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action sport Reisen Kunst musiK

Das Magazin abseits des Alltäglichen

Jaeutchzitm en-

hrif t Z e i t s ca n d e l h

märz 2014 CHF 3,80

16 seiten 

Oscar Night Special Nicolas Cage „Ich surfe auf Adrenalin“

Red Bull

Air

Race Das schnellste Flug-Rennen der Welt kehrt zurück

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Die Welt von Red Bull

26

Comeback der Rennpiloten

Alle Infos zur Red Bull Air Race-Saison 2014.

Mike Hewitt/Red Bull Content Pool (cover), Daniel Grund/Red Bull Photofiles

peter strain

Willkommen!

Hunderttausende Fans bei den Rennen, atem­ beraubende Bilder, großartige fliegerische Leis­ tungen der weltbesten Piloten – nach dreiein­ halb Jahren Pause kehrt das Red Bull Air Race zurück. Die schnellste und jüngste Motorsport­ serie der Gegenwart nützte die Zeit, um Logistik, Organisation, Reglement und Sicherheitstechnik zu optimieren. The Red Bulletin widmet einen ­großen Teil dieser Ausgabe dem spektakulärsten Motorsport-Comeback des Jahres, bringt ­Ihnen die Technik der Maschinen und der Kurse nahe, stellt die Piloten und die Schauplätze der Rennen vor. „Durchstarten!“, ab Seite 26.

Viel Vergnügen mit dieser Ausgabe! Die Redaktion

„D ie Giftschlange half mir beim Entspannen.“  Nicolas CagE, S. 40


märz 2014

Auf einen Blick Bullevard 0 8  oscar-special Blockbuster und Blondinen: unser Guide zur Preisverleihung des Jahres

Features

54

26 Red Bull Air Race

Alle Favoriten, sämtliche Rennen und ein exklusiver Blick ins Cockpit

38 Mann im Eis

Wie Polar-Filmer Sebastian Copeland für seine Expeditionen trainiert

Kampfgebiet Amazonas

Beim Red Bull Amazônia Kirimbawa-Staffelrennen quälen sich 90 Athleten durch Brasiliens Urwald.

40 Interview: Nicolas Cage 46 Klettern im Kino

David Lamas Cerro-Torre-Filmprojekt

52 Left Boy hebt ab

Karriere-Kickstart auf Facebook

54 Das Dschungel-Rennen 180 Kilometer durch den Regenwald: Red Bull Amazônia Kirimbawa

62 Das Kiwi-Pop-Wunder

Neuseelands Nummer eins in den USA

74

87

Carrera Panamericana

Trainieren wie die Profis

Frisierte Oldtimer im Temporausch, die begleitende Polizei ebenso: Wir begleiten Mexikos wildestes Straßenrennen.

46 Lamas Kino-Premiere

Exklusiv: Ausnahmekletterer David Lama ist der Protagonist der Dokumentation über den Gipfelsieg am Cerro Torre 2012. 4



68 Die Geburt des Größten

Weitspringerin Ivana Špano­vić nennt uns einige Trainings-Tipps. Inklusive Kalt­wasserbad und Kopfüber-Crunches.

68 Sieg des 7:1-AuSSenseiters

Zum 50. Jahrestag: US-Box-Journalist Thomas Hauser analysiert Muhammad Alis Sensationssieg gegen Sonny Liston.

Wie der 22-jährige Cassius Clay Weltmeister – und Muhammad Ali – wurde.

74 Panamerikanisch rasen Im 700-PS-Oldtimer durch Mexiko

Action! 84 85 86 87 88 90 91 92 93 94 96 98

Reisen  Rope Jumping in Sibirien Starke Uhren  Die Rolex Daytona Profi-Gear  Der Mikro-Synthesizer Workout  Ivana Španovic im Eisbad wings for life  Tipps zum World Run Club  Abfeiern in Los Angeles city-Guide  Kopenhagen Top-Spots musik  Die Playlist der Katy B gaming  Frischfutter für die Konsole save the date  Events zum Merken TV-Highlights  Red Bulls TV-Fenster Magic Moment 

the red bulletin

Marcelo Maragni/Red Bull Content Pool, marcelo maragni, Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool, Ken Robinson, ddp images

Hollywoods Exzentriker erklärt seine Adrenalin-Therapie.


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Contributors Mit an Bord im März

THE RED BULLETIN Schweiz, ISSN 2308-5886 Herausgeber und Verleger Red Bull Media House GmbH General Manager Wolfgang Winter Verlagsleitung Franz Renkin Chefredaktion Alexander Macheck, Robert Sperl Creative Director Erik Turek Art Director Kasimir Reimann Fotodirektion Fritz Schuster

Fernando Gueiros

Thomas Hauser „Dieser Boxkampf veränderte die Welt, den Sport und was es 1964 hieß, in Amerika schwarz zu sein“, schreibt der für den Pulitzer-Preis nominierte New Yorker Schriftsteller Thomas Hauser über den Schwergewichts-WM-Fight zwischen C ­ assius Clay und Sonny ­Liston, der sich diesen Monat zum 50. Mal jährt. Clay sollte als Muhammad Ali Sportgeschichte schreiben. Hauser nennt ihn „einen Revolutionär“. Wie die Geschichte des größten Boxers der Welt begann, lesen Sie ab Seite 68.

Blutrünstige Moskitos und drückende Hitze waren noch das Geringste, dem sich unser Autor während des Red Bull Amazônia KirimbawaStaffelrennens (ab Seite 54) in Brasiliens Bundesstaat Amazonas stellen musste. „Bei der Anreise im Motorboot war es stockdunkel“, erzählt Gueiros, der in São Paulo lebt und arbeitet, „im Dschungel musste ich die Läufer mit Stirnlampe und Rucksack verfolgen.“ Gueiros’ Belohnung nach 24 schlaflosen Stunden: „der Sonnen­ aufgang am Ufer des Amazonas“.

„Ich will einen Weltcupsieg“, vertraute David Lama unserem Autor 2005 an. 2006 war er der jüngste Weltcupsieger aller Zeiten. 2008 hieß es: „Ich will auf­regende alpinistische Projekte verwirklichen.“ 2012 stand er als erster Freikletterer am Cerro Torre. „Seitdem glaube ich David jede Prognose“, so Lisetz. Für das jüngste Interview durfte er vorab den Kinofilm über Lamas Cerro-Torre-Abenteuer (ab Seite 46) sehen. „Du wirst begeistert sein“, hatte Lama versprochen. Und abermals recht behalten.

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Managing Editor Daniel Kudernatsch Redaktion Werner Jessner (Leitender Redakteur), Ulrich Corazza, Florian Obkircher, Arek Piatek, Andreas Rottenschlager Mitarbeit Stefan Wagner; Lisa Blazek, Georg Eckelsberger, Sophie Haslinger, Holger Potye, Clemens Stachel, Manon Steiner, Boro Petric und das Konsorten-Kollektiv (Raffael Fritz, Marianne Minar, Martina Powell, Mara Simperler, Lukas Wagner) Lektorat Hans Fleißner Grafik Miles English (Ltg.), Martina de Carvalho-Hutter, Silvia Druml, Kevin Goll, Carita Najewitz, Esther Straganz

Fotoredaktion Susie Forman (Creative Photo Director), Rudi Übelhör (Deputy Photo Director), Marion Batty, Eva Kerschbaum Lithografie Clemens Ragotzky (Ltg.), Karsten Lehmann, Josef Mühlbacher Herstellung Michael Bergmeister Produktion Wolfgang Stecher (Ltg.), Walter O. Sádaba; Christian Graf-Simpson (App) Druck Prinovis Ltd. & Co. KG, D-90471 Nürnberg Finanzen Siegmar Hofstetter, Simone Mihalits Marketing & Country Management Stefan Ebner (Ltg.), Elisabeth Salcher, Lukas Scharmbacher, Sara Varming Country Management Schweiz Antonio Gasser, Melissa Burkart Marketing-Grafik Julia Schweikhardt, Peter Knehtl

Peter Strain Alex Lisetz

Chefin vom Dienst Marion Wildmann

Seine handgezeichneten Grafiken veredeln Artikel im „TIME“-Magazin, dem „Guardian“ oder dem „Esquire“. Für The Red Bulletin illustrierte der preisgekrönte nord­irische Künstler unser Interview mit Hollywood-Exzentriker Nicolas Cage (ab Seite 40). „Er ist ein komplexer, geheimnisvoller Charakter“, sagt Strain über sein Modell. „Cage steht zu seinen künstlerischen Entscheidungen – auch wenn er für manche seiner Filme Kritik einstecken musste.“

„Nach 24 schlaflosen Stunden stand ich bei Sonnenaufgang am Amazonas.“ Fernando Gueiros

Abo und Vertrieb The Red Bulletin Leseservice, Luzern Hotline: 041 329 22 00 Abopreis 39 CHF, 12 Ausgaben/Jahr, www.getredbulletin.com, abo@ch.redbulletin.com Anzeigenverkauf Mediabox AG, Zürich Zentrale, 044 205 50 20 contact@mediabox.ch Anzeigendisposition Sabrina Schneider O∞ce Management Manuela Geßlbauer, Kristina Krizmanic IT Michael Thaler Firmensitz Red Bull Media House GmbH, Oberst-Lepperdinger-Straße 11–15, A-5071 Wals bei Salzburg, FN 297115i, Landesgericht Salzburg, ATU63611700 Sitz der Redaktion Heinrich-Collin-Straße 1, A-1140 Wien Telefon +43 1 90221-28800 Fax +43 1 90221-28809 Kontakt redaktion@at.redbulletin.com Web www.redbulletin.com Erscheinungsweise The Red Bulletin erscheint monatlich in folgenden Ländern: in Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irland, Kuwait, Mexiko, Neuseeland, Österreich, der Schweiz, Südafrika und den USA. Leserbriefe bitte an leserbriefe@at.redbulletin.com

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Die Oscars

Danke, danke, danke

Lucky Loser

Michael DouGlas

Für seinen raffgierigen Gordon Gekko in „Wall Street“ bekam er 1988 einen Oscar – für seine Rolle als Liberace in „Behind the Candelabra“ (so der Ori­ginal­titel) nicht mal eine Chance. Der Film wurde in den USA nur im TV, nicht auf der großen Leinwand gezeigt. Michael Douglas wird es egal sein: Ein Macho, der einen schwulen Showpianisten so spielen kann, dass Matt Damons Küsse bei jedem Mann Eifersucht erregen, misst seinen ­Erfolg ohnehin nicht an kleinen ­goldenen Statuetten.

Martin Schoeller/August

Wir hätten ihm gleich zwei Oscars gegeben: als bester Hauptdarsteller und als beste Haupt­ darstellerin des Jahres.


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P i x e l -­ Helden … die sich einen Oscar als beste Nebendarsteller verdient hätten.

minion Einer von vielen. Talent für Chaos: unendlich. Konzentrationsfähigkeit: „einfach unverbesserlich“.

Der sprechende Esel „Shrek“ ohne ihn wäre wie die Welt ohne Eddie Murphy. Übrigens: „Sind wir schon da?“

D i e O S CAR S

Computer im Kino

Trau deinen Augen nicht Diese drei Filme revolutionierten, was wir gestern noch „Special Effects“ nannten.

Avata r James Cameron brachte 2009 den ersten Blockbuster der neuen 3-D-Generation in die Kinos. Noch nie davor waren real gedrehte und computeranimierte Szenen so perfekt vereint.

M at r i x 1999 gefror die Zeit – und man nannte sie „Bulle­t Time“. Mit 124 Kameras gefilmt, ließ sich die Action anhalten und aus allen Blickwinkeln betrachten. Ein Effekt, der das Kino prägte.

AAPimages/Allaccess/Maria Laura Antonelli, The Kobal Collection, imago(2), picturedesk.com(4), getty images(2), Corbis(3)

Der Oscar für den schönsten müden Blick geht an … Scarlett Johansson. In drei Filmen war sie Woody Allens Muse, zweimal „Sexiest ­Woman Alive“, und in „Her“ bringt sie Joaquin Phoenix allein mit ihrer Stimme dazu, sich in die Sprachsoftware seines Smartphones zu verlieben. Und jeder Mann, der ihren Blick sieht, will am liebsten mit ihr – einschlafen.

Ic h , b it t e ! Manche kriegen sie nachgeschmissen, andere warten ihr Leben lang. Wie würde Jack sagen: „Da möchte man töten!“ Muss er nicht.

the red bulletin

Buzz Lightyear So sehen Helden aus. Dem „Toy Story“-Hero folgen wir „bis zur Unendlichkeit und noch viel weiter“.

Pa c i f i c r i m In Guillermo del Toros Alien-Epos schlug die digitale Technik letzten Sommer mit ungeahnter visueller Wucht zu. Da gingen Kaju-Monster und Roboter voreinander in die Knie.

Übliche Verdächtige

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D i e O S CA RS

Oscar-Hits, die fast keiner gesehen hat

Grosse Kunst, kleine Kasse

Hollywood liebt seine Kassenschlager – und was noch keiner ist, wird es spätestens mit dem goldenen Männchen im Gepäck. Aber nicht immer! Diese vier Meisterwerke lockten nur die entschlossensten Aficionados in die Kinos.

Kathryn Bigelows fesselnder Kriegsfilm über Bombenentschärfer im Irak ist der am schwächsten besuchte ­Oscar-Gewinner aller Zeiten. Ein ­echter Rohrkrepierer.

Wa r u m k e i n Happ y e n d ? Jeremy Renner hätte am Ende einfach bei seiner Familie bleiben sollen.

Dann wär’s ein Knaller geworden. W e r f e h lt ?

George Clooney.

Und Sean Penn. Und Denzel Washington. Und Daniel Day-Lewis.

Prima geeignet für

Pyromanen und Silvesterterroristen.

A M O UR

Liebe vs. Tod

Mit dieser Paarung holte sich Michael Haneke letztes Jahr den Auslands-Oscar.

Wa r u m w i r g ä h n e n m ü s s e n ? Der Liebeskampf und Todeskrampf dauert. Zwei … Stunden … und … sieben … Minuten.

Nicht zu verwechseln mit

„Der Tod steht ihr gut“ mit Meryl Streep und Goldie Hawn.

W e r f e h lt ?

Brad Pitt

in seiner Rolle als Joe Black.

W e r i s t d e r wa h r e H e l d ? Jeder, der beim ersten Date in diesen Film geht.

Das muss wahre Liebe sein! 10



DE PA RTURES

Daigo ist Cellospieler. Und arbeitslos. Also wird er Leichenpräparator. Die haben immer was zu tun. Bekam 2008 den Auslands-Oscar.

Wa s f e h lt ?

THE A RTIST

„Bester Film“ 2012: Stummfilmstar verliebt sich in Tänzerin. Dann kommt der Tonfilm. Sie macht eine Leinwand-, er eine Alkoholikerkarriere.

W e r i s t d e r wa h r e H e l d ?

Ein effektives Arbeitsamt.

Prima geeignet für „Six Feet Under“-Aficionados mit

Entzugserscheinungen. B l e i b t i m G e d ä c h t n i s … … weil du mit deinen abgestorbenen Pobacken danach auch zum Leichenpräparator musst.

A lt e r n at i v e s E n d e

Bruce Lee

erwacht auf der Bambusmatte des Präparators zu neuem Leben.

Uggie, der Hund. Wa r u m w i r g ä h n e n m ü s s e n ?

Es ist ein verdammter Stummfilm! W e r f e h lt ?

Mr. Ton & Mrs. Farbe

the red bulletin

picturedesk.com(3), The Kobal Collection, Filmladen Filmverleih(2)

THE HURT L O C K ER


Your favourite artists share their personal playlists: Headphone Highlights on rbmaradio.com


Etalon Film/The Kobal Collection

D i e O S CA R S

Wir fordern: Oscars für Stunts

Hollywoods wahre Helden

Stuntmänner und -frauen riskieren für Kino-Action ihre Knochen – wie hier in „Fast & Furious 6“. Oscars gibt es keine. Dafür jährlich die Taurus World Stunt Awards.

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Sieht so aus, als spränge „Fast & Furious“-Star Tyrese Gibson von einem Auto zum anderen. Falsch. Es springt Mens-Sana Tamakloe, sein Stuntman.


D i e OSCARS

Filmgeschichte

Kult, aber unbelohnt Sie schenkten uns Momente für die Ewigkeit. Und blieben oscarlos. Wir ehren sie hier.

ALFRED HITCHCOCK, 1968: „Danke. Vielmals.“

i ’ll be bac k!

Dreieinhalb Worte genügten Arnie, um als TERMINATOR Filmgeschichte zu schreiben. Und was sprach die Academy? – Du bist gar nicht eingeladen.

Gwyneth paltrow, 1999: „Danke. Danke! Blablabla, danke! Blabla, danke blabla, blabla. Danke! Blabla! Bla. Blablabla, und danke bla. Danke, bla, blablabla, danke! Danke, blabla, und blabla danke bla. Blablabla, blabla, bla. Danke. Blabla, danke, blabla. Danke! Danke!“

Dankbare Stars

Kriegst du einen Oscar, verzichte bei deiner Dankesrede auf drei Dinge: Witz, Sponta­ neität und zu viel echte Emotion. Gwyneth Paltrow wurde nach ihrer tränen­ reichen Rede von 1999 ­(bedankte sich bei 24 Men­ schen) nie mehr nominiert. Auch Adrien Brody, der 2003 auf der Bühne Halle Berry einen wilden Zungen­ kuss aufgedrückt hatte, stand danach nicht mehr auf der Liste. Die längste Dankesrede lieferte übrigens Greer Garson 1943 ab. Sieben Minuten plau­ derte sie vor sich hin. Es blieb ihr einziger Oscar. 14



B r u ta l g u t

„Erste Regel: Du sprichst nicht über den FIGHT CLUB.“ Die Oscar-Jury gehorchte und überging Brad Pitt in seiner Kultrolle.

Voodoo-Getrommel „King of the Zombies“ (1941): Die Horror­ komödi­e war ein absolu­ ter Reinfall. Der oscar­ prämierte Soundtrack mit karibischen „Stam­ mesgesängen“ gilt aber bis heute als Blaupause für Horrorfilmmusik.

Bumm-Knirsch „The Social Network“ (2010): Wer Trent Rez­ nor von Nine Inch Nails um Filmmusik bittet, er­ wartet keine Schnulzen. Doch Regisseur David Fincher war überrascht, wie düster-geil die Elek­ tronik-Sounds gerieten. ryan inzana

Kommt zur Sache!

Filme mit komischen G e rä u s c h e n

Wenn Hüften töten könnten

Uma Thurman und John Travolta lieferten sich in PULP FICTION das beste Duell aller Tarantino-Filme. Sie ernteten ewigen Ruhm statt Oscars.

Gregorianische Choräle „Das Omen“ (1976): Wer Nägel hat, der kaue. Und wer Ohren hat, der friere. Bei Jerry Goldsmith’ „Ave Satani!“ wussten Millionen Kinozuschauer nicht mehr, ob sie sich die Augen oder die Ohren zuhalten sollen.

the red bulletin

picturedesk.com(2), getty images, THE KOBAL COLLECTION(2)

Zwe i Dan k e s r e de n i n volle r Läng e


„Rush“-Star Daniel Brühl

StudioCanal/Cinetext/Allstar

Geoff Berkshire

HARTE ZEITEN

„Wenn du die Chance hast, mit einem Genie wie Regisseur Ron Howard einen Film zu machen, beschwerst du dich normalerweise nicht. Selbst dann nicht, wenn du bei den Dreh­ arbeiten jeden Tag sieben Stunden in der Maske sitzen musst. Aber beim täglichen Blick auf die Dispo hab ich dann schon öfter durchgeschnauft: ‚Chris Hemsworth, erste Szene: Küsst eine Krankenschwester.‘ – ‚Chris Hemsworth, zweite Szene: Hat Sex mit Krankenschwester.‘ – ‚Daniel Brühl, erste Szene: Checkt Reifen.‘ Das waren harte Zeiten für mein Ego.“


D i e O S CA R S

Sinnlos sexy

Exotisch anziehend

Leder, Lendenschurz und viel nackte Haut: Inhaltlich zielten diese FantasykinoLadys ziemlich daneben, doch ihren eigentlichen Auftrag erfüllten sie umso atemberaubender – den Zuschauer zu verführen. Ob es dafür jemals einen Oscar geben wird?

Neytiri

Sie ist die ganze Zeit blau, doch mit Neytiri aus „Avata­r“ würde­n wir jederzeit ins Dschungelcamp gehe­n, um kleine Aliens zu machen. Baby blue!

Jessica Rabbit

C at w o m a n

„Catwoman“ mag ein veritable­r Flop gewesen sein. Aber Halle Berry mit Katzenmaske und Peitsche ist definitiv sexyer als ­Indiana Jones mit Schlapphut. Schnurrrr!

THE KOBAL COLLECTION(2), picturedesk.com

Gut, ihre Oberweite in „Falsche­s Spiel mit Roge­r Rabbit“ verdanken wir der Hand eines gnädigen Zeichners. Aber unsere Liebe zu ihr ist echt.


/redbulletin ST M U SI K E IS E N K U N R T R O SP AC T IO N

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Der BlockbUster-Guide

Labyrinth zum Erfolg

Wie schreibe ich einen Hollywood-Hit? Aristoteles wusste es schon vor knapp 2400 Jahren. Hier die Formel* für ein erfolgreiches Drehbuch.

1 Held im Alltag

2

3

Abenteuer klopft an

Held lehnt ab

4 Held trifft Mentor

5 Held nimmt Aufgabe an

6 Zeit für Action

7 9

8

Held findet den Schatz

Im Haus des Bösewichts

Kampf mit Bösewicht

12 Comeback und Party mit dem Schatz

11 tom mackinger

10 Zeit für den Heimweg

Scheinbarer Tod(eskampf) und Wiederauferstehung

* Quelle: „The Writer’s Journey: Mythic Structure for Writers“ von Christopher Vogler

18



the red bulletin


D i e O S CA R S

Marilyn Monroe

United Archives/picturedesk.com

Hollywoods verlorenes Genie Sie war schön, das sahen alle. Sie war klug, das wussten nur wenige. Und sie war eine großartige Schauspielerin – das wissen wir heute. Zeit ihrer Karriere auf die Rolle des blonden Dummchens festgelegt, kapierte niemand, dass sie dieses einfach famos und mit großer ­Geduld spielte. Wir fordern einen post­ humen Ehren-Oscar für die verkannteste Grande Dame ihres Fachs.


D i e O SCARS

Musiker als Schauspieler

STill fresh

Die besten Musikmovies aller Zeiten

Will Smith’ Umstieg vom Musik- ins Schauspielbiz war eine glorreiche Idee.

We n n Fa n t a s ie Re a l it ät w i rd … Meist inspiriert das Leben die Kunst. Manchmal ist es aber auch umgekehrt. Diese Filme lieferten fiktionale Blaupausen für moderne Technik, die Wirklichkeit geworden ist. Nur auf den Warp-Antrieb warten wir noch immer. Seufz.

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Wa l k t h e L i n e Tablettensucht. Gefängnis-Gigs. Die große Liebe. Das Leben von Johnny Cash. Perfekter Oscarstoff.

