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Glut der Freiheit Warum die überregulierte Gesellschaft den Grill braucht Krieg vor der Haustür: ein ukrainischer Journalist erzählt

Ein Deutscher singt «Bärndütsch» – Liedermacher Götz Widmann im Interview

Nr. 330 | 25. Juli bis 7. August 2014 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


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Titelbild: Roland Soldi

Editorial Freiheitskampf am Grill BILD: ZVG

Fertiglasagne, Fertig-Mah-Meh, Fertig-Gschnätzlets – der moderne Mensch bekommt seine Nahrung vorgekocht und hygienisch verpackt serviert, damit er mehr Zeit zum Leben hat. Gleichzeitig gibt es von Trennkost bis Makrobiotik so viele Ernährungslehren, dass man sich nur mit einer Nulldiät sicher sein kann, nichts falsch zu machen. Das so archaische wie krebserregende und in Sachen Zeitmanagement sowieso total unvernünftige Grillieren ist da, wie Ernährungshistoriker Gunther Hirschfeld feststellt, eine unserer letzten «Freiheitsinseln» im Essverhalten. Doch wie weit ist es mit dieser Freiheit wirklich her? «Jetzt chame grilliere»!, schreit es uns seit Ende Winter an der Kassenschlange und von Plakatwänden entgegen, und zwar «Bei jedem Wetter»! Dies gilt spätestens ab Anfang Februar, wenn der FLORIAN BLUMER Fleischverband jeweils mit einem «Wintergrillfest» und begleitender Kampagne «die REDAKTOR Saison lanciert». Doch nicht genug damit, dass uns die Werbung mit einer derartigen Penetranz bei jeder Witterung an den Grill zwingen will, dass einem schon deshalb die Lust darauf vergehen könnte. Nein, unser schönes Grillieren wird auch noch hartnäckig mit vorgestrigen Männlichkeitsbildern versehen, dass man sich als Mann am Grill nicht nur als Werbeopfer, sondern auch noch als Reaktionär vorkommen muss. Nun gut, Freiheit musste schon immer erkämpft werden. Lassen wir uns also die Freude am Grillieren nicht nehmen! Nebenbei: Grillieren Sie noch oder grillen Sie schon? Nach heftigen Diskussionen auf der Redaktion haben wir uns schlaugemacht: «Grillen» wäre eigentlich ein Teutonismus – ein Wort, das sich aus Deutschland in unsere Sprache eingeschlichen hat –, findet aber in den letzten Jahren in Mundart und Schriftsprache immer mehr Gebrauch. Wir haben uns sprachpuristisch für das Grillieren entschieden – obwohl in unserer Titelgeschichte mit Gunther Hirschfeld ein deutscher Experte zu Wort kommt, der natürlich über das Grillen spricht. Apropos Mundart: Als erster Sänger aus unserem nördlichen Nachbarland schrieb und sang Götz Widmann ein Lied auf Berndeutsch. Sein Mut wurde belohnt: «Bärndütsch» klingt tatsächlich nach Berndeutsch und wurde Widmanns grösster Hit. Wir haben ihn in seiner Wahlheimat im Emmental besucht. Lesen Sie das Interview ab Seite 20. In diesem Sinne: Viu Spaass bim Läse u no e hiube Summer mit viu Griuwätter, Florian Blumer

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Wir sind gespannt auf Ihre Kritik, Ihr Lob oder Ihre Anmerkungen. Schreiben Sie uns! Auf leserbriefe@vereinsurprise.ch oder an Verein Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, 4051 Basel. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion trifft eine Auswahl und behält sich vor, Briefe zu kürzen. Oder diskutieren Sie mit uns auf www.facebook.com/vereinsurprise SURPRISE 330/14

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10 Grillieren Mehr als Wurst und Brot BILD: ROLAND SOLDI

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Inhalt Editorial Würste und Freiheit Die Sozialzahl Wer will mehr Ferien? Aufgelesen Lego für Grosse Zugerichtet Fehlgeleitete Liebe Rätsel Lösungen aus Heft 329 Starverkäufer Alois Kappeler Porträt Ausgewandert Fremd für Deutschsprachige Onkel mit vielen Gesichtern Kloster Muri Das Lotterleben der Mönche Kultur Buch für Holzfäller Verkäuferporträt Durch die Hölle gegangen Projekt SurPlus Eine Chance für alle! In eigener Sache Impressum INSP Surprise – Mehr als ein Magazin Berg-Olympiade

Grillieren war vor 30 Jahren noch das Hobby der Bünzli und der gebratene Cervelat das Ziel sonntäglicher Familienausflüge. Heute sind Rindsspiessli, Champignons und Halloumi über der Glut zur Selbstdarstellung der Generation Facebook geworden. Aber auch nichts weniger als eine der letzten Freiheitsinseln in einer Welt, in der man nicht mehr rauchen, saufen oder ungestraft einen Schokoriegel essen darf.

14 Ukraine Vom Schmuggler zum Kriegsreporter BILD: REUTERS/GLEB GARANICH

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Der Ukrainer Aleksandar Sibirtsev war als Kriegsreporter unter anderem bei den Aufständen auf dem Tahrir in Kairo und dem Taksim in Istanbul dabei – bevor auf dem Maidan in Kiew quasi vor seiner Haustür die Gewalt eskalierte. Exklusiv für Surprise blickt der ehemalige sowjetische Soldat, Schmuggler und Kampfsportler zurück auf die Zeit vor und nach der Unabhängigkeit und sucht eine Antwort darauf, wie es zum heutigen Konflikt kommen konnte.

BILD: KARIN SCHEIDEGGER

20 Götz Widmann Liedermaching auf Berndeutsch

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Götz Widmann war mit seiner Zweimannband Joint Venture einer der Vorreiter des «Liedermaching» – einer Bewegung, die sich mit expliziten Texten und einem guten Schuss Zynismus von Staub und Pathos der deutschen Liedermacher aus den Siebzigerjahren befreite. Mittlerweile lebt Widmann im Emmental und fühlt sich dort pudelwohl. So wohl, dass er es als erster Deutscher wagte, ein Lied auf Berndeutsch herauszubringen. Wir haben den mutigen Musiker zum Interview gebeten.

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Anzahl Feri enwochen für Vollzeita Wochen rbeitnehmen de in der S chweiz 6 5 4 3 2 1 0 1996 alle Alterskl assen

Quelle: Bund

esamt für St

atistik

2000 15 – 19 Jahr e

Die Sozialzahl Ferien à discrétion? Wie war Ihre Gemütslage am 11. März 2012 so gegen 16 Uhr? Haben Sie sich gefreut, waren Sie irritiert oder gar verärgert? An diesem Sonntag verzichteten die Stimmenden darauf, den Anspruch auf sechs Wochen Ferien geltend zu machen. Mit einer Mehrheit von rund 66 Prozent lehnten sie die Initiative der Gewerkschaft travail.suisse ab. So blieb es bei einem Mindestanspruch von vier Wochen. Ein Blick zurück in die Geschichte zeigt, dass Ferien zum Thema wurden, als sich die Schweiz als Staat herausbildete und es mit der Industrialisierung zu festangestellten Lohnabhängigen kam. Zuerst wurde den Beamten ein Urlaub gewährt, dann den Angestellten und schliesslich auch der Arbeiterschaft. Es brauchte allerdings den Generalstreik 1918, um dem Recht auf Erholung von der Arbeit Geltung zu verschaffen. Dieses wurde zunächst in Gesamtarbeitsverträgen ausgehandelt, dann in kantonalen Feriengesetzen geregelt und schliesslich 1966 in einem Bundesgesetz für die ganze Schweiz festgelegt. Faktisch konnten die Erwerbstätigen in den Sechzigerjahren drei, in den Siebzigern vier und seit den Achtzigern rund fünf Wochen Ferien machen. Dabei wird in vielen Firmen und Institutionen den jüngeren und den älteren Erwerbstätigen etwas mehr Erholung zugestanden als dem mittleren Alter. Für die jungen Erwachsenen stieg die Ferienzeit seit der Jahrtausendwende von 4,7 auf 5,0 Wochen, für die 50- bis 64-Jährigen von 5,2 auf 5,4 Wochen. Eine dynamische Entwicklung sieht anders aus, doch offenbar wollen die Erwerbstätigen in der Schweiz – und nicht nur hier – gar nicht mehr Ferientage. Dies bestätigen Erfahrun-

2005 20 – 49 Jahr e

2011 50 – 64 Jahr e

r in den USA sammeln. Motgen, die Firmen in Kanada ode ageberatungsfirma aus Virgiley Fool zum Beispiel, eine Anl so nden seit mehr als 18 Jahren nia gewährt ihren Mitarbeite eit Arb Die alt: beh Vor r Einzige viel Ferien, wie sie wollen. s die Kunden nicht warten und das , sein t sier ani muss so org müssen. Das Verhalten der die Kollegen nicht einspringen erstaunlich: Die meisten ma Belegschaft ist einigermassen Wo vier d run lich vorher, näm chen etwa so viel Urlaub wie ar sog e viel en, länger in die Feri chen. Manche gehen etwas . Die einen wollen nicht als nde Grü e weniger. Das hat sein ch ihren Arbeitsplatz gefährFaulpelze gelten und womögli en, eit besser als das Herumlieg den, anderen gefällt die Arb h auc es n ihnen behagt – da kan Dritte machen frei, wann es geplant. mal weniger lang dauern als eriment hat in Europa kaum Exp Ferien à discrétion? Das eigentlich nicht? Die UnterNachahmer gefunden. Warum r egelungen berichten von eine nehmen mit liberalen Ferienr iger r Mitarbeitenden, von wen steigenden Produktivität ihre en und einer grösseren Bereitkrankheitsbedingten Absenz Dinge, die sich jede Firma ger schaft zur Innovation. Alles is würde. Ist die Vertrauensbas ne auf die Fahne schreiben so t nich h doc ft cha egs der Bel zwischen Firmenleitung und s d? Ist gar zu befürchten, das wir ert orti kolp ne gross, wie ger n nde eite arb Mit sten k die mei unter dem Wettbewerbsdruc n als ihnen heute zustehen? rde wü n che weniger Ferien ma Gedass die Ferienansprüche in Vielleicht ist es ganz gut so, Ardie s das geregelt sind und setzen und Arbeitsverträgen n nde eite arb sind, dass ihre Mit beitgeber mitverantwortlich Urlaub machen! PFE L@ VER EIN SUR PRI CAR LO KNÖ PFE L (C.K NOE WO MM BIL D: RAH EL KOH LER ,

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SE. CH)

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Lego-Meisterbauer London. Nicht erst seit dem himmelschreiend abstrusen Lego-Film sind die kleinen Plastikklötze wieder in. Und nicht etwa nur als Kinderspielzeug. Duncan Titmarsh, 43, ist Mitglied in einer, naja, Lego-Spielgruppe. Aber ganz professionell: Er baut zurzeit für das Edelwarenhaus Harrods ein Modell des Geschäfts, für eine U-Bahn-Station hat er einen Weihnachtsbaum konstruiert und für Rolls-Royce einen Flugmotor.

Das perfekte Kind Nürnberg. Oft ist ein Kind heute nicht mehr ein Individuum, sondern das Statussymbol von Mami und Papi: Es hat so perfekt zu sein, wie sich das die Eltern vorstellen. Marco Schumann entspringt einer Bilderbuchfamilie mit einer überbehütenden Mutter, die ihm alles ermöglichte, aber auch alles vorschrieb. Er rutschte in Alkohol und Drogen ab. «Du wurdest als Kind vertauscht», ist alles, was die Mutter dazu zu sagen hat.

