DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG Richard Wagner
this is all over now. Magdalene tells Eva that Beckmesser intends to serenade her. Eva does on no account plan to appear at her window – Magdalene should pose there in Eva’s clothes. For Eva has an assignation with Walther who, in his indignation about the Mastersingers, persuades Eva to flee with him. Sachs, however, overhears the young couple’s conversation and, as he wishes them well, he tries to prevent such an irrevocable action. Then Beckmesser arrives and begins his serenade. Sachs, meanwhile, disturbs him most thoroughly. Just as Beckmesser chalked Walther’s violations of the Mas ters’ rules on his slate, Sachs marks the scribe’s mistakes by taps of his hammer and so repairs Beckmesser’s shoes surprisingly fast. David spots Magdalene who listens to the »serenade« in Eva’s clothes. In a jealous rage he falls upon Beckmesser and their fight develops into an enormous row involving the whole street. Sachs uses the confusion to bring Eva back home, and invites the young knight to his own house.
Act III Sachs is brooding, wherever he casts his eye, he sees nothing but folly. David, who has the nightly row on his conscience, says his verse for St. John’s Day and remembers to congratulate Sachs’ on his nameday. Walther von Stolzing enters and says that he had the most beautiful dream. Sachs challenges him to make a poem from it and while Walther sings, Sachs writes down two of the verses. When they leave the room, Sachs leaves the poem lying on the table. Beckmesser, still suffering from last night’s adventures, comes and finds the poem which he takes for Sachs’ own entry for the contest, and quickly pockets it. When Sachs realizes this, he makes Beckmesser a present of the poem – lest he be called a thief – and happily swears that he will never claim authorship of the song. Beckmesser is again full of hope to win the contest. Eva enters and has all her doubts reassured when Walther addresses the third verse of his prize song to her. Following the custom of the Mastersingers, Sachs solemnly baptizes the new song and calls it »selige Morgentraum-Deutweise«, i. e. Song explaining the dream in the morning. He also makes David his journeyman, which pleases Magdalene very much. The crowd greets Hans Sachs full of enthusiasm end respect. Sachs opens the contest and due to his age, Beckmesser has precedence. He has tried his hand with Walther’s song, but has failed to understand even one word of it and finishes most unfamously amid general amusement. Furiously, he names Sachs as the author. Sachs, however, calls up the real poet and so gives Walther the opportunity to achieve the prize. The people acclaim Stolzing who is still not reconciled with the Mastersingers and wants to reject their prize. Sachs intervenes and makes Wal ther see the dignity and the value, the meaning and the importance of their art. 9
SY NOPSIS
ÜBER DIESES PROGRAMMBUCH
Bereits 1845 verfasste Richard Wagner einen ersten Prosaentwurf für die später dreiaktige Oper Die Meistersinger von Nürnberg, aber – wie so oft bei ihm – dauerte es auch hier rund zwei Jahrzehnte, bis die Partitur in ihrer endgültigen Form vorlag. Am 21. Juni 1868 kam es an der Münchner Hofoper zur Uraufführung des ursprünglich als komisches Gegenstück zum Tannhäuser konzipierten Werkes. Die aktuelle Meistersinger-Produktion feierte am 4. Dezember 2022 Premiere, fast 50 Jahre nach der letzten Neuproduktion dieser Oper im Haus am Ring. Musikdirektor Philippe Jordan, zu dessen bevorzugten Werken die Meis tersinger gehören, dirigierte die Premiere, musikalische Besonderheiten dieses Werks beschreibt er ab Seite 30. Ein Hausdebüt gab der britische Regisseur Keith Warner, zu dessen Arbeitsschwerpunkten die Werke Wagners zählen – wobei er gerade die Meistersinger nun erstmals inszenierte. Ein Gespräch mit ihm ist ab Seite 20 zu finden, seine langjährige Mitarbeiterin Katharina Kastening verfasste ein Portrait über den international erfolgreichen Regisseur (ab Seite 26). Der Produktionsdramaturg, Musikhistoriker und Wagner-Experte Barry Milllington wirft Schlaglichter auf Kunst, Liebe und Politik in den Meistersingern (ab Seite 12), Paula M. Bortnichak und Edward A. Bortnichak betrachten die Oper aus dem Blickwinkel der Traumanalyse (ab Seite 76). Eine erhellende Auseinandersetzung mit den Meistersingern aus dem Blickwinkel Schopenhauers gibt die Musikwissenschaftlerin Ulrike Kienzle (Seite 44 & 89), in einem Schriftverkehr mit dem Staatsopern-Chefdramaturgen Sergio Morabito führt sie ihre intensive Auseinandersetzung mit dem Werk fort (ab Seite 100). Matthias Schmidt setzt sich mit Beckmesser als antisemitische Karikatur Wagners auseinander (Seite 58), Richard Schuberth analysiert die Begriffe Volk und Nation (ab Seite 68), Alexandra Steiner-Strauss skizziert die Entstehungsgeschichte der Oper (ab Seite 36) und Wolf Rosenberg beschäftigt sich mit Wagners Humor (ab Seite 94). Einen sehr persönlichen Text zum Thema künstlerische Verantwortung hat die Schriftstellerin Anna Kim verfasst (ab Seite 110) und beschließt damit das Programmbuch. ÜBER DIESES PROGR A M MBUCH
→ Szenenbild Die Meistersinger von Nürnberg
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SACHS IM TRAUMSPIEGEL Gehen wir einmal davon aus, dass die Meistersinger eine Komödie sind. Aus Ihrer britischen Sicht betrachtet: Worin liegt der Unterschied zwischen britischem und deutschen Humor? KEITH WARNER Ich habe nie einen großen Unterschied wahrgenommen. Die Menschen lachen über Chaplin, über Woody Allen, weltweit, überall. Daher kann ich keinen großen Unterschied zwischen England und Deutschland entdecken. Wobei es in einem anderen Aspekt einen Unterschied gibt: In Deutschland und Österreich wagen Menschen viel weniger, in der Oper zu lachen. Sie scheinen das Gefühl zu haben, dass eine Komödie weniger wert ist als eine Tragödie. Also ist eine Komödie nichts für ein ernstzunehmendes Opernhaus. In Amerika oder England gibt es diesen Gedanken nicht. Niemand dächte, dass die Shakespeare-Komödien weniger wert wären als seine Tragödien. Oder Oscar Wilde weniger wichtig als Eugene O’Neill. Ich erinnere mich an einen Don Giovanni im Theater an der Wien, den ich inszenierte. Ich glaube bei diesem Werk an das Dramma giocoso, also die Komödie. Bei der Premiere: fast kein Lachen. Am nächsten Tag las ich aber in den Zeitungen, wie lustig diese Produktion doch gewesen wäre! Man traut sich also kaum zu lachen. Wohlgemerkt, im Theater. Denn wenn ich in Deutschland und Österreich mit Freunden zusammensitze, lachen wir über dieselben Dinge.
