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www.redbulletin.com

Ein fast unabhängiges Monatsmagazin / November 2009

Dieses Heft fliegt, klettert, boxt und legt sich in die Kurve.

„… die werden nie kapieren, was am Berg abgeht.“ Mount St. Elias, Alaska, 5489 Meter über dem Meer. Axel Naglichs Tagebuch einer unglaublichen Expedition. Ab Ende November im Kino.


forever

hot.

kunde

MINI 50 Mayfair. MINI 50 Camden. What a birthday. It’s MINI. Die schönsten Geschenke zum Fünfzigsten: die Jubiläums-Modelle MINI 50 Mayfair und MINI 50 Camden. Der extravagante Style, das exklusive Design, der unverwechselbare Charakter – alles außer gewöhnlich. Mehr Infos gibt‘s unter www.mini.at oder direkt bei Ihrem MINI Partner. MINI (Cooper, Cooper S, Cooper D): von 80 kW (110 PS) bis 128 kW (175 PS), Kraftstoffverbrauch gesamt von 3,9 l/100 km bis 6,9 l/100 km, CO2-Emission von 104 g/km bis 165 g/km.


Bullhorn

Print 2.0

Todesangst, Lebenslust

http://de.redbulletin.com/print2.0 Auf diesen Doppelseiten erwartet Sie das Multimedia-Erlebnis.

Am Anfang steht der Todessturz eines Skifahrers, der endlose Sekunden lang den vereisten, von Gletscherspalten übersäten Hang hilflos hinunterpurzelt. Am Ende steht ein glücklicher Held, der mit spitzen Fingern ein Paar löch­riger, schweißverkrusteter Socken grinsend in die Kamera hält. Der Film dazwischen zeigt ein episches Duell zwischen Axel Naglich, ­Architekt, Alpinist und Extremskifahrer aus Kitzbühel in Tirol, und dem ­relativ höchsten Berg der Welt: Der Mount St. Elias in Alaska erhebt sich vom Ufer des Pazifiks 5489 Meter hoch; der Mount Everest, zum Vergleich, überragt Tibets Hochland um 3500 Meter. Naglich hatte sich in den Kopf gesetzt, den Mount St. Elias zweifach zu bezwingen: ihn zu besteigen und danach – längste Skiabfahrt der Welt! – zu befahren. In der Natur der Sache liegt, dass sich dieser solches nicht ohne weiteres gefallen ließ. Der Mount St. Elias, einer der gefährlichsten Berge der Welt, schon bei blitzblauem Ansichtskartenwetter schroff, steil, furchterregend, von zerklüfteten Gletscherfeldern überzogen, ist lebensgefährlich launisch: Um von Sonnenschein auf Schneesturm umzuschalten, benötigt er kaum mehr als ein paar Minuten. Dass der Schneesturm dann über Tage, sogar Wochen anhalten kann, wissen Axel Naglich und sein Team, spätestens seit sie fürchten mussten, in einer Höhle eingeschneit zu ersticken. „Mount St. Elias“ kommt Ende November in ausgewählte deutsche und österreichische Kinos. Der Film ist die atemberaubend dokumentierte ­Verwirklichung eines Traums und ein philosophisches Statement: wie eng ­Todesangst und Lebenslust miteinander verbunden sind, wie gern man ­einen Gegner haben kann, der einem nach dem Leben trachtet. Und: wann wirklich Schluss mit lustig ist, auch unter Freunden. Axel Naglich hat uns sein Expeditionstagebuch überlassen, Auszüge finden Sie ab Seite 56. AXEL NAGLICH

JON JOHNSTON

PETER RESSMANN

A FILM BY

GERALD SALMINA

THE LONGEST SKI DESCENT EVER.

A TRuE ANd AuTHENTIC STORy. STARRING

AXEL NAGLICH PLANETWATCH GMBH & COKEG PRESENTS “MOUNT ST. ELIAS”

CO-STARRING PAUL CLAUS STEVEN SIIG RUEDI HOMBERGER CAMERAS GUENTHER GOEBERL PETER THOMPSON MICHAEL KELEM CHRISTOF OEFELEIN JIM SURETTE ROBERT FROST SIMON BAUMFIELD FRANZ RECKENWALD

MIKE SINGLE BERND PROESCHOLD PHOTOGRAPHER VITEK LUDVIK BEAT KAMMERLANDER MUSIC COMPOSER ANDREAS FREI LUDWIG HEILI MATT REARDON SOUND DESIGN ANDREAS FREI ALEX TROST ECKERHARD BRAUN CHRISTOF MANGOLD

DOLBy MIX TREMENS FILM-TONSTUDIO ANMATION BERND WARMUTH KARIM SHAFIK MICHAEL SUMPER LOCAL LINE PRODUCER JOHN MARKEL ANDy SALEK BEZI FREINADEMETZ PILOTS DAVE KING MIKE WILMOT BILL KARMEN PAUL CLAUS JAy CLAUS EXECUTIVE PRODUCER GERALD SALMINA WRITTEN, DIRECTED AND PRODUCED By GERALD SALMINA MOUNTSTELIAS.COM

Coverbild: Günther Göberl

Alpinismus, die Zweite, diesmal in der Vorschau: David Lama, 19, wird im November nach Patagonien reisen, um den Cerro Torre als Erster frei zu ­besteigen. Reinhold Messner, 65, hat den Jungen zu sich nach Südtirol ­eingeladen, zum Meinungsaustausch unter Ausnahmekönnern. „Man geht hinaus und weiß nicht, was einen erwartet“, sagt Lama unter anderem als Antwort auf die Frage nach dem besonderen Reiz. Ab Seite 34 erwartet Sie ein bemerkenswertes Gespräch. Viel Freude mit diesem Heft! Die Redaktion

Für viel Aufsehen sorgte das Red Bulletin als erstes Print-2.0Magazin der Welt. In dieser Ausgabe geht es weiter mit exklusivem Multi­ media-Content im Heft, zugänglich ­gemacht via Webcam und Internet: Auf allen Seiten, die Sie hier abgebildet ­sehen, erwarten Sie spannende Movies als Ergänzung zu den Storys im Heft. Wie Print 2.0 funktioniert, erfahren Sie auf der übernächsten Seite.

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i n h a lt

Willkommen in der Welt von Red Bull Wir hören Reinhold Messner zu, waren im All, betrachten Alaska von ganz oben und sind scharf auf Olympiagold 2012.

Bullevard 08 fotos des monats

14 Bullevard Allerlei Beflügeltes von der London Fashion Week, der Surf-WM, aus dem Hangar-7, von Juliette Lewis, Wings for Life und Hintertux.

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18 Einst & Jetzt Vom Phantom der Oper zum High-TechKäfig: der Gesichtsschutz der EishockeyGoalies im Generationenvergleich. 20 mein körper und ich Es stellt sich vor: Dani Pedrosa. 22 Meine Welt Frisch von der Red Bull Music AcademyCouch: Goldie und seine bunte Biografie. 24 Formelsammlung Diesmal: wie (und wieso) der Karate-­ Ziegeltrick funktioniert. 28 Zahlen des Monats Mit Guy Laliberté, dem Gründer des Cirque du Soleil und Weltraumausflügler.

Heroes

32 Ken Roczen Ein oberlippenflaumiger 15-Jähriger fährt den etablierten Motocrossern um die Ohren. (Wenn man ihn mitfahren lässt.) 34 DAvid Lama trifft Reinhold Messner Das Protokoll des Gipfeltreffens vertikaler Ausnahmekönner. 40 Paul Bonhomme Zuerst zweimal Zweiter, jetzt erstmals Erster: Der Brite ist Weltmeister im Red Bull Air Race. Und hat ein bisschen Kopfweh.

32 84 48

44 Brink & Reckermann Deutsche Tugenden, jetzt neuerdings auch im Beachvolleyball.

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i n h a lt

Action

34

Bilder: David Blundell/AP Images/Red Bull Photofiles, Thomas Butler, Ray Demski/Red Bull Photofiles, Beat Kammerlander/Red Bull Photofiles, Manfred Klimek, Norman Konrad, Agustín Muñoz/Red Bull Photofiles; Illustrationen: Albert Exergian, Lie-Ins and Tigers

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48 Katie Taylor Die beste Boxerin der Welt kommt aus Irland, denkt an Olympia 2012 und verpasst ihren Gegnerinnen farbenfrohe Make-ups. 56 Mount St. Elias Ein launischer Berg und sein entschlos­ sener Bezwinger: das Tagebuch des Axel Naglich, Extremskifahrer (und Architekt). 66 Best of Formel 1 2009 Was die soeben abgelaufene 60. Formel-1Saison zur verrücktesten in der Geschichte dieser Rennserie machte.

More Body & Mind 74 Hangar-7-Interview Im Gespräch: Jason Polakow.

77 Red Bull Crashed Ice Wie man nach München kommt. 78 Galerien in New York Auf nach Chelsea, zum Kunstschauen. 82 Ride with Roczen Beim MX-Camp des MX-Jungstars. 84 Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster auf ServusTV. 86 Hot spots Was rund um die Welt los ist. 88 Die Macht der Nacht Diesmal vorbildlich nachgewiesen in Gent, Madrid, Amsterdam und Bratislava. 96 Read Bull „Hai Society“ von Georg Biron. 98 Geist mit Körper Christian Ankowitschs Kolumne belebt.

the red Bulletin Print 2.0 Movies, Sounds, Animationen in Ihrem Red Bulletin. Überall, wo Sie dieses Zeichen sehen. 1

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de.redbulletin.com/ print2.0 Im Browserfenster sehen Sie das MagazinCover. Klicken Sie auf „Starten Sie Bull’s Eye!“.

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Webcam zulassen Sie benötigen eine Webcam. Sollte sich ein Auswahlfenster öffnen, klicken Sie auf „Zulassen“.

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Red Bulletin vor die Webcam halten Es erwarten Sie Multimedia-Inhalte wie Movies, Soundfiles oder Animationen.

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leserbriefe

Briefe an die Redaktion

Zum Thema Red Bull Air Race: Zwei der Piloten kenne ich persönlich auf ganz beson­ dere Art. In meinen letzten vierzehn Berufsjahren vor der Pensionierung war ich Lehrer an der Bundesfachschule für Flugtechnik am Fliegerhorst Langenlebarn in Niederöster­ reich. Ich hatte auch den jun­ gen Daniel Angerer als Schüler, und über ihn lernte ich auch seinen Vater „Sigi“ Angerer kennen. Wie es so geht u ­ nter Fliegereibegeisterten, haben wir uns angefreundet. Seit dieser Zeit kommt Angerer jedes Jahr gegen Schulschluss selbst, oder er schickt einen oder mehrere seiner Piloten mit einem „geilen“ (Pardon, das war Schülerslang) Flug­ zeug aus der Flying BullsSammlung. Das alles auch mit ausdrücklicher Zustimmung des „Big Boss“, wie mir dieser vor einigen Jahren persönlich

versichert hat. Letztes Jahr waren Matt Hall und Matthias Dolderer mit der „Corsair“ bei uns zu Besuch. Das Netteste kommt aber noch. Es hat sich eingebürgert, dass meine Frau den bzw. die Piloten zur Jause einlädt. Und so saßen wir vier, zwei Superpiloten, meine Frau und ich auf unserer Terrasse im Garten und genossen den wunderschönen Tag. Mit freundlichen Grüßen aus „LOXT“ (Langenlebarn auf militärisch; Anm.) Richard Klein, 3425 Langenlebarn Gratulation zu Print 2.0 – da hat der Bulle wieder einmal den Vogel abgeschossen. In den USA feiert man das Bulle­ tin auf einem Blog (http:// blog.creamglobal.com/right_ brain_left_brain/2009/10/ red-bull-creates-print-20. html) bereits als Retter des Print-Business. Also dann, gebt weiter Vollgas! Friedrich Sternad, per E-Mail Seit über einem halben Jahr lese ich jeden Monat Euer Ma­ gazin und freue mich auf jede neue Ausgabe. Diese finde ich fast immer kostenlos in der S‑ Bahn, wenn ich zur Uni fahre

und mal wieder der erste Dienstag im Monat ist. Eben habe ich Print 2.0 ausprobiert und muss sagen, es ist eine ­super Idee! Ich hab gleich das Heft vor mein MacBook gehal­ ten und mir die animierten Berichte angeschaut. Das ­Tracking hat dabei wunderbar ­geklappt. Meine Mutter, die nicht so technikversiert ist, meint, dass wir jetzt dank Red Bull in der Zukunft leben. Bringt das unbedingt auch in der kommenden Ausgabe wie­ der! So was ist viel interessan­ ter, als einfach auf Eurer Seite Trailer anzu­klicken und die zu schauen. Christina Käsmayr, per E-Mail

möchte ich ebenfalls meinen Dank aussprechen. Hatte ja keine Ahnung, wie spannend es beim Zeitungsaustragen zu­ gehen kann und was das für ein Profisport ist. Bernhard Scherleitner, 8041 Graz

Danke für die freundlichen Worte zu unserer Print-2.0Inno­vation. Und, großes Indianer­ehrenwort: Print 2.0 gibt es ab sofort in jedem Red Bulletin.

Leserbriefe an The Red Bulletin richten Sie bitte per Fax an die Nummer +43 (0)1 90221-28809, per E-Mail an leserbriefe@at.redbulletin.com oder an die Postadresse Heinrich-Collin-Straße 1, 1140 Wien. Leserreaktionen werden nur veröffentlicht, wenn sie Name, Adresse und Telefonnummer bzw. E-Mail-Adresse enthalten. Die Redak­tion behält sich Kürzungen vor, wenn es Länge und ­Klarheit erfordern.

Tausend Dank für die Ver­ öffentlichung des Textes von Renate Kaiser („Über den Spitzensport Zeitungsaustra­ gen“) in Ihrer Oktober-Aus­ gabe. Ich habe mich köstlich amüsiert. Besser kann man es nicht schreiben. Ich sage nur: Pulitzer-Preis! Frau Kaiser

Lese Euer Heft sehr aufmerk­ sam, und immer finden sich absolut geile Sachen zur Lek­ türe drin. Konstruktive Kritik: Der Artikel „Land Diver“ wurde bereits im TV und anderen Medien gebracht. Nun das Lob nach dem Tadel: Der Artikel über die türkische Rallyebraut ist Weltklasse, da werden Rol­ lenbilder niedergebullt. Michael Enne, per E-Mail

l e s e r f r a g e n , w e lt m e i s t e r a n t w o r t e n

Snowboard-Weltmeister Benjamin Karl gibt uns die Antwort – und gleichzeitig eine faire Chance, eines der ­Ex-Bretter des Österreichers via eBay zu ersteigern. Auf jede Frage antwortet der passende Weltmeister: E-Mails an weltmeisterantworten@at.redbulletin.com

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Aktuell habe ich rund 25 Snowboards. Die meisten älteren Modelle schicke ich an den Ausrüster zurück oder verkaufe ich privat und auf eBay – die gehen gut weg. Eine innige Beziehung zu meinen Boards habe ich nicht, da man sich jedes Jahr schon aufs neue Material freut. Nur das Brett, mit dem ich 2005 zweifacher Juniorenweltmeister und Euro­pacup­ sieger wurde, hat einen Ehrenplatz. Das Gerät, mit dem ich letzten Winter Parallelslalom-Weltmeister wurde, ist noch als Trainingsboard im Einsatz. Doch die Entwicklung ist zu r­ asant, um altes

Material zu verwenden. Im Slalom fahre ich ein 163 cm langes Board mit einem Ra­ dius von 15 Metern. Vor ein paar Jahren waren es noch rund neun bis zehn Meter. Beim Kernmaterial wechselte man von Fiberglas auf Carbon und aktuell auf Tita­ nal. Um eine höhere Laufruhe zu erzielen, sind die Bretter vorne breiter und hinten etwas schmäler geworden. Und die Schau­ fel ist nicht mehr so hoch wie früher, da diese zusätzliche Masse Vibrationen aus­ gelöst hat. Mehr Weltmeister-Tipps: redbulletin.com/deinefrage/de

bilder: markus berger/Red Bull Photofiles, privat

Wohin mit gebrauchten Boards?


K a i n r at h s k a l e n d e r b l at t

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bild: Mark Watson/Red Bull Photofiles

credit

Bullevard

Befl端gelndes in kleinen Dosen.


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Surfen Sie mit Jon Durand durch die Red Bull Glorious Days!

B u r k e tow n, Au st r a l i e n

morgenstund’ Das Naturphänomen über der Wüste Australiens nennt sich ­etwas zweideutig „Morning Glory“ (Männer wissen, was gemeint ist). Eine bis zu tausend Kilometer lange rollende Wolkenfront schiebt sich dabei frühmorgens wie eine wilde Walze über den Golf von Carpentaria. Die Einheimischen in Queensland ­sprechen ehrfürchtig von einer „Shockwave“, wenn sie ­dieses bis dato unerforschte Naturphänomen meinen. Für Jon Durand, einen der weltbesten Hängegleiter, war das Ansporn, nicht Abschreckung. Ein eigens gebauter Ultralight-Flieger brachte ihn in Position. Und dann ging’s los: „Es war wie ein ­Tsunami im ­Himmel, völlig unberechenbar. Und es war der beste ­Moment in meinem Leben – und wahrscheinlich a­ uch der gefährlichste.“ Bullevard-Pics downloaden: redbulletin.com/wallpaper/de

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sa n d i eg o, USA

youtube superstar

bild: Michael Clark/Red Bull Photofiles

credit

Danny MacAskill? Den Namen musste man bis Frühling nicht kennen. Nicht einmal in Trial-Kreisen war der Mann von der Isle of Skye vor Schottlands Westküste bis dahin ein Begriff. Contests bestritt der 28 Jahre alte Schotte nämlich nicht. Ein fünfeinhalbminütiges YouTube-Video änderte schließlich alles: Über elf Millionen Mal wurde der Hirnschocker „Inspired Bicycles – Danny MacAskill April 2009“ bislang angesehen. Angesichts der Szene mit dem Backflip auf einem Baumstamm rief sogar US-Superstar Travis Pastrana bei MacAskill an. Danny kann mehr auf dem Bike, als die Menschheit bislang gesehen hat. Er verbindet Trial mit Freestyle, Street und Dirt, Improvisation mit Genie. Hier in San Diego zieht er schnell mal einen Backflip ab in einer Halfpipe, die keine ist. Einfach so. Keine Frage, der Mann hat Trial auf ein n ­ eues, bisher unvorstellbares Niveau gehoben, ganz ohne Pokale. Das Wichtigste in seinem Leben? „Meine Bikes. Ohne die wäre mir nämlich ganz schön fad.“ Dannys legendäres Video: redbulletin.com/macaskill/de

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b e r l i n, D e u t s c h l a n d

Molecule Man

bild: Ray Demski/Red Bull Photofiles

Die drei Alu-Gestalten erheben sich dreißig Meter über die Spree. Hier, im Herzen Berlins, versinnbildlicht das Werk des US‑Bildhauers Jonathan Borofsky das Zusammentreffen der drei Bezirke Kreuzberg, Treptow und Friedrichshain, von Ost- mit West-Berlin. WeltklasseBoulderer Bernd Zangerl interessiert an diesem Tag freilich anderes: Mit einem Gummiboot rudert er mitten in der Nacht zum Molecule Man. Verzurrt es dort. Findet sicheren Griff im untersten Loch. Klettert immer weiter, von Molekül zu Molekül. Oben angekommen, hält er kurz inne, genießt Berlin in der Morgendäm­ merung und verschwindet auf ebenso leisen Sohlen, wie er auch gekommen war. „Lässig war’s“, grinste der 31-jährige Tiroler nach seiner geheimen Erstbesteigung. Der Clip zum Red Bull Molecule Man: redbulletin.com/moleculeman/de

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DERSHOT, DERFLU¨GEL VERLEIHT. kunde

KLEINGENUG FU¨RS HANDGEPA¨CK, STARKGENUGFU¨RDEN LANGSTRECKENFLUG. Ob sonnenhungriger Tourist oder Anzug tragender Berufsnomade, Flugreisen können ganz schön anstrengend sein. Müssen sie aber nicht. Denn mit nur 60 ml ist der neue Red Bull Energy Shot so klein, dass Sie ihn durch die Sicherheitskontrolle mitnehmen können – so bleiben Sie

hellwach, um sich auf Ihre Besprechung vorzubereiten oder einfach nur einen Film anzusehen. Zudem enthalten Red Bull Energy Shots keine Kohlensäure und müssen nicht gekühlt werden. Damit jetzt auch im Flugzeug gilt: Red Bull verleiht Flüüügel.


b u l l e va r d

Mode­ industrie

Kopf­ sache Boy George hat schon für viel Aufsehen in seinem Leben gesorgt, ein rosa Hut ist da fast spießig.

Drei Tage lang verwandelte sich eine Fabrik in London in ein Zentrum für Kreativität.

Das Video, Promis inklusive: redbulletin.com/fashionfactory/de

Legende Wenn in England Kreatives geschieht, ist sie nie weit weg: Modepionierin ­Vivienne Westwood.

bilder: David Brook

Normalerweise ist die Fabrikhalle The Old Sorting Office im Südwesten Londons mit ihren alten, unverputzten Wänden und der heruntergekommenen Fensterfront kein Ort für Ästheten. Bei der Fashion Factory wurde aber genau diese Location zum Ort der Begegnungen, gegenseitigen Inspirationen und Kreativität von vielen verschiedenen Künstlern, für die Schönheit ihr Leben bedeutet. Während der London Fashion Week trafen sich hier drei Tage lang einerseits weltberühmte Designer wie, unter anderem, die Mode-Grande-Dame Vivienne Westwood, die ihre neue Kollektion des Red Label präsentierte. Und andererseits ­hochtalentierte Nachwuchsdesigner wie Hannah Marshall, die bei ihrer Laufstegpräsentation auf einen außergewöhn­ lichen Augenbrauen-Style setzte. Neben den Modenschauen stellten aber auch Fotografen, Maler und andere Künstler ihre Werke aus, die zum Teil gleich ­direkt vor Ort entstanden. Dabei wurde öffentlich über Geschmack, Trends und andere weltbewegende Themen diskutiert. Und auch des Nachts war dieses besondere Kreativzentrum der absolute Hotspot in London, bei dem die Szene sich den Stress der Fashion Week aus den Knochen zu feiern versuchte. Kapellmeisterin am DJ-Pult der Abschlussfeier war keine ­Geringere als HipHop-Sängerin Estelle.

Bilder des Monats

Moment mal!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach hochladen auf: www.redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird ein Red Bull MOBILE Bluetooth Headset BH-1 verlost. Bis zu vier Stunden lässt sich damit freihändig reden. (Ein Ladegerät für danach ist selbstverständlich auch dabei.) Gewinner aus Heft 10/2009: Sebastian Mayer. Wer nicht gewonnen hat: Das Headset gibt’s um 49 Euro exklusiv im Red Bull MOBILE Online Shop unter http://shop.redbullmobile.at/

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Voralpenland Da hilft nur noch ein rettender Sprung – Drachenflieger Guido Gehrmann im Tiefflug. Christian Brecheis, August 2009


b u l l e va r d

Fashion VictimS Zwei Gäste, die auf keiner Modenschau fehlen dürfen (Bild re.): Pixie (li.) und Pea­ches Geldof – voilà!

DJ Estelle sorgte mit ihrer Musik nicht nur für gute Laune, sondern hatte auch selber welche.

Entlastung Newcomerin Hannah Marshall konnte ihr Glück nach der erfolgreichen Modenschau kaum fassen.

London Skateboard-Akrobatik auf zwei von  vier Rädern – Kris Vile beim Treppensteigen. Andrew Horsley, Red Bull Manny Mania, Okt. ’09

Zürich Wie man sieht, kann Kilian Fischhuber seinem Beruf Ampflwang Joël Smets zeigt, wie man sich als und seiner Leidenschaft jederzeit und überall nachgehen. Thomas Ulrich, Red Bull Urban Boulder, Oktober 2009

fünffacher Motocross-Weltmeister richtig beflügelt. Carsten M. Steffen, September 2009

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b u l l e va r d

Debütanten ohne Strand Zum ersten Mal in der Geschichte bewarb sich das Team Austrian Surfing um den Titel des Surfweltmeisters. 35 Nationen nahmen an den World Championships der International Surfing Association (ISA) in Costa Rica teil. Die Premiere: Unter der Leitung des Coachs und Team-Captains Johnny Nesslinger (am kleinen Bild der Erste von links) reiste auch eine österreichische Nationalmannschaft nach Mittelamerika. Die Wettkämpfe wurden an Costa Ricas Westküste, der Playa Hermosa, ausgetragen. Der dortige Pazifikabschnitt für seine konstante Wellenlieferung in der ganzen Welt bekannt.

New Orleans „Hannibal the Beat Animal“ siegte beim Producer-Battle im Warehouse District. Cale Glendening, Red Bull Big Tune, Oktober ’09 16

Als krasser, wiewohl ehrgeiziger Außenseiter bezog das Binnenland zehn Tage vor der WM ein Trainingslager im Wavetours Camp südlich vom Wettkampfort in Mal País. Dieses Camp wird zufälligerweise seit fünfzehn Jahren vom Niederösterreicher ­Peter Ottinger geleitet. Der Vorbereitungscontest war gleich ein Klassiker – es ging gegen Deutschland –, und er wurde ver­ loren: Kein Wunder, hat das große Nachbarland immerhin zwei Küsten zu bieten. Als es dann aber drauf ankam, landete ­Österreich im WM-Klassement (Sieger USA) auf Platz 22 und vor Deutschland. Ein respektabler Erfolg, denn für einige Teammitglieder war die WM der erste Surfwettkampf überhaupt.

Barcelona Der Kameramann rückte Paul Bonhommes Weltmeistertitel ins rechte Bild. Danach war Pause angesagt. Santiago Muñoz, Red Bull Air Race, Oktober 2009

Mmmh, das schmeckt!

Im Hangar-7 kochen internationale Stars groß auf. Ein Jahr lang sorgten sie allmonatlich für kulinarische Höhenflüge im Restaurant „Ikarus“ des Hangar-7, jetzt kochen sie einen Abend lang gemeinsam auf. Elf Stars der internationalen Kochszene werden zusammen mit Mastermind Eckart Witzigmann und Executive Chef Roland Trettl für ein fulminantes Gaumenspiel sorgen, das 300 auserwählten Gästen immerhin 777 Euro pro Mund wert ist. Selbstverständlich für einen guten Zweck: Der Erlös kommt zur Gänze der Stiftung Wings for Life zugute. Während die Herren Köche – Normand Laprise (Montréal), Danyel Couet (Stockholm), Kenneth Oringer (Boston), Dani García (Marbella), An­ dreas Caminada (Fürstenau), Ian Chalermkittichai (Bangkok), Thierry Marx (Pauillac), Joachim Koerper (Lissabon), Antonio Cannavacciuolo (Orta San Giulio), Didier Corlou (Hanoi) und René Redzepi (Kopenhagen) – am Herd brutzeln, wird das Publikum vom Cirque de la Cuisine artistisch unterhalten. Ikarus-Nacht im Hangar-7: 21. November 2009, Salzburg; www.hangar-7.com

Tel Aviv

Kunstvoll, diese Werbung. „Leider“ wurde dieses abbruchreife Haus in der Zwischenzeit renoviert. Markus Waldschütz, August 2009

bilder: Helge Kirchberger/Red Bull Photofiles, Ivan Filipovic (2)

Austrian Team Rider Chris Schnitzer sorgte mit einem Sieg über Lateinamerika-Champion Martín Passeri für Aufsehen.


b u l l e va r d

Bei den MTV Europe Music Awards am 5. November in Berlin wird Juliette Lewis einen der Preise überreichen und vielleicht einen Song aus ihrem neuen Album „Terra Inco­gnita“ zum Besten geben.

Rock Bitch

bild: Scott Weiner/corbis

Leidenschaftlich, kompromisslos, authentisch – Juliette Lewis überzeugt als Musikerin ebenso wie als Schauspielerin. „Musik – das bin ich! Das hat nichts mit irgendeiner Rolle zu tun.“ Und jeder, der Juliette Lewis in den letzten sechs Jahren auf einer Bühne stehen, nein: rocken!, sah, glaubt ihr das aufs Wort. Eine erste Kostprobe ihres Gesangs­ talents bekam man in Oliver Stones Film „Natural Born Killers“ zu hören, wo sie ohne instrumentale Unterstützung in einer Gefängniszelle singt. Da war die Amerikanerin gerade einmal 21 Jahre alt und hatte als Filmschauspielerin bereits eine Oscar-Nominierung in der Tasche – für die Rolle eines aufmüpfigen Teenagers in „Kap der Angst“ von Martin Scorsese. Die Hollywood-Trophäe bekam sie schließlich doch nicht, dafür aber – auch nicht

schlecht – einen MTV Video Music Award für den besten Filmkuss 1992. Die höchst erotische Szene, in der Robert De Niro ihr seinen Daumen in den Mund steckt und sie daran saugt, schrieb Filmgeschichte. „Ich spürte immer, dass ich eigentlich singen sollte, aber ich hielt das geheim“, gestand Juliette Lewis einmal. „Bei ,Natural Born Killers‘ war ich sehr nervös, weil ich plötzlich den Vogel aus dem Käfig ließ. Erst in ‚Strange Days‘ erinnerte ich mich daran, dass ich da etwas ignorierte.“ In dem Sci-Fi-Movie von 1995 gab sie eine Musikerin und beeindruckte mit dem P.‑J.-Harvey-Song „Hardly Wait“. Acht Jahre sollte es aber noch dauern, bis sich Juliette Lewis ganz ihrer Bestim-

mung als Rockstar widmete. Als sie 2003 ihre erste Band Juliette and The Licks gründete, lagen eine gescheiterte Ehe mit ­Profi-Skater Steve Berra sowie ein zweijähriger Drogenentzug hinter ihr. Dass die Narben, die das Leben hinterlässt, einer guten Stimme ein ganz besonderes Timbre verpassen, wissen viele ­Große der Musikwelt. Von Iggy Pop über David Bowie bis zu Patti Smith – die Juliette Lewis frank und frei als ihre großen Vorbilder bezeichnet. Letztere würde sie gerne in einem Film darstellen, doch die Beat-Poetin und Punk-Muse ziert sich hartnäckig. Dabei wird ihr Lewis musikalisch immer ähnlicher. Während sie früher mit den Licks rohen Schweinerock prak­ tizierte, gibt sie sich auf ihrem soeben ­erschienenen dritten Album zunehmend dramatisch-romantisch. Im Gegensatz zum einst unkompliziert nach vorne ­peitschenden Sound klingt sie auf „Terra Incognita“ farbenprächtig und emotionsgeladen. Gepaart mit sehr persönlichen, intimen Texten, ­atmet ihre Musik einen neuen Spirit. Mitschuld daran sind wohl auch ihr neuer Co-Produzent, Mars-VoltaGitarrist Omar Rodriguez-Lopez, und natürlich die Trennung von ihrer alten Band. „Nach unserer letzten Platte wollte ein ­Gitarrist solo auf Tour gehen, der andere wollte Musik machen, um eine gute Zeit zu haben. Ich nicht“, begründete Lewis den radikalen Schritt. „Ich brauche Blut, Enthusiasmus und Feuer!“ Eine geradezu kompromisslose Authentizität, wegen der sie Musikfans genauso lieben wie Filmfreaks. Die sich übrigens auch wieder freuen dürfen. Nach sechsjähriger ausschließlicher Tätigkeit als Rock Bitch hat Lewis wieder ein paar Filme abgedreht. Deren erster, „Whip It“ (Regie: Drew ­Barrymore), wird Anfang 2010 in Europa anlaufen. Juliette Lewis live: 8. November 2009, Wiener Gasometer; News & Sounds: juliettelewis.com

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EINST UND JETZT

goalie-masken

In gleichem Maße, in dem das Spiel schneller geworden ist, haben sich auch die Masken der Eishockey-Torleute verbessert. Unseren ganzen Respekt haben sie jedenfalls heute wie damals verdient.

Bis in die Sechziger galten Goalies mit Maske als Weicheier: 400 Stiche im Gesicht waren für einen NHL-Tormann am Ende seiner Karriere normal. Erst Superstar Jacques Plante von den Montréal Canadiens machte die Larve unter harten Männern salonfähig. Dazu fertigte man einen Abdruck des Gesichts, goss die Form aus und baute die Maske (diese trug Josef Dušek, Tesla Pardubice) aus Kunststofflaminat darüber auf. Innen wurde an strategischen Stellen Schaumstoff eingeklebt. Der Gewalt heutiger Schüsse würde diese Frühform einer Goalie-Maske freilich nicht standhalten: Die modernen Carbonschläger sind Gewehre im Vergleich zu den damaligen Holzstöcken, Feldspieler sind im Schnitt 20 Zentimeter größer und 20 Kilogramm schwerer. 18

bilder: HELGE KIRCHBERGER

Eisenmann Laminat-MaSSanfertigung, 1971


B u ll e v a r d

Robocop Itech 960, 2009 Moderne Torhütermasken wie die Itech des 19-jährigen Artiom Konovalov vom Farmteam des EC Red Bull Salzburg sind aus­ geklügelte Konstruktionen, die den Puck bei einem Treffer regelrecht abrutschen lassen. Jeder der Männer, die sich den Pucks entgegenstellen, die mit bis zu 160 km/h auf sie zurasen, hat so seine Vorlieben. Das Modell 960 zum Beispiel wird in der Form nicht mehr hergestellt. Die Unterschiede der einzelnen Kevlarmasken mögen für Laien mininal aussehen. Für die Torleute sind sie jedoch essenziell. Da geht es natürlich um Passform, aber genauso um Belüftung, Form und Art des Gitters. Denn nur ein Goalie, der sich wohl fühlt, ist ein sicherer Rückhalt seines Teams. 19


b u l l e va r d

mein körper und ich

Dani Pedrosa

Der 24-jährige Spanier kennt Krankenhäuser fast ebenso gut wie seine MotoGP-Honda. Trotzdem ist der schmächtige Fighter Stammgast am Podium – oder vielleicht gerade dehalb.

in Australien, Mein erster großer Unfall passierte 2003 der 125er-Klasse in itel WM-T den e gerad mir hatte ich begann unkontrolliert gesichert. Ich überbremste, das Bike te mit den Füßen krach Ich ab. mich warf und ngern schli zu das rechte und Fuß r linke Mein r. voraus in eine Maue . Es dauerte endlose istert bege nicht n ware lenk ngge Spru t waren. Ich habe fünf Monate, bis alle Brüche ausgeheil , aber die Sprung­ chen gebro iche Mögl alles er seith mir Körperteilen. gelenke gehören zu den problemlosen

Mit off ene n Hän den

Zwischen Sommer 2008 und Sommer 2009 war es unmöglich, auch nur einigermaßen in Form zu kommen. Ich crashte, kämpfte mich zurück, verletzte mich prompt wieder und so fort. Ein Teufelskreis. In Japan 2008 zerst örte ich mir rechts einen Mittelhandknochen. Das musste man operieren. Kaum war das wieder einigermaßen okay, brach ich mir beim Grand Prix von Deutschland das rechte Hand gelenk: Ich führte das Feld an, als ich an einer sehr schnellen Stelle absteigen musste. Nicht angenehm, so ein Unfa ll mit 260 km/h.

