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M A G A Z I N E

SCHAUEN

HÖREN

GENIESSEN

Perlen der Architektur

Klassik trifft auf Dudelsack

Die Vielfalt des Winters

Wo es schmeckt!

Verweile doch!

Ein Heft über den Genuss und die Berge

Ein Heft über das Wandern und das Glück

B R I X E N

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K L A U S E N

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G I T S C H B E R G

J O C H T A L

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N A T Z - S C H A B S

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L Ü S E N


SĂźdtirol sucht

Naturtalente. SĂźdtirol sucht dich.

suedtirol.info/naturtalente


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Mitarbeiter der Ausgabe 1 In den Tagen kurz vor Redaktionsschluss litt Mitarbeiterin Debora Nischler nach einer langen Wanderung an einem ordentlichen Muskelkater. Dann besann sie sich auf das Interview mit Christine Lageder. Sie befolgte den Rat der Kräuterpädagogin (S. 14) und nahm ein Entspannungsbad – einen Tag später war alles wieder gut.

3 Patrick Schwienbacher fotografiert – beruflich. Und er fährt am liebsten Snowboard – in seiner Freizeit. Für diese Ausgabe durfte er beides, Arbeit und Hobby, miteinander verbinden, um Tiziano Stimpfl zu begleiten, der beruflich jeden Tag auf der Piste ist. „Wir haben uns blendend verstanden“, sagt Schwienbacher. Kein Wunder.

Cor. Il cuore. Das Herz. Es schlägt in den Bergen höher. Und beim Vernehmen schöner Künste schneller. Purzelbäume schlägt es dann, wenn die Berge und die Kunst sich vereinen. Das nennt sich dann: pures Glück! Dieses Magazin nimmt Sie mit auf die Piste, auf weite Wanderungen, zu Architekturperlen. Im Tal und auf den steilen Hängen. Es zeigt das, was Brixen, Gitschberg Jochtal, Klausen, Natz-Schabs und Lüsen ausmacht: die feine Mischung aus umwerfender Natur und überwältigender Kultur. Lesen Sie sich glücklich! Herzlich, Ihre Redaktion

2 Die meiste Zeit war Chefredakteur Lenz Koppelstätter auf seiner Wanderung für die Titelgeschichte alleine unterwegs. Dann begegnete er einer Kuhherde, eine der Kühe kam im Kuhgalopp auf ihn zu. Er erinnerte sich an die Kuh-Tipps (S. 15), wedelte erst wild mit den Händen, blieb dann regungslos stehen! Die Kuh bremste knapp vor ihm ab, muhte ohrenbetäubend – und machte wieder kehrt.

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Welch Farbenpracht! Blaue, grüne, weiße Impressionen

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Neu und gut Wissenswertes aus der Umgebung

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Drei Fragen an … Harald Gasser, der 800 Gemüsesorten anbaut

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Schön und weit Was das einsame Wandern mit einem macht

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Für alle etwas Fünf ganz unterschiedliche Touren-Tipps

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Die Vielfalt des Winters Zehn Tipps für die kalten Monate

S wie Sortenreichtum Tipps der Sommelière Alexandra Erlacher

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Die magische 7 Ein Museumsstück im Fokus

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Schön und gut Produkte aus der Umgebung

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Was macht der beruflich? Unterwegs mit Pistencavaliere Tiziano Stimpfl

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Südtirol für Anfänger Folge 3: Das liebe Essen

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Südtirol-Lexikon, das Dialekt verständlich gemacht

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Blick ins Tal Impressionen eines Durchreiselandes

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Mein liebster … Bergsee Die Tipps der Einheimischen

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Der perfekte Schnappschuss Drei Fototipps

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Impressum HERAUSGEBER Brixen Tourismus Genossenschaft Tourismusverein Gitschberg Jochtal Tourismusgenossenschaft Klausen, Barbian, Feldthurns und Villanders Tourismusgenossenschaft Natz-Schabs Tourismusverein Lüsen IDM Südtirol – Alto Adige

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KONTAKT info@cormagazine.com REDAKTION Exlibris www.exlibris.bz.it PUBLISHING MANAGEMENT Valeria Dejaco (Exlibris), Karin Niederfriniger (IDM) CHEFREDAKTION Lenz Koppelstätter

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Musiker trifft Komponistin Instrumentalgenie Hans Jocher und Experimentierfreundin Manuela Kerer im Interview Architektur! Altwürdiges und Modernes – eine Auswahl bestechender Bauten

ARTDIRECTION Philipp Putzer www.farbfabrik.it REDAKTION Valeria Dejaco, Kristina Erhard, Cassandra Han, Lenz Koppelstätter, Ariane Löbert, Debora Nischler, Silvia Oberrauch FOTOS Acquarena, AH Bräu, Alamy, Damiano Benedetto, Brennerautobahn AG, Alessandra Chemollo, Valeria Dejaco, Alex Dvihally, Edition Raetia, Eisacktal Wein/Hannes Niederkofler, Alex Filz, Galerie 90, Stefan Gamper, Matthias Gasser, Fotoarchiv Erika GrothSchmachtenberger, IDM Südtirol, IDM/Florian Andergassen, IDM/ Frieder Blickle, IDM/Dietmar Denger, IDM/Alex Filz, IDM/Alexandra Korey, IDM/Manuel Kottersteger, IDM/Laurin Moser, IDM/Benjamin Pfitscher, IDM/Helmuth Rier, IDM/Harald Wisthaler, IDM/Clemens Zahn, Oliver Jaist, Manuel Kottersteger, Klaus Kranebitter, Christine Lageder, Konrad Lamprecht, Annelies Leitner, Matthias Michl, Hannes Niederkofler, Michael Pezzei, Günther Pichler, Paolo Riolzi, privat, Pur Südtirol/Marion Lafogler, Rene Riller, Arnold Ritter, roterrucksack.com, Schloss Velthurns, Patrick Schwienbacher, Shutterstock, Anita Stizzoli, Andreas Tauber, Torggler/Domenikus Gruber, Touriseum, TV Gitschberg Jochtal, TV Klausen, TV Ritten/ Sophie Pichler, TV Terenten, unsplash/Brooke Lark, Waldharthof/ Ingrid Heiss, Gustav Willeit

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ILLUSTRATIONEN Elke Ehninger (4, 64), Evi Gasser (12) ÜBERSETZUNGEN UND LEKTORAT Exlibris (Valeria Dejaco, Helene Dorner, Debora Nischler) DRUCK Tezzele by Esperia, Lavis

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Mit freundlicher Unterstützung von:

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Welch Farbenpracht! Ob blaue Stadt, grünes Rebenmeer oder weißes Winteridyll: Es ist die Intensität der Impressionen, die den Zauber der Schönheit immer wieder neu entfacht

Einmal im Jahr werden Brixen, Klausen, Neustift und Franzensfeste hell erleuchtet, denn immer im Mai findet das „Water Light Festival“ statt. Zeitgenössische Lichtkunstinstallationen und ein exklusives Kulturprogramm beleuchten dann das Thema „Wasser“ in all seinen Facetten.

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Grün bedeutet Luft, Leben, Natur. An den steilen Hängen des Eisacktals krallen sich die Wurzeln der Weinreben in den mineralischen Boden. Warme, sonnige Tage und kühle Nächte begünstigen das Wachstum der Trauben zwischen 400 und 850 Meter Meereshöhe.

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Im Winter ruht der Obst- und Weinbau – und verzückt trotzdem die Schneewanderer. Bei Natz-Schabs reicht der Blick vom Aussichtspunkt Ölberg über die Apfelfelder des Hochplateaus bis in den Brixner Talkessel.

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NEU & GUT Wissenswertes aus der Umgebung

P wie … pur 2 200 QUALITÄTSPRODUKTE von 240 regionalen Bauernhöfen und Manufakturen – mit dieser Produktvielfalt hat der Genussmarkt „Pur Südtirol“ in Brixen seine inzwischen fünfte Filiale eröffnet. Neu ist die Unverpackt-Abteilung, wo unter anderem Getreide aus Südtiroler Mühlen, Nüsse und Kaffeebohnen plastik- und abfallfrei abgefüllt werden. Auf der Sonnenterrasse und im architektonisch anspruchsvollen Bistro werden Weine aus dem hochwertigen Sortiment des Genussmarkts sowie Snacks und Salate aus biologischen und saisonalen Zutaten serviert, außerdem gibt es wechselnde Tagesgerichte von Dinkelfusilli bis Spareribs. Die Genussmarktprodukte gibt es auch online unter www.pursuedtirol.com

Mysteriöse Zauberwesen DER SAGE ZUFOLGE trieb um die Kreuzwiese bei Lüsen einst ein Hottile, eine Art Kobold, sein Unwesen. Abends pfiff und jodelte und klapperte es und jagte den Almleuten eine Heidenangst ein. Im Dorf hieß es nur: „Der Spuk des Hottile endet,

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wenn es etwas sieht, das es noch nie zuvor gesehen hat.“ Also schmiedeten die Lüsner einen Plan … Um die Lüsner Alm ranken sich viele wundersame Geschichten. Diese Überlieferungen sind jetzt auf einer Sagenwanderung über das Hochplateau nachzulesen. Entlang des Lüsner Alm Panoramaweges, ausgehend vom Parkplatz Herol, geben die Schautafeln mit Zeichnungen zu den Sagen außerdem Infos zum Almleben und zur Käseproduktion. Die Wanderung durch Wiesen und Wälder, mit leichtem

Auf und Ab und vorbei am Hochmoor, ist für die ganze Familie geeignet. Wie die Geschichte mit dem Hottile ausging? Die Lüsner rafften massenweise Mistgabeln, Holzscheite, Löffel und Schuhe zusammen und legten sie als Kreuze auf der Almwiese aus. Als das Hottile um Mitternacht erschien, schlug es bei diesem Anblick die Hände über dem Kopf zusammen und verschwand auf Nimmerwiedersehen. So kam die Kreuzwiese laut der Sage zu ihrem Namen.


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? EIN LAMA KANN bis zu fünf Meter weit spucken. Aber keine Angst, die Tiere spucken nur in Streitfällen innerhalb der Herde. Ansonsten eignen sie sich ebenso wie ihre kleineren Verwandten, die Alpakas, fürs Trekking. Das bietet Familie Tauber vom Waldharthof in Raas an. Immer donnerstags führt Jungbauer Andreas auf einer einstündigen Wanderung durch Wald, Moos und Biotop. Alpakas werden auch als Therapietiere genutzt, besonders Kindern tut es gut, sie durch die Natur zu führen. Nach dem Trekking gibt es am Hof eine Marende mit Verkostung von Hofprodukten wie Marmeladen, Speck und Blütensirup. Für Inhaber der Almencard ist die Teilnahme kostenlos. Weitere Infos und Anfragen unter www.waldharthof.it

Ins Adlernest WER AM RITTNER HORN eine Adlerfigur mit mittelalterlicher, roter Kappe entdeckt, ist im neuen Familienpark gelandet, der direkt an der Bergstation der Kabinenbahn Rittner Horn seinen Anfang nimmt. Auf dem Rundweg mit elf Stationen kann man sich unter anderem im Latschen-Labyrinth verirren, Kegel umstoßen, über Baumstämme hüpfen, am SchlernhexenDrehkreuz schwingen und durch eine Röhrenrutsche hinuntersausen. Über jeder Station wacht das Maskottchen des Familienparks, der „Adler Toni“, zu dessen mittelalterlicher Kappe es natürlich auch eine Geschichte gibt: Einer seiner Urahnen soll dem berühmten Minnesänger

Walther von der Vogelweide das Leben gerettet haben, als der in einen Felsspalt gestürzt war und sich das Bein gebrochen hatte. Als Dank soll er dessen Kappe bekommen haben, die von Generation zu Generation in der Adlerfamilie weitergegeben wird. Diese und noch mehr Geschichten und Sagen kann man am Weg nachlesen. Zur Einkehr laden das Unterhornhaus, die Feltuner Hütte und das Rittner-Horn-Haus.

Wussten Sie, dass … man in Südtirol barrierefrei wandern kann? as Online-Portal „Südtirol für alle“ erschließt das Land für Menschen im Rollstuhl, Familien mit Kinderwagen und Senioren. Für jede Wanderung gibt es Schwierigkeitspunkte, zwei von fünf erhält etwa die Wanderung von Zumis auf die Rodenecker Alm, machbar für Menschen mit elektrischem Rollstuhl. Detailliert werden mögliche Hindernisse wie Forstschranken, die Wegbeschaffenheit sowie die Steigung angegeben. Das EU-geförderte Projekt empfiehlt außerdem Unterkünfte, Lokale und Freizeitaktivitäten, die rollstuhltauglich sind, und gibt Hinweise zur barrierefreien Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln. Mehr Infos unter

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www.suedtirolfueralle.it

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Der Kufenkenner

Seit 35 Jahren ist Peter Torggler aus Klausen Rodelbauer – er arbeitet auch für die Südtiroler Sportelite wie die dreifache Weltmeisterin Evelin Lanthaler.

