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Dent Unique 1/2022

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Österreichische Post AG MZ14Z039972M Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

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Parodontale mesenchymale Stammzellen – 7 Bedeutung von Hyaluronsäure in der Oralchirurgie – 13

Das Journal der Universitätszahnklinik Wien

Über die Interaktion des Immunsystems mit den Stammzellen im Zahnhalteapparat – 17

3D IN DER KIEFERORTHOPÄDIE Erste Prototypen erweitern das Behandlungsspektrum

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Sehr geehrte LeserInnen! Unser Journal DentUnique gibt Ihnen einen exklusiven Einblick in die Tätigkeiten an der Universitätszahnklinik Wien. Wir berichten über aktuelle Forschungserkenntnisse, schildern PatientInnenfälle und informieren über die zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten an der Universitätszahnklinik Wien.

Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz, Vorstand

Einmal mehr soll die Forschungsleistung des Hauses in den Fokus gerückt werden. Denn im deutschsprachigen Raum rangiert die Universitätszahnklinik Wien in diesem Bereich unter den Top drei. Die ImpactFaktoren, die für die Beurteilung wissenschaftlicher Publikationsleistungen herangezogen werden, haben sich in den vergangenen acht Jahren versiebenfacht. Ein Grund für die starke Steigerung im Forschungsoutput ist in der 2013 begonnenen Organisationsänderung zu finden: Damals wurden Kompetenzzentren geschaffen, die unabhängig von den klinischen Bereichen funktionieren. Mit inzwischen drei Kompetenzzentren und vier Core Facilities gelingt es, Redundanzen zu vermeiden und den Forschungsmotor kräftig in Fahrt zu bringen. Bereits in der vorigen Ausgabe von DentUnique konnte ein beeindruckender Überblick über die Forschungsleistungen der Kompetenzzentren und Core Facilities gegeben werden.

In dieser Ausgabe erfahren Sie nun, wie 3D-Kiefer- und -Schädelmodelle als Basis für die computergestützte Fallplanung herangezogen werden. Entwicklungen wie der „Vienna Palate Expander“ und der „Vienna Molar Slider“ sind aktuelle Erweiterungen des Behandlungsspektrums. Priv.-Doz.in Dr.in Alice Blufstein, PhD, – jüngste, jemals Habilitierte an der Universitätszahnklinik Wien – beschreibt in ihrer Arbeit, wie parodontale mesenchymale Stammzellen zu Schlüsselspielern in parodontaler Gesundheit und Krankheit werden. Einem sehr komplexen Forschungsfeld widmet sich die Core Facility Oral Microbiology and Hygiene, die sich in dieser Ausgabe präsentiert: der Betrachtung und dem Zusammenspiel von Mikroorganismen und Mensch als einem Ökosystem. Wir möchten Sie mit dem Journal DentUnique an unserem klinischen Alltag teilhaben lassen und freuen uns auf eine gute Zusammenarbeit mit Ihnen – zum Wohle der PatientInnen!

Impressum: Medieninhaber/Herausgeber: Universitätszahnklinik Wien GmbH, 1090 Wien, Sensengasse 2a, Tel.: +43 1/400 70, Fax: +43 1/400 70-3039, E-Mail: office-unizahnklinik@meduniwien.ac.at, www.unizahnklinik-wien.at Herausgeber: Geschäftsführer Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz und Thomas Stock Erscheinungsort: Wien Auflage: 4.500 Verlag: Albatros Media, H. Wollner Straße 20, 2602 Blumau, office@albatros-media.at, www.albatros-media.at Redaktion: Mag.a Erika Hofbauer (Leitung), Barbara Duras Grafik & Produktion: Albatros Media Verlagsleitung: Otto Koller Designkonzept: Albatros Media Lektorat: Mag.a Eva Kainrad Coverfoto: Universitätszahnklinik Wien/Fuchs Fotos: Falls nicht anders angegeben: Universitätszahnklinik Wien Druck: Druckerei Janetschek GmbH, 3860 Heidenreichstein Offenlegung gemäß § 25 Mediengesetz Die Universitätszahnklinik Wien GmbH ist eine 100-%-Tochtergesellschaft der Medizinischen Universität Wien, www.meduniwien.ac.at/homepage/info/impressum. Grundlegende Richtung des Magazins: DentUnique informiert ZahnärztInnen, Studierende und MitarbeiterInnen der Universitätszahnklinik Wien über Forschung, Fallstudien, Weiterbildungsangebote und die Tätigkeiten der Institution.

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CAD/CAM in der Kieferorthopädie

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Parodontale mesenchymale Stammzellen

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Die Mundhöhle als Ökosystem

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Schädigung der Kiefergelenke durch nächtliches Zähneknirschen

13

Bedeutung von Hyaluronsäure in der Oralchirurgie

17

Über die Interaktion des Immunsystems mit den Stammzellen im Zahnhalteapparat

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Auszeichnung für neuartiges Modell der menschlichen Mundschleimhaut

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Nachruf: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Slavicek

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MedUni: Medical Comics visualisieren „Grenzen“ in der Medizin

In den Kalender

Inhalt

Workshop: Laserworkshop Ausbildung zum Laserschutzbeauftragten Kursleitung: Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz Vortragende: DDr. Markus Laky, Mag. Hassan Shokoohi Datum: 27. Mai 2022 (12:00–20:00 Uhr) 28. Mai 2022 (09:00–17:15 Uhr) Ort: Universitätszahnklinik Wien Anmeldung: office@sola-laser.com ZFP-Fortbildung: 18 Punkte Workshop: KFO-Biegekurs (Hands-on-Kurs, Achtung: limitierte Plätze) Kursleitung: Univ.-Prof. DDr. Erwin Jonke Vortragender: Dr. Roland MÄNNCHEN, PhD (Schweiz) Datum: 1. Juli 2022 (8:30–17:30 Uhr) 2. Juli 2022 (8:00–12:00 Uhr) Ort: Universitätszahnklinik Wien, Seminarraum B1 + B2, Vorklinik Information: Maria Strobl, +43 1/40070-4301 Anmeldung: maria.strobl@meduniwien.ac.at ZFP-Fortbildung: 17 Punkte

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CAD/CAM in der Kieferorthopädie Digitale Diagnostik ist ein Standard in der fachzahnärztlichen Disziplin Kieferorthopädie. 3D-Kiefer- und -Schädelmodelle werden als Basis für die computergestützte Fallplanung herangezogen.

A

n der Universitätszahnklinik Wien ist die virtuelle Konstruktion von kieferorthopädischen Apparaturen seit 2020 etabliert. Mit dem Einsatz eines ersten CAD/CAM*-Transpalatinalbogens (Abb. 1) fand diese Technologie den Anfang im Fachbereich Kieferorthopädie. Entwicklungen wie der Vienna Palate Expander (Abb. 2) und der Vienna Mesial Slider (Abb. 3) nach Dr. Alexander Schwärzler sind aktuelle Erweiterungen des Behandlungsspektrums. 3D-Scan Die digitale Abbildung von Zähnen und Zahnreihen in dreidimensionaler Form wird als Intraoral Scan bezeichnet. Das dabei erstellte 3D-Modell stellt eine wesentliche Effizienzsteigerung im kieferorthopädischen Workflow dar. A. Chiu et al. zeigten mit einer Studie im Jahr 2020 eine Genauigkeit von 33 Mikrometern. Dieses 3D-Modell dient der digitalen Planung und der digitalen Dokumentation. Seit dem Fortschritt in Richtung CAD/CAM können die Modelle auch zum Design von kieferorthopädischen Apparaturen herangezogen werden; dieser Fortschritt wurde von S. Graf et al. im Jahr 2018 beschrieben. Die Apparatur wird direkt am virtuellen Modell konstruiert, somit ist der 3D-Druck eines Kunststoffmodells nicht notwendig.

