Dent Unique 3/2022

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Österreichische Post AG MZ14Z039972M Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

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Plattenepithelkarzinom im zahnärztlichen Alltag – 4 Optimierung der Weichgewebsregeneration – 8

Das Journal der Universitätszahnklinik Wien

Kongress „Dentistry 4.0“ in Wien – 12

MASTERKURSE Grundstein für erfolgreiche Karrieren

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Sehr geehrte Leser:innen!

Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz, Vorstand

Unser Journal DentUnique gibt Ihnen einen exklusiven Einblick in die Tätigkeiten an der Universitätszahnklinik Wien.

den herausragenden Output dieser Programme – und erzählt, welche weiteren Schritte zum Ausbau dieser Lehrgänge geplant sind.

Wir berichten über aktuelle Forschungserkenntnisse, schildern Patient:innenfälle und informieren über die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten an der Universitätszahnklinik Wien.

Bedeutsames kommt auch aus dem Fachbereich Orale Chirurgie und Implantologie der Universitätszahnklinik Wien: Hier wird über eine Forschungsarbeit zum Thema Optimierung der Weichgewebsregeneration von allogenen CAD/CAM-Knochenblocktransplantaten mit Platelet-Rich Fibrine (PRF) berichtet.

Am 2. und 3. Juni des nächsten Jahres steht die Universitätszahnklinik Wien in einem ganz besonderen Rampenlicht: Der internationale Kongress „Dentistry 4.0“ findet – nach coronabedingten Verschiebungen – endlich statt. Nationale und internationale Speaker werden in Vorträgen über aktuelle Entwicklungen in der Zahnmedizin berichten, in interessanten Workshops wird sowohl Wissenschaftler:innen als auch Praktiker:innen Wissenswertes hautnah vermittelt. Nähere Informationen finden Sie in dieser Ausgabe.

Im zweiten Teil der Praxisberichterstattung über eine umfassende Behandlung eines Plattenepithelkarzinoms schildert ein Zahnärzt:innen-Team der Universitätszahnklinik Wien den Prozess einer erfolgreichen prothetischen Versorgung. Wir möchten Sie mit dem Journal DentUnique an unserem klinischen Alltag teilhaben lassen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen – zum Wohle der Patient:innen!

Apropos Rampenlicht: Die Masterkurs-Programme an der Universitätszahnklinik Wien genießen international einen ausgezeichneten Ruf. Univ.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Henriette Löffler-Stastka, Curriculumdirektorin Universitätslehrgänge und Postgraduelle Programme an der Medizinischen Universität Wien, bestätigt im Interview mit DentUnique

Impressum: Medieninhaber/Herausgeber: Universitätszahnklinik Wien GmbH, 1090 Wien, Sensengasse 2a, Tel.: +43 1/400 70, Fax: +43 1/400 70-3039, E-Mail: office-unizahnklinik@meduniwien.ac.at, www.unizahnklinik-wien.at Herausgeber: Geschäftsführer Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz und Thomas Stock Erscheinungsort: Wien Auflage: 4.000 Verlag: Albatros Media, H. Wollner Straße 20, 2602 Blumau, office@albatros-media.at, www.albatros-media.at Redaktion: Mag.a Erika Hofbauer (Leitung), Barbara Duras Grafik & Produktion: Albatros Media Verlagsleitung: Otto Koller Designkonzept: Albatros Media Lektorat: Mag.a Eva Kainrad Coverfoto: Universitätszahnklinik Wien/Fuchs Fotos: Falls nicht anders angegeben: Universitätszahnklinik Wien Druck: Druckerei Janetschek GmbH, 3860 Heidenreichstein Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Die Universitätszahnklinik Wien GmbH ist eine 100-%-Tochtergesellschaft der Medizinischen Universität Wien, www.meduniwien.ac.at/homepage/info/impressum. Grundlegende Richtung des Magazins: DentUnique informiert ZahnärztInnen, Studierende und MitarbeiterInnen der Universitätszahnklinik Wien über Forschung, Fallstudien, Weiterbildungsangebote und die Tätigkeiten der Institution.

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In den Kalender Inhalt

Save the Date: Dentistry 4.0 – International, Interdisciplinary Conference of Innovative Technologies in Dentistry

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Plattenepithelkarzinom im zahnärztlichen Alltag

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Optimierung der Weichgewebsregeneration

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Auf dem Weg zur digitalen oralen Pathologie

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Kongress „Dentistry 4.0“ in Wien

Datum: 2. und 3. Juni 2023 Ort: Universitätszahnklinik Wien, Van-Swieten-Saal Sensengasse 2a, 1090 Wien Weitere Infos: www.dentistryvienna.com

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Internationale Auszeichnung für die Universitätszahnklinik Wien

Save the Date: Vienna Orthodontic Symposium

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Masterkurse

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Teilnehmer:innen der Masterkurse berichten

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Langzeitseminare über ein Semester

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Zeitreise Viagra

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Neue Forschungsmitarbeiterin am Competence Center Periodontal Research

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Medizinhistorisches Museum in neuem Glanz

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Krebsforschungslauf 2022: 200.000 Euro für die Forschung

Leitung Symposium: Ao. Univ.-Prof. DDr. Erwin Jonke Vortragender: Prof. Dr. Renato Cocconi (Italy) Nikolaos Perakis, DDS, LMD Datum: 27. Oktober 2023, 12–18 Uhr 28. Oktober 2023, 8.30–17 Uhr Vortragssprache: Englisch Ort: Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien Information: Maria Strobl, +43 1/40070-4301 Anmeldung: maria.strobl@meduniwien.ac.at ZFP-Fortbildung: 16 Punkte

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Plattenepithelkarzinom im zahnärztlichen Alltag Teil 2 des Berichts über die Behandlung eines Plattenepithelkarzinoms beschäftigt sich mit der prothetischen Versorgung.

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ie in DentUnique (Ausgabe 01-2021) ausführlich berichtet, wurde ein 72-jähriger Patient mit einer schriftlichen Überweisung vom niedergelassenen Zahnarzt mit Verdacht auf Epulis in der Region von 34 im März 2020 auf der Notfallambulanz der Universitätszahnklinik in Wien vorstellig. Der Patient gab zusätzlich an, dass er seit Jänner bereits mehrere zahnärztliche Ambulatorien besucht habe. Im Jänner wurde aufgrund starker Schmerzen bei einem niedergelassenen Zahnarzt eine Wurzelkanalbehandlung an Zahn 34 begonnen und der Patient antibiotisch abgeschirmt (1 g Augmentin wurde zehn Tage eingenommen), jedoch brachten Wurzelkanalbehandlung und Antibiotika-Gabe keine Besserung hinsichtlich der Schwellung zwischen Zahn 33 und 34. Zum Zeitpunkt der Erstaufnahme (Abb. 1a, März 2020) in der Notfallambulanz der Universitätszahnklinik Wien gab der Patient keine Schmerzen an, jedoch eine seit mehreren Wochen zunehmende Schwellung, bukkal- und lingualseitig zwischen Zahn 33 und 34. Beim Patienten wurde eine detaillierte klinische Untersuchung durchgeführt und eine sehr starke Klopfdolenz des Zahnes 34 sowie Sondierungstiefen von über 12 mm, Blutung auf Sondierung und Mobilitätsgrad II diagnostiziert. Im Kleinröntgenbild wurde ein Knochenverlust beobachtet (Abb. 1b). Der Patient wurde über die Nichterhaltungswürdigkeit des Zahnes 34 aufgeklärt und der Zahn wurde in derselben Sitzung restlos entfernt. Das Granulationsgewebe

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Abb. 1a

Abb. 1b

aus der „Tasche“ wurde sorgfältig exkochleiert, die Extraktionsalveole mit Betaisodona und Kochsalzlösung gespült und ein 300-%-Jodoformstreifen gelegt. Schlussendlich wurde die Wunde mit einer Situationsnaht und einem Aufbisstupfer versorgt. Zur Schmerzmedikation wurden Novalgin-Tropfen rezeptiert, die Mundhygiene-Instruktionen erteilt und eine Chlorhexidin-Spülung für zehn Tage empfohlen. Eine Kontrolle sollte in zwei bis drei Monaten stattfinden oder bei Bedarf, wenn die Schwellung nicht abklingen sollte. Zwei Wochen nach dem Erstbesuch und der Zahnentfernung kam der Patient erneut in die Ambulanz und gab an,

dass die Schwellung in der Region 34 nach wie vor vorhanden sei und die Schmerzen seit der Zahnentfernung noch stärker geworden seien. Am 16.4.2020, nur drei Wochen nach der Erstaufnahme, wurde der Patient durch Dr. Domic (Abteilung für Orale Chirurgie) begutachtet. Der Patient gab an, trotz Zahnextraktion und Nachbehandlung zunehmende Schmerzen und eine granulomatöse und hyperplastische Schwellung in der Region von 34 zu haben. Die granulomatöse Schwellung in der Region von 34 wurde fotodokumentiert (Abb. 2 u. 3) und der Patient wurde über die Notwendigkeit einer sofortigen Biopsie aufgeklärt.