Nim m’s lei cht

Meter) Ich vermute, dass meine Größe (1,58 in meiil Vorte kein kg) (50 cht Gewi mein und Kilo nem Sport sind. Mein Bike wiegt 154 – das Dreifache von mir. Bei den meis ten anderen Fahrern ist das Verhältnis Bike zu Körpergewicht 2:1. Ich weiß nicht, wie sich Motorradfahren für die großen Burschen anfühlt, ich muss jedenfalls fest ­trainieren, um das Bike zu bändigen.

Fil etstüc k

r, und ein 2006 zerriss bei einem Sturz mein Lede strecke. Renn der auf blieb Knie Stück vom linken en Seite. 2008 passierte mir dasselbe auf der recht eine ziemDas Knie war außerdem voller Wasser, heilen lich ungustiöse Sache. Wunden am Knie bei allem vor cht, schle hung wegen der Beanspruc eine HautMotorradfahrern. Dann ging auch noch Wunde transplantation schief. Zuerst hatte die den einer den Durchmesser einer Münze, danach grauslich Dose. Das tat nicht nur weh, es sah auch n. Denaus. Man konnte bis zum Knochen sehe stürzte r Qata in r heue ich Als r. noch fuhr ich weite Zwangsund mir den Arm brach, nützte ich die bringen zu pause, um auch das Knie in Ordnung alerweise lassen. Ein Hauttransplantat ist norm ein Steak sie n habe Mir . accio dünn wie ein Carp Knie geaus dem Schenkel geschnitten und aufs dicht. aber ist aus, n schö nicht pappt. Sieht zwar

Starke Stützen 2005 führte ich die 250er-WM an, als ich wegen eines Kolbenklemmers zu Boden musste. Diesmal war die Schulter dran. Wenn du in der WM vorn bist, kämpfst du weiter, solange es nur irgendwie geht. Die letzten drei Rennen fuhr ich also mit kaputter Schulter. Schließlich hat es zum WM-Titel gereicht. Ohne die Unterstützung von Freund und Manager Alberto Puig und den Rückhalt der Jungs aus meinem Team hätte ich es nach all den Verletzungen wohl nicht geschafft, mich durchzu­beißen. Ich hatte großes Glück mit meinen Leuten.

Dani Pedrosa und der Rest der MotoGP-Gang auf: www.redbullmotorsport.com

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Bild: gold and goose photography

Die Wa nd ans chauen


b u l l e va r d

USA vor Frankreich und Belgien: So lautete das Klassement im Red Bull Motocross of ­Nations, der offiziellen MX-Team-WM. Gefahren wurde im Autodromo di Franciacorta in Italien – vor 90.000 Zuschauern!

Zum zweiten Mal nach 2007 holte sich Sabrina Mockenhaupt (GER) den Marathon in Köln. Ihre Zeit: 2:30:12 Stunden. Ihr Rekordvorsprung auf die Zweitplatzierte Kenianerin Rose Nyangacha: 7:55 Minuten.

Der Slowake Filip Polc (Mi.) gewann „Red Bull Desafio no Morro“, das erste Mountainbike-Downhill-Rennen durch die Favelas von Rio. Hinter Polc und dem Brasilianer Markolf Berchtold folgten mit Dan Atherton (GBR) und Steve Smith (CAN) zwei weitere Downhill-Bullen.

Mick Fanning feiert beim Quiksilver Pro an der Südwestküste Frankreichs den zweiten Sieg auf der ASP World Tour in Serie. Jetzt hat der Australier große Chancen auf seinen zweiten WM-Titel.

Ob auf einem Board, zwei Beinen oder zwei Rädern: Diesen Siegern gebührt ­unser Applaus.

Daniel Dhers (VEN) sicherte sich bei der Toyota Challenge im BMX-Park-Fin ale in Salt Lake City im US-Bundessta at Utah den Sieg mit einem wahren Trau mlauf.

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Meine Welt

GOLDIE

Er machte sich einen Namen als Graffiti-Künstler, komponiert elektronische und klassische Musik, und er hat Zähne, die weit mehr wert sind als unser Auto. Go ld ige s Läch eln

armes kind

Richtig grinsen gelernt hat Gold ie in Miami. Dort stellte er Schmuck her und teilte sich den Shop mit einem Typen, der in Goldzähnen machte. Goldie gravierte die Goldstücke und bekam dafür ein eigenes Set. Heute blitzen 14 goldene Implantate in seinem Mund. Wert: knapp 110.000 Euro.

Goldie wurde 1965 in der westenglischen Industriestadt Walsall als Clifford Joseph Price geboren. Seinen Vater, einen schottischen Pub-Sänger, bekam er kaum zu Gesicht, seine Mutter, eine Arbeiterin aus Jamaika, gab ihn mit drei Jahren zur Pflege ab. 14 Jahre verbrachte er in verschiedenen Pflegefamilien, bevor er mit 17 wieder daheim landete. Dort allerdings musste er mit seinem jüngeren Bruder Melvin Essbares stehlen gehen, um nicht zu verhungern.

Exp los iv!

Früher hat Goldie einmal einen Teenager verprügelt, weil der seinen Ferrari mit einer Erdnuss beworfen hatte. Mittlerweile hat er sich geändert. Ein Selbsthilfekurs habe ihn ruhiger gemacht, sagt er. Und: „Ich wäre durchgedreht mit meinem brutalen Temperament. Aber im Hoffman-Institut hat man mir die Sicherungen wieder reingeschraubt und die Bombe entschärft.“

Blo nde s Haa r

In seiner Jugend zog er durch die Straß en von Wolverhampton und besprayte alles , was nicht niet- und nagelfest war. Seit damals hat er auch den Spitznamen Goldie, wegen seiner blond gefärbten Dreadlocks. Erstmals Aufmerksamkei t als Straßenkünstler erregte er 1988 in der Graffiti-Doku „Bombin’“.

Tonspuren Seine Ex DJ Kemistry brachte ihn auf Drum ’n’ Bass. Sofort tauschte er Zeichenatelier gegen Tonstudio und nahm seine erste Platte auf, „Dark­ rider“. Ein paar erfolgreiche Singles später gründete er die Plattenfirma Metalheadz.

su ga r da ddy

Goldie lebt heute in einem charmanten britischen Haus im lauschigen Hemel Hempstead mit zwei Huskies (Bowie und Dylan) sowie einer drei Meter langen Python. Er selbst war zeugungstechnisch nicht untätig und hat vier Kinder mit vier verschiedenen Frauen. Er habe Fehler gemacht, sagt er, aber er versuche, ein guter Vater zu sein. Immerhin.

Ze itlos sin(n)lo s

1997 stürmte Goldies Debütalbum „Timeless“ (Zeitlos) auf Platz 7 der Charts. Dann ließ er sich „Sine Tempore“ („zeitlos“ auf Latein) auf den Nacken tätowieren, nannte sein Orchesterwerk für The Proms „Sine Tempore“ und sein drittes Album r „Sine Tempus“. Als Musike amm gra r abe , eich enr ide . tisch nicht ganz sattelfest

Nett er Ve rs uc h

, nicht Goldie stand zwar immer dazu hatte beziehungsfähig zu sein, trotzdem , die an diesem nen ndin Freu se ourö er ein paar glam k, aber auch Björ n Problem arbeiteten. Allen vora versuchten ant Tenn la Stel r ode ll Naomi Campbe te er 2002 wag Ehe mit ihm ihr Glück. Den Bund der edeMod zur el Mod vom die by, mit Sonjia Ash ts­ hzei Hoc ter ilder signerin mutiert war. Trotz beb man war n gazi -Ma llo!“ „He im ion dokumentat 2005 wieder geschieden.

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Do pp elt ge mo pp elt

chsen, suchte Goldie Obwohl als Pflegekind aufgewa rte ihn auf und fand spü Er r. Vate em sein Kontakt zu n hat, ebenfalls mit Soh n heraus, dass dieser noch eine envaters einfache Rab e. Pric ph Jose ord Cliff dem Namen stirbt!“ euch von r eine Erklärung: „Na, falls

Goldie auf der Red Bull Music AcademyCouch: redbulletin.com/goldie/de

Text: diane leeming. illustration: lie-ins and tigers

Re al it y sh ow

Neben Graffiti und Mu sik hat Goldie auch einen Ha ng zur Schauspie­ lerei. Im Bond-Film „Th e World Is Not Enough“ gab er den Bö sling Mr. Bullion, in „EastEnders“ erschi en er als Engel. Er machte mit bei „Ce lebrity Big Brother“, flog nach einem Beinb ruch aus der Berühmte-Menschen-m achen-Sport-Serie „The Game“ und wurde in der DirigentenShow „Maestro“ Zweite r. „Mit Reality-TV konnte ich meine Sch eidung bezahlen“, sagte Goldie. Wie wahr, wie wahr!


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Formelsammlung

Härter als Beton

Schlägt ein Karateka auf eine Betonplatte, wird durch die Verbiegung ihre Oberseite gestaucht und ihre Unterseite gedehnt. Die Zugfestigkeit von Beton ist wesentlich geringer als seine Druckfestigkeit. Deshalb beginnt die Platte von der Unterseite her zu brechen. Betonplatten wie auf unserem Foto brechen bei langsamer Belastung bei etwa 3000 Newton. Schlägt man aber auf sie, entstehen Schwingungen, welche die Platte bei wesentlich geringeren Kräften brechen ­lassen. In der Literatur finden sich dazu verschiedene Angaben; über den Daumen kann man jedoch von 50 Prozent ausgehen, also von 1500 Newton. Welche Kraft erzeugt nun der Karateka? Um dies abzuschätzen, nehmen wir an, dass die Abbremsung der Hand an der Platte gleichmäßig erfolgt. Die Bremsverzögerung a wird mit der Formel a = v²/2s berechnet. v ist die Aufprallgeschwindigkeit der Hand. Videoanalysen haben ergeben, dass diese bei guten Karatekas bis zu 14 m/s (ca. 50 km/h) beträgt. s ist der „Bremsweg“ bzw. die „Knautschzone“ der Hand, also der Weg von der ersten Berührung bis zum Stillstand. Nehmen wir weiter an, dass sich beim Aufprall durch die Verformung der Hand deren Schwerpunkt noch 2,5 cm (0,025 m) weiterbewegt, ergeben sich aus diesen Daten für die Bremsverzögerung stolze 4000 m/s². Die Erdbeschleunigung liegt bei 10 m/s2. Salopp gesagt wird die Hand beim Aufprall 400-mal so schwer! Die beim Aufprall entstehende Kraft F berechnet man mit F = ma. Nehmen wir für die Hand eine Masse von 0,75 kg an, dann beträgt die Kraft 3000 N. Das reicht also bei weitem aus, um eine Platte zu zerbrechen. Doch warum brechen dabei nicht die Knochen? Die Antwort ist so simpel, dass Sie wahrscheinlich enttäuscht sind: Knochen haben in Abhängigkeit von der Belastungsrichtung eine bis zu 50-mal größere Bruchspannung als Beton! Hätten Sie Betonknochen in den Händen, würden diese beim Aufprall zersplittern. Geübte Karatekas können auch mehrere Platten zerschlagen. Wichtig dabei ist jedoch, dass sich zwischen diesen ein kleiner Abstand befindet. Denn es ist unmöglich, drei Platten auf einmal stark genug durchzubiegen. Gibt es zwischen ihnen aber einen Abstand, brechen die Platten nacheinander. Die Energie überträgt sich – mit gewissen Verlusten – von Platte zu Platte. Der springende Punkt dabei: Man braucht für drei Platten nicht die dreifache Kraft. * Mag. DDr. Martin Apolin, 44, ist promovierter Physiker und Sportwissenschafter. Apolin arbeitet als AHS-Lehrer (Physik, Sportkunde) und Lektor am Institut für Sportwissenschaft in Wien und ist ­mehrfacher Buchautor.

Alle Formeln auf: redbulletin.com/formel/de

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bild: Fotex/Rainer Drechsler; Illustration: Mandy Fischer

Mit einer Hand, die dank Brems­ verzögerung 400-mal so schwer wird, gelingt auch eine solche Übung.


Karatekämpfer wissen die Physik auf ihrer Seite, wenn sie sich wie hier erfolgreich an der Zertrümmerung dreier Betonplatten versuchen. Trotzdem gilt, wie überall: Erst Übung macht den wahren Meister.


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Wings for Life: 3 … 2 … 1 … meins!

Der Dude von Hintertux

4000 Snowboarder zelebrierten den Saisonstart am Tiroler Gletscher. Einer besonders.

Werni Stock (im Bild oben) ist wieder obenauf.

Die vergangene Saison endete für Red Bull Rider Werni Stock eher schmerzhaft: Der Zillertaler zog sich eine Fersenprellung zu und musste seinen Sommerurlaub unfreiwillig früh antreten. Zum Start der neuen Saison ist Werni aber wieder topfit und haut von neuem die gewohnt superstylischen Airs raus. Beim Hot-Zone.tv 26

Park Opening Anfang Oktober am Gletscher in Hintertux rockte er den frisch geshapten Park derart stylish, dass ihm die Judges den „Dude Award for Good ­Riding“ verliehen. Das Opening war insgesamt der optimale Start in die neue Snowboardsaison. 4000 Shredder pilgerten während des Wochenendes auf den Gletscher und konnten bei feinstem Wetter selbst die neuesten Bretter testen und der Snowboard-Prominenz im perfekt präparierten Park auf die Beine sehen. Pro-Snowboarder wie Gigi Rüf, Marco Feichtner, Colin Frei, Marco Grilc oder Flo Mausser rockten tagsüber im Park und der Pipe, ehe sie sich zu später Stunde auf der Party von den Stereophonix mit feinstem Sound beschallen ließen. Werni Stock durfte beim Feiern natürlich auch nicht fehlen, war aber eine Woche danach in Berlin bereits wieder am Start. Bei freestyle.berlin am Flughafen Tempelhof schaffte er es über die Qualifikation bis ins Finale des BigAir-Events und belegte am Ende den ausgezeichneten sechsten Platz. Den Sieg holte sich in Berlin der Finne Peetu Piiroinen vor dem Kanadier Sébastien Toutant. Der Schweizer Red Bull Rider Iouri Podladtchikov jumpte auf Rang drei. Werni Stock bloggt auf: redbulletin.com/werni/de

Wings for Life ist bekanntlich jene ­Stiftung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Querschnittslähmung heilbar zu machen. Internationale Topmediziner forschen daran, die Lebensqualität hunderttausender Menschen weltweit zu verbessern und sie wieder auf die Beine zu bringen. Mittlerweile ist es keine Frage des „Ob“ mehr, sondern nur noch eine Frage des „Wann“. Aber der Weg ist noch weit. Und Forschung ­kostet Geld. Deshalb unterstützt die Red Bull-Familie Wings for Life und stellt Goodies für Versteigerungen zur Ver­fügung, die man normalerweise nicht kaufen kann. Diese ganz besonderen Exponate werden laufend auf eBay versteigert (http://www.wingsforlife.com/charity_auctions.php). Am 11. November endet zum Beispiel die Auktion dieser originalen Trainingsschuhe von Giovanni Trapattoni aus seiner Zeit bei Red Bull Salzburg. Bis zum selben Datum gibt es außerdem ein Ikarus-Kochbuch zu ersteigern (signiert von Gérard Depardieu) sowie ein Set Originalfotos von David Coulthard, ebenfalls mit Signatur. Und Furchtlose können einen Flug im Alpha-Jet der Flying Bulls ersteigern. Ausnahmsweise geht es hier auf eBay nicht um Schnäppchenjagd, sondern um etwas wirklich Sinnvolles. Preis hochtreiben explizit erwünscht! Laufende Auktionen für Wings for Life: wingsforlife.com/charity_auctions.php

bilder: Christian Eberl, helge kirchberger; illustration: dietmar kainrath

Manches kann man sich nicht kaufen. Manches ­allerdings schon. Das ist gut so – für alle.


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Guy Laliberté

Der kanadische Erfinder des Cirque du Soleil brachte es vom Straßenkünstler zum Zirkusdirektor von Weltformat. Und darüber hinaus.

1000 100 35

5

Guy Laliberté machte sich zu seinem 50. Geburtstag selbst das großzügigste Geschenk. Um 35 Millionen Dollar gönnte sich der Künstler und Unternehmer einen Weltraumflug samt achttägigem Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS.

Mit der Vertragsunterzeichnung bei Space Adventures am 29. April 2009 begann für den Weltraumtouristen das Abenteuer. Fünf Monate musste Laliberté zahlreiche Untersuchungen über sich ergehen lassen und das harte Kosmonauten-Trainings­ programm ­absolvieren. Am 30. September startete Laliberté (mit Clownnasen im Gepäck) gemeinsam mit dem Kosmonauten Maxim Surajew und dem US-Astronauten Jeffrey Williams mit einer Sojus TMA-16 vom kasachischen Raketenstartplatz Baikonur ins All.

Im Jahr 2007 gründete Guy Laliberté die One Drop Foundation, die es sich zum Ziel setzte, jedem Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser zu ermöglichen. Die laufenden Kosten werden dabei durch einen 100-Millionen-Dollar-Beitrag Lalibertés bis ins Jahr 2032 gedeckt.

Eine große Leidenschaft Lalibertés ist Pokern. Bei der World Poker Tour Championship 2007 erreichte er den vierten Platz und gewann ein Preisgeld von 696.220 Dollar. Allerdings stehen diesem Erfolg Verluste – hauptsächlich bei Online-Pokerturnieren wie Full Tilt Poker – von rund 17 Millionen Dollar gegenüber.

17 14

Am 9. Oktober 2009 lud Laliberté aus dem All zu einem einzig­ artigen Event – der „Poetic Social Mission“. Unterstützung bei der zweistündigen via Webcast zu empfangenden Lesung, die live aus 14 verschiedenen Städten und der ISS gesendet wurde, erhielt ­Laliberté unter anderem von Persönlichkeiten wie den Hollywood­ stars Salma Hayek, Matthew McConaughey, den Pop-Größen U2, Shakira und Joss Stone oder Ex-US-Vizepräsident Al Gore.

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Der Cirque du Soleil machte Laliberté reich. Der Kanadier hält 95 Prozent der Anteile des von ihm gegründeten Konzerns mit rund 2800 Angestellten und rund tausend Artisten. Mit einem Vermögen von 2,5 Milliarden Dollar nimmt der Zirkusdirektor heuer den 261. Platz in der „Forbes“-Liste der reichsten ­Menschen ein.

Cirque du Soleil: „Saltimbanco“, 10. – 14. 11., Mannheim, Deutschland www.cirquedusoleil.com

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Bild: Mikhail Metzel/AP Photo

Mit 18 Jahren verließ Guy Laliberté seine Heimat mit nicht ­einmal ­tausend Dollar in der Tasche, trampte durch Europa und schlug sich als Straßenkünstler und -musiker durch. Seine erste Nacht in ­London verbrachte er auf einer Bank im Hyde Park. Auf seinen ­Reisen erlernte er die Kunst des Feuerschluckens, der Drahtseilartistik und des ­Stelzengehens.


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Heroes Helden und ihre Taten: Wer uns diesen Monat bewegt.

bild: David Blundell/AP Images

32 Ken Roczen 34 David Lama & Reinhold Messner 40 Paul Bonhomme 44 Julius Brink & Jonas Reckermann

Ein weltmeisterliches Manรถver: Paul Bonhomme beim entscheidenden Flug des Red Bull Air Race World Championship-Finales in Barcelona.

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Heroes

Ken Roczen

ist jünger, kleiner und unerfahrener als seine Konkurrenten. Dennoch fährt er ihnen in der MXWeltmeisterschaft um die Ohren. Seit man ihn lässt. Text: Manuel Kurzmann, Bild: Norman Konrad

Name Ken Roczen Geburtsdatum/-ort 29. April 1994, Mattstedt, Thüringen, Deutschland Wohnort Mattstedt Beruf Schüler Team Teka Suzuki Europe World MX2 Erfolge Junioren: jüngster deutscher MX-Meister aller Zeiten (mit zehn); mehrfacher deutscher Meister, zunächst Vize‑Weltmeister, dann Weltmeister und Europameister. Erster Grand-Prix-Sieg und Gesamtplatz 5 in seiner MX2-WM Rookie-Saison 2009 Web www.ken-roczen.com

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Vor gut zwölf Jahren begann im idyllischen Dörfchen Mattstedt in Thüringen eine Romanze, die sich unaufhaltsam zur großen Liebesgeschichte entwickelte: „Ich war zweieinhalb, als mir mein Vater eine 50erLEM gekauft hat. Damals konnte ich noch kaum laufen.“ Mittlerweile ist Ken Roczen 15 Jahre alt, zockt gerne an der Xbox, hasst Mathe und düst an freien Nachmittagen mit dem Pitbike zu seinem Kumpel Tim Koch. Ein ganz normaler Teenager eben. Doch der blonde Jungspund mit ruhelosem Gemüt und wachem Kopf fühlt sich zu Höherem berufen: Er will der beste Motocrosser der Welt werden. Klingt utopisch, ist es aber keinesfalls. Roczen (sprich: ­Rok-zen, „aber nennt mich einfach Kenny“) beendete ­seine Rookie-Saison in der MX2, der zweithöchsten Klasse der Motocross-WM, auf dem fünften Gesamt­ rang. Und das, obwohl er bei den ersten vier (von 15) Bewerben gar nicht dabei war. Damals war er erst 14 und somit laut offiziellen Reglements ein Jahr zu jung. Am 29. April dieses Jahres wurde Kenny 15, und keine zwei Wochen später stand er beim Portugal-GP am Start. Zuerst ging alles schief: „In der Quali ist mir die Brille angelaufen, und ich bin nach ein paar Metern gestürzt.“ Am Ende des Wochenendes hatte Roczen Platz neun im ersten und Platz vier im zweiten Rennen eingefahren. Ein beeindruckendes, aber nicht ideales Resultat. „Ich habe zu Kenny gesagt: ‚Wenn du an deinem Start arbeitest, kannst du aufs Podium fahren.‘ Da hat er mich angeguckt, als ob ich besoffen wäre. Klar, im ersten Moment hat er nicht realisiert, dass er noch mehr aus sich herausholen kann“, erinnert sich Heiko Roczen. Vater Heiko und Mutter Steffi sind für den rasanten Werdegang ihres Sprösslings in hohem Maß mit­ ver­antwortlich. Sie begleiteten ihn Jahr für Jahr zu den Rennen, waren Manager, Techniker, Psychiater und Erziehungsberechtigte in Personalunion. „Kens Talent war immer offensichtlich. Als kleines Kind war das Motorrad sein Lieblingsspielzeug. Er hat sich sein Können nicht mühsam antrainiert, sondern es mit der Unbeschwertheit eines Kindes erlernt.“ Die Natürlich-

keit im Umgang mit dem Bike erklärt, warum Ken harte Strecken bevorzugt: „Mein Lieblingsrennen ist der WM-Lauf in Brasilien. Technisch anspruchsvoll, Dreiersprünge, Waschbrett und so weiter.“ Fahrerische Fähigkeiten allein machen keinen MXChampion. Unerlässlich ist, auf der Strecke und daneben Stärke zu zeigen, um von den Konkurrenten respektiert zu werden. „Man muss korrekt sein. Ken ist korrekt. Ich mag seine Art zu fahren und bin froh, dass ich ihn zu meinen Freunden zählen kann. Er ist ein guter Mensch“, erklärt einer, der selbst zur absoluten Elite des Sports zählt: Tony Cairoli. Der 24-jährige Italiener ist regierender Weltmeister in der Königsklasse MX1 und wohl bald Roczens schärfster Konkurrent. Ken sieht die renommierte FIM Motocross World Championship aber nur als Vorstufe seines wahren Ziels: „Ich will in die USA. Dort hat Motocross einen ähnlichen Stellenwert wie Fußball hier. Die Fans gehen so richtig ab, und es gibt Motocross-Parks, nicht nur Naturstrecken.“ Dass Roczen im Mutterland der motorisierten Zweiradakrobatik scheitern könnte, glaubt niemand. Thomas Ramsbacher, Teammanager bei Teka Suzuki Europe World MX2 und Kens Mentor, traut seinem Schützling diesen großen Schritt zu: „Ken war neun, als ich ihn zum e­ rsten Mal gesehen habe. In einer uralten Halle, bei wirklich miesen Bedingungen. Der kleine Kerl hat auf einem viel zu großen Motorrad einen Triple hingelegt. Den sind selbst manche Profis das ganze Wochenende nicht gesprungen. Seit damals ist mir klar, dass dieser Junge einiges erreichen kann. Kenny wird seinen Weg machen und sich auch in den USA durchsetzen können.“ Auch nur zu denken, dass dieser 15-jährige Bengel seine Ziele aus den Augen verlieren könnte, wäre äußerst gewagt. Ken ist ein sympathisches Alphamännchen, dem man gerne bei der Arbeit zuschaut und auf das irgendwie jeder stolz ist. Zweifler sind ihm „grob gesagt scheißegal“, weil „ich ganz genau weiß, was ich kann und wo ich hinwill. Punkt.“ Punkt. Mehr Tipps von Ken Roczen auf Seite 82 in diesem Heft. Der MX-Shootingstar bloggt auf: www.ken-roczen.com


Kennys Motto: „Ich habe Spaß am Fahren, aber ich fahre nicht zum Spaß.“


Heroes

Lama Messner trifft

Jungstar David Lama und Kletterlegende Reinhold Messner. Ein Gespräch über Magie und Verfehlungen des Bergsteigens, den unattraktiven Mount Everest und die Herausforderung, den Cerro Torre frei zu begehen. Text: Christian Seiler, Bilder: Manfred Klimek

Name David Lama Geburtsdatum/-ort 4. August 1990 in Innsbruck, Tirol Wohnort Götzens, Tirol Beruf Wettkampf-, Sport- und Alpinkletterer Erfolge Europameister 2006 (Vorstieg), 2007 (Bouldern), Gesamtweltcupsieger 2008 Web www.david-lama.com

Name Reinhold Messner Geburtsdatum/-ort 17. September 1944 in Brixen, Südtirol Wohnorte Meran und Schloss Juval im Schnalstal Beruf Extrembergsteiger, Abenteurer, Buchund Filmautor Erfolge Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoffgerät, Besteigung aller 14 Achttausender in Himalaja und Karakorum, Durch­querung der Wüste Gobi zu Fuß Web www.reinhold-messner.de

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Ein spätherbstlicher Nachmittag in Firmian, Südtirol. In den nahe gelegenen Weingärten werden die reifen Trauben gelesen, während auf Schloss Sigmundskron bei Bozen zwei außergewöhnliche Alpinisten zusam­ mentreffen: Alpin-Pionier Reinhold Messner, der tags zuvor seinen 65. Geburtstag gefeiert hatte, und Shoo­ tingstar David Lama, 19, der jüngste Doppeleuropa­ meister in der Geschichte des Klettersports, der im November nach Patagonien abfliegen wird, um dort den berühmt-berüchtigten Cerro Torre (siehe Kasten auf Seite 38) im Stil des Freikletterns zu bezwingen. Messner, dessen aktuelles Buch „Westwand: Prin­ zip Abgrund“ Anfang Herbst erschienen ist, zeigt ­großes Interesse am jungen „Fuzzy“, so Lamas Spitz­ name. Der gefeierte Besteiger aller vierzehn Acht­ tausender, der als erster Mensch den Mount Everest ohne Sauerstoff und im Alleingang bezwang, sieht in David Lama eine neue Generation des Kletterns: austrainierte, technisch brillante Alpinisten, deren Können sie befähigt, weit schwierigere Touren zu ­unternehmen als er selbst, zu seiner Zeit. Das Gespräch zwischen Reinhold Messner und David Lama, dem Mann, der eine Legende ist, und dem, der eine werden wird, fand im Garten des Mess­ ner Mountain Museum in Firmian statt, bei Sonnen­ schein, milden Temperaturen und einem Glas Wasser. RED BULLETIN: Reinhold Messner nennt den Cerro Torre in Patagonien „senkrechte Wildnis“. Warum, David, hast du dir diesen Berg ausgesucht, um eine der schwierigsten Routen der Welt frei zu klettern? david lama: Der Torre ist wunderschön. Vielleicht der schönste Berg der Welt. Der Reiz, ihn frei zu ­besteigen, besteht darin, dass es noch nie jemand ­gemacht hat. Es ist etwas Neues. Man geht hinaus und weiß nicht, was einen erwartet. reinhold messner: Die senkrechte Arena des ­Cerro Torre hat historisch und bergsteigerisch eine interessante Dimension: Niemand ist sie jemals frei geklettert. Die Frage ist: Geht das? Was David erlebt,

wird er uns erzählen. Die Geschichte ist interessant. Wir wissen nicht, wie sie ausgeht. Das Wetter in Patagonien ist schlecht, oft stürmt und schneit es. Vielleicht gelingt es dir nicht beim ersten Mal, David. Vielleicht musst du dreimal hin, bis es gelingt. Was reizt dich an diesem Vorhaben am meisten? lama: Mich interessiert, wie ich drei Monate im schlechten Wetter ertragen werde, ohne Privat­ sphäre, ohne Ablenkung. Mein bester Freund Daniel Steuerer ist mit von der Partie, und trotzdem bin ich sicher, dass wir uns in die Haare bekommen werden. Aber auch das wird lehrreich sein. Man kann die ­Expedition nicht isoliert als bergsteigerisches Unter­ nehmen sehen. Sie ist ein großes Ganzes. messner: Genau. Wie hast du deinen Partner für den Cerro Torre ausgesucht? lama: Für mich ist wichtig, mit einem Freund berg­ steigen zu können, mit dem ich gut auskomme. Wenn man sich am Berg nicht blind versteht, hat man schon verloren. Ich habe meinen Partner also nicht nur nach den Kletterfähigkeiten ausgesucht, denn die bringe ich selbst mit. Sondern danach, wie diese Fähigkeiten ­ergänzt werden. Im unteren Bereich des Torre ist das Klettern noch relativ einfach, da kann auch ein Berg­ steiger, der nicht außergewöhnlich gut ist, voran­ steigen. Im zweiten Teil werde ich diese Arbeit über­ nehmen. messner: Das halte ich für richtig. Rivalität am Berg ist nicht positiv. Ein Freund, der im heiklen Gipfel­ bereich in die zweite Reihe geht und ihn unterstützt, ist viel wichtiger als ein stiller Rivale, der vielleicht besser klettern kann. Der möchte dann vielleicht nach dem Erfolg der Bessere gewesen sein. Wie haben Sie Ihre Partner für Erstbesteigungen ausgesucht, Herr Messner? messner: Für mich war es einfach. Ich habe die Leute sukzessive kennengelernt und gespürt: Das ist jetzt der richtige Partner. Ihnen verdanke ich viele meiner Erfolge, und ich kann mir nur zugute halten, dass ich


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Das Video zum Gipfeltreffen.

Reinhold Messner (links) und David Lama während ihres Gesprächs im Garten des Messner Mountain Museum in Firmian bei ­Bozen, Südtirol.


Heroes

„Nicht das Was, sondern das Wie entscheidet. Wir müssen uns unsere Herausforderungen selbst suchen.“ David Lama

David Lama, 19 Seinen Geburtstag ver­ brachte er in Kirgistan, wo er zehn Stunden lang durch unwegsames Ge­ lände zu der Wand mar­ schierte, die ihn inter­ essierte. Sein nächstes Projekt heißt „Cerro Tor­ re“. Der für David Lama „schönste Berg der Welt“ soll im patagonischen Sommer zum ersten Mal im Freikletterstil ­bezwungen werden.

