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FRÜHLING : : 2019

LOBBY HOTSPOT

BERN IST EIN HOTSPOT FÜR LOBBYISTEN

MEGATRENDS

DIE MEGATRENDS FÜR UNTERNEHMEN

THUN – OBERLAND

HÖHERE WERTSCHÖPFUNG MÖGLICH?

TOYOTA RAV4

REINKARNATION EINES PIONIERS

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SPECIAL

STANDORTPORTRÄT BERN NORD

TREFFPUNKT GEHEIMTIPP IN BERN

ERIC VON GRAFFENRIED CHOCOLAT AMMANN – UNTERNEHMERISCHER MUT UND KALKULIERTES RISIKO


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LIEBE LESERINNEN, LIEBE LESER Nach einem erfolgreichen Jahr der Etablierung mit dem «Geschäftsführer Bern» starten wir ins 2019. So wie bei den seit vielen Jahren schon erfolgreichen Schwesterprodukten in Basel und Zürich haben wir bei den Zielgruppen sehr gute Resonanz erhalten. Es gab einige Geschichten, die uns in den letzten Monaten faszinierten. So zum Beispiel diese: Es braucht schon eine Portion Mut und Überzeugung, wenn man als erfolgreicher, eta­blierter Unternehmer mit Renommee die Branche wechselt, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen. Das hat der bekannte Anwalt Eric von Graffenried aber genau so umgesetzt und sich eine ihm bietende Gelegenheit beim Schopf gepackt. Nun ist er seit knapp einem Jahr der neue Besitzer und CEO Chocolat Ammann in Heimberg und sorgt für einige Bewegung beim ehemaligen Familien- und Traditionsunternehmen, das mit Eiweissschaum, Schokolade und Waffel die wohl qualitativ besten Schokoköpfe herstellt. Dafür hat er einiges hinter sich gelassen. Unter anderem auch seine Präsidentschaft in der Gemeinde Kirchdorf. Seine Hauptaufmerksamkeit gilt nun nach über 25 Jahren in der Rechtsberatung den süssen Verlockungen. Eric von Graffenried möchte, wie so viele, in der Region nun auch unternehmerisch tätig werden. Er hat es aber umgesetzt und sich freiwillig auf ein neues Terrain begeben. Wir haben ihn und sein Team in Heimberg besucht. Megatrends beschäftigen uns immer mehr. Es ist ein grosser Wettbewerbsvorteil, wenn man unternehmerisch proaktiv statt reaktiv und im besten Falle sogar antizipierend auf Trends aufspringen kann. Diesem Thema widmen wir uns in dieser Ausgabe. Und auch Lobbying wird uns im aktuellen «Geschäftsführer Bern» beschäftigen. Bern ist der Hotspot des Lobbyismus, besonders wenn es darum geht, in den Wandelhallen des Bundeshauses aktiv zu werden. Wir hatten die Gelegenheit, etwas hinter die Kulissen zu blicken und uns mit einem der bekanntesten Lobbyisten der Schweiz auszutauschen. Das und viel mehr erwartet Sie, liebe Leserinnen und Leser, im ersten «Geschäftsführer Bern» des Jahres 2019. Wir freuen uns, dass Sie als Lesende, aber auch als Mitwirkende bei Recherche und Interviews sowie als Inseratekunden wieder dabei sind. Im Namen des Verlags und aller Mitwirkenden wünschen wir viel Spass bei der Lektüre.

Ihr Joël Ch. Wüthrich Chefredaktor

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INHALT HIGHLIGHT CHOCOLAT AMMANN Unternehmerischer Mut und kalkuliertes Risiko

BERN-INSIDE 6

BUSINESS

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BERNER OBERLAND

STANDORTPORTRÄT BERN NORD 14 Das «Wankdorf-Quartier» wird zur City MANAGEMENT – FÜHRUNG Storytellings als internes Führungsinstrument

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BEA EXPO FRÜHLINGSMESSEN Spagat zwischen Messe und Event

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GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

LOBBYING IN POLITIK UND WIRTSCHAFT Bern ist der Hotspot der Lobbyisten

THUN – OBERLAND Noch viel Luft nach oben

VILLIGER THE WORLD OF CIGARS Ein längst nicht mehr geheimer Geheimtipp

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BEST OF SWISS GASTRO Bern zum Mitnehmen

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AUS- & WEITERBILDUNG 32

ARBEITSWELT UND FÜHRUNG Ohne Herzblut geht‘s nicht …

KULINARIK GETRÄNKEMARKT Craft Beer in aller Munde

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INHALT IFA WEITERBILDUNG 50 Auf die richtige Vision kommt es an

CITROEN DS3 CROSSBACK Strom und Drang

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LEADERSHIP UND MEGATRENDS Die erste Reise für Kinder

AVENIR MOBILITÉ  Steuerung der Mobilität radikal umdenken – jetzt!

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SPORT & FREIZEIT SPORTHAUPTSTADT BERN SCB, YB und Co. lassen den Rubel rollen

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

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STYLE

BEAUTY & GESUNDHEIT

ITALIENISCHE MODE 84 Südländische Lebensfreude in Bern

VOLKSGESUNDHEIT 70 Wichtige Ernährungsfragen

FASHION IKONE GUO PEI Von Beijing nach Paris

BAUEN & WOHNEN

KOLUMNEN

MINZENDUFT LIEGT IN DER LUFT 76 Minze im Garten und auf dem Balkon

RAHO BORNHORST ANDREAS BRESCHAN

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MOBILITÄT TOYOTA RAV4 Reinkarnation eines Pioniers

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HIGHLIGHT CHOCOLAT AMMANN AG

UNTERNEHMERISCHER MUT UND KALKULIERTES RISIKO ES BRAUCHT SCHON EINE PORTION MUT UND ÜBERZEUGUNG, WENN MAN ALS ERFOLGREICHER, ETABLIERTER RECHTSANWALT UND NOTAR DIE BRANCHE WECHSELT UND SICH EINER VÖLLIG NEUEN HERAUSFORDERUNG STELLT. DAS WAGTE ERIC VON GRAFFENRIED (58) UND PACKTE EINE SICH IHM BIETENDE GELEGENHEIT BEIM SCHOPF. SEIT KNAPP EINEM JAHR IST ER DER NEUE BESITZER UND CEO VON CHOCOLAT AMMANN IN HEIMBERG. INTERVIEW MIT ERIC VON GRAFFENRIED VON JOËL CH. WUETHRICH

Eric von Graffenried: Er hat die Gelegenheit beim Schopf gepackt und ist bei Chocolat Ammann als neuer Patron eingestiegen.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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HIGHLIGHT

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ie viele unternehmerisch denkende Personen wartete Eric von Graffenried genau auf diese Chance: «Ich wollte die Branche wechseln und etwas ganz Neues beginnen. Doch es sollte zu mir passen. Dann kam die Gelegenheit, die ich beim Schopf packte.» Nun sorgt er als neuer Besitzer und CEO von Chocolat Ammann AG für Bewegung beim Familien- und Traditionsunternehmen, das mit Eiweissschaum, Schokolade und Waffel die wohl qualitativ besten Mohrenkönige herstellt. Eric von Graffenried liess einiges hinter sich, um seinen neuen unternehmerischen Traum zu verwirklichen. Unter anderem auch seine Präsidentschaft in der Gemeinde Kirchdorf. Nach 25 Jahren in der Rechtsberatung fokussiert er sich auf die Herstellung der süssen Verlockungen. Wobei er die Berner Kanzlei nach wie vor betreibt. Der Schritt der Umsetzung und der Mut, sich freiwillig auf ein neues Terrain zu begeben, hat ihm, sowohl in seinem Umfeld wie auch bei seinen neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Respekt verschafft. Wir haben ihn und sein Team in Heimberg besucht. «Geschäftsführer»: Eric von Graffenried, wie viel Mut brauchte es im zarten Alter von 58 Jahren, um diesen einschneidenden Schritt zu wagen? Und wie waren die Reaktionen in Ihrem privaten und beruflichen Umfeld? Eric von Graffenried: Die Reaktionen waren positiv. Manche ehemalige Berufskolleginnen und -kollegen waren froh, mich nicht mehr als Vertreter der Gegenpartei zu haben (lacht). Spass beiseite: Viele haben mir zu diesem Schritt gratuliert und wussten auch, dass dieser wohlüberlegt war, ich meinem Bauchgefühl folgte und mir einen lange gehegten Wunsch erfüllte. Das Alter ist nicht der entscheidende Faktor. Die Motivation und die Begeisterungsfähigkeit für die Sache sind entscheidend. Dies gibt Mut und Kraft, die neue Herausforderung anzupacken. Motivation und Begeisterungsfähigkeit sind gute Stichworte: Jedes Unternehmen hat eine Unique Selling Proposition (USP), also ein Alleinstellungsmerkmal. Viele hätten auch gerne eine Emotional Selling Proposition, also ein emotionales Alleinstellungsmerkmal (ESP). Wenn wir bei uns von der Unique Selling Proposition USP sprechen, dann ist das eindeutig das Produkt. Wir stellen ein Genussmittel her. Spricht man von Genuss, dann ist man schnell beim Thema Emotionen. Unsere ESP sind also die Emotionen, die einhergehen mit dem Genuss der Mohrenkönige. Was neu als emotionales Alleinstellungsmerkmal dazukommt, das gleichzeitig auch ein USP ist: Wir fühlen uns der Nachhaltigkeit verpflichtet. Bei den Verpackungen haben wir bereits innovative Lösungen entwickelt und umgesetzt. Unsere Sichtfenster sind zum Beispiel nicht mehr aus Plastik, sondern aus kompostierbarer Cellulose. Bei den Blisterverpackungen sind wir mit einer Partnerunternehmung daran, einen ähnlichen Lösungsansatz zu testen. Wir wollen weg vom PET. Die bei uns eingesetzten Materialien sollen zu hundert Prozent abbaubar, also kompostierbar sein. Im Bereich der Aromen werden wir weitgehend natürliche Aromen verwenden. Des Weiteren setzten wir alles daran, energieeffizient zu arbeiten. Hierzu gehört die Planung einer Photovoltaikanlage auf unserer Produktionshalle. Ein Bereich, der durchaus auch in das Kapitel ESP eingeordnet werden kann, sind die Freiräume, die ich im Unternehmen fördere: zum Mitdenken, zu Ideenentwicklungen oder der gelebten Meinungsvielfalt. Das Thema Nachhaltigkeit haben Sie ja in Ihrer Prioritätenliste ganz oben … Das ist richtig. Wie bereits erwähnt, suchen wir laufend nach neuen Lösungen, die dem Umweltschutz und der Einschränkung der Klimaerwärmung dienen. Wir haben erste Auftraggeber, welche genau deswegen mit uns zusammenarbeiten. Sie wollen zum Beispiel auf der Verpackung

In der fabrikation wird höchsten Wert gelegt auf Qualität und umweltbewussten, nachhaltigen Prozessen.

kommuniziert haben, dass diese kompostierbar ist. So lassen wir USP und ESP für uns sprechen. Sie sagen, dass der Wert des Mohrenkopfes generell als nicht sehr hoch gesehen wird. Dies ist mein Eindruck. Der Mohrenkopf ist über die Landesgrenzen hinaus beliebt, jedoch gilt es als «günstiges» Genussmittel. Hier wollen wir mit unseren Produkten vermehrt ansetzen und mit Qualität, neuen Formen und Geschmacksvielfalt den Wert steigern. In den letzten Jahren waren wir mit unseren Produkten und zum Teil mit unseren Claims in der Öffentlichkeit präsent, aber nicht mit der Marke «Chocolat Ammann». Das soll sich ändern. Hier­zu gehören unser neues Logo, die Einführung neuer in­ dividuell gestalteter Boxen für Bu­siness-to-Business-Kunden und die Entwicklung neuer Geschmacksrichtungen.


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HIGHLIGHT

Man hört von Ihnen, dass Sie einen modernen, partizipativen Führungsstil haben und motivierend einwirken. Arbeitspsychologen und New-Work-Fachleute sprechen ja gerne von der Wichtigkeit sinnstiftender Aufgaben. Die Führungskraft der Zukunft soll ein Coach, ein Mentor, ein Brückenbauer, «Ermöglicher» und Zukunftsgestalter sein. Mitarbeitende werden mitgenommen und am Prozess so beteiligt, dass eine Identifikation entsteht. Finden Sie sich als Führungsperson da wieder? Da wir einen grossen Anspruch auf gutes Teamwork haben, möchten wir natürlich, dass alle im Betrieb sich als Mitwirkende verstehen. Wir sind angewiesen auf die wertvollen Erfahrungen und Kenntnisse unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Auch sie erkennen Verbesserungsmöglichkeiten. In diesem Sinne ist es mein Bestreben, dass die Menschen hier nicht nur arbeiten, sondern auch mitwirken und -gestalten. Wir als Führungsteam –

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


HIGHLIGHT

Raphael Schlup als Leiter Verkauf, René Balmer als Leiter Produktion und ich – leben diesen Führungsstil vor und sind jederzeit offen für konstruktive Vorschläge. Auch organisatorisch und strukturell sind wir in einer ständigen Weiterentwicklung. Alle sollen sich mit dem Change-Prozess identifizieren, diesen mittragen und keine Angst davor haben.

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spannend. Ich stehe mit meinem Namen dafür ein, dass erst dann etwas realisiert, produziert und ausgeliefert wird, wenn es stimmig ist und unsere Firmen-Philosophie widerspiegelt. Das gilt auch in den Produktionsprozessen. Die Entwicklung neuer Produkte bis zur Marktakzeptanz macht Spass, ist gleichzeitig aber sehr anspruchsvoll. Das gefällt mir.

Trotz allem braucht es in der Geschäftsleitung Welche Lieblingsdisziplin haben Sie als CEO? «WIR LEBEN DAS THEMA nicht nur Impulsgeber und Brückenbauer. Sie NACHHALTIGKEIT UND REDEN Ich kommuniziere gerne mit meinen Mitmenmüssen als Führungsperson das Unternehmen schen. So bin ich täglich in der Produktion anzuNICHT NUR DAVON.» und die Produkte ja auch verkaufen. Es braucht treffen, um mich unter anderem auch mit meinen einen «Kopf», eine Person, die authentisch die Philosophie verkörpert. Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu unterhalten. Hier helfen mir Helfen Ihnen Ihre Erfahrungen aus dem früheren Berufsleben dabei? meine Sprachkenntnisse, was ungemein geschätzt wird. Zudem habe Ja, unter anderem beim Umgang mit den Kunden und bei der Einarbeitung ich den Ruf, ein «Räpplispalter» zu sein. Damit kann ich gut leben. in neue, komplexe Themen. Diese Kernkompetenzen kann ich auch heute Jede Investition, jeder Einkauf, jeder Prozess muss gut geplant sein, einsetzen. Ich lerne gleichzeitig sehr viel Neues dazu. Früher war ich um damit auch die Kosten zu optimieren. Das ideenreiche Optimieren liegt hartnäckig und präzise in meiner Herangehensweise und Lösungsfindung. mir ungemein. «Penny Pinching» hat zwar einen ambivalenten Ruf, ist Heute muss ich dies bei Vorgängen sein, die für mich neu sind. Dies ist sehr aber ein kreativer Prozess.

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HIGHLIGHT

Das Führungstrio bei Chocolat Ammann (v. l. n. r): René Balmer, Leiter Produktion, Eric von Graffenried, CEO und Raphael Schlup, Leiter Verkauf.

INNOVATIVE IDEEN UND TRADITION Chocolat Ammann steht ein für qualitativ hochstehende Zucker-Eiweissschaum-Produkte und somit für ein einzigartiges Genussmittel. Das Unternehmen weist dementsprechend auf die Komplexität der Herstellung dieses Frischproduktes und dessen Einmaligkeit aktiv hin. Der Mohrenkönig, wie der Mohrenkopf bei Chocolat Ammann seit 1959 heisst, verfügt über eine generationenübergreifende Beliebtheit. Diese wird gepflegt und gefördert. Innovative Ideen in den Bereichen Geschmacksrichtungen, Verpackungen und Formen schaffen neue Impulse. Eric von Graffenried: «Unsere Produkte und unsere Kreativität gehören in die lange Tradition weltweit erfolgreicher Produkte rund um Schokolade aus dem Kanton Bern. Denken wir nur an die Anfangszeiten mit Tobler und Sprüngli in der Stadt Bern, an die Ovomaltine von Wander oder an die einmalige Form der Toblerone. Diesen gross­ artigen Ruf gilt es zu pflegen und zu fördern. Chocolat Ammann ist Teil dieser Geschichte und kann dieses Jahr nicht ohne Stolz ihr 70-jähriges Bestehen feiern.» Das Unternehmen stellt sich den aktuellen Herausforderungen und findet zukunftsgerichtete Lösungen. Gerade Klima­erwärmung ist ein entscheidendes Thema bei Chocolat Ammann – so überdenken die Verantwortlichen sämtliche bis­herigen Verpackungen und Materialien und streben derer vollständige Wiederverwertbarkeit und Kompostierbarkeit an. In der Produktion und bezüglich Infrastruktur ist vorgesehen, die Energieeffizienz massiv zu steigern. Ziel ist, den Stromverbrauch und Heizungsbedarf zu reduzieren und Energie möglichst aus alternativen Energie­formen – Photovoltaik und Holz – zu gewinnen. «Was wir nicht ändern werden, sind unsere bewährten Rezepte. Neue werden jedoch hinzukommen. Unsere Mohrenkönige sind und bleiben ein Genussmittel. Diese Freude wollen wir teilen.»