„ICH WAR IN JUNGEN JAHREN selbst begeisterter und erfolgreicher Rennrodler. Bis in die 1980er-Jahre hinein holten wir unsere Rodeln noch aus Österreich, aber ich nahm bald selbst Verbesserungen und Veränderungen an den Modellen vor. Was als Hobby anfing, machte ich 1986 zum Beruf und gründete meine eigene Firma. Heute produzieren wir rund 2 000 Rodeln im Jahr. Für eine gute Rodel braucht man erstklassige Rohstoffe, etwa die Eschenholzteile für die Kufen und Stangen, wichtig ist auch eine präzise Verarbeitung sowie eine genaue Einstellung, damit die Rodel gerade läuft. Und man muss wissen, wie man eine Rodel richtig schnell macht. Wie das geht, bleibt natürlich mein Geheimnis ... Hobbymäßig rodle ich immer noch gerne – ich besitze privat drei Rodeln – und mache auch beim Testen der Sport- und Rollenrodeln mit. Es macht mich richtig stolz, wenn eine Athletin oder ein Athlet mit meiner Rodel eine Weltmeisterschaft oder ein Weltcuprennen gewinnt.“ www.torggler-rodelbau.com

Heilende Natur Vier Tipps der Kräuterpädagogin Christine Lageder aus Barbian

LINDENBLÜTENTEE BEI ENTZÜNDUNGEN Das Rezept: Je 20 Gramm Lindenblüten, Zitronenmelisse und Gewürzfenchelkraut, 15 Gramm Holunderblüten, je 10 Gramm Zitronenthymian und Hagebutte sowie 5 Gramm Königskerzenblüten vermischen.

Aus Thymian macht Christine Lageder ein Öl zum Einreiben, das hustenlindernd wirkt.

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SALZ STÄRKT DAS IMMUNSYSTEM Das Rezept: 1 Kilogramm Salz mit 20 Gramm Kleiner Wiesenkopf, je 15 Gramm Bergbohnenkraut und Salbei, je 10 Gramm Thymian, Spitzwegerich, Schafgarbe, Hagebuttenschale und Malvenblüten mischen.

BADEN ENTSPANNT: Das Rezept: 100 Gramm Salz mit je 15 Gramm Thymian und Salbei sowie 10 Gramm Majoran mischen und ins Badewasser geben. THYMIANÖL LINDERT DEN HUSTEN Das Rezept: Eine Flasche zu einem Drittel mit getrocknetem Thymian füllen und mit Oliven- oder Sonnenblumenöl aufgießen. Drei Wochen an einem warmen Ort ohne Sonneneinstrahlung ziehen lassen und täglich schütteln. Anschließend abseihen. Bei Husten den Brustbereich damit einreiben. www.oberpalwitterhof.com


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Bergknigge Fünf Tipps für den richtigen Umgang mit Weidetieren auf der Alm

Auf dem Weg bleiben: Verlassen Sie die Wanderwege nicht. Falls ein Tier den Weg versperrt, weichen Sie ihm aus.

Abstand halten: Geben Sie den Tieren Raum, vermeiden Sie Kontakt, streicheln und füttern Sie sie nicht.

Ruhe bewahren: Kühe haben ein eingeschränktes Sichtfeld und sind sehr schreckhaft. Machen Sie sich frühzeitig bemerkbar und verhalten Sie sich ruhig.

Nicht dazwischengehen: Eine Mutter beschützt ihr Kind – vermeiden Sie, sich einem Jungtier zu nähern oder sich zwischen das Tier und seine Mutter zu stellen.

Almparadies Südtirol Rund 34 Prozent des Südtiroler Landesgebiets besteht aus Almfläche, verteilt auf 1 739 Almen. Die meisten davon sind Hochalmen und liegen über der Waldgrenze. Landesweit verbringen etwa 73 700 Tiere ihren Sommer auf den Weideflächen. Sie sorgen dafür, dass die Almen frei von Wald und Gestrüpp bleiben. So wird die einzigartige Kulturlandschaft erhalten.

Hunde anleinen: Weidetiere fühlen sich oftmals durch Hunde bedroht. Nehmen Sie Ihren Vierbeiner an die Leine.

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Drei Fragen an … Harald Gasser, der am Aspingerhof in Barbian 800 Gemüsesorten anbaut

Herr Gasser, wie sind Sie aufs Gemüse gekommen? Früher war ich Sozialarbeiter, irgendwann dem Burnout nahe. Als Ausgleich experimentierte ich im kleinen Garten am elterlichen Bauernhof herum, irgendwann wurde das Hobby zum Beruf. Ich legte los mit 200 Sorten, bei manchen gefiel mir einfach der Name, beim Glückskleerübchen etwa. Ich hatte keine Erfahrung, machte Fehler, verstand bald, dass ich keine Monokultur-Beete mehr anbauen wollte. Also sattelte ich auf Mischkultur um und näherte mich dem Prinzip der Permakultur an. Ich liebe die Vielfalt. So wird es nie langweilig. Durchschnittlich ernährt sich der Mensch ja gerade einmal von 30 Sorten.

geht immer darum, welche Prioritäten man setzt. Was ist mir wichtiger: Das neueste iPhone oder eine richtig gute Kintoki-Karotte.

Wer kauft bei Ihnen ein? Ich habe mich auf Restaurants spezialisiert – aber jeder darf kommen. Ja, gutes Gemüse kostet etwas mehr, aber es

www.aspinger.com

Sie bauen viele exotische oder vergessene Sorten an, etwa die Zuckerwurzel, die auch schon im 15. Jahrhundert im Eisacktal verbreitet war. Welches ist Ihr Lieblingsgemüse? Die neueste Sorte im Garten ist mir immer die liebste. Neues beansprucht viel Zeit und Geduld. Zurzeit sind das die australische Canna, eine Bambusart, oder die Taro, eine kartoffelähnliche Knolle. Und ich habe es in diesem Jahr endlich geschafft, die Zwiebel der Prärielilie anzubauen. Ein Erfolgserlebnis!

Was ist Permakultur?

Harald Gasser baut auch Taro an, eine der Kartoffel ähnliche Knolle aus Südostasien.

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Permakultur basiert auf wenigen, wichtigen Grundsätzen: Sorge für die Erde! Sorge für die Menschen! Begrenze Konsum und Wachstum – und teile Überschüsse! Das Prinzip kann auf alle Bereiche menschlichen Handelns angewandt werden, in der Landwirtschaft geht es um Nachhaltigkeit und darum, ein lebendiges, stabiles Ökosystem zu schaffen, das die Bedürfnisse aller Lebewesen berücksichtigt.


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T e x t — L E N Z K O P P E L S T Ä T T E R F o t o s — D I E T M A R D E N G E R

Der Dolorama-Weg führt von der Rodenecker und Lüsner Alm an den schönsten Gipfeln der Dolomiten vorbei bis nach Lajen. Vier Tage unterwegs, hoch oben über der Zivilisation: Was das mit einem macht

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„Es gibt Gedanken fürs Freie und Gedanken fürs Haus. Meine Gedanken sollen wie die wilden Äpfel eine Kost sein für Wanderer.“

iese Worte des ehemaligen Bleistiftfabrikanten und späteren Schriftstellers und Naturphilosophen Henry David Thoreau, der im 19. Jahrhundert lebte, begleiten mich im Kopf, während ich höher steige. Es ist früh am Morgen, hellblauer Himmel, milchig-blasses Weiß am Horizont, erste zarte Sonnenstrahlen, die das Dolomitengestein der fernen Gipfel erleuchten, aber noch zu schwach sind, den Tau auf den saftigen Wiesen zu trocknen. Kühe stehen in Gruppen, gemächlich kauend, beieinander. Sie blicken scheinbar unbeeindruckt auf die Schönheit, die sie umgibt. Alpendohlen krächzen, die Glocken der Kühe bimmeln. Mehr Idylle geht nicht.

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Ich bin unterwegs auf dem Weitwanderweg „Dolorama“, mitten in Südtirol. Er führt von der Rodenecker und Lüsner Alm an den schönsten Gipfeln der Dolomiten vorbei bis nach Lajen. Weitwandern: vier Tage. Ganze 61 Kilometer. Hoch oben über der Zivilisation. Was macht das mit einem, was macht das mit mir? Warum sucht der Mensch das? Was mache ich hier? Stille. Kein Zivilisationsrauschen. Nur der Sound der Natur. Es ist, als hörte ich in mich hinein. Einatmen, ausatmen, Schweiß, das Knirschen der Steine unter den Sohlen der Bergschuhe. Als ich losging, hatte mich der Alltagswahnsinn noch fest in seinen Fängen. Der Kopf: voll mit Gedanken. Die Termine von gestern, jene von nächster Woche, die letzte leidige Arbeitsdiskussion, die hohe Stromrechnung, die beunruhigenden Zeitungsschlagzeilen. Schritt für Schritt drängt das anstrengende Bergaufgehen den Alltag hinweg. Die Schönheit der Natur, die mich umgibt, lässt das Leben da unten nach zwei, drei Stunden völlig verschwinden. Das geht ganz plötzlich – auf einmal: alles weg. Und ebenso plötzlich da: ein ungeahntes Glücksgefühl. Es packt einen richtig! Die Beine, die gerade eben noch so schwer waren, die Waden, die geschmerzt haben, alles ist jetzt ganz leicht, alles ist so, als ob man fliegen könnte, über den Kiesweg hinweg, zwischen den Bäumen hindurch. Die Sinne: ganz da. Die Almwiesen, das staubige Gestein. Wie ein Teil von mir. Ich schmecke, rieche, höre sie intensiv.

Über die Täler hinweg reicht der Blick bis zu den Dolomiten.

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Vier Tage. 61 Kilometer. Was macht das mit einem? Warum sucht der Mensch das?


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Der Weg ist gut ausgeschildert. Almhütten und Bänke laden zur Rast ein.

Nach dem Aufstieg geht es jetzt eben den Bergrücken entlang, bald fast wie in Trance. Aha, das ist es also, von dem die Weitwanderer reden, schwärmen. Meine Gedanken drehen sich nur noch um Großes und Ganzes. Um Schönes. Alles wirkt klar. Alles wird gut. Ist gut. Wie kleine, dunkle Farbtupfer auf einem Naturaquarell tauchen immer wieder Almhütten im saftigen Grün auf, ich kehre ein, irgendwo, „ratsche“ ein bisschen – wie wir Südtiroler sagen, wenn wir Smalltalk betreiben – mit der Hüttenwirtin. Viel wird aber nicht geredet hier oben. Viel muss nicht geredet werden, da wo es schön ist. Ein Blick reicht, ein Nicken, ein Brummen. Ein Lächeln. Weiter geht’s. Die blühenden Almlandschaften verschwinden hinter mir, vor mir ragen nun, scheinbar zum Greifen nah, die schroffen Dolomitenfelsen auf, die bleichen Berge, wie sie seit jeher genannt werden, diese beindruckenden, bizarren Gesteinsformationen. Das Dolomiten UNESCO Welterbe. Man kann den Blick fast nicht mehr abwenden. Es bewegt einen. Klein fühlt man sich plötzlich, hier, inmitten der Berge – und doch so stark. So lebendig. So, das ist es also, das Leben, das, was das Leben wirklich ausmacht. Man fühlt sich beinahe unwichtig – und das fühlt sich gut an. Manchmal blitzen sie wieder auf, die Alltagsprobleme. Wenn das Handy bei der Rast aus dem Rucksack fällt. Drei Anrufe in Abwesenheit, zwei WhatsApp-Nachrichten: Handy aus. Und ganz unten hinein in den Rucksack, unter die Windjacke. Weiterwandern. Alles, was gestern noch, vor Stunden noch, ein großes Pro-

Welterbe Das UNESCO Welterbe gilt als „Nobelpreis für Naturgüter“. Einzigartigkeit, Außergewöhnlichkeit und universelle Bedeutung sind Voraussetzung.

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blem war, ist jetzt nichts. Das Leben ordnet sich klar im Kopf. Man freut sich auf den nächsten Schritt, den Abend, die Knödel auf einer der Hütten, das Bett, das Frösteln, die warme Decke, den tiefen, erschöpften Schlaf, die Bergkälte am nächsten Morgen, die ersten Schritte, die klare Luft, das Aufgehen der Sonne. Man freut sich sogar darauf – noch nicht so bald, aber doch irgendwann – anzukommen, wieder hinunterzugehen, zurückzukehren in die Zivilisation. In den Alltag, den man nach so einer Tour, zumindest für ein paar Tage, mit einem Lächeln erträgt. Die Termine, die Arbeitsdiskussionen, die Stromrechnung, die Zeitungsschlagzeilen: alles nicht so schlimm, solange die Erinnerung an die Berge, das Glück, das alles, noch in einem lodert. Weil man ja da oben war, weit weg, der Natur ganz nah. Weil einem das Kraft gegeben hat, neue Lebenslust und Energie. Weil es das braucht, das In-der-NaturSein. Weil dieses Bedürfnis tief in uns drinsteckt. Oftmals ohne es zu wissen. Ich stehe da, mit Blick auf den mächtigen Peitlerkofel und auf die Spitzen der Geisler, nehme den Rucksack von den Schultern. Packe einen Apfel aus. Ich bin kein großer Apfelesser: Unten im Tal esse ich kaum einmal einen. Jetzt habe ich nichts anderes mehr dabei. Ich beiße hinein, schmecke das saftige Fruchtfleisch, voller zufriedener Erschöpfung. Und ich habe das Gefühl, den besten Apfel meines Lebens zu essen. Ein Satz von Henry David Thoreau, dem klugen amerikanischen Wanderphilosophen, geht mir nicht aus dem Kopf. „Ich will ein Wort für die Natur einlegen, für vollkommene Freiheit und Wildheit im Gegensatz zu bloß bürgerlicher Freiheit und zu Kultur; ich will den Menschen als Bewohner oder Stück und Teil der Natur betrachten.“ Recht hat er. 

