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EXPEDITIONEN INS JETZT EXPEDITIONS INTO NOW Themen / Topics Intro 3 – 5

Intro 3 – 5

Expeditionen 6 – 12

Expeditions 6 – 12

Eine Kartierung des Jetzt, Geschlossene Räume und Dispositive der Ansteckung, Neutralität – Klimaneutralität, Spazieren im JETZT!

A mapping of the now, closed spaces and dis­positives of infection, neutrality – climate neutrality, walking into NOW!

Fotos 13 – 22

Photos 13 – 22

+ Special: Projekte

+ Special: Projects

Dokumentation zum NOW_Aktionstag

Documentation of the NOW_Action Day


Expeditionen_ins_Jetzt Ein internationales, transdisziplinäres Expeditionsteam zusammengesetzt aus 41 Studierenden und 12 Lehrenden, untersuchte in vier Expeditionen das JETZT/NOW. Beteiligt waren die Abteilungen Visuelle Kommunikation, die architektur und Kunstgeschichte/Kunsttheorie der Kunstuniversität Linz sowie das GITA der Universität Kaohsiung (Taiwan).

CCGraph

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Der „CCGraph“ ist eine Hommage an das Kino – er kehrt zurück zu den Ursprüngen öffentlicher Filmvorführungen mit wandernden Zirkuswagen. Er streift durch Linz und lässt das Kino im öffentlichen Raum des JETZT in all seinen Facetten wieder aufleben – mit Filmprojektionen, Popcornduft und Gemeinschaftsgefühl.

Öffen

Website

Was fühlst Du Tagebuch“ fän ein und samm Drauflosschre ist erwünscht

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Daniel Derflinger, Anne Rotter

Broject Der mobile, mit Holz befeuerte Ofen ist die Neuinterpretation des archaischen Lagerfeuers. Zwischenmenschlicher Austausch bei Fladenbrot soll nicht nur satt machen, sondern die Freude an den einfachen Dingen aufzeigen.

Ausstellungs

Sophia Eder, Johannes Parz, Christoph Picco, Stefan Schneider

Selfie / Beauty

CCGraph 14:00 Uhr

Sich auf Fotos „perfekt“ in Szene zu setzen, ist ein allgegenwärtiger Trend. Die Plakate stellen Analogien zwischen dem Phänomen „Selfie“ und den Studien des Naturforschers Ernst Haeckel her und eröffnen Fragen nach unserem Verständnis von Schönheit und Perfektion.

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Carina Lindmeier

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Nähe im Jetzt

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Selfie

straße Lessing

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Nähe_im_Jetzt Was bedeutet Nähe? Das selbst gestaltete Heft setzt sich mit einer Thematik auseinander, die aktuell jede*n in unterschiedlichem Maße angeht. Auf Basis von Umfragen wurden Stimmungsbilder entworfen, die verschiedene Vorstellungen von Nähe visualisieren.

traße iners

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Submarine

Jennifer Ochwat

Promenade

Klammstraße Submarine

Stille Räume

Herrenstraße

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Die „Submarine“ ist eine frei stehende, aus ihrem Standort entwickelte Skulptur. Sie ist der Versuch, die Sichtweise auf unsere Umwelt zu verändern, die Sinneswahrnehmung zu verzerren: Der Ort wird einer Transformation unterzogen, sodass man meinen könnte, Linz läge am Meer… Paul Eis und Julien Reinhart

JETZT 2021 Origamis

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Spittelwie

D Stille_Räume

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Mit dem Lockdown verändert sich die Wahrnehmung von Innen- und Außenraum. Die Bildinstallation „Stille Räume“ visualisiert das Gefühl von individuellem Freiraum in der Natur, der einen auch in Zeiten der Krise zur Ruhe kommen lässt. Julia Leeb

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Linzgeschichten

Jetzt 2021 Origamis Die Aktion in der Herrenstraße thematisiert das Insektensterben. Fehlt uns immer noch der emotionale Bezug zu diesem Phänomen? David Rall lädt die Passant*innen ein, gemeinsam Origamiinsekten zu falten, über das Thema zu reflektieren und die Bäume mit Insekten zu schmücken. David N. Rall

Eine Aktion im Wiener Wurstelprater vom vergangen Dezember wird ins Linzer JETZT übertragen: Notizzettel mit ausgedachten Attraktionen, hinterlassen auf bunten Böden rings um abgeschliffene Laternenmasten, belebten den stillgelegten Vergnügungspark. Heute begeben sich Ausstellungsbesucher*innen auf (Farb-)Spurensuche und imaginieren selbst Geschichten. Stefanie Hoffmann, Helene Payrhuber

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Gibt es im öffent die in Corona-Zei qualitäten besitz urbaner Möbel au Potenzial der Stra ort für die „Stadtb


WARUM JETZT?

Verändernd in die Gegenwart einzugreifen, bedeutete bis dato, die Zukunft als Imaginationsraum zu beanspruchen: Die Möglichkeit, das Morgen als offene Zukunft, als Szenario zu nutzen, macht uns im Heute aktionsfähig. Seit Beginn der Pandemie ist die Gegenwart überpräsent geworden. Sie stellt sich uns in den Weg und blockiert den visionären, verträumten Blick in die Zukunft. Aus dieser Situation heraus entstand die Idee zu den „Expeditionen ins JETZT“.

WHY NOW?

Until now, intervening in the present in a transformational manner meant claiming the future as space for imagination: The possibility of using tomorrow as an open future or a scenario, allowed us to act today. Since the beginning of the pandemic, the present has become overly present. It stands in our way, blocking the visionary, dreamy look to the future. The idea for the “Expeditions into the NOW” comes out of this particular situation. Expeditionen JETZT Expeditions NOW

Was JETZT? Das Coronavirus hat unseren Alltag, die Art wie wir arbeiten, kommunizieren, fühlen und denken, verändert. Zuvor bel(i)ebte Orte des Zusammenkommens – nicht zuletzt die Kunstuniversität Linz – sind geschlossen, Begegnungen haben sich in den privaten und digitalen Raum verschoben. Das „Jetzt“ zog alle Aufmerksamkeit an sich: Was geschah um uns herum, mit uns, zwischen uns, in der Ferne und nebenan? Welche Auswirkungen würde die Pandemie haben, welche anderen Krisen rief sie ins Bewusstsein? Absperrbänder und Abstandhalter werden wieder verschwinden; schon bestehende soziale Grenzen aber werden verschärft, neue Grenzen gezogen. Die Welt von gestern wird es so nicht mehr geben. Unser gesellschaftliches Leben, unsere Art der Kommunikation, unser Verständnis von Nähe und die Nutzung des öffentlichen Raumes werden sich langfristig transformieren. In welche Richtung? Wie lässt sie sich beeinflussen? Welche „Werkzeuge“ braucht es, um den öffentlichen Raum so zu gestalten, dass gesellschaftliche Teilhabe trotz Abstand möglich wird? Wo sind oder wo entstehen Kommunikationsräume in der Stadt, wenn körperliche Nähe Gefahr bedeutet? Wie lassen sich “Neu-Eröffnungen“ von Orten einleiten, die unserem JETZT entsprechen? Diese Fragen bildeten die Basis für die Erforschung des JETZT. Ihr Ziel war es, den Status Quo festzustellen, zu hinterfragen, neu zu sortieren und Narrative zu suchen, die Geschichten des JETZT erzählen. Unter Verwendung verschiedener Medien und Formate versuchten wir, sowohl kollaborative als auch individuelle Erzählformen zu entwickeln und Widersprüche unserer Gegenwart herauszufiltern und gleichzeitig alternative Möglichkeiten der Nähe zu entdecken. Das Motto lautete: Wir wollen uns nicht mit Viren infizieren, aber uns von Ideen und Visionen anderer anstecken lassen! Into the NOW! Die von den Studierenden und Lehrenden in den vier „Expeditionen ins NOW“ entwickelten Ideen wurden in zusätzlichen Lehrveranstaltungen vertieft, in den jeweiligen Fachrichtungen zu Projekten bzw. Prototypen für das JETZT weiter ausgearbeitet und begegneten sich im NOW Ausstellungsparcours am 30. 04. 2021, auf now.ufg.at und in der NOW Zeitung. Mit dem Webrepositorium und dieser NOW Zeitung wurden Zeitdokumente geschaffen, aus denen sich ablesen lässt, welche Spuren das JETZT der Pandemie in den sozialen Räumen und im Bewusstsein ihrer Nutzer*innen hinterlassen haben wird. Expedition ins Jetzt: Einführungstext

What NOW? The coronavirus has changed our daily life, the way we work, communicate, feel, and think. Previously popular and populated meeting places – like the University of Arts Linz – are now closed, with meetings shifting to private and digital spaces. The “NOW” drew all attention: what was happening around us, to us, between us, far away and next door? What effects would the pandemic have, what other crises did it call to mind? Barrier tapes and separators will disappear again; already existing social boundaries, however, are being toughened, and new boundaries are being drawn. The world of yesterday is gone. Our social life, our way of communication, our understanding of closeness, and the use of public space will undergo a long-term transformation. In what direction? And how can it be influenced? What “tools” does it take to design public space in a way that enables social participation despite distance? Where in the city are communication spaces and how do they evolve when proximity holds danger? How can “reopenings” of places that comply with our NOW be initiated? These questions formed the basis for the expeditions into the NOW. The goal was to establish the status quo, question and reorganize it, and to search for narratives to tell stories of the NOW. We did not want to get infected with viruses, but with ideas and visions. Into the Now! The results of these studies were shown in downtown Linz on April 30, 2021. Under the title “Into the NOW! // Towards the NOW!”, the students devised an exhibition parcours through the present. 21 interventions, performances, posters, photographs, and social sculptures exemplified efforts to grasp the NOW, to reflect on it and to test its spaces of possibility. With the web repository and this NOW publication, historic documentation is created: people will be able to read the marks that the NOW of the pandemic has left in social spaces and in their users’ awareness.

Das transdisziplinäre, internationale Kooperationsprojekt „Expeditionen ins JETZT“ wurde von der kulturtankstelle der Kunstuniversität Linz initiiert. Den Start bildete ein Workshop (2019) mit internationalen Gästen unter dem Motto „Green Explosion“. Verschiedenste Themen wurden diskutiert, von Wasserknappheit in Taiwan über neue Formen der Mobilität bis hin zu Praktiken der Fermentierung. Doch mit der Corona-Pandemie gerieten alle Projekte in den Strudel der Gegenwart. The transdisciplinary international co-operation project “Expeditions into the NOW” was initiated by the kulturtankstelle of the University of Arts Linz. Its start was a workshop entitled “Green Explosion” held in Linz in 2019, with international guests. A wide variety of topics were discussed, from water shortage in Taiwan to new forms of mobility and fermentation practices. But with the Corona pandemic, all projects got caught up in the turbulence of the present.

Expeditionsteilnehmer*innen Member of the expedition Lehrende: P. Tsai, M. Wu, H. Chang, A. von der Heiden, T. Frank, J. Mersmann, C. Pan, M. Pührerfellner, K. Weinberger-Lootsma, C. Bauder, L. Engel, L. Bechstein Studierende: 蔡明岳, 李宇雙, 林幸褣, 徐珮 瑜, 楊淯緹, 簡銘萱, 張天, 游恩恩, 陳羿如, 王 筠婷, 銀得貿, 鄭育婕, 蕭宇汶, 李奕萱, 羅笙豪, S. Eder, C. Picco, J. Parz, S. Schneider, J. Brunner, S. Dorfer, V. Hölzl, P. Eis, J. Reinhardt, M. Buchberger, V. Wallner, D. Rall, A. Rotter, D. Derflinger, V. Danzer, J. Leeb, S. Hoffmann, H. Payrhuber, J. Kerschensteiner, J. Bernhart, J. Ochwat, M. Strieder, L. Kaltenegger, A. Hoza, I. Gebhard, K. Hussein, K. Biser, S. Mühlbacher, B. Gatschelhofer, Y. Berta, A. Wonisch, M. Gerersdorfer

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Dispositive der Ansteckung Funken, die überspringen, Ideen, die sich verbreiten, Füße, die im Rhythmus wippen... Ansteckend sind nicht nur Viren, sondern auch Lachen und Gähnen, Visionen oder Emotionen. Das Seminar untersucht Metaphoriken der Infektion in Resonanz mit medizinischen Diskursen. Wo wird man durch was angesteckt? Was fungiert jeweils als Medium der Übertragung? Wie fördern bzw. unterbinden bestimmte Dispositive Austausch und Ansteckung? Wie immunisieren sich Gesellschaften gegen bestimmte, als infektiös diffamierte Gruppen oder Ideen? Und: Wie verändern sich Prozesse sozialer Ansteckung unter den Bedingungen einer Pandemie? Als Diskussionsgrundlage dienen antike Rhetoriklehren ebenso wie Ansätze der Diskursanalyse, der Rezeptionsästhetik, der mimetischen Theorie, Medizingeschichte und Massenpsychologie. Bezugnehmend auf die Horazsche Behauptung, wonach nur ein Redner zu Tränen rühren könne, der zuvor selbst Leid empfunden habe, übertrugen neuzeitliche Autor*innen das Prinzip von der Sprache auf die Kunst. In der Moderne finden die durch „method acting“ erzeugten Tränen ihren bevorzugten Ort im Kino, Ohrwürmer kriechen durchs Grammophon. Bestimmte Räume und große Gruppen scheinen Ansteckung zu begünstigen: 1895 prägt Gustave le Bon dafür den Begriff der „contagion mentale“. Vollends epidemisch wird die Verbreitung von Bildern im digitalen Zeitalter. „Influencer“ fungieren als „Superspreader“, virale Inhalte und Memes werden in immer größerer Geschwindigkeit gestreut und mutieren auf ihrem Weg durch die sozialen Medien. In der Pandemie wird das Virus, wie Boris Groys es formuliert, selbst viral: immer mehr Bilder, Videos und Nachrichten befassen sich mit Covid-19. Neben der Metaphorik untersucht das Seminar auch die Figurationen von Ansteckung: Wie wurde und wird versucht, Infektionsgeschehen zu visualisieren? Die Studierenden sammeln und kommentieren Bilder von Pestpfeilen und Totentänzen, Drachenhauch und Cholera-Wasser; analysieren Splitscreens, Röntgenbilder, Computeranimationen, Karten und Diagramme: die Exponentialkurve erweist sich als Ikone der Corona-Pandemie. Das Seminar steht mitten im JETZT und übt sich gleichzeitig in Distanz: anfangs vor Ort, später via Webex bietet es Raum zur Reflexion aktueller, aber auch historischer Bildwelten und Diskurse. Die Diskussion über theoretische und historiografische Texte, Pandemie-Filme, Bilder, Videos und Memes bietet neue Perspektiven auf die Gegenwart. Das JETZT wird kaleidoskopisch gebrochen. Die Uni als Ort der intellektuellen und emotionalen Ansteckung wird dabei schmerzlich vermisst – kleine VirusMengen aber dringen auch durch die Poren unserer Bildschirme.

