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Juli 2014  CHF 3,80

Abseits des Alltäglichen

Neymar!

Das Interview zur Schicksals-WM

Marc Márquez

lüftet sein dirty Geheimnis

Linkin Park

„Rock ’n’ Roll ist schlapp­ schwänzig“ Jetzt n

eu

F H C 0 8 , 3

Urlaub

extrem chf 3,80

Juli 2014

Die Traum-Spots unserer Athleten


Die Welt von Red Bull

32

Hauptsache zweirad

Moto-GP-Champion Marc Márquez pflügt mit uns über seinen privaten Dirt Track.

Willkommen! Kein Sportler steht diesen Sommer so im ­Mittelpunkt, keiner so unter Erwartungsdruck wie Neymar: Der 22-Jährige, 64 Kilo, 1,75 Meter, soll Brasiliens Nationalteam zum Fußballweltmeister machen. Neymar hat The Red Bulletin in Barcelona zu einem seiner seltenen Interviews empfangen, die Frage nach dem Druck war die erste. Er schüttelte den Kopf, „da sind nur Freude und Stolz“. Und dann sagte er ein paar Worte, in denen alle Kraft und alle Zerbrechlichkeit des Neymar da Silva Santos Júnior stecken: „Wenn man glücklich ist, ­klappen Dinge ganz von selbst; wenn man ­unglücklich ist, klappt gar nichts.“ Viel Vergnügen mit diesem Heft! Die Redaktion 4



„Druck? Nie. Ich bin immer locker.“ neymar, SEITE 44

the red bulletin


Juli 2014

Auf einen Blick Bullevard

58

8  Gallery  Die besten Bilder 14  Bullevard  Kämpfer für den Frieden: 101 Rebellen für eine bessere Welt.

Features

Extrem Reisen

32 Vollgas mit Márquez

Urlaub abseits des Reisebüros: Extremsportler verraten ihre aufregendsten Playgrounds.

Der Racer als Dirt-Demon: am privaten Track des Moto-GP-Champions.

Dimitrios Kontzias/Red Bull Illume (cover), JIM KRANTZ, david clerihew, Kolesky/Nikon/Red Bull Content Pool, corbis, picturedesk.com, stephen frink, getty images

44 Interview: Neymar

Brasiliens WM-Hoffnung über Druck, Dribblings und Kabinen-Gospel.

54

50 Kreativ schlafen

Hunter Lee Soiks Träume-App.

54 New-Metal Media

Wie Linkin Park dem Niedergang der Musikindustrie trotzen.

14 linkin Park

Die Musikindustrie steckt tief in der Krise, doch Linkin Park geht’s besser denn je: dank Innovation, Härte und Selbstironie.

Rebellen für den Frieden

Vor 100 Jahren brach der Erste Weltkrieg aus. Wir ehren 101 Helden, die seither für eine friedvollere Welt kämpften.

81 80 Die Salzwasser-Rakete

Im Super Aviator wie ein Hai durch Hawaiis Unterwasserwelt tauchen. Wir haben die Gebrauchsanleitung für Sie. the red bulletin

Bunter Vogel

Rickie Fowler bringt Farbe auf die Golf-Tour. Diese Ausrüstung verhilft ihm zu Birdies und Eagles.

58 Into the Wild

Zu Wasser, zu Lande, durch die Luft: Wo Urlaub machen richtig weh tut.

70 Die perfekte Runde

Simulator-Training mit Infiniti Red Bull ­ acing-Pilot Daniel Ricciardo. R

Action! 80 81 82 84 86 87 88 90 92 94 96 98

Travel  Im Panorama-U-Boot Pro Tools  Damit golft Rickie Fowler city-Guide  Shanghai club  Das „Fabric“ in London Musik  Owen Palletts Playlist Training  Tipps vom Hochsprungprofi Starke Uhren  50 Faden tief tauchen Gaming  Neue Konsolen-Challenges TV-Highlights  Red Bulls TV-Fenster save the date  Events zum Merken read bull  Bernhard Aichner Magic Moment

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Contributors Mit an Bord im Juli

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH General Manager Wolfgang Winter Verlagsleitung Franz Renkin Chefredaktion Alexander Macheck, Robert Sperl

Jim Krantz

Bernd Aichner Sein aktueller Thriller „Totenfrau“ wird gerade von Feuilleton und Publikum gelobt, obwohl die Titel­ heldin eine höchst aktive Serien­ mörderin ist. Für das Red Bulletin ließ Aichner im Text „Der letzte Zahn des Paul Glückmann“ nicht ganz so viel Blut fließen, wiewohl auch in dieser Kurz­geschichte zu spüren ist, dass der Autor gerne auf nachdrück­ liche Bilder setzt, die geeignet sind, sich im Hirn des Lesers festzu­krallen. Das hat wohl mit Aichners zweitem Beruf zu tun: Der gebürtige Tiroler ist aus­ gebildeter Fotograf.

Für Jim Krantz und Assistent Ethan Sharkey war es ein echter Herzensauftrag, Marc Márquez, 21, den aktuellen MotoGP-Welt­ meister, zu fotografieren, sind die beiden doch selbst sportlich ­ambitionierte Motorrad­fahrer. Die Chemie zwischen dem amerikani­ schen Starfotografen und dem spanischen MotoGP-Dominator stimmte jedenfalls von der ersten Sekunde an: „Der Kerl ist ver­ rückt“, lautete die wechselseitige Einschätzung nach dem gemein­ samen Tag, an dessen Ende ein infizierter Krantz ein SuperbikeTraining buchte – allerdings nicht beim Weltmeister, sondern einem privaten Anbieter in den USA.

Simon Kuper

6



David Clerihew

Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster Chefin vom Dienst Marion Wildmann Managing Editor Daniel Kudernatsch Redaktion Werner Jessner (Leitender Redakteur), Lisa Blazek, Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arek Piatek, Andreas Rottenschlager Mitarbeit Stefan Wagner Bullevard Georg Eckelsberger, Sophie Haslinger, Holger Potye, Clemens Stachel, Manon Steiner und das Konsorten-Kollektiv ­ artina Powell, (Raffael Fritz, Marianne Minar, M Mara Simperler, Lukas Wagner) Lektorat Hans Fleißner Grafik Miles English (Ltg.), Martina de Carvalho-Hutter, S ­ ilvia Druml, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz

Fotoredaktion Susie Forman (Creative Photo Director), Rudi Übelhör (Deputy Photo Director), Marion Batty, Eva Kerschbaum Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba; Matthias Zimmermann (App) Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Stefan Ebner (Ltg.), Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Sara Varming

Der Mann mit dem gefährlichen Lächeln Brasiliens Fußballstar Neymar kam, sah und wickelte sowohl Red Bulletin-Fotograf David Clarihew als auch unseren Autor Simon Kuper um den Finger. Clarihew: „Er ist cool, sieht gut aus, war entspannt – die Hälfte des Jobs war bereits vor dem ersten Foto erledigt.“ Kuper: „Kaum ein Fußballer ist pünktlich, wenn er sich mit Leuten trifft, die nichts mit Fußball

Editor-at-large Boro Petric Creative Director Erik Turek

Country Management Schweiz Antonio Gasser, Melissa Burkart Marketing-Grafik Julia Schweikhardt, Peter Knehtl Abo und Vertrieb The Red Bulletin Leseservice, Luzern Hotline: 041 329 22 00 Abopreis 39 CHF, 12 Ausgaben/Jahr, www.getredbulletin.com, abo@ch.redbulletin.com Anzeigenverkauf Mediabox AG, Zürich Zentrale, 044 205 50 20 contact@mediabox.ch Internationaler Anzeigenverkauf Patrick Stepanian Anzeigendisposition Sabrina Schneider

David Clarihew (knieend), Neymar: „Es machte Spaß!“

zu tun haben. Neymar schon.“ Und dann war da dieses Lächeln, das man lieben müsse, so Kolumnist („Financial Times“) und Buch­ autor („Football Against the Enemy“) Kuper: „Nach seinem Dribbling sicher seine gefährlichste Waffe.“ Das Interview mit Neymar hält Kuper für das beste, das dieser

je gegeben hat – und Kuper hat sich inten­ siv vorbereitet. Noch etwas fiel ihm auf: „Ist es nicht unfair, dass Barcelona nicht nur eine der bezau­ berndsten Städte der Welt ist, sondern auch einen der besten F ­ ußballklubs besitzt? Sollte sich die Stadt nicht für das eine oder andere entscheiden?“

O∞ce Management/Verlagsassistenz Manuela Geßlbauer (Assistentin der Geschäftsführung), Kristina Krizmanic IT Michael Thaler Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise The Red Bulletin erscheint monatlich in folgenden Ländern: in Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kuwait, Mexiko, Neuseeland, Österreich, der Schweiz, Südafrika und den USA. Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

the red bulletin


RASSIGE LEISTUNG INFINITI Q50 EAU ROUGE CONCEPT www.infiniti.eu

INSPIRED PERFORMANCE

Abgebildetes Modell: Infiniti Q50 Eau Rouge Concept. Dieses Modell ist ein Konzeptfahrzeug und nicht im Handel erhältlich. Serienfahrzeuge können von der Studie abweichen. Für mehr Informationen zum Infiniti Q50, besuchen sie www.infiniti.eu


H i en d el aen c i na , S pan i en

Freizeit­ vergnügen Alfredo Gómez ist einer der besten Enduro-Piloten der Welt und als solcher üblicherweise im Gelände zu Hause. Denn Enduro heißt: das Bike über Steilhänge prügeln, bis man erschöpft aus dem Sitz fällt. Dieses Bild zeigt den Spanier beim Freizeit­vergnügen, er pflügt seine Husqvarna über den ­flachen Dirt Track. Kann der Kerl nie abschalten? „Ich liebe einfach ­alles, was Benzin verbrennt.“ www.alfredogomez.com  Bild: Alberto Lessmann/Red Bull Content Pool



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M elb o u rn e , Au str ali en

Schneller Russe Daniil Kvyat ist Experten zufolge eines der weltweit größten Motorsport-Talente. Beim Saisonstart in Melbourne – s­ ei­nem Formel-1-Debüt – holte der Toro Rosso-Russe Platz neun. Erstes Rennen, erste WM-Punkte mit 19 Jahren und 324 Tagen, das ist neuer Rekord. Den alten hielt kein Geringerer als ­Sebastian Vettel. Bei Redaktionsschluss hat Daniil seinen 20. Geburtstag hinter sich und beachtliche vier WM-Punkte auf dem Konto. Ist er ein Wunderkind? „Im Motorsport gibt’s keine Wunder“, sagt er. „Nur harte Arbeit.“ www.scuderiatororosso.com  Bild: Robert Cianflone/Getty Images/Red Bull Content Pool

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Algarve , P o rtu gal

Wasser-Fall Jari-Matti Latvala ist einer der schnellsten Rallye­ piloten der Gegenwart – genau wie sein Teamkollege, der amtierende Weltmeister Sébastien Ogier. Wer das VW-interne Duell gewinnt, hat gute Chancen auf den Sieg. Bei der Portugal-Rallye – wo dieses Foto entstand – erwischte Jari-Matti leichtes Untersteuern und überschlug sich spektakulär. „So ist Rallye“, kommentiert er gewohnt ­lakonisch, um gleich da­r­ auf die Argentinien-Rallye souverän zu gewinnen. www.jmlatvala.com  Bild: Richard Balint/Volkswagen Motorsport

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GIVE PEACE A CHANCE!

Lieber kicken statt töten weihnachtswunder Nach Monaten heftiger Kämpfe im „Großen Krieg“ vereinbaren hunderte deutsche und britische Soldaten in Flandern einen privaten Waffenstillstand. Das Weihnachtsfest geht vor. Und so schießen die verfeindeten Truppen einen Nachmittag lang Tore statt Blei. Das Niemandsland zwischen den Schützengräben wird zum Fußballplatz, Mützen werden zu Torpfosten. Die deutsche Auswahl siegt der Legende nach 3:2. Dafür spendieren die Gewinner dann auch ein Fass Bier. 14



1915

Working Woman Die Sozialistin Rosa Luxemburg sagt: Streiken statt streiten! Sie setzt sich für Arbeiterrechte und den Frieden ein – und wird wegen „Aufforderung zum Ungehorsam“ eingesperrt.

Blutbank Oswald Hope Robertson gelingt erstmals eine Transfusio­n mit gelagerte­m Blut. Ein medizinischer Durchbruch, der Millionen Menschen das Leben rettet – und ein echter Fortschritt, verglichen mit der ersten bekannten „Transfusion“ im Jahr 1492: Damals trank der im Sterben liegende Papst Innozenz VIII. das Blut ­dreier zehnjähriger Knaben. Das ­Resultat: Erst starben die Blutspender, dann der Papst.

1916

1917

NOBELPREIS Noch bevor der Krieg zu Ende ist, bekommt das Rote Kreuz für ­seine Verdienste den Friedensnobelpreis. Bis heute sind Lazarett­e und Persona­l mit dem rote­n Symbo­l per Völker­recht im Krieg tabu.

the red bulletin

imperial war museum, Getty Images

1914

Vor hundert Jahren begann der Erste Weltkrieg, ein Ausbruch des globalen Wahnsinns. Wir ehren 101 Menschen und Ideen, die seither diesem Wahn­s inn trotzten und sich für Frieden und Menschlichkeit einsetzten. Krieg dem Krieg!


Bullevard

1914

Weihnachtswunder

1915

Rosa LuxemBurg

1916

BlutBank

1917

rotes kreuz

1922 radio Die British Broad-

casting Company (BBC) geht on air und wird zum globalen Grundpfeiler der Presse- und Redefreiheit. Menschen in Kriegs- und Krisen­ gebieten auf der ganzen Welt hören – oft unter Lebensgefahr – die BBC News. Hear, hear!

1918

Nelson Mandela Der spätere Über­ winder der Apartheid und das große Vorbild für Vergebung wird in Süd­afrika geboren.

1919

Suffragetten

1920

Elektromusik

1921

PEACE DOLLAR Lady Liberty schaut entspannt: Die USA prägen Friedensdollars im Art-déco-Stil.

1922

1925

Friedlicher kann t­ echnologischer Fortschritt nicht sein: Das Theremin, der Vor­ reiter des Synthe­ sizers, wird erfunden.

Clarence Darrow ist ein grimmiger Mann auf großer Mission: Gerechtigkeit und Lieb­e möchte der Anwalt aus Ohio verbreite­n. Deshalb vertritt er in einem spektakulären Prozess eine Gruppe schwarzer Männer, denen völlig zu Unrecht der Mord an einem Weißen vorgeworfen wird. In seinem sieben­stündigen Schlussplädoyer überzeugt Darrow die Geschworenen von der Unschuld der Angeklagten – und rettet ihnen so das Leben. Seine Mandanten werden alle freigesprochen.

BBC

1923

Hitler Raus! Anwältin Anita Augs­ purg und Frauenrechtlerin Lida Gus­tava Heymann beantragen Hitlers Ausweisung aus Deutschland wegen Volksverhetzung – erfolglos.

1924

1919

Peace Award

Sie haben die Wahl

corbis

martin udovicic

powerfrauen Ohne sie gäb’s keine Demokratie: Die Suffragetten der 1910er Jahre wollen nicht mehr in der Küche stehen, sie wollen ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen. ­Dafür krempeln sie die Puffärmel hoch, streiken, demonstrieren und werfen auch so manchen Pflasterstein. Nach dem Ersten Weltkrieg tragen die Bemühungen in Nordamerika und Europa Früchte – das Frauenwahlrecht kommt. Schlusslicht: die Schweiz. Im Kanton Appenzell Innerrhoden dürfen Frauen erst seit 1990 wählen.

the red bulletin

Der von Edward W. Bok gestiftete und mit 100.000 Dollar dotierte American Peace Award wird erstmals vergeben. Das zweite Mal: 2008.

1925

clarence darrow

1926

„Pu der Bär“ Ferkel und Bär? Eule und Esel? Kaninchen und Tiger? Kein Pro­ blem! Alle leben sie im Wald. Denn das Wichtigste ist Freundschaft. Und Honig.

„ Ich glaube nicht an das Gesetz des Hasses. Ich mag meinen Idealen nicht immer treu sein, doch ich glaube an das Gesetz der Liebe, und ich glaube, dass man mit Hass nichts erreichen kann.“ c l a r e n c e da r row ( 18 57 — 193 8)

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Bullevard

1927

12.000 PUPPEN

1932

sendet der USMissiona­r Sidney Gulick nach Japan, um Freundschaften zwischen Kindern zu knüpfen.

1928

erich maria remarque schreibt mit „Im Westen nichts Neues“ den pazifistischen Kultroman des 20. Jahrhunderts. Umsonst?

1929

Mutter Teresa kommt nach Indien. Ihre Mission: ein Lebe­n im Dienste der Ärmsten.

1930

Mahatma Gandhi lebt Gewaltfreiheit und führt Indien in die Unabhängigkeit.

Warum Krieg? Alber­t

1931

KRIEG DEM KATER Und Frieden dem Magen: Alka-Seltzer ist das neue Wundermittel gegen Brummschädel und Übelkeit.

1932

Einstein und Freud

1933

Mutige Oma Die 91-jährige Julie Bonhoeffer durchschreitet eine NaziAbsperrung und kauft demonstrativ im „jüdische­n“ Kaufhaus des Westens in Berlin ein. Eine große Frau!

„ Ich bin militanter Pazifist. Ich will für den Frieden kämpfen.“ a l b e rt e i n s t e i n

1934

Einstein ist der klügste Kopf der Welt, aber ein Problem kann er nicht lösen: „Gibt es einen Weg, die Menschen von dem Verhängnis des Krieges zu befreien?“ Die Frage stellt er einem anderen Genie, Sigmund Freud. Der antwortet: „Ein Blick auf die Erfolglosigkeit der Bemühungen der letzten Jahrzehnte, dieses Ziel zu erreichen, lässt jeden deutlich fühlen, dass mächtige psychologische Kräfte am Werke sind, die diese Bemühungen paralysieren.“ Heißt übersetzt? Die Menschen lieben es dummerweise, Dinge kaputtzumachen.

Mutter mit totem Sohn

treffen einander zum ersten Mal: Bleibt trocke­n und redet darüber!

1936

PHANTOM rettet als erster Strumpfhosen-ComicSuperheld die Welt.

1937

GUERNICA

GUERNICA

Deutsche Bomber zerstören im Spanischen Bürgerkrieg die baskische Stadt Gernika. Pablo Picass­o bannt die Ruinen und Leiden in seinem berühmten Gemälde auf Leinwand und verfügt, das Bild soll der künftigen ��spanischen Republik gehören. Das Geschenk wird erst 44 Jahre ­später, nach Ende der faschistischen FrancoDiktatur, übergeben. Picasso ist da schon acht Jahre tot.

dietmar kainrath

1935

ANONYME ALKOHOLIKER

1937

Getty Images

Die deutsche Bildhauerin Käthe Kollwitz verewigt den Schmerz von Millionen Frauen in Stein.


Bullevard

1939

1938

Das Revue-Girl der Résistance josephine baker Ein Mädchen aus Mis­ souri tanzt sich in skandalösen Revuen ­zuerst in die Herzen des Pariser Publikums und bezaubert dann ganz Europa. Als die Nazis 1940 Frankreich besetzen, will sie „nicht mehr singen“. Stattdessen arbeitet sie für die Résistance, bezirzt Offiziere, um ihnen Informationen herauszulocken, und schmuggelt geheime Dokumente über die Grenzen. Nach dem Krieg ist vor dem Krieg: Baker unterstützt nun die afro­ amerikanische Bürgerrechtsbewegung.

