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«Feministinnen steht auf!» Annie Lennox hat euch etwas zu sagen «Google ist eine privatisierte NSA» – Staatsfeind Assange spricht Klartext

Gemeinsam autofrei: Was steckt hinter dem Trend zu genossenschaftlichen Grosssiedlungen?

Nr. 336 | 24. Oktober bis 6. November 2014 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


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Titelbild: ZVG

Editorial Big Business is watching you

Längst ist das Internet für die Menschen des wohlhabenden Teils der Welt zu einer Art zusätzlichem Hirnrareal geworden, das Smartphone mit permanentem Zugang dazu zu einer technischen Prothese, ohne die wir uns kaum mehr auf die Strasse wagen. Das Wissen der Welt und ein Helferchen für jede Lebenslage in der Hosentasche – ein alter Traum der Menschheit ist in Erfüllung gegangen. Und ein weiterer gleich dazu: Alles ist (fast) gratis.

BILD: ZVG

Annie Lennox, Pop-Ikone aus den Achtzigern, singt auf ihrem neuen Album amerikanische Lieder aus den Zwanziger- bis Fünfzigerjahren. Inspirieren liess sie sich dazu, so sagt sie im Interview mit unserem Autor Hanspeter Künzler, beim Surfen auf Youtube.

FLORIAN BLUMER REDAKTOR

Dass uns die ganze Herrlichkeit geschenkt wird, ist natürlich Unsinn, der Zauber längst aufgeflogen. In den letzten Wochen sind die grossen Datensammler wieder einmal in die Schlagzeilen geraten: Der Tagesanzeiger zerrte die Pläne von Postfinance ans Licht, E-BankingKundendaten an Drittfirmen zu verkaufen. Ein schöner Deal: Selbstverständlich wird der Postfinance-Kunde von dem Geld, das die Bank mit seinen Daten macht, nichts sehen. Immerhin ein Gratis-Toaster oder ein paar Gratis-Prozente schauen dabei heraus, wenn wir Migros und Coop in unsere Privatsphäre eindringen lassen. Auch das allerdings kein besonders guter Deal, wie Datenschützer anmerken. Big Business is watching you: beim Einkaufen, beim Mail-Schreiben, auf Facebook, und wenn wir Google die praktische Ortungsfunktion auf dem Handy erlauben, buchstäblich bei jedem Schritt, den wir tun. Ist George Orwells Horrorvision der totalen Überwachung wahr geworden? Natürlich nicht, sagt der neoliberale Zeitgeist, bei Orwell war es ja der böse Staat, der die Menschen bis unter die Bettdecke observierte. Hier handelt es sich um die freie Wirtschaft, die den Menschen dabei hilft, gezielter zu konsumieren. Und schliesslich wird ja niemand gezwungen, die AGBs von Migros, Coop, Postfinance, Google und so weiter zu akzeptieren. Böser Staat, gute Wirtschaft, also? Julian Assange, Wikileaks-Gründer und Staatsfeind der USA, sieht das anders. Er nennt Google eine «privatisierte NSA» mit gefährlicher Nähe zur US-amerikanischen Staatsmacht. Lesen Sie ab Seite 14 den Bericht unserer Kollegen des britischen Strassenmagazins «Big Issue in the North», die mit Assange über Telefon in dessen Exil in der ecuadorianischen Botschaft in London sprachen. Wir wünschen eine ungestörte Lektüre, Florian Blumer

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Wir sind gespannt auf Ihre Kritik, Ihr Lob oder Ihre Anmerkungen. Schreiben Sie uns! Auf leserbriefe@vereinsurprise.ch oder an Verein Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, 4051 Basel. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion trifft eine Auswahl und behält sich vor, Briefe zu kürzen. Oder diskutieren Sie mit uns auf www.facebook.com/vereinsurprise SURPRISE 336/14

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10 Annie Lennox «Neugierig bleiben! Mutig bleiben!» Die Pop-Ikone der Achtzigerjahre wird am Weihnachtstag dieses Jahres 60. Und sprüht immer noch vor Energie. Für ihr neues Solo-Album schlüpft sie in die Rolle des Broadway-Entertainers und gibt Lieder aus dem «Great American Songbook» zum Besten. Im Interview verteidigt die Umwelt- und MenschenrechtsAktivistin den Feminismus und erzählt, wie sie herausfand, dass sie der Welt etwas zu sagen hat.

BILD: ZVG

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Inhalt Editorial Böser Staat – gute Wirtschaft? Die Sozialzahl Im Alter ins Heim Aufgelesen Amtl. bew. Dumpinglöhne Zugerichtet Streit mit Folgen Kommentar Verkehrte Welt bei Ecopop Starverkäuferin Nebyat Isaic Porträt Friedlicher Islam Surprise Strassensport Poster: Alle Teams der Fussballliga Fremd für Deutschsprachige Rumpelstilzchen Mark Lanegan Grosse dunkle Stimme Strassenfussballerporträt Stolz, für die Schweiz zu spielen Projekt SurPlus Eine Chance für alle! In eigener Sache Impressum INSP

14 Julian Assange Neues vom Staatsfeind BILD: REUTERS/OLIVIA HARRIS

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Was wissen wir über Google? Wahrscheinlich weniger, als Google über uns weiss. Dabei gibt es einiges zu erzählen über den Konzern, dem wir mit unseren Daten bereitwillig geholfen haben, zu einer Macht innerhalb der Supermacht USA zu werden. Wikileaks-Gründer Julian Assange, seit der Veröffentlichung geheimer Dokumente Staatsfeind der USA, warnt in seinem neuen Buch vor den Verstrickungen von Google mit den höchsten Machtzirkeln in Washington.

19 Genossenschaften Wohnutopie wird Realität

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BILD: KARIN GAUCH UND FABIAN SCHWARTZ

In Zürich und anderen Schweizer Städten entstehen zurzeit genossenschaftliche Siedlungen, in denen 1000 Menschen und mehr ökologisch nachhaltig und gemeinschaftlich wohnen sollen. Ihre Wurzeln haben die modernen Grossprojekte in Wohnutopien der Achtzigerjahre. Was steckt hinter dem Boom? Was sagt der Chronist der Zürcher Hausbesetzerszene dazu? Und wie ökologisch lebt es sich dort tatsächlich? Wir haben nachgefragt.

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Personen in Alters- und Pflegeheimen Anteil Person nach Gesch en in Prozen lecht und Alte t r 60 50 40 30 20 10 0 65 – 69 Männer

70 –74 Frauen

75 –79

80 –84

85 –89

90 – 94 Quelle: BFS,

Die Sozialzahl Pflege daheim oder im Heim Ältere Menschen möchten so lange wie möglich in der vertrauten Umgebung daheim alt werd en. Dies deckt sich mit der propagierten Alterspolitik, die sich mit Blick auf die Pflege am Motto «ambulant vor stationär » orientiert. Und es ist – zumindest bis zu einem hohen Pfleg eintensitätsgrad – nachweislich auch für das Gemeinwesen günstiger, wenn ältere Menschen möglichst lange in ihren angestammten vier Wänden leben und entsprechend spät in ein Pflegeheim eintreten. Die tatsächliche Alterspolitik geht aller dings in eine ganz andere Richtung. Das Geld fliesst in die Pflegeheime. Die neuesten Zahlen des Bundesamtes für Statistik zeigen, dass das Verhältnis der Ausgaben für Pflegehei me und Spitexdienste fünf zu eins beträgt. Der Entscheid für den Übertritt in ein Pflegeheim hängt von mancherlei Faktoren ab. Zunächs t bestimmen Gesundheitszustand und die Altersgebrec hlichkeit die Autonomie von älteren Menschen. Die forts chreitende Fragilisierung kann durch eine geeignete Wohnun g und Wohnlage kompensiert werden. So ist es mit zunehme ndem Alter entscheidend, dass es einen Lift hat und die Wege für den Einkauf oder den Besuch des Coiffeurs kurz und alter sgerecht gestaltet sind. Weiter benötigen ältere Menschen in wachsendem Ausmass Pflege und Hilfe von Organisationen, sei dies die Spitex, die für eine Wundversorgung kurz vorb ei kommt, sei dies das Rote Kreuz oder Pro Senectute, die alte Menschen in der Alltagsbewältigung unterstützen. Alle rdings zeigen sich hier rasch die Grenzen der wohlfeile n Alterspolitik in der Schweiz: Manches, was ältere Pers onen benötigen, um daheim leben zu können, wird von den Krankenkassen nicht übernommen. Dazu gehören viele Handreichungen, die Be-

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Jahre

Zahlen aus de

m Jahr 2012

ft erbringen können. Ob eitagte nicht mehr aus eigener Kra n oder nicht, hängt darum ne alte Person daheimbleiben kan ab, welche die Kantone und sehr stark auch von den Mitteln e daheim aufwenden. Und Gemeinden für die Pflege und Hilf räge der öffentlichen Hand die direkten und indirekten Beit ächtlich. schwanken von Ort zu Ort betr ältere Menschen in ein Trotzdem steigt das Alter, in dem en an. Diese Entwicklung Pflegeheim übertreten, seit Jahr durch die Pflege und Hilfe der wird in wesentlichem Ausmass zeigt sich ein geschlechtsspeAngehörigen ermöglicht. Hier gt in einer Partnerschaft die zifisches Muster. In der Regel pfle bleibt damit der Schritt in Frau den Mann. Vielen Männern sieht es oftmals anders aus. ein Heim erspart. Für die Frauen erstützung durch ihre FamiAls Witwen sind sie auf die Unt auf jene ihrer Töchter und lien angewiesen, vor allem rbeit» hat ihre Grenzen dort, Schwiegertöchter. Diese «Care-A entlastungsangebote unterwo diese nicht durch Familien solche Dienstleistungen. Es stützt wird. Mancherorts fehlen en wegen ihrer höheren Leüberrascht darum nicht, dass Frau ein Pflegeheim kommen als benserwartung zwar später in mehr als 70 Prozent aller BeMänner, dass sie aber trotzdem tagten in Heimen ausmachen. Angehörigenpflege in den Vieles spricht dafür, dass die r im gleichen Ausmass wie kommenden Jahren nicht meh Familien werden kleiner, die heute gewährt werden kann. Die , die Distanzen zwischen Frauen sind häufiger erwerbstätig ser. Wenn der Wunsch der Alden Generationen werden grös braucht es mehr Mittel in der ten weiter erfüllt werden soll, eim. ambulanten Pflege und Hilfe dah PFE L@V ERE INS URP CAR LO KNÖ PFE L (C.K NOE BILD : WO MM

RISE .CH )

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Freund und Helfer Freiburg. Alltag im krisengeplagten Spanien: Wer seine Hypothek nicht mehr bedienen oder die Miete nicht mehr bezahlen kann, wird mit Polizeigewalt aus Haus oder Wohnung geworfen. Bei solchen Zwangsräumungen assistiert oft die Feuerwehr. In der Stadt A Coruña machte sich der Feuerwehrmann Roberto Rivas zum Helden: Er weigerte sich, eine Tür aufzubrechen und forderte mit einem Plakat einen Zwangsräumungs-Stopp. Dafür wurde er zu einer Strafe von 600 Euro verurteilt. «Selbstverständlich», sagte er auf die Frage, ob er es wieder tun würde.

Lohndumping für alle Hamburg. Unternehmen dürfen den Mindestlohn für öffentliche Aufträge in Deutschland unterschreiten, indem sie Arbeiten an billigere Subunternehmer im Ausland auslagern. Das hat der Europäische Gerichtshof mit Verweis auf die Dienstleistungsfreiheit entschieden. Ausgerechnet die staatseigene Bundesdruckerei hatte einen Auftrag der Stadt Dortmund an eine polnische Tochterfirma weitergereicht. Die Stadt hatte vor Gericht gefordert, die Polen müssten mindestens die gesetzlichen 8,62 Euro Stundenlohn bekommen.

Unbeliebter als Muslime Kiel. Wie lustig ist das Zigeunerleben? Die Kultur von Sinti und Roma wird gerne gefeiert. Ansonsten sind die fahrenden Volksgruppen vielen Vorurteilen ausgesetzt – in Deutschland, aber auch anderswo. Laut einer Studie der deutschen Antidiskriminierungsstelle will ein Drittel aller Deutschen keine Sinti und Roma im Land. Und obwohl diese seit rund 700 Jahren dort anzutreffen sind, lehnen rund 50 Prozent der Deutschen deren Lebensweise ab. Sinti und Roma seien in Deutschland noch unbeliebter als Muslime, heisst es in der Studie.

