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orte Leseprobe

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Gegründet von Werner Bucher und Rosemarie Egger im Jahr 1974 Nr. 196, Mai 2018 ISBN 978-3-85830-232-8; ISSN 1016-7803 Erscheint 5 Mal jährlich

Redaktion: Redaktion orte Annekatrin Ranft-Rehfeldt Bärenmoosweg 2, CH-5610 Wohlen Tel. +41 44 742 31 58, redaktion@orteverlag.ch Redaktionsteam: Annekatrin Ranft-Rehfeldt (Co-Leitung), Regina Füchslin (Co-Leitung), Viviane Egli, Susanne Mathies, Erwin Messmer, Monique Obertin, Hansjörg Schertenleib, Cyrill Stieger, Peter K. Wehrli Verlag:

orte Verlag Im Rank 83, CH-9103 Schwellbrunn Tel. +41 71 353 77 55, Fax +41 71 353 77 56 verlag@orteverlag.ch, www.orteverlag.ch

Einzelnummer: Fr./Euro 18.– Abonnemente: Gönnerabonnement orte Fr./Euro 140.–   (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Jahresabonnement orte Fr./Euro 80.–   (5 Ausgaben pro Jahr + Poesie-Agenda) Abonnemente im Ausland: Fr./Euro 12.– Zuschlag Inseratepreise: Inserateverkauf:

1 / 1 Seite (121 x 180 mm) Fr. 400.– 1 / 2 Seite (121 x   88 mm) Fr. 200.– 1 / 4 Seite (121 x   42 mm) Fr. 120.– Paul Zähner, paul.zaehner@orteverlag.ch, Tel. +41 71 353 77 42, Fax +41 71 353 77 56

Umschlaggestaltung: Janine Durot, orte Verlag, Schwellbrunn (Foto: Annekatrin Ranft-Rehfeldt; Kreuz an der Wand der Schreibzelle im Kloster Fahr / 2018) Copyright der T   exte bei den Autorinnen und Autoren. Trotz umfangreicher Bemühungen ist es uns in wenigen Fällen nicht gelungen, die Rechteinhaber für Texte und Bilder einiger Beiträge ausfindig zu machen. Der Verlag ist hier für entsprechende Hinweise dankbar. Berechtigte Ansprüche werden selbstverständlich im Rahmen der üblichen Vereinbarungen abgegolten.

Für die wertvolle finanzielle Unterstützung unserer Zeitschrift danken wir herzlich:


orteinhalt  3 Editorial orte inhaltsverzeichnis

Schreiben im Kloster   4 Einleitung

Susanne Mathies

  6 Priorin Domenica Kloster St. Johann in Müstair

Cyrill Stieger

10 Pater Eugen Bollin Kloster Engelberg

Susanne Mathies

18 Pater Bruno Stephan Scherer Kloster Mariastein

Monique Obertin

26 Äbtissin Monika Thumm Kloster Mariazell Wurmsbach

Cyrill Stieger

32 Silja Walter Kloster Fahr

Annekatrin Ranft-Rehfeldt

42 Bruder Gerold Kloster Einsiedeln

Cyrill Stieger

50 Werkstattgespräch mit Svenja Herrmann

Hansjörg Schertenleib

54 orte-festival

Annekatrin Ranft-Rehfeldt

55 orte-bestenliste

Soyu Mukai

58 hör-orte

Peter K. Wehrli

61 fund-orte

Susan Barba

69 orte-bücherregal

73 orte-galerie 77 orte-agenda

80 orte-marktplatz

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Peter Süess auf Facebook: “Subtil, humorvoll, eine Mischung zwischen Dieter Hildebrandt und Helge Schneider: Brain Salad Suppenschüssel. Lesen!“