Weitere Infos zum Dolorama-Weg inkl. Übernachtungsmöglichkeiten: www.suedtirol.info/ dolorama

Ersehntes Etappenziel: die Schlüterhütte unterhalb des Peitlerkofels mit Blick auf die Geislergruppe.

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Das Leben ordnet sich klar im Kopf. Man freut sich auf den nächsten Schritt – und den Abend.


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Die Outdooractive App ist der beste Begleiter beim Wandern, Radfahren und anderen Outdoor-Aktivitäten.

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Auf einen Blick: der Dolorama-Weg In vier Tagesetappen führt der Dolorama-Weg auf unschwierigen Forst- und Wanderwegen von der Rodenecker und Lüsner Alm über den Maurerberg und das Würzjoch, vorbei am Peitlerkofel und an den Aferer und Villnösser Geislern bis ins Dorf Lajen oberhalb von Klausen. Anstelle einer Viertagestour lassen sich auch nur die einzelnen Teilabschnitte begehen; die Zu- und Abstiege sind ebenso wie Start- und Zielpunkt auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Einkehren kann man in zahlreichen Hütten entlang des Weges, für Übernachtungen empfiehlt sich das Reservieren im Voraus. www.suedtirol.info/dolorama

Länge: 61 Kilometer Gesamtgehzeit: rund 20 Stunden Startpunkt: Parkplatz Zumis, Rodeneck Zielpunkt: Lajen Dorf Aufstieg: 2 356 Höhenmeter Abstieg: 3 004 Höhenmeter Schwierigkeit: 

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Die Wegabschnitte 1. Etappe: Parkplatz Zumis auf der Rodenecker und Lüsner Alm bis Maurerberghütte (6–7 Stunden Gehzeit) 2. Etappe: Maurerberghütte bis Schlüterhütte (rund 5 Stunden) 3. Etappe: Schlüterhütte bis Schutzhütte Raschötz (rund 5 Stunden) 4. Etappe: Schutzhütte Raschötz bis Lajen (rund 3 Stunden)

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Für alle etwas Fünf weitere Touren – für jeden Wandertyp

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Für Alpinisten Pfunderer Höhenweg Der Weg verläuft über saftige Wiesen und schroffes Felsgelände. Besonders beeindruckend ist die raue, fast unberührte und wenig bewanderte Natur.

Länge: 72,5 Kilometer Gesamtgehzeit: rund 30 Stunden Startpunkt: Sterzing Zielpunkt: St. Georgen bei Bruneck Aufstieg: 4 710 Höhenmeter Abstieg: 4 830 Höhenmeter Etappen: 6 Schwierigkeit: 

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Besonderheit am Wegesrand: die architektonisch interessante Edelrauthütte auf 2 545 m Meereshöhe

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Besonderheit am Wegesrand: Kloster Säben (Klausen, im Bild) und Schloss Velthurns (Feldthurns, siehe S. 54)

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Für Herbstgenießer Keschtnweg In der Törggelezeit ist diese technisch leichte Wanderung zwischen farbenprächtigen Kastanienhainen besonders schön – und aufgrund der geringen Höhe auch im Frühling empfehlenswert. Entlang des Weges lassen sich in den vielen Buschenschänken Südtiroler Spezialitäten verkosten.

Länge: 62 Kilometer Gesamtgehzeit: rund 20 Stunden Startpunkt: Kloster Neustift, Brixen Zielpunkt: Schloss Runkelstein, Bozen Aufstieg: 2 070 Höhenmeter Abstieg: 2 330 Höhenmeter Etappen: 4 Schwierigkeit: 

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Besonderheit am Wegesrand: das Schutzhaus Latzfonser Kreuz mit der höchsten Wallfahrtskirche Europas auf 2 296 m Meereshöhe

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Für Allrounder Hufeisentour Ein Klassiker durch uriges, oft scheinbar unberührtes Gelände. Drei Etappen führen panoramareich durchs Eisacktal – wer alle sieben schafft, erhält ein Abzeichen zur Erinnerung.

Länge: 81,5 Kilometer Gesamtgehzeit: 35–40 Stunden Startpunkt: Rittner Horn, Zustieg möglich u. a. über Barbian, Villanders, Klausen Zielpunkt: Sarnthein, Sarntal Aufstieg: 4 060 Höhenmeter Abstieg: 4 000 Höhenmeter Etappen: 7 Schwierigkeit: 

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Für Frühlingsfreunde Apfelweg Natz-Schabs Kleine Pause vom Weitwandern: Die gemütliche Tour führt auf das Apfelplateau – im Frühjahr ein einziges Blütenmeer. Auf dem Weg liegen die beiden Biotope Sommersürs und Raier Moos mit beeindruckender Pflanzenvielfalt.

Länge: 8 Kilometer Gehzeit: 2,5 Stunden Startpunkt: Natz Zielpunkt: Natz Aufstieg: 130 Höhenmeter Abstieg: 130 Höhenmeter Etappen: 1 Schwierigkeit: 

Besonderheit am Wegesrand: der Aussichtspunkt Ölberg mit Entspannungsliegen

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Für Extremsportler Dolomites Ultra Trail Einmal im Jahr absolvieren besonders Hartgesottene in Zweierteams diesen spektakulären Berglauf-Wettbewerb inmitten der beeindruckenden Dolomiten.

Länge: 84 Kilometer Gehzeit: max. 20 Stunden Startpunkt: Domplatz Brixen Zielpunkt: Domplatz Brixen Aufstieg: 4 728 Höhenmeter Abstieg: 4 728 Höhenmeter Schwierigkeit: 

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Der nächste Dolomites Ultra Trail findet am 3. Juli 2021 statt. Mehr Infos unter: www.brixenmarathon.com

Besonderheit am Wegesrand: der Streckenabschnitt im Naturpark Puez-Geisler

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PR-INFO

Entdeckungsreise in ein Künstlerstädtchen Shopping, Genuss und Kultur in Klausen Öffnungszeiten der Geschäfte +   Montag bis Freitag von 9 bis 12 Uhr und von 15 bis 19 Uhr Samstag von 9 bis 12 Uhr www.klausen.it/shopping

Stadtmuseum Klausen +   Das Museum ist von Ende März bis Anfang November von Dienstag bis Samstag von 9.30 bis 12 Uhr und von 15.30 bis 18 Uhr geöffnet. Am Sonntag, Montag und an Feiertagen ist das Stadtmuseum geschlossen. www.museumklausenchiusa.it

Besinnliche Weihnachtszeit

Klausen, das „Stadtl“ im unteren Eisacktal, gehört zu den „Borghi più belli d’Italia“, reiht sich also in die Riege der schönsten historischen Ortschaften Italiens ein. Seit jeher zieht das Künstlerstädtchen mit seinem mittelalterlichen Flair, den engen Gassen und schönen Bürgerhäusern mit schmalen, bunten Fassaden Künstler und Dichter in seinen Bann. Weithin überragt der Säbener Berg das Tal, auf seiner Kuppe thront der ehrwürdige, einst in ganz Tirol sehr bedeutende ehemalige Bischofssitz. Das heutige Kloster der Benediktinerinnen ist zusammen mit den gotischen Kirchen der Stadt, dem Kapuzinerkloster und der mächtigen Burg Branzoll ein stummer Zeuge der einstigen mittelalterlichen Zollstadt. Das kleine Städtchen mit seinen rund 2 500 Einwohnern liegt eingebettet in eine malerische Kulisse aus Weinbergen und Kastanienhainen, die von Jahrhunderten der Bewirtschaftung und Tradition erzählen. Es inspirierte Albrecht Dürer zu seinem Kupferstich „Das große Glück“, in dem die griechische Göttin Nemesis auf einer Kugel über Klausen dahinschwebt. Heute laden zahlreiche kleine, inhabergeführte Geschäfte und modische Boutiquen zum Bummeln und Flanieren entlang der historischen Altstadtmeile ein. Das Angebot reicht vom bunten Blumen-

laden über traditionelles und modernes Handwerk bis zur hochwertigen Mode und beinhaltet heimische, regionale und fair gehandelte Produkte. In den verschlungenen Gassen Klausens warten traditionsreiche Gasthäuser, in denen schon vor Jahrhunderten Gäste bewirtet wurden, als die Straße vom Brenner nach Süden noch mitten durch die Ortschaft führte. Heute kommt man hier in den Genuss hausgemachter und traditioneller Südtiroler Gerichte sowie mediterraner Spezialitäten.

+ In der Adventszeit verwandelt sich die mittelalterliche Stadt in einen ruhigen, atmosphärischen Ort – ohne Menschenmengen, dafür mit viel Kerzenlicht und Naturdekoration. www.mittelalterliche-weihnacht.it

Wissenswertes über die Stadt Klausen können Sie bei den kostenlos angebotenen Stadtführungen im Juli, August und September erfahren. Infos unter +39 0472 847 424 und www.klausen.it

In der Weihnachtszeit entzünden die Nachtwächter von Klausen Hunderte Lichter in den Gassen der Stadt.

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Zur Weihnachtszeit Besinnliches Bummeln

Die Vielfalt des Winters Rund um Brixen und Klausen bieten die kalten Monate weit mehr als ausgedehnte Ski- und Snowboardtage. Von Nachttouren und Kulturrundgängen – zehn Tipps

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Aus den Holzbuden duftet es nach Zimt und Gewürznelken, Lichterketten erhellen den Winterabend. Brixens Weihnachtsmarkt ist ein Klassiker – wegen der besonderen Lage am Fuß des mächtigen Doms, aber auch wegen der Lichterund Musikshow von Spectaculaires in der Hofburg. Klausen wird in der Adventszeit zu einem ruhigen Ort voller Atmosphäre, mit Kerzenlicht in den mittelalterlichen Gassen und Weihnachtsdekoration aus natürlichen Materialien. Seit einigen Jahren hat auch Rodeneck einen Markt, den sogenannten Ronegga Platzladvent im Ortsteil Vill – weitab vom Trubel. Es gibt Glühwein, Tee, hausgemachte Kekse und Selbstgebasteltes. Ein Teil des Erlöses kommt einem wohltätigen Zweck zugute. Bei Einheimischen und Familien besonders beliebt ist der Tearna Advent in Terenten. Dort gibt es einen Streichelzoo, Keksebacken und eine Märchennacht für Kinder. Neben dem Spielplatzareal werden auch in den bäuerlichen Hütten im sogenannten Stockner Waldile handgefertigte Produkte und bäuerliche Spezialitäten angeboten.


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In der Spur Nächtliche Skitouren Während die einen beim Abendessen sitzen, schnallen die anderen sich die Tourenski an und gehen los. In den meisten Skigebieten rund um Brixen und Klausen stehen mittlerweile an einem Tag der Woche die Schneekatzen still – dann ist die nächtliche, leere Piste für Tourengeher reserviert. Auf der Plose kann man jeden Freitag zwischen 18 und 23 Uhr über die Trametschpiste von St. Andrä bis nach Kreuztal aufsteigen. Ebenfalls von 18 bis 23 Uhr, allerdings mittwochs sowie in Vollmondnächten, gehören die Pisten auf dem Rittner Horn den Skitourengehern. An diesen Abenden haben auch die Feltunerhütte, das Unterhornhaus und die Schafstall-Hütte des Rittner-Horn-Hauses geöffnet. Jeweils am Dienstag ist die Talabfahrt im Skigebiet Jochtal von 18 bis 22 Uhr geöffnet, die Bergbahn fährt ebenfalls von 20 bis 23 Uhr und das Bergrestaurant Jochtal lädt zum Einkehren ein. Wichtig beim abendlichen Tourengehen: Stirnleuchte und reflektierende Kleidung nicht vergessen. Und übrigens, wer kein Tourengeher ist, aber noch nicht genug vom Skifahren bekommen hat, kann beim Skilift Terenten immer freitags von 19 bis 21.30 Uhr noch ein paar Schwünge machen – mit Beleuchtung. Glühwein oder eine Tasse Tee gibt es anschließend in der Skibar.

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In der Braustube Neue Bierleidenschaft Südtirol ist ein Weinland. Doch nicht nur. Südtirol hat neuerdings auch in Sachen Bier ein Wörtchen mitzureden. In Klausen war Norbert Andergassen Anfang der 2000er-Jahre einer der neuen Braupioniere, sein Gassl Bräu kommt schon mal als Basilikumbier im Sommer oder Kastanienbier für die Törggelezeit daher – im eigenen gleichnamigen Restaurant serviert er es zu herzhaften Gerichten. Nördlich von Franzensfeste beim historischen Wirtshaus Sachsenklemme wird im AH Bräu ausschließlich Bier aus Bio-Zutaten gebraut. Die Brauerei bietet Führungen an, im Shop gibt es neben klassischem hellen und Weizenbier auch Ingwerbier, Lupinen-Schwarzbier oder Bierlikör. Neue Wege beschreiten wollte auch Familie Harpf von der gleichnamigen Pizzeria in Brixen. Tochter Bettina machte die Ausbildung zur Biersommelière und erfand gemeinsam mit dem Braumeister Fabrizio Leo und Vater Peter Harpf das Bier Dahoam, das als Blondes oder Goldiges angeboten wird. www.gassl-braeu.it www.sachsenklemme.it www.harpf.net

In die Natur Erholsames Wandern Das Knirschen der eigenen Schritte im Schnee – wohl eines der schönsten Geräusche im Winter. Eine leichte Winterwanderung ist die Strecke von Natz nach Raas, durch das Biotop Sommersürs, rund um den Flötscher Weiher und retour. Wer höher hinaus will, schnallt sich am besten die Schneeschuhe an. Sehr beliebt wegen des Ausblicks von den Drei Zinnen bis zum Schlern ist die Tour auf das Terner Jöchl bei Terenten. Trotz des Aufstiegs auf 2 400 Meter und einer Strecke von insgesamt zehn Kilometern ist diese Wanderung verhältnismäßig leicht zu bewältigen, hochalpines Flair beim Gipfelfoto vor dem gusseisernen Kreuz inklusive. Sehr stimmungsvoll sind auch die zahlreichen Winterwander- und Schneeschuhwanderoptionen auf der Rodenecker und Lüsner Alm. Und wer sich zum Ausruhen statt auf einen Baumstamm vor eine Kapelle setzen möchte, der kann mit den Schneeschuhen zum Totenkirchl und weiter über die Villanderer Alm gehen. Wichtig: vor dem Losgehen den Schnee- und Lawinenlagebericht kontrollieren; wo möglich auf den präparierten Wegen bleiben.

