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VOLUME 9 I SPRING 2017

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rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110, CH-4132 Muttenz  T +41 (0)61 335 60 80, F +41 (0)61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch Publishing Director Boris Jaeggi I b.jaeggi@prestigemedia.ch

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INHALT ART & CULTURE

20 UNVERGESSENE LEGENDE Lauren Bacall

24 BLICK IN DIE ZUKUNFT Museu do Amanhã, Rio

27 DER AUSNAHMEMUSIKER James Rhodes

28 BÜHNEN DER WELT Mythos Mailänder Scala

33 SHORTCUTS Kultur international

34 MIT AUSZEICHNUNG Anicka Yi

40 BLICKWINKEL Fotograf Matthias Heiderich

49 WUSSTEN SIE SCHON …? Hollywood intern

50 SOTHEBY’S Treasures from Chatsworth

20

34 TRAVEL

66

52 SÜDJAPAN Von Meeresfrauen bis Matsusaka-Beef

58 ROTTERDAM Markthalle der Superlative

60 ZWISCHEN ZWEI BUCHDECKELN Abenteuer Reisen

62 DER TRAUM DES KAPITÄNS Costa Navarino

66 HOTEL-LEGENDE Das Pariser «Ritz»

70 REISEN ANNO DOMINI Das erste Grand Hotel

52 10 | PRESTIGE


Wo ließe sich Zeitgeschichte besser schreiben als an einem Ort, der viel zu erzählen hat: 1910 wurde die Sternwarte in

der renommierten Uhrmacherstadt Glashütte erstmals in Betrieb genommen. Knapp 100 Jahre später bescherte ihr der Wiederaufbau durch die Firma WEMPE große Aufgaben: Mit der Einrichtung der einzigen Prüfstelle

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INHALT

72

WATCHES & JEWELLERY

72 UHREN-CUVÉE 2017 Rückblick SIHH

80 MUST-HAVE FÜRS HANDGELENK Vorschau Baselworld

84 HARUMI KLOSSOWSKA DE ROLA Funkelnde Wildnis

88 DIE AUSNAHMEKÜNSTLERIN Sophia Vari

90 BULGARI Die Sammlung der Liz Taylor

DRIVE STYLE

84 94

94 AM DRÜCKER Fotograf Michel Zumbrunn

98 WUSSTEN SIE SCHON …? Von Blitzstart bis «Black Maria»

100 KULTURGUT AUF VIER RÄDERN Porsche 911 105 PS AUF PAPIER Vom «Ace Café» und dem «Entenbürzel» 106 UP, UP AND AWAY Als Fliegen noch kein Volkssport war 110 «READY FOR TAKE OFF»? Hinter den Kulissen von Lufthansa

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INHALT 152 LIVING 148 STARARCHITEKT Rem Koolhaas 152 MÖBELKLASSIKER Rio Chaise von Oscar Niemeyer 154 ARCHITEKTUR IM FOKUS Casa Cruzada 160 CONNECTED Gadgets 2017 162 HOLOGRAMME Zum Greifen nah 164 WUNDERKAMMERN Ode an den Stilmix

164

169 SHORTCUTS WELTWEIT Design 2.0

FASHION & BEAUTY 114 BACKSTAGE MIT HEIKO LASCHITZKI Berliner Fashion Week

132

124 ZWISCHEN DEN ZEILEN Catwalk, Miss Piggy und Mario Testino 126 THE GENTLEMAN Cator Sparks im Gespräch 131 DER MEISTER Hubert de Givenchy 132 MODEKLASSIKER Der Pennyloafer 134 THE DARK PRINCE OF FASHION Gareth Pugh 140 DER STAR-FIGARO Christophe Robin 144 VON FÖN BIS FÖHN Mehr als heisse Luft 146 ENTSPANNUNG PUR Alpenresort «Schwarz»

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INHALT

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CULINARIUM 170 FÜR GOURMETS Restaurant «Sur Mesure» 174 AUFGETISCHT Moderne Cuisine bis vegan 176 EDLE WEINTROPFEN Weine von Swarovski 178 PLATZ FÜR DIE NASE Glaswahl für Champagner 180 SPOT ON Kulinarische Highlights

188

182 RARITÄT Albino-Stör-Kaviar

FINANCE

170

184 UNICORNS Die Börsen-Verweigerer 188 NEUE «SAITEN» Investment Streichinstrument

178 NEWS 39 83 87 93 109 139 143 159 179 187

KUNSTVOLL STIL AM HANDGELENK FÜR EIN LEBEN LANG FRÜHLINGSERWACHEN ON THE ROAD SPOT ON! GLANZVOLLER AUFTRITT OBJECTS OF DESIRE GENUSS PUR WHAT TIME IS IT?

KOLUMNEN 38 WILHELM J. GRUSDAT: Schiff ahoi!

6 IMPRESSUM 19 EDITORIAL 192 VORSCHAU

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Geschätzte

&

LESER LESERINNEN

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anchmal braucht es einen zweiten Blick, um das Besondere zu erfassen, manchmal aber auch einfach nur den «richtigen» Blick­ winkel. Genau das zeigt Fotograf Matthias Heiderich in seiner minimalistischen Architekturfotografie. Man könnte seine Werke als detailverliebt beschreiben, und genau das macht das Besondere aus. Ein kleiner Ausschnitt des grossen Ganzen im Blickwinkel des Fotografen – und heraus kommen spektakuläre und abstrakte Fotografien. Tauchen Sie mit uns ein in diese besonderen Momentaufnahmen. Ich bin sicher, Sie gehen beim nächsten Städte-Trip mit anderen Augen durch die Strassen. Mit ebenso viel Liebe zum Detail wurde das «Ritz» in Paris aufwendig renoviert – Tradition und Moderne gepaart mit der Leidenschaft, dass es immer noch ein bisschen besser geht: eine Hotelgeschichte, die es so sicher nur einmal gibt. Einmalig ist auch die Markthalle in Rotterdam mit ihrem unvergleichlichen Foodpalast, der weltweite Kostbarkeiten für seine Besucher bereithält. Damit heisse ich Sie willkommen in der neuen PRESTIGE-Frühlings-Ausgabe. Lassen Sie sich wieder von unserem bunten Potpourri aus aufregenden Reportagen, informativen Hintergründen und unvergleichlichem Luxus begeistern! Gemeinsam möchte ich mit Ihnen durch den Frühling in Richtung Sommer wandern. Finden Sie zusammen mit PRESTIGE all die vielfältigen Möglichkeiten für Luxus in Ihrem Leben und lassen Sie sich davon verzaubern. Und noch mehr: Geniessen Sie eine pulsierende Stadt, die Modetrends setzt, aber auch mit ihrem vielfältigen kulinarischen Angebot lockt. Darunter Sternekoch Thierry Marx, der seine Gäste im luxuriösen «Mandarin Oriental Paris» mit seinen Kreationen verwöhnt. Ausserdem entführe ich Sie an einen Ort, der erst auf den zweiten Blick eine absolute Rarität offenbart – nach Grödig bei Salzburg. Hier wird die teuerste Delikatesse der Welt – der weisse Kaviar – gezüchtet. Ich wünsche Ihnen gute Unterhaltung!

Francesco J. Ciringione Verleger

Nike Schröder Chefredakteurin

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DU KANNST DOCH

PFEIFEN, STEVE?

ODER,

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In ihrer ersten Filmrolle an der Seite von Humphrey Bogart und mit nur 19 Jahren wird sie über Nacht zum Star und gleich noch die Ehefrau von «Bogie». Lauren Bacall. Leinwandlegende mit Stil, Klasse, grünen Katzenaugen und der unverkennbaren tiefen, heiseren Stimme.

ls sie in einem Interview gefragt wird, ob sie damals das richtige Aus­ sehen besessen habe, um ein Filmstar zu werden, winkt sie lachend ab: «Niemals, nein. Ich war flachbrüstig, mit zu grossen Füssen und schämte mich zu lächeln, weil meine Zähne schief waren.» Ihre Modelkarriere erklärt sie genauso nüchtern: «Das war Glück. Denn wenn du von der richtigen Person zur richtigen Zeit vor der richtigen Kulisse und mit dem richtigen Licht fotografiert wirst, siehst du okay aus. Ich will nicht sagen, dass ich hässlich war, aber ich war zu jener Zeit auch keine Schönheit.» Entgegen ihrem bescheidenen Selbstbildnis jobbt sie bereits mit 17 Jahren erfolgreich als Model und wird 1942 zur «Miss Greenwich» gekürt. Mit ihrem Talent und ihrer faszinierenden, unglaublich erotischen Ausstrahlung spielt sie in den 50er Jahren in der gleichen Top-Liga wie die Hollywood-Diven Vivian Leigh, Judy Garland, Barbara Stanwyck, Katharine Hepburn, Ingrid Bergman, Joan Crawford und

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Helena Ugrenovic

Olivia de Havilland. Über Jahrzehnte hinweg trotzt sie den gesellschaftlichen Regeln der Schauspielzunft, Studio-Bossen und dem Zahn der Zeit. Humorvoll und selbstkritisch, authentisch und schonungslos offen erzählt sie in Interviews mit ungekünstelter Eleganz und perfekt aufeinander abgestimmter Schmuckauswahl über ihr Leben, ihre Triumphe und Abgründe.

Betty will auf die Bühne Betty Joan Perske wird am 16. September 1924 in New York City geboren. Ihre Eltern William Perske und Natalie Perske, geborene Weinstein-Bacal, sind jüdische Einwanderer und führen ein typisches Mittelstandleben. William, ein Cousin des ehemaligen israelischen Premierministers Shimon Peres, arbeitet als Geschäftsmann, Natalie ist Sekretärin. Als Betty sechs Jahre alt ist, verlässt ihr Vater die Familie, was Betty nicht sonderlich berührt, fühlt sie sich doch stärker zu ihrer Mutter hingezogen. Betty wächst zu einem Teenager heran, der


CULTURE

ART & «Berühmtheit ist kein Beruf, sie ist ein Unfall.» – Lauren Bacall –


ART & CULTURE

sich selber nicht als hübsch bezeichnet und kein Interesse an Jungs hat. Nachdem sie Bette Davis in einem Film sieht, entbrennt ihre Leidenschaft für die Schauspielerei. «Ich war besessen davon, ein Filmstar zu werden, und wollte auf der Bühne stehen, träumte davon, meinen Namen als Leuchtreklame zu bewundern. Und ich wollte alles dafür tun, um entdeckt zu werden.» Noch als Teenager nimmt sie Tanzunterricht und beginnt mit dem Modeln.

Das grosse Zittern Ihr Gesicht ist auf dem Cover des prominenten US-Magazins «Harper’s Bazaar» abgebildet, als Nancy Gross, fasziniert von ihrer aussergewöhnlichen Ausstrahlung, begeistert ihren Gatten, den berühmten Hollywood-Regisseur Howard Hawks, dazu drängt, Probeaufnahmen mit der 18-Jährigen durchzuführen. Die erfahrungslose junge Frau überzeugt unter körperlicher Höchstleistung. «Ich leide unter schrecklichem Lampenfieber», erzählt sie in einem Interview, «ich war ein nervöses Wrack. Wenn Scheinwerfer auf mich gerichtet waren, Leute mich anstarrten oder die Klappe fiel, fing mein Körper an, unkontrolliert zu zittern. Sogar mein Kopf bebte, und es gab nur eine Möglichkeit, ihn unter Kontrolle zu halten, indem ich das Kinn fest auf die Brust drückte und sich dadurch die Nackenmuskulatur versteifte, nur so konnte ich das lästige Kopfzittern unterbinden. Aus dieser Perspektive blickte ich Bogie an, und booom war der Look geboren!» Die kecke Haltung mit dem erotisch provozierenden Augenaufschlag sowie ihre tiefe Stimme werden ihr Markenzeichen.

Superstar & Traumpaar Hawks besetzt 1944 die Rolle der Marie Brown in der Hemingway-Verfilmung «Haben oder Nichthaben» mit der völlig unerfahrenen jungen Betty. «Wie verführerisch kannst du ohne jeglichen sexuellen Hintergrund sein? Aber wenn du eine tiefe Stimme und ein burschikoses Auftreten hast, Howard Hawks deine Dialoge schreibt, dich regiert und richtig beleuchtet, kannst du alles sein.» Hawks ändert ihren Namen Betty in Lauren, setzt der Aussprache wegen noch ein «l» an den Mädchennamen ihrer Mutter und lässt ihre hohe, nasale Stimme wegtrainieren. Für die männliche Hauptrolle im Film möchte sie Cary Grant an ihrer Seite, doch Hawks entscheidet sich für Humphrey Bogart, was ihr, wie sie in ihrem Buch «By Myself» mit «Humphrey Bogart – igitt!» beschreibt, deutlich missfällt. Entgegen der anfänglichen Antipathie und ihrer jungfräulichen Unschuld besticht sie in der Rolle der Femme fatale und wird mit zwei legendären Szenen in der Filmgeschichte über Nacht ein Star. Als sie während eines Akts im Hotel Hüfte wackelnd zu Humphrey Bogart, der den Seefahrer Steve verkörpert, tänzelt und ihm danach ein hinreissendes, mädchenhaft unschuldiges Lächeln schenkt. Es ist keine Vorgabe des Drehbuchs, sondern sie, die leidenschaftliche Tänzerin, integriert die Szene spontan. Wie sie in einer heissen Flirtszene mit Steve lasziv haucht, er müsse nur pfeifen, wenn er sie haben will: «Du weisst doch, wie man pfeift, oder, Steve?»

Lovestory Mit ihrem Filmdebüt schlagen gleich zwei Ereignisse in Lauren Bacalls Leben ein: ihre plötzliche Berühmtheit sowie der Beginn einer der schönsten Liebesgeschichten Hollywoods. Noch während den Dreharbeiten zu «Haben und Nichthaben» verlieben sich Lauren und Bogie und heiraten am 21. Mai 1946. Mit ihrer Vereinigung beginnt eine erfolgreiche Serie von Bogart-Bacall-Filmen wie «Tote schlafen besser», «Die schwarze Natter» sowie «Gangster in Key Largo», wobei sie ihr Familienleben mit Bogie und den zwei Kindern priorisiert und

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Jagd im Nebel I 1945

deswegen nur einen Film im Jahr dreht. Das Ende der 1950er Jahre wird für Lauren durch Bogies Krebserkrankung zu einer psychischen Dauerbelastung. Als Humphrey Bogart am 14. Januar 1957 an Krebs stirbt, legt Lauren am Tag seiner Beerdigung eine Trillerpfeife in seinen Sarg, in Erinnerung an ihren ersten gemeinsamen Film und den berühmten Satz. Die Witwe und alleinerziehende Mutter legt für drei Jahre ihre Arbeit nieder. «Ich brauchte Jahre, um damit fertigzuwerden. Eigentlich bin ich bis heute nicht über seinen Tod hinweggekommen. Über solche Dinge kommt man nie hinweg.»

Hollywoods Kratzbürste Sie spielt an der Seite von Schauspielgrössen wie Charles Boyer, Gary Cooper, Doris Day, Kirk Douglas, John Wayne, Rock Hudson, Marilyn Monroe und


ART & CULTURE

Der Asteroid «(5107) Laurenbacall»

Haben oder nicht haben I 1944

Der Asteroid, der am 24. Februar 1987 vom belgischen Astronomen Henri Debehogne entdeckt wurde, ist am 8. Oktober 2014 Lauren Bacall benannt worden. Besonders hervorgehoben in der Widmung ist ihr Schauspiel aus dem Film «Haben oder Nichthaben» an der Seite ihres Ehemannes Humphrey Bogart.

Gregory Peck und wehrt sich vehement gegen das Verdikt der Warner Bros. Studios, die Schauspieler als Angestellte behandeln und diesen Rollen aufzwingen. Doch in der aufgesetzten, künstlichen Hollywood-Welt, in der die Ohren vor der Wahrheit verschlossen werden, eckt sie an, und so erhält sie nach Bogies Tod weniger signifikante Rollen. Sie widersetzt sich allen gesellschaftlichen Zwängen und Altersvorgaben, dass die Filmbranche nur für ­jüngere Generationen vorgesehen sei. «Ich liebe meine Arbeit, und ich liebe es zu arbeiten. Arbeit ist wie ein Elixier, sie hält dich lebendig. Ich hasse es, dafür verurteilt zu werden, oder du etwas sein musst, weil du 30, 40, 55 oder 60 bist, das ist total unfair. Weshalb sollen wir uns darauf limitieren? Warum soll Alter verhindern, dass wir die Flügel ausbreiten? Warum soll jemand gezwungenermassen in Rente gehen, wenn er 62 Jahre alt ist?»

­ ophia Loren, Julia Roberts, Ben Kingsley oder S Moritz Bleibtreu in Filmen wie «Prêt-à-Porter», «Ein Präsident für alle Fälle», «Diamonds», «The Walker», «Die Sopranos». Sie heimst zahlreiche Nominierungen und Auszeichnungen wie den César, Tony Award, National Board of Review Award und Kennedy-Preis ein. In ihrer Dankesrede 2009, als sie im Alter von 85 Jahren mit dem Ehren-Oscar für ihr Lebenswerk geehrt wird, präsentiert sich dem Auditorium eine faszinierende, charismatische und humorvolle Grande Dame. «Yeah! Oh Himmel, ich kann es kaum glauben! Endlich ein Mann!»

Herbstzeitlosen Zurück in New York feiert sie Erfolge am Broadway und erntet Lob und Auszeichnungen für ihre Rollen in «Die Kaktusblüte» und «Woman of the Year». Bis ins hohe Alter ist sie regelmässig im Kino zu sehen und spielt mit Jack Lemmon, Barbra Streisand, Nicole Kidman, Kirk Douglas, Marcello Mastroianni,

Mit dem Tod von Lauren Bacall verabschiedet sich am 12. August 2014 eine der noch wenigen und letzten Leinwandlegenden einer glanzvollen Hollywood-Ära.

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MORGEN IST

HEUTE

Museu do AmanhĂŁ, gebaut von Santiago Calatrava.


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ART & CULTURE

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Woher kommen wir? Wer sind wir? Wo sind wir? Wohin führt uns die Reise? Wie wollen wir leben? Seit die Menschheit existiert, sucht sie nach Antworten. Das Museu do Amanhã in Rio de Janeiro, Brasilien, stellt Fragen und lässt Besucher an audiovisuellen Terminals Antworten auswählen, mittels denen sie am Ende des Spiels eine neue Ist-Situation erschaffen.

ie Menschheit hat den Planeten Erde nicht nur architektonisch optisch verändert, sondern sie verändert auch seine Funktionsweise. Das Klima verändert sich genauso wie die Biodiversität und wirft ernste Fragen auf, bei denen eine Bewusstheitserweiterung im Menschen und neues Verantwortungsgefühl unabdingbar sind. Welche Entscheidungen treffen wir heute, und welche verschiedenen Auswirkungen haben diese morgen als Resultat unseres Handelns? Oft mutet es an wie eine Kleinigkeit, doch wird diese Kleinigkeit von einer Masse, Millionen von Menschen, ausgeführt, können prekäre Situationen entstehen, die teilweise irreparabel sind. Sei es in Bezug auf unsere

Helena Ugrenovic I

Byron Prujansky, Bernard Lessa

Umwelt, unsere Nahrung, im Konsumverhalten, auf politischer Ebene oder auf unser modernes Leben zwischen mobilen Telefonen und SocialMedia-­Plattformen. Das Museu do Amanhã ist ein Museum der sogenannten dritten Generation, das als «Museum von morgen» die Erforschung fokussiert und Bewusstseinsveränderung erzeugen will.

Wann ist morgen? «Es ist nicht die Vision über die Zukunft, sondern über das Morgen, denn gerade jetzt, in diesem Moment, ist irgendwo auf der Welt morgen und geht die Sonne im Osten auf. Somit ist morgen gleichzeitig jetzt, die Gegenwart. Die Zukunft kann in weiter Ferne liegen, aber das Morgen bestimmt auch das Heute. Was wir den Besuchern zeigen wollen, ist Nachhaltigkeit, denn, welche Entscheidungen und Aktionen wir heute fällen und aus­ führen, verändern das Morgen. Deshalb stellen wir den Besuchern in unserem lebendigen und komplett digitalen Museum die verschiedensten medialen Instrumente zur Verfügung, werfen Fragen auf und zeigen ihnen am Schluss in einem daraus resultierenden Szenario, zu welchen Auswirkungen oder Konsequenzen ihre Alternativen führen», erklärt Luiz Alberto Oliveira, Kurator des Museums.

Das Wunder der Einheit Die Sammlung des Museu do Amanhã unterteilt sich in die fünf Hauptausstellungen Kosmos «Woher kommen wir?», Erde «Wer sind wir?», Anthropozän «Wo sind wir?», Morgen «Wohin gehen wir?» und Wir «Wie kommen wir dahin?». Die Themen Klimawandel, Veränderungen der Biodiversität, weltweit steigende Bevölkerungszahl und weniger Lebensraum, grössere kulturelle Integration und Ab­ grenzung, technologische Fortschritte sowie erweitertes Wissen sollen nicht nur die reizüberfluteten Augen der Besucher öffnen, sondern sie zum

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ART & CULTURE

Verblüffendes Rio de Janeiro

Innehalten animieren, zum Denken anregen sowie ihre Sinne und Wahrnehmung schärfen. Interna­ tionale Institute liefern Daten und wissenschaftliche Analysen an das Museum von morgen, das in einem ständigen Erneuerungsverfahren das «Leben der Welt» festhält und in den experimentellen Ausstellungen präsentiert, die immer wieder aufs Neue entwickelt werden.

Was wäre wenn? In einem dunklen Raum bewegen sich hauchdünne Stoffbahnen unaufhaltsam und verschlingen ineinander, es soll die Bewegung auf der Erde symbolisieren. Auf riesigen Leinwänden werden Ist-­Situationen dargestellt: Trümmer nach einem Erdbeben, Tsunami, in Kriegsschauplätzen. Ausgehungerte Kinder, ausgetrocknete Seenbecken, abgeholzte Wälder, Berge von Abfall, Reichtum versus Armut auf allen Ebenen der Erde, die krassen Gegensätze der Welt, in der wir leben, sind bildlich und vertont dargestellt, und genauso interaktiv wie unsere Welt ist das Museum selbst. Der bleibende Eindruck, den die Besucher im Museu do Amanhã erfahren, wird durch ihre eigene Aktion erzeugt. In jeder der Ausstellungen werden die

«Eine neue Art von Denken ist notwendig, wenn die Menschheit weiterleben will.» – Albert Einstein –

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Das zu den Megastädten der Welt zählende Rio de Janeiro, dessen Name «Fluss des Januars» bedeutet, liegt an der Bucht von Guanabara, die über 100 Inseln zählt. 200 Flüsse fliessen durch Rio, die meisten Sambaschulen befinden sich in den Favelas, die Christus-Erlöser-Statue wurde zu einem der sieben Weltwunder gewählt, Rio de Janeiro hat den blauesten Himmel der Welt, Rios jährliche Party ist der grösste Karneval der Welt, Rio beherbergt die achtgrösste Bibliothek der Welt und den weltgrössten Stadtwald, Rio war einst die einzige europäische Hauptstadt ausserhalb Europas, und hier wurde am 16. Juli 1950 das weltgrösste Fussballspiel ausgetragen.

Besucher mit einem Spiel angeregt, über die ­Zukunft nachzudenken und darüber, welche Rolle sie selber darin spielen. Das Spiel besteht aus Fragen, die über interaktive Stationen übertragen werden und bei denen der Besucher zwischen mehreren Antworten wählen kann. Jede Antwort führt ihn zu einem weiteren Level, Szenario, bis am Ende des Spiels der Ist-Zustand projiziert wird, den der Besucher, Spieler, mit seinen Antworten provoziert hat. «Wir wollen die Menschen berühren und ihnen etwas beibringen. Seit unserer Eröffnung haben uns 90 Prozent der Besucher ­ mitgeteilt, dass sie danach ihre Meinung geändert hätten und die Welt mit anderen Augen betrachten. Sie sind bereit, ihr Verhalten zu ändern», sagt Luiz Alberto Oliveira.


ART & CULTURE

DER MUSIKALISCHE SPÄTZÜNDER JAMES RHODES

Genauso ungewöhnlich wie Rhodes’ Auftritte ist auch sein Werdegang. Weder blickt der Pianist auf eine typische Musikausbildung zurück, noch wird er dem Titel «frühes Wunderkind» gerecht. Denn Rhodes’ Kindheit war schwer. Von seinem Turnlehrer über Jahre hinweg missbraucht, schwieg er jahrelang aus Scham. Den Zugang zur klassischen Musik – und damit eine Möglichkeit, seinem Leid für einige Momente zu entfliehen – fand er mit sieben Jahren, als er das erste Mal eine CD mit klassischer Musik anhörte. Es war Liebe auf den ersten Klang. ­ Irgendwann reichte ihm das blosse Anhören nicht mehr, und er bekam Klavierunterricht – bis ihn mit 18 Jahren die Vergangenheit einholte. Psychische Probleme bestimmten sein Leben ebenso wie Drogen- und Alkohol­ exzesse. Das Klavierspiel ­ geriet zunehmend in den Hintergrund.

© Richard Ansett

So aussergewöhnlich wie der Pianist, so aussergewöhnlich sind auch seine Auftritte. Die Bühne betritt er nicht im Anzug, sondern in T-Shirt und Sneaker. Dann stellt er sein Programm vor, spricht über Klavierkomponisten und seine Lebenser­ fahrung, die er mit faszinierenden Anekdoten ausschmückt. Denn eines liegt dem Ausnahme­pia­ nisten am Herzen: die klassische Musik jedem zugänglich zu machen.

Von da an ging es zehn Jahre, bis er sich wieder fing und aufs Neue mit dem Klavierspiel begann. Eine Offenbarung, bei der die Musik zur positiven Droge ohne Nebenwirkungen wurde. Rhodes übte eisern, fand zurück ins Leben und mit 28 Jahren einen Manager und einige Förderer. ­Zwei Jahre später gab er sein erstes Konzert. Heute, mit 42, ist James Rhodes verheiratet und Vater eines Sohnes. Er produziert regelmässig Fernsehsendungen und Dokumentationen, nimmt neue CDs auf und gibt Konzerte auf der ganzen Welt.

«Sensibilität und Donner sind seine Markenzeichen.» – Rick Jones, «BBC» –

«Das ist ein Mensch, der Ihre Aufmerksamkeit und seine Chance auf Erfolg wohl mehr als jeder andere verdient hat, den ich getroffen habe.»

3 ZITATE

– Bryan Appleyard, «The Sunday Times» –

«Musik ist wie eine Wunderdroge ohne Nebenwirkungen … Musik hilft immer und lässt dich nicht im Stich.» – James Rhodes –

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ART & CULTURE

SAISONERÖFFNUNG Seit 1951 wird jedes Jahr am 7. Dezember, dem Gedenktag des heiligen Ambrosius von Mailand, die Saison der Mailänder Scala mit einem prunkvollen Fest eröffnet. Ein gesellschaftlicher Anlass der Super­lative, zu dem sich nicht nur internationale Stars, sondern auch gekrönte Häupter einfinden. Immer wieder kommt es an diesem Datum zu grösseren Unruhen der politisch linken Seite, so auch während der Studentenbewegung im Jahre 1968, als die Operndiven in ihren Nerzmänteln mit Eiern beworfen wurden.

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ART & CULTURE

DER

MYTHOS

SCALA Pilgerstätte für Liebhaber der Bühnenkünste, Nationalheilige der Italiener und Olymp für Künstlerinnen und Künstler – seit ihrer Eröffnung im Jahre 1778 ist der glanzvolle Ruhm der legendären Mailänder Scala ungebrochen.

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Anka Refghi I

Erio Piccagliani

s ist diese unvergleichliche Magie, die sie umgibt. Wiege der italienischen Oper und Wirkungsstätte der grössten Stimmen, Dirigenten, Musiker, Tänzer und Komponisten, die seit dem 18. Jahrhundert die Bühne der Scala mit Leben erfüllen – kein anderes ­Musiktheater blickt auf so viel Tradition und Geschichte zurück wie die ­Mailänder Scala. Sie war das Sprungbrett für berühmte Opernkomponisten wie Giacomo Puccini, Gaetano Donizetti und Vincenzo Bellini, aber auch für Giuseppe Verdi, der hier im Jahre 1845 mit seiner Oper «Nabucco» zu Weltruhm gelangte. Aber sie war auch Ort des Triumphes und der Niederlagen. Die Scala lebt durch ihr imposantes Erbe, das bis heute spürbar ist und sie weltweit so einzigartig macht. So liess sich einmal der Generaldirektor der Jahre 1972 bis 1977, Paolo Grassi, eine Loge öffnen, lauschte in den stockfinsteren Saal und sagte: «Hören Sie einmal, hier wohnen die Seelen der grossen Künstler.»

Rudolf Nurejew 1981

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ART & CULTURE

«Meine Stimme verstört die Leute.»

– Maria Callas –

Maria Callas nach der Aufführung der Oper «Anna Bolena» von Gaetano Donizetti I 1956

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ART & CULTURE

«Jeder Esel kann den Takt schlagen, aber Musik machen – das ist schwierig.» – Arturo Toscanini –

Der Ritterschlag

Die Wurzeln der Scala

Ein Engagement an der Scala zu erhalten, kommt einem Ritterschlag gleich. Hier zu bestehen, einer Krönung. Denn selbst die versiertesten Künstlerinnen und Künstler begegnen der Scala mit einer Ehrfurcht, die sich nicht selten mit Versagensangst vermischt. So sagte einmal Dirigent Claudio Abbado: «An der Scala herrscht eine besondere Atmosphäre. Jedes Mal, wenn ich dort bin, beobachte ich die Nervosität der Künstler, bevor sie auf die Bühne müssen.» Oder der frühere Hauptgastdirigent und Musikdirektor ­Daniel Barenboim, der die herausfordernden Bedingungen mit den Worten «An der Scala herrscht ein verschwörerischer Geist, der wie eine Last auf dem Theater liegt. Sie ist ein Haus der Gegensätze, brutal und gleicher­ massen von einer unvergleichlichen Zartheit und Kreativität» beschrieb. Tatsächlich gilt die Scala als eines der härtesten Pflaster. Die Macht liegt in den Händen des Publikums, das sich nicht scheut, seine Verärgerung lautstark kundzutun. Eine Erfahrung, die selbst Maria Callas machen musste, als sie während eines Liebesduetts in «Medea» mit dem Sänger Jon Vickers den Ton verfehlte und mit Pfiffen abgestraft wurde. Puccini ging bei der Uraufführung seiner «Madame Butterfly» im Jahre 1904 vor einem grölenden ­Publikum ebenso unter wie die junge Mirella Freni, die unter Herbert von Karajan 1964 ihre erste Violetta sang und mit einem gellenden Pfeifkonzert empfangen wurde. Ihr Fehler: Sie war die Nachfolgerin der für das Publikum unersetzbaren Maria Callas.

Die Geschichte der Scala beginnt im Jahre 1778. Vorausgegangen war ein Feuer im Februar 1776, das das alte Mailänder Hoftheater Teatro Regio Ducale vollständig zerstörte. Die Mailänder wollten nun an einer anderen Stelle einen noch grös­ seren und noch schöneren Saal bauen. Sie entschieden sich, die zwar geschichtsträchtige, doch zu dieser Zeit bereits recht verfallene Kirche Santa Maria ­de La Scala, ein Bauwerk aus dem 14. Jahr­hundert, zu opfern. Das ehrgeizige Ziel der Mailänder: die bedeutendste Spielstätte der ganzen Welt zu errichten. In gerade einmal ­­23 Monaten errichtete der klassizistische Architekt ­Giuseppe Piermarini das Teatro alla Scala, das 1778 eröffnet und zum «Pantheon» der italienischen Musik wurde.

Liane Daydé und Michael Renault, Giselle I 1958

Der Impresario Eine der wichtigsten Persönlichkeiten der ersten Jahrzehnte war Domenico Barbaja (1778 –1841), der ursprünglich geholt worden war, um das Glücksspiel an den Tischen in den Vorräumen der Scala – eine wichtige Einnahmequelle des Hauses – zu organisieren. Barbaja, ehemaliger Kellner und der Beschreibung nach ein ebenso ungehobelter wie ungebildeter Kerl, der kaum des Lesens mächtig war, sich jedoch durch eine unschätzbar wertvolle Fähigkeit auszeichnete: einen guten Riecher für das Geschäft und aussergewöhnliche Musik zu haben. Anfang des 19. Jahrhunderts zum Impresario des Hauses aufgestiegen, pflegte er Verbindungen zum jungen Verdi, verhalf Gioachino Rossini und Gaetano Donizetti zu Ruhm und nahm Vincenzo Bellini, den er als unwahrscheinlich schüchternen Burschen beschrieb, unter Vertrag. Ein weiterer grosser Name, der untrennbar mit dem Erfolg der ­ Mai­ länder Scala zu nennen ist, ist Arturo Toscanini (1867–1967). Ab 1898 musikalischer Leiter und Dirigent und einer der bedeutendsten Orchesterleiter seiner Zeit. Ursprünglich studierter Cellist, musste er, gerade einmal 19 Jahre alt, während einer Konzertreise den kurzfristig ausgefallenen Dirigenten in Rio de Janeiro ersetzen, was er mit einem solch grossen Erfolg tat, dass seine Karriere als Dirigent besiegelt war. Für die Mailänder Scala war er nicht nur musikalisch ein Wegbereiter, er war es auch, der die Unsitte der Zugabe beendete und den Damen verbot, während der Vorstellung Hüte zu tragen.

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ART & CULTURE

Balletto Imperiale, hinter den Kulissen I 1952

ten die 1950er Jahre. Zu verdanken hatte sie dies vor allem ihrer ebenso glanzvollen wie exzentrischen Primadonna assoluta – der unvergessenen Maria Callas. Sie war es, die als Medea, Violetta oder Norma ungeahnte Massstäbe setzte und zu einem Idol einer ganzen Generation wurde, aber auch ihre Kapriolen und tragischen Liebesgeschichten, die die internationale Boulevardpresse nach Mailand blicken liess. Doch je grösser ihr Ruhm wurde, umso exzentrischer wurde sie, desto höher wurden ihre Gehaltsforderungen und respektloser der Umgang mit der Intendanz und den Kollegen. Unhaltbar für das ganze Haus, und so entschied der damalige Intendant Antonio Ghiringhelli 1958 mit dem berühmt gewordenen Satz «Primadonnen kommen und gehen, aber die Scala bleibt», sich von ihr zu trennen.

Karten für die Mailänder Scala waren schon damals heiss begehrt.

Schicksalsjahre Doch auch die widrigen Umstände der Zeitgeschichte verschonten die legendäre Mailänder Scala nicht. So zwang sie der Zweite Weltkrieg in die Knie, als eine Bombe 1943 grosse Teile des Gebäudes zerstörte. In einer Rekordzeit wurde die Scala rekonstruiert und 1946 mit einem Konzert unter der Leitung Arturo Toscaninis wiedereröffnet. Von Beginn an war die Scala ein Treffpunkt, an dem sich die Menschen trafen, um über Politik zu diskutieren, Geschäfte zu machen oder sich in den Logen anderen «Annehmlichkeiten» hinzugeben. Ihre gesellschaftliche Blütezeit aber markier-

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Die Liste an bedeutenden Namen, die die Mailänder Scala zum glanzvollen Fixpunkt am Firmament des Klassikhimmels gemacht haben, ist un­ vergleichlich. Hier tanzte der berühmte Rudolf ­Nurejew ebenso, wie Caruso das Publikum verzauberte und der unvergessene Klaviervirtuose Vladimir Horowitz – im Übrigen der Schwiegersohn Toscaninis – für Begeisterungsstürme sorgte. Für die einen ist die Mailänder Scala Lichtjahre von anderen Musiktheatern entfernt, für andere lebt sie vor allem durch ihren Mythos. Doch eines ist sicher – wenn die Lichter des imposanten Kronleuchters langsam erlöschen, sich die erwartungsvolle Spannung über den Saal legt und die Bühne für die grössten aller Künstler freigegeben wird, dann ist das ein Moment, den man nie mehr vergessen wird.


