEB Compliance Screening: Sie gleicht die Stammdaten aus

Ausführendes Organ für Außenwirtschafts­

dem ERP-System mit den hinterlegten Sanktionslisten

prüfungen (AWP)

ab und dokumentiert die Ergebnisse in Protokollen, die

• Sachgebiet F Ahndung:

Für mehr Transparenz sorgt spezielle Zollsoftware wie

Planendes Organ, das Außenprüfungen intern • Sachgebiet D Außenprüfung:

Software kann helfen

Ausführendes Organ für Bußgeldverfahren, das

der Prüfer jederzeit einsehen kann. „Trotzdem ist jede Lösung nur so gut wie die eingespielten

nach dem Opportunitätsprinzip agiert: Ein Verfah-

Daten“, betont Dr. Ulrike Jasper. Dementsprechend häufig

ren kann eingeleitet werden, muss es aber nicht.

gebe es in Unternehmen Diskussionen zur Stammdaten-

• Strafverfolgende Instanz: Staatsanwaltschaft. Bei strafrechtlichen Vorfällen setzt der Prüfer die

qualität, wie Thomas Peterka weiß: „Bei Zoll und Außenwirtschaft verlassen sich alle Fachabteilungen auf die

Außenprüfung aus und übergibt den Fall an die

Zollkollegen. Dabei sind alle daran beteiligt einschließlich

Staatsanwaltschaft.

Einkauf, Buchhaltung, IT und Vertrieb.“


Praxisbeispiel Reihengeschäft

Stunden, die der Fall gebunden hatte. Häufig ginge es den Unternehmen weniger um die Höhe des Bußgeldes,

Manuel Sieben erlebte einen Problemfall mit einem

sondern um die Vermeidung eines negativen Eintrages

klassischen Reihengeschäft: Ein Maschinenbauer aus

bei der Zollverwaltung oder im Gewerbezentralregister.

Deutschland baute Motoren und verkaufte sie an einen ebenfalls deutschen Händler. Der veräußerte die Waren weiter an ein Unternehmen in den USA und bat den Hersteller, seine Motoren direkt an den Endabnehmer

Aus der Praxis: Dual-use-Gut falsch codiert

zu senden. Der Maschinenbauer kam dem nach und trug in 14

Thomas Peterka berichtet über ein Inhouse-Audit, in dem

Ausfuhranmeldungen im Feld 2: „Ausführer“ sich selbst

alte Exportvorgänge auf Fehler geprüft wurden. Bei einer

ein und nicht den Händler. Dies war aus Sicht der Zoll-

Handelsware wurde man fündig: Sie war vom Lieferanten

verwaltung mit der damals gültigen Ausführerdefinition

nicht als Dual-use codiert. Dem Bezieher war dies nicht

nicht vereinbar. Diesen Fehler bemerkte der Prüfer und

aufgefallen.

leitete den Fall ans Sachgebiet F: „Ahndung“ innerhalb

Um ein derartiges klassisches Organisationsverschul-

des Hauptzollamtes weiter.

den zukünftig zu vermeiden, erweiterte das auditierte

Die Juristen von AWB wurden eingeschaltet und konn-

Unternehmen seinen Einkaufsprozess um diese Schritte:

ten die Höhe des Bußgeldes noch verhandeln. Trotzdem

• grundsätzlich bei Lieferanten nachfragen,

stand eine Zahlung von 14 x 200 Euro an – zuzüglich des

• deren Aussagen auf Plausibilität prüfen und

Honorars für die externe Beratung und vieler interner

• zusätzliche Eigenprüfungen vornehmen.


Die Experten empfahlen zudem, künftig die Ausfuhran-

sollten Unternehmen in passende Software investieren und

meldungen stichprobenartig zu kontrollieren. „Eine

die eigene Organisation anpassen, um eine durchgängige

generelle Aussage zum Umfang der Stichproben lässt sich

interne Kontrolle der Ausfuhrvorgänge zu gewährleisten.

eigentlich nicht treffen, weil dies unternehmensspezifisch

Damit sollte dann kein Unternehmen mehr Panik vor

ist. 10 % zu überprüfen, dürfte aber ein guter Richtwert

einer Außenwirtschaftsprüfung haben.

sein“, meint Thomas Peterka. In anderen Fällen könne es sinnvoller sein, die komplizierten Fälle anzuschauen, wie komplette Anlagen oder Ausfuhren mit Sondereinträgen: „Jedes Unternehmen muss selbst ermitteln, wo die höchsten Fehlerrisiken liegen, und sie mit einem internen Kontrollsystem ausschließen.“

Die Autorin: Dipl.-Ing. Corinna Scholz ist Fachjournalistin in Hamburg und mit vielen Personen in Kontakt, die sich täglich mit Außenwirtschaft beschäftigen. Es erstaunt sie immer wieder, wie komplex sich die Thematik gestaltet und neue Perspektiven auftun.

Proaktiv handeln „Exportkontrolle ist ein heikles Thema, weil potenziell Gefängnisstrafen drohen. Das geistert durch viele Köpfe“, resümiert Dr. Ulrike Jasper. Die Rechtsanwältin empfiehlt, sich ausreichend Zeit einzuräumen, um aktuelle Entwicklungen und die Rechtsprechung zu verfolgen. Generell sei es ratsam, sich fachlich auf dem Laufenden halten – etwa auch durch Teilnahme an Seminaren. Zudem sollten Exporteure proaktiv handeln. Das können interne Audits vor einer Außenwirtschaftsprüfung sein, um Schwachpunkte bzw. Fehler aufzudecken und frühzeitig zu beheben. Wer über keine bis wenig Erfahrung in verfahrensrechtlicher Hinsicht verfügt, kann die Prüfung durch einen externen Spezialisten begleiten lassen. Weiter

Kurz erklärt: Zoll- und Außenwirtschaftsprüfung „Regelt das Zollrecht vor allem das Wie des grenzüberschreitenden Warenverkehrs, so befasst sich das Außenwirtschaftsrecht zuerst mit dem Ob“, erklärt Thomas Peterka von der Zollkanzlei Peterka. Die Zollprüfung betrachtet die Importseite und fokussiert auf fiskalische Aspekte wie Einfuhrabgaben. Hält ein Unternehmen die Vorschriften des Zollrechts nicht ein, kann das hohe monetäre Folgen haben, wenn der Zoll nicht nur Bußgelder verhängt, sondern auch Einfuhrzölle nacherhebt. Etwa 90 % aller Kontrollen durch den Zoll gehören dieser Prüfungsart an. Die Außenwirtschaftsprüfung beleuchtet die Exportseite. Das wirtschaftliche Risikopotenzial für das Unternehmen ist hier geringer, selbst wenn Verstöße mit Bußgeldern bis zu 30.000 Euro pro Fall bzw. mit maximal 3 Mio. Euro geahndet werden. Bei beiden Prüfungsarten drohen in schweren Fällen auch Haftstrafen.


SAP S/4HANA®

Mehr Zeit zu handeln Der Softwareanbieter SAP hat die Wartung für SAP® Business Suite 7 und damit auch die Frist für den Umstieg auf SAP S/4HANA® verlängert. Also abwarten? „Zeit zu handeln“, meint AEB-Experte Markus Strohm. Worauf es dabei ankommt, erläutert er im AnachB-Interview.

Neue Wartungs-Roadmap der SAP® Business Suite 7 31.12.2027 Ende der kostenlosen Mainstream-Wartung 2028 bis 2030 E xtended Maintenance für den Support in einer längeren Umstellungsphase: Aufschlag von zwei Prozent auf die bestehende Wartungsbasis ab 2028 Customer Specific Maintenance zur Lösung bereits bekannter Probleme bei unveränderten Gebühren. Kein Ablaufdatum definiert, jedoch auch keine Weiterentwicklungen inkludiert.