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Hoch hinauf Vertikales Klettererlebnis Der Turm mit der silbern gewellten Verkleidung ist bereits von Weitem zu sehen. Kommt man näher, erkennt man den weißen Streifen mit den bunten Punkten als das, was er ist: die Außenwand des Kletterzentrums Vertikale in Brixen. Fast 200 Kletterrouten erstrecken sich über den Außen- und Innenbereich. Außerdem gibt es 700 Quadratmeter Boulderfläche und verschiedene Extras wie etwa drei Selbstsicherungsgeräte. Der Kletterzentrum ist für Anfänger und Könner geeignet, die Schwierigkeitsgrade der Routen reichen von 3a bis 8c. Nach dem Klettern geht es in die Horizontale, so heißt die Kletterbar, von wo aus man sowohl auf die Brixner Altstadt als auch auf die Kletteraction an der Wand blicken kann. www.vertikale.it

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Ins Nass Entspanntes Schwimmen Nach dem Skifahren die müden Beine im Whirlpool durchsprudeln lassen oder in der milden Biosauna den Muskelkater ausschwitzen – das geht in der Acquarena in Brixen und dem Alpinpool in Meransen. Die Acquarena verfügt neben einer großen Innenpoollandschaft mit Sport- und Salzwasserbecken auch über einen Saunabereich mit Dachterrasse, Kneippbecken und einer Green Box als Rückzugsort. Für Aktive steht ein Fitnesscenter zur Verfügung und Verspannte können das Physiotherapiezentrum nutzen. Das Schwimmbad in Meransen ist mit besonders warmem Wasser und drei Beckentiefen von „baby“ bis „jugendlich“ für Familien geeignet. Etwas abseits vom Trubel gelegen ist es genau richtig für Ruhesuchende. Eine Besonderheit sind die Schwitzbox im Freien mit feurigen 90 Grad und das Freiluftareal zur Abkühlung – im Winter kann man sich sogar in den Schnee werfen. www.acquarena.com www.alpinpool.it

Auf zur Kunst Kulturelle Inspiration Für die hiesige Kunstszene ist der Südtiroler Künstlerbund ein wichtiges Sprachrohr. Und weil jede Kunst auch einen Schauraum braucht, hat der Künstlerbund 2019 die Stadtgalerie Brixen übernommen und umgebaut. Inzwischen kann man dort vier bis fünf Ausstellungen zeitgenössischer Kunst pro Jahr anschauen. Sakrale Kunst findet man hingegen im Künstlerstädtchen Klausen mit der Andreaskirche und Apostelkirche aus der Gotik oder der Loreto-Kapelle, einer Nachbildung des heiligen Hauses von Nazareth, das in Loreto bei Ancona steht. Hoch über der Stadt thront das unverwechselbare Kloster Säben. Ein Geheimtipp in Sachen Kunst ist Mühlbach. Im dortigen Wolkensteiner Haus ist seit 2006 die Galerie 90 untergebracht. Unter der Leitung von Alex Pergher finden dort fünf bis sechs Themenausstellungen zeitgenössischer Kunst aus der Region und dem Ausland statt. Um Anmeldung wird gebeten. www.kuenstlerbund.org www.klausen.it info@alexpergher.com

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Über die Loipe Langlaufen mit Panoramablick Im rhythmischen Tempo über die Loipe, im Hintergrund die Dolomiten – auch beim Langlaufen ist man in Südtirol stets mitten in den Bergen. Ohne lange Anfahrt direkt im Dorf starten die zwei etwas kürzeren Loipen in Terenten, sie führen über das Hochplateau. Rund 17 Kilometer sportliches Vergnügen für Langatmige bietet die Loipe hoch zum Würzjoch bei Villnöß. Ähnlich lang ist auch die lange Runde über die Rodenecker und Lüsner Alm, für Skating oder die klassische Diagonaltechnik gespurt. Im Winter zur Einkehr geöffnet haben die Oberhauser Hütte, die Ronerhütte, die Rastnerhütte, die Starkenfeldhütte und die Kreuzwiesenalm. Genießer wiederum können mit der Bergbahn Rittner Horn zur Mittelstation fahren und von dort in die Panoramaloipe Schönalm einsteigen. Wer am liebsten fernab vom Trubel mitten in der Natur seine Bahnen zieht, ist auf der ruhigen, 13 Kilometer langen Loipe auf der Villanderer Alm goldrichtig.

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Auf den Kufen Ausgiebig rodeln Im richtigen Schwung um die Kurve, tief nach hinten lehnen, Fahrt aufnehmen – wer vom Rodeln nicht genug bekommt, sollte den RudiRun auf der Plose versuchen. Die Piste ist mit neun Kilometer eine der längsten Rodelbahnen im Alpenraum. Der knapp kürzere Brimi Winter Run am Gitschberg ist ebenfalls empfehlenswert und, da er in zwei Abschnitte gegliedert ist, ideal zum Einkehren auf halber Strecke. Wer mit kleineren Kindern unterwegs ist, kann über die neue Rodelbahn in Vals hinuntersausen. Sie startet direkt an der Zwischenstation der Schillingbahn und ist einen Kilometer lang. Nicht vergessen: Für Kinder bis 14 Jahren besteht Helmpflicht, auch für Erwachsene empfiehlt sich ein solcher.

Auf dem Teller Genuss mit Sternchen Halbkreisförmige, hellrote Sitzbänke, lakonische Heiligenstatuen an den Wänden – so präsentiert sich die Apostelstube im Hotel Elephant als Brixens erstes Sternerestaurant. Im historischen Art-Deco-Saal lässt Küchenchef Mathias Bachmann fünf-, sechs- und siebengängige Degustationsmenüs servieren. Zuvor geht es beim Aperitif wortwörtlich auf eine Gaumenreise: Auf den Spuren des Elefanten Soliman, der dem historischen Hotel seinen Namen gibt, kosten sich die Gäste durch die Etappen seiner Reise: In Lissabon beginnt Solimans Marsch mit einem Limettenmacaron mit roter Garnele, in Barcelona wartet eine gebackene Kartoffelpraline mit Pata Negra. In Brixen macht Soliman Station im Haus zum hohen Felde – so hieß das Hotel Elephant ursprünglich –, dazu gibt es eine Schwarzpolenta-Tartelette mit Felchenkaviar. Und schließlich kommt er an in Wien, natürlich mit einem Wienerschnitzel in Häppchenform. Mittwoch und Donnerstag ist Ruhetag, eine Reservierung wird empfohlen. www.hotelelephant.com

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MOUNTAIN DAYS SÜDTIROL BRIXEN · GITSCHBERG JOCHTAL KL AUSEN & UMGEBUNG · NATZ-SCHABS

21.05. – 1 3.0 6 . 2 02 1 W W W. M O U N TA I N D AY S . I T


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Er: „Die Musik hat mein Leben geprägt“

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Sie: „Ich zeige gerne meine Wurzeln“ T H E L O C A L M AG A Z I N E


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Volksmusiker Hans Jocher beherrscht über 23 Instrumente. In den Kompositionen von Manuela Kerer kommen schon mal elektrische Zahnbürsten zum Einsatz. Im gemeinsamen Interview sprechen sie über die Klänge ihrer Kindheit, echte Volksmusik – und wie man eine Stadt vertont

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Manuela Kerer und Hans Jocher vor seinem Haus in St. Andrä bei Brixen. Zwischen den beiden liegen 47 Jahre – und doch eint sie eines: die Musik.

Interview

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damals schwer zu bekommen. Am 29. Dezember 1944 wurde oberhalb von Mellaun ein amerikanischer Bomber abgeschossen – ein Flügel landete nicht weit von hier im Wald, der andere weiter oben, unterhalb von Kreuztal, und der Rumpf stürzte in den Garten eines Bauernhofs. Überall lagen kleine Teile zerstreut umher. Ich holte mir das Metall für die Ringe und für den Stimmschlüssel, aus verschiedenen Drähten habe ich Saiten gewickelt. Der Vater meiner späteren Frau hatte den Piloten zuvor aus dem Wald geholt, andernfalls wäre er wohl erfroren. Der ist mit Hund und Jagdgewehr rauf und hat einen halben Tag nach ihm gesucht, aber der Pilot war unbewaffnet und hat sich wohl noch mehr gefürchtet als mein Schwiegervater. Zu der Familie des Piloten, der inzwischen verstorben ist, gibt es heute noch Kontakt – sie kommt uns regelmäßig besuchen.

Hans Jocher Der Multiinstrumentalist Hans Jocher wurde 1933 auf dem Frötscherhof in Obermellaun geboren. Mit elf Jahren erlernte er sein erstes Instrument, die Zither. Sehr bald kamen Querflöte, Gitarre und viele andere Instrumente hinzu – insgesamt spielt Hans Jocher mehr als 23 Instrumente. Bereits als Jugendlicher sang er im Kirchenchor, spielte im Kirchenorchester und absolvierte auch einen Kapellmeisterkurs. Er besuchte die Lehrerbildungsanstalt in Meran und arbeitete bis zu seiner Pensionierung als Grundschullehrer in St. Andrä. Er leitete mehrere Orchester und Chöre, unter anderem den gemischten Chor der Lehrerbildungsanstalt und eine Mädchensinggruppe im Kloster der Englischen Fräulein. Er trat als Musikant in verschiedenen Filmen und Theaterstücken auf und spielt und singt auch heute noch gerne Volksmusik für Einheimische und Gäste.

Herr Jocher, wie viele Instrumente spielen Sie? Hans Jocher: Lange habe ich es selbst nicht gewusst, dann habe ich einmal nachgezählt und bin auf 23 gekommen, aber es werden wohl noch mehr sein. Geige, Harfe, Hackbrett, Zither, Dudelsack, Maultrommel, Raffele, Drehleier, Trompete ...
 Manuela Kerer: 23 – das ist wirklich beeindruckend! Mit welchem Instrument haben Sie begonnen?
 Hans Jocher: Das war eine Zither, die mir 1944 ein Onkel geschenkt hat. Sie ist heute ungefähr 160 Jahre alt und ich spiele immer noch darauf. Ein Vorläufer der Zither ist ja das Raffele, mit dem bin ich in verschiedenen Filmen zu sehen. Zum Beispiel in „Der Tote vom Sarntal“ oder „Der Judas von Tirol“. Manuela Kerer: Ein Raffele kommt auch in meiner Oper „TOTEIS“ vor. Um Ihre erste Zither rankt sich eine besondere Geschichte, die mit einem amerikanischen Bomber zu tun hat.
 Hans Jocher: Bei der Zither fehlten der Stimmschlüssel und die Ringe, mit denen man die Saiten zupft. Solche Dinge waren

Wie sind Sie beide zur Musik gekommen?
 Hans Jocher: Musik hat mich eigentlich seit frühester Kindheit begleitet. Bei uns zu Hause in der Stube gab es ein Grammofon – so einen richtig großen Kasten – da bin ich als kleiner Bub davor gestanden und habe dirigiert.
 Manuela Kerer: Mein erstes Instrument war das Hackbrett. Damit habe ich begonnen, als meine Schwester Zitherunterricht bekam. Ich wollte auch ein Instrument lernen, war damals vier Jahre alt und konnte natürlich noch keine Noten lesen. Also hat mir der Lehrer Farben auf die Saiten und die Notenblätter gemalt. Später bin ich zur Geige gewechselt, während meine Geschwister alle zur Blasmusik sind, wie das in Südtirol üblich war.
 Hans Jocher: Die Blasmusik ist auch bei mir als Zweites dazugekommen. Mein Bruder hat Klarinette gelernt und wollte abends im Dunkeln nicht allein durch den Wald gehen, also hab ich ihn zum Unterricht begleitet. Der Kapellmeister hat wohl meine Begeisterung gesehen und mir eine Querflöte in die Hand gedrückt. Von da an durfte ich mitlernen. Das war 1945 – im Jahr darauf hab ich bereits bei der Musikkapelle mitgespielt. Damals hat man eigentlich überall Musik gemacht, sogar aufs Feld hab ich die Instrumente mitgenommen, beim Pflügen sind die Pferde alleine in der Furche gegangen und ich mit der Pikkoloflöte nebenher. Zum Schafehüten hab ich die Klarinette, das Flügelhorn oder auch eine selbst gebastelte kleine Zither mitgenommen. Später hat mich der damalige Orchesterleiter zum Kirchenchor geholt, mir Geigenunterricht gegeben und mich zu einem Kapellmeisterkurs geschickt – das passierte alles, noch bevor ich 13 oder 14 Jahre alt war.

