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INHALT

Editorial

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Fashion

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Kerstin Cook Diese Miss liegt richtig

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Luxuriöse Funktionalität Made in Italy

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Gut gebunden ist halb gewonnen Die kleine Krawattenlehrstunde

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culinarium

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Eine Würze in aller Munde Julius Maggi

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Kulinarische Leckerbissen Rund um den Globus

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Food News Purer Genuss

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living

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Magier von Licht und Raum Hervé Van der Straeten

46

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Interior News Living & More

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Der Lichtzauberer Olafur Eliasson

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Beauty

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Nofretetes Nachfahren Von roten Lippen und schwarz umrandeten Augen

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70 12

82


INHALT

88 94

Der typisch italienische Erfolgscharakter Tomaso Trussardi

88

Black & Red Beauty News

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Der Luxusparfumeur Roja Dove

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Schönheit ist äusseres Bild und inneres Empfinden

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Privatklinik ALTA AESTHETICA

100

Culture Das goldene Bühnenjubiläum The Rolling Stones

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The Gambino Family Carlo Gambino, Teil 1

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Der bescheidene Anti-Star Juan Luis Guerra 122

106

Watches & Jewellery Zeit rund um den Globus Zeitzonenuhren 134

DRIVE STYLE 4x4 forever Die ersten Allradautos

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Brummende Motoren & rauchende Seiten

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Books & more

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Kleine Automobilpsychologie Ich bin, was ich fahre 152

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INHALT

160 Travel Traumhafte Wochenend-Trips Quer durch Europa

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Verona Opernklänge und Romantik

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Taiwan Ein Land zwischen Fortschritt und Tradition

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170

Short Cuts Short Cuts #1 Ein guter Tropfen

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Short Cuts #2 Jubiläen 2012

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Short Cuts #3 Wem die Stunde schlägt

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KOLUMNEN 80

Gabriel Palacios Hypnotische Kleidung – Was wir durch unsere Kleider suggerieren

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Wilhelm J. Grusdat Vom silbernen Lachen der Musen

36 68

104 132

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Walter Bollier Warum Wasser zum Investment wird

68

Vera Dillier «Prinzen»

80

Götz Winter Kleine Schleife, grosse Wirkung

104

Nubya Eigentlich wäre es doch ganz leicht

54 14

132


Philipp Mein Beruf: A nwalt Meine Leidensc haft: A u t o s Mein Traum: E motionen statt Emissionen Meine Privatba nk: J u li u s Bär, weil auch sie in e ine bessere Zukunft invest iert Mein Name:

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EDITORIAL

Geschätzte Leserinnen, geschätzte Leser

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er Sommer liess in diesem Jahr lange auf sich warten und bereits hat der Herbst Einzug gehalten. Nicht mehr lange und die Schweiz wird sich wieder für längere Zeit von ihrer eher grauen Seite zeigen. Unser Redaktionsteam hat sich daher alle erdenkliche Mühe gemacht, in diesem Magazin für die nötigen bunten Tupfer zu sorgen. Unsere spannenden und farbenfrohen Artikel sind das beste Gegenmittel für den Herbstblues.

Die unermüdliche Band «The Rolling Stones» feierte ihr 50-jähriges Bühnenjubiläum. Sie lieferten den Sound zur sexuellen Revolution, zum Studentenprotest und zum Drogenrausch. Wie es hinter den Kulissen aussah und warum die Stones noch lange keine Bühnenopas sind, erfahren Sie in diesem Magazin. Doch auch Aficionados und Música-Latina-Fans kommen in dieser Ausgabe nicht zu kurz. Unser Redaktor traf den dominikanischen Latin-Superstar Juan Luis Guerra. Der mehrfache Latin-Grammy-Gewinner beherrscht virtuos nahezu sämtliche afro-hispanisch-karibischen Stile der Música Latina, die er auf persönlichste Weise interpretiert und innovativ bereichert. Bachata, Salsa, Merengue, Guaracha, Cançiones und Mambo sind die Rhythmen dieses exklusiven Interviews. Zudem reiste unser Redaktionsteam einen Tag in die Stadt von Romeo und Julia. Wanderte auf den Spuren der Liebenden und liess sich in Verona von den Klängen Aidas verzücken. Und auch Autofans kommen bei uns nicht zu kurz. Autos mit vier statt zwei Antriebsrädern liegen im Trend. Doch Vierradantrieb ist nicht gleich Vierradantrieb. Wer das erste 4x4Fahrzeug entwickelte und worin die Unterschiede liegen, hat unser Autoredaktor Matthias Pfannmüller für Sie zusammengestellt. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück, geniessen einen hoffentlich wunderschönen Indian Summer und begeben Sie sich mit uns auf eine abenteuerliche und informative Lesereise.

Francesco J. Ciringione Yvonne Beck

Verleger Chefredaktorin

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FASHION

Kerstin 18


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k o Co htig ic r t g e li s is M e s Die 19


FASHION

Scharf, schärfer, Kerstin. Sie sieht aus wie ein «Victoria’s Secret»-Engel und wohnt jetzt in der Mode-Metropole Paris. Dass die Ex-Miss Schweiz Kerstin Cook international als Model durchstartet, ist kein Zufall – wie die 23-Jährige bei unserem exklusiven Haute-Couture-Shooting beweist.

Text & Fotos: Dominique Zahnd

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er Kussmund, der laszive Blick und diese endlos langen Beine – Kerstin Cook verfügt über alle Attribute, die Männer in willenlose Hohlköpfe verwandelt. Doch die Luzernerin setzt ihre Geheimwaffen nur vor der Kamera ein. Sie warb schon erfolgreich für Lingerie und Schmuck – und verdiente so in ihrem Amtsjahr stolze 340'000 Franken.

Meisterin Anja Lareida zu. Die Kleider und die Location für den Haute-Couture-Shoot stellt Star-Designer Martin Jascur. Er lebte und arbeitete längere Zeit in New York und wurde kürzlich in der Promi-Bibel «Who is Who in Basel» abgefeiert. Während Kerstins Haare drapiert und geföhnt werden, kaut sie auf einem Croissant herum und erzählt von ihrem Einstieg ins Business. «Ich war 14, als ich am Bahnhof in Luzern von einem Modelscout angesprochen wurde. Neben der Schule habe ich mir dann mit kleinen Jobs mein Taschengeld aufgebessert.» Bei einem ihrer Castings sass Christa Rigozzi hinter dem Pult: Sie war es auch, die Kerstin dazu ermunterte, sich als Miss-SchweizKandidatin anzumelden.

Bei der Miss-Universe-Wahl in São Paulo verliebte sich auch das Ausland in die Schweizerin, Agenturen von Brasilien bis New York klopften bei ihr an. Den Zuschlag bekam die renommierte Talentschmiede MGM. «Ich lebe meinen Traum», sagt die 23-Jährige heute. «Ich stand schon in Kapstadt, New York, Korsika und Moçambique vor der Kamera. Und in London lief ich an der Fashion Week über den Laufsteg.» Dort fiel sie der britischen Designerin Sarah Burton auf, die 2011 den meistfotografierten Dress der Welt entworfen hat: das Hochzeitskleid von Prinz Williams Gattin Catherine. Die Fashion Show in London zu eröffnen, war «ein unbeschreibliches Erlebnis», sagt das Model, in dem zu drei Vierteln englisches Blut fliesst. Jetzt ist die Luzernerin nach Paris gezogen, um dort einen Casting-Marathon zu absolvieren.

Die Presse war gnadenlos Die Wahl zur schönsten Schweizerin vor zwei Jahren stellte das Leben des Landeis aus Kriens komplett auf den Kopf. Und die Presse blies sogleich zur Treibjagd. «Daran hatte ich am Anfang ziemlich zu beissen. Denn darauf bereitet dich die Miss-SchweizOrganisation nicht vor …», sagt Kerstin Cook. Mittlerweile nimmt sie die Sensationsblätter unseres Landes nicht mehr richtig ernst. Je nach Tageslaune war sie der Schweizer Presse zu dünn oder zu dick. «Das Thema ist heikel», sagt die Ex-Miss. «Weniger wegen mir selber, sondern wegen all der Mädchen, die zu mir aufschauen. Solche Schlagzeilen können viel Schaden anrichten.»

Vom Mädchen zur Göttin Das Herrenhaus liegt versteckt. Wer durch die wuchtige Eingangstüre tritt, den katapultiert es sofort zurück in die 50er-Jahre. Ob die funkelnden Kronleuchter, die schweren Brokat-Vorhänge oder die dickbäuchigen Goldengel: Alles strömt Glamour aus. ExMiss Kerstin Cook ist mit ihren Killerheels dermassen gross, dass sie bei jedem Türrahmen den Kopf einziehen muss. Sie hat kein Make-up aufgetragen und wirkt deswegen recht unscheinbar. Doch bei ihren Kolleginnen Gisele Bündchen, Natalia Vodianova oder Rosie Huntington-Whiteley ist das dasselbe: Ungeschminkt würde man die Topmodels beim Vorbeigehen wahrscheinlich übersehen. Erst die flinken Finger einer Stylistin sorgen für die nötige Magie – sie verwandelt hübsche Mädchen in hinreissende Göttinnen. Im Fall von Kerstin fällt diese Aufgabe Make-up-

Würde man zehn Leute auf der Strasse nach Kerstins Aussehen befragen, wäre die Antwort wohl immer dieselbe: Klar, die ist wunderschön. Doch wie alle Frauen mag sie ihre Formen mal mehr und mal weniger. Das löste vor kurzem sogar eine landesweite Diskussion aus. Nach ästhetischen Aufnahmen, wo auch ein Busenblitzer dabei war, wurde wochenlang öffentlich darüber debattiert, ob sich die Ex-Miss nun einer Brustvergrösserung unterziehen lassen solle – oder nicht. «Das Ganze war so skurril, ich konnte darüber nur noch lachen», sagt sie und verdreht dabei die Augen.

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FASHION

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«Was nehme ich immer zu Castings mit? Hautfarbene Unterwäsche, Highheels und Zitronenwasser.»


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«Ich war 14, als ich am Bahnhof in Luzern von einem Modelscout angesprochen wurde.»

Vor der Kamera ein Vamp Die Frisur sitzt, sie streicht ihr Kleid glatt. Cook lächelt zufrieden ihr Spiegelbild an. «Ich selber gehe bei meiner Kleiderauswahl nicht so mit dem Trend. Aber ich liebe es, bei Fotoshootings Haute Couture zu tragen. Elegante Kleider passen zu mir.» Ihre Lieblingsdesigner sind Karen Millen («Oh Gott, diese Cocktailkleider») und Elie Saab («Seine Abendgarderoben sind fantastisch»). Sobald die Blitzlampen den Raum in gleissendes Licht tauchen, mutiert Kerstin Cook zum Vamp. Sie flirtet mit der Kamera und bietet ständig neue Posen an. Die Ex-Miss ist ein Vollprofi. Was macht für sie ein gutes Model aus? «Man muss mit seinem Gesicht, seinem Ausdruck oder seinem Körper ein bestimmtes Gefühl ausdrücken und so ein Produkt verkaufen können. In meinen Augen ist das anspruchsvoller als Schauspielerei …», sagt sie. Dennoch glauben viele, dass Models nur ein bisschen herumstehen, dabei Unmengen von Champagner schlürfen und anschliessend rauschende Parties mit coolen Celebrities feiern. Die Wirklichkeit ist ernüchternd. Mannequins sind einsame Einzelkämpfer, die weit weg von ihrer Familie von Casting zu Casting rennen und dabei eine Ohrfeige nach der anderen kassieren. Denn für jeden Job gibt es nur ein perfektes Girl. «Wird man dann endlich für ein Shooting gebucht, dauert dieses in der Regel den ganzen Tag», sagt Kerstin Cook. «Meistens wird durchgearbeitet, Zeit fürs Essen bleibt selten.» Weil viele Kunden sowieso davon ausgehen, dass die dünnen Mädchen gar nichts essen wollen. Trotzdem: Ihr gefällt der Job. Selbst wenn sie im Winter im Bikini bibbert oder stundenlang an einem Seil hängt, das ihr ins Fleisch einschneidet. «Für ein gutes Bild muss man viel ertragen», sagt das Model. «Doch wenn ich später mein Gesicht auf einem Plakat oder in einem Magazin sehe, ist das das schönste Gefühl der Welt.»

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Luxuriöse Funktionalität Made in Italy Es war einmal ein Cartoon namens «Bristow». Vor über 50 Jahren erfand der Brite Frank Dickens seinen Protagonisten Bristow und dieser arbeitete in der Fabrik Chester Perry. Täglich zu lesen ab 1961 im Londoner «Evening Standard», 41 Jahre lang. Genau diese Fabrik, Chester Perry, stand Namenspate für ein bis heute bekanntes italienisches Mode-Label: C.P. Company.

von Valeska Jansen

G

egründet wurde die Marke 1975 von dem Werbegrafik-Designer Massimo Osti. Sein Markenzeichen: ungewöhnliche Materialien und besondere Färbetechniken. Sein Credo: form follows function (Schnitt folgt Funktion).

2010 wurde C.P. Company an die FGF Industry SpA in Montegaldo verkauft. Verantwortlich für das Design ist seitdem Firmeninhaber und Chefdesigner Enzo Fusco. Die einstige Firmenphilosophie der Funktionalität und auch ihr Markenzeichen, die Verwendung ungewöhnlicher Materialien, hat er übernommen. Für die diesjährige Herbst/Winter-Kollektion reiste Enzo Fusco durch die Geschichte der Sportswear. Noch vor 100 Jahren diente Sportbekleidung ausnahmslos dem Zweck. Er und sein Designteam haben aus jeder Epoche das Beste herausgepickt und neu interpretiert. Zusätzlich haben sie Militär- und Arbeiterbekleidung strassentauglich gemacht. Der daraus entstandene Stilund Materialmix macht die neue Kollektion zur facettenreichsten seit Bestehen der C.P. Company.

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form follows function Uniformen neu interpretiert Fuscos Steckenpferd ist das Thema Military und so ziehen sich dessen Einflüsse auch durch die gesamte Kollektion. Modelle ähneln in ihrer Schnittführung Uniformen, oder es wurden Stoffe aus dem Militärbereich verarbeitet. Im Vordergrund stehen dabei immer die Zweckmässigkeit sowie Bequemlichkeit, gepaart mit dem Design. So ist die klassische Feldjacke als ultraleichte Daunenversion aus Nylonstoff erhältlich, der durch seine besondere Stückfärbung einen einmalig verknitterten und verwitterten Effekt erhält. Bei den Wollpullovern, Hosen und Hemden treffen die klassischen Militärfarben auf Herbsttöne. Durch spezielle Färbetechniken konnten neuartige, staubähnliche und denaturierte Farbeffekte erzielt werden. Sie wirken, als ob sie nur auf dem Stoff aufliegen.

Gekonnter Mix zwischen Mode und Funktionalität Die Inspirationen aus der ursprünglich rein zweckgerichteten Sportbekleidung zeigen sich nicht nur anhand funktioneller Details, beispielsweise von der alpinen Bekleidung übernommen, sondern auch bei der Wahl der qualitativ hochwertigen Materialien. Die Goggle-Jacke – der C.P.-Klassiker schlechthin – kommt diese Saison mit neuartigen Stoffen daher. Die Hosenkollektion wird von klaren Linien und ergonomischen Schnitten dominiert, was nicht zuletzt ihre Funktionalität betont.

Arbeiterkleidung trifft Sportswear Das authentische Feeling, welches C.P. Company verkörpert, zeigt sich in der «Vintage Capsule Collection» am deutlichsten. Cargo-Hosen, Flanellhemden, Kleidungsstücke aus Shetlandwolle, Wachsjacken von British Millerain und Materialien, die den Spuren des britischen Traditionsunternehmens Abraham Moon folgen, erinnern an die Arbeiterkleidung von früher und lassen den Stil vergangener Zeiten wieder aufleben. Kleider aus schweren Leinenstoffen und verwittertem Leder scheinen aus einem anderen Jahrhundert zu stammen – auch die Wollpullover, die jenen der englischen Fischer des frühen zwanzigsten Jahrhunderts ähneln.

Very british Ein weiteres wichtiges Thema der Kollektion ist der traditionelle britische Stil: Jacken und Mäntel in zeitlosem Design, aus Shetlandwolle in leuchtenden Farben und Windwesten aus Nylon vereinen klassischen Geschmack mit Funktionalität und Modernität. Ebenfalls im typisch britischen Stil gehalten sind die Regenjacken, die wie in ihren Ursprüngen aus einer Stoffkombination von Samt und Baumwolle hergestellt sind. Der Stoff ist am Stück gefärbt und dank einer eingearbeiteten Polyurethan-Schicht absolut wasser- und windundurchlässig.

Fazit: Dank der unermüdlichen Experimentierfreude mit verschiedensten Stoffen und Verarbeitungsmöglichkeiten präsentieren Enzo Fusco und sein Team für den kommenden Herbst/Winter eine moderne Kollektion, die gleichzeitig dem Stil des Sportswearlabels treu bleibt.

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OM-D: CREATE YOUR OWN WORLD

THOMAS HAYO Creative Director The OM-D combines an Electronic Viewfinder with a mirrorless design that produces a compact, lightweight body. The EVF allows the user to check the Art Filter effects, colour white balance, and exposure levels in real time. While shooting, you can instantly “create” a truly unique world in the viewfinder and then preserve the instant in a photo of exceptional quality. The OM-D is an entirely new digital interchangeable lens camera designed for those who “create” photographs rather than simply “take” them.Visit http://olympusomd.com/de-CH/ to see what happens when Thomas Hayo, a Creative Director pursuing the creation of his own world, encounters the OM-D.

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FASHION

Gut gebunden ist halb

gewonnen

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Man hasst sie oder man liebt sie. Es gibt Männer, die haben mehr von ihnen im Schrank, als Frauen Schuhe oder Taschen besitzen. Seit über 350 Jahren schmückt sie den Hals des Mannes – die Krawatte.

von Yvonne Beck

D

Die k

ie Geschichte der Krawatte beginnt mit dem 30-jährigen Krieg (1618–1648) mit der Ankunft der kroatischen Söldner in Frankreich. Diese Söldner wurden von Ludwig dem XIV., dem Sonnenkönig, angeheuert. Ihre militärische Tracht beinhaltete ein Stück weissen Stoffes (hravatska genannt), das am Kragen in Form einer Rosette befestigt wurde. Die Enden hingen über der Brust. Diese Bekleidung gefiel den Franzosen so sehr, dass sie diese Mode in ganz Europa verbreiteten. Sie wurde croatta oder auch Krawatte genannt. Diese ersten Krawatten waren schwer zu binden und hatten kaum Ähnlichkeit mit den heutigen Krawatten. Sie glichen vielmehr schlaffen Fliegen. Die moderne Krawatte kam erst im 19. Jahrhundert in England zum Vorschein.

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FASHION

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«Eine gut gebundene Krawatte, das ist ein Geniestreich, der sich wahrnehmen und bewundern, aber nicht analysieren oder erlernen lässt.» Balzac in der «Physiologie des Ankleidens»

Der Binder als politisches Statement und Zeichen der Emanzipation

Ton. Mit einer Krawatte setzt man Signale. Durch die Auswahl der richtigen Krawatte macht man einen bestimmten Eindruck auf seine Umgebung.

Doch Krawatten waren nicht nur modische Accessoires, sie dienten in Zeiten der Französischen Revolution als Statussymbol für Macht und brachten die eigene politische Überzeugung zum Ausdruck. So trugen die Revolutionäre eine schwarze, während die Gegner der Revolution eine weisse Krawatte trugen. Interessant ist auch das Verhältnis der Frauen zur Krawatte. Die ersten Emanzen wie die Schriftstellerin George Sand und die berühmte Kurtisane und Schauspielerin der Pariser Belle Époque Émilienne d'Alençon trugen die Krawatte als Zeichen ihrer Rebellion gegen die männliche Vorherrschaft. Die Krawatte wurde Zeichen des Strebens nach Gleichberechtigung. Mit dem Zeitalter der industriellen Revolution veränderte sich das Bild der Krawatte radikal. Mit der Industrialisierung ging ein grosser Teil des Modebewusstseins infolge Zeitmangels verloren. Niemand hatte mehr Zeit für komplizierte Knoten und Schlingvarianten, ausserdem mussten immer mehr Angestellte eine Krawatte tragen. Damals entstand der noch heute aktuelle Langbinder. In England nannte man ihn Four in Hand, nach dem Knoten, mit dem die Zügel der Vierspänner verbunden waren. Seine endgültige komfortable Form bekam er aber erst in den 1920er Jahren, nachdem der Amerikaner Jesse Langsdorf auf die Idee kam, die Krawatte diagonal zum Fadenlauf zu schneiden und in drei Teilen zusammenzunähen. Nach einigen modischen Spielereien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts von breit bis schmal wurde die Krawatte in den 60er Jahren Synonym für Spiessertum, Bürokratie und bourgeoises Establishment und somit völlig verachtet. Erst nachdem die 68er Generation selbst zum Establishment gehörte, wurde auch die Krawatte wieder modern. Heute gehört sie wieder zum guten

Erlesene Seide für die Qualitätskrawatten Eine elegante Herrenkrawatte gibt es nur aus erlesener Seide. Die Seide für die Krawatte wird entweder bedruckt oder aus verschiedenen Seidengarnen zu Jacquards verwebt. Die kunstvoll gebundenen Krawatten der Dandys des 19. Jahrhunderts waren noch nicht aus Seide gearbeitet, sondern aus schneeweissem Leinen oder edler Spitze. Erst in den späten 1880er Jahren wurde die Seide als Material für den Halsschmuck entdeckt. Dies hatte mit der voranschreitenden Industrialisierung und den daraus resultierenden Möglichkeiten der Massenherstellung der einst so raren Seidenstoffe zu tun. Das Grundprinzip der Seidengewinnung hat sich seit den Anfangstagen nicht allzu sehr verändert. Nach wie vor ist es ein zeit- und arbeitsintensiver Prozess. China ist nach wie vor der grösste Lieferant hochwertiger Rohseide. Das Weltzentrum für die Verarbeitung der Seidenstoffe zu Krawatten liegt allerdings in der norditalienischen Stadt Como. Die Qualität eines Seidenstoffs richtig einzuschätzen, ist auch für erfahrene Fachleute schwierig. Rein optisch kann man Synthetik und echte Seide kaum auseinander halten, deshalb muss der Tastsinn bei der Beurteilung helfen. Der auffälligste Unterschied zwischen echter Seide und Kunstfaser besteht darin, dass die Imitation aus dem Chemielabor ein viel glatteres Garn und damit auch viel geschmeidigere Stoffe ergibt. Man sollte deshalb die Krawatte prüfend durch die Finger gleiten lassen. Echte Seide wird unweigerlich an kleinsten Rauigkeiten der Haut oder Ecken der Fingernägel hängen bleiben, wohingegen das Imitat

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ungehindert darüber hinweggleitet. Ein anderer, sehr häufig empfohlener Qualitätstest besteht im Drücken und Knautschen der Seide. Gute Ware wird dies ohne bleibende Knitterfalten überstehen.

Drum prüfe, wer sich ewig bindet Bei familiären Festivitäten wie Hochzeiten, Taufen, Geburtstagsfeiern oder Jubiläen, wann immer etwas im grösseren Rahmen begangen wird, wäre ein Binder angemessen. Nicht nur, um den festlichen Charakter der Gelegenheit zu unterstreichen, sondern auch, weil die Krawatte den Respekt vor dem Gastgeber und der Mühe, die er sich mit der Feier gemacht hat, zum Ausdruck bringt. Weitere private Anlässe, bei denen die Krawatte angebracht ist, sind aufwändige Essenseinladungen bei Freunden oder Bekannten, der Besuch eines schicken Restaurants sowie Theater- oder Opernabende. Ansonsten empfiehlt sich die Krawatte, wenn der Privatmann geschäftlich auftritt wie zum Beispiel beim Gespräch mit der Bank, beim Anwalt oder beim Notar. Hier signalisiert die Krawatte Kompetenz, Souveränität oder sogar Bonität. Sie kann insofern bares Geld wert sein. Wer Krawatten jedoch für spiessig und langweilig befindet, liegt falsch. Unzählige Kinofilme beweisen das Gegenteil. In vielen Hollywoodstreifen wird durch die Hand einer Frau, einfach durch das simple Binden der Krawatte um den Hals des Darstellers, eine erotische Situation erzeugt. Wenn Miss Moneypenny die Krawatte von 007 richtet, bevor er das Büro seines Chefs betritt, ist nur ein Beispiel von vielen. Und so kann eine Krawatte nicht nur zum Markenzeichen der eigenen Persönlichkeit werden, sondern sogar einen erotischen Faktor besitzen.

Das gewisse Etwas Fast jeder Sakko wird mit einer Brusttasche auf der linken Seite gefertigt. Diese ist jedoch nicht für ein Päckchen Zigaretten oder eine Brille, sondern für ein Einstecktuch gemacht. Ein weisses Einstecktuch in der Brusttasche eines dunklen Anzugs gibt den gewissen Hauch von Eleganz und ist sicheres Zeichen für einen selbstbewussten und modegewandten Mann. Die feinsten Einstecktücher sind aus weissem Leinen mit handgerollten Rändern. Das passt zu jeder Gelegenheit. Für die etwas gewagteren Herren gibt es Einstecktücher in Farbe und mit Mustern. In diesem Fall ist es immer die Krawatte, nach der die Kombination zu vervollständigen ist. Das Einstecktuch sollte auf keinen Fall das gleiche Muster wie die Krawatte haben. Zudem gilt: Wenn die Krawatte aus Seide ist, sieht ein mattes Leinentuch am besten aus. Dagegen ist bei einer wollenen oder baumwollenen Krawatte ein Einstecktuch aus Seide zu bevorzugen.

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KOLUMNE

Hypnotische Kleidung – Was wir durch unsere Kleider suggerieren von Gabriel Palacios, «Gedankenleser»

P

aul Watzlawicks Axiom der Kommunikation «Wir

Meist jedoch stehen wir zuhause vor dem Spiegel, draussen

können nicht nicht kommunizieren» rauscht

herrschen 32° Celsius. Wir sind verabredet und gehen davon

auch an der Fashionindustrie nicht spurlos vor-

aus, dass unser Rendezvous sich wahrscheinlich freizügig

bei. Denn egal ob Markenkleider, Rollkragenpul-

kleiden wird. Doch unsere bleichen Beine sind nicht wirklich

lover, kurze Hosen oder Pelzmantel – sobald wir

das, womit wir unser Gegenüber heute überzeugen wollen.

Kleider tragen, geben wir etwas über uns, unsere Person und

Was nun? Ziehen wir uns lange Hosen an, um unsere blei-

unser Vorhaben preis. Wir suggerieren unserem Gegenüber,

chen Waden zu kaschieren, riskieren jedoch dadurch den ei-

dass wir heute in kurzen Hosen und Flip-Flops freizügig, lo-

nen oder anderen Blick aussenstehender Menschen, die uns

ckerer und geselliger gestimmt sind. Und wir kommunizieren

als verrückt erklären, bei dieser Hitze lange Hosen zu tragen;

unserem Geschäftspartner, dass wir in unserem Markenanzug

oder aber ziehen wir uns kurze Hosen oder einen Rock an,

grossen Wert auf Professionalität legen.

passen uns der grossen Masse an und riskieren, dass wir unser Gegenüber mit unseren bleichen Beinen abschrecken?

Egal, wie wir es drehen und biegen – wir können, was unsere optische Verpackung anbelangt, nicht nicht kommu-

Mein Rat an Sie: Kleiden Sie sich so, wie es Ihnen gelingt, am

nizieren. Wer sich kleidet, fährt vorläufig auf der Schiene

gelassensten zu sein. Würden Sie sich während einer Verab-

der optischen, unterbewussten Suggestionen. Denn meist

redung stets darum kümmern, Ihre Beine unter dem Stuhl zu

wollen wir unser Gegenüber nicht wirklich bewusst auf un-

verstecken, nur weil sie etwas bleicher sind als die der ande-

sere Kleidung aufmerksam machen, sondern hoffen, dass

ren, so rate ich Ihnen, von Anfang an die Kleidung zu tragen,

dessen Unterbewusstsein unsere optischen Suggestionen

die Authentizität und Gelassenheit verleiht. Sie werden nicht der

unbewusst wahrnimmt.

einzige Mensch sein, der lange Hosen trägt. Und zugleich zeugt es von einer starken Persönlichkeit, wenn Sie sich von der Mas-

Wir wollen durch unsere Kleidung unseren Mitmenschen ge-

se abheben können. Lenken Sie nicht durch andere Kleidungs-

fallen. Wir wollen aus der Masse herausragen. Dies wird uns

stücke von Ihren Beinen ab. Denn jedes Ablenkungsmanöver

spätestens dann klar, wenn wir die skurrilsten Kleider auf dem

beansprucht die stetige Präsenz Ihres Bewusstseins, was Ihnen

roten Teppich observieren. Es ist ein evolutionsbedingtes Ver-

wiederum etwas an Authentizität nimmt. Entlasten Sie Ihr Unter-

halten des Homo sapiens, dass dieser aus der Masse heraus-

bewusstsein mit Kleidung, in der Sie sich wohl fühlen. So kön-

ragen möchte. Und genauso liegt es in unseren Genen, dass

nen Sie sich viel bewusster auf Ihre Verabredung konzentrieren.

wir uns durch Absurditäten nicht angreifbar machen wollen.

Denn diese wird in erster Linie Ihre Authentizität bewerten und

Deshalb bevorzugen wir es, uns der grossen Masse anzupas-

nicht den Fakt, ob Sie nun kurze oder lange Hosen tragen.

sen und dezent – und vor allem unbewusst – unsere Mitmenschen optisch positiv zu beeinflussen.

Seien Sie Sie selbst – und Sie werden gewinnen.

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CULINARIUM

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CULINARIUM

Eine W체rze in aller Munde Julius Maggi Aus dem Bestreben, der Mangelern채hrung im sp채ten 19. Jahrhundert ein Ende zu setzen, entstanden das erste Fast-Food-Produkt und eine Marke, die auf der ganzen Welt bekannt ist.

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CULINARIUM

Text: Yvonne Beck, Fotos: Maggi GmbH

I

nfolge der Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildet sich die neue Gesellschaftsschicht der Fabrikarbeiter. Ihre Mitglieder sind meist einseitig und mangelhaft ernährt – für Fleischprodukte fehlt das Geld und für den Anbau von Gemüse die Zeit. Zudem arbeiten immer mehr Frauen in den Fabriken, denen damit kaum noch Zeit zum Kochen und für die Hausarbeit bleibt. Eine besondere Anfälligkeit für Krankheiten, Unterernährung und hohe Kindersterblichkeit sind die Folgen.

pest und wird bereits mit 21 Jahren stellvertretender Direktor. Im praktischen Geschäftsleben ist er voller Tatendrang. 1872 übernimmt er von seinem Vater die Hammermühle in Kempttal und kauft zudem die Zürcher Stadtmühle sowie die Mühle in Schaffhausen. Damit gehört die Familie Maggi zu den bedeutendsten Mühlenbesitzern in der Schweiz.