Was ist der größere Skandal: nackte Frauen auf der ­Bühne – oder ­Männer in Uniform? Josephine Baker kennt die Antwort.

NEIN sagen!

194 5

G rü n du n g d e r V e reinten Nat i o n e n

„Den Frieden auf der Welt dauerhaft zu ­sichern“, lautet die Mission der interna­ tionalen Organisation mit 51 Gründungsmitgliedern (heute: 193). Auch wenn nicht alle ihre Aktionen erfolgreich sind: Ambitionierter kann man ­einen Auftrag wohl nicht formulieren.

„Dieser Zug fährt in die Hölle“, soll der fromme Franz Jägerstätter im Traum ­gehört haben, weshalb er als Einziger in seinem Heimatdorf gegen den Anschluss Österreichs an NaziDeutschland stimmt.

1939

Josephine baker

1940

SPORT ALS PROTEST Als Norwegen von Hitler besetzt wird, radelt der Marine­ offizier Olaf Kullmann protestierend durch das ganze Land.

1941

Mutter Courage zieht in Bertolt Brechts Theaterstück durch den Dreißig­ jährigen Krieg.

1942

anne Frank bekommt zum 13. Geburtstag ein rot-weiß kariertes Notizbuch geschenkt. Eigentlich als Poesie­album gedacht, verwendet sie es als Tagebuch und schreibt darin statt über die erste Liebe über den Krieg. Anne stirbt 1945 im KZ.

1943

Ehrensache Der albanische Ehrenkodex Besa rettet ­nahezu allen Juden des Landes das Leben. Besa besagt: In Zeiten der Not muss jeder die Verantwortung für das Leben anderer übernehmen.

1944

Der deutsche Indus­ trielle Oskar Schindler listet für die NaziBüro­kratie alle Mitarbeiter auf, die für den Betrieb seiner Muni­ tionsfabrik unersetzbar sind – und rettet so 1098 Juden das Leben. Ein Gerechter unter den Völkern.

1945

Vereinte Nationen

18



Getty Images

Lebensliste


STREETVIEW-FAHRER GESUCHT!

Lass dir dieses Erlebnis nicht entgehen. Mit «Voilà ma Suisse» hast du die einmalige Chance, dich ans Steuer eines Streetview-Autos zu setzen und der Welt deine ganz persönliche Sicht auf die Schweiz zu zeigen. Erzähl uns deine Geschichte und entdecke eine Schweiz, wie du sie noch nie gesehen hast.

Reserviere deine Strecke und sichere dir einen Platz unter

WWW.STREETVIEW–VMS.CH Hol dir jetzt den «Voilà ma Suisse»-Song auf iTunes. Wir legen grossen Wert auf den Schutz der Privatsphäre. Unter www.voila-ma-suisse.ch sind Einzelheiten zum Zeitpunkt und Verlauf der gefahrenen Strecken ersichtlich. Bis Ende Juni sind wir in den Regionen Genf (12.6. — 15.6.) und im Tessin (18.6. — 22.6. und 26.6. — 29.6.). Wir schalten die Aufnahmen jeweils innerhalb ca. drei Wochen nach der Aufnahme auf www.voila-ma-suisse.ch auf. Auf allen Aufnahmen machen wir Gesichter und Autokennzeichen vor der Veröffentlichung unkenntlich. Falls jemand eine zusätzliche Anonymisierung wünscht, kann er einfach auf den Link «Anonymisierung verlangen» klicken oder an Mazda (Suisse) SA, av. des Morgines 12, 1213 Petit-Lancy schreiben.


Bullevard

1946

VOLL BRIGHT

1958

EIN ZEICHEN Gerald Holtom soll für die „Campaign for Nuclear Disarmament“ ein Logo entwerfen. Dafür wählt er zwei Buchstaben aus dem Winker­alphabet: N und D für N(uclear) D(isarmament). Bei den ­Matrosen sehen diese Zeichen halt etwa­s ungewöhnlich aus: nämlich wie ein „I“ und ein verkehrtes „V“. Übereinandergelegt in eine­m Kreis bilden sie das Peace Sign.

Das Fulbright-Stipendium lässt Studenten die Welt entdecken. Ein Projekt für die Völkerverständigung.

1947

Gegen Genozid Raphael Lemkin prägt den juristischen Begrif­f des Genozids und schafft damit die Grundlage der Verhütung und Bestrafung von Völkermord.

1948

Friedenstruppen Die junge UNO entsendet erstmals Peacekeeper – nach Israe­l und Palästina.

1949

Friedenstaube

1950

HELGOLAND

1951

Recht auf Flucht Die UNO regelt den humanitären Umgang mit Flüchtlingen.

1952 „MAD“

Satire und Kritik des US-Magazins inspirieren Studentenbewegungen in aller Welt.

„ Es dauert sehr lange, bis man jung wird.“ pa b l o p i c a s s o

( 1881 — 1 973)

1953

IMRE NAGY

1954

ALBERT SCHWEITZER

1955

ROSA PARKS

1956

NIKITA CHRUSCHTSCHOW Leitet die Ent­ stalinisierun­g der ­Sowjetunion ein.

1957

SPUTNIK 1

1958

PEACE-ZEICHEN

Das Genie Für Frieden pablo picasso erfindet das Symbol nicht neu – denn schon in der Bibel steht die weiße Taube mit Olivenzweig im Schnabel für Frieden. Doch der Maler aus Málaga ist es, der den Vogel zum Wappentier der modernen Friedensbewegung macht. Als er gebeten wird, für den Pariser Weltfriedenskongress ein Plakat zu entwerfen, setzt ­Picasso die weiße Taube ins Zentrum des Sujets. Vielleicht hat er sich aber auch bloß von seinem Vater inspirieren lassen, der in Pablos Kindheit am liebsten Bilder von Vögeln malte – fürs heimische Esszimmer.

sputnik 1 wird vom heu-

tigen Kasachstan aus in den Weltraum geschossen. Mit dem sowjetischen „Weggefährten“ beginnt das Zeitalter der Raumfahrt. Und es eröffnet sich ein neuer Blick auf die Erde: Denn bald reift die Erkenntnis, dass unser Planet ­kleiner und schützens­ werter ist, als wir immer angenommen haben.

1955

warnt vor den Gefahren des atomaren Wettrüstens.

1949

setzt sich im kommunistischen Ungarn für Neutralität und Demokratie ein.

1957

rosa parks, eine afroamerikanische Sekretärin aus Alabam­a, weigert sich, im Bus ihren Sitzplatz einem weiße­n Fahrgast zu überlassen – der Beginn der afro­ amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den USA.

picturedesk.com(2)

Zwei Studenten bewahren die Nordseeinsel vor militärischer Nutzung.


Bullevard

„Trotz der Schwierigkeiten von heute und morgen habe ich einen Traum ...“ m a rt i n lu t h e r k i n g

1959

EisIGER FRIEDEN IM KALTEN KRIEG Zwölf Staaten, dar­ unter die Sowjetunion und die USA, einigen sich darauf, dass die unbewohnte Antarktis ausschließlich fried­ lich und zur wissen­ schaftlichen For­ schung genutzt werden soll.

1960

IMRE KERTÉSZ

1961 AMNESTY INTERNATIONAL

1962

DAS TELEGRAMM

Getty Images

Der britische Philo­ soph Bertrand Russell meldet sich mit Tele­ grammen an Kennedy und Chruschtschow in der Kuba-Krise zu Wort. Er warnt vor den Folge­n des drohenden Atomkriegs – und finde­t Gehör.

1963

MARTIN LUTHER KING



1963 Ich habe einen Traum hunderttausende Menschen versam­ meln sich vor dem Lincoln Memorial in Washington, D. C., als der Bürgerrechtler Martin Luther King seine Rede über Gleichheit und gegen Rassismus hält. Eigent­lich hatten ihm seine Berater die Passage „I have a dream …“ schon raus­ gestrichen, King improvisiert den Satz jedoc­h wieder hinzu und geht damit in die Geschichte ein.

1960

Buch des Schicksals Das ungarische Re­ gime übt politischen Druck auf ihn aus, doch der ungarische Autor Imre Kertész schreibt weiter. An seinem „Roman eines Schicksallosen“ – ­einem der bedeu­ tendsten Werke über den Holocaust – wird er 13 Jahre lang schreiben.

Zwei Studenten stoßen in Lissabon auf die Freiheit an und werden deshalb festgenommen. Diese krasse Ungerechtigkeit soll der ­Anlass für die Gründung von ­Amnesty ­International gewesen sein. Ob das nun stimmt oder nicht: Die Organisation kämpft fort­ an für ­politische Gefangene in aller Welt – nicht nur für Studenten.

1961 21


Bullevard

1964

„Dr. Seltsam oder: Wie ich lernte, die Bombe zu lieben“. Der verrückte US-­ General Jack D. Ripper versucht einen Atomkrieg anzuzetteln, den keine der beiden Seiten überleben würde. Stanley Kubrick führt in seinem satirischen Kultfilm den Unsinn des Wettrüstens vor.

1965

Flower-Power Der Slogan der Antikriegsbewegung fiel dem US-Poeten Allen Ginsberg vermutlich während eines LSDTrips ein. Oder war’s doch Marihuana?

1966

Stimme des Friedens Abie Nathan fliegt mit der „Shalom 1“ von Israel nach Ägypten, um Friedensgespräche zu erwirken. 1973 gründet er ein israelischpalästinensisches ­Piratenradio an Bord des „Peace Ship“.

1967

Gänseblümchen Jane Rose Kasmir hält bei einer Demo vor dem Pentagon ein Gänseblümchen vor die Bajonette der Soldaten und wird zur Ikone der Anti-Vietnamkriegs-Bewegung.

1968

Black Power Die 200-m-Sprinter Tommi­e Smith und John Carlos strecken bei der olympischen Siegerehrung in Mexico City die Faust empor aus Protest gegen den US-Rassismus.

1969 Bed in

1970

Óscar Romero Unermüdlich kämpft der Geistliche gegen Armut und kriminelle Banden in El Salvador.

1971

greenpeace Tierschützer aus Vancouve­r ziehen mit Schlauchboot und Video­kamera gegen Walfänger.

1969

Frieden im bett So verbringen John Lennon und seine große Liebe Yoko Ono ihre Flitterwochen. In der Prä­ sidenten­suite des Amsterdamer Hilton Hotels emp­ fangen sie eine Woche lang Journalisten, um den Weltfrieden zu promoten. Die Pressemeute erwartet einen großen Skandal – doch das Pärchen bleibt züchtig. Sie sitzen einfach da zwischen Polstern und Postern. „Wie Engel“, soll John Lennon gesagt haben.


AFP/picturedesk.com

Bullevard

the red bulletin

23


1972

Napalm-Mädchen Nick Úts Foto flüchtender Kinder ist der Anfang vom Endes des Vietnamkrieges.

1973

Aloha from Hawaii Über eine Milliarde Menschen sehen ein Elvis-Presley-Konzert, das als erstes live via Sat übertragen wird.

1974

Gib endlich Frieden! Muhammad Ali gegen George Foreman – und für Menschen­­rechte

1974

Rumble in the Jungle

1975

FREUNDE im All

1976

community of peace people ist Nord­irlands erste Friedensbewegung, die von Katholiken und Protestante­n getrage­n wird.

1977

MUTIGE GROSSMÜTTER In Argentinien wollen die Abuelas de Plaza de Mayo wissen, was mit ihren Enkeln passiert ist, die während der Militärdiktatur verschleppt wurden.

1978

bob marley versöhnt on stage verfeindete jamaikanische Politiker beim One Love PeaceKonzer­t in Kingston.

1979

„Apocalypse now“ kommt ins Kino.

rumble in the jungle Muhammad Ali und George Foreman schlagen sich die Nase­n blutig – und das soll Frieden sein? Nicht unmittelbar im Ring, aber auf der ganzen Welt: Der legendäre Kampf in ­Kinshasa, in der heutigen Demokratischen Republik Kongo, hebt das Selbstwert­ gefühl eines ganzen Kontinents. Noch nie hatte ein solches Mega-Sportereignis mit angehängtem Großkonzert in Afrika statt­ gefunden. Es gewinnt Muhammad Ali, der Kriegsdienstverweigerer. 24



1975

Star Peace

In 230 Kilometer Höhe herrscht in den 1970ern höchstens George Lucas’ „Krieg der Sterne“. Im echten Leben kuschelt der Kosmonaut Alexei Leono­w schwerelos mit dem Astronauten Deke Slayton (li.). Die Apollo-Sojus-Mission ist das erste russischamerikanische Weltraummeeting – zehn Jahre vor Perestroika. the red bulletin

AP Photo, nasa

Fäuste für den Frieden


Bullevard

bob geldof

1980 Ein Baum

Jadav Payeng pflanzt einen Baum am öden Ufer des Brahma­ putra in Indien, heute stehen dort über fünf Millionen Bäume.

1981 ein Zelt

William Thomas schlägt aus Protest gegen Atomwaffen vor dem Weißen Haus sein Zelt auf. Er wird 27 Jahre bleiben.

1986

„Give us as much money as we know you have.“

brennstoff Hexenverbrennungen sind so „1586“ – und helfen wirklich niemandem. Vierhundert Jahre später brennt am Baker Beach in San Francisco zum ersten Mal die namensgebende Holzskulptur des BurningMan-Festivals. Mittlerweile treffen sich die Pyromanen in der Black-Rock-Wüste, Nevada, und huldigen ihren zehn Geboten: radikale Inklusion, Beschenken, Dekommodifizierung, radikale Selbstverantwortung, radikale Selbstverwirklichung, gemeinschaftliche ­Bemühungen, bürgerliche Verantwortung, keine Spuren hinterlassen, Teilnahme und Unmittelbarkeit. Kurz gesagt: Peace!

1982

Ein Brief Samantha Smith, 10, schreibt einen Brief an Juri Andropow, KPdSU-Generalsekre­ tär. Der antwortet ihr. Samantha erkennt: „Die sind ja wie wir!“

1983

Muhammad yunus gründet die Grameen Bank. Sie vergibt Mikro­kredite an die Ärmsten der Armen.

1984

Ein T-Shirt Designerin Katharine Hamnett mogelt sich zu einem Shakehands mit Margaret Thatcher – angetan mit einem großen „58 % don’t want Pershing“-T-Shirt gegen Atomraketen.

1985

live-aid-konzert

1986

26



1985

The Youngbloods „Get Together“

Queen „One Vision“

1987

„Come on people now. Smile on your brother. Everybody get together. Try to love one another. Right now! “

„No hate no fight Just excitation! All through the night It’s celebration. Wowowowo yeah.“

In Kanada protes­ tieren die Raging Grannies gegen das atomare Wettrüsten.

1988

„Die letzten Glühwürmchen“ Einer der stärksten Antikriegsfilme (Zeichentrick aus Japan) kommt ins Kino.

1989

BERLINER MAUER David Hasselhoff singt vor 100.000 Berlinern „Looking for Freedom“. Und die Mauer bricht zusammen. So erzählt es ­zumindest The Hoff.

1971

2003

Cat Stevens „Peace Train“

Michael Franti „Bomb the World“

„Everyone jump upon the peace train Come on, come on, come on. Yes, come on the peace train. Yes, it’s a peace train.“

„We can chase down all our enemies, bring them to their knees. We can bomb the world to pieces. But we can’t bomb it into peace.“

the red bulletin

getty images(3), corbis, Reuters

1985

klingelbeutel Wenn Queen, Elton John, Madonna, Tina Turner und Bryan Adams gemeinsam gratis ein Konzert geben, hat wohl Bob Geldof wieder mal eine Rundmail geschickt (pardon, 1985 nannte man das noch Kettenbrief). Für die Bekämpfung des Hungers in Äthiopien (und ein bisschen Publicity) tun sich sogar Led Zeppelin, The Who und Black Sabbath wieder zusammen. Über 1,5 Milliarden Menschen schauen zu – und spenden (umgerechnet) über 100 Millionen Euro für Live Aid.

1967

burning-man-festival Wütende Omas

Wir singen, lasst was springen

beste Peace-Songs der Pop-Geschichte


Bullevard

1990

erfindet das World Wide Web. Dank ihm können wir heute Liebesbotschaften als Hyperlink twittern.

1991

Bruderkuss

1992

cellist von sarajevo

1993

Wiktor Popkow

1991

Abschiedskuss für Kommunisten polit-erotische kunst Leonid Breschnew und Erich Honecker haben sicherlich viel Zeit miteinander verbracht. Dieser Kuss war jedoch keine Liebesbekundung, sondern politisches Statement zweier kommunistischer Politbonzen: Der Bruderkuss sollte für Solidarität und Gleichheit stehen. 1991 zeigt sich die UdSSR endlich mit der DDR solidarisch und vertschüsst sich aus der Weltgeschichte. Und auf der Berliner Mauer, als Teil der East Side Gallery, malt der Moskauer Künstler Dmitri Wrubel sein berühmtestes Bild – ein Abschiedsbussi.

1992

In den Ruinen sarajevos sitzt

tim Berners-Lee

­ edran Smajlovic´ und spielt auf V seinem Cello das Adagio in g‑Moll von Remo Giazotto, während die Stadt von bosnisch-serbischen Truppen umzingelt ist und heftig beschossen wird. Es wird tausende Tote geben. 22 Zivilisten, die um Brot anstehen, zählen zu den ­ersten Opfern. Für sie gibt der Cellist an 22 aufeinanderfolgen­ den  Tagen 22 Solokonzerte – ­exakt am Ort und zum Zeitpunkt des verhängnisvollen Granatein­ schlags, jedes Mal im Frack und stets unter eigener Lebensgefahr.

Der russische Pazifist liefert Lebensmittel in von Russen belagerte Städte Georgie­ns.

1994

Sex Bomb

1995

Peace Villages schaffen gewaltfreie Zonen in krisen­ gebeutelten Regionen Lateinamerikas.

1996

Wunschzettel Yoko Ono bittet Fans, Wünsche auf Papier­ blättern auf den Wish Trees in ihren Ausstel­ lungen zu befestigen.

„ Ich bin ein Teil dieser Stadt. Ich tue, was ich kann.“ v e d r a n s m a j l ov i c ´ ( i m b i l d i n s a r a j e vo s z e r b o m b t e r n at i o n a l b i b l i o t h e k )

die SexBombe Sex-Hormone

Musik

Körperduft

Drogen

28



1994

Liebe

the red bulletin

action press, Mikhail Evstafiev

tom mackinger

Love Kills Das US-Pentagon entwickelt das Konzept dieser neuartigen „Waffe“: der Sex Bomb – produziert sie aber (leider?) nie. Aphrodisiaka sollen den Gegner in sexuelle Ekstase bringen und ihn ganz ohne Waffengewalt außer Gefecht setzen. Auch in die Schublade verbannt: die MundgeruchsBombe.


Bullevard

1997

„ Hört auf, euch zu beschweren. Wenn ihr etwas nicht mögt, ändert es.“ ta r a s t i l e s

Bücher-esel Luis Soriano reitet mit seinen Eseln durch entlegene Dörfer Kolumbiens und verleiht von ihren Rücken aus Bücher (Biblioburro). Von 70 Titeln wuchs seine Bibliothek in den folgenden Jahren auf über 4500 an.