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Das Besondere war die Stille. Bei Freunden dudelte andauernd der Fernseher. Das war bei uns nicht so. Manuela Kerer

Zu Hans Jochers Instrumentensammlung zählen das Alphorn, die Drehleier sowie die Zither.

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Stück vor, in dem man es nicht erwartet! Aber ich habe immer auch Klavier gespielt und später am Konservatorium ebenso Kontrabass. Und ja, zuweilen verwende ich auch ungewöhnliche Instrumente vom Eierschneider bis zur elektrischen Zahnbürste. Wie wichtig ist es beim Komponieren und auch beim Umgang mit den Musikern, dass man mehrere Instrumente beherrscht und weiß, was damit alles möglich ist?
 Manuela Kerer: Das hilft ganz sicher. Vor allem, dass ich mich mit der Geige gut auskenne, ist bei besonders schwierigen Passagen wichtig. Wenn zum Beispiel Musiker sagen „Das geht mit meinem Instrument nicht!“, dann kann ich es ihnen vorspielen. Das überrascht sie und schafft Vertrauen.

Trotzdem haben Sie die Musik nie zum Hauptberuf erkoren …
 Hans Jocher: Nein, ich wollte immer Lehrer werden. Vor allem wegen meiner Grundschullehrerin, die ich sehr verehrte. An der Lehrerbildungsanstalt in Meran habe ich Orgel lernen dürfen, ebenso Klavier und Harmonielehre. Musik war immer Teil meines Lebens, sie hat mir auch beim Militärdienst geholfen … Erzählen Sie! Hans Jocher: Ich war mitten in der Ausbildung, als die Einberufung kam, und ich hätte eigentlich während des Militärs nicht in Meran bleiben dürfen. Aber der Kapellmeister suchte noch einen Trompeter für die Militärmusik und da hat mich ein Kollege empfohlen. So musste ich nicht fort. Frau Kerer, auch in Ihren Kompositionen kommen seltene Instrumente zur Geltung.
 Manuela Kerer: Bei mir bestimmt das Thema die Instrumente, und obwohl ich zeitgenössische Musik mache, zeige ich auch immer wieder gerne meine Wurzeln. Da kommt dann eben das Raffele in einem

Wie wurden Sie musikalisch geprägt?
 Manuela Kerer: Ich glaube, das Besondere bei uns war die Stille ab und an. Ich erinnere mich, dass bei vielen Freunden andauernd das Radio dudelte oder auch der Fernseher. Das war bei uns nicht so. Das hat mich sicher genauso geprägt wie das elterliche Geschäft für Haushaltswaren, in dem ich praktisch aufgewachsen bin. Dort gab es den schon erwähnten Eierschneider. Aber woran ich mich ganz stark erinnere, sind die riesigen Packen Zeitungspapier, in die das Porzellan eingewickelt wurde, und die zugehörigen Geräusche oder der Ton, wenn Glas oder Porzellan zum Klingen gebracht wird, um zu prüfen, ob es in Ordnung ist. Sie verwenden in Ihren Kompositionen nicht nur ungewöhnliche Instrumente, Sie vertonen auch ungewohnte Themen. So zum Beispiel einige Artikel des italienischen Strafgesetzbuches oder Ihre Heimatstadt Brixen. Wie klingt bitte schön Brixen?
 Manuela Kerer: Sehr vielfältig. Da sind die Stimmen verschiedener Menschen drin und es ist nicht nur laut, sondern leise und natürlich sind in einer Bischofsstadt auch die Glocken des Doms zu hören. Die zeitgenössische Musik ist ja leider einem

Musik war stets Teil meines Lebens. Sie hat mir immer wieder geholfen. Hans Jocher

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sehr kleinen Publikum vorbehalten, da sind oft mehr Menschen auf der Bühne als davor. Daher wollte ich unbedingt einmal dorthin, wo sehr viele Leute sind, und habe dieses Stück zur Eröffnung des Brixner Altstadtfestes aufgeführt. Ich bin der Meinung, dass viele Menschen gar nicht wissen, was ihnen entgeht. Musik ist auch Gewohnheitssache, wenn man mit etwas aufwächst, dann hört man das ganz anders, als wenn es ganz neu ist. Da sind wir leider sehr einseitig geprägt über das Radio.

Manuela Kerer Die Komponistin Manuela Kerer wurde 1980 in Brixen geboren. Sie studierte Violine und Komposition am Tiroler Landeskonservatorium und parallel dazu Rechtswissenschaften und Psychologie an der Universität Innsbruck. Beide Studien schloss sie mit einer Promotion ab. Kerer legt bei ihren Kompositionen zeitgenössischer Musik Wert auf das Ausloten und Verschieben von Grenzen des musikalischen Ausdrucks und den Einsatz teils ungewöhnlicher Instrumente. Ein weiterer Schwerpunkt sind musiktheatralische Werke und Opern. Aktuellstes Opernprojekt ist „TOTEIS“ mit Uraufführung der kammerorchestralen Fassung im September 2020 in Wien und Uraufführung der großen Orchesterversion in Bozen im März 2021. Sie komponiert unter anderem für Ensembles wie Kaleidoskop Berlin und Klangforum Wien. Manuela Kerer erhielt zahlreiche Preise, darunter das österreichische Staatsstipendium für Komposition und den Walther-vonder-Vogelweide-Preis. www.manuela-kerer.bz

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Und wie klingt das italienische Strafgesetzbuch?
 Manuela Kerer: Da sind zum Teil ganz kuriose Gesetze enthalten, beispielsweise wenn es um sogenannte obszöne Gesten in der Öffentlichkeit oder um Bigamie geht. Die Bigamie hab ich ganz plakativ vertont: Das startet mit zwei Stimmen und dann kommen immer mehr dazu. Bei den obszönen Gesten müssen die Streicher an einer Stelle Ohrenstöpsel zwischen die Saiten stecken – in der neuen Musik geht es auch um die Präparierung und Erweiterung des Instruments, um einfach noch weiter über den Tellerrand hinauszuschauen. Wie viel an Ihrer Musik ist Südtirol und wie viel ist London oder New York, wo sie auch Zeit verbracht haben?
 Manuela Kerer: Das eine sind die Wurzeln, die bei mir ebenso wie bei Hans in der echten Volksmusik liegen, nicht in der volkstümlichen, das wird ja heute leider oft verwechselt. Und spätestens in der Schule kommt dann die Kunstmusik dazu – von Johann Sebastian Bach über Ludwig van Beethoven bis Alban Berg, um auch einen zeitgenössischen Komponisten zu nennen. All diese Musiker haben ebenfalls Zitate aus der Volksmusik verwendet, weil diese zu ihren Wurzeln gehörte. Aber natürlich prägen einen genauso Reisen, andere Musikkulturen und fremde Instrumente. Wichtig sind ebenso ideelle Einflüsse, in dem Sinne, dass Musik auch immer politisch ist und sein muss und immer auch ein Spiegel der Gesellschaft ist.

Sie haben nicht nur Violine und Komposition studiert, sondern auch Psychologie und Rechtswissenschaften – und in beiden Fächern sogar promoviert. Woher kommen diese breit gefächerten Interessen?
 Manuela Kerer: Ich glaube, dass im Grunde jeder Mensch breit gefächerte Interessen hat, so wie auch ich. Am Anfang dachte ich, ich mache einfach den ersten Studienabschnitt und weiter komme ich eh nicht, weil es zeitlich gar nicht möglich ist, weil ich einfach zu viel anderes mache. Diese Leichtigkeit hat mir sicher geholfen, gerade durch das schwere Jurastudium zu kommen. Zudem finde ich, dass Psychologie und die Rechtswissenschaften sehr gut mit dem Komponieren zusammenpassen und meine Kompositionen sehr bereichern. Frau Kerer, Herr Jocher, ein besonderer Moment Ihrer musikalischen Karriere war …?
 Manuela Kerer: Einer dieser Momente hängt ebenfalls mit Brixen zusammen. Bei der ersten Ausgabe des Wasser-LichtFestivals 2017 habe ich auf der Halbinsel beim Zusammenfluss von Eisack und Rienz für mehrere Konzerte fünf Flügel aufgestellt. Die Konzerte fanden zu Sonnenaufgang um fünf Uhr früh statt. Man hatte uns gewarnt, dass da wohl kaum jemand kommen würde. Aber gleich beim ersten Konzert waren 800 Zuschauer da. Das war auch wegen des besonderen Ortes und der Morgenstimmung in der Natur für mich ein besonderes Ereignis. Hans Jocher: Musik hat mein ganzes Leben stark geprägt, da gab es viele besondere Momente. Ich war in vielen Ländern unterwegs und habe Musiker aus der ganzen Welt kennengelernt. Oder sie sind zu uns gekommen – ganz besonders erinnere ich mich an die Begegnungen mit Musikern aus Japan und daran, wie sie die Zither spielen. Welche Projekte beschäftigen Sie beide aktuell?
 Manuela Kerer: Vor allem die Oper „TOTEIS“, da geht es um die Geschichte der Viktoria Savs, die als Mann verkleidet in den Ersten Weltkrieg gezogen ist, von den Nazis als sogenanntes Heldenmädel verherrlicht wurde und schließlich 1979 vereinsamt in Salzburg gestorben ist. Eine Figur, welche die Nähe zu NS-Größen gesucht hat und sich auch später nie von ihrer damaligen Rolle distanziert hat.
 Hans Jocher: Auch ich bin noch längst nicht im musikalischen Ruhestand. Ich bin noch immer in den verschiedenen Hotels der Umgebung unterwegs, viele Stammgäste fragen gleich, wenn sie ankommen, ob der Hans wieder spielt. 


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07.– 30.05. 2021 Brixen Bressanone Klausen Chiusa Neustift Novacella Franzensfeste Fortezza T H E L O C A L M AG A Z I N E

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Architektur!

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Zahlreiche stilvoll renovierte und neue Bauwerke in der Region bestechen durch Charakter und Charme. Bauhaus und Romantik, Altehrwürdiges und Modernes – eine Auswahl

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Gesamtkunstwerk ohne Internet Die Pension Briol in Barbian wurde 1928 im Bauhausstil erbaut. Der Künstler Hubert Lanzinger entwarf nicht nur den schnörkellosen Kubus mit dem Flachdach, sondern auch das gesamte Interieur – vom Stuhl über das Geschirr bis hin zu den Farben. Das Gesamtkunstwerk ist bis heute nahezu unverändert geblieben: WLAN gibt es hier nicht. Ebenso unverändert geblieben ist der Aufstieg: Die Pension kann nur zu Fuß oder mit dem Geländetaxi erreicht werden. www.briol.it

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• Franzensfeste • Rodeneck

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• Natz

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• Barbian


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Moderne Hüttenromantik 2019 wurde die Oberhauser Hütte neu errichtet, der Entwurf entstammt der Feder des Brixner Architekturbüros raum3. Was die Hütte zu etwas Besonderem macht? Zum einen die Lage auf dem Hochplateau der Rodenecker und Lüsner Alm, die Ruhe garantiert. Zum anderen die klare Formensprache des Gebäudes, das so einen spannenden Kontrast zur idyllischen Umgebung bildet. www.oberhauserhuette.com

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Geschwungene Landmarke

Weithin sichtbar ist das Bauwerk mit seinem flachen Flügel, das sich zu einem 35 Meter hohen Turm aufschwingt: das 2019 fertig gestellte Headquarter des Brixner Traditionsunternehmens Durst, das auf Drucktechnologien spezialisiert ist. Geplant wurde das Projekt vom Bozner Architekturbüro monovolume architecture + design. Hinter der Metallfassade mit den pixelartig angeordneten und in unterschiedlichen Farben leuchtenden Fenstern befinden sich ein Kundenzentrum, Büros für rund 150 Mitarbeiter sowie Schulungs- und Konferenzräume. www.durst-group.com

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Bier und Eis

Bierbrauerei, Buschenschank, Eisdiele – der Hubenbauer in Vahrn ist der Tausendsassa unter den Gasthäusern. Seit 2020 wartet er mit einer modernen Bierbrauanlage auf, die in den bestehenden Stadel eingebaut wurde. In den Raum wurde außerdem eine Galerie eingezogen, um einen Bier-Verkostungsraum zu schaffen. Architekt Lukas Mayr verwendete dafür schlichten Beton, Glas sowie Holz aus dem alten Satteldach. Der Anspruch des Architekten: Die gemütliche Atmosphäre des Stadels sollte beibehalten werden. www.hubenbauer.com

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Behutsamer Umbau

Der denkmalgeschützte Huberhof steht seit Jahrhunderten im Ortszentrum von Natz: Bereits 1182 wurde er erstmals urkundlich erwähnt. Nachdem der Hof jahrelang leer stand, wurde er 2011 ebenso aufwendig wie behutsam restauriert. Für den Umbau verantwortlich zeichnet der Architekt Stefan Gamper aus Klausen, der mit dem Projekt zeigt, wie Altehrwürdiges und Modernes harmonieren können. www.huberhof-natz.com

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Leben eingehaucht

Das Meisterwerk österreichischer Kriegsarchitektur wurde 1838 eröffnet. Als Trutzburg und Talsperre kam es allerdings nie zum Einsatz, war es doch in keine kriegerischen Handlungen verwickelt. Nach einem Dornröschenschlaf von eineinhalb Jahrhunderten wurde die Festung 2009 Austragungsort für die internationale Kunstausstellung „Manifesta 7“ und die Landesausstellung, die eine Sanierung notwendig machten. Diese übernahm das Architektentrio Markus Scherer, Karl Walter Dietl und Klaus Plattner. Seither ist die Festung ein beliebter Austragungsort für Ausstellungsund Veranstaltungsformate, besonders junge zeitgenössische Kunst fühlt sich in den bedeutungsgeladenen Gemäuern wohl. www.franzensfeste.info

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Drei-Gläser-Weine aus dem Eisacktal Der renommierte Weinführer Vini d’Italia 2021 des Verlags Gambero Rosso zeichnet drei Eisacktaler Weine mit der Höchstnote aus: In der Bibel der besten Weine Italiens werden die „Drei Gläser“ nur für außergewöhnliche Tropfen vergeben.