Searc h i ng for Sugar M a n Die Suche zweier Musikfans nach

ihrem verschollenen Idol Sixto Rodriguez. 2013 mit dem „Dokumentarfilm“-Oscar belohnt.

Biometrische P i s t o l e Im 007-Abenteuer

hove rb o a r d Die

„Skyfall“ bekommt James Bond von Q eine Smart Gun, die nur auf den Fingerabdruck ihres Herrn reagiert. EU und USA arbeiten schon daran.

Technologie für das schwebende Skateboard aus „Zurück in die Zukunft“ gibt’s bereits. Die reale Version soll – wie im Film – bis 2015 auf dem Markt sein. Mehr unter haltekindustries.com

ta b l e t In Stanley Kubricks Meilenstein „2001: Odyssee im Weltraum“ aus dem Jahr 1968 hatten die Astronauten bereits ein iPad. Heute ist es aus dem täglichen Leben nicht mehr weg­ zudenken. the red bulletin

sascha bierl

„ G e l d u n d E r folg ve rä n de r n e i n e n M e n s c h e n n ic h t . S ie ve rs t ä rk e n n u r, wa s b e re it s d a i s t .“ Will Smith

R ay Jamie Foxx macht einen auf R&BLegend­e Ray Charles und beweist verblüffendes Gesangstalent. Dafür gab’s einen Oscar.

Corbis, THE KOBAL COLLECTION(6)

1990 war Will Smith 22 – und pleite. Zwar hatte er schon zwei erfolgreiche Kaugummi-Rap-Alben als The Fresh Prince veröffentlicht, die Single ­„Parents Just Don’t Understand“ wurde sogar als allererster Hip-HopSong mit einem Grammy ausgezeichnet. Doch der Jungspund konnte mit seinem Geld nicht haushalten: Die Steuerbehörde forderte eine Nach­ zahlung von 2,8 Millionen Dollar. Was Smith gerettet hat? Seine erste Schauspielrolle – in der Sitcom „Der Prinz von Bel-Air“, einer der erfolgreichsten TV-Serien der neunziger Jahre. Musik macht Smith immer noch. Vor allem zum Spaß. Denn mit dem Finanzamt hat er heute keine Probleme mehr: Letztes Jahr war Smith mit 30 Millionen Dollar Einkommen der sechsterfolgreichste Schauspieler der Welt.


Die coolsten Cars der Filmgeschichte

Der Auto-Oscar Sie quietschen, fliegen, tauchen, schießen. Warum sollen sie keinen Oscar kriegen?

lotus

„Wet Nellie“ aus dem BondKlassiker „Der Spio­n, der mich liebte“ konnte zu Wasser und an Land. 2013 wurde das Lotus-Esprit-U-Boot um 651.000 Euro versteigert.

DeLorean

Oh du mein Kindheitstraum: ins Auto setzen, Gas geben und durch die Zeit reisen. Der DeLorean aus „Zurück in die Zukunf­t“ ist wohl das coolst­e Auto der Welt.

THE KOBAL COLLECTION(3)

B at m o b i l

Zehn Meter lang und mit JetTurbo 530 km/h schnell – im Film „Batman & Robin“. In Wahrheit aber kroch es durch die Studios. Aber hey, das ist großes Kino: pure Fiktion!


DIE 3 be ste n SPORTFILME

F u l ly F l a r e d ( 2 0 0 7 )

Street Skateboarding auf höchstem Niveau: Guy Mariano, Eric Koston und andere Legenden vor, Spike Jonze und Ty Evans hinter der Kamera. Zeitlupensequenzen zum Niederknien.

Be n di ng Colour s (2012)

Das Leben und Wellenreiten von Südafrikas Ausnahmetalent Jordy Smith – festgehalten in epischen Bildern an einigen der atemberaubendsten Surflocations der Welt.

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Blake Jorgenson/Red Bull Content Pool, AccuSoft Inc, Ryan Miller/Red Bull Content Pool

Extrem spannend, extrem gefährlich, extrem gut gefilmt – und bei den Oscars leider stets extrem unbelohnt.


D i e O S CA R S

W h e r e t h e T r a i l E n d s ( 2 0 1 3)

Eine Bande absurd talentierter Freeride-Mountainbiker riskiert alles, um dort zu riden, wo kein Mensch jemals zu FuĂ&#x; gehen wĂźrde.


d i e O S CAR S

danebengegriffen

Schlechte Filme, gute Mimen

Sorry, aber Sie haben da was. Da, in Ihrer Filmografie.

„ I c h f i n d e , d e r O s c a r kö n n t e Un t e rwä s c h e ve rt rage n . S t e h t s o n ac k t r u m m it s e i n e m g ro ße n S c hwe rt .“ Jared Leto

Koma*

Kainrath’s Award

Ti l d a Swinton

Sharon stone

George Clooney

„Female Perversions“ klingt Was? „Basic Instinct“ hatte „Die Rückkehr der Killer­ doch gut, dachte sich 1996 einen zweiten Teil? 2006 war tomaten“ (1987) gibt’s wirk­ die Arthouse-Ikone. Verziehen. kein gutes Jahr fürs Kino. lich. Leugnen ist zwecklos.

Monuments Men

Helden von morgen

Lasst uns mal ran

Drei Talente, die Filmgeschichte schreiben werden

Gravity g  elber

o  e Nir ert D

i

en Sp  Stev

 Rob

es

n Jon

a Dunc

Mit „Moon“ und „Source Code“ brachte er zwei der klügsten SciFi-Filme unserer Zeit in die Kinos. Was würde Duncan Jones erst mit einem Spielberg-Budget zaubern!

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etel E Chiw

jiofor

„Amistad“ war 1997 Chiwetel Ejiofors Durchbruch. Mit seiner Performance in „Twelve Years a Slave“ hievte er sich in die De-Niro-Liga. Zu Recht Top-Favorit auf den Oscar.

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 Hele

n Mirre

lligan

y Mu Care

Britischer Filmadel: Carey Mulligan glänzte zuletzt in „Der große Gatsby“ und ­„Inside Llewyn Davis“. Oscarpreisträgerin Helen Mirren hat eine Thronfolgerin.

Vom Winde verweht * KOMA: Kainrath’s Œuvres of modern art

the red bulletin

picturedesk.com(3), Corbis(5), The Kobal Collection(3), getty images(2)

dietmar kainrath

Talent allein rettet kein schlechtes Drehbuch. Hat der sechsfache Oscargewinner Billy Wilder gesagt. Seitdem ist es die beste Ausrede von Filmschauspielern in Geldnot.


Tierische Helden

roarrr!

Corbis, The Kobal Collection, getty images

Japans größte Eidechse zerstört ab Mai wieder Hochhäuser. Wir warten einstweilen noch immer auf den ersten nichtmenschlichen Oscarpreisträger. Unsere Nominierten.

G o d z i ll a

Der Jack Nicholson unter den Dinosauriern: stechender Blick, eiskaltes Grinsen, feuriges Temperament. Kommt im Mai in einer Neuverfilmung in die Kinos. Nr. 29 übrigens.

Lassie

Der weisse Hai

Da-dam. Da-dam! Der Christian Bale unter den Haien: bissiger Kollege, der gerne explodiert.

Wuff! Wuff! Der Brad Pitt unter den Hunden: schönes Haar, aber kein Oscar.


durchstarten!

Balazs Gardi/Red bull content pool

Nach dreieinhalb Jahren Pause hebt die schnellste MotorsportSerie der Welt wieder ab.

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Start in Abu Dhabi

Am 28. Februar geht’s los: Das erste Red Bull Air Race der Saison 2014 hebt in Abu Dhabi ab. Nächstes Rennen: Rovinj (Kroatien) im April.


„Ich liebe es. Ich bin ein Adrenalin-Junkie … Ich muss einfach wieder mit dabei sein!“ Ki r b y C h a m b l i s s


Getty Images/Red Bull Content Pool

Globaler Event

Rio de Janeiro war im Jahr 2007 die erste südamerikanische Stadt, in der ein Red Bull Air Race aus­ getragen wurde – die Serie wuchs enorm schnell zum globalen Event.

s ist ein typisch texanischer Charakterzug, unmissverständlich zu sagen, was man gerade denkt. Und Kirby Chambliss ist Texaner – so sehr, dass er die ­Sache mit der Unmissverständlichkeit sogar gegen das Krachen und Knarzen einer transatlantischen Telefonleitung behauptet. „Das bin einfach ich“, sagt der Red Bull Air RaceChampion von 2006, wenn man ihn fragt, was ihn dazu bewegt, in jene Serie zurückzukehren, die am 28. Februar und 1. März nach dreieinhalbjähriger Auszeit ihr Comeback feiert, „das ist es, was ich liebe. Das ist es, was ich tue.“ Dann atmet er ein wenig durch. „Zugegeben, das permanente Reisen um die ganze Welt, die ganze Logistik, das alles ist ein Albtraum. Und was die Sicherheit betrifft … nun ja, ich habe ein mittlerweile neunjähriges Kind – es war keine leichte Entscheidung. Aber ich will unbedingt ein Teil davon sein. Ich liebe es. Ich bin ein Adrenalin-Junkie … ich muss einfach wieder mit dabei sein.“ Wenige Tage später sprüht Chambliss’ WM-Gegner, der Brite Nigel Lamb, vor Begeisterung: „Ich habe fast dreißig Jahre lang mit Flugshows mein Geld ­verdient, aber das Red Bull Air Race ist die Krönung. Der Höhepunkt. Da wieder mitzumischen – das ist einfach genau das, was ich will, keine Frage!“ Den Piloten fiel die Entscheidung, ins Cockpit ­zurückzukehren, also leicht. Für die Leute im Hintergrund war die Sache ein wenig komplexer. Gegen Ende der Weltmeisterschaft 2010 hatte sich die mittlerweile globale Serie – nur sieben Jahre nach den ersten Rennen dieser neuen Sportart – in Dimensionen entwickelt, die nur noch schwer zu bewältigen waren. Während der Saison 2009 hatte durchschnittlich über eine halbe Million Fans die Rennen live ­verfolgt, die organisatorischen Anforderungen der 29


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ür die Rückkehr der Serie wählte man auch neue Locations. Anstatt sich wie zuletzt auf Stadtkurse zu konzentrieren, bietet der Red Bull Air Race-Kalender 2014 einen Mix aus Rennen über Land, über Wasser und – eine weitere Neuerung – über besonders geeignetem Gelände: Motorsport-Rennstrecken in den USA sind laut Wolf perfekte Schau­ plätze für die Serie. „Red Bull Air Race ist ein Motor­ sport. Und ich meine, der sollte auch dort stattfinden, wo Motor­ sport zu Hause ist. Das ist der eine Grund. Und der zweite ist: Wir müssen den Fans die bestmöglichen Bedingungen bieten. Sie sollen den gesamten Kurs überblicken können, die Versorgung mit Essen und Getränken soll gewährleistet sein, es

jörg mitter/red bull content pool(2), Daniel Grund/Red Bull content pool, Hamish Blair/Red Bull content pool

Serie hatten in jeder Hinsicht gigantische Ausmaße angenommen. Und nicht nur am Boden gab es Hand­ lungsbedarf: Vor allem hatte das technische Wett­ rüsten der Piloten und Teams die Flugzeuge an ihre Sicherheitsgrenzen gebracht. Als logistische Probleme zur Absage der beiden letzten WM-Rennen 2010 führten, wurde die Ent­ scheidung getroffen, die Serie vorläufig zu grounden. Gut dreieinhalb Jahre sind seither vergangen. Eine Zeitspanne, in der an Regeln, Formaten und am Sicher­ heitsthema gearbeitet wurde, wie der Geschäftsführer der Red Bull Air Race GmbH, Erich Wolf, erklärt. „Das wirkliche Business begann dann Anfang des Jahres 2013. Von da an galt es, Verträge mit den ­Veranstaltungsorten unter Dach und Fach zu bringen und den Sport wieder in Gang zu bringen“, sagt er. „Eine ­unserer Aufgaben war es etwa, das Red Bull Air Race neuen Piloten zugänglich zu machen. Wir haben ­daher unterhalb der ‚Super Licence‘-Klasse mit den zwölf Elite-Piloten eine weitere Pilotenklasse ­ein­geführt, die wir die ‚Challenger Class‘ nennen. Sie steht entsprechend qualifizierten Pilotinnen und Piloten weltweit offen. Außerdem haben wir das ­Regelwerk vereinfacht, damit alles für die Zuseher vor Ort und die Fans zu Hause vor den Bildschirmen leichter nachvollziehbar wird.“ Die Sicherheitsthematik von 2010 bekam man vor allem mit der Bestimmung einer Reihe von Standard­ bauteilen in den Griff. Damit schob man einem mög­ lichen Motoren-Wettrüsten einen Riegel vor. Als ­weitere Sicherheitsmaßnahme wurde die Höhe der Textil-Pylonen, mit denen der Kurs markiert wird, von 20 auf 25 Meter angehoben. Von außen betrachtet nur eine kleine Änderung, aber laut Sergio Pla, dem Head of Aviation des Red Bull Air Race, macht sie ­einen großen Unterschied: „Im Flugzeug bleibt nun deutlich mehr Zeit zu reagieren. Während eines Trai­ ningscamps konnten wir die neuen Pylonen testen. Die Piloten haben nun mehr Zeit und zusätzliche Höhe als Sicherheitspolster. Die neue Pylonenhöhe stellt einen dramatischen Unterschied dar.“

„Die Piloten gingen an ihre Grenzen und sogar darüber hinaus.“ Erich Wolf

Michael Goulian 30

Der Amerikaner (hier bei Startvorbereitungen bei einem Rennen der Saison 2007) freut sich „auf die Rückkehr in diese ganz besondere Herausforderung, das Red Bull Air Race“.


Paul Bonhomme

Der britische Pilot (hier 2007 beim Rennen im Monument Valley in Utah/ Arizona) kehrt als Titelverteidiger und einer der Top-Favoriten zurück.

Matthias Dolderer

Der Deutsche debütierte im Jahr 2009. Das Bild zeigt ihn 2010 in Rio de Janeiro. „Mich fasziniert die Kombination aus Präzision und Speed.“


soll ausreichend Parkmöglichkeiten geben. All das ist auf Rennstrecken vorhanden. Und es gibt außerdem Tribünen für mehr als 200.000 Zuschauer. Ameri­ kanische Motorsport-Rennstrecken sind also ideale Austragungs­orte für uns. Aber zum Reiz der Serie ­gehört natürlich ein entsprechender Mix an Schau­ plätzen, daher wird man uns natürlich auch weiter­ hin in Städten finden.“ Die Piloten sind von den Änderungen begeistert. Nigel Lamb etwa ist sich sicher, dass die neu einge­ führten standardisierten Motoren zu spannenderen Rennen führen werden. „Die Sache mit den Motoren ist großartig. Es war etwas, für das ich schon immer eingetreten bin“, sagt er. „Es ist in vielerlei Richtungen sinnvoll: aus sicher­ heitstechnischen Aspekten ebenso wie aus Kosten­ gründen. Dein Erfolg hängt nun nicht mehr direkt mit der Dicke deiner Geldbörse zusammen. Der Leis­ tungsunterschied zwischen dem Besten und dem Schlechtesten wird deutlich geringer ausfallen – und deshalb hat die Saison 2014 meiner Meinung nach das Potential, super spannend und rundum phantas­ tisch zu werden.“ Chambliss kann es kaum erwarten, den Gurt im Cockpit anzulegen. „Mein Ziel ist immer der Sieg“, sagt er, nach seinen Zielen befragt. „Ein paar Freunde von mir meinten, einfach nur dabei zu sein wäre doch auch nicht schlecht, ein bisschen cruisen, die Sache locker angehen. Klar, man soll es genießen, bei etwas so Großartigem dabei sein zu dürfen. Aber es ist vor allem ein Wettkampf der Besten. Und bei dem will ich mich behaupten. Deshalb werde ich das Flugzeug so nah an die Pylonen ran­fliegen, wie’s nur geht. Und ich werde dran tüfteln, was der schnellste Weg von einem Gate zum nächsten ist. Ich werde das tun, was ich immer getan habe: ver­suchen zu gewinnen.“ Die Flugzeuge so nah wie möglich ans Limit zu bringen sei auch das, worauf die Neuauflage des Red Bull Air Race abzielt – dieses Mal jedoch unter per­ fekten Rahmenbedingungen und an idealen Schau­ plätzen, wie Sergio Pla betont. „Das ist der aufregendste Motorsport, den es der­ zeit gibt“, sagt er. „Die schnellste Serie der Welt. Es wäre ein Fehler, sie zu verpassen.“

1

10 13 7

12

8

Informationen und Tickets: www.redbullairrace.com

Ebenfalls im Elitefeld der zwölf Top-Piloten: der Tscheche Martin Šonka

Erste Reihe Das ist die Perspektive der Piloten beim Steuern ihrer 300-PS-Geschosse durch dreidimensionale Kurven. Bei bis zu 10 G ­belastung. Womit lenken sie ihr Flugzeug?


4 2 3

6 7 15 9 11 14

markus kucera/red bull content pool, Cameron Spencer/red bull content pool

5

Flugzeuge verbrennen eine halbe Gallone Sprit pro ­Minute, das sind rund 1,9 Liter.

1 Fahrtmesser Zeigt die Geschwindigkeit des Flugzeugs im Verhältnis zur um­ gebenden Luft an (in Knoten).

4 Engine Analyser Zeichnet die Motordaten auf, die nach der Landung genauestens analysiert werden.

7 Pedale Am Boden dienen die Seitenruder­ pedale zum Lenken. In der Luft be­ tätigt man damit das Seitenruder.

2 Höhenmesser (Altimeter) Gibt die Flughöhe des Luftfahr­ zeugs (in Fuß) an, indem er den äußeren Luftdruck misst.

5 Fuel Pump Switch Dient zum Umschalten zwischen den drei Kraftstofftanks (Haupt­ tank, Tanks in rechter sowie in ­linker Tragfläche).

8 Propeller Control Zum Verstellen des Anstellwinkels der Propellerblätter.

3 EFIS (Elektronisches Fluginformationssystem) Der Pilot kann zwischen verschie­ denen Anzeigen wechseln. Außer­ dem sendet das EFIS der Rennlei­ tung Infos zu Speed und g-Werten.



12 Stick Links oder rechts drücken bringt das Flugzeug seitlich zum Rollen, nach vorne drücken senkt, nach hinten ziehen hebt die Nase. 13 Gashebel

9 funk

Verbindung zur Rennleitung. 6 G-Messer

Zeigt den aktuellen g-Wert an. Ab der neuen Saison gestattet das ­Reglement eine Maximalbelastung für die Piloten von 10 g.

11 Startknopf

10 Smoke On/Off Rauch macht die Flugroute für Pu­ blikum und Rennleitung sichtbar.

14 Transponder Übermittelt Infos zu Position und Höhe an den Tower. 15 Vertical Card Compass Zeigt den Steuerkurs an.

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Der könig lächelt Titelverteidiger Paul Bonhomme will vor allem SpaSS haben. Und seinen Ehrgeiz beherrschen. Zumindest ein bisschen.

sagte irgendwann: „Mach mit und mach deine Sache gut, aber lass dich nicht kom­ plett davon vereinnahmen.“ Dabei kommt mir in den Sinn, was Buzz Aldrin zu Neil Armstrong sagte, als sie die Feierlichkeiten anlässlich ihrer Mondlandung ansahen. Aldrin sagte: „Hey, Neil, sieht so aus, als hätten wir die ganze verdammte Sache verpasst.“ So denke ich heute über die ­damalige Meisterschaft. Ich war so damit beschäftigt, erfolgreich zu sein, dass ich das Gefühl habe, ich hätte die eigentliche Sache verpasst. Eines der Dinge, in denen ich mich verbessern will, ist die Fähigkeit, das komplette Rennen mit einem Lächeln zu absolvieren.

„Ich bin einer der schwereren Piloten. Wenn ich auf 82 Kilo runterhungern muss … puh!“ 34



Ist Ihnen im Moment nach Lächeln zumute? Nicht besonders. Sobald wir mal in Abu Dhabi sind (Saisonauftakt; Anm.), wird alles gut sein. Aber die Vorbereitungen sind nervenaufreibend, die Zeit bis dahin ist mindestens so aufreibend wie ein Rennen. Außerdem suche ich noch nach Wegen, wie ich bei den neuen Regeln einen Vor­ teil für mich finde. Bei der genormten ­Antriebsleistung spielt das Gewicht eine noch wichtigere Rolle – und das kommt mir nicht gerade entgegen. Ich bin einer der schwereren Piloten. Wenn ich auf 82 Kilo runterhungern muss … puh. Ich bin 1,86 Meter und … grobknochig! Was ist Ihr oberstes Ziel für die Saison? Keine Angst zu kriegen. Wer sich nicht fürchtet, macht weniger Fehler, dann sollte es ein einigermaßen sicheres Jahr werden … das ist jedenfalls das Wichtigste. Das Zweitwichtigste ist, zu gewinnen. Und ­natürlich, wie schon gesagt, die ganze ­Sache zu genießen. Ich meine, egal in welche Reihenfolge man diese drei Dinge bringt, so sollte es klappen … denke ich mir zumindest! the red bulletin

sascha bierl

Paul Bonhomme, zweifacher Red Bull Air Race-Champion: „Ich muss dran arbeiten, die Rennen mit einem Lächeln zu absolvieren.“

jörg mitter/red bull content pool(2), Ezra Shaw/red bull content pool

the red bulletin: Happy, wieder racen zu dürfen? paul bonhomme: Solange ich gewinne, auf jeden Fall. Zu meinen Kindern sage ich immer: „Hört mal, es geht nicht ums Dabeisein, es geht ums Gewinnen.“ Klingt vielleicht hart, aber für mich ist das der Grund, warum man bei einem Wettkampf mitmacht – weil man gewinnen möchte. Ich kann mir nicht vorstellen, ­eines Tages an einem Rennen teilzu­nehmen, zu wissen, dass ich Letzter werde, und Spaß daran zu haben. Da könnte ich auch einfach an ­einem freien Tag gemütlich fliegen gehen. Könnten Sie es als Titelverteidiger nun nicht etwas entspannter angehen? Ich muss gestehen, dass es Zeiten gab, in denen ich meinem Ehrgeiz ein wenig erlegen war. Mir ist zwar klar, dass du in einer Sache aufgehen musst, um gut drin zu sein. Aber mein Konkurrenzkampf mit Hannes (Arch; Anm.) war dann doch ziemlich hart. Und ich denke, wenn man ihn fragt, dann wird er wohl auch ein­ gestehen, dass diese unsere Duelle eine besondere Dynamik hatten. Fiel Ihnen die Entscheidung zurück­ zukehren leicht? Ich musste intensiv darüber nachdenken. Es hat eine Zeitlang gedauert, diese Ent­ scheidung zu treffen, weil sich mein Leben in den vergangenen Jahren grundlegend verändert hat. Ich habe drei kleine Kinder und einen älteren Stiefsohn – bei mir zu Hause sieht es also ganz anders aus als zu jener Zeit, in der ich mit dem Red Bull Air Race angefangen habe. Ich habe aller­ dings eine sehr verständnisvolle Frau. Sie


Himmelsstürmer Wie kann ein Sport, der von seinen Athleten jahrzehntelange Erfahrung verlangt, jungen Talenten eine ­Chance geben? Ganz einfach: Er gibt ihnen ihr eigenes Stück Himmel.

