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„Pyro Pete“ Cappadocia / Patrick Makau / Marc Márquez / Aloe Blacc / Christian Bale / Novak Djokovic / Felix Baumgartner

DAS MAGAZIN ABSEITS DES ALLTÄGLICHEN

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JULI

2012

Weltmeister DANY TORRES landet im Münchner Olympiastadion

NILE RODGERS

Der Disco-King verzaubert Montreux

OLIVER STONE

Die zornigste Stimme Hollywoods

J Tab etzt letGR App her ATI S un l a d t e ren


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DIE WELT VON RED BULL

Juli 15 TOP-EVENTS WELTWEIT Was im Juli abgeht: US-Sängerin Janelle Monáe rockt in Oslo.

93

BEAT UND GEIGEN Aloe Blacc plant die Vermählung von Hip-Hop und Klassik. Wie er den musikalischen Spagat schafft und was die Jackson 5 damit zu tun haben, verrät er uns im Interview.

COVERBILD: PREDRAG VUCKOVIC/RED BULL CONTENT POOL. BILDER: GETTY IMAGES (2), DENIS ROUVRE/CORBIS OUTLINE, LUKE AIKINS/RED BULL CONTENT POOL

WILLKOMMEN! Tauchen wir gleich ein ins Heft: Kaliber wie Novak Djokovic, Oliver Stone, Felix Baumgartner und Dany Torres warten nur ungern. Erlauben Sie uns dennoch, Ihren Blick von den großen Namen weg auf die inspirierendste Geschichte in diesem Heft zu lenken: Sie handelt von Port-au-Prince, der vor zweieinhalb Jahren durch ein Erdbeben zerstörten Hauptstadt Haitis.. Die Menschen in Port-au-Prince stemmen ihrem Schicksal trotzig Kunstwerke entgegen, im Wesentlichen hergestellt aus Müll. Die Geschichte allein ist als Metapher stark genug, aber sie ist noch mehr, nämlich berührender Beleg für die Unbeugsamkeit des Menschen, unter allen Bedingungen: ab Seite 26. Spannende Unterhaltung mit diesem He! Die Redaktion

60

„ICH HABE EIN RECHT, WÜTEND ZU SEIN“ Kult-Regisseur Oliver Stone über Vietnam, Barack Obama und seinen neuen Thriller „Savages“.

” Möglich, dass ich

die Schallmauer in Rückenlage durchbreche. “

Felix Baumgartner

70

RED BULL STRATOS Teil 6 unserer Serie über Felix Baumgartners Stratosphären-Mission: So funktioniert der Absprung aus der Raumkapsel.


DIE WELT VON RED BULL

Juli

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IM KOPF VON CHRISTIAN BALE Er spielte Hungerhaken und Serienmörder. Im Juli rettet Schauspieler Christian Bale die Welt im Fledermauskostüm. Ein Karriere-Check.

52

FLAMENCO AM HIMMEL Die Red Bull X-Fighters in Kalifornien: Vier Tage zwischen irren Tricks, ramponierten Knochen und ein paar netten Tipps für Mama.

MARC MÁRQUEZ’ MOTOR-TRAINING „Der Gashebel befindet sich im Gehirn“, sagt der Moto2-Vizeweltmeister aus Spanien. Uns beschreibt er sein Race-Workout.

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EINST & JETZT: STARTPISTOLEN

Den Knall gibt es immer noch, das Design ist ein völlig anderes. Eine Ansichtssache.

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” Vodoo-Priester opfern Schweine, nebenan entsteht ein Kunstwerk. “

FOTOSTRECKE: KUNST AUF HAITI Während der Ghetto Biennale verwandeln internationale Künstler die Straßen von Portau-Prince in ein blühendes Festivalgelände.

08 Fotos des Monats 14 Kurzmeldungen: Extrawünsche der Stars, bunte Konzert-UFOs und die Sommerfestival-Packliste 18 Marathon-Weltrekordhalter Patrick Makau redet Klartext

BILDER: PICTUREDESK.COM, JUERGEN SKARWAN, GETTY IMAGES, GIAN PAUL LOZZA, BENJAMIN LOWY

22


pepejeans.com


DIE WELT VON RED BULL

” Ich habe etwas Unmögliches geschafft. “

Juli

Novak Djokovic

36

DJOKOVIC UNPLUGGED Serbiens Nummer eins der Tenniswelt spricht über Nationalstolz, Bürgerkrieg und Glamour-Partys.

24 MYTHOS DER ZAHLEN

Allerhand Spielereien in einem Jahr, in dem gleich drei Freitage auf den Dreizehnten des Monats fallen und die Welt unzweifelhaft wieder einmal untergeht.

82 REISETIPP DES MONATS: MONTREUX

Bob Dylan am Rennrad, Kid Rock im Knast: Claude Nobs, Direktor des Montreux Jazz Festival, entführt uns an acht Orte am Ufer des Genfersees, in denen Musikgeschichte geschrieben wurde.

more

Body & Mind Was „Pyro Pete“ Cappadocia für eine Feuershow braucht

92 TOP-EVENTS Die wichtigsten Termine im Juli – weltweit

42 PSSST, GEHEIM!

Welche Gigs für arrivierte Stars Pflicht sind: der Insider-Fahrplan zu den feinsten Festivals dieses Sommers mit Empfehlungen von Thom Yorke (Radiohead), Jared Followill (Kings of Leon), Beyoncé oder Björk.

96 TV-PROGRAMM

Das Red Bull TVFenster bei ServusTV

97 MUST-HAVES

Dinge, die man einfach haben muss

98 KOLUMNE

Lebenshilfe mit

94 SAVE THE DATE Christian Ankowitsch Die Top-Termine 98 IMPRESSUM vor deiner Haustür

88 NIGHTLIFE

Out Now: Hot Chip/Golfen bei Nacht/Best Clubs: Magnum in Hongkong/Cocktail: Black Daiquiri/ Take 3: Sigur Rós/Night Snack: Ramen in Tokio

BILDER: GETTY IMAGES (2), CORBIS. ILLUSTRATION: JULIA PFALLER

84 BÜHNE


MAT TE R H O R N , S C H W E I Z

FREIGÄNGER Gewaltige 2870 Meter fallen die Wände des Matterhorns nach Zermatt ab. Für die meisten gilt schon das Erklimmen dieser Felsen als alpinistische Großtat. Stephan Siegrist (39) setzte jedoch noch einen oben drauf – und das buchstäblich: Der Schweizer Extrembergsteiger spannte direkt neben dem Gipfelkreuz zwischen zwei Felsblöcken eine sogenannte Highline und balancierte darüber hinweg. Weltpremiere! Siegrists Klettertouren: www.stephan-siegrist.ch Bild: Thomas Senf

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DES MONATS


9


DES MONATS

MAU I , HAWAI I

SEGELFLIEGER

Nur die furchtlosesten Surfer wagen sich vor der Jaws-Bucht im Norden Mauis ins Wasser. Der Grund: An manchen Tagen türmt der Pazifik die Wellen dort bis zu 20 Meter in den Himmel empor. „Ich hatte die Wahl zwischen Sandspielen und Surfen“, sagt das US-Surfgenie Kai Lenny (19) über seine Jugend auf der Insel. Angesichts solcher Fotos sagen wir: Der Bursche hat die richtige Entscheidung getroffen. Lennys Wellenritte: www.hawaiianwaterman.com Bild: David Holmqvist

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DES MONATS

SURREY, KANADA

BAUMSCHÜLER Drei Kontinente, sechs Länder, 726 Tage Drehzeit: Um alle Szenen für das Rad-Epos „Strength in Numbers“ einzufangen, absolvierte die Filmcrew eine halbe Weltreise. Das ambitionierte Projekt: die MountainbikeCommunity in ihrer Gesamtheit zu erfassen – vom Vollprofi (im Bild: Anthony Messere) bis zum blutigen Anfänger, von den Hügeln Utahs bis in die Steilhänge Nepals. Unser Tipp: „Play“ drücken und mitfahren. Infos: www.anthillfilms.com; www.redbull.com/bike Bild: Sterling Lorence

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BESUCH UNS AM OPENAIR GAMPEL VOM 16. - 19. AUGUST 2012 EISKALTE DRINKS / PUBLIC TERRASSE MIT BESTER SICHT DONNERSTAG, 16. AUGUST

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Bullevard Beflügelndes in kleinen Dosen

Anspruchsvoll! Stars bringen Konzertveranstalter mit ihren Wünschen zum Staunen: Wer braucht backstage Maisstärke, wer fordert 24 Rosen? Wer besteht auf einem eigenen Klositz, und wer nascht nach dem Gig Gummibärchen?

1

2 LL Cool J

Riesenquallen beim Stereosonic Festival.

Madonna

UFO-Sichtung 3

4

Marilyn Manson

Trent Reznor

So bunt wie beflügelt: Auf Musikfestivals sorgen die Skulpturen von Designs in Air für optischen Aufputz.

Wie Tentakel umschlingen sie die Bühnen, wie Riesenquallen hängen sie von Zeltdächern: Seit 1994 erschaffen Luke Egan und Pete Hamilton als Designs in Air leuchtende luftgefüllte Skulpturen. Diese werden im 3-D-Programm entworfen und in Manchester aus feuerfesten Nylonplanen genäht. Von dort aus reisen die bunten Ballone im Sommer zu Festivals wie Fuji Rock oder Burning Man. www.designsinair.com

BILDER DES MONATS

a

c

b

d Lösung: 1 b, 2 c, 3 d, 4 a

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MOMENT MAL!

Szenen aus dem abenteuerlichen Alltag unserer Leser. Einfach per Mail an: phototicker@redbulletin.com Unter den Einsendern der veröffentlichten Fotos wird eine Trinkflasche des Schweizer Herstellers SIGG im speziellen Red Bulletin-Design verlost.

Alexandria

Geschichtsträchtiger Schauplatz: B-Boy Lil G im römischen Theater der ägyptischen Hafenstadt. Mohab Magdy


Essenziell! Packliste für den Festivalsommer:

FUDGE-TROCKENSHAMPOO Schlamm im Haar und alle Duschen besetzt? Fudge macht die Frisur in zwei Minuten wieder festivalfit (14 Euro).

Der Red Bull Youth America’s Cup setzt die Segel.

BILDER: GETTY IMAGES (5), CORBIS (2), SHUTTERSTOCK (5), DESIGNS IN AIR, GILLES MARTIN-RAGET/RED BULL CONTENT POOL, CHRIS POLACK/RED BULL CONTENT POOL

America’s Cup – The Next Generation Die großartigsten Katamarane, die besten Segler, das größte Rennen der Welt: Welcher ambitionierte Segler träumt nicht davon, eines Tages am America’s Cup teilnehmen zu dürfen? Nun ist dieser Traum für junge Talente ein großes Stück näher gerückt: Red Bull Youth America’s Cup gibt 19- bis 23-Jährigen erstmals die Chance, sich für die Segel-Königsklasse zu empfehlen. „Die Tradition steht kopf“, sagt Jimmy Spithill, America’s-Cup-Sieger 2010, „und das ist gut so. Endlich haben auch Junge eine realistische Chance nachzurücken.“ Premiere feiert die Nachwuchsregatta 2013 in San Francisco – inmitten der Action des 34. America’s Cup. Bewerben kann sich jeder, teilnehmen dürfen zehn Teams. Budgetsorgen müssen sich die ausgewählten Juniorsegler nicht machen: Die AC-45-Katamarane (der America’s-Cup-World-Series-Klasse) werden kostenlos bereitgestellt. Bewerbungen ab Sommer unter: www.americascup.com

ÖKO-LAMPE VON TREVOR BAYLIS Taschenlampe, Radio und HandyAufladegerät in einem. Betrieben mit Handkurbel – ohne Batterie (15 Euro).

BEAT & GEIGEN Mit einem Orchester im Rücken vermählt Aloe Blacc Klassik mit Hip-Hop. Brücken schlagen, Welten zusammenführen – so die Idee hinter dem Konzertprojekt Red Bull Beat Suite in Melbourne. Mitte Mai teilte sich das Australian Youth Orchestra dort die Bühne mit einer Handvoll Beatbastlern und dem US-Soul-Barden Aloe Blacc. Millionen Musikfans in aller Welt verfolgten via Live-Stream auf YouTube das Spektakel, bei dem Dirigent Tamil Rogen den Songs von Aloe Blacc eine klassische Klangfarbe verlieh. Hast du jemals selbst in einem Orchester gespielt? : Ja, Trompete im Schulorchester. Ich dachte, mit drei Knöpfen müsste es das einfachste Instrument sein. Ich lernte damals das Notenlesen,

EILEENGUMMISTIEFEL Es muss nicht immer Militärgrün sein: pinke Gummistiefel für die Festivalbesucherin mit Stil (25 Euro).

worüber ich heute froh bin. Singst du lieber mit Bandoder Orchesterbegleitung? Die Dynamik ist anders. Mit einer Band musst du lauter singen. Mit Streichern hat die Stimme weniger Konkurrenz. War der bestuhlte Konzertsaal ungewohnt für dich? Ja. Aber spätestens mit der Bossa-Nova-Version meines Songs „I Need a Dollar“ haben wir das ganze Publikum von den Sesseln gerissen. Der beste Streichereinsatz in einem Popsong? Ich liebe die frühen Jackson-5Aufnahmen, bei denen du mindestens 20 Instrumente in einem Song hörst. Genau wie die symphonischen Elemente auf Barry-White-Platten. Die Highlights vom Konzert: beatsuite.redbull.com.au

Aloe Blacc am Mikrofon beim Red Bull Beat Suite-Konzert

redbull.com/culture

DAS GEWINNERBILD

Guadalajara Die Teilnehmer des Red Bull Manny Mania wissen es: Skaten auf zwei Rädern ist ein Balanceakt. Miguel López

Kiew

Ungleiche Begegnung: Eine Pferdestärke trifft auf das Red Bull Racing-Geschoss RB7. Sergey Illin

Jelgava

Der Red Bull Tourbus (mit der Gruppe Ma¯kon,stu¯me¯ji an Board) reiste durch Lettland. Kristaps Kalns

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Eine Nacht im Knast Die Nacht in einer Gefängniszelle zu verbringen ist an sich keine besondere Schwierigkeit. Jedoch ohne davor eine Straftat zu begehen? Das ist nur diesen Sommer (noch bis 17. September) möglich. Und zwar im ehemaligen Untersuchungsgefängnis Kassel III. 100 Nächte lang werden 100 Zellen der 1876 errichteten Haftanstalt zu Hotelzimmern gemacht. Die Gäste der sogenannten Elwe werden zwar nicht eingeschlossen und dürfen kommen und gehen, wann immer sie wollen. Vor allem in puncto Ausstattung verspricht das Hotel dennoch erstklassiges Knast-Feeling: In den Zellen gibt es nichts außer Graffiti an den Wänden, ein Bett, einen Schrank, ein Waschbecken und eine Toilette. Die Duschräume befinden sich auf dem Flur. Die Innenhöfe des Backsteingebäudes dienen als offene Locations für kulturelle Events und haben kulinarisch einiges zu bieten: Die Kasseler Interpretationen von Wasser und Brot reichen vom Biergarten bis zum Gourmet-Restaurant. Weitere Infos: www.elwe-kassel.de

Suite „Honeymoon“

Sofia Abgehoben. Gut festhalten hieß es für die Piloten beim Red Bull Lagernica. Predrag Vucˇkovic´ 16

So sehen Flieger aus: Die Wiesbadener Teichfighter rockten Mainz.

WELTREKORD IN MAINZ!

„Die Rückkehr der Teichfighter“ flog beim 111. Red Bull Flugtag mit 69,79 Metern weiter als je ein Team zuvor. 2010 flog ein US-Team beim Red Bull Flugtag in Minneapolis stattliche 63,09 Meter weit – zwei Jahre lang hielt der Weltrekord. Bis beim Red Bull Flugtag in Mainz das Wiesbadener Team „Die Rückkehr der Teichfighter“ fast sieben Meter weiter wasserte. Für den Sieg in Mainz reichte es zwar nicht ganz (den holten „Don Canaille und seine tollkühnen Schurken“ aus Stuttgart), aber Rekord-Pilot Arne Krämer ist dennoch happy.  : Glückwunsch zum Weltrekord! War der geplant oder reiner Zufall?  : Uns ging’s schon um die Weite. Aber ein Weltrekord? Den kann man nicht planen. Wir hatten einfach Glück. Wie lange habt ihr gebraucht, um euer Fluggerät zu basteln?

Spielberg David Coulthard gibt Überflieger Thomas Morgenstern letzte Tipps für dessen Testrunden im Formel-1-Gefährt. Samo Vidic

20 Stunden am Rechner und 750 für die Konstruktion. Beschreibe kurz deine Luftfahrt. Am Start ist der Vogel ein bisschen durchgesackt. Dann hat er Geschwindigkeit aufgenommen, es hat sich wie Fliegen angefühlt. Unbeschreiblich! Und nach der Landung? Da war großer Alarm, alle Zuschauer schrien. Aber ich wollte erst mal heil aus dem Wasser kommen und sichergehen, dass unser Drache nicht verschrottet wird. www.redbullflugtag.de

Das Teichfighter-Team

Panama

Echte Kerle zeigen ihre Zuneigung auf besondere Art und Weise. Wie zum Beispiel Streetbike-Freestyler Aaron Colton Faisal Tisnés

TEXT: MANUEL KURZMANN. BILDER: MARC MULLER/RED BULL CONTENT POOL, FLO FETZER/RED BULL CONTENT POOL, KNAST HOSTEL ELWE

B U L L E VA R D


b u l l e va r d

Meine Welt

Christian Bale

Der Oscar-Preisträger erlebte als Schauspieler einige Höhen und Tiefen. Im Juli erleben wir ihn bei seiner größten Aufgabe: die Welt zu retten, zum dritten und letzten Mal im Fledermauskostüm.

Ge wi chtss ch wank

Man ege Frei

Christian Charles Philip Bale wurde am 30. Januar 1974 in Haverfordwest, Wales, geboren. Sein Vater war, unter ­anderem, Pilot und Importeur von Skateboards, die Mutter Tänzerin und Zirkusartistin – nicht viele Jungs können behaupten, dass Mama ihr Geld damit verdiente, auf ­einem Elefanten zu reiten. ­Seinen ersten Kuss bekam Christian übrigens von einer polnischen Trapezkünstlerin.

An den Nerd

Em oti ona l

Für kurze Zeit steckte Christian in derselben Kinder-Schauspielgruppe wie Alterskollegin Kate Winslet. Seine erste Gage verdiente er in einer TV-Werbung für Weich­ spüler. Mit zehn trat er in Londons West End in „The Nerd“ als Sohn des Hauptdarstellers Rowan Atkinson („Mr. Bean“) auf. Die Gage: zwölf Pfund pro Vorstellung. Zwei Jahre später, 1986, stand er in „Anastasia: Die Geschichte der Anna A.“ als russischer Prinz erstmals vor der Kamera.

text: paul wilson. illustration: lie-ins and tigers

Pl atz an de r So nn

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Für seine Rolle im Thriller „Der Maschinist“ nahm Bale 28 Kilo (auf 54) ab. Danach trainierte er sich in sechs Monaten für „Batman Beg ins“ auf 86 muskelbepackte Kilo hina uf. Ein Kritiker ätzte, Gewichts-Jo-Jo sei Bales einziges Trademark. Der konterte: Seine Körperfunktionen seien trotz der Rosskuren intakt – und bot an, durch Ent leeren seiner Blase auf des Kritiker s Schuhe den Beweis dafür anzutreten.

Der Juli 2008 war für Bale eine Hochschaubahn der Gefühle: ein Ausraster bei den Dreharbeiten zu „Terminator Salvation“, inklusive F-Wort (auf YouTube nachzuhören), ein Polizeiverhör nach einem heftigen Familiendisput in London und der fulminante Start des zweiten Batman-Films „The Dark Knight“, der im Folgenden ein Rekordergebnis von gut einer Milliarde Dollar einspielte.

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Fle der ma nn

Steven SpielMit der Verpflichtung für „Das Reich der a ram II-D egtkri Wel gs ber riere 1987 richKar es Bal e Sonne“ startet inklusive. „Ein tig durch, Schattenseiten auspielerei, Sch der an Kind hat Freude h in der Realität Doc t. läuf gut s alle n wen nell schief“, gehen Dinge eben sehr sch als Kinderstar. sagte Bale über das Leben pfehlen.“ em em and „Ich kann es niem

Neben „The Avengers“ und „The Amazing Spider-Man“ ist „The Dark Knight Rises“ der dritte Film dieses Kinosommers mit Darstellern in Spandex-Kostümen, zugleich Bales letzte „Bat-Rolle“. „Es wird sich anfühlen, als würde man einem guten Freund Lebewohl sagen“, meint er.

Viel Besch äftigt

Zurüc kgezo gen

Bales Ruhm wuchs – was vor allem mit Spielberg zu tun hatte. Zwei Gründe für den Jung-Schauspieler, möglichst Rollen abseits des Mainstreams anzunehmen. „Ich muss mich selbst auf die Probe stellen“, erklärte er. Dreizehn Jahre und zwölf Nebenrollen später setzte er sich durch: Im Jahr 2000 kam „Ame­ rican Psycho“ (nach Bret Easton Ellis’ Roman) in die Kinos, Hauptrolle: Christian Bale.

„Hallo, hier ist Chris!“ Bale kann sich wunderbar in seine Aufgaben verbeißen. Beispiel „American Psycho“: Er war nicht die einzige Option für die Rolle des psychopathischen Investmentbankers Patrick Bateman: Dem Vernehmen nach wurden auch Brad Pitt, Leonardo DiCaprio und Ewan McGregor in Betracht gezogen. Später gestand Bale, er selbst habe bei einigen Kollegen angerufen, „um ihnen mitzuteilen, wie entschlossen ich war, diese Rolle zu spielen“.

2007 verkörperte Bale als einer von sechs Schauspielern Bob Dylan in „I’m Not There“. Vergangenes Jahr war er im chinesischen Epos „The Flowers of War“ zu sehen und gewann mit „The Fighter“ einen Oscar. 2012 dreht er gleich zwei Filme mit Regie-Eigenbrötler Terrence Malick, der im Vorjahr für „The Tree of Life“ mit Cannes’ Goldener Palme ausgezeichnet wurde. „The Dark Knight Rises“: ab Mitte Juli in den Kinos; www.thedarkknightrises.com

17


b u l l e va r d

hero

Patrick Makau

Der Kenianer, schnellster Marathonläufer der Welt, über seinen Schulweg, die Gefahr des ­Luxus und warum es gut sein kann, wenn ­niemand an dich glaubt.

Gilt als der König der Halbmarathons (elf Einzelsiege; zwei WMTitel mit Kenias Team) Absolvierte 2011 gleich seinen fünften Marathon in Weltrekordzeit (in Berlin, 21 Sekunden schneller als der bisherige Rekordhalter Haile Gebrselassie, Äthiopien) Verpasste die Kenia-interne Qualifikation für die Olympischen Spiele 2012 Ist Botschafter der African Medical and ­Research Foundation, für die der Salzburger Arzt Dr. Walter Schmidjell alljährlich Salzburgs AMREF-Marathon ­organisiert

25. September 2011: Patrick Makau läuft in Berlin nach 2:03:38 Stunden durchs Ziel – Marathon-Welt­ bestzeit!

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An Armut zerbricht man. Oder man wächst daran. Mich lehrte sie Härte und Disziplin. Ich wuchs in e­ inem kleinen Dorf auf. Als ältestes von sechs Geschwistern hast du auch als Kind Pflichten. Ich musste ­Lebensmittel für die Familie besorgen. Und dort, wo ich herkomme, heißt das: Du musst laufen. Im Radio hörte ich von den Erfolgen ­kenianischer Läufer. Ich wollte werden wie sie. Ich sah die Chance auf ein besseres Leben – und begann zu trainieren. Acht Kilometer zur Schule, acht zurück, das ergibt – 32. Ich lief zum Mittagessen nach Hause und dann zurück zur Schule. Mein Vater sagte stets: „Hör auf zu trainieren“, wenn ich abends vor Erschöpfung nicht mehr essen konnte. Keiner glaubte an mich. Doch das war gut. Somit konnte ich ohne jeden Druck laufen. Im Westen Kenias gibt es die besten ­Trainingszentren. Frühere Stars kümmern sich dort um junge Talente. Ich stamme aus dem Osten, wo Laufen weniger populär ist. Also trainierte ich allein. Nach ­einem Schulrennen stand plötzlich mein Idol Jimmy Muindi (Rotterdam-MarathonSieger 2005; Anm.) vor mir. Er sagte: „Du hast Talent. Nimm diesen Trainingsplan.“ Ich habe seither viel von ihm gelernt. Die Konkurrenz in Kenia ist gewaltig. Ich schaffte es nicht ins Nationalteam. Kurzstrecke, Cross- oder Bahnläufe wollte ich nie. Als einzige Chance auf internatio-

nalen Erfolg sah ich Straßenrennen an: Halbmarathons und 25-Kilometer-Rennen waren meine besten Disziplinen. Und die Chance, der Armut zu entfliehen. Beim ersten Rennen in Europa ging ­zunächst alles schief. Ein Halbmarathon in der Türkei, 2006. Ich war unerfahren und verpasste den Start, hatte gleich hundert Meter Rückstand auf die Spitzengruppe. Kurz danach öffnete sich ein Schuhband: Ich blieb stehen und knotete es zu. Bei ­Kilometer 15 ging das andere auf. Diesmal lief ich weiter – und gewann. Ihre Geheimnisse verraten Langstrecken­ läufer selten. Nur so viel: Mach dir keinen Druck. Lauf langsam und gemütlich, und du wirst dich rasch steigern. Ich habe mehrere Autos, aber nicht zum Angeben. Ich würde nie protzen. Wer Reichtum genießt, hat sportlich nicht den letzten Biss. Luxus macht schwach. „Ich werde den Weltrekord brechen“, das habe ich schon 2010 in Berlin gesagt. Ein Jahr später trat ich dort gegen Haile Gebrselassie an. Bei Kilometer 27 habe ich ihn abgeschüttelt und am Ende seinen Rekord um 21 Sekunden unterboten. An dem Tag habe ich eine Legende und mein Idol besiegt. Und den Weltrekord nach Kenia zurückgeholt. Darauf bin ich stolz. In Kenia bist du ein gemachter Mann, wenn du einen internationalen Marathon gewinnst. Ich habe drei gewonnen. Meine Familie ist nicht mehr arm. Und ich gebe meinem Land etwas zurück: Ich baue Mais und Kaffee an und beschäftige mehr als vierzig Leute. Ich helfe jungen Läufern und beabsichtige, eine Schule zu bauen. Mein Land soll an meinem Erfolg teilhaben. Ich will, dass man sich an mich erinnert.

