In Oldenburg entschied sich Angela Denoke, in den Erinnerungen, mit denen der Dichter Hoffmann von seinen vergangenen und gescheiterten Lieben erzählt, aus den fiktiven und projektierten Frauen lebende Gestalten zu machen (…) Auch bei den Damen zeigte sich viel von der Handschrift Denokes (als mehrfach preisgekrönte Sopranistin), die es meisterhaft verstand,mit der Künstlichkeit des Singens psychologisch durchgestaltete glaubwürdige Frauengestalten zu zaubern.« (nmz, 28.04.2025)
Denn sonst hätte dieses Werk des damals gerade 25-jährigen Johann Wolfgang Goethe seit seiner Veröffentlichung im Jahre 1774 sich nicht bis in die heutige Zeit einer so breiten Rezeption erfreut. Es ist die Geschichte des jungen Werther, der nach Wahlheim kommt, dort Lotte, die Tochter des verwitweten Amtmanns kennenlernt, die seit dem Tode der Mutter ihre acht jüngeren Geschwister aufzieht. Während einer abendlichen Gesellschaft kommen Werther und Lotte einander näher – beim Tanzen, vor allem aber bei Naturbetrachtungen, die beide eine Ode des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock assoziieren lässt; für Werther ein Zeichen von Seelenverwandtschaft. Als Lottes Verlobter Albert von seiner Geschäftsreise zurückkehrt, freundet er sich mit Werther an, der Wahlheim fluchtartig verlässt, als er von Lottes Versprechen am Sterbebett der Mutter erfährt, Albert zu heiraten. Werther erhält einen Posten bei Hofe, bei dem er seine Außenseiterrolle als Bürgerlicher sehr unangenehm zu spüren bekommt. Er verlässt den Hof und kehrt zurück nach Wahlheim, wo Charlotte und Albert inzwischen geheiratet haben. Lotte spielt mit Werthers Gefühlen. Beflügelt durch den Dorfklatsch und Alberts Wunsch bittet Lotte Werther, seine Besuche einzuschränken, doch schon am nächsten Tag wird er wieder vorstellig. Als er Lotte aus seiner Ossian-Übersetzung vorliest, werden beide an die Klopstock-Situation zu Beginn ihrer Bekanntschaft erinnert. Werther küsst Lotte, die sich jedoch wehrt. In einem letzten Brief an Lotte äußert Werther, dass er hofft, sie in einem anderen Leben wiederzusehen. Um Mitternacht vor Heiligabend erschießt er sich mit einer von Albert ausgeliehenen Pistole.
Goethes »Werther« gilt als herausragendes Werk des Sturm und Drang, einer literarischen Richtung während der Zeit der Aufklärung –hier soll als Stichwort Immanuel Kant und sein Postulat vom »Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit« mittels seines Verstandes genügen. Literatur solltedie Leser:innen moralisch und verstandesmäßig bilden. »Werther« wurde sofort nach seinem Erscheinen ein Bestseller. Einige kritische, vornehmlich bürgerlichen Stimmen fühlten sich in ihrem moralischen und religiösen Weltbild durch den »Werther« gestört und sahen eine besondere Gefahr des Romans darin, dass er gerade den jungen Leser zum Suizid verführen wolle (das Gerücht um die Selbstmorde, die der »Werther« ausgelöst haben soll, ist inzwischen widerlegt). Die Mehrheit der Leser:innen jedoch feierte das Werk und löste eine wahre »Werther-Manie« aus, die neben einem bestimmten Kleidungsstil –blauer Frack mit gelber Weste – sogar frühe Formen von Fan-Artikeln hervorbrachte: Von Geschirr mit bildlichen Darstellungen bestimmter Szenen bis hin zum Parfum. Was aber löste diese Begeisterung aus? Vielleicht kann man es mit dem Schriftsteller und Goethe-Zeitgenossen Jakob Michael Reinhold Lenz auf den Punkt bringen, der Werthers Verdienst darin sieht, »dass er uns mit Leidenschaften und Empfindungen bekannt macht, die jeder in sich dunkel fühlt, die er aber nicht mit Namen zu nennen weiß.« Was aber macht den »Werther« so zeitlos, dass Künstler:innen und Wissenschaftler:innen aller Jahrhunderte bis in die Gegenwart –auch außerhalb des deutschsprachigen Raums – eine Auseinandersetzung als gewinnbringend für ihre jeweilige Zeit erachteten? Da gibt es zu Beginn des 19. Jahrhunderts Napo-
EINES GENIALEN
STOFFES
leon, der eine Ausgabe des »Werther« in seiner Feldbibliothek mit sich führte und 1808 Goethe sogar zu einem persönlichen Treffen einlud. In die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts fällt die Oper von Jules Massenet, die sich in einen reichen Kanon verschiedener GoetheKompositionen in Frankreich einreiht. Ulrich Plenzdorfs Adaption des Stoffes in die damalige DDR-Gegenwart aus den 1970er Jahren, die »Werther«-Oper von Hans-Jürgen von Bose, die 1986 uraufgeführt wurde oder die Bearbeitung des Plenzdorf-Stückes 2007 durch Jürgen Eick, um nur einige Beispiele zu nennen.
Goethe in Frankreich
Aber bleiben wir im 19. Jahrhundert. In keinem anderen Land sind so viele erfolgreiche Opern nach Texten Goethes geschrieben worden, wie in Frankreich – zu den bekanntesten gehören sicher Charles Gounods »Faust« und Ambroise Thomas‘ »Mignon«. Bereits ein Jahr nach seiner Veröffentlichung erschien Goethes »Werther« in französischer Übersetzung. Über die »Geburtsstunde« der Oper »Werther« gibt es verschiedene Berichte. Einer davon besagt, dass der Librettist Paul Milliet den Roman für einen idealen Opernstoff hielt, da die Fülle an starken, kontrastierenden Emotionen bedeutender sei, als die Anzahl äußerer Handlungen, wie er es formulierte. Für Milliet stand dabei das menschliche Drama im Mittelpunkt, also die Möglichkeiten der Innenschau – und dabei weniger die psychologische Feinzeichnung als vielmehr die starken Gegensätze zwi-
schen heftigster Leidenschaft und tiefster Verzweiflung. Was uns heute auf den ersten Blick als größte Schwierigkeit bei der Umwandlung eines Briefromans in ein dramatisches Geschehen erscheint, zumal es weder Gegenbriefe noch eine einheitliche Erzählhaltung gibt, bedeutete für Milliet die besondere Eignung des Stoffes für die Opernbühne, die zusätzlich noch über das Medium Musik verfügt, um Stimmungen und Gefühle wiederzugeben. »Ich habe die Theorie entwickelt, dass der Musiker nicht die Stücke mit vielen Ereignissen suchen soll, sondern nur solche, die voller menschlicher Leidenschaften sind. Das Hauptinteresse für einen Komponisten ist die Entwicklung von Gefühlen in einer bestimmten Umgebung. Die Personen müssen sich im Konflikt ihrer gegenseitigen Leidenschaften bewegen, ohne die Ereignisse, die außerhalb ihrer selbst stattfinden, zu berücksichtigen«, so Milliet 1903 in einem Interview. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts war auch in Frankreich das Spannungsfeld zwischen Individualität und Norm, »sensibilité« und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen sowie zwischen Romantik und bürgerlicher Verantwortung noch bestimmend.
»Empfindsamkeit« ist ein Stichwort, anhand dessen sich das anhaltende Interesse am Stoff recht gut zeigen lässt. Bei Goethe wird die Situation, in der Werther und Lotte bei gemeinsamer Naturbetrachtung beide an dieselbe Ode Klopstocks denken und damit ihrer Seelenverwandtschaft Ausdruck verliehen
wird, ausführlich geschildert. Klopstock, etwa 25 Jahre älter als Goethe, gehörte zu den wichtigen Wegbereitern des Sturm und Drang und hatte als Vertreter der »Empfindsamkeit« den Begriff der »Innerlichkeit« geprägt, womit er das bezeichnet, was sich im Inneren einer Person an Gefühlen und Gedanken abspielt, also das, was eine Persönlichkeit ausmacht. Obwohl seine Schaffenszeit weitestgehend mit der Aufklärung zusammenfällt, gehört er zu den Irrationalisten, also zu einer Strömung, die die Vernunft als alleiniges Mittel der Welterkenntnis ablehnte und stattdessen eben auch Gefühle oder Intuition für einen solchen Erkenntnisprozess notwendig erachtete. Doch schon in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, also zur Entstehungszeit der Oper, war ein Verweis auf Klopstock längst nicht mehr so bedeutsam und wirkmächtig, wie in der Entstehungszeit des Romans; Innerlichkeit, Traum und Sehnsucht waren in der Romantik längst feste Bestandteile von Lebensrealitäten. Und so verkürzt sich die Klopstock-Situation in Goethes Roman bei Massenet zur simplen Erwähnung des Namens, die auch noch dem der Oper hinzugefügten komischen Figurenpaar Brühlmann und Käthchen. Der Amtmann kommentiert das mit einem »Bavard!« –»Schwätzer!«, womit eine ernsthaft emotional aufgeladene Situation der Goethe-Zeit als kleine komische Brechung Eingang in die Oper findet. Überhaupt verhandelt das »Team Massenet« Aspekte aus Goethes Romanvorlage ganz auf der Höhe seiner Zeit. Zugunsten der Dramatisierung des Stoffes konzentriert sich das Geschehen weitestgehend auf Werther und Charlotte. Es werden Nebenfiguren eingeführt und vor allem bekommt die Figur der Charlotte eine ganz eigene Bedeutung. Es ist ihre innere Entwicklung, die das Drama vorantreibt, nicht dieser so merkwürdig statische Werther, der zwischen rasender Verliebtheit und tiefster Verzweiflung oszilliert. Ein Szenario, das durchaus auch heute im 21. Jahrhundert noch funktioniert: Die Geschichte einer jungen Frau, die durch psychologischen und gesellschaftlichen Druck so selbstverständlich dem folgt, was von ihr erwartet wird, dass ihr eigenes Leben dabei auf der Strecke bleibt. Antje Müller
Oper von Jules Massenet. Libretto von Edouard Blau, Paul Milliet und Georges Hartmann
Nach dem Roman Die Leiden des jungen Werther von Johann Wolfgang Goethe In französischer Sprache mit deutschen Übertiteln.
Mit: Paride Cataldo / Jason Kim, Anna Dowsley / Dorothee Bienert, Stephanie Hershaw / Penelope Kendros, Arthur Bruce, Seungweon Lee, Seumas Begg, Irakli Atanelishvili, Andreas Lütje, Daniela Köhler
Musikalische Leitung: Vito Cristofaro | Regie: Kai Anne Schuhmacher | Bühne: Dominique Wiesbauer | Kostüme: Valerie Hirschmann | Studienleitung: Paul Plummer | Leitung Kinderchor: Marija Jokovic | Licht: Steff Flächsenhaar | Dramaturgie: Antje Müller
UNSERE WILDEN JAHRE –AS WI WILD WEERN
Erstaufführung des Kinderstückes in hoch- und plattdeutscher Sprache
Plattdeutsches Kindertheater ist ein spannendes Feld – es verbindet Sprache, Kultur, Identität und ästhetische Bildung auf eine Weise, die für junge Menschen sehr bereichernd sein kann. Kinder, die mit mehr als einer Sprache oder Sprachvariante in Berührung kommen, entwickeln oft ein feines Sprachgefühl und ein intuitives Verständnis für unterschiedliche Lebensentwürfe und Perspektiven.