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Zugerichtet Unbedingter Wunsch nach Liebe Meist ist Gerichtsberichterstattung ein einsames Geschäft, aber dieser Fall sorgt für einen veritablen medialen Auflauf. Denn er gehorcht einer der grundsätzlichen Regeln des News-Geschäfts: «Hund beisst Mann» ist nie eine Geschichte, «Mann beisst Hund» immer. Umgemünzt auf den vorliegenden Fall heisst das zynisch ausgedrückt: «Alter Sack macht’s mit 14-Jähriger» ist nicht ganz so toll wie «Hausfrau verführt Schulbub». Für den Boulevard ist die Angeklagte sowieso wie gemacht: Rechtskräftig verurteilte Sozialhilfebetrügerin mit drei Kindern von drei verschiedenen Männern. Derweil arbeitet die Lokalpresse Pflichtstoff ab, denn die Geschichte spielt nicht in der anonymen Stadt, sondern in der Vertrautheit einer hübschen Zürichseegemeinde. Die Bestürzung über den Schmuddelfall hatte sich schon vor der heutigen Hauptverhandlung durch die heilen Familienwelten verbreitet. Viele kannten das Opfer, der Kollege der Tochter der heute 37jährigen Angeklagten. In deren Wohnung verbrachte er viel Zeit und dabei kam es über Monate zu Geschlechtsverkehr. Die Konstellation ist auch vom Timing her aktuell; das Stimmvolk hatte eben das lebenslange Berufsverbot für Pädophile beschlossen – sicher mit ein Grund, weshalb auch die grossen Tageszeitungen über den Fall berichten. Der Fall ist ein Paradebeispiel dafür, wie schwer sich die Realität medial spiegeln lässt. Die Geschichte ist zu traurig, um bei der Leserschaft als schlüpfriger Aufreger zwei Minuten lang für Ekel und Abscheu zu sorgen. Die Angeklagte bestreitet nicht, mit

dem damals knapp 14-Jährigen geschlafen zu haben. Aber sie sei von einer «normalen Liebesbeziehung» ausgegangen. Man habe ja auch gekuschelt und gestritten. Der Junge habe ihr doch auch SMS mit Liebesschwüren geschickt. Dass an der Sache nichts normal ist, scheint ihr nicht klar. Doch in ihrem Leben ist und war fast gar nichts normal. Die Beschuldigte erzählt, wie sie erst in England, dann in Schweizer Internaten aufwuchs. Während der Teenagerjahre wurde sie vom Freund ihrer Mutter, eine schwere Alkoholikerin, missbraucht, diese glaubte ihr aber nicht. Sie spricht über die Totgeburt ihrer ersten Kinder, Zwillinge, und die spätere Flucht von ihrem prügelnden Ehemann. Sie verletzt sich selbst, das psychologische Gutachten attestiert ihr ein schweres Borderline-Syndrom. Schon mit 36 Jahren hat sie zwei Herzinfarkte erlitten. Ihre Kinder sind längst fremdplatziert. Während der Verhandlung befindet sich ihr Gemütszustand in einem Spagat zwischen abgelöscht und aufgewühlt. Eine gescheiterte Existenz. An ihrer Schuld ändert das nichts: «Die Angeklagte hat die Grenze zwischen der Verantwortung einer vertrauten Erwachsenen und ihren eigenen Interessen aufgelöst und letztere in den Vordergrund gestellt», stellt das Gericht klar. Doch die Strafe fällt weit milder aus als die von der Staatsanwältin geforderten vier Jahre: Die Frau muss zwanzig Monate ins Gefängnis. Während des Strafvollzuges muss sie in die Therapie, denn die Rückfallgefahr ist gross, weil die Angeklagte nicht in der Lage sei, «in psychosozialen Krisen adäquat zu reagieren». Anders gesagt: Ihr Wunsch nach Liebe ist wie ihre Strafe: unbedingt. YVONNE KUNZ (YVONNE.KUNZ@GMAIL.COM) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 330/14


Rätsel Lösungen aus Heft 329 Kreuzworträtsel Seite 28

Sudokus Seite 29

Lösungswort: DUERRENMATT Die Gewinner werden in der nächsten Surprise-Ausgabe bekannt gegeben.

Mittelschwer

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Teuflisch schwer

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Nominieren Sie Ihren Starverkäufer! Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welche/n Verkäufer/in Sie an dieser Stelle sehen möchten: Verein Surprise, Redaktion Spalentorweg 20, 4051 Basel F +41 (0)61 564 90 99 redaktion@vereinsurprise.ch

BILD: ZVG

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Starverkäufer Alois Kappeler Andreas Beusch aus Chur schreibt: «Alois Kappeler ist mein Starverkäufer, weil er bei Sonne, Regen und Schnee für jeden Passanten ein gutes Wort und ein Lächeln hat, auch wenn man ihm nicht immer eine Zeitschrift abkauft. Seine immer gute Laune und Offenheit sind ansteckend, und so ist er eine Bereicherung für unsere Stadt.» Lesen Sie auch das Verkäuferporträt von Alois Kappeler auf S. 28.

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Porträt Ein Cervelat gegen das Heimweh Karin Kapp aus dem Rheintal kam als Au-pair für ein Jahr nach Vancouver, 26 Jahre später lebt sie noch immer an der kanadischen Westküste. Den Bezug zur alten Heimat hat sie aber nicht verloren – auch dank ihrer Funktion als Präsidentin der Swiss Society Vancouver. VON MANUELA DONATI (TEXT) UND FLORIAN NIDECKER (BILD)

soll denn das? Du kannst doch nicht dein Leben lang Au-pair bleiben!», so lauteten die Argumente. Karin Kapp liess sich nicht beirren, auch wenn ihr Leben in der Zwischenzeit so ganz anders war als das ihrer Jugendfreundinnen: «Während ich immer noch zu fremden Kindern schaute, heirateten meine Freundinnen und gründeten eigene Familien. Für meine Mutter gab es da nicht selten schwierige Momente, wenn sie im Dorfladen erklären musste, weshalb ich mit 28 noch nicht einmal einen Mann hatte.» Halb belustigt, halb irritiert erzählt die 46-Jährige, wie sie einen «sozialen Aufstieg» erfuhr, als sie 1994 die Ausbildung zur Massagetherapeutin begann. «Eine Ausbildung und dann noch in einer fremden Sprache, das imponierte denen daheim. Plötzlich war es in Ordnung, dass ich keine eigene Familie hatte, plötzlich hatte ich wieder ein Ansehen», sagt sie. Kanada bot ihr die Möglichkeit, ihr Leben nach ihrem Gusto und ohne gesellschaftlichen Druck zu gestalten. «So eine grosse Freiheit gibt es in der Schweiz nicht.» Dennoch, die Schweiz bleibt ihre Heimat: «Ich fühle mich an beiden Orten sehr wohl. Zur Schweiz habe ich immer noch einen sehr starken Bezug.» So soll James bewusst mit beiden Kulturen aufwachsen, mit seinem kanadischen Daddy Englisch sprechen und mit ihr Schweizerdeutsch, den Schweizer Pass hat er kurz vor seinem ersten Geburtstag erhalten und das Appenzeller-Kutteli trägt er schon wie ein Grosser. Heimweh kommt zwar selten auf, doch für allfällige Nostalgie-Anfälle kauft sie auf ihren Besuchen in der Schweiz einen «Notfall-Vorrat» ein: Schweizer Bienenhonig und richtigen Appenzeller Käse. Und na-

«On the go», also «uf em Sprung», wie wir in der Schweiz sagen, in diesem Zustand ist Karin Kapp quasi immer – kein Wunder, verlangen doch ihr einjähriger Sohn James, ihr Job als selbständige Massagetherapeutin und ihr ehrenamtliches Engagement bei der Swiss Society Vancouver ein sehr geschicktes Händchen beim Zeitmanagement. Das alles erklärt sie, während James sein «breakfast» erhält, vermischt mit den Erinnerungen an ihre Anfänge in Vancouver. Die beiden Katzen Brie und Roxy schleichen um ihre Beine und wollen ebenfalls beachtet werden, die neue Wohnung in einem Vorort von Vancouver steckt noch im sympathischen Chaos, erst vor einem Monat sind sie eingezogen. Und eigentlich muss sie gleich los, sie will den Vater von James besuchen, der 40 Kilometer entfernt – für kanadische Verhältnisse ein Katzensprung – wohnt und arbeitet. Das alles in einem schnellen Gemisch aus Englisch und Schweizerdeutsch, das Englisch fast ohne Schweizer Akzent, sodass sie nur noch selten auf ihre fremden Wurzeln angesprochen wird, das Schweizerdeutsch so breit und ursprünglich, dass ihre Ostschweizer Herkunft nicht zu überhören ist. Altstätten im St. Galler Rheintal. Dort wächst Karin Kapp auf, zwischen Turnverein und Fasnacht, zwischen ländlicher Idylle und ländlicher Langeweile. Ihr Weg scheint vorbestimmt: Schule, Berufslehre, Familie. Karin Kapp hadert damit. Sie will selbst bestimmen, wohin ihr Weg sie führt. Abenteuerlustig ist sie, sie will weg aus dieser Enge. Kaum hat sie das KV abgeschlossen, entscheidet sie sich für einen ersten Schritt weg von «Der Anfang war brutal», erinnert sich Karin Kapp, «in den ersten dieser vorbestimmten Zukunft. Sie legt ein Wochen versteckte ich mich regelmässig heulend auf dem WC.» Zwischenjahr ein und will Englisch lernen. Der Zufall will es, dass ihre Agentur nur Aupair-Stellen in Kanada anbietet. Mehr oder weniger zufällig wird sie türlich darf der Cervelat nicht fehlen – zum Glück gibt es im Grossraum dann nach Vancouver vermittelt – die drittgrösste Stadt Kanadas, an der Vancouver einen deutschen Metzger, der auch Cervelats herstellt. Bei Westküste, bekannt für den guten Mix aus Kultur und Natur. «Weiter diesem macht Karin Kapp regelmässig Grosseinkauf, denn «den Schweiweg als Vancouver ging fast nicht, das machte es umso reizvoller», erzern darf man ihren Cervelat nicht nehmen!» Ein weiteres Stück Heimat zählt sie. Im Mai 1988 ist es dann so weit: Karin Kapp fliegt alleine nach bieten die anderen Exilschweizer in Vancouver. Seit drei Jahren sorgt Vancouver, ohne ein Wort Englisch zu sprechen. Noch heute erinnert sie Karin Kapp als Präsidentin dafür, dass sich Neuankömmlinge wohl fühsich gut an ihre ersten Eindrücke: «Ich dachte: Meine Güte, hat’s da viel len und Alteingesessene ihre Wurzeln nicht verlieren. Das bedeutet für Wald!», sagt sie lachend. «Aus dem Flugzeug sah ich nur Wald, sogar sie vor allem eines: viele Sitzungen. Vom Chef des Seniorenclubs zur auf dem Fluss schwammen die Baumstämme – ich dachte, in Kanada Chorleiterin und dem Buchhalter oder auch mal dem Schweizer Botgibt es nichts ausser Holz.» schafter in Vancouver, alle haben sie Anliegen, die Karin Kapp anhört Die erste Zeit in der fremden Stadt war hart, auch wenn ihre Gastfaund koordiniert, «es soll ja alles reibungslos ablaufen». Auf ihre ehrenmilie nett war und die Kinder einfach zu betreuen. «Es war brutal», eramtliche Leistung angesprochen, bleibt sie ganz schweizerisch bescheiinnert sie sich. «In den ersten Wochen versteckte ich mich regelmässig den: «Es freut mich einfach, dazu beizutragen, dass wir hier Schweizer heulend auf dem WC.» Bald aber schloss sie die ersten Freundschaften, Kultur leben können.» Lohn für alle langen Sitzungen ist jedes Jahr der bald kann sie erste Gespräche in der neuen Sprache führen. Schneller 1. August, wenn Exilschweizer aus dem ganzen Grossraum Vancouver als gedacht war das Jahr um – und Karin Kapp blieb. Zehn Jahre lang zusammen stilecht in einem Schweizer Chalet feiern, natürlich mit Cerarbeitete sie als Au-pair. Sie genoss es, unabhängig und weit weg von velats und Crèmeschnitten, die Karin Kapp höchstpersönlich organisiert Zuhause zu sein. In der Heimat aber fand ihr neues Leben nicht nur An– mit der ihr eigenen Herzlichkeit und Energie und einer schnellen Miklang. Die Eltern und der Bruder versuchten sie umzustimmen. «Was schung aus Schweizerdeutsch und Englisch. ■

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Grillieren Ein Würstchen für die Freiheit Grillieren ist en vogue. Oft wird das Archaische daran bejubelt, dabei steckt jede Menge moderner Zeitgeist drin. Denn es ist eine der letzten Freiheitsinseln in einer überregulierten Gesellschaft.

VON DIANA FREI (TEXT) UND ROLAND SOLDI (BILDER)

wie Kochen, das kann man gerade so gut auf der Herdplatte tun.» Moni: «Eigentlich grillieren wir immer bei schönem Wetter. Aber wir haben auch an Silvester hier auf der Strasse im Zelt ein Spanferkel grilliert. Oder auch über den Mittag nur zu zweit. Grillieren kann man immer. Wie Fondue und Raclette essen: Ich finde, das geht auch immer. Gestern hatten wir Raclette vom Grill.»

