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Publisher Francesco J. Ciringione

rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110 I CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80 I F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch

Member of the Board Boris Jaeggi I b.jaeggi@rundschaumedien.ch Publishing Director Hasan Dursun I h.dursun@rundschaumedien.ch

Product Manager Adrian Borer I  a.borer@rundschaumedien.ch

Sales & Marketing Sandro Zoppas I s.zoppas@rundschaumedien.ch

Editor-in-Chief Anka Refghi I a.refghi@rundschaumedien.ch

Editors Wilma Fasola, Gisbert L. Brunner, Helena Ugrenovic, Iris Wimmer-Olbort, Dr. Thomas Hauer, Wilhelm J. Grusdat, Anouk Delange, Gemeentemuseum, Anna Karolina Stock, Alain Wafelmann, Patrick Frey, Nike Schröder, Auto-Medienportal, Stefan Leichsenring

Corrector Andreas Probst Head of Production & Art Director Sandra Rizzi I s.rizzi@rundschaumedien.ch Product Public Relation Laura Giarratana I l.giarratana@rundschaumedien.ch Cover Picture Roland Faesser, «A Horse Is A Horse»

Photographs Roland Faesser, Miles Aldridge, Julien RobiTaille, J-F Bergeron, Skander Khlif, Visit Florida, Vier Pfoten, Arosa Tourismus, Dave Nauli, Anissa Kermiche, Harry Winston, RM Sotheby’s, Mercedes, McLaren, ampnet, Katia Wik, Guo Pei, Gemeentemuseum, Hacket London, Nicky Dobree, Steininger Designers, Schott, Amit Geron, Vogue, Louis Roederer, Dandelyan, Balik, Heinz Beck, VP Bank, Jack Wolfskin, Emma Jane Johnston, Peperina Magenta, Bilddatenbanken

Admin, Coordination & Subscriptions Serpil Dursun I s.dursun@rundschaumedien.ch Price  Issue CHF 10.– / € 9.50 I Year ­CHF 39.– / € 35.– IT Support  Dejan Djokic I deki@rundschaumedien.ch Web Services websiteria GmbH I info@websiteria.ch Internet prestigemagazin.com

PRESTIGE prestigemagazin.com is a registered trademark. (IGE 596’147) Wieder­gabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt.


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INHALT

24 TRAVEL

30

58 MAILAND Hotel Senato 62 WINTERZAUBER The Chedi Andermatt 66 KANADA Von der Hudson Bay bis Québec 72 TIPP Die Dolomiten 74 STREET PHOTOGRAPHY New York by Skander Khlif

66 ART & CULTURE 24 «HOLLYWOOD-LEGENDE» Susan Hayward 28 EDITOR’S PICKS Kunst zwischen Buchdeckeln 30 DER KREATIVE TAUSENDSASSA Roland Faesser 38 AUKTION The Third Floor 42 DURCH DIE LINSE Miles Aldridge im Gespräch 56 HAUS KONSTRUKTIV Helga Philipp

14 I PRESTIGE

84 LUXUS Mit dem Sportauto durch den Oman 86 FLORIDA Mehr als Achterbahn und Alligatoren 90 AUSFLUGTIPP Bärenland Arosa

74


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INHALT WATCHES & JEWELLERY 92 ZEITGEIST Uhren der Stunde 102 LEGENDEN MIT ZEIGER Neuheiten der Swatch Group 106 PRÄZISION UND LEIDENSCHAFT Uhrenatelier Beyer 110 CONTEMPORARY JEWELLERY Anissa Kermiche 116 HAUTE JOAILLERIE Hommage an Harry Winston 118 HISTORY Coco Chanel und ihr Löwe

110

118

DRIVE STYLE 122 VIER GEWINNT Aston Martin DB4 GT

122

125 EDITOR’S PICKS Von Zagato und heissen Reifen 126 PS-STARK Mercedes-AMG 130 MCLAREN Der neue 600LT 134 DER KAROSSERIE-FLÜSTERER Dean Jeffries 138 EINE IKONE Der Opel Kapitän 140 ATHLET AUF VIER RÄDERN Corvette Grand Sport

16 I PRESTIGE

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INHALT

144

LIVING 180 INTERIOR Nicky Dobree 186 ZWEITSITZ IN DEN ALPEN «Six Senses Residences Crans-Montana» 188 EDITOR’S PICKS Leseecke 190 PURISMUS PUR Design von Martin Steininger 192 KLASSIKER Chaiselongue 194 PORTRÄT Architekt Pitsou Kedem 202 IN NEUEM LICHT Glaskeramik im Fokus

FASHION 144 FASHION-EDITORIAL Naomi L & Milena Feuerer 157 WUSSTEN SIE …? Von Kummerbund bis Westenknopf 158 LA COUTURIÈRE Guo Pei

192

164 FRONT ROW Menswear Frühling / Sommer 2019 170 DIE FEINE ENGLISCHE ART Hackett London 172 DESIGNERINNEN IM FOKUS «Femmes Fatales» im Gemeentemuseum 179 REVIVALS Von Bowling Bag bis Neon

179 18 I PRESTIGE

194


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INHALT

214

212 CULINARIUM

FINANCE

204 MIXED Fashion & Food

226 GESCHICHTE Die Geschichte des Glücksspiels

210 LA VIE EN ROSÉ Louis Roederer

230 JUBILÄUM 30 Jahre VP Bank in Zürich

212 HISTORY Sushi und seine Geschichte

232 INVESTMENT Green Bonds

214 BARBETRIEB «Dandelyan» in London

236 NACHHALTIGKEIT Das Geschäft mit der Kleidung

218 EDELLACHS VON WELTRUF Balik

236

220 SHORT CUTS Heisse Getränke 222 HAUTE CUISINE Heinz Beck

NEWS

KOLUMNEN 54 WILHELM J. GRUSDAT: Taxi! 65 ALAIN WAFELMANN: Ich lese! 10 Impressum 23 Editorial 240 Vorschau

BOUCHERON

55 Kunststücke 71 Winterreise 108 Masterpieces 121 Extraordinary! 143 Roadtrip 163 Dress to impress 171 Men’s World 179 World of Beauty 201 Home sweet Home 217 Für Geniesser 235 Deal!

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D

LESERINNEN LESER

&

er Winter ist bei uns angekommen und damit eine Zeit zwischen Rückblick und Neubeginn, zwischen Bilanz und Vision. Der Jahreswechsel als kalendarische Zäsur, die manche Dinge neu überdenken lässt. Da wäre beispielsweise unser digitaler Konsum. Viele von uns erleben die Welt zum grossen Teil nur noch über den Screen ihres Smartphones, Tablets oder Computers. Doch lohnt es sich, auch wieder einmal seinen Blick zu heben und die eigenen Sinne und Gedanken zu schärfen. Denn fernab von Fake-News und digitaler Marktschreierei gibt es vieles zu entdecken. So, wie auch wieder in unserer aktuellen Ausgabe. Zu Gast haben wir dieses Mal den weltberühmten Fotografen Miles Aldridge, der in seinen Bildern der Gesellschaft den Spiegel vorhält und wie kein anderer die Abgründe der Menschen in knalligen Farben hübsch verpackt. Den Mut, Konventionen zu brechen, hatte auch die algerisch-französische Schmuckdesignerin Anissa Kermiche, die wir zum Gespräch gebeten haben und die mit ihren weiblichen Körperteilen in Gold zuerst überzeugen und danach Erfolge feiern konnte. Begeistert haben uns auch die Werke des Schweizer Künstlers Roland Faesser, der mit seinen Skulpturen imaginär die Dächer der New Yorker Skyscraper «bevölkert» oder kurzerhand ein neues Wahrzeichen für den Domplatz von Lecce geschaffen hat, das auf unserem Cover zu sehen ist. Eine ganz besondere Augenweide ist auch wieder unser exklusives Fashion-Editorial, fotografiert von Katia Wik.

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Doch natürlich wollen wir auch dieses Mal dem Hedonismus nicht abschwören. Mitnichten! Daher: Vorhang auf für die Athleten auf vier Rädern, die Reisen in ferne Länder, die Chalets und die modernistischen «Tempel». Und Bühne frei für die Zeitmesser der Stunde und damit die mechanischen Protagonisten, die sich heroisch der digitalisierten Welt entgegenstellen und beweisen: Digital ist gut, analog ist es auch.

Francesco J. Ciringione Verleger

Anka Refghi Chefredaktorin

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THE BROOKLYN

BOMBSHELL

Porzellanweisser Teint, flammend rotes Haar, eiserner Wille und ein Kopf, mit dem sie jede Granitwand durchbricht. Schon als Kind will sie Schauspielerin werden. Doch nicht nur einfach eine Darstellerin. Sie will ein Star sein. Susan Hayward. Die gefürchtete Lady mit der Wespentaille und spitzen Zunge. Die Bombe aus Brooklyn.

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Helena Ugrenovic

ielleicht sind es ihre irischen Wurzeln, die die sanfte schwedische Coolness mütterlicherseits übertrumpfen und mit denen der temperamentvolle Dickkopf das starre und teilweise diktatorische Hollywood mitsamt seinen Studiobossen das Fürchten lehrt. Sie weiss, was sie will, und pfeift sowohl auf Niederlagen als auch auf die vernichtende Kritik des Produzenten, bei dem sie mit 18 Jahren und keinerlei Schauspielerfahrung an ihrem ersten Casting in Hollywood für die Rolle der Scarlett O’Hara in «Vom Winde verweht» vorspricht. Seinen Rat, doch besser wieder nach New York zu verschwinden und weiter als Model-Püppi zu posieren, schmettert sie galant ab: «Ich glaube, ich bleibe. Ich mag die Orangen.»

Im Schatten der Schwester Susan Hayward wird am 30. Juni 1917 als Edythe Marrenner und jüngstes von drei Kindern in Flatbush, einem Quartier in Brooklyn, New York, geboren. Es ist eine Gegend, die hauptsächlich von eingewanderten Iren, Italienern und einer jüdischen Gemeinde bewohnt wird. Der typischen Arbeiterklasse, der auch Edythes Eltern angehören und wo viele Träume im staubigen Asphalt der Strasse ersticken, doch einige sich als brennende Vision in einem Kopf einnisten. Edythe ist mit ihrer hellen Haut und dem rubinroten Haar zwar ein hinreissender Hingucker, ihre Schwester Florence jedoch der Liebling der Mutter. Während Florence verhätschelt und mit mütterlicher Zuwendung überschüttet wird, fühlt sich Edythe vernachlässigt und wird den Groll ein Leben lang mit sich tragen. Es ist ein Zusammenspiel von empfundener Ablehnung, ihrer überschäumenden Dynamik, dem Mief aus gekochtem Kohl und Armut, der in bleiernen Waben über den Dächern von Flatbush hängt und den unerschütterlichen Willen in ihr weckt, eines Tages auf der anderen Seite zu stehen: «Ich habe schon früh gelernt, dass das Leben ein Kampf ist. Meine Familie und meine

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ART  & CULTURE «Ich habe mich nie als Filmstar gesehen. Ich bin nur ein Mädchen.» – Susan Hayward –

They Won’t Believe Me I 1947

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ART & CULTURE

Beau Geste I 1939

Nachbarschaft waren arm. Der einzige Weg, dem als Kind zu entfliehen, war der Film. Damals entschied ich mich, reich zu werden.» Noch während der High School modelt der Teenager, um ein bisschen Geld in die Haushaltskasse beizusteuern.

Kampfgeist Eigentlich hatte Edythe geplant, eine Ausbildung als Sekretärin zu absolvieren, doch die vielen Nachmittage, an denen sie der Tristesse Brooklyn entflieht und im Kino ihre Träume nährt, schüren ihren Plan, Schauspielerin zu werden, nur noch stärker. Als sie 18 Jahre alt ist, wird ein Agent von Warner Brothers auf den zu einer wahren Schönheit erblühten Teenager aufmerksam und lädt Edythe zum Casting für die Hauptrolle in «Vom Winde verweht» ein. Beseelt vom Drang, endlich das verwirklichen zu können, was schon so lange in ihr gärt, reist Edythe mit Sack und Pack nach Kalifornien, wo ihr

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der Produzent zwar ein Nichts an Schauspieltalent attestiert, sie jedoch den Schalter auf «und jetzt erst recht!» legt. Geduldig hält sie sich mit kleinen Komparsen-­ Rollen über Wasser. Sie will den Durchbruch, auch wenn es ein zäher Kampf und wenig erfolgversprechende Jahre sind, die jeden anderen kapitulieren liessen, jedoch nicht eine Kämpferseele wie die ihre. In ihrer ersten Nebenrolle spielt sie 1938 an der Seite von Ronald Reagan im Drama «Girl on Probation» die arrogante «Gloria». Sie ist jetzt nicht mehr Edythe Marrenner. Der Filmproduzent David O. Selznick verpasst ihr in Anlehnung an den von ihm verehrten Schauspieler Leland Hayward den Künstlernamen Susan Hayward. Ein Jahr darauf folgt eine Rolle im Abenteuerklassiker von William A. Wellman «Beau Geste» mit Gary Cooper und Ray Milland.


ART & CULTURE

des Kätzchen und andererseits eine knallharte Frau ist, die mit einem Gewehr, ohne mit der Wimper zu zucken, treffsicher alles wegballert, was sich ihr in den Weg stellt. Trotz der Verzögerungen, die sich ihr in den Weg stellen, vergisst sie niemals das grosse Ziel, das sie erreichen will, greift 1939 nach ihrem Wechsel zu Paramount Pictures während eines Spendenanlasses zum Mikrofon und zettelt mit ihrer Frage an Studioboss Frank Freeman vor versammeltem Publikum einen Skandal an: «Man fragte mich heute des Öfteren, weshalb ich nicht in mehr Paramount-Filmen vorkomme. Kriege ich nun meinen Durchbruch, Mr. Freeman, oder nicht?» Bekannt wird Susan mit ihrer Nebenrolle als «Drusilla Alston» im Abenteuerfilm «Reap the Wild Wind», in dem sie an der Seite von Paulette Goddard, Ray Milland und John Wayne spielt, sowie der Komödie «I Married a Witch» mit Fredric March und Veronica Lake. 1947 endlich riecht es nicht nur nach Durchbruch, sondern wird Susan Hayward durch ihre Rolle der Alkoholikerin Angie Evans im Drama «Smash-Up: The Story of a Woman» zum Star und gleichzeitig für einen Oscar nominiert. Noch drei weitere Nominierungen folgen für «Mein dummes Herz», «Mit einem Lied im Herzen» und «Morgen werde ich weinen», bis sie 1958 endlich mit ihrer schauspielerischen Meisterleistung unter der Regie von Robert Wise in «Lasst mich leben!» an ihrer direkten Konkurrentin Elizabeth Taylor vorbeizieht und die begehrte goldene Trophäe als beste Hauptdarstellerin in den Händen hält.

Rückzug

Gefürchtet und verehrt Susan verkörpert eine Art weiblichen Captain Jack Sparrow in «Fluch der Karibik». Eigensinnig, zielstrebig, allen Widrigkeiten zum Trotz, mit einer unverkennbaren Persönlichkeit gesegnet und losem Mundwerk ausgestattet, das weder Teufel noch Dämonen fürchtet, pfeift sie auf Konventionen und fährt ihre Krallen aus, wenn etwas nicht nach ihrem Gusto läuft. Auf ihre Fans und auch Produzenten übt die Frau mit den sexy Kurven eine unglaubliche Faszination aus. Die Frauen verehren sie, bewundern ihre Stärke und die Peitschenhiebe, mit denen sie sich im von Männern dominierten Hollywood behauptet. Die Männer fühlen sich von ihrem wilden Temperament angezogen wie die Motten vom Licht und versuchen, den rothaarigen Vulkan zu zähmen. Vergebens. Schwierige Rollen sind ihr wie auf den Leib geschneidert und passen zu ihrem komplexen Wesen, das einerseits ein verführerisch schnurren-

Ihre jahrelange Jagd nach Ruhm und Ehre hat sich ausgezahlt, und Susan zieht sich nach dem Gewinn des Oscars immer mehr zurück. Ihre erste, stürmisch turbulente Ehe mit Jess Barker endet 1954 nach 10 Jahren mit einem schmutzigen Scheidungskrieg, dem Sorgerechtsstreit um die Zwillingssöhne Gregory und Timothy sowie einem Selbstmordversuch von Susan. Drei Jahre später heiratet sie den Farmer und Geschäftsmann Floyd Eaton Chalkley, mit dem sie eine sehr glückliche Ehe führt und auf einer Ranch in Alabama lebt. Als Eaton 1965 plötzlich an einer Hepatitis-Erkrankung stirbt, kehrt Susan Hollywood in tiefer Trauer für fünf Jahre den Rücken und nimmt später nur noch Rollen an, um Geld zu verdienen. Depressionen und Alkoholsucht zermürben die Frau, die einst eher ein Quadrat aus dem Erdball geformt hätte, als sich jemandem oder einer Situation zu beugen.

Der Film, der zur wahren Geschichte wurde 1962 spielt sie an der Seite von Michael Craig im Film «Das Glück in seinen Armen» die Lebedame Laura Pember, die an einer Party erfährt, dass sie an einem Gehirntumor leidet und nur noch wenige Monate zu leben hat. Zehn Jahre später wird bei Susan, die unter drastischen Kopfschmerzen leidet, ein unheilbarer Gehirntumor diagnostiziert. Sie unterzieht sich einer Chemotherapie und ist gegen Ende des Jahres halbseitig gelähmt. Getreu ihrem Motto «against all odds», allen Widrigkeiten zum Trotz, absolviert sie im April 1974 ihren letzten öffentlichen Auftritt und überreicht an der Oscar-­Verleihung die Auszeichnung für die beste Hauptdarstellerin. Die Frau mit dem rubinroten Haar, die keine Niederlage gelten lässt, erliegt 1975 ihrer Krankheit.

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Einmalige Einblicke

Orlando Suero (geboren 1925) begann seine Karriere mit Schnappschüssen aus einer Kodak «Jiffy», die ihm sein Vater 1939 geschenkt hatte. Später besuchte er das «NY Institute of Photography» und arbeitete in Kameraläden und Foto­ labors, darunter «Compo Photo Color», wo er die ersten Aufnahmen für Edward Steichens monumentale Ausstellung «The Family of Man» entwickelte. Für einen seiner ersten Aufträge verbrachte er im Mai 1954 fünf Tage mit dem frischverheirateten Paar Jackie und Senator John F. Kennedy in ihrem Stadthaus in Georgetown, wo er ihr alltägliches Leben dokumentierte. Es war der Beginn einer erfolgreichen Karriere, in der Suero einige der berühmtesten Persönlichkeiten Hollywoods vor der Linse hatte, darunter Natalie Wood, Brigitte Bardot, Michael Caine, Sharon Tate, Paul Newman und Dennis Hopper. Diese Monografie enthält zahlreiche nie zuvor veröffentlichte Aufnahmen von Berühmtheiten der 1950er bis 1980er Jahre, die die letzten 40 bis 50 Jahre unter Verschluss lagen.

EDITOR’S

PICKS

© Orlando Suero

ART & CULTURE

Orlando Photography Hatje Cantz

Basquiat

Basquiat eroberte als Newcomer ohne akademische Ausbildung das New York der späten 1970er Jahre. Der junge Mann, der aus der Post-Punk-UndergroundSzene von Lower Manhattan kam, zählt heute zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Das Buch beinhaltet einführende Essays, die Basquiats Praxis in einen breiteren kunsthistorischen Kontext stellen und seine Karriere unter dem Aspekt der Performance betrachten, sowie seltenes Archiv­ material und zahlreiche Fotos, die veranschaulichen, dass Basquiats Vermächtnis heute einflussreicher und relevanter ist als je zuvor.

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Helmut Newton (1920–2004) wird als einer der innovativsten, ein­ flussreichsten und produktivsten Fotografen des 20. Jahrhunderts in Erinnerung bleiben. Mit seiner unverwechselbaren Handschrift, hyperstilisierten Inszenierungen, kühnen, unkonventionellen Bildkompositionen, einer ausgefeilten Lichtregie und unterkühlten Erotik legte er den Grundstein für eine neue Bildsprache in der Mode-, Akt- und Glamourfotografie. «Helmut Newton. Work» zeichnet anhand einer Vielzahl von Arbeiten aus allen Genres Newtons Aufstieg zu einem der gefragtesten und einflussreichsten Fotografen der Welt nach, von seinem Durchbruch als Modefotograf in den 1960ern über die Skandal-Akte der 70er und 80er bis in die letzten Jahre seiner aussergewöhnlichen Karriere.


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DER KREATIVE

TAUSENDSASSA

ART & CULTURE

«Schlossherr» Roland Faesser

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ART & CULTURE

Das «bevölkerte» New Museum in New York. «Have You Seen My House» I Höhe 17 Meter I 2018

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ART & CULTURE

«Manhattan» Länge 190 cm I 1993

Ob figurative Skulpturen, grossformatige digitale Malereien oder Kunst am Bau – die Werke des Schweizer Künstlers Roland Faesser sind wunderbar ironisch, leichtfüssig und mit einer Prise des typisch Faesser’schen Humors gewürzt. Eine Geschichte über einen Belgischen Hasen, die Wort-Bildkunst und den Spieltrieb.

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Anka Refghi I

Roland Faesser

ein Zürcher Loft ist ein Gesamtkunstwerk. Roland Faesser lebt und arbeitet in der ehemaligen Schlosserei, und ja, die Dimensionen des Raumes sind massgeblich an der Grösse seiner Kunstwerke beteiligt! Seine Mitbewohner? Das sind «tierische» Skulpturen. Ein ausgestopftes Känguru, ein getrocknetes Krokodil, Spielzeugfiguren jeglicher Couleur und ein Motorrad, das von den Zeiten zeugt, als er noch durch sein Atelier fahren konnte. Kurz und gut: ein kreativer (Spiel-)Platz, auf dem es in jeder Ecke etwas zu entdecken gibt. Und man kann sich nur schwer dem Verdacht einer wegweisenden Prägung entziehen, wenn er über die ersten Jahre seines Lebens und den Beruf seines Vaters, CEO eines grossen Spielzeuggeschäftes in Lima, erzählt. Doch der Reihe nach.

Spieltrieb Roland Faesser wurde als Sohn eines Schweizer Auswanderers und einer Peruanerin mit italienischen Wurzeln in Lima geboren. Als er sechs Jahre alt war und sich die politische Lage aufgrund der Machtübernahme durch das Militär in Peru verschärfte, beschloss der Vater, mit seiner Familie in

die Schweiz zurückzukehren. Kunst und Kultur, eine Welt, mit der er durch seine in der Schweiz lebende Grossmutter, die ein eingefleischter Elvis-­Fan war, erstmals in Berührung kam. Nach seinem späteren Architekturstudium an der renommierten ETH Zürich verschrieb er sich dann gänzlich der Kunst.

Der Belgische Hase Den Beginn seines künstlerischen Schaffens markierten Anfang der 1990er Jahre seine legendären «HausTiere». Eine Serie von Tierfiguren, deren Körper er mit auf die einfachste Form reduzierten Häusern in allen Variationen kombinierte. Geschuldet war die ebenso kreative wie humorvolle Reihe im Übrigen einem echten Tier. Genauer gesagt einem Belgischen Hasen. Dieser gehörte seiner damaligen Freundin, einer Architekturstudentin, die mit ihm – und dem Hasen – in dem Loft zusammenlebte. Unzufrieden mit einem ihrer Architektur­ mo­delle rettete Faesser das Modell vor dem Müll­ eimer und band es kurzerhand dem Hasen auf den Rücken. Zusammengefasst: Der Hase hoppelte unbeeindruckt von dem Kartonmodell auf seinem Rücken durchs Atelier, und das «HausTier» war geboren.

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ART & CULTURE

Ein Eldorado für die Sinne: das Studio des Schweizer Künstlers Roland Faesser

Roberto Blanco und die Wortkunst Roland Faesser inspiriert Spielzeug jeglicher Art. Meist jedoch altes und, wie er sagt, authentisches Spielzeug, das er in Brockenhäusern oder auf Flohmärkten findet. Seine Werke entstehen intuitiv. «Früher», so der Künstler, «habe ich mich immer wieder dazu gezwungen, Skizzen anzufertigen, realisiert aber habe ich nie eine davon.» Seine zeitgenössischen figurativen Skulpturen entstehen durch die Aneignung von Alltagsgegenständen und Spielzeugen, mit denen er wunderbar bizarre und humorvolle Realitäten erschafft. Seine Arbeiten entlocken dem Betrachtenden unweigerlich ein

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Schmunzeln, doch sind sie dabei ebenso tief­ sinnig wie subtil. Da wäre zum Beispiel der blaulackierte Hirschkopf mit einem aufblasbaren Affen im skulpturalen Geweih und dem findigen Namen «Ceci n’est pas un Koons», ein kleiner Schienbeintritt gegen den teuer bezahlten gleichnamigen Künstler. Den Namen «Not In The Wildest Dreams» trägt der Hirschkopf, dem der Kreative nicht nur kurzerhand eine SM-Maske übergezogen, sondern auch sein Geweih mit nackten Barbies dekoriert hat. Pudelfiguren mit rosafarbenen, kugelförmigen Gebilden über den Köpfen tituliert er mit «Big Balls», den Wildschweinkopf mit Schulterpartie auf


ART & CULTURE

«Double » I Länge 120 cm I 1999

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ART & CULTURE

dem Beistelltisch als «Table Surfer». Und der Hirschkopf mit einem Geweih aus Daffy Duck, Ameise und Kermit dem Frosch samt Afro-Perücke hört sinnigerweise auf den Namen «Roberto-­ Blanco». Und es ist offensichtlich – auch die Wortkunst ist eine weitere Dimension seines hoch­ karätigen Könnens. Die Funktionsweise von Bild und Wort, Bildsprache und Bildverständnis – Disziplinen, die, so der Künstler, ausser bei Filmemachern und Werbern, nur selten gezielt zur Anwendung kommen. «Heute haben alle das Gefühl, mit Bildern umgehen zu können. Die Wahrheit aber

ist das nicht. Bildsprache sollte ebenso wie das Lesen und Schreiben von Anfang an unterrichtet werden», so der charismatische Künstler.

Digitale Welten Dass er in vielen Sparten der Kunst zu Hause ist, davon zeugen nicht nur seine Arbeiten im Bereich Kunst am Bau, sondern auch seine digitalen Malereien. Denn schon längst hat er auch die digitale Welt für sich erobert. In seinen grossformatigen und collageartigen Bildern vermählt er Pop-Art- und Graffiti-Elemente mit den verschiedensten Welten und scheut auch nicht den Schulterschluss kleiner Spielzeugfiguren mit grossen Szenen der Kunstund Filmgeschichte. Doch auch seine (tierischen) Skulpturen entwirft der Künstler mittlerweile in einem 3D-Programm. Zum einen platzsparender, zum anderen beruhigend, sollte er einmal sein Loft verlieren. Roland Faesser erfindet die Welt neu, wenn er wieder einmal das kreative Füllhorn ausschüttet. So, wie mit seinem Werk «A Horse Is A Horse» (selbst wenn es kopfüber im Fels gefangen ist), seiner Vision von einem neuen Wahrzeichen für den Domplatz in Lecce, das auf unserer Titelseite zu sehen ist. Und da gibt es noch diese eine Idee von ihm, die man lieber heute als morgen in die Realität umgesetzt sehen möchte: diejenige nämlich, wenn seine Skulpturen die Flachdächer der New Yorker Skyline «bevölkern», wie das Beispiel vom New Museum zeigt. Roland Faesser – studierter Architekt, Künstler, Wortjongleur und Lehrender – ein kreativer wie begnadeter Tausendsassa eben, dessen Werke in zahlreichen Ausstellungen gezeigt und in renommierten Sammlungen zu finden sind.

On Top

«Threesome» after Juan Gris I 240 x 150 cm I 2017

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Roland Faesser war im Laufe der Jahre Professor, Dozent und Kunstkritiker in vielen Kunst- und Architekturinstitutionen wie der ETH Zürich, der F+F Kunstschule in Zürich, der «Hochschule für Gestaltung und Kunst» Zürich, dem «Central Saint Martins College of Art and Design» in London, der «Academy of Design» in Vorarlberg, Österreich, und vielen mehr. Seine Lehrauf­träge umfassten Bildnerisches Gestalten, Szenografie, Innen­architektur, Industrial Design, Gender Studies oder auch Intermedia und Bildlabor.


AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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Dinner Party #5 I 2009


SCHÖNE

NEUE WELT


ART & CULTURE

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Er ist der Meister der Modefotografie: Miles Aldridge. Wie kaum ein anderer hält der Brite der Gesellschaft den Spiegel vor. Sarkastisch, doch hübsch verpackt in fröhlichen Farben. Anka Refghi I

Miles Aldridge / Courtesy Christophe Guye Galerie

eine Bilder sind weltberühmt, seine Handschrift ist es auch. So knallig seine Farben, so beunruhigend die Botschaft des 1964 geborenen Briten. Wären die kritischen Stimmen nicht hübsch verpackt, würden sie die Modemagazine nicht abdrucken. So viel steht fest. Studiert hat Miles Aldridge Illustration am legendären «Central Saint Martins College of Art and Design». Nach einer kurzen Zeit als Regisseur für Pop-Videos wendete er sich Mitte der 1990er Jahre

gänzlich der Fotografie zu. Miles Aldridge lebt in London und arbeitet für die renommiertesten Mode­ magazine rund um den Globus. PRESTIGE: Miles, Ihre Bilder leben durch starke Farben und perfekte Inszenierungen, dennoch beunruhigen sie ein wenig. Grelle Farben, dunkle Wahrheit …? MILES ALDRIDGE: Ja, das ist genau der Punkt. Mein Universum ist eine Art «Schöne neue Welt», die zwar viel verspricht, das meiste davon aber ist oberflächlich und ohne Substanz. Ihre Bilder unterscheiden sich sehr von der klassischen Modefotografie. Welches ist Ihre Botschaft an die Mode­ branche und ihre Konsumenten? Meine Botschaft war schon immer ziemlich zynisch gegenüber der Botschaft der Modebranche, dass ihre Produkte – ob Kleidung, Make-up, Schuhe oder Handtaschen – die Menschen glücklich machen, etwas daran ändern, wer sie sind. Produkte sind wie Masken, die wir aufsetzen, um vermeintlich «uns selbst» zu werden. Sie inszenieren menschliche Abgründe auf humorvolle, surreale und sarkastische Weise. Hat das etwas mit Ihren britischen Wurzeln zu tun? Ja, tatsächlich gibt es einen schwarzen Humor in meiner Arbeit, der seine Wurzeln in den Dramen der britischen Dramatiker Harold Pinter, Joe Orton und Samuel Beckett hat. Die Frauen auf Ihren Bildern sind sexy, aber zugegebe­ nermassen sehr stereotyp. Warum diese Art von Frau? Diese Frauen sind inspiriert von Erinnerungen, die ich an meine Mutter habe, und an die Frauen in den Zeitschriften, die sie in den 1970er Jahren las.

Miles Aldridge

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Auffallend sind oft auch die emotionslosen Gesichter der Models … Das ist richtig. Ich habe bemerkt, dass Frauen in vielen der Gemälde, die ich mag, ob von Piero della Francesca


The Kiss I 2014


New Utopias #1 I 2018

ART & CULTURE

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Home Works #3 I 2008

oder auch Leonardo da Vinci, in ihrem Ausdruck oft teilnahmslos und unberührt dargestellt werden, selbst inmitten dramatischer Szenen. Gibt es Unterschiede in der Interpretation oder Reaktion von Männern und Frauen auf Ihre Bilder? Ich glaube nicht, aber erstaunlicherweise machen Frauen die Mehrheit meiner Sammler aus. Ich denke, sie sehen sich selbst in diesen Bildern. In Ihrer Vergangenheit haben Sie auch für eine kurze Zeit Videoclips gedreht. Inwieweit beeinflussen Ihre filmischen Erfahrungen Ihre heutige Arbeit? Einige der stärksten fotografischen Bilder entstammen dem Bewegtbild. Von Bergman, Hitchcock, Lynch, Bunuel etc. habe ich gelernt, wie man die Kamera benutzt und wie man mit Licht umgeht.

Wie arbeiten Sie am Set? Schaffen Sie die Bilder sehr präzise im Voraus, oder über­ lassen Sie auch einige Dinge dem Zufall? Eigentlich beides. Ich mache oft Skizzen im Voraus wie ein Filmregisseur, aber ich kann auch all das vergessen und folge einfach einer Idee während des Shootings. Einige Ihrer Arbeiten beziehen sich auf Künstler wie den Maler Harland Miller, oder Sie realisieren fotografische Geschichten wie mit dem Künstlerduo Gilbert & George. Was bedeutet Kunst für Sie persönlich? Kunstgalerien und Museen sind seit jeher «meine Kirche». Ich verehre die Kunst sehr. Ihr Vater war der berühmte Art Director Alan Aldridge. Was war das Wichtigste, das Ihnen Ihr Vater als Künstler mit auf den Weg gegeben hat? Hart zu arbeiten und auf sich selbst zu hören. Wie würden Sie den Zeitgeist der heutigen Kunst- und Modewelt beschreiben? Die Kunstwelt geht nach oben und die Modewelt nach unten, immer weiter nach ­unten!

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ART & CULTURE

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ART & CULTURE

Le Manège Enchanté #4 I 2007

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Cabaret #4 I 2006


ART & CULTURE

Immaculée #1 I 2007

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KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: TAXI! Andy Warhol besass einen Führerschein, benutzte ihn aber nicht. Denn schon bei seiner ersten Fahrt war er in ein seitlich parkendes Auto gekracht. Das Gefährt war zufälligerweise ein Taxi der «Scull’s Angels»-Flotte. Stattdessen wurde Warhol zum leidenschaftlichen Fahrgast. In seinem Tagebuch vermerkte er penibel jede Taxifahrt und empörte sich über die steigenden Preise. Das betraf vor allem die Fahrten, bei denen er im Stau stand. Berüchtigt war die Strasse vor dem «Hyatt»-Hotel, das damals Donald Trump gehörte. Warhol hätte Trump wohl die Wartezeit verziehen, wenn er dafür ein Gemälde aus der Trump-Tower-Serie erworben hätte. WILHELM J. GRUSDAT

Der New Yorker Taxi-Tycoon Robert C. Scull war so reich wie skandalumwittert. Mit wenigen Taxis arbeitete er sich zum Multimillionär mit eigener Taxiflotte, den «Scull’s Angels», hoch. Ein Grund dafür war sicher seine ungewöhnliche Werbestrategie: So engagierte er die bekannte Expertin für Etikette, Amy Vanderbilt, damit sie seinen Fahrern feines Benehmen beibrachte. Das Ganze liess er medienwirksam von Reportern begleiten. Seinen Gewinn investierte Scull in Kunstwerke – unter anderen von Robert Rauschenberg, Andy Warhol, John Chamberlain und Frank Stella, als diese noch fast unbekannt waren. 1973 verkaufte er seine berühmte Sammlung in einer spektakulären Auktion bei Sotheby’s, die alle damaligen Rekorde brach. Die meisten Werke, von Scull preisgünstig bei den Künstlern erworben, erzielten nun das Hundertfache ihres Einkaufswertes. Dieser Unterschied empörte den Maler Robert Rauschenberg so sehr, dass er ins Auktionshaus stürmte und vor der versammelten Presse eine Prügelei mit Scull begann. Allerdings verzeichneten auch seine Werke danach einen sprunghaften Preisanstieg.

Der New Yorker Kunstkritiker Ted Castle arbeitete, wie so viele Schriftsteller, nebenher als Taxifahrer. Eines Tages stieg zufälligerweise Andy Warhol ein, und die beiden kamen ins Gespräch. Warhol riet ihm, ein Aufnahmegerät im Taxi zu installieren, um die interessanten Gespräche mit den Fahrgästen aufzunehmen und daraus Texte zu produzieren. Castle hielt sich an den Rat. Und so kam es, dass eines Abends ein aufgeregter Andy Warhol erneut in sein Taxi stieg. Er war von einem Abend­ essen geflohen, an dem sein Superstar Ivy Nicholson die Nerven verloren hatte. Sie brauchte Geld für ihre Scheidung und hatte Warhol einen Heirats­ antrag gemacht. Als dieser ablehnte, begann sie kreischend mit Essen um sich zu werfen. Das Gespräch über diese dramatische Nacht landete auf dem Aufnahmegerät von Castle, wo man den scheuen Warhol fassungslos murmeln hört: «Ich weiss nicht, was sie von mir will …» Leider schaffte es dieser Satz nicht in die Liste der 100 bekanntesten Sprüche. Ganz anders der Ausspruch von New Yorks berühmtestem Taxi­fahrer, Travis Bickle, den Robert de Niro 1975 im Film von Martin Scorsese verkörperte. Mit einem Blick in den Spiegel fragte er: «You talking to me?»

«You talking to me?»

John Chamberlain gehörte auch zu den Künstlern, deren Werke Scull sammelte. Beide verband eine Freundschaft, und sie trafen sich gerne abends auf ein Bier in einer Kneipe. Chamberlain wurde in solchen Nächten von einem Scull-Taxi kostenlos nach Hause gefahren. Es ist nicht ganz klar, an welchen Schutzengel der Bildhauer dachte, als er das Werk «Scull’s Angels» schuf. Zu sehen ist der, durch einen Unfall zerknautschte, gelbe Stossdämpfer eines original «Scull’s-Angels»-Taxis.

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Kunst STÜCKE

ART & CULTURE

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by

Ob auf dem Runway, in der Galerie oder zwischen zwei Seiten – Kunst ist auch in dieser Saison wieder überall zu finden.

1 I FENDI

Inspiriert vom «Fendi-Mania»Logo, das in Zusammenarbeit mit dem Instagram-Künstler @hey_reilly entwickelt und von der römischen Marke neu übernommen wurde, präsentiert sich die «Momento Fendi Mania Capsule Collection».

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2 I MOSCHINO

© Robert Bayer

Farbenfroh präsentieren sich die «Resort-Collection Spring 2019» und die neuen Taschen: «I Clutch», entworfen vom Kreativdirektor Jeremy Scott in exklusiver Zusammenarbeit mit dem Visual-Artist Ben Frost. 3 I TASCHEN

Die zweibändige Sammlung ist David LaChapelles erste neue Buchveröffentlichung seit zehn Jahren und präsentiert die Karriere des SuperstarFotografen in den frühen achtziger Jahren und seine geistige und künstlerische Wiedergeburt zwischen 2006 und 2016. 4 I MONTBLANC

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Nachfüllen mit Beat: Tintenfass «Beatles» mit einer Füllmenge von 50 ml. Die Farbe: psychedelisches Violett, das von dem Rockmusik-Stil inspiriert ist, den die Beatles in die Welt getragen haben. 5 I MOMA

«Bruce Nauman: Disappearing Acts»: Das MoMA präsentiert die erste umfassende Retro­ spektive seit 25 Jahren, die dem Werk des amerikanischen Künstlers Bruce Nauman (*1941) gewidmet ist. 21. Oktober 2018 bis 25. Februar 2019.

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6 I SCHIRN KUNSTHALLE FRANKFURT

Die Expedition und der Bezug zur Wildnis prägen die Arbeit vieler zeitgenössischer Künstler. Die Themenausstellung mit über 100 bedeutenden Kunstwerken widmet sich der Faszination von Wildnis. 1. November 2018 bis 3. Februar 2019.

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ART & CULTURE

POESIE DER OPTISCHEN TRANSFORMATION HELGA PHILIPP

«Unverändert ist mein Anliegen des Dialoges zwischen Objekt und Betrachter. Ist es doch zuerst mein Dialog mit dem Objekt», sagte einmal die österreichische Künstlerin Helga Philipp und zeigte damit, dass für sie stets die Beziehung zwischen Bild und Betrachter im Zentrum stand. Philipp forderte den Betrachter auf, sich auf ihr Werk einzulassen und den Dialog zu suchen, wovon auch das von ihr in den 1960er Jahren verfasste Manifest zeugt, in dem sie darauf hinweist, dass «Bild» und «Betrachter» in einer direkten Abhängigkeit stehen, denn nur die Existenz des Betrachters garantiere die Existenz des Bildes und umgekehrt.