Liebstöckel wird Maggikraut Das Jahr 1886 ist für ihn in mehrfacher Hinsicht ein denkwürdiges, denn Julius Maggi macht zu dieser Zeit eine weitere Erfindung, eine, die seinen Namen später in alle Welt tragen sollte: die bis heute berühmte und beliebte Maggi-Würze. Nach mehreren Jahren Forschung und ersten Anfangserfolgen kommt die legendäre Maggi-Würze auf den Markt. Das Produkt wird so populär, dass die geschmacklich ähnliche Gewürzpflanze Liebstöckel im Volksmund den Namen Maggikraut bekommt. Das Kuriose daran ist, dass in der Würze nicht mal Liebstöckel enthalten ist. Die Maggi-Flasche hat seit dem Jahr 1887 ihr Äusseres kaum verändert, ist aber erstaunlich jung geblieben. Auf dem nach unten verjüngten viereckigen Körper sitzt der gerade Hals mit dem spitzen Verschlusskäppchen. Das Käppchen ist rot, das Glas braun. Darauf klebt eine gelbe Banderole mit der Aufschrift «Maggi. Maggi-Suppen-Würze». Und ganz gleich, was für ein Süppchen daraus gekocht wird, die Würze wird seit über 100 Jahren verwendet. Noch heute werden jährlich rund 9000 Tonnen davon hergestellt. 1887 gründete Julius Maggi jenseits der Schweizer Grenze, in Singen, eine deutsche Niederlassung. Die Wahl war äusserst glücklich getroffen, denn Singen war bereits 1863 an das Eisenbahnnetz angeschlossen und damit wichtiger Eisenbahnschnittpunkt. Im Werk waren anfangs acht Mitarbeiter beschäftigt, die «Maggi’s Würze» in Flaschen füllten. Doch das Werk wuchs und wuchs und überstand zwei Weltkriege. Es folgten Bouillons, die es als Kapseln und Würfel zu kaufen gibt. Immer neue Produkte und Formen werden entwickelt. Alles in der Absicht, dem modernen Menschen

Aus der Not heraus geboren Einer der Ersten, die diesen Zusammenhang erkennen, ist der Arzt und Fabrikinspektor Dr. Fridolin Schuler. Auf der Suche nach einer Möglichkeit, auch Fabrikarbeitern nahrhafte Lebensmittel zugänglich zu machen, die den Erfordernissen der Zeit entsprechen, experimentiert Schuler gemeinsam mit dem Mühlenbesitzer und SGG-Mitglied (Schweizerische Gemeinnützige Gesellschaft) Julius Maggi in seiner Labor-Küche mit Mehl und sogenannten Leguminosen – Pflanzen, die besonders reich an Proteinen, Vitaminen, Mineralstoffen und Eiweiss sind. Sie suchen nach Lebensmitteln mit hohem Nährwert und kurzer Zubereitungszeit zu erschwinglichen Preisen. Das Ergebnis: Ab 1886 verkauft Maggi Suppenpulver aus Mehl von Erbsen, Bohnen und Linsen. Mit Wasser aufgekocht entstehen daraus nahrhafte, preiswerte und schnell zubereitete Mahlzeiten. Die Erfindung ist eine Sensation, die Maggi zum Pionier der FastFood-Industrie macht. Julius Michael Johannes Maggi wird am 9. Oktober 1846 in Frauenfeld in der Schweiz geboren. Er kommt als jüngstes von fünf Kindern eines italienischen Einwanderers und einer Schweizerin zur Welt. Seine Jugendzeit verläuft turbulent. Häufig wechselt er die Schule. 1863 beginnt er eine kaufmännische Lehre in Basel, die er aber wieder abbricht. Danach startet Maggi richtig durch. Er arbeitet in schweizerischen Mühlenbetrieben in Buda-

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CULINARIUM

ÂŤMan soll dem Leib etwas Gutes bieten, damit die Seele Lust hat, darin zu wohnen.Âť Winston Churchill

Julius Maggi

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CULINARIUM

Erfolg der Maggi-Produkte trugen zum einen ihre einheitliche Etikettierung in Gelb und Rot, das Markenzeichen «Kreuzstern» sowie die typische Maggi-Flasche bei. Daneben betrieb Julius Maggi jedoch früh intensive Markenwerbung. Er war ein Pionier der Markenartikel, der auch die Bedeutung von Werbung früh erkannte. Bereits 1886 richtete er ein Werbebüro ein, für das eine kurze Zeit sogar der Dramatiker Frank Wedekind textete. Die handschriftlichen Originale der Werbetexte, die Wedekind für Maggi geschrieben hat, befinden sich in einer Sondersammlung der Aargauer Kantonsbibliothek. Sätze wie «Vater, mein Vater, ich werde nicht Soldat. Dieweil man bei der Infanterie nicht Maggi-Suppen hat.» «Söhnchen, mein Söhnchen, kommst Du erst zu den Truppen, so isst man dort auch längst nur Maggis Fleischkonservensuppen.» waren jedem Kind bekannt. Und so können auch heute noch alle den Slogan «Maggi – immer eine gute Suppe» mitsingen.

Zeit zu sparen und trotzdem eine bekömmliche Mahlzeit zu bieten. Heute vertreten Ernährungswissenschaftler eine andere Ansicht: Frisches Obst und Gemüse gehören auf den gesunden Speiseplan, auf Fertigprodukte verzichtet man möglichst. Trotzdem werden heute in Singen pro Jahr 41'000 Tonnen Trockenprodukte wie Suppen, Sossen, Bouillons, 9000 Tonnen flüssige Würzmittel und 48'000 Tonnen sterilisierte Produkte wie Ravioli oder Eintöpfe hergestellt. Die Produkte werden weltweit vertrieben und können fast überall auf der Welt gefunden werden. Nicht umsonst hat sich einer der berühmtesten Künstler der Welt, Andy Warhol, nur an zwei berühmten Flaschen der Welt versucht: der Coca-Cola-Flasche und der Maggi-Flasche.

Diese leicht klebrige, braune Flüssigkeit in der Flasche gehört nun mal zur Grundausstattung fast jeder Küche, schliesslich scheuen auch Fernsehköche nicht den Griff zur Fertigwürze. Da mag es Gourmets noch so schaudern. Heute hält Maggi für alle Gaumenfreuden etwas parat. Für die Freunde der asiatischen Küche ebenso wie für Spaghetti-Fans. Man schwimmt mit auf der Wellness-Welle, im Internet hilft das Maggi-Kochstudio mit Rezepten aus. Man geht mit der Zeit und erkennt neue Trends wie damals Julius Maggi. Vom Typ her war Julius Maggi ein knallharter Unternehmer. Aber auf der anderen Seite hatte er auch eine soziale Ader. Er war der Erste, der in der Schweiz eine Pensionskasse einführte. Für seine Arbeiter baute Maggi Wohnsiedlungen, Schulen und Schwimmbäder. Er führte die Betriebskrankenkasse, die 52,5-Stunden-Woche und den freien Samstagnachmittag mit vollem Lohnausgleich ein.

Werbung macht Meister Maggi ist ein Mythos – und Gattungsbegriff für eine riesige Produktpalette. Wie nennt man koffeinhaltige Limonade? Korrekt, Coca-Cola. Wie nennen wir das Papiertaschentuch? Richtig, Tempo. Und wie die Fertigwürzmischung? Genau, Maggi. Zum

Das teuerste Gewürz der Welt Nur drei leuchtend rote Fäden bildet eine durchschnittliche Blüte des normalen Crocos sativus aus, die das teuerste und vielleicht auch geheimnisvollste Gewürz der Welt produziert. Nur diese roten Narben, in die sich ein im Ansatz leuchtend gelber Narbengriffel in der Mitte der violetten Blütenblätter verzweigt und die nur einen äusserst geringen Bruchteil der Pflanze ausmachen, sind echter Safran. Bis heute ist die Herkunft der alten Kulturpflanze nicht genau geklärt. Wahrscheinlich wurde die Knollenpflanze von den Kreuzrittern bei ihrer Rückkehr aus Asien nach Europa mitgebracht und anschliessend über Jahrhunderte in Spanien, Italien, Frankreich und sogar Deutschland angebaut und geerntet. Angebaut werden könnte der Crocos sativus überall da, wo auch Wein wächst. Der grösste Anteil hochwertigen Safrans, der bei uns zu Preisen von acht bis fünfzehn Euro pro Gramm in den Handel kommt, stammt jedoch aus dem Iran.

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Tradition meets Innovation

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SHORT CUTS

SHORT

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CUTS

Ein guter Tropfen Flaschenverschlüsse

Die geköpfte Flasche

Korken sind für die meisten Weine nicht unbedingt notwendig – möglicherweise nur für jene ehrwürdigen Flaschen, die man zehn Jahre oder noch länger aufheben möchte. Die meisten sollte man lieber mit einem Schraubverschluss ausstatten. Aber Korken machen den Wein zu etwas ganz Besonderem und man möchte nicht auf das Ploppen beim Öffnen einer Flasche verzichten. Das Problem beim Naturkorken: In den Poren kann der chemische Stoff Trichloranisol entstehen, zum Beispiel durch das Bleichen des Korkens mit Chlor oder durch Schimmelpilze. Die Folge: Der Wein schmeckt muffig, bitter und modrig; Weintrinker sprechen in diesen Fällen von «Korkgeschmack». Schwere, im Barrique ausgebaute Rotweine aus Frankreich vertragen das besser als die leichteren Weissweine. Naturkorken, die aus der Rinde von Korkeichen gestanzt werden, lassen jedoch durch ihre Poren Luft zum Wein gelangen, um diesen atmen und dadurch weiter reifen zu lassen. Beim Kunststoffkorken hingegen gibt es seit Jahren Bedenken wegen der Haltbarkeit und Gasdichte. Daher eignet sich Kunststoff eher für Weine, die bald nach dem Befüllen getrunken werden.

Das traditionelle Öffnen von Champagner mit einem Säbel geht angeblich auf die napoleonische Zeit zurück. Als Freund des perlenden Siegesgetränks feierte der Feldherr damit seinen Sieg im Feldzug gegen das russische Zarenreich im Jahr 1812. Der französische Ursprung lässt sich aber kaum leugnen, spricht man beim Öffnen mit einem Champagnersäbel doch auch vom Sabrieren, was auf den französischen Begriff «sabre», also «Säbel», zurückgeht. Bevor man mit dem Öffnen beginnt, sollte man dafür Sorge tragen, dass niemand im «Schussfeld» steht. Flaschenhals und Korken erreichen gemeinsam Geschwindigkeiten von bis zu 200 Stundenkilometer und legen einen Weg von bis zu 20 Meter zurück – ein Druck von etwa sechs Bar macht dies möglich. Flaschenköpfe samt Korken – sofern man sie wiederfindet – gelten in Frankreich als Glücksbringer und werden mit Datum versehen aufbewahrt.

Das Millionen-Wässerchen Wer aromatische alkoholische Getränke bevorzugt, trinkt gerne Whiskey. Vodka wird meist wegen seiner Aromalosigkeit geschätzt, der es unter anderem zu verdanken ist, dass keine Fahne zurückbleibt. Alle Versuche, Vodka in ein totales Luxusgetränk wie einen Bordeaux oder einen Champagner zu verwandeln, blieben daher bisher erfolglos, da sie unweigerlich den schnörkellosen Charakter des Vodkas zerstören würden. Doch eine der renommiertesten Vodka-Brennereien der Welt, White Sun Vodka, verkauft einen Vodka für eine Million Euro. Der Vodka selber hat zwar gerade mal einen Wert von 100 Euro, doch auf die Flasche kommt es an. Die ist nämlich aus 24-karätigem Feingold, 18-karätigem Blattgold, Diamanten, Rhodium und Swarovski–Steinen gefertigt. Und der Deckel besteht sogar aus Massivgold. Verantwortlich für diese Konstruktion ist Heimerle und Meule, die zweitälteste Goldschmiede Deutschlands. Das Ganze soll an 999 solvente Lebemänner aus Amerika, Asien oder Europa gehen, denn natürlich ist die Auflage limitiert.

Die Entstehung der ersten Whiskymarken Etwa bis ins Jahr 1865 wurde Whisky mit wenigen Ausnahmen von den Produzenten nur fassweise oder in grossen Tonkrügen verkauft. Dann aber begannen die Destillerien und Blending-Firmen, ihre Whiskys in für Endkonsumenten bezahl- und transportierbare Flaschen abzufüllen. Die Flaschen wurden mit Namen der Destillerien beziehungsweise Markennamen versehen. Dies war die Geburtsstunde der Whiskymarken. Die erste Werbekampagne für Whiskey wurde ab 1880 gestartet. Man nutzte zudem die Gunst der Stunde und entwickelte vermehrt leichteren, weicheren und gleichzeitig doch aromatischen Blended Whiskey, der nicht nur bei Konsumenten in England und im Commonwealth, sondern sehr bald auf der ganzen Welt erfolgreich war. So erlebte die Whiskyindustrie einen unglaublichen Aufschwung.

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Chianti Classico DOCG von Borgo Scopeto schlichte, toskanische Eleganz Borgo Scopeto schaut auf eine lange Chianti-Tradition zurück und produziert diese „schwarze Perle des toskanischen Weins“ bereits seit dem Jahre 1000 n. Chr. Der „Gallo Nero“ (schwarze Hahn) steht für die kontrollierte und garantierte Qualität des Chianti Classico DOCG. Fr. 20.- Gutschein für Ihre nächste Bestellung bei www.DivinaWine.ch Gutschein-Code: prestige (ab Fr. 100.-)


CULINARIUM

Kulinarische

Leckerbissen 46


CULINARIUM

Es gibt kaum einen besseren Weg, die Seele eines Ortes und seiner Bewohner kennenzulernen, als mit ihnen ihre Ernte zu teilen oder den Fang der Fischernetze, die Leckereien aus der Backstube oder die sorgfältig gehüteten Familienrezepte. Es geht nicht bloss ums Sattwerden. Es ist vor allem ein Eintauchen in die Kultur eines Landes oder einer Region. Was, wie und wann Menschen essen, wo und wie sie ihre Nahrung zubereiten, welchen kulinarischen Ritualen sie folgen – all das sagt viel über einen Ort und seine Bewohner aus.

Olivenernte in Griechenland Kreta ist die Heimat der Oliven und die Ernte ist die beste Zeit, um erstklassige Produkte zu entdecken. Wenn im Oktober unter den Bäumen der Olivenhaine Netze ausgelegt werden, beginnt die Ernte. Auf Kreta und im restlichen Griechenland dauert sie bis Februar. Manche Olivensorten werden grün geerntet, andere bleiben an den Bäumen hängen, bis sie violett oder schwarz sind. Kreta gehört zu den grössten Olivenanbaugebieten des Landes und gilt sogar als Wiege dieser Frucht, die hier schon über 4000 Jahre gedeiht. Einige Familien arbeiten noch traditionell und lassen die Netzte wochenlang liegen, bis alle Oliven von selbst heruntergefallen sind. Aber meist wird mechanisch nachgeholfen: Die Bäume werden geschüttelt oder mit langen Stöcken gestupst, um die Oliven purzeln zu lassen. Danach beginnt die mühsame, aber wichtige Auslese: Die silbrig-grünen Blätter müssen entfernt werden, ohne die Früchte zu quetschen. Diese werden behutsam in Kisten und Säcke geschüttelt und in der örtlichen eliotriveia (Presse) in flüssiges Gold verwandelt. Die beste Qualität, natives Olivenöl extra, stammt aus der ersten Pressung, gefolgt vom nativen Olivenöl; beide werden kaltgepresst und ohne heisses Wasser oder Lösungsmittel gewonnen. Einfaches Olivenöl wird raffiniert und mit qualitativ höherem verschnitten, um Aroma und Farbe zu verbessern. In seiner ergiebigsten Zeit liefert ein Olivenbaum durchschnittlich 60 Kilogramm Oliven pro Jahr. Auf Kreta wachsen unter anderen die Sorten Koroneiki, Throumbolia und Tsounati, die hauptsächlich zu Öl verarbeitet werden. Olivensorten aus anderen Regionen Griechenlands werden in Salzlake eingelegt und als Tafeloliven konsumiert. Die Kalamata ist eine grosse, mandelförmige, schwarze Olive mit fruchtigem Geschmack .Sie wächst im Westen der Peloponnes. Die bekanntesten Sorten sind jedoch die runde bis ovale Konservolia und die grosse hellgrüne Halkidiki mit einem leicht pfeffrigen Geschmack aus dem Norden Griechenlands. Kretas Küche mit ihrer Hauptzutat Olivenöl gilt als die gesündeste der Welt.

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CULINARIUM

Ahornsirup aus Vermont Gegen Ende des Winters verwandelt sich Vermont in ein Paradies für Fans des süssen Goldsafts. Wer die Tür zu einem «Sugarhouse» in Vermont aufstösst, wird von einer Dampfwolke empfangen. In riesigen Metallpfannen siedet hier der aus den sugar bushes (Ahornplantagen) gewonnene Saft. Ab und an schöpft ein Koch eine Kelle der bernsteinfarbenen Flüssigkeit, um zu prüfen, ob sie schon «Schürzen» bildet, sprich zäh am Kellenrand abreisst. Dann kann der Sirup abgefüllt werden. Von Ende Februar bis Anfang April ist das in Vermont ein vertrauter Anblick: Wenn sonnige Tage auf frostige Nächte treffen, steigt der Saft in den Ahornbäumen und sie können angezapft werden. Die Rinde wird schräg angebohrt, ein Röhrchen eingesetzt und die Flüssigkeit in Eimern aufgefangen. Feriengäste, die nicht nur ihren Vorrat mit einer Gallone des Sirups aufstocken oder ein paar bonbonähnliche sugar cakes mitnehmen wollen, besuchen eine der «Zuckerschneepartys», die allerorts gefeiert werden: Auf einen Teller mit frischem Schnee wird heisser Goldsaft geträufelt, der beim Abkühlen zu hübschen Mustern erstarrt und auf einen Stiel gespiesst wird – fertig ist der Siruplolli. Damit es nicht zu süss wird, werden Essigfrüchte mit Dill dazu gereicht. Ahornsirup ist nicht nur die süsse Krönung von Waffeln und Pfannkuchen, sondern verleiht fast allem, von Fleisch über Desserts bis zum Wodka, ein charakteristisches Aroma. Wie schon die Ureinwohner Nordamerikas verkochen Siedereien den Sirup auch zu maple oder Indian sugar. Wenn fast der gesamte Wassergehalt verdampft ist, bleibt ein grobkörniger Zucker übrig.

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CULINARIUM

Wildes aus Schottland Aus den verschwenderischen Gaben von Flüssen, Lochs, Mooren, Wäldern und dem Meer kreiert dieses Land seine Küche. Zuweilen wirken die wilden Berg- und Moorlandschaften Schottlands wie das Ende der Welt. Die Herbstnebel am Rannoch Moor scheinen alles zu verschlucken, der Regen peitscht gegen die braunroten Bergrücken, die am grauen Horizont verschwimmen. Doch genauso gut können sonnenbeschienene Lochs in sattgrünen Grasteppichen das intensiv violette Heidekraut zum Leuchten bringen. Und so schmecken auch die Früchte, das Wild und die Fische aus dieser ursprünglichen Gegend: mal wild und süss, mal kräftig und herb. Schottland ist stolz auf seine Pilze und Waldbeeren, aber auch auf seine Forellen und vor allem auf seinen Lachs. Es ist ein Paradies für alle, die gern campen, wandern und die Natur beobachten, für alle Jäger, Sammler und Angler. Von April bis November wird in den Lochs an der Westküste zudem der Kaisergranat gefangen. Die Krebsart mit dem knackigen, saftigen Fleisch schmeckt leicht süsslich. Schottlands Austern sind sehr fleischig, aber teurer als ihre Vertreter im Atlantik. Sie kommen in den Monaten mit «r» auf den Tisch. Wildlachs wird in schottischen Flüssen in der Zeit von Mitte Februar bis Ende September gefangen. Der aus den schottischen Gewässern stammende Lachs geniesst weltweit einen ausgezeichneten Ruf. Denn der Atlantik vor der zerklüfteten Westküste des Landes gilt als eines der klarsten und sauerstoffreichsten Gewässer Europas. Er bietet den dort heranwachsenden Lachsen ideale Lebensbedingungen. Zeitlebens den natürlichen Kräften des Golfstroms ausgesetzt, entwickeln die schottischen Lachse eine exzellente körperliche Verfassung und hervorragenden Geschmack.

Die Heimat des Kaffees In den Wäldern des Hochlands von Äthiopien wird Kaffee schon seit mindestens 1000 Jahren angebaut. Die antike Provinz Kaffa im Südwesten Äthiopiens gilt als Wiege und Namensgeber des Kaffees. Es heisst, der kleine Hirtenjunge Kaldi hätte die aufputschende Wirkung der Kaffeebohne entdeckt, weil seine Ziegen nach deren Genuss tollkühne Sprünge vollführt haben sollen. Der Besuch einer Kaffeeplantage ist eine faszinierende Zeitreise zu den Ursprüngen der schwarzen Bohne, die die Welt eroberte. In dieser Region wird der Kaffee überwiegend auf abgelegenen Waldplantagen angebaut. Hier gedeihen die Sträucher im Schatten hoher Bäume, die von Vögeln und Affen bevölkert werden. In ganz Äthiopien ist die tägliche Kaffeezeremonie ein wichtiges Ritual. Meist sind es junge Frauen, die die grünen Bohnen über Holzkohle rösten und mit Gewürzen im Mörser zermahlen. Dann brühen sie den Kaffee in der jabana, einer bauchigen, langhalsigen Tonkanne, bestreuen den Fussboden mit duftenden Gräsern und Blüten und servieren den belebenden Trank zusammen mit Popcorn und gerösteter Gerste. Die Höflichkeit gebietet, mindestens drei Tässchen davon zu trinken.

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CULINARIUM

Scharfes aus Mexiko Die in Amerika heimische Chilischote ist eine wesentliche Zutat in vielen Regionen Mexikos – mal mehr, mal weniger scharf. Der ideale Ausgangspunkt für eine Chilitour in Mexiko ist Mexico City. Die ganze Vielfalt von salsa (Saucen) wird in den taquerías offensichtlich: Jede hat ihr eigenes Rezept, um die tacos aufzupeppen. Danach geht es in Richtung Süden, und die Schärfe nimmt mit jeder Etappe zu. Auf den Märkten von Puebla werden eingelegte chipotles angeboten, ohne die kein cemita auskommt: Das knusprige Sesambrötchen mit einer Füllung aus Fleisch, Käse und Avocado wird an den Strassenständen verkauft. In Oaxaca lockt das rauchige Aroma der pasilla oaxaquena, die Schoten werden über der Glut getrocknet und schmecken am besten in der mole negro, einer speziellen Sauce. Aus Yucatán kommt die habanero. Diese Chilischote besetzt Platz eins auf der Scoville-Skala, die den Capsaicin-Anteil und damit die Schärfe misst. Chiles en nogada – Chilis in Walnusssauce – gehört zu den Nationalgerichten Mexikos. Es entstand Anfang des 19. Jahrhunderts, als Mexiko unabhängig wurde, und repräsentiert, die Farben der mexikanischen Flagge: die poblanco-Schoten sind grün, die cremige nogada (Walnusssauce) weiss und die Granatapfelkerne rot. Jede Familie hat ihr eigenes, über Generationen weitergegebenes Rezept. In den Restaurants steht diese Spezialität vor allem im August und September auf der Karte, wenn alle Zutaten erntefrisch zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen unter: · Kreta www.cookingincrete.com · Vermont www.vermontmaple.org · Schottland www.foodtourismusscotland.com · Äthiopien www.ethiopianquadrants.com · Mexiko www.visitmexico.com

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Die echte Schweizer Küche

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CULINARIUM

Destillat aus 150 Jahren Rumtradition Zum 150-jährigen Jubiläum lanciert das Familienunternehmen den kostbarsten Rum in seiner Geschichte: Den BACARDÍ de Maestros Ron Vintage MMXII. Acht Master Blender, alle Mitglieder der Bacardí-Familie, haben ihr Wissen und ihre Liebe zum Rum in einer Vintage Edition vereint. Das Resultat: Hochgenuss. Ein hocharomatischer, vollmundiger und intensiver Rum mit einem samtigen Geschmack. Im Abgang ist eine sanfte, unaufdringliche Eichenholzkomponente zu erkennen. Auf weltweit 400 Stück limitiert, ist das Meisterstück an internationalen Flughäfen und in Premium-Kaufhäusern erhältlich. www.bacardi.ch

FOOD News Purer Genuss

Hugo up your Life In München und Wien gilt er schon längst als der In-Drink. Nun versucht er in der Schweiz den Aperol Spritz vom Thron zu stossen: Hugo. Ideale Basis für die erfrischende Kreation ist der Schaumwein White Secco aus dem Hause Schlumberger. Für die süsse Note sorgt ein Spritzer Holunderblütenlikör, Frische bringen Pfefferminze und Limetten. Woher der Name Hugo stammt, weiss niemand so genau, fest steht nur, dass er bald auf jeder Barkarte zu finden sein wird. Denn der erfrischende Drink steht erst ganz am Anfang seiner Karriere. www.whitesecco.ch

Für prickelnde Tage Ob als perfekter Start in den Feierabend oder als erfrischender Begleiter für das Wochenende, Martini Bianco Royale garantiert ein leichtes, prickelndes Geschmackserlebnis der italienischen Art. Seit bald 150 Jahren fasziniert Martini und steht für die unbeschwerte Art, das Leben zu geniessen. Mit Martini Bianco Royale präsentiert Martini nun einen Sparkling Cocktail mit idealer Kombination aus spritziger Frische und italienischer Leichtigkeit. Erfrischend einfach ist auch die Zubereitung: Viele Eiswürfel in ein Weinglas füllen, einen Limettenschnitz mit zwei Fingern über dem Eis auspressen. Anschliessend mit 50 Prozent Martini Bianco, gefolgt von 50 Prozent Martini Brut auffüllen, gut umrühren und zum Schluss mit frischer Minze garnieren. www.martini.com

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Swis s Highland Single Malt Whisky

«Century»

Der Jahrhundert-Whisky aus dem Berner Oberland

ADOLF GUYER-ZELLER 1839–1899

Die Jungfraubahn feiert in diesem Jahr ihr «Centenary». Passend zu diesem denkwürdigen Ereignis kreierten wir den «Century». Ein Whisky voller Pioniergeist, Geschichte, Handwerk, Dramatik und Genuss. Die VERSIEGELTE HOLZVERPACKUNG aus ehemaligen Whiskyfässern, edle Lederapplikation und noble Nägel sowie der von Hand gefertigte RETRO-LEDERBEUTEL aus hochwertigem, rustikalem Büffelleder mit einem Originalstein aus der EIGERNORDWAND bilden das exklusive Umfeld zu diesem einmaligen Whisky.

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KOLUMNE

Aus dem Leben eines Galeristen:

Vom silbernen Lachen der Musen von Wilhelm J. Grusdat

D

as Frühstück war ein Skandal. Auf dem

Sinne hauchte schon die schöne Warhol-Muse Nico mit ih-

Gemälde sind zwei Damen und zwei Her-

rer rauchigen Stimme auf der ersten Platte der Band Velvet

ren zu sehen, die den lauen Sommertag

Underground «I'll be your mirror».

im Freien mit Gesprächen und Gaumenfreuden geniessen. So weit, so unspekta-

Nicht alle modernen Musen müssen einem gängigen

kulär, wäre da nur nicht die eine Dame im linken Vorder-

Schönheitsideal entsprechen, um erfolgreich zu sein. Sue

grund unbekleidet. Das Bild stammt von Eduard Manet, und

Tilly stand an der Kasse eines Londoner Nachtclubs, als

der hatte ein Talent dafür, das zeitgenössische Kunstempfin-

sie der britische Maler Lucian Freud entdeckte. Dieser war

den aufzurühren.

fasziniert von ihrer üppigen Figur und ihrer blassen Haut und porträtierte sie mit all ihren Makeln schlafend auf dem

Indem er seinen Akt zwar in einer Landschaft, aber nicht

Sofa. Heraus kam eines seiner bedeutendsten Gemälde –

in einem mythologischen Kontext zeigt, hintergeht er alle

«Benefits Supervisor Sleeping» –, das 2008 bei Christie's

gängigen Auffassungen, welche die Abbildung von nackter

für sagenhafte 33 Millionen Dollar versteigert wurde.

Haut legitimieren. Stattdessen gelingt ihm die Darstellung einer stolzen, aber eben nicht makellosen, modernen Frau.

Ich selbst bin ein Fan der reizenden Damen an der Sei-

Diese Dame hiess Victorine Meurent und war nicht nur ein

te meiner Künstler. Nicht alle sind so auffällig wie Sue Til-

bekanntes Modell, sondern auch die Muse zahlloser ande-

ly oder arbeiten direkt mit dem Künstler zusammen. Aber

rer Künstler.

mit ihrer Anwesenheit tragen sie zum Gelingen der Projekte bei. Dazu gehört auch Harriet McGurk, zweite Ehefrau des

Auch Claire Shelly fällt in diese Kategorie von Musen, die

Künstlers Frank Stella und begeisterte Ornithologin. Auf lan-

als Modell ins Leben der Künstler treten. In ihrem Fall in-

gen Spaziergängen mit Frau und Fernstecher gewann Stella

spirierte sie den Pop-Art-Künstler und meinen langjähri-

die Ideen zu den Serien «Indian Birds» (1977–79) und «Exotic

gen Freund Tom Wesselmann zur Serie «Great American

Birds» (1976–80). Mit Hilfe von Aluminiumplatten entwickelte

Nudes». Hier verkörpert Shelly – die übrigens später seine

er reliefartige Gebilde, über denen abstrakte, barockartige

Frau wurde – als vitale Blondine die selbstbewusste Seite

Zeichenformen zu schweben scheinen. Seine Arbeiten sind

des «American Way of Life».

eine Hommage an die Flüchtigkeit von Schönheit und an den Wunsch, diese festzuhalten. Denn auch wenn manche Mu-

Schöne Menschen begeistern. Niemand wusste das bes-

sen als Ehefrauen blieben, so sind doch Unberechenbarkeit

ser als Andy Warhol. Seine Musen waren «Superstars» und

und Flüchtigkeit Kennzeichen von Inspiration. Schon Homer

spiegelten im Leben wie in seinen Filmen den umstrittenen

berichtete vom silbernen Lachen der Musen, in das diese

Lebensstil der wilden 60er Jahre wider. Ganz in diesem

ausbrachen, wenn sie jemand einzufangen versuchte.

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Magie r von

t h c i L

m u a R d n u HervĂŠ Van der Straeten


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Der Künstler Hervé Van der Straeten gestaltet seine Objekte als Zusammentreffen von Kunst und Handwerk. Ob Lichtinstallation oder Möbel, die grossen Werke entstehen aus der ewigen Sehnsucht nach Perfektion, bei der Form und Ausführung gleichberechtigt sind.

«Gutes Design bringt dem Leben einiges. Es bietet dem Körper Komfort und bereitet den Augen Vergnügen.» Hervé Van der Straeten

G

von Susanne Schmitt

efesselt von Licht und Bewegung, hat Hervé Van der Straeten sein Leben der Suche nach aussergewöhnlichen Formen gewidmet. Eine Ambition, die ihn zu ebenso aussergewöhnlichen Materialien geführt hat, um einen Dialog der Kontraste anzustossen. Seine bevorzugten Ausdrucksfelder sind Bronzearbeiten, Kunsttischlerei und Lackierungen. Zu sehen sind diese herausragenden Kunstwerke in seiner Pariser Galerie im Stadtviertel Marais. Für Ruinart, das älteste Champagnerhaus der Welt, entwarf er kürzlich einen spiegelnden Champagnerkühler für drei Flaschen, welcher auf der Art Basel seine Premiere feierte. PRESTIGE traf den Künstler und Designer und sprach mit ihm über sein neustes Projekt «Miroir» und den Unterschied zwischen Kunst und Design.

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LIVING

einbringen. Die Besonderheit einer Champagnerflasche ist das Licht, das die Flasche innehat. So war die Arbeit mit Lichtspielen sehr wichtig. Licht spielt immer eine sehr grosse Rolle. Darüber hinaus wollte ich den Champagnerkühler für mehrere Flaschen kreieren. Ich finde, es ist uns ein sehr edles Objekt gelungen, und mein Anliegen war es, etwas zu erschaffen, das die Leute lange behalten werden. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Ruinart? Ich kannte Ruinart natürlich schon seit langer Zeit. Bei all meinen Eröffnungen und Ausstellungen gibt es Ruinart-Champagner. Es war eine absolut natürliche Verbindung und letztendlich hat Ruinart mich gefragt, ob ich an einer Zusammenarbeit interessiert wäre. Und das war ich natürlich. Auf die Frage hin, ob Sie eher Designer als Künstler sind, sagten Sie einmal: «Ich bin ein Designer, der totale Freiheit gewählt hat.» Gibt es einen Unterschied zwischen Kunst und Design? Ich designe Tische und Licht und nützliche Dinge. Manchmal ist es bildnerische Arbeit und die Leute sehen es als Kunst an. Aber für mich ist das nur ein sprachlicher Unterschied. Es ist nichts Falsches daran, ein Designer zu sein oder reine Design-Objekte zu entwerfen. Etwas als Kunst-Objekt zu bezeichnen, bringt es nicht zwangsläufig zu einem höheren Level.

«Ich benutze niemals einen Computer.» PRESTIGE: Der Flaschenkühler aus Ihrer «Miroir»-Kollektion, den Sie für den Champagner Ruinart Blanc de Blancs kreiert haben, reflektiert den Kontrast, aber auch das Zusammenspiel zwischen der Champagnerflasche und dem Objekt. Wie lange hat es gedauert, diesen Flaschenkühler zu erschaffen, und wie kamen Sie auf gerade dieses Design? Hervé Van der Straeten: Ich habe ein Skizzenbuch und ich zeichne alles per Hand und mit einem Bleistift. Ich benutze niemals einen Computer. Ideen kommen schneller, wenn man alles direkt vor sich auf einem Blatt Papier hat. Die Idee für den Champagnerkühler kam sehr schnell. In meinen Arbeiten findet man viele Kontraste. Für die Flasche wollte ich ein Umfeld gestalten, das den Kontrast zu der runden Form der Flasche hervorhebt. Die ist sehr speziell. Die Ruinard-Flasche ist rund, golden und hell. Um die Flasche hervorzuheben und sie so noch schöner zu machen, entwarf ich einen Kühler mit Ecken und Kanten – sehr modern und scharfkantig. Es sind der Kontrast auf der einen und die Konversation der beiden Objekte auf der anderen Seite, die mir gefallen. Und Licht … ich wollte mehr Licht

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nen nicht mögen. Ich habe meine Firma mit 19 Jahren begonnen und war sofort erfolgreich mit meinem Schmuck. Also wenn man so will, hatte ich schon immer Erfolg und versuchte mich auch gerne an einigen sehr gewagten und sehr starken Objekten. Das hat Wiedererkennungswert, obwohl ich mit unterschiedlichen Materialien arbeite.