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Zugerichtet Ehre verletzt, Hals aufgeschlitzt Über seinem Kopf hängt ein ovaler Kronleuchter, das Gold leuchtet wie ein sonniges Versprechen. Ali* hat sich viel vorgenommen. Er legt vor dem Obergericht Berufung ein gegen das erstinstanzliche Urteil und möchte nur wegen einfacher Körperverletzung statt versuchter Tötung schuldig gesprochen und dementsprechend höchstens zu einer Geldstrafe statt zu den sieben Jahren Gefängnis verurteilt werden, wie es das Bezirksgericht vorsah. «Das ist viel zu viel», sagt er mit selbstmitleidiger Stimme zum Vorsitzenden Richter des Obergerichts. «Der andere hat mich entehrt.» Der andere, das ist Khaled, aus dem Maghreb wie Ali, nach einer Irrfahrt auf dem Mittelmeer und quer durch Europa illegal in der Schweiz gestrandet wie Ali, Asylbewerber wie Ali. Beide kaum Zukunft. An einem Novemberabend vor zwei Jahren begegneten sie sich hinter dem HB Zürich. Ali hatte bereits zehn grosse Biere respektive 2,33 Promille intus, mit einer Bierdose in der Hand sprach er Khaled an und schnorrte eine Zigarette. Man wechselte ein paar Worte, Ali fragte Khaled, woher er stamme. «Aus Algerien», erzählte ihm dieser. «Besser als Tunesien», meinte Ali und schimpfte wüst über die Tunesier. Welche Worte es waren, erfährt man nicht, aber Schimpfwörter sind bekanntlich Glückssache. Denn Khaled ist gar nicht Algerier, sondern – Tunesier. Weshalb er dies nicht zu Beginn gesagt hatte, wird nicht klar. Doch obgleich er seine Staatsangehörigkeit verleugnet hatte, fühlte er sich in seiner Ehre verletzt. Zorn stieg in ihm hoch,

so heftig, dass er Ali einen Stoss versetzte. Das wiederum liess sich der Marokkaner nicht gefallen und zog nun erst recht über die Tunesier her, was Khaled wiederum aufs Blut reizte. Er schlug Ali die Bierdose auf die Nase, sodass dieser das Gleichgewicht verlor. Von Wut überwältigt, wollte Khaled auf den am Boden liegenden Ali treten, doch hielt ihn sein Kollege, ein Ägypter, zurück. Ali rappelte sich auf, zückte sein Messer mit der Gravur «Switzerland», stürmte auf Khaled zu und schlitzte ihm blitzschnell und mit Schwung die Kehle auf – acht Zentimeter breit und ein Zentimeter tief war der Halsschnitt. Ali sitzt seither in Pöschwies ein. Wie es ihm da gefalle, will der Richter wissen. «Alles in Ordnung, dem Allmächtigen sei Dank», antwortet Ali und schaut ehrfürchtig nach oben. Weshalb er überhaupt illegal in die Schweiz gereist sei, will der Richter wissen. «Ich suchte Arbeit», sagt der Mann, der gerne Automechaniker geworden wäre. «Und weil ich erfuhr, dass ich hier nicht arbeiten darf und ich auch kein Geld hatte, beantragte ich Asyl.» Ob er sich bewusst sei, dass seine Berufung auch eine höhere Strafe bewirken könne, fragt der Richter. Ali schaut verblüfft aus dem AdidiasAnzug. Hat ihn sein Pflichtverteidiger nicht aufgeklärt oder hat er es nicht verstanden? Der Richter unterbricht die Verhandlung und gewährt Ali eine halbe Stunde Zeit für ein Rechtsgespräch mit seinem Anwalt. «Ich möchte die Berufung zurückziehen», verkündet Ali schliesslich. «Auch wenn die Strafe ungerecht ist.» * persönliche Angaben geändert ISABELLA SEEMANN (ISEE@GMX.CH) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 336/14


Ecopop Und wieder sind die Ausländer schuld Unser Ressourcenverschleiss zerstört Landschaft und Umwelt immer nachhaltiger. Die Ecopop-Initianten haben den Schuldigen praktischerweise bei den anderen ausgemacht, den Migranten. Und damit die Logik auf den Kopf gestellt.

Es sieht schlecht aus. In ein paar Jahrzehnten wird uns das Erdöl ausgehen. Das Öl, das noch im Boden steckt, reicht aber bei Weitem aus, das Klima unserer Kinder und Grosskinder endgültig aus dem Lot zu bringen. In der Schweiz wie in anderen wohlhabenden Ländern verbrauchen wir Rohstoffe, als stünden uns zwei oder mehr Erdkugeln zum Ausbeuten zur Verfügung. Wir beanspruchen mehr als eineinhalb mal so viel Wohnraum pro Person wie vor 25 Jahren, nutzen mindestens viermal so viel Energie als uns zustehen würde und lassen mehr als das Zehnfache der Menge CO2 in die Luft, die pro Erdenbürger klimaverträglich wäre (siehe auch S. 22/23). Und wer ist schuld am ganzen Schlamassel? Die Ausländer. So zumindest geht die Logik der Ecopop-Initianten, über deren Anliegen wir am 30. November abstimmen müssen: Beschränkung des einwanderungsbedingten Bevölkerungswachstums auf 0,2 Prozent pro Jahr. Die Initianten stellen mit ihrer Idee, die Umwelt mit einem faktischen Einwanderungsstopp zu retten, das Kind auf den Kopf. Stellen wir es wieder auf die Füsse: Die Wirtschaft muss nicht wachsen, weil so viele Ausländer ins Land kommen. Es kommen so viele Ausländer ins Land, weil die Wirtschaft wachsen muss. So will es die Politik, nach wie vor, wider besseres Wissen, von Mitte links bis Mitte rechts. Kein Zweifel: Wollen wir die Umwelt und das Klima unserer Grosskinder retten, müssen wir den Konsum und das Wirtschaftswachstum stoppen. Doch die Ecopop-Idee ist so unsinnig wie perfid. Ihre allzu durchschaubare Strategie: Die grüne Wende soll den unwilligen Stimmbürgern über die gerade wieder beängstigend populäre Fremdenfeindlichkeits-Schiene verkauft werden. Tatsächlich scheint auch dieses Volksbegehren – das uns endgültig international isolieren würde – an der Urne durchaus Chancen zu haben. Vielleicht, weil es uns suggeriert,

Nominieren Sie Ihren Starverkäufer! Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welche/n Verkäufer/in Sie an dieser Stelle sehen möchten: Verein Surprise, Redaktion Spalentorweg 20, 4051 Basel F +41 (0)61 564 90 99 redaktion@vereinsurprise.ch

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dass wir so weiter machen können wie bisher, wenn doch die anderen Schuld sind an der Misere. Doch die Umwelt wird mit dieser Art der Symptombekämpfung nicht gerettet werden. Was wirklich helfen würde wäre, wenn jemand den Mut fände, den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern die unpopuläre Wahrheit ins Gesicht zu sagen: Dass wir alle unseren Lebensstil ändern müssen, und zwar radikal. Dass wir den freien Markt an die Zügel nehmen, unseren Reichtum gerechter verteilen und aufhören müssen, staatlich subventioniert Energie zu verschleudern und Erdöl zu verbrennen. Dass wir alle auf kleinerem Raum wohnen, weniger in der Gegend herumfahren, nicht mehr in der Gegend herumfliegen, weniger Fleisch essen und uns vorwiegend von heimischen Erzeugnissen ernähren müssen. Das Schlechte an der Nachricht ist, dass wir damit unsere Gewohnheiten ändern müssen. Das Gute – darauf deuten Erkenntnisse aus der Glücksforschung hin –, dass unser Leben damit eher besser als schlechter würde. Der Wunsch derjenigen Menschen, die sich weniger Einwanderung wünschen, würde damit auch erfüllt, ohne menschenfeindliche Bürokratie, ganz von selbst: Wenn die Wirtschaft dann endlich schrumpft, werden automatisch weniger Einwanderer kommen. Denn die Menschen sind schon immer dorthin migriert, wo Arbeitskräfte gesucht sind. Auch wenn es uns schwerfällt zu glauben: Das gilt sogar für «das schönste Land der Welt», wie Ex-Bankenprofessor und Ecopop-Befürworter Hans Geiger die Schweiz so rührend nannte. ■ Einverstanden? Einspruch? Ergänzungen? Schreiben Sie uns: leserbriefe@vereinsurprise.ch

BILD: ZVG

VON FLORIAN BLUMER

Starverkäuferin Nebyat Isaic Maya Hernández-Schaub aus Birsfelden BL schreibt: «Frau Isaic sitzt trotz angeschlagener Gesundheit an vielen Wochentagen bei jedem Wetter auf ihrem kleinen Hocker vor unserer Coop-Filiale in Birsfelden. Ihr liebes Gesicht und ihre freundliche, mütterliche Art, die gleichzeitig vornehm und demütig wirkt, haben es mir angetan. Einmal nannte sie mich ‹sister›, Schwester. Das hat mich sehr berührt, ich fühlte mich geehrt.»

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Porträt Die Seelsorgerin Der Islam sei eine nachhaltige Lebensweise, sagt Lejla Begovic-Delic. Die gebürtige Bosnierin gibt Kindern und Jugendlichen Religionsunterricht – am liebsten in der freien Natur. Dass sie sich von der Gewalt im Namen ihrer Religion distanzieren soll, findet sie absurd. VON NICOLE MARON (TEXT) UND ANDREA GANZ (BILD)

einem Supermarkt bewarb, hiess es: Wir stellen keine Kopftuchträgerinnen ein. «Dabei habe ich an diesem Tag extra ein besonders buntes Tuch gewählt und es nicht klassisch gebunden, sondern modern um den Kopf geschlungen, wie es teilweise auch Nichtmusliminnen tun.» Ein Kopftuch zu tragen oder andere Gebote zu befolgen, ist für Begovic-Delic Ausdruck ihrer Ehrfurcht vor Gott. Respekt, auch gegenüber den Mitmenschen und der Umwelt, bezeichnet sie als eine der wichtigsten Grundregeln in ihrem Leben. «Respekt ist für mich das, was einen gläubigen Muslim, eine gläubige Muslima am meisten auszeichnet. Und das ist es auch, was ich den Kindern beibringe.» Nicht nur ihren zwei Söhnen. Sie erteilt Religionsunterricht in der bosnischen Moschee in Zürich – meist geht sie dafür allerdings in die freie Natur. «Ich bringe den Kindern zum Beispiel bei, dass man keinen Abfall im Wald oder auf der Strasse liegen lässt. Sich sauber und anständig zu verhalten: Genau das heisst für mich, den Islam zu praktizieren. Auch darum geht es schliesslich in unserer Religion, nicht nur um das Einhalten der Gebete oder von Fastenzeiten.» Der Islam sei eine nachhaltige Lebensweise, sagt Lejla

Als Lejla Begovic-Delic in die Schweiz kam, trug sie noch kein Kopftuch. Sie wuchs in der bosnischen Stadt Gracanica auf, ihr Vater war Imam, islamischer Geistlicher. Doch weder ihre Mutter und drei Schwestern noch sie selbst bedeckten das Haar. Das kam erst später. Als Begovic-Delic acht Jahre alt war, brach in Bosnien der Krieg aus. Ihre Heimatstadt war nicht so stark von den Angriffen betroffen wie die 150 Kilometer südlich gelegene Hauptstadt Sarajevo, doch auch in Gracanica waren beinahe tägliche Bombardierungen beängstigende Realität. Darauf reagierten die Familie und ihre Nachbarschaft pragmatisch: Damit keine Granatsplitter in die Häuser flogen, verbarrikadierten sie die Fenster mit Holz und Sandsäcken. Als ein Onkel in Sarajevo schwer verletzt wurde, nahm die ganze Familie die Reise in die Hauptstadt auf sich. «Damals führte ein enger Tunnel unter der Piste des Flughafens hindurch», erinnert sich Lejla Begovic-Delic. Das war die einzige Verbindung zur Aussenwelt, durch die auch Hilfsgüter und Medizin ins belagerte Sarajevo gebracht wurden. «Ich musste mich ducken, um hineinzupassen», erzählt «Respekt ist für mich das, was einen gläubigen Muslim, eine sie. «Nur meine zweijährige Schwester konnte gläubige Muslima am meisten auszeichnet. Und das ist es auch, da drin aufrecht gehen.» Zwanzig Minuten was ich den Kindern beibringe.» dauerte der Weg durch den dunklen, engen Schacht. Kamen ihnen Menschen entgegen, mussten sie sich flach an die Wände pressen, um sie vorüberzulassen. Begovic-Delic: «Wenn man den Koran richtig liest, versteht man, dass Dunkelheit und Enge war man sich damals gewohnt – in den Kriegs- Umweltschutz und Ressourcenbewusstsein sehr wichtig sind. Das Thejahren verbrachten Lejla Begovic-Delic und ihre Familie viel Zeit im Kel- ma Natur kommt in über 500 Koranversen vor.» Zu dieser Haltung passt, ler, wo die Kinder auch Schulunterricht erhielten. Lejla war fleissig und dass sie seit Kurzem neben Islamwissenschaften das Fach Nachhaltige wissbegierig, und als der Krieg zu Ende war, entschied sie sich, das Re- Entwicklung belegt. ligionsgymnasium in Sarajevo zu besuchen, ein Internat. Sie war 13 JahDas Prinzip des Respekts im Islam verbiete auch jede Anwendung re alt, als sie von zuhause wegging. Damals konnte noch niemand wis- von Gewalt, sagt Lejla Begovic-Delic – sowohl gegenüber Menschen als sen, dass sie nie mehr in ihr Elternhaus zurückkehren würde. auch gegenüber der Natur. «Im Koran steht: Wenn du einen einzigen «Ich lernte meinen Ehemann schon im Gymnasium kennen», erzählt Menschen tötest, ist es, als ob du die ganze Menschheit töten würdest», die heute 31-Jährige. «Mädchen und Jungs wohnten zwar in getrennten sagt sie. Deshalb findet sie es absurd und geradezu anmassend, wenn Gebäuden, aber bei schulischen Anlässen und in der Freizeit haben wir von ihr erwartet wird, dass sie sich von den Gräueltaten distanziert, die uns oft getroffen.» Ein verschmitztes Lächeln zeichnet Grübchen in ih- derzeit im Irak und in Syrien von den Milizionären des selbsternannten re Wangen. Nach dem Abschluss des Gymnasiums und einem Jahr Stu- Islamischen Staates begangen werden. «Die Weltsicht und die Handlundium verliess sie ihr Heimatland und folgte ihrem Mann in die Schweiz. gen dieser Leute haben überhaupt nichts mit dem Islam zu tun. Kurz geLejla Begovic-Delic spricht mit angenehm ruhiger Stimme, auch wenn sagt Sie haben für ihre Organisation den falschen Namen gewählt.» ihr Ton bestimmt ist und sie ihre Worte gezielt wählt. Ihre Augen verDer verantwortungsvolle Umgang mit ihren Mitmenschen prägt ihr sprühen Begeisterung, wenn sie über die Dinge spricht, die ihr am mei- Leben. «Prophet Mohammed hat gesagt: Der beste Mensch ist der, der sten am Herzen liegen. Zum Beispiel über den Koran. Viele Suren kennt den anderen am meisten nützt. Danach versuche ich zu leben, auch sie auswendig, und sie lässt sich gerne auffordern, sie auf Arabisch zu wenn es nicht immer einfach ist.» Lejla Begovic-Delic widmet ihren Mitrezitieren. menschen viel Zeit: Als Frauenkoordinatorin der bosnischen Moschee Ihr selbst, sagt sie, war immer klar, dass sie irgendwann das Kopf- unterrichtet sie nicht nur die Kinder, sondern berät auch die Frauen der tuch tragen würde: «Es gibt immer wieder Diskussionen darüber, ob Gemeinde in den unterschiedlichsten Fragen. «Es geht meist um AllMusliminnen ein Kopftuch tragen müssen oder nicht. Ich persönlich tagsprobleme – ich bin eine Art Seelsorgerin», erklärt sie. «Ich versuche, wusste immer, dass ich mich eines Tages dafür entscheiden würde. Ich soweit ich es vermag, bei Fragen in Berufung auf den Koran oder die habe nur auf den Zeitpunkt gewartet, an dem ich innerlich voll und Überlieferungen des Propheten zu antworten.» Dass Lejla Begovic-Delic ganz bereit dazu war.» so viel Zeit und Energie darin investiert, anderen zu helfen, ist nicht nur Negative Reaktionen auf das Kopftuch erlebt sie selten. Bei der Job- Gottesdienst, sondern auch ihr ganz persönliches Rezept zum Glück: suche allerdings war das Kopftuch manchmal ein Hindernis. Begovic- «Es gibt mir selber so viel – ich kann mir nicht mehr vorstellen, anders Delic hatte längere Zeit in einer Fabrik gearbeitet, doch als sie sich bei zu leben.» ■ SURPRISE 336/14

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Annie Lennox «Wo ist denn das Problem mit dem Feminismus?» Als Stimme von Eurythmics war Annie Lennox einer der grossen Stars der Achtzigerjahre, soeben ist ihr sechstes Album als Solokünstlerin herausgekommen. Seit Jahren ist sie auch Menschenrechts- und Umweltaktivistin und überzeugte Feministin. Musik-Journalist Hanspeter Künzler traf die 59-Jährige für Surprise in London.