AEB-Experte Markus Strohm


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37

AnachB: Bis vor Kurzem sorgte der 31.12.2025

Viele Unternehmen haben beispielsweise das Präferenz-

bei den IT-Verantwortlichen für reichlich Druck.

management in SAP® ERP durch Eigenentwicklungen

An diesem Datum sollte der reguläre Support für

implementiert. Jetzt gilt es zu hinterfragen: Lohnt es sich,

SAP ERP enden. Ohne Mehrkosten ist jetzt Zeit

dieses Z-Coding mit in die neue SAP S/4HANA® -Welt

®

bis 2027 für die Migration auf SAP S/4HANA .

zu nehmen? Immerhin muss jede einzelne Erweiterung

Lohnt es sich abzuwarten, welche Neuerungen

an die neuen Daten- und Tabellen-Strukturen angepasst

die weiteren Releases beinhalten?

werden. Wenn S/4HANA® wirklich vieles flexibler machen

®

Markus Strohm: Im Gegenteil. Die DSAG hat in einer ersten

soll, funktioniert das nur, wenn der neue SAP-Standard

Reaktion empfohlen, die gewonnene Zeit umgehend zu

einen soliden Kern bildet, den die IT so wenig wie möglich

nutzen. Schließlich ist die Migration zu SAP S/4HANA®

anfassen muss.

mehr als ein IT-Projekt. Unternehmen haben durch die verlängerte Wartungsphase die Chance, bestehende

Welche Alternativen haben Unternehmen zur

Prozesse zu prüfen und anzupassen. Für solche Verän-

Eigenentwicklung?

derungen fehlt oft die Zeit – mit Blick auf S/4HANA ist

Als Erweiterungen für individuelle Bedarfe können

sie jetzt vorhanden.

oftmals Subsysteme und Business Services zum Einsatz

Wofür genau sollten Unternehmen die zusätzliche

Vorteil: Wir stellen alle Funktionen über modifika­

Zeit nutzen?

tionsfreie Standard-­Plug-ins zur Verfügung, die bereits

Ganz klar: Um rechtzeitig zu planen und die Transformation

für S/4HANA® freigegeben sind. Im AEB-Kundenportal

®

kommen, wie wir sie auch als AEB anbieten. Der große

zu einem gemeinsamen Projekt von IT und Fachbereichen

stehen dafür Basis- und Fachtransporte bereit, die bei

zu machen. Ein Teilnehmer eines unserer Online-Meet-

der Migration lediglich eingespielt werden müssen. Für

ups zum Thema hat einen Greenfield-Ansatz beschrieben

die Migration verlangen wir auch keine gesonderten

und berichtet, dass aus jedem Fachbereich eine Person

Lizenzgebühren.

involviert ist – als Process Owner und Sprachrohr zu

Plug-ins integrieren sich also einerseits nahtlos in ein

den Anwendern.

heutiges SAP® ERP und liefern direkt einen Mehrwert

Seine Erfahrung: Auch langjährige User schlagen in diesem

durch spezifische Prozessunterstützung. Andererseits

Kontext gerne Änderungen vor. Entscheidend ist, dass die

sorgen sie bei der Migration für Entlastung und unter-

Fachbereiche sich abgeholt fühlen. Ihre frühe und intensive

stützen auch in der neuen S/4HANA ® -Welt effektiv.

Einbindung ist aus meiner Sicht ein Schlüssel für einen

Quasi nebenbei kann damit auch die Akzeptanz für den

erfolgreichen Umstieg. Darüber hinaus lautet die Maxime:

Transformationsprozess erhöht werden – weil sowohl die

Innovation vor Transformation.

IT als auch der Fachbereich sofort profitieren.

Was ist damit gemeint?

Können Sie ein Beispiel skizzieren?

Innovationen sollten vor der Migration erfolgen – weil

Nach wie vor ist das Tarifieren von Waren für die Anwen-

danach oftmals wohl kein Budget und keine Ressourcen

der sehr aufwendig. In SAP S/4HANA® ändert sich durch

mehr vorhanden sein dürften für die Innovation. Mit Blick

das Launchpad zwar der Ansatz, die Möglichkeiten sind

auf Eigenentwicklungen halte ich es aber mit der SAP:

aber weiterhin beschränkt. 8- und 11-Steller, AL-­­Nummer,

Simplifizierung ist gefragt. Schließlich erhöht sich die

ECCN unter Unterlagencodierungen und intelligente

Veränderungsgeschwindigkeit immer mehr. Der Brexit,

Prozesse für den Jahreswechsel sind im Standard nicht

neue Freihandelsabkommen und Embargolisten sind im

verfügbar. Gleiches gilt für das Hinterlegen von ange-

Bereich Außenwirtschaft nur einige Beispiele.

passten Warenbeschreibungen für den Zoll. Unser Plug-in für die Tarifierung sorgt dafür, dass die aktuellen

Ist eine komplexe Modifikation des SAP-­Standards

Zolltarifnummern von 150 Ländern einfach ermittelt

weiterhin die richtige Antwort darauf?

werden können – in SAP® ERP und SAP S/4HANA®.­­


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Alle Außenwirtschaftsdaten stehen zentral zum Material zur Verfügung. Und in das Fiori Launchpad integriert sich unser Plug-in ebenfalls. Was bedeutet das für die Fachanwender? Die Anwender arbeiten einfach in der gewohnten SAP-­ Umgebung weiter und profitieren von automatisierten Recherchen. Die Genauigkeit der Vorschläge verbessert sich dank Machine Learning stetig. Weiterer Vorteil für Fachbereich und IT sind der Datenservice und die Jahreswechselfunktion. Wenn die Kombinierte Nomenklatur oder das Harmonisierte System angepasst werden, lassen sich die Zolltarifnummern mit einem Klick aktualisieren. Der Prüfaufwand, ob der eigene Artikelstamm betroffen ist, entfällt. Wie aufwendig ist die initiale Implementierung derartiger Plug-ins in SAP® ERP? Unabhängig vom SAP-System sind die Plug-ins aus technischer Sicht als Self-Service-Lösungen konzipiert: Unternehmen können sie einfach selbst einführen. Die Integration der AEB Plug-ins erfolgt über die User- bzw. Customer-Exits des SAP-Standards. Für die Implementierung bedeutet das: Transporte downloaden, einspielen und loslegen. Neben dieser Einfachheit schätzen unsere Kunden aber vor allem auch unsere Kompetenz sowohl im SAP-, als auch vor allem im Außenwirtschafts- und Logistikumfeld. Bei Bedarf findet sich unter den mehr als 500 AEB-Mitarbeitern für nahezu jedes Anliegen ein Experte. Das Interview führte Steffen Heritsch

Materialstamm in SAP ERP® und SAP S/4HANA®: In letzterem fehlen einige Felder, z. B. zur Präferenzermittlung.


SAP® ERP und SAP S/4HANA® im Quick-Check Außenhandel: Da fehlt doch was • E xport- und Import-Filing sowie Präferenzabwicklung nicht möglich • Pflege der Warennummer nicht automatisiert • Außenhandelsdaten stehen nicht in Belegen zur Verfügung, z. B. in Lieferungen und Faktura • Außenhandelsdaten fehlen dadurch auch in nachgelagerten Prozessen, z. B. im IDoc • Akkreditivabwicklung nicht mehr wie gehabt verfügbar

Plug & Play für SAP®

Logistik: Vieles wie gehabt, aber … • Die Kernfunktionen sind auch in SAP S/4HANA® verfügbar • Achtung: Wartungszusage für die Business Suite hat keine Auswirkung auf die Funktionen in SAP S/4HANA® • Beispiel: Transportbildung (LE-TRA) ist abgekündigt bis Ende 2025. Nur in SAP® ERP noch länger nutzbar. • Zielarchitektur anstatt der bisherigen Module: Extended Warehouse Management und Transport Management „Professional Versionen“ sind jeweils extra zu lizensieren.