„Wenn der ­Körper nicht will, ­sollte man nicht laufen. Ein oder zwei Tage ­Pause sind ­absolut okay. Bist du als Sportler aber drei Tage hintereinander müde, bist du krank.“

Mehr über die Arbeit der African Medical and Research Foun­ dation (AMREF) und der Flying Doctors: www.amref.at

text: arkadius piatek. Bilder: philipp forstner, ddp

Patrick Makau Musyoki Geboren am 2. März 1985 in Mayanzwani, Kenia


B U L L E VA R D

KURZ & DENNOCH EINZIGARTIG

BILDER: MKLEIN/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES/RED BULL CONTENT POOL, MARCELO MARAGNI/RED BULL CONTENT POOL, IMAGO. ILLUSTRATION: DIETMAR KAINRATH

(Preis)gekrönte Häupter, zischende Champagnerfontänen – die Sieger des Monats zeigen sich in Feierlaune.

Kilian Fischhuber feierte beim Boulderweltcup in Innsbruck einen Heimsieg. Zwei Wochen später übernahm er mit dem Triumph in Vail (USA) auch die Weltcupführung.

Dem französischen Rekordweltmeister Sébastien Loeb gelang bei der „härtesten Rallye des Jahres“ in Griechenland sein 71. Sieg in einem WM-Lauf.

„I’m glad it’s you!“: Albert II. von Monaco gratulierte Red Bull Racing-Pilot Mark Webber zu dessen zweitem Sieg (nach 2010) im Fürstentum.

RISE

Sally Fitzgibbons (AUS) wahrte mit ihrem zweiten Saisonsieg beim Billabong Rio Pro ihre Chance auf den ersten WM-Titel.

E S I R ND A L L FA AND

FALL PACK

GE E G A

W

N INNE

Am 15. Dezember stellen sich waghalsige Athleten erstmals einem außergewöhnlichen Staffel-Wettkampf in den Bergen — Skibergsteigen, Gleitschirmfliegen, Mountainbiken LIVE | NERO ORBITAL MAGNETIC MAN und Skifahren! Mayrhofens „Rise and Fall“ garantiert| Hochspannung, einen einzigartigen Adrenalinkick und tolle UnterhaltungSOULWAX mit einem hochkarätigen Live-Act bei der Siegerparty. | CLUESO & BAND

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23. – 26. AUGUST – 2012 –


B U L L E VA R D

Weitenjagd: In der Kategorie „Longest Distance“ war ein starker Wurfarm gefragt.

RED BULL PAPER WINGS-FINALE 2012

LIZENZ ZUM FALTEN

Elie Chemaly hat feuchte Augen, und auch seine Kleidung ist nass. An Ersterem sind die Tränen schuld, für Zweiteres ist der Sekt verantwortlich, der soeben aus Anlass der Siegerehrung versprüht wurde. Es war eine Feierlichkeit mit allem, was dazugehört, inklusive der Nationalhymne für die Gewinner. Als neuer Weltmeister in der Disziplin „Longest Airtime“ ist Elie der Mann der Stunde. 10,68 Sekunden lang glitt sein Papierflieger im Red Bull Paper WingsFinale der besten acht durch die Luft – kein anderer Teilnehmer kam an diese Zeit heran. Am Design seines Flugzeugs hatte der zwanzigjährige Libanese drei Monate lang getüftelt. Jetzt gibt Elie das erste Siegerinterview seines Lebens: „Keine Ahnung, was ich sagen soll. Ich denke, mein Land ist stolz auf mich.“ Ein paar Meter abseits führen der Pole Tomasz Chodryra (26) und der Amerikaner Ryan Naccarato (22) Fachgespräche. 20

Die Teilnehmer in der Kategorie „Aerobatics“, dem Showprogramm mit beliebig vielen Papierfliegern, ließen mit ihren kreativen Darbietungen der Jury keine andere Wahl, als zweimal die Höchstwertung von 50 Zählern zu vergeben. Naccarato knallte während seiner Choreografie in typischer Wildwest-Manier mit der Peitsche und brachte einen Schwarm von Mini-Papierfliegern zum Tanzen. „Wahnsinn, alles ist perfekt gelaufen. Tomasz hat mich mit seinem genialen Programm aber noch mal zittern lassen“, erzählt Ryan. Chodryras Show stand im Zeichen der Magie: Der Pole steuerte einen Papierflieger nur mithilfe eines Stücks Pappe sekundenlang durch die Luft und ließ ihn um eine Miniatur-Pylone kreisen. „Ryan und ich haben es für die Zuschauer spannend gemacht“, so Tomasz hinterher. Der vierte Weltmeister im Bunde ist Tscheche: Tomáš Beck warf im Finale der Disziplin „Longest Distance“ seinen Papier-

flieger 50,37 Meter weit. „Es zählen das Design, die Technik – und nicht zuletzt das Glück: Eine falsche Wurfbewegung, und der Flieger prallt an die Decke oder landet außerhalb des erlaubten Korridors“, erklärt Tomáš. Ob er nächstes Jahr wieder dabei sein wird? „Klar. Das waren zwei der besten Tage meines Lebens!“, lächelt der 24-Jährige – und macht sich auf den Weg zur After-Show-Party. www.redbullpaperwings.com

Sektdusche: die Sieger der Disziplin „Aerobatics“

TEXT: MANUEL KURZMANN. BILDER: SEBASTIAN MARKO/RED BULL CONTENT POOL

Papierflieger basteln ist eine Freizeitbeschäftigung für Kids? Von wegen: Das Weltfinale von Red Bull Paper Wings im Salzburger Hangar-7 versammelte ausschließlich hochprofessionelle DIN-A4-Konstrukteure.


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B U L L E VA R D

EINST UND JETZT

Startpistolen

Auf die Plätze, fertig, los: Rennen beginnen noch immer mit einem Knalleffekt, auch wenn der Revolver inzwischen aussieht wie ein Gasanzünder. KEINE GEFAHR

Die Trommel des Startrevolvers wurde nicht mit scharfer Munition geladen, sondern ausschließlich mit Platzpatronen: Es ging ja nur um den Knall.

ABDRÜCKEN

Durch Betätigen des Abzugs wird auf elektromechanischem Weg ein Impuls auf die Reise geschickt …

… und zwar über ein am Ende des Griffs fixiertes Kabel. Dieser Impuls löste die mechanischen Stoppuhren aus.

REVOLVER KALIBER 7,5 MM, WAFFENFABRIK BERN

Dieser Revolver stammt aus dem Jahr 1929, doch die erste Zeitmessung auf Basis dieser Waffe erfolgte erst 1932 (anlässlich der Olympischen Sommerspiele in Los Angeles). Bevor Omega dieses System einsetzte, orientierten sich Zeitnehmer am Knall: Der Schuss brach, und die Zeitnehmer drückten auf ihre Stoppuhren. Revolver mit aufgesetztem Mikrofon sind als Zwischenschritt noch immer im Einsatz: Dabei liefert der Schall jenen Impuls, der via Kabel die elektronische Zeitmessung aktiviert.

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TEXT:

1929

AUSLÖSEN


Cooles Design ersetzt kühles Metall.

MÜNDUNGSLICHT

Die Zuschauer sollen auf keinen Fall um das optische und akustische Erlebnis betrogen werden: Statt des Mündungsfeuers gibt’s eine Art Blitzlicht …

DIGITAL-KNALL

… und anstelle des analogen Schusses einen elektronisch generierten Knall. Im Übrigen sind verschiedenste StartSounds möglich.

HARMLOSIGKEIT

TEXT: ROBERT SPERL. BILDER: GIAN PAUL LOZZA, OMEGA (2)

Elektronik trat an die Stelle der Patronen, Kunststoff ersetzte gefährlich glänzendes Waffenmetall: Start„pistolen“ sehen mittlerweile aus wie die Anzünder für den Gasherd.

2012

OMEGA-STARTPISTOLE E-GUN

Für den Starter hat sich nichts geändert: Er betätigt den Abzug, und am anderen Ende des Verbindungskabels beginnt die Uhr zu laufen. Die neue Startpistole löst dank eingesetztem Hightech vielleicht einen Hauch präziser aus als der alte Revolver, ihr wesentlicher Vorteil ist jedoch ihre optische Harmlosigkeit: Internationaler Sport bedeutet ja auch Reisen, und Sicherheitskontrollen waren mit der alten Zeitnahmebewaffnung jedes Mal eine logistische Herausforderung für die Sportfunktionäre. www.omegawatches.com

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B U L L E VA R D

ZAHLEN DES MONATS

MYTHOS DER ZAHLEN

Allerhand Spielereien in einem Jahr, in dem gleich drei Freitage auf den Dreizehnten des Monats fallen und die Welt unzweifelhaft wieder einmal untergeht.

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„IlluminatenPyramide“

Der Mathematiker Fibonacci aus Pisa (13. Jh.) wollte bloß die Entwicklung einer Kaninchenpopulation berechnen. In seiner Reihe ergibt sich jede Zahl als Summe der beiden vorhergehenden: 1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55, 89, … Was er nicht ahnte: Die Natur scheint diesem Muster zu folgen. Die Belege reichen von Gänseblümchen (34, 55 oder 89 Blütenblätter) über Sonnenblumenkerne (ordnen sich spiralförmig nach der Fibonacci-Reihe an) bis zu ägyptischer und griechischer Baukunst. Je länger die Reihe, desto mehr nähert sich das Verhältnis von größerer zu kleinerer Nachbarzahl dem Wert 1,618. Die Fibonaccizahl gilt als „Zahl des Lebens“.

Fluglinien lassen auf Sitzreihe 12 die 14 folgen, Hilton- und Marriott-Hotels fehlt oft der 13. Stock, in einem Viertel aller britischen Straßen sucht man die Hausnummer 13 vergeblich: Die Welt leidet offenkundig an Triskaidekaphobie, so der Fachbegriff für die Angst vor der Dreizehn. Besonders ausgeprägt tritt sie auf an Freitagen, die auf einen Dreizehnten fallen: Diesen schreibt man magische Unglückskraft zu, auch wenn die dramatische Apollo-13-Mission nur beinahe gescheitert ist und der Black Friday 1929 eigentlich ein Donnerstag war. Nostradamus

2012

Fibonaccis Kaninchen

Das aktuellste Datum zum Weltuntergang ist der 21. 12. 2012, jedoch beschränken sich entsprechende Prophezeiungen nicht auf das Auslaufen des Maya-Kalenders: Nostradamus erwartete 1999 „den großen Schreckenskönig vom Himmel “, Martin Luther prognostizierte das Ende noch zu seinen Lebzeiten – ganze drei Mal irrte er, ehe er seinen Pessimismus zügelte. Traditionell beschäftigen sich auch Wissenschaftler mit Vorhersagen: 1960 etwa legte sich die US-Wissenschaftsbibel „Science“ auf den 13. November 2026 (einen Freitag!) als letzten Tag der Welt fest.

Die Vier ist das asiatische Pendant der Dreizehn. Der Grund: Chinesisch ausgesprochen klingt „vier“ wie „Tod“. Also meiden Asiaten diese Zahl – und das selbst in Kombinationen: Die Vierzehn („sicherer Tod“) lässt man in Fahrstühlen, Restaurants und auf Bussen vorsichtshalber ebenso weg wie die 24 („schneller Tod“). Improvisieren musste in den 1990ern Autobauer Alfa Romeo: Der Alfa 164 („Weg zum Tod“) wurde für den chinesischen Markt in Alfa 168 umbenannt. „Weg zum Reichtum“ klingt tatsächlich besser.

23

C. Julius Caesar starb an 23 Messerstichen, das Datum des World-Trade-Center-Anschlags (11. 9. 2001) ergibt in Summe die Zahl 23, selbst der Microsoft Campus in Redmond besteht aus 23 Gebäuden: Diese und viele andere Beispiele wollen die mystische Kraft der 23 belegen. Die allgemeine Verbreitung der Ehrfurcht vor der Primzahl ist freilich vergleichsweise jung: Erst der „Illuminatus!“-Trilogie (1975) von Robert A. Wilson verdankt die Welt einen zusätzlichen Grund für diffuse Ängste.

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Alfa 164

Die Besatzung von Apollo 13

10100

Wieso heißt Google Google? Die Antwort geht auf US-Mathematiker Edward Kasner zurück, der in den 1930er Jahren eine unvorstellbar große Zahl als eine Eins gefolgt von einhundert Nullen definierte. Der Legende nach ließ er sie von seinem neunjährigen Neffen benennen, der sich für „Googol“ entschied. Googol ist tatsächlich, Kasners ursprünglicher Intention folgend, eine sehr große Zahl. Zum Vergleich: Die Anzahl aller Protonen des Universums ergibt lediglich eine Eins mit 80 Nullen.

TEXT: ARKADIUSZ PIĄTEK. BILDER: GETTY IMAGES (2), PICTUREDESK.COM, AUTO BILD, CORBIS

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1,618


Die Welt von Red Bull – jetzt ganz groß mit PicoPix PicoPix Projektor mit Red Bull 16 GB USB Stick Dieser kleine Taschenprojektor darf auf Reisen oder bei Familienfesten nicht fehlen! Damit können Sie Fotos, Videos oder auch Filme mit 80 Lumen Helligkeit auf über 300 cm Bilddiagonale projizieren. Mit zahlreichen Anschlussmöglichkeiten, einer eingebauten Batterie und dem integrierten MP4 Mediaplayer können Sie immer und überall ihre Bilder zeigen oder Ihr ganz privates Kino erleben. www.philips.com/picopix


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Freude, schöner GhettoFunken Die Ghetto-Biennale zeigt Kunst, wo sie entsteht: auf der Straße und in den Wellblechhütten von Port-au-Prince. Unter Beteiligung vierzig internatio­ naler Künstler verwandeln haitianische Bildhauer ihr Viertel in ein florierendes Festivalgelände. Text: Florian Obkircher, Bilder: Benjamin Lowy

Die Kunst

zieht Experten aus aller Welt an. Marla C. Berns (Mitte, mit Hut), Direktorin des Fowler Museum in Los Angeles: „Es ist faszinierend, wie sich die Situation Haitis in diesen ­Arbeiten widerspiegelt. Wie die Idee des Recyclings ­weitergedacht wird und Müll sich in Kunst verwandelt.“

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Dosen, Autoreifen, Holz, Computerplatinen: Die Bildhauer der Grand Rue erschaffen aus ausgedienten Alltagsgegenst채nden Kunst. 27


D Action

rückende Hitze, Lärm, Staub und Dieselgeruch. Mopeds schlängeln sich an bunt bemalten Bussen vorbei, am Straßenrand preisen Händler ihre Billigware an. Mechaniker schweißen, Reifen türmen sich, Frauen balancieren Wassertröge. Mittagszeit auf der Grand Rue, der pulsierenden Hauptschlagader von Port-au-Prince. Am südlichen Ende der Straße ragt ein ­metallener 8-Meter-Koloss zwischen halb eingestürzten Häusern in die Höhe. Der Körper ­besteht aus alten Lastwagenchassis, der Kopf: ein alter Öltank. Die Statue stammt aus der Werkstatt von André Eugène. Er ist Oberhaupt der hier ansässigen Künstlerkolonie „Atis Rezistans: the Sculptors of Grand Rue“. Das mit der „Rezistans“, dem Widerstand, bezieht sich auf den Willen, weiterzumachen; zusammenzu­ halten, sich von Haitis Katastrophen nicht unterkriegen zu lassen. Mit seinen Kollegen arbeitet André an Skulpturen aus Autoteilen, Holz, Puppenköpfen und menschlichen Schädeln, kurz: an Kunstwerken aus Müll, aufgeladen mit Voodoo-Symbolik. In Hinterhöfen thronen sie, auf Dächern und in den Hütten selbst: Die Skulp­ turen verleihen dem Viertel einen morbiden Charme. Einen Charme, der die internationale Kunstwelt begeistert. Regelmäßig stellen die Grand-Rue-Bildhauer in London und Miami aus, letztes Jahr waren sie zur Biennale in Venedig geladen – und alle zwei Jahre veranstalten sie selbst ein großes Fest: die Ghetto-Biennale. 28


Während der Ghetto-Biennale mutiert die labyrinthartige Wellblechhüttensiedlung zu einem Freiluftmuseum, in dem internationale Künstler mit den lokalen Bildhauern arbeiten und ausstellen.

Allison Rowe

ist eine von 40 Künstlerinnen und Künstlern, die zur zweiten Ghetto-Biennale eingeladen wurden. Beim ersten Festival 2009 rollte die Kanadierin ein riesiges Wollknäuel über den Küstenstreifen von Port-au-Prince aus – um zu zeigen, wie weit der Wasserspiegel infolge der globalen Erwärmung ansteigen wird. Diesmal sammelte sie Spenden. Nicht etwa für die hiesige Bevölkerung, sondern anders herum: Was würden die Haitianer dem Westen geben?

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Die Ghetto-Biennale scha≠t neues Selbstbewusstsein. „Wenn Leute aus aller Welt kommen, um unsere Werke zu sehen“, sagt ein Künstler, „dann ermutigt das die Jungen, auch diesen Weg einzuschlagen.“ 30


Die Londoner Fotografin Leah Gordon (Mi.) und André Eu-

gène (u.) sind die Erfinder der Ghetto-Biennale. Das Patricia & Phillip Frost Art Museum in Miami hatte 2004 einige Grand-Rue-Bildhauer zu einer Ausstellung eingeladen, die Künstler erhielten jedoch keine Einreisegenehmigung für die USA. Eugènes Idee: „Wenn wir nicht zur Biennale reisen können, dann holen wir eben die Kunstwelt nach Haiti.“

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Leonce Love ist fünfzehn. Seit er sich erinnern kann, will er Künstler werden. Gelernt hat er sein Handwerk, wie viele seiner Freunde, von

­ ugène. Nach der Schule verschanzt er sich jeden Tag in seinem vollgeräumten Beton-Atelier und arbeitet mit selbstgebasteltem Werkzeug an seiner Kunst. E Besonders stolz ist er auf dieses Werk: Eine Voodoo-Priesterin („Mambo“) bittet um Erleuchtung.

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Jean Hérard Celeur ist der Vater der Grand-Rue-Bewegung. Der Sechsundvierzigjährige war es, der 1998 anfing, zerfetzte Autoreifen aus der Nachbarschaft für seine Werke zu recyceln. „Meine Kunst hat immer einen starken sozialen Aspekt“, sagt er. Für eines seiner Objekte (o.) collagierte er ­Stöckelschuhe, Plateausandalen und Gummistiefel – Hilfsgüter des Westens, die in Haiti völlig unbrauchbar sind.

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„Früher wollte ich Fußballer werden“, sagt Eugène. „Als aus unserem Sportplatz ein Autofriedhof wurde, waren wir furchtbar enttäuscht. Aber wir fanden eine neue Leidenschaft: aus den Autoteilen Kunst zu schaffen.“

Zwischen Kunst und Alltag:

Während Voodoo-Priesterinnen bei einem Ritual ein Schwein opfern (re.), füllt das Künstlerkollektiv Fungus nebenan die Löcher in einer Hauswand mit bunten Kuben und „flickt“ zerstörte Fassaden mit neonfarbenen Klebebändern (ganz re.).

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Die erste Ghetto-Biennale fand im Dezember 2009 statt, nur

drei Wochen vor dem großen Erdbeben. Viele der eingestürzten Häuser sind bis heute nicht wieder aufgebaut, zahlreiche Bewohner des Viertels leben noch immer in nahe gelegenen Zeltdörfern. Die Ersten, die in ihre Behausungen zurückkehrten, waren die Künstler. Um zu zeigen, dass das Leben weitergeht.

www.ghettobiennale.com

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„ich habe etWas unmÖgliches

geschaf Bilder: Clive Brunskill/Contour by Getty Images

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novak dJokovic im exklusiven Gespräch mit dem Red Bulletin.

THE RED BULLETIN: Novak Djokovic, am 4. Juli des Vorjahres wurden Sie Nummer eins der Tenniswelt. Sie sind einer von nur 25 Menschen, die wissen, wie sich das anfühlt. Verraten Sie’s uns? NOVAK DJOKOVIC: Ach, man wacht nicht jeden Tag auf und sagt: Hey, du bist ein supertoller Kerl, du bist die Nummer eins. Man empfindet das viel, sagen wir, ruhiger. Man lebt im Bewusstsein, den größten Traum seines Lebens wahr gemacht zu haben. Ich lebe den Traum, den ich hatte, seit ich vier Jahre alt war. So wie andere Kinder Lokomotivführer oder Astronaut werden wollen, wollten Sie Nummer eins der Tennis-Weltrangliste werden … mit vier? Ja. Es war aber nicht nur ein Traum. Ich habe die Nummer eins auch damals schon als Ziel verstanden. Als etwas, das man sich erarbeiten muss. Sie haben sich die wahrscheinlich

ungünstigste Zeit für Ihre Mission ausgesucht: Als Sie achtzehn waren, begannen Roger Federer und Rafael Nadal den Sport zu dominieren wie kein Duo davor. Von den 28 GrandSlam-Turnieren von 2004 bis 2010 gewann Federer 15 und Nadal 9 … Das macht die Genugtuung noch größer. Ich weiß, niemand hat es für möglich gehalten, dass jemand Roger und Rafa überholen könnte – ich habe, so gesehen, etwas Unmögliches geschafft. Lassen Sie uns etwas genauer ansehen, wie es zu dieser Machtübernahme kam. Gehen wir vier, fünf Jahre zurück: Sie sind zwanzig, vielbeachteter Aufsteiger, jüngster Spieler in den Top Ten. Sie wollen ganz nach oben – doch dort stehen zwei der größten Athleten, die der Weltsport kennt. Und Sie verlieren die wichtigen Spiele gegen die beiden. Deprimierend?

BILD: CLIVE BRUNSKILL/CONTOUR/GETTy IMAGES

Novak Djokovic’ Weg an die Spitze der Tennis-Weltrangliste war ein ebenso außergewöhnlicher wie beschwerlicher: Sein erster Trainer war eine Trainerin, die ihm nicht nur Tennis, sondern auch klassische Musik und Dichtkunst nahebrachte. Während der Bombenangriffe des Balkankrieges verbrachte Djokovic die Nächte im Luftschutzkeller und die Tage auf dem Tennisplatz. Als jüngster Spieler in den Top Ten der Weltrangliste erfand er sich als Tennisspieler neu – um die damals unbezwingbar scheinenden Roger Federer und Rafael Nadal herausfordern zu können. Jörg Allmeroth, einer der profiliertesten internationalen Tennisjournalisten, hat Djokovic für The Red Bulletin in Dubai und Monte Carlo interviewt.


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Novak Djokovic im Match gegen Marcos Baghdatis, Key Biscayne, März 2012: Seine Athletik gilt als die beste im gesamten Tenniszirkus.

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Wie legt man den Respekt vor Roger Federer und Rafael Nadal ab?

Das ging nicht von heute auf morgen, das war ein Prozess. Und der war hart. Ich hatte erkannt, ich war an einem Punkt, an dem ich mich als Professional grundlegend verändern musste, um ­w irklich an die Spitze zu kommen. Einfach, weil ich plötzlich nicht mehr mit diesen Infekten zu kämpfen hatte, die mich sogar immer wieder zur Aufgabe auch bei den ganz großen Turnieren ­gezwungen hatten. … und Sie verzichteten auf die Rolle als Spaßmacher des Tenniszirkus. In Ihren jungen Profi-Jahren hatten Sie erfolgreich Maria Scharapowa, Rafael Nadal, Andy Roddick und andere imitiert. Wo ist denn dieser Novak Djokovic geblieben, dem Sie ja auch Ihren Spitznamen verdanken, „The Djoker“? Irgendwann war das Ganze nur noch zwanghaft. Ich reiste zu einem Turnier, und früher oder später kam irgendein ­Moderator oder Platzsprecher und sagte: Mach doch mal den Nadal, mach doch mal die Scharapowa. Da dachte ich mir: Zeit, damit aufzuhören.

Soll Tennis nicht auch Spaß machen? Machen Sie sich da keine Sorgen, ich bin doch immer noch derselbe Typ wie früher, alles andere als todernst. Einen verrückten Werbespot drehen, Blödsinn mit Freunden machen, das gehört immer noch zu mir. Aber Spaß soll nicht auf Kosten anderer gehen. Jahrelang galt es unter Profis als State of the Art, mit einer Art Pokerface zu spielen – tief in Konzentration versunken, keine Regung, nur ja keine Gefühle zeigen. Bei Ihnen ist das ganz anders. … und das ist gut so. Tennis ist bei mir kein Pokerspiel. Jeder kann meine Emotionen sehen und spüren, jeder, der möchte, soll daran teilhaben können, was ich gerade erlebe. Das gehört zu meinem Charakter. Und ich finde, es gehört auch zu unserem Job: Wir müssen den Leuten auch eine

bilder: Getty Images

Und wie! Sie erinnern sich sicher, ich habe damals schon gesagt, was meine Ziele sind: Grand Slams gewinnen, Nummer eins werden. Ganz ehrlich: Haben Sie mir geglaubt? Hm … nicht viele haben das. Was wohl auch berechtigt war. Ich habe damals zwar gesagt, dass ich an die Spitze will, Grand-Slam-Titel holen will. Aber ich habe es selbst nicht wirklich geglaubt. Wenn ich auf den Platz ging gegen Roger oder Rafa, fehlte diese hundertprozentige, diese allerletzte Überzeugung, dass ich es auch wirklich kann. Ich hatte schlicht zu viel Respekt. Als Zwanzigjähriger, als jüngster ­Spieler in der Weltklasse wollten Sie ­alles über Bord werfen, das Sie so weit gebracht hatte? Es gab keine Alternative dazu. Ich wollte ja Roger und Rafa schlagen und nicht ­irgendjemanden. In den nächsten Jahren habe ich mehr oder weniger alles geändert. Ich erkannte, dass Erfolg im modernen Tennis keine One-Man-Show ist, und baute rund um mich ein Team auf – Trainer, Physiotherapeut, Ernährungsberater, Fitnesscoach. Ich trainierte härter, aber vor allem noch viel gezielter als davor. Ich strukturierte meine Saison neu. Und ich stellte meine Ernährung völlig um. Durch eine glutenfreie Diät wurde ich körperlich stabiler – und das gab natürlich auch ­meinem Spiel eine ganz neue Konstanz.