SHORT

CUTS Vulgär? Die Ausstellung «Vulgär? Fashion Redefined» beschäftigt sich mit dem umstrittenen und zugleich fesselnden Thema des Geschmacks in der Mode. Über 120 Objekte von der Renaissance bis zum 21. Jahrhundert regen ab März 2017 in Prinz Eugens prunkvollem Winterpalais zum Diskurs über die Definition des «Vulgären» an. Basierend auf Aussagen von Menschen so unterschiedlich wie Coco Chanel und Jonathan Swift ist die unterschwellige These der Ausstellungsmacher: (Guter) Geschmack ist letztendlich Einstellungssache. Ausgangspunkt der von Kuratorin Judith Clark und Psychoanalytiker Adam Phillips konzipierten Schau sind Definitionen des Begriffs «vulgär». Anhand verschiedener Kategorien, so zum Beispiel in der Darstellung des Verhältnisses von Mode zum menschlichen Körper, zeigt die Ausstellung, dass Facetten des «Vulgären» der Mode inhärent sind. Winterpalais Wien, 3. März bis 25. Juni 2017

© fotoswiss.com/giancarlo

Das höchste Festival Im Juli 2017 ist es wieder so weit, denn dann beginnt die 10. Ausgabe des mittlerweile legendären «Festival da Jazz» in St. Moritz. Das Festival hat sich in den letzten Jahren zu einer Perle unter den Jazz­festivals in Europa entwickelt. Weltstars der inter­nationalen Jazzszene verwandeln dann den legendären Dracula Club und die Sunny Bar im Kulm Hotel mit Blue Notes. Das Festival da Jazz St. Moritz bietet Konzerte von Jazz, Swing, Bossa- Nova, SingerSongwriter über Mainstream, Bebop bis hin zu Blues & Gospel-Power und ist die grösste Klein-Bühne für Weltstars. Jedes Konzert ist auf 150 Besucher beschränkt und bietet garantierten Musikgenuss in unmittelbarer Nähe zu den Künstlern. St. Moritz, 6. bis 31. Juli 2017

Die Konzeptkünstlerin Hanne Darboven (1941 bis 2009) war eine der be­ deutendsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts. Die Basis ihres Schaffens waren numerische Darstellungen, auf mathematischen Formeln gegründete Muster, aber auch musikalische Kompositionen, Filmarbeiten und objektkünstlerische Arbeiten. Als wachsame Beobachterin des Zeitgeschehens entstanden zu diesem Thema zahlreiche Werke. So auch eines ihrer Hauptwerke mit Namen «Kulturgeschichte 1880–1983», das nun als Neuinstallation in der New Yorker Galerie Dia:Chelsea zu sehen ist. Das grossformatige Werk besteht aus 1590 Blättern in Rasterformation. Eine Flut von Bildern aus Büchern, Zeitschriften, Katalogen und Postkarten zu historischen, politischen und kultu­rellen Ereignissen und damit eine spannende Verbindung zwischen dem Alltäglichen und der Kunst. New York, 5. November 2016 bis 29. Juli 2017

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SPUCKE

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Seit einigen Jahren schon wird Anicka Yi als absoluter Shootingstar in Kennerkreisen gefeiert. Seit die in Südkorea geborene Künstlerin im vergangenen Herbst den prestigeträchtigen Hugo Boss Prize entgegennehmen durfte, scheint der Durchbruch nun endgültig geschafft. Eine Einzelausstellung im Guggenheim Museum ab dem 17. April 2017 inklusive. Anka Refghi I

M

Philipp Hänger, Fabian Frinzel

an könnte fast sagen, Anicka Yi sei aus dem Nichts an die Spitze gestürmt. Doch das ist nicht ganz richtig so. Vielmehr ist sie eine Spätberufene, deren Kunst bereits nach kurzer Zeit für viel Aufsehen sorgte. Geboren wurde Anicka Yi 1971 in Südkorea, lebt aber bereits seit Mitte der Neunzigerjahre in New York. Nach einem Studium am New Yorker Hunter College arbeitete sie zunächst in der Modeindustrie, bevor sie sich 2008 der Konzeptkunst zuwandte. Von da an ging alles ganz schnell. Nach einer ersten Ausstellungsbeteiligung noch im gleichen Jahr kam der Quantensprung bereits zwei Jahre später mit einer


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Maybe She’s Born With It & Lapidary Tea Slave

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Einzelausstellung in der prestigeträchtigen New Yorker Galerie 179 Canal, 2011 dann in der legendären Galerie 47 Canal, die sie bis heute vertritt. Zweifelsohne gehört Anicka Yi mittlerweile zur Riege der vielversprechenden Künstlerinnen und Künstler, denen zugetraut wird, das künstlerische Schaffen über den Zeitgeist hinaus voranzutreiben.

Der Duft des Vergessens Zentrale Themen ihres Schaffens sind organische Prozesse, Veränderung, Vergänglichkeit, olfaktorisches Erleben und Sinnlichkeit ganz allgemein. Ihre Kunst stellt die Vormachtstellung des Auges infrage und geht weit über den rein visuellen Aspekt hinaus. «Ich denke, wir könnten viel davon lernen, unsere anderen Sinne zu erforschen und sie zu kultivieren», so Anicka Yi. Dabei ist das Thema der Vergänglichkeit in ihrem Œuvre durchaus auch als Kontrapunkt zur oft dauerhaft-zeitlosen Kunst zu verstehen. So zum Beispiel liess sie für ihre Ausstellung «7,070,430K of Digital Spit, A Memoir» 2015 in der Kunsthalle Basel ihre kurz vorher veröffentliche Publikation «6,070,430K of Digital Spit» noch einmal drucken. Dieses Mal aber war das Papier mit einem speziell dafür komponierten Duft des Parfümeurs Barnabé Fillion getränkt. Dem Duft des Vergessens. Käuferinnen und Käufer des Werks wurden dazu aufgefordert, den reich illustrierten Überblick von Yis Werk nach dem Lesen zu verbrennen, denn erst durch diese Form der Zerstörung wurde der Duft freigesetzt. Ein Werk, das durch das olfaktorische Erlebnis der chemischen Umwandlung des durch die Verbrennung resultierenden Zerfalls kaum besser vereinen könnte, was ihre künstlerische Arbeit ausmacht. Die Materialien ihrer Werke sind alltäglich. Doch aus ihrem Kontext gehoben und in ungewöhnlicher Konstellation mit anderen Materialien wieder zusammen­ gebracht, entwickeln sie ihre ganz eigene Sprache. So beispielsweise bespickt sie glibberig-grünes Ultraschallgel in Plexiglasboxen mit Stecknadeln, die den gnadenlosen Prozess des Rostens in Gang setzen, oder sie lässt Seifenstücke durch Bakterienkulturen ungehindert zersetzen. Pflanzen, Acrylfarbe, Paraffinwachs, Nylon, Aluminium, Haar-Gel, Socken, Seife, Leder oder in Tempura frittierte Blüten – den Materialien sind dabei keinerlei Grenzen gesetzt. Ihre Installationen wie ovale Plastikblasen mit «Schrumpelfiguren», an Gestängen aufgehängte Kunsthaut aus Harzen oder Kombucha-Hefe, Geruchsproben aus Wäschetrommeln fordern ihre Betrachter. Und so ist es auch weiter nicht erstaunlich, dass zuweilen Parallelen zwischen ihr und Kunstschaffenden wie Eva Hesse mit ihren vergänglichen Latexobjekten ebenso gezogen werden wie zu Joseph Beuys Fettecken oder Dieter Roths Schimmelbildern. Anicka Yi verlangt dem Besucher zuweilen viel ab. An­ ziehung? Abstossung? So ganz sicher ist man sich nie.

Spekulativer Realismus Eine Strömung, der man Anicka Yi immer wieder zuordnet, ist der sogenannte «Spekulative Realismus». Eine junge philosophische Strömung, die 2007 am Londoner Goldsmiths College geprägt wurde und den denke­ rischen Ansatz verfolgt, die Wirklichkeit – und damit die Welt und ihre Materialitäten – als unabhängig existierend von den Menschen mit ihren verschiedenen Perspektiven auf die selbige zu verstehen. Eine Welt, deren Massstab nicht mehr der denkende Mensch ist. Und so senden auch Anicka Yis Kunstwerke keine Botschaft aus. Ihre Kunst kümmert sich nicht um den Betrachter, sondern existiert autonom – und ebenso eigenwillig.

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v. l. n. r. Escape From The Shade 2, Childless Comfort, Scale of Value, Escape From The Shade 4

Mit Auszeichnung Anicka Yis Erfolg ist nicht zu stoppen. Die vor­läufig jüngste Krönung erhielt sie im vergangenen Herbst, als sie den mit 100’000 US-Dollar dotierten «Hugo Boss Prize» im New Yorker Salomon R. Guggenheim Museum entgegennehmen durfte. Und damit einen Preis, der seit 1996 alle zwei Jahre an Künstler verliehen wird, die einen aussergewöhn­ lichen Beitrag zur modernen Kunst liefern. «Wir sind  besonders von der Art und Weise geprägt, wie Yis Skulpturen und Installationen öffentlich und eigenartig und damit neu adressierbar sind, unsere tief subjektiven körperlichen Realitäten. Wir bewundern auch die einzigartige Unbehaglichkeit in ihren Experimenten mit Technik, Wissenschaft und den Pflanzen- und Tierwelten, die alle an die  Grenzen der Wahrnehmungserfahrung in den visuellen Künsten schieben. Die Künstlerin gibt ­ komplexen Ideen-Netzwerken materielle und ol­fak­­ torische Formen, die ihr aussergewöhnliches Material mit politischer und psychologischer Dringlichkeit vermitteln», so die Jury in einer Erklärung. Im Rahmen des Awards wird ebenso ab dem 17.  April 2017 eine Einzelausstellung Yis im prestigeträchtigen Guggenheim Museum zu sehen sein. Und ohne Zweifel ist Anicka Yi eine Künstlerin, von der wir in Zukunft Eindrucksvolles erwarten dürfen.


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«Mich interessiert der Verfall, der durch Bakterien ausgelöst wird.» – Anicka Yi –

Shameplex VII

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KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN: SCHIFF AHOI!

noch eine andere Rolle für Picasso. Sein Grossvater Francisco Picasso segelte von Málaga nach Kuba und gründete dort eine zweite Familie. Die kubanischen Nachfahren fanden den Namen witzig, ohne ihre tatsächliche Verwandtschaft mit dem berühmten Maler zu kennen.

WILHELM J. GRUSDAT

John Chamberlain war ein unruhiger Zeitgenosse und wechselte oft seinen Wohnort. Am wohlsten fühlte er sich auf seinem Hausboot «Ottonello» in Sarasota, Florida, in das er 1980 zog. Durch die ständige Veränderung des Meers und das helle Licht Floridas entdeckte er seine Liebe zu Farben. Seine Metallskulpturen waren von da an bunt. Chamberlain war auch ein begeisterter Segler und besass am Ende seines Lebens mehrere grosse Segelschiffe. Zu seinem ersten Segeltörn wurde er übrigens spontan von James Rosenquist überredet. Chamberlain nahm ursprünglich an einem Empfang in Southampton teil. Obwohl er die Tour im schicken Smoking segelte, sah er wie der geborene Pirat aus. Schiffe spielen für erstaunlich viele moderne Künstler eine Rolle. In seiner letzten Arbeit bemalte Roy Lichtenstein beide Seiten der Rennyacht «Young America» mit einer blonden Meerjungfrau. Das Schiff startete 1995 im America’s Cup. Allerdings veränderte die Crew das Design ein bisschen: Es war für sie undenkbar, dass ihre Gallionsfigur nicht mit offenen Augen ins Meer schaut. Heute zeigt der Skulpturenpark in Mountainville, NY, das abgetakelte Schiff in seiner Originalausführung mit geschlossenen Augen.

Andy Warhol liebte das Blitzlicht. Wen verwundert es, dass er auch in verschiedenen Fernsehserien mitspielte. Darunter ist eine Folge der berühmten 70er-Jahre-Serie «Love Boat», in der Warhol als Passagier ein diebisches Gaunerpärchen entlarvt. Warhol war ansonsten kein Freund von Schiffen. Allerdings beinhaltet seine acht­ teilige Serie «Do It Yourself» auch das Bild eines Segelschiffes – malen nach Zahlen für Segelfreunde. Eines der verlorenen Kunstwerke von Salvador Dalí ist ein bemaltes Rahsegel. Er schenkte es einer Expeditionsreise, die von Ecuador nach Australien führte. Man überredete ihn mit den Worten: Die ganze Welt kennt deine Gemälde – nur die Delphine, Wale und Möwen nicht. Wie konnte er da widerstehen? Das Segel wurde übrigens nicht benutzt, sondern diente der Expedition als Finanzgrundlage. Das war auch gut so, denn die Crew kam völlig mittellos und nach mehreren Stürmen arg zerzaust an und wünschte sich nichts mehr als eine Dusche und ein warmes Mahl.

«Die ganze Welt kennt deine Gemälde – nur die Delphine, Wale und Möwen nicht.»

Als unbekannter Künstler lebte Pablo Picasso in einem Pariser Apartmenthaus mit Namen «Le Bateau Lavoir», was so viel wie «das Waschboot» heisst. Die Fassade des Wohnhauses erinnerte tatsächlich an die auf der Seine schwimmenden Waschschiffe. Hier, inmitten von armen Künstlern, in einem kalten, zugigen Einzimmerapartment entstand das Bild, das ihn mit einem Schlag berühmt machte: die «Demoiselles d’Avignon». Übrigens spielten das Meer und die Seefahrt

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Kunst

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VOLL

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Die Schätze verga n gener Tage, kos tb a r e Werke g r osser Mei s t er, Ausstel lu n gen u nd Au k tionen – ein Blick auf die internationale Kunstszene, d ie auch 2017 m it Spek ta k u lärem aus den Ku nstspar ten au fwar tet. BONHAMS

Gemälde des britischen Malers Montague Dawson (1890–1973). «The Endeavour racing», 1934, Öl auf Cancas. Format 71,1 x 107 cm. Verkauf Bonhams, «The Marine Sale», London. 12. April 2017, £ 70’000 –100’000.

THE BRITISH MUSEUM

Die permanente Sammlung des Museums ist um eine Kostbarkeit reicher. So konnte eine aussergewöhnliche Alabaster-Statue aus dem 14. Jahrhundert erworben werden. Die Jungfrau mit Kind stammt vermutlich aus den Midlands.

FONDATION BEYELER

MUSEO ATLÁNTICO

Erstes und einziges Unterwassermuseum Europas an der Küste von Playa Blanca von Lanzarote offiziell eröffnet. Es be­findet sich in 14 Metern Tiefe und ist nur Tauchern und Schnorchlern zugänglich.

© Jason deCaires Taylor / CACT Lanzarote

Zu ihrem 20. Geburtstag präsentiert die Fondation Beyeler mit Claude Monet einen der bedeutendsten Künstler. Die Aus­ stellung beleuchtet die künstlerische Ent­ wicklung des Malers. 22. Januar bis 28. Mai 2017.

KUNSTHAUS ZÜRICH

Die rund 150 Werke umfassende Ausstellung «Grossstadtrausch / Naturidyll. Kirchner – Die Berliner Jahre» widmet sich seiner bahnbrechenden Schaffensphase von 1911 bis 1917. 10. Februar bis 7. Mai 2017.

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BLIC WINKEL Ob Wohnsiedlungen mit Siebzigerjahre-Charme, geometrische ­Gebäudestrukturen oder Strassenzüge mit einem Hauch Tristesse – die Bilder des Berliner Fotografen Matthias Heiderich offenbaren dem Betrachter Szenerien, die, aus ihrem Kontext gelöst, sich zwischen Surrealismus und Illustration zu bewegen scheinen. ­Anordnung, Ordnung und die konsequente Abwesenheit von Menschen sind die Ingredienzien, die Matthias Heiderichs Werken eine beinahe schon meditative Ruhe verleihen.

P

RESTIGE: Herr Heiderich, was macht die Dis­ ziplin Architekturfotografie für Sie zu einem Faszinosum? MATTHIAS HEIDERICH: die unendliche Vielzahl an faszinierenden Gebäuden, die unendlichen Möglichkeiten, ein und dasselbe Gebäude unterschiedlich zu fotografieren. Ausserdem kann ich besser mit Gebäuden als mit Menschen umgehen. Daher stand es für mich nie zur Debatte, Personenfotograf zu werden. Sie fotografieren neben einzelnen Gebäuden auch ganze Szenerien, Wohngegenden und Strassenzüge. Was braucht ein Ort, damit er Ihre fotografische Auf­ merksamkeit erhält?

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Anka Refghi I

Matthias Heiderich

Wenn ein Ort retro-futuristisch anmutet und aussieht wie aus einer Siebzigerjahre-Science-Fiction-Serie, dann ist ihm meine Aufmerksamkeit gewiss. Besonders fallen mir fremdartige, skurrile Gebäude und befremdliche Szenen auf, die einen kurz stutzig werden lassen. Im Idealfall habe ich dann eine Kamera dabei. Tatsächlich finde ich die meisten Orte per Zufall. Charakteristisch für Ihre Fotografien ist die komplette Abwesenheit von Menschen. Dennoch erzählen Ihre Bil­ der mehr Geschichten als so manch andere Aufnahme mit Menschen. Wie kreieren Sie diese Szenerien? Dadurch, dass ich von einer bestehenden Szene nur einen persönlich gewählten Ausschnitt zeige – und das auf


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eine Weise, die ihn etwas unwirklich erscheinen lässt. Ich blende den Kontext aus und versuche, alles, was die Komposition stört, auszuklammern. Meist denke ich in Bild­ serien, die dann eventuell Geschichten erzählen können. Auf Ihren Bildern herrscht oft eine beinahe schon postapokalyptische Grundstimmung – und das nicht selten bei Sonnenschein. Wie erreichen Sie diese Stimmung?

Vermutlich wird diese Grundstimmung erst bewusst, wenn man viele meiner Fotos hintereinander betrachtet und bemerkt, dass da etwas fehlt. Und das sind eben Menschen und Tiere. Die Orte, die ich fotografiere, sind zwar von Menschenhand erschaffen, aber eher kühl und leer. Meist sind es sogar Wohngebäude, und wenn dann keine Menschen zu sehen sind, erinnert das vielleicht mehr an eine Zombieapokalypse als bei einem menschenleeren Wald. Ich liebe diese apokalyptische Stimmung, wenn man plötzlich alleine mitten in der Stadt ist, auch wenn es nur für ein paar Sekunden ist. Das hat etwas, ja, Postapokalyptisches, besonders, wenn man dazu die passende Musik hört. Und die höre ich in der Regel. Ihre Fotografien bewegen sich oft an der Grenze des Surrealen, aber auch an derjenigen zur Illustration – sehe ich das richtig? Da liegen Sie vermutlich richtig. Viele meiner Bilder sind sehr grafisch und wirken zweidimensional. Ich spiele gerne mit dem Effekt und mag «cleane», geometrische Szenen, die an Grafiken aus den siebziger Jahren erinnern, als Grafiken noch meistens zweidimensional waren. Da kommt wieder die Faszination für Retrofuturismus durch.

© MandySchaff

Was fasziniert Sie an Gebäuden und Wohngegenden, die eine gewisse Tristesse umgibt? So ziemlich alles interessiert mich an solchen Gegenden. Ich stelle mir gerne Fragen wie: Was hat sich der Architekt dabei gedacht? Wie ist es, hier zu leben? Wer lebt hier? Könnte ich hier leben? Umso absurder die Gebäude sind, desto spannender werden diese Fragen. Was braucht ein Bild, damit Sie «zufrieden» sind? Ein Bild, mit dem ich «zufrieden» sein kann, strahlt auf mich eine gewisse Ruhe aus und bietet Raum zum Atmen. Ausserdem brauche ich Ordnung, eine Anordnung von ­ Komponenten, die mein Gehirn nicht überfordert, aber auch nicht unterfordert. Ich schätze, man nennt es Harmonie. Harmonie ist mir sehr wichtig, ich glaube, ich mag harmonische Bilder mehr als «edgy» oder übertrieben künstlerische Bilder. Welche Gegenden, Stadtteile oder Wohnorte würden Sie gerne einmal in der Zukunft fotografieren? Da gibt es noch sehr viel zu entdecken. Ich war bisher nur in relativ wenigen Teilen der Welt unterwegs. Gerne würde ich nochmal für eine längere Zeit durch Kanada und die USA reisen. Aber auch durch Singapur, Taiwan, Japan und Südkorea. Tel Aviv wäre sicherlich auch was für mich. Und da gibt es sicherlich noch sehr viele Gegenden, von denen ich noch nie gehört habe.

Matthias Heiderich

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WUSSTEN SIE SCHON …?

Halsbrecherisch Buster Keaton gehört neben Harold Lloyd und Charles Chaplin zu den Grössten des Stummfilm-Slapsticks. Wegen seines ernsten Gesichtsausdrucks wurde er auch «der Mann, der niemals lacht» genannt. Besonders bekannt ist Keaton aber für seine waghalsigen Stunts, die er jeweils selbst ausführte. In «Three Ages» (1923) etwa missglückte ihm ein Sprung von einem Dach aufs nächste. Nach mehreren Tagen im Krankenhaus kam er zurück ans Set und war von der Aufnahme so begeistert, dass er aus dem Malheur eine Fall-Szene machte und die Route der Verfolgungsjagd anders weiterführte als geplant. Ebenfalls nicht nach Plan verlief der Film im Jahr darauf: In «Sherlock jr.» sollte Keaton am Seil eines Wassertanks herunterklettern. Jedoch wurde der Schauspieler bei seinem Vor­ haben von der Wassermasse, die aus dem Rohr floss, dermassen auf die Gleise unter ihm geschmettert, dass er sich das Genick anriss. Erst Jahre später stellte sein Arzt die Verletzung fest.

Der goldenen Himbeere würdig Ohne Zweifel ist Alan Smithee der weltweit schlechteste Regisseur. Unter seinem Namen wurden unzählige Filme produziert, die meisten davon grottenschlecht. Doch wer ist eigentlich dieser Smithee? Im Jahr 1968 wurde Alan Smithee als Pseudonym für Regisseure entwickelt, die sich aus einem bestimmten Grund von ihrer Arbeit distanzieren und ihren Namen nicht mit dem Werk in Verbindung bringen wollten. Von 1968 bis 2000 wurde es von der gewerkschaftlichen Vereinigung der US-amerikanischen Regisseure, Directors Guild of America (DGA), für solche Situationen empfohlen, seither ist es Thomas Lee, jedoch ist Alan Smithee weiterhin in Gebrauch. Die Verwendung von Pseudonymen ist für Mitglieder der DGA streng reglementiert. Ausserdem muss der Regisseur über die Beantragung Stillschweigen halten und darf, wenn die DGA ihm die Verwendung eines Pseudonyms zugesteht, den fertigen Film nicht öffentlich kritisieren.

Skandalöses Hollywood Wussten Sie, dass Hollywood einst ein Ort voller Skandale war? Das Leben glich einem einzigen Rausch, denn ebenso exzessiv, wie die Stars arbeiteten, waren auch ihre wöchentlichen Partys und Maskenbälle, durch welche die Schauspieler für einen Moment abschalten konnten. Es floss jeweils viel Alkohol, Drogen wurden konsumiert, Skandale waren demnach nicht weit und ein regelrechter Nährboden für journalistische Geschichten. Randolph Hearst, der einflussreichste Verleger seiner Zeit, nutzte diese Chance und feuerte seine Reporter an, ihre Geschichten möglichst ausgefallen zu präsentieren, um die Leser zu begeistern. Studiobosse wiederum investierten riesige Geldmengen, um die Ausrutscher ihrer Stars zu vertuschen. Dies führte zu einem riesigen Durcheinander aus widersprüchlichen Zeitungsartikeln, Polizeiberichten und Biografien, zu Anschuldigungen und Halbwahrheiten, schillernden Mythen und schrecklichen Märchen – zu jedem Skandal gab es mindestens zwei Versionen.

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DER

SCHATZ

VON

CHATSWORTH Seit über vier Jahrhunderten sammelt die englische Familie Cavendish wertvolle Kunst. Die besten Sammlerstücke der weltweit grössten Sammlung präsentiert nun das Auktionshaus Sotheby’s in seiner ersten Kurzfilm-Serie «Treasures from Chatsworth» und ermöglicht damit neue Einblicke in den Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander verschmelzen. Martina Gaugler I

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Sotheby’s


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Seit 1830 unverändert, das Schloss Chatsworth.

Der Hausherr, Peregrine Cavendish, zwölfter Herzog von Devonshire.

D

as Schloss Chatsworth ist ein Ort, an dem Kunst eine besondere, aussergewöhnliche Bedeutung hat, denn bereits seit über 16 Generationen gilt die Passion der dort lebenden Familie Cavendish ganz dem Sammeln von Kunst. In den mehr als 450 Jahren hielten unzählige Werke im Schloss Einzug – einige wurden durch modernere ersetzt, andere zählen noch heute zum umfangreichen Bestand der Cavendish-Kollektion.

mit auf eine Zeitreise, durch die der Herzog und die Herzogin selbst, aber auch ihre Familienmitglieder, Künstler und Experten führen. In jeder Episode porträtieren sie eine andere Trouvaille aus der Sammlung und erzählen deren Geschichte und aussergewöhnliche Vergangenheit. «Treasures from Chatsworth» ermöglicht nicht nur neue Einblicke ins Schloss, sondern auch in die Zusammenarbeit mit zeitgenössischen Künstlern», wie das Oberhaupt der Familie Cavendish, der zwölfte Herzog von Devonshire, Peregrine Cavendish, erzählt. Lange vor seiner Zeit, man schrieb das Jahr 1549, kaufte die Familie Cavendish das Landgut von Chatsworth in Derbyshire und machte es ab jenem Zeitpunkt zum Sitz des Herzogs von Devonshire und seiner Familie Cavendish. Im Lauf der Zeit erfolgten zahlreiche Umbauten, Abrisse, aber auch Zerstörungen durch Krieg, die die Architektur des Schlosses massgeblich veränderten. In der Form, wie Chatsworth sich heute präsentiert, besteht es seit 1830.

Eine Schatztruhe

Eine Zeitreise

Heute gilt die Adelsfamilie als grösste Sammlerin weltweit. In den über 450 Jahren hatte sich so viel angesammelt, dass sich der zwölfte Herzog im Jahre 2010 dazu entschloss, 20’000 Objekte von Sotheby’s zur Auktion freizugeben und damit die umfangreichste Versteigerung, die das Unternehmen je durchgeführt hatte, zu ermöglichen. Unter den Meisterwerken, die es noch heute zu bewundern gibt, findet sich etwa das Trompe-l’œil mit einer drei­ dimensionalen Geige, das Jan van der Vaardt im frühen 18. Jahrhundert schuf, Leonardo da Vincis «Leda mit dem Schwan» aus den Anfängen des 16. Jahrhunderts sowie eine wunderbar exakte Stickarbeit aus derselben Periode, die Chatsworth abbildet. Hinzu kommen auch antike Möbelstücke, Skulp­ turen, Fotografien und weitere Meisterwerke zeitgenössischer Künstler wie Michael Craig-Martin oder Jacob van der Beugel.

Um diese Schätze möglichst vielen Menschen näher­zubringen, ging das legendäre Auktionshaus Sotheby’s nun mit seiner 13-teiligen Kurzfilm-Serie «Treasures from Chatsworth» erstmals unter die Filmproduzenten. Die Serie nimmt die Zuschauer

So unterschiedlich die verschiedenen Geschmäcker der Sammler auch waren, eines haben sie alle gemeinsam: Sie lassen die Geschichte des Schlosses wieder aufleben und zeigen, weshalb das Sammeln an sich eben auch eine Kunst ist.

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TRAVEL

Der Ise-Schrein ist das bedeutendste ShintĹ?-Heiligtum Japans.

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PILGER PFADEN MEERESFRAUEN &

VON

Ich muss ungefähr zwölf gewesen sein, als ich «Godzilla» zum ersten Mal im Fernsehen gesehen habe. Das 1954 von Kult-Regisseur Ishirō Honda in Schwarzweiss produzierte Leinwanddebüt des Monstersauriers mit der durchdringenden Reibeisenstimme gilt bis heute als genreprägendes Meisterwerk des Creature-Horror. Dr. Thomas Hauer I

Die Seele Japans Mittlerweile gibt es mehr als dreissig Kinostreifen, in denen Gojira, wie die Killerechse in Japan genannt wird, die Hauptrolle spielt. Gedreht wurde das Original rund 300 Kilometer südwestlich der Bucht von Tokio auf der Halbinsel Shima, die 1946 zum Nationalpark erklärt wurde und den Ein­heimischen dank mildem See-Klima und un­ berührter Natur schon seit Jahrhunderten als ­«umashikuni» gilt, als «Landstrich aussergewöhnlicher Schönheit». Doch Ise-Shima, wie die Region im Osten der Präfektur Mie traditionell ebenfalls genannt wird, ist den meisten Japanern nicht in erster Linie als Filmkulisse ein Begriff. Vielmehr sehen viele den zerklüfteten Küstenstreifen mit seinen unzähligen Buchten, einsamen Stränden und mehr als 60 vorgelagerten Inseln, die auf dem Festland in dicht mit Ahorn, Zedern und Pinien bewaldetes Hügelland übergehen, vor allem als das spirituelle Zentrum des stolzen Inselreichs an. Liegt

Dr. Thomas Hauer, Aman

hier mit dem Ise-jingū oder «Grossen Schrein» doch das bedeutendste Shintō-Heiligtum des Landes – die Seele Japans. Shintōismus – der «Weg der Götter» – ist eine nur im Reich der aufgehenden Sonne verbreitete Glaubensrichtung, in deren Mittelpunkt als «Kami» bezeichnete Gottheiten stehen. Diese können die Gestalt von Tieren, den eigenen Ahnen, aber auch Naturobjekten wie Bäumen, Felsen oder markanten Berggipfeln (Fuji-san) annehmen, die in landesweit mehr als 80’000 Schreinen verehrt werden. Insofern trägt der Shintōismus, zwischen 1868 und 1945 sogar offizielle Staatsreligion mit dem Gottkaiser an der Spitze, Züge eines polytheistischen Naturritus. Gleichzeitig ist er klar diesseitsbezogen und frei von Dogmen oder feststehenden Glaubenssätzen. Obwohl die Geschichte des Ise-jingū mehr als 1300 Jahre zurückreicht, wurden die Tempelanlagen erst im Jahr 2013 errichtet –

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Jahrhundertealte Pilgerpfade des Kumano Kodō. Traditionelle Opfergabe: Sakefässer

dem Beginn des 62.  Erneuerungszyklus oder Shikinen-­sengū. Traditionsgemäss werden ShintōSchreine nämlich alle 20 Jahre durch einen Neubau ersetzt – das nächste Mal also 2033. Im ­A ller­heiligsten des Grossen Schreins, dem Kōtai-­ jingū, wird von den Priestern die Sonnengottheit Amaterasu-ōmikami verehrt – mythische Urahnin des Tennō und Schutzgottheit der japanischen Nation. Deshalb gilt der Ise-jingū auch als bedeutendstes Pilgerziel des Landes, das jährlich mehr als sechs Millionen Besucher anzieht. Gleich­ zeitig ist die Kultstätte Endpunkt einer Pilgerroute entlang des Kumano Kodō, des «alten Weges», der  mehrere bedeutende Schreine in den Nach­ barpräfekturen Wakayama und Nara mit dem Ise-­ ­ Heiligtum verbindet und dessen mythische, jahrhundertealte Pfade seit 2004 als UNESCO-­ Weltkulturerbe gelistet sind.

Pilgern und shoppen Gleich neben dem Eingang zum inneren Bezirk des Grossen Schreins erstreckt sich parallel zum Fluss Isuzu mit der Oharaimachi-dori eine rund

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800 Meter lange Einkaufsstrasse. Hier machen die Pilgermassen nach ihrer Stippvisite bei der Sonnengöttin oder einem der 124 Nebenschreine des insgesamt 5500 (!) Hektar grossen, teilweise dicht bewaldeten Tempelareals Jagd auf kulina­ rische Souvenirs. Undenkbar, nach einer Pilgerfahrt ohne ein schmackhaftes Mitbringsel zur Familie oder an den Arbeitsplatz zurückzukehren. Noch interessanter als die zahllosen regionalen Spezialitäten, die hier feilgeboten werden, aber ist die traditionelle Architektur der teilweise in die Edo(1603–1868) bzw. Meiji-Periode (1868–1912) zurück datierenden Gebäude entlang dieser beliebten Shoppingmeile. Begierig, tiefer in die geheimnisvolle Welt japa­ nischer Mystik einzutauchen, treffen wir am nächsten Morgen im kleinen Städtchen Tsu, gut eine Autostunde vom Ise-jingū entfernt, Florian Wiltschko (29). Der gebürtige Österreicher ist der einzige Ausländer, der im Mutterland des Shintō ein Priesteramt bekleidet. Bei einer Tasse grünem Tee erklärt er Besuchern geduldig die oft religiösen


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­ eshalb dürfen die verbliebenen Amas, traditionell D in weisse Baumwollgewänder gehüllt, unter denen sie heute allerdings meist moderne Neoprenanzüge tragen, auch nur noch an 50 Tagen im Jahr auf Unterwasserjagd gehen. Mit dem Bewirten von Gästen verdienen sich die Ama-san deshalb ein Zubrot. Dank einer speziellen Atemtechnik erreichen die Taucherinnen Wassertiefen von fünf bis maximal 20 Metern. Dort bleiben ihnen dann aber nur wenige Sekunden zum Einsammeln der Schalentiere. Während Chizuko und Sanayo für unser Mittagessen eine bunte Auswahl lebend­ frisches Meeresgetier kunstvoll auf einem rot ­glühenden Holzkohlengrill drapieren – kein Anblick für Menschen mit zartem Gemüt –, erzählen sie vom Alltag in ihrem Dorf. Mit ein wenig Glück könne man als Ama manchmal in nur ein bis zwei Stunden umgerechnet 1000 Euro verdienen, flüstert Frau Nakamura dabei verschwörerisch. Trotzdem wollen auch ihre beiden Töchter nicht in ihre Fussstapfen treten.

Matsusaka-Beef Aber kulinarische Spezialitäten gibt es in Mie nicht nur unter Wasser – auch das Matsusaka-Beef aus dem hohen Norden der Halbinsel Shima geniesst in Japan, ähnlich wie Rindfleisch aus Kōbe Hintergründe einiger typisch japanischer Vorlieben. Zum Beispiel der für und Yonezawa, Kultstatus. So kostet ein Kilo Filet androgyne Manga-Charaktere mit grossen runden Kulleraugen, die auch vom Matsusaka Black Line Wagyū in den Luxusdas gängige Schönheitsideal Nippons prägen oder schlicht alles, was den kaufhäusern auf der Tokioter Ginza schon mal Japanern als «kawaii», als «niedlich», gilt. «Menschen aus dem Westen finden 80’000 Yen – umgerechnet rund 650 Euro. Dafür das oft eher befremdlich», weiss Wiltschko, «tatsächlich wurzelt diese Faszi- zergeht das Fleisch, dessen Fett einen besonders nation aber in der traditionellen Wertschätzung, die Neugeborene bzw. kleine niedrigen Schmelzpunkt hat, dann aber auch Kinder im Shintōismus geniessen, wo sie als vollkommene Wesen gelten.» auf  der Zunge. Kein Wunder – werden die Tiere doch erst mit über drei Jahren geschlachtet und Meeresfrauen und Meeresfrüchte geniessen bis dahin ein königliches Leben inklusive Doch Ise-Shima ist nicht nur ein Hort der Spiritualität. Die ruhigen Küsten­ regelmässiger Massageeinheiten und dem einen gewässer sind auch für ihre maritimen Delikatessen bekannt. Tatsächlich oder andern Fläschchen Bier, das hilft, den Appetit stehen die lokalen Muscheln und Seeigel, vor allem aber Austern, Abalone, anzukurbeln. Kein Scherz. Eines der berühmtesten Tiger-Fugu und Langusten (Ise-ebi) bei Japans Küchenchefs und Fein- Restaurants in Matsusaka – das «Wadakin» – hat schmeckern in solch hohem Ansehen, dass sie auf dem Tokioter Tsukiji-­ sich deshalb auch ganz dem Tanz ums goldene Fischmarkt regelmässig Höchstpreise erzielen. Mindestens ebenso berühmt Kalb verschrieben. Egal, ob in Form von Shabu-­ wie diese Meeresfrüchte aber sind die Menschen, die sie ernten – die «Meeres­ shabu, für das dünne Rindfleischscheiben elegant frauen» oder kurz Amas. Zu ihnen gehören auch Chizuko Nakamura (64) und in kochend heisser Brühe gewendet, oder als Sanayo Matsui (65), beide bereits seit über 40 Jahren im Geschäft, die wir in Sukiyaki, bei dem Beef und Gemüse in einer süssihrer winzigen Fischerhütte bei Toba besuchen. Heute gibt es allerdings nur lichen Marinade aus Sojasosse, Mirin und Zucker noch knapp 2000 dieser Freitaucherinnen, denn die Arbeit ist hart, zumal es geköchelt werden – das Ergebnis ist beide Male mittlerweile selbst in ländlichen Küstenregionen für junge Frauen deutlich köstlich! Nur an einer Fettphobie sollten Gäste besattraktivere Joboptionen gibt. Ausserdem sind die natürlichen Ressourcen ser nicht leiden. Nach dieser Völlerei ist es nun aber vor Japans Küsten durch Überfischung mittlerweile ernsthaft bedroht. höchste Zeit für ein entspannendes Onsen-Bad! Amas bei der Zubereitung fangfrischer Meeresfrüchte.

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Onsen-Badelandschaft im Amanemu Resort auf der Halbinsel Ise-Shima.

Onsen – baden auf Japanisch Dank seiner Lage entlang des pazifischen Feuergürtels gibt es in Japan mehr als 30’000 heisse, mineralienreiche Quellen und rund 3000 Bäderund Kurorte – besonders viele entlang der Ostküste. So locken auch in Ise-Shima zahlreiche Ryokans, traditionelle japanische Gästehäuser, mit haus­ eigenem Thermalwasser. Die High-End-Variante: das im März 2016 auf einer Anhöhe oberhalb der Ago-Bucht eröffnete «Amanemu» – eines der exklusivsten Onsen-Hotels des Landes. Gäste wohnen in 24 grosszügigen Suiten (99 m²) bzw. vier Villen (375 m²) nach Plänen des Star-Architekten

ONSEN DE LUXE Das «Amanemu», neben dem spektakulären «Aman Tokyo» das zweite Haus der prestigeträchtigen Hotelgruppe in Japan, bietet nicht nur luxuriöse Unterkünfte, sondern auch einen 2000 m² ­grossen Spa mit Gemeinschafts-Onsen und zwei privaten Badepavillons. Im Restaurant des Topresorts zaubert Executive-Chef Masanobu Inaba aus lokalen Zutaten klassische Kaiseki-Menüs und behutsam modernisierte japanische Küche mit individuellem Touch. Auf Wunsch organisiert das Aman-Team Touren zu den Amas, dem Ise-jingū-Schrein oder entlang der Pilgerpfade des Kumano Kodō. Eine Suite kostet, je nach Saison, ab ca. 800 Euro. www.aman.com

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Kerry Hill, die allesamt über ein privates Onsen-­ Becken verfügen und den klassischen Baustil ­japanischer Minka-Bauernhäuser mit dem puristischen Aman-Look verbinden. Doch gebadet wird in Japan nicht nur im Hotel – vielmehr ist der ­Besuch eines der unzähligen öffentlichen Onsen ein beliebtes Entspannungsritual nach einem anstrengenden Arbeitstag. Dabei baden Männer und Frauen heutzutage, anders als früher, aber meist getrennt. Waschen muss man sich ohnehin schon vorher in einem separaten Bereich – und zwar demonstrativ gründlich. Schon aus Rücksicht auf die anderen Gäste. In die wohlig warmen Fluten steigen dann aber alle grundsätzlich nackt, nur ein taschentuchgrosses Tenugui, strategisch geschickt platziert, bedeckt dabei mehr schlecht als recht die eigene Blösse. Im Anschluss an das schweisstreibende Bad sollte man ausgiebig ruhen. Zur Stärkung gibt es traditionell Grüntee oder eine leichte Ramen-Suppe. Viel Spass!