Die Self Service Plug-ins für SAP liefern bereits heute in SAP® ERP genau die Funktionen, die in Außenwirtschaft und Logistik benötigt werden – und im SAP S/4HANA®-Projekt bilden sie den ruhenden Pol.

Global Trade • Zollabwicklung • Tarifierung und Klassifizierung • Präferenzkalkulation Alle Global Trade Funktionen für SAP® www.aeb/sap-globaltrade

Trade Compliance • Exportkontrolle • Sanktionslistenprüfung • Business Partner Screening Alle Trade Compliance Funktionen für SAP® www.aeb/sap-compliance

Unter Stro(h)m Spielerei ist hier nur der Titel: AEB-Experte Markus Strohm fühlt SAP® ERP und SAP S/4HANA® in Sachen Logistik und Außenwirtschaft auf den Zahn: Was im Standard möglich ist, wann sich SAP GTS® lohnt und welche Alternativen es gibt: www.aeb.com/unter-strohm

Logistik • 165+ Carrier in einem Rutsch anbinden • Label-Erstellung • Track & Trace Alle Logistik-Funktionen für SAP® www.aeb.com/sap-logistik


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Praxisbeispiel

Durchblick bei Reihengeschäften Wer soll die Ausfuhranmeldung bei einer Lieferung nach Mexiko aus Frankreich erstellen? Was ist aus umsatzsteuerlicher Sicht zu beachten? Ein Beispiel aus der Praxis gibt Tipps und Ratschläge.

Es ist ein Dauerbrenner-Thema in der

bestellt die Ware wiederum in Frank-

Außenwirtschafts-Community der AEB:

reich bei „C“ mit Incoterm EXW und

Die Abwicklung von Reihen­geschäften.

beauftragt ein Transport­unternehmen

Zollrechtliche und umsatzsteuerliche Regelungen

Das zeigt auch die folgende dort gestellte

damit, die Ware direkt von Frank-

Frage, anhand derer der Außenwirt-

reich nach Mexiko zu verbringen. Die

schaftsexperte Joachim Metzner und

Handelsrechnung wird von Deutschland

fassung zum Begriff des Ausführers

an Mexiko gestellt.

kann jedes beteiligte Unternehmen

AEB-Trainer Matthias Wenning wertvolle Tipps zum Thema geben. Das war der Sachverhalt:

Nach der neuen deutschen Rechtsauf-

In einer Schulung wurde erwähnt, dass

mit Sitz in der EU zollrechtlicher

das deutsche Unternehmen „B“ die

Ausführer sein. Das gilt im Extremfall

„Das Unternehmen „A“ aus

Ausfuhr nicht erstellen darf, da der

sogar für einen Spediteur mit Sitz in

Mexiko bestellt bei Unter-

Gestellungsort nicht in Deutschland

der EU. Die neue Regelung wurde

nehmen „B“ in Deutsch-

liegt. Das französische Unternehmen

unter anderem deshalb gewählt, weil

land mit Incoterm

„C“ will die Ausfuhr aber nicht melden,

man den beteiligten Unternehmen

DA P/CF R . Da s

denn dieses ist kein Vertragspartner

mehr Flexibilität in der praktischen

des Bestellers. Wer muss die Ausfuhr

Abwicklung verschaffen wollte. Die

denn dann erstellen?“

zollrechtlichen und umsatzsteuer­

deutsche Unterneh men „ B “


lichen Regelungen sind völlig unabhängig. Beginnt man aber

Ausführer aus zollrechtlicher Sicht?

Denn der Gestellungsort

Aus praktischen Gesichtspunkten wäre

Mit dem UZK wird es zwar zukünftig

mit der Umsatzsteuer, drängt sich dadurch die optimale zollrechtliche Lösung quasi auf.

Wer muss Umsatzsteuer berechnen?

liegt außerhalb der deutschen Zollhoheit.

es optimal, wenn „C“ als Ausführer

die „Zentrale Zollabwicklung“ (Art.

auftritt. Denn „C“ kann dann in Frank-

179, 263-276 UZK) geben, sodass

reich problemlos eine Ausfuhranmel-

ein deutsches Unternehmen auch

dung abgeben (mit dem Verkaufspreis

in ATLAS eine Gestellung in

von „C“ an „B“) und erhält automatisch

einem anderen EU-Land anmel-

auch den Ausgangsvermerk als Nach-

den kann, jedoch ist dies noch

Hier haben wir ein klassisches Reihen-

weis für die steuerfreie Lieferung. Nach

nicht umgesetzt. Außerdem

geschäft, bei dem der mittlere Unterneh-

der neuen Regelung des UZK ist es

wird dazu der AEO-C-Status

mer „B“ in Deutschland den Transport

(zollrechtlich) nicht mehr erforderlich,

benötigt und voraussichtlich

organisiert. Nach dem Grundsatz der

dass der Ausführer den Vertrag mit

auch eine entsprechende

deutschen Rechtsauffassung und auch

dem Unternehmen im Drittland hat.

Bewilligung. Wie schon zuvor

nach der seit 1. Januar 2020 geltenden

Die Parteien sind insoweit frei in ihrer

erwähnt kann „B“ natürlich in

EU-Regelung (die sogenannten Quick

Gestaltung.

Frankreich einen Dienstleister

Fixes regeln nur Reihengeschäfte inner-

Wenn „B“ als Ausführer auftritt, muss

mit der Erstellung der Ausfuhran-

halb der EU) ist die „bewegte“ Lieferung

„B“ (im Regelfall vertreten durch einen

(d. h., die Lieferung, die steuerfrei sein

Bevollmächtigten) in Frankreich die

kann) die Lieferung (= der Verkauf) von

Ausfuhranmeldung abgeben und

„C“ an „B“. „C“ hat also die steuerfreie

erhält den Ausgangsvermerk. Diesen

Ausfuhrlieferung; „B“ hat dann einen

Ausgangsvermerk muss „B“ (bzw. der

nicht steuerbaren Umsatz, da der Ort

Bevollmächtigte von „B“) an „C“ als

der Lieferung für „B“ dort ist, wo die

Nachweis für die steuerfreie Ausfuhr

Versendung endet (also in Mexiko bei

weiterleiten. Schon aus umsatzsteuerli-

„A“). Bei dieser umsatzsteuerlichen

cher Sicht ist es also für „C“ von Vorteil,

Variante, die eindeutig die einfachste

wenn er selbst als Ausführer auftritt.

Lösung ist, berechnen „C“ und „B“ keine Umsatzsteuer. Theoretisch wäre es auch möglich, dass

Wer darf ABD erstellen?

„B“ aktiv nachweist, dass er als Lieferer auftritt (mehr Aktivitäten auf der

Noch eine kurze Erklärung zu dem

Vertriebsseite als im Einkauf – Einkauf

Hinweis aus dem Reihengeschäft-­

ab Werk, Verkauf DAP/CFR). Dann

Fallbeispiel, der aus der Schulung

wäre die Lieferung von „B“ an „A“ die

stammt. Dort hieß es, dass das deutsche

bewegte Lieferung. „B“ hätte dann eine

Unternehmen das ABD nicht erstel-

steuerfreie Ausfuhrlieferung und „C“

len „darf“: Richtig müsste es heißen,

müsste „B“ französische Umsatzsteuer

dass „B“ das ABD nicht innerhalb von

berechnen. Dass das keiner will, ist

ATLAS (also in Kommunikation mit

logisch. Deshalb Variante 1.

dem deutschen Zoll) erstellen kann.

meldung beauftragen.

Die Autorin: Ruth Setzler beschäftigt sich seit zwei Jahrzehnten mit Wissensmanagement, Kommunikation und Weiterbildung bei AEB. Als Germanistin textet sie leidenschaftlich gerne. So hat sie auch die Antwort des Außenwirtschaftsexperten Joachim Metzner und des AEB-Trainers Matthias Wenning auf dieses Fallbeispiel in Worte gefasst.