Welches war das erste (Kunst-)Objekt, das Sie jemals erschaffen haben? Es begann eigentlich mit der Eröffnung meiner Galerie vor 13 Jahren. Ich begann Möbel zu designen. Das war eine bedeutende Wende. Ich begann Tische, Kronleuchter, grosse Spiegel zu entwerfen. Vorher waren es nur kleine Objekte. Eigentlich galt mein Interesse schon immer Möbeln. Am Anfang designte ich sehr erfolgreich Schmuck, heute machen Schmuckobjekte nur zehn Prozent meiner Arbeit aus. Es war eine Entwicklung.

Haben Sie ein geheimes Talent? Ich koche sehr gut. Meistens französisch. Und normalerweise schmeckt es den Gästen auch sehr gut.

Gibt es einen Gegenstand, den Sie schon immer mal entwerfen wollten?

Was inspiriert Sie, woher haben Sie Ihre Ideen?

Ich träume davon, irgendwann einmal ein Haus zu entwerfen. Das wäre eine Herausforderung. Momentan arbeite ich an meinem Garten. Das ist höchst interessant, da es komplett anders ist als all das, was ich bisher getan habe. Ich bin sehr genau und in meiner Arbeit steckt jede Menge Energie, viel Bewegung, aber zur gleichen Zeit auch Klarheit. Mit einem Garten ist das ganz anders. Man kann den Entwurf machen, aber da ein Garten lebt, ist alles in Bewegung beziehungsweise verändert sich ständig. Es wächst und macht quasi, was es will … man kann es nicht zu 100 Prozent kontrollieren. Und da ich ein Kontrollfreak bin, ist das eine grosse Herausforderung für mich. Das macht mich demütig. Man muss warten, sich kümmern, bereit und willens sein, sich um lebende Dinge zu kümmern.

Das ist eine Kombination aus Architektur, zeitgenössischer Kunst, dekorativer Kunst … aus Japan, Europa und verschiedenen anderen Elementen. Ich zeichne ständig neue Ideen in mein Skizzenbuch. Doch ich brauche für meine Ideen kein bestimmtes Umfeld, keine bestimmte Umgebung, lediglich den richtigen Moment. Ihre Lieblingsmaterialien sind Bronze, Chrom, Marmor, Granit, Fiberglas, Spiegel und Lack … Gibt es Materialien, mit denen Sie nie arbeiten würden beziehungsweise die Sie nie für Ihre Objekte verwenden würden? Hmm, eigentlich nicht. Ich habe ein grosses Portfolio an Formen und Materialien und möchte ständig neue Dinge entdecken. Die meisten meiner Objekte entstanden aus einer starken Idee und ich versuche, sie durch die Wahl der richtigen Materialien so wertvoll wie möglich zu gestalten. Auch die Farbe ist wichtig. Manchmal habe ich eine sehr genaue Vorstellung der Farbe für ein bestimmtes Objekt. Es gibt zum Beispiel eine bestimmte Konsole nur in Rot, da sie so am dynamischsten wirkt.

Wie reagieren Menschen auf Ihre Arbeit? Für gewöhnlich reagieren die Leute sehr positiv auf mein Design. Ich erhalte viel positives Feedback. Es gibt nicht allzu viele Leute, die meine Galerie besuchen und sagen, dass sie meine Kreatio-

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LIVING

«Ich mag den Kontrast von hart und kalt mit warm.» Hervé Van der Straeten

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« meine neue lounge.» Küng Sauna erobert den Wohnraum. Mit aussergewöhnlicher Qualität, Innovation und Know-how setzen wir neue Massstäbe und schaffen einzigartige Designobjekte. Für Sie. Swiss Made.


LIVING

Sie haben gesagt, dass Sie ständig nach Perfektion streben … Sind Sie jemals wirklich zufrieden mit Ihren fertigen Objekten? Ich versuche immer, die Grenzen zu verschieben, und bei manchen Stücken ist es eine Frage der Zeit, wenn Sie verstehen. Alles geht sehr schnell. Ich habe meine eigene Galerie und somit auch totale Freiheit in meiner Arbeit. Ich habe auch die Freiheit, mir so viel Zeit zu nehmen, wie ich brauche, um mein Ziel zu erreichen. Wenn ich also ein Modell für ein Design-Stück 3-, 4- oder 5-mal erstellen muss, so tue ich das. Aber ja, um auf Ihre Frage zurückzukommen, ich bin mit meinen Objekten und meinem Design sehr zufrieden. Nehmen Sie zum Beispiel den Ruinart-Champagnerkühler. Er ist fast mineralisch. Mit diesem Stück bin ich sehr zufrieden. Wie würden Sie Ihr Design in drei Worten beschreiben? Graphisch, stark und verspielt.

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«Die Schönheit DeS erSchaffenen entSteht, wenn man Die weSenSart eineS BauStoffeS ehrt.» Louis Kahn, amerikanischer architekt

Edle Beton-Lavabos, von Hand geschaffen Was der amerikanische Architekt Louis Kahn sagt, gilt ganz besonders für die Lavabos aus der Beton-Manufaktur. Mit Kopf und Hand kreieren wir in Einigen am Thunersee neue Ideen und Produkte. Mit Leidenschaft und dem Flair für das Besondere. Deshalb genügen unsere Lavabos den höchsten Ansprüchen in Sachen Ästhetik und Individualität. Manuell gefertigt aus speziellen Betonsorten, langlebig und formschön. Damit sie ihren Besitzern dauerhaft Freude bereiten.

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Soup Maker von Cuisinart Gemüse beigeben, aufkochen, mixen, und fertig ist die Suppe. Beim Soup Maker von Cuisinart handelt es sich um einen Mixer mit Kochfunktion. In weniger als 20 Minuten kann man mit diesem 2-in-1-Gerät köstliche, hauseigene Suppen oder Saucen zubereiten. Dabei bleibt einem das Umleeren aus der Pfanne in den Mixer und zurück erspart. Der Soup Maker kocht und mixt alles von alleine, dem Koch bleibt lediglich die Aufgabe, frische Zutaten hinzuzufügen. Je nach Wunsch kann man den Soup Maker auf 80, 90 oder 110 Grad und die Zeitschaltuhr auf 1 bis 30 Minuten einstellen. Auch harte Nahrung oder Eiswürfel werden problemlos zerkleinert. Zu jedem Soup Maker gibt es das Kochbuch «Kochen und Emulgieren» mit Rezeptideen vom renommierten französischen Jahrhundertkoch Paul Bocuse.

Interior News Living & More

Behive-Deckenleuchte von Werner Aisslinger Die Natur ist eine der Inspirationsquellen für die Leuchte Behive, deren Name sich vom englischen Wort «beehive» (Bienenstock) ableitet – eine Assoziation, die durch das sanft gerundete Volumen der Leuchte entsteht. Behive ist sinnlich und elegant zugleich und besteht aus einer Reihe übereinander angeordneter Ringe mit unterschiedlichem Durchmesser. Aufgrund ihrer unnachahmlichen Lichtwirkung und der perfekten Synthese aus technologischer Forschung und formaler Schlichtheit ist Behive als Tischleuchte bereits ein Klassiker. Behive ist nun auch als Hängeleuchte erhältlich, die – wie auch die Tischversion – ein warmes, angenehmes Licht ausstrahlt, das mit einer nach unten gerichteten Lichtquelle kombiniert ist. Eine Abdeckung im Inneren der Leuchte verbirgt den technischen Teil und ermöglicht dem Licht, sich uneingeschränkt nach unten zu entfalten.

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Stuhlprogramm 580 von Claudio Bellini Der italienische Designer Claudio Bellini hat für Thonet ein elegantes Stuhlprogramm für den Wohn- und Essbereich entworfen. Der Polsterstuhl 580 mit seiner puren Form wurde erstmals auf der diesjährigen Mailänder Möbelmesse vorgestellt und komplettiert das bereits bestehende Tischprogramm 1580. Charakteristisch für das Stuhlprogramm sind die durchgehende Rückenlehne und die schmale Polster-Sitzschale, die bündig auf dem Vierfussgestell mit den grazilen, nach innen gewölbten Stuhlbeinen aufliegt. Claudio Bellini intendierte bei seinem Entwurf, gemäss der Thonet’schen Philosophie eine klare, schlichte Designsprache zu wahren, auf diese jedoch einen zeitgenössischen Blick zu werfen. Das Stuhlprogramm 580 gibt es in Ausführungen mit und ohne Armlehnen. In der Version mit den durchgehenden, formschönen Armlehnen präsentiert sich das Programm als etwas breiterer Sessel für den Wohnbereich.

3000 Njord Als international operierender Objekteinrichter steht für Kusch+Co insbesondere die Verbindung von Tradition und Innovation im Fokus. Moderne Impulse werden seit jeher aus der Zusammenarbeit mit zukunftsweisenden Designern gewonnen. Dazu zählt unter anderen Luigi Colani, der bereits 1969 aussergewöhnliche Sitzmöbelprogramme für Kusch+Co entwarf. Der ungewöhnliche 3000 Njord ist zugleich Stuhl und Sessel – ein kompakter Lounger, der sowohl am Tisch oder als Beistellmöbel genutzt werden kann. 3000 Njord besteht aus einem Gestell aus Holz, das die Sitzschale aus Polyesterfilz trägt. Aufgrund der gelungenen Formensprache und der hohen Gestaltungsqualität wurde 3000 Njord von einer 30-köpfigen Fachjury mit einem der begehrten «red dot award: product design 2012» ausgezeichnet. Gestaltet wurde der Sessel von Antonio Scaffidi und Mads K. Johansen, einem jungen Designteam aus Dänemark.

Lavabos aus Beton Modern, schlicht und edel: Die Waschtische aus der BetonManufaktur lassen das Herz von Puristen und Designliebhabern höher schlagen. Die Eigenschaften des natürlichen Werkstoffes Beton kommen dabei voll zum Tragen. Die Anmutung von Rohheit ist dabei genauso erwünscht wie Reduktion auf das Wesentliche. Möglich wird die überraschende Materialisierung durch den Hochleistungsbeton VIFORT® von Creabeton Matériaux, der in der Beton-Manufaktur zum Einsatz kommt. Er bietet eine bis zu fünf Mal höhere Festigkeit, was ein Arbeiten mit massiv dünneren Wandstärken und ohne Armierungseisen erlaubt. Mit seiner feinen Struktur, seinem Dehnverhalten und seinen ästhetischen Vorzügen garantiert er ein Höchstmass an Gestaltungsfreiheit. Jedes der von der renommierten Designschmiede atelier oï entworfenen Lavabos wird in der Beton-Manufaktur manuell gefertigt – als Einzelstück, das seinen Besitzern dauerhaft Freude bereiten wird.

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KOLUMNE

Warum Wasser zum Investment wird von Walter Bollier

W

asser ist das wichtigste Lebensmittel

Schmutzwasser in den USA anfallen. Zwar wird schon jetzt

und der wichtigste Rohstoff unseres

der Grossteil des Wassers wieder aufbereitet, doch wächst

Planeten. Das rapide Bevölkerungs-

der Druck zu handeln, denn für 2013 wird durch die derzei-

wachstum und die unaufhaltsame Ur-

tige Dürre in 36 Bundesstaaten mit einem knapperen Was-

banisierung haben in vielen Regionen

serangebot gerechnet. China wiederum gab bekannt, seine

bereits zu einem akuten Mangel an sauberem Süsswasser

Investitionen in die Wasserversorgung bis 2020 auf USD 636

geführt. Entlang der grossen Flusstäler in Asien, der Wiege

Mrd. erhöhen zu wollen. Gemäss einem neuen Wasserplan

grosser Kulturen, droht sogar das Risiko eines Atomkrieges

ist beabsichtigt, bis 2030 die Wasserentnahme aus den 25

zwischen Pakistan und Indien um das kostbare Nass. Nach-

grössten Flüssen des Landes in den einzelnen Provinzen

haltige Investitionen in eine optimierte Wasserversorgung

zu verringern und die Hauptstadt in Zukunft zusätzlich mit

können hier den Frieden sichern. Doch auch in den Indust-

entsalztem Meerwasser zu versorgen, um den steigenden

rieländern häufen sich die Probleme, weil unsere Wasserlei-

Bedarf zu decken. Schon heute sind über 15'000 Meerwas-

tungen überaltert sind. In Grossbritannien geht zum Beispiel

serentsalzungsanlagen in über 150 Ländern aktiv. Da sich

rund ein Viertel des Leitungswassers durch Lecks verloren,

der weltweite Wasserverbrauch bis 2050 verdoppeln dürfte,

das sind umgerechnet 3,4 Mrd. Liter Wasser täglich. Durch

wird der Bestand solcher Anlagen rapide zunehmen. 2015

riesige Investitionen sollen diese Verluste bis 2015 signifikant

dürften in den Bau neuer Anlagen oder in die Erneuerung

verringert werden. Eine Untersuchung der Vereinigung der

bestehender Einrichtungen zur Meerwasserentsalzung USD

Wasserwerkebetreiber in den USA zeigt, dass die dringend

18 Mrd. investiert werden. Die steigenden Investitionen in

notwendige Sanierung der Trinkwasserleitungen in den USA

den Wassersektor haben zu unterschiedliche Reaktionen

bis zum Jahr 2035 mindestens USD 1000 Milliarden kosten

geführt. Zum einen ist das Bewusstsein für einen sinnvollen

dürfte. Neben der aktuellen Dürre bedroht die Wasserversor-

Umgang mit Wasser gestiegen. Zum anderen haben Investo-

gung in den USA noch ein weiteres Problem. Die verstärkte

ren erkannt, welche Chancen der Sektor bietet. Tatsächlich

Öl- und Gasexplorationstätigkeit in vielen US-Bundesstaa-

dürften wir heute mit den zur Verfügung stehenden Wasser-

ten und die Ausbreitung der Öl- und Gasgewinnung durch

Fonds (z.B. www.amcfm.ch) erst am Anfang einer Entwick-

sogenanntes Fracking, bei dem ein Gemisch aus Wasser

lung stehen. Vielleicht wird man in einigen Jahren nebst in

und Chemikalien mit Hochdruck in die Bohrlöcher gepumpt

Aktien und Fonds direkt in Wasser investieren. So könnte

und wieder hochgespült wird, haben zu einem rapiden An-

der Handel mit Wasserrechten, wie er schon in Australien

stieg von Schmutzwasser geführt. Schätzungen gehen da-

existiert, global wachsen. Das Fazit dürfte sein: Wasser wird

von aus, dass auf diese Weise täglich 60 Millionen Barrel

immer wertvoller.

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LIVING

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LIVING

Der Lichtzauberer Olafur Eliasson «Man findet in der Natur einfach einen unheimlichen Reichtum in der Darstellung von dimensionalen Phänomenen. Die Natur trägt eine grosse illusorische Qualität in sich. Jeder kann seine Metaphern und seine Erinnerungen hineinprojizieren. Die Natur hat etwas unglaublich Offenes. Das hört sich kitschig an, aber als Sprache ist das phänomenal.» Olafur Eliasson

von Lone K. Halvorsen

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Physikalische Naturphänomene

er wohlige Entspannung sucht, geht eher in die Badewanne, selten ins Museum. 2003 aber pilgerten Entspannungssuchende mit Picknickkörben in die Londoner «Tate Modern», legten ihre Decken auf den kalten Boden, sich selbst darauf und schauten entzückt zur Decke. Die Turbinenhalle der «Tate» ist kein Ort, wo man sich ausstrecken will. Man fühlt sich ameisenklein verloren, bestenfalls ist man von der Monumentalität so bewegt, dass man galant hindurchpromeniert. Doch den Unterschied zwischen gemütlich und ungemütlich, das doziert jeder Einrichtungsberater, bestimmt die Lichtsituation. Und für eine solche ist Olafur Eliasson Experte.

Seit Jahren untersucht Eliasson die Erscheinungsformen von Licht. Diese baut er mit Scheinwerfern, Projektoren, Spiegeln, Farbfiltern, Nebel und optischen Linsen nach und zeigt mit allem technischen Brimborium das, was in der Natur alltäglich ist – Lichtwechsel, Schattenspiele, Regenbogen, Spiegelungen – oder wie in der Turbinenhalle eben einen Sonnenuntergang. Dafür installierte er an der Wand einen halbrunden Sonnenlichtkegel, der die ganze Halle in honiggelbes Licht tauchte, liess dazu ein wenig künstlichen Nebel hineinpusten und schon schlug das «Weather Project» gehörig auf das Betrachtergemüt. Selbst wenn er für

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Werbemassnahmen Luxuskaufhäuser-Schaufenster gestaltet oder Autos einfriert, immer ist Eliassons Kunst beinahe körperlich spürbar. Dass seine Werke trotzdem nicht wie meditatives Lava-Lampen-Feng-Shui daherkommen, dafür sorgt seine Ehrlichkeit. Denn die Technik wird nicht wie im Theater hinter der Bühne versteckt, sondern ist stets sichtbar. Eliasson präsentiert das künstlich generierte «Naturereignis» als physikalisch-technische Unterrichtsdemonstration wie jemand, der sagt: Wasser plus Hitze macht eben Kochwasser. Damals in der «Tate» haben 2,2 Millionen Menschen dieses Phänomen miterlebt.

Künstliche Naturphänomene In den neunziger Jahren war Eliasson mit verblüffend simplen und effektvollen optischen Tricks bekannt geworden. Einmal spannte er eine sonnengelbe Folie durch den Raum, in dem es plötzlich aussah, als falle warmes Abendlicht herein. Bei Utrecht wunderten sich Autofahrer, dass die Sonne auf der verkehrten Horizontseite hinter ein paar Bäumen unterging – bis der Künstler sie abholte: Es war eine Scheibe mit fast vier Meter Durchmesser. In Stockholm starrten 1998 die Leute erstaunt ins Wasser, das giftgrün leuchtete – Eliasson hatte eine Farbe benutzt, die Wissenschaftler zum Markieren von Flussverläufen verwenden, er hatte sozusagen

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«Man steht in einer Beziehung zum Raum; man sieht ihn, man bewegt sich in ihm oder tut irgendwas in ihm, und der Raum verfügt aufgrund seiner offenen Ideologie über die Fähigkeit, einem zu zeigen, daSS man sich in ihm befindet.»

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«Ich bin Künstler und kein Architekt und auch kein Wissenschaftler. Aber im Moment ist niemand daran interessiert, wie man etwas präzise nennt. Kunst ist nur noch ein Begriff, den Galerien verwenden, um ihre Existenz zu rechtfertigen.»

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die Avantgarde-Idee des All-over-Painting aufs Stadtformat hochgezoomt; die Farbe verliess das Museum und überschwemmte den öffentlichen Raum. Olafur Eliasson möchte, dass die Kunst etwas mit dem Leben zu tun hat und über die elitäre Kunstszene hinaus Menschen ansprechen. Manchmal holt er dafür die Kunst aus dem konservativen Gebilde «Museum» – wie bei «The New York City Waterfalls». 2008 liess Eliasson 110 Tage lang vier künstliche Wasserfälle rund um die Südspitze von Manhattan installieren und Unmengen von Wasser in den East River fallen. Das von der Stadt und Sponsoren finanzierte Projekt diente einerseits als touristische Attraktion, sollte aber auch Denkanstösse zu Umweltschutz und Stadtplanung geben. Gerade in der heutigen Zeit mit unserer klimapolitischen Situation sind Eliassons Kunstwerke aktueller und brisanter denn je. Auch wenn seine Werke – wie zum Beispiel die Wasserfälle, der künstliche Sonnenaufgang oder das ständig zu frostende Auto – selbst Energieschlucker sind und somit Beschleuniger der Klimakatastrophe, so sind doch zwei Millionen Autofahrer, die nach der Betrachtung darüber nachdenken, ob sie selbst nicht eine grosse Schuld tragen, und ihr Verhalten ändern, ein paar ausgelastete Kühlaggregate wert.

Labor und interdisziplinärer Raum, in dem stets aufs Neue überraschende Dialoge zwischen Kunst und Natur angestossen werden. Eliasson ist gut im Geschäft. Seine kleinen Kaleidoskope werden für um die 100'000 Euro versteigert. Grössere Objekte erzielen ein Vielfaches an Gewinn oder kommen gar nicht erst auf den Markt, da sie schon während ihrer Entwicklung von Sammlern und Museen gekauft werden. Seine künstlerische Laufbahn begann an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen. Hier verbrachte er auch seine Kindheit mit der Mutter, einer Näherin, und dem Vater, der selber Künstler war. Zu seinen Vorbildern gehörte Robert Irwin. Seine pragmatischen Vorstellungen von Körper und Raum entsprechen Eliassons Vorstellungen von der Realität.

Im Labor der Kunst Diese umfangreiche Enzyklopädie bietet einzigartige Einblicke in die vielen Projekte des Studios von Olafur Eliasson. 26 Schlüsselbegriffe zu Eliassons Werk wie Beauty, Gravitation oder Utopia werden in alphabetischer Folge präsentiert und entfalten sich in kurzen, intensiven Gesprächen mit dem Künstler. Berücksichtigt wurden fast alle bisher realisierten Arbeiten, darunter Eliassons oft riesenhafte Installationen, Fotografien, Skulpturen und Architekturprojekte. Zusätzliches Material wirft Licht auf die längerfristig laufenden Forschungsprozesse im Berliner Studio. Der renommierte Kunsthistoriker Philip Ursprung verfasste den einleitenden Essay und führte die Interviews mit dem Künstler. Ein im wahrsten Sinne des Wortes erhellendes Buch!

Künstler und Unternehmer Eliasson ist nicht nur einer der weltweit wichtigsten und erfolgreichsten Künstler der Gegenwart. Er ist auch, im allerbesten Sinne, der populärste. Das zeigt sich nicht nur an den Tausenden von Besuchern, die seit Jahren zu seinen Installationen und Ausstellungen strömen. In seinem riesigen Atelier im Prenzlauer Berg, arbeiten stets 30 bis 50 Leute an bis zu 50 Projekten gleichzeitig – Architekten, Kunsthistoriker, Designer und diverse Technikexperten. «Es geht nicht darum, ob das, was wir tun, Architektur oder Kunst ist; es geht nicht darum, zwei Gebiete zu polarisieren ... Vielmehr geht es darum, nach vorne zu schauen und zu erkennen, dass es uns das hier im Studio gebündelte Wissen erlaubt, traditionelle Grenzen der Kunst zu überschreiten.» So erläutert Eliasson die Rolle seiner Atelierwerkstatt in Berlin. Unter der Leitung des dänisch-isländischen Künstlers fungiert sie als experimentelles

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KOLUMNE

«PRINZEN» von Vera Dillier

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n Abenden, wo ich nichts vorhabe, zappe durch die Fernsehsender. Beim Promi-Dinner auf VOX habe ich letzthin angehalten: Drei Prinzen – alle adoptiert – waren da versammelt, und die anwesende Dame hätte, auch Prinzessin werden sollen. Der erhoffte zukünftige Adoptivvater – Frédédic von Anhalt (selber auch nur ein adoptierter Prinz) – wollte jedoch – wegen der zu offensichtlichen Vulgarität der Silikonblondine – von seinem Angebot zurücktreten. Treuherzig meinte er – aus LA direkt übertragen –, dies könne er doch seiner Familie nicht antun. Welche Familie der wohl meinte? Dachte er an die schon früher für Geld von ihm adoptierten «Kinder», zu denen auch ein bekannter Bordellbesitzer gehört, oder an die echte Familie der von Anhalt.

der kleine Hansi Huber, den ich vor vielen Jahren in Saint-Tropez kennengelernt hatte. Der musste wohl irgendwann über Nacht zum Prinzen mutiert sein. Einige Zeit später in St. Moritz traf ich ein wichtiges, reiches Ehepaar. Sie grüssten etwas von oben herab und erklärten mir, dass sie heute Abend ein grosses Dinner für eben diesen Prinzen geben würden. Mit viel Ironie meinte ich (was denen entging): «Puh, das ist aber eine grosse Ehre für Euch.» Sie waren von meiner Bewunderung gerührt und luden mich dann gönnerhaft auch zum Dinner ein. Es war ein besonderer Spass, mein altes Kamerädli Hansi Huber und heutigen Prinzen mit den Worten «Prinz – schön, Sie mal wiederzusehen» zu begrüssen. Die Gastgeber waren beeindruckt, dass ich ihren hohen Besuch kannte. Es ist schon amüsant, wie reiche Wichtigtuer genauso wie einfache Leute vor irgendeinem Titelchen vor Ehrfurcht fast erstarren. Früher kaufte man sich gerne einen Doktor-Titel, um von der Umwelt als wichtig wahrgenommen zu werden. Nachdem der Dr.-Titel ohne Universitätsstudium und selbst erarbeitete Doktorarbeit viel Ärger einbringen kann, wie prominente Beispiele gezeigt haben, sind nun Adelstitel der grosse Renner, weil sie viel einfacher und aus zweiter Hand recht günstig zu kaufen sind. Ausserdem ist die Berufsbezeichnung «Prinz» nicht geschützt und erfordert keinen intellektuellen Leistungsausweis.

Im Fernsehen versuchten sich die Neo-Prinzen unterdessen krampfhaft in adligem Benehmen, was ziemlich misslang: So hockte sich der eine Prinz mit Hut auf dem Kopf an den Tisch und die verhinderte Prinzessin traf mit einer vollen Stunde Verspätung ein. Vom berühmten Satz «Pünktlichkeit ist die Höflichkeit der Könige» scheint diese Person noch nie etwas gehört zu haben. Nun endlich konnte der kochende Prinz seinen Gästen den ersten Gang servieren: Salat mit feinstem Suhsi-Lachs darauf. Aber wie heisst es so schön: «Was der Bauer nicht kennt, isst er nicht.» Da die feinen Herren in kulinarischer Hinsicht eher «Bauern» und nicht Feinschmecker waren, musste der Prinzen-Koch mit seinem ersten Gang wieder in Küche zurück und den Lachs anbraten. Tja, Prinz werden ist nicht schwer, Prinz sein dagegen sehr.

Die wahren Adligen legen in ihrem Privatleben selten Wert auf ihre Titel. Man hat sie, aber spricht nicht gross darüber. Otto von Habsburg erklärte mal am Fernsehen, dass er absolut keinen Titel mehr habe, da die Monarchie in Österreich abgeschafft worden sei. Ich war immer ein grosser Bewunderer von ihm wegen seiner Haltung im Zweiten Weltkrieg und seinen Visionen von einem geeinten Europa. So liess ich es mir nicht nehmen, als er beim Zürcher Sechseläuten in einer Kutsche als Ehrengast mitfuhr, ihm Blumen mit den Worten «Meine Verehrung Herr von Habsburg» zu überreichen. Als er meine Hand hielt und sich mit ein paar liebenswürdigen Komplimenten bei mir für die Blumen bedankte, wurde mir bewusst, dass ich soeben nicht nur einem der höchsten Adligen Europas, sondern einem der bedeutendsten Männer unserer Epoche die Hand hielt. Diese Art Menschen haben meine absolute Hochachtung.

Das erinnerte mich sehr an eine alte Geschichte: In einer Restaurant-Bar in New York hatte mich damals ein junger Herr mit den Worten angesprochen: «Kennen wir uns nicht?» Irgendwie kam er mir bekannt vor. Aber als er mir sein Visitenkärtchen mit einem Prinz von und zu drauf gab, konnte ich mich nicht daran erinnern, dass mir jemand mit so einem Namen schon mal begegnet war. Erst eine Stunde später, als ich schon weg war, dämmerte es mir und ich musste mich vor Lachen hinsetzen. Der Prinz von vorhin war doch tatsächlich

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Nof r e t e t e s Nach fa h r en Von roten Lippen und schwarz umrandeten Augen Schon Nofretete trug sie. Und zahlreiche andere Königliche im Alten Ägypten trugen sie auch. Augenkosmetik war im Alten Ägypten populär, und das nicht zuletzt wegen ihrer magischen Bedeutung.

von Yvonne Beck

D

ie ersten Spuren von Kosmetikverwendungen und Schminke führen uns in das Alte Ägypten. Die Ägypter waren die Ersten, die selbst hergestellte Farben benutzten, um diese zur eigenen Schönheitspflege zu benutzen. Sie schmückten sich, um den Göttern «ähnlicher» zu werden. Denn nach ihrem Glauben spiegelte die körperliche Erscheinung eines Menschen seine Seele wider, und so erweckte die Oberfläche ihrer Körper das Wohlgefallen der Götter. Zudem schützten sie bereits ab 2500 vor Christus ihre Haut vor der intensiven Sonnenbestrahlung mit Salben und Ölen. Eine besondere Bedeutung kam jedoch der Betonung der Augen zu, da die Augen ein Sinnbild für den Sonnengott Ra darstellten. Die hierzu genutzten schwarzen und grünen Farben wurden häufig von Priestern hergestellt und wie Kajal benutzt.

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«Make-up can only make you look pretty on the outside but it doesn’t help if you're ugly on the inside. Unless you eat the make-up.» Audrey Hepburn

Die Schönheitsrezepte der alten Pharaonen waren streng gehütete Geheimnisse – wie heute die neusten Formeln der Kosmetikhersteller. Durch Ausgrabungsfunde weiss man heute, dass sie mineralische und metallische Spurenelemente wie Eisenoxid, Antimon und Malachit mit Wasser vermischt zur Gesichtspflege auftrugen. Tierische Fette, Honig, Ambra, Moschus und Myrrhe waren weitere wichtige Zutaten für Cremes. Anders als heute kamen die Ägypter damals ausschliesslich mit natürlichen Zutaten aus. Zum Färben der Handflächen und der Fingernägel und für andere kosmetische Bemalungen verwendete man Henna – wie es heute noch in Indien gang und gäbe ist. Für Lippen und Wangen wurde eine fetthaltige rote Paste unter Beimischung des Minerals Zinnober benutzt.

Schönheitskult in Europa Erst Alexander der Grosse brachte von seinen ägyptischen Eroberungszügen die Erkenntnisse über die Herstellung von nach Griechenland. Die Griechen erfanden den passenden Namen «Kosmetik» für das «eroberte» Wissen – das griechische Verb «kosméo» bedeutet so viel wie «ordnen» oder «schmücken». Schon bald erblühte ein Handel mit den neuen Produkten. Schminke, Badesalze, parfümierte Salben und Salböle gab es auf fast jedem Bazar. So waren die Griechen wahrscheinlich die ersten geschminkten Menschen Europas. Die Römerinnen benutzten erst nach der Eroberung Griechenlands ausgiebig dekorative Schminke. Zum Entfernen wurde Olivenöl oder Esels- beziehungsweise Ziegenmilch benutzt. Die zu dieser Zeit genutzte Wimperntusche wurde aus gebranntem Kork hergestellt.

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Marilyn Monroe wurde mit ihrem roten Schmollmund berühmt.

Bereits vor hunderten von Jahren war die Kosmetikbranche Trends und Modeerscheinungen unterworfen. So galt beispielsweise im Mittelalter nur der blasse Teint als schön. Um eine makellose Blässe zu erreichen, verwendete man das hochgiftige Bleiweiss. Im 18. Jahrhundert wurden neben Bleioxid auch Wismutoxid, Quecksilberoxid, Zinnoxid und Talk zum Aufhellen der Haut verwendet. Doch erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurden Kosmetika unter Berücksichtigung der möglichen Gesundheitsfolgen hergestellt. Gegen den ausschweifenden Gebrauch von Kosmetika sprach sich die Kirche aus, sie verlangte im Sinne der Frömmigkeit, dass die Menschen sich um die «inneren» Werte bemühen. Die «äusserliche» Schönheit hingegen wurde gering geschätzt. In der Renaissance wurde das Färben von Wangen und Lippen durch Elisabeth I. in England und Katharina von Medici in Frankreich wieder populär. «Vornehme» Frauen und Männer bedienten sich dabei der Kosmetika gleichermassen. Durch die neue Mode setzte man sich vom «gemeinen Volk» ab.

Erst Schwarz, dann Rot Dass sich Frauen die Lippen anmalen, ist heutzutage völlig alltäglich, zumindest in unserem Kulturkreis. Der erste moderne Lippenstift wurde im Jahr 1883 auf der Weltausstellung in Amsterdam der Öffentlichkeit präsentiert, und zwar von Pariser Parfumherstellern. Der in Seidenpapier gewickelte Stift war aus Rizinusöl (ein Produkt des afrikanischen Wunderbaums), Hirschtalg (Körperfett des

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BEAUTY

Revlon-Plakat aus dem Jahre 1939

Hirsches) und Bienenwachs hergestellt. Da er noch keine Hülse besass und nur in Papier gewickelt war, nannte man ihn respektlos saucisse (Würstchen).

Besonders die französische Schauspielerin Sarah Bernhardt, eine Diva des späten 19. Jahrhunderts, machte den Lippenstift populär, als sie mit kirschrotem Mund auf der Bühne stand, und schenkte ihm den Namen Stylo d'Amour. In den 1930er-Jahren konnte man vor allem in den USA mit Kosmetik viel Geld verdienen. Deshalb entwickelten zahlreiche Firmen immer neue LippenstiftFarben, die reissenden Absatz fanden. Neben Rot und Schwarz gab es zum Beispiel «Shiap», ein helles Pink, und «Shocking», einen knalligen Fuchsiaton. Der Lippenstift wurde unentbehrliches Beauty-Accessoire und durfte in keiner Damenhandtasche fehlen. Einer der ersten beliebten Modelle trug den französischen Namen «Rouge Baiser» – auf Deutsch «roter Kuss». In den 1950er-Jahren kam dann auch die Drehmechanik hinzu, die heute bei vielen Lippenstiften Standard ist. Endlich konnten sich die Damen die Lippen anmalen, ohne sich auch die Finger oder die Handtasche zu färben.Nach dem Krieg wurde der Lippenstift auch in Deutschland immer beliebter. Heute zählt der Lippenstift zu den meistbegehrten Kosmetikprodukten, fast jede Frau verwendet eine oder mehrere Farben, passend zur Garderobe, zur Jahres- und Tageszeit und zur Stimmung. Aus dem täglichen Make-up-Ritual ist er einfach nicht mehr wegzudenken.

