Theaterzeitung – September 2025/26

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ZEITUNG THEATER

AnnikaMüllerstudierteAllgemeineundVergleichendeLiteraturwissenschaftundDramaturgieander Goethe-UniversitätFrankfurt.ZurSpielzeit2024/25startetsieamOldenburgischenStaatstheaterals Dramaturgieassistentin.

SCHULTÜTEUNDPREMIERENFIEBER

EsgibtTage,dietragenmehrBedeutung,alsmanihnen aufdenerstenBlickansieht. DerersteSchultagzumBeispiel:zwischenStolzundUnsicherheit,gespitztenBleistiften undfestgehaltenenHänden.EsliegtetwasinderLuft,eine Potenzialität,dennallesistneuundallesistmöglich. GanzähnlichfühltsichauchderersteTageinerneuenSpielzeitimTheateran.DasLichtimFoyerleuchtetwiederauf,die PlakatefürdieneuenStückehängenfrischanderFassade,die Probenpläneliegenbereit.Ensemblemitglieder,Kolleg:innen ausallenGewerkenkehrenzurückausdenTheaterferien–neugierig,erwartungsvollundvielleichteinwenignervös. NeueKolleg:innenwerdenbegrüßt,Freundschaftengefestigt odergeschlossen.WieaufdemPausenhofmischtsichVertrautesmitNeuem,RoutinenmitÜberraschungen.Dennwiralle kommenzusammen,umdaszutun,wasunsantreibt–unsere ProfessionundLeidenschaft:Theatermachen.WelcheGe-

schichtenwerdenwirerzählen?WelcheBegegnungenliegen voruns?

Am30.und31.Augustgehteslos:Mit»Vorhangauf«eröffnetdasGroßeHausdieBühnefürdieneueSaison.Am13.SeptemberfolgtdieersteMusiktheater-Premiere:GiuseppeVerdis »Latraviata«,dietragischeGeschichtederViolettaValéry,die ausLiebebereitist,ihreigenesGlückzuopfern.DasJunge StaatstheaterstartetmiteinerUraufführungvonMarcBecker mitdemTitel»Lügenlernen«(14.September),dieeinenverspieltenBlickaufdasSchwindeln,TricksenundGeschichtenErfindenwirft.

ImSchauspielbeginntdieSpielzeitam20.Septembermit einerInszenierungvonWilliamShakespeares»DerSturm«,erarbeitetvonderHausregisseurinEbruTartıcıBorchers.Esfolgt am28.SeptemberdiePremierederKomödie»BondiBeach« vonRebekkaKricheldorfinderRegievonMoritzPeters.Ein

bissiger,klugerundhumorvollerAbendüberdasÄlterwerden undalles,wasdazugehört.

ZudemfeiernzahlreicheProduktioneninallensiebenSpartenihreWiederaufnahme,darunterdasMusical»Cabaret«,das Schauspiel»MaschaK.(TouristStatus)«,dasqueerfeministischeStraßentheaterprojekt»Sheroes#3«,derAudiowalk»Zukunftsmusik–wirwerdenunserinnerthaben«,dieKinderoper »RitterOdiloundderstrengeHerrWinter«,dasBallett»Romeo undJulia«undvielemehr.

DiekommendenWochenversprechenintensiveProben, neuePerspektivenundGeschichten,dieunterdenNägeln brennen.WirfreuenunsaufeineSpielzeit,diesichnichtnur künstlerischweiterentwickelnmöchte,sondernauchgesellschaftlichpositioniert:EineSpielzeit,diesichstärkerdennje fürDemokratieundVielfaltaufundhinterderBühneeinsetzt. DennwieHermannHesseschonwusste:»JedemAnfang wohnteinZauberinne.«

LA TRAVIATA IM MUSIKTHEATER

VON DER IDEE

Wie wird aus einer Idee eine Inszenierung? Welche Stationen durchläuft eine Produktion, bevor sich der Vorhang zur Premiere das erste Mal öffnet? Wir laden Sie ein, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen und begleiten dafür die Neuinszenierung der Oper »La traviata« ein Stück ihres Weges bis zur Premiere.

m 13. September wird sich der Vorhang für die Eröffnungspremiere der neuen Spielzeit öffnen. Auf der Bühne: Giuseppe Verdis Meisterwerk »La traviata«. Bis zu diesem Moment liegt ein langer Weg hinter der Produktion. Erste Ideen, viele Gespräche, Bühnenbild- und Kostümentwürfe, Gedanken zum Regiekonzept, die hin und her gewälzt werden, viele Wochen Arbeit in den Werkstätten des Staatstheaters und über 200 Stunden intensiver Probenarbeit führen schließlich zu dem Moment, in dem sich der Vorhang hebt und das Ergebnis für Sie sichtbar wird und seinen Bühnenzauber endlich entfalten darf. Einige dieser Schritte stelle ich Ihnen hier etwas genauer vor.

Der Spielplan einer Spielzeit entsteht mindestens ein Jahr, meistens noch weiter im Voraus. Aktuell erarbeiten die Sparten bereits den Spielplan für die Spielzeit 2026/27, der dann meist im Frühsommer zunächst theaterintern sowie der Presse und dann auch dem Publikum vorgestellt wird. Zu diesem Zeitpunkt stehen die Regieteams fest und arbeiten auch schon fleißig an Ideen zu Inszenierung, Bühne und Kostümbild.

Ein wichtiger Termin auf dem Weg zu einer Neuinszenierung ist die sogenannten Bauprobe, die in der Regel circa sechs Monate vor Probenbeginn auf der jeweiligen Bühne des Hauses stattfindet. Die Bauprobe soll allen Beteiligten – von der Regie bis zur Bühnentechnik – eine erste konkrete räumliche Vorstellung von dem geben, was bisher nur auf dem Papier oder in Modellen existiert hat, geben und ist daher ein wichtiger Schritt zwischen Entwurf und Realisierung.

Bei der Bauprobe von »La traviata« im Januar 2025 wurde das Bühnenbild zum ersten Mal in seinen geplanten Dimensionen im Raum aufgebaut, allerdings noch nicht in der endgültigen Ausführung. Häufig bestehen die Teile aus Holz, Folie, bereits existierenden Bauteilen oder einfachen provisorischen Konstruktionen: Im Rahmen der Bauprobe werden die Größen und Proportionen des zu bauenden Bühnenbilds festgelegt und die unterschiedlichen Positionen von Türen, Treppen und Podesten getestet. Außerdem werden die Sichtverhältnisse im Bühnenraum überprüft.

Als nach der Bauprobe alle offenen Punkte geklärt und das finale Bühnenbild gefunden waren, hat Bühnenbildnerin Son-

ja Füsti mit der Werkstattübergabe (ein paar Wochen nach der Bauprobe) alle technischen Zeichnungen und Unterla gen, die in den Werkstätten für die Anfertigung des Büh nenbilds gebraucht werden, an das Theater übergeben. Als nächstes startet die konkrete handwerkliche Umsetzung des geplanten Bühnenbilds. Tischlerei, Schlosserei, Malsaal, Plastikerwerkstatt und andere Gewerke übernehmen die Pläne und beginnen mit dem Bau der Bühnenelemente. Es folgen Wochen intensiver Arbeit; kreative Lösungen für die ein oder andere technische Herausforderung müssen gefunden werden, immer in engem Austausch zwischen Bühnenbildne rin, technischer Leitung und den Leitungen der jeweiligen Werkstätten. Jedes einzelne Bühnenteil, vom aufwendig gear beiteten Möbelstück bis zur bemalten Wand, entsteht mit viel Geschick, Erfahrung und Sorgfalt – lange bevor die ersten Pro ben auf der Bühne beginnen.

Parallel zum Bühnenbild entsteht auch das Kostümbild. Im Austausch mit Regisseur Jan Eßinger und Bühnenbildnerin Sonja Füsti entwickelte Benita Roth ein visuelles Konzept für die Figuren – inspiriert von der Handlung, der Zeit, in der es spielen soll und der gewünschten Gesamtästhetik der Insze nierung. Zeichnungen, Stoffproben und Silhouetten werden besprochen, angepasst, verworfen oder weiterentwickelt. Am Ende dieses Prozesses gibt es für jeden Charakter der Inszenie rung eine Kostümzeichnung, eine sogenannte Figurine.

Ausgehend von diesen Entwürfen beginnt die praktische Arbeit in den Schneidereien. In einem ersten Schritt verschafft die Kostümbildnerin sich einen Überblick über die Fundusbe stände, um einschätzen zu können, welche Kostüme aus die sen Beständen – mit wenigen Änderungsarbeiten – zusammengestellt werden können und welche Kostüme in den Schneidereien angefertigt werden müssen. Für diese Anfertigungen werden Stoffe ausgewählt und erste Zuschnitte erstellt. Die Darstellenden werden zu Anproben gebeten, es wird gemessen, abgesteckt und zugeschnitten. Jedes der rund 90 Kostüme, die Sie am Ende auf der Bühne sehen, wurde mindestens einmal anprobiert, um Passform oder Bewegungsspielraum zu testen. Auch Perücken, Schuhe und Accessoires müssen dazu kombiniert werden. Gerade Perücken entstehen ebenfalls in sorgfältiger Handarbeit – damit am Ende jede Figur in ihrer Erscheinung stimmig und überzeugend auf der Bühne steht. Ein weiterer bedeutender Termin auf dem Weg zur Premiere ist die Konzeptionsprobe, der Startschuss einer intensiven sechswöchigen Probenzeit. Bei der Konzeptionsprobe erklärt das Regieteam, das im Falle von »La traviata« aus Jan Eßinger (Regie), Carlo Goldstein (Musikalische Leitung), Sonja Füsti

(Bühne) und Benita Roth (Kostüme) besteht, begleitet von mir, Anna Neudert als Dramaturgin, allen Darstellenden und Beteiligten die Idee der Inszenierung – eine künstlerische Vision, an der in den darauffolgenden sechs Wochen intensiv gearbeitet wird.

»eine zutiefst einsame Figur«

»La traviata« (Italienisch für »Die vom Weg Abgekommene«) erzählt die Geschichte der Pariser Edel-Kurtisane Violetta Valéry, die aus Liebe bereit ist, ihr eigenes Glück zu opfern und schließlich einsam ihrer tödlichen Krankheit erliegt. Verdis in wunderschöne Musik verpacktes Stück schildert das Drama vom Verfall einer Frau, die an Krankheit, unerfüllter Liebe und gesellschaftlicher Ablehnung zerbricht.

Sonja Fürsti bei der Herstellung der Sonnenblumen für das Bühnenbild
Zeichnungen
Benita Roth
Foto: Stephan Walzl

BIS ZUR PREMIERE

Regisseur Jan Eßinger beschreibt es in der Konzeptionsprobe als ein zu seiner Zeit höchst gesellschaftskritisches Werk mit einer tragischen, zutiefst modernen Frauenfigur im Zentrum. Er will sich in seiner Inszenierung der endlosen Einsamkeit widmen, die diese Frau umgibt: Eine Frau, die ihr Geld damit verdient, ihren Körper zu verkaufen und sich an eine Gesellschaft hergibt, von der sie dafür verstoßen wird. Diese Schärfe des Stoffes wollen er und sein Team sichtbar machen: »Im Zentrum unserer Arbeit steht eine junge Frau, die von Beginn an kein einfaches Leben hatte und, um ihren Lebensunterhalt zu sichern, gezwungen war, als Sexarbeiterin zu arbeiten. Diese Frau – Violetta – kommt später zwar zu Reichtum, bleibt aber zugleich eine zutiefst einsame Figur.