1998 viagra

1999

Anna Politkowskaja Die russische Journalisti­n beginnt ihre Kreml-kritischen Kolumnen über die Schrecken des Tsche­ tschenien-Kriegs. ­Sieben Jahre fällt sie einem Schussattentat zum Opfer.

2000 Peng!

2001

Radtour um die WElt

2002

sports united bringt Amerikaner ins Ausland und Jugendliche aus aller Welt in die USA, um gemeinsam Sport zu treiben. Soll internationalen Dialog und Zusammenarbeit fördern.

2004 2001

1998

Geile Pille

CARLOS SERRAO

Bei der Suche nach eine­m Mittel gegen Bluthochdruck wird ausgerechnet ein Wirkstoff entdeckt, der an einer ganz speziellen Stelle Hochdruck auslöst. Fortan sorgt Viagra für Bettfrieden.

Friedenscrashkurs

2000 PENG!

Die britische Royal Navy befiehlt ihren Soldaten, keine scharfe Munition mehr zu verwenden. Statt­ dessen sollen sie nur „Peng!“ rufen. Leider gilt das nur während des Trainings. Und nur für neue Rekruten.

Der Koreaner Okhwan Yoon macht sich auf den Weg. Er radelt zehn Jahre lang um die Welt, um Nord- und Südkorea zu versöhnen. Bereiste Länder: 192. Autounfälle: 6.

yoga: Für den ­inneren Frieden „Sonnengruß“ und „ruhender Berg“. Yoga sorgt seit Jahrtausenden für Harmonie von Körper und Geist. Die verschiedenen YogaStellungen hat aber erst Bellur Krishnamachar Sundararaja Iyengar (*1918) systematisiert. So wurde Yoga im Westen populär. Vom „Time“-Magazin wurde der Guru dafür sogar unter die 100 einflussreichsten Menschen der Welt gewählt. Eine Ehre, die Yoga-Starlet Tara Stiles (o.) wohl nie zuteil werden wird. Dafür, finden wir, sieht sie weit besser aus als der alte Guru.

2003

Peace Race Tegla Loroupe gewinnt als erste Afrikanerin den New York City Marathon. In ihrer Heimt Kenia organisiert sie ein alljähr­ liches „Peace Race“: Politiker und Soldaten aus ganz Ostafrika laufen gemeinsam, statt einander zu bekriegen.

2004 Yoga

2005

Fussball-Friede Als die Elfenbeinküste sich für die FußballWM in Deutschland qualifiziert, bittet ­Didier Drogba die Bürgerkriegsparteien seines Landes via TV: „Legt die Waffen nieder!“ Und es passiert.


2006

grenzöffnung Nach 44 Jahren wird der Grenzübergang zwischen Indien und China am Nathu-LaPass wieder geöffnet.

2007

Skateistan

2008

fussball-diplomatie Der armenische Präsiden­t Sersch Sargsjan und der türkisch­e Präsident Abdulla­h Gül schauen gemeinsam das WMQualifikationsspiel ihre­r beiden Länder im TV. Hoffnung auf eine Versöhnung nach dem osmanischen Völker­mord an den Armeniern im Ersten Weltkrieg.

2009

KRIEGERISCHE KLÄNGE Das britische Post War Orchestra macht aus alten Waffen Musik­instrumente. Aus Schädlingen werde­n Nützlinge.

2010

Doppelt gut spielen der Inder Rohan Bopanna und der Pakistani Aisamul-Haq Qureshi und zeigen, dass Sport politische Differenzen überbrücken kann. Die beiden erreichen das Doppelfinale bei den US Open.

2011

Tomo Križnar

2012

Brown Moses

2013

2014

PEACE EVENT SARAJEVO 100 Jahre nach dem Attentat von Sarajevo, das den Ersten Weltkrieg auslöste: In Bosniens Hauptstadt treffen sich tausende Jugendliche, Aktivisten und Friedens­ forscher aus aller Welt – zum Informieren, zum Diskutieren und zum Feiern. Za mir u svijetu! Für Frieden auf der Welt!

2007

Ein Ollie in Afghanistan oliver percovich reist 2007 zum ersten Mal aus seiner Heimat Australien ins kriegsgebeutelte Kabul. Mit drei Skateboards im Gepäck. Es dauert nicht lange, und die Bretter entfalten ihre ­Magie: Die Kids fahren drauf ab, soziale Grenzen verschwinden, Glück erhellt den Alltag. Ollie hat eine Idee, und er nennt sie „Skateistan“. Er gibt Lehrgänge, organisiert den Bau einer SkateHalle. Bald sieht man seine jungen Freestyle-Schüler überall in der Stadt. Fast die Hälfte davon sind übrigens Mädchen.

Skateistan

Kid President


Bullevard

Frieden auf Knopfdruck

Sind soziale Medien dein Revier?

Das Internet hat den Peace-Aktivismus entdeckt: Wofür setzt du dich ein? Welcher Pazifismus-Typ bist du? Ein Peace-Test. NEIN

2011

Katzenvideos Wer stundenlang der Nyan Cat zuschaut, kann nicht an Böses denken.

J

J

J

Brown Moses analysiert Waffen aus dem syrischen Bürgerkrieg – anhand von You­ Tube-Videos.

N



#royalbaby war 2013 einer der häufigsten Hashtags. Bringt gar Knuddel-George den Weltfrieden?

2013

you tube, Getty Images, shutterstock(2)

N

Peace PartYs gibt es überall auf der Welt, nicht nur in Sara­jevo. Tanz mit Freunden. Setze dein persönliches Zeichen für eine bessere Welt. Oder stoße ganz einfach nur auf den Frieden an.

2014

J

J Schreibst du gerne in Nullen und Einsen?

J N

N

kid president hält Motivations­ reden auf YouTube. Danach glaubst du an das Gute im Menschen.

Schnurrst du, wenn dir was gefällt?

N

J Sitzt du am liebsten vor dem Computer?

N

Gehst du gerne feiern?

N

Tomo Križnar bringt Kameras zu den Nuba in den Südsudan. Sie solle­n Kriegs­ verbrechen filmen.

Legst du dich gerne mit Politikern und Konzernen an?

J

2 0 14

Motivierst du dich selbst vorm Spiegel?

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Kennst du dich mit Waffen aus?

Schaust du gerne Videos auf YouTube?

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2011

2012

KONY 2012 wollte gleich ganz Afrika retten. Die naive Mega-Kampagne wurde mega kritisiert und verpuffte.

j

Teilst du Inhalte, ohne nachzudenken?

2012

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2013

JA

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anonymous hacken für mehr Freiheit, mehr Unabhängigkeit und mehr großspurige Sprüche im Netz.

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MáRQU DEMon of DiRt Lleida, Spanien, ein schöner Frühlingstag: Heimspiel bei MotoGP-Weltmeister Marc Márquez. Kumpels, Bikes, Girls, Dirt Track. Keine Vorderbremse, kein Führerschein, aber viel SpaSS. Aufsteigen bitte! Text: Werner Jessner, Bilder: Jim Krantz

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EZ


„Motocross schult die Kreativität“, sagt Marc Márquez. „Die Strecke ändert sich in jeder Runde, du musst permanent improvisieren. Diese Fähigkeit hilft dir auf der Rundstrecke.“

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„An mein erstes Mal an einer Rennstrecke kann ich mich nicht erinnern. Ich war erst ein Jahr alt, da hat mich mein Vater schon zu Motocross-Rennen mitgenommen.“

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38




Training in der Gruppe macht mehr SpaSS. Die Herausforderung ist, schneller als die anderen zu sein. Und sie wollen den Weltmeister schlagen.


„Mein perfekter Tag? Motocross in der Früh, Dirt Track zu Mittag, MotoGP am Nachmittag. Und abends vielleicht Essen mit einer schönen Frau.“

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or 30 Jahren platzte ein junger Mann in die Straßenmotorrad-Rennszene und machte allen Rekorden den Garaus: Debüt in der Königsklasse mit 19 Jahren, Weltmeister mit 21. Die Experten waren sicher: Niemals würden diese Rekorde gebrochen werden. Der Name des Genies war „Fast“ Freddie Spencer, und Dirt Track war sein Geheimnis: Eine Jugend auf den amerikanischen Sandbahnen hatte sein motorisches Feingefühl geschult. Dirt Track Bikes haben keine Vorderbremse. Man lenkt sie mit Gas und Gewichtsverteilung, permanent sideways im leichten Drift. 2013 platzte wieder ein junger Mann in die ­Königsklasse. Er war so gut, dass speziell für ihn die Regeln geändert wurden: Normalerweise müssen sich Rookies in Satelliten-Teams hochdienen, bevor sie in Werksteams fahren dürfen. Doch der mächtige ­Honda-Konzern sah im amtierenden Weltmeister der „kleinen“ Moto2-Kategorie die Zukunft: Man würde ihm auf jeden Fall ein Werksmotorrad geben. So kam es, dass Marc Márquez, gerade 20 Jahre alt geworden, bei Repsol Honda fahren durfte, an der Seite seines erfahrenen Landsmanns Dani Pedrosa. Im ersten ­MotoGP-Rennen fuhr Márquez aufs Podium, sein zweites gewann er. Im Herbst wurde er, mit 20 Jahren und 266 Tagen, jüngster MotoGP-Weltmeister der Geschichte. Sein Erfolgsgeheimnis: Dirt Track. Die Wiege von Marcs Erfolgen ist idyllisch in die

the red bulletin

Weinberge eingebettet, die seine Heimatstadt Lleida umgeben, 135 Kilometer westlich von Barcelona ­gelegen. Unten im Flachen ein gepflegter Dirt Track und eine Motocross-Piste, Container zum Umziehen und für eine kleine Kantine. Nicht unbedingt der Platz, an dem man einen Weltmeister vermuten ­würde, der in seinem Heimatland – wie sonst nur noch Fußballstars – nicht mehr unerkannt vor die Tür gehen kann: „Das erste gemeinsame Foto mit einem Fan löst in der Regel eine Kettenreaktion aus. Auf einer Tribüne in Spanien habe ich ein Transparent entdeckt, auf dem stand: ‚Ich ziehe meine Unterwäsche aus für ein Foto mit dir.‘ Letztes Jahr habe ich Frauen­brüste signiert, einen Männerhintern, ein Baby und einen 500-EuroSchein. Wahrscheinlich hofft der ­Besitzer, dass der im Wert steigt.“ Hier in Lleida trainieren Marc Márquez, sein ­jüngerer Bruder Álex, selbst erfolgreicher Rennfahrer in der Moto3, und „Tito“ Rabat aus der Moto2: „Sie wollen mich schlagen; ich will eine halbe Sekunde pro Runde schneller sein als sie.“ Genau wie in der Moto­ GP schenken sich die Jungs auf der Strecke nichts: „Ich mag harte Kämpfe. Siege mit vier, fünf Sekunden Vorsprung geben mir nicht so viel wie ein adrenalinsattes Rennen, das in der letzten Kurve entschieden wird. Als mich zum Beispiel Jorge Lorenzo in Silverstone in der letzten Kurve aus der Bahn rempelte, hat 41


„Der Moment bis zum Crash dauert ewig, vor allem wenn sich ein Highsider ankündigt. Du kämpfst, kämpfst, kämpfst – und Bamm!, dann geht es blitzschnell.“


Gold & Goose/Red Bull Content Pool

Als amtierender MotoGP-Weltmeister hätte Marc Márquez das Recht auf Startnummer 1. Er behält aber seine vertraute 93.



mich das nicht aufgeregt. Es gibt ein Limit, aber es ist situationsabhängig. In der letzten Kurve versucht jeder alles.“ Einschätzung seiner Gegner: „Lorenzos Stärke ist seine Konstanz, Rossi ist vor allem in der letzten Runde eine Macht.“ Márquez sieht auf jedem Bike ­aggressiv aus, driftend, scheinbar außer Kontrolle: „Wenn ich schnell sein will, muss ich so fahren. Ein runder, entspannter Stil funktioniert bei mir nicht.“ Obwohl er WM-Titel in allen Kategorien gewonnen hat, wohnt Marc noch zu Hause in seinem Jugendzimmer, an den Wänden Poster des FC Barcelona und Valentino Rossis. „Rossi war mein Vorbild, Pedrosa mein Maßstab.“ Inzwischen hat er beide hinter sich gelassen und ist Team-Leader des traditionsreichen HRC-Teams: „Vielleicht wird es diese Saison härter, weil jeder Großes von mir erwartet. Aber ich mag Druck.“ Auf die japanische Arbeitsweise hat er sich inzwischen eingestellt: „Japaner evaluieren und besprechen gern. Beim ersten Test wollte ich die Lenker­ griffe tauschen. Das hatte nichts mit der Performance des Bikes zu tun, bloß mit persönlichem Geschmack. Es hat ein Meeting gebraucht, um sie zu wechseln. Aber diese Akribie macht Hondas Erfolg aus.“ Marc, der „Big Balls“-Strecken wie Phillip Island mit ihren blinden Vollgaskurven liebt, verbindet Furcht­ losigkeit mit tiefer Entspanntheit: „In der Nacht vor Rennen schlafe ich exzellent: neun, manchmal zehn Stunden.“ Einziges Zugeständnis an den Renntag: „Im Training trage ich blaue Unterhosen, im Rennen rote.“ Eine Überlegung war, diesen Winter endlich den Motorrad-Führerschein zu machen. Der weltschnellste Mann auf zwei Rädern darf auf der Straße zwar legal Auto fahren, nicht aber Motorrad. Doch wenige Tage nach dem entspannten Tag mit Kumpels und dem Red Bulletin in Lleida ist Marc Márquez eine Hauptmeldung der Motorsportnachrichten: Er habe sich ein Bein gebrochen – beim Dirt-Track-Fahren. Was war passiert? „Der Crash war ein bissl blöd: Ein Freund kam vor mir zu Sturz. Ich wich ihm aus, die Situation war schon bereinigt, da drehte ich mich noch mal um, um nach ihm zu sehen. Dabei blieb ich mit einem Fuß an der Streckenbegrenzung hängen. Kein Sturz, aber das rechte Wadenbein war durch.“ Erst zu Saison­ beginn konnte er wieder auf­steigen und begann eine große Siegesserie, als wäre nichts gewesen. Ist nun trotzdem Schluss mit Dirt Track? „Aber wo. War ja das erste Mal, dass ich mir dabei weh getan habe.“ „On Any Sunday: The Next Chapter“ mit Marc Márquez, Travis Pastrana und Co ab Herbst im Kino www.onanysundayfilm.com

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Seit Sommer 2013 spielt Neymar in ­Europa, bei Barcelona, an der Seite des ­großen Argentiniers Lionel Messi. „Ich habe ihm schon mal gesagt: Diesmal ­gehört der Pott uns!“


Ich bin nicht unter Druck.

Ich bin

glucklich. Neymar im Interview am Vorabend jener Weltmeisterschaft, die das Leben von 192 Millionen Menschen verändern wird. Und sein eigenes. I n t e rv i e w: S i m o n K u p e r , B i l d e r : Dav i d C l e r i h e w, P r o d u k t i o n: J o s e f S i eg l e

D

as Erste, was einem bei der persönlichen Begegnung an Neymar auffällt, am einzigen wirklich großen Fußballer, den Brasilien im letzten Jahrzehnt hervorgebracht hat, am Mädchenschwarm, am globalen Superstar: Der Bursche ist noch viel dünner und kleiner als im Fernsehen. Der Stürmer, der mit 22 Jahren die Hoffnungen seines Landes auf den sechsten WM-Titel auf seinen Schultern trägt, wirkt zerbrechlich. Als er das alte, zum Studio umgebaute Industrie-Loft in einer ruhigen Ecke Barce­ lonas betritt, grüßt er uns mit diesem magischen Lächeln, mit dem er dich zugleich um den Finger wickelt und auf Distanz hält. Dann geht er in die Umkleidekabine, und wir bekommen das zu sehen, wofür einige wohl töten würden: Neymar zieht sein Shirt aus. Unter den Tätowierungen steckt ein zierlicher, sehniger Körper. Man wundert sich fast darüber, wie unversehrt der nach einem Jahr in Europa aussieht, Ende Juli des Vorjahres bestritt er sein erstes Spiel für den FC Barcelona. Die Kamera liebt Neymar. Er ist nicht klassisch schön, nicht im David-BeckhamSinn schön, doch sein Lächeln ist zauberhaft, und er hat Ginga – diese ureigene ­brasilianische Art, sich rhythmisch-schwungvoll zu bewegen, es ist fast ein Tanzen. Schließlich setzt er sich hin, die Schultern hochgezogen, dieses Lächeln im ­Gesicht, und spricht eine Stunde lang darüber, wie es ist, Neymar zu sein.



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Ich bin glucklich, wenn ich spiele.

