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Ab uf d’Alp Bergwärts mit Glockengeläut Treffpunkt Raststätte: Wo die Blechlawine Pause macht

Stiften statt Studieren – Rudolf Strahm über die Vorteile der Berufslehre

Nr. 227 | 18. Juni bis 1. Juli 2010 | CHF 6.– inkl. MwSt. Die Hälfte des Verkaufspreises geht an die Verkaufenden. Bitte kaufen Sie nur bei Verkaufenden mit offiziellem Verkaufspass.


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*gemäss Basic 2008-2. Seite bitteMACH heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

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10 Autismus Reizarm zum Erfolg Bunte Schreibtischdekorationen oder vollgehängte Pinnwände sind für arbeitstätige Menschen, die unter dem Asperger-Syndrom leiden, der Horror. Denn die Reizüberflutung, die solche Dinge bei ihnen auslösen, hindert sie an der Arbeit. In der Zürcher Firma Asperger Informatik können Autisten ungestört arbeiten, weil die Chefin eine der ihren ist und weiss, was sie brauchen.

BILD: ANGEL SANCHEZ

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Inhalt Editorial Erfolgsfaktor Handwerk Strassenfussball Schweizer Meisterschaft Basteln für eine bessere Welt Allzeit grillbereit Aufgelesen Aus der Traum Zugerichtet Auf einen Schlag Mit scharf! Untaugliche Vorschläge Erwin … auf der Alp Porträt Bauer mit Wirtschaftssinn Autobahnraststätte Unter Zugvögeln Wörter von Pörtner Französische Tristesse Mittelalter Feiern wie zu Ritters Zeiten Kulturtipps Ein Buch für das Wesentliche Ausgehtipps Ein Fest für Vertriebene Verkäuferporträt Schneller Captain Projekt Surplus Chance für alle! Starverkäufer In eigener Sache Impressum INSP

BILD: MIRIAM KÜNZLI

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12 Brauchtum Alpentöne Mit prächtigen Glocken um den Hals trotten die Kühe bergwärts. Für Städter und Touristen bedeutet ein Alpaufzug Unterhaltung und Folklore. Für die Bauern aber ist die «Züglete» im Frühsommer vor allem viel Arbeit. Treicheln und Riemen müssen überholt und geputzt werden, während die Tiere beim ersten Glockenschlag gleich losrennen möchten. Ein Augenschein bei den Vorbereitungen zur Alpfahrt im Urner Reusstal.

BILD: THIERRY KLEINER

18 Bildung Lehrlinge braucht das Land Wer eine Berufslehre gemacht hat, kann was. Das wissen die meisten Schweizer Unternehmen und bilden häufig selbst Lernende aus. Die Manager der internationalen Firmen hingegen wissen kaum, was sie an den Berufsleuten hierzulande haben und rufen nach Akademikern. Der Berufsbildungsexperte Rudolf Strahm erklärt im Interview, warum diese Entwicklung fatal ist.

Titelbild: Angel Sanchez SURPRISE 227/10

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Herzlich,

BILD: RUBEN HOLLINGER

Unsere Handwerker sind Weltklasse! An den letzten Berufs-Weltmeisterschaften, der «WorldSkills Competition 2009» im kanadischen Calgary, belegte die Schweiz unter 46 Nationen den sensationellen zweiten Platz, nur geschlagen von Südkorea. Nicht weniger als 7 Gold-, 2 Silber- und 5 Bronzemedaillen heimsten unsere jungen Spengler, Steinmetze, Mode-Technologinnen, Polymechaniker und anderen Berufsleute ein. Dazu gab es 16 mal ein Diplom für hervorragende Leistungen. Nur gerade vier der 34 Schweizer Teammitglieder verpassten eine Auszeichnung. Das ist sensationell und zeigt, dass das duale Schweizer Berufsbildungssystem keineswegs ein «Auslaufmodell» ist, wie es von seinen Gegnern, die einer durchgehenden Akademisierung der Berufsausbildung das Wort reden, gerne abschätzig bezeichnet wird. Denn trotz oder gerade in unserer globalisierten Welt hat das praxisnahe Schweizer System deutliche Vorteile, wie der Berufsbildungsexperte und Alt Nationalrat Rudolph Strahm im Surprise-Gespräch mit Janine Kern erklärt. Seite 18. Ebenfalls erfolgreich im Beruf ist Susan Conza. Die Zürcherin führt ein Informatikunternehmen, was an sich nichts Besonderes ist. Speziell ist, dass Susan Conza am Asperger Syndrom, einer Form von Autismus, leidet. Und dass fast alle Mitarbeitenden ihrer Firma ebenfalls «Aspis» sind. Der Bericht einer Betriebsbesichtigung in einer anderen Welt von Yvonne Kunz ab Seite 10. Weiter finden Sie in dieser Nummer zwei Beiträge, die gut zum doch noch eingetroffenen Sommer passen. Für die Titelgeschichte dieser Ausgabe hat Redaktor Reto Aschwanden im Urnerland ein Bauerngut besucht und dabei die Vorbereitungen für den diesjährigen Alpaufzug beobachtet. Seite 12. Mit dem Sommer erwacht auch die Reiselust: Auf einer Autobahnraststätte traf unsere Reporterin Elisabeth Wiederkehr Zugvögel aller Gattungen auf ihrem Weg in die Freude und Freiheit. Seite 15. Ich wünsche Ihnen gute Lektüre.

Sie holten den Titel in der Kategorie A: Das Team

In der Kategorie B konnte das Team Schwarzer Peter

Jarajoo Bern.

aus Basel den Titel feiern.

BILD: LUC-FRANÇOIS GEORGI

Editorial Erfolgsfaktor Handwerk

BILD: RUBEN HOLLINGER

GESCHÄFTSFÜHRER

Für die Austragung der diesjährigen Schweizer Meisterschaft im Strassenfussball stand Surprise ein spezieller Ort zur Verfügung: Dank dem Entgegenkommen der SBB fand das Turnier am Samstag, 5. Juni, im Zürcher Hauptbahnhof statt. Die 18 StrassenfussballTeams spielten ihre hart umkämpften Matches vor einem begeisterten Publikum. In zwei Kategorien wurde je ein Team zum Schweizer Meister gekürt. Gewinner war an diesem Tag aber vor allem einer: der Strassenfussball. Spieler, Trainer, Organisatoren und die Zuschauer feierten diesen spektakulären Sport bis in die Nacht hinein.

BILD: LUC-FRANÇOIS GEORGI

BILD: DOMINIK PLÜSS

FRED LAUENER,

Strassenfussball Meisterhaftes Fest

Nach dem Sport die Musik: Der Surprise Chor mit

Olifr Maurmann und seine Aeronauten sorgten am

Band sorgte für Bewegung.

Abend für Stimmung im Hauptbahnhof.

Surprise ist auf Spenden angewiesen. Auch auf Ihre! Herzlichen Dank. PC-Konto 12-551455-3 Ihre Meinung! Bitte schicken Sie uns Ihre Anregungen oder Kritik: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, T +41 61 564 90 70, redaktion@strassenmagazin.ch. Es werden nur Leserbriefe abgedruckt, die mit vollem Namen unterzeichnet sind. Die Redaktion behält sich vor, Briefe zu kürzen.

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ILLUSTRATION: WOMM

Für den Surprise-Grill brauchen Sie eine leere Familienbüchse Ravioli.

Damit Sie den Grill jederzeit griffbereit haben, bohren Sie zwei gegenüberliegende Löcher in die Büchse und befestigen einen Tragriemen daran.

Füllen Sie die Büchse zur Hälfte mit Kohlestücken. Bringen Sie die Kohle zum Glühen. Legen Sie als Rost eine Bircherraffel über die Büchse. Nun platzieren Sie das Grillgut auf dem Rost – Cipollatas, Champignons oder in runde Scheiben geschnittene Zucchetti eignen sich dafür besonders gut. En Guete!

Basteln für eine bessere Welt Die Grillsaison ist in vollem Gange und mit ihr kommen auch die Einweggrills wieder überall zum Einsatz. Wir möchten allzeit bereit sein und ausserdem etwas für die Umwelt tun. Deshalb basteln wir uns einen transportablen Mehrweggrill. Für Damen übrigens auch als modisches Accessoire schick über die Schulter tragbar. SURPRISE 227/10

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Aufgelesen News aus den 90 Strassenmagazinen, die zum internationalen Netzwerk der Strassenzeitungen INSP gehören.

Sozialer Aufstieg Ade Wien. Früher hatten die Eltern zu ihren Kindern gesagt, du sollst es einmal besser haben. Heute sagen sie, hoffentlich hast du es nicht schlechter. Gesellschaftsschichten, die bislang für sich und ihre Kinder die Perspektive des Aufstiegs kannten, sind seit der Finanzkrise mit dem sozialen Abstieg konfrontiert. Denn das Versprechen, dass Leistung und Arbeitseifer soziale Sicherheit garantieren, ist ins Wanken geraten: Der Traum, dass alle gewinnen, wenn sie nur wollen, ist zur Lüge geworden.

Eldorado der Nationalsozialisten Salzburg. Marko Feingold, 96, Präsident der israelitischen Kulturgemeinde Salzburg: «Salzburg war das Eldorado der Nationalsozialisten. Kurz nach dem Krieg wurde hier der Verband der Unabhängigen (VdU) gegründet, sozusagen die Vorgängerpartei der heutigen FPÖ. Viele Vertreter der Salzburger Gesellschaft, etwa Gustav Canaval, der Herausgeber und Chefredaktor der ‹Salzburger Nachrichten›, waren wichtige Unterstützer der VdU. Hier fanden auch viele ehemalige Nationalsozialisten Unterschlupf, ohne ihre Gesinnung massgeblich ändern zu müssen.»

Schweizer Bankkonten Hannover. Bis Mitte April waren in Niedersachsen 781 Selbstanzeigen mit Bezug zu Schweizer Bankkonten eingegangen. Mit ihnen werden geschätzte 191 Millionen Euro bisher nicht versteuerte Einnahmen nacherklärt, die zu Mehrsteuern in Höhe von 66 Millionen Euro führen dürften. Die vom Land Nordrhein-Westfahlen für 2,5 Millionen Euro Ende Februar angekaufte CD enthielt rund 1500 Datensätze. In Niedersachsen sind 44 Personen betroffen, von denen sich nur sieben bereits selbst bei den Finanzbehörden angezeigt hatten.

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Zugerichtet Auf einen Schlag Noch bevor das Tram Nr. 10 in die Haltestelle Milchbuck einfuhr, zündete sich Ruedi B.* eine Zigarette an. «Sie dürfen hier drin nicht rauchen», erwiderte Martin S. Doch an diesem Sommerabend war er an den Falschen geraten. Draussen bekam der 54-jährige Versicherungsbeamte plötzlich einen Schlag ins Gesicht, fiel um und schlug mit dem Hinterkopf auf den Asphalt auf. Während er hilflos auf dem Boden lag und das Bewusstsein verlor, verzog sich Ruedi B. gleichmütig nach Hause. Passanten riefen die Sanität. Zwei Wochen lag Martin S. im Koma, die Ärzte diagnostizierten ein schweres Schädel-Hirn-Trauma. Dann starb er. Ruedi B. erfuhr davon aus einer Gratiszeitung. Auch dass er polizeilich gesucht werde, las er da. Drei Jahre hielt er sich bedeckt, bis er es seinem Psychiater anvertraute, der ihn davon überzeugen konnte, sich zu stellen. Vor dem Bezirksgericht Zürich muss sich der 32-Jährige nun wegen fahrlässiger Tötung verantworten. An seinem martialischen Outfit – Bomberjacke, Schnürstiefel mit Stahlkappen und Hochwasser-Cargo-Hose – sieht man, wes Geistes Kind er ist. Er lebe nach dem Prinzip «Wie du mir, so ich dir», erklärt er. Hätte Herr S. ihm nicht die Kopfhörer von den Ohren gerissen und ihn angeschrien, er solle die Zigarette ausmachen, hätte er ihm keine gewatscht. Wie habe er ahnen können, dass Herr S. deswegen stirbt. «Ich wurde schon von zehn Jugos zusammengeschlagen», erzählt der Glatzkopf, «und bin wieder aufgestanden.» Laut Gutachten ist Ruedi B. mehrfach abhängig, er konsumiert Methadon und Psycho-

pharmaka, trinkt beim Aufstehen sein erstes Bier und kifft vorm Zubettgehen. Er hat Betreibungen im Wert von 100 000 Franken am Hals und lebt vom Sozialamt. Zu seinen Zukunftsplänen befragt, entgegnet er: «Ich will ein Bürger werden wie jeder andere, arbeiten, schlafen, arbeiten, schlafen.» Momentan bescheidet er sich mit Letzterem. Nach der richterlichen Befragung zu seiner Person schläft er mit hängendem Kopf und offenem Mund ein, was niemandem entgeht, denn Ruedi B. schnarcht vernehmlich. Sein Schnarchen untermalt die Ausführung des Anwalts der Hinterbliebenen, der aufzeigt, auf welche dramatische Weise sich ihnen das Schicksal in Person des Ruedi B. in den Weg stellte und ihr Leben «mit einem Schlag veränderte». Als die Richterin das Urteil verliest, brechen die drei Frauen auf der Zuschauerbank in Tränen aus. Der junge Mann, der neben ihnen sitzt, schüttelt immer wieder den Kopf und blickt abwechselnd zu seiner Mutter, seiner Schwester und seiner Tante. Nicht die Ohrfeige habe zum Tod geführt, sondern eine Verkettung unglücklicher Umstände, erklärt die Richterin. Weil das Opfer betrunken war, verlor es das Gleichgewicht, und weil es unglücklich fiel, starb es. Ein Kausalzusammenhang zwischen der Ohrfeige und dem Tod bestehe jedoch nicht. «Deshalb verneinen wir ein Tötungsdelikt.» Als der letzte Satz gesprochen ist, wacht Ruedi B. auf, benommen torkelt er zum Ausgang und würdigt die weinenden Hinterbliebenen keines Blickes. * Persönliche Angaben geändert.