Trade Compliance

Kenne Deine Kunden! Ein börsennotierter deutscher Chemikalienhändler wird angezeigt, weil er waffenfähige Chemikalien nach Syrien geliefert haben soll. Auch die Vorlieferanten geraten ins Visier. Am Ende stellt die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen ein. Dennoch zeigt der Fall, wie wichtig eine genaue Risikobewertung für alle beteiligten Unternehmen ist. Die wichtigsten Erkenntnisse in der Zusammenfassung.


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Syrien und Chemikalien: Wenn diese

Für den Chemikalienhändler ist die

wäre eine Genehmigung des BAFA

Begriffe in einem Satz fallen, werden

Angelegenheit damit offenbar erledigt.

(bei Lieferung aus Deutschland) be-

deutsche Redaktionen hellhörig. So war

Das Unternehmen hatte von vorn­

ziehungsweise anderer zuständiger

es auch keine Überraschung, dass es

herein betont, die Lieferung durch

Behörden bei Lieferungen aus anderen

folgende Meldung am 26. Juni promi-

eine Schweizer Konzerntochter sei „im

EU-Staaten erforderlich gewesen.

nent in die Schlagzeilen schaffte. Drei

Einklang mit geltendem Recht“ getätigt

Nun ist das Geschäft mit dem syri-

NGO – die New Yorker Society Justice

worden. Andere Konzerngesellschaften

schen Pharmaunternehmen nicht

Initiative, das Syrian Archive und Trial

seien nicht beteiligt gewesen, man

von dem in Deutschland ansässigen

International – hatten bei der Essener

habe die Exportvorschriften der EU

Chemikalienhändler getätigt worden,

Staatsanwaltschaft einen deutschen

nicht umgangen.

sondern von dessen Schweizer Tochter­

Chemikalienhändler angezeigt.

unternehmen. Die in der Schweiz für

Dieser soll im Jahr 2014 über eine

Exportkontrolle zuständige Behörde

Schweizer SECO-Behörde genehmigte Exporte

SECO soll nach Informationen des

verkauft haben, das Verbindungen

Unabhängig vom glimpflichen Ausgang

Chemikalien dienten nach Auskunft des

zum Assad-Regime hat. Die Brisanz:

der Anzeige für den Chemikalienhänd-

syrischen Empfängers als Hilfsstoffe für

Isopropanol und Diethylamin kön-

ler kann man aus dem Fall einiges

die Herstellung eines Schmerzmittels,

Schweizer Tochtergesellschaft  die Chemikalien Isopropanol und Diethylamin an ein syrisches Pharmaunternehmen

Schweizer Digitalmagazins watson. ch das Geschäft genehmigt haben. Die

nen zur Herstellung von chemischen

über Exportkontrolle lernen. Und wie

für das der Empfänger Lizenznehmer

Kampfstoffen genutzt werden – aber

riskant es ist, wenn innerhalb eines

eines Schweizer Pharmakonzerns ist.

eben auch zur Herstellung von Medi-

Unternehmens nicht ein Rädchen in

kamenten, Harzen und Lacken.

das andere greift und den Entscheidern alle Informationen transparent sind. Diese Transparenz ist natürlich umso

Fallende Börsenkurse, Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft

Streckengeschäft oder nicht?

schwieriger zu erreichen, umso mehr interne Stellen sowie externe Lieferan-

Allerdings hat der Fall eine zusätzliche

ten und Vorlieferanten involviert sind.

Dimension. Die Chemikalien sind nicht

Dies wird deutlich, wenn man auf

in der Schweiz hergestellt worden,

Die Nachricht hatte unmittelbare Fol-

Basis der verfügbaren Informationen

sondern in Deutschland und Belgien.

gen: Die Aktie des Chemikalienhänd-

den Fall genauer beleuchtet. Zunächst

„In allen Embargoverordnungen unter-

lers stürzte an der Börse um 7,6 % ab.

einmal stellt sich die Frage: Hätte der

liegen nicht nur die Ausfuhren in das

Vorlieferanten aus Deutschland und

Chemikalienhändler ohne behördliche

Embargoland den Beschränkungen,

Belgien gerieten ebenfalls ins Visier

Genehmigung das Isopropanol und

sondern auch Lieferungen in das jewei-

der Medien und mussten sich öffent-

Diethylamin aus der EU nach Syrien

lige Land. Der Begriff der Lieferung ist

lich erklären. Die Staatsanwaltschaft

liefern dürfen?

sehr weit gefasst und beinhaltet alles,

nahm Vorermittlungen auf – die sie

Die Antwort ist ein klares Nein.

was in dem jeweiligen Land landet“,

bereits sechs Wochen später abschloss.

Diethylamin ist auf der Dual-Use-Liste

erläutert Rechtsanwältin Ulrike Jasper,

Ergebnis: Es gebe keine hinreichenden

unter 1C350.64 gelistet. Isopropanol

Exportkontrollexpertin bei AEB.

Anhaltspunkte für ein rechtliches

findet man in der Embargo-Verord-

Es stellt sich also die Frage, wohin die

Vergehen des Konzerns, ließ die Er-

nung gegen Syrien (VO 36/2012) unter

Chemikalien geliefert wurden. In die

mittlungsbehörde wissen.

IX.A2.010. Für beide Chemikalien

Schweiz oder ein anderes Land und


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44

Juli.2020

von dort aus ohne Wissen der Vor-

Massenvernichtungswaffen und/oder

Prozess nutzbar zu machen, indem

lieferanten mit SECO-Genehmigung

Trägertechnologien (z. B. Raketen)

sie den Informationsfluss gleichzeitig

nach Syrien? Oder direkt aus den Produktionsländern als Streckengeschäft nach Syrien?

verwendet werden, • oder der Ausführer vom BAFA darüber unterrichtet wurde.

formalisieren und automatisieren. Dabei arbeiten sie mit firmenindividu­ ellen Checklisten und Fragebögen, die sie

„In letzterem Fall wäre es eine Ausfuhr

Unabhängig von dem genannten

intelligent in die Geschäftsabwicklung

in die Schweiz, aber eine Lieferung nach

Einzelfall ist die Prüfung der End-

integrieren. So fragen sie Risiken

Syrien. Dazu wäre für das Isopropanol

verwendung auch bei Unternehmen

systematisch ab und können beispiels-

eine Genehmigung des BAFA bzw. der

eine Achillesferse, die eigentlich in

weise Lieferungen in Embargoländer

entsprechenden belgischen Behörde

der Exportkontrolle gut aufgestellt

identifizieren – oder eben auch kritische

erforderlich“, sagt Ulrike Jasper. Dafür

sind. Das Problem: Die zur Prüfung

Endverwendungen. Für diesen Prozess

wären dann die Lieferanten des Che-

erforderlichen Detailinformationen

gibt es effiziente Softwareunterstützung

mikalienhändlers zuständig. Für die

sind im gesamten Unternehmen verteilt.

(siehe rechte Seite unten).

Ausfuhr des Diethylamin aus der EU

Die Informationen liegen oft dezentral

ist in jedem Fall eine Genehmigung

in den Vertriebsniederlassungen oder

notwendig, da es als Dual-Use-Gut

beim Außendienst vor. Dort fehlt aber

gelistet ist. Beide Produzenten sind

das Know-how, um die Informationen

sich keiner Schuld bewusst. In den

rechtlich einordnen zu können. Der

Medien erklärten die beiden betrof-

Ausweg: Die kritischen Informationen

Die Informationen aus den am Ge-

fenen Hersteller, insbesondere keine

müssen zum Exportkontrollverant-

schäft beteiligten Unternehmens­

direkten Lieferungen nach Syrien

wortlichen gelangen, der sie bewerten

einheiten werden damit umfassend

getätigt zu haben.

kann und dann entscheidet, wie zu

abgeschöpft und dokumentiert. In

Hatten die Hersteller Kenntnis über kritische Endverwendung?