Vor 30 Jahren hatten Onkel und Tante einen Ziegelsteingrill im Garten, man lud am 1. August die Verwandtschaft ein und trug die sorgsam vorbereitete Salatplatte aus der Küche in den Garten: in der Mitte ein Schweizerkreuz aus Kartoffelsalat, darum herum Karottensalat. Der Onkel nahm die Grillzange von der seitlichen Halterung des ZiegelsteinCüpli für die Generation Facebook grills und fing an, Würste für die Kleinen und Koteletts für die Grossen In den letzten Jahren ist das Wohnzimmer mitsamt der Küche nach auf den Rost zu legen und den Gästen einen Rosé oder «es Coci» einzudraussen verlagert worden, in die Öffentlichkeit. Man zeigt sich und schenken. Wenn nicht 1. August war, ging man am Sonntag mit der Fastellt sich dar: Dadurch, wo man grilliert, was man grilliert und wie man milie an den Waldrand Cervelats braten. Es war die Zeit, als Grillieren worauf grilliert. So gibt es neben den Stadtgrillern den Luxus-Griller, der noch nicht hip war. zu Hause einen High-End-Grill hat, Magazine abonniert, die gerne als Heute grilliert man nicht mehr nur im Wald oder im Garten des Ein«Fleischpornos» bezeichnet werden (wie «Beef» und «Meet») und sich in familienhauses, sondern im Stadtpark, auf der Dachterrasse, am SeeOnlineforen über exklusive Holzsorten und exakte Garpunkte ausufer. Oder auf dem Trottoir: In der Zürcher Köchlistrasse wälzt sich Hund Lola am Boden, während Silvio Kohle in den Grill leert, der vor seinem T-Shirt-Laden «Wir haben an Silvester hier auf der Strasse im Zelt ein Spanferkel auf dem Trottoir steht. Ein kleiner, einfacher gegrillt. Grillieren kann man immer. Wie Fondue und Raclette essen.» Holzkohlengrill, dafür ist umso aufwendiger, was drauf kommt: Spareribs, Burger; und auch tauscht. Es gibt die Party-Griller, die im Stadtpark in einer Auslegeordschon mal ein T-Bone-Steak von einem Kilo wird gegrillt, es passt kaum nung von Amuse-Bouches und mit dem Cüpli in der Hand ihre mariauf den Rost. Champignons, mit Frischkäse gefüllt, gibt’s fast immer, danierten Fisch-, Gemüse- und Rindsspiessli braten. Es gibt die Griller in zu Meeresfrüchte und Fisch oder Auberginen, Zucchetti, Halloumi, Peder Blockhütte am Waldrand, die grillieren, um zu saufen, und gerne peroni. Eine banale Wurst sieht man selten. viel Abfall liegen lassen. Es gibt aber auch die Randständigen mit ihren Grillmeister ist «tendenziell Silvio», seine Freundin Moni ist eher die, Hunden, die am Flussufer hinter der Shoppingmall am Stadtrand ihre die das Essen vorbereitet. «Die klassische Rollenverteilung», nicht imWurst braten. mer, aber meistens. Silvio: «Feuer machen ist halt Bubensache. Als Kind «Wer grillt denn eigentlich? Anhand dieser Frage kann man eine Hiehat man gerne gezünselt. Je älter, desto infantiler wird man wieder. Das rarchie öffentlicher Rollen entwickeln», sagt Kulturwissenschaftler und Fleisch auf dem Grill ist nicht das Zentrale. Das Einfeuern ist das WichErnährungshistoriker Professor Gunther Hirschfelder von der Univertigste. Und es braucht Zeit, man trinkt dazu ein Bier mit den Leuten.» sität Regensburg, «im urbanen Umfeld, an den tollen Locations, grillen Moni trägt die Tomatenscheiben und Salatblätter auf Tellern heraus und die Jungen und Erfolgreichen. Und nicht derjenige, der wegen Armut, stellt sie auf den Sims des Ladenlokals: Heute gibt es Hamburger, man Alter oder unattraktiver Körperlichkeit stigmatisiert wird.» Wer in der zeigt das WM-Spiel USA – Deutschland am Fernseher hinter der SchauÖffentlichkeit grilliert, will sich zeigen. Gerade der Facebook- und Selfensterscheibe, Freunde sind gekommen und auch der Schlosser-Anfie-Generation geht es wohl nicht zuletzt genau darum: Man will seine gestellte von der Firma im Hinterhof. «Wir sind oft hier», sagt Silvio, Lebenseinstellung nach aussen tragen. Sich in der Gesellschaft eine be«daheim haben wir keine Aussenräume. Auf dem Balkon ist von der stimmte Rolle geben. Sich positionieren, sich zelebrieren. Das Ich des Verwaltung aus nur ein Elektrogrill erlaubt. Aber das ist ja dasselbe SURPRISE 330/14

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«Nicht das Fleisch, sondern das Einfeuern ist das Wichtigste», sagt Silvio.

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Moni: «Gerade ältere Leute finden es toll, dass wir die Strasse belebt haben.» SURPRISE 330/14


Grillmeisters ist ein ähnlich inszeniertes Ich wie das Facebook-Profil. Während es vor 30 Jahren noch um die Wurst ging, geht es heute um den Event.

den.» Silvio: «Es ist wie früher auf dem Land, da hatte man einen Ort zum Abhängen. Einen Spielort.» Oder eine «Freiheitsinsel», wie Gunther Hirschfelder es nennt. Und er holt aus: «Wir haben die Freiheit des Zigarettenrauchens verloren, wir sind dabei, die Freiheit des Alkoholtrinkens zu verlieren, und ungesundes Ernährungsverhalten wird sanktioniert. Ich kann in der modernen Gesellschaft auch nicht mehr verkatert zur Arbeit kommen. Das war vor 20 Jahren anders. Wir werden zudem in unserem digitalen Verhalten überwiegend kontrolliert. Je mehr ein System Menschen unter Druck setzt und Zwang ausübt, desto mehr suchen sie sich ihre Freiheitsinseln.» Der Grill-Hype als Symptom einer zunehmenden Überwachungs-

Der Grill als geschützte Zone «Grillen war in den Siebziger- und Achtzigerjahren primär eine Sache der Bürger und Kleinbürger, der Gartenlauben und Rastplätze, ein Vergnügen des kleinen Mannes», sagt Gunther Hirschfelder. «In den Siebzigerjahren wäre ein hochgestellter Politiker oder ein Arzt, der eine Gesellschaft empfängt, nicht selber an einem Grill gestanden. Heute hat sich das gewandelt. Wir haben eine Kultur entwickelt, in der Grillen absolut en vogue ist.» Lebensstilbeilagen von Zeitungen diskutieren jeden Sommer die exWährend es vor 30 Jahren noch um die Wurst ging, geht es heute klusivsten Grilltipps und freuen sich darüber, um den Event. dass der Mann am Grill noch Mann sein könne. «Die Hochphase des Grillens ist aber gar gesellschaft also, die ihre Freiheiten verliert. Wer den Grill einheize, henicht so alt, und sie wird sich möglicherweise gar nicht so lange halten», ble Konventionen aus, sagt Hirschfelder. Grilladen sind mehr als Protein sagt Hirschfelder, «in der modernen Lebensstilgesellschaft unterliegen und Fett: Es stecken Tatsachen drin, die anderswo sanktioniert werden. Dinge Moden. Und Moden halten nie lange. Das ist ein Automatismus Ein ungesunder Lebensstil, etwas rauere Sitten – sei es die meist klassiin der Kultur.» Der Grill-Hype sei erstaunlich, weil er an sich unzeitgesche Rollenverteilung von Frau und Mann oder der Umstand, dass mit mäss sei, so Hirschfelder. Grillieren generiert krebserregende Stoffe, den Händen gegessen und gekleckert wird – und: eine unbegrenzte geht oft mit fettigen Saucen und Chips einher, und das alles in einer Zeit, Menge an Futter. «Normales Essen hat immer eine Mengenbegrenzung. in der der Fleischkonsum in die Kritik geraten ist. Beim Grillen ist das offensichtlich aufgehoben», sagt Gunther HirschfelAber: Das Grillieren ist eine Art geschützte Zone, fernab von Leder. «Wenn ich meine Kumpels zum Grillen einlade und sage, ich habe bensmittelskandalen und Skandalisierungen und der Verteufelung von für jeden ein Würstchen gekauft, dann denken die, ich spinne. Weil sie ungesundem Essen. Wieso ist das Leben plötzlich so friedlich, sobald damit rechnen, dass es pro Nase mindestens ein Kotelett oder Steak gibt ein Grill dasteht? Weil das Essen so greifbar und unverfälscht ist? Weil und mindestens zwei Würstchen dazu.» man sieht, was man isst, alles handgemacht im Gegensatz zum ConveDer Mensch braucht Feuer und Kohle, um sich wieder zu spüren. nience-Food? Weil man hier Zeit braucht statt spart und sich damit der Denn hinter den Rauchwolken, da ist die Freiheit noch grenzenlos. ■ Bequemlichkeit des modernen Menschen verweigert? Weil Grillieren ehrlicher ist als Fertigpizza? Klar ist: Grillieren bringt ein paar hohe Werte mit sich wie Sorgfalt, Gemeinschaftlichkeit und die Tatsache, dass man Zeit hat. «Wir haben im Moment kein Medienbashing des Grillens», sagt Gunther Hirschfelder, «aber ich kann mir auch vorstellen, dass die Presse hingehen und sagen würde: ‹Seid ihr bescheuert? Wisst ihr, wie schädlich Grillen ist?› Dann könnten wir einen Sturm der Entrüstung erleben, der einen Wandel auslöst.» Zur Geschichte des Grillierens Die Küche einer Gesellschaft sei eine Sprache, in der sie unbewusst Raus aus dem Kokon ihre Strukturen zum Ausdruck bringe, hielt der Ethnologe Claude Noch ist es nicht so weit, denn Grillieren ist weit mehr als Essen. FrüLévi-Strauss 1976 fest. Es verwundert daher nicht, dass sich die Wisher hätten sich das Sozialleben und die Kultur um die Feuerstelle grupsenschaft mit dem Essen als Kulturtechnik beschäftigt. piert, sagt Hirschfelder, während heute das «soziale Lagerfeuer» beinaGemäss Ernährungshistoriker Gunther Hirschfelder wird das Kochen he erloschen sei. Mit dem Grillieren ist es aber wieder neu entflammt: ab etwa 1970 von der Notwendigkeit zur Freizeitbeschäftigung. Zeit«Je mehr der Mensch in einer Single-Gesellschaft lebt, je mehr wir den gleich mit kürzeren Arbeitszeiten und der Entwicklung der FreizeitgeTrend zum Einpersonenhaushalt haben und je mehr wir unsere Komsellschaft tauchen Stichworte wie Erlebnis- und Gourmetküche auf, munikation ins Virtuelle verlagern, desto grösser wird der Wunsch, in das Grillieren und Kulturtechniken wie Raclette kommen in Mode. dieser überdigitalisierten Welt einen analogen und sozialen Antipol zu Das deutsche Institut für Theoriekultur trägt die historische Entwicksetzen. Und beides fokussiert sich im Grillen.» «Cocooning» nennt lung des Grillspasses im neu erschienenen Buch «BBQ. Grillen – eine Hirschfelder den Trend zu Vereinzelung des Menschen und sieht im GrilWissenschaft für sich. Antworten der Forschung auf ein Massenphälieren einen Akt des Anti-Cocoonings – genauso wie im Public Viewing. nomen» (herausgegeben von Sacha Szabo und Hannah Köpper) anSilvio, Moni und Lola verbinden beides, und es ist wohl kein Zufall, hand von Kochbüchern zusammen. Julia Pedak beschreibt die Gedass sie es waren, die gemeinsam mit dem medizinischen Masseur im schichte des Grillierens im Kapitel «Die Fleischparty. Grillen: Tradition Haus gegenüber hier letztes Jahr das erste Strassenfest initiiert haben. oder Event?» so: In den Siebzigerjahren kommen die ersten aus«Das hier ist eine Wohnstrasse, sie ist als Begegnungszone gemeint», schliesslichen Grillbücher auf, und das Grillieren wird als «neues Hobsagt Architekt Silvio, dem man seinen Beruf nicht ansieht und der by für Geniesser und alle Freunde romantischer Gastlichkeit» geprienebenher T-Shirts mit Stinkefinger-Motiven bedruckt, «viele Leute wissen. In den Achtzigerjahren zeigt sich verstärkt ein Trend zu Grillparsen nicht, dass man sie auch als Freiraum nutzen soll.» Andere Nachtys, die Rezeptvorschläge werden umfangreicher. In den Neunzigern barn ziehen bereits nach: Auch einige Meter weiter vorne haben sie für wird es zunehmend dekadenter: mit Rezepten für Hummer, Lamm mit die Mittagspause bereits ihr Tischchen rausgestellt. «Es ist lustig, dass Minzgelee und ganzen Themenpartys für Piraten, Bayernfans oder es gerade viele ältere Leute, die hier wohnen, toll finden, dass wir die Liebhaber der Südsee. Mit dem neuen Jahrtausend schwinden die allStrasse wieder belebt haben», sagt Moni. «Die kommen vorbei und sagemeinen Anleitungen zu Gerätschaft, Zutaten und Planung. Das lässt gen, das hätten sie vorher nie erlebt, jetzt sei es ein bisschen wie auf darauf schliessen, dass Grillieren inzwischen so bekannt und alltägdem Dorf. Der Ort vor unserem Laden ist zu einem Treffpunkt geworlich geworden ist, dass es keiner exakten Erklärungen mehr bedarf. SURPRISE 330/14

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Platz der Oktoberrevolution in Kiew, September 1991: Kundgebung für die Unabhängigkeit.

Ukraine Und plötzlich ist Krieg Syrien, Tahrir in Kairo, Taksim in Istanbul – der ukrainische Journalist Aleksandar Sibirtsev aus Odessa berichtete als Kriegsreporter von den Brennpunkten des Weltgeschehens. Bis plötzlich vor seiner Haustür die Gewalt eskalierte. Exklusiv für Surprise blickt er auf sein Leben in der Ukraine zurück und fragt sich, wie es so weit kommen konnte.

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Platz der Unabhängigkeit (Maidan) in Kiew, Dezember 2013: Kundgebung für die Assoziation der Ukraine mit der EU.

