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E i n e T h e m e n z e i t u n g v o n S m a r t Me d i a

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Inte rv iew

» In einer Spin-off Firma haben wir einen Roboterfisch

gebaut, der schwimmen und die Tiefe im Wasser kontrollieren kann. Investoren weltweit ist sehr wichtig. Gerade kam ich von der ICRA aus Karlsruhe zurück. An solchen Anlässen hält man Vorträge und lauscht diesen, tauscht Ideen aus und lernt die wichtigen internationalen Akteure persönlich kennen. Daneben halte ich regelmässig Vorlesungen an der Universität Zürich, was ich sehr gerne tue. Bin ich im Labor, beantworte ich Medienanfragen, diskutiere mit meinen MitarbeiterInnen, oder führe Sitzungen durch. Heute kommt beispielsweise eine Delegation aus Russland vorbei, um mit uns über «Roboy» zu sprechen. Am Nachmittag geht es dann nach Valencia, wo ich mehrere Gastvorlesungen halte. Tags darauf treffe ich unsere Sponsoren und wir präsentieren ihnen einen Roboterfisch.

Bitte was? In einer Spin-off Firma unseres Labors haben wir einen Roboterfisch gebaut, der schwimmen kann sowie – und das ist ganz schön knifflig – die Tiefe im Wasser kontrollieren kann. Für die Fortbewegung haben wir ein japanisches Vorgehen übernommen, das extrem energieeffizient ist. Es geht uns darum, die Unterwasserfortbewegung zu erforschen. Wie kamen Sie dazu, sich mit künstlicher Intelligenz auseinander zu setzen? Ich habe Physik und Mathe an der ETH studiert und wusste nach dem Studium nicht recht, was ich machen wollte. Ich arbeitete dann eine Weile bei IBM, was mir aber nicht lange zusagte. Danach organisierte ich im Rahmen der «Experimentierphase» der ETH Vorlesungsreihen. Es nahmen interessante Fachleute daran teil. Dabei lernte ich Ulrich Moser kennen, einen Psychoanalytiker und Professor für klinische Psychologie, der neurotische Abwehrprozesse aus der Freud’schen Theorie per Computersimulation abbilden wollte. Er fragte mich an, ob ich für ihn Träume simulieren wollte. Ich sagte zu. Um die Simulation aufzubauen, musste ich Prinzipien der künstlichen Intelligenz lernen und anwenden. Das war mein Einstieg.

präsentiert den Roboterjungen der Öffentlichkeit.

Heute leiten Sie das Artifical Intelligence Labor der Uni Zürich. Welche Erkenntnisse haben Sie seither gewonnen? Viele Forschungen von damals in diesem Bereich ergaben wenig. Wir wollen erforschen, was Intelligenz ist und was sie ausmacht, wie

sie entsteht. Lange bediente man sich aber Modellen, welche die körperliche Komponente ausser Acht liessen. Das funktioniert letztlich nicht, denn das, was wir «Denken» nennen, ist ein evolutionärer Prozess, der über Millionen Jahre an einen Organismus gekoppelt war. Das Hirn ist immer Teil eines Körpers, der in einer Umwelt überleben muss. Zudem ist unser Körper die einzige Art, mit unserer Umgebung zu kommunizieren. Darum spielen der Körper und damit die Robotik eine wichtige Rolle, wenn man natürliche Intelligenz ergründen will.

Klingt als ob Ihre Arbeit auch eine philosophische Komponente hat. Das ist sicherlich der Fall. Wenn man Roboter baut, stellt man sich plötzlich auch ganz existenzielle Grundsatzfragen, über die eigene Entstehung, Evolution und darüber, was das «Wesen» des Menschen ausmacht. Wann dominieren Roboter unseren Alltag? Das kommt sehr darauf an, was man unter künstlicher Intelligenz und Roboter versteht. Die klassische künstliche Intelligenz ist nicht biologisch, sondern besteht aus cleveren Algorithmen, die eine Maschine auf verschiedene Situationen richtig reagieren lassen. Wir haben zudem auch jetzt schon viele Roboter in unserem Alltag. Ein unbemannter Zug am Flughafen oder die Metro Linie 14 in Paris können im weitesten Sinne als Roboter gesehen werden, da sie ja selbstständig in der realen Welt handeln. Ähnliche Systeme sollen in nicht allzu ferner Zukunft auch auf der Strasse eingesetzt werden, Autos also, die selber fahren. Aber die Roboter werden nur zum Teil humanoider Art sein. Warum? Ein humanoider Roboter ist uns Menschen nachempfunden. Und wir können – überspitzt gesagt – nichts richtig gut. Für sehr viele Tätigkeiten gibt es Maschinen, die das präziser, billiger, schneller und ohne Ermüdungserscheinungen durchführen. Wenn wir zum Beispiel von Hand eine Schraube eindrehen müssen ist das sehr inneffizient. Warum sollten wir einen Roboter machen, der damit die genau gleichen Probleme hat? Es gibt aber Bereiche, in den humanoide Roboter eingesetzt werden könnten. Etwa im Pflegesektor. Aber auch da sind letztlich Menschen notwendig.