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ÜBERDACHTER

FOOD

PALAST

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Superlativ trifft Geschmacksexplosion. Rotterdams überdimensionale Markthalle eröffnet ihren Besuchern die Welt der kulinarischen Möglichkeiten. Nike Schröder I

ie im Oktober 2015 eröffnete Markthalle in Rotterdam ist einzigartig. Aber nicht nur die Grösse ist beeindruckend, auch das Design zieht in seinen Bann. Rotterdam ist die wichtigste Architektur­ stadt der Niederlande, aussergewöhnliches Design ist hier quasi an der Tagesordnung. Frontal betrachtet hat die Markthalle die Form eines Huf­ eisens, von der Seite wirkt sie dann wie eine Megarolle. Auf jeden Fall fällt ein solches Ge­ bäude selbst in Rotterdam auf, obwohl es hier doch so einige spektakuläre Bauten gibt. Den Eingang an der Decke ziert ein 11’000 Quadratmeter grosses Gemälde, das «Füllhorn» genannt, welches jedes Alltagsformat sprengt.

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Scagliola / Brakkee

Es ist eine Erlebniswelt des Genusses der besonderen Art: An den Wänden und Decken reihen sich villengrosse Erdbeeren aneinander, über­di­men­sio­ nale Krabben und Weizenähren in Bau­krangrösse heissen jeden Gast willkommen in einer Welt, die es so noch nirgends gibt. Die Grösse der Abbildungen an Wand und Decke relativiert sich aber schnell aufgrund der Gesamtgrösse der Markthalle.

Imposante Architektur 120 Meter ist sie lang, 70 Meter breit, der Scheitelpunkt des Gewölbes liegt in 40 Metern Höhe, das entspricht elf Stockwerken. Die Halle ist an den Längsseiten mit Glasfronten verschlossen und voller skurril-bunter Stände. Das heisst, man könnte eigentlich auch einen Jumbojet hier ohne Probleme


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einparken. Die riesige Markthalle ist ein multifunktionaler Bau. Unter der Markthalle findet sich ein ebenso riesiges Parkhaus mit rund 1200 Parkplätzen, in den oberen Stockwerken sind Appartements eingerichtet. Das Besondere: Die Wohnungen haben Fenster nach innen in die Markthalle, sodass das bunte Treiben hier aus den Wohnungen beobachtet werden kann. Sieben Tage die Woche. Ein Erlebnis. Und wer dann hungrig wird, findet in  der Markthalle alles, was die kulinarischen Sinne verführt.

Tradition und Genuss Zu entdecken gibt es unzählige Marktbuden mit traditionellen holländischen Käsespezialitäten, re­ gio­nalen Fischköstlichkeiten, aber auch Feinstem

aus aller Welt. Eine korsische Edelsalami findet man genauso wie alle möglichen exotischen Früchte und tausende von Gewürzen aus den Herkunftsländern. Bunte Stände leuchten und bieten alle kulinarischen Genüsse. Das Geniesserherz schwebt hier in jedem Fall im siebten Himmel. Die Halle ist laut, prallgefüllt mit illustren, neugierigen und begeisterten Gästen. Genussmenschen, die sich auf Tapas und Antipasti, Hors d’œuvres und Mezze aus aller Welt freuen. Und die garantiert erwachte Lust, etwas der Köstlichkeiten zu probieren, stillen die vielen Restaurants in der Halle. Ob italienische Gaumenfreuden im Restaurant von Jamie Oliver oder feinste Matjes-Kreationen – Wünsche bleiben hier keine offen in dem quasi königlichen Food-Palast.

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HORT SC TS U

WILDES LEBEN

Majestätisch wirken sie, die Tiere auf den Bildern des französischen Fotografen Laurent Baheux. Löwen, Elefanten, Leoparden und andere afrikanische Wildtiere sind die Protagonisten seines Bildbands «The Family Album of Wild Africa». In Schwarz-Weiss fotografiert, sind die überwältigenden Schauplätze mit ihren exotischen Tieren von einer ganz besonders eindrücklichen Dramatik. Mit seinen über 300 einzig­a rtigen Fotografien gelingt es ihm, die majestätischen Tiere, mit ihrer Lebenskraft, aber auch ihrer Verletzlichkeit, dem Leser und Betrachter so nahe zu bringen, wie es kaum einem anderen in freier Wildbahn je gelungen ist. Das fotografische Meisterwerk ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und wurde bei den «Fine Art Photo Awards» mit dem «Honorable Mention Preis» ausgezeichnet.

The Family Album of Wild Africa Laurent Baheux TeNeues Verlag

VERSTECKTE ORTE Los Angeles, London, Bangkok, Hongkong, Madrid oder Sydney – wo soll es hingehen? Keine einfache Entscheidung bei den schier unbegrenzten Reise­ möglichkeiten, die sich einem heutzutage eröffnen. Das 16-teilige «The Monocle Travel Guide Bundle»-Set kann die Entscheidung vereinfachen, denn es führt nicht nur durch ausgewählte Metropolen rund um den Globus, sondern zeigt den Lesern besondere Highlights auf eine informative, zwanglose Weise. Die Korres­ pondenten und Redakteure, welche in den verschiedenen Titeln von ihren Trips berichten, reisen von Stadt zu Stadt, erzählen von den besten Plätzen, an denen man seinem Kopf eine Auszeit gönnen kann, aber auch von versteckten Cocktailbars, die sich bestens dazu eignen, um mit Freunden abzuschalten.

The Monocle Travel Guide Bundle Gestalten Verlag

ABENTEUER IM ZUG Schon immer waren Züge die gepflegte Art zu reisen und zweifelsohne eine der besten, um dem schnelllebigen Alltag zu entkommen, verfolgten sie doch seit jeher einen langsamen Rhythmus: Der Weg vom Start bis zum Ziel ist nicht nur ein von A-nach-B-Kommen, sondern ein besonderes Erlebnis. «The Journey» nimmt seine Leser mit auf ebensolche Zugreisen – von kurzweiligen, drei­stündigen Trips bis hin zu transkontinentalen Reisen, die mehrere Tage dauern – und führt rund um die Welt durch atemberaubende Schluchten sowie romantische Szenerien. Eingeladen an Bord bekannter Züge wie dem Orient- oder Glacier Express, der Transsibirischen Eisenbahn oder der Transcantabrico treffen die Leser auf historische, elegante Luxuswagons, spektakuläre Panorama-Eisenbahnen, moderne High-Speed-Züge und Speisewagen. Begleitet werden die abenteuerlichen Reisereportagen von bemerkenswerten Bildern und informativem geografischen Material.

The Journey – The Fine Art of Traveling by Train Gestalten & Michelle Galdino Gestalten Verlag

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A TR UM DES DER

Bucht Voidokilia, auch «Omega-Bucht» genannt.

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Seine Karriere führt ihn vom Matrosen zum Kapitän und mit der Gründung der Costamare Incorporation zu einem der wichtigsten Eigner von Containerschiffen weltweit. Doch in Griechenlands Container-Gott Vassilis Constantakopoulos keimt ein Traum.

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Helena Ugrenovic I

s könnte die Handlung einer faszinierenden Novelle sein, wo Lebensziele gesteckt, Träume verfolgt, diese eine Milliarde Euro kostende Idee umgesetzt und praktisch aus der eigenen Kasse bezahlt wird. Als ein Teenager von Messenien nach Athen aufbricht, ein Imperium erschafft, aber niemals seine Herkunft vergisst und diesem Flecken Erde sowie der dortigen Bevölkerung ­etwas zurückgeben will. Getreu seinem Lebensmotto «Nehmen füllt deine Hand, aber Geben füllt dein Herz».

Costa Navarino

Aufbruch Vassilis Constantakopoulos oder «Captain Vassilis», wie man ihn später allgemein nennt, wird am 29. Juni 1935 im winzigen Dörfchen Diavolitsi, «Teufelsdorf», im Norden von Kalamata auf der griechischen Halbinsel Peloponnes geboren. Es ist eine menschenleere Gegend mit abertausenden knorriger Olivenbäume, unzähligen Zitronenhainen und kilometerlangen Kartoffelfeldern. Es ist ein Ort, wo Grosseltern ihren Enkelkindern bei einem Teller Fasolada-Eintopf die Sagen ihrer Götter erzählen, wo trotz ärmlicher Verhältnisse eine tiefe Verwurzelung und Liebe in einem Kind erzeugt werden und wo viel Raum für Träume existiert. Als 1946 der Bürgerkrieg in Griechenland tobt, verlässt die Familie ihr heissgeliebtes Messenien und siedelt nach Athen über. Zum ersten Mal sieht Vassilis das Meer und ist fasziniert von diesem einen Grundelement des Seins, das eine besondere Magie auf ihn ausübt.

Captain Vassilis Als er endlich 18 Jahre alt ist, heuert Vassilis als Matrose an. Auf dem Schiff, das am 2. Februar 1953 den Hafen von Piräus verlässt, wird er einen sechsmonatigen, unbezahlten Arbeitseinsatz leisten und selber für seine Verpflegung verantwortlich sein. Die Reise über die Ozeane dauert 20 Jahre, in denen er sich ständig weiterentwickelt und zum Kapitän ausgebildet wird. Endlich ist er «Captain Vassilis».

Vassilis Constantakopoulos

1975 gründet er Costamare, die heute 60 Con­ tainerschiffe betreibt und an Unternehmen wie Mærsk Line, Mediterranean Shipping Company, COSCO und Hapag-Lloyd verchartert.

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MESSENIEN Die grünste Region Griechenlands beeindruckt mit ihrer Vielfältigkeit und teilweise Unberührtheit. Einsame Buchten, romantische Wanderwege zwischen jahrhundertealten, knorrigen Oliven­ bäumen und eine ausgezeichnete Küche bieten einen perfekten Raus-aus-dem-Alltag-Urlaub.

The Bay Course, Golfplatz mit Blick auf das Meer.

Lobby «The Romanos»

Die Vision Er ist milliardenschwer und verwaltet ein Imperium, doch da ist dieser Traum, der zu einer Vision gereift ist. Eine Herzensangelegenheit, ein Geschenk an sein Messenien. Die erste Idee, einen Supermarkt zu eröffnen, zerplatzt an seiner weitsichtigen Ehefrau Carmen: «Ein Supermarkt? Wir werden innert kürzester Zeit bankrott sein, weil du alles verschenken wirst!» Er entscheidet sich für ein Hotel, das aber nicht nur als Übernachtungsstätte für Touristen gedacht ist, die er in das noch eher unberührte Messenien locken will. Es soll ein ganzheitliches Konzept werden, auf einer grosszügigen Fläche verteilt, mit einer speziellen Infrastruktur, wo neue Strassen von Athen aus gebaut werden, immer mehr Airlines den Flughafen Kalamata anfliegen, die lokale Bevölkerung sowohl Arbeitsstellen als auch Ausbildungsplätze erhält und um seinen Lieblingssport Golf nicht nur in Griechenland populär zu machen, sondern Griechenland als Golfdestination auf ein international hochstehendes Level emporzuheben. Über einen Zeitraum von 25 Jahren kauft «Captain Vassilis» den Bauern Stück für Stück Land ab, viel Land, um sein Projekt «Costa Navarino» darauf zu verwirklichen.

Die Luxus-Oase Der schwerfälligen Bürokratie und der Finanzkrise im Jahr 2008 zum Trotz eröffnet «Captain Vassilis» im Mai 2010 und zeitlich perfekt passend zu seinem 75. Geburtstag den 130 Hektar umspannenden Navarino Dunes Resort als ersten Teil des «Costa Navarino»-Traums, vier Monate später das Hotel ­«The Romanos» und nach einigen Monaten «The Westin». Innerhalb kurzer

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Zeit wird «The Romanos, a Luxury Collection ­Resort» mit den «Condé Nast Traveller Readers Travel Awards 2011, 2012 und 2013» ausgezeichnet und ist das erste griechische Hotel, das die Bezeichnung «Favourite Overseas Leisure Hotel: ­Europe, Asia Minor and the Russian Federation» erhält. «The Westin», das sogar über ein eigens für Kinder konzipiertes Hotel «Sandcastle» verfügt, wird mit dem Titel «Bestes Familienhotel» in der Mittelmeerregion ausgezeichnet. Mit den auf internationalem Standard hoch­ stehenden und wunderbar idyllischen Golfplätzen «The Dunes Course» sowie «The Bay Course» erfüllt sich «Captain Vassilis» einen zusätzlichen Traum. Im November 2016 wird Costa Navarino von IAGTO-Awards mit dem prestigeträchtigen Titel «Golf Resort of The Year Europe 2017» ausgezeichnet, der von 640 Golfspezialisten aus über 61 Ländern weltweit ernannt wird. Als «Captain Vassilis» am 25. Januar 2011 seine letzte Reise antritt, hinterlässt er Messenien die Reichhaltigkeit, Fülle und Liebe, die er zeit seines Lebens gelebt hatte.


„Auf unseren Reisen haben wir viele schöne Erfahrungen gemacht. Die schönste: die ganze Welt zu Füßen gelegt zu bekommen.“

Begleiten Sie uns auf

Weltreise

05.11.2017 – 06.04.2018 151 Tage ∙ 34 Länder ∙ 82 Häfen hl-cruises.de/weltreise


Suite Impériale

© Vincent Leroux

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EINE

LEGENDE ERSTRAHLT Das «Ritz» in Paris ist weltweit das einzige Hotel, dessen Name ein Begriff mit Eintrag ins Wörterbuch wurde. Dahinter steht eine Legende, der kürzlich neues Leben eingehaucht wurde.

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Nike Schröder I

The Leading Hotels of the World

eute findet man kaum noch eine Herberge, deren unvergleichlicher Ruf mit so viel makellosem Glamour und so funkelnder Geschichte verbunden ist wie das «Ritz» in Paris – benannt nach seinem Gründer César Ritz, der sich das herrschaftliche «maison particulière» aus dem Baujahr 1705 an der mondänen Place Vendôme kaufte. Monsieur Ritz wusste ganz genau, er würde daraus etwas ganz Besonderes machen.

Das kleine Haus Im Sommer 1898 eröffnete er das, passend zur Schweizer Bescheidenheit, «kleine Haus»: Das «Ritz» war geboren. Es war unvergleichlich und verband britischen Komfort und französischen Lebensstil wie kein zweites Hotel. Das «Ritz» in Paris wurde schnell mit Superlativen wie grandios, überragend, verschwenderisch, luxuriös und hochelegant beschrieben, dennoch war es zugleich eine lässige Luxusherberge mit Weltruf. Monsieur Ritz hatte einen Partypalast gegründet, der seinesgleichen suchen musste. In einer Zeit der fröhlichen Sorglosigkeit und des grenzenlosen Lebensgenusses der Belle Époque schliefen hier Könige, Künstler und Kurtisanen, und an der weltberühmten Bar Cambon sassen Barbara Hutton, Charlie Chaplin, C ­ ole Porter, Rudolph Valentino, Eva Perón oder auch Marcel Proust.

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© Vincent Leroux

«Le Ritz, c’est ma maison.» – Coco Chanel –

Suite Coco Chanel


© Roger Schall

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César Ritz wurde am 23. Februar 1850 als 13. und jüngstes Kind einer Schweizer Senner-Familie im Walliser Niederwald geboren. 1867 verliess er die Schweiz und arbeitete in Paris zuerst als Schuhputzer, dann als Träger und später als Zimmerkellner in einem Hotel. Mit den Jahren reiste er durch Europa und arbeitete sich in den renommiertesten Hotels bis zum Direktor oder Berater hoch. So beispielsweise verhalf er, in Zusammenarbeit mit seinem genialen Küchenchef Auguste Escoffier, dem angesehenen, allerdings finanziell angeschlagenen Savoy Hotel in London 1878 bis 1890 in Kürze zu grösstem Erfolg.

Eine Legende erfindet sich neu! Nachdem ein Feuer im Januar 2012 die gerade gebauten Suiten völlig zerstörte, schloss das «Ritz» 2012 für fast dreieinhalb Jahre Renovierungsphase und konnte 2016 nun wiedereröffnet werden. Der Generaldirektor des «Ritz», Christian Boyens, erzählt, wie er vor der Renovierung mit Gästen über deren Wünsche und Verbesserungsvorschläge gesprochen hat und diese in die Umbaumassnahmen einbeziehen konnte. 124 Schiffscontainer mit Antiquitäten wurden zur Restauration an Spezialkunsthandwerker in Frankreich, Spanien und Italien verteilt, mehr als 40’000 Flaschen Wein wurden in verschiedene Châteaux verlagert, mehrere Hundert schwanenförmige Wasserhähne neu in Gold gekrönt. Zum verschachtelten Hotelgebäudekomplex, der zwischen 1705 und 2013 immer wieder erweitert wurde, kommt noch ein ehemaliges Bankgebäude hinzu. Die Zimmer werden geräumiger, dafür sind es nur noch 142 statt wie zuvor 160. Stammgast Coco Chanel liebte das «Ritz» und war oft zu Besuch. Die Hälfte der Zimmer sind im neu eröffneten «Ritz» Suiten. Immerhin die Hälfte der einst 500 Mitarbeiter nimmt ihren Arbeitsplatz wieder ein. So auch Das «Ritz» gelangte zu Weltruf als eines der prächtigsten und modernsten der Chef-Concierge Michael Battino, der 1976 als Hotels weit und breit. Jedes Zimmer verfügte über Heizung, Bad und 17-jähriger Page sein Berufsleben im «Ritz» be­Telefon – ein damals aussergewöhnlicher Standard. Dem Stammgast Oscar gann, und George Gharbi, der seit 30 Jahren am Wilde war es allerdings zu viel Fortschritt auf einmal. Ihm war der Fahrstuhl Empfang alle Vorlieben der «Ritz»-Gäste kennt. zu schnell und die Technik störte ihn: «Wer will schon hartes und hässliches Monsieur Manfred Mausch, ein Deutscher, leitet Licht, das ruiniert nur die Augen. Mir fehlt eine Kerze oder Lampe, um im Bett ein neunköpfiges Team, das sich um Extrawünsche zu lesen. Wer will schon ein unbewegliches Wasserbecken im Zimmer? Ich der Gäste kümmert. Einen Tisch beim besten nicht. Ich bevorzuge es zu klingeln, wenn ich Wasser brauche.» César Ritz Chinesen Yam Tcha, einen Termin beim Star-Friseur führte sein Traumhotel in Paris nur bis 1912, denn er wurde ernsthaft krank David Mallett, über welchen Umweg kommt man und starb sechs Jahre später in einer Schweizer Klinik. Sein Sohn Charles zur Après Show Party von Dior, welchen Wagen und dessen Frau Marie-Louise übernahmen die Leitung des «Ritz». Nach bevorzugt Victoria Beckham zum Flughafen und deren Tod allerdings verlor das familiengeführte, grossartige Hotel sehr schnell welche Suite präferiert Kate Moss für ihre Soirées. an Gästen, Glanz und Geld. Im Jahre 1979 kaufte Al-Fayed das Hotel für Das alles weiss Monsieur Mausch nach 30 Jahren angeblich 30 Millionen US-Dollar und steckte offensichtlich 250 Millionen in eine Hotelerfahrung. «Dieses Wissen ersetzt keine Renovierung. Das neue «Ritz» konnte weltweit auf einen der ersten Hotel-­ Software dieser Welt», weiss Christian Boyens zu Spas verweisen und hatte den damals besten Pool von ganz Paris. schätzen.

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GRAND

DAS ERSTE

HOTEL

Im Jahr 1774 eröffnete der Friseur David Low im Londoner Covent Garden das erste Grand Hotel der Welt. Eine Revolution in Zeiten, in denen man sich üblicherweise das Zimmer noch mit Wanzen teilen musste.

A

ls die Fremde noch unbekannt und jeder Schritt ein Abenteuer ohne Gewähr auf Rückkehr war, musste man sich während seiner R ­ eisen auf eine Reihe unkomfortabler Umstände einrichten. Ganz besonders galt dies für die Übernachtungsmöglichkeiten, die kaum weiter vom heutigen Luxus hätten entfernt sein können. So gab es zwar entlang der europäischen Reiserouten Herbergen, doch bestanden diese in der Regel aus einem mit Stroh ausgelegten Raum, in dem sich meist nur der niedere Stand des Volkes für die Nacht niederliess. Wer besser gestellt war, kam bei seinesgleichen unter – der Mönch im Kloster, der Kaufmann in der Handelsniederlassung

Sarah Meier

und die Handwerker bei ihren Kollegen der Zünfte. Später entstanden sogenannte Gaststuben, die oberhalb von Gastwirtschaften an Reisende vermietet wurden, doch jeglicher Annehmlichkeiten entbehrten.

Die zündende Idee Mit der Eröffnung des ersten Grand Hotels am 25. Januar 1774 im Londoner Covent Garden schlug der englische Friseur David Low ein ganz neues Kapitel auf. Die Idee, ein gepflegtes Übernachtungshaus ohne Wanzen und mit nie dagewesenem Komfort, hatte David Low der Überlieferung nach während seiner Arbeit als Friseur, klagten doch viele Kunden über die beschwerlichen Umstände auf Reisen. Zum ersten Mal in der Geschichte verwendete Low den Begriff «Hotel» für ein Gasthaus. Eine Bezeichnung, die aus dem Französischen stammte und für die palastartigen Stadthäuser des Adels stand, in denen sie ihre Ländereien verwalteten und ihre Gäste unterbrachten. Mit dem Namen «Hotel» suggerierte der findige Friseur den Reisenden, bei ihm so vornehm gastieren zu können wie im Stadtpalais eines Adeligen.

Unbekannter Luxus Die Annehmlichkeiten waren in der Tat beachtlich. So verfügte jedes Zimmer über einen Wärmeofen, während auf den Betten Daunendecken lagen. In den kalten Jahreszeiten wurden die Betten mit heissen Ziegelsteinen vorgewärmt, und in jedem Zimmer stand ein Zuber, der auf Wunsch mit warmem Wasser und Kräuterzusätzen gefüllt wurde. Der Zuspruch war enorm und bewog selbst adlige Reisende dazu, sich bei Low einzumieten, statt in den nur schwer beheizbaren Schlössern der Verwandt- und Bekanntschaften zu nächtigen. Und weil Service bei Low gross geschrieben wurde, vermietete er gar eine Suite mit zwei Zimmern inklusive der Zusicherung für den besten Sitzplatz in der Kirche. Auch wenn David Low mit seinem Geld freigiebig umging, sein Grand Hotel verlor und später in Armut starb, war sein Konzept doch der Grundstein für die heutige Hotellerie. Als Blütezeit der Grands Hotels galt die Zeit der Belle Époque im Übergang vom 19. zum 20. Jahrhundert, als in den europäischen Städten repräsentative Bauten im bürgerlichen Umfeld entstanden, genauso wie die schlossartigen Kurhotels, die von grosser gesellschaftlicher Bedeutung waren.


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Nach der Messe ist vor der Messe, heisst es im Uhrengeschäft. Auf den Genfer Uhrensalon SIHH im Januar folgt Ende März die Baselworld. PRESTIGE präsentiert einen Rückblick und auch bereits eine kleine Vorschau. Gisbert Brunner

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A. Lange & Söhne

WATCHES & JEWELLERY

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eues Jahr, neue Messen, neue Uhren, neues Glück. Auch wenn die Geschäfte mit der luxuriös gemessenen Zeit zum Beispiel wegen chinesischer Kaufzurückhaltung aktuell nicht mehr sprudeln wie gewohnt. Händler auf den Britischen Inseln verzeichnen dennoch boomende Absätze, denn das schwache Pfund lockt Käufer aus aller Welt. Nun hofft die Branche auf den Erfolg ihrer Neuheiten. Im Umfeld des Genfer Uhrensalons SIHH sorgten im Januar 2017 nicht nur zahlreiche Produktpremieren für Gesprächsstoff, sondern auch bemerkenswerte Personalentscheidungen. Jérôme Lambert, bislang Montblanc-Chef, und der ehemalige IWC-CEO Georges Kern bilden fortan die

exekutive Doppelspitze des Richemont-Luxuskonzerns. Montblanc wird künftig Nicolas Baretzki leiten, IWC der markenerfahrene Christoph Grainger-­ Herr. Bei Piaget tritt Philippe-Léopold Metzger in eine Art vorgezogenen Ruhestand, bei Vacheron Constantin tut dies Juan-Carlos «Charlie» Torres. Auf dem Chefsessel folgen ihnen Chabi Nouri beziehungsweise Louis Ferla. Ad interim übernimmt Georges Kern von Daniel Riedo die Leitungsfunktion bei Jaeger-LeCoultre. Als künftiger CEO ist Jean-Marc Pontrué von Roger Dubuis im Gespräch. Allerdings braucht es auch dort erst einen qua­li­ fizierten Nachfolger. Im Hause Zenith nahm Aldo Magada seinen Hut. Dort lenkt nun Jean-Claude Biver bis auf Weiteres die Geschicke. Seine Suche nach einem qualifizierten Firmenchef läuft aber bereits auf vollen Touren.

Kalender-Komfort Einmal pro Jahr und nicht öfter müssen die Besitzer des «1815 Jahreskalender» von A. Lange & Söhne Hand anlegen. Und zwar jeweils Ende Februar. Dann sind die Indikationen von Datum, Wochentag und Monat für weitere 365 Tage programmiert. Deutlich präziser durchwandert der Mond den Zifferblattausschnitt. In 122,6 Jahren geht er einen Tag falsch. Der sichtbare Drücker im Gehäuserand bei «2» schaltet alle Anzeigen gleichzeitig weiter. Versenkte Korrektoren gestatten separate Einstellungen. Auf seiner Vorderseite trägt das Hand­ aufzugskaliber L051.3 mit 72 Stunden Gangauto­ nomie ein 1,4 Millimeter flaches Kalendermodul. Die aus 345 Teilen zusammengefügte Manufaktur-­ Mechanik umfängt ein 40 mm grosses Weiss- oder Rotgoldgehäuse.

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WATCHES & JEWELLERY

Gemacht für eine kleine Ewigkeit Bequemlichkeit, Präzision und Handwerkskunst auf höchstem Niveau verspricht die neue «Patrimony Ewiger Kalender» von Vacheron Constantin. Ihr schlichtes Rotgoldgehäuse mit 41 mm Durchmesser und 8,9 mm Gesamt­ höhe widersetzt sich dem nassen Element bis zu drei bar Druck. Bei regelmässigem Tragen bedürfen die Anzeigen von Datum, Wochentag und Monat bis Ende Februar 2100 keiner manuellen Korrektur. Das unter dem Zifferblatt versteckte, trotzdem aber sorgfältigst finissierte Schaltwerk erfüllt die Vorgaben­des julianischen Kalenders, kennt also die unterschiedlichen Monats­ längen in Normal- und Schaltjahren. Zur besseren Orientierung dreht sich der ­Monatszeiger nur einmal in vier Jahren. Damit das Kalenderwerk auch nach längerem Verweilen im Safe nicht aus dem Takt gerät, liefert die Nobelmanufaktur ein elektrisches Umlaufgerät zum Spannen der Zugfeder des 4,05 mm flachen Automatikkalibers 1120 QP mit. Dem gregorianischen Kalender, der 2100 einen Verzicht auf den 29. Februar gebietet, ist die M ­ echanik allerdings nicht gewachsen. Sie muss also von Hand direkt auf den 1. März weitergeschaltet werden. Drei Jahre lang geht die Mondphasen­indikation genau. Die Uhrmacher fügen den Mikrokosmos mit 40 Stunden Gangautonomie aus insgesamt 276 Komponenten zusammen. Alle Zeiger drehen vor einem schieferfarbenen Opalzifferblatt. Ausweis für Perfektion und hohe Ganggenauigkeit ist das Genfer Siegel. Ihm zufolge darf das Œuvre wöchentlich nicht mehr als eine Minute von der Zeit-Norm abweichen.

ist weit in die Zukunft gerichtet. Korrekturen um einen Tag werden in jeweils 122,6 Jahren fällig. Mit diesem Umstand sollten Männer dieser Tage problemlos leben können.

Wachsende und schrumpfende Zeiger Rechteckige und ovale Armbanduhren eint ein unübersehbares Problem: Ihre Zeiger können keinesfalls länger sein als der kürzeste Abstand vom Zentrum des Zifferblatts bis zum Rand. Ergo sind die «Hände der Zeit» in den meisten Posi­ tionen rund ums Zifferblatt zu kurz. Nicht so beim aussergewöhnlichen «Ovale Pantographe», den Parmigiani Fleurier während des SIHH in einer weiterentwickelten Roségold-Version zeigte. Die Idee kontinuierlich wachsender und schrumpfender Zeiger geht zurück auf das späte 18. Jahrhundert.

Brücken in die Zukunft Scharfe Augen erkennen, dass diese neue Armbanduhr von Girard-Perregaux kein Tourbillon besitzt. Vorne vollzieht die mit 10,15 Millimeter Durchmesser grosszügig dimensionierte Unruh jede Stunde 21’600 Halbschwingungen. Eine Brücke zwischen dem 19. und 21  Jahrhundert bildet das retro-futu­ristische Design der «Neo-Bridges». Man schrieb 1865, als das neue Drei-­BrückenTourbillon der Manufaktur von sich reden machte. Dessen Architektur haben Techniker und Uhrmacher gekonnt weiterentwickelt. Aussen dominiert Titan. Aus dem gleichermassen leichten und festen Werkstoff besteht das 45 Millimeter grosse und 12,17 Millimeter hohe Gehäuse mit abwechselnd polierten und satinierten Oberflächen. Die von ihm und kratzfesten Saphirgläsern geschützte Manufaktur-Mechanik nennt sich GP08400. Zifferblattseitig zeigt die Kreation nicht weniger als vier durch PVD-Beschichtung dunkel eingefärbte Lagerbrücken. Unter einer schwingt besagte Unruh mit variabler Trägheit. Eine weitere hält einen Mikrorotor in Position. Seine Drehbewe­ gungen ­wandelt das Automatikgetriebe in ein Energiepotenzial um. Letzteres speichert das rechts unter einer weiteren Brücke angeordnete Federhaus. Dem Zeigerwerk zur Indikation von Stunden und Minuten dient die langgestreckte mittlere Brücke als Lager. Für ein Exemplar der zeitbewahrenden und -anzeigenden Mechanik benötigt das 1791 gegründete und mittlerweile im Kering-­ Luxuskonzern angesiedelte Traditionsunternehmen insgesamt 208 veredelte Komponenten.

Mit der kissenförmigen «Drive», Dimensionen 40 x 41 Millimeter, wendet sich Cartier seit 2016 primär an Männer. Zu den brandneuen Mitgliedern der ­Kollektion gehört ein stählernes oder rotgoldenes Mondphasen-Modell mit dem hauseigenen Automatikkaliber 1904-LU MC, dessen Gangautonomie 48 Stunden beträgt. Unter dem Zifferblatt findet sich die Mechanik zur Indikation der verschiedenen Lichtphasen des bleichen Planeten. Ihre Genauigkeit

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Vacheron Constantin

Mond für Männer


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In Merry Old England konstruierten die Uhr­ macher Verdon und Stedman eine neuartige ovale Taschenuhr mit Teleskopzeigern. Durch ihre ausgeklügelte Konstruktion passten sie sich jederzeit der nicht runden Gehäuseform an. Die Steuerung ist keine Hexerei. Ovale Steuernocken bewirken das Strecken oder Zusammenziehen analog zum bekannten Storchenschnabel. Weitaus diffiziler gestaltet sich die ultrapräzise Herstellung der Titan-­ Zeiger. Hierfür bedient sich Parmigiani modernster Lasertechnik. Als Zeit-Motor dient das tonneau­ förmige Handaufzugskaliber PF 111, zusammengefügt aus 267 Komponenten. Vom guillochierten Zifferblatt lässt sich auch das Datum ablesen. Schliesslich tut eine weitere Indikation bei «12» kund, wie es gerade um die 192-stündige Gangautonomie bestellt ist.

Girard-Perregaux

Cartier

Parmigiani Fleurier

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Panerai

Zeit-Bolide mit Formel-1-Touch Manches kann man sich problemlos kaufen, anderes nicht. Darauf zielt die Kooperation zwischen Roger Dubuis und Pirelli ab. Wer eines von acht Exemplaren der «Excalibur Spider Pirelli – Fliegendes Doppeltourbillon» erwirbt, bekommt nicht nur einen hochkarätigen mechanischen Zeitmesser, sondern auch automobilen Mehrwert. Den steuert der italienische Reifenfabrikant bei. Für das Armband liefert er Reifengummi des Siegerfahrzeugs beim letzt­ jährigen Grand Prix von Monaco. Spannungsgeladen sind die Einladung zu einem Rennwochenende nach Wahl (Samstag und Sonntag) und die Möglichkeit, hinter die Kulissen des schillernden Formel-1-Zirkus zu blicken. Pirelli stattet bekanntlich alle Teams mit Reifen aus. Das markante Uhr-Gehäuse aus DLC-beschichtetem Titan schützt ein Handaufzugswerk vom Kaliber RD105SQ. Im Blickfeld des Betrachters rotieren gleich zwei kleine Wirbelwinde. Die Punzierung mit dem Genfer Siegel ist unter anderem Garant dafür, dass der Zeit-Bolide in einer Woche nicht mehr als eine Minute falsch geht.

Kratzer ade Tiefschwarz präsentiert sich die neueste Version der «Royal Oak» von ­Audemars Piguet. Das äussere Erscheinungsbild des 45 Jahre alten Klassikers prägt leichte, antiallergische Keramik. Durch den harten Hightech-Werkstoff gehören Kratzer bei den vorerst nur 100 Exemplaren mit ewigem Kalender,

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WATCHES & JEWELLERY Ulysse Nardin

astronomischer Mondphasenindikation und Wochenanzeige der Vergangenheit an. Allerdings sollte die mit der flachen Manufaktur-Automatik 5134 ausgestattete Armbanduhr tunlichst nicht auf einen harten Boden fallen. Das Material ist spröde und kann deshalb brechen. Die limitierte Jahresproduktion resultiert aus dem hohen Fertigungsaufwand für das Outfit einschliesslich Gliederband. Allein die Herstellung eines Armbands dauert fünf Mal so lange wie die Produktion stählerner Pendants.

Zifferblatt aus dem Feuer

Garantiepaket Die äusseren Werte der neuen Panerai «LAB-ID Luminor 1950 Carbotech 3 Days» sind einmal im mehr als 60 Jahre alten Design zu sehen. Zum ­anderen in der «Carbotech»-Schale. Hierfür werden Matten aus leistungsfähiger, mit Polyether-­ Ether-Ketone(PEEK)-Polymer verstärkter Karbonfaser um jeweils 15 Grad verdreht aufeinandergelegt sowie durch Hitze und Druck untrennbar miteinander verbunden. Anschliessend fräsen und be­ arbeiten Spezialwerkzeuge das Gebilde. Darüber hinaus besitzt der 49 Millimeter grosse Bolide ein innovatives Innenleben. Kohlenstoffnanoröhrchen dienen zum matten Beschichten des Zifferblatts im Panerai-typischen Sandwich-Aufbau. Zum Dritten entfaltet Karbon seine Vorteile beim Handaufzugs­ kaliber P.3001/C. Die beiden Federhäuser sowie vier funktionale Steine in der Stosssicherung besitzen eine ultraharte DLC-Beschichtung (Diamond Like Carbon). Platine und Brücken fertigt Panerai aus reibungsarmem Verbundwerkstoff mit integrierter Keramik auf Tantalbasis. Ankerrad und ­Anker bestehen aus Silizium. All das macht Schmier­ mittel entbehrlich. Überzeugt von der Leistungs­ fähigkeit gewährt Panerai den Käufern der nur 50 Exemplare einen besonderen Service: Sollten sich innerhalb 50 Jahren ab Kaufdatum manufakturbedingte Mängel zeigen, gibt es eine neue Uhr.

Roger Dubuis

«Classico Manufacture», der Name einer neuen Stahl-Armbanduhr bringt zum Ausdruck, dass Ulysse Nardin im 40-Millimeter-Gehäuse ein Uhrwerk eigener Provenienz verbaut. Detailliert zeigt sich das 11½-linige UN-320 mit Silizium-Schwingund Hemmungssystem hinter einem Sichtboden. Nach Vollaufzug durch den Rotor läuft das Werk 48 Stunden am Stück. Seine Zeiger rotieren vor einem transluziden blauen Zifferblatt der Tochter

Donzé. Seine Emailschicht ruht auf einer metal­ lenen Trägerplatte mit geprägter Oberfläche.

Audemars Piguet

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WATCHES & JEWELLERY

Ode ans zarte Geschlecht

Montblanc im Bronze-Zeitalter

An der jahrzehntelangen und ausgesprochen wechselhaften Geschichte des Hauses IWC und seiner «Da Vinci» lässt sich unschwer ablesen, dass steter Wandel zum Wesen der Zeit gehört. Ferner bestätigt sie die Erkenntnis, dass eine Uhr jede Form besitzen darf, solange sie nur rund ist. Nach ­sieben weniger erfolgreichen Jahren einer tonneauför­ migen «Da Vinci» heisst es nun zurück zu jenem Rund, welches der Uhrenlinie ab 1985 beachtliche Verkaufszahlen bescherte. Mit dem Comeback verknüpft sich ein Fokus auf die holde Weiblichkeit. Einen Sichtboden wird Frau bei der 36 mm grossen «Da Vinci Automatic Moon Phase» vergeblich suchen. Stattdessen ziert die massiv ausgeführte Rückseite eine Gravur von Leonardos «Blume des Lebens». Im Inneren der Stahl- oder Goldmodelle tickt ein Automatikwerk von Sellita. Eine aufwertende Option besteht in der Diamantlünette. Pro Jahr weicht die klassisch konstruierte Mondphasenindikation acht Stunden von den realen astronomischen Gegebenheiten ab.