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s gibt nicht viele Sportarten, die sich dem Jugendkult widersetzen. Das Red Bull Air Race ist eine davon – und tut das wohl am konsequentesten: 45 Jahre beträgt das Durchschnittsalter der Stars in einem Sport, bei dessen Ausübung nichts so entscheidend ist wie Erfahrung. Wie macht ein solcher Sport Nachwuchsarbeit? Wie führt er Talente an die Spitze? Die Antwort ist ein neuer Bewerb: der Challenger Cup. Darin misst sich eine Auswahl jüngerer Piloten in eigens zur Verfügung gestellten Flugzeugen auf einem etwas entschärften Kurs. Geflogen wird nicht um den Sieg, sondern um die Superlizenz, die zum Aufstieg in die Hauptserie berechtigt. „Sie werden mit wesentlich weniger Druck fliegen als die Rennteams“, sagt Sergio Pla, Head of Aviation des Red Bull Air Race. „Vor dem ersten Rennen gibt es für ­jeden von ihnen mindestens zwei Trainingscamps. Das bedeutet zwei- bis dreimal mehr Zeit für Eingewöhnung und Training als für frühere Piloten. Das ist wichtig, weil wir beim Air Racing nur einen winzigen Sicherheitsspielraum haben. Deshalb brauchen wir Leute, die genau wissen, was sie tun.“ Sicherzustellen, dass die jungen Piloten die nötige Reife aufweisen, ist die Aufgabe von Psychologe und Red Bull Air Race Crew & Safety Manager Christian Czihak. „Du kannst ein erfahrener Jetpilot oder Kunstflugpilot sein, aber es ist etwas ganz anderes, weniger als 50 Meter über dem Boden einen Rennkurs entlangzufliegen“, sagt er. „Der Stress ist gewaltig. Und es geht nicht darum, wie viel Risiko du bereit bist einzugehen, sondern wie viel Risiko du beherrschst.“ Erich Wolf, Geschäftsführer der Red Bull Air Race GmbH, ist überzeugt, dass der neue Bewerb viel frischen Wind sowohl in das Teilnehmerfeld als auch die Rangliste bringen wird. „Ich bin mir sicher, dass die jungen ­Talente die arrivierten Piloten ziemlich bald herausfordern werden. 2015 werden wir ein paar neue Gesichter sehen.“ Die Saison 2014 des Red Bull Air Race hebt in Abu Dhabi ab und landet in China.

Hohe g-Belastung kann zum Tunnelblick oder gar zum Blackout führen.

Kraftprobe Es gibt eine ganz gute Möglichkeit, sich die körperlichen Anforderungen an den Piloten während eines Red Bull Air Race vorzustellen: Bankdrücken. Mit einem Klein­ wagen. Zwölf Wiederholungen in der Minute. Ab auf die Waage Während des Rennens sind die Piloten extremen Kräften ausgesetzt. In der Saison 2014 dürfen 10 g nicht überschritten werden – auch während der engsten Highspeed-Kurven darf auf den Körper des Piloten also nicht mehr als das Zehnfache seines eigenen Gewichts lasten. Bei einem 80 kg schweren Piloten drückt da bereits ein Kleinwagen auf den Brustkorb. „Es fühlt sich an, als würde man von einem Vorschlaghammer getroffen werden“, beschreibt es Titelverteidiger Paul Bonhomme. „Der Moment, in dem die g‑Kräfte einsetzen, ist der härteste. Man muss sich konzentrieren, um nicht das Bewusstsein zu verlieren. Bei anhaltender g-Belastung droht das Greyout.“

Im grauen Bereich Greyout tritt auf, wenn das Blut unter dem Einfluss hoher g-Kräfte in die unteren Extremitäten gepresst wird. Da das Gehirn dann nicht mehr mit ausreichend Sauerstoff versorgt wird, kommt es zur Einengung des Blickfeldes (Tunnelblick) sowie zu einer Eintrübung des farb­ lichen Sehens, einer Vorstufe zum Blackout. „Man kann dem entgegenwirken, indem man die Bauchmuskulatur anspannt“, sagt Pilot Nigel Lamb. „Dann fließt das Blut nicht mehr so schnell nach unten in die Beine.“ Anzugpflicht Die Piloten sind es zwar gewohnt, auf g-Belastung mit Muskelanspannungstechniken zu reagieren, doch der nun verpflichtende G-Race

Druckabfall

Hohe Niedrige g-Belastung g-Belastung

Über die gesamte Länge des ver­ pflichtenden G-Race Suit verlaufen flüssigkeitsgefüllte Schläuche, die unter g-Belastung den Körper zu­ sammendrücken. So wird das Blut langsamer in die Beine gepresst. Normaler Blutfluss

Suit unterstützt sie dabei. Der Anti-g-Anzug des deutschen Herstellers Autoflug reduziert die nötige Muskel­ anspannung durch den Piloten mit Hilfe von sogenannten „Fluid Muscles“, die mit Wasser gefüllt sind, und ­einem speziellen nichtdehn­ baren Stoffmix. „Der Anzug drückt Bauch und Beine ­zusammen“, erläutert Bonhomme. „Du musst nicht mehr die komplette Anspannung selbst aufbauen, der Anzug unterstützt dich und bringt dir einen Vorteil von rund 1,5 g. Das hilft sehr.“

Schnittansicht des Anzugs mit gefüllten Schläuchen

Erhöhter Blutfluss beim Absacken des Bluts in die Beine G-Kräfte

um die Welt Kurse über dem Arabischen Golf und dem Racecourse von Ascot bis hin zu zwei der ­berühmtesten Rennstrecken der USA: die Termine der Red Bull Air Race-Weltmeister­ schaft 2014.

G-Kräfte

1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8.

Abu Dhabi · VAE Rovinj · Kroatien Putrajaya · Malaysia Gdynia · Polen Ascot · grossbritannien Dallas/Fort Worth · USA Las Vegas · USA ort wird genannt · China

28. Febr./1. März 12./13. April 17./18. Mai 26./27. Juli 16./17. August 6./7. September 11./12. Oktober 1./2. November

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Die Flugzeug-Facts Aerodynamik

Da der Antrieb standardisiert wurde, müssen sich die Piloten nach anderen Möglichkeiten umsehen, ihre Konkurrenten zu überflügeln. Der erste Schritt dabei wird sein, die Aero­ dynamik des Flugzeugs zu optimieren.

Der Propeller

Für die Saison 2014 wurde der Propeller standardisiert: Alle Teams verwenden den „Claw“ vom US-Hersteller Hartzell ebenso wie den Kohlefaser-KompositPropellerspinner desselben Unternehmens.

MXS-R

Der Motor

Die MXS-R von MX Aircraft ist eine Weiterentwicklung der MXS für den Rennsport. Anders als bei vielen vergleichbaren Flugzeugen besteht ihr Rumpf nicht aus einer Stahlrahmenkonstruktion, sondern bietet ein aus Kohlefaser gefertigtes Monocoque. Vorteil: extrem geringes Gewicht bei großer Robustheit. Nachteil: Modifizierungen sind nur in einem weit ­geringeren Ausmaß möglich. Das nimmt man aber in Kauf, denn die große Stärke der MXS-R ist: Speed!

Technische Daten Hersteller: MX Aircraft, USA

Rollrate: 420°/sec

Länge: 6,51 m

Max. G: + – 12 g

Spannweite: 7,32 m

Motor: Lycoming AEIO-540-EXP (Tuner: Thunderbolt)

standard-Leergewicht: 571 kg Leistung: 300 PS Höchstgeschwindigkeit: 426 km/h

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Tragflächendesign: symmetrisch, Kohlefaser PROPELLER: Hartzell

Bereits in der Vergangenheit durften die Teams ausschließlich Motoren des US-Herstellers Lycoming verwenden – allerdings konnten sie externe TuningFirmen engagieren. In der Saison 2014 werden alle mit dem gleichen Motor fliegen: dem Lycoming Thunderbolt AEIO-540-EXP.

Datenanalyse

Ohne motorischen Vorteil werden die Piloten noch genauer darauf achten, was sie selbst tun können, um ihre Zeiten zu verbessern. Telemetrie-Systeme wie in der Formel 1 geben den Piloten Informationen, die ihnen helfen, ihren Flugstil auf der Jagd nach der Bestzeit zu optimieren.


Gleiche Chancen für alle: Jetzt wird der Titelkampf noch spannender

Abgassystem

Peter Clausen Film & TV

Das letzte Teil des Standardisierungs-Puzzles ist das Abgassystem. Es wird in Leichtbauweise vom USHersteller Sky Dynamics gefertigt und dem jeweiligen Flugzeugmodell jedes Piloten angepasst.

Die unablässige Jagd nach Leistungsvorsprüngen gehört zum Motorsport wie das Amen zum Gebet. So auch beim Red Bull Air Race. Die Strategie der Teams lautete im Wesentlichen: Leistung steigern, Gewicht reduzieren. Der Wunsch, einerseits aus dem Motor das Maximum rauszuholen und zugleich die Maschinen so leicht wie möglich zu machen, brachte die Serie allmählich auf einen nicht ganz unriskanten Weg: Die Teams liefen Gefahr, die Sicherheit und Funktionstüchtigkeit des Antriebs aufs Spiel zu setzen. Für die Saison 2014 wurden hier nun mit der Einführung standardisierter Motoren, Propeller und Abgassysteme gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle geschaffen. Ein Schritt, den Pilot Nigel Lamb ausdrücklich begrüßt: „Aus sicherheitstechnischen Aspekten ergibt das ebenso Sinn wie aus Kostengründen, dass man die Motoren nicht mehr individuell optimieren darf. Die Voraussetzungen sind jetzt auch fairer.“ Unterm Strich wird das Red Bull Air Race 2014 somit kein Wettrüsten mehr sein, sondern an die Piloten die Anforderung stellen, sich auf andere Weise den entscheidenden Vorteil zu verschaffen, der sie am Ende ganz oben auf dem Podest stehen lässt.

Zivko Edge 540 V2

Corvus CA-41 Racer

Der Favorit der meisten Piloten. Der Gitterrohrrumpf aus Stahl ist zwar schwerer als einer aus Verbundwerkstoff, doch laut Firmenchef Eric Zivko auch praktischer: „Im Falle einer Beschädigung kann man diese leichter beheben.“ Neben der neuen V3 wird auch die ältere V2 weiter verwendet.

Der Corvus Racer wurde von Corvus Aircraft und dem Institut für Luftfahrt der Technischen Universität Budapest in Zusammenarbeit mit dem P ­ iloten Péter Besenyei ent­wickelt, der den Corvus seit dem Red Bull Air Race in Windsor im Jahr 2010 fliegt.

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Sebastian Copeland

Der Eismann

Der britische Polar-Filmer durchquerte die Antarktis mit gebrochenen Rippen, erforschte Grönland per Kiteschirm und zählt Leonardo DiCaprio zu seinen Fans. Uns hat er seine Überlebenstricks verraten.

the red bulletin: Bei Ihrer GrönlandDurchquerung 2010 saßen Sie und Ihr Partner während eines Blizzards sieben Tage in Ihrem Zelt fest. Wie schafften Sie es, nicht durchzudrehen? sebastian copeland: Zu Beginn hielt mich das Adrenalin wach. Ich machte mir Sorgen, der Sturm könnte unser Zelt be­ schädigen. Später wurde das Einschlafen zum Problem. Der Wind rüttelte mit bis zu 130 Kilometern pro Stunde an den Zeltwänden. Ich fühlte mich, als würde ich in einer Jet-Turbine campieren. Worüber haben Sie sich mit Ihrem ­Expeditionspartner Eric McNair-Landry sieben Tage lang unterhalten? Die Wahrheit ist: Du unternimmst keine Polarexpedition, um Freunde fürs Leben zu finden. Du suchst dir einen Profi wie Eric, der die Mission mit großer Wahr­ scheinlichkeit durchziehen kann. Wir führten keine tiefgründigen Gespräche über unsere Jugend. Den Großteil des ­Tages verbrachten wir mit Nachdenken. Ab und zu spielten wir eine Partie Schach. Was ist die wichtigste mentale Eigenschaft, die man sich für eine Polar­ expedition antrainieren muss? Der Kopf ist fraglos wichtiger als der Kör­ per. Die physische Vorbereitung ist der leichte Teil: Du gehst ins Fitness-Studio und baust Kondition auf. Schwieriger ist der Umgang mit Schmerz: Teil meines Trainings war, mir eine 50-Kilo-Weste ­anzuziehen und zwei Stunden durch die Berge zu marschieren. Logischerweise bist du nach fünf Minuten völlig erschöpft. Aber da musst du durch, auch wenn’s weh tut. Wenn du bei so was schlappmachst, was willst du dann in der Antarktis? In Grönland haben Sie sich auf Skiern von einem Kiteschirm ziehen lassen und mit 595 Kilometern in 24 Stunden einen neuen Streckenrekord aufgestellt. Wann haben Sie dabei gegessen? 38



Morgens und abends kochten wir Menüs in Schmelzwasser. Man kann mittlerweile fast jedes Gericht in dehydrierter Form kaufen: Beef Bourguignon, Pasta Fettuc­ cine Alfredo – du brauchst viel Fett und Kohlenhydrate. Zwischen den Etappen aß ich Paranüsse. Die bieten das beste ­Gewicht-Kalorien-Verhältnis. Die Wahl des Proviants verlangt wissenschaftliche Sorgfalt. Jede Kalorie wird gezählt. In Ihren Foto- und Filmprojekten thema­ tisieren Sie die Gefahren des Klimawandels. Worin besteht die größte

„Du schläfst nicht gut, wenn der Wind mit 130 km/h an deiner Zeltwand rüttelt.“ Schwierigkeit, die Menschen für den Umweltschutz zu sensibilisieren? Wir werden immer mehr von den Konse­ quenzen unserer Handlungen isoliert: Stromrechnung, Müllabfuhr – alles lässt sich komfortabel mit einem Scheck lösen. Wenn du aber wochenlang in einem Zelt im Schnee lebst, fällt dir jede einzelne Konservendose auf. Du denkst dir: „Wer war der Idiot, der hier campiert hat?“

Wie haben Sie Leonardo DiCaprio dazu gebracht, das Vorwort für Ihr Fotobuch „Antarctica: The Global Warning“ zu schreiben? Ich arbeite in den USA für die Umwelt­ schutzorganisation Green Cross Internatio­ nal und habe mit Leo 2002 eine Initiative für den Earth Summit in Johannesburg vorbereitet. Danach kam er öfter zu mei­ nen Vorträgen. Ich halte Leo unter allen Prominenten für einen der engagiertesten Umweltschützer. Was dieser Mann sagt, können Sie ihm glauben. Sie haben sich 2011 gleich zu Beginn Ihrer Antarktis-Expedition zwei Rippen gebrochen. Wie konnten Sie die rest­ lichen 75 Tage durchhalten? Ich bin während eines Kiteschirm-Manö­ vers auf sogenannte Sastrugi gestürzt, vom Wind geschliffene Eisformationen. Ironischerweise hatte ich wenige Tage ­zuvor einen befreundeten Abenteurer in Kapstadt zum Abendessen getroffen. Er erzählte mir, wie er sich einmal während einer Expedition eine Rippe gebrochen hatte. Ich fragte: „Was hast du gemacht?“ Er antwortete: „Painkiller geschluckt und weitermarschiert.“ Diesen Rat habe ich dann nach meinem Unfall befolgt – weil ich wusste, dass auch er es mit gebroche­ ner Rippe geschafft hatte. Welche Erkenntnisse nehmen Sie aus Ihren Expeditionen mit in den Alltag? Erstens: Probleme verschwinden nicht durch Jammern. Zweitens: Lerne Beschei­ denheit. Expeditionen erfordern ein star­ kes Ego – aber es gibt nichts Effizienteres als das Ausgesetztsein in einer Eiswüste, um dich Bescheidenheit zu lehren. Du steigst aus dem Flugzeug, setzt deinen Fuß aufs Eis und weißt: Jetzt liegen vier­ tausend Kilometer Strecke vor dir. Sebastian bei „Sport & Talk aus dem Hangar-7“, am 3. 3. um 21.15 Uhr bei ServusTV; „Höllentour auf dem Eis“ – die Doku, am 5. 3. um 21.15 Uhr the red bulletin

Sebastian Copeland

Interview: Andreas Rottenschlager


Umweltaktivist ­Sebastian Copeland 2009 auf dem Weg zum Nordpol: „Jammern hilft nicht!“

Name Sebastian Copeland Geburtsdatum/-ort 3. April 1964, Paris Beruf Fotograf, Dokumentarfilmer und Umweltschützer Filme „Into the Cold: A Journey of the Soul“ (2010) über seinen 600-KilometerFußmarsch zum Nordpol; „Höllentour auf dem Eis“ (2013) über die Durch­ querung Grönlands (2300 Kilometer) per Kiteschirm Promi-Status Copeland ist der Cousin von Orlando Bloom und war von 1990 bis 1992 mit Brigitte Nielsen verheiratet.


„Ich kann auf Adrenalin surfen, wissen Sie“ Ni c o l as C a g e i m G es p r ä c h ü b e r W ut, S c h m e r z e n , B u r g e n , S c h lö s s e r u n d was w i r k li c h zä h lt i m Le b e n . Te x t: R ü d i g e r Stu r m   I llu str ati o n e n : P e te r Str a i n 40


WeiĂ&#x;e Haie, Giftschlangen, Lisa Marie Presley, High Speed und Alligatoren: die Welt des Nicolas Cage


„Setze dich genau der Sache aus, vor der du dich fürchtest, und sie verliert ihre Macht über dich“, empfiehlt Nicolas Cage.


r war Superheld und Soldat, Alkoholiker und Autodieb. Und all das immer mit dieser manischen Energie, die ihm den Oscar ebenso einbrachte wie arge Verrisse. Kaum ein anderer Hollywood-Star wird zugleich so verachtet und so verehrt wie Nicolas Cage, der Mann, der mit der Tochter von Elvis Presley verheiratet war und seinen zweiten Sohn nach einer Comic­ figur nannte. Der richtig viel Geld hatte und fast noch mehr verlor. Seit Januar ist Nicolas Cage fünfzig und erfindet sich soeben als Schauspieler neu. Kein schlechter Zeitpunkt also für ein etwas grundsätzlicher angelegtes Gespräch.

the red bulletin: Mister Cage, sehnen Sie sich nach dem Tod? nicolas cage: Ich habe es nicht besonders eilig ­abzutreten. Aber der Tod ist ein wichtiges Thema. Und es ist klug, sich gelegentlich darüber Gedanken zu machen. Denn nur so hat man eine Chance, seine Angst vor dem Tod in den Griff zu bekommen. Und? Und was? Na, die Angst in den Griff gekriegt? Ist noch work in progress, sagen wir so. Aber was ­sollte diese erste Frage mit der Sehnsucht nach dem Tod eigentlich? Beim Dreh zu Ihrem jüngsten Film „Joe“ haben Sie angeblich eine Wassermokassinotter in die Hand genommen. Deren Gift kann tödlich sein. Das hatte nichts mit Todessehnsucht oder derlei zu tun. Ich entspanne mich so. Ich möchte Sie ja nicht belehren, aber es gibt da auch andere Methoden. Bei meinen Actionfilmen habe ich herausgefunden, dass mich Stunts entspannen. Eine Autoverfolgungsjagd bei 160 km/h, entgegenkommenden Autos ausweichen, versuchen, nicht in die Mauer zu krachen – besser als jede Meditation. Ich funktioniere in ­solchen Dingen vielleicht ein wenig ungewöhnlich, das mag sein. Ich werde zum Beispiel auch immer entspannter, je mehr Kaffee ich trinke. Und wenn Kaffee nicht mehr reicht, genehmigen Sie sich ein wenig Schlangengift? the red bulletin

Hahaha, nein. An dem bewussten Drehtag stand bei „Joe“ eine sehr komplizierte Szene auf dem Programm, und irgendwie war mein Adrenalin-Level nicht hoch genug. Ich war nicht so konzentriert, wie ich sein wollte. Da hatte ich die Idee mit der Schlange und fragte Regisseur David Gordon Green, ob er ­etwas dagegen hätte. Er meinte: „Versprich mir nur, dass du nicht stirbst. Sonst stehe ich da wie ein kompletter Idiot.“ Ich versprach ihm, nicht zu sterben, nahm die Schlange … und bang – es funktionierte, das Adrenalin schoss mir ein. Ich kann auf Adrenalin surfen, wissen Sie, das ist meine Art, Nervosität unter Kontrolle zu kriegen. War da keine Angst dabei? Oh doch, immer, Angst muss ja sein. Ohne Angst wäre das alles sinnlos. Es geht darum, seiner eigenen Angst ins Auge zu sehen. Dadurch kannst du sie überwinden. Es ist im Prinzip ganz simpel: Setz dich ­genau der Sache aus, vor der du dich fürchtest, und sie verliert ihre Macht über dich. Jetzt haben Sie mir aber Appetit gemacht auf ein paar Geschichten über Ängste, die Sie gebrochen haben! Vor ein paar Jahren ging ich in einem Käfig vor der südafrikanischen Küste tauchen. Ich wollte einem Weißen Hai begegnen, das war eine meiner Urängste schlechthin. Und es wurde eine unglaubliche Erfahrung. Dieser gewaltige Hai, vielleicht einen oder zwei Meter vor mir, starrte mich mit diesen schwarzen, ­irgendwie leeren Augen an, und auf einmal spürte ich auf eine sehr beruhigende, wunderschöne Art eine Verbindung zwischen uns. Ein Moment völliger Harmonie, groß­artig. Klingt verrückt, nicht? Solange Sie mir jetzt nicht erzählen, dass Sie als Nächstes Ihre Angst therapierten und einen ­Weißen Hai küssten … Hahaha … eine Story hab ich noch: Einmal fuhr ich in die Sümpfe von New Orleans, wo ich früher gelebt hatte. Da gab es einen 400-Kilo-Alligator. Als wir ihn fanden, schaute er mich von unter der Wasserober­ fläche her an und sah dabei aus wie ein Dinosaurier. Und Sie sprangen aus dem Boot und schwammen mit dem Alligator um die Wette? Nein. Ich habe ihn mit Marshmallows gefüttert. Vom Boot aus. Alligatoren mögen Marshmallows! Wenn man Ihnen so zuhört, könnte man auf die Idee kommen, Sie haben Ihren Beruf verfehlt. ­Naturforscher, Abenteurer, Solo-Weltumsegler: Wäre das nicht eher was für Sie gewesen? Da liegen Sie gar nicht so falsch. Als ich sechzehn war, beschloss ich zwei Dinge: erstens, das mit der Schauspielerei wirklich ernsthaft zu versuchen. Und zweitens, dass ich Fischer werde oder zur Handelsmarine gehe, wenn’s doch nicht funktioniert. Das Meer ist meine große Liebe. In der Nähe von Wasser überkommt mich eine unbeschreibliche Ruhe, die ist mit keinem anderen Gefühl vergleichbar. Was hat Sie an der Schauspielerei so gereizt, dass sie Plan A wurde? Sie ist ein perfektes Ventil. Und ich brauchte ein Ventil für all die Energie, die in mir steckte, und zu Beginn vor allem für die Wut. Ich war als Kind bis oben voll mit Wut. Ich bin sicher, ohne die Schauspielerei hätte ich schlimme Fehler gemacht in meinem Leben. 43