*CAD/CAM Computer-Aided Design / Computer-Aided Manufacturing

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Abb. 1: Transpalatinalbogen mit distalem Ausleger

Abb. 2: Vienna Palate Expander mit skelettalen Verankerungspins

Abb. 3: Vienna Mesial Slider mit skelettalen Verankerungspins


Virtuelle Apparaturen Im Rahmen der klassischen kieferorthopädischen Behandlung mit Brackets und Alignern kommen zusätzliche Elemente zur Anwendung. Solche sind der Vienna Palate Expander zur Erweiterung des Oberkiefers bei Jugendlichen und Erwachsenen und der Vienna Mesial Slider zur Bewegung von Mahlzähnen über 2,5 Millimeter. Im Fachbereich Kieferorthopädie werden diese Apparaturen digital entworfen und mittels Lasersinter-Verfahren 3D-gedruckt. 100 Prozent digital Kieferorthopädische Apparaturen werden im herkömmlichen Herstellungsprozess in Verbindung

mit physischen Modellen aus Gips oder Kunststoff gefertigt. Es werden dabei bestehende Bauteile per Hand geschliffen, gebogen oder gelötet. Im CAD/CAM-Workflow wird die Apparatur am digitalen Modell konstruiert und anschließend via 3D-Druck materialsparend produziert. Die daraus resultierende Zeitersparnis steigert die Effizienz des Arbeitsprozesses. Design Konstruktionsprogramme aus Maschinenbau und Zahnmedizin erlauben eine präzise und individuelle Anfertigung der Apparaturen. Virtuelle Stege, Gelenke oder Schrauben sind dabei die Hauptbestandteile. Entsprechend dem patientInnenspezifischen Behandlungsplan

werden Spezialbauteile mittels CADProgrammen konzipiert. Die erstellten STL-Dateien werden von 3D-Druckern mittels Kunststoff oder von SelektivLasersinter-Maschinen mittels Metall materialisiert und in weiterer Folge sterilisiert. Eingliederung der Apparatur Der zuvor beschriebene Herstellungsprozess bietet ein zuverlässiges und passgenaues Ergebnis, wodurch ein weiteres Anpassen im Mund nicht notwendig ist. Mittels eines speziellen Klebeprotokolls wird die Apparatur schonend an Zähnen oder an Verankerungspins befestigt. Sie ist damit sofort verwendbar.•

Literatur: 1. Graf, S., Vasudavan, S., Wilmes, B. CAD-CAM design and 3-dimensional printing of mini-implant retained orthodontic appliances. s.l.: American Journal of Orthodontics and Dentofacial Orthopedics, 2018 2. Chiu, A., Chen, Y. W., Hayashi, J., & Sadr, A. Accuracy of CAD/CAM Digital Impressions with Different Intraoral Scanner Parameters. Basel: Sensors, 2020

PatientInnenbeispiel Die kieferorthopädische Oberkiefererweiterung mit einer CAD/CAM-Apparatur. Geschlecht:

männlich

Alter:

8 Jahre

Zahnstatus:

Wechselgebiss in zweiter Phase

Der richtige Zeitpunkt für die Oberkieferdehnung ist dabei wesentlich. Der vollständige Durchbruch der ersten oberen Mahlzähne ist ein günstiger Zeitpunkt für die Erweiterung des Oberkiefers. Im abgebildeten Fall wurde ein palatinaler „Expander“ digital konstruiert (Abb. 5). Die erstellte STL-Datei wurde anschließend zur Anfertigung via Lasersinter-Verfahren übertragen. Eine sechskantige „PowerScrew“ (Tiger Dental, Bregenz, Österreich) ist über zwei

Malokklusion:

Kreuzbiss (Abb. 4) • Milchzähne 63, 64, 65 • Mahlzahn 26

Funktion: funktionelle Mittellinienabweichung nach links

Metallgerüste mit den Zähnen verbunden und stellt somit das aktive Element der Apparatur dar. Mit einem Abstand von 1,5 Millimetern zur Schleimhaut wurde die Dehnschraube symmetrisch unterhalb des Gaumendachs platziert. Nach Oberflächenbehandlung der Zähne mittels Säure-Ätztechnik, Strahlung mit Sand der metallischen Klebeflächen und Applikation eines dentalen Adhäsives wurde die Apparatur fixiert. Entsprechend dem Drehprotokoll erfolgte

die tägliche Aktivierung mittels eines Schlüssels durch die Erziehungsberechtigten. Das transversale Defizit von 4,8 Millimetern wurde mit 28 Weiterdrehungen zu je 0,17 Millimetern korrigiert (Abb. 6). Zur Stabilisierung der Erweiterung wurde die Dehnschraube mit Kunststoff versiegelt und die gesamte Apparatur für weitere sechs Monate im Mund belassen.

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Abb. 4: Kreuzbiss 63, 64, 65, 26

Abb. 5: CAD Expander

Abb. 6: Nach transversaler Erweiterung

Fazit: Die Oberkiefererweiterung mittels CAD/CAM-Workflow ist eine zuverlässige und zeitsparende Methode. Die grazile Konstruktion erlaubt eine optimale Mundhygiene, somit werden Zähne und Zahnhalteapparat geschont.

Der digitale Fortschritt optimiert das Behandlungsspektrum des Fachbereichs Kieferorthopädie. Neuartige CAD/CAM-Methoden werden laufend weiterentwickelt und in kommenden Ausgaben vorgestellt.

Das Team Dr. med. dent. Alexander Schwärzler Assistenzarzt im Fachbereich Kieferorthopädie Universitätszahnklinik Wien Univ.-Prof. DDr. Erwin Jonke Leiter des Fachbereichs Kieferorthopädie Universitätszahnklinik Wien

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Parodontale mesenchymale Stammzellen Schlüsselspieler in parodontaler Gesundheit und Krankheit.

D

ie Parodontitis ist eine chronische Erkrankung des Zahnhalteapparates, an der etwa 50 Prozent aller Menschen im Laufe ihres Lebens leiden und die unbehandelt zum Zahnverlust führen kann. Eine bedeutende Rolle in diesem Prozess nehmen mesenchymale Stammzellen aus dem Zahnhalteapparat (parodontale MSCs) ein. Diese sind nicht nur maßgeblich an der Aufrechterhaltung der parodontalen Gewebehomöostase beteiligt, sondern gelten auch als potenzielles therapeutisches Tool. Um einen standardisierten klinischen Einsatz in Zukunft zu ermöglichen, ist es notwendig, die Eigenschaften parodontaler MSCs weiter zu untersuchen. In ihrer Habilitationsschrift beschäftigt sich Alice Blufstein daher mit den verschiedenen Aspekten dieser Zellen. Zu diesem Zweck wurden parodontale MSCs von gesunden SpenderInnen isoliert und unter verschiedenen Bedingungen kultiviert. So wurden die Zellen unter anderem mit entzündlichen Stimuli und Vitamin D3 behandelt. Darüber hinaus erfolgten Co-Kultur-Experimente mit unterschiedlichen Immunzellen. Im Rahmen zahlreicher Studien wurde die Rolle parodontaler MSCs als Sensoren von Bakterien und Viren näher beleuchtet. Dabei konnte etwa beobachtet werden, dass die gleichzeitige Stimulierung von MSCs mit viralen und bakteriellen Bestandteilen eine synergistische Aktivierung der Expression proinflammatorischer Zytokine zur Folge hat. Darüber hinaus wurde gezeigt, dass parodontale MSCs gegenüber Endotoxinen keine Toleranz entwickeln. Die immunmodulatorischen Eigen-

schaften parodontaler MSCs, im Speziellen deren Interaktion mit Immunzellen, stellten einen weiteren Schwerpunkt der Forschungsarbeiten dar. So konnte unter anderem erstmals ein Co-KulturModell zwischen gingivalen MSCs und neutrophilen Granulozyten etabliert und ein anti-apoptotischer Effekt der MSCs nachgewiesen werden. Als weiterer Fokus wurde im Zuge einiger Publikationen der Einfluss von Vitamin D3 auf verschiedene Funktionen parodontaler MSCs beleuchtet. Im Zuge dessen konnte etwa beobachtet werden, dass die osteogene Wirkung von Vitamin D3 auf parodontale MSCs unter inflammatorischen Bedingungen stark eingeschränkt ist. Zusammenfassend zeigen die in der Habilitationsschrift enthaltenen Publikationen neue Einblicke in die Pathogenese der Parodontitis auf und liefern Hinweise für die Optimierung der stammzellbasierten Therapie. Die weitere Erforschung parodontaler MSCs könnte in Zukunft einen standardisierten therapeutischen Einsatz dieser Zellen für die Parodontitis, aber auch für andere entzündliche und degenerative Erkrankungen ermöglichen.•

Über die Autorin: Akademischer und beruflicher Werdegang Seit 2022 Curriculum Kinder zahnheilkunde (ÖGKiZ) 2021 Verleihung der Venia docendi 2019–2021 Master Program Periodontology & Implantology (MUW) 2016–2020 Doktoratsstudium (MUW) Seit 2016 Zahnärztin im Fach bereich Zahn erhaltung und Parodontologie Seit 2016 Zahnärztin in eigener Praxis 2010–2016 Diplomstudium Zahn medizin (MUW)

Die Autorin Priv.-Doz.in Dr.in med. dent. Alice Blufstein, PhD, MClinDent Zahnärztin und Postdoc Fachbereich Zahnerhaltung und Parodontologie Universitätszahnklinik Wien