Diesen Hintergrund, ihre Herkunft und ihren Weg zur Edelprostituierten soll das Publikum im Kopf haben, wenn wir diese Isolation Violettas in den Mittelpunkt unserer Interpretation stellen und nicht nur den schönen Schein, der sie oftmals zu Stückbeginn umgibt. Sie ist eine Frau, die sich letztlich gegen Alfredo entscheidet – aus einem Gefühl tiefer Verantwortlichkeit. In der Szene das deutlich zum Ausdruck: „Umarmen Sie mich einmal wie eine Tochter.“ In dem Moment, in dem es um Familie geht, beginnt sie wirklich zu wanken und nachzugeben. Das zeigt: In Violetta lebt eine starke Sehnsucht nach Nähe und Zugehörigkeit – nach einer Familie, die sie selbst nie hatte.

Dafür haben wir auch eine szenische Interpretation des Finale Ultimo gefunden, die die Einsamkeit der Protagonistin in besonderer Art und Weise widerspiegelt.«

Sonja Füsti über ihr Bühnenbild: »Der Ausgangspunkt war für uns Violettas Einsamkeit und Isolation. Deshalb befinden wir uns in einem Raum, der fast völlig geschlossen ist – ohne Öffnungen, ohne Ausblick. Ich habe mich unter anderem von der englischen Bildhauerin Rachel Whiteread inspirieren lassen, vor allem in der Gestaltung der Oberflächen: Sie arbeitet mit Abgüssen, mit Negativformen, oft aus Beton – Räume, die wie ins Umgekehrte verkehrt sind und die Grenze zum Raum im Inneren thematisieren. Diese Idee habe ich aufgegriffen. Die Struktur der Bühne, wie wir sie entworfen haben, ist davon beeinflusst – ein Raum ohne sichtbare Durchbrüche nach außen, teils eng, massiv, abgeschlossen, dunkel, verschattet, isoliert. Am Anfang stand jedoch das Gemälde »Excursion into Philosophy« von Edward Hopper: eine halbnackte Frauenfigur liegt auf einem Bett, neben ihr sitzend ein bekleideter Mann –ein Moment von Intimität und zugleich Distanz. Dieses Bild war unser Ausgangspunkt und ist es auch für den Abend geworden.«

Proben

LA TRAVIATA

Oper von Giuseppe Verdi

Libretto von Francesco Maria Piave nach dem Roman »Die Kameliendame« von Alexandre Dumas d. J.

Premiere: Samstag, 13.9. | 19:30 Uhr | Großes Haus Einführungssoirée und Probenbesuch: Montag, 8.9. | 18:00 Uhr | Hauptfoyer

Musikalische Leitung: Carlo Goldstein | Regie: Jan Eßinger | Bühne: Sonja Füsti | Kostüme: Benita Roth | Dramaturgie: Anna Neudert | Licht: Steff Flächsenhaar

Mit: Sarah Vautour/Laura Pisani, Jason Kim/N.N., Eddie Wade/Aksel Daveyan, Seumas Begg, Dorothee Bienert/ Esther Vis, KS Paul Brady/Arthur Bruce, Irakli Atanelishvili, Seungweon Lee, Friederike Hansmeier, Georgi Nikolov, Philip Zehnoff, Seung Jin Park u.a.

Kostümbildnerin Benita Roth erklärt dazu: »Wir wollten die Geschichte zeitlich ein wenig entrücken, ohne daraus ein dokumentarisches Drama zu machen. Ganz grob bewegen wir uns in einer Atmosphäre, die an die 1940er Jahre erinnert. Ein zentrales Bild ist die Abendgesellschaft, die wir auf der Bühne zeigen. Damen- und Herrenchor in gedeckteren Farbtönen. Bei den Frauen überwiegen langärmlige Kleider, hier und da mit Pelzbesatz. Das verleiht dem Bild einerseits etwas Luxuriöses, aber gleichzeitig auch etwas leicht Animalisches – ein Aspekt, den ich später im Kostümbild bewusst wieder aufgreife. Während der Party werden Kleidungsstücke abgelegt, schnell spielt auch Haut und Sinnlichkeit eine Rolle. Dabei kommt teilweise auch ein spezieller Farbton zum Vorschein: ein warmer Korallenton. Dieser Ton ist stark mit Violetta verbunden – er findet sich in ihrem Morgenkleid am Anfang und auch im Schlussbild wieder. Später erleben wir die Abendgesellschaft aus der Perspektive der verletzten Violetta, als seelenlose, skurrile Gestalten.«

Die ersten Proben finden auf der Probebühne und noch ohne Beteiligung des Orchesters statt. Am Klavier von einem der Repetitor:innen musikalisch begleitet, entstehen in feiner Detailarbeit die Szenen des Stückes. Bewegungen, Aktionen, Interaktionen, Mimik und Gestik werden vom Regisseur gemeinsam mit den Sänger:innen erarbeitet, die Motivationen der Figuren gesucht oder hinterfragt und Rollen psychologisch durchdrungen. Ein kreativer Prozess, in dem sich Szenen für Szene aneinanderreiht. Sobald die einzelnen Szenen feststehen, werden sie in Abläufen aneinandergereiht.

Ungefähr zur Hälfte der Probenzeit beginnen erste Bühnenproben, die Produktion wechselt von der Probebühne auf die Bühne, parallel zu den szenischen Proben studiert das Staatsorchester gemeinsam mit dem musikalischen Leiter die Musik ein.

Und langsam nähert sich die Produktion den Endproben, der heißen Phase, der Premierencountdown tickt.

Eine wichtige Probe in dieser Endphase ist die Klavierhauptprobe. Bei dieser Probe wird das gesamte Werk zum ersten Mal in Kostüm und Maske, im originalen Bühnenbild, mit originalen Requisiten und originaler Beleuchtung im Ablauf geprobt – noch begleitet vom Klavier. Übergänge, Kostümumzüge, Umbauten und sonstige Besonderheiten werden unter möglichst originalen Bedingungen ausprobiert. Nach der Klavierhauptprobe stößt dann endlich das Staatsorchester zur Produktion hinzu, in Bühnen- und Orchesterproben wird das Zusammenspiel der szenischen Vorgänge mit der live vom Orchester gespielten Musik einstudiert, auch hier geht es um Präzision, Übergänge und Timing. Dabei wird jede Szene erneut durchgearbeitet – diesmal unter realen klanglichen Bedingungen. Jetzt zeigt sich, wie Regie, Spiel und Musik ineinandergreifen. Für Sänger:innen und Regie ist es der Moment, in dem sich das zuvor Erprobte mit der vollen Klangfülle des Orchesters verbindet – oft eindrucksvoll, manchmal überraschend, immer aufregend. Schritt für Schritt entsteht so das musikalisch-szenische Gesamtbild der Inszenierung.

Bauprobe

Sind alle diese Elemente zusammengefügt, folgt die Orchesterhauptprobe – ein Durchlauf der gesamten Oper, jetzt mit Orchester, Bühne, Kostüm, Licht und Technik unter nahezu realen Aufführungsbedingungen. Hier geht es um den letzten Feinschliff: kleine Anpassungen an musikalischem Ausdruck, Timing oder Szenenverlauf, letzte Abstimmungen zwischen Dirigent, Regie, Technik, Beleuchtung und Inspizienz. Noch sind Korrekturen erlaubt.

Außerdem entstehen während dieser letzten Proben Produktionsfotos und Trailer.

Den Abschluss bildet die Generalprobe, meist vor einem kleinen hausinternen Publikum, als erste vollständige Aufführung ohne Unterbrechung – der Aberglaube erlaubt kleine Fehler, denn läuft eine Generalprobe zu reibungslos, könnte das Unglück bringen.

Die Generalprobe ist für alle Beteiligten der letzte Testlauf für die große Premiere – mit Lampenfieber, Konzentration und Vorfreude. Und mit der Premiere beginnt das, worauf alle hingearbeitet haben: Das eigentliche Theatererlebnis, mit Ihnen zusammen, liebes Publikum. Denn ohne Sie, ohne Ihr Mitfühlen, Ihr Mitdenken, Ihr Lachen, Ihr Weinen oder Ihren Applaus gibt es schließlich keine »echte« Theateraufführung.

Bühnenmodell
Foto: Stephan Walzl

SHAKESPEARES INSEL

Wo haben Sie Ihren Sommer verbracht?

Vielleicht auf einer Insel? Aber wahrscheinlich nicht auf einer, wie sie William Shakespeare in »Der Sturm« beschrieben hat. Und hoffentlich sind Sie auch nicht an ihrer Küste gestrandet? Wo liegt diese Insel? Im Fall von Shakespeares spätem, 1611 uraufgeführtem Werk ist sie irgendwo in der Mitte zwischen Neapel und Tunis lokalisiert und vielleicht ein Urlaubsparadies für einen Sommer, aber nicht für ganze fünfzehn Jahre. Diese Zeit verbringt der mit Zauberkräften begabte Prospero dort mit seiner Tochter Miranda, die, gerade der Pubertät entwachsen, seinen Zukunftsplänen dienen soll. Zu ihnen gesellen sich als Mitbewohner zwei nicht leicht zu bestimmende Wesen: eines aus der Erde, Caliban, und eines ein Geist aus der Luft, genannt Ariel. Jedes von ihnen ist auf schicksalhafte Weise eng mit Prospero verbunden und sehnt sich nach Freiheit.

Oder waren Sie in der Ferienzeit auf einer Hochzeit im Familien- oder Freundeskreis eingeladen, wie jene Gruppe von Prosperos Feinden um König Alonso und seinen Bruder Antonio? Auf der Rückreise von Heiratsfeierlichkeiten in Tunis lässt sie ein von Prospero mittels Magie entfesselter Sturm genau an der Küste seiner Insel stranden.

Eine Insel ist ein idealer Urlaubsort, aber auch ein Raum, an dem man einander nicht entkommen kann – genau richtig für ein Drama, das Prospero entfachen will und das alles zwischen Rache und Macht, zwischen Liebe und Zauberei enthalten soll. Denn Prospreo will sich dafür rächen, dass ihn sein Bruder um die Herzogswürde Mailands gebracht hat und sich Alonso, dem König Neapels, unterworfen hat. So müssen Miranda und der Königssohn Ferdinand dazu gebracht werden, sich ineinander zu verlieben, damit die beiden Reiche vereint werden können. Das muss mehr sein als eine Urlaubsliebe. Andere Figuren werden von den Geistern der Insel buchstäblich verrückt gemacht oder versinken im Schlamm.