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BUSINESS UM ALS UNTERNEHMEN LANGFRISTIG ERFOLGREICH ZU SEIN, BRAUCHT ES UNTER ANDEREM AUCH EINE GUTE UNTERNEHMENSKULTUR UND EINE MOTIVIERENDE LEADERSHIP- UND TALENTFÖRDERUNGS-STRATEGIE. DIE BRENNENDE FRAGE BEI ALLEN FÜHRUNGSLEUTEN HEISST HEUTE: WELCHE TRENDS IN DER FÜHRUNGSSTRATEGIE WERDEN SICH LANGFRISTIG DURCHSETZEN UND BEI WELCHEN LOHNT SICH EINE INTENSIVE AUSEINANDERSETZUNG? VON JOËL CH. WUETHRICH

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ie Studie «Der Arbeitsplatz der Zukunft: Wie digitale Technologie und Sharing Economy die Schweizer Arbeitswelt verändern» untersuchte die Trends in der Schweizer Arbeitswelt und deren Auswirkungen auf den Arbeitsplatz der Zukunft. Da ist Betriebliches Mentoring gefragt – und zwar in beide Richtungen. Einerseits sind das klassische Mentoring und das sogenannte Golden Mentoring gefragt, aber viele Mutige praktizieren jetzt neu das «Reverse Mentoring». Dass Mentoring äusserst stark im Trend ist, bestätigen die Anbieter von Weiterbildungslehrgängen wie beispielsweise die Lernwerkstatt Olten, die auch in Bern den Lehrgang für das Betriebliche Mentoring durchführen. Mehr dazu in der aktuellen vorliegenden Ausgabe in dieser Rubrik. Natürlich bleibt das Thema New Work nach wie vor aktuell. Mit der voranschreitenden Transformation der Arbeitswelten ändern sich die Anforderungen an Führungskräfte. Die alten Denkmuster sind passé, und man

wird sich nicht nur in Digitalisierung weiterbilden, sondern situativ verschiedene Rollen in der Führung einnehmen. In der «neuen VUKA Welt» drängen Führungsfachleute auf den Arbeitsmarkt, die Mitarbeitende zur Selbstreflexion befähigen, beziehungsförderndes Verhalten, Empathie und selbstbestimmtes Arbeiten ermöglichen und die natürlich die Fähigkeit zur Anpassung der Strategie an die digitale Transformation haben. VUKA steht für die Wörter volatil, unsicher, komplex und agil. In dieser «Welt» ist wirksame und gute Führung eine anspruchsvolle Herausforderung. Komplexität und Dynamik bestimmen die Führung im digitalen Wandel, aber es ist immer der Mensch, um den es geht. Und was wird mit der Business Intelligence? Mit der steigenden Relevanz von Big Data und Co. werden sich auch in Unternehmen die Notwendigkeit und der Wunsch verstärken, einen sicheren Umgang mit Daten und deren Analyse und Auswertung zu erlernen. Das Jahr 2019 wird ganz im Zeichen der Datenkompetenz stehen (Data Literacy).

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BUSINESS

STANDORTPORTRÄT BERN NORD

DAS «WANKDORF-QUARTIER» WIRD ZUR CITY DER BERNER NORDEN HAT IN DEN LETZTEN JAHREN VON ALLEN BERNER QUARTIEREN DIE GRÖSSTE (WEITER-)ENTWICKLUNG INNERHALB EINER KURZEN ZEITSPANNE ERLEBT. MIT EINHER DIESER ENTWICKLUNG GINGEN NEUE HERAUSFORDERUNGEN, BESONDERS IM BEREICH VERKEHRSMANAGEMENT. VON CHARLES STAUBACH

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en Verkehr mit betrieblichen Massnahmen so beeinflussen, dass dieser f lüssiger und sicherer durch die Ortszentren zirkuliert. Solches plant das Tiefbauamt des Kantons Bern auf den überlasteten Kantons- und Gemeindestrassen der Agglomeration Bern. Den Anfang macht die Region Bern Nord. Bis 2020 soll hier ein Verkehrsmanagementsystem den Betrieb aufnehmen. Es geht nicht nur darum, eine geringere Stausituation bei den Autobahnzubringern zu erwirken, sondern auch generell um mehr Verkehrssicherheit in den Ortszentren und um geringere Zeitverluste für Bus und Postauto. Besonders belastet ist das Strassennetz in den nördlichen Agglomerationsgemeinden von Bern. Weil sich der Verkehr auf den Autobahnen A1 und A6 oft staut, weichen viele Automobilistinnen und Automobilisten in den Hauptverkehrszeiten auf die Kantons- und Gemeindestrassen aus. Das führt zu Staus in den Ortszentren und Verspätungen bei Bussen

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und Postautos. Die Reisezeiten sind vielfach sehr unberechenbar. Die Folge sind Verspätungen und verpasste Anschlüsse, die sich wiederum auf den S-Bahn-Betrieb auswirken. Die grössten Einbussen hat der ÖV im Bereich der Bahnhöfe Zollikofen, Schönbühl RBS und Papiermühle. Ein gutes Beispiel für eine chronisch überlastete Einfallsachse während der Morgen- und Abendspitzenstunden ist die Bernstrasse zwischen Worblaufen und Münchenbuchsee/Schönbühl. Und der Druck auf das regionale Strassennetz wird weiter ansteigen, weil der Verkehr generell zunimmt und ein Ausbau der Autobahn A1 frühestens ab 2027 realisiert werden kann.

REGION BERN NORD ALS PILOTPROJEKT Weil der Handlungsdruck in der Region Bern Nord besonders gross ist, nimmt der Kanton dort prioritär Massnahmen an die Hand. Der Verkehr soll auf den Hauptachsen so gesteuert werden, dass er flüssiger und sicherer


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BUSINESS

Das BEA Expo Gelände, wo auch die Postfinance Arena steht - ein Hotspot im Wankdorf-Quartier und in Bern Nord

wird. Wichtigstes Bestreben der Verkehrsexperten ist es, dass die Wohngebiete entlastet werden. «Wir wollen dafür sorgen, dass sich in den Ortszentren keine Staus mehr bilden», sagt Projektleiter Alain Maradan. «Schulkinder und andere Verkehrsteilnehmende, die zu Fuss oder per Velo unterwegs sind, sollen sich hier wieder sicherer fühlen.» Die Arbeiten am Projekt «Verkehrsmanagement Region Bern Nord» sind Anfang 2018 gestartet worden. 2020 möchte das Tiefbauamt das System in der Region Bern Nord in Betrieb nehmen können. Beteiligt am Pilotprojekt sind das Bundesamt für Strassen sowie die Gemeinden Bern, Bolligen, Ittigen, Moosseedorf, Münchenbuchsee, Urtenen-Schönbühl und Zollikofen, welche das Projekt auch mitfinanzieren. Die Bedeutung des Projekts anerkennt auch der Bund, welcher im Rahmen des Agglomerationsprogramms namhafte Beträge daran leistet. Es handelt sich um das erste von mehreren solchen Projekten, die

in den nächsten Jahren in der gesamten Agglomeration Bern umgesetzt und aufeinander abgestimmt werden.

DER NORDEN «LEBT» – EINE ERSTAUNLICHE ENTWICKLUNG In der Chronik, verfasst von der Leist-Bern-Nord, wird die Entwicklung des Berner Nordens genau beschrieben: Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert litt die Innenstadt von Bern unter einer Wohnungsnot als Folge der wachsenden Bevölkerung. Zur Verbesserung der Verhältnisse wurde das unbewohnte Gebiet auf der rechten Seite der Aare erschlossen. Die Eröffnung des provisorischen Bahnhofes Bern auf dem Wylerfeld am 16. Juni 1857 (bis 1858 Endpunkt der Eisenbahnlinie Olten–Bern) brachte Entwicklung in diese nördliche Randzone. Als wichtiger Arbeitsplatz mit auslösender Quartierentwicklung ist die 1877 an der Wylerringstrasse neben der Bahnlinie entstandene Waffenfabrik zu erwähnen. Durch den

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Stadion befindet sich rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Das Wankdorfquartier ist ausgezeichnet mit dem öffentlichen Verkehr verbunden. So gibt es fast neben dem Stadion einen Bahnhof, der nur drei Fahrminuten vom Berner Hauptbahnhof entfernt ist. Dieser wurde zusammen mit dem Stade de Suisse im Jahr 2005 gebaut und eröffnet. Weiter ist das Stadion durch eine Buslinie und eine Tramlinie von Bernmobil erschlossen. 2004 wurde übrigens im Raum Wankdorf auch das grösste Hotel in Bern eröffnet. Vom Sommer 2007 bis Sommer 2009 wurde die Postfinance Arena total saniert. Für die Sanierung war als Generalunternehmer die Firma HRS verantwortlich. Die Umbauarbeiten begannen am 16. August 2007. Die Immobilieninvestment-Gesellschaft Swiss Prime Site AG investierte rund 105 Millionen Schweizer Franken in den Umbau und in die Erweiterung der PostFinance-Arena. Seit dem 16. August 2007 heisst das Stadion PostFinance-Arena.

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Die Verkehrssteuerung bei der «Wankdorf City» nahe der Autobahnzubringer und Kantonsstrassen hat oberste Priorität.

Ende Oktober 2012 wurde der neue Autobahnanschluss Wankdorf am Schermenweg in Betrieb genommen, der im Rahmen der Gesamterneuerung der Stadttangente Bern gebaut wurde. Seit Dezember 2012 ist der neu gestaltete Wankdorfplatz mit seinem zweistöckigen Kreisel in Betrieb, und die verlängerte Tramlinie 9 verkehrt nun bis zum S-Bahnhof Wankdorf. Daneben bietet der Raum Wankdorf Wohnraum mit hoher Lebensqualität für die unterschiedlichsten Ansprüche.

DAS KONZEPT WANKDORF CITY

Das Stade de Suisse – aktuell das modernste Fussballstadion der Schweiz.

Zuzug kinderreicher Familien entwickelte sich das Wylerfeld zu einem der dichtest besiedelten Stadträume Berns. 1873 stand das grosse Schulhaus Breitfeld (Standstrasse 61) für Wyler und Breitenrain bereit. Ende der 1850er-Jahre entstand mit der 1858 eröffneten Roten Brücke, der Eisenbahnbrücke über die Aare mit Fahrweg im Brückenkörper, eine direkte Verbindung zur Stadt. Die Verlegung der kantonalen Militäranstalten (Kaserne, Stallungen, Zeughäuser) zwischen 1873 und 1878 aus der Stadt auf das Beundenfeld (1890–1893 auch die eidgenössischen Zeughäuser und Pferdestallungen) liess im Breitenrain die grösste zusammenhängende Überbauung entstehen. In der Kaserne waren jahrein, jahraus Truppen stationiert. In der Umgebung der Kaserne entstanden verschiedene Wirtschaften, die sich eines vorzüglichen Geschäftsganges erfreuen konnten. Nach der Wirtschaftskrise der 1870er- und 1880er-Jahre setzte vor der Jahrhundertwende die Nachfrage nach Bauland intensiv ein. Nach der Eröffnung der Kornhausbrücke im Jahre 1898, der damals schönsten und grössten modernen Hochbrücke, wurde der Viktoriaplatz zum eigentlichen Quartiereingang Spitalacker-Breitenrain. Von da an setzte die Entwicklung unseres Nord­ quartiers vollends ein.

DER BEA-EXPO-WANKDORFPOSTFINANCE-ARENA-EFFEKT Seit August 2005 steht auf dem Boden des legendären Wankdorf Stadions das Stade de Suisse Wankdorf Bern. Die Heimarena des BSC Young Boys bietet an Fussballspielen rund 32᾽000 Zuschauern Platz. Wenn der Ball ruht, wird das Stade de Suisse zur spektakulären Eventlocation. Das

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Im Sommer 2014 hatte der Gemeinderat entschieden, die letzten zur Verfügung stehenden Baubereiche im städtischen Teil der zweiten Entwicklungsphase von Wankdorf City an das Bieterkonsortium Schweizerische Mobiliar / Losinger Marazzi AG zu vergeben. Losinger-Marazzi beziehungsweise Mobiliar plant eine Überbauung mit 50 Prozent Wohn­ anteil, einem Hotel und weiteren gewerblichen Nutzungen. Ebenfalls Bestandteil der zweiten Entwicklungsphase war die Realisierung des grossen, modern konzipierten und nach neuesten arbeitspsychologischen Erkenntnissen erstellten Dienstleistungsgebäudes der SBB östlich der Gardistrasse für 1᾽800 Mitarbeitende des IT-Bereiches.

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QUARTIERZENTRUM WYLERHUUS Der Berner Norden verfügt über ein Quartierzentrum und somit über zahlreiche Räumlichkeiten, welche zu günstigen Konditionen, einfach und unbürokratisch gemietet werden können. Hier hat man die Möglichkeit, sich mit anderen zu treffen, gemeinsam zu kochen und zu essen, zu tanzen, Feste zu feiern und vieles mehr. Das Quartierzentrum der Vereinigung Berner Ge­ meinwesenarbeit (VBG) unter der Leitung von Sonja Preisig und Andreas Rohrbach setzt sich für mehr Lebensqualität in den Berner Quartieren ein. Im Auftrag der Quartierkommission DIALOG Nordquartier1 betreibt die Quartierarbeit eine Verkaufsstelle der beliebten Tages­ karten Gemeinde der SBB.2 : : WWW.BVE.BE.CH : : : : WWW.LEIST-BERN-NORD.CH : :


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BUSINESS MANAGEMENT – FÜHRUNG

STORYTELLINGS ALS INTERNES FÜHRUNGSINSTRUMENT TRANSMEDIA WURDE SCHON ALS VERALTERT UND ALS «HAS BEEN» BEZEICHNET. JETZT FEIERT ES EIN COMEBACK IN DER INTERNEN KOMMUNIKATION VIELER KMU UND GROSSEN UNTERNEHMEN. GENAUSO VERHÄLT ES SICH MIT STORYTELLING. ALS MARKETING- UND PR-INSTRUMENT GEHÖRT DAS UMSETZEN VON STORYTELLING ZUM (KREATIVEN) HANDWERK. ABER NOCH IST STORYTELLING NICHT ÜBERALL ANGEKOMMEN, WENN ES UM DIE INTERNE KOMMUNIKATION GEHT.

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VON JOËL CH. WUETHRICH

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torytelling ist seit einigen Jahren der grosse Trend bei Kommunikationsfachleuten. Sei es in der Werbung, in der Kommunikation oder für Public Relations. Dabei geht es meistens um das Erzeugen von Aufmerksamkeit oder emotionalen Bindungen via externer Kommunikation. Wie aber setzt man Storytelling in der internen Kommunikation als Führungsinstrument ein? Viele grosse oder zumindest talentierte Unternehmer­ / innen haben bereits früh erkannt, dass man mittels Geschichten, die authentisch vermittelt werden und eine emotionale Bindung erzeugen, weit

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kommen kann, wenn man intern etwas durchboxen muss beziehungsweise einen Prozess erklären will. Dabei werden bewusst Hierarchien aufgeweicht. Der Unterscheid zwischen einem «Boss» und einer Leaderfigur, so sagen viele New-Work-Forscherinnen und Forscher, sei Folgender: «Bosse» befehlen und informieren – oft nach dem Prinzip der Chain of Command – und halten sich an Strukturen. Die Hierarchien spielen eine grosse Rolle. Die interne Kommunikation hat eher einen informellen Charakter und dient in erster Linie auch der Durchsetzung und Etablierung von Leitlinien. Bei einer modernen Leaderfigur werden die Mitarbeitenden «mit auf die Reise» genommen, wenn es intern etwas zu kom-

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BUSINESS munizieren gibt. Da der neue transformationale Führungsansatz auf Werten basiert, sind der Aufbau, die Pflege und das tägliche Vorleben dieser Eigenschaften entscheidend. Es reicht also nicht, nur Unternehmenswerte oder Markenversprechen zu kommunizieren. Jeder Mitarbeiter, jede Handlung, jede Kommunikationsmassnahme muss diese Werte widerspiegeln, wenn sich eine Unternehmenskultur etablieren soll. Interne Kommunikation heisst heute nicht mehr glattgezogene Pressemitteilungen der Kommunikationsabteilung aufzubereiten, sondern echte Lebendigkeit zu zelebrieren. Interaktive Mitarbeiter-Apps oder interne Social Networks zum Beispiel helfen dabei.

EFFIZIENT ALS KOMMUNIKATIONS- UND FÜHRUNGSINSTRUMENT BEI … Es gibt einige Beispiele, wo dieses Kommunikationsinstrument bei internen Belangen greift: Sei es bei einem Veränderungsprozess (digitale Transformation, Struktur- oder Paradigmenwechsel, neue Strategien und so weiter …), bei identifikationsbindenden Massnahmen (Kommunikation der eigenen Marke, Corporate Behaviour und Corporate Identity, Vermittlung von Unternehmenswerten nach innen) oder bei der Feedback-Kultur. Storytelling hat hierbei eine zentrale Funktion: Man vermittelt eine Mission und kein Mission Statement. Es braucht ein Top-Argument, welches den Mehrwert für alle Beteiligten auf den Punkt bringt. Dieses Argument ist der Nukleus einer packenden Erzählung. Wer braucht also ein Mission Statement, wenn er wirklich eine Mission hat? Besonders effizient sind natürlich authentisch klingende, manchmal gar wahre Geschichten. Hier erreicht man eine starke Identifikation bei jenen, bei welchen das Kommunikationsziel wirksam sein soll. Einer der abso-

rundschauMEDIENAG_Inserat_Eden_Tagen_Feiern_2018.pdf 1 18.10.2018 10:43:51

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luten Doyens des Storytellings war Steve Jobs. Seine Auftritte, sowohl die öffentlichen mit klarem Marketingnutzen wie auch die internen zwecks emotionaler Bindung mit der Mission haben nicht umsonst Kultcharakter (das «One more thing» wurde tausendfach imitiert). Die Story von Apple war Botschaft an Mitarbeiter und Markt zugleich, und die Philosophie hielt sich nicht mit Kleinigkeiten auf: Anders denken und die Welt verändern – das war die Botschaft nach aussen und – vor allem auch – nach innen an die Mitstreiterinnen und Mitstreiter. «Think different» wurde zu einem Glaubenssatz und Claim zugleich. Ein anderes Beispiel: Vor sechs Jahren schuf Microsoft eine der besten Brand Storytelling Websites: Microsoft Story Labs. In den interaktiven und visuell aufwendig aufbereiteten Artikeln, Podcasts, Cartoons und sogar Büchern geht es weniger um Microsoft-Produkte, sondern vielmehr um die Vision und Motivation der Menschen, die dahinterstehen. Das Magazin begann mit einer einzigen Geschichte namens «88 Acres» über Darrel Smith, F & E-Manager bei Microsoft. Ähnliches realisierte auch Starbucks mit seiner «My Starbucks Idea»-Blogosphäre.