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sie gewählt habe. Im Himalaya war Peter Habeler für mich der optimale Partner, er war ungemein schnell und konditionsstark. Arved Fuchs war ein optimaler Partner für die Antarktis-Expedition, weil er navigie­ ren konnte – die Kletterer wollten schließlich alle nicht so weit gehen. Sie hatten ja zuweilen Differenzen mit Ihren Partnern. messner: Das Auskommen mit Partnern ist immer nur hinterher schwierig. Nach großen Erfolgen. ­Jeder will sie sich – zu Recht – auf den Hut stecken. Herr Messner, was sehen Sie in der Person David Lamas auf den Klettersport zukommen? messner: Ich kenne seinen Namen seit Jahren. Ich bin zwar in der Welt des Sportkletterns nicht so da­ heim, weil es das zu meiner Zeit noch nicht gab, aber ich habe mir einige Wettkämpfe angesehen. Es war klug, die Wettkämpfe in die Halle zu bringen, das ­garantiert gleiche Bedingungen für alle Teilnehmer. Mir war klar, dass die besten Sportkletterer ins alpine Fach wechseln würden. Es scheint, als ob nun die erste Generation jener Kletterer international die Leader­ ship in der Felskletterei übernehmen, die aus der Halle kommen. Sie können das jung angelernte Kletterkön­ nen auf dem Felsen in eine andere Dimension tragen.

lama: Wie war das zu deiner Zeit? messner: Wir trainierten nicht. Ich war einer der Ersten, die zu Hause an Mauern und Wänden etwas übten. Nicht zu vergleichen mit dem, was mein Sohn tut, der selbst nur ein bisschen in die Halle klettern geht. Wann haben Sie David Lama zum ersten Mal gesehen? messner: Vor etwa fünf Jahren, in der Halle. Ich staunte, als ich zuletzt hörte, dass er den Sagwand­ pfeiler (die äußerst selektive „Eiger-Nordwand der ­Ostalpen“ in den Zillertaler Alpen; Anm.) geklettert ist. Ein wilder Fels, eine üble Wand. Ich dachte: Aha, jetzt kommt für ihn der Sprung in eine andere Welt. Was erwarten Sie von ihm und seiner Generation? messner: Sie erfinden gerade das Klettern neu. Die Generation vor ihnen hat bereits mächtig trainiert, aber nur auf dem Fels. Die Huber-Brüder haben nur am Fels trainiert. Stefan Glowacz war dazwischen, der hat auch Wettkämpfe gewonnen und ging dann ins Gelände, um Abenteuer zu erleben. Wo beginnt das Abenteuer? messner: In einer 2000 bis 3000 Meter hohen Wand, wo der elfte Grad gefragt ist. Wo der Bergstei­ ger sich selber absichern können muss und selbstän­ dig die Route finden. Wo alles zusammenkommt. Wie weit lässt sich das Klettern steigern? messner: Bis die Finger und Sehnen das Gewicht nicht mehr halten. Wie weit ist die Entwicklung fortgeschritten? messner: Ich glaube, wir sind nahe am Plafond. Fühlst du dich von Reinhold Messner porträtiert, David? lama: Im Großen und Ganzen schon. messner: Fühlst du dich als Felskletterer? lama: Absolut. Aber man merkt, dass immer mehr starke Leute in den Hallen zu klettern begonnen ha­ ben, auch in Ländern, die nicht solche Felsen haben wie wir in Österreich. messner: Wie alt warst du, als du zu klettern be­ gonnen hast? lama: Sechs. Ich habe am Felsen angefangen und par­allel in der Halle trainiert. messner: Ich glaube, dass es ein großer Vorteil ist, wenn du neben dem Techniktraining in der Halle am Felsen, vielleicht sogar im Gebirge Erfahrungen sammelst. lama: Ja. In der Halle kannst du ans Limit gehen … messner: … was am Berg unmöglich ist. Anderer­ seits muss ein Leistungskletterer in der Halle klein und leicht sein, weil die Hände sonst sein Gewicht nicht ziehen können – im Gebirge kannst du damit immer noch den höchsten Schwierigkeitsgrad erreichen. Ich bin gespannt, wann deine Generation die jetzigen Spitzenkletterer ablöst, ich glaube, es dauert noch ein bisschen. Um auf einem Siebentausender ­etwas Ver­ rücktes anzustellen, dafür braucht es ein paar Jahre Erfahrung. Das geht nicht von heute auf morgen. lama: Man schließt sich dafür auch Leuten an, die bereits Erfahrung mit so hohen Bergen haben, macht Teambegehungen. Unter solchen Umständen, denke ich, kann der Schritt recht rasch erfolgen. messner: Beim alpinen Klettern steht der Sport ­völlig im Hintergrund. Das alpine Klettern ist reines


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Abenteuer. Es ist nicht wichtig, ob du mehr oder ­weniger Kraft hast. Ausschlaggebend ist, was in dir drinnen passiert. Dass du weißt: Ich darf nicht mehr runterfallen. Es ist eine ernste Angelegenheit, sehr nah an der Grenze zwischen Leben und Tod. Die Angst ist ein entscheidender Faktor. Wie ist das Verhältnis von Können und Angst? messner: Wir konnten Wände im sechsten Grad mit und ohne Absicherung klettern. Wenn wir weit oben in einer 4000 Meter hohen Wand einen Vierer klet­ tern mussten, war das unter den Gegebenheiten – Müdigkeit, Nervosität – schon schwierig. Kamen wir zu einer Fünfer-Stelle, war das bereits unverantwort­ lich. Sobald einer einen Achter locker vom Hocker raufsteigt, macht er sich bei solchen Stellen keine ­Gedanken. Er muss keine Umwege suchen, verliert keine Zeit und durchsteigt selbstverständlich eine Stelle, um die wir einen halben Tag lang einen Um­ weg suchen mussten. Es verändert sich die Psychologie des Abenteuers. messner: Nein, die Psychologie bleibt die gleiche. Aber die Angst kommt später. Der neue Kletterer ist schneller, muss weniger Material dabeihaben, weni­ ger Proviant, also weniger Gewicht: Da tut sich eine neue Welt auf. lama: Zum Beispiel? messner: Tomaž Humar, ein slowenischer Kletterer, ist die Dhaulagiri-Südwand, 4000 Meter hoch, solo gegangen. Ich habe dieselbe Wand mit Peter Habeler versucht. Bei Wandmitte haben wir mit vollen Hosen abgebrochen. Ich kann vor so viel kletterischem Kön­ nen und seelischer Kraft nur den Hut ziehen. David, was bedeutet die Figur Reinhold Messner für dein Bild vom Bergsteigen? lama: Als ich anfing bergzusteigen, stand nicht der Sport, sondern der Berg im Vordergrund, und Reinhold Messner war ein Name, der jedem Berg­ steiger Respekt einflößte. Mittlerweile haben sich die Grenzen verschoben. Aber man muss Leistungen immer in ihrer Zeit, im Rahmen der vorhandenen Möglichkeiten sehen. So betrachtet sind seine Erfolge noch immer extrem beeindruckend. Messner ist ein Anwalt des puren Bergsteigens, wie er auch in seinem neuen Buch „Westwand: Prinzip Abgrund“ ausführlich schreibt. Wie stehst du dazu? lama: Es ist nicht allein das Was, sondern das Wie entscheidend. Auf den Mount Everest kommt heute ja schon jeder. Aber ohne Sauerstoff, das ist schon eine andere Sache. Die Wahl der Route kommt dazu. Wir müssen uns unsere Herausforderungen selbst ­suchen. messner: Das „Prinzip Abgrund“ sagt nur, dass ich exponiert bin. Wenn ich exponiert bin, zählen die Herausforderungen ganz anders. Knapp über dem Boden kann ich alles klettern, nicht aber in tausend Meter Höhe. David sagt ganz richtig: Die großen Bergsteiger waren die wenigen, die das Limit ihrer Zeit erreicht haben. Die Erstbegehung der EigerNordwand ist das Highlight ihrer Zeit. Besser ging’s nicht. Das ist genauso wertvoll wie der Erstbesteigung der Nanga-Parbat-Rupalwand von Steve House, ma­ ximale Exposition: ein kleiner Fehler, und die wären mausetot gewesen. Die großen Bergtouren haben

i­ mmer unter den maximalen Schwierigkeiten ihrer Zeit stattgefunden. Das hat sich allein während meiner Lebenszeit um sechs Schwierigkeitsgrade nach oben verschoben, eine enorme Steigerung. Wir müssen ­eines verstehen: Jede Zeit hat ihre Grenzen, ihre eige­ ne Exposition. Serienbesteigungen von Achttausen­ dern zählen für den Alpinisten nichts, wenn nicht die Route schwierig ist, die Exposition maximal. Wenn die Sherpas auf dem Everest jeden Meter ­befestigen, wenn die Lager fast schon Hütten sind, in jeder Hütte ein Koch, der für die Touristen kocht, dann ist das ­Urlaub. Es hat nichts mit dem zu tun, was wir beide machen: was David tun wird; was ich getan habe. lama: So gehen alle Aspekte des Bergsteigens ver­ loren, die mich interessieren. messner: Es ist Tourismus. Konsum-Alpinismus. Bergsteigen beginnt, wo der Tourismus aufhört. Aber das Bergsteigen beginnt auch, wo der Spaß aufhört. Das ist nicht mehr Spaß, wenn du 700 Meter runter­ fallen kannst. Es ist kalt. Du hast Angst. Vielleicht bist du verletzt. Vielleicht weißt du nicht, wie du ­wieder runterkommst. Diese Art des Bergsteigens wird immer interessant bleiben. Es freut mich, wenn David sagt, dass nur ganz wenige Sportkletterer in die Wildnis wechseln werden. Das Abenteuer ist

Reinhold Messner, 65 Der prägende Bergstei­ ger seiner Generation veröffentlichte gerade das packende Bergstei­ gerbuch „Westwand: Prinzip Abgrund“ (S. Fi­ scher). Er ist dabei, sein monumentales Projekt von fünf Museen (Mess­ ner Mountain Museum) zu vollenden. Vier Aus­ stellungsstätten sind be­ reits eröffnet (messnermountain-museum.it), die fünfte folgt 2010.

„Bergsteigen beginnt, wo der Tourismus aufhört. Aber auch, wo der Spaß aufhört.“ Reinhold Messner

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C e r ro To r r e

nicht für viele. Wenn Hansjörg Auer den „Fisch“ (eine extrem schwierige Route durch die Marmolata-Südwand; Anm.) ohne nichts durchturnt, dann hätte ich nicht zuschauen können, aber ich habe ihn nachher angebettelt, dass er mir seine Ausrüstung für mein Museum gibt. Welches Ziel ist wert, all das in Kauf zu nehmen: Angst, Anstrengung, Gefahr, Exposition? lama: Es müssen persönliche Ziele sein. Ich muss selbst von meinem Ziel begeistert sein. Die Gefahr spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Ich gehe nicht da rauf, um mein Leben zu riskieren, sondern um ­einen Traum zu verwirklichen. Ob der Traum darin besteht, den Cerro Torre frei zu klettern oder ihn überhaupt zu besteigen, ist egal. Jeder lebt seinen ­eigenen Traum. messner: Ich sehe das genauso. Wenn du morgen anfängst, ein Ziel nach seiner Verwertbarkeit auszu­ suchen, wirst du nicht weit kommen. Im Mittelpunkt muss die Idee stehen, etwas in deinem Stil zu erledi­ gen. Du musst dich fragen: Hab ich den richtigen Partner? Bin ich ausreichend trainiert? Kann ich das? Aber auch: Bin ich gut ausgerüstet? Habe ich die aus­ reichenden Mittel? Wenn du den Cerro Torre auf der Maestri-Route von 1970 frei klettern willst, hockst du ja drei Monate in Patagonien. Die Gefahr ist nicht das entscheidende Thema? messner: Gefahren sind immer im Spiel, egal ob du den Cerro Torre oder den Sagwandpfeiler kletterst. Ein Stein löst sich und fällt dir auf die Hand, mit der du dich gerade hältst. Schon fällst du aus der Wand. Die Kunst besteht darin, dieser Gefahr auszuweichen. Der Berg ist ein Gefahrenraum. Die Halle ist nur ein Als-ob-Gefahrenraum. Wer meint, man kann die ­Berge sicher machen, täuscht sich. Die Berge bleiben gefährlich.

Senkrechte Wildnis „Schrei aus Stein“ nennt Reinhold Messner die patagonische Granitnadel (vgl. auch Werner Herzogs Film), die David Lama diesen Winter als erster Kletterer frei begehen will. Um den Cerro Torre ranken sich Mythen und Legenden. Die Erst­ besteigung durch Cesare Maestri (1959) ist umstritten. Maestris Wiederholung der Besteigung unter Verwendung eines Kompressors und hunderter Haken gilt unter Alpinisten wenig – David Lama ist da keine Ausnahme. Mit seinem Freund und Kollegen Daniel Steuerer plant Lama die freie Besteigung des Cerro Torre. Die dreimonatige Expedition nach Patagonien startet Anfang November.

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Was ist das richtige Handwerkszeug, um diese Gefahren zu bewältigen? messner: Das Ausweichen von Gefahren ist eine Sache der Erfahrung. Das Meistern von Schwierig­ keiten ist eine Sache der Klettertechnik: Du musst besser klettern können als die anderen. Hier liegt der Grund, warum die neue Generation von Kletterern Dinge machen kann, die wir nicht machen konnten: Sie bringen ihr besseres Kletterkönnen viel früher mit einem Erfahrungsmaximum zusammen, nicht mehr mit vierzig Jahren, wie wir, sondern mit fünfund­ zwanzig. Mit fünfundzwanzig kann man aber ganz anders klettern als mit vierzig: Da sieht die Welt gleich ganz anders aus. David, was reizt dich am Erstbegehen von Routen? lama: Die Neuerfindung. Das Sich-Einlassen auf das Ungewisse. Bei Erstbegehungen gibt es oft kein Zurück mehr. Die Wand lässt dich nicht mehr aus, du musst sie meistern. Es ist der Mangel an Information. Wenn ich eine Route wiederhole, kenne ich den Schwierig­ keitsgrad der Stelle, die vor mir liegt, und weiß, wie ich mich sichern muss. Für einen Sechser muss ich keine Placements (Zwischensicherungen; Anm.) legen, was ich bei einem Neuner eben doppelt mache. Die Herausforderung besteht darin, diese Entscheidungen selbständig treffen zu müssen. Warum haben Sie Ihr Leben dem Bergsteigen ­gewidmet, Herr Messner? Was macht den Berg so interessant? messner: Der Berg interessiert mich weniger als die Menschennatur. Am Berg erfahre ich, wie ich ticke. Was die Angst mit mir macht. Wie ich mit der Situati­ on umgehe, dass ich nur noch hinauf, nicht mehr hin­ unter kann. Was macht meine Psyche dann mit mir? Was macht sie? messner: Ich habe beobachtet, dass die Gefahr uns oft ganz ruhig macht. Dass alles Weitere dann wie in der Kletterhalle abläuft. Und wenn nicht? messner: Dann ist das Umkommen am Berg oft wie eine Erlösung. Keine Verzweiflung. Irgendwo weit draußen oder hoch oben. Der „höchste Berg der Welt“. Eine Herausforderung für dich, David? lama: Überhaupt nicht. messner: Ich hätte mit neunzehn genau dasselbe ge­ sagt: Ich geh doch nicht Schnee treten da drüben. Wir haben dann Schnee getreten, aber ohne Sauerstoff. Aber ein junger, guter Kletterer hat sicher kein Inter­ esse, im Gänsemarsch auf den Everest zu steigen. lama: Auch für mich ist der Gebrauch der Sauer­ stoffmaske ein Tabu. Es geht schließlich nicht um den Gipfel, sondern nur darum, wie man ihn erreicht. IFSC Climbing Worldcup: 6./7. November 2009, Brünn, Tschechien; www.ifsc-climbing.org

Westwand: Prinzip Abgrund S. Fischer Verlag Reinhold Messners spannende Analyse des wahrhaftigen Bergsteigens. Pflichtlektüre für Aficionados.

bild: mauritius images/michael fischer

Natur pur. Sie gilt als Königsdiszi­ plin des alpinen Berg­ steigens: die Erstbege­ hung von Wänden und Steigungen. Der Reiz des Unbekannten, sagt David Lama, die Heraus­ forderung, Gefahren zu vermeiden und zur gleichen Zeit unbekannte Schwierigkeiten zu meis­ tern, nennt es Reinhold Messner. Beide Berg­ steiger sind sich ­einig, dass Haken nur zur Si­ cherung dienen sollen, die Fortbewegung muss ausschließlich an den von der Natur vorgege­ benen Strukturen wie Fels und Eis erfolgen. Dies ist der Grundge­ danke des Freikletterns.


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Paul Bonhomme Er fliegt die Boeing 747 wie ein Schwan, meint, dass ihn die Vaterschaft schneller gemacht hat, und spürt einen leichten Druck im Hinterkopf. Red Bull Air RaceWeltmeister Paul Bonhomme stellt sich am Tag nach seiner Krönung einem eher entspannten Verhör. Text: Matt Youson, Bilder: Markus Kučera Über eine Million Fans hatten sich am Strand von Barcelona versammelt, um das alles entscheidende WM-Duell über dem Mittelmeer mitzuerleben. 24 Stunden später sind die Piloten klarerweise in ­etwas weniger gestresster Umgebung anzutreffen, in ihrem Hotel hoch oben in den Gebirgsausläufern der Serralada Prelitoral, über der katalanischen Stadt Terrassa, etwa 35 Kilometer vom Rennkurs entfernt. Die Stimmung am Tag danach ist ein bisschen wie beim Schulabschluss: Die Piloten sitzen in der Lobby, manche plaudern, andere geben Interviews oder fachsimpeln mit den Teams. Nicht anwesend ist: der Weltmeister. Er ist vor ­einer halben Stunde verschwunden, um ein Radio­ interview zu machen, oben im Zimmer, wo es ruhiger ist. Doch da kommt er: Händeschütteln, Glückwün­ sche. Man sieht, Paul Bonhomme ist auch unter sei­ nen Konkurrenten beliebt, und sollte der eine oder andere Glückwunsch auch ironisch gefärbt sein, er kann damit locker umgehen. Glück spielt im Motorsport manchmal eine ent­ scheidende Rolle, 2009 in der Red Bull Air Race World Championship war das allerdings nicht so: Paul Bonhomme, die letzten beiden Jahre Vizewelt­ meister, gewann die Hälfte der Rennen und wurde bei den anderen Zweiter. Vor fünf Jahren wäre eine derartige Dominanz nichts Ungewöhnliches gewesen, doch mittlerweile ist das Starterfeld sehr professio­ nell, sehr konzentriert, sehr erfolgsorientiert – und entsprechend ausgeglichen. Von Angesicht zu Angesicht ist Paul ein ganz an­ derer als in der Luft. Während des Rennens geben die On-Board-Aufnahmen nichts außer eine verspiegelte Sonnenbrille und einen hochkonzentrierten, fast schmerzvoll wirkenden Gesichtsausdruck wieder. Die Stimme am Funk klingt wie eine Maschine, abge­ hackt, unpersönlich. Am Boden ist er wie ausgewech­ selt: locker, mit feinem Humor und höchst selten ohne ein breites, bis zu den Augen reichendes Lächeln ­anzutreffen. Heute freilich sind seine Augen gerötet. Wurde gestern Abend gefeiert? 40

„Vielleicht ein kleines bisschen“, bestätigt der neue Weltmeister. „Ich habe leichte Kopfschmerzen. Das kann aber auch daran liegen, dass ich etwas Ver­ dorbenes gegessen habe.“ Wäre es dem Champion lieber, das Gespräch in einer abgedunkelten, ruhigen Ecke fortzusetzen? „Ach was! Gehen wir an die Bar.“ Das Red Bull Air Race ist bekannt dafür, jede Men­ ge Action zu liefern. In der Final 4 Session fliegen die vier besten Piloten des Rennens ihre letzte Runde. Sie heben nacheinander ab und haben in der Luft nur noch Kontakt mit dem Renndirektor. Bis alles vorbei ist, weiß also keiner, wer das Rennen gewonnen hat. Dieses Jahr wurde die Weltmeisterschaft im letzten Augenblick entschieden, in der letzten Final 4 Ses­ sion des letzten Rennens. Der zweifache Vize Paul Bonhomme und der amtierende Champion Hannes Arch hoben beide ab mit der Chance, als Weltmeister zurückzukehren. Bonhomme flog als Dritter, Arch als Letzter. Vier Minuten harrte der Brite aus. Er kreiste mit seinem Flieger über der Mittelmeerküste, wartete auf die Verkündung des Endergebnisses. Sein Schick­ sal lag nicht mehr in seinen Händen. RED BULLETIN: Das war nervenaufreibend, oder? paul bonhomme: Mein Lauf fühlte sich gut an. Dass ich straffrei geflogen war, wusste ich. Als ich da oben gekreist bin, sah ich, dass Hannes eine Pylone abge­ schossen hat. Da hätte er schon einen mörderisch ­guten Lauf hinlegen müssen, um die sechs Straf­ sekunden gutzumachen. Ich wusste, was Sache ist – aber ich bin abergläubisch. Erst als ich die Stimme von Jimmy (Renndirektor Jim DiMatteo, Anm.) hörte und er mir den Sieg bestätigte, überkam’s mich. „Phantastisch … endlich geknackt!“ Hannes war nach dem Rennen sehr höflich. Er meinte, du seist in seiner Rookie-Saison sein Vorbild gewesen. Auch alle anderen Piloten sagen nach wie vor, dass du der Mann mit dem ruhigsten Flugstil bist und derjenige, dem sie gerne ­zusehen und von dem sie lernen. Schön, das von den Konkurrenten zu hören, oder?

Name Paul Bonhomme Geburtsdatum/-ort 22. September 1964, Buckinghamshire, England Wohnort Cambridge, England Beruf Red Bull Air Race-Pilot, British-Airways-Pilot, Kunstflugpilot Flugzeuge Edge 540, Boeing 747, Spitfire, P-51 Mustang Red Bull Air RaceKarriere Weltmeister 2009, Vize-Weltmeister 2007 und 2008. Siege bisher: elf (Rekord) Hobbys Motorrad und Motocross Web teambonhomme.com


Beim dritten Anlauf hat’s geklappt: Paul Bonhomme ist Weltmeister. 2008 war die Titelchance weg, nachdem er das g-Limit (12g) überschritten hatte und disqualifiziert wurde. „g-Kräfte sind gesund“, sagt er heute.


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Paul gönnt es jeder! Sie sehen: eine Hommage an den langjährigen Weltmeister vieler Herzen. So viel Kollegialität unter Konkurrenten ist selten, auch im Red Bull Air Race. In der kommenden Saison wird wohl ein etwas rauerer Wind in Paul Bonhommes Richtung wehen.

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Ich fliege so, weil es ein Weg ist, schneller zu sein. Wenn du das Querruder nicht zu schnell umlenkst, dann hast du weniger Luftwiderstand. Schaust du eigentlich anderen etwas ab? Ich versuche mir die besten Eigenschaften von verschiedenen Piloten anzueignen. Einige sind sehr gefühlvoll im Handling, andere sind tolle Manager, andere herausragende Strategen. Es ist besser, De­ tails von verschiedenen Leuten zu übernehmen, als eine einzige Person zu kopieren. Hannes sagt, dass er letztes Jahr Weltmeister geworden ist, weil du Fehler gemacht hast. Dieses Jahr, meint er, hast du gewonnen, weil er Fehler gemacht hat. Stimmst du dem zu? Was letztes Jahr betrifft, ja. Ich habe den Titel ver­ schenkt. Ich kann mich nicht genau erinnern, mit wel­ chem Punkteunterschied wir die Saison 2008 beende­ ten, aber es war nicht viel (Hannes 61, Paul 54 Punkte; Anm.). Ich habe zwei Rennen verbockt. Ja, Hannes hat von meinen Fehlern profitiert. Und dieses Jahr … also, eigentlich hat er nicht so viele Fehler gemacht. Ist dir wegen des WM-Titels ein Stein vom Herzen gefallen? Ja, ich denke schon. Es ist eine große Erleichte­ rung. Man will doch wirklich nicht immer Zweiter werden. Das ist schrecklich! Ist das Red Bull Air Race ein Sport für Egomanen? Nein, das würde einem schnell zum Verhängnis werden. Kritikfähigkeit ist die wichtigste Eigenschaft eines guten Piloten. Wenn du überleben willst, musst du Kritik ertragen können, daraus lernen. Hast du ein zu großes Ego, dann ist die Fliegerei wohl eher nichts für dich. Du bist knapp vor Saisonbeginn Vater geworden. Das macht Sportler in der Regel langsamer. Mich scheint es eher schneller gemacht zu haben. Ich denke, dass die Vaterschaft die Perspektiven klar­ macht. Es wird einem so richtig bewusst, was wichtig ist und was nicht. Früher habe ich mir oft Gedanken über vollkommen sinnloses Zeug gemacht. Das ma­ che ich jetzt nicht mehr. Vielleicht haben andere Leu­ te auch ohne Kinder ihr Leben besser unter Kontrolle,

als ich meines davor gehabt habe. Aber wie auch im­ mer, Vater zu werden hat mir sehr gut getan. Hast du im Winter Zeit zum Entspannen? Ich werde ein bisschen abschalten, ja. Aber ich habe dieses Jahr noch ein paar Kunstflugshows, und dann geht es laut British-Airways-Dienstplan weiter. Das genieße ich schon auch. Eine 747 zu fliegen ist der diametrale Gegensatz zu dem schnellen, wilden Tempo des Red Bull Air Race. 14 Stunden hinten im Flieger zu sitzen ist recht langweilig. Ist es im Cockpit auch so schlimm? Es ist großartig! Es mag vielleicht den Anschein haben, dass nichts passiert. Aber es ist das genaue Ge­ genteil. Du bist beschäftigt, fühlst dich wie ein Schwan im See. An der Oberfläche sieht alles graziös aus, aber unten drunter, da paddelst du wie verrückt. Und du denkst ununterbrochen über Eventualitäten nach: „Was würde ich machen, wenn der Motor versagt? Was, wenn wir einen Druckverlust haben? Was, wenn dann das Wetter am Umleitungsflugplatz nicht gut ist?“ Du denkst ständig über das „Was wäre, wenn …?“ nach. Es kann dir gar nicht langweilig werden. Erkennen dich die Leute mit der Kapitänsmütze? Es kommt schon vor, dass der eine oder andere Passagier fragt, ob der Typ im Cockpit derjenige ist, der Red Bull Air Race fliegt. Manchmal gibt es einen echten Fan, der genau weiß, was ich tue, aber im Normalfall erkennt nur irgendwer meinen Namen. Das ist auch okay, es ist ja auch nicht das Schlechtes­ te, anonym zu bleiben. Wie groß müsste eine Rennstrecke sein, damit eine 747 durchfliegen könnte? Ich bin mir sicher, dass mein Arbeitgeber es gar nicht gut finden würde, wenn ich diese Frage beant­ worte. Du hast also darüber nachgedacht … Auch diese Frage werde ich nicht beantworten. Ich sehe ziemlich viele Probleme voraus, wenn ich darauf eine Antwort gebe. Wirst du nächste Saison entspannter fliegen oder immer wieder über deine Schulter blicken, auf deine Verfolger? Ich hoffe, dass ich über meine Schulter blicken werde! Das ist besser, als den anderen hinterherzu­ hecheln. Es wird aber auf jeden Fall schwierig. Der Wettkampf im Red Bull Air Race wird jedes Jahr hef­ tiger, das wird sich nicht ändern. Es ist vielleicht nicht so nett von uns, zu fragen, was du für 2010 planst, wo du doch nicht einmal Zeit hattest, den Titel gebührend zu feiern … Ja! Es wäre schön gewesen, wenn ihr mir einen Tag zum Genießen gegeben hättet. Ich habe in den nächsten Tagen Meetings, die das Flugzeug betref­ fen. Wir haben viele Ideen und Pläne. Das könnte dir jetzt doch eigentlich egal sein. Du hast den Höhepunkt erreicht. Wieso nicht mehr Zeit zu Hause verbringen? Weil es Spaß macht! Ich liebe die Fliegerei und den Wettkampf. Und wenn du beides kombinieren kannst, ist es am besten. Nächstes Jahr wird das noch besser, denn da wird man mir sicher nicht immer und immer wieder die Zweiter-Platz-Frage stellen. Aktuelles zur Red Bull Air Race World Championship auf: www.redbullairrace.com


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Brink & Reckermann müssen nicht die besten Freunde und auch keine Brasilianer sein, um die Beachvolleyball-Welt zu verzaubern: Schon in ihrer ersten gemeinsamen Saison wurden die beiden Pragmatiker Julius und Jonas Weltmeister. Text: Christoph Rietner, Bild: Ray Demski

Der Sommer will nicht aufgeben und zeigt sich an ­einem wunderschönen Oktobertag noch einmal von seiner besten Seite. Nur kleine Wölkchen haben sich auf den strahlend blauen Himmel verirrt, und die Sonne wärmt den leichten Wind, der die Blätter von den Bäumen in den weißen Sand fegt. Wir befinden uns im Düsseldorfer Stadtteil Flingern. Hier, mitten im Industriegebiet, haben die Beach­ volleyballer Julius Brink und Jonas Reckermann ihr Winterlager aufgeschlagen. In einer alten Backstein­ halle ist vor Jahren ein Sportzentrum mit Kletter­ wand, Hochseilgarten und Beachvolleyball-Feldern entstanden. Julius und Jonas sollten hier trainieren, doch irgendjemand hatte vergessen, den Court zu ­reservieren, und so hat eine laute Meute an Schul­ kindern die Halle in Beschlag genommen. Die Profis müssen auf den Sand im Freien ausweichen, und kei­ nes der Kids nimmt davon Notiz. Dabei könnten sie den besten Beachvolleyballern der Welt beim Trai­ ning zusehen. „Wenn jetzt die deutsche Fußball-Nati­ onalmannschaft trainieren würde, wäre kein Platz am Zaun frei“, sagt Julius und drischt eines seiner ­berüchtigten Sprungservices über das Netz. Ballack und Co würden die Zaungäste sicherlich liebend gern gegen die Erfolge des Beach-Duos tauschen. In Stavanger, Norwegen, schafften sie im Juli die Sensation und holten sich als erstes europäisches Team den Weltmeistertitel. Jegliche Überlegungen zu dieser „Überraschung“ erstickten sie mit den Siegen bei den folgenden Grand-Slam-Turnieren in Gstaad und Mos­ kau gleich im Keim. Der Siegeszug dauerte 25 Spiele und bedeutete die Egalisierung eines zehn Jahre alten Weltrekords. Am Ende der Saison stand das Team Brink/Reckermann auch ganz oben auf der Weltrang­ liste. Und das in ihrer ersten gemeinsamen Saison. Doch wie kann es sein, dass ein neu formiertes Team gleich so Gas gibt? „Wir waren ja schon mit ­unseren vorigen Partnern erfolgreich, und zusammen wollten wir unser Spiel auf eine neue, höhere Ebene heben“, erklärt Jonas. Dafür wurde ein regelrechter Trainerstab aufgebaut, der auf der World Tour seines­ 44

Name Julius Brink Geburtsdatum/-ort 6. Juli 1982, Münster, Nordrhein-Westfalen Wohnorte Leverkusen, Düsseldorf Beruf Sportsoldat Erfolge Europameister 2006, Weltmeister 2009, Grand-Slam-Sieger 2009 in Gstaad und Moskau

Name Jonas Reckermann Geburtsdatum/-ort 26. Mai 1979, Rheine, Nordrhein-Westfalen Wohnort Köln Beruf Student Erfolge Europameister 2002/2004, Weltmeister 2009, Grand-Slam-Sieger 2009 in Gstaad und Moskau

gleichen sucht. Reckermanns langjähriger Coach ­Jürgen Wagner übernahm die Rolle des Chefs. Dazu gesellten sich noch Betreuer in den Sparten Technik, Taktik, Athletik und Physiotherapie. „Es war immer mein Traum, ein professionelles Betreuerteam um mich zu haben. Beachvolleyball ist schon lange keine Funsportart mehr, bei der nach jedem Turnier aus­ gelassene Partys gefeiert werden. Ich kenne kein ­anderes Team, das so konsequent arbeitet wie wir“, erklärt Julius Brink. Wie bei den Trainern sind auch die Rollen der Prot­ agonisten klar definiert. Jonas Reckermann ist der Chef am Platz und gibt die Taktik vor. Der zwei Meter große Kölner bringt die Gegner mit seinen Blocks zur Verzweiflung und ist mit seinen hammerharten Sma­ shes auch die gefährlichste Waffe im Angriff. Julius Brink ist mit seinen 1,86 Metern einer der Kleinsten auf der World Tour, macht die fehlenden Zentimeter aber mit seinem trickreichen Spiel locker wett. Auch privat könnten die beiden unterschiedlicher nicht sein, das zeigen auch die persönlichen Beloh­ nungen, die sie sich mit ihrem Preisgeld aus diesem Jahr geleistet haben. Während sich Lebemann Julius Brink ein schickes Designersofa gönnte, gab sich der eher introvertierte Reckermann mit Kopfhörern zu­ frieden. Julius ist immer top gestylt, fährt einen alten Mercedes und nimmt sich kein Blatt vor den Mund. Am Platz liegt er mit Gegnern und Schiedsrichtern regelmäßig im Clinch. Jonas ist der völlige Gegen­ entwurf. Er hat den Trainingsplan immer am iPhone, regelt PR-Termine, einzig das Abschneiden des 1. FC Köln kann sein Blut in Wallung bringen. Das Wort Freundschaft sprechen beide ungern aus. „Aber wenn wir uns hassen würden, wären wir nicht Weltmeister geworden“, meint Julius und ergänzt: „Außerdem muss Jonas nicht mein bester Freund sein, ich will einfach Erfolg haben.“ Und dafür gibt es noch etliche Möglichkeiten, immerhin wird 2012 in London wie­ der um olympisches Gold gebaggert. Jonas Reckermann bloggt auf: www.brinkreckermann.de


Die Ballermänner aus Deutschland, Jonas Reckermann (li.) und Julius Brink, stellten die Beachvolleyball-Welt gehÜrig auf den Kopf.


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Action Ganz schön was los: Was uns diesen Monat bewegt.

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48 Katie Taylor 56 Mount St. Elias 66 Alle Facts zur Formel-1-Saison 2009

Jetzt besser nicht stürzen! Der Tiroler Axel Naglich bei der Abfahrt vom Mount St. Elias in Alaska, der ein mehr als abenteuerlicher Aufstieg vorangegangen war.


action

das beste, was bray jemals passierte Die vielleicht beste Boxerin der Welt heißt Katie Taylor, ist 23 und sieht genauso aus, wie man sich eine Boxerin nicht ­vorstellt. 2012 will die Irin die erste Box-Olympiasiegerin ­werden. Ihre Gegnerinnen stellen schon jetzt das Eis kühl. Text: Andreas Tzortzis, Bilder: Thomas Butler

Katie Taylor vor ihrem EM-Titelkampf in Mykolajiw (Ukraine): Diese als nettes Mädchen von nebenan ­getarnte Kampfmaschine ist die Angstgegnerin der internationalen Box-Elite.

