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INHALTSVERZEICHNIS

Editorial

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DOWN TOWN Bahia Afrikanische Traditionen in Brasilien ilien

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Wiener Musikleben Willkommen in der Hauptstadt der Musik

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DISCOVERY Einzigartige Uhrensammlung Interview mit der Kuratorin Monika Leonhardt

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Schäferstündchen

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CULTURE CLUB Picasso Verzerrte Perspektive

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SAM Einzigartiges Festival für zeitgenössische Kunst

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Kunstwelten

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BUSINESS Eine Reise in die Welt der Luxusfonds Interview mit Juan Manuel Mendoza

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Strategisches Denken in volatilen Zeiten Interview mit Prof. Dr. Fredmund Malik

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SWEET & SOUR Höhlenkäse Nur die Besten kommen in die Höhle

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Purer Genuss

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Traditionelle Gerichte ... ... rund um die Welt

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FACE TO FACE CE Johnny Depp Gezähmter Rebell

66

Financier Martin Ebner «Auf Reisen würde ich nie verzichten»

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ARCHITECTURE Traditionelle Bauweisen ... ... rund um die Welt

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INHALTSVERZEICHNIS

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DESIGN Rolf Sachs Ein Künstler der anderen Art

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News Design

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Baselworld Rückbesinnung auf Altbewährtes

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ART OF FASHION «Free Time» Exklusivinterview mit Luciano Bertinelli

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Mode im Wandel Kleider machen Leute

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TECHNOLOGY The Grand Tour – Teil 2

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Oh là là – eine autoverrückte Familie

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Abarth – Eine kleine Geschichte

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Aston Martin Blaues Wunder

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Porsche Cayman

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Crocodile Rock

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Techniktrends

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PHENOMENON Wir fliegen zum Mond ... ... und lieben wie im Steinzeitalter

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LEGENDS OF CRIME Bonnie & Clyde Catch us if you can

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YESTERDAY Ernest Hemingway Der alte Mann und sein Leben

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Jim Morrison Entzünde mein Feuer

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INHALTSVERZEICHNIS

142 DREAMLANDS Mauritius Ferienparadies für Anspruchsvolle

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Die Inseltesterin Wie kommt eine Insel in den Katalog?

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Dominikanische Republik Karibischer Urlaubstraum

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Jordanien Das Land der Wüste und des Meeres

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BEAUTY Into the Sun Sonne, Meer und Strand

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Fun in the Sun Jetzt wird's bunt!

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Hot-Spot Der neue Baldessarini-Duft Best Beauty

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HEALTH & SPORT

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Gourmetfasten Königsweg zu dauerhaftem Körperglück

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Olympische Spiele Das grösste Sportereignis

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Tradition in der Sportmedizin oder warum Bewährtes verabschieden?

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SHORTCUTS Von der Braut bis zum Vatikan Vom Stierkampf bis zum Wetter

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92 KOLUMNEN Guido Tognoni Millionendeckung für den Mikro-Hund

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Wilhelm J. Grusdat

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Von Weintrauben und Schleiern

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Rolf Hess Die Traumgebilde der Börsenchefs

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Nubya Die Bedeutung von Katzen bei der Meditation

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Vera Dillier Frühlings-Traditionen

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52

38 10

92


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lata P o t r e u P

A R C IBE L E D A T S E I F LA

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EDITORIAL

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Geschätzte Leserinnen, Geschätzte Leser

n dieser Ausgabe wendet sich das PRESTIGE-Team dem Thema «Traditionen» zu. Welche sind längst überholt, welche halten wir immer noch aufrecht, welche alten Traditionen werden neu entdeckt und wiederbelebt? Tradition stammt vom lateinischen Wort «tradere» ab, welches so viel bedeutet wie hinübergeben beziehungsweise «traditio» gleich Überlieferung. Traditionen bezeichnen also die Weitergabe von Handlungsmustern, Überzeugungen und Bräuchen. Tradition ist auch das kulturelle Erbe, welches von einer Generation zur nächsten weitergegeben wird. Wissenschaftliche Kenntnisse und handwerkliches Können gehören ebenso dazu wie Rituale, künstlerische Gestaltungsauffassungen, moralische Regeln und Speiseregeln. PRESTIGE machte sich auf nach Brasilien, wo es in Bahia da Salvador auf afrikanische Traditionen mitten in Brasilien traf. Ob bei Candomblé-Feierlichkeiten oder den Capoeira-Tänzen, überall ist Mama Africa spürbar. Denn trotz gnadenloser Unterdrückung schufen sich die Sklaven Südamerikas heimlich eine eigene Welt, die bis heute in rauschhaften religiösen Festen, zündender Musik und temperamentvollem Tanz sowie in der eigenständigen Landesküche ihren lebhaften Ausdruck findet. Durch ihre kulturelle Selbstbehauptung wurde Bahia zur schwarzen Seele Brasiliens. Zudem machten wir eine kulinarische Weltreise und probierten für Sie traditionelle Gerichte der unterschiedlichsten Destinationen. Von Irland über Istanbul bis nach Hongkong schauten wir den Menschen auf die Teller und in die Töpfe und trafen dabei auf einige Überraschungen. In der Schweiz begaben wir uns dazu sogar in Höhlen, um herauszufinden, was einen höhlengereiften Käse so einzigartig macht. In einer uralten Tradition stehen die Olympischen Spiele, wieweit man sich dieser Tradition jedoch noch wirklich verpflichtet fühlt oder ob Geld, Gigantismus und ungebremste Kommerzialisierung diese überschatten, erfahren Sie in der vorliegenden Ausgabe. Lehnen Sie sich also genüsslich zurück und tauchen Sie ein in alte, neue und wiederkehrende Traditionen und Bräuche und erfahren Sie ein Lesevergnügen der ganz besondern Art, durch die Lektüre des PRESTIGE.

Francesco J. Ciringione

Yvonne Beck

Verleger

Chefredaktorin

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DOWN TOWN

BAHIA Afrikanische Traditionen in Brasilien

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DOWN TOWN

«EINE ELENDSHÜTTE, IN DER MAN FRÖHLICH LACHT, IST MEHR WERT ALS EIN PALAST, IN DEM MAN WEINT.» brasilianisches Sprichwort

Bahia da Salvador, eine schmucke Kolonialstadt mit bunten Fassaden, Kopfsteinpflaster und einer tief im afrikanischen Erbe verwurzelten Kultur.

B

von Katrine Steffen

ahia ist die Seele Brasiliens. In diesem Teilstaat haben sich afrikanische, europäische und indianische Einflüsse stärker vermischt als im übrigen Land – es entstand genau jene erfrischende Vielfalt, die den besonderen Reiz Brasiliens ausmacht. Das Herz Bahias ist die Stadt Salvador. Mehr als jede andere brasilianische Stadt nimmt sie alle Sinne für sich ein: Vor den verschnörkelten Portalen verfallener Klöster und barocker Kapellen verströmen die Garküchen weiss gekleideter Bainas den Duft von Kokosnussmilch und reifer Ananas. Zum monotonen Klang eines Berimbau-Musikbogens geben Caipeiristas Kostproben ihres akrobatischen Könnens. Bis in die späte Nacht wird das restaurierte Pelourinho-Viertel täglich zur beliebten Barock-Flaniermeile; es lockt mit kleinen Musik-Kneipen, lebhaften Strassencafés, vielen eindrucksvollen Theateraufführungen und den weltweit berühmten «ensaios», öffentlichen Proben der Perkussionisten wechselnder Blocos Afros. Afrikanische Traditionen, synkretische Religion und Mystizismus sind wesentliche Elemente im täglichen Leben der 2,9 Millionen Einwohner zählenden Metropole – die Quelle, aus der Salvadors kreativste Künstler ihre Ideen schöpfen.

Candomblé Bahia wahrt seine ureigene Kultur und Lebensform. Seine begnadeten Baumeister und der Marmor stammen zwar aus Europa, während am stadtnahen Strand Millionen Sklaven aus Westafrika anlandeten. Trotz gnadenloser Unterdrückung schufen sie sich heimlich eine eigene Welt, die bis heute in rauschhaften religiösen Festen, zündender Musik und temperamentvollem Tanz sowie in der eigenständigen Landesküche ihren lebhaften Ausdruck findet. Durch ihre kulturelle Selbstbehauptung wurde Bahia zur schwarzen Seele Brasiliens.

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DOWN TOWN

Typische traditionelle Kleidung der Frauen Bahias.

Bahia besitzt 365 Kirchen.

Capoeira ist eine brasilianische Kampfkunst beziehungsweise ein Kampftanz.

Nach einem Sprichwort besitzt Bahia 365 Kirchen – «eine für jeden Tag». Für die Gläubigen der afro-brasilianischen Candomblé-Religion halten Salvador und sein Umland darüber hinaus 8.000 «Terreiro»-Kulturzentren ganz unterschiedlicher spiritueller Prägung bereit. Charakteristisch für alle Candomblé-Gruppierungen ist die Verehrung der Orixá-Gottheiten. Orixás haben sehr menschliche Fehler, Schwächen und Vorlieben. Ihnen kommt die Vermittlerrolle zwischen dem Diesseits und dem Jenseits zu.

«NUR WER AN DIE ZUKUNFT GLAUBT, GLAUBT AN DIE GEGENWART.» brasilianisches Sprichwort

Die Anhänger des Candomblé glauben, dass sie in Trance mit ihren Orixás in direkten Kontakt treten können. Gläubige, die besonders leicht in Trance fallen, werden deshalb in langwierigen Initiationsriten, die sich manchmal über Monate hinziehen, auf ihre Aufgabe als Medium vorbereitet. Im Gegensatz zu den afrikanischen Ursprungsländern wird der Candomblé in Brasilien hauptsächlich von Frauen getragen, meistens steht eine Oberpriesterin, die sogenannte Mãe-de-Santo, an der Spitze der Hierarchie der jeweiligen Terreiro-Kultstätte, Zu den unbestreitbaren Verdiensten dieser religiösen Würdenträgerin gehört die mündliche Weitergabe von Kultur und Geschichte der afro-brasilianischen Bevölkerung.

Capoeira

Candomblé-Feierlichkeiten sind religiöse Ereignisse mit Musik, Tanz und den Lieblingsspeisen der Orixás – von Besuchern wird daher Respekt, Taktgefühl und zurückhaltende Kleidung erwartet: Kurze Hosen und Röcke, weit ausgeschnittene Blusen sind unerwünscht, Kameras, Fotoapparate und Fotonatels strengstens verboten.

Man unterscheidet in Salvador und Bahia zwei Stilarten: die traditionelle Capoeira de Angola und die stark vom asiatischen Kampfsport beeinflusste, ausschliesslich in Bahia beheimatete Capoeira Regional. Erst in den letzten Jahrzehnten hat Salvador sein reiches afrikanisches Erbe wiederentdeckt, die Capoeira

Auch Capoeira ist kein Touristenspektakel. Der Kampfsport wurde aus den friedlichen Stammestänzen der aus Angola nach Brasilien verschleppten Bantu-Sklaven entwickelt. Sein Ursprung geht zurück auf ein Pubertätsritual des Macupe-Stammes, bei dem die männlichen Jugendlichen den N’golo-Tanz aufführten. Das damals verwendete Begleitinstrument «m’bolumbumba» weist Ähnlichkeiten auf mit dem später in Brasilien verwendeten «berimbau», bestehend aus einem hölzernen Bogen, einer Drahtsaite und einem Klangkörper. Im 19. Jahrhundert gelangten die Capoeiristas auch in die Städte, wo sie in den Terreiros Unterschlupf fanden und rasch zu Beschützern der Kultstätte wurden.

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DOWN TOWN

Candomblé-Umzug in Bahia.

eingeschlossen. Sie ähnelt allen anderen ursprünglichen Traditionen insofern, als ihre Geheimnisse von den Lehrern nur mündlich an die Schüler weitergegeben werden. Ritual und Rhythmus der Capoeira sind miteinander verschmolzen – auch ein Charakteristikum, das sie mit der gesamten afro-brasilianischen Kultur teilt.

und Heiterkeit beginnt bereits Anfang November im Städtchen Camaçari, erreicht schon Wochen vor dem offiziellen Karneval von Salvador zunächst in Illhéeus, dann in der ewig eifersüchtig konkurrierenden Nachbarstadt Itabuna seinen Höhepunkt, wird in Porto Seguro verlängert und endet mit dem «Micareta» genannten närrischen Nachtleben in Feira de Santana in den letzten Apriltagen. Den Rest des Jahres treten die «trios elétricos» und die Bands nacheinander in verschiedenen Städten Brasiliens auf.

Karneval in Bahia – Big Business Das schwarze, afrikanisch geprägte Salvador da Bahia ist das musikalische Herz Brasiliens. Wer hierher reist, kommt nicht nur wegen der Strände, sondern auch wegen der vielen Feste und Konzerte. Dass hier der grösste Strassenkarneval der Welt stattfindet, steht bereits im Guinness-Buch der Rekorde. Zu dieser Zeit treten auf den Bühnen am Strand und auf den «trios elétricos» genannten Lautsprecherwagen die besten Bands des Landes auf, die meisten davon stammen aus Salvador. Vorherrschend ist die sehr rhythmische Axé-Musik, kreiert von Daniela Mercury, die immer noch zu den grössten Gesangsstars des Landes zählt.

Wer ausserhalb des Karnevals hier ist, sollte in der Tagespresse die Konzertprogramme verfolgen, ein Besuch wird ein unvergessliches Erlebnis sein. Doch Bahia und Salvador stehen nicht nur für Axé und heisse Percussion-Rhythmen, in der Stadt der vielen Kirchen hat auch die sakrale Musik bis heute überlebt und sogar Terrain zurückgewonnen. Letzteres ist dem deutschen Pater Hans Böhmisch aus dem Bistum Mainz zu verdanken, der in Salvador im Stadtteil Saude in der Rua Jogo do Carneiro den Kulturverein «Barroco na Bahia» gegründet hat sowie eine gleichnamige Pousada, deren Angebot sich besonders an kulturinteressierte Reisende richtet. Alle Zimmer und Suiten tragen Namen grosser deutscher Komponisten. In der Kathedrale richtet er die beliebten Sonntagskonzerte aus.

«Karneval ist eine Erfindung des Teufels, die Gott gesegnet hat», sagt der Bahianer Caetano Veloso. Karneval ist auch in Salvador ein perfekt durchorganisiertes Spektakel, die oft verbreitete Meinung von Spontanität im Vergleich zu Rios Megashow ist auch hier längst Geschichte. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Karneval in Rio und dem Bahias: In Salvador ist die Musik auf extreme Lautstärke elektrisch verstärkt, in Rio pure Livemusik. Jeder Block, «bloco», mit rund 3.000 Teilnehmern benötigt rund fünf bis sieben Stunden bis zum Ziel und bewegt sich in einer abgesperrten Zone. Ohne «abada» gelangt man nicht in den «bloco». «Abada» ist der Teilnehmerausweis bestehend aus Shorts und T-Shirt. Bahias Karneval wuchs in den letzten Jahren zu einem lukrativen Industriezweig: Das Strassenfest der Farbe

Geschütze Landschaft und Schildkröten 60 Kilometer nordöstlich von Salvador kann man sich in dem kleinen Ort Praia do Forte gut von der Grossstadt erholen und einige Tage richtig entspannen. Am Wochenende und während der Hauptsaison ist es hier jedoch recht belebt. Praia do Forte ist bekannt für eine gelungene Verbindung von Ökologie und Tourismus. Der kleine ehemalige Fischerort zählt nur 7.000 Einwohner, empfängt im Sommer jedoch ein Mehrfaches an Touristen. Die

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Ländereien gehören fast alle Klaus Peters, einem Paulista deutscher Abstammung. Auch das luxuriöse Eco Resort ist in seiner Hand. Es bietet zahlreiche noble Unterkünfte, aber auch einfach Pousadas für den Alternativtourismus. Der zwölf Kilometer lange von Kokospalmen gesäumte Hauptstrand mit dem ruhigen Meer und Korallenriff sowie Dünen, Lagunen und Wasserfällen gehört zu einer geschützten Landschaft, dank Klaus Peters und der 1981 gegründeten privaten Stiftung «Garcia D’Avilia», die mit zahlreichen Auflagen den Ort vor hässlichen Anlagen und Bauspekulationen bewahrt haben. So müssen Hotels und Pensionen der örtlichen Architektur und Landschaft angepasst sein und dürfen nicht höher reichen als ausgewachsene Palmen, im Falle notwendiger Abforstungsmassnahmen sollen für jeden gefällten Baum vier neue gepflanzt werden. Die Einheimischen wiederum dürfen ihre Häuser nur innerhalb der Familie weitervererben. So bleibt der alte Ursprung erhalten.

«WAS DIE AUGEN NICHT SEHEN, FÜHLT DAS HERZ NICHT.» brasilianisches Sprichwort

Brasiliens Nationalgetränk Cachaça ist der hochprozentige Zuckerrohrschnaps, der im ganzen Land hergestellt und getrunken wird. Er kann billiger als Wasser sein oder teurer als ein guter Whisky – je nach Geschmack und Marke. Caipirinha ist das inoffizielle brasilianische Nationalgetränk, die Grundzutaten sind einfach: Cachaça, zerstossene Limette, Zucker, Eis – das Ergebnis abergrandios. Doch während man in unseren Breitengraden meist nur die einfache Form des Caipirinha kennt, mixen die Brasilianer alle erdenklichen Früchte in das Getränk. Im «Paraiso Tropical» stehen fast hundert verschiedene Sorten zur Auswahl und der Chef des Restaurants, Beto Pimentel, ist ein echter Meister seines Faches. Ob Kiwi-, Ananas- oder Kokos-Mandarinen-Caipirinha, hier findet jeder etwas nach seinem Geschmack. www.restaurantparaisotropical.com.br

Etwa 600.000 Besucher kommen alljährlich zur Praia do Forte, um die Meeresschildkröten zu sehen. Tamar, die staatliche Organisation zu deren Schutz und Rettung, hat hier ihren Hauptsitz, insgesamt gibt es an der brasilianischen Küste 22 solcher Projekte in neun Bundesstaaten. Die Küste Bahias wird von vier der sieben auf der Welt bekannten Meeresschildkrötenarten aufgesucht, häufig jedoch nur zur Zeit der Fortpflanzung (September bis März). Im April schlüpfen die Kleinen und eilen in Scharen zum Meer: Auf dem Weg dorthin werden jedoch viele von Feinden wie Raubvögeln und Krabben gefressen. Auch im Wasser lauern Gefahren, von 1.000 erreicht nur ein Tier das Erwachsenenalter. Dieses kehrt dann nach 25 Jahren wieder genau an seinen Geburtsort zur Brutpflege zurück. Meeresbiologen erteilen Interessierten fachkundige Auskünfte vor Ort. Ausserhalb der Brutzeit wird das Tamar-Projekt fortgeführt, im Museum befinden sich mehrere Aquarien und Tanks mit Schildkröten, Fischen und Rochen.

In Bahia kommen fünf Arten Meeresschildkröten zur Eierablage an Land.

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WIENER

Š WienTourismus/F 3

Musikleben

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Willkommen in der Welthauptstadt der Musik! Hier haben mehr berühmte Komponisten gelebt als in irgendeiner anderen Stadt, und Musik liegt in Wien förmlich in der Luft: Walzer und Operette sind hier zuhause, auch Musicals «made in Vienna» haben das internationale Publikum erobert.

D von Katrine Steffen

ie Konzerthäuser und Bühnen der Stadt bieten Klassik bis zu progressiven Tönen – das ganze Jahr über folgt ein Festival dem anderen. Opernfans treffen hier auf Weltstars und Jazzfreunde finden eine pulsierende Jazzszene. Pop- und Rock-Konzerte bescheren unvergessliche Live-Musik-Erlebnisse. Elektronische Musik vom Feinsten zum Chill-Out oder Abtanzen gibts in zahlreichen Clubs.

Wiens Horte der schönen Töne Im 1778 eröffneten Theater an der Wien wurde Musikgeschichte geschrieben: Emanuel Schikaneder, der geniale Textautor von Mozarts «Zauberflöte», war dort Direktor, Beethoven wohnte eine Zeit lang im Gebäude und seine Oper «Fidelio» wurde dort uraufgeführt. Nun gibt es hier monatlich eine Premiere, von Mozart über Barockoper bis zur Moderne. Ein abwechslungsreiches Programm bietet auch die Wiener Volksoper, wo neben Opern auch schwungvolle Operetten und Musicals inszeniert und erstklassige Ballettaufführungen gezeigt werden. Raritäten des Musiktheaters setzt die Wiener Kammeroper in Szene: selten gezeigte Operetten, Musicals und Singspiele sowie barocke und moderne Opern. Wiens klassisches Konzertleben wird von zwei grossen Häusern dominiert: Millionen Musikfreunde auf der ganzen Welt kennen den Wiener Musikverein als traditionsreichen Veranstaltungsort. Denn aus seinem Goldenen Saal wird alljährlich das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker international im Fernsehen übertragen. Ein weiterer Mittelpunkt des Konzertlebens ist das Wiener Konzerthaus im stimmungsvollen Jugendstil-Ambiente. Seine musikalische Bandbreite umfasst nicht nur das klassische Repertoire, sondern reicht vom Mittelalter bis zu progressivsten Tönen der Gegenwart. Neben diesen beiden renommierten Häusern gibt es ein gutes Dutzend von Konzertsälen, wo man ebenfalls den guten Ton trifft. Musicals, die Wien in den letzten Jahren hervorgebracht hat, wurden bereits bis nach Tokio und New York exportiert. Die Originale können Sie im Ronacher und im Raimundtheater erleben.

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© WienTourismus/F 3

Wien – Eine Kulturmetepole, die ihres gleichen sucht.

«IN WIEN MUSST' ERST STERBEN, BEVOR SIE DICH HOCHLEBEN LASSEN. ABER DANN LEBST' LANG.» Helmut Qualtinger, österreichischer Schauspieler

Zusätzlich zu den beiden grossen Musicalbühnen zeigt fallweise das Metropol, ein ehemaliges Vorstadt-Variété, kleinere, meist sehr witzige Eigenproduktionen von Musicals, aber auch Konzerte von Jazz bis Pop und Kabarett.

Mahler-Orte in Wien Gustav Mahler (1860 – 1911) ist das Genie des Fin de Siècle und Wegbereiter der Neuen Musik. Musikfreunde aus aller Welt feiern den berühmten Komponisten in zwei Jubiläumsjahren in Folge: 2010 wäre sein 150. Geburtstag, 2011 sein 100. Todestag. Sein Leben ist untrennbar mit Wien verbunden: Nach seiner Kindheit in Böhmen zieht er zum Studium hierher, startet seine internationale Karriere, verkehrt in Künstlerkreisen und lernt seine Frau Alma kennen – eine wahre Femme fatale. Am Gipfel des Ruhms ist er Hofoperndirektor und führt eine bahnbrechende Opernreform durch. Mahler schafft dann den Sprung in die Neue Welt und ist Kapellmeister der Metropolitan Opera New York. Doch nur drei Jahre darauf stirbt er an einer bakteriellen Herzkrankheit in Wien, wo er auch seine letzte Ruhestätte findet.

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© WienTourismus/Karl Thomas

Rekordverdächtig – In Wien gibt es über 27 Schlösser und mehr als 150 Palais.

«WENN DU DENKST, DASS DAS PUBLIKUM SICH LANGWEILT, DANN SPIELE LANGSAMER, NICHT SCHNELLER.» Gustav Mahler

© de.wikipedia.org

Gustav Mahler leitete die Wiener Oper, heute noch Opernhaus ersten Ranges, zehn Jahre lang als Hofoperndirektor – sein Traumberuf. Rechts vom Stiegenhaus erstreckt sich der GustavMahler-Saal, auch eine ausdrucksstarke Büste von Auguste Rodin ist in der Wiener Staatsoper heute zu finden. Im Staatsopernmuseum, gleich neben der Oper gelegen, finden Musikfreunde alles zur Geschichte der Wiener Oper, zudem gibt es eine besonders umfangreiche Mahler-Dokumentation. Die Mahlerstrasse – 1919 nach ihm benannt – grenzt an der dem Museum gegenüberliegenden Seite an die Oper.

den Begründern der Neuen Wiener Schule: Schönberg, Berg und von Webern. Gestaltet wurde der Raum vom Grossneffen Gustav Mahlers, Peter Mahler. Lesemaschinen behandeln das Werk Mahlers und seine Dirigate in seiner Zeit als Hofoperndirektor, die Bilder an den Bäumen (ein «Wald» prägt den Raum) zeigen den «offiziellen» und den «privaten» Mahler. Unter den Exponaten: Mahlers Abschiedsbrief in der Oper und sein ungewöhnlicher Vertrag mit der Universal Edition. Von Arnulf Rainer stammt die «Totenmaskenübermalung Gustav Mahler». Im Innenhof ist auch eine Mahler-Büste von Hanns Kunitzberger zu sehen. Etliche Musikmanuskripte Gustav Mahlers befinden sich im Archiv des Arnold Schönberg Centers, einer Top-Adresse für Musikkenner, genauso wie – natürlich – die Internationale Gustav Mahler Gesellschaft Wien, die 1955 auf Initiative der Wiener Philharmoniker gegründet wurde.

Im Haus der Musik ist Mahler in der Etage der Grossen Meister ein eigener Raum gewidmet – gleich neben Joseph Haydn, Mozart, Beethoven, Schubert, Strauss und

Die barocke Karlskirche, Ort der Eheschliessung von Mahler und Alma am 09.03.1902, ist einen Besuch wert. Gustav und seine 1907 verstorbene Tochter Maria sind auf dem Friedhof Grinzing begraben. Schräg gegenüber ihrem Grab sind Alma Mahler-Werfel und ihre Tochter Manon Gropius bestattet. Es gibt weitere

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DOWN TOWN

«NACH DER AUSRUFUNG DER REPUBLIK WURDE DER ADEL IN ÖSTERREICH ABGESCHAFFT. AN SEINE STELLE IST DER BESITZ EINES ABONNEMENTS BEI DEN KONZERTEN DER WIENER PHILHARMONIKER GETRETEN.» Hans Weigel (1908-91), österreichischer Schriftsteller

originale Mahler-Stätten, die jedoch in Privatbesitz sind und nicht besichtigt werden können: Mahlers Wohnung von 1898 bis 1909 (3., Auenbruggergasse 2, Gedenktafel) wurde vom JugendstilArchitekten Otto Wagner erbaut. Das Carl-Moll-Haus (19., Hohe Warte, Wollergasse 10) war das Wohnhaus des gleichnamigen Malers und Stützpunkt von Gustav Mahler von 1909 bis 1911. Im Sanatorium Löw (9., Mariannengasse 20, Gedenktafel) starb der Komponist am 18. Mai 1911. In Wiens Konzertsälen sind Mahlers Werke laufend im Programm, kein Wunder, prägte er doch das musikalische Leben der Stadt wie kein anderer.

Wiener Sängerknaben Sie begeistern das Konzertpublikum in aller Welt, werden gerne als die «jüngsten Botschafter Wiens» bezeichnet und musizieren gemeinsam mit Weltklassemusikern wie Pierre Boulez, Nikolaus Harnoncourt und Zubin Mehta: die Wiener Sängerknaben. Die Anfänge des Chors liegen über ein halbes Jahrtausend zurück, als Kaiser Maximilian I. im Jahre 1498 den Grundstein für die Wiener Hofmusikkapelle und damit auch für die Sängerknaben legte. Bis 1918 musizierte die Hofmusikkapelle exklusiv für den Hof, bei Messen, privaten Festen und zu Staatsanlässen.

Walk of Stars Die Stars von heute finden Wienbesucher in den «Gasometern». Einst als riesige Gasbehälter am Stadtrand, sind sie heute ein architektonisch hochinteressantes Wohnprojekt mit beeindruckender Shopping-Mall, einer von internationalen Rockstars bestfrequentierten Veranstaltungshalle und durch die U-Bahn nur Minuten von der Altstadt entfernt. Dort findet man auch einen stetig wachsenden Walk of Stars, auf dem – ganz dem Vorbild aus Hollywood entsprechend – Künstler aus Pop, Rock, Punk, Jazz, Blues, Folk, Volksmusik und Schlager ihre Hand- und Fussabdrücke verewigt haben. Darunter das Vienna Art Orchestra, Naturally 7, Dr. Kurt Ostbahn, Deep Purple, Vonda Shepard, Boney M., Racey, Slade, Jamie Cullum, Alice Cooper und Suzi Quatro. Eine Besichtigung, die sich ideal mit einem Shopping-Bummel verbinden lässt.

Heute besteht die Hofmusikkapelle ausschliesslich aus einem Chor der Wiener Sängerknaben sowie Mitgliedern des Staatsopernchores und -orchesters. Zu hören ist sie bei den sonntäglichen Heiligen Messen in der Hofburgkapelle, welche sie regelmässig gestaltet. Es gibt nun rund 100 Wiener Sängerknaben zwischen zehn und vierzehn Jahren. Auch in der Wiener Staatsoper, der Volksoper, bei den Salzburger Festspielen sowie bei eigenen Festkonzerten sind die Sängerknaben zu hören. Mit einem Repertoire, das vom Mittelalter bis zur Gegenwart reicht.

Ganz dem Vorbild aus Hollywood entsprechend – Der Wiener Walk of Stars.

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Herrliche Aussichten auf den Tiroler Sommer. Genießen Sie den Sommer dort, wo er am schönsten ist: in den Tiroler Bergen. Grüne Hänge, frische Bergluft und ein malerisches Panorama laden zu sportlichen Aktivitäten ein. Nach dem Wandern, Biken oder Reiten

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© Thomas Burla

DISCOVERY

Monika Leonhardt – Kuratorin des Museums.

Sammlung

EINE EINZIGARTIGE

Schenkung an das Uhrenmuseum Beyer. Damentaschenuhr aus Silber, Schweiz um 1920.

Die Beyer Be Chronometrie an der Bahnhofstrasse Zürich ist das älteste Uhrenhofstra geschäft der Schweiz: Seit 250 Jahren geschä und sieben Generationen pflegt das Familienunternehmen die schönsF ten Seiten der Zeit. Was viele jedoch nicht wissen, im Untergeschoss des Ladengeschäfts befindet sich ein besuchenswertes Uhrenmuseum.

© Uhrenmuseum Beyer

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DISCOVERY

D von Yvonne Beck

as Uhrenmuseum Beyer er Zürich befindet sich an n der berühmten Bahnnhofstrasse. Im Museum m werden Zeitmessinstru-mente von 1400 vor Christus bis in die e heutige Zeit vereinigt: Schattenstäbe, Sonnenuhren, Öluhren, Sanduhren, Wasseruhren, Standuhren, Tischuhren, Taschenuhren, Armbanduhren, wissenschaftliche Instrumente zur Zeitbestimmung und Navigation.

© Uhrenmuseum Beyer

Die Ausstellung umfasst rund 500 Expoosnate aus allen Bereichen der Zeitmesie sung und berücksichtigt gleichzeitig die nkunsthistorischen und technisch-wissenGE schaftlichen Gesichtspunkte. PRESTIGE s, traf sich mit der Kuratorin des Museums, Frau Monika Leonhardt, und sprach mitit nihr über die Zeitmessung und das Konzept des Uhrenmuseums.

Pendule Mysterieuse, Cartier, Paris 1968

PRESTIGE: Was umfasst die Sammlung des Uhrenmuseums Beyer?

befreundete Ehepaare zu Besuch im Museum, das eine aus der Schweiz, das andere aus Japan. Am Schluss ihres Besuches sagte dann die Dame aus der Schweiz: «Ich wusste gar nicht, dass es hier ein Uhrenmuseum gibt, aber unsere japanischen Freunde hatten Ihr Museum im Reiseführer, und so sind wir hier.»

Monika Leonhardt: Das Uhrenmuseum beherbergt eine der weltweit bedeutendsten privaten Uhrensammlungen. Ständig präsentiert werden etwa 500 Uhren, die meisten davon sind funktionsfähig. Für ein privates Museum ist es bemerkenswert, dass die Geschichte der Zeitmessung von den Anfängen bis zur Quarz-Uhr dargestellt wird, dass man sich also nicht auf eine Epoche oder eine Marke beschränkt, wie es oft bei privaten Sammlern üblich ist. Ausgestellt sind besonders kostbare und seltene Stücke.

Wie viele Besucher kommen jährlich ins Uhrenmuseum? Wir haben jährlich zwischen 6.000 und 10.000 Besucher, was für ein kleines Museum wie das unsere beträchtlich ist.

Sie haben in diesem Jahr wieder einige Neuerwerbungen verzeichnen dürfen. Können Sie mir darüber etwas sagen?

Interessanterweise haben wir sehr viele ausländische Gäste, Gäste aus der Schweiz machen etwa ein Viertel der Besucher aus. Dazu eine nette Anekdote: Vor einiger Zeit waren zwei

Jährlich werden Uhren hinzuerworben, die die Sammlung komplettieren. Herr Beyer lässt sich dabei von seinen persönlichen Vorlieben leiten – es ist ja eine Privatsammlung.

© Eduard Meltzer

Und wen spricht das Museum an?

Taschenuhr mit Doppelporträt von Kaiserin Elisabeth von Österreich (1837-1896, Kaiserin 1854-1898) und Kaiser Franz Joseph I (1830-1919, Kaiser 1848-1918), Genf um 1850.

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DISCOVERY

Pendule Sympathique, Abraham-Louis Breguet (1747-1823), Paris um 1808/1830.

Es gibt einige Kuriositäten, die Uhrmacher früherer Jahrhunderte haben manchmal eine unglaubliche Fantasie entwickelt. Besonders neugierig betrachten die Besucher meistens die «geheimnisvollen» Uhren, die Pendules Mystérieuses. Mit verschiedenen Gläsern und Spiegeln gelingt es, vorzutäuschen, dass sich die Zeiger dieser Uhren wie von Zauberhand bewegen.

Was denken Sie, sind Uhren eine Wertanlage? Oder ein Must have? Sicher eignen sich Uhren als Wertanlage, denn die Wertsteigerungen bei manchen Sammlerstücken sind erheblich. Da sich die Wertsteigerungen bei Uhren aber fast so schwierig voraussagen lassen wie bei Kunstwerken, sollte die Freude an einer Uhr ausschlaggebend für den Kauf sein.

Wie wichtig ist die Uhrenindustrie für die Schweiz? Sie ist eine der wichtigsten Industrien des Landes, nach Tourismus, Banken und allgemeinem Maschinenbau.

© Uhrenmuseum Beyer

Was trägt eine Kuratorin eines Uhrenmuseums für eine Uhr am eigenen Handgelenk? Ich trage mit Freude eine hübsche Beyer «Label»-Uhr, die in Le Noirmont im Jura von der Firma Aerowatch für Beyer gefertigt wird.

Welches ist ihr ältestes Exponat?

Zeit ist für Sie in drei Worten? ten?

Die ältesten Exponate sind Kalenderscheiben aus China, die ungefähr 1100 vor Christus datieren. Die älteste Uhr im Museum stammt aus dem Jahr 1522, es ist eine Turmuhr aus der Region Zürich von Hans Luterer, zugleich eine der ältesten erhaltenen Uhren der Schweiz.

Ein kostbares Mass. Ich hätte gern mehr davon.

Was das wertvollstes Stück der Sammlung? Diese Frage wird mir oft gestellt, aber sie ist wirklich schwierig zu beantworten – unsere Uhren sind ja keine Handelsware. Die «Pendule Sympathique» von Abraham-Louis Breguet ist sicher eine der berühmtesten Uhren des Museums, Breguet hat nur eine kleine Anzahl davon gebaut, und heute sind nur noch zwei davon bekannt, unsere und eine weitere im Besitz der englischen Königin.

Renaissance-Halsuhr mit einfachem Kalender, Mondphasen und -alter aus Bergkristall, Jacques Sermand (1597-1651), Genf um 1640.

Haben Sie ein persönliches Highlight in der Ausstellung? Auch das ist eine schwierige Frage, denn zu vielen Uhren der Sammlung habe ich mittlerweile eine persönliche Beziehung. Für mich ist eine der faszinierendsten Uhren im Museum die Genfer Halsuhr aus Bergkristall mit einer grossen Komplikation (Anzeige der Tage des Monats, der Wochentage, der Mondphasen und des Mondalters), signiert mit «Jacques Sermand à Genève», sie ist ungefähr 370 Jahre alt, sehr klein, sehr kompliziert und wunderschön.

Welche Kuriositäten gibt es im Museum?

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© Uhrenmuseum Beyer


DISCOVERY

Goldene Taschenuhr mit Musik und Automatenszene, Genf um 1820.

SCHÄFER

Goldtaschenuhr mit erotischer Email-Malerei im Innendeckel, England um 1860.

Stündchen

Taschenuhren mit bewegten erotischen Motiven gehören zu den begehrtesten Sammelobjekten. Denn ihre Geschichte ist lustvoll, verspielt – und auch ein wenig verboten.

Tugendhaftes Uhrenverbot Anfang 19. Jahrhundert fand das frivole Leben ein Ende. Um sich von den «dekadenten» Angehörigen der Aristokratie abzusetzen, betonte das nunmehr bürgerliche Zeitalter seine Tugend. Die Moral hielt Einzug – und mit ihr der grosse Einfluss der Genfer Pastoren. Mit Hilfe der Obrigkeiten von Neuchâtel, Le Locle und La Chaux-de-Fonds erwirkten sie ein Verbot dieser Uhren: mit der offiziellen Begründung, dass Frauen und Kinder mit deren Herstellung beschäftigt waren.

R

von Matthias Mächler, Fotos: Adrian Hablützel

auschende Röcke, närrisches Kichern und geheimnisvolle Maskeraden: Man muss sich bloss den Film «Amadeus» in Erinnerung rufen, um eine Ahnung zu bekommen von der Freizügigkeit des 18. Jahrhunderts. Die eindeutige Zweideutigkeit galt nicht nur in Wien und Paris als chic. Auch die Uhrmacher in der Schweiz liessen sich vom Zeitgeist verführen. Bereits um 1700 sind erotische Sujets auf Uhren zu finden. Doch mit der le sichtbar, neuen Mode, Uhren nicht mehr für alle sondern versteckt in Hosen- oder Wester tentasche zu tragen, öffnete sich später ein weiteres Feld für freizügige Dar-stellungen in feiner Email-Malerei.

Obwohl sich das Leben seit dem 18. Jahrhundert grundsätzlich verändert hat, flackerte das Spiel mit der Erotik auch bei Uhren immer wieder auf. Seit den 1970er Jahren entstehen vermehrt wieder Qualitätsuhren mit (versteckten) erotischen Motiven – ppigen auf der Rückseite einer Armbanduhr, in Form eines üppigen Armban Armbandes oder mit kunstvollen Kristallfiguren. Auch kauhr men U Uhren mit Polaroid-Effekt auf wie eine Armbanduhr eten aus der Beyer-Sammlung: Das Bild der unbekleideten D fort Dame ist nur kurz zu sehen und verschwindet sofort wieder. Denn seit jeher bedient vor allem ein Trick die Erotik: jene kleine Andeutung, die gerade kurz n. genug dauert, um die Sehnsucht zu beflügeln.

Versteckte Verschlüsse Die überschüssige Energie der Taschenuhr wurde genutzt, um kleine Figuren zu bewegen. Schiffe, Kamele, fliessendes Wasser: Die Taschenuhr in Zwiebelform, ch Sujets kannten keine Grenzen. Doch Paris um 1700 natürlich bewegten keine Szenen die Gemüter mehr als erotische. Diese raren, kleinen Geheimnisse trug man bei sich, um sie in Herrenrunden aufblitzen zu lassen. Oder um mit gewissen Damen eine eindeutig zweideutige Konversation in Gang zu bringen. Auch wird berichtet, dass die berühmten Kurtisanen dieser Zeit und die Mätressen der französischen Könige oft erotische Uhren besassen und sie geschickt einzusetzen wussten. Von Prüderie jedenfalls fehlte noch jede Spur. Die Uhrmacher schienen sich einen Spass daraus zu machen, die Öffnungsmechanismen zu verstecken. Bei einer Golduhr aus Genf, die im Uhrenmuseum Beyer liegt, muss man sich durch drei Abdeckungen durchrätseln, bis die erotische Automatenszene Aug und Geist erfreut.

Erotisches im Uhrenmuseum Das Uhrenmuseum Beyer besitzt mehrere erottische Uhren. Aus Respekt vor anderen Kulturen ren un geund jüngeren Besuchern sind nur deren drei ausgestellt. Die Taschenuhr in Zwiebelform mit Email-Sujet et trägt die Signatur «Michel Girard» und wurde um 1700 in Frankreich hergestellt. Eine weitere Goldtaschenuhr mit erotischer Email-Malerei im Innendeckel stammt aus England um 1860. Das interessanteste Objekt aber ist eine goldene Taschenuhr mit Musikwerk und Automatenszene en aus Genf um 1820. Sie gehört zu den spektakulärsten hen erotischen Uhren, die in Schweizer Museen zu sehen und sind. Denn man muss drei Zwischendeckel öffnen (und age erst ihre Verschlüsse finden), bevor man zur «Ménage à trois» vordringt.

Armbanduhr mit Polaroid-Effekt, Schweiz um 1970.

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KOLUMNE

MILLIONENDECKUNG FÜR DEN MIKRO-HUND von Guido Tognoni

H

err und Frau Hürlimann wurden fast ihr

sprochene Alkoholverbot für die berittenen Zünfter (aber im-

ganzes Leben lang von Pudeln beglei-

merhin nicht für die Pferde) des Zürcher Sechseläutens ist ein

tet. Die Hürlimanns sind älter geworden,

weiteres Zeugnis des grassierenden Regulierungs- und Vor-

die Pudel immer kleiner, und der jüngste

schriftenwahns. Was bei solchen staatlichen Entgleisungen

quirlige Hund, wie sein verstorbener Vor-

nachgefragt werden müsste: Wer erfindet diese Vorschriften?

gänger Zötteli genannt, ist weniger als zwei Kilo schwer, ein

Wie langweilig muss es Beamten in ihren Büros sein, damit sie

Handtaschenpudel gewissermassen, der die alten Tage der

überhaupt auf solche Gedanken kommen? Und wie verküm-

Hürlimanns verschönert. Herr und Frau Hürlimann kennen

mert ist etwa der politische Instinkt der Bundesrätin Eveline

sich aus mit Hunden, denn wer über 50 Jahre lang von Pudeln

Widmer Schlumpf, dass sie wie im Falle der amtlichen Kinder-

begleitet wird, darf für sich in Anspruch nehmen, etwas von

hüteprüfung die Blamage ihres gesamten Departements nicht

Hunden zu verstehen.

rechtzeitig verhindert hat?

Dennoch mussten die Hürlimanns jüngst mit ihrem Zötteli in

Die Kontrolle der Massen ist ein erklärtes Ziel der Politik (und

die Schule, um von staatlichen Beamten zu lernen, wie man

der Wirtschaft), die Entgleisung der Massen ein Trauma für

mit Hunden umgeht. Das kostet Zeit und Gebühren, und weil

viele Herrscher. Es kann Gründe dafür geben, dass – wie

ein zwei Kilogramm schwerer Handtaschenpudel oder ein

in China – die Kontrolle der Massen als vorrangiges Ziel der

Mini-Chihuahua aus der Sicht des Gesetzgebers ebenso ge-

staatlichen Führung zumindest befristet akzeptiert werden

fährlich sein kann wie ein bissiger Pitbull oder ein bösartiger

muss. Notstandsgesetze sind ein Mittel, um dem Staat die-

Dobermann, muss das Rentnerpaar für ihr Zötteli noch eine

se Kontrolle unter gewissen Voraussetzungen zu ermögli-

Haftpflichtversicherung abschliessen, mit «mindestens CHF

chen. Die Schweiz braucht diese Kontrolle der Masse nicht.

1 Mio.-Deckung für alle Hunde, unabhängig von ihrer Grösse

Die Schweiz braucht ebenso wenig die Kontrolle des Indivi-

und Rasse», wie in der amtlichen Verlautbarung diktiert wird.

duums, nach welcher unser Staat immer mehr strebt. Was

Wer das alles nicht richtig versteht, wird vom Eidgenössischen

die Schweiz hingegen dringend benötigt, ist die Kontrolle des

Bundesamt für Veterinärwesen über das Wesen des Hundes

Beamtenapparats durch den Bürger.

aufgeklärt. «Der Hund an sich», heisst eines der Kapitel, wobei der neugierige Hundehalter aus amtlicher Quelle erfährt,

Die Bürokratie wuchert täglich und produziert nicht nur zahl-

dass der Hund vom Wolf abstammt. Wer hätte das gedacht!

lose Vorschriften, sondern fordert auch ständig mehr Stellen,

Nicht zu vergessen: Wer den Tod seines Vierbeiners nicht bei

die von der abnehmenden Zahl der Steuerzahler alimentiert

der Wohngemeinde meldet, verletzt seine Bürgerpflichten und

werden müssen. Den zahlreichen Umarmungen des Bürgers

kann gebüsst werden.

durch den Staat, nicht zuletzt durch die grassierende Mitleidindustrie, muss mit grösstem Misstrauen begegnet wer-

Die absurde Haftpflicht-Vorschrift für Mikro-Hunde ist eine der

den. Sonst ist der Tag nicht mehr fern, an dem nicht nur für

vielen Strafaufgaben, die der Staat seinem Bürger in immer

Schosshunde, sondern auch für Hamster und Goldfische eine

grösserem Ausmass zumutet. Die geplante, aber aufgrund

Haftpflichtversicherung abgeschlossen werden muss.

des öffentlichen Gelächters wieder verworfene helvetische Kinderhüteprüfung ist uns als Auswuchs der staatlichen Fürsorgemanie noch in bester Erinnerung. Das neu ausge-

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Picasso CULTURE CLUB

VERZERRTE PERSPEKTIVE

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CULTURE CLUB

«EIN MALER IST EIN MANN, DER MALT, WAS ER VERKAUFT. EIN KÜNSTLER IST DAGEGEN EIN MANN, DER DAS VERKAUFT, WAS ER MALT.»

Die Malerei auf Höhlenwände ist das älteste Zeugnis der Bilddarstellung des Menschen unter Verwendung von Pigmenten und Bindemitteln. Seither hat die Kunstgeschichte eine rasante Entwicklung hinter sich, dank genialer Künstler, die sich trauten mit, den herkömmlichen Traditionen zu brechen.