AUTHENTIZITÄT UND SPANNUNG – GESCHICHTEN AUS DEM PERSÖNLICHEN UMFELD Erfahrungsgemäss funktionieren in der internen Kommunikation fast nur Geschichten, die entweder authentisch sind und aus dem engeren oder weiteren Umfeld der Mitarbeitenden entstammen. Fiktive oder symbolische Geschichten – sei es mit Metaphern oder auch nicht – sind zwar nicht ganz wirkungslos, aber bleiben weniger stark im Gedächtnis haften. Wichtig ist, dass man sich mit dem Erzählten und mit den Personen, die in den Geschichten vorkommen, identifizieren kann. Des Weiteren muss

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Hotel mit 45 individuell eingerichteten Zimmern mit Klimaanlage und WLAN Autonomes Tagungszentrum mit 7 funktionalen Seminarräumen für 5 bis 150 Personen Zusätzliche Eventräumlichkeiten: Vinothek, ParkSide und Festsaal Belle Epoque Garten Eden für Feierlichkeiten und Team-Aktivitäten im Freien Eden Spa mit Panorama-Hallenbad, Soleaussenbad und weiteren Attraktivitäten Optimale Erreichbarkeit mit Zug und Auto aus den Schweizer Zentren

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BUSINESS

Mitarbeitende mit in die (interne) Kommunikation mit einbeziehen - Mission Statement kommunizieren reicht nicht - heute wird mittels Storytelling eine Mission vorgelebt.

man sich eines bewusst sein, wenn man Storytelling als Führungsinstrument einsetzt: Die meisten Mitwirkenden in einem Unternehmen verfügen über viel Wissen über die tatsächlichen Abläufe und Strukturen, über Kultur und gelebte Werte im Unternehmen. Deshalb ist das Einbauen von Geschichten über gemeisterte Konflikte und Herausforderungen besonders effizient. Für die strategische Nutzung von Geschichten in der internen Kommunikation wirken jene Geschichten am stärksten, bei welchen die Zuhörenden sich nicht nur mit der Botschaft identifizieren und diese nachvollziehen können, sondern auch selbst eigene Ideen und Handlungsmuster für ihre tägliche Arbeit entwickeln und umsetzen. Auch erlebnispädagogische Massnahmen können als Grundlage für Storytelling dienen. Besonders wenn man zusammen Erlebtes danach für die Interne Kommunikation nutzen. Gemeinsam Erlebtes ist ein starker Kitt und ist natürlich authentisch.

RAUS IN DIE «TRANSMEDIALE WELT» Bleibt nun die eine Frage: Welches Storytelling soll man verwenden? Crossmediales oder gar transmediales Storytelling? Beim Crossmedia-Storytelling geht es darum, die verschiedenen Inhalte auf unterschiedlichen Kommunikationsarten zu verknüpfen und Synergien zu erzeugen. Gerne werden dabei inhaltliche Impulse ausgelöst, die man für die Fortsetzung der Geschichte nutzen kann. Meist jedoch geht es um das Erzählen von Geschichten in einem Universum, das jeweils für sich abgeschlossen ist. Beim Transmedia-Storytelling wird eine Geschichte indes über verschiedene Medien und Publikationsplattformen erzählt. Dabei wird der jeweilige Vorteil jedes benutzten Mediums möglichst optimal genutzt. Die Handlung, Dramaturgie und die Charaktere der Geschichte entwickeln sich dabei über die Gesamtheit der benutzten Medien hinweg. Anders als beim Crossmedia-Storytelling kann dabei auf jedem Medium ein anderer Teil einer Geschichte erzählt werden, mit anderen Inhalten und Charakteren, wobei ein verbindendes Element bestehen bleiben muss und jedes Medium auch für sich selbst stehen können sollte. Wichtig dabei ist der sogenannte partizipatorische Anteil in der Geschichte: die Möglichkeit, einer Geschichte eine Wendung zu geben oder sich stark mit den Protagonisten zu identifizieren und in deren «Welt» einzutauchen.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

ANMERKUNG 1

www.lernwerkstatt.ch/angebot/ausbilder-seminare/storytelling

STORYTELLING UND WEITERBILDUNG Auch Dozierende können Storytelling effizient einsetzen. Teilnehmende an Seminaren oder Lehrgängen schätzen nicht nur die Fachkenntnis der Dozierenden beziehungs­ weise der Seminarleitung. Die Fähigkeit zum Wissenstransport ist ebenso wichtig, und ein gewisses Charisma schadet natürlich auch nicht. Heute erwarten Teilnehmerinnen und Teilnehmer an Seminaren und Weiterbildungsveranstaltungen das Wiedergeben praktischer und umsetzbarer Tipps und auch etwas «Performance» von den Kursleitenden. Diese Erwartungen kann man erfüllen, indem man unter anderem Beispiele aus dem eigenen Erfahrungsschatz erzählt. Diese Inputs werden sehr geschätzt, da man Theoretisches gut nachvollziehen und verknüpfen kann. Storytelling gehört heute im AdA-Bereich bei der Erwachsenenbildung zum Handwerk. Das Verpacken von Wissen in eine Geschichte ist eine Kunst für sich. Besonders, wenn man sich entscheiden muss, ob man diesen Vorgang crossmedial oder transmedial machen soll. Das Know-how des Storytellings muss jedoch erworben werden. Eigens für Dozierende gibt es die folgende Ausbildungsmöglichkeit: Storytelling – Referate und Aus­b ildungen kreativ aufpeppen1. Hier lernt man, wie personalisierte und emotionalisierte Geschichten genutzt werden, um schnell und effektiv Ausbild­ungsstoff erlebnisorientiert und spannend zu vermitteln. : : WWW.BILDUNGSBLOG.CH : : : : WWW.LERNWERKSTATT.CH : :


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BUSINESS BEA EXPO FRÜHLINGSMESSEN

SPAGAT ZWISCHEN MESSE UND EVENT DIE BEA EXPO FRÜHLINGSMESSE IST ERFOLGREICH UND BELIEBT, WEIL DER SPAGAT GELINGT, DER MESSE DEN RICHTIGEN TOUCH UND EINE RICHTIGE MISCHUNG IM ANGEBOT ZU VERPASSEN: TRADITION UND BODENSTÄNDIGKEIT TRIFFT AUF MAINSTREAM, MODERNE UND TRANSFORMATION. AUCH DIE MISCHUNG ZWISCHEN KLASSISCHER PUBLIKUMSMESSE MIT AUSSTELLUNGEN BEZIEHUNGSWEISE PRODUKTPRÄSENTATION UND DEN EVENT-ELEMENTEN UND -ANGEBOTEN KOMMT AN. ES IST FÜR DIE LEUTE IN DER REGION EIN ECHTER GESELLSCHAFTLICHER EVENT, WO SICH ALLE GERNE SEHEN LASSEN. AUCH PROMINENTE. VON CHARLES STAUBACH

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


BUSINESS

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on fesselnden Tiervorführungen über inspirierende Live-­ Shows bis hin zu brandneuen Sportarten und Produkten: Bald startet der grösste und vielfältigste Gesellschaftsevent der Schweiz. Auch dieses Jahr glänzt die BEA mit zahlreichen Highlights wie PFERD, BEActive, BE Häppy, Genuss & Tradition, Grünes Zentrum, Tiere, Highlights, dem traditionellen Messebereich sowie Unterhaltung und Genuss bei Gastro & Nightlife. Das Ziel der Organisatoren ist, den Gästen die Gelegenheit zu bieten, in eine Welt voller Spass einzutauchen und bleibende Erinnerungen zu schaffen.

DER PUBLIKUMSMAGNET Die BEA ist und bleibt ein Publikumsmagnet: Jedes Jahr machen sich über 300᾽000 Besucherinnen und Besucher aus der Deutschschweiz und der Romandie auf den Weg zur BEA und erwarten viel vom abwechslungsreichen Angebot. Immer mehr ist auch der Aspekt «Inspiration und Entdeckung» ein wichtiger Motivator für den Besuch. Aber auch Spiel und Spass für Familien stehen hoch im Kurs. Natürlich behält die Frühlingsausstellung aber auch ihren Charakter als Publikums- und Ausstellermesse. Neben den verschiedenen Sonderschauen und Tiervorführungen präsentieren rund 900 Aussteller ihre Angebote und Produktneuheiten.

DIE HIGHLIGHTS Von modernen Möbeln über Bodenbeläge für das gesamte Haus, Fenster und Elektrogeräte bis hin zu Whirlpools: Das BERNEXPO-Gelände wird während zehn Tagen zum grössten Einkaufsparadies der Schweiz. Auch für Geniesser / innen ist einiges dabei wie regionale Spezialitäten, edle Tropfen zum Degustieren und mehr. Das Besondere jedoch ist: Es werden auch überlieferte Bräuche aus Kulinarik, Handwerk und Kultur zu einem spannenden Erlebnis vereint. Spannende Neuheiten, interaktive Erlebnisse und Stände regionaler Institutionen: Das Programm der BEA will also durch Vielfalt glänzen und neue Perspektiven auf Altbekanntes bieten.

DIE TIERE SIND DIE HEIMLICHEN STARS An der BEA gibt es auch dieses Jahr eine Vielzahl an grossen und kleinen Tieren zu bestaunen. Highlights der diesjährigen Ausgabe sind einmal mehr der Streichelzoo und die begehbare Freiflughalle. Und Pferdefans aufgepasst: Bei der «Pferd» treffen sich Ross und Reiter. Sportliche Wettkämpfe, spannende Shows, eine einzigartige Auswahl an Produkten rund um den Reitsport und Fachvorträge stehen im Angebot.

Viel Abwechslung am Gesellschaftsevent BEA Expo

DON‘T WORRY, «BE HÄPPY» Sich verwöhnen lassen und Neues entdecken – das soll der Bereich «BE Häppy» bieten. Eine Showküche, Frischgepresstes und innovative Life­ style-Produkte sollen Lust machen und Inspiration geben für noch mehr Spass bei Wellness und Erholung.

BEACTIVE: SPASS UND NONSTOP-ACTION In der grossen Sport- und Freizeitwelt der BEA dreht sich alles um Action. Hier präsentieren zahlreiche Aussteller von Nischen- bis zu Volkssportarten ein Programm mit viel Abwechslung, wie die Messeleitung verspricht. Für Athleten jeden Alters hält BEActive vielfältige Angebote zum Mitmachen bereit.

GRÜNES ZENTRUM Die unendliche Vielfalt der Ernährung ist an der BEA ebenfalls im Fokus: Im Grünen Zentrum können Sie einen Spaziergang durch die vielfältige Welt der Nahrungsmittel unternehmen. Zudem erwarten Sie hier leckere Snacks, ein einladendes Restaurant und eine Schaubäckerei, die Appetit auf mehr macht.

Spass, Show und besondere Themenschwerpunkte locken die Besucherinnen und Besucher an.

Tipp: An der BEA ist von morgens bis abends etwas los. Verschiedene Restaurants sorgen für die genussvolle Stärkung zwischendurch. Nach Sonnenuntergang verlängern unterhaltsame Events und musikalische Begleitung den Messetag und bieten Zerstreuung. : : BEA-MESSE.CH : :

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Keine Frage: Die neue Location in der Energiezentrale Forsthaus ist der Ort für Ihre Firmen- und Vereinsanlässe. Auf 330 m² eröffnen sich Ihnen ab Mitte Mai neue Möglichkeiten für Tagungen, Vorträge, Workshops und Apéros. Das Eventlokal wie auch die neuen Führungen sind ab sofort buchbar. Reservieren Sie schon jetzt: ewb.ch/eventraum


BERN INSIDE WER SIND DIE TAKTGEBER IN DER BUSINESSWELT DER GROSSREGION BERN UND WELCHE IDEEN UND KONZEPTE HABEN POTENZIAL ZUM NACHHALTIGEN DURCHBRUCH? WER WIRD SICH IN DEN ARBEITSWELTEN 4.0 DURCHSETZEN UND WAS TUT SICH IN DER BUNDESHAUPTSTADT HINTER DEN KULISSEN? VON JOËL CH. WUETHRICH

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ern ist ein Hotspot für Lobbyisten. Bei diesem Thema lohnt es, sich mit Personen zu unterhalten, die Lobbying betreiben. Die Sicht der Big Player der Wandelhallen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft interessiert. Mehr davon in dieser Ausgabe.

In unserer BernInside-Rubrik porträtieren wir gerne auch spannende Personen, die es mit Unternehmergeist und Ideenreichtum weit gebracht haben oder es noch weit bringen können. Bern ist ein gutes Pflaster für Unternehmen. In internationalen Studien zur Standortqualität belegt der Wirtschaftsraum Bern die vordersten Ränge. Persönliche Sicherheit, der allgemein hohe Ausbildungsstand der Bevölkerung, die kulturelle Vielfalt, die politische Stabilität, die Wohn- und Umweltqualität, das Freizeit­ angebot oder der Naherholungsraum sorgen für Lebensqualität. Diese

Voraussetzungen sind Grundlage für ein florierendes Gewerbe, einen gut funktionierenden Handel sowie für innovative und solid aufgestellte Firmengründungen für alle Gewerbetreibenden und KMU. Die einzig­ artige Stellung als «politisches Epizentrum» der Schweiz mit den vielen Interessengruppen macht die Region Bern noch interessanter. Die Hauptstadt Bern mit der als UNESCO-Welterbe geschützten Altstadt, der Aare und dem vielfältigen Natur- und Erholungsraum bietet zudem eine einmalige Atmosphäre zum Leben und Arbeiten. Wir stellen uns die Frage: Welche Persönlichkeiten und welche Ideen stehen aber hinter den Unternehmungen? Wer steckt hinter den Firmenlogos und nackten Kennzahlen, wer sind die Menschen, welche mit ihrem Engagement, ihrer Überzeugung und auch mit ihrem Risikobewusstsein das lokale und regionale Wirtschaftsgeschehen prägen?

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BERN-INSIDE LOBBYING IN POLITIK UND WIRTSCHAFT

BERN IST DER HOTSPOT DER LOBBYISTEN BERN IST DER SCHWEIZER HOTSPOT DER LOBBYISTINNEN UND LOBBYISTEN ALLER COULEUR. DAS GILT FÜR BERUFSLOBBYISTEN, DIE IM BUNDESHAUS FÜR DIE INTERESSEN VON UNTERNEHMEN, DACHVERBÄNDEN, NICHTREGIERUNGSORGANISATIONEN, GEWERKSCHAFTEN UND VERWALTUNGEN NETZWERKEN. ABER AUCH FÜR JENE, DIE DAFÜR SORGEN, DASS DIE ZIELGRUPPEN GUT VERSORGT WERDEN MIT DEN «RICHTIGEN INFORMATIONEN». INTERVIEW MIT ANDREAS HUGI VON JOËL CH. WUETHRICH

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as Image der Lobbyisten ist nach wie vor ambivalent. Zumindest bei jenen, die nicht hinter die Kulissenblicken dürfen. Einer, der sich in diesem Umfeld bewegt und sehr geschätzt wird, ist Andreas Hugi (48), CEO der von Lorenz Furrer und ihm 2006 gegründeten Kommunikationsagentur furrerhugi, welche Public-Affairs- und PR-Mandate in der ganzen Schweiz betreut. furrerhugi hat 50 Mitarbeitende und Büros in Bern, Zürich, Fribourg, Lausanne, Lugano und Brüssel. Andreas Hugi: «Das Image ist in der medialen Wahrnehmung zwar unverändert schlecht, die Position und Rolle der Lobbyisten / -innen hat sich hingegen stark gewandelt: Die professionellen Interessenvertreter sind heute im immer komplexeren politischen Meinungsbildungsprozess nicht mehr wegzudenkende Akteure in Bundesbern.» Geändert habe sich sicher auch die zunehmende Transparenz in der politischen Arbeit: Lobbyisten / -innen arbeiten heute mit offenem Visier,

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

handwerklich sauber und transparent gegenüber Parlament und der Öffentlichkeit arbeiten, so Hugi. Sonst gerieten sie rasch in Verruf und seien nicht mehr tragbar (siehe Interview). Die Rolle von Lobbyistinnen und Lobbyisten kann wohl am besten mit «Interessenvertretung» beschrieben werden. Das eher spezielle Image «erarbeiteten» sich die Interessenvertreterin durch einige nicht ganz transparente Beeinflussungskampagnen, die regelmässig an die Öffentlichkeit gespült werden. Aber die Aufgaben im Lobbying sind vielseitiger als oftmals dargestellt: Man dient als gute, ja manchmal sogar zuverlässigste Informationsquelle in komplexen Geschäften. Durch das Netzwerk in einigen Branchen hören die Interessenvertreter das Gras wachsen und können Insidertipps geben. Im politischen Lobbying suchen die Interessenvertreter die Nähe zu jenen Politikerinnen und Politikern, die in den Kommis-


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sionssitzungen Entscheidungen fällen. Nach Schätzungen bewegen sich um die 200 Interessenvertreter in der Wandelhalle des Bundeshauses. Ihre Kernkompetenz: das persönliche Gespräch und ein gutes Argumentarium. Die Öffentlichkeit will aber auch in Kenntnis gesetzt werden, was Lobbyisten genau machen. Die Antwort ist einfach: Lobbying ist zu 50 Prozent Networking und der Rest ist Handwerk.

TRANSPARENZ STATT MAUSCHELEI UND STRIPPENZIEHER-GEHABE?