Foto: Renaldo Kleboth / Computerbearbeitung: Chris Hassler

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orteeditorial

Liebe Leserinnen und Leser Inmitten der hohen kirchlichen Frühlingsfeste halten Sie unser Heft zur Literatur im Kloster in der Hand. Wir laden Sie ein, durch den «bergenden Bogen» des Klostertors einzutreten in die Konzentration und Freiheit hinter den Mauern, wo dem Wachsen von Seele und Geist besondere Aufmerksamkeit gilt. Texte sind für die Klostergemeinschaften sehr wichtig. «Unser Leben im Kloster bewegt sich um das Wort Gottes», sagt Äbtissin Monika aus dem Kloster Mariazell in Wurmsbach am oberen Zürichsee und erzählt im Interview, auf welche Weise alte und neue Texte sie zu Vertonungen inspirieren. Neben Wurmsbach haben Susanne Mathies, Cyrill Stieger, Monique Obertin und Annekatrin Ranft-Rehfeldt vier weitere Klöster besucht und Texte von schreibenden Nonnen und Mönchen gesammelt. Sie handeln von Suchen und Sehnsucht, von der Welt hinter der Pforte, der Landschaft draussen, von Kargem und auch von Üppigem wie den prächtigen Kleidern der schwarzen Madonna in Einsiedeln. Mit Konzentration und Besinnung kennt sich auch Soyu Mukai aus. Sie ist die Teezermonienmeisterin des Museums Riet-

berg in Zürich und hat für dieses Heft die Bestenliste zusammengestellt. Das Werkstattgespräch mit Svenja Herrmann handelt von den Bedingungen, die es zum Schreiben braucht, und von Herrmanns zwei Schreibtischen, von denen einer in einem ehemaligen Kloster steht. Auf dem anderen findet sich eine Postkarte von Chagalls Bild «la promenade», das für Herrmann die Bedeutung «fliegen, aber doch gehalten werden» hat – was auch für das Leben im Kloster ein schönes Sinnbild sein kann. Hingewiesen sei weiter auf die Rubrik Fundorte, in der wir Ihnen drei erinnerungsstarke, nostalgiefarbene Gedichte der armenisch-amerikanischen Schriftstellerin Susan Barba vorstellen. Nehmen Sie und lesen Sie! Mit herzlichem Gruss Regina Füchslin und Annekatrin Ranft-Rehfeldt

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Schreiben im Kloster 4

Der Gedanke an schreibende Nonnen und Mönche führt die meisten von uns zuallererst in Vorstellungen vom Mittelalter – schliesslich war dies die Zeit, zu der in Klöstern mehr geschrieben wurde als an irgendwelchen anderen Orten. Wie aber sieht es jetzt aus, im neuen Millennium, zu Zeiten, in denen Bildung und Kultur nicht mehr der Kirche vorbehalten sind, und in denen Ordensgemeinschaften schrumpfen? Die orte-Redaktion hat sich mit Klöstern in der Schweiz in Verbindung gesetzt, um herauszufinden, wo Klöster auch heute noch Kulturstätten sind, deren Bedeutung weit über die Klostermauern hinausgeht. Wir freuen uns, Ihnen in diesem Heft drei Nonnen und drei Mönche vorstellen zu können, die im 21. Jahrhundert in der Schweiz Gewichtiges geschrieben haben beziehungsweise noch schreiben. Bei ihren Werken handelt es sich nicht – wie man vermuten könnte – ausschliesslich um geistliche Lyrik; vielmehr breitet sich


vor uns ein bunter Kreis ganz unterschiedlichen kulturellen Schaffens aus. Das betrifft nicht nur die Inhalte, sondern insbesondere auch die Instrumente des künstlerischen Ausdrucks. Hier ein kurzer Ausblick auf die Texte, die Sie im Heft finden werden: Priorin Domenica aus dem Benedik­ tinerinnenkloster St. Johann in Müstair schreibt Gedichte auf Rätoromanisch und Deutsch, und das Rätoromanische gibt ihrer Lyrik eine besondere Eindringlichkeit. Pater Eugen Bollin aus dem Benediktinerkloster Engelberg ist Maler und Dichter. Er illustriert seine Gedichte selbst mit Zeichnungen und Holzschnitten. Der 2017 verstorbene Pater Bruno Stephan Scherer aus dem Benediktinerkloster Mariastein verbindet in seinen Gedichten sensible Naturbeobachtungen mit biblischen Assoziationen. Die Musik ist das Medium, mit dem Äbtissin Monika Thumm aus der Zisterzien-