fühlte ich mich wie zu Hause angekommen. Woher kam denn all diese Wut? Wenn Sie so wollen: Ja, man kann’s wohl verIch schaffte es nicht, zu anderen gleichen mit dem Holzburg-Gefühl meiner ­Leuten Kontakt aufzubauen. Ich war Kindheit. ein Außenseiter, keine Freunde, in der Wie weh tat es, das Schloss verkaufen zu Schule unbeliebt. Das tat weh. Sogar Oscar OscarEhen Kinder Nominiemüssen? Sie hatten eine Zeitlang beträchtmein Vater sagte einmal zu mir, ich rungen liche finanzielle Troubles. sei ein Alien. Das saß so tief drin, dass Ach, halb so schlimm, in meiner Erinnerung ich richtig verblüfft war, als mir ein ist das Schloss ja immer noch da. So wie die Arzt sagte, dass ich normale Organe Holzburg. Und, hey, wir reden hier darüber, und ein normales Skelett habe. So dass ein Mann ein Schloss verkaufen musste. ­eigenartig das jetzt klingen mag: Wenn ich jetzt sage, das war schlimm, was Mein Leben war damals nicht allzu sollen dann Leute sagen, die echte Probleme angenehm. Aber zugleich wusste ich, haben? Wie zynisch wäre denn das? Es war dass da noch etwas auf mich wartete, Positive Rezensionen für seinen Film „Red einfach so, dass ich mir das Schloss nicht etwas, das meinem ganzen Dasein Rock West“ (1993) mehr leisten konnte. Ich hatte damals relativ ­einen Sinn geben würde. viel Kohle, aber kein Vertrauen in die Banken. Und das ist die Schauspielerei? Positive Rezensionen Also investierte ich in Immobilien. Dann beMit heutigem Stand würde ich antfür seinen Film wegte sich der Markt in die falsche Richtung worten: ja. „Deadfall“ (1993) … shit happens. Letztlich geschieht ohnehin Und Sie sind beim Spielen all alles aus einem bestimmten Grund. das losgeworden, Ihre Wut, Ihre A ltersunterschied Und zwar? Schmerzen? z w ischen ihm und Ich lebe jetzt anders als früher. Nennen wir Ich bin kein grundsätzlich wütender seiner je tzigen es: offener. Nicht mehr versteckt auf einer Mensch. Die Wut kochte nur in PhaF r au A l ice K im in ja hr en: Yacht oder einem Privatjet oder hinter den sen hoch. Ich weiß, dass das Leben Mauern eines Schlossparks. Ich habe mittlerohne Aggressionen leichter ist. Ich Kaufpreis für einen von Cage weile ­jeden Tag auf ganz normale Art mit mag ­diesen Planeten, ich mag es, hier ersteigerten Dinosaurierschädel: ganz ­normalen Menschen zu tun. Das tut zu leben, ich bin verrückt nach meirichtig gut. ner Familie. Am liebsten würde ich Auch bei der Auswahl Ihrer Filme scheinen den ganzen Tag zu Hause mit meinem Sie die Weichen neu gestellt zu haben. achtjährigen Sohn spielen. „Joe“ ist weit entfernt von Ihren bizarren Wie entdeckten Sie, dass die SchauActionspektakeln der letzten Jahre. spielerei, dass das Showbusiness Steuerschulden 2010: Da haben Sie recht, ja. Man könnte sagen: Ich dieses gesuchte Ventil sein könnte? erfinde mich als Schauspieler neu. Ich kehre Ich vermute, das hat mit meinem zu meinen Wurzeln zurück, das heißt zu den ­Vater zu tun. Er war echt gut darin, dramatischen Charakteren in unabhängigen meine Phantasie anzuregen. Zum BeiProduktionen. spiel musste ich klassische Romane G e s a m t g a g e v o n 19 9 6 b i s 2 0 1 1: Was sagen Sie, wenn ich behaupte: Eine lesen und ein Kapitel dazuschreiben Zeitlang waren Sie der König der B-Movies. – Huxleys „Schöne neue Welt“, Hesses Dass ich das nicht so sehe. Diese Actionfilme „Siddhartha“, „Moby-Dick“. Dad baute kamen einfach daher, weil die Leute sagten: mir auch eine Holzburg in den Garten. „Du bist kein Actionheld, vergiss es.“ Ich Das war meine Schutzblase, mein Google-Einträge Einkäufe zwischen ­glaube, ich konnte das Gegenteil beweisen. Reich. Dort verbrachte ich die meiste (Stand: 12/2013) 2 0 0 0 u n d 2 0 0 7: Da wurde ein dramatischer Schauspieler zu Zeit, dort konnte ich in alle möglichen • 15 Wohnsitze einem Actionhelden. Und nun ist die Zeit Charaktere schlüpfen. Das war der • 1 Gulfstream-Privatjet für 30 Millionen $ ­gekommen, wieder heimzukehren. That’s it. Anfang meiner Schauspielerei. • S ammlung von 400 Das Adrenalin wird Ihnen fehlen, nicht? Wer Ihre Biografie ein wenig kennt, alten Comics im Wert Normalerweise brauche ich das nur, wenn ich weiß um das schwierige Verhältnis von 1,6 Millionen $ drehe. Aber ich finde Motorräder aufregend. zu Ihrem Vater. • 4 Luxusjachten, die Millionen teuerste um 20 Mio.  $ Und ich habe noch einen Traum im Leben: In seinen letzten Jahren kamen wir Drachenfliegen. uns wieder nahe. Sein Herzinfarkt Was, verzeihen Sie, nicht nach dem „Wow, 2008 hat mich tief getroffen. Ich bin unglaublich/unerfüllbar!“-Lebenstraum eines Hollywood-Stars klingt. dankbar für die Zeit, die uns gemeinsam noch blieb. Teil meines Jobs sind Verträge, in denen steht, dass ich Dinge wie DrachenWie viel von der Holzburg Ihrer Kindheit steckte fliegen nicht tun darf. Aber lassen Sie mich von meinem Traum erzählen. denn später in dem Schloss, das Sie in DeutschIch bin sicher, Drachenfliegen ist der ultimative Weg, mit der Natur eins zu land kauften? werden. Du verschmutzt die Umwelt nicht. Du bist frei wie ein Adler. Du Wenn ich an das Schloss denke, dann ist es vor allernst, Luft zu begreifen. Ich werde also, und das können Sie mir glauben, lem der Moment, in dem ich es zum ersten Mal sah. eines T ­ ages in die Alpen gehen, in eine dieser Schulen, die dir garantieren, Es war ein Wintertag, ich fuhr mit dem Auto durch dass du in zwei Wochen den Flugschein hast. Dann werde ich mich mit den ­einen verschneiten Wald, im Radio lief Wagners außer­gewöhnlichsten Leuten anfreunden. Mit Leuten, die du einfach an­ „Parsifal“, und als ich aus dem Wald rausfuhr, rufen kannst: „Hey, fliegst du heute?“ – „Klar. Lass uns loslegen.“ Dann werde schien draußen die Sonne, der Schnee glitzerte, ich in der Früh losziehen und abheben. Nur mit meinen eigenen Flügeln. und da war dieses Schloss … In diesem Moment

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david lama/red bull content pool

David Lama war der erste Kletterer, der den Cerro Torre im freien Stil bezwang. Die Experten hatten ihm „nicht den Hauch einer Chance“ gegeben.


Goliath aus Granit Sehnsuchtsort aller Extrembergsteiger: das Cerro-TorreMassiv im Süden Patagoniens zwischen Argentinien und Chile

Drei Sommer lang kämpfte David Lama mit einem Gipfel, der für viele der schönste und schwerste der Welt ist. Ein Filmteam hielt jeden Schritt ­seines Cerro-Torre-Abenteuers fest. Jetzt kommt die schwindelfreie Doku in die Kinos. Text: Alex Lisetz


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or zwei Jahren bezwang der Tiroler David Lama als erster Freikletterer den Cerro Torre – einen von Mythen umrankten Granitpfeiler im Grenz­ gebiet zwischen Chile und Argentinien. Für seinen Aufstieg benutzte Lama ausschließlich die (spärlich vorhandenen) natürlichen Felsstrukturen. Seil und Haken dienten lediglich seiner Sicherheit im Fall eines Sturzes. Für die Klet­ terei brauchte er 24 Stun­ den, für den Anlauf drei patagonische Sommer. So lange dauerte das Warten auf ein geeignetes Wetter­ fenster, die Erkundung der Verhältnisse – und seine Reifung vom Sportkletterer zum Alpinisten.

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Seit 21. Januar 2012 gibt es auf der Welt einen einzigen Menschen, der weiß, wie es sich anfühlt, den Cerro Torre über dessen Südostflanke im Freikletterstil bestiegen zu haben: David Lama. Ab 13. März 2014 werden es ein paar hunderttausend sein. Denn Thomy Dirnhofers Dokumentation­ „Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“ vermittelt David Lamas einzigartige Erfahrung so, als wäre man selbst mit in der Wand gehangen: ehrlich, ungeschönt, selbstkritisch. „Wir zeigen eine wahre Geschichte“, sagt der Tiroler, „keinen Actionporno.“ Am Ende des Films spürt der Zuseher die Frostbeulen, die aufgerissenen Fingerkuppen, die schmerzenden Muskeln. Aber auch die Erleichterung eines Gipfelsiegs, an den außer Lama selbst keiner glauben wollte. David Lama pflegt eine Tradition der ­Außergewöhnlichkeit: Mit zehn Jahren war er der Jüngste, der je eine 8a-Route kletterte. Mit 16 der jüngste Weltcupsieger aller Zeiten. Mit 18 beschloss er, den Cerro Torre als Erster ohne künstliche Hilfsmittel zu erklettern. „Du hast nicht den Hauch einer Chance“, sagten die Experten. Mit 19 fuhr er nach Patagonien, um das Abenteuer Cerro Torre in Angriff zu nehmen. Ein Filmteam begleitete ihn dabei. Man rechnete mit sechs Wochen Dreharbeiten. Es sollten drei Jahre werden. Woran denkst du, wenn du an den Cerro Torre denkst, David? „An die Vorfreude und an die Selbstzweifel“, sagt er, „an die täglichen Telefonate mit dem Wetterdienst. An meinen

„Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“ lässt den Zuschauer ganz nahe an seine Protagonisten – und zeigt David Lamas Geschichte eines alpinistischen Grenzganges so ­lebensnah wie kein Kletterfilm zuvor.


ken robinson/red bull content pool



zerbrochenen Helm, der mich vor einem herabstürzenden Eisblock gerettet hatte. Und an die ersten Filmsekunden, die mir unser Regisseur gezeigt hat. Ich dachte mir, ich habe noch nie so geniale Kletter­ bilder gesehen. Und dann erst hab ich begriffen, dass ich selbst der Typ auf den Bildern bin.“ Dass der Zuseher Lamas Hoffnungen, Enttäuschungen und Strapazen im Film so hautnah miterlebt, liegt nicht nur an der Lumix-GH3-Kamera, die er und sein Kletterpartner Peter Ortner in der Wand eigenhändig führten; nicht nur an den 3D Motion Graphics, welche die Dimensionen der Wand einschüchternd lebensnah vermitteln; oder an den extrem spektakulären Cineflex-Aufnahmen aus dem Hubschrauber, den ersten, die je in Patagonien gedreht wurden. „Es liegt auch daran, dass wir“, so Lama, „keinen Kameramann und keinen Hubschrauber, keinen Zweifel und keinen Irrweg herausretuschiert haben.“

Mythen und Skandale

Der Cerro Torre ist der Königsgipfel Südamerikas. Aber nicht nur das. Spiegelglatte Wände, permanentes Schlechtwetter, unzugängliche Lage: Sehr viel schwerer als der Cerro Torre kann es ein Berg den Bergsteigern nicht machen. Erstbesteiger Cesare Maestri meisterte die Schwierigkeiten zunächst mit Phantasie (die Berichte seiner Erst­ besteigung aus dem Jahr 1959 dürften ein Schwindel gewesen sein), dann mit brachialer Gewalt: 1970 schleppte der Italiener einen 70 Kilogramm schweren Kompressor auf den Berg, betrieb damit eine Bohrmaschine und fixierte Haken um Haken in die Wand, um sich daran hochzuziehen. Fürs Freiklettern sei „das Gestein zu porös“, urteilte sogar Extrem­ kletterer Alex Huber, der das Projekt nach einem Versuch wieder ad acta legte.

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Darum schwenkt die Kamera auch nicht weg, wenn sich Lama einer Kontro­ verse stellen muss, die ihn zwingt, sich und seine Grundsätze neu zu definieren. Im ersten von drei Sommern setzte das Filmteam dreißig neue Bohrhaken, um die Sicherheit der Kameraleute zu gewähr­ leisten. Die Kletter-Community schrie auf: Neue Bohrhaken! Am Cerro Torre! Lama versuchte zu erklären: Die Haken sind fürs Filmteam, er selbst klettert natürlich völlig frei. Umsonst. So umsonst, dass eine komplette Planänderung nötig wurde. „Mir wurde klar, ich würde von nun an auch an den Taten des Filmteams gemes­ sen werden. Das bedeutete: Das Filmteam musste von jetzt an ohne zusätzliche, neue Bohrhaken auskommen. Sondern nur mit den alten, die seit vierzig Jahren in der Wand sind.“ Von nun an beobachtet die Kletter-Com­ munity jeden von Lamas Schritten noch kritischer. Doch das hat auch etwas Gutes. „Die Kritik zwang mich, als Kletterer zu reifen. Mich damit auseinanderzusetzen, was mir wichtig ist und was nicht. Mir wurde klar, was ich von Anfang an gefühlt, doch nicht ausreichend klar definiert hatte: dass ich es mir selbst schuldig bin, den schönsten und saubersten Stil zu wählen und keine Kompromisse zuzulassen.“ 50



„Mir wurde klar, dass ich mir selbst schuldig bin, den schönsten, saubersten stil zu wählen. keine kompromisse zuzulassen.“ In David Lamas drittem PatagonienSommer klart endlich das erste brauch­ bare Wetterfenster. Doch ein paar Tage vor dem geplanten Starttermin muss noch einmal alles neu überdacht werden. Eine kanadisch-amerikanische Seilschaft hat die vierzig Jahre alten Bohrhaken heraus­ geschlagen – sie waren für die Filmcrew die einzige Chance, in der „Headwall“, der Schlüsselstelle der Wand, mit Lama und Ortner mitzuhalten. Nun gab es zwei Alternativen. Die eine: Das Kamerateam steigt gemeinsam mit Lama und Ortner bis zum Beginn der

Headwall auf – dann wäre zwar nicht der spektakulärste, aber wenigstens ein Teil des Aufstiegs solide dokumentiert. Die ­andere: Das Team setzt alles auf eine Karte, erklettert den Berg über seine vereiste Rückseite, die „Ferrari-Route“ – und hat am Ende im besten Fall atemberaubende und im schlechtesten Fall gar keine Bilder. „Was glaubst“, sagt David Lama, „für wel­ che Variante wir uns entschieden haben?“ Die atemberaubenden Gipfelbilder sind Antwort genug. Als sich am Gipfel alle in den Armen liegen und Davids freie Erst­ besteigung feiern, legt Peter Ortner einen splitternackten Triumphtanz aufs eisige Parkett, und im Hintergrund geht über dem Fitz Roy eine Postkartensonne unter. „Das ist für mich die lässigste Szene im ganzen Film“, sagt David Lama. Er hat sie sich zweimal angeschaut, dreimal, viele Male. Bis die Sehnsucht zu groß wurde. Dann löste er ein Ticket und flog ­gemeinsam mit Peter Ortner im Januar­ 2014 zurück nach Patagonien. Die Neben­ kette des Cerro Torre rief, die Fitz-RoyTraverse. www.david-lama.com www.cerrotorre-movie.com

Das Buch: In „Free“ erzählt Lama seine Cerro-TorreStory.

Ab März im Kino: Die Red Bull Media House-­ Produktion „Cerro Torre – Nicht den Hauch einer Chance“ dokumentiert David Lamas Abenteuer von  den Vorbereitungen bis zum Gipfelsieg. the red bulletin

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Links: Südostkante des Cerro Torre. Die Schlüsselstelle wartet ganz am Schluss. Rechts: Lama mit Kletterpartner Peter Ortner, der bis auf wenige Passagen ebenfalls frei kletterte.


Left Boy

Wahnsinns-Gene Kiffende Piraten und Omas Tanz mit Fröschen bescherten Left Boy 160.000 Fans. Nun beginnt er seine Karriere.

Vor zwei Jahren stellte Ferdinand Sarnitz das Musikvideo „Jack Sparrow“ auf YouTube. Ein elektronischer Hip-Hop-Track, in dem er als Left Boy in knallbuntem Outfit übers Kiffen und über Chefpiraten rappt. Der Clip hält mittlerweile bei fünf Millionen Klicks, Left Boy selbst bei 160.000 Fans. Kein schlechter Karrierestart, bedenkt man, dass das Debütalbum des Fünfundzwanzigjährigen erst dieser Tage erscheint. Seinen Ruhm baute sich der in New York lebende Wiener im Internet auf. Mit selbstproduzierten Songs und heimgefertigten Videos. Ganz ohne die Hilfe seines Vaters André Heller, einmal abgesehen von drei richtig guten Tipps, wie Left Boy beim Gespräch im Büro ­seiner Plattenfirma in Hamburg verrät. the red bulletin: Du hängst im stylischen Büro deiner Plattenfirma ab und bekommst Kaffee serviert. Draußen stehen die Journalisten Schlange … left boy: So ist es eben, das Leben als Left Boy (lacht). Sieht nach richtiger Karriere aus, das alles, nicht? Nun, die meiste Zeit sitze ich in meinem Zimmer und bastle am Computer an Beats. Aber Interviews zu geben macht natürlich Spaß. Und das alles hast du dir wirklich nur über Facebook aufgebaut? Facebook ist meine Basis. Weil ich dort am unmittelbarsten mit meinen Fans kommunizieren kann. Anfangs rief ich auf meiner Wall zu Aktionen auf in der Art von: Wenn wir die 1500-Fans-Marke knacken, gibt’s einen neuen Track. Du bist ein Allrounder: produzierst ­deine Beats, schreibst deine Texte, schneidest deine Videos. Konzept oder Notlösung? 52



Ich kannte am Anfang einfach niemanden, der Musik produzieren und Videos drehen konnte. Deshalb blieb mir nichts anderes übrig, als mir alles, was ich brauchte, selbst beizubringen. Bei deinem Video „Healthy Ego“ sieht man deine 99-jährige Großmutter, umringt von Typen in Ballerina-, Froschund Matrosenkostümen. Hat sie sich von dem Schock schon wieder erholt? Ich hatte ihr vor dem Dreh nicht erzählt, was passieren wird, sondern nur gesagt: „Oma, setz dich hin und reagier, wie du willst.“ Sie saß dann doch etwas starr da, aber geschockt war sie nicht. Sie ist durch das, was sie mit meinem Vater erlebte,

„Ich sagte nur: ‚Oma, setz dich hin und reagier, wie du willst.‘“ ­ bgehärtet, was solche Aktionen angeht. a Wie ist das Verhältnis zu deinem Vater? Wir sind beste Freunde und helfen uns ­gegenseitig bei unseren Projekten. Die drei besten Ratschläge, die er mir gegeben hat, lauten: Hab kein Ego. Sei dankbar. Liebe bedingungslos. Wenn ihr euch so gut versteht, wieso bist du dann mit achtzehn nach New York abgehauen? Ich wollte raus. Hin zum Kern der Krea­ tivität. In Wien kannte ich niemanden, der meine Interessen teilte. Wie lebt es sich in New York? Hinzugehen, also den Entschluss zu fassen, Abschied zu nehmen von Wien und so, fiel mir viel leichter, als mich dort einzuleben.

Ist der Standort als Musiker heute überhaupt noch wichtig? Wenn du gute Musik machst, brauchst du im Grunde nur eine Internetverbindung und Ideen zur Selbstvermarktung. Vor einem Jahr meintest du noch: „Der Markt für junge Leute spielt sich im Internet ab, nicht mehr im Platten­ laden.“ Nun erscheint dein Debüt­ album auch auf CD. Warum? Weil ich falschlag. Zumindest sagen das die Statistiken. Angeblich finden immer noch 68 Prozent der Albumverkäufe in Deutschland im Plattenladen statt. Auch wenn ich mir selbst keine CDs kaufe, versuche ich mit dem Artwork etwas Spezielles zu kreieren. Etwas, das ich mir selbst auch kaufen würde. Wenn du einen Track machst, hast du vorher schon ein Konzept im Kopf? Nein. Musikmachen ist für mich wie Tagebuchschreiben. Gefühle wie Frust oder Glück verarbeite ich in Songs. Ich starte meist mit einer Melodie. Dann mache ich einen Loop daraus und fange mit dem Scheiben an. Das dauert oft Stunden. Wenn ich die Strophe schließlich auf­ nehme, habe ich sie so oft wiederholt, dass ich genau weiß, was ich sagen will. Das Album ist stilistisch sehr vielfältig. In welchem Fach wird das Werk im Plattenladen landen? Darauf bin ich selbst gespannt. Und wo würdest du es einordnen? Hm, am ehesten unter Popmusik. Auch wenn alles so gut läuft wie im Moment … gibt es etwas, was Left Boy Angst macht? Der Versuchung des Nichtstuns zu er­ liegen. Man muss echt aufpassen, dass man sich nicht gehen lässt. Left Boy: „The Permanent Party“ (Universal) erscheint demnächst; www.leftboy.com the red bulletin

Laura Karasinski

Text: Florian Obkircher


Name Ferdinand Sarnitz Geburtsdatum/-ort 17. Dezember 1988, Wien Familie Sein Vater ist der Künstler André Heller, seine Mutter die Fotografin Sabina Sarnitz. Er selbst hat einen Sohn namens Yves-Louis. Wahlheimat Sarnitz lebt in Brooklyn, New York, in einer KünstlerWG mit zwei Regisseuren, ­einem Produzenten und einem Fotografen. Durchbruch Frühe Songs baute Sarnitz aus Hit-Samples auf. Wegen der fehlenden Rechte durfte er diese Tracks nicht ver­ kaufen, sie aber als Mixtapes zum Gratis-Download anbieten – was ihm erste Aufmerksamkeit einbrachte.


Krieger des

Am a z o 90 Top-Athleten laufen, biken und paddeln durch den größten und grausamsten Dschungel der Welt. Sie sind Kirimbawas, so nennen die indianischen Stämme ihre größten Kämpfer. T e x t: F er n a n do Gueiros, B il der : M a rcelo M a r agn i un d Fa b io Pi va 54


nas


„Erst konnte ich nicht einschlafen. Und als ich dann endlich ein wenig döste, biss mich dieser Käfer.“


Manaus Brasilien

D Höchststrafe: Renato Campos kämpfte sich über vier Stunden lang durch den Dschungel – und später gab der Kajakfahrer seines Teams auf.