Pablo Picasso

E von Yvonne Beck

iner, der etwas ganz Neues in der Kunst schaffte, war der Maler Pablo Picasso. Er beeinflusste die Art und Weise, wie die Dinge wahrgenommen werden können. Ab Winter 1907 begann er, in seinen Akten die statische Perspektive aufzugeben. Lange Zeit gab es zwei Bereiche in der Kunst, die nicht angetastet worden waren, die eine war der Blickwinkel, die andere die Zentralität und die Solidität. Picasso hat beides infrage gestellt. Wenn er eine menschliche Gestalt zeichnete oder malte, brach er die altbekannten Regeln für Licht und Perspektive. Gleichzeitig machte er die bis dahin überbewertete isolierte Figur zu einem Teil ihrer Umgebung. Mit seiner Beliebtheit, mit seinen unglaublichen 70.000 Werken schaffte Pablo Picasso es, diese Abstraktion zu einem festen Bestandteil der menschlichen Wahrnehmung werden zu lassen. Er veränderte damit das gesamte visuelle Verständnis. Durch ihn wurden verschiedene, simultane Perspektiven zu einer akzeptierten Sichtweise.

Das Wunderkind Pablo Ruiz Picasso wurde am 25.10.1881 in Malaga geboren. Er war ein Wunderkind, das sogar seinen Vater, der Zeichenlehrer war, mit seinem Talent beschämte und schaffte bereits mit 15 Jahren die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule in Barcelona. Schon nach einem Jahr sah man jedoch, dass Picasso unterfordert war und schickte ihn nach Madrid. Dort ging er nicht nur zur Schule, sondern besuchte ausserdem Museen und Künstlerkneipen, in denen er Inspiration fand. Ab 1901 reiste er regelmässig nach Paris, die damalige Kunstmetropole; eine Pflichtübung für junge aufstrebende Künstler. Beeinflusst und begeistert von den Impressionisten Cézanne, Dégas und Toulouse-Lautrec fing er an, Aussenseiter der Gesellschaft zu beobachten und zu malen. Dabei begann er, seine Darstellungen in Form und Farbe auf ein Minimum zu reduzieren. Seine «blaue Periode» entstand. 1904 zog er endgültig nach Paris und tauchte in das Leben der Bohème im Künstlerviertel Montmartre ein. Er lernte Braque und den Galeristen Vollard kennen, der ihm einige Werke abkaufte, so dass Picasso zum ersten Mal finanziell einigermassen abgesichert war.

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CULTURE CLUB

Die «Demoiselles» sind ein Meilenstein der Kunstgeschichte.

«WENN ICH MIR KEINE ÖLFARBE MEHR LEISTEN KANN, KAUFE ICH WASSERFARBEN. WENN FÜR WASSERFARBEN KEIN GELD MEHR BLEIBT, BITTE ICH UM BLEISTIFTE. WENN DIE BLEISTIFTE AUSGEHEN, MAN MICH INS GEFÄNGNIS WIRFT, SPUCK ICH MIR AUF DEN FINGER, BEMALE DIE WAND.» Pablo Picasso

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CULTURE CLUB

Picasso ist ein Wegbereiter des Kubismus.

Frauen sind eines der Lieblingsmotive Picassos.

«KUNST IST EINE LÜGE, DIE UNS DIE WAHRHEIT ERKENNEN LÄSST.»

Willkommen im Kubismus In dieser sorgenfreieren Zeit leitete sich mit dem Bild «Demoiselles d’Avignon» Picassos erste kubistische Phase ein. Dieses Bild machte Furore und schockierte durch seine verzerrten und entstellten Formen und Figuren. Die Stilrichtung war geprägt durch eine radikale Reduktion des Gegenständlichen auf geometrische Strukturen, zu der er durch das Vorbild der schwarzafrikanischen Plastik und der Gemälde Cézannes beeinflusst wurde. Zwischen 1907 und 1914 entwickelte er den Kubismus zusammen mit Braque bis zur Perfektion weiter. Zu seinem Markenzeichen wurde besonders die Darstellung von Köpfen, die er in irritierenden Perspektiven abbildete.

Pablo Picasso

Beim ersten Betrachten der «Demoiselles» fällt der Widerspruch zwischen den warmen sommerlichen Farben des Bildes, welche sehr anziehend wirken, im Gegensatz zu den Frauen im rechten Bildteil, die anstelle der Gesichter Fratzen haben, somit sehr abstossend und fast gruselig wirken, auf. Wenn man sich diese befremdlichen Gestalten wegdenken würde, liesse sich beim Betrachten an Strandbäder denken. Der starrende Blick dieser beiden und der Figur vorne rechts löst etwas Beklemmung aus und schafft seltsamerweise Distanz zu dem Bild.

Die Entstehung und ihre Voraussetzungen Als Picasso dieses Bild 1907 malte, hatte er bereits die blaue und rosa Periode durchlaufen. In der blauen dominierten blau-grünliche Farbtöne und in der rosa Periode wurde das Sujet auf Zirkusund Artistenszenerien erweitert, wodurch die Farbe, nach der dieser Abschnitt benannt ist, Einzug in die Gemälde hielt. Seine Frühwerke hatten in keinster Weise dieses Furore machende Bild Besonderes Markenzeichen Picassos – Die Darstellung von Köpfen, die er in irritierenden Perspektiven abbildete.

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CULTURE CLUB

Stierkampf und Kriegsgegner

angekündigt. Er befasste sich in dieser Zeit mit Paul Cézanne, dessen Ansatz, Form und Farbe in eigenständiger, nicht der Naturerscheinung, sondern ausschliesslich malerischen Gesetzen gehorchender Weise einzusetzen. Die «Demoiselles» sind auch von einer Strandszene Cézannes inspiriert, in welcher ebenfalls fünf Frauen abgebildet sind.

Nach der Arbeit an «Demoiselles» fing Picasso an, mit Materialien zu experimentieren. So erfand er in der folgenden Zeit die «Collage». Ausserdem fertigte er auch Plastiken an, die nicht nur aus Holz, Metall oder Papier, sondern auch aus allen anderen erdenklichen Materialien und Gegenständen entstanden. In den zwanziger Jahren begegnete er den Surrealisten, die ihm neue Impulse gaben. So wurden seine Werke ab sofort durch eine symbolische Ebene angereichert. Zu Beginn der dreissiger Jahre dominieren zunächst harmonische geschwungene Linien. Er interessierte sich vermehrt für den Stierkampf, der nun, verbunden mit alten Mythen, zu einem zentralen Thema wurde. 1937 griff er dieses Thema auch in dem monumentalen Gemälde «Guernica» auf, das er als Anklage gegen das Bombardement der spanischen Stadt durch Franco und die deutsche Luftwaffe während des Spanischen Bürgerkriegs schuf.

Das Bild der «Demoiselles d’Avignon» entstand in der Zeit der Aufbruchstimmung in Paris und ist wohl das Gemälde der Kunstgeschichte, das die meisten Studien und Vorzeichnungen aufweist. In einem unglaublichen Schaffensprozess, der von ständigen Zweifeln begleitet war, schaffte Picasso hier das Bild, das die Sehgewohnheiten der Kunstbetrachter völlig ausser Kraft setzen wird. Immer stärker rückt er vom eigentlichen Bildsujet ab: eine Gruppe von Prostituierten im Hafenmilieu mit einem Matrosen in ihrer Mitte. Während der Entstehung des Bildes ruft Picasso mehrmals Freunde ins Atelier, die ihm seine Meinung dazu sagen sollen. Die meisten sind verwirrt, begreifen es gar als Ironisierung der heftigen Diskussionen um Kunst und können sich nicht mit dem Bild anfreunden. Erst Jahre später wird klar, wie sich hier die Abkehr vom Naturalismus Bahn bricht und die Malerei als eine eigenständige Realität deutlich wird. Nach den «Demoiselles» ist die gesamte Entwicklung der neueren Kunstgeschichte erst möglich geworden. Ausgestellt sind die «Demoiselles» heute im Museum of Modern Art in New York, wobei sie sich im Besitz von Lillie P. Bliss, einer Nichte Picassos, befinden.

Nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigte er sich mit neuen Techniken wie der Lithographie oder der Keramik. Er zieht sich in seinen letzten Jahren nach Südfrankreich zurück, wo er zusammen mit seiner letzten Lebensgefährtin ein recht abgeschottetes Leben führte. Picasso starb am 8. April 1973 im Alter von 91 Jahren. Pablo Ruiz Picasso – eine schillernde Persönlichkeit und ohne Frage einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er brach mit akademischen Traditionen, setzte sich über Konventionen hinweg und revolutionierte die Malerei. Was wäre die moderne Kunst ohne Picasso?

Picassos «Guernica»

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CULTURE CLUB

Picasso hob die gängige Perspektive in seinen Bildern auf.

«ICH WÜRDE GERN LEBEN WIE EIN ARMER MANN MIT EINEM HAUFEN GELD.» Pablo Picasso

Ein weiterer Vertreter des Kubismus Der französische Maler, Grafiker und Keramiker entwickelte in seiner Frühphase seinen persönlichen Stil aus einfachen Formen, wie Kegel oder Kugel. Die formale Strenge dieses reduzierten Kubismus vereinigte Fernand Léger mit einem scharfen Kontrast an Farbigkeit und liess Anleihen vom Orphismus erkennen. Seine Erlebnisse mit der modernen Technik im Ersten Weltkrieg und die Begegnung mit dem Neoklassizismus bestimmten seine späteren Sujets, die er als technische Teile wie Zahnräder oder Schrauben realisierte. Selbst der integrierte Mensch wirkt in diesen Bildern wie ein technisches Objekt. Es folgten surreale Bilder mit einem Stil aus Kurven und Linien. In seiner letzten Phase widmete er sich der Arbeiterwelt, in der er eine postkubistische Ausdruckssprache mit dem Realismus mischte.

In Fernand Légers Bildern steht Farbigkeit im Kontrast zur formalen Strenge.

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KOLUMNE

AUS DEM LEBEN EINES GALERISTEN:

VON WEINTRAUBEN UND SCHLEIERN

von Wilhelm J. Grusdat

K

önnten Sie eine Weintraube von einem

Andererseits habe ich Situationen erlebt, da wurde ein Kun-

Vorhang unterscheiden und welches

de plötzlich – quasi über Nacht – zum begeisterten Sammler

von beiden ist Ihnen lieber? Das mag

eines Künstlers, dessen Werk er vorher völlig unausstehlich

wie eine banale Frage erscheinen und

fand. Was war passiert? Steve Martin – übrigens auch ein

doch ist sie für denjenigen, der sich mit

begeisterter Kunstsammler – formuliert das in seinem neuen

Kunst umgibt, entscheidend. Ich spiele natürlich auf den

Buch «An object of beauty» so: «Gerade das, was wir nicht

berühmten antiken Malerwettstreit an, von dem uns Plinius

sofort durchschauen, arbeitet in unserem Unterbewusstsein

in seiner Naturkunde berichtet.

weiter, bis wir seine Komplexität schätzen lernen und uns damit umgeben wollen.» Ich habe immer wieder bemerkt,

Der eine – Zeuxis – hatte sich als Maler der höchsten Schön-

dass sich mit der Zeit, aber vor allem durch den verstärkten

heit hervorgetan, indem er das Idealbild der schönen Helena

Umgang mit Kunstwerken, der Geschmack meiner Kunden

aus den jeweils schönsten Körperteilen der schönsten Jung-

verändert. Auf einmal wird das, was vorher als unverständ-

frauen einer Stadt erschuf. Der andere – Parrhasios – wurde

lich oder gar hässlich angesehen wurde, interessant und

bekannt durch seine detailreichen, psychologisch durch-

begehrenswert.

dachten Bilder der antiken Gesellschaft. Zeuxis präsentierte nun im Wettstreit ein Bild mit gemalten Weintrauben, von

Lassen Sie mich das mit einem Beispiel verdeutlichen: Noch

dem sich die Vögel täuschen liessen und sich auf das ver-

vor einigen Jahren wurden die Werke der Pop Art als seichte

meintliche Futter stürzten. Sieger wurde schliesslich Parr-

Dekorationsobjekte verspottet und entsprechend billig ver-

hasios mit seinem Bild, das scheinbar hinter einem Schleier

kauft. Im Vergleich mit den exquisiten Bildern eines Rem-

verborgen lag. Als Zeuxis diesen wegzuziehen versuchte,

brandt konnten die Siebdrucke Andy Warhols nicht bestehen.

musste er feststellen, dass er einer Illusion aufgesessen war

Inzwischen hat man die Komplexität dieser Werke erkannt,

und gab sich geschlagen.

die sich zwar technisch von denen der alten Meistern unterscheiden, aber inhaltlich auf ähnliche Weise wirken. Die Arbei-

Obwohl die Geschichte hauptsächlich wegen ihrer Verherr-

ten Warhols erzielen nun Rekordpreise.

lichung des «Trompe l’œil»-Effekts bekannt wurde, sehe ich darin auch ein Problem angesprochen, mit dem ich als Ga-

Zugegebenermassen ist es heute für Sammler schwieriger

lerist immer wieder konfrontiert werde: Es geht um die Frage

geworden, den Starkünstler von der Sternschnuppe zu un-

nach der Entscheidung für oder gegen ein Kunstwerk oder

terscheiden. Zwar setzt sich gute Kunst immer durch, wie die

eben die Wahl zwischen Weintraube und Schleier.

Geschichte lehrt, aber der Sammler braucht eine Weile, bis er die Wertanlage vom Modeschrott unterscheiden kann. Ein

Laien, die sich noch nicht lange mit Künstlern und Kunstwer-

guter Galerist hilft bei diesem Prozess. Er ist der Wegbegleiter,

ken auseinandergesetzt haben, entscheiden sich häufig für

der quasi den Schleier des Parrhasios anhebt.

ein Kunstwerk, weil es ihnen gefällt, sprich, weil sie es schön finden. Sie reagieren intuitiv auf das, was am leichtesten zugänglich ist – beispielsweise das Bild einer Weintraube.

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CULTURE CLUB

Stefan Balkenhol. Grosse Kopfsäule. St. Moritzersee.

«Ship of Tolerance» auf dem St. Moritzersee: Das Projekt der St. Moritz Art Masters Stiftung 2010.

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CULTURE CLUB

Arnaud Carrez und Käthy Dobers (beide Cartier Schweiz) übergeben den Cartier ART-LifetimeAward 2010 an die Künstlerin Emilia Kabakov (Mitte).

AES+F.Angel and Demons. Schulhausplatz St. Moritz.

David LaChapelle inszeniert Maybach.

EINZIGARTIGES FESTIVAL FÜR ZEITGENÖSSISCHE KUNST Eine «Exceptional Discovery» beschreibt St. Moritz Art Masters in jeder Hinsicht. Das unkonventionelle Kunst- und Kulturfestival im schweizerischen Engadin, das dieses Jahr vom 26. August bis zum 4. September zum vierten Mal stattfindet, ist für Kunst- und Kulturinteressierte längst zu einem «Place to Be» geworden.

E

Text und Fotos: St. Moritz Art Masters

ine ganze Region zehn Tage lang im Zeichen der Kunst, ist das, was die Besucher des St. Moritz Art Masters (SAM) auch in diesem Jahr erwarten dürfen. Künstler, regionale, nationale und internationale Galerien arbeiten schon jetzt mit Hochdruck an den Ausstellungen für dieses Jahr. SAM ist eine einzigartige Kunst- und Kulturplattform, die sich besonders durch ihren Bezug zur Natur auszeichnet. So staunten im letzten Sommer Spaziergänger unvermittelt über eine Holzskulptur am See, oder wurden mitten im Wald von einer Installation in Form einer Brücke überrascht, im Dorfzentrum thronten meterhohe Dämonen aus schwarzem Kunststoff und auf dem St. Moritzersee schaukelte das «Ship of Tolerance», ein Sinnbild für Toleranz, in den Wellen. Das sind nur ein paar der letztjährigen Highlights, mit denen es SAM jedes Jahr aufs Neue gelingt, zeitgenössische Kunst an aussergewöhnlichen Orten erlebbar zu machen.

Als Highlights für dieses Jahr sind Ausstellungen und Werke von Künstlern wie Jonathan Meese, John Armleder oder George Condo zu erwarten. Sie reihen sich damit ein in eine beeindruckende Liste von namhaften Künstlern wie David LaChapelle, Frank Stella, Mike Kelley, Julian Schnabel, Gerhard Richter, Arne Quinze, Miquel Barcelo, Emilia & Ilya Kabakov, Wim Delvoye, Not Vital, Zilla Leutenegger, die bereits ihre Werke bei SAM ausgestellt haben. Unter dem diesjährigen Motto Lingua Franca – eine öffentliche Intervention – werden die Ausstellungen auch in diesem Jahr von einem vielfältigen Rahmenprogramm begleitet: Paneldiskussionen, Künstlergespräche, Vorträge und Workshops bieten weitreichende Möglichkeiten, das Tagesprogramm zu ergänzen. Kulturelle Abendveranstaltungen, Gala-Abende sowie Cocktails in ungezwungener Atmosphäre bieten Besuchern die Möglichkeit für einen Austausch mit Künstlern und Gleichgesinnten. www.stmoritzartmasters.com

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Kunst

NEWS

WELTEN

Roman Ondák Das Kunsthaus Zürich zeigt als erstes Museum in der Schweiz eine Einzelausstellung des slowakischen Künstlers Roman Ondák. Ondák gehört zu den wichtigsten Vertretern einer jungen Generation von Konzeptkünstlern und hat sich in den letzten Jahren mit Beteiligungen an wichtigen internationalen Gruppenausstellungen wie zum Beispiel der Venedig Biennale 2009 und Einzelausstellungen in renommierten Institutionen wie dem MoMA, New York, oder der Tate Modern, London, einen Namen gemacht. Roman Ondák arbeitet mit verschiedenen Medien. Je nach Kontext entstehen Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen oder auch performative Arbeiten. Diese hinterfragen sehr oft die Institution Museum, ihre Mechanismen beziehungsweise die Beziehung des Menschen zur Welt. Termin: 10. Juni bis 28. August 2011 Ort: Kunsthaus Zürich www.kunsthaus.ch

Henrik Olesen Das Museum für Gegenwartskunst widmet dem Künstler Henrik Olesen (*1967 in Dänemark) eine umfangreiche Überblicksausstellung. In einer retrospektiven Schau wird eine Auswahl seiner Arbeiten der letzten 15 Jahre präsentiert, die seine konzeptuelle Strategie der Dekonstruktion, Manipulation und Appropriation mittels Collagen, Demontagen und räumlicher Eingriffe zeigt. Aktuelle und historische Referenzen aus unterschiedlichen Bereichen, wie z.B. der Kunst- und Kulturgeschichte, Naturwissenschaft und Rechtsprechung, sind Ausgangspunkt für seine Recherchen zu Themen gesellschaftlicher wie wirtschaftlicher Kategorisierungssysteme. Olesen rekonstruiert die von der öffentlichen Diskussion ins Abseits gedrängte, ausgelöschte oder falsch repräsentierte Geschichte und Biografien homosexueller Identität. Termin: bis 11. September 2011 Ort: Museum für Gegenwartskunst Basel www.kunstmuseumbasel.ch

Interlacing Ai Weiwei ist ein generalistischer Künstler, verschrieben der Reibung mit und der Gestaltung von Realitäten. Er ist Bildhauer, Konzeptkünstler, Fotograf, Architekt und politischer Akteur. Und er wirkt wie ein Seismograf für aktuelle Themen und gesellschaftliche Probleme – in China, in der Welt –, wie ein grosser Multiplikator und Kommunikator auch, der das Leben zur Kunst und die Kunst zum Leben führt. Die Ausstellung im Fotomuseum Winterthur will diese Vielfältigkeit, Vielschichtigkeit, Vernetztheit von Ai Weiwei ins Zentrum rücken und thematisieren. Der Künstler als reales Netzwerk, als Firma, als Aktivist, als politische Stimme, als soziales Gefäss und als Echoraum: in seinen frühen New-YorkFotografien, seiner fotografischen Chronik der rasenden Veränderung Pekings, seinen Kunstprojekten mit Fotografie und in seinen vielen Blog- und Twitter-Fotografien. Termin: bis 14. August 2011 Ort: Fotomuseum Winterthur www.fotomuseum.ch

Revolution der Fotografie Die Moderne hat die Fotografie zu sich selbst gebracht. Sie hat sie selbstbewusst gemacht und ihr Selbstvertrauen gegeben. Selbstbewusst, weil die Fotografie in den 1920er Jahren ihre eigenen Möglichkeiten und Qualitäten erkannte und entwickelte: ein forschendes Sehen der Welt, ein Erkunden der sichtbaren Wirklichkeit aus verschiedenen Perspektiven, direkt, klar, von oben, unten, hinten, vorne, aber ohne die Verweise auf den Fundus der Kunstgeschichte. Der russische Konstruktivismus ist wesentlicher Teil dieses grossen Wandels. Im Jahre 1924 stürmte Alexander Rodtschenko, bereits bekannt als Maler, Bildhauer und Grafiker, die traditionelle Fotografie mit dem Wahlspruch «Experimentieren ist unsere Pflicht!». Das Ergebnis dieser Eroberung war ein Neudenken des Begriffs Fotografie und der Rolle des Fotografen. Statt ein Abbild der Realität zu sein, wurde Fotografie ein Mittel der visuellen Darstellung geistiger Konstrukte. Termin: bis 14. August 2011 Ort: Fotomuseum Winterthur www.fotomuseum.ch

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NEWS

Weites Feld Die Retrospektive zu Martin Ziegelmüller, die gleichzeitig im Kunstmuseum Bern und im Kunsthaus Langenthal stattfindet, bietet erstmals einen umfassenden Überblick über das vielseitige Werk des Schweizer Malers. Sie macht die Entwicklung seiner Themen von den Anfängen bis in die Gegenwart nachvollziehbar. Während im Kunstmuseum Bern der Schwerpunkt bei den Landschaften und Städten liegt, sind im Kunsthaus Langenthal nebst Flusslandschaften auch Gouachen aus der Arbeitswelt und Porträts von Freunden und Bekannten aus der Kunstszene zu sehen. Termin Bern: bis 14. August 2011 Termin Langenthal: bis 10. Juli 2011 Ort: Kunstmuseum Bern und Kunsthaus Langenthal www.kunstmuseumbern.ch www.kunsthauslangenthal.ch

Swiss Press Photo 2011 Auch dieses Jahr darf das Landesmuseum Zürich anlässlich der Swiss Press Photo 2011 die besten Werke von Schweizer Pressefotografen der Öffentlichkeit präsentieren. In sechs verschiedenen Kategorien hat eine internationale Jury die besten Fotografien auserkoren und auch ein Gewinnerbild bestimmt. Insgesamt werden rund 90 Fotografien zu den Themen Aktualität, Sport, Porträt, Ausland, Alltag und Umwelt, Kunst und Kultur gezeigt. Neu soll sich die Swiss Press Photo von regulären Fotoausstellungen abheben. So werden die einzelnen Fotografien nicht einfach als Vergrösserungen in Passepartouts an die Wand gehängt sondern als Grossdias in Leuchtkästen präsentiert. Termin: bis 17. Juli 2011 Ort: Schweizerisches Landesmuseum Zürich www.nationalmuseum.ch

Indische Malerei von 1100-1900 Vergleichbar mit Europas grossen Meistern wie Dürer, Michelangelo, Rembrandt oder Vermeer gehören ‘Abd al-Samad, Farrukh Beg, Nainsukh, der «Meister der Elefanten» und viele mehr mit ihren Bildwerken zu den herausragendsten Künstlerpersönlichkeiten Indiens. 240 der weltweit schönsten Werke aus Museen und Privatsammlungen werden für diese Ausstellung zusammengetragen. Die Schau vermittelt einen Überblick über die Entwicklung der indischen Malerei von 1100-1900 und setzt einen Meilenstein in deren Erforschung. Termin: bis 28. August 2011 Ort: Museum Rietberg Zürich www.rietberg.ch

Der Meister der Schwarz-Weiss-Fotografie Henri Cartier-Bresson ist einer der einflussreichsten und am meisten bewunderten Fotografen der Geschichte. Bereits seine ersten Werke aus den frühen 1930er Jahren bestechen durch einmalige Qualitäten – in der Komposition, dem Bildausschnitt und der Dramaturgie. Wie keinem anderen gelang es Cartier-Bresson, mit seiner Kamera entscheidende Momente festzuhalten. Zusammen mit befreundeten Fotografen gründete er 1947 die Agentur Magnum, welche die Rechte der Fotografen an ihren Bildern vertritt. Grosse Reportagen führten ihn als einen der ersten westlichen Reporter in die Sowjetunion, nach Indien, Indonesien und China. Sein Werk hat nicht nur Referenzcharakter für den Bildjournalismus des 20. Jahrhunderts, sondern für Ästhetik und Ethik der Fotografie überhaupt. Die Retrospektive vereint erstmals in der Schweiz rund 300 Fotografien mit seinen Filmen und den wesentlichen Publikationen. Termin: bis 24. Juli 2011 Ort: Museum für Gestaltung Zürich www.museum-gestaltung.ch

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BUSINESS

Ein Blick auf Luxusfonds kann sich lohnen.

EINE REISE IN DIE WELT DER LUXUSFONDS

D von Georg Lutz

er Luxusmarkt befindet sich im Umbruch. Alte dominierende Märkte wie Europa oder Japan verlieren an Einfluss. Neue Märkte in den Schwellenländern, insbesondere China, gewinnen an Bedeutung. Wie verändern diese Umwälzungen das strategische Denken eines Anlegers? Wir führten mit dem Luxusfondsmanager Juan Manuel Mendoza von der Schweizer Privatbank Clariden Leu ein Interview.

Lassen Sie mich das anhand einer Zahl verdeutlichen: Eine Investorenregel besagt, dass das Luxussegment drei Mal schneller wächst als das Bruttosozialprodukt. Im Fall von China liegt das Wirtschaftswachstum bei knapp neun Prozent. In der Luxusgüterbranche können wir folglich von einem Wachstum von rund 30 Prozent ausgehen. Das verdeutlicht die Dynamik dieser Region.

Das heisst auch, dass China in absehbarer Zeit sogar weltweit auf dem Spitzenplatz stehen wird? Ja, wir rechnen damit in einem Zeitraum zwischen 12 und 18 Monaten. Der aktuell grösste Markt für Luxusgüter ist immer noch Japan, aber im Zeitraum von einer Dekade könnte China bis drei Mal so gross sein, selbst wenn es Schwankungen geben wird.

Lernen Sie schon die chinesische Sprache? Ich habe es versucht, aber es ist schwierig. Ich werde aber einen zweiten Anlauf nehmen, weil ich ja beruflich viel in China unterwegs bin.

Schlägt sich das auch im Handeln von Unternehmen nieder?

Ich frage vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung der Schwellenländer, aktuell auch BRIC-Staaten genannt, was den Markt der Luxusgüter betrifft.

Das ist fast logisch. Beispielsweise wird Prada im Sommer, nicht in Italien, auch nicht in Moskau oder Mumbai, sondern in Hongkong an die Börse gebracht. Das ist kein Zufall. Asien hat nicht nur für dieses Unternehmen die Schlüsselstellung inne. Auch der Luxusschuh-Hersteller Ferragamo wird diesen Schritt in Hongkong tun.

Wenn wir vom Luxusgütermarkt in den BRIC-Ländern sprechen, kommen wir in der Tat an China als der Nummer eins nicht vorbei.

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BUSINESS

Eine wachsende Mittelschicht in China macht den Unterschied.

Hat die Finanzkrise der letzten Jahre hier nicht zu Einbrüchen geführt?

(Cartier) überspringt der asiatische Umsatz demnächst die 50Prozent-Marke. Das wird sich auch auf die Modetrends auswirken. Bereits heute arbeiten Designerteams in Asien und prägen dort den Stil von morgen.

Was China betrifft überhaupt nicht. Der chinesische Markt war für uns in der stürmischen Zeit ein wichtiger Anker. Was wir in Europa und den USA verloren haben, konnten wir mit China wieder wettmachen.

Werden wir bald nicht mehr Nicole Kidman oder Brad Pitt als Werbeträger sehen, sondern chinesische Weltstars?

Interessant ist die Gesellschaftsstruktur, die sich in China rasant wandelt: Früher gab es in China nur wenige Superreiche. Heute vermag bereits der obere Teil der Mittelklasse in Luxusgüter zu investieren, und schon können die Anbieter ganz andere Umsatzzahlen realisieren. In Asien wird diese vermögende Mittelschicht in den nächsten zehn Jahren von 100 auf 500 Millionen anwachsen. China beansprucht davon die Hälfte. Das ist meines Erachtens auch für europäische Marken wie Rolex oder Luis Vuitton sehr interessant.

So weit sind wir noch nicht. Noch gehen europäische oder amerikanische Firmen mit ihren westlichen Stars in den chinesischen Markt. Aber umgekehrt werben chinesische Marken bereits heute mit chinesischen Stars. Nehmen Sie beispielsweise L2 und Lilanz. Daniel Wu wird in den Medien der Brad Pitt von China genannt und ist für diese Marke ein wichtiger Imageträger.

Es stellt sich jetzt die Frage, warum eigentlich nicht Russland an erster Stelle steht? Dort gibt es Millionärsmessen, und in der Schweiz sieht man reiche Russen, aber kaum reiche Chinesen?

Was heisst das für uns in Europa? Müssen wir uns vom Design und Geschmack am asiatischen Markt orientieren?

Im Gegensatz zu China hat sich in Russland in den letzten Jahren keine kaufkräftige Mittelschicht gebildet. Die Millionäre bleiben weitgehend unter sich.

Diese Entwicklung ist absehbar. Der asiatische Markt wird immer dominierender. Ich denke, bei Unternehmen wie Richemont

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BUSINESS

«IM GEGENSATZ ZU CHINA HAT SICH IN RUSSLAND IN DEN LETZTEN JAHREN KEINE KAUFKRÄFTIGE MITTELSCHICHT GEBILDET.» Kann sich die Mittelschicht in China solche Produkte wirklich leisten oder ist es eher wie hier: Viele identifizieren sich mit dem Brand Ferrari, sie werden aber nie einen kaufen können?

auf Damen-Handtaschen und Schals sind meines Erachtens recht hoch mit EBIT-Margen von bis zu 50 Prozent. Burberry will Ihnen nicht jedes Textilprodukt verkaufen, sondern nur ausgewählte und hochmargige Produkte. Meiner Meinung nach tut das auch der Aktie gut.

Die Mittelschicht in China hat eine Affinität zu Luxusprodukten. Eine Luxushandtasche, die zwischen 500 und 3.000 US-Dollar kostet ist ohne Frage teuer, aber sie wollen sich das leisten. Auch bei Uhren erleben wir ähnliche Entwicklungen.

Drittens fragen wir die Firmen, wohin das Kapital geht. Eröffnen sie zum Beispiel Läden in China. Japan ist ein saturierter Markt und braucht wenig neue Aktivitäten. Dagegen müssen Aktivitäten in China erkennbar sein. Das gilt branchenübergreifend.

Sind das auch die Gründe, warum Clariden Leu auf einen Luxusgüter-Fonds setzt?

Warum sollte ich als Anleger Luxusfonds im Visier haben? Der Luxusgüter-Fonds ist ein sehr global aufgestelltes Produkt. Er investiert in europäische Marken wie Burberry, amerikanische wie Tiffany, aber auch aufstrebende Luxusmarken in Asien. Das unterscheidet uns meiner Meinung nach von der Konkurrenz, die weniger stark in Asien investiert. Aus europäischem Blickwinkel mag das vielleicht erstaunen, aber es gibt gewisse Produktekategorien in Asien mit exorbitanten Wachstumszunahmen, die solch eine Strategie nahelegen. Der Hotelsektor fällt mir dabei als Erstes ein. Aber auch Schuhmarken wie StellaLuna sind mit einem Umsatzwachstum von 30 Prozent ein interessantes Investment. Sie stellen High Heels und Stiefel für Damen her und expandieren von China in den asiatischen Raum und auf die arabische Halbinsel. Clariden Leu vernachlässigt die «Alte Welt» aber in keiner Weise: Der Fonds ist zu 90 Prozent noch immer in westliche Marken investiert.

Die Luxusindustrie erlebt einen Umbruch im positiven Sinne. Der Grund liegt in den schon erwähnten kaufkräftigeren Schichten in den Schwellenländern. In einem diversifizierten Portfolio sollte Luxus ein Thema sein. Neuerdings fragen auch chinesische Kunden nach unserem Fonds.

Da schliesst sich der Kreis? Früher war Weihnachten und Silvester in Paris der grosse Luxusevent. Jetzt ist das Neujahrsfest in China dazugekommen.

Es geht aber nicht nur um Investitionen des Luxusgüter-Fonds in Regionen, sondern auch in Sektoren wie zum Beispiel Hotels, Automobile, Luxusgetränke, Kreuzfahrtschiffe, Uhren, Handtaschen, Juwelen und Luxuscasinos. Trotzdem ist der Fonds nur in 40 Unternehmen investiert. Juan Manuel Mendoza betreut den Luxusgüter-Aktienfonds bei Clariden Leu

Das heisst, es gibt eine strenge Auswahl? Wir haben sehr disziplinierte Anforderungskriterien. Zunächst geht es um den Markenwert. Es kann sein, dass eine Marke klar über- oder unterbewertet ist. Dieses Jahr hat etwa LVMH den Schmuckkonzern «Bulgari» zu einem Preis übernommen, der um 60 Prozent höher lag als der aktuelle Börsenwert – auch weil die Marke «Bulgari» so wertvoll ist. Es ist für uns wichtig, dass eine Luxusgüterfirma ihre Marke aufbaut und pflegt. Der Brand Hermès, um ein weiteres Beispiel zu nennen, ist heute ein Vielfaches mehr wert als noch vor 10 Jahren. Solches Branchen-Knowhow setzen wir ein, wenn es ums Investieren geht.

Der Charme von Luxusfonds Hochwertige Luxusfonds rücken neuerdings immer stärker in den Fokus der Anlagewelten. Die Luxusbranche kann selbst in globalen Krisen ein Anker sein. Gleichzeitig profitieren die Anleger von der steigenden Konsumlust und Kaufkraft der Oberschicht in den BRIC-Staaten.

Da geht es Ihnen nicht um schnelle Trends, sondern um langfristige Qualität?

Luxusfonds stellen aber auch Geschlechterverhältnisse auf den Kopf. Sie nähern sich erstens dem Konsumbedürfnis der Frauen nach Luxusmarken an und bedienen zweitens ihr Sicherheitsbedürfnis.

Genau. Zudem interessiert uns der Margen-Mix. Besuchen Sie doch Burberry hier in Zürich an der Bahnhofstrasse. Die Margen

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BUSINESS

STRATEGISCHES DENKEN IN VOLATILEN ZEITEN

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BUSINESS

W von Georg Lutz

ir leben in einer paradoxen Welt. Auf der einen Seite erleben einige Länder einen Wirtschaftsaufschwung, der die Finanzkrise der letzten Jahre verblassen lässt. Auf der anderen Seite können weltwirtschaftliche Strukturdefizite oder falsche Unternehmensentscheidungen genau solche Krisen wieder real werden lassen. Nur mit der richtigen Strategie lassen sich heute die Entscheidungen treffen, die morgen den verteidigungsfähigen Marktanteil sichern. Wir führten ein Interview mit Prof. Dr. Fredmund Malik.

Entscheiden und vor allem für das Umsetzen von Entscheiden eingesetzt werden. Bleibt man hingegen bei herkömmlichen Denkweisen und Mitteln, wird es breitflächig zu einer sozialen Kernschmelze kommen.

Joseph A. Schumpeter sprach im Rahmen von solchen Transformationsprozessen von der «Schöpferischen Zerstörung». Lassen Sie uns das beispielhaft beleuchten. In Ihrem Buch, aber auch in Vorträgen verwenden Sie gerne das Beispiel der Fotobranche. Aber auch der Umbruch der Kommunikationsmittel steht auf Ihrer Agenda. Das Neue verdrängt das Alte immer schneller und in fast allen Lebensbereichen. Technik und Wissenschaft bringen täglich Neues. In der Kommunikationstechnik sieht man es zum Beispiel in der Smartphone-Szene. Wenn Microsoft überleben will, müssen sie sich neu erfinden. Die Biowissenschaften revolutionieren die Pharmaindustrie und die Medien schaffen global ein neues Bewusstsein.

Am Anfang Ihres neuen Buches wird die «Grosse Transformation 21» als Herausforderung angekündigt. Ich erinnerte mich in diesem Zusammenhang an den Klassiker von Karl Polanyi, der unter dem Titel «Great Transformation» sein Standardwerk publiziert hat, um den Übergang vom 19. in das 20. Jahrhundert zu analysieren. Stehen wir vor einem ähnlich fundamentalen Wandel?

Die «Schöpferische Zerstörung» ist folglich in vollem Gange. Kamen Transformationen früher aber durch die Revolution der Maschinen, so ist es diesmal die Revolution der Organisationen sowie ihrer Lenkungssysteme.

Hier gibt es Ähnlichkeiten. Jedoch ist die heutige «Grosse Transformation 21» weit grösser und tiefgreifender als jede zuvor. Sie ist global, viel komplexer, Vernetzung und Dynamik sind grösser. Auch die Medien sind heute viel wichtiger als damals. Wissen ist heute wichtiger als Geld, und Information ist wichtiger als Macht.

Offensichtlich haben viele Verantwortliche viel zu lange an überholten Technologien und alten Vertriebskanälen festgehalten. Die Musikbranche ist ein weiteres Beispiel. Vielen Unternehmen fehlen Navigations- und Lenkungssysteme. Warum ist das so?

Ich empfehle den Grundsatz: Was immer Menschen tun, wie sie es tun und warum sie es tun, wird sich tiefgreifend ändern, und im Zuge dessen ändern sich auch die Menschen selbst. Zur Veranschaulichung spreche ich von einer Neuen Welt, die die Alte Welt verdrängt. Die Geburtswehen der Neuen Welt bringen noch viele Krisen hervor.

Polanyi sprach in diesem Zusammenhang von der «Entbettung der Wirtschaft von der Gesellschaft». Sehen Sie diesen Vorgang auch heute gegeben? Grosse Teile der Finanzbranche bieten sich als Beispiel an.

Nur wenige Menschen werden dafür ausgebildet. Das ist eine Folge des rasch veraltenden Bildungswesens. Massgeblich kommt das auch vom blinden Kopieren der angelsächsischen Business Administration und ihrer reinen Geldorientierung. Der US-Typus der Business Schools verbreitet Irrlehren, mit denen unter anderem die heutige Missgeburt der Corporate Governance in die Welt gekommen ist.

Das Verständnis für die engen Wechselwirkungen von Wirtschaft und Gesellschaft ist auch heute weitgehend verlorengegangen. In weiten Kreisen ist es nicht nur gering, sondern es gilt sogar als «smart», die gesellschaftlichen Belange abzuwerten oder gar zu ignorieren. Das kann sich ändern, aber nur, wenn neue Methoden zur Konsensbildung, für das Treffen von

Dafür haben wir rechtzeitig neue Lösungen entwickelt. Die Vorausdenker unter den Topmanagern haben das erkannt und wenden sich daher immer schneller vom Anglo-Approach ab. Umlernen ist das Gebot der Stunde, das zum Glück mit unseren neuen Methoden und Modellen blitzschnell geht, insbesondere beim vernetzten Denken.

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BUSINESS

Der Gewinn ist für fast alle Unternehmen eine zentrale Grösse. Für Sie vernebelt der Gewinn oft Fehlentscheidungen. Gewinn darf nicht Ziel, sondern soll Ergebnis sein. Können Sie uns das erläutern?

Prof. Dr. Fredmund Malik ist habilitierter Professor für Unternehmensführung, international ausgezeichneter Management-Experte sowie Gründer und Chef von Malik Management St. Gallen, der führenden Knowledge-Organisation für ganzheitlich-kybernetische Management-Systeme.

Wer den Gewinn als oberstes Ziel nimmt, verengt den Blick auf die Gegenwart und wird blind für die Zukunft. Man übersieht dann sowohl die Gefahren, als auch die enormen Chancen. Gewinn ist die Folge von weit vorausgreifenden Entscheidungen. Zuerst muss man innovieren und investieren, dann erst kann es Gewinne geben.

«UMLERNEN IST DAS GEBOT DER STUNDE.»

Kommen wir zu Lösungen. Auch Sie bieten Modelle an. Können Formeln und Modelle, die Sie an anderer Stelle kritisieren, auch wenn Sie modular und ganzheitlich aufgebaut sind, in dieser komplexen Welt uns weiterhelfen?

Jetzt gibt es aber auch Beispiele, die sehr viel komplexer sind. Nehmen Sie meine Branche, die Medienbranche. Es gibt hier nicht die klaren Schritte wie Schallplatte, Kassette, CD und heute Musik aus dem Web als mp3. Printprodukte sind immer noch keine Nische, obwohl dies vielfach angekündigt wurde und das Verdienen durch bezahlte Inhalte im Web ist ein sehr zähflüssiger Prozess. Die Kommunikationskanäle sind zwar drastisch ausgeweitet worden, trotzdem verschwinden die alten Medien nicht. Da stimmen dann doch die Kurven, wie eine alte eine neue Technologie ablöst, nicht mehr?

In meinem neuen Strategiebuch gibt es nur eine einzige Formel und diese ist, wie dort auch erwähnt, humorvoll gemeint. Manche Kritiker haben das gar nicht gemerkt. Modelle hingegen sind unverzichtbar, denn sie sind die Templates, um in der Welt das Richtige zu entdecken. Sie sind Knowledge Organizer und die wichtigsten Denk-Tools.

Vieles wird über lange Zeit unentschieden bleiben, das gehört mit zur Transformation. Es kann auch ein konkurrierendes Nebeneinander mehrerer Technologien geben, wie zum Beispiel bei der Energie und im Transportwesen. Vieles wird man erst im Nachhinein richtig einordnen können, aber handeln müssen wir jetzt. Darum ist die neue strategische Intelligenz heute so eminent wichtig.

Modelle sind wie Landkarten. Sie helfen uns, die Flut von Wahrnehmungen, Emotionen, Daten und Information zu organisieren und geben uns so Orientierung im Fluss des Wandels.

Nicht nur Sie haben in den letzten Monaten den ShareholderValue-Ansatz kritisiert. Im Normalfall setzen die Kritiker den Stakeholder Approach dagegen. Das machen Sie nicht. Sie kritisieren beide Ausgangspunkte mit dem Begriff Customer Value. Warum?

Ausgangspunkt sind die Naturgesetze für das Steuern und Lenken von komplexen Systemen und die Frage, wie man die Komplexität und Dynamik von vernetzten Systemen meistert.

Wo lag der Ausgangspunkt Ihrer Modelle und mit welcher Strategie haben Sie aufgebaut?

Lassen Sie uns an einer Zwischenstation anhalten, dem «Sixpack of Control». Was versteht man darunter?

Als ich 1997 in meinem Buch über wirksame Unternehmensaufsicht die Irrlehre vom Shareholder Value ins Visier nahm, war ich praktisch allein. Den Stakeholder Approach gab es schon seit 1952, was anscheinend die meisten nicht wissen. Er ist radikal gescheitert, weil er das Unternehmen zum Beute-Objekt wechselnder Machtverhältnisse von Interessengruppen macht und einem unfähigen Management immer gute Ausreden bietet.

Das sind die sechs unfehlbaren Navigationsgrössen. Gemeinsam definieren sie das «Gesunde Unternehmen». Es sind dies: die Marktstellung, die Innovationsleistung, die Produktivität, die Attraktivität für die richtigen Menschen, Liquidität und Cashflow sowie die Profitabilität. Wer diese sechs Faktoren unter Kontrolle bringt und hier jeden Tag besser wird, hat den wirtschaftlichen Erfolg so gut wie garantiert.

Für richtige Unternehmensführung gibt es nur eine richtige Lösung: Im Zentrum muss das gesunde Unternehmen stehen. Was gut für die Firma ist, ist auch gut für Share- und Stakeholder. Umgekehrt geht es aber nicht. Und damit das Unternehmen gesund ist, braucht es zufriedene Kunden. So einfach ist das. Glückliche Kunden machen glückliche Eigentümer. So macht man auch weitaus grössere Gewinne, aber eben auf einem ganz anderen Weg.

Strategische Führung ist ein Schlüsselbegriff bei Ihnen. Was bedeutet der Begriff nicht und in welche Richtung sollte dagegen gedacht und gehandelt werden? Strategie heisst: Richtig Handeln, wenn man nichts oder nur wenig über die Zukunft weiss.

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Um über den üblichen betriebswirtschaftlichen Tellerrand schauen zu können, führen Sie die Leserinnen und Leser in die Welten der Kybernetik ein. Wo helfen diese uns weiter? Kybernetik ist die Lehre vom zuverlässigen Funktionieren – sie hat die Naturgesetze des Funktionierens entdeckt. Am besten bekannt ist das Feedback-Prinzip. Ohne Feedback funktionieren Systeme nicht. Aber es gibt noch viele andere Gesetze, die vor allem für das Meistern von Komplexität und Wandel wichtig sind. Komplexität ist der Rohstoff für Intelligenz und Lenkungskraft. Wer sie besser nutzt, liegt vorne.

Können Sie uns zum Schluss noch ein positives Unternehmensbeispiel verraten, welches aus Ihrer Sicht diesen Transformationsprozess innovativ gemeistert hat? Die Grosse Transformation ist noch lange nicht vorbei, die entscheidenden Phasen kommen erst. Daher möchte ich lieber keine Namen nennen, auch aus Schutz dieser Firmen vor ihren Konkurrenten. Immer mehr Unternehmen richten sich an den Führungsregeln aus, die ich hier und in meinen Büchern beschrieben habe. Viele haben die Chance, zu den Gewinnern von morgen zu gehören.

Das aktuelle Buch zum Interview Fredmund Malik ist einer der bekanntesten Managementberater. Das hält ihn aber nicht davon ab, den Mainstream der Beraterbranche gegen den Strich zu bürsten. Seit Jahren kritisiert er vehement den Shareholder-Value-Ansatz. Dieser ist unfähig, die gegenwärtigen Umwälzungsprozesse zu erklären, geschweige denn aus Krisen die richtigen strategischen Schlussfolgerungen zu ziehen. Für Malik sollte der Kunde im Mittelpunkt des Unternehmens stehen, dann kommt der Profit ganz von allein. Um diesem Ziel näher zu kommen, entwickelt Malik in seinem Buch nicht nur strategische Wege sondern auch komplexe Modelle.