Anne von der Heiden, Jasmin Mersmann, Luana Bechstein

Wie wollen wir JETZT! zusammen leben? Prototypische Werkzeuge zur resilienten Gestaltung des öffentlichem Raums in der pandemischen Gegenwart Seit Beginn der Pandemie ist die Gegenwart übermächtig geworden. Das JETZT hat sich gewissermaßen in die Unendlichkeit ausgebrei-

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tet und versperrt uns den Blick auf langfristig mögliche Ziele, so dass unsere Spekulationen und Träume nicht wie üblich in die Zukunft blicken, sondern an Überlegungen zu den kommenden Tagen und Wochen hängenbleiben. Vor diesem Hintergrund richtete sich das Entwurfsprojekt „Wie wollen wir JETZT! zusammen leben?“ auf das Erreichbare – die unmittelbare Gegenwart – und leitete das spekulative Potential, das zur Zeit in einer ungreifbaren Zukunft verhallt, ins JETZT um.

des Zusammenkommens beim Brotbacken (Brojekt), in einer Zeit, in der man seine Mitmenschen im öffentlichen Raum lieber meidet. Die Gesamtschau auf die im Entwurfsprojekt entwickelten „Werkzeuge“ erzählt von den Wünschen und Mängeln unserer pandemischen Gegenwart und wird in Zukunft einmal rückblickend als Zeitdokument zu lesen sein: Welche Spuren hat das gegenwärtige JETZT in den urbanen Räumen und deren Bewohner*innen hinterlassen?

Urban Commons Die Gemeinschaft, das Gemeinwohl, die „urban commons“ sind wertvolle kollektive Ressourcen, die durch die andauernde Pandemie auf den Prüfstand gestellt werden und sich langsam, aber stetig radikal und dauerhaft verändern. Während sich Menschen und Gemeinschaften an die neuen Gegebenheiten anpassen, bleiben Räume, Güter und Materialien bisher noch statisch, stehen leer oder sind durch Plexiglas und Absperrband getrennt. 

Ludwig Engel, Katharina Weinberger-Lootsma und Clemens Bauder

Wie wollen wir JETZT ! zusammen leben? Mit dieser Frage eröffnete das Studierendenprojekt der Abteilung die architektur die Debatte. Aber Wo? Wo sind und entstehen Kommunikationsräume in der Stadt, wenn Nähe Gefahr birgt? Wie zugänglich sind sie, wer kann sie nutzen, und wofür werden sie genutzt? Wie sehen Räume aus, die unserem JETZT! entsprechen? die Ausdrucksformen ermöglichen, in denen das, was wir als Gemeinschaft sein wollen, neu verhandelt wird? Wie können die Commons unter den gegenwärtigen Umständen sichtbar und nutzbar werden? Unsere These: Wir müssen die Commons für das JETZT! neu kontextualisieren und nicht neu erfinden. Nutze das Bestehende! Räume, Infrastrukturen und Kreisläufe unserer urbanen Umwelt werden auf ihre unsichtbaren Potentiale untersucht und aktiviert, indem wir umnutzen, überlagern, etwas wegnehmen, hinzufügen, oder es einfach nur pflegen. STRATEGIE

Das visuelle Jetzt Heute bin ich Flaneurin in meiner Stadt, in der ich seit Jahrzehnten wohne. Das Flanieren impliziert poetische, ästhetische, kulturelle und soziologische Aspekte zugleich. Ich schlendere durch die Straßen und werde Teil einer emergenten, komplexen Kommunikation – als distanzierte Beobachterin, als Akteurin, die selbst das Geschehen beeinflusst, oder als Seiende in meinen Reaktionen und Gedanken wiederum beeinflusst von dem ästhetischen Panorama, das mich umgibt. Roland Barthes beschreibt die Stadt als eine Sprache, einen Diskurs. Er skizziert den modernen Menschen, einen Stadtmenschen, als jemanden, der ununterbrochen Zeichen liest. Was kann ich alles lesen? Zeichen, Symbole, Schriften, Farben, Formen, Bilder, Gesten und Verhaltensweisen – es ist laut im visuellen, öffentlichen Raum. Ich lese viel Kommerzialisierung. Informationen über Waren, Dienstleistungen und Veranstaltungen dominieren das Erscheinungsbild, ringen um meine Aufmerksamkeit. Schilder, Plakate, Flyer, digitale Anzeigen, produziert von anderen visuellen Gestalter*innen umgeben mich, erzählen mir Geschichten und nehmen Einfluss auf meine Gedanken, Stimmungen, Werte und Verhaltensweisen. Welche visuellen Geschichten wollen wir erzählen?

Wir Menschen denken viel in Bildern und erleben die Welt als eine mentale Rekonstruktion der Umwelt. W. J. T. Mitchell unterscheidet zwischen den materiellen „pictures“ und den imaginierten „images”. Während pictures Making do is about using what we angefasst und vom Auge als Objekte wahrgealready have. It is about considering nommen werden, entstehen images innerlich the existing as a valuable resource, – eine latente Vorstellung, eine vage Stimmung not as unsatisfactory or constraining. vermischt mit unseren Sehnsüchten. Als visuelle Gestalter*innen sind wir oftmals aufgeforEach existing situation is an opportunity dert, diese Erinnerungen wiederum in pictures consisting of elements, qualities, and festzuhalten. Das Repertoire der visuellen capacities that can be integrated, Formensprache erlaubt uns ein großes Spektreactivated, and reused. Each existing rum an emotionalen Ausdrucksmöglichkeiten. structure offers materials that can Jede Gestaltung visueller Artefakte und Komdrastically reduce the need for new munikationsräume innerhalb unseres Alltagsmaterials. Each site permits invention lebens verleiht immer wieder der Frage nach and imagination. der Eigenheit des Menschen Ausdruck. Jede Gestaltung visueller Artefakte und KommuniAnne Lacaton, Make Do. kationsräume innerhalb unseres Alltagslebens In: Ilka & Andreas Ruby (Hrsg.), The Materials verrät unsere Sicht auf die Welt und unsere Book. 2020 S.58ff. Verortung innerhalb eines komplexen Wertekonstrukts. Mit Hilfe von Farben und Formen Die Studierenden wurden ermutigt, Anne versuchen wir abstrakte, innere Sehnsüchte Lacatons Sichtweise auf die belebte Umwelt zu folgen und in ihren Konzepten nicht nur auf und Empfindungen auf analoge oder digitale Trägermaterialien zu rematerialisieren, ohne die gegebenen räumlichen Situationen einzugehen, sondern die von einem Ort schon ange- jemals objektiv oder präzise sein zu können. botenen Qualitäten produktiv in ihren Entwurf Wir werden zu Urheber*innen neuer pictures, welche wiederum neue images und Realitäten zu integrieren. Gleichzeitig sollten die von in den Köpfen unserer Betrachter*innen erzeuden Studierenden geschaffenen Situationen gen. Zu welchen neuen (emotionalen) Realisich auf den durch die Pandemie verändertäten laden wir unsere Betracher*innen ein? ten Stadtraum beziehen. So kommt es in den Erfüllt unsere Gestaltung einen Zweck, bieten Arbeiten der Studierenden zu ephemeren Umwir Lösungen für Probleme, oder fordern wir deutungen: Der Pfarrplatz wird mit Hängesesunsere Betrachter*innen auf, Fragen über seln im nötigen Abstand bestückt (Hängeparunser Leben zu stellen? tie), sodass man alleine oder in Kleingruppen gemeinsam „abhängen kann“; die Hauswand Marianne Pührerfellner wird zur Leinwand (CC-Graph), da der Besuch des Kinos unmöglich geworden ist; der Motorenlärm einer vielbefahrenen Straße wird zum Meeresrauschen (Submarine) umgedeutet, da der Urlaub am Strand ausfallen muss; ein öffentlicher Platz wird zum symbolischen Ort Make do with the existing, with people, nature, climate, the economy, in order to reinvent, to do more with less.


Dispositives of contagion

achievable – the immediate present – and redirected the speculative potential that currently echoes in an intangible future into the Now. Urban Commons The community, the common good, the „urban commons“ are valuable collective resources that are being put to the test by the ongoing pandemic. They are therefore slowly but steadily undergoing radical and permanent change. While people and communities are adapting to the new circumstances, spaces, goods and materials remain static, empty or separated by acrylic glass and barrier tape.

A visual Now Today I am a flâneur in my city, where I have lived for decades. Sauntering implies poetical, aesthetical, cultural and sociological aspects at the same time. I am ambling through the streets, becoming part of an emergent, complex communication – as a distanced observer, an agent influencing events herself, or as a being whose reactions and thoughts are in turn influenced by the aesthetic panorama that surrounds me.

Infectious excitement, spreading ideas, feet tapping to the rhythm … It is not only viruses that are infectious, so too are laughter and yawning, visions or emotions. The seminar examines metaphors of infection in resonance with medical discourses. Where do you get infected by what? What serves as the respective vehicle of contagion? How do certain dispositives foster or inhibit exchange and infection? How do societies immunize themselves against Roland Barthes describes the city as a lancertain groups or ideas defamed as infectious? With this student project in the architecture guage, a discourse. He outlines the modern department, How do we want to live together And: How do processes of social infection human being, a city dweller, as someone conNOW! we wanted to open a debate. But where? stantly reading signs. What is visible to read? change under the conditions of a pandemic? Where are communication spaces created in Signs, symbols, texts, colors, shapes, images, the city when proximity is dangerous? How The basis for discussion is provided by ancient gestures, and behavior patterns – it is noisy in rhetoric teachings as well as concepts from dis- accessible are they, who can use them and visual public space. I am reading a lot of comwhat are they used for? What do spaces look course analysis, reception aesthetics, mimetic mercial communication. What I experience is like that correspond to our NOW! and how do theory, medical history, and mass psychology. dominated by information on goods, services Modern writers, in reference to the assertion by they enable forms of expression that negotiate and events fighting for my attention. I am surwhat we want to be as a community? How can rounded by signs, posters, flyers and digital ads, Horace that only a speaker who has felt pain the commons become visible and usable in the produced by other visual designers, telling me himself can move people to tears, transferred the principle from language to art. In the mod- current circumstances? stories and influencing my thoughts, moods, ern period, the tears produced via “method values and behavior patterns. What kinds of Our thesis: We need to recontextualise the acting” find their preferred place at the cinevisual stories do we want to tell? commons for the NOW! yet not reinvent it. Use ma, and ear-worms crawl through the gramowhat already exists! Spaces, infrastructures and We as humans think a lot in images, and expephone. Certain spaces and large groups seem circuits of our urban environment should be to foster infection: In 1895, Gustave le Bone rience the world as a mental reconstruction of explored for their invisible potentials and acticoined the term “contagion mentale” for this. the environment. W. J. T. Mitchell distinguishes vated by repurposing, overlaying, taking away, between material “pictures” and imagined adding, or simply caring for them. In the digital age, the dissemination of im“images”. Pictures are “touched” by the eye ages has become an epidemic. “Influencers” who perceives them as objects, while imagSTRATEGY function as “superspreaders”, viral content es develop internally – a latent idea, a vague and memes are spread with ever-increasing mood, mixed with our desires. As visual designMake do with the existing, with people, speed,mutating on their way through social ers, we in turn are frequently asked to capture nature, climate, the economy, in order to media. In the pandemic, the virus, as Boris these memories in pictures. The repertoire of reinvent, to do more with less. Groys puts it, becomes viral itself: More and the visual language of forms provides us with more pictures, videos, and news deal with a large spectrum of possibilities for emotional Making do is about using what we Covid-19. expression. Each design of visual artifacts and already have. It is about considering communication spaces within our everyday the existing as a valuable resource, Along with the use of metaphors, the seminar lives expresses time and again the question also examines figurations of infection: How did not as unsatisfactory or constraining. concerning human being’s specificity. Using and do people try to visualize infection events? colors and shapes, we try to rematerialize abEach existing situation is an opportunity The students gather and annotate pictures of stract inner desires and feelings onto analogue consisting of elements, qualities, and plague arrows and dances of death, dragon’s or digital substrates without ever being able to breath and cholera water; analyze split screens, capacities that can be integrated, be objective or precise. We become authors of x-ray images, computer animations, maps, and reactivated, and reused. Each existing new pictures that in turn generate new images structure offers materials that can diagrams: What turns out to be the icon of the and realities in the minds of our beholders. Into drastically reduce the need for new corona pandemic is the exponential curve. what new (emotional) realities do we invite our materials. Each site permits invention beholders? Does our design fulfil a purpose, do and imagination. The seminar is right in the middle of the NOW we offer solutions to problems? Do we prompt but simultaneously exercises distance: First our beholders to ask questions about our lives? Anne Lacaton, Make Do. held on site, later via Webex, it offers room In: Ilka & Andreas Ruby (eds.), The Materials to reflect on current but also historical visual Marianne Pührerfellner Book. 2020 p. 58ff. worlds and discourses. The discussion of theoretical and historiographical texts, pandemic The students were encouraged to follow Anne movies, images, videos, and memes provides Lacaton’s view of the living environment and new perspectives on the present. The NOW not only respond to given spatial situations in is refracted through this kaleidoscope. While doing so, the university as a place of intellectu- their concepts, but to productively integrate al and emotional infection is sorely missed – yet the qualities already offered by a site into their design. At the same time, the situations small amounts of virus get through the pores created by the students should relate to the of our screens. urban space that has been changed by the Anne von der Heiden, Jasmin Mersmann, pandemic. Thus, ephemeral reinterpretations Luana Bechstein occur in the students‘ works: The Pfarrplatz is equipped with hanging chairs at the necessary distance (Hängepartie), so that people can „hang out“ together alone or in small groups; the wall of the house becomes a screen (CCGraph), since going to the cinema has become impossible; the engine noise of a busy street is reinterpreted as the sound of the sea (Submarine), because a holiday on the beach has to be cancelled; a public square becomes a symPrototypes for resilient design of public space bolic place for coming together to bake bread in the pandemic present (Brojekt), at a time when people prefer to avoid their fellow human beings in public space. The Since the beginning of the pandemic, the pres- overall view of the „tools“ developed in the ent has become overpowering. The now has design project tells of the desires and shortspread into infinity, so to speak, blocking our comings of our pandemic present and will one view of possible long-term goals, so that our day be read in retrospect as a document of the speculations and dreams do not look into the times: What traces has the present NOW left in future as usual, but remain stuck in considerthe urban spaces and their inhabitants? ations of the days and weeks to come. Against this backdrop, the design project „How do we Ludwig Engel, Katharina Weinberger-Lootsma and want to live together NOW?“ focused on the Clemens Bauder

How do we want to live together NOW?