K EIT H WA R N ER IM GE SPR ÄCH
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betrachtet und abgewandelt, eine reizende Figur daraus wird aus mittleren Klanglagen in die zauberischsten Höhen der Geigen- und Flötensphäre hinaufgeführt, wiegt sich dort oben ein wenig noch, und wie es am schmeichelhaftesten darum steht, nun, da nimmt wieder das milde Blech, die Choral-Hymne von vorhin das Wort an sich, tritt in den Vordergrund, fängt nicht gerade, ausholend wie das erste Mal, von vorne an, sondern tut, als sei ihre Melodie schon eine Weile wieder dabei gewesen, und setzt sich weihesam fort gegen jenen Höhepunkt hin, dessen sie sich das erste Mal weislich enthielt, damit die »Ah!«-Wirkung, die Gefühlsschwellung desto größer sei, jetzt, wo sie in rückhaltlosem, von harmonischen Durchgangstönen der Basstuba wuchtig gestütztem Aufsteigen ihn glorreich beschreitet, um sich dann, gleichsam mit würdiger Genugtuung auf das Vollbrachte zurückblickend, ehrsam zu Ende zu singen.
Über das Vorspiel zum 3. Aufzug der Meistersinger 35
KOLUMN EN T IT EL
Alexandra Steiner-Strauss
GEGEN SACHS HALTEN SIE IHR HERZ FEST: IN DEN WERDEN SIE SICH VERLIEBEN!
Zur Entstehungsgeschichte der Meistersinger von Nürnberg
Matthias Schmidt
DAS STÄNDCHEN ALS » JÜDISCHER TEMPELGESANG «
Sixtus Beckmesser – eine antisemitische Karikatur?
Richard Schuberth
VON NATIONEN, VÖLKERN UND ANDEREN PALATSCHINKEN
Wie das Völkische entstand und warum wir nur glauben, es überwunden zu haben
Paula M. Bortnichak & Edward A. Bortnichak
TRAUMARBEIT: DIE INNERE WELT DER MEISTERSINGER I. Vorbemerkung Die Epoche der Romantik zeichnete sich durch eine geradezu obsessive Beschäftigung mit der unscharfen Grenze zwischen Wirklichkeit und Vorstellung, zwischen Wachen und Traum aus. Nicht selten stellten Träume die größte Inspiration für die damaligen Künstler dar, egal, ob über den Weg des natürlichen Schlafes oder eines durch Arzneimittel oder Drogen hervorgerufenen veränderten Bewusstseinszustandes. PAU LA M. BORT N ICH A K & EDWA R D A. BORT N ICH A K
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Anna Kim
REDE UND ANTWORT
Es war ein ungewöhnlich warmer Oktober-Nachmittag in Prishtina, nur eine Stunde zuvor war ich vom Flughafen abgeholt und durch die Innenstadt gefahren worden. Das Gedränge auf den Straßen hatte sich, wie ich bemerkte, verschlimmert, für eine Fahrt, für die man früher fünfzehn Minuten unterwegs war, brauchten wir fast eine Stunde – was meine Nervosität intensivierte: Vierzehn Jahre, nachdem mein Roman Die gefrorene Zeit erschienen war, sollte ich das erste Mal einem Publikum Rede und Antwort stehen, das die im Buch beschriebenen Ereignisse aus eigener Erfahrung kannte. Ich war besorgt; ich fragte mich, wie mein Buch, wie meine Worte verstanden würden. Ich hatte mich bei der Niederschrift um politische Neutralität bemüht, aber würde es das Publikum genauso sehen? Würde es meine Bemühungen verstehen? Das erste Mal war ich im Juni 2005 im Kosovo gewesen. Der Jugoslawienkrieg war seit sechs Jahren zu Ende, die Spannungen zwischen der Kosovoserbischen und albanischen Bevölkerung im Norden des damals noch nicht unabhängigen Landes allerdings nicht beigelegt; sie sind es heute, 2022, noch 111
A N NA K IM