serinnenabtei Mariazell Wurmsbach «Texte zum Leuchten bringt». Im Interview mit orte-Redaktor Cyrill Stieger erläutert sie, wie sie mit ihren Kompositionen Texte erfahrbar macht. Die 2011 verstorbene Silja Walter (Schwester Hedwig) aus dem Benediktinerinnenkloster Fahr ist eine weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannte Lyrikerin, deren poetische Texte wir gern in dieses Heft mit aufgenommen haben. Besonders prächtige Kunstwerke verfertigt der Journalist und Kulturschaffende Bruder Gerold Zenoni aus dem Benediktinerkloster Einsiedeln: Er kleidet die schwarze Madonna ein, rund 18-mal im Jahr wechselt er ihr Gewand. Hier berichtet er über die Hintergründe und das Prozedere. Wir wünschen Ihnen ein spannendes Leseerlebnis mit Texten aus dem Kloster! Susanne Mathies

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Priorin Domenica Kloster St. Johann in Müstair

Das Kloster St. Johann in Müstair

Als Gründer des Klosters St. Johann in Müstair gilt Karl der Grosse. Nach der Legende geriet er nach seiner Krönung zum König der Langobarden auf dem Umbrailpass in einen schweren Schneesturm, dem er unverletzt entkam. Als Dank für seine Rettung soll er das Kloster St. Johann gestiftet haben. Seit dem 12. Jahrhundert ist das Kloster, das in der Zeit seines 1200-jährigen Bestehens immer bewohnt war, ein Frauenkonvent. Berühmt sind die gut erhaltenen karolingischen Fresken in der Klosterkirche. Diese waren ausschlaggebend dafür, dass die gesamte Klosteranlage 1983 auf die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde. Mehr Informationen zum Kloster und dessen Geschichte: www.muestair.ch/klosteranlage/kloster-st-johann/

Das Kloster St. Johann Müstair. 

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Fotos: Kloster Müstair


Priorin Domenica

Schwester Domenica Dethomas wurde 1944 in Müstair geboren. 1969 trat sie in das Frauenkloster St. Johann ein, das kaum mehr als einen Steinwurf von ihrem Elternhaus entfernt liegt. Sie hiess fortan nicht mehr Gina Dethomas, sondern Schwester Domenica. Bis 2005 leitete sie den Kindergarten, der sich auf dem Gelände des Klosters befand. Er wurde 2012 geschlossen. Seit dem 28. Januar 2013, dem Festtag Karls des Grossen, amtiert sie als Priorin. Sie ist damit verantwortlich für die Schwesterngemeinschaft, die heute noch 11 Nonnen zählt. Sie leben nach der Regel des heiligen Benedikt. Schwester Domenica hat nach ihrem Eintritt ins Kloster zahlreiche Gedichte verfasst. Auf der folgenden Seite wird eines davon abgedruckt. Es ist in Rätoromanisch geschrieben, der Muttersprache von Schwester Domenica. Dazu veröffentlichen wir auch die von ihr selber stammende deutsche Übersetzung. Das Gedicht trägt den Titel: «Desideri» (Sehnsucht). 2011 erschien die CD «Der Klosterrebell», in der die Priorin eine Auswahl ihrer Texte und Gedichte liest.

Priorin Domenica.

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Sour Domenica Dethomas Müstair

Desideri

Sehnsucht

Jau less esser üna nüvla e svoular sur la muntogna. Less alguar e cridar milli larmas sur ta dmura.

Ich möchte eine Wolke sein und über die Berge fliegen. Möchte schmelzen und weinen tausend Tränen über dein Zuhause

Jau less esser üna staila, far meis gir in mincha saira, e glüschir, straglüschir milli razs sur tia dmura.

Ich möchte ein Stern sein, jeden Abend meine Bahn ziehen und leuchten, hell leuchten, tausend Strahlen über dein Zuhause.

Jau less esser üna rösa, üna rösa sainza spinas e flurir e sflurir milli föglias sur ta dmura.

Ich möchte eine Rose sein, eine Rose ohne Dornen und blühen und verblühen tausend Blätter über dein Zuhause.

Jau less esser üna gïa e sunar la melodia da teis cour, da meis cour, là, ingio chi’d es ta dmura.