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Foto: Dentalmuseum Colditz

Waterloo Zähne In der Völkerschlacht bei Leipzig, die das „Waterloo“ Napoleons einläutete, starben etwa 90.000 Soldaten. Zu dieser Zeit war es noch üblich, gefallenen Soldaten ihre noch „schönen weißen“ Zähne herauszureißen und diese zu verkaufen. Sie wurden für die Prothesenherstellung verwendet, manche sogar PatientInnen mit Zahnverlust direkt eingesetzt. So schreibt der Leipziger Stadtreferent: „dass solche Zähne, die nur selten zu haben sind und statt deren man sich immer mit Kälberzähnen behelfen muss, sehr teuer bezahlt werden“. Man befestigte die Zähne mit Metallstiften in einer Prothese aus geschnitztem Elfenbein. Diese „Human-Prothetik“ war aber nur reichen PatientInnen zugänglich, deshalb war die „Zahnfledderei“ auf Schlachtfeldern auch sehr lukrativ. Porzellanzähne gab es ab den 1840er-Jahren. Diese waren aber nicht bruchbeständig genug. Wir lesen bei dem französischen Zahnarzt Christoph François Delabarre (1787–1862), er denke wehmütig an die Zeiten, „als der Krieg seine Ernte eingebracht hatte und man die schönsten Zähne bekam,

gesund und geeignet zum Ersatz jener, die so viele Menschen verloren“. Auch im Lehrbuch des später in New York arbeitenden Levi Spear Parmly (17901859) findet sich, er habe in seinem Besitz „tausende von Zähnen, extrahiert aus Leichen von in der Schlacht Gefallenen jeden Alters“. Noch im Krimkrieg (1853–1856) – so berichtet der Medizinhistoriker Walter Hoffmann Axthelm (1908–2001) – wurden von den „Hyänen des Schlachtfeldes“ tausende von Leichenzähnen „geerntet“. Obwohl es in vielen Kriegen solch fragwürdige „Ernten“ gab, hat sich der Begriff Waterloozähne für diese Art der Zahngewinnung verfestigt. Man muss aber feststellen, dass diese Entwicklung bereits ein Schritt in Richtung der allogenen (körperfremden) Zahntransplantation der modernen Zahnmedizin war. DDR. Johannes Kirchner, Kustos des Zahnmuseums Wien

Literaturempfehlung Komplikationen in der kraniomaxillofazialen und oralen Chirurgie (Titel im Original: Complications in Cranio-Maxillofacial and Oral Surgery)

Robert Gassner (Herausgeber), Springer-Verlag Berlin, 307 Seiten, 219 tw. farbliche Abbildungen, ISBN 978-3030401498

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Bei vielen Erkrankungen, aber auch bei Fehlbildungen, Infektionen, Traumata und Tumoren kann es während kraniomaxillofazialer und oraler chirurgischer Eingriffen zu chirurgischen und nicht-chirurgischen Komplikationen kommen. Das in englischer Sprache verfasste Buch zeigt auf, unterstützt durch detaillierte Fotodokumentationen, welche Komplikationen im Laufe einer Behandlung auftreten können, und stellt auch effektive Behandlungswege bei Komplikationen sowie vorbeugende Maßnahmen vor. Die dargestellten PatientInnenfälle zeigen unterschiedliche Altersgruppen. Das vorliegende Buch richtet sich an AllgemeinmedizinerInnen, ZahnärztInnen sowie an Medizin- und Zahnmedizinstudierende, die sich auf Mund-, Kiefer-, Gesichts-, Schädel-, plastische, rekonstruktive und Kopf- und Halschirurgie spezialisieren wollen.


Die Mundhöhle als Ökosystem Die Schlüsselrolle einer balancierten Mundflora.

D

ie Aufgaben an der Core Facility Oral Microbiology and Hygiene umfassen neben der Gewährung von PatientInnensicherheit im mikrobiologischen und hygienischen Bereich und einem hygienischen und sicheren Arbeitsumfeld für MitarbeiterInnen und StudentInnen auch die Bewusstseinsförderung für hygienerelevante Themen wie Hand- und Wasserhygiene. Ein wichtiger Aspekt, mit dem sich die Core Facility beschäftigt, sind die Betrachtung und das Zusammenspiel von Mikroorganismen und dem Menschen als ein Ökosystem. Der Mensch ist ein Ökosystem Im menschlichen Körper finden wir hundert Billionen von Zellen, von denen ein sehr großer Teil seinen Ursprung in Mikroorganismen hat. In unserem Darm sorgen winzige „Gäste“ für Wohlbefinden: Sie brechen für uns komplexe Nahrungsmoleküle und machen so erst die Aufnahme essenzieller Vitamine und Nährstoffe möglich. Objektiv gesehen ist die überwiegende Mehrheit der Mikroorganismen, die wir beherbergen, weitgehend harmlos. Deshalb liegt das Augenmerk in der heutigen Zeit, in der die Wichtigkeit der Symbiose zwischen Wirt und Mikroorganismus bekannt ist, vermehrt darauf, auf die Wahrung der Balance zwischen allen Teilnehmenden zu achten und gleichzeitig auch die Störung dieser durch übertriebene Maßnahmen zu verhindern (wie bei Allergieentwicklung oder Resistenzbildungen der Fall). Die große Herausforderung liegt also in der heutigen Zeit für ÄrztInnen und BiologInnen darin herauszufinden, welche Organismen in welchem Ausmaß und unter welchen Voraussetzungen zu Schmerzen und Krankheit führen.

Abb. 1: Beziehung Mensch-Ökosystem (Quelle: Prof. Alexander Loy, Centre for Microbiology and Environmental Systems Science)

Abb. 2: Mensch als Ökosystem, Univ.-Prof. Dr. Alexander Loy, Centre for Microbiology and Environmental Systems Science

Die Mundhöhle ist eines der komplexesten Biotope in unserem Körper mit vielen Nischen – auch für anaerobe Bakterien. Sowohl der Bereich zwischen den Zähnen als auch die Zunge sind ein Paradies für Bakterien und andere Mikroorganismen. Bei mangelnder Hygiene vermehren sich diese derart, dass sich schwefelige Gase bilden können, welche sowohl die Schleimhaut als auch die Zähne schädigen. Wenn die physiologische Barriere geschädigt ist oder es zu Störungen beispielsweise durch Ernährungsumstellungen, Stress etc. kommt, die interne Kommunikation und Regulation zwischen den Mikroorganismen selber oder zwischen Mikroorganismen und Wirt ins Wanken gerät, können bestimmte Mikroorganismen ein großes Potenzial entwickeln und auch im Wirt Krankheiten verursachen. Generell leben in der Mundhöhle viele Mikroorganismen, entweder einzeln oder, was häufiger der Fall ist, innerhalb einer zellulären Matrix (Biofilm). Diese

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Lebensgemeinschaften können sich aus den unterschiedlichen Spezies in unterschiedlichen Formationen zusammensetzen. Mittels biochemischer Signale als wichtiges Kommunikationsmittel sowohl zwischen den Keimen einer Kolonie als auch zwischen unterschiedlichen Spezies erfolgt der Austausch. Diese Signale dienen der Orientierung und Aufrechterhaltung des Metabolismus innerhalb des Biofilms, aber auch in der Besiedelung sowie der Regulation pathogenen Verhaltens gegenüber dem Wirt. Auch Resistenzfaktoren sowie andere genetische Informationen können innerhalb des Biofilms durch Transduktion, Transformation und Konjugation zwischen gleichen oder unterschiedlichen Keimspezies ausgetauscht werden, was zum Beispiel speziell in der Behandlung mit Antibiotika und der damit einhergehenden Resistenzbildung, wenn diese nicht zielführend eingesetzt werden, zum Problem werden kann. Eine kompetente Mundhygiene zerstört die Biofilmformation der pathogenen Bakterien und verbessert ebenso die antibakterielle Wirkung der verabreichten Antibiotika. Parodontale Erkrankungen Wenn es infolge einer Disharmonie oder unverhältnismäßigen Biofilmbildung zu einem ökologischen Ungleichgewicht zugunsten der Mikroorganismen kommt, steigt das pathologische Potenzial sehr drastisch, vor allem, wenn anaerobe Keime vorherrschend werden. Häufige Folgen sind parodontale Erkrankungen, ebenso Karies und andere Stomatidien. In den industrialisierten Ländern sind diese Krankheiten zwar selten tödlich und können gut behandelt werden, sie sind jedoch weitverbreitet und können unbehandelt auch Auswirkungen auf den Gesamtorganismus haben wie etwa in Form von Endokarditis, Kopfschmerzen, Morbus Lichen etc. Eine frühzeitige Diagnose mit mikrobiologischer Untersuchung und Bestimmung der Keime ist deshalb für ein erfolgreiches Therapiekonzept entscheidend. Der Anteil an nicht kultivierbaren Mikroorganismen ist sehr hoch, nur ca. 10 bis 20 Prozent der gefundenen