Abb. 2

Abb. 3


Nach Gabe einer Lokalanästhesie wurden mit einem Kauter eine partielle Exzision der granulomatösen Schleimhautveränderung und im Anschluss eine Biopsie durchgeführt. Die Wunde wurde mit einem Hämostyptikum (Tabotamp®) versorgt (Abb. 4 u. 5) und der Patient wurde in einer Woche zur Kontrolle, inklusive Nahtentfernung und histologischer Befundbesprechung, einbestellt. Eine Woche nach der Biopsie stand der histologische Befund zur Verfügung. Dieser zeigte mikroskopisch die Anteile eines exulzerierten, mäßig differenzierten Plattenepithelkarzinoms der Stufe G2 nach Weltgesundheitsorganisation (WHO)-Klassifizierung. Generell sind alle Tumore nach dieser Klassifizierung in vier Graden je nach Abnormalität/ Unregelmäßigkeit der Tumorzellen aufgeteilt: 1. 2. 3. 4. 5.

GX, Grad nicht definierbar G1, gut differenzierbare Zellen (niedrige Abnormalität) G2, mäßig differenzierbare Zellen (mittelmäßige Abnormalität) G3, schlecht differenzierbare Zellen (hohe Abnormalität) G4, nicht differenzierbare Zellen (hohe Abnormalität)

Nach telefonischer Rücksprache mit der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie des Allgemeinen Krankenhauses in Wien wurde der Patient am gleichen Tag stationär aufgenommen. Daraufhin erfolgten Vorstellung bei der „Tumorsprechstunde“ und weitere Behandlung auf der Abteilung für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie im Allgemeinen Krankenhaus. Etwa zwei Wochen nach der histologischen Befundbesprechung mit dem Patienten und zehn Tage nach der Vorstellung bei der Tumorsprechstunde wurde auf Empfehlung des Tumorboards ein Operationstermin vereinbart. Zusätzliche Untersuchungen inklusive Computertomographie (CT) der Kopfund Halsregion sowie des Abdomens ergaben folgende TNM-Klassifizierung des Tumors:

Abb. 4

Abb. 5

1.

Modellgussprothesen für den Oberkiefer und den Unterkiefer hatte, wurden diese herangezogen und als Immediatersatz erweitert sowie unterfüttert. Während der Planung entschied sich das behandelnde Ärzt:innen-Team sowohl im Ober- als auch Unterkiefer für eine teleskopierende Metallgerüstprothese. Zahn 11 wurde mittels Adhäsivtechnik aufgebaut und darüber hinaus für Zahn 21 eine Einzelzahnzirkonkrone geplant. Um eine adäquate Retention der Kronen gewährleisten zu können, wurden an fünf Zähnen gegossene Stiftaufbauten eingegliedert (Abb. 6 u. 7).

2. 3.

T2 (große Ausdehnung des Tumors, T0–T4) N0 (Ausdehnung des Tumors in regionale Lymphknoten, N0–N3) M0 (0 keine, 1 Metastasen vorhanden)

Das Tumorboard empfahl eine chirurgische Tumorresektion, seitliche Halsdissektion (links) und die Deckung mit einem Zungenlappen (Abb. 6). Ein Teil des Alveolarfortsatzes mit dem Tumor inklusive dreier Zähne (31, 32, 33) wurde reseziert. Makroskopisch zeigte sich ein maximal 1 cm breiter bis an das Periost reichender Tumor, ohne Infiltration des Kieferknochens. Insgesamt sechs resezierte regionale Lymphknoten zeigten reguläre Architektur. Mikroskopisch zeigte sich ein eindeutiger Übergang des regulären Epithels mit Formationen eines invasiv wachsenden, malignen epithelialen Tumorgewebes mit nestund strangartiger Architektur. Der Tumor zeigte eine maximale Ausdehnung von 2,2 cm bei einer Tiefenausdehnung von 1 cm. Prothetische Rehabilitation nach Resektion Der Patient wurde im Zuge der Tumornachsorge wieder an der Universitätszahnklinik Wien vorstellig. Am Beginn der prothetischen Fallplanung wurden montierte Situationsmodelle erstellt und ein aktueller Röntgenstatus erhoben. Intraoral bestätigte sich, dass der resezierte Bereich mittels eines Zungentransplantates gedeckt wurde. Da der Patient bereits bestehende alte

Abb. 6: Intraorale Ansicht Unterkiefer nach Tumorresektion, Deckung mit Zungenlappen und nach Beschliff

Abb. 7: Intraorale Ansicht Oberkiefer nach Beschliff

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Nach erfolgter Meisterabformung beider Kiefer erfolgte eine Überabformung der angefertigten Transferkäppchen mit einem individuell angefertigten Abformlöffel. Somit konnte dem zahntechnischen Labor eine präzise Schleimhautabformung zur Verfügung gestellt werden. Insbesondere wurde dabei auf die Detailtreue des resezierten Bereiches im Unterkiefer geachtet. Anschließend an die Bissnahme mittels Bissschablonen und die gemeinsame Begutachtung der

Wachsaufstellung (Abb. 8–10) erhielt das zahntechnische Labor die Freigabe zur Erstellung der Primärund Sekundärteleskope mit Gerüsten. Diese wurden insbesondere auf ihre Passgenauigkeit und Schaukelfreiheit im Kiefer überprüft. Des Weiteren wurde bei der Erstellung auf eine Unterspülbarkeit des transplantierten Gebietes geachtet. Nach erfolgter Wachsaufstellung auf Gerüst wurde die Fertigstellung der Teleskopprothesen und der Einzelzahnzirkonkrone in

Auftrag gegeben. Für Zahn 11 wurde vom zahntechnischen Labor ein entsprechendes Mock-up mit Schiene zur Übertragung erstellt (Abb. 11–23). Anschließend an die komplikationslose Eingliederung der Arbeit erfolgte eine Kontrolle sieben Tage nach erfolgter Übergabe (Abb. 24, Seite 7). Nach der Durchführung von minimalen Korrekturen an der Okklusion wurde der Patient in den Recall entlassen.•

Abb. 8: Wachsaufstellungsprobe frontal

Abb. 9: Wachsaufstellungsprobe lateral

Abb. 10: Wachsaufstellungsprobe lateral

Abb. 11: Fertigstellung

Abb. 12: Fertigstellung

Abb. 13: Fertigstellung

Abb. 14: Fertigstellung

Abb. 15: Fertigstellung

Abb. 16: Fertigstellung

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Abb. 17: Nach erfolgter Eingliederung Oberkiefer

Abb. 18: Nach erfolgter Eingliederung Unterkiefer

Abb. 19: Frontalansicht nach Eingliederung

Abb. 21: Frontalansicht lächelnd

Abb. 22: Profil lächelnd

Abb. 20: Frontalansicht lächelnd

Abb. 23: Profil lächelnd

Abb. 24: Kontrollpanoramaröntgen nach erfolgter Eingliederung

Das Team Dr. med. dent. Danijel Domic Fachbereich für Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien Dr. med. dent. Edmund Benjamin Kukla CCU – Comprehensive Center Unit Universitätszahnklinik Wien

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Optimierung der Weichgewebsregeneration Von allogenen CAD/CAM-Knochenblocktransplantaten mit Platelet-Rich Fibrin (PRF).