Mit Fakten gegen Vorwürfe

verfahren ist.

99 % aller Geschäftsvorfälle, die

Was sich leicht anhört, hat sich in der

völlig unkritisch sind, werden die

Praxis als ausgesprochen schwierig

Fragebögen archiviert und stehen

herausgestellt. Rundschreiben dazu

für Außenwirtschaftsprüfungen und

werden nicht gelesen, entsprechende

interne Audits zur Verfügung.

Trainings nicht besucht oder nicht

Stellen sich Geschäftspartner, Lie-

Kommt es dennoch zu einer staats-

umgesetzt. Kein Wunder: Der Fokus

ferländer oder Endverwendungen als

anwaltlichen Untersuchung gegen

des Vertriebs liegt eben auf der Gene-

kritisch heraus, setzt die Software eine

die Hersteller der Chemikalien, wird

rierung von Umsätzen.

„Red Flag“. Der Vorgang landet nun zur

vermutlich eine Frage im Raum ste-

weiteren Behandlung bei den Export-

hen: Hatten die Hersteller Kenntnis

kontrollverantwortlichen. Auch dort

von einer kritischen Endverwendung

Software als Lösung

ihrer Produkte? Art. 4 Absatz 1 der

kann das weitere Vorgehen software-­ gestützt dokumentiert werden. Das

EG-Dual-Use-Verordnung (Dual-use-

Firmen wie OSRAM (siehe Titelstory

hat einen Riesenvorteil: Dem Vorwurf,

VO) sieht immer dann eine Genehmi-

AnachB 12.2019 – erhältlich im On-

über eine kritische Endverwendung

gungspflicht vor, wenn …

line-Kiosk unter https://issuu.com/

eine „positive Kenntnis“ gehabt zu

• der Ausführer Kenntnis hat, dass

aeb-software) haben einen Ausweg

haben, lässt sich mit dokumentierten

die Güter im Zusammenhang mit

gefunden, die im Unternehmen verteil-

Fakten begegnen.

der Herstellung oder Nutzung von

ten Informationen in einem effizienten


Der Autor: Björn Helmke arbeitete zu Beginn seiner beruflichen Laufbahn in der Revisionsabteilung eines Konzerns. In der Frühzeit der Informationsgesellschaft musste er sich immer wieder mit Fehlern beschäftigen, die einer mangelhaften internen Kommunikation geschuldet waren. Mit den heutigen Softwaretools hätte er diesen Job vielleicht nie verlassen – er hätte damals früher Feierabend gehabt und in der Kantine nicht immer allein essen müssen.

Risk Assessment Für viele Unternehmen ist es eine große Herausforderung im Global Trade Management: Einerseits ist das Wissen zu Compliance und Exportkontrolle in einer relativ kleinen Zentralabteilung konzentriert. Andererseits sind die zu einer korrekten Anwendung erforderlichen Informationen überall im Unternehmen verteilt. Wie also bringt man beides zusammen? Die Exportkontrollexperten bei AEB haben dazu eine clevere Methode erarbeitet. Überall dort, wo potenziell wesentliche Informationen für die Exportkontrolle verarbeitet werden, bekommen die zuständigen Mitarbeiter elektronische Fragebögen zur Unterstützung an die Hand. Diese enthalten kein Fachchinesisch oder Juristendeutsch, sondern verständliche Fragen, die in wenigen Minuten mit ein paar Haken zu beantworten sind. Wird beispielsweise ein neuer Auftrag geprüft, werden Angaben zum Käufer, Empfänger und Endverwender eingegeben. Während der Sachbearbeiter einige Fragen beantwortet („Macht der Käufer unklare Angaben zum

Empfänger oder Verwendungszweck?“), läuft im Hintergrund bereits die Sanktionslistenprüfung und die Prüfung, ob ein Embargoland tangiert ist. Ergibt sich aus dem Fragebogen ein kritischer Tatbestand, wird eine rote Flagge gesetzt und der Vorgang an den Exportkon­ trollverantwortlichen übergeben. Durch eine Integration in die Vorsysteme läuft der gesamte Vorgang zeitsparend, transparent und effizient ab.

Wie die Software genau funktioniert, erläutert ein Film in wenigen Minuten.


Corona

Coronakrise mit Kreativität meistern Ein umfangreiches Notfallkonzept sowie entschlossenes und zugleich besonnenes Agieren haben AEB bis heute sicher und stabil durch die Covid-19-Pandemie geführt – ohne Einschränkungen bei Software, Services und Support. Doch wie haben eigentlich die AEB-Mitarbeiter im Arbeitsalltag die Zeit des Lockdowns gemeistert?

Zurück zur früheren Normalität Natürlich freut es alle, dass so langsam etwas von der früheren Normalität in unser Headquarter zurückkehrt – und sich immer mehr Teile der Belegschaft wieder ins Büro trauen. Denn der Präsenz-Kontakt und der persönliche Austausch fehlen. Dabei gilt es, die neuen Hygieneregeln einzuhalten – und

Virtuelles Arbeiten von zu Hause als Normalzustand? Kein

das geht mit Humor und Augenzwinkern gleich viel

Kaffeetratsch mehr an der gemeinsamen Bistro-Ecke, kein

besser. Etwa, wenn die Kollegen bildhaft erklären, wie

Gespräch auf dem Flur – und kein leckeres Essen aus der

groß 1,5 Meter Mindestabstand sind (3). Und dank der

hochgelobten AEB-Kantine? Das kann mit der Zeit mürbe

700 (!) selbstgenähten AEB-Stoffmasken unseres Haus-

machen, manche sogar ein bisschen einsam.

service-Teams (4) kann das vollmaskierte Schutz-Outfit

Um die Zeiten des Zuhause-Arbeitens so gut wie möglich

(5) eines Mitarbeiters wieder eingepackt und auch wieder

zu überstehen, haben sich die AEB-Mitarbeiter und

die Kantine genutzt werden – auch wenn man die Masken

-Mitarbeiterinnen mit Tipps, Ideen und viel Humor im

zum Essen selbst natürlich absetzen muss.

Intranet weitergeholfen. Wie lässt sich etwa aus alten

Auch in der Krise helfen also Spaß bei der Arbeit – und

Zeitschriften und einer Ordnungskiste im Homeoffice

einer Menge Kreativität der AEB-Mitarbeiter. Aber genug

einfach und schnell ein Steharbeitsplatz einrichten (1)?

erzählt: Bilder sagen mehr als tausend Worte …

Und wer hat den schönsten Open-Air-Arbeitsplatz? (2)


Tarifierung

Mit Kßnstlicher Intelligenz zur Warennummer Es ist zeitaufwendig und fehleranfällig: Das Einreihen von Waren in den Zolltarif. In einem Workshop diskutierten Experten, wie Kßnstliche Intelligenz den Prozess vereinfachen kann.


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Juli.2020

Es geht gegen ein echtes Schwerge-

49

ware soll künftig noch schneller und

für Frauen oder auch ein Foto einer

wicht. 706 Seiten stark ist das aktuelle

einfacher werden. „Dafür soll der

Waschmaschine mit integriertem

Warenverzeichnis für die Außenhan-

Einsatz Künstlicher Intelligenz in

Trockner.

delsstatistik. Findet man mit dem

unserer Software sorgen“, verrät

Die eine Hälfte der Teilnehmer

dicken Wälzer, den das Statistische

­Manuela Pittroff, Produktmanagerin

bestimmt die Warennummer für

Bundesamt jedes Jahr im Dezember neu

bei AEB, den Workshop-Teilnehmern.

ein Produkt mit dem Warenverzeich-

herausgibt, Warennummern leichter

Sie leitet den Workshop gemeinsam

nis für die Außenhandelsstatistik.

als mit einer speziellen Tarifierungs-

mit ihrem Kollegen Daniel Schüler und

Die andere Hälfte nutzt dafür das

software?

gibt schon einmal einen Ausblick, was

AEB-Programm. Danach werden die

die Teilnehmer als nächstes erwartet:

Gruppen gewechselt.