Innovation anschaulich erleben Nach der zweiten Durchführung im Jahr 2011 findet die swissT.fair am 6./7. Juni 2013 bereits zum dritten Mal in Zürich statt. Sie gibt einen Eindruck über die Technologie, die sich rasant entwickelt. Daher haben auch in diesem Jahr die Unternehmen an der swissT. fair viel Neues zu zeigen. Rund 110 Aussteller informieren in Zürich über ihre Innovationen und Visionen für die Zukunft. Neben vielen spezialisierten kleineren Unternehmen werden auch die wichtigsten Player und grossen Anbieter der Branche vor Ort sein. Fachleute können sich über aktuelle Technologietrends informieren und ihr Wissen an Präsentationen vertiefen. Studierende erhalten die Möglichkeit, zu sehen, was ihre zukünftige Branche bewegt: Sie können die wichtigsten Unternehmen kennenlernen und sich in der job.box über die Chancen auf dem Arbeitsmarkt informieren. Die swissT.box Robotics zieht mit Prof. Rolf Pfeifer als Key-Referent Besucher an. Er berichtet über den «Roboy» und die Möglichkeiten «künstlicher Intelligenz». Roboy selbst ist während der ganzen Messe als Stargast dabei. Weiter präsentieren die Aussteller des Bereichs Mess- und Prüftechnik interessante Fachbeiträge über die Möglichkeiten in Ihrer Branche. Die job.box bildet einen Hauptprogrammpunkt für angehende Fachkräfte. Die Aussteller präsentieren ihre Stellenangebote – und erwarten die Interessierten an ihrem Stand, um sie im persönlichen Gespräch weiter zu informieren. Die Messe in Zürich richtet sich an ein interessiertes Fachpublikum aus Automation, Elektronik, Maschinen- und Anlagebau. Mehr Informationen sind unter swisstfair.ch zu finden.

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Wer neue Ideen hat, sollte sie schützen Die Schweiz ist eines der innovativsten Länder der Welt. Doch wer Neues erfindet, muss aufpassen: Unerlaubte Nachahmungen können den Unternehmenserfolg schmälern. Mit Copyrights, Marken und Patenten lässt sich dieses Problem lösen. Christophe Saam arbeitet an der Grenze zwischen Technik und Recht: Als Anwalt für europäisches Patentrecht sorgt Saam täglich dafür, dass Innovationen aus der Schweiz und dem angrenzenden Ausland im internationalen Umfeld geschützt sind. Ein teilweise sehr komplexes Unterfangen, wie Saam, der für P&TS Intellectual Property in Neuchâtel arbeitet, erklärt. «Der Prozess ändert sich jedes Mal, je nachdem, mit welcher Art von Innovation wir es zu tun haben.» Während man beispielsweise im Fall von künstlerischer Arbeit und Software ohne eine Anmeldung ein Copyright erhält, muss man für technische Erfindungen, beispielsweise Maschinen, ein Patent anmelden. Dieser Schutz ist entscheidend, um im heutigen Markt zu bestehen, erklärt Saam. «Viele Schweizer Unternehmen lassen gewisse Komponenten eines Produktes zum Beispiel in Asien herstellen. Das macht es nötig, dass diese Teile geschützt sind, auch gemäss dem im Ausland geltenden Recht.» Wird das versäumt, besteht die Gefahr, dass diese Komponenten einfach kopiert

werden. Hier kann Saam aber auch beruhigen: «Die Lage, zum Beispiel in China, ist nicht so schlimm, wie viele vielleicht glauben.» Die Zusammenarbeit mit den chinesischen Patentämtern funktioniert sehr gut. Neben Partnerschaften in China unterhält P&TS Intellectual Property ein Netzwerk mit 65 Ländern in der ganzen Welt. «Für uns ist zudem wichtig, dass wir für unsere Kunden in der Schweiz, Deutschland und Frankreich vor Ort erreichbar sind und auch zu ihnen kommen können.» Ein Grossteil dieser Kunden ist im ITBereich tätig, aber viele kommen auch aus der Maschinenindustrie und der Uhrenbranche. «Wir sind sehr stark aufgestellt, wenn es um den Schutz von technischen Entwicklungen geht.» Denn das Team von P&TS Intel-

lectual Property bringt auch das nötige Know-how mit: Es umfasst im Kern neun Ingenieure und Physiker mit Juraausbildung sowie zwei Juristen oder Rechtsanwälte. Und da das Patentbusiness sehr international ausgerichtet ist, ist auch das Team multikulturell. So arbeiten Personen mit, deren Muttersprache Deutsch, Englisch, Französisch, Italienisch, Polnisch oder Chinesisch ist. Eingehende Recherche ist wichtig Wünscht ein Unternehmen eine Beratung, ist das erste Gespräch kostenlos. Darin untersuchen die Experten von P&TS Intellectual Property, um welche Art Innovation es sich handelt. «Wir müssen wirklich verstehen können, worum es bei der Idee geht, wie sie funktioniert und welchen Mehrwert sie bietet.» Daraus erschliessen sich dann die verschiedenen Möglichkeiten für den Schutz, auch im Bezug auf Produktions- und Zielmarkt. Kernfragen: Ist das Produkt wirklich neu? Lohnt sich der Schutz? Und welche Art des Schutzes ist geeignet? «Die eigentliche Abwicklung übernehmen dann wir», erklärt Saam. Ein wesentlicher Teil der Recherche ist auch, sicherzustellen, dass mit einem Produkt keine bestehenden Patente, Designs oder Marken verletzt werden. «Das kann schnell passieren und zwar unbeabsichtigt.» Ist das der Fall, geben die Berater Vorschläge, wie man das Produkt anpassen kann, damit keine rechtlichen Probleme entstehen.

Tagi ingenieurwesen  
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