Optische Täuschungen Helga Philipp war eine Ausnahmekünstlerin. Am 2. Juni 1939 in Wien geboren, besuchte sie bereits mit 16 Jahren eine vorbereitende Ausbildung an der Akademie für angewandte Kunst in Wien, wo sie später ihr Studium in Bildhauerei bei Hans Knesl fortsetzte. Ihr umfassendes Œuvre, das aus Plastiken, Objekten, Grafiken, Malereien und Skizzen besteht, ist imposant. Ihr Schaffen ist im Umfeld der kinetischen Kunst und der Op-Art anzusiedeln, einer Stilrichtung der bildenden Kunst, die in den 1960er Jahren ihren Ursprung hat und bei der durch ebenso präzise wie abstrakte Formmuster und geometrische Farbfiguren überraschende optische Effekte erzeugt wurden. Seit Mitte der 1960er Jahre war Helga Philipp massgeblich daran beteiligt, die konstruktiv-konkrete Kunst in Österreich bekanntzumachen und zu etablieren. Durch ihre Lehrtätigkeit an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien – den Schwerpunkt legte sie auf die serielle

und plastische Formentwicklung sowie auf serielle Programmierungen – regte sie jüngere Künstler wie Gerwald Rockenschaub und Heimo Zobernig dazu an, die «Neue Geometrie» in ihrem Sinne weiterzuentwickeln. Unter dem Titel «Poesie der optischen Transformation» widmet das Zürcher Museum Haus Konstruktiv der österreichischen Künstlerin, die am 5. November 2002 starb, bis zum 13. Januar 2019 eine umfassende Überblickschau. Die Einzelschau im Museum Haus Konstruktiv zeigt eine repräsentative Werkauswahl von Zeichnungen und Malereien über dreidimensionale Werke und installative Arbeiten bis hin zu Objekten aus der angewandten Kunst.

«Existenz des Bildes durch den Beschauer. Existenz des Beschauers durch das Bild.» – Helga Philipp –

«Die Veränderung des Bildes durch Veränderung des Lichtes. Veränderung des Bildes durch Veränderung des Beschauers.» – Helga Philipp –

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2 ZITATE


DER WASSERHAHN, DER ALLES KANN 100˚C KOCHEND, GEKÜHLTES SPRUDELND UND STILL Mit dem Quooker erhalten Sie ab sofort alle Wassersorten aus einer Armatur: warmes, kaltes, 100°C kochendes sowie gekühltes sprudelndes und stilles Wasser. Kochen Sie Pasta im Handumdrehen, blanchieren Sie Gemüse oder erfrischen Sie sich mit einem Glas Wasser - gekühlt und gefiltert, sprudelnd oder still. Ein Quooker spart Zeit, Energie und Platz und ist dabei für Groß und Klein sicher im Gebrauch. Erhalten Sie mehr Informationen auf www.quooker.ch


JUWEL

DAS HOTEL

Ein Hotel mit Geschichte. Ein Hotel mit Tradition. Ein Hotel mit Idealen. Die Verhandlungen mit grossen Hotelgruppen sind glücklicherweise gescheitert, und so wurde die ehemalige Privatresidenz von der Familie Ranza zu einem eleganten Stadthotel mit Mailänder Charme umgebaut.

W

Nike Schröder I

Senato

enn man das Hotel betritt, spürt man sie, die Leidenschaft und Liebe zu Mailand. Genau diese Liebe, die die Familie schon so lange mit dieser Stadt verbindet. Man wollte die Gastfreundschaft anbieten, aber in Harmonie mit Mailand. Die Identität sollte greifbar bleiben. Eine Hotelgruppe hätte das so sicher nicht ermöglicht. «Uns war es aber ganz wichtig, dass das Haus einen authentischen Charme ausstrahlt, dass wir Mailand etwas zurückgeben», so Natalia Ranza, Consigliere Delegato CEO. Denn Mailand ist die Heimat der Familie. Enrico Ranza kam in den frühen 1930er Jahren nach Mailand. Er kaufte das Gebäude für sich und seine Familie. Während des Krieges teilten sie sich dieses mit den Vertriebenen. Dann kam der Wirtschaftsboom, und das Gebäude wurde zum Hauptsitz ihres Geschäfts. Die Ranzas bauten in Mailand das Apollo-Kino, den Obst- und Gemüsemarkt, Palazzi am Corso Vittorio Emanuele und einiges mehr. Die Familie Ranza gehört zu Mailand wie der Eiffelturm zu Paris. Und diese Verbundenheit spiegelt sich in dem ganzen Haus wider.

Eine Hommage an die Geschichte Als Architekt hat die Familie Alessandro Bianchi engagiert. «Um dem Senato Hotel seine einzigartige Identität zu geben, habe ich alles wie die Meister des 20. Jahrhunderts entworfen. Gio Ponti und Piero Portaluppi waren meine Vorbilder. Das Hotel enthüllt viele Geschichten, aber es sind die Details, die es ausmachen», so Bianchi. Das Bodenmuster in der Eingangshalle beispielsweise erinnert an eine Schlange, das Symbol des Hauses der Visconti, und die eisernen Eingangstüren sind eine Hommage an Portaluppis Schönheit. Der Teich im Innenhof mit dunklem Hintergrund erinnert an die Navigli-­ Wasserstrasse, die sich einst bis zur Via Senato erstreckte, während die weisse Fassade eine Hommage an die habsburgische Vergangenheit der Stadt ist. Jedes noch so kleine Detail im Senato Hotel hat eine Bedeutung. Und dass das Zusammenspiel der regionalen Künstler hier besonders gut zur Geltung kommt, steht sicher ausser Frage. Aber es gibt noch viel mehr Gründe, sich genau für dieses Haus zu entscheiden.

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TRAVEL


TRAVEL

«Bottega Gadda», eine kleine Handwerksmanufaktur, fertigte die massgeschneiderten Stücke aus Messing, Bronze oder Kupfer für das Hotel an.

Auf Entdeckungsreise Die Lage ist sicher auch einer der Gründe. Das Hotel liegt sehr zentral in Mailand. Also idealer Ausgangspunkt für Shopping- oder Sightseeing-Touren. Nur einen Steinwurf entfernt sind die Piazza del Duomo, die Mailänder Oper – von Kaiserin Maria Theresia in Auftrag gegeben und 1778 eröffnet –, die Einkaufspassage «Galleria Vittorio Emanuele II» oder «Sforza Castle», eine der grössten Zitadellen in Europa. Ein paar Schritte weiter, aber in jedem Fall sehenswert, ist die «Santa Maria delle Grazie», eine Kirche mit Kloster. In der 1463 erbauten Anlage wartet ein weiteres Highlight: «Das letzte Abendmahl» von Leonardo da Vinci. Und nach einem aufregenden Tag in Mailand ist man schnell wieder im Hotel. Und hier gibt es noch so viel zu entdecken. Das 2015 eröffnete Haus konnte mit der «Bottega Gadda» eine kleine Handwerksmanufaktur gewinnen, die massgeschneiderte Stücke aus Messing, Bronze oder Kupfer für das Hotel gefertigt hat. Man muss das Hotel nur mit offenen Augen durch-

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streifen und entdeckt hier und da immer wieder einen wunderschönen Blickfang. Ob die Ginkgo-Blätter am Empfang, die Lichter vom Deckenfresko sowie die darunterliegende Theke im Frühstücksraum, Regale, Lampenschirme und sogar die Zahnbürstenhalter. Zeitlos, funktional und hochwertig, aber immer mit dem gewissen Etwas. Als Designerin entdeckte die Familie Ranza Cristina Celestino, Gründerin der Designmarke Attico. Nur ein Jahr später wurde sie vom «The New York Times Style Magazine» als eine der fünfzehn aufsteigenden Designer auf dem «Salone 2016 del Mobile» – der Mailänder Möbelmesse – beschrieben. Sie sorgte im Senato Hotel unter anderem für die perfekte Lichtstimmung. Das verwendete Borosilikatglas verströmt ein besonders weiches, diffuses Licht.

Für alle Sinne Aber nach all den Eindrücken freue ich mich dann doch auf eine kleine Auszeit zum Entspannen und Geniessen. Wo ginge das besser als bei einem gemütlichen Essen? Das «Senato Caffè» im Hotel verwöhnt seine Gäste mit einfachen Gerichten getreu dem Motto «weniger ist mehr». Hochwertige Zutaten wie das Meersalz von Cervi oder das in reiner Handarbeit hergestellte Bresaola-Pökelfleisch aus dem Veltlin, das in der von Piero Poretti, einem Metzger aus Tirano, perfektionierten Methode zubereitet wird, sind die Basis. Daraus kreiert Food-Kuratorin Maddalena Fossati Dondero, Chefredakteurin von «La Cucina Italiana», die köstlichen Gerichte. Dazu einen der erlesensten Weine Italiens, und die Welt bleibt für einen Genussmoment stehen.


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Puristisch und stylish: die Zimmer des Senato

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Traumhaft gelegen und mit eigenem Eisfeld

WINTERZAUBER IN

ANDERMATT

Alpin, asiatisch, anders – das ist das Credo des exklusiven Schweizer 5-Sterne-Deluxe-Hotels The Chedi Andermatt. Traumhaft auf 1447 Metern über Meer gelegen, verführt das Haus seine Gäste nicht nur auf Weltklasse-Niveau in allen Bereichen, sondern in diesem Winter auch mit einzigartigen Wintererlebnissen. Anka Refghi I

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The Chedi Andermatt


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des Stararchitekten Jean-Michel Gathy und der Denniston Architects and Planners Ltd. Natürliche Materialien wie Hölzer und Natursteine in warmen Tönen sorgen für eine unvergleichbare Atmosphäre, während der atemberaubende Ausblick auf den Gemsstock, das Dorf Andermatt, die Schöllenenschlucht, den Nätschen oder das Oberalpgebiet die Augen berauscht.

Kulinarische Genüsse und Entspannung pur Da nicht nur die Liebe, sondern auch die Erholung durch den Magen geht, spielt The Chedi Andermatt die ganze Klaviatur an lukullischen Höchstgenüssen. Ob im The Restaurant mit seinen vier offenen Atelierküchen, in denen mit viel Liebe zum Detail sowohl die westliche als auch die asiatische Küche zelebriert wird, im The Japanese Restaurant (1 Michelin-Stern), das Gästen moderne und traditionelle japanische Speisen auf Weltklasseniveau kredenzt, im winterlichen The Chalet oder den zahlreichen Bars und Lobbys. Und weil es nach einem sportlichen Tag auf der Piste nichts Besseres gibt, als sich zu entspannen, empfiehlt sich das mehrfach ausgezeichnete The Spa auf einer beein­druckenden Fläche von 2400 m² mit exklusiver Saunenlandschaft, zehn Deluxe-Spa-Suiten, Hydrothermalbädern, beheiztem Outdoor-Pool sowie dem von einem Glasdach geschützten Indoor-­ Pool oder dem exklusiven The Health Club.

E

s ist der Stoff, aus dem Winterträume gemacht sind – eine traumhafte Bergkulisse, 120 Pistenkilometer der SkiArena Andermatt-Sedrun und die atemberaubende Natur des Urserntals. Und inmitten dieser Pracht steht das The Chedi Andermatt – elegant und erfrischend anders. Denn das 5-Sterne-Deluxe-Haus verbindet auf unvergleichliche Weise den alpinen Chic und Traditionen mit asiatischer Ästhetik und Anmut. Eine kulturelle Liaison der Superlative, die auch international Massstäbe in der Luxushotellerie setzt. Die 123 eleganten Zimmer und Suiten tragen ebenso wie das ganze Hotel die Handschrift

Massgeschneiderte Erlebnisse für jeden Geschmack Doch das ist lange noch nicht alles, denn auch in diesem Winter bietet das The Chedi Andermatt vom 14. Dezember 2018 bis zum 22. April 2019 die sogenannten «Winter Experiences», ihres Zeichens luxuriös geschnürte Packages für unvergessliche Erlebnisse. So, wie beispielsweise das Package «Fondue under Stars» für Romantiker, bei dem die Gäste mit einem Porsche nach Realp gefahren werden, wo im rustikalen «Alphüttli» ein köstliches Schweizer Käsefondue serviert wird und ein Fackelspaziergang den Abend krönt, oder ein Ski-Wochenende mit dem ehemaligen Skirennfahrer Marco Büchel, bei dem die Gäste mit brandneuem Ski-Equipment von Head ausgerüstet auf Entdeckungstour in der Andermatter Bergwelt gehen. Das Package «Winter Wonderland meets Asia» hingegen wartet mit einem köstlichen Sushi-Tasting und einer Einführung in die vielfältige Sake-Kultur ebenso auf wie mit einer 60-minütigen balinesischen Massage. Das Package «Family Retreat» bietet mit einer Schlittenfahrt, Eislaufen auf

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Im The Chedi Andermatt trifft alpiner Chic auf asiatische Ästhetik.

dem The Ice Rink, Fondueplausch und einem Familien-­Filme-Abend in der Suite genau das Richtige für Gross und Klein. Und wer es einmal so richtig langsam angehen und sich vom stressigen Alltag erholen möchte, dem empfiehlt sich das «Langschläfer»-Package oder das «Spa Getaway».

Abenteuer auf dem Gotthard-Pass Winteradrenalin pur und ein ganz besonderes Highlight in dieser Saison ist die neu lancierte «Gotthard Deep Snow Experience» mit exklusivem Lawinen-Training für maximal vier Teilnehmende.

Ski- und Sports-Butlerservice

Als erstes Luxushotel in der Schweiz verfügt das The Chedi Andermatt über einen exklusiven Ski- und Sports-Butlerservice, der sich um das Wohl der sportbegeisterten Gäste kümmert und unter anderem Ski­pässe, Golfabschlagszeiten und Sportaktivitäten jeglicher Art organisiert – inklusive des dazugehörigen Equipments.

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Ganz stilecht werden die Gäste im Porsche vom The Chedi Andermatt nach Hospental gefahren, wo es mit dem PistenBully durch den tiefen Schnee hoch auf den Gotthard-Pass geht – mitten durch die von der Aussenwelt abgeschnittene Winterlandschaft. Beim ersten Ziel, einer alten Militärfestung, angekommen, geht es mit Schneeschuhen auf eine Entdeckungstour durch die Unberührtheit der Winterwelt samt exklusivem Lawinen-Training und aufregender Suche nach dem verborgenen «Schatz». Bei einem Aussichtspunkt geniessen die Abenteurer einen wärmenden Glühwein, gefolgt von einem köstlichen 4-Gang-Lunch im warmen Bunker. Auf dem Rücken des PistenBully fahren die Gäste dann zurück ins Tal und mit dem Porsche zum The Chedi Andermatt. Doch ganz gleich, ob man sich für Action, Ruhe, Sport oder auch Familie entscheidet, The Chedi Andermatt ist ein Ort, der glücklich macht.


KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES LYRIKERS: ICH LESE! zu sein. Also einer inneren Schönheit zu folgen und diese im Äusseren, in der Gesellschaft, so gut wie nur möglich aufscheinen zu lassen.

ALAIN WAFELMANN

«Über Wahrheit lässt sich streiten, über Geschmack nicht: Was in der Natur der Dinge existiert, ist der Massstab für unser Urteilen.» Diese weise und heraus­ fordernde Sentenz findet sich in «An Enquiry Concerning the Principles of Morals» des schottischen Philosophen der Aufklärung, David Hume (1711–1776). Während ich diese Zeilen schreibe, weile ich zur Olivenernte in einer der wundervollsten Regionen der Welt; der Toskana. Oberhalb von Montecatini-Terme erliege ich, zum wiederholten Mal, der Scharfsinnigkeit eben jenes David Humes, der als Empiriker Immanuel Kant (1724–1804) zu einem seiner wichtigsten Werke anregte, der «Kritik der reinen Vernunft». Und ich arbeite mich am grössten italienischen Dichter ab; Dante Alighieri (1265–1321) erblickte in Florenz das Licht der Welt und schuf in Ravenna sein Epos über die drei Reiche des Jenseits, das ohne Zweifel zu den bedeutendsten Werken gehört, die jemals ein Mensch geschaffen hat. Ein an Scharfsinnigkeit und Schönheit kaum mehr zu überbietendes Werk seiner Zeit und weit darüber hinausreichend.

Auch Abū Nasr Al-Fārābī (870 –950) formulierte, auf der Grundlage der aristotelischen Philosophie, bereits im 9. Jh. n. Chr. die «Prinzipien der Ansichten der Bewohner der vortrefflichen Stadt». Als einer der bedeutendsten Philosophen der arabischen Welt hinterliess er eine Vielzahl von philosophischen Schriften. In seinem zentralsten Werk manifestierte sich die Idealvorstellung einer Moral und Ethik, die bis heute von ihrer Bedeutung nichts eingebüsst hat. Ein Regelwerk, das über die Absichten der Bürgerinnen und Bürger einer Stadt referiert, welche massgebend sein müssen, damit sie die vortrefflichste sei oder zumindest werden kann. All diesen Werken ist gemein, dass sie sich mit einer Idee der inneren Schönheit auseinandersetzen, die unabdingbar für eine funktionierende und prosperierende Gesellschaft ist. Eine Schönheit, die ebenfalls das Äussere beeinflusst. Das Innere bedingt das Äussere. Daran lässt sich eine Gesellschaft erkennen. Auf der Suche nach Perfektion und Schönheit finden wir meistens auch die einfachsten Dinge. Jeden Tag aufs Neue erfreut man sich an den kleinen Dingen, die ihre innere Schönheit manchmal sehr zurückhaltend manifestieren. So schaue ich über diese wunderschöne Hügellandschaft zwischen Pisa und Florenz, während der Regen die Farben laufend ver­ändert. Erfreue mich an den grossen Dingen, die sich nur durch die Unendlichkeit der kleinen überhaupt bilden können, und wende mich einer Tätigkeit zu, die all dies, für einen kleinen Augenblick, in den Hintergrund rückt, um dem Kleinen eine Bühne zu geben; ich lese – Oliven. Am Ende werden all die kleinen Früchte zusammen, als feinstes toskanisches Olivenöl, im kommenden Jahr meine Speisen verfeinern und bereichern.

«Tugendhaft zu sein bedeutet, unter anderem, sittlich hervor­ ragend zu sein.»

Mit einer unbändigen Energie arbeiteten sich immer wieder Denker und Schöpfer an der inneren Schönheit ab. Schufen Modelle, um zu erklären, weshalb die Welt draussen an sich selber stets aufs Neue scheitert. Werke, die sich (auch) mit einer idealen Vorstellung von Tugendhaftigkeit und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft auseinandersetzen. Dabei ist zu bedenken, dass sich unsere Vorstellungen von Tugendhaftigkeit über die Zeit zwar ge­ wandelt haben, die Natur der tugendhaften Dinge jedoch sich nicht wesentlich geändert hat. Tugendhaft zu sein bedeutet, unter anderem, sittlich hervorragend

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TRAVEL

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MADE IN

QUÉBEC

© Tourisme Charlevoix / Julien RobiTaille

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Nirgendwo fühlt Kanada sich europäischer – pardon – französischer an als in Québec, das sich im Osten des Ahornstaates von der Hudson Bay im arktischen Norden bis zur US-amerikanischen Grenze im Süden beiderseits des mächtigen Sankt-Lorenz-Stromes erstreckt und 2006 als eigenständige Nation innerhalb eines geeinten Kanadas anerkannt wurde. Dr. Thomas Hauer

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ei Besuchern punktet die frankophone Provinz dabei nicht nur mit den Kulturmetropolen Montreal und Québec City – zwei der ältesten von Europäern gegründeten Siedlungen auf nordamerikanischem Boden. Auch die sprichwörtliche «Joie de vivre» der Québecois macht den Landstrich, der eine Fläche rund zweieinhalb Mal so gross wie Frankreich einnimmt, zu einer der touristisch beliebtesten Regionen des Landes, die ihr politisches Erbe dem französischen Abenteurer Jacques Cartier verdankt, der 1535 als erster Europäer den Sankt-Lorenz landeinwärts befuhr. Eine Reise, die 1608 den Grundstein für die Gründung der Kolonie Nouvelle-France legen sollte.

Wiege des Tourismus – Charlevoix Als landschaftlich reizvollster Abschnitt Québecs gilt vielen Einheimischen das knapp zwei Auto­ stunden nördlich der Provinzkapitale am Nordufer des Flusses gelegene UNESCO-Biosphärenreservat Charlevoix. Ein pastorales Postkartenidyll, das sich bis heute seinen leicht verschlafenen Old-WorldCharme bewahren konnte, was auch immer wieder Künstler und Kreative hierher gelockt hat. Auf den rund 4570 km², die die Municipalité régionale Charlevoix offiziell umfasst, liegen mit dem spektakulären Parc national des Hautes-Gorgesde-la-­R ivière-Malbaie und dem Parc national des Grands-­Jardins ausserdem zwei der schönsten Schutzgebiete der Provinz. Das beschauliche Örtchen La Malbaie im Zentrum von Charlevoix – im Juni des vergangenen Jahres Schauplatz des G7-Gipfels – gilt trotz selbst heute gerade mal 9000 Einwohnern gar als Wiege des Resort-Tourismus. Schliesslich verbrachten hier schon vor mehr als 150 Jahren wohlhabende Amerikaner, die auf Segelschonern, später mit Hilfe von Dampfschiffen den Sankt-Lorenz-Strom heraufgekommen waren, die Sommerfrische, um ihr stressiges Leben als Banker und Geschäftsleute in den lauten und schmutzigen Wirtschaftsmetropolen Neuenglands für ein paar unbeschwerte Ferientage hinter sich zu lassen. Gemeinsam mit ihren in enge Mieder geschnürten Gattinnen lustwandelten sie dann beseelt von Ralph Waldo Emersons romantisch verklärter Naturmystik auf der Suche nach dem Sinn

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Einsame Gipfel und endlose Ski- und Husky-Trails locken in die Region Charlevoix.

des Lebens über einsame Pfade oder versuchten sich in naiver Landschafts- und Genremalerei. Allerdings wollten diese wohlhabenden Herrschaften aus dem «Süden» trotz aller Naturbegeisterung natürlich auch damals schon standesgemäss residieren. Kein Wunder also, dass in La Malbaie 1899 eines der schönsten Hotels Kanadas eröffnet wurde – das heutige «Fairmont Manoir Richelieu» in atemberaubender Panoramalage direkt oberhalb des Schiffsanlegers des sich ab hier fast ozeanweit öffnenden Flusses.

Urzeitliche Katastrophe Geformt wurde diese in manchen Momenten fast surreal anmutende Ideallandschaft, die auf kleinstem Raum vom hier schon deutlich maritim beeinflussten Flusslauf, der nur knapp über Meereshöhe


© Tourisme Charlevoix / J-F Bergeron

© Tourisme Charlevoix / Louis Laliberte

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liegt, um mehr als 1000 Meter zu bizarr geformten, von tiefen Schluchten durchzogenen Berggipfeln an­steigt, nicht nur durch den Strom selbst oder das immer wieder vorstossende und zurückweichende kontinentale Eisschelf. Vor rund 400 Millionen Jahren ging hier auch ein gewaltiger Meteorit nieder und liess, nachdem die Trümmerwolken sich gelichtet hatten, einen Krater mit mehr als 50 Kilometern Durchmesser zurück. Der markante, 768 Meter hohe Mont des Éboulements befindet sich genau im Zentrum dieses erodierten Einschlagkraters, in dessen Innerem heute mehr als 90 Prozent der rund 20’000 Bewohner der Region leben.

Ganzjahresdestination für Geniesser Mittlerweile klassische Ganzjahresdestination lockt Charlevoix Besucher nicht nur während des Sommers – Hochsaison für Angler, Biker, Wanderer

und Kajak-Fans –, sondern auch im Herbst. Dann entfacht der Indian Summer in den ausgedehnten Wäldern ein Feuerwerk von Tausenden von Rot-, Gold- und Ockertönen, deren psychedelische Glut an den Farbenrausch eines Vincent-van-Gogh-­ Gemäldes erinnert. Von Mai bis Oktober ist ausserdem «Whale Watching Season», und im Oberlauf des Flusses tummeln sich Hunderte von Finn-, Mink-, Buckel- und Belugawalen. Aber auch der Winter bietet dank den durchschnittlich 5 Metern Schneefall, perfekt präparierter Pisten, Huskyund Snow Mobile Trails sowie der einzigen Rodelbahn Kanadas genug Möglichkeiten, sich sportlich zu betätigen. Vom Wintersportresort Le Massif, wo 2020 der erste Club Méditerranée Kanadas eröffnen wird, führen die Pisten vom ehemaligen Kraterrand tief hinunter bis zum Fluss – weltweit einmalig.

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© Fairmont Manoir Richelieu

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Hoch über dem Sankt-Lorenz-Strom: das «Fairmont Manoir Richelieu»

Doch egal zu welcher Jahreszeit: Besonders reizvoll präsentiert sich die Region aus der Vogelperspektive – zum Beispiel während eines Rundfluges mit Hubschraubern von Heli Charlevoix. Wer lieber am Boden bleibt, sollte dagegen eine Fahrt im Train de Charlevoix unternehmen – besonders attraktiv: der rund 60 Kilometer lange Streckenabschnitt zwischen La Malbaie und Baie-Saint-Paul parallel zur berühmten «Route de Fleuve».

Kulinarische Höhenflüge garantiert Doch Charlevoix wäre kein Stückchen Frankreich auf kanadischem Boden, wäre nicht auch die lokale Gastronomie über jeden Zweifel erhaben. Tatsächlich gibt es selbst innerhalb Québecs, das als kulinarisch anspruchvollste Provinz Kanadas gelten darf, kaum eine Region, in der durchgängig ein so hohes Genussniveau geboten, Gastfreundschaft mit so einer Leidenschaft zelebriert wird wie in Charlevoix. So können Feinschmecker entlang der Route des Saveurs von Petite-Rivière-Saint-­François nach La Malbaie bei mehr als 40 Partnerbetrieben Station machen. Dort können Besucher dann lokale Craft-Biere, erfrischenden Cider, Bio-Fleisch von Rind, Lamm oder Ziege, Geflügelprodukte von Fasan, Wachtel, Emu und Ente, zahlreiche der mehr als 500 (!) verschiedenen in Québec hergestellten Käsesorten, Honig oder handgeschöpfte Schokoladen probieren und die engagierten Macher / innen dieser Gaumenfreuden kennenlernen. Die meisten der als «Certifié Terroir Charlevoix» gelabelten Produkte (vergleichbar der hiesigen g.g. A. bzw. A.O.P.)

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finden ihren Weg aber nicht nur in heimische Küchen, sondern werden auch in einigen der besten Restaurants des Landes, ja bis ins ferne Vancouver, geschätzt. Aber natürlich auch von Lokalmatador Pierre-Laurence Valton-Simard, Executive Chef des «Fairmont Manoir Richelieu», der auch schon unter 3-Sterne-Legende Georges Blanc am Herd stand.

Kulinarische Topadressen In seinem mehrfach ausgezeichneten Fine Dining Restaurant Le Charlevoix und dem nicht minder exzellenten «Table et Terroir» stehen zum Beispiel «Tataki» vom Charlevoix-Zicklein mit Sauerampfer, Buchweizen-Crumble und Schalotten Royal, eine Variation vom lokalen Lamm mit Rettich und Äpfeln oder Tartar vom nur wenige Kilometer entfernt gezüchteten Emu mit Heidelbeeren und gerösteten Morcheln auf der Karte. Weitere kulinarische Top­ adressen der Region sind unter anderen die beiden ebenfalls in La Malbaie gelegenen Restaurants «Auberge des 3 Canards» und «Auberge des ­Falaises» sowie das «Les Labours» im Hotel ­Le Germain in Baie-Saint-Paul – alle drei, ebenso wie die beiden Spitzenrestaurants des «Fairmont», wiederum Teil des Flavour Trail. Die regionalen und französischen Einflüsse sind auch dort unverkennbar – zum Beispiel bei den sautierten Schnecken mit Birne und Blauschimmelkäse oder dem in Calvados flambierten Kalbsbries. Dazu passt ein leichter Tropfen von einem der zahlreichen Weingüter entlang der «Route des Vins» im Süden Québecs. Bon voyage!


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6 2 Der Berg ruft, der Schnee liegt bereit: Gut, wenn man für die Saison perfekt gerüstet ist. by

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1 I SIX SENSES CRANS-MONTANA

In einem der bekanntesten Skigebiete der Region gelegen, entsteht das Immobilienprojekt «Six Senses Crans-Montana» mit 47 Gästezimmern und Suiten. Es ist eines der letzten Bauprojekte, das Wohnungen zum Verkauf an Ausländer anbietet. 2 I INDIGO

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Indigo und St. Moritz präsentieren Premium-Ski der Extraklasse in innovativer Bauweise mit verstärkten vertikalen «Titanal-Stringern» im patentierten Verbund mit einem Kern aus Bambus- und Paulownia-Holz. 3 I BURBERRY

Winterfest und stilvoll: klassischer Chelsea-Boot aus italienischem Rindsleder mit den für Burberry charakteristischen «Vintage-Checks» an den Seitenteilen. Made in Italy. 4 I RIMOWA X OFF-WHITE

Die neuen Modelle aus der Kooperation von Rimowa und Off-White sind die Hingucker am Gate. Die Koffer aus Polycarbonat sind wie immer in limitierter Auflage erhältlich. Im Liefer­umfang enthalten ist ebenso ein Set mit austauschbaren orangen Rädern.

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5 I BREITLING X BENTLEY

«Premier B01 Chronograph 42 Bentley British Racing Green» mit Breitling-Manufakturkaliber 01. Durch den transparenten Gehäuseboden ist ein metallisiertes Bentley-Logo sichtbar. Mehr als 70 Stunden Gangreserve, 42 Millimeter Durchmesser. 6 I LEICA

«Leica Q»: ab sofort auch in einer limitierten Sonderausführung erhältlich. Versehen mit einem hochwertigen Echtleder in der Farbe Khaki, hebt sich die Kamera von den klassischen «Leica Q»Modellen ab und setzt einen farbigen Akzent.

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DIE

DOLOMITEN 1

1 I Die Comici- oder Fisch-Hütte

1955 am Fuss des Langkofel in 2154 Meter Höhe und im Herzen der Dolomiten gebaut, huldigt sie der Ver­ehrung an eine Bergsteigerlegende: Emilio Comici. Als elegantester Bergsteiger seiner Zeit bekannt, verliess er 1932 Triest, um von da an als Bergführer in den von ihm geliebten Dolomiten zu leben. Emilio Comici geniesst mit legendären Klettertouren und abenteuerlichen Gipfelbesteigungen Ruhm und Anerkennung, bis er 1940 während einer Übungsklettertour durch einen tragischen Sturz stirbt. Die Comici-­ Hütte mit ihren hellblauen Fensterläden und der einzigartigen Atmosphäre spiegelt die Klasse, Persönlichkeit sowie Eleganz und den Stil des legendären Bergsteigers wider. Nur erlesenste Produkte wie Fisch und Wein aus der eigenen Landwirtschaft lässt Gianni Marzola, der 1955 den Hüttenbetrieb eröffnete, seinen Gästen servieren. Das von der Familie Marzola geführte Traditionshaus verwöhnt seine Gäste mit kulinarischen Hochgenüssen und zelebriert ein Erlebnis der besonderen Art.

2 I Dolomiti Superski – Skispass im UNESCO-Welterbe Vor über 200 Millionen Jahren entstanden sie als riesiges Korallenriff im Urmeer. Heute ragen die faszinierenden Berge bis 3000 Meter hoch in den Himmel und wurden 2009 ihrer einzigartigen Schönheit wegen zum UNESCO-Welterbe erklärt. Eine majestätische und mit atemberaubender Schönheit ausgestattete Landschaft, prachtvolle Naturparks, Magie und Emotion, eine 100 Jahre alte Skitradition und spätestens seit den Olympischen Winterspielen 1956 als exklusive Winterdestination äusserst beliebt, vereinen sich in den Dolomiten UNESCO-Welterbe und modernste Technik. Als erste italienische Körperschaft ist die Stiftung Dolomiten UNESCO dem Google-Zusatzdienst «Trekker Loan Program» beigetreten, die es ermöglicht, die Dolomiten auf «Street View» egal von welchem Winkel aus online auf Google Maps zu bewundern. Das Grossprojekt «Dolomiti Superski» umfasst 12 Tal­schaften, 1200 Kilometer schneesichere Pisten und 450 hochmoderne Aufstiegsanlagen.

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3 I Baita-Sofie-Hütte, das Weinparadies mit eigenem Gin

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Sie ist die am höchsten gelegene Hütte auf Seceda auf 2410 Meter, die nicht nur Tiroler Spezialitäten anbietet, sondern mit über 300 Etiketten der besten Weine aus aller Welt der höchstgelegene Weinkeller der Dolomiten ist. Eine Passion des Gastgebers Markus Pinoth, der sie aus der ganzen Welt gesammelt hat. Mit dem «Baita Sofie 8025 Gin» bietet das Haus seinen eigenen Gin an, mit Kräutern und Gräsern, die ausschliesslich oberhalb von 2000 Höhenmetern in der Umgebung der Sofie-Hütte gepflückt werden. Mit seinem Freund Alberto von Villa Laviosa hat der Almwirt Markus Prinoth mit viel Hingabe und Leidenschaft einen Gin gebrannt, der sich durchaus mit den besten international bekannten Sorten messen kann.


Tourist Board Dominikanische Republik Hochstrasse, 54 . D-60313 Frankfurt/Main Tel.: +49 69 91397878 . Fax: +49 69283430 switzerland@godominicanrepublic.com #DominikanischeRepublik GoDominicanRepublic.com Dominikanische Republik Tourist Board

Punta Cana


NEW YORK

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BY SKANDER KHLIF

Mal laut, mal leise, mal in Farbe, mal in Schwarz-Weiss und doch immer intensiv – der Fotograf Skander Khlif hält auf faszinierende Weise die kleinen und grossen Geschichten des Stadtlebens fest und begeistert mit seinem Blick auf die Stadt New York. Lebendig und spannungsvoll. Anka Refghi I

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Skander Khlif


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S

kander Khlif ist ein tunesisch-deutscher Ingenieur und zeitgenössischer Strassenund Dokumentarfotograf. Aufgewachsen im lebendigen Tunis, lebte er im Laufe seines bisherigen Lebens bereits in acht verschiedenen Städten. Seine besondere Leidenschaft gilt den Strassen, die er als Theaterbühne des alltäglichen Lebens begreift. Skander Khlifs Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet und in zahlreichen Ausstellungen international gezeigt. Der Fotograf lebt heute in München. PRESTIGE: Sie haben Ihre Reihe über New York «Spirito­ graphy» genannt. Wie würden Sie den Spirit New Yorks in Ihren Worten, Ihrer Wahrnehmung beschreiben? SKANDER KHLIF: Ein Spaziergang durch die Strassen und Boulevards von Manhattan fühlt sich an wie eine ganze Weltreise. Chinatown, Harlem, Midtown, Wallstreet, Chelsea, Little Italy – es gibt keine zweite Stadt weltweit, die so vielfältig ist. Und obwohl jedes Viertel seine eigene Besonderheit geniesst, mischen und kreuzen sich die Kulturen, Gesichter, Gerüche und Geräusche ständig.

Fotograf Skander Khlif

Worin liegt für Sie die visuelle Spannung in der Stadt New York? Es ist gleichzeitig extrem schwierig, aber auch kinderleicht, die Strassen von NYC zu dokumentieren. Die Schwierigkeit liegt darin, dass viele interessante Ereignisse ständig zur

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gleichen Zeit passieren. Ausserdem haben mehrere grossartige Fotografen diese Stadt in der Vergangenheit bereits dokumentiert – wie beispielsweise Garry Winogrand, Eliott Erwitt und viele andere. Es ist also eine echte Herausforderung, etwas Neues zu produzieren. Auf der anderen Seite ist es aber auch ganz einfach, wenn man konzentriert bleibt. Neben New York haben Sie auch zahlreiche andere Städte wie Tokio, Wien, Berlin oder auch die Insel Djerba mit der Kamera eingefangen. Welcher Ort hat Sie am meisten überrascht und warum? Definitiv Moskau. Hauptsächlich, weil ich dort das gefunden habe, was man heutzutage woanders nicht findet. Es war wie eine Zeitreise in die 1960er. Alle sind elegant angezogen, und statt Smartphones halten die Leute meistens Zeitungen und sogar Blumen in den Händen. Sie fotografieren in Farbe und Schwarz-Weiss – worin liegt für Sie jeweils der Reiz beziehungsweise die Herausforderung bei der Farb- oder eben SchwarzWeiss-Fotografie? Ich liebe beide Arten in unterschiedlicher Weise. Je nach Bild und je nach eigenem Gefühl. Schwarz-Weiss, um Emotionen festzuhalten und um die Seelen zu berühren, Farbe, um die Sinne zu erregen. Welche Fotografen oder Künstler haben Sie ganz be­ sonders beeinflusst und warum? Wenn ich nur einen einzigen Fotografen auswählen sollte, dann wohl Saul Leiter. Er transformierte banale, urbane Momente in ewige Poesie. Auch Filme haben mich seit meiner Kindheit sehr beeinflusst, und ich würde sogar behaupten, dass Tim Burtons Werke meine Art, die Welt zu sehen, geprägt haben. Sie sind gebürtiger Tunesier. Inwiefern beeinflussen Ihre Wurzeln Ihre Sicht im fotografischen Sinne auf die Welt oder bestimmte Szenerien? Ich bin in einer sehr geselligen Umgebung aufgewachsen, und wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum ich einfach auf Menschen zugehen kann. Ich verstehe Menschen besonders gut und nehme Emotionen sehr stark wahr. Empathie ist sehr wichtig für mich als Fotograf. Ausserdem kann ich mich in jeder Schicht schnell integrieren. Ich fühle mich genauso wohl in den Armenvierteln von Kairo wie in Bogenhausen in München.


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MIT DEM SPORTAUTO DURCH DEN

OMAN

Der Oman kristallisiert sich als Juwel unter den Reisezielen im Orient heraus. Eine exklusiv motorisierte Tour bietet wunderschรถne Einblicke in dieses vielseitige und spannende Land. Anouk Delange

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© Rpm Oman / Supercars Majlis

as Sultanat Oman erfährt seit ein paar Jahren eine langsame Transformation vom unscheinbaren Land im Schatten der Vereinigten Arabischen Emirate zu einem absoluten Geheimtipp für Touristen. Der Oman bietet eine erstaun­ liche geographische Vielfalt: Neben typischen Wüstenlandschaften im Landesinnern ist die östliche Küstenlandschaft besonders sehenswert. Ebenfalls bemerkenswert ist die Gebirgswelt des Oman, in der es im Gegensatz zu anderen Gebieten des Wüstenstaates sehr grün ist und manchmal sogar schneit.

Fahrspass pur Die «VAE & Oman Grand Tour» der Edel & Stark Gruppe führt Gäste auf der Suche nach Entspannung und Entdeckung auf einer einwöchigen Rund­ reise ab Dubai über die Hauptstadt des Oman, Maskat, und die entzückende grüne Berglandschaft des Jebel Akhdar nach Abu Dhabi und schliesslich zurück nach Dubai. In einer Woche voller arabischer Gastfreundschaft und Fahrspass lernen Gäste so den geheimnisvollen Oman kennen und haben genügend Zeit, die unvergleichliche orientalische Gastfreundschaft der Arabischen Halbinsel zu geniessen.

Entlang der Küste Highlights der siebentägigen «VAE & Oman Grand Tour» sind unter anderem eine Fahrt entlang der Küste von Dubai nach Maskat, ein Luxusresort mit Ausblick über einen Canyon auf dem Jebel Akhdar, die Haarnadelkurven des Bergs Jebel Hafeet auf dem Weg nach Abu Dhabi und vieles mehr. Hochwertige Sportwagen aus der lokalen Flotte der Edel & Stark Gruppe stehen den Gästen auf dieser exklusiven Tour zur Verfügung. Zur Auswahl stehen unter anderen ein Ferrari 488 Spider, ein Lamborghini Huracán und ein Porsche 911 Turbo. So macht es gleich doppelt Spass, durch die Wüsten- und Berglandschaften der VAE und des Oman zu fahren und die unvergleichliche Atmosphäre dieser Länder zu geniessen.

Das Unternehmen

Die Edel & Stark Gruppe ist führender Anbieter für Luxusautovermietung und Sportautotouren mit Büros in der Schweiz, Deutschland, Frankreich und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die exklusiven Touren in Europa, den VAE und Oman sind geführt oder als Selbstfahrer-Touren erhältlich und führen im Sportauto nach Wahl entlang der schönsten Landschaften der jeweiligen Länder. Verbunden werden diese Erlebnisse mit 5-Sterne-Hotels und Gourmet-Diners. www.edelstark.com

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ROADTRIP DURCH DEN

SUNSHINE STATE Wer an Florida denkt, kommt unweigerlich auf Orte wie Disney World, Miami Beach und die Everglades. Dabei hat der Sunshine State so viel mehr zu bieten als Achterbahnen und Alligatoren. Ein Roadtrip abseits der klassischen Touristenpfade.

