Katalog „Brennen für den Glauben. Wien nach Luther“

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„Haus des Islam“ vs. „Befestigung der Christenheit“

die Stephanskrone, „seinen Sohn Siegmund Stephan“), und stieß in der Folge nach dem südwestungarischen Szigetvár vor. In langen, heftigen Kämpfen eroberten die Osmanen die Burg, doch noch vor ihrer Einnahme starb Süleyman im Feldlager. Zwei Jahre zuvor war sein Gegenspieler Ferdinand I., seit der Abdankung seines Bruders Karl im Jahr 1556 auch Kaiser des Reichs, gestorben. Ferdinands Nachfolger (in den niederösterreichischen Ländern, als König von Böhmen und Ungarn sowie als römisch-deutscher Kaiser) Maximilian II. schloss mit Sultan Selim II. (1524–1574) im Jahr 1568 den Frieden von Adrianopel/Edirne, im Vertrag von Speyer wurden im Jahr 1570 die jeweiligen Einflusssphären aufgeteilt. Kernpunkt war die Anerkennung der osmanischen Hegemonie über das Fürstentum Siebenbürgen, dessen Herrscher Sigismund Zápolya den Anspruch auf die ungarische Krone fallen ließ. István Báthory (1533–1586), ab 1571 Nachfolger von Sigismund als Fürst von Siebenbürgen und gleichzeitig König von Polen, ordnete sich in dieses Konzept ein. Erst im letzten Jahrzehnt des 16. Jahrhunderts brachen die Vasallenfürsten nördlich der Donau — Istváns Neffe Sigismund Báthory (1572–1630) in Siebenbürgen und Michael „der Tapfere“ (Mihai Viteazul, 1558–1601) an der Spitze der Walachei — aus der osmanischen Hegemonie aus. Sigismund Báthory verbündete sich mit Rudolf II. (der 1576 Maximilian II. nachgefolgt war), heiratete eine habsburgische Erzherzogin und trat Siebenbürgen an den Kaiser ab. Zu diesem Zeitpunkt war der nie ganz zur Ruhe gekommene Konflikt auch an der österreichischen Grenze erneut zu einem großen Krieg eskaliert. Der „lange Türkenkrieg“ hatte im Jahr 1593 mit der Belagerung ungarischer Grenzfestungen begonnen, wobei den Osmanen die Einnahme von Raab/Györ, den Kaiser­ lichen die von Gran/Esztergom gelang. Raab wurde fünf Jahre später, 1598, zurück­ erobert — ein Erfolg, der zu einer großen propagandistischen Offensive auf christlicher Seite genützt wurde.17 Im Jahr 1596 brach ein großes, von Sultan Mehmed III. (1566–1603) persönlich geführtes osmanisches Heer gegen Norden auf. Im Oktober nahm es Eger/ Erlau ein und traf bei Mezökeresztes auf eine Armee unter Erzherzog Maximilian, dem Bruder des Kaisers. In einer dreitägigen Schlacht, der einzigen großen Feldschlacht in diesem Krieg, wurde die kaiserliche Armee besiegt. Im Osten warf Fürst Michael die Osmanen aus der Walachei, dann Sigismund Báthorys Nachfolger Andreas, der die Verträge mit den Habsburgern nicht anerkennen wollte, aus Siebenbürgen und hatte kurzfristig das gesamte Gebiet des heutigen Rumänien unter Kontrolle. Besiegt wurde er nicht von den Osmanen, sondern von den Polen, mit denen er über den Besitz der Moldau aneinandergeriet. Kaiser Rudolf Iieß ihn durch seinen General Giorgio Basta (1544–1607) unterstützen, bis Michael sich mit Basta überwarf und von diesem ermordet wurde. General Basta errichtete in der Folge in Siebenbürgen ein Besatzungsregime im Namen Habsburgs, das insbesondere mit seiner Rekatholisierungspolitik den ungarischen Adel empörte. Im Jahr 1604 brach ein Aufstand los, der auf das ganze habsburgische Ungarn übergriff. Die Aufständischen riefen ihren Anführer, István Bocskay (1557–1606), zum Fürsten — zunächst von Siebenbürgen und dann von ganz Ungarn — aus. 17 So wurden die sogenannten Von den Osmanen wurde er wie ein mit ihnen verbündeter König Raaberkreuze errichtet, teilweise heute noch bestehende Bildstöcke behandelt und militärisch unterstützt. Die Habsburger erkannten und Marterln, die den Spruch trugen: „Sag Gott dem Herrn Lob Bocskay schließlich als Fürsten eines auf weite Teile Nordost­ und Dank, daß Raab wieder ungarns ausgedehnten Fürstentums Siebenbürgen an. Der Frieden kommen in der Christen Hand.“


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