So geht es auch den Geschwistern Jim und Liv, die auf einer Farm mitten in der Natur aufwachsen. Sie streifen durch die Wälder, begegnen Füchsen, Eulen und Dachsen und erleben die Natur in all ihrer Schönheit und Härte. Jim liebt das Landleben und will später den Hof übernehmen, während Liv lieber malt und zeichnet. Doch als sie älter werden, entfremden sie sich immer mehr. Liv zieht schließlich in die Stadt, während Jim auf der Farm bleibt und die ganze Arbeit allein stemmt. »Unsere wilden Jahre« ist eine märchenhafte Erzählung über Freundschaft, Verlust, Geheimnisse, Befreiung und die Wiederentdeckung des Guten.
Den bodenständigen Jim spielt Michel Brandt, der seine Liebe zum Theater am Jugendclub des Oldenburgischen Staatstheaters entdeckte und dann nach Schauspielausbildung und einem langen Engagement am Staatstheater Karlsruhe nun
wieder in seine Heimatstadt Oldenburg zurückkehrt. Die künstlerisch veranlagte Liv spielt Sofie Juncker. Unterstützt von der Live-Musik von Dominik Dittrich entfaltet sich eine von der bildenden Künstlerin und Bühnenbildnerin Anna Myga Kasten gestaltete Pop-up-Landschaft. Es entsteht eine vielschichtige Geschichte über Zugehörigkeit, Natur und Wiederverwilderung. Für die Schauspielerin Julia Friede ist diese Inszenierung ihr Regie-Debüt am Oldenburgischen Staatstheater. Geschrieben wurde »When we were wild«, wie das Stück im englischen Original heißt, von Charles Way. Geboren 1955 in Devon, begann er früh, Stücke für junge Menschen zu schreiben. Way ist bekannt für seine humane, metaphorische und oft musikalische Erzählweise, die gesellschaftliche Themen aufgreift, ohne zu belehren. Auch international werden seine Stücke häufig nachgespielt, so auch am Jungen Staatstheater 2012 mit dem Stück »Verschwunden – Looking for Gretel«. Eine intensive Zusammenarbeit verbindet ihn mit dem Cahoots Theatre in Belfast, Nord Irland. Dort wurde »When we were wild« 2023 uraufgeführt und erlebt nun seine deutschsprachige und niederdeutsche Erstaufführung in Oldenburg.
Matthias Grön
UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN [8+]
Wie lassen sich demokratische Kompetenzen junger Menschen in der Theaterarbeit stärken? Nicht zuletzt, indem wir uns als Theaterschaffende und Lehrende damit auseinandersetzen, was um uns herum passiert. Wir können lernen Konflikte auszuhalten, eine klare Haltung zu zeigen und trotz roter Linien in Kontakt zu bleiben. Das Forum für Theaterpädagogik soll dafür wichtige Impulse geben.
Zum Auftakt des Forums wirft Jannik Skorna für uns einen Blick über den Theater-Tellerrand.
Er hat Sport und Politische Bildung auf Lehramt studiert und ist freiberuflicher Bildungsreferent sowie Projektkoordinator für den IVF (Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball). Zudem arbeitet er an der BTU Cottbus-Senftenberg in der Lehrkräfteausbildung. Seine Themenschwerpunkte sind Demokratiebildung, Antidiskriminierungsarbeit, politische Bildung im Sport und die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus.
Im Anschluss stehen drei Workshops zur Wahl.
Von Charles Way Deutsch von Michael Raab Niederdeutsch von Annegret Peters
Premiere: Sonntag, 9.11.2025 | 16:00 Uhr | Spielraum Mit: Sofie Junker, Michel Brandt und Dominik Dittrich Regie: Julia Friede | Bühne & Kostüme: Anna Myga Kasten | Musik: Dominik Dittrich | Dramaturgie: Matthias Grön | Theatervermittlung: Lina Joost-Krüger | Soufflage und Sprachcoaching: Inge Stiewe / Annegret Peters
DEMOKRATIE UND VIELFALT –
GEMEINSAM MIT THEATER DEMOKRATIE GESTALTEN
Freitag, 21. November 2025
1. Workshop – Perspektiven im Gespräch Wie kann ein Gespräch funktionieren, wenn der Inhalt des Gesagten für mich grenzüberschreitend ist? Was verschafft mir Sicherheit im Zeigen einer klaren Haltung und wie lässt sich in Kontakt bleiben, auch wenn die Fronten verhärtet sind?
Leitung: Stephanie Trapp, Schauspielpädagogin und Kommunikationstrainerin
2. Workshop – Politische Themen auf der Bühne Politik prägt unseren Alltag, unsere Konflikte und unsere Identität. Politische Bildung setzt genau hier an: bei den Erfahrungen, Fragen und der Lebenswelt der Teilnehmenden. Die partizipativen Methoden der Theaterpädagogik ermöglichen aktives Mitmachen und Mitgestalten und machen politische Bildung so zu einem demokratischen Prozess. Gleichzeitig schafft Theater einen Raum für Erfahrung, Empathie und Perspektivwechsel.
3. Workshop – Im Netz der Lügen: Desinformation verstehen und entlarven
Desinformation begleitet die Menschheit seit der Antike. Heute verbreitet sie sich rasanter denn je über soziale Medien, Algorithmen und Fake-Profile. Der Workshop gibt Einblicke in Geschichte, Techniken und aktuelle Beispiele von Fake News. Gemeinsam lernen wir, wie Falschinformationen funktionieren.
Leitung: Łukasz Ławicki, Regisseur
Anmeldungen bis zum 14.11. an: mitmachen@staatstheater.de
Teilnahmegebühr: 50€ (ermäßigt 20€) inkl. Kaffee und Mittagessen
» WAHRHEIT IST EIN RIESIGER BEGRIFF«
Der Dramatiker Lars Werner zur Uraufführung seines Stückes »DAS ENDE DES WESTENS«
»Das Ende des Westens« hast du als Auftragswerk für unser Format DigitEx geschrieben. Wir treffen darin auf eine junge Frau, die in einer russischen Trollfabrik arbeitet, begleiten eine designierte US-Außenministerin, begegnen einem KGB-Agenten, der in der DDR der 1980er Jahre stationiert ist und erleben eine Geiselnahme Moskauer DubrowkaTheater 2002 – was haben all diese verschiedenen Orte, Kontexte und Figuren für dich miteinander zu tun?
Die haben sich durch die Recherche ergeben. Madeleine Albright war die erste US-Politikerin, die Putin traf, sie hat ihn sehr gut eingeschätzt. Putin war als junger KGB-Major in der DDR stationiert, noch dazu in meiner Geburtsstadt Dresden, und erlebte dort prägende Jahre während des Mauerfalls. Beide stehen sich im Text aber auch sinnbildlich gegenüber. Madeleine steht für die faktenbasierte Welt, Ruhe und Gelassenheit, Putin für die Fälschung, das Chaos.
Ausgangspunkt aller Fragen war aber die Internet Research Agency. Die Agentur beeinflusste z.B. die US-Wahlen 2008 mit Desinformation. Da saßen Student:innen und trollten die Welt, schrieben aus der Sicht verschiedener politischer Lager und tranken dann Kaffee. Das hat mich jahrelang nicht losgelassen. So kam die Figur Sascha aufs Papier. Ich wollte sie aber als Versehrte des russischen Systems zeigen. Dadurch stieß ich auf die Geiselnahme in Moskau: einen der Momente, wo man das erste Mal einen Schimmer davon sah, was Putin werden sollte. So ist alles miteinander verzahnt.
Deinen Schreibstil kennzeichneten in der Vergangenheit oft dialogische Stücke, in denen Figuren psychologisch erzählt werden – was hast du bei »Das Ende des Westens« anders gemacht?
»Das Ende des Westens« ist eher eine dramatische Erzählung, unterbrochen durch Dialoge, behauptete O-Töne, Abschweifungen. Dabei haben die Erzähler:innen selbst eine Absicht mit ihrer Geschichte, verführen zu Schlussfolgerungen, fälschen und lügen. Je weiter ich recherchierte, umso mehr ergab sich die Form einer Art atemlosen Weltansicht voller Einzelheiten und Details.
Als politischer Autor hast du dich in diesem Stück weltpolitischen Themen angenommen. Fehlen dir diese globalen Perspektiven auf deutschsprachigen Bühnen? Ich finde, sie fehlen nicht. Die Bühnen stellen sich Herausforderungen wie KI, Klima und Rechtsruck unentwegt. Was mir manchmal zu viel ist, sind Stücke, in denen Rechte und Demagogen lediglich Witzfiguren sind, über die sich mit entspannter Distanz lachen lässt. Die, die unsere Gesellschaft grundlegend weghaben wollen, sitzen neben uns, beeinflussen uns, sind Teil von uns, und freuen sich, wenn man sie nur für irgendwie lustig schrullig hält.
Im Stück beschreibst du, wie am laufenden Band frei erfundene Geschichten in die Welt gesetzt werden. Gibt es für dich noch so etwas wie Wahrheit? Wahrheit ist so ein riesiger Begriff. Wenn ich Wahrheit jetzt mal im politischen Sinn als System der Urteile und Annahmen sehe, die sich gegenseitig stützen, wenn sie nicht im Widerspruch zueinanderstehen, dann gab es geschichtlich eigentlich wenige Zeitpunkte, wo dieses System nicht befragt, bekämpft oder verurteilt wurde. Ein großer Teil menschlichen Fortschritts beruht darauf, dass z.B. Forscher:innen, Aktivist:innen und Künstler:innen nicht damit einverstanden waren, was die Wahrheit sein soll. Leider wurde dieses Infragestellen gekapert mit dem Willen einen Rückschritt einzuleiten. Da Sehen / Zeug:innenschaft vermehrt digital stattfindet und der Realitätsgehalt von Bildern im Web mittlerweile völlig wankelmütig geworden ist, müssen wir uns mehr denn je anstrengen, Fälschungen zu erkennen. Quellen müssen geprüft werden, Institutionen auf politische Bias, also ihre Voreingenommenheit bedingt durch das System, befragt etc. Genau hier werden Demagog:innen tätig. Sie wissen: In ihrem Alltag haben die wenigsten Menschen Zeit für diese Dinge. Sie haben sich darum auf Formate und Institutionen verlassen. Wenn es bis zum Präsidenten der USA diesen Verlass in größerem Umfang als je bisher nicht mehr gibt, dann sehe ich die Gefahr, dass sich viele in ihre kleinere evidente Welt zurückziehen (die durch weitere Ausschlüsse, Lügen und Abmachun-
gen konstruiert ist) und wir unsere Abmachungen, was Welt ist, nach und nach verlieren. Dem gegenüber stehen aber ganz konkrete Wahrheiten wie die Klimakatastrophe, die nach und nach alle erreichen wird, egal, welche Bilder und Geschichten zu ihr im Umlauf sind. Vielleicht ist die Rettung der Wirklichkeit also die Katastrophe, oder eben der letzte Sprengstoff.
Sascha, eine deiner Hauptfiguren, entscheidet sich für den Widerstand – und scheitert. Glaubst du an die Möglichkeit von politischem Widerstand, und wenn ja, was gibt dir Hoffnung?