Wenn man glücklich ist, klappen Dinge ganz von selbst. Wenn man unglücklich ist, klappt gar nichts.“

the red bulletin: Wie erträgt man den Druck Trick so lange probiert, bis er mir in Fleisch und Blut von 192 Millionen Menschen, die einen WM-Titel übergangen war. So sehr, dass ich ihn in einem von einem erwarten? Match einsetzen konnte. neymar: Von der WM träume ich, seit ich ein Kind Woher kommt dieses Talent zum Dribbling? war. Jetzt ist dieser Traum zum Greifen nah. Ich bin Es ist nicht so sehr eine Frage des Talents. Es geht einBrasiliens Nummer zehn, ich werde an der Weltmeisfach um Üben, Üben, Üben. Ich beobachte, kopiere, terschaft teilnehmen, noch dazu in meiner ­Heimat. übe. Ich habe noch keinen Trick selbst entwickelt. Da ist kein Druck. Nur Freude und Stolz. Ihr Fußball sieht nach purer Freude aus. Emp­ Kein bisschen Unsicherheit, Angst? finden Sie noch immer Freude beim Spielen, oder Ich höre zwar ständig: „Du stehst unter Druck, weil ist es mittlerweile eher ein Job? du der große Name in der Mannschaft bist“, ich höre Es ist geordneter Spaß. Ja, so kann man das sagen, es von allen Seiten. Aber ich stehe nicht unter Druck. geordneter Spaß. Spaß, den man ernst nehmen muss. Ich bin glücklich. Nichts als glücklich. Wissen Sie, ich Aber ich bin immer glücklich, wenn ich spiele. Wenn habe die Dinge immer schon auf meine Art gemacht. man glücklich ist, klappen Dinge ganz von selbst; Seit ich dreizehn bin, stehe ich unter Beobachtung wenn man unglücklich ist, klappt gar nichts. der P ­ resse, der Öffentlichkeit. Ich bin jemand, der Was würden Sie über Ihre erste Saison in Barce­ sich über so was nicht wirklich den Kopf zerbricht. lona rückblickend sagen? Ich ­verspüre keinen Druck. Vielleicht fehlt mir das Sie war nicht perfekt, aber sie war auch nicht schlecht. ­Sinnesorgan, mit dem man Druck wahrnimmt. Es ist das erste Mal, dass ich außerhalb meines HeimatSie waren zehn Jahre alt, als Brasilien 2002 landes lebe. Ich vermisse meine Freunde und meine ­zuletzt Weltmeister wurde. Ihre Erinnerungen? Familie. Anfangs war das wirklich hart. Aber ich habe Ich bin noch vor Tagesanbruch aufgestanden, um mir in Europa vor allem eine Menge gelernt, auf profes­ das Finale anzusehen, es wurde ja in Japan gespielt. sioneller wie auf persönlicher Ebene. Ich lerne von Ich trug sogar Ronaldos Frisur. Meine Eltern und meinen Mitspielern, worüber sie sprechen, wie sie mit ­meine Schwester sahen sich das Spiel gemeinsam mit anderen Leuten umgehen. Ich schaue mir von vielen mir an. Danach grillten wir bei meiner Oma, und wie Spielern Kleinigkeiten ab und passe sie meinem Stil es sich für richtige Fans gehört, brüllten wir die ganze an. Manche Leute sind gut auf dem Spielfeld, andere Zeit „Wir sind die Champions!“. abseits davon, manche zeigen besonders gutes VerWie war Ihre Kindheit? halten im Training. Man kann von jedem Wir hatten wenig Geld, aber mein Vater lernen. sorgte dafür, dass ich nie hungern musste. Hat Sie an Lionel Messi etwas überName Ich glaube nicht, dass ich jemals unglückrascht, nachdem Sie ihn ja nun jeden Neymar da Silva lich war – auch wenn ich nicht alles hatte, Tag sehen? Santos Júnior was meine Freunde hatten. Zu meiner Er hat mich in jeder Hinsicht überrascht. Geburtsdatum/-ort Mutter sagte ich mal: „Wenn ich reich Bevor ich hierher kam, hörte ich nur die 5. Februar 1992, Mogi werde, kaufe ich mir eine Keks-Fabrik. Dinge, die die Leute über ihn erzählen: das Cruzes, São Paulo Dann kann ich Kekse essen, wann immer dass er sehr reserviert sei und mit nieGröße, Gewicht ich will.“ An solche Dinge erinnere ich mandem rede. Aber er ist völlig anders. 175 cm (das sind 6 mehr mich. Aber ich habe mich nie beschwert, Abgesehen davon, dass er auf dem Feld als Lionel Messi), 64 kg habe nie gejammert. Ich habe immer ein Genie ist, ist er auch sonst immer toll (3 weniger als Messi) um alles gekämpft. Meine ganze Familie zu mir – und nicht nur zu mir. Es gibt nur Vereine tat das. Gutes, was ich über ihn sagen könnte. 2003 – 2013 FC Santos Sie gelten als begnadeter Dribbler. Beschreiben Sie uns die Stimmung in (Brasilien), ab Sommer 2013 FC Barcelona Haben Sie sich Tricks von anderen der Barça-Kabine. (Spanien, Vertrag läuft Spielern abgeschaut? Es geht echt lustig zu, jeder plaudert, bis 2018) Ich habe Robinho studiert, als ich zu ­albert rum, ähnlich wie bei den BrasiliaRückennummer Santos kam, er war dort der absolute nern. Das ist wahrscheinlich der Grund, 10 (Seleçao), Star. Ich habe mir Ronaldinho, Ronaldo, warum sie so gut zusammenspielen. Es 11 (Barcelona) Messi und Cristiano Ronaldo angesehen. wird auch Musik gespielt in der Kabine – Erfolge (Auswahl) Von jedem talentierten Spieler habe ich vor dem Match und danach, wie in Copa Libertadores 2011, mir immer wieder Videos angesehen, bis ­Brasilien. Auch bei Santos haben wir Olympia-Silber 2012, zu Zidanes „Roulette“. Im Training oder ­immer Songs gespielt, wenn wir aufs spanischer Supercup 2013, Confed-Cup 2013 beim Rumkicken habe ich dann jeden Feld gelaufen sind. 46


Beim exklusiven ­ hooting für The Red S Bulletin in Barcelona: Neymar und sein ­Lächeln, mit dem er zugleich Nähe und ­Distanz schafft.


Oh Gott, Lass mich

ein so berühmter Fussballer werden, damit ich meiner Familie alles geben kann, was sie will – Darum habe ich schon Als Kind gebetet.“


Die WM ist das harteste Turnier.

Sie ist so kurz, du darfst dir keinen Fehler erlauben. Du musst von der ersten bis zur letzten Sekunde alles geben.“ Es könnte passieren, dass Sie bei der WM gegen einige Teamkollegen von Barça spielen. Sprechen Sie mit denen über so was? Wir scherzen rum, klar. Jeder von uns sagt: „Wir ­gewinnen die WM!“ Wir wissen, dass die WM für uns alle ziemlich schwierig wird. Deshalb machen wir Witze. Ich habe mit Messi rumgeblödelt und ihm schon mal gesagt: „Diesmal gehört der Pott uns!“ Wie kam es zu Ihrer Social-Media-Kampagne ­#somostodosmacacos („Wir sind alle Affen“) gegen Rassismus? Das Bild von Ihnen und Ihrem Sohn mit Bananen ging um die Welt … Rassismus ist eine Sache von Hirnlosen. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, aus anderen Spielen, wie es sich anfühlt, von Rassismus betroffen zu sein. Also wollten wir etwas dagegen tun. Ich sprach mit meinem Vater und mit ein paar Leuten, die für uns arbeiten, und wir entwarfen diese Kampagne. Die war quasi startklar, dann passierte dieser Zwischenfall mit Dani Alves (Barça-Teamkollege, hob eine Banane, die man während eines Matchs nach ihm geworfen hatte, einfach auf und aß sie; Anm.). Ich dachte, das ist der richtige Moment, um die Kampagne zu starten. Sie stehen mit Ihren Fans über Social-Media-Plattformen in engem Kontakt, aber die Fans verlangen Ihnen auch eine Menge ab. Stört Sie das? Nicht wirklich. Was mich stört, ist, wenn man vor meinem Privatleben nicht haltmacht. Ich verstehe, dass die Fans gerne alles wissen wollen, aber wenn’s um mein Privatleben geht, bin ich wie jeder andere. Das soll meine Sache sein und bleiben. Diego Maradona hat sich nach den Tagen vor dem Ruhm zurückgesehnt. Geht es Ihnen auch so? Nein. Ich verstehe aber, worum es ihm geht. Es ist schwierig für mich, Dinge zu machen, die eine ­normale Person macht. Zum Beispiel kann ich nicht mit meinem Sohn in Santos an den Strand gehen. ­Unmöglich. Wir hätten sofort eine Menschenmenge um uns, die Leute würden Fotos machen und alles. Auf der Straße erkennt mich ein Brasilianer aus einem Kilometer Entfernung. Dann kommt er angerannt und brüllt „Neymar, Neymar!“. Hier in Barcelona sind die Leute relaxter, mehr in die Richtung „Neymar, dürfte ich ein Foto mit dir machen?“. Fehlt Ihnen dieses normale Leben? Man vermisst es natürlich, mit seinem Kind an den Strand gehen zu können, ganz normale Sachen zu machen. Ich glaube, das ist, was Maradona gemeint hat. Aber ich beklage mich nicht darüber, denn ein berühmter Fußballer zu werden ist das, worum ich Gott gebeten habe. Ich habe immer zu Ihm gesagt: Ich möchte als Fußballer so gut werden, dass ich meiner Familie alles geben kann, was sie will. Da gehört die 

Kehrseite dazu. Wenn ich mit fünfzig Leuten reden muss, rede ich eben mit fünfzig Leuten. Sobald ich auf die Straße gehe, muss ich mich daran erinnern, dass ich Neymar bin, dass das jeder weiß, dass ich mich entsprechend verhalten muss. Aber zu Hause bin ich der Neymar, den die Familie kennt. Zu Hause bin ich nicht mal „Neymar“. Da bin ich „Juninho“. Sprechen wir über die brasilianische Nationalmannschaft, die Seleção. Wer wählt die Musik in der Umkleidekabine aus? Mal der, mal der. Die Stereoanlage ist da, und jeder kann sich einen Song aussuchen. Am häufigsten ­spielen wir Pagode, Funk, Sertanejo. Auf meinem Weg zum Stadion höre ich immer Gospelmusik aus dem Kopfhörer. Bevor wir rausgehen, spielen wir in der Kabine einen Pagode-Song über die Stereoanlage, laut. Wir stehen da, scherzen rum, die Egos bleiben draußen vor der Tür. Wir wissen, wir haben nur ein Ziel, und das ist ein gemeinsames Ziel. Brasiliens Nationaltrainer Felipe Scolari gewann die WM 2002. Was erzählt er darüber? Er sagt, dass die WM das härteste aller Turniere ist. Weil sie ein so kurzes Turnier ist, darfst du dir keine Fehler erlauben. Du musst von der ersten Sekunde an alles geben. Und er spricht häufig darüber, wie phantastisch es sich anfühlt zu gewinnen. Wie unterscheidet sich das Spiel Brasiliens vom Spiel Barcelonas? Taktisch und technisch ist es sehr ähnlich. Mit weniger brasilianischem Ginga bei Barcelona? Mit ein bisschen weniger, ja. Während des Confed-Cups im Vorjahr gab’s in Brasilien Proteste gegen Korruption, den Zustand des öffentlichen Diensts und die Kosten der Stadien. Auf einem der Banner war zu lesen: „Ein Lehrer ist mehr wert als Neymar.“ Was sagen Sie dazu? Lehrer sollten genauso viel verdienen wie Leute in anderen Berufen. Auch wie Fußballer, denn man ­vergisst so leicht, dass vielleicht fünf Prozent von uns mehr verdienen als die anderen. Ich stimme voll zu, dass wir alle für eine bessere Welt mit Bildung, ­Gesundheit und Sicherheit kämpfen müssen. Soll auch während der WM protestiert werden? Solange es ohne Gewalt passiert, sehe ich kein Pro­ blem darin, dass Leute für ein besseres Brasilien kämpfen. Ich stehe auf ihrer Seite. Aber wir sollten die WM genießen, denke ich. Wir haben die Gelegenheit, der Welt zu zeigen, was für ein Gastgeber wir sind, und wir sollten vor allem zeigen, was toll ist an Brasilien, nicht nur die schlechten Seiten. Wird Brasilien Weltmeister? Das wünsche ich mir mehr als alles andere. www.neymaroficial.com

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der

tra

um Fän

App-Entwickler Hunter Lee Soik in Berlin: Technik-MĂśnch auf Weltreise

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Das ist Hunter Lee Soik. Er hält Träume fest, gibt ih ne n Worte u nd B ilde r, ve rnet z t s ie in einer weltweiten Traum-Datenbank. Und rettet die nächste Relativitätstheorie. Text: Andreas Rottenschlager Bilder: Norman Konrad

E ger

s ist lang nach Mitternacht, als Hunter Lee Soik die Tür seines Hotelzimmers in Berlin-Mitte hinter sich schließt und seinen Reisekoffer öffnet – einen kleinen Trolley. „Mehr brauche ich nicht“, sagt Soik und beginnt T‑Shirts auszupacken, schwarze T-Shirts, eines nach dem anderen. Soik besitzt überhaupt nur schwarze Kleidung. „In diesen Koffer“, sagt er, „passt mein ganzer Besitz.“ Soik, 32, durchtrainiert, trägt eine schwarze Jogginghose, ein Ladekabel baumelt zwischen linker und rechter ­Seitentasche. Das Kabel verbindet Soiks iPhone 5 (schwarz) mit einem zigarettenschachtelgroßen Power-Akku. „Ich hasse die Abhängigkeit von Steckdosen.“ Soik ist Medien-Entwickler und Autodidakt. Er hat zwei Produktionsfirmen ­gegründet, iPad-Programme für Stella McCartney geschrieben und 2011 das Backstage-Video-Konzept für die gemeinsame Tour von Kanye West und Jay-Z realisiert. Die Tour hieß „Watch the Throne“ und spielte 75 Millionen Dollar ein. Nun ist er selbst seit Monaten auf Welttournee. Um „Shadow“ vorzustellen – ein Programm, das Träume speichert. Technisch gesehen ist Shadow ein ­intelligenter Wecker mit integrierter Sprachsoftware. Ein in der Lautstärke ansteigender Alarmton führt den Nutzer sanft durch die hypnopompe Phase – den


Grenzbereich zwischen Schlafen und ­Erwachen. Sobald der User den Wecker stoppt, kann er den Traum in sein Smartphone diktieren. Die Spracherkennungssoftware identifiziert Schlüsselwörter im transkribierten Text – etwa „rotes Auto“, „Felsen“, „großer Hund“ – und weist ihnen Fotos aus einer Bilderdatenbank zu, um den Traum zu visualisieren. Mit Shadow können Nutzer private ­Tagebücher führen oder ihre Träume in anonymisierter Form mit einer weltweiten Community teilen. Über Monate hinweg sollen so erstmals globale Traum-Trends ermittelt werden, erklärt Soik: „Träumen Top-Athleten anders als Künstler? Wie viele Schweden träumen von roten Autos? Erhöhen Naturkatastrophen die Zahl der Albträume im betroffenen Land?“

Weltgeschichte des Träumens Die Idee, Träume aufzuzeichnen, ist 4700 Jahre alt und findet sich bereits im Gilgamesch-Epos. Roms erster Kaiser Augustus († 14 n. Chr.) soll seinen Bürgern sogar befohlen haben, Träume, die den Staat betreffen, zu melden. Um 1900 fragt sich Sigmund Freud, warum wir Träume vergessen. Nun soll eine App (oben) das Problem lösen.

„Der Mensch vergisst 95 Prozent seiner Träume – eine Menge Daten, die wir jeden M o rg e n v e rl i e r e n .“

Träume am Handy: „Shadow“-Mann Soik rechnet mit ­einer Million Nutzern bis Ende 2014.

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Shadow kann, so Soik, auch die Welt verändern: „Einstein hat Teile seiner ­Relativitätstheorie zuerst geträumt, Salvador Dalí sofort nach dem Aufwachen gemalt. Die Idee des gewaltlosen Widerstandes geht auf einen Traum von Gandhi zurück, und Frankensteins Monster nahm erstmals in einem Albtraum Mary Shelleys Gestalt an. Das Problem: Der Mensch ­vergisst 95 Prozent seiner Träume – eine gewaltige Menge an Daten und Ideen, die jeden Morgen verschwindet. Genau diese Daten kann Shadow bewahren.“ Soiks Idee hat enormes Medienecho ausgelöst. Seit er sein Projekt vergangenen Oktober auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter vorgestellt hat, erschienen weltweit mehr als 150 Artikel über sein Programm, das es offiziell noch gar nicht gibt. Seither verbringt Soik sein Leben entweder auf Konferenzen oder in Flugzeugen und Hotelzimmern. „Ich lebe wie ein Mönch“, sagt Soik. Sein Apartment in New York hat er ver­ mietet. Er reist mit vier T-Shirts und zwei Paar Jeans, die er in den Waschbecken seiner Hotelbadezimmer wäscht. Zum Frühstück und Mittagessen mixt er sich Vitamin-Shakes. „Geht schneller“, sagt er. Soik hat Schlafforscher der Harvard Medical School und des Massachusetts Institute of Technology für sein Team ­engagiert. Sie sollen das Programm mit Updates füttern, etwa Fragebögen, die dem User helfen, sich detaillierter an seine Träume zu erinnern. Ab 10. August wird Shadow gratis im iTunes Store erhältlich sein. „Wir rechnen bis Ende 2014 mit ­einer Million Downloads.“ In Berlin ist es mittlerweile drei Uhr früh. Soik erzählt vom seltsamsten Traum seines Lebens: „Ich besuchte mit Michael Jordan eine Party im Berliner Reichstag. Wir stiegen die Treppen in die Glaskuppel hinauf. Über uns schwebte ein Hologramm, das Michaels spektakulärste Slam Dunks zeigte. Als wir oben in der Kuppel ankamen, wachte ich auf.“ Soik hatte diesen Traum in der Nacht vom 10. auf den 11. November 2012 in ­einem stickigen Hotelzimmer in Mexiko. Warum er das Datum so genau weiß? „Der Traum hielt mich auf eigenartige Weise beschäftigt und war letztlich der Anstoß, der mich auf die Idee mit der App brachte“, sagt er. „Ich wollte herausfinden, ob irgendwer sonst wo auf der Welt denselben Traum träumt.“ Vergangenes Jahr speicherte er den Traum als ersten Datensatz in seine App. Kann ja sein, dass ­jemand mit Michael Jordan im Berliner Reichstag Party machen möchte. „Shadow“-Download für Red Bulletin-Leser: www.discovershadow.com/redbulletin the red bulletin


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Die Musikindustrie steckt in der Krise, Linkin Park geht’s besser denn je: 60 Millionen verkaufte Alben, 62 Mil l ionen Fa ns auf Facebook . Mehr a l s jede a nder e Ba nd.

digital

Chester Bennington, Dave Farrell, Brad Delson, Joe Hahn, Rob Bourdon, Mike Shinoda (v. li.). Oder mit zwei WĂśrtern: Linkin Park

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besser Wie sich die k alifornischen Platin-Rocker seit 1 4 J a h r e n a n d e r Sp i t z e h a l t e n ? M i t t e c h n i s c h e r innovation, musik a lischer Hä rte – und Selbstironie. i n t e r v i e w: A n n D o n a h u e

Bill Boyd

ist


V

or knapp 14 Jahren veröffentlichten Linkin Park ihr Debütalbum „Hybrid Theory“. Im Jahr 2000. Als Alben noch auf Kassette veröffentlicht wurden, Napster sich im Teststadium befand und die Menschen Radio noch mit, ähm, Radiogeräten hörten. Viele Bands überlebten den radikalen Wandel der nächsten Jahre nicht. Linkin Park dagegen sind populärer denn je. Das neue Album der Kalifornier erscheint dieser Tage – und stürmt garantiert auf Nummer eins der US-Charts. Warum so sicher? Weil dem Sextett das auch mit den letzten vier Platten gelang. Dabei klingt „The Hunting Party“ richtig ungestüm. Es ist ein Album, das in seiner Härte an die Anfangstage der Band erinnert. Als wir Rapper Mike Shinoda und Bassist Dave Farrell trafen, wollten wir wissen: Wie begeistert man eine junge Generation für den Nu-Metal-Sound? Und wie hält man 62 Millionen Facebook-Fans bei Laune? The Red Bulletin und Linkin Park, ein Gespräch über Technologie, Telefonzellen und Schlappschwänze-Rock.

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the red bulletin: Euer neues Album klingt entschlossen und hart. Härter als die meisten Rockplatten momentan. Woher kommt dieses Feuer? mike shinoda: Da war vor kurzem ein Artikel im Internet mit einer coolen Überschrift: „Aktueller Rock ’n’ Roll klingt scheiße und depressiv.“ Der Schreiber verglich die Musik zur Zeit von Nirvana mit der von heute. Er meinte: „Mumford and Sons geht heute als Rockmusik durch? Ernsthaft?“ Er beschrieb die Bands der Gegenwart als „schlappschwänzig“. Was du wohl auch so empfindest? shinoda: Ich fand das sehr treffend. Es gibt derzeit zu wenig geile, harte Bands. Und dieses Vakuum wollen wir mit unserem neuen Album füllen. Wir holten uns dazu Inspiration von den Helden unserer Jugend. Von Bands wie Refused, Helmet und At the Drive-In. Wenn du die frühen Platten dieser Gruppen anhörst, spürst du diese Spontaneität, diese Räudigkeit, die der Rockmusik heute fehlen. Songs, die dich zum Schwitzen und Mitgrölen bringen … dave farrell: Ja, Mann! Ein wichtiges Kriterium beim Schreiben eines neuen Songs war: Wird er auf der Bühne ab­ the red bulletin


Als Neunzehnjähriger gründete Mike Shinoda (re.) Linkin Park mit zwei Schulfreunden. Inzwischen hat man weltweit 60 Millionen Platten verkauft und zwei Grammys gewonnen.