Verabschiedung der Athleten durch den Stamm der Inhaã-Bé, inklusive Einholung nötiger Hilfe von ganz oben

rei Uhr früh im Herzen des Amazonas-Regenwalds: drückend schwüle 28 Grad Lufttemperatur. Nur die Lichtfinger von Stirnlampen schneiden durch die stockdunkle Nacht. Neunzig Athleten erwartet auf dem Stammesgebiet der Inhaã-Bé ein erbitterter Kampf – gegen­ einander, gegen den Dschungel und seine ­Gefahren –, den sie in dreißig Dreier-Teams bestreiten werden, jeweils aus einem Läufer, Mountainbiker und Kajakfahrer bestehend. Die dreißig Läufer haben bei den Inhaã-Bé übernachtet, unmittelbar vor dem Start kommt noch Hilfe von oben. Im Schein der Stirn­ lampen tanzen vier Indio-Frauen – sie erbitten von den Göttern Mut und Kraft für die „Kirim­ bawas“, wie sie die Athleten nennen, so wie ihre großen Krieger. Eine fünfte, älter als die anderen, trägt einen Korb glimmender Kräuter vor sich her und hüllt alles in dichten Rauch. „Er reinigt den Geist“, erklärt sie. Pericles Villaça, 39, Läufer, hustet den ­reinigenden Rauch aus, grinst und sagt: „Stell dir ein Laufband in die Sauna und lauf los. Ungefähr das erwartet uns. Abgesehen von den Gefahren des Dschungels, denen du in ­einer Sauna eher nicht begegnest.“ Bei den Eingeborenen haben die Läufer in einfachen Hängematten übernachtet – nicht optimal, um richtig auszuruhen. Die 33-jährige Läuferin Fernanda Maciel sieht aus wie nach einem Boxkampf. „Erst konnte ich nicht und nicht einschlafen. Als ich endlich doch ein bisschen döste, biss mich dieser Käfer. Um zwei Uhr früh war das Auge so zugeschwollen, dass ich zum Arzt musste.“ 57


Alexandre Moura beim Durchqueren eines der Flüsse auf der Lauf­ strecke. Er wurde Zwölfter, sein Team kam am Ende auf Platz drei.

„Irgendwas hat meinen Weg gekreuzt. Es war schwarz und gross und schnell.“


Knapp 30 km/h Schnitt ­erreichten die besten Mountainbiker auf dieser Strecke – Valmor Hausmann quälte sich aber vergeblich über die 86 Kilometer. Der ­Kajakfahrer seines Teams schaffte es nicht ins Ziel.



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„Ich weiss nicht, was schlimmer war: die Schwüle des Dschungels oder die Hitze der prallen Sonne.“


Die Kajakfahrer so wie hier im Bild Lucas Maravalhas hatten den brutalsten Job: 50 Kilometer stromaufwärts. Maravalhas war knapp sieben Stunden unterwegs.

Das Rennen startet in völliger Dunkelheit. Vor den Läufern liegen fünfzig Kilometer auf verschlungenen Pfaden durch dichtesten Dschungel, über holprige Wege, durch hüfttiefe Flüsse. Als der erste von ihnen – es ist Fernando Bezerra – drei Stunden und fünfzehn Minuten nach dem Start das Ziel erreicht, klettert die Sonne gerade über die Baumwipfel. Wie war’s? „Beängstigend. Da drin bist du allein mit der Wildnis. Irgendwas hat wenige Meter vor mir den Weg gekreuzt, ich konnte es nicht erkennen, es war schwarz und sehr groß und sehr schnell.“ Auch die Mountainbiker ahnen nicht, was sie auf der 86 Kilometer langen matschigen Uphill-&-Downhill-Strecke erwartet. Dennoch schaffen die Besten einen Schnitt von knapp 30 km/h, der Schnellste überquert nach 2:55 Stunden die Ziellinie bei der Militärbasis der brasilianischen Armee im Amazonastiefland. Wie war’s? „Ich habe nach den ersten Kilometern zu schwitzen begonnen und nicht mehr aufgehört“, erzählt Rubens Valeriano ­Donizeti, 34, keuchend, mit zitternden Armen und Beinen. „Gegen Ende gab es einen Abschnitt in offenem Terrain. Ich weiß nicht, was schlimmer war: die Schwüle des Dschungels oder die Hitze der prallen Sonne.“ Den allerbrutalsten Part haben wohl die Kajakfahrer erwischt, die als Letzte ins the red bulletin

„Meine Hände sind wund, die Hitze, der Durst, so grausam …“ Rennen gehen. Die Mittagssonne brennt gnadenlos, ihre fünfzig Kilometer lange Strecke führt flussaufwärts gegen die Strömungen des Amazonas, des Rio ­Negro und des Rio Solimões. Acht geben völlig entkräftet und verzweifelt auf – ­ver­zweifelt, weil die Anstrengungen der

Läufer und Mountainbiker ihres jeweiligen Teams somit umsonst waren. Die Schnellsten sind fünfeinhalb Stunden unterwegs, die Letzten erreichen erst nach mehr als sieben Stunden das Ziel. Über Manaus, die Hauptstadt des ­Bundesstaats Amazonas, bricht bereits die Nacht herein, als Marcelo Lins aus seinem Kajak klettert. Mit der zweitschnellsten Zeit in der Einzelwertung holt er für Team Xingu den Gesamtsieg bei Red Bull Amazônia Kirimbawa. „Noch nie habe ich ein so langes und so hartes Rennen bestritten. Meine Hände sind wund, die Hitze, der Durst waren so grausam. Aber wir haben es ­geschafft“, sagt er. Dann hebt er den Kopf und grinst: „Kirimbawas eben.“ 61


OH LLORDE! Wie eine Sch端lerin aus Neuseeland 2013 zum Shooting-Star der Pop-Welt wurde. Text: Robert Tighe


Charles Howells

Lorde war sechzehn, als sie mit „Royals“ in Neuseeland, Großbritannien und den USA auf Nummer eins stand.



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„Royals“, Lorde „Let me live that fantasy“ passt ganz gut als erster Satz einer Story über Ella Yelich-O’Connor. Anfang Februar twitterte das Mädchen aus Neuseelands größter Stadt Auckland noch Songtexte von Modest Mouse und beschwerte sich über den Beginn eines neuen Semesters: „#grrr #school #grrr“. Am 3. Oktober, einen Monat und drei Tage vor ihrem 17. Geburtstag, stotterte sie einen Tweet in ihren Account, der die Trennung von altem und neuem Leben signalisierte: „get the fkoutthere. royals is NUMBER 1 on BILLBOARD in the USAAA“. „Die ganze Geschichte war surreal“, sagt Scott Maclachlan, Lordes Manager bei ihrer Plattenfirma Universal Music, und beginnt zu erzählen. 2009 sah er ­einen Videoclip mit dem Auftritt einer Zwölfjährigen bei einem Schulwett­ bewerb. Einem sehr selbstbewussten ­Auftritt. Das kleine Mädchen stellte mit Piepsstimme klar, dass sie nicht nur ­Sängerin sei, sondern auch Songwriterin. Und dass sie wünsche, „Lorde“ genannt zu werden, ausgesprochen „Lord“, weil sie auf das ganze Aristokraten-Zeug ziemlich stand. Maclachlan kontaktierte das Mädchen, schloss mit ihr einen Entwicklungsvertrag ab und machte zunächst mal alles richtig: stellte sie Produzenten und Songwritern vor, gab ihr Zeit, ihren eigenen Sound 64



zu finden und mit den Leuten und der ganzen Situation klarzukommen. Trotzdem passierte nicht viel. Bis 2011. Bis Ella anfing, mit Produzent Joel Little in seinem Studio in Auckland zu arbeiten. „Wir haben uns zu Beginn einfach nur viel über Musik unterhalten“, sagt Little, ein jugendlicher Dreißigjähriger, früherer Frontmann der neuseeländischen PopPunk-Band Goodnight Nurse. „Ich habe Ella ein paar Hausaufgaben gestellt, Songs, die sie sich anhören sollte. Sie hatte nie zuvor Sachen von Prince oder Snoop Dogg gehört! Für sie war Snoop Dogg nur dieser eine Typ aus dem KatyPerry-Song, irgend so ein lahmer Kerl. Im Gegenzug zeigte sie mir das Zeug, für das sie sich gerade interessierte. Wir hörten uns also The Weeknd und James Blake an und spielten uns kitschige Pop-Songs vor.“

U

nd sie begannen gemeinsam an Songs zu schreiben, zu ­Beginn ziemlich holprig, bis Ella eines Ferientages im Juli 2012 mit einem neuen Text im Studio auftauchte. Der Song sollte „Royals“ heißen. Little schlug einen Beat vor, gemeinsam fanden sie die passende Melodie zu Ellas Worten – und das Lied, in das sich ein paar Monate später die ganze Welt verlieben würde, war geboren. „Ich mochte es von Beginn an. Aber ich wusste nicht, ob es irgendwer anderer mögen würde“, erinnert sich Lorde. „Joel hatte da mehr eine Art Vorahnung.“

„Nun ja … ich fand den Song schon großartig. Aber ich dachte nicht, dass er im Radio rauf und runter gespielt werden würde“, sagt Little. „Ich dachte, der Song sei ein guter Start für ihre Karriere, nicht mehr. Ich glaube, ich habe mich da ein wenig getäuscht.“ Als „Royals“ Anfang Oktober Miley Cyrus’ „Wrecking Ball“ an der Spitze der US-Billboard-Charts ablöste, machte das Lorde zur jüngsten Solokünstlerin mit einem Nummer-1-Hit seit 26 Jahren. Wenn man denkt, Lorde sei auf den Rekord stolz, liegt man schief. Sogar ziemlich. „Dauernd werde ich auf mein Alter angesprochen“, sagt sie genervt. „Die Leute kommen daher mit ‚Du bist grad mal siebzehn, woher nimmst du denn überhaupt Stoff, über den du schreiben kannst?‘. Ich werde dann schon mal ein wenig unentspannt. Erstens war ich nie älter als jetzt. Zweitens bin ich siebzehn, nicht eins.“ Lorde ist, auch wenn sie selbst ihr Alter nicht allzu sehr zum Thema machen will, in vielerlei Hinsicht ein typischer Teenager: die Art, wie sie spricht; die HandySchnappschüsse von sich selbst, die sie von Konzerten twittert („the weirdest lil goth the red bulletin

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And we’ll never be royals (royals) Wir werden niemals Aristokraten sein Itdas liegtdon’t run in our blood uns nicht im Blut That kind of luxe just ain’t for us Dieses Luxus-Ding ist nichts für uns, We crave a different kind of buzz uns berauscht etwas völlig anderes Let me be your ruler Lasst mich eure Herrscherin sein You can call me Queen Bee Nennt mich eure Nummer eins And baby I’ll rule, (I’ll rule, I’ll rule, I’ll rule) Ich werde herrschen, (herrschen, herrschen, herrschen) Let me live that fantasy Lasst mich diese Phantasie ausleben


Aufgewachsen ist sie in Auckland, derzeit wohnt sie in New York – Lorde ist schon jetzt ein Weltstar. Sie hatte Gigs auf drei Kontinenten, darunter ihr ­Debüt-Auftritt in Großbritannien im September 2013 bei Madame JoJo’s in London (links).

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at the One Direction concert is meeeee“); die Akne, die sie plagt. „Ich bin ein ganz normaler Mensch“, sagt sie. „Ich besuche die Highschool. Wenn ich wo hinwill, nehme ich den Bus. Und in meinem Zimmer herrscht das Chaos …“

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as macht Lordes Erfolg aus? Wenn man ihrem Manager glauben darf, ist es genau das, ihre Normalität. Weil die sich in Ehrlichkeit ausdrückt. „Wenn Ella über das ­Leben eines Teenagers singt, ist das unglaublich treffend – die Kids können sich mit ihr identifizieren, weil es ihr Leben ist“, sagt Maclachlan. „Sie ist das Gegenteil von jemandem wie Miley Cyrus, eben kein typisches Idol, nicht so vordergründig, nicht so L.A. ­Wissen Sie, ich bin 44 und erinnere mich, als ich zum ersten Mal ‚Going Underground‘ und ‚Town Called Malice‘ von The Jam hörte. Ich hatte das Gefühl, Paul Weller hätte den Text über mich ­geschrieben, über mein Leben. So was in dieser Art gelingt auch ihr.“ Lorde sekundiert: „Ich singe eben nicht übers Arschwackeln in der Disko.“ 66



Statt Plattitüden übers Partymachen oder das Suchen/Finden/Verlieren/Erneut-Herbeisehnen der Liebe ihres Lebens wiederzukäuen, macht Lorde die Gefühle Gleichaltriger zum Thema. Und zeichnet mit ihren Worten plastische Bilder. Viele Songtexte sind kleine Kurzgeschichten. „Ich predige nicht“, sagt sie, wenn man sie fragt, was ihr das Wichtigste an ihren Texten ist. „Von nichts haben Teenager so sehr genug wie von Predigten. Ich kommentiere nur, was ich sehe, und schreibe darüber. Ich finde, in der Musik, in Filmen und TV-Serien wird ein ziemlich schräges Bild von uns gezeichnet. ­Erwachsene haben offenbar vergessen, wie es ist, jung zu sein.“ Wie hat sich der Erfolg auf deine Freundschaften ausgewirkt? „Klar ist es schwierig. Ich bin in New York, sie sitzen im Geschichtsunterricht. Aber deine Freunde sind deine Freunde, weil du du bist. Die Leute, die mich von

klein auf kennen, mögen mich um meinetwillen und nicht wegen meiner Musik.“ Lordes Texte sind intelligent, ihre ­Musik ist auf eigene Art clever: klarer, moderner, minimaler Sound, der subtil auf andere Musikgenres Bezug nimmt. „Ich bin wie eine Elster“, sagt sie, „ein ­typisches Internet-Kid. Ich picke mir die Dinge heraus, die mir an Electronic Music, Hip-Hop und Pop gefallen.“ Die meisten Beats und Sound-Effekte kreierte Produzent Little mit der AudioSoftware Pro Tools. Was ist das Spannendste an der Studioarbeit mit Lorde? Die Stimme, sagt Little, diese Stimme. „Sie ist so cool und interessant, und wenn du sie layerst, wird sie selbst zu einem einzigartigen Instrument. Wir arbeiten oft mit gelayerten Vocals anstelle einer Gitarre oder eines Synthesizers. Das erzeugt eine ziemlich starke Stimmung. Weil die Melodien gut sind, wird das alles zugänglich, bleibt aber trotzdem anspruchsvoll und interessant. Lordes Stücke sind keine, die dich in den ersten fünf Sekunden in ihren Bann ziehen wollen. Sie entfalten ihre Wirkung langsam. Aber haben sie dich einmal gepackt, lassen sie dich nicht mehr los.“ „Ich glaube“, fährt Little fort, „die Leute waren bereit für etwas, das ein bisschen frischer daherkommt. Das nicht so klingt wie die Nummer davor und die Nummer danach im Radio. Lorde macht Musik, die ihre Hörer nicht für Idioten hält.“ Little erinnert sich an das erste Mal, als Lorde für ihn sang. „Ich hörte diese Stimme, und in mir machte es: ‚Jackpot, Baby!‘ Wenn sie singt, ist das fremd und geheimnisvoll, aber zugleich kann man sich damit identifizieren. Die Stimme ist süß, aber gleichzeitig klingt sie ein wenig furchteinflößend, als würde dich das Mädchen fertigmachen, wenn du was sagst, das ihr nicht passt.“ Stichwort „furchteinflößend“: „Sie könnte 2014 jeden einzelnen Tag arbeiten, wenn sie wollte“, sagt Maclachlan. „Die Festivals Coachella und Lollapalooza sind fix. Auch Glastonbury wird was werden.“ Ist das alles nicht ein bisschen viel? Lorde schüttelt energisch den Kopf. „Jeden Trip und jede Show machen wir, weil ich es so will“, sagt sie. „Ich habe meine Samstagabende, hänge mit meinen Freunden rum, gehe zu Partys. Mir ist klar, dass ich wegen meiner Arbeit das eine oder andere verpasse. Aber ich werde mit unglaublichen Erlebnissen entschädigt. Alles ist positiv gelaufen und hat Spaß ­gemacht. Und irgendwie habe ich immer davon geträumt … man kann schon sagen: Was ich da tue, ist, eine Phantasie aus­ zuleben.“ www.lorde.com

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Reiche Ausbeute: Lorde ist eine bekennende Elster, wenn es darum geht, sich beeinflussen und inspirieren zu lassen.


VON THOMAS HAUSER

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Als Cassius Clay vor fünfzig Jahren Sonny Liston besiegte, veränderte das die Welt, den Sport, die Politik. Und was es bedeutete, in den USA schwarz zu sein. Bloß begriffen das die Menschen erst später.


die geburt des

n e t s s Grรถ 

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Am 25. Februar 1964 stieg ein junger Mann namens . Cassius Marcellus Clay Jr in Miami in den Ring, um ­Sonny Liston zu boxen.

I

n den frühen 1960ern war Sport eines der wenigen Felder, auf denen schwarze Amerikaner weißen auf ­Augenhöhe begegnen konnten. Außerhalb des Wettkampfs galten immer noch die alten Regeln. Das hieß: Klar konnte jeder ein Star werden, auch ein Schwarzer. Aber nur solange er sich an

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Titelverteidiger Sonny Liston war als 7:1-Favorit in den WM-Kampf ­gegen Cassius Clay gegangen. Doch nach sechs Runden war der Kampf in der Convention Hall in Miami Beach für Liston vorbei.

die gesellschaftlichen Vorgaben hielt. Und diese diktierte das weiße Establishment. Das galt natürlich ganz besonders für jenen Sportler, der den begehrtesten aller Titel hielt, den des Box-Schwergewichtsweltmeisters. Man erwartete von ihm, ein Vorbild zu sein, bescheiden, respektvoll gegenüber der Obrigkeit. Und er sollte akzeptieren, dass es ebendiese Zwei­ klassengesellschaft gab, in der Afro­ amerikaner Bürger zweiter Klasse waren. „Viele Schwarze“, sollte Clay später ­sagen, „wären damals lieber Weiße ge­ wesen.“ Clay verweigerte sich. Die Geschichte seiner Verweigerung begann 1961, als Clay Sam Saxon kennenlernte. Der gehörte einer Gruppe an, die in den Medien „Black Muslims“ genannt wurde und den Lehren des selbsternannten „Gesandten“ Elijah Muhammad folgte, der schwarzen Separatismus predigte. Saxon lud den 19-jährigen Clay, bereits Olympiasieger von 1960 im Halbschwergewicht, zu einem Gottesdienst von Muhammads „Nation of Islam“ in einen Tempel in Miami; von da an wurde Clay mit den Glaubenssätzen dieser Religion indoktriniert.

Gemäß der Lehre der Nation of Islam waren die Weißen Teufel, erschaffen von einem gewissen Mr. Yacub, einem bösen Wissenschaftler mit riesigem Schädel. Am Himmel, so die Lehre weiter, würde ein rundes Mutterschiff fliegen, eine halbe Meile im Durchmesser, bemannt ausschließlich mit Schwarzen. An einem von Allah auserwählten „Tag der Vergeltung“ würde dieses Mutterschiff 1500 Flug­ maschinen freisetzen, die alle Menschen auf der Erde außer den Rechtschaffenen auslöschen würden. Nicht nur in diesen Punkten widersprach die Nation of Islam der traditionellen islamischen Lehre und den Worten des Koran. Auch die Konzepte von Himmel und Hölle – ein zentraler Punkt der islamischen Glaubenslehre – wurden von der Nation of Islam abgelehnt. Und während der Islam darauf beharrte, dass Herzen und Seelen keine Farbe hätten, predigten die „Geistlichen“ der Nation of Islam, dass Integration für schwarze Amerikaner die Vernichtung bedeutete. Als Clay gegen Liston antrat, war nicht öffentlich bekannt, dass er zur the red bulletin

Sueddeutsche Zeitung Photo, corbis

Charles „Sonny“ Liston war Titelverteidiger, regierender Weltmeister im Schwergewicht, und eine wahrhaft bedrohliche ­Erscheinung. Geboren um das Jahr 1930 als neuntes von elf Kindern eines bitter­ armen Baumwollfarmers in Arkansas, lernte er zeitlebens nie Lesen und Schreiben. Im Staatsgefängnis von Missouri, wo er ab 1950 wegen bewaffneten Raubüberfalls einsaß, begann er mit dem Boxen und war danach Schläger im Dienst des organisierten Verbrechens, bis die Mafia eines Tages entschied, ihn als Boxer zu promoten. Und tatsächlich holte und ­verteidigte Liston den Titel eines Schwergewichtsweltmeisters mit zwei K.‑o.-Siegen über Floyd Patterson. Keiner der Kämpfe dauerte viel länger als zwei Minuten. Kurz: Liston galt als unschlagbar. David Halberstam, Journalist und ­Pulitzer-Preisträger, bekannte später: „Ich werde nie vergessen, wie angespannt ich vor dem Kampf war. Ich hatte Angst um Clay. Er wirkte so jung und verletzlich.“ Clay selbst sollte später erzählen: ­„Unmittelbar vor dem Kampf, während der Instruktionen des Ringrichters, starrte mich Liston mit diesem Blick an. Ich muss zugeben, ich war eingeschüchtert. Ich wusste, er konnte hart zuschlagen. Und ich wusste, er hatte sich vorgenommen, mich umzubringen. Aber nun war ich eben da. Ich hatte also keine andere Wahl, als rauszugehen und zu kämpfen. In der ersten Runde versuchte ich vor ­allem, kein festes Ziel zu bieten, tänzelte, wich zurück. Ich traf ihn mit ein paar Kombinationen, er versenkte nur einmal eine Rechte in meinem Magen. Am Ende der Runde ging ich zurück in meine Ecke und fühlte mich gut. Ich wusste nun, ich kann das hier überleben.“


­Nation of Islam konvertiert war. Aber der vielversprechende junge Boxer hatte das Gefühl, dass eine mächtige Kraft auf sei­ ner Seite war. Das lag am Bürgerrechtler Malcolm X, damals ein Anhänger Elijah Muhammads. Malcolms Ehefrau Betty Shabazz erinnerte sich später: „Mein Mann sprach beschwörend auf Clay ein, dass er nicht nur jung, geschickt und stark, sondern ein gottesfürchtiger Mann war. Sie sprachen andauernd darüber, wie David Goliath besiegt hatte und dass Gott jemanden, der an ihn glaubte, nicht scheitern lassen würde – gleichgültig wie stark der Gegner wäre.“

I Cassius Clay hatte extrem flinke ­Hände und eine spezielle Art zu­ zuschlagen. Im Moment des Auf­ pralls verdrehte er die Faust, was sich für den Getroffenen ­anfühlte wie ein Schnitt mit einem scharfen Messer. 

n Runde drei ging Clay gegen Liston in die Offensive. Damit wendete sich das Blatt. „Liston schien unverwüstlich“, erinnert sich Mort Sharnik, damals ein junger Sportjournalist. „Aber ­Cassius hatte extrem flinke Hände und eine besondere Art zuzuschlagen. Im Moment des Aufpralls drehte er seine Faust, das hatte einen fast messerartigen Effekt. Cassius traf Liston mit einer Einszwei-Kombination, einem Jab gefolgt von einer rechten Geraden, und es war, als würde sich ein Torpedo durch die Panzer­ platte eines Schlachtschiffes bohren. Als Cassius seine kurze linke Gerade zurück­ zog, kam unter Sonnys rechtem Auge ein schlimmer Bluterguss zum Vorschein. Als er seine rechte Gerade zurückzog, eine klaffende Wunde unter dem linken. Lis­ tons Haut war aufgesprungen … unglaub­ lich. Seine Haut hatte so robust gewirkt, so unverwundbar. In diesem Moment ­sagte ich zu mir: ‚Mein Gott! Cassius Clay wird diesen Kampf gewinnen!‘“ In Runde vier wurde es kompliziert: Clay bekam plötzlich Probleme mit den Augen. Einer von Listons Betreuern hatte offenbar eine ätzende Substanz – höchst­ wahrscheinlich ein Einreibemittel – in der Pause nach der dritten Runde auf Listons Handschuhe gegeben. Der Herausforderer war vorübergehend fast blind. Clays Trainer Angelo Dundee sagte später: „Als Cassius nach Runde vier in die Ecke zurückkam, schrie er rum wie wild.