Die Bulgarin hat ihre Deckung hochgefahren. Die Ellbogen panzern den Bauch, die Handschuhe liegen dicht an dicht am Gesichtsschutz auf. Sie schafft es, sich wegzuducken, einmal, zweimal. Dann aber steckt sie eine kurze linke Gerade ein. Es folgt ein rechter Haken, gleich darauf prasselt eine Serie von Schlägen auf sie ein. Das Semifinale der Box-Europameisterschaft für Amateurinnen ist gerade mal 30 Sekunden alt, schon liegt Katie Taylor 2:0 in Führung. In der Videoanalyse wird klar werden, warum: Denica Eliseeva versteckt sich in der Defensive, wagt sich höchstens für Konterattacken aus der Deckung. In dieselbe Angststarre verfallen die meisten von Taylors Gegnerinnen. Wie das 23-jährige irische Leichtgewicht boxt nämlich keine andere Frau: Ihre Schläge kommen schneller und härter, ihre Reaktionszeit ist kürzer als bei anderen Boxerinnen, ihr Repertoire an Kombinationen vielseitiger. Taylor bewegt sich im Ring entlang ­eines imaginären Kreises, weicht langsam zurück, um Eliseeva zu einem Angriff zu verleiten. Die Bulgarin umschleicht diesen Köder langsam und argwöhnisch … ohne einen Vorstoß zu wagen. Ihr Zögern

ist nachvollziehbar: Die Irin gewann 61 ­ihrer letzten 62 Kämpfe, den jüngsten am Vortag. Da brach der Schiedsrichter das Viertelfinale ab, nachdem Taylor ihrer Konkurrentin die Nase gebrochen hatte. Auf den Rängen der Basketball-Arena von Mykolajiw, wo einst die wichtigsten Schiffswerften der Ukraine beheimatet waren, fiebern Katies Bruder Pete, ihre Mutter, ihre Schwester und Petes Freundin mit. In Katies Ecke steht ihr Vater, einst irischer Landesmeister und nun ihr Trainer. „Seitenschritt! Seitenschritt!“, brüllt er. Nicht, dass es Grund zur Besorgnis gäbe: Taylor legt eine lehrbuchreife Vorstellung hin, hamstert Punkt für Punkt. Beim Gong hat sie ihr Finalticket mit ­einem glatten 8:0 gelöst. Schweißperlen stehen ihr auf Stirn und Nase, und die Maske gespannter Konzentration weicht nur langsam aus ihren Zügen. Lächeln? Fehlanzeige. War bloß das Semifinale. Ohnehin ist jeder Kampf für Taylor nur eine Aufwärmrunde für London 2012. Wenn zum ersten Mal in der Geschichte eine Box-Olympiasiegerin ermittelt werden wird, will die Rechtshänderin aus der Arbeiterstadt Bray im irischen County Wicklow bereit sein. 49


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de.redbulletin.com/print2.0 Der Backstage-Clip: Katie als Fotomodell

Schon jetzt kennt die Welt wenige Boxerinnen, die die junge Disziplin so geprägt haben wie das sportliche Multitalent mit der weichen Stimme und den harten Fäusten. Seit drei Jahren ist sie ungeschlagene Europameisterin im Leichtgewicht, sie ­gewann zwei Weltmeistertitel und wurde von der International Boxing Association (AIBA) zur „weltbesten Amateurboxerin“ gewählt. Daheim in Irland wird sie als größtes Boxtalent des Landes gehandelt, Burschen eingeschlossen. Bray liegt eine halbe Stunde von Dublin entfernt, ein ehemaliges Touristen-­Dorado an Irlands Ostküste. Heute blüht hier nur noch die Jugendkriminalität. Babysitter kann man sich hier keine leisten, weshalb Boxchampion Peter T ­ aylor seine jüngste Tochter kurzerhand mit zum Training nahm. Sie war damals fünf oder sechs. Katie, schon zu dieser Zeit ein Fußballtalent, war vom Boxen auf der Stelle faszi50

niert. „Ich wusste schon immer, wie man zuschlägt“, sagt Taylor, „obwohl ich auch weiß, dass ein Mädchen so was nicht wissen sollte.“ Es lag wohl an den Genen: Auch die beiden älteren Taylor-Söhne ­boxen auf Wettkampfniveau, Peters Frau Bridget war Irlands erste Ringrichterin. Katies Wunsch, auch in den Ring zu steigen, stand die Familie anfangs reserviert gegenüber. „Aber“, sagt Peter, „wie soll man jemanden wie sie aufhalten?“ Ihre ersten Kämpfe bestritt sie als „K. Taylor“. Dass sie soeben von einem Mädchen verprügelt worden waren, merkten viele Gegner erst nach dem Kampf, als Katie ihren Kopfschutz abnahm. „Manchen Burschen schmeckte das gar nicht“, erinnert sich Katie. Bis die Irish Amateur Boxing Associ­a­ tion (IABA) im Oktober 2001 den ersten Frauen-Boxkampf zuließ, brauchte es viel Überzeugungsarbeit. Katie, damals 15,

besiegte ihre 16-jährige Gegnerin mühelos mit 23:12 und einer technischen Reife, die ihr angesichts ihres Alters und ihres Geschlechts keiner zugetraut hatte. Am Ende des Events, an dem auch Mittelgewichtler Andy Lee, der später bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen antreten sollte, ­teilgenommen hatte, wurde Katie zum besten Boxer des Abends gewählt. Noch erstaunlicher wirken Katies ­Er­folge, wenn man ihr persönlich gegenübersteht. Ihre Stimme ist weich, ihre ­makellose Porzellanhaut und die nachdenklichen Augen lassen an ein Mädchen denken, das Ornamente auf Seidentücher malt – aber nicht Veilchen auf die Gesichter grobschlächtiger Gegnerinnen. Sie ist leicht zu amüsieren, doch genauso schnell zieht sie sich wieder in sich selbst zurück, blockt die Außenwelt ab, ist ganz Konzentration. Genau dieser Fokus hilft ihr, ihr Talent in Erfolg umzusetzen.


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Im Semifinale tr채gt Katies bulgarische Gegnerin Denica Eliseeva bereits das Outfit, das sp채ter am besten mit der Schattierung unter ihren Augen harmonieren wird. Eliseeva verliert den Kampf glatt 0:8.

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Geschafft! In der nicht übertrieben glamourösen Sporthalle des Mykolajiwer Basketballteams gewinnt Taylor ihre vierte Europameisterschaft in Folge.

2003 wurde sie als erste und bislang einzige Frau ins Hochleistungsprogramm der IABA aufgenommen. 2005 kassierte sie ihren ersten EM-Titel, mit gerade mal 18 Jahren. Dazu besiegte sie Gülsüm ­Tatar, eine Türkin, die ihr in den Jahren davor zwei Niederlagen zugefügt hatte. ­Taylor behielt auch in weiteren Begegnungen die Oberhand, bis die Türkin in eine höhere Gewichtsklasse wechselte. 2006 gewann Taylor die Meisterschaft erneut, diesmal mit einer Leichtigkeit, die jedem klarmachte, dass hier ein neuer Stern am Boxhimmel aufgegangen war. Eine gebrochene Nase, Folge einer allzu beherzten Trainingseinheit mit den Jungs, hinderte sie nicht daran, im November auch noch den WM-Titel zu holen. Es folg52

ten zwei weitere EM- sowie ein WM-Titel, all das freilich unter weitgehendem Ausschluss der Öffentlichkeit. „Die Anerkennung war der schwierigste Teil“, sagt Taylor, „ich brauchte drei EM-Siege, um mein Gesicht in die Zeitungen zu kriegen.“ Als Frauenboxen im August 2009 vom IOC schließlich zur olympischen Sportart erklärt wurde, änderte sich das schlagartig. In Bray nennt man sie „das Beste, was dieser Stadt passieren konnte“, in ganz Irland umgibt sie die Aura einer Nationalheldin. Wenn sie ausgeht, bitten sie die Fans je nach Alkoholisierungsgrad um Autogramme oder Kinnhaken. Katie nippt dann an ihrem Johannisbeersaft, lässt ­einen lockeren Spruch ab und bleibt friedlich. Sie geht ohnehin nicht oft aus.

An sechs Tagen pro Woche trifft man sie in einem umgebauten Bootshaus am Hafen von Bray. Nach jahrelangem Tauziehen konnte Peter Taylor das Gebäude der Stadtgemeinde abschwatzen. Mit ­Hilfe lokaler Sponsoren machte er daraus den Bray Boxing Club. Wenn nicht gerade der Dublin Area Rapid Transit vorbei­donnert, hört man drin Tauben über das Wellblechdach trippeln. An den Wänden hängen Bilder vergessener irischer Champions, gleich neben den unvermeidlichen MuhammadAli-Postern und Sprüchen des „Größten“. Man sieht einen Boxring, Sandsäcke, verschwitzte Ausrüstungsstücke. Während an männlichen Sparringspartnern kein Mangel herrscht, fallen aber den meisten Kolleginnen, wenn Katie sie zum


Sparring auffordert, spontan unaufschiebbare Termine ein, und die anderen bitten sie vorher, es ruhig anzugehen. „Sie ist die beste Boxerin der Stunde“, sagt Lucy O’Connor, Captain des britischen DamenBoxteams. Sie hat schon mit Katie trainiert, trat aber noch nie im Wettkampf gegen sie an. „Muss ich nicht haben“, sagt Lucy. Es ist Samstag in Mykolajiw, der Tag vor Taylors großem Finalkampf. Anders als ihre Konkurrentinnen hat sie ihre Trainingseinheiten in ein Sportzentrum am Ufer des Flusses Bug verlegt. Wie überall in der trostlosen Stadt schießt hier Unkraut aus den Ritzen der Gehwege, und die Wurzeln umstehender Bäume brechen durch den Beton. Dubiose Männer in Trai-

ningshosen lungern am Eingang des einfachen zweistöckigen Baus herum und prüfen mit stattlichen Bierbäuchen die Elastizität ihrer T-Shirts. Hinter dem engen Eingangsbereich öffnet sich der Raum und macht den Blick frei auf eine riesige Turnhalle. Von der Decke blättert die Farbe ab, und auf einem erhöhten Boxring an der hinteren Wandseite teilt eine blasse Figur in Adidas-Klamotten Schläge aus, jeder einzelne begleitet von pfeifenden Atemgeräuschen, die die Anstrengung deutlich machen. Katie treibt Peter durch den Ring, feuert Haken und Gerade auf die hünenhafte Gestalt ihres Vaters ab. Der hat die Figur eines Panzers und Oberarme wie die Pfosten eines Boxrings. Schultergürtel, Nackenmus-

keln und Taille bilden ein perfektes Dreieck. Die Nackenmuskeln seiner Tochter sind ähnlich kräftig wie seine, doch ihre Arme und Schultern sind schlank, definiert und verdammt beweglich. Einer der um den Ring versammelten Boxer filmt Katie mit seinem Mobil­telefon. Hin und wieder dreht er sich zu seinen Freunden um. Sie grinsen und schütteln nur ungläubig den Kopf. Mit der gleichen Aufmerksamkeit ­hatte Katie am Freitag den Kampf des ­türkischen Leichtgewichts Meryem ­Zeybek Aslan beobachtet, die einen 3:2Rückstand noch in einen 6:4-Sieg verwandeln konnte. In der anschließenden Videoanalyse fanden Co-Trainer Patrick Ryan und Peter heraus, dass Aslan beim 53


Schlagansatz ihre Seitendeckung vernachlässigt – eine gute Gelegenheit für Taylors gefürchteten linken Haken. In der Trainingssession von Vater und Tochter wird nun genau dieser Konterschlag geübt: Vorwärtsbewegung Pete, Seitenschritt Katie, mächtiger Haken von links. Schritt, zack, Schritt, zack, w ­ ieder und wieder. Nach der zwanzigminütigen Session ist Taylor sofort verschwunden, den Kopf gesenkt, die Gedanken schon beim mor­ gigen Finale. Seit die AIBA das Internationale Olympische Komitee vom Frauenboxen überzeugt hat, ist der Druck auf Katie Taylor enorm gewachsen. Vor zwei Jahren hatte sie an einem Kampf in Chicago teilgenommen, dessen Hauptaufgabe es war, die Skeptiker im IOC zu überzeugen. „Ein Kampf ist ein Kampf“, erinnert sie sich, „aber bei diesem war die Anspannung ­besonders groß, weil ich wusste, wer zusieht und wie viel auf dem Spiel steht.“ Taylor lieferte vor den Augen von IOCPräsident Jacques Rogge eine eindrucksvolle Demonstration ihres Könnens ab. Zwei Jahre später sprach sich das IOC für die Zulassung aus.

Kick me Kate

Wenn Katie Taylor gerade nicht boxt, steht sie am Fußballfeld: als irische Nationalspielerin. Ruhepausen sind Katie ein Gräuel. Deshalb fuhr sie unmittelbar nach der Box-EM nach Cork, um im irischen Fußball-Nationalteam an einem WMQualifikationsspiel gegen Kasachstan teilzunehmen. „Sie ist unglaublich vielseitig“, sagt Coach Noel King über die Mittelfeldspielerin, die schon mehr als 50-mal im Nationaltrikot antrat. „Es tut mir gut, unter anderen Mädels zu sein, das ist ein netter Ausgleich zur Einsamkeit des Boxens“, sagt Katie. 2010 soll trotzdem Schluss sein mit der Kickerei: „Das Verletzungsrisiko ist zu groß.“

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Wie gut Katie mit dem vor ihr liegenden Trubel zurechtkommt, wird sich ­zeigen. Interviews kann sie nicht leiden, die Einladung zur wichtigsten nationalen Talkshow, „The Late Late Show“, schlug sie mehrmals aus, ehe Peter sie zumindest zu einem gemeinsamen Auftritt über­ reden konnte. Die meisten Journalistenanfragen wimmelt er schon im Vorfeld ab. „Meine Tochter ist 23, im nächsten Jahr wird sie 15“, scherzt er gerne. „Ich habe mich mein Leben lang nur auf mein Training konzentriert“, sagt sie, „bei den anderen Dingen lasse ich mir lieber von Dad helfen.“ Nach Turnieren, wenn es nichts zu tun gibt, weil Erholung statt Training am Programm steht, wirkt Taylor verloren. „Manchmal“, sagt sie, „sitze ich dann zu Hause und frage mich, was andere Leute mit ihrer Zeit anfangen.“ Als in Mykolajiw der Morgen anbricht, erwacht Taylor in ihrem Hotel, einem spät­ sowjetischen Betonmonster. Nach der ­offiziellen Abwaage – das 60-Kilo-Limit ist nicht überschritten – geht sie mit ihrem Vater spazieren, im Ohr die immer gleichen Songs aus ihrem iPod. Als mittags die Glocke zur ersten Runde ertönt, ist die 3500 Sitzplätze fassende Arena schon zu drei Vierteln gefüllt. Auf den Rängen sind die Nationalitäten fein säuberlich getrennt, leicht unterscheidbar an den Farben ihrer Trainingsanzüge: in tiefem Burgunderrot die Bulgarinnen, in leuchtendem Rot die Polinnen, in strahlendem Blau die Schwedinnen. Bei einigen Boxerinnen kommen im Gesicht verschiedene Violett-Schattierungen dazu. Weiter unten sitzen Mädchen in der ­Landestracht, am Kopf selbstgemachte Papiermaché-Kronen. Sie werden später die Medaillen überreichen. Taylor ist inzwischen in der holzgetäfelten Garderobe verschwunden und geht ihr übliches Vorbereitungsritual durch. Wie vor jedem Kampf ist das R ­ ezitieren einiger Verse aus Psalm 18 ein Teil davon: Gott hat mich mit Kraft umgürtet, er führte mich auf einen Weg ohne Hindernis. Er ließ mich springen schnell wie Hirsche, auf hohem Weg ließ er mich gehen. Er lehrte meine Hände zu kämpfen, meine Arme, den ehernen Bogen zu spannen. Du gabst mir deine Hilfe zum Schild, deine Rechte stützt mich; du neigst dich mir zu und machst mich groß. Während sie betet, dringen von draußen Applaus und Anfeuerungsrufe herein. Sie nimmt beides kaum wahr, sehr zum Unterschied von Katies Familie, die im Publikum nervös auf deren Kampf wartet, den sechsten des Tages. Nach ­einer Medaillenzeremonie ist es so weit.

Katie tritt auf, ganz in Rot, den Blick starr geradeaus, der Gang fest und zielstrebig. Sie klettert in den Ring, die Arena füllt sich. Peter raunt ihr aus der Ringecke zu: „Hab Spaß! Du machst das für dich selbst, für sonst niemanden.“ Taylor beginnt angriffslustig. Sie treibt Meryem Aslan in die Seile, bearbeitet ihren ganzen Körper. Ein Hagel von Gesichtstreffern beschert ihr den ersten Punkt, den zweiten bringt gleich im Anschluss eine linke Gerade. Für den dritten Punkt greift Taylor zu dem Move, den sie am Vorabend gepaukt hat. Sie weicht Aslans erstem Angriff durch einen geschickten Seitenschritt aus und rammt ihr einen linken Haken in die ungedeckte Seite. Anders als bei den Männern, die sich oft vom Adrenalinrausch hinreißen lassen, behalten kühle Strategie und Technik im Frauenboxen die Oberhand. Das Finale macht aber noch eine andere Sache erkennbar: Taylors Konkurrentinnen mögen immer besser werden, sie selbst kämpft aber in einer eigenen Liga. Nach der ersten Runde lässt sich Aslan in einen Plastikstuhl in ihrer Ecke fallen. „Sie wird aggressiver zurückkommen“, prophezeit Peter. Und hat recht. Aslan greift an, Taylor kontert prompt und landet Punkt vier. Bis zum Ende der Runde wächst ihr Konto auf sieben Punkte an, und in Runde drei ist nur noch offen, mit welchem Vorsprung, nicht aber, ob Taylor ihren vierten EM-Titel gewinnen wird. ­Meryem Aslan ist inzwischen mit ihrem Latein am Ende. In der vierten Runde blockt Taylor einen Angriff trocken ab, dann drängt sie ihre Gegnerin unter dem Gejohle des Publikums mit ­einer Serie von Schlägen in die Ecke. Als der Gong ertönt, zeigt die Anzeigetafel 11:0 für Taylor. Sie erlaubt sich ein ­Lächeln, durch das ein Mundschutz in den irischen Natio­ nalfarben sichtbar wird, bekommt einen Kuss von Peter und eine Umarmung von Patrick Ryan. Sie hat ihren vierten EM-­ Titel gewonnen – und das ohne einen einzigen Gegenpunkt im gesamten Turnier. Von einer schulterklopfenden Menschentraube verfolgt, bahnt sich Katie ­ihren Weg zurück in die Garderobe und macht sich für die Siegerehrung frisch. Zehn Minuten später ist sie wieder da, klettert aufs Podium: Katie Taylor, das Beste, was Bray je passiert ist, der Stolz ihres Landes, der Star einer jungen Sportart. Als die irische Nationalhymne erklingt, zeigt Katie ein weiteres Lächeln. In diesem Moment spürt sie ihren Traum noch intensiver als sonst: In drei Jahren in London will sie diese Hymne hören, ganz oben auf dem Podest. News, Termine und Videos: www.katie-taylor.net

bild: inpho.ie

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Mount St. Elias


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Der Gigant in Alaska gilt als K2 Nordamerikas, als einer der schwierigsten Berge der Welt. Der Gipfel liegt 5489 Meter über dem Meer – und das ist wörtlich zu nehmen. Die unmittelbare Nähe zum Ozean lässt ihn nicht nur so majestätisch in der Landschaft stehen, sie macht ihn vor allem so gefährlich. Feuchte Luftmassen stauen sich an seinen Schultern, das Wetter ist nahezu unkalkulierbar. Binnen Minuten verwandelt sich Bilderbuchwetter in eine kalte, nasse, eisige Hölle. Steile Flanken, endlose Gletscher­ felder, fiese Spalten, allgegenwärtige Lawinengefahr und sich ständig verändernde Schneebedingungen machen den St. Elias zu einem unfreundlichen Gesellen. Dazu kommt noch die dünne Höhenluft. Fünf Jahre lang hatte keine Expedition es geschafft, ihn zu besteigen.

Bild: Vitek Ludvik/Red Bull Photofiles

Als der Kitzbühler Alpinist Axel Naglich den Berg zum ersten Mal vom Flugzeug aus sah, hatte er eine Vision: Er wollte den Elias nicht nur besteigen, sondern auch mit Skiern befahren, vom Gipfel bis ans Meer.

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de.redbulletin.com/print2.0 Der atemberaubende Trailer zum Film

Das ist das Tagebuch seiner außergewöhnlichen Expedition. 57


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Donnerstag, 3. 5. 2007 Zehn Kisten (Air Cargo, max. 2000 kg) ausladen, grober Check. Nachmittags beginnt das große Sortieren bis in die Nacht. Wir bohren Löcher in die Skispitzen; wir wollen sie ziehen, nicht tragen. Samstag, 5. 5. 2007 Anchorage, um ThermoflexInnenschuh neu zu formen (erster Versuch: viel zu eng). Zurück nach Girdwood, packen, packen, packen. Das wird eng! Meine Kiste ist schon ohne Matten, Schlafsäcke etc. voll. Noch immer ist nicht geklärt, ob Paul Claus, unser Pilot, mit der Turbine Otter am Berg landen kann (Schneeverwehungen, vereiste Schneekrusten) oder ob wir alles mit der kleinen PA-18 Super Cub reinfliegen müssen. Das wäre das Todesurteil für unser Projekt. Montag, 7. 5. 2007 Fahrt nach Chitina, Flug zur Lodge bei tiefen Wolken und etwas Regen. Krisenstimmung! Entschluss, Crew für ersten Flug abzuspecken. Dienstag, 8. 5. 2007 Nochmals Reduktion: Eine Alukiste, eine Tasche, einen Haulbag mit Steigeisen und Skischuh Morgen soll es, entsprechendes Wetter vorausgesetzt, in unser Base Camp gehen.

Mittwoch, 9. 5. 2007 Es regnet die halbe Nacht durch, somit geht gar nichts. Am Nachmittag hört es zumindest auf, Paul fliegt zur Icy Bay Lodge, um sechs Fässer Sprit für den Film-Hubschrauber zu deponieren. Ich kann mit. Bewölkung auf rund 3000 Meter, darüber ziemlich schön. Erstmals sehen wir den Mount St. Elias. Gigantisch!!! Kaum Eis, die drei Gipfelflanken sind schön schneebedeckt. Dennoch könnte einem mulmig werden, wie riesig dieser Berg ist. Der Mount Everest sah für mich nicht so groß aus. (Ist er auch nicht).

gewesen. Wir müssen immer wieder durch Gletscherbruch zur Route queren. Seit gestern Nebel, Schneefall und Sturm, der unser Camp in Mitleidenschaft zieht. Zwingt uns zum Schaufeln und Mauerbauen nach draußen. Alle patschnass und durchgefroren, Zelte zur Hälfte im Schnee begraben.

Freitag, 11. 5. 2007 Wir machen mobil! Drei Flüge gehen von der Icy Bay Lodge raus – wegen einer neuen Spalte jedoch nicht zur Haydon Shoulder, wo wir unser Base Camp machen wollten, sondern 2100 Meter darunter, mitten im Tyndall Glacier. Wir bauen das Lager auf und sind erst einmal zufrieden, auch wenn wir 4400 Höhenmeter unter dem Gipfel sitzen.

Sonntag, 20. 5. 2007 Fein warm im Schlafsack, obwohl die Temperatur im Zelt nur minus 12 Grad beträgt. Gutes Wetter, wir sortieren aus für die Abfahrt. Trotzdem hat mein Rucksack zehn Kilo. Erste Flanke: sehr hart, eisig, aber nur 40° Gefälle. Zweite Flanke 50°, sehr hart. Es läuft sehr gut. Da ich jedoch mit Tourenski unterwegs bin, kann ich nicht forcieren, fahre aber voraus. Jon hat die ­Hosen voll und fährt wie ein Anfänger, Resl souverän auf Nummer sicher. Am Fuße des Tyndall-Gletschers steht Paul mit der Super Cub. Ich nutze die Gelegenheit und erkunde unseren weiteren Weg. Mittlerweile ist es warm geworden, nun kommt der flache Teil linksseitig des TyndallGletscher. Wir haben Glück und überwinden das wellige Gebiet ohne Verhauer und Aufstieg. Wir geraten an ein Dall Sheep (das noch blöder schaut als wir) und ein paar Schneehühner. Es geht reibungslos bis kurz vor dem letzten Felsen vor dem Meer (eigentlich ein kleiner Berg), von dem wir uns ­ursprünglich abseilen wollten, aber Paul hat vergessen, Seile, Felshaken und Bohrzeug mitzubringen. Wir umgehen den Fels. 700 Höhenmeter unter uns sieht man das Meer. Die Natur erwacht, Schnee wird seltener. Zu Fuß mit Skischuhen und den Skiern am Rucksack geht es durch eine Schot-

Samstag, 12. 5. 2007 Wir suchen eine Möglichkeit, den Gletscher zu queren. Es ist warm, die Schneebrücken sind nicht brauchbar. Die amerikanische Gruppe ist uns bislang keine große Hilfe. Nancy, die Köchin, kapiert nicht, wie man effizient kocht. Den ganzen Tag hat sie den Kocher laufen. Montag, 14. 5. 2007 Der Platz unseres Camps ist ­idiotisch. Hoof Hill wäre besser

An diesem Platz sollten wir in den schlimmsten Schneesturm unseres Lebens geraten.

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Mittwoch, 16. 5. 2007 Keine Besserung. Schlafen, bis es weh tut. Aus Langeweile baue ich ein Iglu. Die zweite von drei Gasflaschen ist leer. 17. 5. bis 19. 5. 2007 Aufstieg. Siehe rechte Seite.

termulde bergab. Lediglich große, ganz frische Bärenspuren machen uns Sorgen. Gerald erzählt später, dass sie den Braunbären gesehen haben – vom Hubschrauber aus! Um 14.30 Uhr sind wir am Meer, hurra! Zur Krönung kommt auch noch ein Seehund und glotzt und taucht nur 20 Meter von uns entfernt im Meer herum. Eigentlich eine perfekte Abfahrt! Super Stimmung, jetzt wollen wir den Gipfel. Dienstag, 22. 5. 2007 Kalt und sehr, sehr windig. Schon in der Früh erweitern wir die Schneewände des Lagers und brechen zum Depot auf, das wir räumen, und marschieren weiter Richtung Col. Der Wind ist sehr böig, haut ­einen fast um. Ich hab wieder nur fünf Stunden geschlafen und fühle mich nicht in Form. Volker, Resl und Günther gehen allein zum High Camp. Im Lager wird fleißig gebaut. Das WC wird neu errichtet (überdacht!), die Wände weiter erhöht, und ich vergrößere die Schneehöhle, die in den letzten Tagen etwas zusammen­ gesackt ist. Baue zwei zusätzliche Windbrechermauern etwa 30 Meter vom Camp ­entfernt, wo sich künftig der Schnee ablagern soll. Ein Check der Vorräte ergibt, dass wir wohl auch noch vier Wochen hier bleiben könnten. Die unterste Flanke des Berges ist vom Wind blank geputzt, die oberen beiden dürften nicht viel besser ausschauen. Damit sinken unsere Chancen einer Skibefahrung ohne Seil. Donnerstag, 24. 5. 2007 Wir bräuchten 48 Stunden durchgehend schönes Wetter! Sonntag, 27. 5. 2007 Abmarsch um 4.15 Uhr bei starkem Nebel und Wind. Es ist bitterkalt, der starke Wind macht es auch nicht besser. Nach dem Col geht es steil aufwärts, das hier ist die steilste Flanke (900 Höhenmeter, 45 bis 60°). Wir haben 300 Meter Fixseil für den Fall eines schnellen Rückzugs installiert. Bald

Bilder: Beat Kammerlander/Red Bull Photofiles (3)

Mittwoch, 2. 5. 2007 Flug über Denver nach Anchorage, wo uns John Markel mit Van und LKW voller Fressalien erwartet. Fahrt nach Girdwood, komatöses Schlafen.


19. 5. 2007

Schlecht und wenig geschlafen, super Wetter, ­minus 25 Grad. Wir marschieren Richtung Haydon Col. Ich bin platt und fluche innerlich. Am Ende der Schulter müssen wir feststellen, dass eine Querung der Flanke vom Haydon Peak äußerst ­riskant wäre, da der Schneeaufbau schlecht ist. Rückzug! Materialdepot, Abfahrt ins Camp. Die Stimmung ist am Tiefpunkt, und Jon sagt (nach­ dem er gestern meinte: „It looks great, let’s do it right away!“), er wolle das Handtuch werfen. ­Dafür beschließen wir, das Wetter zu nutzen und morgen zumindest mal mit den Skiern bis ans Meer abzufahren, was auch nicht ohne sein wird.

18. 5. 2007

Totalrasur, ich habe das ­Jucken des Bartes nicht mehr ausgehalten. Ab etwa 10.30 Uhr fliegen wir mit Pauls Super Cub auf den Haydon Col. Wir bauen das Lager und graben bis 19 Uhr wie die Verrückten an einer Schneehöhle, die sehr feudal ausfällt: zwei Sitz­ ecken für etwa zwölf Perso­ nen und eine Kochnische. Danach sind wir superplatt. Ich habe mich massiv über­ nommen. Kann nicht ein­ schlafen, es wird immer kälter (minus 20 Grad).


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stehen wir am Depot des High Camp, wo wir Verpflegung und Brennstoff einpacken und bis auf 4600 Meter aufsteigen. Biwak. Minus 30 Grad, bin komplett platt. Für morgen ist der beste Tag angesagt. Ich wüsste nicht, warum das nicht klappen sollte. Selbst das dritte Face sieht gut fahrbar aus. Vieles, was nach Blankeis aussieht, entpuppt sich auf diesem Berg als faules Eis, das jedoch Grip bietet. Lediglich die Länge (1100 plus 500 Meter im Sturzfall ins Nichts!) macht die Sache sehr anspruchsvoll. Montag, 28. 5. 2007 Gut geschlafen, warme (!!!) Füße. Biwaksack innen voller Reif, draußen bitterkalt und total nebelig. Wir gehen los, plötzlich ist die Sonne da. Wir sehen sogar bis ins Advanced Base Camp runter. Was soll jetzt noch schiefgehen? Wir kommen gut voran und sind um 11 Uhr an der ersten Flanke, die nicht so schlimm aus-

sieht: wenig Blankeis, nicht so steil wie vermutet. Wir finden eine super Linie, die sogar Spaß machen wird. Gerade als wir zum endgültigen Gipfelsturm aufbrechen, kommen von unten Wolken rauf. Innerhalb von 15 Minuten stehen wir komplett im Nebel. Wir müssen hier, auf 5150 Metern, so knapp vor dem Gipfel, umkehren! Vom Biwak melden sie, dass sie schon im Nebel stehen. Jetzt brennt der Hut. Nichts wie runter! Wir räumen das Biwak und tasten uns im Nebel retour. Sehr starker Wind, es hat zu schneien begonnen. Günther macht e­ inen schönen Abgang über eine Eisflanke, Volker fährt mit einem Schneebrett ab, und Beat fällt fast in eine Spalte. Endlich stehen wir beim High Camp (das nur Materialdepot ist). Ab hier ist Stürzen strengs­ tens verboten. Die ganze Crew muss am Seil talwärts. Alle Eissanduhren sind zugeweht, neue lassen sich nicht setzen,

da das Eis so kalt ist. Wir haben zwölf Eisschrauben, teilweise hängen sieben Mann an einer einzigen Schraube. Besonders Jon hat Mühe mit seiner lieben Fassung. Wir sind alle völlig vereist im Gesicht. Es dauert ewig, bis wir endlich am Haydon Col stehen (3100 m). Dort erreicht der Sturm seinen Höhepunkt. Wir sind ziemlich fertig und hoffen, die Querung der HaydonPeak-Flanke zu schaffen. Die Felle kleben bei diesen Tem­ peraturen nicht. Absoluter Krampf, bis wir die obere Haydon Shoulder erreichen. Wir haben schwere Rucksäcke und noch ein Depot zu räumen, ehe wir zum Advanced Base Camp abfahren, wo wir um 23 Uhr eintreffen. Immerhin hat es der Sturm nicht zerlegt! Dienstag, 29. 5. 2007 Was wäre gewesen, wenn das Wetter zwei Stunden später gedreht hätte? Dann wären wir am Gipfel gewesen …

Nahrungsmittel reichen noch für sechs bis zehn Tage. Der Wetterbericht ist furchtbar. Mittwoch, 30. 5. 2007 Höllischer Sturm (über 150 km/h), Zelte zur Hälfte eingeschneit. Schaufeln aussichtslos, es schneit mehr, als man schaufeln kann. Wir geben das erste Zelt auf. Panikartig räumen wir unsere Sachen in die viel zu kleine Höhle und ver­ suchen, den Eingang frei zu halten, was fast unmöglich ist. Wir beginnen, eine Art Röhre aus Schneeziegeln vor den Eingang zu bauen. Man sieht nicht bis zum Ende der Schaufel. ­Inzwischen haben wir auch die drei anderen Zelte aufgegeben, sie sind meterhoch von Schnee verschüttet. Niemand von uns hat je einen vergleichbaren Schneesturm erlebt. Wären wir nicht in diesem Gewaltmarsch abgestiegen, wäre keiner von uns mehr am Leben: entweder irgendwo am Berg geblieben oder in der Nähe des Advanced

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Bild: Vitek Ludvik/Red Bull Photofiles

21. 5. 2007

Unterwegs Richtung Haydon Col. Unser Plan: Wir gehen mit möglichst viel Mate­ rial Richtung Col, und Resl, Jon und ich machen dort Materialdepot (Biwaksack in Schneehöhle). Jetzt geht es um die Querung der Flanke vom Haydon Peak. Ist etwa 500 m breit und sieht schon sehr bedrohlich aus! Wir machen ein Schneeprofil, ich ziehe die Felle ab und quere mit Skiern den Hang – alles stabil, Linie gut! Drüben seilen wir uns an und bewältigen die letzten spaltendurchsetz­ ten Höhenmeter zumHeadline Col. Depot, retour Metjetzt alit aliquis acincin ul­ ins Camp. Was wir bräuchten, wären put alit lamcon do­ zwei bis drei Tage gutes Wetter hendit am Stück. lore modolesenit dolor se­ quat. Uscip eum dipis endipsum zzrilis niscidunt nosto eum veraess equis­ sit adipit illandre enisl et, quipsum velis nit velent wisim ad tationse feu fa­ cipsusci blam, conse feum quisim iuscin hent la cor­ tisi tet utpat. Ut wis am­ con utat prat vel eugue cor susto od tem iriustrud doloreet ut doluptat, quis ex euiscing eum del enim adiat. Na consequatum velenim nisit nulla commy nos dunt num zzril ute et alit, con heniam, quis alis niat la facil dion etue magnis nullumsan henim do do diat eu faciv


Die Route

Trip 1: Frühling (a: Abfahrt ans Meer, b: Aufstieg) Trip 2: Sommer; Gipfelsieg und Abfahrt ins Advanced Base Camp

START 2 ENDE 1b+2 2

START 1a 1a

2

Mount St. Elias (5489 m)

1b+2 1b+2

HIGH CAMP 2 (4800 m) HIGH CAMP 1 (4000 m)

1b+2

1a

1b+2

1a

1b

1a

BASE CAMP TYNDALL GLACIER (980 m)

HAYDON COL (3100 m)

ADVANCED BASE CAMP HAYDON SHOULDER (3000 m)

1a

1a 1b

START 1b ICY BAY

ENDE 1a

5489 m

Gipfel – MOUNT ST. ELIAS 5500

4800 m

HIGH CAMP 2

5000 4500

4000 m

HIGH CAMP 1

4000 3500

3612 m

HAYDON PEAK

3100 m

HAYDON COL

3000

3000 m

Bilder: Vitek Ludvik/Red Bull Photofiles (3); Illustrationen: MAndy Fischer

ADVANCED BASE CAMP

2500 2000

980 m

1500

BASE CAMP

1000

0m

500

20 km

0 METER

ICY BAY

GOLF VON ALASKA

ALASKA Anchorage

Mount St. Elias

GOLF VON ALASKA

KANADA

HUDSON BAY

USA NORDPAZIFIK

Mann gegen Berg

Einsatzbesprechung in der Lodge mit Local Paul Claus, Peter „Resl“ Ressmann, Jon Johnston und Axel Naglich (v. li.), den wir am nächsten Bild bei der ­Reduktion seines Marschgepäcks sehen. Insgesamt wog das Equipment der Expedition 13.580 Kilo, woran natürlich auch die Filmausrüstung des Teams rund um den genialen Regisseur Gerald Salmina entsprechenden Anteil hatte. Die Karte gibt einen groben Eindruck von der Schwierigkeit der Route und der ­immensen Größe des Mount St. Elias.