1: STIFTSKELLEREI NEUSTIFT Grüner Veltliner Praepositus 2019 2: STRASSERHOF Sylvaner 2019 3: KÖFERERHOF Sylvaner R 2018

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S wie Sortenreichtum Verkosten, Fachsimpeln, Trinken. Aber wie geht das richtig? Alexandra Erlacher, Sommelière der Eisacktaler Kellerei, gibt Tipps dazu

Alexandra Erlacher wurde 1978 geboren und ist in Brixen aufgewachsen. 2014 schloss sie die Ausbildung zur Sommelière bei der Sommeliervereinigung Südtirol ab. Sie arbeitet als Brand Ambassador für die Eisacktaler Kellerei.

Welche Weine gedeihen im Eisacktal besonders gut – und warum? Eingebettet zwischen dem Urgestein der Alpen und den Bergspitzen der Dolomiten gedeihen im Eisacktal weiße Rebsorten wie Kerner, Sylvaner, Müller Thurgau, Grüner Veltliner und Riesling besonders gut. Die hohen und steilen Lagen von 350 bis knapp 1 000 Meter, die unterschiedlichen Böden, Lagen und Ausrichtungen, die individuelle Sonneneinstrahlung und das spezielle Mikroklima liefern ideale Wachstumsbedingungen für Weißweine. Warum gibt es hier und in ganz Südtirol solch eine umfangreiche Sortenvielfalt? In Südtirol befinden wir uns an einem Kreuzungspunkt von alpiner und mediterraner Vegetation. Dadurch entsteht eine Anordnung von unterschiedlichsten Bodenformationen. Das Mikroklima ändert sich vielfach innerhalb weniger Kilometer. Die unterschiedlichen klimatischen, geografischen und geologischen Einflüsse liefern ideale Bedingungen für verschiedenste rote und weiße Rebsorten. Schließen Sie die Augen. Bei den Schlagworten „Wein“ und „Heimat“, woran denken Sie da? Sonnendurchflutete, sanft geschwungene Weinberge, steile Hänge, durchzogen von fein säuberlich errichteten Trockensteinmauern, farbenfrohe Blumenvielfalt in den Weinbergen, Vogelgezwitscher, Winzer und Familienmitglieder beim Wimmen – wie wir Südtirolerinnen die Weinlese nennen.

Ein Gast interessiert sich für Wein, hat aber nur einen Tag Zeit. Wo führen Sie ihn hin? Ich würde den Gast zu einem Ausflug in den höchstgelegenen Weinberg der Eisacktaler Kellerei auf 950 Meter Meereshöhe einladen. Mit wunderbarem Blick auf die Bergspitzen der Geisler und auf die Weinberge auf der gegenüberliegenden Talseite verkosten wir vor Ort die Weine der dort gedeihenden Rebsorten Müller Thurgau und Kerner. Die Temperaturen steigen, höhere Weinlagen entstehen. Was bedeutet das für den hiesigen Weinbau? Die spürbare klimatische Veränderung betrifft auch Südtirol. Das Eisacktal ist in dieser Hinsicht etwas bevorzugt, da sich die Weinberge im Schnitt auf 600 bis 800 Meter, einige Anlagen aber bereits auf 900 bis knapp 1 000 Meter Höhe befinden. Auf die Höhenverschiebung muss mit dem Anbau der richtigen Sorten reagiert werden und es ergeben sich auch Vorteile: Die Temperaturen sind niedriger, die Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht stärker ausgeprägt und die Sonneneinstrahlung ist intensiver. Das hat positive Auswirkungen auf die Inhaltsstoffe der Trauben und bringt Weine mit ausgeprägtem Charakter hervor. Mehr Infos unter: www.eisacktalwein.com www.eisacktalerkellerei.it

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Einkehr Schloss Velthurns liegt direkt am Keschtnweg – eine schÜne Wanderung besonders im Herbst (siehe S. 25)

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E I N M U S E U M S S T Ü C K I M F O K U S

Die magische 7 ieben Jahre, sieben Monate und sieben Tage habe die Verarbeitung der sieben Holzarten im prunkvollen Fürstenzimmer von Schloss Velthurns gedauert. So ist es zumindest über die Jahrhunderte überliefert worden. Immer wieder die magische Zahl: Sieben! Ob es auch stimmt? Sicher ist, dass das Fürstenzimmer im Herbst 1584 zum ersten Mal bezogen wurde, und zwar vom Fürstbischof Johann Thomas von Spaur. Dieser ließ den Raum prunkvoll mit Intarsien ausstatten, einer Form des Kunsthandwerks, die der ausführende Meraner Meister Hans Spineider höchstwahrscheinlich in seiner Gesellenzeit in Augsburg erlernt hatte. Die Stadt galt damals als Hochburg der Intarsienkunst, in den 1530er-Jahren wurde sogar eine Maschine zum Schneiden besonders feiner Furniere erfunden. Der Erfinder wahrte allerdings das Geheimnis, sodass der Mechanismus bis heute ein Geheimnis ist.

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Kein Geheimnis, aber nicht weniger beeindruckend, ist die bläulich-grüne Farbe einzelner Hölzer: Das Holz ist nicht eingefärbt, sondern vielmehr von einem speziellen Pilz befallen. Die abgebildete Ruine war ein beliebtes Motiv des Augsburger Intarsienstils, besonders rätselhaft ist der hinter ihr aufragende Baukran, dessen Greifzange – der sogenannte Wolf – einen Baustein transportiert. Wurde die Ruine restauriert? Neu aufgebaut? Nein. Tatsächlich ist der Baukran als Chiffre für die Wiedergeburt der Antike zu verstehen. Übrigens, bei einer der magischen „Sieben“ liegt die Überlieferung knapp daneben, denn es sind acht Holzarten, die im Fürstenzimmer verbaut wurden: Birne, Esche, Fichte, Kirsche, Linde, Nuss, Olive und Zirbel.

Schloss Velthurns + Die ehemalige bischöfliche Sommerresidenz Velthurns ist eine der besterhaltenen Renaissanceresidenzen im Alpenraum und umfasst neben originalen Wandmalereien und -vertäfelungen auch ein archäologisches Museum mit Fundobjekten aus Feldthurns und dem Eisacktal. Das Schloss kann von März bis November besucht werden. + Dorf 1, 39040 Feldthurns, +39 0472 855 525 www.schlossvelthurns.it

Die Intarsien des Fürstenzimmers Alter: rund 450 Jahre Material: verschiedene Hölzer Meister: Hans Spineider

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Schön und gut

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Produkte aus der Umgebung

1   Von Hand gefertigt

Familie Oehler versteht ihr Handwerk. Bis heute werden in der „Fashion Factory“ sämtliche Lederwaren von Hand gefertigt. Neben Taschen, Lederarmbändern und schicken SmartphoneHüllen werden auch ausgefallene Ledergürtel hergestellt, diese gibt es in den Oehler-Boutiquen in Brixen und online ab 125 Euro, Handtaschen sind ab 189 Euro erhältlich. www.oehler-fashion.it

2   Frei von Plastik

In den plastikfreien Bio-Supermärkten „Novo“ von Maria Lobis und Stefan Zanotti findet man alles für den Wocheneinkauf – umweltfreundlich, biologisch und möglichst verpackungsfrei. Die beiden haben auch selbst eine Marke entwickelt: Von „be aware“ gibt es jetzt einen Rasierhobel aus Bambus und Edelstahl für Bart- und Ganzkörperrasur, erhältlich um 27,90 Euro in der Brixner Filiale oder im Onlineshop. www.novo.bz

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3  Eingebunkert

4   Feuer und Flamme

Sternekoch Hansi Baumgartner widmet sich gemeinsam mit seiner Frau Edith ganz der Veredelung von Käse. Unter dem Namen Degust kombinieren sie den Käse mit Zutaten von Walnuss bis Orange. Gelagert wird der Gourmetschatz in einem Bunker – wo ideale Bedingungen herrschen. Dort reifen der Chocobert (45,60 Euro/kg), ein Camembert mit Schokolade, oder der Golden Gel (31,14 Euro/kg), durch die Verfeinerung mit Weintrestern buttrig und fruchtig im Geschmack. Erhältlich im Shop in Vahrn oder online.

Angelika Priller aus Klerant bei Brixen hat sich dem Töpfern verschrieben. Sie arbeitet am liebsten mit der japanischen Brenntechnik Raku, bei der durch Zugabe von Sägemehl das Feuer erstickt wird und die typischen Risse in der Glasur entstehen. In ihrem Onlineshop gibt es Dekoratives wie Lampen und Blumentöpfe ebenso wie Geschirr. Jedes Stück ist ein Unikat, Teller sind z. B. ab 35 Euro erhältlich. www.keramik-angelika.com

www.degust.com

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Bei Familie Gasser am Obergostnerhof oberhalb von Kloster Säben reifen die Äpfel an besonders sonnigen Hängen. Die süßen Früchte werden nach der Ernte in Scheiben geschnitten und ohne Zugabe von Zusätzen wie Schwefel oder Zucker schonend getrocknet. So entstehen die knusprigen Apfelchips, die im Hofladen für 3,50 Euro (90 g) erhältlich sind. Außer Apfelchips verkauft Familie Gasser auch getrocknete Birnen, Erdbeeren und Zwetschgen. www.gasser.bz.it

6   Natürliche Süße

Natürliche und möglichst regionale Zutaten, frisches Obst und kompostierbare Becher – die Brixner Kulteisdiele Feli & Fuchs legt Wert auf unverfälschten Geschmack und Nachhaltigkeit. Im Sommer ist das Eis auch mobil auf dem „carrettino“ erhältlich, im Geschäft gibt es ebenso feine italienische Konditorwaren. Im Eissortiment findet man auch exotische Mischungen wie „Mascaber“ – Mascarpone, Schokolade und Himbeeren – oder „Feldthurner Walnuss“ mit kandierten grünen Walnüssen. Eine Kugel kostet 1,40 Euro.

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7   Pflegender Honig

Imker Erich Larcher widmet sich seit 1988 den Bienen. Er erzeugt nicht nur Honig, sondern verarbeitet diesen auch zu wohltuenden und duftenden Pflege- und Kosmetikartikeln. Neben Seife, Feuchtigkeitscreme und Haarbalsam aus Honig gibt es auch eine Produktreihe mit dem gesundheitsfördernden Propoliswirkstoff, die Propolistropfen etwa kosten 12,50 Euro (20 ml). Erhältlich online oder direkt in Larchers Unternehmen ERLA in Vahrn. www.larcher-honigprodukte.it

www.feliefuchs.shop

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T e x t — K R I S T I N A F o t o s — P A T R I C K

E R H A R D S C H W I E N B A C H E R

Was macht dieser Mann T H E L O C A L M AG A Z I N E


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eigentlich beruflich? T H E L O C A L M AG A Z I N E

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Tiziano Stimpfl hat den schönsten Job der Welt. Er wird dafür bezahlt, jeden Tag Ski zu fahren und gute Laune zu verbreiten. Doch das ist gar nicht so einfach, wie es aussieht

iziano Stimpfl hat den „besten Job der Welt“. So stand es in der Ausschreibung, die ihm Freunde per WhatsApp weitergeleitet hatten. „Genau mein Ding“, hatte sich der heute 34-Jährige gedacht und bewarb sich als „Pistencavaliere“ für die Wintersaison im Skigebiet Gitschberg Jochtal. In jenem Sommer vor zwei Jahren herrschte mit Temperaturen über 37 Grad Rekordhitze in Arco am Gardasee, wo er als Mountainbike-Guide arbeitete. „Mountainbiken ist meine große Liebe, Snowboarden steht aber gleich an zweiter Stelle.“ Wenn ich den Job als Pistencavaliere bekomme, so lautete seine Überlegung, kann ich den ganzen Tag auf der Skipiste sein und dabei sogar Geld verdienen. Im Sommer auf dem Sattel, im Winter auf den Brettern. Che figata – wie geil! Da musste er sich einfach bewerben. Über 40 Bewerbungen gingen damals ein. Er hat den Job bekommen. Wegen seines fröhlichen Charakters, sagte man ihm, und weil er bereits Erfahrungen als Bikeguide hatte. Stimpfl knöpft seinen schwarzen Frack aus dicker Wolle zu. Noch steht er an der Heizung neben seinem Bett, schaut zum Fenster hinaus. Hinter den Dolomiten kämpft sich die Wintersonne über die Gipfel, ein neuer, schöner Arbeitstag beginnt.

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Es gab über 40 Bewerbungen. Tiziano Stimpfl hat sich durchgesetzt – und verbringt nun im Winter jeden Tag auf der Piste.