ISABELLA SEEMANN (ISEE@GMX.CH) ILLUSTRATION: PRISKA WENGER (PRISKAWENGER@GMX.CH) SURPRISE 227/10


Ausschaffungsinitiative Zwei untaugliche Vorschläge Mit dem Zweihänder will die SVP gegen Ausländerkriminalität vorgehen und hat damit Erfolg: Die anderen Parteien fürchten sich vor der Ausschaffungsinitiative so sehr, dass sie einen Gegenvorschlag präsentieren, der fast genauso wenig taugt. VON BEATRICE SCHILD*

Kriminelle Ausländer und Ausländerinnen sollen ausgeschafft werden. Und zwar in jedem Fall. Das verlangt die Ausschaffungsinitiative. Das Begehren ist populär. In kürzester Zeit kamen für die Initiative über 200 000 Unterschriften zusammen. Das Bedürfnis nach Sicherheit ist legitim, Härte gegenüber Mördern und Vergewaltigern auch. Doch wer aus diesem Grund für die Initiative eintritt, ignoriert Tatsachen. Zum einen definiert die Initiative den Begriff des kriminellen Ausländers eigenwillig. So sollen Ausländer auch für Delikte, bei denen keine Gewalt im Spiel ist, des Landes verwiesen werden. Zum andern wollen die Initianten ohne Rücksicht auf die persönlichen Verhältnisse ausschaffen. Das heisst, wer hier aufgewachsen ist, mit einem Schweizer oder einer Schweizerin verheiratet ist oder als anerkannter Flüchtling hier lebt, wäre genauso betroffen wie Arbeitsmigranten und -migrantinnen oder Asylsuchende. Ausschaffen müssten die Behörden mitunter auch, wenn den Betroffenen im Ursprungsland Lebensgefahr droht. Dies widerspricht dem Non-Refoulement-Prinzip des zwingenden Völkerrechts, das einem Staat verbietet, Flüchtlinge in ein Land zurückzuschicken, in dem ihr Leben gefährdet sein könnte. Dazu kommt, dass die Initiative eine Zweiklassenjustiz verfestigt, in der ausländische Kriminelle und deren Familien härter bestraft werden als Schweizer Kriminelle. Bei der Umsetzung würden weitere Verstösse gegen Menschenrechte in Kauf genommen, etwa das Recht auf Familienleben oder das Recht auf Nichtdiskriminierung. Dennoch haben Bundesrat und Parlament die Initiative für gültig erklärt. Den Stimmberechtigten soll aber ein Gegen-

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… auf der Alp

vorschlag zur Initiative vorgelegt werden, der mit dem geltenden Völkerrecht weniger in Konflikt gerät. Im Gedankengut, das ihm zugrunde liegt, unterscheidet sich der Gegenvorschlag jedoch kaum von der Initiative und erfüllt ebenfalls weitgehend die Forderungen der SVP: Er wird ebensowenig zu mehr Sicherheit in der Schweiz beitragen, er diskriminiert ebenfalls all jene, die keinen Schweizer Pass haben, und er übersieht wie die Initiative, dass die grosse Mehrheit der ausländischen Wohnbevölkerung in der Schweiz nicht kriminell ist und dass Ausschaffungen aufgrund von kriminellen Handlungen schon heute möglich sind. In einem Staat wie der Schweiz, in dem viele zugezogene oder hier geborene Ausländer leben und immer mehr binationale Ehen geschlossen und multikulturelle Familien gegründet werden, sind beide Vorlagen weder aus menschlicher, noch aus menschenrechtlicher oder rechtsstaatlicher Sicht vertretbar. Stattdessen sind sie einmal mehr eine Vorlage, die den Zusammenhalt in der Bevölkerung gefährdet. ■ * Beatrice Schild ist Redaktorin und wissenschaftliche Mitarbeiterin der Organisation Humanrights.ch/MERS, die sich mit Menschenrechtspolitik in der Schweiz befasst. www.humanrights.ch

VON THEISS

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Porträt Der Aktienbauer Guido Leutenegger ist Landwirt im Tessiner Maggiatal und beschäftigt 370 vierbeinige Mitarbeiter: Er setzt Schottische Hochlandrinder zur Landschaftspflege ein und erzeugt gleichzeitig Fleisch. Jetzt gibt er eine KuhAktie heraus. VON BARBARA HOFMANN (TEXT) UND RÉMY STEINEGGER (BILD)

Dass Lehrer oder Sozialarbeiter in der Deutschschweiz gerne vom Auswandern ins Tessin träumen, um dort Landwirtschaft zu betreiben, ist ein weitverbreitetes Klischee. Diejenigen, die es tatsächlich tun, versuchen sich meist mit Ziegen oder Schafen, möchten verlassene Dörfer wieder beleben und Rustico-Ruinen instand setzen. Viele scheitern aber am eigenen Traum und ergreifen meist schon nach wenigen Jahren und müde des vermeintlich einfachen Lebens in der Sonnenstube wieder die Flucht. Anders Guido Leutenegger. Das Tessin war damals nicht sein Traumziel, sagt er beim Treffen im Ökohotel Cristallina in Coglio und schaut nach draussen auf die Berge des Maggiatals: «Mich brachten die Schottischen Hochlandrinder hierher.» Guido Leutenegger ist Thurgauer. Vor 20 Jahren gründete er in Kreuzlingen die Firma «Natur Konkret», um Naturgartenbau und Schutzgebietspflege zu betreiben. «Ich schrieb damals Gemeinden in der ganzen Schweiz an; im Tessin war man an meinem Angebot interessiert.» Um hochgelegene Alpweiden ökologisch zu pflegen, eignen sich Schottische Hochlandrinder am besten. «Sie sind robust, genügsam und geländegängig», sagt Leutenegger. «Mit diesen Tieren ist es möglich, unbewirtschaftete Tessiner Bergweiden vor dem Verganden zu bewahren und gleichzeitig hochwertiges Öko-Alpfleisch zu erzeugen». Mit dem Kauf der Kuh Samantha begann dann schliesslich alles. Heute ist Samantha mit 22 Jahren eine betagte Dame, aber noch immer bei bester Gesundheit. «Ich hatte damals kaum Erfahrung und kaufte die Tiere nach Sympathie ein», erinnert sich Guido Leutenegger. Sympathie empfand er ziemlich oft in dieser Zeit, und so kam schliesslich eine stattliche Herde zusammen. Doch noch immer konnte sich der Neobauer nicht entschliessen, fest im Tessin zu leben. Als städtischer Bau- und Umweltdirektor in Kreuzlingen, der er damals war, fühlte er sich wohl bei seiner Arbeit: «Es lief mir gut. So machte mir auch das Pendeln zwischen meinen Lebenszentren im Thurgau und im Tessin wenig aus. Manchmal hatte ich bis um Mitternacht Sitzungen in Kreuzlingen und fuhr anschliessend noch nach Avegno im Maggiatal, um am nächsten Morgen die Rinder versorgen zu können.» Es war Leuteneggers Frau – sie lebte mit den Kindern bereits in Avegno –, die ihn schliesslich überzeugen konnte, sich für eines seiner beiden Leben zu entscheiden. Leicht fiel ihm die Entscheidung zugunsten des Tessins nicht, gibt er zu. Als energischer, urbaner Mensch stösst man in der ruralen und engen Tälerwelt der italienischen Schweiz leicht einmal mit dem Kopf gegen den Granit. Doch der angehende Rinderzüchter hielt durch. Und irgendwann sei dann bei einem Bier mit einem befreundeten Banker das Projekt «Kuh-Aktie» entstanden. «Das war aber keineswegs eine neue Erfindung», erzählt Leutenegger. «Wir erinnerten uns bloss daran, wie die Banken mit einem sogenannten ‹Kuh-Pfand› früher Kühe belehnten – und diese auch gepfändet werden

konnten, wenn der Bauer zahlungsunfähig wurde.» Leutenegger und sein Bankerfreund dachten sich also, dass dieses Prinzip auch heute wieder, und mit privaten Anlegern, funktionieren könnte. Das Konzept ist einfach: Die Anleger investieren 2500 Franken in ein Schottisches Hochlandrind. Als Gegenleistung erhalten sie zehn Jahre lang hochwertiges Öko-Alpfleisch im Wert von jährlich 350 Franken. «Jeder Anleger stellt mir damit real eine Kuh zur Verfügung», erklärt Leutenegger weiter. Die Aktionäre können ihre Investition in den Tessiner Bergen im Übrigen besuchen. Dort werden sie nicht nur als Geldgeber empfangen, sondern als eigentliche Göttis und Gotten ihres jeweiligen Rindes. Der Name des finanzierten Tieres ist im Anteilschein des Aktionärs urkundlich eingetragen. Die Tiere heissen Samantha, Rosa oder Lotti und werden für Leuteneggers Landschaftspflegeprojekte auf hochgelegenen Alpweiden im ganzen Tessin eingesetzt. Die Kuhaktie schaffe eine eigentliche «Winwin»-Situation, sagt der Bauer: «Der Anleger geht ein gewisses Risiko ein, erhält dafür aber einen Mehrwert in Form von Fleisch. Ich andererseits werde durch den Deal ökonomisch unabhängiger.» Mittlerweile interessieren sich bereits 60 potenzielle Anleger für die Anteilscheine. Leutenegger rechnet damit, dass mindestens die Hälfte von ihnen fest einsteigen wird. «Das klingt jetzt noch nicht nach sehr viel – doch bei jedem Engagement handelt es sich um eine zehnjährige Verpflichtung auf der Basis von Vertrauen in die Tiere und unseren Betrieb.» Und dieser Betrieb floriert. Zu den zahlreichen Abnehmern aus der lokalen Gastronomie gehört unter anderem der Fünf-Sternekoch Othmar Schlegel vom Luxushotel Castello del Sole in Ascona. «Von ihm», so Leutenegger, «habe ich sehr viel gelernt, was die Verbesserung der Fleischqualität und -verarbeitung angeht.» Aktienbauer Leutenegger hat einen hohen Qualitätsanspruch. Dieser spiegelt sich neuerdings auch in dem von ihm gegründeten Netzwerk lokaler Fleischerzeuger mit einem eigenen Gütesiegel wider. «Mit dem Label ‹Carne Valli Locarnesi› wollen wir

«Manchmal fuhr ich noch um Mitternacht ins Tessin, um am nächsten Tag die Tiere zu versorgen.»

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das Bewusstsein für Erzeugnisse aus der Region schärfen.» Derzeit vertreiben unter diesem Label neben Leutenegger sechs weitere Bauern aus der Region naturnah produziertes Fleisch. Dieses stammt hauptsächlich von Schottischen Hochlandrindern, aber auch von Lämmern und Ziegen. Szenenwechsel: Auf der Weide der Bullen, nahe beim Dörfchen Coglio dreht ein grosser, massiger, rostroter Highlander mit kräftig ausgebildetem Nacken seine Runden. Die jüngeren Stiere weichen respektvoll zur Seite. «Das ist Augustus», sagt Guido Leutenegger, «der Stammvater unserer Zucht. Er ist jetzt 17 Jahre alt und Rentner.» Augustus darf aber, anders als viele seiner Berufskollegen auf anderen Höfen, weiterleben. «Wir sind ihm dankbar und verbunden», sagt Leutenegger, während sich der mächtige Bulle friedlich neben den Bauer hinlegt und ein nachdenkliches Gesicht macht. ■

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Autismus Gelerntes Leben Viele Autisten sind begabte Informatiker. Asperger Informatik in Zürich schafft für sie geeignete Arbeitsplätze, ohne die Reizüberflutung herkömmlicher Arbeitswelten. Ein Besuch. VON YVONNE KUNZ (TEXT) UND MIRIAM KÜNZLI (BILD)

Die Trams fahren sanft und fast unhörbar auf Hartgummirädern. Ihre Kapazitäten sind halbiert, Stehplätze gibt es keine. Bevor man einsteigt, muss man das Mobiltelefon ausschalten, Gratiszeitungen und Werbeanschläge sind verboten. Es werden keine Haltestellen über die Lautsprecher durchgegeben. Am Boden liegen dicke Teppiche und die Fenster sind dunkel getönt. Auf den Strassen ist kein Auto zu sehen. Der Verkehr der Stadt wird unterirdisch geführt. Werbeplakate sind nirgends zu sehen, auch sind alle Leuchtreklamen und auffälligen Firmenschilder weg, die Strassenbeleuchtung ist gedämpft. Die Fassaden der Häuser sind schlicht und hell gehalten. An den Schuhsohlen der Menschen, die unterwegs sind, befindet sich schalldämpfendes Material. Es ist still wie im Winter, wenn eine Schneedecke den tosenden Stadtlärm tilgt und mit ihrer Flächigkeit die aufgeregte Kleinteiligkeit übertüncht. In so einer Stadt würden sich Asperger-Autisten wohlfühlen. Eine Umgebung ohne grelle, schrille und spitze Reize. Doch diese Welt ist natür-

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lich nur erträumt. So bleibt für Susan Conza, Gründerin und Geschäftsführerin von Asperger Informatik für Webdesign und Software Testing, der Weg von ihrem zu Hause ins Büro eine grosse Herausforderung. Eine Fahrt im öffentlichen Verkehrsmittel ist für sie, als würde sie in einer Disco bei viel zu lauter Musik neben dem Lautsprecher stehen, während vor ihr mit einem Presslufthammer der Boden aufgerissen wird und jemand ihr ins Ohr schreit. Das alles in unentwegtem Stroboskoplicht. Mit Reizüberflutung in diesem Ausmass – andernorts als Foltermethode eingesetzt – müssen Aspis, wie sie sich selbst nennen, leben. Oder besser: leben lernen. Kommunikation nach Schema F Sie nehmen die Welt anders wahr als «Neurotypische», so bezeichnen sie Menschen ohne Asperger-Syndrom. Selektiv, nach Logik suchend. Ihre Aufmerksamkeit wird durch Details zerstäubt. Deshalb kann sich Susan Conza am Morgen auch nicht einfach hinters Steuer setzen. Sie erklärt es mit folgender Analogie: «Es tritt ein neurotypischer Mensch aus dem SURPRISE 227/10


Haus auf die Strasse und ein Auto kommt um die Ecke. Dieser Mensch sieht das nahende Auto und springt von der Fahrbahn. Es tritt ein Asperger aus dem Haus auf die Strasse und ein Auto kommt um die Ecke. Dieser Mensch sieht eine Autonummer, den Kaugummiklecks am Boden, die Plakatwerbung auf der anderen Strassenseite. Und bleibt stehen.» Erst seit 1996 wird das Asperger-Syndrom nach der internationalen Klassifikation der WHO als Krankheit diagnostiziert. In der Schweiz berechtigt die Diagnose zu 50 Prozent IV-Rente, betroffen von Autismus sind geschätzte 50 000 Personen. Ob der Zustand tatsächlich als krankhaft einzustufen ist oder als eine Normvariante der menschlichen Informationsverarbeitung, darüber ist man sich uneinig. Neben der sensorischen Überempfindlichkeit haben Asperger vor allem auch Schwierigkeiten auf dem Gebiet der sozialen Beziehungen. Zwischenmenschliches Verhalten entwickelt sich bei ihnen nicht intuitiv – den sozialen Umgang müssen sich Asperger aneignen. Einigen gelingt dies sehr gut, anderen gar nicht. Wie die meisten Asperger hat auch Susan Conza als Kind lange Zeit gar nicht geredet. Dafür begann sie sehr früh damit, Sachbücher zu Kommunikationsthemen zu verinnerlichen. Heute ist sie im Kontakt mit den Neurotypischen so gewandt und natürlich, dass man nicht darauf käme, welche Konzentrationsleistung sie gerade vollbringt. Die gelernte Wirtschaftsinformatikerin nimmt das Gesicht ihres Gegenübers nur dann wahr, wenn sie sich dazu ermahnt. Auf der Strasse wiedererkennen würde sie es trotzdem nicht. Welche Miene was bedeutet, hat sie auswendig gelernt. Wann sie selbst lächeln sollte und wann eher nicht, hat sie sich gemerkt. Um sich im täglichen Smalltalk zurechtzufinden, hat sie sich eine Art mentales Lexikon der Gesprächsfetzen geschaffen. «Fällt der Name Blocher, dann weiss ich: Der passt mir politisch nicht in den Kram, rhetorisch finde ich ihn aber brillant.» Zu einer grossen Themenauswahl hat sie sich Informationssätze gemerkt. «Zu Politik, oder Religion … gut, inzwischen habe ich gelernt, dass man über diese beiden Dinge lieber gar nicht spricht», merkt sie an und lacht. In der Disziplin der Kommunikation hat sie es weit gebracht: Bevor Susan Conza die Asperger Informatik AG gründete, hat sie als Unternehmensberaterin in der neurotypischen Welt gearbeitet.