In den ersten Stummfilmen wurde er eingesetzt, um Darstellerinnen einen schwarzen Kussmund zu schminken. Die ersten Stummfilmstars wie Clara Bow, die ihre Lippen mit dem Amorbogen schmückte, oder Theda Bara mit ihren Vamp-Lippen sowie Mae Murray mit ihrem Bienenstich-Mund setzten Trends und machten den Lippenstift endlich salonfähig. Der sogenannte BienenstichMund war ein Trick von Max Factor, den er für den Film entwickelte. Da die üblichen Pomaden durch die heissen Studiolampen zerflossen, überschminkte er den Mund und malte darauf einen kleinen kecken Kussmund. Auf Zelluloid war Schwarz als Farbe am besten geeignet, und damit kam der fast schwarz geschminkte Mund in Mode. Von nun an trug Frau einen schwarz geschminkten Mund. Einziges Problem war, dass der Lippenstift nicht besonders lange hielt. Anfangs war er zudem noch sehr teuer und nur wenige Frauen trauten sich, ihn zu benutzen. Erst in den 1920er-Jahren hatten Chemiker an der Erzeugung eines Lippenstifts mitgewirkt, der zu einem erschwinglichen Preis über die Ladentheke ging.

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Stummfilmstars Clara Bow

Im 21. Jahrhundert zählt der Lippenstift nach wie vor zum beliebtesten Make-up-Produkt, mehr als 80 Prozent aller Frauen zwischen 20 und 80 Jahren benutzen regelmässig Lippenstift. Ob kussecht, knallig, glossy, schrill oder ganz dezent – bis heute ist der Lippenstift nach wie vor das beliebteste Beauty-Utensil. Frauen, die sich täglich die Lippen schminken, verzehren auf diese Weise jährlich einen ganzen Lippenstift. Doch das ist immer noch besser als die Praktiken, denen sich Katharina die Grosse bediente. Sie liess sich, in Ermangelung des noch nicht erfundenen Lippenstiftes, von ihren Dienerinnen die Lippen ansaugen und aufbeissen, damit sie schwellend und blutrot wirkten. Einen Nachteil hat der heutige Lippenstift jedoch auch: Wer mit sündig roten Lippen in Berührung kommt, ist schnell gebrandmarkt. Und so mancher Ehestreit entbrannte, weil Mann Frau nicht die roten Spuren am Hemdkragen erklären konnte.

Beauty-Pioniere Ein Vorreiter auf dem Gebiet der Kosmetikherstellung war Max Factor, der unter anderem den Look von Stars wie Gloria Swanson, Greta Garbo und Joan Crawford kreierte; ihm wird auch die Erfindung des Begriffs «Make-up» zuMax Factor geschrieben. Guerlain hat den Lippenstift 1910 erstmals in eine Metallhülse gesteckt. Die Revlon-Brüder Charles und Joseph produzierten nicht nur den ersten Nagellack, sondern waren auch die Ersten, die die Farbe für die Nägel mit der für die Lippen aufeinander abstimmten. Die amerikanische Chemikerin Hazel Bishop entwickelte den auch heute noch verwendeten Lippenstift auf Lanolin-Basis, der die Farbe nicht verschmieren lässt.

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Der typisch italienische Erfolgscharakter Tomaso Trussardi

Einst als Handschuhfabrik von Dante Trussardi gegr端ndet, wird das italienische Familienunternehmen Trussardi heute in vierter Generation gef端hrt. Beatrice Trussardi leitet die Geschicke des Modeunternehmens und ist verantwortlich f端r alle Linien mit dem Windhund-Logo.

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von Valeska Jansen

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amenmode, Herrenmode und eine Kinderkollektion, gefolgt von exklusiven Accessoires und eigenen Düften. Trussardi ist nicht nur ein Modeunternehmen, es ist eine Lifestyle-Marke. Beatrices Schwester Gaia fungiert als Modekoordinatorin, und nun tritt auch der jüngere Bruder Tomaso ins Rampenlicht. Er repräsentiert für die neueste Duftkreation Trussardis, My Land, seine Stadt, Mailand.

PRESTIGE: Was ist Ihnen bei einem Herrenduft wichtig?

Das perfekte Mailänder Model

Zitrusdüfte sind nichts für mich!

Tomaso Trussardi: Ich liebe es, einen Duft zu tragen. Meine Lieblingsingredienzien dabei sind Bergamotte und Lavendel. Ebenso liebe ich frische und würzige Düfte. Ein Hauch von Leder sollte auch dabei sein.

Welche Düfte mögen Sie gar nicht?

Als Model soll er den typischen italienischen Erfolgscharakter verkörpern. Gebildet, Kunst- und Kultur-interessiert und nicht zuletzt gutaussehend. Seine lässige Eleganz steht ganz im Einklang mit der Zielgruppe des neuen Duftes: Der neue Trussardi-Mann ist luxuriös und gleichzeitig alternativ, hat gute Umgangsformen und ist Shopping addicted. Dazu ist er einzigartig, individualistisch, egozentrisch und narzistisch. So verkündet es zumindest der Parfum-Lizenznehmer ITF Cosmetics – einer der grössten italienischen Kosmetik-Distributeure. Wir treffen Tomaso, das Sinnbild und Kampagnenmodel des neuesten Herrenduftes My Land in der Trussardi-Boutique an der Piazza della Scala im Zentrum Mailands zum exklusiven Interview:

Ihre früheste Erinnerung an einen Duft? Oh das war Trussardi Action. Und dann natürlich der Lieblingsduft meiner Mutter, danach duftete sie immer, Trussardi Bianco (Beide nicht mehr im Handel erhältlich, Anmerkung der Redaktion).

Wie sieht der Trussardi-My-Land-Mann aus? Er ist um die dreissig, intelligent, selbstbewusst, er reist gerne, ist aber trotzdem stark mit seiner Heimat verwurzelt. So, wie My Land mein Mailand, meine Heimat ist.

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«In Italien spielt das Essen eine sehr grosse Rolle und genauso die Mode. Italiener wollen überall immer die Besten sein.»


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Inwieweit spielt die italienische Lebensart dabei eine Rolle?

Oh nein. Das wäre ein grosser Fehler für ein traditionelles Unternehmen wie unseres. Wenn es danach ginge, dürften wir nach China nur kleinere Taschenmodelle liefern und auch nicht aus Leder, sondern aus Kunstleder, wegen der hohen Luftfeuchtigkeit. Aber als Familienunternehmen ist es das grosse Ziel, sich immer selbst treu zu bleiben. Mein Lieblingsbeispiel ist hier Bottega Veneta: Als sie in China expandierten, waren sie die ersten zwei Jahre nicht sonderlich erfolgreich, doch sie blieben sich und ihren italienischen Werten treu. Heute verkaufen sie in China extrem erfolgreich.

Das ist nicht einfach zu erklären … In Italien spielt das Essen eine sehr grosse Rolle und genauso die Mode. Italiener wollen überall immer die Besten sein. Speziell bei Trussardi spielen natürlich auch noch die Lederaccessoires eine sehr grosse Rolle. Vor allem, was das Reisen mit exklusivem Trussardi-Reisegepäck angeht. Das gehört eben zum Firmen-Image.

Trussardi war eigentlich schon immer mehr eine LifestyleMarke. Wollen Sie das weiter ausbauen?

Was ist für Sie der wichtigste Faktor, um erfolgreich zu sein?

Ja, natürlich. Im Moment denken wir darüber nach, eine eigene Uhrenlinie zu kreieren, aber es ist noch zu früh, darüber detailliert zu sprechen.

Man muss das lieben, was man tut! Und am besten noch an dem Ort, mit dem man verwurzelt ist und wo man zu Hause ist.

Was lieben Sie an Mailand am meisten? Wie sieht es mit Expansionen in Richtung China aus? Ich liebe die Skyline. Am liebsten gehe ich nachts durch die Strassen und geniesse einfach diese spezielle Atmosphäre, die es so nur in Mailand gibt.

Im Moment ist der grösste Marktanteil mit über 50 Prozent hier in Europa. An zweiter Stelle steht Russland und an dritter China. Aber wir planen gerade, in den nächsten vier Jahren fünfzig neue Boutiquen in China zu eröffnen. Damit stünde dann China an zweiter, vielleicht sogar an erster Stelle.

Wie würden Sie Ihren persönlichen Stil beschreiben? Lässig! Ich trage am liebsten Jeans und Sneakers, ein T-Shirt und ein Sakko darüber. Dazu liebe ich Lederjacken, aber aus mattem Leder. Ich würde mich als klassisch sportlichen Mann beschreiben.

Müssen Sie den Trussardi-Stil dann nicht irgendwie den asiatischen Bedürfnissen anpassen?

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LANCÔME

YVES ROCHER

Schwarz und Rot - zwei intensive Farben mit Signalwirkung. Die Farbe Schwarz ist die Farbe der Eleganz und eignet sich sehr gut zum Kombinieren. Charmant, charmant also, was diesen Herbst auf uns zukommt: Mit einem tiefen Schwarz und knalligem Rot macht man in dieser Saison einfach alles richtig.

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GIVENCHY

CHANEL

DIO

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Der Luxusparfumeur Roja Dove Eine der berühmtesten Nasen im Multi-Millionen-Geschäft der Duftindustrie ist der Brite Roja Dove. Als Einziger trägt er den Titel «Professeur de Parfums» und er lebt seine Leidenschaft: die Liebe zum Duft.

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von Valeska Jansen

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ragt man Roja Dove nach seiner ersten Begegnung mit Parfum, antwortet er versonnen lächelnd: «Als ich noch ein kleiner Junge war, kam meine Mutter abends zu mir ans Bett, um mir einen Gute-Nacht-Kuss zu geben. Sie verliess mein Zimmer, aber ihr Duft blieb.»

seinem Namen vermarkten. Schnell erhielt er einen Vertrag mit dem Londoner Luxus-Kaufhaus Harrods und bekam dort im fifth floor Platz, seine Kreationen zu präsentieren und zu verkaufen. Mit grossem Erfolg, denn seine Leidenschaft trieb ihn an, ungewöhnliche Zutaten zu vermischen und sich so einen Namen als Individualist zu machen. Seine Kundinnen wussten: Diese Düfte hat nicht jeder und doch hat er für jeden Typ Mensch seine eigene Duftinterpretation.

Schon damals hat er sein Herz der Welt der Düfte verschrieben und bereits als Teenager begann er mit Parfums zu experimentieren. An seinem 21. Geburtstag reiste er nach Paris und landete in der Guerlain Boutique auf den Champs-Elysées. Für ihn eine schicksalhafte Begegnung, sagt er heute. Und ab diesem Moment stand sein Ziel fest: Genau hier wollte er arbeiten und alles über die geheime Welt der Zutaten und Rohstoffe zur Herstellung von Düften lernen.

Duftkreationen massgefertigt Charakterzüge interpretiert er mit Rosen, Sandelholz oder Iris und geht dabei beinahe wie ein Psychologe vor. Auch Unikate fertigt er für besondere Kunden an und dieser Duft ist dann wie massgeschneidert. Über Preise für Spezialanfertigungen wird nicht gesprochen, sieht man allerdings die Preise für Doves Publikumskollektionen, ist klar: Preiswert wird es nicht gerade sein. Kaufen konnte man Roja-Dove-Düfte bislang ausschliesslich bei Harrods, doch seit Mai dieses Jahres gibt es die exklusiven Düfte auch in der Schweiz. Für seine zweite, sehr exklusive Verkaufsdépendance wählte er die Boutique des Luxushotels Lausanne Palace. Speziell geschultes Verkaufspersonal berät hier die elitäre Kundschaft.

Guerlain als grosses Vorbild Seine Bewerbung wurde angenommen und Dove blieb dem alteingesessenen Familienunternehmen über 20 Jahre treu. Einzig die Tatsache, dass nur Familienmitglieder Guerlain-Düfte kreieren dürfen, bewog ihn dazu, sein eigenes Duft-Unternehmen zu gründen. Nun konnte er sein ganzes Know-how endlich unter

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mitbegründet. Es ist wie überall im Leben: Willst Du ein herausragendes Produkt erschaffen, musst Du mit den besten Materialien arbeiten. Dann liebe ich auch Sandelholz. Hier verwende ich auch ein besonders exklusives, es ist 50 Jahre alt.

Wir trafen Roja Dove in seiner neuen opulenten Verkaufsdépendance, unweit vom Genfersee, zu einem Exklusivinterview:

PRESTIGE: Erst London, nun Lausanne, wie kam es zu dieser Entscheidung?

Stimmt es, dass Sie nur natürliche Zutaten in Ihren Düften verwenden?

Roja Dove: Ich hatte viele Anfragen aus Europa, einen Parfumerie-Shop zu eröffnen. Und es hört sich vielleicht sehr arrogant an, aber ich wollte einen wirklich speziellen Standort. Meine Kreationen sind sehr exklusiv und ich will nicht in einer der abertausend Parfumerien Europas untergehen. Eines Tages kontaktierte mich auch Emeline Gauer vom Hotel Lausanne Palace und bat um einen persönlichen Termin. Wir trafen uns für fünfzehn Minuten und es hat sofort gefunkt. Sie war die Person, die genau verstand, was meine Intension war. Mir ging es nicht um grosse Stückzahlenverkäufe, ich wollte mir meine hohe Exklusivität bewahren. Emeline präsentierte mir in zwei weiteren Treffen ihre Idee, und ihre grosse Empathie beeindruckte mich sehr. So folgte ich sehr gerne ihrer Einladung ins «Lausanne Palace» und begriff sofort, dass es sich hier um einen ganz besonderen Ort handelte. Emeline und ihr Mann Jean-Jacques Gauer hatten für mich das perfekte Hotel erschaffen. Dazu kam, dass die Schweiz irgendwie England ähnelt, quasi eine Insel in Europa. Dann die drei Sprachregionen, wirklich sehr aussergewöhnlich. Für mich der perfekte Ort, einen Shop zu eröffnen.

Zu einem sehr grossen Teil. Es ist allerdings schlicht unmöglich, ausschliesslich natürliche Ingredienzien zu verwenden. Es ist eigentlich wie in der Mode. Wenn Sie zum Beispiel ein T-Shirt aus 100 Prozent Baumwolle tragen, ist es weniger komfortabel als eines mit einem Prozent Elastan. Mein Prinzip hier ist: so wenig wie möglich, aber so viel wie nötig.

Was macht Ihre Parfums so exklusiv? Neben den teuren Ingredienzien vor allem die Persönlichkeit. Alle Düfte, die ich kreiere, sind für bestimmte Typen von Menschen entwickelt. Für jeden Charaktertyp gibt es einen ganz individuellen Roja-Dove-Duft. Und das Besondere ist, dass dieser Duft dann individuell auf der jeweiligen Haut reagiert und somit unverwechselbar und unvergleichlich wird. Es wird niemals jemand hinter Ihnen gehen und denken, ach das ist doch der oder der kommerzielle Modeduft. Und wenn Sie meinen Duft tragen, werden Sie auch immer daran erkannt werden, bereits wenn Sie nur einen Raum betreten.

Haben Sie eine Lieblingsingredienz? Was, wenn ich einen Roja-Dove-Duft kaufen möchte und nicht nach London oder Lausanne kommen kann?

Sie werden in all meinen Düften Jasmin finden. Es ist quasi meine Signatur. Dieser Jasmin ist ein ganz besonderer aus Grasse, eine sehr seltene Jasminart. Davon gibt es nur sehr wenig und die Nachfrage ist gross. Hierfür bezahle ich sogar den doppelten Kilo-Preis von Gold, was auch meine höheren Verkaufspreise

Meine Düfte gibt es auch bei Harrods online zu kaufen. Und noch viel einfacher ist es, mich anzurufen und den Duft persönlich zu bestellen (lacht).

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Ein Anti-Aging-Cosmeceutical Konzept von Laboratoires Genolier

Wir in der Schweiz wissen, wie man Uhren herstellt. Wir wissen auch, wie man die Zeit anhält...

„Eine junge Haut zu behalten ist eine Wissenschaft; NESCENS setzt sich ein, die biologischen Mechanismen, die sich durch Zeit und Umwelt verändern, umzuprogrammieren.“

NESCENS ist in den Kliniken des Genolier Swiss Medical Network sowie in den Pharmacies Principales und Hotel & Spa La Réserve in Genf erhältlich.

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Schönheit ist äusseres Bild und inneres Empfinden Privatklinik ALTA AESTHETICA

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Nach 46 Jahren Dornröschenschlaf erstrahlt nun das ehemalige Grand Hôtel des Salines in Rheinfelden als Privatklinik ALTA AESTHETICA in neuem Glanz. Mit der sorgfältigen Renovierung und dem beispielhaften Umbau des 1895 erbauten, architektonisch wertvollen Hotelbaus direkt am Rheinufer ist in einzigartiger Umgebung ein Kompetenzzentrum der Premium-Klasse für Ästhetisch-Plastische Chirurgie, Ästhetische Zahnheilkunde sowie Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie entstanden. Geleitet wird ALTA AESTHETICA von Dr. med. Dietmar Löffler, einem der führenden Fachärzte für Plastische und Ästhetische Chirurgie Deutschlands.

von Niggi Freundlieb

E

s war die Vision des Unternehmers Jürg Eichenberger, das fast ein halbes Jahrhundert leerstehende Grand Hôtel des Salines wieder zum Leben zu erwecken. Allerdings nicht mehr als Hotel, sondern als aussergewöhnliche Privatklinik für Menschen, die sich und ihrer Ausstrahlung etwas Besonderes gönnen möchten oder die sich aufgrund gesundheitlicher Einschränkungen für eine bessere Versorgung als die Standardversorgung entscheiden. Nach den Umbau- und Renovationsbauten wurden – die Tradition des luxuriösen Grandhotels fortsetzend – auch im modern restaurierten Gebäude der architektonische Charme und das einmalige Ambiente wieder spürbar. Geschmackvolles Design, lichtdurchflutete, hohe Räume – bereits beim Betreten der Klinik wird spürbar, dass man in der ALTA AESTHETICA nicht einfach Patient, sondern vor allem auch Gast ist, dem für die stationäre Unterbringung vier geschmackvoll eingerichtete Suiten auf 5-Sterne-Deluxe-Niveau und zehn sehr stilvoll eingerichtete Einzelzimmer zur Verfügung stehen. Im Klinikkomplex befinden sich zwei hochmoderne Operationssäle und diverse Behandlungsräume. Die Dentalklinik im separaten Gebäude umfasst zwei ambulante Operationseinheiten für implantologische Eingriffe und sechs nach neuesten Kriterien ausgestattete Behandlungsräume. Um die Patientinnen und Patienten kümmert sich unter der Leitung von Dr. med. Dietmar Löffler ein Mitarbeiterstab, der 30 festangestellte Fachärzte und Fachpersonal umfasst. Federführend im Dentalbereich ist Dr. med. Dr. med. dent. Silke Becker, Fachärztin für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie sowie Fachzahnärztin für Oralchirurgie.

Im Interview schildert Dietmar Löffler seine Motivation, die Leitung der ALTA AESTHETICA zu übernehmen, wie er Schönheit definiert, wann er eine Operation als gelungen ansieht oder wie er seine Rolle als Arzt charakterisiert.

PRESTIGE: Als in Deutschland erfolgreicher und bekannter Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie haben Sie sich entschieden, die Leitung der neu gegründeten ALTA AESTHETICA in Rheinfelden zu übernehmen – was waren Ihre Beweggründe für den Wechsel in die Schweiz? Dietmar Löffler: Nachdem ich elf Jahre eine von mir aufgebaute Klinik in Düsseldorf geleitet hatte, haben meine Frau und ich entschieden, der Kinder wegen ein bisschen kürzer zu treten. Wir sind deshalb nach Garmisch-Partenkirchen gezogen, wo ich eine Praxis leitete. Nun sind die Kinder aus dem Gröbsten heraus, und als man mich anfragte, ob ich die Leitung einer neuen Klinik übernehmen wolle, und dabei das äusserst überzeugende Konzept von ALTA AESTHETICA darlegte, musste ich zusagen.

Was hat Sie überzeugt? Das wirtschaftlich und medizinisch erfolgversprechende Konzept an einem hervorragenden Standort, das mir bei entsprechender moderner Infrastruktur die Möglichkeiten bot, als engagierter Arzt etwas Einzigartiges mit aufzubauen, das hat mich überzeugt. Ausserdem ist die Klinik ISO-zertifiziert, was nur wenige Kliniken in der Schweiz vorweisen können. Mich hat aber auch fasziniert, dass die Investoren ihr Geld nicht einfach in einem beliebigen Renditeprojekt anlegen wollten, sondern aus einer historischen Bausubstanz eine nachhaltig funktionierende Institution schaffen wollten, die vor allem dem Wohle der Patientinnen und Patienten dienen sollte.

ALTA AESTHETICA ist in unverwechselbarer Lage gelegen und erlaubt einen Blick in die schöne Rheinlandschaft, umgeben von Natur- und Spazierwegen direkt am Rhein, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parkresort sowie neben der Wellness-Welt Sole Uno und bietet optimale Voraussetzungen für die Erholung der Patientinnen und Patienten.

Inwiefern war der Standort Rheinfelden für Sie ein entscheidendes Kriterium?

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ALTA AESTHETICA Der im März 2012 in Rheinfelden/Schweiz eröffnete Klinikkomplex umfasst die Klinik für Ästhetische und Plastische Chirurgie und die Dentalklinik mit integriertem Zahntechniklabor. In der Klinik für Ästhetische Chirurgie sind 14 hochwertige Patientenzimmer für die stationäre Unterbringung sowie zwei hochmoderne Operationssäle und diverse Behandlungsräume vorhanden. Die Dentalklinik umfasst zwei ambulante Operationseinheiten für implantologische Eingriffe und sechs nach neuesten Kriterien ausgestattete Behandlungsräume sowie 3D-Röntgengeräte. Der ganze Mitarbeiterstab, unter der Leitung von Dr. Dietmar Löffler, und Dr. Dr. Silke Becker im Dentalbereich, umfasst 30 festangestellte Fachärzte und Fachpersonal. Das Leistungsspektrum bewegt sich von der Ästhetischen Chirurgie (Nasenkorrekturen, Brustvergrösserungen und -verkleinerungen, Facelifting, Oberlidstraffung, Lippenkorrekturen, Fettabsaugung, Anti-Aging-Behandlungen) über Hörimplantate und operative Hörverbesserung bis hin zur Überweisertätigkeit im Bereich Implantologie, Prothetik, Komplettsanierungen, Korrekturen des Kiefers und/oder des Kiefergelenkes, dem Kieferaufbau und/oder Knochenaufbau sowie der Behandlung angeborener Fehlbildungen. www.altaaesthetica.ch

Der traditionelle Thermalkurort Rheinfelden bietet nicht nur vom Umfeld her hervorragende Bedingungen für die Patientinnen und Patienten, er liegt direkt an der Grenze zu Deutschland, von wo auch viele unserer Patientinnen und Patienten kommen, und ist verkehrsgünstig in der Nähe der Flughäfen von Basel und Zürich gelegen sowie gut mit Strasse und Bahn erreichbar und liegt an der Schnittstelle von zwei grossen Ballungsräumen.

Die Kardinalsfrage: Was ist Schönheit und wann gilt für Sie eine Operation als gelungen?

Schönheit ist äusseres Bild und inneres Empfinden. Unser Anliegen ist es, bei jedem Patienten die ganz individuelle Schönheit zu erhalten, zu verbessern beziehungsweise hervorzubringen – und das mit grösstmöglicher Sicherheit, einer möglichst kurzen OP-Zeit und einem Ergebnis, das mit den persönlichen Vorstellungen der Patienten im Einklang steht. Ihre innere Zufriedenheit zu finden und ihrem persönlichen Umfeld als frisch und erholt, aber nicht als manipuliert entgegenzutreten, das ist unser erklärtes Ziel. Salopp gesagt: Eine ästhetische Operation gilt dann als gelungen, wenn sie im Umfeld des Patienten nicht als «operiert» auffällt, sondern wenn die positive Veränderung der Ausstrahlung des Patienten wahrgenommen wird.

Wie definieren Sie Ihre Rolle als Arzt? Ich bin ein Vertreter der Wohlfühl-Chirurgie. Patienten müssen sich bei mir wohl und verstanden fühlen. Zuerst ist es meine Aufgabe, in ausführlichen Gesprächen eine Vertrauensbasis herzustellen, den Patienten die nötigen Informationen zu geben, aber auch zu vermitteln, dass sie aufgrund meiner über 20-jährigen Erfahrung und über 18'500 ästhetisch-chirurgischen Eingriffen sowie der Zusammenarbeit mit unserem höchst professionellen Team – nehmen Sie nur zum Beispiel unseren Anästhesisten Dr. Herbert Bauer mit über 25'000 komplikationslos verlaufenen Anästhesien – in besten Händen sind. Für mich als Arzt kommt aber noch dazu, dass ich mich permanent weiterentwickle und immer

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Chefarzt Dr. med. Dietmar Löffler Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie In Deutschland hat sich Dietmar Löffler als Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie einen hervorragenden Namen geschaffen. In den Medien als einer der führenden Nasenchirurgen bezeichnet, hat der seit 1989 ausschliesslich in der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie tätige Arzt über 5500 Nasenkorrekturen, 4500 Brustoperationen, 2500 Lid- und Faceliftings - insgesamt über 18'500 Operationen – durchgeführt. Dietmar Löffler hat zahlreiche Arbeiten in Büchern, Jahrbüchern und Fachpublikationen veröffentlicht und ist ein viel beachteter Vortragsredner auf nationalen und internationalen Fachkongressen. Dank seines Fachwissens und seiner Fähigkeit, komplexe medizinische Sachverhalte allgemeinverständlich und dennoch kompetent zu erklären, ist Dietmar Löffler auch ein gefragter Berater und Experte für Ästhetisch-Plastische Chirurgie im deutschen Fernsehen. Auftritte in Sendungen wie «The Swan – endlich schön» (PRO 7), «Extrem schön! – Endlich ein neues Leben» (RTL II), «Hart aber fair» (WDR), «Reporter» (ZDF), «Explosiv – das Magazin» (RTL) oder «Die Harald Schmidt Show» (SAT 1) zeigten einen engagierten Arzt, der mit kommunikativem Talent und Charme demonstrierte, weshalb sich seine Patientinnen und Patienten bei ihm wohl fühlen und sich in besten Händen wissen können. auf dem neusten Stand der Medizin bin. Ich betrachte mich aber nicht einfach nur als kompetenten Profi, sondern ich liebe diesen Beruf leidenschaftlich. Diese Leidenschaft spüren auch die Patienten, was sich wiederum auf unsere gemeinsame Vertrauensbasis und schlussendlich auch auf das Resultat auswirkt.

Gibt es auch Operationen, die Sie ablehnen? Ja, natürlich. Ich bin Ästhet. Was meinem diesbezüglichen Empfinden entgegenläuft, würde ich niemals machen. Wenn Patienten Veränderungen wünschen, die für mich nicht nachvollziehbar sind oder aus einem unrealistischen Selbstbild entstehen, operiere ich nicht. Mein Ziel ist es, einen Menschen in seiner Individualität zu erfassen und zu optimieren.

ALTA AESTHETICA ist eine Privatklinik der Premium-Klasse – heisst das, dass sie nur einer Klientel mit dem entsprechenden Portemonnaie offen steht? Nein, wir sind offen für alle. Ästhetische Operationen sind zum grössten Teil Selbstzahlerleistungen; nur gelegentlich beteiligen sich Krankenkassen beim Vorliegen medizinischer Notwendigkeit. Aber wir bieten unseren Patientinnen und Patienten attraktive Finanzierungslösungen über Banken an. Tatsächlich behandeln wir deshalb Menschen aus allen beruflichen und gesellschaftlichen Umfeldern.

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1956 in Gera/Deutschland geboren, absolvierte Dietmar Löffler seine medizinische Ausbildung an den Universitätskliniken Leipzig und Aachen. Mit der Promotion zum Dr. med. an der Fr.-Wilhelms-Universität in Bonn 1989 wandte er sich ausschliesslich der Plastischen und Ästhetischen Chirurgie zu. In der Folge war er unter anderem Oberarzt der Abteilung Plastische Chirurgie an der Universitätsklinik Aachen, Chefarzt der KÖ-Klinik Düsseldorf und Chefarzt der Abteilung Ästhetische Chirurgie Jungbrunnenklinik in Bonn. Zuletzt führte er eine Praxis für Ästhetische Chirurgie in Garmisch-Partenkirchen und war Belegarzt für Ästhetische Chirurgie an der AsklepiosKlinik in Bad Tölz. Seit April 2012 leitet der Spezialist für Rhinoplastiken, Nasenkorrekturen aller Art, Facelifting, Endoskopische Liftingverfahren für Mittelgesicht und Stirn, Lidstraffungen und Brustoperationen nun als Chefarzt die Privatklinik ALTA AESTHETICA in Rheinfelden (CH).


KOLUMNE

Kleine Schleife, grosse Wirkung von Götz Winter, General Manager Estée Lauder Schweiz

D

er Monat Oktober ist 2012 nicht nur für mich

haben, um unsere Kundinnen an die Vorsorgeuntersuchun-

von ganz besonderer Bedeutung. Der Ak-

gen zu erinnern. Und mit diesen Schleifen geben wir natürlich

tionsmonat, um das Bewusstsein für Brust-

immer auch ein wenig vom Feu sacré weiter, das Evelyn H.

krebs zu steigern, jährt sich bereits zum

Lauder uns allen «vererbt» hat.

zwanzigsten Mal. Dieses Jahr jedoch zum

ersten Mal ohne seine leidenschaftlichste Kämpferin, Evelyn

Die Leidenschaft, mit der sie für ihre Sache einstand, hat nicht

H. Lauder.

nur mich nachhaltig beeindruckt, sondern auch Schauspielerin Elizabeth Hurley, die seit 18 Jahren als Gesicht von Estée

Wie leicht hätte es sein können, Evelyn in die Schublade der

Lauder tätig ist und eng mit der «Breast Cancer Awareness»-

privilegierten New Yorker High-Society-Ladies zu stecken, die

Stiftung verbunden ist. Elizabeth hatte im Lauf der Jahre eine

in ihren 20-Zimmer-Wohnungen an der Upper East Side ihre

ganz besondere Freundschaft mit Evelyn entwickelt und

Picasso-Gemälde abstauben und sich dabei überlegen, für

freute sich jeden Oktober darauf, mit Evelyn die Welt zu be-

welche Wohltätigkeitsorganisation sie beim nächsten Charity-

reisen, um rosa Schleifen zu verteilen und an Charity-Events

Dinner spenden sollen! Doch Evelyn hat stets mit Herzblut ihr

Spendengelder zu sammeln. Auch dieses Jahr wird Elizabeth

Anliegen im Kampf gegen den Brustkrebs an die Öffentlich-

Hurley Evelyns Mission weiterführen, als Sprachrohr für Brust-

keit getragen. Natürlich auch, weil sie selbst davon betroffen

gesundheit und Früherkennung.

war und erst bei ihrer Erkrankung erkannte, wie sehr das Thema Brustkrebs totgeschwiegen wird – und wie schlecht die

Ich bin ebenfalls stolz, diese Mission weiterführen zu dürfen,

Aufklärung noch immer war.

und bin mir der Verantwortung bewusst, die Evelyn Lauder in unsere Hände gelegt hat. So stürze ich mich als General Ma-

19 Jahre nachdem Evelyn Lauder gemeinsam mit Alexandra

nager der Estée Lauder Companies Schweiz freudig in die

Penney, der früheren Chefredakteurin des US-Magazins

Aktivitäten, mit denen wir nun im Oktober 2012 das 20-jähri-

«Self» die «Breast Cancer Awareness Campaign» mit der iko-

ge Jubiläum der «Breast Cancer Awareness»-Kampagne fei-

nenhaften rosa Schleife gründete, verstarb sie im letzten No-

ern. Mit dem diesjährigen Thema: «Courage. Wir glauben an

vember, umgeben von ihrer geliebten Familie. Und – so bin ich

eine Welt ohne Brustkrebs und sind da, bis es so weit ist.» ist

überzeugt – sicher im Wissen, dass sie alles getan hat, was

die Kampagne zum Jubiläumsjahr ganz besonders eindring-

in ihrer Macht stand, um das Bewusstsein für Brustkrebs zu

lich – und eindrücklich. Ich freue mich, dass Sie ebenfalls

steigern: von der Früherkennung bis hin zu den mehr als 350

ein Teil davon sein können, zum Beispiel am 4. Oktober: An

Millionen Dollar, die die Brest Cancer Research Foundation bis

der «Pink Ribbon Night» in Zürich werden wir dann nicht nur

heute an Spendengeldern eingenommen und somit sowohl

ein besonderes Jubiläum zelebrieren, sondern als Tribut an

die Forschung wie auch die Öffentlichkeitsarbeit massgeblich

Evelyn Lauder hoffentlich ein besonders rauschendes Fest

unterstützt und geprägt hat. 120 Millionen rosafarbene Schlei-

erleben. Doch zuerst stehen meine mit rosa Schnürsenkeln

fen wurden bis heute auf der ganzen Welt verteilt. Tausende

versehenen Laufschuhe für den Pink Ribbon Charity Walk

weitere werden wir auch in den nächsten Wochen an allen

2012 am 30. September im Stadion Letzigrund bereit. Sehen

Schweizer Kosmetik-Countern der Estée Lauder Companies

wir uns also dort!