‚Ich kann nichts sehen! Meine Augen …!‘ Seine Augen waren wässrig. Er sagte: ‚Schneidet die Handschuhe auf! Wir ­gehen heim!‘ Ich sagte zu ihm: ‚Vergiss diesen Scheiß. Das hier ist der Titelkampf. Also beruhig dich und setz dich hin.‘ Ich drückte ihn in den Sessel, nahm ein Handtuch und wischte ihn um die Augen ab. Dann warf ich das Handtuch weg, schnappte einen Schwamm, schwemmte seine Augen aus und warf den Schwamm weg. Ich steckte ihm den Mundschutz wieder hinein, zerrte ihn hoch und sagte: ‚Das ist die ganz große Nummer, Daddy. Bleib von ihm weg. Los jetzt!‘“ Allein zur fünften Runde wieder raus­ zugehen bewies ungeheuren Mut, sagte später Dr. Ferdie Pacheco, Clays Arzt und einer seiner Betreuer in der Ecke: „Cassius verhielt sich in dieser Situation brillant. Alles, was er tat, war richtig: sich außer­ halb von Listons Reichweite halten, mit seiner linken Hand nach vorn gehen und Sonny berühren, wenn der zu nahe kam, um dessen Konzentration beim Angriff zu stören. Es war eine verblüffende, erstaun­ liche, atemberaubende Leistung. Da war dieser Kämpfer, den alle für Godzilla ­hielten, von dem viele dachten, er würde tausend Jahre herrschen. Und da war Cassius. Der nichts sehen konnte, aber sich so verteidigte, dass ihm Godzilla nichts anhaben konnte.“ Im Verlauf der fünften Runde kehrte Clays Sehvermögen zurück, er konnte den Kampf ausgeglichen halten. In Runde sechs sah er wieder weitgehend unein­ geschränkt. Diese Runde brachte auch die Entscheidung. Clay traf Liston nach Belie­ ben. Als die siebte Runde beginnen sollte, blieb ein völlig verdatterter Liston in seiner Ecke sitzen und gab den Kampf verloren.

S

chon bei Clays Sieg über Liston offenbarten sich all jene Eigen­ schaften, die ihn im weiteren Verlauf seiner Karriere zu einer Legende machen würden: Schnel­ ligkeit, höchste Schlagpräzision, meisterhafte Beinarbeit, Kreativität, Mut, dazu eine Genialität in der Defensive. Clay war ein brillanter Kämpfer. Doch viel von dieser Brillanz wurde in dem Chaos, das auf den Triumph folgte, übersehen. Am Tag nach dem Kampf gab Clay eine Pressekonferenz, in der er erklärte, dass er kein Christ mehr sei. Tags darauf verkün­ dete er, Anhänger von Elijah Muhammad zu sein. Zehn Tage später gab der Führer der Nation of Islam dem Champ einen neuen Namen. „Der Name Clay hat keine gött­ liche Bedeutung“, verlautbarte Elijah. „Ich hoffe, er ist damit einverstanden, einen 71


besseren zu erhalten. Muhammad Ali ist der Name, den ich ihm gebe, solange er an Allah glaubt und mir folgt.“ Robert Lipsyte, der damals für die „New York Times“ über den Kampf Liston vs. Clay berichtet hatte, erinnerte sich später: „Man kam um Clay und seine ­ungeheuerliche Story nicht herum. Da war ein Schwergewichtsweltmeister, der sagte: ‚Ich muss nicht so sein, wie ihr mich ­haben wollt. Ich kann sein, wie ich will.‘ Er wollte kein Christ sein, kein guter ­Soldat der US-Demokratie in der Art von Joe Louis (schwarzer Vorzeigesportsmann, Weltmeister im Schwergewicht 1937 – 1949; Anm.), kein strahlender Sportlerprinz, wie das weiße Amerika ihn sich wünschte.“ Zahlreiche Amerikaner waren von der Radikalität der Ansichten des neuen Weltmeisters verstört – schwarze ebenso wie weiße. Einer der Schwarzen, die damals auf Distanz gingen, war Arthur Ashe. Die Tennislegende, afroamerikanische Inte­ grationsfigur und Vordenker, „mochte die Ideologie von Elijah Muhammad nicht“, so Ashe später. „Sie war rassistisch. Ich fand nicht, dass die Schwarzen nach einer Art Apartheid streben sollten, mit den Schwarzen als herrschender Rasse.“ Zugleich war Ali, wie er sich nun nannte, das ultimative Symbol schwarzen Stolzes und schwarzen Widerstands gegen eine ungerechte Gesellschaftsordnung. Und von 1964 bis zu seiner Konvertierung zum orthodoxen Islam 1975 war er der prominenteste Wortführer der Nation of Islam. Er lehnte Integration ab, äußerte sich gegen Mischehen, erhob die Forderung nach einem eigenen schwarzen ­Heimatland. „Wir sind nicht alle Brüder“, sagte Ali. „Ihr könnt es behaupten, sooft ihr wollt, aber wir sind es nicht.“ In der Zwischenzeit hatte der Vietnamkrieg begonnen, Amerikaner zwischen 18 und 26 wurden einberufen. Noch 1964 war Ali als 1-Y eingestuft wurden, somit untauglich: Er hatte einen Test wegen „mangelnder geistiger Eignung“ nicht bestanden. Aber Anfang 1966, als der Krieg nach immer mehr Soldaten verlangte, kam Ali plötzlich für die Einberufung in Frage. Er beantragte einen Aufschub, doch am 72



17. Februar 1966 wurde er neu eingestuft: 1-A, tauglich. Er war frustriert. Gegenüber Reportern macht er seinem Ärger Luft, mit einem legendären Satz, für die meisten Amerikaner damals eine ungeheuer­ liche Entgleisung: „I ain’t got no quarrel with them Vietcong.“ („Ich hab keinen ­Ärger mit dem Vietkong.“) Der Satz fand sich tags darauf auf allen Titelseiten. Am 28. April 1967 weigerte sich Ali mit Hinweis auf seinen Glauben, der Ein­ berufung Folge zu leisten. Die Reaktion kam prompt: Ihm wurde sein Titel ent­ zogen, er wurde gesperrt. Damit nicht ­genug: Kaum zwei Monate später wurde er ­wegen Wehrdienstverweigerung zu fünf Jahren Haft verurteilt (die er jedoch nicht absaß). Sein „Exil“ vom Boxen dauerte dennoch mehr als drei Jahre und ging bis zum Obersten Gerichtshof der USA. 1974 reiste Ali ins Herz Afrikas und entthronte George Foreman, um sich die Krone zurückzuholen, die man ihm auf so unfaire Weise genommen hatte.

A

m 25. Februar 1975 starb Elijah Muhammad, und sein Sohn Wallace übernahm die Führung der Nation of Islam. „Damit hatten wir gerechnet“, erinnerte sich Ali später. „Womit wir aber nicht gerechnet hatten, war, dass Wallace den Kurs der Nation of Islam änderte. Er war in seinen Studien zur Überzeugung gelangt, dass sein Vater nicht den wahren Islam lehrte, und brachte uns die tatsächliche Bedeutung des Korans bei.“ Es ist mehr als drei Jahrzehnte her, dass Ali zum letzten Mal kämpfte. Sein

Gesundheitszustand hat sich seither zu­ sehends verschlechtert, doch er ist der überragende Sportler unserer Zeit geblieben. Seine Liebesbeziehung mit Amerika und der Welt erreichte 1996 ihren Höhepunkt, als er bei den Olympischen Spielen in Atlanta die Flamme entzündete. Es war ein Auftritt, der drei Milliarden Menschen rund um den Globus vereinte. In den 1960ern legte er die Basis für seine heutige weltweite Popularität. Ali war Revolutionär, Ali war umstritten. Ali stand für seine Prinzipien ein: für die Gleichheit zwischen Menschen, gegen den Krieg in Vietnam. Jedes Mal, wenn er in den Spiegel sah und „I’m so pretty“ sagte, sagte er in Wahrheit „Black is beautiful“ – lange bevor es Mode wurde. Was Ali damals bei den Schwarzen auslöste, formulierte später Reggie Jackson, Mitglied der „Baseball Hall of Fame“. Er wurde 1946 geboren, vier Jahre nach Ali: „Als junger Schwarzer schämte ich mich meiner Hautfarbe. Doch dann kam Ali und machte mich stolz. Ich bin nun so glücklich damit, schwarz zu sein, wie ein anderer ­damit, weiß zu sein, und Ali war Teil dieses Wachstumsprozesses. Können Sie ermessen, was es für die schwarzen Amerikaner bedeutete, zu wissen, dass einer der talentiertesten, charismatischsten und bestaussehenden Männer der Welt schwarz war? Ali half den schwarzen Menschen in den USA, sich aus ihrer mentalen Sklaverei zu befreien. Die gesamte Wahrnehmung dessen, was es hieß, schwarz zu sein, änderte sich für Millionen Menschen dank Ali.“ Heute ist Ali ein Symbol für Toleranz und Verständnis. „Als ich jung war“, sagte er einmal, „hing ich einer Lehre an, die andere Menschen nicht respektierte und behauptete, weiße Menschen seien Teufel. Ich lag falsch. Die Farbe macht aus ­einem Menschen keinen Teufel. Es sind Herz und Seele, die zählen. Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu hassen ist schlicht und einfach falsch.“ Doch zugleich bereut Ali nicht, eine Entwicklung bis zu dieser Erkenntnis durchlaufen zu haben – während der er auch andere Ansichten vertrat. „Elijah Muhammad war ein guter Mensch“, sagte er, „auch wenn er nicht der Gesandte Gottes war, wie er dachte. Elijah lehrte uns, unabhängig zu sein, stolz, stark und gesund. Viele unserer Leute hatten damals keinen Respekt vor sich selbst. Elijah versuchte, uns auf die Beine zu helfen, uns aus der Gosse zu holen. Ich denke, dass er falschlag, als er über weiße Teufel sprach. Aber was er auch tat, war, den Menschen ein gutes Gefühl dabei zu geben, schwarz zu sein. Deshalb entschuldige ich mich nicht dafür, woran ich geglaubt habe.“ the red bulletin

ddp images, Keystone

Junge schwarze Amerikaner schämten sich oft ihr er Hautfarbe. Dann kam Muhammad Ali und machte sie stolz. Er half den schwarzen Menschen in den USA, sich aus ihrer mentalen Sklaverei zu befreien.


25. Februar 1964: Als Liston zu Runde sieben nicht mehr aus seiner Ecke kam, kannte Clays Jubel keine Grenzen. Zehn Tage später wurde aus Cassius Clay Muhammad Ali. the red bulletin

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C

a l a v i V ยก

! a r e r r a


Wild, legendär, schrankenlos: Die Carrera Panamericana ist das letzte echte Straßenrennen. Nach 3500 Kilometern längs durch Mexiko brauchen nicht nur die begleitenden Polizei­autos neue Reifen. Text: Werner Jessner, Bilder: Marcelo Maragni



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Alt trifft Neu: NASCAR-Technik in altem Blechkleid, und natürlich dürfen auch digitaler Tripmaster und Stoppuhr mit an Bord (links). Guillermo Rojas sen. hat die ­Carrera Panameri­ cana vor 25 Jahren gewonnen. 2013 gab Sohn Memo sein ­Debüt (links unten). Die Etappenziele liegen meist in Stadtzentren, etwa im Park direkt vor der Kathedrale von Oaxaca (rechts).

Se disputó desde 1950 hasta 1954, 34 años después volvió en su forma moderna actual.

E

s war ein denkwürdiger ­Befehl, der im November 1953 an die mexikanische Nationalarmee erging: Um unnötiges Blutvergießen ­unter den Automobilisten zu vermeiden, sei alles, einerlei ob Mensch oder Tier, unver­ züglich zu e­ rschießen, was während der Carrera Panamericana die Straße überqueren sollte. Unter allen Straßenrennen der Pionierzeit ­haftete der Carrera, erstmals ausgetragen 1950 anlässlich der Eröffnung des mexikanischen Teils des panamerikanischen Highways, stets der Ruf des Unberechenbaren, Abenteuerlichen, Gefähr­ lichen an. Zur Reise nach Mexiko musste man die Starpiloten jener Zeit ausdrücklich überreden, wiewohl die Carrera, was spanisch schlicht „Ren­

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nen“ heißt, zur Sportwagen-WM zählte, der da­ mals wichtigsten Motorsportserie überhaupt. Die Formel 1 nahm ja erst zögerlich Fahrt auf. Der panamerikanische Highway war bloß ­Namensgeber des Rennens. Die Straßen, auf denen man raste, waren teils nicht einmal asphaltiert. In den nächsten Jahren wagten hunderte Rennfahrer das große Abenteuer, viele von ihnen überschätzten sich tragisch. Autos stürzten in Schluchten, explodierten an Felsen, überschlugen sich, verloren Räder und Achsen, Geier krachten gegen Windschutzscheiben. Viele Unfälle wären vielleicht glimpflicher verlaufen, hätte es bereits Sicherheitsgurte und vernünftige Helme gegeben. Dazu kam die Unberechenbarkeit des Publikums entlang der Straßen. Der Gipfel war jedoch jener Punkt des Reglements, dem gemäß jeder Fahrer sofort disqualifiziert wurde, sobald er einem 77


„Bremsdefekt!“, ächzt der Fahrer. Obwohl: Er hatte schon drei Kurven vorher so ein seltsames Gefühl. ­ nderen zu Hilfe kam (diese drakonische Vora schrift galt ausdrücklich auch bei Unfällen). Es gibt keine gesicherten Daten über die exakte Anzahl der Toten, auch weiß man nicht, ob die mexikanische Nationalarmee vom Schießbefehl tatsächlich Gebrauch machte. Zudem war bereits nach 1954 Schluss: Die Carrera Panamericana war außer Kontrolle geraten; der 1954er-Siegerschnitt von 222 km/h ist selbst für heutige Verhältnisse unvorstellbar. Seit 1988 wird wieder gefahren, mit „zeit­ gemäßen Autos“, wie das Reglement besagt, und für Präzision sorgt die Unterteilung in insgesamt sieben Kategorien. 3500 Kilometer sind eine harte Prüfung für die alten Karren, die optisch an Studebakers, Oldsmobiles oder Cadillacs erinnern. Unter der Karosserie stecken allerdings RohrrahmenChassis mit gewaltig aufgebrezelten V8-Motoren, SUV-Achsen und Rennbremsen. Die Tuner sind nicht zimperlich: 700 PS sind standesgemäß, ­damit marschiert man 300 km/h. Am Ende der Etappe von Veracruz nach Oaxaca parkt Guillermo „Memo“ Rojas, Mexikos erfolgreichster Rennfahrer, und wirkt nach einem Rei78



fenplatzer verdächtig nachdenklich: „Das ist das erste Mal, dass ich mich in einem Auto fürchte. Ich kenne Angespanntheit am Start, Nervosität, Konzentration. Heute aber hatte ich Angst. Das Auto ist Scheiße. Übermotorisierte, kranke Scheiße. Kein Fahrwerk, keine passive Sicherheit. Bei 300 in dieser Schüssel – da geht dir die Muffe. Du möchtest bremsen, darfst aber nicht.“ Vor exakt 25 Jahren hat Memos Vater Gulliermo senior hier gewonnen. „Wir waren damals auch nicht fad unterwegs“, grinst der sympathische ­ältere Herr, „ungefähr genauso schnell.“ Was man nicht vergessen darf: „Es ist Memos erstes Straßen­ rennen. Ich kannte bei meinem Sieg jede Straße, jede Kurve. Er kennt gar nichts.“ Nach Tag 1 liegt Memo Rojas auf Platz 40, in Front die Elite der mexikanischen Rallyepiloten. Ihr Tempo auf den Special Stages ist atemberaubend, auf den Verbindungsetappen dazwischen pflegt man avanciertes Rudel-Rasen. Mittendrin die Federales, die mexikanische Polizei, die mit insgesamt 172 Dodge Charger dafür sorgt, dass der Schnitt nicht zu sehr sinkt. Der Carrera-Sticker an den Türen ist ein Freibrief. Wer in den Dörfern the red bulletin


Manche Bilder der Carrera Panamericana könnten auch von Rennen in Mitteleuropa stammen: Von trockener Hitze bis Kälte und ausfallendem Nebel hatten die Wetterköche an alles gedacht. Mehr noch als die Technik leiden die Reifen: Um sie bei der brutalen Hitzeentwicklung der 700-PS-Autos gleichmäßig aufquellen zu lassen und so die Schultern zu schonen, füllen Mechaniker einen Schluck Wasser ein.


Pin-ups und Andachtsbildchen haben bei der Carrera Pan­ americana problemlos nebeneinander Platz, wie überhaupt die liebevolle Verschönerung der Autos einen Großteil des Carrera-Charmes ausmacht. Religiös mutet auch die Ver­ ehrung der Route an: „Wenn ich einmal sterbe“, sagt einer zum Co-Piloten, „versprich mir, dass du meine Asche hier auf der MilCumbres-Prüfung verstreust.“


Memo Rojas und sein Studebaker: Die Fahrerseite trägt nach einem Reifenplatzer tapfere Kampfspuren.

„Mittendrin die Polizei. Sie sorgt dafür, dass der Temposchnitt nicht zu sehr sinkt.“ an einer roten Ampel anhält, wird energisch zur Weiterfahrt animiert: ¡Vete, pendejo! Sehr bald: erste Ausfälle. Ein Dodge schafft es, präzise die Lücke zwischen dem Ende eines Zauns und dem Beginn einer Leitschiene zu treffen und sich mittig in den Baum dahinter zu pflanzen. Bremsdefekt, ächzt der Fahrer, er habe schon drei Kurven zuvor ein seltsames Gefühl gehabt. Einer der Studebaker überschlägt sich mehrfach, auf seiner Ölspur rutschen sechs weitere Autos aus und bomben sich von der Straße. Andere Fahrer entscheiden, dass die Carrera Panamericana für sie bloß ein Abenteuerurlaub bleiben soll, und investieren das technische Budget fürderhin in ansprechende Verpflegung: die gute Flasche Wein zum Abendessen, das tägliche Steak und der Champagner für die Gemahlin. Generell erscheint die finanzielle Gesamtsituation vieler Teilnehmer gut gepolstert. Manche sind Helden, allein weil sie durch­ kommen. Selbst auf der letzten Etappe gibt es noch Dramen. Doug Mockett (USA) ereilt einen Kilometer vor Ende ein Reifenschaden. Er schleppt seinen Oldsmobile auf der Felge durchs Ziel, nicht ohne vorher noch den Schaltknüppel abzu­ reißen. „Die besten Rennautos zerfallen im Ziel“, the red bulletin

wiederholt er eine alte Ingenieursweisheit. Auf­ fällig viele Kübel haben keine funktionierende Kupplung mehr und stottern streng riechend im dritten Gang ins Ziel. Der junge Mexikaner Pascual Piccolo hat am letzten Vormittag einen Dreher, ­ etonsäulen amputieren das linke Hinter­ zwei B rad. Er repariert, kriecht weiter, sticht dabei aber den Motor ab, offensichtlich hat auch der Kühler was abbekommen. Telefoniert, lässt sich Stoß­ stange an Stoßstange ins Ziel nach Zacatecas schieben. Dort heuert er einen Trupp Einheimi­ scher an, sechzehn Mann stark, sie zerren den weidwunden Datsun über die Ziellinie. Im Zentrum der ehemaligen Silberstadt ist längst fiesta mexicana. Bläser, Schlagwerk, Kon­ fetti, Enchiladas, Mezcal, Corona, Tanz, Gesang, Wahnsinn. Memo Rojas, bei seiner allerersten Teilnahme an der Carrera Panamericana nach verunglücktem Start und einer Serie wahrer ­Teufelsritte als Dritter im Ziel, tanzt mit Sieger und Zweitplatziertem im Arm in der Straße: „¡Viva México, viva la Carrera Panamericana! Wir sind eine Familie! Bis nächstes Jahr!“ Sein Vater steht lächelnd daneben. Er weiß ­genau, was sein Sohn meinte. Es wurde eine lange Nacht in Zacatecas. 81


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© Jörg Mitter

Li k e What you Li k e

Dein MoMent.

abseits des alltäglichen


Ein Kassettendeck fürs iPhone, garantiert ohne Bandsalat, Seite 92

Dein Programm im März

ac t i o n ! R E i s e n / E q u i p m e n t / P a r t y / W o r k O u t / c i t y g u i d e / MUSI k / E v e n t s / TV Das australische DJ-Duo NERVO rockt den Sound-Club.

Troy Acevedo/We Are Night Owls

Bring den Bass!

Star-DJs wie Afrojack oder Tiesto legen in Stadien auf. Eine Ausnahme machen sie nur für den Sound-Club in Hollywood. Denn dort können sich die GroSSen musikalisch austoben. CLUB, Seite 90

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Action!