F Fredmund Malik S Strategie N Navigieren in der Komplexität d neuen Welt der 2 2011, geb., 392 Seiten, 117 Abb. 5 56,90 CHF I ISBN 978-3-593-38287-6


KOLUMNE

DIE TRAUMGEBILDE DER BÖRSENCHEFS von Rolf Hess

D

er Begriff «Börse» übt bekannterweise für

Was die Wirtschaft aber dringend brauchen würde, wären

viele Leute eine Magnetwirkung aus. Das

Handelsplätze für die Kapitalbeschaffung von kleineren und

ist verständlich, widerspiegelt er doch den

mittleren Unternehmen, bekanntlich das Rückgrat unserer

Traum vieler Führungskräfte und Unterneh-

Volkswirtschaft. Unter diesen geschilderten Voraussetzungen

mer, selber «börsennotiert» zu sein, oder mit-

wird dieser Wunsch natürlich mehr und mehr illusorisch.

tels des Magnets Börse mit ihren Anlagen satte Kursgewinne einzustreichen. Für den Mann und die Frau auf der Strasse

Gefördert wird diese negative Entwicklung in erster Linie durch

trifft dies aber auch zu.

das jeweilige Management, die sogenannten Börsenchefs. Einerseits werden diese Börsenchefs getrieben durch die Vor-

Die Börsen sind in der Tat auch unverzichtbar als Plattform

gaben der Grossaktionäre, im Falle der Deutschen Börse ist

für den Handel. Früher wurden vor allem Rohstoffe und Han-

das die Deutsche Bank AG, andererseits natürlich auch durch

delswaren gehandelt, in den letzten Jahrzehnten kamen dann

die offerierten finanziellen Anreize, welche schon seit Jahren

die Aktien, Obligationen und in den letzten Jahren vor allem

über dem Erträglichen liegen, und nicht zuletzt natürlich durch

Finanzprodukte diverser Couleur dazu, hierbei handelt es sich

den Faktor Macht.

primär um Derivate. Die einzelnen Börsen wurden weltweit, an diversen Plätzen von der Wirtschaft, zum Zweck des frei-

Dies hat nun dazu geführt, dass diese Börsenchefs weltweit

en Handels für die freie Marktwirtschaft etabliert. Mit dem

versuchen, durch obstruse, wirtschaftlich sinnlose Fusions-

Wachstum der Wirtschaft sind dann auch die Börsenplätze

versuche ihrer Börsengesellschaften sogenannte Mega-

grösser geworden. Eigentlich nur logisch und sicher nicht

Börsen zu etablieren. So gab es vor Jahren Versuche, die

falsch, solange sich der eigentliche Zweck der Börse nicht

Deutsche Börse mit der Londoner Börse zu verschmelzen.

ändert. Genau dies passiert aber nun schon seit Jahren.

Zurzeit verhandelt wieder die Deutsche Börse über einen Zusammenschluss mit der New Yorker Börse.

Die Börsen sind überall selbständige wirtschaftliche Einheiten, mehrheitlich im Besitz von Grossbanken, Versicherun-

Gewinner können die Aktionäre sein. Sicher aber sind die Ge-

gen, doch leider auch von umstrittenen Gebilden der freien

winner die beiden Börsenchefs: Derjenige der bleibt, erhält

Marktwirtschaft, wie Hedge Fonds. Diese Aktionärsgrup-

mehr Macht und viel mehr Geld, weil er der neue Chef ist, der

pen fühlen sich natürlich nicht mehr dem ursprünglichen

andere erhält viel Geld, damit er geht.

volkswirtschaftlichen Zweck der Börsen verpflichtet, sondern nur noch der blinden Gier nach Mehrwerten. Sie be-

Auf Geld warten müssen aber weiterhin die kleineren und

treiben also die genau gleiche Politik, die die Börseneigner

mittleren Unternehmen dieser Welt, welche bei den Mega-

auch in ihren eigenen Betrieben verfolgen. Im deutschspra-

Börsen erst recht vor verschlossenen Türen stehen.

chigen Raum ist die Deutsche Bank AG das «ParadebeiPositiv stimmt mich nun aber die Tatsache, dass der ehema-

spiel» dieser Entwicklung.

lige Vizechef der amerikanischen Nasdaq-Börse dem USDie Börsengebühren werden in kartellähnlichen Absprachen

Kongress vorschlug, eine neue Börse für die Bedürfnisse der

hoch gehalten, somit sind die Börsenplätze mehr und mehr nur

KMU zu etablieren. Das sind überraschend positive Neuigkei-

noch Spielflächen für Grosskonzerne, Finanzinstitutionen oder

ten aus der Wall Street, die man bisher so nicht gehört hat!

Fonds. Selbst der ehemalige Chef der Deutschen Börse, Seifert, bestätigt in seinem Buch die unverschämte Höhe der Börsengebühren seiner Börse! Kaum zu glauben, leider aber Realität.

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ABARTH.CH

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D. ie:


Höhlen SWEET & SOUR

KÄSE

M

von Sabine Schritt, Fotos: Emmi AG

orgens um 6 Uhr macht Betriebsleiter Walter Burri die erste Runde durch die Höhle Kaltbach. Auch die anderen vier Höhlenmeister sind unterwegs durch die Käsegestelle. Jede Tagescharge wird begutachtet, bevor Burri mit seinem Team über die nächsten Bearbeitungsschritte entscheidet. Bürsten, wenden, waschen, und das unzählige Male am Tag. Pflegeroboter helfen dabei. «Alleine fürs Bürsten kennen wir 12 verschiedene Programme mit unterschiedlichem Druck. Es gibt da keine festen Regeln, die Käsepflege ist sehr individuell», erklärt Burri.

In einer Sandsteinhöhle im Kanton Luzern reift schon seit Jahrzehnten eine ganz spezielle Schweizer Käsesorte. Ihre Vergangenheit in der Höhle macht den Unterschied.

In der Sandsteinhöhle lagern rund 30.000 Käselaibe, die während sechs bis neun Monaten zu einer Spezialität heranreifen: dem Höhlenkäse. Die heute fünf Meter hohe und 2.130 Meter lange

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SWEET & SOUR

Betriebsleiter Walter Burri begutachtet jeden Tag persönlich die Käselieferung. In der Höhle Kaltbach reifen im Jahr rund 80.000 Käselaibe zu einer Spezialität, dem Höhlenkäse, heran.

Höhle liegt in Kaltbach, einem kleinen Ort im Kanton Luzern, der politisch zur Gemeinde Mauensee gehört. Bevor 1956 erstmals Käse in der Höhle eingelagert wurde, diente sie Landwirten als Lagerort für Geräte oder Heu. Sie war damals nur 50 Meter lang. Da der Käse in der Höhle besonders gut reifte, wurde die Höhle in den folgenden Jahren schrittweise ausgebaut. Seit 1993 besitzt die Emmi AG in Kaltbach eine eigene Käserei mit der berühmten Sandsteinhöhle. 1999 wurde die Höhe von drei auf fünf Meter erweitert und bot bereits Platz für 13.000 Käselaibe. Ende Oktober 2010 wurde nach zwei Jahren Bauzeit die erweiterte Käsereifungshöhle eingeweiht. Seit über 30 Jahren beschäftigt sich Burri nun schon mit Käse. Begonnen hat es 1969 mit der Lehre zum Käser, seit 25 Jahren ist er Betriebsleiter in Kaltbach. Langweilig werde ihm nie, sagt er. Kein Tag ist wie der andere, neben allerlei Aufgaben rund um den Käse, ruft auch eine Menge Büroarbeit. «Der Käse ist ein sehr wichtiger Bestandteil meines Lebens», lacht Burri. Er hegt und pflegt die Käselaibe mit Passion. Der Sandstein reguliert die Feuchtigkeit in der Höhle, so dass ganzjährig eine Luftfeuchtigkeit von konstanten 94 Prozent bei einer Temperatur von elf bis maximal zwölf Grad Celsius herrscht. Sandstein besteht aus einem Gemisch aus Quarz, Calcit, Feldspäte, Glimmer und anderen Gesteinsbruchstücken. Etwa 20 Prozent des Gesteins sind offene, wassergefüllte Poren. Die spezielle Zusammensetzung ist verantwortlich für die typische Mineralisierung der Höhlenluft. Dadurch entsteht das Markenzeichen des Höhlenkäses: die schwarz-braune Patina. Je dünner die dunkle Rinde, desto besser der Käse. Im Höhlenklima wird der Teil besonders mürbe. «Man muss kein Käsekenner sein, um zu merken, dass höhlengereifter Käse wesentlich aromatischer schmeckt als herkömmlich gereifter», schwärmt Burri von «seinem» Käse. «Jeder Bissen zergeht förmlich auf der Zunge.» Der Kaltbachkäse ist frei von künstlichen Zusätzen, bei der Reifung kommen nur Wasser, Salz, Feuchtigkeit, Temperatur, Schimmel und Bakterien zum Einsatz. «Mit solch einfachen Mitteln ein konstant gutes Produkt herzustellen, ist eine Herausforderung für jeden Käser», meint Burri. Wie die Reifung des Käses genau aussieht, ist laut Burri nirgendwo dokumentiert. Es stecke eben in den Köpfen der Leute. Doch das beste Kapital für die Qualität des Käses ist das über Jahre gewachsene Know-how in der Höhle, was es Nachahmern sehr schwer mache. Unsere ganzen Prozesse wären nichts wert ohne die Erfahrung unserer Mitarbeiter. Absolut geheim ist laut Burri natürlich die Zusammensetzung der Sulz, mit welcher die Käselaibe behandelt werden. «An dieser Rezeptur wurde jahrelang gearbeitet.»

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SWEET & SOUR

Maschinen helfen den Käsemeistern in der Höhle Kaltbach bei der Pflege der Käseaibe.

Rund 80.000 Käselaibe reifen übers Jahr in der Höhle und werden anschliessend weltweit verkauft. Jede Woche sind zwischen 1.800 und 2.000 Käselaibe ausgereift und verlassen die Höhle. Ungefähr genauso viel Käse-Nachschub nimmt Burri auch wöchentlich von ausgewählten Käsereien der Schweiz entgegen.

Produziert wird nach den strengen Qualitätsrichtlinien des AOCSiegels (Appellation d’Origine Controlée). Dieses beweist die Echtheit der Schweizer Herkunft und steht für ein RohmilchkäsePremiumprodukt. «Die Schweiz produziert rund 0,5 Prozent der weltweiten Käsemenge, da können wir nur durch absolut höchste Qualität bestehen», weiss Schütz.

Die Emmi AG hat etwa 120 Emmentaler Käsereien unter Vertrag, aber nur vier davon dürfen ihren Käse direkt in die Höhle in Kaltbach einliefern. Andreas Schütz ist einer von ihnen, was ihn schon ziemlich stolz macht. «Nur die Besten schaffen es in die Höhle», weiss er. Käsermeister Schütz arbeitet in der Käserei Ganzenberg, Rohrbachgraben (BE), die der Käsereigenossenschaft Ganzenberg mit 13 Milchlieferanten gehört. Schütz produziert täglich drei Laibe Emmentaler Switzerland AOC zu je 90-95 Kilogramm Gewicht. Übers Jahr kommen so rund 92 Tonnen Emmentalerkäse zusammen. Die Käse werden monatlich in der Käserei abgeholt, um sie in der Höhle Kaltbach zu reifen.

Wer in den höhlengereiften, würzigen und geschmeidigen Teig beisst, macht sich wahrscheinlich keine Gedanken darüber, wie viele Arbeitsschritte und wie viel Leidenschaft darin stecken. Käsermeister, das ist ein Rund-um-die-Uhr-Job. Die Milch darf maximal 18 Stunden alt sein, wenn sie zu Emmentaler AOC verarbeitet wird. Und sie wird täglich zweimal angeliefert. Urlaub? Kennt Schütz nicht. Der dreifache Familienvater ist mit Leib und Seele Käser. «Die Milch wird täglich frisch angeliefert und verarbeitet», sagt er und betont, dass ihm Ferien, wie andere sie machen, nicht fehlen. Dafür geniesst er seine täglichen arbeitsfreien Nachmittage, die er mit seiner Familie verbringt, umso mehr. Anders

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Mit Liebe und Leidenschaft werden die Käselaibe von den Höhlenmeistern gepflegt, bis sie reif sind für den Verkauf.

als andere Käser wohnt er nicht in der zur Käserei gehörenden Wohnung, sondern ein paar Kilometer entfernt in seinem eigenen Haus. Auch das gibt ein bisschen Abstand zum Abschalten von der Arbeit. Sein Berufsstand habe derzeit Nachwuchssorgen, erzählt er. Und da das Emmentaler Käsegeschäft in der Schweiz sehr exportabhängig ist, sei auch die Eurokrise spürbar. «Die Konsumenten müssen bereit sein, für ein Premiumprodukt, wie den aus Rohmilch hergestellten Emmentaler AOC, auch ein wenig mehr zu bezahlen», appelliert er.

Buchtipp Der lange Weg nach Kaltbach. Von Höhlen, Käsern, Kühen und Bauern. Fotos: Markus Bühler-Rasom, Text: Denise Schmid. Mit einem Essay von Peter Stamm. Herausgeber: Emmi Schweiz 128 Seiten, Hardcover, 29,5 x 20 cm Erhältlich drei: Deutsch, Französisch, Englisch Kontrast Verlag, 2010, CHF 42.00.–

Der Absatz von Kaltbachkäse hat in den vergangenen Jahren laufend zugenommen. Ein Grund dafür, im letzten Bauabschnitt von 2008 bis 2010 die Kapazität der Höhle zu verdoppeln. Doch nicht die Beliebtheit «seines» Käses hat den Betriebsleiter überrascht, vielmehr der grosse Andrang auf das neue Besucherzentrum, das im letzten Oktober eröffnet wurde. «Für dieses Jahr ist es beinahe ausgebucht und auch für 2012 gibt es schon Reservierungen.»

«Friends of Kaltbach» Seit 2006 finden sich die «Friends of Kaltbach» zusammen. Die Vereinigung zählt inzwischen 6.000 Mitglieder, die sich Veranstaltungen rund um das Thema Genuss, Käse- und Tischkultur widmen. www.emmi-kaltbach.ch

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NEWS

Genuss

PURER

Mit einem fruchtig-süssen Prickeln in den Sommer Söhnlein Brillant Mild ist jetzt ganz neu – er ist das honigsüsse Prickeln auf der Zunge, der fruchtige Geschmack nach Apfel und Mirabelle und der verführerische Duft bunter Blüten! Für heisse Tage oder laue Nächte, alleine, zu zweit weit oder mit vielen. Klassisch elegant oder cool ol im Longdrinkglas auf Eis. Söhnlein Brillant Mild d ist der perfekte Sekt für den Sommer. www.soehnlein-brillant.de

Hotelsuite aus Schokolade Kein Geringerer als Karl Lagerfeld enthüllte zum Launch des neuen Magnum Temptation Chocolate im Pariser Luxus-Hotel «La Réserve» eine komplett aus Magnum-Schokolade gefertigte Hotelsuite. Bett, Tisch, Sofa, Bettwäsche und Kronleuchter – sämtliches Mobiliar hat der StarDesigner höchstpersönlich entworfen und von dem Meister-Chocolatier Patrick Roger aus Schokolade modellieren lassen. Der eindrucksvolle Höhepunkt der Magnum Schokoladen-Suite: Seine Muse Baptise Giabiconi setzte der Designer als atemberaubende Schokoladen-Skulptur liegend auf einem Schokoladenbett in Szene. Zudem präsentierte Karl Lagerfeld in Paris das neue Magnum Temptation Chocolate. Nach Magnum Temptation Fruit und Magnum Temptation Caramel & Almond gibt es das luxuriöse Magnum also endlich auch in einer schokoladigen Variante. www.langnese.de

Tipp

DRINK

Kaffeegenuss Die jüngste Innovation von Nespresso nennt sich Pixie. Diese neue Kapselgeräte-Reihe zeichnet sich durch ihre besonders schlanke Bauform sowie schicke Optik im Industriedesign aus. Die Geräte sind jeweils nur elf cm breit. So gehört die neue Baureihe zu den kleinsten Kaffeemaschinen, welche Nespresso jemals entwickelt hat. Der Clou der Geräte sind die Seitenpanelen. Sie bestehen aus eloxiertem Aluminium und unterstreichen das industrielle, minimalistische Design. Weiterhin überzeugt der Nespresso Pixie durch die kurze Zubereitungszeit und einen niedrigen Energieverbrauch. Dank eines verbesserten Wasserflusses soll seltener eine Entkalkung erforderlich werden. www.nespresso.com

DUDEMAN

von Klaus St. Rainer

ZUTATEN:

GLAS: Tiki Mug

50 ml Ron Zacapa 23 20 ml frischer Limettensaft 40 ml frischer Ananassaft 20 ml Lime Juice Cordial 5 Schuss Angostura Bitter

Dudeman ZUBEREITUNG:

Alle Zutaten gut mit Eiswürfeln shaken und in einem mit Crushed Ice gefüllten Tiki Mug giessen. Mit einem Strohhalm servieren.

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www.vins-vaudois.com

Lâ&#x20AC;&#x2122;excellence des terroirs


SWEET & SOUR

Traditionelle

GERICHTE 60


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MÜNCHEN Grundsätzlich besteht die bayerische Küche aus viel Schweinefleisch und Bier. Grob ausgedrückt... Natürlich haben Bayern und München kulinarisch noch viel mehr zu bieten, aber wer einmal das echt traditionelle Essen probieren will, sollte weder Vegetarier noch AntiAlkoholiker sein. Besonders beliebt ist die Weisswurst, welche traditionell vormittags vor 12 Uhr gegessen wird, ausserdem wird nur das Innere, nicht die Haut verzehrt, was viele Nicht-Bayern nicht wissen.

Nationalgerichte sind heute fester Bestandteil der nationalen Kulturen und Identitäten, sie entstanden aus regionalen Küchentraditionen.

W von Yvonne Beck

Leberkäs' hat mit Käse gar nichts zu tun, sondern besteht aus Fleisch, das in weitgehend flüssiger Form in einer Leberkäs-Form im Ofen zubereitet wird. Auch dieses Gericht wird gern mit Brez'n verspeist, Bier gehört natürlich auch hier dazu. Zudem fehlen selten Schweinebraten, Hendl und Dampfnudeln in Vanillesauce auf einer echt bayrischen Speisekarte.

ährend man Italien mit Pasta und Pizza in Verbindung bringt, die auch in unseren Breitengraden sehr beliebt sind, lassen Nationalgerichte wie das schottische Haggis einen eher das Gesicht verziehen, handelt es sich hierbei doch um eine Art Innereien-Mus in Schafsmagen. Auch der aus Deutschland stammende Pfälzer Saumagen ist nicht jeBouilla dermanns Sache, wohingegen viele eine echte Marseillerr Bouillabaisse zu schätzen wissen.

IRLAND

Küche als nationale Identität

Man sollte so es nicht glauben, aber zu den feinen Gerichten der Welt gehört vor allem die sehr beliebte iriKüche. Die traditionellen Gerichte der Menschen sche Kü in Irland haben ein einzigartiges Aroma und einen ganz h speziellen Geschmack. Bekannt sind unter anderem speziel die «crusty soda bread», frische Austern, Kartoffelpuffer, Irish Stew, und der köstliche handgefe machte Käse darf ausserdem auch nicht verpasst werden, wenn man ein irisches Essen geniesst.

Viele der heutigen Nationalgerichte haben sich im 19. Jahrhundert durchgesetzt, einem Jahrhundert, in dem viele Nationalstaaten ihre territoriale Identität neu bestimmten. Es gibt auch durchaus Kritiker der Nationale gerichtskulturen, da einige Nationalgerichte sich heute n. nicht in den nationalen Essgewohnheiten widerspiegeln. ie Im modernen Marketing der Regionen spielt allerdings die iZuordnung von regionalen und nationalen Gerichten eiät ne wichtige Rolle, um die Eigenständigkeit und Identität n der Kulturregionen zu unterstreichen. Man kennt heute in er Europa viele Produkte, die mit einem Qualitätssiegel der bei Regionen versehen sind und anzeigen, dass es sich hierbei um originale Herkunftsprodukte handelt.

Eine Fülle von Fisch und bestes Lammfleisch begleiten die irische Küche. Während Fisch schon seit jeher in Irland gegessen wird, werden Schalentieren dort immer beliebter. Vor d allem aufgrund der hohen Qualität der Schalenall tiere, die an Irlands Küstenregionen verfügbar sind. Zu den beliebten beliebte irischen Gerichten gehört der Irische Eintopf (aus Lamm, Rind Rin oder Hammel) mit gekochter Schweinewurst, Kartoffeln, Brot, Brot Speck und Kohl. Wenn es um Getränke geht, gibt es den bekannten traditionellen Irish Coffee. Das heisse b Getränk be besteht aus Irish Whiskey mit Zucker und Kaffee vermischt. Gekrönt wird es mit dickem Rahm.

hr Nationalgerichte und regionale Esskulturen sind auch sehr wichtig, um die Kulturen abzugrenzen. Viele der Hoch-n kulturen in den Ländern gingen mit neuen Gerichten und kulinarischen Entdeckungen einher. Ein Beispiel ist die österreichische Küche, die in hohem Masse durch

NEW YORK Die New Yorker Küche ist traditionell durch die hohe Anzahl von Einwanderern multikulturell geprägt. Ob europäische, afrikanische oder asiatische Küche, in den New Yorker Restaurants finden Sie bestimmt das Passende. Nicht umsonst gilt New York als Restauranthochburg Amerikas. Darüber hinaus gibt es aber auch ein paar typische New Yorker Speisen: Der Bagel und der altbekannte Burger gehören dazu. Aber auch der Waldorf Salad, benannt nach dem Hotel Waldorf-Astoria, in dem der Erfinder des Salats, Oskar Tschirky, als Chefkoch gearbeitet hat. Sehr beliebt ist auch der «New York Cheesecake», ein Käsekuchen, der aus einem Boden aus Butterkeksen und einer Käsemasse besteht. Einfach zubereitet wird er in vielen New Yorker Restaurants zusammen mit Kirsch- oder Himbeerkompott als Nachtisch angeboten. Und natürlich darf man in New York nicht den original amerikanischen Hot Dog vergessen, der fast an jeder Strassenecke verkauft wird.

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FRANKREICH La Cuisine Cu Française, die berühmte französische Küche, hat die Koch- und zös Essgewohnheiten in aller Welt stark E geprägt. Viele denken bei der französischen Gastronomie bestimmt als Erstes an gute Weine, Baguette, Croissants, Café au Lait oder Camembert – jedoch wird bei weitem mehr geboten.

die Österreichisch-Ungarische Monarchie geprägt wurde. Bestimmend in Europa war vor allem die französische Küche, die in Ländern wie Deutschland oder Österreich in einigen Regionen ausgeprägte Akzente gesetzt hat. Unter anderem hat die gehobene Küche der deutschen Adelsgeschlechter stark von den Errungenschaften der französischen Küche profitiert.

Zu Z den bekanntesten französischen Spezialitäten gehören: Marseiller BouilSpe labaisse labaiss (Fischeintopf mit scharfer, rötlicher Knoblauchmayonnaise). Gänsestopfleber, Knobla confit d’oie (gegarte Gänseteile), Trüffel, Cassoulet (gega (Eintopf aus weissen Bohnen, Kräutern, Speck, Fleisch und Ente). Coq au vin ist ein klassisches Geflügelgericht und das französische Nationalgericht. Frankreich ist aber auch für seine traditionellen Saucen, wie zum Beispiel Béarnaise, Béchamel, Hollandaise, Velouté und Vinaigrette auf der ganzen Welt bekannt.

Gerichte mit Wurst und Sauerkraut gelten international als eine typische deutsche Küche. Sauerkraut war vor allem in Süddeutschland immer beliebt. Bis heute verbinden viele Länder der Welt mit der deutschen Esskultur das Gericht Bratwurst mit Sauerkraut, obwohl diese längst sehr multikulturell geworden ist. Die grossen Metropolen der Welt profitierten immer schon von den Errungenschaften anderer Kulturen der Einwanderer. Vor allem in den Metropolen der ehemaligen Kolonialstaaten sind viele neue ausländische Gerichte zu typischen regionalen Gerichten geworden.

HONGKONG

Das italienische Gericht der armen Leute war die Pizza. Die Pizza hat weltweit einen einzigartigen Siegeszug angetreten. Die ersten Pizzas wurden in Neapel in den Restaurants den Gästen angeboten. Sizilien ist bis heute die bekannteste Region für viele PastaGerichte. Durch die heutige moderne Wirtschaftswelt haben sich jedoch viele kulinarische Traditionen verschoben. In Frankreich sieht man zum Beispiel immer mehr die französische Esskultur in Gefahr durch die Auswirkungen des Fast-Food-Marketings. In vielen Ländern wird die Hauptspeise heute am Abend serviert und nicht mehr wie früher am Mittag.

Hongkong bezeichnet sich gerne als Hauptstadt des Essens, und alljährlich wird insbesondere für asiatische Touristen ein Food Festival veranstaltet. Besondere Spezialitäten sind: dim sum – ein Snack aus gedünstetem Fleisch im Teigmantel, der in Bambuskörben serviert wird. Sehr beliebt sind shrimps dumplings und buns/Klösse mit Schwein. Zum Abendessen lohnt es sich, einmal Hot Pot zu kosten. Es handelt sich dabei um chinesisches Fondue bei dem Fleisch, Kohl, Pilze, Meeresfrüchte oder dumplings in gewürztem Wasser gekocht werden. Spezielle Backwaren in Hongkong sind Mondkuchen, sie werden meist zum Mittherbstfest im Oktober verzehrt. Andere Spezialitäten sind Frauenkuchen (wifecake) und cream buns. Neben Backwaren ist Hongkong berühmt für seine Desserts, darunter Mango Pudding mit Reiskugeln oder Eis aus roten Bohnen oder Sojamilch.

In Ländern mit sehr vielen Singles haben sich auch die typischen Esskulturen verschoben. Das traditionelle Essen mit der Familie gibt es kaum noch, mehr und mehr haben sich Snacks als Zwischenmahlzeiten am Tag durchgesetzt. Trotzdem existieren noch einige traditionelle Gerichte, auf die man bei einem Besuch in dem jeweiligen Land nicht verzichten sollte. So wie in der Schweiz das Käse-Fondue und an der Nordsee ein Krabbenfrühstück.

WIEN Einen unbeschreiblichen Kult haben die Wiener rund um Rindfleisch aufgebaut. Tafelspitz und Co. – der berühmte Tafelspitz, der kleine Kruspeloder Federspitz, das gedünstete Ochsenschlepp oder das Meisel – sind besonders beliebt. Auch Suppeneinlagen wie Frittaten, Kaiserschöberl, Leberknödel, Griessnockerl, Nudeln, Fleischstrudel oder Markknödel sind hier heimisch. Bei den Rostbraten stechen Zwiebel- oder Esterházy-Rostbraten hervor. Natürlich darf in Wien das Gulasch nicht fehlen, dessen Wurzeln in Ungarn liegen. Auch die Beilagenküche ist hier perfektioniert worden und sticht durch Semmelknödel, Serviettenknödel, Erdäpfelpüree hervor. Die Speisen und Getränke sowie die einzelnen Wiener kulinarischen Gewohnheiten verfügen über eine lange Geschichte und Tradition. Vom Wiener Schnitzel über das bekannte Fiaker-Gulasch bis hin zur Sachertorte ist Wien in jedem Fall einen kulinarischen Besuc Besuch wert.

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SHORT CUTS

Vatikan

VON DER BRAUT BIS ZUM Willkommen in Indien

Als eine der ältesten Kulturen der Welt kann Indien auf eine lange Geschichte zurückblicken, in der sich viele Bräuche und Traditionen herausbildeten, die auch heute noch Anwendung finden. Namaskar, auch Namaste genannt, ist beispielsweise die typische indische Begrüssung. Um sein Gegenüber angemessen zu begrüssen oder auch zu verabschieden, werden die Hände an den Handflächen zusammengepresst und unterhalb des Gesichts geführt. Diese Geste soll die Einheit des Geistes darstellen, da die rechte Hand in Indien üblicherweise als Symbol für die höhere Natur angesehen wird, während die linke Hand die weltliche oder niedere Natur verkörpert. Andere Religionen und Kulturen begrüssen sich wieder ganz anders. Viele mögen reich geschmückte Blumenketten mit Hawaii in Verbindung bringen, aber auch in Indien sind sie ein weit verbreitetes Symbol der Ehre. Gewöhnlich wird jedem Gast eine solche Blumenkette zum Ausdruck des Respekts als Willkommensgeschenk überreicht, doch auch Götter werden damit geehrt. Normalerweise sind die Ketten aus weissem Jasmin und orangefarbenen Ringelblumen gebunden.

Brautentführung Ein alter und auch sehr verblasster Hochzeitsbrauch ist die Entführung der Braut. Gute Freunde des Bräutigams entführen die Braut während der Hochzeitsfeier und ziehen mit ihr von Lokal zu Lokal. Die dadurch entstehenden Rechnungen müssen alle vom Bräutigam bezahlt werden. Sobald der Bräutigam die Braut und die Entführer aufgespürt hat, muss er die Zeche löhnen und durch eine Aufgabe die Braut auslösen. Wenn dieser Brauch heute noch ausgeführt wird, wird er in den meisten Fällen toleranter gehandhabt und die Entführer gehen mit der Braut in ein nahe gelegenes Lokal, eine Kneipe oder an einen anderen öffentlichen Ort. Der Bräutigam bekommt Hinweise auf den Aufenthaltsort, damit er die Braut schnell findet. Mit einem Versprechen oder der Erledigung einer Aufgabe befreit er seine Braut. Der Ursprung dieses Hochzeitsbrauchs geht bis ins Mittelalter zurück und damals auf das vermeintliche Recht der ersten Nacht der Männer, ihre untergebenen Frauen in der Hochzeitsnacht zu entjungfern. Aus diesem Grund wurden die Frauen von der Hochzeitsfeier abgeholt beziehungsweise «entführt».

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SHORT CUTS

Schiffstaufe

Traditionsreiches Tennis

Die Schiffstaufe ist ein feierliches Ritual, bei dem ein neues Schiff einen Namen verliehen bekommt und gesegnet wird. Laut Überlieferung rührt das Ritual der Schiffstaufe vermutlich von der, christlichen Taufe her. Der Unterschied besteht darin, dass bei der Schiffstaufe eher der Akt der Namensgebung im Vordergrund steht und nicht wie bei der christlichen Taufe auf den Namen des dreieinigen Gottes getauft wird. Schon im vierten Jahrhundert vor Christus wurden Schiffe bei den alten Griechen, den Römern sowie den Mesopotamiern getauft.

Die ersten Lawn Tennis Championships begannen am 9. Juli 1877 auf einem Gelände an der Worple Road in Wimbledon und wurden vom All England Lawn Tennis and Croquet Club ausgetragen. Zunächst nur für Männer zugelassen, wurden 1884 separate Wettbewerbe für Damen und Herrendoppel eingeführt. Seit 1910 sind auch Ausländer für das Turnier zugelassen. Damendoppel und Mixed-Doppel wurden 1913 ins Programm aufgenommen. 1922 wurde ein neuer Tenniskomplex an der Church Road eingeweiht. Das für 14.000 Zuschauer ausgelegte Stadion entwickelte sich zum Mekka des Tennissports. Bis heute hat sich Wimbledon einen speziellen, altmodisch vornehmen Charakter bewahrt, der das Turnier von allen anderen abhebt. Nur hier findet die alte Regelung, dass 90 Prozent der Spielkleidung weiss sein müssen, noch Anwendung.

So wurde meistens guter Wein über die Planken eines Schiffes gegossen, um die Götter freundlich zu stimmen. In China und Japan wird beim Stapellauf eine verbindende Leine zwischen Schiff und Land zerrissen, beinahe so wie eine Nabelschnur, die nach der Geburt bei Säuglingen zertrennt wird. In der heutigen Zeit ist es in Deutschland Sitte, bei der Namensgebung von Schiffen und Booten eine Flasche Champagner «zu opfern». Diese wird bei grossen Schiffen an der Bordwand zerschellt, bei kleinen Schiffen und Booten begnügt man sich lieber mit dem Überschütten des Bugs mit dem edlen Getränk, um das Boot nicht zu beschädigen.

Eine weitere Tradition ist der am ersten Sonntag des Turniers vorgesehene Ruhetag. Das Eröffnungsspiel ist immer das des Titelverteidigers im Herreneinzel auf dem «Centre Court». Seit 2003 verzichten die Akteure des Turniers nach 100 Jahren Hofknicks und Diener auf die Ehrerbietung vor der königlichen Loge.

Gottesfurcht und Gehorsam Traditionalisten werden in der katholischen Kirche diejenigen genannt, die die Öffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils nicht mitgemacht haben und daher in ihren Gottesdiensten noch die lateinische Kirchensprache beibehalten haben und auch andere Neuerungen im katholischen Glauben ablehnen, weil sie angeblich eine «Verwässerung» bedeuten und wirklichem katholischem Glauben schaden. Moderne Bibelauslegungen und Entmythologisierung sind für sie ein Greuel. Ihrer Meinung nach ist einzig der traditionelle Glaube wirklicher Glaube, der auch die Chance hat, unsere heutige Welt zum Positiven zu verändern. Die Traditionalisten verfechten einen Ansatz vom Glauben her, also einen «pharisäischen» oder auch «inquisitorischen» Ansatz. Damit stehen sie im Widerspruch zu einem Glauben in der Nachfolge Jesu. Während die Opus-Dei-Anhänger sich auf alle Fälle Papst und Kirche verpflichtet fühlen, gehen Traditionalisten durchaus ihre eigenen Wege.

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© Walt Disney Studios

© Walt Disney Studios

© Walt Disney Studios

Johnny Depp als Captain Jack Sparrow in «Fluch der Karibik».

JOHNNY DEPP Gezähmter Rebell

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von Dominique Zahnd, London

Er spielt oft in Filmen, die niemand sehen will. Und zieht sich gerne geschmacklos an. Doch Johnny Depp kommt damit durch – seit 20 Jahren schon. Wieso? Weil er der heisseste Superstar dieses Planeten ist.

ew York, vor dem Nebeneingang eines TV-Studios: Grimmig dreinblickende Sicherheitsleute patrouillieren vor eisernen Absperrungsbarrieren. Es gibt kein Durchkommen mehr. Geschätzte tausend Gaffer verstopfen die Nebenstrassen: drücken, schubsen, stehen sich gegenseitig auf den Füssen. Dann wird klar warum. Die Polizei leitet den Verkehr um, schafft Platz für eine Blaulichteskorte und eine Limousine mit schwarz getönten Scheiben. Der Wagen hält, ein Mann steigt aus. In diesem Moment flattern bei allen Frauen die Wimpern, röten sich Wangen und der Puls beginnt zu rasen. Arztbesuch unnötig, die Diagnose lautet: durch Johnny Depp verursachter Herzklopfalarm!

Am liebsten spielt er Freaks Wo der 47-jährige Schauspieler auftaucht, bricht das Chaos los. Dabei ist er eigentlich erst seit 2003 ein richtiger Star. Damals schlüpfte er in seine erste, superkommerzielle Rolle – die des tuntigen Piraten Jack Sparrow. Vorher drehte er bevorzugt schräge Filme für ein Nischenpublikum. Doch seit der «Pirates of the Caribbean»-Reihe hat er sich nun auch einen Platz im klassischen Hollywood-Blockbusterkino erobert. Seinen Idealen blieb er trotzdem treu: Denn auch wenn er als Captain Jack ein Zuschauermagnet ist – die Figur an sich ist ein absoluter Freak. Und die spielt Johnny Depp am liebsten.

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Johnny Depp als irrer Hutmacher in «Alice im Wunderland».

© Walt Disney Studios

«ICH WOLLTE NIE SCHAUSPIELER WERDEN. ES SCHIEN NUR EINE GUTE ART, LEICHT GELD ZU VERDIENEN.» Johnny Depp

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Johnny Depp und Angelina Jolie in «The Tourist».

«ICH FAND ALLES VERDÄCHTIG, WAS NICHT VON MCDONALD’S KAM. HEUTE BIN ICH EIN FEINSCHMECKER.»

© Frenetic Films

Johnny Depp

Mit 13 seine Unschuld verloren

Wer die Chance hat, den Amerikaner mal privat zu erleben, ist erstaunt, wie bodenständig er ist. Allüren hat der Star keine. Depp ist bescheiden und fast ein bisschen schüchtern. Das unterscheidet ihn von den meisten A-Listen-Promis. Selbst zu Filmpremieren geht er nur, weil er vertraglich dazu verpflichtet ist. Ansonsten meidet er die Öffentlichkeit und lebt zurückgezogen mit Langzeitfreundin Vanessa Paradis und seinen zwei Sprösslingen Lily-Rose und Jack in Südfrankreich, in dem Dorf Plan de la Tour. Warum gerade dort?

Mit seiner Popularität haderte er lange. Mittlerweile hat er einen Weg gefunden, wie sie seine Seele nicht mehr auffrisst. Depp ist ruhiger geworden. Doch den Rebellen in seinem Herzen wird er wohl nie töten können. Bereits als Teenager war er schwer zu bändigen: Mit 12 fing er an zu rauchen, mit 13 war die Unschuld futsch, mit 14 kamen die Drogen und mit 16 schmiss er ohne Abschluss die Schule, um in der Garagen-Band «The Kids» im Vorprogramm von Iggy Pop aufzutreten. Musik war seine Leidenschaft, die Schauspielerei bloss eine Notlösung – 1983 eingebläut durch Nicolas Cage, der ihm zu einer Minirolle im Horrorstreifen «Nightmare on Elm Street» verhalf. Zum umschwärmten Posterboy wurde Depp 1987 mit der TV-Serie «21 Jump Street». «Ich wollte nie Schauspieler werden. Es schien nur eine gute Art, leicht Geld zu verdienen», sagt er über seinen Einstieg ins Business.

«Mir gefällt alles an diesem Land. Die Menschen, die Lebensart, das Essen, der Wein. Früher wusste ich nicht, was gutes Essen ist. Ich fand alles verdächtig, was nicht von McDonald’s kam. Heute bin ich ein Feinschmecker.» Geht er mal in die Hauptstadt essen und ein Fan – und wer ist das schon nicht? – erkennt ihn im Restaurant, ist Johnny Depp überraschend zugänglich und freundlich. Er sagt: «Die Zuschauer sind mein Boss. Ohne ihr Wohlwollen kann ich meine Rechnungen nicht bezahlen. Darum bin ich jedem einzelnen Fan dankbar.»

Heute findet er Filme drehen aber ganz ok. Vor allem, wenn Tim Burton («Batman») sein Regisseur ist. Der kauzige Brite verhalf ihm als trauriges Titelmonster in «Edward mit den Scherenhänden» (1990)

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© Frenetic Films

Johnny Depp als Frank Tupelo in «The Tourist».

zum internationalen Durchbruch. Seit damals sind die beiden Kerle mit dem Faible fürs Düstere dicke Freunde. Bisher haben sie sechsmal miteinander gedreht – von der B-Movie-Hommage «Ed Wood», dem Geistermärchen «Sleepy Hollow», dem Animationsfilm «Corpse Bride» über den Abstecher ins Schokoladenland «Charlie und die Schokoladenfabrik», die blutige Friseurgeschichte «Sweeney Todd» bis hin zum wiederbelebten Klassiker «Alice im Wunderland».

kum ansprechen können». Durchgeknallte Figuren ziehen ihn einfach an. «Seit meiner Kindheit – in der ich vielleicht einmal zu oft ‹Dracula› gesehen habe – identifiziere ich mich mit Aussenseitern», sagt Depp und schmunzelt. «Deshalb bin auch viel lieber Charakterdarsteller als ein normaler Hauptdarsteller und Star. Denn Stars sind ziemlich eingeschränkt in ihren Rollen.» Johnny Depp mag sich noch so hässlich anziehen oder mit Brille und Hut tarnen: toll sieht er trotzdem aus. Deswegen wurde er 2003 und 2009 auch zum «Sexiest Man Alive» gewählt. Doch auf seine Optik angesprochen zu werden ist ihm unangenehm. «Ich finde es peinlich, wenn Leute über mein Aussehen reden», sagt der Leinwand-Beau. «Denn normalerweise sehe ich total scheisse aus – und die meisten Leute aus meinem Umfeld finden das auch!» Seine Wirkung auf Frauen irritiert ihn – besonders, wenn sie anfangen zu weinen. «Ich kapiere das nicht», sagt er. Und wenn die Mädels dann vor lauter angestauter Leidenschaft sogar ohnmächtig werden, fehlt es Johnny Depp komplett an Erklärungsbedarf. «Aber vielleicht rieche ich einfach nur zu schlecht…», sagt er mit einem Augenzwinkern.

Aufgeben ist keine Option Wird das Thema Tim Burton während eines Interviews angeschnitten, ist Depp nicht mehr zu halten. Der Regisseur habe ihn davor bewahrt, «nur ein weiteres Stück Wegwerf-Hollywood-Fleisch» zu werden. Nachdem Depp als Teenie-Cop damals im Fernsehen keinerlei Kontrolle über seine Karriere hatte, wendete sich das Blatt nach seinem Kinodebüt. Der Schauspieler suchte sich von Anfang an bevorzugt unbequeme Rollen aus. Viele seiner Filme floppten, doch die Rückschläge haben ihn nie entmutigt. Denn er war stets davon überzeugt, dass auch «bizarre Dinge ein grösseres Publi-

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© Universal Pictures

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Johnny Depp als John Dillinger in «Public Enemy».

Seine Freundin nennt ihn «Darling»

Aber nicht nur das: Es hagelte auch Auszeichnungen, selbst eine «Oscar»-Nominierung war dabei. Dass er von Presse und Fans so gefeiert wird, ist dem Star etwas unheimlich. «Ich glaube, dass es ein Wunder ist, dass ich überhaupt neue Jobs bekomme. Ich rechne jeden Tag damit, dass meine Karriere den Bach runtergeht», gesteht er und sieht sich schon als Tankstellenangestellten oder als Gitarrenspieler in irgendeiner Bar enden. Das wird jedoch so schnell wohl nicht passieren. Der vierte Teil des Karibik-Abenteuers läuft derzeit im Kino. Weitere Projekte sind in Planung, darunter auch der Vampir- und Werwolfschocker «Dark Shadows» bei dem – mal wieder – Tim Burton Regie führen wird. Die Freakshow geht also weiter...

Seine Freundin scheint sich jedenfalls nicht an seiner Ausdünstung zu stören. Sie nennt ihn liebevoll «mein Darling». «Mein Darling hat mich für mein Platten-Cover fotografiert», verriet sie. Die angesprochene CD heisst «Bliss», das englische Wort für Entzücken/Wonne, und war ihrem Schatz und dem glücklichen Leben an seiner Seite gewidmet. «Mein Darling ist der sanfteste Mensch der Welt», sagt Vanessa, «aber manchmal genügt ein Funke, um ihn zur Explosion zu bringen.» Das war vor allem in seinen Anfangstagen als Star ein Problem. Damals war er den Drogen verfallen, zerlegte Hotelzimmer und machte mit immer neuen Affären Schlagzeilen.

«DIE ZUSCHAUER SIND MEIN BOSS. OHNE SIE KANN ICH MEINE RECHNUNGEN NICHT BEZAHLEN.»

Ob bei Ex-Frau Lori Anne Allison oder seinen Ex-Verlobten Sherilyn Fenn, Jennifer Grey, Winona Ryder oder Topmodel Kate Moss: Johnny kam, sah und brach Herzen. Ausser bei der Sängerin und Schauspielerin Vanessa Paradis. Seit er die Französin 1998 bei den Dreharbeiten zum Mystery-Thriller «Die neun Pforten» kennenlernte, ist Schluss mit dem wilden Leben. «Und das ist auch gut so», sagt der geläuterte Badboy, der heute lieber Barbie spielt, als mit Drogen zu experimentieren. «Ich gehe einfach mit den Kindern raus und sehe mit ihnen im Garten nach den Tomaten. Eigentlich total langweiliger Kram, aber schöner Kram», sagt Depp, der davon überzeugt ist, dass erst die Geburt seiner Tochter (1999) ihm den wahren Sinn des Lebens gezeigt hat.

Johnny Depp

Rockende Filmstars Mit seiner alten Band «The Kids» tritt Johnny Depp ab und zu bei Wohltätigkeitskonzerten auf – zupft dabei die Gitarre und singt auch ein bisschen. Dass Schauspieler noch eine Zweitkarriere als Musiker am Laufen haben, ist nichts Neues: Kevin Bacon tourt mit seinem Bruder mit Folksongs durch die Lande, die Kollegen Bruce Willis und Tim Robbins singen auch, Russell Crowe brummelt bei «Thirty-odd Foot Of Grunts» mit, Kevin Costner bei «Modern West», und Keanu Reeves spielt Bass bei «Dogstar».

Seinen Kindern zuliebe nahm er auch die Rolle des Captain Jack an. Teil eins der Freibeutersaga spielte allein in den USA 300 Millionen Dollar ein. Logisch, dass danach – bis jetzt – drei Fortsetzungen folgen mussten. «Meine Familie war bei den Dreharbeiten immer dabei. Lily-Rose war völlig begeistert von meinem Kostüm. Nach einer Weile war es für sie ganz selbstverständlich, dass ich so rumgelaufen bin», erinnert der Schauspieler sich. «Als jemand sie fragte, was ihre Eltern von Beruf seien, sagte sie: Meine Mami ist Sängerin, und mein Papi ist Pirat» Die Rolle des Seefahrers kam aber nicht nur gut bei seinen Liebsten an, sie hat auch Depps Kontostand enorm aufgebessert.

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FACE TO FACE

«AUF REISEN WÜRDE ICH NIE VERZICHTEN»

Financier Martin Ebner hat die schlingernde Helvetic Airways innert fünf Jahren zur erfolgreichen Fluggesellschaft entwickelt. Was fliegen und reisen für ihn bedeutet und nicht bedeutet, schildert er im Interview.