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Anna Karolina Stock I

Visit Florida

er Nordwesten Floridas ist für die meisten Europäer Neuland. Hört er Panama City Beach, denkt er zunächst an das Land in Mittelamerika und die namensgleiche Hauptstadt. Gemeint ist allerdings die amerikanische Kleinstadt am Golf von Mexiko, die unter anderem mit 43 Kilometer langen, schneeweissen Sandstränden besticht. Seit Jahrzehnten verbringen Amerikaner aus dem Norden – liebevoll «Snowbirds» genannt – ihre Winterferien in der Region. 320 Sonnentage und ideale Bedingungen für Aktivitäten wie Schnorcheln, Tauchen, Surfen, Kanufahren und Angeln sprechen schlicht und ergreifend für sich. «Macht einen Ausflug nach Shell Island», empfiehlt Park Ranger Joe am Eingang des St. Andrews State Park. Nur mit dem Boot geht es auf die kleine vorgelagerte Insel. Je nach Jahres- und Tageszeit hat man den Puderzuckerstrand und die um die Insel schwimmenden Delfine ganz für sich allein.

Auf Tuchfühlung mit Manatees: Crystal River «Manatee-Hauptstadt der Welt» steht in grossen Lettern auf jeder Werbetafel von Crystal River. Gerade mal 3100 Einwohner leben in der Kleinstadt an der Golfküste – weltbekannt ist sie trotzdem. Denn nur hier darf man offiziell mit den als gefährdet ge-

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listeten Rundschwanzseekühen schnorcheln. «Bis zu vier Meter lang und 900 Kilogramm schwer können die zahmen Meeressäuger werden», erklärt Captain John Spann. Die Kings Bay, das Quellgebiet von Crystal River, sei einer ihrer letzten geschützten Lebensräume. Die Bucht ist mit dem Golf von Mexiko verbunden und besteht aus mehr als 50 Süsswasserquellen, die mit ihren konstanten 22 Grad Celsius stetig warmes Wasser liefern. Und genau das mögen die kälteempfindlichen Schwergewichte. Bis zu 700 Manatees kommen jedes Jahr in die Kings Bay, um an den warmen Quellen zu überwintern. «Wer sich im Wasser nicht bewegt und geduldig ist, hat gute Chancen von einer der süssen Knubbelnasen angestupst zu werden», versichert Captain John lachend, während er von einem neugierigen Baby-Manatee umklammert wird.

Das kubanische Herz: Ybor City (Tampa) «Die meisten Leute fahren an Tampa vorbei, ohne zu wissen, dass im Stadtteil Ybor City das kubanische Herz Floridas schlägt», erzählt Tourguide Lonnie Herman während eines Stadtrundgangs. Bis heute stehe die ganze Region im Schatten des berühmten Hotspots Miami. Und das, obwohl Ybor City einst die Zigarrenhauptstadt der Welt war und Einwanderer aus Kuba und Europa anlockte. In den 150 Zigarrenfabriken wurden täglich


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Helle Pastelltรถne, Bullaugen und leuchtende Neonschilder an den Fassaden: der historische Art Deco District in South Beach

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bis zu zwei Millionen Zigarren von Hand gerollt. Eine Kunst, die man heute noch in den kleinen Tabakläden auf der Seventh Avenue beobachten kann. Der Stadtteil stehe heute grösstenteils unter Denkmalschutz, so der Ybor-City-Experte, gleichzeitig sei er das Ausgehviertel der Einheimischen. Sobald es dunkel wird, erwachen die Restaurants und Bars zum Leben. So auch das berühmte «Columbia», Floridas ältestes Restaurant und gleichzeitig das grösste spanische Lokal weltweit. Während der Flamenco-Shows wird ganz traditionell rote oder weisse Sangria serviert und direkt vor den Gästen zubereitet.

Strand- und Zirkusparadies: Sarasota Rund 80 Kilometer südlich von Tampa liegt Sarasota County mit seinen Millionärsvillen, Yacht-Clubs und Golfplätzen. Die Region am Golf von Mexiko gehört zum Besten, was der Sunshine State sonnenhungrigen Touristen zu bieten hat. Besonders wer Strände liebt, wird Sarasota lieben, denn Sarasota County verfügt über 65 Kilometer Küstenlinie, die sich auf dem Festland und auf den vorgelagerten Inseln befinden. Am Venice Beach werden hin und wieder sogar prähistorische Haifischzähne angespült, was der Stadt den Titel «Shark Tooth Capital of the World» (Welthauptstadt der Haifischzähne) einbrachte. Ungefähr genauso berühmt wie die weissen Sandstrände ist der Name Ringling. John Ringling war einer der sieben Ringling Brüder, die Anfang des 20. Jahrhunderts den legendären Zirkus «Ringling Bros. and Barnum & Bailey» ins Leben riefen. Auf der Suche nach einem Winterquartier entschied sich John Ringling für die milden Temperaturen in Sarasota County. Neben dem prachtvollen Wohnhaus Ca’ d’Zan (venezianisch für «Haus des John») errichtete er ein Kulturzentrum inklusive Museum für europäische Kunst.

Auf den Spuren Hemingways: Key West Ganz im Süden Floridas wartet der legendäre Overseas Highway, der die Inseln der Florida Keys miteinander verbindet. 205 Kilometer und 42 Brücken gilt es zu bewältigen, ehe man in Key West ankommt. Entspannt und lässig geht es in der Conch-Republic (Muschel-Republik) zu, wie sich die Stadt am südlichsten Punkt der USA selbst nennt. Jeden Abend, bevor die Sonne im Meer versinkt, strömen Einheimische und Touristen zum Mallory Square. Am alten Pier hat man einen wunderbaren Blick auf den Golf von Mexiko. Strassenkünstler sorgen für Unterhaltung, die so bunt und lebendig ist wie der Sonnenuntergang selbst. Cafés locken mit «Happy Hour»-Angeboten und Street-

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Tagsüber gemütliche Flaniermeile, abends pulsierendes Nachtleben: die Duval Street in Key West

food-Stände mit leckeren Snacks. Wer richtig feiern will, zieht weiter in die Duval Street, die Ausgehmeile von Key West. Immer rappelvoll ist das «Sloppy Joe’s», einst Stammkneipe von Ernest Hemingway, als dieser in den 1930er Jahren die Sonne Floridas genoss und einige seiner Werke, wie den Roman «Haben und Nichthaben», verfasste. Sein Wohnhaus ist heute ein Museum und wird immer noch von dutzenden Nachfahren seiner allerersten Katze Snowball bewohnt.

Vom Gangsterviertel zum Kunstprojekt: Miami Die meisten Urlauber zieht es auch heute noch auf die Sandbank hinter der Biscayne Bay, allseits bekannt als Miami Beach, der Inbegriff von Partyund Strandurlaub. Entlang der Flaniermeile Ocean Drive versprühen mehr als 600 denkmalgeschützte, pastellfarbene Art-déco-Gebäude einen Hauch von Luxus und Vergnügen. «Dabei hat Miami so viel mehr zu bieten», meint Fotografin Alice Warren. Zum Beispiel das Szeneviertel Wynwood nördlich von


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Downtown Miami, das jahrelang als «No Go Area» galt. Die einst finstere Gegend aus heruntergekommenen Lagerhallen und verlassenen Industriebauten ist heute ein Mekka für Street-Art- und Graffiti-Künstler und auch die grösste Kulturmeile Floridas. Als der New Yorker Immobilienentwickler Tony Goldman das Potenzial der riesigen, fensterlosen Hausfassaden und Grundstücksmauern erkannte, rief er das wohl grösste Strassenkunstprojekt der Welt ins Leben. Seitdem dienen die Fassaden als Leinwände und verwandeln das Quartier in eine Freiluftgalerie. Jeder, der Rang und Namen in der Szene hat, reist aus der ganzen Welt an, um eine Fläche zu gestalten. «Dank Goldman wurde ein ganzer Stadtteil vor dem Verfall gerettet», so die Fotografin, von Gentrifizierung keine Spur. Die meisten Gebäude dienen weiterhin ihrem ursprünglichen Zweck. Wynwood sei authentisch geblieben und trage lediglich ein knallbuntes Kostüm. Die Recherchereise für diesen Beitrag wurde unterstützt von Visit Florida.

Während der Wintermonate zieht es die Seekühe zu den warmen Quellen in der Kings Bay.

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HAPPY END IN AROSA Nachhaltigkeit ist ehrenwert. Umso schöner, wenn sie tatsächlich und zum Wohl von Tieren umgesetzt wird. So geschehen in Arosa. Denn seit letztem Sommer ist Arosa um eine tierische Attraktion reicher und der Bär Napa, als erster Bewohner des Bärenlandes, mit einem artgerechten Leben beschenkt. Anka Refghi

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E © VIER PFOTEN

© Arosa Tourismus

s ist dies eine Geschichte von Menschen, denen das Tierwohl nicht egal ist. Seit Jahren schon kämpft die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» für die Befreiung der Bären aus Osteuropa, die unter unwürdigen Bedingungen leben müssen. Doch das alles wäre nicht möglich, gäbe es nicht auch Menschen, die diese wunderbaren Aktionen auch monetär unterstützen. So auch im Fall des Bären Napa, des zwölfjährigen Mischlings aus Eis- und Braunbär, der zusammen mit den serbischen Behörden aus den Fängen eines Zirkus befreit werden und im letzten Sommer als erster Bewohner das drei Hektar grosse Bärenland in Arosa beziehen konnte. Möglich gemacht haben dies Gregor Greber, seines Zeichens Gründer von NapaWine und dem Zürcher Restaurant NapaGrill, und Bernhard Signorell, Mitglied des Verwaltungsrates, die den Bären aus privater Tasche finanzierten und so zu seinem Namensgeber wurden.

Glückliche Gewinner auf allen Seiten «Zu Beginn dieser Aktion», so Bernhard Signorell, «stand ein Austausch zwischen dem Tourismusdirektor von Arosa, Pascal Jenny, und Gregor Greber, der ein Ferienhaus in dem Bergort besitzt und sich seit jeher für den Tierschutz und wohltätige Projekte einsetzt. Die Idee, dass Napa symbolisch für die Verbundenheit Grebers zu Arosa einerseits und Kalifornien, das einen Bären im Wappen trägt, andererseits stehen könnte, begeisterte uns von Anfang an.» Denn auch das Napa Valley spielt eine zentrale Rolle im Leben der beiden Geschäftspartner, stammen doch von hier sowohl die exquisiten Weine als auch das Premium Beef, das selbstverständlich aus in jeder Hinsicht vorbildlicher Tierhaltung stammt. Und dass Napa dann bezeichnenderweise genau am 4. Juli 2018 – und damit am Unabhängigkeitstag der USA – heil an seinem neuen Bestimmungsort ankam, rundete schliesslich dieses wunderbare Engagement ab. Ein Engagement, das es möglich machte, dass Napa – und schon bald weitere Bären – ein Leben in der Schönheit der Bündner Bergwelt geniessen darf und sich Besucher aus aller Welt an seinem Anblick und seiner glücklichen Lebenswendung erfreuen können. Es ist dies eine gelungene (Herzens-)Geschichte, in der Tierschutz, privates Engagement und nachhaltige Tourismusförderung Hand in Hand spielen und bei der am Ende alle gewonnen haben.

Besuch im Bärenland

Das Arosa Bärenland ist ein Erlebnis für Besucher aller Altersgruppen. Auf einer grossen Plattform lässt sich nicht nur der Bär beobachten, sondern man erfährt auch die Geschichte seiner Vergangenheit und viele weitere spannende Fakten über Bären. Weiter begeistern das BärenMinigolf und der Erlebnisspielplatz bei der Mittelstation. Für das kulinarische Wohl sorgt das Restaurant «Brüggerstuba» gleich nebenan. Und übrigens: Hunde sind im Arosa Bärenland ebenso herzlich willkommen.

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WATCHES  JEWELLERY

ZEIT FÜR

ABWECHSLUNG Weil schlichtweg unwiederbringlich, ist Zeit ausgesprochen wertvoll. So kostbar, dass man sie nicht irgendeiner Armbanduhr anvertrauen sollte. Die hier vorgestellten Zeitmesser bereichern jedes Handgelenk.

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Gisbert L. Brunner

ine Armbanduhr ist praktisch keine. Getreu der Devise, dass Abwechslung das Leben bereichert, sollte auch das persönliche Handgelenk gelegentlich jenen Wandel demonstrieren, welcher zum Wesen der Zeit gehört. Die Auswahl an Neuem ist beachtlich, egal ob mit mechanischem oder elektronischem Innenleben, egal ob reduziert auf das Wesentliche oder ausgestattet mit gleichermassen praktischen und hilfreichen Zusatzfunktionen, egal ob sachlich gestaltet oder opulent ausgestattet mit funkelnden Edelsteinen. Wer in die Zukunft denkt, achtet gewissenhaft auf die Signatur. Bei Armbanduhren ist sie so wichtig wie bei Immobilien die Lage. Ein guter Name bürgt nicht nur für Qualität und Langlebigkeit, sondern auch dafür, dass im Fall des Falles der Service stimmt.

Reihenmotor am Handgelenk Hublot kooperiert bekanntlich mit Ferrari. Im Gegensatz zum Energiebedarf der kraftstrotzenden Boliden läuft das Kaliber MP-11 in der markanten «Big Bang» mit 1/1’000’000 PS. Und das 14 Tage am Stück. Möglich machen es insgesamt sieben in Reihe geschaltete Federhäuser. Eine digitale Gang­ reserveanzeige links neben den linear aufgereihten Energiespeichern lässt wissen, wann mit Hilfe des beigefügten Werkzeugs aufgezogen werden muss. Für die Umlenkung der Drehbewegungen aus der Horizontalen in die Vertikale ersannen die Techniker ein ungewöhnliches Schneckengetriebe. Logischerweise möchte ein innovativer Motor wie dieser adäquat verpackt und geschützt werden. Diese Aufgabe kommt einem Gehäuse aus Saphirkristall zu. Das gleichermassen harte wie transparente Material verlangt bei seiner Verarbeitung nach ausgewiesener Kompetenz. Und die ist Hublot seit mehreren Jahren

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MONTBLANC

HUBLOT

zu eigen. Immerhin entstanden in Nyon schon mehrere vollkommen durchsichtige Armbanduhren. Durch gekonnte Wölbung erzeugt dieser Werkstoff über den Federhäusern sowie der Gangreserveindikation einen bemerkenswerten, der Ablesbarkeit ausgesprochen dienlichen Lupeneffekt. Von dieser Ausführung der «Big Bang MP-11» gibt es summa summarum 200 Exemplare.

Ganz schön smart Im Oktober 2018 stellte Montblanc bereits die zweite Version seiner smarten Armbanduhr namens «Summit» vor. Mit einem nur noch 42 mm messenden Stahl- oder Titangehäuse im Stil der klassischen 1858-Linie macht die «Summit 2» auch an schlankeren Handgelenken «bella figura». Der verbaute «Qualcomm Snapdragon Wear 3100»-Chipsatz besticht durch eine Vielfalt hilfreicher Funktionen für Beruf, Fitness, Freizeit oder Reisen. Abhängig von der Nutzungsintensität hält der integrierte Akku etwa einen Tag durch. Dann muss der mit GPS-Ortung, Bluetooth und WLAN-Konnektivität ausgestattete Mikrocomputer in die mitgelieferte Ladeschale. Wenn es eng wird mit der Energie, verfällt die «Summit 2» in einen stromsparenden Time-Only-Modus. Von selbst mag sich verstehen, dass das neueste Google-Wear-Betriebssystem aufgespielt wurde. Somit lässt sich dieses Wearable nach dem Laden der entsprechenden App problemlos mit iOS- und Android-Smartphones nutzen. Nach dem Einschalten kann man das Amoled-Display unterschiedliche Zifferblätter darstellen lassen. Neben den von Montblanc mitgelieferten, zum Beispiel ein klassischer 1858 Chronograph, bietet sich eine breite Palette zum Herunterladen an. Als Bedienelemente sind neben dem Touchscreen eine Krone und zwei individuell programmierbare Drücker vorhanden. Neben

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PARMIGIANI FLEURIER

FAVRE-LEUBA

ZENITH


WATCHES & JEWELLERY

den bekannten Fitness- und Gesundheitsfunktionen und vielen weiteren Möglichkeiten bietet die «Summit 2» auch den «Timeshifter» zur Reduzierung des Jetlags und eine exklusive Montblanc-«Travel Info»-App samt sprachaktivierter Übersetzungsmöglichkeit.

Tradition trifft Moderne Laut notarieller Urkunde eröffnete Abraham Favre 1737 in Le Locle eine Uhrmacherei. Sohn Henry-­ Auguste tat sich 1814 mit dem Uhrenhändler A. Leuba zusammen. So entstand die Marke Favre-­ Leuba. Unter Leitung von Henry Favre tat sich die Manufaktur ab etwa 1950 durch zahlreiche Innovationen hervor. Dessen Kinder übernahmen das Geschäft 1970 in achter Generation. Seit 2011 befindet sich Favre-Leuba unter dem Dach der indischen Tata-Gruppe. Viele Exemplare der gegenwärtigen Kollektionen knüpfen an das reiche Erbe auf dem Gebiet mechanischer Armbanduhren an. Das gilt auch für die markante «Raider Sea King». Sie weist zahlreiche charakteristische Designaspekte der Traditionsmarke auf. Dazu gehören die sehr speziell gestaltete Lünette, die augenfälligen Stundenindexe der frühen «Deep Blue» sowie die unübersehbaren Zeiger der Taucheruhr «Bathy» mit Tiefenmesser. Im Edelstahlgehäuse mit 41 mm Durchmesser, dessen Wasserdichte bis zu zehn bar Druck reicht, findet sich ein Eta-basiertes Automatikwerk. Es zeigt Stunden, Minuten, Sekunden und Datum an. Zur Wahl steht ein Armband aus Edelstahl oder eines aus Antilopenleder.

Feuriger Glanz für verwöhnte Frauen Mit der neuen, ausgesprochen femininen «Boa» übt sich Parmigiani Fleurier weniger in feiner Uhrmacherei denn in sinnlich inspirierender Juweliers­kunst. Zunächst einmal handelt es sich um ein massivgoldenes Ensemble im sogenannten Manchette-Stil. Versierte Handwerker fassen es reichlich mit Diamanten aus. Beim Top-Modell, der «Boa Prinzi», trägt das Weissgoldgehäuse summa summarum 40 Diamanten der Qualität Top Wesselton F-VVS im opulenten Baguetteschliff. Alle zusammen bringen 2,27 Karat auf die Edelsteinwaage. Im Inneren findet sich ein ovales Quarzwerk vom Kaliber PF600. Es zeigt Frau von Welt die Stunden und Minuten an. Nachdem sie mit einem kostbaren Schmuckstück wie diesem garantiert nicht zum Tauchen geht, reicht die Wasserdichte nur bis zu einem bar Druck. Auf dem ebenfalls weissgoldenen Zifferblatt finden sich 24 Diamant-Baguetten mit insgesamt 1,20 Karat. Bleibt das Armband, welches luxusaffine Augen ebenfalls zum Leuchten bringen

wird. Wie Gehäuse und Zifferblatt wird der Körper aus weissem Gold gefertigt. Seine Glieder erstrahlen durch sage und schreibe 414 Steine in feurigem Glanz. Analog zu den Pendants im Zentrum sind sie als Baguetten geschliffen und unsichtbar gefasst. Ihr Gewicht beträgt nicht weniger als 25 Karat. Bei dieser Opulenz verwundert es nicht, dass Parmigiani die «Boa»-Edition auf fünf Exemplare limitiert.

Frau Luna lässt grüssen Zeitbewahrende Mechanik geniesst im Hause Zenith einen überragenden Stellenwert. Dabei denkt die in Le Locle beheimatete Manufaktur traditionsgemäss nicht nur an Männer. Auch das weibliche Geschlecht darf seinen chronometrischen Hedonismus am Handgelenk ohne Einschränkungen ausleben. Zum Beispiel mit einem der unterschiedlichen Modelle namens «Elite Lady Moonphase». Der Name ist in mehrfacher Hinsicht Botschaft. Elitär präsentiert sich einmal das ultraflach ausgeführte Edelstahlgehäuse mit 36 mm Durchmesser. Seine Lünette haben die Juweliere mit 64 Brillanten von zusammen 0,9 Karat bestückt. Nicht von der Stange, sondern aus eigener Manufaktur stammt das nur 3,97 mm hoch bauende Automatikwerk vom Kaliber 692. Es besteht aus 195 Teilen, besitzt rund 50 Stunden Gangautonomie und zeigt sich durch einen Saphirglas-Sichtboden. Wasser hat bis zu fünf bar Druck keine Chance, zu dem mit vier Hertz tickenden Mikrokosmos vorzudringen. Die Zusatzfunktion gibt der Modellname ebenfalls preis. Sie zeigt sich durch ein kleines Fenster im Perlmutt-­ Zifferblatt. Dort kann Frau auch schon bei Tag ablesen, wie sich der Mond des Nachts unabhängig von der Bewölkung präsentieren wird. Nach längerem Liegen lässt sich diese Indikation ganz einfach per Krone korrigieren. Hohen Tragekomfort gewährleistet schliesslich das stählerne Gliederband.

JUNGHANS

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WATCHES & JEWELLERY

Ätherwellen für Mega-Präzision In seiner langen Geschichte hat Junghans viele Pionierleistungen vollbracht. Eine davon ist die 1985 für Pendulen und 1990 auch in Armbanduhren vorgestellte Funktechnologie. Ätherwellen liefern hierbei Signale für tagaus, tagein sekundengenaue Zeit. Hieran knüpft die jüngste Elektronik-Innovation aus Schramberg. Das neue Funkkaliber J101.65 besteht aus 146 Komponenten, darunter drei unabhängige Motoren. Es empfängt und verarbeitet chronometrische Radiosignale auf drei Kontinenten mit einer Präzision von 0,006 Sekunden in einer Million Jahren. «Offline» gewährleistet das autonom agierende Quarzwerk maximale Gangabweichung von jährlich acht Sekunden. Intelligent Time Correction, eine ebenfalls exklusive Technologie, vergleicht täglich 1440 Mal die Position des in Halbsekundenschritten springenden Zeigers mit der zuletzt empfangenen Zeitinformation. Falls nötig, wird sofort korrigiert. Dank integriertem ewigen Kalender bedarf das Datum keiner manuellen Korrektur. Bei Reisen in eine entfernte Zeitzone lässt sich die dort herrschende Stunde sehr komfortabel schon vor Reiseantritt wählen. Bleibt eine spezielle «Mega-App» für iOS- und Android-Telefone zum Einstellen der Uhrzeit ausserhalb der Senderbereiche. Nach dem Motto «zeig mir deine Elektronik» besitzt die 38,4 Millimeter grosse Referenz 058 / 4803.44 einen getönten Mineralglasboden.

Funkelndes Prachtstück zum Stoppen Dass sich der «Oyster Perpetual Cosmograph Daytona» grösster Beliebtheit erfreut, kann beim besten Willen niemand bestreiten. Die Nachfrage übersteigt bei weitem die von Rolex an die Fachhandelpartner gelieferten Quantitäten. Wartelisten, speziell für die Stahlversionen mit kratzfester «Cerachrom»-­Lünette, sind daher an der Tagesordnung. Höchste Ansprüche befriedigt die 1905 gegründete Manufaktur durch eine neue Variante des 2000 lancierten Klassikers mit dem hauseigenen Automatikkaliber 4130. Am Handgelenk wird die Referenz 116595 RBOW ohne Frage grösstes Aufsehen erregen. Ihr 40-mm-­ Gehäuse besteht aus 18-karätigem Everose-Gold. Dem Druck des nassen Elements widersteht es bis zu 100 Meter Tauchtiefe. Besonders ins Auge sticht einmal die Lünette. Rolex fasst sie aus mit 36 Edelstein-Baguetten, angeordnet in den Farben eines Regenbogens. Diese Anordnung setzt sich am Zifferblatt fort. Hier dienen elf erlesene Farbsteine im Baguetteschliff als Stundenindexe. Darüber hinaus tragen die Bandanstösse 56 Diamanten im Brillantschliff. Sicheren Halt und hohen Tragekomfort verspricht schliesslich das Oyster-Band aus massivem Everose-Gold. Es besitzt ein leicht handhabbares Verlängerungsglied. Rolex liefert dieses tickende Prachtstück in Chronometer­ qualität mit beruhigenden fünf Jahren Garantie.

Erfolg auf der ganzen Linie «Mit unserer Linie ‹Twenty~4› wandten wir uns an eine neue Zielgruppe von jüngeren Frauen, die erfolgreich im Berufsleben stehen und sich ihre persönliche Armbanduhr selbst kaufen.» Als Philippe Stern, der damalige Präsident von Patek Philippe, das in einem Interview sagte, zeigten die Kalender Juli 2000. Gut ein Jahr zuvor hatte die Genfer Manufaktur die neue, ausschliesslich ans weibliche Geschlecht adressierte Damenarmbanduhr lanciert. Ausgeführt in Edelstahl mit Brillanten und komfortablem Quarzwerk sollte sie Begleiterin für alle 24 Stunden des Tages sein. Und genau das tun seitdem Zigtausende von Exemplaren. Mit anderen Worten: Die rechteckige Schmuck­ uhr kann mit Fug und Recht als nachhaltige Erfolgsgeschichte gelten. Nachdem die Zeit bekanntlich niemals stehen bleibt und Damen zunehmend die Faszination mechanischer Zeitmessung entdecken, präsentiert Patek Philippe

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ROLEX

19 Jahre nach dem Debüt dieser Linie eine völlig neue «Twenty~4» mit nunmehr rundem Gehäuse. Die Abkehr vom Kantigen hat natürlich einen tieferen Grund. Und der ist im nun verbauten Kaliber 324 SC zu suchen. 27 mm beträgt der Durchmesser des aus 217 Teilen assemblierten Automatikwerks mit beidseitig aufziehendem Goldrotor, mindestens 35 Stunden Gangautonomie, «Gyromax»-­Unruh und «Spiromax»-Siliziumspirale. Schutz bietet beispielsweise ein 36 mm grosses Edelstahlgehäuse mit Sichtboden. Sein Glasrand trägt 160 lupenreine Brillanten mit einem Gewicht von ungefähr 0,77 Karat. Vor dem blauen Zifferblatt mit Weissgoldindexen drehen goldene Zeiger.


R E G U L AT E YO U R T I M E

F LY I N G R E G U L AT O R N I G H T A N D D AY CH-8763-BLBL A u ß e r g e w ö h n l i c h e A r m b a n d u h r v o m R e g u l a t o r- E x p e r t e n C h r o n o s w i s s A u t o m a t i k k a l i b e r C . 2 9 6 m i t i n n o v a t i v e r d r e i d i m e n s i o n a l e r Ta g - u n d N a c h t a n z e i g e Aufwendige Zifferblattkonstruktion mit Einblick ins Werk (freigelegtes Sekundenrad) •

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EINE UHREN-LEGENDE: DER REGULATOR Seit dem ersten Regulator von Chronoswiss sind 30 Jahre vergangen. Inzwischen ist die Modell-Ikone erwachsen geworden – hat aber nichts von ihrem unkonventionellen und visionären Charakter verloren: Als Flying Regulator hat die Uhr mit der charakteristischen dezentralen Zeitanzeige die 3. Dimension erobert und brilliert nun mit aufwendig über mehrere Ebenen konstruierten Zifferblättern. Komplexe Modifikationen am Werk ergeben immer neue, innovative Varianten in einer eigenständigen Regulator Collection, die es so nur bei Chronoswiss gibt. Wie schon der Flying Regulator Open Gear ist auch der Flying Regulator Night and Day eine komplette Eigenentwicklung, vom Design bis hin zur Modulkonstruktion. Der Großteil der dafür benötigten Komponenten wird direkt in Luzern hergestellt.

TAG-/NACHT-ANZEIGE

SEKUNDENRAD

DATUMSFENSTER

Die in 3D auf wendig gestaltete Tag-/ Nacht-Anzeige in Form einer Halbkugel auf Höhe von 9 Uhr fällt sofor t ins Auge. Sie wurde in eine halbe Kuppel eingebettet und die Tagseite erhält durch Titan eine metallisch glänzende Optik. Absolutes High light: Dank ihrer Super-LumiNova Beschichtung leuchten die Sterne auf der Nachtseite sogar im Dunkeln.

Auf Höhe von 6 Uhr hat Chronoswiss kunst voll da s Sekunden rad freigelegt, auf da s die trichter förmige Skala den Blick wie von selbst lenk t. Die Rückseite des Werkes lä sst sich durch den in den späten 1980ern von Chronoswiss erstmals ein geführ ten Gla sboden in seiner ganzen Schönheit bewundern.

Neben der namensgebenden Tag-/ Nacht-Anzeige ver fügt der Flying Regulator Night and Day auch über ein digitales Datum. Es befindet sich bei 3 Uhr und ist in Form einer übersichtlichen 3-Tages-Anzeige gestaltet. Genau wie die Tag-/ Nachtanzeige lässt sich auch das Datum komfor tabel über die Krone einstellen.

EXKLUSIVE UHREN AUS LUZERN

SWISS MADE DURCH UND DURCH

Eine unabhängige Marke mit un gewöhnlicher Geschichte: Ein Uhr machermeister, der mitten in der Quarzkrise mechanische Zeitmesser nach Schweizer Qualitätsmass stäben baute – das war die Geburts stunde von Chronoswiss. In den Händen einer neuen Generation hat sich die Marke weiterentwickelt und ist dabei doch ihrer Tradition treu geblieben: Reine Mechanik, Swiss Made, keine Kompromisse. Am Hauptsitz im House of Chronoswiss, Luzern, können Besucher die Entstehung der feinen Zeitmesser miterleben.

Für die Fertigung der hochwertigen mechanischen Zeitmesser mit Prädikat „Swiss Made“ werden seit jeher nur Komponenten ausgewählter Schweizer Lieferanten verwendet. In vielen Modellen ticken exklusive Manu faktur kaliber. Schon seit den Anfängen prägen die grosse Liebe zu kleinsten Details und die Leidenschaf t für technische Präzision jede einzelne Uhr des Familienunternehmens Chronoswiss – auch für die Zukunft unverzichtbare Prinzipien.


PATEK PHILIPPE

WATCHES & JEWELLERY

Ein wenig rätselhaft ist sie schon, die von Tudor gewählte Modellbezeichnung «Black Bay S&G». Mit der Armbanduhr dieses Namens zelebriert die Rolex-­Tochter das 60-jährige Jubiläum ihrer Taucheruhren mit aussergewöhnlich grosser und auch griffiger Krone, der 1958 lancierten Referenz 7924. Der Newcomer, und dafür steht das etwas mysteriös anmutende S&G, kommt in einer sogenannten Bicolor-Ausführung auf den Markt. Gehäuse und Band bestehen also teils aus Stahl und teils aus Gold. Edelmetall verwendet Tudor für die Krone, Drehlünette und mittleren Glieder des Armbands im bekannten Oyster-Stil der Genfer Mutter. Als Premiere in der bis 200 Meter wasserdichten «Black Bay»-Linie versteht sich die Verwendung des Manufakturkalibers MT5612. Das Automatikwerk verfügt über ein Fensterdatum mit Schnellkorrektur, beidseitig wirkenden Rotoraufzug und beachtliche 70 Stunden Gang­auto­nomie. Aus vollkommen amagnetischem Silizium besteht

TUDOR

Abgetaucht in Bicolor

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CHRONOSWISS

URBAN JÜRGENSEN

TAG HEUER

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die Unruhspirale. Zusammen mit der Masselot-Unruh vollzieht sie stündlich 28’800 Halbschwingungen. Ein amtliches Gangzeugnis der Prüfbehörde COSC bescheinigt Präzision im Bereich zwischen minus vier und plus sechs Sekunden täglich. Beim Zifferblatt besteht Wahlmöglichkeit zwischen Schwarz oder Champagner.

bekannt. Sie äussert sich unter anderem in einer «Monaco Calibre 11 Special Edition Gulf». Ihre Edelstahlschale in den Dimensionen 39 x 39 Millimeter schützt das Automatikwerk bis zu zehn bar Wasserdruck. Hierbei handelt es sich um ein Sandwich aus dem Sellita SW300 samt vorderseitigem Modul von Dubois-Dépraz. Unübersehbares «Gulf»-Erkennungszeichen ist der Streifenlook des Zifferblatts.

Gut informiert bei Tag und Nacht Jung wie vor fünfzig Jahren Fünfzig Jahre hat sie 2019 auf dem Buckel, die «Monaco» aus dem Hause Heuer. Als diese Armbanduhr 1969 ihren Einstand gab, punktete sie in zweifacher Hinsicht als Weltpremiere. Einmal tickte im Gehäuse der weltweit erste Automatikchronograph mit automatischem Aufzug durch Mikro­ rotor. Ferner handelte es sich bei der markanten Schale um die erste quadratischer Form, welche Mann bedenkenlos mit ins Wasser nehmen konnte. Die patentierte Kreation stammte von der Ervin Piquerez SA. Jack W. Heuer, der damals die Heuer-­ Leonidas SA leitete, zeigte sich begeistert. Und er rang dem Schweizer Gehäusefabrikanten die Exklusivität an dieser bahnbrechenden Entwicklung ab. Kein Wunder, dass auch Jo Siffert und Steve McQueen spontan Gefallen daran fanden. Bis in die Gegenwart hat die beeindruckende «Monaco» nichts an Aktualität eingebüsst. 2018 gaben TAG Heuer und Gulf Oil eine globale Partnerschaft

Viele Worte über den «Regulator» von Chronoswiss verlieren zu wollen, hiesse Eulen nach Athen zu tragen. Diese Armbanduhr mit aussermittigen Zeigern für Stunden und Sekunden sowie zentraler Minutenindikation gehört seit 30 Jahren fest zu dieser Marke. Natürlich hat das Familienunternehmen seine stilistische und technische Ikone im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt. Zum Jubiläum im Jahr 2018 offeriert es gleich mehrere neue Modelle. Als Eigenentwicklung in Sachen Design und Anzeigemodul bereichert der «Flying Regulator Night and Day» die Uhrenszene. Ein Grossteil der dafür erforderlichen Komponenten entsteht am Firmensitz im malerischen Luzern. Über die ungewöhnliche «Regulator»-Zeitanzeige hinaus besitzt dieses Modell eine Tag- / Nacht-­ Indikation bei «9». Dank Super-LumiNova erstrahlen die darauf erkennbaren Sterne bei Dunkelheit. Überdies erleichtert die Leuchtmasse das Ablesen der Zeit zu nächtlicher Stunde. Symmetrie am dreidimensional gestalteten Zifferblatt bringt das breite Datumssegment bei «3» mit sich. Schliesslich kommt das freigelegte Sekundenrad bei «6» dem Explorationsdrang neugieriger Mechanik-­ Voyeure entgegen. Im 41-mm-Edelstahlgehäuse findet sich das Kaliber C.296 mit skelettierter Schwungmasse und 42 Stunden Gangautonomie. Als Basis dient das 2892-A2 von Eta. Sichtboden ist für Chronoswiss Ehrensache.

Eleganz und Finesse Wie viele Uhren braucht Mann von Welt? Über dieser Frage lässt sich trefflich streiten. Wer sich das Besondere, von hoher Gefälligkeit Gekennzeichnete und aufs Edelste Verarbeitete leisten kann, sollte die weissgoldene Referenz 2140 von Urban Jürgensen näher in Augenschein nehmen. Ihr guillochiertes Zifferblatt, vor dem drei Zeiger für Stunden, Minuten und Sekunden drehen, besteht aus massivem Silber. Etwa zwei Tage benötigt ein versierter Handwerker, um das Antlitz mit Hilfe einer 100 Jahre alten Maschine zu vollenden. Während dieser Zeitspanne führt er bis zu 700 Operationen aus. Die optische Gefälligkeit setzt sich fort im dreiteiligen Gehäuse mit Sichtboden, dessen Band­anstösse weit herunterreichen. Auf diese Weise schmiegt sich dieser Zeitmesser perfekt ans Handgelenk. Apropos Zeit: Hierfür ist das im eigenen Haus entwickelte, gefertigte und sorgfältig finissierte Handaufzugskaliber P4 zuständig. Zwei Federhäuser speichern Energie für etwa 72 Stunden Gang­ autonomie. Pro Stunde vollzieht die Unruh mit variabler Trägheit 21’600 Halbschwingungen. Die Regulierung der Ganggenauigkeit erfolgt bei Urban Jürgensen in fünf Lagen und bei verschiedenen Temperaturen.

FREDERIQUE CONSTANT

Der 30. Geburtstag bringt Kompliziertes Eine Frédérique mit Nachnamen Constant existiert nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht. Aber es gab eine Frédérique Schreiner, ihres Zeichens Grossmutter von Aletta Stas-Bax, und einen Constant Stas, dessen Urenkel Peter C. Stas ist. Als das holländische Ehepaar 1988 mit der Herstellung von Armbanduhren begann, brauchten die Erzeugnisse natürlich eine Signatur. Durch das Verschmelzen besagter Vornamen entstand die Marke Frédérique Constant, welche 2018 ihren 30. Geburtstag feiert. Zum Jubiläum brauchte die veritable Uhrenmanufaktur mit Sitz in Genf natürlich etwas Adäquates.

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CARL F. BUCHERER

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Und das sind insgesamt vier Modelle, in deren Automatikwerk zwei hochrangige Komplikationen zusammenfinden. Konkret handelt es sich um ein Minutentourbillon und einen ewigen Kalender. Das Miteinander beider Mechanismen im Manufakturkaliber FC-975 kann als «Grande Complication» gelten. Die limitierte Edition besteht aus drei Edelstahlmodellen à 88 Exemplare. Zwei davon kommen mit puristischem Gehäuse, das dritte verfügt über eine Roségold-Auflage. Hinzu gesellen sich 30 Stück aus massivem Roségold. In jedem Fall beträgt der Durchmesser 42 mm. Besonders augenfällig ist die Edelstahl-Referenz FC-975S4H6. Bei ihr zeigt sich die kalendarische Mechanik hinter einem durchbrochenen Zifferblatt. Anker und Ankerrad des selbst gefertigten Rotorkalibers bestehen aus Silizium. Nach Vollaufzug stehen rund 38 Stunden Gangautonomie zur Verfügung.

Heritage zum 130. Geburtstag Wenn Carl F. Bucherer 2018 seinen 130. Geburtstag feiert, braucht es eine besondere Armbanduhr. Spitzenleistung aus eigener Manufaktur re-

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präsentiert das Automatikkaliber CFB T3000. Sein Tourbillon besitzt einen peripher, also aussen, von Kugellagern gehaltenen Käfig. Auf diese Weise scheint der Drehgang zur Kompensation negativer Schwerkrafteinflüsse auf die Ganggenauigkeit mechanischer Zeitmesser im Uhrwerk zu schweben. Fortschrittliche Uhrmacherkunst demonstrieren Anker und Ankerrad. Sie bestehen aus Silizium, agieren wegen der glatten Oberfläche nahezu reibungsfrei und leisten einen wesentlichen Beitrag zu mindestens 65 Stunden Gangautonomie. So gesehen verwundert es nicht, dass dieses Uhrwerk im Premierenmodell der neuen «Heritage»-­ Kollektion tickt. Sein Roségoldgehäuse misst 42 mm. Die grosse Weissgoldbrücke, welche das ganze Uhrwerk mit Ausnahme des Tourbillon überdeckt, bietet Platz für eine detailreiche, manuell gravierte Ansicht Luzerns. Als Reminiszenz an den Schwanenplatz, wo Carl F. Bucherer 1888 sein erstes Fachgeschäft eröffnete, ist ein schwimmender Schwan zu sehen. Der Gag: Bei jedem der insgesamt 88 Exemplare befindet er sich an anderer Stelle.


OMEGA

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LEGENDENBILDUNG Eine Ikone ist nichts anderes als ein Idol – ein Leitbild, dem Bewunderung entgegengebracht wird. Sowohl Personen als auch legendäre Designs erreichen einen solchen Status. Das zeigt ein Blick auf die Neuheiten der Swatch Group. Iris Wimmer-Olbort

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BLANCPAIN

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da er sie mal als Kreissäge, mal als Laser einsetzen konnte. Solch exotische Verwendungszwecke sind nicht mehr gefragt – heute muss der Zeitmesser am Handgelenk von James Bond zu seiner maskulinen Eleganz passen und seinen wilden Jagden durch alle Elemente trotzen. Das stellt James-Bond-Darsteller Daniel Craig als Omega-­ Markenbotschafter unter Beweis: mit der neuen «Seamaster Diver 300M». Diese Linie wurde – exakt 25 Jahre nach ihrer ersten Lancierung – komplett überarbeitet. Neue Details sind nun eine Gehäusegrösse von 42 Milli­ metern, eine Keramiklünette sowie ein Keramikzifferblatt mit einem lasergravierten Wellenmuster. Die neue Kollektion «Seamaster Diver 300M» bietet nun insgesamt 14 neu gestaltete Modelle – sechs aus Edelstahl und acht aus Edelstahl mit Gold. Daniel Craigs Favorit kombiniert ein graues Zifferblatt mit einer blauen Lünette und einem blauen Kautschuk­ armband, das direkt in das Gehäuse eingepasst ist. Im Inneren arbeitet ein modernes Automatikwerk, das Master Chronometer Kaliber 8800. Ein Helium­ auslassventil macht die Uhr sogar für Profitaucher nutzbar. Immerhin ist das Edelstahlgehäuse bis 30 bar beziehungsweise 300 Meter wasserdicht.