Analysen und barrierefreie Websites. Hierbei geht es darum, Websites für Menschen mit Beeinträchtigungen aller Art zugänglich zu machen. Ein nicht unbeträchtlicher Teil der Arbeit besteht in der Sensibilisierung für das Thema. Dass etwa Farbenblinde spezielle Anforderungen haben oder ältere Menschen darauf angewiesen sind, dass sie eine Website in grösserer Schrift darstellen können, wird bisher noch wenig beachtet. Asperger – zwecks Reizeindämmung selbst auf klare Darstellungen angewiesen – orten solche Schwächen schnell und tragen dazu bei, dass die Verständlichkeit für alle verbessert wird. Im letzten, dem ersten Betriebsjahr erhielt das Unternehmen – das einzige seiner Art in der Schweiz – noch Mittel von Stiftungen, generierte aber schon beträchtlichen Umsatz aus eigener Kraft. Die Geschäfte laufen gut. Man spürt bei Susan Conza einen gesunden Ehrgeiz, von einem Behindertenbonus will sie nichts wissen. Fast täglich gehen Blindbewerbungen ein. Beim Anstellungsverfahren gelten etwas andere Regeln als in der neurotypischen Welt. So können viele Asperger keinen Berufsabschluss vorweisen – oft haben sie aufgrund ihrer Störung schulische Probleme und werden trotz normaler oder gar überdurchschnitt-

Fehler im Computercode sehen Asperger-Autisten nicht einfach, sie spüren sie.

Denken wie auf Schienen «Das war sehr anstrengend», meint sie rückblickend, weshalb sie sich 2008 zur Gründung von Asperger Informatik entschloss. Die Webund Software-Firma beschäftigt vorzugsweise Menschen mit AspergerSyndrom. Denn: «In diesem Gebiet werden ihre Schwächen zu Stärken», weiss Firmenmitinhaberin und Personalverantwortliche Isabela Ivankovic. Sie ist neben Susan Conzas Schwiegervater, der bei der Administration aushilft, die einzige Neurotypische neben fünf Aspis. «Beim Programmieren ist die selektive Wahrnehmung sehr wichtig, Detailversessenheit und Perfektionismus Voraussetzung.» Denken wie auf Schienen. Um das grosse Potenzial der Aspis in der Informatik zu erschliessen, schafft das Unternehmen ein angemessenes Umfeld. In den reizarmen Büroräumen können die Mitarbeiter in eine Welt versinken, die ihnen behagt. Computerprogramme sind berechenbare und in sich geschlossene Systeme. «Logik schafft Sicherheit», erklärt Susan Conza. Wie Computer verstehen auch Asperger keine Zweideutigkeiten. Metaphern machen Mühe. Einmal las Conza am Morgen die Schlagzeile: «Blocher angeschossen». «Ich musste erst eine Weile lesen, bis ich verstand, dass es im übertragenen Sinn gemeint war.» Dort jedoch, wo es keinen Interpretationsspielraum gibt, sondern Logik gefragt ist, beginnt beim Asperger paradoxerweise die Intuition zu spielen. Fehler im Computercode sehen die Aspis nicht einfach, sie spüren sie. Asperger Informatik bietet Websites, Webdesign und Software Testing an. Das Spezialgebiet des Unternehmens sind BenutzerfreundlichkeitsSURPRISE 227/10

licher Intelligenz Kleinklassen zugeteilt. Ebenso gelten für das Vorstellungsgespräch die stark ausgeprägten Konventionen der Neurotypischen nicht: Von einem Asperger kann man keinen steten Blickkontakt oder besondere Eloquenz erwarten. Deshalb stehen bei Asperger Informatik in einem Anstellungsverfahren der Mensch und vor allem sein fachliches Können im Zentrum. Um sich über diese beiden Dinge ein Bild zu machen, arbeitet ein Kandidat mindestens eine Woche Probe. Typisch Aspi! Doch Lärm dämpfende Teppiche, bilderlose Wände und feinsäuberlich angeschriebene Büroschränke reichen nicht, um die Aspis zu Höchstleistungen anzuspornen. Dass selbst von Tisch zu Tisch praktisch nur per Email kommuniziert wird, schafft Erleichterung, sorgt aber nicht dafür, dass alles wie am Schnürchen klappt. Bei Asperger Informatik finden wöchentlich Mitarbeitergespräche statt. Aufgabenkomplexe werden in einzelne kleine Aufgaben unterteilt und Listen erstellt. Dann wird strikt abgearbeitet. Zudem wird laufend Sozialtraining gemacht, damit es bei der kleinen Softwarefirma für Neurotypische nicht allzu wunderlich zugeht. Susan Conza erinnert sich an einen besonders neugierigen Mitarbeiter. Jedes Mal, wenn es klingelte, stürzte er zur Tür und riss sie auf. Um dann den Besucher wortlos anzustarren. Die Erinnerung an komische Anekdoten von typisch aspergerischem Verhalten bringt Conza und Ivankovic dazu, kichernd ihren Vorsatz zu bekräftigen, einen Ordner anzulegen, um solche Episoden aus dem Büroalltag zu sammeln. Auch Chefin Conza ist vor gröberen Schnitzern nicht gefeit. Sie erzählt, wie sie vor einigen Monaten bei einem Vorstellungsgespräch mit einem Lehrling erst nach und nach merkte, dass sie einen Vertreter einer Telekomfirma vor sich hatte. Sie fragt sich lachend, in welchem Film sich der gute Mann wohl wähnte. Über das Verhalten der Neurotypischen wundert sich Susan Conza umgekehrt auch gerne. Am liebsten vor dem Fernseher, dort muss sie nicht mit ihnen interagieren. Sie schaut gerne Talk-Sendungen. «Es ist lustig, diesen Menschen zuzusehen, mit was für Fragen und Problemen sie sich befassen.» Auch Casting-Shows mag sie gerne, aber schon lieber in ihrer Liga: «Autistic Superstars» auf dem britischen Sender BBC. Dort präsentieren sich Autisten mit Inselbegabung im Bereich der Musik und nicht, wie bei den Neurotypischen oft der Fall, mit besonders ausgeprägter Eitelkeit. Ihr liebstes Hobby teilt sie mit vielen Aspergern: Lesen. Lesen und nochmals lesen. Denn: «Wir können nicht nicht denken.» ■

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Brauchtum Der Sommer ist eingeläutet Bevor es auf die Alp geht, bringen die Bauern landauf, landab die Kuhglocken in Schuss. Beim Putzen der traditionellen Treicheln steigt das Alpfieber – sobald die Kühe das Läuten hören, kennen sie nur noch eine Richtung: bergwärts.

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VON RETO ASCHWANDEN (TEXT) UND ANGEL SANCHEZ (BILDER)

Über dem Krebsried in Altdorf liegt der typische Stallgeruch. Still steht der Bauernhof vom Marty Toni vor dem Gitschen, auf dessen Hängen die letzten Schneefelder in der Morgensonne glitzern. Doch auf einmal geht der Mais los: Aufgeregt muhen und scharren die 18 Kühe an ihren Trögen. Im Obergaden einen Stock höher sammelt der Spiess Otti die Glocken zusammen. «Sobald die Tiere die Treicheln hören, meinen sie, jetzt ginge es auf die Alp», erklärt Bauer Marty grinsend, «dann können sie es kaum erwarten, loszumarschieren.» Doch so weit ist es noch nicht. Bevor es losgeht, werden zuerst die Glocken instand gesetzt. Nach dem letzten Alpsommer und dem Winter im Stall müssen die Schellen geputzt und ausgebessert werden. Das besorgt auf dem Hof der Martys seit 30 Jahren der Spiess Otti. Eigentlich arbeitet der gelernte Koch in der Liegenschaftsverwaltung bei der Dätwyler AG, einem der grössten Arbeitgeber im Kanton Uri. In seiner Freizeit zieht es ihn aber fast täglich auf den Bauernhof. Seine Eltern hätten eine Zeit lang gebauert, erzählt der 58-Jährige, der ursprünglich aus dem Züribiet stammt. Als er in den Kanton Uri zog, fand er eine Wohnung im Haus der Martys. Seither gehört er zum Inventar. Die Glockenpflege vor der Alpfahrt ist sein Ressort. Föderalismus im Glockeninnern Wann genau der Alpaufzug zum Urnerboden stattfindet, ist an diesem Freitag Anfang Juni noch nicht klar. Am anderen Tag werden sich die Bauern zum Alpmehren treffen. Das heisst: Es wird abgestimmt, wann es z’Alp gehen soll. Der Termin ist sakrosankt. «Vor dem festgelegten Datum darf keine Kuh auf die Alpweide», erklärt der Marty Toni. Das meiste Land auf dem Urnerboden gehört der Korporation Uri. Auf der grössten Alp der Schweiz sömmern 57 Bauernfamilien fast 1200 Kühe plus Kälber. Das Gebiet liegt auf 1200 bis 1400 Meter, die Oberstafel reicht hinauf bis auf 2000 Meter. Geografisch liegt die Alp näher bei Glarus als bei Uri. Lange wurde um das Land gestritten, bis man überein kam, die Entscheidung in einem Grenzlauf zu finden: Beim ersten Krähen des Hahnes sollte je ein Läufer von Altdorf und von Linthal starten und dort, wo sie aufeinander trafen, sollte die Grenze sein. Die Legende sagt, die Urner hätten ihren Güggel hungern lassen, so dass der in aller Herrgottsfrühe loszeterte. Die Linthaler hingegen verwöhnten ihren Vogel mit feinstem Futter, und so war der Läufer aus Altdorf schon auf dem Urnerboden, als der Glarner Gockel endlich aus seiner Fressnarkose erwachte. Grosse, kleine, bauchige und flache Treicheln liegen auf einem Haufen neben dem blauen Plastikzuber. Eine nach der anderen taucht der Spiess Otti ins Wasserbad mit einer speziellen Emulsion, die das Blech glänzen lässt und die ledernen Tragriemen geschmeidig macht. Während er mit einer groben Bürste den Dreck des letzten Sommers und

den Staub des Winters von den Glocken fegt, berichtet er von seiner Leidenschaft. Wer die Glocke verstehen will, muss erst einmal das spezifische Vokabular lernen: «Der unterste Teil heisst Kranz. Oben ist der Steg, an dem der Klöppel hängt», erklärt Spiess. Dem gut eidgenössischen Föderalismus entsprechend, gibt es auch bei Dingen wie dem Metallteil, das die Glocke anschlägt, regionale Unterschiede. Was dem Innerschweizer sein Klöppel ist – ein Metallstift mit kugelförmigem Ende, der im Glockeninnern schwingt –, ist beim Berner und beim Appenzeller ein schlichter Stab, der unten aus der Glocke raushängt und die Kranzkante anschlägt. Glockenkenner vernehmen den Unterschied, ohne hinzuschauen. Die Kuh als Rampensau Während eines Alpsommers schlägt der Klöppel viele tausend Mal an den Kranz und weitet ihn dadurch aus. Nun bringt der Spiess Otti die Treicheln mit ein paar beherzten Hammerschlägen wieder in Form. Am oberen Ende der Glocke ist der Bügel aufgeschweisst. Hier wird das Ledertragband eingeschlauft. Über den Bügel kommt ein Stück Leder, «das verhindert das Rutschen des Riemens und das Wundscheuern der Hälse.» Bei Zierglocken wird dieser Blätz mit Lederriemen festgezurrt, für den täglichen Gebrauch tun es auch die Kabelbinder, mit denen der Spiess Otti nun hantiert. Gefertigt sind die Kuhglocken aus Stahlblech. In der Schweiz gibt es nur noch wenige Hersteller, die das alte Handwerk beherrschen. Der grösste Produzent ist die Familie Gusset in Uetendorf im Berner Oberland. Doch Treicheln für den täglichen Gebrauch machen nur einen

Zierglocken werden mit Lederriemen festgezurrt, für den täglichen Gebrauch tun es auch Kabelbinder.