Software schlägt Papier

„Die damit ausgestattete Betaversion können Sie heute bereits testen.“ Denn anstatt die Software Product Classification anhand vieler Folien

Dieser Fragestellung stellten sich 14

Zweimal schlaue Algorithmen

theoretisch vorzustellen, geben die

Experten in einem Workshop Ende

beiden den Workshop-Teilnehmern

42022100. Die achtstellige Nummer

September letzten Jahres beim Soft-

die Möglichkeit, die neueste Version

für die Lederhandtasche finden alle.

wareanbieter AEB und probierten

selbst anzuwenden.

Auch die 851883095 für die Kopf-

beide Varianten aus. Soviel schon mal vorab: Nur selten waren diejenigen, die das fast ein Kilo schwere Buch benutzten, annähernd so schnell wie

hörer sind prinzipiell kein Problem.

Der Wettbewerb kann beginnen

die Anwender der Software. In den

Doch wie emsig die Papierseiten auch umgeschlagen, wie systematisch auch erst im Inhaltsverzeichnis vorn, dann hinten in den Unterkapiteln gesucht

allermeisten Fällen mussten sich die

„Ein kleiner Wettbewerb bietet sich

Papier- den Softwarenutzern deutlich

dafür an, weil er auf lockert und

wurde – die Suche über die Software ist nicht zu schlagen.

geschlagen geben.

anspornt“, meint Schüler aus eigener

Dabei stehen den Nutzern in der

Noch größer wird der Vorteil der

Erfahrung. Im vergangenen Jahr hat

Lösung mehrere Suchmöglichkei-

Software, wenn neben Zolltarifnum-

er mit zwei AEB-Kollegen den mit

ten zur Verfügung. „Die Künstliche

mern auch Exportkontrollnummern

10.000 Euro dotierten Hackathon der

Intelligenz haben wir in zwei Suchen

bestimmt werden müssen. Denn mit

Bundesvereinigung Logistik (BVL)

eingebaut“, erläutert Pittroff. „Zum

der IT-Anwendung lassen sich alle

gewonnen. „Wir sind gegen Teams aus

einen in dem Fragebogen, der nach

Nummern in einem System finden

anderen Firmen angetreten, um in einer

Kategorien geordnet ist.“ Dort öffnen

und müssen nicht aus verschiedenen

vorgegebenen Zeit die beste Lösung für

sich in jeder Kategorie wie Bekleidung

Quellen (siehe Kasten nächste Seite)

ein Datenproblem zu programmieren.

oder Elektronik jeweils automatisch

zusammengesucht werden.

Das war schon cool, aber auch sehr

Unterkategorien, die einfach angeklickt

Düstere Zukunft für das Buch?

anstrengend.“

werden können – so lange, bis der

Für die Teilnehmer am Workshop in

Anwender zum konkreten Vorschlag

Stuttgart wird es nicht so anstrengend.

für die Warennummer kommt.

Pittroff und Schüler haben für sie ein

Zum anderen lernt die Software auch

Regal aufgebaut. Darin liegen einige

aus dem Materialstamm eines Unter-

Produkte, die es einzureihen gilt. Eine

nehmens, der ins System eingelesen

verzeichnis in gedruckter Form

kleine Handtasche aus Leder, ein

wurde. „Dann kommen die Vorschläge

sieht noch schlechter aus. Denn das

Kopfhörer mit Mikrofon, ein Smart-

schon dann, wenn sie ein bestimmtes

Nummer-Bestimmen mittels Soft-

phone, Sportschuhe, eine Lederjacke

Material oder Produkt eingeben.“

Die Zukunft für das Papier-Waren­


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Treffsicherer aus Erfahrung

Juli.2020

öffnet in Windows automatisch ein

kritisch sind sie bei den Suchbegriffen:

Suchfenster in der jeweils genutzten

„Gegen das Teilen der Suchanfragen

Anwendung – auch im Fragebogen.

haben wir nichts.“ Und das ist für alle

So klicken sich die Teilnehmer von

„Der Algorithmus, der aufgrund der

hilfreich, denn auch dadurch kann

Kategorie zu Kategorie. „Fertig!“. Oder

gewählten Oberbegriffe automatisch

die Software immer schneller und

sie tippen Suchbegriffe ein und erhalten

passende Kategorien oder Produkte

treffsicherer werden.

in weniger als einer Sekunde automa-

vorschlägt, wird umso treffsicherer,

tisch eine Liste mit Vorschlägen, die

je häufiger er benutzt wird“, erläutert

dazu gehören. Schon wieder ertönt ein „Fertig!“.

Schüler und fragt die Teilnehmer: „Könnten Sie sich vorstellen, dass Sie

Dass ein Symbol für eine automatische

Informationen aus Ihrer Suche frei­

Stichwortsuche innerhalb des Frage-

geben, damit das System noch schneller

bogens der Betaversion fehlte, haben

lernt?“ Die Frauen und Männer kommen

die Teilnehmer auch bemerkt. „Das

aus unterschiedlichsten Branchen,

bauen wir noch ein“, versprach Schüler.

Firmen und Regionen. Doch sie sind

Doch im Wettbewerb mit dem Papier

sich sehr schnell einig: Der Material­

verhalf die Tastenkombination Strg+F

stamm, mit dem das System lernt,

auch so zum Sieg. Die Kombination

muss firmenintern bleiben. Weniger

Der Autor: Ludwig-Michael Cremer wohnt in Tübingen 500 m Luftlinie entfernt vom Max-Planck-­ Institut für Intelligente Systeme, das im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) zu den weltweit führenden Forschungseinrichtungen gehört. Die Auseinandersetzung mit dem Thema KI ist damit ein Heimspiel für ihn. Er ist überzeugt: „Das Potenzial und das Risiko von KI ist noch größer als das der Kernenergie. Wer KI anwendet, muss wissen: Verantwortlich bleibt der Mensch, nicht die Maschine!“

Die Unterschiede zwischen HS, KN und Taric „Drei wesentliche Systeme gibt es, nach denen die Zolltarifnummern für die Einfuhranmeldung und die Ausfuhranmeldung aufgebaut sind. Kennen Sie die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Systemen Taric, KN und HS? Wir haben Ihnen die wesentlichen Punkte kurz zusammengestellt. TARIC – Tarif Intégré Communautaire Taric, der Zolltarif der Europäischen Gemeinschaften, ist in den acht ersten Stellen identisch mit der KN. Damit ist eine einheitliche Kennzeichnung für Zollzwecke und für die Statistik gewährleistet. Der Taric ist allerdings durch Unterpositionen ab der neunten Stelle tiefer untergliedert. So verschlüsselt die neunte und zehnte Stelle gemeinschaftliche Maßnahmen wie Antidumpingregelungen, Zollaussetzungen oder Zollkontingente. Die elfte Stelle wird für nationale Zwecke verwendet, falls etwa aus statistischen oder umsatzsteuerrechtlichen Gründen aufgrund von Verboten oder Beschränkungen Bedarf dafür ist. Im Normalfall steht hier aber eine Null.

KN – Kombinierte Nomenklatur Die Kombinierte Nomenklatur wird jeweils als Verordnung im Oktober eines jeden Jahres im Amtsblatt der Europäischen Gemeinschaft veröffentlicht. Sie regelt die ersten acht Stellen des Zolltarifs bzw. des Taric, sowie die Drittlandszollsätze für das folgende Jahr. Diese achtstellige Nummer ist während eines Jahres nicht änderbar und gilt sowohl in der EU als auch in den assoziierten Staaten wie der Türkei.