Die meisten meiner Stücke handeln mehr oder weniger von Widerstand in (neo-)faschistischen, und /oder restriktiven Systemen. In manchen Stücken »gewinnen« Leute ihren Kampf ein bisschen, in manchen nicht. Immer aber geht es weiter. Sascha ist, wie viele andere in Russland auch, von der Regierung geschädigt worden. Sie ist angewiesen auf einen miesen Job, lebt in Angst vor Verfolgung und Kontrolle. Aber sie beginnt dennoch zu handeln. Darin sehe ich kein Scheitern. Darin sehe ich Chance und Hoffnung auf eine Zukunft ohne Regime und ihre Herrscher.
Die Fragen stellten Pau Hoff und Reinar Ortmann
DAS ENDE DES WESTENS
Von Lars Werner
Premiere: Samstag, 15.11. | 20:00 Uhr | Exhalle
Regie: Łukasz Ławicki
Ausstattung: Nina Aufderheide
Dramaturgie: Reinar Ortmann, Pau Hoff
Programmierung: Jakob Geffert
Mit: Konstantin Gries, Tobias Schormann, Katharina Shakina, Tamara Theisen
Termine:
Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt und den Deutschen Literaturfond e.V.
DAS MONSTER IN MEINEM PC
Schau mal, der Kommentar hier. Wenn ich sowas lese, werde ich richtig wütend!« »Zeig mal! Ach, das … das ist nur ein Troll. Am besten ignorieren.«
So habe ich vor einigen Jahren zum ersten Mal von Trollen gehört. Mein erster Gedanke: Was macht ein Monster in meinem Computer – und aus welcher Höhle ist es gekrochen?
Heute weiß ich: Der Internet-Troll hat mit dem Fabelwesen wenig gemeinsam. Das Wort Troll stammt aus dem Englischen und bezeichnet ursprünglich einen Angelköder – etwas, das man auswirft, um Fische anzulocken. Und genau das ist es, was auch regelmäßig im Netz passiert.
Trolling bedeutet, absichtlich falsche oder absurde Aussagen online zu verbreiten, um Aufmerksamkeit zu erregen – also zu »ködern«. Manchmal ist das harmlos – ein bisschen Unfug oder Nonsens: »Ich liebe es, wenn es regnet, aber nur, wenn die Sonne scheint.« Doch wie der Fisch den Köder nicht erkennt, merken viele nicht, dass sie einem Troll auf den Leim gehen. Aus absurden Aussagen wird plötzlich eine vermeintliche Wahrheit.
Was als Scherz Einzelner begann, findet heute regelmäßig und strategisch statt. Trolle sorgen mit provokanten Kommentaren und Beiträgen für Reichweite, selbst wenn der Inhalt falsch ist. Der Algorithmus der Sozialen Medien wiederum
liebt diese Aufregung: Likes, Widerspruch, Empörung, Kommentare über Kommentare – alles zählt als Interaktion. Weshalb diese Beiträge häufig weiteren Nutzer:innen angezeigt werden, denn schließlich muss dieser Inhalt gerade von hoher Relevanz sein. Besonders effektiv ist das sogenannte »Rage Baiting« (»Wutködern«): Beiträge, die absichtlich Empörung auslösen und sich so rasend schnell verbreiten.
Trolling kann aber auch das genaue Gegenteil. Gezielte Attacken können dazu dienen, Inhalte unsichtbar zu machen –etwa durch Hashtag-Fluten, die die Plattformen verwirren. So erscheinen plötzlich unter dem #Kunstfreiheit auch Katzenbilder, Werbung für Krypto-Währungen und Sportnews. Die eigentlichen Inhalte sind nicht mehr auffindbar. Weitere Trolling-Methoden sind gefälschte Bilder und Videos, Drohungen oder sogenanntes »Doxing«, also das ungewollte Veröffentlichen privater Daten wie z.B. der Adresse. Nicht immer steckt dahinter ein Mensch, sondern teilweise Social Bots, die automatisiert posten und kommentieren – Tag und Nacht.
Gefährlich wird es, wenn staatliche Akteure Trolling einsetzen. Das passiert gegenwärtig in »Troll-Fabriken«. Darunter verstehen sich callcenterartige Organisationen, die gezielt regimetreue Informationen verbreiten. 2019 deckte die finnische Investigativjournalistin Jessikka Aro ein russisches Trollnetzwerk auf, das pro-russische Nachrichten verbreitet, um öffent-
liche Meinungen und Wahlstimmun gen zu beeinflussen. Sie enthüllte Aktivitäten die nicht nur gegnerische Parteien und Oppositionelle angreifen, sondern auch auf demokratische Systeme generell abzielen. Einer der größten Stützpunkte dieser »Troll-Armee«, wie Aro sie taufte, liegt zum Beispiel in Sankt Petersburg. Hier befindet sich die »Internet Research Agency«, in der menschliche Akteur:innen sowie Bots daran arbeiten, die falschen Nachrichten zu verbreiten und Gegner:innen einzuschüchtern. Was also tun? Gegen systematisches Trolling wie in den Fabriken braucht es politische Maßnahmen, Regulierungen und Transparenz. Doch im Alltag kann jede:r selbst etwas beitragen – durch Aufmerksamkeit. Zwar ist es wichtig, seine eigene Haltung zu zeigen, doch man sollte sich nicht in endlose Diskussionen verwickeln lassen, also »den Troll nicht füttern«. Falschinformationen sollten außerdem unbedingt bei den Plattformen gemeldet werden. Und das Wichtigste: Sich mit dem Thema auseinandersetzen. Zum Beispiel über unsere Inszenierung »Das Ende des Westens«.
Ramona Itzeck
EIN NEUES GESICHT
Paul Enev über das Ankommen in Oldenburg und seine Rolle in »Ein Volksfeind«
Der Arzt Tomas Stockmann macht eine folgenschwere Entdeckung: Das Wasser des örtlichen Heilbades ist verseucht. Als Wissenschaftler und Erfinder des Bades hat er keine Wahl – er muss die Ergebnisse veröffentlichen. Von dieser Notwendigkeit zutiefst überzeugt, versucht er, seinen Bruder, den Bürgermeister Peter Stockmann, zu dem nötigen Umbau zu bewegen. Doch der wertet das Vorhaben als Angriff auf seine Autorität und spinnt eine Intrige gegen Tomas. Bald geht der Konflikt über die Grenzen eines Bruderzwists hinaus – denn der Wohlstand der ganzen Stadt fußt auf dem finanziellen Erfolg des Heilbades. Innerhalb kürzester Zeit hat Tomas auch die Presse und in der Folge die gesamte Stadtgesellschaft gegen sich. Im Spannungsverhältnis von Lüge und Wahrheit kommt es zu einer dramatischen öffentlichen Abstimmung mit ungeahnten Folgen.
Ibsen geht mit seinem 1883 uraufgeführten Drama Fragen nach, die heute wieder eine brisante Gültigkeit haben: Welcher Wahrheit glauben wir, wenn es um unser eigenes Wohl geht? Was bedeutet Demokratie in einer Gesellschaft, in der Meinungen mehr zählen als Fakten? Und ist die gesellschaftliche Mehrheit automatisch im Recht? Eine packende Geschichte, die die Fragilität gesellschaftlichen Zusammenlebens entlarvt.
Die Dramaturgin Elisabeth Kerschbaumer hat mit dem neuen Ensemblemitglied Paul Enev über sein Ankommen in Oldenburg und seine Rolle Hovstad in »Ein Volksfeind« gesprochen.
Hallo Paul, du bist mit dieser Spielzeit als neues Ensemblemitglied zu uns gestoßen. Was sind deine ersten Eindrücke von Oldenburg?
Schon als ich noch vor den Theaterferien für meine ersten Produktion hier angefangen habe zu proben, habe ich in diversen Nachrichten an meine Liebsten erzählt, wie schön die Atmosphäre hier ist. Es gibt so viele offene und interessierte Menschen. Auch die Stadt ist für mich optimal. Ich bin in eine schöne Wohnung gezogen, habe es nicht weit zum Theater und in die Innenstadt, durch die man wunderschön flanieren kann.
Was waren deine bisherigen Stationen?
Ich bin gebürtiger Berliner. Mein Vater ist Bulgare, meine Mutter kommt aus dem nördlichen Ostdeutschland. Mit 16 habe ich in der Schule angefangen Theater zu spielen. Dann habe ich an Aufnahmeprüfungen für Schauspielschulen teilgenommen, das hat erstmal nicht geklappt. Nach drei Jahren, in denen ich in der freien Theaterszene gespielt habe, bin ich an der Kunstuniversität Graz angenommen worden. Meinen Berufseinstieg hatte ich am Landestheater Detmold und bin von dort jetzt nach Oldenburg gekommen.
In deinem ersten Stück »Lügen lernen« ging es um den Umgang mit der Lüge. Auch in »Ein Volksfeind« taucht das Thema Wahrheit/Lüge auf.
In »Ein Volksfeind« stehen sich die vermeintlichen Pole Wahrheit und Lüge in Form von zwei Brüdern gegenüber – Tomas, der sagt, das Wasser der Kuranstalt sei vergiftet und Peter, der das nicht glaubt. Aber glaubt er es wirklich nicht, oder ist das eine Lüge? Oder hat er sich selbst schon so lange belogen, dass er die Lüge gar nicht mehr erkennt? Oder spielt für ihn Lüge und Wahrheit eigentlich gar keine Rolle?
In »Lügen lernen« fand ich die Frage spannend, wann es wichtiger ist, im Diskurs zu bleiben, anstatt eine Lüge aufzudecken und damit den Diskurs zu beenden. Ich bin jemand, der sich sehr dagegen wehrt, ideologisch zu werden, weil ich finde, dass man jedes Thema immer aus mehreren Perspektiven betrachten sollte.
Du spielst in »Ein Volksfeind« die Rolle Hovstad, ein Zeitungsredakteur. Was macht diese Rolle reizvoll?
Vielleicht die »Dreigeteiltheit« der Rolle. In der ersten Szene tritt er als alternativer, revolutionärer Kumpel des Protagonisten Tomas Stockmann auf. Später fragt man sich, ob er das alles nur unterstützt hat, um an die Tochter Stockmanns heranzu-
IM SCHAUSPIEL-ENSEMBLE
kommen. Und noch später ist er dann der Meinung des Bürgermeisters. Er ist Opportunist, ein Mitläufer – und dadurch aber so, wie Menschen eben oft sind. Ich glaube, wir alle kennen das, dass wir Sachen, die wir gesagt haben, dann in anderen Kontexten auch wieder revidieren.
Was spielst du lieber: den Bösewicht oder den Helden? Ich spiele alles gern, was die »Moral der Geschichte« vorantreibt oder sichtbar macht. Das kann der Held sein, aber auch der Bösewicht, der sich dagegenstellt. In diesem Kontext ist das Herausfordernde an der Rolle Hovstad, dass er sich immer zwischen den Dingen positioniert. Es ist einfacher, eine klare Position zu spielen.
Auf welche Produktion freust du dich diese Spielzeit am meisten?
Tatsächlich war eine der Produktionen »Ein Volksfeind«. Das hängt auch damit zusammen, dass ich davon vor vielen Jahren eine Inszenierung von Thomas Ostermeier an der Berliner Schaubühne gesehen habe und diese Aufführung mich geprägt hat. Aber ich freue mich auch auf »Shockheaded Peter«, weil ich eine große Begeisterung fürs Singen und einen thematischen Zugang zum Stoff habe.
EIN VOLKSFEIND
Von Henrik Ibsen
Premiere: Samstag, 22.11.25 | 20:00 Uhr | Kleines Haus
Einführungssoirée und Probenbesuch: 11.11. | 18:00 | Hauptfoyer
Im Anschluss an die Vorstellung am 7.12. findet ein Publikumsgespräch im Hauptfoyer statt.