Vielleicht haben Sie auch das ein oder andere Museum besucht? »Der Sturm« ist entstanden, als Großbritannien gerade begann, sich zu einer globalen Macht zu entwickeln. Nachdem Spanien als Seemacht überflügelt war, galt es, fremdes Land zu Kolonien zu machen. So führte ein regelmäßiger Schiffsverkehr über den Atlantik nach Nordamerika – und in die Konfrontation mit fremden Zivilisationen, denen Lebensraum und Ressourcen streitig gemacht wurden. Und es bestand durchaus auch das Risiko, Schiffbruch zu erleiden. So strandete eine Expedition auf der Reise nach Virginia im Jahr 1609 spektakulär an der Küste der Bermuda-Inseln. Die Berichte über diesen Vorfall an den »Teufelsinseln« dürften Shakespeare bekannt gewesen sein, enthält der Text von »Der Sturm« doch Anspielungen auf die Bermudas. Liegen die etwa im Mittelmeer? Mit der Geografie nahm es Shakespeare in seinen Werken nicht so genau. Widersprüchlich wird auch Prosperos Zauberinsel beschrieben: Duftet der Wind oder riecht er nach Fäulnis? Ist der Boden begrünt oder braun und verbrannt. Gibt es Essen und Trinken in Hülle und Fülle oder drohen Durst und Hunger? Wenigstens wird der Mundschenk Stephano mit einem ganzen Fass Wein angeschwemmt, was ihm ungeahnte Macht über den rebellischen Caliban verleihen wird. Und was soll man anpflanzen, wenn man diese Insel kultiviert – Brennnesseln oder Rosen?

Während die Entdeckungs- und Eroberungsreisen zu Shakespeares Lebenszeit Fahrt aufnahmen, entwickelte sich auch die Naturwissenschaft rasant weiter. In Padua und Florenz, mitten zwischen Mailand und Neapel, stellte Galileo Galilei das christliche Weltbild in Frage. In Shakespeares Texten steht außer Zweifel, dass die Erde eine Kugel und daher zu umrunden ist. Doch so viele neue Erkenntnisse schienen den Menschen unheimlich und nahe an der Zauberkunst. Auch die neugierigen Forscher überschritten oft genug die Grenze zwischen wissenschaftlicher Seriosität und Okkultem. Die Astrologie galt als

ernstzunehmende Disziplin und Geisterbeschwörungen gehörten zum Handwerkszeug. Somit kann auch Prospero, der mittels seiner Bücher über Ariel, Caliban und andere übersinnliche Wesen seiner Insel gebietet, als ein Grenzgänger zwischen Magie und Wissenschaft betrachtet werden.

Für die Umsetzung seiner Pläne muss Prospero ein einziger Nachmittag genügen. Dabei darf er nicht den Überblick über die unverhofft auf der Insel gelandeten Besucher verlieren; und auch seine vertrauten Wesen gehen eigene Wege. So wird die Insel zu einem Schauplatz, an dem sich alles ereignet, was man mit Shakespeares Theater verbindet – aus einer Tragödie wird dabei eine Komödie und zuletzt ein utopisches Märchen.

Reinar Ortmann

DER STURM

Von William Shakespeare

Premiere: Samstag, 20.9. | 20:00 Uhr | Kleines Haus

Einführungssoiree und Probenbesuch: Mittwoch, 10.9. | 18:00 Uhr

Weitere Vorstellungen: 28.9., 29.9. u.a.

Regie: Ebru Tartıcı Borchers | Bühne und Kostüme: Sam Beklik | Musik: Dani Catalán |Choreografie: Azahara Sanz Jara | Dramaturgie: Reinar Ortmann | Licht: Philipp Sonnhoff

Mit: Esther Berkel, Konstantin Gries, Florian Heise, Matthias Kleinert, Caroline Nagel, Katharina Shakina, Andreas Spaniol, Tamara Theisen, Darios Vaysi
Foto: Unsplash

DAS GUTE LEBEN

Der Bondi Beach ist ein Strand an der Ostküste Australiens und gehört zur Weltmetropole Sydney – ein mondförmiger Sehnsuchtsort, mit weißem Sand, türkisem Wasser und hervorragenden Surfwellen. An diesem Ort ist seit einigen Jahren ein Trend zu beobachten, das sogenannte »Bondi-Paradox« oder der »Bondi-Detox«. Ein Lifestyle, der vorsieht, sich von Montag bis Freitag gesund zu ernähren, sich fit zu halten und asketischen Abstand von jeglichem Übermaß zu halten. Am Wochenende hingegen ist jede Art des Exzesses erlaubt. Alkohol, Drogen, Völlerei, Sex – Hauptsache es macht Spaß, vermittelt ein Gefühl der ungebrochenen Freiheit und gibt eine Antwort auf die Frage: Wie hole ich das Beste aus meinem Leben heraus? Der Bondi Beach und mit ihm sein Lifestyle sind Namensgeber von Rebekka Kricheldorfs 2023 uraufgeführtem Stück. Der Strand ist hier allerdings kein realer Ort, sondern bleibt ungreifbare Fiktion und wird dadurch ein wiederkehrender Orientierungspunkt dafür, ob und wonach man sich im Leben vielleicht noch sehnt. Die Freund:innen Zoe, Fiffy, Nico, Tristan und Dennis kennen sich schon lange und kommen regelmäßig zusammen, um sich gegenseitig auf den neusten Stand zu bringen. Wir lernen sie zunächst in ihren Dreißigern kennen. Obwohl der Tod noch in weiter Ferne zu liegen scheint, hat Zoe einige Formulare dabei: Bestattungsvorsorge. Ganz nach dem Motto »Besser früh als nie« stellt sich die Gruppe

also ihren letzten Wünschen. Und weil sich Tod und Leben bekanntlich nahestehen, stoßen die Überlegungen zur eigenen Beerdigung weitreichende Fragen über das Leben an, die die Figuren und das Publikum den gesamten Theaterabend begleiten: Waren meine Entscheidung bis hierhin richtig? Gibt es Dinge, die ich unbedingt noch erleben will? Möchte ich bis zu meinem Lebensende in dieser Partnerschaft sein? Doch vor allem: Bin ich wirklich glücklich? Und wenn nein – wie werde ich es?

Besonders die letzte Frage ist alles andere als neu, sondern Grundlage der Philosophie. Für den antiken Denker Platon (427-347 v.u.Z.) lag individuelles Glück stets im Streben nach den Tugenden Weisheit, Tapferkeit und Mäßigung. Und es war wiederum eng gekoppelt an das Gelingen des Gemeinwesens. Denn der ideale Staat schaffe die besten Voraussetzungen für ein sinnvolles Leben, das die Seele in Einklang mit dem »Guten« bringe. Etwa hundert Jahre später polarisierte der Grieche Epikur (341-270 v.u.Z.) mit einem sehr viel individuelleren Glücksmodell: Ein lustvolles Leben könne nur durch Abwesenheit von physischem und psychischem Schmerz entstehen. Dabei solle man die notwendigen Triebe wie Essen oder Schlafen jederzeit befriedigen, aber nicht notwendige wie Macht, Ruhm oder Reichtum meiden, da sie abhängig machten oder innere Unruhe erzeugten. Søren Kierkegaard (1813-1855), Wegbereiter des Existentialismus, hatte viele Jahrhunderte

BONDI BEACH

Von Rebekka Kricheldorf

Premiere: Samstag, 27.9.25 | 20:00 Uhr | Kleines Haus Einführungssoirée und Probenbesuch: 3.9. | 18:00 Uhr | Hauptfoyer

Die nächsten Vorstellungen: 4.10., 11.10., 22.10., 26.10., 23.11., 5.12., 17.12., 31.12.2025 / 2.1., 3.1., 16.1., 27.1., 31.1., 5.2., 21.2., 25.3., 5.4.2026

Regie: Moritz Peters | Bühne und Kostüme: Ulrich Leitner | Dramaturgie: Elisabeth Kerschbaumer | Licht: Arne Waldl

Mit: Hagen Bähr, Gerrit Frers, Julia Friede, Klaas Schramm, Franziska Werner

später einen entscheidenden Gedanken: »Die Langeweile ist die Wurzel allen Übels«, sie sei etwas »Dämonisches«. Denn Langeweile führe zur inneren Leere, zum Nichts. Dieser Lebenslangeweile stellen sich die Freund:innen in »Bondi Beach«. Lässt sich vielleicht in aufregenden Liebschaften, in neu gewonnener Spiritualität oder schlicht im Auswandern noch ein bisschen Leben finden? Sie werden vierzig, fünfzig, sechzig Jahre, und der Blick in die eigene Vergangenheit wird angenehmer als der in die Zukunft. Denn mittlerweile liegt mehr Leben hinter als vor ihnen, und die Zeit vergeht unaufhaltsam. Zoe, Fiffy, Nico, Tristan und Dennis versuchen, aus ihren Mustern auszubrechen, holen versäumte Gespräche nach und merken gleichzeitig, dass es etwas für sich hat, das Verpassen, das Scheitern, das nostalgische Schwelgen in Jugenderinnerungen und auch das Akzeptieren des Alterns. Für den Existenzialisten Jean-Paul Sartre (1905-1980) besteht das Leben, das reine Dasein (»Existenz«), aus radikaler Freiheit. Der Mensch müsse selbst Entscheidungen fällen, wie er oder sie dieses Leben gestalten wolle, welchen Sinn es durch das eigene, bewusste Handeln erhalten solle (»Essenz«). Es gebe keinen Gott, keinen Plan und keinen übergeordneten Sinn, der Orientierung gebe, sondern allein die Eigenverantwortung des Individuums. Dabei thematisieren die Existentialist:innen im gleichen Atemzug die Schattenseiten dieser Freiheit: Sie bringe auch Angst vor falschen Entscheidungen und den Druck, das Leben jede Sekunde auskosten zu müssen mit sich.

Diese innere Unruhe zieht sich bis ins 21. Jahrhundert: Nicht nur unzählige Ratgeber und Coachings, sondern auch Gesichtscremen und Fitnessuhren versprechen ein unbeschwertes, optimiertes und schlicht glückliches Leben. Umso schwerer scheint es uns zu fallen, Prozesse wie Altern und Sterben, die wir nicht in der Hand haben, im Alltag zu akzeptieren. Unter diesem Aspekt erscheint es vielleicht sogar logisch, dass das duale System vom »Bondi-Paradox« für viele Menschen funktioniert. Es folgt einer leicht erklärbaren Logik und scheint die Unvereinbarkeit des gesellschaftlich Erwünschten und Verpönten leichtfüßig zu überwinden – und lässt die Menschen für einige Momente die Unausweichlichkeit des eigenen Todes vergessen. Die Dramatikerin Rebekka Kricheldorf wählt für »Bondi Beach« das Genre der Komödie. Denn sie begreift »Humor als Waffe […] [d]er Machtlosen, Rechtelosen, Unterdrückten, Schwachen und Unfreien« – in diesem Fall gegen den Tod. Bereits als Schülerin habe sie sich mit »Quatsch« über den öden Schulalltag gerettet, schreibt sie in ihrem Buch »Dem Tod ins Gesicht lachen«. Sie habe schon damals geahnt, dass »dieser Ernst nur ein großer Betrug sein kann, ein Schmierentheater zur Verleugnung der Tatsache, dass die Veranstaltung Leben eine komplett absurde ist.« So ist auch »Bondi Beach« ein Plädoyer für mehr Leichtigkeit, Selbstironie und Freude an den kleinen Momenten im Leben. Kricheldorf zeichnet eine komprimierte Zeitreise durch die Jahrzehnte und lässt uns in den temporeichen Dialogen mit viel Wortwitz unsere eigene Unzulänglichkeit erkennen. Am Ende bleibt ein wichtiger Trost: Wir sind mit alledem – dem Befragen, dem Scheitern, dem Freuen, dem Schreien, dem Nichtausreichen, dem Amüsieren, dem Jauchzen, dem Fürchten, also: dem Leben und auch dem Sterben – nicht allein.