Reisen

Sibirien live Wo Rasputin und der Yeti ­einander gute Nacht sagen

Aufwärts Der Nationalpark Stolby (bedeutet „Säulen“) mit ­seinen mächtigen rötlichen Granit­ felsen ist Sibiriens Mekka des FreeSolo-Kletterns. sibtourgide.com

Am seilernen Faden Es wird kein Wellnessurlaub draus. Keine Angst. Dafür sorgt zunächst einmal die Destination: Sibirien. Und dann der Zeitvertreib. Der nennt sich „Rope ­Jumping“. Wie Bungee-Jumping, nur mit Rope wie Kletter­seil. An dem bindet man sich fest und springt von Brücken oder verlassenen Gebäuden runter, ­bevorzugt in urbanen Gebieten. Sibirien gilt als die Heimat des Rope Jumping, und wie es geht, verrät Dmitri Glebow, Teilnehmer beim „Cup of Siberia“, einem jährlichen Rope-Jumping-­ Bewerb: „Wir suchen eine geeignete Brücke oder ein verlassenes Gebäude und fixieren daran das Kletterseil. Das andere Ende des Seils wird an dem Klettergeschirr befestigt, in dem der Springer steckt. Und dann geht’s los. Die Schwerelosigkeit beim Sprung treibt dir das Blut in den Kopf, bevor du abrupt ab­ gestoppt wirst und im Seil hin und her pendelst – ein Gefühl wie in der Hochschaubahn.“ Der Thrill beginnt in den meisten Fällen nicht erst beim Absprung, ­sondern schon beim Aufstieg, manche Absprungplattformen befinden sich 500 Meter über der sibirischen Mutter Erde. „Ausdrücklich verboten ist Rope Jumping nicht“, sagt Glebow dann noch, „allerdings sieht es die örtliche Polizei nicht sehr 56th Parallel gern.“ Womit dann auch der Abgang organisiert extrezum Gesamterlebnis beiträgt: Die me Sport-Touren Flucht vor verärgerten russischen durch Sibirien, ab ca. 1800 Euro, Polizisten garantiert einwandfreie 56thparallel.com Adrenalinausschüttung. 84



Bungee Jumping auf russisch – mit einem (eher unelastischen) Kletterseil

Abwärts Mit einem Eisfloß auf dem arktischen Wasser des Angara-Flusses – dem einzigen Abfluss des Baikalsees – fahren. 56thprallel.com

InsiderTipp Ruck-Zuck „Der Trick ist, weit genug nach vorn zu springen, um unter der Brücke oder der Gebäudeöffnung durch­ zuschwingen“, empfiehlt Dmitri Glebow. „Außerdem beugt es dem abrupten Ruck vor und dem damit verbundenen Schmerz, wenn man in das Seil fällt.“

Beruhigungstropfen

Um den nötigen Mut für einen Sprung aufzubringen (oder danach die Nerven zu beruhigen), sollte man die Bulgakow-Bar in Krasnojarsk besuchen. „Ein cooler Ort, im Stile einer St. Petersburger Nobelbar … und das im Herzen Sibiriens – mit großartigem Essen und Cocktails. Die hausgemachten fruchtigen Shots sind einzigartig.“

Vorwärts Jeden März findet der Baikal Ice ­Marathon statt: Am schnellsten Lauf auf eisigem Terrain nehmen Athleten aus über 20 Nationen teil. absolute-siberia.com

barbulgakov.ru

the red bulletin

sellyourphoto.net(2), shutterstock(2), picturedesk.com

  R ope Jumping  Für alle, denen Bungee-Jumping zu Neunziger ist, gibt es in Sibirien etwas sehr Erfrischendes.


Action!

Starke Uhren Sprechen Sie Rolex? Welche Begriffe wann auf dem Zifferblatt des Cosmograph Daytona erschienen und was sie bedeuten.

1 „OYSTER“

2 „perpetual“

Steht seit 1965 auf dem Zifferblatt. Bezeichnet erhöhte Wasserdichtheit.

3

Seit 1988. Bedeutet, dass die Uhr mit einem automatischen Aufzug ausgestattet ist.

„superlative chronometer officially certified“ Seit 1988. Weist darauf hin, dass die Uhr noch präziser läuft als von der „Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres“ verlangt. Die COSC toleriert minus vier bis plus sechs Sekunden Fehlanzeige pro Tag. Rolex nur minus eins bis plus fünf.

Details am Rande Der Cosmograph unter der Lupe

4 „cosmograph“ Kunstbegriff. Stand bereits 1963 auf der allerersten Serie. Soll ausdrücken, dass es sich um eine besonders gut ablesbare Stoppuhr für Rennfahrer handelt (Zusatzfeatures wie Tempo-Messung).

5 „Daytona“ Zwischen 1963 und 1965. Hommage an die legendäre Renn­ strecke in Florida.

Die Race-­ Legende

Kleines ROLEX-QUIZ Wann wurde diese Uhr gebaut? ­Hinweise links (Punkte 1 – 5), Auflösung unten.

photocredit here

Der Schauspieler und Renn­ fahrer Paul Newman trug die ­Daytona in den 1970ern – und so zu deren Mythos bei.

Preisentwicklung der Rolex Daytona

30.500

(umgerechnet in Euro)

1976

2013

Gold 9.700 4400

Stahl

800 1970

1980

1990

2000

2010

Das koste(te)n die Stahl- bzw. Gold-Version neu im Laden. Gebrauchte Stahl-Daytonas (siehe re.) erzielen Rekordergebnisse.

Das „Paul Newman“Zifferblatt, zu erkennen an der roten SekundenEinteilung.

Diese StahlDaytona von 1969 wurde jetzt in Genf um 1,1 Millio­nen Dollar versteigert.

Auflösung: zwischen 1963 und 1965 (sie ist noch keine „Oyster“, aber bereits eine „Daytona“).

Alexander Linz

 Rolex Daytona  Wie der „Cosmograph“ zur begehrtesten Stoppuhr der Welt wurde und zu seinem ­e rstaunlich langen namen kam. Wenn Uhren-Liebhaber salopp „die Daytona“ sagen, sprechen sie eigentlich vom „Rolex Oyster Perpetual Superlative Chronometer Officially Certified Cosmograph Daytona“ (und meinen damit eine Uhr, die ursprünglich gar nicht Daytona hieß). Siehe Punkte 1 bis 5 oben. So viel zum Namen. Nun zur Begehrlichkeit. Die Mythos-Variante: Charismatische Helden wie Paul Newman trugen die ­Daytona und verliehen ihr eine Aura, die bis heute magisch zieht. Die „Nüchternes Business“-Variante: Rolex verknappte das Angebot an Stahl-Daytonas ab 1988 und trieb damit den Preis in die Höhe. Was auf jeden Fall herauskommt: eine Uhr, die nicht aus Edelmetall gefertigt ist und trotzdem 9700 Euro (neu) bzw. bis zu 1,1 Millionen US-Dollar (gebraucht) auf die Waage bringt.

OYSTER-EFFEKT Ab 1965 wurde die Daytona für noch mehr Dichtheit ­unter Wasser mit verschraubbaren Drückern erzeugt, damit diese nicht versehentlich betätigt werden können.

the red bulletin

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Action!

Profi-Gear 4

1

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P r o f i -T i pp s

microKORG: billiger als ein iPad, klein genug für jede Sporttasche. www.korg.com

so bediene ich den korg.

Klein und quietschig Synthesizer  Das ist die Wunder­ kiste, mit der Dorian Concept seinen einzigartigen Science-­ Fiction‑Jazz kreiert.

„Der microKORG ist ein einfacher Syn­ thesizer“, sagt Dorian Concept, „mit weit ­weniger Knöpfen als sein großer Bruder MS‑10. Genau deshalb finde ich ihn span­ nender.“ Ihm verdankt der Wiener Musiker seinen Durchbruch. 2006 stellte er ein ­Video namens „Fooling Around on Micro Korg“ auf YouTube, in dem er über die ­Mini-Klaviatur fegt und manisch an den Reglern schraubt. Kollegen wie Flying ­Lotus konnten kaum fassen, welch außer­ irdische Klänge er dem Synthesizer ent­ lockte. Der britische Radiomacher Gilles Peterson verglich Concept gar mit dem ­legendären Jazz-Keyboarder Joe Zawinul. Auch wenn er sich heute weit ausgeklü­ geltere Instrumente leisten könnte, ist der Red Bull Music Academy-Absolvent dem microKORG treu geblieben. Wie er der Kiste seine quietschigen Science-FictionSounds entlockt, erklärt er hier: www.ninjatune.net/artist/dorian-concept

Damit rockt der Club: Die Grundausstattung ­eines Elektronik-­ Musikers.

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1 Programm-­

Auswahl „Die Programm­ auswahl unterteilt die 128 Sounds in acht Genres. Von Trance bis Drum ’n’ Bass. ­Etwas klischeehaft, aber davon darf man sich nicht abschre­ cken lassen.“ 2 der release-

knopf „Nimm einen ganz gewöhnlichen Klang wie Klavichord. Dreh den Release-Knopf weit auf und stell den Oscillator auf ‚Di9‘. Plötzlich klingt der Sound ziemlich durchgeknallt.“ 3 der delay-

knopf „Das Geheimnis ­meines verhallten Sounds? Ich spiele rhythmisch mit dem Delay-Knopf. Das ­Delay des microKORG reagiert direkt und sehr flüssig.“

4 die oktaven-

knöpfe „Als Keyboarder bin ich größere Tasta­ turen gewohnt. Doch das kompensiere ich mit den Oktaven­ knöpfen und dem Pitch-Rad, die ich mit meiner nervösen lin­ ken Hand moduliere. Dadurch klingen ­meine Tracks so quietschig.“ „Bei Live-Sets verwende ich außerdem einen Laptop. Mit der Software Ableton Live spiele ich die HintergrundTracks ab, über die ich am microKORG meine KeyboardLines improvisiere.“

CNTRL:R

CDJ-2000 Nexus

Ableton Live

Für Laptop-Künstler, die gern an ­echten Knöpfen schrauben: SoftwareEffekte lassen sich mit diesem MIDIController (entwickelt von DJ-Legende Richie Hawtin) haptisch steuern.

Der moderne DJ kommt mit einem musikalisch befüllten USB-Stick in den Club. Dank dem runden ­Interface lassen sich Tracks wie ­Vinyl ­zurückdrehen.

Intuitiv steuerbar, vielseitig, stabil: Die Musik-Software ist wegen der einzigartigen Session-Funktion das Standardwerkzeug von Live-Elektronikern wie Dorian Concept.

www.lividinstruments.com

www.pioneerdj.com

www.ableton.com

the red bulletin

Lander Larrañaga/Red Bull Music Academy

Elektronikmusiker Dorian Concept (28) fegt über Klaviaturen.

electro gear

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Action!

workout

Ivana Španovi´c, Weitsprung-Dritte bei der WM 2013: „Meine Beine sind mein Kapital.“

Wie man das Weite findet   L eichtathletik  Weitsprung-Beauty Ivana Španović hat Power in den Beinen, einen Blick für die Waage und ordentlich was auf den Ohren.

Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool(2), shutterstock

Heri Irawan

„Ausschlaggebend beim Weitspringen ist nicht allein die Sprungkraft“, sagt Ivana Špano­vić, Weitsprung-Bronzemedaillengewinnerin bei der WM 2013, „der Speed beim Anlauf ist ebenso wichtig. Meine Beine sind also mein Kapital. Ich stärke sie in der Vorbereitung mit zwei mehrstündigen Einheiten täglich, das Fitnesscenter ist mein zweites Zuhause.“ Was ist sonst noch wichtig, Frau Španović? „Köperspannungs­ übungen, Balancetraining und vieeeel Bauchmuskel-Workout – du musst ja in der Luft den Körper energisch zusammenklappen. Beim Essen pass ich genau auf, ich wiege mich regelmäßig. Ein Kilo zu viel, und du bist im Nachteil. Denn wer leichter ist, springt weiter. So einfach ist das.“

In der Beinpresse: Ivana Španovi´c beim StreckmuskulaturWorkout

heiSSe Beats, Kaltes wasser

„Der iPod ist mein ständiger Trainingspart­ ner. Bei harten Einheiten pusht mich HipHop von Jay Z, beim Cooldown relaxe ich zu Thomas Newman. Apropos Cooldown: Nach heftigen Belastungen geht es zur Muskel­ kater-Prophylaxe ins Kaltwasserbad.“

Wi e man ri chtig ab hän gt Übung 1

Bauchmuskel­ training einmal anders: Durch die Umkehrung der Schwerkraft be­ anspruchst du deine Abdominals intensiv, ent­ lastest aber die Wirbelsäule.

1

2

Übung 2

So trainierst du einen besseren Absprung. Kopfüber hängend – mit Basket­ ball in den Händen – den Ober­ körper Richtung Knie beugen.

the red bulletin

Fußspitzen mit dem Basketball berühren, langsam (wichtig!) in Position 1 zurückkehren.

Mit 15-kg-Langhantel auf einen Hocker steigen: Bein auf dem Hocker explosiv durchstrecken.

Nach der Streckung anderes Bein rasch anwinkeln. Übung pro Bein 10- bis 15-mal wiederholen.

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Action!

world run

So weit, so gut

Wings for Life World Run am 4. Mai: das weltweite Laufereignis, in ganz neuem Format. Nicht die Zeit entscheidet, sondern die ­z urückgelegte Distanz. Das Catcher Car „jagt“ die Läufer – wie weit können Sie rennen, ehe sie eingeholt werden?

Ob Laufmuffel oder Ultrarunner, testen Sie, welche Distanz Sie beim globalen Sport-Event auf ANHIEB schaffen würden – und wie viele ­Kilometer mehr mit gezieltem ­Training möglich sind: CooperTest ¹  machen, Ruhepuls ² und BMI ³ ­e rmitteln und so Ihre persönliche Distanz-Prognose erstellen.

Der Fitnessläufer Ihr Laufverhalten

Der Nichtläufer Ihr Laufverhalten

Der Hobbyläufer Ihr Laufverhalten

Sie laufen nur sehr unregelmäßig oder gar nicht.

Sie laufen ein bis zwei Mal die Woche, der Gesundheit wegen.

Ihre Werte

Ihre Werte

BMI: 30 – 35 Ruhepuls: >65 Cooper-Test: eher nicht empfohlen gelaufene Kilometer/Woche: <1

BMI: 20–30 Ruhepuls: 50 – 60 Cooper-Test:1800 – 2200 m gelaufene Kilometer/Woche: 5–10

Ihre aktuelle Distanz-Prognose: 1 km

Ihre aktuelle Distanz-Prognose: 10 km

Fangen Sie morgen mit dem Training an, und Sie schaffen beim World Run:

Fangen Sie morgen mit dem Training an, und Sie schaffen beim World Run:

5 km

15 km

Der Marathonläufer Ihr Laufverhalten

Der Ultrarunner Ihr Laufverhalten

Sie halten sich mit drei Laufeinheiten in der Woche fit.

Sie laufen fast täglich und haben Marathon-Erfahrung.

Sie gehören beim Wings for Life World Run zum Kreis der Favoriten.

Ihre Werte

Ihre Werte

Ihre Werte

BMI: 18 – 25 Ruhepuls: 50 Cooper-Test: 2500 – 2800 m gelaufene Kilometer/Woche: 30 – 40 km

BMI: 16 – 20 Ruhepuls: 35 –  45 Cooper-Test: 3400 – 3800 m gelaufene Kilometer/Woche: >70 km

BMI: 16 – 20 Ruhepuls: 30 –  40 Cooper-Test: >4000 m gelaufene Kilometer/Woche: >100 km

Ihre aktuelle Distanz-Prognose: 15 km

Ihre aktuelle Distanz-Prognose: 30 km (in 2:26 Std.)

Ihre Distanz-Prognose für den World Run: 70  – 100 km

Mit Training schaffen Sie beim World Run den Halbmarathon in 1:52 Stunden.

Mit Training schaffen Sie beim World Run den Marathon in 3:08 Stunden.

5:48 Std. = die Zeit für 99 km, um nicht vom Catcher Car überholt zu werden.

21,0975 km

1 Cooper-Test: Die Ermittlung der während eines   12-Minuten-Laufs zurückgelegten Strecke

42,195 km

2 Ruhepuls: Zahl der Herzschläge im Ruhezustand

70 – 100  km

3 BMI (Body Mass Index): Körpergewicht / (Körpergröße [in m])²

Finde dein ideales Laufziel mit dem Wings for Life Goal Calculator: www.wingsforlifeworldrun.com

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the red bulletin

Philip Platzer/Red Bull Content Pool, Harald Tauderer/extreme sport management

Wie weit geht’s?


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ANME L DEN i t­ u n d me n ! h m ac

P r o f i - T i pp s Ultrarunner Christian Schiester über Flow und Motivationstricks

1

Was ist die faszination am Wings For life World Run?

Der Weltlauf

Das mobile Ziel. Du startest zwar in der Menge, läufst aber nicht gegen die ande­ ren, sondern gegen das Catcher Car. So wird es letztlich nur einen Gewinner, aber viele Sieger geben.

2

  W ings for Life World Run  Ein Startschuss für sechs Kontinente: Am 4.  M ai 2014 steigt der erste globale Laufbewerb der Sport­ geschichte. Die Zielgruppe: alle, die sich mit der ganzen Welt messen wollen. Wie’s funktioniert? So – hier die Fakten:

Laufen ist auch Qual. Wie motiviere ich mich?

Machen Sie ein Erlebnis draus. Laufen Sie in den Wald, setzen Sie sich hin, er­ leben Sie die Natur oder machen Sie ein Picknick – und laufen wieder zurück. Dann ist es keine Plage mehr, sondern Lust.

3

Und wie wird man vom Sportmuffel zum LÄufer?

Mit Geduld. Anfangs nur einmal ums Haus gehen und das auf einem Zettel notieren. Dann die Einheiten steigern. Die Zettel sammeln! Das inspiriert … ich notiere bis heute jeden meiner Laufkilometer.

4

1. Der Modus

4. Die Wertung

Am 4. Mai 2014 starten um 10 Uhr UTC (koordinierte Weltzeit) gleich­ zeitig bis zu 37 Läufe in bis zu 35 Ländern. Nach 30 Minuten beginnen „Catcher Cars“ die Teilnehmerfelder von hinten aufzurollen. Wer weltweit als Letzter überholt wird, gewinnt.

Der letzte Mann und die letzte Frau weltweit werden zu globalen Cham­ pions gekürt und gewinnen eine Spezial-Weltreise. In jedem Land werden nationale Sieger ermittelt. Jede Läuferin, jeder Läufer kann ­online vergleichen: „Wer hat global mehr Strecke geschafft als ich?“

2. Die Jäger

Wie fühlt sich der Flow in Ihrem Fall genau an?

Plötzlich sind die Schmerzen weg. Du fühlst dich allmächtig, könntest ewig weiterlaufen. Bei Anfängern kommt der Flow recht bald, bei mir mittlerweile ­leider erst nach zirka 60 Kilometern.

„Sammle täglich deine Meter“ Wings for Life World Run-Bot­ schafter Schiester

Die Catcher Cars erhöhen anhand global festgelegter Intervalle sukzessive ihre Geschwindigkeit. Wird ein Läufer überholt, scheidet er aus. Dabei wird automatisch seine erreichte Laufdistanz ermittelt.

5. Die Teilnehmer

3. Die Strecken

6. Die Mission

Unterteilen sich in die fünf globalen Kategorien: Küsten-, Fluss-, Stadt-, Natur- und Aussichtsläufe. Aktuelle Wetterinformationen, detaillierte Streckeninfos sowie den Weg-ZeitKalkulator – mit dem man seine ­angestrebte Laufgeschwindigkeit im Rennen berechnen kann – bietet die Event-Homepage.

Der Wings for Life World Run steht unter dem Motto „Running for ­Those, Who Can’t“. Sämtliche Einnahmen kommen der Wings for Life-Stiftung für Rückenmarksforschung zugute, die weltweit wissenschaftliche Pro­ jekte zur Heilung von Querschnitts­ lähmung unterstützt. Alle Infos: www.wingsforlife.com

Von Anfängern bis zu Top-Athleten und Promis (wie David Coulthard): Ziel ist es, so viel Strecke wie mög­ lich zu schaffen, um Querschnitts­ lähmung heilbar zu machen. Jeder Läufer hilft, jeder Kilometer zählt.

Fordern Sie die Welt beim Wings for Life World Run! Online-Anmeldung bis 20. April 2014 unter: www.wingsforlifeworldrun.com



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Action!

Feierabend Die Tanzfläche im Sound fasst 650 Raver.

Z eit­ reise An diesen drei Orten finden Sie noch einen Hauch altes Hollywood.

Los Angeles  Was machen Star-DJs, wenn sie von Riesenclubs die Schnauze voll haben? Sie legen im Sound auf. Elektronische Tanzmusik ist populärer denn je. Star-DJs wie David Guetta sorgen mit ihren Hymnen in Fußballstadien für mehr Stimmung als ein David Villa mit einem verwandelten Elfmeter. Doch auch die Großen der Zunft spielen oft lieber Underground-Platten. Der Sound-Club gibt ihnen die Möglichkeit dazu. „Nimm etwa Afrojack. Jeder kennt ihn für seine StadionHits“, sagt Kobi Danan, Manager des Clubs. „Aber er weiß, bei uns kann er ein düsteres Set spielen.“ So grenzt sich der Sound-Club von Hollywoods Hochglanz-Discos ab. „Bei uns ist die Musik der Star“, sagt Danan. Und weil dieser Star strahlen muss, kam für ihn nur die beste Anlage in Frage: Funk­ tion One. Quasi der Lionel Messi unter den Sound-Systemen. sound nightclub 1642 North Las Palmas Avenue Los Angeles, CA 90028 www.soundnightclub.com

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R3hab (re.) und Tiësto (u.) an den DJ-Decks im Sound

Tapeten­ wec h sel Im Sound-Club können Musiker Neues ausprobieren. Welchen Karrieren ein Tapetenwechsel gutgetan hat, erfahren Sie hier.

Iggy Pop Vor seinem Aufstieg zum Punk-Titan war Pop Drummer in einer Blues-Band in  Chicago. Angeblicher Grund für den Wechsel: neue Drogen, neue Musik. Katy Perry Warum Perry „Jesus“ sich auf das Armgelenk tätowieren ließ? Weil die Pop-Prinzessin vor ihrer Karriere eine christliche Rockerbraut war. Michael Bolton Kein Witz: Der Großmeister der weichgespülten Ballade war in den Sieb­ zigern ein Heavy-Metaller – und teilte sich die Bühne mit Ozzy Osbourne.

Avalon Hollywood In den 1920er ­Jahren war es ein Theater, in den 1940ern ein Radiostudio, heute ist das Avalon ein LiveClub. Die Beatles spielten hier ihr erstes Konzert an der Westküste.

Library Bar im Roosevelt Marilyn Monroe wohnte zwei Jahre im Roosevelt Hotel, ihr Geist spukt angeblich heute noch hier. Zu überprüfen am besten nach zwei, drei Bio-Cocktails in der Library Bar.

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Troy Acevedo/We Are Night Owls (4), picturedesk.com, corbis (2)

Wo Große kleine Hits spielen

Musso & Frank Grill: Restaurant and Bar Hier forderte Charlie Chaplin Stummfilm-Superstar Douglas Fairbanks zu einem Pferderennen über den Hollywood Boulevard. Heute serviert die Bar den zweifellos besten Martini der Stadt.


Action!

City Guide

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Indoor-Action in Kopenhagen

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alBERT EXERGIAN, JOHANNES LANG Corbis, Urban Ranger Camp, Copenhagen Air Experience/Henrik Sorensen

Kunst? Großartig. Smörrebröd? Gut. Bier? Teuer! Kopenhagen Von Retro-Kneipen, In-Boutiquen und anregenden Planetarien: Dänemarks Hauptstadt aus Sicht des Künstlers eske kath. „An Kopenhagen liebe ich, dass es eine dynamische, pulsierende City ist – und zugleich angenehm überschaubar“, sagt der Maler und Performance-Künstler Eske Kath, der nicht nur Plattencover für die dänische Popsängerin Oh Land designte, sondern auch die Ehre hatte, ein Zimmer im Schloss Amalienborg zu bemalen, der königlichen Stadtresidenz. „Man fühlt sich in Kopenhagen schnell heimisch, vor allem ­wegen der Menschen, die stets mit einem Lächeln im Gesicht durch die Straßen gehen.“ Und auch wenn er schon länger in New York lebt, zieht es ihn immer wieder in seine Heimatstadt zurück: „Wenn New York das Herz der Welt sein soll, dann ist Kopenhagen das kleine Herz Skandinaviens.“ Hier Eskes fünf persön­ liche Pflichtadressen für den Kopenhagen-Trip.