Expedition ins Jetzt: Intro

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Vier Abteilungen bildeten ein Expeditionsteam und veranstalteten Expeditionen (Workshops mit Studierenden und Lehrenden aus Österreich/Taiwan), um die Gegenwart zu untersuchen. Expedition #1 – Visuelle Kommunikation: „A Critical Mapping of the NOW“ machte eine Bestandsaufnahme einer pluralisierten Gesellschaft und visualisierte sie in kollaborativen Karten. Expedition #2 – Kunstgeschichte/Kunsttheorie: „Geschlossene Räume und Dispositive der Ansteckung“ erforschte die gegenwärtige Dynamik von Orten mit beschränktem Zugang. Expedition #3 – GITA Taiwan: „Neutralität – Klimaneutralität” beschäftigte sich mit der Erderwärmung und dem Konzept der „Neutralität“: Was heißt überhaupt „Neutralität“ beziehungsweise „Klimaneutralität“? Expedition #4 – die architektur: „Spazieren im JETZT!” stand im Zeichen der Spaziergangswissenschaft von Lucius Burkhart. Individuelle Spaziergänge in eine vorgegebene Richtung schärften die Wahrnehmung des urbanen Raumes. Supervised by Clemens Bauder, Luana Bechstein, Huai-Wen Chang, Ludwig Engel, Tina Frank, Jasmin Mersmann, Cheng-Yu Pan, Marianne Pührerfellner, Anne von der Heiden, Pei-Kuei Tsai, Katharina Weinberger-Lootsma, Mali Wu

Four departments built a team for each expedition (workshops with students and teachers from both Austria as well and Taiwan) in order to study the present in light of a particular question. Expedition #1 – The department of Visual Communication: “A Critical Mapping of the NOW“ used different kinds of mapping methods to examine the pluralised society and visualise it in collaborative maps. Expedition #2 – The department of Art History & Theory examined dispositives of infection and the boundaries of closed spaces. Expedition #3 – GITA Taiwan, The Graduate Institute for Transdisciplinary Art at the National Kaohsiung Normal University in Taiwan examined the NOW 9000 km east of Linz. This expedition was concerned with global warming and the concept of „neutrality“: What does „neutrality“ or „climate neutrality“ mean anyway? Expedition #4 – The department of Architecture went strolling into the NOW in the spirit of Lucius Burkhart’s Strollology. Individual walks in a given direction sharpened the perception of urban space. Supervised by Clemens Bauder, Luana Bechstein, Huai-Wen Chang, Ludwig Engel, Tina Frank, Jasmin Mersmann, Cheng-Yu Pan, Marianne Pührerfellner, Anne von der Heiden, Pei-Kuei Tsai, Katharina Weinberger-Lootsma, Mali Wu

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Ein internationales, transdisziplinäres Expeditionsteam zusammengesetzt aus 41 Studierenden und 12 Lehrenden, untersuchte in vier Expeditionen das JETZT. Viermal brachen wir mit Sonnenaufgang auf, um die Gegenwart unter einer bestimmten Fragestellung zu erforschen. Mithilfe unterschiedlicher Mappingverfahren entwarfen wir zeit-räumliche Karten der Gegenwart (#1), untersuchten Dispositive der Ansteckung und die Grenzen geschlossener Räume (#2), folgten unserem eigenen ökologischen Fußabdruck und befragten den Begriff der „Neutralität“ (#3) und erforschten schließlich spazierend Veränderungen und Potentiale des öffentlichen Raums (#4). Die während dieser ganz unterschiedlichen „Expeditionen ins JETZT“ generierten Ideen wurden in den jeweiligen Fachrichtungen vertieft und zu Projekten ausgearbeitet. Das Format der Expeditionen passte sich der aktuellen Situation an: Streamten wir die Auftaktsitzung noch aus einem gähnend leeren Audimax in einzelne Gruppenräume, konnten sich die kleinen Teams bei der zweiten Expedition nur noch im Freien treffen. Die dritte Expedition wurde aus Kaohsiung angeleitet, und wir kommunizierten virtuell; Zeitverschiebung und unterschiedliche Phasen der Pandemie (in Taiwan war zu dieser Zeit Präsenzunterricht möglich) zeigten die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Am Ende des Semesters gingen alle einzeln, in vorbestimmte Himmelsrichtungen los – und teilten ihre individuellen Erfahrungen am Folgetag per Zoom.


An international, transdisciplinary expedition team composed of 41 students and 12 teachers investigated the NOW in four expeditions. We set out at sunrise four times to explore the present with a specific question in mind. Using different mapping techniques, we designed temporospatial maps of the present (#1), investigated dispositives of contagion and the boundaries of closed spaces (#2), followed our own ecological footprint and questioned the notion of “neutrality“ (#3) and finally explored strolling changes and potentials of public space (#4). The ideas generated during these very different “expeditions into the NOW“ were deepened in the respective disciplines and elaborated into projects. The format of the expeditions adapted to the current situation: While we streamed the opening session from a yawningly empty auditorium into individual group rooms, the small teams were able to meet outdoors for the second expedition. The third expedition was led from Kaohsiung so we communicated virtually; the time difference and the different phases of the pandemic (in Taiwan, it was possible to teach in presence at that time) showed the simultaneity of the non-simultaneous. Finally, at the end of the semester, everyone walked individually in predetermined directions – and compiled their individual experiences the following day via Zoom.

Expedition ins Jetzt: Expeditionen

41 Studierende 41 students 12 Lehrende 12 teachers

vom Sonnenaufgang zum Sonnenuntergang from sunrise to sunset

vom Audimax in den öffentlichen Raum from audimax into public space

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EXPEDITION 1 EXPEDITION 1 EXPEDITION 1 KRITISCHE KARTIERUNG DES JETZT CRITICAL MAPPING OF THE NOW

Die Expedition 1 – eine Kartierung des JETZT startete mit dem Ziel, Geschichten der Interaktion und Kommunikation im öffentlichen Raum aufzuspüren und mittels gemeinschaftlicher Beobachtung in Form einer Karte festzuhalten. Gastgeberinnen der Expedition waren Tina Frank und Marianne Pührerfellner, Abteilung Visuelle Kommunikation. Mit der Pluralisierung der Gesellschaft als Ausgangspunkt suchten wir nach Anzeichen und Spuren, wie verschiedene Menschengruppen miteinander kommunizieren und sich vernetzen. Wir hielten Ausschau nach Räumen, Objekten und Beziehungen, die uns Hinweise auf ein Zusammenleben der Verschiedenheiten gaben. Die Fragestellung war: Wo und wie können wir Fälle des Beisammenseins, des Austauschs, des Verbringens von Zeit miteinander heute im öffentlichen (Online-)Raum finden? Die Studierenden erstellten Karten, die als Ausgangspunkte zur Erforschung des JETZT dienen können. Diese werden zu Hilfsmitteln, dank derer nicht nur Objekte an bestimmten Orten sichtbar werden.

OK — Schloss Wo ist eine Stadt individuell? Kann man diese Individualität sehen, messen oder kartografieren? „OK ­—  Schloss“ ist der Ver-­ such, die Individualität von Wegen innerhalb der Stadt sichtbar zu machen. Anhand von 26 verschiedenen Wegbe­schrei­ bungen in gezeichneter Form werden die Wege und Unterschiede in der Orientierung sichtbar.

11:18 am at Hofgasse Neben fixen Objekten, die den Stadtraum und die Kommunikation im Stadtraum ausmachen, gehen wir auf unserer Karte auch auf temporärere Ereignisse, wie das Erscheinen eines Krankenwagens, und auf spontane Eindrücke ein, die uns individuell aufgefallen sind und in einem herkömmlichen Stadtplan nie Beachtung finden würden, obwohl sie das Erleben einer Stadt qualifizieren.

OK – Castle Where is a city individual? Can you see this individuality, measure or map it? “OK — Castle” is an attempt to render visible the individual character of routes within the city. The paths and different ways of orientation become visible with the help of 26 different drawn route descriptions.

11:18 a.m. on Hofgasse In our map, besides fixed objects that make up urban space and communication in urban space, we have also mentioned temporary events such as an ambulance turning up as well as spontaneous impressions that attracted us and would never be taken into account in an ordinary city map even though they qualify the experiencing of a city.

Leonie Kaltenegger, Daniel Derflinger, Vinzent Wallner, Valerie Danzer, Jennifer Ochwat

Expedition 1 – a mapping of the now – was launched with the goal of finding stories of interaction and communication in public space and to capture them in the form of a map. The expedition was hosted by Tina Frank & Marianne Pührerfellner, Department Visual Communication. Taking the pluralization of society as a starting point, we searched for signs and traces of how different groups of people communicate and network with each other. We were looking for spaces, objects, and relationships that could point us towards a coexistence of diversities. The question was: Where and how can we find instances of togetherness, of exchange, of spending time with each other in (online) public space, today? The students created maps that can serve as starting points for the exploration of the NOW. They become tools through which not only objects in specific locations are made visible.

Paul Eis, Julia Leeb, David Rall, Maria Strieder, Johanna Kerschensteiner

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Mit dem Notebook hinaus in die Stadt Was macht man während einer globalen Pandemie, wenn man sich zu Hause keine Internetverbindung leisten kann? Gerade jetzt verlagert sich unser Kommunikationsraum vom Physischen ins Virtuelle. Wir müssen Meetings, Seminare, Vorträge etc. auf digitalen Plattformen abhalten. Wo aber gibt es in Linz öffentliche, konsumationsfreie Räume, die gerade für diese Situationen bereitstehen? Into the City with the Notebook What do you do during a global pandemic if you cannot afford an internet connection at home? Right now, our communication space is shifting from the physical to the virtual. We have to hold meetings, seminars, lectures, etc. on digital platforms. But where in Linz are public, consumptionfree spaces that can be found for exactly these situations? Stefanie Hoffmann, Sarah Dorfer, Anne Rotter, Valentina Hölzl, Carina Lindmeier

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Public Spaces im Internet Auf Plattformen, die dem Austausch zwischen Menschen aller Welt dienen, entsteht eine absurde Menge an Datenaustausch. Dabei verschwindet das Be­wusstsein für die Grenze zwischen Privatem und Öffentlichem. Aber ist etwas auch öffentlich, wenn es niemand sieht? Und wie lässt sich das Phänomen von viral gegangenen Inhalten rekonstruieren? Public Spaces on the Internet An absurd amount of data exchange is generated on platforms used for the interaction of people from all over the world, with the awareness of the boundary between private and public disappearing in the process. However, is something also public if no one sees it? And how can the phenomenon of content gone viral be reconstructed? Karim Hussein, Sarah Mühlbacher, Katharina Biser, Beate Gatschelhofer

Denkmal für das JETZT! Wie erfahren wir Pluralität/Diversität im öffentlichen Raum und welche Objekte stehen für ein Zusammenleben im JETZT zur Verfügung? In der Linzer Altstadt fielen uns besonders die Plätze mit Statuen oder Denkmälern auf, Orte, an denen Menschen aus derselben oder verschiedenen Kulturen, Interessensbereichen und Ländern zusammentreffen. Müssen wir Denkmäler heutzutage anders betrachten? Wie könnte ein Denkmal für das JETZT aussehen? Memorial for the NOW! How do we experience plurality/diversity in public space and what objects are available for a togetherness in the NOW? In the old town of Linz, what we noticed in particular were the squares with statues or memorials, places where people from different or the same cultures, interests or countries meet. Do we have to think in a different way about memorials these days? How would a monument of the NOW look like? Johanna Brunner, Julien Reinhart, Aga Hoza, Jessica Bernhart, Mario Buchberger


EXPEDITION 2 EXPEDITION 2 EXPEDITION 2

GESCHLOSSENE RÄUME UND DISPOSITIVE DER ANSTECKUNG CLOSED SPACES AND DISPOSITIVES OF INFECTION

Klettenbrief – Postfiliale Wie herein so heraus: Menschen und Briefe – nur Objekte im Handlungsablauf von Postfilialen? Was passiert an den unzugänglichen Orten wie Fließband und Sortierbereich? Wie lassen sich die NichtOrte, die Zwischenräume einer Briefsendung einfangen, sichtbar machen? Die Postwege sind (un)ergründlich! Velcro Letter – Post Office In and out again: People and letters – just objects in the operations of post offices? What happens in inaccessible places like a conveyor belt or sorting area? How can the non-places, the places in between, of a mailing be captured, rendered visible? Mailing routes are (un)fathomable! Katharina Biser, Valerie Danzer, Leonie Kaltenegger, Julia Leeb

Bitte die Türen schließen wegen Taubeneinflug – Kirche/Priesterseminar Hinter verschlossenen Türen und über hohe Eisengitter hinweg: Die weißen Tauben fliegen wieder in den Kirchen von Linz! In den stillen Räumen raschelt und knistert es, wenn die frohe Botschaft gelesen wird.

C’est la vie – Schlachthof  Betretungsverbot für Besucher! Eltern haften für ihre Kinder! Unbefugten ist der Zutritt verboten! Ein Schlachthof ist ein Ort mit abschreckender Wirkung, der nicht besucht werden will. Trotzdem, immer der Nase nach! Denn was verbirgt sich hinter dem Slogan „C’est la Vie“? C’est la vie – A Slaughterhouse No visitors allowed! Parents are responsible for their children! Unauthorized persons are not allowed to enter! A slaughterhouse is a place with a deterring impact that does not want to be visited. And yet, follow your nose! Because, what’s the story behind the slogan “C’est la vie”? Karim Hussein, Johanna Kerschensteiner

Ein Wohnheim als Postkarte – Sozialverein B37 Ist räumliche Offenheit gleichbedeutend mit der Offenheit in unseren Köpfen? Beobachtungen von Grenzziehungsmechanismen in einem psychosozialen Wohnheim führen zu neuen Gedankengängen und einem Linolschnitt. Und welches ist dein Zimmerfenster?

Keep Doors Closed. Pidgeons Coming In – Church/Seminary Behind closed gates and beyond high iron bars: The white doves are flying again in the churches of Linz! There is rustling and crackling in the quiet rooms when the joyful message is read.