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Ich habe mal einen LIEBESBRIEF von einem Nachbarsmädchen bekommen, hatte aber gleich den Verdacht, dass das Mädchen ihn gar nicht selber geschrieben hat, sondern ein Freund aus der Straße. Mein Vater hat zu der Zeit als Detektiv gearbeitet. Irgendwann stand der Nachbarsjunge vor der Tür und wollte mich zum Spielen abholen und mein Vater hat ihn gefragt, ob der Brief von ihm geschrieben sei. Der Junge hat nur herumgedruckst und es abgestritten. Mein Vater meinte dann, er müsse dann Fingerabdrücke nehmen und einen DNA-Abgleich machen, um herauszufinden, wer das war. Da ist der Junge eingeknickt und hat doch die Wahrheit gesagt …

Erwachsener Mann, damals Grundschüler

Ich durfte früher NICHT IN DEN WALD, der direkt hinter unserem Haus lag. Sonst konnten wir überall spielen, aber der Wald war tabu. Wir haben »Jungs gegen Mädchen« gespielt, die Jungs haben uns gejagt und ich bin einfach superschnell in den Wald gerannt, damit sie mich nicht kriegen. Im Wald bin ich in einem Graben weitergelaufen, weil der etwas tiefer lag und man mich nicht so gut sehen konnte. Über dem Graben waren von Zeit zu Zeit Querdrähte gespannt, genau in der Höhe meines Halses. Ich bin also voll mit dem Hals gegen so einen Draht gerannt. Als ich später nach Hause gekommen bin, fragte meine Mutter mich, was ich da für eine Verletzung am Hals hätte – es war ein richtig dicker, roter Striemen. Ich wollte nicht zugeben, dass ich ihr Verbot übertreten hatte, in den Wald zu gehen. Also habe ich ihr erzählt, ich wollte einen Ball von der Kuhweide holen und sei dabei am Zaun hängengeblieben.

Damals neunjähriges Mädchen

Ich bin mal mit meinem Freund von der Schule nach Hause gefahren. In der Nähe der Schule gibt es einen EISLADEN und mein Freund hatte 5 Euro dabei. Wir haben zusammen ein Eis gegessen und ich war viel später als sonst Zuhause und mein Vater hat sich schon Sorgen gemacht. Weil ich nicht wollte, dass er sauer auf mich ist habe ich gesagt, dass die Lehrerin mit der ganzen Klasse ein Eis essen war und es nicht meine Schuld sei, dass ich zu spät gekommen bin.

LÜGEN WILL GELERNT SEIN …

Erwachsene Menschen lügen mehrmals täglich und denken oftmals kaum noch darüber nach. Kindern bringen ebendiese Erwachsene dennoch bei, dass Lügen etwas Schlechtes und nicht anständig sei. Wenn Sie Ihre Kinder beim Lügen erwischen, machen Sie sich dennoch bitte keine allzu großen Sorgen, denn Forscher:innen sind sich einig: es ist vollkommen normal, dass Kinder lügen. Es lässt sich sogar als Zeichen geistiger Entwicklung und Reife werten, denn in den ersten Lebensjahren fehlt dem Menschen die Fähigkeit, die Unwahrheit zu sagen, gänzlich. Bis zu einem Alter von ungefähr drei Jahren gehen Kinder davon aus, dass ihre Erfahrungen und das Erleben anderer Menschen deckungsgleich sind, also alle in ihrem Umfeld dasselbe wahrnehmen und empfinden. Im Alter von etwa vier Jahren erlernen Kinder die Fähigkeit der Empathie. Und gleichzeitig lernen sie, zu lügen. Dazwischen besteht natürlich ein Zusammenhang, denn um zu lügen und das Lügenkonstrukt aufrechtzuerhalten, muss man sich in andere Menschen hineinversetzen können. Unehrlichkeit muss also erst erlernt werden.

Mein Freund war mal IN EIN MÄDCHEN VERLIEBT. Sie hat ihm aber einen Liebesbrief für mich gegeben. Mein Freund hat den Brief aber vor mir geheim gehalten, einfach meinen Namen durchgestrichen und seinen eigenen in den Brief geschrieben. Das kam später nur raus, weil das Mädchen mich irgendwann gefragt hat, warum ich nicht geantwortet habe und sie dann meinen Freund zur Rede gestellt hat.

Zehnjähriger Junge

Das

Einrichtung des Landes Niedersachsen

Gefördert von der Stadt Oldenburg

Was so spannend ist: kaum unterscheiden Kinder zwischen Realität und Fiktion, sehen sie sich mit einem Widerspruch konfrontierteinerseits maßregeln die meisten Eltern kindliche Unehrlichkeit in alltäglichen Situationen und haben einen hohen Anspruch an Ehrlichkeit. Andererseits fordern sie ihre Kinder zeitweise zum Lügen auf – eben aus Höflichkeit, um Peinlichkeiten oder unangenehme Situationen zu vermeiden. Das zu verstehen, ist für Kinder nicht einfach: Was ist erlaubt, was ist verboten? Wo verläuft die Grenze zwischen toleriertem, sozialem Flunkern und einer geächteten, falschen Lüge?

Fakt ist, dass das Lügenlernen laut Wissenschaft notwendig ist, um wichtige Kernkompetenzen zu entwickeln, die wir im sozialen Miteinander benötigen. Marc Becker hat das zum Anlass genommen, ein Stück für Kinder ab 9 Jahren zu schreiben und zu inszenieren. Der moralische Zeigefinger bleibt aber unten, während Zuschauende viel übers Flunkern, Erfinden und Täuschen lernen.

Die Vorproben laufen bereits, die Premiere findet am 14. September 2025 in der Exhalle statt – oder doch nicht und alles ist nur erstunken und erlogen? Man kann nie wissen …

Nora Hecker

Ich habe meine Mutter mal gefragt, ob ich HEIMLICH IN DER NACHT zocken darf, weil ich sie ja nicht anlügen wollte. Sie hat nur gelacht und gesagt, dass es ja nicht mehr heimlich sei, wenn ich sie fragen würde. Heute zocke ich öfter heimlich, wenn ich mal alleine Zuhause bin und sage meiner Mutter, ich hätte ein Hörspiel gehört, wenn sie mich fragt.

Elfjähriger Junge

Impressum

Theaterzeitung für Oldenburg und umzu in Zusammenarbeit mit der NWZ

Oldenburgisches Staatstheater

Generalintendant: Georg Heckel

Redaktion: Dramaturgie und Öffentlichkeitsarbeit

Chefredaktion: Anna Neudert, Reinar Ortmann

Grafikdesign: Wiebke Jakobs / Pink Gorilla Design Hamburg

Stand der Drucklegung: 1.7.2025

Änderungen vorbehalten.

Zehnjähriger Junge

Meine Schwester und ich haben einen kleinen FERNSEHER in unserem Zimmer. Wenn wir alleine Zuhause sind, weil unsere Mutter einkaufen ist oder so, schaue ich oft HEIMLICH fern. Meine Mutter fragt immer direkt, ob wir ferngesehen haben, während sie weg war. Ich sage jedes Mal sofort nein, aber sie fühlt dann mit der Hand, ob der Fernseher noch warm ist und überführt mich so regelmäßig.

Zwölfjähriges Mädchen

Ich habe mal ein Nummernschild von einem Trabi GEKLAUT. Das war ein Trabi 601s. Man hat mich dabei wohl erwischt, das wusste ich da aber nicht. Irgendwann bekam ich nach der Schule dann einen Anruf und wurde gefragt, ob ich der und der sei, da und da zur Schule gehe und wohne usw. Ich habe alles bejaht. Der Mann sagte, dann würde er jetzt vorbeikommen und sich sein Schild abholen. Ich habe dann aufgelegt, bin mit den Nummernschildern in den Wald gerannt und habe sie dort verscharrt. Als ich wieder Zuhause war, wartete der Mann mit meinen Eltern schon auf mich. Ich konnte das Ganze aber erfolgreich abstreiten, weil es keine Beweise gab, obwohl natürlich alle wussten, was Sache war.

Damals dreizehnjähriger Junge

LÜGEN LERNEN

Eine Lügengeschichte von Marc Becker

Uraufführung: Sonntag, 14.9. | 16:00

Uhr | Spielraum

Regie: Marc Becker | Bühne und Kostüme: Johanna Bode | Dramaturgie: Nora Hecker | Theatervermittlung: Hanna Puka, Lina Joost-Krüger

Mit: Paul Enev, Paulina Hobratschk und Cara-Maria Nagler

Theaterkasse

Tel 0441. 2225-111

Öffnungszeiten: Di–Fr 10:00–18:00 Uhr, Sa 10:00–14:00 Uhr, montags nur Vorstellungskasse

www.staatstheater.de

facebook.de/oldenburgisches.staatstheater instagram.com/oldenburgischesstaatstheater

Oldenburgische Staatstheater ist eine
Foto: Stephan Walzl

WEICHE HALBTÖNE

Detlev Glanerts »Heliogravure« erklingt im 1. Sinfoniekonzert

Heliogravüre, Photogravüre, Reproduktionsverfahren des Tiefdrucks, bei dem die Druckplatte mit Hilfe photographischer Prozesse präpariert wird. Von der zu vervielfältigenden Bildvorlage kopiert man ein Diapositiv auf lichtempfindliches, mit pigmentierter Gelatine beschichtetes Papier und preßt das neue Positiv naß auf eine mit angeschmolzenem Asphaltstaub bedeckte Kupferplatte. Bei anschließender Behandlung mit warmem Wasser werden Trägerpapier und unbelichtete Gelatine entfernt. Die so vorbereitete Platte kann in unterschiedlich starken Bädern von Eisenchlorid je nach Härtung der verbliebenen Gelatineschicht leichter oder tiefer geätzt werden, wodurch beim Drucken die für die Heliogravüre kennzeichnenden weichen Halbtöne entstehen. Die Heliogravüre wurde 1879 von Karel Klič erfunden und besonders zwischen 1890 und 1910 zur einfarbigen Illustrierung anspruchsvoller Bücher verwendet.

Brockhaus, 1989

Bei diesem Verfahren handelt es sich um die erste Möglichkeit, Bilder zu drucken – dafür wird das analoge Foto mithilfe des beschriebenen Verfahrens auf eine Blech- oder Kupferplatte übertragen, um diese als Druckvorlage verwenden zu können. Die gewählte Platte wird dabei durch gezielte chemische Eingriffe so umgestaltet, dass sie immer noch ihre ursprüngliche Form behält, allerdings durch das nun darauf geätzte Motiv einen neuen Verwendungszweck bekommt. Anschließend kann sie mit Farbe bestrichen und das Motiv auf Papier gepresst werden.

In gewisser Weise übertrug der Komponist Detlev Glanert das Druckverfahren auf die Musik, als er zwischen 2011 und 2012 seine »Brahms-Fantasie« komponierte und mit dem Untertitel »Heliogravure für Orchester« versah. Dabei entnahm er die Anfangstakte aus Brahms 1. Sinfonie und gestaltete sie zu einem 12-minütigen Stück um, sodass Brahms’ musikalische Grundstruktur zwar noch vorhanden blieb und doch zu etwas Neuem wurde.