Für stilbewusste Kosmopoliten

GLASHÜTTE ORIGINAL

B

ond. James Bond. Das ist der Agent im Smoking, der alles für Ihre Majestät tut, es dabei aber lieber geschüttelt als gerührt mag. Der mit Zigaretten schiessen, mit einem Jetpack fliegen und einen Kugelschreiber explodieren lassen kann. Seine Gadgets sind legendär – ebenso wie die Uhren, die er am Handgelenk trägt. Sie retteten ihm immer wieder das Leben,

Bereits eine Ikone ist die Linie «Senator» von Glashütte Original. «Diese klassisch-eleganten Zeitmesser spiegeln mit typisch deutscher Funktionalität und Understatement die historischen Wurzeln von Glashütte Original wider», heisst es in einem Porträt der Marke. Jüngstes Highlight der «Senator»-­ Linie ist der «Senator Cosmopolite» mit einem raffinierten Zeitzonen-Mechanismus für stilbewusste Vielreisende. Der Träger kann die Zeit seines Heimatortes im Auge behalten und sich gleichzeitig die an seinem aktuellen Aufenthaltsort anzeigen lassen. Auf dessen Zeit wird die Uhr automatisch umgestellt, indem man aus 36 Weltzeitzonen auswählt. Diese werden in einem Fenster durch die offiziellen IATA-Orts-Codes dargestellt, die für einen Flughafen jeder Zeitzone stehen. Die Heimatzeit wird bei 12 Uhr abgelesen und über die Krone bei 2 Uhr verstellt. Auf Reisen wird diese Anzeige nicht verändert. In einer anderen Zeitzone angekommen, werden aber der Stunden- und der Minutenzeiger aus der Mitte mit der Krone bei 4 Uhr auf die Ortszeit angepasst. Dabei dreht sich auch der Zeit­ zonenring mit den Städtenamen, die bei 8 Uhr in zwei Fenstern angezeigt werden. Eines davon gilt für die Sommerzeit, das andere für die Standardzeit. Ist man also in einer anderen Zeitzone,

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wird die Krone bei 4 Uhr einfach so lange gedreht, bis der Name des entsprechenden Ortes im passenden Fenster erscheint. Dann wird aus der Mitte bereits die korrekte Zeit dargestellt. Möglich macht dies das Manufakturkaliber 89-02 mit Automatikaufzug, untergebracht in einem 44 Millimeter grossen Edelstahlgehäuse.

Designkompetenz in Keramik

Während Longines für die Revolution der Quarztechnologie steht, verkörpert Rado eine richtungsweisende Rolle im Design und in der Materialinnovation – ebenfalls aus Tradition. «Design hat immer eine wichtige Rolle für Rado gespielt und ist auch Abtauchen mit einer Legende der Grund dafür, dass die Marke über die Jahre Eine Taucheruhrenlegende bietet Blancpain in seiner Markenhistorie. Die Ge- zahlreiche renommierte internationale Designpreise schichte der «Fifty Fathoms» geht auf das Jahr 1953 zurück. Damals lancierte gewonnen hat», sagt Matthias Breschan, CEO von Blancpain das Modell, das in den folgenden Jahrzehnten zum Helden vieler Rado. Diese Designkompetenz ermöglicht die ZuTauchgänge und Unterwasser-Expeditionen wurde. Dazu trugen die Wasser- sammenarbeit mit herausragenden Designern – dichtheit bis 100 Meter sowie ein einseitig drehbarer Ring mit Fünfminuten-­ die jüngste erfolgte mit Bethan Gray. Einteilung auf der Lünette bei. Die nun präsentierte limitierte Ausgabe der «Fifty Fathoms», das Modell «Blancpain Ocean Commitment», ist optisch ganz in der Tradition dieser Kultuhr gehalten. Das Modell ist dem Schutz der Ozeane gewidmet und zitiert die Schönheit der Meere durch die tiefblaue Farbe von Zifferblatt und Lünette, die eine Einlage aus bombiertem Saphirglas trägt. Das 40 Millimeter grosse Gehäuse ist aus Edelstahl gearbeitet und birgt ein modernes und robustes Automatikwerk, das Kaliber 1151 mit Siliziumspirale. Die Taucheruhr ist bis 30 bar, also 300 Meter, wasserdicht und auf 250 Exemplare limitiert.

Zauber mit Edelsteinen Harry Winston ist eine Marke mit Kultstatus, die auf den Juwelier gleichen Namens zurückgeht. Seine Liebe zu edlen Steinen machte ihn legendär, denn er inszenierte Diamanten so prachtvoll wie kein anderer. In dieser Tradition gilt die Marke Harry Winston bis heute als einzigartig. Ihren Wirkungskreis hat sie längst schon auf Uhren ausgeweitet und feiert nun das 20-jährige Jubiläum der «Ocean Collection». Aus diesem Anlass wurde die «Ocean Biretrograde Perpetual Calendar Automatic 42 mm» vorgestellt – ein Zeitmesser, der all seine Extras in seinem Namen vereint. Auf Basis eines Automatikkalibers bietet das Modell einen ewigen Kalender. Wochentag und Datum werden retrograd auf zwei Skalen rechts und links auf dem Zifferblatt dargestellt. Als «retrograd» bezeichnet man eine zurückspringende Anzeige: Der Zeiger wandert also beim Datum von der Eins Tag für Tag einen Schritt weiter, um am Ende des Monats auf die Eins zurückzuspringen. Diese Inszenierung gibt dem Zifferblatt der komplexen Uhr einen aufgeräumten Ausdruck und lässt viel Platz für eine dekorative Gestaltung, die Anzeige des Monats bei 12 Uhr sowie eine Mondphasenanzeige bei 6 Uhr. Die grosse Komplikation wird standesgemäss in einem Weissgoldgehäuse mit Baguette-Diamanten inszeniert und ist auf 20 Exemplare limitiert.

Auf eine Tradition des Fortschritts beruft sich Longines, um technisch völlig neue Wege zu gehen. Dafür steht die neue «Conquest V.H.P. GMT Flash Setting» – laut Longines eine «Uhr der Weltreisenden». Denn das Modell kann mit Hilfe des neuartigen «Flash-Setting»-Steuerungssystems auf eine neue Zeitzone eingestellt werden. Dabei reagiert die Uhr auf das Blitzlicht des Smartphones, das auf eine zugehörige App zurückgreift. Diese Technologie er­gänzt die hochpräzise, moderne Quarztechnologie der «Conquest V.H.P.»-­ Familie von Longines. Deren besondere Eigenschaften sind unter anderem die Neuausrichtung der Zeiger nach einem Stoss sowie ein bis ins Jahr 2399 gültiger ewiger Kalender. Die Neuheit ist mit Edelstahlgehäuse in zwei Grössen – in 41 oder 43 Millimeter Durchmesser erhältlich.

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LONGINES

Tradition und Innovation


Die britische Gestalterin kreierte für die Linie «True Thinline» eine selbstbewusste Uhr mit einem Zifferblatt in ihrem typischen Marketerie-Stil, bei dem sich schwarze Flächen dezent voneinander abheben – strahlenförmig von der Mitte ausgehend. Das Dunkel von Schwarz wird mit goldfarbenen Details kombiniert: Zeigern, Logo, einem Ring um das Zifferblatt sowie Nieten auf dem Lederarmband. In Verbindung mit diesen goldfarbenen Elementen entsteht eine ebenso avantgardistische wie eigenständige Optik. Das fortschrittliche Design geht mit dem Gehäuse aus schwarzer Hightech-Keramik eine Symbiose ein, die darauf verweist, wie gelungen sich aktuelle Gestaltung, zeitgenössisches Material und innovative Technologie verbinden. In jedem dieser Bereiche stets nach dem Besten zu streben – aus diesem Ehrgeiz entstehen Legenden.

HARRY WINSTON

WATCHES & JEWELLERY

RADO

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MIT GOLDENEM

BODEN

Wer seine exklusiven Zeitmesser liebt, der gibt sie für Reparaturen und Revisionen nur in die allerbesten Hände. So, wie beispielsweise in diejenigen der exzellenten Uhrmacher bei Beyer Uhren und Juwelen, die im Atelier Zeitmesser jeglicher Couleur und jeden Alters wieder zu neuem Glanz erstrahlen lassen. Anka Refghi I

Dave Nauli

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in altes Sprichwort besagt «Handwerk hat goldenen Boden», was so viel bedeutet, als dass ein erlerntes Handwerk die Zukunft vergoldet. Auch wenn das Sprichwort im Zuge der Digitalisierung in vielen Berufszweigen gefährlich ins Wanken geraten ist – eine Berufsgattung bleibt davon verschont: diejenige der Uhrmacher. Denn so digitalisiert die «schöne neue Welt» auch sein mag, die Faszination für exklusive mechanische Zeitmesser ist ungebrochen – und wird es auch bleiben.

Mit Passion und Können Heute nur noch sekundär zum Ablesen der Zeit getragen, sind Uhren Schmuck, die das Auge erfreuen und mit ihrer filigranen Technik begeistern. Doch tagtäglich getragen sind sie allerlei Belastungen ausgesetzt, die früher oder später in Form von Kratzern, Gangungenauigkeiten oder Schmutzablagerungen sichtbar werden. Neben allfälligen Reparaturen ist es ebenso unabdingbar, die kostbaren Schönheiten alle fünf bis sieben Jahre revidieren zu lassen, um einen optimalen Zustand zu gewährleisten. Doch ganz gleich ob Reparatur oder Revision – wer seine Uhr liebt, für den sind die besten Uhrmacher gerade gut genug. Einige von ihnen arbeiten im weit über die Landes-

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«Jede Uhr ist einzigartig, auch wenn von dem jeweiligen Modell hunderte hergestellt wurden. Jede von ihnen hat ihre ganz eigenen Herausforderungen.» – Ernst Baschung –

grenzen hinaus bekannten Uhrenatelier von Beyer Uhren und Juwelen an der berühmten Zürcher Bahnhofstrasse 31. Das Team aus acht Uhrmachern, zwei Lehrlingen sowie zwei weiteren Uhrmachern am Quick-Service-Desk wird mit viel Passion und höchstem uhrmacherischem Können von Ernst Baschung geleitet, der dem Familienunternehmen bereits seit 18 Jahren die Treue hält.

Mehr als nur Armbanduhren Und natürlich ist auch die Technik im Hause Beyer auf dem allerneuesten Stand. So beispielsweise hält künstlicher Überdruck das Atelier staubfrei, während das technische Equipment auch die präzisesten Eingriffe im Mikrobereich erlaubt. Zertifiziert für die Uhrenmarken Rolex, Patek Philippe und Jaeger-LeCoultre «Atmos», arbeiten im Beyer-­ Atelier von den Herstellern höchstpersönlich geschulte Markenspezialisten mit entsprechenden

Werkzeugen. Doch das Wirkungsfeld des Ateliers beschränkt sich keineswegs nur auf Armband­ uhren. Auch Grossuhren und Pendulen aus allen Epochen werden hier ebenso unter die Fittiche genommen, wie die Puppenautomaten des privaten Puppenmuseums von Frau Annette Beyer betreut und unterhalten werden. Und weil Beyer seit 1760 (fast) alles möglich macht, kommen auch schon einmal Exoten wie Sonnenuhren oder Musikdosen auf den Tisch.

Express-Service

Für Kunden, die es eilig haben, bietet Beyer einen Express-Service für die Marken Patek Philippe und Rolex, mit dem die Revision der Uhr, statt der normalen zehn Wochen, lediglich zwei bis drei Wochen dauert. www.beyer-ch.com/uhrenatelier

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WATCHES & JEWELLERY

Master

PIECES

CARL F. BUCHERER

Anlässlich der Zusammen­ arbeit mit JD.com lanciert: die «Patravi ScubaTec Lady Limited Edition». Limitiert auf 888 Exemplare, drehbare rote Lünette aus Keramik und Zifferblatt mit drei Brillanten verziert.

Sportlich und zeitlos zu Wasser und zu Land: die Zeitmesser der Stunde. by

TAG HEUER

RDI CHARLES KAESER

«TAG Heuer Carrera Heuer 02 Ayrton Senna Special Editions». Modernes Design, Manufakturwerk, extrem komfortables Armband aus Edelstahl mit s-förmigen Gliedern: Diese Motorsportuhr bietet eine einmalige Kombination von Stil und Leistung.

Ein raffiniertes Design, absolute Geräusch­ armut, modernste Technologie mit einem wechselnden Programm von 1000 Links / Rechts-Drehungen: Der Uhrenbeweger «Horizon» von RDI vereint sorgfältige Verarbeitung und Funktionalität.

ROLEX

«Sea Dweller» mit speziell von Rolex entwickeltem Edelstahl «Oystersteel», schwarzem Zifferblatt mit breiten Zeigern und Indizes. Das Kaliber 3235 ist ein vollständig von Rolex entwickeltes und her­ gestelltes Uhrwerk der neuen Generation.

CERTINA

«DS Action Diver Powermatic 80»: eine Taucheruhr, die allen Anforderungen der ISO-Norm 6425 gerecht wird. Bis 300 m wasserdicht, «Powermatic»Kaliber mit Gang­ reserve bis zu 80 Stunden und Gehäusedurch­ messer von 43 mm.

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TUDOR

«Black Bay GMT»: Tudor führt bei der «Black Bay» mit einer neuen GMT-Funktion die Weltzeit ein. Neben einer markanten Lünette in Bordeaux und Blau ist dieses Modell ausserdem mit einem neuen Manufakturwerk ausgestattet.

ZENITH

Zenith liess sich von regionalen barocken Bildern wie Totenköpfen, Piraten und dem Bildnis der «Virgen de Guadalupe» inspirieren und präsentiert eine Reihe exklusiver Sondereditionen der «Defy Zero G».


TRAGBARE KUNST

Anissa Kermiche


WATCHES & JEWELLERY

Eigentlich ist sie studierte Ingenieurin. Doch zum Glück hat Anissa Kermiche ihre wahre Berufung dann doch noch gefunden. Ihre von der bildenden Kunst inspirierten Schmuckkreationen sind nicht nur einzigartig, sondern auch wunderbar poetisch und rebellisch.

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Anka Refghi I

hre strenge und akademische Erziehung führte dazu, dass Anissa Kermiche zunächst Ingenieurwissenschaften und Informatik studierte. Doch nach drei Jahren als Beraterin in einem grossen Unternehmen führte der Mangel an Kreativität dazu, dass die französisch-algerische Designerin alle Taue in Paris kappte, um in London an der «Central Saint Martins» Schmuckdesign zu studieren. 2016 gründete sie ihre eigene Schmuckmarke, die durch ihre mutigen Kreationen schnell weltweite Aufmerksamkeit auf sich zog. Inspiriert von ihrer Leidenschaft für bildende Kunst, verweisen ihre Schmuckstücke auf Künstler wie François Morellet, Alexander Calder oder auch Constantin Brancusi. Ihre Kreationen sind humorvoll, wunderbar rebellisch und richten sich an die neue Generation von erfolgreichen, kraftvollen und lebensbejahenden Frauen.

Anissa Kermiche

PRESTIGE: Anissa, welches war das erste Schmuck­ stück, das Sie kreiert haben? ANISSA KERMICHE: Das erste Stück, das ich während meines Studiums angefertigt habe, war der Ohrring «Corne de Gazelle», der von einem Gebäck aus meiner Kindheit inspiriert ist. Es ist ein aus Perlen bestehendes «Horn», das durch das Ohr hindurchgeht und noch heute in meinen Kollektionen zu finden ist. In Ihren skulpturalen Schmuckstücken verweisen Sie auch auf vergangene Dekaden. Welche Ära fasziniert Sie selbst am meisten? Art déco ist zweifellos mein Lieblingsstil. Ich würde sofort in diese Zeit zurückgehen und die «Roaring Twenties» leben. Ich sehe mich von Kopf bis Fuss in Federn gehüllt, trage Perlenhalsbänder und streife durch die Jazzclubs, wunderbar! Aus dieser Epoche stammt übrigens auch die Inspiration für meine Choker und Multiperlenringe. Schon

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zeigen, die normalerweise tabu sind. Wir als Frauen sollten uns nie für unsere Figuren schämen, deshalb ermutige ich uns, sie um den Hals zu tragen. Ich habe mir die schöpferische Freiheit erlaubt, meine kühnsten Gedanken ausdrücken. Diese Schmuckstücke haben ihr Ziel nicht verfehlt und Frauen angezogen, für die sie gedacht sind: aufgeschlossene Frauen mit einem guten Sinn für Humor! Mit diesen Schmuckstücken durchbrechen Sie Konven­ tionen. Was war das Schwierigste daran? Das Schwierigste war, meine Manufaktur davon zu überzeugen, dass es mir ernst war, als ich ihnen die Prototypen meiner nackten Körperteile der «Body Language»-Kollektion zeigte. Sie waren der festen Überzeugung, dass sich nackte Brüste und Hintern nicht verkaufen liessen. Ich habe das Gegenteil bewiesen! In der Modebranche dreht sich alles um mutige Schritte. Wenn man dem Trend voraus sein möchte, dann muss man auch den Mut dazu haben! Jedes Risiko ist beängstigend, doch wenn man Vertrauen in seine Designs hat, dann wird es sich auszahlen.

seit jeher ziehen mich antike Dinge magisch an – sei es in der Kunst, in Objekten oder Schmuck. Ich liebe es, die früheren Formsprachen auf zeitgenössische Weise wieder neu zu interpretieren. In Ihrer Kollektion «Body Language» finden sich Schmuckstücke, die Teile des weiblichen Körpers in Szene setzen. Ein Wagnis? Ja, meine Mutter mag sie nicht besonders, da sie sehr konservativ ist. Ich trug vor Kurzem den Schambein-Anhänger im Urlaub, und es war für sie schwer, sich in dieser Woche daran zu gewöhnen. Sie bat mich sogar, ihn auszuziehen. Bei der Kollektion «Body Language» geht es darum, die weibliche Form zu zelebrieren und unsere Körperteile zu

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Für wen entwerfen Sie Schmuck? Welche Frauen ins­ pirieren Sie? Ich sehe meine Freundinnen, die erfolgreiche Jobs haben, tagsüber grosse Teams leiten, nach Hause kommen, um ihren Freunden Abendessen zu kochen, Möbel bauen und am Wochenende Wände streichen. Ich bin wirklich beeindruckt von dieser neuen Generation Frauen, die so viele verschiedene Fähigkeiten besitzen. Ich lasse mich von Frauen um mich herum inspirieren. Von denjenigen, die sich selbst nicht zu ernst nehmen, von Frauen, die nicht schüchtern sind und die sind, die sie wirklich sein wollen. Ob Pilotin, «Trophy Wife», Mutter von 10 Kindern oder Nonne. In Ihrem Schmuck finden sich Poesie und Geome­ trie, Sinnlichkeit und Konstruktion und Eleganz und konfrontative Ansätze. Ein Abbild Ihrer Persönlich­ keit …?


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«Wenn man keinen Genuss in dem finden kann, was man tut, dann muss man etwas finden, das man geniesst.» – Anissa Kermiche –

Ich finde, dass mich der von mir entworfene Schmuck in allen diesen Facetten sehr gut reflektiert und repräsentiert. Ich bin ein sehr wagemutiger Mensch, und ich denke, das spiegelt sich in meinem Schmuck wider. Spiegelt sich dieser Wagemut auch in Ihren eigenen vier Wänden wider? Jeder, der mein Zuhause gesehen hat, kann sehen, dass ich vor mutigen und gewagten Kunstwerken nicht zurückschrecke. Der eigene Wohnraum ist immer ein Spiegelbild von einem selbst, und so umgebe ich mich mit meinen Lieblingskunstwerken – von Strichzeichnungen des weiblichen Aktes bis hin zu riesigen gerahmten Gesichtern. Ich liebe auch Farben und habe eine sehr bunte Wohnung – von Möbeln über Objekte bis hin zu Vasen. Ich rahme auch immer einige meiner eigenen Kampagnenbilder ein.

Wie schaffen Sie den Spagat zwischen der Unterneh­ merin, die den Markt im Auge behalten muss, und Ihrer kreativen Arbeit? Ich bin immer wieder davon fasziniert, wie schnell sich der Markt und die Trends jede Saison wieder verändern. Ich liebe saisonale Trends, aber ich entwerfe und kreiere hauptsächlich Schmuck aus Inspirationen, die mich persönlich umgeben, sei es ein Kunstwerk, ein Lampenschirm und sogar Essen! Haben Sie ein Lebens-Credo? Ja! Genuss und Erfüllung. Das Leben ist kurz, und es macht Spass! Wenn man keinen Genuss in dem finden kann, was man tut, dann muss man etwas finden, das man geniesst. Ich kreiere, weil ich den Prozess und das Endergebnis liebe.

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SPAZIERGANG DURCH

NEW YORK

Die «New York Collection» von Harry Winston ist der vielleicht kostbarste Liebesbrief aller Zeiten. Die 32 einzigartigen Preziosen der Kollektion sind eine ebenso funkelnde wie poetische Liebeserklärung an die Stadt New York und an die Orte, die den Weg von Harry Winston markierten. Anka Refghi I

Harry Winston

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aum eine andere Stadt verkörpert Stil, Glamour und prickelnde Energie so sehr wie New York. Sie ist der Stoff, aus dem Träume sind, Sehnsuchtsort und Bühne, auf der so manch Grosses begonnen hat. Und sie ist die Stadt, in der Harry Winston, der «König der Diamanten», 1932 seine Türen öffnete und damit den Grundstein für eine beispiellose Erfolgs­geschichte legte. Die nun lancierte «New York Collection» ist eine mit kostbarsten Edelsteinen erzählte Liebesgeschichte, eine poetische Ode an die Gebäude und Orte, die den Lebensweg von Harry Winston prägten, ihn begeisterten und inspirierten.

Von der Upper West Side bis zur Fifth Avenue Entstanden sind 32 aus Platin gefertigte und mit den feinsten Diamanten und Edelsteinen der Welt besetzte Kostbarkeiten. Geteilt in acht geschichtliche Unterkollektionen laden die Winston-Designer zu einem Spaziergang durch das New York von

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Harry Winston ein. So, wie die Kollektion «Brownstone», die mit ihren Diamanten im Baguette-, Rund- und Marquiseschliff und farbenfrohen Edelsteinen zu den rotbraunen Sandsteingebäuden der Upper West Side führt, wo Harry Winston das Licht der Welt erblickte. Oder die aus Collier und Ohrringen bestehende Kollektion «Cathedral», die mit ihren tropfenförmigen Smaragden die Formsprache der berühmten neugotischen St. Patrick’s Cathedral aufnimmt, die sich gegenüber des ersten Standortes an der 7 East 51st Street befand und tagtäglich Harry Winstons Blick erfreute. Mit gleich vier Unterkollektionen wird der legendäre Flagship Salon zelebriert, der sich seit 1960 an der 718 Fifth Avenue befindet. So ist die Unterkollektion «718» von dem historischen Charme des Gebäudes aus dem 18. Jahrhundert inspiriert, die «718 Marble Marquetry»-Kollektion von den schwarz-­weissen Marmorintarsien auf dem Boden der Werkstatt, das atemberaubende Haute-Joaillerie-­Ensemble «718 Chandelier» von dem vergoldeten Kronleuchter


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des Salons und die Kollektion «718 Emerald Vitrine» mit ihren kolumbianischen Smaragden und Diamanten im Baguette-, Marquise- und Rundschliff von den vergoldeten Vitrinen im Innern.

Von der Liebe und der Natur Und auch der tiefen Liebe zu seiner Frau und Muse Edna wird in der «New York Collection» Tribut gezollt. So zündet die Kollektion «City Lights» ein wahres Feuerwerk an farbigen Diamanten und leuchtenden Edelsteinen, die für die Lichter am Broadway stehen, den Harry Winston und seine Frau so sehr liebten. Zentral in seinem Leben aber war auch die Eisenbahn. Zum einen lernte er hier seine Frau kennen, zum anderen war sie das Transportmittel, mit dem er sein weltweites Suchen nach den rarsten Edelsteinen unternahm. Die Kollektion «Eagle» verweist auf den Adler des Grand Central Depot, ein Symbol, das für Bewegung und Wachstum steht. Ein weiterer ikonischer Ort war für Harry Winston der berühmte Central Park, in dem er sich von der Natur inspirieren liess. Die Kollektion «Central Park Mosaic», bestehend aus Ohrringen, Armbändern und Ringen und mit Smaragden, Saphiren, Diamanten und Aquamarinen besetzt, könnte kaum anmutiger die üppige Natur abbilden. Die «New York Collection» – eine ebenso funkelnde wie exklusive Hommage an das bis heute anhaltende Vermächtnis des Unternehmens.

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«Schmuck ist nicht dazu da, Neid zu erwecken – bestenfalls Staunen.» – Coco Chanel –


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DIE KÖNIGIN UND IHR KÖNIG Er ist majestätisch, mutig und stolz, verkörpert Heldentum und ist eines der häufigsten Wappentiere. Sie ist nicht nur in seinem astrologischen Zeichen geboren, sondern fasziniert von seinem strahlenden Wesen, seinen Eigenschaften, und er begleitet sie ihr ganzes Leben lang. Coco und der Löwe. Die Seele von Chanel.

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Helena Ugrenovic I

Chanel

eboren am 19. August 1883 im fünften Zeichen des Tierkreises, trägt sie auch die Eigenschaften in sich, die man einem Löwen zuschreibt. Sie fürchtet ihn nicht, auch jagt oder erobert sie ihn nicht. Sie zähmt ihn. Zeit ihres Lebens begleitet die Figur eines Löwen Mademoiselle, und er ist der Wächter über ihre Zigaretten und Scheren. Und auch über sie. Er, der König der Tiere, ist ihr treuer Begleiter. Und sie, Coco, ist der Löwe. Er ist die Quelle ihrer Kraft und ihr Wahrzeichen, das sie auf den Knöpfen ihrer Tweed-­ Kostüme und Kaschmir-Cardigans eingraviert und in ihren Schmuckkollektionen als Broschen, Anhänger und auf Colliers verarbeitet.

Sonnenwende Schon kurz nach Beginn ihres Schaffens zählt Coco Chanel zu den begehrten Designern, und in den 1930er Jahren arbeiten Aristokraten für sie. Gabrielle «Coco» Chanel, die uneheliche Tochter eines Hausierers und einer Wäscherin, erschafft Kreationen, die auch ein Jahrhundert später unversiegbar populär sind. Sie wird als Einzige ihrer Berufsgruppe zu den 100 einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts gehören und revolutioniert mit ihrem 1910 gegründeten Mode­ imperium Chanel, das zu den grössten und bedeutendsten der Modebranche gehört, die Welt der Haute Couture. Umso schwerer wiegt der Verlust von Arthur «Boy» Capel, der Liebe ihres Lebens, der 1919 bei einem Autounfall tödlich verunglückt und Coco in tiefe Trauer stürzt. Die rabenschwarze Wolke, die sie umhüllt, verschluckt jegliche Produktivität, Kreativität und auch den Sinn des Lebens.

Reise nach Venedig In diesem wohl tragischsten Moment ihres Lebens wollen ihre Freundin Misia und José-Maria Sert sie während einem der schönsten Momente ihres Lebens aufmuntern. Coco soll das frisch vermählte Paar auf dessen Flitterwochen nach Venedig

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Alle Juwelen der Kollektion «L’Esprit du Lion» werden in der Werkstatt an der 18 Place Vendôme, Paris, handgefertigt.

begleiten. Als Coco Chanel 1920 ihre erste Reise nach Venedig antritt, ist sie fasziniert von den glitzernden Kanälen der Lagunenstadt und den opulenten byzantinischen Bauten. Coco, in deren Schmuckstücken immer wieder tiefe Verbindungen und Symboliken an ihre Lebensereignisse zu finden sind, ist beeindruckt und magisch angezogen von der Schönheit der Stadt und vor allem von deren Wappentier, dem geflügelten Markuslöwen. Inspiration durchflutet Mademoiselle, die, angetan von Mystik und Symbolik, auf ihren persönlichen Wächter trifft, der überall in der Stadt, eingemeisselt in Häuserfassaden, als Türklopfer und als vergoldete Statue auf der Spitze des Markusdoms umrahmt von Sternen prangt. Der Löwe, der die Stärke und ­Dominanz Venedigs über die Welt während der Renaissance darstellt, ist die passende Figur für Coco Chanel, die starke Frau. Sie ist wieder zurück im Leben.

Venedig mon amour

Die besondere Verbundenheit des Hauses Chanel zu Venedig und insbesondere seinem Wappentier ist eine Lebensliebe. Aus diesem Grund sponserte Chanel vor einigen Jahren die Restauration des Löwen auf dem Markusdom.

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L’ Esprit du Chanel «Ich bin ein Löwe, und wie er verteidige ich mich mit den Klauen», sagt sie einmal, «doch es tut mir mehr weh, wenn ich kratze, als wenn ich gekratzt werde.» 2013 erscheint der König der Tiere mit der Kollektion «Sous le Signe du Lion» zum ersten Mal in Form von Echtschmuck. Mit der aktuellen Kollektion «L’Esprit du Lion» in der Boutique an der Place Vendôme erweckt Chanel Cocos Muse mit 53 Einzelstücken zu neuem Leben. Die kleinen Statuen aus Bronze, Holz und Marmor, die Mademoiselles Apartment schmücken, dienten als Vorlage. Trotzig und originell wie sie selbst, fängt die Kollektion verschiedene Attribute des Temperaments des Löwen ein, von beschützend bis leidenschaftlich, von intuitiv bis ewig. Girlanden aus substantiellen Goldketten sollen den Löwen fesseln, und seine gelbbraunen Farben sind in weis­ sen und gelben Diamanten, goldenen Saphiren, honigfarbenen Beryllen und düsteren imperialen Topas festgehalten. Der Star der Kollektion ist die legendäre Kette mit 1200 Diamanten und einem 30,19-Karat-Fancy-­Diamanten im Kissenschliff. Die Halskette kann verwandelt und kurz oder lang getragen werden.


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Extraordinary! F u n kel nde Preziosen aus den besten Ateliers der Welt: für den Opernabend, den Ball oder ganz einfach, um sich gut zu fühlen. by

BEYER

Funkelnde Schönheit aus dem haus­ eigenen Atelier von Beyer: traumhafter Ring aus Roségold mit einem pinken Zirkon von 4,22 Karat und 27 Tsavoriten von 0,18 Karat.

BULGARI

«Divas’ Dream»: für Frauen, die gerne im Mittelpunkt stehen. Kette aus 18 Karat Roségold mit rosafarbenem Rubellit (5,95 Karat), Amethysten (6,05 Karat), rosafarbenem Turmalin (1,50 Karat) und Diamant-Pavé (5,20 Karat).

CHOPARD

Diese Ohrringe mit Rubelliten im Briolette-, Marquise- und Tropfenschliff und aufwendig diamantbesetzten Arabesken erinnern an das Ambiente am Hof eines Maharadschas. 18 Karat Roségold, weisse Diamanten (0,9500 Karat).

PATEK PHILIPPE

«Twenty~4 Automatic»: brandneue mechanische Damenuhr mit Auto­ matikaufzug. Dieser Zeitmesser ist in einer Version mit Roségold-Schmuck erhältlich, dessen Lünette, Laschen, Krone und Armband mit 469 Diamanten besetzt sind.

GÜBELIN

Ein spektakuläres Einzelstück, das in mehr als 100 Stunden im Gübelin Schmuckatelier gefertigt wurde: der Rotgoldring «Royal Pagoda» mit seinem seltenen Rubin (4,05 Karat) aus Burma und Diamant-Marquisen.

BUCHERER

Der perfekte Armschmuck für Damen, die exklusive Romantik mögen. Zart­ farbenes 18-Karat-Roségold mit 59 edlen, pastellfarbenen Saphiren (total 28,29 Karat) und 62 Diamanten mit Brillantschliff (total 2,79 Karat).

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STYLE

DRIVE

VIER GEWINNT Unter Oldtimern gibt es einfach einige Modelle, die allein schon wegen ihrer Geschichte mehr wert sind. Oder eben, weil es nicht mehr so viele davon gibt. Beim Aston Martin DB4 GT trifft beides zu. Wilma Fasola I

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RM Sotheby’s


E

s soll ja auch noch heute vorkommen, dass sich Schauspieler während eines Drehs in den Filmpartner verlieben. Im Fall des britischen Filmstars Peter Sellers war das zumindest so. Nachdem er 1963 in «The Wrong Arm of the Law» einen Aston Martin DB4 GT als attraktive Fluchthilfe zur Seite gestellt bekommen hatte, kaufte er den Wagen nach den Dreharbeiten direkt auf. So begeistert war er von dem exklusiven Sportwagen. Und man muss fairerweise sagen: Der DB4 GT machte eine verdammt gute Figur in der Gangsterkomödie. So ist die Szene, in der Sellers in seiner Edelkarosse vom Polizeiauto Wolseley 6 / 90 verfolgt wird, bis heute unvergessen. Zudem war sicher auch der Fakt für den autovernarrten Schauspieler ausschlaggebend, dass der DB4 GT der schnellste strassenzugelassene Wagen seiner Zeit war.

Selten ist er geworden, daher heiss begehrt Bis heute ist der Aston Martin DB4 GT so etwas wie ein «Must-have» unter Autokennern und zu einem der beliebtesten Sammlerobjekte von Oldtimer-­ Fanatikern geworden. Auf der einen Seite sicher wegen seiner Exklusivität. In den Jahren 1959 bis 1963 wurden nämlich gerade einmal 75 Exemplare des 302 PS-starken Sportwagens gebaut. Und nur noch wenige sind heute – nach aufwendigen Restaurationen und Modifikationen – überhaupt noch fahrtauglich und für den normalen Strassenverkehr zugelassen. Daher muss schon die eine oder andere Million auf den Auktionstisch gelegt werden, wenn einer unter den Hammer kommt. So wurde beispielsweise das Sondermodell des DB4 GT für die ehemalige italienische Autodesignerschmiede Bertone 2013 für umgerechnet mehr als vier Millionen Franken versteigert. Und auch ein klassisches Modell wechselte 2016 für mehr als drei Millionen Franken bei einer Versteigerung von Sotheby’s den Besitzer.

Neu wurde er aufgelegt, billiger wird’s aber nicht Für Aufregung der positiven Art rund um den DB4 GT sorgte vor gut zwei Jahren zudem Aston-Martin-Chef Andy Palmer. Der versprach nämlich getreu dem Motto «A brand new old car» eine Neuauflage des Klassikers. Und zwar eine noch exklusivere als bei der ersten Generation. Nur 25 Exemplare wird es geben, die ausschliesslich auf der Rennstrecke gefahren werden dürfen, das war die Ansage. Und man hielt Wort vonseiten Aston Martin. Ende 2017 wurden die ersten «Continuations cars» an ihre neuen Besitzer ausgeliefert. Der Name basiert dabei auf der Tatsache, dass man die Fahrgestellnummern dort fortgeführt hat, wo man vor mehr als 50 Jahren geendet hatte. Wohin die Wagen gingen, darüber schweigt man sich aus. Beim Preis stand die Summe von etwas mehr als zwei Millionen Franken im Raum. Und wenn man bedenkt, dass in jedem Wagen 4500 Arbeitsstunden stecken und fast alles in Handarbeit gefertigt wurde, ist das schon irgendwie gerechtfertigt.

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DRIVE STYLE

Das legendäre Automobil während der Dreharbeiten

Am Ursprungsort gebaut, plus attraktiver Extras Gebaut wurden die 25 Exemplare übrigens im einstigen Headquarter von Aston Martin in Newport Pagnell. Bis 2007 war hier der Stammsitz des Luxus-­ Automobil-Herstellers. Doch nach dem Verkauf an eine Investorengruppe wurden hier in den letzten Jahren nur noch Restaurationen und Wartungen durchgeführt, und der Geschäftssitz wurde nach Gaydon verlegt, wo man bereits 2003 ein neues Werk eröffnet hatte. Beim Aufbau der Karosserie und beim Innenleben hat man den Retro-­DB4 GT ausserdem nach den alten Vorgaben gebaut. Ein 3,7-Liter-­ Reihensechszylinder macht auch den Nach­bau 302 PS stark. Ergänzt wurden lediglich ein etwas moderneres Fahrwerk, Bremsen der neusten Generation und diverse zeitgemässe Sicherheits-­ Komponenten. Alles wichtige Voraussetzungen, damit die eben nur auf Rennstrecken zugelassenen Sportwagen nicht ins Straucheln kommen. Und damit die Kunden hier voll auf ihre Kosten kommen, wird das Renntraining inklusive Strecke und Events gleich mitgeliefert. Sprich: Es gibt eine spezielle Fahrausbildung, die durchgeführt wird von ehemaligen Rennfahrern. Dazu VIP-Termine auf verschiedenen internationalen Rennzirkeln.

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Die Alten bleiben beliebt Trotz der Neuauflage bleiben die ursprünglichen DB4-GT-Modelle weiterhin hochbezahlte Sammlerstücke. Daran hat sich auch mit dem Remake nichts geändert. Und man mag es kaum glauben, auf der Suche nach einem davon, wird man aktuell bei Sotheby’s in London fündig. Das allein schon hat wie geschrieben Seltenheitswert. Wenn es einem dann aber noch beim Lesen des Angebots Nummer 165 klar wird, dass es sich um den Originalwagen handelt, mit dem Peter Sellers in «The Wrong Arm of the Law» der Polizei davonfuhr, klatscht man sich als Suchender zufrieden in die Hände. Ein Preis ist jedoch nicht angegeben, dafür die gesamte Geschichte dieses vierrädrigen Filmstars und alle namhaften Besitzer. Daher erfährt man auch, dass Sellers wohl doch ein wenig zu schnell oder risikoreich durch seine Szenen gebrettert sein muss. Denn schon während der Dreh­ arbeiten war der Motorblock gebrochen. Dieser wurde aber umgehend ersetzt, sodass dem privaten Fahrvergnügen des Filmstars mit seiner neuen Liebsten nichts im Wege stand. Dass er sich bereits nach einem Jahr von seiner neuen Liebe trennte, ist seinem unsteten Lebenswandel geschuldet. Der Wagen nämlich hat Beziehungspotenzial.


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EDITOR’S

PICKS

Heisse Reifen

Seit der Lancierung im Jahr 1968 und für nur einen Dollar pro Stück hat «Hot Wheels» mit seinen Autos Generationen von Kindern begeistert. Fünfzig Jahre nach dem ersten Prototyp, der über den Schreibtisch von Mattel-Gründer Elliot Handler flog, ist «Hot Wheels» das Spielzeug Nummer eins der Welt, mit 10 Millionen produzierten Autos pro Woche und 16 verkauften Autos pro Sekunde. «Hot Wheels» wirft einen Blick auf die Entstehung und technische Entwicklung des Spielzeugs, entführt den Leser in die exklusive Welt der leidenschaftlichsten Sammler und erkundet die spannenden Pläne der Marke für zukünftige Produkte. Das lebendige Buch mit seinen energie­ vollen Bildern wird von einem persönlichen und nostalgischen Vorwort der Rennsportlegende Mario Andretti eingeführt. Hot Wheels Assouline

Der Buckelporsche

Kaum ein Auto weckt so viele Emotionen wie der VW Käfer – er gehörte fast zur Familie und wurde häufig mit Kosenamen bedacht. Obwohl vor fünfzehn Jahren die letzten Exemplare vom Fliessband rollten, ist er in den Erinnerungen vieler Menschen so präsent wie in den Jahren, in denen diese «Buckelporsches» noch die Ränder der Strassen säumten. Katja Volkmer erzählt in diesem Buch vergnügliche wie dramatische Erlebnisse rund um den wahren Volkswagen. Ihre Geschichten sind inspiriert von den Bildern, die allesamt aus privaten Fotoalben stammen, zusammengetragen von Joerg Lehmann, der auf Flohmärkten und bei Ver­ steigerungen auf die Jagd nach anrührenden, skurrilen und mitunter kunstvollen Aufnahmen gegangen ist.