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von Robert Wildi, Fotos: Helvetic Airways

ern, Bari, Brindisi, Cardiff, Inverness, Lamezia Terme, Rostock – das ist nur ein Auszug aus dem Destinationsnetz von Helvetic Airways. Die Airline, die vor rund sieben Jahren mit pinkfarbenen Fokker 100 an den Start ging und hauptsächlich europäische Metropolen anflog, hat sich heute als rentabler Nischencarrier etabliert. Der Flug dorthin war holprig: Helvetic Airways konnte sich im hart umkämpften Low-Cost-Markt nicht behaupten und geriet finanziell ins Schlingern. 2006 übernahm Martin Ebner das Steuer und lancierte mit einem neu aufgestellten Team einen Relaunch. Bald war der Turn Around geschafft – heute fliegt die Airline in edlem weiss-rot auf Kurs und setzt die Nischenstrategie konsequent um.

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PRESTIGE: Herr Ebner, Sie sind ein Vollblut-Financier und haben sich vor Jahren die Airline Helvetic Airways gekauft. Ein Hobby für Sie oder Zeitvertreib? Martin Ebner: Keines von beiden. Eine Fluggesellschaft führt man weder als Hobby und schon gar nicht neben her, sondern nach knallharten betriebswirtschaftlichen Regeln. Wenn ich investiere, dann möchte ich damit Geld verdienen. Das war in allen Branchen immer so und ist mit Helvetic Airways nicht anders.

Und trotzdem hat fliegen ja auch etwas Mystisches. Träumten Sie als kleiner Junge davon, Pilot zu werden?

sche weisse Farbe mit der roten Heckflosse und Schweizer Kreuz passt nicht nur deshalb hervorragend. Schliesslich sind wir nach dem Verkauf der Swiss an den deutschen Lufthansa-Konzern mit unseren sechs Flugzeugen heute die grösste echte Schweizer Fluggesellschaft.

Auch hier muss ich Sie enttäuschen. Als Bub wollte ich vieles, nur nicht Pilot werden. Seit Jahrzehnten sitze ich aber als Geschäftsmann sehr häufig in Flugzeugen. Und zwar als Passagier. Was den Service betrifft, habe ich in dieser langen Zeit sehr hohe Qualitätsunterschiede gesehen. Bei Helvetic Airways fühlte ich mich auf Anhieb wohl. Das hat mich wohl letztlich zum Kauf inspiriert. Ich spürte damals, dass diese Airline bezüglich Service und Dienstleistung viel Potential hat, allerdings zu wenig professionell geführt wird.

Ist Helvetic Airways heute eine Art Statussymbol für Sie? Nein. Das brauche ich nicht. Ich würde auch lügen, wenn ich sagte, dass mir Helvetic mehr Freude oder Genugtuung bereitet als andere substantielle Beteiligungen wie Mobilezone oder Intershop. Überall, wo ich investiere, bin ich aktiv und engagiert dabei.

Rettete Ihr Einstieg Helvetic Airways gar vor dem Konkurs? Aber eine besondere Affinität zum Reisen haben Sie schon? Das kann man wohl so sagen. Allerdings ist mein finanzielles Engagement nicht als Wohltätigkeits-Leistung zu verstehen. Es reizte mich vielmehr, aus einer verschuldeten eine profitable Gesellschaft zu machen. Ebenfalls war ich überzeugt, dass Qualität und Service in der Luft durchaus ihren Preis haben dürfen und sollen. Helvetic hatte sich in den ersten Betriebsjahren aber deutlich unter ihrem Wert verkauft.

Ich reise in der Tat sehr gerne, weil mich andere Länder, Kulturen und Menschen interessieren.

Als erfolgreicher Geschäftsmann gönnen Sie sich also auch mal einen privaten Flug. Welches sind Ihre Lieblingsdestinationen? Grundsätzlich sprechen mich sehr viele Reiseziele an. Jedes hat seinen eigenen Charme und ist auf seine Art authentisch. Sehr fasziniert haben mich in jüngster Vergangenheit mit Wales und Apulien zwei Destinationen, die wir auch mit Helvetic Airways anfliegen. Die walisische Hauptstadt Cardiff strahlt eine Mischung aus Ursprünglichkeit, Gemütlichkeit und Urbanität aus, die mich gefesselt hat. Die landschaftliche Schönheit und das mediterrane Lebensgefühl Apuliens sind ebenfalls umwerfend. Solche Erlebnisse sind für mich ein ganz wichtiger Ausgleich zum beruflichen Alltag. Auf Reisen würde ich deshalb nie verzichten.

Also polierten Sie die einstige «Günstig-Airline» zur fliegenden «Boutique» auf? Man kann uns nennen, wie man will. Fakt ist, dass wir Helvetic nicht als Konkurrenz, sondern als hochwertige Alternative zur Swiss positioniert haben. Auch bezüglich der gewählten Reiseziele gingen wir der direkten Konfrontation mit dem viel grösseren Mitwerber aus dem Weg und fokussierten auf spannende Nischendestinationen. Das hat sich bezahlt gemacht. Heute werden wir von den Kunden als selbständige Airline mit einer hervorragenden Dienstleistung und ausgewählten Reisezielen wahrgenommen.

Gehörte auch die Umbemalung der Flugzeuge vom alten Magenta auf das klassische Weiss-Rot zu diesem Strategiewechsel?

Helvetic Airways landet in Wales Im umkämpften Flugmarkt hat sich Helvetic Airways in den letzten Jahren erfolgreich auf eine Nischenstrategie spezialisiert. Als neustes Reiseziel im Rahmen dieser Ausrichtung fliegt die Airline neu viermal pro Woche (Mittwoch, Donnerstag, Freitag und Montag) die walisische Hauptstadt Cardiff an. Der Flug ab Zürich dauert rund eineinhalb Stunden. www.helvetic.com

Ja, das grelle Magenta war vielleicht als Einstieg ein gelungener Gag. Aber die Farbe erwies sich nicht als nachhaltig und förderte die Wahrnehmung der Kunden, Helvetic sei eine Low-CostGesellschaft. Das sind wir aber dezidiert nicht. Die heute klassi-

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ARCHITECTURE

Traditionelle BAUWEISEN Andere Länder, andere Sitten, andere Wohnformen, andere Bauweisen. Rund um den Globus benutzt der Mensch die BauBau materialien, die er naturgegeben vorfindet. Skandinavien besitzt viele Wälder, daher findet man hier viele Hözhäuser, in Afrika wird häufig Lehm verwendet und die Nordsee schmückt sich mit reetgedecken Dächern.

SÜDSEE

Auf Bora Bora wurden die Überwasser-Bungalows einst erfunden, aus Platzmangel an Land. Heute sind sie in fast jedem Fünf-Sterne-Resort der Südsee zu finden. Die auf Stelzen in die Lagune hineingebauten Häuser verfügen meist über eine gläserne Tischplatte durch die man beim Frühstück die bunten Korallenfische beobachten kann.

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ARCHITECTURE

AFRIKA

Lehm ist seit Jahrtausenden ein wichtiger Baustoff in Westafrika, denn er ist leicht verfügbar und gut zu verarbeiten. Ausserdem schafft Lehm ein angenehmes Raumklima, weil er Wärme speichert, Temperaturschwankungen ausgleicht und Luftfeuchtigkeit aufnimmt. Im trockenen Zustand wirkt Lehm antibakteriell und konserviert verbautes Holz. Ausser rundlichen, strohgedeckten Hütten werden auch grössere Bauten aus Lehm gemacht, wie Moscheen in Mali. Eines der imposantesten LehmBauwerke der Welt ist die Grosse Moschee im malischen Djenné.

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ARCHITECTURE

GRÖNLAND

Unter Iglu versteht man üblicherweise ein Schneehaus. Als Wohnung hat das Iglu seit den 1950er Jahren ausgedient. Bis auf wenige Ausnahmen leben die Inuit heute in Siedlungshäusern und bei winterlichen Aufenthalten auf dem Land in Holzhütten. Vermutlich hat sogar weit über die Hälfte der circa 100.000 in Kanada und Grönland lebenden Inuit noch nie in einem Iglu geschlafen, und ein Iglu kann längst nicht mehr jeder Inuk bauen. Die Inuit nutzen das Iglu heute meist als Schutzhütte, wenn sie, etwa bei einem Jagdausflug, von Wetterumstürzen überrascht werden. Dieser in der Arktis nach wie vor wichtige Zweck ist auch der Grund dafür, dass Iglubauen bis zu einem gewissen Grad auch in der Schule unterrichtet wird.

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ARCHITECTURE

SCHWEIZ

Das Chalet ist ein im Alpenraum, insbesondere in der Schweiz, verbreiteter ländlicher Haustyp. Chalets werden traditionell aus Holz gefertigt oder haben zumindest eine Holzverschalung. Typisch für das Chalet ist ein flaches Satteldach mit weitem Dachüberstand. Das Wort «Chalet» (frz.; von lat. cala, geschützter Ort) stammt aus der französischsprachigen Schweiz und bedeutete ursprünglich «Sennhütte». Der heutige Sprachgebrauch bezieht auch Ferienhäuser und -wohnungen mit ein. Im Zuge der Romantisierung des Landlebens und der Gebirgswelt im 19. Jahrhundert entwickelten besonders der europäische Adel und das Bürgertum ein wachsendes Interesse für das traditionelle Holzhaus im schweizerischen Alpenraum.

SCHWEDEN

Mit Schweden verbinden wir wunderschöne Landschaftspanoramen, grüne Tannenwälder und klare Seen – ruhige und grösstenteils unberührte Natur. Und natürlich kupferrote Holzhäuser an Waldrändern. Aus Sicht der Baubiologen ist vor allem das Holz als Baustoff hervorzuheben. Da es ein natürlicher Baustoff ist und durch seine bauphysikalischen Eigenschaften sowohl Schwankungen der Temperatur als auch der Luftfeuchtigkeit ausgleichen kann, ist es ein hervorragendes Material für ein gesundes Wohnklima.

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ARCHITECTURE

NORDSEE

Reet beziehungsweise Schilf war eines der ersten Bedachungsmaterialien der sesshaft gewordenen Menschen; dies ist vor allem auf seine Eigenschaften als Wasserpflanze und seine lokale Verfügbarkeit zurückzuführen. Die ersten Reetdächer waren einfache Eindach-Häuser. Im Mittelalter wurde aufgrund der Brandgefahr in dicht bebauten Gebieten das Reetdach in den Städten durch Hartdächer ersetzt. Auf dem Lande behielt das Reet jedoch bis in die heutige Zeit eine gewisse Bedeutung. Heute findet man es besonders an der Nordseeküste oder an der Ostsee, wo es jedoch Rohrdach genannt wird.

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KOLUMNE

«DIE BEDEUTUNG VON KATZEN BEI DER MEDITATION» von Nubya

Z

um Thema Traditionen fällt mir als Erstes eine

Einerseits denke ich, dass sie zum Erbe gehören, das unsere

schöne Geschichte ein, die ich vor einiger Zeit

Mütter und Väter und deren Mütter und Väter an uns weiter-

gelesen habe. Und die geht so: «Ein grosser

geben. Etwas, das uns meist schon aus diesem Grund etwas

Meister des Zen Buddhismus hatte eine Kat-

bedeutet und vielleicht eine Verbindung zu unserer Herkunft

ze, die er sehr liebte. Daher hatte er in den Me-

herstellt und in uns eine gewisse Vertrautheit und ein Heimat-

ditationsstunden die Katze immer bei sich. Eines Tages starb

gefühl erzeugen kann.

der Meister und sein fortgeschrittenster Schüler trat an seine Stelle. In ehrendem Angedenken an seinen verstorbenen

Wenn ich die Parallele zur Musik ziehe, gefällt mir folgen-

Meister, liess der neue Meister zu, dass die Katze weiterhin an

der Ansatz im Umgang mit traditionellem Material, der uns

den Unterrichtsstunden teilnahm. Einige Schüler der benach-

in der Jazzschule in New York bei der Arbeit mit Jazz-

barten Klöster bekamen mit, dass in einem der berühmtesten

Standards beigebracht wurde. In der Jazzmusik werden

Tempel der Region eine Katze an den Meditationen teilnahm,

oft Standards interpretiert. Das sind Lieder, die seit Jahr-

und die Geschichte sprach sich herum.

zehnten zum Grundrepertoire von Jazzinterpreten gehören und die bis heute im Jazz eine hohe Bedeutung ein-

Die Katze starb, doch die Schüler des Klosters waren so an

nehmen. Uns wurde folgende Herangehensweise an diese

ihre Anwesenheit gewöhnt, dass sie sich eine andere Katze

Songs empfohlen.

beschafften. Und auch die anderen Klöster begannen Katzen zu ihren Meditationen hinzuzuziehen. Sie glaubten, die

Wir sollten die Lieder erst genau so lernen, wie sie geschrie-

Katze sei der wahre Grund für den Ruhm des Unterrichts

ben worden waren. Note für Note, Wort für Wort. Wir wurden

des grossen Meisters gewesen und vergassen darüber,

auch regelmässig dazu ermahnt, beim ersten Durchgang des

dass der alte Meister ein hervorragender Lehrer gewesen

Liedes strikt bei der ursprünglichen Melodie zu bleiben und

war. Eine Generation später tauchten Abhandlungen über

danach erst zu zeigen, wie man es noch anders und auf eine

die Bedeutung von Katzen bei der Meditation auf. Ein Uni-

eigene Weise interpretieren kann. Damit zollt man einerseits

versitätslehrer entwickelte die von der akademischen Welt

der Komposition Respekt, andererseits ist es wichtig, in der

anerkannte These, dass Katzen die Fähigkeit besassen, die

Lage zu sein, etwas im Original zu kennen und zu können. Und

Konzentration der Menschen zu erhöhen und negative Ener-

sich danach bewusst auf neue Wege begeben. Das span-

gien zu beseitigen. Und so wurde ein Jahrhundert lang die

nendste an der Arbeit mit diesen Liedern ist, die ursprüngliche

Katze für einen wesentlichen Bestandteil des Zen Buddhis-

Form weiterzuentwickeln und zu verändern und doch zu wis-

mus in jener Region gehalten.»

sen, wie es einmal gedacht war.

Eine Geschichte wie diese zeigt, wie ein Brauch entstehen, wie

Und das, finde ich, ist auch eine schöne Art, mit Traditionen

irgendwann der ursprüngliche Grund vergessen gehen kann

umzugehen.

und das Ritual dennoch fortgeführt wird. Ja, vielleicht sogar noch einen neuen Sinn bekommt. Und bestimmt sind wir alle schon bewusst oder unbewusst mit ähnlichen Geschichten in Berührung gekommen. Doch weshalb sind uns denn Bräuche und Traditionen so wichtig?

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DESIGN

© udb studio www.udb.it

ROLF Ein K ünstler SACHS der anderen Art 80


DESIGN

Er ist der Sohn des kürzlich verstorbenen deutschen Industrie-Erben und Fotografen Gunter Sachs, wurde 1955 in Lausanne geboren und hatte drei Jahre lang eine der damals wohl betörendsten Frauen in seiner Nähe – Brigitte Bardot.

R

von Helena Ugrenovic

Was war ausschlaggebend dafür, dass sie dem BankierDasein goodbye sagten und sich ganz der Kunst widmeten?

olf Sachs ist die Art von Persönlichkeit, in deren Gegenwart man sich nicht nur wohl fühlt, sondern in den Spirit dieses Mannes eintaucht. Als Betriebswirt arbeitet er als Investmentmanager und lebt als Künstler und Designer mit seiner Familie in London. PRESTIGE traf den sympathischen Künstler am Ballantine's 12 Event in London und im «Baur au Lac» in Zürich.

Die Gene. Man fühlt sich zum Kreativen unausweichlich hingezogen. In der Jugend mit Kunst konfrontiert worden zu sein, hinterlässt natürlich auch Spuren, aber wir sind von unserer DNS gesteuert.

Haben Sie das jemals bereut? (lacht) Nein.

PRESTIGE: Ihre Kunstwerke entsprechen so gar nicht der braven Art, sondern bewegen sich ausserhalb der Normen. Sind Sie ein Rebell?

Wo sammeln Sie Ihre Ideen? Betrachten Sie einen Gegenstand, denken Sie dann «Oh, diese Seite sollte schräg sein, die Oberfläche mit Glas bedeckt und ein Bein ist zu viel»?

Rolf Sachs: (lacht) Nein, ich bin im Leben nicht rebellisch eher Individualist, was Design betrifft ein Nonkonformist immer mit dem Gedanken vor Augen, das Neue zu schaffen. Dinge eben, die sich nicht in die Kommerzschiene pressen lassen, sondern frische, noch nicht da gewesene Gedanken umzusetzen.

Designausstellungen lassen mich eher kalt, ich bin oft enttäuscht, weil die Dinge zu oft so seelenlos sind, oder üppig, unnötig dekoriert oder stilisiert. Meine Stücke sind meist konzeptionell – aus diesem Grund spielen oberflächlich dekorative Aspekte eher eine geringere Rolle.

Es gibt Kunstkenner und solche, die konzentriert an einer Ausstellung ihre Runden drehen und über ein Bild oder ein Kunstwerk «fachsimpeln». Kann man Kunst beurteilen oder liegt deren Schönheit im Auge des Betrachters?

Was denken Sie, warum erschaffen Künstler – weil sie für sich selber etwas erschaffen und das mit anderen Menschen teilen wollen, oder verleiht Kunst Unsterblichkeit? Beides ist der Fall. Die Kreativität ist die Triebfeder des Künstlers, «er kann gar nicht anders». Manche wollen mit ihrer Schöpferkraft raus, weil sie den Drang spüren, manche machen es des Geldes wegen und wieder andere für ihren Platz in der Ewigkeit, aber die letzteren sind hoffentlich sekundär.

Kunst ist genau gleich wie andere Wissenschaften. Die Frage stellt sich hier, wie sehr man sich mit der Materie beschäftigt. Das ist so ähnlich, wie über ein literarisches Buch zu urteilen, eine neue Erfindung, ein Auto oder ein Uhrwerk. Man muss sich in diesem Fachgebiet auskennen. Natürlich ist Kunst keine klare Wissenschaft wie zum Beispiel die Physik.

Wäre die Welt eine bessere Welt, bestünde sie aus Künstlern? (lacht) Sie wäre abenteuerlich, es wäre eine «Bohemian World», es gäbe sehr wenig Regeln und eine Anarchie könnte sich hochschaukeln. Am Ende braucht es alle verschiedenen Begabungen, um existieren zu können. Gäbe es das Gute nicht, gäbe es kein Böses, es braucht alle Faktoren.

Die Akzeptanz der Kunst beziehungsweise des Künstlers ist anfangs auch von seinen Agenten oder Galeristen abhängig, aber langfristig wird sich Qualität durchsetzen. Am Ende sollte jeder für sich selbst urteilen, ob ihn das Stück berührt. Das Urteil kann sich oft im Laufe der Zeit ändern. Kunst will Emotionen wecken und jeder empfindet es auf seine eigene Art.

Unterliegen Künstler Trends? Beziehungsweise – ähneln sich die Kreationen wie zum Beispiel in der Modebranche, wo alles irgendwie gleich scheint? Heutzutage ist man sehr trendfrei. Früher war alles sehr zeitgeprägt, nehmen Sie die Renaissance, den Barock oder das Art déco. Heute spürt man die Dominanz eines Stils, verglichen mit anderen Jahrhunderten oder den 20er Jahren, wenig. Natürlich gibt es gewisse Trendrichtungen, aber diese sind nicht mehr so ausgeprägt.

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Ein smart als Designerstück – der smart fortwo sprinkle by Rolf Sachs


DESIGN

Speziell hier in der Schweiz klassifiziert man die Menschen sehr gerne und sehr oft in Künstlertyp oder Manager, kaufmännischer Kopf. Es fällt dem Grossteil der schweizerischen Gesellschaft schwer zu begreifen, dass ein Mensch beides gerne und gut macht. Wie ist das bei Ihnen? Stossen Sie auf Widerstand? Ich bin ein Betriebswirt und meine Spezialfächer in der Schule waren Mathematik und Physik, wie auch die bildlich kreativen Fächer. Mit Sicherheit wäre ich ein miserabler Buchhalter, aber ich bin ein kreativer Finanzmann. Das hat mich interessiert und es war eine freiwillige Pflicht!! Mathematik ist der Kunst nicht so fern, der Musik wahrscheinlich näher als dem Bildlichen. Ich beschäftige mich mit Finanzfragen, bin aber auf meine Kunst konzentriert. Mir fehlt leider oft die Zeit. Hätte ich Kunst studiert, hätte ich selbstverständlich mehr erschaffen können, ich hätte meine Kreativität früher gefasst beziehungsweise formuliert. Im Prinzip ist es eine einfache Rechnung – alles muss erarbeitet werden, sei dies mit den Händen oder dem Kopf. Von nichts kommt nichts, das ist so im Leben.

Sind Sie eher ein kreativer Geschäftsmann? Arbeiten und entscheiden Sie im Finanzsektor eher aus dem Bauch heraus, intuitiver und individueller als viele Ihrer Berufskollegen, die strikt nach Zahlen und Bilanzen, Börsenkursen und PowerPoint-Präsentationen agieren? (lacht) Das Finanzgeschäft ist nur in seltenen Fällen eine Sache des Bauches, darüber könnte man sicherlich diskutieren, doch ich arbeite auch mit Power-Point-Präsentationen oder Excelblättern, das gehört natürlich immer dazu, die Analyse ist ein Kernstück des Finanzgeschäfts, dort sollte die Kreativität dem Rationalen Platz machen, in der Implementierung sieht es teils anders aus.

Müssten Sie sich zwischen Kunst und Finanzen entscheiden...? (wie aus der Pistole geschossen) Kunst!

Denken Sie, dass immer mehr Gesetze und Verbote das Leben der Menschen beschneiden sowie einengen, und beeinflussen diese Geschehnisse auch die Kreativität? Wir haben heute eine wesentlich bessere und tolerantere Welt, die wesentlich liberaler ist als noch vor 50 Jahren. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es eine stärker ausgeprägte oder sichtbare Klassenordnung, Katholiken sprachen nicht mit Protestanten, die politische Einstellung war sehr extrem, die Kluft zwischen Arm und Reich war auffallender. Jetzt ist die Welt offen. Natürlich haben wir Probleme, natürlich ereignen sich Katastrophen und natürlich entstehen riesige, nicht immer positive, Bewegungen. Früher lebten in Syrien ausschliesslich Christen, Istanbul hatte 6.000 Klöster. Die Wandlungen in der Geschichte sind gross. Ich denke, wir haben heute die bessere Welt. Der technische und medizinische Fortschritt ist immens, mit der Technik ist alles viel transparenter im wahrsten Sinne «aufgeklärter». Fragen kann man sich, ob wir mit dieser schnellen Welt und der Fülle an Information glücklicher sind!

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DESIGN

Ballantine's 12 Event in der Netty Horn Gallery in London.

Oscar Wilde sagte einmal «Die klimatischen Bedingungen in der Hölle sind sicherlich unerfreulich, aber die Gesellschaft dort wäre von Interesse.» Was sagen Sie?

«DIE KREATIVITÄT IST DIE TRIEBFEDER DES KÜNSTLERS»

(lacht) Es ist eine Gratwanderung zwischen dem Konformen und dem Rebellischen, zwischen Treue und Verführung, die eine Welt ist aufregender und bunter, dafür auch risikoreicher und mit mehr Höhen und Tiefen verbunden, jeder Mensch muss seinen Weg finden, sein inneres «Ich» um am besten zu leben.

Rolf Sachs

Kennen Sie den Film «Black List» mit Jack Nicholson und Morgan Freeman sowie einer Liste mit Dingen, welche die beiden noch erleben wollen? Ballantine's 1827 eröffnete George Ballantine mit nur 19 Jahren ein Lebensmittelgeschäft in Edinburgh, an das eine Wein- und Spirituosenhandlung angeschlossen war. 1837 verlegte Ballantine sein Geschäft in die prestigeträchtige Gegend von South Bridge nahe der Princess Street von Edinburgh und experimentierte mit dem Mischen von Malt- und Grain-Whisky verschiedenen Alters, um ein leichteres und verfeinertes Produkt zu erhalten. So entstand schliesslich ein gleich bleibender Blended-Scotch-Whisky-Charakter.

Es gibt viele Dinge, noch sehr viele, (lacht). Ich würde noch sehr viel kreieren, auch würde ich gerne einmal einem öffentlichen Gebäude oder einem Hotel eine Seele geben. Ach, und ansonsten wäre meine Liste riesenlang, x Sprachen noch zu lernen, viel zu lesen, ich habe einen wahnsinnigen Wissenshunger, ich bin passioniert und neugierig, somit gibt es noch unendlich viele Wünsche, aller Art!

Warum mögen Sie den Ballantine's 12 Whisky? Früher war ich ein Whisky-Trinker, heute bin ich ein Whisky-Möger. Ich finde den Ballantine's 12 gut, weich, mit einem Quäntchen Karamell in der Tiefe. Ich trinke Whisky normalerweise mit Soda, den 12er könnte ich auch pur geniessen. Die Cocktails am Ballantine's 12 Event waren alle ausgezeichnet und der Ballantine's 12 verleiht einem Cocktail eine spezielle Note, er ersetzt quasi den Rum. Ja, der Ballantine's 12 wird auch Frauen gefallen.

Ab 1881 exportierte das Unternehmen George Ballantine & Son Ltd. den gleichnamigen Whisky weltweit. Als George starb, führten die Söhne sein Werk fort und erhielten als höchste Auszeichnung die Ernennung zum Hoflieferanten (Royal Warrant) von Königin Victoria. Das Ansehen von Ballantine's erreichte 1937 seinen Höhepunkt in der Zuerkennung eines Wappens durch den Lord Lyon King of Arms von Schottland. Heute wird der Blended Scotch von Chivas Brothers Ltd., UK, hergestellt.

Herr Sachs, ich bedanke mich ganz herzlich für dieses ausführliche und sympathische Gespräch. (lacht) Sehr gerne doch. Jetzt geht es nach Istanbul. Ich entfliehe sozusagen dem königlichen Hochzeitswahnsinn in London.

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NEWS

DESIGN

News

Neue Design-Ikonen im Sesselbereich Hjellegjerde präsentiert mit «Lobster» und «Shelley» zwei neue Designikonen. Die beiden Sessel repräsentieren eine neue vielversprechende Formensprache für den klassischen Lounge Bereich. Sie sind wunderschön, bequem und in Bezug auf Material und Verarbeitung ist nur das Beste gut genug. Die Sessel bestehen aus einer laminierten Muschel in Buchenholz, belegt mit einem echten Walnuss oder Eichen-Furnier. Für die Polsterung wird der «Pantera» – Schaumstoff verwendet. Die Sessel und der Hocker sind mit Paris Passion Leder bezogen. Die Farben sind Paris Passion Black, Paris Passion dark brown und Paris Passion Sand. Lobster und Shelley werden im Auftrag von Hjellegjerde in Dänemark produziert. Es werden nur die besten Materialien von dänischen Zulieferer verwendet. www.hjellegjerde.de

Limitierte Edition dem ersten Raumfahrer gewidmet Am 12. April 1961 kreiste Juri Gagarin in weniger als zwei Stunden einmal ganz um die Erde, startete die Eroberung des Weltraums und damit eine völlig neue Epoche. Caran d'Ache feiert dieses fünfzigjährige Jubiläum mit der wertvollen limitierten Edition «YuriGagarin». Mit zwei Versionen ehrt das Unternehmen diese Persönlichkeit wie auch Russland als Ganzes. Die Gedenkedition bezieht sich auf dieses historische Jahr und umfasst deshalb je 1961 versilbert rhodinierte Füllfederhalter und Roller. Die Jubiläumsedition repräsentiert die 50 Jahre seit diesem Ereignis mit je 50 goldplattierten Füllfederhaltern und Rollern. Auf dem Kappenclip sitzt ein schwarzer Diamant. Dieser symbolisiert die Tiefe des Weltalls und den Glanz der Sterne. Auf ihrem Schaft findet man das berühmte Zitat Gagarins: «Ich flog mit dem Raumschiff um die Erde und sah, wie schön unser Planet ist. Brüder, bewahren und verherrlichen wir diese Schönheit, anstatt sie zu zerstören!» www.carandache.ch

«ICH BIN FROH, DASS ICH MEINEN STIL NOCH NICHT GEFUNDEN HABE, ICH WÜRDE MICH ZU TODE LANGWEILEN.» Edgar Degas, 1834-1917

Die Kunst des Bades neu definiert… Nach einem anstrengenden Tag ist ein Bad genau das richtige, um sich zu entspannen. Wenn diese Badewanne am richtigen Ort steht, die Wände durch schöne Keramik geschmückt wird, das Ambiente stimmt und ein paar Kerzen leuchten, wird daraus ein Quell der Kraft, des Wohlgefühls und echter Lebensqualität.

ILLUMINARTIS – Eine Schweizer Manufaktur macht Licht Die «Licht Manufaktur» Illuminartis beweist mit ihrem ersten Leuchtenmodell Sinn für hochwertiges Lichtdesign. Die Pendelleuchte «Rhombus» vereint Qualität, Ästhetik und Handwerkskunst. Der Leuchtenkörper ist aus einem Stück Aluminium gefräst, von Hand geschliffen und eloxiert und mit langlebigen LEDs ausgestattet. Die einfache Bedienung der Leuchte bietet zusätzlichen Komfort. Die Pendelleuchte «Rhombus» ist ein dezenter Blickfang in jedem Raum. Ihre schlichte Eleganz spiegelt handwerkliche Präzision, Manufakturqualität und viel Liebe zum Detail wieder. Die Leuchte besteht aus einem 124 cm langen Aluminiumkörper mit rhomben-förmigen Aussparungen, der in aufwändiger Handarbeit geschliffen und eloxiert wird. Auf dessen Aussenseite sind 48 Leuchtdioden (LEDs) angebracht, die hinter einem speziell entwickelten Diffusor aus hochwertigem Kunststoff Räume mit einem warmweissen und angenehmen Licht erfüllen.

Vorbei sind die Zeiten, wo möglichst viel Praktisches in ein möglichst kleines Bad gequetscht wurde. Heute werden Bäder grosszügiger konzipiert. In den meisten Fällen richten Sanitärinstallateure die Bäder ein. Diese Handwerker besitzen ein ausserordentliches Wissen über die richtige Installation, den richtigen Wasserablauf etc., aber nur Wenige von ihnen sind Ästheten. Die Folgen sind: komplett ausgerüstete Bäder, aber das Aussehen und der Stil bleiben dabei auf der Strecke. Die Arte Bagno Design AG hat sich mit eben diesen Herausforderungen befasst. Die Mitarbeiter nehmen als erstes die Bedürfnisse der Kunden auf und entwickeln Lösungen, die genau diese Wünsche berücksichtigen, aber auch den ästhetischen Ansprüchen gerecht werden. Vereinbaren Sie einen Termin und besuchen Sie die Ausstellung der Arte Bagno Design AG in Zug. So werden Sie kompetent beraten und Ihre Anliegen sind in guten Händen. www.artebagno.ch

Bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart wurde das Leuchtenmodell mit dem «Good-DesignAward 2008» des «The Chicago Athenaeum: Museum of Architecture and Design» ausgezeichnet. 2010 folgte eine Nominierung für den Designpreis Deutschland. Demnächst wird die «Rhombus»-Familie um eine 176 cm lange Version der Pendelleuchte sowie um eine Stehleuchte ergänzt, weitere Kollektionen sind in Planung. www.illuminartis.ch Laufen Keramik - Alessi One

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INSPIRIERTES DESIGN. BEGEISTERNDE LEISTUNG. DER NEUE ASTON MARTIN VIRAGE Selbstbewusst, aber nicht aggressiv – der elegante Virage strahlt Anmut, Stil und ein typisch britisches „Understatement“ aus. Saubere, fließende Linien verkörpern den Inbegriff der Designphilosophie von Aston Martin, während das unglaubliche Potenzial eines völlig von Hand gefertigten Zwölfzylinders eine Leistung entfaltet, die sowohl kraftvoll als auch unverfälscht ist. Der Virage ist eine betörende Mischung aus Design, Technik und Tempo – die perfekte Wahl für den anspruchsvollen Fahrer, der Komfort verlangt und zugleich echte Dynamik wünscht.

Emil Frey AG Aston Martin Zürich Badenerstrasse 600 8048 Zürich 044 495 25 15 www.astonmartin-zuerich.ch

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DESIGN

Rückbesinnung AUF ALTBEWÄHRTES Die diesjährige Ausgabe der Baselworld, der weltgrössten und auch wichtigsten Branchenmesse für Uhren und Schmuck, stand voll im Zeichen der Rückbesinnung auf die bewährten Werte, die schon in der Vergangenheit den Erfolg mancher Marke begründete und dies nach der Krise wie einen Neuanfang markieren sollte.

F

von Alexander Triebold

ür den Anfang und das Ende werden im Griechischen jeweils die Buchstaben Alpha und Omega verwendet und so soll es doch kein Zufall sein, dass die gleichnamige Uhrenmarke OMEGA auch nach dem Hinschied von Nicolas G. Hayek den erwähnten Neuanfang vorlebt. Angetrieben von RekordUmsätzen präsentiert OMEGA die Hour Vision Blue in klassischem Edelstahlgehäuse, mit einem Automatikwerk mit CoAxial-Hemmung (COSC-zertifiziert).

Die ebenfalls zur Swatch Group gehö gehön gleichen rende Longines verfolgt den y-Four Trend, indem sie die Twenty-Four obusHours ebenfalls durch ein robusd die tes Stahlgehäuse schützt und m «Belle Méchanique» mit einem Automatikwerk vergangene Zeiten aufleben lässt: Der transparente Boden birgt die Gravur «Re-edition of a Longines navigation watch exclusively made for Swisss navigators 1953–1956».

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DESIGN

Leicht abgehoben positioniert sich die BREGUET Manufaktur mit ihrer Type 21, ebenfalls ein Chronograph, mit spezifischer Rückstellungsmöglichkeit im Flug.

ROLEX, die berühmte Marke mit der Krone, zeigte dieses Jahr die relancierte Explorer leicht vergrössert. Die für Sammler begehrte Uhr mit Stahlschale kommt damit dem Durchmesser der Milgauss um einiges näher.

BLANCPAIN zeigte dieses Jahr eine Retrospektive ihres Flagschiffes, der berühmten Fifty-Fathoms, welche in den 40er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zum grossen Bekanntheitsgrad von BLANCPAIN beitrug. Und sämtliche FiftyFathoms Modelle auch an der Messe zu besichtigen waren. Zur bestehenden Linie hinzugekommen ist nun der Fifty-Fathoms Chronograph Flyback (Ref.5085-1130-71) in Edelstahlgehäuse und Automatik-Kaliber F185 mit Stahlband.

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DESIGN

Mit der Erweiterung des Breitling for Bentley-Concepts ist ein weiterer Name hinzugestossen: Barnato – zurückgehend auf Woolf Barnato, einer jener legendären Bentley Boys, der 1928, 1929 und 1930 die berühmten 24 Stunden von Le Mans gewann und auch in Goodwood seine Spuren hinterlassen hat. Barnato, längst in die Automobilgeschichte eingegangen, wird nun auch mit Breitling weitergeführt: Zwei Chronographen, an denen man die Felgen des Bentley Continental GT oder das Dashbord wiedererkennt. Der Zeitmesser wird von einem Armband aus Leder, Kroko, Kautschuk oder vom besonders robusten und komfortablen Metallband Speed getragen.

HUBLOT gilt sicher nicht mehr als klassischer Zeitmesser und nimmt in der Welt der Uhren schon alleine deshalb eine Sonderstellung ein. Ein Gehäuse, Zifferblatt und Zeiger in gleicher Farbe bewirken schlicht die Unlesbarkeit der Zeit, so dass der Kontrast entfällt und gibt dem Betrachter Rätsel auf: Wie wichtig ist das Zeitablesen auf einer Uhr? In dieser Rolle gefällt sich HUBLOT als Objekt mistérieux (Vision all Black) neben den grossen Marken der Uhrenindustrie. Die Monocréation HUBLOT hat sich längst im internationalen Uhrenmarkt behauptet. Heute gilt HUBLOT als Uhr für Leute, welche schon etliche Zeitmesser ihr Eigen nennen können. Dies nicht zuletzt dank Jean Claude Biver, der die Uhrenmarke dank geschicktem Marketing weltweit an die Topposition gebracht hat.

TUDOR, einst die kleine Schwester von ROLEX, erarbeitet sich seit Jahren den eigenen Weg punkto Design und Kreation. Lange Zeit als günstigere Marke von ROLEX angepriesen, verabschiedet sich die Genfer Marke von diesem Image und forciert mit der Lancierung des Heritage Chronographen den eingeschlagenen Kurs. Basierend auf dem Vorbild von 1970 und ausgerüstet mit einem markanten Zifferblatt unter fast trapezförmigem Zeigerspiel, präsentiert sich der Heritage Chronograph als eigenständig. Selbstredend steht der relativ hohe Anschaffungspreis in der Kritik, und es bleibt abzuwarten, ob sich diese Uhr ihren Platz in den Sammlerregalen erobern wird.

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DESIGN

«WOHLSTAND IST, WENN DIE MENSCHEN MEHR UHREN HABEN ALS ZEIT.» Werner Mitsch, (1936-2009) deutscher Aphoristiker

Zeitgleich mit der der Basel World wurde bekannt, dass LVMH die italienische renommierte Firma BULGARI übernommen hat. Berühmt durch zahlreiche Filme und dem Geschäft an der Via Condotti in Rom hat LVMH neben TAG HEUER und ZENITH eine weitere grosse Marke an Bord geholt, welche seit der Eröffnung ihrer eigenen Manufaktur im Vallée de Joux eine beachtliche Eigenständigkeit erlangte. Die aus dem Hause BULGARI gezeigte Octo-Bi Retro WATCH, ebenfalls mit automatischem Aufzug (GG7722) vollzieht die springende Stunde, rückspringende Minute – und Datumsanzeige. Entwickelt und hergestellt wurde die Uhr in Le Sentier und trägt auf dem Zifferblatt den Namen des bekannten Créateurs Gerald Genta, dem Erfinder der Royal Oak von Audemars Piguet.

CORUM, einst mit dem Beinamen Rhis & Bannwart in La-Chaux-de-Fonds geführt, bereichert ihre Sport-Kollektion mit einer Admirals Cup, einem Chronographen, dem auch wassersportliche Tiefgänge bis zu 300 Metern nichts anhaben können. Diese aus Titan T5 gefertigte Uhr beherbergt ein werkeigenes Automatikwerk mit COSC-Zertifikat.

Die ebenfalls der Grossfamilie LVMH angehörende ZENITH lancierte unlängst eine Kollektion, welche im guten Sinne wieder an die alten Zeiten erinnert und die Experimentaljahre hinter sich lässt. Auch dort darf sich der eine oder andere Uhrensammler an zukünftigen Komplikationen erfreuen.

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«AUCH EINE STEHENGEBLIEBENE UHR KANN NOCH ZWEIMAL AM TAG DIE RICHTIGE ZEIT ANZEIGEN; ES KOMMT NUR DARAUF AN, DASS MAN IM RICHTIGEN AUGENBLICK HINSCHAUT.» Alfred Polgar, (1873-1955) österreichischer Schriftsteller

TAG HEUER vollzieht dieses Jahr den Wandel vom klassischen Automobilrennsport zur eher sportlicher Eleganz und wartet mit einem Chronographen der aussergewöhnlichen Art auf: Ein Mikrograph stoppt die Zeit in Hundertstelsekunden. Ein aussergewöhliches Feature, welches das 150-jährige Jubiläum der Leidenschaft Automobil würdig auf den Punkt bringt.

Mit Spannung und quasi auch als Highlight erwartete man auch die Neupräsentationen von PATEK-PHILIPPE, welche ihre Calatrava-Linie um eine quantième Annuel (Ref 5208P) erweiterten. Aber auch den Damenwünschen wurde und wird auch Rechnung getragen: Einzelne Modelle werden nach Aussage der Geschäftsleitung in Zukunft auch mit mechanischem Werk erhältlich sein und es bestätigt den Trend, dass die heutige Damenwelt vermehrt mechanische Uhren wünscht und offenbar entgegen der herkömmlichen Auffassung der Mechanik offen und interessiert gegenübersteht.

Im Bereich der klassischen Uhren steht der Trend zu mehr flacheren Modellen, denen sich auch der Schaffhauser Hersteller Henry Moser & Cie angenommen hat. In ihren Salons schräg gegenüber dem Messegebäude, im Ramada- Plaza, wird stilvoll die «Monard» präsentiert. Eine schlichte Herrenuhr mit Handaufzug und 7-Tage-Gangreserve. Wie hier Mechanik präzis ihren Dienst verrichtet, wird dem zukünftigen Besitzer glücklicherweise nicht verborgen: Ein Glasboden eröffnet den Blick in den Mikrokosmos der Uhr.

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DESIGN

Oris aus dem Baselbiet, eigentlich eine der wenigen deutschsprachigen Uhrenfabriken in der Jurabergkette, offenbart mit ihrer PS eine Uhr, die doch manchen Schweizer Hunter-Affficionado in Verzückung versetzen muss. Um den verbliebenen Patrouille Swiss Hunter der Schweizer Luftwaffe, einst Paradepferd der Patrouille Suisse, weiterhin zu sichern, entschloss sich die Uhrenfabrik ORIS, drei passende Zeitmessgeräte zu entwickeln. Diese Uhren sollten helfen die Kampagne zu unterstützen und den einstigen Jäger flugfähig zu halten. Allesamt sind die Uhren mit einem automatischen Uhrwerk und auch dem Schweizerkreuz ausgestattet.

Die Manufaktur Perrelet, eingegliedert in die MHVJ (Manufacture horlogere de la vallee de joux), präsentiert an diesjährigen Basel World eine Mondphasenuhr mit automatischem Aufzug (P-211), welche bis zu 100 Jahre ohne manuelle Korrektur ununterbrochen läuft – dieser Zeitmesser ist nicht nur das ideale Erbstück für kommende Generationen sondern darf auch zeitgenöschische Besitzer mit Stolz erfüllen.

Für Liebhaber eines schlichten, aber eher zukonfstorientierten Designs steht bei RADO der r5.5 xxl Chronograph an prominenter Stelle und erinnert mit den abgerundeten Ecken eher an ein Fernsehgerät aus den 50iger Jahren. Um diese doch althergebrachte Form in einem zeitgenössischen Licht erscheinen zu lassen, bedarf es eingehender Designstudien, welche die Farbenwahl und ein übergrosses Chronographenwerk mit Quarzantrieb und dem Werkstoff Keramik in ein harmonische Einheit zusammführen.

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KOLUMNE

FRÜHLINGSTRADITIONEN von Vera Dillier

E

s ist eine von vielen schönen Traditionen, dass an Ostern Freunde und Verwandte einander grosse Schokoladenhasen, Nougateier, Osterkuchen und andere Köstlichkeiten schenken. Fängt man an, davon zu naschen, kann man kaum aufhören, bis alles weggeputzt ist und einem Nougat und Schokolade zu den Ohren heraushängen. Das lässt die vom Winter mit seinen üppigen Essen mit Fondue und Raclette schon lädierte Figur noch vollends auseinander gehen.

ters mal von einer masslosen Fresslust überfallen, sodass sie dann noch halb im Schlaf zum Kühlschrank wandert und somit alle Efforts des Tages wieder sabotiert. Barbara, die gross und schlank war, hat leider auch über den Winter eine Kleidergrösse zugelegt. In ihren Bemühungen, ihr Traumgewicht wiederzuerlangen, versucht sie es zuhause mit drakonisch reduzierten Kalorien und Wunderpillen – ein fast schon masochistisches Unterfangen, wenn man tagtäglich für eine Familie mit hungrigen Teenagern kochen muss. Der Wille, vom feinen Essen nichts in den eigenen Mund abzuzweigen, verlangt die Disziplin eines Elitesoldaten.

Früher veranstaltete die gepflegte Hausfrau alljährlich nach Ostern einen riesigen Frühjahrsputz, wo Hund, Katze und Ehemann das Haus jeweils fluchtartig verlassen mussten, denn keiner kam ungewaschen davon.

Da bin ich leider auch nicht stärker. Zuhause – umgeben von Kühlschrank und Einladungen sowie Partys mit Cüpli und Häppchen – ist der Kampf gegen Kalorien fast aussichtslos. So ist es für mich seit vielen Jahren schon zur «liebgewonnenen» Tradition geworden, dass ich im Frühjahr zur Kur fahre, um meinen Winterspeck loszuwerden, damit ich rechtzeitig zum Sommeranfang wieder ins Bikini passe. Fasten und viel Sport in einem stressfreien Sanatorium sind für mich der wahre Jungbrunnen.

Heutzutage findet der Frühjahrsputz meistens nur noch im Kleiderschrank statt. Bikinis und Sommerkleider vom letzten Jahr werden anprobiert, um zu sehen, was noch passt. Die überschüssigen Pfunde und die winterweisse Haut geben da nicht selten ein überaus unerfreuliches Bild ab. Und so kriegen viele Frauen in der Situation beinahe einen Nervenzusammenbruch. Es muss Abhilfe geschaffen werden! Mir und meinen Freundinnen ging es diesen Frühling mal wieder so: Alle hatten das Gefühl, 3 bis 4 Kilos und mehr wegbringen zu müssen. Dabei hat jede ihre eigene Methode:

Da an solchen Orten meist viele ältere Damen und Herren kuren –, fühle ich mich dort wie ein Teenager. Beflügelt von diesem Gefühl ziehe ich das ganze Fitness-Programm des Hauses durch mit Wirbelsäulen-Training, Stretching, Wassergymnastik, Power-Plate, Schwimmen, Nordic Walking bis hin zu Velofahren und Inline-Skaten. Vor lauter TrainingsStress bringt man den Tag im Nu herum und hat keine Zeit mehr, ans Essen zu denken. Gelegentlich hat es dort auch sehr prominente Zeitgenossen aus Wirtschaft und Showbiz, denen man ansieht, dass sie die Tradition der Kuraufenthalte auch pflegen.

Marina ging zu einer Ernährungsberaterin. Diese erklärte ihr kategorisch, dass sie ab sofort keine Nachtschattengewächse wie z.B. Auberginen mehr essen solle, weil das nicht zu ihrem Typ passen würde. Auch die restlichen Ratschläge der Beraterin haben bis jetzt nichts gebracht, die überschüssigen Pfunde hängen immer noch an ihr herum. Zurzeit versucht sie es mit Ferien am Meer – leider in einem Land mit kalorienreicher Küche. Ob das was bringen wird?