Regie: Milena Paulovics | Bühne und Kostüme: Anike Sedello | Musik: Richard Hötter | Licht: Sofie Thyssen |
Dramaturgie: Elisabeth Kerschbaumer
Mit: Paul Enev, Meret Engelhardt/Nadine Nollau, Paulina Hobratschk, Matthias Kleinert, Caroline Nagel, Klaas Schramm, Andreas Spaniol, Jonah Winkler, Statisterie des Oldenburgischen Staatstheaters
Termine: 28.11., 29.11., 7.12., 11.12., 14.12., 19.12., 21.12.2025 sowie weitere.
Gefördert von der Stadt Oldenburg
Impressum Theaterzeitung für Oldenburg und umzu in Zusammenarbeit mit der NWZ
Thorsten Lange schreibt für das Onlinemagazin Kulturschnack. Als Gastautor wirft er in der gleichnamigen Kolumne regelmäßig einen Blick auf Ereignisse und Entwicklungen in der Theaterszene.
BÜHNENLUFT IST RÜCKENWIND
Ich habe großes Glück. Zu meinem Job gehört es, dass ich viele spannende Gespräche mit Menschen führen darf, die besonders klug und kreativ, engagiert und leidenschaftlich oder ein kleines bisschen verrückt sind – oft genug aber alles gleichzeitig. Wenn mir an manchen Tagen mal wieder alles zu viel wird, weil nichts zusammenpassen will und die Klammer der Routine den Alltag nicht mehr zusammenhält, dann sage ich mir immer wieder: Diese Gespräche sind es wert! Gerade durfte ich wieder zwei von ihnen führen, die theoretisch höchst unterschiedlich hätten ausfallen können, letztlich aber große Schnittmengen aufwiesen. Zunächst habe ich ausführlich mit der wunderbaren Annie Heger gesprochen, die ihre Karriere einst am Staatstheater begann, die aber längst auf allen Bühnen Deutschlands zuhause ist. Die Sängerin, Schauspielerin, Kabarettistin und Moderatorin hat – trotz ihrer erst 42 Lebensjahre – beinahe alles erlebt, was man im Showgeschäft erleben kann. Niemand würde es ihr übelnehmen, wenn sie ein Interview routiniert abspulen würde. Aber das Gegenteil war der Fall: Authentisch enthusiastisch erzählte sie davon, was die Bühne ihr bedeutet und wie sie von ihr geprägt wurde. Das Theater sei für sie Raum zur Entfaltung gewesen, es habe ihr Möglichkeiten eröffnet, die andere Lebensbereiche nicht geboten hatten. Das klang so mitreißend und schön, dass ich die ganze Zeit nur dachte: Wieso nur habe ich es damals nicht zum Theater geschafft? Da habe ich was verpasst. Erstaunliche Überschneidungen
Nur einen Tag danach saß mir Svantje Stein gegenüber. Die 18-Jährige ist Teil des Jugendclubs am Oldenburgischen Staats-
ERZÄHL MIR
Wie es sich anfühlt, Theater zu spielen
theater und im November mit »Erzähl mir keine Märchen« in der Exhalle zu sehen. Das gesellschaftskritische Stück über das Patriarchat wurde deutschlandweit bekannt, nachdem die Feministin Nicole Zacharias ein kurzes Video davon auf ihrem Instagram-Kanal veröffentlichte. Es wurde über drei Millionen Mal aufgerufen und bekam fast 200.000 Likes, vor allem aber löste es wichtige Debatten aus. Svantje ist nicht einmal halb so alt wie Annie und hat nur einen Bruchteil ihrer Bühnenerfahrung gesammelt. Theoretisch müsste sie also etwas ganz anderes über das Theater erzählen als die bekannte Entertainerin. Das aber war nicht der Fall. Auch sie hat festgestellt, wie wertvoll ihre Theatererfahrungen sind, wie sehr die Bühne ihr Leben bereichert und wie wichtig ihr es ist, dort ihre Gedanken und Gefühle einzubringen. Das klang so mitreißend und schön, dass ich die ganze Zeit nur dachte: Wieso nur habe ich es damals nicht zum Theater geschafft? Da habe ich was verpasst.
Aber jetzt frage ich mich: Stimmt das eigentlich? Und die Antwort lautet: Jein. Verpasst habe ich zwar die Gelegenheit, im jungen Alter Theatererfahrungen zu sammeln. Schade! Aber: Auch für Erwachsene gibt es in Oldenburg viele Möglichkeiten, als Spätberufene die Bühne zu entern. Da sind zum Beispiel die Erwachsenclubs oder das Stadt:Ensemble des Staatstheaters, die unter professioneller Anleitung erstaunlich elaborierte Ergebnisse liefern. Auch die Niederdeutsche Bühne bietet gute Einstiegsmöglichkeiten für Menschen, die noch keine großen Vorkenntnisse im Schauspiel haben. Darüber hinaus bietet auch das Theater k eine Bürger:innenbühne an, bei der die Beteiligten intensiv in die Stückentwicklung eingebun-
KEINE MÄRCHEN
Jugendclub des Oldenburgischen Staatstheaters
Regie: Klaas Schramm und Christoph Festner | Produktionsassistent: Tom Stellamanns
Mit: Karla Bromberg, Lisa Christians, Ida Hillebrand, Stina Dreier, Theda Aumann, Käte Glabasnia, Senne Kaup, Hewi Ibrahim, Ganita Hamiti, Arjen Darsow, Miranda Helbig, Henri Blumenthal, Svantje Stein
den sind und die in dieser Spielzeit sogar das Theater verlässt und einen Raum am Bahnhof bespielt. Man könnte also sagen: Die Zahl der Angebote ist größer als die Zahl der Ausreden.
Keine Garantien, aber eine Sicherheit Wie gesagt: Ich habe großes Glück. Ich darf Theaterluft schnuppern, obwohl ich mein Schauspieltalent seit der 4. Klasse nicht mehr unter Beweis gestellt habe (und vielleicht auch keines besitze). Und immer wieder erlebe ich, was die Bühne mit Menschen macht, wie sie von ihr tief bewegt oder gar verändert werden – manchmal sogar zweimal innerhalb kürzester Zeit. Das wirkt auf mich jedes Mal inspirierend, erst Recht, weil die Theaterliebe vollkommen altersunabhängig ist. Es gibt zwar keine Garantie, dass Bühnenluft das Leben zum Besseren verändert – ganz sicher aber nicht zum Schlechteren. Denn auch wenn Annie oder Svantje durchaus mal Stressmomente erleben, habe ich in den Gesprächen eines nicht von ihnen gehört: etwas Negatives. Wer also Mitreißendes und Schönes erleben möchte, anstatt damit zu hadern, etwas nicht geschafft zu haben, sollte vielleicht einfach Theater spielen und selbst die Freiheit der Bühne spüren. Möglicherweise sitzen wir uns dann eines Tages gegenüber und sprechen über ein neues Stück. Und ich denke wieder einmal: Diese Gespräche sind es wert!
DREI STARKE PAARE, DREI PERSPEKTIVEN
AUF DIE GROSSE LIEBE:
»Romeo und Julia« zeigt Ballettkunst pur!
Die Besetzungen für die kommenden Vorstellungen von »Romeo und Julia« haben sich geändert.
Tâmara Dornelas und Davide Cesari tanzen die Hauptrollen zum ersten Mal am 17.1.2026 sowie an zwei weiteren Terminen im Juni, die in Kürze in den Vorverkauf gehen.
Die jeweiligen Abendbesetzungen finden Sie über den Link »Karten«, halten Sie den Mauszeiger auf den Link oder halten Sie am Mobilgerät den Link gedrückt, um die jeweilige Abendbesetzung aufzurufen.
PETER EÖTVÖS –W. A. MOZART –ANTONÍN DVOŘÁK
Peter Eötvös’ »Dialog mit Mozart« führt uns in ein faszinierendes musikalisches Gespräch über Zeiten und Stile hinweg. Ausgehend von elf unvollendeten Fragmenten des Salzburger Meisters lässt Eötvös eigene musikalische Gedanken entstehen – ein Spiel mit Andeutungen, Antworten und offenen Fragen. »Manchmal stellte ich Mozart eine Frage und er antwortete mir, manchmal war es umgekehrt«, sagte Eötvös über diese Arbeit. »Ich habe nicht versucht, Mozarts Stil zu adaptieren – aber manchmal seine Musik.«
Mozarts Sinfonie D-Dur KV 504, die sogenannte »Prager«, entstand zwischen »Le nozze di Figaro« und »Don Giovanni«, was man der Sinfonie auch anhört. Die festliche Größe und dramatische Tiefe der Sinfonie machen sie zu einem Meisterwerk der klassischen Sinfonik, mit einem besonderen Merkmal: sie kommt ganz ohne Menuett aus, in Prag damals Mode. Die Prager Sinfonie markiert, folgt man dem Musikwissenschaftler Dietmar Holland, einen deutlichen qualitativen Sprung im Sinfonieschaffen Mozarts, den das Prager Publikum bei der Uraufführung im Januar 1787 auf Anhieb verstand. Nach dem Erfolg wurde die neue Sinfonie nach dem Ort der Uraufführung benannt.
In der zweiten Hälfte führt uns Antonín Dvoˇrák mit seiner 7. Sinfonie d-Moll op. 70 in leidenschaftlich romantische Gefilde. Antonín Dvoˇrák im Winter 1884/85 im Auftrag der Londoner Philharmonischen Gesellschaft geschriebene 7. Sinfonie dMoll op. 70 gilt als hochkonzentrierte Symphonik aus dem Geist von Beethoven uns Brahms. Brahms‘ 1883 entstandene dritte Sinfonie hat deutliche Spuren hinterlassen. Für London komponiert, mit Blick auf seine böhmische Heimat, wollte Dvoˇrák ein Werk schaffen, das »die Kraft haben muss, die ganze Welt zu bewegen«. Am 22. April 1885 wurde Dvoˇráks Siebte in London unter der musikalischen Leitung des Komponisten uraufgeführt; als einer seiner größten Erfolge.
Der Schweizer Dirigent mit spanischen Wurzeln Dominic Limburg hat langjährige Erfahrung am Dirigentenpult und im Orchestergraben großer Opernhäuser. Von 2021 bis 2024 war er als Kapellmeister an der Deutschen Oper Berlin tätig und wird auch in den kommenden Spielzeiten weiterhin als Gastdirigent dorthin zurückkehren. Er widmet sich in diesem facettenreichen Konzertprogramm Eötvös‘ modernen Reflexionen, Mozarts meisterhafter Sinfonik und Dvoˇráks leidenschaftlicher Romantik – zu erleben im 2. Sinfoniekonzert.
Anna Neudert
2. SINFONIEKONZERT
23. November 2025 | 11:15 Uhr 24. November 2025 | 19:30 Uhr | Großes Haus
Mit dem Oldenburgisches Staatsorchester unter der Leitung von Dominic Limburg
THE FRENCH KONNEKTION #6 | KLANK NOIeS!