Corbis, getty images

„ A n fa n g s ­f r ag t e n w i r ­B e s u c h e r b e i Konzerten nach ihr en A dr essen, um sie über uns auf dem L auf en‑ den zu h alten. Per Br ief ! E‑Ma il-A dr esse h at te ja noch kaum w er .“ gehen? Werden wir Spaß daran haben, ihn live zu spielen? Wird der Plan aufgehen? shinoda: Das sehen wir auf unserer Sommer-Tour mit 30 Seconds to Mars. Wir haben uns dafür viel vorgenommen und uns eine ganz neue Show einfallen lassen. Mit Laser-Blitzen und Pyro-Kanonen? shinoda: Das nicht (lacht). Es geht nicht um eine pompöse Lichtshow. Sondern wie wir unsere Konzerte aufbauen. Was meinst du damit? shinoda: Als wir mit unserer ersten Platte auf Tour gingen, mussten wir alle Songs spielen, die wir hatten – einfach um auf Konzertlänge zu kommen. Nach dem zweiten Album konnten wir selektieren. Bei der dritten Platte wurde es dann aber heikel. Wir hatten schon so viele Hits und Songs, die unsere Fans unbedingt hören wollten, dass es immer schwieriger wurde, einige davon wegzulassen. Weil das Publikum bei Konzerten lautstark danach verlangte. Das nennt man Jammern auf sehr ­hohem Niveau  … shinoda: Klar. Trotzdem wird es einfach langweilig, immer wieder die gleichen Songs in der gleichen Reihenfolge ab­ zuspulen. Deshalb wollen wir für die the red bulletin

kommende Tour einen neuen Weg finden, um unsere Fans zufriedenzustellen – und die Konzerte für uns spannend zu halten. Der Plan: Wir gestalten die Setlist flexibel. Jedes Konzert klingt anders. Und wir ­mischen die Songs des neuen Albums ­unter die Hits, bei jeder Show neu. Euer erstes Album wurde 2000 auch noch als Musikkassette veröffentlicht. Das sagt ziemlich viel über eure Karriere aus, findet ihr nicht? shinoda: Du wirst es nicht glauben, aber unsere Alben werden heute noch auf Kassette gehört. In Asien erleben wir das oft. Die stehen total auf Kassetten. farrell: Genau wie Trucker in Nashville. shinoda: Es ist schon absurd. Als wir mit der Band anfingen, fragten wir Besucher bei Konzerten nach ihren Adressen, um sie über die Band auf dem Laufenden zu halten. Per Brief! E-Mail-Adresse hatte ja damals noch kaum wer. Und keine Handys. farrell: Ja! Hahaha! Wenn wir auf Tour telefonieren wollten, zum Beispiel, um den Club in der nächsten Stadt anzurufen, musste sich der Busfahrer auf die Suche nach einer Telefonzelle machen. Bizarr! Statt Briefe zu schreiben, promotet ihr eure Musik heute über den MusikIdentifikationsdienst Shazam. shinoda: Weil die App genial und sehr verbreitet ist. Ich verwendete sie zum ­ersten Mal in einer Hotelbar in Mexiko. Im Radio lief ein Song, den ich großartig fand. Aber ich hatte keine Ahnung, von wem er stammte. Ich startete also Shazam, und binnen Sekunden hatte ich Künstler und Songtitel auf meinem Handy-Display. Wie hilft das euren Albumverkäufen? shinoda: Wir arbeiten mit den Jungs zusammen. Wenn du einen unserer Songs via Shazam suchst, bekommst du das Ergebnis – und dazu einen Link zu unserer neuen Single. Die kannst du dann auf Shazam exklusiv vorab hören.

Ihr komponiert Tracks für Computerspiele und entwickelt Musik-Software: Habt ihr als Band die digitale Revo­ lution aufgrund eurer TechnologieAffinität überlebt? shinoda: Das könnte sein. Technologie war immer ein wichtiger Motor der Band. Nicht, weil wir das Gefühl hatten, mit dem Zeitgeist mithalten zu müssen. Es hat uns einfach immer interessiert. Schon als Kinder waren wir verrückt nach Videospielen auf der Amiga-Konsole. Heute teste ich ständig neue Apps am Smartphone. Eine Empfehlung? shinoda: Kennst du Facetune? Damit kannst du Falten auf Porträtfotos weg­ retuschieren. Die meisten Leute ver­ wenden die App, um sich hübscher zu machen. Ich mache genau das Gegenteil damit: Menschen entstellen. Erst jage ich das Foto durch meine Zombify-App, damit das Gesicht schön halbtot aussieht – und dann lasse ich Facetune die Visage glattbügeln. Sieht irre aus: wie ein Zombie, ­geschminkt für einen Fernsehauftritt. ­Solche Dinge machen mir Spaß. Klingt, ähm, nach einem amüsanten Zeitvertreib. shinoda: Ich finde Technologie nicht deshalb spannend, weil man damit die Welt verändern kann. Sondern weil du damit Zeit totschlagen und deine Freunde zum Lachen bringen kannst. Für jemanden, der 62 Millionen Face­ book-Fans hat – mehr als jede andere Band –, klingt das aber gar ­kokett, nicht? farrell: Da musst du unterscheiden: Klar ist Facebook für Künstler heute ­extrem wichtig. Auf unserem Band-Profil geben wir uns Mühe, unsere Fans zu verwöhnen. Wir haben Online-Spiele für sie, posten Videos aus dem Studio und lassen unsere Fans so gut wie möglich am BandGeschehen teilhaben. Aber daneben hab ich noch mein privates Profil, auf dem ich meinen eigenen Sinn für Humor pflege. Der mit der Band nicht unbedingt etwas zu tun hat. … das heißt? farrell: Nimm zum Beispiel mein ­Instagram-Profil. Da habe ich kein Interesse daran, den Leuten unter die Nase zu reiben, wie geil das Rockstarleben ist. Viel lieber poste ich Fotos von den hässlichsten Dingen, die ich finden kann. Nicht, weil ich ein schlechter Mensch bin. Es ist mehr ein soziales Experiment: Folgen mir Leute auch, wenn ich nur Bilder meiner Mülltonne hochlade? Noch hast du 31.000 Instagram-Fans. farrell: Verdammt, wirklich? Dann muss ich wohl noch radikaler werden (lacht). www.linkinpark.com

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extrem re is e n

into the wild

Paragleiten vor Riesen-Wasserf채llen, Klettern in einer gl체henden Wand, Wildwasser-Kajakfahren 체ber Ruinen. Hier verraten Extremsportler die Playgrounds, von denen sogar sie tr채umen.

eric parker

T e x t: A r e k P i at e k

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Die zweistufigen ToketeeWasserfälle im US-Bundesstaat Oregon – 36 Meter hoch, abgeschieden, anspruchsvoll, gefährlich – ziehen Extrem-Kajakfahrer unwiderstehlich an. Fred Norquist (USA) nahm einiges auf sich, seilte sein ­Kajak und sich ab, um zu den Fällen zu gelangen. „Die Belohnung rechtfertigte alle Strapazen: ein grandio­ ser Ausblick und am Ende ein 20-Meter-Freifall im ­tosenden Wasser. Herrlich!“


höheren Wellen

als hier. Zu Atem Kommen?

Keine Chance.“

eric parker, John Rathwell/Red Bull Content Pool

„Ich kenne keine


W il dwasserkajak

Ottawa River · Kanada Faszinierend und gefährlich: die Deschênes-Stromschnellen des Ottawa River kurz vor Kanadas Metropole ­Ottawa. „The Ruins“, die Ruinen eines Staudamms aus dem 19. Jahrhundert, verwandeln die Stromschnellen in ein Kajak-Paradies aus Strudeln und Wellen. Vor allem wenn der Fluss im Frühjahr Hochwasser führt, gibt es für WildwasserFreaks keinen besseren Platz.

Das sagt der Pro Dane Jackson Regierender Freestyle-KajakWeltmeister Vor zehn Jahren wollte die Stadt den verfallenen Damm wieder aufbauen. Zum Glück haben sie es nicht getan. Die Ruinen werfen extreme Wellen auf, die größten, die ich kenne. Das bedeutet: enorme Airtime bei Sprüngen – du kannst also Tricks performen wie nirgendwo sonst. Dazu ist der Fluss verdammt schnell, stark und konstant. Du musst nie auf eine Welle warten. Oder anders gesagt: Du kommst nie zu Atem. Ein Paradies!



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Johannes Mair/Red Bull Content Pool, Elias Holzknecht


„Der rote Sandstein

wird in der Sonne Brennheiss,

doch für dieses Klettergefühl nimmst du das gern in Kauf.“

Spo rt k l et t ern

Badami · Indien Etwa 150 Kilometer südöstlich des bekannten indischen Boulder-Spots Hampi liegt die Kleinstadt Badami – ein Geheimtipp für Sportkletterer. Herrlich zu kletternder Sandstein, viele unberührte Routen. Dass Badami touristisch kaum erschlossen ist, hat den Vorteil der freien Routenwahl und des erfrischenden Abenteuer-Feelings. Und den Nachteil, sagen wir, authentisch indischer Infrastruktur und Hygienestandards.



Das sagt der Pro Kilian Fischhuber Sportkletterer & Boulderer der absoluten Weltklasse Ein Sandsteinparadies. Du kannst aus einem genial großen Angebot anspruchsvoller, unberührter Routen wählen. Das Allerbeste ist die Felsqualität: Der kompakte Sandstein hat nur angenehme Gri≠flächen ohne scharfe Kanten oder Risse. Ein echter Luxus, selbst wenn der Fels bei Hitze so sehr aufheizt, dass Freiklettern in diesem Schwierigkeitsgrad unmöglich wäre. Apropos: aufpassen auf die Affen hier! Sie sind wieselflink und überzeugte Kleptomanen. Egal ob Essen, Rucksack oder Feuerzeug. Niemals deinen Kram aus den Augen lassen!

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Surfen

Tahiti · FranzösischPolynesien Gesurft wird auf Tahiti seit den 1960er Jahren. Besonders von Mai bis September herr­ schen konstant gute Bedingun­ gen. Da erzeugt der Wind in den sogenannten „Roaring Forties“, also rund um den 40. Breiten­ grad, permanent Wellen, die vor Tahitis Küste brechen.

Das sagt der Pro Michel Bourez Frankreichs TopSurf-Pro, Sieger des Margaret River Pro 2014

„Zum

ersten Mal

auf Teahupoo? warte besser auf die harmlosesten Bedingungen.“ 64



Ben Thouard/red bull content pool, alex laurel/red bull content pool

Auf Tahiti findet das Leben im Wasser statt. Und wir haben mit Teahupoo einen der berüchtigtsten Surfspots der Welt: Seine kraftvollen Wellen und das knapp unter der Wasserober­ fläche liegende Riff sind eine gefährliche Kombination und jagen auch Top-Surfern Angst ein. Mein Tipp für deinen ersten Teahupoo-Surf-Trip: Warte auf die harmlosesten Bedingungen! Am besten paddelst du bei Ebbe raus, so zwischen fünf und neun Uhr früh. Optimal wären noch Wellen von Südwest, Nordwind und klares Wasser. Viel Glück!


Fallschirmspringen

Eloy (Arizona) · USA „Skydive Arizona“ nennt sich das größte Skydive-Areal der USA, und das Städtchen Eloy mitten in Arizonas Wüste ist sein Zentrum. Die Bedingungen an dieser Pilgerstätte für unzählige Skydiving-Clubs aus ­aller Welt sind phantastisch: ganzjährig mildes Klima, kaum Regen, Wind und Wolken, atemberaubende Fernsicht.

Das sagt der Pro

michael clark,/red bull content pool(2), Dimitrios Kontzias/Red Bull Illume

Jon DeVore 17.000 Ab­ sprünge, 500 BASE-Jumps. Leader der„Red Bull Air Force“ Ein echtes Paradies für uns Sky­ diver. Ein riesiges Gebiet, perfekt isoliert mitten in der Wüste – also garantiert kein Stress mit Anrai­ nern –, Himmel, so weit das Auge reicht, über die Wüste und Berge kannst du im Freifall sogar nach Mexiko hinübersehen. Ein unver­ gessliches Erlebnis: Sprünge bei Sonnenuntergang. Herrlich, wenn sich in der Wüste Sand, Felsen und Kakteen in orangenes Licht hüllen, während du mit 300 Sachen kopf­ über auf die Erde zurast.

coverfoto Extratipp BASE-Jump-Hot­ spot: NavagioStrand, Zakyn­ thos (GRE). Sonne, Meer und 200 Meter hohe Klippen.

„Mit 300 km/h

Richtung Erde – und den Sonnenuntergang geniessen.“


Victoria Falls · Sambia/Simbabwe Die Victoria Falls im Grenz­ gebiet von Simbabwe und Sam­ bia sind Afrikas größte Was­ serfälle: Auf fast 1700 Meter Breite stürzt der Sambesi über 100 Meter tief in eine kleine Schlucht. Den dabei entstehenden 300 Meter hohen Sprüh­ nebel nennen Einheimische „Mosi-oa-Tuny“ („donnernder Rauch“). Wer die Falls von oben sehen will, muss einen hiesigen Helikopter mit ­Pilot buchen. Andere Arten des Sightseeings aus der Luft sind verboten.

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Das sagt der Pro Thomas de Dorlodot Paragleit-Star, längster Flug: 225 km in acht Stunden Um fünf Uhr früh flogen wir mit Motorschirmen los, bei Sonnenaufgang, knapp über den Bäumen. Der Plan: ein – nicht ganz legaler – Rundflug über die Victoria Falls, bevor die ersten SightseeingHubschrauber kommen. Denn dann wird’s gefährlich: TouristenHelis in der Luft, Militär, das Para­ gleiter hier gar nicht gern sieht, und keine Lande-Option, falls der Motor Probleme hat. Aber alles ging gut, das Erlebnis war atem­ beraubend: unglaubliche Regenbögen im Nebel, das gewaltige Tosen des Wassers. Angesichts des weltgrößten Wasservorhangs fühlten wir uns wie Livingstone, der 1855 die Falls als Erster sah.

Thomas de Dorlodot/Red Bull Content Pool, Vitek Ludvik/Red Bull Content Pool

Pa rag l eit en


„Das Erlebnis war

atemberaubend.

Regenbögen im Nebel, gewaltig tosendes Wasser.

Unvergesslich!“


„Jeder Eispickelschlag ging durch

Mark und Bein. Das Eis

schrie richtig.“


Eisb e rg kl et t e rn

Labrador · Kanada

Will Gadd Einer der erfahrensten und besten Eiskletterer der Welt Wer in Makkovik Eisberg klet­ tern will, muss zunächst Locals überzeugen, einen per Boot zum Eisberg zu bringen. Nicht einfach, denn die Leute halten dich für ver­ rückt, wenn du sagst, was du vor­ hast. Der Eisberg rollt ständig und kann dabei brechen, was ihn ex­ trem gefährlich macht: Jeder Eis­ pickelschlag fuhr mir bis in die ­Zehen. Das Eis schrie! Bei jedem Einschlag glaubte ich, der Teil, an dem ich hing, würde abbrechen und mich in die Tiefe reißen. Als ich wieder im Boot saß, wusste ich: Das Klettern war ein unglaub­ liches Erlebnis, aber ich werd’s nie – niemals! – wiederholen.

Christian Pondella/red bull content pool

Nur 400 Einwohner zählt das Nest Makkovik an Kanadas Nordküste. Jahres-Durchschnittstemperatur: null Grad Celsius. Das heißt: Selbst im Hochsommer ziehen zahlreiche Eisberge an der Küste vorbei. Eine Besonderheit der weißen Kolosse: Die enormen Tempe­ raturunterschiede zwischen Kern und Oberfläche setzen sie unter derart große Spannung, dass der Eisberg jederzeit ­explodieren und in zahllose ­Teile zer­brechen kann.

Das sagt der Pro



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Daniel Ricciardo, 24, legt exklusiv f端rs Red Bulletin eine flotte virtuelle Runde in Spielberg hin.

Die perfekte 70




F1

Red Bull Ring spezial

Runde

Wo es passiert: Der Simulator von Infiniti Red Bull Racing. Sechs Hydraulikzylinder lassen das Chassis 端ber alle Ebenen rollen, kippen und vibrieren wie im wahren F1-Leben.

Bevo r das erste Auto startet , kennen d i e Teams l 辰ngst j eden Meter: So f端hlt si ch Spi el ber g i m Si mul ato r vo n Infi ni ti Red Bul l Raci ng a n. Text: Werner Jessner, Bilder: J端rgen Skarwan


Daniel am Ausgang der heutigen Würth Kurve, früher als Berger Kurve bekannt. Die Techniker im Simulator nennen sie schlicht „T5“.


D i e Fa h re r s i tze n i n e i n e m o ri g i n a l e n M o n o c o q u e , vo r s i c h d a s  18 0 - G ra d - Pa n o ra m a d e r R e n n stre c ke , d i e m i tte l s d re i e r B e a m e r a u f d e n s c h wa rze n H i nte rg ru n d p ro j izi e rt w i rd . D i e ­S i m u l ati o n i st d e rm a ß e n re a l i sti s c h , d a s s N e u l i n g e h ä u fi g s e e kra n k we rd e n .


Bestzeit! T3 Rauch Kurve „Geht bergab. Die Autos neigen zum Untersteuern.“ km/H 300

T1 Castrol Edge Kurve „Hart auf der Bremse. Radius ist enger, als er scheint.“ km/H 300

km/H 300

267 km/h

250

175 km/h

200

150

200

140 km/h

150

G

2,3 G

100

G 3

100

3

2,0 G

2 50 1 0

0G

Eingang GANG 7 267 km/h 0G

scheitel 2

ausgang 3

120 km/h 2,3 G

175 km/h 0G

1 0

0G

Eingang GANG 7 270 km/h 0G

T4 Pirelli Kurve „Schnelle DoppelLinks. Ist in einem Zug zu fahren.“

scheitel 1

ausgang 3

77 km/h 2G

140 km/h 0,2 G

T5 Würth Kurve „Das ist der ­lustigste Teil der gesamten Strecke.“ km/H 300

268 km/h

250

250

232 km/h

204 km/h

193 km/h 200

157 km/h

150

200

200

150

150

2,6 G

G 100

3

2,1 G

100

G 3

2

50

0G

270 km/h 0G

74



scheitel 1

ausgang 3

100 km/h 2,1 G

157 km/h 1,3 G

G 3 2

50

1

Eingang GANG 7

2,5 G

100

2 50

0

2

50

km/H

250

270 km/h

250

300

270 km/h

T2 Remus Kurve „Hängt nach außen. Man verliert leicht das Heck.“

1 0

0G

Eingang GANG 6 268 km/h 2,3 G

scheitel 3

ausgang 4

155 km/h 2,6 G

193 km/h 2,1 G

1 0

0G

Eingang GANG 5 232 km/h 2,7 G

scheitel 3

ausgang 4

156 km/h 2,5 G

204 km/h 0,6 G

the red bulletin

peter clausen film

Eine flotte Runde m i t D a n i e l R i c c i a rd o in Spielberg: Drei­ mal erreicht er knapp 300 Stunden­ k i l o m e t e r, z w e i ­ mal muss er bis in den ersten Gang z u r ü c k­s c h a l te n . B e i ­R e d a k t i o n s s c h l u s s n o c h n i c h t d efi n i e rt: die Position der D R S -Zo n e n .


