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Programmheft »Die Kameliendame«

Page 1

die kamelien dame


inhalt

4

Über die heutige Vorstellung

6

Handlung

12

Es geht um den Menschen Angela Reinhardt

20

Fragmente von Liebe John Neumeier im Gespräch mit Nastasja Fischer

24

Probenimpressionen

32

Folge der Werke Frédéric Chopins

34

»Nicht Tänze des Körpers, sondern der Seele« Anne do Paço

42

Figurinen zu Die Kameliendame Jürgen Rose

52

Fiktion & Wirklichkeit Arthur Scherle

58

Der Star & die Hetäre Simone de Beauvoir

60

Szenenfotos

72

Die Kameliendame und das Ballett Horst Koegler

77

Ensemble

84

Biographien


FRÉDÉRIC CHOPIN IM DEZEMBER 1831 AN DEN FREUND TYTUS WOYCIECHOWSKI

»Man atmet hier süß, – doch vielleicht seufzt man deshalb auch, weil es leichter fällt. Paris ist all das, was Du willst – Du kannst dich amüsieren, langweilen, weinen, kannst alles tun, was Dir gefällt, und niemand sieht Dich an, weil hier Tausende dasselbe tun wie Du – und jeder geht seinen eigenen Weg.«


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HANDLUNG


es geht um den menschen

ANGELA REINHARDT

Einst war er der jüngste Ballettdirektor Deutschlands, jetzt nimmt er als dienstältester Direktor aller Zeiten Abschied. Der Amerikaner John Neumeier hat den weitaus größten Teil seines 85 Jahre langen Lebens in Hamburg verbracht, über ein halbes Jahrhundert leitete er das Hamburg Ballett – länger als je ein Choreograph einer der großen Compagnien vorstand, eingeschlossen die berühmten Kollegen Marius Petipa und George Balanchine. Selbst ohne Kenntnis seiner 170 Werke muss man bewundern, was er mit seinem Ensemble samt Schule, Ballettzentrum, Bundesjugendballett, einer Stiftung und einem zukünftigen Ballettmuseum aufgebaut hat. Ein solches Imperium mag den zur freien Szene und zur Avantgarde orientierten Zeitgenossen suspekt sein, genau wie Neumeiers Festhalten an Spitzenschuh und Erzählballett. Diejenigen aber, die ohne alle tanzhistorische Dimension einfach nur zuschauen, haben sicher ein Bild aus einem seiner Werke vor Augen, das sie irgendwann mitten ins Herz getroffen hat: wie in Nijinsky der weinende Clown Petruschka mit den Weltkriegssoldaten marschiert, wie am Schluss der Dritten Sinfonie von Gustav Mahler alle Engel schweben, wie König Ludwig in Illusionen – wie Schwanensee in seinem blauen Baldachin ertrinkt oder wie eine ungläubige Hoffnung auf dem Gesicht der Kameliendame erscheint und die Liebe eine Verlorene aus ihrer Krankheit zum Tode zurückholt.

ES GEHT UM DEN MENSCHEN

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JOHN NEUMEIER

»Merkwürdig, wie die Musik für mich manchmal die unkontrollierbare und instinktive Fülle meiner Gedanken ordnet.« »Chopin ist ein Komponist, den ich sehr liebe, dem ich mich ganz nah fühle, und zwar nicht nur von der emotionalen, sondern auch von der rein musikalischen Seite in der Art, wie ich Zeit empfinde. Seine Musikalität entspricht ganz der meinen beim Choreographieren.«


»nicht tänze des körpers, sondern der seele« ANNE DO PAÇO

Im Februar 1848, dem gleichen Jahr, in welchem Alexandre Dumas d. J. seinen Roman La dame aux camélias herausbrachte, gab Frédéric Chopin zusammen mit dem Geiger Delphin Alard, dem Cellisten Auguste-Joseph Franchomme sowie zwei Sängern sein letztes öffentliches Konzert im Pariser Salon des Klavierbauers Pleyel und die Kritik pries erneut hingerissen »die Geheimnisse eines Klavierspiels, das in unserer irdischen Region nicht seinesgleichen hat« – so die Gazette Musicale. Noch einmal hatte sich die gesellschaftliche Elite von Paris zusammengefunden, um einen Künstler zu feiern, den sie seit seinem ersten Auftritt am 25. Februar 1832 im Salon Pleyel wie wenige andere umschwärmt hatte – nicht zuletzt, weil Chopin die großen Bühnen zugunsten der intimeren Salons mied und jeden seiner Auftritte zu einem exklusiven Ereignis machte. Nun musste er sich von einigen Freunden aber sogar zu einem solchen überreden lassen, denn Chopin war in eine tiefe Krise geraten. Im Sommer 1847 hatte die Schriftstellerin George Sand ihre neunjährige Beziehung beendet. Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich aufgrund einer schon länger bestehenden Tuberkulose-Erkrankung ernstlich. Und mit der Pariser Februarrevolution, die mit der Ausrufung der Zweiten Französischen Republik der Julimonarchie ein Ende setzte und den »Bürgerkönig« LouisPhilippe zur Flucht nach England zwang, verlor auch Chopin, der – anders als Franz Liszt

»NICHT TÄNZE DES KÖRPERS, SONDERN DER SEELE«

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Andrés Garcia Torres (Eugène), Ketevan Papava (Marguerite Gautier), Duccio Tariello (Édouard), Giorgio Fourés (Arthur)


Timoor Afshar (Armand Duval), Ketevan Papava (Marguerite Gautier)


Ketevan Papava (Marguerite Gautier), Eno Peci (Monsieur Duval)


wiener-staatsballett.at


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