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gute Show bieten. Wir müssen begeistern und mitreißen. Ist das Herrentennis im Jahr 2012 Ihrer Meinung nach ausreichend begeisternd? Ich denke, wir machen da einen ziemlich guten Job. Es wird ein wenig Eintönigkeit beklagt, was die Namen an der Spitze betrifft: Die großen Siege holen im Wesentlichen Sie, Rafael Nadal, Roger Federer und Andy Murray. Macht das nicht eine zusätzliche Faszination aus? Es ist verrückt, dass wir uns so stabil da vorne halten. Gerade wenn du siehst, wie stark die ersten 100, sogar 200 Spieler heute sind. Die sind alle unglaublich gut, technisch, athletisch. Es gibt nicht ein einziges Spiel im Jahr, wo du ­sagen könntest: Das gewinnst du auch mit 80 oder 90 Prozent. Wenn du nicht bereit bist, an einem Tag ans Limit zu gehen, verlierst du. Garantiert. Und wie erklären Sie sich dann Ihre ­Siegesserie im vergangenen Jahr? 76 Matches gespielt, 70 davon gewonnen, zehn Turniersiege, darunter drei der vier Grand Slams … Hm … erklären geht da wohl nicht. Irgendwann hab ich mich selbst gefragt: Träume ich das jetzt, oder ist das wirklich wahr? Es war ein Rausch, eine fast unwirkliche Zeit. Wie auf einer Wolke dahinzufliegen. Ihr größter Sieg war für viele Experten aber gar keiner im Jahr 2011, sondern jener in diesem Jänner, im Sechs-Stunden-Finale der Australian Open gegen Rafael Nadal. Stimmen Sie zu? Die Fans bekommen schon was geboten für ihr Geld heute, oder? (Lacht.) Irgendwann habe ich schon während des Matchs gefühlt, dass hier etwas Besonderes abgeht, dass ich dieses Match mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde. Solche Gedanken hatte ich zuvor nie. Und im fünften Satz, irre, da hatte ich zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, ich bin gar nicht mehr auf diesem Planeten, ich stecke in einer ganz eigenen Welt. Das war eine unglaubliche Erfahrung, ein Trancezustand. Woran denken Sie in einem Spiel üblicherweise? Klingt jetzt vielleicht banal, aber an das, was man jedem Nachwuchsspieler sagt: nur an den nächsten Punkt. Nur daran, diesen nächsten Punkt zu gewinnen. Nehmen Sie in großen Spielen eigentlich etwas wahr außer dem tatsäch­ lichen Duell? Oder spielt man mit ­einem Tunnelblick? Es ist nicht so, dass die Wahrnehmung komplett ausgeschaltet ist. Ganz im ­Gegenteil. Ich sauge die Atmosphäre, die Geräuschkulisse in mich auf. Das ist

­ otivation und Inspiration. Aber wenn M der Ball erst einmal im Spiel ist, vergisst man die Welt drumherum. Spüren Sie heute noch Druck oder Angst auf dem Platz? Wieso dieser negative Unterton in der ­Frage? Druck ist doch ein Privileg! Es gibt keinen besseren Beweis dafür als Druck, dass ich in einem großen Match stehe, ein großes Ziel verfolge. Druck treibt mich eher an, als dass er mich belastet. Ohne Lampenfieber gibt es keine Spitzenleistung. Wenn dich alles kaltlässt, weißt du, es ist vorbei. Ist es dieses Feuer, das herausragende Spieler von guten unterscheidet? In großen Matches geht es nicht darum, wer den Ball besser trifft – Tennis spielen können wir alle. Und wir alle sind körperlich fit. Das entscheidende Wort ist ­„Momentum“. Das ist der Unterschied. Das Momentum kann nur auf einer Seite sein, das musst du auf deine Seite holen. Und wie macht man das? Indem du es schaffst, über die gesamte Dauer des Matchs – und das können eben vier, fünf, ja sechs Stunden sein – stark zu bleiben, geduldig, zuversichtlich, selbstbewusst. Dich nicht frustrieren zu lassen, nicht von guten Schlägen des Gegners, nicht von eigenen Fehlern oder von ­falschen Entscheidungen des Schieds­ richters. Der, dem das besser gelingt, der hat das Momentum auf seiner Seite – der wird dann in den wichtigen Situationen die entscheidenden Dinge richtig tun. Ihre Karriere hat das Zeug zum Hollywood-Drehbuch: vom Balkankriegskind an die Spitze der Tenniswelt … fast ein etwas kitschiger Plot, nicht? Es ist ein Wunder, die ganze Geschichte ist ein Märchen. Absolut. Ich hätte tausend Mal scheitern können.

Woran denken Sie in einem Spiel üblicherweise?

Klingt vielleicht banal, aber ­g enau AN das, was man jedem Nachwuchs­ spieler sagt: nur an den nächs­ ten Punkt. Nur ­daran, diesen nächsten Punkt zu gewinnen. Aber Serbe zu sein ist Ihnen nicht nur persönlich wichtig, sondern das hat doch auch einen Teil Ihrer Motivation ausgemacht, nicht? Mein Antrieb war, der Welt ein neues ­Gesicht Serbiens zu zeigen. Da gab es ja Jelena Jankovic und Ana Ivanovic, die als Pionierinnen schon vor mir enorm erfolgreich waren, beide schafften es ja im Jahr 2008 an die Spitze der Damen-Weltrangliste. Es war eine große Genugtuung für uns alle, zu sehen, dass unser Land plötzlich auch ganz andere Schlagzeilen schreiben kann.

Novak Djokovic mit Langzeit-Freundin Jelena Ristic: Die ­gelungene Beziehung trägt wesentlich zu seinem Erfolg bei.

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War wegen der schlimmen Erfahrungen Ihrer Kindheit nicht einfach auch Ihr Hunger auf Erfolg größer als der von Spielern aus westlichen Ländern? Wahrscheinlich schon. Wir hatten mehr zu gewinnen. Wir wollten den Erfolg mit heißerem Herzen als andere, ja, das kann sein. Wie sehr belastete der Krieg Sie persönlich? Wie haben Sie die Bombenangriffe erlebt? Als Kind erfasst du die ganze Tragweite natürlich nicht. Aber die Angst war da, wenn die Sirenen losheulten und wir nachts in den Keller im Haus meines Großvaters rennen mussten. Das ging ein paar Wochen so. Es ist bekannt, dass Sie selbst in dieser Zeit der Angriffe trainiert haben: Nächte im Luftschutzkeller, Tage auf dem Tennisplatz. Unvorstellbar … … aber wahr. Ich habe weiter Tennis gespielt in dieser Zeit. Sogar mehr als sonst, weil ja die Schule ausfiel. Boris Tadić (bis April Serbiens Staatspräsident; Anm.) nannte Sie gerade den „besten Botschafter für Serbien überhaupt“. Sie reisen sogar mit einem roten Diplomatenpass durch die Welt … Ja, und unter uns: Das gute Stück hat schon seine Vorteile. Ich kann mich jetzt um die Schlangen bei der Einreise drücken. (Lacht.) Warum leben Sie nicht mehr in Ihrem Heimatland, das Ihnen so viel bedeutet? Weil es praktisch nicht möglich wäre. Ich hätte auf Schritt und Tritt einen Riesenrummel um mich herum, keine ruhige Minute. Der Hype in Serbien ist auf der einen Seite großartig, ich genieße diese Anerkennung und Popularität und Zuneigung, auf der anderen Seite ist er erdrückend. Ihre Entdeckerin und erste Förderin, Jelena Genčić, besuchen Sie immer noch regelmäßig. Es gibt eine BBC-Dokumentation, in der berührende Bilder gezeigt werden: Der Wimbledon-Sieger bringt seiner ersten Trainerin stolz den Pokal. Irgendwie wirkten Sie auf diesen Bildern noch wie der Tennisschüler, nicht wie der Weltstar. Jelena wird immer eine Respektsperson für mich sein. Der Moment, den Sie angesprochen haben, war unheimlich emotional: Ich brachte ihr eine Kopie des Pokals, von dem wir immer gemeinsam geträumt hatten. Ohne Jelena wäre ich nicht der Tennisspieler, der ich heute bin. Sie war die Erste, die an mich geglaubt hat, da war ich fünf Jahre alt! Sie sagte meinen Eltern, ich sei ein „goldenes Kind“, sie sollten mich unbedingt fördern und ja aufpassen, dass ich beim Tennis bleibe. 40

Wie Wichtig WaR es FüR diese kaRRieRe, aus seRbien Zu kommen, einem land, gegen das die halbe Welt kRieg FühRte? hat das besondeRe eneRgien FReigemacht?

ich bin kein serbischer racheengel, Der ausgezogen ist, um Die tenniswelt zu erobern. Die wertvollsten Ratschläge für meine Karriere stammen alle von ihr. Erinnern Sie sich an einzelne Tipps? Tausende Dinge. Zum Beispiel sagte sie immer, dass im Training Qualität vor Quantität stehen muss. Es kam ihr vor allem darauf an, was und wie man trainierte, nicht wie viel. Frau Genčić hat Ihnen auch klassische Musik, Gedichte und Fremdsprachen verordnet. Warum denn das? Es gab da eine Art pädagogisches Komplettpaket. Eine Erziehungsmaßnahme. Und die Musik sollte mich entspannen vom Trainingsstress. Das tut sie übrigens auch heute noch. Ich höre gerne klassische Musik. Später gingen Sie von Belgrad nach München, um dort bei Niki Pilić zu trainieren, der damals als Trainer ein Weltstar war. Pilić sagt über Sie: Ich habe keinen erlebt, der mit dreizehn, vierzehn schon derart fokussiert war. Ich wollte keine Zeit verschwenden, keine Minute. Schließlich wusste ich ja, welche Mühe es meine Eltern gekostet hatte, mich dorthin zu schicken. Es war meine Verantwortung, alles zu tun, um diese Chance zu nützen, die mir meine Eltern ermöglicht hatten. Man sagt Ihnen auch nach, ein Perfektionist zu sein – was für die Personen in Ihrem Umfeld nicht immer ganz angenehm ist, wie man hört. Wenn du ganz große Ziele erreichen willst, brauchst du diesen Charakterzug. Davon bin ich überzeugt. Wenn du es mit Leuten wie Federer oder Nadal in deinem Beruf zu tun hast, kannst du dir keine Kompromisse leisten. Und keine falsche Zufriedenheit mit kleinen Fortschritten. Sie haben zwei jüngere Brüder, Marko und Djordje. Beide versuchen, ebenfalls

kuRZ geFRagt Ihr Tennisidol? Pete Sampras … und außerhalb des Tennisplatzes? Meine Eltern und meine früheren Trainer, vor allem Jelena Gencˇic´ Der Mensch, den Sie gerne mal treffen würden? Michael Jordan Ihr Lebensmotto? „Be who you are.“ Ihre besten Freunde im Tennis? Meine serbischen Davis-Cup-Teamkollegen Janko Tipsarevic´, Viktor Troicki, Nenad Zimonjic´ Wobei entspannen Sie sich am besten? Mit Joga und Golf Welche Bücher lesen Sie? Solche über Sportpsychologie Welche Musik hören Sie? Serbische … Ihr Kinoheld? Robert De Niro Wenn Sie die Welt einen Tag lang regieren würden, dann …? … würde ich versuchen, an einem Tag Frieden auf der Welt zu schaffen.

Die Stadt, in der Sie sich am wohlsten fühlen? Belgrad. Und dann Monte Carlo. Ihr verrücktestes Tenniserlebnis? Australian-OpenFinale 2012 gegen Rafael Nadal (nach 5:53 Stunden – Rekord! – hatte Djokovic Nadal mit 5:7, 6:4, 6:2, 6:7 [5:7], 7:5 niedergerungen). Größter Glücksmoment, im Leben und im Tennis? Die Geburt meiner beiden jüngeren Brüder. Und im Tennis der erste Wimbledonsieg. Was möchten Sie unbedingt noch erreichen? Eine Familie gründen, Vater sein. Was halten Sie vom Stöhnen im Damentennis? Kein Kommentar. Welche Schlagzeile möchten Sie einmal über sich lesen? Die Schlagzeile, dass es keine Schlagzeilen mehr über mich gibt (lacht).


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WaRen sie immeR und übeRall besondeRs ehRgeiZig?

BILD: CLIVE BRUNSKILL/CONTOUR/GETTY IMAGES

immer unD Überall. egal was ich getan habe. ob ich irgenDetwas sPielte oDer ob ich ski fuhr: gewinnen zu wollen, Das steckt einfach in mir Drin.

im Profitennis Fuß zu fassen. Sind Sie eher eine Hilfe für Ihre Brüder? Oder eine Last? Die beiden haben es nicht leicht. Jeder ihrer Schritte wird verfolgt – Marko ist zwanzig, Djordje sogar erst sechzehn. Wie sollen sie aushalten, dass sie am Namen Djokovic gemessen werden? Aber sie kämpfen, sie versuchen alles, um ihren Platz im Leben zu finden. Ob im Tennis oder neben dem Tennis. Natürlich versuche ich, diese Last auszugleichen und zu helfen. Ich unterstütze sie, so gut es geht – und so weit sie es wollen. Sie haben wahnsinnig anspruchsvolle Jahre hinter sich. Den Kampf um Platz eins, um Grand-Slam-Titel, um den Davis-Cup-Sieg. Gibt es nicht Tage, an denen Sie morgens aufwachen und sich sagen: Muss ich mich wirklich wieder auf den Trainingsplatz quälen? Hundertprozentig nein. Absolut nein. Ich freue mich jeden Tag auf das, was mich im Tennis erwartet. Ich habe Riesenspaß an meinem Job, überhaupt an meinem Leben. Auch daran, über die roten Teppiche zu marschieren? Wie gefällt Ihnen dieser Glitzer-und-Glamour-Part Ihres Jobs? Warum sollte ich daran keinen Spaß haben? Es ist ja eine Anerkennung für meine Leistungen. Als Nummer eins muss und darf ich bei solchen Gelegenheiten auch meinen Sport repräsentieren. Ich betrachte das als Ehre. Ganz am Ende eine Bitte. Jemand, der noch nie von Ihnen gehört hat: Wie würden Sie dieser Person Novak Djokovic beschreiben? Es ist mir eigentlich unangenehm, mich selbst zu beschreiben … aber gut. Seine schlechten Seiten? Er ist manchmal eifersüchtig. Und vielleicht ein Stück zu emotional. Das Gute: Er ist ein kommunikativer Mensch. Voller Energie, voller Leben. Er zeigt ganz offen seine Seele nach draußen. Und er ist verantwortungsvoll … und freundlich. www.novakdjokovic.com

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ACTIon

Pssst, GEHEIM!

welche gigs Pflicht sind für die superstars. Der insider-fahrplan zu den heißesten festivals. text: Florian Obkircher

start

Björk ist ein Fan von Dirty Projectors.

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Yelawolf empfiehlt Big K.R.I.T.

Jarvis Cocker schwört auf Alabama Shakes.

Jared Followill (Kings of Leon) liebt Chairlift.

Beyoncé fährt ab auf Frank Ocean.


D Festival-

tipp

PiTcHfoRK fEsTivaL 13. – 15. 7., chicago, usa Info: Die Website pitchfork.com gilt als „New York Times“ der Musikmagazin­Welt. Wer dort eine positive Rezension erhält, darf folglich mit ausverkauften Gigs und großem Medieninter­ esse rechnen. Einmal im Jahr laden die Meinungsmacher zum hauseigenen Festival nach Chicago. Headliner: Feist, Vampire Weekend, A$AP Rocky, Flying Lotus, Grimes www.pitchfork.com/festivals/ chicago/2012

BILDEr: LIONEL DELUY, DAVID LEVENE, PICTUrEDESK.COM, rEX FEATUrES, SONY, GETTY IMAGES

13. 7.

ie Musik der Dirty Projectors ist nicht zu fassen, im wörtlichsten Sinn. Im Sekundentakt hantelt sich das Sextett aus Brooklyn von einem Stil zum anderen, von einem Tempowechsel zum nächsten. Komplexe Streicherarrangements, westafrikanische Melodien, Folkgitarren, Lärmwände und ausgeklügelter Falsettgesang – irgendwie kriegen die Dirty Projectors all diese Elemente in nur einen Song, ohne dass dieser am Ende überladen oder verkopft klingt. So elegant und experimentierfreudig wie David Byrne mit seinen Talking Heads in jungen Jahren: Kein Wunder, ist doch der Musikgeschmack von Band-Oberhaupt Dave Longstreth breit gefächert. Auch in Sachen klassischer Musik ist er ein Connaisseur. Strawinsky etwa verehrt der 30-jährige Musiker wegen der gleichzeitigen Präsenz von rohheit und absolu-

Von Punk über Bach bis Mariah Carey: Dave Longstreth hört ohne Scheuklappen.

ter Modernität. Ein Prädikat, das auch auf seine eigene Band zutrifft. Nachzuhören am Album „Bitte Orca“, vom

„Time“-Magazin zur zweitbesten Platte des Jahres 2009 gewählt, oder am pressfrischen Werk „Swing Lo Magellan“.

PitchforK ChiCago usA

„Ich kann das neue Album dieser Band kaum erwarten! Die Leute sind extrem talentiert, eine der interessantesten US-Bands der Gegenwart.“ BJÖrK über dirty proJeCtors

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A cti o n

Die Stimme von Caroline Polachek klingt wie Kate Bush auf Hustensaft.

Festival-

Tipp

MELT! festival 13. – 15. 7., Ferropolis, Deutschland Info: Die Kulisse ist überwältigend: Die Bühnen stehen zwischen riesi­ gen, beleuchteten Baggertürmen in einem aufgelassenen Braunkohle­ abbaugebiet. Ein Gelände, das an das raue, postapokalyptische Sze­ nario der „Mad Max“-Filme erinnert. Heiß und staubig kann es da werden – aber keine Sorge: Der Gremminer Badesee bietet Abkühlung. Headliner: Gossip, Justice, Bloc Party, M83, Lana Del Rey, Richie Hawtin www.meltfestival.de

„Ich stehe total auf Sängerinnen – und Caroline Polachek hat eine der besten Stimmen überhaupt. Total einzigartig. Manchmal klingt es, als würde sie bauchreden.“ Jared Followill, Kings of Leon, über Chairlift Melt! Ferropolis Deutschland

A

aron Pfenning und ­Caroline Polachek ­begegneten sich 2005 an der Universität in Colorado. Ihr gemeinsames Interesse: Horrorfilm-Soundtracks – und das Vorhaben, selbst Musik für Spukhäuser zu machen. Nach dem Studium zogen die beiden­ ins New Yorker Künstlerviertel Williamsburg, wo man sie

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­ egen ihrer zwielichtigen, w verträumten Songs sofort ins Herz schloss. Apple verwen­ dete ihren Song „Bruises“ für die iPod-Werbung, 2009 war das Duo für einen MTV Video ­Music Award nominiert. Der Sound wurzelt in der düsteren Ecke der achtziger Jahre, dort, wo die schwarzen Ledermäntel von Bands wie The Jesus

and Mary Chain und New ­Order hängen. Zugleich wohnt der Musik von Chairlift eine kühle Melancholie inne, so als hätten Synthesizer Liebeskummer. Mit ihrem neuen ­Album „Something“ tourt die derzeit zum Trio vergrößerte Band gerade um die Welt – und verwandelt jede Bühne in eine romantische Geisterbahn.

Bilder: Getty Images

14. 7.


B

ig K.R.I.T. ist 25 – und der heißeste Name im Hip-Hop-Geschäft. Sein federndes Kopfnicken verursachender Hit „I Got This“ löste kürzlich eine Online-Hysterie aus: Binnen weniger Tage schnellte das Video auf eine Million YouTube-Klicks. Sein pressfrisches Debüt-Studio­ album „Live from the Underground“ gilt in der Rap-­

16. 8.

Gemeinde schon jetzt als Anwärter auf den Titel „Platte des Jahres“. Dabei begann der Durchstarter aus Mississippi erst vor sieben Jahren mit dem Musikmachen. Auf seiner Sony PlayStation bastelte er Beats, über die er mit Freunden freestylte. Bis heute macht Big K.R.I.T. alles selbst: Er rappt und produziert seine Tracks. Überdies ist seine Zunge so

flink, dass man meinen könnte, seine Konkurrenz sei auf Valium. Seine Texte sind gewitzt, seine Beats kicken wie Chuck Norris – als musikalische Einflüsse nennt er Soul-Größen wie Curtis Mayfield und Bobby Womack. Der große Durchbruch steht kurz bevor, sind seine Fans und Förderer wie The Roots oder Method Man (Wu-Tang Clan) überzeugt.

royal arena biel schweiz

„Ich bin ein Megafan. Mein Manager hat mich auf seine Musik aufmerksam gemacht, seitdem läuft seine Platte bei mir rauf und runter. Er ist ein Riesentalent!“ Yelawolf über Big k.r.i.t. Das „K.R.I.T.“ in Justin Scotts Künstlername steht für „King Remembered in Time“.

Royal Arena Festival 17./18. 8., biel, Schweiz Info: Royal Arena ist weit mehr als ein Musikfestival. Es ist ein Hoch­ amt der vier Säulen des Hip-Hop: Rap, DJing, Breakdance und Street­ art. So gibt’s neben den Konzerten den Royal B-Boy Battle sowie eine Gra∞ti-Galerie für die Sprayer. Headliner: Busta Rhymes, Ice Cube, Mos Def, Dilated Peoples, Dizzee Rascal www.royalarena.ch

Festival-

Tipp

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A cti o n

Festival-

Tipp

Electric Picnic Festival 31. 8./1. 9., stradbally, Irland Info: Irlands „Boutique Festival“ ist über die Jahre zu einem Riesen­ spektakel avanciert. Und weil der große Bruder, das Oxygen Festival, diesen Som­ mer pausiert, wird der Andrang diesmal noch größer sein. Trotzdem: Das Electric Picnic hat sich seinen alterna­ tiven Touch bewahrt. Es ist grün, familien­ freundlich und bietet jede Menge junge und spannende Künstler. Headliner: The Cure, Sigur Rós, Hot Chip, Elbow, Patti Smith, Squarepusher www.electricpicnic.ie

31. 8.

Brittany Howard im Blumenkleid ist als bebrillte Frontfrau von Ala­ bama Shakes das Gegenteil eines Pop-Püppchens.

S

ie kamen aus dem Nichts. Mit einem Album, das traditionellen Blues und Südstaaten-Rock hochleben lässt: „Boys & Girls“ von Alabama Shakes ist die beste Platte, die Janis ­Joplin nie aufgenommen hat, ein Schlag ins Gesicht aller Autotune-Wunder und CastingShow-Gewinner. Das Quartett aus Alabama bietet handgefertigten Rock. Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug. Schnickschnack? Unerwünscht. Und dann ist da noch diese Stimme: die kratzige Soul-Stimme von Frontfrau Brittany Howard. Eine Stimme, die selbst Kol­ legen wie The Strokes oder Jack White fesselt. Letzterer war so begeistert vom erdigen Sound der Alabama Shakes, dass er sie als Tour-Support und für eine Single-Veröffentlichung auf seinem eigenen Label rekrutierte. Alabama Shakes sind der beste Beweis dafür, dass ehrliche, traditionsbewusste Musik niemals aussterben wird. Ja mehr noch: dass Blues selbst im Jahr 2012 noch eine Lawine lostreten kann.

Electric Picnic Stradbally Irland

Jarvis Cocker über Alabama Shakes

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Bild: Getty images

„‚Hold On‘ ist der beste Song des Jahres. Und Bassist Zac ­Cockrell hat den besten Style, den ich seit langem gesehen habe.“


DIE SPECIAL EDITIONS VON RED BULL.

DER GESCHMACK VON CRANBERRY, LIMETTE ODER HEIDELBEERE. DIE WIRKUNG VON RED BULL.


A cti o n

Bestival isle of wight groSSbritannien

„Jay, mein Mann, spielte Franks CD im Auto. Mir ist sofort seine Stimme aufgefallen, seine Art, Geschichten zu erzählen. Gleich am nächsten Morgen hab ich ihn angerufen und ins Studio eingeladen.“ Beyoncé über Frank Ocean

6. 9.

Tipp

bestival 6. – 9. 9., isle of wight, GroSSbritannien Info: Seit 2004 schmeißt der Radiomacher, DJ und Labelchef Rob da Bank seine überdimensionale Gartenparty auf der Isle of Wight an der britischen Südküste. Mit großartigen Künstlern und einem Verkleidungsmotto, an das sich erstaunlich viele Festivalbesucher halten. In diesem Jahr heißt es „Wilde Tiere“. Headliner: Stevie Wonder, New Order, Friendly Fires, Justice, De La Soul etc. www.bestival.net

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A

m Anfang stand Odd Future Wolf Gang Kill Them All. Ein kalifornisches Hip-Hop-Kollektiv, das im vergangenen Jahr den lahmenden Popzirkus mit wilden Liveshows und blutrünstigen Texten ordentlich aufgemischt hat. Einer der elf Lausbuben heißt Frank Ocean, der 2012 die Welt im Alleingang erobern will. Die Hip-Hop-Könige JayZ und Kanye West haben den 24-Jährigen die souligen Re­ frains ihrer Platte „Watch the Throne“ einsingen lassen, mit dem Produzenten-Team The Neptunes arbeitet Frank gerade an seinem Debütalbum – die haben immerhin schon die Karriere von Kelis oder Justin Timberlake in Gang gebracht. Außerdem ist das Internet schon jetzt voll mit tausenden Teenagern, die Frank Oceans gefühlvoll-coole R ’n’ B-Hymnen wie „Thinking About You“ mit der Akustik­gitarre vor der Webcam covern.

Bild: Getty images

Festival-

Als Christopher Breaux wuchs er in New Orleans auf, heute ist er Frank Ocean: der heißeste SoulCrooner der Stunde.