A Residential Home as Postcard – Sozialverein B37 Does spatial openness equal an openness in our minds? Observations on border drawing mechanisms in a psychosocial residential home lead to new trains of thought and a linocut. And which one is your room’s window?

Johanna Brunner, Sarah Dorfer, Valentina Hölzl, Maria Strieder, Vinzent Wallner

Daniel Derflinger, Sarah Mühlbacher, Julien Reinhart, Anne Rotter

Expedition ins Jetzt: Expeditionen

Die Corona-Krise zieht neue Grenzen, zugleich macht sie bestehende soziale Grenzen sichtbar. Als „Hotspots“ erhalten verdrängte Orte wie Altenheime, Fabriken und Schlachthöfe öffentliche Aufmerksamkeit. Die Schließung von Kinos, Cafés und Universitäten macht uns bewusst, welche Rolle diese für andere Formen der „Ansteckung“ – mit Ideen und Visionen – spielen. Gesellschaft lebt vom wechselseitigen Affizieren. Wie lassen sich Austauschprozesse über Barrieren hinweg initiieren? Die Expedition unter der Leitung von Anne von der Heiden, Jasmin Mersmann und Luana Bechstein (Abt. Kunstgeschichte/Kunsttheorie) erforschte die gegenwärtige Dynamik von Orten mit beschränktem Zugang. Um Grenzziehungsmechanismen zu ergründen, wurden diese zu drei Tageszeiten erkundet: Die Studierenden beobachteten morgens Operationen der Öffnung/Schließung, schleusten nachmittags selbstgestaltete Dinge ein, prüften abends die Wirkung und experimentierten so mit Formen sozialer Ansteckung jenseits medizinischer Diskurse. The Corona crisis is drawing new boundaries; at the same time, it renders existing social borders visible. Places that otherwise escape public attention, such as old people’s homes, factories and slaughterhouses, receive public attention as ‘hot spots’. The closure of cinemas, clubs and universities makes us aware of the role they play in other forms of “contagion” – with ideas and enthusiasm. Society sustains itself through mutual affection. How can processes of exchange be instigated across barriers? The expedition led by Anne von der Heiden, Jasmin Mersmann and Luana Bechstein (Dept. of Art History and Art Theory) investigated the current dynamics of places with restricted access. In order to explore inclusion-exclusion mechanisms, they were observed at three different times of the day: In the morning, the students observed operations of opening and closing, smuggled in self-made items in the afternoon to then check their effect in the evening, and thus experimented with forms of (social) infection beyond medical discourse.

Pratergeschichten Hast du die „Wilde Maus“ gesehen? Aufmerksam hinschauen im stillgelegten Wiener Wurstelprater! Zwischen abgeschlossenen Buden, verwaisten Fahrgeschäften und eingepackten Figuren führt eine Farbspurensuche zu ganz eigenen Attraktionen. Prater Stories Have you seen the “Wild Mouse”? Look around closely in the mothballed Viennese Prater! Between closed stalls, abandoned rides and wrapped figures, a color trace search leads to its very own attractions. Stefanie Hoffmann, Helene Payrhuber

Folge dem Klebestreifen ins Freie! – Neues Rathaus Versteckte Innenhöfe eröffnen neue (Klang)Räume: Im Labyrinth der Gänge, Büros, Tagungsräume und visuellen Zeichen führt im Neuen Rathaus ein geheimes Leitsystem hinaus ins Freie! Follow the Adhesive Tape to Get Outside! – New Town Hall Hidden internal courtyards open up new (sound) spaces: In the labyrinth of corridors, offices, conference rooms, and visual signs of the New Town Hall, a secret guidance system leads out into the open air! Mario Buchberger, David Rall

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EXPEDITION 3 EXPEDITION 3 EXPEDITION 3

NEUTRALITÄT – KLIMANEUTRALITÄT NEUTRALITY – CLIMATE NEUTRALITY

Die Pandemie ist nicht die einzige Krise der Gegenwart. Die dritte internationale Expedition ins JETZT beschäftigt sich mit der Erderwärmung und dem Konzept der „Neutralität“: Was heißt überhaupt „Neutralität“ beziehungsweise „Klimaneutralität“? Wie können wir im Alltag unseren CO2-Footprint verringern? Was hat unser Klimakonto mit dem Karma gemeinsam? Wie lässt sich eine emotionale Verbindung mit dem Thema herstellen? Die Initiator*innen der dritten Expedition, Pei-Kuei Tsai, Mali Wu, Huai-Wen Chang und Cheng-Yu Pan von der Kaoshiung University Taiwan, schlagen vor, diese großen Fragen zur Klimakrise durch die Reflexion einer alltäglichen Gewohnheit – eines „Habitus“ – zu untersuchen: „When reviewing carbon emissions, we should find out more and LEARN from our daily patterns to understand how to UNLEARN these habits.“ (Mali Wu) Internationale Studierendenteams entwickeln unterschiedliche Strategien des „Verlernens“ durch Spiele, Rituale und (Gedanken-)Experimente. The pandemic is not the only crisis of the present. The third international expedition into the NOW deals with global warming and the concept of “neutrality”: What does “neutrality” resp. “climate neutrality” actually mean? How in everyday life can we reduce our carbon footprint? What does a climate balance have in common with karma? How can we establish an emotional connection with the subject? The initiators of the third expedition, Pei-Kuei Tsai, Mali Wu, Huai-Wen Chang and Chen-Yu Pan of Kaoshiung University Taiwan, propose to examine these big questions regarding the climate crisis by reflecting on an everyday routine – a “habit”: When reviewing carbon emissions, we should find out more and LEARN from our daily patterns to understand how to UNLEARN these habits.” (Mali Wu) International student teams have developed different strategies of “unlearning” via games, rituals, and (thought) experiments.

Sink or Swim – A Zero Carbon Scenario for a Mobile Swimming City in the Year 2364 The starting point for the scenario “Sink or Swim” is a dystopia – We are in the year 2364, and the world has only two climate zones: extremely hot, extremely cold! How can humans still exist under such apocalyptic conditions? 傅有薇, 邱柔瑄, 陳小圓, Valentina Hölzl, Carina Lindmeier, Mario Buchberger

Habits of Food Consumption Das Projekt „Habits of Food Consumption“ ging den Möglichkeiten der Offenlegung von individuellen und gesellschaftlichen Handlungsmustern nach, indem eine Konfrontation mit den „guten“ wie „schlechten“ alltäglichen (An-)Gewohnheiten zentral stand. Analysiert und verglichen wurden die Essgewohnheiten in Taiwan und Österreich. Habits of Food Consumption The project “Habits of Food Consumption” explored possibilities of revealing individual and societal patterns of behavior, centering on the confrontation with “good” and “bad” daily habits. Eating habits in Taiwan and Austria were analyzed and compared. 蕭宇汶 Xiau Yu-wen, 李奕萱 Li I-hsuan, 羅笙 豪 Lo Sheng-haur, Valerie Danzer, Vinzent Wallner

Changing Habits: Lu Rou Fan – Kartoffelpuffer Das Kochen als alltägliche Handlung – Gewohnheit – wurde untersucht: Wie sieht eine österreichische Version von Lu Rou Fan, einem in Taiwan beliebten Reisgericht mit Schweinefleisch, aus? Welche Zutaten stehen in Taiwan für klassische österreichische Erdäpfel/ Kartoffelpuffer zur Verfügung? Gleichzeitig ging es um die Frage: Wie können wir diese Gerichte möglichst klimaneutral zubereiten? Changing Habits: Lu Rou Fan – Potato Pancakes The daily activity – habit – of cooking was examined: What does the Austrian version of Lu Rou Fan, a popular Taiwanese rice dish with pork, look like? What ingredients are available in Taiwan to make typical Austrian potato pancakes? At the same time, there was the question: How can we be as climate neutral as possible in preparing these dishes? 徐珮瑜 Frannie, 楊淯緹 Fufu, 簡銘萱 MineHsuan, Jessica Bernhart, Aga Hoza

PHONE KARMA Gutes Karma, schlechtes Karma? Eines steht fest, gar kein Karma zu erzeugen, ist für uns Menschen unmöglich. Dasselbe gilt für die quantitative Neutralisierung von CO2. Deshalb haben wir eine alltägliche Aktivität mit hohem CO2 Verbrauch untersucht: unseren Handykonsum! Fünf Konzepte zeigen auf, wie der tägliche Handykonsum reduziert werden kann. PHONE KARMA Good karma, bad karma? One thing is certain: Producing no karma at all is impossible for us humans. The same applies to the quantitative neutralization of CO2. This is why we examined an everyday activity that produces a lot of CO2: our cell phone consumption! Five concepts demonstrate how our daily cell phone consumption can be reduced. 王筠婷 Lisa, 銀得貿 Silver Yin, 鄭育婕 Jessie, Mühlbacher Sarah, Katharina Biser, Jennifer Ochwat

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Sink or Swim – Ein Zero Carbon Szenario für eine mobile, schwimmende Stadt im Jahr 2364 Wir befinden uns im Jahr 2364 und es gibt auf der Welt nur noch zwei Klimazonen: extrem heiß, extrem kalt! Wie also können Menschen dennoch unter derart apokalyptischen Zuständen leben?

Seelengleichgewicht CO2-Neutralität in der Epidemie: Das Gleichgewicht von neuer Lebensweise und persönlichem Bedürfnis. Untersucht wurde das Konzept der „Neutralität“. Es bedeutet nicht nur „Ausgleich“, sondern hat auch mit „Austausch“ zu tun: Wenn etwas weggenommen wird, muss auch etwas zurückgegeben werden, um das Gleichgewicht wiederherzustellen – den „neutralen Zustand“. Spirit Balance Carbon Neutrality in the Epidemic: The Balance Between New Life Style and Personal Desire. The focus of our examination was the concept of “neutrality”. It means not only “offset” but also has to do with “exchange”: If something is taken away, then something must also be added back in order to restore the balance – the “neutral state”. 蔡明岳 Rex, 李宇雙 Judy, 林幸褣 A-Lone, Johanna Brunner, Sarah Dorfer, Julia Leeb

CARBON NEUTRAL CARD GAME Das Projekt stellt die Frage, ob wir bezüglich der CO2-Neutralität immer noch in Klischees denken. Fehlt uns die emotionale Verbindung? Fühlen wir uns in Bezug auf die Herstellung der CO2-Neutralität noch nicht schuldig genug? Das “CARBON NEUTRAL CARD GAME” analysiert die täglichen Angewohnheiten, indem es Fragen stellt sowie den täglichen CO2Verbrauch aufzeigt. CARBON NEUTRAL CARD GAME The project raises the question if we maybe still think in clichés when it comes to carbon neutrality. Do we lack an emotional connection? Are we still not feeling guilty enough when it comes to producing carbon neutrality? The “CARBON NEUTRAL CARD GAME” analyzes daily habits by asking questions and showing the daily consumption of CO2. 王子安, 陳怡君, 蘇柏勳, David Rall, Helene Payrhuber, Stefanie Hoffmann

STR Face Mask - Selbstreinigende, temperaturregulierte Gesichtsmaske Als Folge der Pandemie ist das Tragen einer Gesichtsmaske eine tägliche Angewohnheit geworden. Gesichtsmasken sind üblicherweise Wegwerfprodukte und schaffen daher ein zusätzliches Problem hinsichtlich unseres CO2-Fußabdrucks: Unsere Antwort ist die selbstreinigende, temperaturregulierte Gesichtsmaske. Self-Sanitizing Temperature Regulating Face Mask As a consequence of the pandemic, wearing a face mask has become a daily routine. Face masks are typically disposable items and therefore create another problem in terms of our carbon footprint. Our response is the self-sanitizing, temperature regulating face mask. 張天, 游恩恩, 陳羿如, Maria Strieder, Johanna Kerschensteiner, Leonie Kaltenegger Hölzl, Maria Strieder und Vinzent Wallner


EXPEDITION 4 EXPEDITION 4 EXPEDITION 4

SPAZIEREN IM JETZT! WALKING INTO NOW!

Ostnordost 67,5° – Spaziergang durch meine Heimatstadt Die Geschichte, die durch das Spazieren in eine bestimmte Richtung entstand, erwies sich als ungeplante Zeitreise. Früher nahm ich diesen Weg jeden Tag zur Schule, sah meine Freunde, malte, zeichnete und tat alles, was ich konnte, um das Ziel zu erreichen, das ich nun verfolge. Das Kunststudium. East-Northeast 67,5° – Walking Through My Hometown The story created by walking in a certain direction turned out to be an unplanned journey in time. Back in the day I used to take this path to school each day, saw my friends, painted, drew, and did everything I could to reach the goal that I am following now. Art studies. Aga Hoza

„Der Spaziergang ist also eine Kette, eine Perlenschnur mit ausdrucksstärkeren und dann wieder ausdrucksschwächeren, immer aber wirksamen Passagen, die unsere Wahrnehmung synthetisiert.“ (Lucius Burckhardt, Promenadologie – Eine neue Wissenschaft. (1998) In: Warum ist Landschaft schön? (2008), S. 329 f.) Die vierte Expedition stand unter dem Einfluss des dritten Lockdowns. Basierend auf den Betrachtungen von Lucius Burckhardt, dem Begründer der Promenadologie, machten Clemens Bauder, Ludwig Engel und Katharina Weinberger-Lootsma eine der wenigen gesetzlich erlaubten Tätigkeiten außerhalb der eigenen vier Wände zum Untersuchungsgegenstand: das individuelle Spazierengehen. Die Expeditionsteilnehmer*innen bekamen jeweils eine Himmelsrichtung vorgegeben. Alleine und nur mit einem Kompass als Orientierungshilfe spazierten sie zwei Stunden lang in diese Richtung. Als Akt und Prozess der (Selbst-)Aneignung eröffnete das Spazieren poetisches und performatives Potenzial: Das Gehen umfasste für die Spazierenden physische, emotionale und soziale Aspekte, die auf dem Weg erlebt und mittels unterschiedlicher Medien dokumentiert wurden. “The stroll is therefore a chain, a string of pearls with expressive, then again less expressive, but at all times potent passages, which synthesizes our perception.” – Lucius Burckhardt, Promenadologie – Eine neue Wissenschaft. (1998), in: Warum ist Landschaft schön? (2008), p. 329 f.)