Es ist naheliegend, dass Dirigent Florian Ludwig im 1. Sinfoniekonzert neben Glanerts Brahms-Fantasie auch das »Original« – Brahms 1. Sinfonie – auf’s Programm setzt. Lange hatten Brahms’ Selbstzweifel ihn am Schreiben einer eigenen Sinfonie gehindert, musste ein solches Werk in seinen Augen nach Beethoven doch »ganz anders aussehen«. So vergingen 14 Jahre zwischen dem ersten Entwurf für den 1. Satz und der Vollendung des gesamten Werks. Und es ist umso erstaunlicher, dass Brahms dann doch sehr deutliche Anspielungen an »Freude schöner Götterfunken« aus Beethovens 9. und letzter Sinfonie in sein Werk einflicht. Darauf angesprochen soll Brahms erwidert haben: »Jawohl, und noch merkwürdiger ist, daß das jeder Esel gleich hört.« Dirigent Hans von Bülow erklärte, Brahms’ Sinfonie sei »Beethovens Zehnte« und der Komponist selbst hatte endlich die Gewissheit, dass man auch dann noch Sinfonien komponieren kann, wenn man »immer so einen Riesen hinter sich marschieren hört«.

Mirjam Thissen

1. SINFONIEKONZERT

Sonntag, 21.9. | 11:15 Uhr und Montag, 22.9. | 19:30 Uhr | Großes Haus

DETLEV GLANERT (*1960): Brahms-Fantasie. Heliogravure für Orchester

WOLFGANG AMADEUS MOZART (1756-1791): Sinfonie C-Dur KV 551 (»Jupiter-Sinfonie«)

JOHANNES BRAHMS (1833-1897): Sinfonie Nr. 1 c-Moll op. 68

Musikalische Leitung: Florian Ludwig Oldenburgisches Staatsorchester

BREMOLOS POSAUNENQUARTETT

Bremolos Posaunenquartett, so nennen sich die vier Posaunist:innen Camille Renaud (Soloposaunistin des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven), Martin Chorell (Stellv. Soloposaunist des Philharmonischen Orchesters Bremerhaven), Maximilian Schrag (Bassposaunist des Osnabrücker Symphonieorchesters) und Bastian Robben (Soloposaunist des Oldenburgischen Staatsorchesters). Für ihr Kammerkonzert haben sie sich ein breites musikalisches Programm gewählt: Dabei stammt das älteste Werk bereits aus dem 16. Jahrhundert. Der SpätrenaissanceKomponist Claudio Merulo war Organist im venezianischen Markusdom, einem der musikalischen Zentren jener Zeit. Von dem jüngsten auf dem Programm stehenden Komponisten trennen ihn fast 450 Jahre: Der heute 43-jährige belgische Steven Verhelst ist nicht nur Komponist, sondern selbst Posaunist und nahm u.a. an einem Meisterkurs bei Christian Lindberg teil – von dem ebenfalls ein Werk im 1. Kammerkonzert gespielt wird.

1. KAMMERKONZERT

Klangfarbenreise mit vier Posaunen

Sonntag, 28.9. | 11:15 Uhr | Kleines Haus

CLAUDIO MERULO (1533-1604): Qui manducat

meam carnem

PHILIP SPARKE (*1951): Reflections

CLAUDE DEBUSSY (1862-1918): Trois Chansons

CHRISTIAN LINDBERG (*1958): Kinky Creatures

DANIEL SCHNYDER (*1961): Trombone Quartet

STEVEN VERHELST (*1981): La Tarara

JAN KOETSIER (1911-2006): Cinq Impromptus op. 55

GEORGE GERSHWIN (1898-1937): A Portrait

JEFFREY AGRELL (*1948): Gospel Time

Bremolos Posaunenquartett: Camille Renaud, Martin Chorell, Maximilian Schrag und Bastian Robben

MY SHIP –STORIES OF MIGRATION

Kurt Weill – Songs in Jazz

Dieser musikalisch-literarische Abend widmet sich dem Thema Migration – ihren Herausforderungen, Hoffnungen und kulturellen Potenzialen. Im Zentrum steht das Werk von Kurt Weill, der selbst fliehen musste und seine Erfahrungen in berührender Musik verarbeitete. Neu arrangierte Songs wie »My Ship« oder »Mack The Knife« treffen auf Jazzklänge, Bilder und Zeitzeugnisse – ein eindrucksvoller Abend über Aufbruch, Verlust und Neuanfang.

MY SHIP – STORIES OF MIGRATION

Previewim Rahmen des GLOW Nordwest Jazzfestival

Freitag, 26.9. | 20:00 Uhr | Kulturzentrum PFL

Mit: Raimund Moritz (ts/ss/cl – Projektidee- und Umsetzung), Oli Poppe (p), Michael Hagemeister (b), Christian Schoenefeldt (dr), Streichquartett des Oldenburgischen Staatsorchesters sowie Mitgliedern des Schauspielensembles des Oldenburgischen Staatstheaters

Arrangements: Malte Schiller

Hier geht’s zum Gesamt-Programm des GLOW Nordwest Jazzfestival, das vom 25. bis 28. September in Oldenburg stattfindet

Wie heißt du?

Annika Müller

Wie heißt dein Beruf?

Dramaturgieassistenz und Mitarbeit Sparte 7

Wie würdest du deinen Beruf (umbe)nennen?

Allesmacher:in? Chaoskoordinator:in mit Textlizenz? Vielleicht auch einfach JuniorDramaturg:in.

Was machst du hauptsächlich?

Texte schreiben und Korrekturlesen, Bücher und Stücke lesen, den Dramaturg:innen am Haus zuarbeiten, Veranstaltungen planen und betreuen, die ein oder andere Dramaturgie eigenständig übernehmen, Einführungen und

WAS MACHT EIGENTLICH

In jeder Ausgabe der Theaterzeitung stellen wir Ihnen ab sofort einen Beruf im Theater vor, den Sie vielleicht noch nicht kennen.

Nachgespräche halten, Führungen koordinieren und leiten und vor allem ganz viel mit Menschen kommunizieren.

Woran erkennt man eine Dramaturgieassistenz?

Ist immer da, und wird häufig danach gefragt, was genau sie eigentlich macht.

Wo befindet sich »deine Bühne«?

Irgendwo zwischen Büro und Theaterbühne. Es gibt überall viel zu tun.

Was ist dein »Signature Tool« bzw. dein Markenzeichen?

Mein Notizheft. Für alles, was noch geplant, erledigt und sich gemerkt werden muss.

Welche Abteilungen hören regelmäßig von dir?

Ich arbeite eng mit den Teams der Schauspieldramaturgie, der Sparte 7, dem DigitEX und der Öffentlichkeitsarbeit zusammen.

Welche Superkraft bräuchte man für deinen Job?

In die Zukunft schauen. Ich glaube, bei allen Assistenzstellen im Theater geht es darum,

gut vorausplanen zu können und zu antizipieren, was die Produktion oder die Kolleg:innen als nächstes brauchen könnten, sodass Abläufe gut vor- und nachbereitet werden können. Theater ist Teamarbeit und die Assistent:innen sind die Schnittstellen zwischen vielen Abteilungen.

Welcher lustige/schöne/absurde Moment ist dir in Erinnerung geblieben?

Ein absolutes Highlight war die Moderation der »Allerersten internationalen Oldenburger Open Stage« im DigitEX mit der Sparte 7, zusammen mit Gerrit Frers als das Moderationsduo Schnicki und Schnacki. Eine Talentshow, die die Stars von morgen aus Oldenburg und umzu präsentiert. Von Techno über Impro-Theater bis hin zu Gedichten war alles dabei. Legendär und sehr lustig!

Wie sähe das Theater ohne deinen Job aus?

Es gäbe keine Theaterführungen mehr, eine halbe Seite der Theaterzeitung wäre immer frei, keine Instagram-Posts auf dem Sparte 7-Account, es gäbe weniger Ankündigungstexte für Veranstaltungen oder lustige Abende in der Sparte 7 und mehr gestresste Dramaturg:innen. Es ist schwer zu sagen, denn damit eine Produktion am Ende steht, arbeiten viele Menschen zusammen. Ob man von außen den Unterschied merken würde, ist unwahrscheinlich. Aber meinen Kolleg:innen würde ich sicher fehlen.

Thorsten Lange schreibt für das Onlinemagazin Kulturschnack. Als Gastautor wirft er in der gleichnamigen Kolumne regelmäßig einen Blick auf Ereignisse und Entwicklungen in der Theaterszene.

ERHOLUNG IST TRAINING

Wie wir von Kulturpausen profitieren

Es ist Ewigkeiten her, aber ich bin früher mal ein paar Marathons gelaufen. Nicht schnell, nicht erfolgreich, aber immerhin bis ins Ziel. Spannend waren dabei nicht nur die Läufe selbst, sondern auch das Training. Es war das erste Mal, dass ich Sport nach Plan gemacht habe, also mit Sinn und Verstand. Das hat nicht nur überraschend viel Spaß gemacht, sondern erzeugte Lerneffekte, von denen ich auch heute noch profitiere. Zwar liegen die 42,195 Kilometer inzwischen außerhalb meiner Reichweite, aber die Belastungssteuerung lässt sich durchaus auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Sogar auf die Kultur!

Dosierung statt Dauerbelastung

Wie bitte, fragen Sie jetzt. Im Gegensatz zum Ausdauersport kann man Kultur noch unaufhörlich genießen, ohne an konditionelle Grenzen zu stoßen! Und ich würde Ihnen auch zustimmen – hätte ich nicht schon einige andere Erfahrungen gemacht. Tatsächlich stellt sich auch bei mir ein Übersättigungsgefühl erst sehr spät ein. Aber es geht gar nicht um eine mentale Erschöpfung, die weiteren Konsum unmöglich macht. Es geht um die mentale Lockerheit – oder um die Haltung, mit der man der Kultur begegnet. Da gibt es durchaus Abnutzungs-Erscheinungen, weil die kognitiven Aufnahmekapazitäten einfach begrenzt sind. Lässt die Kulturkondition – meist zum Sommer hin – langsam nach, tut eine Sache besonders gut: Eine kurze Pause, in der unser Kopf einfach mal nicht stimuliert wird, in der sich Rezeptoren und Synapsen erholen können. Eine Lehre aus besagtem Marathontraining lautet: Erholung gehört zum Training. Man-

che Läufer:innen bekommen nämlich sofort ein schlechtes Gewissen, sobald sie einen Tag nicht trainierten. Doch die Dauerbelastung hilft nicht, sie schadet sogar. Die Pausen sind essenziell, damit das Training einen positiven Effekt haben kann. Und manchmal denke ich: Dieses Prinzip lässt sich 1:1 auf beinahe alle Lebensbereiche übertragen. Ich stelle jedenfalls fest, dass sich zum Sommer hin der Kulturbedarf ändert. Die Saison in den Theatersälen ist gewissermaßen »durchgespielt«, Kopf und Körper wollen hinaus ins Freie. Ob Festival oder Lesung: Leichtigkeit ist Trumpf.