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CULTURE

Das goldene B체hnenjubil채um The Rolling Stones 106


CULTURE

Mick Jagger und Keith Richards sind keine Freunde. «Freunde kann man sich aussuchen. Wir aber sind Brüder. Und die kann man sich nicht aussuchen», bemerkt Richards, der Gitarrist der ältesten und erfolgreichsten Rockband aller Zeiten – der Rolling Stones.

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CULTURE

Text: Björn Vogt, Bilder: Ronnie Wood

T

rotz aller Zerwürfnisse können die «Glimmer Twins», wie sie sich nennen, mit dem Rest der Band – Drummer Charlie Watts und Gitarrist Ron Wood – in diesem Jahr ihr goldenes Bühnenjubiläum feiern. Mit der Musik der Schwarzen lieferten sie den Soundtrack zu den grossen gesellschaftlichen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts. Sex, Drogen, Erfolg und Katastrophen – die Rolling Stones haben Rock ’n’ Roll 50 Jahre lang nicht nur vorgelebt, sondern auch überlebt – ein echtes Wunder.

nun hiesse. Brian Jones’ Blick fiel auf den Titel «Rollin’ Stone». Der Auftritt in dem hippen Marquee Club am 12. Juli 1962 gilt als der erste unter dem Namen «Rollin’ Stones», noch ohne das «g». In Songs von Blues-Legende Muddy Waters ist ein «Rollin' Stone» ein rastlos umherziehender Vagabund. Zufall hin oder her – der Name trifft das Gefühl der ziel- und richtungslosen Nachkriegsgeneration – rollende Steine setzen kein Moos an. Und der Name passt: Ohne Pause tourt die Band durch das Vereinigte Königreich. Mit einem Sänger, der sich bewegt wie ein Derwisch auf Speed, wird die Band zur Live-Sensation.

Wie die Steine ins Rollen geraten Die Geschichte der Rolling Stones beginnt in London in den frühen 60er Jahren. Auf dem Bahnsteig von Dartford bei London spricht der schüchterne Arbeitersohn und Kunststudent Keith Richards einen jungen Mann an, den er an der Schule schon mal gesehen hatte. Er ist eigentlich nur an den Platten interessiert, die Michael Jagger unter dem Arm trägt – mit Musik von Muddy Waters und Chuck Berry. Jagger, Student der London School of Economics, hat noch mehr Bluesplatten zuhause. Keith Richards imponiert ihm, weil der die Bluesmelodien perfekt nachspielen kann. Sie treffen sich fortan zum Musikhören und -machen. Denn Keith Richards lebt mit dem Gitarristen Brian Jones zusammen. Die Jungs sind völlig pleite – das Gas ist abgestellt, der Strom auch. Eines Tages bekommen sie die Chance auf einen Gig. Nur: Sie haben noch keinen Namen. Der Legende nach lag zufällig eine Platte von Muddy Waters auf dem Fussboden, als das Management des Marquee Club anrief und nachfragte, wie die Band denn

1962 ersetzt Bill Wyman den Ur-Bassisten Dick Taylor, für den ersten Drummer Tony Chapmann folgt Charlie Watts. Und dies gilt als Geburtsstunde des eigentlichen Stones-Sounds, wie Mick Jagger in einem Interview erklärt: «Jeder von uns ist ersetzbar. Aber wenn Charlie nicht am Schlagzeug sitzt, dann klingen die Stones nicht mehr wie die Stones.» Gemeinsam mit Bassist Wyman (der 1992 aus der Band ausstieg) sorgte er für einen Schuss Bürgerlichkeit und gleichzeitig für ein treibendes, unnachahmliches Rhythmusgerüst. Watts' «Geheimnis»: Bei seinem 1957er Gretsch-Schlagzeug, welches er nie stimmt, lässt er beim Snareschlag die Hihat weg.

Der Kampf gegen das Establishment 1965 bricht der Vietnamkrieg aus. In Deutschland zeigt Joseph Beuys erste Kunstaktionen. Es wird noch drei Jahre dauern, bis die Studenten in Deutschland zum Kampf gegen das Establishment aufrufen. Aber es liegt in der Luft: die Lust auf Veränderung, auf ein wilderes Leben, auf mehr Sex und weniger Regeln. Die Stones leben es vor. Keith Richards: «In den Fünfzigern hatte man

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diese Mädchen zu perfekten Barbiepuppen erzogen, aber an irgendeinem Punkt hatten sie beschlossen, endlich die Sau rauszulassen. Was sollte sie aufhalten, als sie die Gelegenheit dazu hatten? Die Lust dringt ihnen aus allen Poren, aber sie wissen nicht, was sie damit anfangen sollen. Und dann haben sie plötzlich ihr Opfer gefunden: dich.» Die Stones waren damals schon die «Anti-Beatles». Die Fans, vor allem die weiblichen, waren lauter, als die Stones spielen konnten. Ihr legendärer erster Manager Andrew Loog Oldham, vordem Pressesprecher bei den Beatles, erkannte damals: Bring die Eltern gegen dich auf, die Kids werden dich lieben (und deine Platten kaufen). Aber diese Musiker sind mehr als nur rebellisch: Sie sind authentisch. Keith Richards: «Wir verachteten Geld, wir verachteten Sauberkeit, wir wollten nur eins sein: black motherfuckers.» Die Rechnung ging auf. Die Eltern und die Zeitungen sind entsetzt, die Plattenverkäufe explodieren, die Stones landen Nummer-1-Hits in England und den USA. Dass sie 50 Jahre durchhalten, konnte sich damals niemand vorstellen, im Rückblick ist es ein Wunder. Keith Richards stand zehn Jahre lang auf Platz eins der «New Musical Express»-«Liste der Rockstars, die demnächst sterben». Dann fiel er auf Platz neun zurück. «Da war alles aus», schmunzelt der Gitarrist heute, nach überstandener Alkohol-, Kokain- und Heroinsucht.

Das 1965 entstandene «Satisfaction» gilt als der erste Song der Popgeschichte, der explizit von Sex handelt. «Es war der Sommer der Stones», erinnert sich Andy Warhol in New York: «‹Satisfaction› dröhnte aus jeder Tür, jedem Fenster, jedem Schrank und jedem Auto. Es war aufregend, dass Popmusik so mechanisch klingen konnte, dass man jeden Song an seinem Sound erkennen konnte und nicht an seiner Melodie.» Das markanteste Gitarrenriff der Popgeschichte hatte Keith Richards nachts im Vollrausch auf einem kleinen Kassettenrecorder aufgenommen, danach waren noch 40 Minuten Schnarchen auf dem Band verewigt. Die sparsamen Akkorde illustrieren perfekt, was die Stones ausmacht: Weniger ist mehr. Ebenso raffinierte wie streng reduzierte Gitarrenriffs bilden das gleichsam stählerne Gerüst, welches auf dem groovenden Fundament der Rhythmussektion thront.

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Sex, Drugs and Rock 'n' Roll

stochen. Die Rocker waren von den Stones als Ordner engagiert worden. Angeblich hatte Hunter einen Revolver gezogen. In dem anschliessenden Gedränge sterben weitere Zuhörer. Das »Rolling Stones»-Magazin nennt den Zwischenfall «den schlimmsten Tag des Rock 'n' Roll». Die Hells Angels – sie erhielten für ihre Tätigkeit 500 Dollar in Bier – machten sich einen Spass daraus, Jagger, «die Schwuchtel», auf der Bühne zu verhöhnen. Jagger schafft es gerade noch, eine Massenpanik zu verhindern. Katastrophale Bilanz: Am Ende haben fünf Menschen ihr Leben verloren.

Und plötzlich schwimmen die Stones im Geld. Und machen Schlagzeilen. Aber nicht nur mit musikalischen Erfolgen, sondern auch mit Skandalen. Mick Jagger entwickelt zu dieser Zeit eine Vorliebe für ausgefallenes Bühnenoutfit, schöne Frauen – und Drogen. Er probiert viel, lässt es aber bald wieder bleiben. Ganz anders sein Bruder im Geiste, Keith Richards: Er nimmt alles, was er kriegen kann, und dann so viel wie möglich. Sein Heroinverbrauch ist legendär. Ein typischer Tourneetag, erinnert sich Anita Pallenberg, beginnt im Luxushotel gegen 16 Uhr mit Kaviar und Champagner, gefolgt vom ersten «Druck» mit nahezu reinem Heroin. Rückblickend heisst es, dass sein Geld sein Leben gerettet hat – Richards kann sich immer den besten Stoff leisten. Und sein Motiv für den Drogengebrauch ist nachvollziehbar: Drogen sind für ihn Mittel zum Zweck. Richards will einfach so lange wie möglich wachbleiben, um noch mehr arbeiten zu können. Er komponiert wie besessen, und die Hits werden wie Perlen an einer Schnur aufgereiht.

Aber die Stones rollen weiter. Für Brian Jones wird Mick Taylor in die Band aufgenommen. Jagger und Richards übernehmen das Ruder – der Blues tritt zurück, der Stones-Sound wird rockiger, immer mehr an der Show orientiert. Dabei knirscht es zwischen den nach John Lennon und Paul McCartney erfolgreichsten Songschreibern der Welt immer häufiger. Richards braucht Jahre, um dem notorischen Frauenverschlinger Jagger eine heftige Affäre mit dem deutschen Model Anita Pallenberg zu verzeihen – Richards' damaliger Freundin. «Keef», auch «The Human Riff» genannt, revanchiert sich noch im Jahr 2010, indem er in seiner Biografie Mick Jaggers bestes Stück als «winzig» bezeichnet. Die Boulevardblätter sind begeistert.

1969 werden Mick Jagger und Keith Richards wegen Drogenbesitzes angeklagt. In einem Schauprozess werden die beiden Musiker verurteilt. Die drakonische Strafe: ein Jahr Gefängnis für Richards, drei Monate für Jagger, der im Gerichtssaal weint. Aber selbst der Chefredakteur der konservativen «Times» fragt: «Wollen wir wirklich einen Schmetterling aufs Rad flechten?» («Who breaks a butterfly on a wheel?»). Daraufhin wird die Haft- in eine Geldstrafe umgewandelt. «Time is on my side» – die alte Ordnung kapituliert vor dem neuen Geist der Liberalisierung.

Zunge zeigen! Nach Altamont sind die Stones nahezu pleite, ausserdem haben sie keine Rechte an ihren alten Songs. Sie machen aus der Not eine Tugend, lösen sich von ihrem Label Decca und gründen stattdessen ihre eigene Firma, die Rolling Stones Records. Auch damit sind sie ihrer Zeit weit voraus. Labelchef wird Marshall Chess, Sohn und Neffe der Gründer des legendären Blueslabels Chess Records, die Muddy Waters und auch Chuck Berry unter Vertrag haben. Vom Designstudenten John Pasche lassen sie sich ihr Markenzeichen, die rote Zunge, designen – für 50 Pfund.

Im Dezember 1969 schlägt das Schicksal ein weiteres Mal zu: Beim Altamont Free Concert in Kalifornien stehen die Rolling Stones vor 300'000 Zuschauern auf der Bühne, als der Rock 'n' Roll seinen schwärzesten Tag erlebt. Der 18-jährige Schwarze Meredith Hunter wird von einem Hells Angel vor der Bühne er-

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CULTURE

Als Steuerflüchtlinge (Der Spitzensteuersatz liegt damals bei 98 Prozent) müssen die Stones mit Frauen und Kindern 1971 England verlassen und gehen ins «Exile on Main Street» – in die Villa Nellcôte an der Côte d’Azur. Die Heroinsucht von Keith Richards ist Problem und Katalysator zugleich. Während Richards sich immer exzessiver dem Heroin hingab, hatte Jagger eine andere Droge: Frauen. Chess aber wollte unbedingt, dass die Kontrahenten zusammenarbeiten – und es gelingt. Das Meisterwerk der Stones, «Exile on Main Street», eingespielt in tropisch heissen Nächten im Keller der Villa, ist der krönende Abschluss ihrer stärksten Phase, in der sie zeitlose Klassiker schufen – Platten wie «Beggars Banquet», «Let it bleed» und «Sticky Fingers». Marshall Chess erinnert sich in einem Interview für das Musikmagazin «Goldmine», was er den Stones vermitteln konnte: Haltung. «Fuck everyone. Fuck the label. Keep recording until we have a motherfucker.»

seinen Film auf Jaggers Geheiss nie zeigen, die Orgien im Flugzeug, Drogenexzesse und zerlegte Hotelsuiten blieben unter Verschluss. Jagger und Richards sind damals Mitte 30, nach popindustriellen Massstäben bereits zu alt für das Business. Jagger plant seinen Ausstieg, strebt eine Solokarriere an. Sein Kompagnon im Dauerrausch nervt ihn. Aber für Richards kommen die Soloambitionen seines Sängers nicht in Frage. Für ihn zählen nur die Stones. Die Alben «Goats Head Soup» und «Black and Blue» gelten als Tiefpunkte in den hedonistischen 70er Jahren, einzig «It's Only Rock ’n’ Roll» korrigiert das Bild. Ein echter Lichtblick: 1975 stösst Gitarrist Ron Wood zu den Stones, anfangs als Aushilfe für die US-Tournee, ein Jahr später als Vollmitglied. Sein blindes Einvernehmen mit Keith Richards sorgt für einen Energieschub bei den Stones. Später wird er sich als Vermittler zwischen den Diven Richards und Jagger bewähren. Und Wood pflegt seine Doppelbegabung, er malt und zeichnet, was er erlebt.

Eine Hassliebe: Jagger-Richards

Am Ende der 70er Jahre sind die Stones eine klassische Supergroup und treten erstmals in Fussballstadien auf. Richardsʼ Heroinkonsum nimmt beängstigende Dimensionen an, während sich Jagger inzwischen intensiv – und erfolgreich – um das Geschäftliche kümmert. Warhol portraitiert Jagger, die Stones sind die ungekrönten Könige des Pop – aber sie sind langweilig geworden, wie nicht wenige Kritiker meinen. In den Achtzigern bezeichnet Mick Jagger die Band als «Mühlstein um meinen Hals» und «einen Haufen Rentner». Er möchte ernsthaft als Solokünstler durch-

«Ich ging meinen Weg direkt hinunter in die Heroin-Stadt. Mick dagegen lebte im Jetset-Land», erinnert sich Richards an Frankreich. Jetset war durchaus wörtlich gemeint: Die Band charterte eine Boeing 720 (mit Kamin an der Bar) und flog um die Welt, von Studio zu Studio. 1972 beginnt eine erfolgreiche wie irrwitzige Epoche, wo der «inner circle» sich zunehmend abgrenzt vom Tross. Die Kern-Stones geniessen ein zügelloses Leben – in jeder Hinsicht. Ein Filmteam, welches die Stones durch die USA begleitete, durfte

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CULTURE

starten. Keith Richards droht ihm offen: Wenn Mick auf Solotour gehen sollte, noch dazu mit Stones-Material, «dann schlitze ich ihm die Kehle auf.» Richards sieht sein Lebenswerk in ernsthafter Gefahr – ohne Mick Jagger keine Rolling Stones. Nach einem Achtungserfolg mit «She’s the Boss» 1985 floppen die nächsten Solo-Alben von Sir Mick – zum Glück für Millionen Stones-Fans. In seiner Biografie «Life» stichelt Richards gewohnt treffsicher: «Die Soloscheiben von Mick sind doch wie Adolf Hitlers ‹Mein Kampf›. Jeder hat sie, aber keiner hat sie gehört.» Die Chefs reden jahrelang kein Wort mehr miteinander. Auch Richards startet ein – erfolgloses – Soloprojekt und erwägt öffentlich, Jagger durch Who-Sänger Roger Daltrey ersetzen zu lassen. Aber beide wissen, dass sie einander brauchen. Und sie brauchen die Band. 1988 trifft sich die Band im Savoy Hotel in London, Jagger bekennt sich in einer flammenden Rede zur Band und gelobt Treue. Einer stillschweigenden Übereinkunft nach kommt die Band noch vor Frau und Kindern. Wenig später treffen sich Jagger und Keith Richards auf Barbados. Auf einem Balkon, so die Legende, und viel Wodka, entsteht das Album «Steel Wheels». Vielleicht finden die Streithähne auch wieder zusammen, weil plötzlich unfassbar viel Geld lockt. Und sie erinnern sich ihrer alten Tugenden: einer hinreissenden Liveperformance und einem ganzen Arsenal an Hits. Fitnessfanatiker Jagger verfügt noch immer (bis heute!) über einen veritablen Waschbrettbauch. «Steel Wheels» wird ein überragender Erfolg, ebenso wie die 1994 begonnene Voodoo-Lounge-Tour.

Und ewig rollen die Steine Zum 40. Bühnenjubiläum im Jahr 2002 gehen die Stones wieder auf Welttournee. In einigen Städten, darunter München, geben die Stones sogar Club-Konzerte: die Stones hautnah im Circus Krone, zu Preisen, die eine gewisse Solvenz voraussetzen. Es folgen Superlative: 2006 kommen zum Stones-Konzert an der Copacabana in Rio de Janeiro mehr als anderthalb Millionen Zuhörer. Lust auf eine Welttournee anlässlich des 50-jährigen Bestehens habe er schon, lässt der gesundheitlich angeschlagene Gitarrist Keith Richards wissen, der sich mit Jagger wieder einmal ausgesöhnt hat. Es kann ja auch 2013 werden. Ob Überlebenskünstler Richards es nochmal schafft? Der frühere US-Präsident Bill Clinton witzelte vor kurzem bei einer Preisverleihung in New York, Richards sei «ausser Kakerlaken die einzige Lebensform, die einen Atomkrieg überleben kann». Bei der eher schlichten Jubiläumsfeier in London liess der Gitarrist aufhorchen: «Wir haben uns getroffen und es fühlte sich so gut an. Vielleicht ist in dem alten Hund noch Leben drin.» Die Fans hoffen es, und auch finanziell ist der alte Hund mehr als einträglich: Die letzte Welttournee der Stones, «A Bigger Bang», war 2007 in London zu Ende gegangen. Die Band hatte zwei Jahre lang vor über vier Millionen Menschen in 32 Ländern gespielt. Mit Ticket-Einnahmen von weit über einer halben Milliarde US-Dollar war sie laut BBC die profitabelste Tour einer Rockband aller Zeiten.

Ronnie Wood will als Maler in Erinnerung bleiben Ronnie Wood wurde 1947 in eine Familie aus Musikern und Künstlern hineingeboren. Bevor er seine Karriere als Musiker begann, studierte er Malerei am Ealing College of Art in London. Schon als 14-jähriger zeigte er seine ersten Ausstellungen und gewann Preise. Über die Jahre sind der Maler und der Musiker untrennbar geworden. Als er seine Karriere als Musiker startete, pflegte Ronnie Wood weiter seine Leidenschaft für die Malerei. Es ist ganz normal, ihn mit einem Pinsel zu sehen, genauso wie mit einer Gitarre. Woods Arbeiten sind inzwischen in der Kunstwelt hoch geachtet. Davon zeugen über 300 Ausstellungen auf der ganzen Welt. Originale von Ronnie Wood finden Kunstinteressierte bereits in verschiedenen Museen. Sein persönlicher Wunsch, der Nachwelt als Maler und nicht als Gitarrist der Rolling Stones in Erinnerung zu bleiben, wird jedoch nur schwer zu erfüllen sein. Weitere Informationen zu Lithographien, die auch käuflich erworben werden können, erhalten Sie per E-Mail unter: info@art-and-music.com

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SHORT CUTS

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Jubiläen 2012 Der 30. Todestag einer Fürstin

Der 60. Geburtstag eines Superman

Grace Kellys Laufbahn als Schauspielerin beginnt kometenhaft. Nach Abschluss der Schauspielausbildung in New York wirkt sie bereits zwei Jahre später in über 60 Fernsehfilmen mit. Filme wie «Zwölf Uhr mittags», «Das Fenster zum Hof» und «Bei Anruf Mord» machen sie zum Weltstar.1955 lernt sie bei den Filmfestspielen in Cannes den Fürsten Rainier von Monaco kennen, «Paris Match» hatte das Treffen arrangiert. Die Leinwandprinzessin bekommt auch im wirklichen Leben ihren Prinzen. Grazia Patrizia, wie Grace nun heisst, wird zum Wirtschaftsfaktor; schon bald nach ihrer Hochzeit hat sich der Touristenstrom, Haupteinnahmequelle Monacos, verdoppelt. Doch Grace geht es weniger gut. Der Fürst ist der Ansicht, dass sich das Filmen mit den Aufgaben einer Landesmutter nicht verträgt, und verbietet es ihr. Sie flüchtet sich in «standesgemässe» Aufgaben und will eine perfekte Mutter sein, aber die drei Kinder sind widerspenstig. Auch die Ehe mit Rainier ist schwierig und Grace wird zunehmend depressiver. Am 14. September 1982 stirbt sie nach einem Autounfall, der sie endgültig zum Mythos macht.

Christopher Reeve war Superman. Sein Name war mit der Leinwandfigur verschmolzen. Doch im Jahre 1995 setzte ein Reitunfall seiner Karriere ein jähes Ende. Der Schauspieler brach sich den Hals und war vom Nacken bis zur Fussspitze gelähmt. Der Superman-Darsteller trat jedoch schon kurz nach dem Unfall aus der Opferrolle, um mit allen Mitteln das Laufen sowie das selbstständige Atmen neu zu erlernen. Dabei wurde er auch zum Verfechter der Gen-Forschung und der Weiterentwicklung von Therapien auf Stammzellenbasis, in denen er seine grösste Hoffnung sah. Für seinen Einsatz für Menschen mit Behinderung, mit dem er Millionen neuen Mut machte, wurde Christopher Reeve am 23. Oktober 2003 von Michail Gorbatschow mit dem «Lifetime Achievement Award» des World-Awards ausgezeichnet. Ein Jahr später verstarb Reeves in einem Krankenhaus in New York. Er lernte zwar nicht mehr zu laufen, doch in der glitzernden Filmwelt gilt er als Ausnahmeerscheinung. Statt sich zurückzuziehen, engagierte sich der Darsteller in einem Milieu, dessen Helden meist nicht dem Ideal von Schönheit und Attraktivität entsprechen. Der Schauspieler wäre heuer 60 ics m o C Jahre alt geworden. C ©

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Der 50. Todestag einer Afrika-Botschafterin Keine andere Europäerin hat die Schönheit des kenianischen Hochlands so poetisch, so eindringlich beschrieben wie die dänische Schriftstellerin Karen Blixen, die dort ihre Seelenheimat gefunden hatte. Sie empfand eine mystische Verbindung zur Natur und den Wildtieren und zu den afrikanischen Bewohnern des Landes, für die sie sich wie eine feudalistische Lehnsherrin verantwortlich fühlte – eine Einstellung, die sie in der kenianischen Kolonialgesellschaft zur Aussenseiterin machte. 1918 begegnete Karen Blixen Denys Finch Hatton, einem feinsinnigen britischen Aristokraten, der in idealer Weise die Liebe zu Musik und Literatur mit der Kühnheit eines Grosswildjägers verband. Mit ihm durchstreifte sie das Hochland Afrikas und jagte Löwen. Er weckte ihre erzählerische Begabung. Doch es sollte viele Jahre dauern, bis sie ihr erstes Buch veröffentlichte. Einem Weltpublikum wurde sie gar erst nach ihrem Tod bekannt durch die Verfilmung einiger ihrer Werke wie «Die unsterbliche Geschichte», «Babettes Fest» und vor allem ihres kenianischen Abenteuers in «Jenseits von Afrika». Mit 77 Jahren starb Blixen in ihrem Geburtsort in Dänemark.

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The gambino family

carlo gambino «TEIL 1»

Keine einzige Mafia-Organisation in den Vereinigten Staaten von Amerika war jemals so mächtig, so reich und so skrupellos wie sie: die Gambino-Familie.

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von Helena Ugrenovic

ie Vielfalt der Geschäftszweige der GambinoFamilie sicherte ihnen Milliardengewinne, die nicht nur ein Jahrhundert überdauerten, sondern für die Ewigkeit strukturiert worden sind. Den buchstäblich richtigen «Riecher», um ein solches Mega-Imperium aufzubauen, hatte ein Mann, der kaum grösser als einen Meter fünfzig und so schlau wie ein Fuchs und stark wie ein Löwe war: Carlo Gambino.

In der Wiege der Mafia Als Carlo Gambino am 24. August 1902 im kleinen Kaff Caccamo am Fusse des Monte San Calogero geboren wird, schlummert seine Zukunft im Reich der Kriminalität bereits in seiner Wiege. Seine wohlhabenden Eltern sind profitabel vernetzt und zahlreiche Verwandte gehören der Mafia an. Mit der Unterstützung seiner Familie stellt Don Vito Cascio Ferro, der Kopf der Ehrenmänner und zugleich mächtigster Mann Siziliens, den ambitionierten Carlo ein, der vorzeitig die Schule abgebrochen hat. Der charismatische und furchtlose Mafia-Boss begnügt sich nicht mit Diebstählen, sondern wittert mit der Erhebung von Schutzgeldern ein viel besseres und lukrativeres Geschäft. Bezahlt ein Geschäftsmann das auferlegte «Pizzo» (Schutzgeld) nicht, ist es Carlo, der dieses mit Gewalt eintreibt. Carlo ist klein und unscheinbar, und nur die riesige, ausgeprägte Hakennase, die wie der scharfe Schnabel eines Adlers aus seinem Gesicht hervorsticht, verleiht ihm eine gewisse Aggressivität. Schnell offenbaren sich den Kreisen der Mafia seine Qualitäten, sein Einsatz und sein ausgeprägter, fast schon animalischer Instinkt. Mit 19 Jahren wird der ehrgeizige Carlo offiziell in die Vereinigung der Ehrenmänner aufgenommen. Die Bewegung der Faschisten im Jahr 1920 unter ihrem Führer Benito Mussolini wird immer mächtiger, und dem organisierten Verbrechen stellt sich ein neuer und sehr resoluter Feind in den Weg. Eines von Mussolinis Zielen ist die Zerschlagung der Mafia, und die verfolgten Mafiosi rettet nur die Absetzung ins Ausland vor dem Gefängnis. Da ein grosser Teil von Carlos Familie mütterlicherseits bereits nach New York ausgewandert ist, beschliesst Carlo, Sizilien zu verlassen. Die Castellanos, ein mächtiger Mafia-Clan, können ihm eine kriminelle Karriere voller goldener Möglichkeiten bieten. An einem Tag im November 1921 wird Carlo auf einem Frachtschiff über den Ozean geschmuggelt.

Der Bruch alter Traditionen Carlo hat klare Vorstellungen über seine Zukunft und nichts und niemand soll seinen Weg an die Spitze des organisierten Verbrechens behindern. Die Castellanos führen unter anderem ein kleines Transportunternehmen und Carlo überzeugte nicht nur als Fahrer, sondern auch als «Shocker», der die Trucks anderer Schwarzhändler kapert und deren Ware stiehlt. Eines Tages trifft Carlo auf Giuseppe «Joe The Boss» Masseria, eine lokale Grösse im Schwarzmarktgeschäft und ein «Mustache Pete», einen der traditionsbelasteten Ehrenmänner. Gambino, der gute Gelegen-

heiten riecht, beschliesst, für ihn zu arbeiten, und entwickelt sich dank seines ausgeprägten Geschäftssinns und Organisationstalents innerhalb kürzester Zeit zu einem unentbehrlichen Mitarbeiter. Als Masseria am 15. April 1931 von Lucky Luciano in ein Restaurant auf Coney Island eingeladen und dabei erschossen wird, ist auch Carlo der festen Überzeugung, dass dessen Tod endlich den ersehnten Aufschwung in den alteingesessenen und festgefahrenen Mafia-Mustern bringen wird, und schliesst sich Lucky Luciano an. Lucky Luciano und Carlo Gambino arbeiten nun für den neuen Boss der Unterwelt, Salvatore Maranzano, der sich glücklich wähnt, die smarten und erfolgreichen jungen Mobster in seiner Crew zu haben, während die beiden aufstrebenden Sterne am kriminellen Mafia-Himmel bereits seinen Tod planen. Nur wenige Monate nach Masserias Tod wird Salvatore Maranzano, der letzte Bremsklotz der alten Mafia-Garde, an seinem Schreibtisch erschossen. Die Gräber der beiden «Mustache Petes» Masseria und Maranzano sind noch frisch, als die neue Generation unter der Führung von Lucky Luciano die Herrschaft des Syndikats übernimmt und die Unterwelt in eine Kooperation umstrukturiert, in der jede wichtige Mafia-Familie ein Stimmrecht im Aufsichtsrat erhält. Carlo Gambino ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort und hat jedes Mal auf die richtige Karte gesetzt. Jetzt ist er dem Mobster Vincent Mangano zugeteilt, der das Hafenviertel von Brooklyn kontrolliert, und Carlo beginnt, sein eigenes kriminelles Imperium zu planen. Mit 29 Jahren führt Carlo seine eigene Crew und wählt als erstes Mitglied seinen Cousin Paul Castellano, der, genauso wie er, in die Mafia hineingeboren wurde. Carlo, der weiss, wie schnell ein Störfaktor eliminiert wird, braucht Vertrauensmenschen in seinem engsten Umfeld, denn der stetige Blick über die Schulter behindert den Weg an die Spitze. Carlo Gambino schwört auf Blutsbande, und später wird man sagen, zu sehr.

Die Vermählung zweier Familien Als er 1932 mit 30 Jahren seine Cousine ersten Grades und zugleich Schwester von Paul Castellano heiratet, vertieft er das Band mit den Castellanos. Die Heirat mit Catherine ist absurd und für einen erzkatholischen Italiener ein Tabu, jedoch sind die Castellanos mächtig und die Ehe mit Catherine verstärkt auch Carlo Gambinos Macht. Als das Ende der Prohibition gefeiert wird, greift Carlo zu immer neueren Geschäftsfeldern und verdient innerhalb kürzester Zeit seine erste Schwarzmarkt-Million. Wie bei einem Fabelwesen, dem beim Abschlagen des Kopfes fünf neue wachsen, kumulieren sich die Geschäfte von Carlo, der überall eine neue Geldquelle findet. 1950 hat er sich den exzellenten Ruf erarbeitet, der beste Grossverdiener für die Manganos zu sein. Doch irgendwie scheint der Weg nach oben blockiert zu sein. Als 1951 sein Boss Vincent Mangano auf mysteriöse Weise stirbt, übernimmt Albert Anastasia, sein Stellvertreter und zugleich Carlos Rivale, die Kontrolle des Syndikats.

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«CARLO HAT KLARE VORSTELLUNGEN ÜBER SEINE ZUKUNFT UND NICHTS UND NIEMAND SOLL SEINEN WEG AN DIE SPITZE DES ORGANISIERTEN VERBRECHENS BEHINDERN.»

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«Carlo Gambino ist eine Legende.» Anastasia, der «Lord High Executioner», ist einer der gefürchtetsten Mobster und Gründer der «Murder Incorporated», einer kriminellen Vereinigung, der innerhalb von 20 Jahren hunderte von Morden zuzusprechen sind. Anastasia befördert Carlo Gambino zu seinem Unterboss, doch diesem ist bereits bewusst, dass er niemals auf natürlichem Weg der Boss werden kann. Doch Carlo ist entschlossen, die Spitze des Syndikats einzunehmen. Anastasia muss verschwinden.

An der Spitze Mit dem Tod von Albert Anastasia, der am Morgen des 25. Oktober 1957 im Barbershop des «Sheraton»-Hotels in Manhattan erschossen wird, ist der Weg für Carlo Gambino endgültig frei. Der 55-Jährige hat sein lebenslanges und ehrgeizig verfolgtes Ziel erreicht – er ist der Pate der Paten. Der gewiefte Carlo weiss, dass der Erfolg in der Ausweitung der Geschäftsfelder liegt, und beteiligt sich nebst den illegalen Aktivitäten an Pizzerien, Nachtclubs, Textil-, Bau- und Transportunternehmen. Gemeinsam mit der Lucchese-Familie übernimmt der Gambino-Clan die illegalen Aktivitäten am John F. Kennedy International Airport, dehnt seinen Einfluss auf die Müllabfuhr New Yorks und im «Garment District», der Modeindustrie Manhattans, aus. Die Hochzeit seines Sohnes Thomas Gambino mit Franca Lucchese, der Tochter des Mobsters Tommy Lucchese, ist ein weiteres Blutsbündnis. Mit 65 Jahren ist Carlo Gambino eher ein Grossvater als ein «Godfather». Er spricht mit starkem Akzent, trinkt täglich Dutzende Tassen schwarzen Kaffees und ist ein Mann, der schwer zu fassen ist. Carlo Gambino treibt sich nachts nicht herum, unterliegt keinen bestimmten Gewohnheiten und hat sich dennoch etwas angeeignet, worüber sich die FBI-Agenten, die sein Haus überwachen und abhören, die Haare raufen. Wenn sich die führenden Köpfe der Mafia in Gambinos Haus in Brooklyn treffen, quittiert der Boss Beschlüsse nur mit einem stillen Nicken. Diese Taktik sollte sich bewähren.