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kleinen Teil aus – die Mehrheit dient als Zierobjekt, Preis bei Schwingfesten oder als Geschenk. So kamen auch die Königin von England und Fürst Albert von Monaco zu ihren Kuhglocken. Solche Liebhaberstücke haben ihren Preis. Mit bestickten Riemen und allem Drum und Dran schlagen schnell einmal 1000 Franken zu Buche. Günstiger sind die Glocken von Schelbert Elegius aus dem Muotathal, denn die werden maschinell gefertigt. Schlechter sind sie deswegen nicht, denn laut Firmenangaben sind Bestellungen von Bauern deshalb rückläufig, weil Schelberts Schellen ausgesprochen lange halten. Gut gehalten haben sich auch die Glocken von Martys. «Die einen sind sicher schon 40-jährig», erzählt Spiess, während er einen Riemen bearbeitet. Die kleinen flachen Exemplare hingegen hat er selber hergestellt: Das Blech geformt und verschweisst und anschliessend in Form gehämmert. «Das Stimmen ist eine Wissenschaft für sich», erklärt der Hobby-Schmied. So richtig in die Karten schauen lassen will er sich nicht. Der Klang ergebe sich aus Grösse und Form der Glocke sowie aus dem Kranzumfang: «Und es braucht Übung und Erfahrung.»

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Praktisch ist die Glocke dazu da, dass ein Bauer sein Vieh auch im Neden Heidifilmen. Die Melkmaschine ist immer mit dabei, selbst für die bel wiederfindet. Doch dazu reichen die kleinen Alltagstreicheln. Die Übernachtung unterwegs nimmt Marty sie mit. «Ich habe einmal bei eiprächtigen Grossglocken kommen nur beim Alpaufzug zum Einsatz. Das nem Alpaufzug von Hand gemolken», lacht der Bauer: «Danach hatte freut nicht nur Touristen und Zaungäste, sondern laut dem Spiess Otti ich Muskelkater, weil ich es nicht mehr gewohnt war.» auch die Kühe: «Es ist wie bei den Menschen – mit Musik marschiert es sich ringer.» Nüchter«Am Anfang des Alpaufzugs kommen die Viecher im Galopp. Mit ner kommentiert Bauer Marty: «Am Anfang den Glocken um den Hals können wir sie ein bisschen bremsen.» kommen die Viecher im Galopp. Mit dem Gewicht der Glocken um den Hals können wir sie ein bisschen bremsen.» Wenn ein Tier nicht mehr mag, wird die GloVon Mitte Juni an lebt Martys Säntä – so nennt man eine Gruppe von cke – die zwischen zehn und 15 Kilo wiegt – einer Kollegin umgehängt. etwa 20 Kühen – für vier Wochen auf dem Urnerboden. Danach gehts Die Treichel macht aus Kühen Rampensäue: «Wenn ich einer Kuh die für sieben Wochen auf die Oberstafel, damit das Gras auf dem UrnerGlocke anlege, stürmt die subito an die Spitze des Zuges», erzählt Marty. boden nachwachsen kann, bevor die Kühe im Spätsommer noch einmal für einige Wochen darauf weiden. Unangenehm wird es, wenn der Muskelkater vom Melken Winter vor dem Alpabzug hereinbricht. Der Marty Toni lacht, als er erKonservativ und traditionsverbunden, so beschreibt das Klischee zählt, wie seine Kühe einst «wiä Horäschlittä» zwischen meterhohen den Bauern im Allgemeinen und den Innerschweizer im Speziellen. Bei Schneewänden zu Tal schlitterten, doch so richtig witzig ist die Heimder Alpfahrt aber hat längst die Moderne Einzug gehalten. Martys sind kehr über den verschneiten Pass nicht. Im schlimmsten Fall bleibt nur die letzten Bauern im Urner Talboden, die noch zu Fuss z’Alp fahren. das Verladen der Kühe, um sie mit einem Umweg von fast 100 KilomeAlle anderen transportieren ihr Vieh mit dem Lastwagen. Auch der tern über Glarus, Ziegelbrücke und Schwyz heimzufahren. Marty Toni geht mehr aus praktischen Gründen zu Fuss denn aus SenVorderhand denkt auf dem Marty-Hof aber noch niemand so weit. timentalität. Erstens spart er dadurch 35 Franken pro Kuh. Und zweiDie polierten Glocken hängen zum Trocknen unterm Scheunendach, tens «sind sich unsere Tiere das Laufen gewohnt. Das Verladen würde während das Kuhmodel Dorina nur mit vereinten Kräften am Losstürsie nur stressen.» Also steht er Jahr für Jahr eines Nachts im Juni mormen gehindert werden kann, als sie fürs Fotoshooting die Glocke umgegens um zwei zum Melken im Stall. Um fünf bricht er bei jedem Wethängt bekommt. Als sie anschliessend zu ihren Kolleginnen auf die Weiter mit sechs Treibern auf, Richtung Klausenpass. Ennet der Passhöhe de trottet, zündet sich der Marty Toni eine Zigarette an: «Für die Kühe wird für die Nacht Rast gemacht, bevor es am anderen Tag hinunter war euer Besuch eine ziemliche Aufregung. Ich schicke euch dann die zum Urnerboden geht. Auch auf der Alp sieht es nicht mehr aus wie in Rechnung, wenn sie heute Abend weniger Milch geben als sonst.» ■

Glänzend und aufeinander abgestimmt – Spiess Ottis Glocken sind parat für den Alpaufzug.

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BILD: DOMINIK PLÜSS

Autobahnraststätte Treffpunkt jenseits von Raum und Zeit Gourmets auf dem Weg ins Elsass, Schlechtwetter-Flüchtlinge oder Heavy-Metal-Fans kurz vor dem Headbangen: Auf einer Autobahnraststätte sind alle auf dem Sprung. Ein idealer Ort für Zufallsbekanntschaften – viermal zehn Plauderminuten. VON ELISABETH WIEDERKEHR

Drei Kilometer ausserhalb von Basel trifft sich ganz Europa. Das Tor zur Schweiz – so der inoffizielle Name der Raststätte Pratteln – ist für viele Ort der Wahl, um sich mit Proviant einzudecken, ausgiebig zu frühstücken oder ein Souvenir von einem Land zu erstehen, das höchstens flüchtig interessiert. Die meisten haben hier vor allem eins im Sinn: Ab in den Süden! Bevor wieder aufs Gaspedal gedrückt wird, bietet das Angebot der Raststätte vorübergehend Entspannung. An Feiertagen ist es zuweilen fast Glückssache, hier einen Parkplatz zu finden. Neben den üblichen Tankstellenshops beherbergt das gelbe, schlauchartig konzipierte Gebäude aus den 70er-Jahren – aufgrund seiner markanten Bullaugen von Weitem erkennbar – praktisch alles. In den Sockelbauten, die auf beiden Seiten der sechsspurigen Autobahn zugänglich sind, befinden sich Restaurants und in der Einkaufsbrücke haben sich 15 GeSURPRISE 227/10

schäfte eingemietet. Neben der obligaten Auswahl an Schweizer Schokolade, dem homöopathischen Medikament und dem frisch gepressten Multivitaminsaft lockt hier auch teure Unterwäsche, und die eine oder der andere gerät angesichts des schier unbezahlbaren Markenschmucks bestimmt in Versuchung. Bei aller Internationalität bildet die Raststätte eine in sich geschlossene Welt. Während unten Autos und Lastwagen durchbrausen, herrscht im Gebäude eine Stimmung, als wären die Besucher gerade im Kollektiv erwacht. Wo man sich befindet, scheint niemand so recht zu wissen. Auch ein Blinzelblick durch die Fenster hilft in dieser Angelegenheit nicht wirklich weiter – zu sehen sind auf beiden Seiten nur die Fahrstreifen. Es ist kein Ort des langen Verweilens, sondern einer, der das Fernweh schürt: Bei schlechtem Wetter drängt die ungetrübte Hoffnung, an der Wunschdestination von besserem Wetter empfangen zu werden, die Reisenden weiter. Bei schönem Wetter wird für einige schon der Weg zum Ziel.

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Belgien – Italien Das Nieselwetter kann der ausgesprochen guten Reiselaune des belgischen Ehepaars Clem Colson (68) und Wilma van Zandwijk (57) gar nichts anhaben. Unterwegs zu den italienischen Ferrari-Werken gönnen sie sich auf der Raststätte ein wohl verdientes Frühstück, sind sie doch seit zwei Uhr nachts unterwegs. «Das hat sich sehr bewährt», berichtet er. Seit Jahren planen sie ihre Ferien entsprechend – in der Nacht legen sie im Privatauto die langen Strecken zurück, am Tag nehmen sie es gemütlicher und legen sich nach Erreichen ihres Tagesziels jeweils für eine Siesta aufs Ohr. Manchmal bestimmt das Paar seine Wegstrecken vorab und reserviert – wie diesmal am Lago Maggiore – ein Pensionszimmer. Danach schauen sie wieder spontan, wo sie bleiben wollen. «Meine Frau ist die grosse Organisatorin», erzählt Clem Colson in fast fehlerfreiem Deutsch. Er sei im Dienst der belgischen Armee weit herum gekommen, habe im Kongo gekämpft und geniesse nun sein Pensioniertendasein in vollen Zügen. Als kleiner Junge war der Belgier einmal im Rahmen eines staatlich finanzierten Erholungsurlaubs in Sion gewesen – das ist bis anhin seine einzige Begegnung mit der Schweiz. «Auch diesmal werden wir hauptsächlich die Autobahn sehen», meint Wilma van Zandwijk. Das ist aber ganz im Sinn des Ehepaars, das leidenschaftlich gerne durch die Gegend braust – immer abwechslungsweise versteht sich. Der Erfüllung von Clem Colsons Kindertraum, einmal die Ferrari-Werke zu besuchen, stehen somit nur noch ein paar schöne Fahrstunden im Weg.

Alle satt und alle auf dem Klo gewesen: Familie Furrer kann jetzt weiterreisen.

Luzern – Elsass Was sie früher in trauter Zweisamkeit genossen haben, findet bei der Familie Furrer dieses Jahr im grossen Rahmen statt: Das traditionelle Frühlingswochenende im Elsass mit Spargeln, guter Luft und dörflicher Ruhe. Das Hotel ist bereits gebucht und ein paar Freunde, mit denen die Familie die Zeit verbringen will, sind ebenfalls unterwegs. Damit die Reise, ausgehend vom heimischen Buttisholz im Kanton Luzern, für die Kinder nicht zu lang wird, macht die Familie in Pratteln Halt. Und während Mutter Uschi (41) mit den Töchtern Corina (6) und Joline (4) ein Weilchen die Regale entlang flaniert, sorgt Walter Furrer (46) mit Andri (10) für Proviantnachschub. Reisegewohnheiten haben sich bei den Furrers noch nicht etabliert. «Jetzt, wo die Kinder älter sind, haben wir natürlich wieder neue Möglichkeiten», freut sich der Vater. Die müssen erst einmal ausgelotet werden. Zumeist sind die fünf mit ihrem Privatauto unterwegs. Für das bevorstehende Wochenende haben sie in einem kleinen Dorf ein nettes Hotel gebucht – hoffen sie zumindest, denn zu Gesicht bekommen hat es noch kein Familienmitglied. Neugierig sind vor allem die Kinder auf ihr Quartier – da bleibt keine Zeit mehr für viele Worte. «Kommt, mir müssen los», mahnt Uschi Furrer. Auf dem Klo waren alle – einer zügigen Fahrt steht also nichts mehr im Weg. Guter Dinge nehmen sie das Elsass-Experiment «en famille» in Angriff.

Auf dem Weg zu den Ferrari-Werken: Clem Colson und Wilma van Zandwijk.

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Pratteln-Nord – Pratteln

BILDER: ELISABETH WIEDERKEHR

Zwei, die viel Zeit auf der Raststätte verbracht haben, sind Simon Hänel (21) und Reymond Jacques (18). Mit ihrem dezenten Punkoutfit, den schmutzigen Stiefeln und einer aufgeblasenen Gummipuppe unter dem Arm ziehen sie die Blicke unweigerlich auf sich. Im Erotikshop neben der Tankstelle liessen sie soeben gut 50 Franken liegen – für einen Jux. Einer ihrer Kollegen verkündete beim Frühstück nämlich, dass er genug von Frauen hätte. «Er hatte aber noch nie eine Freundin und ist gerade mal 18 Jahre jung», gluckst es aus Simon Hänel und Reymond Jacques heraus. Ein Lachanfall nach dem andern schüttelt die beiden, obwohl sie die letzte Nacht weder durchzecht noch schlaflos verbracht haben. Bei aller Provokation steht ihnen die Unsicherheit ins Gesicht geschrieben: Die Gummipuppe zu erstehen, war also auch eine kleine Mutprobe. Schnell zeichnet sich ab, dass sie zum Maskottchen der Freunde avanciert, die sich auf der Raststätte auf der Seite der Ausfahrt PrattelnNord versammelt haben, um nur einen Kilometer weiterzuziehen – zum Metal-Festival, das in einem nahe gelegenen Konzertlokal stattfindet. Hänel und Jacques, die sich beruflich zum Informatiker und Fachangestellten Gesundheit ausbilden lassen, kennen die Szene gut, waren sie bei der Riesenparty doch schon öfter mit von der Partie. Kleines Detail: Nicht nur ihr Freund, der mit Frauen abgeschlossen zu haben meint, ist ohne Freundin. Auch die beiden Einkäufer zeigen sich nicht abgeneigt, am Festival ihre Zukünftige kennenzulernen. Ob ihnen dabei die AfrikaQueen, wie sie die Puppe nennen, kein Schnippchen schlägt? «Nein, da haben wir absolut keine Bedenken.» Sagens, grinsen ein letztes Mal in die Zuschauerschar, die sich um sie gebildet hat, und packen die Puppe so unsanft an ihren Gummiarmen, dass sie laut aufquietscht. ■

Hoffen auf gutes Wetter: Michael Büttner, May Bernard und Hans-Jörg Thiel aus Trier.