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m Zuge implantatprothetischer Rehabilitationen wird bei Vorliegen einer reduzierten bukko-oralen Alveolarkammbreite bzw. auch der (in geringem Maße) -höhe eine vorangehende knöcherne, latero-vertikale Augmentation durchgeführt, um eine erfolgreiche ossäre Verankerung des Implantats wie auch ein ansprechendes ästhetisches Ergebnis nach abgeschlossener prothetischer Versorgung anzustreben (siehe Abb. 1–8). Hierfür stehen verschiedene augmentative Operationstechniken zur Verfügung, wobei die autologe Blockaugmentation bislang am häufigsten angewandt wird. Obwohl autologe Knochenblöcke nach wie vor als „Goldstandard“ gelten, kommen allogene, personalisierte, CAD/CAM-gefräste Knochenblöcke aufgrund ihrer hohen Passgenauigkeit vermehrt bei 3D-komplexen Knochendefekten zum Einsatz. Gewonnen werden allogene Knochenblöcke vor allem aus Femurköpfen (nach sorgfältigster Spender:innen-Auswahl und Aufbereitung) von Patient:innen, welche eine Hüft-Endoprothese benötigen. Diese Blöcke werden mithilfe des zuvor durchgeführten DVTs/CTs dem Defekt kongruent (3D-CAD) digital geplant und anschließend maschinell (3D-CAM) gefräst. Im Zuge des Eingriffs entfällt so der Vorgang der Blockentnahme, was wiederum zu einer deutlichen Verkürzung der OP-Dauer führt und in einer ausgeprägten Verminderung postoperativer Beschwerden und möglicher Komplikationsquellen resultiert. Da der allogene Block dem Empfängerbett bereits (je nach Bildqualität) optimal angepasst ist, entfällt im Vergleich zur

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Abb. 1: Intraoperative Ansicht des komplexen Defektes 21 nach Entfernung eines Wurzelspitzen-resezierten Zahnes nach Monaten

Abb. 3: Fixierung des kongruenten, allogenen Knochenblocks mit einer Osteosyntheseschraube stabilisiert

autologen Blockaugmentation meist eine zeitintensive Adaptierung des Augmentates an das Empfängerbett. Postoperativ konnte im Rahmen lateraler Augmentationen mittels allogener Knochenblocktransplantate allerdings eine deutlich höhere Rate an Wundheilungsstörungen/Komplikationen – vor allem Schleimhautdehiszenzen – beobachtet

Abb. 2: CAD/CAM: 3D-geplanter, Patient:innen-individualisierter Knochenblock (allogen)

Abb. 4a–4b: „Biologisierung“ einer Kollagenmembran mit der flüssigen Phase des PRFs (a), auf den Block aufgelagert (a) und die viskösprämembranöse Phase (b) des PRFs nach Abtrennen des überschüssigen Blutkoagulums vor dem Pressvorgang

werden. Für ein komplikationsloses Einheilen des Knochenblocks ist eine suffiziente Wundheilung des umgebenden Weichgewebes notwendig. Ziel der laufenden klinischen Observanzuntersuchung ist eine Optimierung durch Verwendung des aus Eigenblut gewonnenen „Platelet-Rich Fibrin“ (PRF). Dabei werden der Patientin oder


Abb. 5: Zwei PRF-Membranen über die Kollagenmembran (Block unterhalb) gelegt

dem Patienten vor dem Eingriff 100 bis 200 ml Blut in zwei verschiedenen Ampullen abgenommen. Diese werden während des Eingriffs wenige Minuten lang nach dem Protokoll von Chakroun (LIT!) zentrifugiert, wodurch eine flüssige und eine viskös-prämembranöse Phase des PRFs, abhängig von der verwendeten Ampulle, gewonnen werden kann. Die flüssige Phase wird dabei sowohl zur Rehydrierung und Bioaktivierung des gefriergetrockneten Spender:innen-Blocks als auch zur Benetzung der verwendeten Kollagenmembran benutzt. Pro Ampulle kann aus der gallertigen Phase binnen weniger Minuten eine ca. 1 x 2 cm große Membran gepresst werden. Diese wird zwischen Kollagenmembran und Weichgewebe eingebracht. Der Einsatz dieser beiden Phasen des PRFs kann

Abb. 6: Nach sechs Monaten abgeheilter Situs der augmentierten Region bei Implantation

Abb. 8a: Kontrolle nach Implantat-Insertion

eventuell zu einer schnelleren Einheilung des allogenen Blocks führen, vor allem steht allerdings ein eventueller positiver Effekt auf die Weichgewebsheilung des OP-Gebiets zur eventuellen Reduktion der Wundheilungsstörungen im Vordergrund. Dieser Effekt wird ak-

Abb. 7: Inseriertes Implantat mit sowohl bukkal als auch palatinal suffizientem Knochenangebot

Abb. 8b: Radiologische Kontrolle nach Implantat-Insertion

tuell in der vorgestellten Untersuchung an der Abteilung für orale Chirurgie der Universitätszahnklinik Wien evaluiert, Patient:innen können bei Interesse (noch) eingeschlossen werden.•

Das Team Ao. Univ.-Prof. DDr. Christian Ulm Leiter des Fachbereichs Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien Univ.-Prof. DDr. Werner Zechner Stv. Leiter des Fachbereichs Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien Dr. med. dent. Tobias Lang Fachbereich Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien

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Auf dem Weg zur digitalen oralen Pathologie Bereits seit ihrer Diplom- bzw. Masterarbeit arbeiten Michael Edelmayer und Klara Janjić gemeinsam an Forschungsprojekten an der Universitätszahnklinik Wien und konnten vor etwa einem Jahr erfolgreich ihre ersten eigenen Projekte zu dem Forschungsfokus starten, der ihnen ganz besonders am Herzen liegt – der oralen Pathologie.

W

ährend Zähne für gewöhnlich im Mittelpunkt der zahnärztlichen Behandlung stehen, ist es wichtig, auch der Mundschleimhaut regelmäßig Aufmerksamkeit zu schenken. Mehrere Fachgebiete wie die Dermatologie und die Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde können an der Behandlung von Mundschleimhauterkrankungen beteiligt sein. Spezialist:innen für die orale Pathologie gibt es jedoch nur wenige. Um die Grenze zwischen einer unbedenklichen und einer pathologischen Veränderung der Mundschleimhaut zu erkennen, bedarf es entsprechender Expertise und Erfahrung, die häufig fehlt, wenn der behandelnde Arzt, die behandelnde Ärztin nicht täglich mit solchen Erkrankungen konfrontiert ist. Der Weg zu einer adäquaten Diagnose gestaltet sich daher für Patient:innen schwierig, wobei gerade bei einer Mundschleimhauterkrankung wie der oralen Dysplasie, die sich in mehr als 10 Prozent der Fälle im weiteren Verlauf zu einem bösartigen Tumor entwickeln kann, die Früherkennung eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist. Start für Forschungsprojekt Die Diagnostik in der oralen Pathologie basiert hauptsächlich auf histologischen Auswertungen nach entnommener Biopsie aus der betroffenen Region der Mundschleimhaut. Die Beurteilung dieser Ge-

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Abb. 1: Für die Diagnostik in der oralen Pathologie werden routinemäßig Biopsien von auffälligen Regionen in der Mundschleimhaut entnommen. Diese Hämatoxylin und Eosin gefärbte Histologie einer Biopsie zeigt von links nach rechts Regionen mit gesunder Mundschleimhaut sowie mittel- und hochgradiger oraler Dysplasie.

websschnitte erfolgt anschließend durch eine:n Histopatholog:in in Anlehnung an die aktuellen Richtlinien der WHO zur Klassifizierung oraler Dysplasie-Grade. Diese Richtlinien führen allerdings nur qualitative Merkmale veränderter Gewebearchitektur an und können daher von den unterschiedlichen Spezialist:innen nur subjektiv interpretiert werden. Um diese Hindernisse in Zukunft überwinden zu können, startet im Jänner 2023 dank einer Förderung durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft

(FFG) ein neues Forschungsprojekt, in dessen Rahmen ein Deep-Learningbasierter Algorithmus für die Klassifizierung von oralen Dysplasie-Graden auf digitalen Gewebsschnitten entwickelt werden soll. Dafür werden histologische Schnitte von gesunder Mundschleimhaut und Mundschleimhaut mit verschiedenen Graden der oralen Dysplasie sowie oralem Plattenepithelkarzinom gesammelt und digitalisiert. Daraus werden mithilfe computergestützter Methoden und der Gewebezytometrie annotierte Datensätze


erstellt, aus welchen Gewebemerkmale extrahiert werden, die mit einer gesunden oder pathologischen Gewebearchitektur im Zusammenhang stehen. Diese Merkmale sollen dann in quantitativen numerischen Daten ausgegeben werden. Anschließend wird die Leistungsfähigkeit von bereits entwickelten Deep-Learningbasierten Algorithmen für die Klassifizierung oraler Dysplasie-Grade optimiert und angepasst. Mithilfe weiterer DeepLearning-basierter Modelle werden außerdem Verallgemeinerbarkeit und Interpretierbarkeit für die Klassifizierung oraler Dysplasie-Grade in histologischen Bildern verbessert werden. Interdisziplinäre Zusammenarbeit Das Projekt ist beispielhaft für die Wichtigkeit interdisziplinärer Zusammenarbeit für innovative Forschung und wird von einem Konsortium akademischer und einem industriellen Partner unter der Leitung von Dr.in Klara Janjić (Postdoc am Zentrum für Klinische Forschung, Universitätszahnklinik Wien) durchgeführt. Univ.-Ass. Ing. DDr. Michael Edelmayer (Leiter der Spezialambulanz für Mundschleimhauterkrankungen, Universitätszahnklinik Wien) spielt als Experte für orale Pathologie ebenfalls eine tragende Rolle in dem Projekt und wird von klinischer Seite durch Dr. Babak Itzlinger-Monshi (Dermatologe und Histopathologe, Klinik Landstraße) und Univ.-Prof.in Dr.in Xiaohui Rausch-Fan (Leiterin des Zentrums für Klinische Forschung, Universitätszahnklinik Wien) unterstützt. Das Unternehmen Tissue Gnostics bietet nicht nur eine breite Palette an Systemen für Gewebezytometrie und digitale Pathologie an, sondern zeichnet sich auch durch seine aktiven Tätigkeiten als