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TOp Five Eske Kath, dänischer Maler, Bildhauer und Performance Artist

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Skatepark Kopenhagen

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Meine City-HIGHLIGHTS

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es mit jeder Boutique in New York aufnehmen: Du findest hier das Angesagteste in Sachen Schuhe und Klamotten – von Street Wear bis zu Brands wie Kenzo oder Nike.

1 Galerie Mikael

Andersen Bredgade 63 Die Galerie für zeitgenössische Kunst ist ein echtes Karriere­ sprungbrett für talentierte junge Künstler. Auch meine Bilder ­hingen früher einmal hier.

4 Kødbyen

Vesterbro Der sogenannte Fleischmarkt­ bezirk gehört zu Kopenhagens aufstrebenden Vierteln. Hier ­besuche ich entweder Kunst­ ausstellungen oder gönne mir eine Pizza in der Kneipe Mother.

3 Wood Wood

Grønnegade 1 Fixpunkt bei jedem Einkaufs­ bummel. Das Wood Wood kann

Urban High Roping Schon mal in 50 Meter Höhe über ein Seil balanciert? Kein Problem im höchsten Hochseilgarten der Welt. Außerdem kann man hier klettern, sich abseilen oder den freien Fall genießen. urbanrangercamp.dk

Indoor Skydiving

2 Café Dyrehaven

Sønder Boulevard 72 Kopenhagen ist sauteuer. In der Hipster-Kneipe im 70er-JahreLook bekommt man aber recht günstiges Bier … und das aller­ beste Smörrebröd der Stadt.

Wetterfestes ­ katerparadies: S 2003 erbaut, ist es Kopenhagens bester Indoor-Skatepark, mit der größten Vertical Ramp Skandinaviens. Profis sind ebenso willkommen wie Hobby-Skater.

5 Tycho-Brahe-

Planetarium Gammel Kongevej 10 Das Planetarium ist mein Lieb­ lingsort in der Stadt. Und es in­ spiriert: Herrlich, beim Anblick der Sternenbilder zu entspan­ nen und zu meditieren. Nichts fördert die Kreativität besser.

Das Gefühl eines Fallschirmsprungs erleben – ganz ohne Fallschirm? Möglich ist dies in Skandinaviens einzigem Windkanal und bei VertikalWindstärken bis zu 120 km/h. airexperience.dk

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Action!

C D -­ Klinik

laden & Lauschen

So bringen Sie Ihre zerkratzten Silberlinge wieder zum Scheinen.

Vor drei Jahren gelang Katy B der große Coup: In ihrem Debütalbum „On a Mission“ vereinte die junge Britin Dubstep und Garage – kurz: den Underground-Club-Sound ihrer Heimatstadt – mit großen Pop­melodien. Ihre Platte schoss auf Platz 2 der englischen Charts, ihr neuer Stil fand schnell unzählige Nachahmer. Und wie behauptet die Club-Prinzessin ihren Thron? Überzeugend. Ihr neues Album „Little Red“ steckt voller Hymnen auf die Nacht. Auf Begegnungen unter der Discokugel, auf die Magie der Clubs. Welche Songs die Künstlerin dazu inspirierten und welche Tracks sie selbst auf die Tanzfläche locken, erzählt sie hier.

  P laylist  Die Chartstürmerin singt über das Leben unter der Discokugel. Und verrät, welchen Song sie so gerne selbst geschrieben hätte.

1 Arctic Monkeys

Katy Bs neues Album „Little Red“ ist bereits erschienen: www.katybofficial.com

2 Indeep

3 Banks

Ich hab’s nicht so mit Gitarrenmusik. ­Vermutlich, weil ich mit Hip-Hop und Garage aufgewachsen bin. Letztes Jahr aber war ich zu einer Diskussionsrunde im Rahmen des Mercury Music Prize eingeladen und hörte mir alle nominierten Alben an – auch das der Arctic Monkeys. Dieser Song blieb mir im Ohr hängen – und hat mich gewissermaßen bekehrt.

Es gibt einfach keinen bes­ seren PartySong. Er ist so simpel wie ansteckend. Meine Eltern spielen den Disco-Klas­ siker bei jedem Familienfest. Und jedes Mal lockt er alle Anwesenden – egal ob jung oder alt – auf die Tanzfläche. Etwas Besseres kann man mit einem DanceTrack nicht erreichen. Ich wünschte, ich hätte ihn selbst geschrieben.

Banks hat alle Voraussetzungen zum Star: eingängige Melodien, gute Texte, Klasse und Stil. Wäre ich ein Teenager, ich würde mir ein Poster von ihr an die Wand hängen. Dieser Song klingt visionär: elek­ tronischer R ’n’ B. Als hätte Timbaland den Beat produziert, nur düsterer und graziler. Meine Prognose: Banks wird 2014 voll durchstarten.

Ciara ft. Nicki 4 Minaj 

5 Skream

Mein Lieblingssong von 2013. Der Beat ist so hart wie ­Ciaras Auftreten, das mich an die junge Janet Jackson erinnert. Und dann ist da noch Nicki Minaj. Versteht mich nicht falsch, ich liebe sie, aber manchmal ist sie zu überdreht. Doch in diesem Track spuckt sie Feuer – und ­unterstreicht, dass sie die allerbeste Rapperin ist. So gangster!

Der Track war eine musika­ lische Offenbarung für mich. Düster, episch – anders als alles, was ich kannte. Skreams bassgewaltige DJ-Sets im Club FWD – dort wurde Dubstep erfunden – waren für mich als Achtzehnjährige eine spirituelle Erfahrung. Heute arbeiten wir zusammen. Das macht mich sehr stolz, denn er hat mir künstlerisch den Weg gewiesen.

„Do I Wanna Know?“

„I’m Out“

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„Last Night a DJ Saved My Life“

„Rutten“

Zahnpasta Zahnpasta mit weichem Tuch auf der CD verteilen, polieren. Das trägt einen Teil der Schutzschicht ab, der Kratzer verliert an Tiefe. Mit lau­ warmem Wasser abspülen, fertig.

„This Is What It Feels Like“

Software Kostenlose DatenrettungsProgramme wie Recuva können auch beschädigte CDs lesen. Nach dem Back-up die Daten auf einen neuen Rohling brennen.

R etr o - M an ia Gadget des Monats

Eisfach

iRecorder Statt eines Audio-Tapes steckt man das iPhone ins Laufwerk des Rekorders im Achtziger-Stil und steuert die MP3s mit fünf großen Tasten. Fast so schön wie ­damals – und ohne Bandsalat!

CD im Gefrierbeutel zwei Stunden ins Eisfach legen. So verringert sich die Dichte des CD‑Materials. Im Warmen dehnt es sich wieder aus, kleine Kratzer verschwinden.

the red bulletin

florian obkircher

Spirituelle GangsterLadys

Getty Images, shutterstock

Kathleen Anne Brien alias Katy B, 24, Club-Prinzessin


Action!

games

Zahlenspiele Die Welt in Einsen und Nullen

Star-Entwickler Hideo Kojima setzt aufs Kinoerlebnis für Spielkonsolen.

Kampf der Welten

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„South Park: Der Stab der Wahrheit“

  M etal Gear Solid V:  Ground Zeroes

Im März kommt nun endlich der 6. Teil mit Cartman & Co heraus. Der ursprüngliche ­Termin wurde ­verschoben, weil Nacharbeiten am Spiel nötig waren.

Hideo Kojima ist der Quentin Tarantino des Game-Business. Weil der japanische Entwickler selbst ein Star ist. Weil er sich nicht um Konven­ tionen schert. Weil er seine Games anlegt wie ­Filme. Und weil er sich sogar als „Regisseur“ seiner Filme bezeichnet. Offen spricht Kojima über seine cineastischen Einflüsse, wiederholt nannte er „Stirb langsam“, „James Bond“, „Heat“ und „Children of Men“. In „Metal Gear Solid V: Ground Zeroes“ kreuzt Kojima zwei Game-Welten: „Stealth“ und – erstmals – „Open World“. Der fünfte Teil der Serie (er spielt im Kuba des Jahres 1975) verzichtet auf die reizvoll klaustrophobische Atmosphäre und die gnadenlosen Endgegner seiner Vorgänger. Das werden nicht alle „Metal Gear Solid“-Fans mögen. Aber Kojima ist das ziemlich egal: „Es ergeben sich ganz neue Spielmöglichkeiten. Es wird stressig und spannend für den Spieler. Und definitiv nicht einfacher.“ Womit wir bei der nächsten Parallele zu Tarantino wären: Kojima hat diebische Freude daran, selbst eingefleischte Fans vor den Kopf zu stoßen. Erscheint im März für Xbox One und 360 sowie PlayStation 3 und 4, bestimmte Spielelemente auch für Tablets und Smartphones. metalgearsolid.com

stickoftruth.com

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So Viele Leute gehören zum Entwicklungsteam von „The Elder ­ crolls Online“. S Zwei Jahre wurde dran gearbeitet, Release im April. elderscrollsonline.com

Spezialagent Solid Snake schleicht erstmals durch eine „offene Welt“.

Bran dneu

Bau-Tycoon

PAUL WILSON

Geek Resort: FantasyResort für Nerds Einen Themenpark für echte Nerds (mit den Schwerpunkten Sci-Fi, Manga, Fantasy und Horror) planen, bauen und betreiben. Klingt niedlich, birgt aber teuflisch hohes Suchtpotential. Wahre Geeks jagen sogar Modelle der eigenen Charaktere durch ihren 3‑D-Drucker. Für Android und iOS. ama-studios.com

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Am Drücker

Dauerfeuer für nervöse Finger In den achtziger Jahren verbrachte eine ganze Videospiel-­ Generation unzählige Stunden in Spielhallen vor Arcade-Automaten. Mit dem „FightStick Tournament Edition 2“ für die Xbox bringt man die fast vergessene Kampfsteuerung zurück ins Wohnzimmer von heute. Fürs Tastentrommel-Staccato ­stehen Joystick und acht große Knöpfe bereit. madcatz.com

5 Mio. Downloads

von Red Bull Kart Fighter im Jahr 2013. Ein Update der kostenlosen Racing-Simulation erweitert das Game um fünf neue Strecken auf insgesamt 40. games.redbull.com

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Action!

Kurven, Wellen, Sprünge: Der Skicross-Weltcup gastiert in Arosa. 6. und 7. 3., Arosa

FIS Skicross Weltcup Zum allersten Mal ist Arosa der Austragungsort eines Skicross-Weltcuprennens. Will heissen: Sprünge bis 30 Meter und darüber, Geschwindigkeiten bis 90 km/h beim Auftritt der (männ­lichen und weiblichen) Skicross-Weltelite, die sich jeweils in Vierer-Heats die mit zahlreichen Rollern, Jumps und Highspeed-Passagen gespickte Strecke Carmenna-Bergkirchli hinunterstürzen wird. www.fis.ski.com

4. 5., Olten

27.–29. 3., Zürich und Lausanne

m4music Festival Mehr als nur Festival: Hier trifft sich die Schweizer Musikszene, hier entdeckt man Talente und plaudert mit Musikbiz-Profis. Im Line-up: Jungkünstler, nationale wie internationale Stars (Bild: We Are Scientists). m4music.ch

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Wings for Life World Run

14. und 15. 3., Flugplatz, Buochs (NW)

Ein einzigartiger Lauf-Event: In 35 Ländern fällt gleichzeitig der Startschuss für 37 Läufe mit ­exklusivem Modus (S. 88): In der Schweiz geht es um 12 Uhr mittags in Olten (SO) los: Die Naturstrecke führt südwestlich (Blick auf die Jurakette) über Schwarzhäusern, Murgenthal, Rothrist (km 42), Schötz (LU) und Knutwil nach Aargau. Mit dabei: Lauf-Ikone Viktor Röthlin (Bild). www.wingsforlifeworldrun.com

Für zwei Tage wird der Flugplatz Buochs zum Freestyle-Hotspot: Am Freitag wär­ men die US-Rapper Delinquent Habits die Fans gehörig auf, tags darauf zeigen nationale Freeskier und Snowboarder beim Big Air atemberaubende Jumps über die 18 Meter hohe Rampe. Rahmen­ programm: Promostreet, Skatepark und Festwirtschaft. Der Eintritt zum Freestyle-Spektakel (samt Konzerten) ist frei. Tickets für die Concertnight am Freitag und Afterparty gibt es auf: www.hilljam.ch

hill jam 6

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Getty Images, Romina Amato/Red Bull Content Pool, Tino Scherer, Galerie La Ligne, Sebastian Marko/Red Bull Content Pool, multimedia.photopress.ch, Jean-Christophe Dupasquier/Red Bull Content Pool

Events


bis 22. 2., Galerie La Ligne, Zürich

7. 3., Hallenstadion, Zürich

29. und 30. 3., Silvano-Beltrametti-Piste, Lenzerheide

Swiss Music Awards 2014

Red Bull SKiLLS

Die mit Spannung erwartete Vergabe des wichtigsten Musikpreises der Schweiz wandert 2014 ins Zürcher Hallenstadion und ist somit erstmals einem breiten (Live-)Publikum zugänglich: Geehrt werden – in elf Kategorien – junge Schweizer Talente sowie erfolgreiche Künstler. 2013 wurde Rapper Stress (Bild) zum Best Live Act National gekürt. Tickets und ­Infos: swissmusicawards.ch

Zu meistern: Super-G, Slalom, Abfahrt und Riesenslalom – in dieser Reihenfolge, ohne Zwischenstopp oder Skiwechsel! Red Bull Skills sucht erneut den besten Pisten-Allrounder und lässt angehende Ski-Asse die Stars von heute herausfordern: 2013 stellten sich etwa auch Markus Vogel und Wendy Holdener der Challenge. Sieger? Das Schweizer Talent Urs Kryenbühl. redbullskills.ch

Gut tausend Zu­ seher bestaunen 60 WeltklasseFreerider, die mit möglichst sauber ausgeführten ­Lines, Rock Jumps, Front- und Backflips um 10.000 Franken Preisgeld freeriden. 14.–18. 3., Nendaz, Mont Gond

20. 2., ISC, Bern; 28. 2., Cafe Bar Mokka, Thun

Undiscovered Soul Sie vermarkten sich selbst, gehören „aus Über­ zeugung“ zu keinem Label und verkaufen ihre CDs schon mal zum Preis, den die Käufer bestimmen. Die Thuner Rockband Undiscovered Soul hat zum Thema Karriere eine klare Meinung: „Wir wollen nicht reicher werden, sondern auf gesunde Art bekannter.“ 2013 gewannen sie den NachwuchsbandContest Red Bull Roof Bandits, im Februar stehen zwei Release-Gigs ihrer neuen EP „Purple“ auf der Agenda. Eine Empfehlung. undiscoveredsoul.ch

Das winterliche Bike-Downhill-Race beginnt auf 3500 Meter Höhe in Le-Mans-Manier: mit einem Massensprint der Teilnehmer zu ihren Bikes. Danach gilt es, acht Kilometer Strecke und 1700 Meter Höhendifferenz zu überwinden: mit Geschwindigkeiten bis 140 km/h, inklusive verschneiter Flach- und Steilpassagen, Drifts, Brems- und Überholmanöver … Wer nun Lust bekommen hat, sich in die Startliste 2014 einzutragen oder dem Gletscherrennen zumindest als Zuschauer beizuwohnen, findet alle Infos auf: saas-fee.ch the red bulletin

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Nendaz Freeride Tour

Als „Dialog zwischen Malerei und Skulptur“ sieht der Künstler John Carter seine Werke, die von der Royal Academy of Arts ausgezeichnet wurden. „So entsteht eine meditative Beziehung zwischen Wissen und Imagination“, schrieb das „Royal Academy Magazine“. Die Galerie La Ligne zeigt neue Werke des Meisters. galerie-la-ligne.ch

Glacierbike Downhill

Erfreuliche Pflichttermine in nächster Zeit

Donnerstag

Ausstellung: John Carter

8. 3., Saas-Fee, Feegletscher

Save the Date

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freitag

in Concert: Casper Auf seiner „Hinterland“-Tour hat der deutsche Rapper einen Stopp in der Schweiz ein­ geplant. Rasch Karten sichern! 7. 3., Komplex 457, Zürich

22 samstag

Red Bull ­ usic Aca­ M demy Session & Night Zwei Musiksessions samt Konzertabend: mit Mosca, T. Williams, Radiorifle bzw. Just Blaze und Benji B. 22. 2., Le Bourg, ­ ausanne; 27. 2., L Longstreet, Zürich 

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Action!

TV-Highlights

M ust See

Volles Programm

Helden auf ihrem Bildschirm

das red bull tv-fenster bei servus-tv

The BossHoss – Studio ­Diaries

Universe of Keith haring

Einmal Kosmonaut sein und die Erde von „draußen“ sehen. Guy Laliberté erfüllte sich diesen Traum.

Vom U-BahnSprayer zur Kunst-Ikone – das bewegte Leben des Keith Haring. 16. 2., 23.15 Uhr

Mittwoch, 12. 2., 21.15 Uhr

Der Traum vom Himmel Guy Laliberté, Gründer des weltbekannten Cirque du Soleil, hat einen großen, ja einzigartigen Lebenstraum: Irgendwann einmal will er die Erde vom Weltraum aus betrachten und die Schwerelosigkeit erleben. Als er sich diesen Wunsch 2009 schließlich erfüllt, dokumentiert er nicht nur die intensive Vorbereitungszeit, sondern lässt uns auch während seines Weltraumaufenthalts an seinen Erfahrungen und atemberaubenden Eindrücken teilhaben.

Talauega Brothers Samstag, 22. 2., 12.00 Uhr

FIM SuperEnduro – Spanien Samstag, 15. 2., 10.40 Uhr

Mittwoch, 19. 2., 21.15 Uhr

Mittwoch, 26. 2., 21.15 Uhr

Yamakasi Generation

Seeing in the Dark

Leben im Par­ allel-Universum

1997 entstand in einem Vorort von Paris die weltweit erste Freerunning- und Parkour-Gruppe. Das ist die Geschichte von „Yamakasi“.

Wissenschaftler Timothy Ferris gewährt in dieser Dokumentation Einblicke in die faszinierende Welt der Sternenbeobachtung.

Ein Physikerteam geht der Frage nach, ob es neben dem Universum, in dem wir leben, noch weitere, vergleichbare geben könnte.

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Der fünfte Stopp des diesjährigen FIM-SuperEnduro-Weltcups geht in Barcelonas Palau-SantJordi-Arena über die Bühne. Bei dem Indoor-Event der Extraklasse muss sich Andreas Lettenbichler (GER) in einem von Hard-EnduroGrößen gespickten Feld durchsetzen und hat mit Jonny Walker, David Knight und Alfredo Gomez starke Konkurrenten vor sich.

Rich und Tone, zwei Brüder aus Samoa, ertanzen sich den Choreographen-Olymp. 22. 2., 9.15 Uhr

Sie finden ServusTV mit dem Red Bull TV-Fenster nicht auf Ihrem Fernsehgerät? Rat und Hilfe zum Nulltarif unter

0800 100 30 70 the red bulletin

Cirque du Soleil, Majestic Force ñ Api Productions, Francis Kenny, Florianfilm GmbH, Norman Konrad, Corbis, Golden Girls

Die deutschen Rocker nehmen Sie mit ins Studio. 15. 2., 12.10 Uhr


p ro m ot i o n

Must-haves! 2

1 N ike – Air Max 1 C2.0 Der Nike Air Max 1 kam 1987 auf den Markt und war damals dank seiner sicht­ baren Luftdämpfung die Sensation. Mittler­ weile ist dieser Sneaker bei vielen Turn­ schuhsammlern und Liebhabern äußerst beliebt und hat sich sowohl in Form als auch ­Materialbeschaffenheit weiterentwickelt. Der Air Max 1 C2.0 ist das neueste Modell aus dem Hause Nike und ­quasi State of the Art in Sachen Sneakers. Verkaufspreis: CHF 199.–

www.urbanpeople.com 2 Asics – Gel-Lyte III Das Modell Gel-Lyte III aus dem Hause ASICS erlebt eine regelrechte Renaissance und ist ein absolutes Must-have für alle Sneaker-­Enthusiasten. Und der Hype um die Gel-Lyte-Silhouetten kommt nicht von ­ungefähr, denn bei diesem Running-Schuh sind Style und Sportlichkeit einfach in ­perfektem Einklang. Verkaufspreis: CHF 169.–

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www.urbanpeople.com

Free – Der Cerro Torre, das Unmögliche und ich Anfang 2012 hat David Lama Geschichte geschrieben: Als erster Mensch konnte er den berüchtigten Cerro Torre in Patagonien frei klettern. Mehr als drei Jahre musste der Tiroler in diese Herausforderung investieren, zweimal hat sich ihm der 3 128 Meter hohe ­Granitberg verweigert – doch letztlich glück­ te ­David Lama ein alpinistischer Meilenstein. Er hat das Unmögliche geschafft und jetzt ein Buch darüber geschrieben. ­Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 224 Seiten; auch als eBook erhältlich. Verkaufspreis: CHF 32.90 3

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www.books.ch 4 Samurai-Küchenmesser-Set Für Kämpfer in der Küche: Das Samurai-­ Küchenmesser-Set besteht aus einem Gemüse-, einem Allzweck-, einem Brot­sowie einem Kochmesser (hergestellt aus rostfreiem Stahl und Aluminium), welche – Samurai-Schwertern gleich – auf einem Holzständer ruhen. Verkaufspreis: CHF 57.95

www.radbag.ch

ADIDAS ENTHÜLLT DEN BRAZUCA – DEN OFFIZIELLEN SPIELBALL DER FIFA FUSSBALL-WM 2014™ IN BRASILIEN Das Design des brazuca ist von den leb­ haften Farben, der Leidenschaft und der ­Geschichte Brasiliens inspiriert. Die in der Blase und Karkasse des brazuca integrierte Technologie ist identisch mit der des Tango 12 (UEFA EURO 2012™), des Cafusa (FIFA Confederations Cup 2013) und des allseits beliebten offiziellen Spielballs der UEFA Champions League™. Die neue Oberflächen­ struktur sowie die einzigartige Symmetrie der sechs identischen Panels verbessern ­jedoch Grip und Ballgefühl und sorgen für mehr Stabilität und Aerodynamik auf dem Spielfeld. Verkaufspreis: CHF 200.– 5

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www.adidas.com/worldcup


Magic Moment

Lienzer Dolomiten, 7. November 2013. „Auch ein Eiskletterer nutzt ­Erkenntnisse der Architektur“, so der Osttiroler Peter Ortner. „Am sichersten unterwegs bist du in ­gewölbeförmigen Abschnitten.“ Die Tücke der Wand im Bild: „Firneis – so weich, dass du den Pickel bis zum Schaft reinschlagen kannst.“

„Ein falscher Pickelschlag – und du brichst einen riesigen Eisblock aus der Wand.“

Die nächste Ausgabe des Red Bulletin erscheint am 11. März 2014. 98



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Martin Lugger

Peter Ortner, Weltklassekletterer


WIR LAUFEN FÜR ALLE, DIE NICHT LAUFEN KÖNNEN. AM SELBEN TAG. ZUR SELBEN ZEIT. AUF DER GANZEN WELT. 4. MAI 2014, 12:00 UHR

OLTEN

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The Red Bulletin März 2014 - CH