Designkunst

Leica and Zagato – Europe Collectibles Piotr Degler Delius Klasing

Der italienische Karosseriegestalter Zagato präsentiert im Vorfeld seines 100-jährigen Bestehens eine edle Bildband-Trilogie. Mit «Leica and Zagato – Europe Collectibles» liegt nun der zweite Teil der Bildband-Trilogie vor. Der Band zeigt berühmte Zagato-DesignKunstwerke, eingerahmt von europäischen Architektur-Highlights, und erzählt von der Zusammenarbeit mit dem deutschen Traditionsunternehmen Leica. Die Bildkompositionen von Piotr Degler sind legendär. Bestechen sie doch durch ihren künstlerisch ansprechenden Gesamteindruck und das besondere Zusammenspiel von Licht, Umgebung und Perspektive.

Der Käfer Joerg Lehmann & Katja Volkmer TeNeues

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FÜR ALLE

VIERE

Mercedes-AMG erweitert seine Modellpalette. Das frische viertürige Coupé GT 4 auf Basis des Mercedes CLS kommt dabei in zwei Achtzylinder-Versionen, aber auch als Hybrid. Stefan Leichsenring/motorsport.com Switzerland I

Mercedes

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Sportlich und doch familientauglich: der Mercedes-AMG GT 4

ie Mercedes-Spielwarenabteilung macht jetzt auf Familientauglichkeit: Als Vater-Mutter-­zwei-Kinder-­Version folgt auf den Sportwagen AMG GT jetzt der Mercedes-AMG GT 4. Der basiert auf dem kürzlich lancierten neuen CLS, wird aber von AMG komplett auf Sport gebürstet. Das viertürige Coupé wird in zwei 4,0-Liter-V8-Motoren angeboten: der 585 PS starke AMG GT 63 und die 639 PS starke S-Variante. Die dritte angekündigte Variante, der GT 53 mit Sechszylinder und Mildhybridsystem und 435 PS folgt erst später. Zur Serienausstattung gehören unter anderem Allradantrieb, Neungangautomatik, eine Hinterachslenkung und ein elektronisch gesteuertes Hinterachs-Sperrdifferenzial. Wie beim Zweitürer sorgen regelbare Kühlluftöffnungen («Airpanel») und ein ausfahrbarer Heckspoiler für eine an die Fahrsituation angepasste Aerodynamik. Innen hat der GT 63 auf der Mittelkonsole acht «Displayschalter», dazu kommen Nappaleder-Sitze und ein Widescreen-­ Cockpit mit AMG-spezifischem Kombiinstrument

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und dem neuen Anzeigestil «Supersport». Multibeam-LED-Scheinwerfer, eine per Fernbedienung öffnende «Easy-Pack-Heckklappe», ein Surround-­ Soundsystem von Burmester und ein Ambientelicht in 64 Farben kommen hinzu. Optional gibt es zum Beispiel drei verschiedene Konfigurationen für die Rücksitzbank. Serienmässig sind zwei Einzelsitze im Fond an Bord. Der AMG GT 63 S verfügt darüber hinaus über aktive Motorlager, grössere Leichtmetall­räder und ein Lenkrad aus Mikrofaser. Seit der Markteinführung im Spätherbst 2018 gibt es zwölf Monate lang eine Edition 1, allerdings nur von der stärkeren S-Version. Hierzu gehört ein Aerodynamikpaket mit grösserem Frontsplitter und Flics, anderem Diffusor und einem feststehenden Heck­flügel. Zudem besitzt das Editionsmodell eine Folierung und 21-Zoll-Schmiederäder mit Kreuz­ speichen. Innen finden sich schwarzgraue Nappaledersitze mit gelben Ziernähten sowie ein Lenkrad mit Mikrofaser-Bezug und gelben Kontrastziernähten sowie Zierelemente in mattem Carbon.


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SCHNELLER, LÄNGER,

LEICHTER

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Darf es ein wenig mehr sein? Mit dieser Strategie baute McLaren in den letzten Jahren rasant seine Modellpalette aus. Ein paar PS mehr, einige Kilogramm weniger – so folgt nun der 600LT. Auto-Medienportal.Net I

McLaren

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Der McLaren 600LT ist erst der vierte McLaren in zwei Jahrzehnten, der die Bezeichnung LT – «Longtail» – trägt.

it dem 600LT wird McLaren sein schnellstes und extremstes Modell der Sports Series lancieren. Der Leichtbau-Supersportwagen sprintet in 2,9 Sekunden auf Tempo 100 Kilometer pro Stunde und er­­reicht die 200 km / h-Marke in 8,2 Sekunden. Mit 1247 Kilogramm Gewicht unterbietet er das 570S-Coupé um 100 Kilogramm. Die Kür heisst Kur: Der Mittelmotor-Supersportwagen mit Carbon-­Monocoque soll der neue Massstab für den privaten Motorsport werden. Die Leistung von 600 PS aus einem 3,8-Liter-Twin-Turbo-Motor lässt in Verbindung mit dem geringen Gewicht jedenfalls Katapultstarts vermuten. Mit Double-Wishbone-Aufhängungen aus der McLaren-Super-­Series und versteiften Stabilisatoren peilt McLaren ein noch besseres Handling und höhere Kurvengeschwindigkeiten an. Die um acht Millimeter reduzierte Dachhöhe und die auf Wunsch bestellbare Erweiterung des aus Karbonfaser hergestellten Bodykits ermöglicht bis zu 100 Kilogramm Anpressdruck bei einem Tempo

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Streng limitiert und hochbegehrt: der 600LT

von 250 km / h; Schluss ist erst bei 328 km / h. Das mit «ultraleicht» angepriesene Handlung soll auch durch neue Schmiedefelgen unterstützt werden, deren Gewicht reduziert wurde. Die 100 Kilogramm, die der 600LT gegenüber dem 570S-Coupé wettmacht, sind aber einem viel umfangreicheren Diätprogramm geschuldet. Das Monocell-II-Chassis ist 25 Prozent steifer als ein vergleichbares Aluminium-­ Monocoque und wiegt viel weniger. Im Innenraum wird auf jeglichen Schnickschnack verzichtet. Das MSO-Clubsport-Paket korrigiert das Gewicht übrigens noch weiter nach unten. Das Paket umfasst einen umfangreichen Ersatz von Funktionsteilen im Innenraum durch Teile aus Carbon. Die Schaltwippen, die Speichen, das Display und die Knöpfe

des Lenkrads sind dann komplett aus Kohlefaser. Das Dach und sichtbare Einbauteile sind ebenfalls aus dem Leichtbau-Material. Die Räder erhalten Bolzen aus Titan. Die Käufer, welche die obere strassenzugelassene Grenze vor der GT-Klasse suchen, können mit dem MSO Clubsport Pro Paket zusätzlich noch eine Gurtstrebe und Sechs-Punkt-­ Gurte in Schwarz, Blau, Rot oder Orange mitbestellen. Als Einzeloption stehen ausserdem Kohlefaser-Rennschalen zur Verfügung. Die Produktion des 600LT startete im Oktober 2018 und läuft für zwölf Monate. Der 600LT ist streng limitiert. Auf wie viele Einheiten, sagt McLaren nicht. Immerhin machen sie dem Kunden ja schon mal das Auto leicht. Beim Kauf fehlt noch Übung.

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DER KAROSSERIE FLÜSTERER

Er baut die Autos von Gary Cooper, Steve McQueen, James Garner und pinselt die Zahl 130 sowie «Little Bastard» auf James Deans Porsche 550 Spyder. Er ist der Schöpfer des legendären «Monkeemobile» und des «Mantaray» in «Bikini Beach» und einer der hervorragendsten Autobauer: Dean Jeffries.

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Helena Ugrenovic

enn Autos Celebrities wären, würde jedes seiner Kunstwerke auf vier Rädern mit einem Stern auf dem «Walk of Fame» in Hollywood verewigt sein. Hier, in nächster Nachbarschaft, designt und baut Dean Jeffries von den frühen 1960ern bis in die 1980er die berühmtesten Autos der Fernseh- und Filmgeschichte. Der Mantaray mit der Blase in «Bikini Beach» von 1963, der kolossale Landmaster von 1977 in «Strasse der Verdammnis», das Mond­fahrzeug, das James Bond in «Diamantenfieber» stiehlt, oder das Polizeiauto in «Blues Brothers» sind die berühmtesten Werke des begnadeten Lackierers. Dean Jeffries Talentpool ist immens, und in allem, was er macht, ist er genial. Er arbeitet als Pinstriper, eine Kunstform und Sonderform des Custompainting, ist Stuntman in zahlreichen Filmen und Stuntkoordinator für Fernsehprogramme in Los Angeles, und er baut Autos. 1984 stürzt er in «Die Jagd nach dem grünen Diamanten» mit einem Fünftonner in eine Schlucht und erklärt später in einem Interview: «Ich habe den Sprung gemacht und beschlossen, das war’s, es ist genug.»

When I was just a little boy Deano, wie ihn seine Freunde nennen, wird am 25. Februar 1933 in Osaga, Iowa, geboren und

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ist das mittlere von drei Kindern. Viola Irene und Edward James Jeffries ziehen mit ihrem Nachwuchs nach Lynwood, Kalifornien, wo Edward als Mechaniker arbeitet. Edward möchte seinen Sohn für seine Arbeit begeistern, doch Dean ekelt sich vor dem Öl und Schmutz in der Werkstatt. Es zieht ihn in die Nachbarswerkstatt, wo Karosserien veredelt werden. Mit 17 Jahren wird Dean während des Koreakrieges in den Militärdienst eingezogen und ist in Deutschland stationiert. Dort sieht er zum ersten Mal, wie junge Soldaten ihre Motorräder bemalen, was ihn nach seiner Rückkehr dazu animiert, sich mit Pinstriping auseinanderzusetzen. Zusammen mit seinem Freund Von Dutch Kenny Howard, dem legendären «Godfather of Modern Day Pinstriping», bemalen sie als Freelancer-Duo Motorräder und Autos. Tagsüber arbeitet Dean in einer Maschinenwerkstatt, doch nach und nach drängt das Pinstriping immer mehr in den Vordergrund. «Ich malte kleine Bilder und Medaillons auf Autos», erzählt Dean Jeffries in einem Interview kurz vor seinem Tod, «mein erster Job war ein Boot, das ich anmalen und verzieren sollte. Ich hatte damals noch keinen Laden, und es war schon ein grosses Glück, wenn man für die Verzierung eines ganzen Autos 5 Dollar erhielt. Wenn du an einem Tag 25 Dollar in der Tasche hattest, warst du King Kong. Ich fand es grossartig.»


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Dean Jeffries bei der Arbeit

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Little Bastard

James Dean ist einer von Deans ersten Kunden und lässt sich vom Meister seinen Porsche 550 Spyder mit dem Schriftzug «Little Bastard» sowie der Zahl 130 auf der Kühlerhaube individualisieren. Einen Monat später verunglückt James Dean mit 24 Jahren in Kalifornien.

Naturtalent Dean absolviert weder eine spezielle Ausbildung, noch besucht er eine Kunstschule. Was er hat, sind Talent, Mut und Neugier, über den Tellerrand zu blicken und seinen Visionen zu folgen. «Ich wollte das umsetzen, was mir gefiel, und Dinge machen, die noch keiner vor mir gemacht hat.» Stundenlang beobachtet er andere Pinstriper bei deren Arbeit und übt an Versuchsprojekten, bis eine Werkstatt ihn anfragt, drei Porsches für sie zu veredeln. Dean hat keine Ahnung, wie er das umsetzen soll, nimmt den Auftrag trotzdem an und liefert drei grossartige Kunstwerke ab. Es ist der Schlüsselmoment, in dem Dean beschliesst, sich auf das Verzieren von Autos zu konzentrieren. Er kauft sich einen günstigen Porsche Carrera, dessen Aussehen er jedoch nicht erträgt, daher die ganze Vorderfront aus Metall auseinandernimmt und alles neu zusammen­ schweisst. Der aufgepimpte Porsche ist einzigartig, und Dean wird mit Anerkennung überschüttet.

Gegen den Strom Troy Ruttman ist ein Rennfahrer und gilt bis heute als einer der jüngsten Gewinner des «Indianapolis 500»-­­ Rennens. Troy ist Deans Nachbar, mit dem er herumalbert und durch ihn vieles über Rennwagen lernt. Er mag die Atmosphäre und die Menschen in dieser Branche. Troy tritt dem Team von J.C. Agajanian bei, einer einflussreichen Grösse des ame­rikanischen Motorsports und Inhaber von A ­ scot

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Speedway, der Dean Jeffries als Anerkennung für seine Arbeiten 1952 zu den Indy 500 mitnimmt, damit er seine Rennautos bemalt und beschriftet. Deans Werke lösen Begeisterungsstürme aus, und die Branche reisst sich um den «Karosserie-­ Flüsterer», der Dinge macht, die anders sind als die gängigen und langweiligen Einheitsbrei-Lackierungen. Mobil Oil engagiert ihn vom Fleck weg für die nächsten Jahre, während denen Dean die Rennwagen und Helme von Indy-Grössen wie A.J. Foyt, Parnelli Jones und Jim Rathmann veredelt.

Hollywoods Lockruf Dean Jeffries gehört zu den besten Autolackierern der späten 1950er und frühen 1960er Jahre und zu den frühen Pionieren, die Flammen auf Autos malen. Er hat sich auf die kundenspezifische Herstellung von Autos spezialisiert und baut den «Mantaray», einen asymmetrischen und eleganten Rennwagen, den er 1964 bei einem Roadster-­ Show-­­Wettbewerb präsentiert. Vom «Hot Rod Magazine» zum Meister gekürt, der ein grandioses Meisterwerk erschaffen hat, wird der Produzent von «Bikini Beach» auf Dean und seine Arbeiten aufmerksam und macht den «Mantaray» zum mobilen Helden der Geschichte. Am 5. Mai 2013 legt der Mann mit der besonderen Art, mobile Kunstwerke herzustellen, in seinem Haus in Hollywood seinen Airbrush für immer beiseite.


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DRIVE STYLE

DER GRÖSSTE IN DER FLOT TE Wenn einer der ganz Grossen der Automobilgeschichte 80 Jahre alt wird, dann muss gefeiert werden. Der Opel Kapitän startete seine Karriere 1938 und blieb 42 Jahre lang ein Flaggschiff der Marke. Auto-Medienportal.Net I

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DRIVE STYLE

A

ls Vertreter der gehobenen Mittelklasse reiht sich der Opel Kapitän 1938 zwischen dem populären Kadett und dem repräsentativen Oberklasse-­ Admiral im Art-déco-Stil ein. Mit selbsttragender Ganzstahl-Karosserie und moderner Antriebstechnik nimmt der als zwei- und viertürige Limousine sowie als viersitziges Cabriolet angebotene Kapitän in dieser Wagenklasse eine technische Vorreiterrolle ein. Der innovative 2,5 Liter grosse und 55 PS starke OHV-Reihen-Sechszylinder wird dabei zum Markenzeichen des grossen Opel. Zehn Jahre

später verlässt der erste Nachkriegs-Kapitän 1948 das Werk in Rüsselsheim, der bis auf wenige Details immer noch dem Ur-Modell entspricht. Im Wirtschaftswunder wird der Opel Kapitän dann mit US-amerikanischer Formensprache und Sechszylinder-Komfort zum Synonym von Fortschritt, Wohlstand und Zuverlässigkeit. In den sechziger Jahren gehört das Rüssels­heimer Topmodell zu den meistverkauften Sechszylindern. Erst im Frühjahr 1970 endet mit dem Kapitän B, damals das Einstiegs­modell der aus Kapitän, Admiral und Diplomat bestehenden Opel-Oberklasse-Familie, die Fertigung des erfolgreichen Sechszylinder-Typs. Die Geschichte des bekanntesten grossen Opel geht nach 42 Jahren und 474’189 Einheiten zu Ende. 1938 hatte der Opel Kapitän die technischen Kompetenzen der Adam Opel AG gebündelt. Dazu gehören eine fortschrittliche Motoren-Technologie, eine moderne Karosserie-Konstruktion und ein «autobahnfester Kurzhub-Motor», dessen hängende Ventile über eine stirnradgetriebene Nockenwelle, Stösselstangen und Kipphebel betätigt werden, leistet 55 PS und beschleunigt den Kapitän auf eine Spitze von 126 km / h. Darüber hinaus verfügt der Kapitän als erster Vertreter seiner Fahrzeugklasse in Deutschland über eine selbstragende Ganzstahl-Karosserie. Einzelradaufhängung mit Stabilisator vorne, hydraulische Bremsen und Stoss­dämpfer sind serienmässig, aber 1938 im Automobilbau noch längst nicht selbstverständlich. Die moderne Form mit erstmals in den Kotflügeln integrierten, sechseckigen Scheinwerfern, nach oben öffnender, einteiliger «Alligator»-Haube und angedeutetem Fliessheck mit von aussen zugänglichem Kofferraum folgt den stilistischen Vorbildern der Fahrzeuge aus den USA. «Ein Wagen, der der Welt gehört», wirbt Opel für seinen neuen Vertreter der gehobenen Mittelklasse, der als zwei- und viertürige Limousine sowie als zweitüriges Cabriolet mit vier Sitzplätzen angeboten wird und sich zum Exportschlager entwickelt. Bis zur kriegsbedingten Einstellung der Produktion werden in knapp neun Monaten 25’374 Einheiten, davon 463 Cabrios und 248 Chassis ohne Karosserie, des Kapitän gebaut. Davon werden in etwa 13’000 Fahrzeuge ins Ausland geliefert. Am 5. Juli 1946 läuft in Rüsselsheim die Nachkriegs-Fertigung an, ab Oktober 1948 wird auch wieder der Kapitän gefertigt. Den ersten Grossauftrag erteilt die US-amerikanische Regierung. Ab 1949 beliefert Opel auch wieder Export-Märkte. 13’036 Stück des neuen Kapitän werden bis zum Frühjahr 1950 gefertigt. Im Mai 1950 kündigt das Unternehmen «Neues vom Opel Kapitän» an: Vom Vorkriegsmodell unterscheidet sich der nun ausschliesslich als viertürige Limousine lieferbare Kapitän durch eine moderne Lenkradschaltung sowie einen überarbeiteten Innenraum und runde Scheinwerfer. 1951 erfährt die Karosserie des Kapitän weitere Änderungen: Die Linienführung zeigt sich repräsentativer, der Koffer­raum ist gewachsen, im grosszügiger verteilten Chrom spiegelt sich der Zeitgeist von Aufbruch und beginnendem Wohlstand wider. Die Ur-Linie des Kapitän bleibt bis 1953 erhalten, als der Nachfolger mit mehr Leistung und moderner Ponton-Form erscheint.

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DRIVE STYLE

ATHLET AUF

VIER RÄDERN

Keine Kompromisse – diese klare Ansage der Corvette-Ingenieure spricht für sich. Die Corvette Grand Sport zeichnet sich aus durch ihre Leichtbauweise und fällt auf durch die Rennstrecken-Aerodynamik. Ihre Wurzeln im Rennsport lassen sich nicht verleugnen. Und wozu auch? Man soll den Athleten im Rückspiegel ruhig erkennen können. Patrick Frey I

General Motors

B

enannt wurde die Corvette nach dem kleinen, wendigen Kriegsschiff, und das passt gut auf ein Auto, das 1953 als Gegenentwurf zu den grossen und schweren, aber auch trägen amerikanischen Luxuskreuzern auf die Strasse kam. Den Anstoss zu ihrer Entwicklung hatte im September 1951 ausgerechnet ein äusserst attraktiver Engländer gegeben, genauer gesagt ein Jaguar XK 120 mit Aluminiumkarosserie, der den damaligen General-Motors-Chefdesigner Harley Earl bei einem Sportwagenrennen in den USA inspirierte.

Der Wettbewerb steckt also schon tief in der DNA der Corvette, er sorgte sogar für das entscheidende Momentum, um den Zweisitzer mit der langen Haube zu einem der erfolgreichsten Sportwagen des US-amerikanischen Autobaus zu werden. Die erste Grand Sport wurde 1963 vorgestellt, also zehn Jahre nach der Geburtsstunde der C1, um gegen die besten Sportwagen der Welt anzutreten. Ihre aktuelle Nachfahrin positioniert sich als dritte Corvette-­ Modellreihe zwischen ihre Schwestern Stingray und Z06, der stärksten Variante im Angebot. Um dem historischen Erbe ausreichend Respekt zu zollen, trägt die Grand Sport von den Vorgängern inspirierte Design­merkmale. Dazu gehört zum Beispiel das spezielle Grand-­Sport-Raddesign der vorderen 19- und hinteren 20-Zöller. Das kräftig schlagende Herz, das auch beim Fahrer für erhöhte Blutzirkulation sorgt, wenn er das Gaspedal nach unten drückt, ist der

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DRIVE STYLE

Eine Legende auf der Überholspur: die Corvette «Grand Sport»

6,2-Liter-LT1-V8-Saugmotor mit 630 Newtonmeter Drehmoment und 466 PS. Auch dieser V8 verfügt über die bewährte Zylinderabschaltung. Für die Kraftübertragung auf die Hinterachse sorgen je nach Gusto das serienmässige 7-Gang-Schaltgetriebe, die optionale 8-Gang-Automatik mit Schaltwippen und Per­for­mance-­Schalt-Algorith­mus. Die vom Racing-Virus infizierte Computersteuerung stellt sicher, dass der Sprint von 0 auf 100 km / h um bis zu 0,2 Sekunden schneller vonstatten geht als mit manuellem Getriebe. Das hängt von der Version ab, denn je nachdem, ob als Coupé oder Cabrio oder gar Coupé mit Z07-Paket, sind es doch zwischen 1663 und 1696 Kilos, die im fahrbereiten Zustand nach vorne katapultiert werden müssen. Dies schafft der bärenstarke Motor aber so souverän wie Tyson Gay, der schnellste amerikanische Sprinter aller Zeiten (und zweitschnellster überhaupt – nur der Jamaikaner Usain Bolt war schneller). In quantifizierten Werten ausgedrückt – um endlich auf den Punkt zu kommen – sind das zwischen

3,9 und 4,2 Sekunden. Bei maximal 290 km / h ist dann aber Schluss. Untermalt wird der Vorwärtsdrang durch ein sonores Crescendo aus den vier mittigen Auspuffendrohren. Wer dabei keine Gänsehaut bekommt, sitzt definitiv im falschen Verkehrsmittel. Der Charakter der Corvette lässt sich auch feinjustieren. Dazu gibt es fünf Fahrmodi. Selbst in der Eco-Einstellung ist die Grand Sport den meisten Verkehrsteilnehmern überlegen. Als eine Mischung zwischen Standard- und Über-­ Corvette steht die Grand Sport auf einer vorne um 33 Millimeter und hinten um 43 Millimeter breiteren Spur als die kleinere Schwester. Die Ingenieure haben die Fahrwerksabstimmung des rennsport­ erprobten Leichtbau-Chassis, das leistungsfähigere Kühlsystem und weitere Hochleistungstechnologien der mit 659 PS um 193 PS stärkeren Z06 an die Grand Sport angepasst. So verzögert sie mit einer hochpräzisen und kräftig zupackenden Brembo-Brems­anlage und das serienmässige

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DRIVE STYLE

elek­tronische Sperrdifferential sorgt für erhöhte Traktion auf der Hinterachse. Und nach dem Motto «mehr geht immer» können Käufer zum ersten Mal ihre Grand Sport mit einem Z07-Performance-­ Paket ausstatten. Das umfasst Karbon-­KeramikBremsen, Sport-Cup-2-Sommerreifen von Michelin (285er vorne und 335er hinten) und ein Kohlefaser-­ Aerodynamikpaket für noch mehr Anpressdruck. Letzteres besteht aus einem Karbon-­Frontsplitter mit aerodynamischen Endplatten, Karbon-Seitenschwellern sowie einem grossen Heckspoiler. Das Ergebnis ist ein waschechter Rennwagen für die Rundstrecke: Die Grand Sport braucht mit dem Z07-­Paket (auch dank der auf bis zu 1,2 g erhöhten Querbeschleunigung) nur knapp eine Sekunde länger als die Corvette ZR1 der letzten Generation, um die GM-Teststrecke in Milford zu umrunden. Das wird man selber wohl kaum je nachprüfen können, aber es gibt ja auch noch viele andere schöne Rennstrecken, um den Supersportler (oder viel eher den Fahrer) an seine Grenzen zu bringen. Zusätzlich zu den Rennsport-­Aerodynamikelementen bietet die Grand Sport auch spezielle Einsätze für die vorderen Kotflügel, einen Z06-Grill und verbreiterte hintere Kotflügel – ein charakteristisches Designpaket, das die neue Modellreihe auch optisch bereit für die Rennstrecke macht. Und wer seine «Helden­taten auf der Rennstrecke» immer wieder erleben möchte, protokolliert sie am besten mit

dem Chevrolet Performance Data Recorder 2 mit Echtzeitdaten auf eine SD Memory Card. Mit der an der Windschutzscheibe angebrachten 720p High-Definition-­Kamera, dem On-board-Prozessor, internen Beschleunigungssensoren und dem GPS-­ System steht ein hochentwickeltes Fahranalyse-­ Werkzeug zur Verfügung. Die Cosworth Toolbox, die auch vom Corvette Pro Racing Team genutzt wird, bietet zahlreiche Möglichkeiten zur Feinabstimmung der Fahrtechnik. Grand-Sport-­Modelle sind in allen Corvette Aussenfarben sowie in der 3LT-Innenausstattung der Stingray erhältlich. Das optionale Heritage-­Paket beinhaltet die Rautengrafik auf dem gebürsteten Aluminium im Innenraum und in einer von sechs Farben am Kotflügel. Ausserdem sind durchgehende Rennstreifen erhältlich. Die Grand Sport Collector Edition ist in Metallic-­ Grau lackiert – dazu verfügt sie über Rautengrafiken in Blau, schwarze Felgen, durchgehende Renn­ streifen in Seidenschwarz und im Innenraum eine einmalige Leder- und Wildledervollausstattung in Blau. Im Innenraum ist eine dreidimensionale Abbildung des ersten Grand-Sport-Rennwagens in die Kopfstützen geprägt, die sich zudem neben der Herstellungsnummer auf der Instrumententafel findet. Damit wäre der Kreis zur Geschichte geschlossen und der Wettbewerb kann endlich weitergehen. Nicht nur der auf der Rennstrecke.

Das moderne, auf den Fahrer ausgerichtete Cockpit ist für aggressive Kurvenfahrten gebaut.

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DRIVE STYLE

1

Roadtrip

1 I GERRETT LEIGHT

«Steiner Sun»: rechteckige Metall-Sonnenbrille für Frauen und Männer, die von den Silhouetten der 90er Jahre inspiriert wurde. Mit Windschutzscheiben und Glaslinsen. 2 I LEXUS

Der Lexus LC als exklusive «Yellow Edition»: aussen sportlich, innen exklusiv. Zusätzlich zur markanten Lackierung im namensgebenden «Auroragelb» bietet die Sonderedition eine hochkarätige Ausstattung.

Frauenpower hinter dem Lenkrad. Doch neben PS-Stärken darf auch in dieser Saison das richtige Styling nicht fehlen.

2

by

3 I PAUL & JOE

Für ihre Frühjahrkollektion 2019 setzt Paul & Joe-Gründerin Sophie Mechaly auf lebendige Prints, poppige Farbakzente und Looks, die jugendlich und selbstbewusst wirken. 4 I GIVENCHY

Hingucker: spitz zulaufender «Mid-Top»-Stiefel aus weichem, schwarzem Leder und einer Lederfalte mit Metallreissverschluss. 5 I BURBERRY

Traumhaft schöner Seidenkissenschal, inspiriert von einem 1997er Archivdruck mit dem Titel «Timepieces». 170 x 20 cm. Aussen: 100 % Seide; Watte: 100 % Polyester.

3 6

6 I FENDI

«Peekaboo Fit»: Handtasche aus schwarzem römischen Leder mit unbearbeiteten Kanten und handgefertigten Nähten. Reiss­ verschluss und Metallteile in Palladium-Finish. Silberplakette mit gravierter Seriennummer. Handmade in Italy.

4

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E XCLUSIVELY FOR

   NAOMI MILENA

&


FASHION   BRILLEN BEIDE Andy Wolf I BLUSE LINKS Burberry I HOSE Sportmax I BLUSE RECHTS Sandro


FELLJACKE Michael Kors I OHRRING DOLCE & GABBANA


ROTER LOOK Lever Couture I GRAUER LOOK Lever Couture

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FASHION

MANTEL, KRAGEN & ACCESSOIRES Miu Miu I TASCHE Coccinelle I OHRRINGE Uterqüe

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TOTAL LOOK Dolce & Gabbana


LINKS Milena: JACKE Michael Kors I ROCK Issey Miyake RECHTS Naomi: WEISSER MANTEL Issey Miyake


FASHION

KLEID Talbot Runhof I SCHLEIFE Marni I OVERKNEES Unützer für Talbot Runhof

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FASHION

LINKS Naomi: ROTER MANTEL Michael Kors I TUCH Codello RECHTS Milena: MANTEL KORD Michael Kors I BLUSE GOLD Michael Kors I TUCH Codello I OHRRINGE Uterqüe

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TOTAL LOOK Christian Dior


KLEID Talbot Runhof I SCHLEIFE Marni I OVERKNEES Unützer für Talbot Runhof I TASCHE Coccinelle


LINKS Milena: MANTEL UND HOSE Odeeh I BLUSE UND SCHAL Gucci I OHRRINGE Uterqüe I SCHUHE Prada RECHTS Naomi: MANTEL UND HOSE Odeeh I BLUSE Prada Vintage I SCHUHE Marni


LINKS Milena: JACKE Michael Kors I ROCK Issey Miyake RECHTS Naomi: WEISSER MANTEL Issey Miyake

FASHION

PHOTOGRAPHER Katia Wik STYLIST Adelaida Cue Bär c/o Nina Klein Agency HAIR & MAKE-UP Janina Zais c/o Nina Klein Agency MODELS Milena Feuerer c/o TUNE Models I Naomi L c/o Munich Models

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FASHION

REVIVALS Bowling Bag

© Prada

Die gute alte Bowling Bag ist back. Schlanker, kleiner, doch in ihren praktischen Vorzügen ganz dem alten Geiste entsprechend. Ihren Namen entlehnt die Tasche mit flachem Boden der gleichnamigen Sportart. Auch wenn es Bowling schon seit Jahrtausenden gibt, so richtig beliebt wurde es erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Um die schweren Kugeln von A nach B zu transportieren, wurden in den 1920er Jahren schliesslich die Bowlingtaschen entwickelt. Seine weltweite Blütezeit feierte die Sportart dann in den 1950er Jahren, einer Zeit, in der auch die Damen Gefallen an den grossen Taschen fanden. Ade kleine Damenhandtaschen, hello «Working-Girl-Bag». Ein wenig rebellisch war das schon. Aktuell sind die Taschen in allen Grössen und Interpretationen wieder auf dem Parkett der Modewelt zurück.

Neonfarben

© Dior

Schreiend, grell, laut. Und das ist auch gut so. Denn die Leuchtfarben wurden einst in den USA als Warnfarben entwickelt. Die leuchtenden Lacke kamen dort in den 1940er Jahren vor allem im Fahrzeugbau und bei der Schifffahrt zum Einsatz, wo sie zur Markierung gefährlicher Fahrzeugteile verwendet wurden. Der Architekt und Künstler Rupprecht Geiger liess sich in den 1950er Jahren die Farben noch von Freunden aus den USA mitbringen, bis sie später auch in Deutschland erhältlich waren. In der Modewelt feierten die Neonfarben in den 1980er Jahren ihr Debüt. Ihr Revival hat sich schon länger angekündigt, jetzt ist es Realität.

Baskenmütze

Marlene Dietrich trug sie, Picasso ebenfalls und Bonnie von Clyde sowieso: die Baskenmütze. Typisch für sie ist das flache Design mit dem kleinen Stummel, und kaum ein Objekt verkörpert den Franzosen mehr als sie. Gleich nach dem Eiffelturm und dem Baguette. Dabei stammt die Mütze aus dem Gebiet Béarn, von wo aus sich die Mütze zwar auch ins Baskenland, aber ebenso auch in die Region Gascogne und die Pyrenäen ausgebreitet hatte. Der Name «Baskenmütze» ist einem Irrtum Napoleons geschuldet, der gerne im Baskenland seine Ferien verbrachte und die Mützen dort häufig sah. Kurz und gut, der Kaiser nannte die Mützen «Béret basque». Der Rest ist Geschichte und die Kopfbedeckung gerade so aktuell wie schon lange nicht mehr.

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VON BEIJING

FASHION

NACH PARIS Bis eine ihrer opulenten Roben fertiggestellt ist, kann es schon einmal ein paar Jahre dauern. Guo Pei gilt seit jeher als die brillanteste Couturière Chinas, den internationalen Durchbruch verdankte sie jedoch der barbadischen Sängerin Rihanna.

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Anka Refghi I

Guo Pei

eder erinnert sich an den legendären Auftritt, als sich Rihanna an der Met Gala 2015 in einem 25 Kilogramm schweren gelben Kleid aus Satin mit Pelzbesetz und kaiserlichem Umhang auf dem roten Teppich zeigte. Zum Thema «China: Through the Looking Glass» hatte sich die Sängerin für eine spektakuläre Robe der chinesischen Designerin Guo Pei entschieden. Ein Kleid, das von 100 Arbeitern in rund 50’000 Stunden gefertigt worden war. Während die Internet-Community das Kleid mit boshaften Memes parodierte, die von «Big Bird» aus der Sesamstrasse bis Käsepizza reichten, erstarrte die internationale Modewelt vor Ehrfurcht für die bis dahin in westlichen Breitengraden weitgehend unbekannte Designerin. In ihrem eigenen Land galt Guo Pei schon längst als die brillanteste Couturière überhaupt, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zwei Jahrzehnten gekrönte Häupter ebenso ausstattete wie die politischen Eliten und A-Lister ihres Landes.

Der Wendepunkt Doch Rihannas Auftritt war ein «Boost» auf internationalem Parkett. Noch im gleichen Jahr widmete ihr das «Musée des Arts Décoratifs» in Paris eine erste Einzelausstellung, ein Jahr später wurde Guo Pei von der ehrwürdigen «Chambre Syndicale de la Haute Couture», dem französischen Dachverband für Couture, als Gast-Designerin an die Pariser «Haute Couture Week» ein­ geladen. Der Erfolg ihrer Debüt-Kollektion «Courtyard» war durchschlagend und brachte ihr nicht nur einen Platz auf der Liste der 100 einflussreichsten Personen des «Time»-­Magazins ein, sondern auch auf der Liste der 500 einflussreichsten Personen des «Business of Fashion», die die globale Modebranche prägen.

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FASHION

Vom Glanz der letzten Kaiserdynastie Chinas inspiriert: die Kreationen von Guo Pei

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FASHION

Märchen, Mythen und Legenden Zu Recht, denn Guo Peis Kreationen sind an Üppigkeit und filigranster Handwerkskunst kaum zu überbieten. Als moderne Botschafterin ihres kulturellen Erbes erweckt sie durch ihre ebenso kunstvollen wie extravaganten Roben die einstige Pracht der letzten Kaiserdynastie Chinas und traditionelle Handwerkspraktiken wieder zum Leben. Ob jahrtausendealte Tradition der Stickerei oder der Malerei, die Kreationen von Guo Pei erzählen Märchen, Mythen und Legenden, die Gemälde und Stickereien im Laufe der Jahrhunderte vermittelt haben. Sie suggerieren die Opulenz des Königshauses und verbinden dabei die Geschichte mit zeitgenös­si­ scher Innovation und westlichem Stil. Doch sie erzählen auch von dem Spannungsfeld zwischen chinesischer Tradition versus westlicher Moderne, Akzeptanz versus Vorurteile und Aufrechterhaltung eines gesunden, lukrativen Geschäfts versus Verfolgung teurerer und seltener Techniken.

Die erste Generation Designerin, die Pionierin Dabei kommt Guo Pei selbst eher aus bescheidenen Verhältnissen. Ihre Eltern, zwei Anhänger der Kommunistischen Partei, stehen damit bis heute sinnbildlich für den Spagat Guo Peis zwischen Herkunft und Haute Couture. 1967 in Beijing geboren, erwachte schon früh ihre Leidenschaft für die Geschichte Chinas und die Schneiderei. Vor ihrer Zeit im Kindergarten wuchs sie zunächst bei ihrer Grossmutter auf, die noch während der Qing-­ Dynastie geboren worden war und der kleinen Guo Pei von den Kleidern berichtete, die sie als junge Frau getragen hatte. Die Vorstellung an die mit den schönsten Blumen bestickten Kleider weckte in Guo Pei den Wunsch, in Zukunft selber Kleidung anzufertigen. Doch der Weg zu ihrem Traum bedurfte einiger Umwege. «Vor 30 Jahren», so Guo Pei, «gab es in China bis nach der Revolution keine Mode, kein solches Wort dafür. Und selbst vor 20 Jahren gab es in China kein sogenanntes ‹Modedesign›». Stattdessen belegte Guo Pei ab 1982 an der «Beijing School of Industrial Design» ein vierjähriges De­sign­programm für eine technische Ausbildung in Zeichnen und Modellbau. Als sie ihre Lehrerin bat, ihr beim Entwerfen eines voluminösen Kleides zu helfen, das sie in den Filmen gesehen oder in den Geschichten ihrer Grossmutter gehört hatte, schickte die Lehrerin sie in ein Kostümgeschäft. Doch Guo Pei liess sich nicht beirren und brachte sich die Kunst der Stickerei selber bei. In den ersten 10 Jahren nach ihrem

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Studium arbeitete sie für grosse Hersteller, wo sie Konfektionskleider herstellte, kündigte aber 1997 den sicheren Job, um ihr Rose Studio in Beijing zu eröffnen. Ihr wahres Couturier-Talent aber wurde ihr erst bewusst, als sie ihren heutigen Mann und Partner Cao Bao Jie, einen Textilhändler, kennenlernte, der sie mit Stoffen aus Europa und Stickereien aus dem Westen in Berührung brachte.


FASHION

Die spektakulären Haute-Couture-Roben entstehen in vielen tausend Stunden Handarbeit.

Von Tür zu Tür Um ihre Traumkleider zu realisieren, benötigte sie Sticker. Da dieser Berufsstand jedoch während der Kulturrevolution nicht hoch angesehen war, war das Kunsthandwerk weitgehend verloren gegangen. Durch Zufall erfuhr sie von einigen Stickern, die einst für die Königsfamilie gearbeitet hatten und sich noch in der Provinz Hubei auf dem Land

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FASHION

befanden. Guo Pei zögerte nicht und reiste in die Provinz, wo sie buchstäblich begann, an die Türen von Häusern zu klopfen, deren Vorhänge in den Fenstern bestickt waren. Mit Erfolg, denn 2006 präsentierte sie ihre erste Haute-Couture-Kollektion mit dem Titel «Samsara» an der «China International Fashion Week», die kaum kunstvoller gefertigt hätte sein können. Die Kollektion, die aus 43 atemberaubenden Kreationen bestand und von Napoleons Militäruniformen inspiriert war, sollte sich als federführend für ihren weiteren Stil erweisen.

Zwischen Ost und West Heute beschäftigt Guo Pei in ihrem chinesischen Studio rund 500 Mitarbeiter, davon 300 Sticke­

rinnen, die sich der Herstellung ihrer atemberaubenden Kreationen widmen, die pro Kleid bis zu 750’000 Euro kosten und deren Fertigstellung schon einmal zweieinhalb Jahre in Anspruch nimmt. Und Guo Pei ist Perfektionistin. Dem traditionellen chinesischen Textilhandwerk und dem Streben nach Perfektion verpflichtet, müssen die Kleider nicht selten auch mehrmals überarbeitet werden, bis sie ihren Ansprüchen genügen. Seit der Gründung eines zweiten Ateliers 2015 in der renommierten Pariser Rue Saint Honoré pendelt die Designerin zwischen beiden Kulturen und schlägt damit die wohl atemberaubendste Brücke der Haute Couture.

Guo Pei – Couture Beyond Das im Rizzoli-Verlag erschienene Buch «Guo Pei: Couture Beyond» gibt einen fantastischen Überblick über das Schaffen der chinesischen Ausnahme-Designerin aus den Jahren 2002 bis 2017.

Guo Pei

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impress

DRESS TO

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Starke Looks, schillernde Metallic-Optik und auffallende Schnitte – verstecken war gestern!

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1 I HUBLOT

Als Hommage an das Leben und an eine positive Lebenseinstellung feiert Hublot das Fest «El Día de los Muertos». Aus diesem Anlass kreiert Hublot die «Big Bang One Click Calavera Catrina» mit farben­ frohen, strahlenden Zeitmessern innerhalb der Totenkopf-Kollektion.