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Keime können überhaupt kultiviert werden. Durch neuere molekularbiologische Techniken ist es nun auch möglich, nicht kultivierbare Keime zu identifizieren. Somit wurden inzwischen allein in der Mundhöhle mehr als 700 Bakterienspezies entdeckt, womit wir hier neben dem Magen-Darm-Trakt die höchste Vielfalt an Mikroorganismen finden. Zum einen bietet die feuchtwarme Umgebung ein angenehmes Klima, zum anderen bieten die Zähne eine ungeschützte Oberfläche für die Bildung eines dentalen Biofilms. Im Speichel sowie in den Zahntaschen finden sich wunderbare Nährstoffquellen für das Mikrobiom. Starke Unterschiede in der Mundflora sind von Mensch zu Mensch nachgewiesen, mehr als die Hälfte der menschlichen Population leidet unter Parodontitis. Deshalb widmet sich das Team der

raus resultierende Pathogenitätsfaktoren besser verstehen zu können. Analyse der wichtigsten Parodontalkeime Die parodontopathogenen Bakterien werden in Abhängigkeit von ihren Eigenschaften und ihrer Pathogenität in Komplexe unterteilt. Diese Komplexe stehen in engen wechselseitigen Beziehungen zueinander und schaffen sich gemeinsam eine geeignete Lebensgrundlage (Hain Lifescience GmbH, 2018a). Die Bakterien des grün und orange assoziierten Komplexes können sich mittels Fimbrien an die Pellikel anheften und dadurch der Ausspülung durch die Sulkusflüssigkeit entgehen (Hain Lifescience GmbH, 2018a). Diese „frühen Besiedler“ bilden somit die Grundlage für die Besiedlung des Sulkus mit anderen Parodontitis-assoziierten Bakterien. Sie

Abb. 3: Bakterienkomplexe nach Socransky (S. Dombrowa, 2019)

Core Facility für Oral Microbiology and Hygiene an der Universitätszahnklinik sowohl der Analyse der im parodontalen Bereich relevanten Keime als auch in weiterer Folge im wissenschaftlichen Bereich der Erforschung um die Entstehung und die Zusammensetzung der Mikroflora und dem Biofilm, auch in Wechselwirkung mit dem Wirt, um da-

werden als mäßig pathogen eingestuft. Eine rein mechanische Therapie reicht aus, um die Anzahl dieser Bakterien in Abhängigkeit von ihrer Konzentration zu verringern. Der orange Komplex umfasst Bakterien, die als sogenannte „Brückenspezies“ die Verbindung zwischen den Frühkolonisierern und den stark pathogenen Kei-


men des roten Komplexes bilden (Hain Lifescience GmbH, 2018a). Das pathogene Potenzial dieser Markerbakterien wird durch die Produktion verschiedener Toxine und Enzyme signifikant erhöht. Die Bakterien aus dem orangen Komplex sind für den fortschreitenden Bindungsverlust und eine Zunahme der Taschentiefe verantwortlich. Diese Bakterien schaffen durch ihren Stoffwechsel auch die Lebensbedingungen für die streng anaeroben Bakterien des roten Komplexes und deren Besiedlung des Sulkus. Das Auftreten der Keime des roten Komplexes und des Aa-Komplexes ist charakteristisch für die finale Kolonisierungsphase, an deren Ende die Ausbildung einer strukturierten, stabilen bakteriellen Gemeinschaft (Climax community) steht (Hain Lifescience GmbH, 2018a). Die Besiedlung mit diesen Bakterien, die maßgeblich an der Zerstörung des Parodontiums beteiligt sind, beruht auf der Anwesenheit der oben genannten weniger pathogenen Spezies. Die hoch pathogenen Markerbakterienspezies des roten Komplexes und des Aa-Komplexes treiben dann aggressiv die Zerstörung des Weichgewebes und des Knochens durch die Produktion starker Virulenzfaktoren voran. Ihre Fähigkeit, Gewebe zu durchdringen, erschwert auch die Behandlung, sodass mechanische Methoden allein oft nicht ausreichen. Daher ist vor allem bei Vorliegen von Aggregatibacter actinomycetemcomitans oder Rot-Komplex-Bakterien häufig eine antibiotische Begleittherapie nötig (Dombrowa, 2017). Unterschiedliche Verfahren Neben der molekularbiologischen Methode mittels PCR-gestützten Nachweises werden je nach Problemstellung unterschiedliche Verfahren angewendet, wie etwa mikrobiologische Direktnachweise des Erregers als Schnelldiagnostik, die klassische Kultivierung von Bakterien unter aeroben und anaeroben Bedingungen oder die Identifikation und Empfindlichkeitsprüfung (Antibiogramm) von Erregern gegenüber Antibiotika und Antimykotika. Ein wichtiges Anliegen dieser Core

Abb.4: Arbeiten an der Core Facility Oral Microbiology and Hygiene

Facility ist, ein Bewusstsein für dieses Themenfeld zu schaffen, weshalb auch immer wieder Diplomarbeiten zu den Themen Mundflora, Handhygiene, Wasseranalysen im medizinischen Bereich sowie PatientInnenanalysen (nach Geschlecht, Alter, RaucherIn/ NichtraucherIn, chronische Krankheiten etc.) durchgeführt werden, damit auch der medizinische Nachwuchs zum Thema geschult und informiert ist. Um die Behandlungssicherheit und die damit verbundenen Vorteile nicht nur auf PatientInnen an der Universitätszahnklinik Wien zu beschränken, bietet die Core Facility das Analyseservice zur Identifizie-

rung der elf Markerkeime, microIDent, auch für ZahnärztInnen außer Haus an: Nach Einsendung entsprechender Proben erfolgt eine Analyse im Labor, auf Wunsch kann auch eine Antibiotikaempfehlung erfolgen. Derzeit werden auch Corona-Antigentests, Corona-PCR-Tests und Antikörper-Schnelltests im Labor der Core Facility für Microbiology and Hygiene durchgeführt. Da beim Einsatz der molekularen Diagnostik eine Vielzahl an Möglichkeiten offensteht, wird überlegt, das Angebot an biomolekularer Analyse zu erweitern.•

Das Team Univ.-Prof. DDr. Apostolos Georgopoulos Leiter Core Facility Oral Microbiology and Hygiene Universitätszahnklinik Wien

Alexandra Wolf BSc. biologische Assistentin Core Facility Oral Microbiology and Hygiene Universitätszahnklinik Wien

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Schädigung der Kiefergelenke durch nächtliches Zähneknirschen

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und 15 Prozent der Bevölkerung knirschen während des Schlafs mit den Zähnen. Besonders häufig ist das Problem im jüngeren Lebensalter. Der oft enorme Druck, der dabei auf Zahnflächen und Kiefer ausgeübt wird, gilt als Auslöser verschiedener Konsequenzen für die Zahngesundheit und kann zu Verlust der Zahnhöcker, Zahnhypermobilität, Schmerz in der Kaumuskulatur und Kopfschmerzen führen. Eine Forschungsarbeit an der Universitätszahnklinik Wien hat die Frage untersucht, ob Schlafbruxismus auch einen negativen Effekt auf die Kiefergelenksstrukturen nach sich ziehen kann. Ausgangspunkt der Forschungen war die Theorie, dass spezielle Kombinationen aus Zahnform und Zahnposition beim Knirschen einen Einfluss auf die mechanische Belastung des Kiefergelenks haben und dadurch als Risikofaktor für Erkrankungen in diesem Bereich gelten können. Neigungswinkel und Position Durchgeführt wurden die Untersuchungen an einem hochmodernen Computermodell der Kauregion, das Knochen-, Knorpel- und Muskelstrukturen enthält. Mithilfe solcher Computermodelle können Forschungsfragen untersucht

Knirschbewegung vom Forschungsteam berücksichtigt. Im Rahmen der Studie wurden die Auswirkungen von seitlichem Knirschen am ersten Mahlzahn und am Eckzahn mit sechs verschiedenen Neigungen der Abnutzungsfacetten simuliert, was insgesamt zwölf simulierte Fälle ergibt.

Abb. 1: Seitliche Ansicht des verwendeten Computermodells der Kauregion

werden, die aus ethischen Gründen an PatientInnen nicht direkt durchführbar sind. Gegenstand der Forschung war das Zusammenspiel zweier Faktoren, die beim Zähneknirschen aufeinandertreffen. Einerseits handelt es sich dabei um die Form des betroffenen Zahnes, insbesondere um den Neigungswinkel jenes Zahnhöckers, der beim Knirschen mit seinem Gegenüber in Kontakt ist. Andererseits wurde die Position des Zahnkontakts (die sogenannte Abnutzungsfacette) während einer dynamischen

Der Autor Benedikt Sagl, PhD Zentrum für klinische Forschung Universitätszahnklinik Wien

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Weitere Forschungen Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl Neigung als auch Position der Abnutzungsfacetten einen Einfluss auf die Stärke der mechanischen Belastung des Kiefergelenks haben. Vor allem aber scheint die Steilheit der Knirschfacette dafür ausschlaggebend zu sein. Je flacher der Zahn, desto höher fällt die Gelenksbelastung und damit das Risiko für eine Kiefergelenkserkrankung aus. Umgekehrt gilt: Haben die beim Bruxismus involvierten Zahnhöcker einen höheren Neigungswinkel, so konnte selbst bei gleicher „Knirschkraft“ (Bruxierkraft) eine niedrigere Belastung im Gelenk berechnet werden. Ob diese Erkenntnis in die Entwicklung therapeutischer Maßnahmen bei Schlafbruxismus einfließen kann, sollen nun weitere mit klinischen Untersuchungen gekoppelte Forschungen zeigen.•