VON ALEKSANDAR SIBIRTSEV

Hätte mir Anfang der Achtzigerjahre jemand gesagt, dass ich zum Zeitzeugen einer Revolution in meiner ukrainischen Heimat mit nachfolgender Annexion der Krim-Halbinsel durch Russland werden würde – ich hätte diesem Propheten ins Gesicht gelacht. Unter Umständen hätte ich ihn sogar an die örtliche Psychiatrie verwiesen. Doch genauso ist es gekommen. Vieles von dem, was momentan in der russischen und ukrainischen Armee sowie in der Gesellschaft vor sich geht, ist eine Folge der Erfahrungen, die die meisten Menschen in der Sowjetunion und der sowjetischen Armee durchlebten – ich möchte deshalb den Weg, den ich gegangen bin, kurz umreissen. Nachdem ich 1980 die Aufnahmeprüfung für das medizinische Institut in Kiew nicht bestanden hatte, ging ich mit 18 in die Armee. Die sowjetische Armee war damals über eine Million Mann stark, meist Jugendliche, die direkt von der Schulbank für zwei Jahre eingezogen wurden. Es war eine Ehre, in der Armee zu dienen. Die Mädchen betrachteten jemanden, der nicht diente, als «unvollkommenen Mann». Mobbing und Erniedrigung in der Armee Zwischen dem, was einem in den Vorbereitungskursen der Schulen und im Fernsehen erzählt wurde, und dem, was einen in der Armee erwartete, lagen jedoch Welten. Die grassierende Dedowtschina war eine Geissel für die sowjetische Armee. Dedowtschina steht für die systematische Erniedrigung der Neuen durch die dienstälteren Kader. Sie begann schon in der einmonatigen Vorbereitung, die alle Eingezogenen durchlaufen mussten. Dieser sogenannte «Kurs des jungen Kämpfers» sollte die jungen Rekruten alles lehren, was für ihren Dienst an der WafSURPRISE 330/14

fe wichtig war. Tatsächlich bedeutete es aber systematisches Mobbing der Untergebenen und reichte vom Toilettenputzen mit der Zahnbürste bis zum Schrubben des Kasernenbodens mit der Rasierklinge. Jede Widersetzung wurde mit brutalen Schlägen bestraft. Im Grunde ging es um bedingungslose Untergebenheit den Älteren gegenüber. War man durch die Hölle gegangen, wurde man nicht selten später selbst zum Peiniger. Die Devise war: Die Jüngeren sollen genauso leiden, wie man früher selbst gelitten hat. Nach zwei Dienstjahren trat ich aus der Armee aus und schrieb mich an der historischen Fakultät ein, um Archäologe zu werden. Doch auch daraus wurde nichts. Als Gorbatschow 1985 die Perestroika einleitete, erschütterte das den mächtigen sowjetischen Staat in seinen Grundfesten. Die Wirtschaft hielt dem abrupten Übergang vom Sozialismus zum Kapitalismus nicht stand. 1991 erlangte die Ukraine die Unabhängigkeit. Die Situation im Land war in der Folge angespannt: Arbeitslosigkeit grassierte und die politische Lage war instabil. Archäologen verdienten schon zu Sowjetzeiten fast nichts, nun kam noch die Inflation dazu. Mir war klar: Ich musste irgendwie Geld verdienen. Ich lieh mir allerhand Schrott – Kaugummis, importierte Süssigkeiten, Plakate bekannter Kino- und Fernsehstars – und stellte einen Stand auf dem Markt in Odessa auf. Nach einer Stunde konfiszierte die Polizei meinen Stand samt Inhalt. Die Ordnungshüter unterstellten mir, ich hätte keine Lizenz. Dann verstand ich: Die Lizenzen interessierten sie nicht, sie wollten schlichtweg Geld. Eine Stunde später hatte ich meinen Stand wieder geöffnet – und mich mit der Polizei für 50 Dollar im Monat darauf geeinigt, dass sie ihn «nicht bemerken» würden. Ein halbes Jahr später verkaufte ich bereits geschmuggelte Zigaretten und billigen Fusel in einem eigenen Kiosk in meinem Quartier.

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Als nächstes musste ich jedoch lernen, dass es ohne «Schutz» kein Geschäft gab in der Ukraine. Ich einigte mich mit Banditen, die mich vor anderen Verbrechern beschützten – Unternehmensgründung auf Ukrainisch. Denn das Geschäft war unter verschiedenen Clans aufgeteilt. Als Karatelehrer erteilte ich ihnen Kampfunterricht, als Gegenleistung befreiten sie mich von der monatlichen Schutzgeldzahlung. Vor der Perestroika gab es lokale Banden von Berufsverbrechern, die sogenannten «Diebe im Gesetz», deren Geschäft typischerweise Taschendiebstähle und Raubüberfälle waren – jedoch keine organisierte Kriminalität im westlichen Sinne. Denn der sowjetische Staat war der grösste Eigentümer, und gewöhnlichen Bürgern war es – abgesehen vom Verkaufen auf dem Markt – gesetzlich untersagt, unternehmerisch tätig zu sein.

damaligen Präsidenten Janukowitsch in einem Krieg enden würden. Im Dezember 2013 wurde ich Zeuge, wie eine Gruppe Studenten auf dem Maidan von der Polizei verprügelt wurde. Das war der Punkt, an dem alles begann: die ersten Barrikaden, die ersten Molotowcocktails und die ersten Leichen. Die Proteste auf dem Maidan haben die zuvor friedliche Gesellschaft in zwei Teile gerissen, in Revolutionsbefürworter auf der einen und Revolutionsgegner auf der anderen Seite. Die Teilung ist dabei keineswegs territorial: Ich kenne in Lwiw im proeuropäischen Westen des Landes zornige Maidan-Gegner. Und unter meinen Freunden und Bekannten gibt es glühende Maidan-Anhänger, die bis dahin ausgesprochen russlandfreundlich waren und alles Ukrainische ablehnten. Es kommt vor, dass der Ehemann für die Revolution ist und die Frau dagegen. Der Riss zieht sich quer durch viele Familien hindurch. Plötzlich interessierten sich alle Ukrainer für Nachrichten und Politik – von der Oma über den Nachtportier bis zum jugendlichen Clubgänger. Oft gehen die politischen Diskussionen so weit, dass man sich gegenseitig persönlich beleidigt. Schnell sind die Ukrainer dazu übergegangen, ihre «persönlichen Beziehungen neu zu ordnen». Dann – als Worte nicht mehr reichten – griff man zu den Waffen. Bereits im April dieses Jahres besetzten einheimische Separatisten in den russischsprachigen Städten Luhansk und Donezk in der Region Donbass öffentliche Gebäude. Das ukrainische Parlament gab ihnen

Attentate und Bestechung Weil es in der Sowjetunion an allem fehlte, florierte jedoch die sogenannte «Warenmafia». Illegal wurde von Jeans bis Schuhen alles hergestellt, wofür es eine grosse Nachfrage gab. Der Ertrag war für die damalige Zeit phänomenal hoch. Genau diese Leute waren es später, die nach der Wende zu den ersten Millionären in Russland und der Ukraine wurden. Viele dieser «Komsomolzy», wie die «Diebe im Gesetz» sie nach dem russischen Wort für Pfadfinder abschätzig nannten, wurden in den Neunzigerjahren über Nacht reich, weil sie im Gegensatz zu allen anderen in der SowjetViele Vertreter der «Warenmafia» wurden nach der Wende über union bereits unternehmerische Erfahrung hatNacht reich, weil sie im Gegensatz zu allen anderen in der Sowjetten. Sie schufen die perfekte Grundlage für das union unternehmerische Erfahrung hatten. Entstehen einer organisierten Kriminalität mit Verbindungen in die höchsten Kreise der einen Anlass dazu, als es Russisch als zweite Amtssprache abschaffen Machtelite. Der Umstand, dass die Gesetzgebung in den ehemaligen Sowollte. Das wurde zum Brandbeschleuniger eines Konflikts, der im zu wjetländern noch nicht ausgereift war und viel Raum für Korruption 90 Prozent russischsprachigen Osten schon lange vor sich hin schwelte. liess, tat ihr Übriges. Bereits zu Sowjetzeiten war die Region Donbass in der Ostukraine ein 1992 stieg ich mit Unterstützung meiner Beschützer in den SchmugEldorado für alle, die einen zwar gefährlichen, aber gut bezahlten Job in gel mit Waren aus Transnistrien ein, der Teilrepublik Moldawiens, die den Kohleminen suchten. Die Minenleitung interessierte sich nicht für gerade ihre Unabhängigkeit erklärt hatte. Die Gewinne in diesem Wadie Vergangenheit der Bewerber – auch Kriminelle, die jahrelang im Gerenschmuggel waren so gross, dass sich verschiedene Banden um die fängnis gesessen hatten, wurden eingestellt. Ein grosser Teil der BevölZulieferwege stritten. Teilweise arteten die Konflikte in kleine Kriege kerung im Donbass stammte deswegen aus allen möglichen Teilen der zwischen den verfeindeten Clans aus. Mitte der Neunzigerjahre geriet Sowjetunion. ich bei einem dieser Mini-Kriege zwischen die Fronten. Bei Attentaten erlitt ich einen Schuss in den Bauch und Messerstiche in die Brust – und Separatisten in Cowboypose überlebte nur mit viel Glück. Die Minenarbeiter sehen dem Tod praktisch täglich ins Auge, sie kenIch machte vorerst dennoch mit meiner Arbeit weiter, schliesslich nen keine Verzweiflung. Und sie sind sich von jeher gewohnt, der Obrigmusste ich für meine neu gegründete Familie Geld verdienen. Fast jeden keit zu glauben – zu Sowjetzeiten waren das die Minenbesitzer, später Tag kamen aber die Finanzaufsicht und andere Beamte vorbei, um meidie Oligarchen. Die Arbeiter akzeptieren sogar, dass ein Löwenanteil der nen Handel zu «überprüfen». Da alle meine Banditenfreunde bei einer Einnahmen direkt in deren Taschen fliesst. Der Donbass lebt jedoch Schiesserei ums Leben gekommen waren, war ich nun auf mich alleine nicht nur von der Kohle, es gibt auch eine starke Maschinenbauindusgestellt. Als ich begriff, dass es weit mehr gierige Beamte gab, als ich jetrie, die seit jeher auf den russischen Markt ausgerichtet ist – die Promals würde schmieren können, beschloss ich aufzuhören. dukte wurden nirgendwo sonst gebraucht. Die Aussicht, Aufträge wegen eines möglichen EU-Beitritts der Ukraine zu verlieren, wurde für Krieg zu Hause die Donbass-Bewohner und deren politische Elite zu einer realen BeIch entschied mich, Journalist zu werden, und heuerte bei einer grosdrohung. sen ukrainischen Zeitung an. Um meine Schreibkünste unter Beweis zu In Donezk gelang es mir in den ersten Tagen der Unruhen, in das bestellen, musste ich einen Artikel über den Mord an einem stadtbekannsetzte Administrationsgebäude vorzudringen. Nachdem ich angefangen ten Verbrecher schreiben. Aufgrund meiner Vergangenheit kannte ich hatte, für eine Moskauer Zeitung zu arbeiten, standen mir alle Türen ofden Ermordeten persönlich und konnte so viele Details ans Licht brinfen. Im Gebäude herrschte Chaos, die Separatisten eilten dorthin, ohne gen. Seither bin ich als Reporter an die Brennpunkte des Weltgeschezu wissen, was als nächstes zu tun war. Selbsternannte Kommandanten hens gereist: Georgienkrieg, Revolution auf dem Tahrir-Platz in Kairo, der sogenannten Volksrepublik Donezk beriefen immer wieder neue Gezi-Proteste in Istanbul, Bürgerkrieg in Damaskus, Aleppo und die Treffen ein, an denen teilweise widersprüchliche Entscheidungen geKurdengebiete. troffen wurden. Sie alle waren voller Euphorie, glaubten, dass Russland Dann plötzlich kam der Zeitpunkt, wo ich zurückkehrte – um über ihnen jede Sekunde zu Hilfe eilen würde. Schon damals waren unter iheinen Krieg zu Hause zu berichten. nen viele Freiweillige aus Russland, Wladimir Paromanow aus der rusDie Revolution auf dem Maidan traf mich völlig unverhofft. Keiner sischen Stadt Korolew war einer von ihnen. Er zeigte mir seinen Pass hatte damit gerechnet, dass die friedlichen Demonstrationen gegen den

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BILD: ROLAND SCHMID

Lenin 1991 und Lenin 2014: Statue auf dem Platz der Oktoberrevolution in Kiew (heute Maidan) kurz vor der Demontage (links), Kämpfer der «Selbstverteidigung des Maidan» mit erbeutetem Lenin-Bild aus dem Hauptsitz der Kommunistischen

BILD: REUTERS/STRINGER

Partei der Ukraine, April 2014.

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BILD: ROLAND SCHMID BILD: REUTERS/GLEB GARANICH

Panzer im Museum: Ein Zweitweltkriegs-Veteran im «Museum des grossen patriotischen Krieges» in Kiew, 1991.

Zurück auf der Strasse: Panzer und Soldat der ukrainischen Armee in der ostukrainischen Stadt Siwersk, Juli 2014.