1858 kommt als Name einer Montblanc-Uhren­ linie nicht von ungefähr. In diesem Jahr ging die 2006 einverleibte Uhrenmanufaktur Minerva an den Start. Ganz im Materialtrend unserer Tage liegt das Gehäuse eines neuen Luxus-Chronographen. Sein Name «1858 Chronograph Tachymeter Limited Edition 100» weist unmissver­ ständlich auf die limitierte Produktion hin. Beim 44-Millimeter-Gehäuse übt sich Montblanc erstmals in Bronze. Körperwärme, Luftfeuchtigkeit und andere klimatische Einflüsse lassen die Schalen über kurz oder lang ins Stadium von Unikaten mutieren. Von allerfeinster handwerklicher Qualität präsentiert sich das aus 252 Teilen assemblierte Manufaktur-Handaufzugskaliber MB M16.29 mit Platine und Brücken aus rotvergoldetem Neusilber. Seine wahrhaft majestätische Schraubenunruh vollzieht stündlich 18’000 Halbschwingungen. Ausnahmslos alle Stahlteile er­ fahren manuelle Anglierung und Politur. Nob­ lesse oblige.

Montblanc

IWC

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VORSCHAU BASELWORLD

AUF DIE

G

TAG Heuer

egenwart trifft Vergangenheit

Armbanduhren, die sich mit Smartphone und Internet verbinden, sind in vieler Munde. Bei TAG Heuer entwickelte sich die erste, im November 2015 vorgestellte ­Luxus-Smartwatch «Connected» zu einem vollen Erfolg. Die Entwicklung dieses Mikro-Computers, dessen Titangehäuse an die legendäre Carrera erinnert, ist einer Kooperation mit Intel und Google

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zu verdanken. Daran ändert sich auch bei der neuesten Generation nichts. Im Gegensatz zum Vorgänger geht die Produktion der Elektronik mit integrierter GPS- und NFC-Funktion für unkompliziertes Android Pay künftig auf Schweizer Boden über die Bühne. Optisch besticht zunächst ein hoch auflösendes AMOLED-Display für anfangs 30 verschiedene Zifferblätter. Auch im Ruhemodus zeigt sich die aktuelle Zeit. Ungekannte Vielfalt ge-


Breitling

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Hublot

(Eta 2824-2), der andere chronometerzertifizierte Manufaktur. Für relativ wenig Geld bietet das Heuer 02-T Rotor-Selbstaufzug, Schaltrad-Chronograph und «fliegendes» Tourbillon, kurzum uhrmacherischen Luxus pur.

Transparenz gross geschrieben

stattet ein modulares Gehäusekonzept. TAG Heuer offeriert zehn verschiedene Standard-Varianten. Langeweile beugen vier unterschiedliche Bandanstösse, acht Kautschuk- und drei Lederbänder sowie zwei Schliessen vor. Alles lässt sich im Handumdrehen am «Connected»-Container befestigen. Ausserdem passt es perfekt an zwei weitere Behälter mit traditionellem mechanischen Innen­ leben. Einer umfängt das Automatik-«Calibre 5»

Mehr Ein- und Durchblick geht fast nicht. Für das 45 Millimeter messende Gehäuse einer neuen Variante der «Big Bang» verwendet Hublot massiven Saphir. Die extreme Härte des Steins stellt hohe Anforderungen an die Gehäusefabrikation. Ohne Präzisionslaser lassen sich die anfänglich völlig matten Teile nicht herstellen. Für Glanz sorgen diamantbesetzte Schleifscheiben, Diamantpulver und dazu auch chemische Substanzen. Die verschiedenen Schichten der spektakulären Schale halten sechs glanzpolierte Schrauben aus Titan zusammen. Den gleichen Werkstoff verwendet Hublot auch für die Krone sowie die beiden Drücker zum Ansteuern des Chronographen. Apropos: Fürs Anzeigen und Stoppen der kostbaren Zeit nutzt Hublot das in Eigenregie entwickelte Automatikkaliber HUB 1242 Unico mit 72 Stunden Gangautonomie. Durch das skelettierte Zifferblatt des auf 500 Exemplare limitierten Newcomers zeigen sich das Schaltrad und die exklusive Doppelkupplung des Schaltwerks. Die Umläufe des gestarteten Chronographenzeigers zählt der 60-Minuten-Totalisator bei «3». Gegenüber rotiert die ­Permanentsekunde. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich auch der skelettierte Datumsring. Wasser kann dem tickenden Innenleben bis zu fünf bar Druck nichts anhaben.

Zeiger im Schlepp Die Steigerungsform des klassischen Chronographen heisst Rattrapante. Der Schlepp- oder Einholzeiger gestattet das Stoppen zweier simultan ablaufender Vorgänge mit gleichem Start-Zeitpunkt. Ausserdem lassen sich bei sportlichen Veranstaltungen problemlos Zwischenzeiten nehmen. Breitling präsentierte 1944 seinen ersten «Duograph» mit dieser technisch komplexen Zusatzfunktion. Das zugekaufte Handaufzugswerk stammte damals vom

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Spezialisten Venus. Zur Baselworld 2017 geht der erste Schleppzeiger-Chronograph eigener Provenienz an den Start. Als Basis diente den Technikern das 2009 anlässlich des 125. Geburtstags vorgestellte Manufakturkaliber B01. Zwei Patente schützen den addierten Mechanismus des neuen B03 mit rund 70 Stunden Gangautonomie. Eines davon betrifft den Auskupplungs-, das andere den Stoppmechanismus der Zusatzfunktion. Für eines der innovativen Schleppzeiger-Module sind nur 28 Bauteile erforderlich. Im Servicefall lässt es sich als Ganzes demontieren. Selbstverständlich muss jedes der Uhrwerke die amtliche Schweizer Chronometerprüfung erfolgreich absolvieren, bevor es seinen Platz im 45 Millimeter grossen Stahl- oder Rotgold-Gehäuse findet. Das auf 250 Exemplare limitierte Ensemble trägt den Namen einer bedeutenden Breitling-­ Ikone: «Navitimer».

BVL 268, Durchmesser 32,6 mm, ist das flachste jemals mit dieser Komplikation entwickelte und gefertigte. Nur 1,95 Millimeter misst der tickende Mikrokosmos mit fliegend gelagertem Drehgang in der Höhe. Das hat es bei einem konventionell ausgeführten Uhrwerk noch nie gegeben. Montiert wird es aus 253 Komponenten. Der Superlativ verlangte das Beschreiten unkonventioneller Wege zum Beispiel durch die Verwendung von Miniatur-­ Kugellagern. Drei davon halten den Energiespeicher mit doppelt breiter Zugfeder, welche 62 Stunden Gangautonomie gewährleistet. Natürlich setzt sich die ultraflache Ausführung auch beim 40 Millimeter grossen Platingehäuse fort. Nur 5,00 Millimeter Gesamthöhe sind extrem bemerkenswert.

El Primero mit Einblick

Bulgari

Beinahe Synonyme sind die Uhrenmanufaktur Zenith und ihre Ikone «El Primero». 2019 wird der weltweit erste Chronograph mit Rotor-Selbstaufzug, Schaltradsteuerung, klassischer Räderkup­ plung Superlativ mit Drehgang und fünf Hertz Unruhfrequenz seinen 50. GeburtsSeit drei Jahren stellt Bulgari seine Mechanik-­ tag feiern. Auf diesem betagten, aber keineswegs Kompetenz durch besonders flache Uhrwerke alten Uhrwerk basiert der stählerne «Chronomaster unter Beweis. Als ausdruckstarker Beleg kann El Primero Grande Date Full Open». Mechanik-­ das neue «Octo Finissimo Tourbillon Skeleton» Voyeure können im Fenster bei «11» die schnellen gelten. Sein skelettiertes Handaufzugswerk, Kaliber Oszillationen der Unruh verfolgen und rechts daneben die Funktionsweise des Grossdatums. Im «Süden» findet sich eine klassische Mondphasenanzeige. Zeitintervalle zwischen einer Zehntel­ sekunde und dreissig Minuten stoppt der Chronograph. Zum Zweck besserer Ablesbarkeit ist die Indexierung für den Zählzeiger blau unterlegt. Für die Baselworld 2017 hat Interims-CEO Jean-Claude Biver spektakuläre uhrmacherische Hochtechnologie in der Pipeline. Es bleibt also spannend.

Zenith

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Stil

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AM HANDGELENK I kon ische Zeitmesser fü r den Gentlema n von heute. Spor tl ich, elega nt oder m it ei nem Hauch von Retro – auch 2017 bietet die Branche wieder alles, um das Herz von U h ren l iebhabern höhersch lagen z u lassen. Qua l der Wa h l i n k lusive.

4

1

2

1 I ANONIMO

Die «Militare VINTAGE» zeigt sich mit der polierten Lünette schlicht und überzeugt durch ein formschönes Design des Zifferblattes. Anlässlich des 20-Jahre-Jubiläums präsentiert Anonimo seine Zeitmesser in einem neuen, modernen Look. 2 I ZENITH

Rückkehr eines grossen Klassikers: die «Heritage 146». Inspiriert von einem Erfolgsmodell der 1960er Jahre, ausgestattet mit moderner El-Primo-Technik.

5

3 I TAG HEUER

Black is beautiful. Ganz schwarz und ganz matt: der Chronograph «Carrera Heuer 01 Full Black Matt Ceramic» mit Lünette, Zifferblatt und Armband aus Keramik. Durchmesser 45 mm. 4 I MONTBLANC

Montblanc «Heritage Chronométrie ExoTourbillon Rattrapante Limited Edition 8»: Sie vereint das patentierte ExoTourbillon der Maison mit einem Monopusher-Chronographen mit Schleppzeiger-Funktion.

3

5 I BLANCPAIN

Die neue Dreizeigeruhr «Fifty Fathoms Bathyscaphe» mit 38 mm Durchmesser wird in einem Dunkelblau angeboten, das an die Tiefen der Ozeane erinnert, für die sich Blancpain seit Jahren engagiert. 6 I HUBLOT

«Big Bang Unico GMT»: Hublot nutzt seine Erfindungsgabe und vereinfacht die Verwendung einer komplexen Komplikation, der GMT.
Wechseln der Zeitzone mit nur einem Knopfdruck. Durchmesser 45 mm.

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«Once, I walked into my father’s studio and saw him looking at a painting with a mirror. He said that the mirror underlines all of the mistakes in a drawing. I use this one for my larger works on painted screens.» – Harumi Klossowska de Rola –

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FUNKELNDE

WILDNIS

A

Harumi Klossowska de Rola ist eine ebenso begnadete Künstlerin wie Schmuckdesignerin – und die Tochter des berühmten Malers Balthus. Ihr Talent wurde ihr zwar in die Wiege gelegt, ihren künstlerischen Weg aber ging sie von Anfang an allein. Sarah Meier I

Harumi Klossowska de Rola

n den Moment, in dem sie ihr Herz für immer an die Schönheit der Edelsteine verlor, kann sich Harumi Klossowska de Rola noch ganz genau erinnern. Doch dazu später. Die schöne Halbjapanerin wurde 1973 als Tochter berühmter Eltern geboren. Ihr Vater, kein Geringerer als der Maler Graf ­Balthazar Klossowski de Rola (1908–2001), der unter dem Namen Balthus berühmt wurde, ihre Mutter Setsuka, ebenfalls eine begnadete Künstlerin und japanische Aristokratin, die in Tokio in den Schoss einer Samurai-Familie geboren wurde.

In Genf geboren, verbrachte Harumi ihre ersten Jahre in der Villa Medici in Rom, wo ihr Vater als Direktor der Académie de France à Rome fungierte. Bereits als Kind sammelte Harumi stundenlang im Garten der römischen Villa Mosaik­ fragmente, Sandsteine und Glasstückchen und erschuf daraus kleine «Kunstwerke», die ihr Vater sorgsam aufhob. 1977, wieder zurück in der Schweiz, kaufte Balthus das «Grand Chalet» in Rossinière in der Waadt, das fortan zum künstlerischen Lebensmittelpunkt der Familie werden sollte und in dem Harumi noch heute mit ihrem Mann, dem Fotografen Benoît Peverelli, ihren ­beiden Kindern und ihrer Mutter Setsuko lebt. Das grösste Holzchalet Europas wurde schnell zum Dreh- und Angelpunkt für Berühmtheiten und ­internationale Künstler aller Sparten, die Harumis Kindheit ebenso prägten wie die Schönheit der abgeschiedenen Natur in Rossinière und das elterliche Schaffen. «Als ich aufwuchs», so Harumi, «sprachen meine Eltern stets über Farben

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oder schöne Bilder. Wenn ich heute Schmuck entwerfe, kann ich die Konversationen meiner Eltern immer noch hören.» So wurde ihre Ästhetik auch stark durch die japanische Kultur ihrer Mutter Setsuko beeinflusst, die sie das Wabi-Sabi lehrte, ein japanisches ästhetisches Konzept der Wahrnehmung, in der gerade das Unperfekte die Schönheit eines Objektes ausmacht. Eine Philosophie, die sich auch heute noch in ihrem künstlerischen Schaffen wiederfindet.

Der magische Moment Ihre Leidenschaft für Edelsteine entdeckte Harumi mit sieben Jahren, als sie mit ihren Eltern in der Galerie Claude Bernards in Paris zu Besuch war und er eine Türe zu einem Zimmer öffnete, das ausschliesslich Mineralien und Edelsteinen gewidmet war. «Diesen Augenblick, die Magie der Steine», so die schöne Halbjapanerin, «werde ich nie wieder vergessen. Ich konnte nicht mehr aufhören, sie anzustarren.» Als Harumi 25 Jahre alt

war, kreierte sie ihre erste Schmuckkollektion, von der sie bereits nach ihrer Präsentation im Hotel ­Le Richemond in Genf ein jedes einzelne Schmuckstück verkauft hatte. 1996 und 1997 folgten weitere, ebenso erfolgreiche Kollektionen, weltweite Ausstellungen zollten ihrem künstlerischen Schaffen Tribut, und so blieb ihr aussergewöhnliches Talent auch den grossen Namen der Branche nicht lange verborgen. Es folgten Kooperationen mit den Meistern der Haute Joaillerie wie Boucheron oder Chopard, aber auch mit Montblanc oder Swarowski. Ob mit Holz, Edelmetallen oder mit kostbaren Steinen – jedes ihrer Schmuckstücke ist handgefertigt und ein Unikat. Harumi Klossowska erfindet sich immer wieder neu. Ob Schmuck­ stücke, Bilder, Zeichnungen oder Skulpturen – es sind atemberaubende ­ Kreationen, die von der westlichen Kultur ebenso geprägt sind wie von der östlichen und in denen sich ihre starke Bindung zur Natur wiederfinden lässt.

Wilde Tiere Ihre beinahe schon skulptural anmutenden Schmuckkreationen sind einzigartig, wild und zart – und eine meisterliche Hommage an die ­Tierwelt. Fasziniert von der Stärke und geschmeidigen Eleganz wilder Tiere und inspiriert durch das kontrastreiche Zusammenspiel verschiedenster ­Materialien, hat Harumi Magisches erschaffen. Schwarze Panther-, Löwen-, Geparden- und Büffelköpfe – massiv und filigran zugleich – aus Ebenholz, Büffelhorn, funkelnden Edelsteinen, Mam­mut­ zahn und Gelb- oder Weissgold. Ob als Ring am Finger oder als moderner Anhänger an einer Kette getragen, ist jedes Stück ein atemberaubendes Kunstwerk für sich allein.

«Someone charted my astrology and I don’t have a single earth element. I have water, fire, air. That’s quite rare.» – Harumi Klossowska de Rola –

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Leben LANG

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FÜR EIN

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Seit jeher ziehen Edelstei ne d ie Menschen m it i h rer mag ischen Schön heit i n i h ren Ba n n. Gl itzernde u nd fu n kel nde Kostbarkeiten, d ie, i n fi l ig ra ner Ha ndarbeit z u kostbaren Sch muckstücken verarbeitet, ei n Leben la n g F reude bereiten.

AL CORO

Peridot, Diamanten im Brillantschliff und 18 Karat Gold. Erhältlich in Weissgold, Roségold und Gelbgold, die farbigen Steinhänger können separat bestellt werden. BULGARI

Serpenti Secret Watches. Quarzwerk, gewölbtes 36-mm-Gehäuse aus 18 Karat Roségold mit Diamanten im Brillantschliff, einem Turmalin und Smaragdaugen. Armband aus 18 Karat Roségold mit Diamanten im Brillantschliff.

DIOR

Der Opal steht im Mittelpunkt der neuen HauteJoaillerie-Kollektion von Dior. Die kostbaren Uhren sind wahre Schmuckstücke, die die Nuancen des Opals in den Farben der Steine aufgreifen.

GRAFF

Aus der Swirl Ring Collection stammt dieser funkelnde Ring von Graff. Mit einem makellos weissen Diamanten von 4,18 Karat und Pavé mit seltenen rosa Diamanten. Fassung aus 18 Karat Roségold.

CHOPARD

Ring in 18 Karat Gelbgold gefasst mit einem wunderschönen herzförmigen gelben Diamanten (10 ct), der von Diamanten (3,8 ct) und gelben Diamanten (6 ct) im Marquise-Schliff umrahmt wird.

DE GRISOGONO

Romantischer Schmuck aus dem Hause Grisogono. Ein so glamouröses wie opulentes Armband aus Roségold mit Rubinen und Diamanten, das mit Sicherheit das Herz einer jeden Dame höherschlagen lässt.

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TRAGBARE SKULPTUREN

SOPHIA VARI

Sophia Vari ist eine Ausnahmekünstlerin. 1940 in Athen als Tochter eines griechischen Vaters und einer ungarischen Mutter geboren, lebte sie während des Zweiten Weltkrieges mit ihren Eltern in der Schweiz, bevor sie nach dem Ende des Krieges wieder nach Athen zurückkehrte. Einige Jahre später sollte ein Treffen mit der unvergesslichen Opern-Diva Maria Callas von grösster Bedeutung für die junge Sophia sein. So war es die berühmte Sängerin, die sie dazu ermutigte, trotz gesellschaftlicher Konventionen ihren kreativen Ambi­ tionen zu folgen. Sophia Vari studierte Kunst an der legendären «École des Beaux-Arts» in ­Paris, wo sie auch begann, ihre Arbeit mit dem Namen «Vari» statt mit ihrem eigentlichen Namen «Canellopoulos» zu unterzeichnen. Seit jeher arbeitet Vari als Malerin und als Bildhauerin – zwei Disziplinen, zwischen denen sie im Laufe ihrer Karriere immer wieder hin und her wechselte. Während sie als Bildhauerin in den 60er Jahren noch sehr figürlich arbeitete, wendete sie sich in den 80er Jahren vermehrt der abstrakten und organischen Formensprache zu. Als sie feststellte, dass ihre grossformatigen Werke auch in zierlicher Weise in Form von Schmuck getragen werden konnten, begann Sophia Vari 1988 mit der Kreation von Schmuckstücken, die sie liebevoll als «tragbare Skulpturen» bezeichnete. Über ihren künstlerischen Schritt, sich der Kreation von Schmuck

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zuzuwenden, sagte sie einmal: «Von diesem Tag an hatte ich eine neue kreative Herausforderung, die mir viel Freude bereitet hat, weil ich die ge­ tragenen Stücke sehen konnte.» Die geometrischen Schmuckstücke von Sophia Vari tragen allesamt ihre so unverkennbar charakteristische Handschrift: wunderbar abstrakt und gleichermassen stark, sinnlich und elegant. Sophia Vari ist mit dem berühmten kolumbianischen Maler Fernando Botera verheiratet und lebt heute in Monaco. Ihre Arbeit sind in weltweit renommierten Museen zu sehen wie dem «Museo de Arte Contemporáneo de Caracas» in Venezuela, dem «Benaki Museum» in Athen, dem «Ulrich Museum of Art» in Kansas oder auch dem Museum «­ Beelden aan Zee».

«Es kann eine Woche, einen Monat oder sogar mehr dauern, um ein Stück zu realisieren. Ich arbeite, bis ich weiss, dass ich nichts mehr wegnehmen oder hinzufügen kann.» – Sophia Vari –

«Ich bin gegen diese Obsession für Freizeit. Für mich bedeutet Arbeit Spass.» – Sophia Vari – «Ich unterscheide nicht in Stil oder Thema. Ich arbeite immer mit der gleichen Kraft und Ergebenheit.» – Sophia Vari –

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CLEOPATRAS

VERMÄCHTNIS

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Im Leben von Liz Taylor gab es drei grosse Lieben, die alle in einer innigen Beziehung zueinander standen. Die eine war Richard Burton, die andere waren Juwelen und die dritte war Bulgari.

D Helena Ugrenovic I

BVLGARI

ie schönste Frau der Welt mit den veilchenblauen ­Augen war wertvollem Geschmeide genauso verfallen wie die Männer ihr. Sie beschenkten sie mit den auserlesensten, kostbarsten und im wahrsten Sinn des Wortes sagenhaftesten Schmuckstücken, die jemals an­ gefertigt und teilweise von gekrönten Häuptern getragen wurden. Als ein Grossteil ihrer Juwelen 2011 vom Auktionshaus Christie’s in New York ­versteigert wird, erzielt das Unternehmen mit dem restlosen Verkauf der Elizabeth-Taylor-Kollektion eine Rekordsumme von 137’235’575 US-Dollar. Vielleicht lag es daran, dass die leidenschaftliche Beziehung zu Bulgari in einem Moment entflammte, als sie mit Richard Burton für den Monumentalfilm «Cleopatra» in Rom vor der Kamera stand und sie sich noch während der Dreharbeiten ineinander verliebten. Vielleicht auch deshalb, weil der


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Liz Taylor mit einem Collier aus kolumbianischen Smaragden, ein Hochzeitsgeschenk von Richard Burton.

­ xtravagante Stil der Marke perfekt zu ihr passte, e oder vielleicht deswegen, weil die Bulgari-­ Boutique in der Via Condotti in Rom zum aus­ erwählten ­ Liebesversteck des Paares zählte. In ­ihrem Buch «My Love Affair with Jewelry» schreibt sie: «Zweifellos war das kleine, hübsche Bulgari-­ Geschäft bei der Arbeit für ‹Cleopatra› in Rom einer der grössten Vorteile. Ich besuchte Gianni Bulgari an den Nachmittagen, und wir sassen in seiner Geldstube und tauschten Geschichten aus.» An der legendären Christie’s-Auktion kaufte Bulgari sieben seiner Schmuckstücke zurück, die auf eindrückliche Weise das aussergewöhnliche Sammler­ auge von Elizabeth Taylor widerspiegeln.

Der Beginn einer funkelnden Liebe Richard Burton fand sich mit ihrer Passion zu ­Juwelen ab und schenkte ihr zu jedem Anlass ein

prachtvolles Schmuckstück. Der Ring, den ­Bulgari 1962 aus Platin mit einem achteckigen Smaragd von circa 7,40 Karat und ­ z wölf Diamanten im ­Birnenschliff mit etwa 5,30 Karat kreierte, war der erste Ring, den Richard Burton während der Dreh­ arbeiten zu «Cleopatra» seiner Göttin schenkte. Für die Diva der Leinwand verkörperten Edelsteine jedoch nicht einfach nur tragbare Kostbarkeiten, vielmehr handelte es sich bei ihren Schätzen um reine Glücksquellen, an deren glücksbringende und magische Kräfte sie glaubte.

Der Ring der Liebe Als der erste von Richard Burtons geschenkten Ringen an einer Wohl­tätigkeitsauktion für die «Elizabeth Taylor AIDS-Stiftung» versteigert wurde, schrieb sie in einem Brief an die neuen Besitzer: «Tragen Sie ihn mit Liebe!»

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«Ich bin privilegiert, ein paar sehr wertvolle Schmuckstücke zu haben. Ich denke nicht, dass ich sie besitze, vielmehr bin ich ihre Hüterin, um sie zu geniessen und ihnen die beste Wertschätzung der Welt zu bieten, ihre Sicherheit zu garantieren und um sie zu lieben.» – Liz Taylor –

Sautoir aus Platin und einem Zuckerhut-Cabochon.

WATCHES & JEWELLERY

aus Platin mit Saphiren und Diamanten sowie einem Anhänger mit einem im Zentrum einge­ ­ betteten 65-Karat-Zuckerhut-Cabochon, der gleich­ zeitig auch als Brosche getragen werden konnte. Mit dem 1969 kreierten Sautoir aus sechseckigen und rhombenförmigen Motiven mit Diamanten im Brillantschliff sowie kalibrierten Saphiren kündigte sich der gewagte und vielseitige Bulgari-Stil der 1970er-Jahre an. 1971 erschuf Bulgari einen «Trombino»-Ring aus Platin sowie einem Zuckerhut-Cabochon aus Saphir von über 25 Karat. Der Ring, dessen Form an eine kleine Trompete erinnert, wurde zum ersten Mal im Jahr 1930 ent­ worfen und verkörpert eines der erfolgreichsten Bulgari-Designs. Elizabeth Taylor entdeckte den «Trombino», der ursprünglich nicht als Schmuckgarnitur zum Sautoir gedacht war, eher zufällig, doch, perfekt zu diesem passend, entstand daraus die «blaue Vermählung».

Anstecksträusschen Hochkarätiges «Ja, ich will» Das prachtvolle Collier, das Richard Burton ihr als Hochzeitsgeschenk überreichte und das 1964 den Hals der Braut schmückte, war aus 16 achteckigen kolumbianischen, von Diamanten um­gebenen Sma­ ragden und insgesamt 83,94 Karat gefertigt. Allein der Anhänger, der 1962 von Bulgari als Brosche entworfen worden war und den sie als Ver­lo­bungs­ geschenk erhalten hatte, war ­23.44 Karat schwer. Das Bild des atemberaubenden Colliers ging um die Welt, als Elizabeth Taylor es 1962 an der Oscar-Verleihung trug und den Oscar als beste Schauspielerin gewann.

Perfektes Paar Zum vierzigsten Geburtstag der «Hüterin der ­Juwelen» schenkte ihr Richard Burton ein Sautoir

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Vermutlich war die «Tremblant»-Brosche aus Platin mit Smaragden und Diamanten, die gleichzeitig auch als Haarschmuck getragen werden konnte, ein Geschenk von Elizabeth Taylors Ehemann Eddie Fischer. Schon seit dem 18. Jahrhundert ­ waren Blütenmotive fest in der französischen Juwelierkunst verankert, und als Bulgari in den ­ frühen 1960er-Jahren mit den namhaftesten ­Pariser Juwelieren konkurrierte, entstanden diese asymmetrischen Anstecksträusschen. Ende der 50er-Jahre löste sich Bulgari vom Pariser Stil und begann, mit strukturierteren, symmetrischeren und kompakteren Formen mit eigener Farbästhetik seinen ­eigenen Stil zu entwickeln, was zu einer einzig­ artigen «italienischen Schule» der Juwelierkunst führte, mit dem sich der Bulgari-Stil einen festen Platz sicherte.


Frühlings

3

ERWACHEN

Blüten frisch w ie der F r ü h l i n g präsentieren sich d ie P reziosen i n i h ren schönsten Farben. Kostbare Geschen ke der Natu r, d ie, i n höchster Ha ndwerksk u nst gefer tig t, d ie S c hön heit der T r ä ger i n m it ihrem Funkeln unterstreichen. BY PRESTIGENEWS.COM

1

1 I BEYER CHRONOMETRIE Ein wunderschöner Weissgoldring für die Dame mit einem Rubin aus Burma von 3,097 Karat und 114 Brillanten von total 1,08 Karat. Passend dazu Ohrringe aus Weissgold mit je einem Rubin von 2,73 Karat und 2,34 Karat aus Burma und 161 Brillanten von total 1,08 Karat. 2 I SCHAFFRATH Der VENDETTA-Ring «Adore» ist ein ausser­gewöhnlicher Platinring mit Diamanten im Princess- und Triangel-Schliff, während das Inlay aus rotem Korund gefertigt ist.

4

3 I BUCHERER Der «It»-Edelstein des Frühlings heisst bei Bucherer Morganit. Ohrschmuck mit zwei Morganiten im Tropfen-Schliff von total ca. 18,46  Karat und 36 Diamanten von total ca. 4,88 Karat. 4 I GÜBELIN Croisé-Ring aus Weissgold mit einem Tsavorit im Treppenschliff von 3,55 Karat und einem pinkfarbenen Spinell im Treppenschliff von 4,21 Karat sowie 16 Brillanten von zusammen 0,26 Karat.

2

5 I MEISTER Wie ein traumhafter Blütenzauber präsentiert sich dieser Ring als Teil der «Meister 1881 Collection». Der Peridot weist 14,15 Karat auf, die Spinelle zusammen besitzen 0,16 Karat.

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Ein Auto für die Ewigkeit: Jaguar E-Type 3.8 FHC Series 1 von 1961

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DRIVE STYLE

AM DRÜCKER

I

Altmeister Michel Zumbrunn ist wieder da, obwohl: Er war eigentlich nie weg …

n den letzten Jahren schien es, als habe sich einer der grössten Automobilfotografen der Schweiz und Erfinder des «Schwarzen Studios» zurückgezogen: warum auch nicht? Michel Zumbrunn ist schliesslich schon über 70, da darf man es etwas ruhiger angehen lassen. Und tatsächlich hat er seine Räumlichkeiten in Fällanden samt Namen vor zwei Jahren verkauft.

Matthias Pfannmüller I

Michel Zumbrunn

Doch Zumbrunn kann von der Kamera einfach nicht lassen. Anders: Man lässt ihn nicht. Denn seit dem vermeintlichen Abschied hat er mehrere interessante Anfragen erhalten, «die ich einfach nicht ablehnen konnte». Eine sagenhafte und auch sehr private Privatsammlung war dabei, die der Routinier in mehreren Wochen sowie der ihm eigenen, unverwechselbaren Handschrift abgelichtet hat.

Stromlinien par excellence: Auto Union Typ C «Avus» von 1937 

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DRIVE STYLE

Während diesem Auftrag, bei dem die Kamera zum Auto reisen musste und nicht umgekehrt, wie es zuvor bei Zumbrunn üblich war, kam ihm die Idee zu einem mobilen Studio. Zurück in der Schweiz, hat er dann ein solches entwickelt und auch realisiert – gemeinsam mit seinem früheren Lehrling Heinz Unger, der heute selbst ein Studio in Schlieren unterhält. Dieses Rollkommando kommt – mit 700 Kilo Material im Transporter – nun überall dorthin, wo es bestellt wird. Foto-Catering, sozusagen, und überaus bequem für die Besitzer seltener Oldtimer, die ungern ihr trockenes Zuhause verlassen.

in Schweizer Besitz, was unter anderem eindrücklich zeigt, in welch automobilem Schlaraffenland Zumbrunn unterwegs ist. Letzterer ist sichtlich stolz auf das Buch und denkt bereits an das nächste. Derweil mehren sich seine Haus-, pardon, Garagen-Besuche, welche unter info@fotozumbrunn.ch zu buchen sind, bevor der gebürtige Berner ganz unauffällig zum Auslösen anreist – in einem Subaru XV.

Blattgefedert: DKW Monoposto, 1930

Doch Zumbrunn hat die letzten Jahre auch viel nachgedacht und neue Perspektiven eingenommen. Weg vom plakativen Besitzerstolz mit drei Viertel vorne, davon hatte der Lichtbildner langsam selbst genug. Heute liegt ihm vielmehr daran, Autos thematisch zu behandeln. Zumbrunn 2.0, sozusagen. Seine jüngeren Arbeiten zur Stromlinie sind ein gutes Beispiel dafür – oder der prächtige Bildband «90 Years Celebration Exhibition» zur gleichnamigen Ausstellung, welche die Zusammenarbeit zwischen Emil Frey und William Lyons dokumentierte: Zu diesem Zweck hatte der Importeur letzten Herbst alle je gebauten 76 SSund Jaguar-Serienmodelle unter einem Dach vereint – ein weltweit einmaliges Unterfangen, für das nur zwei Fahrzeuge aus England herbeigeschafft werden mussten. Die anderen befinden sich alle

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120C C-Type, 1952

DRIVE STYLE

Wucht mit 21,5 Liter Hubraum: Blitzen-Benz von 1910

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WUSSTEN © Lothar Spurzem

SIE SCHON …?

Blitzstart Die 24-Stunden-Rennen von Le Mans wurden 1923 ins Leben gerufen und dienten Automobilherstellern dazu, ihre neu ent­ wickelten Fahrzeuge auf Zuverlässigkeit und Ausdauer zu testen. Hatte ein Wagen während des Rennens einen Defekt, so war es in den ersten Jahren nur den Fahrern selbst erlaubt, diesen zu beheben. Legendär war auch der sogenannte «Le-Mans-Start», der von 1925 bis 1969 praktiziert wurde und bei dem die Fahrer vor dem Start einige Meter von ihren Rennwagen entfernt standen und erst nach dem Senken der Startflagge zu diesen lossprinteten. Allerdings wurde diese Regel 1971 als Folge der Einführung von Sicherheitsgurten abgeschafft.

«Black Maria» Carlton Cole Magee war kein Geringerer als der Erfinder der Parkuhr. Anwalt, Verleger und als Chef des Verkehrsausschusses ebenso Lokalpolitiker, erklärte er zum Ziel, Dauerparker aus dem Zentrum von Oklahoma City zu verbannen und so mehr Platz für Kunden zu gewinnen. Seine Parkuhr, die den Spitznamen «Black Maria» erhielt, reichte er am 13. Mai 1935 unter der Patentnummer 2.118.318 ein. Doch bis zur Zulassung sollten noch einige Jahre vergehen, zu suspekt schien den Patentbeamten die futuristisch anmutende Erfindung mit kompliziertem technischen Innen­ leben, Sichtfenster und Drehknopf. Ganze drei Jahre später, am 4. Mai 1938, wurde das Patent schliesslich eingetragen und damit der Start für den Siegeszug der Parkuhr rund um den Globus markiert.

Explosive Verkehrsregelung «Polizeiliche Bekanntmachung! Beim Signal ‹VORSICHT› werden alle Personen, die Fahrzeuge oder Pferde führen, ermahnt, vorsichtig die Kreuzung zu überqueren. Das Signal ‹STOP› wird nur erscheinen, wenn es erforderlich ist, dass Fahrzeuge und Pferde tatsächlich auf beiden Seiten der Strassenkreuzung halten müssen, um den Übergang von Fussgängern zu erlauben» – so lautete 1868 der Inhalt der Flugblätter, den die Londoner Polizei zur Information an die Bevölkerung verteilte. Die damalige Ampel, es war die erste der Welt, bestand aus einem gasbetriebenen Lichtkasten mit grünen und roten Lichtern für den Nachtbetrieb. Am Tag übernahmen die Aufgabe der beiden Lichter zwei überdimensionale mechanische «Arme», die von einem Wachtmeister am Fusse der etwa acht Meter hohen Säule bedient wurden. Doch das Unglück liess nicht lange auf sich warten. Im Januar des Jahres 1869 vermeldete die «Times»: «Mehr als einmal ist es in Verbindung mit der Strassensignal-Säule an der Kreuzung der grossen Hauptverkehrsstrassen in Westminster zu Gas-Explosionen gekommen. Die letzte hiervon passierte, als der Schutzmann den Kasten am unteren Ende öffnete, um das Gas für die Nacht abzudrehen.» Da sich der arme Mann dabei das Gesicht verbrannte, verzichtete London seitdem auf die Regelung des Verkehrs durch die gasbetriebene Anlage. Erst im Jahre 1919 versucht sich England wieder an einer Ampel – dieses Mal an der in den USA erfundenen elektrischen Variante.

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DRIVE STYLE

«Das letzte Auto, das gebaut wird, wird ein Porsche sein.» – Ferdinand Porsche –

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I ONE AUF VIER

RÄDERN Kein Sportwagen bewegt die Menschen so wie er, keiner polarisiert so wie er. Der Porsche 911. Seine Geschichte? Längst Kulturgut. Seit seinem Markteintritt im Jahre 1963 verdreht er den Menschen rund um den Globus den Kopf und begeistert mit Style und Seele. Ein Gespräch mit dem Autor des Buches «The Ultimate Sportscar as Cultural Icon», Ulf Poschardt, über Narzissten, feinsinnige Männer und gequetschte Käfer mit Turnschuhen. Anka Refghi I Porsche Archiv, Porsche-Werkfoto aus Porsche 911, © Gestalten 2017

Am Anfang schaute ich mich um, konnte aber den Wagen, von dem ich träumte, nicht finden. Also beschloss ich, ihn mir selber zu bauen», lauteten die einst salopp gesagten Worte Ferdinand Porsches zur Entwicklung des wohl legendärsten Sportwagens seit Menschengedenken. Ob als «Bonzenauto» verschrien oder als das perfekte Fahrzeug für den so feinsinnigen wie intellektuellen Mann ver­ ­ teidigt – der 911er ist und bleibt eine Ikone. In seinem jüngsten Buch, das in Zu­sammenarbeit mit dem Gestalten Verlag entstanden ist, geht Ulf Poschardt dem Phänomen Porsche 911 auf den Grund.

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Porsche 911 beim Drop-Test | 1966

Ferdinand Alexander Porsche | 1968

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«Wir bauen Autos, die keiner braucht, aber die jeder haben will.» – Ferdinand Porsche –

Porsche Targa vor der New Yorker Skyline | 1967

PRESTIGE: Herr Poschardt, bereits seit vielen Jahren beschäftigen Sie sich mit dem Thema Porsche 911, was auf eine innige Verbindung zu dem Sportwagen schliessen lässt. Was hat Ihre Liebe zu diesem iko­ nischen Fahrzeug entfacht? ULF POSCHARDT: Mit dem ersten Elfer, den ich als Drei- oder Vierjähriger sah, war es um mich geschehen. Danach Poster, Matchbox-Porsches, Autoquartett, ferngesteuerte Elfer.