Bedeutung von Hyaluronsäure in der Oralchirurgie

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m Rahmen meines Projekts für das Doktoratsstudium der Angewandten Medizinischen Wissenschaft (Musculoskeletal and Dental Research, Medizinische Universität Wien) an der klinischen Abteilung für Orale Chirurgie, das von Priv.-Doz.in Kristina Bertl, Prof. Dr. Andreas Stavropoulos und Prof. DDr. Christian Ulm betreut wird, wird der Einfluss von Hyaluronsäure (HS) auf die Heilung von Extraktionsalveolen untersucht. HS wird in der Zahnmedizin beispielsweise bereits eingesetzt, um die Wundheilung nach parodontalchirurgischen Eingriffen zu verbessern, und es gibt auch bereits ein paar Studien zur Heilung von Extraktionsalveolen. Diese wurden in einer rezenten systematischen Übersichtsarbeit zusammengefasst und zeigten einen positiven Effekt der HS auf die Schmerzlinderung und Mundöffnung nach chirurgischer Weisheitszahnentfernung1*. Der Einfluss von Hyaluronsäure auf die frühe und späte Wundheilung nach retinierter Weisheitszahnentfernung Die Entfernung von Weisheitszähnen ist einer der am häufigsten durchgeführten oralchirurgischen Eingriffe. Dieser ist oft – im Speziellen im Unterkiefer – mit postoperativen Beschwerden wie Schmerzen, Schwellung, eingeschränkter Mundöffnung und einem negativen Einfluss auf die mundgesundheitsbezogene Lebensqualität der PatientInnen verbunden2. Zusätzlich kann nach einer Weisheitszahnentfernung – vor allem bei einem präoperativ bereits vorhandenen Knochendefekt durch eine Querlage des Weisheitszahns – ein parodontaler Defekt mit erhöhten Sondierungstiefen distal des zweiten Molars verbleiben und dadurch auf lange Sicht den parodonta-

len Zustand des zweiten Molars beeinträchtigen3. Eine Vielzahl von Produkten, Augmentationsmaterialien und/oder chirurgischen Techniken wurden bereits getestet, um die PatientInnenmorbidität zu reduzieren und die Heilung des Hart- und Weichgewebes der Extraktionsalveolen der dritten Unterkiefermolaren zu verbessern. In diesem Zusammenhang könnte HS ein potenzielles Produkt darstellen, um die Wundheilung zu beschleunigen beziehungsweise zu verbessern. HS ist ein nicht-sulfatiertes Glykosaminoglykan mit hohem Molekulargewicht. Es wird von den meisten menschlichen Körperzellen produziert und ist in zahlreichen Körperflüssigkeiten wie Synovialflüssigkeit, Serum, Speichel und Sulkusflüssigkeit aufzufinden4–6. In der Mundhöhle liegt HS im gingivalen und parodontalen Ligament in höheren Mengen als im Hartgewebe, wie dem Alveolarknochen und Zement, vor7–9. Zu den wichtigen Eigenschaften von HS zählen deren Viskoelastizität und Hygroskopizität10, 11. Des Weiteren zeigt HS entzündungshemmende, antiödematöse, osteoinduktive und proangiogenische Eigenschaften und wird dementsprechend zur Verbesserung der Wundheilung einer Vielzahl von Geweben eingesetzt12–14. Präklinische Studien haben einen positiven Einfluss von HS auf die Heilung von Extraktionsalveolen und Knochendefekten12, 15–17 sowie auf die Heilung parodontaler Defekte inklusive des histologischen Nachweises parodontaler Regeneration beschrieben18, 19 . In klinischen Studien wurden verschiedene Möglichkeiten für die Behandlung der Extraktionsalveolen der unteren Weisheitszähne mit HS getestet, sowohl zur Verbesserung der postoperativen Wundheilung als auch zur Behandlung von Alveolitis sicca20–27.

Trotz der Hinweise auf einen potenziell positiven Effekt der HS auf die Wundheilung nach chirurgischer Weisheitszahnentfernung im Unterkiefer ist nach wie vor relativ unklar, welche Applikationsform (quervernetzt vs. nicht quervernetzt, mit vs. ohne Trägermaterial usw.) am vielversprechendsten sein könnte. Darüber hinaus liegt bislang auch keine Studie zu der Wirkung von HS auf die parodontale Wundheilung des zweiten Molars nach chirurgischer Weisheitszahnentfernung im Unterkiefer vor. Deshalb ist das Ziel dieser doppelt verblindeten, kontrollierten und randomisierten klinischen Studie, den Effekt einer quervernetzen HS in zwei unterschiedlichen Applikationsformen (mit und ohne Trägermaterial) auf die parodontale Wundheilung (basierend auf klinischen und radiologischen Parametern) des distalen Aspektes des zweiten Unterkiefermolars nach chirurgischer Entfernung der Weisheitszähne zu evaluieren. Sekundär sollen mögliche Effekte von HS auf postoperative Schmerzen, Schwellung, frühe Weichgewebsheilung, postoperative Blutungen, eingeschränkte Mundöffnung, die Inzidenz von Alveolitis sicca, mundgesundheitsbezogene Lebensqualität und Hartgewebsheilung analysiert werden. Dieser Studie wurde bereits ein positives Votum der Ethikkommission erteilt und darüber hinaus wird sie seit Dezember 2021 vom Medizinisch-Wissenschaftlichen Fonds des Bürgermeisters der Bundeshauptstadt Wien unterstützt. Das chirurgische Vorgehen im Rahmen der Studie wird auf den folgenden Seiten erläutert.• *Alle in den Fußnoten 1–27 angeführten Literaturangaben finden Sie hier:

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Abb. 1–15 auf Seite 14: Das chirurgische Vorgehen im Rahmen der Studie Das chirurgische Vorgehen entspricht dem Standardprozedere zur Entfernung von impaktierten Weisheitszähnen im Unterkiefer. Das Procedere ist zur besseren Übersicht in den Abbildungen 1–15 dargestellt und kann wie folgt beschrieben werden: Die Schnittführung erfolgt sulkulär vom zweiten Molar in die Region des unteren Weisheitszahnes mit einem distalen bukkalen Entlastungsschnitt und ein Volllappen wird bukkal und lingual präpariert. Mittels Osteotomie wird der Zahn entsprechend freigelegt und nach Abtrennen der Krone werden die Wurzeln (wenn notwendig geteilt) vollständig entfernt. Anschließend wird die Alveole mit Kochsalzlösung gespült, von Debris und Resten des Zahnfollikels befreit und die distale Fläche des zweiten Molars gereinigt. Im Anschluss wird die Alveole von jenen PatientInnen, die einer der zwei Testgruppen angehören, entweder mit HS-Gel (Hyadent BG) oder mit HS-Gel und einem resorbierbaren Kollagenschwamm aufgefüllt. Die Alveolen von jenen PatientInnen, die der Kontrollgruppe angehören, werden unbehandelt belassen (Blutkoagel). Zum Abschluss wird eine dichte Lappenadaptation ausgeführt und die Wunde wird mit einem Aufbisstupfer für 15 Minuten komprimiert.

Abb. 16: Innovative Vermessung der Gesichtsschwellung Zur volumetrischen Vermessung der postoperativen Schwellung wird im Rahmen dieser klinischen Studie zum ersten Mal eine kostengünstige iPhone/iPad-Applikation eingesetzt. Die Schwellung wird mittels 3D-Gesichtsscan-Software präoperativ, direkt postoperativ und am 3., 7. und 14. Tag postoperativ gemessen und die vier Datensätze/3D-Modelle überlagert. Die Genauigkeit dieser Methode wird in einer separaten klinischen Studie parallel untersucht.

Studienpopulation und Einschlusskriterien Insgesamt werden 102 PatientInnen mit impaktierten Unterkieferweisheitszähnen an dieser klinischen Studie teilnehmen. Folgende relevante Einschlusskriterien wurden festgelegt: 1. 2. 3. 4.