Deutschland – Sardinien Einsam und doch gemeinsam sind May Bernard (39), Michael Büttner (48) und Hans-Jörg Thiel (50) unterwegs. Spätestens alle 200 Kilometer treffen sich die drei Motorradfreaks zum Tanken und einem kleinen Schwatz. So auch in Pratteln, wo sie sich mit einer kleinen Zwischenverpflegung für die Weiterreise stärken. Ansonsten geniesst jeder die Fahrt Richtung Sardinien auf seine Weise. Für den Abend ist die Fähre gebucht und auch die Hotelzimmer haben sie auf sicher. Suchexperimente dieser Art sagen den drei Freunden nämlich gar nicht zu. Um dem grauen Trierer Alltag zu entkommen, gönnen sich die drei eine Woche Inselurlaub, bei dem selbstverständlich die Motorräder im Zentrum stehen. Für den Fall, dass sie zusätzlich die Wanderlust packen sollte, haben die Freunde entsprechende Schuhe im Gepäck. Bernard, Büttner und Thiel kennen sich seit Langem und haben bereits ähnliche Unternehmungen erfolgreich zusammen gemeistert. Vor allem Thiel drückt das Wetter aber diesmal ziemlich auf die Stimmung. «Die nassen Klamotten nerven», meint er kurz angebunden. Bevor die drei wieder losdüsen, heisst es dann auch, den Regenschutz überziehen. Ein letztes Lächeln für das Foto – und weg sind sie.

Mit Mut zur Frau: Reymond Jacques und Simon Hänel mit neuer Bekanntschaft. SURPRISE 227/10

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Bildung «Die Coiffeuse und den Metzger kann man nicht auslagern» Für immer mehr Berufsausbildungen braucht es eine Matura, internationale Unternehmen stellen nur Leute mit Universitätsabschluss ein, Professoren rufen nach mehr Studierenden. Dabei braucht die Schweiz auch mehr praktisch geschulte Berufsleute, sagt Berufsbildungsexperte Rudolf Strahm. VON JANINE KERN (TEXT) UND THIERRY KLEINER (BILDER)

Herr Strahm, Sie sagen, die Berufsbildung sei der Grundpfeiler des Wohlstands in der Schweiz. Was machen wir besser als andere Länder in Europa? Die Besonderheit der Schweiz ist das duale Berufsbildungssystem. Das heisst, junge Leute werden parallel im Betrieb und in der Schule ausgebildet. So kann die Schweiz auch jene jungen Menschen in den Arbeitsmarkt integrieren, die vor allem eine praktische Intelligenz haben. Davon profitiert wiederum die Wirtschaft, weil das System die Qualität der Arbeit anhebt. Präzision, Termintreue, Arbeitsmotivation, das alles ist in der Schweiz sehr hoch. Das führt zu einer hohen Produktivität. In der Schweiz absolvieren 68 Prozent der Jugendlichen nach der obligatorischen Schulzeit zuerst eine Berufslehre. Viele machen dann später auch berufliche Weiterbildungsgänge.

durch die Personenfreizügigkeit und die Öffnung des europäischen Arbeitsmarkts. Die europäischen Universitätsabschlüsse und die schweizerischen Berufstitel sind kaum miteinander vergleichbar. Ein Schweizer Techniker oder Controller mit dem Diplom einer Höheren Fachschule bringt einen viel breiteren Erfahrungsschatz mit als ein Bachelor einer deutschen Universität. Nur eben keinen akademischen Titel. Warum zählt ein ausländischer Bachelor-Titel mehr als ein Schweizer Fachdiplom? Bei den meisten KMU ist das nicht so, da hat ja der Chef meistens selbst eine Berufslehre und dann eine höhere Berufsbildung absolviert. Aber in den grossen internationalen Firmen kommt mittlerweile fast die Hälfte der Manager aus dem Ausland und kennt das schweizerische Berufsbildungssystem nicht. Die fordern reflexartig Uni-Absolventen, weil sie die schweizerischen Bildungsabschlüsse nicht kennen. Sie rekrutieren billigere Arbeitskräfte aus dem Ausland, aus dieser Massenproduktion der deutschen und französischen Universitäten.

Ist unser System einzigartig? Fünf Länder in Europa kennen eine duale Berufsbildung: die Schweiz, Was wird dagegen unternommen? Deutschland, Österreich, Dänemark und Holland. Letzten Herbst hatten Man diskutiert jetzt ganz intensiv die Gleichwertigkeit der Titel. Ich habe diese fünf Länder eine durchschnittliche Jugendarbeitslosigkeit von acht Prozent, in der Schweiz lag sie bei 5,3 Prozent. In zehn europäischen Ländern, die keine be«Unser Berufsbildungssystem ist eindeutig überlegen.» triebliche Berufsausbildung kennen, waren dreimal mehr Jugendliche arbeitslos. Das zeigt, dass unser Berufsbildungssystem eindeutig überlegen ist, wenn es darum persönlich zwar eine Abneigung gegen diese Titelmanie, aber die Eingeht, junge Menschen arbeitsmarktfähig zu machen. führung eines «Professional Bachelor», eines Bachelor-Titels mit praktischer Orientierung, wäre eine sinnvolle Hervorhebung der GleichwertigDie Berufsbildung in der Schweiz wurde in den letzten Jahren mit keit. Damit würde die berufspraktische Erfahrung gewürdigt. dem Berufsbildungsgesetz neu geregelt. Eine Lehre zählt heute wieder etwas. Trotzdem werden auch im Ausland die Stimmen lauter, die das Das neue Berufsbildungsgesetz hat wirklich grosse Verbesserungen geschweizerische System schätzen. bracht. Der Grundsatz heisst: «Kein Abschluss ohne Anschluss». Wer eiDer Druck der Jugendarbeitslosigkeit in Europa wird immer grösser. Es ne Berufslehre absolviert, kann sich weiterbilden und höhere Abschlüsgibt Länder in Europa, wo 30 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit hase erreichen. Die Berufsmatur öffnet den Weg an die Fachhochschule. ben. Das zeigt, dass am System etwas nicht stimmt, dass die vollschuliOhne Berufsmatur gibt es die Option einer Höheren Fachschule, für höschen Ausbildungsgänge allein nicht funktionieren. Die Wirtschaftsabteihere Fachprüfungen oder höhere Berufsprüfungen. Das war möglich, lung der OECD drängt jetzt auf eine arbeitsmarktnahe Ausbildung. weil der Bund diese Entwicklung gesteuert hat. In ihrem Bericht «Zukunft Bildung Schweiz» schrieben die AkadeIst die ganze Entwicklung jetzt wieder in Gefahr? mien der Wissenschaften 2009, das Berufsbildungssystem der Es gibt schon ein paar Gefährdungen. Die eine ist der generelle Trend zur Schweiz sei an seine Grenzen gestossen. Stimmt das? Akademisierung: Alle sprechen nur noch von Universitätsabschlüssen. Der Bericht ist eine Lobbyschrift der Akademien, die mit Blick auf mehr Das ist reine Standes- und Interessenpolitik im Kampf um öffentliche Bundesmittel für die Universität geschrieben wurde. Die Autoren des BeMittel. Viele Parlamentarier sind selber auch Akademiker und kennen richts blenden die Berufsbildung vollständig aus. Sie verstehen das Sysden Wert der Berufsbildung nicht. Die zweite Herausforderung kommt tem der höheren Berufsbildung überhaupt nicht. Dabei absolvieren 29

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Rudolf Strahm will der Berufsbildungsszene zu mehr Selbstvertrauen verhelfen.

Prozent eines Jahrgangs nach der Berufslehre eine berufliche Weiterbildung – einfach nicht an einer Universität oder Fachhochschule. Diese Leute sind die wichtigsten Innovationstransporteure der Wirtschaft, vor allem in der Industrie. Sie sind nämlich die ersten, die neue Technologien lernen und sie in ihren Betrieben einführen. Den Beruf des Beschichtungstechnikers beispielsweise gab es vor sechs Jahren noch nicht. Heute ist das eine Weiterbildung für Polymechaniker. Diese Funktion der höheren Berufsbildung wird im Bildungsbericht der Akademien völlig ausgeblendet. Wo liegen die Schwächen des Berufsbildungssystems? Wir entwickeln uns zu einer Bildungsgesellschaft. Deshalb ist der schulische Teil mancher Berufslehren heute zu klein. Auch ein Automechaniker muss heute Englisch können, um das Manual für den Abgastest zu verstehen. Auch bei der Informatik und bei den Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit und Konfliktfähigkeit besteht Nachholbedarf. Zudem hinkt die Branchenverteilung bei der Berufslehre dem Strukturwandel hinterher. In den Gewerbe- und Industrieberufen werden mehr Leute ausgebildet, als beschäftigt werden können. Und in den neuen Berufen in der Informatik und in der Freizeitindustrie gibt es zu wenig Nachwuchs. Da hinkt die Struktur hinterher. Auch in der Pflege fehlt auf allen Stufen Personal. Hier muss unbedingt eine niederschwellige Ausbildung geschaffen werden.

mit geringer Bildung. Diese Frauen leisten eine unheimlich wichtige Arbeit, die jedoch kaum anerkannt wird. Das Rote Kreuz erarbeitet jetzt einen Ausbildungsgang, um diesen Frauen ein Berufszertifikat zu ermöglichen. Damit können sie sich auf dem Arbeitsmarkt bewegen und sich auch auf andere Stellen bewerben. Gerade die sozialen Berufe wie Primarlehrerin oder Krankenpflegerin wurden stark verschult. Dadurch haben diese Berufe eine notwendige Aufwertung erfahren. Ich halte das für eine der ärgerlichsten Fehlentwicklungen im schweizerischen Schulsystem. Jede Kindergärtnerin und jede Unterstufenlehrkraft braucht heute eine Matura. Ich meine, der grösste Teil der Bevölkerung will das nicht, und trotzdem ziehen die Bildungsbürokratien das einfach

«Die Leute verstehen die Schule nicht mehr.»

Wie sieht diese Ausbildung aus? In der Schweiz arbeiten 40 000 ungelernte Pflegehelferinnen in Altersund Pflegeheimen, meist Wiedereinsteigerinnen oder Ausländerinnen

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durch. Das ist Bildungspolitik, die am Volk vorbeigeht. Dabei sind die Gymnasien der falsche Ort für die Selektion von angehenden Lehrpersonen. Diese brauchen nämlich neben dem schulischen Wissen eine grosse emotionale Kompetenz und Persönlichkeitsstärke. Und das wird an den Gymnasien eben nicht gefördert. So kommen nur die Kopfmenschen in die Ausbildung zur Primarlehrperson. Ich glaube, ein grosser Teil des Widerstands gegen HarmoS und die Schulreformen in der Schweiz gründet nicht in der Ablehnung der früheren Einschulung, sondern im Grundmisstrauen der Menschen gegen die Akademisierung der Lehrpersonen. Die Leute verstehen die Schule nicht mehr. SURPRISE 227/10


Wie soll die Berufsaufwertung klappen, ohne die Ausbildung zu verschulen? Das Wichtigste ist, dass die Berufsbildungsszene ein gesundes Selbstvertrauen entwickelt. Das Gesetz will die Gleichwertigkeit von Berufsbildung und akademischer Bildung, und so empfindet es auch die Bevölkerung, vor allem in nichtstädtischen Regionen. Deshalb muss man jeden Professor zurückbinden, der aus standespolitischen Gründen mit professoralem Imponiergehabe nach mehr Akademikern ruft. Gibt es Berufe, die keine Zukunft haben und die nicht mehr ausgebildet werden sollten? Man soll nicht einfach Berufe fallenlassen. Aber wir müssen Ja sagen zum Strukturwandel. Der läuft ja schon seit dem Zweiten Weltkrieg. Denken Sie an die Textil-, Leder- oder Schuhindustrie, denken Sie an die Giessereien und die Chemie. Als ich 1959 in Basel eine Lehre als Laborant begann, war das fast der modernste Beruf. Und vor ein paar Jahren war ich an die Ingenieurschule Burgdorf anlässlich der Schliessung der Chemieabteilung eingeladen. Ein grosser Teil der chemischen Prozesse wurde nach Indien und Bangladesch ausgelagert. Welchen Platz hat denn ein Laborant heute in der Schweiz noch? Man übt heute nicht mehr das ganze Leben lang den erlernten Beruf aus. Die Menschen müssen sich umschulen oder spezialisieren. Es gibt in jedem Beruf noch eine Nische für Spezialitäten. Die Textilindustrie etwa ist zwar nur noch klein, aber die Firma Lantal in Langenthal hat 70 Prozent Weltmarktanteile an Flugzeugsitzbezügen, die nicht brennen. Wir haben in der Schweiz eine Hightech-Spezialisierung für Produkte, bei denen der Preis keine Rolle spielt, aber die Qualität einmalig ist. Was heisst das für die Berufsbildung? Spezialisierung, Qualifizierung und Weiterbildung. Das ist die Stärke dieses berufspraktischen Bildungssystems: Auch wer mit Französisch oder Mathematik auf Kriegsfuss steht, kann sich weiter qualifizieren und es zu einer sehr hohen Spezialisierung bringen. Gilt das auch für die traditionellen gewerblichen Berufe wie Bäcker oder Coiffeuse? Ja, denn es gibt Berufe, die braucht es einfach in einem Land. Die Coiffeuse und den Metzger kann man nicht auslagern. Aber auch diese Berufsleute müssen sich spezialisieren, entweder in der industriellen Produktion oder mit teuren Nischenprodukten. Den einzigartigen Hochzeitskuchen kauft man dann eben nicht in der Migros, sondern beim Spezialgeschäft.

Zur Person: Rudolf Strahm, 1943 geboren, absolvierte eine Lehre als Laborant, studierte später Chemie an der Ingenieurschule Burgdorf und schloss daran ein Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Bern an. Von 1991 bis 2004 sass er für die SP im Nationalrat, bevor er bis 2008 als Preisüberwacher amtierte. Seit seiner Pensionierung unterrichtet er angehende Berufsschullehrpersonen und Berufsberater. Sein zuletzt erschienenes Buch «Warum wir so reich sind» erscheint in einer zweiten, aktualisierten und erweiterten Auflage im Juni 2010.

Die Rettung der Berufslehre: eine Erfolgsgeschichte Mitte der 1990er-Jahre schien die Berufslehre ein Auslaufmodell zu sein. Es gab viel zu wenig Lehrstellen, zahlreiche Jugendliche blieben nach der obligatorischen Schulzeit ohne Ausbildung. Auch politisch lief es schlecht: Die Berufsbildung sollte in die Verantwortung der Kantone übertragen werden, da sie für den Bund von geringer Bedeutung sei. In der Folge formierte sich eine breite Koalition aus Politik, Gewerbe und Bildung zur Rettung der Berufslehre. Lehrstelleninitiativen wurden lanciert, das Thema erhielt plötzlich grösste Aufmerksamkeit. Im Jahr 2000 verabschiedete das Parlament das neue Berufsbildungsgesetz. Kernpunkte des neuen Gesetzes waren die Gleichwertigkeit von schulischer und beruflicher Ausbildung sowie Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten für jeden Abschluss. Das Gesetz wurde mit grossem Mehr gutgeheissen. Mit der Angleichung der universitären Studiengänge an das europäische System (Bologna-Reform) stellen sich neue Fragen. Neu dauern alle ersten Studiengänge im Minimum drei Jahre und werden mit einem Bachelor-Titel abgeschlossen. Mit dem Master-Studiengang folgt erst die fachliche Spezialisierung. Dadurch werden Abschlüsse europäisch vergleichbar, im Gegensatz zu den schweizerischen Berufsabschlüssen. Im September 2009 forderten zudem die Akademien der Wissenschaften Schweiz in ihrem Bericht «Zukunft Bildung Schweiz» eine Konzentration auf den gymnasialen und akademischen Bildungsweg mit einer Maturandenquote von 30 Prozent.