Start des Forschungsprojektes: 1.Reihe v. l.: Xiaohui Rausch-Fan, Klara Janjić, Michael Edelmayer 2.Reihe v. l.: Rupert Ecker, Amirreza Mahbod, Felicitas Mungenast (Mitarbeiter TissueGnostics), Peter Bauer

Kooperationspartner in Forschung und Entwicklung aus und ist damit ebenfalls ein essenzieller Teil des Teams. Das Projekt bietet außerdem die Möglichkeit, eine Postdoc-Position im Bereich der Computerwissenschaft zu besetzen, die durch einen weiteren erfahrenen Wissenschaftler (Amirreza Mahbod, PhD, Danube Private University) aus diesem Bereich betreut wird. Unterstützung bei Diagnosen Nach erfolgreichem Abschluss des Projektes schaffen die Ergebnisse eine Basis für ein Entscheidungsunterstützungssystem zur Klassifizierung oraler

Dysplasie-Grade, das später als integriertes Softwareelement Kliniker:innen aus verschiedenen Bereichen bei einer reproduzierbaren und objektiven Diagnose unterstützen kann. Zukünftige Studien über orale Dysplasien könnten anhand dieser Unterstützung Daten objektiv vergleichen. Basierend auf den erhobenen Daten im Projekt könnten außerdem völlig neue Richtlinien für die Einteilung der Schweregrade der oralen Dysplasie diskutiert werden, die im Gegensatz zu den aktuellen Richtlinien numerische Werte und Referenzbereiche angeben können, die ebenfalls objektiv und reproduzierbar sind.•

Das Team Ing. DDr. Michael Edelmayer Leiter der Spezialambulanz für Mundschleimhauterkrankungen Fachbereich Orale Chirurgie, Zentrum für klinische Forschung Universitätszahnklinik Wien Dr.in Klara Janjić, MSc Postdoc Zentrum für klinische Forschung Competence Center Periodontal Research Universitätszahnklinik Wien

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„Veranstaltung für High-End-Zahnärzt:innen“ Am 2. und 3. Juni 2023 findet an der Universitätszahnklinik Wien der Kongress „Dentistry 4.0“ mit nationalen und internationalen Expert:innen der Zahnmedizin statt.

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ie Kongress-Premiere an der Universitätszahnklinik Wien soll mit „Dentistry 4.0“ eine Fachveranstaltung der Superlative werden. Davon ist Klinikvorstand Univ.Prof. DDr. Andreas Moritz überzeugt: „Es wird im Juni an diesen zwei Tagen einfach das Neueste geboten, was in Sachen digitale Technologie in der Zahnmedizin aktuell ist oder auch in Zukunft von Bedeutung sein wird.“ Es sei gelungen – trotz widriger coronabedingter Umstände –, hochkarätige Speaker aus dem In- und Ausland für den Kongress zu gewinnen. Die rund 30 nationalen und internationalen Expert:innen werden aus ihren jeweiligen Fachbereichen zu innovativen Technologien vor allem in der digitalen Zahnmedizin Interessantes zu berichten haben, denn, so Klinikvorstand Moritz: „Die Digitalisierung ist das Thema der Zukunft in der Zahnmedizin.“ Hochkarätiges Programm Der Universitätszahnklinik Wien wird es an diesen Veranstaltungstagen zusätzlich möglich sein, einem großen Fachpublikum zu zeigen, wie Forschung und Lehre sowie der zahnmedizinische Praxisalltag modern ablaufen und nach dem neuesten Stand der Technik funktionieren. Denn die digitale Revolution in der Zahnmedizin kommt in raschem Tempo heran. Diese Entwicklung bringt einerseits viele Vorteile für Zahnärzt:innen und ihre Patient:innen, bedeutet aber auch große Umwälzungen und Probleme im künftigen zahnmedizinischen Alltag. „Dentistry 4.0” will dabei sowohl

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die visionäre als auch praxisorientierte Bedeutung der Digitalisierung beleuchten sowie das Potenzial, aber auch mögliche Gefahren der künstlichen Intelligenz (KI) in zahnmedizinischen Anwendungsbereichen betrachten. Daher sollen in einem vielfältigen und abwechslungsreichen wissenschaftlichen Programm die künftigen Herausforderungen erörtert werden. In Vorträgen werden die geladenen Expert:innen über die jüngsten Entwicklungen in den verschiedensten Bereichen der Zahnmedizin berichten und den Status quo von Wissenschaft und Forschung den Teilnehmer:innen näherbringen. In Vorlesungen und Praxisworkshops, die beispielsweise Fälle aus der Chirurgietechnik, Kieferorthopädie und Parodontologie aufgreifen, wird Wissenswertes hautnah vermittelt. Praktischer Nutzen Neben dem hohen wissenschaftlichen Anspruch soll also auch die praktische Anwendung der neuesten Techniken im Fokus des Kongresses für die Besucher:innen stehen, wie Klinikvorstand Moritz betont: „Für jeden Fachbereich wird etwas dabei sein! Es wird hochinteressante Workshops oder auch Sezierkurse geben – die Teilnehmer:innen können sich das Neueste vom Neuen aussuchen, egal ob man als Wissenschaftler:in, Praktiker:in oder Jungforscher:in dabei ist.“ Apropos Jungforscher:innen: Junge Kolleg:innen können sich ebenfalls profilieren. Im Rahmen sogenannter Poster-Bewerbe (siehe Info-Box) können sie ihre Arbeiten präsentieren, die dann von einer

Jury prämiert werden. Moritz: „So hat dieser Kongress für sie sicher einen größeren Wert als eine reine Vortragsveranstaltung.“ Der Klinikvorstand ist davon überzeugt, dass noch weitere Kongresse dieser Art in Wien folgen werden: „Wir wollen, dass Digitalisierung hier ein Standbein bekommt. Wir sind bei diesem Thema sehr weit vorne und glauben, dass das auf jeden Fall die Zukunft sein wird.“ Er wünscht sich, dass „viele Leute kommen, vor allem viele junge! Das ist eine Veranstaltung für High-EndZahnärzt:innen!“• Nähere Infos und Anmeldung: https://www.dentistryvienna.com/

Bewerbe für Jungforscher:innen Zusätzlich zu den Vorträgen und Vorlesungen wird es auch Kurz-Bewerbe für ehrgeizige Jungforscher:innen geben. In sogenannten PosterBewerben können sich Interessierte in der Kategorie Grundlagenforschung oder Klinische Forschung mit einer Kurz-Präsentation anmelden. Eine hochkarätig besetzte Jury wird dann die Gewinner:innen ermitteln. Die drei besten Präsentationen aus den Kategorien werden schließlich mit einem Preis ausgezeichnet.


Preisträger Preisträgerv.v.l. n. l. n.r.:r.:Assoz. Ao. Univ.-Prof. Univ.-Prof. DDr. DDr. Erwin Erwin Jonke, Jonke, DDr. DDr. Michael Michael Nemec, Nemec, PhD, PhD, Christian Christian Behm, Behm, BSc, BSc, MSc, MSc, PhD, PhD, Assoc. Assoz. Prof. Prof. Priv.-Doz. Priv.-Doz. Dr.Dr. Oleh Oleh Andrukhov Andrukhov

Internationale Auszeichnung für die Universitätszahnklinik Wien

European Orthodontic Society Research Grant Eine essentielle Voraussetzung der kieferorthopädischen Zahnbewegung ist eine durch mechanische Kräfte verursachte, aseptische Entzündungsreaktion im Parodont, deren genaue immunologische Prozesse Gegenstand zahlreicher Studien sind. Aufgrund fehlender paradontaler Gewebeproben wurden die Entzündungsreaktionen im Verlauf kieferorthopädischer Behandlungen bisher größtenteils nur anhand löslicher immunologischer Faktoren (z. B. Zytokine) im Speichel oder der Sulkusflüssigkeit verfolgt, ohne Veränderungen der Leukozytenzusammensetzung im Parodont direkt messen zu können. Das Ziel dieser Pilotstudie ist, den Einfluss von Multibracketbehandlungen auf die Leukozytenzusammensetzung im Speichel zu untersuchen. Dies soll zu einem genaueren und direkten Einblick in die immunzellulären Vorgänge der Entzündungsreaktion im Verlauf der kieferorthopädischen Behandlung führen. Werden immunzelluläre Änderungen detektiert, ist geplant, in weiterführenden Studien zu untersuchen, ob diese Veränderungen mit bestimmten klinischen Parametern korrelieren und so als Biomarker für Komplikationen während einer kieferorthopädischen Therapie fungieren können.