„Überholen? Bergauf vor der Remus Kurve.“

Red Bull Ring 8 Kurven, 4,326 km: Insgesamt 71 Runden oder 307,146 km wird der Sieger des 33. Großen Preises von Österreich am 22. Juni 2014 hier in Spielberg zurücklegen.

T2 295 km/h

T3

T4

300 km/h

T5

T6

295 km/h

T7

296 km/h

T1

T8

Quali Lap Time: 1:15,5 Race Lap Time: 1:17,0

T6 Kurve sechs „Im Ausgang so weit als möglich über die Curbs.“ km/H

254 km/h

215 km/h

T8 Red Bull Mobile Kurve „Öffnet im Exit, Tempo mitnehmen für die Gerade.“ km/H

km/H

300

250

T7 Rindt Kurve „Schnell und bergab, mit den höchsten Fliehkräften.“

300

300

260 km/h 250

205 km/h

250

200

200

200

150

150

150

2,9 G

G

2,1 G

100

3

100

3

0G

scheitel 5

ausgang 6

215 km/h 0,8 G

232 km/h 2,1 G

254 km/h 1,17 G

the red bulletin

3 2

50

1

Eingang GANG 5

G

2,5 G

100

2 50

0

180 km/h

G

2 50

220 km/h

1

1 0G

0

Eingang GANG 7 260 km/h 2,6 G

scheitel 4

ausgang 4

184 km/h 2,9 G

205 km/h 2G

0

0G

Eingang GANG 5 220 km/h 0,8 G

scheitel 2

ausgang 4

140 km/h 2,5 G

180 km/h 1,4 G

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H Andy Damerum ist der Mann in der Zentrale. Der Tech­ niker hat nicht nur Kontrolle über das hydraulische Hexa­ pod, sondern sieht auch jede Bewe­ gung des Piloten.

Der Fahrer im ­Simulator ist per Interkom mit der Zentrale verbunden – genau wie im echten Rennfahrer­ alltag. Prominent platziert: der Not-Aus-Knopf.

eute ist der Groß­ vatersitz montiert“, grinst ein gut ge­ launter Daniel, als er pünktlich um halb neun Uhr in den Simulator in der Fabrik von Red Bull Technology klettert. „Normaler­ weise verwendet ­jeder Fahrer seine eigene Sitzschale.“ Und das aus gutem Grund: Bis zu acht Stunden pro Tag ver­ bringen die Piloten in diesem fensterlosen, schwarz ausgemalten und nicht sonderlich gut klimatisierten Raum in Milton Keynes, um ihre Simulationen zu absolvieren. Die Lampen der drei Beamer und die Hitze der Rechner heizen den Raum so stark auf, dass man eine kleine Lufthutze ans Cock­ pit montiert hat, durch die ein kleiner Ventilator den Fahrern Luft zufächelt. Daniel hat viele, viele Runden in Spiel­ berg absolviert. „Am Freitag wird die Strecke noch ziemlich grün sein. Je mehr Gummi auf den Asphalt kommt, desto schneller werden die Rundenzeiten sein. Das müssen wir in der Simulation für das Rennen berücksichtigen. Ich mag es, wenn sich die Bedingungen ändern.“ ­Virtuell auch schon im Regen gefahren? „Klar, aber ich hoffe, dass wir ein schönes Sommerwochenende in Österreich erleben werden.“ Anders als in der DTM darf die asphaltierte Auslaufzone hinter der ersten Kurve nicht befahren werden, sondern nur die Curbs. Die Daten aus dem Simulator ergeben, dass vor allem der linke Vorder­ reifen stark beansprucht wird. Die Strate­ gie: „Ich glaube, dass wir mit zwei Boxen­ stopps durchkommen.“ Das Fahren im Simulator von Infiniti Red Bull Racing hat nichts mit PlayStation spielen zu tun, bestätigt Ricciardo: „Bloß zu wissen, ob es nach links oder rechts weitergeht, reicht nicht. Das Fahrverhalten ist dem des echten Autos sehr ähnlich. Neulinge schaffen es vielleicht, langsam um die Strecke zu kriechen. Sobald man aber zu beschleunigen versucht, ist das geschulte Sensorium eines Rennfahrers gefragt. Näher als hier kann man dem echten Feeling nicht kommen.“ Sprach’s und drehte sich ausgangs der Rindt Kurve ins Kiesbett. „Besser jetzt als im Juni“, lacht der sympathische Aus­ tralier übers ganze Gesicht, während in der Kommandozentrale dahinter Driver Development Manager Andy Damerum das Auto wieder auf die Strecke bringt. Das spektakuläre Video von Spielberg auf www.redbulletin.com

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the red bulletin


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Runter! An Bord des „Super Aviator“ er­ leben Sie Hawaiis Unterwasserwelt wie nie zuvor: Ein Tipp mit Tiefgang. Reisen, Seite 80

the red bulletin

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Action!

travel

Der UnterwasserFlieger taucht bis 300 Meter tief.

Hawai i mal drei Was Sie im Insel­ paradies sonst noch unter­ nehmen sollten

Paddeln Ein 25-KilometerKajak-Trip durch die raue See entlang Kauais abgelegener Na-Pali-Küste ist nichts für schwache Oberarme – aber ein unvergessliches Erlebnis für Abenteurer. hawaiiactive.com

Torpedoooh!   U nterwasser extrem  Der knapp sieben Meter lange Super Aviator schwimmt nicht, er fliegt.

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Schwitzen Die Besteigung des Kilauea, eines der aktivsten Vulkane der Erde, ist spektakulär: Man kann sich den glühenden Lava-Ausläufern bis auf wenige Meter nähern. kalapanalavaboat.com

Tipps vom Profi Videospielen „Beim Tauchgang mit dem Super Aviator gibt es keine Passagiere. Nur Piloten“, sagt John Lewis. „Beide Cockpits sind mit Steuergeräten ausgestattet. Das Tolle dran: Jeder mit etwas Videospiel-Erfahrung gewöhnt sich mühelos an den Umgang mit Joystick und Steuerpedal.“

Unterwasser-Cabrio

„Wer den Film ‚Das Boot‘ gesehen hat, e­ rwartet, dass eine Unterwasserfahrt zur klaustrophobischen Grenzerfahrung gerät“, sagt John Englander. „Aber wenn der Super Aviator ins Wasser eintaucht, verschwindet die Glaskuppel scheinbar. Der Ausblick ist klar, es fühlt sich an, wie in einem offenen Doppeldecker zu fliegen.“

Staunen Es gibt nicht viele Surfer, die es mit den Wellen der Jaws-Bucht aufnehmen. Aber die Weltbesten dabei zu beobachten ist schon ein Erlebnis für sich. gohawaii.com

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Stephen Frink, shutterstock(2), Brian Bielmann/Red Bull Content Pool

Sagen Sie niemals U-Boot zu ihm. Der Super Aviator, 6,7 Meter lang und 1,7 Tonnen schwer, sieht aus wie eine ins Meer gefallene Rakete und verhält sich – zumindest ein bisschen – auch so: schnell, stark, wendig. Der Zweisitzer mit der völlig intuitiven Steuerung kann abrupt anhalten und auf der Stelle schweben, enge Kurven ziehen. Und jetzt das Allerbeste: Wenn der Super Aviator gerade nicht für Film- oder Wissen­ schaftsprojekte im Einsatz ist, kann man ihn tage­ weise mieten. Freilich nicht für den romantischen Ausflug mit der Dame des Herzens, sondern mit John Lewis als Co-Pilot, dem Geschäftsführer von Sub ­Aviator Systems. Trotzdem geil. „Der UnterwasserFlieger beschleunigt auf immerhin 11 km/h“, sagt er. „Bubble-Subs (motorisierte Glaskuppeln; Anm.) sind nur halb so schnell. Das reicht, wenn du in der Nähe eines Riffs tauchst. Aber bei Strömung kommst du nicht voran. Mit dem Super Aviator dagegen kannst du als Taucher völlig neue Gefilde erkunden.“ Der US-Ozeanograph John Englander verwendete das Vehikel vor der Küste von Hawaii. „Ich steckte schon tausende Stunden in Taucheranzügen“, sagt er, „ich steuerte U-Boote und Flugzeuge. Aber den Ozean im Super Aviator zu erforschen war selbst für mich eine neue, faszinierende Erfahrung: Die Tagesmiete für Die Ausrüstung ist dir nicht im den Super Aviator Weg. Es ist faszinierend: Du sitzt auf Hawaii beginnt im Trockenen und hast einen bei 3350 Dollar. ganz klaren Blick auf die Meereswww.incredibleadventures.com welt um dich herum.“


Action!

Profi-Gear

B issi g Rickie Fowler spielt Schläger der Marke Cobra. Sein Equipment: Erleichtert Die neue Roven­ cia-Plus-Mikro­ faser reduziert das Gewicht des Schuhs auf 366 Gramm.

Gebunden Das Schnürsystem ist vom Ober­ material abgesetzt und verbessert ­dadurch den Halt am Mittelfuß.

Tiefer gelegt Standfest: Die austausch­baren Swing Speed Quill Spikes reduzieren die Standhöhe um 32 Prozent.

Cobra Bio Cell Pro Driver Acht verschiedene Loft-Einstellungen: Über die Neigungswinkel der Schlagfläche lässt sich die Flugkurve des Balles feinjustieren.

Cobra Bio Cell Eisen

Angepasst Die 1,4 mm dünne Power-Frame-­ Außensohle mit Flex-Fugen macht sämtliche Fuß­ bewegungen mit.

Mehr Fehlertoleranz: Lange und mittlere Eisen sind an Spitze und Ferse mit dem Schwermetall Wolfram gewichtet.

Farbenspiel   G olf  Rickie Fowler bringt Farbe auf die Grüns. Sein HighTech-Schuh ist aber weit mehr als ein Modegag. Jungstar Rickie Fowler, 25, gilt bei den 114. US Open (12. bis 15. Juni) als ­einer der Mitfavoriten.

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2009 tauchte Rickie Fowler als Zwanzigjähriger auf der PGA Tour auf. Und fiel nicht nur mit seinem Spiel auf (der Kalifornier war 2010 „Rookie of the Year“), sondern auch mit individuellen Fashion-Statements. Einen Hang zu extravaganten Outfits drückt er auch in seinem neuen Schuh aus (gibt’s derzeit in

sechs verschiedenen Farben), den er gemeinsam mit Wissenschaftlern und Technikern entwickelt hat. „Flexibilität, Seitenhalt und Tragekomfort sind perfekt – der Biofusion ist der beste Schuh, den ich je ­ge­tragen habe, die perfekte Unterstützung für meinen Schwung.“ www.rickiefowler.com

Cobra Bio Staff Bag Rund 20 Kilo Ausrüstung und Verpflegung schleppt Fowlers Caddie auf der Runde. www.cobragolf.com

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Action!

City Guide

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Schanghai

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Indoor-Spass in Schanghai

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Schanghai, China

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Cheng Liang, ­Regisseur und ­Filmemacher aus Schanghai

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Eine geniale Indoor-Rennstrecke, 4500 Quadrat­ meter groß, und dazu eine Bar, die alle Stücke spielt. „Drive and drink“, genau in dieser Reihenfolge. kartingchina.com

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Ufer des Suzhou gelegen, briti­ sches Art déco, innen erinnert es an ein Labyrinth. Ein kleines Hotel ist darin untergebracht, die Aussicht aus den Zimmern ist schlicht phantastisch.

Big E Entertainment

„Das Besondere an Schanghai? Es ist eine Metropole, in der sich die modernsten und traditionellsten Seiten der chinesischen Gesellschaft zeigen“, sagt Cheng ­Liang, einer der wenigen jungen Regisseure, die sich intensiv mit Schanghai auseinandersetzen. Und das mit Erfolg: Sein Kurzfilm „City of Black and White“ wurde über zwei Millionen Mal gesehen, in diesem Jahr will Cheng in Cannes an den Start gehen. „Schanghai hat als Kolonialstadt Weltoffenheit gelernt, ja lernen müssen“, sagt er. „Die westliche und die chinesische Kultur sind hier miteinander verschmolzen wie nirgends sonst.“ Cheng absolvierte die Pekinger Filmakademie, kehrte aber nach dem Studium bald in seine Heimatstadt zurück. „Keine andere Stadt inspiriert mich so wie Schanghai.“ bit.ly/1rYhkjZ

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2 Gaolan Road Dieser Park im französischen Stil steckt für mich voller Jugend­ erinnerungen. Du triffst dort ­Leute aus allen Schichten, junge Liebespaare ebenso wie Groß­ mütter beim täglichen Tai-Chi.

4 Wanshang Flower

& Bird Market 417 South Xizang Road Für mich der beste Blumen- und Vogelmarkt in ganz China: ein einziges atemberaubendes Spektakel mit Grillenkämpfen und traditionellen Spielen wie dem „Goldfischschöpfen“.

CR Wind

2 Yongkang Road,

Die Bar-Meile Globalisierungs-Trubel neben chinesischer Kontemplation. Ich lebte hier und castete meine Nachbarin, eine elegante ältere Dame, für einen meiner Filme.

3 Schloss am Fluss

400 North Suzhou Road Für mich Schanghais schönstes Gebäude im Kolonialstil. Am

bigecn.com

5 Shanshan Restaurant

774 Xianxia Road Ein völlig unscheinbares Restau­ rant, aber für mich ein Fixpunkt. Ich frühstücke immer hier. Hier gibt es die besten gedämpften Teigtaschen, die man sich vor­ stellen kann, zu unschlagbaren Preisen.

Lust auf SkydivingAbenteuer, aber keine Lust auf Skydiving-Risiko? Die einfachste Art, die Schwerkraft zu überwinden, bietet Chinas einziger vertikaler IndoorWindtunnel. www.crwind.com

the red bulletin

Xifan Yang

  S changhai  Regisseur Cheng Liang über fünf Lieblingsplätze in seiner Heimatstadt – zwischen gedämpften Teigtaschen, kämpfenden Grillen und Grossmüttern beim Tai-Chi.

1 Fuxing Park

corbis(4), shutterstock(3)

Der Westen im Osten

Lasergames, Minigolf? Na ja. Aber wer in Chinas einzigem fluoreszierendem Freizeitpark weiße Klamotten trägt, hat garantiert Spaß.


Action!

Feierabend Der britische Rapper JME ist Stammgast auf der Fabric-Bühne.

ClubKlang Seit 13 Jahren veröffentlicht Fabric Mix-CDs seiner StammDJs. Die besten drei von bisher 150 Releases:

Jacques Lu Cont Ultimativer PartyMix des MadonnaProduzenten. Sein eleganter Übergang von „Also sprach Zarathus­ tra“ auf „Sweet Dreams“ von ­Eurythmics ist bis heute unerreicht.

Bass-Massage

Früher baumelte im Fabric Fleisch von der ­Decke. Vor der Club-Eröffnung 1999 war das Gebäude in Ostlondon ein Kühlhaus des Fleischmarkts nebenan. „Kulturell war die Gegend damals Brachland. Keine Szene, nicht einmal Taxis“, erinnert sich Betreiber Cameron Leslie. „Wie wir die Besucher anlockten? Wir starteten par­ allel ein billiges Taxi-Unternehmen. Vor dem Club standen immer Wagen, die dich heimbrachten.“ Die Raver waren begeistert. 2300 m² Tanzfläche, bassige Underground-Sounds von Techno bis Dubstep, drei Floors. Einer davon heißt Bodysonic: Der Boden ist mit 400 Sensoren aus­ gestattet, die Schallwellen in Vibrationen umwandeln. Dreimal wurde Fabric vom Szene-Organ „DJ Mag“ zum besten Club der Welt gewählt. Was liebt Leslie an seinem Laden? „Viele finden den labyrinthartigen Aufbau des Clubs verwirrend“, sagt Leslie. „Aber genau darin liegt seine Stärke: Oft landest du zufällig in einem Raum – und entdeckst so neue DJs.“ Fabric 77A Charterhouse Street London EC1M 6HJ, England www.fabriclondon.com

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Volles Fabric, das heißt: 2500 Tänzer, drei Nächte pro Woche

After-Party Es ist Sonntag, 8 Uhr Früh. Das Fabric macht dicht, doch du bist noch hellwach. Was tun?

Frühstücken Im Fox & Anchor nebenan treffen einander morgens Marktarbeiter und Raver, Speck und Spiegelei. 115 Charterhouse Street, London EC1M 6AA Stöbern Vom Fabric aus sind’s vier U‑Bahn-Stationen bis zum coolsten Flohmarkt: Am Brick Lane Market gibt’s Hipster-Klamotten und RetroMöbel zu fairen Preisen. Brick Lane, London E1 6PU Weitertanzen Londons beste AfterhourParty heißt Jaded und star‑ tet sonntags um 5 Uhr. Aus‑ dauer-Tänzer sowie Früh­ aufsteher feiern dort bei Tee und Techno-Beats. Corsica Studios, 4 Elephant Road, London SE17 1LB

David Rodigan Der bald 63-jährige Radio-DJ gilt als Volksheld, weil er Reggae in den 1970ern in England populär machte. Auf seiner CD mixt er sich durch vier Dekaden jamaikanischer Musik.

Four Tet Der Meister der feingliedrigen Electronica trat mit diesem Mix ein Revival des ­britischen DanceGenres Garage los: Vergessene Klassiker treffen auf Hits junger Talente wie der Floating Points.

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jasper Brown(2), Sarah Ginn(2)

  l ondon  Vom Kühlhaus zum coolsten Club der Insel: Seit 15 Jahren setzt Fabric auf Underground-Musik und ­e inen vibrierenden floor.


HORNUSSER NEWS

JEDE WOCHE NEU www.shj-zeitschrift.ch

39 AZA 3084 Wabe rn Oktober 2013

Offizielle Zeitschrift Eidgenössischer Schwingerverband Eidgenössischer Hornusserverband Eidgenössischer Jodlerverband

Ich möchte die Zeitschrift «Schwingen Hornussen Jodeln» kennenlernen und bestelle mein o Jahresabonnement (49 Ausgaben) für Fr. 57.– o Gratis-Probeabonnement für 2 Monate X Zutreffendes bitte ankreuzen Name

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Action!

laden & Lauschen

In den letzten zehn Jahren hat sich Owen Pallett den Ruf eines Paganini des Pop erarbeitet: 2004 heuerte er als Violinist bei Arcade Fire an und schreibt seitdem alle Streicher-Arrangements für ihre Alben. Heute lassen auch Kollegen wie Robbie Williams und The National ihre Songs von ihm symphonisch veredeln. Palletts Herzensangelegenheit ist aber sein Soloprojekt. Seine emotionalen, melodiös komplexen Indie-PopSongs klingen, als würde Brian Eno den jungen David Bowie auf einer Stradivari begleiten. Im Februar war Palletts Soundtrack für Spike Jonzes Film „Her“ für einen Oscar nominiert, nun veröffentlicht er sein viertes Album „In Conflict“. Welche Songs ihn bei der Arbeit daran inspirierten, verrät er hier.