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6 I LES 100 CIELS

2 I OSCAR DE LA RENTA

Kuscheliger Cardigan aus 100 % Kaschmir. Die Designs von Les 100 Ciels basieren auf klassischen Schnitten, die sich zu jeder Jahreszeit und zu fast allem perfekt kombi­ nieren lassen.

Die «Mini-TRO»-Tasche wurde neu gestaltet und besteht aus silbernem Satin, der vollständig mit Swarovski-Kristallen besetzt ist. Silberfarbene Kettenriemen mit Tagoder Nacht-Look.

3 I CHRISTOPHER KANE

5 I YVES SAINT LAURENT

Zauberhafte Ohrringe aus silbernem Metall, schwarzem Harz und weissen Kristallen. Clip-Anhänger-Ohrringe mit einem Rechteck und einer spitzen Platte. Mit «Saint Laurent»-Gravur auf der Rückseite.

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Schwarze Stiefeletten von Christopher Kane mit spitzer Spitze, Spitzenmuster, Reissverschluss hinten, mittelhohem Stöckelabsatz und geprägtem Fussbett.

4 I TALBOT RUNHOF

Das Designer-Duo Talbot Runhof begeistert in seiner Kollektion SS19 mit «Disco Glam». Schillernde Cocktailund Abend­k leider im funkelnden, irisierenden und prickelnden Metallic-Look. Kreiert für die selbstbewusste Frau von heute.

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BURBERRY


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ROW

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DIOR

Kaum ist der Winter da, sind in der Mode alle Augen bereits auf das kommende Frühjahr gerichtet. Voluminöse Silhouetten und eine schwerelose Anmutung: Hermès, Dior, Boss und Ermenegildo Zegna machen klar – weite Schnitte und fliessende Stoffe sind für das Frühjahr 2019 stilweisend für den Herrn. Weiterhin «in charge» bleiben, neben Sneakern in allen Variationen, auch Sandalen und der gute alte Trenchcoat, den Burberry und Alexander McQueen auf inspirierende Weise neu angedacht haben. Anka Refghi

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BOSS

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HERMÈS


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ERMENEGILDO ZEGNA

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ALEXANDER MCQUEEN

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FASHION

DIE FEINE

ENGLISCHE ART

Britisches Understatement und exklusive Herrenmode aus feinster Qualität – dafür steht das englische Traditionshaus Hackett London seit jeher. Und so bietet auch die aktuelle Herbst- und Winterkollektion alles, damit der Gentleman auch auf winterlichem Parkett eine stilvolle Figur macht.

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ie so oft in der Geschichte beginnt Grosses mit der Begegnung zweier Menschen. So auch im Fall des britischen Modeschöpfers Jeremy Hackett und Ashley Lloyd-­Jennings. Aus der Bekanntschaft auf dem legendären Londoner Portobello Market entstand 1979 die Idee zur Gründung eines eigenen Geschäfts. 1983 in die Realität umgesetzt, verkauften sie zu Beginn ausgewählte Second-­Hand-­ Kleidung. Aufgrund der stetig wachsenden Nachfrage jedoch wurde das Angebot schon bald um eigene Kollektionen erweitert. Der Rest ist (erfolgreiche) Geschichte.

Von der Elite inspiriert Dass Hackett London heute, mit Geschäften rund um den Globus, zu einer der ersten Adressen in

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Anka Refghi I

Hackett London

Sachen klassischer britischer Herrenmode gehört, verdankt die Marke dem untrüglichen Stilempfinden und der Detailverliebtheit Jeremy Hacketts. Inspiriert von der Agenda der englischen Elite mit ihren Polo-Turnieren, Jagdausflügen, Ruder- und Automobilrennen oder Hochzeiten, versteht er es wie kaum ein anderer, die traditionelle Ästhetik englischer Kleidung in die moderne Zeit zu übersetzen.

Gut gekleidet durch die kalte Jahreszeit Ursprünglich für das raue und unwirtliche Wetter auf den Britischen Inseln entworfen, erfreuen sich auch in dieser Saison die berühmten englischen Stoffe wieder grösster Beliebtheit. Darunter Klassiker wie Tweed, Flanell oder Cord, der aktuell sein Revival in allen Varianten feiert, bis hin zu den legendären Glenchek- oder Prince-of-Wales-Karos. Ob für die Freizeit oder das «Big Business» – in der aktuellen Kollektion von Hackett London finden kleine und grosse Gentlemen genau das Richtige für jeden Anlass. Und wer in dem breitgefächerten Sortiment dennoch nicht fündig werden sollte, für den bietet Hackett London auch exklusive Massbekleidung in ausgewählten Stores.


Men’s

WORLD

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CHRONOSWISS

Der neue «Flying Regulator Open Gear» sorgt für tiefe Einblicke. Massives Gehäuse in Rotgold mit einem Durchmesser von 41 mm und einer Gangreserve von 42 Stunden. Armband aus Louisiana-Alligator, handgenäht.

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Exklusive Uhren, edle Ledertaschen und feinstes Tuch: die «Must-haves» für den Gentleman von heute.

ETRO

«Natura Manifesta»: die SS19-Kollektion Kean Etro setzt auf Jute, Hanf oder Nesselstoff und pflanzliche Farbstoffe. Wo möglich wird die Kollektion, die von den Kulturen Asiens und Afrikas inspiriert ist, lokal produziert.

RADO

«DiaMaster Ceramos Automatic» aus roségoldfarbenem «CeramosTM». Ihr schlichtes Design verbindet die für Rado typische minimalistische Ästhetik mit einem warmen metallischen Ton und spiegelt damit gemütliche Abende vor dem Kaminfeuer wider.

VACHERON CONSTANTIN

«Les Cabinotiers Grande Complication Phoenix»: mit 15 Komplikationen, um der Zeit Paroli zu bieten. Darunter ewiger Kalender, Zeitgleichung, Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, Himmelskarte, Jahreszeiten, Sternzeichen, Mondalter und Mondphase.

BOTTEGA VENETA

Die dezente «Cabat» ist das legendärste Modell von Bottega Veneta. Diese grossformatige Version wurde auf dem Herbst / WinterDefilee 2018 erstmals präsentiert und besticht mit kostbaren Krokodilleder-Henkeln.  

HERMÈS

Dieses Seiden­tuch vermischt die Rahmen des Designs «Carré en boucles» von Virginie Jamin und nimmt anschliessend die geometrischen Formen der «Motivs Boucles et Mousquetons» von Anne Klepper und Veronika Wildgruber mit ihren verschwom­ menen Konturen auf. SALVATORE FERRAGAMO

«Gancini-Bit»-Mokassin aus Kalbsleder mit Gummilaufsohle und verziert mit dem metallischen Wendeornament, das sich von Silber auf Gold wechseln lässt.

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© Petrovsky & Ramone

Dior (Maria Grazia Chiuri), SS 2017 ready-to-wear und SS 2017 Haute Couture


FEMMES

FATALES Noch nie standen so viele Designerinnen an der Spitze eines Modehauses wie gegenwärtig. Der perfekte Zeitpunkt für eine Ausstellung, in der starke Frauen in der Mode im Mittelpunkt stehen. «Femmes Fatales» im Gemeentemuseum Den Haag ist die erste Ausstellung der Modegeschichte, bei der Designerinnen die Hauptrolle spielen. I

Gemeentemuseum


© Petrovsky & Ramone

Courtesy Stella McCartney


© Petrovsky & Ramone

FASHION

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Die Näherin» wurde die berühmte Coco Chanel abschätzig von ihrem Zeitgenossen Paul Poiret betitelt. Er griff sie aufgrund ihres Frauseins an, in Wirklichkeit aber sah er sie als grosse Konkurrentin. Doch die Zeiten haben sich geändert.

Powerfrauen

Vivienne Westwood, Maria Grazia Chiuri für Dior, Rei Kawakubo (Comme des Garçons), Miuccia

Iris van Herpen, «Wilderness Embodied»

Prada, Sarah Burton für Alexander McQueen und bis vor Kurzem noch Phoebe Philo für Céline. Alles Powerfrauen. Sie dominieren mit ihren Designs momentan die Laufstege, und manche sind wahrhaftige Vorkämpferinnen für die Frauenrechte oder vertreten eine explizite politische Meinung. So konnte Kawakubo in den 1970er-Jahren die Pariser Catwalks mit dem Namen «Comme des Garçons» erobern, was übersetzt heisst «Wie die Jungen». Westwood engagiert sich seit Anfang ihrer

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FASHION

© Man Ray

Karriere politisch und macht sich stark für unterschiedliche Überzeugungen in der Branche. Katherine Hamnett setzte in den 1980er-Jahren das T-Shirt als Ausdrucksmittel ein. Das Foto, auf dem sie in einem Slogan-T-Shirt Margareth Thatcher von England die Hand schüttelt, ist weltweit bekannt. Vor Kurzem spielte Maria Grazia Chiuri mit ihrer ersten Kollektion für Dior an auf eine Lesung und Veröffentlichung der Aktivistin und Schriftstellerin Chimamanda Ngochi Adichie: «We Should all be Feminists». Dieses Statement liess sie für die Frühjahr-2017-Kollektion auf T-Shirts drucken, die von einem vom New Look geprägten Ensemble getragen wurden. Auch ein Jahr später stellte Chiuri über einen T-Shirt-Print eine brisante Frage: «Why Are There No Great Women Artists?» Chiuri sagt selbst, dass die Wahl von Donald Trump, die ­Women’s Protest Marches und die #metoo-Bewegung ihr Engagement in der öffentlichen Debatte angestachelt haben. Dasselbe gilt auch für Angela Missoni (Missoni). Für ihre Herbstkollektion 2017 brachte sie die sogenannten «Pussy Hats» raus, die als Protest gegen Donald Trump designt wurden und es von der Strasse auf den Catwalk geschafft haben.

«Upgrade» eines Berufstandes Zahlreiche starke Frauen, die nicht nur wunderschöne Entwürfe machen, sondern auch Mut zeigen und deutliche Statements nicht scheuen – kaum vorstellbar, dass die ersten Designerinnen sich in einer Männerwelt zunächst behaupten mussten. Bis zur Abschaffung der Zünfte nach der Französischen Revolution war die Schneiderei ein Männerhandwerk, genau wie Sticker und Miedermacher. Frauen waren als Wolle- oder Leinennäherinnen für Damenbekleidung tätig, stellten Unterwäsche und Kinderbekleidung her oder arbeiteten an schönen Verzierungen für Kleider. Im neunzehnten Jahrhundert waren immer mehr Frauen als «Couturière» tätig, was Französisch ist für «Näherin». Trotzdem brauchte es erst einen Mann, um diesem Beruf ein «Upgrade» zu verleihen: Es war der Engländer Charles Frederick Worth, der den Begriff «Couturier» ins Leben rief. Nicht viel später folgten weibliche Couturiers mit einem eigenen Couture-Haus, wie Jeanne Paquin und Jeanne Lanvin, später Gabrielle «Coco» Chanel, Madeleine Vionnet, Madame Grès (Alix Barton) und Elsa Schiaparelli. Als echte Femmes fatales setzten diese Ladys bei Bedarf ihre Weiblichkeit intelligent ein. Sie nutzten ihr Frausein, um zu zeigen, dass nur sie in der Lage waren, in vollem Umfang zu begreifen, wie man einen Frauen­ körper am besten kleidet.

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Coco Chanel, 1935

Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchten visionäre Designerinnen wie Mary Quant, Sonia Rykiel und Barbara Hulanicki (Biba) auf der Bildfläche auf. Und auch diese junge Garde setzte alles auf Weiblichkeit und Komfort. Das Wickelkleid von Diane von Fürstenberg aus den 1970er-Jahren ist heute ganz selbstverständlich, war jedoch damals eine wahrhaftige Revolution.

Ausstellung

Die Ausstellung «Femmes Fatales – Starke Frauen in der Mode» ist vom 17. November 2018 bis 24. März 2019 im Gemeentemuseum Den Haag zu sehen.


© Jean Baptiste Mondino

Iris van Herpen, Couture-Kollektion «Ludi Naturae», 2018


FASHION

SIE …?

WUSSTEN

Der Schuh für Vielflieger

«Allen Edmonds» heissen die legendären rahmengenähten Schuhe aus Amerika, die eindrücklich beweisen, dass das kunstvolle Schuhmacherhandwerk seinen Ursprung nicht nur in England hat. Man schrieb das Jahr 1922, als Elbert Allen seine Schuhmanufaktur im Bundesstaat Wisconsin gründete und einige Jahre später seinen Partner William Edmonds mit ins Boot nahm. Zeitloses Design, eleganter Schnitt und höchster Tragekomfort zeichneten die Schuhe aus, die schon bald gerade auch bei Vielfliegern weltweit begehrt waren. Der Grund? Durch die vor einhundert Jahren von Charles Goodyear jr. entwickelte Technik des Rahmennähens kommen diese ohne eine Metallfeder aus und sind daher «built to fly through airport security», wodurch das mühselige Ausziehen der Schuhe bei den Sicherheitskontrollen an Flughäfen vermieden werden kann.

Die EdwardTheorie

Der «Cumberbund»

Der Kummerbund gehört zum Smoking wie die Fliege. In seiner Funktion dient die Seiden-Schärpe als Ersatz für die Smokingweste, was auf Ende des 19. Jahrhunderts zurückgeht, als britische Offiziere die Schärpen-Mode aus den indischen Kolonien mitbrachten. Da eine Weste in dem tropischen Klima Indiens zu warm war, übernahmen die Offiziere die Sitte der Inder, eine Bauchbinde aus edlem Stoff zu tragen, den sogenannten «Kamarband» (persisch für Hüftgürtel). «Cummerbund», oder auch «Cumberbund» genannt, wurde in England ab 1893 als Alternative zur Weste zum Abendanzug getragen, in kontinentaleuropäischen Ländern setzte er sich ab 1930 immer mehr durch.

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Grundsätzlich gilt, dass der unterste Knopf bei den meisten Anzügen und Westen nicht geschlossen wird. Der Legende nach kam es zu dieser besonderen Regel durch den von 1906 bis 1910 regierenden britischen König Edward VII. Über die Jahre war der Regent schlicht immer korpulenter geworden, sodass er bei einem Dinner den untersten Knopf seiner Weste öffnen musste. Um seine Majestät nicht blosszu­ stellen und mit Respekt zu begegnen, folgte erst der britische Hof seinem Beispiel und schliesslich jeder Mann in Grossbritannien und den Kolonien, der etwas auf sich hielt. Genannt wird das Offenlassen des unteren Knopfes auch die «Edward-Theorie».


FASHION

OF BEAUTY Schön durch die kalten Monate heisst die Devise der Stunde – mit reichhaltigen Körpercremes und verführerischen Düften.

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by

2 1 I EVIDENS DE BEAUTÉ

Die «Extreme»-Körpercreme ist eine aussergewöhnliche Anti-Aging-Behandlung, die gegen Zeichen der Zeit kämpft: schlaffe Haut, Mangel an Spannkraft, Dehydrierung und Dellen. Angereichert mit «Triple Collagen®» und «360° Skin Perfecting Complex ®». 2 I DIOR

«J’adore absolu» ist der neue blumige Nektar der Maison Dior. François Demachy mischt blumige «Absolues», die gleichzeitig fruchtig und sinnlich sind, zu einer üppigen Komposition.

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3 I BOBBY BROWN

Die fünf besten Tools in einem ultraschicken Etui: perfekt für Urlaubsreisen oder im Taxi zur nächsten Party. Das Set ist dafür konzipiert, überall und jederzeit ein makelloses Make-up zu zaubern. 4 I MAISON MARGIELA

«Muntiny» ist der neue blumigsüsse Duft von Maison Margiela. Der Duft fängt die Codes des Kreativdirektors John Galliano ein und markiert den ersten Duft, der von dem Designer entwickelt wurde.

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5 I ESTÉE LAUDER

«Re-Nutriv Ultimate Diamond Transformative Energy Creme Rich». Die Creme ist mit dem exklusiven «Re-Nutriv Black-Diamond»-Trüffelextrakt angereichert und wird durch Technologien zur Förderung der Langlebigkeit der Zellen unterstützt.

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6 I LANCÔME

Dramatisch und mutig: der «L’Absolu Rouge Drama Matte». Der ultramatte Lippenstift wurde für Frauen entworfen, die Farbe und extremen Finish lieben, denn er verknüpft Mattheit mit kräftigen, leuch­ tenden Farben und einem 100 %igen Tragekomfort.

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LIVING Nicky Dobree

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DIE CHALET

KÖNIGIN

Nicky Dobree ist sicher nicht die einzige Designerin, die sich auf Chalets spezialisiert hat. Sie ist jedoch auf jeden Fall eine der besten der Welt. Ihr Meisterstück: das Chalet La Ferme Moudon in der französischen Gemeinde Les Gets.

S Wilma Fasola I

Nicky Dobree

agen wir mal so, es lassen sich auf jeden Fall günstigere Unterkünfte im französischen Skigebiet Les Gets finden als das Chalet La Ferme Moudon. Die Preise für eine Woche in dem luxuriösen Ferienhaus beginnen bei 15’500 Euro und steigen je nach Reisezeit bis auf 33’000 Euro. Doch das Meisterstück der Designerin Nicky Dobree ist jeden Cent wert und bietet auch zehn Personen Platz. Mit Liebe zum Detail hat Nicky im Jahr 2003 dem Holzhaus neues Leben eingehaucht. Bereits zwei Jahre vorher hatte sie es von einem Bauern erworben, der noch traditionelle Viehhaltung betrieb. Das Haus war somit rein auf Funktion ausgerichtet, von Interior Design war weit und breit keine Spur. Selbst die Fenster waren Richtung Hang gerichtet, anstatt Ausblick auf die Alpen zu gewähren. Es gab viel zu tun, aber das Beste war das Ergebnis.

Das schönste Chalet der Alpen Heute ist das Chalet La Ferme Moudon das bekannteste Chalet der Alpen, das international von den wichtigsten Medien und Design-Experten gelobt wird. Das Fashion- und Lifestyle-Magazin «Tatler» verlieh ihm den Titel «The finest winter house of the French Alps». Und Moderator Kevin McCloud, der auf dem britischen Sender Channel 4 durch die Serie «Grand Design» führt, bezeichnete das Haus sogar als «die ultimative James-Bond-Bude». Für Nicky Dobree selbst ist es bis heute der perfekte Rückzugsort. «Ferme de Moudon ist meine Heimat seit 20 Jahren», sagt die Designerin. «Dorthin flüchten

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© Philip Vile

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das perfekte Interieur und hat sogar schon einmal einen Panikraum ausstatten müssen, ihr Schwerpunkt ist jedoch bis heute das Design von hölzernen Ferien- oder auch Wohnhäusern. Und dabei ist jedes für sich eine echte Herausforderung. Dazu sie selbst: «Jedes Projekt hat seine ganz eigene Challenge, doch bei Chalets kommt hinzu, dass man die Arbeiten nur zwischen den Saisons durchführen kann und auch das Wetter mitspielen muss.» Darüber hinaus besteht für sie auch in manchem Fall die Schwierigkeit, in fremden Ländern zu arbeiten. «Kulturelle Probleme, lokale Arbeitsweisen, Fristen und natürlich auch der Import von Einrichtungsgegenständen sind hier einige Dinge, die wir managen müssen», erklärt sie.

Details machen jedes Chalet zum Einzelstück

Luxuriöse Duplexwohnung im Val d’Isère

mein Mann und meine zwei Jungs, um Zeit für uns zu haben und um unsere Batterien aufzutanken.» Normalerweise lebt die Familie nämlich in London, wo auch das Design-Studio seinen offiziellen Sitz hat. Und natürlich hat sie auch bei dem alten georgianischen Haus, in dem sie leben, in Sachen Ausstattung ordentlich mitgemischt. Entstanden ist so ein, wie sie selbst sagt, «entertaining house», in dem Freunde stets willkommen und sämtliche Räume offen und einladend gestaltet sind.

Jedes Chalet ist eine Herausforderung La Ferme de Moudon war übrigens in zweifacher Sicht Nickys Meisterstück. Auf der einen Seite ist es das schönste Chalet im gesamten Alpenraum. Auf der anderen aber hatte sie sich erst kurz zuvor selbstständig gemacht, und es war ihr erstes grosses Projekt. Und das legte nicht nur die Messlatte hoch für alles Kommende, es beeinflusste ihren zukünftigen beruflichen Weg massgeblich. In kurzer Zeit wurde Nicky Dobree zu der Chalet-Designerin überhaupt. Und das ist sie bis heute geblieben. So sorgt sie zwar auch in Hotels und Privatvillen für

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Doch über die Jahre hat Nicky Dobree gemeinsam mit ihrem Team hier «Best Practice»-Abläufe entwickelt und ist heute weltweit im Einsatz. Interessant dabei: Die Wünsche der Chalet-Besitzer sind, egal in welchem Land, nahezu die gleichen. «Die Besitzer kommen zu mir und bitten, dass ich ihnen den ultimativen alpinen Rückzugsort für die ganze Familie entwerfe», beschreibt Nicky ihre zentrale Aufgabe. «Fast alle wünschen sich ein zeitloses, elegantes und komfortables Zuhause, das die Persönlichkeit der darin lebenden Menschen widerspiegelt und welches eben nicht nur ein Ferienhaus ist, sondern ein Lebensraum, der das ganze Jahr über bewohnt werden kann.» Und das auch zum Umfeld passt. So hat sich Nicky zum Beispiel bei einem Chalet in Silvaplana vom See inspirieren lassen, der den Ausblick aus dem Esszimmer bestimmt. Umgesetzt im Design entstand so eine perfekte Kombination aus den Materialien Holz, Stein, Leder, Kupfer und Glas, die durch das entsprechende Lichtkonzept zu einer Einheit verschmelzen. Und in einem anderen Chalet wurde gekonnt das Licht auf die wichtigen Punkte im Raum gelenkt, indem den mit altem Holz vertäfelten Wänden weiss gestrichene Wände gegenüber platziert wurden. Kontraste sind eben wichtig, um Spannung zu schaffen.

Für jedes Chalet das richtige Holz finden Mit Blick auf die Materialien ist auf jeden Fall Holz bestimmend bei der Ausstattung eines Chalets. Und hier braucht es Fingerspitzengefühl, die Auswahl ist gross. Denn Klassiker wie lackierte Kiefer hatte Nicky bereits beim Design ihres eigenen Chalets bewusst aussortiert und auf Hölzer von Orangenbäumen gesetzt. Und auch jetzt schaut


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Chalet in Klosters mit in Perfektion aufeinander abgestimmten Materialien

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Vielfach ausgezeichnet: «La Ferme de Moudon»

sie stets, dass die Hölzer genau zu den Räumlichkeiten passen. Sei es, weil sie aus der Region stammen oder einfach, weil sie gut ausgeleuchtet den Raum gekonnt in Szene setzen. Beim Textil kommen vor allem Wolle und Kaschmir zum Einsatz, aber auch Samt, wenn es passt. Und das alles wird mit viel Wissen zu einer zeitlos eleganten Einheit zusammengesetzt. Wobei Nicky zeitlos wie folgt für sich definiert: «Zeitloses Design ist für mich etwas, das nicht altmodisch ist, sondern etwas, was in Würde altert und nicht von Trends und der Mode beeinflusst wird. Es ist ein Design, das heute genauso gut wie damals ist.» Dazu ist es ihr ebenfalls stets ein Anliegen, dass sich die Bewohner selbst in den kleinen Details der Räume wiederfinden.

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Es muss eben nicht immer ein Chalet sein Und was Nicky mit Bravour in den Chalets umsetzt, gilt natürlich auch für alle anderen Projekte der Designerin. So sind Chalets ihr Steckenpferd, doch hat sie sich nicht ausnahmslos darauf versteift. So arbeitet sie derzeit unter anderem in einer Villa in München, in einem Hotel in Spanien, einem Haus in Kapstadt und einem Stadthaus in London. Natürlich stets unterstützt von ihrem Team. Denn auch wenn sie der Kopf hinter dem Design-Studio ist, bei so viel Arbeit braucht es helfende Hände, auf die man sich verlassen kann. Und eben eine Familie, die einem den Rücken stärkt. Und die hat Nicky mit ihrem Mann James und den beiden Söhnen auf jeden Fall.


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Luxus bedeutet, sich nicht um Fragen des Luxus kümmern zu müssen. Sondern den perfekten Moment geniessen zu können. Im Kreise der Familie, mit Freunden. Völlig sorgenfrei, im Wissen, dass im Hintergrund ein Team bereit steht, das alle Wünsche erfüllt. Deshalb bietet Maura Wasescha nicht einfach exklusivste Immobilien zum Kauf oder zur Miete. Maura Wasescha bietet mehr. Sie bietet den perfekten Luxusservice. Damit die Magie des Momentes zum zeitlosen Genuss wird.

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ZWEITWOHNSITZ

IN DEN ALPEN Seit Februar 2018 wird in der Schweiz das exklusive Immobilienprojekt «Six Senses Residences Crans-Montana» gebaut. Eine attraktive und rare Gelegenheit für ausländische Käufer und Schweizer Bürger, eine repräsentative Zweitwohnung in den Schweizer Alpen zu kaufen.

D Anouk Delange

as «Six Senses Residences Crans-Montana» bietet alles, was das Herz begehrt: eine einzigartige Lage in Crans-Montana, einen atemberaubenden Blick auf die Alpenkulisse, «Ski-in / Ski-out» direkt vor dem Haus, 140 Pistenkilometer für Ski-Amateure und -Profis, nur 3 Geh­ minuten vom Zentrum entfernt und 500 Meter zu den international renommierten Golfplätzen. Insgesamt umfasst das «Six Senses Crans-Montana» 47 Suiten und 17 Apartments. Doch man sollte sich beeilen, denn von den 17 exklusiven Residenzen sind zurzeit nur noch 13 im Angebot, davon 9 Apartments, die für ausländische Käufer zur Verfügung stehen. «Six Senses Crans-Montana» ist ein einzigartiges Projekt und vereint das Beste aus Hotelservice und Wohnangebot. So haben die Eigentümer, deren Wohneinheiten sich in den oberen Stockwerken des Hotels befinden, Zugang zu allen Annehmlichkeiten wie dem international renommierten Spa,

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Restaurants, Fitness-Einrichtungen, Open-Air-Kino, Ski-Lounge und vielem mehr.

Nachhaltige Philosophie Die Gebäude nehmen harmonisch die Formensprache von Alpenchalets auf und wurden nach dem traditionellen Schweizer Chaletdesign von JP Emery & Partners Architecture SA entworfen. Im Mittelpunkt der Six-Senses-Gruppe steht seit jeher der Respekt vor der Natur. Ein tiefes Verständnis für verantwortungsbewusste Baupraktiken und die Beschaffung nachhaltiger Materialien stellen sicher, dass alle Six-Senses-Projekte die lokale Kultur und Traditionen respektieren und in Bezug auf das Design wegweisend sind. Die Architektur steht im ständigen Dialog mit der Natur, das Design und die Materialien sind in perfektem Einklang mit der Umgebung. Auf diese Weise geniessen Gäste und Besitzer authentische Erlebnisse, die ihre Sinne wecken, den Geist beleben und traumhafte Erinnerungen schaffen, die man ein Leben lang nicht mehr vergisst.


LIVING

Ausgezeichnet!

Six Senses bietet ein reich­ haltiges Wellness-Erlebnis an aussergewöhnlichen Orten auf der ganzen Welt. Ausgezeichnet mit den höchsten Preisen für Reisen, Wellness und Nachhaltigkeit, wurde die Gruppe vom Magazin «Travel + Leisure» in den USA als beste Hotelmarke der Welt ausgezeichnet. Zudem hat Six Senses einen WellnessAnsatz entwickelt, der einige der häufigsten Probleme behandelt, mit denen Menschen in einem zunehmend hektischen und stressigen Lebensstil konfrontiert sind.

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LIVING

EDITOR’S

PICKS

Wohnen mit Stil

Ob strenger Minimalismus, elegante Opulenz oder Schmelztiegel verschiedener Kulturen: In «Interior Design Review – Best Interior Design on the Planet» werden mehr als 50 handverlesene InteriorExperten und ihre Einrichtungskonzepte ausführlich porträtiert. Erstmalig sind dabei die renommiertesten Designer sowie führende Interior-Unternehmen aus der ganzen Welt in einem Band versammelt. Von aufwendigen Komplettsanierungen bis hin zu aufregenden Material- und Farbkombinationen zeigt dieses reich bebilderte Buch eine Bandbreite verschiedenster Wohnstile und innovativer Ideen. Das perfekte Buch für alle Interior-Fans, die sich gerne von der Expertise erfahrener Design-Profis inspirieren lassen.

Interior Design Review Tatjana Seel TeNeues

Wie Phönix aus der Asche

Jean Nouvel by Jean Nouvel Taschen

Der französische Grossmeister

Jean Nouvel ist ohne Zweifel der aussergewöhnlichste und wichtigste zeitgenössische Architekt Frankreichs. Von 1967 bis 1970 war er Assistent von Claude Parent und Paul Virilio, bevor er sein eigenes Büro in Paris gründete. Jean Nouvel gewann im Jahr 2001 die Goldmedaille des RIBA («Royal Institute of British Architects») und 2008 den Pritzker-Preis. Über fünf Jahre arbeitete Nouvel gemeinsam mit dem Autor Philip Jodidio an dieser Monografie, die das Talent Nouvels in seiner ganzen Bandbreite zeigt. Die limitierte Auflage von 1000 signierten und nummerierten Exemplaren befindet sich in einem transparenten und von Jean Nouvel gestalteten Plexiglas-Schuber.

Als einer der grössten Namen in der zeitge­ nössischen Architektur ist der Ingenieur und Architekt Santiago Calatrava international bekannt für die Konzeption und meisterhafte Ausführung seiner kunstvollen Bauten. Inspiriert von der Natur, ahmt seine Arbeit die Formen und Bewegungen organischer Wesen nach, wie auch im «World Trade Center Transportation Hub» in der Innenstadt von Manhattan. Diese elegante und anmutige Struktur, die sich aus einigen von Calatravas Werken als Maler und Bildhauer ableitet, wird mit einem flüchtigen Vogel verglichen, einem Phönix, der aus der Asche des 11. September aufsteigt. Ein Buch über «Oculus», das ikonische Gebäude, das als eines der schönsten öffentlichen Gebäude des 21. Jahrhunderts gilt.

Oculus Santiago Calatrava Assouline

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VON DER KUNST DES

WEGLASSENS Klar, stark und funktional – in wenigen prägnanten Worten erklärt sich die Design-Handschrift von Steininger Designers. Hinter der Marke mit den weltweit begehrten Betonküchen und Interior-Konzepten stehen der Österreicher Martin Steininger und sein Team. Anka Refghi I

Steininger Designers

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aum jemand würde vermuten, dass sich in dem kleinen oberösterreichischen Ort St. Martin eine Design-Manufaktur von Weltruf verbirgt. Entstanden aus der 1933 vom Grossvater gegründeten Tischlerei, lenkte Martin Steininger das Unternehmen in eine neue Richtung und damit zu weltweitem Erfolg. Sein Erfolgsrezept? Minimalismus aussen, volle Funktion innen. Materialien wie edle Hölzer, feinster Naturstein, eloxiertes Aluminium oder urbaner Beton – archaisch auf der einen Seite, präzise Funktionalität und langlebige Details auf der anderen. Das ist die charakteristische Handschrift des detailverliebten Inhabers und Chefdesigners Martin Steininger, der sich mit Leidenschaft dem Purismus verschrieben hat.

Küchen für Puristen, Visionäre und Entertainer Bekannt wurde Martin Steininger durch seine kubistischen Betonküchen, die bei ihrer Präsentation nicht nur ein Raunen in der Designszene evozierten, sondern ihm in kürzester Zeit auch einen Platz am legendären «Salone del Mobile» in Mailand einbrachten. Konzentration auf das Wesentliche, massgeschneidert auf die individuellen Anforderungen und Wünsche der Kunden und die Verwendung edelster Materialien machen die Küchen zu zeitlosen Meisterwerken. Steiningers Betonküchen sind monumental. Aus einem Guss gefertigt, weisen sie nicht nur hervorragende hygienische Eigenschaften auf, sondern begeistern auch durch ihre widerstandsfähige Oberfläche. Ob in

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«Ästhetik ist Funktion.» – Martin Steininger –

einer modernen Umgebung oder aber als spannungsvoller Kontrapunkt in alten Gemäuern – die Küchen sind Hingucker, ohne jemals aufdringlich zu sein. Sie sind in sich ruhende Zentrumsmarkierung eines jeden Wohnraums, wo die Menschen zusammenkommen und sich austauschen. Küchen für Puristen, Visionäre und Entertainer eben. Und natürlich sind die Betonküchen ebenso für den Innen- wie den Aussenbereich einsetzbar. So, wie beispielsweise das Modell «Rock», das sich mit wahlweise drei bis sieben Blöcken jeder Umgebung anpasst.

Alles aus einer Hand Doch nicht nur die Küchen sind die «Stars» der Steininger Designers, ihre Interior-Design-Konzepte sind es auch. Und hier gilt ebenfalls: «Purismus ist die Kunst des Weglassens. Am Ende muss weniger mehr sein.» Die massgeschneiderten Gesamtlösungen im Interior-Design von Steininger bedeuten, Möbel aus der eigenen Manufaktur mit High-End-

Marken zu kombinieren. Luxuriös, mit faszinierenden Details und immer kompromisslos in ihrer handwerklichen Qualität. Im Zentrum der konzeptionellen Innenarchitektur aber steht immer der Mensch «Die erste Aufgabe ist es», so Steininger, «den Kunden kennenzulernen und zu verstehen. Die Herausforderung ist es, daraus Plan und Konzept zu kreieren, um des Kunden Wunsch und Erwartung an seine eigenen vier Wände komplettiert mit der Steininger-­ Designhandschrift wiederzugeben.» Ob die innenarchitektonischen Gesamtlösungen oder die Küchen – wo Steininger draufsteht, ist auch Steininger drin. Denn das Traditionsunternehmen mit Standorten in Hamburg, London, Linz, Wien und St. Martin arbeitet ohne Drittdienstleister. Zu wichtig ist der persönliche Kontakt zur internationalen und kaufkräftigen Klientel. Vom Design bis über die Umsetzung und Fertigung, alles geschieht in St. Martin. Und so versteht es sich von selbst, dass, ganz gleich auf welchem Kontinent sich der Kunde befindet, die Handwerker des Hauses Steininger ebenfalls vor Ort sind. Denn nur so lässt sich die exzellente Qualität auch wirklich gewährleisten. Innovativ zu sein und nie stehen zu bleiben, ist ebenfalls eine ausgewiesene Stärke der Manufaktur aus St. Martin. Und so darf man auf 2019 gespannt sein, denn der charismatische Designer und sein Team haben bereits wieder ein neues Küchenmodell aus schweren Materialien und Metallen in Arbeit, das es in dieser Anwendung vorher noch nie gegeben hat.

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DER PLATZ DES

GEPFLEGTEN GENUSSES Sie ist kein Stuhl und auch kein Bett, sie ist ein gepolstertes Sitz-Liegemöbel mit schräger Lehne an der Seite, und sie hat das gewisse Etwas. Sie ist sexy und fast schon dekadent und verströmt immer noch den Hauch des repräsentativen Ehrensitzes, der ihr im Mittelalter und während der Rokokozeit zuteil wurde. Die Chaiselongue, auf der sich so schön posieren lässt.

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Helena Ugrenovic I

Sotheby’s

opulär wurde die Chaiselongue, deren Existenz weit in die Geschichte reicht, Anfang des 18. Jahrhunderts in Frankreich. Ursprünglich entstand sie aus einem durch einen Fauteuil verlängerten Tabouret, zwei Elementen, die sich insbesondere in der Louis-Quinze- und Louis-Seize-­ Epoche zwischen 1745 und 1780 gros­ser Beliebtheit erfreuten. Die «Duchesse brisée» genannten Möbelstücke verschmolzen mit der Zeit zu einem einzigen Möbelstück, auf dem man sitzen, die Beine hochlagern und sich bei einem Mittagsschläfchen erholen konnte. Im Gegensatz zu einem Bett ist eine Chaiselongue, auf der man eine Haltung zwischen Sitzen und Liegen einnimmt, nicht wirklich zum Schlafen, sondern zum Faulenzen gedacht.

Im antiken Ägypten und Griechenland Bei Ausgrabungen antiker ägyptischer Gräber vermuteten Archäologen, dass die dort gefundenen langen Stühle aus der Zeit um 3000 v. Chr. die frühesten Beispiele für die Entstehung der Chaise­longue sind. Für die wohlha­ benden Ägypter wurde der Rahmen aus Holz gebaut und weist ein Elfenbein- oder Ebenholzfurnier auf, während für die ärmere Bevölkerungsschicht das Möbelstück wahrscheinlich aus Palmstöcken und Korbgeflecht hergestellt wurde.

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Duchesse brisée, circa 1760

Im antiken Griechenland war es während des 8. Jahrhunderts v. Chr. üblich, auf einem langen Stuhl zu sitzen, während man dinierte oder sich unterhielt. Die Griechen nannten den Stuhl «kline» oder «klinai», der in Stofflagen drapiert und mit Kissen an der Kopfstütze gepolstert war. Die «kline» war ein beliebtes Möbelstück für griechische Symposien und gesellschaftliche Versammlungen, wo Männer auf Kline-Sofas sassen, die in Reihen an der Wand aufgereiht waren und den Blick zur Türe ermöglichten, während man trank und sich unterhielt.

Die Chaiselongue im Römischen Reich Ähnlich wie im antiken Griechenland liebten es auch die Römer, sich während der Essenszeit und Banketten zu erholen. Sie hatten sogar einen Namen dafür: «accubatio», was so viel wie «das Zurücklehnen am Tisch» bedeutete. Die römische Chaiselongue war als Lektus bekannt, doch die Römer beherrschten die Kunst der Polsterung nicht gut genug, und so wurde der Lektus aus Holz angefertigt und mit Kissen zum Wohlfühlen ausgestattet. Generell übernahmen sie viele Bräuche und ästhetische Merkmale griechischer Symposien, die auf ähnliche Weise Bankette und geselliges Beisammensein genossen und von den alten Römern als «comissatio» bezeichnet wurden. Ein soziales Nach-­­demEssen-noch-einen-Tropfen-Geniessen, das bis spät in die Nacht dauerte.

Die moderne Chaiselongue Die moderne Chaiselongue, wie wir sie kennen, wurde während Frankreichs Königszeiten von Möbelhandwerkern speziell für die Aristokraten ent­ wor­fen, um sich tagsüber alleine oder in Gesellschaft von Freunden auszuruhen. Während des 19. Jahrhunderts entwickelte die Chaiselongue feminine Konnotationen als dekadenter Thron für Frauen, um sich während des Tages auszuruhen, ohne ihr Schlafzimmer zu betreten. Während der franzö­sischen Rokokozeit wurde die Chaiselongue, die kunstvoll und nur aus den seltensten und teuersten Materialien hergestellt war, zum Symbol des sozialen Status. Heute gilt die Chaiselongue als Luxus und Neuheit für das moderne Zuhause und wird häufig verwendet, um das Dekor eines Hauses ausserhalb des Schlafzimmers zu ergänzen.

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ÂŤAB HouseÂť

Design: Irene Goldberg, Pitsou Kedem I Verantwortlicher Architekt: Raz Melamed I Styling Fotografie: Eti Buskila


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MODERNIST Pitsou Kedem ist einer der 체berragendsten Architekten seines Landes. In seinem Studio in Tel Aviv entstehen Bauten, die rund um den Globus f체r Aufsehen sorgen. Ein Gespr채ch 체ber Modernismus, das Spiel mit dem Licht und die Kunst der architektonischen Spannung. Anka Refghi I

Amit Geron


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«AB House»: Das Spiel mit Strukturen, Licht und Schatten ist charakteristisch.

as Pitsou Kedem Architects Studio wurde 2000 in Tel Aviv gegründet und besteht heute aus 12 Architekten. Die Formensprache und das Konzept des Studios basieren auf dem modernistischen Stil und der Design­philosophien der Moderne. Der Architekt Pitsou Kedem steht im ständigen Dialog mit den Grundprinzipien des Minimalismus: Reduktion und Moderation, klare Linien für jedes Element, Trennung von Strukturmaterialien, um das Irrelevante zu vermeiden und das Wesentliche hervorzuheben. Die Mehrheit der Projekte des Studios zeichnet sich durch einfache geometrische, recht-

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eckige und wiederkehrende Formen aus, die den Räumen Struktur geben. Ebenso charakteristisch ist die Suche des Israelis nach immer neuen Materialien, die ihm ermöglichen, Neuland zu betreten und Grenzen zu überschreiten. PRESTIGE: Pitsou Kedem, was machen Sie als Erstes bei einem neuen Projekt? PITSOU KEDEM: Ich gehe gerne an den Ort selbst und verbinde mich mit dem Standort. Meine ersten Gedanken kommen mir genau in diesem Moment in den Sinn. Ich mache mir Gedanken über Masse, Bewegung, Konzept oder Material.