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BILD: STEFAN RIMKUS

und ein Papier, das bewies, dass er im zweiten Tschetschenienkrieg gegerung durch seine eigenen Untergebenen zu durchbrechen. Dabei kämpft hatte. Paromanow war illegal in die Ukraine gelangt, indem er schaffte er es, einen der Anführer des nationalistischen Ukrainischen die Grenzbeamten bestochen hatte. Gleich nach seiner Ankunft in DoFreiwilligenbataillions «Asow» anzurufen, der sich in der Nähe von Manezk wurde er zum Befehlshaber über das besetzte Administrationsgeriupol befand. Ein Dutzend Kämpfer eilte dem Polizeichef zu Hilfe. Am bäude. Die prorussischen Separatisten hatten damals noch wenige WafEnde war das Polizeigebäude ausgebrannt, mehrere Dutzend Menschen fen. Paromanow etwa trug seine Pistole stolz in Cowboymanier zur waren tot. Schau. Oft wird darauf hingewiesen, dass die Separatisten von Russland geIn Luhansk, wo ich danach hinfuhr, herrschte eine komplett andere steuert, unterstützt und infiltriert sind. Doch auf beiden Seiten kämpfen Situation. Die einheimischen Maidan-Gegner hatten damals schon das auch Freiwillige aus dem Ausland. Im «Asow»-Bataillon zum Beispiel Geheimdienstgebäude besetzt – und damit das Waffenarsenal erobert. Die Separatisten waren Plötzlich interessierten sich alle Ukrainer für Politik, von der Oma um ein Vielfaches disziplinierter als die in Dobis zum Clubgänger. Die Diskussionen endeten oft in Beleidigunnezk: Am Eingang zum Geheimdienstgebäude gen. Als Worte nicht mehr reichten, griff man zu den Waffen. wurden Wachposten aufgestellt und man wurde erst nach eingehender Prüfung in die Reihen der Kämpfer aufgenommen. Hier gab es weder Alkoholiker noch gibt es zwei Männer aus Schweden – echte «Kriegsromantiker» –, einen Drogenabhängige. Von Beginn an hatten hier Freiwillige aus Russland Italiener, ein Dutzend Weissrussen und noch mal ein Dutzend russische das Sagen, ehemalige Kämpfer oder Kriegsveteranen. rechtsextreme Nationalisten. In der Volksrepublik Donezk traf ich neben In Kramatorsk, Artemiswsk und Slowjansk herrschte eine noch strenRussen auch auf Polen und Weissrussen. gere Disziplin. Dort spielte von Anfang an eine Gruppe freiwilliger Es wäre ein gewaltiger Irrtum zu glauben, der Konflikt lasse sich Kämpfer aus Russland die Hauptrolle, ihr Anführer war Igor Girkin, auch schnell lösen. Denn er reicht bis in den Zweiten Weltkrieg zurück. Zu «Strelok» genannt. Als ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter und profesBeginn des Kriegs wurde die Westukraine an die Sowjetunion angesioneller Kämpfer setzte er von Beginn an strenge Regeln durch. Den beschlossen. Partisanen kämpften dort gegen die Sowjetarmee und Nazisonders Wilden unter den Kämpfern zeigte er gleich, wo ihr Platz war. Deutschland. Der Krieg gegen die Sowjets dauerte auch nach KriegsenMan munkelte sogar, dass er die Aufmüpfigsten eigenhändig erschoss. de noch ein Jahrzehnt fort, von beiden Seiten begleitet von ethnischen Das war ganz nach dem Geschmack vieler Einheimischer – in seiner ZoSäuberungen. Die Kinder und Enkel dieser Partisanen erinnern sich ne gab es weder Raubüberfälle noch andere Verbrechen. In Donezk hinnoch sehr gut an den Hass – die Hälfte der heutigen Bevölkerung der gegen wurden zur gleichen Zeit Autohändler und Waffengeschäfte ausWestukraine besteht aus den Nachfahren derer, die damals ihr Leben geraubt – die Kriminellen, meistens Einheimische, stürmten Läden und liessen. Auch ihre Enkel werden bis zum Tod kämpfen. Und der Konflikt nahmen sich alles, was sie für ihre «Volksrepublik» brauchten. ist weiterhin ungelöst: Ein Grossteil der Bürger in der Ostukraine sieht sich immer noch als Teil eines «Grossrusslands» mit den Grenzen der Leichen auf den Strassen ehemaligen Sowjetunion. In der Westukraine fordert ein Grossteil der Am 9. Mai wurde ich in Mariupol Zeuge, wie die politische Krise in Menschen Unabhängigkeit und ist der Meinung, die Russen wollen ihder Ukraine das Gefüge der Institutionen ins Chaos stürzte. Nur ein Vernen den Osten stehlen. rückter würde die Stadt jetzt betreten, erklärte mir ein Verkehrspolizist, Wer wird diesen Krieg gewinnen? Die Müdigkeit. Erst dann, wenn die der mich mit dem Auto anhielt. Im Stadtzentrum wurde geschossen, auf Menschen endlich verstehen, dass es dumm ist, sich gegenseitig im Naden Strassen lagen Leichen. Angefangen hatte alles mit einem Aufstand men der Vergangenheit abzuschlachten, erst wenn sie realisieren, dass der lokalen Polizei gegen ihren Chef. Dieser hatte von ihnen gefordert, es die Wirtschaft zerstören wird, werden sie sich miteinander versöhgegen eine Demonstration einheimischer Befürworter der Volksrepublik nen. Bis dahin werden die Kriegstrommeln geschlagen. ■ Donezk vorzugehen. Stattdessen versuchten die Polizisten, das Oberhaupt der städtischen Administration festzunehmen. Der Polizeichef verbarrikadierte sich in seinem Hauptquartier und versuchte, die BelaAus dem Russischen übersetzt von Anna Jikhareva.

Aleksandar Sibirtsev, geboren 1963 in Odessa, ist ethnischer Russe und arbeitet für die ukrainischen Zeitungen Segodnya und Vesti. Der Name ist ein Pseudonym.

Roland Schmid, Jahrgang 1966, lebt und arbeitet als freier Fotograf in Basel. Die Fotos entstanden 1991 während eines Sprachaufenthalts in der damaligen Sowjetunion im Rahmen seines Slawistikstudiums, wo er Zeuge des Umsturzes wurde. Schmid war während des Putsches in Leningrad und erlebte die ersten Abspaltungsversuche der früheren Sowjetrepubliken in der Ukraine und in Estland. Seit dem Fall der Mauer 1989 bis heute dokumentiert Schmid den gesellschaftlichen Wandel in den Staaten des früheren Ostblocks. SURPRISE 330/14

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Götz Widmann «Männer haben das Herz eines Hundes» Der Liedermacher Götz Widmann provoziert und berührt seit 20 Jahren mit seinen so frechen wie einfühlsamen Songs. Saufen und Kiffen, Sex und Liebe sind seine Themen – und seit Neuestem auch Berndeutsch. Ein Gespräch über Erfolg, das Niedere am Mann und das Leben als Deutscher in der Schweiz.

VON AMIR ALI (INTERVIEW) UND KARIN SCHEIDEGGER (BILDER)

und liebevoll. In «Die zwei Trauben» singt Widmann im Refrain: «Mein Leben tauscht ich dafür ein/nur einmal eins mit dir zu sein.» Und so kommt es dann auch. «Das Kornfeld und der Wind» ist vielleicht eines der schönsten Liebeslieder aller Zeiten. Es handelt von zwei Verliebten, «wie sie sich küssen/wie wenig sie noch voneinander wissen/und sich doch so nahe sind/wie das Kornfeld und der Wind.» Die Liebe hat den gebürtigen Deutschen Widmann in die Schweiz geführt. Genauer: Ins Bernbiet, wo er seit ein paar Jahren mit seiner Schweizer Frau hoch oben an einem Hang über dem Emmental in einem Bauernhaus aus dem 18. Jahrhundert lebt. So kam s, dass er als erster Deutscher ein Lied auf Berndeutsch geschrieben hat – und damit seinen bisher grössten Hit landete. «Bärndütsch» kommt ein halbes Jahr nach der Veröffentlichung auf über 45 000 Youtube-Klicks. Das Lied ist ein Paradebeispiel dafür, wie Wid-

Wer noch nie etwas von Götz Widmann gehört hat – und damit sind seine Lieder gemeint –, der hat etwas verpasst. Respektive etwas Wunderbares noch vor sich. Widmann, Jahrgang 1965, ist derzeit schlicht einer der besten deutschsprachigen Liedermacher. Er besingt in seinen Liedern unglückliche und glückliche Liebe, Sex und die Ex, das Saufen und den Kater, Edmund Stoiber, Jesus, das Recht auf Arbeitslosigkeit und immer wieder: das Kiffen. Alles also, womit sich ein Mensch so rumschlägt, der auf der Suche nach einem mehr oder weniger freien Leben ist. Markenzeichen sind sein treffsicherer Sprachwitz und der Hang zum Vulgären. Widmann macht seit 20 Jahren Lieder – zuerst im Duo Joint Venture, dann nach dem Tod seines Partners als Solokünstler. Im Mainstream allerdings kam er nie an. Was durchaus an seinen Texten liegen könnte. Das Lied «Frauen Die Liebe hat Widmann ins Emmental geführt. Im Lied «Bärndütsch» und Alkohol» endet mit der Zeile: «Ich hoffe, singt er: «I läbe i dr Schwiz als fuule dütsche Immigrant/und i mues ich verlass den Leib/betrunken auf ’nem scho säge: D’Schwiz isch es schöns Land.» Weib.» Vom Hanfverbot handelt «Hank starb an ner Überdosis Hasch», der vielleicht bemann nah am Zeitgeist ist und diesen mit Witz aufgreift, ohne anzuklarühmteste Song von Joint Venture. Hafenarbeiter Hank wird darin irogen: «I läbe i dr Schwiz als fuule dütsche Immigrant/und i mues scho nisch als «erster Haschischtoter» besungen: «Er rauchte grad ne Zigaretsäge: D’Schwiz isch es schöns Land.» te/da riss über ihm ne Kette/Viernhalb Tonnen guter Roter/und OldUnd weiter: «Jaja i weiss dr SVP geit dass i hie bi ufe Sack/Dr Dütsch Hankie war ein Drogentoter.» Das Fazit: «Würd man Hasch legaliisch em Schwizer si Pollack.» Und im Refrain: «I probiere, mi z’integriesiern/könnt mans sichrer transportiern.» re/won i cha, ke Sach/aber Bärndütsch, aber Bärndütsch/isch e huere Widmann kann aber trotz aller Liebe zum Rausch und dem Beschwäri Sprach.» kenntnis zur testosterongeprägten Existenz auch ganz nachdenklich SURPRISE 330/14

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Götz Widmann, was macht so viel Spass am Leben in der Schweiz? Ich habe hier eine glückliche Existenz: Verliebt, verheiratet und an einem schönen Ort gelandet. Man muss ja nur mal aus dem Fenster schauen. Unten das Emmental, hinten die Berge. Das ist einfach gut für die Seele. Und ich bin hier sehr gut integriert worden.

Meine These: Die Schweizer fühlen sich durch das Lied gebauchpinselt. Ich glaube, das Publikum spürt, dass dahinter eine Heidenarbeit und eben auch eine Menge Respekt vor der Schweizer Mundart steckt. Die meisten Deutschen denken ja, man müsse nur ein bisschen so sprechen wie Emil, dann ist das Schweizerdeutsch. Das ist natürlich kompletter Quatsch. Das Lied war jedenfalls ein voller Erfolg. Ein totaler Glücksfall. Ich war nie massentauglich. Von bürgerlichen Medien habe ich in Deutschland nie Anerkennung erfahren. Hier dann plötzlich den staatlichen Rundfunk im Haus zu haben und am Radio zu laufen, war eine fremde Welt für mich. Aber ich hab’s genossen. In einem Ihrer Songs beschreiben Sie Glück als «das Gefühl im Augenblick». Ist Glück ein Moment oder ein Zustand? Eine Mischung aus beidem. Es gibt Menschen, die tragen die Fähigkeit zum Glücklichsein in sich, und zu denen zähle ich mich eigentlich. Natürlich geht’s mir auch mal nicht so gut. Und ich kann unglaublich jammern, keine Frage. Aber mein Glück findet mich immer wieder und setzt sich auf die Dauer durch. Das ist auch im Grunde die Quelle meiner Kreativität: Je glücklicher ich bin, desto bessere Sachen kommen aus mir raus.

Ein Deutscher schreibt ein Lied auf Berndeutsch: Ein Journalist hat das mal als «waghalsige Idee» bezeichnet. Ist es das? Keine Ahnung. Es kam jedenfalls so: Als ich noch ziemlich neu hier war, hab ich nach ein paar Bier am Tresen versprochen, mal ein Lied auf Berndeutsch zu schreiben. Als der Mundart-Liedermacher Mischa Wyss dann ein Seminar für Anfänger durchführte, war das die Gelegenheit, das einzulösen. Was macht Bärndütsch zu einer schwierigen Sprache? Wahrscheinlich ist es so schwierig, gerade weil es im Grunde dieselbe Sprache ist und man es ja auch schnell versteht. Aber beim Sprechen gilt meine bisherige Sprachlogik plötzlich auf einmal gar nicht mehr, da meint man, man hätte alles richtig gesagt und hat doch in einem kurzen Satz drei Fehler. Mit «Bärndütsch» haben Sie sich ins Herz des Schweizer Publikums gespielt. Das hab ich in den 20 Jahren, die ich Liedermacher bin, noch nicht erlebt. Leute, die es zum ersten Mal hörten, haben am Ende nach den knapp vier Minuten, die das Stück dauert, geschlossen mitgesungen und auf den Tischen getanzt. Ich bin immer noch total überrascht, aber es freut mich natürlich riesig.