Nun, danach sind meine drei Kilos brav weg. Wieder zuhause, werde ich es während einiger Wochen mit wenig Essen und viel Sport schaffen, mein Gewicht zu halten. Wenn im Herbst aber die ersten Nebelschwaden aufziehen und die grossen Feste und Premieren wieder kommen, ist es meist vorbei mit der Disziplin.

Viktoria ist überzeugt, dass sie mit Training die Kilos loskriegen werde. Sie geht brav dreimal pro Woche ins Fitness-Studio, wo sie mit einem «Personal Trainer» trainiert. Mit diesem Training und ein paar Spaziergängen mit ihrem putzigen Hündchen um den Sankt Moritzer See hofft sie, das gewünschte Ziel erreichen zu können. Tagsüber isst sie wenig und teilt es auch noch mit ihrem Vierbeiner; nachts jedoch werde sie öf-

Aber was solls? Im nächsten Frühjahr fahre ich wieder zu meiner traditionellen Kur.

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ART OF FASHION

«FREE TIME» Das Ferragamo-Credo ian cLuo Berti n elli Er wurde am 25. September 1956 in Rom geboren. Nach seinem Studium der Demographie und Statistik an der Sapienza Universität in Rom begann er für Bulgari S.p.A. zu arbeiten. Seit 2002 ist er CEO bei Salvatore Ferragamo Parfums. Im April 2009 wurde er Präsident der Academia del Profumo. Die Academia del Profumo wurde 1990 gegründet und dient dem Zweck, Düfte, ihre Historie, ihre Kultur, ihre Kunst und ihre soziale Bedeutung bekannt zu machen. Mitglied kann dort werden, wer Mitglied von Unipro (Kosmetik-Verband) ist.

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ART OF FASHION

Auch die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2011 ist unverwec hselbar edel und lässig zugleih.c Di e hni Sc tte si nd loc k er und dabei sehr elegant und stilvoll. Di e Stoffe si nd fli essend und li egen kühl auf der Haut. Es gibt ei ne grosse Auswahl an Sakkos und Mäntel sowi e ges hma ckcvolle Hosen, di e perfekt für ei nen eleganten Look si nd. Für den Freizeit-Look gibt es aber hau c vi ele bequeme Pullover und kurze Hosen.

A

begann die Firma auch Mode für Damen und Herren zu entwickeln. Später kamen dann noch Accessoires und Düfte dazu. Das Unternehmen wird bis heute von der Familie Ferragamo in Florenz geführt. Passend zur Sommer-Herren-Kollektion hat die eigene ParfumDivision Ferragamos einen neuen Duft entwickelt. Er entspricht mit seinem Namen und seiner angenehmen Frische exakt der Symbolik der jüngsten Ferragamo Men-Linie: «Free Time». Zusammen mit Leonardo Ferragamo, dem Inhaber der berühmten Nautor’s Swan-Firma, lancierte Ferragamo seinen neuen Herrenduft in Portofino und das Motto war gleichzeitig der Name: «Free Time». Wir trafen den CEO der Parfum-Division Ferragamos, Luciano Bertinelli, zum Exklusiv-Interview:

von Valeska Jansen

llgemein ist die neue Ferragamo-Kollektion stark an der Mode der 30er Jahre, mit einem Hauch der 60er, orientiert. Die Farben bleiben meist hell und dezent. Es gibt sehr viele Weiss- und Beigetöne, die die Linie sommerlich und anspruchsvoll wirken lässt. Um die Kollektion etwas auf-zupeppen, entschieden sich die Designer von Ferragamo für einige Stücke in strahlendem Indigoblau.

Seit wann arbeiten Sie für Salvatore Ferragamo? Luciano Bertinelli: Ich habe dort 2002 begonnen. Vorher war ich 10 Jahre bei Bulgari und während dieser Zeit kam es zu einem Joint Venture zwischen den Duft-Departments von Bulgari und Salvatore Ferragamo. Irgendwann hat die FerragamoFamilie dann beschlossen, die Düfte in ihr Haus nach Florenz zu holen, und da haben sie mich gefragt, ob ich mitkomme. Sie wollten eine eigene Duft-Division eröffnen und baten mich dabei um Unterstützung.

Salvatore Ferragamo Italia S.p.A. – die Marke Das Label Ferragamo wurde bereits 1927 vom italienischen Designer und Schuhmacher Salvatore Ferragamo in Florenz gegründet. Berühmt wurde er allerdings vorher in den USA als Schuhdesigner der Stars. Nach Salvatore Ferragamos Tod 1960

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Inwieweit sind Sie denn in der Duftentwicklung involviert?

Er hat seine eigene Firma, aber nichtsdestotrotz trägt er den Namen Ferragamo. Und der neue Duft «Free Time» passt einfach perfekt zum Segelboot-Business. Segeln bedeutet ja Freizeit, Unabhängigkeit, die Weite des Meeres, Sonne. Mit seiner LuxusFirma und natürlich dem Familiennamen passt er einfach perfekt in das neue Duftkonzept und das haben wir genutzt.

Von Anfang bis Ende. Es ist zwar immer auch eine Teamarbeit, aber unsere Division ist wirklich absolut separiert vom Mutterhaus und wir sind sehr unabhängig. Was die Entwicklung angeht, sind wir zu 95 Prozent frei in unseren Entscheidungen und was die Distribution angeht, sogar zu 100 Prozent.

Gibt es einen Inhaltsstoff, der Ihrer Meinung nach niemals in einem Herrenduft fehlen darf?

Wie stark ist denn der Einfluss der Fashion-Kollektion von Ferragamo in der Duftentwicklung?

Wenn ich wollte, könnte ich jetzt irgendeine Marketingstory dazu erzählen. Aber ganz ehrlich, es gibt keinen, den ich da hervorheben könnte. Die Auswahl ist so riesig, und natürlich gibt es ein paar wichtige Punkte, die immer berücksichtigt werden müssen. Man kann zum Beispiel keine Bulgarische Rose in einen Herrenduft integrieren, aber man kann immer Tabac, Pfeffer oder Vetiver integrieren. Es gibt aber keinen Inhaltsstoff, der in einen Herrenduft muss.

Natürlich muss es da eine Verbindung geben. Wir greifen immer ein paar Schlüsselelemente der Kollektion auf. Vor allem Details, die Italien und das Made in Italy symbolisieren. Die zeitlose Eleganz der Ferragamo-Mode spielt auch eine sehr grosse Rolle.

Wie kam es eigentlich zur Zusammenarbeit mit Leonardo Ferragamo und seiner Segelboot-Firma Nautor‘s Swan?

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Haben Sie eigentlich einen Lieblingsparfümeur, den Sie mit Ihren Duftentwicklungen beauftragen?

© ROLEX/Carlo Borlenghi

Nein. Um ehrlich zu sein arbeiten wir immer mit den grössten Duftentwicklungshäusern zusammen. So wie Firmenich, Givaudan oder auch Porsche. Dort gibt es die besten Duft-Nasen. Wir machen es nicht wie Hermès, die immer mit einer ganz bestimmten Nase zusammenarbeiten. Wir wechseln.

Ihr nächstes Duftprojekt? Attimo Man soll im September dieses Jahres lanciert werden. Es ist alles fertig. Sogar ein wunderbares Testimonial ist bereits gefunden: Alessandro Gassman. Er ist in Italien ein sehr berühmter Schauspieler.

Und 2012? Oh, da haben wir bereits ein tolles Projekt. Ein ganz besonderes, naja für mich ist eigentlich jedes Projekt wie ein eigenes Kind, aber dieses Projekt ist wirklich das Beste, das wir jemals realisiert haben. Es ist ein Damenduft, ein sehr junger Duft, sehr luxuriös. Mehr erfahren Sie dann im März 2012.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben? Ich bin absolut offen. Ich bin sehr kommunikativ. Und ich bin sicher ein sehr pragmatischer Mensch. Ausserdem bin ich sehr ethisch, ich versuche es zumindest.

Ihr Erfolgsrezept? Step by step. Niemals aufgeben. Beständigkeit, Tag für Tag und Jahr für Jahr, von mir aus über zehn Jahre lang.

Sehen Sie ein Ende der Wirtschaftskrise? Also nach der Katastrophe in Japan sieht alles wieder anders aus. Vorher hätte ich gesagt, bis Ende 2011. Trotzdem bin ich der Meinung, dass ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Es gibt Länder, die boomen momentan einfach unglaublich. Nehmen wir zum Beispiel China oder noch besser Brasilien. Europa ist dagegen stehen geblieben. Wir sind alle zu satt. Europa wächst nicht mehr, und wir müssen dafür sorgen, dass wir den Standard wenigstens halten können. Es ist zwar immer noch wichtig, dass Europa wächst, aber dieser Kontinent ist einfach zu alt und zu fett. Uns fehlt der Hunger, der Hunger nach Fortschritt. Den haben zum Beispiel die Chinesen. Aber auch Osteuropa, die wollen noch alles erreichen und tun dafür auch alles. Man könnte diese Menschen fast schon aggressiv nennen. Sie haben noch diesen Biss, der bei uns verloren gegangen ist.

Leonardo Ferragamo ist einer von drei Söhnen Salvatore Ferragamos. Seit 1998 gehört ihm die Luxus Segel Yacht Firma Nautor‘s Swan in Finnland. Nautor stellt in Finnland die legendären Swan-Yachten her. Leonardo ist begeisterter Segler und gehörte sogar zum italienischen Olympiakader. Er segelt noch immer viele Regatten mit und verbringt auch seine Freizeit am liebsten auf einem seiner sieben Swans. Er ist Präsident der berühmten Ferragamo Lungarno Hotelgruppe und besitzt auch eigene Immobilienunternehmen. Ausserdem ist er Ehrenmitglied beim italienischen Verband der Hersteller von Luxusgütern Altagamma. Als Direktor von Salvatore Ferragamo S.p.A. ist er vor allem für die finanziellen Geschicke des Familienunternehmens zuständig.

Herzlichen Dank für Ihre offenen Antworten!

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MODE IM

Wandel

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Mode ist der beste Spiegel gesellschaftlicher Entwicklung und befindet sich analog zu Gesellschaft und Kultur in einem stetigen Wandel.

K von Yvonne Beck

leider machen Leute. Stimmt! Doch im Laufe der Jahrzehnte ändern sich Schnitte, Farben und Formen der getragenen Stücke. Zudem ist Mode ein abstrakter Begriff, den jeder für sich selber definiert. Wenn man sich heute Bilder aus den 70er oder 80er Jahren ansieht, fragt man sich, wie man so etwas auch nur ansatzweise schön finden konnte.

Von der Schnelllebigkeit der Mode Im Mittelalter war es üblich, dass verschiedene soziale Klassen auch verschiedene Kleidung trugen, um sie voneinander zu unterscheiden. So trugen die Adligen edle Roben, die ärmeren Leute hingegen einfache und dunkle Kleidung. Man konnte den Menschen also an der Kleidung ansehen, welchem Stand sie angehörten. Heute gibt es keine Vorschriften mehr, was man tragen soll. Mode ist also toleranter geworden und immer schnelllebiger. Es gibt immer mehr innovative Modedesigner, die sich auf dem Modemarkt etablieren. Früher waren es hauptsächlich Designergrössen wie Dior oder Coco Chanel, von denen die Trends entworfen und bestimmt wurden. Diese Modeikonen sind auch heute noch auf den berühmten Laufstegen dieser Welt präsent, aber gerade im Bereich der jungen Mode setzen sich Modelabel wie «Ed Hardy» oder «Abercrombie fitch» stark durch. Die Mode des 21. Jahrhunderts erinnert stark an die WoodstockZeiten – sie ist schrill, ausgeflippt und farbenfroh. Aber nicht jeder ist offen dafür, stets dem neusten Modetrend nachzueifern und diesen mitzumachen. Von den neuen Trends lassen sich hauptsächlich junge Leute schnell inspirieren.

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«DER MODE ENTKOMMT MAN NICHT. DENN AUCH WENN MODE AUS DER MODE KOMMT, IST DAS SCHON WIEDER MODE.» Karl Lagerfeld (*1938), dt. Modeschöpfer

Vom Korsett zum Grunge Jede Zeitepoche wurde bisher von neuen Kleidungsstilen geprägt. Während im 19. Jahrhundert noch das steife Korsett die Damengarderobe dominierte, wurden im Zuge der Frauenbewegungen auch immer mehr Stimmen nach einer liberaleren Mode für Frauen laut. Der Designer Paul Poiret verzichtete in seiner Mode erstmals auf Korsette und galt damit als äusserst revolutionär. Nach dem Ersten Weltkrieg bekam er harte Konkurrenz von Coco Chanel, die mit ihrer absolut neuartigen, funktionellen und provokanten Kleidung die Modewelt wie kaum jemand sonst prägen sollte. Sie kreierte erstmals Röcke, die knapp unter dem Knie endeten und damals als absolut skandalös galten. Nach dem Zweiten Weltkrieg dominierte der New Look, der als Gegenbewegung zur Materialknappheit und den Entbehrungen der Kriegszeit besonders weibliche, elegante und eher alltagsuntaugliche Schnitte propagierte. Modelle, die in der Taille eng waren und die Büste betonten.

Der führende Designer des New Looks war Christian Dior. Auch in den 60er Jahren hatten politische und gesellschaftliche Entwicklungen wie Wirtschaftswunder, sexuelle Revolution und Pop-ArtBewegung einen grossen Einfluss auf die Mode. Als prägendste Erfindung dieser Zeit kann sicher der von Mary Quant kreierte Minirock bezeichnet werden. Die damals als äusserst provokant geltende Rocklänge ist inzwischen aus der heutigen Mode nicht mehr wegzudenken. 1969 fand schliesslich das berühmte Woodstock-Festival statt, das wohl entscheidenden Einfluss auf den Hippie- und Folklore-Look der 70er hatte. Die «Flowerpower-Zeit» war die Zeit der weiten Kleider, der Miniröcke, Schlaghosen und Plateauschuhe. Auch die Punk-Bewegung prägte in dieser Zeit die Modewelt sehr stark. In den 80er Jahren waren OversizeShirts, Schulterpolster und Kleidung in Neonfarben der Trendsetter schlechthin.

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«DER MAXIROCK MUSSTE KOMMEN, WEIL SICH AUF DEM KURZEN ABSCHNITT ZWISCHEN SCHULTER UND SCHENKEL NICHT MEHR VIEL MODE ABSPIELEN KONNTE.» Cathérine Deneuve (*1943), frz. Filmschauspielerin

Die Musik spielte in diesen Epochen eine grosse Rolle bezüglich Modestil. Was in den 50er der Rock’n’Roll, den 80ern der Rap und Hip Hop war, setzte sich in den 90ern mit Technomusik fort. Bekannte Modedesigner aus den 90ern wie Jean Paul Gaultier oder Dolce & Gabanna liessen sich hiervon beeinflussen. Die Mode der 90er wurde von einer Vielzahl grosser Designernamen wie Jean-Paul Gaultier und Vivienne Westwood geprägt. Auch Musik spielte hier eine entscheidende Rolle: Während wie bereits erwähnt in den 80ern vor allem Hip Hop und Rap Einfluss auf Mode und Kleidung hatten, dominierte in den 90ern weitestgehend Techno und Grunge.

Kleidungsstil ist jedoch, dass der Mensch, der drinsteckt, sich wohl fühlt und sich damit identifizieren kann. Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Jeder sollte sich nach Lust und Laune und seinem persönlichen Befinden kleiden. Bei jedem neuen Modetrend ist sicherlich das ein oder andere Kleidungsstück dabei, mit dem man sich gerne auf den Strassen zeigt. Spannend bleibt die Frage, wie die Mode sich wohl in Zukunft entwickeln wird. Wer sich sehnsüchtig an den einen oder anderen Trend zurückerinnert, der kann wohl mit nicht allzu schlechten Chancen auf ein Revival hoffen. Denn wie die aktuelle Retrowelle zeigt, sind die Trends der vergangenen Mode nur in seltenen Fällen für immer passé! Man kann es also als Fakt ansehen, dass jeder Modestil irgendwann wieder zurückkehrt. Wer hätte es für möglich gehalten, dass irgendwann mal wieder Leggins, neonfarbene Shirts oder Jacken mit Schulterpolstern Bestandteil des Kleiderschrankes sein werden. Denn zur Ideenschöpfung für neue Kollektionen schauen sich Designer vieles aus den vergangenen Jahrzehnten ab.

Doch nicht alle Kleidungsstücke unterliegen dem Verfall des Trends, es gibt auch immer wieder Ausnahmen. Hierzu gehören unter anderem die Jeans oder das «kleine Schwarze» für den Abend. Von Jahr zu Jahr ist zwar immer mal ein anderer Schnitt der Jeans im Trend, aber die Jeans ist in Sachen Mode ein Dauerbrenner über Jahrzehnte hinweg. Das Entscheidende am

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«FRAUEN UNTERWERFEN SICH WILLIG DER MODE, DENN SIE WISSEN, DASS DIE VERPACKUNG WECHSELN MUSS, WENN DER INHALT INTERESSANT BLEIBEN SOLL.» Noel Coward (1899-1973), engl. Dramatiker u. Schauspieler

Lass den Rock fliegen… Anfang der 1950er Jahre setzte sich die Mode der Petticoats durch. Diese bestanden aus versteiften Nylon- und PerlonStoffen, die als Unterrock unter dem eigentlichen Rock getragen wurden. Dieser hing dann nicht schlaff herab. Die ganze Rock’n’ Roll-Ära ist durch diese Mode geprägt. In der modernen Zeit bringen Künstler wie Gwen Stefani den Petticoat wieder zurück ins Rampenlicht. Bereits im 16. Jahrhundert waren Petticoats als formende Unterstützung von weiten Röcken weit verbreitet. 1947 entwarf der französische Modeschöpfer Christian Dior die Ligne Corolle («Blütenkelchlinie»), die die Mode der 50er und frühen 60er Jahre stark beeinflusste. In dieser Dekade bestimmten weich abfallende Schultern, runde Hüften und extrem schmale Taillen das Bild der Damenmode. Das zu offiziellen Anlässen getragene taillierte Kostüm wurde je nach Saison entweder mit einem engen oder einem durch einen Petticoat gestützten weiten Rock getragen. Ab 1954 wurde der Petticoat durch das Aufkommen des Rock’n’Roll-Tanzes erneut populär, für dessen Bewegungsabläufe diese Mode gut geeignet schien. Seine Bedeutung kulminierte angesichts der ansonsten sehr prüden Kleidungskonventionen in dem 1958 aufkommenden Streit, ob Petticoats länger als die Überbekleidung und damit öffentlich sichtbar sein dürften. Er blieb auch während der den Rock’n’ Roll ablösenden Twist-Phase populär und verschwand ab 1966 mit dem Aufkommen der Minirock-Mode.

Wandel des Frauenbilds Als Model auf dem Laufsteg würde Marilyn Monroe heute vermutlich ausgepfiffen. Zu rund! Zu fett! Die knochige, androgyne Frau ist das Schönheitsidol der Jahrtausendwende. Obwohl meistens früher galt: «dick ist schick» – und das über viele Jahrtausende hinweg. Erst im 20. Jahrhundert ändert sich das Schönheitsideal grundlegend: Was bis dahin das Korsett geleistet hat, muss nun am Körper selbst abgespeckt werden. So waren die 60er Jahre mit Marilyn Monroe oder Liz Taylor zunächst das Zeitalter der Frauen mit den langen Beinen, schmaler Taille und grossem Busen – bis schliesslich das Model Twiggy auf der Bildfläche erschien. Diese knabenhafte, magersüchtige Frau passte in die Zeit der gesellschaftlichen Umwälzung und des Feminismus: Weibliche, mütterliche Formen waren in der Studentenbewegung und der Zeit der Kinderlosigkeit nicht modern. Ab den 80er Jahren sollte frau zwar nach wie vor eine schmale Taille und Hüfte besitzen, doch die Oberweite durfte wieder grösser sein. Ein Startschuss nicht nur für Aerobic, Fitness und Diäten, sondern auch für die plastische Chirurgie.

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Oh là là

Teil 2

EINE AUTOVERRÜCKTE FAMILIE

Im englischen Regen vor dem Marble Arch.

W

Text und Fotos: Familie Dönni

ir entschieden uns für die westliche Autobahn Richtung Calais, um noch die sehenswerte Kathedrale in Beauvais zu besuchen und die letzten Kilometer vor der Querung des Kanals dem Meer entlang zu fahren. Die Formalitäten am Channel Tunnel entbehrten der Langwierigkeiten von Englandreisen früherer Jahre, und so kostete uns die ganze Unterquerung netto kaum mehr als eine halbe Stunde; wenn man den Zeitunterschied mit einberechnet. Das Fahren auf der linken Seite bietet keine Probleme, wird man doch nach dem Ausladen aus dem Zug direkt auf die Autobahn geleitet, wo man gleich ein gutes Gefühl fürs Linksfahren bekommt. Schon bei der Fahrt ins Zentrum von London begreift man die schiere Grösse dieser Stadt im Vergleich zu Paris. Die unbändige Energie und die Hektik sind immer wieder atemberaubend. Die Autobahn wird von der richtungsgetrennten Strasse zur Hauptstrasse und dann zur Zubringerstrasse, der Verkehr ist dicht, aber respektvoll, und immer wieder werden Fenster runtergekurbelt, um uns für unseren klassischen Wagen zu loben.

Vom Verkehrschaos im Süden Frankreichs merkten wir auf unserer Fahrt nach Paris überhaupt nichts. Weil sich offensichtlich alle Autos im Süden stauen, hatten wir freie Fahrt in die Ille de France und auch die Fahrt ins Zentrum von Paris war erfreulich flüssig. Nach zwei wunderschönen Nächten im Plaza Athénée machten wir uns auf, zum zweiten Teil der Grand Tour mit dem klassischen Jaguar über den Kanal ins lebhafte London.

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St. Pauls Cathedral, 500 Stufen bis zur Aussichtsplattform.

Im Zentrum angekommen, lockert sich der Verkehr. Wir sind nun innerhalb der kostenpflichtigen Congestion Zone. Die Formalitäten kümmern uns aber nicht, hat sich das Hotel doch schon im Voraus um unsere Fahrbewilligung bemüht. Am Hide Park angekommen, ist es nur noch ein Katzensprung zum Dorchester Hotel. Was für ein Gewusel vor dem berühmten Hotel und was für ein eindrücklicher Wagenpark! Entschuldigend wird uns aus dem Wagen geholfen, Sylvester Stallone werde in den nächsten Minuten zur Premiere seines neuen Films fahren, daher die vielen Fans und Fotografen.

Nun konnten wir unser Zimmer begutachten. Es ist eingerichtet, wie man sich die Inneneinrichtung eines englischen Landschlösschens vorstellt. Die Wände sind mit edlen Holzkassetten verkleidet, die Badewanne sei noch original und die tiefste in London! Tiefflorige Teppiche, Ölbilder in imposanten Rahmen und natürlich ein «four poster bed». Bevor wir uns ins gemütliche Bett fallen liessen, genossen wir noch ein asiatisches Nachtessen im angesagten Restaurant China Tang im Untergeschoss des «Dorchester», welches ganz im Stile von Shanghai in den Zwanziger Jahren dekoriert ist. Man sagt, es gibt hier das beste Dim Sum von London.

Wir flüchten in unsere Suite, von der wir das Schauspiel in Ruhe geniessen, leider können wir von oben keinen Blick auf den berühmten Schauspieler erhaschen. Aber unser alter Jaguar XK erzählte uns am nächsten Tag stolz, dass ihm Stallone einen besonders aufmerksamen Blick zugeworfen hätte, als er zwischen den modernen Boliden wie Bugatti Veyron und Pagani Zonda geparkt war.

Am nächsten Morgen, nach einer guten Nacht ruhigen Schlafes und einem Frühstück in der berühmten Halle, machten wir uns auf, London zu erforschen. Von einem der allgegenwärtigen Taxis liessen wir uns zur St. Pauls Cathedral fahren. Wir waren früh genug, dass wir diese eindrückliche Kathedrale ohne allzu viele Touristen besichtigen konnten, und als sportlichen Höhepunkt

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Ein «Must»: Die Vorbeifahrt am Buckingham Palace.

bezwangen wir die über 500 Treppenstufen zur Aussichtsplattform auf der Kuppel. Es lohnt sich, mindestens die Stufen bis zur Flüsterkuppel zu erklimmen, die Akustik ist beeindruckend. Zur Stärkung kehrten wir im nahe liegenden Kaffeehaus Pauls ein. Obwohl zu einer Kette gehörend, sind die Sandwiches und Backwaren von überzeugender Qualität und Vielfalt. Danach überquerten wir zu Fuss die Brücke über die Themse, um die Tate Modern Galerie zu besuchen. Ein eindrückliches Museum, in einem alten Kraftwerk einquartiert. Was uns diesmal besonders faszinierte, war die Installation der Schweizer Fischli/Weiss. Wie viel Liebe, Energie und handwerkliches Können ist doch in die Kopierung alltäglicher Gegenstände geflossen, die am Schluss zu einem Gesamtkunstwerk zusammengefügt wurden. Trotz, oder gerade wegen ihrer Unscheinbarkeit und Fragilität wird die Installation dauernd von einer Wärterin bewacht.

fen sollte. Dafür konnten wir uns in den Food Halls am vielfältigen Angebot ergötzen. In Paris verpassten wir den Besuch des Stammhauses der Konditorei von Laduré, das holten wir nun im neu eröffneten Restaurant im Harrods mit einem Lunch nach. Leider blieb uns keine Zeit, den exklusiven Spa-Bereich des Hotels zu geniessen, denn wir wollten dem legendären Ace Café an der North Circular Road unseren Besuch abstatten, gab es doch ausgerechnet an diesem Abend das bekannte Classic-Car-Treffen. Mühsam quälten wir uns durch den Feierabendverkehr. Als regelmässige Auflockerung wurden wir immer wieder von anderen Verkehrsteilnehmern angesprochen auf unseren XK. Am Ziel angekommen, war der Vorplatz des Pubs dann nicht so gross wie erwartet und unser Wagen blieb den ganzen Abend das älteste Fahrzeug. Das Essen war gut und einfach, wie man es von einem englischen Pub erwartet, die Atmosphäre rau, aber herzlich. Am nächsten Morgen hiess es schon wieder Abschied nehmen von unserem traumhaften Hotel. Auch hier verzichteten wir schweren Herzens auf ein Dreisterne-Mahl von Alain Ducasse aus Rücksicht auf unseren kleinen Sohn.

Eigentlich wollten wir anschliessend an den Duck Tours teilnehmen, einer Fahrt mit einem 2.-Weltkrieg-Amphibienfahrzeug auf der Themse und auf der Strasse. Leider war sie ausgebucht. Und so driftete unser kulturbeflissenes Programm Richtung Harrods, einer englischen Institution. Einkaufen, was das Herz begehrt! Leider bot unser klassischer Jaguar kaum Platz für grosses Shopping und so sollte sich später herausstellen, dass sogar die James Bond Kollektion (n.b.22 DVD) grössere Probleme aufwer-

Gerne hätten wir noch das neue Hotel der Dorchester Collection, das «Coworth Park» in Ascot kennen gelernt und vor allem das «45 Park Lane», der neuste Zuwachs im Dorchester-Portfolio. Nur ein paar Schritte entfernt vom «The Dorchester» im Herzen von

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Good Bye, Dorchester

Londons Mayfair, besticht dieses Hotel mit 46 Zimmern und Suiten, welches im Spätsommer 2011 eröffnet, mit seinem Ausblick auf den Hyde Park. Im Gegensatz zu dem ganz im englischen Stil eingerichteten «The Dorchester» wurde das «45 Park Lane» vom berühmten Thierry Despont im Art-déco-Stil gebaut.

ten Zug befahren durften. Da wir zwei Stunden später als erwartet in Frankreich ankamen, modifizierten wir unser Programm dermassen, dass wir den alten Rundkurs bei Reims besuchten, um noch einige schöne Bilder vor dem restaurierten Gemäuer im Abendlicht knipsen zu können. Danach meldete sich langsam der Hunger und die Müdigkeit, so dass wir uns entschlossen, im malerischen, altbewährten Michelin-zwei-Sterne-Restaurant und Hotel Les Crahyères zu übernachten. Der Park innerhalb der berühmtesten Champagnerkellereien ist alleine eine Reise wert und die Hotelzimmer oder auch das kleine Gästehäuschen sind charmant.

Routiniert packten wir unseren klassischen Roadster, um mit Schrecken festzustellen, dass für die DVD-Sammlung einfach kein Platz war. Zugleich wurde uns vor Augen geführt, wie man das Platzproblem auch lösen kann: Nebenan wurde ein Lieferwagen mit Gepäck und getätigten Einkäufen gefüllt.

Da am folgenden Tag nur noch rund 500 Kilometer Luftlinie Wegstrecke in die Schweiz vor uns lagen, liessen wir es über die einsamen Landstrassen fliegen. Erst nach 180 Kilometern Fahrt gen Süden entdeckten wir den letzten Wegweiser, der uns auf die gerade durchfahrene Champagne hinwies. Als Mittagessen improvisierten wir ein Picknick mit Produkten aus der Region, eingekauft in einem profanen Supermarché, die nichtsdestotrotz an Qualität kaum zu überbieten waren. Pünktlich zum Feierabend erreichten wir wohlbehalten unsere Ausgangsbasis in Roggliswil.

Nun war eine rasche Rückfahrt in die Schweiz vorgesehen. CalaisBasel in sechs Stunden mit einem Tankstopp, diese Zeit wurde schon einmal von uns um einige Minuten unterboten. Aber ein altes Sprichwort heisst: Wer eine Reise tut, der hat was zu erzählen, und so hatten wir auf der Autobahn zum Channel Tunnel kaum Zeit, das schnell komischer werdende Fahrverhalten unseres alten Donnervogels zu besprechen. Fazit: Plattfuss hinten links, wir mussten einen Nothalt einlegen. Routiniert leerten wir den eng gepackten Kofferraum und unter den gestrengen Augen einer netten Polizistin beobachtete die Familie vom sicheren Strassenbord aus den Radwechsel auf der stark befahrenen Autobahn. Brutto 20 Minuten verloren und so auch den gebuchten Zug verpasst, was hiess, dass wir den übernächs-

Fazit: Unsere Tour war etwas sportlich geplant, jeweils drei ganze Tage in den Metropolen wären beschaulicher gewesen und idealerweise hätte die Reise gleich zwei Wochen dauern können.

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Eine kleine Geschichte ABARTH

«WIR SIND HIER IN ITALIEN, DER HEIMAT VON KUNST UND ELEGANZ. WIR LIEBEN SCHÖNE DINGE.» Ein Abarth’scher Leitsatz

Karl Abarth (1965)

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Text und Fotos: Fiat Groupe Automobiles Switzerland SA

Die Geschichte von Abarth liesse sich wohl am besten erzählen, während man mit rund 200 km/h eine Start-Ziel-Gerade hinunter «heizt». Auf der Rennstrecke, wo die Leidenschaft für Motoren, Geschwindigkeit und Rennen so sehr spürbar ist, dass sie jeden mit sich reisst.

ie Geschichte von Karl Abarth, der am 15. November 1908 in Wien geboren wurde, ist eine Erfolgsgeschichte des Rennsports und Rennwagendesigns. Schon als Kind interessiert sich Abarth beim Spielen vor allem für die Welt der Motoren – eine Leidenschaft, zu der sich das Talent und der Sinn für echte Innovationen gesellten. Die Suche nach dem Unterschied, der unbändige Ehrgeiz, die Konkurrenz zu übertrumpfen, wurde zum Lebensinhalt einer der schillerndsten und auch erfolgreichsten Persönlichkeiten in der Geschichte des Automobils.

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1000 Abarth Rennen, Monza 1966 Fiat Abarth 750 Bertone Karosserie, Monza 1956

1946 machte Karl Abarth die Bekanntschaft von Piero Dusio, dem Begründer des «Consorzio Industriale Sportivo Italia», besser bekannt als Rennwagenmarke Cisitalia. Dusio erwarb 1947 einige Patente von Ing. Ferdinand Porsche, unter anderem an einem Rennwagenprojekt. Abarth wurde Sportdirektor des jungen Unternehmens, das in der kurzen Zeit seines Bestehens die aufregendsten und schönsten Sportwagen dieser von Knappheit und Verzicht geprägten Jahre herstellte.

Delano Roosevelt Jr., Sohn des gleichnamigen amerikanischen Präsidenten, fand Abarth einen seiner grössten Bewunderer. Dies führte dazu, dass sich Roosevelt um ein exklusives Vertriebsrecht der Abarths in den USA bemühte, welches 1958 feierlich unterzeichnet wurde.

Zusammenarbeit mit Fiat Die Geburt der Firma Abarth&C. im Jahre 1949 war der Enttäuschung über den Konkurs des viel versprechenden Unternehmens Cisitalia geschuldet. Doch gerade diese Erfahrung, die Abarth als Angestellter erlebte, half ihm, eine neue Seite an sich selbst zu entdecken: seine Fähigkeiten als Unternehmer und Ideenlieferant für die Industrie.

Vom 13. bis 20. Februar 1958 legte ein Fiat nuova 500 in Serienkarosserie und mit Abarth-Technik unglaubliche 18.186,44 Kilometer in Monza zurück. Mit einer Verdichtung von 10,5:1 und hemisphärischen Brennräumen leistete der Motor 26 PS bei 5.000 U/min. und machte den «Zwerg Rase» 120 km/h schnell. Dies war nicht zuletzt auch für Fiat selbst unbezahlbare Publicity.

Das Jahrzehnt des Umbruchs

Als die Verkäufe des Fiat 500 durch diese ihm so plötzlich verliehene sportliche Note und die damit verbundene Wahrnehmung als «ernsthaftes» Auto anzogen, schien die Zeit für den FiatVorstand reif, den Mann hinter diesen Wundertaten persönlich kennen zu lernen. So kam es zu einem Treffen zwischen Karl Abarth, Fiat Präsident Professor Vittorio Valletta und dem FiatSpitzenmanagement.

Die goldenen Fünfziger Jahre brachten Abarth eine Flut an Siegen und Rekorden. In jenem Jahrzehnt expandierten Unternehmen und Zahl der Arbeiter stieg, die Verkäufe der Auspuffanlagen erreichten immer neue Rekorde. Bereits im Jahr 1951 zeichnete sich ab, dass das erfolgreiche Engagement Abarths im Rennsport ein wahres Sprungbrett für die Bekanntheit des Firmennamens sein würde. Das erste Abarth-Strassenmodell, der 205A, wurde am 5. April 1951 beim 33. Turiner Automobilsalon feierlich enthüllt. Der Wagen glänzte durch hervorragende handwerkliche Details und einen liebevoll verarbeiteten Innenraum, für den exklusive Werkstoffe verwendet wurden. Der Karossier Alfredo Vignale hatte ganze Arbeit geleistet, denn das eigentliche Highlight am 205A war seine flache, gestreckte und dennoch unnachahmlich elegante Karosserie mit grossen Zusatzscheinwerfern und schlanken Stossfängerenden. Der 205A gewann noch im gleichen Jahr fünf Concours d’Elégance und war im Inneren dennoch ein reiner Rennwagen.

Fiat Abarth 500 auf der Strecke in Monza (1958)

In den Jahren 1955 bis 1958 erreichte die Marke Abarth für viele den Gipfel der Popularität. Der kleine, ungemein flinke Abarth 750 erntete weltweit grosses Aufsehen. In Franklin

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TECHNOLOGY

Fiat Abarth '500 Record'

Es wird überliefert, dass das Meeting von amikaler Atmosphäre geprägt war, und am Ende kam man überein, dass Fiat der Firma Abarth für jeden Sieg oder Rekord, den Abarth irgendwo auf der Welt mit einem Fiat Abarth erringen sollte, eine festgelegte Geldsumme überweisen wird.

Zusammenarbeit mit Alfa Romeo und Lancia

Der 500 Abarth

Heute weniger bekannt, kam es 1954 zu einer Zusammenarbeit mit zwei anderen grossen italienischen Herstellern. Karl Abarth beschäftigte sich in diesem Jahr intensiv mit dem neuesten Modell im Hause Alfa Romeo, dem luxuriösen 1900 Super. Er entwickelte hierfür einen Plattformrahmen aus Stahlprofilen, und der Alfa-Vierzylinder wurde mit zwei Doppel-Horizontalvergasern und einer auf 8,5:1 erhöhten Verdichtung versehen. Der Motor leistete hierdurch 135 PS, mit einem Gewicht von nur 890 kg kam der Wagen mühelos auf 200 km/h Spitze.

Zwei Jahre nach dem grossen Wurf des Fiat 600 landete der Turiner Konzern mit der Markteinführung des nuova 500 einen erneuten Erfolg. Neben dem Fiat 600 trug der nuova 500 am meisten zur Massenmotorisierung unserer italienischen Nachbarn bei. Die geniale Heckmotorkonstruktion des grossen Meisters Dante Giacosa glänzte durch geniale Einfachheit und niedrig gehaltene Produktionskosten. Am Turiner Salon 1957 debütierten die ersten beiden 500 mit Sonderkarosserien. Die beiden Coupés, eines von Zagato und eines von Pininfarina eingekleidet, wurden mit diesem Abarth-Aggregat befeuert.

Der Karossier Ghia hatte sich beim Design wiederum selbst übertroffen, die aufwändig zweifarbig lackierte Karosserie duckte sich auf nur 1,18m Höhe. Von hinten glänzte der Abarth Alfa Romeo 2000 durch ein aggressives Fastback, welches wiederum in zwei scharfkantigen Finnen endete. Im selben Jahr nahm sich Karl Abarth auch den Lancia Aurelia vor – damals der Inbegriff eines luxuriösen Gran Tourismo. Bei dieser formvollendeten Linie beschränkte man sich auf motorische Eingriffe, diese waren jedoch vom Feinsten. Nach Erhöhung der Verdichtung, Überarbeitung des Einlasskrümmers und Einsatz von vier Weber Fallstromvergasern leistete der V6 des Aurelia GT nun 138 statt 112 PS – ein für damalige Verhältnisse sagenhafter Wert.

Im Jahr 1958 ging der Fiat Abarth 500 in Serie, der dem ungeduldigen Publikum diese erhoffte Leistungsspritze für den im Absatz schwächelnden nuova 500 brachte. Die Öffentlichkeit hatte eine sehr hohe Erwartungshaltung und wurde nicht enttäuscht. Der 500 mit Abarth-Leistungskur dominierte alsbald die kleinen Klassen vieler Rennserien.

Der Abschied Der Name Abarth war Anfang der Siebziger Jahre eine feste Grösse, nicht nur unter Autokennern, sondern in der breiten Öffentlichkeit. Das Image des Unternehmens war eine gelungene Spiegelung der Persönlichkeit Karl Abarths. Unglücklicherweise, und das obwohl nach wie vor monatlich zahlreiche Triumphe eingefahren wurden, waren die Kosten für die Rennsportaktivitäten in Zeiten immer dichterer Konkurrenz explodiert. Das Management von Abarth&C. war jedoch dem Rennsport verpflichtet, und so entschloss sich Karl Abarth, seine Firma an den Fiat-Konzern zu veräussern, um auf diese Weise den Fortbestand des Rennstalls zu sichern. Die Siegesserie des Fiat 131 Rally waren die letzten Triumphe, die Karl Abarth auskosten konnte. Gewohnt zu siegen, konnte auch er nicht das Rad der Zeit anhalten. Nach schwerer Krankheit schloss Karl Abarth am 23. Oktober 1979 für immer seine Augen. Er ging unter dem Zeichen des Skorpions, demselben, unter dem er geboren wurde. www.abarth.ch

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TECHNOLOGY

Blaues

WUNDER Mehr Power, weniger Gewicht. Mit diesem Rezept hat der Aston Martin Vantage S alle Zutaten, um auch auf der Rennstrecke eine gute Figur zu machen. PRESTIGE durfte den hübschen Briten auf der anspruchsvollen Ascari-Rennstrecke testen.

W

Text und Fotos: Stephan Gubler

enn es ein irdisches Paradies für Rennfahrer gäbe, sähe es so aus wie das Ascari Race Resort. Die vom holländischen Multimillionär Klass Zwart gebaute Rennstrecke wurde im andalusischen Ronda perfekt in die Natur eingebettet. Rundherum Wiesen, Wälder und ein Clubhaus mit Swimming-Pool. Wünscht man sich noch mehr? Klar, ein passendes Fahrzeug, um die laut Fernando Alonso «anspruchsvollste Rennstrecke der Welt» kennenzulernen. Fast jede Kurve ist ein Nachbau der berühmtesten Rennstrecken der Welt (Nordschleife, Brands Hatch, Bathurst, Spa und Silverstone). Also wie wärs mit einem Aston Martin? Der neue Vantage S bietet sich förmlich an für den paradiesischen Tag im sonnigen Spanien. Zugegeben, der sportliche V8 kommt für unseren Geschmack etwas zu früh nach der Leichtbauversion N420. Mit mehr Leistung und verbesserter Technik kannibalisiert er den mit Nordschleifen-Genen versehenen Strassenrenner schon etwas. Im Vergleich zum «normalen» Modell wartet der S mit vielen Verbesserungen auf. Natürlich sind diese der britischen Schönheit kaum anzusehen. Zum Glück! Denn die Karosserie sieht so schnörkellos schön aus, dass jede Veränderung eine Verschlimmbesserung darstellen könnte. Darum hat der Schönheitschirurg ein rennsportorientiertes Gesicht mit Karbon-Lippen geschaffen. Grösser sind die Eingriffe unter dem hübschen Blechkleid. Das halbautomatische Sportshift-II-Getriebe schaltet rund 20 Prozent schneller als beim Vorgänger und dank sieben Gängen sportlicher. Neue Federn und Dämpfer, breitere Hinterräder und speziell für den Vantage S entwickelte Bridgestone-Gummis sorgen für ein merklich agileres Handling.

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TECHNOLOGY

Fahrvergnügen Die Morgensonne lacht uns entgegen, als wir endlich den Helm anziehen und uns ins kleine, aber feine Cockpit einfädeln dürfen. Der Zufall will es, dass Chefinstruktor Simon gerade bei PRESTIGE ins Auto steigt und dem Tester vom Beifahrersitz keine Atempause gönnt.

Durchlass inklusive geänderter Steuerung für das Einlasssystem sorgt für Hühnerhaut. Marvelous! Was fehlt am neuen Vantage S? Diesem sportlichen Baby-Aston stünde ein noch sportlicheres Interieur mit weniger Gewicht, dafür mehr Alcantara und Karbon sehr gut. Doch das ist Jammern auf sehr hohem Niveau. Schliesslich fahren die meisten Besitzer auf öffentlichen Strassen und nicht auf Rennstrecken herum.

«Du bremst immer zu spät! Man merkt, dass Du Rennkart fährst…», muss ich mir anhören. Simon hat Recht. Auch ein sportliches Strassenfahrzeug wiegt eben über 1,5 Tonnen und somit 1,4 Tonnen mehr als mein Trainingsgefährt. Der Vantage S kann nur richtig schnell bewegt werden, wenn der Fahrer sehr feinfühlig mit ihm umgeht. Zu hart bremsen macht ihn instabil, zu brüsk einlenken ebenso. Wie gut und effizient die elektronischen Fahrhilfen einsetzen, wird beim Karussell klar. Der Blick aufs Display zeigt, dass die ebenfalls neue, dynamische Stabilitätskontrolle bereits am Regeln ist. Wohlgemerkt ohne, dass wir etwas davon gemerkt hätten. Ohne Fahrhilfe hätten wir jetzt eine schöne Pirouette gedreht. Runde für Runde wächst das Vertrauen in das Fahrzeug und das eigene Können. Nach der Mittagspause und zu Herzennehmen von Simons Kritik gelingen die schönsten Runden. Fahrer, Fahrzeug und Rennstrecke verschmelzen zu einer harmonischen Einheit. Und dann dieser Sound! Ein neuer Auspuff mit mehr

Wie immer, wenn wir Abschied von einem Testfahrzeug nehmen müssen, nehmen wir einen letzten Augenschein. Die neue blaumetallic-Lackierung sieht bei jedem Licht betörend aus. Etwas frecher als es die Kunden beim Ordern mögen. Aber passend zum aufmüpfigen neuen Familienmitglied, welches sich im AstonRudel mit seinen Fahrleistungen und seinem animalischen Röhren schnell Respekt verschaffen wird.

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TECHNOLOGY

CROCODILE

Rock

Reizvoll, raffiniert, reinrassig oder rennstreckentauglich. Für all dies könnte das R stehen, welches ab sofort für den sportlichsten Cayman steht. Hält das R, was es verspricht? PRESTIGE ging in Mallorca auf Tuchfühlung mit dem Alligatoren.

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TECHNOLOGY

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Text und Fotos: Stephan Gubler

chtung Porsche-911er-Zunft! Jetzt gibts Konkurrenz aus der eigenen Familie. Und zwar von einem kleinen grünen Krokodil. Der neuste Cayman hat an Bissigkeit zugenommen. Der Grund: eine Abmagerungskur und Bodybuilding. Statt Autoradio und Navi gibts nur noch eine Ablage. Türtaschen sind ganz weg und Getränkehalter optional. Den Metallhebel zum Öffnen der Tür sucht man auch vergeblich. Stattdessen gibts nur eine Stoffschlaufe. Auch die Sitze aus kohlefaserverstärktem Kunststoff sind zwölf Kilogramm leichter als die Seriensitze im Cayman S. Mit gerade mal 1295 Kilogramm gehört der Cayman R zu den Leichtgewichten unter den Sportwagen. Wenn man dann auch noch weiss, dass im Sechszylinder-Motor nun 330 Pferde zum Galopp bereitstehen, steigt die Fahr-Vorfreude noch mehr. Also nichts wie los. Das frühmorgendliche Einturnen findet auf den Landstrassen Mallorcas statt.

Der Porsche und sein Pilot fühlen sich von Runde zu Runde wohler. Bis die Bremsen anzeigen, dass mal eine Pause angesagt wäre. Machen wir aber nicht, sondern steigen in ein Modell mit Sechsgang-Schaltgetriebe um. Dieses ist zudem mit den optionalen Keramikbremsscheiben bestückt. Obwohl das halbautomatische PDK wie ein Traum und einfach perfekt schaltet, begeistert auch das traditionelle Handschaltungs-Getriebe durch kurze, knackige und äusserst präzise Gangwechsel.