Die impulsive Neugier

In der Sommerpause hat man endlich die Zeit, all die orts- und zeitunabhängige Kultur genauer unter die Lupe zu nehmen. Sprich: Das gute Buch, die coole Platte, den klugen Podcast. Auch was das angeht, hat Oldenburg einiges zu bieten. Im Sommer haben wir aber zusätzlich die Chance, kulturell mal »fremdzugehen« und dem Rest der Welt etwas Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht ja sogar ganz persönlich – etwa, wenn man am Urlaubsort um die Ecke biegt, unversehens in ein Nachbarschaftskonzert stolpert und direkt eintaucht, weil man schlicht die Muße dazu hat. Einen Nebeneffekt hat all das – und der ist nicht zu unterschätzen. Der Erholungseffekt sorgt dafür, dass wir allmählich wieder Lust auf Neues in uns spüren. Sie wächst langsam, wird aber immer stärker, bis sie irgendwann einem regelrechten Hunger gleicht. Ihr Programm für die neue Spielzeit haben uns die Kultureinrichtungen in den letzten Wochen schon vorgestellt, Jetzt bekommen wir endlich die Gelegenheit, sie zu se-

hen und zu erleben. Ich liebe dieses Gefühl der impulsiven Neugier! Und ich habe Zweifel, dass es sich in dieser Form einstellen würde, wenn wir uns kulturell dauerbeschallen würden. Nein, die Mischung aus Hochbetrieb und Ruhephasen ist genau richtig – auch wenn wir jeder Pause zunächst mit Wehmut entgegensehen.

Entlastende Erkenntnis

Ich denke gerne an das Marathontraining zurück. All die Kilometer um den Woldsee, durchs Eversten Holz oder auf der Laufbahn in Wechloy waren nicht nur für die Leistung, sondern auch für Leben wertvoll. Denn seither weiß ich: Erholung gehört zum Training. Diese Erkenntnis ist mental ungeheuer entlastend – auch in der Kultur. Zwar ist der Sommer keineswegs mehr so ruhig wie er früher einmal war. Kultursommer, Einfach Kultur, Picknickkonzerte und Sommerkino lassen grüßen. Aber dennoch ist das Angebot insgesamt ausgedünnt und erlaubt uns, das neuronale Netzwerk einfach mal etwas ruhiger laufen zu lassen. Diese Erholung können wir gut gebrauchen. Schließlich gleicht das nun startende Kulturjahr ebenfalls einem Marathon. Man braucht eine gewisse Ausdauer, um all die Höhepunkte der neuen Spielzeit genießen zu können – und dabei profitiert man von den Grundlagen, die man im Sommer gelegt hat. Nach vier Wochen Auszeit im iberischen Outback darf ich persönlich sagen: Ich bin gut erholt, gewissermaßen also top trainiert. Den Kulturmarathon 25/26 traue ich mir zu. Und Sie?

Foto:

Fr 29., Sa 30., So 31.8. | 18:00 Uhr

EIN TÖDLICHES GEHEIMNIS

Eine Krimikomödie

Ein wohliges Kaminzimmer auf dem Landsitz der Familie Pomeroy, irgendwo in einer Grafschaft in Südengland: Benjamin Archibald Pomeroy the Third ist nach Wutherford Hall zurückgekehrt, um mit seinem Vater über das dunkle Geheimnis der Familie Pomeroy zu sprechen. Doch diesem ist nicht nach einem Gespräch mit seinem Sohn. Er hat ganz andere Probleme und Benjamin ist vor ein unvorhersehbares Problem gestellt …

Sa 23.8. | 20:00 Uhr

VOM FISCHER UND SEINER FRAU

Warum ein NEIN genauso wichtig wie ein Ja ist

Flaute bei den Fischers. Obwohl … Eigentlich ist alles wie immer. Herr Fischer steht jeden Tag um 3 Uhr auf, fährt raus auf‘s Meer und abends geht‘s wieder zurück. Dreißig Jahre ging das nun so. Seit drei Wochen ist alles anders. Da zappelte auf einmal ein 20-Kilo-Butt an der Angel – und der fing auch noch an zu reden, von wegen, dass er ein verwunschener Prinz sei, der obendrein noch Wünsche erfüllen könne! »Schnacker wie dich ess‘ ich nicht«, sagte Herr Fischer und warf den Butt kurzentschlossen wieder zurück ins Wasser.

FREIE THEATER

Do 4., Fr 5.9 | 20:00 Uhr

So 7.9. | 18:00 Uhr

DIE BREMER STADTMUSIKANTEN Schönheit kennt kein Alter

Alle Termine für Schulen und Kindergärten sind ab sofort bis Ende Januar 2026 auf unserer Homepage einsehbar.

Fr 19., Sa 20.9. | 20:00 Uhr So 21.9. | 18:00 Uhr HÄNSEL UND GRETEL

Do

Bahnhofstraße 19 | 26122 Oldenburg 0441-9555601 | theater@hof-19.de www.theaterhof19.de

Mi 10. – So 14.9.

INTERNATIONALES FILMFEST OLDENBURG

Unsere Spielsaison startet mit dem INTERNATIONALEN FILMFEST OLDENBURG. Wir freuen uns, dass wir in guter Tradition das 31. Filmfest auch dieses Jahr zu Gast haben. Seit seiner Gründung hat das Internationale Filmfest Oldenburg seinen Erfolg dem klaren Bekenntnis zum Independent Film, sowie der Förderung des innovativen und unabhängigen Filmemachens zu verdanken. Weitere Infos: https://www.filmfest-oldenburg.de Fr 19., Sa 20.9. | 19:30 Uhr WEIN ODER NICHT WEIN – SONGS UND GESCHICHTEN RUND UM DAS GETRÄNK DER GÖTTER

Schauspiel/Musik: Imme Beccard, Marie-Luise Gunst, Christian Klein, René Schack, Dieter Hinrichs | Regie: Marc Becker | Dramaturgie: Frauke Allwardt

Philosophisch, humorvoll, melancholisch, abwechslungsreich mit Live-Musik und tollen Geschichten rund um das Getränk der Götter. An diesem Abend geht es nicht nur um Wein, sondern auch um Gesang, ein bisschen natürlich auch um »Weib« – und um Mann. Tausende von Mythen und Geschichten ranken sich um dieses dionysische Getränk. 5 Schauspieler*innen/Musiker*innen präsentieren diesen Abend mit viel Spielfreude in angemessenem Ambiente. In unserer »Taverne« wird der Frage nachgegangen, wann der erste Mensch Wein trank und wie es dazu gekommen ist oder wieso Alfredo Nelli auf einem italienischen Friedhof Wein trinkt. Warum feiern Frauen anders als Männer, wieso sollten anständige Menschen Bier trinken, warum hat eine Reblaus keine Angst vor der Zukunft und was haben die Köchin Bruna, Jesus, Horst Janssen und Baron Rothschild damit zu tun? An unserer Weintheke auf der Bühne werden ausgesuchte köstliche Weine angeboten! Fr 3., Sa 4.10. | 20:00 Uhr GRIMMS WÖRTER WAHNSINN

So 14., So 21.9. | 16:00 Uhr ROSA WOLKE Für Kinder ab 2 – 6 Jahre und Erwachsene

Unsere Welt ist voller Farben. Zum Glück, denn sie machen unser Leben bunter. Aber Farben können noch viel mehr: Gefühle in uns hervorrufen. In »Rosa Wolke« begeben wir uns auf eine farbenfrohe Reise der Gefühle. Von dem süßen rosa Märchenwunderland geht es in das wärmende Gelb und von dort in das beruhigende Blau bis hin zum leidenschaftlichen Rot der Liebe. Aber huch: Rot steht auch für Wut und Grün ist nicht immer nur ruhig und manchmal ist Blau auch traurig statt entspannt. Gemeinsam mit zwei Performerinnen entdecken wir die Vielfalt der Emotionen, die wir mit Farben assoziieren und die sie in uns hervorrufen können. »Rosa Wolke« bringt uns auf farbenfrohe Art bei, dass Gefühle vielschichtig und ganz individuell sind. Um eine wechselnde Atmosphäre zu schaffen, taucht sich das anfangs weiße Bühnenbild immer wieder in neue Farben. Die Performerinnen erschaffen, passend zur jeweiligen Farbe, durch den Einsatz von tänzerischen Bewegungen und Klängen verschiedener Instrumente eine gefühlsgeladene Umgebung. Intuitiv und spielerisch bewegen sie sich durch die immer wieder neu auftauchenden Farben und Emotionen, die wir grundsätzlich alle in uns tragen. So werden aus simplen Bewegungen und Tönen komplexe emotionale Welten, die auf mehreren Ebenen wahrgenommen werden können — So holen sie selbst die allerkleinsten Zuschauenden in ihrer Gefühlswelt ab.

VORSCHAU

Das Theater von Anfang an geht in die nächste Runde. Eine neue Spielzeit, ein neuer Spielplan und vielleicht ist er schon in euren Händen. Falls nicht, wollen wir aber gerne einen Ausblick geben:

Klävemannstraße 16 | 26122 Oldenburg 0441-9572022 | info@theaterwrede.de www.theaterwrede.de

Unser galaktischer Dauerbrenner »Ziggi Sternenstaub« macht sich wieder bereit zum Abflug. Alle kleinen Freunde, ob die Frösche, Pinguine, Mäuse und so viele mehr, machen sich auf zu einem Abenteur in »Mond – eine Reise durch die Nacht«. Und auch »Am Maulwurfshügel Nr. 9« treffen sich wieder die Grille und der Maulwurf. Zusätzlich sind die Theater Monteure wieder bei uns mit der kreativen Entdeckungsreise »punkt punkt komma strich« und dem musikalischen Theaterstück über die Schönheit des Teilens »meins wird deins« Aber jetzt auch ein Sneak Peek. Wir bereiten auch zwei ganz neue Formate vor. Im Tanzformat »Geh tanzen, Baby« eröffnen wir einen Club für die Allerkleinsten und ihre erwachsenen Eltern, Großeltern oder Begleitpersonen. Und dann haben wir noch etwas ganz

Besonderes:

PREMIERE ENDE OKTOBER

WELLEN WIEGEN Für Babys und Kinder von 0-3 Jahren und Erwachsene Wellen wiegen ist eine installative Tanzperformance für Kinder von 0–3 Jahren und Erwachsene. Zwei Tänzerinnen bewegen sich durch eine Unterwasserwelt, in der alles fließt: Bewegungen, Klänge, Stoffe, Licht. Auch das Publikum darf sich frei bewegen – es gibt keinen festen Platz, keine klassische Bühne. Die Performerinnen verwandeln sich in leuchtende Meereswesen, in schwebende Quallen, sie verschmelzen mit einer lebendigen Korallenstruktur. Die Performance reagiert auf Impulse aus dem Moment – auf Geräusche, Blicke, Bewegungen. Kinder und Erwachsene treiben durch eine weiche, sich stetig wandelnde Realität. Ein stilles Miteinander entsteht, in dem Kunst nicht erklärt wird, sondern gespürt – ein tänzerischer Erfahrungsraum für das Leben vor dem Verstehen.

Di 16.9. | 20:00 Uhr

KABARETT - GASTSPIEL

PATRICK SALMEN – YOGA GEGEN RECHTS

Achtung: Neuer Termin. Bereits gekaufte Karten behalten ihre Gültigkeit.