Dentistry 4.0 International, Interdisciplinary Conference of Innovative Technologies in Dentistry - Vienna, Austria in cooperation with various national and international societies for Esthetic Dentistry, Implantology, Pediatric Dentistry, Maxillofacial Surgery, Periodontology, Laser Applications and the Consortium for Oral Surgery, Medicine and Radiology.

Top Speakers have been invited

Save the Date June 2 – 3, 2023

Preliminary Program • Workshops • Cadaver Course • Keynote Lectures • Short Talks • Postersession • Company Exhibition

www.unizahnklinik-wien.at DentUnique 3/2022 13


„Optimaler Grundstein für eine internationale Karriere“ Univ.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Henriette Löffler-Stastka, Curriculumdirektorin für Universitätslehrgänge und Postgraduelle Programme der Medizinischen Universität Wien, spricht im Interview mit DentUnique über die Bedeutung postgradueller Lehrgänge gerade im zahnmedizinischen Bereich und verrät Pläne über den weiteren Ausbau dieser Programme.

Univ.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Henriette Löffler-Stastka: Generell besteht für die postgraduelle Weiterbildung ein gesellschaftlicher Auftrag, der auch eine positive Wertschöpfung hat. Dies spiegelt sich vor allem in der Etablierung neuer und im Wachstum wissensintensiver Branchen wider. Auf individueller Ebene erhöht die postgraduelle Weiterbildung die Einkommen und weist einen nachhaltigen Effekt auf die Lebenszufriedenheit auf. DentUnique: An der Universitätszahnklinik Wien gibt es eine Reihe herausragender Angebote im postgraduellen Bereich. Wie kann dieses hohe Niveau gehalten bzw. sogar immer weiter gesteigert werden? Was ist das „Geheimnis des Erfolges“? Löffler-Stastka: Durch die Einbindung in die Qualitätssicherungsmaßnahmen entsprechend österreichischem Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz (HS-QSG) sind laufend Überprüfungen, Nachjustierungen und Neuausrichtungen von Qualifikationsprofilen, den entsprechenden Lernzielen und

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Lernzielniveaus verpflichtend. Die gute Vernetzung und regelmäßige Abstimmung von Lehrgangs- und Programmleiter:innen mit den operativen Organen und auch den universitätsinternen Kontrollorganen ermöglichen die optimale Ausrichtung: Inhaltlich werden die Anforderungen der Stakeholder berücksichtigt und in didaktischer Hinsicht moderne Lernmethoden. Der Effekt ist ein Kompetenzzuwachs, der von Programmabsolvent:innen und Arbeitgeber:innen attestiert wird. DentUnique: Die Masterkurs-Programme der Universitätszahnklinik Wien genießen international einen ausgezeichneten Ruf. Was ist Ihrer Meinung nach der USP? Löffler-Stastka: Die international ausgerichteten postgraduellen Programme der Universitätszahnklinik Wien bieten als Alleinstellungsmerkmal eine hohe forschungsgeleitete Spezialisierungsmöglichkeit, die vor allem international gefragt ist. Durch adäquate Bedarfsund Angebotsabstimmung, flexible Orientierung an den Bedürfnissen der Teilnehmer:innen und durch eine hohe wissenschaftlich fundierte Kompetenz in der Professor:innenschaft setzen sich die Programme durch. Das „Commitment“ der Lehrenden zu einem an traditionellen Universitäten üblichen Reüssieren in Klinik, Forschung und Lehre kann als

Foto: © MedUniWien/Mattern

DentUnique: Aus- und Weiterbildung ist gerade im medizinischen Bereich unabdingbar. Was sind Ihrer Meinung nach die großen Stärken von postgraduellen Weiterbildungsformen bzw. Masterkursen?

Univ.-Prof.in Priv.-Doz.in Dr.in Henriette Löffler-Stastka, Curriculumdirektorin Universitätslehrgänge und Postgraduelle Programme der Medizinischen Universität Wien

besonderes Qualitätskriterium genannt werden. DentUnique: Vor Kurzem wurde das Diplomstudium Zahnmedizin an der Universitätszahnklinik Wien erfolgreich und ohne Auflagen akkreditiert. Dieses Gütesiegel bescheinigt dem Curriculum internationale Qualität und Einhaltung qualitätssichernder Kriterien. Gibt es Pläne, wonach auch die Masterkurse des Hauses diesem Akkreditierungsverfahren unterzogen werden?


Löffler-Stastka: Im Rahmen des genannten Audit-Verfahrens wurde auch die Postgraduelle Weiterbildung auf die Einhaltung der Standards and Guidelines for Quality Assurance in the European Higher Education Area (ESG) überprüft und konnte ohne Auflagen erfolgreich abschließen. Dies wurde in bereits seit mehreren Jahren laufenden Prozessen vorbereitet, u. a. wurden die Curricula beispielsweise an moderne Lernzielbeschreibungen und Qualifikationsprofildarstellungen angepasst oder Prozessabläufe transparent gemacht und verbindliche Kennzahlen nachjustiert. DentUnique: Was bedeutet dann im Zuge dessen das Gütesiegel für diese Programme? Löffler-Stastka: Das Gütesiegel, die Qualitätsstrategie der Programme, die Integration in die Steuerungsinstrumente der Medizinischen Universität Wien,

die Beteiligung von Interessengruppen stellen eine spürbare Qualitätskultur und die Umsetzung der gemeinsamen, anspruchsvollen Qualitätsziele dar. Dies wird immer wieder auch von anderen Ländern und Behörden als Nachweis für Zertifizierungen und Berufsberechtigungen verlangt. DentUnique: Gibt es darüber hinaus Pläne, das Masterkurs-Programm an der Universitätszahnklinik Wien zu erweitern? Welche Bereiche könnten noch gut geschaffen werden bzw. „fehlen“? Löffler-Stastka: Ja, die flexible Gestaltung und Kombinierungsmöglichkeit von „Parodontologie mit Endodontologie“ oder die Novellierung des „Esthetic Dentistry“-Programmes sowie die forcierte Einbindung des internationalen Arbeitsmarktes im Programm „Master of Dental Science Prosthodontics – Interdisciplinary Therapy Concepts“ sind

erste Schritte eines erweiterten Angebotes. Ergänzend könnten aufgrund der an der Universitätszahnklinik der MedUni Wien vorhandenen Expertise Programme in den Bereichen „Orthodontics“ oder „Dental Technology“ geschaffen werden. DentUnique: Welche Möglichkeiten stehen den Absolvent:innen nach solch einer Weiterbildung offen? Löffler-Stastka: Die Einbindung von Internationalisierungsaspekten und gesellschaftlichen Zielsetzungen in das Qualitätsmanagementsystem ermöglicht gerade den Absolvent:innen der englischsprachigen Weiterbildungsprogramme (z. B. im ULG Periodontology and Implantology) mit der forschungsgeleiteten Spezialisierung den optimalen Grundstein für eine internationale Karriere.•

Weiterbildungsmöglichkeiten an der Universitätszahnklinik der MedUni Wien In postgradualen akademischen Lehrgängen können Zahnärzt:innen wichtige Kenntnisse und Fertigkeiten für eine Spezialisierung erwerben. An der Universitätszahnklinik der MedUni Wien arbeiten die Zahnärzt:innen als Spezialist:innen in den verschiedenen Fachbereichen und Spezialambulanzen. Um diese Spezialisierung, die vor allem in komplexeren Fällen nötig ist, zu erreichen, stehen den Mediziner:innen an der Universitätszahnklinik der MedUni Wien hochwertige Weiterbildungsmöglichkeiten zur Verfügung. (Absolvent:innen berichten davon auf der folgenden Seite.) Die Qualität dieser Programme steht europaweit an der Spitze.

Postgraduate Education in Endodontology and Periodontology: Die Weiterbildung zur Spezialisierung in der Endodontie und Parodontologie steht in diesem Kurs im Fokus.

Universitätslehrgang Prothetik (MDSc): Fachwissen und Fertigkeiten auf dem gesamten Gebiet der Prothetik und der Funktionsstörungen werden in diesem Kurs gelehrt.