Ich möchte eine Geige sein und die Melodie spielen, die Melodie deines Herzens, und meines Herzens, dort, wo deine Wohnung ist.

Jau less esser üna spia, less in plaina armonia madürar e crodar, là, sül chomp da tia dmura

Ich möchte eine Ähre sein und voller Freude reifen und fallen, dort, im Acker deines Hauses.

Jau less esser ün toc pan, cha tü pigliast in teis man, less patir e murir, per chattar in tai ma dmura.

Ich möchte ein Stück Brot sein, das du in deine Hand nimmst, möchte leiden und sterben, um in dir meine Heimat zu finden.

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Die Klosterkirche ist der Ort, wo sich Priorin Domenica besonders wohlfühlt. Das Bild zeigt einen Ausschnitt des Gewölbes. 

Foto: Kloster Müstair

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Pater Eugen Bollin Kloster Engelberg

Kloster Engelberg. 

Fotos: Kloster Engelberg

Das Benediktinerkloster Engelberg

Die Benediktinerabtei Engelberg liegt in einem Bergtal am Fusse des Titlis. Das Kloster wurde vom Zürcher Adligen Konrad von Sellenbüren gestiftet und 1120 von Mönchen aus Muri unter Abt Adelhelm gegründet. Mitte des 12. Jahrhunderts erneuerten Mönche aus dem Reformkloster St. Blasien (Schwarzwald) das klösterliche Leben. Abt Frowin (1147–78) gründete eine Schreibschule, die unter ihm und seinen Nachfolgern Berchtold (1178– 97) und Heinrich (1197–1223) eine Blütezeit erlebte. Spätestens seit der Zeit Frowins war die Abtei ein Doppelkloster. Die Frau-

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engemeinschaft übersiedelte 1615 nach Sarnen (Kloster St. Andreas). Um 1604 wurde das Kloster Engelberg in die Schweizer Benediktinerkongregation aufgenommen. Die heutige barocke Klosteranlage entstand nach dem dritten Brand (1729). Seit den Anfängen des Klosters unterrichten die Mönche junge Menschen. Im 19. Jahrhundert wurde die Schule ausgebaut (seit 1909 Maturitätsabschluss). 1972–1974 wurden die Schulgebäude erweitert. Heute besteht die Stiftsschule aus einem Gymnasium (zweisprachige Maturität D/E) und einer Sekundarschule (IOS) mit einem Internat für Knaben und Mädchen. Mehr Informationen zum Kloster und dessen Geschichte: http://www.kloster-engelberg.ch/ Pater Eugen Bollin

Pater Eugen Bollin wurde 1939 in Zürich geboren, er ist in St. Gallen aufgewachsen. 1960 trat er in das Benediktinerkloster Engelberg ein und ist seit 1965 dort Priester. Weiterbildung an der Kunstgewerbeschule Luzern von 1966 bis 1967 und an der Akademie für angewandte Kunst in Wien von 1967 bis 1969. Zeichenlehrer am Gymnasium in Engelberg von 1970 bis 2014.

Pater Eugen Bollin. 

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Kloster Wer hat heute die Nachtlampe ohne Zorn gelöscht? Der schwer Kranke wurde an der Pforte eilends abgegeben und später dort wieder in Empfang genommen. Wenn mich der Blick nicht täuscht, ist der Herr wahrhaftig auferstanden. Niemals erschrecken, wenn die Waldgrenze nicht kommt. Der Kniende fürchtet seinen Schatten nicht. Der Tanzende lässt ihn fraglos zurück. Wer kann dem Bruder die ausgelaugte Zahnspange noch bei Tisch still wieder einfügen?

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Holzschnitt, Pater Eugen Bollin.

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Bleistiftzeichnung, Pater Eugen Bollin.

Pater Frowin Fast hundert Jahre alt und noch hellblauen Auges. Wer immer wieder Spiele aufwirft, würfelt mit Kindern, wird nicht lange sitzen in nutzlosen Sperrgebieten. Er gleitet einmal lächelnd weg, wenn einer ihn ruft und segnet den schwarzen Kirchturm mit feinen Händen. Im Sarge wählte er den kürzesten Schiffsweg zum andern Ufer hin.