Zirka 200 Interessenvertreterinnen und Vertreter bewegen sich in den Wandelhallen des Bundeshauses. © PEXELS

Für etwas Transparenz sorgen Interessenvertreter wie Andreas Hugi oder auch die SPAG, die Schweizerische Public-Affairs-Gesellschaft. Die SPAG verfolgt als beruf licher Interessenverband den Zweck, Behörden und Öffentlichkeit für Sinn und Wert politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lobbyings und dessen Bedeutung im demokratischen Entscheidungsprozess zu sensibilisieren. Der ehemalige SPAG Präsident Fredy Müller sagte in diversen Interviews Folgendes: «Das Wichtigste beim Lobbying ist der intellektuelle Teil: Ich recherchiere und schärfe dann meine Kernbotschaft immer weiter.» Ein guter Lobbyist sei ein Fachmann, der seine Argumente möglichst prägnant auf den Punkt bringe, ist beispielsweise eine Aussage eines anderen «Players» in diesem Umfeld, Robert Hilty. Das Klischee, welches den Lobbyisten anhaftet, ist, dass sie manipulieren und Gegenleistungen erwarten. Aber viel wichtiger sind die Vertrauensbildung und die Überzeugungskraft. Logisch, dass man als Interessenvertretung für seine Klientel das Optimum herausholen möchte. Und dies bedeutet in der Regel hin und wieder, dass man einer Branche oder Interessengruppen hilft, eine gute Ausgangslage für künftige Geschäfte zu schaffen. Zu viel Lobbyarbeit im Parlament könne aber auch schaden, heisst es in Fachkreisen. Dies gelte auch für das Lobbying auf der politischen Bühne. Jedenfalls soll gemäss einer parlamentarischen Initiative Lobbyistinnen und Lobbyisten, welche Zutritt zum Parlamentsgebäude verlangen, eine Akkreditierung mit Offenlegung aller Mandate sowie allfälligen Arbeitgebern auferlegt werden. Die Staatspolitische Kommission (SPK) des Ständerates hat in Umsetzung dieser Initiative eine Vorlage ausgearbeitet, welche die Verantwortung für den Zugang von Interessenvertretern bei den Parlamentsmitgliedern belässt, die Anzahl der Zugelassenen aber beschränkt und diesen strengere Offenlegungspflichten auferlegt. Zum Thema Lobbying hat der «Geschäftsführer Bern» mit Andreas Hugi (48), CEO der von Lorenz Furrer und ihm 2006 gegründeten Kommunikationsagentur furrerhugi, ein Interview geführt. furrerhugi ist spezialisiert auf Public-Affairs- und PR-Mandate. «Geschäftsführer Bern»: Andreas Hugi, was verstehen Sie persönlich unter Lobbying beziehungsweise unter Public-Affairs-Business? Was ist die Kunst bei der Lobby-Arbeit, und wo setzt man Grenzen? Andreas Hugi: Mit Lobbying versucht man als Firma, Verband, NPO oder Gewerkschaft für politische Entscheide im Parlament Mehrheiten zu gewinnen. Dabei muss man sich bewusst sein, dass man für ein Partikularinteresse in einem hart umkämpften Meinungsmarkt Verbündete suchen muss und dass niemand auf seine Argumente gewartet hat. Lobbying ist nur zu einem kleinen Teil «Kunst». Lobbying besteht vor allem aus viel unspektakulärem Handwerk: Man muss seine Ziele definieren, Verbündete, Allianzpartner und Gegner identifizieren und sie sowie die zentralen Themen über längere Zeit beobachten. Die eigentliche Überzeugungsarbeit besteht oft aus unzähligen Einzelgesprächen sowie dem Zusammentragen von Argumenten, Zahlen und Fakten. Als Lobbyist / in muss man sich bewusst sein, dass man nahe an den politischen Entscheidungen ist. Dies bedingt transparentes und ethisch korrektes Verhalten. Das muss man – sei es als Firma oder als Agentur – mit internen Kodizes

Geheime Treffen sind nicht die Regel beider Lobbyarbeit - viel mehr geht es um Interessenvertretung, die immer transparenter wird.

und durch die Mitarbeit in den relevanten Branchenverbänden auch offiziell verankern. Unsere Agentur legt zum Beispiel sämtliche politischen Mandate auf unserer Website offen und ist Mitglied im PR-Agenturenverband BPRA sowie im Lobbyistenverband SPAG und bekennt sich zu den jeweiligen Verbandskodizes. Hat sich das Image von Lobbying in den letzten Jahren durch Phänomene wie Filterblasen und anderem stark gewandelt? Das Image ist wohl gleich (schlecht) geblieben, die Position und Rolle der Lobbyisten hat sich hingegen stark gewandelt: Die professionellen Interessenvertreter sind heute im immer komplexeren politischen Meinungsbildungsprozess nicht mehr wegzudenkende Akteure in Bundesbern, auch wenn oft und gerne über die Lobbyisten hergezogen wird. Zu den Lobbyisten gehören Vertreter von Branchenverbänden, NGOs, Gewerkschaften,

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Anwälte, Politiker sowie spezialisierten Agenturen. Geändert, und dies zum Guten, hat sich sicher auch die zunehmende Transparenz in der politischen Arbeit: Lobbyisten müssen heute mit offenem Visier, handwerklich sauber und transparent gegenüber Parlament und Öffentlichkeit arbeiten, sonst geraten sie rasch in Verruf und sind weg vom Fenster.

Ist Bern aufgrund der politischen Bedeutung als Bundeshauptstadt der Schweizer Hotspot für Lobbying? Ja, sicher. In Bern spielt sich die nationale Politik ab, sei es im Parlament, in der Verwaltung, in den Kantonskonferenzen, den Parteisekretariaten, dem Medienzentrum oder den vielen Verbandsgeschäftsstellen. Es ist zentral, hier in Bern vor Ort zu sein, wenn man politisch etwas bewegen und frühzeitig neue Themen und Stimmungen erkennen will.

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Wie kann man demnach die negative Konnotation des Wortes in einen positiven Aspekt verwandeln? Lobbying hat in der medialen Wahrnehmung In welchen Bereichen hat sich das Lobby­ingetwas «Anrüchiges», und das wird wohl auch Business besonders entwickelt? «DIE TÄGLICHE LOBBYARBEIT immer so bleiben. Zu Unrecht, denn die Ver- HAT SICH IN DEN LETZTEN JAHREN Die tägliche Lobbyarbeit hat sich in den letztretung von Partikularinteressen ist ein zentrales ten Jahren stark professionalisiert: Lobbyisten STARK PROFESSIONALISIERT» Wesen unserer Politik und Lobbyisten üben arbeiten heute mit Online-Monitoring-Tools, dabei eine wichtige Aufgabe im politischen Prozess aus: Viele parlamenDatenanalysen, Checklisten und etablierten Prozessen. Unstrukturierte tarische Geschäfte wären für Milizpolitiker ohne die quasi inhaltliche Apéro-­Kontakte allein reichen schon lange nicht mehr, um bei komÜbersetzungsarbeit und Komplexitätsreduktion durch Lobbyisten gar plexen politischen Themen den Überblick behalten zu können. Zudem nicht mehr zu bewältigen. Und dazu kommt: Es gibt wohl kaum eine ist heutzutage verantwortungsvolles Handeln und Transparenz zentral: Dienstleistungsbranche, die mehr im Rampenlicht steht und transparenter Gute Lobbyisten sind Mitglied in den zentralen Branchenverbänden ist als die Lobbyisten: Am Ort mit der wohl höchsten Mediendichte der und arbeiten nach den brancheneigenen Kodizes. Wirtschaft, GesellSchweiz – in der Wandelhalle in Bern – arbeitet die überwiegende Mehrheit schaft und Politik sind dabei gut beraten, die ethisch und qualitativ nach den Verhaltensgrundsätzen der Branche, legt gegenüber den Parlanach hohen Standards arbeitenden Lobbyisten von den schwarzen mentariern ihre Kunden offen und arbeitet moralisch integer. Schafen zu trennen.

Am Ort mit der wohl höchsten Mediendichte der Schweiz – in der Wandelhalle in Bern – arbeitet die überwiegende Mehrheit nach den Verhaltensgrundsätzen der Branche

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Welche Herausforderungen warten in naher Zukunft auf Lobby­i s­ tinnen und Lobbyisten? Der direkte Abgleich der politischen Interessen zwischen Politik, Wirtschaft und Gesellschaft ist in den letzten Jahren immer schwieriger geworden. Wirtschaftsvertreter sind nicht mehr in der Politik aktiv, und in Bern haben wir mindestens ein Halbberufsparlament. Politik und Wirtschaft sind also auseinandergedriftet. Dazu kommt, dass die Politik immer stärker in das wirtschaftliche Handeln der Firmen eingreift. Umso wichtiger ist es, dass sich Firmen bewusst sind, dass sie ihre Interessen in der Politik vertreten müssen – sei es über ihre Branchenverbände oder direkt. Das ist übrigens nicht nur Kür, sondern auch Pflicht: Das Obligationenrecht verlangt nämlich vom Verwaltungsrat einer Firma, dass er das politische und gesellschaftliche Umfeld einer Unternehmung überblickt und das Unternehmen darin günstig positioniert. Kurz: Wer sich als Unternehmer und als Firma nicht um die Politik kümmert, handelt fahrlässig. Oder um es mit dem britischen Philosophen Arnold Joseph Toynbee zu sagen: «Die grösste Strafe für alle, die sich nicht für Politik interessieren, ist, dass sie von Leuten regiert werden, die sich für Politik interessieren.»

EIN PLÄDOYER FÜR LOBBYISTINNEN UND LOBBYISTEN In einem «Position Statement» auf dem Blog www.wandelhalle.ch hat Andreas Hugi ein Plädoyer für das Lobbying publiziert. Sein Einstieg befasst sich mit der Rolle des Staates, der sich für das Gemeinwohl einsetzen müsse und zitiert Jean-Jacques Rousseau: «La volonté générale et la volonté de tous». Ein schönes Beispiel dafür sei unser Vernehmlassungssystem, welches allen interessierten Interessengruppierungen – also Lobby-Organisationen – erlaubt, zu einem neuen Gesetz vor dem parlamentarischen Prozess Stellung zu nehmen. Auch unser Referendums- und Initiativrecht sei eine starke Interventionsmöglichkeit, wie geschaffen für politische Lobbygruppierungen und so genannte pressure groups. Andreas Hugi weiter: «Wir Schweizer sehen den politischen Prozess in der Schweiz eher als Abgleich von unterschiedlichen Interessen, denn als Heilsbringungsprozess einer Kaste. Dass Parlamentarier gleichzeitig Verbandssekretäre, Unternehmer, Angestellte, Gewerkschafter oder Bauernvertreter sind, ist bei unserem Verständnis des Milizsystems kein Problem. Unsere Parlamentarier vertreten eigene Interessen, die sie sorgsam in einer Liste der Interessenbindungen offenlegen, und das ist für die Mehrzahl der Bürger unseres Landes so in Ordnung. Dies bedeutet aber auch, dass wir an die Politik nicht den Anspruch haben, dass sie ‹das Allgemeinwohl› voll­ umfänglich erkennen und vertreten kann. Und hier kommen wir zur Nützlichkeit der Lobbyisten: Wenn es denn so ist, dass nicht nur eine erleuchtete Kaste elitärer Politiker weiss, was gut für unser Land und die Bürger ist, dann kann nur das Wechselspiel von Interessen die für das Land ‹gute Politik› ringen und legitimierte Resultate hervorbringen. An diesem Wechsel­spiel können und sollen aber alle Organisationen, die sich betroffen fühlen, teilnehmen. Lobbyisten / -innen diesen demokratischen Meinungsbildungsprozess zudem auch gegenüber denjenigen Organisationen, Firmen und Gruppen, die nicht bereits fest in unserem politischen System verankert sind. Das stört im Übrigen die wenigsten Politiker – die kennen diese Mechanik zur Genüge.» Zusammengefasst: Lobbyisten seien nützlich und legitim als Bestandteil eines demokratischen Meinungsbildungsprozesses. Man könne sogar zugespitzt sagen: Das Mitwirken von Organisationen und Firmen an der Ausgestaltung des sie beeinflussenden und regulierenden politischen Umfeldes sei nicht nur legitim, sondern gehöre zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht. «Bis vor etwa zehn Jahren verfügten viele Firmen und Organisationen über ihre eigenen Kanäle in unserem politischen System – man nannte das seit den Achtzigerjahren Filz und verdammte es. In der

Ein Experte in Sachen Lobbyismus: Andreas Hugi von furrerhugi.

Folge wurde auch das kleinste politische Engagement von Kadermitgliedern aufgrund von Effizienzüberlegungen in vielen Firmen nicht mehr gerne gesehen. Neudeutsch nennt man dies «corporate governance». Die Folge davon ist, dass viele Brücken zwischen der Wirtschaft und der Politik unwiderruflich abgebrochen wurden. Lobbyisten funktionieren deshalb heute als Brückenbauer und Übersetzer zwischen diesen beiden Welten, die sich ohne Hilfe nicht mehr kennen. : : WWW.PUBLIC-AFFAIRS.CH/DE : : : : WWW.LOBBYWATCH.CH : : : : WWW.WANDELHALLE.CH : :

IST LOBBYING AUCH INFLUENCING? Für manche bedeutet Lobbying auch Persuasion. Durch die Veränderung von Einstellungen des Empfängers durch soziale Einflussnahme im Rahmen von Kommunikationsakten kann man eine Meinungshoheit erlangen. Manche schaffen dies durch das Erschaffen und Bewirtschaften von «Filterblasen». Andere durch «direkte PR» und Content Marketing und wieder andere durch Kommunikations-, Werbe- oder PR-Kampagnen. Persuasive Kommunikation (lat. persuadere = überreden) ist demnach eine Form der zwischenmenschlichen Kommunikation, die auf das Beeinflussen des Kommunikationspartners zielt. Primäres Ziel der persuasiven Kommunikation ist das Erreichen von Einstellungsänderungen. Wenn dies durch die Präsenz der Medien geschehen soll, versucht man die Zielgruppen je nach Mediennutzungsverhalten zu orten und mit Content zu versorgen. Manche Lobbyistinnen und Lobbyisten machen auch Influencing. Andere wiederum verstehen ihre Arbeit nicht als Teil von Influencing.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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BERNER OBERLAND DAS BERNER OBERLAND UND DIE REGION RUND UM DEN THUNERSEE SIND PRÄDESTINIERT FÜR DIE HOHE IDENTIFIKATION DER UNTERNEHMEN MIT IHRER GEOSTRATEGISCHEN ZIELGRUPPE UND HELFEN MIT, EINE OPTIMALE POSITIONIERUNG ZU ERWIRKEN UND EINE AFFINITÄT MIT DEN ANSPRUCHSGRUPPEN ZU ERZIELEN. ABER NICHT ETWA NUR DIE MENSCHEN DER UNMITTELBAREN REGION WERDEN ANGESPROCHEN. VON CHARLES STAUBACH

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’Oberland ja, z’Oberland, z’Berner Oberland isch schön … und das nicht nur für die Einheimischen. Unternehmerinnen und Unternehmer, Event-Agenturen, die Tourismus-Branche und so weiter leben unter anderem auch vom Standortvorteil und der hohen Wertschöpfung, die auch auswärtige Investoren, Gäste oder Mandatnehmer / innen generieren. Dabei ist die klare Positionierung zur Marke Oberland und den Wertevorstellungen der Region in jeder Hinsicht hilfreich. Dies bestätigen nicht nur führende Unternehmen und KMU, sondern auch die populären

Sportclubs wie Wacker Thun (Handball Meister 2018) und FC Thun (Fussball Super League). Der Tourismus stellt zwar den wichtigsten Wirtschaftszweig für die Region dar. Die Gegend, wo viele ihre Ferien verbringen, inspiriert aber auch Industrie und Gewerbe. Die Region hat sich zu einem dynamischen Wirtschaftsraum entwickelt. Zahlreiche industriell tätige Firmen sind im Berner Oberland angesiedelt, und innovative Gewerbetreibende schätzen neben der besonderen Landschaft auch die gut funktionierende Infrastruktur.

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BERNER OBERLAND

THUN – OBERLAND

NOCH VIEL LUFT NACH OBEN DAS BERNER OBERLAND UMFASST 20.5 PROZENT DER BERNER BEVÖLKERUNG UND BIETET 17,5 PROZENT DER ARBEITSPLÄTZE IM KANTON. DEMENTSPRECHEND IST DER WERTSCHÖPFUNGSANTEIL MIT KNAPP UNTER 15 PROZENT NOCH NICHT OPTIMAL. «DAS HÄNGT VOR ALLEM MIT DER BRANCHENSTRUKTUR UND DER DAMIT VERBUNDENEN PRODUKTIVITÄT ZUSAMMEN», SAGEN EXPERTEN WIE BEISPIELSWEISE DANIEL BHEND VOM WIRTSCHAFTSAMT DES KANTONS BERN (BECO). VON CHARLES STAUBACH UND DANIELE CIOCIOLA

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BERNER OBERLAND

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HOHER BIP-ANTEIL DER «AGGLOS» Im Jahr der Studie (2016) betrug das BIP in der Agglomeration Bern 35.2 Milliarden Schweizer Franken, in der Agglomeration Biel 6.6 Milliarden Schweizer Franken und in der Agglomeration Thun 4,5 Milliarden Schweizer Franken. Somit werden in der Agglomeration Bern 45,3 Prozent des kantonalen BIP erwirtschaftet, das sich auf rund 78 Milliarden Schweizer Franken beläuft. Die Agglo Bern zählt 260᾽000 Einwohner, die Agglo Biel 85᾽000 und die Agglo Thun 75᾽000. Insgesamt hat der Kanton Bern über eine Million Einwohner. Der Anteil der Agglo Bern am gesamten BIP des Kantons ist in den letzten Jahren gestiegen: 2006 lag der Anteil noch bei 44 Prozent. Die Fachleute und Analysten, welche die Studie kommentierten, waren sich indes einig: Das BIP wird nicht von den Regionen, sondern von den Unternehmen und den Arbeitnehmern erbracht. Die BAK-Studie im Auftrag der stadträtlichen Agglomerationskommission offenbart aber noch viel mehr: Wenn das BIP pro Kopf betrachtet wird, sind die Unterschiede zwischen den Agglomerationen grösser: In diesem Punkt liegt die Agglomeration Bern mit 136᾽000 Schweizer­ Franken weit vor Biel mit 77᾽000 Schweizer Franken und Thun mit 60᾽000 Schweizer Franken. Der Durchschnitt im Kanton liege bei 76᾽000 Schweizer Franken, so die Auswertung. Dieser Vergleich sei aber wegen der Pendlerströme nur bedingt aussagekräftig – denn die Wirtschaftsleistung der Pendler wird in der Statistik auf die «Ortsansässigen» umverteilt. Es sei also nicht so, dass ein Berner mehr als doppelt so viel wie ein Thuner zur Wirtschaft beiträgt.