Postgraduate Education in Esthetic Dentistry: Hier wird das gesamte theoretische und praktische Wissensspektrum für die Spezialisierung in ästhetischer Zahnheilkunde vermittelt.

Doctor of Philosophy (PhD): Dieses interdisziplinäre Themenprogramm ermöglicht den Erwerb aller Fähigkeiten für eine reife, international wettbewerbsfähige wissenschaftliche Tätigkeit.

Postgraduate Education in Periodontology and Implantology: In diesem Lehrgang erhalten die Absolvent:innen das breite Fachwissen für die Spezialisierung in Parodontologie und Implantologie.

Weitere Infos zu aktuellen Terminen: https://www.unizahnklinik-wien.at/ studium-aus-weiterbildung/weiterbildungzahnaerztinnen/

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Dr. Manuel Reinisch M.A. und Dr.in Melinda Seeland-Csitàri absolvieren den Kurs „Postgraduate Education in Periodontology and Implantology“. Für beide war die Weiterentwicklung ihres professionellen Know-hows wichtig für ihren Arbeitsalltag mit Patient:innen. „Ich denke, dass lebenslange Fortbildung nach dem Motto ,Man lernt nie aus‘ ein wesentlicher Bestandteil des Zahnarztberufs ist“, meint etwa Manuel Reinisch. „Sowohl Diagnose als auch Therapiemethoden entwickeln sich laufend und mir ist es wichtig, auf einem zeitgemäßen Niveau tätig zu sein. Auf der einen Seite profitieren meine Patient:innen von einer ,State of the Art‘-Versorgung und anderseits beruhigt es mich, wenn ich meine Behandlungen an praxiserprobten und evidenzbasierten Leitlinien orientiere.“ Ähnlich sieht dies Melinda SeelandCsitàri: „Weiterbildung, neue und neueste Kenntnisse zu sammeln, war mir immer wichtig. Ich war immer neugierig und hungrig nach neuem Wissen. Ich habe dabei gerne viel Zeit und Geld in diesen Weg investiert.“ Pluspunkte des Kurses „Ich habe mich für diesen Kurs entschieden, weil ich nach einer mehrjährigen Ausbildung in den Fachbereichen Parodontologie und Implantologie suchte. In diesem Lehrgang gelingt eine optimale Mischung aus Theorie und Praxis. Sezierkurse, Live-OPs und Hands-on-Übungen haben mich darauf vorbereitet, die erlernten Techniken auch in der eigenen Ordination anzuwenden. Jedes der acht Module dauert jeweils eine Woche – diese Modalität lässt sich für mich ideal berufsbegleitend realisieren“, begründet Manuel Reinisch sein Interesse. Am besten gefiel ihm dabei der internationale Charakter des Kurses: „Die Unterrichtssprache ist Englisch und wir sind eine Gruppe von 24 Zahnärzt:innen aus rund 15 unterschiedlichen Ländern. Über die

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Dauer des Kurses wuchs untereinander auch eine liebe Freundschaft und wir tauschen uns auch heute noch in der Freizeit über unsere Praxisfälle und Herausforderungen aus.“ Für Melinda Seeland-Csitàri war es wichtig, ihre Kenntnisse nicht nur in Kursen und Kongressen, sondern wieder an der Universität aufzufrischen: „Dieser Masterlehrgang ist vom Basiswissen bis zu den Feinheiten in höchster Qualität perfekt aufgebaut.“ Berufliche Perspektive erweitern „Ich bin niedergelassener Zahnarzt in Niederösterreich. Für mich liegt der Mehrwert des Kurses vor allem darin, mein Behandlungsspektrum in den Fachbereichen Parodontologie und Implantologie zu erweitern“, beschreibt Manuel Reinisch seinen persönlichen Mehrwert. „Der Masterlehrgang bietet allerdings auch eine gute Möglichkeit dazu, wissenschaftlich tätig zu werden, sofern man das möchte. In jedem Modul werden aktuelle wissenschaftliche Publikationen kritisch in der Gruppe diskutiert und eigene Forschungsideen können im Zuge der Masterarbeit umgesetzt werden. Für mich ist dieses Studium eine große Bereicherung und ich möchte dem Organisationsteam und insbesondere der Leiterin, Univ.-Prof.in Rausch-Fan, herzlich Danke sagen!“ Den persönlichen Mehrwert dieser Weiterbildung kann Melinda Seeland-Csitàri nur bestätigen: „Wir lernten die neuesten Methoden und Forschungen sowohl von den Professor:innen der Universität als auch persönlich von den größten Spezialist:innen weltweit. Diese Möglichkeit, den Professor:innen und den Spezialist:innen Fragen persönlich stellen zu können, ist unbezahlbar.“ Wichtig ist aber auch, dass man sich mit Kolleg:innen auf hohem fachlichen Niveau austauschen kann: „Wir lernen viel voneinander“, so Melinda Seeland-Csitàri.•

Foto: © Klaudia Holcmann

Teilnehmer:innen der Masterkurse berichten

Dr.in Melinda Seeland-Csitàri Studium Zahnmedizin – Zahnmedizinische Universität Szeged (Ungarn): 1997–2002. Postgraduale Weiterbildung Zahn- und Mundkrankheiten auf der Zahnmedizinischen Universität Szeged (Ungarn): 2002–2006. Postgraduale Weiterbildung Konservierende Zahnmedizin und Prothetik auf der Zahnmedizinischen Universität Budapest: 2006–2008. Praxisgemeinschaft Privatklinik in Ungarn: 2002–2015. Privatpraxis in Ungarn: 2011–2015. Privatpraxis in Österreich: seit 2015.

DDr. Manuel Reinisch M.A. Studium Humanmedizin: 2016 Studium Zahnmedizin: 2019 Studium für angewandte Ethik (Medizinethik): 2020 Vertretungszahnarzt: 2019–2020 Wahlzahnarzt seit 2020


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Mehr Praxis – weniger Theorie

b Februar 2023 wird es jeweils über ein Semester (18 Tage) Langzeitseminare des Fachbereichs für Orale Chirurgie geben.

Beratungsgesprächen, die Assistenz bei oralchirurgischen Eingriffen sowie die Teilnahme bei der Konzepterstellung komplexer Fälle.

Schwerpunkte: Erlernen aktueller Grundlagen und Techniken der • Implantologie inkl. Knochenaugmentationen (SinusLift, GBR, Blockaugmentationen) • mikrochirurgischen Wurzelspitzenresektionen • Entfernung retinierter und dystoper Zähne • Kieferhöhlendeckungen, Zystektomien etc.

Details: • Kursgebühr beträgt je Kurs 3.600 Euro • Beginn Februar 2023 • Gesamtdauer je Seminar: ein Semester / 18 Tage • Kurs findet 1 x wöchentlich (nach Vereinbarung) von 07.30 bis ca. 13.30 Uhr statt • Kursort Fachbereich für Orale Chirurgie

Anmeldungen und Infos: Oralechirurgie-kurse@meduniwien. ac.at oder telefonisch unter +43 1 40070-4101 – Fr. Kneidinger www.unizahnklinik-wien.at

Das Langzeitseminar umfasst die Teilnahme an den Morgenbesprechungen sowie

Course-Leader: Ao. Univ.-Prof. DDr. Erwin Jonke University Clinic of Dentistry Dept. Orthodontics Medical University of Vienna

Die Kursleitung haben Ao. Univ.-Prof. DDr. Christian Ulm und Univ.-Prof. DDr. Werner Zechner.

VIENNA ORTHODONTIC SYMPOSIUM

Friday, October 27, 2023 (12:00 – 18:00) Saturday, October 28, 2023 (8:30 – 17:00) Renato Cocconi, MD, DDS, Prof. Nikolaos Perakis, DDS, LMD Strategies in Class III Following the Digital Pathway Digital Ortho-Prostho Planning