Songs, durch­ dacht wie ein Schachspiel   P laylist  Gespenstische Gitarren, primitive Grooves: Der Arcade-FireGeiger über die fünf Platten, die in seinem neuen Album stecken.

www.owenpalletteternal.com

1 Eurythmics

2 Silver Apples

3 The Luyas

Als ich fünf Jahre alt war, hörte ich fast nur klassische Musik – Bach, Mozart. Aber Eurythmics passten auch irgendwie dazu. Weil der Synth-Pop des Duos so präzise und mathematisch ist, so durchdacht wie ein Schachspiel. Dieser Song ist die perfekte Fusion aus sterilen, synthetischen Klängen und emotionaler Tiefe in der Melodie.

Ich war 19, als mir ein Schall­ plattenver­ käufer diese Scheibe in die Hand drückte. „Brauchst du“, meinte er. Und hatte recht. Der trockene Beat dieses PsychedelicKlassikers ist genial. Auf meinem Album kopierte ich den Drum-Sound. Der Trick: Mein Schlagzeuger spielte ohne Tempovorgabe. Dadurch klingen Songs wie „The Sky Behind the Flag“ sehr lebendig.

Das Haupt­ instrument dieser kana­ dischen Band heißt Mood­ swinger. Eine Kreuzung aus Zither und Gitarre, die aussieht, als hätte sie ein Kind entworfen. Der Klang ist gespenstisch, die Sounds der Saiten verschwimmen ineinander. Genial! Auf Songs wie „The Passions“ stellte ich den Klang mit meiner Geige und vielen Effekten nach.

4 The Blue Nile

5 Green Velvet

Diese schot­ tische Band brachte in den 1980ern zwei Alben raus. Das erste trägt den Titel dieses Songs – und ist ein Meisterwerk. Seine eisige Stimmung und klangliche Klarheit hatten großen Einfluss auf meinen Song „The Secret Seven“: Die Stille am Anfang, dazu trillernde Synthesizer – den Aufbau hab ich mir von The Blue Nile abgeschaut.

Bis vor kurzem konnte ich mit House-­ Musik wenig anfangen. Das änderte sich, als ich auf diesen Klassiker aus Chicago stieß. Er besteht aus zwei primitiven Rhythmus-Mustern, die übereinandergeschichtet einen extrem packenden Groove erzeugen. Ebendiese rohe Atmosphäre versuchte ich auch mit den Beats auf meiner Platte zu kreieren.

„Love Is a Stranger“

„A Walk Across the Rooftops“

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„Program“

„The Stalker“

Drei Must-haves für den FestivalSommer:

Yelpie Der mobile Tresor für kleine Wert­ sachen. Wird seine Position ohne Eingabe der Nummernkombi ver­ ändert, ertönt ein 90-Dezibel-Alarm.

„Moodslayer“

SpeakaBoo Handlicher Bambus-Lautsprecher fürs iPhone. Verstärkt die Musik ohne Stromquelle, daher perfekt für lauschige Partys am Lagerfeuer.

M o b i les M ixen Gadget des Monats

Monster Go-DJ

Das erste Profi-DJ-Pult für die Jacken­ tasche: auf den zwei Touchscreens die am Gerät gespeicherten Tracks aus­ wählen und in Echtzeit bearbeiten. Mit dem Mikro-Mischpult in der Mitte die Stücke einfach ineinandermixen. ­Danach an die Clubanlage anschließen und loslegen!

Opteka BP-SC4000 Solar-Ladegerät, kleiner als ein Smartphone. Nach acht Sonnen­ stunden reicht die Energie, um Handys oder Kameras voll aufzuladen.

Peter Juhl

Owen Pallett, 35, kanadischer Indie-Pop-­ Musiker und Film­komponist

Feiern mit Plan

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Action!

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Stabhochsprung: das Parade­beispiel leicht­athletischer Körperbeherrschung

Raphael Holzdeppe holte 2012 in London OlympiaBronze und wurde 2013 in Moskau Weltmeister.

Höhen­ training

Ray Demski/Red Bull Content Pool(3), blackroll

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  L eichtathletik  Wie macht sich Stabhochspringer Raphael Holzdeppe zum Champion? „Mein tägliches Training ist ein brutales Ganzkörper-Workout“, sagt Raphael Holzdeppe, 24, seit vier Jahren einer der besten Stabhochspringer der Welt, „denn für ­unseren Sport brauchst du jeden Muskel: starke Beine für einen schnellen Anlauf, einen durchtrainierten Oberkörper, um dich am Stab aufwärts zu ziehen, aus­ geprägte Bauchmuskeln für einen raschen Hüftknick in der Luft sowie einen kräf­ tigen Rumpf für die Stabilität: Je stabiler und ruhiger du deinen Körper in der Luft halten kannst, desto mehr Höhe gewinnst du.“ Der Zweibrücker trainiert sechs­ einhalb Stunden täglich von Montag bis Freitag: „Gewichte stemmen in der Kraftkammer, Sprints auf der Laufbahn, ­Balancetraining mit Medizinbällen – und nicht zu vergessen: Stabhochsprünge, rund hundert die Woche.“ raphael-holzdeppe.net

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Trai n i n g m it M eh rzweck Rumpf und Bauch kräftigen, Gleichgewichtssinn fördern – alles mit nur einer Übung.

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Teil 1: Seitenlage, Arme und Beine strecken, Körperspannung aufbauen, Oberkörper und Unterschenkel anheben, die Balance zehn Sekunden halten.

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Es folgt Teil 2 für die Bauchmuskeln: Oberschenkel und Arme zusammenführen, Balance zehn Sekunden halten. Gesamte Übung fünfmal wiederholen.

R o lle n s p i e le Auf dieses Tool schwört der Weltmeister.

Blackroll

Schneller, härter, höher: „Als Stabhochspringer darfst du keinen Muskel vernachlässigen.“

„Die Blackroll ist Trainingsgerät, Physiotherapeut und Masseur in einem. Für mich ein unverzichtbares Tool. Die Blackroll legst du unter eine beliebige Muskelpartie, etwa den Unterschenkel, und rollst aktiv mit deinem Körpergewicht hin und her. Das Ding löst Verspannungen und fördert die Regeneration in Rekordzeit. Und passt in jede Reisetasche.“

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Action!

Starke Uhren

Frische Fifties Aktuelle VErsionen der Legende:

Die TaucherU(h)rmutter   B lancpain „Fifty Fathoms“  Ein visionärer Tüftler und ein Kampfschwimmer ent­ wickelten die erste moderne Taucheruhr der Welt.

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KLassisch

Die „Fifty“ von heute ist bis 300 Meter wasserdicht.

Uhren war eingraviert: „Danger. If found return to nearest military facility.“ Um damals rein zivile Ausführungen klar von militäri­ schen zu unterscheiden, ersetzte Blancpain den Feuchtigkeitsindi­ kator durch das gelbe RadioaktivZeichen, strich es zweimal durch und schrieb „No Radiations“ dar­ unter. Eine Legende war geboren. Robert „Bob“ ­ aloubier heute M (li.) und 1955 (u.) bei der Rückkehr von einem Tauchgang, mit seiner „Fifty“ am Handgelenk

Massivgold

Die Edelmetall-­ Version des Blanc­ pain-Klassikers

500 Fathoms Auf 500 Stück l­ imitiert. Wasserdicht bis 914,4 m

Alexander Linz

Taucheruhren? Haben keine ­Zukunft. Das war die generelle Meinung der Schweizer Uhren­ hersteller zu Beginn der 1950er Jahre. Ein Mann sah das jedoch anders: der Sporttaucher JeanJacques Fiechter. Er war CEO von Blancpain und tüftelte gerade an Eine „Fifty seiner ersten Taucheruhr. ­Fathoms“ aus Etwa zur selben Zeit gründete dem Jahr 1953 Hauptmann Robert „Bob“ Malou­ bier die „École des Nageurs de Beginn des Tauchgangs in Rich­ Combat“, eine Kampfschwimmertung „früher“, aber nicht „später“. Einheit der französischen Armee. Tauchgänge konnten also nicht Maloubier suchte Armbanduhren, irrtümlich (und damit über den die seine Männer bei Unterwasser­ Atemluftvorrat hinaus) „verlän­ einsätzen tragen konnten. gert“ werden. Fiechter und Maloubier fanden Maloubier bekam mit der zusammen. Der Hauptmann „Fifty Fathoms“ (50 Faden wünschte sich eine bis zu entsprechen einer Tiefe 100 Meter wasserdichte, von 91,44 Metern) die robuste, gut ablesbare Uhr ­erste moderne Taucheruhr mit drehbarer Lünette der Welt. Aber nicht nur (Ring am Außenrand er, auch amerikanische, der Uhr). Zifferblatt und „No Radia­ deutsche, israelische und Lünette sollten schwarz tions“-Zeichen spanische Spezialeinheiten sein, die Indexe und Zahlen auf dem Zifferhell, groß und auch im blatt einer „Fifty“ und sogar Jacques Cous­ teau kauften sie. Letzterer Dunkeln ablesbar. aus 1968 verschaffte der „Fifty Fiechter entwickelte ein ­Fathoms“ einen prominenten Auf­ doppeltes Kronen-Dichtungssys­ tritt in dem preisgekrönten Unter­ tem, verpasste dem Gehäuse einen wasserfilm „Silent World“. verschraubten Boden, verbaute ein Automatikwerk, schützte es durch Radioaktiv? Besonders beliebt einen Weicheisen-Innenkäfig vor ­unter Sammlern sind alte „Fifty Magnetfeldern und brachte am Fathoms“ mit einem „No Radia­ Zifferblatt auf sechs Uhr einen tions“-Zeichen auf dem Zifferblatt. Feuchtigkeitsindikator in Form Hintergrund: Für eine „Mil-Spec 1“­eines blau-rosa Kreises an. Wurde Einstufung durch das US-Militär er feucht, wechselte er seine Farbe ist die uneingeschränkte Ablesbar­ von Blau-Rosa zu Rosa. keit der Uhrzeit bei Dunkelheit Nebenbei revolutionierte Fiech­ ­erforderlich. Deshalb kam bei eini­ ter die Lünette: Sie war nur noch gen Modellen ein Promethium-Iso­ gegen den Uhrzeigersinn drehbar. top als Leuchtmittel zum Einsatz. Drehte man versehentlich an ihr, Am Gehäuseboden dieser US-Navyso veränderte man den markierten

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LIVE-KONZERT GLASPERLENSPIEL GARY PAFFETT MERCEDES-BENZ

MIKE ROCKENFELLER AUDI

.1 – 3. AUgust

AUGUSTO FARFUS BMW

2014

Spielberg TICKETS DTM.COM ODER

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Folge der #DTM

LIVE IN DER ARD QUALIFYING SAMSTAG 18:00 UHR RENNEN SONNTAG 13:15 UHR


Action!

games

Shinji Mikami (nicht im Bild) ist persönlich vergleichsweise umgänglich.

P L AY Mobil Don’t leave Home without it: drei coole Games für unterwegs.

Overkill Mafia Neues Shoot ’em Up von den Machern der OverkillSpiele. „Sin City“Flair dank comicartiger Retro-Welt voller Gangster und Kanonen. Für Android und iOS. craneballs.com

Fürchtet euch!

up next

Sieh mal einer an!

  T HE EVIL WITHIN  Schrecklich gut: Das Superhirn hinter „Resident Evil“ meldet sich zurück. Böse zugerichtete Leichen, verwüstete Gebäude und zertrümmerte Rettungswagen. Eine Nervenklinik, die von ­jemandem  … oder etwas … in ein Schlachtfeld verwandelt wurde. Man kennt solche Kulissen aus der Survival-HorrorGaming-Ecke. Doch hier ist der Schrecken wunderbarer als sonst: „The Evil Within“ entsprang dem Gehirn von Shinji Mikami, dem Mastermind von „Resident Evil“. Der erste Teil von „Resident Evil“ (1996) hatte Survival Horror zu einer Säule der Gaming-Welt gemacht und Zombies neues Leben eingehaucht. Ohne „Resident Evil“ hätte es weder die Games „The Walking Dead“ noch „The Last of Us“ gegeben, noch die Remakes der „… of the Dead“-Filme. Die ersten drei aus dieser Reihe, „Die Nacht der lebenden Toten“ („Night of the Living Dead“, 1968), „Zombie“ („Dawn of the Dead“, 1978) und „Zombie 2“ („Day of the Dead“, 1985), hatten Mikami bei der Arbeit an seinem ersten Spiel besonders beeinflusst. „Im Prinzip hat sich nicht viel geändert: Es geht nach wie vor darum, dem Spieler Angst und Schrecken einzuflößen“, so Mikami, „aber genau das ist mittlerweile zu einer ziemlichen Herausforderung geworden.“ Doch keine Panik: Niemand kann Games so schrecklich machen wie Mikami. „The Evil Within“ erscheint Ende August für Windows, PS3, PS4, Xbox 360 und Xbox One. theevilwithin.com

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Die Xbox, jetzt als TV

Der Fund alter Steckmodule des „E. T.“-Games in der Wüste von New Mexico ist zum ­einen als Nerd-Schatz beachtenswert. Zum anderen wegen der TV-Serie rund um die Expedition, die exklusiv via Xbox zu sehen sein soll. Wie Netflix und Amazon möchte auch Xbox traditionellem Fernsehen Konkurrenz machen. Die erste eigenproduzierte Show gibt’s bereits diesen Monat zu sehen; Serien zu „Halo“ und über „Street Soccer“ folgen.

Warbits Unter der kunterbunten, cartoonmäßigen Rüstung dieses SchlachtensimulationsGames für Westentaschengeneräle schlägt ein entschlossenes Strategie-Herz. Für iOS. riskylab.com

xbox.com

Leebling EA Sports UFC lässt Bruce Lee auferstehen

Mit dem Release von „Ultimate Fighting Championship“ (17. Juni) wird die EA-Sports-Palette erweitert. Wie schon bei „FIFA“ und „Tiger Woods“ wird eine Sportart kompromisslos und umfassend in ein Game gepackt – diesmal die Königsklasse der Mixed Martial Arts, wo in einem achteckigen Käfig mit 9,75 Meter Durchmesser gekämpft wird. Wichtige Nachricht für Kampfsport-Nostalgiker: Einer der freischaltbaren Charaktere ist Bruce Lee.

easports.com

Botanicula Mix aus Adventure und Rätselspiel. Drollige Käfer versuchen, den letzten Samen ihres Baums zu retten. Tricky und schön zugleich. Exklusiv für iPad. botanicula.net

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p ro m ot i o n

Must-haves! SUUNTO AMBIT – DIE GPS-UHR FÜR ENTDECKER UND ATHLETEN Die Suunto Ambit ist ein echter Vorreiter. Sie war die erste GPS-Uhr, die modernste Outdoor- und Trainingsfunktionen mit tausenden einfach integrierbaren, herunterladbaren Sport-Apps kombinierte. Und mit jeder Ver­ öffentlichung von neuen Apps wächst der Funktionsumfang der Ambit weiter. Mit Multisport-Funktionen der nächsten Generation für das Radfahren, das Schwimmen und ­weitere Sportarten führen Suunto Ambit2 und Ambit2 S diese Tradition fort. Verkaufspreis: je nach Modell ab CHF 299.– 1

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www.suunto.com/de-CH

Logitech G502 Proteus Core Tunable Gaming Mouse Die weltweit erste Gaming-Maus verfügt über den leistungsstärksten und präzisesten Sensor der Welt und nutzt dafür die exklusive Delta Zero™ Technologie von Logitech G. Mit einer Auflösungsbandbreite von 200 bis 12.000 dpi ohne Sensorbeschleunigung, ohne Smoothing oder Filterung bietet die Maus eine beispiellose Abtastperformance und Reaktionsgeschwindigkeit und kann Bewegungen mit einer Geschwindigkeit von 750 Zentimetern pro Sekunde erfassen. Verkaufspreis: CHF 99.90 2

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www.logitech.com

Danny MacAskills Traumwelt – jetzt auf DVD/Blu-Ray Ein riesiges Kinderzimmer mit lebensgroßen Spielfiguren und Fahrmanöver auf allerhöchstem Niveau – so verwirklichte Street-­TrialLegende Danny MacAskill seinen Kindheitstraum im jüngsten Meisterwerk „MacAskill’s Imaginate“. Dieses gibt es ab sofort zusammen mit einer packenden Behind-the-ScenesDoku und dem Bonusfilm „Way back Home“ als DVD (CHF 20.–) und Blu-ray Disc (CHF 22.–) zu kaufen. 3

3

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www.imaginate.redbull.com 4 Loop Activity Tracker Für alle, die ihre Aktivität rund um die Uhr tracken möchten und Anleitung zum Erreichen ihres Aktivitätsziels wünschen. Activity Guide hilft dir dabei, den ganzen Tag in Bewegung zu bleiben. Activity Benefit gibt dir Feedback über deine tägliche, wöchentliche und ­monatliche Aktivität. Zeigt Tagesaktivität, ­verbrauchte Kalorien, Anzahl der Schritte, Uhrzeit, gibt kostenlose Anleitung über Polar Flow App und Polar Flow Web-Service, ist kompatibel mit Polar H6 und H7 Bluetooth Smart Herz­frequenz-Sensoren. Und wasserdicht: misst die Aktivität auch beim Schwimmen (ohne Herzfrequenz). Verkaufspreis: CHF 129.90

www.polar.com/ch


Action!

TV-Highlights

M ust See

Volles Programm

Helden auf ihrem Bildschirm

das red bull tv-fenster bei servus-tv

Ring frei für die SPeedgang

Mountain bike World cup Erstbegehung: Berger (hi.) und Vettel (2. v. re.) 2011 bei der ­Eröffnung des Red Bull Rings mit Bernie Ecclestone, Niki Lauda und Heinz Kinigadner (3. v. li.)

In Leogang will Steve Smith (CAN), Gesamtsieger 2013, neuerlich gewinnen. 21. 6., 10.30 Uhr

Freitag, 20. 6., 20.15 Uhr

Das Comeback der Formel 1 1997 bestritt Gerhard Berger in Spielberg seinen letzten Großen Preis von ­Österreich. 2014 fährt Sebastian Vettel auf dem Red Bull Ring seinen ersten – und dreht zuvor mit Berger einige Aufwärmrunden. Berger sitzt dabei in ­einem 1988er-Ferrari, Vettel im RB8 (mit dem er 2012 Weltmeister wurde). Und die Kamera ist dabei. Zudem gibt’s auf ServusTV noch zwei Sendungen zum Thema Motorsport am Ring („Drehmomente“, 16./23. 6., 20.15 Uhr).

Polen-Rallye Mittwoch, 18. 6., 21.15 Uhr

Weekend of a Champion Samstag, 21. 6., 12.00 Uhr

Mittwoch, 2. 7., 21.15 Uhr

Samstag, 5. 7., 12.00 Uhr

Red Bull Cliff Diving: USA

Operation Erebus

X-Fighters: Madrid

Nach ihrem ersten Stopp in der kubanischen Hauptstadt machen die Red Bull Cliff Diver nun Halt im ­texanischen Fort Worth.

1979 stürzt in der Antarktis ein Jet mit 257 Passagieren ab. Elf Polizisten sollen dar­ aufhin das mysteriöse Unglück vor Ort untersuchen.

Die weltbesten FreestyleMotocrosser gastieren einmal mehr in Madrids gewaltiger Stierkampfarena Plaza de Toros de Las Ventas.

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Für den Grand Prix von Monaco 1971 hatte Jackie Stewart, britischer Formel-1-Weltmeister 1969, nur ein Ziel – zu gewinnen, um ­jeden Preis. Filmemacher Roman Polanski begleitete Stewart damals das gesamte Wochenende mit seiner Kamera und gewann Einblick in das Leben des Rennfahrers, auf der Strecke und abseits davon. 40 Jahre später treffen die zwei erneut aufeinander.