> 18 Jahre vertikaler oder mesioangulierter sowie komplett impaktierter Unterkieferweisheitszahn mindestens 5 mm Abstand zwischen der Schmelz-Zement-Grenze und dem marginalen Knochenniveau an der distalen Wurzeloberfläche des zweiten Molars

Das Team Dr. med. dent. Danijel Domic Fachbereich für Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien Dr.in med. dent. Bertl, Kristina, MSc PhD Fachbereich für Orale Chirurgie Universitätszahnklinik Wien

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Lange Nacht der Forschung Am 20. Mai 2022 werden von 17 bis 23 Uhr in den Seminarräumen der Universitätszahnklinik Wien, Ebene 1, interessante Themen rund um die Zahngesundheit präsentiert. (Mitmach-)Stationen • „Zahnschmerzen – was tun? Arbeiten Sie wie ZahnärztInnen!“ • „Mikroskopische Einblicke in morphologische Methoden“ • „3D Druck Saurier“ • „Kariesentwicklung anhand von Schädeln“ • „Zahngesundheit von der Steinzeit bis heute“ • „Visualisierung von Stammzellen auf Zahnimplantaten“ Infopoints für Fragen rund um den klinischen Betrieb

Vorträge • „Neueste Füllungen im Vergleich mit Amalgam“ • „Frontzahntrauma“ • „Gesunde Zähne von Anfang an“ • „Entwicklung der Lasertechnik für den Einsatz in der Zahnheilkunde“ • „Die Versorgung des Lückengebisses“ • „Zahnregulierung bei Kindern und Erwachsenen“ • „Wie kommen zahnlose oder teilbezahnte Patienten zu neuen Zähnen?“ • „Digitale Zahnheilkunde“

Kinderbetreuung • Mit Malen, Zeichnen, lustigen Spielen, Bewegungsstationen

Details: https://langenachtderforschung.at

Dentistry 4.0 International, Interdisciplinary Conference of Innovative Technologies in Dentistry - Vienna, Austria in cooperation with OCMR (Austrian Consortium for Oral Surgery, Medicine and Radiology) OEGED (Austrian Society for Esthetic Dentistry) ÖGI (Austrian Society for Implantology) ÖGKiZ (Austrian Society for Pediatric Dentistry) ÖGMKG (Austrian Society for Maxillofacial Surgery) ÖGP (Austrian Society for Periodontology) SOLA (International Society for Laser Applications)

Top Speakers have been invited

Save the Date June 2 – 3, 2023 16 DentUnique 1/2022

Preliminary Program • Workshops • Cadaver Course • Keynote Lectures • Young Investigator Session • Live-Surgeries • Postersession • Company Exhibition www.unizahnklinik-wien.at


Über die Interaktion des Immunsystems mit den Stammzellen im Zahnhalteapparat Lokale Entzündungsfaktoren und Vitamin D3 spielen eine tragende Rolle in der Interaktion zwischen Immunzellen und Stammzellen des Zahnhalteapparats.

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tammzellen als Zellen, die sich in potenziell jede Art von Gewebe entwickeln können, sind eines der attraktivsten und vielseitigsten Themen der biologischen Forschung und damit auch ein zukunftsträchtiger Aspekt in der modernen Zahnheilkunde. Stammzellen finden sich, mit Ausnahme von Zahnschmelz und Dentin, in nahezu allen Zahngeweben, u. a. auch in den Geweben des Zahnhalteapparates, welcher eine wichtige Rolle dabei spielt, die Zähne im Kieferknochen zu verankern. Natürlich denkt man bei den Einsatzgebieten von Stammzellen in der Zahnmedizin als Erstes an die Möglichkeit, beschädigtes oder verloren gegangenes Zahngewebe wiederherzustellen. Diese Zellen spielen jedoch eine wesentlich größere Rolle. Stammzellen des Zahnhalteapparates sind in der Lage, die Aktivität des Immunsystems zu beeinflussen, welches ein wichtiger Regulationsmechanismus zur Aufrechterhaltung des lokalen Gleichgewichts des Zahnhalteapparates ist. Diese Fähigkeit der Immunmodulation wird von verschiedensten Faktoren, z. B. Entzündungsfaktoren, im lokalen Gewebemilieu beeinflusst. Lokale Immunzellen im Zahnhalteapparat produzieren diese verschiedenen Entzündungsfaktoren, welche wiederum spezielle Signalwege in den Stammzellen des Zahnhalteapparates aktivieren. Auf diesem Wege können Immunzellen die immunmodulatorischen Mechanismen der Stammzellen im Zahnhalteapparat beeinflussen1. Obwohl diese Wechsel-

wirkung zwischen Immunzellen und Stammzellen des Zahnhalteapparates bereits seit Längerem bekannt ist, gibt es bis dato noch keine Daten dazu, ob verschiedene Entzündungsfaktoren unterschiedliche Einflüsse auf die immunomodulatorischen Fähigkeiten der Stammzellen des Zahnhalteapparates haben. Neben den Entzündungsfaktoren spielt noch ein weiterer Faktor eine essenzielle Rolle in der Aufrechterhaltung des lokalen Gleichgewichts des Zahnhalteapparates, nämlich Vitamin D3. Obwohl noch nicht restlos geklärt wurde, welche Rolle Vitamin D3 in der Parodontitis (entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates, welche unbehandelt zum irreversiblen Abbau des Kieferknochens und zum Verlust des Zahnes führt) spielt, konnte in zahlreichen Studien dessen immunsuppressive als auch antientzündliche Wirkung auf Immunzellen nachgewiesen werden. Es gibt bereits mehrere Studien, die den Einfluss von Vitamin D3 auf die Fähigkeit der Vermehrung und der Umwandlung von Stammzellen in spezielle Zelltypen sehr gut beschreiben. Bis dato gab es aber noch keine Untersuchungen, die sich mit dem Einfluss von Vitamin D3 auf die immunomodulatorischen Fähigkeiten dieser Stammzellen in entzündlich verändertem Gewebe beschäftigen2. Um den Einfluss verschiedener Entzündungsfaktoren auf die immunomodulatorischen Fähigkeiten der Stammzellen im Zahnhalteapparat zu untersuchen, wurden Stammzellen des Zahnhalteapparates aus Zähnen, die aufgrund kieferorthopä-

discher Behandlungen gezogen wurden, extrahiert und in unserem Labor unter sterilen Bedingungen kultiviert. In weiterer Folge wurde in unserem Labor ein spezielles Co-Kultur-Modell entwickelt (siehe Abbildung 1), in dem verschiedene Immunzellen mit Stammzellen unter verschiedenen entzündlichen Bedingungen

Abb. 1: Co-Kultur-Modell zur gemeinsamen Kultivierung von Immunzellen und Stammzellen des Zahnhalteapparates. Die Membran mit Poren ermöglicht die Interaktion dieser beiden Zelltypen über lösliche Faktoren, aber ohne direkten Kontakt untereinander (adaptiert von der Dissertation von Christian Behm, 2020).

zusammengebracht wurden. In weiterer Folge wurde der Einfluss der Stammzellen auf spezifische funktionelle Parameter der Immunzellen untersucht. Diese Experimente zeigten, dass die Stammzellen des Zahnhalteapparates einen unterdrückenden Effekt auf Immunzellen aufweisen und vor allem, dass die Stärke dieser Reaktion signifikant vom anwesenden Entzündungsfaktor abhängig ist (siehe Abbildung 2, links). Zusätzlich konnte mit demselben Modell gezeigt werden, dass der Effekt von Vitamin D3 auf die immunomodulatorischen

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Fähigkeiten der Stammzellen signifikant vom anwesenden Entzündungsfaktor abhängt: Während in Anwesenheit des Entzündungsfaktors 1 Vitamin D3 den inhibierenden Effekt der Stammzellen auf Immunzellen verstärkte, verursachte Vitamin D3 in Anwesenheit des Entzündungsfaktors 2 einen gegenteiligen Effekt (siehe Abbildung 2, rechts). Um diese Phänomene genauer unter die Lupe zu nehmen, untersuchten wir auf Gen- und Proteinebene den Einfluss verschiedener Entzündungsfaktoren und Vitamin D3 auf die Synthese von spezifischen Proteinen in den Stammzellen, die diese Modulation der Immunzellen erst ermöglichen. Obwohl alle Entzündungsfaktoren die Produktion (Synthese) der untersuchten Proteine deutlich aktivierten, konnten signifikante Unterschiede in der Synthesestärke dieser Proteine nachgewiesen werden. Es zeigte sich auch eine durchgehend unterdrückende Wirkung von Vitamin D3 auf die Synthese dieser Proteine, jedoch signifikante Unterschiede in der Stärke dieser Wirkung abhängig vom vorhandenen Entzündungsfaktor. Im letzten Schritt konnte mittels Proteinausschaltung in den Stammzellen die Beteiligung dieser Proteine an den beobachteten immunomodulatorischen Phänomenen bestätigt werden3–5. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sowohl diese Entzündungsfaktoren als auch Vitamin D3 durch ihre vielseiti-

Abb. 2: Inhibierender Effekt von Stammzellen des Zahnhalteapparates in Anwesenheit von verschiedenen Entzündungsfaktoren und Vitamin D3 auf die Vermehrung von T-Lymphozyten (Zellen des erworbenen Immunsystems). Die Prozentzahl gibt die relative Anzahl an T-Lymphozyten an, die sich vermehren (adaptiert von Behm et al., Journal of Clinical Medicine. 2019).

gen Effekte für die Feinabstimmung der Entzündungsprozesse und der Aktivität des Immunsystems im Zahnhalteapparat von großer Wichtigkeit zu sein scheinen. Dies ist sowohl essenziell für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts in Geweben des Zahnhalteapparates als auch beim Fortschreiten entzündlicher Erkrankungen des Zahnhalteapparates wie der Parodontitis.•

Literatur: 1. Andrukhov, O., Behm, C., Blufstein, A. & Rausch-Fan, X. Immunomodulatory properties of dental tissue-derived mesenchymal stem cells: Implication in disease and tissue regeneration. World J. Stem Cells 11, 604–617 (2019). 2. Andrukhov, O., Blufstein, A., Behm, C., Moritz, A. & Rausch-Fan, X. Vitamin D3 and dental mesenchymal stromal cells. Applied Sciences (Switzerland) 10, 4527 (2020). 3. Behm, C. et al. 1,25(OH)2D3 Differently Affects Immunomodulatory Activities of Mesenchymal Stem Cells Depending on the Presence of TNF-ɑ, IL-16 and IFN-γ. J. Clin. Med. 8, 2211 (2019). 4. Behm, C. et al. Pleiotropic effects of vitamin D3 on CD4 + T lymphocytes

5.