Sa 29.11. | 20:00 Uhr | Exhalle
In der Reihe THE FRENCH KONNEKTION lädt KLANK gezielt Komponist:innen, Performer:innen und Improvisator:innen zu künstlerischen Erstbegegnungen ein. Zu Gast ist diesmal der französische Komponist und Klangkünstler Marc Pira. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der elektroakustischen Musik und der »Musique Conrète«. Neben seiner Arbeit als Komponist ist er auch selbst als Musiker bei improvisierten elektroakustischen Performances und Konzerten aktiv, so z.B. für Tanzperformances mit den Tänzer:innen Trinidad Martinez und Ingo Reulecke, u.a. beim Blurred Edges Festival (Hamburg, 2023 und 2024)
Besetzung: Marc Pira , Elektronik Alexander Derben, Gitarre, Percussion Reinhart Hammerschmidt , Kontrabass
Gefördert durch klangpol - Neue Musik e.V. | Senator für Kultur Bremen Karin und Uwe Hollweg Stiftung
von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell Deutsch von Katharina Schmitt
Premiere: Sonntag, 30.11. | 15:00 Uhr | Großes Haus
Regie: Krystyn Tuschhoff | Bühne und Kostüme: Anike Sedello | Musik: Jan Wilhelm Beyer | Licht: Arne Waldl |
HÄNSEL UND GRETEL Für Jugendliche ab 12 Jahren und Erwachsene
Sa 8.11. | 15:00 Uhr
EIN KLEINES STÜCK VOM GLÜCK Für Kinder ab 5 und Erwachsene
So 9.11. | 18:00 Uhr + 11.11. | 20 Uhr
WENN ICH WIEDER KLEIN BIN – EINE ERINNERUNG AN JANUSZ KORCZAK Für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene
Wir nehmen euch mit auf den Meeresboden – aber ohne nasse Füße zu bekommen. In unserem neuen Stück »Wellen wiegen« taucht ihr ab in eine magische Welt, in der das Licht tanzt wie kleine Fische, sich im Wellentakt eine sanfte Melodie ergibt und sich überall Wunder verbergen. Hier erzählt der Tanz, was Worte nicht greifen – langsam, wirbelnd, schwebend. Die Performerinnen verwandeln sich in leuchtende Meereswesen, in schwebende Quallen; sie verschmelzen mit einer lebendigen Korallenstruktur und bewegen sich durch eine Welt, in der alles fließt: Bewegungen, Klänge, Stoffe, Licht. Die Performance folgt den Strömungen des Moments – sie reagiert auf Geräusche, Blicke und Bewegungen wie Wellen, die durchs Wasser gehen. Kinder und Erwachsene treiben durch eine weiche, sich stetig wandelnde Realität. Ein verbundenes Miteinander entsteht, in dem Kunst nicht erklärt, sondern gespürt wird – ein tänzerischer Erfahrungsraum für das Leben vor dem Verstehen.
9.11. | 16:00 Uhr
MEINS WIRD DEINS Für Kinder ab 3 – 8 Jahren und Erwachsene
»meins wird deins« ist ein musikalisches Theaterstück, das in den verschiedensten Facetten das Thema Teilen beleuchtet. Denn teilen kann man nicht nur Dinge, sondern auch Ideen, Erfahrungen und Perspektiven. Und wenn man es tut, dann kann man auch spüren, dass Teilen mehr sein kann als ein Verzicht. Vielleicht sogar ein großer Gewinn.
Do 13.11. + Fr 14.11. + Sa 15.11. + So 16.11. | 20:00 Uhr VON ZEIT ZU ZEIT Für Jugendliche und Erwachsene
RUNDE REISE Für Kinder ab 2 – 6 Jahre und Erwachsene
Es geht ordentlich rund auf dieser wundersamen Entdeckungsreise. Eine Performerin entwickelt mit großer Lust am Absurden ein variantenreiches Spiel mit Ringen und Röhren. Sie werden wacker gedreht und tüchtig gerollt bis erkennbare Figuren oder überraschende Bewegungen entstehen. Alles ist im ständigen Wandel, nichts bleibt, wie es war oder ist von Dauer.
30.11. | 16:00 Uhr
ZIGGI STERNENSTAUB Für Kinder ab 1 bis 6 Jahre und Erwachsene
Die beiden Freundinnen Ziggi und Maus Mäus müssen dringend ihre Reserven auffüllen, der magische Sternenstaub ist verbraucht. Und der ist unentbehrlich, damit unser Schlaf von zauberhaften Träumen begleitet wird. So starten die beiden in ein galaktisches Abenteuer in die entlegensten Winkel unseres Sonnensystems, immer auf der Suche nach dem Sand der Träume. Zum Glück sind sie gerade rechtzeitig zurück, als der Mond am Himmel steht.
Mi. 5.11. | 19:00 Uhr
BROT & LOSE KUNST
KULTUR ZUM ABENDBROT – SERVIERT ALS LESUNG, THEMA LIEBE.
Idee: Marie-Luise Gunst, Leitung: Maike Jebens und Marie-Luise Gunst Kunst ist mehr als nur Unterhaltung. Kunst ist Nahrung. Mit diesem Gedanken starten wir ein neues Format. In „Brot & lose Kunst“ geht es um zeitlose und aktuelle Themen, die auf den kreativen Abendbrottisch des Theaters kommen: Lieder, gelesene Texte oder kleine Performances widmen sich den Fragen unserer Zeit. An diesem Abend werden nicht nur anregende Inhalte zum jeweiligen Thema „aufgetischt“, wir wollen auch mit dem Publikum in den Austausch gehen, gemeinsam die Musik und Worte nachklingen lassen und ins Gespräch kommen. Denn in Zeiten von Filterblasen und personalisierten Algorithmen ist es wichtiger denn je, auch im „echten“ Leben miteinander zu reden. Kunst und Kultur öffnen uns die Tür dafür. Das Brot kommt von der Orto Bäckerei, das Öl von Olio, der Oldenburger Ölmanufaktur. Guten Appetit!
Fr. 7.11. | 20:00 Uhr + 8.11. | 20:00 Uhr
WAS BLEIBT – BILANZ EINES
BABYBOOMERS
Ein Theatersolo von und mit Dieter Hinrichs, Regie: Marc Becker | Musikkomposition: Sebastian Venus
Uwe war Buchhalter. Jeden Tag ging er ins Büro und erledigte zuverlässig seine Arbeit und so verging die Zeit bis zur Rente. Als ihn ein Anruf von Peter, einem früheren Freund erreicht, kommt er ins Nachdenken. Peter und seine Frau Heidi laden ihn zu ihrer goldenen Hochzeit ein und wünschen sich, dass Uwe zu diesem Anlass eine Rede hält. Er erinnert sich an alte Zeiten und die, die mal seine Freunde waren. Der Rückblick auf das eigene Leben wird somit auch beispielhaft zu einer gesellschaftlichen Chronik der letzten 50 Jahre. Dieses Theatersolo, in dem Dieter Hinrichs alle Rollen spielt, ist auch ein Stück über Freundschaft und darüber, dass es nie zu spät ist, Neues zu wagen. »
Do 13.11. | 20:00 Uhr
WENN DEUTSCHLAND ZEIT HAT –MIT TAUBEN SCHACH SPIELEN GASTSPIEL Theater M21/Hannover
Hate Speech ist ein verbreitetes Zeitphänomen im Netz. Betroffen sind allzu oft engagierte, progressive junge Frauen. Theater M21 wirft im analogen Theaterraum einen Blick auf den Hate und die mehrheitlich schweigende Mitleser*innenschaft, fragt nach Gründen und Haltungen, die sich in diesem Schweigen verbergen und beschwört die Hebel, die in der Lage wären, Protagonist*innen der so genannten ‚Schweigenden Mehrheit‘ aus der Deckung zu holen.Während eine laute Minderheit Müll absondert, sondert sich die Mehrheit ab. Ist mutmaßlich zwar irgendwo, irgendwie dabei, ist Zeugin, ist hier einverstanden, aber feige, dort gleichgültig und ängstlich ohnehin, mal hier empört und da verunsichert.
| 19:30 Uhr 23.11. | 19:00 Uhr
STURM IM WHISKYGLAS
Neue Geschichten und Songs aus Schottland und Irland Schauspiel & Musik: Marie-Luise Gunst, Hannes Weißbach, Dieter Hinrichs, Regie: Frauke Allwardt
Der beliebte Whisky-Abend geht in die vierte Runde. In „Sturm im Whiskyglas“ suchen der Barmann und seine „Thekenfliegen“ nach dem, was uns in stürmischen Zeiten Schutz bietet, uns von Innen stärkt, wie ein guter Whisky. Dabei lernen sie nicht nur „Coorie“, die schottische Version des „Hygge“-Gefühls kennen, sondern erleben in melancholischen und humorvollen Erzählungen große Gefühls- und Liebesstürme: Geschichten vom Zucker im Whisky, bescheidenen Handwerkern, schottischen Feen, stürmischen Nächten, Haggis und mehr.
So 30.11. | 16:00 Uhr
DIE FIEDELGRILLE UND DER MAULWURF ODER ICH HÖRE WAS, WAS DU NICHT SIEHST PREMIERE
Eine Inszenierung des theater hof/19 nach einem Original von Janosch. Mit Eleonora Fabrizi und Chrsitian Klein, Regie/Dramaturgie: Frauke Allwardt
Diese Geschichte handelt von einer kleinen Fiedelgrille, die den ganzen Sommer lang die Tiere im Wald mit Ihrer Musik erfreut hat. Aber dann kommt der Herbst und dann der Winter und die kleine Grille hat kein Haus gebaut und keine Vorräte angelegt. Nun ist sie frierend auf der Suche nach einem Winterquartier und klopft an die Türen der Waldbewohner, mit denen sie vor gar nicht langer Zeit fröhliche Feste gefeiert hat und für die sie unermüdlich die schönste Geigenmusik spielte. Der Hirschkäfer, die Maus und auch der Fuchs setzten sie wieder vor die Tür und so muss sie wieder hinaus in die Kälte das Winters. Schließlich kommt sie zum blinden Maufwurf, der sie mit Freuden aufnimmt, „denn wer nicht gut sieht, der hört um so lieber mit den Ohren Musik“. Diese Geschichte über Empathie, das Teilen, Verantwortung und die Frage nach dem Stellenwert von Kunst in unsere Gesellschaft, ist mit Schauspiel, Tanz, Live-Musik, viel Witz und Situationskomik, Überraschungen und Tiefgang für Kinder ab 6 Jahre und Erwachsene inszeniert. Darüberhinaus geht es auch darum, wie man aus einer Geschichte ein Theaterstück machen kann...