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Sie haben einmal gesagt, dass Sie immer nach den Grenzen der Architektur suchen, um diese zu über­ schreiten … Ja, das wichtigste Ziel meines Architekturbüros ist es, innovativ zu sein, damit wir die Leidenschaft immer wieder neu wecken können. Wir erleben gerne Dinge, lernen und machen manchmal auch Fehler. Ein Beispiel ist das Überdenken von Materialien und Bautechnologien, die verfügbar sind, um es uns zu ermöglichen, beispielsweise einzigartige Systeme zu schaffen, um Gebäude zu umhüllen oder Öffnungen auf verschiedene Weise entstehen zu lassen. Das sind Elemente, die sich wiederholen und in unseren Projekten immer anspruchsvoller werden. Sie sind immer auf der Suche nach neuen Materialien. Welches war die beste Entdeckung der letzten Zeit? Die wichtigste Entdeckung für mich war, dass es in jedem Material, auch in traditionellen wie Beton und Stein, eine neue und faszinierende Verwendung gibt. So haben wir beispielsweise kürzlich Drehtüren aus Naturstein hergestellt, und es ist uns gelungen, die Dicke der Tür technologisch auf 1,2 cm zu begrenzen. In diesem Fall liegt die Entdeckung also nicht unbedingt im Material, sondern in den neuen Möglichkeiten, die ihm innewohnen!

Design: Irene Goldberg, Pitsou Kedem I Verantwortlicher Architekt: Raz Melamed I Lichtdesign: Orly Avron Alkabes I Styling Fotografie: Eti Buskila

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«D3 House»

Ihre Bauten basieren auf den Werten und der Formen­ sprache der Moderne – wie schliessen Sie die Lücke zwischen der Moderne und neuen Materialien? Es ist sicherlich eine schwierige Aufgabe, und ich denke, meine Antwort findet sich in meiner vorherigen Antwort. Ich möchte auch hinzufügen, dass es wichtig ist, sich auf die Prinzipien der modernistischen Sprache und ihre zentralen Werte zu verlassen, wodurch andere Materialien möglich werden.

Wie ruft man Spannung und Ruhe in Häusern und Räumen gleichermassen hervor? Eine ausgezeichnete Frage. Die Antwort liegt in der Verwendung von faszinierendem «Material» und dem nicht immer steuerbaren Element des natürlichen Lichts. Durch das Eindringen von Licht in den Raum und dessen Veränderung werde ich Dramatik und Spannung im Raum erzeugen, hauptsächlich durch das Medium von Licht und Schatten und deren Bewegung innerhalb jeder Struktur.

Der Raum ist ein zentrales Thema in der Architektur. Wie arbeiten Sie mit Raum? Für mich beschäftigt sich der Raum in der Architektur mit dem Kontext des Menschen in diesem Raum, also der Person, die ihn benutzt. Ich verbringe viel Zeit mit diesen wechselseitigen Beziehungen, um das Gefühl des Menschen im Raum und seine Erfahrung zu verstehen. Durch dieses Prisma gesehen, entwickelt sich der architektonische Raum vor meinem inneren Auge.

Welches ist das aussergewöhnlichste Haus, das Sie je entworfen haben, und warum? Ich glaube weniger an «die Besten» oder «die Meisten», aber ich finde, dass es mir nach 17 Jahren Design klar geworden ist, dass man die Perspektive einer ganzen Generation braucht, bevor man eine solche Frage beantworten kann. Der wahre Test eines guten Gebäudes wird im Laufe der Jahre gemessen, und das einzigartigste Gebäude ist dasjenige, das den Test der Generationen bestehen wird.

Minimalismus ist charakteristisch für Ihre Gebäude. Was fasziniert Sie an der Reduktion? Wenn es zu viele Elemente gibt, erhalten wir ein visuelles «Rauschen», also Ablenkungen, die den Menschen daran hindern, den Raum zu erleben und sich ihm anzupassen, sodass er oder sie in ihm verbleibt und immer wieder ­zurückkehren möchte. Es geht darum, das Konzept zu reduzieren und auf diese Weise zeitlose Strukturen zu schaffen.

Sie arbeiten hauptsächlich in Israel, in jüngster Zeit aber auch in Europa. Worin besteht der deutlichste Unterschied zwischen der Ästhetik im Allgemeinen und den Wünschen der Kunden? Der Unterschied liegt nicht in der Ästhetik, der Unterschied liegt in der Wertschätzung und dem Status eines Architekten in Europa. Die europäische Kultur ehrt den Kreativen und den Künstler, was natürlich die Qualität des Prozesses und die Qualität des Ergebnisses beeinflusst.

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Design: Pitsou Kedem, Noa Groman, Tamar Berger I Styling Fotografie: Eti Buskila

Pitsou Kedem

Das Privathaus von Pitsou Kedem

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LIVING

Neben Neubauten arbeiten Sie auch mit bestehenden Gebäuden wie dem «Old Jaffa House 3». Welches ist für Sie das wichtigste Prinzip bei der Sanierung von Gebäuden mit Geschichte? Zu ehren, was an diesem Ort vorher war. Nicht die Vergangenheit auszulöschen oder ihr den Rücken zu kehren, sondern aufmerksam und sensibel für die ursprünglichen Eigenschaften des Gebäudes zu sein. Erst dann kann eine Intervention entstehen, die die verschiedenen Pe­­ rioden entweder sensibel kombiniert oder durch den Kontrast verbindet.

Sie halten zahlreiche Vorlesungen an Architektur­ fakultäten. Was ist die Quintessenz, die Sie Studenten und zukünftigen Architekten mitgeben? Deine architektonische Wahrheit zu finden und an ihr festzuhalten, während man gleichzeitig nicht aufhört zu suchen, Dinge auszuprobieren, zu erleben und ja – keine Angst zu haben, Fehler zu machen.

Design: Irene Goldberg, Pitsou Kedem I Verantwortlicher Architekt: Raz Melamed I Styling Fotografie: Eti Buskila

Sie haben Ihr eigenes Haus gebaut. Wie schwierig oder einfach ist es, sich als Architekt selbst ein Haus zu bauen?

Die Erfahrung war für mich eine positive und einfache Erfahrung, weil ich sehr an modernistischen Traditionen festhalte und es mir absolut klar war, auf welchen architektonischen und kulturellen Werten das Haus meiner Familie liegen würde. Das Wichtigste für mich war, eine Struktur zu schaffen, die ein Gefühl von Familie und eine Verbindung zwischen den Familienmitgliedern ermöglicht.

«Old Jaffa House 3»

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LIVING

LALIQUE

SWEET HOME Nichts ist schöner, als die kalten Monate in den eigenen und stilvollen vier Wänden zu verbringen.

«Hirondelles Ailes Baissées»: Wand­ skulpturen in Form einer Schwalbe aus reinem Kristall und Gold, anlässlich des 130-jährigen Bestehens des Hauses Lalique entworfen.

by

VISPRING

FORNASETTI

Eine Hommage an Piero Fornasetti und seine Leidenschaft für naturgetreue Themen: die neue Möbel- und Accessoire-­Kollektion «Coromandel». Lampe aus Metall und Messing mit von Hand gemalter Flora und Fauna. BANG & OLUFSEN

Bang & Olufsen präsentiert mit der «Limited Edition Bronze Collection» seine populärsten «Multiroom»-Laut­ sprecher in limitierter Auflage. Die Laut­ sprecher bringen warme Töne, Charakter und einen noch lebendigeren Sound in den Raum.

Luxuriöser Schlaf auf der «Diamond Majesty»-Matratze des britischen Traditions­ herstellers. Ihre einzigartige Kombination aus Taschen­ federn aus Vanadium-Stahl und hochwertigen Füllungen sorgt für ein ultimatives Schlaferlebnis.

SCHLOSSBERG

«Uni»-Kollektion: Schlossberg hat die Uni-Farb-Palette neu überarbeitet, angepasst und weiterentwickelt. Entstanden sind 48 wunderschöne Farben in edelstem Satin Noblesse oder 36 Farben in angenehmem Jersey Royal.

BERNHARDT

Am Ende des Bettes positioniert, als Hocker oder zusätz­l iche Sitz­ gelegenheit: Die «Profile Bench» mit Edelstahlrahmen in Goldoptik und beigefarbenem Sitz ist zugleich praktisch und elegant.

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LIVING

KOCHEN

IN NEUEM LICHT Schon längst ist die Küche viel mehr als nur ein Raum für die Nahrungszubereitung – sie ist heute mehr denn je ein Ort der Begegnung. Damit die Zeit am Herd zu einer ganz besonderen wird, entwickelt das Unternehmen Schott mit seinen Glaskeramik-Materialien ästhetische Lichtlösungen, die das Kochen in ein neues Zeitalter führen.

O

Anouk Delange I

Schott

bwohl die Menschen immer seltener zuhause sind, bedeutet Kochen für viele eine ganz besondere Zeit. Kochen wird zur Meditation am Herd und zu einem geliebten Ausgleich zum hektischen Alltag. Doch mit den sich verändernden Koch­gewohnheiten wird auch der Ruf nach Kochgeräten mit flexibler und funktionaler Benutzerführung immer lauter.

Mit Licht in die Zukunft Licht als Leitsystem heisst die Lösung, denn Licht kann Kochvorgänge visuell unterstützen und wird insbesondere beim Kochen mit Induktion immer wichtiger, da es bei dieser Technologie bislang kaum ein visuelles Feedback für den Koch gab. Licht unterstützt nicht nur die Trends der Flächen­ induktion und des minimalistischen Kochflächendekors, sondern kann auch die nötige Führung im Kochzonenbereich und dem Kontrollbereich übernehmen und das Kochen dadurch intuitiver und smarter machen. Mit dem Produktportfolio «Ceran Exite ®» hat das Unternehmen Schott nun eine Systemlösung zur Serienreife gebracht, die es

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Hausgeräteherstellern ermöglicht, funktionale und ästhetische Lichtlösungen im Bereich der Kochfläche umzusetzen. Das Portfolio besteht aus Glaskeramik-Materialien, die für verschiedene Lichtfarben optimiert sind, und funktionalen Beschichtungen, die konturscharfe und brillante Lichtfarben durch schwarze Kochflächen hindurchscheinen lassen. Weisses Licht verleiht Kochfeldern einen innovativen und puristischen Look und scheint durch das neue lichtoptimierte schwarze Glaskeramik-Material vier Mal heller durch, als es bislang möglich war. Damit können zum Beispiel Kochzonenmarkierungen in verschiedenen LED-Farben und innovative Bedientechniken mit Licht umgesetzt werden.

Kochflächen neu gedacht Für Hausgerätehersteller liegen die Vorteile auf der Hand, denn diese können ihr Produktdesign durch die neuen Glaskeramik-Lichtlösungen exklusiver, eleganter und moderner gestalten. Ebenso können Lichtfeatures smarte Lösungen zur Vernetzung und Kommunikation von Geräten untereinander visuell unterstützen. So beispielsweise könnte, wenn das Kochfeld mit dem Backofen, der Dunstabzugs-


LIVING

Für mehr Kontrolle und visuelle Unterstützung: Licht als Leitsystem im Kochzonenbereich

haube und der Mikrowelle per Bluetooth kommuniziert, ein leuchtendes Symbol diese Aktivität auf dem Kochfeld anzeigen. Auch ein «360 Grad»-Design für die Küche ist denkbar, da Hausgeräte heute immer stärker aufeinander abgestimmt werden. So könnte die Bedienoberfläche des Kochfeldes sowohl von der Funktionsweise als auch vom optischen Erscheinungsbild her identisch mit der Bedienung der Kaffeemaschine und des Backofens sein. Für das Kochen mit Induktion ergibt sich ein weiterer Vorteil, da Hersteller ihre Geräte responsiver gestalten können: Kochfelder geben mit Licht im Kochzonenbereich visuell Feedback und sorgen so für mehr Kontrolle und Sicherheit beim Kochen. Den Ideen sind keine Grenzen gesetzt, und damit die Umsetzung in Perfektion gelingt, erarbeitet Schott gemeinsam mit den Kunden aus der Hausgeräte­ industrie massgeschneiderte Lösungen und unterstützt sie bei der Applikation. Damit steht dem Kochen in einem neuen Licht nichts mehr im Wege. Und die besten Partys werden auch weiterhin in der Küche enden – zukünftig stimmungsvoll mit Licht unter dem Kochfeld begleitet.

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EINE KÖSTLICHE

CULINARIUM

LIAISON Schon längst sind Mode und Kulinarik nicht mehr zu trennen. Dolce & Gabbana verschönern Küchengeräte, Laufstege werden zu Grossküchen, und das italienische Traditionshaus Missoni gibt ein Kochbuch mit Familienrezepten heraus.

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Anka Refghi

ichts scheint unsere Gesellschaft mehr zu bewegen als gutes Essen. Kochshows, Kochbücher und Food-Trends bestimmen das tagtägliche Blätter- und Medienprogramm und beflügeln eine Dynamik des Wohlgefühls. Getragen von jungen Menschen, ihres Zeichens die wohl gesundheitsbewussteste Generation ­ seit Menschengedenken, die Chia-Samen Zigaretten vorziehen, Pilates der Bar und ­Bootcamps den Clubnächten. Und noch etwas scheint das Gesellige zu befeuern – die Globalisierung. Denn diese lenkt das Augenmerk wieder auf die Familie und das Beisammensein im geschützten heimischen Rahmen. Und schon längst hat man erkannt: Liebe geht durch den Magen, Luxus aber auch. Damit liegt die Marketing-Codierung auch gleich auf der Hand: Füge deiner Marke eine soziale Dimension hinzu, und sichere dir einen Platz im (Familien-)Herz deiner Kunden.

Stilerlebnis Küchengerät In der Folge gibt es mittlerweile kaum mehr einen Bereich, der sich nicht eine Schnittmenge mit dem Lukullischen teilt. So beispielsweise spannte 2015 das italienische Designer-Duo Dolce & Gabbana mit dem Hausgerätehersteller Smeg zusammen und lancierte Kühlschränke der Luxusklasse. Das Hausgerät als Stilerlebnis. Die Produkte mit von Sizilien inspirierten und handbemalten

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CULINARIUM

Fashion-Show in der Grossküche bei Molly Goddard

Dekors waren von solch durchschlagendem Erfolg, dass nach Toaster, Zitruspresse und Wasserkocher in diesem Jahr gleich noch ein imposanter Herd nachgelegt wurde. Doch nicht nur Dolce & Gabbana, auch Fendi mischt in der Küchenwelt ganz weit vorne mit und präsentierte anlässlich des diesjährigen «Salone del Mobile 2018» in Mailand die «Fendi Cucine». Von Architekt Marco Costanzi entworfen, präsentiert das italienische Traditionshaus alles, was das vom Luxus verwöhnte Herz begehrt – von Küchen­inseln bis zu Weinkühlschränken. Und so ist es dann auch nicht weiter verwunderlich, dass

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CULINARIUM

Subtil: die Verbindung von Food und Fashion in der «Vogue»

Marken wie Gucci, Burberry, Ralph Lauren oder auch Armani gleich mit eigenen Restaurants und Cafés aufwarten, Letzterer sogar mit eigens kre­ ierter Schokolade, den «Armani Dolci».

Runway Party Symptomatisch für unsere Zeitqualität sind dann auch die Fashionshows. In Szene gesetzte Kulinarik

sozusagen. So präsentierte Gabriela Hearst im vergangenen Februar ihre Herbstkollektion 2018 im New Yorker Café «Altro Paradiso» an der Spring Street. Statt der gewohnten Szenerie mit einem von Bänken und Stühlen gesäumten Laufsteg wurde den Zuschauern während der Show an den Tischen das Mittagessen serviert. «Kleidung zu entwerfen», so die Designerin aus Uruguay, «ist sehr ähnlich

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CULINARIUM

Üppig: Fashion-Show von Molly Goddard

wie Kochen – man muss die richtigen Zutaten haben.» Doch nicht nur Hearst bediente sich des vom Essen inspirierten Flairs, auch die englische Designerin Molly Goddard tat es. Gleich zwei Mal sogar. 2017 präsentierte diese ihre Herbstkollektion in der Tate Modern, wo sich ihre Models an üppig gedeckten Tischen mit Kerzen, Obst und Wein so malerisch verlustierten, dass die Szenerie einem jeden Stillleben-Gemälde früherer Meister Konkurrenz machte. Für ihre diesjährige Herbstkollektion verwandelte sie den Laufsteg in eine Grossküche,

Food in Vogue Abrams Books

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was auf der Idee des vielfach bekannten Phänomens basierte, dass sich an beinahe jeder Party die Gesellschaft am Ende in der Küche wiederfindet.

Die gemeinsame Sprache Einen geschickten Schachzug auf dem Parkett der sozialen Modeinszenierung machte auch Francesco Maccapani Missoni, seines Zeichens Nachkomme der gleichnamigen Modedynastie: Mit «The Missoni Family Cookbook» veröffentlichte dieser ein Buch mit über Generationen hinweg weitergegebenen Familienrezepten. Mit Illustrationen und Fotografien, die das familiäre Beisammensein und köstliche Vorschläge zwischen zwei Buchdeckeln dokumentieren. Ebenfalls auf Papier gebannten Genuss bietet auch das Buch «Food in Vogue», in dem die auffälligste und köstlichste Food-Fotografie und das beste Food-Writing zusammengefasst sind. Ob mit Essays des langjährigen «Vogue»-Lebensmittelkritikers Jeffrey Steingarten, Beiträgen von aufstrebenden Food-Autoren wie Tamar Adler und Oliver Strand oder Porträts von weltberühmten oder aufstrebenden Köchen mit ikonischer Food-Fotografie, die grösstenteils von Irving Penn aufgenommen und von Redakteurin Phyllis Posnick konzipiert wurde. Doch auch «Food in Vogue» ist, wie alle anderen Inszenierungen unserer Tage, mehr als nur ein Buch über Lebensmittel: Es ist ein Zeitzeuge einer universellen Sprache, die Menschen rund um den Globus eint: das gemeinsame Speisen.


CULINARIUM

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CULINARIUM

LA VIE EN

ROSÉ

Kaum ein anderer Name steht für solch exquisite Qualität wie der von «Champagne Louis Roederer». Der edle «Brut Rosé Vintage» stammt ausschliesslich aus den besten sich im Familienbesitz befindlichen Parzellen der Champagne. Anka Refghi I

Louis Roederer

Champagne Louis Roederer» – ein Name, der für eine lange Tradition steht und für ein Champagnerhaus, das zu den letzten drei grossen unabhängigen in Familienbesitz gehört. Die 1776 in Reims gegründete Maison Louis Roederer, an deren Spitze heute in siebter Generation der gleichen Familie Frédéric Rouzaud steht, umfasst 240 Hektar Anbaugebiet. Damals wie heute gilt: Nur das Beste ist gerade gut genug. Ob die «Grands et Premiers Crus» der Reimser Berge, der «Côte des Blancs» oder des Marne-­ Tals – jede Parzelle in den besten Anbaugebieten der Champagne wurde seit jeher sorgfältig ausgewählt. Das Sortiment von Champagne Louis Roederer umfasst heute den Multi-Vintage-Champagner «Brut Premier», die Vintage-­ Champagner «Brut Vintage», «Brut Rosé Vintage», «Blanc de Blancs» und den sagenumwobenen «Cristal».

Ein Rosé à la Roederer Ein ganz besonderer Tropfen ist der «Brut Rosé Vintage», der aus einer Komposition von 70 % Pinot Noir, 30 % Chardonnay besteht, wovon 20 % in Eichenfässern gereift werden. «Die Dichte, die Fruchtigkeit und die Kompaktheit des Pinot Noir aus Cumières wird von der Eleganz, der Reinheit und der

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Frische der grossen Chardonnays der Côte des Blancs durchdrungen», so Jean-Baptiste Lécaillon, der Kellermeister des Hauses, über den Rosé. Und weil Gutes seine Zeit dauert, wird die Cuvée «Rosé Vintage» durchschnittlich vier Jahre auf der Hefe ausgebaut und nach dem Degorgieren zur Harmonisierung nochmals mindestens sechs Monate gelagert. Was die Kelterung seiner Rosé-­ Champagner betrifft, hat Louis Roederer im Laufe der Jahre ein Verfahren entwickelt, das in der Champagne einzigartig ist. Durch die sogenannte Infusion gelingt es nicht nur, die saftige und reife Seite der Pinots Noirs in den Vordergrund zu rücken, sondern auch eine sehr grosse Frische beizubehalten. Zur Maische der Pinots Noirs wird etwas Saft von Chardonnay-Trauben gegeben, sodass beide gemeinsam fermentieren und es zu einem perfekten Ergebnis kommt.


UNVERGESSLICHE MOMENTE

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CULINARIUM

KLEINE HÄPPCHEN

GANZ GROSS

Zubereitet aus nur wenigen Zutaten entstehen kleine Kunstwerke, die die Welt erobert haben. In Japan zählt Sushi fraglos zu den beliebtesten Gerichten, aber auch bei uns erfreut es sich immer grösserer Beliebtheit. Doch wo liegt eigentlich sein Ursprung? Nike Schröder

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uerst mal vorneweg: Sushi, wie wir es heute kennen, wurde nicht von jeher in dieser Kombination zubereitet. Es ging vielmehr um das Haltbarmachen von Fisch – dieser wurde gepökelt und mit Reis verpackt. Dadurch entwickelte sich eine natürliche Gärung. Durch diese Fermentierung wurde der Fisch viel länger haltbar. Die Zubereitung wurde wohl im 7. Jahrhundert von China nach Japan importiert. Im Jahre 676 verbot Kaiser Temmu den Verzehr von Fleisch offiziell, dieser gepökelte Fisch war daher eine wunderbare Alternative. Dieses «Ur-Sushi» wird als Nare-­ Sushi bezeichnet. Das Funa-Sushi ist auch heute noch in einigen Gegenden von Japan sehr beliebt. Der Fisch, zumeist Karpfen, gärt dabei mindestens ein Jahr (manchmal sogar bis zu drei Jahre) mit Reis bedeckt. Hierbei geht es aber rein um den

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Fisch, der Reis ist nach dieser Reifezeit kein kulinarisches Highlight mehr und gleicht eher einem Brei. Im Laufe der Zeit entwickelte sich die Zubereitungsmethode immer weiter, und für Nama-Nare musste der Fisch nur noch einen Monat reifen, war aber noch halb roh und der Reis noch geniessbar. Beides konnte zusammen serviert werden. Der erste wohl wirkliche Vorreiter des uns heute so bekannt-­ beliebten Sushi war damit geboren.

In grossen Schritten zum Häppchen mit Kultfaktor Im 17. Jahrhundert verfeinerte man den Reis mit Essig. Zurückzuführen ist diese Methode wohl auf den Arzt Matsumoto Yoshiichi. Er fand heraus, dass sich durch Zugabe von Essig die Gärzeit des Fisches deutlich verkürzen liess. Die Haltbarmachung von Fisch stand durch die besseren Lebensbedingungen nicht mehr im Vordergrund, da Fisch


CULINARIUM

nun viel frischer verzehrt wurde. Durch die Zugabe von Essig wurden Fisch und Reis gekonnt verbunden, und der säuerliche Geschmack blieb erhalten, ganz ohne die lange Reifezeit. Die nächste Sushi-Evolutionsphase war das Hako-Sushi etwa 100 Jahre später. Der Reis wurde in eine Holzform gepresst und mit Fisch belegt. Der Reiskuchen wurde in kleine Stücke geschnitten und serviert. Aber es bleibt selten etwas, wie es ist, so auch nicht der Reiskuchen. Das Nori-Maki-Sushi entstand zum Ende des 18. Jahrhunderts. Zum Formen wurden schon damals Bambus-Rollmatten verwendet. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts entstand das Nigiri-Sushi, handgeformte kleine Reis­ portionen mit frischem Fisch belegt. Diese soll laut Überlieferungen ein Fischhändler namens Yohei Hanaya aus Tokio, das früher als Edo bekannt war, kreiert haben. Daher wird dieses Sushi oft auch als Edo-Mae bezeichnet.

Sushi-Herstellung in Japan Männern vorbehalten Erst nach dem Zweiten Weltkrieg eroberte Sushi dann die Welt und zählt heute zum gesündesten und beliebtesten Fast Food. Und es entstehen immer wieder neue Kreationen. Beliebte Sorten sind unter anderen auch die California Rolls, die nach dem US-Bundesstaat benannt wurden, da japanische Auswanderer sie dort mit den landestypischen Zutaten fertiggestellt haben – mit Avo­ cado und Krebsfleisch. In Japan wird Sushi übrigens ausschliesslich von Männern hergestellt. Sie haben die angeblich kühleren Hände, die für das perfekte Gelingen der klebrigen Reishäppchen verantwortlich sind. Wirft man heute einen Blick auf die Sushi-Speisekarten, kann man sich zwischen unzähligen Sorten entscheiden. Aber eins haben sie alle gemeinsam: Eines ist leckerer als das andere.

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CULINARIUM

EIN ERLEBNIS MIT

ALLEN SINNEN

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Vom Glamour der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe vergangener Generationen inspiriert: das Design

Auf der Suche nach der Trendbar schlechthin haben wir das «Dandelyan» im Erdgeschoss des neuen Thameside Hotel «Mondrian» in London entdeckt. Nach all den Auszeichnungen, die diese Bar bereits seit ihrer Eröffnung erhalten hat, zwar kein wirklicher Geheimtipp mehr, aber garantiert ein Erlebnis. Nike Schröder I

Dandelyan


CULINARIUM

Auch die Drinks sind hier preisgekrönt.

B

arkeeper Ryan Chetiyawardana – alias «Mr. Lyan» – scheint genau zu wissen, was die Gäste sich wünschen. Anders ist es wohl nicht zu erklären, dass alles, was er anfasst, so unfassbar erfolgreich wird. Schon das letzte Projekt, die beliebte Cocktailbar «White Lyan» in Hoxton, war ein grandioser Erfolg für Chetiyawardana. Aber mit seiner neuen Location, dem «Dandelyan», hat er sich meisterlich übertroffen. Zumindest sind sich die Kritiker darüber einig und bejubeln sowohl die Menü-Auswahl als auch das ganze Team. Und auch die Liste der Awards wird immer länger: «Das beste Cocktail-­ Menü der Welt», «Bar des Jahres», «Barkeeper des

Jahres», «Getränkekarte des Jahres», «Bestes in­ ternationales Bar-Team» «Beste Cock­tailbar der Welt» – um nur einige wenige der letzten Zeit zu nennen. Doch nicht nur die Bar erhielt unzählige Auszeichnungen, auch Chetiyawardana selbst kann sich über seine ganz persönlichen Auszeichnungen als «Bester Barkeeper der Welt», «Persönlichkeit des Jahres 2017» «Einflussreichster Brite» freuen.

Einmaliger Spirit Versuchen wir einmal, den Spirit von «Dandelyan» einzufangen, um zu beschreiben, was das Besondere ist. Angefangen bei einem supercoolen Ambiente mit atemberaubender Aussicht auf

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CULINARIUM

die Themse. In den meisten Hotels befinden sich die Bars oder Restaurants eher in den oberen Stockwerken – vermutlich wegen der Aussicht. Hier ist schon einmal alles anders: Man hat sich bewusst für das Erdgeschoss entschieden. Eintreten, ankommen, wohlfühlen. Quasi die Visitenkarte des Hauses. Direkt am Ufer der Themse in dem berühmten «Sea Containers»-Gebäude haben der renommierte britische Designer Tom Dixon und sein Team versucht, die Essenz des ursprünglichen Gebäudes einzufangen, und nehmen Bezug auf den Glamour der luxuriösen Kreuzfahrtschiffe vergangener Generationen, gepaart mit den modernen Wendungen und raffinierten Designs, für die die Marke «Mondrian» bekannt ist. Und dabei heraus kam ein herausragendes Boutique-Hotel – inmitten dessen Mr. Lyan eine neue kleine Idylle geschaffen hat. Ein prächtiger Raum im Art-déco-Stil: Das «Dandelyan» überrascht mit einer Kombination aus lavendelfarbenen Lederbänken, Velour-­Lounge-­ Sesseln und gespiegelten, goldenen Tischen. Kombiniert mit den grünen Wänden fügt sich das Interieur geradezu harmonisch zusammen. Ein Highlight ist aber in jedem Fall die Bar aus dunkelgrünem massivem Marmor.

Legendär im «Dandelyan»: das «Afternoon Tea Special»

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Minze, Trauben, Hopfen Auch für die Karte haben sich Ryan und sein Team etwas Besonderes überlegt. Das Ergebnis war eine Teamentscheidung, entsprungen aus mehrfach dis­ kutierten Brainstormings. So entstand der Gedanke, die Karte unter dem Botanik-Aspekt zu kreieren. Das Ergebnis: «Modern Life of Plants», aufgeteilt in die Bereiche Minze, Trauben und Hopfen. Serviert werden sowohl «Dandelyan»-Originale als auch raffinierte Interpretationen der Klassiker, wobei alkoholfreie Cocktails die gleiche Aufmerksamkeit geniessen. «Monkey Puzzle», «Nemo Old Fashioned» oder «Nitrate Manhattan» – hinter klangvollen Namen verbergen sich wirklich aufregende Kreationen. Ganz selbsterklärend ist die Menükarte nicht. Man sollte sich beim ersten Besuch vertrauensvoll in die Hände des Teams um Ryan Chetiyawardana begeben. Und ich garantiere, bei dem einen Besuch wird es nicht bleiben. Und vielleicht noch ein Tipp am Rande: Auch der in England so beliebten Tea Time wird die Bar mit dem «Afternoon Tea Special» gerecht, einer wunderbaren Mischung aus Cocktails, Tees und Scones. Aber ob nachmittags oder abends, es empfiehlt sich hier, rechtzeitig zu reservieren und viel Zeit mitzubringen.


CULINARIUM

FÜR

1 Luxus pur für Gaumen und Küche: die neuesten Innovationen und köstlichsten Kreationen auf einen Blick. by

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1 I SPRÜNGLI

«Truffes Grand Cru»: einmalige Selektion zartfeiner GrandCru-Truffes aus den edelsten Kakaosorten weltbester Provenienzen, mit frischem Rahm verfeinert und einem Hauch von Kakaopuder bestäubt. 2 I NEVAS WATER

«Nevas Water Cuvée» ist das erste Premium-Tafelwasser deutschen Ursprungs, dessen perlige Beschaffenheit einem Champagner gleicht – mit knallendem Korken und aussergewöhnlichem Design. 3 I OUTDOORCHEF

Der neue «Gourmet Check Dual BT» ist ein multifunk­ tionales Grillthermometer mit «Fast Connect Bluetooth»Technologie. Kabellos, einfach zu bedienen, äusserst robust und mit einer Bluetooth-Reichweite von bis zu 30 Metern.

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4 I SIEGER BY FÜRSTENBERG

Pures Schwarz, pudrigmatt und sinnlich – den handgefertigten Champagnerkühler «Faces» gibt es ab sofort mit der neuen Oberfläche «Satin Black». Der Kühler zeigt drei feminine Gesichter, die als kunstvolle Reliefs ineinander übergehen.

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5 I VICTORINOX

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Die neue KüchenmesserKollektion «Swiss Modern» besteht aus verschiedenen Messer-Modellen und zeichnet sich durch ihr klassisches Design und den Holzgriff aus. 6 I PERRIER-JOUËT

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Der komplexe 2011er-Jahrgang des Perrier-Jouët «Belle Epoque» zeugt von der meisterlichen CuvéeKunst des französischen Champagnerhauses: «Lebendigkeit und Raffinesse in perfekter Harmonie».

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EDELLACHS

VON WELTRUF

Die grössten Dinge der Welt beginnen oft mit Leidenschaft und einer gehörigen Portion Mut. So auch im Fall der exklusiven Schweizer Lachsräucherei Balik. Eine Geschichte, die vor genau 40 Jahren begann, und ein Lachs, der heute unter Gourmets als der beste der Welt gehandelt wird. Anka Refghi I

Balik


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ie Szenerie könnte kaum idyllischer sein. Ein 300-jähriger Bauernhof im Weiler Ebersol, inmitten der traumhaften Natur des schweizerischen Toggenburgs gelegen und mit öffentlichen Verkehrsmitteln nicht zu erreichen. Kaum einer würde vermuten, dass von hier der feinste Räucherlachs der Welt stammt. Doch von Anfang an.

Eine glückliche Fügung Es war in den 1970er Jahren, als der Schauspieler und Regisseur Hans Gerd Kübel und sein Partner Martin Klöti den alten Hof in Ebersol erstanden. Ein kleines Aussteigerprojekt mit etwas Landwirtschaft. So die Idee. Doch schon kurz darauf nahm die Geschichte einen anderen Lauf. Die Begegnung mit Israel Kaplan, seines Zeichens der Enkel des letzten Räuchermeisters am Hofe von Zar Nikolaj II., wurde zur glücklichen Fügung. Kaplan weihte Kübel in das Geheimnis der zaristischen Räuchermethode ein und rekonstruierte den originalen Räucherofen, der 1978 erstmals angezündet wurde. Zunächst war der edle Lachs lediglich einem kleinen Kundenstamm bekannt, doch als Hans Gerd Kübel 1992 seine Räucherei an Peter G. Rebeiz, den Besitzer des Caviar House (heute Caviar House & Prunier) übergab, war das ein weiterer Glücksfall. Denn Peter G. Rebeiz, bis heute Inhaber und CEO von Balik, lebte nicht nur die Philosophie von «klein, aber fein» weiter, sondern trug auch den Ruf des feinen Lachses in die ganze Welt.

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Das Geheimnis des Geschmacks Auch wenn das Unternehmen seine Delikatessen heute über den ganzen Globus verschickt, der exquisite norwegische Zuchtlachs «Salmo Salar» von Balik wird ausschliesslich in der Schweizer Manufaktur und in reiner Handarbeit veredelt. Doch was macht den Balik-Lachs eigentlich zum «König der Fische»? Sicherlich, zum einen ist es die besondere Räucherkunst, die 1918 am Zarenhof der Romanow-Dynastie in Sankt Petersburg praktiziert wurde, und natürlich auch das Können des mittlerweile seit 35 Jahren für Balik tätigen Räuchermeisters selbst. Doch das ist nur ein Teil des Geheimnisses. Denn seinen unvergleichlichen Geschmack verdankt der Balik-Lachs auch dem Standort Ebersol und damit Bedingungen, die sich an keinem anderen Ort der Welt rekonstruieren liessen: das eigene Quellwasser, die Höhenlage und das regionale Holz. Das Sortiment von Balik ist breit – ob Lachs in allen Variationen oder feinster Prunier-Caviar aus der eigenen Zucht in Bordeaux. Der Star jedoch ist und bleibt das legendäre Rückenfilet «Balik Fillet Tsar Nikolaj N°1», hergestellt aus den erlesensten der ohnehin schon erlesenen Fische. Das «N°1» wird im Ursprungsofen mit einem Premium-Salz veredelt und mit Holzscheiten, die über 10 Jahre getrocknet und gelagert wurden, behutsam geräuchert. Überhaupt: Balik-Lachse sind kein Massenprodukt. Rund 90 Prozent werden nur auf Bestellung produziert, und mit einer Fertigungsdauer von rund vier Tagen «geht es eben so schnell, wie es dauert». Da lässt sich nichts forcieren, und das ist auch gut so.

Ein Ort mit Seele Doch die Farm von Peter G. Rebeiz ist noch viel mehr. Sie ist ein Ort, an dem Menschen aus aller Welt zusammenkommen und wo seit jeher Kunst, Kultur und Genuss eine leidenschaftliche Liaison miteinander eingehen. Ob mit dem international bekannten Tonstudio des Hauses, das Rebeiz’ Leiden­ schaft für die Musik widerspiegelt, der Manufaktur selbst oder dem berühmten Weihnachtsmarkt, der jedes Jahr Lachs- und Kaviarliebhabende ins Toggenburg führt. Balik ist keine Wirtschaftsgeschichte, Balik ist eine Herzensgeschichte und der Hof in Ebersol ein Ort mit Seele, getragen von familiärem Zusammenhalt der Angestellten und der Passion für die Köstlichkeiten, die hier mit Liebe produziert werden.

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CULINARIUM

Tee-Cocktails – heisse Versuchung

Wer bei Tee-Cocktails nur an kühle Sommerdrinks denkt, verpasst das Beste! Trendbars servieren inzwischen auch Hot-Tea-Cocktails, eine gelungene Mischung aus frisch aufgebrühtem Tee, Aromen, Rum, Gin & Co. So vielfältig, wie es Teesorten gibt, sind auch die Möglichkeiten, diese in köstliche Cocktails zu verwandeln. So, wie ein Earl-Grey-Tee mit Gin: Tee frisch zubereiten, mit Honig, Zitronensaft und 2 bis 3 cl Gin abrunden. Etwas mehr Zutaten bedarf es für den «Sweet Heat» mit Süssholz-Tee. Tee frisch zubereiten, 2 bis 3 cl Whisky, etwas Zitronensaft und Honig sowie eine Zimtstange und Nelke zugeben und kurz ziehen lassen.

© Nespresso

ZUM

WOHL!

Pink Latte – verliebt in Pink

Die Trendfarbe Millennial Pink hat 2018 auch die In-Cafés erobert – aber nicht als Deko, sondern als köstliches Getränk im «Pink Latte». Das Mode-Getränk ist eine Kreation von Schauspielerin Nilam Faroog für Nespresso, die mit dem Pink Latte ein Symbol setzen wollten. Das Motto der Kampagne 2018 «The Difference She Makes» stellt aussergewöhnliche Frauen in den Fokus des Wettbewerbs. Vorgestellt wurde die Kaffee-Kreation erstmalig auf der Berlinale 2018. Rezept für den Pink Latte: 10 ml Honig, 40 ml Espresso, 100 ml Milch, 25 ml Rote-Bete-Saft, Muskat. Zubereitung: den Honig in ein Glas oder eine Tasse geben und mit einem heissen Espresso verrühren. Milch und Rote-Bete-Saft mischen, aufschäumen und dazugeben. Mit etwas frisch geriebenem Muskat garnieren.

Tee Latte – winterlicher Teezauber

Eine heisse Tasse Tee verwöhnt in der kühler werdenden Jahreszeit die Seele perfekt. Der beliebte «Chai Latte» (Schwarztee mit Gewürzen und Milch) steht dabei dank des wunderbaren Dufts auf der Hitliste ganz oben. Und für alle, die gerne experimentieren, bieten Coffeeshops und Cafés noch viele weitere köstliche Teekreationen. Unbedingt probieren sollte man in jedem Fall einen «Matcha Latte». Der Grüntee versorgt den Körper mit Vitamin C sowie gesunden Aminosäuren und sekundären Pflanzenstoffen. Ein weiterer recht neuer Trend ist der «Rooibos Latte». Hier wird als Grundlage ein leicht gesüsster Rooibostee verwendet und dieser mit aufgeschäumter Milch verfeinert. Also auch beim Thema «Tee Latte» sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt.

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CULINARIUM

Das «Beck at Brown’s» im Herzen des eleganten Londoner Stadtteils Mayfair

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AM HERD

GENIE

CULINARIUM

Heinz Beck ist wohl einer der besten deutschen Köche im Ausland. Den Sternekoch mit 3 Michelin-Sternen hat es 1994 überraschend nach Italien verschlagen, und daraus wurde eine grossartige kulinarische Geschichte, die einen immer wieder staunen lässt. Nike Schröder

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CULINARIUM

Heinz Beck

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CULINARIUM

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agen wir einen kleinen Blick zurück, denn natürlich wollten wir gerne wissen, wie es zu dieser glücklichen Fügung kam. «Ich hatte schon eine Zusage von einem anderen Restaurant, das Engagement ist aber kurzfristig geplatzt. Ich habe dann erfahren, dass das ‹La Pergola› in Rom einen neuen Küchenchef sucht, und mich kurzerhand beworben. Tja, und was soll ich sagen, ich bin noch immer dort und inzwischen wohl schon mehr Italiener als Deutscher», schmunzelt der Spitzenkoch. Nach der anfänglichen Sprachbarriere (Heinz Beck konnte kein Wort Italienisch) haben die italienische Küche, die Leichtigkeit und die Mentalität den Koch aber ganz schnell in seinen Bann gezogen. Ob Basilikum-­ Tortellini mit gefriergetrocknetem Mozzarella und Tomaten, geröstete Aubergine an Zitronenaromen mit Feigen und Tomaten oder St. Petersfisch in Lakritzkruste auf Mandelcreme mit Zitronengarnelen, Beck kreiert aus den besten Zutaten des Mittelmeers wunderbar aromatische Köstlichkeiten.