Der 911er: Kunstwerk mit Seele oder Material mit Technik? Ersteres. Ein Ding mit Seele ist kostbar in diesen Tagen.

Sind Porschefahrer tatsächlich alles Narzissten? Nicht alle, aber viele.

Wie erleben Sie die Reaktionen der Menschen auf Sie als Porschefahrer. Sind hier über die Jahre oder auch Jahrzehnte deutliche Veränderungen auszumachen? Freude meist bei den alten, und auch Anerkennung, wenn man so eine alte Schüssel bei Minusgraden morgens ins Büro schleudert. Bei den neuen greifen die Neidreflexe für Neureiche.

Welcher Zauber wohnt diesem Sportwagen inne, dass er die Menschen seit jeher derart bewegt? Form, Sound, Handling, Charakter. Auch das Imperfekte verbindet. Macht den Elfer, besonders den alten, menschlich. Ein treuer Freund und Begleiter.

Kaum ein anderes Fahrzeug polarisiert so wie der 911er. Während Heinrich Böll in seinen Büchern die unsympa­ thischen Protagonisten einen 911er fahren lässt, wird er gleichermassen als Fahrzeug für feinsinnige Männer beschrieben. Ein Widerspruch?

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«Nicht das Auto verdirbt den Charakter, aber wer keinen Charakter hat, sollte nicht Auto fahren.» – Ferdinand Porsche –

Es ist ein unverwechselbares Auto. Es passt zu Helden und Mieslingen. Es ist immer ein Symbol für Individualisten. Beschreiben Sie das Lebensgefühl 911er ... Style is everything. Wie viel Freiheit steckt in einem 911er? Das kommt darauf an, wie man ihn bewegt, also bitte nicht in die Garage stellen und nur anhimmeln.

DER AUTOR Ulf Poschardt wurde 1967 in Nürnberg geboren und ist promovierter Philosoph und Chefredakteur der «WELTN24». Poschardt war bereits Chef­redakteur der deutschen «Vanity Fair» und «Rolling Stone», stellvertretender Chefredakteur der «Welt am Sonntag», «Metal Hammer» und anderer bekannter Publika­ tionen. 2015 erschien ebenfalls sein Buch «DJ Culture».

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Wie würden Sie jemandem einen 911er beschreiben, der noch niemals einen zuvor gesehen hat. Ein gequetschter Käfer mit Sportschuhen an. So hat Jeremy Clarkson den Elfer genannt, ganz witzig eigentlich. Nennen Sie mir fünf Dinge, die Sie am «Ur-Elfer» mehr lieben als an allen nachfolgenden Fahrzeugen. 1. die Silhouette. 2. die Blinker. 3. die Stossfänger. 4. der Porsche-Schriftzug am Heck. 5. die Fuchs-Felgen. Der Markt der Klassiker wächst. Immerhin fahren 70% aller je gebauten Porsche-Fahrzeuge noch heute. Wie sehen Sie die Zukunft des 911ers? Rosig. Es ist schön zu sehen, dass auch die deutlich Jüngeren mit diesem Elfer so viel anfangen können. Er ist ein Auto, das Kult verträgt und eigentlich jedem Spass macht, der seine Sinne beisammenhat.


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CUTS

SHORT 1

99 automobile Rennklassiker und ihre Spitznamen Helge Jepsen & Michael Köckritz teNeues Verlag

1 I Die Spitznamen der Rennklassiker Helge Jepsens Illustrationen machen aus Sportwagen echte Kunstwerke. Von der «Haifischnase» bis zum «Entenbürzel» – bei solchen Namen sind Rennsportfans direkt auf Betriebstemperatur. Der «Silberpfeil» und die «Schwarze Witwe» sind nur zwei der bekanntesten Vertreter einer besonderen Spezies. Die so bezeichneten Fahrzeuge haben sich dermassen in die Herzen der Menschen gefahren, dass man sie für wert befunden hat, ihnen einen Spitznamen zu ver­leihen. Die wunderbaren Illustrationen von Helge Jepsen und die hintergründigen Texte von Michael Köckritz bringen dem Leser 99 Rennwagen näher, die Automobilgeschichte geschrieben haben.

2 I Speed, Styles und Stories

2

Café Racer Michael Lichter &  Paul D’Orleans Delius Klasing Verlag

3

Ende der Fünfziger entwickelte sich das «Ace Cafe» in der Nähe von London zu dem MotorradfahrerTreffpunkt. Die Jukebox spielte – im Gegensatz zu den meisten Radiostationen – Rock ’n’ Roll, die jungen Wilden hingen ab, redeten Benzin und lieferten sich auf der Heimfahrt illegale Rennen. Natürlich wollte jeder mal gewinnen. Die Motorräder wurden also mit Rennsportteilen frisiert, Höckersitzbänke und schmale M-Lenker montiert – und schon war der «Café Racer» geboren. Die so entstandene MotorradSubkultur erlebte fortan immer wieder Höhen und Tiefen, wurde zuletzt von den plastikverkleideten Supersportlern verdrängt und feiert nun erneut eine Renaissance. Wie Bärte und Tattoos bedienen sie die aktuelle Sehnsucht nach Authentizität und Einfach­ heit. Dieser grossartige Bildband zeigt einen Querschnitt aus allen Epochen der Café Racer – vom «Clubman-Racer Norton Manx» von 1962 bis zur neuesten Hamburger «Kaffeemaschine 19» auf Moto-Guzzi-Basis – und erzählt die ganze Geschichte der weltweit agierenden Szene.

3 I Back in Black

Black Beauties René Staud & Jürgen Lewandowski teNeues Verlag

Black is beautiful? Ja, denn der Starfotograf René Staud liefert dafür den ultimativen Beweis. Er gehört zu den meistgefragten Automobilfotografen und gilt als einer der innovativsten der Branche. Er hat bei teNeues bereits fünf erfolgreiche Bände veröffentlicht, zuletzt «Mercedes-Benz – The Grand Cabrios & Coupés». Und jetzt ist René Staud «back in black». Wie der Einstiegsriff des AC / DCSongs ist auch «Black Beauties» prädestiniert, kleine und grosse Jungs glücklich zu machen. Staud zeigt in gewohnt markanten Bildern eine Reihe be­ deutender Fahrzeuge in der «Farbe» von klassischer Eleganz und sportlicher Potenz: vom legendären Alfa Romeo 8C aus den 1930er Jahren bis zum Bugatti Veyron Grand Sport Vitesse, dem schnellsten offenen Seriensportwagen, und dazwischen die «Göttin» Citroën DS. Dazu gibt es Beiträge von renom­ mierten Autoren über die Bedeutung und Wirkung des Schwarzen im Automobildesign. Ein wunderbarer Bildband, der alles ist, nur nicht eintönig.

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FLIEGEN

ALS NOCH KEIN

VOLKS SPORT

­WAR

Kurztrip nach London, Surfwoche auf den Kanaren? Was vielen M ­ enschen heute normal erscheint, war ­früher ein Luxus für Eliten Matthias Pfannmüller I

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Archiv Borgmann, Werk


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Ü

berfüllte Check-in, vor sich hin dünstende Schuhe auf Röntgen-Bändern, unangenehme Leibesvisitationen, ­dazu regelmässig Verspätungen: Nein, Fliegen war schon mal schöner. Das Preis-­ Dumping tritt aktuell in eine neue Phase und herablassende Titulierungen des Bordpersonals zeigen, ­welchen Prestigewert das Reisen per Flugzeug in der westlichen Welt heute noch hat – gar keinen mehr. Und w ­ ährend fast jeder G ­ eschäftsreisende ein Frequent Traveller oder etwas noch Besseres ist, bleibt auch der Respekt vor der ­technischen Errungenschaft auf der Strecke: Zürich–Tokio nonstop in weniger als zwölf Stunden ­erscheint

vielen Fluggästen längst zu langsam. Zeit­zonenHopping schafft inzwischen mehr Frust als Lust. Vor 60 Jahren war das alles noch anders. Damals galten Inter­ kontinentalflüge als Privileg für die oberen Zehntausend, kostete das Transatlantik-­ Ticket nach New York so viel wie ein Neuwagen, während Normalsterbliche im Käfer nach Italien tuckerten. Regelmässige Flugpläne waren etwas ganz Neues; entsprechend ­prominent wurde die schnellste Art der Fortbewegung in den ­Medien zelebriert: Winkende Filmstars mit Blumen auf der Gangway oder Politiker im Cockpit und alle immer in Top-Garderobe – ­Fliegen war ein

Neckisches Kostüm: Stewardess einer frühen Jumbo-Version mit Wendeltreppe in die First.

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DRIVE STYLE

Lounges für ein geselliges Bordleben in den «booming years» des Luftverkehrs.

analog und es ist den Bildern anzusehen, wie laut die Maschinen damals gewesen sind: ­Heute ist also gar nicht alles schlechter, aber sicher weniger ­romantisch. Etagenbetten auf Nachtflügen gehörten zum Standardangebot führender Fluggesellschaften.

­ esellschaftliches Event und das Flugzeug eine g Bühne, für die man sich entsprechend chic klei­ dete. Nicht zuletzt auch, weil dort auch oft fotografiert wurde. Das Buch «Das goldene Zeitalter des Luftverkehrs» von Wolfgang Borgmann ruft jene Ära in Erin­ nerung, in der Flugreisen etwas Glamouröses, Aufregendes gewesen sind. Damals ­beherrschten noch andere Airlines und Hersteller den Luftraum: Es war die Zeit der Propeller; Düsen wurden erst in den 1960er-Jahren zum S ­ tandard. Man erfährt unter anderem, dass es ab 1945 einen von der IATA (International Air Transport Association) vorgeschriebenen Einheitstarif gegeben hat, der teilweise bis in die 1980er-Jahre ­hinein galt. Flug­ gesellschaften mussten sich folglich über ihren Service u ­ nterscheiden und taten das auch nach Kräften. Der ­Leser blättert staunend durch Fotos mit opulent ausgestatteten Kabinen, Waschräumen, Bars oder Bordküchen. Cockpits waren noch voll

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Autor Wolfgang Borgmann, der aus einer Flieger-­ Familie stammt und ausgewiesener Luftfahrt­ experte ist, wollte dieser frühen E ­ poche moderner Flugreisen schon lange ein Denkmal setzen. In 33 hochinteressanten Kapiteln zeichnet er deren Genesis kompetent nach – von den Nachkriegsjahren mit der Entstehung des Bordservice über luxuriöse Flugboote, die nahezu überall landen ­ konnten, erste «Stratosphärenkreuzer» und Konkurrenzkämpfe der Fluggesellschaften, steigende Geschwindigkeiten, Druckkabinen und Polarrouten bis hin zu Flughafen-Terminals, jenen «Kathedralen des Fortschritts». Man erfährt, dass 1964 erstmals mehr Menschen den Nordatlantik per Flugzeug überquerten als mit dem Schiff. Herausragende Baumuster jener «goldenen Jahre» wie die Lockheed Super Constellation oder Douglas DC-7C, eine ­De ­Havilland Comet und ihr französisches Pendant Sud Aviation Caravelle sowie der 1970 erstmals in Dienst g ­ estellte Jumbo-Jet, quasi als (Luft-)Brücke in die Jetztzeit, dürfen in diesem Buch nicht fehlen. Das ist ebenso nostalgisch wie unterhaltsam, aber auch ein Lehrstück über uns Menschen, die gerne vergessen – und vieles sehr schnell als selbstverständlich erachten.


Road

1 I LOUIS VUITTON

ON THE

Ganz im Zeichen Afrikas steht die aktuelle Louis-Vuitton-Kollektion mit in aufwendigen und komplizierten Verfahren gefertigten Stoffen und exotischen Lederarten. 2 I RIVA

Ein weiteres spannendes Kapitel im Maxi-Yacht-­ Sektor: Die renommierteste Werft der Welt präsentiert die «Riva 110’», das Flaggschiff der Fiberglas-Flotte und Nachf­olger der «Riva 100’ Corsaro», als Modell der nächsten Generation. 3 I VICTORINOX

Die Koffer der Etherius-­ Metallic-Kollektion stehen für bequemes und stil­ volles Reisen. Ultraleicht und robust bietet dieser Koffer maximalen Schutz und Verstaumöglichkeiten für alle Eventualitäten des Lebens.

Understatement bei ma x i ma lem Sti l heisst d ie Dev ise i n d ieser Sa ison. Dezente Farben u nd cooler Look – auch fü r d iese Sa ison ha lten ex k lusive Marken w ieder a l les fü r das genussvol le Savoir-v iv re bereit. BY PRESTIGENEWS.COM

4

1 4 I PARMIGIANI FLEURIER

Der neue Tonda Metrograph begeistert mit Technik und Design: Automatik-Chronograph mit einer Gangreserve von 42 Stunden und einem Durchmesser des Edelstahlgehäuses von 40 Millimetern.

2

5 I S.T. DUPONT

Die Eleganz der ersten Luxus-Benzinfeuerzeuge, neu interpretiert: in Silberbronze und mit charakteristischer Guilloche-Gravur. Ein moderner Klassiker mit stilvollen quadratischen Linien und feinstem Engineering. 6 I DAVIDOFF

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Zürich Edition: Die Zigarren der diversen Exclusive-­ Editionen sind so indivi­duell wie eine Stadt selbst. Im Aroma sind die in limitierter Auflage erhältlichen Editionen ganz auf den Geschmack der Aficionados abgestimmt.

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3


«FORREADY TAKE DRIVE STYLE

Z

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Um einen Langstreckenflug perfekt durchzuführen, braucht es mehr als eine gute Flugzeug-Crew. Dafür arbeitet hinter den Kulissen ein ganzes Heer an Spezialisten unter Hochdruck. Ich durfte die Luftfahrt-Profis bei ihrer herausforderungsvollen Arbeit rund um einen Langstreckenflug beobachten und begleiten. Ein spannender Flug von Frankfurt nach Tokio.

u Beginn eines jeden Fluges stehen die Logistik-Fachleute und Flugwegplaner. Sie optimieren den Flugweg, immer unter Berücksichtigung der Wetterlage und Überfluggebühren. Sicherheit geht vor, aber die Kosten sollen auch nicht explodieren. Ein verantwortungsvoller Job, liegen doch alleine die Spritkosten und Gebühren bei weit über 100’000 Dollar pro Langstreckenflug.

Die Flugvorbereitungen beginnen Der Flugplaner ist für die Route von Flug LH-716 zuständig. Der sogenannte Dispatcher beginnt um 14.30 Uhr seine Arbeit, rund vier Stunden vor dem

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Nike Schröder I

Lufthansa

Abflug. Damit entlastet er den Flugkapitän, der dafür gar keine Zeit hätte. Seine Hilfsmittel: eine ausgeklügelte Planungssoftware, aktuelle Wetterdaten und Flugwegkarten. Die sehen aus wie Schnittmusterbögen und zeigen die vielen Luftstrassen, die möglich wären – für jemanden wie mich, der sowas zum ersten Mal sieht, höchst verwirrend. Doch der Dispatcher plant mit traumwandlerischer Sicherheit eine Strecke mit möglichst wenig Überfluggebühren und Spritkosten, falls das Wetter es so zulässt, und das beo­ bachtet er ganz genau. Der Spritbedarf ist mit rund 198’000 Litern berechnet. Berechnete Flugzeit: zehn Stunden, 51 Minuten.


DRIVE STYLE

Ohne Logistik geht es nicht! Vor dem Abflug müssen nicht nur die Passagiere an Bord, das Flugzeug muss auch beladen und betankt werden. Es ist 16.30 Uhr. Inzwischen ist die A380 aus New York kommend in Frankfurt gelandet. Jetzt muss der Chef-Logistiker alle Passagiere von Bord bringen, das Flugzeug entladen, betanken und reinigen. Dann neue Fracht und Passagierkoffer beladen, sich um das Boarding der nächsten Passagiere kümmern und dem Flugkapitän die endgültigen Daten über Fracht und Passagiere übermitteln. Nichts für schwache Nerven … Die Fracht auf diesem Flug sind ins­gesamt 20 Tonnen. Man achtet penibel darauf, dass die Mitarbeiter

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DRIVE STYLE

alles genau nach Ladeplan verstauen und sichern. Jede Abweichung könnte das Flugzeug in eine instabile Fluglage bringen, besonders bei Start und Landung. Für Passagiere rechnen die Fluggesellschaften mit einem Standardgewicht inklusive Handgepäck von 86 Kilogramm pro Gast. Fast 300 Passagiere steigen heute ein, macht zusammen noch einmal locker 26 Tonnen.

sencheck: Ist das Fahrwerk ok? Gibt es sichtbare Triebwerkschäden oder Lecks, stehen Klappen offen oder gibt es sichtbare Beschädigungen? Alles in Ordnung, es kann losgehen! 17.30 Uhr, eine Stunde vor dem geplanten Abflug. In der ­Kabine nehmen die ersten Passagiere ihren Platz ein. Die Piloten geben letzte Daten in die Cockpitrechner ein.

Cockpit-Briefing

Die Reise beginnt

Der Dispatcher hat den Flugplan inzwischen auf einem Server gespeichert und an alle Flug­ sicherungen entlang der Flugroute verschickt. Flugkapitän Jörg Peter Berendsen bespricht sich mit seinen zwei Copiloten. Gibt es Änderungswünsche oder kann der Flugplan so bleiben? Dann zeichnet er den Plan ab und legt die end­ gültige Spritmenge fest.«Manchmal gibt es unterwegs Einschränkungen, bis zum Schliessen des Platzes oder des Luftraumes. Deshalb bekommen die Piloten auch unterwegs ständig die neuesten Wetterinformationen mit möglichen Ausweich­ zielen.» Im anschliessenden Crew-Briefing informiert Jörg Peter Berendsen die Flugbegleiter noch über die Einzelheiten des bevorstehenden Fluges.

Es kann losgehen. Ich bin ganz aufgeregt, denn nicht viele dürfen ins Cockpit. Ich habe es geschafft. Ich bin still, denn hier sind all hochkonzentriert: Der Kapitän startet das Flugzeug. 18.45 Uhr: Start frei, Kapitän Berendsen schiebt das Gas rein. Das Startgewicht heute: 513 Tonnen, Startgeschwindigkeit 280 km / h. Take-off – elf Stunden bis Tokio. Die A380 steigt auf Reiseflughöhe: 33’000 Fuss, rund zehn Kilometer. «Den Abflug steuern die Piloten selbst, dann übernimmt der Autopilot. Durch den Spritverbrauch wird das Flugzeug immer leichter, kann deshalb höher fliegen und spart Treibstoff», erklärt mir Kapitän Berendsen. Die Passagiere indessen vertrauen darauf, dass die Profis alles im Griff haben, während sich der Jet mit rund 1000 km / h Japan nähert. 13.35 Uhr Letzte Checks am nächsten Tag. Tokio empfängt die A380 mit 16.30 Uhr. Während die 21-köpfige Mannschaft im einer sonnigen Kulisse. Kapitän Berendsen sagt: Crew-Bus zum Flugzeug fährt, bringt der Lade-­ «Das ist selten hier, denn oft gibt es in Tokio Nebel Chef die Fracht-Infos ins Cockpit. Während die und graue Waschküche.» Sogar 15 Minuten zu früh Mannschaft ihre Arbeit im Flieger aufnimmt, macht setzt die Maschine auf. Ein 10’000-Kilometer-Trip Flugkapitän Berendsen den sogenannten Aus- ist zu Ende – fast genau nach Plan.

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&

FASHION  

STAGE

C BA K

BEAUTY

Maisonnoée

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PRESENTS

Der Berliner Fotograf Heiko Laschitzki ist neben seiner Modefotografie vor allem für seine Portraits internatio­ naler Stars aus Musik, Fashion und Film bekannt und arbeitet seit Jahren erfolgreich mit Plattenfirmen wie Warner Music und Universal zusammen. Seine einfühlsamen Portraits von Musikern und Künstlern wurden in renommierten Magazinen wie «Rolling Stone», «Spiegel», «Stern» oder auch der «Sunday Times» publiziert. Seine besondere Gabe: genau den Augenblick fest­ zuhalten, in dem alles in Perfektion zusammenspielt. Seit einigen Jahren dokumentiert Heiko Laschitzki ausserdem die inspirierende Hektik im Backstage-Bereich der Berliner Fashion Week. Klassische Schwarz-Weiss-Fotografien, die weit über eine blosse Abbildung des Geschehens hinausgehen. Bereits zum zweiten Mal präsentiert PRESTIGE seine eindrücklichen Bilder, die aussergewöhnliche Einblicke hinter die Kulissen der Fashionszene bieten – direkt und authentisch.

www.laschitzki.com


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116 | PRESTIGE


Julia Seemann

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The luxurious way of life | 117


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Julia Seemann


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Leonie Mergen

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Leonie Mergen

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The luxurious way of life | 121


Dawid Tomaszewski by Aryton


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SHORT

CUT 1

1 I IL MAESTRO In «SIR» zeigt Starfotograf Mario Testino über 300 Aufnahmen aus seinem immensen Archiv, die Männer und Inszenierungen von Männlichkeit in all ihren zeitgenössischen Facetten illustrieren – Dandys und Gentlemen, Machos und androgyne Jünglinge, VIPs und namenlose Beaus, Aufnahmen zwischen souveräner Zwanglosigkeit und narzisstischer Selbstinszenierung. Unter den Porträ­ tierten finden sich u.a. Brad Pitt, George Clooney, Jude Law, Colin Firth, David Beckham, David Bowie, Mick Jagger und Keith Richards in inniger Umarmung und doppeltem Faltenwurf oder Josh Hartnett, der in seiner Fotostrecke für «VMAN» von 2005 wie ein Wiedergänger von Helmut Berger in Viscontis «Die Verdammten» anmutet und unterstreicht, wie selbstverständlich heute das Spiel mit Geschlechteridentitäten geworden ist.

2 I NICHT NUR FASSADE

SIR Mario Testino Taschen Verlag

Iconication Anatol Kotte Hatje Cantz Verlag

3 I CATWALK

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Was macht ein Bild zur Ikone? Rihanna, John Turturro, Angela Merkel, Martin Kippenberger, Mario Draghi oder auch Miss Piggy verbinden zwei Gemeinsamkeiten: Sie sind weltberühmt und sie standen vor der Kamera von Anatol Kotte. Seine einzigartigen Porträtfotografien kennt man aus dem «Time Magazine», «der Zeit», dem «Stern» oder der «L’Uomo Vogue». Aber was macht Kottes Fotografien besonders? Auf den ersten Blick sind sie kühl und distanziert, auf den zweiten emotional und dramatisch. Durch sie kommen die Porträtierten in den Genuss, eine ganz andere Seite von sich zu entdecken. Kotte nähert sich unvoreingenommen, sucht den besonderen Blick, die unerwartete Haltung oder Umgebung – bevorzugt in Schwarz-Weiss, immer bewegend. Zwischen die Porträts mischen sich auch überraschende Ansichten von Städten und Landschaften. Welt und Menschen werden zu Ikonen, und wir können einen ganz neuen Blick auf sie werfen.

Chanel Catwalk Patrick Mauriès Prestel Verlag

Als Karl Lagerfeld 1983 als künstlerischer Direktor zu Chanel wechselte, revolutionierte er die als überholt und langweilig geltenden Designs des traditionsreichen Haute-Couture-Hauses. Seine einfallsreichen Entwürfe überzeugten auf Anhieb und liessen das Label in neuem Glanz erstrahlen. Bis heute zählen Lagerfelds Defilees zu den begehrtesten Events der internationalen Prominenz. «Chanel Catwalk» versammelt alle Lagerfeld-Kollektionen für Chanel chronologisch und ermöglicht es erstmals, die Entwicklung des Hauses unter seiner Führung anhand von sorg­ fältig zusammengestellten Laufstegfotos in allen Details zu verfolgen. Vor allem frühe LagerfeldEntwürfe waren noch nie in so grosser Fülle zu sehen – eine einmalige Gelegenheit für ModeExperten und -Fans.


NOBITALAI.COM


S Cator Sparks mit seinem Hund Fergus.


S

THE GENTLEMAN FASHION &BEAUTY

Cator Sparks ist das, was man als einen Gentleman von Welt bezeichnen darf. Charismatisch, charmant und unverschämt gut angezogen. Als Journalist schreibt er für die «Vanity Fair» ebenso wie für die «New York Times», sitzt an den Fashion Weeks in der Front Row und ist Chefredakteur des Online-Magazins für den Herrn «TheManual.com». Ein Gespräch über Stil, Gentlemen’s Clothing und sein Leben zwischen New York und Charleston.

G

eboren in Atlanta, Georgia, begann Cator Sparks’ Karriere mit einem Französisch-Studium am College of Charleston. 1998 folgte dann ein Jahr in London, wo er sein Studium in Fashion Marketing am American College mit Auszeichnung abschloss. Ein wichtiges Jahr, das ihn modisch für immer «dandyesk» prägen sollte. Der Umzug nach New York City im Jahr 1999 markierte den Start in die Welt der Mode und Schönheit. Zuerst auf dem Vehikel der Mode-PR, später dann als Vollzeit-Journalist für «1stdibs.com», «VanityFair. com», «Style.com», «Elle Décor», «T Magazine», die «New York Times» und die «Huffington Post». Der heute 40-Jährige lebt mit seinem Ehemann, Gentleman Gardener Paul Saylors, und den ­beiden Scottish Terrier Fergus und Gareth ent­ weder in ihrer Wohnung in Harlem oder in ihrem Haus in Charleston.

Anka Refghi I

Cator Sparks, Landon Neil

PRESTIGE: Cator, wann haben Sie begonnen, sich für Gentlemen’s Clothing zu interessieren? CATOR SPARKS: Kleider haben mich schon immer fasziniert. Herrenmode aber wirklich zu schätzen, begann ich erst, als ich 1998 in London lebte. Am Flughafen in Atlanta hatte ich mich noch in Cargo-Hosen und einem im Dunkeln leuchtenden Parka von meinen Eltern verabschiedet, drei Monate später kam ich für Weihnachten nach Hause in einer Hose aus Shuntung-Seide, einem Samtblazer und «Ascotkrawatte». Meine Mutter hat Freudentränen vergossen. Es war für mich ein wichtiges Jahr in London, in dem ich alles über Dandys gelernt und zu meinen wahren Wurzeln gefunden hatte. Auf Ihrem Blog «Diary of a Sugar Dandy» erwähnen Sie sehr oft Ihren Urgrossvater Cator Woolford und Ihren Grossvater … Richtig, beide beeinflussten meinen Stil sehr. Mein Grossvater starb gerade mit 93 Jahren, und ich habe nun

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Unmengen an Blazern und Hosen von Brooks Brothers und J. Presse und Schuhe von Bally und Church’s von ihm geerbt. Sein Stil war adrett und farbenfroh, und ich habe ihn immer sehr bewundert. Meinen Urgrossvater habe ich nie getroffen, aber die Fotos von ihm mit seinen «Saddle Shoes» und Strohhüten sind immer noch inspirierend. Erzählen Sie mir etwas über Ihre Attitüde als Gentle­ man … Nun, als Mann aus den Südstaaten lege ich grossen Wert auf Manieren und auch darauf, angenehm im Umgang und freundlich zu sein. Es ist nicht schwer, nett zu anderen zu sein und zu lächeln. Dennoch sind viele Menschen in ihren eigenen Dramen so verstrickt, dass sie darüber vergessen, die Welt zu bewundern. Gehört das Spiel mit der Mode aus verschiedenen De­ kaden zu Ihrer typischen Handschrift? Ja. Tatsächlich reise ich durch verschiedene Jahrhunderte und Kulturen, wann immer sich die Gelegenheit dazu ergibt. Ich liebe einen guten Kaftan für ein «Palm Springs»-Wochenende oder ich hole das mit rotem Satin gefütterte Cape und den Zylinder für «Edwardian»-Abende hervor. Mein neues Lieblingsstück ist zurzeit ein leichter, handgemachter Wollmantel aus Marokko, den ich in einer Boutique in Charleston namens «Ibu» gekauft habe. Inwiefern hat sich das Modebewusstsein der Männer in den letzten Jahren verändert? Ich muss sagen, eine meiner grössten Freuden ist zu sehen, wie gut sich Männer mittlerweile wieder kleiden. Der beste Platz, um das zu beobachten, ist der Flughafen, denn hier kommen Menschen aus der ganzen Welt zusammen. Vor zehn Jahren trugen die meisten Männer, die ich in einer Flughafen-Lounge sah, noch schlecht sitzende Hosen und Badelatschen (mit oder ohne verschmutzte Socken). Heute tragen 80 Prozent der Männer einen Blazer, «Brogues» und bunte Socken. Halleluja! Kommen wir zum Thema Modesünden … Oh! Unerträglich ist, wenn ein Einstecktuch falsch ge­ tragen wird! Auch sollte man nicht mit John Lobb-Schuhen prahlen, wenn man sie zu einem schlecht sitzenden Anzug trägt. Um grossartig auszusehen, muss man immer aufs Ganze gehen, was aber nicht heisst, Unmengen von Geld auszugeben. Bitte lassen Sie die Finger von «Fast Fashion» – dafür gibt es Vintage-Geschäfte. Grundsätzlich haben wir aber zurzeit ein sehr hohes Level bei der Herrenbekleidung. Ich sehe nicht viele Ed-Hardy-Jeans oder Schuhe mit ge­ rader Spitze in diesen Tagen. Gott sei Dank! Ich wünschte, Männer würden aber mehr Geld für ihre Hüte ausgeben.

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Ich bin ein totaler «Hut-Snob» geworden, seitdem ich in New York einmal mit dem Hutmacher Rod Keenan zusammengelebt habe, der bis heute massgeschneiderte Hüte für Grössen wie Brad Pitt oder Snoop anfertigt. Welchen aktuellen Modetrend sehen Sie in nächster Zukunft verblassen? Ich sehe immer weniger Hipster. Oder zumindest den ­Hipster-Look in «Meggings» und Grafik-T-Shirts. Ich denke, sogar Hipster wurden von diesem Anblick müde und haben sich zu einer mehr massgeschneiderten Silhouette bewegt. Und fürs Protokoll: Ich lebe auch für schlechte Mode. Es ist das, womit man Aufmerksamkeit bekommt und andere nachdenken lässt. Jede Fashion Week ist voll von Menschen aller Altersgruppen in den schrecklichsten Outfits, das ist einfach schön, und normalerweise sehen sie dabei auch so glücklich aus. Bless their hearts! Als Chefredaktor des Online-Magazins für Gentlemen «TheManual.com» haben Sie täglich mit den neuesten Trends zu tun. Wie sehr beeinflusst diese Arbeit Ihren eigenen Stil? Das ist eine grossartige Frage. Während wir eine sehr «Bourbon, Bärte und Fahrräder»-lastige Website sind (was ich sehr liebe), hält mich mein Job darüber auf dem Laufenden, was zurzeit en vogue ist. Aber als ein 40-jähriger Mann, habe ich seit etwa zehn Jahren meinen Stil gefunden.


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Cator Sparks: fĂźr jeden Anlass das passende Outfit.

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Sie und Ihr Partner besitzen eine Wohnung in New York City und ein Haus in Charleston, South Carolina. Was lieben Sie am meisten an New York und was an Charleston? New York City bedeutet für mich seit 1999 Heimat, und das wird es auch für immer bleiben. Ich fühle mich aber gesegnet, in beiden Welten leben zu dürfen, denn mit 40 Jahren bin ich der Hektik von New York ein wenig müde geworden. Aber natürlich gibt es auch heute nichts Besseres, als für zwei Wochen dorthin zu fliegen, zu arbeiten, Freunde zu treffen, in die Welt der Galerien einzutauchen und länger als bis 21 Uhr wach zu bleiben. Charleston hingegen ist meine spirituelle Heimat. Wenn ich hier bin, fühle ich mich einfach komplett. Verraten Sie mir Ihre liebsten Plätze in New York? Natürlich. Ich lebe seit 2002 in Harlem, also liebe ich diese Nachbarschaft sehr. Kulturell brenne ich für «The Frick Collection», das «Metropolitan Museum of Art» und das «Fashion Institute of Technology». Für das Dinner bin ich ein grosser Fan vom «The Beatrice Inn», dem «Café Cluny» oder dem «Red Rooster». Absolute Nummer eins, um bei einem Drink den Sonnenuntergang zu geniessen, ist aber das «Top of the Standard»-Hotel. Gibt es einen Unterschied zwischen Ihrem Kleidungsstil in New York und in Charleston? Den Hauptunterschied macht das Wetter. Ich habe alle  meine Capes, schweren Mäntel und Wollhosen in

Veranda seines Hauses in Charleston.

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New York, um durch die Winde und den peitschenden ­Regen während der Men’s Fashion Week oder den Men’s Trade Shows zu stapfen. Ich trage selten Shorts in der Stadt und definitiv keine Sandalen, aber abgesehen davon versuche ich immer, mein wahres Selbst zu sein, egal wo ich bin. Kommen wir zum Endspurt … Persönlich schlimmste Fashion-Phase? Oh golly, je ne regrette rien! Ich liebe jede Phase, die ich durchgemacht habe, weil ich zu der Zeit nur dachte, dass es wunderbar war. Ihre Modeempfehlung? Stewart Christie’s in Edinburgh ist zwar 300 Jahre alt, wurde aber vor Kurzem gekauft, und die Kleider sehen so gut aus. Bestgekleideter Celebrity? George Clooney. Lieblings-Gadget? Meine Hydroflask-Thermoskanne. Grossartig für die Fashion Week und das Stand-up-Paddling! Lieblingsziel in Europa? London. Grossartiger Humor, alte Freunde und massives Shopping.


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EIN KÜNSTLER DURCH UND DURCH HUBERT DE GIVENCHY

Zum Glück besuchte Hubert de Givenchy im Jahre 1937 die Weltausstellung in Paris, denn sonst hätte die Modewelt vermutlich auf einen grossen Modeschöpfer verzichten müssen. Erst der Besuch im Pavillon der grossen Couturiers an der Weltausstellung weckte in ihm den grossen Wunsch, später einmal etwas im Bereich der Mode machen zu wollen. Zunächst aber studierte der Sohn einer wohlhabenden Adelsfamilie Jurisprudenz, bevor er sich schliesslich an der «École des Beaux-Arts» in Paris einschrieb und 1952, mit gerade mal 25 Jahren, seinen ersten eigenen Salon eröffnete. Zwar arbeitete der junge Modeschöpfer zu Beginn noch mit günstigen Materialien wie Baumwolle, da die finanziellen Mittel für hochwertigere Stoffe fehlten, doch fanden seine so innovativen wie schlicht und eleganten Kreationen schnell Anklang in den Pariser Modekreisen. Vor allem Schauspielerin Audrey Hepburn war derart von seinen Kleidungsstücken angetan, dass sie darauf bestand, am Filmset ausschliesslich Kleidung von de Givenchy zu tragen. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die wohl berühmteste Kreation aus italienischer Seide, auch bekannt als «das kleine Schwarze», das Hepburn im Filmklassiker «Frühstück bei Tiffany» getragen hatte. Im Jahr 2000 wurde das legendäre Original im Londoner Auktionshaus Christie’s für den beachtlichen Preis von rund 600’000 Euro ver­steigert. Mit der Zeit wurde die Schauspielerin nicht nur eine gute Kundin, sondern auch eine enge ­Freundin des Modeschöpfers. Für Hepburn

2 ZITATE

kreierte ­de ­Givenchy sogar ein Parfüm, das er «L’Interdit», «das Verbotene», nannte, weil die Schauspielerin «C’est interdit!» ausgerufen haben soll, als sie erfuhr, dass er den Duft vermarkten wollte. 1988 dann verkaufte Hubert de Givenchy sein Unternehmen an den Luxuskonzern LVMH, blieb aber bis 1996 Chefdesigner, bevor er mit knapp 70 Jahren in den wohlverdienten Ruhestand ging. Seither entwickelte er sich immer mehr zum Gärtner und Naturliebhaber und verbrachte viel Zeit mit der Ausgestaltung seines Gartens. Der heute 90-Jährige soll sogar dabei geholfen haben, den Gemüsegarten von Sonnenkönig Ludwig XIV. in Versailles zu restaurieren.

«Mit der Mode kann man keine Weltanschauung demonstrieren, denn so rasch ändert niemand seine Prinzipien.»

«Kein Couturier kann ein Kleid so exakt beschreiben wie eine Frau, die die Robe einer Rivalin demonstrativ ignoriert.» – Hubert de Givenchy –

– Hubert de Givenchy –


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PENNYIM

SCHUH

«Sind Ihre Haare richtig frisiert und Sie tragen gute Schuhe, dann kommen Sie mit allem durch.» – Iris Apfel –

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Kein Schnüren, kein Bücken, kein Knoten, in einen Loafer schlüpft man einfach hinein. Loafer sind Schuhe für Faulenzer, der charakteristische Steg über dem Rist ihr Erkennungszeichen.

L

Barbara Goerlich I

oafer gelten als die amerika­ nischen Schuhe schlechthin. Zu­ge­geben, Schlupfhalbschuh, Slipper oder gar Schlüpfer, wie er in der Schweiz genannt wird, klingt nicht wirklich cool und stylish. Doch sie sind nie aus der Mode gekommen, obwohl sie mehr oder weniger unverändert schon gut hundert Jahre auf dem Buckel haben. Die praktischen Schlupfschuhe sind eine Weiter­entwicklung des Indianer-Mokassins, mit Sohle und Absatz aufgerüstet, und wirklich echt nur mit dem charakteristischen Lederriemen (Steg) über dem Rist.