VON HANSPETER KÜNZLER

Annie Lennox ist eine der auffälligsten Stimmen, die seit den feurigen Punk-Tagen von den britischen Inseln gekommen ist. Als Sängerin, die von Klavier bis Akkordeon und Querflöte auch allerhand Instrumente beherrschte, wurde sie anfangs der Achtzigerjahre an der Seite von Dave Stewart mit Eurythmics zum Weltstar. Mit Hits wie «Love Is a Stranger», «Sweet Dreams (Are Made of This)» und «There Must Be an Angel (Playing With My Heart)» schaffte das Duo das Kunststück, pionierhafte Musik zu schaffen, der auch kommerzieller Erfolg beschieden war. Eurythmics kombinierten die ausdrucksstarke Stimme von Annie Lennox mit Snythesizer-Klängen, die ungewöhnlich subtil gesponnen waren. Zudem experimentierten sie verspielt, aber wegweisend mit Video und Bildern. Seit dem Ende der Eurythmics im Jahr 1990 – gefolgt von zwei kurzen Wiedervereinigungen – hat Annie Lennox fünf Solo-Alben veröffentlicht und ist dabei immer wieder neue Wege gegangen. Jetzt erscheint das sechste – «Nostalgia». Diesmal überrascht die schottische Sängerin mit einer Auswahl von Liedern aus dem «Great American Songbook». Sie hat aber nicht nur zur Musik etwas zu sagen: Die Mutter zweier erwachsener Töchter engagiert sich auch stark für die AIDS-Hilfe, Menschenrechte und Umweltschutz. Neben der Auszeichnung mit unzähligen Brit Awards, Grammys und Ehrendoktortiteln wurde ihr vom britischen Königshaus auch der OBE-Orden (Officer of the Order of the British Empire) verliehen.

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Surprise: «Nostalgia» beginnt mit einem kratzigen Sample von einer alten Schallplatte. Zu hören ist die Stimme von Sammy Fain, eines Komponisten von populärer Musik in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts. Das Sample wurde erst im letzten Moment bewilligt. Warum war es so wichtig? Annie Lennox: Die Aufnahme ist so charmant! Ich habe sie auf Youtube gefunden. Dieser unglaublich sentimentale Gesang – so was hört man heutzutage nie. Sogar in meiner Kindheit haben Männer nicht mehr so gesungen. Irgendwie finde ich den Liederfetzen sehr prägnant. Er soll eine Verbindung herstellen zwischen dem Hörer und den Liedern, die danach folgen. Ich hatte noch nie von Sammy Fain gehört. Es klingt wie ein Echo aus einer längst vergangenen Zeit. Es gibt viele dunkle Gebiete in der Musik, über die wir nichts mehr wissen. Das ist das Wunderbare an der neuen Technologie. All diese vergessene Musik ist wieder präsent. Ich kann über Youtube all diese alten Künstler wieder finden. The Boswell Sisters, Sammy Fain, unzählige mehr. Da liegen auch die Anfänge meines Albums. Eine Entdeckungsreise über Youtube. Sie sind auf Youtube surfen gegangen wie wir alle auch? Genau so war’s. Dass man diese Menschen nicht nur hören, sondern auch sehen kann – grossartig. Das waren die Popmusiker ihrer Zeit. Sie schufen den Soundtrack für die sozialen, ökonomischen und politischen SURPRISE 336/14


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Ereignisse ihrer Epoche, lange bevor wir alle auch nur gezeugt waren. Ich fand diesen Teil der Arbeit sehr berührend – den Kontakt zu finden mit all diesen Gesichtern und Liedern. Daraus ergaben sich auch Fragen wie: Wer war Billie Holiday wirklich? Zu den Songs, die Sie neu interpretieren, gehört «Strange Fruit», ein Lied, das man vor allem in der Originalfassung von Holiday kennt. Es handelt von den rassistischen Lynchmorden im amerikanischen Süden im letzten Jahrhundert. Warum haben Sie das Lied ausgewählt? Es ist heute so relevant wie eh und je. Es mag darin wörtlich um die Morde in den Südstaaten gehen, aber in meinen Augen ist das Grundthema die Gewalt des Menschen gegen sich selber im Allgemeinen. Es geht darin um Krieg, Terrorismus, Vergewaltigung, Gewalt gegen Kinder und all die anderen Arten von Brutalität.

jahre, und ich atmete tief durch: «Ich muss mein Leben ändern.» Ich stellte auf Familien-Modus um – und machte weiterhin Musik. In einem Ihrer neuen Videos tragen Sie eine Schärpe mit dem Wort «Feministin» drauf. Was sind in Ihren Augen die wichtigsten Ziele, welche die Bewegung heute erreichen soll? Vor einiger Zeit war ich zu einem Empfang eingeladen – «Women of the Year». Ich nahm mit Stolz daran teil, ich fühlte mich geehrt, einen Award überreicht zu bekommen. 400 Frauen waren da, alle intelligent, alle hatten viel erreicht. Ich sollte ein paar Worte sagen. Und ich sagte: «Ich bin Feministin. Bitte stehen Sie auf, wenn Sie sich auch als Feministin empfinden.» Ich erwartete einen grossen Moment – dass sich der ganze Saal erheben würde. Aber die Hälfte der Frauen blieb sitzen, fühlte sich nicht wohl bei der Beschreibung. Das muss sich ändern. Wir müssen uns wei-

«Ich bin von der Politik zutiefst desillusioniert. Aber ich bin Wer komponierte «Strange Fruit» eigentlich? Es war ein weisser Songschreiber namens voller Bewunderung für die weltweite Bewegung der NichtAbel Meeropol. Ich finde das sehr schön. Ein regierungsorganisationen.» liberaler, politisch links denkender Mensch mit jüdischem Hintergrund, der unbedingt ter entwickeln. Und für mich müssen auch Männer in den Vorgang einwollte, dass Billie Holiday sein Lied einspielen würde. Das erwies sich bezogen werden. Wo liegt denn das Problem? Es ist ein gutes Wort. Es als ziemlich schwierig. Holidays Plattenfirma wehrte sich, was nicht beschreibt Emanzipation und Chancengleichheit. Das ist speziell wichganz unverständlich war. Heute ist es nicht anders. Plattenfirmen sind tig in den Entwicklungsländern, wo Mädchen oft keine Sekundarschule vorsichtig, wenn sie eine politische Botschaft wittern. Als Holiday fest besuchen, weil es sich die Eltern nicht leisten können. darauf bestand, «Strange Fruit» doch aufzunehmen, gewährte ihr die Plattenfirma den Wunsch – aber sie musste das Lied auf einem kleinen, Ihre Version von «I Put a Spell on You» ist wohl am weitesten vom unabhängigen Label veröffentlichen. Und heute gilt es als ein MeilenOriginal entfernt. Warum haben Sie das Lied ausgewählt? stein. Der Song macht riesig Spass zum Singen! Als Sängerin im Studio oder auf der Bühne schlüpfe ich in die Person, aus deren Perspektive ein Lied Zu Zeiten der Eurythmics gehörten Pop-Texte mit politischem Inhalt interpretiert wird. Diese Person ist nicht getrennt von mir, sie ist ein Teil zum Alltag. Sind Sie enttäuscht, wie der Gedanke, dass Musik sozivon mir, den ich ergründen will. « I Put a Spell on You» im Original von ale Veränderungen bringen kann, heute verloren gegangen zu sein Screamin’ Jay Hawkins ist anarchistisch und wild. Wie wäre es, wenn scheint? das Lied aus der Perspektive einer Frau gesungen würde? Frauen müsDamals hatten wir wirklich das Gefühl, dass wir Gutes erreichen konnsen sich ja oft mit dem Thema eines untreuen Mannes herumschlagen. ten. Vielleicht war’s naiv, aber wir sangen darüber, und es gab uns HoffNicht, dass Frauen der Untreue und des Hintergehens unfähig wären, nung. Tatsächlich fiel dann ja die Mauer, ganze Diktaturen wurden geaber sehr oft ist es doch der Mann, der sich herumtreibt und die Frau, stürzt, es spielten sich unglaubliche Veränderungen ab. Aber bald war die sagt: hör endlich mit dem Unfug auf! Das ist die Perspektive meiner das alte System durch ein neues ersetzt worden, das dem alten verInterpretation: Hallo, hier setze ich eine Grenze! dächtig ähnlich war. Ich bin von der Politik zutiefst desillusioniert. Aber ich bin voller Bewunderung für die weltweite Bewegung der NichtregieIst es heute für Frauen einfacher geworden, im Musikgeschäft über rungsorganisationen. Da reden die Leute nicht nur, sie tun auch etwas. ihre eigenen Grenzen zu bestimmen? Ich habe enorm Glück mit meinen Plattenlabels. In den USA ist es Blue Zum Titel des Albums – «Nostalgia». Die meisten Lieder auf dem AlNote, in Europa Island. Hier werde ich als Künstlerin respektiert – bis bum stammen aus einer Zeit, an die Sie sich bestimmt nicht erinjetzt jedenfalls. Man hört zu, wenn ich meine Vorstellungen darlege. Zunern können. Wo kommt die Nostalgie ins Spiel? vor habe ich als Künstlerin mein ganzes Leben lang kämpfen müssen. Der Titel ist ein breiter Pinselstrich. Das Wort allein klingt ja schon so Leute abwimmeln, die es besser zu wissen glaubten, die ständig etwas schön. Zudem geht mit dem Wort die Wahrnehmung eines Lebens ohzu nörgeln hatten, die sich wünschten, dass man sich doch etwas gene Gehetze einher. Heute werden wir ja bombardiert mit Neuem, Neumässigter ausdrücke. Es war ein endloser Kampf, nicht nur wegen der em, Neuem. Meine persönliche Nostalgie reicht zurück in die FünfziMusik, auch wegen den Videos, den Präsentationen und all dem andegerjahre. Lustigerweise sind die Bilder in meinem Kopf körnig und ren Kram. In den letzten Jahren aber habe ich mich privilegiert gefühlt, schwarz-weiss: Ich bin ein Kind, wir sind im Nordosten von Schottland, denn inzwischen lassen mir die Plattenfirmen Platz. Ich kann mich entdie Häuserblöcke, wo wir wohnen, der Spielplatz – die Bilder sind sofalten. Darum setzte ich mich auch mit dem Präsidenten von Blue Note fort da, wenn ich daran denke. Zusammen mit den Gerüchen. Zeit ist ins Büro und diskutierte unsere Pläne direkt mit ihm. Früher hätte ich faszinierend. Was ist Zeit? Es ist ein Thema, das wie ein roter Faden das nie getan. Früher musste man sich die wichtigen Leute möglichst durch meine Lieder führt. weit vom Leib halten, sonst stellten sie immer gleich Forderungen. Was ist Ihnen aus den Achtzigerjahren nostalgisch in Erinnerung geWird es für eine Künstlerin einfacher, sich kompromisslos auszublieben? drücken, wenn man älter wird und sich vielleicht weniger Sorgen Um ehrlich zu sein, denke ich selten was die Achtzigerjahre. Es war für über die Konsequenzen macht? mich persönlich eine so intensive Zeit. Was habe ich gemacht? Viel MuEs erfordert immer Mut, kreative Arbeit in die Öffentlichkeit zu stellen. sik, jedes Jahr ein neues Album. Videos. Interviews. Nur nicht den Jede und jeder, die bzw. der den Kopf über die Mauer streckt, riskiert, Schwung verlieren! Es war ein Riesentrip. Dann kamen die Neunziger12

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BILD: REUTERS/MARIO ANZUONI

abgeschossen zu werden. Es ist hart. Manches nimmt man persönlich. Man muss lernen, es aus einer gewissen Distanz zu betrachten, sonst würde man permanent in der Fötus-Stellung im Bett verharren. Man muss sich sagen können: Ja, meine Arbeit ist sehr persönlich – aber gleichzeitig ist sie es auch nicht. Dazu möchte ich eine kleine Anekdote erzählen: Eines Tages wurde ich in den USA in die Talkshow von Charlie Rose eingeladen. Bis dahin waren die meisten Fragen, die ich zu beantworten hatte, vollkommen banal. Immer kam das rote Haar und der Herrenanzug. Oh Gott! Bei Charlie Rose erkannte ich plötzlich, dass es auch anders ging. Ich merkte: Ich hatte tatsächlich etwas zu sagen! Man hatte mir bis dahin nur nicht die entsprechenden Fragen gestellt. Das war ein grosser Aha-Moment. Man muss sich zuerst in eine Position begeben, in der man zeigen kann, wozu man fähig ist, um überhaupt wissen zu können, dass man es tatsächlich kann. Damit ist immer ein Risiko verbunden. Aber es ist wichtig, es auf sich zu nehmen. Sonst schrumpft man ein. Es ist wichtig, ständig zu wachsen, den Geist wach zu halten, auch wenn der Körper alt wird. Neugierig zu bleiben! Mutig zu bleiben! ■

«Nostalgia» ohne Patina Versuche von Popstars, sich am klassischen Liedgut von Frank Sinatra und Konsorten die Zähne auszubeissen, gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Annie Lennox aber ringt dem Konzept tatsächlich ein ungewohnt frisches und auch originelles Album ab. Dies allein schon kraft einer unverwechselbaren Stimme, die europäische Unterkühltheit auf faszinierende Weise mit Soul und jazzigem ‹Cool› zu vereinen mag. Die gewohnte Eleganz einer Lennox-Interpretation vertieft nur die Betroffenheit, die der Song «Strange Fruit» über die Lynchmorde im Süden der USA des 20. Jahrhunderts noch heute verbreitet. Eine verwegene Zeitlupenversion von «I Put a Spell on You» gehört ebenso zu den Highlights wie Hoagy Carmichaels «Memphis in June», Duke Ellington’s «Mood Indigo» und Sammy Fains «I Can Dream, Can’t I?». «Nostalgia» ist alles andere als eine Übung in Patinaüberzogener Nostalgie. (hpk) Annie Lennox, «Nostalgia» (Island/Universal)

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BILD: ZVG

Sag niemals nie: Annie Lennox und Dave Stewart gemeinsam als Eurythmics auf der Bühne (anlässlich einer Jubiläums-Show für die Beatles in Los Angeles, Januar 2014).