HS – Harmonisiertes System Die Weltzollorganisation (WCO) legt seit 1988 die ersten sechs Stellen der Codenummern des Zolltarifs und des Taric in Form des Harmonisierten Systems weltweit fest. Dadurch sind die ersten sechs Stellen des Zolltarifs in nahezu allen am Welthandel beteiligten Ländern identisch. Derzeit wird das HS in 176 Ländern angewandt. Die letzte Überarbeitung fand 2017 statt.


FAQ aus der Praxis

Die Konsequenzen der Huawei-Sanktionen Huawei und 68 mit Huawei verbundene Unternehmen stehen seit Mai 2019 auf der US-Entity-List. In den letzten Wochen gab es einige Änderungen bei den verhängten Sanktionen. Ein fiktiver Praxisfall zeigt, was deutsche Unternehmen beachten müssen.

Angenommen, ein deutsches Unternehmen produziert in Deutschland Halbleiter und will diese an Huawei nach China liefern. Beim regelmäßigen Sanktionslistenscreening wird es einen echten Treffer auf der US-Entity-List erhalten. Wie ist mit diesem Treffer umzugehen? Hier kommt es darauf an, ob das Geschäft mit Huawei in den Anwendungsbereich der Entity List fällt. Nur wenn dies der Fall ist, muss das Unternehmen für seine Halbleiterlieferung an Huawei die Rechtsfolgen der Entity List – in diesem Fall eine Genehmigungspflicht – bei einem Treffer beachten. Bevor sich deutsche Unternehmen mit der normierten Genehmigungspflicht und damit mit den US-Sanktionen gegenüber Huawei beschäftigen müssen, sollten sie in einem ersten Schritt prüfen, welche ihrer Geschäfte überhaupt in den Anwendungsbereich der US-Sanktionen gegen Huawei fallen. Im ersten Schritt prüfen: EAR – ja oder nein? Dazu sind die amerikanischen Export Administration Regulations (EAR) heranzuziehen. Die Entity List findet man in § 744 EAR und muss daher nur für Produkte und von Personen beachtet werden, die in den Anwendungs­ bereich EAR fallen. Welche Produkte und Personen „subject to the EAR“ sind und damit dem Anwendungsbereich der Entity List unterfallen, ist in § 734.3-5 EAR abschließend beschrieben. Die in Deutschland hergestellten Halbleiter sind grundsätzlich keine US-Produkte und fallen damit nicht in den Anwendungsbereich der EAR. Die Lieferung der deutschen Halbleiter an den Kunden Huawei fällt nicht in den Anwendungsbereich der EAR und ist damit nicht von den US-Sanktionen gegen Huawei erfasst. Etwas anderes gilt, wenn die genannten Halbleiter über 25 % kontrollierte US-Produkte enthalten oder unter Nutzung besonders kontrollierter US-Technologie hergestellt werden.

Außerdem gelten alle in den USA hergestellten Produkte als US-Produkte und fallen so unter die EAR und damit in den Anwendungsbereich der Sanktionen gegen Huawei. Neuerungen im Mai und Juni 2020 Seit dem 14. Mai 2020 gilt für den Geschäftsverkehr mit Huawei eine erweiterte Direct Product Rule. Das Bureau of Industry and Security (BIS) hat mit der Interim Final Rule die EAR erweitert: Die in § 736.2.(b)(3) EAR (General Prohibition Three) normierte Direct Product Rule erfasst auch einige im Ausland hergestellte Produkte, die für bestimmte auf der Entity List gelistete Unternehmen unter Nutzung amerikanischer US-Technologie oder Software entwickelt oder gefertigt werden. Die Entitäten, für die diese Verschärfungen gelten, sind auf der Entity List mit der Fußnote 1 gekennzeichnet. Derzeit sind das ausschließlich Huawei sowie mit Huawei in Verbindung stehende Unternehmen. Die geänderte Direct Product Rule gilt für bestimmte, ausdrücklich genannte ECCN. Betroffen ist Technologie und Software aus dem Halbleiterbereich, der Telekommunikation und für bestimmte Rechner. Weitere Änderungen bei den „Huawei-Sanktionen“ gab es Mitte Juni: US-Technologie, die unter EAR99 oder einer nationalen amerikanischen ECCN (zu erkennen an der 9 nach dem Buchstaben) klassifiziert ist, wurde unter bestimmten Bedingungen von der Genehmigungspflicht für US-Produkte ausgenommen. Die Ausnahmen bestehen für US-Technologie unter bestimmten Bedingungen für Normenentwicklungen im Telekommunikationsbereich, nachzulesen in der Final Rule vom 18. Juni 2020. Seit dem Inkrafttreten der Sanktionen gegen Huawei im Mai 2019 kann zudem für bestimmte Geschäfte mit Huawei eine Temporary General License (TGL) genutzt werden. Das BIS hatte diese im Juni unverändert bis zum 13. August 2020 verlängert.


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Juli.2020

Zahlen, bitte! Wie viel geben Unternehmen im Jahr 2020 im Bereich SAPAnwendungen aus? Wie regeln Unternehmen den ethischen Umgang mit Künstlicher Intelligenz? Und wie weit verbreitet ist eigentlich agiles Arbeiten in der Praxis? Die Antworten auf diese und weitere Fragen finden Sie hier in unserer Rubrik „Zahlen, bitte“.

Digitalisierung

Postgebühren

32 % der Bevölkerung in Deutschland stehen der Digitalisierung seit

Ein um 27 % höheres Porto

der Corona-Krise offener gegenüber, etwa jeder Fünfte kritischer. Das ist das Ergebnis einer Studie im Auftrag der

darf die Deutsche Post seit Jahresbeginn 2020 für Päckchen

Initiative „Digital für alle“. Demnach bezeichnen

aus China erheben. Nach Angaben des Wirtschaftsministeri-

rund drei von vier Befragten (73 %) die Digitalisie-

ums auf eine Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion kann das

rung als Chance. Im Vergleich zum Vorjahr ist das

Porto in den kommenden Jahren weiter steigen.

ein Plus von 5 %. Demgegenüber sieht jeder Vierte

Hintergrund für den drastischen Schritt ist eine Entscheidung

(25 %) die Digitalisierung als Gefahr. Das sind 6 %

des Weltpostvereins, China künftig nicht mehr als Schwellen-

weniger als 2019.

land einzustufen. Dieser Status hatte es China ermöglicht,

Auch digitalen Technologien stehen die Deutschen

Päckchen sehr viel günstiger in die EU oder in die USA zu

offener gegenüber als im Vorjahr. Die große Mehr-

versenden. Die Billigware aus Fernost war zunehmend ein

heit (87 % (+6 %)) sieht sie positiv, jeder Neunte

Problem für deutsche Zusteller und Händler geworden. Allein

(11 % (-5 %)) negativ. Mehr als die Hälfte (53 %)

bei Elektronikartikeln dürften es nach Branchenschätzungen

gibt an, dass sich ihre Einstellung zum Thema Digi-

70 Millionen kleine Warensendungen sein, die jedes Jahr aus

talisierung nach dem Ausbruch der Corona-Pande-

China nach Deutschland versendet werden.

mie verändert hat – für die meisten zum Positiven.


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Agiles Arbeiten

Nur jedes 10. Unternehmen arbeitet mit agilen Strukturen und Arbeitsmethoden. Dabei wünscht sich jeder dritte Beschäftigte ein dynamisches Arbeitsumfeld mit flachen Hierarchien und kürzeren Entscheidungswegen in Teams. Das ist das Ergebnis einer Befragung von 10.000 Fach- und Führungskräften der Online-Jobplattform StepStone und des Kienbaum Instituts@ISM. Weitere Erkenntnis aus der Studie: Je agiler die Arbeitsstrukturen sind, desto innovativer und leistungsfähiger nehmen sich diese Firmen wahr. Zudem haben die deutschen Unternehmen beim Thema eigenverantwortliches Entscheiden offenbar noch viel Luft nach oben. Nur jede vierte Fachkraft ohne Führungsverantwortung hat die Möglichkeit, Entscheidungen selbständig zu treffen. „Wenn allein eine kleine Anzahl an Vorgesetzen Entscheidungen für die Mehrheit der Mitarbeiter trifft, macht das ein Unternehmen nicht nur langsam, sondern es gefährdet oft auch den Erfolg“, sagt StepStone Geschäftsführer Dr. Sebastian Dettmers.