Feuerwerk an Auszeichnungen Er hat zur Genüge unter Beweis gestellt, dass es kein Sorbet, Granite oder Eis bedarf, um bei seinen Köstlichkeiten dahinzuschmelzen. Das zeigen die unzähligen Auszeichnungen, die Heinz Beck in den

Köstlich und bildschön: die Gerichte von Heinz Beck

letzten Jahren erhalten hat, mehr als deutlich. Seit 2005 ist das Restaurant unter seiner Leitung mit 3 Michelin-Sternen ausgezeichnet. Zudem ist Beck seit 1998 Gewinner des «Five Star Diamond Award» und seit 2013 auch des «Six Star Diamond Award», beide verliehen von der «American Academy of Hospitality Sciences» – übrigens erhielt er als erster Koch in Italien die Anerkennung. Aber auch «Gambero Rosso» und «L’Espresso» sind sich einig, dass hier ein Genie am Herd steht. Dank seiner anhaltenden Aufmerksamkeit für Gesundheit und Innovation in der Gastronomie wurde Heinz Beck 2014 bei dem zehnten internationalen Kongress «Identità Golose» mit dem Preis «Koch des Jahres» ausgezeichnet. Die Auszeichnung «Lion of Venice Career Award» verlieh ihm AEPE während des sechsten Kongresses «Gusto» in Schenna. Das Jahr 2018 begann für Heinz Beck mit der Verleihung des «Excellent Prize» beim Oscar der Kultur der «Hospitality Industry». Im März 2018 erhielt er den Grad in «Natural Bio Energies», der ihm von der Universität von Arezzo verliehen wurde.

Im Herzen von Mayfair Und die genannten sind nur eine kleine Auswahl der Auszeichnungen, die ihm in den letzten Jahren verliehen wurden. Ganz klar, dass sich die Hotels und Restaurants um den Spitzenkoch reissen. Bereits im Dezember 2017 konnte das «Brown’s Hotel» im Herzen des eleganten Londoner Stadtteils Mayfair Heinz Beck für einen Gastauftritt an der Seite des Bar-Maestros Salvatore Calabrese gewinnen. Aus dieser Zusammenarbeit wurde eine wunderbare Liaison, denn seit April 2018 leitet der Küchenchef nun auch das Restaurant «Beck at Brown’s» im «Brown’s Hotel». Das legendäre Fünf-Sterne-­ Hotel gehört heute zur Rocco-Forte-Gruppe. Das Restaurant wurde aufwendig von Olga Polizzi, Designdirektorin der Rocco-Forte-Hotels, renoviert und verwöhnt nun seit April 2018 seine Gäste. Das Hotel besteht bereits seit 1837 und wurde damals als erstes Hotel in London in der Albemarle Street eröffnet. Entsprechend wichtig war es Polizzi, die historisch-architektonischen Details wie die ursprüngliche Eichenvertäfelung von 1900 beizubehalten. Grosse Kronleuchter, die in Florenz in Auftrag gegeben wurden, sollen den Engländern einen Hauch von italienischem Flair vermitteln. Olga Polizzi hat versucht, alle Details in der Neugestaltung zu berücksichtigen. Das Ergebnis sind helle, botanisch anmutende Räume, die dank der gewählten Farbpalette von Grün bis Türkis kombiniert mit Messingakzenten ein harmonisches Gesamtbild ergeben. Heinz Beck freut sich ausserordentlich über diese Möglichkeit, die Gäste im «Brown’s Hotel» zu verwöhnen: «Ich bin begeistert, nach der Zusammenarbeit letztes Jahr nach London zurückzukehren und einige von meinen Lieblingsgerichten mitzubringen und natürlich einige neue Kreationen mit den besten britischen Produkten anzubieten. Es ist für mich eine Ehre, meine eigene Küche in einem so wunderbaren Hotel eröffnen zu können.» Ebenso zufällig, wie der Spitzenkoch nach Rom kam und seine Karriere damit grandios voranbrachte, kam er zum Kochen überhaupt. Als die Berufsfindung 1977 anstand, wollte Beck auf die Kunstakademie. Damit konnte er sich seinem Vater gegenüber nicht durchsetzen. Als sein Bruder Koch werden wollte, fand Heinz Beck diese Idee gar nicht schlecht und wollte ebenfalls Koch werden. Sein Vater war von der Idee seiner Söhne wenig begeistert und sprach ein Machtwort als Familienoberhaupt: «Zwei Köche in der Familie sind zu viel.» Er warf eine Münze, um auszulosen, wer Koch werden durfte. Heinz Beck machte das Rennen, und die Fügung nahm seinen Lauf …

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SPIELEND

GELD VERDIENEN Ob Lotterie, Black Jack oder Roulette, die Geschichte des Gl체cksspiels begann bereits vor tausenden Jahren. An Attraktivit채t hat das Spiel ums Gl체ck und in vielen F채llen auch ums Geld aber bis heute nicht verloren. Wilma Fasola

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FINANCE

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b in kleiner Runde am heimischen Esstisch oder im ganz grossen Stil in Las Vegas – überall auf der Welt spielen Menschen um ihr Glück und damit oft einhergehend um Geld. Manchmal sind es kleine Rappenbeträge, die den Besitzer wechseln, und zu einem anderen Zeitpunkt, an einem anderen Ort verzocken einige Haus und Hof. Die Möglichkeiten, sich um das eigene Geld zu bringen oder auf der anderen Seite so richtig abzusahnen, sind zahlreich. Da gibt es Klassiker wie Karten- oder Würfelspiele, sportliche Varianten wie Pferde- oder Fussballwetten oder die moderne Version wie Online-Poker. Im Grunde kann jeder zu jeder Zeit heute auf sein Glück setzen, sowohl in der realen wie auch der digitalen Welt. Wie sinnvoll das ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Fakt ist, Spass macht es in den meisten Fällen auf jeden Fall, solange eben das Glück mitspielt.

Glücksspiel – schon viele tausend Jahre alt Beginnen wir jedoch am besten von vorn. Und vorn bedeutet beim Glücksspiel, wir reisen rund 5000 Jahre in die Vergangenheit. Die Anfänge des Glücksspiels lassen sich bis auf das Jahr 3000 vor Christus zurückdatieren. Zumindest zeugen davon Funde von ersten «Würfeln» in den Regionen China und dem alten Mesopotamien. Diese Würfel waren sogenannte Astragale, die aus den Fussknochen von Tieren gefertigt wurden. Damals dienten sie – so die Annahme – wohl eher dem lustigen Zeitvertreib und weniger dem Zweck, damit Gewinne oder irgendeine Art von Wert zu erhaschen. Seitdem hat sich das Spiel mit dem Glück jedoch immer weiterentwickelt, und heute lassen sich die Möglichkeiten kaum noch aufzählen, bei denen der Zufall oder eben das Glück über Gewinn oder Niederlage entscheidet.

Glücksspiel – besonders bei den Chinesen geschätzt Rückblickend ist China nicht nur Fundort der ersten Belege in Sachen Glücksspiel, die Asiaten sind nachweisbar seit hunderten von Jahren dem Glücksspiel förmlich erlegen. Eines der ältesten Spiele ist dabei Mah-Jongg. Bereits im frühen Mittelalter war das Spiel, das ein bisschen mit dem Memory unserer Breitengrade vergleichbar ist, der Renner. Die Chinesen haben bis heute daran einen Narren gefressen, obwohl sie es offiziell gar nicht mehr dürfen. Glücksspiel ist in China bis auf wenige Regionen mit Ausnahmegenehmigungen nicht mehr erlaubt. Doch wie schon im 4. Jahrhundert vor Christus, als man zum ersten Mal versuchte, die Menschen aus der Volksrepublik vom Spielen abzuhalten, lassen sich immer Schlupflöcher finden. Und das gilt auch für alle anderen Länder. So war unter anderem auch im Alten Rom das Glücksspiel auf der roten Liste. Offiziell zumindest. Nicht mehr auf den Lieblings-­ Gladiator in der Arena setzen oder auf das Soldaten-Spiel in der Taverne verzichten, das wollten auch die Römer nicht.

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FINANCE

Glücksspiel – schon vor Christus echte Unterhaltung Und auch überall sonst setzte sich das Glücksspiel im heutigen Europa durch. In Griechenland wurde beispielsweise die Basis für Pferdewetten gelegt. 676 vor Christus gab es zur 23. Olympiade zum ersten Mal die Gelegenheit, auf einen Vierbeiner eine Wette abzugeben. Das Feedback war umwerfend, und Gegner des Glücksspiels fanden neues Futter. Am Ende wurde im Mittelalter das Glücksspiel zum Teufelswerk deklariert. Zur besseren Kontrolle wurden Konzessionen ausgegeben, um das Spiel auf bestimmte Orte einzudämmen, um ihm Einhalt zu gebieten oder zumindest den Überblick zu behalten. Das Fazit: Es entstanden erste Spielhallen, die vorwiegend von Reichen für Reiche eröffnet wurden. Der Normalsterbliche spielte im Wirtshaus. Und auch im Privaten erfreute

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man sich am glücklichen Spiel. Über die nächsten Jahrhunderte entwickelte sich eine lebendige und abwechslungsreiche Spielkultur. Im 17. Jahrhundert wurden schlussendlich die ersten Casinos eröffnet. Waren es zunächst Sachwerte, die als Einsatz auf den Tisch gelegt wurden, wuchs nach und nach der monetäre Faktor in der Glücksspielwelt. Mit der Neuzeit kam das Lottospiel auf, das bis heute immer noch das beliebteste wie auch anerkannteste Glücksspiel ist. Denken wir nur an EuroMillions, das grenzüberschreitend jede Woche gleich zweimal Wettwillige auf den Plan ruft.

Glücksspiel – weltweit nicht wegzudenken Heute ist das Glücksspiel fester Bestandteil in fast allen Ländern der Welt – erlaubt oder nicht. Doch Kontrolle, so sehr sie sich das Ämter und Behörden wünschen, wird es wohl niemals bis ins letzte


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Detail geben. Glück sucht sich seinen Weg. Fakt ist: Spielbanken und andere Arten des Glücksspiels sind Teil unseres Alltags, und jeder muss selbst entscheiden, inwiefern er mitmachen möchte oder es eben lässt. Denn ohne den mahnenden Finger heben zu wollen, muss auch gesagt werden, dass Glücksspiel seine Risiken hat. In der Schweiz ist rund ein Prozent der Bevölkerung spielsüchtig. In 8 von 10 Fällen handelt es sich dabei um Männer. Das Fatale an der Sucht sind vor allem die Folgen. Wer krankhaft spielt, der verliert oft nicht nur das eigene Vermögen, sondern in vielen Fällen auch seine sozialen Kontakte. Dabei spielt auch mit hinein, dass das Glücksspiel nicht mehr nur in der realen Welt stattfindet. Die Digitalisierung hat zu einer Explosion an Anbietern geführt, die das Online-­S piel ermöglichen. Ob Online-Casino, digitale Sport­wette oder ein einfa-

ches Kartenspiel mit der Option auf einen Gewinn, an allem kann jeder im eigenen stillen Kämmerlein teilnehmen.

Glücksspiel – online vor allem in Europa der Hit Europa ist bis heute übrigens der grösste Markt für das digitale Glücksspiel. Wie viel genau jedoch an Umsatz generiert wird, lässt sich nicht im Detail sagen. Da in den meisten europäischen Ländern offiziell gar kein Angebot an Online-Casinos bestehen dürfte, liegt der Firmensitz derer, die es dennoch tun, auf Malta oder Gibraltar. Hier dürfen noch Glücksspiellizenzen vergeben werden. Viele Unternehmen haben ihren Firmensitz ausgelagert und agieren aus dem Mittelmeer heraus. Genaue Angaben über Umsätze und Einnahmen werden aber nicht herausgegeben. Man erfreut sich lieber einfach daran. Genauere Daten gibt es hingegen von den realen Spiel-Paradiesen. Las Vegas ist und bleibt dabei weltweit die bekannteste Metropole des Glücksspiels. Mittlerweile aber wird der grösste Umsatz an einem ganz anderen Ort der Welt gemacht, und zwar in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macau. Rund 28 Milliarden US-Dollar wurden 2016 hier erwirtschaftet. Im Vergleich gingen im amerikanischen Pendant 6,3 Milliarden US-Dollar über die Spieltische.

Glücksspiel – Macau ist heute der Marktführer

Die chinesische Metropole Macau macht heute rund viermal so viel Umsatz im Jahr wie Las Vegas.

Der Erfolg Macaus ist sicher auch darauf zurückzuführen, dass die Chinesen sonst wenig Raum haben, ihrer ausgeprägten Spielfreude zu frönen. Daher reisen sie in Scharen an, um in der einst zu Portugal gehörenden Kolonie ihr Glück zu suchen. Aber auch internationale Touristen zieht es nach Macau. Mehr als 30 Millionen im Jahr werden gezählt. Doch das war nicht immer so. Erst nach der Rückgabe der Kolonie an China 1999 entschied man sich, die wiedergewonnene Region zur Vergnügungscity zu machen. Und das mit Erfolg. Neben zahlreichen Casinos warten gigantische Hotelkomplexe, superteure Luxusboutiquen und Attraktionen wie ein Sprung vom Hochhaus auf die Spieler. Zudem stehen den sogenannten «High Rollern», also denen, die richtig viel Geld auf den Spieltisch legen, eigene und abgeschirmte Spielstätten zur Verfügung. Sie werden mit dem Helikopter eingeflogen und eben glücklich oder um einige Bündel Scheine entlastet wieder ausgeflogen. Denn auch ihnen ist der Gewinn nicht garantiert. Ganz nach dem Motto: Mit Geld kann man eben nicht alles kaufen, vor allem nicht Glück.

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30 JAHRE CHARME UND KOMPETENZ 2018 ist ein besonderes Jahr für die VP Bank in der Schweiz. Seit 1988 bietet die Bank mit Liechtensteiner Wurzeln überzeugende Lösungen mit einer persönlichen Note. Ein Jubiläum, das auf konsequenter Aufbauarbeit und Strategie beruht. Zum Jubiläum richtet Antony Lassanianos, CEO der VP Bank (Schweiz) AG, den Blick nach vorne.

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RESTIGE: Herr Lassanianos, seit 30 Jahren bietet die VP Bank (Schweiz) AG Finanzdienstleistungen an. Auf was sind Sie besonders stolz? ANTONY LASSANIANOS: Die VP Bank (Schweiz) AG konnte sich in den letzten Jahren am wichtigen Finanzplatz Zürich stark positionieren. Wir werden am Platz Zürich, aber auch in unseren internationalen Zielmärkten, als attraktive Bank

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Anouk Delange

wahrgenommen. Das ist der Verdienst aller Mitarbeitenden und unserer Kunden, die uns ihr Vertrauen entgegenbringen. Ausserdem konnten wir uns als Boutique-Bank etablieren. Was unterscheidet die VP Bank von Grossbanken? Einer der auffälligsten Punkte ist sicherlich die Kultur und das gelebte familiäre Umfeld innerhalb unserer Bank, aber


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auch gegenüber unseren Kunden und Partnern. In der täglichen Arbeit legen wir Wert auf schnelle Entscheidungswege und einen unkomplizierten Umgang untereinander. Für unseren Service bedeutet dies, dass wir flexibel sind und unsere Arbeit sowohl qualitativ hochstehend als auch zügig erledigen können. So können wir unseren Kunden erstklassige Lösungen bieten und gleichzeitig mit Charme überzeugen. Welche Herausforderungen erwarten Sie in den kommenden Jahren? Als Dienstleistungsbetrieb steht für uns im Zentrum, dass wir auf neue digitale Möglichkeiten reagieren und unseren Service entsprechend anpassen, sofern es Sinn macht. Der Kunde hat heute andere Bedürfnisse als noch vor einigen Jahren, er hat mehr Vergleichsmöglichkeiten, und mit digitalen Tools ist die Selbstständigkeit gestiegen. Dies unterstützen wir mit innovativen und hilfreichen digitalen Tools. Gleichzeitig sind wir überzeugt, dass wir unsere Kunden auf der persönlichen Ebene immer noch am besten erreichen. Entscheidend wird sein, in dieser Konstellation die richtige Balance zu finden. Oder um es mit den Worten des griechischen Philosophen Aristoteles zu sagen: «Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.»

begann unsere 30-jährige Geschichte in Zürich mit damals zwei Mitarbeitenden. Somit schliesst sich ein Kreis in unserer Geschichte. Was wünschen Sie sich für die kommenden Jahre der VP Bank (Schweiz) AG? Es ist weniger ein Wunsch, sondern mehr ein Ziel, das ich verfolge. Wir wollen weiterhin unsere Kunden mit aussergewöhnlichen Erlebnissen und exzellentem Kundenservice überraschen und unseren Service weiter ausbauen. Grundlage dafür sind Mitarbeitende, die sich an modernen Arbeitsplätzen verwirklichen können. Denn nur zufriedene Mitarbeitende vermögen Kunden zu begeistern.

Welche Bedeutung hat aus Ihrer Sicht die persönliche Beratung in Zeiten, in denen immer mehr digital und online abgewickelt wird? Aus meiner Sicht wäre es falsch, die digitalen Möglichkeiten und die persönliche Beratung gegeneinander auszuspielen. Die VP Bank Gruppe nutzt die Vorteile beider Kommunikationswege in Form einer hybriden Beratung. Unsere Kundenberater beispielsweise nutzen Tablets, womit die Kunden interaktiv in die Anlageberatung mit eingebunden werden. Seitens der Kunden wird dieses Angebot sehr geschätzt. Kundenberater werden also nicht durch Robo-Advisors ersetzt? Richtig. Im Vermögensverwaltungsgeschäft spielt das Vertrauen eine wesentliche Rolle. Es bildet das Fundament für eine erfolgreiche und langfristige Zusammenarbeit. Zudem ist eine Anlageberatung auch von emotionalen Faktoren abhängig, und genau hier wünschen sich unsere Kunden einen Berater aus Fleisch und Blut, welcher sie auch auf der emotionalen Seite abholen und verstehen kann. Sie haben die Bedeutung der Kundenberater betont. Wie können Sie neue Berater für sich gewinnen? Es reicht heute nicht mehr aus, nur mit attraktiven Arbeitsbedingungen wie Lohn, Vergünstigungen, Spesen etc. zu werben. Neben diesen (Standard-)Anforderungen wollen sich Mitarbeiter weiterentwickeln und verwirklichen können. Genau darauf zielen wir ab. Unsere Mitarbeitenden profitieren von unternehmerischer Gestaltungsfreiheit mit flachen Hierarchien und schnellen Entscheidungswegen. Im Bereich der Kundenberater haben wir uns bis Ende 2019 zum Ziel gesetzt, insgesamt 75 neue Mitarbeitende in der VP Bank Gruppe einzustellen. Zwischen Januar 2017 und Mitte 2018 konnten wir bereits über 20 neue Kundenberater alleine am Standort Zürich engagieren. Zum Jahresende 2018 wird die VP Bank (Schweiz) AG 100 Mitarbeiter beschäftigen. Zum Vergleich: In den letzten zehn Jahren haben wir in Zürich sowohl die Anzahl Mitarbeitenden als auch die verwalteten Vermögenswerte verdoppelt. Dieses Wachstum hatte auch zur Folge, dass wir mehr Platz benötigten. Sie sprechen den Umzug von der Bahnhofstrasse in das neue Gebäude an der Tal­ strasse 59 an. Was zeichnet den neuen Standort aus? Das neue, sechsstöckige Gebäude ist zum einen sehr zentral gelegen und überzeugt andererseits durch eine hochwertig gestaltete Kundenzone. Die Arbeitsplätze ermöglichen individuelles Arbeiten in einem dynamischen Arbeitsumfeld. Verschiedene Nischen bieten zudem Raum für kreative und persönliche Gespräche in einer ruhigen Atmosphäre. Wir haben uns sehr schnell am neuen Standort eingelebt und sind glücklich über den Umzug. Übrigens: Die Talstrasse war bereits einmal das Zuhause der VP Bank. Im Haus Nr. 83

Über die Person

Antony Lassanianos ist seit 2014 Mitglied der Geschäftsleitung der VP Bank (Schweiz) AG. Im Juni 2016 übernahm er seine Funktion als CEO der Schweizer Tochtergesellschaft, die zur international tätigen VP Bank Gruppe gehört. Zuvor hatte er verschiedene Funktionen und Führungspositionen bei der Credit Suisse in Zürich inne, zuletzt war er im PrivateBanking-Bereich Sektorleiter Deutschland. Antony Lassanianos hält den Titel Executive MBA der Universität Zürich und absolvierte die Ausbildung zum Certified International Wealth Manager. Des Weiteren ist er eidg. diplomierter Finanz- und Anlageexperte und hat an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Verwaltung die Ausbildung zum Betriebsökonom HWV abgeschlossen. antony.lassanianos@vpbank.com

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STEHEN DIE ZEICHEN WIRKLICH AUF GRÜN? Der Trend der Nachhaltigkeit hat auch im Bereich Anleihen vor rund zehn Jahren dafür gesorgt, dass man bei einigen Produkten die Weichen auf Grün gestellt hat. Jedoch bislang noch nicht komplett überzeugend. Wilma Fasola

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Grüner wird es nicht.» Schon manch einer hat dies leicht verärgert in die Weite des Auto-Innenraumes gesagt. Ausschlaggebend dabei die Schnecke im Wagen vor einem, die beim Umschalten der Ampel auf Grün nicht in die Gänge kam. Aktuell mag man dies aber auch denken, wenn man sich in der Welt umschaut. Denn während eigentlich immer mehr Grünflächen verschwinden, die Umwelt als solche immer mehr Schaden nimmt, scheint es bei Produkten jeder Art immer nachhaltiger und grüner zu werden. Nun ist dieser Trend sogar bei den Finanzprodukten angekommen. Hören tun sie auf den feinen Namen «Green Bonds» und gelten derzeit als ein unbedingtes «Must-have» für jeden, der auch bei seinem Vermögen politisch korrekt daherkommen will.

Green Bonds – eine kurze Erklärung Doch was macht eine Anleihe eigentlich grün? Und wie kann der Kunde sicher sein, kein Produkt unter der Angabe falscher Tatsachen zu erwerben? Beginnen wir mit einer kleinen Einführung. Letztendlich sind «Green Bonds» wie der Name schon besagt normale Obligationen. Sprich: Auf der einen Seite gibt es einen Schuldner, der zinstragende Wertpapiere ausgibt. Mit dem Gewinn investiert er in Projekte, Unternehmen oder andere Sachwerte. Der Gläubiger hingegen erwirbt mit dem Kauf des Papiers das Recht, dass er auf der einen Seite Zinsen erhält und zudem das Wertpapier gegen den entsprechenden Betrag zurück- oder sogar weiterverkaufen kann. Im Falle der «Green Bonds» verpflichtet sich der Schuldner nun, mit den eingenommenen Summen ausschliesslich in nachhaltige und ökologisch korrekte Projekte zu investieren. Darfür muss er transparent Rechenschaft ablegen.

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genommenen Geldern investiert er in Solar- wie auch Windparks. Auf der anderen Seite treibt man aktiv den Ausbau der europäischen Atomenergie voran. Kritiker fordern daher klare Regeln und noch mehr Transparenz für jeden, der «Green Bonds» vertreiben will. Bislang hat dieses Unterfangen zumindest schon einmal zu freiwilligen Leitlinien geführt. Die sogenannten «Green Bond Principles» geben Rahmenbedingungen vor, wie transparent und wie ausführlich die Berichterstattung sowie die Offenlegung sein müssen.

Green Bonds – in der Schweiz im Kommen Ob die Grünen sich am Ende wirklich auf dem Finanzmarkt durchsetzen werden, ist somit offen. Fakt ist, dass die Nachfrage wächst. Ebenso muss noch an zahlreichen Punkten nachjustiert werden. So waren die Anleihen in ihren Anfangsjahren fast nur von institutionellen Anlegern erwerbbar, und Privatanleger hatten das Nachsehen. In der Schweiz ist zudem das Angebot an «Green Bonds» in der hiesigen Währung noch eher der Gruppe Randerscheinung mit Tendenz auf mehr zuzuweisen. Dennoch glauben vor allem die grossen Schweizer Finanz- und Versicherungsinstitute an die noch junge Anleihen-Variante. Zürcher Kantonalbank, Allianz, Axa, Credit Suisse und die UBS – keiner möchte aussen vorbleiben und hat aus diesem Grund auch ein paar Grüne im Programm.

Green Bonds – noch wenig Regeln Der erste «Green Bond» erblickte im Jahr 2007 das Licht der Welt. Ausgegeben durch die Europäische Investment Bank (EIB). Seit rund fünf Jahren haben nun neben den Finanzinstituten auch Unternehmen begonnen, grüne Anleihen unter dem Volk zu verteilen. Dass dabei jedoch noch nicht alles rund läuft, beweist unter anderem das Beispiel des französischen Konzerns Électricité de France (EDF). Der Energieversorger gehört zu den grössten Emittenten von grünen Anleihen weltweit. Mit den ein-

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FINANCE

Trotzdem bleibt der Anteil an «Green Bonds» aktuell noch im einstelligen Prozentbereich, schaut man zum Beispiel auf den Euro-Anleihenmarkt.

Green Bonds – sie brauchen noch ein bisschen Zeit Gescheitert ist das Ganze aber noch lange nicht, es braucht eben ein wenig Zeit bis zur Reife. Auch Menschen müssen ja erst einmal 18 oder in anderen Ländern sogar 21 Jahre alt werden, bis man ihnen – überspitzt gesagt – die Vollwertigkeit in der Gesellschaft zuspricht. Die grünen Anleihen sollen daher ebenfalls ein bisschen Zeit bekommen, um sich zu entwickeln. Die grundsätzliche Idee dahinter ist ja nicht verkehrt. Für keinen Betei­ligten. Der Schuldner tut etwas für das Morgen und der Gläubiger etwas für sein gutes Gewissen. Und Kritiker sind per se ja niemals schlecht. Und in die-

sem Fall haben sie bereits zu ersten wirkungsvollen Schritten verholfen. Zu den angesprochenen «Green Bond Principles» ist auch die Nachhaltigkeits-Rating-Agentur Oekom Research auf Nachfrage immer zu einer Einschätzung bereit, welche Anleihe nun tatsächlich grün zeigt und damit auf Durchstarten ausgelegt ist.

Green Bonds – Europa auf gutem Kurs Frankreich bleibt bei aller Aktivität rund um die grünen Anleihen übrigens weiterhin im Rennen. So hat man verlauten lassen, dass der Finanzplatz Paris Zentrum für «Green Finance» werden solle. Die Aussichten sind dabei relativ gut. Zahlreiche Initiativen treiben den Markt voran. Weltweit hat es Frankreich so unter die Top 3 in Sachen «Green Bonds» geschafft, und den europäischen Markt dominiert man mit Bravour. Die Unterstützung der Regierung ist dabei ein Meilenstein, das Ökosystem ein Vorteil. Aber auch Deutschland ist in Sachen «Green Bonds» nicht ohne. Die Zahl der Emittenten beläuft sich zwar nur auf knapp zehn, doch die legen sich richtig ins Zeug. Mitte 2017 wurde dem Schweizer Nachbarland so ein ausgegebenes Anleihen-Volumen im Wert von 17,7 Milliarden US-­Dollar zugeschrieben. Im Vergleich zu Frankreich (31,3 Mrd. US-Dollar) sicher noch ausbaubar, mit Blick auf die Schweiz (0,5 Mrd. US-Dollar) und Österreich (0,6 Mrd. US-Dollar) auf einem guten Kurs.

Green Bonds – ein Wachstum wäre gut Die Gesamtsumme aller grünen Anleihen betrug im Jahr 2017 insgesamt 155 Milliarden US-Dollar. Und Experten gehen davon aus, dass diese Zahl Ende des Jahres um eine nicht unwesentliche Summe überschritten wird. Mit wie viel man rechnen kann, da bleibt die konkrete Angabe unausgesprochen. Auch wenn die Aussichten nicht schlecht sind, ist das «Green Bonds»-Segment im gesamten An­leihen-Markt nämlich mit etwas mehr als einem Prozent noch wenig präsent. Projekte wie der im März 2018 lancierte «Amundi Planet Emerging Green One» (EGO), der mit 1,41 Milliarden der bislang grösste der Welt ist, helfen natürlich dabei, Aufmerksamkeit zu schaffen. Es bleibt daher spannend, wie grün der internationale Finanzplatz wirklich werden wird. Fakt ist, dass es jedem von uns zugutekommen würde, würde der «Green Bonds»-Markt wachsen. Denn um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, braucht es nicht nur ein rigoroses Umdenken, sondern vor allem aktives Handeln. Man darf auf ein Durchstarten hoffen und sagen: «Grüner kann es gerne noch werden.»

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Deal!

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Elegant und dabei unfassbar lässig: So geht der Business-Style der Stunde.

1 I OMEGA

Jubiläum: Die «Seamaster Professional Diver 300M» erfreut sich seit 1993 grösster Beliebtheit. Das allseits beliebte Design und die Unterwasser-Technologie des legendären Chrono­ meters läuteten einst die Rückkehr von Omega in die Welt der Taucheruhren ein.

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2 I GIORGIO ARMANI

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Gewohnt elegant und lässig präsentiert sich die aktuelle Kollektion des italienischen Designers. Luxuriöse Texturen, weiche Stoffe und gedämpfte Töne sind vorherrschend für diese Saison. 3 I PRADA

«Desert Serenade» ist Teil der «Prada Olfactories»-Kollektion und zeichnet sich durch ein dunkel-elegantes Lederaroma aus. Flakon in Seidenbeutel einer Box mit klassischer «Prada-Safiano»-Lederstruktur.

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4 I MONTBLANC

Montblanc präsentiert Schreibgeräte in limitierter Auflage, die den Mythos und die Legenden der östlichen Welt ehren. So, wie den Füllfederhalter «The Legend of Zodiacs The Pig Fountain Pen 512». 5 I HARRY WINSTON

«Histoire de Tourbillon 9» – das neueste Modell einer langen Linie an Zeitmessern – wirft ein neues Licht auf die Innovation in der hohen Uhrmacherkunst. Ihr triaxiales Tourbillon wurde um eine retrograde springende Stundenanzeige und retro­ grade Minuten ergänzt.

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6 I PARMIGIANI FLEURIER

Für den «GPHG 2018» nominiert: das Unikat «Kalpa Tourbillon Galaxy». Ausgestattet mit Aventuringlas und einer Haute-HorlogerieKomplikation. Im Herzen dieses Zifferblattes aus Aventuringlas schlägt ein 30-Sekunden-Tourbillon.

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HEUTE AN

MORGEN DENKEN Laut Greenpeace ist die Mode-Industrie der grösste Umweltsünder weltweit. Doch wächst auch hier ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit. Gute Beispiele, schwarze Schafe und wann Kleidung nachhaltig ist. Nach diesem Artikel wissen Sie mehr. Wilma Fasola I

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Jack Wolfskin

ie Modeblogger haben Schuld. Punkt. Doch wenn es so simpel wäre, müsste man deren Berufsstand einfach verbieten. Fakt ist, die sogenannten Influencer haben das Problem nicht kleiner gemacht. Bis heute spielt das Thema Nachhaltigkeit in Sachen Mode leider noch eine sehr untergeordnete Rolle. Jedenfalls auf Kundenseite. So gaben jüngst in einer Studie die Befragten an, dass nachhaltige Aspekte wie eine sozial- und umweltverträgliche Produktion nur fünf von zehn überhaupt interessieren. Wichtiger sind immer noch Aussehen, Preis, Qualität und Haltbarkeit. Und eben Modeblogger. Besonders Frauen lassen sich davon beeinflussen, was sich so optisch vor allem auf Instagram


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oder privaten Blogs zeigt. Und das ist – mit derzeit im Vergleich noch sehr wenigen Ausnahmen – in den wenigsten Fällen nachhaltige Mode. Zum Glück gibt es dennoch Unternehmen, die über den Tellerrand und in die Zukunft schauen. Denn solange Kleidung Wegwerfware bleibt, solange nagt sie an der Lebensqualität jedes Einzelnen.

Draussen überlebt Kleidung länger «Remade, reduced, recycled»-Philosophie, so nennen die Unternehmen es, wenn sie bei der Produktion ihrer Kleidung das Thema Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt machen. Als Vorreiter gilt dabei vor allem die Outdoor-Industrie. Egal ob North Face, Jack Wolfskin, Mammut oder Icebreaker, alle kennen ihre Kunden und wissen, wer Outdoor-Aktivitäten liebt, der bringt auch ein entsprechendes Umweltbewusstsein mit sich. Daher wird viel geforscht, Zahlreiches ausprobiert und Nachhaltigkeit nicht als Versprechen in den Raum gestellt, welches man nicht einhalten kann. So bietet beispielsweise Jack Wolfskin mit der sogenannten «Texapore Ecosphere»-Technologie eine echte Innovation in Sachen Nachhaltigkeit. Die neu im Sortiment aufgenommenen Jacken bestehen aus 100 Prozent recycelter Membran, einem zu 100 Prozent recycelten Oberstoff und einem zu 100 Prozent recycelten Innenfutter. Und vor allem verzichtet man komplett auf PFC.

Materialien im Wandel PFC oder, um es beim vollen Namen zu nennen, per- und polyfluorierte Chemikalien klingt nicht nur ätzend, sie sind wirklich alles andere als menschen- und umweltfreundlich. So wirken sie auf der einen Seite immun- und fruchtbarkeitsschädigend wie auch krebserregend auf den menschlichen Körper. Auf der anderen Seite lassen sie sich in Kläranlagen nicht abbauen und gelangen so quasi ungefiltert in unser Grundwasser. Und das bereits mit einer einfachen Wäsche. Dennoch gibt es bis heute leider kaum Alternativen mit den gleichen Eigenschaften. Denn was PFC kann, das braucht besonders ein Kleidungsstück, das für den Outdoor-Bereich taugen soll. PFC ist nämlich fett-, schmutzund wasserabweisend – genau das, was es braucht, wenn man bei Wind und Wetter unterwegs ist. Bei Jack Wolfskin hat man nun einen optimalen Ersatz gefunden, bei anderen Firmen forscht man noch. Spricht darüber jedoch offen. So wird beispielsweise von Icebreaker kein Nachhaltigkeits-, sondern ein Transparenz-Bericht publiziert. Das neuseeländische Unternehmen informiert offen und ehrlich, was wo drin ist, wo produziert wird und wohin die Reise gehen soll. Dennoch ist man eben noch nicht zu hundert Prozent nachhaltig in Sachen Produktion, weil man beispielsweise noch nicht komplett auf PFC verzichten kann.

lediglich Kundenwünsche. Und solange der Kunde nicht bereit ist, für Nachhaltigkeit mehr auf den Tresen zu legen, wird sich wohl nichts gross ändern und wird es bei den genannten Marken eben mal die eine oder andere nachhaltige Kollektion ins Regal schaffen.

Die Outdoor-Industrie als Vorreiter Fakt ist, die Sport- und Outdoor-Mode bemüht sich zusehends, immer besser in Sachen Nachhaltigkeit zu werden. Im Gegensatz zur kommerziellen Textilindustrie aber ist man auf einem guten Weg oder zumindest so weit, dass man ein Schulterklopfen verdient hat. Denn in Sachen Alltagskleidung produzieren vor allem die grossen Modeketten immer noch dort, wo sowohl Umweltauflagen wie auch Arbeitsrecht zwei Fremdwörter sind. Waren dies einst vor allem Indien, Bangladesch und Sri Lanka, sind es heute zunehmend Äthiopien, Haiti, Kambodscha und Myanmar, aus denen das 10-Franken­T-Shirt oder die 20-Franken-Hose stammen. Wissend, dass der Preis immer noch das ultimative Entscheidungskriterium ist, wird eben so kostengünstig produziert, wie es geht. Pauschal H & M, Zara, Mango, Adidas und Co. daraus einen Strick zu drehen, ist aber zu kurzsichtig gedacht. Sie erfüllen am Ende

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Alte Kleidung landet im Container Paradoxerweise sind Menschen aber in Sachen Kleiderverwertung bereit, ihre Wegwerfmentalität zumindest auf Altkleidercontainer zu beschränken. So entsorgen heute schon mehr als acht von zehn Menschen ausgediente Kleidungsstücke in den bereitgestellten Sammelbehältern. Obwohl man ehrlicherweise gar nicht weiss, wohin die einstige Lieblingsjeans reisen wird. Bereits seit der Frühen Neuzeit besteht dieses Verfahren der Kleidersammlung und hat bis heute Konjunktur. Der Weg der alten Jeans verläuft jedoch je nach Organisation


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anders. Vieles geht ins Ausland und wird entweder weiterverkauft oder anderweitig ent- oder besser versorgt. «Upcycling» ist nämlich ein wichtiges Wort in Sachen Nachhaltigkeit. So lässt sich aus alten Kleidern tolles Neues zaubern: jedoch nur, wenn die Qualität stimmt. Denn dann muss oftmals gar nichts mehr passieren, als nur einen neuen Besitzer finden. Rund 60 Prozent des Sammelgutes in der Schweiz werden unverändert weitergegeben. 35 Prozent werden dem Wiederverwertungsprozess zugeführt.

Jeder kann nachhaltig sein Nachhaltigkeit ist einfach ein schwer zu definierendes Feld. In Sachen Mode ein unmögliches. Die Details sind zu vielfältig, zu spezifisch. Und auch wenn man in der Outdoor-Branche den Trend erkannt hat, weil die Zielgruppe sensibilisiert ist, ist das nur ein erster Schritt. Lebensqualität ist kein Geschenk, es ist harte Arbeit. Und das bedeutet auch Kompromisse. In Sachen Kleidung daher einfach ein Wunsch, kein Muss. Stellen Sie sich die Fragen: Brauche ich das wirklich? Warum ist es so günstig? Und: Habe ich die Musse und auch das Verlangen, mir über die Herkunft Gedanken zu machen? Es geht um die Entscheidung jedes Einzelnen – und die ist kein Muss, sie ist ein Kann. Aber besser, das KANN man alles machen.

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VORSCHAU SPRING 2019 Von Farbe und Fantasie Die Werke der argentinisch-italienischen Künstlerin Peperina Magenta sind inspiriert von Liebe, Fantasie und Begehren. Begriffe, die sie als Motor ihres Lebens begreift. Ob die farbenfrohen Farben und Texturen Mexikos oder das lakonische Warhol-Zitat «Romance is finding your fantasy in people who don’t have it» – sie alle dienen ihr als Inspirationsquell für ihre farbenfrohen, überbordend detailreichen Collagen, in denen auch immer wieder berühmte Schauspielerinnen der 1950er- bis 1960er-Jahre zu zentralen Protagonistinnen werden. Peperina Magenta wurde in Argentinien geboren und lebt heute in Kopenhagen.

El Ideal

Der Wind im Haar, das Gefühl der Freiheit und ein unvergleichliches Fahrerlebnis. Seit jeher waren Cabrios der Inbegriff des Genusses und des Luxus. Auch wenn Cabrios heute fast nur noch im Hochpreissegment hergestellt werden und sie von ihrem einstigen Glanz und ihrer Coolness eingebüsst haben, so begeistern sie doch immer noch mit ihrer Geschichte und den glanzvollsten Modellen der Vergangenheit. So, wie der Kaiser Darrin Roadster, ein eleganter Boulevard-Cruiser, bei dem sich die Türen nicht nach aussen öffneten, sondern nach vorne in die Motorhaube und die vordere Kotflügelkarosserie rutschten, was eine praktische Funktion bei engen Parkplätzen darstellte.

Die Kreative

Die australische Innenarchitektin Danielle Brustman mit Studio in Melbourne ist Preisträgerin des «Rigg Design Prize 2018» und damit der höchsten Auszeichnung für Objekt- und Möbeldesign in Australien. Mit ihrem ausgeprägten Gespür für Farbe, Materialzusammensetzung und Form begeistert sie mit ihren ästhetischen Kompositionen und innovativen Ansätzen für die Raumgestaltung. Ihre Arbeit umfasst ein breites Spektrum – von der Innenarchitektur für den Wohnbereich über kommerzielles Design für den Gastgewerbe- und Einzelhandelsbereich bis zum Entwurf von massgeschneiderten Möbeln, Objekten und Beleuchtungen.

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© Emma Jane Johnston

Eine Ode an das Cabrio


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PRESTIGE Switzerland Volume 49  

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