Auf der Strecke in Mikołajki steht er im Mittelpunkt: Lokalmatador und Ex-Formel-1-Pilot Robert Kubica. 30. 6., 22.45 Uhr

Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

0800 100 30 70 the red bulletin

GEPA pictures/Red Bull Content Pool, Dean Treml/Red Bull Cliff Diving, Rogue Films, Jörg Mitter/Red Bull Content Pool, JoachimHausleitner, Alfred Jürgen Westermeyer/Red Bull Content Pool, Paris Gore / Red Bull Content Pool, McKlein/Red Bull Content Pool

Die Speedgangster rund um David Coulthard treiben Schabernack mit schellen Geräten. 11. 6., 22.20 Uhr


DaS SChiCKSaL FraGt niCht. ES KönntE auCh miCh trEFFEn. ODEr SiE. David Coulthard.

13-facher Formel 1-Grand Prix Sieger und Wings for Life Botschafter.

QuErSChnittSLÄhmunG muSS hEiLBar WErDEn. Durch die auswahl und Finanzierung der weltweit besten Forschungsprojekte zur heilung des verletzten rückenmarks gewährleistet die Wings for Life Stiftung medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt auf höchstem niveau.

ihre Spende ist entscheidend. Wings for Life. Stiftung für rückenmarksforschung. Post Finance. Kontonummer: 8520 60152. iBan: Ch12 0900 0000 8520 6015 2. Bankleitzahl: 09000. BiC: POFiChBEXXX.

www.wingsforlife.com

Kostenlose Schaltung.


Action!

Kopfüber Richtung Erde: eine SkydiveFormation im freien Fall über Neudorf 17. – 20. 7., Flugplatz Beromünster, Neudorf

HellaHerb 2014 Vor zehn Jahren noch ein Geheimtipp, heute das grösste Schweizer Skydive-Event: Am HellaHerb 2014 können Zuschauer vier Tage lang rund 150 Fallschirmspringer bei atemberaubenden Stunts und Formationen im freien Fall (bei Geschwindigkeiten bis zu 300 km/h) erleben. Mit dabei: international renommierte Skydiver wie Domitille Kiger oder Amy Chmelecki (Red Bull Air Force). Nebenprogramm: Dropzone-Party, Tagesvideos und BBQ.

3. 7., Lausanne

Diamond League: Athletissima

19. 7., München, Olympiapark

Red Bull X-Fighters Weltbeste Motocross-Stunts, 30 Meter weit, 15 Meter hoch: Die Red Bull X-Fighters kehren nach München zurück. Mit dabei der Schweizer Mat Rebeaud.

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Kräftemessen der LeichtathletikWeltelite im Rahmen der ­Diamond League, der Königs­ klasse. Mit am Start: Hoch­ springer Bohdan Bondarenko, der 2013 die Zuschauer mit dem weltweit höchsten Sprung (2,41 m) seit 1994 begeisterte. Und Stabhochspringer Raphael Holzdeppe (re.): Der Deutsche – in Lausanne 2013 Zweiter – beehrt die Athletissima als aktueller Stabhochsprung-Weltmeister.

19. – 22. 6., Basel

Art Basel Die Art Basel, die längst etablierte Schwesterveranstaltungen in Hong­ kong und Miami unterhält, ist die weltweit wichtigste Messe für zeit­ genössische Kunst: 2014 stellen 300 Galerien rund 4000 Werke internationa­ ler Künstler zur Schau. Die künstleri­ sche Palette reicht von Malerei, Fotogra­ fie, Bildhauerei bis zu Performance und Installationen. Bild: Striding Figure II (Thomas Houseago; Hauser & Wirth).

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hellaherb.ch, Sebastian Marko/Red Bull Content Pool, Ray Demski/Red Bull Content Pool, Courtesy Thomas Houseago and Hauser & Wirth, Swatch, MAURICIO KAYE, Detlev Seyb/MyRowingPhoto.com

Events


6. – 9. 8., Schaffhauser Altstadt

8. – 13. 7., Gstaad, Bern

Stars in Town

Beach World Tour

Der Geheimtipp im Schweizer Festivalsommer: Mitten in der Altstadt, vor der Kulisse des Herrenackers, feiert Schaffhausen ein Open Air mit den Rocklegenden Status Quo und Uriah Heep, der Britpop-Band Hurts, dem deutschen Funk-Musiker Jan Delay sowie Ausnahme­ talent Amy Macdonald und der Soulsängerin Alex Hepburn (u.). Tickets und Infos: starsintown.ch

Mit 800.000 Dollar Preisgeld ist der Gstaad Grand Slam eines der höchstdotierten Beachvolleyball­ turniere der Welt. 2014 mit am Start: Chinas Weltmeisterinnen Chen Xue/Xi Zhang oder Brasiliens zur Zeit bestes Herren-Duo Ricardo Santos/ Álvaro Filho, die in Gstaad jeweils den Titel verteidigen. Nebenprogramm: Festwirtschaft, Beach­ partys sowie ein Live-Konzert von William White. beachworldtour.ch

Dieser Top-Event des FreestyleSports lockt jährlich 25.000 Zuschauer an den Neuenburger See. Am Programm: packende Jet-Ski-Rennen mit internationalen Top-Ridern, WakeboardShows und Jet-Surf-Contests sowie als Höhepunkt der FMXBewerb mit Stars wie Mat Rebeaud, Levi Sherwood u. v. a. auf der Plaza Nova Friburgo.

Cubik Festival Ein Elektromusik-Festival verwandelt das Zürcher ­Hallenstadion für zwei Nächte in den grössten Dancefloor der Schweiz. Was Techno- und Deep­ house-Fans erwartet: atemberaubende LED- und Lasershows sowie Sounds von Weltstars wie Paul Kalkbrenner, Steve Aoki, Luciano & Nina Kraviz (Bild). Und als Extra: Zusatzfloors mit n ­ ationalen DJ-Grössen sowie ein für Konzert­besucher exklusives Open-Air-Areal.

www.ruderwelt-luzern.ch

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juli

19. – 27. 7.,  Roy Emerson Arena,  Gstaad

4./5. 7., Hallenstadion, Zürich

Mitte Juli beehrt die Ruder-Weltelite den Luzerner Rotsee: Beim Ruder-Weltcup-Final kämpfen rund tausend ­Athleten aus über 45 Nationen (darunter die Schweizer Vizeweltmeister im leichten Doppelzweier, Simon Schürch und Mario Gyr) um Siege in 23 Disziplinen – und testen zugleich ihre Form für die bevorstehende ­Ruder-WM in Amsterdam. Das Highlight: die Finalrennen in den olympischen Bootsklassen am Sonntag, 13. Juli. Zuschauer-Stehplätze sind an allen drei Eventtagen gratis. Details zu Anreise, Unterkunft, Tickets & weitere Infos auf:

19 Chance zur Wiedergutmachung für Roger Federer und Stan Wawrinka: 2013 verlor ­Federer beim prestigeträchtigen Tennisturnier in Runde 1, Wawrinka im Viertelfinale.

Free4Style

Ruderweltcup Rotsee

Unverzichtbare Termine in den nächsten Wochen

suisse Open Gstaad

4. – 6. 7., Estavayer-le-Lac

11. – 13. 7., Rotsee, Luzern

Save the Date

5 Juni

„Brick   Mansions“ Der 2013 tragisch ums Leben gekommene Hollywoodstar Paul Walker in seiner letzten vollständig abgedrehten Hauptrolle – als Undercover-Cop. 5. 6.: Kinostart in der   Deutschschweiz  cineman.ch

4 juli

Montreux jazz Festival Zum ersten Mal überhaupt wird Soul-Legende Stevie Wonder bei Europas grösstem Jazz-Festival performen. Weitere Acts: Pharrell Williams, Outkast, Babyshambles. 4. – 19. 7., Montreux

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Glückmann Von Bernhard Aichner

Bernhard Aichner, geboren 1972, lebt als Schriftsteller in Innsbruck. Für seine Arbeiten erhielt Aichner bereits mehrere Literaturpreise und -stipendien. Neben Romanen schreibt er Theater­ stücke und Hörspiele, er veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien. Nach den Spannungsromanen „Nur Blau“ und „Schnee kommt“ erschienen drei Krimis mit dem auf eigene Faust ermittelnden Totengräber Max Broll, „Die Schöne und der Tod“ (2010), „Für immer tot“ (2011) und „Leichenspiele“ (2012). Der Thriller „Totenfrau“ erschien im März 2014 bei btb und schaffte es auf Anhieb in die Bestsellerlisten. Die „Totenfrau“ wurde bereits in mehr als 15 Länder ­verkauft, unter anderem in die USA und nach Großbritannien, eine Verfilmung ist in Vorbereitung.

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fotowerk aichner

Der I letzte Zahn des Paul

mmer schon war ich neugierig. Ich will mehr wissen, frage nach, höre zu. Es sind diese Momente, die überraschen und schockieren, die inspirieren und wärmen. Irgendwo aufgeschnappt, eingeatmet, bewegende Schicksale, Begegnungen, einfach das Leben. Wahre Geschichten. Oder auch nicht. Irgendwo in Südamerika war ich. Unterwegs im Spätherbst, um meinen Thriller fertig zu schreiben. Auszeit von Familie und Alltag, nur mein Text und ich, irgendwo am Ende der Welt, auf einer Hochebene in einem kleinen Dorf. Exotisch alles, was ich gesehen, gerochen und ­gegessen habe, drei Wochen lang nur mein Schreiben, die Landschaft und die Menschen, die dort lebten. Anders alles, langsamer, stille Tage, die am Abend bei einem Bier zu Ende gingen. In der einzigen Bar weit und breit saß ich und schaute der untergehenden Sonne und spielenden Kindern zu, als der Zahnarzt sich einfach neben mich setzte. Der einzige Mensch weit und breit, der Deutsch sprach. Er wollte sich unterhalten und trinken mit mir. Begeistert war ich von dem, was er erzählte. Über das Leben im Hochtal, über einen jungen Sportler, den er behandelt hatte. In langen Schlucken die Geschichte von Paul Glückmann. Einer der weltbesten Kletterer, verschollen seit Jahren. Von heute auf morgen verschwunden. Glückmann, ein Star in der Szene, einer, der tatsächlich gut von diesem Sport leben konnte, einer, der ständig Rekorde brach, immer noch weiter ging als andere. Schneller, höher. Ein Verrückter. Lebensmüde, sagten die einen, visionär, die anderen. Free Solo heißt dieser Sport, beeindruckend und verstörend zugleich. Klettern ohne Seil und Sicherung, kein Karabiner, kein Haken, nur der Mensch und der Fels, hunderte Meter über dem Boden. Nur die Luft unter den Füßen, immer bereit, zu sterben, das Leben in sich aufzusaugen, Adrenalin, wo man hinfühlt, russisches Roulette. Momente des Glücks. Solange man nicht fällt. Ich fand ihn dort, wo mich sein Zahnarzt hingeschickt hatte. Eine kleine Holzhütte am Waldrand, ein Mann und eine Frau, wie sie nebeneinandersaßen und Kartoffeln schälten. Ein offenes Feuer und ein Topf, in dem eine Suppe kochte. Kein Luxus, kein Strom, nur das Leben. Reduziert alles, nur das Wesentliche war an diesem Ort, Paul Glückmann und seine Frau Luiza. Wie sie mich anlachten und einluden, zu bleiben. Mit eigenen Worten erzählte er mir alles noch einmal. Noch eindringlicher war alles. Dieses Gesicht vor meinen Augen, unwirklich alles, ein Aussteiger mitten im Nirgendwo, diese Zufriedenheit, der ich nicht trauen wollte, die mir unangenehm war. Mit so wenig glücklich zu sein, auf so vieles zu verzichten. Kein Strom, kein Telefon, nichts. Was sein Name sagte, es stand in seinem Gesicht. Glück war in seinen Augen. Ich hatte den Eindruck, dass er alles hatte, als er mit mir zu dieser Wand ging und mir zeigte, wo es passiert war.


r ead bull

Siebenhundert Meter steil nach oben. Spiegelglatter Fels, fast kein Griff. Unvorstellbar war es für mich, dass er ohne Hilfsmittel sein Ziel erreicht hatte. Wie ein Hohn, dass er es sich zugetraut hatte und dass es ihm tatsächlich gelungen war. Nach zwei Stunden und vierunddreißig Minuten war er oben angekommen. Das YouTube-Video, das seinen Aufstieg zeigte, habe ich mir mittlerweile unzählige Male angesehen. Der Blick nach oben, nach unten, die Kamera auf seinem Kopf befestigt. Der Beweis, dass es gelungen ist, dass er geschafft hat, woran viele vor ihm gescheitert waren. Eine der schwierigsten Wände der Welt, Paul Glückmann hat sie bezwungen, heil und glücklich am Ende seines Traumes. Dann der Abstieg. Auch den sieht man auf dem Video. Der Weg zurück. Wie er atmet, der Fels, wie sich seine Finger festklammern. Und dann wie er fällt. Dokumentiert alles. Zuerst rutscht Paul Glückmann die Wand entlang, dann der freie Fall. Wie er den Halt verliert, wie er schreit, wie er versucht, sich irgendwo festzuhalten. Man sieht einen Mann kurz vor seinem Tod. Keine Sekunde glaubt man daran, dass es gut ausgehen könnte, dass er überleben würde. Man hat gesehen, wie er nach oben gestiegen ist, wie weit es nach unten ging. Keine Hoffnung mehr in diesem Moment, vier Millionen Klicks, vier Millionen Mal Angst. Die Welt kann zusehen, wie er stirbt. Neugier, Voyeurismus, auch ich habe es mir immer wieder angesehen, weil ich es nicht glauben konnte, dass seine Hand diesen Griff noch finden würde. Dass er weiterleben würde. Finger, die sich festhalten. Und sein Kopf, der wild auf den Stein schlägt.

M

it Wucht verschont. Wie ein Tausch war es, sagte er. Seine Zähne für sein Leben. Fünf Stück hat er verloren, zwei oben, drei unten. Paul Glückmann hat den Absturz wie durch ein Wunder überlebt. Kein Schädeltrauma, kein Kieferbruch, nur eine Gehirn­ erschütterung, ein gebrochener Arm und seine verlorenen Zähne. Aus seinem Mund in die Tiefe. Wie es ihm gelang, nach unten zu kommen, zurück ins Dorf zu laufen. Der Schock ließ ihn einfach immer weiter rennen, er spürte keine Schmerzen, er lief einfach. Ein junger Mann am Ende. Wie er am Dorfplatz stand und nach Hilfe schrie. Kaputt alles in diesem Moment, sein Leben, seine Träume, nichts mehr war ganz. Da war nur noch ein Mund voller Blut. Paul Glückmann beschrieb es. Alles, woran er sich noch erinnerte. Der Transport in die Klinik, der Arzt, der ihm sagte, dass er die Zahnhälse und die Wurzeln entfernen müsse, die Narkose, aus der er erwachte. Ein Albtraum war es. Alles, was kurz vorher noch gut gewesen war, war jetzt kaputt. Von diesem Tag an war da nur noch Angst. Angst zu sterben, Angst zu leben, Angst, nie wieder zurückzufinden, dorthin, wo er hergekommen war. Angst. Ein Gefühl, das er nicht gekannt hatte, gegen das er sich immer gestellt hatte. Von diesem Tag an beherrschte sie ihn, lähmte ihn. Paul hatte sein Glück verloren. the red bulletin

Vier Millionen Klicks, vier Millionen Mal Angst. Die Welt kann zusehen, wie er stirbt.

A

ber Paul blieb. Anstatt nach Hause zu fliegen, ­versuchte er mit den Löchern in seinem Mund zu leben. Keine Brücken, kein Zahnersatz, nur die Erinnerung an den Sturz, jedes Mal, wenn er in den Spiegel starrte. Ein widerliches Bild. Und trotzdem weigerte er sich, neue Zähne machen zu lassen. Paul hörte nicht auf den Zahnarzt, er wollte nicht, dass sein altes Leben damit aufhörte. Er wollte es zurück. Mit Gewalt hielt er daran fest, er war davon überzeugt, dass sein Glück nicht zurückkommen würde, solange er seine Zähne nicht wiedergefunden hatte. Aberglaube, der ihn immer wieder zu dieser Wand gehen ließ. Gesichert stieg er nach oben und suchte den Fels ab, die Wiese unten. Jeden Zentimeter Erde grub er um. Er suchte nach seinen Zähnen. Kleine weiße Stummel, die sich vor ihm versteckten. Paul Glückmann wollte daran glauben, dass die Angst verschwinden würde, wenn er alles wiederherstellte, wie es gewesen war. Zahn für Zahn zurück. Vier Monate lang suchte er. Besessen am Anfang. So, als wäre ihm nichts wichtiger. Als würde er sterben müssen, würde er scheitern. Ein Mann am Boden. Wie er herumkroch und seine Zähne suchte. Ein Spinner, über den man sich lustig machte im Dorf. Woche um Woche verging. Und Paul begann wieder zu leben. Aber anders als vorher. Früher sei da nur diese Leidenschaft gewesen, sagte er. Plötzlich war da noch vieles andere mehr. Der Alltag im Dorf, die Hütte, die er sich baute, die Menschen, die er kennenlernte, der Tischler, bei dem er arbeitete. Und Luiza. Zahn für Zahn veränderte sich alles. Der Wunsch, in sein altes Leben zurückzukehren, wurde von Tag zu Tag kleiner. Der Wunsch, in die Wand zu steigen, verging. Weit weg war plötzlich alles. Vier Zähne hat Paul Glückmann gefunden. Vier Implantate hat er sich von dem deutschen Zahnarzt ein­ setzen lassen. Vier, nicht fünf. Eine Zahnlücke ist geblieben. Als ich ihn fragte, warum er aufgegeben hatte, nach dem letzten Zahn zu suchen, schüttelte er nur den Kopf. Ich habe nicht damit aufgehört, sagte er. Zufrieden schaute er mich an. Paul Glückmann lächelte.

Read Bull Lesevergnügen im Red Bulletin: Jeden Monat ­widmet ein namhafter Autor unseren Lesern eine Kurzgeschichte. Diesmal der Österreicher Bernhard Aichner, der aktuell mit seinem Krimi ­„Totenfrau“ (btb Verlag) von sich reden macht.

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Magic Moment

35.397 Läufer legten gleichzeitig an 34 Orten weltweit insgesamt 530.928 Kilometer im Dienst der Rückenmarksforschung zurück, ehe sie von den Catcher Cars, die ihnen mit zunehmendem Tempo folgten, eingeholt wurden. Last Man Running war der Äthiopier ­Lemawork Ketema. Nach 78,58 km setzte er sich gegen den Peruaner ­Remigio Huamán Quispe durch – der in Lima, 11.200 km entfernt, um bloß 90 Meter zurücklag. www.wingsforlifeworldrun.com

Nach 78 Kilometern: „Ich wusste, am Ende muss ich sprinten. Dafür sparte ich Kraft.“ Lemawork Ketema, 28, aus Äthiopien, Sieger des Wings for Life World Run

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 8. Juli 2014. 98



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Philip Platzer/Red Bull Content Pool

Donautal, Österreich, 4. Mai 2014


Daniel Ricciardo f端r Pepe Jeans London


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The Red Bulletin Juli 2014 - CH