VIELE AUFTRÄGE – JEDOCH IN BRANCHEN MIT UNTERDURCHSCHNITTLICHER PRODUKTIVITÄT

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hne die Agglomerationen Bern, Biel und Thun wäre der Kanton wirtschaftlich eine kleine Nummer: 60 Prozent des Bruttoinlandprodukts im Kanton werden von diesen drei Agglomerationen erbracht. 40 Prozent der Bevölkerung leben in diesen Regionen , die Hälfte der Arbeitsplätze ist hier angesiedelt. Von den drei Agglomerationen ist Bern wirtschaftlich die stärkste: Die Stadt Bern hat mehr Arbeitsplätze als Einwohner. Die Pendler tragen dementsprechend viel zum BIP der Agglo Bern bei, zumal erwiesen ist, dass Pendlerströme das BIP gemessen an der Bevölkerungszahl anwachsen lassen. In einer BAK-Studie wird ersichtlich: Wichtig sind die Zentrumsfunktion und die hohe Produktivität der Arbeitsstellen (das Wirtschaftsforschungsinstitut BAK Basel untersuchte im Auftrag der stadträtlichen Agglomerationskommission AKO die Situation in der Stadt und der Agglomeration Bern).

Was heisst das nun für das Oberland und die Grossregion Thun? «Das Berner Oberland, mit den Verwaltungskreisen Thun, Obersimmental-Saanen, Frutigen-Niedersimmental, Interlaken-Oberhasli, erwirtschaftet 10.4 Milliarden Schweizer Franken. Das entspricht 14.6 Prozent des gesamten Kanton Bern. Der Verwaltungskreis Thun alleine kommt auf 5.1 Milliarden Schweizer Franken, was 7.1 Prozent des Kantons Bern ausmacht. Die Agglomeration Thun kommt auf 4.1 Milliarden Schweizer Franken, was also 5.7 Prozent des Kantons Bern bedeutet», bestätigt Daniel Bhend vom Wirtschaftsamt des Kantons Bern (Beco). Das Berner Oberland sei eben geprägt vom Tourismus. 11 Prozent aller Beschäftigen arbeiten im Gastgewerbe. Im Kanton Bern sind es «nur» fünf Prozent. Bhend: «Drei Viertel der kantonalen Logiernächte entfallen auf die region Oberland. Aber auch im Baugewerbe und in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten im kantonalen Vergleich überdurchschnittlich viele Personen. Diese Branchen weisen jedoch eine un­terdurchschnittliche Produktivität auf.» Und das ist die Krux: Deshalb habe man, so sagen die Fachleute, noch viel Luft nach oben. Man müsse mehr in krisenresistentere Branchen investieren und diese dazu bewegen, sich noch mehr in der Region anzusiedeln. Ausserdem: In der ganzen Schweiz zu beobachten ist – wenn es um Industriestandorte geht – eine Bewegung weg von den Städten und Agglomerationen in periphere Gegenden. Von dieser Bewegung profitierten zuletzt jene Gegenden am meisten, die verkehrsgünstig liegen, Platz haben, und wo die Löhne etwas tiefer sind. Es sind zudem die tiefen Bodenpreise, welche Unternehmen aus Branchen mit hoher Produktivitätsrate anziehen.

TOURISMUS IST UND BLEIBT AUF PLATZ EINS Dass der Tourismus den ersten Platz in der Wertschöpfungs-Hitparade für die Verwaltungskreise Thun, Obersimmental-Saanen, Frutigen-Niedersimmental, Interlaken-Oberhasli verlieren könnte, ist so oder so nicht zu erwarten.

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BERNER OBERLAND

Der Tourismus und die Eventkultur, wie zum Beispiel die Thunerseespiele, tragen viel zur Wertschöpfung der Region bei.

Blick auf die Stockhorn Arena

Schon alleine die Region Thunersee mit den nun wieder anstehenden Outdoor-Festivals und -Vorführungen ist prädestiniert. Der Thunersee, das Panorama mit den Bergketten – das inspiriert. Und es bringt eine hohe Wertschöpfung für die Region. Ein Beispiel für die Bedeutung der hohen Wertschöpfung von Festivals in der Thunerseeregion sind die Thunerseespiele. So heisst es treffend in einem Bericht der Stadt Thun: «Unter den zahlreichen Veranstaltungen,

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

die das Thuner Kulturleben bereichern, erreichen nur wenige andere Anlässe beziehungsweise Organisationen in Thun die Bedeutung der Thunerseespiele. Sie stellen mit ihren professionellen Produktionen einen schweizweit wahrgenommenen Leuchtturm dar.» Der Besuch Zehntausender Zuschauerinnen und Zuschauer jährlich stärke das Image der Stadt Thun als attraktiven und lebendigen Kulturstandort und hinterlasse, so weiter im Bericht, bei den Gästen schöne Erinnerungen an die Stadt am See. «Die Wertschöpfung der Musicals ist mit Hotelübernachtungen und Gastronomie sowie Folgebesuchen in Thun beträchtlich», heisst es zudem weiter. Eine Studie der Thunerseespiele zeigte auf, dass das Musical einen veranstaltungsbedingten Umsatz von rund 22 Millionen Schweizer Franken im Espace Mittelland generieren konnte. Die Musicals bieten den offiziellen Behörden und anderen Organisationen der Stadt Thun durch Einladungen an Gäste aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft eine gute Gelegenheit zur Beziehungspflege in einem angenehmen und repräsentablen Umfeld. Das ist ein signifikantes Beispiel für den strategischen Wert der «Location» am Fusse der UNESCO-geschützten Bergwelt von Eiger, Mönch und Jungfrau bei Festivals. Seit 14 Jahren präsentieren die Thunerseespiele jeden Sommer Musicals aus aller Welt und Eigenproduktionen. Bis heute reiste über eine Million Besucher an den Thunersee, faszinierende Spektakel zu geniessen. Man spricht auch stolz von der schönsten Seebühne Europas. : : WWW.BERNEROBERLAND.CH : :


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enussmittel sind ein besonderes Erlebnis für unsere Geschmacksnerven. Zu den trinkbaren gehört definitiv das Bier. Das alkoholhaltige Getränk verbinden viele mit einem geselligen Abend oder einer Erfrischung in lauen Sommer­ nächten. Aber Bier ist mehr. Es ist ein Stück Kulturgeschichte. Bereits im Jahr 4000 vor Christus brauten Sumerer das erste Bier in Mesopotamien – heute Vorderasien. Seitdem hat sich an der Zusammensetzung

des kohlensäurehaltigen Getränks nicht viel geändert. Die Hauptbestandteile sind Wasser, gemälztes Getreide, Hefe und Hopfen. Und trotzdem: Bier ist nicht gleich Bier. Die Bierstile reichen von Weizenbier über Lager- bis Schwarzbier. Es gibt Bier aus Mais, Hafer und Dinkel. Ab dem 20. Jahrhundert kamen im deutschsprachigen Raum Biermischgetränke wie Panaché auf den Markt. Seit ein paar Jahren stehen vermehrt CraftBiere in den Supermarktregalen. Der «Geschäftsführer Bern» schaut hinter die Kulissen dieses beliebten Getränks – dem Bier.

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KULINARIK GETRÄNKEMARKT

CRAFT BEER IN ALLER MUNDE «BIER BRAUCHT HEIMAT» IST OUT. JETZT IST «CRAFT BEER» ANGESAGT. DER UNTERSCHIED IST BESCHEIDEN, ER BERUHT SCHLICHT AUF MARKETING. DIE BIERTRINKER WOLLEN VIELFALT. DIE KLEINST-, MIKRO- UND NANOBRAUER KÖNNEN DIESEN WUNSCH ERFÜLLEN. ABER CRAFT BEER HAT IM GETRÄNKEMARKT NUR EINE CHANCE, WENN DIE FLASCHEN IN DIE REGALE DER GROSSVERTEILER KOMMEN. IN CRAFT BEER ZU INVESTIEREN, IST ETWAS FÜR LIEBHABER. VON HARTMUTH ATTENHOFER

Um die 1’000 Braustätten verteilen sich auf die Schweizer Kantone – die meisten brauen Craft Beer.

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urzeit sind in der Schweiz 1 000 Braustätten am Zapfhahn. Das ist erstaunlich, denn vor 27 Jahren waren es noch rund 30. Als 1991 das Bierkartell fiel, begannen die Konsumenten nach Biervielfalt zu dürsten. Die Schweizer Kartellbrauer waren aber zu schläfrig, die Nachfrage mit eigenen neuen Biersorten zu befriedigen, und begannen drum Bier zu importieren! Doch die Bierkonsumenten durchschauten die Taktik und verlangten nach regionalen, saisonalen und geschmacklichen Eigenbräuen. «Bier braucht Heimat», erschallte der Schlachtruf der Bier­ trinker – und wurde gehört. Aber nicht von den Grossen, sondern von abenteuerlustigen Mikro-, Nano- und Hobbybrauern, die alsbald die schweren Töpfe hervorholten und in Küchen und Kellern zu brauen begannen. Die ehemaligen Kartellbrauereien hatten für den neuen Trend nur ein müdes Lächeln übrig. «Bade­ wannenbier» spotteten sie und legten sich wieder hin.

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KLEINE BRAUEREIEN ENTSTEHEN Die Biere aus der Heimat begannen zu boomen. Und je mehr sich die grossen ehemaligen Kartellbrauereien zu kannibalisieren begannen, desto stärker wurde die Kleinbierszene. Als schliesslich das niederländische Heineken und das dänische Carlsberg sich die wenigen verbliebenen Schweizer Traditionsbrauereien einverleibten, und den Schweizer Markt unter sich aufgeteilt hatten, war die Geduld bei den Bierfreunden dahin. Sie begannen sich den Gross-Bieren zu verweigern, rotteten sich zusammen, investierten ihre Ersparnisse in Brauanlagen und gründeten Aktiengesellschaften mit dem Zweck, eigenes Bier zu brauen. Dividende: ein Harass Bier, abzuholen an der Generalversammlung, nach Verzehr von Fleischkäse und Kartoffelsalat. Gaudeamus cerevisiam bibat (Seid fröhlich, trinkt Bier). Seit rund zehn Jahren gehen in der Schweiz jede Woche mindestens zwei neue Braustätten auf – und eine zu. Manche Investoren machen sich falsche Vorstellungen. Eine kleine Brauanlage ist für wenige 10᾽000 Franken zu haben, die Material- und Produktionskosten halten sich im Rahmen und die Personalkosten fallen vielerorts dank Fronarbeit der Investoren und Aktionäre weg – anfänglich jedenfalls. Das Problem der neuen Mikro­ brauereien liegt in der Distribution. Wessen Flaschen nicht von einem


KULINARIK (Gross-)Verteiler mitgenommen und ins Ladenregal gestellt werden, hat es sehr schwer. Mit Rampenverkauf allein wurde noch keiner reich.

CRAFT BEER IM VORMARSCH Mit «Bier braucht Heimat» und einem grossen Freundeskreis ist das Biergeschäft nicht zu machen. Da muss peppigeres Marketing her. Die Kleinbrauer in den USA haben es längst erkannt. Ihr Zauberwort heisst nicht homeland, sondern craft, also Handwerk. Craft Beer hat sich in Nordamerika zu einem Brand entwickelt, der die Sortenbezeichnung konterkariert und den Biernamen von der Etikette vertreibt. Craft Beer ist in aller Munde. Nun auch in Europa. Und in der Schweiz. Craft Beer verdrängt Heimatbier. Die Kleinbrauer setzen viel auf diese Bezeichnung. Craft Beer ist – sprachlich korrekt – nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier. Das allein wäre noch keine wirkliche Innovation, weshalb man heute unter Craft Beer auch alle jene Gebräue subsumiert, die mit Zusatzstoffen parfümiert werden. Zu Ostern mit ein bisschen Veilchenduft, im Sommer Löwenzahn, im Herbst ist Marroni sehr beliebt und im Dezember schliesslich Nelken und Zimt, das X-mas Beer. Tausende von Varianten sind denkbar – mit Früchten, Gewürzen, Kaffee und Schokolade. Es wird in Spanien schon Craft Beer mit Meerwasser gebraut und in den USA wird welches mit gebratenem Ziegenhirn verfeinert. Die Spitze des zweifelhaften Geschmacks dürfte jene polnische Kleinbrauerei erreicht haben, die ihr Bier mit Vaginalabstrichen bekannter Models anreichert.

SCHWEIZER CRAFT-BIER-SZENE Wer dennoch Craft Beer geniessen will, kann das hierzulande getrost tun. Die Lebensmittel-Gesetzgebung macht den Brauern klare Vorschriften, was unter der Bezeichnung Bier in den Handel darf. Das Reinheitsgebot, wonach Bier grob gesagt nur aus Malz, Hopfen, Hefe und Wasser bestehen darf, war in einer abgeschwächten Version zwar bis 2017 auch in der Schweiz gültig. Seither ist die Vorschrift aber stark gelockert worden und erlaubt die Zugabe von natürlichen Fremdstoffen. Diese Beigaben müssen aber klar deklariert werden. Immerhin: Wenn auf der Flasche Bier steht, muss auch Bier drin sein. Den Trend, den Helvetiens Kleinst-, Mikro- und Nanobrauereien anstiessen und weiterentwickelten, haben natürlich auch die Mittelund Grossbrauereien mitbekommen. Nachdem sie seinerzeit begriffen hatten, dass Bier Heimat braucht, richteten sie ihr Marketing flugs auf

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Heimat aus und bedrängten damit die Kleinen. Sie haben gelernt. Bald schwenken die Grossen wohl auf Craft Beer um. Längst brauen nämlich auch die Grossen unfiltrierte Spezialitäten, die bislang die klassischen Nischenprodukte der Kleinen waren. Denn das anfängliche Lächeln ist den Grossbrauern im Gesicht gefroren, seit sie mit sinkendem Absatz und steigender Konkurrenz rechnen müssen. Nicht im übertriebenen Rahmen, gewiss, aber merklich. Jeder Liter Bier, der aus einer Craft-Beer-Brauerei kommt, ist logischerweise einer weniger aus der Grossbrauerei. Und das merkt jeder Brauer; vor allem, weil der Bierkonsum seit Jahren stetig sinkt. Darum die Flucht aller Brauer ins Craft Beer. Aber die Bierherstellung in Grossbrauereien geschieht nicht «von Hand», sondern in computergesteuerten geschlossenen Systemen. Der Brauer arbeitet dort im Strassenanzug, vielleicht im weissen Labormantel. In der Werbung jedoch kommen die Gross-Braumeister in der Lederschürze daher. Den Computer bedient man ja schliesslich immer noch von Hand. : : WWW.BIERVIELFALT.CH : :

BIERZAHLEN 2017 / 18 §§ §§ §§ §§ §§ §§

Schweizer Bier: 360’348’500 Liter (76.7 Prozent) Importbier: 109’199’000 Liter (23.3 Prozent) Pro-Kopf-Verbrauch: 55 Liter, Tendenz sinkend Biersteuer: 112 Millionen Franken Anteil aus Mikro- und Nanobrauerei: circa drei Prozent Anzahl Braustätten: circa 1 000; als Braustätte gilt, wer mehr als 400 Liter Bier pro Jahr herstellt

CRAFT BEER SHOPS §§ Coop führt in den grossen Filialen eine grosse Auswahl an einheimischen wie ausländischen Craft Beers. §§ In den Bahnhöfen Basel, Bern, Genf, Luzern, Oerlikon, St. Gallen, Winterthur und Zürich bietet Drinks of the World eine Riesenauswahl. §§ Permanent aktualisierte Liste sämtlicher Schweizer Braustätten: www.bov.ch/beer/index-Y.html


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KULINARIK

Der Patron: Heinrich Villiger.

VILLIGER THE WORLD OF CIGARS

EIN LÄNGST NICHT MEHR GEHEIMER GEHEIMTIPP DIE NEUENGASSE 15/9 IN DER SPITALGASSPASSAGE IST EIN GEHEIMTIPP FÜR ZIGARRENGENIESSER UND ECHTE «AFICIONADOS» IN BERN. WOBEI DAS WORT GEHEIMTIPP SCHON LÄNGST NICHT MEHR ZUTREFFEND IST. DER VILLIGER STORE IST FÜR INSIDER BEREITS SEIT LANGEM EIN TREFFPUNKT, UM ZU GENIESSEN, ZU FACHSIMPELN UND NETWORKING ZU BETREIBEN. TREIBENDE KRAFT HIERBEI IST DIE STORE-MANAGERIN ANDREA BRAWAND – EIN ECHTES ORIGINAL IN DER SZENE. VON JOËL CH. WUETHRICH

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n einer Welt, wo alles immer hektischer wird und die Reaktionszeiten auf Anfragen kürzer werden, wo man proaktiv und antizipativ agieren muss, um nicht den Anschluss zu verlieren, sind kleine Oasen der Entspannung wichtig für eine gute Work-Life-­ Balance. Zigarren- und Pfeifen-Aficionados kennen und schätzen das Gefühl, in einem entspannten Umfeld mit Gleichgesinnten interessante

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Gespräche führen zu können. Genau dieses Bedürfnis erfüllt der Villiger Store in der Spitalgass­passage mitten in Bern. Etwas versteckt, aber den­noch stra­t egisch gut gelegen,


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hat sich das Ladenlokal zu einem Networking-Treffpunkt gemausert. Und dies sowohl für Geschäftsfrauen und Geschäftsmänner aller Couleur, für Freigeister, für Managerinnen und Manager, für Promis, Politikerinnen und Politiker, für Jungunternehmer / innen … eigentlich für alle.