Herzlich willkommen zu meinem Live-Retreat »Yoga gegen Rechts«. Wie gewohnt gibt es eine solide Mischung aus Stand-Up-Comedy und lustigen Kurzgeschichten. Im Grunde zwei Stunden Superfun! Eigentlich wollte ich Bratsche spielen und gehobene Weltliteratur vortragen, aber ich möchte nicht angeben. Hier ein willkürlicher Pressetext, den mir die seelenlose künstliche Intelligenz von ChatGPT ausgespuckt hat: »Patrick Salmen seziert urbane Selbstoptimierer im scheinbar widersprüchlichen Konflikt von wirksamer Politisierung und der stillen Sehnsucht nach Eskapismus. (Das klingt klug) „Yoga gegen Rechts« vereint Kurzgeschichten mit trockenem Humor, bissigen Dialogen und messerscharfen Beobachtungen. Mit satirischem Scharfsinn und viel Selbstironie entlarvt Patrick Salmen die pathologischen Züge achtsamkeitsbesessener Stadtneurotiker, denn niemand weiß so gut wie der Dortmunder Comedian, dass einem das Gegenüber oft nur deshalb so schräg vorkommt, weil man gerade in einen Spiegel schaut. (Dieser Satz ergibt eindeutig keinen Sinn!) Eilen Sie herbei und bringen Sie ihre innere Korkmatte mit. Im Anschluss gibt´s gemeinsame Asanas, psychedelische Atemübungen und melodischen Deep-House. Küsschen, Ihr Patrick Salmen. Tickets: www.reservix.de | Eintritt: 17 € / 22 €

UNIKUM (Campus Haarentor) Uhlhornsweg 49-55 | 26129 Oldenburg Tickets: www.theater-unikum.de

Eine Liebeserklärung an die deutsche Sprache mit René Schack und Christian Klein Dieser Abend mit viel Witz, Humor und nachdenklichen Zwischentönen ist auch ein heiteres und nachdenkliches Fest der deutschen Sprache inspiriert durch das Wörterbuch der Brüder Grimm. Die erhielten 1838 den Auftrag ein Wörterbuch anzulegen, dass sie selbst nie vollenden konnten. Günter Grass warf in seinem Werk »Grimms Wörter« einen zeitgenössischen Blick darauf. Zum Buchstaben A haben sich heute neue Wörter hinzugesellt: Arbeiterführer, Arbeitslos, Arbeitsamt, Arbeitsbeschaffungsmaßnahme etc. Oder welche Wörter sind weiblich, welche männlich und warum? Ein humorvoller, sinnlicher Parforceritt durch das Alphabet bei dem alle Register gezogen werden.

Di 7.10. | 10:00 + 12:00 Uhr BRECHREIZ Gastspiel Spoken Word Theater/Bremen Text und Regie: Marie-Theres Schwinn, Spiel: MarieTheres Schwinn und Marie-Luise Gunst Jeder fünfte Jugendliche hat Symptome einer Essstörung; seit der Pandemie steigen die Zahlen von psychischen Erkrankungen bei Jugendlichen weiter an. In der rasanten Inszenierung »BREICHREIZ«, die Elemente aus Poetry Slam, Live-Gesang und Schauspiel kombiniert, sieht man die Protagonistin Sophie um ihr Leben und um ihren Körper kämpfen.Der vielschichtige und temporeiche Text zeigt die emotionale Achterbahnfahrt der Erkrankung, nimmt die Zuschauer:innen mit auf ihren Weg aus Hoffnung und Verzweiflung. Wie »rutscht« man in eine Essstörung? Wie findet man wieder raus? Neben der besonderen Inszenierungsform ist den Darstellerinnen die Begegnung mit dem Publikum besonders wichtig, denn sie waren selbst Betroffene. In einer anschließenden Gesprächsrunde schaffen sie Raum für Austausch über die Erkrankung und zeigen Wege aus der Krise. Ein Theatererlebnis, das ehrlich ist und trotzdem Mut macht.

Mi 8.10. | 19:00 Uhr

BROT & LOSE KUNST: SEELE mit wechselnden Künstlerinnen und Künstlern des freien Ensembles theater hof/19 und Gästen Idee: Marie-Luise Gunst | Leitung: Maike Jebens und MarieLuise Gunst Kultur zum Abendbrot – serviert als Lesung mit Musik. Kunst ist mehr als nur Unterhaltung. Kunst ist Nahrung. Mit diesem Gedanken starten wir ein neues Format. In »Brot & lose Kunst« geht es um zeitlose und aktuelle Themen, die auf den kreativen Abendbrottisch des Theaters kommen: Lieder, gelesene Texte oder kleine Performances widmen sich den Fragen unserer Zeit. An diesem Abend werden nicht nur anregende Inhalte zum jeweiligen Thema »aufgetischt«, wir wollen auch mit dem Publikum in den Austausch gehen, gemeinsam die Musik und Worte nachklingen lassen und ins Gespräch kommen. Denn in Zeiten von Filterblasen und personalisierten Algorithmen ist es wichtiger denn je, auch im »echten« Leben miteinander zu reden. Kunst und Kultur öffnen uns die Tür dafür. Damit das gelingt, landet nicht nur fein abgeschmeckte Musik und Literatur auf den Theater-Tellern, sondern auch frisches, regionales Brot von der wunderbaren Orto Bäckerei, das mit Öl und Salz serviert wird. Guten Appetit! Das schöne Brot bei »Brot & lose Kunst« wird bereitgestellt von Orto Bistro Bakery, Steinweg 6 in 26122 Oldenburg; www.orto.kitchen

LET’S MOVE

Der neue Tanzclub beginnt am 1. September

Wie fühlt es sich an in einer Gruppe mit anderen Bewegungsbegeisterten zu tanzen? Wer spürt den Rhythmus der Musik? Wann merken wir, dass unser Körpergedächtnis die Choreografie verinnerlicht hat? Dies und noch viel mehr bietet der Tanzclub der BallettCompagnie Oldenburg, der ab dem 1. September in eine neue Runde geht: Ballettdirektor und Chefchoreograf Antoine Jully und die Tänzerin Nicol Omezzolli leiten die Gruppe, die gemeinsam eine Choreografie erarbeitet, die im Rahmen der 17. Internationalen Tanztage 2027 uraufgeführt werden wird.

Theatervermittlung – Clubs

TANZCLUB DER BALLETTCOMPANGNIE OLDENBURG

Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de

Teilnahmevoraussetzung: Ballettabonnement Start: 1.9.2025

AN DER BALLETTSTANGE UND FREI IM RAUM

Das beliebte Programm »Mehr Bewegung!« der BallettCompagnie Oldenburg geht weiter

Auch in der Spielzeit 2025/26 gibt es wieder für fortgeschrittene Laien ab 13 Jahren das regelmäßige Klassische Balletttraining »Open Class« mit live Klavierbegleitung in unserem großen Ballettsaal im Probenzentrum angeleitet von Ballettdirektor Antoine Jully, unsere Ballettmeisterinnen und Tänzer:innen aus dem Ensemble der BallettCompagnie Oldenburg.

Ungefähr einmal im Monat können in der »Modern Class« verschiedene moderne Tanzstile ausprobiert werden.

KICK-OFF

OPEN CLASS DER BALLETTCOMPAGNIE OLDENBURG

Information und Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de

Teilnahme: 15 € pro Termin (für Ballettabonnent:innen 5 €)

Alle Termine: staatstheater.de/mehrbewegung

FÜR (JUNGE) MENSCHEN AB 8 BIS 99 JAHREN

WORKSHOPS

CLUBS UND STADT:ENSEMBLE

»Erzähl mir keine Märchen« Jugendclub des Oldenburgischen Staatstheaters

KINDERCLUBS

für Kinder von 8 bis 13 Jahren

Warum lügen wir überhaupt? Ist eine kleine Lüge harmlos oder kann sie größer und größer werden? Was ist echt? Und habt ihr selbst schon mal gelogen?

Mit den Kinderclubs wollen wir flunkern, was das Zeug hält, Luftschlösser bauen und wilde Geschichten erfinden. Dafür suchen wir Superschwindler:innen, Meister:innen der kleinen Unwahrheiten oder die, die das Lügen lernen wollen.

Regie / Leitung: Lina Joost-Krüger, Emilia Durka, Mareike Schulz und weitere

Kick-Off Workshop: 13. September 2025 | 15:00–17:00 Uhr

Vorstellungen: Sa 14.3. / So 15.3.2026

Du möchtest Spieler:in des Clubs oder des Stadt:Ensembles werden, dich zum Theaterspiel treffen und ein eigenes Theaterstück erarbeiten, das auf den Bühnen des Staatstheaters zur Premiere kommt? Dann komm zum Kick-Off Workshop: Hier stellt das Team der Theatervermittlung die neuen Produktionen – Kinderclubs, Jugendclubs, Erwachsenenclubs und das Stadt:Ensemble – vor und stellt die Ensembles neu zusammen. Informationen und Anmeldung (bis 4.9.): mitmachen@staatstheater.de

JUGENDCLUBS

14 bis 20 Jahre

Wieder stand ich in der Welt und stand vor meinem Widerstand. Er reichte mir die Hand und sagte: Das muss jetzt sein.

Regie/Leitung: Hanna Puka, Margit Ostern, Klaas Schramm, Christoph Festner, Lilith Kaiser, Florian Heise, Tamara Theisen, Gesa Heidbreder und weitere

Kick-Off Workshop: 14. September 2025 | 11:00–14:00 Uhr

Vorstellungen: ab Sa 21.6. 2025

ERWACHSENENCLUBS »GREAT PLACES«

ab 20 Jahren

Wie könnten Orte aussehen, an denen wir uns vernetzen, Gemeinschaftlichkeit pflegen, ins Gespräch kommen und in Kontakt treten?

Regie / Leitung: Pia Donkel, Esther Sölken, Peter Rech, Denis Karabanov

Kick-Off Workshop: 8. September 2025 | 18:30 bis 21:30 Uhr Premiere: Samstag, 25.4.2026

STADT:ENSEMBLE #3 WOHNEN | WAHNEN

16 bis 99 Jahre

Ein theatrales Rechercheprojekt zu den vier Wänden der Oldenburger:innen Kooperation zwischen Theatervermittlung und Niederdeutschem Schauspiel In hoch- und niederdeutscher Sprache Eingeladen sind (zukünftige) Architekt:innen und Investor:innen, Familien, Lebensgemeinschaften, Singles, Studierende, Senior:innen, Mieter:innen, Vermieter:innen, WG-Bewohner:innen, Hausmeister:innen, Wohngenossenschaften, Bürgerinitiativen und alle, die zu dem Thema etwas zu sagen haben.