Foto: Peter von Felbert

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ACTION

„Hier kommt Keith Richards’ Hose!“ Seit dreißig Jahren wäscht Hans-Jürgen Topf die Bühnenoutfits der Rockstars. Uns hat er verraten, dass man Rotweinflecken mit Weißwein bekämpft und warum Madonnas Leggings unter das Beichtgeheimnis fallen. Protokoll: Andreas Rottenschlager, Bilder: Philipp Forstner

Alles begann an einer roten Ampel in Ludwigshafen: Ich war 25 und jobbte in der Wäscherei meiner Eltern, als der Tourbus von Ted Nugent (ein US-Rockmusiker; Anm.) neben mir hielt. Ich sah sofort, dass der Fahrer falsch abgebogen war, und lotste ihn zur Konzerthalle. Der Tourmanager schenkte mir Freikarten. Ich wusch ihm dafür einen Koffer voll Wäsche. Als ich die Klamotten zurückbrachte, sagte er: „Mach das doch auch für andere Bands!“ Zwei Tage später spielten Meat Loaf in der Eberthalle. Ich stand an der Backstage-Tür und sagte: „Hallo, ich wasch Klamotten für Freikarten.“ Schon war ich drin. Dann kamen Deep Purple und die Scorpions. Die waren alle froh, dass ihnen jemand den Scheißjob mit der Wäsche abnahm. Irgendwann wusste ich: Entweder du gehst mit auf Tour, oder du verendest hier in der Pampa der Rockmusik. 2012 wird meine Rock ’n’ Roll Rock ’n’ Roll-Wäscher Hans-Jürgen Topf: biologisch abbauLaundry für das „Batman“-Musical in baren Weichspüler für McCartney, Radikalkur bei Slipknot. Südamerika waschen, für den Cirque du Soleil in den USA und Madonna in Europa. U2 habe ich 2011 in Australien Band, Anm.) bei Rock am Ring 2005. Die betreut. Nur die Antarktis fehlt mir noch. hatten ihre Overalls in Kunstblut, Sahne Künstlerwäsche braucht Sonderbehandund Bier getränkt und anschließend im lung. Der Garderobier sagt: „Pass auf, das heißen Tourbus gelagert. Da war schon ist die Hose von Keith Richards!“ Diese richtig Leben drin. Beim Öffnen des PlasLeute bleiben neben der Maschine stehen tiksacks brauchte ich nur noch durch die und kippen das Waschpulver selber rein. Finger zu pfeifen, und die Klamotten rannExtrawünsche gibt’s auch: Paul McCartney ten von alleine in die Waschmaschine. und Pink lassen nur Bio-Waschmittel an Soßeflecken bekämpfst du am besten ihre Wäsche. Aber kein Problem: der Topf mit Spülmittel. Auf einen Rotweinfleck hat alles dabei. kippst du einen Schuss Weißwein. KugelSchlimmstes Wascherlebnis meiner schreiberstriche am Sofa? Haarspray Karriere: Slipknot (US-Heavy-Metaldrauf! Wird alles wieder sauber. 50

Angus Young von AC/DC saß nach dem Konzert bei mir auf der Waschmaschine. Mit dem konntest du dich ganz normal übers Waschen unterhalten. Er wollte wissen, wie man Grasflecken aus der Hose rauskriegt. Natürlich gibt’s ein Wäscher-Beichtgeheimnis. Nur das Groupie weiß, welche Unterwäsche sein Star trägt. Der Topf auch, aber er verrät es nicht. Wenn ich in den Hosentaschen Drogen finde, werfe ich sie weg. Da bin ich radikal. Das geht sofort ins Klo. Ich hab auch mal 6000 Mark in den Jeans eines Tourmanagers entdeckt. Ich hab sie zurückgebracht und ein Gratis-T-Shirt bekommen. Im Rock ’n’ Roll gibt’s Gewinner und Loser. Du siehst Bands, die reich werden, und Künstler, die völlig leer ausgehen. Aber jeder fühlt sich als Teil einer Gemeinschaft, vor allem wir Roadies. Wir pennen, wo andere Platzangst kriegen. Wir arbeiten 35 Stunden am Stück und lachen immer noch. Wir sind eine große Familie auf Tour. Ich hätte gern für die Beatles gearbeitet. Ozzy Osbourne fehlt mir auch noch. Die größte Band aller Zeiten? Led Zeppelin. Sie spielten die Musik meiner Jugend. Wenn ich „Whole Lotta Love“ höre, krieg ich heute noch einen Orgasmus. Meine Mutter war Bäuerin, mein Vater Obsthändler. Sie flohen aus Ostdeutschland, als die Mauer gebaut wurde, und eröffneten eine kleine Wäscherei in Ludwigshafen. Meine Eltern haben dafür gesorgt, dass der Name Topf für Qualität steht. Ich glaube, wenn sie noch leben würden, wären sie stolz auf ihren Sohn. Sauber und laut: www.rock-n-roll-laundry.com


Name Hans-Jürgen Topf Geburtsdatum-/ort 8. Oktober 1956 in Ludwigshafen, Deutschland Beruf Gründer und Chef der Rock ’n’ Roll Laundry Wollte eigentlich Kindergärtner werden Spielt „ziemlich schlecht“ Schlagzeug Schrieb „Das rockige Waschbuch. Groupies, Stars & Dirty Socks“

„Angus Young saß auf meiner Waschmaschine und fragte, was man gegen Grasflecken tun kann.“


o c n E M a L F Freestyle-Motocrosser Martin Koren (CZE) 端ber dem Glen Helen Raceway, San Bernardino: Kunstturner auf dem Motorrad.

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Action

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L E s hter g i F s ull x land de : b d ss re ter die m mut otocro – i le-m fornien , y t s i s e Fre ge kal trick n a re en rt Vie chen ir knoch n s e zwi aputten ar nett . a a k in p r mam r e d un pps fü schlage ti t te n a r w a n k s Ro e a r ge n S nd r t: A der: Jü x e T Bil

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Action

Mittwoch  

18:30

Los Angeles International Airport. Rein ins Mietauto und raus auf die Interstate 10, wo die Autokolonnen auf fünf Spuren Richtung Osten brausen. Besser, du hältst dich ans Tempolimit. Die Highway Patrol versteht hier keinen Spaß. Die Fahrt zum Glen Helen Raceway dauert knapp zwei Stunden. Die legendäre ­Motorsport-Arena empfängt die Red Bull X-Fighters. Zum Aufschreiben: FreestyleMotocross ist Kunstturnen am Motorrad – doppelte Rückwärtssalti, 360-Grad-­ Drehungen im Sattel, Sprünge über eine Distanz von bis zu 30 Metern. Warum Glen Helen? Weil hier Freestyle-Motocross geboren wurde, Dude!

Donnerstag  

09:00

Glen Helen Raceway. Auf einer Fläche so groß wie drei Fußballfelder ragen Kicker, Rampen und Quarter­ pipes aus der Erde; das macht insgesamt mehr als 30 Sprungoptionen, so viel wie nie zuvor auf einem Red Bull X-FightersEvent. Größte Herausforderung: der „Step-up“– eine sechs Meter hohe Schanze, die auf ein 18-Meter-Erdplateau führt. Wer über den Step-up springt, katapultiert sich ins siebente Stockwerk eines Hochhauses. US-Freestyle-Veteran Ronnie ­Renner blickt auf den Offroad-Spielplatz und wird poetisch: „Hier kannst du deine ­Linien ziehen wie ein Maler seine Pinselstriche am Gemälde.“

10:30

Erstes Training. Als Eigo Sato hart hinter dem Kicker aufschlägt, wird es neben der Strecke still. Sein Motorrad – eine Yamaha YZ 250 – rollt noch einige Meter herrenlos weiter und kippt dann um. Sato bleibt am Boden liegen. Nach wenigen ­Sekunden beginnt er seine Beine im Zeitlupentempo anzuwinkeln. Langsam steht er auf. Sato, schwarzer Helm, rote Hose,

54

klopft sich den Staub von der Brust. Er trottet zum Motorrad, quält sich in den Sitz und tritt den Kickstarter. Dann fährt er Richtung Boxengasse davon. Die ­Strecke hat soeben ihren ersten Fahrer abgeschüttelt.

10:40

Im Fahrerlager. Bruchpilot Sato sitzt auf seinem Campingstuhl und schlürft Tee. „Wenn du merkst, dass während des Sprungs etwas schiefgeht, hast du genau zwei Möglichkeiten“, sagt er. „Du wirfst dein Motorrad weg, oder du hältst es fest. Ich habe es festgehalten. Es war die rich­ tige Entscheidung.“ – „Woher weißt du das, Eigo?“ – „Schau mich an. Ich kann noch aufstehen.“ Unter Satos Kinn verläuft eine sichelförmige Narbe von einer

Eigo Sato schlägt hart hinter dem Kicker auf. Es wird still neben der Strecke.


Nick Dunne (USA) zeigt einen „Ruler“. Rechts: Altmeister Eigo Sato: „Sieh her, ich kann noch stehen.“ Ganz links: US-Fans am Glen Helen Raceway, erkennbar an Sonnenbrillen, Tattoos und ultrakurzen Hotpants.

zusatzbild: Joerg Mitter/Red Bull Content Pool

Links: Nach zwei ­Jahren Pause werden die Red Bull X-Fighters im Geburtsland des Freestyle-Motocross mit einer speziellen ­Flaggenparade empfangen.

55


Daniel Torres

Mama!‘“ Torres möchte später eine Freestyle-Schule gründen und Kinder unterrichten. Aber erst mal muss er wieder auf den Kurs. „Ich kann den Titel verteidigen“, sagt er und hustet. Verdammter Staub.

11:00

17:00

Zusehertribüne. Bis kurz vor Sonnen­ untergang fetzen die Fahrer kreuz und quer über die Sprungschanzen. Wie erobert man diesen monströsen Kurs? Es gilt Flugdistanzen abzuschätzen, Anfahrts­ geschwindigkeiten zu testen und an TrickMöglichkeiten zu feilen. Der mächtige Step-up – da sind sich alle einig – bleibt das größte Wagnis. Einigen Fahrern ­dämmert bereits: Er wird über Sieg und Niederlage entscheiden. Wir schreiben eine Frage in unseren Notizblock: „Wie lebt man mit der Vorstellung, aus einer Höhe von 18 Metern abzustürzen?“

Freitag  

10:00

Zurück im Fahrerlager. „Dieser verdammte Staub!“ Dany Torres schnäuzt sich in sein Taschentuch. Vor uns sitzt der Champion: Daniel Torres, 56

„Wie beruhigst du deine Mutter vor so einem Bewerb?“ Danny Torres: „Ich sage, ‚relax, Mama!‘“ 25, Sieger der Red Bull X-Fighters World Tour 2011. Was sofort auffällt: Torres ist schmächtig und erinnert eher an einen Tänzer als an einen Top-Athleten. Vor jedem Start hört er Flamenco, am liebsten von der Gruppe Los Rebujitos. Torres ist berühmt für seinen „Double Grab Backflip“, einen Rückwärtssalto auf seiner KTM SX 250, bei dem er sich mit beiden Händen in den Haltelöchern des Sitzes festkrallt und den restlichen Körper durchstreckt. Seine Karriere startete mit fünf, als ihm sein Vater ein rot-weiß ­lackiertes Mecaterno-Kindermotorrad ­unter den Weihnachtsbaum stellte. Torres gilt als einer der technisch saubersten Fahrer auf der Red Bull X-Fighters World Tour. Wenn er in seinem Heimatort Arahal nahe Sevilla in den Supermarkt geht, zeigen die Leute auf ihn und sagen: „Schaut, da kommt El Campeón!“ „Dany, wie lebt man mit der Vorstellung, aus 18 Metern abzustürzen?“ – „Die Angst gehört dazu. Kurz vor dem Sprung wird es in meinem Sturzhelm ganz still“, sagt Torres. „Ich fahre vor 40.000 Leuten, kann sie aber trotzdem nicht hören. Ich bin voll konzentriert. Erst nach der Landung ist der Lärm wieder da.“ – „Fürchtet sich deine Mutter, wenn du springst?“ – „Sie ist vor jedem Bewerb nervös.“ – „Was sagst du ihr dann?“ – „Ich sage: ‚Relax,

12:30

An der Startrampe. Der größte Herausforderer von Champion Dany Torres trägt ­Vokuhila und hört auf den Spitznamen „Gummikind“. Levi Sherwood, 20, kann sich auf seiner KTM verbiegen wie kein

Levi Sherwood

zusatzbild: Joerg Mitter/Red Bull Content Pool

Gesichtshälfte zur anderen. Ein erbsengroßes Cut neben dem linken Auge erinnert an eine andere Verletzung. Mit 33 Jahren hält sich der Japaner noch immer im Spitzenfeld. Er ist der älteste Athlet auf Tour und vielleicht der größte Kämpfer von allen. Was Satos lädierter Rücken nicht mehr zulässt, macht er mit Herzblut wett. „Zur Vorbereitung fahre ich viel im Kopf“, sagt Sato. Wenn er nachts im Hotelzimmer liegt, düst er in Gedanken über den Kurs, testet Anstiege oder plant seine nächste Landung. Gerade eben fischt er einen ­Zettel aus seiner Hosentasche und notiert die Sprünge für seinen Qualifikationslauf. Neben manche Zeilen malt er Sternchen – was sie bedeuten, weiß nur er. Er wolle auf jeden Fall noch ein paar Jahre weiterfahren, sagt Sato. Sein Wunsch: „Backflips machen, bis ich vierzig bin.“

Motocross-Kurs Mount Glen Helen. Wer mehr über den Ursprung von Freestyle-Motocross erfahren möchte, fragt am besten Monte Lee. Monte sitzt neben dem Zielsprung an der Motocross-Strecke von Glen Helen, die sich unweit des Red Bull X‑Fighters-Spielplatzes einen steilen Berghang hinaufwindet. In Montes Mundwinkel glimmt ein Zigarrenstummel. Er trägt Sonnenhut und einen auf­ fällig gezwirbelten Schnurrbart. Monte ist 64. In Glen Helen nennen sie ihn nur „The Legend“. Als sich Monte vor mehr als vierzig Jahren auf sein erstes Motorrad schwang, eine 650er-Triumph, war noch keiner der heute aktiven X-Fighters-Fahrer geboren. Monte fuhr Hare Scrambles und Wüstenrennen, brach sich etliche Rippen dabei. „Der Nervenkitzel gehört dazu“, sagt er mit rauchiger Stimme. Freestyle sei aus dem klassischen Motocross entstanden, erzählt Monte, als die Fahrer vor etwa zwanzig Jahren begannen, ihre Zielsprünge mit Tricks zu ver­ feinern. „Wir nannten das Styling“, Monte zieht an seiner Zigarre. „Irgendwann sind die Jungs dann ab in die Wüste Richtung River Side und haben begonnen, die ersten großen Rampen aufzustellen.“ Was er über die X-Fighters denkt? Monte lacht sein Legenden-Lachen: „Eines ist sicher: Die Jungs haben dicke Eier.“


action

Links: Nachwuchsfahrer Niko Munoz und Ricky Negrete. Vater Anthony: „Sie wollen einfach nicht mehr aufhören.“ Rechts: heißer ­Support von den Rängen. Unten: ­Thomas Pagès (FRA) bei der Arbeit.

Potter prügelt seine Honda über den Kurs. „Schluck deine Angst runter!“

Zweiter. „Ich bin entspannter als die ­anderen, das macht mich stark“, sagt der Neuseeländer aus Palmerston North. Sherwood mag keinen Flamenco. Aus seinem iPod wummern die Beats des angesagten Elektronik-Produzenten Skrillex oder House-Musik von Deadmau5. Sherwood war siebzehn, als er 2009 in Mexiko City als bisher jüngster Fahrer einen Red

Bull X-Fighters-Bewerb gewann. Dann zwang ihn ein gebrochenes Handgelenk zu einer Karrierepause. „Vor deinem ersten Crash fühlst du dich unverwundbar“, erzählt Sherwood. „Natürlich machen dich Verletzungen auch reifer.“ Der gereifte Levi Sherwood sagt: „Taktik ist der Schlüssel zum Sieg. Ich denke jetzt längerfristig.“ 57


Action

Oben: Glen-HelenVeteran Monte Lee: „Jedenfalls haben die Jungs dicke Eier.“ Unten: 50-ccm-Rennen mit lockerer ­Kleiderordnung.

„Das Schlimmste, was einem X-Fighter passieren kann?“ – „Wenn du einen Grab machen willst und in der Luft deine ­Maschine verfehlst. Das sind keine guten Nachrichten.“ Levis Freundin ist nach Glen Helen mitgereist, und es sieht verdammt lässig aus, wenn er sie nach jedem Lauf aufs Motorrad klettern lässt und mit ihr ins Fahrerlager zurückdüst. Levi pragmatisch: „Je mehr Zeit du am Bike verbringst, ­desto sicherer fühlst du dich.“

15:00

Pressezelt. Überraschendes Ergebnis der Qualifikation: Der Franzose Thomas Pagès, ein unkonventioneller Fahrer mit breitem Spitzbubenlachen, gewinnt vor Eigo Sato und dem Amerikaner Todd Potter. Pagès, der sich weigert, Backflips zu springen, macht dieses Defizit mit ­einer Traumlinie und innovativen Figuren wett. Highlight: der sogenannte „Volt Body Varial“. Eine 360-Grad-Drehung am Sitz während des Sprungs. Im Programmheft steht dazu: „Schwierigkeitsstufe 10 von 10 – die Mutter aller Tricks“.

Samstag  

12:00

Haupteingang. Am Tag der Entscheidung brennt die Sonne kerzengerade vom Himmel. Über den Tribünen kreist ein ­Vogel, der aussieht wie ein Geier. Was gut möglich ist, denn hinter Glen Helen beginnt die Mojave-Wüste. 15.000 Besucher fluten das Gelände und brutzeln in der

11. August 2012: Die Red Bull x‑Fighters in München Worum geht’s? Auf der vorletzten Station der Red Bull X-Fighters World Tour 2012 kämpfen zwölf der weltbesten Freestyle-Motocrosser um eine ideale Ausgangsposition für das Finale in Sydney am 6. Oktober. 40.000 Fans werden in München zum größten Freestyle-MotocrossBewerb auf europäischem Boden erwartet. Wo muss ich hin? Das Münchner Olympiastadion am Spiridon-Louis-Ring 21 fungiert als spekta­ kuläre Kulisse des ersten Red Bull X-Fighters-Tourstopps in Bayerns Hauptstadt. Beginn: 19.30 Uhr. Anfahrtsplan unter: www.olympiapark.de Wo gibt’s Karten? Bei allen Vorverkaufsstellen von München Ticket (www.muenchenticket.de) oder unter: www.redbullxfighters.com

58

16:15

Glen Helen Raceway. Thomas Pagès und Todd Potter liefern sich ein hochklassiges ­Finale. 120 Sekunden für jeden, um fünf Punkterichter zu beeindrucken. Pagès zieht seinen Stil weiter durch: keine Backflips, dafür mächtige Sprünge quer über den Step-up. Potter, der unter seinem Helm Dreitagebart trägt und mit nussbraunen Augen die Mädels verzückt, heizt den gefürchteten Step-up rauf und runter, punktet mit Backflip-Kombinationen. Er nutzt das 22.000 Meter große Areal aus, prügelt seine 4-Takt-Honda über die Kicker. Es ist jener furchtlose Freeride-Fahrstil, den er als Einheimischer in den Hügeln Kaliforniens perfek­tioniert hat. Die 15.000 auf den Rängen tragen ihn über

die Strecke. Todd Potter wird König von Glen Helen. Am Podium sagt er: „Hier musste man die Angst r­ unterschlucken.“ Der Pressekonferenz-­Moderator tönt: „Der Kurs war Todd ­Potters feuchter Traum.“

17:30

Campingplatz Glen Helen. Es ist mit Abstand die kleinste Schanze, die an diesem Wochenende gebaut wurde: zwei Schaufeln Erde, plattgedrückt mit ­einem Spaten, gut zehn Zentimeter hoch. Gerade brettert Tyler Pham auf einer MiniYamaha auf das Hügelchen zu. Der Bengel ist dreieinhalb Jahre alt und steckt in voller Motocross-Montur. Er hüpft über den Mini-Kicker und kippt dabei beinahe um. Samy Fayad, 29, Tylers Aufpasser und Schanzenerbauer, ruft: „Zeig den Leuten, was ein Freestyle-Motocrosser macht!“ Der kleine Tyler dreht sich um, hebt sein linkes Händchen und streckt uns kleinen und Zeigefinger zum Teufelsgruß entgegen. Dann wendet er und fährt noch mal.

Glen-Helen-Highlights: www.redbullxfighters.com

zusatzbild: Joerg Mitter/Red Bull Content Pool, imago

Mittagshitze. Der Dresscode für US-Fans: Damen zwängen sich in ultraknappe Hotpants, Herren streifen T-Shirts der Freestyle-Marke Metal Mulisha über oder ­tragen Ganzkörper-Rennanzüge. Geschätz­ ter Prozentsatz an tätowierten Besucher: knapp über achtzig.


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OLIVER ”

action

Stone:

Ich Habe

ein Recht,

Wütend

I

Text: Rüdiger Sturm, Fotos: Denis Rouvre/Corbis Outline

„Ich fühle mich elend.“ Wenn ein Gesprächspartner ein Interview so beginnt, verheißt das nichts Gutes. Zwar hat Oliver Stone in sein Haus in einer idyllischen Seitenstraße des Sunset Boulevard geladen, doch die Nacht davor war lang gewesen, und entsprechend heftig ist nun der Kater. Dass Stone morgens ein wenig Tischtennis gespielt hat, um seine „Säfte zum Fließen zu bringen“, hat nichts geholfen. Und dann ging auch noch ein wichtiger Brief verloren, den er am Vortag diktiert hatte. Doch die Vorzeichen trogen, der Regisseur stapelte tief. Das war zu erwarten: Nur wenige Filmemacher Hollywoods der letzten Jahrzehnte bewiesen so viel Vitalität und wurden mit so vielen Widerständen fertig wie der 65-jährige Amerikaner. So ist es auch nur konsequent, dass er sich für seinen neuesten Film wieder ein vor Energie strotzendes, provokantes Thema, aussuchte: „Savages“ (nach Erfolgsautor Don Winslows gleichnamigem Roman) erzählt die G ­ eschichte zweier junger kalifornischer Marijuana-Dealer, deren Freundin von ­einem mexikanischen Drogenkartell gekidnappt wird und die als Konsequenz zu ­einem persönlichen Feldzug aufbrechen. Wenn Stone also im Gespräch anmerkt, seine Ausführungen seien zusammenhanglos und unfokussiert, darf man das nicht ernst nehmen: Auch das Interview straft ihn Lügen. Es dauert knapp zwei Stunden, dann verlangt auch Stone nach einer Droge: Kaffee.

zu sein “

n Ihren Klassikern – von „Platoon“ bis „Wall Street“ – waren die Protagonisten Alter Egos des jugendlichen Stone. Gilt das auch für die Drogendealer aus „Savages“? oliver stone: Diese Figuren haben nichts mit mir gemein. Abgesehen davon, dass ich in meinen jüngeren Jahren ein wenig so wie sie hätte sein können. Ich trug die gleiche Gewalttätigkeit in mir, und ich mag Dope – ich meine, ich mochte Dope. Ich identifiziere mich als Regisseur mit meinen Charakteren. Aber das war nicht mein Lifestyle, ich habe das nie gemacht. Sie kamen nie in Versuchung, in diese Welt hineinzuschnuppern? Jetzt, da ich als dramatischer Erzähler etabliert bin, kann ich sagen: Als junger Mann tat ich alles, um zu überleben, auf dieser und jener Seite des Gesetzes. Als

ich 25 war, fuhr ich Taxi, ich machte allen möglichen Scheiß, um mich über Wasser zu halten. Nur so konnte ich zwei Dreh­ bücher pro Jahr schreiben – in der Hoffnung, den Durchbruch zu schaffen. Aber ich habe viel von jener Zeit vergessen. Warum haben Sie Dope aufgegeben? Ich will von nichts süchtig werden, ich will kein Sklave sein. Das Bild der Drogenwelt in „Savages“ ist trotzdem beängstigend realistisch. Wir stellten ja auch haufenweise Recherchen an. Wir bauten ein echtes Gewächshaus für das Dope, wir sprachen mit Agenten der Drogenbehörde DEA und mit den Mexikanern. Außerdem verbrachte ich, wie schon bei „Scarface“ (Stone schrieb das Drehbuch zu Brian De Palmas Klassiker; Anm.), einige Zeit mit den Leuten von der anderen Seite des Gesetzes. Sie meinen die Drogenkartelle? Ja. Während der Proben mit den Schauspielern holten wir ein paar wichtige Drahtzieher des Drogengeschäfts dazu – Experten für Geldwäsche, Männer fürs Grobe, eine Frau, die mit einem Topdealer zusammen gewesen war. Mit Benicio del Toro (im Film der Führer eines Drogen­ kartells, Anm.) und meinem Produzenten Fernando Sulichin fuhr ich nach Tijuana, um eine der großen Nummern zu treffen. Wen meinen Sie? Das kann ich nicht sagen. Kein Kartellboss, aber er war ein wichtiger Geldwäscher. Wie haben Sie diese Leute gefunden? Wir hatten viele lateinamerikanische Verbindungen – aus der Zeit, als ich meine Dokumentationen über Fidel Castro und Hugo Chávez drehte. Nicht, dass die uns 61


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Namen genannt hätten. Aber jemand meinte: „Da gibt es diesen Kerl in Tijuana, der mit einem Kartell zusammenarbeitet.“ Ein faszinierender Typ; wir trafen ihn, und er stellte uns anderen Leuten vor. Wir mussten aber ein paarmal hin­reisen, um sein Vertrauen zu gewinnen. Was mussten Sie dafür tun? Beim ersten Mal verlief das sehr formell. Beim zweiten Mal tranken Benicio, Fernando und ich mit ihm 25 Gläser Tequila zum Lunch, wobei ich mich überhaupt nicht betrunken fühlte. Im Lauf des Tages brachte er uns in eines seiner Büros; überall liefen Chihuahuas umher. Im Hinterzimmer stellte er den Tequila her – nach einer ­Formel, die ein alter Chinese entwickelt hatte. Da waren Taranteln drin, Skorpione, Klapperschlangen, eine Kobra, Stierpenisse – widerlich, aber all das kommt in diesem großartigen Tequila zusammen. Waren diese Recherchen gefährlich? Gar nicht. Wir stiegen ja nicht so tief ein wie Journalisten, die echte Informationen wollen. Wir machten nur einen fiktiven Film mit Figuren aus einem Roman, und wir versuchten, eine Vorstellung von der ganzen Atmosphäre zu bekommen. Wobei Sie ja Lebensgefahr aus eigener Anschauung kennen. Als einer von ­wenigen Regisseuren kämpften Sie in ­Vietnam. Wie gut erinnern Sie sich noch an die Anfänge dieses Einsatzes? Nach meinem ersten Jahr in Yale zog ich nach Saigon, um an einer Schule zu unter­ richten. Nach sechs Monaten ging ich zur Handelsmarine, und Anfang 1966 kehrte ich per Schiff in die Staaten zurück, wo ich mit meinem Roman „A Child’s Night Dream“ begann. Im September war ich zurück in Yale, brach aber das Studium wieder ab, um das Buch zu beenden. Das wurde von den Verlagen abgelehnt, völlig aufgebracht ging ich im April 1967 zur Armee. Ich wollte verschwinden, anonym werden und mit mir selbst klarkommen. Aber nicht jeder Studienabbrecher und gescheiterte Autor zieht in den Krieg, um sich selbst zu finden. Was kann ich schon dazu sagen? Wenn ein junger Mann erwachsen wird, ist das eine schwierige, wechselvolle Zeit. Und ich war voller Zorn. Zorn über die Lügen, die Lügen unseres Lebens. Wenn du g ­ eboren wirst, fangen deine Eltern an, dir Lügen zu erzählen. Du findest das heraus, und du wirst wütend. Sie sprechen davon, dass Ihre Eltern sich scheiden ließen, als Sie 15 waren? Darüber auch. Es gab alle möglichen Varianten von Unwahrheiten. Auch im Hinblick auf meinen Gesundheitszustand. Was meinen Sie damit? Darüber kann ich nicht sprechen. Man 62

stellte mit mir medizinische Dinge an, die meine Eltern mir verschwiegen. Du bekommst Angst und hörst auf ihnen zu ­vertrauen. Sie erzählen dir Bullshit. Sie lassen sich scheiden, während du noch glaubst, du lebst in einer glücklichen ­Familie. Aber dann gehst du nach Vietnam und findest heraus, dass die Lügen noch größer sind. Jeder faselte von Demokratie und dass wir die Guten sind. Bloß dass wir uns nicht wie die Guten benahmen. Wir benahmen uns wie Arschlöcher. War Ihre Erfahrung also ähnlich wie in „Platoon“? „Platoon“ spiegelt diesen Trip insofern wider, als ich keine Ahnung hatte, was ich machen sollte. In so einer Situation wirst du fatalistisch. Viele Male hatte ich das Gefühl, ich würde es nicht schaffen. Dann wurde ich als Soldat besser, es war eine Frage des Know-hows oder, wie man so schön sagt, des Trainings on the Job. Ich war in der Schule gut in Sport gewesen, hatte eine gute Nachtsicht. Du musst dein peripheres Sehen entwickeln, du musst gut riechen können – alle diese Faktoren spielen da hinein. Da geht es nicht mehr um deinen Verstand, du richtest dich nach deinen Urinstinkten. Aber ich war kein Killer in dem Sinne, dass ich die Kontrolle verlor. Ich war ein guter Junge, auch wenn ein Teil von mir ruiniert war. Ich konnte nie wieder zu der Generation zurückkehren, mit der ich aufgewachsen war. Ich konnte und kann nie ein Teil von ihr sein. Trotzdem gelang Ihnen eine Hollywood-Karriere, drei Oscars inklusive. Im Vergleich zu anderen kam ich relativ stabil aus Vietnam zurück. Wenn Sie meinen Roman „A Child’s Night Dream“ lesen, den ich 1997 in einer überarbeiteten Version herausbrachte, bekommen Sie ein Gespür für meine Persönlichkeit. Der Protagonist kommt zu einem Punkt, wo er ­begreift, dass er ein „einsamer Erkenner“ ist, ein Begriff aus dem Buddhismus. Das heißt, du bist eine Person, die viel Zeit ­allein in ihren Gedanken verbringt. Du versuchst deinen Weg durch die Welt nach deinem eigenen Maßstäben zu ­finden. Du kannst nicht glauben, was man dir in der Schule beibringt. Vielleicht noch in Chemie oder Mathematik, aber nicht in Geschichte. Niemand kann dir ­sagen, wie du dein Leben führen sollst. Sind Sie ein Einzelgänger? Nein, ich arbeite mit meinem Team. Das macht mir auch Spaß. Es ist mir sehr wichtig, mich nicht zu isolieren. Ich habe als Autor viele Stunden allein verbracht, aber wenn du sonst nichts weiter tust, dann wirst du eine ziemlich unsoziale, ja widerwärtige Person. Deshalb sind viele Autoren auch so ekelhaft.