Künstliche Intelligenz

IT-Budgets

Erst 5 %

Um durchschnittlich 4 %

der deutschen Unternehmen haben Richtlinien und

steigt 2020 das Budget für IT-Investitionen bei den

Maßnahmen für den ethischen Umgang mit Künstli-

meisten der DSAG-Mitgliedsunternehmen. Insgesamt

cher Intelligenz (KI) etabliert. Das ergab eine Umfrage

sollen bei 46 % der befragten Firmen in Deutschland,

der Management- und Technologieberatung Bearing-

Österreich und der Schweiz die IT-Ausgaben laut

Point für den „Digitalisierungsmonitor 2020“.

dem Investitionsreport der Deutschsprachigen SAP-­

Der geringe Anteil verwundert, halten doch 62 % der

Anwendergruppe e. V. (DSAG) steigen. Nur bei 19 %

600 befragten Unternehmensvertreter eine ethische

der Befragten soll weniger investiert werden, bei 35 %

Auseinandersetzung mit KI für wichtig oder sogar

bleibt das Volumen auf Vorjahresniveau.

sehr wichtig. 81 % befürworten eine Unterstützung

Laut dem Report seien erstmals seit vier Jahren

menschlichen Handelns durch Künstliche Intelligenz,

die Investitionen in SAP S/4HANA® höher als in die

fordern aber dabei die uneingeschränkte Autonomie

Business Suite. Die Relevanz der Business Suite

der Menschen. Ebenso wichtig stufen die Befragten

habe weiter abgenommen und den Wendepunkt klar

die Attribute Transparenz, Privatsphäre und Daten-

überschritten. Erstmals in den letzten vier Jahren

qualitätsmanagement ein. Hier wünschen sich die

überwiegen die „hohen und mittleren“ Investitionen

Unternehmen einen besonders sensiblen Umgang bei

in SAP S/4HANA® On-Premise und Public Cloud (52 %)

Einsatz von KI-Unterstützung.

diejenigen in die Business Suite (35 %).


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Juli.2020

Logistikwirtschaft

Ein Minus von 5 % erwarten die „Logistikweisen“ beim Wachstum des Wirtschaftsbereichs Logistik für das laufende Jahr. Ausschlaggebend für den Rückgang sei die Covid-19-Pandemie. Im Herbst des vergangenen Jahres hatte der 32-köpfige Expertenkreis für 2020 ein reales Wachstum von 0,4 % prognostiziert. Die Logistikweisen rechnen nicht mit einer schnellen Erholung des Geschäftsfelds. Es gebe jedoch einen Hoffnungsschimmer, dass es in der zweiten Jahreshälfte wieder aufwärtsgehen könnte. Dabei werde allerdings nicht die Globalisierung, sondern die Inlandsnachfrage und der Binnenmarkt der EU der Wachstumstreiber sein. Für das kommende Jahr rechnet das Gremium mit einem Wachstum von 3 %. Die Pandemie wird aber Auswirkungen auf die Branche haben. So rechnen die Logistikweisen, dass die Zahl der Insolvenzen bei kleineren und mittleren Logistikdienstleistern deutlich zunimmt. Zudem sei eine Verkürzung der Supply Chains zu erwarten.

IT-Sicherheit

11,45 Mio. Dollar

Welthandel

gaben im globalen Durchschnitt Unternehmen für die Beseitigung von Insider-Bedrohungen aus. Diese Zahl ermittelte eine weltweite Studie des IT-Security-Spezialisten Proofpoint zur Cyber­ sicherheit. „Bei durchschnittlichen Kosten von mehr als

Um 0,1 % ist das Volumen des Welthandels mit Waren im Jahr 2019 geschrumpft. Das zeigt ein Report der

600.000 Dollar pro Vorfall müssen Insider-Bedro-

Welthandelsorganisation (WTO). Es war der erste

hungen für Unternehmen weltweit ein zentrales

Rückgang seit der Finanzkrise 2009. Als Gründe

Anliegen sein“, rät Mike McKee, Executive Vice

für die Entwicklung nennt die WTO ein schwächeres

President und General Manager für Insider

Wirtschaftswachstum sowie Anspannungen in den

Threat Management bei Proofpoint. Im Vergleich

Handelsbeziehungen.

zur Erhebung von 2018 stiegen die Ausgaben zur

Für das laufende Jahr rechnet die Organisation

Beseitigung dieser Vorfälle um 31 %. Während

aufgrund der Covid-19-Pandemie mit einem drama-

60 % der aufgetretenen Bedrohungen auf Unvor-

tischen Einbruch beim Welthandelsvolumen. Dieses

sichtigkeit eines Mitarbeiters zurückzuführen

könnte je nach Verlauf der Pandemie um 13 bis 32 %

sind, wurden 23 % der Fälle vorsätzlich von soge-

zurückgehen. Eine Erholung sei erst für 2021 zu

nannten „böswilligen Insidern“ verursacht.

erwarten.


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Impressum Herausgeber: AEB SE Sigmaringer Str. 109 70567 Stuttgart www.aeb.com ISSN 2363-6831 Verantwortlich für den Inhalt: Jens Verstaen Redaktion: Steffen Heritsch, Stephanie Kollmann, Jens Verstaen Layout: Fiore Gmbh, www.fiore-gmbh.de

Start-ups

13,8 Mrd. US-Dollar flossen 2019 an Start-ups, die mit Digitaltechnik die etablierten Logistikunternehmen herausfordern. Das zeigt eine Analyse der Strategieberatung Oliver Wyman. Wurde vor einigen Jahren das meiste Geld in die Entwicklung neuer Technologien investiert, liegt heute der Fokus laut der Untersuchung darauf, möglichst schnell Marktanteile zu erobern. Für etablierte Transport- und Logistikunternehmen stellen diese Entwicklungen gleichermaßen Risiko und Chance dar, denn Start-ups sind bei ihrer Suche

Fotos/Grafiken: Fotos © AEB SE außer: © Ralf Bohle GmbH (Cover, S. 4, 6/7, 8, 9. 10, 11, 12) © Suphaloet Vongkunkij – shutterstock.com (S. 2) © Angela Rohde – stock.adobe.com (S. 4, 42, 45) © besjunior – stock.adobe.com (S. 4, 48, 49) © Liongate – stock.adobe.com (S. 4, 18) © pathdoc – stock.adobe.com (S. 5, 30, 34) © bazilik – stock.adobe.com (S. 5, 40) © Magdalena – stock.adobe.com (S. 5, 40) © taviphoto – stock.adobe.com (S. 5, 40) © Sam Edwards – istockphoto.com © garagestock – shutterstock.com (S. 52) Auflage: 4.500 Exemplare Druck: Druckerei Raisch GmbH + Co. KG Auchtertstraße 14 72770 Reutlingen www.druckerei-raisch.de © Alle Rechte vorbehalten. Veröffentlichungen, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der AEB SE.

nach schnellem Wachstum auf Partner angewiesen. Vor allem Start-ups aus China und den USA fahren mit aggressiven Expansionsstrategien die Ellenbogen im Konkurrenzkampf aus und heizen den auf Verdrängung ausgerichteten Wettbewerb an. Zu den 30 Firmen, die 2019 mindestens 100 Mio. US-Dollar einsammelten, gehören 14 US-amerikanische sowie fünf chinesische Start-ups. Mit der Berliner Landverkehrsplattform Sennder schaffte es 2019 auch ein deutsches Unternehmen in diesen Top-30-Zirkel. Glovo aus Spanien und Relex Solutions aus Finnland sind die einzigen weiteren Europäer.

ID-Nr. 2092303


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