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Action

Freitag, 8. 6. 2007 Wir sind zwar draußen, aber noch immer kein brauch­bares Wetter in Sicht. Nach langem Hin und Her ist klar, dass wir das Ganze abblasen müssen. Eventuell kommen wir Mitte Juli für zwei bis drei Wochen noch einmal retour, sofern wir das Geld dafür auftreiben. Equipment bleibt hier, was geht. Unser Zeug ist mittlerweile auf halb Alaska verteilt: Base Camp, ABC, UTO Lodge, Chitina, Palmer, Girdwood.

Rückkehr im August

Unsere Helden schaffen es tatsächlich, eine zweite Expedi­tion auf die Beine zu stellen. Das Team ist diesmal kleiner: Für den Gipfelsturm sind Bergführer Volker Holz­ ner, Kameramann Günther Göberl sowie natürlich Axel

Naglich und Peter „Resl“ Ressmann vorgesehen. Die letzteren zwei sollen auch das scheinbar Unmögliche schaffen: vom Gipfel mit ­Skiern wieder abzufahren. Wir steigen in Alaska zu.

haben wir auch gefunden, somit sind Essen für mindestens eine Woche, zwei Kanister Sprit und 100 Meter Seil bereits deponiert. Um etwa 17 Uhr sind wir im Camp. Es beginnt zu regnen, ich bin müde.

Mittwoch, 1. 8. 2007 Fahrt nach Chitina, wo uns ein bestgelaunter (!!!) Paul erwartet und zur Lodge fliegt. Material sortieren … es ist, als ob wir nie weg gewesen wären. Nur ist es viel wärmer, viel grüner.

Mittwoch, 8. 8. 2007 Heute Mitternacht geht’s los: Wir wollen auf 4000 m, dort Lager, nächsten Tag auf 4900 m (Beginn Gipfelflanke), dann am Samstag auf den Gipfel und retour auf 4000 m. Sonntag früh retour zum Camp. Alle Mann Daumen halten! ­Dickes Bussi an Kathi, ILD!!!

Donnerstag, 2. 8. 2007 Abflug zur Nordseite des Elias, von wo uns Paul mit der Super Cub zur Haydon Shoulder shuttelt. Nach einigem Suchen finden wir die alte Höhle und beziehen das Lager. Wir sind ziemlich platt, vor allem Volker hat’s erwischt. Schönstes Wetter, kein Wind, eigentlich ein Gipfeltag! Freitag, 3. 8. 2007 Super geschlafen, aber die Luft ist noch immer zu dünn für mich. Volker ist hinüber, Dünnschiss zum Quadrat, und schläft den ganzen Tag. Der Berg ist ziemlich aper geworden. Vor allem den Teil von der Schulter nach unten kann man unmöglich noch fahren. Samstag, 4. 8. 2007 Marsch zum Haydon Col. Einige Stellen sind schwieriger geworden, dafür scheint die Lawinengefahr vom Haydon Peak weg zu sein. Am Col hat sich alles stark verändert. Die Felspassage in der Flanke könnte interessant werden. Das Depot

Pilot und Elias-Kenner Paul Claus bringt uns mit Gepäck zur Haydon Shoulder.

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Donnerstag, 9. 8. 2007 Abmarsch wie geplant um halb eins, drei Grad unter null, kaum Wind, es geht gut voran zur ersten Eisfläche, die wir mit Steigeisen bewältigen und danach unser Tourenski-Depot erreichen, wo wir auf Ski wechseln. Fast ohne Worte weiß jeder, was er zu tun hat, und nach wie vor angeseilt (die Spalten werden täglich größer, Schnee ist teilweise sehr weich) steigen wir höher, ehe die 3 bis 4 km lange Traverse zum Haydon Col folgt. Ohne passende Harscheisen wäre bei kaltem Schnee alles mühsam und gefährlich, da beidseitig steil abfallendes Gelände. Um 2.30 Uhr sind wir am Col, wechseln auf Steig­ eisen, umgehen die teilweise gigantischen Spalten und beginnen den steilen Anstieg auf die dritte Flanke (45–60°). Nervosität, suchen das Depot mit Ski, Kanister etc. zu weit links. Gerate fast in Panik. Ohne diese Ski wäre es aus! Endlich finden wir sie. Die Eisschraube ist völlig ausge­ apert, aber der Firnanker hält in einer kleinen Spalte bombenfest. Auch das Fixseil hat überstanden und wird mittels Eissanduhr neu versichert. Nach etwa 300 bis 400 Höhenmetern erreichen wir das schneelose Felsband und suchen unseren Weg durch. Wieder fast Panik. Volker und Resl sind der Meinung, dass alles zu brüchig ist, das sei Harakiri. Schließlich ermutige ich

sie, dass es doch geht, und wir steigen links von der „Winterrinne“, mit Seil gesichert, in zwei Seilschaften ein. Es sind zwar nur 100 Höhenmeter, aber völlig brüchiger, schräg gelagerter Granit, der nur durch Frost zusammengehalten wird. Auch tonnenschwere übereinandergetürmte Brocken sind eine Gefahr. Endlich sind wir draußen. Der frühe Aufbruch hat sich gelohnt, alles hart gefroren, kaum Steinschlag zu dieser Tageszeit. Freitag, 10. 8. 2007 Die Nacht ist ziemlich kalt und windig, um 8 Uhr weckt uns Gerald mit dem Helikopter. Wir stopfen uns MountainHouse-Bars rein (Granola with Blueberries, 510 calo­ ries), bauen ab, setzen von hier (4040 m) den Anstieg in Flanke 2 fort. Es ist kalt. Die Schlafsäcke sind zu dünn (wir wollten Gewicht sparen), die Füße in den halbnassen Skischuhen sind eiskalt und die Zehen taub. Aber Wetter ist sehr gut, das ist wichtig. Flanke 2 ist nur bei guter Sicht begehbar: viele Spalten, sehr exponiert. Volker und Resl spuren, es geht aufwärts. Plötzlich löst Resl vor mir ein Schneebrett aus (klein, 10 cm windgepresster Nebelgraupel vom Vortag, eigentlich kein großes Thema). Was wir alle befürchtet hatten: Zu den normalen Gefahren kriegen wir auch noch Lawinen dazu. Die Nervosität steigt, schließlich geht ein richtig großes Schneebrett ab, jedoch nicht in unsere Richtung. Wenigstens ist dieser Hang somit entladen. Das grundsätzliche Problem dieses Berges: Ab 3000 m (Haydon Col) ist der Anstieg überall so exponiert, dass jeder Fehltritt im Freifall endet. Alle drei Flanken enden in der Vertikalen! Nach sechseinhalb Stunden erreichen wir die Spitze von Flanke 2 und errichten unser Lager in einer kleinen Mulde auf 4800 m. Nachtruhe noch bei Tageslicht (21 Uhr). Ich male mir aus, was wäre, wenn wir es schafften.

BildER: Vitek Ludvik/Red Bull Photofiles (2)

Base Camp, das wir nie gefunden hätten. Volker hat heute seine Notdurft 15 Meter von der Höhle entfernt verrichtet und hätte uns fast nicht mehr gefunden! Wir werden Essen rationieren müssen. Dafür kommt die Info, dass die daheim keine Meldung von uns rausgeben werden, weil wir ja nicht einmal am Gipfel waren. Wir haben über eine super Linie 80 Prozent des Berges befahren – zählt alles nichts. Ich bin sauer und enttäuscht. Die werden nie kapieren, was am Berg abgeht! Noch ein Gipfelsturm ist unmöglich: leere Depots, fehlendes Equipment (Eisschrauben!).


9. 8. 2007

Das Seil kommt wieder weg, jetzt heißt es sich konzen­ trieren. Dieser Teil der Flanke ist äußerst steil und eisig und unglaublich exponiert. Hinter uns geht es tausend Höhenmeter bergab – Falllinie. Ein Feh­ ler, und … Wir müssen, um Zeit und Energie zu sparen, ­ungesichert weitersteigen. Diese Flanke ist schier endlos! Zum Schluss steigt sie nochmals um fünf Grad an, Zähne zusammen­ beißen, konzentrieren! Gute Linie, wir müssen die ­gigantischen Spalten oben nicht umgehen, sondern können gerade durch zur Spitze der Nase. Tagesziel erreicht, es ist Mittag. Viel Zeit, um uns zu erholen und die Schuhe zu trock­ nen. Ich gehe mit einem ­Fischer-Rennschuh, und meine Zehen sind nach ­etlichen Erfrierungen ­besonders empfindlich.


11.8.2007

Gipfel des Mount St. Elias, 5489 Meter über dem Meer. Dreieinhalb Jahre, tausen­ de Stunden, unendliche Diskussionen. Alles läuft schnell, fast überhastet, ich sitz da – und heule!

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„Wenn du gehst, spüre ich es hier!“ Auch Volker und Resl haben das bemerkt. Panik, der ganze Abschnitt scheint untertaut zu sein, und wir fürchten, dass alles plötzlich abgehen könnte. Realistisch oder nicht: Witzig ist es nicht. Andererseits: Was soll ich jetzt machen? Also Kopf rein, konzen­ trieren und behutsam weiter. Wir traversieren nach links zu den Felsen, wo dafür das Eis wieder hart und schwieriger zu begehen ist. Der Rest der Flanke ist mit Schnee überzogen: mal Pulver, mal Gries-Sulz. Das löst ein weiteres Problem: Hätten wir hier Wasser-Eis, wäre eine Abfahrt glatter Selbstmord. Das Tempo geht auch bei Volker und Resl runter, das Spuren war sehr zäh. Kurz bin ich nicht sicher, ob ich den Gipfel heute noch erlebe. Letztes Problem: der Gipfelspitz. Wir haben von unten eine kleine Rampe gesehen und hoffen, dass die uns durch die 40 Meter hohen Gipfelpilze aus Schnee bringt. Um 12 Uhr erreichen wir fast geschlossen

Oben weiß ich, warum ich mich mit Rennschuhen auf den Berg gequält habe.

den Beginn der Rampe – sieht super aus. Gerald bittet um 40 Minuten Pause, der Hubschrauber muss tanken. Wir warten windgeschützt, dann geht’s los, nur noch die Rampe (15 m, 75°) nach links, weitere 10 Höhenmeter, und Resl, der anführt, sagt: „Jetzt geht’s überall nur noch runter.“ Gipfel Mount St. Elias, 5489 m, dreieinhalb Jahre, tausende Stunden, unendliche Diskus­ sionen. Alles läuft schnell, fast überhastet, ich sitz da – und heule! Sorry, kann nichts dagegen machen … Wir freuen uns

alle riesig, wir sind ein Team, gute Wünsche, Günther filmt. Abfahrt links von der Aufstiegsspur. Unbekannte Schnee­ bedingungen, schwierige Linienführung. Oben ist Pulver, der Untergrund ist hart und rippig, also aufpassen. Ich fahre voraus, zuerst sehr zögerlich, nach 5 bis 10 Schwüngen Pause. Bin völlig außer Atem, aber ich fühl mich gut. Hab den Elias fast vergessen, endlich Ski fahren – herrlich! „Mount St. Elias“ läuft ab 26. No­ vember in Kinos in Österreich und Deutschland. www.mountstelias.com

BildER: Vitek Ludvik/Red Bull Photofiles (3)

Samstag, 11. 8. 2007 Ich habe das (falsche) Gefühl, nicht eine Stunde geschlafen zu haben. Egal! Schon der Einstieg in die Gipfelflanke ist nicht ohne, danach geht es steil nach oben. Wir gehen wieder ungesichert. Volker und Resl ziehen mir davon, ich werde immer grantiger und wollte, sie würden auf mich mit meinen Rennschuhen warten. Stattdessen sind sie immer 100 Schritt oder 5 Minuten (!!!) voraus. Wenn ich beim „Rastplatz“ ankomme, sind sie weg, noch bevor ich mich abgesichert habe. Egal, irgendwann bin ich auch oben!!! Je höher wir kommen, desto mehr Tempo müssen wir rausnehmen. Die Höhe macht uns zu schaffen. Dass wir nur mäßig akklimatisiert sind, wussten wir. Was wir alle gewaltig unterschätzt haben: Diese Gipfelflanke ist noch gewaltiger als gedacht, die Dimensionen sind kaum einzuschätzen. Etwa in der Mitte der Flanke steht Günther mindestens 30 Meter vor mir und sagt:


action

11. 8. 2007

Letztes Problem: der ­Gipfelspitz. Wir haben von ­unten eine kleine Rampe gesehen und hoffen, dass die uns durch die 40 Meter hohen Gipfelpilze aus Schnee bringt. Um 12 Uhr erreichen wir fast geschlos­ sen den Beginn der Rampe – sieht super aus. Gerald bittet um 40 Minuten Pau­ se, der Hubschrauber muss tanken. Wir warten wind­ geschützt, trinken, pissen, scheißen (ich!) und be­ sprechen Tätigkeiten am Gipfel (Fotos, Flagge etc.). Dann geht’s los, nur noch die Rampe (15 m, 75°) nach links, weitere zehn Höhen­meter, und Resl, der anführt, sagt: „Jetzt geht’s überall nur noch runter.“


Action

F1 2009 das war

spitze! Lazarus als Galionsfigur eines F1-Teams, ein Invalide als Grand-Prix-Sieger, Federn, welche zu Dartpfeilen werden, Regeln aus ­Gummi, Gummis als Roulettekugeln, das Ende des freilaufenden Brustfells: 2009 war die verrückteste F1-Saison der Geschichte. Text: Matt Youson, Illustrationen: Lie-Ins and Tigers

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action

>>> Team Lazarus

Hondas Abschied aus der Formel 1 erinnerte an halblustige Beziehungsfilme: Ohne Vorwarnung war auf einmal die eine Hälfte des Betts leer, das CD-Regal ausgeräumt, am Küchentisch lag eine dürre Notiz: „Es war nicht alles schlecht. Warte nicht auf mich. Schönes Leben noch.“ Hondas Logik: Angesichts einer globalen Krise pulvert man nicht mehrere hundert Millionen Euro in ein F1-Team. Es ist klüger, auf die Fabrik im englischen Brackley zu verzichten, als tausende Fließbandarbeiter an die Luft zu setzen. Drei Monate blieben dem Management, um das, was einmal Honda F1 Racing gewesen war, zu retten. Immerhin: Andere reisen in 80 Tagen um die Welt. So wurde Ross Brawn zum Teamchef wider Willen. Einst hatte Honda ihn nur mit blumigen Versprechungen hinter seiner Angel hervorlocken können. Plötzlich fand er sich vor einem Auto, auf dem sein Name stand. Noch nicht einmal einen Motor hatte es, seit Honda seine Aggregate in den großen Mistkübel zwangsexpediert hatte. Mit Hammer und Rohrzange pfriemelten die Techniker kurz vorm Abflug nach Melbourne einen Mercedes-Motor ins Heck. Brawn GP mangelte es beim Saison­ start an weithin als eigentlich unverzichtbar angesehenen Kleinigkeiten: Testfahrten zum Beispiel. Oder Sponsorenaufklebern. „Wir sind froh, überhaupt da zu sein“, sagten sie, nachdem sie aus der EconomyClass gepurzelt waren. Die Freude war so groß, dass sie gleich beim ersten Rennen allen auf und davon fuhren und Jenson Button sechs der ersten sieben Rennen gewann. Danach verhielt er sich wieder so unauffällig wie seine gesamte Karriere zuvor. Das reichte zum WM-Titel. Es hätte möglicherweise nicht gereicht, wäre auch anderen Teams jener fabelhafte Doppeldiffusor zur Verfügung gestanden,

>>> Lügner, lügner!

Die Folgen von Australien: Jarno Trulli im Toyota wurde sein dritter Platz nachträglich aberkannt, da er Lewis Hamilton ­unter gelben Flaggen überholt hatte. Der arme Jarno wehrte sich: Hamilton sei freiwillig zur Seite gerückt und habe ihn in die Falle gelockt. McLaren leugnete ­reflexartig. Was vielleicht bei halbseidenen Politikern durchgeht, flog in der Formel 1 auf: Erstens hatte sich Hamilton gegenüber Reportern verplaudert, zweitens gab es da noch den Mitschnitt des Boxenfunks. McLaren hatte gegen das elfte Gebot verstoßen, das da lautet: Lass dich nicht

mit dem Brawn die Konkurrenz überraschte. (Es hält sich ja hartnäckig das Gerücht, dass auch Renault und Red Bull vor Saisonbeginn angefragt hätten, ob der Doppeldiffusor dem Reglement entspreche, ihnen aber eine abschlägige Antwort zuteil geworden sei.)

Ross Brawn, nach seinen sieben WMTiteln mit Michael Schumacher bislang bestenfalls unter Heiligenverdacht, musste durch Vorzeigen seiner unversehrten Handflächen nachweisen, nicht der Wiederauferstandene zu sein. Biblische Vergleiche hin oder her: Die in unschuldigem Weiß angetretenen Brawn-Renner werden es im nächsten Jahr ungleich schwerer als heuer haben, sich gegen Red Bull Racing, Ferrari und McLaren durchzusetzen.

erwischen. So fiel Ron Dennis, der eis­ kalte Fixstern der F1, vom Himmel, um fortan seine Lebensaufgabe darin zu sehen, in seiner hypermodernen Fabrik mit dem James-Bond-würdigen Namen Paragon Sportwagen zusammenzuschrauben. Seinem treuen Vasallen Martin Whitmarsh fiel die Rolle zu, fortan das Baby zu schaukeln. Ex-Sportdirektor Dave Ryan, ganz braver Offizier, ließ sich überzeugen, dass es das Beste wäre, sich ins Schwert zu stürzen. Nur Lewis Hamilton kam mit seiner Personifikation des Unschuldslamms davon: „Ich bin kein Lügner. Ich bin ein Teamplayer.“ 67


Action

>>> Red Bull-Raketen

Adrian Newey: „Es macht viel mehr SpaSS, wenn sich die Regeln ändern. Immer nach demselben Muster spielen zu müssen ist langweilig.“

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Es war ein gutes Jahr für Red Bull, das beste in der bisherigen Geschichte, aber es hätte durchaus auch ein richtig famoses Jahr werden können. Das Auto, das Adrian Newey gezeichnet hat, war das einzige, das es mit den Brawns aufnehmen konnte. Red Bull Racing war das konstanteste Team des Feldes. 14 Podiumsplätze vor dem letzten Rennen sind Rekord. Sebastian Vettel holte in Schanghai den ersten Sieg in der Geschichte von Red Bull Racing und ließ in Großbritannien und Japan weitere folgen. Mark Webber, nach seinem Bike-gegen-SUV-Crashtest mit mehr Metall im Bein als RoboCop, rockte den Nürburgring ebenso wie Interlagos und streifte den Nimbus des ewigen Pechvogels ab. Dass keiner der beiden Weltmeister wurde, hat sehr viel mit dem seltsamen Motorenreglement (erlaubt waren acht

für die gesamte Saison) zu tun. Der Mercedes-Motor war so gut, dass damit nicht nur McLaren und Brawn, sondern selbst die bislang unverdächtigen Force India an die Spitze fahren konnten. Vom vermeint­ lichen Power-Gleichstand konnte heuer keine Rede sein. Und in einer Saison, in der Zehntelsekunden eine Welt sind, ist ein Motorschaden eine Supernova. Nach ein paar Krepierern bei Renault war klar, dass Sebastian Vettel früher oder später wegen eines nötigen Motortauschs um zehn Startplätze nach hinten versetzt werden würde. Dagegen half nicht einmal der Verzicht auf Freitagtrainings. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wäre was dran an der schon erwähnten Doppeldiffusorgeschichte. Und wären im Lauf der Saison diverse Drive-ThroughStrafen und Zurückversetzungen in der Startaufstellung nicht passiert. Auf diese Art kann man eine WM auch entscheiden.


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>>> Suzuka Superstar

Nach ein paar lausigen Jahren in Fuji wusste die Welt wieder, was sie an der phantastischen Naturstrecke in Japan hat: Der Track mit seiner einzigartigen Achterform in der Nähe von Osaka ist trotz kleinerer Änderungen die letzte Fighter-Strecke des Kalenders. Wo gibt’s das sonst noch: Sechster-Gang-290-km/hPassagen mit Mauern im Ausgang, keinen Meter von der Ideallinie entfernt? Eine Kurve, die schon Nigel Mansell mitsamt Auto gefressen hat, sollte doch für die ­aktuelle Generation ebenfalls gut genug sein. Ist sie auch: Mark Webber, Heikki Kovalainen, Sébastien Buemi und Jaime Alguersuari zerknüllten ihre Boliden heuer in derselben Passage und schauten sich die dafür verantwortliche Degner-Kurve unfreiwillig aus der Fußgängerperspektive an – am selben Tag. Strecken wie diese ­erhalten der F1 jenen Nimbus, den sie durch die neuen Retortenstrecken bereits zu verlieren drohte.

>>> Wetten werden nicht angenommen

Noch nie war eine Saison so unvorher­ sehbar. In der Türkei waren die Brawns so überlegen, dass Sieger Jenson Button schon in der Warteschlange seines easyJet-Fliegers stand (bei Brawn GP müssen aus Kostengründen alle Diskont fliegen), bis der Rest des Feldes die Ziellinie überquert hatte. Beim nächsten Rennen in ­Silverstone fuhr Sebastian Vettel der ­Konkurrenz einhändig davon, dabei die Melodie von „Wickie und die starken Männer“ summend. In Ungarn war Hamilton unschlagbar, während Nico Rosberg in Singapur plötzlich das schnellste Auto hatte. Und was soll man zu einer ­Pole-Postion eines Force India sagen (Fisichella, Belgien)? Eine normale F1-Saison macht so was nicht. Ein Erklärungsversuch für die stark schwankenden Leistungen beruft sich auf die Reifen, die bei dem einen Auto dies, dem anderen das bewirkten. Normal und vorhersagbar war während des ganzen Jahres eigentlich nur das Ergebnis von Spa-Francorchamps: Kimi Räikkönen würde hier auch mit einem Milchwagen gewinnen. Mit Ausnahme des letzten Jahres rangierte er nie schlechter als auf Platz eins.

>>> Wenn Techniker denken

Was hatte man sich nicht alles überlegt, um das Überholen einfacher zu machen: verstellbare Frontflügel (die keiner verstellt), neues Bodywork (das vor allem den guten Geschmack links überholt) und dann natürlich KERS, die Extra-Power, die die Umweltfreundlichkeit der F1 demonstrieren sollte. Von den hochgiftigen, nicht recycelbaren Batterien sprach dabei keiner. Oder davon, dass die Autos wegen des ­Extragewichts heuer sogar mehr Sprit verbrauchten als im Vorjahr. Immerhin sieben Fahrer verwendeten KERS. Schade eigentlich: So brachen nur ein paar Feuer aus, nur wenige Mechaniker wurden elektrisiert. Die halbe Zeit funktionierte das Multimillionen-Investment ohnehin nicht. Konsequenterweise hätte man Fahrer künftig nach Gewicht und Größe aussuchen müssen. Mit gestandenen Männern hinterm Lenkrad hätten KERS-Autos das erforderliche (und penibel eingehaltene) Mindestgewicht von 605 Kilo allzu deutlich überschritten. Mark Webber und Co hätten also die Wahl gehabt, ob sie sich lieber einen Arm oder ein Bein abhacken lassen, um gewichtsmäßig konkurrenzfähig zu sein. Mercedes konnte sich immerhin den ersten KERSSieg der Geschichte auf die Fahnen heften und könnte nun einen massiven Vorteil für nächstes Jahr haben – hätte man sich nicht darauf verständigt, den Unfug 2010 wieder zu lassen. Was sehr typisch dafür ist, wie in der Formel 1 Entscheidungen getroffen werden.

Toyota-Boss John Howett über KERS: „Die Technik in unseren PKW ist moderner.“

>>> Politik

F1 besteht aus neun Monaten Streit, hie und da unterbrochen von einem Auto­ rennen. Auf der einen Seite stehen die FIA und deren (Noch-)Präsident Max Mosley, auf der anderen Seite die kommerziellen Rechteinhaber mit Bernie Ecclestone an vorderster Front (und ein paar undurchsichtigen Bankern dahinter). Dann gibt es noch die FOTA, die Interessenvertretung der Teams. Wo die stehen, wissen sie selbst nicht genau. (Das immerhin wissen sie. Aber ganz sicher!) Alle Beteiligten wurden sich nach ­einem veritablen internen Scharmützel unter Gentlemen, ausgetragen mit Kuhmist, halb verrotteten Ratten und gefüllten Schweinedärmen, überraschenderweise einig, dass es unfair war, dass die undurchsichtigen Banker in Bernies Schatten fünfzig Prozent der Einnahmen für geschätzte null Prozent Arbeit ein­ fuhren. Das sagten sie dann auch in aller Deutlichkeit und Würde, zu der sie in ­ihrem derangierten Zustand imstande waren. Die strengen Onkel Max und Bernie ­sahen den Sachverhalt ebenfalls ein und verteilten großzügig Leckerli, bevor die Drohung einer eigenen Rennserie zu viele Fans finden konnte. Außerdem gelang es, Onkel Max zu überreden, endlich in Pension zu gehen, um künftig mehr Zeit für interessante Hobbys zu haben. Als seinen Nachfolger empfahl er Onkel Jean (Todt): „Er wird in vielem einen besseren Job machen als ich.“ Somit scheint der hohe Unterhaltungswert auch künftig garantiert.

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Action

>>> Der feine Herr Flavio

Schon vor seinem Rauswurf war der gute Signor Briatore für den einen oder anderen saftigen Rülpser gut. Folgender ist ein Klassiker: „Unsere Fahrer waren und sind Champions. Die heurige Saison aber ist ein Match zwischen einem Pensionisten (gemeint war Barrichello, 37 Jahre alt; Anm.) und einem Typen, der zwar ein ­netter Kerl ist, aber auch ein paracarro.“ Da qualmten die digitalen Übersetzprogramme, um rauszufinden, was Briatore damit gemeint haben könnte. Und? O ­ ffenbar hält er seinen Ex-Fahrer Jenson Button für einen Prellstein bzw. Straßenpfosten, was weiterer Erklärungen ­bedürfte. Auch von Ross Brawn als Chef der technischen Arbeitsgruppe der FOTA erlaubte sich der einstige Pulloververkäufer seine eigene hochdiplomatische Meinung: „Jeder chinesische Taxifahrer ist geeigneter.“ Wodurch sich gerade chinesische Taxifahrer auszeichnen, blieb er uns leider schuldig. Briatores geistiger Weichheitsgrad wurde allerdings von einem gewissen Bernie E. noch mühelos unterlaufen: „Adolf Hitler war ein Mann, der Dinge erledigt hat“ („… able to get things done“). Doch zurück zu Flavio. In der Formel 1 war der schillernde Fixstern nicht immer ein Buhmann, so fair muss man sein. Ein Experte in anderen Sportarten ist er noch nicht so lang. Vor zwei Jahren hat Briatore den Fußballklub Queens Park Rangers übernommen (gemeinsam mit Bernie ­Ecclestone und dem indischen Milliardär Lakshmi Mittal), seither gibt es auch dort was zu lachen. Zwar werkt beim Klub aus London inzwischen bereits Manager Nummer fünf, die Aufstellung macht aber im Zweifelsfall dann doch unser Freund Flavio per Telefon. Als ruchbar wurde, dass Manchester City an Kaká vom AC Milan interessiert war, konterte Flavio mit einem Bild aus seiner Welt: „Wenn man Schu­ macher in einen Minardi setzt, wird der trotzdem nicht gewinnen.“ Manchester City hält inzwischen auf Platz fünf der ­Premier League, ist somit auf ChampionsLeague-Kurs. Davon sind Flavios MinardiRangers mit Platz 10 in der zweithöchsten Leistungsklasse dann doch noch ein Stückerl entfernt. Und die Football Associa­ tion, der englische Fußballverband, untersucht mittlerweile, ob Briatore eine „fit and proper person“ ist, die man laut Sta­ tuten zu sein hat, um einen Fußballverein überhaupt führen zu d ­ ürfen.

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>>> Glück im Unglück

War es jetzt Pech, dass Felipe Massa die Feder des vor ihm fahrenden Brawn getroffen, oder war es Glück, dass sie das Auge um Millimeter verfehlt hat? Eine Frage, die nur die Philosophie, nicht jedoch die Mathematik beantworten kann. Geschätzte 0,7 Sekunden nach dem Aufprall wurde Massas Zustand als „stabil“ bezeichnet. 0,71 Sekunden nach dem Unfall wurden Ferraris Ersatzpiloten Badoer und Gené als zu schwach zum Einspringen bezeichnet, weil: Keiner ein Schumacher. Als Schumacher, der Echte, dann w. o. geben musste, fand sich plötzlich Luca Badoer in Massas Auto wieder. Sein letztes Rennen datierte zwar aus dem letzten Jahr des vergangenen Jahrtausends, dennoch hielt er bis zu seinem FerrariEinsatz einen Rekord: jenen für die meisten Rennen (56) ohne WM-Punkt. Zehn Tage dauerte sein Einsatz bei der Scuderia. Böse Stimmen sagen, er war langsamer als die globale Erwärmung. Andere konnten durch den Einsatz hochpräziser Messgeräte immerhin nachweisen, dass er schneller war als seine Großmutter. Wie auch immer: Badoer nutzte seine historische Chance und schraubte den ewigen Rekord auf 58 GPs ohne WM-Punkt, eine Hürde für jeden Newcomer.

Felipe Massa: „Ich ­hatte andere Unfälle, die schwerer waren. Die haben mich wirklich zum Nachdenken gebracht.“

Renaults neue Nummer 1, Robert Kubica, über ­Nelson Piquet Jr.: „Man muss schon sehr, sehr verzweifelt sein, um das zu tun.“


action

>>> Die Zukunft

>>> Crashgate

Als Nelson Piquet junior im Vorjahr ­seinen Renault über Singapurs Marina Grandstand und dessen näheres Umland verteilte, begannen doch prompt Witze zu kursieren, er habe den Unfall absichtlich fabriziert. Das war lustig, weil a) kein Team ernstlich so bescheuert sein konnte und es sich b) beim Fahrer eben um Nelson Piquet jun. handelte, der generell Mühe hatte, sein Auto nicht in alle Winde zu zerstreuen. So kann man sich offensichtlich täuschen. Flavio Briatore wurde lebenslänglich gesperrt, Pat Symonds – jener Mann, der die Arbeit machte, während Flavio auf Jachten und Supermodels rumturnte – fasste fünf Jahre Daumendrehen aus. Und

die Chancen, Nelsinho, das Opfer, noch einmal in einem Formel-1-Auto zu sehen, sind in etwa so groß wie die, dass Briatore in Sack und Asche ins Kloster geht. Die Affäre hat ein zu grelles Licht auf die Charaktereigenschaften ­Piquets des Jüngeren geworfen. Als Ersatzpilot Romain Grosjean, aus der GP2-Serie kommend und bislang ­eigentlich eher als Kandidat für ein Roboter-Double gehandelt denn für Slapstickeinlagen, seinen Renault zum Einstand in Singapur prompt in der Piquet-Unglückskurve entsorgte, erntete er Standing Ovations im Mediacenter. Nur Neo-Teamchef Bob Bell wusste im ersten Moment nicht, ob er ­lachen oder weinen sollte. Die Situation war dann aber doch zu komisch.