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Julian Assange in einem Wagen der Londoner Polizei, Dezember 2010.

Julian Assange «Google ist gross und böse geworden» Seine einstigen Mitstreiter werfen ihm Verrat an ihren Idealen vor, für die US-Regierung ist er ein Terrorist: Wikileaks-Mitgründer Julian Assange, seit zwei Jahren im Asyl in der ecuadorianischen Botschaft in London, hat sich die ganze Welt zum Feind gemacht. Nun legt er sich mit Google an.

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VON KEVIN GOPAL

Seit 2012 hält sich der Australier in der ecuadorianischen Botschaft in London versteckt, um seiner Auslieferung nach Schweden zu entgehen, wo gegen ihn wegen sexueller Delikte ermittelt wird. Assange behauptet, die Anschuldigungen seien ein Komplott, um ihn in die Hände der britischen Polizei zu bringen, die ihn schliesslich nach Amerika schicken werde. Dort könnte er wegen der Manning-Veröffentlichungen wegen Spionage angeklagt werden, ein Verbrechen, auf das in den USA potenziell die Todesstrafe steht. Jetzt, da sein drittes Jahr in der Botschaft beginnt, sagt Assange, das Google-Buch habe dazu gedient, den Einfluss des Technologieriesen bei der US-Regierung zu untermauern. «Google sah sich als Washingtons geopolitischer Visionär, der die Entwicklung der Welt verfolgt und die Daten von Milliarden Menschen über Gmail, Werbung und Suchmaschinen sammelt. Man kann behaupten, dass Google die Frage beantwortete, welchen Weg Amerika als Nächstes einschlagen würde. Google wollte nahe an der Führung sein und suchte die Nähe zu traditionellen US-Machtstrukturen im Aussenministerium und bei den Geheimdiensten. Es möchte einen Sitz im Situation Room, dem Krisenzentrum des Weissen Hauses, weil es zu Recht denkt, dass es Amerika regiert.» Schmidt und Cohen schlussfolgerten in ihrem Google-Buch, es sei «bedauerlich», wenn Organisationen wie Wikileaks die neue Offenheit, die das Internet bietet, ausnutzten. Laut Assange haben die Autoren gar seine Worte falsch wiedergegeben. «When Google Met Wikileaks» ist die Antwort von Staatsfeind Assange und im Grunde eine Niederschrift seines Treffens im Jahr 2011,

«Google sammelt die Daten der ganzen Welt, indem es seine Dienste als Köder verwendet. Dann speichert und katalogisiert es die Informationen und verkauft sie – ziemlich genau so, wie der US-Geheimdienst NSA Daten sammelt und sie der Regierung weitergibt.» Der Mann, der das über eine miserable Telefonleitung sagt, sitzt seit über zwei Jahren in der ecuadorianischen Botschaft in London fest. Julian Assange, Hacker, Journalist und Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks, hat soeben ein Buch veröffentlicht, das die Verstrickungen des Technologieriesen mit dem US-Sicherheitsapparat zum Thema hat. Assanges Buch «When Google Met Wikileaks» will unsere Aufmerksamkeit auf die Verflechtung des Internetkonzerns mit der NSA lenken. «Google wird sehr stark als Teil der Rüstungsindustrie betrachtet – ein grosses Unternehmen mit unverzichtbaren Dienstleistungen, die der Geheimhaltung unterliegen. Das zeigen Verträge, die bis ins Jahr 2002 zurückdatieren.» Assange, der seine Laufbahn im Teenageralter als Hacker begann, legte sich schon immer gerne mit den ganz Grossen an. Die Liste jener, die er als Gesicht von Wikileaks gegen sich aufbrachte, ist lang, doch besonders viel Stoff für Enthüllungen lieferten stets die USA. Weltweit bekannt wurde Wikileaks im Jahr 2010, als es Hunderttausende streng geheime Dokumente des US-Militärs veröffentlichte. Chelsea Manning, die einst Bradley hiess und als IT-Spezialist im Irak diente, hatte die Dokumente an Wikileaks weitergeleitet. Manning wurde in den USA als Verräterin gebrandmarkt und zu einer 35-jährigen Haftstrafe verurteilt. Assange dürfte ein ähnliches Schicksal erwarten, sollte er in die Hände «Verträge zeigen, dass Google als Teil der Rüstungsindustrie beder US-Behörden geraten. Rechtskonservative trachtet wird – ein grosses Unternehmen mit unverzichtbaren Politiker und ihr Sprachrohr, der Sender Fox Dienstleistungen, die der Geheimhaltung unterliegen.» News, forderten mehr oder weniger offen Assanges Hinrichtung. Aber auch Vertreter der das er mit Schmidt, Cohen, Cohens Partner aus einem Thinktank mit BeObama-Regierung machen keinen Hehl daraus, was sie vom Enthülziehungen zum US-Aussenministerium und dem zukünftigen Herausgelungsaktivisten halten: Vizepräsident Biden bezeichnete ihn öffentlich ber des Google-Buches geführt hatte. Letzterer wurde später ebenfalls als «High-Tech-Terroristen». Berater im Aussenministerium. Die Delegation, die er traf, habe «zu einem Teil aus Google und zu drei Teilen aus dem Establishment der USVon Google ins Aussenministerium Aussenpolitik» bestanden, kommentiert Assange. Cohen, der sich wähUm Wikileaks ist es ruhig geworden, Julian Assange hat diese Zeit rend des Arabischen Frühlings mit seinen Kontakten im Nahen Osten genutzt, um ein Buch zu schreiben über seinen grossen Gegner, die USA getroffen hatte, wird von Assange als Googles «Abteilungsleiter für Reund dessen Verbündeten Google. Dass mächtige Unternehmen in zu engimewechsel» beschrieben, der «besessen ist von dieser unbarmherziger Verbindung mit Regierungs- und Sicherheitsbehörden stehen, ist gen Geselligkeit, die Karriere-Generalisten und Rhodes-Stipendiaten an spätestens seit dem britischen Abhörskandal um die Zeitung News of der Eliteuni Oxford gleichermassen befällt». Google-Chef Schmidt seithe World aus dem Murdoch-Imperium ein offenes Geheimnis. Die Zeinerseits sei bereits eine einflussreiche Persönlichkeit, gut eingebettet tung verwendete Technologien, um Menschen auszuspionieren, und dort, wo die «gemässigten, liberalen und imperialistischen Tendenzen in knüpfte vorteilhafte Beziehungen in höchste Regierungskreise. Das gipder politischen Sphäre Amerikas aufeinandertreffen». felte darin, dass der frühere Chefredaktor von News of the World zum Berater von Premierminister David Cameron wurde. Neoliberaler US-Provinzialismus Assange sagt: «Google ist viel schlimmer.» Er hat den Konzern seit «Niemand will zugeben, dass Google gross und böse geworden ist. 2011 im Visier. Damals bekam er Besuch von Google-Chef Eric Schmidt, Aber es ist so», sagt Assange am Telefon. «Nicht dass Schmidt und ander seit 2009 auch Technologieberater von US-Präsident Barack Obama dere Google-Manager böse wären» – im Gegenteil beschreibt er sie im ist. Ebenfalls dabei war Jared Cohen, der Leiter des Thinktanks Google Buch als ziemlich sympathisch. «Aber sie sind Teil eines einzigartigen Ideas, mit dem Google explizit Einfluss nehmen will auf politische, kulneoliberalen US-Provinzialismus, ohne Perspektive für den Rest der turelle und gesellschaftliche Entwicklungen weltweit. Cohen hatte daWelt, der die Ansichten über die Einzigartigkeit der USA nicht teilt.» mals gerade vom US-Aussenministerium zu Google gewechselt. Google liess auf Anfrage verlauten, man werde Assanges Buch nicht Die beiden Google-Manager wollten ein Interview mit Assange für kommentieren. ein Buchprojekt über globale Technologie und politische Macht führen Natürlich hat Assange sich auch mit anderen zerstritten, insbesonund trafen ihn im ländlichen Norfolk, wo er unter Hausarrest stand und dere mit jenen Journalisten, die einst mit ihm zusammenarbeiteten. gegen einen schwedischen Auslieferungsantrag wegen mutmasslicher Ihren Zorn zog er auf sich, als er entschied, diplomatische Depeschen Sexualdelikte ankämpfte. Das Google-Buch mit dem Titel «The New Diunzensiert zu veröffentlichen, die diese Journalisten zuvor bearbeitet gital Age: Reshaping the Future of People, Nations and Business» wurhatten, um die Namen der erwähnten Personen zu schützen. de zwei Jahre später veröffentlicht. Persönlichkeiten wie der ehemalige britische Premierminister Tony Blair und Ex-US-Aussenminister Henry Fortsetzung auf Seite 18 ››› Kissinger unterstützten das Werk. Assanges Segen erhielt es nicht. SURPRISE 336/14

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Surprise Strassensport Die Liga 2014 An den Schweizermeister schaften auf dem Waisenh ausplatz in Bern wurde be rem Spätsommerwetter i wunderbazum ersten Mal um drei verschiedene Cups gesp sten ist aber noch imme iel t. Am wichtigr die ligaübergreifende Fairplay Trophy, die an Frenkendorf ging. Damit die Ba rra cudas ist die Saison 2014 für die Liga beendet. Die Schweizer Surprise-N ati spielt aber vom 19. bis 26. Oktober am Homeles in Chile. Mehr zur Liga un s World Cup d der Nationalmannschaft auf: www.strassensport.ch

Die Resultate Fairplay Trophy Barracudas Frenkendorf Schweizer Meister Cup 1. AFG Boys Basel 2. Djavanan Biel 3. Schahin Planet 13 Basel 4. CSA Teamplayers Aarau 5. Surprise Basel

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Strassensport Cup 1. AVRB Multicolor Basel 2. Team Olten 3. S.S.T. Elim Basel 4. Barracudas Frenkendorf 5. AC Gassechuchi Luzern

Bärn City Cup 1. Sandwürfi Köniz 2. Dragons Basel 3. Bärner Sürprise Abwesend: TASCH Schaffhausen, Schwarzwaldbrasilianer Lörrach, Surprise Züri Lions

AC Gassechuchi Luzern

AFG Boys Basel

AVRB Multicolor Basel

Bärner Sürprise SURPRISE 336/14


Barracudas Frenkendorf

CSA Teamplayers Aarau

Djavanan Biel

S.S.T. Elim Basel

Sandwürfi Köniz

Schahin Planet 13 Basel

Team Olten

Surprise Basel

Surprise Referees

Team Coaches

Strassensport Team und Helfer

Dragons Basel

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BILD: REUTERS/ROBERT GALBRAITH

«Google will einen Sitz im Situation Room.» – Barack Obama und Google-CEO Eric Schmidt im Google Headquarter in Kalifornien, November 2007.