Online-Registration www.kfo-wien.at

Maria Strobl Office-Management +43 1 40070 4301 maria.strobl@meduniwien.ac.at

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as Foto zeigt einen Zahnraub an einem Verstorbenen, diesmal an einem Gehenkten. Das Bild ist ein Blatt aus „Los Caprichos“ (Die unbeschwerten Launen), einem Bilderzyklus von 80 Darstellungen des berühmten spanischen Malerfürsten Francisco de Goya (1746– 1828). Nach seiner vollständigen Ertaubung im Jahr 1792 war er, anders als der Titel vermuten ließe, heftig mit sozialkritischen Themen beschäftigt: Bei dieser Horrorszene handelt es sich um eine im Spanien des 18. Jh.s weitverbreitete Unsitte, die dem Aberglauben des einfachen Volkes entsprang. Zähnen wurden magische Kräfte und Libido steigernde Wirkung zugeschrieben, aber nur, wenn sie den Gehenkten eigenhändig entrissen wurden. Wenn eine Leiche lange am Seil hing, mag das wohl für alle Sinne ekelhaft gewesen sein. Eine Stellungnahme aus dem Prado lautete: „Ohne diese In-

gredienz gelingt nichts. Traurig, dass das Volk an solchen Unsinn glaubt.“ Das alles scheint weit in der Vergangenheit zu liegen, doch wenn man heutige Werbung zu diesem Thema hernimmt, scheinen Potenz und Libido steigernde Mittelchen noch immer einen hohen Stellenwert einzunehmen. Da man heute kaum mehr an „hängen gebliebene“ Leichen herankommt, muss man halt mit den Errungenschaften der chemischen Industrie vorliebnehmen. Trotzdem begegnet man auch heute noch vielerorts der angeblichen zuvor erwähnten Wirkung zermahlener Hörner bedrohter Tierarten, essbarer Vogelnester (China), des Wunderkrautes Ashwagandha (Indien), der Rinde des Catuaba-Baumes (Brasilien), des vorher entgifteten Kugelfisches (Japan) oder der Macawurzel aus Peru. Als „asiatisches Viagra“ gilt Tongkat Ali aus der Wurzel des

Foto: © wikipedia

Das frühe Viagra

gleichnamigen Baumes. Sollte Ihr Medizinmann das alles nicht vorrätig haben, nicht verzweifeln: Auch Kakaobohnen sollen helfen!

DDr. Johannes Kirchner, Kustos des Zahnmuseums Wien

Universitätszahnklinik Wien im Fußballfieber A

m 21. September trafen die Fußballmannschaften der Universitätszahnklinik Wien (FC Dent) und der Medizinischen Universität Wien (SK Med) zum zweiten Mal zu einem Freundschaftsspiel zusammen. Das erste Spiel im Jahr 2018 konnte der FC Dent damals klar mit 3:0 für sich entscheiden. Bei der diesjährigen Revanche musste sich das Team der Universitätszahnklinik Wien der Mannschaft der MedUni mit 0:3 geschlagen geben. Nach einer pandemiebedingten Pause waren die Ärzt:innen und Studierenden hoch motiviert, wieder den USI-Sportplatz stürmen zu können – diesmal in gemischten Teams: Damen und Herren standen gemeinsam

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auf dem Feld. Heuer ging die Trophäe an die Konkurrent:innen des SK Med. Das spätsommerliche Wetter und das spannende Spiel lockte zahlreiche Fans und Zuschauer:innen an. Diese feuerten die beiden Mannschaften an und trafen

zum krönenden Abschluss bei der After-Match-Party im Garnisonshof der Universitätszahnklinik Wien zum Essen und Austausch mit den Spieler:innen zusammen. Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr!


Frauenkarriere am Competence Center Periodontal Research Mit Mai 2022 hat das Kompetenzzentrum zur Erforschung von parodontalen Erkrankungen im Competence Center Periodontal Research (Universitätszahnklinik Wien) im fachlichen Bereich personelle Verstärkung bekommen.

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ie Biochemikerin Vera Maierhofer, die an der Moskauer Akademie für Veterinärmedizin und Biotechnologie studierte und ein Doktoratsstudium in Biologie absolvierte, begann im Oktober 2018 als Volontärin in der Forschungsgruppe von Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Oleh Andrukhov. Zu Beginn ihrer Tätigkeit am Competence Center Periodontal Research widmete sie sich dem Forschungsthema „Wirkung von IL-17 auf die Expression von proinflammatorischen Zytokinen in humanen parodontalen Ligamentzellen“. Mit Juli 2019 stieg Vera Maierhofer zur Projektmitarbeiterin im Competence Center Periodontal Research auf und erhielt schließlich im Frühjahr einen unbefristeten Vertrag. Der Forschungsfokus lag ab diesem Zeitpunkt vorwiegend auf der Untersuchung von verschiedenen Implantat-Oberflächen, zudem beschäftigte sie sich mit den Wirkungen verschiedener immunmodulatorischer Faktoren auf dentale Stammzellen. Die Tätigkeiten von Vera Maierhofer sind vielfältig. Sie ist an der Planung und Durchführung verschiedener zellbiologischer Experimente und der Organisation der Laborroutine beteiligt. Außerdem ist sie eine große Stütze bei der Betreuung von Diplomand:innen und Doktorand:innen. In den letzten Jahren hat sie einige neue Labortechniken etabliert, die für verschiedene von FWF und ITI Foundation unterstützte

Vera Maierhofer, PhD und Assoz. Prof. Priv.-Doz. Dr. Oleh Andrukhov

Projekte von entscheidender Bedeutung sind. Der Leiter des Competence Center for Periodontal Research, Prof. Andrukhov, freut sich sehr über den Input von Maierhofer zum Laboralltag und betrachtet ihren Beitrag als wesentlich für die Weiterentwicklung des Labors und die Bewerbung neuer Drittmittelprojekte. Vera Maierhofer freut sich über diese weitere Karrierechance: „Ich bin sowohl Prof. Andrukhov als auch Prof.in RauschFan sowie der Klinikleitung für diese tatkräftige Unterstützung dankbar.“ Weiters möchte sie die Nostrifizierung ihres Titels beantragen.•

Berufliche Erfahrung seit 05/2022 Laborantin im Competence Center for Periodontal Research an der Universitätszahnklinik Wien 10/2018 – 05/2022 Volontärin im Competence Center for Periodontal Research an der Universitätszahnklinik Wien Mitarbeit am Projekt „Wirkung von IL-17 auf die Expression von proinflammatorischen Zytokinen in humanen parodontalen Ligamentzellen“ Nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen PhD-Studium hat Vera Maierhofer in verschiedenen Forschungslabors in China (2008–2010}, USA {2005–2006} und Estland {2001–2002} gearbeitet.

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Visuelle Biologie in der oralen Medizin D

ie visuelle Wahrnehmung der Biologie ist ein zentrales Anliegen dieses Buchprojekts. Im Zentrum stehen kolorierte, rasterelektronische Bilder, die in Kooperation mit Eye of Science erstellt wurden. Der Text beschreibt den aktuellen Stand der Forschung, Aspekte der Zellfunktion, der Zellkommunikation und der klinischen Relevanz. So werden zum Beispiel anhand von Zellen des Immunsystems oder der Zahngewebe Wachstums- und Umbauprozesse inhaltlich wie visuell dargestellt. Um eine Interaktion mit den Buchinhalten zu ermöglichen, wird das Buch von einer Augmented-Reality-App (AR Osteoclast) begleitet. Diese ermöglicht den Leser:innen, den Prozess des Knochenumbaus virtuell zu erleben, indem ein 3D-„Game“ via Smartphone gespielt wird. Hierbei wird das virtuelle Objekt via Smartphone im realen Raum platziert.

Dieses Mixed-Reality-Erlebnis wurde in Kooperation mit dem Game Technology Center der ETH Zürich kreiert. In der modernen universitären Lehre ist es eine Chance, neue Medien mit klassischen Medien wie dem Buch zu kombinieren. Die Wissensvermittlung für Medizin-, Zahnmedizin- und Naturwissenschaftsstudierende sowie für weitere Interessierte hat durch solche Ansätze die Möglichkeit, die Inhalte moderner Wissenschaft klar und attraktiv zu gestalten. Weitere Infos: Reinhard Gruber, Bernd Stadlinger, Hendrik Terheyden (Hrsg.) Cell-to-Cell Communication: Cell-Atlas – Visual Biology in Oral Medicine, Reihe: Cell-to-Cell Communication, Volume 7, 1. Auflage 2022 mit Unterstützung von E.M.S. und der Swiss Dental Academy ISBN 978-1-78698-107-3

Für den Aufbau einer lebenslangen, gesunden Mundhygiene.