Ich war

Kein

KK ii ll ll ee rr.. Ich war ein guter Junge.

Am Anfang Ihrer Karriere als Autor ­bestand also die gleiche Gefahr? Ja, es gab Zeiten, da wurde ich verrückt. Deshalb gab ich den Roman auf. Das war Wahnsinn. Aber ich neigte nie dazu, mich Gruppen oder Organisationen anzuschließen, nicht mal an der Highschool. Solche Leute werden gern gemobbt. Wie war das bei Ihnen? Mir ist nichts passiert, denn ich habe mich immer versteckt. Ich kümmerte mich nur um meine eigenen Angelegenheiten. Mein jüdischer Vater sagte mir ­immer, ich solle keine Aufmerksamkeit auf mich ziehen – das war seine Lehre aus dem Holocaust. Nur einmal kam ich in meiner Schulzeit in echte Schwierig­ keiten. In der vierten Klasse gab es eine Art Rachefeldzug gegen einen Jungen, der ein wenig ungelenk war und obendrein ein schlechter Schüler. Ich kannte ihn nicht besonders gut, aber ich mochte es nicht, dass man auf ihm herumhackte, und deshalb verteidigte ich ihn gegen die ­ganze Klasse. Als Konsequenz wurde ich in dem Jahr geächtet, was ich erstaunlich fand. Das war ein sehr interessanter ­Einblick in die menschliche Natur. Diese Erfahrung hat sich ja im Lauf der Jahre wiederholt. Man greift Sie permanent für Ihre nonkomformistische Sicht der amerikanischen Geschichte und Politik an. Gehen Ihnen diese Schmähungen unter die Haut? Oh ja, das tun sie! Natürlich hoffst du, dass du besser damit umgehen kannst. Denn du musst durchhalten. Wenn du von etwas wirklich überzeugt bist, dann darfst du nicht nachgeben. Ihre angekündigte Dokumentarserie „The Untold History of the United ­States“ dürfte wieder für Wirbel sorgen.


Wir werden für Obama stimmen:

Uns Bleibt

nniicchhttss anderes übrig.


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Wir versuchen einfach, die amerikanische Geschichte aus einem anderen, nicht­ amerikanischen Blickwinkel zu zeigen, und so etwas ist in den USA immens schwer. Zum Beispiel sagen wir, dass Amerikaner während des Kalten Krieges wie hypnotisiert daran glaubten, dass die Russen kommen. Die gaben ein einfaches Feindbild ab. Das Konzept der Feind­bilder spukt seit Generationen durch u ­ nsere ­Außen- und Innenpolitik. Und die Geldbeträge, die wir dafür ausgeben, sind ­lächerlich. Dieses Thema beschäftigt mich mein Leben lang. Presseberichten zufolge zeigen Sie Hitler und Stalin in freundlichem Licht … Es steht außer Frage, dass die zwei enormen Schaden anrichteten und unzählige auf dem Gewissen haben. Was übrigens auch für Mao gilt. Und die USA. Wir stellen einfach alle Protagonisten auf eine ähnliche Ebene und zeigen, was im Rest der Welt vor sich ging. Du kannst nicht ein paar Schurken herausgreifen und s­ agen: „Die sind die Aggressoren.“ Du musst das im Kontext der Zeit sehen. Es gab Gründe, warum etwa Roosevelt Stalin mochte und gut mit ihm klarkam. Aber die Leute kennen das nicht aus dem amerikanischen Geschichtsunterricht. Wir hören in der Schule den ganzen Scheiß, wir lernen ihn – und haben trotzdem keine Ahnung von ­unserem Land. Ich habe alles mit unseren Historikern gegengecheckt – dreimal, viermal. Die Dokumentations­arbeit für diese Serie ist unglaublich. Wenn wir also etwas über Stalin sagen, dann wissen wir genau, was wir tun. Welche Reaktionen erwarten Sie? Ich weiß, dass man mich wieder auf die eine oder andere Weise abschlachten wird. Aber ich bin auf diese Arbeit sehr stolz; ich hoffe, sie wird ihren Platz im Kosmos finden und Bestand haben. Vielleicht wird ein junger Mensch sie sehen, dem sie zu einem anderen, besseren Verständnis von Geschichte verhilft. Was sollen wir sonst tun, außer für Veränderung zu kämpfen? Sie haben also die Hoffnung noch nicht ganz verloren? Nicht die Hoffnung in die Menschen. Sie haben die Macht. Und die meisten von ­ihnen wollen gut sein und die Welt zu ­einem besseren Ort machen. Ist Barack Obama Ihr Mann? Wir werden alle für ihn stimmen, denn uns bleibt nichts anderes übrig. Wenn Amerika derart ignorant wäre und sich mit Mitt Romney noch weiter Richtung rechts bewegte, fände ich das traurig. Wobei Obama kein Mann der Linken ist, sondern für Mitte/rechts steht. Er hat nicht wirklich etwas bewegt, er setzte den Krieg gegen den Terror mit den gleichen 64

HIGHLIGHTS In seiner langen Karriere hat sich Oliver Stone in seinen Filmen nie ein Blatt vor den Mund genommen.

Platoon 1986

Gewann vier Oscars, darunter den für die beste Regie, und ist eine präzise Bestandsaufnahme von Stones Erfahrungen in Vietnam.

JFK – Tatort Dallas 1991

Obwohl Stones Schilderung der Ermordung des US-Präsidenten spekulativ ist, musste die Kritik zugeben: Die Story ist spannend.

Geboren am 4. Juli 1989

Stones zweitbester Regie-Oscar. Tom Cruise beeindruckt als ­traumatisierter Vietnam-Veteran.

Natural Born ­Killers 1994

Einer der härtesten Filme Stones. Die Liebesgeschichte um einen Serienkiller geriet in Verruf, Nachahmungstäter zu ermutigen.

illegalen Methoden fort, er tastete das System nicht an. Haben Sie je überlegt, selbst Politiker zu werden? Ich hätte nicht das Temperament dafür. Du musst es mögen, zu verhandeln. Natürlich ist der Regiejob auf gewisse Weise eine politische Aufgabe, aber ich muss nur den Konsens über Illusionen herstellen. Es ist ein Konsens, zu träumen. Abgesehen ­davon war ich nie der Aktivistentyp; ich bin ein dramatischer Erzähler, ein Nach­ richtensammler, ein Forscher. Und ein zorniger Mann, wie es scheint. Wenn ich sehe, wie die Lügen der US-­

Politik verbreitet werden, steigt Zorn in mir hoch. Ständig kehren wir zu einem neuen Krieg zurück. Warum sollte ich nicht das Recht haben, wütend zu sein? Aber es kommt drauf an, das in kreativen Zorn zu verwandeln, nicht in Bitterkeit. Und wie tun Sie das? Ich meditiere jeden Tag. Die Atemtechnik bei der Meditation hilft ebenso. Ich lese alle Arten von Texten, die sich mit der ­spirituellen Seite unseres Daseins beschäf­ tigen, unter anderem buddhistische ­Lehren, obwohl ich mich nie als Buddhist ­bezeichnen würde, ich bin nur ein Schüler. Du kommst nie an, selbst wenn du glaubst, du hast es geschafft. Mit welchen Ideen des Buddhismus können Sie sich identifizieren? Dass wir von der Welt hypnotisiert oder getäuscht werden, wie immer man es nennen mag. Und du musst versuchen, durch die Illusion zu schauen und die Wirklichkeit zu entdecken. Für mich ist Buddhismus keine Religion, sondern eher eine Art Meditation. Du achtest täglich auf alles, was in deinem Leben geschieht. Wenn du das den ganzen Tag durchhältst, ist das wunderbar. Aber häufig verlierst du den Überblick. Denn wir werden von unseren eigenen Gedankenprozessen überwältigt, von unseren Gefühlen und vielen anderen Dingen. Mit dem Buddhismus baust du Distanz dazu auf. Du entwickelst das ­klare Bewusstsein, dass die Welt mehr ist als eine vergängliche Illusion. Es gibt also etwas, was über unsere sichtbare Realität hinausreicht. Ja, ich stimme mit Buddha darin überein, dass am Grunde unserer Existenz etwas Unzerstörbares sitzt, das Fortbestand hat. Ein Bewusstsein. Es war schon immer da, es erfüllt die ganze Welt. Darum identifiziere ich mich auch so sehr mit Geschichte. Zurück in die Wirklichkeit. Was verschafft Ihnen denn Befriedigung jenseits aller Niederschläge und Angriffe? Wenn du jedes Mal niedergeknüppelt wirst, brennt dich das natürlich aus. Das ist demoralisierend. Aber ich suche etwas, das wichtiger ist als mein persönlicher Schmerz. Keine Belohnung, das ist der Ausnahmefall. In gewissem Sinne halte ich mich für eine Art Eisenbahningenieur. Ich will sicherstellen, dass der Zug fährt. Egal welche Geschichte ich erzähle, meine Herausforderung besteht darin, sie in Gang zu bringen, ihr Spannung zu verleihen. Wenn ich also „Savages“ fertig zusammengebaut habe und der Film als guter Thriller funk­ tioniert, dann wäre ich wirklich glücklich. Aber, unter uns gesagt, jetzt tut mir mein Kopf weh. Für mein momentanes Glück brauche ich einfach eine Tasse Kaffee. Out now: www.foxsearchlight/thesavages


Disco-Mania

Nach über vierzig Jahren als Musiker ist Nile Rodgers auch heute noch so musikbesessen, dass er seine Gitarre, die er liebevoll „Hitmaker“ nennt, mit ins Bett nimmt.


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Als Kind putzte er Frank Sinatras Privatjet, mit sechsundzwanzig verkaufte er mehr Platten als die Rolling Stones: Nile Rodgers hat mit seiner Band Chic die Popmusik revolutioniert – und Kollegen wie David Bowie und Madonna zu ihren größten Hits verholfen. Interview: Benji B, Text: Florian Obkircher, Bilder: Dan Wilton

Im Zeichen DES GROOVE

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s gibt wohl keinen Menschen, der noch nie einen Nile-Rodgers-Song gehört hat. Und vermutlich hat fast jeder schon zu einem getanzt. Denn seit den siebziger Jahren schreibt der US-Amerikaner Hits wie andere Leute Einkaufszettel. Seinen größten landete er mit seiner Disco-Band Chic. „Le Freak“ heißt er und ist bis heute die am meisten verkaufte Single der Major-Plattenfirma Warner Music. Ein anderer heißt „Good Times“. Dessen Basslinie bildete 1979 das Fundament für den ersten Rap-Song aller Zeiten. Und sogar die Jungs von Queen haben die prägnante Melodie für ihren Hit „Another One Bites the Dust“ geklaut. Für Sister Sledge schrieb Rodgers den Klassiker „We Are Family“, für Diana Ross komponierte er „I’m Coming Out“. Er produzierte Madonnas ersten Welthit

„Like a Virgin“ ebenso wie David Bowies Meilenstein „Let’s Dance“. Und, und, und. Dass der Name des Neunundfünfzigjährigen dabei weit weniger bekannt ist als die seiner Klienten und Kollegen, macht ihm nichts aus. „Mir war früh klar, dass ich nicht zum Star tauge“, sagt er bescheiden und lächelt. Warum Stars von Duran Duran bis Daft Punk mit ihm im Studio arbeiten wollen, wird einem während des Interviews schnell bewusst. Klar, er ist ein musikalisches Genie. Aber außerdem ist Rodgers aufgeweckt, eloquent und lustig. Ein unglaublich guter Beobachter und Geschichtenerzähler. Wie ein cooler Onkel, dem man ewig zuhören könnte. Und ein Mann, dessen Leben aufregender ist als die meisten Romane.

„ Sinatra steckte mir jedes Mal 50 Dollar zu, wenn ich die Fenster seines Privatjets putzte.“

  : Können Sie sich an Ihre erste Berührung mit dem Showgeschäft erinnern?  : Als Zwölfjähriger lebte ich bei meiner Großmutter in Los Angeles, ihr Freund besorgte mir einen Job auf einem VIP-Flughafen. Frank Sinatra, Ray Charles und Elvis Presley – solche Leute gingen da ein und aus. Keine Ahnung, ob’s damals schon Kinderschutzgesetze gab. Kinder hatten damals einfach Jobs. Und mir hat meiner Spaß gemacht, weil die Typen aus dem Showbusiness großzügig waren. Sinatra steckte mir jedes Mal fünfzig Dollar zu, wenn ich die Fenster seinen Privatjets putzte. Unglaublich! Sind Sie ihm im Laufe Ihrer Karriere noch einmal begegnet? Ja. Jahrzehnte später in New York. Er nahm gerade eine Platte mit Quincy Jones auf, und der borgte sich dafür bei mir ein spezielles Aufnahmegerät aus. Ich brachte es ihm im Studio vorbei, und da saß er. „Mister Sinatra“, sagte ich, „ich bin’s, Pud! Vom Van-Nuys-Flughafen!“ 67


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„ Der DJ spielte unser Stück – eine Stunde lang. Die Leute flippten aus. Sie tanzten und spielten LuBassgitarre.“

LET’S DANCE!

Vier Künstler, mit denen Nile Rodgers Pop-Geschichte schrieb.

Diana Ross Rodgers schrieb „I’m Coming Out“, den größten Hit der Soul-Queen.

David Bowie Rodgers kreierte den Funk-Sound des Albums „Let’s Dance“.

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Madonna Mit Rodgers als Produzent hatte sie ihren ersten Welthit („Like a Virgin“).

Daft Punk Derzeit arbeitet Rodgers mit dem House-Duo an dessen neuer Platte.

Pud, das war als Kind mein Spitzname. Er starrte mich kurz an und überlegte. „Oh mein Gott!“, rief er und lachte. Einer der coolsten Momente meiner Karriere. Wie sind Sie selbst zum Musikmachen gekommen? Als ich fünfzehn war, spielte ich Klarinette im Schulorchester. Wir klangen fürchterlich, aber das wussten wir damals nicht. Eines Tages fragte mich eine Freundin – ein tolles Mädchen! –, ob ich in ihre Band einsteigen will. Sie sagte: „Nile, wir brauchen einen Gitarristen. Kannst du spielen?“ Natürlich sagte ich ja. Aber ich erkannte schnell, dass das anders war als im Schulorchester. Diese Typen in der Band konnten richtig spielen. Und das erwarteten sie auch von mir. Schon bei der ersten Probe blamierte ich mich fürchterlich. Das Mädchen hab ich nie wiedergesehen. Aufgegeben haben Sie aber offenbar nicht. Schließlich sind Sie einer der besten Funk-Gitarristen der Welt! Auf diesen Misserfolg hin kaufte ich mir ein Beatles-Notenbuch und übte wie ein Besessener. Aber irgendwie klang das, was ich spielte, nicht nach den Originalsongs. Ich war am Verzweifeln. Zum Glück kam eines Tages ein Freund meiner Mutter vorbei und meinte: „Hey, deine Gitarre ist verstimmt.“ Frag nicht, warum ich da nicht selber draufgekommen bin. Plötzlich klangen die Stücke, so wie ich sie spielte, großartig. Ich war begeistert, total high! Nach diesem Erlebnis hängte ich die Klarinette endgültig an den Nagel und konzentrierte mich auf die Gitarre. Der erste Hit deiner Band Chic hieß „Everybody Dance“. Wie kam’s dazu? Bernard Edwards (Chic-Bassist; Anm.), Luther Vandross und ich arbeiteten als

Live-Musiker in der Radio City Music Hall in New York: zwei Vorstellungen pro Tag. Einmal schlichen wir uns zwischen den Shows in ein Tonstudio um die Ecke – und steckten dem Pagen zehn Dollar zu, damit er dem Besitzer nichts von unserem Besuch erzählte. Leider konnten wir mit den Aufnahmen nichts anfangen, weil keiner von uns ein Spulentonbandgerät besaß. Was geschah dann mit dem Song? Als wir drei Wochen später in einer Disco waren, trauten wir unseren Ohren kaum. Der Tontechniker, der außerdem DJ des Clubs war, spielte unser Stück – eine Stunde lang, ohne Unterbrechung! Der Song war fast instrumental, weil wir erst den Refrain aufgenommen hatten, aber die Tänzer liebten genau das, diesen Groove eben. Die Leute flippten aus. Sie tanzten und spielten Luft-Bassgitarre. Ich hatte so etwas vorher noch nie gesehen. Bernard und ich sahen uns staunend an und sagten uns, vielleicht sollten wir mehr in die Richtung machen! Und das haben Sie – mit Erfolg. Ihre Band Chic ist für Discomusik heute das, was Bob Marley für Reggae ist. Wir verkauften damals mehr Platten als jede andere Band. Atlantic Records hatte vor „Le Freak“ noch nie einen DreifachPlatin-Erfolg. Unsere Labelkollegen, die Rolling Stones, veröffentlichten 1978 „Miss You“ und verkauften drei Millionen Stück, wir schafften sechs. Das Großartige an der Disco-Phase war, dass junge Bands wie wir plötzlich erfolgreicher waren als all diese Stars. 1979 erklärten die Radio-DJs und Rockfans Disco mit dem Schlachtruf

„ Das Großartige an der Disco-Phase war, dass junge Bands wie wir erfolgreicher waren als all diese Stars.“


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Nile Rodgers

BILD: GIANFRANCO TRIPODO/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES (4)

war im Herbst 2011 Stargast der Red Bull Music Academy in Barcelona. Das Video zum dreistündigen Interview inklusive Gitarreneinlage gibt’s auf redbullmusicacademy.com.

„Disco sucks!“ den Krieg. Ihre Platten wurden öffentlich verbrannt. Wie hat sich das auf Ihre Karriere ausgewirkt? Unser Song „Good Times“ erschien kurz vor dieser Aktion. Und es sollte unser letzter Nummer-eins-Hit sein. Die „Disco sucks!“-Bewegung hat die Karriere von Chic zerstört. Interessant war allerdings, dass genau ein Jahr danach ein Lied die Charts anführte, dessen Basslinie verblüffend an „Good Times“ erinnerte. Es war „Another One Bites the Dust“ von Queen. Hat Sie das geärgert? Gar nicht. Wir spielten die Queen-Version damals sogar bei unseren Konzerten. Außerdem war deren Bassist John Deacon sogar im Studio, als wir „Good Times“ aufnahmen. Was viele nicht verstehen: Musiker haben untereinander selten Probleme. Nur die Fans glauben das. Queen waren aber nicht die Einzigen, die sich von „Good Times“ inspirieren ließen. Es gab da auch diesen Song namens „Rapper’s Delight“ … Das war eine Revolution. Weil es den Beginn der Sampling-Kultur markierte. Davor hatte noch nie jemand ein Stück Musik eines anderen Künstlers für seine eigene Platte verwendet. Jeder denkt, dass wir den Song im Studio für die Sugarhill Gang eingespielt hätten, aber das stimmt nicht. Trotzdem: Diese Platte hat mein Leben verändert. Es war das allererste Hip-Hop-Stück. Wo haben Sie es erstmals gehört? Ich war in einem Club, als der DJ plötzlich dieses Stück spielte. Es klang wie „Good Times“, aber anders. Es war unsere Aufnahme, keine Frage, aber nicht unsere Platte. Also ging ich zum DJ und fragte nach. Er erklärte, die Platte am Nachmit-

„ Bernard und ich wurden von seinen Schergen mit Knarren bedroht, aber wir gaben nicht nach.“ tag in Harlem gekauft zu haben, und zeigte mir das Cover. Da standen viele Namen drauf, nur nicht die von Bernard und mir. Wir fanden heraus, wer die Typen waren, und drohten ihnen mit einem Prozess. Heute wird natürlich überall gesampelt, vor allem im Hip-Hop, aber bis dahin gab’s das nicht. Damals lief gerade „Star Wars“ im Kino, und wir sagten: „Ihr könnt doch auch nicht einfach einen Ausschnitt des Films für euer Musikvideo verwenden.“ Wie haben Sie sich geeinigt? Deren Anwalt war ein ziemlich übler Typ. Bernard und ich wurden von seinen Schergen sogar mit Knarren bedroht, aber wir gaben nicht nach. Am Ende wurden wir als Koautoren angemeldet, ein Fifty-fifty-Deal. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte ich dann ausgesorgt. In den achtziger Jahren waren Sie vor allem als Produzent erfolgreich. Was zeichnet einen guten Produzenten aus? Quincy Jones sagte einmal, ein Produzent ist wie ein Filmregisseur, nur mit mehr Verantwortung. Um mit Duran Duran „Wild Boys“ aufzunehmen, zog ich für einige Zeit nach England. Damals hatten die Restaurants dort noch keinen Lieferservice. Also klapperte ich alle Restau-

rants in der Nähe des Studios ab und gab jedem Besitzer hundert Pfund. Einfach so. Aber ich sagte ihnen, mit Brandos MafiaStimme: „Eines Tages wirst du einen Anruf kriegen von einem Typen namens Nile Rodgers. Er wird dich bitten, Essen zu liefern. Und du wirst es einfach tun.“ Meine Aufgabe als Produzent neben der Musik: Ich muss dafür sorgen, dass es der Band gutgeht, dass die Atmosphäre stimmt. Und dass sich die Jungs nicht um so Nebensächlichkeiten wie das Essen kümmern müssen. Für David Bowie haben Sie „Let’s Dance“ produziert, eines seiner erfolgreichsten Alben. Bei ihm ging’s darum, seine Vision zu verstehen. Eines Tages kam er mit einem Foto an, das Little Richard neben einem Cadillac zeigte. Roter Anzug, rotes Auto. David hielt es mir unter die Nase. „Nile, das ist purer Rock ’n’ Roll. Das will ich.“ Erst dann begannen wir mit der Arbeit am Album. Und es war in 17 Tagen fertig. Sie sind seit vierzig Jahren im Geschäft. Was raten Sie jungen Künstlern? Es ist simpel, aber wahr: Leidenschaft für die Musik ist das Wichtigste. In meinem Schlafzimmer Gitarre zu spielen macht mir nicht weniger Spaß, als mit David Bowie im Studio aufzunehmen. Letzte Nacht hatte ich den besten Auftritt seit ... 30 Stunden. Weil der Auftritt in der Nacht davor auch großartig war. Und ich weiß, heute wird’s vermutlich noch besser. Nile Rodgers & Chic live beim Montreux Jazz Festival am 13. Juli, montreuxjazzfestival.com

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bild: jay nemeth/ Red Bull Stratos

Der Sprung ins Leere Wenn Felix Baumgartner die Tür seiner Kapsel öffnet, wird es ernst. Jahre der Planung kulminieren in wenigen Minuten freien Falls: Red Bull Stratos tritt in die entscheidende Phase.

Das ist Red Bull Stratos Red Bull Stratos ist eine Mission an den Rand des Weltraums: Felix Baumgartner steigt dabei in einem Heliumballon auf 36.576 Meter auf und kehrt im freien Fall zur Erde zurück. Er wird dabei wertvolle Daten für die Wissenschaft sammeln und vier Weltrekorde aufstellen:

1. Überschall ohne Fremdantrieb 2. höchster Freifall 3. längster Freifall 4. höchste bemannte Ballonfahrt Das Red Bulletin begleitet Red Bull ­Stratos hautnah und widmet sich jeden Monat einem Spezialgebiet, nachzulesen auch am iPad.

Im Februar interviewten wir Felix Baumgartner (1.1) und den US-Ameri­ kaner Joe Kittinger (1.2), der 1960 eine ähnliche Mission a­ bsolviert hat. im März haben wir uns Baumgartners Kapsel angesehen (2.1), sein Cockpit (2.2) und die Kameras an Bord (2.3). Im april drehte sich alles um den

­ eliumballon, der Baumgartner in die H Stratosphäre bringen wird – wie der ­Riese sich in die Luft erhebt (3.1) und wie Felix die Ballonfahrerlizenz (3.2) erwarb.

Im Mai stellten wir Felix’ Garderobe vor (4.1) und warfen einen Blick auf die Geschichte des Raumanzugs (4.2). Im Juni sprachen wir mit ­Jonathan Clark, dem medizinischen Direktor von Red Bull Stratos, über die Gefahren für Felix Baumgartners Körper (5.1) und ­unternahmen mit Sci-Fi-Autor Leo Lukas einen Trip nach Überworld (5.2). Diesen Monat springen wir mit Skydiver Luke Aikins (6.1), berechnen Felix’ Geschwindigkeit (6.2) und begleiten ihn beim Testsprung aus 22 Kilometern (6.3).

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6.1 Luke in the Sky

Wie man wieder runterkommt: Skydive­ Spezialist Luke Aikins hat alle Fehler ausprobiert, um Felix Baumgartners Sprung aus der Strato­ sphäre so sicher wie möglich zu machen. text: Werner jessner

aus der Stratosphäre zu springen fühlt sich an „wie autofahren mit vier platten Reifen“.