Der Autor Christian Behm, BSc, MSc, PhD Competence Center for Periodontal Research Universitätszahnklinik Wien

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mediated by human periodontal ligament cells and inflammatory environment. J. Clin. Periodontol. 47, 689–701 (2020). Behm, C. et al. Cytokines Differently Define the Immunomodulation of Mesenchymal Stem Cells from the Periodontal Ligament. Cells 9, 1222 (2020).


Auszeichnung für neuartiges Modell der menschlichen Mundschleimhaut

Hintergrund Die menschliche Mundschleimhaut zeichnet sich durch spezifische anatomische, histologische und physiologische Charakteristika aus, die mit keiner Säugetierspezies vergleichbar sind. Auch traditionelle, standardisierte Zellkulturmodelle können keine exakte physiologische Umgebung nachstellen. Das Biodruck-Verfahren bietet die Möglichkeit, dreidimensionale Strukturen zu kreieren, die das menschliche Gewebe nachbilden. Mithilfe dieser Technologie konnten bereits Modelle für verschiedenste Organe entwickelt werden, ein passendes Modell für die menschliche Mundschleimhaut existiert jedoch noch nicht. Individuelle Modelle Das Ziel der Studie von Janjić ist es, ein dreidimensionales 3D-Biodruck-Modell, das in Form und Aufbau dem Gewebe menschlicher Mundschleimhaut von gesunden sowie erkrankten Personen gleicht, für In-vitro-Testungen zu entwickeln. Das Modell soll für die Testung von verschiedenen Dentalmaterialien sowie für die Untersuchung möglicher Behandlungen von Parodontitis und anderen oralen Erkrankungen eingesetzt werden. Dafür werden patientInneneigene Zellen verwendet. So erhält man unmittelbar individuelle lokale Reaktionen einzelner PatientInnen auf verschiedene Materialien und Wirkstoffe.

Foto: © MedUni Wien/feelimage

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er Preis wurde Dr.in Klara Janjić, BSc, MSc von Dr.in rer. nat. Dilyana Filipova und Dr. med. Andreas Ganz vom Verein Ärzte gegen Tierversuche überreicht. Janjić und ihr Team bekommen die Auszeichnung für ihr Forschungsvorhaben, mithilfe von 3D-Biodruck ein personalisiertes Modell der gesunden und kranken menschlichen Mundschleimhaut zu entwickeln.

Auszeichnung (v. l. n. r.): Klinikvorstand Andreas Moritz, Preisträgerin Klara Janjić, Dilyana Filipova und Andreas Ganz vom Verein Ärzte gegen Tierversuche

Repräsentative Forschungsmodelle Für die Forscherin ist diese Auszeichnung ein ganz besonderer Schritt in ihrer wissenschaftlichen Karriere: „Die Auszeichnung durch den Herbert-StillerPreis ermöglicht mir, meinen eigenen Schwerpunkt innerhalb der Forschung an der Universitätszahnklinik Wien zu etablieren. Die Entwicklung von personalisierten In-vitro-Modellen für die Mundschleimhaut liegt mir dabei besonders am Herzen, da gerade die Mundhöhle von Spezies zu Spezies sehr unterschiedlich ist und somit nach repräsentativen Forschungsmodellen verlangt. Mithilfe dieser Förderung

wollen wir ein Modell entwickeln, das uns eine individualisierte und patientennahe Erforschung der Mundschleimhaut ermöglicht, ganz ohne Tierversuche und die Verwendung tierischer Produkte. Ganz besonders freut es mich, dass sich bei diesem Projekt auch ein Experte für Mundschleimhauterkrankungen (Ing. DDr. Michael Edelmayer), ein Experte für Biodruck (Karl Schneider, PhD) sowie ein Experte für Dentalmaterialien (Ao. Univ.-Prof. DDr. Andreas Schedle) beteiligen. Nur durch die Kombination unseres Know-hows kann es gelingen, ein innovatives Modell für zukünftige Forschung zu entwickeln.“•

Der Herbert-Stiller-Preis zur Förderung tierversuchsfreier Forschung Der Herbert-Stiller-Förderpreis wird alle zwei Jahre durch den Verein Ärzte gegen Tierversuche verliehen. Die Auszeichnung erhalten hervorragende innovative wissenschaftliche Arbeiten, die sich mittels tierversuchsfreier humanbasierter Methoden mit der Erforschung und Therapie menschlicher Erkrankungen beschäftigen und einen wesentlichen Beitrag für den medizinischen Fortschritt leisten. Dafür kommen In-vitro-Studien, aber auch klinische Arbeiten und epidemiologische Untersuchungen bezüglich der Ursachen von Zivilisationskrankheiten infrage. Der Preis ist benannt nach einem Mitgründer des Vereins, Herbert Stiller (1923–1984), Facharzt für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie.

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Nachruf: Univ.-Prof. Dr. Rudolf Slavicek Mit großer Trauer müssen wir mitteilen, dass uns ein unvergesslicher Lehrer, Mentor und Visionär im 93. Lebensjahr für immer verlassen hat. Prof. Slavicek war ein Hauptakteur auf dem Gebiet der oralen Medizin und der interdisziplinären funktionellen Zahnmedizin. Nach seinem Studium der Medizin an der Universität Wien stand er von 1976 bis 1980 als Direktor dem Zahnärztlichen Fortbildungsinstitut vor. Prof. Slavicek baute an der Universitätsklinik für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde die prothetische Abteilung auf, die er von 1978 bis zu seiner Pensionierung 1997 leitete. Als Vorstand der Universitätsklinik für Zahn-, Mundund Kieferheilkunde, die er von 1992 bis 1997 auch leitete, war ihm stets das Wohl und die Weiterentwicklung der gesamten Klinik ein Anliegen. Nach seiner Pensio-

nierung begann er 1998 mit dem Aufbau des Zentrums für Diagnostik und Therapie mandibulärer Dysfunktionen in der Krankenanstalt Rudolfinerhaus in Wien sowie 1999 mit der Entwicklung des Zentrums für Interdisziplinäre Zahnmedizin an der Donau-Universität in Krems. 2008 gründete Prof. Slavicek den wissenschaftlichen Fortbildungsverein VieSID (Vienna School of Interdisciplinary Dentistry). Er wirkte bis 2018 als Lektor für ein internationales postgraduales Publikum und veröffentlichte 2015 die Buchreihe „Konzepte in der Zahnmedizin“. Sein letztes Buch „Die balancierte Okklusion“ erschien 2021. Die Universitätszahnklinik Wien wird sich immer an einen großartigen Arzt und einen leidenschaftlichen Lehrer erinnern.•

Univ.-Prof. DDr. Andreas Moritz Leiter der Universitätszahnklinik Wien Medizinische Universität Wien

Kursleitung: Univ.-Prof. DDr. Erwin Jonke Fachbereich Kieferorthopädie Universitätszahnklinik Wien www.unizahnklinik-wien.at

O. Univ.-Prof.in DDr.in Eva Piehslinger Leiterin des Fachbereichs Prothetik Medizinische Universität Wien

Freitag, 1.7.2022 (8:30 – 17:30 Uhr) Samstag, 2.7.2022 (8:00 – 12:00)

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Information / Anmeldung: Maria Strobl, Tel.:+43 1 40 070-4301 Mail: maria.strobl@meduniwien.ac.at

DentUnique 1/2022 DentUnique 2/2021 21 Der20Kurs ist mit 17 Fortbildungspunkten der Österreichischen Zahnärztekammer approbiert.