Schuh mit Glücksbringer Ihr Ursprung liegt im hohen Norden Europas. Auf einer Amerikareise hatte der norwegische Schuh­ fabrikant Nils Tveranger die Mokassins der Iro­ kesen kennengelernt. Im heimischen Aurland ­fertigte er daraus seinen «Aurlandssko» (Aurlandschuh) mit Sohle und Absatz. Der neuartige Schuh wurde in Norwegen schnell populär, seinen Durchbruch schaffte er aber erst in den USA, zunächst als Loafer, dann als Penny Loafer. Diesen weltberühmten Loafer verdankt die Welt dem In­ haber der amerikanischen Schuhfabrik G.H. Bass and Co. Ein Zeitungsartikel machte ihn auf die ­Aurlands aufmerksam. Bass war von der Schlupftechnik ohne Schnürsenkel begeistert und brachte 1936 seine Version unter dem Namen «Weejunns» (Nor«wegians») auf den Markt. Da man ihn nicht schnüren muss – Kinder und Knoten! –, startete der neue Schuh als Teil amerikanischer Schul­ uniformen voll durch. Über die Schulen gelangte er an Colleges und Unis. Der Loafer als College-­ Schuh war geboren und gehörte neben Chino, Button-down-Hemd und V-Ausschnitt-­ Pullover zum angesagten Kleidungsstil modebewusster Studenten. Und da sie als Glücksbringer vor K lausuren einen Penny in den Schlitz des ­ ­Ledersteges steckten, wurden die Weejunns zu «Penny Loafers».

G.H. Bass

Die Idee mit dem Penny machte auch in Nor­ wegen Furore. Im Zweiten Weltkrieg steckten patrio­tische Norweger in stillem Protest gegen die Besatzung ihres Landes eine 10-Öre-Münze in den Bund i­ hrer Aurlands. So avancierte der Ur-Loafer ­«Aurlandssko» zum Nationalschuh, und die Aurlands-­Schuhfabrik machte eine Tugend daraus. Sie gab jedem Aurlands-Loafer, der die Fabrik verliess, eine 10-Öre-Münze mit auf den Weg.

Von James Dean bis Brigitte Bardot Sie sind bequem, schick und immer mehr auf dem Vormarsch. So auch ganz besonders der sogenannte «Tassel»-Loafer mit Quasten, mit denen sich einst der US-Schuhgigant Alden in den 1950ern einen Namen machte. Einst völlig verpönt, erlebt der Schuh, der oft despektierlich als «Bommel-­ Schuh» bezeichnet wurde, auch in unseren Breitengraden eine wahre Renaissance als Business-­ Schuh zum Anzug. Grundsätzlich aber geht der Herr mit Tassel-­Loafern und der passenden Kleidung zur Gartenparty, um dort zu «loafen», was dem Chillen entspricht. Ganz ohne peinlich zu wirken, kann Mann seine Loafer aber auch ohne Strümpfe tragen wie die Stil-Idole James Dean und John F. Kennedy. Auch Audrey Hepburn und Brigitte Bardot trugen welche, Michael Jackson tanzte mit ihnen seinen Moonwalk, und unzählige Couturiers variieren sie mit High Heels, Farben und den abenteuerlichsten Materialien. Der berühmteste ist wohl der Gucci-­Loafer mit der Metall-Trense über dem Steg. In immer neuen Variationen laufstegtauglich getrimmt, macht er bei den Fashion-­Shows der italienischen Marke sogar zu Abendroben bella figura.

Der Weg in die Damenwelt Zum Unisex-Schuh mutierten die ursprünglichen Männerschuhe in den 1960er Jahren. Über die Women’s-Lib-Bewegung erreichten sie die Damenwelt. Flache Treter waren für Demos einfach besser geeignet …

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«Ich versuche, die Dinge etwas interessanter zu machen. Ich will ein wenig Freude injizieren. Ich mache meine Fashionshow nur der Show wegen, nicht des Geldes wegen, denn in der Mode geht es nicht immer nur um Geld machen.» – Gareth Pugh –

SS 2017


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THE

DARK PRINCE OF FASHION Lady Gaga trägt sie, Kylie Minogue und Beyoncé Knowles ebenso. Die Kreationen des gerade einmal 36-jährigen Engländers Gareth Pugh sind nicht nur futuristisch und aufregend, sondern mindestens ebenso exzentrisch wie ihr Schöpfer selbst. Anka Refghi I

Gareth Pugh

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eine Couture-Schauen werden mit Spannung erwartet, denn wo immer Gareth Pugh präsentiert – für Furore ist gesorgt. Avantgardistisch, futuristisch und mit einer unverkennbaren Prise «Darkness» feiert der britische Modeschöpfer seit Jahren Erfolge rund um den Globus. Mit seinen skulpturalen Kreationen, mehr Kunst als Fashion, hat er selbst die «Gnadenloseste» aller in der front  row sitzenden Damen für sich gewinnen können: die Chefredakteurin der US-amerika­ ­ nischen «Vogue» Anna Wintour. Einmal nach ihrer Meinung zu Gareth Pugh gefragt, antwortete sie: «In Gareth Pugh I see … McQueen.» Ein Ritterschlag! Sein Stil? Theatralische Extravaganz und düstere Sexyness. Er lässt Körper zu Bühnen werden, auf denen er seine ebenso geometrischen wie ausladenden Formen präsentiert und Menschen zu postapokalyptischen Prinzessinnen, Amazonen oder Fantasie-Kreaturen werden lässt. In jedem Fall aber sind seine Kreationen an visueller Dramatik kaum zu überbieten.

Eine Bilderbuchkarriere Dass Gareth Pugh ein besonderes Kind war, zeigte sich schon in ganz jungen Jahren. Am 31. August 1981 als Sohn eines Polizisten in der englischen Hafenstadt Sunderland geboren, begann er bereits mit acht Jahren Make-up zu tragen. Auch die Leidenschaft des bis heute als schüchtern geltenden Modeschöpfers erwachte früh. So besuchte er ab seinem 14. Lebensjahr während der

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SS 2016

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Sommerferien die Kostümbildkurse des National Youth Theatre in London. Gerade einmal 23 Jahre alt, schloss er 2003 als jüngster Absolvent die legendäre Central Saint Martins in London ab und sorgte gleich mit seiner Abschlusskollektion für ein beachtliches Aufsehen in der Modewelt. Mit seiner Kollektion, für die er Kleider aus aufblas­ baren Ballons kreierte, schaffte er nicht nur den Sprung auf das Cover der britischen Jugendzeitschrift «Dazed & Confused», sondern auch in das Atelier des Skandal-Modeschöpfers Rick Owens, der ihn unter seine Fittiche nahm. Sein weiterer Werdegang liest sich wie ein Märchen: 2005 Debüt an der Londoner Fashion Week, 2008 Gewinner des prestigeträchtigen «Andam Award», 2009 Präsentation der ersten Herren­ kollektion im Palais de Tokyo in Paris, 2010 Eröffnung seiner ersten Boutique in Hongkong und


SS 2015


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erste Pariser Fashion Week. 2011 dann präsentierte er als Gast an der prestigeträchtigen «Pitti Immagine» in Florenz, einer legendären Mode­ messe für Herrenmode, seine Kollektion über eine Videoinstallation, die er zusammen mit der britischen Filmemacherin Ruth Hogben produziert hatte. Eine Präsentationsform, die er im Verlauf

seiner Karriere immer wieder wählte. «Der Film», so Pugh, «gibt mir die Kontrolle. Bei einer Liveshow ist die Kontrolle begrenzt. Models können auf dem Catwalk stürzen, Outfits können verwechselt werden, und Fotografen können schlechte Fotos ­machen. Wenn ich in den darauffolgenden sechs Monaten aufgrund dieser schlechten Fotos als Designer beurteilt werde, ist dies alles andere als schmeichelhaft.» Gareth Pugh gehört heute zweifelsohne zur Crème de la Crème. Als absolutes Highlight der Prêt-à-porter-Schauen gehandelt, zeigt er mittlerweile seine Kollektion während der Pariser Modewochen neben Grössen wie Dior und Chanel.

Ready-to-wear 2017 2016 stand für Pugh ganz unter dem Zeichen der Oper. Für die Oper «Eliogabalo» des italienischen Komponisten Francesco Cavalli aus dem 17. Jahrhundert kreierte er für die Wiederaufnahme im Pariser Palais de Garnier 60 Kostüme. Die Oper, eine dramatische Geschichte um Sex, Macht und Gier rund um den grössenwahnsinnigen antiken Kaiser Heliogabalus, der sich selbst zum Sonnenkönig ernannte. Und eine Geschichte, die zum Inspirationsquell für seine aktuelle Ready-to-­wearKollektion Frühling / Sommer 2017 gereichte, die er nur einen Tag nach der Opernpremiere präsentierte. Eine Kollektion, in der er mit Machtsymbolen und dem immer wiederkehrenden Schlüsselmotiv der Sonne spielt. Zur Intention seiner Kollektion befragt, sagte Pugh: «Auf eine Weise ist die Sonne ein Symbol der Schöpfung und Wärme – eine Explosion von Macht und Leben –, aber sie kann auch tyrannische Macht und Zerstörung dar­stellen. So wollte ich diese Dualität erforschen und die ­beiden Seiten der Medaille zeigen.» Gareth Pugh ist mit seiner Frühlings- und Sommerkollektion 2017 einmal mehr in meisterlicher Weise eine «Marriage» zwischen Kunst und Mode gelungen, die Publikum und Kritiker gleichermassen begeisterte.

«Ich denke in Schwarz.» SS 2015

– Gareth Pugh –

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ON!

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F ü r Mode u nd Accessoires g i lt auch d ieses Ja h r: Si lber, Gold, tra nsparente Materia l ien u nd gl itzernde Stei ne si nd weiterh i n «en vog ue». Schu he, Taschen, Son nenbri l le – a l les fü r den gla n zvol len Au ftritt i n der schönsten Zeit des Ja h res.

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Sonnenbrille Sun «Sunny Bay» in elegantem Design und mit von Hand applizierten kostbaren Steinen. Runde Polymergläser höchster Qualität, UVAUVB-Infrarot und Blaulicht, 100 % Schutz, Made in Italy.

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Die Riemchen-Sandale «Arlene» ist ein Statement und wurde in Italien aus feinstem Leder handgefertigt. Ein verstellbarer Knöchel­ riemen und der Stiletto-­ Absatz runden das glamouröse Design ab.

1 I BUCCELLATI

Aus einer Kooperation mit dem Modedesigner Giambattista Valli sind ikonische Schmuckstücke entstanden. So auch der ebenso klassische wie moderne Armreif mit Rubin und Diamanten für die elegante Frau.

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2 I MIU MIU

Die goldige Schultertasche aus Ziegenleder ist ein wahres «It-Piece». Verschluss mit zwei Magneten, Ziegenlederschlaufe mit geschnitzter Schnalle, zwei offene Fächer und Teiler in der Mitte mit Magnet, mit Nappaleder gefüttert. 3 I DOLCE & GABBANA

Für die aktuelle Kollektion liessen sich Domenico Dolce und Stefano Gabbana einmal mehr von Sizilien inspirieren. Eine Kollektion wie eine grosse sizilianische Party auf der Strasse mit einem Hauch «Italo-Trash».

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A FIGARO DER

ST R Die Entscheidung, sich von braun auf blond umzufärben, ist massgeblich mitverantwortlich für ihre steile Karriere. Davon ist Catherine Deneuve heute fest überzeugt. Seit über 20 Jahren vertraut die Filmdiva dabei nur einem, dem französischen Coiffeur Christophe Robin.

I

Valeska Jansen I

Christophe Robin

m angesagten Pariser Stadtteil Marais, in der Rue Bauchaumant 16, hat Robin vor rund einem Jahr seinen neuen Salon er­ öffnet. Er ist Coiffeur aus Leidenschaft und erlernte bereits mit 15 Jahren sein Handwerk 240 Kilometer von Paris entfernt im kleinen Ort Bar-sur-Aube. Seine Lehrmeisterin Dominique entdeckte damals schnell ein ganz besonderes Talent an ihrem Lehrling: den sensiblen Umgang mit Haarfarben. Robin erkannte immer auf Anhieb, welche Haarfarbe zu welchem Typ Frau passt. Der Hautton plus Teint und Augenfarbe ergaben für ihn ein eindeutiges Ergebnis. Nicht die Haarfarbe sollte dominieren, er wollte das Gesamterscheinungsbild optimieren.

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Karrieresprungbrett Paris Als er in den 1980er Jahren im Alter von 18 in die französische Modemetropole kam, tobte dort gerade der Hype auf die Supermodels. Hier konnte sich der talentierte Coiffeur mit seinem besonderen Augenmerk schnell auch öffentlich, während der Fashion Shows, beweisen. Als der französische Kosmetikkonzern L’Oréal auf ihn zukam, ein neuartiges Haarfärbemittel zu entwickeln, liess sich der junge Figaro nicht lange bitten. Sein Auftrag: ein pflegendes Färbemittel für das jüngste Werbegesicht der Marke, das amerikanische Topmodel Stephanie Seymour, zu konzipieren. Der Durchbruch. Schnell wollten auch Seymours berühmte Kolleginnen, wie Claudia Schiffer oder Ella McPherson, vom jungen Farbkünstler persönlich beraten werden.


Wiederkehrendes Dekorationselement: Robins Reisesouvenirs von den Polynesischen Inseln.

Extravagant und anders

Exklusivität hat ihren Preis

Bis heute pilgern die Modestars von damals zu ihrem auserkorenen Haarspezialisten. Kolleginnen Deneuves, wie Tilda Swinton oder Kylie Minogue, schwören auf das Talent Robins. Dass er anders ist als die meisten Coiffeure, zeigt sich ebenfalls in seinen neuen Räumlichkeiten. Entgegen dem gegen­ wärtigen Interieur-Trend der Branche, mit klaren und schlichten Linien, wirkt sein jüngster Salon wie ein Boudoir. Üppige Rosenbouquets in schweren Bleikristallvasen auf zierlichen Spiegeltischchen, vor indirekt beleuchteten Spiegeln. Hier ein antiker Handspiegel, dort eine filigrane Nippes-­ Figur. Und ein immer wiederkehrendes Deko­ rations­element: die Muschel. Darauf angesprochen beginnt der Figaro strahlend zu erzählen, dass die meisten der ungewöhnlich grossen Exemplare Mitbringsel seiner zahlreichen Reisen nach Polynesien sind. Seine auffallend sanfte, leicht verrauchte Stimme erhält dabei den wehmütigen Klang der Sehnsucht.

In seinem Salon treffen sich jedoch nicht nur Celebrities, viele «normale» Frauen gehören zu seinen treuen Kunden. Jede von ihnen wird vom Meister persönlich mit Küsschen rechts und links begrüsst. Man kennt sich, und so geht es nach Salonöffnung morgens um zehn Uhr schnell wie in einem Taubenschlag zu. Mit der Haarpackung oder dem Färbemittel auf dem Haupt, einer Kaffeetasse in der Hand wird geplaudert und gescherzt. Routiniert und ruhig erteilt Robin seinem neunköpfigen Team Anweisungen, denn er selber legt nur bei den Kundinnen Hand an, die bereit sind, «etwas» mehr zu bezahlen. Seine persönliche Beratung plus Pflegeritual kosten dann alleine bis zu 850 Euro, schneiden und föhnen tut er nicht. Für alle anschliessenden Tätigkeiten, wie Haarschnitt und Styling, hat Robin seine Spezialisten. Inklusive deren Leistung summiert sich die Abschlussrechnung dann schnell auf 1200 Euro. Wer nun hofft, eine Haarbehandlung mit Catherine Deneuve als Sitznach­ barin zu erhalten, wird enttäuscht werden. Sie ist über die Jahre für Robin zur guten Freundin geworden und erhält in ihren Privaträumen seine exklusiven Farb- und Pflegetreatments. Wir trafen Robin inmitten dieses emsigen Treibens und baten ihn, uns ein paar seiner Geheimnisse zu verraten:

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PRESTIGE: Haare färben ist eigentlich sehr strapaziös für die Haarstruktur. Sie behaupten, bei Ihnen nicht. CHRISTOPHE ROBIN: Genau! Die meisten Haarfärbe-­ Produkte enthalten Ammoniak, welches die Haarstruktur angreift. Dieser Wirkstoff ist einfach sehr aggressiv, auch für die Kopfhaut. Deshalb gibt es bei mir nur Produkte aus natürlichen Inhaltsstoffen. Keines meiner Produkte enthält Ammoniak oder Sulfate, Silikone und auch keine Phosphate. Jedes einzelne habe ich selber mitentwickelt und peinlichst auf die Einhaltung meiner strengen Richtlinien geachtet. Womit beginnt denn ein typisches Christophe-RobinPflegeritual? Zuerst verwende ich gerne mein Lavendel-Haaröl-Balsam, um es im gesamten trockenen Haar einzumassieren und für mindestens 20 Minuten einwirken zu lassen. Es versorgt das Haar mit jeder Menge Feuchtigkeit und schützt es auch für eine anschliessende Farbbehandlung. Nach der Einwirkzeit empfehle ich, die Kopfhaut mit meinem Meersalz-Peeling zu behandeln.

Welchen Fehler machen bei der Haarpflege die meisten Menschen? Fast niemand spült ein Shampoo oder einen Conditioner lange genug mit klarem Wasser aus! Die Folgen sind dann stumpfes und beschwertes Haar. Ausserdem fettet es dann schneller. Graues Haar ist gerade voll im Trend. Was sagen Sie dazu? Je nach Typ und Teint sieht graues Haar fantastisch aus. Nur hat kaum jemand von Natur aus einen gleichmässigen und schönen Grauton. Da muss auf jeden Fall immer mit Farbe nachgeholfen werden. Um dem ständigen «Grauer»-Ansatz-Nachfärben zu entgehen, entscheiden sich viele dunkelhaarige Frauen irgendwann für eine Blondierung … Das finde ich ganz schlimm! Blondes Haar steht einfach nicht jeder Frau! Mein Credo hier ist immer: Die Haarfarbe muss zum Teint, zum Hautton und zum Typ passen. Dunkel­ haarige Frauentypen sollen dann lieber in den sauren Apfel beissen und alle zwei bis ­drei Wochen zum Ansatz-Färben gehen.

Peeling für die Haare? Ja! Dadurch werden abgestorbene Hautzellen schonend von der Kopfhaut entfernt. Überschüssiger Talg und eventuelle Rückstände von Pflege- oder Stylingprodukten werden hiermit gelöst, und die Kopfhaut kann wieder atmen. Oft leiden Menschen unter Haarausfall und wissen nicht warum. Eine verklebte Kopfhaut kann hier die Ursache sein. Die einzelne Haarwurzel wird wie aufgeweicht und kann das einzelne Haar nicht mehr halten, es fällt aus. Man sollte so ein Kopfhautpeeling deshalb mindestens einmal pro Woche machen, wenn nicht sogar zweimal. Seit vielen Jahren befreundet: Catherine Deneuve und Christophe Robin.

Üppig, aber nicht pompös: der neue Haarsalon im angesagten Pariser Marais-Quartier.

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Glanzvoller AUFTRITT

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1 I Max Factor Die «False Lash Epic Mascara» besitzt eine innovative Bürste für einen dichten und schwung­vollen Wimpernfächer. Das Highlight der Bürste ist die Zoom-Effekt-Kugelspitze, die selbst feinste Härchen in Szene setzt.

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2 I Guerlain Für den perfekten Auftritt hat Guerlain die Lidschattenpaletten «Palette 5 Couleurs» in sechs verschiedenen Farbharmonien kreiert. Hier zu sehen: «Rose Barbare» in Mauve- und Lilatönen. 3 I EviDenS de Beauté Das Anti-aging-Treatment wurde für die dünne und sensible Haut des Dekolletés und des Halses entwickelt, um die Hautschichten dieser empfindlichen Zonen in den Tiefen zu rekonstruieren. 4 I Giorgio Armani Das Eau de Parfum «Sky di Gioia» ist ein Erlebnis für die Sinne und inspiriert von der Schönheit der Natur, die niemals an Faszination verliert: dem Anblick eines Sonnenaufgangs in sanft flammendem Rosa über dem Horizont des Meeres.

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5 I Yves Saint Laurent Der neue «Volupté Tint-in-Balm» kombiniert transparente, leuchtende Farbe mit einer auf den Lippen schmelzenden, nährenden Pflege, die einen Hauch von Farbe wie einen zarten Kuss hinterlässt. 6 I Filorga New Cellular Treatment Factor NCTF ® ist Polyrevitali­sierung ohne Nadel! Die neue Linie NCTF Reverse ® besitzt neu nun eine 10fach höhere Konzentration an NCTF® als die herkömmlichen Rezepturen des Unternehmens.

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FASHION &BEAUTY

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VIEL HEISSE

LUFT

Nichts als heisse Luft? Von wegen! Der elektrische Haartrockner nimmt es seit über 100 Jahren nicht nur mit Haaren aller Art auf, in seiner Folge sorgten flotte Fönfrisuren für Abwechslung auf den Köpfen.

n gut einem Jahrhundert hat der elektrische Haartrockner eine erstaunliche technische Entwicklung durchlaufen und wurde zum windschnittigen Gerät, leicht, reisetauglich und ausgestattet mit allerlei technischem Schnickschnack. Temperaturregulierung ist ebenso Standard wie die Einstellung der Gebläsestärke, Diffusor, bis hin zur Ionisatorfunktion gegen statisch aufgeladene «elektrifizierte» Haare.

Zeitaufwändige Prozedur Unsere Vorfahren sind nicht zu beneiden. Eine Haarwäsche und vor allem das anschliessende Trocknen und Stylen der Haare waren für sie ein Riesenakt. Frau trug lang, denn Bubikopf oder Kurzhaarschnitte für Damen waren weder en vogue noch in Sicht. Stundenlanges Sitzen vor Heizung, Kamin oder in der Sonne war an der Tagesordnung und machte Haare waschen und trocknen zur zeitaufwändigen Prozedur. Die Idee, Haare mit einem elektrischen Gerät zu trocknen, war daher geradezu sensationell. Kein Wunder, dass ausgerechnet ein Pariser Coiffeur das erste Modell kreierte: Schnellere Haartrocknung bedeutete mehr

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Barbara Goerlich

Kundschaft, die bedient werden kann. Vom Alleinstellungsmerkmal ganz abgesehen. Auch die Industrie bastelte an einer elektrischen Lösung, um das letzte bisschen Fell auf dem Kopf, das den Menschen geblieben ist, zu trocknen. Von den bis zu 500’000 Körperhaaren eines Menschen entfällt rund ein Viertel auf den Kopf, im Durchschnitt sind also um die 100’000 Haare zu hegen und zu pflegen.

Eine heisse Sache 1899 kam die elektrische «Haardusche» vom deutschen Unternehmen AEG auf den Markt, der bald ein Vorläufer des elektrischen Haartrockners folgte. Der war eine heisse Sache, pustete Luft mit 90 Grad Celsius aus dem ­Düsenrohr und war mit gut zwei Kilo Gewicht schwer und unhandlich. Ein Meilenstein der Technik, der als Nebennutzen auch für medizinische Zwecke, zum Beispiel bei Rheuma, Gicht oder zur Behandlung der Furunkulose, eingesetzt wurde. Doch der Anfang war gemacht. Was in den Jahrzehnten seither folgte war Fine Tuning in Sachen Leistung, Handlichkeit und Gewicht. In den 1950er Jahren wurden die ersten Haartrockner aus Plastik hergestellt, was sie erheblich leichter, kleiner und handlicher machte. Die typische ­«Pistolenform» erfand mit dem Ingenieur Jean Mantelet von Moulinex wieder ein Franzose. Heutige Haartrockner lassen sich von 220 auf 110 Volt umschalten, auf Batteriebetrieb wechseln und machen sich dank Klappgriff klein. Brachten sie anfangs 300 Watt Leistung zustande, blasen Profi-Geräte heute mit 2200 Watt. Erst 1987 gelang es, die Föne zum Flüstern zu bringen und das Betriebsgeräusch zu senken.


FASHION &BEAUTY

VON FÖN BIS FÖHN Zu seinem Namen kam der Fön übrigens erst ein paar Jahre nach seiner Erfindung beim Hersteller Sanitas. Dass der Haartrockner seinen Namen einem trockenen, warmen Fallwind verdankt, ist heutzutage allenfalls noch Bewohnern des Alpenraums ein Begriff. Dass es auch die Schreibweise «Foen» gibt, ist AEG zuzuschreiben. Seit gut 50 Jahren hegt und pflegt man dort den Begriff und verteidigt ihn gegen alle, die sich damit unbe­ rechtigt schmücken wollen. Der Rest der Nation versteht bei «Fön» nur «Haartrockner», dessen geläufige Schreibweisen von Foen (AEG) über Fön bis Föhn reichen, die alle dasselbe bezeichnen: einen Haartrockner.

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FASHION &BEAUTY

ENTSPANNUNG

PUR Die Tage werden wieder länger, das Licht verleiht uns jetzt wieder mehr Tatendrang – umso bewusster wird uns da schnell, dass wir in den kalten Wintermonaten das heimelige Sofa zu selten verlassen haben. Deshalb ist jetzt der richtige Zeitpunkt, um die Energiereserven wieder aufzufüllen und etwas für die Gesundheit zu tun. Einen ganzheitlichen Ansatz verfolgen die ME-Programme im Alpenresort «Schwarz» in Mieming.

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Nike Schröder I

Mario Rabensteiner

ch habe mich für ein Wellness-Wochenende im 5-Sterne-Alpenresort «Schwarz» am Mieminger Plateau entschieden. Herrliches Berg­ panorama, wunderbar frische Alpenluft, die wohl sonnigste Region in Tirol und inmitten dieses Naturparadieses ein Luxushotel mit rie­siger Well­ ness- und Spa-Landschaft: «Hotel Schwarz», ich komme. Im ­«Hotel Schwarz» wird «ME-Meine Energie» angeboten. Das Alpenresort liegt malerisch auf

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FASHION &BEAUTY

«Das ME 7-Tage Gesundheitsprogramm ist geprägt von einem ganzheitlichen Ansatz mit dem Ziel, individuelle Ressourcen zu stärken und persönliche Gesundheitsziele zu erreichen.» – Thomas Pirktl –

Jeder findet hier auf 5500 Quadratmetern einen wunderschönen Platz zum Entspannen.

rund 900 Höhenmetern zwischen dem Oberinntal und der Mieminger Kette, nur eine halbe Auto­ stunde von der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck entfernt. Durch die klimatisch günstige Lage auf dem Mieminger Sonnenplateau geniessen die Gäste viele Extra-Sonnenstunden. Das Gesund­ heitskonzept «ME-Meine Energie» des 5*-Hotels findet in einem Luxushotel mit allem Komfort und exklusivem Lifestyle statt. Eine o ­ ptimale Umgebung, um Körper, Geist und Seele aufzutanken.

Liebevoller Empfang Beim Einchecken spüre ich von Anfang an die Herzlichkeit und Lebensfreude des familiengeführten Hotels. Das geräumige Komfort-Zimmer ist liebevoll ausgestattet, und jetzt bin ich auf den Wellness­ bereich gespannt: Sensationell ist die Relax-Wasser­ welt mit neun verschiedenen Pools, aber auch die neue Saunalandschaft lässt keine Wünsche offen. Auch Yoga, Faszien-Training, Anwendungen wie Lymphdrainage oder Radiowellenfrequenztherapie

können gebucht werden. Doch das ganz besondere, massgeschneiderte Programm finde ich in «ME-Meine Energie». Sogar eine eigene Kosmetikserie aus den heimischen Naturprodukten gibt es zum ME-Programm. Mein Therapeut Markus findet wirklich jede Blockierung in meinem Körper und aktiviert sie mit sanftem Druck und mit Hilfe von Kamille, Arnika, Rosmarin und Thymian. Ich fühle mich nach einer Stunde mit ihm wie neu geboren. Weitere Belohnung: die Gesichts- und Körperbehandlung mit der Hausmarke «ME SENSE». Die Naturprodukte pflegen die Haut und halten ihre Versprechen.

Ich atme mich frei Dann erwartet mich aber noch ein Highlight: Bei einem Entspannungstraining gemeinsam mit dem Mentaltrainer und Sportwissenschaftler Klaus Unterberger lerne ich bewusst atmen. Ich atme langsam und tief ein und aus, ­was einen wohltuenden Effekt auf den ganzen Körper hat. Dabei spüre ich,  wie mein Stress sich quasi zusehends abbaut. Relaxen. Runterfahren. Mich wiederfinden. Es sind aber auch die köstlich zubereiteten Gerichte im «Hotel Schwarz», die voller Phantasie auf Themenabende und Spezialgebiete abgestimmt sind. Das Konzept: Vollpension. Morgens ein TCM-Müsli und dazu frisch gepresste Säfte, mittags eine exotische Reispfanne mit Kurkuma und abends ein kreatives Gourmetmenü. Natürlich kommen auch heimische Spezialitäten wie Kalbsschnitzel auf die Karte. Lecker.

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ICH BAUE EINE

TADT FÜR DICH

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LIVING

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Dem niederländischen Architekten Rem Koolhaas sind Reichtum und Anerkennung nicht wichtig. Für ihn steht der Mensch im Fokus seiner Arbeit. Daher haben alle seine Entwürfe einen gesellschaftlichen Hintergrund.

eine Referenzen lassen einen mit dem Scrollen gar nicht mehr aufhören. Ellenlang ist die Liste, die sich dem User eröffnet, sucht er nach den fertiggestellten Bauten des Architekten Rem Koolhaas. Bibliotheken, Galerien, Hotels, Theater, Museen – es gibt kaum eine Immobiliengattung, die es nicht auf die Liste des heute 72-Jährigen geschafft hat. Besonders auffällig ist dabei jedoch die zahlreiche Nennung des Labels «Prada». Schnell lässt sich daher vermuten, dass die Italiener einen Narren an dem holländischen Star gefressen haben. Jüngst hat er für sie sogar eine alte Alkoholfabrik in ein Museum verwandelt. Und schon davor hat er für aufsehen­ erregende Präsentationsflächen für die Luxusmarke gesorgt. Er ist weltweit be- wie auch anerkannt, und das vor allem auch, weil er kein Haus baut, ohne dabei an die Menschen zu denken.

Architektur kann den Menschen beeinflussen Rem Koolhaas wurde 1944 geboren, mitten hinein in eine unsichere, von Krieg geprägte Zeit. Seine Heimatstadt Rotterdam war zu diesem Zeitpunkt nahezu komplett zerstört. Seine Kindheit und Jugend war somit vom Aufbau der Stadt geprägt. Ob dies dazu beigetragen hat, zwischen 1968 und 1972 an der «Architectural Association School of Architecture» (AA) in London zu studieren, ist jedoch reine Vermutung. Fakt ist, dass er mit seiner ganz eigenen Art, Architektur zu interpretieren, heute zu den weltweit bekanntesten und auch einflussreichsten Baukünstlern der Welt gehört. Gemeinsam mit Madelon Vriesendorp und den beiden Architekten Elia und Zoe Zenghelis gründete er 1975 das «Office for Metropolitan Architecture» (OMA) und spielt damit national wie international eine wichtige Rolle.

Wilma Fasola I

Bas Princen

Bekannt wurde der Niederländer zudem durch seine 1978 erschienene Schrift «Delirious New York». Unter theoretisch-philosophischer Sicht nimmt er die urbane Dichte Manhattans unter die Lupe. Die von ihm geprägten Begriffen «Generic City» und «XL-Architektur» haben nachweisbar den Städte­ bau beeinflusst. 1994 wurde Koolhaas’ Buch unter dem Titel «Rem Koolhaas and the Place of Modern Architecture» neu aufgelegt, und das nicht zuletzt, weil die Verdichtung der Städte aktuell zu einem der wichtigsten Themen der Branche gehört. Im Zuge seiner Professur an der Harvard University forscht der Architekt ausserdem gemeinsam mit seinen Studenten im Hinblick auf zeitgenössische Städte und ihre kulturellen Aspekte. Er ist der festen Überzeugung, dass Architektur das Leben der Menschen massgeblich beeinflusst. Und auch das von ihm und seinen OMA-Partnern gegründete Forschungsstudio AMO setzt sich mit der Beziehung von Architektur und sozialem Leben auseinander.

Unfertig kann auch schön sein Der Fokus von Koolhaas’ Schaffen lag lange Zeit auf Neubauten. Heute setzt er mehr auf Bestehendes und baut lieber um. Und das auch, weil er in seinen Augen die urbane Perspektive lange genug beschrieben und in seinen Bauten umgesetzt hat. Heute setzt er sich lieber mit Landschaften auseinander und versucht, Altes neu zu interpretieren. Und so sind auch die Grundmauern der im letzten Jahr fertiggestellten «Fondazione Prada» historischer Natur. Die Immobilie im Süden der italienischen Stadt Mailand war einst eine Destillerie. Seit der Neueröffnung im Mai 2015 beherbergt sie nun ein Kulturzentrum mit verschiedenen Museen, Bildungseinrichtungen, einem Kino, Café sowie eine Bibliothek und einen Konzertsaal. Bereits 1993 hatten Modeschöpferin ­Miuccia Prada und ihr Ehemann Patrizio Bertelli die Stiftung als Austauschplatz für Ideen zwischen Künstlern, Architekten, Designern, Autoren, Filmemachern, Philosophen und Kuratoren geschaffen. Der neue Bau soll all das unter einem Dach vereinen. Und das in direkter Nähe zur kreativen Metropole Mailand. Koolhaas’ Idee für die Fondazione: Räume schaffen, die sich zu einem Ganzen verbinden, aber jeder für sich individuell gestaltet ist. Und die Besucher erleben genau das, nichts ist gleich und doch passt es zusammen. Metaphysische Welt wird sein Werk daher auch bezeichnet. Und dass diese während der feierlichen Eröffnungszere­monie noch gar nicht fertiggestellt war, fand Rem Koolhaas nicht schlimm. So war unter anderem das Glanzstück, der mit Blattgold verkleidete alte Industrieturm, noch nicht zur Gänze in

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LIVING

«Schönheit ist ein scheues Reh.» – Rem Koolhaas –

sein glänzendes Kleid gehüllt worden. Und auch die sich anschliessende Halle hatte nur eine provisorische Aussenwand. Schuld war die Natur. Erdbeben hatten den Baubeginn verzögert, und die danach neuen Auflagen für Erdbebensicherung bedeuten, dass unzählige Stahlträger eingezogen werden mussten. Der Architekt konnte sich dennoch für sein Werk begeistern. Gegenüber den Medien schwärmte er über den halb angemalten Turm: «Sieht doch schön aus, oder? Damit zeigen wir der Stadt, dass hier etwas Neues entsteht.

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Und dann ist das Vergolden auch noch verdammt billig.» Danach drehte er sich um und liess die Zuhörer allein mit ihren Gedanken dazu. Rem Koolhaas schafft, kreiert, aber die Interpretation überlässt er den Menschen. Denn sie müssen mit oder in seinen Bauten leben. Der Mensch mit all seinen Ansprüchen ist für Rem Koolhaas immer das Wichtigste – bei allem, was er tut. Daher freut es ihn auch für den Bau­träger, wenn die Kosten im Rahmen bleiben. Selbst wenn


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terdam zu verlegen, basiert daher nicht nur darauf, dass er hier zur Welt gekommen ist. Vielmehr kann er hier unerkannt leben und schaffen. Seinen Rückzugsort hat er zudem im 60 Kilometer vom OMA-Büro entfernten Flughafen Schipol ­gefunden. Hier hat er einen Konferenzraum gemietet, wo er fern von Telefon, Mitarbeitern und Ablenkung denken kann.

Eine gute Ausbildung liefert die Basis Rem Koolhaas ist zahlreich ausgezeichnet, unter anderem mit dem Goldenen Löwen für sein Lebenswerk und dem Pritzker-Preis der Hyatt Foundation. Wichtig ist ihm das aber nicht. Für ihn war entscheidend, dass er 1972 das «Harkness Fellowship» erhielt. Das Stipendium ermöglichte ihm eine weitere akademische Ausbildung am «Institute for Architecture and Urban Studies» (IAUS) in New York, nachdem er bereits in London Architektur studiert hatte. Offen bleibt jedoch, wie er es ohne Matura gleich an Hochschulen schaffte. Denn kurz vor dem Abschluss des Gymnasiums hat er es verlassen, um als Journalist zu arbeiten. Das Schreiben hat er lange nicht drangegeben, auch wenn ihn schnell die Architektur in ihren Bann zog. Er fand es spannend, dass der Berufsstand Architekt seit so vielen Jahrhunderten kaum Veränderungen erlebt hatte. Er war sicher, dass eine Modernisierung möglich war und der soziale Aspekt in den Fokus rücken sollte. Und das wird von allen Familienmitgliedern so ­gelebt. Rem Koolhaas ist nämlich mit der holländischen Künstlerin Madelon Vriesendorp verheiratet, die wie er zu den Gründern des OMA gehört. Sie haben zwei Kinder. Tochter Charlie arbeitet als Fotografin. Tomas produziert Filme. Unter anderem auch eine Dokumentation über seinen Vater. Kunst ist  das zentrale Element der Familie. Und zwar konkreter die menschlich-­ individuelle Kunst. In seinem Essay «Die Stadt ohne Eigenschaften» beschreibt Rem Koolhaas, dass Städte immer gleicher werden – und das mit Absicht. Er sagte dazu einmal: «Eine Stadt wie Dubai hat 80 Prozent Einwanderer, Amsterdam 40 Prozent. Ich glaube, für diese Bevölkerungsgruppen ist es einfacher, durch Dubai, Singapur oder die Hamburger Hafen-City zu laufen als durch schöne mittelalterliche Stadtkerne.» Historisch geschaffene Bauten und Terrains sind unerwünscht in einer Zeit, in der man ständig umziehen muss. Heute hier, morgen dort, in seinen Augen gleichen Wohnorte daher Flughäfen. «Städte funktionieren wie Flughäfen. Die immer gleichen Geschäfte sind an den immer gleichen Stellen. Alles ist über die Funktion definiert, nichts über die Geschichte. Das kann auch befreiend sein.»

das für ihn bedeutet, am Ende des Tages weniger in der Kasse zu haben. Denn seine internationale Bekanntheit bedeutet bei einem A ­rchitekten nicht, dass er mehr als den gesetzten Tarif verbuchen kann. Auch für einen Mann wie Rem Koolhaas gibt es am Ende den festgesetzten Prozentsatz an den Gesamtbaukosten und keinen Rappen mehr. Er selber bezeichnet sich daher auch nicht als reich in finanzieller Sicht. Doch das will er auch gar nicht sein. So wenig, wie er eine Celebrity sein möchte. Die Wahl, den OMA-Hauptsitz nach Rot-

Koolhaas selbst sieht das als Herausforderung, Städte in Städten zu schaffen, die beleben und leben. Die den Menschen positiv in seinem Sein beeinflussen. Er will keine Anonymität, er will Zuhause, Inspiration und Treffpunkt schaffen. Darum bleibt er auch nicht stehen, sondern bewegt sich weiter. Dinge bestehen, bestehen lange und haben irgendwann ihr Verfallsdatum erreicht. Wie bei ihm. Neubauten sind heute Vergangenheit, Umbauten die Realität. Er will darauf aufmerksam machen, dass das Alte nicht schlecht ist, es muss neu interpretiert werden. Und das macht ihm Spass, egal, ob er das offizielle Rentenalter schon überschritten hat. Er will schaffen, solange es geht. Die Welt ist unruhig, und das Leben braucht Menschen, die ihm Raum geben. Rem Koolhaas wird das tun. Solange es geht. Die Liste auf der OMA-Webseite wird daher noch ein wenig länger werden.