Der Cayman R begeistert schon beim Einsteigen mit seinem feinen Interieur. Alcantara wohin das Auge blickt. Eine sportlich-modische Note verleihen Mittelkonsole und Zierblende der Schalttafel, welche in der Wagenfarbe lackiert sind. Auf den kurvigen Küstensträsschen lernen wir die Schaltwippen für das Doppelkupplungsgetriebe schätzen. Beim Einlenken runterschalten? Kein Problem! Auch ein entlastendes Hochschalten im Kurvenausgang geht, ohne Unruhe ins Heck zu bringen. Schon nach wenigen Kilometern wird klar, dass dieser kleine MittelmotorBolide das Zeug hat, um dem 911 mächtig zuzusetzen. Speziell auf engen, verwinkelten Strassen fühlt er sich einiges agiler an als sein grosser Bruder mit Heckmotor. Der Versuch, ohne das Porsche Stability Management um die Kurven zu hetzen, endet beinahe im Desaster. Der glattgeschliffene Asphalt sorgt für sehr schlechten Grip und schon setzt das Heck zum Überholen an. Also schnell wieder den Super-Helferlein-Knopf drücken. Dieser regelt nicht weniger als Antiblockiersystem, Antriebsschlupf, Motorschleppmoment und Bremsdifferenzial.

Bevor sich die Sonne hinter den Windmühlen verabschiedet, nehmen wir noch einmal einen Augenschein. Toll sieht das metallisierte Krokodil-Grün aus. Werden die Käufer mutig genug sein, ihren Wagen in dieser Farbe zu ordern? Eins ist klar: Der Cayman R ist der Porsche mit dem besten Handling und somit unser unbestrittener König von Mallorca.

Und die Bremsen! Karbon sei Dank! Auf der Rennstrecke gibts einfach nichts Besseres. Während die Stahlbremsen nach einigen Runden zu schwächeln begannen, beissen die Keramikstopper Runde für Runde gnadenlos und ohne die geringsten Spuren von Fading zu. Während die Drehzahlnadel bis 7500 Umdrehungen anzeigt, geht der Zeiger der Benzinuhr immer mehr Richtung Reserve.

Ab auf die Rennstrecke! Unser kleines Krokodil ist gierig nach mehr. Mehr Frischluft, mehr Benzin und mehr Speed. Also beenden wir die sportliche SightseeingTour frühzeitig und kommen als Erste auf der Circuito-Mallorca-Rennarena in Llucmajor an. Ja richtig, auf der Ballermann-Insel können auch Rennfahrer Party machen. Sobald die Streckenposten die Piste freigeben, gibts kein Halten mehr. Der kleine, aber sehr technische Rundkurs ist perfekt auf den Cayman R zugeschnitten. Keine langen Powergeraden, welche den Wunsch nach mehr PS aufkommen lassen könnten. Viele Kurven sorgen für noch mehr Fahrspass.

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NEWS

3D-TECHNIK

Toshiba Satellite P770 3D Dieses Notebook bietet alles, was leidenschaftliche Film- und Gamingfans suchen. Auf dem stereoskopischen 17,3 Zoll grossen Bildschirm können Anwender mit einer kabellosen Active Shutter Brille 3D-Filme und Spiele in erstklassiger Qualität geniessen. Eine integrierte 3D- Webkamera mit zwei Kameras erlaubt es, Videochats in neuen räumlichen Dimensionen zu erleben. Bei Bedarf können mit der Kamera auch Fotos oder Videos in 3D aufgenommen werden. Für guten Sound sorgen Harman/ Kardon-Stereolautsprecher. Noch mehr Unterhaltung gibts mit dem optionalen DVB-T/Analog Hybrid TV Tuner. http://ch.computers.toshiba-europe.com

Nintendo 3DS Gameboys und -girls können auf der portablen Videogamekonsole dreidimensional spielen. Dazu ist keine Spezialbrille nötig. Voraussetzung für gute 3D-Effekte ist, dass der Bildschirm gut zentriert vor den Augen platziert ist. Mit einem Tiefenregler lässt sich die 3D-Intensität je nach Geschmack einstellen. Der 3DS dient nicht nur als Gameboy, sondern auch als MP3-Spieler und Digitalkamera. Nicht weniger als drei Kameras sind eingebaut. Die zwei Linsen auf der Rückseite des Bildschirms ermöglichen es, 3D-Fotos aufzunehmen. Via drahtloser W-LAN Internet-Verbindung können Spiele heruntergeladen oder Inhalte mit anderen 3DS-Besitzern ausgetauscht werden. www.nintendo3ds.de

Philips 58PFL9955 Der Begriff Heimkino passt perfekt zu diesem LCD-Fernseher. Sein Bildschirm ist nämlich im 21:9 Kinoformat. Damit lassen sich Filme ab Bluray oder DVD ohne schwarze Balken oder fehlende Bildelemente darstellen. Der 3D-taugliche Full-HD-TV verfügt zudem über 1000 LEDs für die Hintergrundbeleuchtung des Bildschirms. Diese sparen Strom und sorgen für mehr Kontrast, tiefere Schwarztöne und lebendigere Farben. Ebenfalls mit dabei ist die von Philips patentierte Ambilight Technologie, welche ein dem Fernsehbild angepasstes Umgebungslicht auf die Wand hinter dem Gerät projiziert. www.philips.ch

Samsung BD-D7500 Mit gerade mal 2,3 Zentimeter ist er der momentan schlankste Blu-ray-Player der Welt und bringt nicht nur gestochen scharfe Spielfilme auf den TV-Bildschirm. Besitzer eines 3D-tauglichen Fernsehers können damit auch 3D-Filme schauen. Sogar herkömmliche 2D-Movies lassen sich dreidimensional darstellen. Multimedia Dateien können vom Computer via WLAN auf dem Gerät wiedergeben werden. Das flache Wunderding lässt sich aufstellen oder an der Wand montieren. www.samsung.ch

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LG Optimus 3D Das erste 3D-Smartphone der Welt verbindet aussergewöhnliche Funktionen mit überragender Leistung. Ausgerüstet mit einem Dual-Core-Prozessor und vier Mal so vielen Video-Dekodierern verdoppelt das Gerät die Graphik-Leistung seines nächsten Konkurrenten und ermöglicht den Benutzern mehr Speed beim Arbeiten und Betrachten von Multimedia-Inhalten. Mit der DualLens-Kamera kann jeder Augenblick in echtem 3D festgehalten und ohne Brille auf dem hochauflösenden 4,3 Zoll Display in 3D angesehen werden. Via HDMI und DLNA lassen sich Fotos und Videos auf TV und andere Geräte übertragen. www.lg.com/ch

Sony HDR-TD10E Der weltweit erste Double Full HD 3D Camcorder für Konsumenten besitzt nicht nur zwei nebeneinander liegende Objektive, sondern auch je zwei Sensoren sowie Prozessoren, die alle Bilddaten zu dreidimensionalen Aufnahmen verarbeiten. Die gespeicherten 3D-Videos können auf jedem 3Dfähigen Fernseher wiedergegeben werden. Ganz ohne Brille lassen sich die 3D- Aufnahmen auch auf dem 3,5 Zoll grossen LCD-Monitor der Kamera betrachten. ein weitere Highlight ist ihr Weitwinkel-Objektiv mitzehnfach optischem Zoom. Die 3D-Videos und -Fotos werden auf dem internen 64 Gigabyte Flash-Speicher abgelegt. www.sony.ch


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SHORT CUTS

Wetter

VOM STIERKAMPF BIS ZUM Röcke tragende Männer

Die schottischen Traditionen und Bräuche sind zum Teil sehr alt und basieren noch auf dem Clan-System, nach dem die schottische Gesellschaft über viele Jahrhunderte organisiert war. Dieses System spielte vor allem in den Highlands eine wichtige Rolle. So finden immer noch in über 100 Orten Schottlands jährlich so genannte Hochlandspiele statt, die an die alten ClanTreffen angelehnt sind. Bei diesen Spielen messen sich die Teilnehmer in typisch schottischen Sportarten wie zum Beispiel dem Baumstamm-Weitwurf. Am Rande findet meistens ein buntes Volksfest mit viel Folklore, schottischem Essen und schottischer Musik statt. Bei den Hochlandtreffen dreht sich alles um die traditionell schottische Musik, die mit einem Markenzeichen Schottlands, dem Dudelsack, gespielt wird. Dieses Instrument stammt wahrscheinlich aus dem persischen Raum, hat jedoch in Schottland eine lange Tradition. Die schottische Kultur hat neben Dudelsack und Whisky noch eine einzigartige Tradition: den Kilt, einen karierten Männerrock, der von vielen traditionsbewussten Schotten auch heute noch bei wichtigen Anlässen getragen wird. Was der Schotte darunter trägt, bleibt sein Geheimnis.

Stierkampf Die Menschen in Spanien sind sehr traditionsbewusst. Die altertümlichen Traditionen, wie Flamencotanz und Stierkampf, sind auch heute noch sehr beliebt. In den meisten spanischen Städten gibt es Stierkampfarenen und fast jeden Abend Flamencoshows. Stierkämpfe sind seit Jahren das Thema vieler Diskussionen in Hinsicht auf Tierquälerei. Und noch heute ein unglaublich beliebter Sport. Viele Spanier behaupten, diesen Sport zu hassen, aber es gibt ohne Zweifel eine grosse Fangemeinde. Wenn es im Fernseher in einer Bar zu sehen ist, bleiben die Leute automatisch davor hängen. Während die Menschen, welche noch nie einen Stierkampf gesehen haben, sagen, dass es grausam und unnötig ist, meinen die Liebhaber der Stierkämpfe, es sei für den Stier besser, durch die Hand des Matadoren zu sterben als im Schlachthaus. In der Corrida geht es um viele Dinge: Tod, Mut, Geschick, und, genauso wichtig, Darstellung und Zurschaustellung. «La Lidea», die Kunst des Stierkampfes, hat eine lange Geschichte. Sie reicht bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück. Pedro Romero wird als weltbester Torero betrachtet. Er war Ende siebzig, als er zum Direktor der Escuela de Tauromaquia de Sevilla ernannt wurde, Spaniens erster Stierkampfschule.

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SHORT CUTS

Mittsommerfest im Norden

Wetterlostag

Das Mittsommerfest ist in vielen skandinavischen und nordischen Ländern der Höhepunkt mehrerer Feierlichkeiten zur Zeit der Sommersonnenwende Mitte Juni. Zu dieser Zeit geht die Sonne an einigen Orten, vor allem im Norden, mehrere Wochen gar nicht unter. Verschiedene Bräuche haben besonders in Finnland und Schweden eine lange Tradition. Die meisten Finnen verbringen ihren sogenannten Juhannustag traditionell auf dem Land. Lärmen und Trinken gehörten schon früh zu den Feierlichkeiten. Man glaubte daran, dass dies Glück bringt und die schlechten Geister vertreibt. Nach einem alten Glauben fiel die Ernte umso besser aus, je mehr man an Juhannus trank. Zudem werden Juhannusfeuer angezündet, riesige Feuer an gut sichtbaren Plätzen. Das Haus wird mit vor dem Eingang aufgestellten Birkenzweigen und Blumen dekoriert. Auf Åland und in den Gebieten der Finnlandschweden wird nach der schwedischen Tradition eine «Midsommarstången» aufgestellt.

Der Siebenschläfertag, der früher am 27. Juni gefeiert wurde, ist heute nur noch als Lostag für das Wetter einigen Menschen bekannt: «Das Wetter am Siebenschläfertag sieben Wochen bleiben mag» oder «Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass». Diese Bauernregel bewahrheitet sich in sieben bis acht von zehn Sommern. Der eigentliche Gedenktag ist aber nicht der 27. Juni, sondern ungefähr der 7. Juli, denn die Wetterregel wurde vor der Gregorianischen Kalenderreform von 1582 aufgestellt, die zehn Tage ersatzlos gestrichen hat. Heute findet man das Fest «Siebenschläfer» in keinem Kalender mehr. Und mancher wird deshalb vermuten, der Name des Tages leite sich von dem gleichnamigen Nagetier mit hohem (Winter-)Schlafbedürfnis ab. Das aber ist falsch. Lange sind die Siebenschläfer als Heilige verehrt worden. Sie sind durch eine Legende in Erscheinung getreten, die Gregor von Tours (538–594) erstmals ins Lateinische übersetzt hat. Danach hatten sich in Ephesus sieben junge Christen – in griechischer Tradition Achillides, Diomedes, Eugenios, Kyriakos, Probatos, Sabbatios und Stephanos – im Jahr 251 bei einer Verfolgung unter Kaiser Decius (249-251) in einer Berghöhle in Sicherheit gebracht. Dort wurden sie von ihren Häschern entdeckt, eingemauert und schliefen 195 Jahre. Am 27. Juni 446 wurden sie zufällig entdeckt, wachten auf, um den Glauben an die Auferstehung der Toten zu bezeugen, und starben wenig später. Legende und Kult der Siebenschläfer wurden in Deutschland während der Kreuzzugs- und Barockzeit populär. Bis in das 18. Jahrhundert hat es im Bistum Passau in Eichendorf, Pildenau und Rotthof Wallfahrten zu den heiligen Siebenschläfern gegeben. Von den Gläubigen wurden die Siebenschläfer als Patrone gegen Schlaflosigkeit und Fieber angerufen.

Midsommar ist wie in Finnland auch in Schweden nach Weihnachten das zweitgrösste Fest des Jahres. Zum Fest zieht man sich fein an, die Mädchen und Frauen haben meist weisse oder blumige Kleider an; viele tragen zu dieser besonderen Gelegenheit auch ihre Trachten. Einige binden Kränze aus Blumen oder Birkenzweigen und setzen sie sich oder ihren Kindern auf. An Mittsommar isst man die ersten Jungkartoffeln. Sie werden zusammen mit Hering, Sauerrahm, Schnittlauch, Knäckebrot und Käse serviert. Zudem gibt es den Brauch der «Sieben Blumen»: Unverheiratete Mädchen pflücken in der Nacht sieben Sorten wilder Blumen von sieben verschiedenen Wiesen, die sie dann unter ihr Kopfkissen legen. Dann sollen sie der Legende nach von demjenigen träumen, den sie irgendwann einmal heiraten werden. Sie müssen aber beim Pflücken absolut still sein und am nächsten Tag dürfen sie niemandem erzählen, von wem sie geträumt haben, sonst geht der Traum nicht in Erfüllung.

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PHENOMENON

WIR FLIEGEN ZUM MOND UND LIEBEN WIE IM

Steinzeitalter

Weshalb Männer nicht nur im eigenen Garten grasen, sondern gerne mal ein anderes «Blümchen beglücken», soll an den Genen liegen. Der Mensch soll sich fortpflanzen und nicht aussterben. Befinden sich Frauen auf Partnersuche, sind sie gesteuert von Millionen Jahre alten Genen und es dient der Fortpflanzung. Denn der Erwählte soll ein potentieller Vater und Beschützer sein. Aus der Sicht vieler Menschen entwickeln sich Technik und Medizin rasant und in ungeheuerlichem Ausmass, während der Mensch den Eindruck erweckt, zu stagnieren. Doch ist das wirklich so?

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PHENOMENON

Im Jahr 2020 wird die NASA wieder auf dem Mond sein. Dieses Mal sollen Tausende von Meilen der Mondoberfläche auf einer speziellen Mission, die 6 Monate dauern wird, befahren werden. Genau wie beim Apollo Programm, wird die NASA neue Konzepte und Technologien anwenden, die auch dem Leben auf der Erde dienen werden.

M von Helena Ugrenovic

isst man den Menschen mit einer anderen Spezies, ist er ein relativ junger Erdbewohner, denn der Homo Sapiens ist gerade mal 200.000 Jahre alt, während das vom ältesten Menschenaffen geschaffene Werkzeug ungefähr 2,6 Millionen Jahre alt ist. Noch immer schleppen wir kleine Baustellen in unserem Körper mit uns herum, die noch nicht von der Evolution verändert wurden. Unterhalb der Wirbelsäule sorgt das Steissbein, wird es geprellt oder gebrochen, für qualvolle Schmerzen. Ein Schwanz der als Greiforgan oder Balancewerkzeug dient, ist nicht mehr vorhanden. Weisheitszähne werden oftmals erst dann ein Thema, wenn sie herausoperiert werden müssen, denn eine spezielle Aufgabe haben sie heute für den Menschen nicht. Anders früher, als es eine Frage des Überlebens war und rohes und zähes Fleisch zerbissen und gekaut werden musste.

Das Wunder unter der Schale Die Entwicklung des Homo Sapiens ist rasant, und dies verdankt der Mensch verschiedenen Faktoren. Starben Menschen früher in sehr jungem Alter an heute läppischen Krankheiten, sind tödliche Epidemien praktisch ausgerottet und die moderne Medizin sorgt mit Herztransplantationen, Herzklappen, künstlichen Gelenken und Gebissen, Augenlinsen, Lasertechniken und einer optimalen Medikamentenversorgung für den perfekten Austausch. Lebensverlängernde Massnahmen gehören zur Normalität und der Mensch lebt länger. Dass der Homo Sapiens sich so entwickelt hat, verdankt er seinem Gehirn, seinem Erfindungsgeist, weil er ein soziales Wesen mit Phantasie ist sowie seinem sozialkulturellen Kontext und seinem Elternhaus. Das grösste Organ-Wunder thront im Kopf des Menschen. Würde man die Nervenbahnen des menschlichen Gehirns ausrollen, könnte die Erdkugel 145 Mal damit umwickelt werden und ergäbe eine Gesamtstrecke von 5,8 Millionen Kilometern. Darin stellen Hundert Milliarden vernetzte Nervenzellen jeden Computer, jedes Smartphone, jedes Weltraumteleskop und egal welche andere atemberaubende Technik in den Schatten, denn der menschliche Computer, der von oben wie eine Walnuss aussieht und die Konsistenz eines Puddings hat, wiegt bei einem erwachsenen Menschen im Durchschnitt gerade mal 1,3 Kilogramm.

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PHENOMENON

Höhlenmalerei in Alta, Norwegen.

«WIR LERNEN AUS ERFAHRUNG, DASS DIE MENSCHEN NICHTS AUS ERFAHRUNG LERNEN.» George Bernard Shaw, (1856-1950) irischer Dramatiker und Satiriker

Von Socrates bis Barack Obama

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Historiker, Archäologen und Evolutionsbiologen erforschen die Vergangenheit, um die Gegenwart und Zukunft des Menschen zu verstehen. Vergleicht man Zitate längst verstorbener Philosophen, die Hunderte von Jahren vor Christus gelebt haben, mit den heute herrschenden Zuständen der Gesellschaft, verblüffen die Parallelen. Socrates beschrieb damals eine Jugend, die den Luxus liebt, schlechte Manieren und keinen Respekt vor älteren Menschen hat, die Autorität verachtet, und lieber schwatzt, als dass sie arbeitet. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch Süssspeisen und tyrannisieren ihre Lehrer. Vor mehr als zweitausend Jahren geschrieben passen die Aussagen des weisen Mannes perfekt in die heutige Zeit. Ist der Mensch ein Wiederholungstäter? Gab es nicht genug Gelegenheiten, aus Fehlern zu lernen? Oder fehlen dem Menschen generell betrachtet – weil es vermutlich an seinen Genen liegt – trotz seines Erfindergeistes und seiner glibberigen «Sülze» im Kopf gewisse Bausteine?

Forscher des Max-Planck-Instituts glauben, dass der spezielle Lernprozess an Fehlern in den Genen liegt und eine bestimmte Genvariante dafür verantwortlich ist. Am effektivsten lernt ein Mensch durch seine Fehler, nicht durch seine Erfolgserlebnisse. Die Forscher Markus Ullsperger und Tilmann A. Klein untersuchten Probanden mit verschiedenen Varianten des Gens für einen Dopamin-Rezeptor. Ihrer Studie zufolge lernten Probanden mit der Variante A1 schlechter aus ihren Fehlern als die Vergleichsgruppe. Die Genvariante A1 sorgt dafür, dass im Gehirn ein Rezeptor für den Botenstoff Dopamin seltener vorkommt. Dopamin ist eine Art Allround-Talent und spielt eine enorme Rolle bei der Steuerung der Bewegungen, beim Lernen, Belohnungssystem und bei vielen anderen Prozessen im Gehirn. Es wäre zu vereinfacht zu behaupten, dass alle Kriegsführer und sonstigen «Querschiesser» ihr A1 updaten müssten. In der menschlichen Natur schwimmen zahlreiche Eigenschaften, die bei jedem Menschen vorhanden sind, aber nicht bei jedem ausbrechen.

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PHENOMENON

X-Chromosome

Könnte jeder Mensch einen anderen Menschen töten? Diese Frage würde wahrscheinlich die Mehrheit mit Nein beantworten. Befände sich ein Mensch jedoch in einer absoluten Notsituation und hinge sein Leben oder das seines Kindes davon ab, wäre die Hemmschwelle niedriger.

Wissen oder Instinkt? Der Bauplan des Menschen, seine Gene, sind in erster Instanz verantwortlich für sein Aussehen, seine Statur und auch für sein Verhalten, abgesehen von der Erziehung, dem Umfeld, Bildungsgrad, der Medizin und anderen Programmierungen. Darwin sprach vom «Survival of the fittest», dem Überleben des Fittesten. Nur derjenige, der am besten an die Umwelt angepasst ist, wird überleben. Der mit den besten Genen ist der Sieger und überlebt und derjenige, der überlebt, gibt seine Gene an die nächste Generation weiter, indessen derjenige mit den schlechten Genen ausstirbt. Im Klartext bedeutet das, dass ein Lebewesen mindestens so lange überleben muss, bis es einen Partner gefunden hat, mit dem es die Gene weitervererben kann. Tief im Menschen schlummert deshalb das Auswahlverfahren des richtigen Partners nach den Kriterien, dass Männer gesunde Frauen wollen, die gesunde Kinder zur Welt bringen können, und Frauen Männer wollen, die für ihr Überleben und das der Kinder sorgen können, um es nur auf diese Faktoren zu beschränken. Natürlich ist eine Frau ohne Mann und Kind überlebensfähig und nicht unglücklich. Der Prozess der Weiterreichung der Gene an die nächste Generation tickt schon seit es Menschen gibt. Treffen eine Frau und ein Mann zusammen und springt der Funke über, sehen sie selten ihre Gene oder sind die Entscheidungsträger gute Gene, guter Vater, gute Mutter, gesunde Frau oder ein stimmiges Taille-Hüft-Verhältnis. Trotzdem wissen beide, ob sie interessiert sind oder nicht. Sie fühlen es.

Überlebenscode Zurück zu Socrates und der heutigen Gesellschaft, verleitet es zum Irrglauben, die Menschheit baue zwar technische und leiste medizinische Wunder, sie jedoch befände sich immer noch tief verwurzelt Millionen Jahre in der Vergangenheit. Nichtsdestotrotz kann unsere Spezies mit einem hochentwickelten System verglichen werden, das sich weiterentwickelt und Topleistungen erbringt.

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PHENOMENON

Und ewig lockt das Weib, Intuition, Wissen oder Gene?

Rot-Grün-Koalition Der Mensch betrachtet die Welt mit circa 126 Millionen lichtempfindlichen Nervenzellen. Rund sieben von zehn Rezeptoren des menschlichen Körpers sind somit in diesen vergleichsweise winzigen Organen konzentriert, und anders als die meisten Tiere erkennt der Mensch rotes Licht. Dank unseren Ahnen und ihrem Leben in Dschungeln und Wäldern mit vorwiegend grünem Blatthintergrund, in dem sie rote Früchte erkennen mussten.

Die industrielle Revolution führte zu einer stark beschleunigten Entwicklung der Technologie, Produktivität und Wissenschaften, begleitet von einer starken Bevölkerungszunahme und einer neuartigen Zuspitzung sozialer Missstände oder Verlagerungen.

Genetik und Gentechnologie Der Grundstein oder Grundgedanke zur Gentechnologie liegt weit zurück, als 1865 der Augustinermönch Gregor Johann Mendel eine gelbe Erbse mit einer roten kreuzte, um die Prinzipien der Vererbung zu erforschen. Nicht im Entferntesten hätte der Mönch zu träumen gewagt, dass er damit entscheidend zur Entstehung eines neuen Wissenschaftszweiges betrug – der Gentechnologie. Bevor jedoch Forscher mit der Gentechnologie aktiv das Erbgut von Lebewesen erforschen konnten, mussten sie erst Mal die Grundlagen des Lebens lernen und dafür benötigten sie die Genetik.

Industrielle Revolution Die tiefgreifende und dauerhafte Umgestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse, Arbeitsbedingungen und Lebensumstände begann in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und verstärkte sich im 19. Jahrhundert. Zunächst in England, dann in ganz Westeuropa und in den USA und seit dem späten 19. Jahrhundert auch in Japan und weiteren Teilen Europas und Asiens. Aus einer Agrargesellschaft wurde eine Industriegesellschaft.

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LEGENDS OF CRIME

Bonnie und Clyde während den Jahren 1932 und 1934, die, entgegen der öffentlichen Meinung, nie miteinander verheiratet waren. Sie posieren vor einem Ford V-8.

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Catch us if you can BONNIE & CLYDE

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om

Clyde mit einem Gewehr, vor einem der gestohlenen Autos.

Die 1,47 Meter kleine Bonnie Parker mit einer Pistole, aus der sie nie schoss.

Während die Weltwirtschaftskrise das Land in bittere Not verwandelt hat, rast ein verliebtes Diebespärchen zwei Jahre lang mit Vollgas und Starallüren durch den Südwesten der Vereinigten Staaten, um sich das zu nehmen, von dem es überzeugt ist, es stehe ihnen zu – Geld und fragwürdigen Ruhm.

er Hass der Bevölkerung auf die Regierung verhilft Bonnie Elizabeth Parker und Clyde Chestnut Barrow zu unerwarteter Sympathie. Denn in den Augen der Nation, die fieberhaft das Treiben der Kleinstadtganoven verfolgt, geniessen sie eher das Bild eines Robin-Hood-Duos als das eines schiesswütigen Mörderpärchens.

D

grössten Wirbel verursachen, verlässt Bonnie mit 16 Jahren die Schule und heiratet ihre Sandkastenliebe Roy Thornton. Als er 1929 zu fünf Jahren Haft verurteilt wird, bleibt Bonnie weiterhin bei ihm. Obwohl über ihrem rechten Knie die Tätowierung «Roy and Bonnie» eingeritzt ist, wird ihr Herz bald für einen anderen entflammen. Bonnies Tage sind lang, monoton, ohne Sinn und voller Leere.

Bonnie

Clyde

Als Bonnie Elizabeth Parker am 1. Oktober 1910 als zweites von drei Kindern im verschlafenen Rowena in Texas geboren wird, lebt die Familie gutbürgerlich vom Maurerjob des Vaters. Nach dem überraschenden Tod des Vaters siedelt Emma Parker mit ihren Kindern, Bonnie ist gerademal vier Jahre alt, in die Kleinstadt Cement City in die Nähe von Dallas. Bonnie ist ein entzückendes und hübsches Kind von zierlicher Statur, eine sehr gute Schülerin und mit einer poetischen Ader gesegnet. Während ihrem tödlichen Liebesduett mit Clyde schreibt sie zwei Gedichte, mit denen sie berühmt wird. Überdrüssig vom eintönigen Leben im öden Kaff, in dem lästige Fliegen den

Am 24. März 1909 wird Clyde Barrow in Telico, Texas, geboren, er ist das sechste von insgesamt acht Kindern. Henry und Cummie Barrow sind Farmer und verdienen oft zu wenig Geld, um alle hungrigen Kinder durchzufüttern. Als Clyde zwölf Jahre alt ist, zieht die Grossfamilie nach West Dallas, wo der Vater eine Tankstelle übernimmt. West Dallas ist eine üble, mit Gewalt durchtränkte Gegend, in der Brutalität und Kriminalität regieren, in die sich Clyde mühelos integriert. Mit seinem älteren Bruder Marvin Ivan «Buck» Barrow knackt er Autos und stiehlt Truthähne, verstrickt sich immer öfter in Gesetzeskonflikte und wird 1926 das erste Mal verhaftet. Als er einige Zeit später freigelassen wird, setzt er seine kriminelle Laufbahn fort.

von Helena Ugrenovic

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Auszug aus der Ermittlungsabteilung des U.S. Justizministeriums.

Amors Pfeil Als Bonnie und Clyde sich auf einer Party begegnen, sprühen die Funken wie ein Feuerwerk und die Liebe schlägt wie ein Blitz ein. Es ist ein leidenschaftlicher Moment, in dem beide wie zwei Magnete magisch voneinander angezogen werden. Clyde scheint all das bieten zu können, wovon Bonnie schon seit jeher träumt und was in ihrem Dasein fehlt – Aufregung, ein Leben in Saus und Braus und grosse Ambitionen. Clyde ist ein Narzist, schwimmt auf einer Welle der Illusion sowie des Grössenwahns und hat seinen zweiten Vornamen Chestnut in Champion geändert. Doch schon ein paar Wochen nach ihrer ersten Begegnung wird das junge Paar getrennt, denn der Champion wandert wegen kleiner Vergehen für zwei Jahre in den Knast. Für Bonnie bricht eine Welt zusammen. Am Boden zerstört, zermartert sie sich den Kopf, wie sie ihren Geliebten befreien und wieder in ihre Arme schliessen

könnte. Am 11. März schiesst sich Clyde den Weg aus dem Gefängnis frei und kann mit Hilfe der Pistole, die Bonnie ins Gefängnis geschmuggelt hatte, flüchten. Nur eine Woche später klicken die Handschellen erneut und Clyde soll eine 14-jährige Haftstrafe im berüchtigten und brutalen «Eastham Farm»-Gefängnis in der Nähe von Weldon, Texas, absitzen.

No way out Das Leben hinter den dicken Mauern des Hochsicherheitsgefängnisses ist unerträglich und Clyde verzweifelt. Der Gedanke, wie er dieser Hölle entrinnen kann, hämmert pausenlos in seinem Kopf. Im Karussell der sich überschlagenden Gedanken filtert sich nur eine logische Möglichkeit heraus, er müsste entweder krank oder verletzt in ein anderes Gefängnis transportiert

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LEGENDS OF CRIME

© FBI CJIS Division

Polizeifoto des FBI's von Clyde Barrow.

werden. In seiner Verzweiflung bittet er einen Gefängnisgenossen, ihm ein paar seiner Zehen mit einer Axt abzuhacken. Doch trotz fehlender Zehen und blutender Wunden weigert sich die Gefängnisleitung, ihn zu verlegen. Erst mit einer Begnadigung, die während der Grossen Depression landesweit nicht unüblich ist, humpelt Clyde zwei Jahre später an Krücken in die Freiheit und schwört, lieber sterben zu wollen, als jemals wieder an diesen Ort der Finsternis zurückzukehren.

Die Ganovenbraut

© FBI CJIS Division

Doch kaum wieder auf freiem Fuss, fällt Clyde wieder in alte Verhaltensmuster. Bei seinem ersten Raub nach seiner Freilassung ist Bonnie an seiner Seite. Im März 1932 wollen Clyde und die Barrow Gang einen Laden ausrauben, und obwohl Bonnie «nur» im Auto sitzt, wird sie verhaftet und zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aus der sie aber bereits im Juni aus Mangel an Beweisen entlassen wird. Die Köpfe der Barrow Gang sind Bonnie und Clyde und gemeinsam mit Clydes Bruder Buck und dessen Frau Blanche berauben sie Lebensmittelgeschäfte, kleinere Banken und Tankstellen. Während Bonnie im Gefängnis sitzt, wollen Clyde und seine Gang einen Gemischtwarenladen ausplündern. Der Coup scheint einfach und leicht ausführbar zu sein, doch entwickelt sich alles anders als geplant. Die Situation eskaliert. Der Geschäftsinhaber sowie Clydes Bruder Buck werden tödlich verletzt.

Bonnie und Clyde liebten es, zu posieren und sich zur Schau zu stellen. Bonnie führte Tagebuch und hielt jedes Verbrechen schriftlich fest.

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Tödliche Vereinigung

Die Geschichte von Bonnie und Clyde

Die Entscheidung, ob sie sich, wie von ihrer Mutter angefleht, von Clyde trennen und ein Leben ohne Gewalt führen soll oder an seiner Seite weiter in den Abgrund rutscht, fällt Bonnie leicht. Niemals im Leben würde sie sich von ihm trennen, denn ohne ihn würde sie sterben, also will sie es lieber mit ihm gemeinsam tun. Kreuz und quer rast die Bande auf ihren ausgedehnten Beutezügen durch den verstaubten Mittleren Westen, raubt Kassen einfacher Läden leer und finanziert sich so ihr Leben auf immer anderen gestohlenen vier Rädern. Bonnie selber schiesst nie, doch soll sie sehr gut im Nachladen der Gewehre sein. Insgesamt töten Bonnie und Clyde neun Polizisten und stehen auf der Fahndungsliste des FBI ganz oben. Ihr Timing ist perfekt, denn im gleichen Jahr, das in der US-Geschichte als «Year of the Gangster» eingeht, wird auch John Dilllinger, ein weitaus gefährlicherer und geschickterer Bankräuber als die schiesswütigen Turteltauben, von der Polizeibehörde zur Strecke gebracht.

«Sie glauben nicht, dass sie zu verwegen oder verzweifelt sind, sie wissen, das Gesetz gewinnt immer am Ende; sie würden vorher erschossen, und sie glauben fest entschlossen, dass der Tod der Preis ist für die Sünde.

Schon lange ist das FBI dem Gangsterduo auf den Fersen und plant einen Hinterhalt. Auf dem Highway 154 zwischen Sailes und Gibsland soll eine kleine Polizeitruppe zum endgültigen Schlag gegen Bonnie und Clyde ausholen. Mit einem von einem Gangmitglied konfiszierten Lastwagen wollen sie die Strasse versperren und hegen die Hoffnung, dass Clyde, erkennt er den Lastwagen, seinen Wagen verlangsamt. Um 09:15 des 23. Mai 1934, drückt Clyde tatsächlich auf die Bremsklötze, als er den Lastwagen sieht. Weder Bonnie noch Clyde haben auch nur den leisesten Hauch einer Chance oder Reaktionsmöglichkeit, als sie im Kugelhagel von, wie man sagt, 130 Schüssen durchsiebt werden.

Der Film «Bonnie and Clyde»

Eines Tages werden sie zusammen untergehen, Man wird sie begraben Seit' an Seit'; Einige wären erfüllt mit Traurigkeit – das Gesetz aber fühlte sich erleichtert und befreit – jedoch ist es der Tod für Bonnie und Clyde.» Die letzten zwei Verse aus «The Story of Bonnie and Clyde», geschrieben von Bonnie Elizabeth Parker.

© FBI CJIS Division

Der Mythos um das Ganovenpärchen entstand weniger durch dessen zweijährige Baller-Tour, sondern durch die Polizeibehörde sowie Hollywood. Als kurz nach der Erschiessung John Dillingers nun auch das meistgesuchte Räuberduo getötet wurde, war das Interesse der Beamten sehr hoch, die beiden eigentlichen Amateure als hochgefährliches Duo darzustellen. Als Warren Beatty 1967 den Film «Bonnie and Clyde» produzierte und selber den Bankräuber spielte sowie die geheimnisvolle Neuentdeckung Fay Dunaway Bonnie verkörperte, wurde der Film nicht nur mit zehn Oscars nominiert, sondern avancierte das Mörderpärchen zum Sinnbild mutiger Rebellen gegen Behörden und Autorität.

Selbstverliebt und durchgeknallt sehnten Bonnie und Clyde ihren Tod herbei. Denn nur dieser konnte sie aufhalten.

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YESTERDAY

50. TODESTAG

HEMINGWAYS Der alte M ann und sein Leben

«Es war jetzt dunkel, wie es im September, wenn die Sonne untergegangen ist, schnell dunkel wird. Er lag gegen das abgenutzte Holz des Bugs und ruhte sich aus, so gut er konnte. Die ersten Sterne waren da. Er kannte den Namen des Rigels nicht, aber er sah ihn und wusste, dass sie bald alle da sein würden und er all seine fernen Freunde um sich haben würde.»

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YESTERDAY

D von Lone Halvorsen

ass Ernest Hemingway nicht nur Schriftsteller, sondern unter anderem auch Hochseefischer und Jäger war, merkt der Leser vor allem in seinem Werk «Der alte Mann und das Meer». Denn dieses Buch lebt nicht zuletzt von den sehr authentischen Darstellungen des Kampfes eines Fischers mit einem riesigen Marlin. Er erhielt dafür den Pulitzer-Preis und ein Jahr später dann den Literaturnobelpreis. Ganz sicher stellte es seinen letzten «grossen Wurf» dar, in dem auch der Höhepunkt seines literarischen Schaffens zu sehen ist.

Schreiben, angeln, trinken und boxen

Innerhalb kürzester Zeit verkaufte sich das Buch fünf Millionen Mal. Eine Verfilmung mit Spencer Tracey in der Hauptrolle folgte im Jahr 1958. Seinen Erzählstil verglich Hemingway oft mit der Spitze eines Eisbergs: Der Leser sieht die Spitze, doch er weiss, dass sie nur ein Bruchteil der Masse unter Wasser ist. Genau das trifft auch auf «Der alte Mann und das Meer» zu. Obwohl oberflächlich betrachtet eigentlich nicht mehr passiert, als dass ein Mann aufs Meer fährt und einen Fisch fängt, hat das Buch viel Tiefgang. Hemingway entwirft das Bild eines Kämpfers, eines Menschen, der nicht aufgibt. Eines Menschen mit vielen Schwächen, ohne Bildung, ohne Geld, und doch bleibt er bewundernswert.

Die Villa im Kolonialstil auf einem Hügel samt grossem Park gehört inzwischen dem kubanischen Staat. Alles stammt noch aus der Zeit, in der Hemingway hier lebte, auch der Turm, den er bauen liess, um seine zahlreichen Katzen unterzubringen. Und auf dem Schreibtisch steht noch sein Stempel, mit dem er seine Fanpost bearbeitete, bevor er sie ungeöffnet zurückschickte: «I never write letters. Ernest Hemingway». Ungefähr zwölf Kilometer östlich von Havanna liegt das beschauliche Fischerdorf Cojlmar. Das Dorf bildete den Hintergrund zum Roman «Der alte Mann und das Meer» und hier stach Hemingway mit seiner Jacht «El Pilar» gerne zum Hochseefischen in See.

Kuba hat einige der besten Schriftsteller Lateinamerikas hervorgebracht, doch die einzige Literaturnobelpreis-Auszeichnung, die auf der Zuckerinsel ausgestellt wurde, bekam ausgerechnet ein «Gringo» im kubanischen Exil: der boxverrückte Ernest Hemingway, der den Preis grosszügig seiner zweiten Heimat stiftete. In und um Havanna fand Hemingway die Muse und Zutaten für seine grössten Leidenschaften: schreiben, angeln, trinken und boxen. 20 Jahre lang war die Finca Vigia am Stadtrand Hemingways Lebensmittelpunkt.

«DER FISCH IST AUCH MEIN FREUND», SAGTE ER LAUT. «ICH HAB' NOCH NIE EINEN SOLCHEN FISCH GESEHEN UND AUCH NIE VON SO EINEM GEHÖRT. ABER ICH MUSS IHN TÖTEN. ICH BIN FROH, DASS WIR NICHT VERSUCHEN MÜSSEN, DIE STERNE ZU TÖTEN.» Aus «Der alte Mann und das Meer»

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Hemingway war ein brillanter Erzähler, Roman- und Novellenschreiber. In seinen Werken thematisierte er die Gefühle und Ängste der so genannten «Lost Generation» und verarbeitete Themen wie Tapferkeit, Treue, Krieg und Männlichkeit oder das Verhältnis zwischen Männern und Frauen. Sein Stil ist gekennzeichnet von einem klaren Ausdruck und schlichter Wortwahl. Neben seiner sehr erfolgreichen Karriere als Schriftsteller machte Hemingway auch als Reporter und Kriegsberichterstatter von sich reden. 1923 erschienen in Paris seine ersten Kurzgeschichten in spärlicher Avantgardisten-Auflage, die der Autor zum Teil selbst auf der Strasse vertrieb. Die hilfreichen, aber strengen Mentoren seiner literarischen Anfänge waren Ezra Pound, dem Hemingway das Boxen beibrachte und der sich revanchierte, indem er Hemingway unnachsichtig die Adjektive aus den Texten hinausstrich, und Gertrude Stein, die ihn – nach seiner eigenen Definition – über die «abstrakte Beziehung der Worte» belehrte.

Doch all der berufliche Erfolg konnte ihn nicht immer glücklich machen. Ernest Hemingway litt oft an Depressionen, und auch Alkoholsucht setzte ihm zu. Momenten grosser Freude und Ausgelassenheit folgten Phasen, in denen seine Stimmung in Richtung Manie oder Depression ging. Auch das Privatleben des Schriftstellers verlief wenig geradlinig. Er war vier Mal verheiratet. Mit Elizabeth Hadley Richardson, Pauline Pfeiffer, Martha Gellhorn und schliesslich Mary Welsh.

Ein politischer Kopf? Fast schon eine willkommene Abrundung des sowieso schillernden Hemingway-Bilds: Wie amerikanische Historiker berichten, war der Schriftsteller während des Zweiten Weltkriegs KGB-Informant – ein äusserst dilettantischer allerdings. Wie John Earl Haynes, Harvey Klehr und Alexander Vassiliev in ihrem Buch «Spies: The Rise And Fall Of The KGB In America» berichten, sei Hemingway in den Akten des Geheimdienstes als «dilettantischer Spion» geführt worden. Ausgestattet mit dem Decknamen «Argo» soll Hemingway gegenüber Sowjetagenten «wiederholt seinen Wunsch zu helfen» ausgedrückt, aber «keinerlei nützliche politische Information» geliefert haben.

Gertrude Stein («Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose») war es, die den jungen Hemingway überredet hatte, den Journalismus aufzugeben und sich als freier Schriftsteller zu etablieren. Hemingway später: «Zeitungsarbeit schadet keinem jungen Schriftsteller etwas und kann ihm nützlich sein, wenn er sie rechtzeitig aufgibt.» Später, als Hemingway dem Avantgardismus und den esoterischen Zirkeln seiner Anfänge entwachsen und in populäre Bestseller-Bereiche vorgestossen war, urteilte Gertrude Stein weniger freundlich über ihn: «Er sieht aus wie ein Moderner, aber er riecht nach Museum.»

Und natürlich wäre Hemingway nicht Hemingway, wenn er nicht zugleich auch für eine andere Macht gearbeitet hätte. In den Gewässern vor Kuba patrouillierte der spätere Literaturnobelpreisträger mit seinem Fischerboot «El Pilar», um feindliche U-Boote auszumachen – die wollte er der US-Marine melden.

Ernest Hemingway Museum, Havana, Kuba.

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YESTERDAY

«ALS ERSTES WÜRDE ICH MICH UM MICH SELBST KÜMMERN. DANN WÜRDE ICH MEINEM NACHBARN HELFEN. ABER UM DEN STAAT KÜMMERE ICH MICH ÜBERHAUPT NICHT.» Ernest Hemingway

Wem die Stunde schlägt

Doch Politik interessierte ihn nur bedingt, und als Anti-Intellektuellen nur am Rande. Er war ein Bauchmensch. Das hinderte ihn nicht, schnell Position zu beziehen. So im Spanischen Bürgerkrieg wie auch bei der kubanischen Revolution. Seine Standortbestimmung war jedoch meist intuitiv, emotional oder an Personen geknüpft. Und wehe, wenn man auf der falschen Seite, aus der Sicht von Hemingway, stand! Auch wenn er eher unpolitisch daherkam, besass er doch seine Grundüberzeugung. Werte, die sich aus seinem Leben und seinem Temperament ableiteten. «Jeder versucht einen jetzt mit der Behauptung einzuschüchtern, wenn man nicht Kommunist werde oder einen marxistischen Standpunkt einnehme, wird man keine Freunde haben und allein sein. Ich kann jedoch kein Kommunist werden, weil ich nur an eines glaube: an die Freiheit.» Ein Haudegen wie Hemingway konnte den Freiheitsbegriff politisch nicht abstrahieren. Er ging mit einem solchen Wert eher pragmatisch, träumerisch, ja romantisierend um.

Der Schuss fiel morgens früh um halb acht. Ehefrau Mary, die vierte, fand ihren Mann in der Diele. Die doppelläufige Schrotflinte lag neben ihm; der Schuss hatte den Kopf getroffen. Mary Hemingway telefonierte mit dem Arzt, und der Arzt bestätigte, was sie wusste: Ernest Hemingway hatte sich erschossen. Der Polizist des Ortes, ein Mann namens Les Jankow, wurde zugezogen und urteilte lakonisch: «Es könnte ein Unglücksfall gewesen sein.» Eine Untersuchung wird nicht stattfinden. Hemingways Leben hatte am 2. Juli 1961 ein Ende gefunden, wie ein Roman von Hemingway hätte enden können.

Auszug aus «Der Garten Eden» Er stand auf und sah den Strand entlang, verkorkte die Ölflasche, streckte sie in eine Seitentasche des Rucksacks und ging dann zum Meer hinunter, er spürte, wie der Sand unter seinen Füssen immer kühler wurde. Er sah zu dem Mädchen hin, das mit geschlossenen Augen und angelegten Armen am abfallenden Strand auf dem Rücken lag, hinter ihm das schräge Zeltbahndreieck und erste Büschel Strandgras. Es sollte nicht zu lange in dieser Stellung bleiben, senkrecht von der Sonne bestrahlt, dachte er. Dann ging er weiter und tauchte flach in das klare kalte Wasser, drehte sich auf den Rücken und schwamm so ins Meer hinaus, dass er den Strand über dem gleichmässigen Paddeln seiner Beine und Füsse im Auge behielt. Er drehte sich im Wasser und tauchte auf den Grund, berührte den groben Sand und befühlte die festen Rippen darin, kam wieder an die Oberfläche und schwamm geruhsam zurück, wobei er so langsam wie möglich zu kraulen versuchte. Er ging zu dem Mädchen und sah, dass es schlief. Er nahm seine Armbanduhr aus dem Rucksack, um es rechtzeitig wecken zu können. Eine kalte Flasche Weisswein war in Zeitungspapier und Handtücher gewickelt. Er entkorkte sie, ohne Papier oder Handtücher zu entfernen, und nahm einen kühlen Zug aus dem unhandlichen Bündel. Dann setzte er sich, um das Mädchen anzuschauen und aufs Meer hinausblicken.