Nordnordwest 337,5° – Gedankengänge aufzeichnen Zu spazieren hilft seine Gedanken neu zu sortieren. Während des Gehens können leichter Lösungen für Probleme gefunden werden. Entspannung stellt sich ein und alte Denkmuster werden aufgebrochen: neue Ideen entstehen! Die 4. Expedition war für mich der Versuch, meine Gedankengänge chronologisch durch Zeichen zu dokumentieren. North-Northwest 337,5° – Recording Trains of Thoughts Taking a walk helps to reorganize your thoughts. While walking, solutions to problems are more easy to be found. Relaxation kicks in and old patterns of thought are broken: New ideas emerge! For me, the fourth expedition was the attempt to use symbols to chronologically document my trains of thoughts.

The fourth expedition was influenced by the third lockdown. Based on the reflections of Lucius Burckhardt, the founder of Strollology, Clemens Bauder, Ludwig Engel and Katharina Weinberger-Lootsma turned one of the few legally permitted activities outside one’s own four walls into the research subject: the individual walk. The expedition participants were each given a set compass direction. On their own, with just a compass as orientation aid, they took a two-hour walk in that direction. As an act and process of (self-)appropriation, walking opened up poetic and performative potential: To the strollers, walking involved physical, emotional and social aspects that were experienced on the way and documented with the help of different media.

Nordnordost 22° – Linz Hauptplatz Der Weg vom Hauptplatz nach NNO führte mich am urbanen Teil der Donau entlang. Die Gebäude wuchsen in die Höhe. Weiter am Fluss passierte ich ein Naherholungsgebiet. Bergauf gehend, erreichte ich die Stadtgrenze: Linz war verschwindend klein geworden. Hinter dem winzigen „Stadtpunkt“ am Horizont waren klar die Alpen zu sehen. North-Northeast 22° – Linz Main Square The NNE path from Main Square led me along the urban section of the Danube. The buildings rose up high. Further along the river, I passed by a local recreational area. Going uphill, I crossed the city limits: Linz had become insignificantly small. On the horizon, behind the tiny “urban dot”, there was a clear look at the Alps. Anne Rotter

Osten 90° – Logbuch der GEFÜHLE Mein Gehen in eine vorgegebene Richtung wurde von Gefühlen dominiert, weshalb ich diese in einem Logbuch dokumentierte. Überraschend war die Vielzahl an unterschiedlichen Gefühlen. Ein Auszug aus dem Logbuch: 07:58 zuversichtlich 0 km – Start der Expedition, mein Kompass funktioniert. 08:14 verwirrt 0,83 km – mein erstes Hindernis East 90° – Logbook of EMOTIONS My walking in a predefined direction was dominated by emotions, which is why I documented them in a logbook. What was surprising was the great number of different feelings. An excerpt from the logbook: 07:58 confident km 0 – expedition start, my compass works. 08:14 confused km 0.83 – my first obstacle Jessica Bernhart

Nordwest 315° – Aufmerksamkeitstagebuch Um meine Aufmerksamkeit zu schulen, versuchte ich, Gesehenes differenziert wahrzunehmen und zu beschreiben, geradeso, als würde ich diese in ein (Gedanken) Tagebuch notieren. Tagebucheintrag: „Wandern, Luft und Sonne erhellen das Gemüt und es lohnt sich, eine unbekannte (Himmels)Richtung einzuschlagen, um zu neuen Orten und Eindrücken zu gelangen!“ Northwest 315° – Attention Diary In order to train my attention, I tried to have a differentiated perception of what I saw and describe it like I was noting it all down in a diary (of thoughts). Diary entry: “Hiking, air and sun brighten the spirits, and it’s worth taking an unknown (cardinal) direction to arrive at new places and sensations! “ Stefan Schneider

Südsüdost 157,5° – Der Boden Durch das Spazieren wird einem bewusst, dass die „natürliche“ Fortbewegung des Menschen das Zu-Fuß-Gehen ist. Überdies führt aufmerksames Beobachten beim Wandern zu der Erkenntnis: Die Umwelt verändert sich ständig, der Boden bleibt jedoch derselbe. South-Southeast 157,5° – The Ground Taking a walk makes you aware that the human being’s “natural” way of locomotion is going on foot. What’s more, keeping an eye out during the hike leads to the realization: The surroundings are in constant change, but the ground stays the same. Julien Reinhart

Maria Strieder

Expedition ins Jetzt: Expeditionen

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Südwest 225° – Zeitraffer Erst mit der Geschwindigkeit des Wandernden zeigt sich, mit welcher Schnelligkeit sich die vorbeiziehende Landschaft verändert: Eindrücke werden weniger, dafür umso intensiver. Mit zunehmender Entfernung von den Hauptverkehrswegen werden zufällige Begegnungen mit anderen Menschen zu eindringlichen Momenten der Intimität.

Nordost 45° – Am richtigen Weg? In Anlehnung an den Text von Lucius Burckhardt, spazierte ich in die vorgegebene Richtung und reflektierte fragend den Weg durch das NOW - durch die Pandemie: Auf welchen Wegen gehen wir? Wird uns die Richtung vorgegeben? Gibt es Leitlinien, die uns einschränken? Wie ist die Situation im JETZT?

Southeast 225° – Time Lapse It takes a hiker’s pace to see how fast the moving landscape changes: The impressions become fewer yet all the more intense. The more the distance from the main routes, the more the chance encounters with other people become powerful, intimate moments. Daniel Derflinger

Süden 180° – Wetter Die Haupterfahrung meiner Expedition ins JETZT war das Wetter und ich sinnierte darüber während des ganzen Weges. Zwischenzeitlich habe ich mich, wie bei einer Stadtbesichtigung in Italien gefühlt: die „Hitze“, die hell leuchtenden Fassaden und der strahlend blaue Himmel. Neben der Wärme und dem wolkenlosen Himmel war es enorm stürmisch – Drama pur!

Northeast 45° – On the Right Path? Taking my inspiration from a text by Lucius Burckhardt, I walked in the predetermined direction and reflected on the path through the NOW – through the pandemic – by asking: What paths do we take? Is our direction predetermined? Are there guidelines that restrict us? What is the situation like in the present? Johanna Brunner

Südsüdwest 202,5° – Rätsel Die vorgegebene Himmelsrichtung für den Spaziergang erfuhr ich wie eine Art Rätsel: Welcher Weg führte mich wohl am ehesten in die gewollte Richtung?  Momentan finden für mich Erkundungsgänge hauptsächlich zu Hause, im Internet und in den Open-World-Spielen wie Minecraft statt. So stellte ich fest, wie gut mir Bewegung tat und wie schön es war, neue Orte und Wege zu entdecken.

Nordwest 315° – Die unbehagliche Einsamkeit Alleine spazieren zu gehen, lenkte meine Aufmerksamkeit auf andere Menschen. Die Umgebung wurde zweitrangig und mein Blick folgte Menschen, die vor, neben oder hinter mir gingen: Ich beobachtete sie.

South 180° – Weather The main experience on my expedition into the NOW was the weather, which I was thinking about all way long. I sometimes felt like on a city tour in Italy: the “heat”, the brightly lit facades, and the brilliant blue sky. In addition to the warmth and the cloudless sky, it was very stormy – pure drama!

Südsüdost 157,5° – One Way Rural 31 km, 7 Stunden 32 Minuten, 1002 Höhenmeter. Einsamkeit, Trostlosigkeit, Menschenleere durchbrochen von Autolärm. Wo sind die Menschen, warum gibt es nur Autos? Der Blick konzentriert auf den Weg. Höhen und Tiefen - Physisch und Psychisch. Ein Kreisverkehr, mein Wendepunkt! South-Southeast 157,5° – One Way Rural 31 kilometers, 7 hours 32 minutes, 1002 altitude meters. Solitude, desolation, a deserted atmosphere interrupted by car noise. Where are the people, why is there nothing but cars? The gaze focused on the path. Ups and downs – physical and mental. A traffic circle, my turning point! Mario Buchberger

Valerie Danzer

South-Southwest 202,5° – Mystery I found out about predefined direction like a kind of mystery: Which way would most likely lead me in the intended direction? At the moment, my reconnaissance trips mainly take place at home, on the internet, and in open-world games like Minecraft. Therefore, I realized how good physical activity feels and how nice it was to discover new places and paths. Katharina Biser  

Irgendwann stellte sich Einsamkeit ein und ich fühlte mich frei! Etwas veränderte sich in mir und die Intensität der Wahrnehmung meiner Umwelt steigerte sich. Ostsüdost 112,5° – Die innere Landkarte Altbekannte „Landmarks“ zu untersuchen – dies war mein Leitgedanke! Der Ausgangspunkt meines Spaziergangs war mein Elternhaus.

Northwest 315° – Uncomfortable Solitude Going on a walk alone made my attention focus on other people. The surrounding area became secondary, with my gaze following people going in front, next or behind me. I was watching them. At some point there was complete solitude and I felt free! Something in me was changing, and the perception of my surroundings became more intense. Sarah Dorfer

Alle Eindrücke des JETZT überlagerten sich mit starken emotionalen Reaktionen und Erinnerungen, die in langsamem Schritttempo heraufquellten und es entstand eine neue „innere Landkarte“. Ostsüdost 112,5° – Ein Spaziergang als Comic Verschlafen, verspätet, verirrt, fast verhungert, Füße schmerzen und Sehnsüchte nach verbrannten Socken: Der Weg vom Linzer Hauptplatz in Richtung Ostsüdost in gezeichneten Anekdoten. East-Southeast 112,5° – A Walk As Comic Book Sleepy, late, lost, almost starving to death, feet hurting, and a longing for burnt socks: The east-southeast bound path from Linz Main Square in drawn anecdotes.

East-Southeast 112,5° – The Inner Map To examine well-familiar “landmarks” that was my guiding idea! The starting point of my walk was my parents’ home. All impressions of the NOW overlapped with strong emotional reactions and memories that sprung up in a slow walking pace, and a new “inner map” formed. Sarah Mühlbacher

Süden 180° Der Ort an sich ist weniger wichtig als die Gedanken, Gefühle und Erfahrungen, die er in einem auslöst. In diese Zonen der Selbstüberschreitung – des Verlorenseins, der Abwehr und der körperlichen Ermüdung – einzudringen, verdichtet und qualifiziert das Erlebte. Die Geschwindigkeit des Gehens schärft darüber hinaus den Blick für Details und Szenerien. South 180° The place itself is not as important as the thoughts, feelings and experiences it invokes in you. Entering these zones of self-transgression – of feeling lost, of resistance and physical fatigue – condenses and qualifies experiences. Moreover, the walking pace sharpens the ability to see details and sceneries.

Johanna Kerschensteiner David Rall

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Auf ins JETZT! Unter dem Motto „Auf ins JETZT! // Dem JETZT entgegen!“ entwickelten die Studierenden einen Ausstellungsparcours in der Linzer Innenstadt, der am 30.04.2021 zu sehen war. 21 Interventionen, Performances, Plakate, Fotografien und soziale Skulpturen zeugen von Versuchen, das JETZT zu fassen, zu reflektieren und seine Möglichkeitsräume zu erproben.

Into the NOW! In accordance with the motto “Auf ins JETZT! // Towards the NOW!” the students developed an exhibition parcours in the city centre of Linz, which was shown on April 30th, 2021. 21 interventions, performances, posters, photographs and social sculptures show atDer Ausstellungsparcours tempts to understand and wurde als Stadtspaziergang, reflect on the NOW, and to für den öffentlichen Raum speculate its possible spaces. in Zeiten von Covid-19 konzipiert und gleicht einem The exhibition parcours Seismographen der Gegen- was conceptualised as a wart, der die Wünsche und city stroll for public space Mängel unserer Gegenwart in times of Covid-19 and aufspürt und Fragen an das acts like a seismograph of JETZT stellt: Wie muss sich the present, detecting deder öffentliche Raum verän- sires and what’s missing in dern, um gesellschaftliche our present, while posing Teilhabe und Abstand zu ver- questions to the NOW: How einbaren? Wo sind und ent- does public space need to stehen Kommunikationsorte change in order to conjoin in der Stadt, wenn körperlisocial participation and dische Nähe Gefahr bedeutet? tance? Where are and where will communication places be in the city when physical proximity means danger?

Expedition ins Jetzt: Aktionstag

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Durchgängig positives Feedback – auch von Leuten, die nichts mit der Thematik des Insektensterbens anfangen konnten/ Consistently positive feedback – even from people who could not relate to the issue of insect mortality

84 FußgängerInnen, 23 RadfahrerInnen, 9 AutofahrerInnen und 1 Müllfahrer sind abgetaucht/84 pedestrians, 23 bicyclists, 9 motorists and 1 garbage driver descended

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2 Kilogram gepopptes Popcorn/ 2 kilograms of popped popcorn

367 Stimmen im interaktiven Gefühlsdiagramm/ 367 voices in the interactive feeling chart

17 "Klograffitis" inklusive 4 Penisillustrationen/ 17 "Klograffiti" including 4 penis illustrations

Expedition ins Jetzt: NOW Aktionstag

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93 geschriebene Archivbeiträge/ 93 written archive posts

Expedition ins Jetzt: NOW Aktionstag

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14 324 zurückgelegte Schritte/ 14 324 steps traveled

Expedition ins Jetzt: NOW Aktionstag

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3 Kilogram verstreutes Farbpulver/ 3 kilograms of scattered paint powder

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46 von 48 übrige Postkarten/ 46 from 48 other postcards

31 geschriebene Tagebucheinträge/ 31 written diary entries

Expedition ins Jetzt: NOW Aktionstag

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aus 3 Plakaten wurden 9/ from 3 posters became 9

Förderungsverein der Kunstuniversität Linz

Herausgeber/Publisher Kunstuniversität Linz Hauptplatz 6/ 4020 Linz kulturtankstelle Abteilung Visuelle Kommunikation Fachbereich Kunstgeschichte/Kunsttheorie Abteilung die architektur Redaktion/Editorial staff Elisabeth Egger-Mann, Tina Frank, Jasmin Mersmann, Marianne Pührerfellner, Katharina Weinberger-Lootsma

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Zeitschriftengestaltung/Design Iska Gebhard Leonie Kaltenegger Stefanie Hoffmann

Übesetzung/Translation Thomas Taborsky Lektorat Deutsch/ Proof Reading German Luana Bechstein Lektorat Englisch/ Proof Reading Englisch Catherine Cary Schriften/Fonts Montserrat Prompt www.googlefonts.com Druck/Print MegaDruck.de Produktions- und Vertriebs GmbH www.megadruck.de

Bilder/Credits Alle Bildrechte liegen bei Violetta Walkobinger. Außer: Seite 25/26, Hängepartie, Paul Eis Seite 28, Öffentliches Tagebuch, Stefanie Hoffmann Seite 29, CCGraph, Anne Rotter, Daniel Derflinger Seite 31, Selfie/Beauty, Carina Lindmeier Seite 33, Submarine, Paul Eis Seite 42, Archive of Uncertainty, Leonie Kaltenegger Seite 46, A Year of Calls, Michaela Unterweger Seite 17, Archive of Uncertainty, Leonie Kaltenegger Seite 22, Now Aktionstag, Valerie Danzer © Kunstuniversität Linz, Juni 2021


Feelings_Now

ntliches_Tagebuch

u gerade? Das „Öffentliche ngt Stimmungen des JETZT melt „Gedankengut“: Freies eiben der Besucher*innen t!