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Dann ist der Mythos vom Künstler, der erst aus dem Leid heraus schöpferisch werden kann, nur Unsinn? Ich bin keiner von denen. Ich hab’s gerne schön.

Liedermachen wird oft als «totes Genre» bezeichnet. Ist es das? In meiner Anfangszeit musstest du unter der Bezeichnung Liedermacher gar nicht für Auftritte anfragen. In Deutschland gab’s eine Phase des moralischen Ausverkaufs der linken politischen Liedermacherszene, nicht von allen, aber es war ein Geschäft geworden und das hat man ganz schön gemerkt. Da sind grauenhafte Leute nach oben gespült worden. Irgendwann wollte es keiner mehr hören. In der Schweiz war das nie so schlimm, weil hier mit Mani Matter eine ganz besondere Lichtgestalt unterwegs war. Er ist für mich der grösste Songwriter nach dem Krieg in deutscher Sprache. Nur schade, dass ihn 98 Prozent der Deutschsprachigen nicht verstehen. Man beschreibt Sie auch als «Liedermacher mit erhobenem Mittelfinger». Haben Sie das selbst in die Welt gesetzt? Ja, das ist von mir. Damit versuchte ich den Unterschied zu beschreiben zwischen meiner Generation von Liedermachern und denen vor uns. Die hatten einen viel grösseren politischen Impetus, aber auch einen ziemlich penetranten Pathos. Die waren ständig mit erhobenem Zeigefinger unterwegs. Die nächste Generation, Leute wie Fanny van Dannen oder eben wir mit Joint Venture haben das Image dann wieder entstaubt und sind eben eher mit erhobenem Mittelfinger unterwegs. Das heisst? Bei uns herrscht eine entspannte Leckmich-am-Arsch-Haltung vor. Da durfte dann auch mal wieder gelacht werden. Wir singen auch mal in schmutziger Sprache über obszöne Dinge, es muss nicht immer alles diese auf-

Was können Sie uns als Einwanderer über die Schweiz erzählen? Schwer zu sagen. Mein Umfeld hier ist nicht repräsentativ. Ich kenne zum Beispiel wohl ziemlich wenige SVP-Wähler. Von den Leuten, die ich hier um mich herum habe, leben doch etliche eher alternative Lebensmodelle. Da fällt mir aber tatsächlich auf, dass die das hier in der Schweiz ungefährdeter als in Deutschland tun können und unter einem geringeren Konformitätsdruck stehen. Ist man in der Schweiz also liberaler als in Deutschland? Ich glaube, es liegt daran, dass die Situation in der Schweiz materiell etwas entspannter ist. Ich kenne Leute, die mit zwei Tagen Arbeit pro Woche wunderbar über die Runden kommen. Die Freaks hier sehen einfach glücklicher aus als die in Deutschland, wo das Leben doch ziemlich hart geworden ist für Andersdenkende. Trotzdem ist mir natürlich klar, dass es auch in diesem Land eine Menge arme Leute gibt. SURPRISE 330/14


gesetzte Kultur haben. Das ist näher am wirklichen Leben. Mehr Punk halt.

Charakter oder Sozialisierung? Ich war schon immer so. Ich habe schon gegen meine Oma rebelliert, bei der ich teilweise aufgewachsen bin, weil meine Mutter damals noch studiert hat. Für die Oma war das schwer, weil man in ihrer Generation noch keine Fragen stellte. Ihr sind dann auch irgendwann die Argumente ausgegangen.

Aber durchaus politisch. Ich sehe mich in erster Linie als Unterhalter und will gute Songs schreiben. Die können auch mal politisch sein, aber den Leuten vorzuschreiben, was die Wahrheit ist: Das find ich furchtbar. Ich habe nicht den Anspruch, mit meinen Liedern die Welt zu verändern. Ich will die Leute zum selbständigen, freien Denken anregen und von Klischees befreien. Ihre Texte muss man als politisch inkorrekt bezeichnen. Sie verschonen niemanden. Ich habe vielleicht wirklich eine latente Lust am Schockieren. Irgendwie macht es mir Spass, wenn sich jemand aufregt, links genauso wie rechts. Es gibt etliche Leute in der linksautonomen Szene, die mir Sexismus vorwerfen und völlig entsetzt sind von mir. Das amüsiert mich, weil ich mich ja eigentlich über Männer noch viel mehr lustig mache als über Frauen.

Was ist das Kriterium? Keine Witze über Leute, die sich nicht wehren können. Es ist cooler, sich mit mächtigen Leuten anzulegen, mit Politikern oder Wirtschaftsbossen. Menschen, die eh schon vom Leben benachteiligt sind, sollte man eher aufbauen als fertigmachen. Arschlöchern hingegen darf man auch mal eins auf die Fresse geben. Wie witzig muss ein guter Song sein? Der kann auch total traurig sein. Meine Erfahrung: Die witzigen Songs haben eine viel kürzere Halbwertszeit als die traurigen, emotionalen. Die grössten Künstler sind die, die im selben Stück traurig und witzig sind. Das packt dich bei den Eiern und gibt Gänsehaut. Ihre Texte sind aus einer eindeutig männlichen Perspektive heraus geschrieben, auch bei Liedern wie «Wie ich eine Frau war». Wie reagieren eigentlich Frauen darauf? Die meisten sehr positiv. Sie kommen wie gesagt meist besser weg, Männer werden bei mir in ihrer kompletten Niedrigkeit dargestellt. Das geht noch viel tiefer, als wenn ich mal eine abfällige Bemerkung über einen bestimmten Typ Frau mache. SURPRISE 330/14

Diese Niedrigkeit des Mannes kennen Sie aus eigener Erfahrung? Da ist schon viel Selbstbeobachtung dabei. Am meisten mach ich mich in meinen Songs ja über mich selbst lustig. Und nehme mir daher auch die Freiheit, mich über andere lustig zu machen. Was ist denn das Niedrige am Mann? Wir sind viel stärker triebgesteuert, als wir uns das eingestehen. Und in vielen Fällen: die Neigung zum Alkoholismus. Was ist das Schöne am Mann? Das gilt natürlich nicht für alle: Aber viele Männer tendieren dazu, ein gutes Herz zu haben. Wir haben das Herz eines Hundes. Es heisst immer: Der Mann denkt mit dem Schwanz. Aber der Mann denkt tatsächlich auch mit dem Herz. Frauen sind da glaube ich analytischer, was das Zwischenmenschliche angeht.

Würden Sie Ihr Leben von damals als verkackt bezeichnen? Auf keinen Fall. Ich hatte jede Menge Spass. Aber heute spiele ich nur noch nüchtern. Ich bin besser auf der Bühne, wenn ich nüchtern bin. Den Rausch heb ich mir für danach auf. Wird man im Alter ruhiger? Ich habe mich natürlich verändert über all die Jahre. Aber im Grunde bin ich immer noch derselbe kleine 16-jährige Vollidiot, der ich damals war. ■

«Bärndütsch»: Livemitschnitt der aktuellen Jubiläumstour mit Billy Rückwärts als Begleitband und dem Titelsong «Bärndütsch». Zu bestellen unter www.ahuga-store.ch Götz Widmann live: Winterthurer Musikfestwochen,

Der Mann braucht also ein gutes Frauchen? Ja. Sonst ist er ausgeliefert und manipulierbar mit seinem seltsamen natürlichen Vertrauen.

So, 17. August, 20.15 Uhr, Kirchplatz Winterthur. www.goetzwidmann.de BILD: ZVG

Sind Sie sich immer sicher, dass Sie dabei die Grenze zur Respektlosigkeit nicht überschreiten? Das weiss man ja nie, weil das eine sehr subjektive Sache ist. Für etliche Leute überschreite ich diese Grenze. Ich muss mich selbst dabei wohl und einigermassen menschenfreundlich finden.

Rebellieren Sie auch mal gegen Ihr eigenes Publikum? Ich habe früher viel über Drogen gesungen. Das war super und passte auch zu meinem damaligen Leben. Aber ich habe mich weiterentwickelt, meine Themen sind vielfältiger geworden, und ich als Künstler für mich selber insgesamt spannender. Leute, die zu meinen Konzerten kommen und nur die alten Songs hören wollen, muss ich dann halt zwingen, sich mit dem neuen Zeugs auseinanderzusetzen. Wenn ich’s mir einfach hätte machen wollen, hätte ich weiter nur Lieder über Drogen, unglückliche Liebe und das verkackte Leben geschrieben. Dann wäre ich heute wahrscheinlich erfolgreicher. Das hätte mich aber gelangweilt.

«Versaut» ist eines der Attribute, mit denen Ihre Musik gerne versehen wird. Was heisst das? Ich lege mir keine Fesseln an. Ich mochte schon immer die etwas vulgäreren Poeten. Charles Bukowski zum Beispiel. Man kann ja auch mal «ficken» sagen, wenn man «ficken» meint. Ich habe auch relativ wenig Respekt vor klassischen abendländischen Moralvorstellungen. Das steht für mich kontinuierlich auf dem Prüfstand.

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Fremd für Deutschsprachige Onkel Elmaz Menschen, die man schon lange kennt, kennt man in mehr als einer Version. Meinen Onkel Elmaz zum Beispiel gibt es für mich in zwei Ausführungen: einmal als Onkel Elmaz meiner Kindheit, der frisch angeworbene, hochgewachsene Gastarbeiter und junge Fernvater, und einmal als Onkel Elmaz von heute, der Pensionär und Präsenzgrossvater. Zum heutigen Elmaz gehören Insulinspritzen, eine mit dem Alter zunehmende Gottesfürchtigkeit und Redseligkeit, aber auch ein Kranz von Enkelkindern um die gerundeten Schultern. Der Kopf des heutigen Elmaz ist weiss gesäumt, die Nase mit einem Netz feiner Äderchen verziert, und die Augen, das hat sich nicht verändert, sind freundlich und aufmerksam. Man erlebt es jedoch immer häufiger, dass sein Blick abschweift und sich an etwas Fernem, Un-

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sichtbarem festzurrt. Wenn Onkel Elmaz uns heutzutage besucht, taucht sein tropfenförmiger Bauch langsam, schubweise hinter dem Treppengeländer auf, während wir alle oben am Treppenende warten, lächelnd, und uns für die steile Treppe entschuldigen. Den jungen Elmaz hörte man jeweils schon von fern auf dem silbernen Puch anbrausen, und die Treppe nahm er federnden Schrittes, mehrere Stufen aufs Mal. Bei seinen Besuchen, auch das ist geblieben, hält er sich nicht ans Protokoll. Er erkundigt sich nicht wie üblich bei einem ersten Frageund Antwort-Durchgang kurz nach dem Befinden jedes Anwesenden, um sich erst in einer zweiten Runde in handfeste Gespräche zu verwickeln. Onkel Elmaz, einmal gefragt, wie es ihm gehe, taucht direkt ab in philosophische Tiefen und beginnt seine Lieblingsfrage zu referieren, die seit seiner Pensionierung lautet: Was macht einen wahrhaft guten Menschen und ein wahrlich glückliches Leben aus? Sind es nicht harte Arbeit, Respekt vor den Älteren und Familiensinn? In diesem Zusammenhang lobt er stets meinen Vater, fleissig, familienorientiert, ein Muster von Brüderlichkeit. Und geht dann oft auch zu mir über. Obwohl ich studiert sei, eine Professorin an der Universität, besuche ich ihn immer noch und frage nach seinem Wohlbefinden. Jeder meiner Erfolge, deklamiert er mit erhobenen Händen, sei auch ein Erfolg für ihn und unser gesamtes

Volk! Wenn ich ihm dann zum dreiundzwanzigsten Mal erkläre, ich sei mitnichten Professorin und einen Witz einstreuen will, überhört er ihn. Das wäre dem früheren Elmaz nicht passiert. Denn der war für einen ziemlich inflationären Gebrauch von Ironie und Humor bekannt. Gelegentlich flackert jedoch der alte Elmaz wieder auf, wenn er und mein Vater ins Erzählen kommen; von früher, als sie jung waren. Davon, wie sie sich während der ersten Jahre in der Schweiz eine kleine Wohnung teilten und, ich zitiere, «was nicht alles» gemeinsam erlebten. So hätten sie zum Abendessen oft ein ganzes Huhn in einen Topf Salzwasser geworfen, um zur Vorspeise die Brühe zu trinken und sich zur Hauptspeise dem Huhn zuzuwenden. Und an einem Abend vor 32 Jahren, daran könne Onkel Elmaz sich noch erinnern als wäre es gestern gewesen, seien er und mein Vater zusammen in einer holzgetäfelten Dorfbeiz in der Fremde gesessen und hätten zur Feier meiner Geburt zusammen Zigarren geraucht und «Pflüümli» getrunken. Ich muss ihn bald mal wieder besuchen, den Onkel Elmaz.

SHPRESA JASHARI (SHPRESAJASHARI@HOTMAIL.COM) ILLUSTRATION: RAHEL NICOLE EISENRING (RAHELEISENRING.CH) SURPRISE 330/14


Kloster Muri Bibelstudium inmitten blutiger Konflikte Das neu eröffnete Klostermuseum Muri ermöglicht einen Einblick in Zeiten, als die Europas Klöster Horte des Wissens und sakrale Zentren der Macht waren.