Kuba Wohl eine der schönsten Inseln in der Karibik – weite Palmenstrände mit weissem Sand, belebte Städte und fröhliche Menschen mit einer einzigartigen Mentalität. Kaum ein anderer Ort bietet eine so unvergleichliche Mischung aus traumhaften Landschaften, einzigartigen Kulturphänomenen und einer unvergleichlich spannenden Vergangenheit. Doch neben beeindruckenden Landschaften ist Kuba ebenfalls bekannt für die weltbesten Zigarren, den Rum und die allgegenwärtige Musik. Ein Land, dessen revolutionär geprägte Vergangenheit nicht mehr wegzudenken ist, aus der so viele kulturelle Eigenheiten entsprungen sind.

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Jim MORRISON

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Rockstar, Dichter, Schamane: Jim Morrison starb vor vierzig Jahren in Paris. Als Sänger der Doors verschob er die Grenzen dessen, was bis dahin in der Rockmusik möglich schien.

LIGHT MY FIRE 136


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«ICH ERINNERE MICH EIGENTLICH NICHT DARAN, GEBOREN WORDEN ZU SEIN. DAS MUSS WÄHREND EINER MEINER BLACK-OUTS PASSIERT SEIN.» Jim Morrison

J

von Jascha Köhler

ames Douglas Morrison wurde 1943 als Sohn eines Marineoffiziers in Florida geboren. Während der Vater bei den Streitkräften Karriere machte, was häufige Umzüge quer durch die Vereinigten Staaten mit sich brachte, interessierte sich Jim weniger fürs Militär als für die Literatur. Schon früh las er die Werke von Kerouac, Ginsberg und anderen Vertretern der Beat Generation. Als Teenager verschlang er Rimbaud, Baudelaire und Nietzsche. Er war fasziniert von ihrem radikalen Umgang mit dem Werkzeug Sprache. Nach der Schule ging Morrison nach Kalifornien. In Los Angeles studierte er Filmund Theaterwissenschaften. Er zog an den Strand von Venice, kam zum ersten Mal mit bewusstseinserweiternden Drogen in Kontakt und schrieb Gedichte. Ausserdem lernte er an der Universität Ray Manzarek kennen. Der Kommilitone spielte Orgel und ermutigte Morrison dazu, seine Texte singend vorzutragen. Während des Sommers 1965 stiessen der Jazz-Schlagzeuger John Densmore und der Flamenco-Gitarrist Robby Krieger hinzu. Jim erkannte, dass, gemeinsam mit diesen drei Ausnahmemusikern, etwas Grosses entstehen konnte.

Die Tür zum neuen Bewusstsein Der Bandname «The Doors» war Morrison in Anlehnung an William Blakes «The Marriage of Heaven and Hell» eingefallen. Dort ist von den «Doors of Perception», den Pforten der Wahrnehmung, die Rede. Diese müssten gereinigt werden, damit den Menschen endlich alles so erscheinen könne, wie es wirklich sei: unendlich. Was die Halluzinogene bei Morrison geschafft hatten, nämlich die Türen zu einem neuen Bewusstsein zu öffnen, wollte seine junge Band nun auch mit den Mitteln der Musik erreichen. Jim selbst sah sich dabei in seiner Rolle am Mikrofon eher als Hohepriester denn als gewöhnlicher Rock’n’Roll-Sänger. Er wollte die Zuhörer auf einem Trip in ihr Unterbewusstes begleiten. Eine völlig neue Wahrnehmung sollte erschaffen werden – darunter machte es Morrison nicht.

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kill you. / Mother, I want to fuck you!» Das war für den Besitzer des Tanzlokals dann doch zu viel des Guten. Mehr Erfolg war den Doors bei Elektra Records beschieden. Mit dem aufstrebenden Label kam im Herbst 1966 ein Vertrag über sieben Platten zustande. Sogleich machte man sich an die Aufnahmen für das Debütalbum.

Sein konservativer Vater war als Kommandeur eines Flugzeugträgers 1964 mitverantwortlich für den Tonkin-Zwischenfall, der aus dem schwelenden Vietnam-Konflikt endgültig einen offen geführten Krieg werden liess. Für die ungewissen Zukunftspläne des Sohnes, der sich in den Kopf gesetzt hatte, sich um jeden Preis künstlerisch zu betätigen, hatte er nur Ablehnung übrig. Immer wieder hatte George Stephen Morrison versucht, Jim eine Laufbahn beim Militär schmackhaft zu machen – stets vergeblich. Nach einem letzten ermahnenden Brief, in dem er seinen Sohn aufforderte, den ganzen Quatsch doch endlich sein zu lassen und sich schleunigst etwas Seriöses zu suchen, brach Jim entnervt den Kontakt zu seinen Eltern ab.

Eine gross angelegte Werbekampagne und zwei erfolgreiche Singleauskopplungen, «Break On Through» und «Light My Fire», ebneten den Newcomern den Weg bis in die landesweit erfolgreich ausgestrahlte «Ed Sullivan Show». Wie vor ihnen bereits bei Elvis Presley und den Beatles, sollte die Teilnahme an dieser Fernsehsendung auch für die Doors den endgültigen Durchbruch bedeuten. Im Vorfeld hatte man sich darauf verständigt, das letzte Wort der Textzeile «Girl, we couldn’t get much higher» abzuändern, um nicht die Werbekunden der Show durch die vermeintliche Drogenassoziation abzuschrecken. Morrison willigte ein – nur um dann, als er live auf Sendung war, doch dem amerikanischen Publikum die ursprüngliche Variante entgegenzuschleudern.

Erste Erfolge Das erste feste Engagement erhielten die Doors im legendären Nachtklub «Whisky a Go Go» am Sunset Strip. Dieses endete spektakulär, als das Quartett eines Abends das zwölfminütige «The End» anstimmte, in dem Morrison, mittlerweile auch sehr interessiert an Freud, den Ödipus-Komplex auf zwei genial einfache Zeilen herunterbrach: «Father? – Yes son? – I want to

Die legendäre Band «The Doors»

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Während The Doors auf dem Höhepunkt des Vietnamkriegs den radikalen «Unknown Soldier»-Song aufnahmen, wurde Morrisons eigener Vater zum Admiral befördert. Für viele war der Kampf gegen den Krieg in Südostasien nur ein abstrakter, geführt gegen eine nicht greifbare Obrigkeit. Für Morrison war er ganz konkret.

Die Jugend liebte Jim Morrison für sein unangepasstes Auftreten und seine Unberechenbarkeit. Hier war jemand in ihrem Alter, der sich offen traute, gegen die etablierten Autoritäten zu rebellieren. «Mich interessiert alles, was mit Revolte, Unordnung und Chaos zu tun hat», äusserte Morrison in einem frühen Interview. Der Umsturz der alten Ordnung war für ihn der erste Schritt in eine neue, auch innere Freiheit. Unterdessen mussten die Bandkollegen enorm unter seinen Stimmungsschwankungen leiden, die durch exzessiven Alkoholkonsum hervorgerufen wurden. Niemand wollte an «Jimbo» geraten, Morrisons Mr. Hyde, sein zweites, bösartiges Gesicht, das immer dann zum Vorschein kam, wenn er sich hemmungslos betrank.

Zwischen Drogen und Vaterkonflikt An der Figur seines Vaters rieb er sich zeitlebens. Er hatte den Kontakt zu seiner Familie zwar völlig abgebrochen und gab in Pressemitteilungen an, Vollwaise zu sein. Dennoch kam er, wie unzählige Anspielungen in seinen Texten belegen, nie von seiner Familie und Vergangenheit los.

«WENN MEINE DICHTUNG AUF IRGEND ETWAS ABZIELT, DANN DARAUF, DIE MENSCHEN AUS DEN ZWÄNGEN ZU BEFREIEN, INNERHALB DERER SIE SEHEN UND FÜHLEN.» Jim Morrison

Jim Morrison mit seiner Freundin Pamela Courson.

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«IHR DENKT IHR WERDET GEWINNEN, NICHT WAHR? NEE, IHR WERDET NICHT, IHR WERDET NICHT GEWINNEN. WIR WERDEN GEWINNEN, WIR – DIE KÜNSTLER. NICHT IHR KAPITALISTENSCHWEINE!» Jim Morrison

Morrisons Texte faszinierten mit ihrer Metaphorik. Auf der Bühne gebärdete er sich wie unter Hypnose und wusste dabei doch immer genau, was er tat. Die Songs selbst waren für ihn nur ein «Teil der Aufführung». Besonders die radikalen Performances des New Yorker Living Theatre, das von sich selbst behauptete, in Wahrheit eine Revolution zu sein, welche sich nur als Theatergruppe verkleidet habe, begeisterten ihn. Elemente ihrer Auftritte übernahm Morrison in sein eigenes Repertoire. Das Publikum und er peitschten sich gegenseitig hoch. Es kam zu Tumulten, Polizisten setzten Reizgas ein. Morrison wurde von der Bühne weg wegen Landfriedensbruchs und Widerstands gegen die Staatsgewalt verhaftet. Krieger, Manzarek und Densmore ertrugen all dies stillschweigend. Dennoch wurmte es sie, dass inzwischen viele Zuschauer in erster Linie nur noch wegen Morrisons zu erwartenden Ausrastern und nicht mehr wegen der Musik zu ihren Auftritten kamen.

Nach Morrisons Tod Pamela Courson, seit 1966 Morrisons Freundin, wurde von ihm in seinem Testament als Alleinerbin eingesetzt. Es folgte ein mehr als zweijähriger Rechtsstreit mit Jims Eltern, aus dem Courson als Siegerin hervorging. Anstatt die Auszahlung des Vermögens abzuwarten, lieh sie sich von den Anwälten 25.000 Dollar, kaufte sich davon eine Nerz-Stola, einen VW-Käfer und 30 Gramm Heroin. Ein paar Tage später verstarb sie an einer Überdosis.

Als man, nach sechs Alben in vier Jahren, eine Auszeit für die Band beschloss, zog Jim zu seiner drogenabhängigen Langzeitfreundin Pamela Courson nach Paris. Gemeinsam schnupften sie Heroin, was bei Morrison am Morgen des 3. Juli 1971 zum Herzstillstand führte.

Die anderen Mitglieder der Doors hatten unterdessen versucht, ohne ihren Sänger weiterzumachen. 1971/72 erschienen mit «Other Voices» und «Full Circle» zwei durchaus gelungene Alben, die sich aber nur schleppend verkauften. Sein erstes «Comeback» erlebte Morrison Ende der 70er, als eine LP mit Gedicht-Rezitationen erschien und Francis Ford Coppola «The End» in «Apocalypse Now» verwendete. Morrisons Grab auf dem Friedhof Père Lachaise ist noch heute mit über einer Million Besuchern im Jahr eine der beliebtesten Pariser Touristenattraktionen.

© de.wikipedia.org - Photograph by Mike Dillon

Der selbsternannte Echsenkönig wurde nur 27 Jahre alt. Durch ihn wurden The Doors zu mehr als nur einer Blues- und RockBand. Morrison machte sie zu Unruhestiftern. Sie waren das zornige Sprachrohr einer gegen jedwede Form von Unterdrückung aufbegehrenden Generation.

Der legendäre Nachtklub «Whisky a Go Go» am Sunset Strip.

Morrisons Grab auf dem Friedhof Père Lachaise.

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Angelo Branduardi (*11950), ital. Pops채nnger u. Liedermacher

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MAURIT

DREAMLANDS

Ferienparadies f端r Anspruchsvolle

Mauritius ist zwar eine relativ kleine Insel im Indischen Ozean, jedoch ist das Land eines der attraktivsten Urlaubsziele weltweit, und das zu Recht!

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TIUS S

DREAMLANDS

von Theresa Ryser, Fotos: Mauritius Tourism Switzerland

ommerliche Temperaturen, traumhaft weisse, lang gestreckte Strände, eine faszinierende Unterwasserwelt und spektakuläre Gebirge locken Besucher auf die Insel. Zudem befindet sich Mauritius abseits von Alltag, Hektik und politischen Krisenherden inmitten des tiefblauen Indischen Ozeans, des wärmsten Meers der Welt. Die nächste Küste zum Festland in Ostafrika liegt 1865 Kilometer entfernt.

Geprägt von Geografie und wechselvoller Geschichte Als Erste entdeckten die Araber den Archipel, später wurde er von den Portugiesen besiedelt, und 1598 folgten die Holländer. Diese tauften die Insel «Mauritius», nach Moritz von Nassau. Sie rodeten die damals reichen Ebenholzvorkommen und legten Zuckerrohrplantagen an. 1715 kamen die Franzosen. Sie brachten afrikanische Sklaven ins Land und prägten die Kultur während ihrer beinahe hundertjährigen Kolonialherrschaft, bevor 1810 die Engländer einmarschierten. Seit dem 12. März 1968 ist Mauritius eine Republik. Das so entstandene bunte Völkergemisch auf Mauritius ist beeindruckend, bestaunenswert das friedliche Nebeneinander der verschiedenen Kulturen und Rassen (Europäer, Afrikaner, Asiaten). Die französische Tradition, zum Beispiel, ist dank der Toleranz der Briten bis heute spürbar – vor allem in Küche und Sprache. Obwohl Englisch die offizielle Landessprache ist, verständigen sich viele Mauritier lieber in Französisch oder Creole. Mit gut 1,2 Millionen Einwohnern ist die 62 Kilometer lange und 46 Kilometer breite Insel relativ dicht besiedelt. Sie ist vulkanischen Ursprungs und durchzogen von pittoresken Bergketten, die gewaltig wirken, jedoch lediglich eine bescheidene Höhe von zirka 800 Meter über Meer erreichen. Die zahlreichen Vier- und Fünf-Sterne-Hotels erfüllen alle erdenklichen Ansprüche und bieten jeden Komfort. Sie sind harmonisch in die Landschaft eingebettet. Betonburgen und Wolkenkratzer gibt es nicht, da es verboten ist, Häuser höher als die Palmen zu bauen.

«ZUERST WURDE MAURITIUS GESCHAFFEN, DANN DAS PARADIES. ABER DAS PARADIES WAR NUR EINE KOPIE VON MAURITIUS.» Mark Twain

Schweizer Gäste lieben Vielfalt und Qualität Die Strände sind einer der kostbarsten Schätze der Insel. Das Wasser in den Lagunen schimmert von blau, grün, türkis bis silbrig und orange. Ein ausgedehntes Korallenriff rund um die Insel schützt die Strände vor hohem Wellengang und sorgt dafür, dass sich die Wassertemperatur stets angenehm hält. Zudem wehrt es Haie ab und ermöglicht so unbeschwertes Schwimmen und Schnorcheln. Mauritius bietet – wie keine Insel im Indischen Ozean – eine Vielfalt von Aktivitäten sowie Kultur- und Naturerlebnisse. Zum Bereich Wassersport gehören beispielsweise Tauchen, Segeln, Surfen, Kitesurfen oder Hochseefischen. Bestens gesorgt ist aber auch für Landsportarten wie Tennis, Biken, Reiten, Trekking, Jagen und vieles mehr. Von Frühjahr bis Ende November finden jeden Samstag die traditionellen Pferderennen auf den Champs de Mars statt, die zu einer eigentlichen Touristenattraktion geworden sind.

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Vor allem Golfen wird auf Mauritius gross geschrieben: In den vergangenen Jahren wurde Mauritius – das nur so gross ist wie der Kanton Zürich – zur höchst attraktiven Golfdestination. Acht 18-LochChampionship-Plätze und drei 9-Loch-Plätze stehen den Gästen zur Verfügung. Zudem wurden die Wellness-Bereiche in den Hotels stark ausgebaut. Das Angebot an Behandlungen indischer, asiatischer und europäischer Richtung ist kaum zu überbieten und wird von den erholungsbedürftigen Gästen stark in Anspruch genommen.

Die Hauptstadt Port Louis ist das Zentrum der Geschäftigkeit. Eine doppelreihige Palmenallee führt von den graziösen Regierungsbauten mit ihren weiss gestrichenen Säulenarkaden im Kolonialstil zum Hafen, dem Herzen der Stadt. Händler verkaufen Obst und Säfte auf offener Strasse, daneben breiten Inder ihre bunten Stoffballen aus. Kirchen, Hindu-Tempel, Moscheen, Pagoden und eine Chinatown, sogar ein klassizistisches französisches Theater setzen Akzente in dieser multikulturellen Stadt. In und ausserhalb von Port Louis gibt es interessante Museen – das Blue Penny Museum, das Zuckermuseum oder das Briefmarkenmuseum – die alle eng mit der Geschichte von Mauritius verbunden sind.

Erlebniswelten Natur und Kultur Das Landesinnere gestaltet sich ebenfalls sehr abwechslungsreich. Aus dem wogenden Grün des Zuckerrohrs ragen bizarr geformte Vulkanberge, die sich im Licht der untergehenden Sonne violett verfärben. Tiefe Krater und wilde Schluchten, reissende Bäche und stiebende Wasserfälle zeugen von unberührter Natur. In den dichten Wäldern sind der javanische Tunjukhirsch sowie der indische Mungohase heimisch. Als Attraktion gilt die Victoria Regina, die Königin der Seerosen, die im botanischen Garten «Pamplemousse Garden» blüht. Sehenswert sind auch der bunte Gemüse- und Gewürzmarkt in der Hauptstadt Port Louis und die alten Kolonialhäuser der eleganten Residenzstadt Curepipe. Diese liegt auf einem Hochplateau und bietet eine wunderbare Rundsicht. Das Strassennetz, gesäumt von Bougainvillea und Flammenbäumen, erschliesst jeden Winkel der Insel. Da verstecken sich niedliche Dörfer in der üppigen Küstenvegetation und wachsen Blumen in farbenprächtiger Fülle aus der roten Erde. Über 2.000 Hektar Wald stehen unter Naturschutz, damit die für Mauritius typischen exotischen Gewächse erhalten bleiben.

Mauritius Hotellerie – eine Legende Ob zu den kleineren oder grösseren gehörend, alle Hotels auf Mauritius bieten eine herausragende Service-Qualität. Die Dienstbereitschaft und die Liebenswürdigkeit der Mauritier haben der Hotellerie zu hohem Ansehen verholfen. Die Resorts überbieten sich in den Angeboten: Spezialitäten-Restaurants, grosszügig angelegte Spas, beste Sportausrüstungen, exotische Parkanlagen, Kinderbetreuung und vieles mehr – alles wird ständig den hohen Ansprüchen der Gäste angepasst. Das kulinarische Angebot widerspiegelt die Multikulturalität. All die köstlichen indischen, kreolischen, französischen und chinesischen Gerichte – angefangen bei Langusten über Austern bis zu Tintenfischen – variantenreiche Curries, die «Grande Cuisine» Frankreichs neben scharfen kreolischen Spezialitäten – könnten Mauritius auch den Beinamen «Ile des Gourmets» verleihen. www.tourism-mauritius.mu

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«Urban Beach Resort» an einem der schönsten Sandstrände der Insel Das neue «Long Beach» entstand an der Stelle des ehemaligen «Le Coco Beach» bei Bellemare an der Ostküste und eröffnete im April 2011 seine Pforten. Nomen est omen – ein 700 Meter langer und 30 Meter breiter Abschnitt eines der längsten natürlichen Sandstrände der Insel gehört zum Anwesen. Auf einer Fläche von 24 Hektar vereint das neuartige Hotelkonzept kontrastreich urbanes Lebensgefühl und entspanntes Strandleben.

Luxus-Oase mit modernem «Chic» Luxus pur vor idyllischer tropischer Kulisse – dafür steht das Sechs-Sterne-Luxus-Resort «Le Touessrok» auf Mauritius. Ausgezeichnet als bestes Hotel Afrikas und des Mittleren Ostens, bietet es eine einzigartige Kombination aus Top-Service, tropischem Klima mit Sonnengarantie, weissen Traumstränden und dem türkisblauen Wasser des Indischen Ozeans. Das stilvolle Design der eigenen vier Wände auf Zeit vermittelt ein erhabenes Gefühl bei gleichzeitig hohem Wohlfühlfaktor. In allen Domizilen steht eine moderne Einrichtung im Vordergrund, bei der viel Wert auf Lichteffekte, Dekoration und Details gelegt wird. Mit seinen schier unendlichen Wassersportangeboten sowie Aktivitäten für Kinder und Jugendliche ist das Resort auch bestens für Familien geeignet. Die Unterkünfte teilen sich auf in den Hibiscus Wing und den Coral Wing auf dem Festland sowie die private Insel Frangipani. Sämtliche Zimmer und Suiten sind dem Indischen Ozean zugewandt. Alle Gäste in den Suiten und den Villen haben einen persönlichen 24-Stunden-Butler-Service inklusive Sport- und Tischreservierungen, Schuhputzservice, Kofferpacken. Beide Gegensätze spiegeln sich in der Architektur wider: Städtische Formen mischen sich mit natürlichen Elementen, umgeben von einem weitläufigen tropischen Garten. Mittelpunkt des öffentlichen Geschehens ist eine Piazza mit Restaurants, Bars und Geschäften. Ein weiteres Herzstück ist der tropische Garten mit 500.000 Pflanzen aus 26 verschiedenen endemischen Arten. Oberste Priorität hat der Umweltschutz – Anlagen nach modernsten Standards sorgen für einen nachhaltigen Hotelbetrieb. Alle Zimmer sind dem Meer zugewandt und haben eine private Terrasse. Die Gestaltung der Innen- und Aussenbereiche geht ineinander über und schafft eine kombinierte Openair- und IndoorAtmosphäre. Ein Farbensemble aus Apfelgrün, Korallenrot, Weiss und Aschgrau dominiert die moderne, stylische Einrichtung mit King-Size-Betten. Einheimische Materialien wie vulkanisches Gestein, Holz und tropische Blumen setzen Akzente. www.sunresortshotels.com

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Ursprüngliches Ambiente und moderner Luxus – auf Maafushivaru ist für alles gesorgt.

DIE INSEL

Testerin D

von Boris Jaeggi, Fotos: Manta Reisen

ie Malediven – Paradies im Indischen Ozean, bestehend aus rund 1200 Inseln und 26 Atollen. 220 der Inseln sind von Einheimischen bewohnt, 87 weitere werden für touristische Zwecke genutzt. Schneeweisse Sandstrände und atemberaubende Unterwasserwelten locken jährlich viele Reisehungrige, Tauchbegeisterte, Wellnesser und Erholungs-Suchende ins Insel-Paradies. Im aktuellen Malediven-Katalog von Manta Reisen findet man nicht weniger als 37 Insel-Resorts, die für jeden Geschmack etwas bieten. Doch wie kommen die Inseln in den Katalog? Wer sucht bzw. findet die schönsten Perlen? Und welche Anforderungen gilt es zu erfüllen, um am Ende im Malediven-Katalog mit vielen schönen Bildern vertreten zu sein?

Wie kommt eigentlich eine neue Malediveninsel, ein neues Resort, ins Angebot von Manta Reisen? Eine Aufgabe, die von Zürich bis Male stets offene Augen und Ohren der Profis verlangt.

«In erster Linie muss ein neues Resort eine Ergänzung zu unserem aktuellen Portfolio sein», so Marcel Bürgin, Managing Director von Manta Reisen. Für ihn und sein Team in Zürich heisst

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das: das ganze Jahr über Augen und Ohren offen halten. Treffen mit den Inselbesitzern vor Ort oder an einer der zahlreichen Messen sind dabei ein wichtiger Teil des Auswahlverfahrens. Und dann gibt es natürlich noch den Resident Manager Malediven: Die Schweizerin Valerie Oesch ist die Resident Managerin für Manta Reisen und wohnt und arbeitet in Male, der Hauptstadt der Malediven. Sie kümmert sich in erster Linie um die Betreuung der Gäste, das Coaching der Guides und ist Ansprechpartnerin für Reservationen. Geht es jedoch um eine neue Insel, ist sie die Erste, die vor Ort ist und einen Augenschein nimmt. Seit ihrem Arbeitsantritt auf den Malediven im Juli 2010 ist sie regelmässig auf den Inseln unterwegs und praktisch wöchentlich auf einem anderen Resort anzutreffen. «Ein Beispiel ist das Resort ‹Maafushivaru›, das seit kurzem in unserem Angebot ist und zu den neuen ‹Perlen› gehört», erzählt Valerie. «Das Resort wurde neu renoviert. Auf meiner sogenannten Island Inspection verbrachte ich viele Stunden auf Maafushivaru. Es handelt sich um eine typische Malediveninsel mit authentischem Charme.» Auf die Inspektion wird Valerie jeweils von den lokalen Gästebetreuern begleitet. In Maafushivaru boten sich ihnen ein wunderschönes Hausriff und sogar eine eigene Picknick-Insel, die Lonubo heisst und exklusiv für die Gäste des Resorts zur Verfügung steht. Im Gespräch mit dem Hotelmanager und einem der Angestellten erfuhren Valerie und ihr Team alles Wissenswerte über das neu renovierte Resort. Sie besichtigen die Beach- und Water-Villas sowie die zwei exklusiven Deluxe Beach Villas mit eigenem Pool. Valerie macht sich aber immer auch alleine auf die Socken. Auf Maafushivaru achtete sie bei ihrer Inspektion auf alle Details im Restaurant, das lokale und mediterrane Küche anbietet, und notierte sich die Veränderungen seit dem letzten Besuch im Überwasser-Spa. Sie begutachtete die Lage am Strand und am Süsswasserpool und vermerkte neue Infrastruktur und den Stand der Bauarbeiten. Diese Informationen gab sie laufend

Die Inselperle Dhuni Kolhu auf den Malediven.

Stets unterwegs im Inselparadies: Valerie Oesch, Resident Managerin Malediven bei Manta Reisen.

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weiter nach Zürich, dort können diese Zusatzinformationen in die Kundenberatung einfliessen oder – im Fall von Maafushivaru – bei der Entscheidung über eine Aufnahme ins Angebot helfen, die schlussendlich von Marcel Bürgin zusammen mit Produkt Managerin Judith Kistler getroffen wird. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis ist dabei ebenso ausschlaggebend wie ein positiver Test-Bericht der Island Inspection. Dabei gilt natürlich auch der Tauchschule des jeweiligen Resorts ein besonderes Augenmerk: Das Team vom Sea Dragon Diving Club auf Maafushivaru hat in dem Fall Valerie und das Team in Zürich überzeugt. Rund 30 Tauchplätze, die alle in 15 bis 25 Bootsminuten von der Insel aus erreichbar sind, lassen jedes Taucherherz höher schlagen. Das Team der Tauchschule organisiert für seine Gäste auf Anfrage gerne auch Tagesausflüge. Der Tauchbasis stehen vier Dhonis für je maximal 20 Personen zur Verfügung.

Abendstimmung auf Dhuni Kolhu.

DER PERFEKTE MOMENT Wo strahlen die Sterne am schönsten? Eine Frage des Betrachters – an einem lauen Abend auf der Inselperle Coco Palm Dhuni Kolhu auf den Malediven kann sich aber niemand dem Zauber des glitzernden Sternenfirmaments entziehen.

Und so kommt es, dass sich Manta-Reisen-Kunden Saison für Saison auf neu eröffnete Resorts freuen können. Marcel Bürgin in Zürich indes ist dann immer schon ein Jahr weiter: Für ihn heisst es Augen und Ohren im Hinblick auf das übernächste Reisejahr offen halten, auf der Suche nach der nächsten Perle im Indischen Ozean!

Später Nachmittag Die Haut prickelnd von Sand und Meer, geniessen wir die letzten Sonnenstrahlen auf unserem Gesicht und blicken schläfrig auf das funkelnde Wasser, das sich wie ein edler azurblauer Teppich vor uns bis zum Horizont ausbreitet.

«Blaue Stunde» Wir ziehen uns in unsere Beach Villa zurück. Nach einer erfrischenden Dusche unter freiem Himmel sind wir bereit für einen weiteren wunderschönen lauen Sommerabend in diesem kleinen Paradies im Indischen Ozean.

Test erfolgreich bestanden: Maafushivaru erstrahlt in neuem Glanz Eine kleine, dicht bewachsene Robinson-Crusoe-Insel, gerahmt von weissen Stränden und türkisfarbenem Wasser. Der Hingucker schlechthin: der Steg mit den strohbedeckten Wasser-Bungalows. Das Maafushivaru Island Resort im südlichen Ari-Atoll hat nach einer umfangreichen Renovierung wieder geöffnet. Die ursprüngliche Insel mit einer üppigen Vegetation bietet mit 48 modernen Bungalows ein hohes Mass an Komfort. Das fischreiche Hausriff ist bequem über einen Steg zu erreichen und bietet tolle Tauch- und Schnorchelmöglichkeiten. Das Eiland ist von einem PuderzuckerStrand umgeben und die flache Lagune lädt zum Schwimmen und Entspannen ein. Der Sea Dragon Diving Club offeriert Nitrox «for free» und hat über 30 Tauchplätze im Programm. Im Ari-Atoll gibt es Fischschwärme, Weichkorallenlandschaften und saisonal auch Walhaie sowie Mantas. www.manta.ch

Cocktailzeit Wir schlendern gemächlich über den noch warmen Sand Richtung «Conch Bar», von wo aus wir einen atemberaubenden Blick über die Lagune haben. Während die Sonne im Meer versinkt, nippen wir genüsslich an unserem fruchtigen Cocktail und freuen uns auf das Dinner: heute gönnen wir uns ein Abend unter Sternen!

Star Dinner Dann ist es so weit: Unser Magen knurrt, mit glänzenden Augen machen wir uns auf den kurzen Weg Richtung GourmetRestaurant. Und da steht unser Tisch: inmitten der Insel, wunderschön aufgedeckt, in sehr privater Atmosphäre. Wir geniessen ein aussergewöhnliches 5-Gänge-Menu, über uns erstreckt sich ein Sternenfirmament von so aussergewöhnlicher Schönheit, dass wir minutenlang in einträchtiger Stille mit zurückgelegtem Kopf hinauf in den Himmel schauen.

Film ab! … der Abend neigt sich noch lange nicht dem Ende zu! Barfuss spazieren wir dem Strand entlang Richtung Coco Cinema, wo wir uns einen romantischen Film unter dem weiten Himmel der Malediven ansehen, untermalt vom leisen Plätschern der Wellen, die an den Strand schlagen.

Süsse Träume Und dann gönnen wir uns noch einen letzten Drink, umgeben von wunderbarer Stille auf der Terrasse unserer Beach Villa und freuen uns bereits auf das fantastische Frühstücksbuffet, das uns am nächsten Morgen zu einem neuen perfekten Tag empfängt. Neu renovierte Zimmer auf Maafushivaru.

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DIE SCHÖNSTEN REISEN BEGINNEN IM KOPF!

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KARIBISCHER 150


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Die Dominikanische Republik zeigt auf vielfältigste Art und Weise ihre schönsten Seiten: Feinsandige, endlos lange Traumstrände stehen hier im harmonischen Einklang mit imposanten grünen Landschaften – 255 Sonnentage und Durchschnittstemperaturen von 27 Grad Celsius inklusive. Exzellente Voraussetzungen also, die den sonnenverwöhnten Karibik-Staat weltweit zu einer der beliebtesten Urlaubsoasen machen.

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Casa de Campo Golfplatz

Punta Cana

Bayahibe

Casa de Campo Marina Plaza

D von Boris Jaeggi

ie Dominikanische Republik nimmt etwas mehr als zwei Drittel der Fläche der Karibik-Insel Hispaniola ein, das übrige Drittel entfällt auf den Nachbar-Staat Haiti. Hispaniola ist die zweitgrösste Insel der Grossen Antillen, eines submarinen Gebirgszugs, der Nord- und Südamerika miteinander verbindet. Im Landesinneren prägen dichte Wälder und landwirtschaftliche Nutzung – Tabak, Zuckerrohr, Reis, Obst- und Gemüseanbau – das Bild. Die Küsten, im Norden und Osten am Atlantik, im Süden und Südwesten am Karibischen Meer gelegen, sind berühmt für ihre feinsandigen, weissen Traumstrände mit kristallklarem Wasser und bei Urlaubern aus aller Welt beliebt.

Auf einem weitläufigen Gelände verteilen sich luxuriöse Villen, Jachthafen, Tennis- und Poloplätze, ein Amphitheater mit 5.000 Plätzen und das Künstlerdorf Altos de Chavón, in dem Touristen nicht nur Kunst kaufen, sondern auch bei professionellen Künstlern Malunterricht nehmen können. Es ist im mediterranen Stil angelegt und einzigartig in der Karibik. Auf dem nahe gelegenen Fluss Rio de Chavón verkehren Mississippi-Dampfer als Ausflugsattraktion. Freunde des «Grünen Sports» kommen hier ebenfalls voll auf ihre Kosten: Das Resort verfügt über vier international berühmte und spektakuläre Golfplätze.

Golf-Paradies in der Karibik Kein Wunder also, dass die Dominikanische Republik als beste Golf-Destination der Karibik und Lateinamerikas gilt. Über 30 erstklassige und abwechslungsreiche Golfanlagen – von den besten Golfplatz-Designern der Welt wie etwa Nick Faldo, Robert Trent Jones und Pete Dye gestaltet – stehen den Gästen zur Verfügung. Karibische Temperaturen, üppige Vegetation, Golf Courses mit Blick aufs Meer oder nahe am tropischen Urwald machen Golf in der Dominikanischen Republik zu einem besonderen Erlebnis. Die Sportart hat hier ausserdem «Promi»-Status: Hollywood-Stars und ehemalige US-Präsidenten zieht es jährlich auf die Plätze der Insel.

Traumstrände für Familienurlaub und die besten Golfplätze der Welt Die Ostküste der Dominikanischen Republik ist touristisch sehr gut erschlossen und landschaftlich vom Zuckerrohranbau geprägt. La Romana, die drittgrösste Stadt der Republik, gilt seit der Gründung der Zuckerrohrfabrik Anfang des 20. Jahrhunderts als Zuckermetropole des Landes. Wenige Kilometer vor den Toren von La Romana befindet sich eine der grössten und exklusivsten Hotelanlagen der Karibik: Casa de Campo.

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Amphitheater von Casa de Campo.

Punta Cana

Altos de Chavón

Nur wenige Kilometer vom drittgrössten Flughafen der Dominikanischen Republik entfernt bietet die Region um Punta Cana eine Vielzahl hochwertiger Hotelanlagen mit allen erdenklichen Sport- und Vergnügungs-Einrichtungen. Bereits eine halbe Stunde nach Verlassen des Flugzeugs können die Gäste im Meer schwimmen gehen. Das umfassende All-Inclusive-Angebot ist einzigartig und bietet das beste Preis-Leistungs-Verhältnis, zu dem KaribikTräume in Erfüllung gehen können. Die Ausstattung mit hochwertigen Standards, grosszügige Swimmingpool-Anlagen, Wassersport-Angebote, Golf- und Tennisplätze, Reiten, professionelle Animation für Kinder und Erwachsene lassen keine Wünsche offen. Wer Ausflüge in die Natur unternehmen möchte, findet in der traumhaften Bucht des ehemaligen Fischerdorfs Bayahibe ein kleines Paradies. Von hier aus starten täglich Ausflugsboote zur küstennahen Insel Isla Saona, die Teil des über 300 Quadratkilometer grossen Nationalparks Parque Nacional del Este ist. www.godominicanrepublic.com

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JORDAN Das Land der W端ste und des Meeres

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Biblische Orte, ein Freiluft-Spa der besonderen Art, grüne Wälder, weite Wüste, fantastische Tauchgründe und eine köstliche Küche: Das macht Jordanien aus. Ein weiterer Vorzug des stabilen Landes im Nahen Osten ist die sehr offene und gleichzeitig unaufdringliche Freundlichkeit der Menschen.

NIEN Die jordanische Nationalblume, die schwarze Iris.

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Die neue Generation von Luxushotels sorgen für einen einmaligen, komfortablen und gastfreundlichen Aufenthalt.

Vom Vorgebirge des Nebo aus, sah Moses das Tote Meer, das Jordantal, Jericho und die weit entfernten Hügel von Jerusalem.

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von Sabine Kwapik, Fotos: Jordanisches Fremdenverkehrsamt

an benötigt ein etwa zwei Meter tiefes Erdloch, ein mehrstöckiges Stahlgestell, Holzkohle, einen feuerfesten Deckel, etwas Lehm zum Abdichten sowie ein ganzes Lamm, ein halbes Dutzend Hühner und kiloweise Gemüse. Danach braucht es Geduld, sehr viel Geduld. Denn fast einen ganzen Tag garen die Zutaten im eigenen Saft luftdicht abgeschlossen in dem traditionellen Erdofen der Nomaden. Dazu gibt es die landestypischen Mezzeh, kalte Vorspeisen wie etwa Houmus, ein Kichererbsenpüree, oder Tabbouleh, ein Petersiliensalat. Und zwar bis der Tisch sich biegt. Dazu arabische Gesänge mit Sternenhimmel über dem Wüstenzelt, ein Blick über das im Mondschein glitzernde Tote Meer und in fast greifbarer Nähe die Lichter Jerusalems. So sieht ein traditioneller arabischer Abend aus, etwa im Fünf-Sterne-Haus Evason Ma’in Hotel östlich des Toten Meeres.

und Israel. Wissenschaftler schätzen, dass darin über 40 Milliarden Tonnen Mineralien gelöst sind. Dazu zählen Magnesium, Kalzium, Brom, Kalium und Schwefel, die für Menschen eine heilende Wirkung haben. Ein Umstand, den etwa das Kempinski Hotel Ishtar nutzt. Das Haus ist eines der grössten Hotels in Jordanien. Dazu gehört ein Anantara-Spa, der grösste Indoor-Spa im Nahen Osten mit mehr als 20 Behandlungsräumen. Geboten wird dort auch ein so genanntes Kleopatra-Bad mit Milch und Rosen. Doch seit einigen Jahren sinkt der Wasserspiegel des Toten Meeres jedes Jahr um bis zu 70 Zentimeter. Der Grund: Das Wasser des Flusses Jordan, Zulauf des Toten Meeres, wird von Jordanien wie auch von Israel für die Landwirtschaft benötigt. Nun könnte möglicherweise ein Tunnel vom Golf von Aqaba, einem der schönsten Schnorchel- und Taucherparadiese der Welt, hin zum Toten Meer Abhilfe schaffen. Verschiedene Machbarkeitsstudien sollen in diesem Jahr in Auftrag gegeben werden, damit das einzigartige Naturphänomen Totes Meer erhalten bleibt.

Spa-Kultur im Nahen Osten Es ist das grösste Freiluft-Spa der Welt mit einem extremen Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent. Ein Wert, der alle anderen Meere um das Zehnfache übertrifft. Seit der Antike zieht das Tote Meer am tiefsten Punkt der Erde Menschen an. Der Grund sind das gesundheitsfördernde Wasser und das Klima des seit Jahrtausenden genutzten rund 400 Meter unter dem Meeresspiegel gelegenen Gewässers zwischen Jordanien

Die Herrscher des Landes Der haschemitische König Abdullah II. und Königin Rania besuchen diesen aussergewöhnlichen Ort regelmässig. Der im Land sehr beliebte Herrscher agiert seit langer Zeit besonnen in der Region mit zahllosen Konflikten. Damit machte er Jordanien zu einem

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Als eine der schönsten und rätselhaftesten Stätten der Antike gilt die Ruinenstadt Petra.

dringend benötigten verlässlichen Partner und ausgleichenden Faktor im Nahen Osten. Seine Frau ist im In- wie auch im Ausland nicht weniger angesehen. Sie wurde erst jüngst vom «Forbes Magazine» für ihr Engagement für Bildung und Menschenrechte auf die Liste der hundert mächtigsten Frauen der Welt aufgenommen.

Petra ist mehr als 2.000 Jahre alt und von der UNESCO als Weltkulturerbestätte geadelt. Nach der Wanderung durch die rund einen Kilometer langen bisweilen nur zwei Meter breiten und 80 Meter in die Höhe ragenden Felswände eröffnet sich ein Blick auf prachtvolle Felsengräber, Tempelfassaden, Totenhallen und Felsreliefs. Nach dem Besuch sollte man Zeit einplanen, um das jordanische Nationalgericht in einem der Lokale der Stadt zu probieren, etwa im Sun City Restaurant. Mansaf heisst das Gericht aus Lammfleisch, Joghurtsosse sowie Reis, das traditionell auf grossen runden Platten für mehrere Personen serviert wird. Gegessen wird mit den Fingern.

Das Königspaar herrscht über das Land mit sechs Millionen Einwohnern. Jordanien hat keine nennenswerten Öl- oder Gasvorkommen, anders etwa als der Nachbarstaat Saudi-Arabien. Mehr als 90 Prozent der Bevölkerung sind Moslems, viele davon palästinensischer Herkunft. Sie begegnen Besuchern des Landes von der vergleichbaren Grösse von Bayern und Baden-Württemberg mit Toleranz, Interesse und Freundlichkeit. In dem Königreich befinden sich viele archäologisch wichtige Stätten, die auch für Christen von Bedeutung sind.

Filigrane Kunst und antike Kultur So gestärkt geht die Reise zu einer bedeutenden religiösen Ausgrabungsstätte am Toten Meer vorbei in Richtung Norden weiter. Dort liegt Madaba, die Stadt der Mosaike. In der zeitgenössischen griechisch-orthodoxen Kirche St. George befindet sich die aus kleinen Steinen zusammengesetzte älteste Karte des Heiligen Landes als Bodenmosaik aus dem sechsten Jahrhundert. Höher im Norden befindet sich die Stadt Jerash, eine der am besten erhaltenen römischen Städte der Welt. Säulenhaine, Tempel und Amphitheater prägen diesen Touristenmagneten. Pinien, Pistazien und Eichen gehören zum Bild des unweit von Jerash gelegenen Ajloun-Naturschutzgebietes. Dort können Aktivurlauber verschiedene Touren durch ein Forstgebiet machen, in dem die jordanische Nationalblume, die schwarze Iris, vorkommt.

Etwa der Berg Nebo, den man bei einer Tour in den Süden nach Petra passieren kann. Von dort aus soll Moses das gelobte Land gesehen haben, ohne es je zu betreten. Der Überlieferung nach befindet sich auch Moses’ Grab auf der das Tal des Jordan überragenden Anhöhe. Weiter Richtung Süden gelangt man nach Petra. Hufgeklapper der Kutschenpferde hallt durch die Schlucht, dem Siq, der rosaroten Felsenstadt der Nabatäer wider. Sie war ein Knotenpunkt lukrativer Handelsrouten, die China im Osten mit Rom im Westen verband.

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Mehr als 92 Prozent der Jordanier sind sunnitische Muslime, und cirka sechs Prozent sind Christen.

Charakteristisch für die Landwirtschaft in Jordanien sind Oliven, Mandeln, Feigen, Aprikosen, Pfirsiche und Datteln – diese Früchte werden in einer hervorragender Qualität produziert, gelten etwa die jordanischen Datteln der Sorte Medjoul als die besten der Welt. Sie gedeihen auf verschiedenen landesweiten Farmen, wie etwa der Al Baraka Farm unweit von Amman. In der Metropole werden sie beispielsweise bei Zalatimo Sweets verwendet. Dort versteht man das Geschäft mit der Produktion von Baklava aus Blätterteig, Feigen, Pistazien und Datteln. Und das bereits in der dritten Generation. Die landestypischen Süssigkeiten findet man in der Altstadt und den Souks, den bunten Basaren, an jeder Ecke. Auch beim Genuss einer Wasserpfeife werden die süssen Speisen gerne in einem der vielen Cafés der Hauptstadt gereicht. Sie ist bekannt für den Zitadellenhügel mit einer Festungsanlage, in der Spuren neolithischer, hellenistischer, spätrömischer und islamischer Zeit zu sehen sind. Und noch etwas bietet die Erhebung – einen fantastischen Blick über die so genannte «Weisse Stadt» bei Sonnenuntergang.

«FREUNDSCHAFT IST WIE EIN BAUM; ES KOMMT NICHT AUF DIE HÖHE AN, SONDERN AUF DIE TIEFE DER WURZELN.» jordanisches Sprichwort

Sobald man jordanischen Boden betritt, kann man das reiche Erbe dieses Landes spüren.

Keine Shorts – keine Minis So gemütlich sie auch für die meisten Westler sind, in Jordanien haben sie nichts zu suchen: die Männershorts. In Jordanien legen die Menschen grossen Wert auf gepflegte Kleidung und das Tragen von kurzen Hosen ist in den Augen jordanischer Männer lächerlich. Frauen sollten sich wie überall in der arabischen Welt nicht allzu freizügig kleiden. Obwohl liberal und tolerant, handelt es sich um ein islamisches Land. Auf Träger-Shirts, Miniröcke und tief dekolletierte Oberteile sollte man deshalb verzichten. In Petra, Aqaba und in internationalen Hotels allgemein ist man mit westlichen Sitten besser vertraut, weshalb hier sowie in den modernen Stadtvierteln von Amman (Shmisani, Abdoun) ein weitgehend westlicher Kleidungsstil üblich ist. Einheimische Paare wird man wie überall in der arabischen Welt auch auf Jordaniens Strassen nicht erkennen. Sie halten nicht wie bei uns Händchen oder geben sich Küsse in der Öffentlichkeit. Das sollte man auch als höflicher Tourist vermeiden und sich mit dem Austauschen von Zärtlichkeiten zurückhalten. Alte Mosaike geben Auskunft über vergangene Zeiten.

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Der Sonne sei Dank – gute Stimmung!

u viel Sonne ist schädlich – zu wenig aber auch. Sonnenlicht stärkt unsere Abwehrkräfte, die Knochen und hilft gegen Depressionen. Sogar Schlafstörungen können gemindert werden. So hat die Kraft der Sonnenstrahlen viele positive Aspekte auf unser Wohlbefinden und unsere Gesundheit. Besonders wichtig für unseren Knochenaufbau ist Vitamin D. Es wird vom Körper selber produziert, und zwar mit Hilfe von UV-Strahlen.

Was die Gemütsverfassung angeht: Wer kennt den NovemberBlues nicht? Zumindest eine gewisse Wehmut beim Gedanken an einen warmen Sommerabend kann wohl niemand verleugnen. Viele Menschen haben sogar echte Depressionen. Oft wird deshalb eine sogenannte Lichttherapie empfohlen, wobei die Haut mit künstlichen UV-Strahlen bestrahlt wird. Je mehr Licht die Haut tanken kann, umso besser die Stimmung bei einer Winter-Depression.