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r sprang. Zog den Reserve­ schirm, und als der sich geöffnet hatte, trennte er ihn ab und verließ sich darauf, dass sich der Hauptschirm öffnen würde. Das nächste Mal sprang er, öffnete den Stabilisierungsschirm (drogue chute) und dazu den Reserveschirm. oder er sprang und begann sich um seine eigene Achse zu drehen, schneller, immer schnel­ ler, bis ihm schwindlig wurde und der Horizont ihm vor den Augen verschwamm. Luke Aikins machte alles falsch, was man nur falsch machen kann – und lotete damit sämtliche Eventualitäten aus, die Felix Baumgartner bei Red Bull Stratos drohen könnten. Kommen dir nie seltsame Gedanken von Angst und Risiko, Luke? Der Hüne mit dem breiten Lachen schüttelt den massigen Kopf: „in dem Moment, wo mir vor dem Absprung seltsame Gedanken kämen, würde ich sofort aufhören.“ Luke Aikins, 38, ist ein Kind der Lüfte. Er wuchs buchstäblich auf dem Kapowsin Airfield in Kapowsin, Washington, auf, wo sein Großvater eine Skydiving­Firma ge­ gründet hatte, die später von Lukes onkel und Tante übernommen wurde. Lukes Vater ist Pilot, sämtliche Ge­ schwister fliegen: Andere Familien gingen

fischen oder tauchen, die Aikins’ gingen in die Luft. Mit zwölf absolvierte Luke seinen ersten Tandemsprung, für den ersten Solo­ sprung musste er aus gesetzlichen Grün­ den leider bis zu seinem 16. Geburtstag warten. inzwischen füllen Lukes Sprung­ bücher mit rund 15.000 Fallschirmsprün­ gen ein halbes Bücherregal. Neben den Wissenschaftlern, die hinter Red Bull Stratos stehen, sind sportliche Vollprofis die entscheidenden Puzzlesteine zum Gelingen des Projekts. Typen, die die Berechnungen und Prototypen der Wis­ senschaftler und Techniker dann tatsäch­ lich in der Praxis ausprobieren. (Ein ande­ rer „Kunde“ von Luke sind übrigens die Elitesoldaten der United States Navy SEALs, denen er die Feinheiten des Sky­ diving beibringt.) Ursprünglich hätte Luke Aikins bei Red Bull Stratos keine sonderlich große Rolle spielen sollen. Er war bloß als Luft­Foto­ graf gebucht und sollte Felix Baumgartner bei dessen Kennenlernen des Druckanzugs im Windtunnel und später bei den ersten Sprüngen aus dem Flugzeug fotografieren. Das ursprüngliche Design des Fallschirms für Red Bull Stratos gefiel Luke Aikins gar nicht – aber er hielt den Mund und sich selbst als fliegender Schutzengel bereit, falls Felix sich in dem relativ unübersicht­ lichen Layout verirren würde. Die ersten Testsprünge im April 2009 waren topsecret. in California City stan­ den zwei Helikopter bereit, um Felix’ erste Sprünge im Druckanzug zu dokumentie­ ren. Darüber hinaus hatte man Luke eine 15 Kilogramm schwere RED­HD­Kamera auf den Helm geschnallt, damit sollte er Felix während des Falls filmen. Die Mission stand allerdings unter keinem guten Stern: „Es war viel zu windig da draußen. Eigentlich wenig überraschend: Nicht von ungefähr ist die Gegend um Cal City voller Windmühlen.“ Zwei Helis und eine Cineflex­Kamera warteten am Boden, die Crew drehte nervös Daumen, Felix wurde unrund. Der Wurm war drin. Das Warten zehrte, die Helis kosteten Geld, die Zeit verrann. Was machte Luke? Er rief einen Kum­ pel in Taft an, kaum 30 Minuten mit dem Heli entfernt. Taft liegt hinter einer Hügel­ kette, und Luke wusste: in Taft würde es windstill sein. Er erzählte dem Typen vom dortigen Flugplatz irgendwas vom Dreh eines Red Bull­Werbevideos. 500 Dollar, sagte der Mann aus Taft, und ihr könnt kommen. Felix und die Crew waren happy: Der Film­und­Foto­Typ löste Probleme ganz einfach im Vorbeigehen, da schau her. Der Tag war gerettet, doch nicht ganz:


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BiLD: JoERG MiTTER/ RED BULL STRAToS

„Ich halte euer Equipment für unsicher. Wir müssen das System der Fallschirme umbauen.“

Beim ursprünglichen Fallschirmdesign öffnete sich auch der Drogue Chute, der Stabilisierungsschirm, und flog davon, wenn Felix den Hauptschirm zog. Luke bedeutete also, bereits in der Startluke stehend, dem zweiten Hubschrauber, nicht direkt in einen Sinkflug zu gehen, um sich nicht im Fallschirm zu verhed­ dern. Eigentlich gehört es nicht zu den Kernkompetenzen eines Skydivers, sich um die Sicherheit des Heli Gedanken zu machen. Luke tat es trotzdem. Dann sprang er raus und filmte Felix. Für Luke Aikins ist es normal, mitzu­ denken und Dinge einfach zu erledigen. Art Thompson, Mike Todd und Felix Baumgartner waren von der Performance des vermeintlichen Kameramanns so an­ getan, dass sie ihn ins Team holen wollten. Doch der zierte sich: „ich halte euer

Equipment für unsicher. Wenn ihr mich an Bord haben wollt, müssen wir das Sys­ tem der Fallschirme umbauen.“

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rsprünglich hätte der Drogue Chute an den Schultern befestigt sein sollen. Luke war nicht begeis­ tert: „ich hielt das Risiko, dass sich die Seile um Felix’ Hals verheddern könnten, für viel zu hoch.“ Die einen rechneten und tüftelten noch, da war Luke schon wieder in der Luft und wagte einen Selbstversuch: „Am nächsten Tag befestigte ich einen Drogue Chute simple and dirty an meinem Schirm, nahm ihn in die Hand und sprang damit aus dem Flugzeug. Es funktionierte super. Das Video schickte ich an die Jungs von Red Bull Stratos.“ Darauf basierend und durch ideen von Suit Handler Mike Todd ergänzt, bastelte

Luke Aikins ein rohes Modell für das Fall­ schirm­Rig. Luke ist, wie er selbst gerne zu­ gibt, „nicht der Mann für den Feinschliff. Meine Stärke sind ideen.“ Die Detailarbeit wurde an Kelly Farrington übertragen, den Gründer des Fallschirmspezialisten Velocity Sports. Der baute in mehreren Monaten jenes Schirmsystem, das Felix bei Red Bull Stratos verwenden wird. Mit seiner immensen Freifall­Erfah­ rung kann sich Luke Aikins wohl am ehes­ ten vorstellen, was Felix Baumgartner bei seinem Sprung aus der Stratosphäre er­ wartet: „Während der ersten halben Mi­ nute wird er keinen Wind spüren. Für ei­ nen Skydiver ist das so, als ob du ein Auto mit vier platten Reifen fährst. ich glaube, dass er sich während der ersten 30 Sekun­ den ein paar Mal überschlagen wird: Es gibt zu wenig Luft, als dass er damit arbei­ ten könnte. Sobald er genug Luft unter dem Körper fühlt, wird er seine normale Sprungposition einnehmen können. ich meine, Felix sollte ganz oben erst gar nicht versuchen, die Überschläge zu vermeiden. Nichts, was du machst, ob Rudern mit den Armen oder Kicken mit den Beinen, kann die Position verändern. Das ist für einen Skydiver schwer zu akzeptieren, aber in einer Atmosphäre, die so dünn ist, dass eine Feder so schnell zu Boden fällt wie eine Bleikugel, kannst du Überschläge nur ausreiten und auf dickere Luft warten.“ Bei Tests zu Red Bull Stratos wurde ein Metallzylinder aus 120.000 Fuß abge­ worfen, um zu sehen, wie er reagiert. (Das Team nannte den Flugkörper „Felix Bomb­ gartner“.) Dass der zu taumeln begann, irritiert die Techniker, nicht jedoch Sky­ 73


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6.2

Geschwindigkeitskontrolle Heftige Diskussionen im Internet: Kann ein Mensch im freien Fall die Schall­ mauer durchbrechen? Wir lassen Physiker DDr. Martin Apolin von der Wiener Fakultät für Physik nachrechnen – und gelangen zu erstaun­ lichen Ergebnissen. Text: Martin Apolin 74

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arum kann Felix Baumgartner die Schallmauer durch­ brechen, wenn ein Fallschirmspringer kopfüber (in Head-down-Position) „bloß“ etwa 300 km/h erreicht? Die kurze Ant­ wort: Erstens ist in großen Höhen die Luftdichte geringer, weshalb die Fallge­ schwindigkeit höher werden kann. Zwei­ tens ist die Schallgeschwindigkeit dort oben aufgrund der tiefen Temperaturen geringer. Beide Effekte zusammen ermög­ lichen das Durchbrechen der Schallmauer. Das ist die Kurzversion. Will man es aller­ dings genauer wissen und konkrete Zah­ len berechnen, muss man tiefer in die Physik eintauchen. Kompressibilitäts­ effekte durch Druckwellen lasse ich bei meiner Analyse unberücksichtigt. Zunächst überlegen wir, wovon die ­erreichbare Maximalgeschwindigkeit ­abhängt. Dazu muss man die zwei Kräfte kennen, die auf eine fallende Person ­wirken. Erstens die Gravitationskraft FG = –m g, wobei m die Masse des Sprin­

gers samt Ausrüstung (in unserem Fall 140 kg) ist und g die Erdbeschleunigung. Weil FG nach unten zeigt, verpasst man ihr ein negatives Vorzeichen. Bewegt sich der Springer durch die Luft, tritt eine brem­ sende Kraft auf, die Luftwiderstandskraft: FL = ½  v² cw A. ist die Luftdichte, cw der Strömungswiderstandskoeffizient, A die Anströmfläche und v die momentane Ge­ schwindigkeit. Die Gesamtkraft, die auf den Springer wirkt, ergibt sich dann durch Ftotal = FL + FG = ½  v² cw A – mg. Auf Meeresniveau beträgt die Fall­ beschleunigung 9,81 m/s², in 36,5 Kilo­ meter Höhe ist sie nahezu gleich hoch. Anders verhält es sich mit der Luftwider­ standskraft, die ja proportional mit dem Quadrat der Geschwindigkeit wächst: FL ~ v². Verdoppelt sich die Geschwindig­ keit, vervierfacht sich also FL. Die Maximal­ geschwindigkeit wird dann erreicht, wenn Luftwiderstandskraft und Gravitations­ kraft einander die Waage halten, Ftotal also null wird. Deshalb spricht man auch von der Gleichgewichtsgeschwindigkeit, weil sich dort beide Kräfte die Waage halten. Man kann in diesem Fall die Gleichung für die Gesamtkraft null setzen, nach v auf­ lösen und erhält v = √ 2mg/  cw A. Das bestätigt die eingangs aufgestellte Behauptung: Bei gleicher Körperhaltung und Masse sind alle Werte bis auf die Luftdichte konstant und v daher propor­ tional zu √ 1/  . Weil die Luft nach oben

bild: Joerg Mitter/ Red Bull Stratos

diver Aikins: „Wo es Luft gibt, die dich taumeln lässt, gibt es Luft, mit der du ­arbeiten kannst. Wir können in der Luft mehr, als sich viele Aerodynamiker vor­ stellen können. 1960, als Joe Kittinger ­sprang, hatte er gerade einmal 33 Fall­ schirmsprünge hinter sich, Felix steht bei über 3000. 1960 lag der Rekord für For­ mations-Freifall bei acht Springern, heute sind wir bei knapp 500 Springern, die sich im freien Fall die Hand reichen.“ Und trotzdem: „Aus so großer Höhe wie Felix bei Red Bull Stratos ist noch kei­ ner gesprungen. Um wirklich zu erfahren, was bei einem Freifall aus einer solchen Höhe passiert, gibt es nur eine Möglich­ keit: Jemand muss es ausprobieren.“ Luke Aikins’ Job ist es, alle Eventualitä­ ten zu bedenken, Probleme vorherzusehen und dafür Lösungen zu erarbeiten. Luke hat mit dem Red Bull Stratos-Schirmsys­ tem über 100 Sprünge absolviert und jede

Aikins (re.) und Baumgartner während eines Testtags mit ­einem Wingsuit.


action

nur denkbare Fehlfunktion ausprobiert. Angenommen, Felix springt und der ­Reserveschirm öffnet sich irrtümlich: Das würde er nicht überleben, da er zu wenig Sauerstoff für den langsamen Abstieg mit sich führt. Also muss es eine Möglichkeit geben, den Reserveschirm zu kappen – ­etwas, das beim normalen Skydiving ein absolutes No-Go ist. Und es braucht einen, der im Selbstversuch herausfindet, ob das alles auch tatsächlich funktioniert wie gewünscht. Luke sieht sich dennoch nicht als Ver­ suchskaninchen, er ist kein Waghals, im Gegenteil. Er ist vielleicht der erfahrenste und coolste Skydiver der Welt. Und sein Respekt vor Felix Baumgartner ist riesig: „Felix hat bei dieser Mission so viel zu tun,

da ist es einfach hilfreich, einen Skydiver an der Seite zu haben, der einem die Test­ arbeit abnimmt. Auch im Rennsport gibt es Testfahrer. Der Missions-Pilot kann sich nicht um alles persönlich kümmern.“ Bei einem Trainingssprung in Taft ging ein Sprung mit dem alten Schirmsystem beinahe schief: „Felix hat am falschen Griff gezogen, der Schirm hat sich nicht geöffnet. In solchen Situationen sind schon etliche Springer gestorben: Sie sind in Panik verfallen und haben so lange an dem einen Griff gezerrt, bis es zu spät war. Felix hingegen hat einen halben Atemzug lang nachgedacht und cool eine neue Entscheidung getroffen – für den richtigen Griff. Er wartete nicht, dass ihm jemand half, sondern er agierte. Er trifft

„Die einen Fußballer fürchten sich vor dem Elfmeter. Andere freuen sich aufs Schießen.“

0,08

Abb. 1

Die Luftdichte nimmt in großer Höhe massiv ab und macht so den Rekordversuch erst möglich.

Luftdichte in kg/m3

0,06 y = 1,5906e–0,151x

0,04 0,02

0

20 Höhe in km

25

30

35

40

Abb. 2

Geschwindigkeit in km/h

1200

Erstaunlich: Die Beschleunigung ist während der ersten rund 15 Sekunden ­nahezu unab­ hängig von der Absprunghöhe.

800

400

0

0 20 Flugzeit in Sekunden

40

60

80

100

Bei seinem Testsprung aus 21,8 Kilometern erreichte Felix Baumgartner eine Maximalgeschwindigkeit von 587 km/h.

also Entscheidungen, schnell und richtig. Das ist das Besondere an ihm. Echte Champions sehnen sich nach Situationen, in denen man versagen kann. Sie wollen zeigen, dass sie bestehen können. Die ­einen Fußballer fürchten sich vor dem Elfmeter, andere freuen sich aufs Schie­ ßen. Felix gehört zur zweiten Gruppe.“ Aikins sieht an Red Bull Stratos vor ­allem den sportlichen Wert, die Rekorde, das Bestreben, die Grenzen seines Sports ein Stück zu verschieben: „Wir wollen zei­ gen, dass es möglich ist, mit Raumanzug und Fallschirm aus der Stratosphäre zu springen, Überschall zu erreichen und ­danach sicher und kontrolliert zu landen.“ Wann würde Luke Aikins Red Bull ­Stratos als Erfolg werten? „Wenn sich der Fallschirm öffnet und Felix sich bewegt, dann ist alles gut.“

hin dünner wird, wächst die Gleich­ gewichtsgeschwindigkeit mit der Höhe. Springt Felix Baumgartner aus 36,5 Kilo­ metern ab, wird er seine Maximalgeschwin­ digkeit in etwa 28.000 Meter Höhe er­ reichen. Dort beträgt die Luftdichte nur etwa 2 % des Normalwerts. Nimmt man die normale Luftdichte mit 1 an, beträgt der Wert in dieser Höhe also 0,02. Für die Gleichgewichtsgeschwindigkeit ergibt sich daher √ 1/   = √ 1/0,02    7. Felix Baumgartner kann rund die siebenfache Geschwindigkeit wie in der dichten Atmo­ sphäre erreichen. Aber der Teufel steckt im Detail. Zu­ nächst einmal ist es unmöglich, die An­ strömfläche A und den Luftwiderstands­ beiwert cw zu jedem Zeitpunkt exakt zu wissen, weil diese stark von der Körper­ position abhängen und sich dadurch ­ständig verändern können. Man kann die durchschnittlichen Werte für Baum­ gartner und seinen Druckanzug aber ab­ schätzen, wenn man den Probesprung vom 15. März 2012 auswertet. Damals sprang Felix aus 21.818 Meter Höhe und erreichte eine Maximalgeschwindigkeit von 587 km/h. Nun kann man die Werte für A und cw in der Simulation so lange verändern, bis man auch hier auf genau diese Geschwindigkeit kommt. In unse­ rem Fall ­ergibt sich für das Produkt aus A und cw der Wert 1,07. Diesen durch­ schnittlichen Wert kann man nun für 75


Action

„Felix kann in der Stratosphäre die siebenfache Geschwindigkeit wie in der dichten Atmosphäre erreichen.“

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­ eitere Simulationen verwenden – natür­ w lich nur unter der Voraussetzung, dass die anderen Sprünge in ähnlicher Körper­ position ablaufen.

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in wirklicher Knackpunkt ist aber die Abschätzung der Luftdichte. Diese verringert sich mit der Höhe, weil die unten liegende Luft durch die oberen Schichten zusammengedrückt wird. Dummerweise sinkt zusätzlich die Temperatur in den oberen Schichten stark ab, was die Dichte zusätzlich beeinflusst. Außerdem ändert sich die Luftdichte und hängt vom Tag, der Jahreszeit, der Luft­ feuchtigkeit und vom Ort ab. Kurz: Man kann sie für den Zeitpunkt X niemals ­exakt bestimmen. Daten aus der Troposphäre (bis 10 km) gibt es zur Genüge. Bei Daten aus der Stratosphäre (zwischen 15 und 50 km Höhe) wird aber die Luft ist wahrsten Sinn des Wortes dünn. Nimmt man die spärlichen Rohdaten für große Höhen als Basis, kann man sich der Luftdichte im Be­

AbsprungHöhe 33.528 m (110.000 Fuß) 36.576 m (120.000 Fuß) 39.624 m (130.000 Fuß)

Sekunden bis Schallge­ schwindigkeit

un sind wir bereit für die Simula­ tionen (Abb. 2). Ich habe diese nur für die ersten 100 Sekunden durchgeführt, weil später die verwendete Formel für die Luftdichte eventuell nicht mehr exakt genug ist. Aber das Wichtigste ist sowieso nach etwa 50 Sekunden vorbei! Für die Simulationen habe ich neben der tatsächlichen Starthöhe von 120.000 Fuß (36.576 m) eine um 10.000 Fuß darunter (110.000 Fuß/33.528 m) und 10.000 Fuß darüber (130.000 Fuß/39.624 m) liegen­ de gewählt, um durchzuspielen, was dann passiert. Abweichungen um einige Prozent sind durch veränderte Rahmen­ bedingungen möglich. Interessanterweise unterscheiden sich die Sprünge in den ersten 10 bis 15 Sekun­ den nur unwesentlich. Das liegt an der ­extrem geringen Luftdichte in der Start­ höhe. Zu Beginn ist diese so klein, dass in allen drei Fällen praktisch ein ungebrems­ ter freier Fall vorliegt. Die Geschwindig­ keit wächst dann linear mit der Zeit. Der fehlende Luftwiderstand zu Beginn wird auch gut durch ein Zitat von Joe Kittinger nach seinem Sprung 1960 dokumentiert: „Am Ende des Countdowns mache ich ­einen Schritt ins Leere. Kein Wind pfeift, meine Kleidung bläht sich nicht. Ich habe nicht die geringste Empfindung von der zunehmenden Geschwindigkeit.“

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eil man bei Sprüngen aus ­geringeren Höhen schneller in die dichtere Luft kommt, unter­ scheiden sich die Geschwindigkeiten be­ reits bei 30 Sekunden empfindlich (siehe Abb. 2). Zwischen dem Sprung aus der

Höhe bei Schall­ geschwindigkeit

Sekunden bis Maximal­ geschwindigkeit

Maximalge­ schwindigkeit (vmax)

43 Sekunden

1028 km/h

37 Sekunden

30.500 m

46 Sekunden

34 Sekunden

34.200 m

50 Sekunden

Werte gerundet (außer Höchstgeschwindigkeit und Temperatur).

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geringsten und dem aus der größten ­simulierten Höhe besteht dann schon ein ­Unterschied von 100 km/h. Bei der Maximal­geschwindigkeit beträgt dieser Unterschied bereits über 260 km/h. Bei dem geplanten Sprung aus 120.000 Fuß wird in dieser Simulation eine Maximal­ geschwindigkeit von 1157 km/h erreicht. Wie viel Mach sind das aber? Hier tritt noch eine letzte Schwierigkeit auf. Die Schallgeschwindigkeit wird land­ läufig mit 1235 km/h angegeben und als Mach 1 bezeichnet. Demnach hätte Felix beim geplanten Sprung aus 120.000 Fuß nur 0,94 Mach erreicht. Der Standard­ wert gilt aber für 20 °C. Die Schallge­ schwindigkeit ist nämlich von der Tempe­ ratur abhängig und kann mit der Formel vSchall = 72 km/h · √ T°C + 273,15  berechnet werden, wobei T die Temperatur in Grad Celsius ist. (Die Umrechnung zwischen Celsius und Kelvin lautet TK = T°C + 273,15.) Wenn wir also wissen wollen, ob Felix die Schallgeschwindigkeit in dieser Höhe durchbricht, müssen wir die dort herr­ schende Temperatur kennen. Wie schon oben erwähnt ist es nicht leicht, Daten für die Stratosphäre zu bekommen. Und wenn man diese hat, dann handelt es sich natürlich nur um Durchschnittswerte, die an diesem Tag nicht exakt gelten müssen. Das ist eine weitere Quelle der Unsicher­ heit bei der Voraussage.

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etzt man die Durchschnittswerte für die jeweiligen Höhen ein und berechnet die Schallgeschwindig­ keit, dann bekommt man die Daten in den letzten beiden Tabellenspalten. ­Demnach würde bei einem Sprung aus 110.000 Fuß (33.528 m) die Schall­ geschwindigkeit gerade angeritzt. Bei 120.000 Fuß (36.576 m) hat man einen Polster von rund 7 %. Ginge man rein ­theoretisch noch einmal 10.000 Fuß (3048 m) höher, wäre man mit +19 % auf der sehr sicheren Seite.

Höhe bei Maxi­ malgeschwin­ digkeit

Temp. in °C in dieser Höhe

Schall­ geschw. in dieser Höhe

vmax in Mach

26.000 m

–50,7 °C

1076 km/h

0,96

1157 km/h

27.600 m

–49,1 °C

1080 km/h

1,07

1289 km/h

29.000 m

–47,7 °C

1084 km/h

1,19 Credit:

reich zwischen 20 und 40 Kilometern sehr gut durch die Gleichung  = 1,5906e–0,151h annähern (Abb. 1), wobei h die Höhe in Kilometern ist. Aus wissenschaftlicher Sicht muss man aber festhalten, dass es sich dabei nur um eine Annäherung an sich ständig ändernde Werte handelt.


Ein Gefühl, auf das das Team jahrelang hingearbeitet hat: Felix Baumgartner springt aus der Stratosphäre.

6.3 bild: luke Aikinis/ Red bull stratos

7 Minuten, 52 Jahre Ein Sprung aus der Stratosphäre ist wie die Besteigung des Mount Everest: Felix Baumgartner über seinen Sprung aus 72.000 Fuß (ca. 22 km), die Unmöglichkeit, Über­ schallflug zu trainieren und seine echten Sorgen. Von Felix Baumgartner

D

er Himmel ist tiefschwarz. Du siehst die Erdkrüm­ mung. In diesem Moment ist dir bewusst, wie privile­ giert du bist, hier heroben stehen zu dürfen, auf der Plattform der Kapsel in beinahe 22 Kilometer Höhe, und gleich zu springen. Du bist erleich­ tert, endlich hier zu stehen. Erleichtert, endlich zeigen zu können, wofür wir fünf Jahre gearbeitet haben. Erleichtert, den Menschen, die immer an uns geglaubt ­haben, etwas zurückzugeben. Dann lässt du die Handläufe los und springst ab, genau wie du es dir millionen­ fach ausgemalt hast. Der Moment des Frei-Stehens und Los­ springens, die ersten sechs Sekunden Frei­ fall, wo du noch nicht genau weißt, wie dir ­geschieht: Das war richtig geil. Nach sechs ­Sekunden bin ich vornüber gekippt, bis ich am Rücken lag. Der hohe Schwerpunkt mit den Sauerstoffflaschen, dem Fallschirm und dem massiven Chest Pack hat mich in diese Lage gebracht. Ich hatte mir vor­ genommen, nicht gegen die ungewohnte und eigentlich falsche Sprunghaltung zu kämpfen. Weiter unten, wenn die Luft ­dicker wird, würde ich Möglichkeit genug haben, meine Position zu korrigieren. „Just ride it out“, nennt es Luke Aikins, und tatsächlich konnte ich kurz danach eine stabile Sprungposition einnehmen.

Nach sechs Sekunden freien Falls hat­ ten wir also bereits ein Rätsel gelöst, näm­ lich jenes, in welche Position ich nach dem Absprung geraten würde. Das hatten uns unsere Bungee-Testsprünge nicht sagen können, denn am Seil ist der Spaß bereits nach zwei Sekunden vorbei. Für den Rekordsprung bedeutet das, dass es mir unter Umständen passieren kann, dass ich die Schallmauer in Rücken­ lage durchbreche, blind und hilflos. Nichts, was man sich wünscht, aber dieses Horrorszenario ist nicht auszuschließen. Was beim Durchbrechen der Schallmauer genau passiert, weiß auch die Wissen­ schaft nicht. Antizipieren ist schwierig, weil ich nicht weiß, was ich vorwegneh­ men soll. Dazu kommt der Druckanzug, der meine Reaktionsschnelligkeit zunichte­ macht. Springen mit dem Druckanzug ist

wie Gehen unter Wasser, sehr langsam und anstrengend. In einer Umgebung, die vom Athleten hundert Prozent fordert, ­limitiert ihn das überlebensnotwendige Equipment auf dreißig Prozent seiner ­Fähigkeiten. Überschall zu fliegen kann man nicht trainieren. Wenn ich nach ganz oben aufbreche, werde ich bei meinen beiden Testsprün­ gen gerade sieben Minuten Trainingszeit im Freifall aus großer Höhe gesammelt haben: drei beim ersten Sprung, vier beim zweiten. Sieben Minuten Erfahrung, um einen 52 Jahre alten Rekord zu brechen: Das muss man einmal in Relation setzen. Ich muss mir mein Rüstzeug für die große Höhe schnell holen: erstens, wie sich das Fliegen anfühlt, zweitens mit der psychi­ schen Belastung jenseits der ArmstrongLinie umzugehen, wo du weißt, dass du 77


Action

Vor dem Rekordsprung wird es einen weiteren Testsprung (diesmal aus 90.000 Fuß/ 27.432 Meter) geben.

von tödlicher Gefahr umgeben bist, un­ sichtbar, aber darum um nichts weniger real. Selbst wenn der erste Testsprung so gut verlaufen ist: Wir waren erst bei gut der Hälfte. Auf einen Viertausender klettert bald einmal ein Bergsteiger. Der Mount Everest ist ein anderes Kaliber. Oft fragen mich die Menschen, ob ich mich vor dem Sprung fürchte. Ganz im Gegenteil: Ich freue mich darauf. Ab dem Moment, wo ich abspringe, komme ich der sicheren Mutter Erde näher. Auch das kann man mit dem Bergsteigen verglei­ chen: Auf den Bergsteiger wartet nach dem Gipfel das Basislager, auf mich atem­ bare Atmosphäre. Die Luft wird mit jeder Sekunde manövrierbarer, ich kann meine Position kontrollieren, und das größte Problem ist relativ banal, nämlich grim­ mige Kälte in den Händen. Der restliche Sprung wird dann keine große Aufregung mehr bieten: Das kann ich, das liebe ich, das ist meine Welt.