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Horbis am Ende der Welt Die Herzen der Mystik zerschneidet der Fels und gebiert sie neu in Bauernkammern, bei Rossfliegen. Wo Gerten und Kämme aus Stein mich armen, der Schmetterling tupft und Wellen den Bächen davonrennen in grasiges Kinderland, wo Hinterlist der Tannen die Giftpilze lockt und sonnig verschmeichelt, lieg ich gräsig faul am Wasser, nicht zerschnittener Mystiker, wohl träumender Zeichner. Kapelle und Gasthof im Blick. Geborgen und verloren in felsiger Umarmung – was tuts. Schlafen mit den Schafen und wachen mit den Wölfen. Gepanzerte Laufkäfer senden mir ihre gold-grünen Mittagsgebete.

aus: Bollin, Eugen: Pfortenweiss, Benediktinerkloster Engelberg 2004, ISBN 3-9522796-1-7

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Klostertor Einzig durch das Tor treten, die Spuren zurücklassen im Schnee. Vom Baum schreien die Dohlen nach Futter, bis sich eine Hand ausstreckt am Fenster. Lila weht der Berg, die Rauchfeder steckt steil am Dach, graubraunt. Ich lasse das Tor zurück, den Schnee, die schwarzen Hungervögel, den Hof, wo Bauern klammfingrig ihre Milchtasen losbinden und scheppernd über den Türstein zur Hütte rollen. Das Tor hat mich aufgenommen, hat mich eingeschlichtet, mit bergenden Bogen angerührt. Ich strebe dem Haus zu.

aus: Bollin, Eugen: Pfortenweiss, Benediktinerkloster Engelberg 2004, ISBN 3-9522796-1-7

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«Das Klostertor ist mir besonders lieb. Es hat die Form eines beschützenden Engels: Er behütet meinen Ausgang und meine Heimkehr.», Bleistiftzeichnung, Pater Eugen Bollin.

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Pater Bruno Stephan Scherer Kloster Mariastein

Im solothurnischen Beinwil gründete Abt Esso mit Mönchen aus dem Reformkloster Hirsau im Schwarzwald um das Jahr 1100 eine Niederlassung. 1648 wurde das Benediktinerkloster an den schon seit dem Ende des 14. Jahrhunderts bestehenden Marienwallfahrtsort Mariastein verlegt. Es folgte der Bau einer Klosteranlage und der grossen Kirche. Neben der Betreuung der Wallfahrer wurde am neuen Standort eine Klosterschule geführt. Gleichzeitig betreuten die Patres die Klosterpfarreien. Die Zeit der französischen Revolution brachte das Ende von Kloster und Wallfahrt und die Flucht der Mönche. Die Klostergüter wurden verkauft oder verpachtet. 1802 kaufte Abt Hieronymus Brunner (1765–1804) das Kloster zurück. Sein Nachfolger, Abt Placidus Ackermann, liess die Gebäude schrittweise erneuern; das Kloster lebte wieder auf, um im Kulturkampf 1874 erneut aufgehoben zu werden, wobei einige Mönche im Auftrag der Solothurner Regierung die Wallfahrt weiter betreuen durften. Die andern Mönche wurden ausgewiesen und gründeten zuerst in Frankreich (Delle) und dann in Österreich (Bregenz) wieder ein Kloster. Die Bregenzer Mönche, 1941 durch die Nazis vertrieben, durften im alten Kloster Mariastein Asyl nehmen. 1971 wurde das Kloster staatsrechtlich wiederhergestellt und die Renovation der ganzen Klosteranlage in Angriff genommen. Herzstück und Ziel der Mariasteiner Wallfahrt ist die Gnadenkapelle. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Felsenhöhle zu einer stimmungsvollen Kapelle ausgebaut, die man über eine in den Felsen gehauene Treppe mit 59 Stufen erreicht. Die Kapelle wird im Jahr 1434 zum ersten Mal urkundlich bezeugt. Im Kloster Mariastein lebte Pater Bruno (Stephan) Scherer, geboren 1929, verstorben 2017, Lyriker, Schriftsteller und Literaturwissenschaftler.

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Pater Bruno Stephan Scherer am ersten Sommertag im Juni 2013.

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