AUTHENTISCHE BEGEISTERUNG UND IDENTIFIKATION Diese Location für Zigarrenliebhaber wurde aber nicht nur deswegen zu einem Geheimtipp. Grossen Anteil an dieser Entwicklung hat Andrea Brawand. In der Szene ein Original und enorm umtriebig in einem sehr positiven Sinne. Bei Andrea Brawand sind die Begeisterung und die Identifikation mit ihrem Job sofort spürbar und sie ist authentisch. «Ich habe meine Berufung gefunden. Wir können hier fachlich beraten, eine Plattform für das Networking bieten und eine Location für alle, die sich hier eine gute Zeit gönnen. Alle sind willkommen, die sich bei uns wohlfühlen und in unserem eingerichteten Corner in einen der Ledersessel fallen lassen wollen. Und natürlich organisieren wir auch Events für geschlossene Gesellschaften.»

FACHGESPRÄCHE UND NETWORKING Andrea Brawand bezeichnet sich gerne auch als das «ESP auf zwei Beinen» des Villiger Store – übrigens ist derjenige in Bern der einzige, den es gibt. «Jedes Unternehmen hat ein Alleinstellungsmerkmal, also ein USP. Und die meisten haben ein ESP, also ein emotionales Alleinstellungsmerkmal. Ich bin dann wohl die emotionale Komponente», sagt sie mit einem Augenzwinkern. Wobei das glatt untertrieben ist. Andrea Brawand ist eine Fachfrau durch und durch. Sowohl im Bereich des Store-Managements wie auch im Fachbereich Zigarrenkunde und -geschichte. Als Frau ist sie zudem schon längst keine Exotin mehr: «Die Community ist in den letzten zwei Jahrzehnten sehr viel heterogener, breiter geworden. Die Konnotation zum Zigarren rauchenden männlichen, reichen Manager ist schon längst überholt und auch falsch. Wir haben Kunden aus allen Schichten mit verschiedensten Wertvorstellungen und auch vermehrt junge Leute und viele Frauen, die sich als Aficionados bezeichnen.» Natürlich sei es immer noch ein Statement, wenn man sich regelmässig eine gute Zigarre gönne, so Andrea Brawand. Aber dieses Statement ginge eher mehr in den Bereich «offen für Entspannung und Genuss sein».

DER COUP MIT DER SCB-MEISTERZIGARREN-EDITION Der Villiger Store in der Spitalgasspassage bietet natürlich auch viel in Sachen Service und Produktepalette. Die Spezialität des Stores sind ausgewählte Zigarren aus Cuba, Nicaragua, Brasilien, Honduras sowie der Dominikanischen Republik und erstklassige Humidore. Alle Zigarren sind Direktimporte vom Hersteller mit Echtheitszertifikat. Die Zigarren werden sorgfältig in die Schweiz transportiert und erhalten hier eine spezielle Behandlung, die höchste Qualität garantiert. Andrea Brawand: «Wir lagern auch die persönlichen, bei uns gekauften Zigarren in Mietboxen in unserem begehbaren Humidor bei idealer Luftfeuchtigkeit und Temperatur.» Weiterhin wird auch ein exklusives Pfeifensortiment geführt. Auch die landesweit bekannten und beliebten Küttel-Tabak-­ Mischungen sowie alle für Zigarren- und Pfeifenraucher notwendigen Utensilien sind im Store zu finden. Immer wieder lässt sich Andrea Brawand aber auch etwas Besonderes einfallen: So war zum Beispiel die Meister-Edition der SC-Bern-Zigarre ein voller Erfolg: «Die Fans, die Mitarbeitenden und die Spieler vom SCB waren begeistert. Da ist uns ein toller Coup gelungen. Es brauchte viel Vorarbeit, bis wir die Marke SCB nutzen durften, aber es hat sich für alle gelohnt.»

Andrea Brawand im Villiger Store in Bern – hier ist sie als echte «Aficionada» und Fachfrau in ihrem Element.

ÖFFNUNGSZEITEN Montag bis Freitag: 10:00 – 14:00 Uhr | 14:30 – 18:30 Uhr Samstag : 10:00 – 14:00 Uhr | 14:30 – 16:00 Uhr

VILLIGER THE WORLD OF CIGARS Neuengasse 15 / 9 (Spitalgasspassage) CH-3011 Bern Telefon +41 (0) 31 311 68 12 contact@villiger-bern.ch : : WWW.VILLIGER-KUETTEL.CH/VILLIGER : :

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KULINARIK

BERN ZUM MITNEHMEN BEST OF SWISS GASTRO

WÄHREND DER MITTAGSPAUSE SOLL ES MIT DEM ESSEN MÖGLICHST SCHNELL GEHEN – ABER TROTZDEM GUT SEIN. DAS SCHLIESST SICH HEUTZUTAGE NICHT MEHR AUS: FAST FOOD UND TAKE-AWAY SIND BESSER ALS IHR RUF. SEI ES EIN FRISCH GEBRÜHTER KAFFEE AM KAFFEEMOBIL, EIN BALKANGRILL AUF RÄDERN, FAST FOOD À LA DOLCE VITA, ODER SAISONALE KÜCHE. VON MANUEL GAMMA

THE LUNCHBOX, 3072 OSTERMUNDIGEN Der stilsichere Foodtruck The Lunchbox serviert die wohl besten Cevapcici des Landes, natürlich mit Liebe frisch zubereitet. Diese werden im Lepinja-­ Brot angerichtet und mit hausgemachten Pommes und einem Balkan-Salat serviert. Als Variante gibt es auch ein Burrito Bandido mit Pulled Pork oder Pulled Beef im kalifornischen «Mission Style» im Angebot. Die Zutaten für die exotischen Köstlichkeiten stammen alle aus der Region. Wer nicht das Glück hat, nahe eines Lunch-Standortes des Foodtrucks zu wohnen oder zu arbeiten: The Lunchbox ist auch für Privatanlässe buchbar. : : BOSG.CH/LUNCHBOX : :

CAFFÉMOBIL EMMA & PAUL, 3005 BERN Das Caffémobil Emma & Paul bringt Italianità auf die Strassen und Gassen von Bern. Ob ein wunderbar cremiger Cappuccino oder ein rassiger Espresso, hausgemachte Dolci oder frisch gepresste Säfte – der Gast darf den Tag mit einer Portion echtem italienischem Genuss starten. Emma & Paul kann man aber auch mit nach Hause nehmen dank einer Spezialröstung in Form von Bohnen und Tabs. Emma ist übrigens eine 52-jährige Piaggio-­ Ape-Lady, das Kultfahrzeug Italiens. Und Paul heisst die nimmermüde Kultkaffeemaschine Faema E6. : : BOSG.CH/CAFFEMOBIL : :

CONTACT TAKE A WAY, 3007 BERN Im Berner Quartier Monbijou wird gelebt, geliebt und gearbeitet. Und sollte da zwischendurch ein «Gluscht» oder kleiner Hunger aufkommen, gibt es im Monbijou das passende Bijou dafür. CONTACT, das etwas andere Take-away, bietet täglich frische, hausgemachte Spezialitäten, die niemals langweilig werden – Vegi oder Non-Vegi. Das Brot ist selbst gebacken, und alle Zutaten stammen aus der Region. Wer sich über Mittag etwas Abwechslung vom täglichen Einerlei gönnen mag, der Weg ins Monbijou lohnt sich definitiv. : : BOSG.CH/CONTACT : :

MANGIA MANGIA, 3011 BERN Im Mangia Mangia ist der Name Programm. Besseres italienisches Essen als Take-away ist in unserer Hauptstadt nicht zu finden. Im Foodcourt des Hauptbahnhofes gelegen, ermöglicht das Mangia Mangia Pendlerinnen und Pendlern, die richtige Italianità auch auf die Schnelle zu geniessen. Täglich gibt es die beliebtesten Pasta- und Pizza-Variationen. Wer allerdings wirklich auf Genuss aus ist, probiert jeweils die Pasta oder Pizza del Giorno. Mit besten Frischprodukten zubereitet, kann das auch schon mal eine Pasta an Wodka-Rahm-Sugo sein. : : BOSG.CH/MANGIAMANGIA : :

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AUS- & WEITERBILDUNG WIE IMPLIZIERT MAN DIE VON SWISSFUTURE UND DEN ZUKUNFTSINSTITUTEN DEFINIERTEN MEGATRENDS 2019 INS ARBEITSLEBEN UND WELCHEN EINFLUSS HABEN SIE AUF DIE BETRIEBLICHE WEITERBILDUNG? UND WELCHE WEITERBILDUNGSSTRATEGIE SOLL MAN WÄHLEN, DAMIT MAN FÜR DIE NAHE ZUKUNFT GEWAPPNET IST? VON CHARLES STAUBACH

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an lernt nie aus. Dieser Satz ist wohl jeder und jedem geläufig. Jetzt, wo sich die Arbeitswelten 4.0 in einer nachhaltigen Transformation befinden, erst recht. Neues Wissen wird immer wichtiger und die Wahl einer Ausbeziehungsweise Weiterbildung eine strategische Angelegenheit. Denn auf die richtige Vision kommt es an. Der Entscheid für eine Aus- oder Weiterbildung oder auch für ein Seminar wird immer mehr zu einer strategischen Angelegenheit. Die brennenden Fragen heutzutage heissen: Welche Berufe haben Zukunft und passen in die Arbeitswelten 4.0? Welcher Berufszweig hat noch einen «goldenen Boden», und welche Weiterbildung wird mir helfen, einen Argumentationsvorsprung bei einer Bewerbung zu generieren? Denn die Arbeitswelt wird sich mit der Digitalisierung und

Transformation stark verändern. Und da muss man sich dementsprechend das richtige Know-how aneignen. Für Weiterbildungsinstitute und -unternehmen werden in der näheren Zukunft einige Trends von Bedeutung sein: zum Beispiel New Work – auch dies ein Megatrend. Im New Work wird auf Potenzialentfaltung statt Ressourcenausnutzung geachtet. Der Megatrend Individualisierung spielt hierbei auch wieder eine Rolle: Gemeinschaften, Kollaborationen und Kooperationen rücken statt des «egoistischen Ich» in den Fokus. Für Unternehmen hat dies vor allem Einfluss auf die Art, wie im Team zusammengearbeitet wird und wie Organisationen geführt werden. Da müssen die Weiterbildungsinstitute nachziehen. Neue Lehrgänge, Kurse, Seminare und Angebote sind nötig, um die Bedürfnisse der heranbrechenden New-Work-Ära zu stillen.

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AUS- & WEITERBILDUNG ARBEITSWELT UND FÜHRUNG

OHNE HERZBLUT GEHT᾽S NICHT … DIANA ROTH IST NICHT NUR EINE KAPAZITÄT IM BEREICH HRM UND PERSONALFÜHRUNG. SIE IST AUCH EIN ECHTES ORIGINAL. SIE BEZEICHNET SICH ALS «HERZBLUTPERSONALERIN». DAS IST ABER KEIN MARKETINGWIRKSAMER BRAND, SONDERN EINE AUTHENTISCHE WIEDERGABE IHRER ARBEITSWEISE. «DIE KLIENTINNEN UND KLIENTEN WÜRDEN ES SOFORT MERKEN, WENN ICH NICHT WIRKLICH ZU HUNDERT PROZENT MIT HERZBLUT ARBEITEN WÜRDE», SAGT SIE. VON JOËL CH. WÜTHRICH

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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ill man mit Diana Roth in den Bereichen Kommunikation und Wissenstransfer mithalten, ist ein langer Atem angebracht. Die Fachfrau in HRM Coaching und Dozentin ist auf vielen Kommunikationskanälen äusserst aktiv und lässt viele Einblicke in ihr Tagesgeschäft zu. Unter dem Pseudonym HerzBlutPersonalerin diskutiert und networked Diana Roth sowohl fachlich-argumentativ als auch auf unterhaltsame Weise.

FÜHRUNG HEUTE BEDEUTET POTENZIALENTFALTUNG STATT RESSOURCENAUSNUTZUNG Diana Roth arbeitet in Bern und Basel und ist Beraterin und Coach für viele CEO kleinerer und grösserer Unternehmen. Dementsprechend intensiv befasst sie sich mit dem Thema Führung 4.0. Das Wichtigste für Führungspersonen sei heute, dass man sich von der Idee der Ressourcenausnutzung und -optimierung verabschiede und viel mehr das Augenmerk auf die Potenzialentfaltung richte: «Potenzial zu erkennen und dieses zu fördern, ist heute der Weg zum erfolgreichen Zusammenarbeiten. Ausserdem ist die Suche nach der sinnstiftenden Arbeit immer wichtiger. Es geht heute um das Know-why und nicht nur um das Know-how. Besonders bei den XY-Generationen.» Roth: «Immer wieder diskutiere ich mit aufstrebenden Mitarbeitenden über ihre Karriereziele. Meistens streben sie nach der klassischen Führungslaufbahn. Und eine Denkweise begegnet mir immer wieder: «Wenn ich eine Führungsposition bekleide – bin ich wer.» Diana Roth weist in solchen Fällen jeweils immer darauf hin, dass Führung viel beinhaltet. So das Privileg, Entscheidungen zu fällen oder an der Spitze der firmeninternen Nahrungskette zu stehen. «Eine Führungskraft ist in erster Linie

AUS-  & WEITERBILDUNG

Dienstleisterin oder Dienstleister. Sie dient dem Unternehmen, den Kunden, den Mitarbeitenden. Der richtige Approach zu dieser Dienstleistung beginnt mit einem Führungsstil, der authentisch und klar sein muss. Dabei wird das Führungsverhalten von Mitarbeitenden genau wahrgenommen», sagt Roth. Klare Zusammenarbeitsregeln dienen, so Roth weiter, als Leitplanken. Eine gute Führungskraft wisse auch, passende Führungsinstrumente situativ aus der Jackentasche zu zaubern und bravourös einzusetzen.

TRANSPARENZ – RISIKO UND CHANCE ZUGLEICH Und: Oftmals wird eine Führungskraft über die Art und Weise der Kommunikation und Information beurteilt. Aber auch das Beurteilen und Bewerten von Leistung und Verhalten der Mitarbeitenden zeige nicht die ganze Wahrheit. «Ich habe gemerkt, dass der richtige, passende Umgang mit Kritik und Fehlern viel zum guten Betriebsklima und auch zur Glaubwürdigkeit einer Führungsperson beiträgt.» Dies gelte nicht nur für die Führungskräfte, sondern auch für die Mitarbeitenden generell. «Eine Fehlerkultur, die zulässt, dass man aus den Fehlern lernen kann und darf und das Selbstwertgefühl wachsen lässt statt beeinträchtigt, wird nicht nur geschätzt, sondern erbringt langfristig reife, selbstverantwortliche Mitarbeiter», so Roth weiter. Dabei gelte immer noch: Jeder Chef hat die Mitarbeiter, die er verdient (zumindest in einem Zeitrahmen spätestens nach circa zwei Jahren in der Tätigkeit). Roth: «Im Wort Verdienen steckt das Wort Dienen.» Bei der Personalplanung wird deutlich sichtbar, wo Fehler entstanden sind. Diese Transparenz und Sichtbarkeit kann unter anderem erhebliche Konflikte auslösen. Und hier zeige sich der Meister der Führung, wenn man das lösungsorientierte Umgehen mit Konflikten beherrsche.

BILDUNG AM PULS DER ZUKUNFT

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Die digitale Transformation fordert in der Führung und Weiterbildung von Mitarbeitenden neue Ansätze. IFA – Die Höhere Fachschule der Digitalen Wirtschaft unterstützt Unternehmen und Organisationen mit abgestimmten Weiterbildungsprogrammen dabei, die Herausforderungen der Digitalisierung erfolgreich zu meistern. Seminare und Zertifizierungslehrgänge für Firmen und Einzelpersonen: ▪ Agile Management ▪ Digital Leadership ▪ Digitale Transformation ▪ Talent Management ▪ Hermes und IPMA Firmenkurse ▪ Elektronischer Zahlungsverkehr ISO 20022 ▪ Design Thinking ▪ Business Etikette ▪ Blockchain Grundlagen für Manager und CIOs

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AUS- & WEITERBILDUNG

Eine der Kernkompetenzen von Diana Roth: Geschäftsführer-Coaching.

DIE HERZBLUTPERSONALERIN Diana Roth ist eine Unternehmertochter (KMU, Branche Transporte), geboren in der Nähe von Köln. Erste Erfahrungen mit der Schweiz machte sie als Entsandte an der Deutschen Botschaft in Bern, wo sie vier Jahre arbeitete. Von 1990 an arbeitete sie als HR-Fachfrau, HRMCoach und Dozentin vorwiegend im Kanton Bern. «Das Personalmanagement lernte ich in sehr unterschiedlichen Branchen (immer KMU) von der Pike auf kennen und lieben. Anfänglich arbeitete ich als HR-Assistentin und zuletzt als Leiterin Personal. Ich bildete mich nicht nur im HR weiter, sondern insbesondere im Bereich Erwachsenen­ bildung, Coaching und Gesundheitsmanagement. Neben meinen Tätigkeiten darf ich als HR-Fachbuchautorin oder auch -lektorin wirken. Besonders stolz bin ich auf meinen HR-Podcast. Seit 2017 gebe ich wöchentlich kostenfreie HR-Hör-Tipps für das KMU-Personalmanagement auf iTunes. Dieses Medium ist geradezu genial, um HRThemen aus der Praxis für die Praxis zu bearbeiten.» Podcast Abenteuer HRM auf iTunes/spotify: : : WWW.APPLE.CO/2SMYZJD : :

BERN ALS ZWEITE HEIMAT «Bern ist meine zweite Heimat», sagt Diana Roth. «Meine 30-jährige Berufserfahrung, meine Ausbildungen, mein Netzwerk, Familie und Freunde – das ist alles eng verknüpft mit Bern. Und: Meine Zwillingstöchter wurden hier geboren! Bern hat mich herzlich aufgenommen. Bärn – I ha di gärn … und ‹Gring ache u seckle› – das ist Bern. Dazu kommen die nahen Berge, die Seen, die Aare, die Mentalität der Menschen und diese wunderschöne Stadt, die ich immer wieder gerne ausländischen Freunden mit Stolz zeige.» Roth ist beruflich auch viel in Basel und bemerkt dort den Einfluss des Dreiländerecks. Das Lohngefüge und die Mitarbeiterstruktur seien ganz anders. «Ich behaupte, ich kenne die Berner Arbeits-

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

welt ganz gut. Ich erlebe überwiegend einen wertschätzenden Umgang mit Mitarbeitenden, Bewerbern und auch Mitbewerbern. Hier gibt es noch Firmen mit einer Unternehmenspolitik, die ihre wirtschaftlichen Ziele im Einklang mit ihren sozialen Zielen verfolgen.»