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7:20 Uhr In Meransen, auf 1 400 Meter über dem Meer, wird die Stille des Wintermorgens nur von den Pistenraupen gestört, die nach getaner Planierarbeit zurück in die Garagen an der Talstation der Bergbahn fahren. Stimpfl mag die Berge. Er mochte sie immer schon. „Früher habe ich im Winter in einem italienischen Restaurant in Sydney als Kellner gearbeitet. Da gefällt es mir hier besser“, sagt er und nippt an einem Espresso aus dem kleinen Vollautomaten im Gemeinschaftsraum seiner Unterkunft. Die ganze Wintersaison über wohnt er in einem Zimmer direkt neben der Talstation der Seilbahn. Geboren und aufgewachsen ist er im 1 400-Seelen-Dorf Cadine am Fuße des Monte Bondone. Auf diesem Berg hat er auch Skifahren und Snowboarden gelernt. Und heute? Per pedes zum Arbeitsplatz und dann den ganzen Tag auf den Brettern – und das bezahlt. Ein Traumjob? Stimpfl nickt. „Mir ist das viel wert. Ich könnte nicht an einem Computer in einem Büro sitzen“, sagt er und wirft einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr. Es wird Zeit aufzubrechen.

10:00 Uhr Stimpfl ist ein Sonnyboy. Das befand schon seine nonna, die er so oft wie möglich an seinen freien Tagen, meistens sonntags und montags, in Arco besucht. Er bringt Menschen zum Lachen, ohne dabei wie ein Clown zu wirken. Das ist eine Kunst, das kann nicht jeder. Es ist sein offenes Wesen, das Skifahrer etwa dazu motiviert, bei ihm an der Bergstation der Nesselbahn zum wöchentlichen italienischen Aperitif zu verweilen, ein Glas Prosecco oder naturtrüben Apfelsaft in der Hand. Zur Arbeitsbeschreibung des Pistencavalieres von Gitschberg Jochtal gehört es auch, Kinder und ihre Eltern zu

Kavalier, der ital. cavaliere, frz. chevalier, stand einst für einen Reiter, später für einen Ritter. Heute: für einen Herren mit höflichen Umgangsformen.

bespaßen: Getränke ausschenken, allerlei Auskunft zum Skigebiet geben, Taschentücher für Eventualitäten parat halten und den Kleinen ihre Medaillen verleihen, wenn sie den Skikurs erfolgreich absolviert haben. Mal die Sektflasche mit der Skikante öffnen, es auch mal schiefgehen lassen, damit alle etwas zum Lachen haben. Kurzum: Tiziano Stimpfl ist ein Concierge für alle Dinge, die den Aufenthalt im Skigebiet noch schöner machen sollen. Und das ist ein Fulltime-Job – auch während seiner Mittagspause bleibt der Cavaliere ein Cavaliere. Auf der Nesselhütte staunen die Kinder, wenn Stimpfl durch die Tür tritt, mit dem großen schwarzen Zylinder, der an seinem Skihelm festgemacht ist. Es ist nicht immer einfach, spontan zu sein oder auf Knopfdruck zu lächeln. „Bei Kindern ist die Fröhlichkeit eher ansteckend, bei Erwachsenen kommt es auf den richtigen Moment an. Frauen lachen mehr als Männer, Österreicher mehr als Italiener und bei manchen Deutschen braucht es manchmal ein bisschen Unterstützung, bis sie fröhlich sind“, erklärt er und zwinkert mit den Augen.

Einer wie Stimpfl muss den Humor der Gäste aller Länder abrufen können, Witz und Feingefühl liegen da oft nahe beieinander. Der Cavaliere nimmt seinen Zylinder ab, öffnet eine kleine Klappe auf dem runden Hutteller und greift hinein. Seine Hand kommt mit kleinen Gummibärchen-Packungen wieder hervor, die er an die Kinder eines Skikurses verteilt. Dann setzt er sich an einen leeren Tisch. „Die Kinder glauben meistens, ich sei ein Zauberkünstler. In gewisser Weise stimmt das ja auch, ich bin immer für eine Überraschung gut. Das kann richtig Spaß machen“, sagt er. Aber auf Dauer

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auch richtig anstrengend sein. Meistens setzt er sich mittags zu den Gästen, das ist Teil seines Jobs. Zum Essen kommt er aber erst, wenn alle wieder auf der Piste sind. Am liebsten bestellt er Röstkartoffeln – zusammen mit Giacomo. Giacomo ist auch Trentiner und hier im Skigebiet als Carabiniere unterwegs. „Für manche Gäste ist es sicher ein lustiges Bild, wenn wir die Köpfe zusammenstecken. Ich mit meinem riesigen Zylinder und Giacomo in seiner dunkelblauen Skiuniform mit der Aufschrift Carabinieri auf dem Rücken“, sagt Stimpfl. Auch Giacomo ist die Wintersaison über den ganzen Tag auf der Piste. Wenn jemand versteht, wie kraftaufwendig das sein kann, dann der Ordnungshüter. „Unsere Aufgaben unterscheiden sich gar nicht so sehr, wie man meinen würde“, fährt Stimpfl fort, „die Pistencarabinieri geben Auskunft, weisen den Weg und machen so den Aufenthalt für die Gäste im Skigebiet so angenehm wie möglich. Allerdings ohne Späße und Gummibärchen.“ Stimpfl streicht seinen Frack glatt und steht auf. Sein nächster Termin steht an: eine Schneekatzenführung an der Bergstation Jochtal.

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Stimpfl macht auch Schneekatzenführungen. Die 14 Tonnen schweren Ungetümer faszinieren die Urlauber.

14:00 Uhr

„Die Kinder glauben, ich sei ein Zauberkünstler. In gewisser Weise stimmt das ja auch.“

Die Schneekatze, dieses 14 Tonnen schwere Ungetüm, fasziniert viele Urlauber. Zögerlich kommen die Kinder näher, die anfangs verhaltene Neugierde wandelt sich in Übermut. Der Cavaliere erklärt auf Deutsch, Englisch und Italienisch, wie die Pistenraupe funktioniert, und hebt die Kleinen in die Fahrerkabine. „Ich denke, früher war es der Traum vieler Kinder, einmal Baggerfahrer oder Schiffskapitän zu werden. Heute ist es ganz sicherlich Schneekatzenfahrer – zumindest hier in Südtirol,“ sagt er. Langsam ziehen am Valler Jöchl und am benachbarten Hinterberg


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grauweiße Wolken auf, es wird wohl bald schneien. Die Pisten leeren sich, die Gäste kehren in ihre Unterkünfte zurück. Es wird Zeit für den Pistencavaliere, sich auf den Heimweg nach Meransen zu machen.

16:00 Uhr In der Verbindungsbahn Gaisjoch zwischen den Skigebieten Jochtal und Gitschberg lehnt Stimpfl seinen Hinterkopf an die Scheibe des Kabinenfensters. Darunter, in der Waldschneise, liegen vereinzelt umgefallene Fichten und Tannen. Die Herbststürme haben vorletztes Jahr in den Bergen rund um Brixen und im Pustertal besonders schwer gewütet. Stimpfl ist müde und leer. Den ganzen Tag lustig sein, ist harte Arbeit. Das nun sind die Momente, in denen er das merkt.

„Ich bin kein Superman,“, sagt er, steigt aus und schnallt sich sein Snowboard an. Und doch muss er den ganzen Tag lang eine Art Superhelden spielen. Einen GuteLaune-Superhelden. Er hüpft mit seinem Board ein wenig vor bis an die Hangkante der Piste, dreht sich nochmals um, lächelt ein paar Kinder freundlich an und winkt ihnen zu. Dann verschwindet er hinter der Kante und zieht gleich darauf große Schwünge auf der breiten Abfahrt in Richtung Meransen. Tiziano Stimpfl hat jetzt Feierabend vom besten Job der Welt. 

Gegen 16 Uhr hat Tiziano Stimpfl Feierabend vom besten Job der Welt.

Den ganzen Tag lustig sein, ist harte Arbeit. Abends ist Stimpfl müde und sucht die Einsamkeit.

55 Kilometer So viel Pistenvielfalt hat das schneesichere Skigebiet Gitschberg Jochtal für abwechslungsreichen und familienfreundlichen Skispaß zu bieten. Ein Kinderpark sorgt zusätzlich für Unterhaltung und Abenteuer bei den ganz Kleinen. Regionale Spezialitäten und heiße Getränke lassen sich auf den Sonnenterrassen der urigen Hütten genießen. www.gitschberg-jochtal.com

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Südtirol für Anfänger FOLGE 3:

Das liebe Essen

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rst vor ein paar Jahren, Viele der Bekannten, die uns besuchen kommen, wollen – nachdem ich schon länger kaum auf Südtiroler Boden angelangt – nur eines: Dolce in Südtirol gelebt hatte, wurvita! Sie suchen nach einer typischen italienischen Osde mir klar, wie einzigartig teria, wo noch die „nonna“, die Großmutter, hinterm die Esskultur hier eigentlich Herd steht. Sie wollen Polenta, Pasta, Pizza und Risotto ist. Aufgefallen ist mir das – und wundern sich, wenn am Nebentisch jemand Rindsin New York. gulasch oder Sauerkraut bestellt. Wir sitzen auf der TerEinem anderen unserer Freunde aus den USA war rasse eines netten Restaudurchaus bekannt, dass Südtirol nicht Positano ist: Er rants an der Upper East wollte mit uns in ein „typisches Tiroler Gasthaus mit Side. Es ist recht kühl, also Jagdtrophäen an der Wand“ gehen, er hatte sich gut fragt unsere Tochter Vavorbereitet: Rucksack, Bergschuhe. Mein Mann konnte lentina den Kellner, ob sie ihn überreden, zumindest das Kletterseil und die Karaeine Schafwolldecke haben könnte. Der arme Kerl – biner zu Hause zu lassen … Wir gingen in ein Südtironormalerweise in der Lage, seiner pflegeintensiven ler Gasthaus bei uns um die Ecke, auf der Speisekarte Kundschaft jeden Wunsch von den Lippen abzulesen stand tatsächlich ein sehr einladendes Hirschsteak, der – ist völlig ratlos. Ich mische mich ein und erkläre ihm, Wirt ist auch selbst Jäger. Doch unser Freund war etwas dass meine Kinder in den Alpen aufgewachsen sind. enttäuscht: Er dachte, zu solcherlei alpinen KulinarikgeWas, ehrlich gesagt, die Dinge für nüssen würde man nur mittels einer ihn nicht wirklich klarer zu machen abenteuerlichen Bergtour zu einer scheint. weit entlegenen Alm gelangen. „Nie, nie, nie Währenddessen studiert unser Überhaupt: Die Almkultur! Ich habe einen Knödel mit dem Jahre hier gelebt, bevor ich verstand, Sohn Luca die Speisekarte, legt sie Messer teilen!“ dann beiseite und verkündet selbstdass da oben wiederum ganz eigene bewusst: „Ach, machen Sie mir einRegeln gelten. Die allerwichtigste ist fach ein paar Speckknödel.“ gleichzeitig auch eine Warnung für Knödel bestellen mit der trügeriall jene, die um ihre Linie besorgt schen Gewissheit, dass sie ohnehin sind. Vergessen Sie Ihre Diät! Die auf jeder Speisekarte stehen; beim Essen im Freien jeAlm ist kein Ort für Alfalfa-Sprossen und Tofuschnitderzeit eine warme, kuschelige Decke gereicht bekomzel. Die Almküche wurde von Alpenvölkern geschafmen: Das sind beispielhaft nur zwei von vielen Südtifen, von Bergburschen und Bäuerinnen, die Tag für Tag roler Eigenheiten, die wir inzwischen vermissen, wenn steilstes Gelände unter härtesten Bedingungen bewirtwir verreisen. schafteten. Das verbrennt Kalorien, da kriegt man HunWenn Freunde uns hier besuchen, sind sie im ger – echten Hunger. Ergo: Auf der Alm wird deftig und Gegenzug oft verwirrt von der unerwarteten Speiserustikal gegessen. Ein Hoch auf Speck, Käse und Kohvielfalt – alpin und mediterran! – sowie den scheinbar lenhydrate! unzähligen Regeln und Traditionen, auf die hier beim Und weil Südtirol ja doch, irgendwie, ein bisschen Essen penibel geachtet wird. Die wichtigste davon: zumindest, kulinarisch sogar ein bisschen mehr, zu ItaNie, nie, nie einen Knödel mit dem Messer teilen! Es lien gehört, haben sich die Südtirol – unten in den Täreicht die Gabel. lern sowieso und selbst oben auf den Almen – neben der

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SüdtirolLexikon, das Dialekt verständlich gemacht

„Knödel niemals mit dem Messer“-Regel auch einige italienische Tischmanieren angeeignet. Und das nicht zu ihrem Nachteil. Also gilt: Trinken Sie nach 11 Uhr morgens niemals einen Cappuccino! Fragen Sie niemals nach Parmesankäse für die Spaghetti mit Meeresfrüchten! Fangen Sie eifrig an, Ihre nächste Mahlzeit zu besprechen, bevor Sie diejenige, die Sie gerade essen, überhaupt beendet haben! Und: Satt sind Sie erst, wenn die Köchin entscheidet, dass Sie satt sind! Irgendwann haben die deutschsprachigen Südtiroler verstanden, dass man Ravioli nicht im Supermarkt kauft, sondern selber macht. Irgendwann haben die italienischsprachigen Südtiroler gelernt, wie man ein Stück Speck hauchdünn und mundgerecht aufschneidet. So ist in dieser Bergprovinz eine eigenartige, aber genüssliche Esskultur-Fusion entstanden, die man so selbst in New York nicht findet. Und egal ob im Südtiroler Dialekt oder im Italienischen: Wenn am anderen Ende des Tisches oder am anderen Ende des Lokals eine lautstarke, leidenschaftliche Debatte geführt wird, könnte man versucht sein, zu glauben, es ginge um Politik. Auf keinen Fall. Hören Sie genau hin: Man streitet genüsslich übers … Essen! 