1 Hier_und_Jetzt A_Year_of_Calls

Die Aggregatzustände des Wassers, die sich, ähnlich der Zeit, in drei verschiedene Abschnitte einteilen lassen, sind ein Mysterium. Die Skulptur aus Eis symbolisiert diesen zeitlichen Kreislauf, der sich uns entzieht: Das Hier und Jetzt „erstarrt“ in seinem Aggregatzustand, doch den eigentlichen Moment können wir nie erfassen.

Stefanie Hoffmann

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„A Year of Calls“ ist das Protokoll einer persönlichen Anrufliste für ein gesamtes Jahr. Es zeigt auf, wie sich die Anrufhäufigkeit in der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen verändert hat.

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„feelings now“ versucht die Gefühle des JETZT zu dokumentieren. Es besteht aus einem Magazin in mehreren Ausgaben. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einer anderen Person oder Gruppe. Während des Aktionstags entsteht durch interaktive Plakate, ein neues Heft, das die gegenwärtigen Gefühle der Ausstellungsteilnehmer*innen festhält. Jessica Bernhart

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Maria Strieder

Micha Gerersdorfer

sparcours_Linz Expedition ins Jetzt

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A Year of Calls

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Hier und Jetzt

fgas se

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Gegenwartsbewältigung In einem illustrativen Tagebuch beschreibt die Autorin ihre Wahrnehmung des JETZT. Bild und Text halten selbsttherapeutisch die Höhen und Tiefen des Alltags fest. Das Projekt will Mut machen, sich mit dem JETZT zu arrangieren und blickt positiv in die Zukunft.

CCGraph 18:00 Uhr

Gegenwartsbewältigung

Linzgeschichten

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Johanna Kerschensteiner

Anstecker*in

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Feelings Now

Neutorgass

Öffentliches Tagebuch Ho

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Pfarrp

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Archive of Uncertainty

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Extraktion ins Jetzt

15 Hängepartie 14

Anstecker*in Funken, die überspringen – Begeisterung, die ansteckt – Ohrwürmer, die wandern: Die farbigen (biologisch abbaubaren) Anstecker erinnern uns daran, dass nicht nur Viren ansteckend sind, sondern auch Lachen und Gähnen, Ideen und Emotionen: Let’s be Social Superspreaders! Luana Bechstein, Angelika Wonisch

Jetztwanderwege Archive_of_Uncertainty

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Das „Archive of Uncertainty“ erforscht mittels partizipativer Webanwendung, wie sich die „Ungewissheit“ individuell anfühlt. Der meist negativ konnotierte Begriff wird von den Anwender*innen aus einem anderen Blickwinkel betrachtet, und macht auf die transformativen Fähigkeiten der „Ungewissheit“ aufmerksam. Leonie Kaltenegger

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Extraktion_ins_Jetzt Die Installation ist ein Remake von Werken des Künstlers Alan Sonfist, der Leinwände im Wald auslegte und Umwelteinflüssen aussetzte. Im Remake ersetzte ein städtischer Komposthaufen den Wald. Entstanden ist ein sichtbares Bild der meist unscheinbaren Prozesse von Kleinstlebewesen, die Abfälle zur Grundlage des Lebens umwerten. Yorick Berta

Reisetagebuch

ese

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Hängepartie

Bethlehemstraße

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Das Wort „Hängepartie“ beschreibt eine Zeit der Ungewissheit, des Hinhaltens und des Abwartens. Eben jener Zustand prägt seit Ausbruch der Pandemie unseren Alltag und zwingt uns in die Isolation. Die Installation lädt alle ein, am Pfarrplatz auf Abstand mit Menschen „abzuhängen”.

CCGraph 16:00 Uhr

Dazwischen

Johanna Brunner, Sarah Dorfer, Valentina Hölzl

15 Jetztwanderwege

13 Dazwischen

tlichen Raum von Linz Flächen, iten verborgene Aufenthaltszen? Durch die Positionierung uf der Spittelwiese wird das aße als neuer Kommunikationsbenutzer*innen“ erprobt. Mario Buchberger und Vinzenz Wallner

Reisetagebuch Schaltet Eure Vorstellungskraft ein und genießt die Fahrt! Besucher*innen mit Fernweh ermutigt das „Reisetagebuch“ auf digitale (Fantasie)Reisen zu gehen und neue Orte zu entdecken. Aga Hoza

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Angesichts von Verschwörungstheorien und Fake News ist die mediale Auseinandersetzung mit dem JETZT oft überfordernd. Die Wanderkarte ist ein Versuch, das JETZT kartografisch zu visualisieren, um Orientierung in der Informationsfülle zu bieten. Valerie Danzer


Auf ins JETZT! // Dem JETZT entgegen!


Wie verändert sich das soziale Leben, die Nutzung des öffent­li­ chen Raums und die Kommuni­ kation unter den Bedingungen einer Pandemie? Studierende der Kunstuniversität Linz entwi­ ckelten unterschiedliche Tools How does social life, the use of und Strategien zur Erforschung public space and communica­ der Gegenwart: tion change in times of a pandeDie Aktion Anstecker*in fordert: mic? Students of the University Let’s be Social Superspreaders! of Arts Linz developed different Die autobiografischen Publika­ tools and strategies to explore tionen Gegenwartsbewältigung the present: und A Year of Calls visualisieren The action Contagious! invites das Alltagsleben im Lockdown. us: Let’s be Social Superspread­ Die Karte JETZTWANDERWEGE ers! The autobiographical pub­ gibt Orientierung in der gegen­ lications Coping with the Pres­ wärtigen Informationsflut. Partizi­ ent and A Year of Calls visualise pativ erheben die Projekte Nähe everyday life in the lockdown. im Jetzt, Öffentliches Tagebuch, The map Hiking Routes through Feelings Now und Archive of the Now provides orientation in Uncertainty den Status Quo der the current flood of information. emotionalen Wahrnehmung des The projects Closeness in the JETZT. Die kritische Aktion Jetzt Now, Public Diary, Feelings Now 21 Origamis thematisiert das In­ and Archive of Uncertainty sur­ sektensterben im öffentlichen vey the status quo of the emo­ Raum. Stille Räume, und Selfie/ tional perception of the NOW in Beauty reflektieren Sehnsüchte a participatory manner. der Gegen­wart. Die Veränderung The critical action Now 21 Origa­ von Materialität über einen Zeit­ mis addresses insect mortality raum steht im Fokus der Arbei­ in public spaces. Silent Spaces, ten Ex­traktion ins Jetzt und Hier and Selfie /Beauty reflect de­ und Jetzt. Prototypische Werk­ sires of the present. The works zeuge zum Herstellen von Nähe Extraction into the Now and wie CCGraph, Hängepartie, Sub- Here and Now focus on a change marine, Brojekt und Dazwischen of materiality over a period of aktivieren den öffentlichen Raum time. Prototypical tools for cre­ in der pandemischen Gegen­ ating proximity such as CGGraph, wart. Pratergeschichten/LinzHängepartie, Submarine, geschichten und Reisetagebuch Broject and In Between activate imaginieren Erzählungen, um public space in the pandemic stillgelegte Orte wiederzubeleben. present. Praterstories/Linz­ stories and Travelbook imagine narratives to reanimate disused places.

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HIER UND JETZT HERE AND NOW Alles bewegt sich fort. Nichts bleibt. (Pánta chorei kaì oudèn ménei) Leben ist Transformation; die einzige Konstante ist Veränderung. Eine Eisskulptur bestehend aus Wasser, soll diesen Prozess fortwährender Vergänglichkeit erlebbar machen. Als elementarer Bestandteil unseres Lebens besitzt Wasser eine Ausnahmestellung innerhalb der Naturgesetze: Seine (Aggregat)Zustände, die sich, ähnlich der Einheit Zeit, in drei Abschnitte einteilen lassen, sind ein Mysterium. Reduziert auf drei Buchstaben – NOW – wird die Skulptur zum Symbol eines Kreislaufs, der sich uns entzieht: Das Hier und Jetzt verharrt – „erstarrt“ – in seinem Aggregatzustand, trotzdem können wir den eigentlichen Moment nie erfassen. Unentwegt folgt Jetzt auf Jetzt – und ein weiterer Augenblick fließt buchstäblich durch unsere Hände. Das Ende unserer Wahrnehmung ist nicht das Ende der Zeit. Vergangenes, Gegenwärtiges und Zukünftiges stehen nicht in Konkurrenz zueinander, sind vielmehr Teil eines Ganzen – sichtbar gemacht in der Eisskulptur.

Expedition ins Jetzt: Projekte

Der Augenblick vergeht, bevor wir uns seiner bewusst werden. Die „Reaktionsprodukte“ dieser transformativen Prozesse sind jedoch auch Zeugen der Vergangenheit und der unwiederbringliche vergangene Moment formt geradeso unsere Zukunft. All things go: nothing stays. (Pánta chorei kaì oudèn ménei) Life is transformation; the only constant is change. An ice sculpture made of water is intended to make this process of ongoing transience tangible. An elementary component of life, water has a special position in the laws of nature: Its (physical) state , like time, can be divided into three different states yet remain a mystery. Reduced to three letters – N O W – the sculpture becomes symbolic for a circle beyond our knowledge: The here and now seems to stay put – “frozen” – in its physical state, yet we can never grasp the actual moment. One NOW is constantly followed by another – with another moment literally running through our hands as the ice melts. (Time does not end where our

cognition ends.) There is no competition between what is in the past, present, or future, but rather, they are part of a whole – captured in the ice sculpture. Moments pass before we become aware of them. The “products” of these transformative processes, however, are evidence of a past, just as the irretrievable past moment shapes our future.

Projektbeteiligte/Info

MICHA-MATTHÄUS GERERSDORFER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? In mich selbst/into myself Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Philosoph oder Bauer/Philosopher or farmer Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Eiscreme/ice cream

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ÖFFENTLICHES TAGEBUCH PUBLIC DIARY Projektbeteiligte/Info

STEFANIE HOFFMANN

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Grönland/greenland Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Astronomie/ astronomy Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Vogelgezwitscher/birds singing

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Das öffentliche Tagebuch – Anonyme Tagebucheinträge von unterschiedlichen Personen. Es gibt keine Vorgaben. Die einzige „Aufgabe“ an die Teilnehmer*innen ist, sich „zu fühlen“ und mit mir zu teilen, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Dies ist zugleich meine Fragestellung: Was fühlst Du gerade? Ich möchte eine allgemeine Stimmung einfangen und ein gesammeltes „Gedankengut“ entstehen lassen – ein Tagebuch für alle. Wichtig ist die Anonymität: Jede*r soll das Gefühl haben, frei schreiben zu können.

The Public Diary – Anonymous Diary Entries by Various Persons. There are no guidelines. The only “assignment” for the participants is to share with me what is on their minds at that moment. This is my leading question: “What do you feel right now?” I want to capture a general mood and create a collected “body of thought” – a diary for everyone. The important part is anonymity: Everyone should feel free to write whatever they want.


CCGRAPH COVID CINEMA Das Kino geht zurück auf das Schattenspiel im Zirkus. Zunächst als mobile Attraktion auf Jahrmärkten, wandelte es sich von einer Kuriosität zu einer Projektion im öffentlichen Raum, in Cafés, Gasthäusern und Hotels. Später wurde der Raum um die Leinwand errichtet: ein fester Ort für Filmvorführungen entstand – das Lichtspieltheater, heute als Kino bekannt. Der „CCGraph“ ist eine Hommage an das Kino – er kehrt zu den Ursprüngen des wandernden Zirkuswagens zurück. Er streift durch Linz und lässt das Kino im öffentlichen Raum des JETZT in all seinen Facetten wieder aufleben: mit Filmprojektionen, Popcornduft und Gemeinschaftsgefühl.

Expedition ins Jetzt: Projekte

Cinema traces back to circus shadow play. Initially a mobile attraction at fairs, it transformed from a curiosity to a desired projection in public spaces, cafés, restaurants, and hotels. Later, a room was built around the screen: A fixed location for film screenings evolved – the movie theater, known today as cinema. The “CCGraph” is a tribute to the cinema – returning to the origins of the wandering circus wagon. Roaming through Linz, this project makes cinema resurge in all its aspects in the public space of the NOW: with film projectors, the smell of popcorn, and the sense of community.

Projektbeteiligte/Info

DANIEL DERFLINGER ANNE ROTTER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? DD: Honolulu/honolulu AR: Alaska/Alaska Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? DD: Japanologe/Japanologist AR: Kriminalkommissarin/Crime Commissioner Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? DD: Wendepunkt/turning point AR: passé/passé

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BROJEKT BROJECT Ein mobiler (Brot)Ofen, der mit Holz befeuert wird, ist unsere Neuinterpretation des archaischen Lagerfeuers. Schon immer findet zwischenmenschlicher Austausch beim gemeinsamen Essen statt. Diese Verbindung von Genuss und Kommunikation wollen wir mit einfachen Mitteln bewirken – mit unserer Intervention das Linzer Kulturleben bereichern und soziale Inklusion schaffen: Unser frisches, warmes Fladenbrot, das vor Ort zubereitet wird, soll nicht nur satt machen, sondern die Freude an den einfachen Dingen aufzeigen. Der Ofen ist mobil: je nach Bedarf, ist er an jedem Ort sofort verfügbar! Außer Holz braucht er keine weiteren Ressourcen. Alles, was für die Zubereitung benötigt wird, ist am Wagen verstaut und kann leicht transportiert werden.

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The mobile, wood-heated (bread) oven is our reinterpretation of the ancient campfire. Shared meals have always been the site of exchange between people and we want to recreate this combination of delight and communication with simple means. Aiming to enrich the cultural life of Linz and accomplish social inclusion: Our fresh warm flatbread prepared on site is meant to be nourishing and to demonstrate the joy of simple things. The oven is mobile: instantly available at any place, as needed! It requires no resources other than wood. All the ingredients stored on the cart and easily transported.