2009 war ja schon unschlagbar gut. Was aber hält 2010 für uns bereit? Wir tippen auf eine neue Initiative zur Kostensenkung auf technischer Basis, man wird sie 2011 in der Rumpelkammer gleich neben KERS, Pilates-Bällen und dem Fondue-Set für acht Personen finden. Lewis Hamilton benimmt sich noch immer wie ein höflicher junger Mann aus den Fünfzigern des letzten Jahrhunderts (Max Raabe singt den Titeltrack zu Lewis’ Biopic). Die vier neuen Teams (Lotus, US F1, Manor und Campos) beherrschen zu Saisonbeginn die Schlagzeilen – danach interessiert sich keiner mehr für sie. Bernie Ecclestone verkündet nicht nur endlich einen Termin für den Großen Preis von Indien, sondern ruft auch Rennen in Russland, Südafrika und Erdbeerland aus. Im Mai erzählen die Fahrer, welch unbändigen Spaß es macht, in ­Monaco Rennen zu fahren. Die Strecke von Interlagos wird von einem Bataillon brasilianischer Polizei gesichert – das Fah­ rerlager wird leider trotzdem von einer Handvoll bewaffneter Desperados aus den benachbarten Favelas ausgeraubt. Der Jugendwahn der Teamchefs findet ein ­natürliches Ende, als die neuen Fahrer Baumeister-Bob-Tapeten in der Box und mehr Sturzraum in Monzas Variante della Roggia fordern (die zweite Forderung geht dann doch zu weit). Fernando Alonso erfüllt sich in einen Lebenstraum und beginnt einen Streit in einem leeren Raum. Die Hoteliers in Singapur kaufen BMWs Supercomputer „Albert 2“, um damit die Chancen zu berechnen, dass ihre Zimmerpreise ein Loch in die Realität schlagen. Kimi Räikkönen hält von April bis August Sommerschlaf, wacht in Belgien kurz auf, um das Rennen zu gewinnen, den Champagner zu trinken, statt ihn zu verspritzen, bei der Pressekonferenz wenig zu sagen und für den Rest der Saison wieder in Dämmerschlaf zu verfallen. In der McLaren-Box erscheint das ­Bildnis von Ron Dennis an der Wand. Ein mysteriöses Super­model taucht als Rennfahrerfreundin im Fahrerlager auf. Kurz danach kommt ihr neues Album/Parfüm/ Movie heraus. Ein Team bringt einen ­revolutionären Frontflügel nach Bahrain mit. Alle anderen Teams wollen ihn verbieten lassen, während sie im Geheimen schon an einer Kopie arbeiten. Robert ­Kubica wird einer Eule nach dem Waldbrand ­immer ähnlicher. Alles über Red Bull Racing und Toro Rosso auf: www.redbullf1.com Die Hero-Blogs auf: redbulletin.com/vettel/de

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Wir w端nschen Ihnen bessere Unterhaltung.


More Body&Mind Belebendes für Körper und Geist.

74 Jason Polakow im Hangar-7 77 Red Bull Crashed Ice 78 Kunst-Spot Chelsea 82 Im Sattel mit Ken Roczen 84 Red Bull TV-Fenster 86 Tag & Nacht 96 Read Bull 98 Kolumne

bild: Tim McKenna/Red Bull Photofiles

Das ist Jason Polakow. Er kocht gerne, vor allem Huhn und Fisch, dazu Gemüse. Wirklich!


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Hangar-7-Interview

Jason Polakow Der Australier ist trotz seiner 37 Jahre immer noch ein Top-Rider der Windsurf-Szene. Er lässt sich von Wellen verspeisen und hatte schon ein Date mit einem Hai. Das Red Bulletin hatte eines mit Jason im Hangar-7.

Jason Polakow war australischer Motocross-Jugendmeister und ging mit achtzehn nach Hawaii, um Robbie Naish in dessen eigenem Wohnzimmer in Grund und ­Boden zu surfen. Er gewann als erster Nicht-Hawaiianer den Windsurf World Cup auf den Inseln und gründete seine ­eigene Board-Marke. Mittlerweile lässt es Jason Polakow ruhiger angehen. Er surft nur noch die größten Wellen und hatte deshalb Zeit für ein Abendessen im ­Salzburger Hangar-7. RED BULLETIN: Sie kommen gerade aus Tahiti und sind mit Teahupoo eine der gefährlichsten Wellen der Welt gesurft. Wie erklärt man einer Landratte, wie es ist, so ein Monster zu bändigen? JASON POLAKOW: Eigentlich finde ich es viel einfacher, so große Wellen zu surfen, weil du da automatisch den nötigen Speed bekommst. Das Problem ist, dass der Wind aus der richtigen Richtung ­pfeifen muss, damit du in die Welle ­hineinkommst. Wenn du dann mal drinnen bist, ist Teahupoo eine der schönsten Wellen der Welt. Sie ist bis zu fünf Meter hoch, sauschnell und bildet die perfekte „Tube“. Vom Gefühl her ist es ungefähr so, als ob eine fette Lawine hinter dir herbraust. Wie fühlt es sich an, wenn man von so einem Ding gefressen wird? Nicht gut. Erst kriegst du ein paar Tonnen Wasser auf deinen Rücken, und dann zieht es dich unter Wasser, und du fühlst dich wie in einer riesigen Waschmaschine. Es ist egal, wie viel Kraft du hast, du kommst gegen das Wasser nicht an, und es reißt dir fast deine Arme und Beine ab. Du brauchst dann gute Lungen, um den Druck auszuhalten und lange genug unter Wasser bleiben zu können. Das Wichtige ist, dass du ruhig bleibst und nicht in ­Panik verfällst, sonst verbrauchst du den ganzen Sauerstoff. Richtige Probleme kriegst du, wenn du auf dem Riff landest. An manchen Stellen ist das Wasser unter 74

­Teahupoo nur einen halben Meter tief, und die Korallen sind so scharf wie Rasierklingen. Die Rettungsleute haben schon ­etliche Schwerverletzte da rausgezogen, aber daran sollte man nie denken, wenn man diese Welle surfst. Du darfst ihr ­keine Angst zeigen, nur Respekt.

Jason Polakow packt für die nächste Riesenwelle.

Gibt es Möglichkeiten, sich in solchen Situationen zu schützen? Wir haben gemeinsam mit Red Bull eine neue Schwimmweste entwickelt. Das Ding unterscheidet sich optisch nicht großartig von anderen Westen, sie hat aber mehr Auftrieb, und an der Vorderseite ist sie mit einer größeren Menge Luft gefüllt. Dadurch dreht es dich automatisch auf den Rücken, und du ersäufst nicht, wenn du bewusstlos im Wasser treibst. Was war Ihr schlimmstes Erlebnis? Ich hatte schon einige brenzlige Situationen, aber am schlimmsten ist sicherlich die Strömung in Jaws (vor der Hawaii-Insel Maui; Anm.). Das ist eine der höchsten Wellen auf Hawaii, und wenn du da stürzt, bist du in der starken Strömung gefangen. Du bekommst dauernd riesige Brecher auf den Kopf, und der Sog zieht dich genau in die Welle hinein. Das geht dann einige ­Minuten so, bis du keine Kraft mehr hast und glaubst, du bist gleich am Ende. Irgendwann schmeckst du der Welle dann

nicht mehr, sie spuckt dich aus und spült dich auf die massiven Felsen am Strand. Apropos Fische. Hatten Sie schon Begegnungen mit Haien da draußen? Na klar. Ich komme aus Australien, da hatte jeder Surfer schon mal ein Date mit einem Hai. Meines war harmlos, der Bursche hat sich nur seinen Kopf an meinem Board angeschlagen. Aber Sie haben sich beim Windsurfen sicher schon ein paar Kratzer geholt … Ich hatte schon einige schwere Verletzungen, aber die kamen großteils vom Motocrossfahren. Wäre als Ausgleich zum Surfen nicht besser Schach oder Sudoku angesagt? Ich liebe es, auf Bikes durch die Wildnis zu rasen, aber leider gebe ich oft zu viel Gas und lande im Dreck. Ich habe mir dabei schon so oft weh getan, dass mir einer meiner Sponsoren das Motocrossen vertraglich verboten hat. Ich durfte lange Zeit Bikes nicht einmal anschauen. Aber diese Verletzungspausen haben auch ihr Gutes, weil ich dann Dinge mache, für die ich sonst keine Zeit hätte. Als ich vor ein paar Jahren fünf Monate nicht surfen konnte, habe ich den Flug- und Helikopterschein gemacht. Leider komme ich nicht oft dazu, aber wenn ich hier im Hangar-7 all diese coolen Fluggeräte sehe, bekomme ich gleich wieder Lust. Eine Leidenschaft von Ihnen soll auch das Kochen sein. Ich liebe es, selbst am Herd zu stehen. ­Dabei achte ich vor allem darauf, dass ich mich gesund ernähre. Meistens landet dann ein Hühnchen oder Fisch auf dem Teller und wird mit ordentlich Gemüse garniert. Ich koche das dann gleich in größeren Mengen, fülle damit 20 bis 30 Beutel und gebe es in die Gefriertruhe. So gibt es im Hause Polakow immer etwas Gutes zu essen. Das Gastkochkonzept des Hangar-7: Im November gastiert Grant Achatz („Alinea“, Chicago). Alle Gastköche im Jahr 2009 unter www.hangar-7.com www.jasonpolakow.com

bild: Brian Bielmann/Red Bull Photofiles

Text: Christoph Rietner, Bilder: Oliver Gast


Print 2.0

de.redbulletin.com/print2.0 Hier gibt es einen Waschgang mit Jason.

Jason Polakow wirft sich nicht nur in die größten Wellen der Welt. Der australische Windsurfer macht auch am Herd – hier bereitet er Krebsrollen – und als Pilot eine gute Figur.


Der Giro Helm Revolver und die passende Goggle Basis bilden nicht nur ein stylisches Paar, zusätzlich ­greifen hier die Technologien von Helm und Brille perfekt ineinander. Eine erstklas­ sige Entlüftung auf der Oberseite der Brille und die Stack Ventilation im Mützenschirm des Helms transportieren die Wärme und Feuchtigkeit aus der Goggle nach oben ab und sorgen somit für glasklare Sicht bei jedem Wetter. www.giro.com Daunenjacken werden vermehrt auch zum Skifahren getragen. Daher widmet Sportalm diesem Thema eine eigene Kollektionsgruppe. Hier finden die fröhlichsten Farben ihren Ausdruck: Orange, Türkis, Lila und Pink vereinen sich zu sportlichen Jacken in hauptsächlich kürzerer Form. Ein besonde­ rer Hingucker sind die dekorativen Badges sowie der speziell entwickelte Futterprint. www.sportalm.at Der brandneue iSupershape Speed hat eine Taillierung zwischen Slalom- und Riesenslalom, garantiert aber vielseitigen Einsatzbereich dank einer etwas breiteren Unterstützungsfläche im Bindungsbereich. Dadurch können auch Abstecher abseits der Piste oder bei weichem Schnee zum Genuss werden. Alle iSupershape-Modelle sind mit dem Race-Strukturschliff und der Worldcup-Sandwich-Konstruk­ tion ausgerüstet, die für absolute High-Speed-Performance sorgen. www.head.com Mit „Freeski Mountaineering“ definiert Kästle eine neue Skikategorie: die her­ vorragenden Fahreigenschaften eines Freeride-Skis, dank Leicht­ baukonstruktion auf dem Gewichtsniveau eines Tourenskis. Gemeinsam mit Freeskier Chris Davenport entwickelt, ist der FX84 sowohl auf der Piste wie auch im anspruchsvollen Gelände und Tief­ schnee der richtige Partner. www.kaestle-ski.com


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Red Bull Crashed Ice: Hier können Sie sich qualifizieren

Red Bull Crashed Ice: Für Plätze im beleuchteten Bereich kann man sich jetzt qualifizieren.

6. 11. 09, Hamburg 19.00 Uhr, Volksbank-Arena 11. 11. 09, Schwenningen 17.00 Uhr, Helios-Arena 14. 11. 09, Eppelheim 14.00 Uhr, Icehouse Eppelheim 16. 11. 09, Frankfurt 18.00 Uhr, Eissporthalle Frankfurt, Außenanlage 19. 11. 09, Bayreuth 18.00 Uhr, Kunsteisstadion Bayreuth 21. 11. 09, Hassfurt 10.45 Uhr, Eissportzentrum 27. 11. 09, Ingolstadt 18.30 Uhr, Saturn-Arena 3. 12. 09, Rosenheim 18.00 Uhr, Kathrein Stadion 6. 12. 09, Straubing 13.30 Uhr, Eisstadion am Pulverturm 8. 12. 09, Nürnberg 19.30 Uhr, Arena Nürnberg 11. 12. 09, Kaufbeuren 18.00 Uhr, Sparkassen-Arena 13. 12. 09, GarmischPartenkirchen 18.00 Uhr, Olympia-Eissport-Zentrum

München wartet hinterm Hummer

20. 12. 09, München 17.00 Uhr, Olympia-Eisstadion Das ist der QualifierParcours.

Bild: Steve Deschênes/Red Bull Photofiles; Illustration: schwarzschild

Red Bull Crashed Ice gibt es 2010 erstmals als weltweite Serie. Start in: München, Olympiastadion. Am: 16. Januar 2010. Mit: Ihnen, zum Beispiel. Man nehme einen Eishockeyspieler. Entferne Schläger, Puck, Tor und Furcht. Platziere ihn an den Start eines rund 350 Meter langen, von phantasievollen Misanthropen mit tückischen Hindernissen einfallsreich gespickten Eiskanals. Stelle ihm drei Gleichgesinnte zur Seite. Und jage die vier den Track hinunter, mit spitzen Ellbogen und bis zu 40 Sachen. Wer als Erster unten ist, hat gewonnen. Red Bull Crashed Ice ist also eine theoretisch vergleichsweise einfache Sportart. Die Schwierigkeiten ergeben sich in der Praxis aus dem Kräftedreieck von Geschicklichkeit, Mut und Entschlossenheit. Red Bull Crashed Ice gab es bisher in Form faszinierender Einzel-Events, zum Beispiel in Davos, Stockholm, Québec oder Prag. Ab 2010 gibt es Red Bull Crashed Ice als weltweite Serie mit dem Ziel, den Weltbesten (oder die Weltbeste) dieser Sportart zu ermitteln.

Der Start der Serie erfolgt am 16. Januar in München. Und daran teilnehmen kann jedermann/jedefrau, denn ein Kontingent der Münchner Teilnehmerplätze ist für die jeweils drei Erstplatzierten der in vielen Orten in Deutschland über die Eisfläche gehenden Qualifier-Bewerbe reserviert. Bei den Qualifiers geht es weder Mann gegen Mann noch steil bergab. Die Termine in ganz Deutschland dienen vor allem dazu, herauszufinden, ob potenzielle München-Starter die nötigen technischen Skills mitbringen: anfahren, bremsen, Kurven und schnelle Richtungswechsel fahren, ca. 40 cm hoch springen und sauber landen können, auf den Hummer rauf- und von ihm runterfahren, das alles auf einer ebenen Eisfläche, verziert mit Pylonen, Rampen und dem Hummer. Alle Event-Infos im Überblick: www.redbullcrashedice.com

… und das müssen Sie wissen Die Teilnahme am Red Bull Crashed Ice Qualifier ist ab 16 Jahren und nur mit Eishockeyausrüstung erlaubt (Skater bis 18 benötigen ein schriftliches Okay des gesetzlichen Vertreters). Teilnehmerinnen sind mindestens ebenso willkommen wie Teilnehmer. Neben Eishockeyspielern sind vor allem Inlineskater oder Speedskater als mögliche Teilnehmer prädestiniert. Alle Infos? Gibt’s auf redbull.de. Anmeldung? Entweder auf redbull.de oder direkt vor Ort. Die Teilnahme ist kostenlos.

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Take a Walk on the Art-Side „Chelsea ist in den letzten Jahren immer größer und größer geworden. Aber jetzt ist der Spaß einmal vorbei.“ Fritz Dietl weiß, wovon er spricht. Den Wiener verschlug es 1988 nach New York, wo er bald in die Kunstwelt hineinschnupperte. Seit 1991 ist er auf Kunsttransporte spezialisiert und die Nummer zwei auf dem US-amerikanischen Markt. Und als ­Insider kennt er die Strömungen und Trends der Szene ganz genau. „New

York und London sind nach wie vor die wichtigsten Spots am Kunstmarkt“, sagt er. „Bei zeitgenössischer Kunst zeigt aber Chelsea, what is hot and what is not.“ Erst wer hier in einer der kleinen Galerien mit einer Ausstellung unterkommt, hat es als Künstler zumindest aufs Sprungbrett geschafft. Dietl machte mit dem Red Bulletin einen Streifzug durch Galerien, die noch immer eine Fundgrube für Sammler sind.

Sammler und Galeristen sind die wichtigsten Spieler am Kunstmarkt. Selbst Fritz Dietl (hier in seinem New Yorker Büro zwischen einer Franz-XaverMesserschmidt-Kopie und einer phantasievollen Variante davon) konnte seine Kunsttransporte anfangs nur mit finanzieller Hilfe des Kunstsammlers und -händlers Serge Sabarsky auf die Beine stellen. Neben großen Museen (von Guggenheim über MoMA bis Metropolitan) zählen Galerien und ­Sammler wie Ronald Lauder zu seinen Kunden. Voriges Jahr ist Rock-It ­Cargo, das für die Transportlogistik aller großen Rocktourneen sorgt, bei Dietl International eingestiegen. Artverwandtes Business sozusagen.

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Galerien 1 Cheim & Read 2 Gagosian Gallery 3 Mary Boone 4 Matthew Marks 5 Metro Pictures 6 Barbara Gladstone 7 I 20 8 PaceWildenstein 9 Friedrich Petzel 10 303 Gallery 11 Paula Cooper 12 David Zwirner 13 Sonnabend Gallery 14 Anton Kern Gallery 15 Winkleman Gallery Bars & Restaurants A The Half King B Empire Diner C Izakaya Ten D Cookshop E IAC Building

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1 Cheim & Read, seit 1997 547 West 25th Street, www.cheimread.com

Besitzer: John Cheim und Howard Read (beide davor in der Robert Miller Gallery). Spezialisiert auf: konzeptionelle Kunst, Skulpturen, Fotografien und Kunst von Frauen. Wichtigste Künstler: die französische Bildhauerin Louise Bourgeois, bekannt für ihre riesigen Spinneninstallationen (u. a. vor dem Guggenheim in Bilbao), US-Künstlerin Lynda Benglis (Latex-Skulp­ turen, Aquarelle, Installationen), US-Künstler Jack Pierson (inszenierte fotografisch Promis wie Brad Pitt, Snoop Dogg, Naomi Campbell).

5 Metro Pictures, seit 1980 519 West 24th Street, www.metropictures.com

Besitzerinnen: Janelle Reiring und Helene Winer haben in den letzten zwanzig Jahren wichtige Künstler herausgebracht. Wer hier drin ist, ist so gut wie im Geschäft. Wichtigste Künstlerin: US-Fotografin Cindy Sherman (bekannt wegen ihrer Selbstinszenierungen). Entdeckten: den US-Künstler Gary Simmons (der auch mit ­Tafelzeichnungen und Online-Projekten Aufmerksamkeit erregt) und den US-Objektkünstler John Miller. Ebenfalls im Programm: der New Yorker Objekt-, ­Performance- und Filmkünstler Robert Longo. Demnächst: der Schweizer Fotokünstler Olaf Breuning.

9 Friedrich Petzel Gallery, seit 1993 535 West 22nd Street, www.petzel.com

Besitzer: Friedrich Petzel, ein Deutscher, der Anfang der 90er Jahre nach New York kam. Ist mittlerweile am Kunstmarkt etabliert. Spezialisiert auf: konzeptionelle Kunst, Fotografie, Installationen, Skulpturen und Medienkunst. Im Programm: US-Objektkünstler Keith Edmier, der junge deutsche Maler Dirk Skreber, der ­algerische Film- und Audio-Installationskünstler Philippe Parreno, die kenianische Konzeptkünstlerin Cosima von Bonin und die US-Performancekünstlerin Andrea Fraser (die früher bei den V-Girls mitmachte).

Bild: Uschi Korda; Illustrationen: albert exergian

Seit fünfzehn Jahren ist Chelsea in New York der Nabel der Kunstwelt. Doch die Krise forderte Opfer. Wir sagen, welche Galerien trotzdem noch „hot“ sind. Von Uschi Korda


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2 Gagosian Gallery 555 West 24th Street, www.gagosian.com

3 Mary Boone, seit 1977 541 West 24th Street, www.maryboonegallery.com

4 Matthew Marks, seit 1991 523 West 24th Street, www.matthewmarks.com

Besitzer: Larry Gagosian, startete in den 70ern mit ­einem Postershop in L. A., ist heute der Big Player der Kunstwelt. Hat drei Galerien in NYC, zwei in L. A., zwei in London, je eine in Rom und Athen, eröffnet demnächst in Moskau. Beliefert: auch den Sammler Charles Saatchi. Übernimmt Künstler erst, wenn sie schon einen großen Namen haben. Vertritt u. a.: US-Bildhauer Richard Serra (bekannt für Rieseninstallationen aus Stahl), den teuersten Briten Damien Hirst und den teuersten Österreicher Franz West sowie Jeff Koons, Takashi Murakami u. v. m.

Besitzerin: Mary Boone, ist seit den 80ern eine bekannte Figur in der New Yorker Kunstszene, hat viele Künstler aus dieser Zeit groß gemacht und besitzt zwei Galerien in NYC. Entdeckte u. a.: Neoexpressionist Julian Schnabel (der nebenbei Cover für Lou Reed und die Red Hot Chili Peppers gemacht und 2007 für „Schmetterling und Taucherglocke“ den Regiepreis in Cannes gewonnen hat) sowie den US-Konzeptkünstler David Salle. Demnächst: Shows von Mike Kelley/Terence Koh/Jeff Koons, Eric Fischl, Imi Knoebel.

Besitzer: Matthew Marks hat mit Instinkt ein interessantes Programm aufgebaut und ist mit drei Galerien ­einer der Großen der New Yorker Kunstszene. Spezialisiert auf: Arbeiten auf Papier, Fotokunst, Installationen, Videos. Im Programm: US-Pop-Art-Künstler Jasper Johns und US-Installationskünstler Charles Ray. Entdeckte: die US-Fotokünstlerin Nan Goldin, den Schweizer Künstler Ugo Rondinone (studierte in Wien) und den britischen Video-Installationskünstler Darren Almond (bekannt durch seine Fotoserie „Moonscapes“).

6 Barbara Gladstone, seit den 80ern 515 West 24th Street, www.gladstonegallery.com

7 I 20, seit 1997 557 West 23rd Street, www.i-20.com

8 PaceWildenstein, seit 1960 545 West 22nd Street, www.pacewildenstein.com

Besitzerin: Barbara Gladstone hat viele Newcomer ­entdeckt. Führt: zwei Galerien in NYC und eine in Brüssel. Entdeckte: Richard Prince, den sie vor kurzem an Gagosian verloren hat. Wichtigster Künstler: USMedienkünstler Matthew Barney, der in seinen Werken skulpturale Environments, Installationen und Zeichnungen mit Video und Performance verbindet. Im Programm: der in London lebende indische Künstler Anish Kapoor (kreiert aus hochpoliertem Metall riesige Skulpturen) und das US-kubanische Künstlerduo Allora & Calzadilla. Demnächst: der US-Maler Carroll Dunham.

Besitzer: Paul Judelson brachte Anfang der 90er Jahre eine vier Tonnen schwere Lenin-Statue aus Bronze nach New York, die vor der Wende in Krasnodar bestellt, aber nie abgeholt worden war. Spezialisiert auf: junge, noch unbekannte Künstler. Entdeckte: den amerikanischen Foto- und -Installationskünstler Spencer Tunick (heute berühmt für seine Masseninszenierungen nackter Menschen im öffentlichen Raum). Im Programm: der junge Amerikaner Andisheh Avini (Skulpturen, Installationen und Wandmalereien).

Besitzer: Arne und Marc Glimcher (Vater und Sohn) sind hinter Gagosian die wichtigsten Spieler am Kunstmarkt. Sollen im Sommer in den 310-Millionen-DollarDeal involviert gewesen sein, bei dem Madoff-Opfer Ezra Merkin seine Mark-Rothko-Sammlung verkaufte. Haben: drei Galerien in NYC. Wichtigste Künstler: Mark Rothko (abstrakter Expressionist aus Litauen, Wegbereiter der Farbfeldmalerei), Robert Rauschenberg (US-Pop-Art-Künstler) und der amerikanische Bildhauer Joel Shapiro. Entdeckten: die israelische ­Medienkünstlerin Michal Rovner.

10 303 Gallery, seit 1984 525 West 22nd Street, www.303gallery.com

11 Paula Cooper, seit 1968 534 west 21st Street, www.paulacoopergallery.com

12 David Zwirner, seit 1992 533 West 19th Street, www.davidzwirner.com

Besitzerin: Lisa Spellman, Direktorin: Mary Spirito. Die beiden Frauen kamen aus dem East Village – wo die Kunstszene in den 80ern nach SoHo abwanderte – nach Chelsea. Wichtigste Künstler: Rodney Graham (kanadischer Performance- und Medienkünstler), Doug Aitken (Foto- und Installationskünstler aus Kalifornien) und die US-Malerin Karen Kilimnik (hat einige Werke in der MoMA-Kollektion). Demnächst: der New Yorker ­Newcomer Nick Mauss sowie die Maler Inka ­Essenhigh (USA) und Tim Gardner (Kanada).

Besitzerin: Paula Cooper, die dank Instinkt und gutem Gespür ein interessantes Programm bietet. Spezialisiert auf: minimalistische Arbeiten und Installationen. Ihre Entdeckungen Dan Flavin (Neonskulpturen), ­Donald Judd (Installationen mit Metallboxen) und ­Robert Ryman (malt weiße Bilder) wurden ihr von PaceWildenstein abgeworben. Wichtigste Künstler: der US-Minimal-Artist Sol LeWitt, der Südtiroler Objektkünstler Rudolf Stingel und der US-amerikanische ­Installationskünstler Carl Andre.

Besitzer: David Zwirner – ein Deutscher, der in den späten 80ern groß ins Kunstgeschäft einstieg – wird als ­potenzieller Nachfolger von Larry Gagosian gehandelt. Spezialisiert auf: Minimal- und Konzeptkunst, Skulp­ turen, Installationen. Übernimmt bereits bekannte ­Künstler und große Namen. Wichtigste Künstler: der deutsche Maler Neo Rauch, die belgischen Maler Luc Tuymans und Michaël Borremans. Entdeckte: die Raumkünstler Jason Rhoades (USA), Rachel Khedoori (Australien) und die Videokünstlerin Diana Thater (USA).

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13 Sonnabend Gallery, seit den 1960ern 536 West 22nd Street

14 Anton Kern Gallery, seit Mitte der 1990er 532 West 20th Street, www.antonkerngallery.com

15 Winkleman Gallery, seit 2001 637 West 27th Street, www.winkleman.com

Besitzer: Antonio Homen, Jason Ysenberg. Homen ist der Adoptivsohn der legendären „Mum of Pop“ Ileana Sonnabend, die 2007 92-jährig verstarb. Allein ihre private Kunstsammlung, u. a. mit Warhols, Oldenburgs, Lichtensteins und Rauschenbergs, wurde auf eine Milliarde US-Dollar geschätzt. Homen musste zur Bezahlung der Erbschaftssteuer einen Teil davon versteigern. Ileana Sonnabend hatte in den 60ern US-Kunst nach Europa, in den 80ern europäische Kunst nach Amerika gebracht. In den 90ern hatte sie Jeff Koons bekannt­ gemacht, später Ashley Bickerton und Boyd Webb.

Besitzer: Anton Kern, der Sohn des deutschen Malers und Bildhauers Georg Baselitz. Er setzt mutig auf außergewöhnliche Kunst, die nicht so leicht zu verkaufen ist. Spezialisiert auf: junge deutsche Künstler, Konzeptkunst, Skulpturen, I­ nstallationen, Video und Foto. Entdeckte u. a.: den schottischen Raumkünstler Jim Lambie, den deutschen Video- und Installationskünstler Lothar Hempel sowie den jungen US-Maler und -Bildhauer Matthew Monahan. Demnächst: der US-Installations- und -Videokünstler Michael Joo und der amerikanische Maler Brian Calvin.

Besitzer: Edward Winkleman begann Anfang des Jahrtausends in New York und London mit Guerilla-Ausstellungen, die er „hit & run“ nannte, und eröffnete eine Galerie im jungen Kunst-Hotspot Wiliamsburg. 2006 übersiedelte er nach Chelsea und startete einen erfolgreichen Weblog über Kunst und Politik. Spezialisiert auf: junge, noch unbekannte Künstler. Entdeckte: den Schotten Rory ­Donaldson (riesige Stickereien und Fotokunst), die amerikanische Installationskünstlerin Jennifer Dalton und die junge US-Videokünstlerin Cathy Begien.

Jausenpause Kunst macht hungrig. Tipps für den kleinen Hunger zwischendurch. A The Half King Bar & Restaurant 505–507 West 23th Street, www.thehalfking.com Traditionelles Restaurant, hinter dem Jon Krakauer steht. Der Schriftsteller hat mit der Reportage „Into the Wild“ über einen jungen Amerikaner, der bei einer Expedition nach Alaska in der Wildnis ums Leben kam, die Vorlage zu Sean Penns gleichnamigem Film geliefert. B Empire Diner 210 10th Avenue (bei 22th Street), www.empire-diner.com Cooles, typisches amerikanisches Diner mit groß­ artigen Burgern.

D Cookshop 156 10th Avenue (bei 20th Street), www.cookshopny.com Der aktuellste New Yorker In-Spot, wo sich die Szene bei junger amerikanischer Küche trifft.

E Frank Gehry war da Am Eingang zum Galerienviertel gab vor zwei Jahren auch Star-Architekt Frank Gehry ein optisches Statement ab. Anders als beim Guggenheim-Museum in Bilbao setzte er seine geschwungenen Formen beim IAC Building nicht durch Metall-, sondern durch Glasfliesen um. Eine prächtige Spiegelfläche für den Hudson, die Kunstszene und das neue Zeitalter. Denn Auftraggeber war niemand Geringerer als Medienmogul Barry Diller, der hier seine Internetfirma untergebracht hat. IAC Building, 555 West 18th Street

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Bild: Albert VeČerka/ESTO Photographics; Illustrationen: albert exergian

C Izakaya Ten 207 10th Avenue (zwischen 22th und 23th Street), izakayaten.com Exzellente Sushi- plus kleine Sake-Bar.


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Tipps vom MX-Star Beim Trainingscamp „Ride with Roczen“ in Mattstedt gewährte Ken unserem Autor Manuel Kurzmann eine Privataudienz. Und gab ihm gemeinsam mit seinem Team Tipps, wie man als Greenhorn sicher im Sattel bleibt. Learning by Doing Wichtigster Ratschlag für Ein­ steiger: Einfach aufs Bike setzen, Spaß haben und spielerisch Er­ fahrung sammeln. Es hat keinen Sinn, stundenlang Kondition zu schinden oder den Fahrstil zu analysieren. Ich selbst habe lange Zeit keinen Trainingsplan befolgt. Learning by Doing ist im Moto­ cross am wichtigsten. Wer es zu verbissen sieht, verliert schnell die Lust am Sport. Wie viel ist es dir wert? Motocross macht Spaß, kostet aber Geld. Du benötigst ein Bike (am Anfang reicht eine 125er), die passende Schutzausrüstung und eine Rennstrecke zum Trai­ nieren. Klar: Das summiert sich. Meine Empfehlung: Such dir ei­ nen Klub. Dort kann man dir zum einen wertvolle Tipps geben und deinen Lernweg abkürzen. Außer­ dem musst du dir keine eigene Strecke bauen …

Körperhaltung bringt’s Grundsätzlich gilt: Geht es auf­ wärts, lehnst du deinen Ober­ körper nach vorn, bergab gilt das Gegenteil. Gib gleichmäßig Gas und stütze dich nicht auf den Len­ ker. Winkle außerdem deine Beine ­etwas an. So vermeidest du, dass das Hinterrad nach oben kickt. Runter kommen sie alle Ich weiß: Wenn man erfahrenen Ridern beim Springen zuschaut, dann wirkt es spielerisch und ein­ fach. Stimmt auch: Das Wegsprin­ gen ist nicht schwierig, die Lan­ dung aber sehr wohl. Ich kann dir hierzu keinen Mastertipp geben, 82

Keine Frage: Ken kann’s. Unser Mann Kurzmann (im Hintergrund) beim Roczen-Privatissimum.

da Sprünge immer unterschiedlich sind. Nur zwei Ratschläge: Gib Gas, wenn das Hinterrad zu hoch in der Luft steht, und drücke auf die Hinterradbremse, wenn das Vorderrad zu hoch ist. Aber bitte: Hör am Anfang auf die Ratschläge von erfahrenen Ridern und geh die Sache langsam an. Nicht stundenlang Gas geben Motocross ist anstrengender, als es aussieht. Neben der Kraft lässt auch die Konzentration mit der Zeit nach. Das steigert die Gefahr von Stürzen. Also: Pausen ein­ legen, genug trinken, essen nicht vergessen und erst dann wieder auf die Strecke fahren. Kennys virtuelle Heimstrecke: www.ken-roczen.com

bilder: Norman Konrad (2)

Kein Harakiri! Anfänger neigen zur Selbstüber­ schätzung. Lass dir Zeit, lerne den Kurs und das Bike kennen und steigere langsam deine Geschwin­ digkeit. Der schmerzfreieste Sturz ist jener, der gar nicht passiert ist.

MX-Weltkarrieren beginnen an Orten wie diesem: Mattstedt, Thüringen (GER).