Tod einer Legende Ende der 60er Jahre zeichnet sich langsam der Abstieg von Carlo Gambino ab. Ihm wird als Drahtzieher zahlreicher bewaffneter Überfälle der Prozess gemacht, doch seine Anwälte verzögern die Verhandlungen immer wieder aufs Neue. Hinzu kommen Abschiebungsersuche, Gambino ist immer noch illegal im Land, die jedoch auch geschickt vereitelt werden. Doch die Jahre haben Spuren hinterlassen. Am Abend des 15. Oktober 1976 sieht sich Carlo in seinem Sommerhaus auf Long Island ein Spiel der New York Yankees an. Carlo, der immer auf der Hut und dem Tod einen Schritt voraus war, ist diesem jetzt ausgeliefert und stirbt an einem Herzinfarkt. Sein Erbe ist eine Dynastie, die Milliarden von Dollars umwälzt und die er innerhalb von 20 Jahren zu einem Weltimperium aufgebaut hat, ohne einen einzigen Tag im Gefängnis gesessen zu haben. Sein Begräbnis gleicht einem Spektakel, und als der Konvoi kranzgeschmückter, dunkler Limousinen langsam zum Friedhof rollt, zollen Tausende Schaulustige aus dem ganzen Land dem verstorbenen Patriarchen auf seinem letzten Weg ihren Respekt. Carlo Gambino ist eine Legende. Carlos Tod wird mit seiner Nachfolgeregelung eine blutige Spur für die Familie Gambino hinterlassen. Sein Vermächtnis sind nicht nur die Milliarden und eine Weltmacht, sondern seine eisern forcierten Blutsbande innerhalb der Gambino-Familie. Seine Verfügung, Paul Castellano zu seinem Nachfolger zu bestimmen, ist der Sargnagel für die Familie und die falscheste aller Entscheidungen, die der sonst so intuitiv veranlagte Carlo jemals treffen konnte.

In der nächsten Ausgabe: The Gambino Family Teil II – Paul Castellano

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PUSCHL AV ( SCHWE IZ ), 2005

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© RogerZayas

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Der bescheidene Anti-Star JUAN LUIS GUERRA Der 1,94 Meter grosse, auf den ersten Blick eher schlaksig wirkende dominikanische Sänger und Gitarrist Juan Luis Guerra ist bereits heute eine lebende Legende. In der Karibik und den lateinamerikanischen Staaten wird er beinahe wie ein Gott verehrt und auch in den USA, Europa und sogar Asien vergrössert sich seine Anhängerschaft stetig.

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«Was in der Welt passiert, beschäftigt mich andauernd, und ich fühle mich verpflichtet, darüber zu schreiben und zu singen.»

S von Boris Jaeggi

chon von klein auf war Juan Luis Guerra von der Musik fasziniert. Oftmals trägt er im Kreise seiner Familie Lieder vor und von seinem Bruder erhält er seine erste Gitarre geschenkt. In der Schule belegt er mit Literatur und Philosophie Fächer, die ihm später als Songwriter behilflich sind. Er ist ein Bewunderer der kubanischen «Nueva Trova», die in den 60er Jahren entstand. Die Textinhalte waren mehrheitlich politischer Natur und die «Neuen Troubadoure» liessen sich mit den amerikanischen Protestsängern wie Bob Dylan und Joan Baez vergleichen, die ebenfalls den Imperialismus und die Armut thematisierten. Nach einem vierjährigen Studium am Musikkonservatorium in Santo Domingo schreibt sich JL 1980 am bekannten Berklee College of Music in Boston ein, um Jazz, Komposition und Arrangement zu studieren. Während seiner Studienzeit in Boston nutzt JL jede Möglichkeit, dem bitterkalten Winter zu entfliehen, und reist nach Santo Domingo, wo er möglichst oft auftritt. So spielt und singt er an einem Tribute-Konzert für John Lennon, der 1980 ermordet wurde, oder auch bei «Jesus Christ Superstar». Doch in Boston ist JL ein Gitarrist unter vielen. Man spielt Gitarre im Stile von Wes Montgomery, einem bekannten amerikanischen Jazz-Musiker. Doch eines Abends nimmt JL seine Güira, ein dominikanisches Rhythmusinstrument, in die Hand und spielt einen typischen Merengue-Rhythmus. Sofort hat er die Beachtung des Publikums. Dies ist etwa Neues, Unbekanntes und Faszinierendes für die Zuhörer. Ihm wird bewusst, dass er die Musik seiner Heimat spielen muss, die ihn immer geprägt hat, um sich von der grossen Masse abzuheben.

die Hertzfrequenz des Kammertons A steht. Diese Schallplatte orientiert sich noch sehr am amerikanischen Mainstream im Stile von Bands wie Manhattan Transfer. Bereits auf seiner zweiten Platte «Mudanza y Acarreo» von 1985 sind die Einflüsse der in den Strassen von Santo Domingo allgegenwärtigen einheimischen Musik von Merengue, Bachata und Salsa vordergründig. Mit «Mientras mas lo pienso…tú» von 1987 manifestiert er seinen unverkennbaren neuen eigenen JL-Guerra-Sound. Alle Lieder sind von ihm und der Band komponiert. «Guavaberry» und «Me enamoro de Ella» sind bereits heute Klassiker. Der Grundstein für eine grosse Karriere ist gelegt – obwohl seine beispielhaften Arrangements (noch) keine internationale Beachtung finden. Nachdem die musikalische Richtung gefunden wurde und JL nach dem Ausscheiden von Maridalia Hernández mit seinen vokalischen Fähigkeiten alleiniger Leadsänger wird, stürmt er mit «Ojala que llueve café» in den lateinamerikanischen Ländern die Charts. JL beginnt auch mit politisch motivierten Liedern auf die chaotischen und korrupten Situationen in diesen Ländern hinzuweisen. Die 1989 erschienene Schallplatte ist eine Ansammlung verschiedenster Wunschträume. Mit «Visa para un sueno» beschäftigt sich JL mit der Emigration aus seinem armen Heimatland. Mit seiner ersten CD, dem 1991 erschienenen «Bachata Rosa», die sich über fünf Millionen Mal verkauft, ist die Hitmaschinerie JL Guerra vollends in Gang gebracht. Der langersehnte internationale Durchbruch ist geschafft und JL beginnt mit dem Sammeln begehrter Auszeichnungen und seinem ersten der bis heute 20 Grammies bei fast 40 Millionen verkauften Tonträgern. Die meisten der Lieder auf «Bachata Rosa» sind schon heute Klassiker der lateinamerikanischen Musik.

Die Musik der Strasse Nach Beendigung seines Studiums in Boston kehrte JL 1983 in die Karibik zurück. Mit seinem Talent und dem erworbenen Wissen über Arrangements und Komposition startet er ins Berufsleben, wo er Werbejingles für Radio- und TV-Stationen produziert. Dabei arbeitet er immer mit den einheimischen Musikern Maridalia Hernández, Mariela Mercado und Roger Zayas-Bazan zusammen, mit denen er 1984 seine erste Schallplatte «Soplando» einspielt. Seine Begleitband nennt sich «Los 4:40», wobei 440 für

Soziales Engagement und kritische Musik Im gleichen Jahr gründet JL die «Fundación 440» – heute «JL Guerra Stiftung» genannt, welche behinderte Kinder und Waisen unterstützt. Heute hilft die Stiftung in allen Bereichen des Gesundheitswesens, baut Spitäler und investiert in ein gutes Bildungswesen sowie in den Bau von Sportanlagen. Mit der CD und dem Stück «Areito», welches 1992 zur 500-jährigen Entdeckung von Amerika erschien, gedenkt er der Ureinwohner der Dominikanischen

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© Boris Jaeggi

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«Ich habe immer gesagt, dass ich die Welt mit meinen Liedern nicht ändern kann – aber meine Musik und meine Texte können die Menschen ändern, die sich meine Lieder anhören.»

Republik. Mit «Naboria Daca Ae Mayanimacaná» singt erstmals ein Künstler in der Sprache der Taino-Indianer. Konsequent veröffentlich JL kritische Lieder wie «Si saliero petrolio» und protestiert mit «Costa de la vida» gegen die ärmlichen Bedingungen, unter denen die meisten Dominikaner leben müssen. Das Lied wird in den USA als antiamerikanisch empfunden und von den Radiosendern auf die Black List gesetzt und boykottiert. Mit grossen Tourneen festigt er seinen Einfluss in den lateinamerikanischen Ländern und tourt auch extensiv durch Europa. Vielleicht auch eingeschüchtert durch die vielen Kritiker, verzichtet JL bei seinem nächsten Album auf politisch angehauchte Texte. Vielmehr macht er bei «Fogarate» von 1994 wieder einen Schritt Back to the Roots. Er kombiniert die Einflüsse des afrikanischen Soukous mit einheimischem Merengue. Unterstützt wird er dabei vom bekannten kongolesischen Gitarristen Diblo Dibala.

Unruhestand und JL konvertiert zum Evangelismus Nach den intensiven Tourneen, bei denen er oftmals nicht wusste, in welchem Land er sich gerade befand, nimmt JL erst mal eine Auszeit. In einer dominikanischen Radio- und Fernsehstation bietet er in einer eigenen Sendung talentierten Musikern eine Plattform, sich einem breiten Publikum zu präsentieren. Nebst seinen eigenen Hits schreibt er auch für andere Künstler, die mit seinen Kompositionen regelmässig die Hitparaden in vielen Spanisch sprechenden Ländern anführen (zum Beispiel Luis Miguel – «Hasta que me olvides»).

Mehr und mehr wird JL zum Hit-Garanten Mit «Ni es lo mismo ni es igual» aus dem Jahre 1998, welches Merengue mit Rap-Einflüssen kombiniert, räumt er gleich drei Grammies ab. Mit dem bekanntesten Song «El Niagara en bicicleta» macht er auf die haarsträubenden Zustände in den überfüllten öffentlichen Spitälern, die auch mit Stromausfällen zu kämpfen haben, aufmerksam. Erst sechs Jahre später erscheint das nächste Album. JL ist zum Evangelismus konvertiert und mit «Para ti», mit dem er zwei weitere Grammies gewinnt, preist er seinen Gott, dem er alles zu verdanken hat. Im Gegensatz zu vielen anderen erfolgreichen Künstlern steht JL immer mit beiden Füssen fest auf dem Boden. JL ist ein Ausnahmekünstler,

der seine Hits seiner Intuition, seiner Aufmerksamkeit und seinem Feeling für den richtigen Sound verdankt – keine Alkohol- oder Drogenexzesse pflastern seinen ruhmreichen Weg und es gibt auch keine wechselnden Partnerinnen. JL verdankt seine innere Ruhe seinem Glauben und seiner Familie. Insbesondere seiner Frau Nora, die er in Boston kennen und lieben gelernt hat und mit der er seit 1983 glücklich verheiratet ist.

Unaufhaltsam nach ganz oben In den folgenden Jahren feiert er mit grösseren Tourneen das 20-jährige Bühnenjubiläum seiner Gruppe «Los 4:40». So spielt er unter anderem gleich sechs ausverkaufte Konzerte im Madison Square Garden. Als erster lateinamerikanischer Künstler darf JL 2006 das Konzert der Rolling Stones in Puerto Rico eröffnen und auch mit Sting stand er im gleichen Jahr auf der Bühne. Mit dem Duett «Bendita tu luz» mit Maná belegt JL den ersten Platz der «Billboard»-Charts. Im Frühjahr 2007 erscheint «La llave de mi corazón», das 10. Album von JL Guerra y 4:40. Es ist seit «Bachata Rosa» das romantischste. Sowohl Album wie auch der Titelsong sind schon bald auf Platz 1. Im Videoclip spielt und tanzt die bezaubernde Dominikanerin Zoë Saldaña, die mit «Avatar» und «Colombiana» als Schauspielerin Weltruhm erlangte. JL Guerra gewinnt in allen nominierten Kategorien und tritt als überglücklicher Sieger mit sechs Grammies die Heimreise an. Zudem erhält er einen Ehrendoktor der Universität in Santo Domingo sowie der Berklee University of Music, an denen er studiert hat, wird zum Musiker des Jahres gewählt, vom «Billboard Magazine» erhält er den Spirit of Hope Award für seine sozialen Verdienste und auch von der UNESCO wird er als Künstler für den Frieden geehrt. Er tritt in Chile und Mexiko auf, um behinderten Kindern zu helfen, und tritt zusammen mit Juanes am Konzert «Paz sin Frontera» für den Frieden in den Ländern Venezuela, Kolumbien und Ecuador ein. Im August 2008 führt ihn die «Travesia»Tour auch nach Europa. In der Dominikanischen Republik spielt JL im Olympiastadion vor 50'000 jubelnden Fans und wird im Frühjahr zu einem der einflussreichsten Männer Lateinamerikas erkoren. Sogar in Amerika ist «La llave de mi corazón» einer der meistgespielten Radiosongs!

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Š Boris Jaeggi


© Berni Hanus

CULTURE

Nach dem schrecklichen Erdbeben in Haiti, welches die Insel Hispaniola mit der Dominikanischen Republik teilt, organisiert JL sofort ein Konzert im Olympiastadion in Santo Domingo. Nebst JL treten weitere internationale Stars wie Juanes und Enrique Iglesias auf. Von den über 40'000 Besuchern werden über 2,5 Millionen Dollar gesammelt. Dieses Geld wird in den Bau eines Kinderspitals in Haiti investiert. JL zögert nie! Wenn er die Möglichkeit sieht zu helfen, dann ist er jederzeit zur Stelle.

Ein unverkennbarer Stil Mit Enrique Iglesias singt er im Duett den Nummer 1 Hit «Cuando me enamoro» und auf seinem neuen Album «A son de Guerra», welches Mitte Juni 2010 erscheint, wird JL auf dem sozialkritischen Titel «La Calle» von Juanes begleitet. Bei «Arregla los Papeles» prangert JL die nervenaufreibende Bürokratie an. Das Album, welches wieder das breite musikalische Spektrum von Cumbia, Merengue, Bachata, Rock, Salsa und Mambo von JL aufzeigt, erhält die besten Kritiken. JL drückt jedem Song der verschiedensten Stilrichtungen immer seinen unverkennbaren Stil auf. 2012 erscheint seine «Colección Cristiana». Nebst einigen älteren Songs besticht JL wiederum mit einigen Preziosen. «En el cielo no hay hospital» könnte auf jeder «normalen» CD von JL erschienen

sein. Als Musical Director und Produzent hat JL Anfang Februar das «Juanes MTV Unplugged», das erste Live-Album seines kolumbianischen Freundes Juanes überhaupt, künstlerisch begleitet. Die nächsten Grammies sind ihm sicher. Nach seinem Konzert im Juni in Santo Domingo, bei dem über 50'000 Zuschauer in strömendem Regen ausharrten, gab JL auch zwei ausverkaufte Konzerte in Zürich und München, in denen ihm jeweils fast 2‘000 Zuschauer frenetisch zujubelten. Trotz den unbefriedigenden Zuständen in seinem Heimatland ist JL ein bekennender Patriot. So schrieb er eigens für die Olympischen Spiele in London eine Hymne für die dominikanischen Sportler. JL ist ein Künstler der Melodik. Nach dem Motto «Weniger ist mehr» erscheinen alle paar Jahre einzigartige Juwelen von herausragender Qualität, die für die Ewigkeit bestimmt sind. Seine Vielfältigkeit und seine interessanten Fusionen mit den verschiedensten musikalischen Stilrichtungen, die bei JL wie selbstverständlich klingen, sind einmalig. JL wird dadurch auch zu einem universellen Vermittler der variantenreichen Stile. Seinem grossen Vorbild Sir Paul McCartney steht JL in keiner Weise nach, hoffentlich werden diese beiden grossen Künstler bald einmal ein gemeinsames musikalisches Meisterstück abliefern. www.juanluisguerra.com www.guavaberry.net

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KOLUMNE

EIGENTLICH WÄRE ES DOCH GANZ LEICHT von Nubya

W

ie soll ich das schaffen, wieso habe ich

Wenn ich einen Auftritt habe, gehe ich den Weg von der Gar-

mir das eingebrockt und was soll das

derobe zur Bühne vorher einmal ab, damit ich das Gefühl

Ganze überhaupt? Kennen Sie diese

dafür bekomme. Andere empfinden das als überflüssig, für

innere Stimme, die zu einem spricht, be-

mich ist das Teil der Vorbereitung. Üben und Einsingen sind

vor man etwas in Angriff nehmen muss,

Pflicht. Und das nicht nur am Tag des Konzertes, sondern

das einem Sprung ins kalte Wasser gleicht? Ein Auftritt, eine

schon Wochen davor. Auch die Texte müssen sitzen, wenn

Rede, eine Präsentation, Moderation, you name it. Um dem

ein Songtext auf der Bühne abgelesen werden muss, dann

Projekt die Schwere zu nehmen, sollten wir uns bewusst ma-

geht das immer auf Kosten von etwas anderem. Ausstrahlung

chen, dass das, was wir jetzt gerade machen, eine Moment-

und Kontakt zum Publikum. Bei den Moderationen lese ich

aufnahme des heutigen Tages ist. In zwei Wochen oder vier

teilweise ab, doch spreche ich die Texte mehrmals zu Hause

Jahren würden wir es ganz anders umsetzen, doch heute ist

laut durch, damit ich ein Gefühl dafür bekomme. Es kommt

der Moment, in dem wir das geben, was uns heute zur Ver-

dann oft spontan anders, aber es ist wichtig, diese Grundlage

fügung steht.

zu haben, auf die man sich stützen kann.

Kenny Werner, ein bekannter Jazzpianist und Lehrer an einer

Wo und wie könnten Sie das bei Ihrer Arbeit umsetzen? Wo

Jazz-Schule in New York, sagte uns zum Thema Lampen-

könnten Sie Wege vorher abschreiten, um sich im Ernstfall

fieber: «Are you going to save lives or change history while

auf das Wichtige konzentrieren zu können? Wo könnte mehr

playing your song? So, what the hell are you nervous for!» Wie

Vorbereitung und Übung hilfreich sein? Dies zusammen her-

recht er hatte. Wir nehmen uns und das, was wir tun, manch-

auszuarbeiten und auszuprobieren, macht viel Spass und es

mal zu ernst und verlieren dabei den Spass an der Sache.

ist erstaunlich herauszufinden, was alles zur Vorbereitung ge-

Wenn Angst im Spiel ist, wird ein Auftritt nie so gut, wie er

hört, das man bisher gar nicht beachtet hat, und wie viel man

hätte sein können, und das ist auf jeden anderen Job über-

daraus ziehen kann. Schlussendlich zählt die Freude an dem,

tragbar. Lampenfieber sollte nicht mit Angst verbunden sein,

was wir tun. Der Funke, der überspringt und der dann springt,

sondern mit Vorfreude.

wenn wir authentisch sein und eine Grundlage dafür schaffen können, uns in einer Ausnahmesituation so wohl wie möglich

Was können wir dafür tun? «I prepare for a rehearsal as I

zu fühlen. Und wenn wir daran glauben, dass wir das, was

would for marriage», sagte Maria Callas, und das sollte man

wir gleich tun werden, auf unsere eigene Art und Weise toll

sich in seinem eigenen Berufsleben genauer anschauen. Wie

hinbekommen werden.

oft denken wir «Ach, es gilt ja noch nicht ernst» und sind dann im Ernstfall mangelhaft vorbereitet oder unnötig angespannt.

Frei nach Wowereit: «Ich bin ich und das ist gut so.»

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WATCHES & JEWELLERY

Zeit rund um Zeitzonenuhren den Globus 134


WATCHES & JEWELLERY

Der Traum, trotz beharrlich fortschreitender Zeit noch einmal jünger werden zu können, ist so alt wie die Menschheit selbst. Und wer richtig plant, kann ihn sogar Realität werden lassen. Wie’s geht, ist kein Geheimnis. Mit etwas HintergrundHintergrundwissen, einem wissen, einem Flugticket Flugticket undund derder richtigen richtigen Armbanduhr Armbanduhr gestaltet gestaltet sichsich dasdas UnternehUntermen zumzum nehmen Kinderspiel. Kinderspiel.

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«wie Frau oder Mann ganz einfach jünger werden können»

von Gisbert L. Brunner

D

as ewige Spiel der Jahreszeiten, der beständige Wechsel von Tag und Nacht, kurz: Der Lauf der Zeit resultiert aus der kontinuierlichen Rotation unserer Mutter Erde. Solange die Menschen mit der Morgenröte aufzustehen pflegten und sich mit Einbruch der Dunkelheit zur Ruhe betteten, tangierte sie diese Naturgegebenheit nur wenig. Selbst die Einführung von Turmuhren, welche die jedem Ort eigene Lokalzeit verkündeten, änderte daran nur wenig. Als der Philosoph David Friedrich Strauss gegen 1850 vom «zauberhaften Fliegen» in der Eisenbahn schwärmte, hatte sich die Situation gründlich verändert. Die vielen Ortszeiten, welche sich am jeweiligen Stand der Sonne orientierten, führten zu echten Problemen. Steigende Geschwindigkeiten, dichtere Schienennetze und veröffentlichte Fahrpläne verlangten dringend nach chronometrischer Koordination. Speziell in den USA und in Kanada setzte damals jede Eisenbahngesellschaft auf ihre eigenen Zeiten, was die Schwierigkeiten noch verstärkte. 1870 hatte sich das Durcheinander zu einem echten Chaos ausgewachsen. Im gesamten Nordamerika des mittleren 19. Jahrhunderts existierten nicht weniger als 144 offiziell anerkannte Zeiten.Angesichts der schier unerträglichen Situation mit regelmässigen Zugunglücken propagierte Sandford Fleming,

leidgeplagter Chefingenieur der Canadian Pacific Railway, die Einführung klar definierter und allgemein gültiger Zeitzonen. In jeder sollte jeweils die gleiche, eine mittlere Zonenzeit gelten. Ausgehend vom Nullmeridian sei nach jeweils 15 Längengraden eine Zeitgrenze zu markieren. Und von Zone zu Zone habe sich die Zeit um jeweils eine volle Stunde zu verschieben. In der Summe ergäben sich also 24 Zeitzonen mit 24 unterschiedlichen Zonenzeiten.

Lösung eines evidenten Problems Die Idee fiel auf fruchtbaren Boden, denn für Oktober 1884 lud der amerikanische Präsident Chester A. Arthur höchstpersönlich Repräsentanten der damals 24 souveränen Staaten dieser Erde zur «Prime Meridian Conference» nach Washington D.C. Ziel der dreiwöchigen Tagung war die Verabschiedung eines Protokolls für eine Welt-Standardzeit. Zu den Streitpunkten gehörte die Positionierung des Nullmeridians. Nach ausgiebigen Diskussionen fiel die Wahl aus guten Gründen auf Greenwich bei London. Der auf dem Erdball exakt gegenüberliegende 180. Längengrad markiert seitdem die Datumsgrenze. Und damit löst sich das Rätsel, wie Frau oder Mann ganz einfach jünger werden können: Zum Beispiel durch einen Flug von Tokio nach Hawaii. Dort angekommen, müssen Globetrotter ihre Uhr um einen ganzen Tag zurückstellen. Für

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sie gibt es dasselbe Datum also zweimal. Andererseits überspringen und verlieren Weltreisende somit gnadenlos einen ganzen Tag, wenn sie von Amerika nach Asien jetten. Ungeachtet der sinnvollen Lösung eines weltbewegenden Problems ändert sich nichts am Faktum, dass die Zeit nicht aufteilbar ist. Das kostbarste Gut der Menschheit definiert sich aus der Position. Zeit ist Raum; die Zeit verändert sich, während der Standort bleibt. Nachdem sich die Erde mit schöner Regelmässigkeit dreht, kommen alle Erdenbürger unabhängig von ihrem Aufenthaltsort in den Genuss eines 24 Stunden währenden Tags. Für jeden Erdenbürger ist irgendwann Mittag oder Mitternacht. Wo immer man den Tag beginnen lässt. Und er endet an der jeweils gleichen Stelle exakt vierundzwanzig Stunden später. Diese Resultate der Konferenz fanden 1883 ihre Umsetzung in den USA und Kanada. Bis alle Staaten ihren nationalen Stolz aufgegeben, Greenwich als geographischen Ausgangspunkt und das neue System als Ganzes akzeptiert hatten, mussten die Erde und die Zeiger der Uhren allerdings noch viele Runden drehen. Ab 1. April 1893 zeigten die Uhren in Deutschland und Österreich die

Mitteleuropäische Zeit (MEZ) mit einer Differenz von +1 Stunde gegenüber der als Welt- oder Universalzeit definierten mittleren Sonnenzeit des Greenwicher Nullmeridians (Greenwich Mean Time – GMT). 13 Monate später verfügte der kantonale Berner Regierungsrat, dass «zur Vermeidung einer verwirrenden Zweispaltigkeit der Zeitbestimmung … diese mitteleuropäische Zeit auch für das bürgerliche und amtliche Leben eingeführt wird, und es sollten sämtliche öffentlichen Uhren (Kirchenuhren und andere) auf den 1. Juni nächsthin um 30 Minuten vorgerückt werden». Die halbe Stunde resultierte aus der geographischen Lage der schweizerischen Hauptstadt: 7,5° östlicher Länge. Logischerweise schlossen sich die übrigen Kantone dem Vorbild an. Ein Blick in die derzeit gültige Weltzeitkarte macht aber auch deutlich, dass die Zeitzonengrenzen nicht exakt mit den jeweiligen Längengraden übereinstimmen (können), denn das wäre schlichtweg widersinnig. Daher orientieren sich die Zeitzonengrenzen dort, wo dies sinnvoll und notwendig ist, primär auch an Ländergrenzen. Ausserdem gibt es weltweit auch eine ganze Reihe von Halb- und Viertelstunden-Zeitzonen. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel.

Zum Beispiel durch einen Flug von Tokio nach Hawaii.»

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WATCHES & JEWELLERY

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WATCHES & JEWELLERY

Universalzeit-Armbanduhren Wer viel in der Welt unterwegs ist oder über weite Strecken telefoniert, kennt den Nutzen intelligenter Armbanduhren mit praktischem Zeitzonen-Dispositiv. Zu den absoluten Pionieren so genannter Weltzeituhren gehört Patek Philippe. Zusammen mit dem Genfer Uhrmacher Louis Cottier entwickelte die Familienmanufaktur bereits 1937 die rechteckige Referenz 515. Ihr 24-Stunden-Ring und die Städteangaben auf dem Zifferblatt waren jedoch noch fest für Greenwich Mean Time synchronisiert. Dieses Manko erledigte sich noch im gleichen Jahr. Bei der Referenz 542 mit gravierter Drehlünette handelte es sich um die weltweit erste Armbanduhr vom Typ «Heure universelle». Bei Fernreisen positioniert man die Aufenthalts-Zeitzone, repräsentiert durch eine Metropole, bei der «12». Dann lassen sich die Stunden aller 24 Zeitzonen simultan vom Zifferblatt ablesen. Zeiger sind für die Stunden und Minuten der jeweiligen Ortszeit zuständig. An diese Tradition knüpft die gelbgoldene Referenz 5131 mit dem nur 3,88 mm hohen Automatikkaliber 240 HU. Das kostbare Zifferblatt-Zentrum aus Cloisonné-Email (Zellenschmelz) bildet Europa, Afrika und Amerika ab. Der Name der «Transocean Unitime» von Breitling steht für Ferne und jene universale Zeit, welche der Retrolook-Zeitschreiber mit Wurzeln in den 1950er und 1960er Jahren darstellt. Das «Heure universelle»-Zifferblatt bildet die Zeit in 24 internationalen Zonen ab. Wie üblich vertreten durch bekannte Städte. Bei Trips beispielsweise über den Atlantik genügt simples Umstellen mit Hilfe der Krone. Die Stadt der geplanten Aufenthaltszone wandert zur «12». Zudem verändern sich auch die zentralen Zeitzeiger, das Datum und der 24-Stunden-Ring. Die Sommerzeiten finden übrigens auch Berücksichtigung. Den universellen, bis 100 Meter wasserdichten Chronographen mit chronometerzertifiziertem Automatikkaliber B05 aus eigener Manufaktur gibt es in Stahl oder Rotgold. An anspruchsvolle Uhr-Aficionados wendet sich Cartier mit der «Calibre Weltzeit». Die 45 mm grosse Weissgold-Armbanduhr mit dem Automatikkaliber 9909 MC besticht durch ihre ausgesprochen einfach handhabbare Weltzeitindikation. Globetrotter erfahren die jeweilige Orts- und die Heimatzeit. Ein «Jetlag»-Indikator gibt Auskunft über die jeweilige Zeitverschiebung. Im Gegensatz zu Herkömmlichem wurde die Städtescheibe ins Werk integriert. Zum Einstellen per Kippdrücker ist sie durch eine Lupe in der linken Gehäuseflanke sichtbar. Besonders hilfreich: die Berücksichtigung der Sommerzeit. Frédérique Constant, eine relative junge Genfer Marke, nimmt sich des Universalzeit-Themas mit dem neuen «Classic Manufacture Worldtimer» an. Die Edelstahl-Armbanduhr mit Zentralsekunde misst 42 Millimeter. Für die Indikation der Zeit zeichnet die Manufaktur-Automatik FC-718 verantwortlich. Durch einen Sichtboden lässt sie sich bei der tickenden Arbeit beobachten. Bei der «6» dreht ein kleiner Datumszeiger seine Runden. Dem nassen Element widersteht dieses neue Modell bis zu fünf Atmosphären Druck.

Während der Baselworld 2012 zeigte Glashütte Original eine der kompliziertesten mechanischen Armbanduhren deutscher Provenienz. Das Handaufzugskaliber 89-01 des «Grande Cosmopolite Tourbillon» besteht aus mehr als 500 Komponenten. Der Drehgang-Mikrokosmos bietet die Möglichkeit, zwischen 37 verschiedenen Zonenzeiten zu wählen. An solche mit Halbund Viertelstunden-Differenzen hat das Mitglied der Swatch Group ebenso gedacht wie an die Sommer- und Winterzeit. Ein ewiges Kalendarium erspart Korrekturen bis hin zum Jahr 2100. Vom opulenten Platin-Œuvre fertigt die Manufaktur allerdings lediglich 25 Exemplare. Hublot entwickelt sein eigenes «Unico»-Uhrwerk konsequent weiter. Im Fall der neuen «GMT» durch die Addition einer exklusiven Zeitzonen-Funktion. Die Anzeige der Stunden in 14 Zonen geschieht mittels intelligentem Zusammenspiel von vier Aluminiumdrehscheiben. Das Ein- und Verstellen lässt sich per Drücker bei der «2» bewerkstelligen. 72 Stunden lang kommt die Manufaktur-Automatik HUB 1220 ohne Energienachschub aus. Besonders markant präsentiert sich die 48-Millimeter-Version dieses vielseitigen Boliden mit Lünette und Boden aus schwarzer Keramik. Weit über das bislang Gekannte geht das 2011 lancierte Weltzeit-Œuvre von Vacheron Constantin hinaus. Sein Zifferblatt mit drei konzentrischen Städteringen trägt allen ZeitzonenBesonderheiten Rechnung. Insgesamt stellt es 37 Zonenzeiten dar, also beispielsweise auch jene von Caracas. Bekanntlich hat Hugo Chavez 2007 den Abstand zur Weltzeit UTC um eine halbe Stunde verkürzt. Mit dieser Rotgold-Armbanduhr, in der das patentierte Automatikkaliber 2460 WT tickt, weiss man auch in Australien, Indien oder dem Iran, welche Stunde gerade schlägt. Zum Einstellen reicht allein die Krone. Von Zenith stammt ein neuer Alleskönner. Und zwar mit 45 mm grossem Stahlgehäuse. Die «Pilot Doublematic» mit dem «El Primero»-Automatikkaliber 4046, Gangautonomie 50 Stunden, besitzt eine universelle Zeitanzeige, also Weltzeit-Indikation. Damit Jetlag-geplagte Kosmopoliten bei ihren Trips rund um den Globus ja nicht verschlafen, ist auch ein Wecker mit an Bord. Und der Chronograph gestattet das Stoppen unterschiedlicher Zeitintervalle. Ausserdem gibt es ein Grossdatum sowie Indikationen für die Gangreserve und den Schaltzustand der Alarmfunktion.