Info/Projektbeteiligte

SOPHIA EDER JOHANNES PARZ CHRISTOPH PICCO STEFAN SCHNEIDER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? JP: In die Wildnis um die Ruhe zu genießen/go to the wilderness to enjoy the peace and quiet CP: auf die Tanzfläche eines richtig guten Clubs/on the dance floor of a really good club Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? JP: Anderen Menschen helfen die es wirklich verdienen und in Not sind/ to help other people who really deserve and need it CP: etwas Technisches mit Fokus auf Nachhaltigkeit/ something technical with focus on sustainability Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? JP: Absurdität/absurdity CP: Perspektivenwechsel/change of perspective


SELFIE/BEAUTY SELFIE/BEAUTY Ausgangspunkt des Projekts war das Natur und einen bewussten Umgang Thema „Selfie“ und die Selbstinszenie- mit unserer Umwelt pflegen. Andererrung. Sich auf Fotos „perfekt“ in Szene seits geben wir uns dem Drang nach zu setzen, durch digitale Bearbeitung „künstlicher“ (Selbst-)Inszenierung hin, und Filter jeden „Makel“ und jede verformen, „verbiegen“ uns. Letztend„Unvollkommenheit“ zu kaschieren, lich bleibt in Bezug auf Vorstellungen ist ein gegenwärtiger Trend. Mit einer von Schönheit und Perfektion nur Abstraktion von Selfie-Aufnahmen der Vergleich mit einer unendlichen sollen Analogien zu den Monografien Schleife – einem Möbiusband – es gibt und Naturstudien von Ernst Haeckel keinen festen Orientierungspunkt. hergestellt werden. In seinen zeichnerischen Studien verbindet sich das The starting point of the project is the Ästhetische mit dem Wissenschaftli“selfie” and self-presentation. It is quite chen unmittelbar. Oberstes Gebot war common these days to create a perdem Zoologen die Anschaulichkeit: fect presentation of oneself in photos Er zeigt uns in seinen Darstellungen, covering up any “flaw” and “imperfecwas ist und wie schön es ist, geradeso tion” by using digital editing and filters. wie wir in Selfie Aufnahmen zeigen Here, an abstraction of selfie images wollen, wie schön wir sind. is intended to establish analogies to the monographs and nature studies Durch die Überlagerung von diesen of Ernst Haeckel. His drawing studies Bildern/Ebenen soll ein neues Gecreate a direct connection between samtbild entstehen, ein grafisches the aesthetic and the scientific. The Objekt, welches beides vereint: die uppermost order for this zoologist was „perfekte“ Welt der Natur und das Phä- vividness: In his illustrations, he shows nomen der Selbstinszenierung. Wir us what exists and how beautiful it is, spüren dieses Verlangen nach Verjust like our intention with selfie bundenheit, wollen eins sein mit der im­ages to show how beautiful we are.

Expedition ins Jetzt: Projekte

The superimposition of these pictures/ layers shall create a new complete picture, a graphic object that combines both: the “perfect” world of nature and the phenomenon of self-presentation. We feel the yearning for connection, want to be one with nature, and have a conscious approach to our environment. Then again, we indulge in the urge for “artificial” (self-)presentation, thus we deform and “bend” ourselves. In the end, these ideas of beauty and perfection can only be compared to an endless loop – a Möbius strip – with no fixed point of reference.

Info/Projektbeteiligte

CARINA LINDMEIER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Island/Iceland Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? einen Würstelstand betreiben/run a sausage stand Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Impuls/impulse

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NÄHE IM JETZT CLOSENESS IN THE NOW

Projektbeteiligte/Info

Die Corona-Pandemie hat uns Zeit und Raum für die Selbstreflexion gegeben. Hieraus entstand ein Projekt, das über Umfragen Vorstellungen von Nähe in Zeiten des Social Distancing nachgeht: Welches Grundverständnis haben wir von Nähe? Wie musste sich dieses in Phasen des Lockdowns neu ordnen? Um sich dem Verständnis anzunähern, nutzte ich unkonventionelle Befragungsmethoden (Stimmungen in Lockdown Etappen über Lieder/Bilder wiedergeben) und Online-Umfragen (Multiple-Choice-Fragen). Diese Vorstellungen von Nähe wurden in einem Buch visualisiert. Dabei experimentierte ich mit den Möglichkeiten des Risodrucks. Neben diesem „Stimmungsbild“ stand mein persönliches Empfinden im

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Vordergrund: „Nähe im JETZT“ ist eine with the possibilities offered by riso print. Auseinandersetzung mit einer Thematik, In addition to this “atmospheric picture”, die aktuell jede*n in unterschiedlichem the focus was on my personal feelings: Maße angeht. “Closeness in the NOW” is a private examination of a subject that is central to The corona pandemic has given us many of us. much time and space for self-reflection. This project uses surveys to examine ideas of closeness in times of social distancing: What is our fundamental understanding of closeness? How did it need to be restructured during the lockdowns? To approach these questions I employed unconventional interview methods (expressing feelings through songs/images) and online surveys (multiple choice questions). The ideas of closeness were visualized in a book. In the process, I experimented

JENNIFER OCHWAT

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? ins Warme/to warmer places Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? etwas mit Musik, Mode oder Medien/ something with music, fashion or media Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Reflexion/reflection


SUBMARINE SUBMARINE Die „Submarine“ ist eine frei stehende, aus ihrem Standort entwickelte Skulptur. Sie ist der Versuch, die Sichtweise auf unsere Umwelt zu verändern und die Sinneswahrnehmung zu verzerren: der Ort wird einer Transformation unterzogen.

The “Submarine” is a free-standing sculpture that developed in situ, and is a tool to change our perspective on our environment and to distort sensory perception: The location itself is subjected to a transformation.

Platziert ist die „Submarine“ auf den Terrassen über dem Römerbergtunnel in der Lessingstraße. Das Tunnelportal befindet sich unmittelbar unter den Terrassen. Der Straßenlärm ist ohrenbetäubend und die Luftqualität schlecht.

The “Submarine” is on Lessingstraße, on the terraces above Römerberg Tunnel. The entry to the tunnel is located directly below the terraces. The street noise is deafening and the air quality is poor. The visitors dive into the “Submarine” from below. The view is directed from the inside to the outside through a horizontal slot. A mirror hides the street, replacing it with the sky. Funnels and pipes turn the urban noises into a murmur so that one might think Linz was by the sea.

Die Betrachter*innen tauchen von unten in die „Submarine“ ein. Der Blick wird von innen über einen horizontalen Schlitz nach außen geleitet. Dabei wird die Straße von einem Spiegel ausgeblendet und mit dem Himmel ersetzt. Über Trichter und Rohre werden die städtischen Geräusche in ein Rauschen verwandelt. Man könnte meinen, Linz liegt am Meer.

Expedition ins Jetzt: Projekte

Projektbeteiligte/Info

PAUL EIS JULIEN REINHART

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STILLE RÄUME QUIET SPACES Projektbeteiligte/Info

JULIA LEEB

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Patagonien/patagonia Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? klassischen Gesang/classical singing Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Alles was wir haben/everything we have

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Mit dem Beginn der Corona-Pandemie wird die Trennung von Innen- und Außenraum verstärkt wahrgenommen. Wir gehen in die Natur, um zur Ruhe zu kommen und uns frei zu fühlen. In meinem Projekt „Stille Räume“ visualisiere ich diese Momente der Stille, die sich einstellen, wenn wir „den Raum wechseln“, unter Berücksichtigung der Individualität der porträtierten Person und der allgegenwärtigen physischen Distanz, die wir momentan zu anderen Menschen einnehmen. Es ist gewissermaßen die Dokumentation eines Gefühls – eines inneren und äußeren Zustandes.

From the start of the corona pandemic there has been a heightened perception of the distinction between interior and exterior spaces. We head into nature to find peace and feel free. My project “Quiet Spaces” visualizes these moments of silence that ensue when we “change rooms”, taking into consideration the individuality of the portrayed person and the ubiquitous physical distance that we currently keep from each other. In a sense, it is the documentation of a feeling – of an inner and outer condition.


JETZT 2021 ORIGAMIS NOW 2021 ORIGAMIS

Die Zahl aller Tiere hat sich in den letzten Jahren stetig verringert. Schuld ist der enorme Flächenverbrauch durch die industrielle Landwirtschaft, die Erderwärmung sowie das Auseinanderbrechen der Nahrungsnetze. Dies bedroht auch den Menschen – in ökologischer, ökonomischer und soziologischer Hinsicht. Trotz dieser allgemein bekannten Tatsache ist unser Handeln nicht ausreichend. Um schnell etwas zu bewegen, muss jede*r Einzelne aktiv werden, handeln. Doch die Bereitschaft ist nicht in dem Maße vorhanden, wie sie nötig ist – es fehlt uns an Vorstellungskraft für ein Phänomen, das nicht unmittelbar sichtbar ist und folglich ein emotionaler, persönlicher Bezug. Um das Artensterben „sichtbar“, „greifbar“ zu machen, können

Expedition ins Jetzt: Projekte

die Besucher*innen Origami-Tiere falten, die anschließend an den Bäumen der Herrenstraße befestigt werden. The number of animals on earth is steadily decreasing because of enormous land consumption by industrial agriculture, global warming, and the falling apart of food networks. This decrease poses a threat to humankind – on an ecological, economic, and sociological level. Despite the fact that this is common knowledge, our actions are sorely lacking. To make a difference quickly, everybody needs to become active; to act. Willingness, however, is not as great as it needs to be – our power of imagination is too

small for a phenomenon that is not directly visible; it needs to become an emotional, personal experience. This project allows visitors to visualize the extinction of species, to make the danger “tangible”, by folding origami animals that are then hung in the trees on Herrenstraße.

Projektbeteiligte/Info

DAVID N. RALL Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Zum Nordpol/to the North Pole Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Detektiv/detective Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Systemwechsel/system change

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PRATERGESCHICHTEN/ LINZGESCHICHTEN PRATER STORIES/ LINZ STORIES Verwaiste Fahrgeschäfte, geschlossene Buden, eingepackte Figuren: Der Wiener Wurstelprater war im Dezember 2020 noch verlassener als sonst zu dieser Jahreszeit. Stefanie Hoffmann und Helene Payrhuber wünschten sich das allbekannte Menschentreiben zwischen Achterbahnen und Imbissstuben herbei. An einigen Laternenmasten, deren abgeschliffener Farbanstrich bunte Wolken am Boden markierte, hinterließen die beiden Notizzettel mit Imaginationen von Geschehnissen und kurzen Szenen: Sie stellten sich ihre eigenen Attraktionen vor, die hier zu einer anderen Zeit vielleicht hätten stattfinden können. Aufmerksame Praterbesucher*Innen, die die bunten Farbspuren am Boden entdeckten, wurden dazu angehalten, die Orte losgelöst vom JETZT wahrzunehmen.

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Zum NOW Aktionstag übertrugen sie die Aktion nach Linz: Die Ausstellungsbesucher*innen begeben sich auf (Farb-) Spurensuche und imaginieren selbst Geschichten. Unbelebte Orte in der Stadt werden in unseren Köpfen für kurze Zeit wieder zu Attraktionen. Deserted rides, closed stalls, figures under wraps: In December 2020, the Vienna Wurstelprater seemed even more abandoned than usual for that season of the year. Stefanie Hoffmann and Helene Payr­ huber wanted to bring back the familiar hustle and bustle between roller coasters and snack bars. On several lamp posts where the sanded-off coat of paint had left colorful cloud marks on the ground, they left notes with imagined events and short scenes. They pictured

their own attractions that might bring here into another time. Attentive visitors who discovered the colorful traces of paint on the ground were invited to experience these places in a way that was detached from the NOW. TODAY they will transfer their intervention to Linz: The exhibition visitors will seek out (color) traces and imagine their own stories, thus, for a short while, changing deserted places in the city back into attractions.

Projektbeteiligte/Info

HELENE PAYRHUBER STEFANIE HOFFMANN


DAZWISCHEN IN BETWEEN Projektbeteiligte/Info

MARIO BUCHBERGER VINZENZ WALLNER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? MB: Kosmos/cosmos VW: Sibirien/siberia

Gibt es im urbanen Raum von Linz Flächen, die in Corona-Zeiten verborgene Aufenthaltsqualitäten in sich bergen? Einer dieser Orte ist die Linzer Spittelwiese: ein autofreier, aber hochfrequentierter Raum ohne Verweilmöglichkeiten. Das Projekt DAZWISCHEN positioniert urbane Möbel aus Recycling-Europaletten auf der Spittelwiese und testet das Potenzial dieses öffentlichen Raumes als neuen Kommunikationsort für die „Stadtbenutzer*innen“ von Linz.

In the time of corona, does the urban space of Linz have places thatharbor hidden qualities for staying in them? One of these places is Spittelwiese in Linz: a space that is free of cars, without any options to linger, yet is full of people. The project IN BETWEEN – a piece of urban furniture that Mario Buchberger and Vinzenz Wallner made of recycled Euro-pallets – is testing the Spittelwiese’s potential to be a new site of communication for the “users of the city” of Linz.

Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? MB: Obst- und Gemüsebauer/fruit and vegetable grower VW: Gärtner/gardener Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? MB: abheben/take off VW: Perspektivenwechsel/ change of perspective

Expedition ins Jetzt: Projekte

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REISETAGEBUCH TRAVELBOOK

Die Geschichten, die auf den Postkarten nachzulesen sind, zeigen „lediglich“ ein paar Tage aus meinem Leben. Ein kleiner Vorgeschmack auf das, was man daheim und alleine auf einer gemütlichen Couch machen kann. Ich möchte euch einen kleinen Vorgeschmack geben, was man allein und auf einer gemütlichen Couch zuhause machen kann. Ich möchte euch dazu anregen, digital auf Reisen zu gehen und neue Orte zu entdecken: Ihr könnt gehen, wohin Ihr wollt! Schaltet Eure Vorstellungskraft ein und genießt die Fahrt!

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The postcard stories in my Travelbook show just a few days of my life, a teaser of what you can do lying on your own back at home on a comfy couch. You can do it too! I want to encourage you to travel online and discover places by yourself: You can go wherever you want! Fire your imagination and enjoy the journey!