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Wer f端r Katie den Stoff aussucht, lesen Sie im Seitenblicke Magazin. Jeden Donnerstag neu. Riskieren Sie einen Seitenblick.

www.seitenblicke.at


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Volles Programm

Red Bull TV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm. So sind Sie im Bild

1. Via Kabel (die Liste aller Kabelnetze in Österreich, Deutschland und der Schweiz finden Sie unter www.servustv.com). 2. Via digitale Antenne (DVB-T): Um ServusTV in Ihre Programmliste aufzu­ nehmen, müssen Sie lediglich den Sendersuchlauf starten. 3. Direkt und unverschlüsselt via Satellit (DVB-S). Zum Empfang benötigen Sie nur eine digitale Satellitenanlage mit ent­ sprechendem Empfänger. Zusätzlich zur Verbreitung in der gängigen Standardauflösung können Sie ServusTV auch im hochauflösenden HD-Standard empfangen. Dazu benötigen Sie einen HD-tauglichen ­Satellitenempfänger sowie ein HD-fähiges Fernsehgerät. Um ServusTV/ServusTV HD auf Ihrem Satellitenempfänger zu installieren, haben Sie drei Möglichkeiten: 1. Automatisches Update. Viele Satellitenempfänger erkennen neue Sender selbst­ tätig und aktualisieren Ihre Programmliste entsprechend. 2. Sendersuchlauf. Verfügt Ihr digitaler Satellitenempfänger über die Möglichkeit eines Sendersuchlaufs, werden automatisch alle neuen Sender in die Programmliste aufgenommen. 3. Manuelle Suche. Die dafür notwendigen Empfangsdaten lauten: für ServusTV Sat Satellit Astra 19,2 Grad Ost; Frequenz 12.663 GHz, Polarisierung horizontal, Symbolrate 22.000, FEC 5/6 bzw. für ServusTV HD Satellit ­Astra 19,2 Grad Ost, Frequenz 11.303 GHz, Polarisierung horizontal, Symbolrate 22000, FEC 2/3, Modulation 8PSK, Übertragungsart DVB-S2. Alle Infos dazu unter www.servustv.com/empfangen.html

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NIGHTFLIGHT Samstag, 7. November, 01.45 Uhr Nightflight „fliegt“ den Zuschauer vom heimischen Wohnzimmer direkt in die weltweit besten und angesagtesten Clubs. Samstag 7. November

Sonntag 8. November

Driven: Porträt Travis Pastrana Sonntag, 15. November, 22.00 Uhr Motocross-Champion, Freeystyle-Pionier, Rallye-Ass: Der Amerikaner ist ein Adre­ nalin-Junkie auf zwei und vier Rädern. Samstag 14. November

22.30 Young Guns Rising Unterwegs mit den jungen Wilden des Red Bull ­Rookies Cup

22.00 Momentum – What drives you MTB Freerider Andreu Lacondeguy (SPA)

22.30 Young Guns Rising Unterwegs mit den jungen Wilden des Red Bull ­Rookies Cup

23.00 Red Bull Air Race Der Saisonrückblick 2009

22.30 The Film Festival in Your Living Room „The Windsurfing Movie 2006“

23.00 Red Bull Desafio no Morro 2009 MTB-Downhill in Rio

23.45 Talking Music: The Documentary Red Bull Music Academy: Kapstadt 2003, Teil 2 23.30 Red Bull Air Race Finale in Barcelona 2009 00.00 Adventure Circus „Masters of Stone“: Unterwegs in der Senkrechten 01.15 Cliptomaniacs Die Entertainment-Serie 01.45 Nightflight Holt die tollsten Clubs der Welt in Ihr Wohnzimmer. 04.45 Cliptomaniacs (WH) 05.15 Red Bull Air Race Der Saisonrückblick 2009 (WH) 05.45 Red Bull Air Race Finale in Barcelona, 2009 (WH) 06.15 Young Guns Rising (WH) 06.45 Adventure Circus „Masters of Stone“ (WH)

23.30 Red Bull BC One, Paris 2008 Die Final Battles der weltbesten B Boys

00.15 Talking Music: The Lecture „DJ Premier“ 01.15 Talking Music: The Documentary (WH) 01.45 Talking Music: The Lecture „Martin Ware“

00.00 Adventure Circus „Latitudes“: Sie ahnen nicht, was man alles mit ­einem MTB anstellen kann.

02.45 Talking Music: The Documentary (WH)

01.00 Cliptomaniacs Die Entertainment-Serie

03.15 Talking Music: The Lecture „DJ Premier“ (WH)

01.30 Nightflight Holt die tollsten Clubs der Welt in Ihr Wohnzimmer.

04.15 Momentum – What drives you Andreu Lacondeguy (WH) 04.45 The Film Festival in Your Living Room „The Windsurfing Movie 2006“ (WH) 06.00 Momentum – What drives you Andreu Lacondeguy (WH)

04.30 Cliptomaniacs (WH) 05.00 Red Bull Desafio no Morro 2009 (WH) 05.30 Red Bull BC One, Paris 2008 (WH)

Sonntag 15. November 22.00 Driven Travis Pastrana (USA) 22.30 The Film Festival in Your Living Room „Creative Nature“ 23.45 Talking Music: The Documentary Red Bull Music Academy: São Paulo 2002

00.15 Talking Music: The Lecture „Earl Gateshead“ 01.15 Talking Music: The Documentary (WH) 01.45 Talking Music: The Lecture „Brendan M. Gillen/ Ectomorph“ 02.45 Talking Music: The Documentary (WH) 03.15 Talking Music: The Lecture „Earl Gateshead“ (WH) 04.15 Driven Travis Pastrana (WH)

06.00 Young Guns Rising (WH)

04.45 The Film Festival in Your Living Room „Creative Nature“ (WH)

06.30 Adventure Circus „Latitudes“ (WH)

06.00 Driven Travis Pastrana (WH)

bilder: Bob Martin/Red Bull Air Race via AP Images, Martin Nink/Red Bull Photofiles

Das Red Bull TV-Fenster auf ServusTV ist auf drei Arten zu empfangen:


Oscar für den Everest 1970 stürzte sich der Japaner Yuichiro Miura auf Skiern den höchsten Berg der Welt hinunter.

bilder: Brian Bielmann/Red Bull Photofiles, Getty Images/Red Bull Photofiles, ulrichgrill.com/Red Bull Photofiles, Hans Herbig/Red Bull Photofiles, picturedesk.com, tostee.com/Red Bull

2000 Meter Höhenunterschied in zwei Minuten, 20 Sekunden. Dann noch ein Absturz über fast 500 Meter: Der japanische ­Alpinist Yuichiro Miura hatte nicht nur einen Bremsfallschirm, sondern auch alles Glück der Welt, um dies heil zu überstehen. 1975 ­bekam der kanadische Filmregisseur Budge Crawley für seinen Film über diese Höllenfahrt einen Oscar. „The Man Who Skied Down Everest“, 6. Dezember, 22.30 Uhr

RED BULL BIG WAVE AFRICA Samstag, 21. November, 23.00 Uhr Fünf bis sieben Meter hohe Wellen waren die schaurig-schöne Basis für das BigWave-Abenteuer in Hout Bay, Kapstadt. Samstag 21. November

Sonntag 22. November 22.00 Momentum – What drives you Sébastien Loeb (F) 22.30 The Film Festival in Your Living Room „Felix Baumgartner – The Cave“ 23.30 The Film Festival in Your Living Room „Raging Bulls“

22.30 Young Guns Rising Unterwegs mit den jungen Wilden des Red Bull ­Rookies Cup

00.00 Talking Music: The Documentary Red Bull Music Academy: London 2002, Teil 1

23.00 Red Bull Big Wave Africa: Perfect Ten Big-Wave-Surfen in ­Kapstadt

00.30 Talking Music: The Lecture „Joe Batan“

00.00 Adventure Circus „Get Lucky“: Ein norwegi­ scher Skifilm – unter ande­ rem mit Aksel Lund Svindal

02.00 Talking Music: The Lecture „Derrick May“

00.45 Free Magazin 01.15 Nightflight Holt die tollsten Clubs der Welt in Ihr Wohnzimmer. 04.15 Free (WH) 04.45 Red Bull Big Wave Africa: Perfect Ten (WH) 05.45 Young Guns Rising (WH) 06.15 Adventure Circus „Get Lucky“ (WH)

01.30 Talking Music: The Documentary (WH)

03.00 Talking Music: The Documentary (WH) 03.30 Talking Music: The Lecture „Joe Batan“ (WH) 04.30 The Film Festival in Your Living Room „Felix Baumgartner – The Cave“ (WH) 05.30 The Film Festival in Your Living Room „Raging Bulls“ (WH) 06.00 Momentum – What drives you Sébastien Loeb (WH)

Steep – STEIL AM LIMIT Sonntag, 29. November, 22.30 Uhr Der Film der Reihe „The Filmfestival in Your Living Room“ folgt Skifahrern über die steilsten Pisten der Welt. Samstag 28. November 22.30 Snowboard Diaries Out of the Dark 23.00 Red Bull Hare Scramble Das steirische Enduro-­ Erzbergrennen in seiner ganzen Pracht 00.00 Adventure Circus „Donavan: Alive in Tahiti“ 2008 besuchte Musiker ­Donavon Frankenreiter das Billabong Pro, surfte mit den weltbesten Surfern und jammte mit den Locals.

Sonntag 29. November 22.00 Momentum – What drives you Bjørn Dunkerbeck (DEN) 22.30 The Film Festival in Your Living Room „Steep – Steil am Limit“ 00.00 Talking Music: The Documentary Red Bull Music Academy: London 2002, Teil 2 00.30 Talking Music: The Lecture „Sir-Mix-A-Lot“

01.00 Free Magazin

01.30 Talking Music: The Documentary (WH)

01.30 Nightflight Holt die tollsten Clubs der Welt in Ihr Wohnzimmer.

02.00 Talking Music: The Lecture „Theo Parrish“

04.30 Free (WH)

03.00 Talking Music: The Documentary (WH)

05.00 Red Bull Hare Scramble (WH) 06.00 Snowboard Diaries (WH) 06.30 Adventure Circus „Donavan: Alive in Tahiti“ (WH)

03.30 Talking Music: The Lecture „Sir-Mix-A-Lot“ (WH) 04.30 Momentum – What drives you Bjørn Dunkerbeck (WH) 05.00 The Film Festival in Your Living Room „Steep“ (WH) 06.30 Momentum – What drives you Bjørn Dunkerbeck (WH)

TALKING MUSIC Sonntag, 6. Dezember, ab 00.15 Uhr Das Programm aus dem Bauch der Red Bull Music Academy: Diesmal groovt ­Irlands Hauptstadt Dublin. Samstag 5. Dezember 22.30 Snowboard Diaries On Top of the World 23.00 Red Bull ­Glorious Days Hanggliding auf einem ­Naturwunder Australiens 23.30 Red Bull Streets of San Francisco Bobfahren einmal anders 23.45 Red Bull Paper Wings 2009

Sonntag 6. Dezember 22.00 Momentum – What drives you Sebastian Vettel (D) 22.30 The Film Festival in Your Living Room „The Man Who Skied Down Everest“ 00.15 Talking Music: The Documentary Red Bull Music Academy: Dublin 2000, Teil 1 00.45 Talking Music: The Lecture „Dennis Coffey“

00.00 Adventure Circus „Believe“ 00.45 Free Magazin 01.15 Nightflight Holt die tollsten Clubs der Welt in Ihr Wohnzimmer. 04.15 Free (WH) 04.45 Red Bull Glorious Days (WH) 05.15 Red Bull Streets of San Francisco (WH) 05.30 Red Bull Paper Wings (WH)

01.45 Talking Music: The Documentary (WH) 02.15 Talking Music: The Lecture „Front 242“ 03.15 Talking Music: The Documentary (WH) 03.45 Talking Music: The Lecture „Dennis Coffey“ (WH) 04.45 The Film Festival in Your Living Room „The Man Who Skied Down Everest“ (WH) 06.30 Momentum – What drives you Sebastian Vettel (WH)

05.45 Snowboard Diaries (WH) 06.15 Adventure Circus „Believe“ (WH)

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more body & mind New Orleans Saints – New England Patriots 30. 11. 2009

hot SPOTS

Running Back Reggie Bush trifft mit seinen Saints auf den dreifachen Super-Bowl-Gewinner. Louisiana Superdome, New Orleans, USA

Die besten Events des Monats rund um die Welt.

ASP World Tour Women 3. – 8. 11. 2009 Sofía Mulánovich und Sally Fitzgibbons dürfen sich beim Movistar Classic auf feine Strände und einige der besten linksdrehenden Wellen des Landes freuen. Mancora, Peru

FIS Snowboard Weltcup 4./5. 11. 2009 Beim Start der Halfpipe-Weltcupsaison Ende August in Neuseeland siegte Shaun White vor Iouri Podladtchikov. Jetzt geht’s in die zweite Runde. Saas-Fee, Schweiz

Bilder: Swen Carlin, GEPA pictures/Red Bull Photofiles, GEPA pictures, Garth Milan

PFK Levski Sofia – FC Salzburg 5. 11. 2009 Wird es den Roten Bullen gelingen, beim 26fachen bulgarischen Meister den nächsten Schritt Richtung Aufstieg in der Europa League zu machen? Georgi-Asparuchow-Stadion, Sofia, Bulgarien

Formel Renault 2.0 WEC 6. – 8. 11. 2009 Die Saison des West European Cup klingt am Autódromo Internacional do Algarve aus. Jean-Eric Vergne liegt in der Meisterschaft aktuell elf Punkte hinter dem führenden Spanier Albert Costa auf Platz zwei. Portimão, Portugal

IFSC Climbing Worldcup 6./7. 11. 2009 Die besten Lead-Kletterer der Welt messen sich in Tschechien. Natürlich mit dabei: Angela Eiter und David Lama. Brünn, Tschechien

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FIS Snowboard Weltcup 7. 11. 2009 Die spanische Küstenstadt gilt ja nicht gerade als klassischer Wintersportort. Trotzdem werden die Snowboarder ihren Spaß haben und zeigen, was sie können. Barcelona, Spanien

Red Bull Street StyleQualifikation 15. 11. 2009 Bei der Qualifikation für die Fußball-WM 2010 scheiterte Indien bereits in der ersten Runde. Aber bei einer Bevölkerung von rund 1,16 Milliarden Menschen werden sich gewiss viele trick­ reiche Kicker finden lassen. Pune, Indien

FIM Supermoto World Championship 15. 11. 2009 Die Saison der SupermotardBiker der Klassen S1 und S2 geht in Spanien zu Ende. Port Aventura Circuit, Salou, Spanien

Red Bull Street Style 15. 11. 2009 Wo, wenn nicht in Brasilien, darf man fußballerische Edeltechniker erwarten? Beim nationalen Finale wird das Niveau sicher dementsprechend hoch sein. Porto Alegre, Brasilien

Südafrika – England 20. 11. – 4. 12. 2009 Andrew Flintoff bestreitet mit dem englischen CricketNationalteam fünf „One Day International“-Spiele gegen Südafrikas „Proteas“. Bloemfontein, Centurion, Kapstadt, Port Elizabeth, Durban; Südafrika

Moto-Grand-Prix von Valencia 8. 11. 2009 Die Motorrad-Weltmeisterschaft wird für alle drei Klassen – MotoGP, 250 ccm und 125 ccm – in Spanien abgeschlossen. Comunitat Valenciana, Spanien


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EC Red Bull Salzburg – EC Graz 99ers 20. 11. 2009

FIS SkissprungWeltcup 27./28. 11. 2009

IIHF Continental Cup Qualifikation 27. – 29. 11. 2009

Die Graz 99ers sind heuer sehr stark in die Saison gestartet. Das erste Spiel konnten die Steirer mit 6:5 nach Penaltyschießen für sich entscheiden. Eisarena Salzburg, Österreich

Traditionellerweise startet der Weltcup-Winter der Skispringer im hohen Norden Skandinaviens. Und Gregor Schlierenzauer wird versuchen, an die Leistungen der letzten Saison anzuschließen. Kuusamo, Finnland

Für den EC Red Bull Salzburg geht es um den Aufstieg in das Super Final des Continental Cup. Liepa ¯ja, Lettland

Red Bull Street Style – London Final 21. 11. 2009

FC Red Bull Salzburg – SK Rapid Wien 28. 11. 2009

Nach vier nationalen Qualifika­ tionsturnieren im Mutterland des Fußballs entscheidet sich in der englischen Hauptstadt, wer zum Weltfinale entsandt wird. London, Großbritannien

Das Spitzenspiel der 17. Runde: Meister gegen Vizemeister. Spannung und tolle Stimmung sind dabei garantiert. Red Bull Arena, Salzburg, ­Österreich

NASCAR Sprint Cup 2009 22. 11. 2009

Red Bull Los Andes 28. 11. 2009

Zum NASCAR-Saisonabschluss darf der für den „Chase for the Sprint Cup“ qualifizierte Brian Vickers beim Ford 400 noch einmal ordentlich Gas geben. Homestead-Miami Speedway, USA

Rasenball Leipzig – FC Erzgebirge Aue II 22. 11. 2009 In diesem Heimspiel gilt es für die Roten Bullen, die Position im Kampf um den Aufstieg zu festigen. Stadion am Bad, Leipzig, Deutschland

Mini O’s 23. – 28. 11. 2009 Der zweitgrößte Amateur-Moto­ cross-Event der USA auf der legendären und gefürchteten Strecke nordöstlich von New­ berry in Florida. Gatorback Raceway, USA

Vortrag „Am Ende der Welt“ 22. 11. 2009

Horsefeathers Pleasure Jam 2009 13. – 15. 11. 2009 Neben viel Party gibt es auch einen TTR 4 Star Event, an dem Eero Ettala und Sarka Pancochova teilnehmen. Schladming, Österreich

Rund 200 Motocrosser, u. a. auch Jeremias Israel und Francisco Lopez, bahnen sich den Weg zwischen zwei Ski-Resorts. Santiago, Chile

Red Bull Manny Mania 28. 11. 2009 Jeweils vier Skater qualifizierten sich bei den Tourstopps in London, Edinburgh, Sheffield und Cardiff für den großen Showdown in der Hauptstadt. Old Truman Brewery, London, Großbritannien

FIS Skiweltcup Damen 28./29. 11. 2009 Der Weltcup-Tross übersiedelt nach Nordamerika. Im Nobel­ skiort in den Rocky Mountains werden ein Riesenslalom und ein Slalom ausgetragen. Aspen, USA

Red Bull Don Quixote 29. 11. 2009

Extrem-Bergsteiger Stefan Glowacz gibt Einblick in seine abenteuerliche Expedition durch die Eiswüste von Baffin Island. Kendal, Großbritannien

Nicht hoch zu Ross, sondern auf Bikes werden über tausend Amateur- und Profifahrer, u. a. Iván Cervantes, Marc Coma und Nani Roma, an den Windmühlen vorbeiziehen. Toledo, Spanien

PKRA Teri Kite Pro 2009 25. – 29. 11. 2009

FIS Skiweltcup Damen 1. – 6. 12. 2009

Der letzte Bewerb der heurigen PKRA World Tour findet am anderen Ende der Welt, in Frankreichs Überseegebiet Neukaledonien, statt. Zu den Favoriten zählt der fünffache KitesurfChampion Aaron Hadlow. Nouméa, Neukaledonien

Die ersten Speed-Disziplinen (zwei Abfahrten, ein Super-G) der noch jungen Saison finden im malerischen Banff-Nationalpark statt. Im Vorjahr ließ sich Lindsey Vonn den Sieg in der Abfahrt nicht nehmen. Lake Louise, Kanada

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die macht der nacht Mehr als einmal um die Welt für alle, die nie müde werden.

Alice Russell 4. 11. 2009

Red Bull BC One 18. 11. 2009

Mr. Scruff, Quantic oder Nostalgia 77: alle Acts eint die famose Stimme der Britin Alice Russell. Beim Erklingen ihres souligen Timbres wähnt sich der Hörer im Wunderland. Barbary, Bordeaux, Frankreich

Die 16 besten B-Boys aus aller Welt im direkten Duell. Vor­ jahressieger Wing aus Südkorea tritt zur Titelverteidigung an. Hammerstein Ballroom, New York, USA

MTV European Music Awards 5. 11. 2009

Bilder: Johan Van Droogenbroeck, Ray Demski, Lukas Gansterer, Markus KuČera

Green Day oder Tokio Hotel, Lady GaGa oder La Roux: Wer bekommt heuer die Trophäe? Und wem wird Kanye sie diesmal entreißen? Fragen über Fragen, die nur das Publikum beantworten kann, auf dessen Voting die Vergabe beruht. Moderator: Pete Wentz, Frontman der EmoRocker Fall Out Boy. O² World Arena, Berlin, Deutschland

Club To Club 5. – 8. 11. 2009 Theater, Industrie-Lofts, Keller­ clubs und Parks: Das Club To Club Festival durchdringt ganz Turin. Das Motto: „State of Indepen/Dance“, dem natürlich die Künstler gehorchen. Wem bei Carl Craig, Laurent Garnier, Hudson Mohawke oder Dorian Concept die Füße einschlafen, dem ist selber schuld. Diverse Locations, Turin, Italien

Rolling Stone Weekender Festival 6./7. 11. 2009 Das kleine Festival ist genau wie das „Rolling Stone Magazine“ selbst etwas für die, die dem Teenie-Alter entwachsen sind. Anstelle von Zeltdörfern gibt’s Apartments, statt Speckbohnen aus der Dose gibt’s Cafés und Restaurants. Und statt pickligen

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Punkbands finden sich Helden wie Wilco, Billy Bragg, The Flaming Lips oder Kettcar im Line-up. Weißenhäuser Strand, Deutschland

Southport Weekender 6. – 8. 11. 2009 Kenny Dope, Tony Humphries, Kerri Chandler, Frankie Knuckles, Henrik Schwarz, Mr. Scruff, DâM-FunK, DJ Spinna, Floating Points, Recloose , Gilles Peterson: Für die meisten Festivals sähe so wohl die Wunschliste ans Christkind aus, beim Southport Weekender stehen sie alle auf der Bühne. Und noch viele mehr. Von Chicago-House- über Northern-Soul-Pioniere bis zu jungen Beatbastlern. Pontins Holiday Complex, Southport, Großbritannien

Benji B 6. 11. 2009 Er hat mit Gilles Peterson die legendäre Radio-Show „Worldwide“ gegründet und war der jüngste Produzent im Dienste der BBC. Dazu kennt Benji B die Londoner NuJazz-Broken-BeatSzene wie kein Zweiter, was den DJ zum musikalischen Botschafter seiner Heimatstadt macht. The Block, Tel Aviv, Israel

Club Kudéta Wo David Beckham einst seinen Dreißiger feierte, groovt auch Madrids Szenevolk gern durchs Ambiente. Raúl, Cristiano Ronaldo und Co sind ja auch nicht ohne. Madrid, Spanien


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The Glimmers Warum David Fouquaert diesmal ohne seinen Partner Mo Becha auftrat und welchen Preis er bekam, erfahren Sie auf S. 90. Gent, Belgien

Jamie Woon 8. 11. 2009 Vee:Club 7. 11. 2009 Wo einst in der Hitze der Brennöfen Metall zum Glockengießen geschmolzen und gegossen wurde, sorgt nun böllernder House für hohe Temperaturen. Gerade beim Vee:Club, wo vorwiegend weibliche DJs am Steuer sitzen, geht’s heiß her. Gusswerk, Salzburg, Österreich

Kode9 7. 11. 2009

Michal HvoreckÝ Sein letzter Roman „Eskorta“ ist ein Bestseller. Mit uns ist der junge slowakische Schriftsteller in Bratislava durch die Nacht gezogen (S. 94). Bratislava, Slowakei

Seit seiner Debüt-Single „Way­ faring Stranger“ gilt Woon als aufgehender Stern am britischen Soulhimmel. Seine Songperlen zwischen Folk, Jazz und Dubstep haben den Youngster schon ins Vorprogramm von JazzLegende Terry Callier oder Amy Winehouse gebracht. Distrikt Bar, Leeds, Großbritannien

Grizzly Bear 9. 11. 2009

Wenn Steve Goodman nicht gerade als Dozent an der Universität East London Vorträge über Kriegführung mittels Schall hält, bereist der Tausendsassa als Kode9 die Welt im Auftrag von Dubstep, einem Elektronikgenre, das mit seinen tiefen, knurrenden Bässen mit akustischen Waffen wohl einiges gemeinsam hat. Belgrad, Serbien

Als sich Radiohead im Sommer live als große Fans der Band Grizzly Bear deklarierten, ging für das Brooklyner Quartett ein Traum in Erfüllung. Damit nicht genug, schlugen Kritiker wegen ihres neuen elektronischen Folk-Albums „Veckatimest“ Purzelbäume. Zu Recht gilt es als heißer Anwärter auf den Titel „Album des Jahres“. Melkweg, Amsterdam, Niederlande

Festival Musique Allemand 7. 11. 2009

Musemsquartier Winter Opening 12. 11. 2009

Ein Haufen Berliner auf ParisTrip. Nicht etwa, um den Eiffelturm oder den Louvre zu sehen, sondern um im Noveau Casino an Synthesizern zu drehen. Mit dabei beim alljährlichen Klassen­ ausflug sind diesmal u. a. die Zartcore-Rockerin Masha Qrella, die legendären Stereo Total oder die DJs des Club der Visionäre. Nouveau Casino & Café Carbon, Paris, Frankreich

Die Tage werden kürzer, die Nächte länger. Was auch sein Gutes hat, denn vom Glühwein kann man im kleinen MQ-Winter­ dorf unterm Sternenhimmel ohnehin nicht genug kriegen. Heute eröffnet die weiße Containersiedlung mit einem Konzert der Sofa Surfers. Winter, du kannst kommen. MuseumsQuartier, Wien, Österreich

Fun Fun Fun Fest 7./8. 11. 2009

Samiyam 14. 11. 2009

„And she’ll have fun, fun, fun“, wussten schon die Beach Boys. Eine Zeile, die hervorragend zum heurigen Line-up des gleichnamigen Festivals passt. Das weiß jeder, der Broadcast, die NoiseHelden Health, Ratatat oder Buraka Som Sistema und deren überwältigende Booty-ShakingShow schon mal live erlebt hat. Waterloo Park, Austin, USA

Wenn es um die Zukunft des HipHop geht, ist er der beste Babysitter, den sich das Genre wünschen kann. Der Buddy von Flying Lotus mixt virtuos stolpernde Beats mit futuristisch zwitschernden Synthie-Flächen und veröffentlicht auf Lotus’ Label Brainfeeder. Cervantes’ Masterpiece Ballroom, Denver, USA

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Greenroom

Die Genter Stadtmusikanten Das verschlafene Gent gilt als Epizentrum elektronischer Musik. Klar, dass die Red Bull Elektropedia hier ihren Einstand feiert. Mit The Glimmers, Olivier Peters und einem Schlüsselproblem.

The Glimmers Gent

„Die Genter sind stolz. Es liegt in ihrer Tradition, sich gegen eine größere Macht aufzulehnen“, klärt ein Reiseführer über die Bewohner der idyllischen 240.000-Einwohner-Stadt in Belgien auf. Und verweist auf den Aufstand der Bürger gegen Kaiser Karl V. im Jahr 1537, als dieser höhere Steuern eingefordert hatte. Eine Einstellung, die sich die Genter bewahrt haben, auch in Sachen Musik. Denn der Hauptstadt Brüssel hat der kleine Nachbar schon längst den Rang abgelaufen. In den mittleren achtziger Jahren wurde hier das legendäre Techno-Label R&S gegründet, im Nachtclub Boccaccio das Genre New Beat aus der Taufe gehoben. Die Band Soulwax wird für ihr einzigartiges Amalgam aus fiesen Electro-Sounds, Kuhglocken und verzerrten Gitarren von Hipstern abgöttisch verehrt, und in Gestalt von The Glimmers 90

darf sich Gent obendrein noch mit dem vielseitigsten und geschmackssichersten DJDuo des Planeten schmücken. „Es verhält sich ein wenig wie mit Manchester und London. Der kleine Bruder bäumt sich gegen den großen auf. Außerdem gibt’s in Gent viele Studenten, Partykultur und eine große Kunsttradition“, erklärt David Fouquaert, die eine Hälfte der Glimmers, das kreative Potenzial seiner Heimatstadt. Entspannt sitzt er auf einem Boot, das gerade die Schelde hinuntertuckert. In seinen Händen hält er eine gläserne Pyramide, einen Preis, der ihm kurz zuvor für seine Verdienste um die elek­ tronische Musik seines Landes verliehen wurde. Vom Komitee der Red Bull Elektropedia. Diese neue Institution hat es sich zur ­Aufgabe gemacht, die Geschichte der Tanzmusik Belgiens erstmals niederzuschreiben,

die Mythen um Clubs, Labels und Artists in einem großen Internet-Kompendium zu bündeln. Auf einer Plattform, bei der jeder interaktiv mitmachen und sein Wissen über Front 242, CJ Bollard und all die belgischen Elek­ tronik-Helden einbringen kann. Die PartyBootsfahrt, die in die Auen an der Stadt­ grenze Gents und retour führt, ist Teil des umfangreichen Einweihungsfests der Red Bull Elektropedia, das anschließend in einer großen Party im Concertzaal Vooruit ihren Höhepunkt findet. Auch David wird dort seine Platten kreisen lassen, und zwar mit der Genter Legende Olivier Peters, einem DJ des legendären Boccaccio. „In unserer Jugend waren mein Glimmers-Partner Mo und ich jeden Sonntag dort, wenn Olivier aufgelegt hat. Er hat seine Platten überklebt, damit die Leute nicht sahen, welche Scheiben er spielte. Sehr clever, denn so konnte sich kein DJ seine Hits nachkaufen“, erinnert sich David, der heute allerdings ohne Mo Becha auf die Bühne muss. Dieser nämlich spielt mit dem neuen Glimmers-Seitenprojekt, den Disco Drunkards, auf einem Rock-Festival außerhalb von Gent. „Blöde Sache“, sagt David, „da wir zwar Musikfans, aber nicht die besten Organisatoren sind, ist es zu einer Terminkollision gekommen.“ Ansonsten scheinen David und Mo unzertrennlich. Schon mit fünfzehn begannen die


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Compuphonic 14. 11. 2009 Hochdekorierte Labels wie Turbo oder 20/20 Vision schmücken das Portfolio dieses belgischen ElectroHouse-Produzenten, der, beeinflusst von Kraftwerk, Depeche Mode und Front 242, selbst seinen Computer sprechen lässt. K_NAL, Brüssel, Belgien

20 Years Of Groove 19. 11. 2009 Über Musik zu schreiben, das sei, wie zu Architektur zu tanzen, sagte Elvis Costello in einem Interview. Lügen straft ihn das Berliner „Groove“-Magazin, das bereits seit 20 Jahren Buchstaben zum Wippen bringt und sich zum Zentralorgan elektronischer Musik entwickelt hat. Zum Geburtstag gratulieren Ricardo Villalobos, Moritz von Oswald, DJ Koze, Radio Slave u. a. WMF, Berlin, Deutschland

Bilder: Johan Van Droogenbroeck

Nachdem die Glimmers sich ihre Red Bull Elektropedia-Trophäe abgeholt haben (o.), fährt Mo aufs Land, während sein Kollege David (li.) die Genter Party-Crowd rockt.

beiden zusammen aufzulegen, anfangs in ­einer kleinen Bar neben ihrer Schule. „Wir spielten dort jeden Tag für unsere Klassenkameraden. Von 7 bis 8 Uhr und am Nach­ mittag bis 18 Uhr. Dazwischen war Schule. Unsere Freunde standen extra früher auf, um unsere morgendlichen DJ-Sets zu hören.“ In den Neunzigern schlug ihre eklektische Mixtur aus Disco, psychedelischem Rock, Funk und New Wave schnell höhere Wellen. Die Clubs wurden größer, Remixfragen von Stars wie Bloc Party oder Mylo landeten auf ihrem Mischpult, die Glimmers produzierten einen Mix für die renommierte DJ-Kicks-Serie. Während David sich am Oberdeck des Schiffs angeregt mit Musikerkollegen unterhält, klingelt plötzlich das Telefon. Es ist Mo. Gerade wollte er zum Festival aufbrechen, da sei ihm aufgefallen, dass David ja die Autoschlüssel eingesteckt habe. Und wirklich. Nach kurzem Kramen fischt David den gezackten Metallstift aus seiner Jackentasche. Krisensitzung. Nach hektischen Telefonaten löst sich das Problem aber zum Glück bald, da sich ein anderes Mitglied der Disco Drunkards bereit erklärt, die Band zum ­Fes­tival zu bringen. Wenig später geht das Partyschiff vor dem Concertzaal vor Anker. Im Inneren fiebern schon 2000 Tänzer den Auftritten der belgischen Elektronik-Meister entgegen, unter an-

derem dem von David und Olivier Peters. Beim Landgang treffen die beiden einander und begrüßen sich herzlich, klopfen sich freundschaftlich auf die Schulter. Olivier sticht mit seinen angegrauten Schläfen, dem gemusterten Wollpullover und der Lehrerbrille aus dem jugendlichen Gewimmel hervor. Immerhin ist er mittlerweile doch schon 54, hatte seine DJ‑Karriere eigentlich bereits an den Nagel gehängt. Davon ist allerdings nichts zu spüren, als die beiden die Bühne entern. Souverän navigieren David und Olivier durch die ­belgische Elektronik-Musikgeschichte, von vergessenen Postpunk-Helden wie Snowy Red bis hin zu frühen New-Beat-Hits aus dem ­Boccaccio. Wenn ein Klassiker ertönt, grinsen sich die beiden an, tratschen kurz, nicken im Beat, greifen schnell, bevor die letzte Bass­ drum verschallt, in ihre Plattentaschen, um für Nachschub zu sorgen. Am Ende des Sets steht Mo schon am Bühneneingang, um den beiden zu gratulieren. Auch sein Auftritt war gut, erzählt er, mal abgesehen von der Aufregung wegen des Autoschlüssels. „Zum Glück fliegen wir ja nächste Woche für unsere Tour nach Australien“, sagt David zu seinem Partner grinsend. „Da spielt es keine Rolle, wer den Schlüssel eingesteckt hat.“ Das Einst und Jetzt der belgischen Elektronikmusik gibt’s nachzulesen auf: redbullelektropedia.be

Plateaux Festival 19. – 22. 11. 2009 Innerhalb weniger Jahre ist Polen zu einem Hotspot Europas in Sachen digitaler Kunst avanciert. Auch dank des Plateaux Festival, das neben den Konzerten von ­Lusine, Fennesz oder Akufen vor allem auf VJ-Workshops, Lectures und Diskussionen setzt. Centrum Targowe Park & Klub Mózg, Torun ´, Polen

Warehouse Project 20. 11. 2009 2007 wurde das Warehouse Project vom Musikmagazin „Mixmag“ zum besten Club der Insel gewählt. Kein Wunder, sowohl die Location, eine Halle unterm Piccadilly-Bahnhof, als auch die Gästeliste der letzten Jahre von De La Soul bis hin zu Sven Väth können sich sehen lassen. Die heutige Nacht wird von Space-Cowboy Prins Thomas und den Indie-Boys von Friendly Fire kuratiert. Manchester, Großbritannien

House Of House 20. 11. 2009 Der jüngste Hengst in den HipsterStallungen des New Yorker DFA­Labels heißt House of House. Blöder Name, phantastische Band: Das Duo navigiert stilsicher zwischen kitschigen Piano-House-Hymnen, Disco-Perlen und stoischen TechnoTracks der alten Schule. Pratersauna, Wien, Österreich

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more body & mind

Fat Freddy’s Drop 20. 11. 2009 In Wellington ticken die Beats etwas anders, um nicht zu sagen, gemüt­ licher: Die Qualität der Pop-Perlen des siebenköpfigen Dub-Jazz-Kollektivs liegt in deren Ruhe und instrumentaler Dichte. Das belegt das aktuelle Album „Dr Boondigga and the Big BW“ erneut eindrucksvoll. The Roxy, Los Angeles, USA

Kudéta Madrid

Electraglide presents Warp20 21. 11. 2009 Das wichtigste Elektroniklabel der Gegenwart feiert 20. Geburtstag: Warp. Ein Name, tausend Assozia­ tionen. Von Sheffield aus hat die Plattenschmiede mit Acts wie LFO, Aphex Twin oder Black Dog in den Neunzigern die Zukunft der Musik mitgestaltet, die neue Generation um Clark, Flying Lotus oder Battles gratuliert zum Jubiläum live in Japan. Makuhari Messe, Tokio, Japan

Nimmt man House, substrahiert all den vokalen Ballast und die Klischees von Champagner bis Whirlpool, fügt Tiefe und eine Brise Detroit hinzu, gelangt man zu den Klangwelten des Hamburgers Efdemin, zu House in seiner reinsten und wohl besten Form. Plastic People, London, Großbritannien

J.Rocc 21. 11. 2009 Er ist der Gründer der berühmt-berüchtigten Beat Junkies und Jaylibs Lieblings-DJ in Personalunion: J.Rocc. Es gibt keine Platte, die sich nicht gern von ihm kratzen lassen würde, keinen HipHop-Fan, der ihm nicht gern auf die Finger schauen würde. Glücklich also die Iren, die heute in diesen Genuss kommen. Keine Sorge, die Session wird vom Red Bull Music Academy Radio mitgeschnitten. The Twisted Pepper, Dublin, Irland

The Orb 22. 11. 2009 Das britische Duo, dessen Gründungsmitglied KLF-Mann Jimmy Cauty war, hat das Genre Chill Out begründet. Und mit Ambientsounds hantiert, als denen noch kein schnöder Kaffeehausstempel aufgedrückt war. Bis heute gilt sein Album „U.F.Orb“ (1992) als Klassiker atmosphärischer Elektro­ nikmusik, mittlerweile komplettiert Thomas Fehlmann neben Mastermind Alex Paterson das Duo. Liquid Room, Tokio, Japan

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World’s Best Bars

Spanische Nächte In der spanischen Hauptstadt wird die Nacht zum Tag. Und im Kudeta kann man essen, tanzen und chillen in einem. Einer der beliebtesten Dance-Spots der Madrilenen hat eine seltsame Adresse: N-VI, die Autovía del Noroeste. Klingt nach kühlem Techno-Bollwerk, nach einer Fabrik, die vielleicht lieblos zur Disco umgemodelt wurde. Nur der Name Kudeta hat einen guten Sound und lässt hoffen, dass er vielleicht hält, was er verspricht. Vor kurzem hat die Lokalität noch Buddha del Mar geheißen, was ja auch nicht übel war. Überraschung Nummer 1: Man betritt von der asphaltierten Autopiste aus ein schmuckes Palais aus dem 19. Jahrhundert. Überraschung Nummer 2: Man fühlt sich schlagartig wie in Bali, da in den Räumlichkeiten zwar ein künstliches, aber trotzdem natürlich wirkendes Dschungel-Ambiente geschaffen wurde.