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LIVING

HOMMAGE AN DIE

KURVE

Oscar Niemeyer gehörte zweifelsohne zu den begnadetsten Architekten seiner Generation. Neben seinen weltberühmten Bauten wendete sich der brasilianische Stararchitekt später auch dem Möbeldesign zu. Entstanden ist dabei unter anderem der legendäre Rio Chaise aus dem Jahre 1971, der die unverkennbare Handschrift Niemeyers trägt. Anka Refghi

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«Die Architektur besteht aus Traum, Phantasie, Kurven und leeren Räumen.» – Oscar Niemeyer – Der rechte Winkel zieht mich nicht an, und auch nicht die gerade, harte in­ flexible Linie, die der Mensch geschaffen hat. Was mich anzieht, ist die freie und sinnliche Kurve, die ich in den Bergen meines Landes finde, im mäandernden Lauf seiner Flüsse, in den Wolken des Himmels, im Leib der geliebten Frau. Das ganze Universum ist aus Kurven gemacht.» Mit diesen, seinen Worten ist das Schaffen Niemeyers in seinem Kern bereits beschrieben. Seine Abneigung gegen gerade Linien zeigte sich in Kirchen, die wie Erdhügel aussahen, und in Museen, die wie futuristische Ufos erschienen. Monumentale Bauten, für die er sich zeitlebens von der Natur und den Rundungen des weiblichen Körpers inspirieren liess und die als imposantes Zeugnis für seine Abneigung gegen jegliche lebensfeindliche und rein zweckdienliche Architektur standen.

Eine Ikone des Möbeldesigns Politisch war der 1907 in Rio de Janeiro geborene Niemeyer ganz weit links einzuordnen. Eine Tatsache, die den bekennenden Kommunisten zwang, nach einem Militärputsch im Jahre 1967 vor der brasilianischen Militärdiktatur vorübergehend nach Paris zu fliehen. 1971, noch während seiner Zeit im Exil, begann sich der Ausnahmearchitekt das erste Mal mit dem Design von Möbeln zu beschäftigen. Auch wenn seine Zuwendung zum Möbeldesign erst spät kam, sollte dies dennoch ein wichtiger Teil seines Schaffens werden. Ein Teil, den er selbst als Erweiterung seiner Architektur verstand. In seinem legendären Rio Chaise, den er 1978 mit seiner Tochter Ana Maria Niemeyer in Paris schuf, spiegelt sich seine unverkennbare Handschrift wider. Futuristisch geschwungen und doch von einer zeitlosen Eleganz, die das Lebensgefühl des modernen Brasiliens seiner Zeit transportierte und gleichermassen der Anatomie des Menschen in beispielloser Manier Rechnung trug. Gefertigt wurde das Original aus verleimtem und schwarz lackiertem Schichtholz und handgeflochtenem Bast für die Sitzfläche. Mit seinen sinnlichen Formen und seiner in der Höhe verstellbaren Nackenrolle erinnert der Rio Chaise ebenso an vorangegangene Klassiker wie beispielsweise Thonets Schaukel-Liege Nr. 7500, die dieser 1884 produzierte, aber auch an Breuers ikonischen Isokon Long Chair.

DER MAESTRO Nach seinem Studium an der Escola Nacional de Belas Artes wurde Oscar Niemeyer Assistent von Le Corbusier, der einen grossen Einfluss auf sein Schaffen haben sollte. Niemeyer selbst revolutionierte durch die erstmalige Verwendung von Stahlbeton die moderne Architektur und schuf, bis zu seinem Tod am 5. Dezember im Jahre 2012, rund 600 Bauten von monumentaler Strahlkraft. Weltruhm erlangte der Stararchitekt auch durch den Entwurf einer kompletten Stadt: Alle öffentlichen Gebäude der 1957–1964 errichteten brasilianischen Planhauptstadt Brasilia stammen von ihm, womit er der einzige Architekt war, dessen Entwurf noch zu Lebzeiten zum Weltkulturerbe ernannt wurde.

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«Das Gefühl für die richtigen Proportionen eines Gebäudes kann man nicht studieren.» – Don Justo Gallego Martinez –


CROSSED

ARCHITECTURE

LIVING

Wenn die Clavel Arquitectos aus Spanien entwerfen, dann darf man gespannt sein. Eines ihrer herausragendsten Projekte ist die Villa Cruzada, die als architektonisches Meisterwerk weit Ăźber die Landesgrenzen hinaus fĂźr Furore sorgte. Anka Refghi I

David Frutos (BISimages)

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FACTS & FIGURES WOHNFLÄCHE: 232 m² AUSSENBEREICH: 490 m² DESIGNER: Manuel Clavel-Rojo ARCHITEKT: Robin Harloff BAUINGENIEUR: David Hernàndez ORT: Mollina de Segura, Murcia, Spanien

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LIVING

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ormal dramatisch und mit beeindruckenden Dimensionen – die Casa Cruzada, was übersetzt so viel wie «gekreuztes Haus» bedeutet, ist zweifelsohne eines der spektakulärsten Privatdomizile Spaniens. In der Umgebung von Murcia gelegen, bietet das von den Clavel Arquitectos konzipierte Haus nicht nur einen atemberaubenden Blick auf die angrenzenden Berge, die Sierra de la Pila und das Valle del Ricote, sondern fängt durch seine architektonische Ausrichtung der Gebäudeteile das Tages- und Sonnenlicht rund um die Uhr ein.

Das Spiel mit den Ebenen Mit einer für Beton ungewöhnlich leichten An­­ mutung präsentieren sich die aufeinanderge­ stapelten Bauvolumen, die mit je einer Länge von 20 Metern und einer Breite von fünf Metern zu Buche schlagen. In einem Winkel von 35 Grad aus­ einander­gedreht, ragt das obere Wohngeschoss in zeit­ge­nös­sisch interpretierter Cantilever-Bauweise stattliche zehn Meter über den unteren Wohnbereich heraus und fungiert damit gleichermassen als Schatten­spender für den darunterliegenden Pool-Bereich. Eine dritte Fläche, die sich dem

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LIVING

Betrachter allerdings erst auf den zweiten Blick erschliesst, ist die in den Boden eingelassene Platte des Pool-Decks. Ebenso im Winkel zu den beiden Baukörpern positioniert, stellt sie nicht nur den Kontakt zum Boden her, sondern markiert ebenso den Übergang zwischen Aussen- und ­Innenbereich.

Von Kanten und Kontrasten Ihre ungeheure Ausdruckskraft erhält die Villa der Superlative durch den intelligenten Umgang mit ihren Kanten, die bei den jeweiligen Hauptöff­ nungen abgerundet sind, wodurch eine optische

VON INTERNATIONALEM RENOMMÉE Die Clavel Arquitectos aus dem südspanischen Murcia bestehen im Wesentlichen aus einem multidisziplinären Team von Architekten, Ingenieuren, Biologen, Soziologen und Designern, die in Zusammenarbeit die komplexen Bauprojekte realisieren. Ob für öffentliche oder private Bauten – der einzigartige Umgang der Clavel Architekten mit den Themen Urbanismus, Design und Kultur hat ihnen bis heute mehr als 70 nationale und internationale Auszeichnungen eingebracht. Ihre Bauten werden immer wieder weltweit besprochen und in Publikationen veröffentlicht.

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Eigenständigkeit und Geschmeidigkeit der Bau­ volumen erreicht wird. Sind es im Erdgeschoss die abgerundeten Querkanten der grossen Öffnung nach Südosten, wird das Prinzip im Obergeschoss auf die Längskanten angewendet. Durch die Ab­ rundung der Kanten wurde ebenso die Kontakt­ fläche beider Baukörper vermindert, was die läng­ liche Natur der geometrischen Form noch einmal verstärkt. Ebenso verfügen die Fensterrahmen über abgerundete Ecken, während die nach innen versetzte Verglasung vor allzu intensivem Sonnenlicht schützt. Ein spannendes Spiel der Gegensätze präsentiert sich dem Betrachter auch zwischen dem Innen- und dem Aussenraum. Während die Betonhülle des Äusseren eine raue Beschaffenheit aufweist, stehen die glatt polierten betonierten Fussböden der Innenräume in einem spannenden Kontrast. Eine feine, sandgestrahlte Holzver­ klei­ dung, luftige Innenräume und ein dezent eingesetztes Interior mit nur wenigen Akzenten kom­ plementieren diese aussergewöhnliche Villa in Perfektion.


OBJECTS OF

Desire

DELIGHTFULL

Die Hängeleuchte «Atomic» mit ihren molekularen Formen und Strukturen ist ein von den 50ern inspiriertes Design des Atomzeitalters. Glänzend in Schwarz und Gold und ein absoluter Hingucker.

BY PRESTIGENEWS.COM

LALIQUE

Die handgemachte Vase «Sirènes» ist in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Künstler Terry Rodgers entstanden und auf 999 Stück limitiert. 5,5 Kilogramm, H 24 cm x D 20,5 cm.

Woh nen noch schöner gemacht m it Möbel n u nd Ac c e ssoi r e s, d ie n ic ht nu r fu n k tionel l si nd, sondern auch optisch überzeugen. «Objects of Desire» eben, d ie das Zeug z u m L iebl i n gsstück haben u nd absolute Eyecatcher si nd.

ARIT

«ARIT, die Schweizer Kissen Manufaktur» lanciert dieses Jahr die erste eigene Outdoor-Kissen-Kollektion. Die Kissen mit verstecktem Stauraum für Handy & Co, interessanten Licht- oder 3D-Effekten sind perfekt für den Sommer.

STONE-ATELIER

Feinsteinzeug-Platten mit garantiertem Tastgenuss durch die Unvollkommenheit, Marmorierungen, Porosität sowie Brandspuren. Die Serie beinhaltet vier Farben und ist in verschiedenen Formaten erhältlich. www.stone-atelier.com

MARIONI

KOKET

Der Glamour der Art-déco-­ Designs findet sich im «Decadence Bookcase» von Koket. Zwei Halbkreise, die geschlossen einen Kreis darstellen, aus poliertem Messing und Glas.

Ein raffinierter Tisch mit einer rechteckigen Oberseite aus lackiertem Holz. Messingeinsätze der unteren Stützen, die aus einem Metallflachstab und einem Metallrahmenmarmor bestehen.

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GADGETS ADGETS G

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Gadget-Fans dürfen sich auch 2017 über zahlreiche Highlights freuen. Wie wär’s zum Beispiel mit einem OLED-Fernseher? Darauf lassen sich selber auf­genommene Videos und Bilder, welche von den neusten Kameras oder auch Drohnen stammen, ins beste Licht rücken. Stephan Gubler

1 I DJI Mavic Pro Die neue Drohne von DJI verfügt über einen Falt-/Klappmechanismus, welcher es ermöglicht, sie in einem Rucksack zu transportieren. Videos werden in 4K mit 30 Bildern pro Sekunde aufgenommen, und Zeitlupenaufnahmen gibt’s in Full-HD. Fotos können mit bis zu 12 Megapixel Auflösung geknipst werden. Ein massgebender Unterschied zu vielen anderen Drohnen ist, dass die ­Mavic Pro per Smartphone, Controller oder kombiniert geflogen werden kann. Pro Akkuladung ist eine maximale Flugzeit von 27 Minuten möglich. Eine Videobrille gibt’s im DJI-Zubehörprogramm.

2 I Samsung Gear S3 Samsung erweitert mit der Gear S3 sein Portfolio. Von klassischen Zeit­ messern­inspiriert, verknüpft die neuste Smartwatch edles Design mit aktueller Mobiltechnologie. Dank Funktionen wie IP68-zertifizierter Wasserfestigkeit und einem integrierten GPS-Empfänger ist die Uhr eine intelligente Bereicherung im Alltag und gleichzeitig ein edles Accessoire. Die Gear S3 ist in zwei Design-Varianten erhältlich. Das Modell Frontier kommt im robusten Outdoor-Look daher, während die Classic im Vergleich dezenter ist und an die schlichte Eleganz, die viele ikonische Chronographen auszeichnet, erinnert.

3 I Sony KD-65A1 OLED-Fernseher wie das Sony-Flaggschiff mit 65-Zoll-Bildschirm (164 cm Bilddiagonale) überzeugen durch eine nie dagewesene Bildqualität. Acht Millionen selbstleuchtende Pixel bieten ein entscheidend verbessertes Seherlebnis mit beispiellosem Schwarz, authentischen Farben, Bildern ohne Unschärfen und

grossem Betrachtungswinkel. Auch das Gerät selbst ist eine Augenweide. Es ist so konzipiert, dass Stand und Lautsprecher nahezu verschwinden und der Fernseher zu schweben scheint. Etwas Geduld ist gefragt, denn der KD-65A1 soll erst ab Mitte Jahr erhältlich sein.

4 I Philips Wake-up Light HF3531/01 Beim eleganten neuen Top-Modell ändert das stufenweise heller werdende Licht seine Farbe: von einem sanften Morgenrot über Orange bis zu einem hellen Gelb. Insgesamt stehen zwei Weckzeiten, sieben Wecktöne, inklusive zwei Nature Sounds, zusätzlich zum digitalen UKW-Radio zur Verfügung. Die Töne sind passend zu der jeweiligen Sonnenaufgangssimulation kombinierbar. Ebenfalls neu ist die Mitternacht-Lichtfunktion, welche ein gedämpftes, orangefarbenes Licht spendet, das Orientierung in der Nacht bietet. Besonders praktisch: Per USB kann auch das Mobiltelefon geladen werden.

5 I Olympus OM-D E-M1 Mark II Die neue Systemkamera aus dem Haus Olympus bietet Profis, Enthusiasten und Spezialisten genau, was sie brauchen: hohe Geschwindigkeit, Bild­ qualität und kompakte Dimensionen. Mit gerade mal 500 Gramm lässt sie sich problemlos überall hin mitnehmen. Bis zu 60 Bilder pro Sekunde schafft die Kamera bei voller 20-Megapixel-Auf­ lösung. Filmen kann man mit 4K. Ein neues Autofokus-System setzt Massstäbe bei Geschwindigkeit, Leistung und Präzision. Die OM-D E-M1 Mark II ist als Body oder im Kit mit einem lichtstarken 12–40-mm-Objektiv erhältlich.

5 I Jaybird Freedom Jaybird, der US-amerikanische Pionier im Bereich kabelloser Sportkopfhörer, stellt mit den Freedom-­ Bluetooth-Kopfhörern bereits die fünfte Generation vor. Die kleinen kegelförmigen Ohrhörer bieten überragenden Sound und eine ideale Passform. Optisch setzen die eleganten Ohrbügel und dezente Metalleffekte einen modischen Akzent. Zugleich sind sie sehr robust. Die Kopfhörer eignen sich nicht nur zum Joggen oder für ins Fitness Center. Sie sind auch für Helme geeignet und versprechen somit auch für Mountainbiker oder Motorradfahrer kabellose Freiheit und Musikgenuss an jedem Ort.

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LIVING

ZUM

FEN GREIFEN REIIFE G GRE

NAH U

Hologramme in 3D sind gefragt. Neben nützlichen Anwendungen gibt es auch kuriose Lösungen. Ein Griff in die Trickkiste macht aber vieles möglich.

nter Holografie werden Verfahren zusammengefasst, die den Wellencharakter des Lichts ausnutzen, um systematisch anschauliche Darstellungen zu erzielen, die über die Möglichkeiten der klassischen Fotografie hinausgehen. Die Motive scheinen bei der Betrachtung frei im Raum zu schweben. Bei seitlichen Bewegungen kann dabei auch um ein Objekt herumgesehen werden, und bei beid­

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Marco Plüss

äugiger Betrachtung entsteht ein vollständig dreidimensionaler Eindruck. Holografische Verfahren werden zudem zunehmend auch in der Mess­ technik eingesetzt, zum Beispiel in der Elektronenmikroskopie. Als Hologramm, auch Speicherbild, bezeichnet man eine mit holografischen Techniken hergestellte fotografische Aufnahme, die nach Ausarbeitung und Beleuchtung mit gleichartigem Licht ein echtes dreidimensionales Abbild des


LIVING

ist in Japan eine Gatebox vorgestellt worden, die dieses Manko mit dem holografischen Manga-Mädchen Azuma Hikari aus der Welt schafft und so einsame Männerherzen rund um die Uhr «betreut». Hikari hört sich aber nicht nur skurril an, sondern wirkt auch etwas traurig. Das japanische Unternehmen Vinclu Ink. hat unter CEO Minori Takechi eine 22 x 36 x 52 Zentimeter grosse Gatebox geschaffen, die auf den ersten Blick eher an ein Küchengerät ­erinnert als an eine künstliche Intelligenz. Aber was kann die Frau aus der Gatebox eigentlich genau? Ausgestattet mit Mikrofonen, Lautsprechern, ­Kameras und der Verbindung ins Internet, bietet die Gatebox praktisch den identischen Funktionsumfang eines Amazon Echo. Das Ganze ist dann für rund 2500 Franken zu haben. Dafür merkt sie sich die Stimme und das Gesicht ihres Besitzers und kommuniziert mit ihm. Hikaris Software kann sogar einen Staubsauger steuern. Das holografische Manga-Mädchen im Minirock begleitet den Besitzer auch unterwegs mittels Android oder iOS-Smartphone – doch dann ohne Hologramm, denn für dessen Darstellung braucht es den entsprechenden Glaszylinder. Doch zuhause kann sich das Manga-Mädchen voll entfalten und erwartet einsame Männer, und so sind diese abends nicht mehr alleine in der leeren Wohnung. Die ersten 400 Exemplare sollen in Japan ausgeliefert werden, wo das Manga-Mädchen durchaus Erfolg haben könnte, da viele junge Japaner gar keinen Partner aus Fleisch und Blut wollen. Es ist ausserdem anzunehmen, dass es früher oder später optional eine holografische Projektion für Google Home und Amazon Echo geben wird.

Hologramme am Fernseher Hologramme gibt es aber auch bald aus dem Fernseher zu bestaunen. So hat Samsung Hologramm-Fernseher patentieren lassen. Der Fernseher erzeugt mit einem Laser holografische Bilder und wird als verbesserte Technik für die Darstellung von 3D-Filmen ohne Brille beschrieben. So kann sich also bald jeder Hologramme wie in «Star Wars» zuhause ansehen, denn Samsung liess sich einen holografischen Fernseher für 3D-Filme patentieren, wie ­Patently Mobile berichtete. Ein Laser wirft dabei ein Licht auf einen Modulator für die räumliche Darstellung von Licht, der wie ein Fernseher aussieht. Der Blick des Betrachters wird via Eye Tracking erfasst. Mit der Hilfe von weiteren Lichtquellen wie LEDs entsteht dabei ein holografisches Bild. Im Gegensatz zu den «Star Wars»-Hologrammen befinden sich die 3D-Bilder nicht wirklich physisch im dreidimensionalen Raum, sondern es wird die Illusion eines dreidimensionalen Bildes erzeugt. ­ rsprungsgegenstandes wiedergibt. Die entscheiU denden Ideen zur Holografie einschliesslich des Begriffs wurden 1947 vom ungarischen Ingenieur Dennis Gábor geprägt, der einen Weg zur Verbesserung von Elektronenmikroskopen suchte – dies zu einem Zeitpunkt, als kohärente Strahlungsquellen nicht einfach herzustellen waren, da der Laser noch nicht existierte. Für seine Arbeiten erhielt Gábor im Jahre 1971 den Nobelpreis für Physik.

Aus der Glasbox Sprachassistenten wie Google Home, Siri und Alexa aus dem Amazon Echo sind inzwischen bereits eingeführt und bekannt. Solchen Sprach­ assistenten fehlt aber eine optische Präsenz. Nun

Nachfolger des 3D-Fernsehers Der Holo-TV kann somit als eine Weiterentwicklung des 3D-Fernsehers ­gesehen werden, der einige seiner Probleme lösen könnte. So benötigt man keine Brille mehr, um das dreidimensionale Bild wahrzunehmen. Ausserdem werden die vom Betrachter wahrgenommene Bildtiefe sowie der Fokus des Auges aneinander angeglichen. Bei bisherigen 3D-Fernsehern stimmen diese nicht überein, was zu Ermüdung und bei einigen Betrachtern zu Übelkeit führen kann. Bislang wurden 3D-Fernseher von den meisten TV-Nutzern zudem nicht angenommen. Das liegt wahrscheinlich an ihren aktuellen Nachteilen, darunter die benötigte Brille und ihre anstrengendere Nutzung im Vergleich zu 2D-Fernsehern. Ein Problem mit Samsungs neuer Technik besteht aber darin, dass die neuen Ultra HD Blu-rays keine 3D-Filme mehr unterstützen. Vielleicht wird 3D mit dem Nachfolger der Ultra HD Blu-rays und Samsungs neuen Holo-TVs eine Renaissance erleben.

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© Helenio Barbetta, Didier Delmas

ODE

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Wohnung von Jean-Christophe Aumas, Paris


LIVING

AN DEN

STILMIX Vorbei die Zeiten standardisierter Wohnungs­ einrichtungen, es lebe die Individualität! Ein Plädoyer für die lieb gewonnenen Sammlerstücke des eigenen Lebens und die Wunderkammern der Moderne. Anka Refghi

Ein Zuhause ist ein Ort voller Erinnerungen: eine Mischung aus ­Objekten, Bildern und Möbeln, die etwas bedeuten, die Teil der eigenen Persönlichkeit sind; ein Ort, der kleine Geschichten erzählt und Bilder unseres Lebens ausstellt», sagt Jean-Christophe Aumas, Kreativdirektor der Pariser Agentur «Voici / Voilà», der damit auch schon den Kern der Sache getroffen hat. Das Buch «Wunderkammern – die neue Eleganz» führt durch private Refugien, die der Einheitlichkeit die kalte Schulter zeigen und auf einen Stilmix setzen, den das Leben selbst geschaffen


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hat. Eine wohltuende Entwicklung, bei der sich auch die angesagtesten Interior-Designer unserer Tage auf die charakteristischen Wesenszüge ihrer Auftraggeber zurückbesinnen, statt ihnen vorgefertigte Stile überzustülpen.

Wirklichkeit vielmehr Ausdruck des Intellekts, des Geschmacks und der Erinnerungen ihres Eigners und Schöpfers und nicht so sehr der tatsächlichen Realität, so trifft dies auch auf die neue Eleganz zu, die sich vorgefertigten Trends entzieht und durch den eigenen Geschmack gestaltet wird.

Faszinierendes Sammelsurium Dabei geht es nicht um die Mengen an investiertem Geld, Trendfarben oder das blosse Aneinander­ reihen teurer und rarer Stücke. Die wahre Lebendigkeit, der Lebenshauch in Räumen, wächst über Jahre organisch – es geht um Kontraste, Stilbrüche und Charakter. Es geht darum, durch einen Stilmix verschiedener Dekaden, Kulturen und Stile eine atmosphärische Umgebung zu schaffen. Eine

© Robert Rausch | GAS Design Center

Dabei kommt der Titel des Buches nicht von ­ungefähr, weisen doch die vorgestellten Domizile in der Tat erstaunliche Parallelen zu den einstigen Kunst- und Wunderkammern auf, die zwischen dem 15. und dem 18. Jahrhundert weit verbreitet waren und als die Vorläufer unserer heutigen ­Museen gelten. So waren die Kammern der Spät­ renaissance und des Barocks Orte, an denen allerlei Kuriositäten gesammelt wurden. Unbe­ kanntes und Bekanntes, seltene Naturalien, wissenschaftliche Instrumente, Objekte fremder Welten, Kunstwerke und unerklärliche Dinge. Wahres gleichberechtigt neben Märchenhaftem, Schrumpf­ köpfe neben «Phönixfedern» und Seepferdchen – jeder Quadratzentimeter besetzt, jede Schublade, jedes Regal dicht gedrängt mit allerlei, was die damalige Welt so hergab. Verstanden als vermeintlicher Abdruck der Realität, spiegelten sie gleichermassen den damaligen Wissensstand der Gesellschaft wider. So zusammenhangslos die angesammelten Exponate auf einen Blick auch wirkten, so beabsichtigt war dies. Denn das Geheimnis und Faszinosum der Wunderkammern lag darin, durch die aus ihrem Kontext herausgelösten Gegenstände den Betrachter zu neuen Gedankengängen, Verknüpfungen und Perspektiven zu inspirieren.

Die Trouvaillen des Lebens Begreift man nun seine privaten Wohnräume als seine ganz persönliche Wunderkammer, so liegen die Parallelen auf der Hand. Denn auch lieb gewonnene Einzelstücke sind stets aus ihrem Kontext gelöst und entwickeln in Kombination mit anderen stil- oder kulturfremden Objekten eine neue Wirkung, eine ganz andere Sprache und Bedeutung. Und waren die Objekte im Kuriositätenkabinett in

The Harmony Club von David Hurlbut

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© D. Isager, A. Ferrari

«Wenn ein Gebäude teilweise nicht wiederhergestellt werden kann, sollte man das nutzen, was da ist, und die frei bleibenden Stellen so belassen.» – David Hurlbut –

Fritz Hansen, Mailand The luxurious way of life | 167


LIVING

individuelle Collage, bei der Flohmarkt-Trouvaillen gleichberechtigt neben Designermöbeln, Erb­stücke neben Erinnerungen aus fernen Ländern, der antike Tisch aus dem Auktionshaus neben CharlesEames-­Stühlen und auf dem Beistelltisch die winkende Katze aus dem Land des Lächelns stehen. Gleich den Wunderkammern von damals wachsen die persönlichen Wunderkammern über die Jahre, verändern sich, gehen in neue Richtungen oder werden um neue bedeutungsvolle Exponate erweitert. Einige Lieblingsstücke überdauern jeden Wechsel, andere bleiben zurück. Wie sich auch der Bewohner oder die Bewohnerin verändern, werden auch ihre Refugien zu Abbildern ihrer Persönlichkeit.

Work in Progress

© Ana Carvalho Photo

So, wie auch das im Buch porträtierte Vereinshaus am Ufer des Alabama River des Industriedesigners David Hurlbut aus dem Jahre 1909, das vor dem Kauf 40 Jahre lang leer gestanden hatte. Als «Work in Progress» beschreibt er sein Herzensobjekt, seinen «Harmony Club», dessen Renovierung er

zum grössten Teil selbst in die Hand genommen hat und die immer noch andauert. Eine faszinierende Gesamtkomposition, bei der die Patina erhalten und so der Glanz vergangener Tage wiederbelebt wurde. Eine ausgesprochen spannende Mischung bietet auch das New Yorker Loft im Stadtteil Noho des Künstlers und Nachtclub­ besitzers Eric Goodes, dem einst der berühmte Club «Area» gehörte, in dem er auch gerne Kunstwerke von Freunden wie Haring, Warhol oder Basquiat ausstellte. Seine eigenen vier Wände sind dabei ebenso unkonventionell wie faszinierend mit Eyecatchern der besonderen Art in Form eines ausgestopften, springenden Löwen neben dem Sofa von Corbusier. «Farbe meets Naturholz meets klare Formen» lautet der «Wunderkammern-Code» des dänischen Möbelherstellers Fritz Hansen, der trotz klarer Linien eine unvergleichliche Gemütlichkeit geschaffen hat. Individuell und inspirierend heisst die neue Devise auf dem Tummelfeld des Interior-Designs. Und mal ehrlich – waren es nicht immer schon die Wohnungen der interessanten Menschen, in denen es viel zu entdecken gab.

DAS BUCH Interiordesign von Oitoemponto

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«Wunderkammern» stellt auf 256 Seiten einige der spannendsten Innenräume vor. So wird der bilderreiche Band ergänzt durch die Porträts von Jean-Christophe Aumas von Voici/Voilà, Pietro Russo, Dimore Studio, Autoban und The Harmony Club. In Texten über ihre Bewohner gibt «Wunderkammern» zudem Einblick in die Geschichten hinter den vorgestellten Wohnungen und zeigt so, wie Leben und Persönlichkeit sich im Einrichtungsstil niederschreiben. Gestalten Verlag.


SHORT

C U T S

Sitzen mal anders Wie fühlt es sich wohl an, in einer ehemals betriebenen Flugzeugturbine zu sitzen? Bequem. Zumindest für all jene, die im «737 Cowling Chair» von Fallen Furniture Platz nehmen. Zwei Meter hoch ist der Sessel, der aus einem Triebwerk der ­Boeing 737 stammt und von den Brüdern Ben und Harry Tucker geschaffen wurde. Sie werten alte Flugzeugteile auf und stellen daraus luxuriöse Designobjekte her. Alles in Handarbeit, versteht sich. Aus Flugzeugfenstern werden etwa Wanduhren, aus Felgen Wohnzimmertische und aus Triebwerken eben Sitzgelegenheiten. Wie jedes Teil von Fallen Furniture wurde auch dieser Sessel in England produziert, was eine vollständige Qualitätskontrolle garantiert. Bei der Herstellung wird jedes Flugzeugteil mit nachhaltigem Metall, Holz und anderen Textilien kombiniert, wodurch ein Produkt von Eleganz, Funktionalität und Moderne entsteht und es zu einem unverwechselbaren Stück Kunst macht, das Geschichte erzählt.

Die neuesten Wohntrends

Vom 12. bis 15. September 2017 findet zum 23. Mal die ­ urniture Expo in China im Shanghai New International Expo F Center (SNIEC) statt und damit die weltweit grösste internationale Möbelmesse im zweiten Halbjahr. Hier entdecken die Besucher zeitgenössische High-End-Wohnmöbel fürs Büro, Schlaf- und Wohnzimmer sowie Dekorationsartikel, Leuchten, Teppiche und vieles mehr. In diesem Jahr erwartet die Besucher eine Lifestyle-Show mit einer völlig neuen Auslage: In enger Zusammenarbeit mit der Shanghai Home Design Week wird Maison Shanghai 2017 mit Einrichtungsgegenständen, modischem Design, modernem chinesi­schen Style und Designarbeiten die Trends in der Wohnkultur präsen­ tieren – und dies, wenn man sich an den Vorjahreszahlen orientiert, vor grossem Publikum: Während der vier Ausstellungstage sahen sich 2016 rund 120’000 Käufer und Besucher aus mehr als 158 Ländern die neusten Trends in der Möbelszene an.

Fitness im Nachtclub Im Boutique-Fitnessstudio «BECYCLE» in Berlin schwitzen Sportler nicht etwa in normalen Trainingsräumen, sondern in einem ehemaligen Bankgebäude. Ziel des neuartigen Fitnessstudios ist es, rund ums Training eine besondere Atmosphäre zu schaffen. So werden im «Ride-Studio» die Spinning-Lektionen, Kurse, in denen die Teilnehmer auf Hightech-Bikes trainieren, von fetziger Live-DJ-Musik begleitet. Durch die Inneneinrichtung entsteht im Raum ausserdem ein einzigartiges Nachtklub-Feeling. Im «Refine-Studio» ist die Stimmung wiederum anders: Der Raum ist hell, minimalistisch eingerichtet und versprüht eine friedliche Atmosphäre. Hier finden ­parallel Core-Muskel-Training-, Yoga- und Barre-Kurse statt. Sehr praktisch dabei ist, dass die Gäste ihre Kursbesuche einzeln bezahlen können, ohne eine vertragliche Bindung eingehen zu müssen. Ausserdem wird das Fitness-Erlebnis ergänzt durch eine Arbeitsecke, ein hauseigenes Café, in welchem sich die Gäste mit gesunden Snacks und Smoothies stärken können, und einen Shop für Sportartikel.

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CULINARIUM

PURISMUS

STERNEN GLANZ IM

B

Das Luxushotel Mandarin Oriental bietet die richtige Kulisse für einen Sternekoch wie Thierry Marx. Der Spitzenkoch verwöhnt nun hier im Herzen von Paris Gourmets und Geniesser mit seinen köstlichen Kreationen im «Sur Mesure». Der Guide Michelin hat das Restaurant mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet. Das «Sur Mesure» verbindet Tradition mit Innovation und bietet unvergessliche kulinarische Erlebnisse.

eim Betreten des Restaurants entdecken Gäste einen ganz in Weiss gehaltenen Kokon, dessen Reinheit die Speisen umso mehr zur Geltung kommen lässt. Schon auf den ersten Blick wird klar, dass in diesem Gourmet­restaurant auch ein extravagantes

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Mandarin Oriental Hotel Group

Design eine Rolle spielt. Das in den Zwanziger­ jahren gebaute Art-déco-Gebäude ist lebendige Pariser Haute Couture. Das bekannte Designer-­ Duo Patrick Jouin und Sanjit Manku plante ein hochmodernes Restaurant, das den Gästen durch Stoffdrapierungen an den Wänden und der Decke


sowie Wolken­bildern von Heidi Winge eine futu­ ristische Atmosphäre vermittelt. In puristisches Weiss getaucht lenkt im Restaurant den Gast nichts von den ­kulinarischen Kreationen ab. Die abstrakte Gestaltung findet ihr grosses Highlight mit einem opulenten Kronleuchter. Passend zu Ambiente und Küche kreierte Thierry Marx mit ­Designer Jouin Manku ein Haute-Couture-Porzellan in edlem Weiss-Gold.

Sterneküche in neuem Outfit der Zukunft Ein wahrer Kontrast entsteht durch das unaufgeregte, puristische, aber hochmoderne Design des Gourmetrestaurants und die fulminanten kulinarischen Kreationen von Sternekoch Thierry Marx, dessen innovative Kompositionen Pionier für Formen, Farben und neue Texturen sind. Quasi flies­ send ist der Übergang zwischen Kreativität, ­Emotionalität, Tradition und Zukunft. Thierry Marx schafft mit den technischen und emotionalen Aspekten des Kochens ein Gourmetfeuerwerk. ­ Jede seiner Kreationen ist von seiner Persönlich-

keit geprägt. Der Küchenchef verwöhnt seine Gäste mit einer wechselnden Mittag- und Abendkarte. Beim Mittagmenü kann zwischen vier und sieben Gängen, beim Abendmenü zwischen sechs und acht Gängen gewählt werden. Je nach Saison und Gericht bietet Thierry Marx zusätzlich Trüffel als Topping an. Aber braucht etwas so Geniales wie die Küche im «Sur Mesure» überhaupt noch ein «Topping»? Eigentlich nicht, aber wer Trüffel liebt, geniesst das «etwas mehr» sicher. Wer die Küche von Marx mit kleinerem Budget kennenlernen möchte, für den empfiehlt sich das Restaurant «Camélia» im Erdgeschoss. Hier bietet der Sterne­ koch Frühstück, Mittag- und Abendessen sowie einen Sonntagsbrunch an. Aus dem Restaurant haben die Gäste einen wunderschönen Ausblick auf den herrlich gestalteten Garten, der in den Sommermonaten auch eingedeckt wird.

Plaisir, bien-être et santé Thierry Marx ist ein Sternekoch, der seinen Beruf lebt und dabei vor allem seine Gäste genau

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CULINARIUM

fokussiert, durch deren Feedback die Trends erkennt und ausnahmslos in seine Küche einbaut: «Meine Aufgabe als Koch besteht darin, neue ­Entwicklungen der Gesellschaft lehrreich aufzusaugen und dann in übersetzter Weise in meiner Küche zu interpretieren. Die Lebensart, die Küche und die Art, wie wir essen, bildet die Gesellschaft ab, man muss nur einfühlsam genug sein, um das zu erkennen», weiss Küchenchef Thierry Marx. Er widmet sich wie viele seiner Sterne-Kollegen einem Trend, den man in unserer heutigen Zeit nicht mehr wegdenken kann: Genuss und Gesundheit sind Mittelpunkt seiner Gourmetküche. Das antizipiert, dass sich der Sternekoch mit Garzeiten und Gar­ temperaturen intensiv beschäftigt und hier eine optimale Lösung auf den Tellern serviert, die sich

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auch geschmacklich auf höchstem Niveau be­ findet. Marx ist demütig vor den Lebensmitteln, die er verwendet, und setzt auf Respekt vor der Landwirtschaft. Er kann auch mit vegetarischen Genüssen punkten.

Natur ist pur «Ich bin ein grosser Fan vom neuen Bewusstsein, das sich in den Köpfen der Menschen entwickelt. Damit meine ich die Hochachtung und Wert­ schätzung vor der Natur und die verbesserten Produktionsbedingungen, die immer bedeutsamer werden.» Marx beobachtet die jüngere Generation, weil sie auch die kulinarische Zukunft seiner fortschrittlichen Küche ist. Die Zutaten, die der Sternekoch verwendet, sind sorgfältig ausgewählt


CULINARIUM

«Wenn ich gut gegessen habe, ist meine Seele stark und unerschütterlich; daran kann auch der schwerste Schicksalsschlag nichts ändern.» – Molière –

und vor allem regional. Seine Maxime: Mehr als 100 Kilometer darf kein heimisches Produkt unterwegs sein, sonst verliert es zu viele Vitamine und Mineralien. «Das ist unverantwortlich und für  meine Gäste nicht zu vertreten», stellt Marx klar. Wie der Drei-Sterne-Koch Christian Bau lässt sich auch Marx von der japanischen Küche stark beeinflussen, was sich geschmacklich, aber  auch in Farben und Formen zeigt. Der Küchenchef hat einen ganzheitlichen Blick auf Mensch und Küche, der wohldosiert in seinen Gourmet-­K reationen erkennbar ist. «Ich bin niemand, der Dinge nicht verändert, weil sie so sein müssen oder immer schon so waren. Ich lasse mich nicht  in Traditionen verhaften. La tradition n’existe pas.»