Medical Comics visualisieren „Grenzen“ in der Medizin Kunstform für Interaktion und Ausbildung Medical Comics haben sich in den vergangenen 20 Jahren als Kunstform etabliert. In der Interaktion zwischen ÄrztInnen und PatientInnen, aber auch in der Ausbildung von medizinischem Personal nehmen sie inzwischen einen hohen Stellenwert ein. Die humorvolle Darstellung steht dabei nicht im Vordergrund. „Vielmehr sind Medical Comics deshalb so wertvoll, weil durch sie herausfordernde Situationen des medizinischen Alltags leichter greifbar und vermittelbar werden“, betonen die Initiatorinnen der Ausstellung, Eva Katharina Masel (Universitätsklinik für Innere Medizin I von MedUni Wien und AKH Wien) und Andrea Praschinger (Teaching Center der MedUni Wien). Mithilfe Medical Comics können die unterschiedlichen Sichtweisen von PatientInnen, An- und Zugehörigen sowie medizinischem Personal dargestellt werden: „Dadurch wird ein Perspektivenwechsel möglich. Es fällt leichter, sich

in das Gegenüber einzufühlen, da durch die Bildsprache Emotionen besser transportiert werden können“, verdeutlicht Eva Katharina Masel. Nicht zuletzt sind Medical Comics auch gut dazu geeignet, interkulturelle und diverse Blickwinkel darzustellen.•

Ausstellung Medical Comics „Grenzen“: Die Ausstellung läuft bei kostenlosem Eintritt bis 30. Juni 2022. Sie wird im Hörsaalzentrum der MedUni Wien im AKH Wien (Währinger Gürtel 18–20, 1090 Wien, Ebene 8) gezeigt und inkludiert Werke von internationalen und nationalen KünstlerInnen. Öffnungszeiten und Zugangsinformationen unter meduniwien.ac.at/medical-comics Foto: © MedUni Wien

„Grenzen“ sind nach „Körper“ das zweite Thema, das im Rahmen des dreijährigen Projekts „Art – Action – Attitude“ aufgegriffen wird. Im nächsten Jahr wird der Aspekt „Schmerz“ im Mittelpunkt stehen. Die Ausstellungsreihe steht in direktem Zusammenhang mit dem generellen Ziel der MedUni Wien, „Medical Humanities“ als Begegnungsfeld von Medizin, Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften zu fördern und im gesamten universitären Bereich sichtbar zu machen. Grenzen stellen sich in der Medizin auf vielfältige Weise dar: als Belastungsgrenzen von Kranken, Angehörigen und medizinischem Personal, als therapeutische Grenzen oder auch als Grenzen zwischen Leben und Tod. In der aktuellen Ausstellung werden sie mithilfe von Medical Comics visualisiert. An Mitmachstationen haben die BesucherInnen zudem die Möglichkeit, aktiv zu partizipieren und zu reflektieren.

Mediale Beiträge über Krisenbewältigung können Suizidrate verringern Dass mediale Darstellungen von Suiziden zu Nachahmungen führen, ist in der Forschung als „Werther-Effekt“ bekannt. Dass es auch umgekehrt funktioniert („Papageno-Effekt“), konnte kürzlich in einer Studie von Thomas Niederkrotenthaler vom Zentrum für Public Health der MedUni Wien gemessen werden: Die im renommierten British Medical Journal veröffentlichte Analyse weist den Zusammenhang zwischen dem Hip-Hop-Hit „1-800-2738255“ des US-Rappers Logic und einem Rückgang an Suiziden in den USA um 5,5 Prozent im Beobachtungszeitraum nach.

Hotline hat geholfen Der Hit aus dem Jahr 2017 thematisiert die tiefe Krise eines Mannes, der aufgrund von Diskriminierungen und Zurückweisungen seinem Leben ein Ende setzen will, dann aber zum Telefon greift und unter der Nummer 1-800-273-8255, der USSuizidpräventionshotline National Suicide Prevention Lifeline, Hilfe erhält. In der Zeit, als der Song besonders hohe öffentliche Aufmerksamkeit erreichte, analysierte Thomas Niederkrotenthaler mit ForscherInnen aus Wien, New York, Toronto, Atlanta und Melbourne Social-

Media-Beiträge im Zusammenhang mit dem Hit und die Zahl der Anrufe bei der US-Suizidpräventionshotline. Das Ergebnis in Zahlen: In einem Zeitraum von 34 Tagen wurden 9.915 (6,9 Prozent) zusätzliche Kontakte von Hilfesuchenden bei der National Sucide Prevention Lifeline verzeichnet, die Zahl der Suizide in den USA wurde um 245 (5,5 Prozent) verringert.•

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, 17 20. Mai 2022

Website zu Bauprojekten bis 2030

bis 23 Uhr

smeile Medizinische Forschung

www.meduniwien.ac.at/LNF POWERED BY

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Bis 2030 werden am Standort MedUni Wien und AKH Wien umfassende Modernisierungen umgesetzt, um die zukünftigen Anforderungen an die medizinische und pflegerische Versorgung sowie an die Forschung und Lehre bestmöglich erfüllen zu können. In den kommenden Jahren werden beispielsweise die OP- und Pflegebereiche modernisiert, und ein eigenes Eltern-Kind-Zentrum errichtet. Neue Forschungsflächen entstehen und drei neue Zentren werden am MedUni-Campus AKH erbaut: das Zentrum für Translationale Medizin, das Zentrum für Technologietransfer und das EricKandel-Institut – Zentrum für Präzisionsmedizin. Eine neue Website bietet einen Überblick über sämtliche Um- und Neubauprojekte. Auf der Startseite findet sich eine Ansicht vom Standort, auf der die Baubereiche markiert sind. Mit einem Klick gelangt man zu Informationen über den jeweiligen Bereich und erfährt, welche Modernisierungen umgesetzt werden. Im Menüpunkt „Aktuelles“, der ebenfalls in die Startseite integriert ist, wird laufend über Neuigkeiten und Meilensteine berichtet.• Design: message.at, MedUni Wien/anttoniart/shutterstock.com

• Live-Operationen an Herz und Gehirn • Medizinische Forschungsmeile mit 8 Standorten • bei mehr als 60 Aktionen Forschung hautnah erleben • exklusive Einblicke in Forschungslabors • u.v.m.

Foto: © MedUni Wien

Mit Herz und Hirn

Info-Kasten: Website: www.bauprojekte.akhwien.at Die Seite ist auch direkt auf der Startseite der MedUniWien-Website (Link auf: www.meduniwien.ac.at) im Bereich „Campus und Uni-Leben“ unter dem Menüpunkt „Modernisierungen“ abrufbar.


Gut zu wissen Universitätszahnklinik Wien, Sensengasse 2a, 1090 Wien

ANFAHRT: Öffentliche Verkehrsmittel • 37/38/40/41/42 von Schottentor – Haltestelle: Schwarzspanierstraße • 40/41/42 von Währinger Straße – Volksoper – Haltestelle: Sensengasse • 5/33 Haltestelle: Lazarettgasse • 43/44 Haltestelle: Lange Gasse (kurzer Fußmarsch durch das Alte AKH) Mit dem Auto Gebührenpflichtige BOE-Parkgarage in der Sensengasse 3. Beachten Sie bitte die Kurzparkzone in ganz Wien.

• Kieferorthopädie Tel.: +43 1/400 70-4321 Tel.: +43 1/400 70-4301 E-Mail: kfo-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Kinderzahnheilkunde Tel.: +43 1/400 70-2820 Tel.: +43 1/400 70-2825 E-Mail: kinder-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Orale Chirurgie Tel.: +43 1/400 70-4121 Tel.: +43 1/400 70-4101 E-Mail: oralechirurgie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

KONTAKTE: Zentrale Aufnahme Tel.: +43 1/400 70-2000 E-Mail: aufnahme-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Parodontologische Ambulanzen Tel.: +43 1/400 70-4720 E-Mail: parodontologie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

Notambulanz mit Traumaversorgung Tel.: +43 1/400 70-2023 E-Mail: notfallambulanz-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Prophylaxe-Center Tel.: +43 1/400 70-4725 E-Mail: prophylaxecenterunizahnklinik@meduniwien.ac.at

KLINISCHE FACHBEREICHE: • Unit – Zahnärztliche Ausbildung • Unit 1: Tel.: +43 1/400 70, DW: 2111, 2112, 2113 • Unit 2: Tel.: +43 1/400 70, DW: 2114, 2115, 2116 • CCUnit: Tel.: +43 1/400 70-2117

• Prothetik Tel.: +43 1/400 70-4930 E-Mail: prothetik-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Radiologie Tel.: +43 1/400 70-2420 E-Mail: radiologie-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at

• Zahnerhaltung und Parodontologie Tel.: +43 1/400 70-4720 E-Mail: zahnerhaltung-unizahnklinik@ meduniwien.ac.at • Postgraduate Master Tel.: +43 1/400 70-5401 E-Mail: dentalmaster@ meduniwien.ac.at ÖFFNUNGSZEITEN: Immer nach Terminvereinbarung! • Zentrale Aufnahme: Mo.–Fr., 7.30–13 Uhr • Notambulanz mit Traumaversorgung: Mo.–So., 8–13 Uhr • Kieferorthopädie: Mo.–Do., 8–17 Uhr, Fr., 8–12 Uhr nach Terminvereinbarung • Wichtiger Hinweis Zutritt für PatientInnen nur mit gültigem 2,5-G-Nachweis (geimpft, genesen, PCR – gilt auch für Kinder ab dem 12. Geburtstag) Das Tragen einer FFP2-Maske ohne Ventil ist im gesamten Gebäude verpflichtend. www.unizahnklinik-wien.at

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