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Zwei Zonenzeiten tun es auch Erstmals in der Uhrengeschichte bietet Breguet beim Modell «Hora Mundi 5717» eine Art «Zonenzeit-Pingpong». Per Knopfdruck können Kosmopoliten zwischen den Stunden zweier vorgewählter Zeitzonen hin und her schalten. Der Minutenzeiger bleibt davon unberührt. Die mechanische Sprunghaftigkeit bezieht sich auch auf den heimatzeitbezogenen Tag/Nacht-Indikator sowie das mit der Ortszeit gekoppelte Datum. Letzteres bildet eine Scheibe in einem segmentförmigen Fenster bei der «12» ab. Die aktuelle der drei dort sichtbaren Zahlen umfängt ein kleiner Ring, der mit dem Datum durch den Ausschnitt wandert. Rechts im Zifferblattausschnitt angekommen, springt er zurück zum folgenden Tag. Das Automatikwerk mit Silizium-Komponenten heisst 777. Zwei Stundenzeiger, einer für die Orts- und ein anderer für die Heimatzeit zeichnen das neue Automatikwerk HMC 346.121 von H. Moser & Cie. aus. Die Optimierung des 1959 für Louis Cottier patentierten Systems offenbart sich bei der «Meridian» in einer unübersehbaren Indikation für die Vor- und Nachmittagsstunden der entfernten Referenzzeit. Nicht das Datum zeigt sich im grossen Zifferblattausschnitt, sondern entweder die Zahl «12» oder «24». Zur Anzeige reichen die Ziffern 124, gedruckt auf einen kleinen Schieber. Das Umschalten der Indikation geschieht infolge eines Vorspann-Mechanismus innerhalb einer Sekunde. Mit Hilfe der Krone lässt sich der rote Stundenzeiger in beiden Richtungen verstellen. Die legendäre, vom Firmengründer Hans Wilsdorf entwickelte «GMT-Master» kann als echte Uhrenlegende gelten. Brandneu ist der deutlich komplexere Komparativ aus dem Hause Rolex. Wie die GMT-Master besitzt auch die durchdachte «Sky-Dweller» mit klassischem «Oyster-Gehäuse» einen unabhängig verstellbaren Stundenzeiger sowie eine 24-Stunden-Indikation. Hinzu gesellt sich ein ausgeklügelter Jahreskalender, der nur jeweils Ende Februar einer kleinen Korrektur bedarf. Für die Monatsanzeige haben sich die Techniker etwas ganz Besonderes einfallen lassen: Hinter jeder Stundenziffer befindet sich ein kleines Fenster. Der aktuelle Monat erscheint in Schwarz. Die bis 100 Meter wasserdichte Schale gibt es derzeit nur in Massivgold.

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Ghost

Power in reserve, composure in any conditions

Ghost is engineered to be whisper-quiet, however much you exploit its new V12 engine. Effortless, yet rewarding driving is assured by the same advanced technology that creates the unique magic carpet-like ride. In every respect, Ghost embodies the power of simplicity. Fuel economy figures (l/100km): Urban 20.5 / Extra urban 9.6 / Combined 13.6. CO2 emissions: 317 (g/km). Energy efficiency category: G.

Rolls-Royce Motor Cars Zurich, Stinson-Strasse 2, 8152 Glattpark / Zurich Tel: +41 (0) 43 211 44 41 www.rolls-roycemotorcars-zurich.ch Š Copyright Rolls-Royce Motor Cars Limited 2012. The Rolls-Royce name and logo are registered trademarks.


SHORT CUTS

SHORT

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Wem die Stunde schlägt Die weltgrösste Uhr Der höchste Kirchturm der Christen in Europa ist der des Ulmer Münsters mit 161 Meter Höhe. Bescheiden wirkt er neben den Superlativen der islamischen Welt, denn die höchste und zugleich grösste Uhr befindet sich an einem 550 Meter hohen Turm. Der Wolkenkratzer bietet Platz für Hotels und Shopping Malls und fusst auf einem riesigen Unterbau. Dieser Gigantismus hat einen guten Grund: Die Pilgerströme nach Mekka nehmen jährlich zu, und gerade an diesem wichtigsten Ort für die Muslime ist die Zeitanzeige für die täglichen fünf Gebete besonders wichtig. Da nur Muslime die Stadt betreten dürfen und die architektonische Leistung ihresgleichen suchte, fiel die Wahl des Baukonzerns auf einen erfahrenen deutschen Architekten, der bereits vor Jahren zum Islam konvertiert war. Die in alle vier Himmelsrichtungen zeigenden Zifferblätter sind mit 22 Meter langen Minutenzeigern und 17 Meter langen Stundenzeigern ausgestattet. Diese sind mit 600ʼ000 Leuchtdioden besetzt und begehbar, falls die Dioden ausgewechselt werden müssen.

Die erste Taschenuhr Die Erfindung der Taschenuhr legt die Basis für eine Demokratisierung der Zeitanzeige für die breite Bevölkerung, die bislang auf Kirchturmuhren angewiesen war. Als erste Taschenuhr gilt das sogenannte «Nürnberger Ei», welches im Nürnberger Germanischen Museum zu besichtigen ist. Die Taschenuhr mit Federwerk besitzt eine ungewöhnliche ovale Form. Jedoch kommt die Bezeichnung «Ei» wohl nicht von der Gestalt der Uhren, sondern dürfte eine Verballhornung von «Aeurlein», also Ührlein, sein. Peter Henlein wird gerne mit dem Nürnberger Ei in Verbindung gebracht. Heute weiss man jedoch, dass die Gravur («Peter Henlein machte mich 1510») der ersten Dosenuhr im Germanischen Nationalmuseum erst nachträglich aufgebracht wurde. Die erste Taschenuhr wurde erst ab Mitte des 16. Jahrhunderts hergestellt – Peter Henlein starb bereits 1542. Trotzdem war Henlein indirekt an der Entwicklung tragbarer Zeitmesser beteiligt – seine Miniaturisierung der Bauteile ermöglichte erst die Fertigung einer Taschenuhr.

Die ältesten Zeitmessungsmethoden

Die meistverkaufte Uhr Ähnlich wie vor einigen Jahren das iPhone sorgte im Jahr 1983 eine poppige Uhr für viel Aufsehen in der Uhrenindustrie. Die schweizerische Uhrenindustrie lag am Boden, weil sie die Marktpotenz der Quarzuhren verschlafen hatte. Doch Nicolas G. Hayek kaufte sich in eine Firmengruppe ein und kreierte die Swatch. Ein Kunstwort aus «Second» und «Watch». Innert kürzester Zeit war eine Million Stück verkauft. Die Uhr wurde zum unverzichtbaren Mode-Accessoire für Jung und Alt, für Arm und Reich. Das mit diesen Uhren verdiente Geld wurde in legendäre Marken wie Omega, Blancpain du Longines gesteckt, und so erlangte die Schweizer Uhrenindustrie nach und nach wieder ihren guten Ruf zurück.

Die Zeit wurde bereits vor über 6000 Jahren gemessen, und zwar mit Hilfe der Sonne. Doch schnell erkannten die Sumerer, dass diese nicht immer zur Stelle war. Den nächsten Schritt bildeten daher die Wasseruhren, welche die Ägypter bereits um 1500 vor Christus verwendeten. In ein grosses Gefäss, das am unteren Rand ein Loch hatte, wurde eine definierte Menge Wasser eingefüllt, die Menge des herausgeflossenen Wassers wurde mit der Grundeinheit «Chus» gemessen, entsprach 3,27 Liter und floss innerhalb drei Minuten ab. Im Prinzip ähnlich funktionierende Sanduhren kamen erst im 13. Jahrhundert nach Christus auf. Sie wurden sehr lange in der Seefahrt für die Einteilung des Arbeitstages eingesetzt. Die Sanduhr brauchte 30 Minuten für einen Durchlauf. Hierdurch wurde der Begriff «Glasenuhr» geprägt. Vier Stunden, also acht Glasen, entsprachen der Dauer einer Wache.

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DRIVE STYLE

forever

Fahrgestell des Mercedes G5 mit Allradlenkung

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DRIVE STYLE

Offroad-artige SUV erfreuen sich immer grรถsserer Beliebtheit. Doch wie ist diese Fahrzeuggattung einst entstanden? Ein Abstecher zu den ersten Allradautos.

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DRIVE STYLE

Als Autofahren noch Herrensport war: Spyker 60/80 HP mit Allradantrieb und Sechszylindermotor

Text: Matthias Pfannmüller, Fotos: Werk, Cellection W. Oude-Weernink

D

ie Geschichte des Allradantriebs ist so alt wie das Automobil. Von Anfang an hat es Bemühungen gegeben, die Motorkraft auf alle Räder zu verteilen. Dafür gab es zwei Gründe: Zum einen versprach das Prinzip eine höhere Endgeschwindigkeit. Andererseits – und das war vor allem eine militärische Forderung – verbesserte es die Traktion und machte damit ausgestattete Fahrzeuge unabhängig von befestigten Wegen und Strassen. So verwundert es nicht, dass die meisten dieser frühen Entwicklungen im Auftrag nationaler Streitkräfte entstanden.

Wie alles begann Grundsätzlich muss man zwischen Allrad- und Geländewagen unterscheiden. Wir stellen hier – ohne die Geschichte der Allradlastwagen zu berücksichtigen – wegweisende Konstruktionen vor, die bei der Entwicklung der Allradtechnik eine Rolle gespielt haben. Das erste Patent für einen mechanischen Allradantrieb datiert von 1898. Sein Erfinder hiess Robert E. Twyford und stammte aus Pittsburgh, Pennsylvania. Allerdings setzte er seine Theorien erst 1905 in die Praxis um. Die Ehre, das erste Auto mit permanentem Vierradantrieb gewesen zu sein, gebührt deshalb dem Spyker 60/80 HP aus Holland, der auf dem Pariser Salon im Dezember 1903 vorgestellt wurde. Als Rennwagen war er von Joseph Laviolette konstruiert worden und hatte einen 8,7 Liter grossen Reihensechszylinder-Motor. Dessen Kraft wurde per Dreiganggetriebe, Zentraldifferenzial und Kardanwellen auf beide Achsen übertragen. Damit ausgestattet, vermochten sich die Vorderräder in Kurven schneller zu drehen als die Hinterräder. Zwar verdankte der 60/80 HP dieser Technik den nötigen Trakti-

onsvorteil. Allein die Standfestigkeit damaliger Materialien zeigte sich dem fortschrittlichen Prinzip nicht gewachsen. So wurde die bemerkenswerte Konstruktion im Februar 1904 nochmals auf der Crystal Palace Motor Show in London gezeigt, blieb aber ein Einzelstück. Anschliessend sind etwa ein Dutzend Vierzylindermodelle namens 28/32 HP mit Allradantrieb, aber ohne Zwischendifferentzial gebaut und ausgeliefert worden – keines überlebte.

Die Geburtsstunde des Allradantriebs Unterdessen machte der Allradantrieb weitere Fortschritte: 1908 liess sich Otto Zachow aus Clintonville, Wisconsin, einen lenkbaren Vorderradantrieb patentieren, den er zusammen mit seinem Schwager William Besserdich entwickelt und in seinen selbst konstruierten Geländewagen eingebaut hatte. Von diesem Fahrzeug abgeleitet, erschien 1911 eine weiterentwickelte Version unter der Firmenbezeichnung FWD (Four Wheel Drive). Schon 1912 präsentierte das Unternehmen einen ersten 4x4-Lkw, der bei der Armee auf starkes Interesse stiess. Dieser FrontlenkerLastwagen sei deshalb erwähnt, weil er zwischen 1914 und 1928 in beachtlichen Stückzahlen – Quellen sprechen von mehr als 40'000 Einheiten – gebaut worden und damit das erste in Grossserie produzierte Allradfahrzeug gewesen sein soll. Einige Exemplare gelangten nach Europa und wurden anschliessend von englischen Lizenznehmern nachgebaut. Gleichzeitig wuchs das Interesse an handlichen, leichteren Geländewagen. 1923 bauten die Amerikaner ein experimentelles Ford-T-Modell mit Allradantrieb und riesigen Ballonreifen, dessen Offroad-Fähigkeiten befriedigend gewesen sein sollen. Allerdings blieben Leistung und Zuladung noch weit hinter den Erwartungen zurück.

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Zu den grössten Herausforderungen aller Vierradkonstrukteure zählte stets, das Verspannen des Antriebsstrangs auf festem Untergrund zu verhindern: Ähnlich wie die kurveninneren und -äusseren legen die vorderen Räder in Kurven einen längeren Weg zurück als die Hinterräder. Es ist deshalb notwendig, den Kraftschluss beider Achsen voneinander zu trennen, um Beschädigungen zu vermeiden und den Verschleiss auf ein Minimum zu reduzieren. Als klassische und einfachste Lösung gilt hier der zuschaltbare Vorderradantrieb, mit dem auch das erste in Serie hergestellte Geländeauto ausgestattet worden sein soll: Es hiess Black Medal Scout Car und erschien 1935 bei dem japanischen Hersteller Kurogane. Ausgestattet mit einem vorne liegenden V-Zweizylinder-Motorradmotor, Einzelradaufhängung und einer offenen Karosserie, konnte es fünf Personen befördern. Die meisten der 4800 bis 1940 produzierten Exemplare wurden vom Militär eingesetzt. Mit allradtechnisch unkonventionellen, aber höchst effektiven Lösungen konnte der 1935 vom Hamburger Nutzfahrzeughersteller Tempo vorgestellte G1200 aufwarten. Er hatte zwei 600 ccm grosse, 19 PS starke Zweitaktmotoren mit angeflanschten Getrieben, die jeweils Vorder- und Hinterräder antrieben, am tragenden Zentralrohrrahmen befestigt waren und die Möglichkeit boten, entweder mit Front-, Heck- oder Allradantrieb zu fahren. Ausser-

dem verhalf eine (an der Hinterachse abschaltbare) Allradlenkung dem G1200 zu erstaunlicher Wendigkeit und einem Wendekreis von nur sieben Metern. Nicht zuletzt durch seine patentierte und dreifach gefederte Einzelradaufhängung vorne und hinten konnte der Tempo viele Geländeveranstaltungen für sich entscheiden. Er wird zu Recht als der überlegenste leichte Allradler der 1930erJahre bezeichnet. Zwischen 1936 und 1944 entstanden 1335 Exemplare, die unter anderem nach Australien, Brasilien, Chile und in den Irak exportiert wurden. Allein 985 Stück lieferte Tempo bis 1944 an die schwedische Armee. Die Wehrmacht setzte den G1200 nicht ein – weil er ein Zweitakter war. An die Front mussten dagegen die Horch-Geländewagen 901 (1935 bis 1942) und 108 (1937 bis 1942), der Mercedes-Benz G5 von 1937 sowie die ab 1936 gebauten Stoewer-Modelle R 180 und 200 Spezial: Sie wurden jeweils von Vier-, Sechs- oder Achtzylinder-Benzinmotoren angetrieben, waren etwa vier Meter lang und verfügten über Allradlenkung, Fünfganggetriebe und drei Sperrdifferentziale. Auch vom 1938 vorgestellten Volkswagen hat es mehrere Allradvarianten gegeben. Neben den vierradgetriebenen Schwimmwagen-Typen 128 und 166 erschien 1941 ein hoch gelegter, auf grobstolligen Reifen stehender Kommandeurswagen mit der berühmten Käfer-Karosserie, der Typ 87. Als Motor diente der bekannte 1,1-Liter-Boxer mit 25 PS, dessen Kraft auf beide Achsen –

Tempo G1200 (1936–44), Kommandeurswagen (1941–45)

Willys Quad (1941), Mercedes G5 (1937)

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Unimog und Land Rover, beide 1948

jeweils mit Sperrdifferentzial – übertragen werden konnte (wobei sich der Vorderradantrieb über einen Geländegang zuschalten liess). Zusammen mit anderen VW-Allradderivaten entstanden vom Kommandeurswagen bis 1945 circa 600 Einheiten; nach dem Krieg baute Volkswagen noch zwei weitere 87er im Auftrag der britischen Besatzungsmacht.

Einer für alles In der Liste früher Geländewagen darf ein Meilenstein der Allradtechnik nicht fehlen, der 2012 seinen 65. Geburtstag feiert. Die Rede ist vom Universalmotorgerät, kurz: Unimog. Bereits während des Krieges war es von Flugzeugkonstrukteur Albert Friedrich im Auftrag der Gold- und Silberwarenfabrik Ehrhard+Söhne in Schwäbisch Gmünd entwickelt worden. Im März 1946 entstand dort ein erster Prototyp, der 13 Monate später Experten der Landtechnik vorgeführt und im August 1948 in Frankfurt erstmals öffentlich gezeigt wurde. Das Prinzip des Unimog war ebenso einfach wie zweckmässig: Angetrieben wurde die erste Serienversion von einem Mercedes-Vierzylinder-Dieselmotor mit 25 PS, über dem sich eine enge zweisitzige Kabine mit Stoffverdeck befand. Dank seinem kurzen Radstand, der hohen Bodenfreiheit, einem Sechsganggetriebe mit zwei Rückwärtsgängen plus zweistufigem Untersetzungsgetriebe und dem zuschaltbaren Allradantrieb mit Differentzialsperren vorn und hinten übertraf seine Geländegängigkeit alles bisher Dagewesene. Mehrere Geräteanschluss- und Aufbaumöglichkeiten sowie die beachtliche Nutzlast von einer Tonne machten ihn zu einem Alleskönner. Aus diesen und steuerlichen Gründen stufte man ihn zunächst als Ackerschlepper ein. Hergestellt wurde der Unimog ab Herbst 1948 von der Maschinenfabrik Gebrüder Boehringer in Göppingen. Aufgrund mangelnder Fertigungskapazitäten übernahm das Mercedes-Benz-Werk im badischen Gaggenau 1951 die Produktion. Dort sind über 320'000 Exemplare gebaut worden, bevor man die Produktion Mitte August 2002 nach Wörth am Rhein verlagerte.

Allrad auf dem Vormarsch Die Impulse für die Geländewagen-Evolution kamen also aus der ganzen Welt – der Allradantrieb ist keineswegs eine Erfindung der Amerikaner, wie oft behauptet wird. Aber sie haben seine Entwicklung am konsequentesten betrieben, und die gemeinsamen Anstrengungen der amerikanischen Automobilindustrie gipfelten

schliesslich im 1941 lancierten Jeep. Initiiert wurde er durch eine Ausschreibung des amerikanischen Generalstabs in Camp Hollabird, Maryland. Dort forderte man ein Allzweckfahrzeug mit Vierradantrieb. Am 5. Juli 1940 wurden die entsprechenden Konstruktionsvorgaben für einen Four-Wheel-Drive-Quarter-TonTruck an 135 potentielle Hersteller geschickt. Obwohl sich viele Adressaten für den lukrativen Auftrag interessierten, schaffte es nur die American Bantam Car Company aus Butler, Pennsylvania, fristgerecht zum 23. September einen Prototypen abzuliefern. Dieser von Chefkonstrukteur Karl Probst entwickelte und Bantam Reconnaissance Command HP40 genannte Geländewagen begeisterte die Militärs, weshalb sich zwei weitere Unternehmen, Willys Overland aus Toledo, Ohio, und Ford in Detroit, konstruktiv am Bantam-Entwurf orientierten. Weil Bantam nicht in der Lage war, die geforderte Stückzahl schnell und günstig zu produzieren, verlangte der Generalstab von Ford und Willys, sich für eines ihrer Modelle zu entscheiden und es gemeinsam herzustellen. Die Wahl fiel auf den Willys, die bei Ford montierten Exemplare unterschieden sich nur in wenigen optischen Details von den Modellen aus Ohio. Die offene Stahlkarosserie des nun Jeep genannten Fahrzeugs («GP» – gesprochen dschie-pie – steht für General Purpose) ruhte auf einem robusten Leiterrahmen und blattgefederten Starrachsen. Für die Kraftübertragung sorgte ein Dreigang-, Verteiler- und zusätzliches Reduktionsgetriebe; der Vorderradantrieb war zuschaltbar. Unter der Haube befand sich ein seitengesteuerter 2,2-Liter-Reihenvierzylindermotor mit 61 PS, der aus dem Whippet, einem früheren Willys-Modell, stammte und den Jeep auf knapp 100 km/h beschleunigte. Dank zuverlässiger Technik und seinem Dienst bei den alliierten Streitkräften wurde der Jeep weltbekannt und diente vielen späteren Entwicklungen als Vorbild. In Europa war der Land Rover nicht weniger erfolgreich, doch es gibt einen wesentlichen Unterschied: Zwar hat man später auch ihn militärisch eingesetzt, doch erdacht und konstruiert wurde er für zivile Zwecke, als der Jeep seinen Produktionshöhepunkt bereits hinter sich hatte. Zwischen 1941 und 1945 entstanden 650'000 Jeep, nie wieder sollte diese Menge in so kurzer Zeit erreicht werden. Der Siegeszug des UrLand-Rover fand dagegen zu Friedenszeiten statt – über zwei Millionen Exemplare des «Defender», wie er seit 1989 heisst, sind inzwischen gebaut worden.

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BRUMMENDE MOTOREN RAUCHENDE SEITEN Myths, Brands, People Vom Streamliner bis zu den Show Cars der 50er und 60er Jahre gingen von amerikanischen Modellen wichtige Impulse für die internationale Entwicklung aus. Sie setzten – wie Cadillac von sich behauptete – den «Standard der Welt». Der bombastische Harley Earl und der extravagante Raymond Loewy schufen Designikonen, und Autolegenden wie die Corvette, der Mustang oder der Thunderbird erblickten das Licht der Welt; nicht zu vergessen die Retro-Autos und neuen Designs der letzten Jahre. Ob die Flossen-Cadillacs der 1950er Jahre, die Muscle Cars der 1970er oder die Sport Utility Vehicles nach der Jahrtausendwende, amerikanisches Automobildesign ist vor allem für seine Exzesse bekannt. Diese ausführliche Chronik folgt den Entwicklungen durch die Jahrzehnte – Klassikern für die Ewigkeit ebenso wie seltenen Modellen. «Car Design America» Paolo Tumminelli teNeues Verlag

«Mein cooler Caravan» Jane Field-Lewis Knesebeck Verlag

Kult-Camper Caravans, Campingbusse oder Wohnmobile begeistern Menschen jeden Alters und gelten längst als Kult. Nach ihrem Bestseller «Mein wunderbarer Wohnwagen» haben Jane Field-Lewis und Chris Haddon Bilder und Geschichten von über dreissig Caravans aus verschiedenen Jahrzehnten und Ländern zusammengestellt. Sie zeigen Oldtimer-Camper, die gehegt und gepflegt und seit Jahrzehnten für Reisen benutzt werden, seltene Raritäten und wunderschön restaurierte Modelle. Vom Morris Oxford, VW T25, Wildgoose Mini bis zum Land Rover Dormobile – jeder Caravan ist ein Unikat und steht für die pure, unverfälschte Freude am Reisen. Ein Muss nicht nur für Caravan- und Designfans.

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Die Geschichte der Adler aus Mandello Moto Guzzi ist eine Ikone der italienischen Motorradindustrie. Seit den 1920er-Jahren schufen die Firmengründer motorisierte Zweiräder, die immer wieder die Spitze des technischen Fortschritts markierten. Dieses Buch erzählt die spannende Geschichte der italienischen Traditionsmarke mit dem Adler im Wappen. Grosse Rennerfolge machten Moto Guzzi schnell bekannt. Das eigenständige Motorenkonzept und die herausragenden Fahrwerksqualitäten sorgten seit den 1960er-Jahren für weltweite Nachfrage. Doch es gab auch Rückschläge und schwierige Zeiten, mit erfolglosen Modellen und sinkenden Marktanteilen. Dennoch erhielt sich die Marke stets eine treue Anhängerschaft. Heute steht Moto Guzzi – erneut – vor einer goldenen Zukunft. «Moto Guzzi» Alessandro Pasi Delius Klasing Verlag «Wahre Liebe rostet nicht» Oskar Vogl Motor Buch Verlag

Ruhe in Rost Einst heiss ersehnt, irgendwann später abgestellt, vergessen, verrottet, verschrottet – aber unvergessen wie die erste Liebe: Autofriedhöfe erzählen viele Geschichten, und Oskar Vogl hat genau zugehört. Mit seiner Kamera war er jahrzehntelang unterwegs in ganz Europa und fand Stillleben von pittoresker Schönheit und morbidem Charme. Auch wenn das Blech inzwischen löchrig, die Scheinwerfer trübe und die Polster verschlissen sind: Wahre Träume werden niemals alt. Eine Hommage an die vielen rostigen Schätze, die auf den schönsten Autofriedhöfen im Verborgenen schlummern.

«The Golden Age of Formula 1» Rainer W. Schlegelmilch teNeues Verlag

Die goldenen Jahre des Rennsports Mit ihrer packenden Symbiose aus Geschwindigkeit, Technik und Heldenmut ist die Formel 1 eines der grössten Spektakel der Neuzeit. Rainer W. Schlegelmilchs Fotografien lassen die sechziger Jahre wieder lebendig werden, die klassischen Rennwagen, die grossen Champions und denkwürdigen Siege. Alle grossen Namen sind hier versammelt – Jim Clark, Jacky Ickx und Jack Brabham, um nur einige zu nennen. Dieser Band bringt die Fans der Formel 1 so nah ans Geschehen, dass sie schon fast Gummi riechen und das Röhren der Motoren hören können! Schlegelmilch hat sämtliche Grössen des Renngeschäfts fotografiert und mit seinem unverwechselbaren Stil die ganze Dramatik des actionreichen Sports eingefangen.

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Ferrari 308 GTB, 1981

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Kleine Automobil-

psychologie Ich bin, was ich fahre

Henry Ford gab dem Zeitalter des Automobils Starthilfe, indem er im Jahr 1908 das erste Auto vom Fliessband laufen liess: das Model T. Über die nächsten hundert Jahre entwickelte sich das Automobil vom tuckernden Arbeitstier über das Vorzeigegefährt der Heckflossenära bis hin zum eleganten Statussymbol mit Mercedes-Stern.

Sunoco Oil, 1925

Michelin Tires, 1925

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Text: Yvonne Beck, Fotos: TASCHEN

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inst als wundersame Neuheit bestaunt, wurde das Auto in der Nachkriegszeit zu einer Notwendigkeit des modernen Zeitalters, ein Schlüssel zur Freiheit, die die Strasse versprach. Und immer mehr wurde das Automobil nicht nur zum fahrbaren Untersatz, sondern auch zum Statussymbol. Daher wundert es nicht, dass jede Automarke inzwischen ein bestimmtes Image besitzt.

Geländewagen fast ausschliesslich von Landwirten, Förstern oder echten Outdoorfreaks gefahren wurden, werden heute Kinder von ihren Müttern mit diesen zur Schule kutschiert. In Zeiten hoher Benzinpreise ein erstaunliches Phänomen, denn mit dem hohen Gewicht eines solchen Wagens geht ein hoher Verbrauch einher. Aber auch hier steht das Gefühl der Überlegenheit durch die hohe Sitzposition und das starke, schwere Auto über dem des ökonomischen Verbrauchs.

Die Psychologie der Automarken Es gibt gar eine eigene psychologische Abteilung, die sich mit diesem Phänomen auseinandersetzt. «Sag mir, was Du fährst, und ich sag Dir, wer Du bist.» Häufig haben Autos zwar gar nichts mit dem realen Umfeld zu tun. Viele Menschen verschulden sich hoch, bloss um einmal im Leben das eigene Traumauto vor der Tür stehen zu haben. Dennoch: Auch wenn wir wissen, dass Statussymbole häufig nichts mit der Realität zu tun haben, kann man sich ihrem Eindruck nur schwer entziehen. Hierbei kommt es weniger auf den Kaufpreis eines Autos an, sondern auf sein Image. So kann ein Volvo deutlich mehr kosten als ein BMW, aber die Marke Volvo vermittelt eher Sicherheit als Prestige. Dazu beigetragen hat die von den Firmen geschaltete Werbung. Vereinfacht lassen sich folgende Kategorien aufstellen: Volvo – Sicherheit und Seriosität, Mercedes – Exklusivität, BMW – Exklusivität und Sportlichkeit, Porsche und Ferrari – schneller Erfolg, Cabrios – Freiheit und Abenteuer, während der VW und Minivans als typische Familienautos gelten. Ein Phänomen, das seit einiger Zeit auf den Strassen zu beobachten ist, ist der Anstieg der Zahl an Geländewagen in Städten. Während früher

Die Fahrzeuge des 20. Jahrhunderts Das Buch «20th Century Classic Cars» aus dem Taschen Verlag verfolgt die Entwicklung des Autos vom Fuhrwerk ohne Pferde zur Rakete auf Rädern und darüber hinaus, illustriert durch ausgewählte Bilder aus 100 Jahren Automobilwerbung. Werbung, die das Image der Autos prägte und noch heute prägt. Anhand einer Einführung und Texten des Autospezialisten der «New York Times», Phil Patton, sowie einer illustrierten Zeitleiste stellt dieses Buch die wichtigsten Hersteller und Händler vor und beleuchtet technische Innovationen, historische Ereignisse und den Einfluss der Pop-Kultur aufs Fahrzeug-Design. Das Auto ist mehr als ein Symbol des technischen Fortschritts, es reflektiert den kulturellen Zeitgeist, ob nun in Form eines VW Käfer oder eines leistungsstarken Hummers. Diese Sammlung lässt Sie auf dem Fahrersitz durchs gesamte Automobilzeitalter steuern. Reklame drückt das Lebensgefühl ganzer Generationen aus. Autor Phil Patton stellt amerikanische Automobilwerbung aller relevanten Hersteller vor – von BMW bis Saturn – und stellt so ein Piktogramm des Lebensgefühls des 20. Jahrhunderts auf.

«20th Century Classic Cars: 100 Years of Automotive Ads» Phil Patton, Jim Heimann Hardcover, 480 Seiten, Taschen Verlag Historische Anzeige

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Cadillac Series 62 Eldorado Biarritz, 1957

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Volkswagen Beetle, 1970

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Embleme mit Geschichte Alfa Romeo Der Name Alfa steht für «Anonima Lombarda Fabbrica Automobili». Später wurde mit Romeo der Nachname eines Alfa-Ingenieurs hinzugefügt. Das Markenzeichen von Alfa Romeo bildet Symbole der Gründungsstadt Mailand ab: das rote Kreuz aus dem Stadtbanner und die Schlange aus dem Wappen der Visconti. Die Viper ist ein Symbol aus der Zeit der Kreuzzüge im 12. Jahrhundert.

BMW Das weiss-blaue Rautenmuster symbolisiert einen rotierenden Propeller. Die Bayerischen Motorenwerke bauten im Ersten Weltkrieg noch Flugzeugmotoren. Das erste Motorrad kam erst 1923, das erste Auto verliess 1929 das Werk.

Ferrari «Cavallino rampante» – das sich aufbäumende Pferdchen: Schon das erste unter eigenem Namen 1923 gebaute Auto des Firmengründers Enzo Ferrari trug das Symbol auf der Haube. Es stammt aus dem Hauswappen der Gräfin Paolina Baracca, die es dem Autobauer schenkte. Das Gelb steht für die Stadt Modena, in deren Nachbardorf Maranello der Rennstall, die Scuderia Ferrari, beheimatet ist.

Mercedes-Benz Der dreizackige Mercedes-Stern symbolisiert die Motorisierung zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Denn als Gottlieb Daimler mit Wilhelm Maybach das erste Auto baute, plante er auch Schiffe und Flugzeuge. Der Name Mercedes geht auf den österreichischen Daimler-Verkäufer Emil Jellinek zurück, der die Autos nach seiner Lieblingstochter Mercedes benannte.

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Porsche Ein springendes Pferd auf goldenem Grund. Das Ross kommt aus dem Stuttgarter Stadtwappen, die Geweihe und die rotschwarzen Streifen trägt auch das württembergische Wappen. Nur der Name ist einmalig: Porsche hiess der Firmengründer Ferdinand mit Nachnamen.

Rolls-Royce Hinter den beiden Buchstaben im Logo stehen die Firmengründer: der Konstrukteur Charles Stuart Rolls und der Rennfahrer Frederick Henry Royce. Bekannter als das Emblem ist wahrscheinlich die Kühlerfigur, die 1911 auf Grund von Kundenwünschen vom Künstler Charles Sykes modelliert wurde. Offiziell heisst sie «Spirit of Ecstasy» («Geist der Verzückung»). Sie wird aber im Volksmund «Emily» genannt.

Rover Das Rover-Emblem schmückt ein Wikingerboot. Rover heisst übersetzt Wanderer. Das waren die Wikinger – Wanderer auf dem Wasser. In den 20er-Jahren konnten Rover-Fahrer für einen Pfund Aufpreis ein kleines Maskottchen mit Schild und Schwert auf der Haube montieren lassen. Seit 1929 prangt das Schiff auf den Modellen.

Volvo Volvo bedeutet «Ich rolle» auf Lateinisch. Das alte Symbol im Logo (Kreis mit Pfeil) steht in der Mythologie für den Kriegsgott Mars. Im April 1927 fuhr Hilmer Johansson den ersten Volvo durch die Fabrikhallen. Heute fabriziert das schwedische Unternehmen auch Lastwagen, Schiffe und Luftfahrttechnik.