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heißt Reaktionszeit. Selbst wenn es nur ein gebrochenes Bein wäre: Du willst da­ mit nicht in der Wüste rumliegen. Was, wenn ich unfähig bin, das Helmvisier zu öffnen? Der Sauerstoff geht aus, ich ersti­ cke in meinem Anzug, und das alles nur, weil der Bordfunk nicht funktioniert hat? Das darf, das wird nicht passieren. Ich bin Profi, und ich steige erst wieder in die Kapsel, wenn der Funk funktioniert. Der Fehler, das wissen wir heute, steckte im Chest Pack, das neben ver­ schiedenen Kontroll- und Dokumentati­ onsfunktionen auch den Funk beinhaltet. Das Ding wird jetzt neu gebaut, und die Spezialisten des deutschen Kommunika­ tionskonzerns Riedel werden das in den Griff bekommen. Ich bin inzwischen sehr zuversichtlich, was meine Ausrüstung betrifft. Über Kap­ sel, Anzug und Ballon konntet ihr hier ja schon während der letzten Monate ­lesen. Der Fallschirm ist mitterweile so perfektio­ niert, dass ich wirklich happy damit bin. Wir sollten auf alle Probleme da oben eine Antwort haben. Die Unbekannte bleibt das Durchbrechen der Schallmauer. Es gibt nur eine Möglichkeit herauszu­ finden, was dann passiert: Man muss es ausprobieren. Und genau das werde ich diesen Sommer tun. www.redbullstratos.com

„Ob ich mich vor dem Sprung fürchte? Im Gegenteil: Ich freue mich darauf. Ab dem Moment, wo ich ­abspringe, komme ich der sicheren Mutter Erde näher.“

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Nächsten Monat: Roswell Außerirdische, Klapperschlangen und ein Fluss namens Felix: Wir besuchen den Ort, von dem Red Bull Stratos abhebt.

Bild: luke Aikinis/ Red bull stratos

ir haben das alles so oft geübt, aus unterschiedlichsten Höhen, mit aufgeblasenem Anzug und ohne, vom Bungee-Seil und im Windkanal. Darum hat der Sprung auch mit nahezu beängstigender Präzision funktioniert. Wenn du zum hundertsten Mal auf den gleichen Berg gehst, ist er nicht mehr so spannend wie beim ersten Mal. Die Geschwindigkeit spürst du nicht. Ich war bei diesem Testsprung zwar 587 km/h schnell, die dritthöchste Freifall­ geschwindigkeit, die je ein Mensch erreich­ te, doch für mich hat sich das wie ein ganz normaler Sprung angefühlt. Es fehlen die Referenzpunkte, wegen des Druckanzugs spürst du nichts vom Tempo – das sich übrigens nicht einmal akustisch bemerk­ bar macht: Weiter oben rauschst du schnell durch wenige Luftmoleküle, unten langsamer durch mehr. Unterm Strich macht das keinen Unterschied. Was mir beim ersten Sprung Sorgen gemacht hat, war der Funkausfall. Nicht, weil ich unbedingt quasseln muss, son­ dern weil eines unserer Missionsziele lau­ tet: Kommunikation im freien Fall. Funk­ ausfall ist gefährlich, wie man bei der Landung gesehen hat: Da ich die Hub­ schrauber mit den Brandfackeln an Bord nicht dirigieren konnte, bin ich mit dem Wind gelandet und mit 4 g aufgeschlagen. Mit Anzug wiege ich 140 Kilo, also muss­ te ich zwei dicke Harley-Davidson mit meinen Sprunggelenken abfedern. Funk heißt Information, Information


Der Countdown für den Rekordsprung läuft.

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Sommer 2012

LIVE

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MIT DEM NEWS ALERT SIND SIE LIVE DABEI. Felix Baumgartner plant den Sprung vom Rande des Weltalls, aus über 36.000 Metern. Sein Ziel: Er will als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrechen. Registrieren Sie sich jetzt für den Red Bull Stratos News Alert und erfahren Sie exklusiv, wann der große Tag des Sprungs ist. Dazu einfach eine SMS mit „Stratos“ an die 72000 senden oder unter www.servustv.com/stratos registrieren und den Sprung bei uns live miterleben.*

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* Die Kosten für die SMS entsprechen den üblichen SMS-Kosten Ihres Mobilfunkanbieters, es entstehen keine zusätzlichen Kosten. Teilnahmebedingungen unter www.servustv.com/stratos.


Inhalt 82 REISE-TIPP 46. Montreux Jazz Festival 84 GET THE GEAR „Pyro Pete“ Cappadocia 86 TRAINING Marc Márquez 88 NIGHTLIFE Out Now: Hot Chip/Golfen bei Nacht/„Magnum Club“, Hongkong/ Cocktail: Black Daiquiri/Take 3: Sigur Rós/Nightsnack: Ramen 92 TOP-SPOTS

BILD: KIM JAE-HWAN/GETTY IMAGES

94 SAVE THE DATE 95 KAINRATH 96 RED BULL TV-FENSTER bei ServusTV 98 KOLUMNE mit Christian Ankowitsch

Augen zu und durch: Warum jedes Jahr eineinhalb Millionen Menschen zum Boryeong-Schlammfest nach Südkorea pilgern, lesen Sie auf Seite 93.


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Auf und davon Der Reise-Tipp des Monats

Miles and more Montreux Jazz Festival. Bob Dylan und Miles Davis, Van Morrison und Paul Simon, Lana Del Rey und Janelle Monáe: Am Genfersee treffen sich seit 1967 alljährlich die spannendsten Musiker der Welt – auf Einladung von Claude Nobs. Der Festivaldirektor nennt acht Plätze, die Musikgeschichte geschrieben haben.

„Funky Claude“ Nobs, 76, unvergleich­licher Musik-Connaisseur und bevorzugter Gastgeber interna­tio­naler Musikstars

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Montreux ist an 349 Tagen des Jahres ein verträumtes Schweizer Städtchen, am Ost­ufer des Genfersees gelegen, samt Uferpromenade und traumhaftem Blick auf die Waadtländer Alpen. Für 16 Tage im Sommer allerdings verwandelt sich die Stadt in ein Epizentrum der Musikwelt, und das seit bereits 45 Jahren. Verantwortlich dafür ist Claude Nobs: Led Zeppelin, James Brown, Bob Dylan, Prince, Radiohead und viele andere Weltstars folgten der Einladung des heute 76-jährigen Musik-Connaisseurs, genau wie 200.000 Musikfans jährlich. Nobs ist bekannt dafür, Stars nach Montreux zu bringen, ehe sie Stars sind – und sie

dadurch umso inniger an das feine Schweizer Festival zu binden. Jazz-Legende Herbie Hancock etwa kommt in diesem Sommer schon zum 27. Mal. Deep Purple setzten „Funky Claude“ mit dem Song „Smoke on the Water“ ein Denkmal. Und Keith Richards und David Bowie ließen sich gar ein paar Jahre am Genfersee nieder. Über die Jahre hat Nobs ein Archiv an Anekdoten angesammelt, die untrennbar mit Schauplätzen seiner Heimatstadt verknüpft sind. Wer das Festival 2012 besucht – Start ist am 29. Juni –, findet hier ein paar Anregungen für einen musikhistorischen Rundgang. www.montreuxjazzfestival.com


Text: adrian schrader. illustration: julia Pfaller. Bilder: Charly Rappo, Montreuxriviera.com, picturedesk, Mountain-Studios

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Montreux auf den Spuren der Stars Bob Dylan am Rennrad, Kid Rock im Knast: Acht Orte am Genfersee mit (Pop-)Geschichte. 1 Montreux Casino Das Casino war schon Konzert-Aus­ tragungsort, bevor es das Montreux Jazz Festival gab. „Mein erster LiveGast war John Lee Hooker, vor mittlerweile fünfzig Jahren. Ich musste damals 500 Dollar auftreiben, für seine Gage. Jahre später bekam er schon 50.000“, erinnert sich Nobs. Unvergesslich sind auch die langen Nächte zum Festival-Abschluss: Fans und Musiker strömten nach den Konzerten in den Casino-Garten – zunächst, um sich am Buffet zu stärken, später, um nackt im Pool zu baden. Weitaus gesitteter geht es hier in diesem Jahr am Morgen nach der Disco-Nacht mit Nile Rodgers und Mark Ronson zu: Nobs lädt erneut zum Birchermüesli-Brunch.

installiert, für dessen Kosten die Band Queen aufkam, in den folgenden Jahren nahmen darin Künstler wie David Bowie, AC/DC und Duran Duran ­legendäre Platten auf. Heute befindet sich ein Nachtclub in den ehemaligen Studioräumlichkeiten, auf der Außentür befindet sich eine Memorial-Wand für Freddie Mercury.

2 Mountain Studio Am 4. Dezember 1971 brannte das ­Casino praktisch vollständig ab – während eines Frank-Zappa-Konzerts, als Deep Purple in einem Nebengebäude an neuem Material arbeiteten. Und das Ereignis in ihrem Song „Smoke on the Water“ verewigten (und darin Claude Nobs als furchtlosen Retter einiger Jugendlicher priesen). Nach dem Wiederaufbau wurde im Keller ein Tonstudio

3 Montreux Palace Das vielleicht beste Hotel Europas (Zimmerpreise ab 600 Franken/ca. 500 €) ist während des Festivals ganz sicher das Hotel mit der höchsten Stardichte des Kontinents. Mitunter kann passieren, dass man den Stars sogar näher kommt, als einem lieb ist: Vor drei Jahren feierte Kid Rock lautstark in seiner Suite. Ein etwas gar übermütiger Partygast sprang aus dem Fenster – und lan-

dete zum Glück auf einem Balkon. Am Rückweg irrte er sich im Zimmer, eine aufgeschreckte Chaka Khan prügelte mit einem Regenschirm auf den vermeintlichen Einbrecher ein. Schließlich kam die Polizei und nahm das Oberhaupt der entfesselten Party-Gang mit. „Am nächsten Tag rief uns Kid Rock verzweifelt vom Polizeiposten aus an“, erzählt Nobs und lacht. „Er hatte kein Geld dabei und war barfuß unterwegs.“

ein Päuschen gönnen wollen. Das Fleischfondue (Fondue au chaudron, 44 CHF) ist exquisit, der Ausblick auf den See surreal. Und direkt unter den Augen der Gäste, auf der Rasenfläche zwischen Nobs’ Chalets, machen sich die Künstler für ihre Auftritte locker. „Paul Simon kam mal zu spät zu seinem Konzert, weil er unbedingt von hier oben den Sonnenuntergang über dem See mitverfolgen wollte“, sagt Nobs.

4 Grand rue An Montreux’ mondäner Hauptstraße kann man alles kaufen, was funkelt und glitzert: Schweizer Uhren, Schmuck, Souvenirs. Nobs allerdings rät, den Blick eher auf den Verkehr zu richten: „Einmal warteten wir vor dem Casino auf die Limousine, die Bob Dylan vom Hotel bringen sollte. Aber die war leer. Minuten später taucht er dann auf einem Fahrrad auf, komplett adjustiert mit Helm, Handschuhen und Radrennschuhen.“

7 Freddie-MercuryDenkmal

5 Le Petit Palais Das Art-déco-Gebäude beherbergte früher Nobs’ spektakulären Nachtclub, in dem er internationales Flair der etwas anderen Art nach Montreux brachte. „In San Francisco hatte ich psychedelische Lichtshows mit ineinanderfließenden Farben gesehen. Ich wollte das auch für meinen Club – wusste aber nicht, wie man das richtig macht. Ich nahm also drei Teller und einen Overhead-Projektor und mischte blaues Shampoo, Grenadine- und Pfefferminzsirup. Einmal legte ich sogar zerquetschte Käfer zwischen die Teller. Es sah irre aus – die Leute schrien.“ Heute finden im Petit Palais die Festival-Workshops statt, bei denen Musiker wie Trombone Shorty (10. Juli) den Besuchern zeigen, was sie mit ihren Instrumenten anstellen. 6 Hostellerie de Caux In dem Restaurant unmittelbar oberhalb von Nobs’ Wohnsitz speisen seine Gäste, wenn sie ihrem Gastgeber mal

Am Seeufer huldigt eine Statue einem der allergrößten Popsänger: Freddie Mercury. Auch der Queen-Frontmann war eng befreundet mit Nobs: „Eines Abends – David Bowie und die Mitglieder von Queen waren bei mir zum Essen – fragte ich: Warum geht ihr nicht mal zusammen ins Studio? Zwei Stunden später kamen sie zurück, sie hatten ‚Under Pressure‘ aufgenommen.“

8 miles davis hall Miles Davis und Montreux verbindet eine lange Geschichte. Zehn Mal trat der „Picasso des Jazz“ hier auf, zuletzt 1991, zwei Monate vor seinem Tod. Ihm zu Ehren trägt die Haupt-Location des Festivals seinen Namen. In diesem Jahr konzertieren dort neben anderen SoulLegende Bobby Womack (6. Juli), Jane Birkin (8. 7.), Mississippi-Voodoo-Blueser Dr. John (9. 7.), der Bossa-NovaGott Gilberto Gil (10. 7.) und die SoulPop-Prinzessin Janelle Monáe (14. 7.).

Wegen dieses Ausblicks ließ Paul Simon sein Publikum warten.

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Pyrotechniker Peter Cappadocia: „Der Feuerknopf macht dich allmächtig.“


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get the gear Die Ausrüstung der Profis

Pyro Pete

KISS, The Rolling Stones, Mötley Crüe … wer auf offener Bühne etwas in die Luft jagen möchte, wendet sich an Peter Cappadocia. Hier die Zutaten seines Chaos.

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1. Roadcases Für eine durchschnittliche Tour benötigen wir zehn bis zwanzig unterschiedlich große, aufs Equipment abgestimmte sogenannte Roadcases, besonders robuste Transportbehälter. Wir transportieren sie in unserem 15-Meter-Sattelschlepper. 2. Controller von Pyrodigital Consultants Die Jungs von Pyrodigital Consultants sind Experten auf ­ihrem Gebiet. Mit ihrem Con­ troller steuern wir die rund 50 bis 100 auf der Bühne angebrachten Zündmodule an.

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3. Verteiler von Whirlwind Ein Kabel rein, sechs Kabel raus – die Kabel verbinden das Con­ trolboard mit den Zündmodulen.

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4. Zündmodul von Pyrodigital Consultants Jedes der Kabel ist separat mit dem Controller verbunden und wird mit einem eigens dafür ­geschriebenen Programm ­gezündet.

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text: Andreas Tzortzis. bilder: mike basher

5. Feuerknopf Es ist ein einzigartiges Gefühl: Du drückst auf diesen einen Knopf, und alles in der Arena macht „Ooooh!“ und „Aaahhh!“. Dieser Knopf macht dich allmächtig. 6. CO²-Druckflasche Wir benötigen diese etwa 110 Kilogramm schweren ­Flaschen, die wir von lokalen Druckgasfirmen beziehen, zur Erzeugung von Raucheffekten, die wir mit Hilfe von LEDLeuchten einfärben. 7. Burner Control System der Serie 7800 von Honeywell Damit kontrollieren wir alle Feuereffekte. Man könnte auch sagen, das Ding ist das Hirn hinter jeder Feuerwand.

8. Flammenwerfer von Stage & Effects Wir verwenden ihn bei Freilichtshows, um Feuersäulen von bis zu 35 Meter Höhe zu erzeugen. Bei den Rolling Stones hatten wir drei solcher Flammenwerfer im Einsatz. 9. Burn Bar von Stage & Effects Damit erzeugen wir mittels Propangas Feuerwände – und zwar bis zu drei Meter hohe Exemplare. 10. Sicherheitsschalter von McMaster-Carr Nur wenn man seinen Fuß auf diesem Schalter hat, läuft das System – sobald du den Knopf loslässt, stoppt alles. 11. Feuerlöscher Davon haben wir mehrere ­Typen in Verwendung, solche auf CO²-Basis ebenso wie verschiedene chemische Trockenlöscher. Wir brauchen die Dinger öfter, als man meint: zum Beispiel, wenn sich Gene Simmons den Schweiß vom Gesicht wischt und das Handtuch wegwirft … dann kannst du sicher sein, es landet in der Nähe von einer der Düsen und beginnt sofort zu glosen. 12. CO²-Flüssigtank Enthält bis zu 750 Liter flüs­ siges CO², das wir für Nebel­ effekte verwenden – besonders gut funktioniert’s bei hoher Luftfeuchtigkeit. 13. Das Ziegenbärtchen Ich färbe es rot, L’Oréal ist mir behilflich. Würde ich das Ding in seinem natürlichen Grau tragen, sähe ich aus wie der böse Bruder von Santa Claus. 14. CO²-Jets Zum Erzeugen von Nebelsäulen. KISS haben für ihre kommende Tour 30 Stück geordert. Alles brennt: www.stgfx.com

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WORK OUT TRAINIEREN WIE DIE PROFIS

Gashebel Gehirn MARC MÁRQUEZ. Der spanische Vize-Champ der Moto2-Serie 2011 hält Muskeln für beinahe entbehrlich: „Geschwindigkeit entsteht im Kopf.“

Wie sich ein echter Racer auf die Saison vorbereitet? Mit Tennis, Joggen und Hantelduellen gegen Bruder Alex. MONTAG 7 Uhr: Mein Frühstücksmenü ist stets das gleiche: Müsli, Joghurt, frische Früchte. 8–10 Uhr: 40 Kilometer mit dem Mountainbike 14–16 Uhr: Fitnesstraining. Ganzkörper-Workout mit freien Gewichten und vielen Wiederholungen DIENSTAG 7 Uhr: Frühstück 8–10 Uhr: Fitnesstraining wie am Vortag. Wenn mein Bruder Alex mitmacht, pushen wir uns gegenseitig. 14–16 Uhr: Tennis unter Aufsicht eines Trainers MITTWOCH 8 Uhr: Frühstück 9–11 Uhr: 40 Kilometer mit dem Mountainbike 14–16 Uhr: Go-Kart fahren mit Freunden auf meiner Heimatstrecke in Cervera

DONNERSTAG 7 Uhr: Frühstück 8–9.30 Uhr: gemütliche Joggingrunde 12–14 Uhr: Schwimmen 14–15 Uhr: Massage. Dehnt die Muskeln! FREITAG 7 Uhr: Frühstück 8–10 Uhr: 40 Kilometer mit dem Mountainbike (ist eigentlich keine Arbeit, ich liebe Radfahren). 13–14 Uhr: GanzkörperWorkout mit freien Gewichten und vielen Wiederholungen SAMSTAG 8–10 Uhr: 40 Kilometer Mountainbike fahren 15–17 Uhr: Go-Kart-Rennen. Mein Motto: Training und Wochenende genießen! SONNTAG … nehme ich mir frei!

Marcs Rennkalender: www.marcmarquez93.es

TEXT: RUTH MORGAN. BILDER: GOLD & GOOSE/RED BULL CONTENT POOL

Wer ein 135 Kilo leichtes Motorrad mit 280 Stundenkilometern über die Rennstrecke jagt, bedarf perfekter Körperkontrolle. Laut Marc Márquez, Zweitplatzierter der Moto2-Serie 2011, braucht man dafür kein Bodybuilder zu sein: „Zu viel Muskelmasse in den Beinen oder Unterarmen behindert meine Bewegungsfreiheit. Als Fahrer solltest du imstande sein, dein Motiviert: M. Márquez Motorrad schnell zu bewegen, um blitzartig auf neue Rennsituationen reagieren zu können.“ Also heißt die Aufgabenstellung im Fitnessstudio: Krafttraining ja, übertreiben nein. Seine Strategie erklärt der 19-jährige Suter-Pilot aus Cervera (Katalonien) so: „Ich vermeide schwere Hanteln und absolviere dafür mehr Wiederholungen. Außerdem achte ich auf sauber ausgeführte Dehnungsübungen.“ Wie Márquez 2012 insgesamt in der Weltmeisterschaft punkten will? „Der Wunsch nach Geschwindigkeit macht dich nicht automatisch schneller. Wenn du verbissen in ein Rennen startest und dir dauernd einredest: Ich muss schnell sein, ist das sogar kontraproduktiv.“ Der Schlüssel zu mehr Speed liege im Kopf, sagt Márquez: „Wenn du Selbstvertrauen hast, fühlst du dich frei und kannst die besten Kurvenradien fahren. Die Geschwindigkeit kommt dann von selbst. Dieses Selbstvertrauen baust du dir freilich nur mit möglichst vielen Trainingsrunden auf.“

Mein Power-Programm

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Nightlife Die Macht der Nacht

actiON

Golfen bei Nacht MAn nEHME: lumineszierende Golfbälle (gibt es

auch mit Batterie), beleuchtete Spielbahnen (durch Fackeln, Scheinwerfer oder Flutlicht). Und die Sonnenbrille ab. WoHER koMMT’S? Aus Florida und kalifornien. Dort gibt’s auch eine Vielzahl beleuchteter Par­3­Plätze. ZUFLUCHTSoRT! Der 40­Grad­Celsius­und­mehr­ Hitze des Tages entgeht man auf Dubais erstem 18­Loch­Championship­kurs: 500 Scheinwerfer erhellen den von nick Faldo designten, angenehm nachtkühlen kurs. nachtgolf in Österreich: nur in götzendorf/Wien. Info: www.gcfruehling.at

OUt NOW

„Kraftwerk in unserem Kopf“ Hot Chip sind wie Superman. Im echten Leben unschein­ bar, im Rampenlicht unschlagbar: die Superhelden mit ihrem neuen, psychedelischen Meisterwerk. Das Londoner Quintett hat Hornbrillen und Streber­Look zum Trend gemacht: Hot Chip sehen nicht wie Popstars aus, aber seit ihrem Meisterwerk „The Warning“ (2006) sind sie es. Und ihr eleganter Mix aus Indie­Pop und Elek­ tronik­Beats begeistert weiterhin: Mastermind Joe Goddard führte mit seiner Solo­Single kürzlich die Charts in Südafrika an, während „In our Heads“ gerade erschienen ist, das neue Album seiner Band. Warst du überrascht, dass dein Track „Gabriel“ nummer 1 in Südafrika war? Goddard: Das war ich – und ich weiß bis heute nicht genau, wie das passiert ist. House­Musik ist dort gerade sehr populär, deshalb lief der Song oft im Radio. nach dem letzten Hot­Chip­Album waren auch deine Bandkollegen solo aktiv. Wie fühlte sich die Reunion an?

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Großartig! Es war wichtig, dass wir alle einmal unser eigenes Ding durchzogen, so haben die Aufnahmen wieder richtig Spaß gemacht. Wir alle haben neue Perspektiven eingebracht. Bei Stücken wie „Flutes“ oder „Let Me Be Him“ zeigt ihr euch sehr experimentierfreudig. Für die Aufnahmen haben wir das Mischpult des legendären Produzenten Conny Plank verwendet. Er hat damit in den siebziger Jahren kraftwerk und deutsche krautrock­Bands aufgenom­ men. Vielleicht klingen manche Songs deshalb etwas psychedelisch.

hot Chip: „In our heads“ ist bereits erschienen. Infos und hörproben auf hotchip.co.uk

Night QUOte

”Sei niemals der Erste oder der Letz­ te auf einer Party – und auf gar keinen Fall beides. “ David Brown, US­Filmproduzent (1916–2010)


cOcktaiL

Black Daiquiri Diesen Monat präsentiert Josh Harris einen tropischen Cocktail aus Rum, dem kräuter­ likör Averna und einer einfach herzustellen­ den kaffeetinktur. „Der Black Daiquiri ist der einfachste Weg zu karibischem Feeling, ohne ein Flugzeug besteigen zu müssen“, verrät San Franciscos Star­Barkeeper.

CLUB

Magnum

Bilder: sTeVe GulliCK, manfred BurGer, maGnum CluB (4), foTosTudio eisenhuT & mayer. Golfmodel: ChrisTina KoresKa

HONGKONG

cLUB

„Gutes Aussehen und Manieren schaden nicht“ Der Magnum Club ist ein Party­Tempel im Herzen Hongkongs. Mit Live­ Performances, luxuriösem Ambiente und kristall­ bedeckten Klositzen.

MagnuM CLuB 3 & 4/f, Silver fortune Plaza, 1 Wellington Street, Central, hong Kong www.magnumclub.com.hk

Hongkong ist der perfekte Standort für euren Club, weil … … wir der Stadt ein neues konzept bringen: glamouröse Clubbing­näch­ te, Live­Performances und Mode­ schauen – alles in einer Location. Wenn man den Club betritt … … fällt einem gleich das prachtvolle und üppige Dekor auf. Schon unser goldenes Eingangstor stellt klar: Es wird eine glanzvolle nacht! Euer Interieur besticht mit … … einem Riesenluster aus mehr als 100.000 kristall­Leuchten. Mit einem kristallenen Treppenaufgang und dreiseitigen LED­Wänden. Um am Türsteher vorbeizukommen, sollte man … … fein angezogen sein. Gutes Aus­ sehen und Manieren schaden nicht. Eure Stammgäste sind … … vorwiegend Anwälte, Banker und Buchhalter. Leute, die im Stadt­ zentrum arbeiten und leben. Eure Toiletten sind erwähnenswert … … weil sie golden und silbern glänzen. Und die Sitze mit über 10.000 kristal­ len verziert sind. Wenn man müde vom Tanzen ist … … kann man sich mit seinen Freunden auf unserer Terrasse ausruhen, einer urbanen oase inmitten der erleuchte­ ten Skyline und des pulsierenden nachtlebens von Hongkong. Interview mit Rocky Wong (Besitzer)

Zutaten Pampero aniversario rum, averna, Limetten, Kaffeetinktur Mengen 4,5 cl Pampero aniversario 1,5 cl averna 3 cl frischer Limettensaft 3 cl einfacher Sirup (2 teile Zucker auf 1 teil Wasser) 6–8 tropfen Kaffeetinktur* glas: Coupe garnitur: orangenzesten

ZuBereItung Zutaten in einen Shaker füllen, eis beigeben, zweimal durch ein Sieb in ein gekühltes Coupe-glas gießen und mit orangenzesten garnieren * Kaffeetinktur: Kaffeebohnen in ein einwegglas füllen und mit hochprozentigem alkohol (z. B. Wild turkey 101) aufgießen. eine Woche ziehen lassen (immer wieder schütteln), danach die flüssigkeit abseihen und in ein fläschchen mit Pipette füllen.

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Leonard Cohen „Songs of Love and Hate“ Dieses Album lag immer auf dem Plattenspieler meiner Eltern, die Songs kenn ich auswendig. 1984 kam Leonard Cohen für ein Konzert nach Island. Ich war erst ­sieben, bettelte aber so lang, bis mich meine Eltern mitnahmen. Die Texte verstand ich damals nicht, dafür aber die Magie dieser Musik. Noch heute höre ich mir das Album oft an – am liebsten das alte Vinyl meiner Eltern.