››› Fortsetzung von Seite 15

Das könnte Assanges Meinung nach eine Ereigniskette auslösen: Die USA könnten sich dafür entscheiden, ihn wegen Spionage anzuklagen und Schweden bitten, ihn auszuliefern. Würde er in den USA vor Gericht gestellt und schuldig gesprochen, könnte ihm die Todesstrafe drohen. Der Staatsfeind bleibt zuversichtlich. Er hat den schwedischen Haftbefehl angefochten. Es könnte sein, dass die Ankläger nicht rechtzeitig

2011 gaben fünf Medienunternehmen, die zuvor mit Wikileaks an der Veröffentlichung des herausgegebenen Materials gearbeitet hatten – der britische Guardian, die New York Times, El País, Der Spiegel und Le Monde – in einer Stellungnahme Folgendes bekannt: «Wir bedauern die Entscheidung von Wikileaks, die unbearbeiteten Depeschen aus dem Aussenministerium zu veröffentlichen, da dies Informanten in Gefahr bringen könnte.» «Die Google-Manager sind Teil eines neoliberalen Provinzialismus Assange sagt, er sei seither von seiner harohne Perspektive für den Rest der Welt, der die Ansichten der USA ten Linie, Dokumente auf keinen Fall zu bearnicht teilt.» beiten, abgerückt. Aber: «Man sollte nur redigieren, wenn ein tatsächliches, glaubwürdiges gehandelt hätten. Fraglich ist zudem, ob die neue schwedische MitteRisiko besteht, dass Menschenrechte verletzt werden. Und das ist fast Links-Regierung jemanden an ein Land ausliefert, in dem die Todesnie der Fall.» Er beschuldigt seine ehemaligen Verbündeten, Dokumenstrafe gilt. Julian Assange zweifelt nicht daran, dass er die Botschaft derte aus «politischen Gründen» überarbeitet zu haben. einst verlassen wird: «Es ist klar, dass ich bei dieser diplomatischen Pattsituation gewinnen werde. Das ist unvermeidbar – es ist nur eine Frage «Ich werde gewinnen» der Zeit.» Assange ist in Schweden nicht wegen der ihm vorgeworfenen Sexu■ aldelikte angeklagt worden. Der Haftbefehl nach schwedischem Recht hat lediglich ein Ermittlungsverfahren zum Ziel. Die schwedischen Behörden bestehen darauf, dass Assange sich nach Stockholm begibt. Auch viele andere Beobachter und Kommentatoren sind der Ansicht, dass er sich den Anschuldigungen auf diese Weise stellen sollte. Assange und seine Rechtsberater haben sich bereit erklärt, Vertreter Schwedens in der ecuadorianischen Botschaft zu treffen. Assange werde aber Aus dem Englischen von Julie Mildschlag die Botschaft nicht verlassen, weil die britische Polizei – die derzeit Quelle: The Big Issue in the North/INSP ausserhalb der Botschaft eine kostspielige Wache aufgestellt hat – ihn Buchtipp: «When Google Met Wikileaks» von Julian Assange ist bei OR Books verhaften wird, sobald er dies tut. erschienen. www.orbooks.com

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Genossenschaften Besser wohnen Dörfliche Inseln in der anonymen Stadt sind der urbane Trend der Stunde: Drei genossenschaftliche Grossprojekte in Zürich proben das gemeinschaftliche und ökologische Zusammenleben. Ihre Ideen gehen auf Gesellschaftsutopien aus den Achtzigerjahren zurück.

VON NINA KUNZ

Dies ist nicht jedermanns Sache: Die Soziologin Joelle Zimmerli jedenfalls glaubt nicht, dass sich «alternative» Modelle wie SatellitenWohnungen durchsetzen werden. Zimmerli betreibt das sozialwissenschaftliche Planungsbüro Zimraum in Zürich und erforscht, wie Räume gesellschaftlich genutzt werden können. Die konventionelle Wohnform in den eigenen vier Wänden werde die attraktivste Variante bleiben. «Das hat einerseits damit zu tun, dass wir mit dem Älterwerden immer mehr Eigenheiten entwickeln und die Toleranz geringer wird, sich im privaten Bereich an jemanden anzupassen. Andererseits wird die Welt ‹draussen› komplizierter und wir suchen deshalb einen Rückzugsraum in der privaten Wohnung.» Dem widerspricht Res Keller, Geschäftsleitungsmitglied der Kalkbreite: Es gebe klar einen Trend, sich mit neuen Wohnformen auseinanderzusetzen. Die Wohnbedürfnisse hätten sich verändert, deshalb brauche es innovative Lösungen. Auch in der Kalkbreite gibt es entsprechend Gross-WGs mit bis zu 17 Zimmern.

Nichts lädt dazu ein, an der Station «Kehrichtverbrennung« auszusteigen. Der Stadtteil Leutschenbach in Zürich Nord wirkt leblos und grau. Dunkle Wolken steigen aus dem Turm der Abfallverbrennung auf. Die Strassen sind menschenleer. Dies soll sich bald ändern. Auf dem Hunziker-Areal in Leutschenbach ist eine Genossenschaftssiedlung in Quartierdimension am Entstehen. 1100 Mieterinnen und Mieter werden zwischen Mitte November und Mitte Mai hier einziehen. Auf dem Areal entstehen aber nicht nur Wohnungen, es soll auch Platz für Läden, Restaurants und Arztpraxen haben. Nach einem ähnlichen Prinzip funktioniert die Genossenschaft Kalkbreite im Zürcher Kreis 4, der Sihlbogen in Zürich–Leimbach und verschiedene Projekte der Zürcher Genossenschaft Kraftwerk1. Und auch die Genossenschaft NeNa1 will auf dem Zürcher Hardturm-Areal Wohnen, Leben und Arbeiten zusammenführen. Weitere genossenRolls Royce fahren statt Kaffee trinken schaftliche Grossprojekte gibt es in Winterthur mit dem Mehr-GeneraDas Hunziker-Areal ist demnächst einzugsbereit und in der Kalkbreitionen-Haus Giesserei und in Ostermundigen bei Bern mit der autofreien te ist bereits der Alltag eingekehrt. Bei der jungen Genossenschaft NeSiedlung Oberfeld. Na1 wird es noch einige Zeit dauern, bis es so weit ist. Denn sie hat Sie alle verfolgen das gleiche Ziel: ein gemeinschaftlicheres und ökonoch kein Haus, dafür aber eine Vision. «Zurzeit sind wir eigentlich eilogischeres Zusammenleben. Es geht um mehr als um günstiges Wohne politische Organisation», meint Fred Frohofer, Co-Präsident der Genen. Auf diesen Flächen soll ein Ideal gelebt werden. Dort sollen die Benossenschaft. NeNa1 steht für Neustart Nachbarschaft die Erste. Und wohnerinnen und Bewohner auf das Auto verzichten, lokale Produkte Nachbarschaften sind es, welche die Genossenschaft bauen will. Das konsumieren, den eigenen Energieverbrauch drosseln und freiwillig in Modell geht auf die Gesellschaftsvision «bolo’bolo» zurück, welche der der Genossenschaft anpacken. Autor p.m. in den Achtzigerjahren entworfen hatte. Vereinfacht gesagt Zurzeit verbrauchen Schweizerinnen und Schweizer rund 8000 Watt leben die Menschen darin in Nachbarschaften mit bis zu 800 BewohneEnergie pro Person. Die Wohnfläche pro Kopf hat in den letzten 30 Jahrinnen und Bewohnern. Wichtig dabei ist, dass die Lebensmittelversorren drastisch zugenommen. Während 1980 jeder Person noch 34 Quadratmeter zur Verfügung standen, waren es 2010 bereits 55. Immer mehr Menschen wohDie Genossenschaft «mehr als wohnen» rechnet mit so geringen nen zudem in einem Einpersonenhaushalt. Heizkosten, dass sie keine individuelle Abrechnung machen wird. Das alles hat dazu geführt, dass der individuelle Energieverbrauch massiv gestiegen ist. gung lokal geregelt ist. Die Nachbarschaften kooperieren mit den BauAuf dem Hunziker-Areal wurden die technischen Rahmenbedingungen ern in der Region, sodass die Landwirtschaft angekurbelt und der Konfür eine 2000-Watt-Gesellschaft geschaffen. Die zuständige Genossensum in der Stadt nachhaltiger wird. «Alles, was Hans Widmer, der Mann schaft «mehr als wohnen» rechnet mit so geringen Heizkosten in den hinter dem Pseudonym p.m., in ‹bolo’bolo› beschreibt, gibt es irgendmodern isolierten Häusern, dass sie keine individuelle Heizkostenawo. Seine Leistung war es, diese Elemente in eine gesamtheitliche Idee brechnung machen wird. In der Öko-Genossenschaft wird jedoch nicht einzufügen», sagt Frohofer. Widmer ist heute selbst im Vorstand von Nenur mit energiesparenden Bauweisen experimentiert. Wer nicht in einer Na1 und setzt sich für die Umsetzung seiner literarischen Vorlage ein. Single- oder Familienwohnung leben möchte, kann auch in eine Satelli«NeNa1 ist kein Gschpürschmi-Betrieb», sagt Frohofer. «Es ist uns ten-Wohnung einziehen. Es handelt sich dabei um Gross-WGs, in denen egal, was die Leute hinter geschlossener Tür machen. Es geht uns um man eine private Wohneinheit mit Zimmer, Bad und Teeküche hat, den Nutzwert.» Der Fokus von NeNa1 liegt auf der Nahrungsmittelverwährend Ess- und Wohnbereich mit bis zu elf anderen Personen geteilt sorgung. «Wenn wir weiterhin so verschwenderisch mit Lebensmitteln werden. SURPRISE 336/14

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BILD: VOLKER SCHOPP

Gemeinschaftlich wohnen in der City: Die Genossenschaft Kalkbreite in Zürich (Visualisierung).

umgehen, haben wir in ein paar Jahren ein echtes Versorgungsproblem», warnt er. Die Zusammenarbeit mit lokalen Bauern komme der Knappheit zuvor. Dazu koste das Leben in einer Nachbarschaft weniger. Denn wer ein Zeitungsabo teilt, wenig Wohnraum einnimmt und Gemüse von Bauern kauft, spart Geld. «Wenn man teilt, kann man in Qualität investieren», findet Frohofer. So könne er sich beispielsweise vorstellen, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner einer Nachbarschaft einen Rolls Royce teilen: ein teueres, dafür ein nachhaltiges Auto. Frohofer glaubt nicht, dass es sich beim aktuellen Trend zu gemeinschaftlichem und ökologischem Wohnen in Grosssiedlungen um ein vorübergehendes Phänomen handelt: «Nein, das ist keine Modeerscheinung, das ist ein Aufwachen.» Seit 2012 baut die Genossenschaft «mehr als wohnen» auf dem Hunziker-Areal. Für 185 Millionen Franken wird ein ganzer Quartierteil aus dem Boden gestampft. Auf dem 40 000 Quadratmeter grossen Areal werden Geschäfte einziehen, die «etwas mit dem Thema zu tun haben», sagt Hans Conrad Daeniker, Informationsbeauftragter von «mehr als wohnen». Wenn möglich beispielsweise ein Bio-Laden oder ein «Veloflicker». Letzterer wird einiges zu tun haben, denn wer in der Genossenschaft wohnen will, muss sich vertraglich verpflichten, auf das Auto zu verzichten. Daeniker erwartet, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner auch in ihrem Alltag ökologisch verhalten werden. «Wir glauben, dass ein solches Projekt vor allem Leute anzieht, die ein gewisses Gefühl dafür haben, was nachhaltig ist und was nicht.» Doch er fügt hinzu: «Aber wir haben natürlich keinen Einfluss darauf, ob die Leute in den Ferien in der Welt herumjetten oder den Zug nehmen.» Und er räumt ein, dass es sich bei Projekten wie dem Hunziker-Areal «nicht um ein Massenphänomen handelt». Als Bewohner eines reichen Landes

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könnten es sich viele leisten, den Lebensstil frei zu wählen: «Umso schöner ist es, wenn es Menschen gibt, die nicht nur ihr individuelles Glück suchen, sondern versuchen, ihr Leben so zu führen, dass es nicht auf Kosten nachfolgender Generationen geht.» Das klingt nach einer gut situierten links-grünen Elite als Zielpublikum – doch auf dem Hunziker-Areal soll explizit eine breite Durchmischung erreicht werden. So ist ein Fünftel der Wohnungen für Menschen reserviert, die Anspruch auf städtische Wohnunterstützungsgelder haben. Die Besetzer haben vorgespurt Bei allem guten Willen hat der Genossenschaftsboom auch seine eigene Ironie: Auf dem Kalkbreite-Areal waren früher die Besetzer des VBZ-Gebäudes, die mit radikaleren Visionen vom Zusammenleben einen Raum in der Stadt für sich beanspruchten. Jetzt sind sie weg und eine für die Stadt willkommene Lösung da. Auch auf dem HunzikerAreal war vorher ein Wagenplatz, der weichen musste. Und das Prinzip der Hallenwohnungen und der selbstgebauten Zwischenwände, das die Kalkbreite benutzt, stammt aus der besetzten Labitzke-Fabrik – die ebenfalls mittlerweile geräumt wurde. Ob sich in den neuen urbanen Grossprojekten der Traum vom gemeinschaftlichen Wohnen im Einklang mit der Natur verwirklichen wird, muss sich noch zeigen. Auch ist die Frage offen, wie lange es dauert, bis aus der heutigen Grossbaustelle Hunziker-Areal ein lebendiger Quartierteil entstanden sein wird. Die Weichen sind jedenfalls gestellt: Bald wird die Station vor dem Areal «Genossenschaftsweg» heissen. Und das klingt doch schon einladender als «Kehrichtverbrennung». ■ Buch: P. M.: «bolo’bolo», Paranoia City Verlag, 200 Seiten, 8. Aufl. (1995), ca. 15 CHF. SURPRISE 336/14


Genossenschaften «Wir sehen uns in der Agglomeration wieder» Mischa Brutschin ist der Chronist der Zürcher Hausbesetzerszene: Seine achtstündige Videodokumentation «Allein machen sie dich ein» zeigt auf, wie der Kampf um autonome Räume in Zürich zwischen 1979 und 1995 verlief. Brutschin, selber ehemaliger Aktivist der Häuserbewegung, sieht in den Genossenschaftssiedlungen «kleine Reservate», die an der Verdrängung grosser Bevölkerungsschichten nichts ändern werden.