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© BILD: JÜRG KÜNG,

Das Leben hinter dicken Klostermauern übt auf die Menschen bis heute eine ungebrochene Faszination aus. Die Mischung aus Gottesfurcht und Macht liefert den Stoff für Geschichten bis hin zu Umberto Ecos Welterfolg «Der Name der Rose», worin der wachsende Wissensdurst in der Abgeschiedenheit eines Benediktinerklosters so manche Begehrlichkeit weckt. Auch das Kloster Muri im aargauischen Freiamt war ein Benediktinerstift. Das alte Museum stand lange Zeit im Schatten der barocken Klosterkirche. Deshalb wurde die ganze Ausstellung modernisiert und im April neu eröffnet. Sie veranschaulicht das Klosterwesen sowie die bedeutende Stellung des Klosters Muri innerhalb Europas. So war das Mittelalter zumindest in den Klosterschulen keineswegs fortschrittsfeindlich. Während immer wieder blutige Konflikte zwischen verfeindeten Adelsgeschlechtern aufloderten und die Inquisition ihre Opfer forderte, gingen die Mönche in den Schreibstuben dem Bibelstudium nach und schulten sich in Mathematik, Astronomie und anderen Bereichen der Naturwissenschaften. Die Geschichte des Klosters Muri ist vor allem auch die Geschichte zweier starker Frauen: Ita von Lothringen und Zita von Bourbon-Parma. Ita war die Stammmutter der Habsburger, während Jahrhunderten eine der einflussreichsten Adelsfamilien Europas. Als Ita erfuhr, dass das Freiamt unrechtmässig an die Habsburger gelangte, konnte sie ihren Mann, Radbot von Habsburg, im Jahr 1027 dazu bewegen, aus ihrer Morgengabe dieses erste habsburgische Eigenkloster zu stiften. «Ein Kloster stiftete man damals zur Sicherung des eigenen Seelenheils, aber auch, um den politischen Einfluss in einer Region zu festigen», sagt Barbara Reif, Kuratorin des Klostermuseums Muri. Die Habsburger verbindet bis zum heutigen Tag eine starke Beziehung mit dem Kloster Muri. Nicht nur die Stammmutter Ita liegt hier begraben. In einen Stein eingefasst in der Loretokapelle ruhen die Herzen von Zita und Karl I., dem letzten Kaiserpaar der Donaumonarchie Österreich-Ungarn. Über den Zeitraum eines Jahrtausends hinweg bilden Ita und Zita einen gewaltigen Rahmen, in dem sich die grossen politischen Geschicke entfalten. Aber auch das Leben einzelner Menschen hinterliess im Kloster Spuren. So etwa im Tagebuch des Mönchs Jodok Stirnimann: Seine Aufzeichnungen, aus denen einzelne Anekdoten im Museum an Audiostationen gehört werden können, erzählen vom Alltag der Benediktiner ab Ende des 17. Jahrhunderts. «Dank Stirnimanns Texten ist es uns möglich, den historischen Inhalt faktengetreu und authentisch zu zeigen. So bleibt Geschichte nicht länger ein intellektuelles Konstrukt, sondern erhält eine emotionale Tiefe», sagt Barbara Reif. Besonders berührt habe sie die Schilderung der Taufe eines tot geborenen Babys. Die Ausstellung

MUSEUM KLOSTER MURI

VON MONIKA BETTSCHEN

Blick in den Äbtekeller: Hier hockt nicht nur die Religion, sondern auch die Macht.

geht am Beispiel von sieben Äbten auf das Leben im Kloster ein. Exponate aus jenen Zeiten untermalen die Geschichten von Äbten, die nicht nur fromm waren, sondern oft ausschweifend lebten und durchaus auch Kinder zeugten. Während des 16. Jahrhunderts, der Zeit der Reformation, besetzten Berner Truppen das Kloster Muri und richteten grossen Schaden an, doch das Kloster konnte weiterhin bestehen. Der Einfluss der Klöster als moralische und politische Instanzen schwand aber nach der Aufklärung und Säkularisierung. Die Ratio gewann gegenüber der Frömmigkeit die Oberhand. 1835 beschlossen liberale Kräfte im Kanton Aargau unter anderem die Schliessung der Klosterschule. Sechs Jahre später wurde der Konvent gar aufgefordert, das Kloster innerhalb von 48 Stunden zu verlassen. In dieser Notlage kamen die Habsburger den heimatlosen Mönchen zu Hilfe. Kaiser Franz Ferdinand von Österreich bot ihnen als neuen Wirkungsort ein Kloster in Gries bei Bozen in Südtirol an. «Bis heute wird dort immer noch Schweizerdeutsch gesprochen», so Barbara Reif. ■

Museum Kloster Muri: «Den Himmel vor Augen», Di bis Fr: 12 bis 17 Uhr, Sa/So: 10 bis 17 Uhr. Mit der Bahn bis Muri AG. Fünf Minuten Fussmarsch ab Bahnhof SBB. www.museum-kloster-muri.ch

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Kultur

Holzhacken ist, wenn die Welt noch aus Schweiss und Muskeln besteht.

In Montreal wäre die Welt für einen Schwulen in Ordnung. Hier weniger.

Buch Gestapelt von …

Kino Die imaginäre Freundin des Toten

Lars Myttings Buch vom Holzfällen ist eine unterhaltsame Suche auf den Spuren eines alten Handwerks und der Kulturgeschichte des Holzes.

In «Tom à la ferme» vergeht einem jungen Schwulen angesichts von Gewaltandrohung der Mut, zu seiner Homosexualität zu stehen. Der Film ist aber mehr als ein Protest gegen Homophobie.

VON CHRISTOPHER ZIMMER

VON THOMAS OEHLER

«Holz wärmt zweimal, beim Fällen und im Ofen», schrieb der amerikanische Philosoph und Waldbewohner Henry David Thoreau. 1845 zog er in die Wildnis – zu einem Leben zwischen Axt und Feder. Im Norweger Lars Mytting hat er einen Seelenverwandten gefunden, auch wenn dieser zu Motorsäge und PC greift. Inspiriert vom Holzstapel vor dem Haus seines Nachbarn, hat sich Mytting auf Spurensuche rund um die alte Kunst des Holzfällens gemacht. Entstanden ist dabei ein Kompendium, das sowohl Nachschlagwerk als auch Liebeserklärung ist – mit einem Cover, das sich anfühlt wie Holz, so dass es schon mit dem ersten Griff zur Sache geht. Mytting geht das Thema mit journalistischer Detailtreue an, der man zugleich die Begeisterung anmerkt. Schliesslich ist Holzfeuerung ein Teil der norwegischen Volkskultur. Was ein rechter Norweger ist, dem macht ein gut bestückter Holzschuppen nicht weniger Freude als ein guter Weinkeller. Ein Holzstapel verleiht Sicherheit, ist ein Kunstwerk für sich und trägt «den Stempel seines Erbauers». Kein Wunder, dass bei den zahlreichen Abbildungen jeweils steht: «Gestapelt von …» Nicht nur passionierten Holzfällern wird das Herz höher schlagen bei dieser Tour d’Horizon vom Baumfällen bis zum Spiel der Flammen in Ofen und Kamin. Der Weg dahin ist allerdings weit und verlangt viel Hingabe, Geschick und Muskelkraft. Mytting hat dazu das Know-how gesammelt: von Fällarten, Holztrocknungszeiten und Brennwerten über Wahl, Gebrauch und Pflege von Äxten und Motorsägen bis hin zur Ökobilanz von Holzenergie. Dabei ist das Buch eine abwechslungsreiche Lektüre, denn Mytting würzt die Fakten mit Anekdoten, Wissenswertem und Kuriosem aus der Kulturgeschichte des Holzes, so anschaulich, dass man fast meint, das Holz riechen zu können. Und selbst Stubenhocker können wohl die von Mytting an den Schluss seines Buches gestellten Verse des Dichters Hans Børli nachempfinden: «Den Duft von frischem Holz wirst du als Letztes vergessen, wenn der Vorhang fällt.»

Der Schauplatz, das kanadische Land, steht in seiner Weite im Kontrast zur Enge in den Köpfen der Dorfbewohner. Tom, der hippe Schwule aus Montreal, besucht hier die Familie seines Geliebten Guy, der vor kurzem gestorben ist. Die jedoch weiss nichts von der sexuellen Orientierung ihres Sprösslings. Zumindest nicht die Mutter, die seit dem Tod ihres Mannes nur noch ihre beiden Söhne hat. Francis, Guys älterer Bruder, weiss sehr wohl Bescheid. Er zwingt Tom dazu, der Mutter die Geschichte einer imaginären Freundin Guys aufzutischen und vor allem seine Beziehung zu Guy unter allen Umständen zu verschweigen. Und schon sind wir mitten drin in einem Beziehungsgeflecht, das aus Lüge, Doppeldeutigkeiten und physischer wie psychischer Gewalt besteht. Innert kürzester Zeit entstehen zwischen diesen drei Personen gegenseitige Abhängigkeitsverhältnisse. Dabei wird allerdings nichts ausgesprochen. Es sind kleine Gesten und Reaktionen, die hinter die um jeden Preis zu erhaltende ländliche Heile-Welt-Fassade blicken lassen. Fragen kommen auf. Weshalb flieht Tom nicht einfach, so lange er kann? Was steckt hinter Francis’ brutaler Unterdrückung der (schwulen) Wahrheit? Was weiss die Mutter wirklich? Und wie starb Guy? Erst als die imaginäre Freundin tatsächlich auftaucht, brechen die erstarrten Verhältnisse etwas auf. Xavier Dolan ist ein Wunderkind. Er ist erst 25 Jahre alt und präsentiert mit «Tom à la ferme» bereits seinen vierten Spielfilm. Er führte Regie, produzierte, schnitt den Film selber und spielte die Rolle von Tom. Dabei schuf er nicht nur einen grossen Film über unterdrückte Homosexualität. Sei es Russland, Frankreich oder der Nahe Osten: Homosexualität stösst immer noch auf massive Ablehnung. Da braucht es Filme wie diesen. Aber «Tom à la ferme» zeugt auch von einer hohen Sensibilität für psychologische Feinheiten und seelische Abgründe. Und erzählt von der Angst, der Wahrheit ins Auge zu blicken. Auch der eigenen. In Cannes gab es für diesen tief menschlichen Film den Jurypreis.

Lars Mytting: Der Mann und das Holz. Vom Fällen, Hacken und Feuermachen.

Xavier Dolan: «Tom à la ferme», FR/CA 2013, 105 Min., mit Xavier Dolan, Pierre-Yves

Insel 2014. 27.90 CHF

Cardinal, Evelyne Brochu u.a. Der Film läuft ab 31. Juli in den Deutschschweizer Kinos.

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BILD: ISTOCKPHOTO

Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Geschenkpaket oder Gemüse? Farbenfroher Mangold.

Piatto forte Das Kraut von Rüben Mangold ist wohl die einzige Rübenart, bei welcher Stengel und Blätter statt der Wurzel das Augenmerk der Köche geniessen.

01

Klinik Sonnenhalde AG, Riehen

02

Lions Club, Zürich Seefeld

03

Schweizerisches Tropen- und Public HealthInstitut, Basel

04

VXL Gestaltung und Werbung AG, Binningen

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Scherrer & Partner GmbH, Basel

06

Gemeinnütziger Frauenverein Nidau

07

Velo-Oase Erwin Bestgen, Baar

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Bruno Jakob Organisations-Beratung,

VON TOM WIEDERKEHR

Bei Mangold handelt es sich um eine Varietät der Rübe. Es ist allerdings unklar, welche der beiden Pflanzen zuerst kultiviert wurde: Es gibt Quellen, die den Mangold bereits bei unseren prähistorischen Vorfahren auf dem Speisezettel vermuten. Und da die Rüben erst bei den Römern erste Erwähnung finden, kann angenommen werden, dass Mangold die Ursprungsform darstellt, aus der später die wurzelbetonteren Rübensorten entwickelt wurden. Wir bezeichnen Mangold hierzulande häufig als Krautstiel und kennen ihn als wichtigste Zutat bei den Bündner Capuns oder mit Reibkäse überbacken als Gratin. Dabei hat der Mangold Besseres verdient, als einfach aus dem Wasser gezogen zu werden. Das leicht erdig-nussige Aroma kommt am besten zur Geltung, wenn er nur kurz gegart wird und noch etwas Biss hat. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt der Mangold geerntet wird, benötigen Blätter und Stengel eine unterschiedliche Zubereitung. Wenn das Gemüse noch zart und jung ist, bietet es sich an, Stengel und Blätter in feine Streifen zu schneiden und nur kurz in bestem Olivenöl zu schwenken und mit ein bis zwei mit der Gabel zerdrückten Knoblauchzehen und ein paar wenigen Sardellenfilets zu aromatisieren. Hat der Mangold gerade Hochsaison und ist schon ein bisschen robuster, sollten die Stengel zuerst separat in etwas Salzwasser blanchiert werden, bevor sie zum Beispiel zusammen mit den Blättern und einer Handvoll kleiner Tomaten in der Pfanne sautiert und im Ofen mit etwas Schafmilchkäse überbacken werden. Dem so verfeinerten Mangold nach dem Anrichten auf dem Teller noch ein paar geröstete Pinienkerne und ein paar Tropfen Aceto tradizionale gönnen, und schon ist eine Vorspeise fertig, welche lauwarm serviert wunderbar nach Süden schmeckt. Mangold ist übrigens ein Gemüse, das keine Angst vor Farben hat: Wer nicht beim Grossverteiler den erstbesten Packen kauft, findet beim Gemüsehändler oder auf dem Markt auch die Sorten mit grünen, roten und gelben Blattstielen. Diese fast in Vergessenheit geratenen Sorten begeistern mit noch mehr Geschmack. So farbig kann der Sommer sein!