Nightsnack

Tokio: Ramen

Take 3

„Am liebsten das alte Vinyl meiner Eltern“

Paul Auster „Mr. Vertigo“ Ich lese kein Buch zweimal, dieses aber hab ich fünfmal verschlungen: Ein Junge trifft einen Mann, der verspricht, ihm das Fliegen beizubringen. Nicht mit einem Flugzeug – ohne Hilfsmittel. Die Art, wie der Mann dies erklärt, wirkt unglaublich echt. Am Ende glaubst du, dass es wirklich funktionieren könnte. Das perfekte Buch für die Reise, weil es dich selbst auf eine mitnimmt.

Wenn auf Tsukiji, dem größten Fischmarkt der Welt, die Thun­ fische unter den Hammer kom­ men, kocht rund­ herum schon die Nudelsuppe.

Sigur Rós. Die Isländer kreieren Musik, perfekt für nächtliche Zugfahrten. Hier verraten sie, wie sie sich die Zeit zwischen Konzerten vertreiben. Ihre Musik ist weitläufig und sphärisch wie die Landschaft in ihrer ­Heimat Island. Ihre Gitarren streichen sie mit Geigenbögen, für einige ihrer Songs haben sie eine eigene Sprache kreiert: Vonlenska, eine ­Mischung aus Isländisch und Lautgesang. Das neue Album von Sigur Rós heißt „Valtari“. Und das passt, findet Bassist Georg Hólm: „Valtari bedeutet Dampfwalze. Die sind schwer und langsam, genau wie unsere Songs.“ Tatsächlich ist die Musik von Sigur Rós nichts für Menschen mit kurzer Aufmerksamkeitsspanne. Sie passt zu nächtlichen Zug­ fahrten und Spaziergängen im Schnee. Sanfte Streicher, mäandernde Pianos und Jónsi Birgissons fragile Stimme bilden das wohlig warme Fundament der epischen Platte. Eine Platte, die das Quartett im Som­ mer live auf Festivals wie Lollapalooza (Chicago, USA, 5. 8.), Rock en Seine (Saint-Cloud, Frankreich, 24. 8.) oder Electric Picnic (Stradbally, Irland, 31. 8.) vorstellt. Was Georg Hólm gern im Tourbus hört, liest und ins DVD-Laufwerk schiebt, welche Werke ihn inspirieren, verrät er hier.

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„Valerie – Eine Woche voller Wunder“ Als ich diesen tschechischen Märchenfilm aus den siebziger Jahren auf einer Videokassette meiner Schwägerin entdeckte, schaute ich ihn mir dreimal in Folge an. Ich konnte nicht glauben, was ich da sah. Handlung, Bilder und Musik sind gruselig sowie surreal schön. Ich habe mir den Film auf DVD ­besorgt. Und mit jedem Mal entdecke ich neue seltsame Seiten an diesem vergessenen Meisterwerk.

Morgens am Markt Ab vier Uhr früh wird in den kleinen Läden auf Tokios Fischmarkt gekocht. Hier gibt es die frischesten Sushi und die heißesten Suppen. Auskenner reihen sich ent­ weder in die längsten Men­ schenschlangen vor Lokalen oder suchen jene Plätze, in denen mit Fischblut be­ kleckerte Arbeiter am laut­ stärksten ihre Ramen schlür­ fen. Denn der geräuschvolle Genuss gehört in Japan zum guten Ton.


Text: Text: Klaus kamolz. Bilder: emi, fotostudio Eisenhut & Mayer

Vielfalt in der Schüssel 200.000 Ramen-ya, jene typi­ schen Nudelsuppenläden, gibt es in Japan; allein in Tokio sind es mehr als 5000. Neben Hüh­ ner-, Schweine- oder Rind­ fleisch prägen verschiedene vegetarische und fleischliche Einlagen Japans (auf Rund­ augenhöhe mit der Miso-) iden­ titätsstiftende Nationalsuppe. Dazu gehören wachsweiche Eier, Thunfisch, Negi (Lauch), Nori-Algen, Shiitake-Pilze, Bam­ bussprossen oder Pak Choi. Das aromatische Rückgrat der eigentlichen Brühe besteht aus Schweineknochen und, ­zumindest in Tokio, Sojasauce.

Reden über Ramen Adressen von Ramen-Lokalen zu nennen wäre ein endloses Unterfangen. Aber die ur­ sprünglich nur in Büchern und TV-Sendungen leidenschaft­ lich diskutierte Suppenkultur ist natürlich längst ins Netz geschwappt. Gute Tipps findet man deshalb in einem der zahl­ reichen Ramen-Blogs. Zum Beispiel: www.ramentokyo.com, www.ramenate.com www.ramenadventures.com

Welche Suppe? Die Wahl einer Ramen ist für nicht der japanischen Sprache mächtige Tokio-Besucher leich­ ter, als man glauben möchte. Man sieht sich einfach an der Nudeltheke um und zeigt auf eine der gerade geschlürften Suppen. Ab umgerechnet etwa sechs Euro sind die Suppen in der Stadt zu haben.

Suppe, Liebe, Leinwand Eine tragende Kinorolle spielt Ramen in „Tampopo“ (1985), laut Kritikern einer der schöns­ ten Filme über Sex und Essen. „The Ramen Girl“ (2008) hul­ digt der Suppe ebenfalls; die Geschichte einer Amerikane­ rin, die sich in Tokio in eine Suppe verknallt, ist im Ver­ gleich zu „Tampopo“ aber bloß eine eindimensionale, seichte Komödie.

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MORE BODY & MIND

Top Events

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Juli 2012

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Sport 19. – 22. 7., ROYAL LYTHAM & ST. ANNES GOLF CLUB, GROSSBRITANNIEN

The Open Championship 156 Jahre sind seit der Erstaustragung im Jahr 1856 ins Land gezogen: Die British Open in Prestwick sind das älteste noch ausgetragene Golfturnier der Welt. Seither hat sich einiges geändert, etwa stieg das Preisgeld von null Pfund (1856–1862) über sechs Pfund (1863) auf aktuell fünf Millionen Pfund (ca. 6,2 Mio. €). Als Titelverteidiger der berühmten „Claret Jug Trophy“ kommt der 43-jährige Nordire Darren Clarke in den Royal Lytham & St. Annes Golf Club nach Lancashire – im Vorjahr feierte er seinen emotionalen ersten Triumph bei einem Major-Turnier.

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Red Bull U.S. Grand Prix

30. 7. – 5. 8., HUNTINGTON BEACH, KALIFORNIEN, USA

Der Große Preis der USA in der Motorrad-WM ist ausschließlich der MotoGP-Klasse vorbehalten. Besonderes Merkmal der 3,6 Kilometer langen Strecke nahe der kalifornischen Küstenstadt Monterey ist die „Corkscrew“. „Die Kurve ist einmalig. Sie geht drei Stockwerke nach unten“, beschreibt Nicky Hayden die berüchtigte Korkenzieherkurve, die uneinsehbar hinter einer Kuppe liegt. „Du fühlst dich, als würdest du ins All abheben“, so der Weltmeister von 2006.

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WRC Rallye Finnland Nirgendwo in der Rallye-Welt wird schneller gefahren und weiter gesprungen als in Finnland: Die seit 1951 ausgetragene „1000-Seen-Rallye“ hält den Rekord für den weitesten gemessenen Sprung (der Este Markko Märtin landete 2003 erst nach 57 Metern) und die höchste Durchschnittsgeschwindigkeit (der Finne Marcus Grönholm war 2005 mit 122,86 km/h unterwegs). Auf den schwierigen Schotterstraßen spielen die Finnen ihren Heimvorteil meist gnadenlos aus: Mit Ausnahme der Jahre 2003 (Markko Märtin), 2008 und 2011 (der französische Megastar Sébastien Loeb) gab es in den letzten zwei Jahrzehnten nur finnische Sieger.

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20./21. 7., AZOREN, PORTUGAL

Red Bull Cliff Diving World Series 2

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Das große Finale: Beim letzten Bewerb der Women’s World Tour, dem Nike US Open of Surfing, kommt es zwischen den beiden Australierinnen Stephanie Gilmore (vierfache Weltmeisterin) und Sally Fitzgibbons (Vizeweltmeisterin 2010 und 2011) zum Titel-Showdown. Im Vorjahr strömten über 500.000 Zuschauer auf das 14 Hektar große Areal, um ein Actionsportfestival im Zeichen von Weltklassesurfen, BMX, Skateboard, Musik und Fashion zu feiern.

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2. – 4. 8., JYVÄSKYLÄ, FINNLAND

Gewann 2011 die US Open: Sally Fitzgibbons

Der dritte Stopp der Red Bull Cliff Diving World Series hält eine Premiere bereit: Auf den Azoren stoßen sich die Klippenspringer erstmals nicht von einer Plattform ab, sondern tatsächlich von Felsklippen. Weltmeister Gary Hunt, Artem Silchenko und Co tauchen auf dem Vulkaninselchen Vila Franca – einen Kilometer südlich der Insel São Miguel gelegen – aus 27 Meter Höhe in das glasklare Wasser des Atlantiks.

ASP Women’s World Tour Nike US Open

Sébastien Loeb hebt in Finnland ab.

BILDER: MARCELO MARAGNI/RED BULL CONTENT POOL, GETTY IMAGES (5)

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29. 7., LAGUNA SECA RACEWAY, MONTEREY, KALIFORNIEN, USA


MORE BODY & MIND

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14. – 27. 7., DAECHEON BEACH, BORYEONG, SÜDKOREA

Mit Stil und Soul: Janelle Monáe

Boryeong Schlammfest

19.  – 21. 7., TØNSBERG, NORWEGEN

Slottsfjell

Schlammfest? Schlammfest! Und zwar nicht irgendeines, sondern das größte der Welt, das alljährlich 1,5 Millionen morastaffine Besucher nach Südkorea lockt. Die suhlen sich, rutschen rum und ringen im grauen Matsch, der vom Wattenmeer angeliefert und am Strand verteilt wird – und zudem besonders mineralreich ist. Ein buntes Fest in Matschgrau als Weltgipfeltreffen all jener Leute, die an keiner Pfütze vorbeikommen, ohne insgeheim reinhüpfen zu wollen.

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Kultur 6. – 14. 7., PAMPLONA, SPANIEN

El Encierro: Der Stierlauf von Pamplona Seit vier Jahrhunderten begeistert diese auf das Jahr 1591 zurückgehende Tradition furchtlose Männer mit Bedarf an Nervenkitzel: Im Rahmen des Sanfermines-Fests (6. bis 14. Juli) hetzt jeden Morgen eine Horde Stiere durch die Gassen der Stadt; dazwischen, davor und auch darunter tummeln sich waghalsige Stierläufer mit roten Halstüchern und Scherpen. Ihr Ziel ist es, möglichst knapp vor den Tieren herzulaufen, ohne dabei gerammt oder gar aufgespießt zu werden. Wer nicht live dabei sein kann: Ernest Hemingway schwärmt in seinem Roman „Fiesta“ vom Stierlauf.

Tønsberg ist ein Hafenörtchen südlich von Oslo, verschlafen, mit einem bewaldeten Hügel in seinem Zentrum. Doch auf diesem thront ein mächtiger Wikingerturm. Und genau dieses bemächtigen sich die Veranstalter des „Slottsfjellfestivalen“, wie der FreiluftEvent von den Norwegern genannt wird. Durch den „Narnia“-artigen Märchenwald schlängelt sich ein Pfad hinauf zur Festung, am Wegesrand sorgen vier Bühnen für durchaus zauberhafte Labung durch die Synth-Pop-Helden New Order, die Retro-Rocker Wolfmother, die neue Funk-Queen Janelle Monáe sowie die Drum ’n’ Bass-Donnergötter Chase & Status.

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3. – 5. 8., CHICAGO, USA

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Lollapalooza

Seit 20 Jahren erfüllt sich Alternative-Rock-Star Perry Farrell Träume, indem der Jane’s-Addiction-Frontmann auf seiner Lollapalooza-Bühne Stars vereint. In diesem Jahr rocken etwa Red Hot Chili Peppers, The Black Keys, Black Sabbath und Jack White. Und weil Farrell über eine erstklassige Trüffelnase verfügt, hat er auch einige der heißesten Newcomer nach Chicago eingeladen: Tune-Yards, SBTRKT und LP.

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10 7 Das Schlamm-Paradies am Strand von Boryeong 15. – 21. 7., MONTEGO BAY, JAMAIKA

Reggae Sumfest

Seit 1993 ist das Sumfest an Jamaikas Nordwestküste das größte Musikfestival Jamaikas, mit 55.000 Besuchern das größte Reggae-Event der Welt. Wobei sich das Festival über die Jahre musikalisch durchaus geöffnet hat: Letztes Jahr etwa war PopPrinzessin Nicki Minaj zu Gast, am Donnerstag wird die große Dancehall-Nacht mit Lokalhelden wie Bounty Killer und Lady Saw gefeiert. Auch die Red Bull Music Academy ist mit einer Bühne vertreten, die Live-Gigs gibt’s im hauseigenen Online-Radio zum Nachhören.

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Wenn wilde Stiere durch Pamplonas Straßen jagen

Blues-Rock fürs 21. Jahrhundert: Jack White

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Save the Date Juli/August 2012 5. – 8. JULI, ESTAVAYER-LE-LAC

Free4style

Der ultimative Freestyle-Event: Am Neuenburger See misst sich die internationale Jetski-Elite in Speedruns und im Parallelslalom, Wakebard-Pros zeigen, was sie können, auf der Place Nova-Friburgo demonstrieren die weltbesten FMX-Piloten Sprünge und Tricks in zehn Meter Höhe. Mit dabei: Mat Rebeaud, Levi Sherwood u. v. a.

Action direkt am Ufer: Schlagen die Surfer dieses Jahr zurück? 8. – 12. AUGUST, SILVAPLANA, ENGADIN

10. – 12. AUGUST, LENZERHEIDE

Engadinwind

18 Kilometer Strecke, 2000 Höhenmeter, ein Massenstart und packende Zweikämpfe: Das Trek Bike Attack gehört längst zu den Klassikern unter den Marathon-Downhills. Das heurige Rennen ist für Fahrer – 777 nehmen teil! – zwar längst ausgebucht, live geniessen kann man es dennoch: Die Action wird im Quali-Ziel Lenzerheide wie auch im Ziel Churwalden auf Grossleinwand übertragen.

Die beste Schweizer Kombination aus Wasser und Wind dauert fünf Sommertage lang: Am 8. August beginnt auf dem Silvaplanersee die Schweizer Meisterschaft im Windsurfen, am 11. August steigt zum bereits 35. Mal der Engadin Surf Marathon, die längste Surfregatta der Welt. Dessen Highlight und Abschluss bildet am 12. August das einzigartige „Best of 3“, bei dem Vertreter dreier Wassersportarten teamweise gegeneinander antreten: Kiter, Windsurfer und Segler kämpfen in drei Disziplinen (Speed, Slalom, Racing) um den Titel des „King of Lake Silvaplana“. 2011 siegte im „Speed“-Einzelcontest in Ufernähe der deutsche Kiter Dirk Hanel. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 65 km/h konnte er Windsurflegende Bjørn Dunkerbeck (63 km/h) auf Platz zwei verweisen.

10. – 12. AUGUST, ZOFINGEN

Heitere Open Air Von Turbonegro, Ice Cube und Deichkind über Taio Cruz, Hurts und Donavon Frankenreiter bis AntiFlag und LMFAO: Auch in diesem Jahr wird 35.000 Besuchern am Zofinger Hausberg wieder ein Lineup allererster Güteklasse serviert.

www.engadinwind.ch

20./21. JULI, DEGEN

28./29. JULI, DEGEN

Boardstock

Open Air Lumnezia

Über 10.000 Sportbegeisterte lockt das junge Zuger Sportfestival alljährlich nach Degen – und das aus gutem Grund. Denn zwei Tage feinster Festivalstimmung werden mit Shows, Wettkämpfen, Workshops und 40 Sportarten dekoriert. Und ob man jetzt Breakdance-Pros bestaunen, eine Sportart selbst ausprobieren oder Filme wie „The Art of Flight“ ansehen will – den sportlichen Genuss definiert beim Boardstock jeder für sich. Klarerweise bei freiem Eintritt!

Ob Poppiges von Bastian Baker oder feinster Hip-Hop von Stress, raue Töne der Wu Legends oder Tanzbares von Example Live und Jan Delay & Disko No. 1: Beim diesjährigen Open Air Lumnezia zieren internationale Stars, feste Schweizer Grössen und Newcomer das tolle Line-up – und das vor eindrucksvoller Kulisse. „Die Location hier in den Bergen ist einzigartig“, sagt Rapper Stress, „und die Leute wissen, wie man feiert.“ Apropos feiern: Auch eine Schweizer Nachwuchsband wird Anlass dazu haben. Denn die drei Gewinner-Bands

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Lumnezia: Open Air vor einzigartiger Kulisse

des Contests Red Bull Tourbus Roof Bandits spielen um eine Recording Session im Amsterdamer Red Bull Studio mit dem Schweizer Produzenten Luk Zimmermann. Schauplatz des Endspiels: der Red Bull Tourbus. www.openair-lumnezia.ch

TEXT: ARKADIUSZ PIĄTEK. BILDER: MARC VAN SWOLL, LUMNEZIA, PASCAL LAUDERT

Trek Bike Attack


K a i n r at h s k a l e n d e r b l at t

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Volles Programm Das Red Bull TV-Fenster bei ServusTV: Jede Menge Action auf Ihrem Bildschirm. www.servustv.com

Samstag, 7. Juli, 20.15 uhr Jeden Samstag, 9.20 Uhr

Red Bull Tops Ob missglückte Landung oder verpatzter Trick – in dieser Folge dreht sich alles um die waghalsigsten Aktionen aus der Welt des Freestyle-Motocross.

Klitschko – Der Film Sie sind die berühmtesten Brüder der Boxwelt – beliebt bei den Fans, gefürchtet bei den Gegnern. Doch wie wurden Vitali (li.) und Wladimir Klitschko die Superstars, die sie heute sind? In deutscher Erstausstrahlung zeigt „Klitschko“ die Anfänge der beiden in der Ukraine und begleitet sie auf ihrem Weg in den Box-Olymp, ohne dabei aber die Rückschläge und vor allem die Konflikte zwischen ihnen auszusparen.

Red Bull X-Fighters Madrid Der vierte Stopp der Red Bull X-Fighters-Saison 2012 führt die Rider wieder in die Heimat des Stierkampfs – auf die Plaza de Toros de Las Ventas.

Donnerstag, 2. August, 23.30 Uhr Sonntag, 29. Juli, 22.35 Uhr

Haie in der Nacht Was für viele ein Albtraum wäre, ist für den Süd­ afrikaner Mike Rutzen ganz normal. Er studiert das Verhalten der Haie – nachts, mitten unter ihnen.

So sind Sie im Bild 96

U2: From the Sky Down Ein halbes Jahr begleitete Dokumentarfilmer Davis Guggenheim die Band U2 – heraus kam eine Dokumentation, in der die vier Iren nicht nur Einblicke in ihren musikalischen Alltag gewähren, sondern mit den Zusehern auch intime Momente teilen. Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

0800 100 30 70

bilder: picturedesk.com, universal, red bull Tops, Flo hagena/Red Bull Content Pool

Samstag, 21. Juli, 23.10 Uhr


PROMOTION

MUST-HAVES! 1

NIKE FUEL: LIFE IS A SPORT – #MAKEITCOUNT Das neue NIKE+ Fuelband ist ein innovatives Armband, das alle Bewegungen im Alltag misst und dazu motiviert, körperlich aktiver zu werden. Sämtliche Bewegungsabläufe eines Tages können so über eine neue Masseinheit – den „NikeFuel“ – erfasst, gesammelt und mit anderen verglichen werden. Via Computer setzt man sich ein Tagesziel, nach Schritten, Bewegungen und allen weiteren Aktivitäten. Derzeit ist das Fuelband in der Schweiz erst über eBay für rund 200 Dollar (ca. CHF 190.–) erhältlich. 1

www.nike.com/fuelband 2 TREK SLASH 9 Endlose Abfahrten. Atemberaubende Bergblicke. Knallharte Enduro-Rennen. Du willst ein Bike, das alles schafft und das dich nach ganz oben bringt? Dürfen wir dir das Slash vorstellen? Es ist übrigens auch der Favorit von René Wildhaber … Erhältlich für CHF 6299.– (günstigere Modelle der Serie beginnen bei CHF 3999.–)

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www.trekbikes.com

SLOPE-SERIES EVO KNIESCHONER „D. BERRECLOTH SIGNATURE EDITION“ Trotz der auffälligen Optik stecken die wahren Stärken der „Slope Series DClaw Edition“-Knieschützer in ihrem Inneren. Hochwertige Protektionsschalen aus stossabsorbierendem Polypropylen schützen die Knie. Luftiges Mesh-Trägermaterial sorgt für Tragekomfort und eine optimale Passform. Unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers: EUR 59.95/CHF 79.90 3

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www.ixs.com 4 PHILIPS PICOPIX 2480 Dieser leistungsfähige Taschenprojektor darf auf Reisen oder bei Familienfesten nicht fehlen! Damit können Sie Fotos, Videos oder auch Filme mit 80 Lumen Helligkeit auf über 300 cm Bilddiagonale projizieren. Mit der eingebauten Batterie, den vielseitigen Anschlussmöglichkeiten und dem integrierten MP4-Mediaplayer können Sie immer und überall Ihre Bilder zeigen oder Ihr ganz privates Kino erleben.

www.philips.com/picopix 5 UNDER ARMOUR TECH BIG LOGO T Leichtgewichtiges Poly-Gewebe für ein weiches und angenehmes Tragegefühl, erstklassiger Feuchtigkeitstransport und schnellere Trocknungszeiten, 1×1 Ripp-Detail am Kragen, Raglanärmel und Flachnähte für optimalen Tragekomfort und Beweglichkeit, geruchshemmend, Big Logo-Aufdruck. Erhältlich für CHF 45.–.

www.fashionwear24.ch

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6 BOARDSHORTS MIT KOMPRESSION Die neue Blade II Boardshort von Oakley steckt voller Technologie. Die Außenhose besteht aus einem leichten Vier-WegeStretch-Material mit verschweißten Nähten und wasserabweisenden Eigenschaften. Die innovative Kompressionsinnenhose unterstützt die Muskulatur, was nicht nur mehr Kraft, höhere Ausdauer und besseren Tragekomfort bedeutet, sondern auch eine schnellere Muskelregeneration an Land.

www.oakley.com


Ü

ber die Gefahren des Alltags können wir immer wieder lesen. Auch in dieser Kolumne war schon einmal die Rede davon, dass es riskanter ist, fürs Fensterputzen auf eine Leiter zu steigen, als mit dem Flieger über den Atlantik zu rauschen. Die größte Gefahr unseres Alltags freilich ist bis heute unbenannt geblieben. Sie droht uns, weil wir jeden Tag in den Spiegel schauen – und aus dem Umstand, dass uns daraus immer wieder dasselbe bekannte Gesicht entgegenblickt, ableiten, dass wir uns kennen. In- und auswendig. Zu jeder Nacht- und Tageszeit. In jedem Zustand. Das ist leider ein Irrtum, und ein folgenschwerer noch dazu. Wir haben nämlich von uns selbst keine Ahnung. Was wiederum dazu führt, dass wir absonderliche Dinge tun, ohne uns deren für fähig zu halten. Weil das schwer zu akzeptieren ist, hier einige aktuelle Untersuchungen, die das belegen. Und die Sie, liebe Leser, so viel sei vorweggenommen, vom Glauben abbringen werden, dass Sie wissen, wen Sie da morgens frisieren. Zwei Untersuchungen stammen von Emily Balcetis und David Dunning aus New York. In deren Rahmen ließen die beiden Psychologen 2011 ihre Studenten einen Fragebogen ausfüllen, in dem diese die eigene und die Hilfsbereitschaft anderer einschätzen sollten – und zwar in unterschiedlichen Situationen (also wenn sie allein unterwegs waren oder in einer kleineren oder größeren Gruppe). Bei der einen Hälfte ihrer Studenten ließen es die Wissenschaftler damit gut sein. Bei der anderen Hälfte hingegen warf Frau Balcetis kurz nach dem Einsammeln der Papiere versuchshalber eine Schachtel mit unzähligen Puzzleteilen zu Boden – und registrierte minutiös, wer ihr half, diese aufzulesen, und wer nicht.

Ankowitschs Kolumne belebt Körper und Geist

Wer bin ich? Immer neue Studien zeigen, dass wir auf diese Frage immer neue falsche Antworten geben. Die aufschlussreichen Erkenntnisse: Rein theoretisch sagten 92 Prozent der Versuchsteilnehmer, dass sie als Einzelperson helfen würden. Tatsächlich eilten der Wissenschaftlerin beim Aufsammeln der Puzzleteile jedoch bloß 50 Prozent der Studenten zu Hilfe, standen sie ihr als Einzelperson gegenüber. Deutlich mehr Realitätssinn bewiesen die Probanden beim Vorhersagen des Verhaltens der anderen; da lagen sie einigermaßen richtig. In einem zweiten Versuch ging es um die Bereitschaft, Geld für einen guten Zweck zu spendieren. Auch hier lautete das Fazit der Studie: „Das eigene Verhalten

überschätzten die Probanden im Schnitt um 49 Prozent – das ihrer Mitstreiter jedoch nur um sechs Prozent.“ Wie kommt es, dass wir andere (die uns unbekannt sind) richtig einschätzen? Aber nicht uns selber (den/die wir doch kennen)? Die zwei Psychologen glauben, dass wir die Macht der konkreten Situation nur dann berücksichtigten, wenn wir über andere nachdächten. Sobald es aber um uns selbst gehe, verblödeten wir schlagartig. So haben das Balcetis und Dunning zwar nicht ausgedrückt, aber genau darauf laufen ihre Untersuchungen hinaus. Es gibt weitere Studien, die sich damit beschäftigen, wie wir andere und uns selbst einschätzen. Stets mit demselben Ergebnis: Wir liegen falsch. Einziger Trost: Nicht immer machen wir uns besser, als wir tatsächlich sind – eine aktuelle Studie zeigt, dass wir mitunter auch annehmen, schlechter zu handeln, als wir es dann tatsächlich tun. Auch hier lautet die Begründung: Sich etwas vorzustellen sei das eine – in einer konkreten Situation zu handeln was ganz anderes. Eine Erkenntnis, die ich als Autor einer monatlichen Kolumne nur bestätigen kann: Solange ich meine geniale Kolumne nicht schreiben, sondern sie mir nur vorstellen muss, ist sie das reinste Vergnügen. Soll sie dann Wirklichkeit werden, gleichen meine Gedanken mitunter einem vielteiligen Puzzle, das jemand auf meinen Schreibtisch geschüttet hat. Da ist es tröstlich, dass ich mir wenigstens in 50 Prozent der Fälle selber zu Hilfe komme. Christian Ankowitsch, 52, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Lebenshelfer. Er lebt mit seiner Familie in Berlin. Sein neuestes Buch „Mach’s falsch, und du machst es richtig“ ist bei Rowohlt erschienen.

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