Notscherle [ˈnɑt͡ ʃʁlə] So werden in Südtirol liebevoll die kleinen Ferkel genannt. Interessant ist die phonetische Ähnlichkeit zum italienischen „norcino“. Die Stadt Norcia in Umbrien ist bekannt für ihre Schweinefleischprodukte, „norcino“ bedeutet deshalb sowohl „aus Norcia stammend“ als auch „Schweineschlachter“.

A Purzigagele mochn [ˈa pʊʁt͡ sɪˈgaːgɛlə ˈmɑχn] Kinder lieben sie und machen sie überall, Erwachsene meist nur noch unfreiwillig und wesentlich weniger elegant – die Rede ist von Purzelbäumen.

Pims Cassandra Han ist in den USA geboren und aufgewachsen. 2008 zog sie mit ihrem Mann Lorenzo in die Heimat seiner Mutter: Südtirol. In dieser Kolumne erzählt sie davon, wie sie die Eigenheiten der Region lieben lernte – und wie sie allmählich selbst zur Südtirolerin wurde.

[ˈpɪms] Einen Pims nimmt man in Südtirol auf jede Wanderung mit, denn wenn auf halber Strecke der Hunger kommt, gibt es nichts Besseres als ein belegtes Brötchen.

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Blick ins Tal

Die Ufer des Eisacks waren immer schon Durchreiseland. Erst kam Albrecht Dßrer, dann ein Elefant, bald Goethe, später der Touristenboom. Impressionen eines Weges, der niemals stillsteht

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Schöner Stich Brixen von Milland aus gesehen, um 1835. Einer der seltensten und schönsten Tiroler Stiche, gefertigt von Friedrich Salathé nach einer Zeichnung von Frédéric Martens. So ähnlich muss die Stadt auch auf Johann Wolfgang von Goethe gewirkt haben, der rund 50 Jahre früher, 1786, das Eisacktal erkundet hatte, zu Beginn seiner legendären Reise durch Italien. Kurios: Goethe verwechselt in seinen Aufzeichnungen den Fluss Eisack mit der Etsch.

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Grauer Riese

Großes Glück

Es war kurz vor Weihnachten 1551, als erstmals ein Elefant durch Brixen stampfte. Der graue Riese namens Soliman, ein Geschenk des portugiesischen Königs Johann III. an seinen Neffen Erzherzog Maximilian von Österreich, wurde über die Alpen nach Wien gebracht. Diese Elefantenabbildung im Kreuzgang des Brixner Doms allerdings entstand früher, um 1470. So hatte sich der Freskenmaler Leonhard von Brixen einen Schlachtelefanten vorgestellt: Er kannte die Tiere nur aus Überlieferungen.

In diesem Kupferstich von Albrecht Dürer, entstanden um 1502, schwebt die griechische Göttin Nemesis über Klausen. Das Werk trägt den Namen „Nemesis – das große Glück“ und zeigt das Städtchen vom alten Kuntersweg aus. Dürer hatte Klausen auf seiner Italienreise 1494 passiert. Jahrhunderte später verliebten sich zahlreiche weitere Künstler in Klausen. Unter ihnen: Franz von Defregger, Albin Egger-Lienz und Carl Spitzweg.

Schwarze Lok 1867: Mit der Fertigstellung der Brennertrasse zwischen Innsbruck und Bozen wird die Eisenbahnverbindung München– Venedig endlich vollendet, ein Meisterwerk der Ingenieurskunst. Die Dampflok fährt tief unten in der Schlucht durch das Eisacktal, an der engsten Stelle zwischen Brixen und Bozen ist ein Durchstich des Bergs nötig. Der Bahndamm wird öfters überschwemmt, 1882 spült der Fluss ganze Teile davon weg. Bald entwickeln sich die Ortschaften entlang der Strecke zu Luftkurorten, so auch Brixen: die ersten, zarten Anfänge des Tourismus.

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Seltener Anblick Die idyllische Staatsstraße mit Blick auf das Kloster Säben bei Klausen in einem Bild von 1951. Der sogenannte Heilige Berg, auf dem das Kloster seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert thront, war bereits zur Jungsteinzeit besiedelt. Im 20. Jahrhundert wird Säben zur Sehenswürdigkeit: Mit dem Wirtschaftsaufschwung nimmt in den 1950er-Jahren auch der Tourismus stark zu, das Auto avanciert zum Statussymbol – und darf mit aufs Urlaubsfoto.

Umstrittenes Projekt Die Bauarbeiten an der Brennerautobahn A22 begannen im Jahr 1963. Zuvor war im Land heftigst über die Route gestritten worden. Touristiker und Geschäftsleute in Meran hatten sich vehement für eine Trasse durch das westlicher liegende Passeiertal eingesetzt – wohl in der Sorge, den Anschluss an die Moderne zu verpassen. Zum Handkuss kam dann doch das Eisacktal: im Bild die spätere Ausfahrt bei Klausen, eröffnet 1974.

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Beeindruckendes Panorama Der Blick über das Eisacktal – heute. Die Autobahn zieht sich tief unten durchs enge Tal, hoch oben thront wie eh und je Kloster Säben. Noch heute ist das Benediktinerinnenkloster von schweigenden Klausurschwestern bewohnt. Auch manchem Besucher raubt es beim Panoramablick über das Tal und die umliegenden Berge die Sprache.

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Mein liebster … Bergsee Geheimtipps der Einheimischen

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1: Schrüttenseen

2: Totensee

Wo die Alpenrosen blühen

Wo die Ruhe einkehrt

„Wenn wir mit der ganzen Familie inklusive Neffen und Nichten unterwegs sind, dann geht es immer zu den Schrüttenseen, sonst protestieren die Kleinen. Nirgendwo sonst kann man so schön Steine in den See werfen und die Füße ins kühle Wasser halten. Es führen zwei Wege zu den Seen, wir wählen wegen der Kinder meist den einfacheren, ausgehend vom Parkplatz Steinwend in der Nähe von Schalders bei Brixen. Der Weg führt dann schön schattig durch den Wald, deshalb ist er auch bei hohen Temperaturen ideal. Wenn im Frühsommer die Alpenrosen blühen, ist der See besonders schön: der dunkelgrüne Wald ringsherum und die pinken Blüten der Alpenrosen – einfach ein Traum!“ Claudia Oberhofer, 31, Marketingangestellte

Höhe: 1 957 m Wanderstrecke: 12 km Baden: erlaubt

„Ich finde es spannend, wenn sich um einen Ort wundersame Legenden ranken. Deshalb wandere ich immer mal wieder von der Gasserhütte über die Villanderer Alm zum Totensee. Unterwegs kommt man an der Totenkapelle vorbei, hier soll angeblich im Mittelalter das letzte Pestopfer gefunden worden sein. Ob das auch stimmt? Tatsächlich tragen die kleine Kapelle und der See deshalb ihren Namen, weil die Landschaft rundherum so karg und doch so beeindruckend erscheint. Meine Kinder finden diese ganzen Mysterien total spannend. Manchmal gehe ich alleine dorthin, wenn ich meine Gedanken ordnen will, weil die Wanderung nicht so anstrengend ist. Oben angekommen lege ich mich auf eine der Holzliegen rund um den See – spätestens da vergesse ich für einen Moment alles, was mir so im Kopf herumschwirrt.“

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? Abkühlung?

Sabine Prast, 48, Angestellte

Höhe: 2 208 m Wanderstrecke: 11 km Baden: erlaubt

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3

Bitte bei Bergseen immer vorher nachfragen, ob Baden erlaubt ist.


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3: Radlsee Wo die Knödel am besten schmecken „Als echte Feldthurnerin wandere ich jeden Sommer auch mehrere Male hinauf zum Radlsee. Der See mit der Radlseehütte gleich nebenan ist einfach Kult. Wo sonst hat man von der Terrasse aus ein Bergseepanorama vor sich? Man startet am besten vom Parkplatz am Kühhof, dann steigt man zwischen blühenden Wiesen auf. Donnerstag ist übrigens Knödeltag mit über zehn verschiedenen Knödelsorten.“ Marianna Messner, 63, Pensionistin

Höhe: 2 250 m Wanderstrecke: 10,2 km Baden: erlaubt

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5: Weitenberger See 4: Seefeldsee Wo die Kuhglocken bimmeln „Immer wenn ich mich nach einem Ort der Ruhe sehne, wandere ich zum Seefeldsee. Der erste Teil des Weges von Meransen durch das Altfasstal ist ein sehr beliebter Wanderweg, doch sobald man am Talschluss weiter nach oben steigt, lässt man alles und alle hinter sich, konzentriert sich nur auf den steilen Anstieg und gelangt dann zum Großen Seefeldsee. Ich liebe es, inmitten der steilen Felsen am Ufer zu sitzen und dem regelmäßigen Klingen der Kuhglocken zuzuhören. Auf dem Rückweg belohne ich mich mit einem kühlen Bier auf der Pranterstadelhütte. Und nicht zu vergessen: die Kneippstationen am Großbergbach – eine Wohltat für müde Füße.“ Judith Piazza, 31, Snowboardlehrerin

Wo es urig ist „Ein Geheimtipp ist der Weitenberger See. Ich mag das urige, raue Pfunderer Tal, besonders am frühen Morgen, wenn wenige Leute unterwegs sind. Das Auto parkt man am besten in Dun im hintersten Pfunderer Tal. Der Weg führt über den Grindlbergsee und dann weiter zum Weitenberger See. Hier ist man wirklich für sich. Hier ist das, was man oft vergebens sucht: Stille. Es ist eine fordernde Wanderung, aber es lohnt sich. Besonders wenn man beim Abstieg auf der Weitenbergeralm einkehrt. Hier gibt es sogar eine kleine Sennerei mit Almkäse, Joghurt und Butter.“ Anna Volgger, 64, Wanderleiterin & Waldbaden-Expertin

Höhe: 2 479 m Wanderstrecke: 17 km Baden: nicht empfohlen

Höhe: 2 271 m Wanderstrecke: 15 km Baden: nicht empfohlen

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Der perfekte Schnappschuss … Die Südtiroler Fotoblogger Judith Niederwanger und Alexander Pichler verraten ihre Tipps, um Stimmungen und das Licht der Dolomiten einzufangen

Tiefschneefahrt bei der Piste Hinterberg im Skigebiet Jochtal, Instagram-Foto von Michael Grossrubatscher (@michael_n_granruaz).

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Das schönste Leserbild Mit den starken Weiß-BlauKontrasten bringt das Bild die Atmosphäre eines perfekten Skitags zum Ausdruck, man kann beinahe den Pulverschnee unter den Skiern spritzen hören.

TIPP #1 Über die Schulter geschaut Bei dieser etwas anderen Art von Bildgestaltung wird dem Betrachter das Gefühl vermittelt, hautnah beim Geschehen dabei zu sein. Die Position und die Blickrichtung der Wanderin verleihen dem Bild automatisch mehr Tiefe und Räumlichkeit – und die Daheimgebliebenen werden so durch das Bild geführt.

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TIPP #2 Augen auf! Südtirol ist bekannt für seine berühmten Fotospots wie die Seiser Alm oder den Pragser Wildsee. Aber es gibt noch viele weniger bekannte Orte, die genauso attraktiv zum Ablichten sind. Einer dieser besonderen Orte ist Schloss Gernstein, das in einem kleinen Seitental bei Klausen thront. Also einfach bei der nächsten Wanderung die Augen noch bevor offen halten, vielleicht entdecken Sie ja etwas Neues.

www.roterrucksack.com

Schicken Sie uns Ihre besten Shots!

TIPP #3 Stimmung einfangen Es ist faszinierend, wie sich bei Sonnenauf- und Sonnenuntergang minütlich das Licht ändert. Wichtig: mit einer App nachschauen, wann und wo die Sonne auf- bzw. untergeht. Um verwackelte und unscharfe Bilder zu vermeiden, verwendet man am besten ein Stativ. Und blicken Sie auch mal hinter sich – dort taucht

T H E L O C A L M AG A Z I N E

Judith Niederwanger und Alexander Pichler betreiben gemeinsam das erfolgreiche Blog „Roter Rucksack“. Auf der gleichnamigen Facebook-Seite haben sie fast 16  000 Fans, auf Instagram über 11  000 Abonnenten. 2019 veröffentlichten sie das Buch „Die schönsten Touren und Fotospots in Südtirol“ (Raetia, 4. Auflage), außerdem publizieren sie regelmäßig Kalender mit ihren schönsten Bildern.

3 das Licht die Landschaft ebenfalls in ganz besondere Farben. Die Dolomiten leuchten besonders schön bei Sonnenuntergang.

Posten Sie Ihre Bilder aus Brixen, Gitschberg Jochtal, Klausen, Lüsen oder NatzSchabs mit dem Hashtag #cormagazine auf Instagram (oder schicken Sie sie an info@cormagazine.com)! Auch im nächsten Heft drucken wir wieder ein ausgewähltes Leserbild ab.


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Foto: J. Eheim / Oehler

mybrixen.com

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COR - The Local Magazine #3 (DE)  

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