INTERVIEW: NINA KUNZ

In Zürich wird an allen Ecken gebaut. Ganze Quartiere verändern sich in wenigen Jahren komplett. Wohin führt diese Entwicklung? Zürich gehört zu den 25 grössten Global Cities weltweit. Grundsätzlich kann man in allen diesen Metropolen eine ähnliche Dynamik beobachten: Die Immobilienpreise schnellen nach oben, nur noch gut situierte Leute können es sich leisten, in der Stadt zu wohnen, die restliche Bevölkerung wird vertrieben. Übrig bleibt ein aufgewerteter, lebloser Raum. Genossenschaften wollen genau dies verhindern, indem sie günstigen Wohnraum zur Verfügung stellen. Wirken Projekte wie die Kalkbreite nicht der Aufwertung entgegen? Nein, sie profitieren von der städtischen Befriedungspolitik. Wohnprojekte wie die Kalkbreite stellen kleine Reservate dar, in denen die Auswirkungen der Gentrifizierung weniger stark spürbar sind. Linke Wohnprojekte wie die Kalkbreite sind eher Ausdruck davon, dass älter werdende Aktivistinnen und Aktivisten versuchen, wenigstens einen kleinen Rest ihrer Träume umzusetzen. Aber am grundsätzlichen Problem der Verdrängung ganzer Bevölkerungsschichten in die Agglomeration ändert sich nichts. Die Genossenschaft Kalkbreite ist für Menschen aus allen sozialen Schichten da. Die Mieten sind günstig und es wird darauf geachtet, dass die Bewohnerschaft gemischt ist. Das ist doch keine Verdrängung. Projekte wie die Kalkbreite sind Pläne von einheimischen Menschen, die gut vernetzt sind und die Möglichkeit haben, gut bezahlte Arbeit in dem Masse anzunehmen, wie es ihnen passt. Das Leitbild spricht nur einen kleinen Teil der von der Vertreibung bedrohten Quartierbevölkerung an. Deshalb würde ich nicht sagen, dass die Kalkbreite für alle da ist. An der Kalkbreite stand sieben Jahre lang ein besetztes Haus. Jetzt steht an gleicher Stelle eine Genossenschaft, welche die Möglichkeit bietet, in alternativen Wohnformen zu leben. Finden Sie dies ironisch? Eher zynisch. Die Genossenschaft erhielt meiner Meinung nach den Zuschlag, weil damit ein reibungsloser Übergang von der Besetzung zum Nachfolgeprojekt möglich wurde. Wäre eine Bank hingestellt worden, wäre der Protest viel grösser gewesen. Aber das darf nicht der Genossenschaft angekreidet werden, sondern ist Teil der Politik der rot-grünen Stadtregierung. Sie stellt schliesslich die Weichen dazu, was in Zürich gebaut wird. Wären die Bürgerlichen an der Macht, würde sich RotGrün gegen diese Entwicklung wehren. SURPRISE 336/14

Woraus schliessen Sie das? Die rot-grüne Regierung sucht Kompromisse, weil sie an der Macht ist und dort bleiben will. Als Ausgleich zu den teuren Glaspalästen werden Besetzungen geduldet und Genossenschaftsprojekte gefördert. Unter dem rot-grünen Stadtrat wurde der Umbau Zürichs zur Global City massiv vorangetrieben. Wäre eine bürgerliche Regierung also besser für den Kampf gegen die Aufwertung? Nein, aber der linke Widerstand ist schwächer unter einer rot-grünen Regierung. Sagen wir es so: Ich wünsche mir eine frechere rot-grüne Politik, die sich nicht nur darauf beschränkt, die Folgen der Vertreibung zu mildern und die Interessen ihrer Wählerinnen und Wähler so gut als möglich zu wahren. Hat sich der Kampf um Raum in der Stadt seit den Achtzigerjahren verändert? Im Grunde nicht. Besetzte Häuser wurden seit dem Sommer 89 geduldet – es gibt keine Räumung und keinen Abriss auf Vorrat –, aber mehr nicht. Spannend ist jedoch, dass in den letzten Jahren neue Allianzen geschmiedet wurden. Es ist ein globales Phänomen, dass sich Gruppierungen zusammenschliessen und fragen: Wem gehört die Stadt? Hier steht diese Bewegung noch in den Anfängen. Vertreterinnen aus linken, bürgerlichen und kirchlichen Kreisen und der Häuserbewegung setzen sich unter dem Namen «Wem gehört Zürich?» wieder zusammen und schauen, welche gemeinsamen Perspektiven bestehen. Was ist denn die Lösung für das Aufwertungsproblem? Diese Frage habe ich mir auch immer wieder gestellt. Der Ansatz, den die IG Kreis 5 Ende der Achtzigerjahre hatte, hat auch heute noch Gültigkeit: Baustopp! Wir haben schon zu viele Orte verloren. Man müsste alle Projekte sistieren und die Planung auf Quartierebene verlegen, unter Mitbeteiligung der Bewohner. Die Bevölkerung soll mitdiskutieren und sich nicht von Multis überrumpeln lassen. Sollen die Unternehmen doch wegziehen. Entweder müssen sie gehen oder wir. Haben Menschen, die alternativ leben oder nicht zur privilegierten Schicht gehören, in Zukunft noch einen Platz im urbanen Raum? Wenn es so weitergeht, nur in vereinzelten Reservaten. Ich denke, wir werden uns alle in der Agglomeration wieder sehen. Wir müssten uns seit Jahren dagegen wehren, vertrieben zu werden. Stattdessen geniessen wir die Zeit, die uns in den besetzten Räumen bleibt und hoffen darauf, danach eine andere Nische zu finden. Oder wir bauen Utopia in unseren eigenen vier Wänden. ■ DVD: Mischa Brutschin: «Allein machen sie dich ein». www.zureich.ch

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BILD: KARIN GAUCH UND FABIEN SCHWARTZ

Auf den Einzelnen kommts an: Der Hunzikerplatz in der autofreien Genossenschaft «mehr als wohnen» (Visualisierung).

Genossenschaften Ökologisch wohnen reicht nicht Auch bei der neuen Grosssiedlung auf dem Hunziker-Areal in Zürich-Oerlikon ist Nachhaltigkeit ein zentrales Ziel. Die dahinterstehende Genossenschaft «mehr als wohnen» hat eine Studie zur Energiebilanz der künftigen Bewohner erstellen lassen. Sie zeigt auf: Es braucht mehr als gut isolierte Häuser und den Verzicht aufs Auto. Viel mehr. Die Genossenschaft «mehr als wohnen» (maw) hat sich beim Bau der Siedlung auf dem Hunziker-Areal den Zielen der 2000-Watt-Gesellschaft verschrieben, wie sie von der ETH Zürich entwickelt und 2008 vom Stadtzürcher Stimmvolk als Ziel beschlossen wurden. Die Vision der 2000-Watt-Gesellschaft basiert auf dem Gerechtigkeitsgedanken und hat deshalb zum Ziel, dass auch die Bewohner des reichen Zürich nur so viel Energie nutzen, wie im Durchschnitt aller Weltbewohner umweltund klimaverträglich wäre. Dazu kommt das Ziel von maximal einer Tonne CO2-Ausstoss pro Weltbürger jährlich, weil davon ausgegangen wird, dass damit die Klimaerwärmung nicht über zwei Grad steigt. Ob alle Menschen 2000 Watt (wie in der Schweiz im Jahr 1960 im Durch-

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schnitt der Fall war) Energie verbrauchen dürfen, ist allerdings heute bereits umstritten – neuere Berechnungen kommen auf nur 1000 Watt nachhaltiger Energieverbrauch pro Erdenbürger. Der selbständige Umweltberater und Zürcher Gemeinderat Matthias Probst hat im Auftrag von maw den Energieverbrauch und den CO2-Ausstoss der künftigen Hunziker-Areal-Bewohnerinnen berechnet und mit dem zürcherischen und schweizerischen Durchschnitt verglichen. Sein Fazit: Die klimaschädigende Wirkung des Bereichs Wohnen ist auf dem Hunziker-Areal tatsächlich massiv reduziert. Damit ist es aber längst nicht getan: Um die Ziele der 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen, muss der Energieverbrauch auch auf individueller Ebene massiv gesenkt SURPRISE 336/14


werden. Die dazu nötigen Massnahmen gehen vom Verzicht aufs Fliegen über die Konzentration auf eine fleischarme Ernährung aus lokaler Bio-Produktion bis zu einer allgemeinen Zurückhaltung beim Konsum. Dieser Bereich liege in der Verantwortung jedes und jeder Einzelnen, so Probst, aber nicht nur: So könne die Genossenschaft Anreize bieten, indem sie in der Siedlung Angebote wie Bio-Läden und Tauschbörsen macht, die Politik könne das Verhalten über den Preis steuern, zum Beispiel über eine Rohstoffsteuer, die den Energieverbrauch und den CO2Ausstoss verteuert. Matthias Probsts Fazit: Für einen durchschnittlichen Energieverbrauch von 2000 Watt sind grosse Umstellungen nötig, ein CO2-Ausstoss unter einer Tonne ist hierzulande überhaupt nur zu erreichen, wenn man Kompensationsleistungen in die Bilanz miteinrechnet. Was eine

1000-Watt-Gesellschaft konkret bedeuten würde, rechnete auch Alex Schubert, Stadtplaner und Mitglied der Energielabel-Kommission, in der WoZ vom 9. Oktober vor: zwanzig Quadratmeter Wohnraum, neun Kilometer Bahnfahrt pro Tag, kein Auto, keine Flugreisen und pro Jahr noch eine Bahnreise von 2000 Kilometern, eine Schiffsreise von 12 000 Kilometern und 18 Kilo Fleisch sowie eine Zeitung pro zehn Bewohner. (fer) ■

Energieverbrauch Wohnen

Gesamt-Energieverbrauch

Watt pro Person

Watt pro Person

2500

Die Zahlen wurden von Matthias Probst (Umweltberatungsbüro «Nachhaltigkeit konkret», Zürich) zur Verfügung gestellt. Die ganze Studie zur Energiebilanz auf dem Hunziker-Areal wird demnächst auf www.wbg-zh.ch publiziert.

9000 8000

2000

7000 6000

1500 5000 4000 1000 3000 2000-Watt-Gesellschaft

2000

500

1000 0

0 mehr als wohnen

Strom Haushaltsgeräte

Strom Gebäude (Heizen, Warmwasser, Lift usw.)

Zürich

mehr als wohnen

Schweiz

Holz (Heizen und Warmwasser)

Öl (Heizen und Warmwasser)

Gas (Heizen und Warmwasser)

Graue Energie Gebäude

Wohnen

Zürich

Mobilität

Material

Ernährung

Gesundheit, Freizeit und Kultur

CO2-Ausstoss Wohnen

Gesamt-CO2-Ausstoss

Kilogramm CO2-Äquivalent* pro Person und Jahr

Kilogramm CO2-Äquivalent* pro Person und Jahr

Schweiz

14 000

2500

12 000 2000 10 000 1500

8000 6000

1000

4000 500 2000

1 Tonne CO2 pro Person

0

0 mehr als wohnen

Strom Haushaltsgeräte

Strom Gebäude (Heizen, Warmwasser, Lift usw.)

Zürich

Schweiz

Holz (Heizen und Warmwasser)

Öl (Heizen und Warmwasser)

Gas (Heizen und Warmwasser)

Graue Energie Gebäude

mehr als wohnen

Wohnen

Zürich

Mobilität

Material

Ernährung

Gesundheit, Freizeit und Kultur

Schweiz

* CO2-Ausstoss inkl. weiterer klimaschädigender Stoffe wie Methan, auf die Wirkung von CO2 heruntergerechnet. SURPRISE 336/14

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BILD: ZVG

Fremd für Deutschsprachige Woher? Sich mit Namen vorzustellen ist etwas vom Ersten, das man beim Erwerb einer Fremdsprache lernt. Was man dagegen nicht lernt, ist der Umgang mit den Folgen dieser Enthüllung. Denn auf den Namen, besonders den fremdartigen, wird man tagtäglich festgenagelt. Kaum hat man die jeweilige Lautfolge aufgesagt, denkt das Gegenüber halt, es habe einen Heinz, eine Isabelle, einen Kevin, eine Sembaruthi usw. vor sich – was auch immer es meint, dass ein Heinz, eine Isabelle, ein Kevin oder eine Sembaruthi seien. Es wäre zuweilen vielleicht weiser, den Leuten seinen Namen vorzuenthalten. Denn er kann, wie uns das Märchen vom Rumpelstilzchen zeigt, zur mächtigen Zauberformel werden, um das Fremde und Bedrohliche zu bannen. Oder selbiges erst zu erschaffen. Denn Fremdheit, wenn man ihre

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Spuren nicht schon auf der Haut, am Kopftuch oder sonstwie für jeden sichtbar auf sich trägt, beginnt mit dem Namen. Er gibt die eigene Andersartigkeit preis oder gibt sie zumindest vor und stellt einen immer und immer wieder vor ein zwar meist mitnichten böse urteilendes, aber doch: Gericht. Vor diesem Gericht soll die betreffende Person Rechenschaft ablegen für ihren fremden Namen und ihren Ursprung erklären – denn eins ist klar, wenn man mit diesem Namen auch hier lebt, herkommen muss man damit von woanders. Und was freundliche Neugier, Interesse am Kunden oder kommunikative Notwehr zur Vermeidung des Wetterthemas war, wird Teil der täglichen Fremderhaltung. Und auf die Dauer zu viel. Woher kommen Sie, wenn ich fragen darf? Woher kommt dein Name? Woher kommst du ursprünglich? Woher kommt deine Familie eigentlich? Was ist das für ein Name? Aus welcher Sprache kommt dieser Name? Wie sind deine Eltern auf diesen Namen gekommen? Ein interessanter Name. Welche Sprache ist das? Ist das ein Schweizer Name? Das ist aber kein typisch schweizerischer Name. Das ist aber kein sehr häufiger Name in der Schweiz, nicht? Diesen Namen habe ich noch nie gehört.

Diesen Namen hört man nicht jeden Tag. So heisst nicht jeder. Sie haben einen so klangvollen Namen … ? Oder auch schon: Ist das ein Bündner Name? Es ist wohl auch eine Frage des Alters. Als ich noch jünger war, gab ich stets freundlich Auskunft, genoss die Aufmerksamkeit auch und war wild entschlossen, zur Völkerverständigung beizutragen. Doch heute sage ich mein Antwortsätzchen zunehmend erschöpft, lustlos, widerwillig auf. Nachdem ich in den letzten zwei Tagen von der Ticketverkäuferin im Hallenbad, der zufälligen netten Bekanntschaft vor dem Unigebäude und der Frau am Bibliothekstresen innerhalb der ersten Gesprächsminute gefragt wurde, was es mit meinem Namen auf sich habe, merkte ich, dass meine Offenheit allmählich zur Neige geht. So möchte ich etwa in der Bibliothek immer häufiger einfach ein Buch ausleihen, statt über meine Familiengeschichte zu berichten. Ich kann jedenfalls mittlerweile gut nachvollziehen, warum der wilde Fremde aus dem Märchen einst in den Wald hineinrief: Ach wie gut, dass niemand weiss, dass ich Rumpelstilzchen heiss! SHPRESA JASHARI (SHPRESAJASHARI@HOTMAIL.COM) ILLUSTRATION: RAHEL NICOLE EISENRING (RAHELEISENRING.CH) SURPRISE 336/14


Mark Lanegan Einsamer Wolf im Schafspelz Mark Lanegan ist eine der grossen Stimmen unserer Zeit. Ob krachend rockig oder herbstlich sanft – in seiner Kehle herrscht immer der Blues.