Regie: Liliane Bauer, Hanna Puka; Ausstattung: Tom Stellamanns; Dramaturgie: Nora Hecker

Kick-Off Workshops: 9. September 2025 | 18:30 bis 21:30 Uhr Vorstellungen: So 10.5.26 (Premiere)

DER STURM

AUG

24 So

27 Mi

29 Fr

13 Sa

→ Gastspiel 19:30 | Großes Haus

MUSIKFEST BREMEN

John Frederick Lampe: »The Dragon of Wantley«

→ Wiederaufnahme 19:30 | Großes Haus

CABARET

Musical von John Kander, Fred Ebb und Joe Masteroff

→ Wiederaufnahme

20:00 | Kleines Haus

MASCHA K. (TOURIST STATUS)

SCHAUSPIEL VON ANJA HILLING 19:30 Einführung

30 Sa 19:30 | Großes Haus VORHANG AUF!

31 So 11:30 | Großes Haus VORHANG AUF!

SEP

02 Di

→ Wiederaufnahme 16:00 | Exhalle (Parkplatz) SHEROES #3 umsonst und draußen

03 Mi 18:00 | Hauptfoyer EINFÜHRUNGSSOIRÉE & PROBENBESUCH: BONDI BEACH Kostenloser Eintritt!

04 Do 16:00 | Kukoon im Leibnizplatzpark (Bremen) SHEROES #3 umsonst & draußen

18:30 Uhr | Probenzentrum OPEN CLASS Mehr Bewegung! Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de

05 Fr 20:00 | Kleines Haus

MASCHA K. (TOURIST STATUS) 19:30 Einführung

06 Sa 13:30 | Treffpunkt: Theatercafé ÖFFENTLICHE FÜHRUNG Karten für 5 € erhältlich an der Theaterkasse und online. Gruppenführungen bitte anfragen unter: dramaturgie@staatstheater.de 16:00 | Gasthof Dahms (Littel) SHEROES #3 umsonst & draußen

07 So 18:00 | Großes Haus CABARET

18:30 | Kleines Haus

MASCHA K. (TOURIST STATUS) 18:00 Einführung

08 Mo

18:00 | Hauptfoyer EINFÜHRUNGSSOIRÉE & PROBENBESUCH: LA TRAVIATA Kostenloser Eintritt!

18:30 | Probenzentrum KICK-OFF WORKSHOP DER ERWACHSENENCLUBS

09 Di 18:30 | Probenzentrum

KICK-OFF WORKSHOP DES STADT:ENSEMBLES

10 Mi 18:00 | Hauptfoyer

EINFÜHRUNGSSOIRÉE & PROBENBESUCH: DER STURM Kostenloser Eintritt!

18:30 Uhr | Probenzentrum MODERN DANCE CLASS Mehr Bewegung! Anmeldung: telse.hahmann@staatstheater.de

12 Fr 19:00 | Core PRIME TIME BINGO → Gastspiel 21:00 | Großes Haus

32. INTERNATIONALES FILMFEST OLDENBURG Filmfest-Gala Karten über: filmfest-oldenburg.de

14 So

10:00 | Café Schlossplatz

DEATH CAFÉ

→ Premiere 19:30 | Großes Haus

LA TRAVIATA

Oper von Giuseppe Verdi

19:00 Einführung

→ Im Anschluss öffentliche Premierenfeier

20:00 | Kleines Haus

MASCHA K. (TOURIST STATUS)

19:30 Einführung

15:00 | Probenzentrum

KICK-OFF WORKSHOP DER KINDERCLUBS

→ Gastspiel

19:00 | Großes Haus

32. INT. FILMFEST OLDENBURG

Abschluss-Gala | Karten über: filmfest-oldenburg.de

11:15 | Kleines Haus

GROSSE PIANISTEN IM KLEINEN HAUS

Mélodie Zhao

11:00 | Probenzentrum

KICK-OFF WORKSHOP DER JUGENDCLUBS

→ Uraufführung

16:00 | Exhalle

LÜGEN LERNEN

9+ | Eine Lügengeschichte von Marc Becker

→ Im Anschluss öffentliche Premierenfeier

16 Di 10:30 | Exhalle

LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

17 Mi 10:30 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

→ Wiederaufnahme 16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS

ERINNERT HABEN

Audiowalk von Katharina Pelosi

18 Do 10:30 | Exhalle

LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

19 Fr 19:30 | Großes Haus

CABARET

16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN

18:00 | Probenzentrum

KICK-OFF WORKSHOP PLATT‘N‘STUDIO 18+

20 Sa 19:30 | Großes Haus

CABARET

→ Premiere

20:00 | Kleines Haus DER STURM Von William Shakespeare 19:30 Einführung

→ Im Anschluss öffentliche Premierenfeier

14:00 + 16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN

20:00 | Exhalle OPEN STAGE

21 So 11:15 | Großes Haus

1. SINFONIEKONZERT Werken von Johannes Brahms, Detlev Glanert und Wolfgang Amadeus Mozart 10:45 Einführung

20:00 | Kleines Haus

MASCHA K. (TOURIST STATUS)

19:30 Einführung

→ Wiederaufnahme 16:00 | Spielraum

RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR

WINTER

Ritter-Oper von Mareike Zimmermann nach »King Arthur« von Henry Purcell | 5+

19:30 | Großes Haus

22 Mo

23 Di

10:30 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

19:30 | Hauptfoyer

THEATERBEGEGNUNG: LA TRAVIATA Kostenloser Eintritt!

24 Mi

19:30 | Großes Haus LA TRAVIATA 19:00 Einführung

10:00 | Spielraum RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER 5+

10:30 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+ 16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN

25 Do 10:30 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+ 16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN

26 Fr → Wiederaufnahme

19:30 | Großes Haus ROMEO UND JULIA Choreografie von Antoine Jully 19:00 Einführung

10:00 | Spielraum RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER 5+

19:30 | Kulturzentrum PFL MY SHIP – STORIES OF MIGRATION Voraufführung im Rahmen des Nordwest Jazzfestivals GLOW

22:00 | Foyers GLASHAUSPARTY

13:45 | Roonstraße

27 Sa

KRAMERMARKTSUMZUG

Auch das Staatstheater wird mit einer bunt-schilldernden Darbietung beim diesjähren Kramermarktsumzug vertreten sein

16:00 | Treffpunkt: Theatercafé ZUKUNFTSMUSIK – WIR WERDEN UNS ERINNERT HABEN

19:30 | Großes Haus LA TRAVIATA 19:00 Einführung

→ Premiere 20:00 | Kleines Haus

BONDI BEACH Komödie von Rebekka Kricheldorf → Im Anschluss Öffentliche Premierenfeier

28 So 11:15 | Kleines Haus 1. KAMMERKONZERT Mit Werken von Peter Wiegold, Jean Françaix und Wolfgang Amadeus Mozart 16:00 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

18:00 | Großes Haus

ROMEO UND JULIA 17:30 Einführung

18:30 | Kleines Haus

DER STURM 18:00 Einführung

29 Mo 19:30 | Großes Haus CABARET

20:00 | Kleines Haus

DER STURM 19:30 Einführung

30 Di 10:30 | Exhalle LÜGEN LERNEN Uraufführung | 9+

19:30 | Großes Haus

1. SINFONIEKONZERT

Mit Werken von Johannes Brahms und Wolfgang Amadeus Mozart 19:00 Einführung

10:00 | Spielraum

RITTER ODILO UND DER STRENGE HERR WINTER 5+

LA TRAVIATA 19:00 Einführung

GEGENÜBER

STATT GEGENEINANDER

WARUM DEMOKRATIE MEHR

IST ALS POLITIK

Wie viele Menschen, glauben Sie, leben weltweit in einer Demokratie? In einem System, das seinen Ursprung in den antiken griechischen Stadtstaaten hat: umfassende Mitbestimmung, stundenlange Reden, Mandatsvergabe per Los – das sind die Wurzeln dessen, was wir heute Demokratie nennen. Natürlich ist unsere heutige Demokratie ohne die Ideen der Aufklärung, die Errungenschaften der Französischen Revolution und den Grundsatz der Gewaltenteilung kaum vorstellbar. All das hat den Weg bereitet für das System, das Freiheit und Gleichheit garantieren soll. Klingt vielleicht trocken, staubig, nach Geschichtsbuch – doch Demokratie ist viel mehr als ein Relikt aus vergangenen Zeiten. Sie ist das Fundament unseres Zusammenlebens – jetzt und hoffentlich auch in Zukunft.

Die Zahlen sind übrigens ernüchternd: Nur 7,8 Prozent aller Menschen lebten 2023 in einer vollständigen Demokratie. Laut den Zahlen der Economist Intelligence Unit waren es zur gleichen Zeit hingegen rund 40 Prozent, also etwa 3,2 Milliarden Menschen, die in autoritär regierten Regimen lebten. Der Rest befindet sich in sogenannten hybriden Systemen – Staaten also, die irgendwo zwischen Demokratie und Autoritarismus

pendeln und in denen der Weg zu echter Mitbestimmung oft von Militär oder poltischer Elite blockiert wird. Während die Zahl der Demokratien vor wenigen Jahrzehnten noch stetig anstieg, geht der Trend heute zur Autokratie. Und das kann erschreckend schnell gehen: »In weniger als vier Monaten haben wir in den USA aufgehört, ein vollständig demokratischer Staat zu sein«, erklärt Demokratie-Experte Prof. Steven Levitsky von der Harvard University. Tatsächlich ist das ein weltweites Phänomen: Seit 2016 ist die Zahl der Demokratien drastisch gesunken, sodass es 2024 zum ersten Mal seit über 20 Jahren weltweit wieder mehr Autokratien als Demokratien gab.

Dass unsere Demokratie schützenswert sein sollte, mag in Deutschland gesellschaftlicher Konsens sein. Doch warum braucht es uns als Staatstheater, um den Wert der Demokratie zu zeigen? Warum wollen wir unsere Demokratie in den Mittelpunkt der Spielzeit rücken?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Weil Demokratie mehr ist als nur ein politikwissenschaftliches Konstrukt. Sie ist die Grundlage dafür, wie wir als Gesellschaft zusammenleben. Demokratie heißt: einander zuhören, unterschiedliche Perspektiven zulassen, Kompromisse finden. Sie fordert uns her-

aus, fremde Sichtweisen nicht als Bedrohung zu sehen, sondern als Chance. Sie verlangt, dass wir nicht nur unsere eigenen Rechte verteidigen, sondern auch die Rechte anderer mitdenken.

Als Theater wollen wir in dieser Spielzeit Räume schaffen, in denen Demokratie fühlbar wird: Räume, in denen wir die Wirklichkeit hinterfragen, Utopien denken und ins Gespräch kommen können. Räume, die ermutigen, über das eigene »Gegenüber« nachzudenken – nicht gegeneinander, sondern als Partner:innen in einem gemeinsamen Ringen um das bestmögliche Miteinander.

Am 15. September, dem internationalen Tag der Demokratie, laden wir Sie ein, unser Programm für »Gegenüber« kennenzulernen. Lassen Sie uns gemeinsam ins Gespräch kommen, Visionen entwickeln und die Frage stellen: Was bedeutet meine Freiheit für deine – und für die von uns allen? Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie lebt von unserer Beteiligung, unserer Wachsamkeit und unserer Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

KRAMERMARKTSUMZUG: WIR SIND DABEI!

Am 27.9. steht eines der wichtigsten gesellschaftlichen Ereignisse der Stadt Oldenburg im Kalender, denn in dieser Stadt startet die fünfte Jahreszeit, nicht wie in anderen Städten am 11.11., sondern im September mit dem Kramermarktsumzug. Dieses Event wollen wir uns nicht entgehen lassen und sind am 27.9. dabei! Glitzer, Kostüm und ein bisschen Bühnenzauber – wir freuen uns!

Anna Blanke
Foto: Stephan Walzl

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