Fr 5.12. | 20:00 Uhr + 6.12. | 20:00 Uhr SCHÖNE BESCHERUNG EINE LESUNG ZUR WEIHNACHTSZEIT
mit Maike Jebens und Dieter Hinrichs
Dramaturgie: Frauke Allwardt Nach dem jährlichen Weihnachtsfiasko lautet das Fazit vieler Menschen »Nie wieder Weihnachten «. Doch ein Jahr später dreht sich doch alles wieder darum und alle geben ihr Bestes. Maike Jebens und Dieter Hinrichs lesen heitere, verrückte, satirische und besinnliche Texte rund um das ›Fest der Feste‹. Gönnen Sie sich eine Auszeit in der hektischen Vorweihnachtszeit, lehnen Sie sich bei Kerzenschein und einem Glas Wein zurück und lassen sie sich überraschen, wer sich alles zu weihnachtlichen Gedanken hinreißen ließ.«
FREIE THEATER
So 2.11.2025 | 18:00 Uhr
BÖSE WORTE UNTER FREUNDEN
Tragikomödie
Alexander, Rutger, Leon und Victoria - vier Menschen, die eigentlich irgendwie befreundet sind, aber vom Leben in verschiedene Richtungen getragen wurden. Ein alljährliches gemeinsames Abendessen ist ebenso höflich wie belanglos. Doch dann fällt ein Wort, das man nicht sagt, und die Stück für Stück aufbrechenden Konflikte zeigen, wie weit man sich bereits von einander entfernt hat. »Böse Worte unter Freunden« ist ein tragikomisches Kammerspiel über Diskussionskultur und das Politische im Privaten, an dem nicht nur Fans von Stücken wir »Gott des Gemetzels« oder »Der Vorname« ihren Spaß haben werden. Eintritt 6€ / 11€
Do 6.11. + Sa 8.11. + Di 11.11. + Di 18.11. + Do, 20.11. + So 23.11. + Fr 28.11. | 19:00 Uhr
H-Ö-L-L-E
Horror
Vier Fremde. Ein Fahrstuhl. Kein Halt. Als der Aufzug zwischen den Etagen stecken bleibt, beginnt eine grausame Abwärtsspirale aus Angst, Schuld und Verzweiflung. Sind sie wirklich nur zufällig hier oder trifft dieser Horror genau die Richtigen? Das Licht erlischt, der Fahrstuhl ächzt und scheint sich zu verbiegen –ihnen wird klar, dass sie nicht allein sind in dieser Zelle im zehnten Stock. Jemand … oder Etwas hat Grauenvolles vor. Eintritt 6€ / 11€
So 9.11. | 18:00 Uhr
DER SEHNSUCHT
ImproNovela
Tantes Inferno präsentiert: “[_______] der Sehnsucht« - die neue Telenovela ohne Titel, aber dafür mit jeder Menge Gefühl! Erlebt, wie [Protagonist*in] nach [Großstadt] zieht, um ein neues Leben zu beginnen. Doch werden die Intrigen von [Gegenspieler*in] einen Strich durch die Rechnung machen und die aufkeimende Liebe zu [attraktive Nebenfigur] vernichten?Schaut nicht nur zu! Helft den überforderten Autor*innen und gestaltet mit uns die nächste große Fernsehsensation!«[_______] der Sehnsucht« - die vollständig improvisierte Telenovela (Titel noch ausstehend). Eintritt 6€ / 11€
Sa 15.11. + Fr 21.11. | 20:00 Uhr
So 16.11. | 18 Uhr
PATINA
Beziehungsdrama Ein alltägliches Beziehungsdrama. Sie sind schon sehr lange beste Freundinnen. Sie sind immer ehrlich zueinander, immer für einander da, können sich alles sagen, sie teilen ihre Gefühle und Wünsche und mögen sich so, wie sie sind - wirklich? Was verbirgt sich hinter der Patina dieser idealen FrauenFreundschaft? Als ein Mann in Gestalt einer Skulptur in ihr Leben tritt, holt die gemeinsame Vergangenheit sie ein und stellt ihre Freundschaft auf eine harte Probe. Eintritt 6€ / 11€
UNIKUM (Campus Haarentor)
Uhlhornsweg 49-55 | 26129 Oldenburg
Tickets: www.theater-unikum.de
Sa 22.11. | 20:00 Uhr SAGE & SCHREIBE Lesung
Das Format »sage & schreibe« ist ein Herz-Projekt von Anja Seemann, um Schreibenden in Oldenburg und umzu einen gemeinsamen Raum zu bieten. Viele tolle Texte versauern in Schubladen und einige davon holen wir auf die Bühne - und das schon zum 8. Mal. In schöner Atmosphäre schaffen wir einen Raum ohne Hürden und Bewertungen - so können Autor:innen ihre Worte aus dem stillen Kämmerlein befreien und hinaus in die Welt tragen. Sei im Publikum dabei und lausche den lustigen, ernsten, dramatischen oder lyrischen Worten. Neben der Lesung gibt es auch regelmäßig Schreibevents. Eintritt 6€ / 11€
Sa 29.11. | 20:00 Uhr
IMPROREALITY – KAMPF UM DIE TRAUMVILLA
Improtheater
Improduction präsentiert: Eine Villa. Kein Skript. Viel Drama. Verfolgt, wie sich die Bewohner:innen unserer Luxus-Villa die einmalige Chance aufs Eigenheim battlen. Wer gewinnt den heiß begehrten goldenen Hausschlüssel, und wer muss zurück auf den unbarmherzigen Oldenburger Wohnungsmarkt?! In der kameraüberwachten Show-Villa wird mit allen Mitteln darum gekämpft, wer gehen muss und bleiben darf. Denn nur eine:r kann auf Dauer einziehen - und ihr als Publikum entscheidet, wer‘s schafft! Um den Platz in der Traum-Villa zu verteidigen, müssen die Teilnehmenden Instinkt, Strategie und mordsmäßige Nervenstärke beweisen. Macht euch bereit für Intrigen, Tränen, überraschende Wendungen und jede Menge Reality-Gefühl! Eintritt 6€ / 11€
Fr 14.11. | 19:30 Uhr
BIERSCHWEMME - 40 JAHRE UNIKUM
Jubiläum
Von der Kneipe Bierschwemme zur Kulturbühne! Das UNIKUM feiert 40 Jahre Bühne - und lädt euch ganz herzlich zu einem ganz besonderen Juniläumsevent ein! Freut euch auf ein buntes Programm mit Theater, Musik, Film Quiz und überraschenden Rückblicken aus vier Jahrzehnten Bühnenleben! Eintritt frei
Fr 7.11. | 20:00 Uhr
TAKIS WÜRGER & FLORIAN CHRISTL
»Für Polina« in concert« Musikalische Lesung von und mit Takis Würger & Florian Christl – im Herbst 2025 live auf den großen & schönen Bühnen des Landes. »Für Polina«, der aktuelle Roman von Takis Würger (Der Club, Stella), stieg im Frühjahr 2025 direkt auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste und platziert sich dort ein gutes Vierteljahr später weiter unter den Top-3! Ebenso wurde »Für Polina« u.a. just zum Lieblingsbuch 2025 der Buchhändler:innen der Deutsch-Schweiz gewählt.
In »Für Polina« erzählt Takis Würger von Hannes Prager, der sich als junger 14-jähriger in das Mädchen Polina verliebt. Um ihr seine Liebe zu zeigen, komponiert der wundersam begabte Junge eine Melodie, die Polinas ganzes Sehnen und Wünschen umfasst. Doch sein Leben nimmt eine unvorhergesehene Wendung, Hannes hört auf, Klavier zu spielen, seine und Polinas Wege trennen sich. Nach Jahren, in denen er nichts als Leere fühlt, erkennt Hannes: Er muss Polina wiederfinden. Und das Einzige, womit er sie erreichen kann, ist ihre Melodie Live ergänzen sich die Beiträge von Takis Würger & Florian Christl in dieser grandios inszenierten musikalischen Lesung äußerst harmonisch. Das athmosphärisch dichte Wechselspiel von Lesung & Musik – darunter Werke von Franz Liszt, Ludwig van Beethoven & weitere der Klassik wie Neoklassik –macht die berührende Geschichte dieses faszinierenden Romans zu einem akustischen Erlebnis. Takis Würger lebt in Berlin. Er wuchs in Wennigsen am Deister auf. Nach dem Abitur arbeitete er als freiwilliger Helfer in einem Entwicklungshilfe-Projekt in Peru. Er volontierte bei der Münchner Abendzeitung und besuchte die Henri-Nannen-Schule. Danach ging er als Redakteur zum Spiegel. Dazu studierte er an der Cambridge University (Human, Social & Political Science). Würger berichtete u.a. aus Afghanistan, Ägypten, Mexiko oder der Ukraine. Er hat diverse Journalistenpreise gewonnen, darunter den Deutschen Reporterpreis und den CNN Journalist Award. Für »Der Club« wurde er 2017 auf der lit.Cologne mit dem Debütantenpreis ausgezeichnet, ebenso vom ZDF mit dem Aspekte-Literaturpreis.
Sein komplexes Werk »Stella« von 2019 kürte u.a. der NDR zum Buch des Monats, die Jüdische Allgemeine Zeitung lobte den Roman als »glaubwürdig und schonungslos«.
Fr. 14.11. | 20:00 Uhr
MARTIN KOHLSTEDT LIVE
Martin Kohlstedt zählt zu den herausragenden Kom-
ponisten, Pianisten und Produzenten für instrumentale Musik und Electronica.
Seine bisherigen Alben und deren Begleiter in Form von Reworks erhielten internationale Anerkennung, begleitet von Konzertreisen auf der ganzen Welt. In seinen Konzerten setzt Martin Kohlstedt Standards darin, wie cutting edge Electronica Produktionen mit analogen und akustischen Mindsets aus klassischem Klavier, Ambient, Field Recordings und Score Design zusammenkommen können. Kohlstedt schat es, für die Einflüsse aus so unterschiedlichen Welten intuitiv eine gemeinsame Form zu finden und daraus einen lebendigen Körper zu bilden: Ein immersives Konzerterlebnis. Seine Art des Arbeitens bezeichnet Kohlstedt als modulares Komponieren, die Stücke sind ständig in Bewegung und folgen auch im Konzert keiner festgelegten Form. Improvisation ist zwingend Teil des Schaens, ebenso wie Augenhöhe mit dem Publikum, der Mut zu Scheitern, das Suchen und die Interaktion mit Menschen, Raum und Kontext. Martin Kohlstedt kollaborierte dabei bereits mit renommierten Partnern wie dem GewandhausChor Leipzig, mit Künstlern wie Douglas Dare, Sudan Archives, Henrik Schwarz und Labels wie Warner Classics. Neben eigenen Stücken schreibt Kohlstedt Soundtracks für Filme, Theaterstücke, Podcasts und Hörspiele. Mit der Edition Kohlstedt führt er sein eigenes Label und versucht mit einem eigenen Auorstungsprojekt seiner Verantwortung als Artist gerecht zu werden.
Als Konstantin Wecker im März 24 mit seinem Programm »Lieder meines Lebens« Premiere feierte, dachte der Künstler vermutlich nicht, dass dieser Konzertabend ihn deutlich länger begleiten wird. Doch nach über 50 gefeierten und ausverkauften Konzerten reißt die Nachfrage nicht ab. Darum hat sich Konstantin Wecker für eine Zugabe entschieden und legt für 2025 nochmals 70 (!) »Lieder meines Lebens« Konzerte nach – seine zahlreichen Fans wird das freuen! Lieder prägen sein Leben - seit über 50 Jahren. Für Konstantin Wecker ist dies Grund genug, die vergangenen Jahrzehnte auf unzähligen Bühnen für sich und sein Publikum auf wundervolle Weise Revue passieren zu lassen. Mit dem kammermusikalischen Programm »Lieder meines Lebens« präsentiert der Münchner Musiker, Komponist und Autor gemeinsam mit seinem Pianisten Jo Barnikel - in der Trio Version zudem mit der Cellistin Fany Kammerlander – seine persönlichen poetischen Highlights – von den Anfängen bis heute. Das Publikum darf sich auch auf die eine oder andere Überraschung mit fast schon vergessenen Songs freuen. Eines ist für den leidenschaftlichen Pazifisten und engagierten Antifaschisten stets gleich gewesen: »In meinen Liedern habe ich meine Zerbrechlichkeit, meine Verwundbarkeit immer zugelassen.« Gefunden hat er dabei immer sich selbst – und damit auch seine Anhänger, für die seine Zeilen immer Inspiration waren. Und noch immer sind. Sie alle erwartet ein Abend, der Mut macht, mit Liedern und Gedichten, deren Kraft noch viele Jahre unser Leben prägen werden. Mi 19.11. | 20:00 Uhr | Die Glocke, Bremen JAN GARBAREK GROUP FEAT. TRILOK GURTU Live 2025!