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SHORT

CUTS

Revolution der Kochkunst Genauso wie die französischen Impressionisten jahrhundertealte Traditionen auf den Kopf stellten, sprengt die Molekularküche seit einigen Jahren die Grenzen der kulinarischen Welt. Experimentierfreudige Küchenchefs weltbekannter Restaurants wie «elBulli», «The Fat Duck», «Alinea» und «wd~50» übernehmen aus Forschungslaboren völlig neuartige Verfahren und bereichern ihre Kreationen durch neueste wissenschaftliche Erkenntnisse und Entwicklungen in der Kochtechnik. Mit «Modernist Cuisine: Die Revolution der Kochkunst» schufen Nathan Myhrvold, Chris Young und Maxime Bilet – allesamt Forscher, Erfinder und Meister des Küchenfachs – ein sechsbändiges, 2440 Seiten starkes Kompen­ dium mit wissenschaftlich inspirierten Zubereitungsmethoden, die überirdisch bis sublim anmuten. Mit Utensilien wie Wasserbad, Homogenisator, Zentrifuge und Zutaten wie Hydrokolloiden, Emulgatoren und Enzymen gestalten die Autoren und ihr 20-köpfiges Team von The Cooking Lab verblüffend neue Aromen und Texturen.

Vegan Cuisine Asiatischen Algensalat, vegane Croissants und Mano Verde Chocolate Tarte – diese Kreationen werden sogar erfahrene vegane Köche über­ raschen. Der Spitzenkoch Jean-Christian Jury, der viele Jahre sehr erfolgreich als internationaler Veganchef tätig war und zuletzt das «Mano Verde» in Berlin geführt hat, fasst in diesem umfang­ reichen Kochbuch 800 kreative Rezepte zusammen. Genau wie die vegane Küche selbst, sind die Kreationen gesund, abwechslungsreich und international inspiriert. Der international renommierte Food-Fotograf Joerg Lehmann fängt die frische und farbenfrohe Sinnlichkeit dieser kulinarischen Sammlung in 120 brillanten Farbfotografien gekonnt ein – nie zuvor war vegane Küche so bildschön und so begehrenswert.

Vegan Cuisine Jean-Christian Jury &  Joerg Lehmann TeNeues Verlag

Modernist Cuisine: Die Revolution der Kochkunst Nathan Myhrvold, Chris Young & Maxime Bilet Taschen Verlag

Bis zum letzten Rest Warum essen wir Karottenkraut nicht? Wieso ist die Schale der Wassermelone in den USA eine klassische Kochzutat, während sie in Europa im Abfall landet? Weshalb gilt Tomatengrün als giftig, wird aber von Köchen trotzdem verarbeitet? Und: Wie macht man aus Radieschenblättern Suppe, Salat, Pesto? «Leaf to Root» ist das «Nose to Tail» für ­G emüse. Wie beim Fleisch, wo das Filet nicht zwingend das beste Stück ist, gibt es auch beim Gemüse eine neue kulinarische Welt abseits der klassischen Teile zu entdecken. Dieses Buch ist eine Inspirationsquelle für Alltagsköche, Gemüsegärtner und Kochprofis.

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Leaf to Root Esther Kern, Pascal Haag, Sylvan Müller AT Verlag


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CULINARIUM

DER

DIAMANT UNTER DEN

ROTWEINEN Mendoza heisst die Heimat des argentinischen Weins. Aus diesem Anbaugebiet stammt auch der Rotwein der berühmten Bodega Norton aus dem Besitz der Familie Swarovski. Das gewaltige Andenpanorama ist die Kulisse eines der bemerkenswertesten Weinregionen der Welt.

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as extreme Klima, das zwischen kalt und heiss wechselt, die saubere kühle Luft und eine ge­waltige, unverbrauchte Natur bieten eine exzellente Basis für einen aussergewöhnlichen Wein. Mittendrin im Swarovski-Anbaugebiet findet man ­Reben, die mit einem vollendeten Bewässerungssystem, das nach Inka-Lehren gebaut wurde, durch die Hitze am Leben erhalten werden. Heute ist der Weinanbau für Argentinien sehr bedeutend. Verantwortlich dafür sind die franzö­sischen und italienischen Einwandererfamilien, die im 19. Jahrhundert Reben aus ihrer Heimat importierten, weil sie das Potenzial des extremen Klimas und des ­Bodens zuerst erkannten.

Weingut an der Spitze der Welt Mendoza ist als Weinanbaugebiet seit langer Zeit an der internationalen Spitze. Mehr als die Hälfte der Weinproduktion Argentiniens stammt aus Mendoza, denn die heissen Tage und kühlen Nächte lassen sensationelle Weine entstehen. Die Andenwinde kontrollieren die Alkoholwerte und zeich-

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Bodega Norton

nen eine frische Säure und Ausgewogenheit des Weines aus. ­Bedingt durch die extremen Tem­ peraturen sind Rebkrankheiten höchst selten. In Mendoza finden sich sehr viele verschiedene Rebsorten in unterschiedlichen Höhenlagen. In luftigen Höhen entstehen aussergewöhnliche, frische Weissweine, die von Kennern als leicht und ausdrucksvoll beschrieben werden. Die bekannten, würzigen und tiefdunklen Rotweine sind die edelsten Botschafter für Argentinien.

Der Swarovski-Diamant Einen wahren Diamanten finden wir dort, wo die Provinz Mendoza am eindrucksvollsten und un­ berührtesten ist, im hochgelegenen Distrikt Luján de Cujo. Hier liegt das renommierte Weingut Norton: 600 Hektar voller Weinberge mit einer ­ ­farbenfrohen Auswahl verschiedenster Weine und


CULINARIUM

Hier lagern die edelsten Weine von Swarovski in der Bodega Norton Argentinien.

Qualitätsstufen, die bis ins Detail gereift sind. Die österreichische Familie Swarovski ist seit 1989 Vorreiter der Weinproduktion und investierte grosse Summen, um die Bodega Norton zu einem der bedeutendsten Betriebe in Argentinien zu machen. Weltweiten Respekt hat sich Swarovskis Bodega insbesondere mit ihren Rotweinen verschaffen können.

Ein Unikat aus Argentinien: die Malbec-Rebe Der Malbec-Rebe wird eine exponierte Ausnahmestellung zugesprochen. In ihrer französischen Heimat war sie aufgrund ihrer sehr späten Reifung lange Zeit fast in Vergessenheit geraten. Aber in Argentinien fand diese tiefrote Rebe ein Revival, und Weinkenner bescheinigen ihr eine besondere Auszeichnung. Der argentinische Malbec ist mittlerweile zu einer fast eigen­ ständigen Sorte geworden und hat geschmacklich kaum noch einen Wiedererkennungswert mit seinem Vorfahren. International beachtet man aber doch auch noch andere Rebsorten wie Barbera und Bonarda, Cabernet Sauvignon und Merlot. Das sind Beispiele, die erfolgreich in den Weinbergen der ­Bodega Norton wachsen. Geniesser lieben vor allem die unvergleichliche Identität des Weines aus der Bodega Norton.

Michael Halstrick leitet das Weingut Bodega Norton.

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CULINARIUM

PLATZ FÜR DIE

A

NASE

Die Champagner-Flûte ist tot, es lebe das Weissweinglas, heisst es immer öfter, denn Kenner sind sich einig: Seit Beginn der Glaskultur wurden Schaumwein und Champagner in den falschen Gläsern kredenzt. Ein Rückblick. Anka Refghi

ls genussmordend und gar als massakrierend wird die Verwendung des falschen Glases für edle Tropfen in Kennerkreisen tituliert. Denn nicht nur Kleider machen Leute, sondern Gläser auch Getränke. Und um die fein nuancierten Aromen eines exzellenten Champagners zur Geltung zu bringen, ist der Griff zum richtigen Glas unabdingbar. Doch bis man für Champagner zum heute immer häufiger verwendeten Weissweinglas gefunden hat, mussten im Laufe der Geschichte einige Umwege in Kauf genommen werden.

Von Flöten und Schalen

So zum Beispiel wurden im späten 17. Jahrhundert, als der Schaumwein aus der Champagne zunehmend an Beliebtheit gewann, die gängigen Wein­ gläser der Epoche verwendet – konisch geformt, klein und mit einem zu kurzen oder gar nicht vorhandenen Stiel. In den 1830ern verlängerte man dann die Gläser leicht bis hin zur Flötenform, die gegen Ende des 18. Jahrhunderts zum Symbol des Champagners schlechthin für Aristokraten und die bürgerliche Oberschicht wurde. Im Laufe der Zeit aber überboten sich die Glaskünstler in aberwitzigster Weise, sodass die bis zu einem halben Meter verlängerten Flöten an Zerbrechlichkeit kaum mehr zu überbieten waren. Den Kontrapunkt zu dieser Entwicklung setzte Anfang des 19. Jahrhunderts dann das Aufkommen der Champagnerschalen, die allerdings keineswegs eine Neuerfindung waren, sondern bis dahin, als Bestandteil des Tafel­ geschirrs, vorzugsweise für Desserts verwendet wurden. Doch auch wenn Ende des 19. Jahrhunderts Flöten und Schalen gleichberechtigt neben­ einander verwendet wurden, so war es die Schale, die untrennbar mit dem Lebensgefühl der Belle Époque der Jahre 1890 bis 1914 verbunden war.

Das Glas als Friedenstifter Doch sowohl die Flöte als auch die Schale wurden und werden dem Champagner nicht gerecht. So lässt sich in einer Flöte zwar das Prickeln des Champagners einzigartig präsentieren, doch von seinem Grundstoff, dem Wein, bietet die geringe Öffnung der Nase keinen Platz für den olfaktorischen

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Genuss. In der Schale hingegen, chic in der Optik und durchaus mondän, wird der edle Tropfen nicht nur rasch handwarm, sondern beendet das Moussieren früh, der grossen Oberfläche «sei Dank». Eine erste Entwicklung, die richtungsweisend für die jüngste Entwicklung gewertet werden darf, war die Erfindung des sogenannten Tulpenglases, das sich ab etwa 1930 immer stärker durchsetzte. Durch die Tulpe, eine bauchigere Flöte, die sich nach oben hin mit einer verjüngenden Öffnung präsentierte, versuchte man, die vorangegangenen Fehlentwicklungen abzufedern. So konnte zwar immer noch bequem eingeschenkt werden, während das Bukett besser im Glas gehalten und doch weiterhin das Aufsteigen der Perlen bewundert werden konnte. Und doch, den vollumfänglichen Genuss, gerade für die Nase, konnte auch die Tulpe nicht zaubern. Das Glas der Stunde ist also das Weissweinglas oder noch besser das bauchige Chardonnay-Glas, das nicht nur genug weit ist, um auch der Nase etwas zu bieten, sondern auch, um das breite Spektrum und die Tiefen des A ­ romas des köstlichen Nasses sich vollumfänglich ent­ wickeln zu lassen.

Auf eigene Gefahr Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein waren Einkellerung und Vertrieb von Champagner gefahren- und verlustträchtig. Infolge unterschiedlicher Glasqualitäten und je nach Mischung unterschiedlich ablaufender Gärungs­ prozesse in den Flaschen explodierte ein Teil schon im Keller oder während des Transportes durch den Überdruck der Kohlesäure. Um die Sicherheit der Keller­meister zu gewährleisten, trugen sie Eisenmasken, was ihnen das Aussehen von Folterknechten des Mittelalters verlieh.


Genuss

CULINARIUM

LANSON

«Champagne Lanson White Label Sec» mit angenehmem Restzuckergehalt von 28 Gramm pro Liter und der erste Champagner weltweit, der für den Genuss mit natürlichen Zutaten wie Minze, Himbeere und Orangenzeste kreiert wurde.

BY PRESTIGENEWS.COM

Ob ei n prickel nder Cha mpag ner, ei n Hol zfass-gerei fter Tequ i la oder ei n H ig h-End- Cog nac – sie a l le si nd genau richtig, u m den Tag ausk l i n gen z u lassen, d ie Ferien z u gen iessen oder ei n fach etwas ga n z Besonderes z u feiern.

PUR

HENNESSY

Zusammenarbeit mit dem legendären Hotel Schweizerhof in Bern als HennessyBotschafter. Das Flaggschiff in der Haup­t­ stadt bietet seit Februar einzigartige Cocktails mit High-End-Cognac aus dem Hause Hennessy.

PERRIER-JOUËT

Es ist bereits die dritte Zusammenarbeit mit der japanischen Glaskünstlerin Ritsue Mishima, die die Flasche der Limited Edition Perrier-Jouët Cuvée Belle Epoque Blanc de Blancs 2004 gestaltet hat.

SIERRA MILENARIO – 100 % AGAVE

MILAIDHOO ISLAND

Milaidhoo Island Maldives hat das einzige moderne maledivische Restaurant «Ba’theli» auf den Malediven eröffnet. Die Architektur des Restaurants, in Form von drei Booten, spiegelt die maledi­ vische Herkunft wider.

Karamell und Vanille, feine Schokolade und frisches Holz, süss-tropische Früchte und frisch geerntete Aprikosen zeichnen den Sierra Milenario Añejo aus. Der Tequila wird in Eichenholz­fässern bis zu 18 Monate gelagert.

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SPOT

ON

In der «Anton’s Bar» im St. Moritzer Suvretta House kommen die Gäste nicht nur in den Genuss vom Interieur im 20er-Jahre-Stil und von Live-Musik, sondern auch von über 36 verschiedenen nationalen sowie internationalen Gins. Darunter Bündner Gins wie der «Breil Pur» mit frischen, herben Alpenkräutern und der «Gin Mare» mit seinen mediterranen Geschmacksaromen von Thymian und Olive. Diese Vielseitigkeit bewog das Suvretta House in St. Moritz dazu, den «Gin’ius Club» zu gründen. Nun hat das Luxushotel zusammen mit der Destillerie Haldihof in Weggis zwei biozertifizierte Signature Gins kreiert: Für die weiblichen Gäste wird der «Lady’s Gin» zubereitet, der von einer süssen Kirsch-Note geprägt ist und dessen pinke Farbe von der Kornelkirsche stammt. Die Herren der Schöpfung dürfen sich beim «Gentleman’s Gin» auf frische LindenblütenAromen freuen.

2 I Süsse Sünden Seit 1824 befindet sich die Pasticceria Marchesi, eine der ältesten Bäckereien Mailands, im selben Haus in der Via Santa Maria alla Porta. Später kaufte Prada 80 Prozent des historischen Betriebs und eröffnete 2015 eine zweite Filiale in Mailands wichtigster Einkaufsstrasse, der Via Santa Maria alla Porta. Letzten September wurde dann die dritte Filiale in der Galleria Vittorio Emanuele II eröffnet, ebenfalls in der italienischen Metropole. Ein Teil des Shops beher­ bergt eine elegante Teestube, die dem Stil des historischen Originalladens nachempfunden ist und Marchesi-typischen Charme versprüht: Auf den 250 Quadratmetern finden sich grüne Marmorwände und Samtsessel, Kirschholz- und Kristallablagen sowie grosse Spiegel. In dieser einzigartigen, vor­ nehmen Umgebung können die Gäste Croissants, Kuchen, hausgemachte Schokolade und Pralinen verspeisen. Tagsüber werden in der Teestube verschiedene Mahlzeiten wie Frühstück, Lunch, Tee und abendliche Aperitifs serviert, welche die Traditions­ bäckerei frisch und auf altmodische Weise in Handarbeit zubereitet.

© Jean Cazals

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3 I Speisen, wo einst geschwitzt wurde

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1 I Wahrlich Gin’ius

Das hört sich wenig appetitlich an, doch keine Bange, geschwitzt aus übermässigen körperlichen Aktivitäten wird hier schon lange nicht mehr: 1865 baute die ­Deutsche Turn-Vereinigung in London beim Bahnhof King’s Cross die erste deutsche Turnhalle Englands, und bereits ein Jahr später fanden hier die ersten Olympischen Spiele Londons statt. Bis zum Zweiten Weltkrieg nutzte man die Halle als Turnsaal, später dann als Veranstaltungsort für diverse Events und Kunstausstellungen, als Lager sowie für Büroräumlichkeiten. Heute beherbergt das Backsteingebäude ein Grand Café, ein Restaurant, zwei Bars und eine Outdoor-Terrasse. Vom ehemaligen Zuschauerbalkon aus überblickt man die Halle und kommt in den Genuss, zwischen ornamental geschmückten Säulen, weiss getünchten Backsteinen und unter hohen Decken zu speisen. Serviert werden an diesem historischen, denkmalgeschützten Ort Gerichte und Getränke mit nordeuropäischen Einflüssen.


Super Premium

www.imperialcollection.ch


CULINARIUM

WHITE

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ARITY

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Sie sind eine echte kulinarische Kostbarkeit und gelten als die teuerste Delikatesse der Welt: die Eier eines Albino-Störs, der durch einen Gendefekt schneeweiss ist. Gerade einmal acht Kilogramm jährlich sind von dem Luxuskaviar auf dem Weltmarkt erhältlich.

lbino-Kaviar ist eine kleine durchsichtige, weissliche Perle mit einem intensiven sahnigen Geschmack, der auf jeden Fall wesentlich geschmacksintensiver ist als der mildere schwarze Geschwisterkaviar. Der sogenannte weisse Kaviar ist die erlesenste Kostbarkeit, die einem Feinschmecker serviert werden kann. Das zeigt sich vor allem auch in der Preispolitik. Für Kaviar vom weissen Stör werden zum Beispiel in Salzburg, einer bedeutenden Herkunftsstätte, rund 16’000 Euro pro Kilo erwirtschaftet. Bezieht man die Luxusdelika­ tesse hingegen aus dem Iran, bezahlt man pro Kilogramm auch gerne einmal 45’000 Euro. Dann ist aber auch die Verpackung aus purem Gold. Preise also, bei dem sonstige Raritäten wie der weisse Piemont-Alba-Trüffel zur vergleichsweise «günstigen» Kostbarkeit werden. Rar sind aber auch die Stör-Kaviar-Produzenten selbst, findet man weltweit gerade einmal zwölf von ihnen.

Nur einmal in Österreich gibt es Albino-Stör-Kaviar Die einzige Heimat des österreichischen Albino-­ Kaviars ist ganz klassisch in Salzburg. Um genau zu sein in Grödig. Geradezu unscheinbar ist das Fischfachgeschäft von Walter Grüll, der mit seiner Störzucht weltbekannt wurde. Sein Geschäft – ein kleiner Dorfladen mit natürlichem Charme – und die Herzlichkeit und Passion von Walter Grüll und seinem Team für die Störzucht ist sofort spürbar.

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Fischerei Walter Grüll

Im Naturfreilandbecken werden die sibirischen Störe gezüchtet, gehegt und gepflegt. Erst mit zwölf Jahren bringen die Weibchen die wertvollen Kaviar-Eier zur Welt. Natürlich, so Grüll, könnte man den Prozess beschleunigen, aber in die Natur der Fische eingreifen, das möchte er nicht. Und gerade diese respektvolle Tierhaltung fördert die Entwicklung seiner Fische dann auch umso mehr. Der Stör selbst ist vom Aussterben bedroht. Zwar konnte das Kaspische Meer einen natürlichen Störbestand vorweisen, der allerdings hat in die letzten Jahre drastisch abgenommen. «Hätte ich nicht die Liebe zu meinen Fischen, dann macht so eine Zucht gar keinen Sinn», sagt Grüll. Diese einzigartige Verbindung vom Züchter zu seinen Tieren krönt den unnachahmlichen Geschmack des berühmten Salzburger Kaviars. Das Feinschmecker­ erlebnis braucht nicht viel Geschmackszusatz. Vielleicht noch ein Gläschen exklusiven Champa­ g­ner, etwas Weissbrot, und das unvergleichliche Aroma der Kaviar-Perlen wird zum einmaligen Erlebnis. Der Salzburger Tierliebhaber mit seiner Störzucht verkauft die teuerste Delikatesse der Welt mit ­ruhigem Gewissen. Denn Walter Grüll produziert nicht nur den weissen Kaviar aus seiner Stör­ haltung, sondern auch hochqualitative Leder­ artikel wie Geldbeutel, Gürtel und Täschchen aus der Fischhaut des Störs gefertigt. Vor den Toren Salzburgs wird die teuerste Delikatesse der Welt geerntet.

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DAS IST

NICHTMEINE

BÖRSE!

Es gibt gute Gründe, warum Firmen wie Uber, Airbnb & Co. nicht an die Börse wollen. Medien nennen sie «Unicorns» – junge erfolgreiche Start-ups, die trotz grosser Nachfrage nicht auf das Finanz-Parkett wollen.

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Wilma Fasola

icht nur der norwegische Staatsfonds wartet darauf, auch unzählige Anleger hoffen, dass das Unternehmen Uber endlich an die Börse geht. Mit einer Bewertung von rund 70 Milliarden Dollar wäre ein kleiner Anteil am Konzern in Form einer Aktie eben im wahrsten Sinne des Wortes bereichernd. Doch der Gründer und Inhaber des Taxidienstes, Travis Kalanick, weigert sich – konstant und ausdauernd. Gleiches gilt für die Inhaber von Airbnb und Pinterest. Und auch rund 150 weitere Unternehmen weltweit, die mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden, wollen nichts von einem Börsengang wissen. Die Finanzwelt spricht hier vom sogenannten «Unicorn-Club», und das Gros der Mitglieder hat seinen Sitz im Silicon Valley. Allen gemein: Ihre

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Strategie basiert auf digitalem Zugang, und alle finanzieren sich über Investoren und Wagnis­ kapitalgeber.

Keinen Bock auf Kontrolle Auf Nachfrage bei Uber-Chef Travis Kalanick, ­warum und wieso er keine Lust auf das offizielle Finanzparkett hat, antwortete er einmal: «Eines Tages wird es so weit sein – kurz bevor die Mit­ arbeiter und ihre Lebensgefährten mit Mistgabeln und Waffen mein Büro stürmen.» Übersetzt bedeutet dies: Ich bin doch nicht lebensmüde, und lasst mich endlich mit dieser Frage in Ruhe. Daher muss man spekulieren, doch wer den Kalifornier kennt, weiss, dass er ungern über harte Fakten spricht. Und ein Börsengang bedeutet, dass man Einblick in die laufenden Geschäfte geben muss.


FINANCE Detailliert und ehrlich zumindest. Das würde ­nämlich bedeuten, dass schwarz auf weiss belegt wäre, dass On-Demand-Geschäftsmodelle, bei denen Kunden nur bei Bedarf aktiv werden, gar nicht so rentabel sind, wie es nach aussen scheint. Der Blick hinter die Kulissen zeigt: Uber zeichnet riesige Verluste. Diese wurden von Bloomberg im ersten Halbjahr 2016 auf rund 1,27 Milliarden Dollar geschätzt. Und die Experten sind sich ­sicher, dass sich die Idee hinter dem Unternehmen erst auszahlt, wenn es keine menschlichen Fahrer mehr braucht. Zudem hat man einfach keine Lust darauf, sich reinreden zu lassen, und noch weniger will man alle drei Monate Geschäftsberichte präsentieren und Geld auf die Seite packen müssen, das bei

juristischen Auseinandersetzungen gebraucht wird. Und die gibt es unter den Einhörnern zur Genüge. Airbnb hat ständig Streit, und Uber muss nahezu täglich irgendetwas wieder geraderücken. Man will tun, ohne Rechenschaft ablegen zu müssen. Und das eben so lange, wie es möglich ist. Dennoch lassen sich die Aktienjäger nicht abhalten und versuchen nun auf anderen Wegen an Anteile der Einhörner zu kommen. Denn neben Inhaber und Investoren gibt es noch eine dritte Gruppe, die Aktien von Uber, Airbnb & Co. be­sitzen: die Mitarbeiter. Ein Gros hat diese als A ­ nerkennung und Bonus erhalten. Ihnen werden nun lukrative Angebote von Externen unterbreitet. Und das ruft die Chefs auf den Plan. Jüngst hat Airbnb-Finanzchef Laurent Tosi diese als «Widerlinge» bezeichnet, die sich durch Diebstahl am Gold- / Geldregen

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bereichern wollen. Parallel warnt man – ähnlich wie Uber – die Mitarbeiter schriftlich über Kon­se­quen­ zen und bietet unternehmens­ interne Rückkauf­ programme an. Die gebotenen Summen jedoch liegen meist weit unter dem e ­ xternen Angebot, sodass die unter Zugzwang stehenden Mitarbeiter dennoch auf den Deal eingehen und verkaufen. Denn viele von ihnen sind knapp bei Kasse, was ebenfalls einiges zu den Geschäftspraktiken der Einhörner aussagt.

Pionier auf dem Schweizer Markt Auch die Schweiz hat übrigens seit etwa einem Jahr ein Mitglied im Einhörner-Club. Mindmaze hat Anfang 2016 weniger als ein Drittel seiner Anteile verkauft, dafür aber eine Milliarde Dollar kassiert. Teilhaber ist nun die indische Hinduja Group. Spezialisiert auf Medizinaltechnik, basiert der Erfolg des im Welschland ansässigen Unternehmens auf einer an der ETH Lausanne entwickelten Echtzeit-Virtual-Reality-Technologie. Diese wird für die motorische Rehabilitation nach einer Hirnverletzung oder einem Hirnschlag genutzt und kann bereits während der Bettlägerigkeit und vor allem ohne dringende Präsenz einer Pflegekraft eingesetzt werden. Besonders Letzteres ist mit Blick auf den Mangel an Personal in der Branche ein echter Wettbewerbsvorteil.

Hinter Mindmaze steckt der indische Elektroingenieur Tej Tadi, der mehr aus Zufall als aus Kalkül in die Schweiz kam. Er forschte damals an einer Brennstoffzelle, mit der nur wenige Menschen und eben auch ein Professor in Lausanne ar­bei­ teten. Folgend absolvierte er einen Master in Virtual Reality und Computer-Grafik und begann das Doktorat im Labor für Kognitive Neurowissenschaft. Mindmaze selber ist heute gut vier Jahre alt, und Gründer Tadi hat grosse Ziele. So sagte er einmal den Medien: «Mindmaze will die führende neuro-­medizinische Gerätefirma der Welt werden.» Aktuell beschäftigt man rund 52  Mitarbeiter an drei  Standorten (Lausanne, San Francisco und ­Zürich). Und die  Zukunft ist vielversprechend. Mit weltweit ­ 15 Millionen Hirnschlag-Patienten ist der Bedarf an d ­ er­artiger Technologie dringend erforderlich. Und Neu-­ Mitinhaber Hinduja plant sie zudem auch in anderen Bereichen einzusetzen, beispielsweise in Games und im Rahmen von militärischen Technologien.

Es geht eben nicht immer gut Einmal Einhorn, immer Einhorn gilt jedoch nicht für alle Mitglieder im Club. Denn jüngst hat Snapchat, die sich neu nur noch Snap nennen, verlauten ­lassen, dass 2017 der Börsengang ansteht. Dafür kann man dem Instant-Messaging-Dienst also viel Glück wünschen. Denn nur wenige Unicorns haben sich bislang auf dem Börsenparkett behaupten können. Zu einschneidend ist am Ende die öffentliche Prüfung. Prominenter Verlierer ist hier zum Beispiel Twitter. Furios im Jahr 2013 gestartet, da innerhalb weniger Stunden nach Aktienausgabe der Kurs von 26 Dollar pro Aktie auf bis zu 50 Dollar anstieg, gibt es heute noch rund 16 Dollar pro Anteilsschein. Zudem schreibt der Kurznachrich­ tendienst bis heute Verluste. Es darf daher abzuwarten sein, wie lange sich die Anteilseigner das gefallen lassen. Und dass aktuell sogar Experten vor einem Kauf warnen, lässt ahnen, dass man eventuell sein Horn verloren und sich in die Gattung abgehalfterter Gäule eingereiht hat.


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Mit seiner neuen Ultra-Slim-Uhren­ kollektion stellt Movado Zeitmesser vor, die den Trend hin zu dünneren, schnörkellosen Uhrengehäusen und den für Movado prägenden schlichten Minimalismus in sich vereinen.

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«SAITEN » ANLAGE

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Tiefe Zinsen, eine unsichere Wirtschaftslage und einfach der Wunsch, etwas Handfestes zu besitzen. Immer öfter vertrauen Investoren auf Sachwerte bei der Anlage. In Sachen Saiten­instrumente braucht es dabei aber mehr als die Liebe zur Musik.

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Wilma Fasola

ie Winterthur Versicherung hat eine, die OKO Bank Finnland auch, und die Österreichische Landesbank verfügt gar über eine ganze Sammlung. Denn auch sie glauben an die Anlage in Sachwerte. Also hat man einiges an Schotter aufgebracht und sich eine Geige vom italienischen Meister Antonio Stradivari gegönnt. Die Preise beginnen hier nämlich bei rund fünf Millionen Franken. Daher mag man glauben, dass die Geigen auch gut und sicher eingelagert werden.

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FINANCE

Doch dem ist nicht so: In der Regel werden sie eben nicht im wahrsten Sinne des Wortes still und leise im Safe aufbewahrt, sondern an namhafte Virtuosen verliehen. Denn eine Geige wird nicht wertvoller, wenn sie tonlos bleibt. Vielmehr sollte sie gepflegt, vor allem aber gespielt werden. Sie muss ihren Klang entfalten und Geschichte sammeln können. Vor allem aber muss sie schon beim Kauf gewinnbringende Aussichten mitbringen.

Violin Assets Denn so harmonisch diese Form der Wertanlage klingen mag, einfach ist sie nicht. So haben Menschen schon immer in Dinge investiert und auf eine Wertsteigerung gehofft. Doch gerade in den letzten Jahren haben fehlende Renditen und niedrige Zinsen bei klassischen Anlageprodukten für einen Run auf weniger traditionelle Investments gesorgt. Beginnend beim Wein, über Oldtimer und eben auch alte Instrumente, hofft man heute, mit einem Kauf einer Sachanlage auf der sicheren Seite zu sein. Dabei reicht es jedoch nicht aus, auf Namen zu vertrauen. Im Falle der Streichinstrumente ist nämlich eine Stradivari nicht immer eine gute Wahl, und das lässt sich auch auf alle anderen bekannten Geigenbauer der Vergangenheit und Moderne beziehen. Der Zustand des Instruments entscheidet. Und den können Laien schlecht ­ einschätzen. Doch Hilfe naht, unter anderem in Form der Gesellschaft ­ «­Violin Assets». Mit Sitz im deutschen Bedburg bei Köln beraten die beiden Inhaber Christian Reister und Jost Thöne interessierte Anleger und helfen bei der Suche nach dem passenden Instrument.

«Historische Spitzeninstrumente lohnen sich als Wertanlage etwa ab 100’000 Euro, Streichinstrumente moderner Geigenbauer ab etwa 25’000 bis 30’000 Euro», sagt Christian Reister. «Die Qualität von modernen Werkstätten lässt sich vor allem daran festmachen, dass nur wenige Instrumente pro Jahr gefertigt werden und ihre Geigen, Bratschen und Celli eine individuelle und wiedererkennbare Handschrift aufweisen.» Hochwertige moderne Streich­instrumente sind eben kein Fliessbandprodukt, und die wenigen Manufakturen, die heute investitionsfähige Streichinstrumente bauen, fer­ tigen etwa sechs bis acht Exemplare im Jahr. Dazu der Experte: «Diese Rarität und die steigende Nachfrage sorgen für Preisstabilität und – wenn man gut beraten ist und keine Fehler macht – die Aussicht auf eine lohnende Rendite. Zudem entwickelt sich der Wert von Streichinstrumenten nahezu abgekoppelt von anderen Anlageklassen, und er ist auch nicht anfällig für Währungsschwankungen.»

Jeder tut, was er am besten kann Bei der Suche nach dem passenden Gegenstück für den interessierten Anleger sind Kompetenz und Zuständigkeit bei Violin Assets klar verteilt. «Während ich mit mehr als 20 Jahren Erfahrung in der anspruchsvollen Vermögensanlage die finanzielle Seite des Investments abdecke, ist mein ­Geschäftspartner Jost Thöne der Instrumenten­ experte», erklärt Christian Reister. «Besonders für das Werk Antonio Stradivaris ist er eine inter­­­ nationale Kapazität. Seit Jahren dokumentiert er dessen Schaffen in aufwendigen enzyklopädischen Publikationen, die weltweit grosse Beachtung

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f­inden.» Zudem setzt man auf aktuelle wissenschaftliche Untersuchungsmethoden, wenn es um die entsprechende Zuschreibung eines Instruments geht. Denn am Ende ist es neben dem Zustand auch die Geschichte, die eine Geige wertvoll macht. «Bei Instrumenten, die wir für investitionsfähig ­halten, dokumentieren wir – soweit es die Quellenlage zulässt – lückenlos die Eigentümer- und Spielhistorie», sagt der Experte. «Bei Bedarf ziehen wir ferner zusätzliche unabhängige und international anerkannte Gutachter hinzu.» Im Gespräch mit einem potenziellen Investor ist man obendrein immer ehrlich. Sachanlagen brauchen nun einmal Geduld, ist der Zeitfaktor doch entscheidend. Daher rät Christian Reister: «Beachten sollte man allerdings auch, dass der Instrumentenmarkt nicht jederzeit liquide ist. Deshalb empfehlen wir diese Sachanlage nur langfristig orientierten Investoren beziehungsweise als Diversifikation in einem ansonsten ausgewogenen und liquiden Portfolio.» Parallel sollte ausserdem auch ein wenig Interesse am Musischen bestehen. Geigen sind eben nicht nur bei der Wahl eine profitable, sondern auch eine emotionale Anlage. Und auch im Falle der Violin Assets spielt das Gefühl eine Rolle. Oder um es mit den Worten des Inhabers zu sagen: «Sind Streichinstrumente nicht die am schönsten klingenden Instrumente, die der Mensch je erfunden hat? Wenn man nur an die wunderbaren Konzerte von Beethoven, Sibelius, Tschaikowski denkt, dann liegt die Antwort nahe.» Und Reister selbst verbindet mit der Liebe zur Musik auch ein ganz persönlicher Aspekt: «Die Liebe zu meiner Frau – sie ist Geigensolistin.»

Am besten ist es, man spielt damit Gefühle gehören also dazu, der finanzielle Standpunkt lässt hier aktuell jedoch nur Gutes ahnen: In den letzten Jahren lagen die jährlichen Wertzuwachsraten im mittleren einstelligen Bereich. Also könnte man sich doch flächendeckend freuen. Doch ehrlich gesagt sorgt der konstante Wert­ anstieg nicht bei allen Beteiligten für Jubelrufe. Junge Musiker nämlich können sich immer seltener ein eigenes Instrument leisten. «Hochbegabte Nach­wuchskünstler oder schon etablierte Virtu­ osen haben grossen Bedarf an Spitzeninstru­ menten, verfügen aber nur in den seltensten Fällen über die Mittel, sie selbst zu erwerben», bringt Christian Reister das Dilemma auf den Punkt. «Viele Eigentümer von Meistergeigen, -bratschen oder -celli stellen deshalb ihr Instrument einem Ausnahmekünstler leihweise zur Verfügung.»

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Unter diesen Umständen ist ein Streichinstrument daher übrigens auch für eine Stiftung ein profi­ tables und legales Geschäft. «Die Kapitalanlage Streichinstrument eignet sich für private Investoren, aber auch für Stiftungen, sofern eines der Stiftungsziele im Bereich Kunst / Kultur oder der Exzellenzförderung liegt und damit die Investition im Einklang mit der Satzung und den Förderzwecken steht.» So wird die sich im Besitz der Talbotstiftung Aachen befindliche «San Lorenzo Stradivarius» beispielsweise von Star-Geiger David Garett gespielt, und auch im Falle der Finanz- und Versicherungsinstitute befinden sich die Geigen in der Regel in den besten Händen. So stellt die Österreichische Landesbank gleich fünf ihrer Geigen den Wiener Philharmonikern zur Verfügung und bereichert so gleich ein ganzes Land und seine Besucher.


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VORSCHAU SUMMER 2017 Superhouse Doppelter Gewinner Zum Superhouse-Konzept inspiriert wurde Architekt Magnus Ström durch die Arbeit weltberühmter Marinearchitekten. Die Idee, Häuser auf dem gleichen Niveau von Design­ qualität und Verarbeitung zu realisieren wie die Superyachten, führte ihn zur Realisierung des «Superhouse». Mit Erfolg, denn das Projekt wurde 2016 gleich in zwei Kategorien mit dem «American Architecture Prize» ausgezeichnet.

McQueen Unseen Fotografische Meisterwerke Nahezu zwanzig Jahre fotografierte der britische Fotograf Robert Fairer bis zu 100 Modenschauen pro Saison, zehn Jahre davon exklusiv für die amerikanische «Vogue». Nun öffnet Fairer zum ersten Mal sein grosses Archiv mit atemberaubenden Aufnahmen, die er während der kompletten Laufbahn des Star-Designers und «Enfant terrible» der Modewelt, Alexander McQueen (1969–2010), gemacht hat.

Mercer-Cobra Roadster Konzeptcar Baujahr 1965 Virgil «The Ex» Exner war Designchef von Chrysler und als «König der Heckflossen» bekannt. Als Rentner dann «reanimierte» er auf dem Zeichentisch gescheiterte und vom Markt verschwundene Automarken wie Duesenberg, Stutz oder Mercer, der Frage folgend, wie diese Automobile Jahrzehnte später wohl ausgesehen hätten. Die meisten der visionären Skizzen blieben für immer auf Papier, einer von zweien, die tatsächlich gebaut wurden, war der Mercer-Cobra Roadster aus dem Jahre 1965, eine Spezialanfertigung im Auftrag der amerikanischen Kupfer-Lobby.

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