Bereits im April 2022 wurde das Buch „Visual Biology in Oral Medicine“ veröffentlicht. Die Editoren sind Prof. Dr. Reinhard Gruber (Medizinische Universität Wien), Prof. DDr. Bernd Stadlinger (ZZM, Universität Zürich) und Prof. DDr. Hendrik Terheyden (Helios Klinikum Kassel und Universität Kiel). Das Buch ist in Form eines Zellatlas der oralen Gewebe konzipiert, wobei im ersten Teil des Buchs die klassischen Zelltypen und im zweiten Teil Organsysteme und Modellsysteme der Zellkommunikation vorgestellt werden. Jedes Kapitel wurde von einem Grundlagenforscher zusammen mit einem klinisch tätigen Forscher verfasst. Insgesamt haben 47 universitäre Autoren aus 13 Ländern mitgewirkt. Webtipps:

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Gute Mundhygienegewohnheiten sind wesentlich für ein gesundes Leben. Um von Anfang an die perfekte Unterstützung zu geben, hat sich MAM mit mehr als 20 medizinischen Experten und mehr als 1.300 MAM Konsumenten zusammengetan. Das Ergebnis ist das einzigartige Mundpflegeproduktsortiment, mit dem das Zähneputzen zu einer sicheren und angenehmen Erfahrung wird. Die Vorteile unserer neuen MAM Mundpflegeprodukte Das weiche Mikrofasermaterial des Oral Care Rabbit reinigt sanft den Mund des Babys, bevor der erste Zahn erscheint, und hilft, das Baby schon früh an eine gute Mundhygiene zu gewöhnen. Die weichen Borsten der ergonomischen Massaging Brush reinigen und massieren das empfindliche Zahnfleisch und die ersten Zähne. Mit ihrem kleinen Bürstenkopf kann die Training Brush die Backenzähne leicht erreichen. Der extra lange Griff ermöglicht es Eltern und Babys, die Bürste gemeinsam zu halten und das richtige Zähneputzen zu lernen. Die ergonomische und rutschfeste Baby‘s Brush hilft sicher bei der Entwicklung von eigenständigen Zahnputzfähigkeiten. Sicherheitsschild für alle Bürsten: Der aufsetzbare Sicherheitsschild ist eine Sicherheitsinnovation, die hilft, die Bürste in einem sicheren Abstand zum hinteren Mundbereich des Babys zu halten.

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10.08.22 11:42


Josephinum: Medizinhistorisches Museum in neuem Glanz Nach vierjähriger Renovierung ist das Josephinum wieder für Besucher:innen zugänglich. Auf rund 1.000 m2 Ausstellungsfläche beherbergt das medizinhistorische Museum der MedUni Wien eine neu konzipierte Ausstellung, die einen Bogen von der Gründungszeit des Hauses bis zur heutigen Hightech-Medizin spannt.

ie größte Attraktion des Josephinums stellen die weltberühmten anatomischen Wachsmodelle dar (Abb. 1). Kaiser Joseph II. hatte die Sammlung in Florenz angekauft und in der von ihm 1785 gegründeten „militär-chirurgischen Josephs-Akademie“ zu Lehrzwecken präsentiert. Nach der Sanierung sind die Wachsmodelle nun wieder in historischer Aufstellung in ihren Originalvitrinen aus Rosenholz und mundgeblasenem, venezianischem Glas zu sehen. Zu weiteren Highlights des Josephinums gehören die chirurgische Instrumentensammlung von Alessandro Giovanni Brambilla aus dem 18. Jahrhundert (Abb. 2) oder das erste Endoskop der Welt aus dem Jahr 1806. Auch das denkmalgeschützte Gebäude wurde umfassend saniert und an die Ansprüche eines modernen Museumsbetriebs angepasst (Abb. 3).•

Foto: © Josephinum/Alexander Ablogin

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Abb. 1: Anatomische Wachsmodelle

Foto: © Josephinum_Bene Croy

Foto: © Josephinum/Reiner Riedler

Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag, Samstag & Feiertag 10–18 Uhr Donnerstag 10–20 Uhr Weitere Infos auf: www.josephinum.ac.at

Abb. 2: Chirurgische Instrumentensammlung

Abb. 3: Das Josephinum nach umfassender Sanierung

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Krebsforschungslauf 2022 200.000 Euro wurden für die Forschung erlaufen. nsgesamt rund 3.000 Läufer:innen unterstützten mit ihrer Teilnahme die Krebsforschung an der Medizinischen Universität Wien. So wurden beim diesjährigen 16. Krebsforschungslauf 200.000 Euro für die Wissenschaft erlaufen. Die Spendengelder fließen wie jedes Jahr zu 100 Prozent in Projekte der Initiative Krebsforschung der MedUni Wien. Auf diese Weise konnten seit Bestehen des Charity-Events im Jahr 2007 bereits über 60 wissenschaftliche Arbeiten zur Verbesserung von Diagnose und Therapie von Tumorerkrankungen unterstützt werden. Mit den aktuellen Spendeneinnahmen werden 14 weitere aussichtsreiche Projekte von MedUni-Wien-Wissenschaftler:innen gefördert. Diese zielen vorrangig darauf

Foto: © MedUni Wien/Kawka

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ab, die Entwicklung personalisierter Therapien im Rahmen der Krebsforschung voranzutreiben.

Zu den Forschungsprojekten:

App alarmiert Lebensretter:innen der MedUni Wien ber die „Lebensretter“-App werden Ersthelfer:innen alarmiert, wenn sich in ihrer Nähe ein Herz-Kreislauf-Stillstand ereignet. Studierende werden damit nicht nur zu einer guten Tat, sondern auch zu einem guten Training motiviert, um in entscheidenden Situationen professionell helfen zu können. „Jede Sekunde, in der das Herz nicht schlägt und das Gehirn nicht mehr mit Sauerstoff versorgt wird, ist kritisch fürs Überleben“, sagt Till Buschhorn vom ÖHProjektteam „Lebensretter an der MedUni Wien“. Schon nach einer Minute treten Gehirnschäden auf, nach zehn Minuten sind diese irreversibel. Durch rasche und professionelle Erste Hilfe könnten viele der rund 12.000 Menschen, die jährlich in Österreich nach einem plötzlichen

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Foto: © Yannic Abulesz

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Im Bild links: Till Buschhorn aus dem ÖH-Projektteam „Lebensretter an der MedUni Wien“

Herzstillstand versterben, gerettet werden. Wer über medizinischen Hintergrund verfügt und sich als „Lebensretter“ registrieren möchte, erhält über die App Antworten auf häufige Fragen zu ErsteHilfe-Maßnahmen, eine Anleitung zur

Inbetriebnahme eines Defibrillators und ein Metronom zur Unterstützung bei der Herzmassage. Weitere Infos, Anmeldung und App-Download:


Gut zu wissen Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

ANFAHRT: Öffentliche Verkehrsmittel • 37/38/40/41/42 von Schottentor – Haltestelle: Schwarzspanierstraße • 40/41/42 von Währinger Straße – Volksoper – Haltestelle: Sensengasse • 5/33 Haltestelle: Lazarettgasse • 43/44 Haltestelle: Lange Gasse (kurzer Fußmarsch durch das Alte AKH) Mit dem Auto Gebührenpflichtige BOE-Parkgarage in der Sensengasse 3. Beachten Sie bitte die Kurzparkzone in ganz Wien.

• Kieferorthopädie Tel.: +43 1/400 70-4321 Tel.: +43 1/400 70-4301 E-Mail: kfo-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Kinderzahnheilkunde Tel.: +43 1/400 70-2820 Tel.: +43 1/400 70-2825 E-Mail: kinder-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Orale Chirurgie Tel.: +43 1/400 70-4121 Tel.: +43 1/400 70-4101 E-Mail: oralechirurgie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

KONTAKTE: Zentrale Aufnahme Tel.: +43 1/400 70-2000 E-Mail: aufnahme-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Parodontologie Tel.: +43 1/400 70-4720 E-Mail: parodontologie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

Notambulanz mit Traumaversorgung Tel.: +43 1/400 70-2023 E-Mail: notfallambulanz-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Prophylaxe Center Tel.: +43 1/400 70-4720 E-Mail: prophylaxecenterunizahnklinik@meduniwien.ac.at

KLINISCHE FACHBEREICHE: • Unit und Zahnerhaltung • Unit 1: Tel.: +43 1/400 70, DW: 2111, 2112, 2113 • Unit 2: Tel.: +43 1/400 70, DW: 2114, 2115, 2116 • CCUnit: Tel.: +43 1/400 70-2117

• Prothetik Tel.: +43 1/400 70-4930 E-Mail: prothetik-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Radiologie Tel.: +43 1/400 70-2420 E-Mail: radiologie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Postgraduate Master Tel.: +43 1/400 70-5401 Tel.: +43 1/400 70-5402 E-Mail: dentalmaster@ meduniwien.ac.at ÖFFNUNGSZEITEN: Immer nach Terminvereinbarung! • Zentrale Aufnahme: Mo.–Fr., 7.30–13 Uhr • Notambulanz mit Traumaversorgung: Mo.–So., 8–13 Uhr • Kieferorthopädie: Mo.–Do., 8–17 Uhr, Fr., 8–12 Uhr nach Terminvereinbarung • Wichtiger Hinweis Zutritt für Patient:innen nur mit gültigem 2,5-G-Nachweis (geimpft, genesen, PCR – gilt auch für Kinder ab dem 12. Geburtstag). Das Tragen einer FFP2-Maske ohne Ventil ist im gesamten Gebäude verpflichtend. www.unizahnklinik-wien.at

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