Mark Lanegan ist kein Mann der vielen Worte. Am Abend vorher hat er im Londoner South Bank Centre ein Konzert gegeben. Begleitet bloss von einem Gitarristen stand er auf der kaum beleuchteten Bühne. Hager wie eine Bohnenstange, Lesebrille auf der Nase und ganz in Schwarz gekleidet stand er eine Stunde lang bewegungslos vor dem Mikrofon und sang. Sang mit einer Stimme, die eine Naturgewalt ist: ein whiskygetränkter Bariton, dem es im Blues im Stil eines Howlin’ Wolf genauso wohl ist wie in melancholischen, urtümlich englischen Folk-Balladen. Jetzt sitzt er in der Hotel-Lobby, pergamentbleiche Haut, das rote Haar fällt ihm strähnig über die Schultern, auf der Nase sitzt nun eine Sonnenbrille. Jet-lagged sei er, sagt er, vorgestern ist er angekommen, gestern Abend das Konzert – morgen geht’s zurück nach Kalifornien: «Ich liebe Tourneen», sagt er: «Konzerte gehören zu meinen liebsten Dingen in diesem Leben.» Wenn er schon in London ist, will er auch noch zwei, drei Interviews zum neuen Album geben. «Phantom Radio» heisst es. Wie erklärt er den Titel? «Naja, wissen Sie, ich gebe mir Mühe, Titel zu finden, die zu den Liedern passen. Schliesslich muss ein Album einen Titel haben. Diesmal ist mir halt irgendwie ‹Phantom Radio› eingefallen. Er scheint zu passen. Mehr steckt nicht dahinter.» Rockfans kennen die unverkennbare Stimme des Mark Lanegan vielleicht von den Queens of the Stone Age her. Seit «Rated R», erschienen 2000, taucht er immer wieder auf ihren Alben auf. Grunge-Fans wiederum mögen sich an die Screaming Trees aus Seattle erinnern, mit denen Lanegan im Jahr 1985 als 20Jähriger erstmals an die Öffentlichkeit trat. Die Screaming Trees wurden zwar schon aus geografischen Gründen der Grunge-Welle zugeordnet, aber ihre feiste Rockmusik zehrte auch von psychedelischen und folkigen Einflüssen (ihre Alben «Sweet Oblivion» und «Dust» sind verkannte Klassiker!). Traditionelle Folk- und Bluesklänge lagen damals weit weg vom Zeitgeist, der gerade im Techno und Trip-Hop schwelgte. Das kümmerte Lanegan nie: So nahm er mit Nirvana-Sänger Kurt Cobain ein SURPRISE 336/14

BILD: ZVG

VON HANSPETER KÜNZLER

«Etwas weicher und hübscher»: Mark Lanegan 2014.

Album mit Cover-Versionen von Liedern des amerikanischen Folk-Pioniers Leadbelly auf – es ist nie erschienen. Dafür entwuchs dem Projekt 1990 sein erstes Solo-Album. «The Winding Sheet» war karg instrumentiert und hätte gut in einen Folk-Klub gepasst, wenn Folkies sich mit den Randexistenzen der Rockszene hätten anfreunden können. «Im Folk und im Blues gibt es Akkordfolgen, die uns instinktiv an leere Landschaften und unerklärliches Wetter erinnern», sagt Lanegan. «Ich glaube, es schlägt eine Brücke in unser Unterbewusstsein und in die Erinnerungen darin.» Eine Randexistenz war Lanegan damals in mehrfacher Hinsicht. Die Screaming Trees schafften nie recht den Durchbruch, denn sie passten ebenso wenig in die Schablonen der Trends wie Lanegans düstere Solo-Alben, von denen «Whiskey for the Holy Ghost» (1994) ein grandioses, frühes Highlight ist. Dazu kämpfte der Künstler, wie so viele in seinem Umfeld, gegen Probleme mit Heroin und Alkohol. Gegen das Ende der Dekade hin bekam er diese endlich in den Griff, nicht zuletzt dadurch, dass er sich in die Arbeit stürzte. Immer wieder teilte er sich nun das Studio mit ande-

ren Stimmen: Drei Alben entstanden mit der schottischen Sängerin Isobel Campbell, drei weitere mit dem englischen Multi-Instrumentalisten Duke Garwood, an der Seite von Afghan-Whigs-Sänger Gregg Dulli formierte er the Gutter Twins, dazu trat er mit der englischen Band Soulsavers auf. Dazwischen erschienen seine Solo-Alben. Der Weg, der mit akustischen Düsterkeitsoden begann, hat über das brachiale «Bubblegum» (2004) mit «Phantom Radio» nun zu einer subtilen Melange aus Rock, Blues und Elektronik geführt, in welcher der Dichter Robert Lowell als Einfluss ebenso zu spüren ist wie die Krautrock-Bands Can, Cluster und Harmonia. «Mit ‹Bubblegum› begann ich, Synthesizer und Drum-Maschines zu gebrauchen», sagt Lanegan. «Das war noch ziemlich laut. Diesmal strebte ich einen schöneren Sound an. Weniger harsch. So stand mir halt der Kopf. Darum ist das Album etwas weicher und hübscher herausgekommen.» ■

Mark Lanegan Band: «Phantom Radio» (PIAS/Musikvertrieb)

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BILD: ALEKSANDRA DOMANOVIC´, FROM YU TO ME, 2013, HD-VIDEO, 35'

BILD: ZVG

Kultur

Chancenlose Sprachgebilde: zum Beispiel Restalkohollegasthenie.

Natur und Technik: Wohl bekomm’s!

Buch Wortblütenlese

Ausstellung Als die Netzkunst jung war

Ein schmaler Duden-Ableger listet kuriose Vorschläge auf, die es zwar nie in den Duden schaffen werden, aber zu schade für die Schublade sind.

Es war einmal, da wurden niedliche Computergrafiken geboren und die Rave-Kultur feierte die elektronische Trance: In Langenthal ist zu sehen, was mit der Kunst seither geschah.

VON CHRISTOPHER ZIMMER

VON DEBORAH RENTSCH

Der Duden, 1880 zum ersten Mal veröffentlicht, galt lange als Bibel der deutschen Rechtschreibung. Bis ihn die Rechtschreibreform 1996 vom Sockel stiess. Seitdem hat jeder einen Freipass, zu schreiben, wie ihm die Feder gewachsen ist, und der Duden spricht notgedrungen meist nur Empfehlungen aus. 140 000 Wörter sind in der aktuellen Ausgabe aufgelistet, rund zehn Millionen stecken in den Computerarchiven der Duden-Redaktion. Welche es in den Duden schaffen, unterliegt einer strengen Auswahl. Schlechte Karten haben Fachausdrücke, kurzlebige Kreationen und Sprachspielereien. Geadelt werden dagegen Wörter, die sich im Sprachgebrauch durchgesetzt haben – unterm Strich entscheidet also die Quote. Da sich dabei für manche Kritiker zu viele Anglizismen eingenistet haben, wurde der Duden 2013 zum «Sprachpanscher des Jahres» gewählt. Was diesem nicht wirklich gerecht wird, da er Wörter ja nicht panscht, sondern den Wortschatz nur der Realität anpasst. Ein Standardwerk, das so im Rampenlicht steht, zieht allerlei Sprachinteressierte, aber auch Sonderlinge an, darunter wahre Einsteins im Wortschöpfen. Täglich trudelt Post bei der Duden-Redaktion ein, mit Vorschlägen, die zwar chancenlos sind, aber teilweise zu schade für die Schublade. Ein schmales Büchlein würdigt eine Auswahl nun separat, sodass manche auf Umwegen zu Ehren kommen. Das beginnt flott kommunikativ mit dem Anrufaufnehmer (der ja nichts beantwortet) und dem Neo-Verb appsen (von App), ein Herr aus V. wünscht sich Carnetarier an die Seite der Vegetarier, eine Frau aus O. will den Begriff dummcool einführen, gendertauglich wird der Hebammer verlangt, die Zigarette soll Lungenbrötchen heissen (offenriechlich!), und ein Spassvogel empfiehlt die Restalkohollegasthenie – das muss man sich mal auf der lallenden Zunge zergehen lassen! Die Lektüre des Miniatur-Dudens macht Spass, die Kommentare der Dudenredaktion sind sorgfältig und erhellend. Da tut sich neben dem Vergnügen noch ein lehrreicher Blick hinter die Kulissen der Wortwächter auf.

Ein kleines Flugzeug zieht über den Bildschirm. An dessen Heck flattert ein Banner mit der Aufschrift «Welcome». Diese Szenerie wird von ebenso lustiger wie nerviger Musik untermalt. Bewegte Grafiken wie diese waren früher beliebt, damit wollte man die eigene Webseite aufpeppen. Diese Tatsache haben sich Olia Lialina und Dragan Espenschied in ihrer Installation «Skywriting» zu eigen gemacht. Sie verbindet Internetseiten miteinander, die von Amateuren erstellt wurden – mit farbigen Hintergründen, animierten Figürchen und allerlei Liedern. Fast könnte man sagen: Es war so etwas wie der Anfang der Kunst im Internet. Insgesamt 23 Kunstschaffende haben sich für die Ausstellung «Megarave» verschiedener Seiten des Webs angenommen. Die Werke zeigen ästhetische, technische und auch kommerzielle Aspekte, die heute aktuell sind. Die Schau eignet sich nicht nur für Computerfreaks: «Die Ausstellung ist für ein breites Publikum gemacht», sagt Raffael Dörig, Leiter des Kunsthauses Langenthal. Zumal das Internet mittlerweile ein fester Bestandteil des Alltags geworden ist. Vor 20 Jahren war das noch anders – da kannten sich erst wenige mit dem Web aus. 1994 kam Netscape Navigator 1.0, ein Computerprogramm zur Darstellung von Webseiten, auf den Markt. Das World Wide Web wurde immer populärer. Auch Künstlern bot diese Entwicklung neue Optionen. «Das Netz kann ein Medium für die Kunst sein», sagt Dörig. Das Internet gab Künstlerinnen und Künstlern die Chance, den Betrachter direkt und ausserhalb der Kunsthierarchie zu erreichen. Eine, die diesen Prozess mit vorantrieb, war Barbara Strebel. Die Basler Netzkunstpionierin gründete 1994 «THEswissTHING», den Schweizer Knoten des internationalen Kunstnetzwerks «The Thing». Strebel zeigte damit auf, wie Künstler das Internet für ihre Zwecke nutzen können. Broschüren, Anleitungen und Notizen aus ihrem Archiv sind in der Ausstellung zu sehen. Diese beweisen, dass der heute so ungezwungene Umgang mit dem Internet nicht seit je selbstverständlich ist, sondern erst erarbeitet werden musste. Nicht zuletzt zeigen die Exponate aber auch auf, wie schnell sich die Welt des Internets dreht.

Wörter, die es vermutlich nie in den Duden schaffen werden.

«Megarave», Mo bis Fr 14 bis 17 Uhr, Sa und So 10 bis 17 Uhr, Kunsthaus Langen-

Kuriose Wortvorschläge an die Dudenredaktion. Dudenverlag 2014. 7.90 CHF.

thal, Marktgasse 13, Langenthal, noch bis So, 16. November. www.kunsthauslangenthal.ch

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SURPRISE 336/14


BILD: ISTOCKPHOTO

Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Sorgen für gute Laune: Marroni im Zuckermantel.

Piatto forte Betörende Nuss Bevor die Kartoffel in unsere Speisekammer kam, war die Kastanie vorrangiges Nahrungsmittel der Armen. Mit etwas Zuckersirup wird daraus aber ein Piatto forte. VON TOM WIEDERKEHR

Die Kastanie – oder Marroni, wie sie in der Schweiz genannt wird – ist ein Buchengewächs und ihre stärkehaltige Frucht also eine Nuss. Roh ist diese edle Nuss nur schwer geniessbar. Sie hat einen sehr hohen Anteil an Gerbsäuren und schmeckt ziemlich bitter. Sie wird daher fast immer gekocht genossen. Am häufigsten – und das nicht nur bei uns – als über glühenden Kohlen geröstete «Heissi Marroni». Oder im Wasser gekocht, leicht gezuckert und anschliessend püriert als Vermicelles. Dazu wären im Übrigen die Baisers aus der vorletzten Kolumne eine wunderbare Ergänzung (siehe Website unten, Nr. 332). Überhaupt hat sich diese Nuss vom sattmachenden Grundnahrungsmittel zu einer fast schon frivolen Spezialität entwickelt: Sie wird als Begleitung zu Rebhühnern und anderen Wildspezialitäten serviert oder es werden Gänsebraten damit gefüllt. Und mit etwas Geduld wird diese Nuss zu einem edlen Konfekt, welches in den besten Confiserien als Marrons glacés verkauft wird. Man kann sie aber auch selber machen. Dazu die Kastanien waschen, in Wasser kurz aufkochen und dann die äusserste harte Schale entfernen. Danach die Kastanien in viel Wasser aufsetzen, bis zum Siedepunkt erhitzen und ziehen lassen. Das Wasser darf nicht kochen. Nach 60 bis 90 Minuten sollten die Kastanien mit einer Nadel leicht durchzustechen sein. Jetzt sorgfältig alle braunen Häutchen abziehen, ohne die Kastanien zu zerbrechen. Danach aus einem Liter Wasser, einem Kilo Zucker und einer aufgeschlitzten Vanillestange einen Zuckersirup aufsetzen. Die Kastanien auf einem Siebboden (z.B. vom Dampfkochtopf) in den Sirup setzen und so lange darin ziehen lassen, bis der Sirup dicklich eingekocht ist und die Kastanien von einer Zuckerschicht umhüllt sind. Die Nüsse einzeln herausnehmen und auf eine leicht geölte Tortenplatte oder Pergamentpapier setzen und die Marrons glacés im offenen, leicht warmen Ofen gut antrocknen lassen. Nach dem vollständigen Erkalten einzeln in Alufolie einwickeln. So konserviert können die Kastanien ein paar Wochen aufbewahrt werden und schützen mit ihren betörenden Aromen zuverlässig vor einer allfälligen Herbstdepression.