Mit der totalen Akademisierung der Berufsbildung würden solche Spezialisten verloren gehen. Es gäbe viele Verlierer. Die berufspraktische Spezialitätenproduktion vor allem im gewerblich-industriellen Sektor würde verloren gehen. Natürlich kann man sich mit einer höheren Bildung immer besser umschulen und weiterbilden. Aber mit der Massenproduktion von Bachelors muss man aufpassen: Die Universitäten produzieren teilweise am Arbeitsmarkt vorbei. Man sucht den Spitzenfussballer ja auch nicht an der Uni. Viele Spezialfertigkeiten erwirbt man nicht auf akademischem Weg. Mit einem Bachelor-Titel kann man keinen Beruf wirklich ausüben. Diese Absolventen sind in den Betrieben oft nicht brauchbar, sie hangeln sich von Praktikum zu Praktikum. Das ganze Bologna-Prüfungssystem läuft doch so: reinfüttern, rauskotzen, vergessen. Und wenn man genügend Kreditpunkte hat, ist man Akademiker. ■

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BILD: GUIDO SÜESS

Wörter von P��rtner Geisterdörfer Wer mit dem Velo durch die Schweiz fährt, erreicht immer innert nützlicher Frist die existenziellen Bs des Unterwegsseins: Brunnen, Beiz, Bäcker, Bett. Während ich mich hierzulande in rund 20 Jahren nur einmal an einem Brunnen vergiftet habe, war mir bewusst, dass saubere Brunnen in Nachbarländern nicht selbstverständlich sind. In Frankreich lernte ich dieses Jahr den Begriff «Eau non surveilée» kennen. Soll damit ausgedrückt werden, dass das Wasser eben noch unüberwacht und frei ist oder bloss, dass man sich nachher nicht beklagen soll, wenn einem die Bakterien den Magen zersetzen? Also kauft man das Wasser besser im Laden, zum Beispiel beim Bäcker, bei dem man sich auch gleich verpflegen kann, oder man geht in die Beiz. Beides war bei meinen bisherigen Frankreichfahrten kein Problem, aber

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diesmal, vielleicht lag es an der Vorsaison, fuhren wir durch Dörfer, in denen es ausser Häusern einfach nichts gab. An Läden, Beizen und Hotels hingen Schilder mit der Aufschrift À vendre (zu verkaufen). Die Dorfzentren verfallen, darum herum gruppieren sich unmotivierte Einfamilienhaussiedlungen. In einem solchen Dorf übernachteten wir nach einer schönen Tagesetappe. Die Tür von Hotel/Restaurant/Bar war nicht verschlossen, weil die Besitzer auch im Haus wohnten. Ein Zimmer gab es, aber kein Abendessen und kein Frühstück. Es hatte eine Pizzeria im Ort, die am Donnerstag aufmachte. Es war Mittwoch. Im einzigen geöffneten Lokal ergatterten wir eine Portion Pommes-Frites. Wenn man in einer Boomregion wie Zürich lebt, wo ständig Leute zuziehen, vergisst man leicht, dass irgendwo die Leute auch wegziehen. In Frankreich scheint man das Dorfleben zugunsten der anonymen Suburbia aufgegeben zu haben. Natürlich kann man auch hierzulande mal von regionalen Feiertagen und Wirtesonntagen oder originellen Öffnungszeiten ausgebremst werden, aber ein paar Kilometer weiter sieht dann wieder alles anders aus. Die Kleinräumigkeit verhindert, dass ganze Gegenden völlig abgelegen liegen. Im grossen Frankreich kann während 60 bis 80 Kilometern einfach nichts kommen und das ist nicht nur irgendwie unheimlich, es schränkt

auch die Bewegungsfreiheit ein. Konnte man bis anhin unbeschwert und mit wenig Gepäck losradeln, die Route den Wind- und Wetterverhältnissen oder der Tagesform anpassen, muss man unter solchen Umständen schon recht genau planen, wo man hin will. Zumal die Alternative zum À vendre oft complét heisst, weil die wenigen Hotels ständig ausgebucht sind. Selbst in einem Ort wie dem einstigen Olympia-Schauplatz Albertville findet man mitunter kein Zimmer und im benachbarten Ugine auch nicht, weil Gymnastikmeisterschaften und Motorsägenwettbewerbe stattfinden. Man muss den Leuten ja etwas bieten. Wenn man die Woche über im Geistervorort lebt, will man wenigstens am Wochenende etwas erleben und so jagen sich in den Tourismusregionen die Events. Schwierig für den spontanen Einkehrer. Auch die Ernährung ändert sich: Anstatt interessante lokale Spezialitäten kennenzulernen, gehört man unverhofft auch zu jenen, die sich mit diesen modernen Riegeln, Tuben und Gels füttern, deren Verpackungen die Passstrassen säumen. Dörfer haben im globalen Dorf keinen Platz mehr.

STEPHAN PÖRTNER (STPOERTNER@LYCOS.COM) ILLUSTRATION: MILENA SCHÄRER (MILENA.SCHAERER@GMX.CH) SURPRISE 227/10


Mittelalter Im Ausgang mit Rittern Das finstere Mittelalter ist en vogue: An vielen Orten werden Dorf- und Stadtfeste unter dieses Motto gestellt. Doch bei der Ausführung gibt es Unterschiede.

Huttwil, ein Dorf wie jedes andere auch. Doch einmal im Jahr gehen auf den Dorfstrassen seltsame Dinge vor sich: An Ständen werden von seltsam gekleideten Menschen handgefertigte Waren angeboten. Als Rahmenprogramm des ungewöhnlichen Markts treten Drehleier-Spieler und Gaukler auf. Das Treiben hat seine Berechtigung, denn man befindet sich am historischen Handwerkermarkt. Mittelalter-Anlässe schiessen wie Pilze aus der Schweizer Dorf- und Städtelandschaft. Gerne werden auch Jubiläen mit einem Mittelalterevent verbunden, so etwa in Appenzell, wo diesen Sommer des Dorfbrands vor 450 Jahren gedacht wird. Das dunkle Zeitalter ist offensichtlich in Mode: «Unter Mittelalter können sich alle etwas vorstellen, ob Ritter oder Burgfräulein», überlegt Lea Schieback. Die studierte Mediävistin ist als Museumspädagogin auf dem Schloss Lenzburg sozusagen an der Mittelalter-Quelle und dieses Jahr an den Königlichen Hoftagen auf dem Schloss engagiert. Dort wird zu Ehren des Habsburger Königs Rudolf I. vier Tage lang mittelalterlich gefeiert. Und weil das Schloss im richtigen Leben ein Museum ist, gibts zudem – familientauglich – viel Wissenswertes übers Mittelalter zu sehen und zu hören. Lea Schieback hat aber noch einen anderen Zugang zum Mittelalter: Als Mitglied der Living-History-Gruppe «Company of Saynt George» tritt sie an Festivals, Märkten und Spektakeln im In- und Ausland als Darstellerin einer kleinen Artillerieeinheit aus der Zeit Karls des Kühnen im 15. Jahrhundert auf. In der Schweiz steht ihre Gruppe dieses Jahr noch am Mittelalterfest auf dem Schloss Liebegg im Einsatz. Ihre Ausrüstung ist handgefertigt: «Wir sind so authentisch wie möglich und orientieren uns an archäologischen Funden oder bildlichen Darstellungen», erklärt die Mittelalter-Expertin. Ein Schwerpunkt der Darstellung des Mittelalters sind alte Handwerksberufe. «In der Schweiz scheint das Interesse am Handwerk noch sehr gross zu sein. Das erleben wir so stark nicht in allen Ländern, in denen wir auftreten.» Auf den unzähligen sogenannten Mittelalter-Märkten bekommt der Besucher allerdings oft auch Dinge zu sehen, die ziemlich fragwürdig sind, etwa Trinkhörner: «Die Leute haben ein gewisses Bild vom Mittelalter und wollen das erfüllt sehen», meint Schieback. «Obwohl in der Schweiz im Mittelalter niemand aus Hörnern getrunken hat.» Mittelalter-Neulingen rät Lea Schieback, sich zu überlegen, welche Erwartungen sie an den Anlass haben. «Am Besten ist es, sich das jeweilige Programm der Veranstalter anzuschauen. Wer Interesse am Feiern in einem besonderen Ambiente hat, ist mit einem MittelalterSpektakel, auf dem es verschiedene Stände und Bühnen für Bands gibt, bestimmt gut beraten. Wer Interesse an echter mittelalterlicher Darstellung hat, der sollte auf Mittelaltermärkte gehen, die explizit mittelalterliches Handwerk und Mittelaltergruppen anbieten.» SURPRISE 227/10

BILD: COMPANY OF SAYNT GEROGE

VON JULIA KONSTANTINIDIS

Nur fast echt: Ein Darsteller der Company of Saynt George.

Und wer auch Handwerk aus anderen Epochen kennenlernen möchte, der sei mit historischen Handwerkermärkten gut beraten. Wer vor Ort Zweifel an der Echtheit der mittelalterlichen Darstellungen hat, soll nachfragen, so Schieback: «Seriöse Darsteller aus Mittelaltergruppen freuen sich über Fragen nach der Epoche, die sie darstellen und geben gerne Auskunft.» Das Mittelalter in Ihrer Nähe: Mittelalter-Spektakel Appenzell, 19. und 20. Juni, Appenzell; Burgfest Rickenbach, 19. und 20. Juni, Festgelände bei Rickenbach; Schlossfest Thun, 20. Juni, 10 bis 17 Uhr, Schloss Thun; Historischer Handwerkermarkt, 3. und 4. Juli, Huttwil; Spaktekel Burgruinen-Fest 2010, 17. Juli, 14 bis 2 Uhr, Ruine Dorneck, Dornach; Königliche Hoftage auf Schloss Lenzburg, 20. bis 23. Juli, Schloss Lenzburg; Mittelalterliches Spektakel Burgdorf, 14. und 15. August, Burgdorf; Mittelalterliches Spectakel Schloss Liebegg, 20. bis 22. August, Schloss Liebegg, Gränichen. Detail-Programme und weiterführende Links unter: www.mittelalter-kalender.ch

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Endlich ein Buch, in dem nichts

BILD: ZVG

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Kulturtipps

Nach ihr wurde eine Schoko-Pizza benannt: Sarah Blasko.

Überflüssiges steht.

Buch Nashörner und Zaunkönige Der New Yorker Eliot Weinberger hat sich durch 4000 Jahre Natur- und Menschheitsgeschichte gelesen. Seine unaufdringlich arrangierten Fundstücke machen staunen und halten uns einen facettenreichen Spiegel vor.

Singer/Songwriter Unter Fieberschüben Daheim in Australien ist Sarah Blasko eine bekannte Grösse, in Europa hingegen noch ein unbeschriebenes Folk-Pop-Blatt. Mit ihrer schwer verspielten neuen CD «As Day Follows Night» wird sich das zum Besseren ändern. VON MICHAEL GASSER

VON CHRISTOPHER ZIMMER

Eliot Weinberger ist hoch dekorierter Publizist und Kolumnist, Essayist und Enzyklopädist, Übersetzer spanischsprachiger Weltliteratur und Herausgeber klassischer chinesischer Lyrik. Und er ist ein scharfer Bush-Kritiker, dessen Aufsatz «What I Heard about Iraq» als Theaterstück, Kantate, Hörspiel, Tanzperformance oder Kunstinstallation Furore machte. Er erschien auf Hunderttausenden von Internetseiten und wurde 2006, am Jahrestag der Invasion in den Irak, weltweit auf fast hundert Veranstaltungen gelesen und aufgeführt. Wenn solch eine geschliffene Feder sich in einem Essay mit dem Titel «Das Wesentliche» dem babylonischen Gewirr der Natur- und Menschheitsgeschichte widmet, erwartet man im ersten Affekt den Versuch einer Definition – und ist dann angenehm überrascht, einem zurückhaltenden Aufklärer zu begegnen. Dieser schreibt jenseits aller einfachen Antworten, die doch nur allzu oft den Ruch von Esoterik und Allgemeinplatz verbreiten. Kein Wunder, denn dieser Autor, der sich in seinem Buch «Kaskaden» auch schon mal ausführlich mit dem Sozialsystem der Nacktmulle befasst hat, ist stets für eine Überraschung gut. Um sich der verfänglichen Eindeutigkeit zu entziehen, erzählt Weinberger in «Das Wesentliche» scheinbar zufällig von Winden und Strudeln, von Nashörnern, Tigern und Zaunkönigen, von Menschen, die Chang heissen. Man liest von Göttern und Heiligen, vom rituellen Korsett am chinesischen Kaiserhof. Er listet auf sechs Seiten an die 200 Erklärungen aus allen Erdteilen auf, dafür, was die Sterne sind und wie sie heissen. Doch ist dieses Sammelsurium weder Kuriositätenkabinett noch Freakshow. Ganz im Gegenteil richtet Weinberger in seinem klug aufgestellten «Museum» einen faktenreichen und zugleich poetischen Blick auf das staunenswerte Gebaren in uns fremden und nahen Kulturen. Mit zuweilen anrührenden, manchmal abstrusen, immer aber verblüffend vielfältigen Versuchen ringen sie darum, die Welt zu erklären oder sich Untertan zu machen. Mit diesem kaleidoskopischen Nebeneinander gelingt es Weinberger, das Eigene im Fremden nicht weniger als das Fremde im Eigenen bewusst zu machen. Eliot Weinberger: Das Wesentliche. Berenberg 2008. CHF 39.90.