VORSICHT VOR UNREFLEKTIERTEM AUFSPRINGEN AUF MODETRENDS IN DER ARBEITSWELT Natürlich kennt Diana Roth die Trends in der Arbeitswelt. Sie meint aber, dass man nicht immer sofort jedem folgen sollte: «Jeden Monat wird eine neue Sau durch das HR-Dorf gejagt. Einmal ist es VUKA, dann Scrum, Agilität, Künstliche Intelligenz, Transformation, WOL und so weiter. Als HerzBlutPersonalerin erlebe ich jedoch viel Irritationen und das teilweise unreflektierte Aufspringen auf Modetrends. Mein Motto: Stoppt diese HR-to-go-Mentalität, schaut zuerst, dass das kleine Einmaleins des guten Personalmanagements gut funktioniert.» Ob Geschäftsführer, Verwaltungsrat oder gar Stiftungsräte: Die Problemstellungen gleichen sich alle. «Oft werde ich gerufen, wenn Kündigungen anstehen oder die Personalgewinnung nicht funktioniert; wenn Frühfluktuationen das Unternehmen schütteln oder die Absenzen in einer Abteilung zunehmen. Und immer wieder sehe ich, dass Mitarbeitende vorzugsweise aufgrund ihrer Fachkompetenz ausgewählt und angestellt werden. Später wird jedoch das Scheitern an der Sozialkompetenz festgemacht. Dabei kann gerade die Fachkompetenz geschult werden. Ich wünsche mir hier ein Umdenken und viel mehr den Mut, auch mal Quereinsteigern Chancen zu geben. Wichtig sei das Networking und werde künftig noch an Bedeutung gewinnen: «Ich bilde insbesondere Personalfachleute aus und ich bemerke, wie wichtig diese Vernetzung und der Austausch sind. Ein Beispiel: Ich habe eine Online-HR-Gruppe gegründet. Hier tauschen sich aktuell 450 Personaler in einem geschützten Online-Raum zu den täglichen Herausforderungen rege aus. Ich pflege die Gruppe und hüte sie wie mein Augapfel mit viel Herzensverstand. Es bereichert mich unglaublich, wie stark ein Netzwerk tragen kann. Und dabei wird die Kombination Online- und Offline-Welt unabdingbar.» : : WWW.DIANAROTHCOACHING.COM : :


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AUS- & WEITERBILDUNG IFA WEITERBILDUNG AG

WETTBEWERBSVORTEILE DURCH TALENTMANAGEMENT UNTERNEHMEN SIND EINEM ZUNEHMENDEN WETTBEWERBSDRUCK BEZÜGLICH KUNDEN UND TALENTEN AUSGESETZT. MIT TALENTFÖRDERUNG UND GEZIELTER WEITERBILDUNG KANN DEM MANGEL AN FACHKRÄFTEN DIE STIRN GEBOTEN WERDEN. ABER WIE KÖNNEN UNTERNEHMEN DIE DIGITALE TRANSFORMATION NUTZEN, UM GESCHÄFTSMODELLE ZU OPTIMIEREN ODER ZU REVOLUTIONIEREN? VON MANUEL WINIGER

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ie Entwicklung der Informationstechnologie und deren Auswirkung auf Unternehmen, Staat und Gesellschaft – oft Digitalisierung oder digitale Transformation genannt – repräsentiert die nächste Evolutionsstufe der Menschheit. Sie stellt alle bisherigen grossen menschlichen Entwicklungen wie die Nutzbarmachung des Feuers, die Erfindung des Rades oder des Buchdrucks weit in den Schatten. Digitalisierung hat bereits in der Industrie 4.0, bei Dienstleistern und im Internethandel Einzug gehalten. Weitere technologische Entwicklungen wie Robotik, Künstliche Intelligenz und Blockchain sind in der Pipeline beziehungsweise kurz vor der wirtschaftlichen Nutzung.

sieren dabei die Situation des eigenen Unternehmens und wie es den Kräften der Digitalisierung ausgesetzt ist. Sie erarbeiten, wie die digitale Transformation genutzt werden kann, um das eigene Geschäftsmodell zukunftsfähig zu machen, und wie die Wertschöpfungsketten in Bezug auf Zukunftssicherheit und Effizienz optimiert werden können. Die Teilnehmenden – erfahrene Führungskräfte, Verwaltungsräte, Unternehmerinnen und Unternehmer – entwickeln dabei selbstständig oder in Gruppen einen Massnahmenkatalog für ihr Unternehmen. Mit dem Ziel, danach über einen konkreten Umsetzungsplan zur Erzeugung von Wettbewerbsvorteilen durch die Nutzung der Digitalisierung zu verfügen.

ANALYSE DES EIGENEN UNTERNEHMENS

SKILLS MANAGEMENT

Bei diesem Ansatz knüpft das IFA-Seminar «Wettbewerbsvorteile durch digitale Transformation» an. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer analy-

Mit zunehmendem Wettbewerb sind Unternehmen für die Umsetzung dieser Massnahmen auf kompetente Mitarbeitende angewiesen.

In massgeschneiderten Seminaren tauchen Firmenkunden in die Kernthemen Leadership oder Projektverantwortung ein.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


AUS-  & WEITERBILDUNG Die IFA bietet von Experten moderierte Agile Workshops zum Thema Skills Management an. Die in den Workshops erarbeiteten Massnahmenkataloge stellen einen Plan zum optimalen Einsatz, zur Weiterentwicklung und bestmöglichen Retention der bestehenden Talente sowie zum Auf bau einer Pipeline zur Akquisition zusätzlich benötigter Talente dar. Neben erhöhter Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit stehen auch die Motivation und Identifikation der Mitarbeitenden und verbesserte Attraktion der besten Talente im Markt im Vordergrund.

MASSGESCHNEIDERTE LEADERSHIP-TRAININGS Im Rahmen einer Kooperation bieten IFA und Pleinert & Partner eine Palette von massgeschneiderten Seminaren für Firmenkunden in den Bereichen Skills Management und Teamentwicklung an. Pleinert & Partner steht für Innovation im People Management und pf legt seit Jahren eine Zusammenarbeit mit Lehre und Forschung. Unter anderem unterrichten Managing Partner in Lehrveranstaltungen für MBA- und Doktorats-Studien. Modular Agile Trainings unterstützen Führungskräfte in ihrer Weiterentwicklung im Bereich Leadership, in Linien- oder Projektverantwortung und im gegenwärtigen Umfeld dynamischer, gesellschaftlicher und technologischer Veränderungen. Die Trainings fokussieren auf das veränderte Hierarchieverständnis, die Nutzung von neuen Kommunikationstechnologien und die Führung virtueller Teams. Sie beziehen sich auf folgende Kernthemen: §§ Vermittlung von Kernaussagen bekannter Leadership-Modelle §§ Analyse von Fallbeispielen aus anderen Organisationen sowie aus eigener Erfahrung §§ Anwenden und Erlernen von analytischen und kreativen Methoden, die in einer Führungsrolle als Vorgesetzter und Coach von Teammitgliedern eingesetzt werden können §§ Ref lektion und Entwicklung eines individuellen LeadershipCockpits und Entwicklungsplanes

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und arbeiten in Führungsfunktionen in schweizerischen KMU oder internationalen Konzernen. Ergänzt werden sie durch Schulungspartner aus spezialisierten Branchen.

BILDUNG AM PULS DER ZUKUNFT IFA – Die Höhere Fachschule der Digitalen Wirtschaft ist die führende Anbieterin höherer Berufsbildung in den Bereichen Wirtschaft und Informatik in der Deutschschweiz. Unterrichtet wird in modernen Schulräumen in Bern, St. Gallen, Zürich und seit diesem Jahr auch in Basel. Die Bildungsprogramme orientieren sich konsequent an den Bedürfnissen der dynamischen Management- und Berufspraxis. Durch die starke Verankerung im Berufsfeld und den Miteinbezug führender Branchen­e xperten ist die IFA als Kompetenz- und Innovationspartner für Studierende wie Unternehmen die erste Adresse. Für Einzelpersonen und Firmen bietet die IFA Seminare an, welche mit international anerkannten Zertifikaten abgeschlossen werden können. Das Weiterbildungsangebot umfasst zudem Studiengänge der Höheren Fachschule und Vorbereitungskurse auf Berufsprüfungen in den Bereichen Wirtschaft, Wirtschaftsinformatik und Informatik.

I FA W E I T E R B I L D U N G A G Bernerstrasse Süd 169 CH-8048 Zürich Telefon +41 (0) 43 211 51 51 info@ifa.ipso.ch : : WWW.IFA.CH : :

DESIGN THINKING FÜR UNTERNEHMEN Eigenes Wissen im Zeitalter einer Daten- und Informationsf lut umfassend und aktuell zu halten, bringt grosse Herausforderungen mit sich. Auch dem Anbieten neuartiger Produkte und Services, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren, kann nicht immer nachgekommen werden. Design Thinking als Methode setzt auf die Zusammenarbeit in interdisziplinären Teams, um kunden- und nutzerfreundliche Lösungen zu entwickeln. Zudem vermittelt die Methode, wie die eigene Arbeitsqualifikation erhalten bleibt und neue persönliche Netzwerke aufgebaut werden können. Aus Unternehmenssicht wird Design Thinking sowohl für die Entwicklung innovativer Geschäftsfelder wie auch als Motivationstool eingesetzt. Im Seminar «Design Thinking für Unternehmen» erwerben Führungskräfte, Verwaltungsräte, Unternehmerinnen und Unternehmer ohne Druck erste Erfahrungen bei der Anwendung verschiedener Übungen. Sie erkennen die Bedeutung von User Research und entwickeln in einer vielfältigen Gruppe ein vertieftes Verständnis für die Möglichkeiten, die ihnen diese Methode persönlich und für ihr Unternehmen bietet.

DOZENTEN AUS DER PRAXIS Alle Dozierenden der IFA verfügen über einen SVEB-Abschluss (Schweizerischer Verband für Weiterbildung) in Erwachsenenbildung

MIT TALENTFÖRDERUNGEN WETTBEWERBSVORTEILE ERZEUGEN.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


© PEXELS

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AUS- & WEITERBILDUNG

Mentoring, Coaching und Digitalisierung – Zwei von vielen Trends, die im Sog der «Megatrends» stehen.

LEADERSHIP UND MEGATRENDS

MEGATRENDS 2019 UND WEITERBILDUNG 4.0 ZWÖLF MEGATRENDS FÜR 2019 HABEN DAS ZUKUNFTSINSTITUT UND SWISSFUTURE – DIE SCHWEIZERISCHE VEREINIGUNG FÜR ZUKUNFTSFORSCHUNG – DEFINIERT. WELCHE DIESER TRENDS WERDEN UNS IM WEITERBILDUNGSSEKTOR 2019 BESONDERS BESCHÄFTIGEN? VON JOËL CH. WÜTHRICH

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ew Work, Digitalisierung, Gesundheit, Mobilität, Wissenskultur, Urbanisierung, Konnektivität, Neo-Ökologie (Ressourcenverknappung und Ökologisierung), Globalisierung und Individualisierung, Beschleunigung durch Innovation und Technologie, Sicherheit, die Silver Society (auch Aging Society) und «Gender Shift» (Wandel durch Aufbrechen von Geschlechterstereotypen und Rollenmustern) – das sind alles sogenannte Megatrends.

TRENDS, DIE UNSER LEBEN NACHHALTIG VERÄNDERN

Aber was sind eigentlich Megatrends und wie wird ein Trend zu einem Megatrend? Den Begriff «Megatrend» hat 1982 der amerikanische Futur­ ologe John Naisbitt im gleichnamigen Bestseller geprägt. Darin beschreibt er zehn übergeordnete Entwicklungen. Im heutigen Verständnis sind Megatrends übergeordnete «Grosswetterlagen», die sich zahlreichen

Die Megatrends sind sozusagen «Lawinen in Zeitlupen», wie es in den Studien beschrieben steht. Was diese Trends auszeichnet: Sie verändern nachhaltig ganze Branchen und durchdringen alle Lebensbereiche. Anders als Trends, die nur einige Jahre wirken, haben Megatrends eine Wirkdauer von mehreren Jahrzehnten. Besonders die Digitalisierung – sei es in den Arbeitswelten oder in allen anderen Lebensbereichen – ist einer der mas-

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

Wand­lungsmustern anpassen. Um als Megatrend zu gelten, muss eine solche strukturelle Veränderung global sowie bereits über längere Zeit beobachtbar sein, und zwar in den unterschiedlichsten Aspekten.


AUS-  & WEITERBILDUNG

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Kontextbildung und Beobachtung zweiter Ordnung werden ebenso zu Kernkompetenzen wie (zwischen-)menschliche Qualitäten. Gerade für Führungskräfte sind sie enorm wichtig, um mit der Organisation und den Mitarbeitern zu kommunizieren Da müssen die Weiterbildungsinstitute nachziehen. Neue Lehrgänge, Kurse, Seminare und Angebote sind nötig, um die Bedürfnisse der heranbrechenden New-Work-Ära zu stillen. Hier kommen moderne Ausbildungen, wie der Lehrgang zum Betrieblichen Mentor / zur Betrieblichen Mentorin mit eidg. Fachausweis ins Spiel. Daniel Herzog, Geschäftsführer der Lernwerkstatt Olten: «Betriebl. Mentoren / -innen sind gefragter denn je. Sie agieren kompetent als Berater / in, Coach und Trainer/in und nehmen das Unternehmen als ganzheitliche, sich stetig entwickelnde Organisation wahr. Sie verfügen über ein erweitertes Profil, um Organisationen für die Zukunft fit zu machen. Dabei haben sie den betrieblichen Nutzen im Fokus.» Daniel Herzog betont zudem, dass «Führungspersonen, aber auch Ausbilder / innen, lernen müssen, Menschen zu beraten, zu begleiten und zu fördern.» Führungspersönlichkeiten seien ausserdem nun mehr auch Coaches, die Mitarbeitende zur Selbstreflexion befähigen. Deshalb sind Ausbildungen zum Coach sehr stark im Trend und «Coaching» entwickelt sich für viele zum Traumberuf. Jedoch ist nicht jede / r wirklich dazu befähigt. In Aus- und Weiterbildungen wie beispielsweise www.coach-­ werden.ch holt man sich das nötige Rüstzeug. Das ist auch dringend nötig, wie Daniel Herzog betont: «Noch verharren viele Führungspersonen in ihren alten Mustern. Klassische Führungsmodelle haben aber ausgedient, und die Begleitung der Mitarbeitenden zu mehr Autonomie verlangt nach Führung auf Augenhöhe.»

DIE SILVER SOCIETY UND DIE «UMKODIERUNG DER WIRTSCHAFT»

sivsten Trends bezüglich des mittel- und langfristigen Wirkungsgrades. Jeder Megatrend ist prägend für Gesellschaft und Wirtschaft, dennoch gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Megatrends, was ihre Bedeutung für einzelne Bereiche angeht. Diese kann sich durchaus wandeln. So kann der eine oder andere Megatrend durch bestimmte Entwicklungen an Einfluss gewinnen oder verlieren beziehungsweise können sich auch neue Megatrends etablieren.

WICHTIGE TRENDS FÜR WEITERBILDUNGSANBIETER Für Weiterbildungsinstitute und -unternehmen werden in der näheren Zukunft einige Trends von Bedeutung sein: zum Beispiel die Digitalisierung. Eng verbunden damit ist auch die Art und Weise, wie wir in der Zukunft unsere Arbeit verrichten werden und mit welchen Hilfsmitteln sowie in welchem «Mindset». Man spricht hierbei oft von New Work – auch dies ein Megatrend. Frank Eilers, Keynote Speaker, zu Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Künstliche Intelligenz und die Zukunft der Arbeit: «Es gibt unterschiedliche Definitionen oder Ansichten über New Work. In den meisten Organisationen bedeutet New Work mehr Flexibilität und eine höhere Mobilität beim Arbeiten. Selbstverantwortung wird ein Dauerthema.» Im New Work wird auch auf Potenzialentfaltung statt Ressourcenausnutzung geachtet. Der Megatrend Individualisierung spielt hierbei auch wieder eine Rolle: Gemeinschaften, Kollaborationen und Kooperationen rücken statt des «egoistischen Ich» in den Fokus. Für Unternehmen hat dies vor allem Einfluss auf die Art, wie im Team zusammengearbeitet wird und wie Organisationen geführt werden. Und: In unserer komplexen Welt ist Wissen «fluide», deshalb rücken vor allem Fähigkeiten in den Fokus, die uns erlauben, agil zu sein und auf Veränderungen und Überraschungen zu reagieren. Ganzheitliches, systemisches Denken,

Ein weiterer Megatrend ist die Entwicklung der so genannten Silver Society. Alles konzentriere sich im Moment auf neue Technologien. Die älter werdende Gesellschaft steht dadurch im Schatten und wird völlig unterschätzt. Dennoch sind Unternehmer gut beraten, sich diese Potenziale zu erschliessen, heisst es in der Megatrend-Studie des Zukunftsinstituts. Die Silver Society bedeute eine «Umkodierung der Wirtschaft», die sich im kommenden Jahrzehnt deutlich zeigen wird. Menschen in der zweiten Lebenshälfte haben eine andere Sicht auf Leistung, Wachstum und Innovation als die Jüngeren. Zudem schätzen sie Vorgänge in Unternehmen, was wichtig und richtig ist, anders ein. Diese Routiniers sind ein unglaublicher Erfahrungsschatz und Hort der Gelassenheit. Die Alterung der Gesellschaft wird zwar grösstenteils als Problem betrachtet, sie kann aber, gerade in Unternehmen, zu ihrer Vitalisierung beitragen.