Und hier findet jeder, was er sucht. Club, Lounge, Restaurant oder alles auf einmal. Vor allem das Restaurant ist empfehlenswert. Direkt an den Club angeschlossen, werden hier Köstlichkeiten bis 3 Uhr früh serviert. Ein Tipp für Unentschlossene: das Degustationsmenü, dessen Palette delikate Gerichte aus Thailand, Japan und Vietnam umfasst. Wer es lieber geradlinig hat, liegt mit der mediterranen Küche aber auch sehr gut. Das Ambiente im Restaurant ist eher schlicht mit viel Grün, und als Kontrast dazu gibt’s warmes orange-gelbes Licht. Dazu weht immer wieder eine frische Brise durch den großen, offenen Raum. Bereits ab 23 Uhr öffnen Lounge und Club ihre Türen, das richtige Treiben startet allerdings erst um 2 Uhr früh. Dann geben die ­Madrilenen in der Altersklasse 25 bis 40 hier ­ordentlich Gas und feiern chic gestylt bei House und Dancefloor durch die Nacht, bei Laune gehalten von spanischen DJs. Und ­inmitten von Real-Madrid-Stars, Schauspielern, VIPs und allen, die glauben dazuzugehören. Denn in ist, wer drin ist, immerhin hat niemand Geringerer als David Beckham seinen 30. Geburtstag hier begangen. Zwar schon vor vier Jahren, doch in einem derartigen Glanz kann sich ein Club bekanntlich länger sonnen. Carretera de La Coruña, Km 8.7 Exit 9, 28020 Madrid, Spanien, Tel.: +34 91 357290708

Bilder: Markus KuČera

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Bilder: Bram Spaan; illustration: mandy fischer

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Amsterdam ist im Vergleich zu London oder Berlin ein Dorf. In Sachen Musikszene allerdings steht es ihnen um nichts nach. Und: Amsterdam ist entspannt und sehr offen. Das spiegelt sich auch im Flair der Stadt wider. Damit meine ich nicht die Heerscharen von Engländern, die schon morgens verstohlen an einer Tüte ziehen. Wenn du hier lebst, siehst du den Kiffer-Tourismus nicht mehr. Auch, weil sich meine Lieblingsorte außerhalb der Coffeeshop-Kultur befinden. Zum Beispiel Rush Hour (1), der wichtigste Plattenladen und Musikvertrieb des Landes. Fünf Jahre lang habe ich hier gearbeitet und erst vor kurzem aufgehört, weil ich mich auf meine eigenen Projekte konzentrieren möchte. Ich habe dort aber sehr viel über Musik gelernt. Mein Lehrmeister war mein Kollege Chris. Es gibt keine Scheibe, die er nicht kennt. Wer Spezialitäten sucht, ist bei ihm genau an der richtigen Adresse. Der beste Sneakershop der Stadt ist Patta (2), einen Häuserblock entfernt. Die Auswahl reicht von Adidas über Asics bis Ubiq und Nike. Ich kenne den Besitzer schon sehr lange, und es war schön, sein Imperium wachsen zu sehen. Mein Lieblingsexemplar des Ladens, der erste „Patta Asics Limited Edi­ tion“, ist noch immer das Glanzstück meiner Sneakersammlung. Abends verschlägt es mich oft ins L’Angoletto (3), einen Italiener im Osten der Stadt. Klein, rustikal, herrlich kitschig italienisch mit einem Bild der Squadra Azzurra an der Wand. Allein der stereotype Kellner ist einen Besuch wert: Bei ihm ist nicht der Kunde König, sondern er selbst. Wenn es nur mehr einen Vierertisch gibt, man aber zu zweit kommt, muss man warten, bis ein ­passender kleiner Tisch frei ist. Abgesehen davon ist das Essen göttlich. Als Starter empfehle ich ein Oktopus-Carpaccio, eine richtige Gaumenfreude. Freund und Kollege Hudson Mohawke schwärmt immer noch da-

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Er selbst bezeichnet „Beat Dimensions Vol. 2“ als Sammlung seiner Lieblingstracks, die Musikpresse feiert seine Compilation als Zukunft des HipHop: Cinnaman erzählt über Orte, die ihn inspirieren. Über Sneakers, Sounds und die Squadra Azzurra.

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Die Stadt, ein lebendiges Kunstwerk

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Cinnaman (u.) empfiehlt: den Plattenladen Rush Hour (1), Spuistrat 98 (Foto ganz u.), den Sneakershop Patta (2), Nieuwezijds Voorburgwal 142 (Foto dar­über), den Italiener L’Angoletto (3), Hemonystraat 18, und die Konzertlocation Bimhuis (4), Piet Heinkade 3.

Cinnaman Amsterdam

von. Er war unlängst zu Gast hier. Live, bei meiner allmonatlichen Beat-DimensionsParty. Eine Wanderveranstaltung, mit der ich schon viele Clubs der Stadt bespielt habe. An einen Ort kehre ich aber immer wieder zurück, vor allem wenn es um Acts wie Hudson Mohawke geht, die experimenteller arbeiten und einen speziellen Rahmen brauchen: ins Bimhuis (4), eine wunderschöne Konzerthalle gleich hinter dem Hauptbahnhof, mit einem angeschlossenen Jazzclub. Das Interieur ist einfach unglaublich: Ein ­bestuhlter Saal, hohe Räume, durch Riesenfenster blickt man über Amsterdam. Man sieht die Grachten, die Züge und das nächt­ liche Strahlen der Lichter der Stadt. Es ist, als ob du vor einem lebendigen Kunstwerk stehst. Dem lebendigen Kunstwerk Amsterdam, das ich so liebe. „Beat Dimensions Vol. 2“ (inkl. Flying Lotus, Dorian Concept u. a.), kompiliert von Cinnaman und Jay Scarlett, ab sofort erhältlich.

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more body & mind

Michal HvoreckÝ Bratislava

Nightcrawler

Bratislover unterwegs Vom Bücherabend in den Bunkerclub: Autor Michal Hvorecký machte mit uns eine abendliche Runde durch seine Heimatstadt. UFO-Sichtungen inklusive. „Michal Hvorecký, writer, Bratislava“, steht auf dem Briefumschlag in seiner Tasche. Und: „Dear post office, please, add the right address. Thank you. Yours, Jirˇí N.“ Aufgegeben in Polen, hat der Brief eines Fans trotz fehlender Adresse seinen Weg in den Briefkasten des Autors gefunden. Da ist selbst der Empfänger überrascht. „Auf der Straße werd ich zwar nicht erkannt, anscheinend gibt’s bei der slowakischen Post aber einige Mitarbeiter, die meine Romane kennen.“ Kein Wunder, Michal Hvoreckýs letztes Buch „Eskorta“, die groteske Geschichte eines Callboys zwischen West- und Osteuropa, verkaufte sich in seinem Heimatland über 8000-mal, wurde in vier Sprachen übersetzt. Jetzt ist bald sein neues Werk fertig. Ein Roman, dessen Handlungsstränge auf einem Passagierschiff die Donau hinunter schippern. Der Protagonist ist als Betreuer auf dem Boot dazu verdammt, 120 reichen amerikanischen Touristen alle Wünsche von den Lippen abzulesen. „Für die Recherche bin ich selbst in die Rolle des Erzählers geschlüpft“, sagt der Autor, „und auf einem Schiff von Deutschland bis zum Donaudelta gereist.“ Dort verschlug es Hvorecký wie folglich seinen Protagonisten in eine Leprakolonie sowie ins Hauptquartier einer seltsamen Sekte, deren Mitglieder lange Bärte tragen. „Einen Mord gibt’s natürlich auch. Mehr verrate ich aber noch nicht“, sagt der 33-Jährige und nimmt einen Löffel seiner Hortobágy Palacˇinka. Er verbringe ja momentan die meiste Zeit in seiner neuen Wohnung am nördlichen Stadtrand Bratislavas, um sein Buch zu Ende zu bringen. Heute allerdings habe er eine Ausnahme gemacht. Wegen der Literaturnacht hier in Bratislava. In vielen Cafés der Stadt lesen slowakische Schriftsteller, die lokale Szene trifft sich. Davor aber stärkte er sich in seinem Lieblingsrestaurant Prašná Bašta (1). Das 94

rustikale Wirtshaus mit bunt verglasten Fenstern und vergilbten Familienporträts an den Wänden gilt als eine der letzten Bastionen, die dem überbordenden Tourismus sowohl stilistisch als auch preislich Paroli bieten. Als der letzte Tropfen seiner Hühnerfleischsuppe mit Perkelt verschwunden ist, bittet er den gut genährten Kellner um die Rechnung. Bruno, so der Name des nebenberuflichen Rundfunksprechers und alten Freundes Hvoreckýs, reicht ihm den Beleg und fragt ihn, ob er denn heute keine Lesung habe. „Nein“, sagt der Autor, „aber ich bin gerade am Weg ins Ex Café (2). Als Zuhörer.“ Dort sitzt Márius Kopcsay bereits am Podium. Das kleine Hinterzimmer ist bis auf den letzten Stuhl gefüllt, Literaturfans hängen an den Lippen des Autors. Hvorecký bleibt im Türrahmen stehen, lauscht seinem Kollegen, bis ihm eine Dame auf die Schulter klopft. Es ist Jana Cviková, Verlegerin des Aspekt Verlags. Die beiden tratschen über neue slowakische Bücher, am Ende überreicht sie ihm den Abdruck eines Interviews, das er einer US-Zeitung gegeben hat. „Das Ex Café ist das Epizentrum slowakischer

L­ iteratur. Hier trifft man lokale Autoren, die quasi ihre Postfächer hier haben.“ Unser nächstes Ziel ist das Café Verne. Vorbei am Donauufer, vorbei am UFO (3), ­einem runden Restaurant, das an der Nový most (Neuen Brücke) auf Stahltürmen wie ein beobachtendes Auge über der Stadt thront. „In meinem Roman ‚Eskorta‘ ist das UFO auch vorgekommen. Als der Protagonist aus der Stadt flüchtet, sieht er vor seinem geistigen Auge, wie es in die Donau stürzt.“ Im Café Verne (4) trifft Hvorecký seine Freundin Alexandra. Die kleine Bar am Hauptplatz, gegenüber dem prunkvollen Carlton Hotel, gilt als hippste Kneipe der Stadt. Gleich nebenan befindet sich die Akademie der Künste, das Café selbst wurde von deren Rektor Karol Weißlechner eingerichtet. Ein altes Küchenkästchen ist zur Bar umfunktioniert, entlang der Decke des Raums ziehen sich Aluminiumrohre. Alles wirkt so charmant wie trashig: Die Wände zieren Bilder alter Schauspielgranden, verstaubte Radios stehen auf Buchregalen, kleine Luster und altmodische Tischlampen werfen ihr Licht auf die kitschigen Tapeten.


„Nirgends hat man einen besseren Blick aufs nächtliche Bratislava“, sagt Michal Hrovecký am UFO (li.). Zu einer guten Nacht gehören noch Tanzschritte im Betonbunker des Subclub (re. 2. Foto v. o.), ein Dinner im Prašná Bašta (darunter) und ein Bier in seinem Lieblingscafé Verne (u.).

Tony Allen 23.11.2009 Fela Kuti sagte einmal, dass er ohne Tony Allen vier Drummer brauchen würde. Ein großes Kompliment, das der Bandchef und Afrobeat-Meister seinem Schlagzeuger da machte. Zu Recht. Denn Allen schaffte es wie kein anderer vor ihm, jazzige Drums mit perkussiven Afro-Rhythmen zu paaren. Jazzit, Salzburg, Österreich

Placebo 27. 11. 2009 In seiner androgynen Bühnenpräsenz gleicht Bandleader Brian Molko dem jungen David Bowie. Der kraftvolle Sound von Placebo allerdings ist klar in der Gegenwart verankert. Mit dem aktuellen Album „Battle for the Sun“ stürmt das Londoner Trio nun erneut den Kontinent. Und die Wiener fiebern dessen Auftritt entgegen. Stadthalle, Wien, Österreich

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Michal Hovecký liest am 17. November 2009 um 20 Uhr im riesa efau in Dresden und am 24. November um 20.15 Uhr im Buchcafé in Karlsruhe.

Stereosonic 28. 11. 2009

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„Hier trifft sich das junge Bratislava, es ist immer voll. Zu später Stunde brechen regelmäßig atemberaubende Partys los, da wird auch gern auf den Tischen getanzt“, sagt Hvorecký. Seine Freundin allerdings hat noch andere Pläne. Sie möchte gern in den Subclub (5). Der Subclub ist die Wiege der elektronischen Subkultur der Slowakei. Hvorecký hat in dem ehemaligen Atombunker unterhalb der Burg Bratislava schon als Jugendlicher die Nächte durchgetanzt. Zu House, Techno und Drum ’n’ Bass. „Früher war ich jedes Wochenende da, mittlerweile komme ich aber nur mehr einmal im Monat her“, sagt er und kann sich ein Gähnen nicht verkneifen. Es ist kurz vor zwei Uhr früh, Zeit, den Heimweg anzutreten. „Der japanische Schriftsteller Haruki Murakami vergleicht das Schreiben mit Marathonlaufen. So gesehen habe ich morgen wieder einen langen Weg zurückzulegen. Schließlich möchte ich mit meinem neuen Buch bald am Ziel ankommen.“

Tiefe Bässe sind das Metier des Katalanen, der seinen fiesen PostBreakcore-Sound via Hyperdub Records auf die Stereoanlagen seiner Fans loslässt. Vorsicht ist geboten, Cardopushers gewaltige Sound­ wände können Boxentürme zum Einsturz bringen! Sunny Red, München, Deutschland

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Bilder: lukas gansterer; illustration: Mandy fischer

Cardopusher 27. 11. 2009

1 Prašná Bašta, Zámocˇnicka 11 2 Ex Café, Prepoštská 4 3 UFO, Nový most 4 Café Verne, Hviezdoslavovo námestie 18 5 Subclub, Nábrežie Arm. gen. L. Svobodu 2

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Während bei uns der Winter anklopft, feiern die Aussies gerade Schulschluss. Und das Wanderfestival Stereosonic, das in fünf Stationen von Sydney nach Brisbane zieht, eröffnet die Festivalsaison feierlich mit Acts wie John Dahlback, Cut Copy, Tim Sweeney oder Hudson Mohawke. Moore Park Area 2, Sydney, Australien

Cécile 29. 11. 2009 Der Mailänder Jungspund spielt eigentlich etliche Instrumente. Von Klavier über Gitarre bis hin zu Schlagzeug. Sein Lieblingsklangerzeuger ist mittlerweile allerdings sein Laptop, dem Cécile Sounds entlockt, die zwi­ schen Kitsuné’scher Kratzbürstigkeit und himmelhoch jauchzender Harmonie liegen. Volga Winter, Neapel, Italien

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Hai Society Von Georg Biron

Ich saß unter einem zerfransten gelben Sonnenschirm im menschenleeren „Fabu­ lous Shark Club“, nahm einen eiskalten Schluck aus der Dose und zählte die ge­ bleichten Haizähne, die Harry an einer Goldkette um seinen Hals trug. Es waren 36 Zähne in unterschiedlichen Größen, die meisten von ihnen waren echt beein­ druckend und verfingen sich im dichten Brusthaar des Kerls, der einen grindig wirkenden Cocktail namens „Lucky Shark“ trank. Er war mein Blutsbruder. Wir hatten uns vor einer kleinen Ewigkeit mit einem Offiziersmesser unter der Kellerstiege Kerben in die Handflächen geritzt, die Wunden aufeinandergepresst und uns ewige Freundschaft geschworen. Wie Old Shatterhand und Winnetou. In den folgenden Jahren waren wir unzertrenn­ lich. Es gab keinen Tag, an dem wir uns nicht sahen und uns nicht unseren Träu­ men hingaben. Ich wollte Schauspieler werden, er Pilot, Taucher und Hochsee­ fischer. Beide wollten wir Jaguar fahren, blonde Frauen heiraten, Urlaub in der Wüste machen und an einem Strand

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­ nter Palmen leben. Den Film „Die Aben­ u teurer“ von 1967 mit Lino Ventura und Alain Delon haben wir mehr als zwanzig­ mal gesehen. Dann verlor ich ihn aus den Augen. Hin und wieder kriegte ich Briefe, in de­ nen er mir von seiner Pilotenausbildung berichtete. In jedem Kuvert lag ein Haar von irgendeiner Frau, die er mit seinem rotblonden Charme erobert hatte: „Stell dir vor, ich habe sie in meinem Flugzeug mitgenommen und bin mit ihr einen ­Außenlooping geflogen. Keine Frau kann

„Seit Tagen sitze ich hier rum und warte, dass wir rausfahren und dem Weißen Hai begegnen. Und du sitzt da und willst mich an ein Mädchen verkuppeln?“

dir widerstehen, wenn du mit ihr einen ­Außenlooping fliegst.“ Die Frauen, denen er die Haare raubte, waren fast immer blond, und ich sammel­ te sie in einer Schublade. Er schickte ein Foto, auf dem er in einem roten Jaguar E‑Coupé neben einem weißen Boot und einer blonden Frau zu sehen war, und einmal kriegte ich doch eine Ansichtskarte aus der Taklamakan-Wüste. Ja, Harry ­hatte seine Träume anscheinend wahr ­gemacht, während ich immer noch beim Wiener Westbahnhof wohnte, eine alte Virago 1100 fuhr und alles andere als ein Schauspieler geworden war. Dann besuch­ te ich ihn in Südafrika. „Und?“, fragte ich. „Sieht schlecht aus“, antwortete er nach einer Weile und kratzte sich die linke Po­ backe. „Wieso? Wir haben doch strahlend schönes Wetter, und das Meer ist völlig ruhig.“ „Das Wetter ist wie gestern.“ „Ja“, sagte ich, hob die Dose und ließ den letzten Tropfen Red Bull aus 30 Zen­ timeter Höhe auf meine Zungenspitze fal­ len. „Es ist genauso gut wie gestern, wie vorgestern und an den Tagen davor.“ „Wir müssen warten, bis das Wetter besser ist. Es hat keinen Sinn, an so einem Tag mit dem Boot rauszufahren.“ „Weil du grade davon redest. Wo ist ­eigentlich das Boot?“ „Welches Boot?“

illustration: albert exergian

Read bull


Read bull

„Das, mit dem wir rausfahren werden.“ Er kicherte nervös: „Ach so. Du meinst die ‚Lucky Shark III‘.“ „Drei? Was ist mit eins und zwei pas­ siert?“ „Die Haie. Sie können manchmal ganz schön aggressiv werden, wenn man ihnen zu nahe kommt. So ein Hai ist kein Idiot, das kann ich dir sagen. Der weiß genau, was er tut.“ „Die Haie haben deine Boote versenkt?“ „Bei der ‚Lucky Shark III‘ wird ihnen das nicht gelingen. Es ist ein großartiges Boot. Ein Betonboot. Hast du gewusst, dass es Boote aus Beton gibt? Daran kann sich der Hai seine Zähne ausbeißen.“ „Wo ist es?“ Meine Dose war leer, und die lang­ beinige, schwarzhäutige Lucy, die einen selbstgehäkelten violetten Bikini trug, kam aus dem Clubhaus gestöckelt und brachte mir ungefragt eine neue. Dann setzte sie sich neben Harry, sie flüsterte ihm was ins Ohr, und beide lachten. „Lucy hat gesagt, ich soll dich fragen, ob du ihre Zwillingsschwester kennen­ lernen willst. Sie hätte heute Abend Zeit. Sie heißt Eve und sieht genauso aus wie Lucy.“ „Woher weißt du dann, dass das hier Lucy ist und nicht Eve?“ „Eve hat blond gefärbte Haare, Lucy nicht.“ „Mir reicht’s. Seit Tagen sitze ich hier rum und warte, dass wir endlich rausfah­

ren und dem Weißen Hai begegnen. Und du sitzt seelenruhig da und willst mich an ein Mädchen verkuppeln?“ „Sie sieht wirklich toll aus.“ „Irgendwie war das auf deiner Home­ page ganz anders dargestellt. Ich glaube sogar, dass die Fotos, die du auf deiner Homepage stehen hast, ganz woanders aufgenommen worden sind.“ Lucy kniete sich neben ihn auf den ­Boden und begann ihm die Fußnägel zu schneiden. Er grinste: „Das können sie beide sehr gut. Eve und Lucy, Lucy und Eve. Auf dem Gebiet gibt es keinen Unter­ schied.“ „Kannst du beweisen, dass du ein rich­ tiger Meeresbiologe bist?“ „Wieso zweifelst du daran? Seit zwei­ einhalb Jahren lebe ich jetzt hier mit ­einem Stipendium der monegassischen Fürstenfamilie und erforsche die Lebens­ weise des Weißen Hais. Letzten Dezember war Prinzessin Stéphanie hier. Sie ist ge­ nau dort gesessen, wo du jetzt sitzt. Und ich habe ihr die ganzen Hai-Videos ge­ zeigt. Sie war sehr beeindruckt.“ „Du bist nicht mit ihr rausgefahren?“ „Das Wetter war so wie jetzt. Willst du die Videos sehen?“ Ich wurde ärgerlich: „Ich habe heute mit einer Freundin in Kapstadt telefo­ niert. Die hat mir erzählt, dass keine ­hundert Kilometer von hier seit Tagen die Hai-Touren durchgeführt werden. Alle fahren raus. Nur leider sind diese

Touren ausgebucht, sonst wäre ich schon längst dort.“ „Ich habe ein Problem“, sagte Harry. „Meine Frau ist abgehauen. Wegen Lucy. Sie hat das Boot genommen und wollte rauf nach Namibia zu den Robben. Sie ist die Meeresbiologin. Ich kann nicht einmal schwimmen und will mit Haien nichts zu tun haben. Ich kann dir aber Videos zeigen. Dokus mit Haien spielt es immer wieder im Fernsehen. Ich schneide die Szenen am PC zusammen und schicke die Videos nach Monaco. Und die überweisen mir dann das Geld.“ „Das ist nicht dein Ernst …“ „Oh doch“, kicherte er. „Ich glaube, ich bin ein Betrüger. Aber wenn du willst, dann bringe ich dich heute am Abend mit Eve zusammen. Sie ist nicht wirklich die Schwester von Lucy, aber sie sieht echt toll aus. Du wirst sehen.“

Georg Biron,

51, veröffentlichte bereits als Fünf­ zehnjähriger Gedichte und Kurz­ geschichten. Mittlerweile hat der ­Wiener Autor in allen wesentlichen Magazinen/Zeitungen publiziert (vom „Playboy“ bis zum „Spiegel“) und zwanzig ­Bücher geschrieben.

Leser machen Programm Schicken Sie Ihren Text bitte an: readbull@redbulletin.at Das Thema ist frei, doch irgendwo kann eine Dose versteckt sein. Die besten Texte (4000 bis 5000 Anschläge) werden abwechselnd mit den Storys professioneller Autoren veröffentlicht.

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ko lu m n e

Das Gehirn als Muskel Und wieder ist eine smarte Theorie widerlegt worden: Videospielen macht leider nicht schlauer. Unter den Ausreden, mit denen Kinder versuchen, noch eine allerallerallerletzte Viertelstunde an der Spielkonsole herauszuschinden, steht ein Argument unanfechtbar an erster Stelle: „Damit trainiere ich mein Gehirn!“ Wenn die lieben Kleinen dann auch noch treuherzig dreinblicken und auf eines der vielen Hirntrainingsprogramme verweisen, mit denen sie sich da (angeblich) eben beschäftigen, schmelzen wir Eltern regelmäßig dahin. „Ja wenn es der geistigen Entwicklung des Kindes dient …!“ Ich fürchte, liebe Kinder (und liebe ­Erwachsene, die ihr das Herumspielen am Nintendo DS vor euch selbst mit demselben Argument rechtfertigt) – ich muss hier ein wenig spielverderberisch eingreifen. Ist mein Job als Kolumnist, tut mir leid. Nicht zuletzt deshalb, weil ich mir selber immer wieder einzureden versuche, dass mein Videospielen bloß positive ­Effekte hat. Aber alles der Reihe nach. Es ist eine weitverbreitete Vorstellung, dass sich unser Gehirn wie eine Art Muskel verhält. Ist er nur gut genug trainiert, so seien wir auch klug und schnell im Kopf. Und wenn wir noch ein wenig klüger und schneller werden wollen, müssten wir ­unser Gehirn bloß entsprechend trainieren. Während es für den Bizeps hilfreich sei, Gewichte zu stemmen, so absolvierten wir am besten spezielle Trainingsprogramme, um unser Denken zu beschleunigen. Spiele

Es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, dass Spiele wie „GehirnJogging“ die allgemeine geistige Leistungs­ fähigkeit steigern. wie jenes des japanischen Neurologen Prof. Kawashima werden mit ebendiesen Argumenten angepriesen. Und das sehr erfolgreich, allein das „Gehirn-Jogging“ vom Professor hat sich weltweit rund 31 Millionen Mal verkauft (Teil I und II zusammen). Leider haben sich vergangenes Jahr in Kalifornien dreißig sehr kluge Leute getroffen und dieser einfachen Vorstellung widersprochen. Die Gruppe von Alters­ forschern, Kognitions- und Neurowissenschaftlern hat nämlich in ihren Unterlagen gekramt und bekanntgegeben: Für das Versprechen, Spiele wie „Gehirn-Jogging“ steigerten unsere allgemeine geistige Leistungsfähigkeit, gebe es keine wissenschaftlichen Beweise. Nein, auch nochmaliges Suchen helfe da nicht. Solche Belege gebe es nicht. Die Trainingsprogramme schulten bloß jene Fähigkeiten, die konkret trainiert würden. Wer also regelmäßig

Kopfrechnen übt, wird ein guter Kopfrechner werden – aber nichts sonst! Die Hoffnung also, wir würden zu Genies ­mutieren, wenn wir nur lange genug 7329 minus 6730 plus 5 geteilt durch die Quadratwurzel aus 7 übten, ist vergeblich. Wir werden irgendwann draufkommen, wie das Ergebnis lautet, und damit basta. Weil ich Sie (und mich) aber nicht mit dieser niederschmetternden Erkenntnis allein lassen will, hier noch zwei hilfreiche Hinweise, wie wir das mit dem Klügerwerden doch noch hinbekommen könnten. Sie sind nur für jene Menschen wenig erfreulich, die vom Verkauf (vorgeblich) intelligenzfördernder Ratgeber und Spiele leben müssen. Gleichgültig, womit Sie sich beschäftigen: Neues zu entdecken, zu erproben und zu suchen ist prinzipiell hilfreich, egal auf welchem Weg und mit welcher Methode Sie vorgehen. Wer zum Beispiel eine neue Sportart erlernt, sich auf eine Reise in unbekannte Gebiete ­begibt oder ein kluges Buch liest, der trainiert sein Gehirn und steigert damit die Wahrscheinlichkeit, bis ins hohe Alter mental fit zu bleiben. Dieselbe Auswirkung hat regelmäßiges körperliches Ausdauertraining – auch ­bekannt als Joggen, Schwimmen und Radfahren. All das verbessert nicht nur unsere Gesundheit, sondern lüftet unser Gehirn durch. Es waren andere, aber nicht minder kluge Wissenschaftler, die belegt haben, dass Sport uns aufmerk­ samer, klüger und konzentrierter macht. Und dass uns regelmäßige Bewegung fit macht für den einen oder anderen Nachmittag an der Spielkonsole. Christian Ankowitsch, 50, ist ein öster­ reichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Sein neuestes Buch „Dr. Anko­ witschs Kleiner Seelenklempner: Wie Sie sich glücklich durchs Leben improvisie­ ren …“ erscheint im Rowohlt Verlag.

Herausgeber und Verleger Red Bulletin GmbH Chefredaktion Robert Sperl, Stefan Wagner (Stv.) Creative Director Erik Turek Art Director Markus Kietreiber Fotodirektion Susie Forman, Fritz Schuster (Stv.) Chefin vom Dienst Marion Wildmann Leitende Redakteure Werner Jessner, Uschi Korda, Nadja Žele Redak­ tion Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Christoph Rietner Grafik Claudia Drechsler, Dominik Uhl Fotoredaktion Markus Kucˇera, Valerie Rosenburg Senior Illus­ trator Dietmar Kainrath Autoren Christian Ankowitsch, Christian Seiler Mitarbeiter Manuel Kurzmann, Andreas Tzortzis, Matt Youson Illustratoren Albert Exergian, Mandy Fischer, Lie-Ins and Tigers, Schwarzschild Augmented Reality Martin Herz, www.imagination.at Lektorat Hans Fleißner Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Christian Graf-Simpson, Nenad Isailovic Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Geschäftsführung Karl Abentheuer, Rudolf Theierl Projektleitung Bernd Fisa Sonderprojekte Boro Petric Finanzen Siegmar Hofstetter Verlagsleitung Joachim Zieger Marketing Barbara Kaiser (Ltg.), Regina Köstler Projektmanagement Jan Cremer, Dagmar Kiefer, Sandra Sieder, Sara Varming Anzeigenverkauf Bull Verlags GmbH, Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien; anzeigen@at.redbulletin.com Office Management Martina Bozecsky, Claudia Felicetti Firmensitz Red Bulletin GmbH, Am Brunnen 1, A-5330 Fuschl am See, FN 287869 m, ATU 63087028 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Redaktionsbüro London 14 Soho Square, W1D 3QG, UK Telefon +44 20 7434-8600 Fax +44 20 7434-8650 Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise Das Red Bulletin erscheint jeweils am ersten Dienstag des Monats als Eigenbeilage von und in Kooperation mit folgenden Partnerzeitungen – in Österreich: Kleine Zeitung, Kurier, Oberösterreichische Nachrichten, Die Presse, Salzburger Nachrichten, Tiroler Tageszeitung, Vorarlberger Nachrichten; Burgenländische Volkszeitung, Niederösterreichische Nachrichten. In Deutschland: Münchner Merkur, tz. In Großbritannien: The Independent. In Irland: Irish Independent. In Nordirland: Belfast Telegraph. Gesamtauflage 2,3 Millionen Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

Das Red Bulletin erscheint jeden ersten Dienstag im Monat. Die nächste Ausgabe gibt es am 1. Dezember 2009.

illustration: albert exergian

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