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Traumhafte Wochenend-Trips

«Ich wohne in dem schönsten Land der Welt. Hier gibt es alles, vom Lichten und Lächelnden bis zum Dunklen und Ernsten, oft auf die bezauberndste Weise.» Astrid Lindgren

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Sechs Reiseziele, die, obwohl alle in Europa gelegen, unterschiedlicher kaum sein könnten. Alle jedoch bestens geeignet für ein Wochenende jenseits heimischer Gefilde. Unsere Tipps beschränken sich auf traditionelle Reiseziele. Es handelt sich nicht um geographische Neuentdeckungen, sondern um Kunsthauptstädte. Der Grund hierfür: Bevor man nach dem Unbekannten sucht, sollte man das Schöne, Naheliegende kennen lernen. Von Amsterdam bis Mailand gibt es noch einiges zu entdecken …

Stockholm Buntes Nordlicht Indigoblau und Smaragdgrün: Stockholm ist auf Wasser gebaut (sowohl Süss- als auch Salzwasser), das zusammen mit dem Grün der Parks und Gärten etwa zwei Drittel der Stadt ausmacht. Die Stadt des Nobelpreises wurde daher vor zwei Jahren von der EUKommission als «Grünste Stadt Europas» ausgezeichnet. Doch ein Kurztrip auf ihre Inseln (14 sind es, die zwischen dem Mälaren und der Ostsee liegen) steht nicht nur im Zeichen von Umweltverträglichkeit. Stockholm lockt auch mit Design, Secondhand-Läden mit Vintage-Kleidung und Bars im SoFo-Viertel. Man kann typische Gerichte wie Heringspezialitäten probieren, eine Schiffstour durch den Archipel machen, den Park von Schloss Rosendal besuchen. Sehenswertes: Königlicher Palast, die öffentliche und private Residenz der Monarchie; Grand Hotel und das Restaurant «Den Gyldene Freden», hier folgt man den Spuren der Nobelpreisträger (www.gyldenefreden.se); Gamla Stan, spazieren durch das romantische Stockholm, die kleinen malerischen Gassen mit kleinen Geschäften und charmanten Cafés; Stadshuset, das Rathaus und Wahrzeichen der Stadt ist ein Meisterwerk des Jugendstils (www.stockholm.se/stadshuset); Vasa-Museum, das bekannte maritime Museum mit dem schwedischen Kriegsschiff «Vasa» (www.vasamuseet.se) und die historischen Schwimmbäder wie das Sturebadet oder auch das Centralbadet (www.sturebadet.se, www.centralbadet.se).

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«Wo auf der Welt sonst gibt es einen Platz, an dem man so viele Kuriositäten auf einem Haufen findet wie hier?» Spruch Mitte des 17. Jahrhunderts über Amsterdam

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AMSTERDAM Im Land der Grachten Das Erste, was man tut, wenn man in Amsterdam ankommt, ist eine Radtour oder auf einer Bootstour mit einem der zahlreichen Schiffe die Kanäle abfahren. Hier spürt man den Geschmack von Freiheit und Nonkonformismus der Stadt. Beim Radeln und Dahingleiten auf dem Wasser, wo Fischer in frühen Jahrhunderten das erste Dorf auf Pfählen, später Hollands Hauptstadt, errichteten, bekommt man einen Eindruck von den 1281 nachts erleuchteten Brücken und circa 7000 Gebäuden der bis heute mit Kunst herrlich verzierteFassaden. Sehenswertes: Rijksmuseum mit den Meisterwerken der goldenen Epoche holländischer Malerei (www.rijksmuseum.nl); Van Gogh Museum ((www.vangoghmuseum.nl); Anne Frank Haus mit Tagebuchzitaten und Fotos aus der Zeit des Holocaust (www.annefrank.org); Bloemenmarkt mit der grössten Auswahl an frischen Blumen, Zwiebeln und Pflanzen (Mo.–Sa. 9–17 Uhr, So. 11-17 Uhr); DAM Platz mit dem Königspalast und der Nieuwe Kerk, einer spätgotischen Basilika; de Wallen, eines der bekanntesten Rotlichtviertel, und die Jodenbreestraat, die wichtigste Strasse des alten jüdischen Viertels mit dem Rembrandthaus (www.rembrandthuis.nl).

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«Land, Land! Oder besser gesagt: Himmel, Himmel! Denn ohne Zweifel sind wir in der Nähe des berühmten Lissabon.» Cervantes: «Die Leiden des Persiles und der Sigismunda»

LISSABON Schwermütige Stadt der Hügel Portugals Hauptstadt ist eine symbolträchtige Stadt. Es gibt fado, Gesänge, die von der Schwermut afrikanischer Sklaven geprägt sind, und den Tejo, einen Fluss, so breit wie ein Meer. Nicht zu vergessen die Strassenbahnlinie 28 und die azulejos der antiken Klöster, die eine weltweit einzigartige Keramikindustrie hervorgebracht haben. Auch Fernando Pessoa, die Lokale des Bairro Alto, die Bars in den kleinen Gassen und die Diskotheken der Docas, ehemalige Hafenlagerhallen, die durch gelungenen Umbau zu nächtlichen Vergnügungstempeln geworden sind, prägen das Bild der Stadt. Sehenswertes: Torre di Belèm, das Wahrzeichen Lissabons, welches gemeinsam mit dem nahegelegenen Hieronymuskloster zum UNESCO-Welterbe gehört (www.torrebelem.pt); die Ruinen des Castelo de São Jorge, von welchen man einen der schönsten Panoramablicke über die Stadt hat; das Kaffeehaus «A Brasileira», seinerzeit das Lieblingscafé Fernando Pessoas (Rua Garett 120); das CCB – Centro Cultural de Belém, mit Theater, Konzerten und Kunstausstellungen (www.ccb.pt und www.musubernado.com); Parque das Nações mit Ozeanarium, dem portugiesischen Pavillon der Expo aus dem Jahr 1998 und auch dem Torre Vasco da Gama (www.parque-dasnacoes.pt).

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«Prag lässt nicht los. Dieses Mütterchen hat Krallen.» Franz Kafka

PRAG Die Goldene Stadt an der Moldau Auf der einen Seite das Flair des «alten Prag», mit dem KafkaMythos auf den Spuren literarischer Nostalgie. Auf der anderen Seite Trendlokale, Designerboutiquen, symbolträchtige Luxushotels. Vom historischen Prag mit Karlsbrücke und Schloss bis Nové Mesto und dem Trendviertel Holešovice findet sich hier alles, was es zu sehen, zu erkunden und zu unternehmen gibt. Doch noch immer schimmert ein seltsam morbider Charme durch den Mantel der Moderne, den sich Prag übergeworfen hat. Vor allem im Herbst, wenn die tiefstehende Sonne die Häuser auf den fünf Hügeln rund um die Moldau in ein warmes Licht taucht, offenbart sich das einzigartige Flair der Metropole. Sehenswertes: Altstädter Ring, der riesige Platz ist ein Schmuckstück im Herzen der Altstadt, fast vollständig restauriert, leuchten die Fassaden der Häuser und Palais in kräftigen Farben; Karlsbrücke, welche die Altstadt und die Malá Strana über die Moldau verbindet; Hradschin, die Burg Prags, an der auch das Goldene Gässchen mit seinen bunten Häuschen und das Kloster Strahov liegen; das jüdische Viertel mit seinen Synagogen und dem jüdischen Friedhof aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts; das tanzende Haus vom Architekten Frank Gehry und die Nationalgalerie mit ihren verschiedenen Ausstellungsgebäuden (www.ngprague.cz).

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«When I die Dublin will be written in my heart.» James Joyce

DUBLIN Die Stadt der Literaturgenies In der Stadt von James Joyce – dem unter anderem gedacht wird mit einer von Santiago Calatrava entworfenen Brücke über den Liffey (James Joyce Bridge) – beginnt ein Stadtrundgang am besten beim imposanten Trinity College (www.tcd.ie), der berühmtesten Universität der Insel. Es hat schon Generationen von Schriftstellern gesehen. Oder man schliesst sich einer kulturellen Initiative des James Joyce Center (www.jamesjoyce.ie) an, das auch den Bloomsday organisiert – einen Umzug auf den Spuren des «Ulysses»-Helden Leopold Bloom – sowie Führungen zu den Gedenkstätten des Schriftstellers. Immer mit dabei: das legendäre irische Bier. Sehenswertes: St. Patrick’s Cathedral. Die anglikanische Kirche, errichtet zu Ehren des irischen Nationalheiligen, verdankt ihren Ruhm dem Dekan und Schriftsteller Jonathan Swift (www.stpatrickscathedral.ie); Temple Bar, das Kulturviertel zwischen Liffey und der Dame Street ist eines der angesagtesten Viertel der Stadt (www.templebar.ie); Dublin Castle, das Schloss mit dem Clock Tower besitzt mit der Chester Beatty Library eine der grössten Manuskriptsammlungen der Welt (www.dublincastle.ie); das Gran Canal Theatre nach den Entwürfen des Architekten Daniel Libeskind (www.grandcanaltheatre.ie) und die National Gallery of Ireland mit mehr als 14'000 Exponaten aus dem 13. bis Mitte des 20. Jahrhunderts (www.nationalgallery.ie).

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«You may have the universe, if I may have Italy.» Giuseppe Verdi

MAILAND Mehr als Italiens Modestadt Gemeinhin wird Mailand als Geschäfts- und Modestadt tituliert, doch die Stadt der Polizisten (ghisa) und des Panettone (Penetun) hat mehr zu bieten, so wird sie zum Beispiel Ausrichterin der Expo 2015. Und im Zuge dessen tut sich einiges, so herrscht nicht nur reges Treiben auf den Navigli und dem Corso Como, sondern es entstehen immer mehr Bauten von Stararchitekten. So gibt es viele alte und neue Schätze in der lombardischen Hauptstadt zu entdecken. Allen voran die Mailänder Scala als Hort der Opernmusik und der Dom, eine Kirche, die man durch ihre Imposanz so schnell nicht vergisst. Sehenswertes: Galleria Vittorio Emanuele; hier flaniert und shoppt man im Wohnzimmer der Stadt und bestaunt die Glasund Eisenkuppel, die sich über dem achteckigen Platz erhebt; das Teatro dell’Arcimboldi (www.teatroarcimboldi.it), welches von Renzo Piano erbaut wurde; die Pinacoteca Ambrosia mit der kostbaren Sammlung Kardinal Borromeos mit Werke von Tizian und Raffaels Schule von Athen (www.ambrosiana.eu); das Castello Sforzesco am Parco Sempione; das Symbol des Mailands der Sforza ist heute eine Museumszitadelle mit Pinakothek (www.milano-castello.it) und die Basilika Sant'Ambrogio als wunderbares Zeugnis lombardischer Romantik (www.basilicasantambrogio.it).

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Verona

Opernklänge und Romantik Sie ist Pilgerstätte für Musikbegeisterte und Verliebte, die kleine Stadt Verona in Norditalien. Allein einmal küssend unter dem Balkon von Romeo und Julia stehen oder einen Opernabend in der Arena di Verona mitzuerleben, macht die Reise lohnenswert.

von Yvonne Beck

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ie Arena di Verona ist das besterhaltene Amphitheater aus römischer Zeit. Zwar ist das Kolosseum in Rom sicherlich bekannter, doch dies liegt eher an seiner exponierten Lage in der italienischen Hauptstadt als an seinem baulichen Zustand. Während die Arena Veronas durch die Jahrhunderte stets geschützt und gepflegt wurde, wurde das Kolosseum von den Römern zeitweise gar als Steinbruch genutzt. Beide waren jedoch in ihrer bewegten Geschichte Zeugen manch blutigen Gemetzels. Dienten sie doch zunächst, in römischer Zeit, als Plattform zahlreicher Gladiatorenkämpfe. In späteren Jahrhunderten avancierte die Arena di Verona zum Schauplatz der unterschiedlichsten Veranstaltungen: Turniere, Kampfspiele, zum Beispiel zu Ehren des bayrischen Kurprinzen, Duelle, Stierkämpfe, zu deren Zuschauern 1805 Napoleon gehörte, Ballett, Zirkus und Theatervorstellungen.

Grandiose Opernkulisse Die Oper fand erst später Einzug in die alten Gemäuer der Arena. Anlässlich des 100. Geburtstages von Giuseppe Verdi fand am 10. August 1913 erstmals eine Opernaufführung in der Arena statt. Man suchte damals einen Ort, an dem man mit einer Aufführung der Aida den Geburtstag des Komponisten gebührend feiern könne. Und da nur die Grösse der Arena der Grösse des Maestros angemessen schien, wurde vor fast hundert Jahren der Grundstein der Opernfestspiele Veronas gelegt. Schon die Premiere war ein voller Erfolg. Die Menge überschlug sich vor Begeisterung, als 20 schwarze Sklaven Radames zu den Klängen des


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«Was uns Rose heisst, Wie es auch hiesse, würde lieblich duften.» William Shakespeare

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Triumpfmarsches hineintrugen, die von 30 Reitern und sage und schreibe 800 Sängern begleitet wurden. Das überwältigende Ereignis kommentierte später ein Zeitgenosse: «Das Ausserordentliche war die Begegnung zwischen der Arena und ihrem Publikum.»

men mit den ungezählten Statisten, den Reitern und den zahlreichen mitagierenden Tieren bedarf es schon der Qualitäten eines Monumentalfilm-Regisseurs, um die Bühne mit Leben zu füllen. Doch jedes Jahr übertreffen die Aufführungen die Erwartungen. Und besonders im Jahr 2013 erwartet man viel.

Und das ist es, was das Besondere an den Opernaufführungen in der Arena di Verona bis auf den heutigen Tag ausmacht. Die grossen Opernaufführungen finden von Mitte Juni bis Anfang September statt. Wie zu Zeiten der Gladiatorenkämpfe sitzen die betuchteren Gäste auf gepolsterten Plätzen im Innenraum. Das normale Volk nimmt nach wie vor auf den Steinstufen Platz – in der Seconda Gradinata. Hier ist die Stimmung am ausgelassensten, frühes Erscheinen ist jedoch angebracht, da freie Sitzplatzwahl besteht. Auf den preiswerten Rängen ist Opernkleidung unangemessen, stattdessen sollte man möglichst bequeme Kleidung tragen und ein Sitzkissen mitbringen. Die nackten Steine sind hart und der Hintermann stellt seine Füsse auf den Treppenabsatz, auf dem der Vordermann sitzt. Die prachtvollen Kostüme, die gigantische Kulisse, Chor, Sänger und Orchester bieten jedoch auch hier ein unvergleichliches Spektakel. Die Dimensionen – von der Bühnenrampe bis zu den ersten Sitzen sind es 50 Meter – haben so manchen Regisseur in die Verzweiflung getrieben. Allein der Chor der Aida zählt 180 Personen. Zusam-

Das Jubiläumsjahr Anlässlich Giuseppe Verdis 100. Geburtstag wurde 1913 die Oper Aida zum ersten Mal in der Arena di Verona aufgeführt. Daher feiert ganz Verona im nächsten Jahr ein Fest. Der Spielplan der Oper huldigt jedoch nicht nur dem Maestro Verdi zu seinem 200. Geburtstag mit einigen Galaabenden, sondern auch seinem Zeitgenossen Richard Wagner während eines Galaabends unter Mitwirkung von Placido Domingo und dem berühmten Dirigenten Daniel Harding. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums werden Opernfreunde aus aller Welt an diesen Ort pilgern, wer noch Tickets bekommen möchte, sollte sich jetzt bereits darum kümmern. Die Highlights werden die historisch inszenierte Opernaufführung Aida im August sein und die Gala Placido Domingo am 20. 08. 2013. Doch auch alle anderen Aufführungen sind einen Besuch wert, denn das gesamte Opernspektakel, die Atmosphäre, die tausenden brennenden Kerzen während der Aufführungen machen den Besuch in der Arena zu einem unvergesslichen Opernerlebnis.

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Romantik pur Verona bezaubert durch seinen romantischen Charme und inspirierte Shakespeare zu seiner Geschichte um Romeo und Julia. «Der Himmel ist hier, wo Julia lebt», lässt Shakespeare seinen Romeo sagen. Und diese Julia soll in Verona gelebt und gelitten haben. Auch wenn die tragische Liebesgeschichte eine Legende ist, so gibt es doch in dieser poetischen Erzählung Verweise auf real existierende Personen und Ereignisse, die mit Verona in starkem Zusammenhang stehen. Tatsächlich gab es in Verona eine Familie Montecchi, die sich in dem Bauwerk niedergelassen hat, das man heutzutage als Romeos Haus verehrt. Weiterhin offeriert die Stadt Verona ihren Besuchern nicht «nur» das alte Tor, durch das Romeo ins Exil gehen musste, sondern mit der Casa di Giulietta auch das angebliche Wohnhaus des unglücklichen Mädchens. Dort schwebt auch der berühmte Balkon, unter dem Romeo stand, um seine Julia zu sehen. Dieser kleine, grüne Hof vor dem Balkon ist heute Treffpunkt für Touristen und Verliebte aus aller Welt. Zu Hunderten stehen sie Schlange, um einmal den Busen der Bronzestatue Julias, welche im Hof platziert wurde, zu berühren, dieses soll in Liebesdingen Glück bringen. Und so wundert es nicht, dass die Brust bereits ganz angegriffen ist. Viele der Besucher versuchen zudem Liebesbotschaften in einer passenden Lücke im Mauerwerk zu hinterlassen, oder bekritzeln einfach den Eingang zum Hof mit ihrem und dem Namen des Liebsten. In Ermangelung von Tesa werden viele Liebesbriefe schlichtweg mit Kaugummi an die Wand geklebt. Schön ist etwas anderes, trotzdem nimmt man die Anliegen der Liebenden so ernst, dass die Stadtverwaltung Veronas ein Büro eingerichtet hat, dessen alleinige Aufgabe es ist, die Briefe zu beantworten, welche unglücklich Verliebte aus aller Welt in die Stadt senden und sich von Julia eine Antwort erhoffen.

Flugverbindung Air Dolomiti fliegt seit Juli 2012 von Zürich nach Verona. Die Strecke wird zweimal täglich bedient. Verona wird damit einer der wenigen Flughäfen in Italien sein, die Verbindungen zu allen vier Hubs der Lufthansa-Gruppe aufweisen können. Hubs haben eine hohe strategische Bedeutung für alle internationalen Fluggesellschaften und bilden das Rückgrat des Streckennetzes. Die neue Verbindung ermöglicht Passagieren der Air Dolomiti, alle Destinationen der Swiss Airlines in Zürich zu nutzen. Aktuell sind das 47 europäische Städte und 23 interkontinentale Destinationen. Zum Einsatz auf der neuen Strecke kommt eine ATR 72-500 mit 64 Sitzplätzen. www.airdolomiti.de

Auch wenn man heute weiss, und auch die meisten Reiseführer weisen darauf hin, dass in dem angeblichen Julia-Haus nie eine reiche Veroneser Familie gewohnt hat, geschweige denn eine Julia, ist und bleibt die Stadt eine Pilgerstätte für Verliebte. Menschen brauchen einfach ihre Mythen und Legenden. Und Liebende erst recht.

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Ein Land zwischen Fortschritt und Tradition

Taiwan (Taiwan)

Taiwan ist das Produktionsland fast aller PCs dieser Welt, trotzdem vergisst es seine alten Traditionen nicht und ist Fremden gegen端ber freundlich und aufgeschlossen.

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«Amerikanische Bauteile, russische Bauteile – die kommen doch alle aus Taiwan.» Filmzitat aus «Armageddon»

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von Yvonne Beck

E

in Matrose rief im Jahre 1544: «Ilha Formosa» – schöne Insel – beim Vorbeisegeln aus. Dennoch ist Taiwan eines der meistunterschätzten Reiseziele Asiens. Sein Name ist den meisten nur von dem Stempel «Made in Taiwan» geläufig. Doch wo genau dieses kleine Land liegt und was seine Bevölkerung ausmacht, ist den wenigsten bekannt. Und so ging auch ich voller Vorurteile auf Reisen und wurde aufs Angenehmste überrascht. Um es gleich vorwegzunehmen: Taiwan ist ganz anders als China, auch wenn die Insel nur 130 Kilometer von der chinesischen Küste entfernt liegt und die Volksrepublik China noch immer Anspruch auf das Land erhebt. Der Wendekreis des Krebses teilt die Insel in den subtropischen Norden und den tropischen Süden. Zudem verleihen die grossen Höhenunterschiede Taiwan mehrere Klimazonen, von tropisch bis alpin, mit einer entsprechenden Vegetation. Mehr als die Hälfte der Insel ist gebirgig, gut 50 Prozent bewaldet und ein Viertel landwirtschaftliche Nutzfläche. Mit 3952 Meter ist der Yushan der höchste Berg Ostasiens. Kein Wunder also, dass dieses kleine Land so einiges zu bieten hat.

Moderne Architektur und Tempel Wie die meisten Taiwan-Reisenden beginnen wir unsere Reise in der Hauptstadt Taipeh, die mit 2,6 Millionen Einwohnern die Metropole der Insel bildet. Neben weltbekannten Sehenswürdigkeiten wie dem Nationalen Palastmuseum und dem Wolkenkratzer «101» lockt hier der Kontrast zwischen Tradition und Moderne. Die Hochhäuser ragen in den Himmel, eine Ecke weiter taucht man jedoch in kleine Gassen in alten Vierteln mit Tempeln und Nachtmärkten ein. Bestes Beispiel für das Nebeneinander von Tradition und Moderne sind der Longshan-Tempel und der Taipeh 101. Der 1738 erbaute Longshan-Tempel liegt inmitten des alten Viertels Wanhua. Er verbreitet eine Atmosphäre aus längst vergangenen Zeiten und lässt einem beim Betreten das aktuelle Jahrhundert vergessen. Dichte Rauchschwaden aus grossen Bronzekesseln, in welche die Gläubigen Räucherstäbchen stecken, erfüllen den Haupthof. Hierher kommen Menschen, die die Götter um Rat und Hilfe bitten und als Dank Opfergaben niederlegen. Ein ganz anderes Bild hingegen bietet der Taipei Financial District mit dem bis 2007 mit 508 Meter höchsten Wolkenkratzer der Welt. Er bildet das Wahrzeichen der Stadt.

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Nach der Anzahl seiner Stockwerke wird er «One-0-One» genannt. Ein Besuch ist lohnenswert, denn auch wenn man nicht mehr auf dem höchsten Gebäude der Welt war, so ist man doch mit dem schnellsten Aufzug der Welt gefahren. Der Lift bringt Besucher vom 5. Stock des Einkaufszentrums in nur 39 Sekunden zur Aussichtsplattform im 89. Stock auf 382 Meter Höhe. Von oben hat man, bei gutem Wetter, einen tollen Ausblick in die Ferne.

Unterwegs auf dem Nachtmarkt Der Besuch eines Nachtmarktes ist eine Begegnung mit der facettenreichen Kultur der Taiwaner. Hier erlebt man neben kulinarischen Genüssen und modischen Trends auch die Unterhaltungskultur der Taiwaner mit ihrem Faible für Karaoke und Spielhallen. Im Shilin District befindet sich der grösste Nachtmarkt Taipehs. Er beginnt täglich ab 16 Uhr. Unzählige Essensstände bieten Spezialitäten wie gebratenes Huhn, Austernomelett, gegrilltes Fleisch, Früchte oder getrockneten Tofu an. Zudem gibt es alle denkbaren Obstsäfte und Smoothies, frisch zubereitet natürlich, sowie die typischen Bubbleteas in allen erdenklichen Geschmacksrichtungen. Doch auch die Shoppingmaniacs kommen hier auf ihre Kosten. T-Shirts, Hosen und Turnschuhe oder trendige Accessoires wie Schmuck, Tücher und Sonnenbrillen – die Auswahl ist riesig. Und im Gegensatz zu China sind die meisten Sachen keine Fakes oder Billigkopien. Nach erfolgreichem Shopping kann man sich der Entspannung widmen und den bevorzugten Freizeitbeschäftigungen der Taiwaner beiwohnen. Junge Frauen trifft man dabei

in einem Mani- oder Pediküresalon an, während junge Männer ihre Zeit in Spielhallen verbringen. Einen gemeinsamen Nenner finden die Einwohner Taipehs in unzähligen Karaokebars und Kinos.

Auf zwei Rädern durchs Land Nachdem wir die Grossstadt-Facetten Taiwans erkundet haben, machen wir uns auf, die Landschaften und die Natur der Insel zu erkunden. Durch die schnelle Industrialisierung wurden in der Vergangenheit schwere Umweltsünden begangen, doch im Gegensatz zu China lernt man hier aus seinen Fehlern. Heute stehen mit sechs Nationalparks immerhin 8,5 Prozent des Staatsgebiets unter Naturschutz. Zudem ist Taiwan zu einem Paradies für Fahrradfahrer geworden. Tausende von Kilometern wurden fahrradfreundlich verlinkt, inklusive zweier Strecken, die rund um die Insel führen. Beim Taiwan Tourismusbüro in Frankfurt kann ein 175-seitiger Reiseführer «Cycling in Taiwan» bestellt werden, der wirklich umfassend über die Radfahrmöglichkeiten informiert. Insgesamt durchziehen 3600 Kilometer modernster und gut beschilderter Radwege die Insel, und das Netz wird immer dichter. Erst in jüngster Zeit wurden fünf wichtige Radwege umfassend saniert, darunter in Taipeh, Yilan, Hualien und Taitung. Zudem sind die Ausleih-Kosten in dem Land, das Fahrräder aus eigener Produktion in alle Welt exportiert, unvergleichlich günstig. Die Spitzenprodukte der Firma Giant sind auf allen Kontinenten wegen ihrer herausragenden Qualität berühmt – auf Taiwan kann man sie bequem und ausgiebig testen.

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Der Berg ruft! Doch nicht nur mit dem Drahtesel lässt sich Taiwan bestens erkunden, auf auch Schusters Rappen lässt sich einiges entdecken. Die zentrale Gebirgskette der Insel nimmt drei Viertel ihrer Landmasse ein und verläuft in Nord-Süd-Richtung entlang der Ostküste. Der Yushan oder Jadeberg im Südosten ist mit 3952 Meter die höchste Erhebung. Er bildet das Herzstück des Yushan-Nationalparks, auf dessen Fläche von über tausend Quadratkilometer auch noch dreissig weitere der rund hundert «Dreitausender» des Landes liegen. Die herrliche Gebirgslandschaft eignet sich – je nach Geländebeschaffenheit – ausgezeichnet für Wanderer, Freizeitkletterer oder auch ambitionierte Bergsteiger. Wir entschieden uns jedoch für die weiter nördlich gelegenen Gebirgszüge, in welchen der bekannte Taroko-Nationalpark liegt. Dieser verdankt seinen Namen der gleichnamigen Schlucht, die der Fluss Liwu im Laufe von Jahrmillionen bis zu einem halben Kilometer tief in das Gestein aus Marmor und Granit frass.

Zum Zeitpunkt unserer Reise waren leider nicht alle Trails passierbar, da ein Taifun für Erdrutsche sorgte. Trotzdem waren wir beeindruckt von der landschaftlichen Schönheit und dem Eternal Spring Shrine – einem Tempel, aus dem sich scheinbar ein Wasserfall ergiesst. Auch die kurze Wanderung durch den Shakadang Trail war ein Erlebnis. Uns erwarteten türkisblaues Flusswasser auf weissem bis grauem Marmor, bei sommerlichen schwülwarmen Temperaturen, und eine unglaubliche Artenvielfalt von Waldbewohnern. Hunderte Schmetterlinge, Amphibien und Vögel begleiteten uns auf unserem Weg, während unter uns das Wasser brauste. Gerade im Sommer bietet der Nationalpark eine angenehme Zufluchtsstätte, fernab der heissen Temperaturen, die den Rest der Insel um diese Zeit beherrschen. Fazit der Reise: Taiwan stellte sich als überaus abwechslungsreiches Land dar, in dem auf kleinstem Raum jeder etwas nach seinem Geschmack finden kann. Ein Land zwischen Tradition und Moderne, ursprünglicher Natur und Metropole.

«Alle drei Schritte kommt man an einem Schrein vorbei und alle fünf Schritte an einem Tempel.» Taiwanisches Sprichwort

Die Betelnuss-Girls Die spärlich bekleideten Betelnuss-Mädchen oder auf Taiwanisch Binlang Xi Shi sind ein einmaliges taiwanisches Phänomen. Namenspatin ist die legendäre Schönheit Xi Shi des chinesischen Frühlingsfestes. Xi Shi war eine so ausserordentlich schöne Frau, dass bei ihrem Anblick die Fische im Fluss das Schwimmen und die Vögel das Fliegen vergassen. Sie war eine der vier Schönheiten der chinesischen Mythologie und lebte vor 2500 Jahren. Auf sie geht das chinesische Idiom Xi-Shi Beauty zurück, das in China für aussergewöhnliche Schönheit steht. Heute ist sie die Patin der Betelnuss-Verkäuferinnen. Mädchen und junge Frauen, häufig aufreizend bekleidet, verkaufen Betelnüsse am Strassenrand oder in Kiosken. Hier gilt das Motto: sex sells. Die Betelnuss-Kioske stehen meist in der Nähe von Highways oder Ausfallstrassen grosser Städte an der Westküste Taiwans. Zerkleinerte Betelnüsse haben eine anregendere Wirkung als Kaffee. Die noch unreifen Betelnüsse werden in Asien kleingehackt und gekaut. Sie werden in mit gelöschtem Kalk bestrichene Blätter gerollt, die vom Betelpfeffer stammen. Der gelöschte Kalk bewirkt, dass das in den Nüssen befindliche Arecolin in Arecaidin und Methanol umgewandelt wird. Die Wirkstoffe werden nach dem Kauen im Mund direkt resorbiert und passieren schnell die Blut-Hirn-Schranke und wirken gegen Ermüdung. Durch die Alkalisierung bilden sich Phlobatannine, die den Speichel rot färben.

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SCHLUSSWORT

Vorschau Volume 25

Publisher Francesco J. Ciringione Owner Prestige Media AG

Zwischen den Welten

Publishing Director Boris Jaeggi b.jaeggi@prestigemedia.ch

Head of Production Julia Moos j.moos@prestigemedia.ch Art Director Julia Moos

Wie Bill Murray und Scarlett Johansson in Sophia Coppolas Film «Lost in Translation» machte sich das PRESTIGE-Team auf nach Tokio. Zwischen Wolkenkratzern und Neonreklamen lernten wir Menschen kennen, die aussahen, als seien sie direkt aus MangaComics gestiegen. Besuchten den Tsukiji-Fischmarkt und natürlich eine obligatorische Karaoke-Bar. Und staunten immer wieder, wie geordnet und traditionell es in einer Millionenstadt zugehen kann.

Sales Manager Deny Karagülle dk@prestigemedia.ch Sales Virginie Vincent v.vincent@prestigemedia.ch

Product Manager Beauty/Fashion Valeska Jansen v.jansen@prestigemedia.ch

editorial staff Editor in Chief Yvonne Beck Editors Yvonne Beck, Walter Bollier, Gisbert L. Brunner, Vera Dillier, Niggi Freundlieb, Wilhelm J. Grusdat, Lone K. Halvorsen, Boris Jaeggi, Valeska Jansen, Nubya, Gabriel Palacios, Matthias Pfannmüller, Susanne Schmitt, Lilly Steffen, Helena Ugrenovic, Björn Vogt, Götz Winter, Dominique Zahnd News Yvonne Beck, Lone Halvorsen

Cover Picture Photography & Retouching: Pascal Heimlicher, www.nativeemotions.com Model: Ashley Balmer, www.ashley-balmer.com MakeUp & Hairstyling: Viviane Andrea Daino, www.vivianedaino.com Clothes & Design: Conny Bayer, www.magicskirts.de

Der Meister der Menschenfotografie Die blosse Erwähnung des Namens Mario Testino lässt die Herzen all derer schneller schlagen, die sich – auf erwachsene Art – für die Welt der Mode und der VIPs interessieren. Dieser Fotograf ist so allgegenwärtig in den grossen Magazinen und auf InsiderEvents, dass er längst selbst als Star gehandelt wird.

Photographs Dominique Zahnd, Maggi GmbH, CP Company, Hervé Van der Straeten, Ruinart Blanc de Blancs, Olafur Eliasson, Revlon, Trussardi, Roja Dove, AlLTA AESTHETICA, Ronnie Wood, Boris Jaeggi, Cellection W. Oude-Weernink, TASCHEN, shutterstock.com Corrector Andreas Probst Main Office Prestige Media AG Bösch 73 CH-6331 Hünenberg publisher/productiON Prestige Media AG Leimgrubenweg 4 CH-4053 Basel Telefon 0041 61 335 60 80 Telefax 0041 61 335 60 88 info@prestigemedia.ch www.prestigemedia.ch

Warme Finger Der Handschuh ist eine raffinierte Erfindung. Er gehört zu den älteren Zeitgenossen der Modegeschichte. Von den Ägyptern wurde er bei der Gartenarbeit getragen, von den Römern beim Essen und im Mittelalter entwickelte er sich zu einem Herrschafts- und Rechtssymbol. Dieses Kleidungsstück ist so viel mehr als nur ein Schutz vor Eis und Schnee oder einfaches Modeaccessoire.

Dejan Djokic www.prestigemag.ch info@prestigemedia.ch Laura Giarratana Serpil Dursun s.dursun@prestigemedia.ch Price / Issue CHF 10.– Price / Year CHF 39.–

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Frequency vierteljährlich WEMF 2012/2013 – 25.120 Exemplare Wiedergabe von Artikeln und Bildern, auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von Redaktion und Verlag jede Haftung abgelehnt.

Freuen Sie sich mit uns auf die im Dezember 2012 erscheinende Ausgabe mit vielen spannenden Themen und Reportagen.

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