Eine Ehre, die ihr keine ist: In Australien, wo Sarah Blasko zum gehobenen Pop-Adel gehört, hat man unlängst eine Pizza nach der Musikerin benannt. «Eine Dessert-Pizza mit Schokolade, ausgerechnet», sagt sie mit gespielter Empörung. «Eine Enttäuschung.» Die 33-Jährige, zu deren grossen Wünschen es gehört, endlich mal in einem Musical auftreten zu können, hat kürzlich ihr drittes Album «As Day Follows Night» veröffentlicht. Eingespielt hat sie es in Schweden, was der luftigen Produktion anzuhören ist. Auch wenn Blasko das eher widerwillig zur Kenntnis nimmt: «Es ärgert mich schon ein wenig, wenn gesagt wird, die Platte klinge nordisch.» Schliesslich habe sie ja alle Lieder in Australien geschrieben, in ihrem kleinen Büro im Hinterland von Sidney, in dem ausser ein paar Büchern, ihrer Gitarre, ihrem Piano und einem Aufnahmegerät so ziemlich nichts steht. Im Vorfeld habe sie viel Blues gehört, weil der so direkt ist. «Da geht’s häufig darum, die Schwierigkeiten, die man gerade durchlebt, in Worte zu fassen», erklärt Blasko. Und statt wie bei ihren ersten beiden Platten wiederum alles in Metaphern zu verpacken, sah sie die Zeit für eine «brutale Offenheit» gekommen. Es brauche eine gewisse Grosszügigkeit, sich nicht mehr länger hinter verschleiernden Worten zu verstecken, betont die Künstlerin. Und so singt sie unverblümt von Dreiecksgeschichten und in «Lost & Defeated» auch davon, endgültig den Verstand verloren zu haben. Natürlich wegen Liebesmühen. Dazu trällert im Hintergrund eine Kirmesmelodie im Walzermodus, leicht melancholisch, vor allem aber leise überdreht. Die zwölf Folk-Pop-Lieder benehmen sich vornehmlich verspielt und tänzeln wie unter dem Einfluss eines Fieberschubs. Glück und Unglück liegen bei Blasko gleich um die nächste Ecke, sie lässt jedoch offen, welches Schicksal blüht. Mit ihrer stets viel Dramatik versprechenden Stimme, die wie eine ungebührliche Kreuzung aus Shirley Bassey und Anna Ternheim tönt, setzt Blasko ihrem Material das krönende i-Tüpfelchen auf. Gehts nach ihr, ist das aber erst der Anfang. Für ihre nächste CD plant Blasko nach Bulgarien zu gehen, in die Heimat ihres Vaters. Ein Orchester soll ihr dabei zur Seite stehen. Auf dass alles noch viel grösser und gewichtiger daherkomme. Viel schöner kanns ja nicht mehr werden. Sarah Blasko: «As Day Follows Night» (Dramatico/Phonag).

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Die 25 positiven Firmen Diese Rubrik ruft Firmen und Institutionen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Einige haben dies schon getan, indem sie dem Strassenmagazin Surprise mindestens 500 Franken gespendet haben. Damit helfen sie, Menschen in prekären Lebensumständen eine Arbeitsmöglichkeit zu geben und sie auf ihrem Weg zur Eigenständigkeit zu begleiten. Gehört Ihr Betrieb auch dazu? Die Spielregeln sind einfach: 25 Firmen werden jeweils aufgelistet, sind es mehr, fällt jener Betrieb heraus, der am längsten dabei ist.

Auf der Flucht vor dem Erlebten: Faezeh im Garten vor der Stadt.

Kino Vier Frauen, ein Garten, kein Mann «Women without men» spielt vor den Kulissen des Kampfes um Freiheit und Demokratie im Iran. Und zeigt vier Frauen, die sich in einem geheimnisvollen Garten vom persönlichen Freiheitskampf erholen. VON MICHÈLE FALLER

Munis steht auf der kargen Dachterrasse. Der Wind zerzaust ihr die Haare, der Muezzin ruft zum Gebet. Der Blick der jungen Frau schweift über Topfpflanzen, die Weite der Landschaft, die Strasse unten. Plötzlich verstummen alle Geräusche. «Nun spüre ich die Stille», hört man die Frau sagen. Sie blickt nach unten, da fällt ihr der schwarze Mantel aufs Pflaster. Ein Bächlein rauscht inmitten einer grünen dunstigen Palmenlandschaft, im Hintergrund Vogelgezwitscher. Schnitt. Munis sitzt gebannt vor einem altmodischen Radio, aus dem berichtet wird, die Briten hätten eine militärische Blockade errichtet, um den Ölexport Irans zu verhindern. Der Film «Women without men» nach dem gleichnamigen Roman von Sharmush Parsipur spielt im Teheran des Jahres 1953. Premierminister Mossadegh – und mit ihm die erste und letzte demokratisch gewählte Regierung im Iran – wurde durch einen Putsch von Grossbritannien und den USA gestürzt. Mit dem politischen Ausnahmezustand korrespondiert die Geschichte, die der erste Spielfilm der iranischen Künstlerin und Filmerin Shirin Neshat ebenfalls erzählt: die persönlichen Ausnahmezustände von vier sehr unterschiedlichen Frauen, die scheinbar zufällig, aber wie von unsichtbaren Kräften geleitet in einem geheimnisvollen Garten aufeinandertreffen. Den Garten samt Haus ausserhalb Teherans hat sich die kultivierte Fakhri gekauft, die sich soeben von ihrem Mann getrennt hat. Mit einem fast unmerklichen Lächeln durchschreitet sie das Haus und den riesigen verwilderten Garten. Dort trifft sie auf die Prostituierte Zarin und später auf die verzweifelte Faezeh, die von ihrer Freundin, der Aktivistin Munis, dorthin geführt wurde. Fakhri nimmt sich der beiden jungen Frauen mütterlich an. Dem stets in ein diffuses Licht getauchten Garten haftet immer etwas Irreales an. Er ist Zufluchtsort und Paradies, Wüste, finsterer Wald und Blumenwiese in einem. Das beeindruckende Spielfilmdebüt von Shirin Neshat wechselt mal abrupt, mal fliessend zwischen höchst realistischen Szenen sowie Zwischen- und Traumwelten. Die Bildsprache der Videokünstlerin und das Surreale der Romanvorlage verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen.

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Stoll Immobilientreuhand AG, Winterthur

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Kaiser Software GmbH, Bern

03

Responsability Social Investments AG, Zürich

04

chefs on fire GmbH, Basel

05

Ingenieurbüro BEVBE, Bonstetten

06

Gemeinnütziger Frauenverein Nidau

07

VXL gestaltung und werbung ag, Binningen

08

Scherrer & Partner GmbH, Basel

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TYDAC AG, Bern

10

KIBAG Strassen- und Tiefbau

11

OTTO’S AG, Sursee

12

Klinik Sonnenhalde AG, Riehen

13

Canoo Engineering AG, Basel

14

Lehner + Tomaselli AG, Zunzgen

15

fast4meter, storytelling, Bern

16

Brother (Schweiz) AG, Baden

17

Druckerei Hürzeler AG, Regensdorf

18

IBZ Industrie AG, Adliswil

19

Zeix AG, Zürich

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Zürcher Kantonalbank, Zürich

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Axpo Holding AG, Zürich

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Experfina AG, Basel

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AnyWeb AG, Zürich

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muttutgut.ch, Lenzburg

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Mobilesalad AG, Bern

Möchten Sie bei den positiven Firmen aufgelistet werden? Mit einer Spende von mindestens 500 Franken sind Sie dabei! PC-Konto: 12-551455-3, Verein Strassenmagazin Surprise, 4051 Basel Zahlungszweck: Positive Firma + Ihr gewünschter Eintrag! Wir schicken Ihnen eine Bestätigung.

«Women without men», Regie: Shirin Neshat, 99 Min., Deutschland, Österreich, Frankreich 2009, ab 24. Juni in den Deutschschweizer Kinos. SURPRISE 227/10

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Ausgehtipps Riehen Jubiläums-Chillen Man kann natürlich mit dem Rest der Herde zu den grossen Open Airs marschieren, wo dieses Jahr lauter Bands spielen, die ihre beste Zeit vor ungefähr zehn Jahren hatten. Oder man geht an ein kleines Festival in der Region, wie zum Beispiel Hill Chill, das seine zehnte Austragung feiert. Im lauschigen Sarasinpark in Riehen/BS geben sich Newcomer und Lokalmatadore das Mikrofon in die Hand. Der Freitag bietet unter anderem Electropop von Räuberhöhle aus Berlin (Bild) sowie rumpelnden Retrorock von Plus Guest aus Strasbourg und den Bremer Trashmonkeys. Am Samstag bringen die Basler Jung-Melancholiker Sheila She Loves You Trauer in den Sommerabend, dann bedienen The Jackets aus Bern sowie die unverwüstlichen Lombego Surfers die Luftgitarrenfraktion, bevor zum Abschluss die Zürcher Saalschutz als selbst erklärte «Headliner der Herzen» ihr Syntiepop-Inferno inszenieren. (ash) Hillchill Open Air, 25./26. Juni, Sarasinpark, Pipi Punkrock aus Berlin räubert in Riehen.

Anzeigen:

Riehen/BS. www.hillchill.ch

Indisches Hochzeitspaar, 1950.

Winterthur Andere Länder, andere Bilder Die Geschichte der Fotografie wird meistens aus europäischer oder amerikanischer Sicht erzählt. Werke früher westlicher Fotokünstler und -pioniere sind hierzulande gern gezeigte Ausstellungsobjekte. Aber fotografiert wird auf der ganzen Welt und deshalb auch unter Einfluss anderer Eindrücke und Perspektiven. Diesem Aspekt zollt das Fotomuseum Respekt und zeigt Bilder aus Indien, Pakistan und Bangladesch – geschossen von dort einheimischen Fotografen. Es ist eine Zeitreise zurück ins 19. Jahrhundert, die mit handkolorierten Fotografien das Leben in Indien während der Kolonialzeit festhält. Andere Arbeiten zeigen die Verhältnisse aus der Zeit, in der sich die südasiatische Halbinsel in die drei Länder Indien, Pakistan und Bangladesch aufteilte. Und schliesslich geben Bilder zeitgenössischer Künstler Einblicke in die neueste Zeit der drei Länder. (juk) Fotoausstellung «Where three dreams cross» – 150 Jahre Fotografie aus Indien, Pakistan und Bangladesch, noch bis zum 22. August, Fotomuseum Winterthur, Winterthur.

— www.theater-basel.ch, Tel. +41/(0)61-295 11 33 — 26

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Denk mal! Beim Schachspielen kommen die Hirnwindungen in Bewegung.

Basel Sport fürs Hirn Kein Kunstobjekt, aber kunstvoll operiert.

Sind Ihnen die Duelle gegen den Schachcomputer verleidet, oder möchten Sie Ihre Figuren gerne auch mal gegen jemand anderes als Ihren 89jährigen Grossonkel verschieben? Die Spielgruppe Trümmerfeld – hinter dem Namen verbirgt sich gewiss eine lange Geschichte – könnte da Abhilfe schaffen. Jeweils montags bringen die Spieler mit Schach und anderem Denksport ihre grauen Zellen in Bewegung und machen sich so fit für den Rest der Woche. (juk)

Luzern Loch im Kopf

Schach- und Denkspiele für alle – SG Trümmerfeld, jeden Montag ab 20 Uhr, Bühnensaal, Kultur- und Begegnungszentrum Union, Basel.

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BILD: JONATHAN HEYER

Informationen: a.christen@mac.com oder www.union.ch

Schädeloperationen? Kein Problem für die Kelten, die vor rund 6000 Jahren etwa im Raum Basel oder im Kanton Wallis lebten. Eine Ausstellung des Naturhistorischen Museums Basel, die derzeit im Natur-Museum Luzern gastiert, legt eindrückliche Beweise vor: Schädel mit kreisrunden Löchern zeigen die Geschicklichkeit der alten Heiler, deren Erfolgsquote sich sehen lassen kann: 70 bis 80 Prozent ihrer Patienten überlebten den riskanten Eingriff. Neben der Frage, inwiefern unsere Vorfahren von magischen Vorstellungen beeinflusst wurden, beantwortet die kleine, aber feine Ausstellung auch ganz praktische Dinge: Narkosemittel? (mek) «Schädeloperationen in der Urgeschichte», noch bis zum 7. November zu sehen im Natur-Museum Luzern. www.naturmuseum.ch

Wer ist hier Ausländer? Marc Sway und Kawa von Musafir.