01

Arbeitssicherheit Zehnder GmbH, Ottenbach

02

Balcart AG, Therwil

03

Maya-Recordings, Oberstammheim

04

Coop Genossenschaft, Basel

05

Fischer & Partner Immobilien AG, Otelfingen

06

Fast4meter, Bern

07

Axpo Holding, Baden

08

Stoll Immobilien Treuhand, Winterthur

09

Kaiser Software GmbH, Bern

10

mcschindler.com, Online-PR-Beratung, Zürich

11

archemusia Musikschule, Basel

12

BEVBE Ingenieurbüro, Bonstetten

13

Klinik Sonnenhalde AG, Riehen

14

Lions Club, Zürich Seefeld

15

Schweizerisches Tropen- und Public HealthInstitut, Basel

16

VXL Gestaltung und Werbung AG, Binningen

17

Scherrer & Partner GmbH, Basel

18

Gemeinnütziger Frauenverein Nidau

19

Velo-Oase Erwin Bestgen, Baar

20

Bruno Jakob Organisations-Beratung, Pfäffikon SZ

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Balz Amrein Architektur, Zürich

22

Supercomputing Systems AG, Zürich

23

Kultur-Werkstatt – dem Leben Gestalt geben, Wil SG

24

Schluep Degen Rechtsanwälte, Bern

25

Anyweb AG, Zürich

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag. Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

Bezugsquellen und Rezepte: www.piattoforte.ch/surprise 336/14 SURPRISE 336/14

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Strassenfussballer-Porträt «Zum ersten Mal fühle ich mich frei» Als Abraham Mekonen (25) aus Eritrea flüchtete, hatte er noch nie von der Schweiz gehört. Nun ist er glücklich, dass er nach abenteuerlicher Flucht hier gelandet ist. Mitte Oktober fliegt er für die Surprise Nationalmannschaft an den Homeless World Cup in Chile.

«Bei mir fängt gerade ein neues Leben an. Ich habe nach zwei Jahren Suche eine Lehrstelle als Elektromonteur gefunden, zog im August in meine erste eigene Wohnung und spiele bald mit der Schweizer Nationalmannschaft am Homeless World Cup in Santiago de Chile. Achtzehn Stunden werden wir im Flugzeug sitzen. Mein erster Flug. Ein Mitspieler meinte, dass das anstrengend werde, aber wir haben ja Sitze und bekommen zu trinken und zu essen. Mein Weg in die Schweiz war da anders. Ich bin Eritreer, aber ich bin in Äthiopien geboren. Als die Politiker den Krieg anzettelten, den die Menschen in beiden Ländern nicht verstehen können, zog meine Familie nach Eritrea. Mit 19 Jahren wurde ich ins Militär eingezogen, doch bald flüchtete ich aus der Kaserne in den Sudan. Dort war ich nicht willkommen, also zog ich weiter nach Libyen. Ein Schlepper sollte mich für viel Geld sicher durch die Sahara bringen. Er holte unsere Gruppe mit einem schönen Auto ab, doch nach 100 Kilometern wurden wir mit gut 25 anderen Menschen in den Laderaum eines Kleinbusses gepfercht. Umkehren kannst du nicht mehr – nur hoffen, dass alles gut wird. 19 Tage dauerte der Horrortrip. Einmal wurden wir mitten in der Wüste ausgesetzt. Viele starben, darunter auch ein Familienvater, mit dem ich intensive Gespräche über das Leben hatte. Am fünften Morgen lag er tot neben mir. Das trieb mich selbst an den Rand der Verzweiflung. In Tripolis fand ich Anschluss bei anderen Eritreern und Arbeit. Als Papierloser wollen zwar alle Geld von dir, die Gemeinschaft der Eritreer bot jedoch zwei Jahre Schutz. Als der Bürgerkrieg ausbrach, war keiner mehr sicher. Eine Rückkehr durch die Wüste wollte ich um jeden Preis vermeiden. Also zahlte ich fast mein gesamtes Erspartes für die Überfahrt nach Italien. Da es ein grosses Fischerboot war, mussten wir ins Meer hinausschwimmen und hochklettern. Das schafften nicht alle. Trotzdem waren über 600 Menschen auf dem Schiff. Vor Sizilien mussten wir dann vom Deck springen und an Land schwimmen. Ich versteckte mich zwei Nächte, bis mich ein Westafrikaner fand. Ich konnte bei ihm wohnen und kam wieder zu Kräften. Dann fuhr er mich quer durch Italien nach Chiasso, wo ich am 14. April 2011 zu Fuss die Grenze passierte. Als mich die Zöllner kontrollierten, bot ich ihnen all mein Geld an. Sie sagten mir aber freundlich, ich könne das besser brauchen und brachten mich in ein Auffanglager. Nach zwei Tagen bekam ich ein Ticket nach Basel. Die Schweiz kannte ich bis dahin nicht. Es war nie mein Ziel, hier zu landen, aber es ist mein grosses Glück. Hier muss ich nicht mehr Schutz bei meinen Landsleuten suchen. Zum ersten Mal fühle ich mich frei, und die Menschen behandeln mich gut. Um mit den Schweizern sprechen zu können, besuchte ich jeden mir möglichen Sprach- und Integrationskurs. Eine Sozialarbeiterin, die wusste, dass ich Fussball liebe, erzählte mir vom Surprise Strassensport. Seit bald drei Jahren spiele ich nun bei Surprise Basel. Wir haben viele Nationalitäten und sehr unterschiedliche Typen im Team. Aber im Sport respektiert man seine Mitspieler. Viele sind mittlerweile Freunde. Man besucht sich, kocht Essen aus seiner Heimat und hilft, wenn jemand krank ist. Diesen Geist pfle-

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BILD: RUBEN HOLLINGER

AUFGEZEICHNET VON OLIVIER JOLIAT

gen wir auch in der Nationalmannschaft, und wir spielen schönen Fussball. Darum hoffe ich, dass wir in Chile ein gutes Resultat erzielen. Ich bin stolz, nun für die Schweiz spielen zu dürfen. Das Land bietet mir die Chance, mit 25 Jahren ein freies Leben aufzubauen. Nach Eritrea werde ich nie mehr können. Trotzdem habe ich von hier aus besseren Kontakt zu meinen Eltern, als wenn ich dort in der Armee wäre. Zwei meiner Schwestern dienen nun dort. Eine weitere ist bereits gestorben und die vierte ist nach Äthiopien geflohen. Müsste ich heute wieder aus Eritrea fliehen, würde ich auch diesen Weg gehen. Ich hatte Glück, aber so eine Flucht möchte ich nie mehr durchmachen. Ich träumte lange von schlimmen Situationen. Aber es lohnt sich nicht, traurig zu sein. Ich war ja nie schuld und konnte auch nichts ändern. Zum Glück vergisst der Mensch vieles, sonst könnte man nicht überleben. Und jetzt träume ich von Chile.» ■ SURPRISE 336/14


SurPlus – eine Chance für alle! Werden Sie Gotte oder Götti bei SurPlus Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten. Menschen, die kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt wieder Struktur und mehr Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Das verdient Respekt und Unterstützung. Das Spezialprogramm SurPlus ist ein niederschwelliges Begleitprogramm für ausgewählte Surprise-Verkaufende, die regelmässig das Strassenmagazin

verkaufen und hauptsächlich vom Heftverkauf leben. Diese Verkaufenden erhalten nur geringe soziale Ergänzungsleistungen und werden im Programm SurPlus gezielt vom Verein Surprise unterstützt: Sie sind sozial abgesichert (Ferien, Krankheit, Nahverkehrsabonnement) und werden bei Problemen im oft schwierigen Alltag begleitet. Mit einer Patenschaft leisten Sie einen wesentlichen Beitrag für die soziale Absicherung der Verkaufenden und ermöglichen ihnen, sich aus eigener Kraft einen Verdienst zu erarbeiten. Vielen Dank für Ihr Engagement!

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Ralf Rohr Zürich

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Ja, ich werde Gotte/Götti und unterstütze das SurPlus-Programm von Surprise! 1 Jahr: 6000 Franken

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336/14 Talon bitte senden oder faxen an: Verein Surprise, Administration, Spalentorweg 20, 4051 Basel, F +41 61 564 90 99, info@vereinsurprise.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 336/14

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise hilft seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit Programmen in den Bereichen Beschäftigung, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit. Surprise hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt, bei der Klärung der Wohnsituation, bei den ersten Schritten raus aus der Schuldenfalle und entlastet so die Schweizer Sozialwerke.

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit. Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende Strassenmagazin Surprise heraus. Dieses wird von einer professionellen Redaktion produziert, die auf ein Netz von qualifizierten Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen zählen kann. Das Magazin wird fast ausschliesslich auf der Strasse verkauft. Rund dreihundert Menschen in der deutschen Schweiz, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten damit eine Tagesstruktur, verdienen eigenes Geld und gewinnen neues Selbstvertrauen.

Sport und Kultur Surprise fördert die Integration auch mit Sport. In der Surprise Strassenfussball-Liga trainieren und spielen Teams aus der ganzen deutschen Schweiz regelmässig Fussball und kämpfen um den Schweizermeister-Titel sowie um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften für sozial benachteiligte Menschen. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Chor. Gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte ermöglichen Kontakte, Glücksmomente und Erfolgserlebnisse für Menschen, denen der gesellschaftliche Anschluss sonst erschwert ist. Finanzierung, Organisation und internationale Vernetzung Surprise ist unabhängig und erhält keine staatlichen Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle anderen Angebote wie die Betreuung der Verkaufenden, die Sportund Kulturprogramme ist Surprise auf Spenden, auf Sponsoren und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen. Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden vom Verein Surprise geführt. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband über 100 Strassenzeitungen in 40 Ländern an.

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Herausgeber Verein Surprise, Spalentorweg 20, 4051 Basel www.vereinsurprise.ch Öffnungszeiten Sekretariat 9 – 12 Uhr, Mo – Do T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@vereinsurprise.ch Geschäftsführung Paola Gallo (Geschäftsleiterin), Sybille Roter (stv. GL) Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 90, M +41 76 325 10 60 anzeigen@vereinsurprise.ch Redaktion T +41 61 564 90 70, F +41 61 564 90 99 Amir Ali (ami), Florian Blumer (fer, Heftverantwortlicher), Diana Frei (dif), Mena Kost (mek) redaktion@vereinsurprise.ch leserbriefe@vereinsurprise.ch Ständige Mitarbeit Rosmarie Anzenberger (Korrektorat), Rahel Nicole Eisenring, Shpresa Jashari, Carlo Knöpfel, Melanie Kobler (Grafik), Yvonne Kunz, Stephan Pörtner, Isabella Seemann, Sarah Weishaupt, Priska Wenger, Tom Wiederkehr, Christopher Zimmer Mitarbeitende dieser Ausgabe Andrea Ganz, Kevin Gopal, Olivier Joliat, Nina Kunz, Hanspeter Künzler, Nicole Maron, Deborah Reutsch Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 18 050, Abonnemente CHF 189, 24 Ex./Jahr Marketing, Fundraising T +41 61 564 90 50 Svenja von Gierke

Vertriebsbüro Basel T +41 61 564 90 83 Thomas Ebinger, Anette Metzner, Spalentorweg 20, 4051 Basel, basel@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Zürich T +41 44 242 72 11, M +41 79 636 46 12 Reto Bommer, Engelstrasse 64, 8004 Zürich, zuerich@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Bern T +41 31 332 53 93, M +41 79 389 78 02 Andrea Blaser, Alfred Maurer, Bruno Schäfer, Pappelweg 21, 3013 Bern, bern@vereinsurprise.ch Strassenchor T +41 61 564 90 40, F +41 61 564 90 99 Paloma Selma, p.selma@vereinsurprise.ch Strassensport T +41 61 564 90 10 Lavinia Biert (Leitung), l.biert@vereinsurprise.ch, Olivier Joliat (Medien), David Möller (Sportcoach) www.strassensport.ch Vereinspräsident Peter Aebersold

Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Surprise behält sich vor, an Verkaufende gerichtete Postsendungen zu öffnen. Barspenden an namentlich bezeichnete Verkaufende können nur bis zu einem Betrag von CHF 100.– weitergeleitet werden. Darüber hinausgehende Beträge sollen – im Einverständnis mit der Spenderin oder dem Spender – allen Verkaufenden zugute kommen. SURPRISE 336/14


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Eine Tasse Solidarität! Machen Sie mit: Zwei bezahlen, eine spendieren. Café Surprise gibt es hier: In Basel Café-Bar Aktienmühle, Gärtnerstrasse 46 Café-Bar Elisabethen, Elisabethenstrasse 10 Café Restaurant Haltestelle, Gempenstrasse 5 Post Bar, St. Johanns-Vorstadt 80 Trattoria Bar da Sonny, Vogesenstrasse 96 In Bern Restaurant Genossenschaft Brasserie Lorraine, Quartiergasse 17 Café Kairo, Dammweg 43 Café Tscharni, Waldmannstrasse 17a Luna Llena Gelateria Restaurant Bar, Scheibenstrasse 39 In Thun Joli Mont, Bälliz 60 In Zürich Café Zähringer, Zähringerplatz 11

Weitere Informationen: www.vereinsurprise.ch/cafesurprise Ein Projekt des Verein Surprise. SURPRISE 336/14

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