Projektbeteiligte/Info

AGA HOZA

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Mexico/mexico Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Musikerin/musician Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Inception/inception


JETZTWANDERWEGE HIKING ROUTES THROUGH THE NOW Projektbeteiligte/Info

Die Auseinandersetzung mit dem JETZT Dealing with the NOW can be very overkann sehr überfordernd sein. Wer viele whelming. Those who consume a lot of Medien konsumiert, findet sich in einer media find themselves facing a flood of Flut von Informationen wieder: tauinformation: thousands of things seem send Dinge, die scheinbar gleichzeitig to take place all at once and are compassieren und komplex miteinander plexly interwoven. That experience can verwoben sind. Dieses Erleben kann be paralyzing and lead to the cause that lähmend sein und dazu führen, dass sich the individuals no longer want to inform der/die Einzelne vielleicht gar nicht mehr themselves. This is exactly why many informieren möchte. Geradeso entsteht people develop the desire for simple bei vielen Menschen der Wunsch nach solutions and explanations. Conspiracy einfachen Lösungen und Erklärungen. theories, fake news, and populists have Verschwörungstheorien, Fake News und considerable success in offering them. Populist*innen bieten diese mit erhebThe HIKING ROUTES THROUGH THE lichem Erfolg an. Die JETZTWANDERWE- NOW are an attempt at an alternative GE sind der Versuch eines Gegenmodells, model, at giving order to the flood of einer Ordnung der Informationsflut. Die information. The map is a personal form Karte ist eine persönliche Bestandsaufof inventory, offering viewers the oppornahme und bietet den Betrachter*innen tunity to take a (mental) walk through die Möglichkeit, (in Gedanken) durch parts of an organized NOW, look at it Teile des geordneten JETZT zu spazieren, calmly. It’s a small attempt to satisfy es sich in Ruhe anzuschauen und den their wish for order and orientation. eigenen Wunsch nach Ordnung und Orientierung ein wenig zu befriedigen.

Expedition ins Jetzt: Projekte

VALERIE DANZER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Das wäre auf jeden Fall eine Zeitreise! / that would definitely be time travel! Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/ What would you do if you had not followed this profession? wahrscheinlich hätte ich Geschichte und/oder Lehramt studiert/I probably would have studied history. Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Gleichzeitigkeit/simultaneity

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HÄNGEPARTIE Projektbeteiligt/Info

JOHANNA BRUNNER SARAH DORFER VALENTINA HÖLZL

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? JB: Alaska/alaska SD: zum Kīlauea-Vulkan /to Kīlauea volcano Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? JB: Seglerin/sailor SD: Ergotherapeutin/ occupational therapist Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? JB: Bewusstsein/awareness SD: Initiative/initiative

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Das Wort „Hängepartie“ beschreibt eine Zeit der Ungewissheit, des Hinhaltens und des Abwartens – eben jener Zustand prägt seit Ausbruch der Pandemie unseren Alltag und zwingt uns in die Isolation. Öffentliche Orte, an denen man sich mit Freunden bedenkenlos treffen kann, die Raum für neue Bekanntschaften, spontanen Austausch oder einfach „wortlose“ Gesellschaft bieten, sind kaum vorhanden. Nach eingehender Analyse verschiedenster öffentlicher Räume in Linz, wählten wir den Pfarrplatz zur Umsetzung unserer Vision: Ein Raum im Freien, in dem man mit dem nötigen Abstand Menschen treffen kann oder einfach nur „abhängt“ und „chillt“.

In German, the term “Hängepartie” (an adjourned game in chess) also describes a time of uncertainty, of stalling or waiting – the very state that has been shaping our everyday lives since the outbreak of the pandemic which forced us into isolation. There were hardly any public places where you could meet friends without hesitation; that would offer room for making new acquaintances, spontaneous exchange, or just “silent” company. After thoroughly analyzing various public spaces in Linz, we chose Pfarrplatz to realize our vision: an open air space where you can meet people with sufficient distance or just “hang around” and “chill”.


EXTRAKTION INS JETZT ist ein Remake verschiedener Werke von Alan Sonfist. Zwischen 1967 und 1973 legte der Künstler Leinwände im Wald aus, auf denen sich im Laufe der Zeit Pilze ansiedelten und Blätter oder Baumharz niederließen. Zeitmangel und Zeitgeist führten zu der Entscheidung, den Wald im Remake durch einen häuslichen Komposthaufen zu ersetzen. Aus dem Kompost wurde also kein Humus, sondern ein Bild extrahiert, als Reliquie eines Prozesses, an dem eine Unmenge an Bakterien, Würmern, Insekten, Schnecken und Pilzen beteiligt sind. So wird der urbane öffentliche Raum ein Stück weit geöffnet für die unscheinbaren Zusammenkünfte, die Abfälle zu einer Grundlage des Lebens umwerten.

EXTRACTION INTO THE NOW is a remake of various works by Alan Sonfist. Between 1967 and 1973, the artist laid out several canvases on the forest floor, to let fungi settle in and leaves and tree resin fall on them over time. For the remake, zeitgeist and a lack of time led to the decision to replace the forest with a domestic compost heap. Instead of humus, a picture was extracted from the compost, as the relic of a process that involves scores of bacteria, worms, insects, snails, and fungi.

Projektbeteiligte/Info

In this way, urban public space is opened up for inconspicuous gatherings that recycle waste into a basis of life.

Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Logotherapeut oder Landwirt/ logotherapist or farmer

YORICK BERTA

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Zum versunkenen Wrack der Victoria von Ferdinand Magellan/to the sunken wreck of Victoria by Ferdinand Magellan

Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Schock/shock

EXTRAKTION INS JETZT EXTRACTION INTO THE NOW Expedition ins Jetzt: Projekte

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ARCHIVE OF UNCERTAINTY ARCHIVE OF UNCERTAINTY

Visit web-archive archive-of-uncertainty.com

Projektbeteiligte/Info

LEONIE KALTENEGGER

Wir leben in Zeiten zunehmender UnWe live in times of growing uncertainty. gewissheit. Die Initiative „Archive of Using a participatory web application, Uncertainty“ erforscht anhand einer the initiative “Archive of Uncertainpartizipativen Webanwendung, wie sich ty” studies the individual sensation of gewisse Aspekte rund um das Thema certain aspects relating to the topic of „Ungewissheit“ individuell anfühlen. Der “uncertainty”. Usually associated with meist negativ konnotierte Begriff kann negative connotations, this allows users dadurch von den Anwender*innen aus to see the term from a different angle einem anderen Blickwinkel betrachtet and to draw attention to the transformwerden und macht auf die transformaative qualities of “uncertainty”. Its elusive tiven Fähigkeiten der „Ungewissheit“ and vague character is mirrored in the aufmerksam. Ihre flüchtige und vage structure of the website. The website Charakteristik spiegelt sich in der Bealso provides a summary of the collecdienung und Handhabung der Website tive mood by storing all user contribuwider und fasst gleichzeitig ein kollektitions in an archive. ves Stimmungsbild aller User-Beiträge in einem Archiv zusammen.

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Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Ins Atlasgebirge/to the Atlas Mountains Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? etwas mit Musik/something with music Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Ambiguität/ ambiguity


ACHTUNG, ANSTECKER*IN! CONTAGIOUS! Projektbeteiligte/Info

LUANA BECHSTEIN ANGELIKA WONISCH

Wohin ginge deine TraumExpedition?/To what place would your dream expedition go? LB: mit Agatha Christie zu den Pyramiden/with Agatha Christie to the pyramids AW: nach Innen/inside Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do, if you would not have followed this profession? LB: ich wäre das Phantom der Oper oder Zeichnerin für Disney/I would be the Phantom of the Opera or a cartoonist for Disney AW: Ich wäre wohl Keramikerin geworden/i would probably have become a ceramist

Funken, die überspringen – Begeisterung, die ansteckt – Memes oder Ohrwürmer, die wandern. Die farbigen Anstecker erinnern uns daran, dass nicht nur Viren ansteckend sind, sondern auch Lachen und Gähnen, Ideen und Emotionen. Gesellschaften leben von sozialer Ansteckung, von emotionalem Austausch und wechselseitiger Kontamination: von ihren „Anstecker*innen“. Wie funktionieren infektiöse Übertragungsprozesse in Zeiten des Physical Distancing? Wo finden sie JETZT statt? Mittels welcher Medien lässt sich soziale Ansteckung über Barrieren hinweg initiieren? Die (biologisch abbaubaren) Buttons werden verschenkt und weitergegeben, sie transportieren Begeisterung, verbreiten sich schnell, schaffen temporäre Gemeinschaften und verschwinden wieder: Let’s be Social Superspreaders!

Societies subsist on social contagion, emotional exchange, and mutual contamination. Using the idea that sparks ignite others just like spreading memes or earworms and pass on infectious enthusiasm, this project created colorful buttons to be shared to remind us that not only viruses are contagious, but also laughter and yawning, ideas, excitement, and emotions. How do infectious transfer processes work in physical distancing times? Where do they take place NOW? What media can be used to initiate social contagion across barriers? (Biodegradable) buttons are given out as gifts and passed on. Spreading fast, they transport enthusiasm, create temporary communities, and disappear again: Let’s be social superspreaders!

Was ist das NOW für dich?/What is NOW for you? LB: ROAARR! AW: Lidschlag/blink

Expedition ins Jetzt: Projekte

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Projektbeteiligte/Info

GEGENWARTSBEWÄLTIGUNG COPING WITH THE PRESENT

JOHANNA KERSCHENSTEINER

Where would your dream expedition go? Nach Panama, dort soll es angeblich nach Bananen riechen/to Panama where people say, it smells like bananas What would you do if you had not followed this profession? Dann hätte ich mich für die Bildende Kunst entschieden/then I would have chosen fine arts

Was ist das NOW für dich?/ What is the NOW for you? Gegenwartsbewältigung/Coping with the present

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Für viele Menschen hat sich das gewohnte JETZT in Zeiten von Corona drastisch verändert. Sie sehen sich mit Situationen konfrontiert, die es „normalerweise“ nicht gibt oder leichter zu bewältigen sind. „Gegenwartsbewältigung“ ist ein illustratives Tagebuch der Autorin, in dem sie ihre Wahrnehmung des JETZT beschreibt und sich mit diesen Herausforderungen des Alltags beschäftigt. In Bild und Text wurden selbsttherapeutisch die Höhen und Tiefen festgehalten: Thematisiert werden die Einsamkeit und die Isolation bedingt durch die Corona-Pandemie und die Schwierigkeiten des Lebens mit Depressionen und Verlusterfahrungen in Zeiten des

Lockdowns. Dabei soll das Projekt „Gegenwartsbewältigung“ helfen, sich mit dem JETZT zu arrangieren und die eigene Situation anzunehmen. Gleichzeitig soll es Mut und Hoffnung auf bessere Zeiten machen. During the corona crisis, many people have seen their usual NOW undergo massive change. They are confronted with situations that “normally” would not exist or be easier to deal with. “Coping with the Present” is an illustrative diary by the author, in which she describes her perception of the NOW and deals with these challenges of everyday life. In a self-therapeutic approach, the highs and lows are captured in images and text: dealing with loneliness and

isolation caused by the corona pandemic, as well as the difficulties of living with depression and experiences of loss during lock-down. The project “Coping with the Present” aims to help come to terms with the NOW and accept one’s situation, as well as give courage and hope for better times.


FEELINGS NOW FEELINGS NOW

Info/Projektbeteiligte

Gefühle sind wie das JETZT: Sie kommen blitzschnell und verschwinden wieder, manchmal schneller, manchmal kürzer. Aber sie spiegeln wider, wie wir uns und unsere Umgebung wahrnehmen. Das Projekt „feelings now“ versucht die Gefühle des JETZT einzufangen und zu dokumentieren. Es besteht aus einem Magazin in mehreren Ausgaben. Jede Ausgabe beschäftigt sich mit einer anderen Person oder Gruppe. Beispielsweise geht es in einer Ausgabe um mich selbst und meine eigenen Gefühle. In einer Ausgabe erzählt eine Gruppe zufällig erreichter Personen aus dem Internet über ihre Gefühle im JETZT, in einer andere Ausgabe berichte ich über mich selbst. Für die aktuelle Ausgabe des Magazins werden während des Aktionstags, mithilfe interaktiver Plakate, Gefühle des JETZT durch die Ausstellungsteilnehmer*innen gesammelt und dokumentiert.

Expedition ins Jetzt: Projekte

Feelings are just like the NOW: They can come and go as quick as lightning, sometimes faster, sometimes slower, mirroring our perception of ourselves and our surroundings. The project “feelings now”gathers and documents feelings of the NOW in a multi issue magazine. Each issue deals with a different person or group. For instance, one magazine is about me and my feelings. Another asked a group of people randomly reached on the internet to relate their feelings of the NOW via a questionnaire. The latest issue of the magazine will use interactive posters to allow participants to gather and document feelings of the NOW.

JESSICA BERNHART

Wohin ginge deine Traum-Expedition?/ Where would your dream expedition go? Einmal um die Welt/once around the world Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/ What would you do if you had not followed this profession? Ich hätte mich vermutlich für einen Beruf in der Medizin entschieden/ I would probably have chosen a career in medicine Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Abenteuer/adventure

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A YEAR OF CALLS A YEAR OF CALLS In Zeiten einer Pandemie sind wir gezwungen den physischen Kontakt zu Menschen, die uns nahestehen, zu meiden. Um den sozialen Kontakt aufrecht zu erhalten, greifen wir auf eine bewährte Methode zurück – das Telefonieren als Ersatz für persönliche Treffen. Die Arbeit „A Year of Calls“ beschäftigt sich mit einer persönlichen Anrufliste eines Jahres und visualisiert, wie sich die Anrufhäufigkeit abhängig von der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen verändert hat.

During a pandemic, we are forced to avoid physical contact with people close to us. To maintain social relations, we fall back on a reliable method – phone calls as a substitute for face-to-face meetings. The work “A Year of Calls” devotes itself to one year of personal call logs which visually demonstrate the change in call frequency due to the corona pandemic and related restrictions.

Projektbeteiligte/Info

MARIA STRIEDER

Wohin ginge deine TraumExpedition?/Where would your dream expedition go? Aufs Dach der Welt/to the top of the world Was würdest du machen, wenn du nicht dieser Profession gefolgt wärst?/What would you do if you had not followed this profession? Kunstgeschichte/art history Was ist das NOW für dich?/What is the NOW for you? Sommerregen/ summer rain

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Profile for Visuelle Kommunikation Kunstuniversität Linz

NOW – Expeditionen ins Jetzt  

WARUM JETZT? Verändernd in die Gegenwart einzugreifen, bedeutete bis dato, die Zukunft als Imaginationsraum zu beanspruchen: Die Möglichkeit...

NOW – Expeditionen ins Jetzt  

WARUM JETZT? Verändernd in die Gegenwart einzugreifen, bedeutete bis dato, die Zukunft als Imaginationsraum zu beanspruchen: Die Möglichkeit...

Profile for viskom
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