Etwa 80 bis 100 Prozent des täglichen Bedarfs werden über die Aufnahme von Sonnenlicht gedeckt. Weil der Körper Vitamin D im Fettgewebe speichert, kann man im Sommer seinen Sonnenvorrat für den Winter anlegen. UV-Strahlen sorgen auch dafür, dass unser Immunsystem gestärkt wird und unser Organismus besser mit Viren und Bakterien fertig wird.

Passend zum Sommer oder Frühling spassen wir häufig über Frühlingsgefühle. Tatsächlich lassen UV-Strahlen das männliche Geschlechtshormon Testosteron ansteigen und so verwundert es wenig, dass laut Statistik im Juni und Juli rund 20 Prozent mehr Kinder gezeugt werden.

La PrairieSelf Tan

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Und wer sonst unter Schlafstörungen leiden sollte, kann sich auch freuen, denn die Produktion des Schlafhormons Melatonin läuft nun wieder auf Hochtouren. So viel zu den vielen und wichtigen positiven Punkten der Sonnenstrahlen. Denn eines sollte man nicht vergessen: Zu viel Sonne ist schädlich für die Haut. Es gibt zwar eine Eigenschutzzeit der Haut, diese variiert allerdings je nach Hauttyp:

Typ 2: Helle Haut, überwiegend blonde oder helle Haarfarben beziehungsweise blaue oder grüne Augen. Bei diesem Hauttypus besteht ebenfalls bereits nach 10 bis 20 Minuten ein relativ hohes Sonnenbrandrisiko. Dabei färbt sich die Haut unter Sonneneinstrahlung meist erst rot und dann manchmal braun. Mit LSF 16 liegt die allgemein vertretbare Risikoschwelle bei 2 bis 3 Stunden täglich.

Die vier Hauttypen

Typ 3: Hier finden sich meist dunkle Haarfarben und braune Augen. Die Sonnenverträglichkeit ist schon etwas ausgeprägter als bei den anderen Typen. Denn auch nach bis zu 30 Minuten besteht nur geringes Sonnenbrandrisiko. Bei diesem Typ färbt sich die Haut auch selten rot, aber immer braun. Mit Lichtschutzfaktor 16 erhöht sich die Sonnenbrandschwelle auf etwa 4 Stunden für den Tag.

Typ 1: Helle Haut, Sommersprossen, Haarfarbe oft blond, hellrot bis rötlich, Augenfarbe: Blau oder Grün. Bereits nach 10 Minuten besteht ohne Schutz ein Sonnenbrandrisiko. Die Haut kann verschiedene Rötungsnuancen aufweisen, wird aber eigentlich nie braun. Täglich sollten auch mit Lichtschutzfaktor (LSF) 16 maximal 1,5 Sonnenstunden nicht überschritten werden.

Maria Galland-Teint Compact SPF 50+

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© Vichy

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Typ 4: Von Natur aus dunkle(re) Haut, verbunden mit dunkleren oder oft auch schwarzen Haaren und braunen Augen. Selbst nach 45 Minuten ohne Schutz besteht in der Regel nur ein geringes Sonnenbrandrisiko. Die Haut bleibt oder wird braun. Mit LSF 16 gelten hier selbst mehr als 6 Stunden täglich noch als risikoarm.

5. Alle unbedeckten Körperpartien sollten reichlich mit Sonnenschutzmitteln eingecremt werden. Diese sollten ein ausgewogenes UVA- und UVB-Schutz-Verhältnis haben. 6. Die Sonnencreme sollte auf jeden Fall vor dem Sonnenbad aufgetragen werden.

Wichtig ist, dass Kinder bei dieser Typenbestimmung IMMER dem Typ 1 zugeordnet werden müssen. Eines der Hauptprobleme für die Haut sind neben den verschiedenen Umwelteinflüssen die ultravioletten Strahlen, die in dreifacher Form auftreten:

7. Während des Sonnenbades das Nachcremen nicht vergessen. 8. Bedenken Sie immer: Die unsichtbare UV-Strahlung kann auch ohne Sonnenbrand Ihrer Haut schaden. Bleiben Sie deshalb nie zu lange in der Sonne und nutzen sie schattige Plätze.

UVA-Strahlen: Fast 90 Prozent des ultravioletten Lichtes bestehen aus diesen Strahlen. Sie dringen sehr tief in die Haut ein und regen die Pigmentierung an. Eine zu starke Belastung führt jedoch zu vorzeitiger Hautalterung.

Der richtige Lichtschutzfaktor (SPF – Sun Protection Factor) Der Schutz vor UVB-Strahlen wird durch die Nennung des SPF auf der Verpackung oder der Tube verdeutlicht. Der SPF gibt an, um wievielmal die Sonnencreme die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Hat Ihre Haut also eine Eigenschutzzeit von 10 Minuten und Sie benutzen eine Creme mit SPF 10, könnten Sie sich theoretisch 100 Minuten ohne Sonnenbrand in der Sonne aufhalten. Zur Vermeidung von Hautschäden sollten diese Zeiten jedoch nie voll ausgereizt werden.

UVB-Strahlen: Diese dringen in die obere Hautschicht ein und verursachen den Sonnenbrand und in- folgedessen die Schädigung der Zellen. UVC-Strahlen: Diese sind besonders aggressiv, gelangen aber meist nicht bis zur Erdoberfläche, weil sie von der Ozonschicht gefiltert werden. Vorsicht ist aber in Ländern wie Australien geboten, in denen sich das Ozonloch vergrössert und in bestimmten Regionen ein verminderter natürlicher Schutz vor dieser Strahlung besteht.

Überblick über SPF-Bereiche SPF 6–10: niedriges Schutzniveau SPF 15–25: mittleres Schutzniveau SPF 30–50: hohes Schutzniveau SPF 50+: sehr hohes Schutzniveau

Die wichtigsten Regeln für das Sonnenbad 1. Meiden Sie intensive Mittagssonne von 11 bis 15 Uhr. Da ist die Sonne am aggressivsten.

Bedenken Sie aber gerade während der Urlaubszeit am Meer immer: Wasser reflektiert die UV-Strahlen und kann so eher einen Sonnenbrand verursachen. Deshalb immer mal wieder nachcremen, um den Sonnenschutz aufrechtzuerhalten. Dabei ist jedoch zu beachten, dass mehrmaliges Eincremen zwar dafür sorgt, dass der Sonnenschutz aufrechterhalten bleibt, er verlängert sich jedoch nicht. Pausen im Schatten sind daher unbedingt zu empfehlen.

2. Ziehen Sie geeignete Kleidung an. Mittlerweile gibt es Textilien, die UV-Strahlen nicht durchlassen. Dies ist besonders für zarte Kinderhaut zu empfehlen. 3. Schützen Sie Ihren Kopf mit einer Kopfbedeckung. 4. Schützen Sie Ihre Augen mit einer geeigneten Sonnenbrille.

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IN THE SUN

R von Valeska Jansen

aus aus den Stiefeln und dicken Socken, Sandalen her! Bunte Zehennägel überall, aber bitte nur mit gepflegten Füssen. Die Winterhornhaut muss runter. Entweder mit Hilfe einer Kosmetikerin, oder Sie legen selbst Hand an. Am einfachsten geht das mit einem entspannenden Fussbad. Danach lässt sich die Nagelhaut problemlos mit einem Holzstäbchen zurückschieben und verhornte Fersen und Ballen werden mit einem Bimsstein bearbeitet und wunderschön zart gerubbelt. Danach eine kühlende Creme einmassieren, und schon kanns losgehen:

Jetzt wirds bunt! Passend zum Sommer übertrumpfen sich die Beauty Labels mit knalligen Farben für Augen, Lippen und Nägel. Sommerdüfte haben Hochkonjunktur und spezielle Bronzer-Produkte lassen die sonnengestresste Haut entspannt strahlen.

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Veet-Wax-Gel

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Yves Saint Laurent-Gloss Pur

The Body Shop-Honey Bronze Shimmering Dry Oil

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© DIOR

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Bunt lackiert in die Sandalen

Schöne Beine ganz einfach

Entfernen Sie Cremereste auf den Zehennägeln mit einem in Nagellackentferner getauchten Wattebausch. Zuerst einen Unterlack auftragen. Das ist sehr wichtig, um unschöne Verfärbungen der Nägel zu vermeiden. Gut trocknen lassen und die erste Schicht Farblack auftragen. Nach circa zehn Minuten kann die zweite Lackschicht folgen. Eine halbe Stunde Trockenzeit sollte dann schon sein. Diesen Sommer sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: ob nur eine Farbe oder bunt gemixt, alles ist erlaubt.

Noch winterblasse Beine? Das muss nicht sein. Es gibt eine sehr grosse Auswahl an Selbstbräunern und falls Sie Angst vor Flecken oder Streifen haben sollten, hier ein Tipp für ein gleichmässiges Ergebnis: Machen Sie zuerst ein Peeling an den Beinen, danach tragen Sie eine leichte Bodylotion auf. Dies ist die perfekte Basis. Nun tragen Sie den Selbstbräuner gleichmässig auf. Achten Sie dabei darauf, dass

OPI-NailApps Crazy Daisy OPI-NailApps Magic Garden

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DIOR-Vernis Paradise

Chanel-Le Vernis

DIOR-Vernis Aloha

DIKLA-Nagelhärter


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auch die Füsse, einschliesslich der Zehen, etwas abbekommen. Bitte nicht unter den Füssen eincremen, erstens ist es unnötig und zweitens verfärbt sich die natürliche Hornhaut unter den Füssen stärker als der Rest. Hände gründlich mit Seife waschen. Nun alles gut einziehen lassen, circa 20 Minuten, bevor Sie sich anziehen.

Eine Maniküre bitte Was für die bunt lackierten Zehennägel gilt, darf natürlich auch nicht auf den Fingernägeln fehlen. Ob eine Farbe oder mehrere, sollten Sie am besten von Ihrem Outfit abhängig machen. Toll sehen bunt lackierte Fingernägel zu unifarbener Kleidung aus.

Zeig mir Deinen Erdbeermund Auch auf den Lippen dürfen Sie diesen Sommer mit Knallfarben experimentieren. Orange, Pink, Zyklam, Gold, diesen Sommer gibt es kaum eine Farbe, die nicht als Lippenstift oder als Lipgloss erhältlich ist. Eine wichtige Regel gibt es allerdings: Bitte nur einen kräftigen Farbakzent im Gesicht setzen. Falls Sie also vorhaben sollten, ein leuchtendes Türkis auf den Augenlidern zu tragen, bitte dazu eine dezente Lippenfarbe verwenden.

Natürliche Bräune überall Immer beliebter werden sogenannte Facebronzer. Sie verhelfen jedem Teint in Sekundenschnelle zu einer natürlich gebräunten Ausstrahlung. Verzichten Sie doch mal auf Make up und tragen Sie nur Bronzepuder auf. Auch auf den Wangen kann dieser wunderbare Akzente setzen. Auf Hals, Schultern und Dekolletee aufgetragen, schimmert die Haut verführerisch.

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Guerlain-Terra Inca Poudre

Beauty Addicts-Bronzer

Clarins-Mosaique Poudre

Lancaster-Bronzing Powder

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© API (c.) Michael Tinnefeld

EIN NEUER BALDESSARINI-DUFT SORGT FÜR AUFMERKSAMKEIT Nach Signature, Del Mar, Ambré und Strictly Private reiht sich nun ein neuer Duft in das Marken-Credo «separates the men from the boys» ein: Private Affairs. Erfrischend und doch sehr männlich sollen ab sofort alle Gentlemen duften.

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W von Valeska Jansen

erner Baldessarini war über 30 Jahre bei Hugo Boss beschäftigt. Erst als Designer, später als Vorstandsmitglied und CEO. Unter seiner Federführung wurde 1993 das hochpreisige Luxuslabel Baldessarini lanciert. Heute sitzt Werner Baldessarini im Aufsichtsrat des österreichischen Strumpffabrikanten Wolford. Die Fashionmarke Baldessarini wurde in der Zwischenzeit verkauft, mit Ausnahme der Duftlizenz. An der Entwicklung der Baldessarini-Düfte ist Werner Baldessarini nach wie vor massgeblich beteiligt.

Als ich bei Boss aufgehört habe, wollte ich mein Leben nur noch geniessen. Dies war eine sehr persönliche Entscheidung, weil ich mir endlich den Luxusfaktor Zeit gönnen wollte. Hinzu kam, dass ich in damals für einen Komplettcheck beim Arzt war, und dieser meinte hinterher zu mir: Maximum 104 Jahre. Da war ich schon 57, also haben mir noch 47 Jahre gefehlt, und die wollte ich gut nutzen (lacht). Tja, und warum Wolford? Da sitze ich zwar «nur» im Aufsichtsrat und bekanntlich ist man dort eher beratend tätig, was mir als Macher und «Detailfuzzi» eigentlich nicht gar so gut liegt. Aber Wolford ist eine Firma, die unglaublich hochwertig angesiedelt ist, sehr sexy Dinge macht und konsequent dabei bleibt. Sich auf diesem Markt zu behaupten und die Hochwertigkeit nicht zu verlassen, ist eine Herausforderung, die mich reizt!

Im März dieses Jahres wurde nun sein fünfter Herrenduft «Private Affairs» in München präsentiert. In der Münchner InLocation Heart trafen sich rund 250 Stars und Sternchen, um mit Werner Baldessarini seine neueste Duftkreation zu feiern. Natürlich durfte auch das Baldessarini-Testimonial Charles Schumann nicht fehlen. Er präsentierte sich während der Feierlichkeiten im dortigen Atrium ganz als Gentleman. Mit einem Model dinierte er bei Kerzenschein zur Livemusik der Gipsy Kings Family. Wir trafen Werner Baldessarini im Hotel Bayerischer Hof zum Exklusiv-Interview:

Wird es bald auch einen Baldessarini-Damenduft geben? Das ist gut möglich. Ich selber könnte zwar keine Damenmode machen. Ich kann auch nicht als Frau denken, aber bei einem Duft kann ich zumindest sagen, welcher mir an einer Frau gefällt.

PRESTIGE: Sie haben sich im Duftbereich für einen Nischenmarkt entschieden – wo ziehen Sie die Grenzen zwischen «Men» und «Boys»?

Wie riecht denn die Baldessarini-Frau? Hinterlistig! Reduziert, aber dennoch nachhaltig und tiefsinnig. Das Gegenteil von aufdringlich – es darf nicht sein, wenn du zum Beispiel in einen Lift reinkommst und da ist eine Frau mit einer riesigen Duftwolke um sich rum – dies ist für mich zu direkt, zu aufdringlich und lenkt ab.

Werner Baldessarini: Wir möchten Männer ansprechen, die sich nichts mehr beweisen müssen – im Sinne von «Ich jage nicht, ich wähle aus»! Weil es bekanntlich in jedem Bereich ein grosses Überangebot gibt, versuche ich, etwas nicht Alltägliches zu machen.

Wie würden Sie sich als Mann beschreiben? Bei Baldessarini kann ich Einfluss auf die Kreation der Düfte nehmen, wie ich mir das vorstelle, ohne dass ich ein Parfümeur bin. Ich sag zum Beispiel «mehr Zedernholz», «ich will den Duft männlicher haben», «mehr Kick» oder so. Am Ende habe ich fünfzig Fläschchen bei mir und teste sie ständig an allen Menschen, die mir über den Weg laufen. Und irgendwann werden diese Fläschchen immer weniger. Das sind auf alle Fälle immer Düfte, die mir persönlich unheimlich gut gefallen. Die Entwicklung meiner Düfte ist wirklich eine sehr persönliche Sache.

Ich glaube, dass ich ziemlich offen bin. Neugierig, berechenbar. Ich bin auch ein Entdeckertyp.

Ihr grösster Wunsch? Dass sich für mich nichts verändert, und dass ich so bleiben kann wie ich bin. Das hängt natürlich mit dem Alter zusammen. Auch, dass mir das Leben weiter so viel Spass macht wie jetzt.

Wie kamen Sie auf den Namen «Private Affairs»?

Herzlichen Dank für Ihre Zeit und das offene Interview!

Das ist unglaublich schwierig! Es gibt ja schon so wahnsinnig viele Namen – gehen Sie Mal in eine Parfümerie, da werden Sie von der Fülle an Düften geradezu erschlagen. Für den Namen «Private Affairs» haben wir uns entschieden, weil vermutlich jeder – zumindest in Gedanken – irgendwann einmal eine Affäre hat. Eine Affäre ist privat, mystisch und heimlich – der Phantasie kann hier freien Lauf gelassen werden.

Das heisst, der neue Duft soll auch aphrodisierend wirken? Genau! Dieser Duft sollte nach Möglichkeit das souveräne Auftreten des Mannes unterstreichen. Modell «keine Widerrede!» (lacht)

Wie sind Sie eigentlich bei Wolford gelandet?

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Best BEAUTY Abtauchen, verweilen, geniessen. So heisst das Motto im aquabasilea Spa in Pratteln. Freundinnen, BusinessFrauen, Mamis und Paare gönnen sich in der Wasserwelt gern eine Auszeit zu zweit. Die Kleinen toben sich so lange beim Rutschen im Erlebnisbad aus. In exklusiven Wellness-Stunden verwöhnt das Spa-Team in entspannter Atmosphäre. Den Alltag lassen die Gäste hinter sich, sobald sie an der Spa-Rezeption ihre flauschigen Bademäntel, Badetücher und Slippers in Empfang genommen haben.

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BEAUTY

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von Waltraud Kässer, Fotos: aquabasilea

m grosszügigen, lichtdurchfluteten aquabasilea Spa hat sich ein Team aus innovativen Kosmetikerinnen und Therapeuten ganz auf die individuellen Bedürfnisse und Wünsche eingestellt. Während sich die einen nach Entspannung für die Seele und Schönheit von innen sehnen, möchten andere den Spa-Bereich mit einem frischen, attraktiven, gepflegten Äusseren verlassen. Zwei Freundinnen, die zusammen gekommen sind, entscheiden sich für unterschiedliche Angebote: Das Spa-Package «Ruhe und Gelöstheit», inklusive Dampfbad und Thai-Massage, ist das Verwöhnprogramm für die Seele. Die Kombination «Starkes Doppel» plus «Effektives Multitalent» sorgt für das perfekte Aussehen.

Energielinien und Energiefeldern. Dehnungs- und Streckungstechniken am Muskelapparat wirken lockernd und befreiend. Zeitgleich hat in der Kosmetikkabine die Behandlung der Freundin begonnen. Los geht das Treatment mit dem «Starken Doppel», Maniküre und Pediküre. Die Behandlung dauert eine Stunde. Dann schliesst sich die intensive Gesichtsbehandlung «Effektives Multitalent» an. Sie besteht aus Reinigung, Peeling und Tiefenreinigung. Die Gesichtshaut ist wie kein anderes Organ Umwelteinflüssen ausgesetzt. Die Kosmetikerin entscheidet sich je nach Bedürfnis der Haut für eine Maske mit Vitamin E und Mexiko-Honig, die Fältchen beseitigt und Feuchtigkeitsdepots auffüllt, oder sie schlägt eine Behandlung mit Nachtkerzen- und Macadamianussöl vor, die die Haut rosig frisch erstrahlen lässt. Das aquabasilea setzt dabei auf hochwertige Produkte der Marke Babor. Als Höhepunkt der Behandlung empfindet die Kundin die wohltuende Massage von Gesicht und Nacken.

In den Behandlungsräumen dominieren warme Farben, die eine angenehme Atmosphäre schaffen. Beim Package «Ruhe und Gelöstheit» bittet das Team zu Reinigung und Peeling ins Dampfbad. In kreisförmigen Bewegungen trägt der Spa-Mitarbeiter eine Kombination aus Aromaöl und gehaltvollem Mineralsalz auf die Haut auf. Entspannung pur bietet ein 20- bis 25-minütiger Aufenthalt im «private» Dampfbad. Bei der Behandlung lösen sich kleinste Hautschüppchen und Hautunreinheiten werden beseitigt. Die Haut fühlt sich jetzt frisch, zart und rein an.

Zwei Stunden, nachdem sich die Freundinnen getrennt und sich von ihren Therapeuten in die Behandlungsräume haben führen lassen, treffen sie sich vollkommen entspannt in der grosszügigen Lounge wieder, in der bequeme Liegen und Strandmuscheln zum Ruhen und Verweilen einladen. Wasser, Säfte, Eistee und frische Früchte stehen in der Chilloutzone kostenlos bereit. www.aquabasilea.ch

Teil zwei des Verwöhnprogramms, ein traditionelles Thai Ritual kann beginnen. Der Masseur arbeitet – anders als bei der klassischen Massage – an Druckpunkten und massiert entlang der

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GOURMETFASTEN Königsweg zu dauerhaftem Körperglück Gourmetfasten in den Bergen Tirols – ein kleiner Verzicht auf zu viel Genuss steigert Wohlbefinden und verbessert die Gesundheit.

Sanfter Verzicht durch Fastenperioden Verzicht nimmt nicht, sondern gibt die Grösse des Einfachen wieder – so urteilte der Philosoph Martin Heidegger. Das Zurücknehmen ist entscheidend, im Reduzieren liegt eine grosse Chance zur Selbsterfahrung. «Über diese Körperlichkeit den Geist und die Seele wieder zu spüren, den Geruchs- und Geschmacksinn in neuer Intensität zu erleben, das tut uns gut.» Für Dr. Richard Kogelnig, den stellvertretenden medizinischen Leiter des Parkhotels Igls, hängen medizinisches Fasten und spirituelles Fasten eng zusammen. «Es geht um die Einstellung, den freiwilligen Verzicht. Spirituelles Fasten ist gewissermassen die höchste Form, weil es uns über das Materielle hinausführt, die Ganzheitlichkeit erfahrbar macht, uns Geist, Seele und Leib als Einheit erleben lässt! Mit der von uns propagierten Gourmet-Entschlackung lässt sich wieder eine gesunde Energiebilanz herstellen.»

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von Dr. Kurt Luger, Fotos: Parkhotel Igls

trenges Fasten, bis zu biblischen 40 Tagen, hält nur ein gesunder Mensch aus. In der öffentlichen Meinung hat das Fasten noch immer das Image des Quälens, des Kasteiens, des Leidens. Man verbindet damit eine freudlose Periode, zu der man nur im äussersten Notfall Zuflucht nimmt. Das heutige heilende Fasten hat damit allerdings nichts mehr zu tun. Mehr und mehr kommt man von der asketischen Form ab. Es zeigt die Erfahrung, dass der völlige Nahrungsverzicht zu einem Hungerstoffwechsel führt, den Körper erheblich belastet und nach Beendigung des Fastens das Gewicht geradezu hinaufschnellt. Stehen also nicht spirituelle Ziele und ein geistiger Reinigungsprozess im Vordergrund, sondern medizinische Ziele, bietet die neue Moderne Mayr-Medizin im Parkhotel Igls einen schonenderen Weg, der ebenso zu einem Gewinn an seelischer Harmonie führt.

Das Park Hotel Igls hat mit seiner Modernen Mayr-Cuisine eine neue kulinarische Dimension entdeckt: 800-1000 kcal pro Tag sind im Sinn einer Gourmetdiät gestattet. Dr. Kogelnig: «Das ist die ideale Form sich zu reduzieren, mit dieser Küche kann man gut leben, weil sie abwechslungsreich, fein gewürzt und schmackhaft ist. Bei Null-Diät entsteht ja folgendes Problem: es geht Muskelmasse verloren, man nimmt daher anschliessend noch leichter zu. Das bietet also keinen erfolgversprechenden Ausweg aus dem Dilemma. Wir sagen auch: Kein Verzicht auf Leibspeisen – daher wird das Wiener Schnitzel halbiert, mehr Sa-

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«MIT DER VON UNS PROPAGIERTEN GOURMET-ENTSCHLACKUNG LÄSST SICH WIEDER EINE GESUNDE ENERGIEBILANZ HERSTELLEN.» Dr. Richard Kogelnig, stellv. medizinische Leiter des Parkhotels Igls

lat kommt auf den Teller. Das eigentliche Problem sind die Panier und die Transfette – aber letztlich macht die Menge das Gift, wie schon Paracelsus wusste! Ein Glas Wein ist fein, eine Flasche pro Tag führt in die Zirrhose. Wenn wir also das Gefährliche um 50 Prozent reduzieren, haben wir schon viel erreicht.»

bringt dies höchst positive Effekte, sogar im Hinblick auf die Gedächtnisleistung, wie eine rezente Studie zu dem Thema zeigt. Wir setzen auf Prävention – Wohlbefinden wird gesteigert durch Entgiftung und Entschlackung. Das ist auch eine Prophylaxe fürs Gedächtnis und gut für die Gehirnfunktion. Wer sein Gehirn liebt, sollte regelmässig entschlacken, Kalorienrestriktion betreiben! Das Fasten hilft oft erstaunlich – 4-5 Kilogramm weniger Gewicht senkt auch den Blutdruck, was man mit einem hochpotenten Blutdruckmittel nicht besser erreichen könnte, und die Bauchfettreduktion macht Medikamente oft überflüssig.»

Abendfasten bzw. dinner canceling gilt als das gesündeste Fasten. Macht man es einmal pro Woche, sind das 52 Tage pro Jahr. Das führt bereits zu einer enormen Entlastung des Stoffwechsels, des Magens, des Herz-Kreislaufsystems. «Ein letztes Essen um 15, 16 Uhr wäre optimal, weil so über Nacht eine lange Ruhepause für den Darm entsteht und der Körper Zeit hat, Fett zu verbrennen. Die Engländer nennen ihr Frühstück daher «break fast» – Fasten brechen! Die positiven Folgen sind atemberaubend!

Durch die vorübergehende Einschränkung wird nicht nur die Lebenslust gesteigert, es erhöhen sich auch die Chancen, ein schwerwiegendes medizinisches Ereignis zu vermeiden. Eine derart sinnvolle Prophylaxe verdient es, als Königsweg bezeichnet zu werden. Man schätzt, dass zwei Drittel der Erkrankungen vom Lebensstil – also vom Patienten selbst – verursacht werden. Dazu gehören die klassischen Risikofaktoren wie Herz-Kreislaufschäden und Stoffwechselstörungen ebenso wie erhöhtes Cholesterin oder zu viel Harnsäure.

Lieben Sie Ihr Gehirn mehr als Ihren Bauch! Die Bereitschaft zum Verzicht ist bei den meisten Gästen jedenfalls vorhanden. Sie möchten nicht nur eine Körper- und Formreparatur, eine Art 40.000 km-Service – sondern sich auch auf etwas Geistiges einlassen. «Der Grossteil kommt aus Sorge um die Gesundheit, aus spirituellen aber auch aus ästhetischen Gründen. Sie wollen eine bessere Figur, den Bauch abtragen, wieder in Form kommen ohne Messer. Das Gourmet-Fasten bietet eine wunderbare Möglichkeit, seine Form – auch die äussere – positiv zu beeinflussen. Letztlich entscheidet die Intensität – medizinisches Fasten heisst Kalorienrestriktion, und über drei Monate betrieben

Die Moderne Mayr-Medizin im Parkhotel Igls sieht sich damit im Einklang mit Hippokrates von Kos, dem berühmtesten Arzt der Antike, der vor mehr als zweitausend Jahren folgenden Ratschlag lieferte: «Sei mässig in allem, atme reine Luft, treibe täglich Hautpflege und Körperübung … und heile ein kleines Weh eher durch Fasten als durch Arznei.» www.parkhotel-igls.at

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OLYMPISCHE

SPIELE

D von Lone Halvorsen

ie englische Tageszeitung «The Independent» betitelte ihr Schluss-Resümee nach den damaligen Olympischen Spielen in Atlanta mit «Faster, higher, stronger, soapier». Sie brachte damit einen wesentlichen Teil der verbreiteten Olympiakritik auf den Punkt: Die Spiele seien zu einer «Seifenoper» abgesunken. Ursachen und Folgen waren schnell ausgemacht. Das Internationale Olympische Komitee stelle aus Geldgier das Geschäft mit dem olympischen Sport über die olympische Moral. Dies wiederum führe dazu, dass die Athletinnen und Athleten, für die doch die Spiele da seien und die ihnen überhaupt erst ihre Ausstrahlung, ihre Faszination, ihr Flair und ihre «Authentizität», ja ihre Seele, geben, gegenüber den Sponsoren, deren Interesse an den Spielen rein wirtschaftlicher Art sei, in den Hintergrund gedrängt würden. Zur «Kommerziade» seien die Spiele geworden, durch ihren Gigantismus, ihre ungebremste Kommerzialisierung und ihre ungelösten Dopingprobleme sich selbst zerstörend.

Heute übertrifft die Grösse der Olympischen Spiele jedes andere Sportereignis. Das Gastgeberland scheut keine Kosten und Mühen, die Eröffnung und den Abschluss gross in Szene zu setzen. Die ganze Welt schaut zu, wenn die besten Sportler aus über 200 Nationen gegeneinander antreten.

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«VON DEN VÖLKERN ZU VERLANGEN, SICH GEGENSEITIG ZU LIEBEN, IST EINE ART KINDEREI. SIE AUFZUFORDERN, SICH ZU ACHTEN, IST KEINE UTOPIE; ABER UM SICH ZU ACHTEN, MUSS MAN SICH ZUNÄCHST KENNEN.» Pierre de Coubertin

Im Wandel der Zeit

deutete einen Ruhm, der viele dazu verleiten liess zu betrügen. Die Spiele verloren an Wert. Zudem nahm in dieser Zeit der Glaube an die griechische Götterwelt ab. Schlussendlich verbot der christliche Kaiser Theodosius die Olympischen Spiele im Jahre 392 nach Christus.

Ursprünglich waren die Spiele jedoch ein kleinerer, sportlicher Wettbewerb zu Ehren der Götter im antiken Griechenland. Erst im 20. Jahrhundert wurden die Spiele zu dem Spektakel, das sie heute sind. Genau genommen gehen wir zurück in das Jahr 776 vor Christus. Im Olympia auf der Halbinsel Peloponnes waren die Spiele ursprüngliche kultische Riten zu Ehren der griechischen Götterwelt. Bei den ersten Olympischen Spielen durften nur junge Athener griechischer Abstammung teilnehmen. Diese Regel wurde mit der Zeit gelockert und die Spiele waren für alle Sportler aus der Region zugänglich.

Über 1.500 Jahre später, im Jahre 1894, wurde die Wiedereinführung der Olympischen Spiele beschlossen. Die Idee dazu hatte Pierre de Coubertin. Coubertin begriff den Sport als Möglichkeit, Jugendliche der unterschiedlichsten Nationen zusammenzubringen, um Freundschaften zwischen den Völkern auszubauen – damit war die Idee der Olympischen Spiele wiedergeboren. Doch zunächst musste Coubertin für seine Idee die Werbetrommel rühren sowie diverse Turn- und Sportverbände für sein Vorhaben gewinnen. Er bekam für seine Initiative noch Unterstützung von ganz anderer Seite: 1875 bis 1881 fanden Ausgrabungen im antiken Olympia statt, die die Welt begeisterten.

Nach und nach stand weniger der Kult sondern mehr der Sport im Mittelpunkt. Die Kampfrichter beobachteten die Teilnehmer vor den Spielen. Wer nicht sportlich fit genug war, wurde nicht für den Wettbewerb zugelassen. Die Sieger wurden ihr restliches Leben auf Kosten des Staates verpflegt, und ein Sieg be-

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Sportliche Perspektive

Die alten olympischen Stätten faszinierten nicht nur die Archäologen, und plötzlich kamen auch die in der Antike stattgefundenen sportlichen Wettkämpfe wieder ins Gedächtnis. Im April 1896 fanden die Spiele statt. Von Beginn an stellte Coubertin die Wettkämpfe unter das Motto «All sports, all nations» – «alle Sportarten, alle Nationen» – die Spiele sollten nicht politisch missbraucht werden und nur friedlichen Zwecken dienen.

Seit über 115 Jahren ziehen die Olympischen Spiele, mehr und mehr Zuschauer an die olympischen Stätten dieser Welt. Im Wandel der Zeit haben auch die Spiele ihr Gesicht verändert. An den ersten Spielen in Athen nahmen 295 Männer aus 13 Nationen an 42 Entscheidungen teil, und eine Dreiviertelmillion Zuschauer strömte in das Athener Stadion. Als die Sommerspiele 2004 wieder zu ihrem Ursprung zurückfanden, brachen sie alle Rekorde.

Die Sportler sollten der Jugend weltweit als Ansporn und Vorbild dienen. Und der Sport sollte den Menschen nicht nur körperlich, sondern auch charakterlich schulen. Heute lässt sich kaum noch übersehen, dass die Grundsätze, die den olympischen Sport bestimmen oder bestimmen sollten, seiner gegenwärtigen Realität nur noch zum Teil oder nicht mehr entsprechen.

Über 11.000 Athleten aus 202 Nationen traten in insgesamt 301 Wettbewerben für Ruhm und Ehre für ihr Land an. Millionen von Zuschauern konnten das Spektakel live miterleben, und aufgrund heutiger digitaler Medienverbreitung können Milliarden von Menschen dieses Grossereignis verfolgen und mit ihren Athleten mitfiebern. Die Entwicklungen der Gesellschaft und der Politik spiegeln sich seit Beginn der Olympischen Spiele der Neuzeit wider. Ob gesellschaftliche Umbrüche, weltpolitische Anschauungen oder politische Umstrukturierungen, sie alle prägten und werden den Verlauf der Spiele prägen.

Dass Widersprüche zwischen Realität und Idealität existieren, ist allerdings nicht neu. Auch das wusste Coubertin, und er zögerte nicht, Widersprüchlichkeiten zu benennen und zu kritisieren. Kritiker haben dem olympischen Sport deshalb jede ideelle und pädagogische Bedeutung abgesprochen. Sie zeigten seine Fehler auf: seine politischen Verstrickungen und ökonomische Indienstnahmen, Doping und Unfairness, verwiesen darauf, dass die Behauptung, er beseitige nationale Unterschiede und fördere den Frieden ebenso eine Täuschung sei wie der optimistische pädagogische Hintergedanke.

Auch die Frage nach dem Sinn des Hochleistungssports wird den Verlauf prägen. Mittlerweile ist der Hochleistungssport eine moderne Institution, in der die Leistung der Athleten nur einen Platz unter vielen einnehmen. Nicht nur die Trainer, Manager und Funktionäre des Sports, sondern auch die Sportartikelindustrie, die Hersteller von Sportgeräten, die Zuschauer in den Stadien und nicht zuletzt die Medien, die Wirtschaft und die Politik gehören ebenso dazu.

IOC – das Internationale Olympische Komitee

© de.wikipedia.org

Das Internationale Olympische Komitee wurde am 23. Juni 1894 von Baron Pierre de Coubertin in Paris gegründet und hat sein Sitz in Lausanne. Dem Komitee gehören derzeit 115 Mitglieder an, die vom IOC selbst gewählt werden. Das IOC ist das höchsBaron Pierre de Coubertin te und allein entscheidende Gremium für die Olympischen Spiele. Seine Aufgaben sind die Bearbeitung und Regelung aller die Spiele betreffenden Fragen. Das IOC anerkennt die Nationalen Olympischen Komitees (NOK), vergibt die Olympischen Spiele, richtet den olympischen Kongress (als Berater) aus und gibt sich in der olympischen Charta seine Regeln. Sein Exekutivkomitee führt die Geschäfte, die Vollversammlung (Session) entscheidet über Regeln und Austragungsort der Spiele. Zur Unterstützung des Exekutivkomitees werden Kommissionen eingesetzt, denen auch Vertreter der internationalen Fachverbände angehören: für Kultur, Zulassung, Finanzen, Recht, Medizin (Doping), Charta, Orden, Medien, Breitensport.

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TRADITION IN DER SPORTMEDIZIN oder warum Bew채hrtes verabschieden?

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V

von Dr. med. P. Jenoure,

Basel

or nicht allzu langer Zeit wollten wir aufzeigen, wie stark sich die Sportmedizin auf neusten technologiegestützten Methoden zu entwickeln versucht. Wie wir damals schrieben, scheinen diesen Technologien keine Grenzen gesetzt zu sein, und wir empfahlen, dass künftige Sportmediziner gut beraten wären, mit dieser äusserst komplexen High-Tech keine Berührungsängste zu haben, wenn sie den heute schon mit reinen Sportwissenschaftlern angesagten Kampf nicht definitiv verlieren wollen.

In einer Zeit der Finanzknappheit ist diese Aussage besonders wichtig, da sie einen viel gezielteren Einsatz der technischen Möglichkeiten erlaubt. Ganz klassisch ist die sportärztliche Untersuchung geblieben, eine vorsorgliche Massnahme, die zurzeit eine eindeutige Renaissance erlebt. Das Grundkonzept, das heute verwendet wird, unterscheidet sich kaum von den Untersuchungen, die vor 50 Jahren gemacht wurden. Mindestens konzeptuell nicht. Als langlebig erweist sich, auch bei der Behandlung von Sportverletzungen noch auf dem Sportplatz, die berühmte PECH-Regel: Bei einer akuten Verletzung ist eine initiale Pause, die Anwendung von Kälte zum Beispiel mit Eisapplikationen, die Kompression der verletzten Körperstelle und die Hochlagerung des betroffenen Gliedes zur Stillung fast immer auftretenden Blutungen in den letzten 40 Jahren durch nichts besseres ersetzt worden.

Aber die Sportmedizin hat auch eine traditionellere Seite, eine konservativere, die sich zurzeit noch in einem guten Gleichgewicht mit der oben erwähnten innovativen und progressiven befindet. Wir können es nicht oft genug sagen: Die Sportmedizin ist sowohl eine präventive wie auch eine therapeutische Medizin, die sich vor allem mit Gesundheitsstörungen, bedingt durch den Sport, und deren Behandlungen, vorwiegend aber mit der Gesundheit und deren Erhaltung durch körperliche Aktivitäten befasst. Man sieht also: Sportmedizin ist ein recht komplexes Fach mit sehr vielen Arbeitsrichtungen.

Auch die Spiroergometrie bleibt in deren Prinzipien, was sie vor mehr als 30 Jahren war. Genauer als mit der Spiroergometrie kann man die Leistungsfähigkeit von Sportlern nicht analysieren. Dank technologischen Fortschritten können nun immer häufiger auch Breitensportler vom kurzen Leiden unter der Atemmaske profitieren, und sie gewinnen dafür so viele Erkenntnisse wie sonst nie in der so wichtigen Leistungsdiagnostik, ein Tool, das im Zeitalter der Bewegungsarmut höchstwahrscheinlich immer wichtiger wird. Nur auf diese Art und Weise kann die Rezeptierung von Bewegung als Therapeutikum genauer vorgenommen werden.

Gedanklich klassisch, traditionell also ist zum Beispiel der erste Kontakt zum Patienten: Nach wie vor sind die Befragung und das Anhören der Probleme ein bewährtes Konzept. Zwar ist die Versuchung vorhanden, den anamnestischen Teil mittels computerisierter Fragen zu ersetzen, doch nichts wird diesen privilegierten Kontakt zwischen Arzt und Sportler, ob Patient oder nicht, ersetzen.

Und provokativ könnte man noch sagen, dass Doping noch über eine längere Tradition verfügt, als was wir bisher erwähnt haben! Aber wie sie alle wissen hat Doping mit Sportmedizin nichts zu tun! Der wahre richtige Sportarzt hat mit solchen degradierenden Handlungen nichts zu tun! Es ist ja nicht verboten, Idealist zu sein, oder?

Gleiches darf man von der körperlichen Untersuchung behaupten. Obwohl vor allem die bildgebenden Untersuchungsmethoden immer perfektionierter werden, bleibt eine sauber durchgeführte Untersuchung durch den Arzt unübertroffen.

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SCHLUSSWORT

FSCHLUSSWORT in de Volume 19

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elcher Tradition Sie nach der Lektüre unseres Magazins auch nachtrauern oder welchen Brauch Sie wiederbeleben möchten, das PRESTIGE-Redaktionsteam bereitet für seine Leserinnen und Leser bereits wieder die Herbstausgabe vor. In dieser werden wir Sie nach Wales entführen, in das grüne und hügelige Land im Westen von Grossbritannien, in dem es an nichts mangelt: 1.200 Kilometer abwechslungsreiche Küste, fünf offizielle Gebiete von ausserordentlicher landschaftlicher Schönheit, drei Nationalparks, zwei Sprachen, elf Millionen Schafe und mehr Burgen pro Quadratkilometer als irgendwo sonst auf der Welt – 641 bei der letzten Zählung. Zudem reisen wir mit Ihnen in den schönsten Indian Summer hinein, den es auf der Welt gibt. Und was bietet sich da mehr an als New England, der europäischste Teil der USA Gleichzeitig ist es eine sehr geschichtsträchtige Gegend mit dem Staat Massachusetts, wo vor über 350 Jahren die «Mayflower» mit den Pilgervätern an Bord landete, der heimlichen Hauptstadt Boston, wo die berühmte Tea Party stattfand und von wo aus später die amerikanische Unabhängigkeit erklärt wurde, und vielen weiteren interessanten Orten. Vor 25 Jahren gelang Reinhold Messner als erstem Menschen die Besteigung aller Achttausender. Verfolgen Sie mit uns die Spuren dieses Abenteurers. Auf Spurensuche begibt sich auch eine andere legendäre Figur der Literatur- und Film-Geschichte: Miss Marple. In Krimis trügt der Schein nur allzu oft. Das gilt besonders für Agatha Christies Miss Marple. Auf den ersten Blick ist sie bloss eine dieser netten alten Jungfern, die ihre Tage mit Stricken verbringen und gerne mal im Garten werkeln. Doch sie kann auch ganz anders. Sechzehn Morde, vier Mordversuche, fünf Raubüberfälle, acht Unterschlagungen und zwei Serien von Erpressungen, so lautet die Bilanz aus vierzig Jahren Marple’scher Tätigkeit im englischen St. Mary Mead. Erfahren Sie des Weiteren, welche Düfte den Herbst versüssen, welches Auto auf keinen Fall in ihrer Garage fehlen sollte und wohin Sie ihre nächste Reise unternehmen sollten. Freuen Sie sich mit uns auf die Anfang September 2011 erscheinende Ausgabe mit vielen spannenden Themen und Fotostrecken rund um den Globus, die Ihnen die länger werdenden Abende etwas kurzweiliger gestalten werden.

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Jördis Hentschel, Yvonne Beck, Stephan Gubler

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© JAMIE NELSON / BLAUBLUT-EDITION.COM

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Lektor Produktionsleitung

Yvonne Beck, shutterstock, Lone Halvorsen, wikipedia, Dominique Zahnd, Stephan Gubler, Valeska Jansen, Wien Tourismus, Thomas Burla, Uhrenmuseum Beyer, Eduard Meltzer, Adrian Hablützel, St. Moritz Art Masters, Clariden Leu, Emmi AG, Walt Disney Studios, Frenetic Films, Universal Picture, Helvetic Airways, udb studio, Ballantine's, Baselworld, Omega, Longines, Breguet, Blancpain, Rolex, Tudor, Breitling, Hublot, Bulgari, Zenith, Corum, Tag Heuer, Henry Moser & Cie, Parkhotel Igls, Patek-Philippe, Perrelet, Oris, Rado, Ferragamo, Familie Dönni, Fiat Group Automobiles Switzerland SA, Wikimedia Commons, www.kossecafe.com, FBI CJIS Division, Mauritius Tourism Switzerland, Sun Resort Hotels, Manta Reisen, PizBuin, Clarins, Nivea, Vichy, Chanel, DIOR, Lancaster, aquabasilea, API(c.) Michael Tinnefeld, Baldessarini, ROLEX/Carlo Borlenghi, de.wikipedia.org/Mike Dillon Alexander Probst Jördis Hentschel SITZ Prestige Media AG Bösch 73 CH-6331 Hünenberg VERLAG/PRODUKTION Prestige Media AG Leimgrubenweg 4 CH-4053 Basel Telefon 0041 61 338 20 07 Telefax 0041 61 338 20 29 info@prestigemedia.ch www.prestigemedia.ch www.prestigemagazin.com www.prestigenews.ch www.prestigemag.ch

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Yvonne Beck Chefredaktorin

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Maximum Wellbeing Bever | Engadin | Schweiz Im Herzen der Engadiner Bergwelt liegt dieses exklusive Objekt. Verkauft wird hier aber nicht nur ein Haus, sondern ein komplettes Lebensgefühl. Die Moderne vereint sich mit der Tradition, der Stil mit der Gemütlichkeit. Der höchste Standard fügt sich ganz selbstverständlich in eine inspirierend schlichte Atmosphäre ein. Maximum Wellbeing at its best… Maura Wasescha AG | Via dal Bagn 49 | CH-7500 St. Moritz | Schweiz P +41 81 833 77 00 | consulting@maurawasescha.com | www.maurawasescha.com


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Hybrid,

Der erste der mit Adrenalin fährt.

Rocking the Hybrid. Der Touareg. Der Touareg Hybrid verbindet innovative Technologie mit zeitgemässem Nutzen und wurde erst kürzlich durch das Automagazin OFF ROAD mit dem renommierten OFF ROAD Eco Award 2011 ausgezeichnet. Ausgestattet mit optionalen Technologien wie der dynamischen Fernlichtregulierung “Dynamic Light Assist”, dem Spurhalteassistenten “Lane Assist” oder der Distanzregelung ACC nimmt der neue Touareg seinem Fahrer viele Dinge ab, die das Fahren anstrengend machen können. Schliesslich soll Sie nichts davon ablenken, hinter dem Steuer eines Autos zu sitzen, dessen aussergewöhnlich leistungsstarker und umweltschonender Hybrid*-Antrieb jede Strecke in ein unvergessliches Abenteuer verwandelt. Dank einer Anhängelast von bis zu 3.5 Tonnen können Sie dabei alles mitnehmen, was Ihnen lieb ist.

*Touareg,

V6 TSI Hybrid, 333 PS (245 kW) Benzinmotor und 46 PS (34.3 kW) Elektromotor, Treibstoff-Normverbrauch gesamt: 8.2 l/100 km. CO2-Ausstoss: 193 g/km. CO2-Mittelwert aller in der Schweiz angebotenen Fahrzeugmodelle: 188 g/km. Energieeffizienz-Kategorie: B. Bereits für Fr. 109’700.–. Abgebildetes Modell inkl. Mehrausstattung für Fr. 113’780.–.

PRESTIGE Switzerland Volume 19  
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