Zürich Flüchtlinge und Tanzfüdlis Seit 1980 wird das letzte Juniwochenende den Flüchtlingen gewidmet. Dieses Jahr gibt es in über 200 Ortschaften Veranstaltungen zu Flucht und Vertreibung. Die Schweizerische Flüchtlingshilfe betont dieses Jahr die Bedeutung beruflicher Integration, denn – so heisst es in der aktuellen Kampagne –: «Flüchtlinge mussten alles zurücklassen. Ausser ihrem Talent.» So wichtig das politische und ökonomische Engagement ist, noch wichtiger ist am Flüchtlingstag der direkte Kontakt von Einheimischen und Vertriebenen. Und das geht am besten in ungezwungener Festatmosphäre. In Zürich zum Beispiel treffen sich im Hof des Landesmuseums verschiedene Gruppierungen von der Caritas übers Solinetz bis zur Pfadi. Für Essen und Trinken ist gesorgt, während Musiker aus Indien und der Schweiz die Tanzfüdlis aller Länder zum gemeinsamen Hüftschwingen animieren. (ash) 19. Juni, 14 bis 22 Uhr, Landesmuseum, Zürich. www.openairlandesmuseum.ch, www.fluechtlingstag.ch SURPRISE 227/10

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Verkäuferporträt «Zusehen ist fast unmöglich» BILD: RUBEN HOLLINGER

Hayelom Ghebrezgiabiher (24) lief einst 100 Meter in 10,75 Sekunden. Heute ist er Captain der Strassenfussballer von Surprise Lorraine Bern. An der WM drückt er der Schweiz die Daumen. AUFGEZEICHNET VON ISABEL MOSIMANN

«Nach der Flucht aus meinem Heimatland Eritrea bin ich im Dezember 2006 in der Schweiz angekommen. Vier Monate später habe mit dem Verkauf von Surprise angefangen. Mein Verkaufsort ist die Migros Zähringer in der Länggasse. Dort ist es super, die Leute im LänggassQuartier sind so nett und hilfsbereit. Ein Mann hilft mir beispielsweise beim Schreiben meiner Bewerbungen. Am liebsten würde ich auch in der Länggasse wohnen, aber das hat leider bis jetzt nicht geklappt. Fast zur gleichen Zeit wie mit dem Heftverkauf habe ich bei Surprise auch angefangen, Fussball zu spielen. Wir spielen Strassenfussball. Dazu braucht man ein kleines Stadion mit Banden und einem Netz rundherum, drei Feldspieler und einen Goalie pro Mannschaft. Wir trainieren in den Sommermonaten jeden Mittwochabend auf einem Schulhausplatz. Die Miete für eine Turnhalle ist viel zu teuer. Auch die Turnschuhe sind manchmal ein Problem. Einmal habe ich mit sehr billigen Schuhen gespielt – die waren nach einem Match komplett kaputt. Ich habe auch schon in Eritrea Sport getrieben. Das ist gesund. Ich habe als Kind Fussball gespielt und bin Velo gefahren, aber eigentlich bin ich ein 100- und 200-Meter-Läufer. In meiner Heimat habe ich täglich trainiert und war in einem internationalen Team. 10,75 beziehungsweise 21,35 Sekunden sind meine Bestzeiten. In der Schweiz habe ich zwei Mal an Wettkämpfen teilgenommen, einmal in Langenthal und einmal in Bern. Wegen einer Operation konnte ich dann nicht mehr seriös weitertrainieren. Strassenfussball spielen geht aber. Weil ich so schnell bin, wurde ich letzte Saison sogar in die Schweizer Nationalmannschaft aufgenommen und durfte im September am Homeless World Cup in Milano spielen. Damals waren wir eine Woche im Tessin im Trainingslager. Das war nicht nur für den Fussball gut, sondern auch für mein Deutsch. Es war ausser mir nur ein Eritreer im Team, alle anderen, auch die Betreuer und Trainer, sprachen deutsch. Anschliessend in Milano wurden dann ganz viele Sprachen gesprochen: Wir lebten eine Woche lang mit 47 verschiedenen Nationen in Zelten auf einem Kasernenareal, hatten viel Spass, hörten Musik, tanzten und lachten viel zusammen. Das war eine schöne Zeit, auch wenn wir nur auf Platz 38 kamen. Wir hatten sehr starke Konkurrenten. Dieses Jahr findet der Homeless World Cup in Brasilien statt. Weil die Regel sagt, dass jeder nur einmal an eine Weltmeisterschaft fahren darf, kann ich diesen Herbst nicht mitreisen, aber ich wünsche unserem Team natürlich ganz viel Glück. Erfolg wünsche ich auch der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft für die WM in Südafrika. Ich bin natürlich ganz klar für die Schweiz. Es freut mich, dass die Weltmeisterschaft zum ersten Mal in Afrika durchgeführt wird. Vielleicht gibt es auch einmal eine Fussball-WM in Eritrea, wer weiss. In meinem Team Surprise Lorraine Bern bin ich mittlerweile der Captain. Diese Saison hatten wir schon Turniere in Basel, Bern und Zürich.

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Wenn ich wegen einer Verletzung als Spieler ausfalle, bin ich manchmal auch Ersatzcoach für unseren Trainer. Dann sage ich während der Spiele, wer aufs Feld geht und wieder raus muss, oder ich gebe taktische Anweisungen. Aber ich muss sagen, draussen stehen und zusehen ist für mich fast unmöglich, wenn ein Spiel läuft! Neben dem Surprise-Verkauf und dem Fussballtraining verbringe ich sehr viel Zeit mit der Arbeitssuche. Bis jetzt habe ich 260 Bewerbungen geschrieben und 165 negative Antworten bekommen. Eine Arbeit zu finden, das ist im Moment mein grösster Wunsch. Im Schulrestaurant La Cultina in Bern habe ich ein sechsmonatiges Praktikum gemacht, von daher kenne ich die Arbeit am Buffet, im Service und in der Küche. Wenn ich richtig arbeite und verdiene, werde ich meine Mutter für Ferien hierher einladen.» ■ SURPRISE 227/10


Eine Chance für alle! Werden Sie Surprise-Götti oder -Gotte ber. Das verdient Respekt und Unterstützung. Regelmässige Verkaufende werden von Surprise-Sozialarbeiterinnen betreut, individuell begleitet und gezielt gefördert. Dazu gehört auch, dass sie von Surprise nach bestandener Probezeit einen ordentlichen Arbeitsvertrag erhalten. Mit der festen Anstellung übernehmen die Surprise-Verkaufenden mehr Verantwortung; eine wesentliche Voraussetzung dafür, wieder fit für die Welt und den Arbeitsmarkt zu werden.

Starverkäuferin BILD: ZVG

Surprise kümmert sich um Menschen, die weniger Glück im Leben hatten als andere. Menschen, die sich aber wieder aufgerappelt haben und ihr Leben in die eigenen Hände nehmen wollen. Mit dem Verkauf des Strassenmagazins Surprise überwinden sie ihre soziale Isolation. Ihr Alltag bekommt Struktur und wieder einen Sinn. Sie gewinnen neue Selbstachtung und erarbeiten sich aus eigener Kraft einen kleinen Verdienst. Die Surprise-Strassenverkäuferinnen und -verkäufer helfen sich sel-

Als Götti oder Gotte ermöglichen Sie einer Strassenverkäuferin oder einem -verkäufer eine betreute Anstellung bei Surprise und damit die Chance zur Rückkehr in ein selbstbestimmtes Leben.

Kurt Brügger Basel

Fatima Keranovic Baselland

Marika Jonuzi Basel

Marlis Dietiker Olten

Thomas Schneeberger aus Bern nominiert Haimanot Ghebremichael als Starverkäuferin: «Mein Arbeitsweg führt fast täglich an ihrem Verkaufsstandort vorbei. Es ist jeweils ein Aufsteller, unter den vielen griesgrämigen und abgekämpften Mienen in der Hektik des Berner Bahnhofbetriebs ihr offenes und freundliches Gesicht zu entdecken und ihre charmante Art beim Surprise-Verkauf zu erleben. Sie sorgt auch an kalten und verregneten Tagen für Sonnenschein auf der ‹Welle›.»

Ausserdem im Förderprogramm SurPlus: Peter Gamma, Basel Peter Hässig, Basel Tatjana Georgievska, Basel Bob Ekoevi Koulekpato, Basel Jela Veraguth, Zürich Andreas Ammann, Bern

Anja Uehlinger, Baden René Senn, Zürich Wolfgang Kreibich, Basel Jovanka Rogger, Zürich Marlise Haas, Basel

Nominieren Sie Ihren Starverkäufer! Schreiben Sie uns mit einer kurzen Begründung, welchen Verkäufer Sie an dieser Stelle sehen möchten: Strassenmagazin Surprise, Redaktion, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41+61 564 90 99, redaktion@strassenmagazin.ch

Ja, ich werde Götti/Gotte von: 1 Jahr: 8000 Franken

1/2 Jahr: 4000 Franken

1/4 Jahr: 2000 Franken

Vorname, Name

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Datum, Unterschrift

1 Monat: 700 Franken

227/10 Talon bitte senden oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch, PC-Konto 12-551455-3 SURPRISE 227/10

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Surprise ist: Hilfe zur Selbsthilfe Surprise hilft seit 1997 Menschen in sozialen Schwierigkeiten. Mit Programmen in den Bereichen Beschäftigung, Sport und Kultur fördert Surprise die soziale Selbständigkeit. Surprise hilft bei der Integration in den Arbeitsmarkt, bei der Klärung der Wohnsituation, bei den ersten Schritten raus aus der Schuldenfalle und entlastet so die Schweizer Sozialwerke.

Ich möchte Surprise abonnieren! 24 Ausgaben zum Preis von CHF 189.– (Europa: CHF 229.– ) (Verpackung und Versand bieten StrassenverkäuferInnen ein zusätzliches Einkommen.) Gönner-Abo für CHF 260.–

Eine Stimme für Benachteiligte Surprise verleiht von Armut und sozialer Benachteiligung betroffenen Menschen eine Stimme und sensibilisiert die Öffentlichkeit für ihre Anliegen. Surprise beteiligt sich am Wandel der Gesellschaft und bezieht Stellung für soziale Gerechtigkeit. Strassenmagazin und Strassenverkauf Surprise gibt das vierzehntäglich erscheinende Strassenmagazin Surprise heraus. Dieses wird von einer professionellen Redaktion produziert, die auf ein Netz von qualifizierten Berufsjournalistinnen, Fotografen und Illustratorinnen zählen kann. Das Magazin wird fast ausschliesslich auf der Strasse verkauft. Rund dreihundert Menschen in der deutschen Schweiz, denen der Arbeitsmarkt verschlossen bleibt, erhalten damit eine Tagesstruktur, verdienen eigenes Geld und gewinnen neues Selbstvertrauen.

Geschenkabonnement für: Vorname, Name

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Datum, Unterschrift 227/10 Bitte heraustrennen und schicken oder faxen an: Strassenmagazin Surprise, Administration, Spalentorweg 20, Postfach, 4003 Basel, F +41 61 564 90 99, info@strassenmagazin.ch

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Herausgeber Strassenmagazin Surprise GmbH, Postfach, 4003 Basel, www.strassenmagazin.ch Geschäftsführung T +41 61 564 90 63 Fred Lauener, Agnes Weidkuhn (Assistenz GF) Öffnungszeiten Sekretariat Mo–Do 9–12 Uhr, T +41 61 564 90 90, F +41 61 564 90 99 info@strassenmagazin.ch Redaktion T +41 61 564 90 70 Fred Lauener (Leitung), Reto Aschwanden, Julia Konstantinidis, Mena Kost, Thomas Oehler (Sekretariat) redaktion@strassenmagazin.ch Freie Mitarbeit Michèle Faller, Michael Gasser, Luc-François Georgi, Barbara Hofmann, Ruben Hollinger, Janine Kern, Thierry Kleiner, Miriam Künzli, Yvonne Kunz, Isabel Mosimann, Dominik Plüss, Stephan Pörtner, Angel Sanchez, Milena Schärer, Beatrice Schild, Isabella Seemann, Rémy Steinegger, Udo Theiss, Priska Wenger, Elisabeth Wiederkehr, Christopher Zimmer Korrektorat Alexander Jungo Gestaltung WOMM Werbeagentur AG, Basel Druck AVD Goldach Auflage 29 400, Abonnemente CHF 189.–, 24 Ex./Jahr Anzeigenverkauf T +41 61 564 90 77 Therese Kramarz, Mobile +41 76 325 10 60 anzeigen@strassenmagazin.ch

Sport und Kultur Surprise fördert die Integration auch mit Sport. In der Surprise Strassenfussball-Liga trainieren und spielen Teams aus der ganzen deutschen Schweiz regelmässig Fussball und kämpfen um den Schweizermeister-Titel sowie um die Teilnahme an den Weltmeisterschaften für sozial benachteiligte Menschen. Seit 2009 hat Surprise einen eigenen Chor. Gemeinsames Singen und öffentliche Auftritte ermöglichen Kontakte, Glücksmomente und Erfolgserlebnisse für Menschen, denen der gesellschaftliche Anschluss sonst erschwert ist. Finanzierung, Organisation und internationale Vernetzung Surprise ist unabhängig und erhält keine staatlichen Gelder. Das Strassenmagazin wird mit dem Erlös aus dem Heftverkauf und mit Inseraten finanziert. Für alle anderen Angebote wie die Betreuung der Verkaufenden, die Sportund Kulturprogramme ist Surprise auf Spenden, auf Sponsoren und Zuwendungen von Stiftungen angewiesen. Surprise ist eine nicht gewinnorientierte soziale Institution. Die Geschäfte werden von der Strassenmagazin Surprise GmbH geführt, die vom gemeinnützigen Verein Strassenmagazin Surprise kontrolliert wird. Surprise ist führendes Mitglied des Internationalen Netzwerkes der Strassenzeitungen (INSP) mit Sitz in Glasgow, Schottland. Derzeit gehören dem Verband über 100 Strassenzeitungen in 40 Ländern an.

Marketing T +41 61 564 90 61 Theres Burgdorfer Vertrieb T +41 61 564 90 81 Smadah Lévy (Leitung) Vertrieb Zürich T +41 44 242 72 11 Reto Bommer, Engelstrasse 64, 8004 Zürich, Mobile +41 79 636 46 12 r.bommer@strassenmagazin.ch Vertrieb Bern T +41 31 332 53 93 Alfred Maurer, Pappelweg 21, 3013 Bern, Mobile +41 79 389 78 02 a.maurer@strassenmagazin.ch Betreuung und Förderung T +41 61 564 90 51 Rita Erni Chor/Kultur T +41 61 564 90 40 Paloma Selma Strassensport T +41 61 564 90 10 Lavinia Biert Trägerverein Strassenmagazin Surprise Präsident: Carlo Knöpfel Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auch auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt. Surprise behält sich vor, an Verkaufende gerichtete Postsendungen zu öffnen. Barspenden an namentlich bezeichnete Verkaufende können nur bis zu einem Betrag von CHF 100.– weitergeleitet werden. Darüber hinausgehende Beträge sollen – im Einverständnis mit der Spenderin oder dem Spender – allen Verkaufenden zugute kommen. SURPRISE 227/10


Hier könnte Ihre Werbung stehen. Werfen Sie Ihr Werbegeld nicht auf die Strasse. Investieren Sie es dort. Surprise erreicht 135 000 Leserinnen und Leser. Und das in den grössten Städten und Agglomerationen der Deutschschweiz.* Denn dort stehen die 380 Surprise-Verkaufenden für Sie auf der Strasse. Tagtäglich. Ganze 80 Prozent der überdurchschnittlich verdienenden und ausgebildeten Käuferinnen und Käufer lesen die gesamte Ausgabe oder zumindest mehr als die Hälfte aller Artikel. Das Strassenmagazin steht für soziale Verantwortung und gelebte Integration. Mit Ihrem Inserat zeigen Sie Engagement und erzielen eine nachhaltige Wirkung. Anzeigenverkauf Therese Kramarz, T +41 76 325 10 60, anzeigen@strassenmagazin.ch

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Surprise Rucksäcke (32 x 40 cm); CHF 89.– schwarz rot

227/10

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Surprise Strassenmagazin 227/10