Das Leben eines 14jährigen norwegischen Jungen ändert sich schlagartig 1961. Jan Garbarek hört John Coltrane im Radio und bestürmt seine Eltern, sie mögen ihm ein Saxophon schenken. Seither faszinieren ihn Blasinstrumente – und Rhythmen aus unterschiedlichen Ländern. Indische, arabische, afrikanische, brasilianische, japanische Musik, all das inspiriert Jan Garbarek und sorgt für die besonderen Schattierungen in seinem brillanten Saxophon-Sound. Ob seine legendären Zeiten der Avantgarde, für ECM, mit Keith Jarrett oder dem Hilliard Ensembe: Diesen Ton erkennt jede/r sofort! Der Meister im O-Ton: »Die menschliche Stimme ist mein Ideal«« – und es gibt kaum einen Saxofonisten, der diesem Ziel so nahe gekommen ist, wie der sympathische Musiker aus dem hohen Norden. Es ist der Kontrast zwischen dem Liedhaften, Poetischen, Schlichten und der Intensität des freien Improvisierens mit anderen Musikern, der Jan Garbareks Kunst ausmacht. Die Künstler, die ihn heute Abend wieder begleiten, tragen jeder auf seine Weise dazu bei. Am Piano das ruhende Genie von Rainer Brüninghaus. Der dezent auftrumpfende Brasilianer Yuri Daniel am Bass. Und nicht zuletzt Trilok Gurtu, der wilde Trommelmagier aus Indien an den Percussions. Jan Garbarek: ein musikalischer Weltumsegler, der alles auffängt, was die Winde ihm zuwehen. Wer ihm zuhört, kann spüren, was ihn berührt und was ihm den Atem schenkt, der die Töne zu uns bringt. Pressestimmen:
»Die Utopie des unendlichen Atems und des natürlichen Wohlklangs treibt Garbareks Musik an. Sie schwitzt nicht, sie ist heiter im Sinn des Worts, das vom griechischen Aither kommt – und klarer Himmel, reine Luft bedeutet.« (Die Zeit) »Jan Garbarek ist zurück auf den europäischen Bühnen. Sein schwebender Ton wird noch nicht verklingen – gut so!« (BR-Klassik)
»Ein fulminanter, ja furioser Auftritt in der Elbphilharmonie im Spätherbst 2024 – von vier Meistern ihres Fachs!« (Hamburger Abendblatt)
»Die Zentralgestalt des europäischen Jazz reaktiviert im lange ausverkauften Wiener Konzerthaus die Schönheit dieser Musik – fulminant, entfesselt!« (Der Standard)
Aschenputtel, Rapunzel und Co. – die angeblichen Good Girls haben Besseres zu tun, als auf den nächsten Traumprinzen zu warten.
Willkommen in einer Märchenwelt, die ihre Klischees schamlos auskostet und dabei genüsslich über den Haufen wirft. Serviert wird das Ganze mit einer Extraportion Popkultur und famosen Kitsch – dazu erklingt der süße Ton einer Heimorgel. Denn mal ehrlich: Ohne neue Fabeln wäre der Winter einfach nur fade. Auf der Bühne prallen frischer Schauspiel-Elan und gelassene Bühnenerfahrung aufeinander – ein Duo, bei dem Jung und Alt garantiert ihren Spaß haben. Mit Lotta Paulina, Uwe Bergeest | Regie: Mathilda Kochan | Bühne: Clara Kaiser
BERUFE In jeder Ausgabe der Theaterzeitung stellen wir Ihnen einen Beruf im Theater vor, den Sie vielleicht noch nicht kennen.
WAS MACHT EIGENTLICH
Wie heißt du?
Silvia Schlottag
Wie heißt dein Beruf?
Maskenbildnerin. Außerdem leite ich die Maskenabteilung.
Wie würdest du deinen Beruf (umbe)nennen?
Das passt zwar nicht ohne Probleme auf eine Visitenkarte, aber »Kreativer, handwerklicher Kopf mit psychologischen Grundkenntnissen« macht schon was her ;-)
Was machst du hauptsächlich?
Sehr viel Organisatorisches, zum Beispiel Dienstpläne schreiben, Kontakt zu Kostümbildner:innen aufnehmen, Produktionen besprechen und Aufgaben verteilen. An perfekten Tagen würde ich Perücken knüpfen und frisieren, Masken bauen und für eine Vorstellung schminken, aber das kommt oft viel zu kurz.
Woran erkennt man Maskenbildner:innen? Am Stilkamm in der Hosentasche.
Wo befindet sich »deine Bühne«?
Da gibt’s einige: In der Maskenwerkstatt, im Schminkraum und manchmal sogar auf der Bühne, aber da tatsächlich nur in der Rolle der Maskenbildnerin.
Was ist dein »Signature Tool«/dein Markenzeichen? Wenn ich in Endproben sitze, eindeutig mein grünes Glitzerbuch für Notizen und Änderungen.
Welche Abteilungen hören regelmäßig von dir?
Die Schneiderei, um Informationen auszutauschen oder zu den Anproben dazuzukommen, das Künstlerische Betriebsbüro, um aktuelle Besetzungen abzufragen, Regieassistent:in-
MReinar Ortmann Theater am
nen um Schminkzeiten zu koordinieren und Kostümbildner:innen für regelmäßige Updates während des Probenprozesses. Je nachdem, was wir herstellen, sind wir mit allen Abteilungen gut vernetzt und helfen uns immer gerne.
Welche Superkraft bräuchte man für deinen Job?
Eindeutig die Zauberkraft, Perücken festzuzaubern und bei schnellen Wechseln während der Vorstellung das richtige Make-up ins Gesicht zu hexen.
Welcher lustige, schöne oder absurde Moment ist dir in Erinnerung geblieben?
Bei »West Side Story« auf einer Elsflether Werft hatten wir das falsche Make-up für den Körper eines Darstellers und mit den eingepackten Entfernern löste sich gar nichts. Erst nach einem Anruf bei der Firma, die dieses Make-up hergestellt hat, wussten wir, was wir nehmen mussten. Da war es dann aber schon kurz vor 18 Uhr und wir mussten noch fix zur Apotheke fahren, um das richtige Mittel zu holen und den Darsteller von der Farbe zu befreien. Das bleibt für mich unvergessen. Bodylotion gab es dann für den Darsteller als Wiedergutmachung dazu.
Wie sähe das Theater ohne deinen Job aus?
Sehr viel farb- und haarloser für das Publikum. Aber auch für die Darstellenden auf der Bühne würde was fehlen, denn für viele ist das Schminken ein wichtiges Ritual vor jeder Vorstellung. Sonst wären sie ganz »privat« auf der Bühne und manchmal helfen Perücke und Make-up auch ganz gut in die Rolle.
AUF EIN WORT THEATER UND RELIGION
it dem neuen Format »Auf ein Wort« lädt das Oldenburgische Staatstheater die Glaubensgemeinschaften Oldenburgs ab der Spielzeit 2025/26 ein, ins Gespräch zu kommen. Theater und Religion verbindet vieles und das Wort ist das zentrale gemeinsame Kommunikationsmedium. Bei beiden stehen die Menschen im Mittelpunkt: Ihre Suche nach Ursprüngen und dem Sinn der Existenz. Religion und Theater beschäftigt die Frage nach moralischen Prinzipien, richtigem Handeln und danach, wie wir zusammenleben. Das Oldenburgische Staatstheater schwärmt aus und besucht die Religionsgemeinschaften, um sich über die Gemeinsamkeiten und auch das, was trennt, auszutauschen. Anlass und Ausgangspunkt für diese Begegnungen sind die Inszenierungen des aktuellen Spielplans aus allen Sparten. Arien, Monologe und Soli sind in den Glaubensgemeinschaften zu Gast und ladenals Ausschnitte zum Dialog ein. Das Oldenburgische Staatstheater lädt zum Gegenbesuch.
An diesem neuen Format »Auf ein Wort« reizt mich, dass Pastorinnen ebenso wie Schauspieler etwas auf die »Bühne« bringen mit dem Ziel, das Publikum anzusprechen und bestenfalls zu berühren. Es ist das Spiel mit unserer Sprache, mit den Worten, das verbindet. Mascha Kaléko war eine Virtuosin darin. Das nun an verschiedenen Orten gemeinsam zu tun und miteinander zu verbinden, ist eine tolle Idee. Häufig finden sich in den Theaterstücken auch religiöse Themen oder Anspielungen. Bei »Mascha K.« ist es das Leben als Jüdin während der NS-Zeit und die Emigration. Ihre Religiosität entspricht auch nicht dezidiert der jüdischen Lehre und passt in keine Schublade; aber ihre Texte enthalten zahlreiche religiöse Gedanken, die zum Weiterdenken anregen. Was ich mir erhoffe? Gegenseitige Befruchtung, Neugierde, Offenheit.
Musical von John Kander, Fred Ebb und Joe Masteroff
21:00 | Hauptfoyer DAS WOHLTEMPERIERTE KLAVIER
20:00 | Kleines Haus MASCHA K. (TOURIST STATUS)
Schauspiel von Anja Hilling 19:30 Einführung
18:30 | Probenzentrum OPEN CLASS MEHR BEWEGUNG!
Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de
19:30 | Großes Haus
CABARET
Musical von John Kander, Fred Ebb und Joe Masteroff
20:00 | Kleines Haus DER STURM Von William Shakespeare 19:30 Einführung
20:00 | Staatstheater Nürnberg ERZÄHL MIR KEINE MÄRCHEN Jugendclub → Eingeladen zum 34. Bundestreffen Jugendclubs an Theatern!
Unterwegs!
08 Sa → Premiere
19:30 | Großes Haus
WERTHER
Oper von Jules Massenet 19:00 Einführung → Im Anschluss öffentliche Premierenfeier
20:00 | Kleines Haus DE LEVEN ÖLLERN / DIE LIEBEN ELTERN Komödie von Armelle und Emmanuel Patron 09 So 10:00 | Thomas-Kirche Ofenerdiek AUF EIN WORT – THEATER UND RELIGION Im Dialog zu: Mascha K. (Tourist Status) Kostenloser Eintritt!
15:30 | Kleines Haus
DER STURM Von William Shakespeare 15:00 Einführung
→ Premiere
16:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+ Von Charles Way → Im Anschluss öffentliche Premierenfeier
18:00 | Großes Haus LA TRAVIATA
Oper von Giuseppe Verdi 17:30 Einführung
19:30 | Hauptfoyer
THEATERBEGEGNUNG: WERTHER
9:00 & 11:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
18:00 | Hauptfoyer
EINFÜHRUNGSSOIRÉE & PROBENBESUCH: EIN VOLKSFEIND
Kostenloser Eintritt!