Pfäffikon SZ 09

Balz Amrein Architektur, Zürich

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Supercomputing Systems AG, Zürich

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Kultur-Werkstatt – dem Leben Gestalt geben, Wil SG

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Schluep Degen Rechtsanwälte, Bern

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Anyweb AG, Zürich

14

A. Reusser Bau GmbH, Recherswil

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Verlag Intakt Records, Zürich

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Hotel Basel, Basel

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Homegate AG, Zürich

18

Balcart AG, Therwil

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Arbeitssicherheit Zehnder GmbH, Ottenbach

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applied acoustics GmbH, Gelterkinden

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Privat-Pflege, Hedi Hauswirth, Oetwil am See

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Hofstetter Holding AG, Bern

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Bachema AG, Schlieren

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fast4meter Bern, Storytelling & Moderation

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Fischer & Partner Immobilien AG, Otelfingen

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag. Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

Bezugsquellen und Rezepte: http://www.piattoforte.ch/surprise 330/14 SURPRISE 330/14

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Verkäuferporträt «In meiner Seele bin ich jenisch» Surprise-Verkäufer Alois Kappeler, 61, war eines der 586 Kinder, die man den jenischen Fahrenden wegnahm. Er hat sein Leben lang gekämpft – und vor Kurzem vor Gericht gegen die IV gewonnen.

«Vor einiger Zeit konnte ich mir mit dem Geld aus dem Surprise-Verkauf erstmals in meinem Leben Ferien leisten. Ich war mit meiner Frau drei Wochen im Wallis. Ich bin halt ein richtiger Bergler. Ursprünglich komme ich aus dem Muotathal. Meine Grosseltern lebten dort im hintersten Krachen. Ich habe herausbekommen, dass sie vergeblich um mich kämpften, als man mich meiner Mutter zwei Tage nach der Geburt wegnahm. Sie oder meinen Pape habe ich auch später nie kennen gelernt. Von meinen offiziell 14, inoffiziell 21 Geschwistern habe ich zwar den einen oder die andere mal getroffen, aber ein engerer Kontakt kam nicht zustande. Wir haben auch nie über das Schicksal geredet, das wir teilen. Es geht ja auch um extreme Gefühle. Mich werden sie nie wieder loslassen. Vor allem wenn ich eine Krise habe, in der Ehe zum Beispiel, kommt die Vergangenheit hoch wie ein brutaler Film. Dann tut es wieder weh. Ich bekomme Alpträume, in denen ich meine Vergangenheit erlebe. Etwa als ich bei dem einen Bauern im Bernbiet im Saustall lebte. Dasselbe ass wie der Eber dort. Erst hatte ich Angst vor ihm, aber er war ganz friedlich. Damals war ich 13, 14. Ich bin davongelaufen. Was zur Folge hatte, dass man mich in die psychiatrische Klinik steckte, wie viele der Kinder, die man den Fahrenden wegnahm. Ich weiss, dass ich jenisch bin und was das heisst, seit ich auf einem Campingplatz in Rotenbrunnen einen Fahrenden kennen lernte. Er war in derselben Klinik, in Beverin. Ich war in insgesamt 49 Anstalten. Bis 40 war ich ein Mündel. Das halbe Leben habe ich gekämpft, um aus der Vormundschaft herauszukommen, bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Obwohl ich nicht in der jenischen Kultur aufgewachsen bin, lebe ich auf meine Art in der jenischen Tradition. In meiner Seele bin ich jenisch, es zieht mich noch immer sehr zu den Fahrenden, hin zu diesem Leben. Meiner Frau sagt das leider gar nichts, sie braucht das Häusliche. Aber ich lebe meine Kultur trotzdem, zum Beispiel in der Volksmusik. Ich spiele Handörgeli und bin im Jodlerklub. Dort sogar als Fähnrich. Ich war auch am Eidgenössischen Jodlertreffen in Davos. Das gibt mir Stolz. Ich verkaufe auch Surprise im Stil eines Fahrenden. In vier Kantonen: St. Gallen, Graubünden, Schwyz und Glarus. Neben dem Magazin verkaufe ich auch Tombolalose, gerade war ich am Albanifest in Winterthur. Ausserdem bin ich als Messerschleifer unterwegs – wie schon mein Vater. Ich habe das in mir. Was man mit uns Jenischen gemacht hat, ist eine Frechheit. Das Schlimmste daran ist, dass man bei den Behörden nicht mit der Wahrheit umgehen konnte und bis heute nicht kann. Eine persönliche Entschuldigung habe ich bis heute nicht bekommen. Die Behörden sagen, sie hätten mir eine Wiedergutmachung bezahlt. Ich habe das Geld nie gesehen. Dabei bin ich durch die Hölle gegangen. Wenn man so etwas mitgemacht hat wie ich, lernt man zu kämpfen. Nicht locker zu lassen, bis man eine Antwort bekommt. Das ist wichtig, um ein neues Leben

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AUFGEZEICHNET VON YVONNE KUNZ

beginnen zu können. Und nützlich, denn man muss sich ja weiterhin wehren. Jetzt wollte mir die IV einen Betrug anhängen, wegen all meinen Aktivitäten und dem kleinen Verdienst, den ich daraus erziele. Die wollten mir die komplette Rente streichen. Die ganzen siebzehnhundert Fränkli! Gerade hat mir aber das Verwaltungsgericht recht gegeben. Ich habe alles angegeben und sauber abgerechnet. In meinem Leben ist so viel passiert, dass mir die eigene Geschichte bis heute teils schleierhaft bleibt. Ich habe inzwischen einen Lebenslauf geschrieben, aber es ist schwierig, mein Leben zu rekonstruieren. Deshalb will ich wohl auch ein Buch darüber schreiben. Ich habe sogar schon angefangen – aber das braucht richtig viel Zeit! Gerade auch für mich, der nie ein Schulhaus so richtig von innen gesehen hat. Richtig lesen und schreiben habe ich erst als Erwachsener gelernt. Aber den Untertitel für mein Buch weiss ich schon: ‹Alois hat ein neues Leben›.» ■ SURPRISE 330/14


SurPlus – eine Chance für alle! Werden Sie Gotte oder Götti bei SurPlus Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten. Menschen, die kaum Chancen auf dem ersten Arbeitsmarkt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt wieder Struktur und mehr Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Das verdient Respekt und Unterstützung. Das Spezialprogramm SurPlus ist ein niederschwelliges Begleitprogramm für ausgewählte Surprise-Verkaufende, die regelmässig das Strassenmagazin

verkaufen und hauptsächlich vom Heftverkauf leben. Diese Verkaufenden erhalten nur geringe soziale Ergänzungsleistungen und werden im Programm SurPlus gezielt vom Verein Surprise unterstützt: Sie sind sozial abgesichert (Ferien, Krankheit, Nahverkehrsabonnement) und werden bei Problemen im oft schwierigen Alltag begleitet. Mit einer Patenschaft leisten Sie einen wesentlichen Beitrag für die soziale Absicherung der Verkaufenden und ermöglichen ihnen, sich aus eigener Kraft einen Verdienst zu erarbeiten. Vielen Dank für Ihr Engagement!

Elsa Fasil Bern

Kostana Barbul St. Gallen

René Senn Zürich

Marlis Dietiker Olten

Negasi Garahassie Winterthur

Josiane Graner Basel

Wolfgang Kreibich Basel

Tatjana Georgievska Basel

Bob Ekoevi Koulekpato, Basel

Anja Uehlinger Baden

Ralf Rohr Zürich

Emsuda Loffredo-Cular Basel

Fatima Keranovic Basel

Ja, ich werde Gotte/Götti und unterstütze das SurPlus-Programm von Surprise! 1 Jahr: 6000 Franken

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330/14 Talon bitte senden oder faxen an: Verein Surprise, Administration, Spalentorweg 20, 4051 Basel, F +41 61 564 90 99, info@vereinsurprise.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 330/14

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise hilft seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit Programmen in den Bereichen Beschäftigung, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit. Surprise hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt, bei der Klärung der Wohnsituation, bei den ersten Schritten raus aus der Schuldenfalle und entlastet so die Schweizer Sozialwerke.

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit. Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende Strassenmagazin Surprise heraus. Dieses wird von einer professionellen Redaktion produziert, die auf ein Netz von qualifizierten Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen zählen kann. Das Magazin wird fast ausschliesslich auf der Strasse verkauft. Rund dreihundert Menschen in der deutschen Schweiz, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten damit eine Tagesstruktur, verdienen eigenes Geld und gewinnen neues Selbstvertrauen.

Sport und Kultur Surprise fördert die Integration auch mit Sport. In der Surprise Strassenfussball-Liga trainieren und spielen Teams aus der ganzen deutschen Schweiz regelmässig Fussball und kämpfen um den Schweizermeister-Titel sowie um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften für sozial benachteiligte Menschen. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Chor. Gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte ermöglichen Kontakte, Glücksmomente und Erfolgserlebnisse für Menschen, denen der gesellschaftliche Anschluss sonst erschwert ist. Finanzierung, Organisation und internationale Vernetzung Surprise ist unabhängig und erhält keine staatlichen Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle anderen Angebote wie die Betreuung der Verkaufenden, die Sportund Kulturprogramme ist Surprise auf Spenden, auf Sponsoren und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen. Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden vom Verein Surprise geführt. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband über 100 Strassenzeitungen in 40 Ländern an.

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Herausgeber Verein Surprise, Spalentorweg 20, 4051 Basel www.vereinsurprise.ch Öffnungszeiten Sekretariat 9 – 12 Uhr, Mo – Do T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@vereinsurprise.ch Geschäftsführung Paola Gallo (Geschäftsleiterin), Sybille Roter (stv. GL) Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 90, M +41 76 325 10 60 anzeigen@vereinsurprise.ch Redaktion T +41 61 564 90 70, F +41 61 564 90 99 Amir Ali (ami), Florian Blumer (fer, Heftverantwortlicher), Diana Frei (dif), Mena Kost (mek) redaktion@vereinsurprise.ch leserbriefe@vereinsurprise.ch Ständige Mitarbeit Rosmarie Anzenberger (Korrektorat), Rahel Nicole Eisenring, Shpresa Jashari, Carlo Knöpfel, Melanie Kobler (Grafik), Yvonne Kunz, Stephan Pörtner, Milena Schärer, Isabella Seemann, Priska Wenger, Tom Wiederkehr, Christopher Zimmer Mitarbeitende dieser Ausgabe Manuela Donati, Florian Nidecker, Thomas Oehler, Stefan Rimkus, Karin Scheidegger, Roland Schmid, Aleksandar Sibirtsev, Roland Soldi Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 17 900, Abonnemente CHF 189, 24 Ex./Jahr Marketing, Fundraising T +41 61 564 90 50 Svenja von Gierke

Vertriebsbüro Basel T +41 61 564 90 83 Thomas Ebinger, Anette Metzner, Spalentorweg 20, 4051 Basel, basel@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Zürich T +41 44 242 72 11, M +41 79 636 46 12 Reto Bommer, Engelstrasse 64, 8004 Zürich, zuerich@vereinsurprise.ch Vertriebsbüro Bern T +41 31 332 53 93, M +41 79 389 78 02 Andrea Blaser, Alfred Maurer, Bruno Schäfer, Pappelweg 21, 3013 Bern, bern@vereinsurprise.ch Strassenchor T +41 61 564 90 40, F +41 61 564 90 99 Paloma Selma, p.selma@vereinsurprise.ch Strassensport T +41 61 564 90 10 Lavinia Biert (Leitung), l.biert@vereinsurprise.ch, Olivier Joliat (Medien), David Möller (Sportcoach) www.strassensport.ch Vereinspräsident Peter Aebersold

Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Surprise behält sich vor, an Verkaufende gerichtete Postsendungen zu öffnen. Barspenden an namentlich bezeichnete Verkaufende können nur bis zu einem Betrag von CHF 100.– weitergeleitet werden. Darüber hinausgehende Beträge sollen – im Einverständnis mit der Spenderin oder dem Spender – allen Verkaufenden zugute kommen. SURPRISE 330/14


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Surprise Mehr als ein Magazin Vertrieb Basel Älpler-Olympiade in Melchsee-Frutt Gut 20 Basler Surprise-Verkäuferinnen und Chorsänger unternahmen Ende Juni mit der Vertriebsleitung und auf freundliche Einladung der Bergbahnen Melchsee-Frutt einen Ausflug in die Berge. Petrus spielte nicht mit – Spass machte es trotzdem. Stadtführer und Surprise-Verkäufer Rolf Mauti hat den Tag in lyrischer Form zusammengefasst: Trotz Grau und Nass – wir hatten alle Spass. Maccaroni mit Mus – ein satter Genuss. Seilzug, Gleichschritt, Talerspiel – weil das Golf ins Wasser fiel. Die «Älpler Olympiade» hielt uns fit – Melchsee Frutt, das war ein Hit!

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Macht stark.

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