9:00 & 11:00 | Spielraum
UNSERE WILDEN JAHRE / AS
20:00 | Kleines Haus
DER STURM
19:30 Einführung
13 Do
14 Fr
9:00 & 11:00 | Spielraum
UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
19:30 | Großes Haus
ROMEO UND JULIA 19:00 Einführung
9:00 & 11:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
→ Wiederaufnahme
19:30 | Großes Haus
HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN Oper von Jacques Offenbach 19:00 Einführung
20:00 | Kleines Haus DER STURM 19:30 Einführung
15 Sa
13:30 | Treffpunkt: Theatercafé ÖFFENTLICHE FÜHRUNGEN Karten für 5 € erhältlich an der Theaterkasse und online. Gruppenführungen bitte anfragen unter: dramaturgie@staatstheater.de
19:30 | Großes Haus WERTHER 19:00 Einführung
→ Uraufführung
20:00 | Exhalle DAS ENDE DES WESTENS Von Lars Werner → Im Anschluss öffentliche Premierenfeier
16 So 15:30 | Kleines Haus DE LEVEN ÖLLERN / DIE LIEBEN ELTERN
16:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+ Von Charles Way
18:00 | Großes Haus CABARET
17 Mo 9:00 & 11:00 | Spielraum
UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
18 Di
20:00 | Hauptfoyer 2. LIEDERABEND
Mit Arthur Bruce und Stephanie Hershaw Klavier: Paul Plummer
19 Mi → Wiederaufnahme
18:00 | Exhalle
ERZÄHL MIR KEINE MÄRCHEN Jugendclub
18:30 | Probenzentrum MODERN DANCE CLASS MEHR BEWEGUNG! Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de
20:00 | Kleines Haus STOLZ UND VORURTEIL* (*ODER SO)
20 Do
21 Fr
19:30 | Großes Haus CABARET
20:00 | Exhalle
DAS ENDE DES WESTENS Von Lars Werner | Uraufführung
19:30 | Großes Haus HOFFMANNS ERZÄHLUNGEN 19:00 Einführung
9:00 & 11:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
9:00-17:00 | Hauptfoyer | Probenzentrum FORUM FÜR THEATERPÄDAGOGIK »DEMOKRATIE GESTALTEN« Anmeldung bis 14.11. mitmachen@staatstheater.de
18:00 | Exhalle
ERZÄHL MIR KEINE MÄRCHEN Jugendclub
18:00 | Probenzentrum
BALLETTWERKSTATT: DEMO-MODE
→ zum letzten Mal!
23 So 11:15 | Großes Haus 2. SINFONIEKONZERT
Mit Werken von Péter Eötvös, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonín Dvořák 10:45 Einführung
18:30 | Kleines Haus BONDI BEACH
14:00 | Exhalle Bar DEATH CAFÉ
Memento mori - Bedenke, dass du sterben wirst
→ Gastspiel
19:00 | Großes Haus
NIEDECKEN – ZWISCHEN START & ZIEL Lieder und Geschichten aus dem Leben
24 Mo 19:30 | Großes Haus
2. SINFONIEKONZERT
Mit Werken von Péter Eötvös, Wolfgang Amadeus Mozart und Antonín Dvořák 19:00 Einführung
9:00 & 11:00 | Spielraum UNSERE WILDEN JAHRE / AS WI WILD WEERN 8+
25 Di 18:00 | Exhalle ERZÄHL MIR KEINE MÄRCHEN Jugendclub
26 Mi
19:30 | Großes Haus ROMEO UND JULIA 19:00 Einführung
→ Wiederaufnahme
12:00 | Kleines Haus KINDER IM ORCHESTER Nachts im Theater
18:00 | Exhalle ERZÄHL MIR KEINE MÄRCHEN Jugendclub
20:00 | Kleines Haus DAS FEUERWERK
27 Do 20:00 | Kleines Haus STOLZ UND VORURTEIL* (*ODER SO)
20:00 | Exhalle DAS ENDE DES WESTENS
28 Fr 19:30 | Großes Haus WERTHER 19:00 Einführung
20:00 | Kleines Haus EIN VOLKSFEIND 19:30 Einführung
19:30 | Heinrich-Kunst-Haus SABBELN, SINGEN UN SINNEERN Karten: kontakt@heinrich-kunst-haus.de bzw. unter 0441 60735 oder 0171 4957241
20:00 | Exhalle DAS ENDE DES WESTENS
29 Sa
19:30 | Großes Haus DAS SCHLAUE FÜCHSLEIN 19:00 Einführung
20:00 | Kleines Haus EIN VOLKSFEIND 19:30 Einführung
19:30 | Heinrich-Kunst-Haus SABBELN, SINGEN UN SINNEERN Karten: kontakt@heinrich-kunst-haus.de bzw. unter 0441 60735 oder 0171 4957241
20:00 | Exhalle THE FRENCH KONNEKTION #6 | KLANK NOIeS! – klangpol-Konzertreihe Zu Gast: Marc Pira
30 So → Premiere 15:00 | Großes Haus DIE SCHÖNE UND DAS BIEST Von Lucy Kirkwood / Katie Mitchell → Im Anschluss öffentliche Premierenfeier
11:15 | Kleines Haus GROSSE PIANISTEN IM KLEINEN HAUS: ÉMILE NAOUMOFF Mit Werken von Gabriel Fauré, Émile Naoumoff und Franz Schubert
22 Sa
19:30 | Großes Haus
CABARET Joe Masteroff
→ Premiere
20:00 | Kleines Haus
EIN VOLKSFEIND
Von Henrik Ibsen
19:30 Einführung
→ Im Anschluss öffentliche Premierenfeier
20:00 | Exhalle
DAS ENDE DES WESTENS
18:30 | Kleines Haus DAS FEUERWERK
WOLFGANG NIEDECKEN
ZU GAST IM STAATSTHEATER »ZWISCHEN START & ZIEL«
Lieder und Geschichten aus dem Leben
Wenn ein Künstler wie Wolfgang Niedecken auf mehr als fünf Jahrzehnte Musikgeschichte zurückblickt, darf man sich auf Geschichten, Herzklopfen und eine gute Portion rheinischen Humor freuen. In seinem neuen Programm »Zwischen Start & Ziel« lädt der BAP-Frontmann zu seiner ganz persönlichen Zeitreise ein: Mit Liedern, Texten und Erinnerungen, die ebenso poetisch wie bodenständig sind. Gemeinsam mit seinem virtuosen Pianisten Mike Herting blickt Niedecken auf das, was ihn angetrieben und bewegt hat, erzählt von seiner Familie, von Begegnungen, Zufällen und Weggabelungen – und davon, wie aus Momenten schließlich die Musik wurde, die heute Kultstatus genießt. In dieser Lebensphase, die er selbst als den Herbst bezeichnet – irgendwo zwischen Start und Ziel eben –, blickt Niedecken mit Gelassenheit und Witz zurück: auf seine Kölner Südstadt, auf Vater Josef und Mutter Tinny, auf Kindheitsbilder, die bis heute in seinen Songs nachklingen.
Nach über hundert »Dylanreise«-Abenden zeigt er sich in dieser Solo-Tour von seiner nachdenklichen, aber auch verspielten Seite. Neben bekannten Songs wie »Verdamp lang her«, »Für Maria« oder »Dir allein« erklingen auch selten gehörte Stücke und neue Arrangements, die in diesem intimen Rahmen ihre ganze Kraft entfalten. Zwischen den Songs liest Niedecken Passagen aus seinen Büchern, teilt Erinnerungen an Weggefährten und Weggefährtinnen und gewährt Einblicke in ein bewegtes Künstlerleben, immer mit wachem Blick auf das Hier und Jetzt.
»Zwischen Start & Ziel« ist ein Abend voller Musik, Witz und Nachdenklichkeit – eine Brücke zwischen gestern und morgen, zwischen Bühne und Leben, voller leiser Töne und großer Hymnen und außerdem, ein Stück gelebte Musikgeschichte, das man nicht verpassen sollte.
»So erleben die Fans einen Abend, den sie als Geschenk verstehen dürfen. […] Da vorne sitzt, singt und erzählt einer, der irgendwo zwischen Start und Ziel tatsächlich viel erlebt hat. Und auch wenn man in der Regel Menschen, die viel von sich selbst erzählen, irgendwann nicht mehr zuhören möchte, so ist das bei Niedecken genau andersherum. « (Bernd Büttgens in der Aachener Zeitung)
WOLFGANG NIEDECKEN
Lieder und Geschichten aus dem Leben
Sonntag, 23.11.2025 | 19:00 Uhr | Großes Haus
Meine früheste Erinnerung an das Theater und der Beginn meiner bis heute andauernden Faszination begann im Märchentheater. Weite, bunte Kostüme, Schlösser und Bauernstuben, Drehbühnen und ganz viel Magie zogen mich in ihren Bann. Gebürtig aus der Brüder-Grimm-Stadt Hanau fieberte ich an der Kante meines Sitzes mit Dornröschen, die sich an der Spindel stach, mit Schneewittchen, die in den vergifteten Apfel biss, und mit dem tapferen Schneiderlein, das durch listige Taten den Riesen an der Nase herumführte. Märchen nahmen früh eine Rolle in meinem Leben ein, ob auf der Bühne, im Sonntagmorgen-Fernsehprogramm oder wenn meine Eltern sie mir vorlasen oder frei erzählten. Am 21. November jährt sich der bundesweite Vorlesetag. Ein Anlass, sich daran zu erinnern, wie wichtig das Erzählen und Vorlesen geblieben ist. Vorlesen ist eine der ältesten und zugleich wirkungsvollsten Formen der Sprach- und Kulturver-
mittlung. Es schafft eine Brücke zwischen Generationen und Welten. Beim Vorlesen entsteht ein Moment der gemeinsamen Aufmerksamkeit, in dem Stimme, Rhythmus und Fantasie Worte lebendig werden lassen. Kinder hören zu, fühlen mit und entfalten ihre Vorstellungskraft.
Zugleich fördert das Vorlesen Bildung und Empathie: Es erweitert den Wortschatz, stärkt das Sprachverständnis und öffnet emotionale wie gedankliche Räume. Geschichten machen erfahrbar, was sonst abstrakt bliebe, und regen dazu an, sich in andere Perspektiven hineinzuversetzen. So ist das Vorlesen nicht nur ein pädagogisches, sondern auch ein zutiefst menschliches Ritual des Teilens, das Gemeinschaft stiftet. Ebenso wie es das Theater immer wieder tut.
Diese frühen Erlebnisse mit den Märchen und dem Theater haben mich geprägt. Vielleicht zieht mich gerade deshalb bis heute jedes Weihnachtsmärchen aufs Neue in seinen Bann. In
14. Februar 2026
14.Februar2026
diesem Jahr erzählt das Oldenburgische Staatstheater mit »Die Schöne und das Biest« von einer Liebe, die über den äußeren Schein hinausblickt, von Mut, Güte und innerer Schönheit, und bringt den alten französischen Stoff auf humorvolle Weise durch zwei erzählende Feen, Mr. Pink und Cécile, und ihren »rostfreien, wetterfesten, gehirnzapfenden Gedankenfänger« zu neuem Leben.
Märchen sprechen uns noch heute an, weil sie in Bildern erzählen, was viele Menschen bewegt: kindliche Faszination, das Überwinden von Angst und die Hoffnung, dass das Gute am Ende siegt. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann … Annika Müller
Drei choreografische Uraufführungen
Fr 21.11. | 18.00 Uhr | Probenzentrum 5,- €, bis 18 Jahre Eintritt frei
In der Ballettwerkstatt erhalten Sie einen Einblick in die Kreationsproben des dreiteiligen Ballettabends »DemoMode«. In ihrer Choreografie »Vincula Invisibilia Fracta« beschäftigt sich Nicol Omezzolli mit der subtilen Manipulation durch Marken, Mode und über Social Media verbreitete Meinungen. Sie hinterfragt mit den Tänzer:innen, wie es gelingen kann, sich davon zu befreien.