DIGITALISIERUNG, NEW WORK, KONNEKTIVITÄT … Ein sehr wichtiger Trend ist jener zur Konnektivität: Wir leben in einem Netzwerk von Netzwerken. Jeder ist mit jedem und allem verbunden, immer und überall. Dieser Umstand fordert die Menschen technologisch – auch sozial, in unserer Haltung und Denken. Das Zusammenspiel zwischen Menschen und Technologie, der Umgang mit den neuen Möglichkeiten, wird sich in den kommenden Jahren richtungsweisend entwickeln, wenn der gegenwärtige technologische Hype umfassender begriffen wird. Wenn sich herauskristallisiert, wie und wo wir Technologie wirklich effizient einsetzen können und wollen, ergeben sich hier enorme Potenziale zur Effizienzsteigerung und für neue Geschäftsmodelle. : : : : : : : :

WWW.SWISSFUTURE.CH/DE : : WWW.ZUKUNFTSINSTITUT.DE : : WWW.BILDUNGSBLOG.CH : : WWW.COACH-WERDEN.CH : :

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KOLUMNE

COACHING IST DOPPELT WICHTIG VON RAHO BORNHORST

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ersönliches Coaching für Führungskräfte in Unternehmen ist heute schon doppelt so wichtig wie vor fünf Jahren. Tendenz steigend. Denn Profi-Feedback hilft, schneller aufs nächste Level zu kommen.

Als Personaler 2013 die Bedeutung von Coaching in Unternehmen auf einer Skala von 0 – 100 bewerten sollten, wählten sie im Durchschnitt den Wert  26. Diese Einschätzung steht mit 49 auf der Skala im Jahr 2018 nun fast doppelt so hoch im Kurs. Die Prognose für die nächsten zwei Jahre: über  60. Warum?

motivierten Unternehmertätigkeit – mit einem Lächeln begegnet. Wir Menschen sind viel gesünder, leistungsfähiger und effektiver, wenn wir uns wohlfühlen. Lächeln steckt an. Lachen ist gesund. Das weiss man. Aber wie lernt man, Menschen ein Lächeln zu schenken, wenn man glaubt, nicht viel zum Lachen zu haben? Sich zwingen bringt wenig. Wer aber innerlich Ruhe, Souveränität und Freude herstellt und lernt, damit neue, grössere Ziel anzusteuern und zu erreichen, ist auf Dauer sehr viel öfter mit einem echten authentischen Lächeln anzutreffen. Das strahlt dann auf Dauer auch ganz von allein – und wirkt so auch im Alltag. Fortsetzung in der nächsten Ausgabe

Die Arbeitsbedingungen haben sich in den letzten Jahren massiv verändert. Es gibt immer wieder neue Trends, Manager müssen permanent umdenken, sich unter Zeitdruck von gewohnten Prozessen lösen und neue Wege finden. Überbelastung ist fast normal. Profi-Coaching inspiriert das Bewusstsein, mit Feedback im Gespräch immer neue praktische Wege zum Erfolg zu finden. Führungskräfte haben schliesslich auch einen ganz enormen Einfluss auf das Leistungsvermögen ihrer Mitarbeiter. Denn: Egal, ob die innere Einstellung aktuell souverän oder gestresst ist, überträgt man dies ja auf das Umfeld und damit prägt man das Betriebsklima schon allein durch die Art, wie man denkt und fühlt. Das passiert nicht nur bewusst, sondern meist völlig unbewusst. Im Profi-Coaching kann man klären, wo nicht die Sachzwänge regieren, sondern die eigene innere Haltung so veränderbar wäre, dass sich enorm viel mehr Leistungsfreude freisetzen liesse.

IMPULSE AUFGREIFEN UND UMSETZEN Während man «Management durch Ergebnisorientierung» noch durch Lesen lernen könnte, lassen sich Themen wie Herzlichkeit oder Souveränität im Umgang mit Mitarbeitern nicht so einfach aus Büchern übernehmen. Aber sie wirken massiv positiv. Die Erfahrung zeigt, dass man in Coachings besonders wertvolle menschliche Eigenschaften aufgreifen, ausprobieren und sich auch aneignen kann, wenn man ein latent vorhandenes Interesse daran hat. Sehr verschiedene Menschentypen, etwa emotionale, bedächtige, leicht zu begeisternde oder auch kühl wirkende Mitarbeiter alle mit gleichermassen freudigem Lächeln führen zu können, ist eine eher seltene Kompetenz. Aber wer sich diese ins Bewusstsein ruft, erntet oft ungeahnte Vorteile nicht nur im zwischenmenschlichen Bereich, sondern auch als materiell messbare Erfolge. Man braucht kein Weiser zu sein, um zu sehen, dass die meisten Menschen sich wohlfühlen, wenn man ihnen – bei aller wirtschaftlich

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

RAHO BORNHORST Gründer JFB Bornhorst GmbH Freiburg, Profi-Coaching-Ausbilder, Co-Autor D-79115 Freiburg Telefon +49 (0)761 21 49 54 06 bornhorst@bornhorst.de : : WWW.JETZTDURCHSTARTEN.CH : :


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SPORT & FREIZEIT IST BERN NUN AUF JAHRE HINAUS DIE SPORTHAUPTSTADT UND IST DIE GESAMTE REGION IM SPORT AUF HÖCHSTER EBENE DAS EPIZENTRUM DER SCHWEIZ? JA, FINDEN VIELE FACHLEUTE. DAS MOTIVIERT NATÜRLICH DIE MENSCHEN DER REGION, NICHT NUR SPORT VERMEHRT ZU KONSUMIEREN, SONDERN AUCH DIE WERTSCHÖPFUNG BEI ALLEN TÄTIGKEITEN RUND UM DEN SPORT ZU STEIGERN. VON JOËL CH. WÜTHRICH

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er BSC Young Boys enteilt der Konkurrenz und wird zum SC Bern des Fussballs. Bern wird als Sporthauptstadt der Schweiz die beiden wichtigsten Mannschaftsportarten auf Jahre hinaus sportlich und wirtschaftlich prägen. Mit Wacker Thun im Handball und weiteren Topklubs populärer Sportarten aus dem gesamten Grossraum Bern und Emmental (SCL Tigers) sowie Seeland (EHC Biel) wird dieser Umstand n och zunehmend untermalt. Sport ist aber nicht nur YB, SCB, FC Thun, Wacker Thun, SCL Tigers & Co. Es ist eine beliebte Freizeitaktivität und hat zunehmend auch wirtschaftlich eine erhebliche Bedeutung für Wertschöpfung, Beschäftigung und Konsum. Ob aktiv betrieben oder passiv als Zuschauer verfolgt: Sport hat sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsfaktor entwickelt. Die Sportwirtschaft macht in der Schweiz einen Umsatz von über 21 Milliarden Franken

(Tendenz stark steigend) und hat ein Beschäftigungsvolumen von nahezu 100᾽000 vollzeitäquivalenten Stellen. Die Wertschöpfung über den Sport und die Sportevents ist überdies im Steigflug. Und in einer Sport- und Event-Stadt wie Bern kann einiges generiert werden. Ob nun ein Gross­ ereignis stattfindet, der BSC Young Boys in der Champions- oder Europa League spielt oder der SC Bern viele Fans mobilisiert: Potenzial für eine Wertschöpfungssteigerung ist immer vorhanden, wie Martin Bachofner, CEO Bern Welcome, bestätigt. Bern ist eine Top-Sportstadt, in welcher 2018 ihre Mannschaften in den populären Teamsportarten (und auch einige Einzelsportlerinnen und -sportler) national und international absolute Spitze waren. 2019 darf man sich in der Grossregion Bern wiederum auf einige spannende Sport-Grossanlässe freuen – sei es im Bereich Amateurund Spitzen-, aber auch im Breitensport. Besonders das Formel-E-Rennen in Bern wird die Stadt in seinen Bann ziehen.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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SPORT & FREIZEIT

Der SC Bern – Eishockey-Fankrösus nicht nur in der Schweiz sondern auch seit vielen Jahren in ganz Europa.

SCB, YB UND CO. LASSEN DEN RUBEL ROLLEN SPORTHAUPTSTADT BERN

DER KANTON BERN ETABLIERT SICH JE LÄNGER JE MEHR ZUR SPORTHOCHBURG IN DER SCHWEIZ. NICHT NUR DER SCB UND DER BSC YOUNG BOYS SIND IN IHREN LIGEN SPITZE, SONDERN AUCH VIELE ANDERE CLUBS DER POPULÄRSTEN MANNSCHAFTSSPORTARTEN DER SCHWEIZ AUS DER GROSSREGION UND AGGLOMERATION BERN. WELCHEN EINFLUSS HAT DIESER UMSTAND AUF DIE WERTSCHÖPFUNG IN DER REGION? VON JOËL CH. WÜTHRICH

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ie Dominanz der Berner Clubs im Eishockeysport ist nicht neu. Der EHC Biel, die SCL Tigers und der SC Bern hatten schon immer ihre sportlich erfolgreichen Zeiten. Aber nicht immer können sich gleich alle drei gleichzeitig an der Spitze des Schweizer Eishockeys etablieren. Auch im Fussball befindet sich nicht nur YB als Dominator im oberen Bereich der Tabelle. Der FC Thun hält wacker oben mit. Und dies mit bescheidenen finanziellen Mitteln. Apropos wacker: Auch im Handball mischt ein Club aus dem Kanton den Sport auf. Wacker Thun wurde 2018 nicht nur Schweizer Meister, sondern war auch der Schweizer Vertreter in der Handball Champions League. Im Unihockey gehören mit dem SV Wiler-Ersigen und Floorball Köniz gleich zwei Berner Teams zu den Top-Adressen der Schweiz. Die Liste könnte noch erweitert werden – und die vielen erfolgreichen Einzelsportlerinnen und Einzelsportler aus der Region sind hierbei nicht einmal mit berücksichtigt.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

BRUTTOWERTSCHÖPFUNG DES SPORTS UM MEHRERE PROZENT GESTIEGEN Welchen Einfluss hat die Berner Erfolgswelle im Spitzensport auf die Menschen und auf die Wertschöpfung, die der Sport damit generiert? Erstmal lohnt sich der Blick auf die Entwicklung der Schweizer Sportwirtschaft: Diese hat sich in den letzten Jahren sehr stark entwickelt. Das zeigen Zahlen aus einer Untersuchung, die das Forschungsunternehmen Rütter Soceco im Auftrag des Bundesamts für Sport BASPO erstellt hat. Die Bruttowertschöpfung des Sports ist um mehrere Prozent gestiegen. Die Beschäftigung ebenfalls. Die Zunahme ist primär auf ein Wachstum in den Bereichen Sportanlagen, Sportvereine und -verbände sowie Sportunfälle zurückzuführen. Dabei waren Faktoren wie der anhaltende Boom bei den Gymnastik- und Fitnesscentern, eine gesteigerte Arbeitsproduktivität bei den internationalen Sportverbänden sowie zunehmende Sportunfallzahlen und


© BernWelcome

SPORT & FREIZEIT

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sind die Hotels in der Stadt nahezu ausgebucht. Besonders spannend wird es jedoch für die Wertschöpfung insgesamt, wenn prominente Gegner mit grosser Fanschar anreisen und dies zudem weltweit viel Aufmerksamkeit erzeugt. Das war nun auch für Bern zutreffend, da YB in der Uefa Champions League attraktive Gegner mit vielen Fans anzog, die mindestens zwei Tage und eine Logiernacht in der Stadt blieben. In Bezug auf die Wertschöpfung insgesamt, worin eben diese Logiernächte, die Umsätze bei den Detailhändlern der unmittelbaren Region und die Publicity für die Stadt und Region im Allgemeinen einbezogen werden, hängt vieles von der gegnerischen Mannschaft ab. Englische Teams mit ihrem grossen Anhang und der guten Erreichbarkeit generieren zusätzlich ungefähr 2 000 und mehr Logiernächte. Ebenfalls ein Aspekt: die «neue Lust am Sport». Erfolge machen Lust auf mehr, sorgen dafür, dass nicht nur das prinzipielle Interesse steigt und mehr Fans den Weg in die Stadien oder zu den Anlässen auf sich nehmen (und dabei auch konsumieren). Nicht zu unterschätzen für die Wertschöpfung sind auch der Stolz und die psychologische Komponente. Das Selbstbewusstsein im Kanton steigt mit jedem Erfolg eines Sportclubs, und man identifiziert sich eher mit einem erfolgreichen Club als mit einem sportlichen Sorgenkind. «Die grossartigen Leistungen der Clubs machen mich stolz», sagte kürzlich Philippe Müller, für den Sport zuständiger Regierungsrat, in einem Interview. Als Momentaufnahme wolle er die Berner Vorherrschaft im Teamsport nicht abtun und verwies auf die jahrzehntelange Konstanz im Eishockey durch den SCB oder die langjährige Dominanz von Wiler-Ersigen im Unihockey. «Auch YB spielte schon in den Jahren vor dem Titel vorne mit», sagt Müller. Und fügt an: «Insbesondere der Erfolg der Young Boys tut dem Selbstbewusstsein des Kantons enorm gut.» (Quelle: 20min.ch).

allgemeine Kostensteigerungen im Gesundheitswesen ausschlaggebend. Der Anteil der Sportwirtschaft ist ungefähr gleich gross wie derjenige der Branche Energie- und Wasserversorgung und mehr als doppelt so hoch wie jener der Land- und Forstwirtschaft. Mit mehr als 100᾽000 Vollzeitstellen leistet der Sport einen Beitrag von über 2.5 Prozent zur Gesamtbeschäftigung der Schweiz.

Die Basis für die Erfolge im Leistungssport indes, liegt in der Förderung des Breitensports. Mit dem Sportfonds unterstützt der Kanton Vereine und Verbände etwa beim Bau von Sportanlagen oder bei der Anschaffung von Sportausrüstung. Bei der Bewilligung der Beiträge ist der Kanton Bern im Vergleich zu anderen Kantonen relativ grosszügig. So können viele lokale Sportclubs von den Geldern profitieren.

© BSC YB

WICHTIGER ASPEKT FÜR DIE WERTSCHÖPFUNG SIND SPORTANLÄSSE Beim Thema Wertschöpfung durch den Sport sind auch die Sportanlässe mit zu berücksichtigen. Schliesslich konsumieren Besucherinnen und Besucher eines Sport-Events. Bei einer Rückmeldung von Bern Welcome auf eine Anfrage des «Geschäftsführers» im Herbst 2018 hiess es, dass «beispielsweise ein Fussballfan erfahrungsgemäss weniger generiere als zum Beispiel ein Besucher eines Box-Events. Die Wertschöpfung werde vor allem bei mehrtägigen Anlässen gebracht. So werde der Konsum in den Bereichen Shopping, Gastronomie, Hotellerie und Stadtbesichtigungen gefördert.» Spezielles Potenzial sieht Bern Welcome hierbei im Nachwuchssport, wenn mitunter die ganze Familie anreise, sowie in Nischensportarten. Letztere seien insofern interessant, da sie Wert­schöpfung im kleinen und regelmässigen Rahmen bringen, die Stadt aber bezüglich Infrastruktur nicht so fordert, wie es Grossanlässe machen.

ANDERE WERTSCHÖPFUNGSKOMPONENTEN – STOLZ, IDENTIFIKATION, NACHAHMUNG Aber auch die Teilnahme eines Berner Fussball- oder Eishockeyclubs an einem internationalen Wettkampf mit der Beteiligung des BSC YB und des SCB kann eine hohe Wertschöpfung generieren. Eine Teilnahme an internationalen Wettkämpfen ist wichtig, speziell im Fussball. Wenn nämlich internationale Mannschaften mit ihren Fans nach Bern reisen,

Freude herrscht: Die Freude war rieseig, als der Meistertitel für YB endlich Tatsache wurde.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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MOBILITÄT MOBILITÄT IST IN DER HEUTIGEN GLOBALISIERTEN WELT EINE ENORM WICHTIGE KOMPONENTE UND WIRD IMMER WICHTIGER. MOBILITÄT BEDEUTET AUCH SELBSTSTÄNDIGKEIT, UND DIE ART, WIE MOBIL MAN SICH GIBT, IST AUSDRUCK DER PERSÖNLICHKEIT. GENAUSO WIE DIE WAHL DES VEHIKELS, WELCHES UNS VON A NACH B BRINGT. VON CHARLES STAUBACH

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obilität gehört heute zu den so genannten Megatrends. Definitionsgemäss bedeutet es Folgendes: Die Beweglichkeit von Personen, allgemein und als Möglichkeit. Realisierte Mobilität ist die Befriedigung von Bedürfnissen durch Raumveränderung, wobei der Verkehr das Instrument ist, das man dann für die konkrete Umsetzung der Mobilität benötigt. Dafür braucht es Fahrzeuge, Infrastrukturen und Verkehrsregeln.

gerne als Lohnbestandteil gelten. Immer mehr im Trend: Hybrid-Kompakt-SUV als Firmenautos beziehungsweise Dienstwagen. Energieeffizienz und Sparsamkeit, einfacher Unterhalt und schneller Service sind nebst den ergonomischen und technischen Vorteilen die Killerargumente für die Wahl von Kompakt-SUV als Geschäftsauto. Der neue RAV4 Vollhybrid punktet hierbei sowohl im technischen Bereich wie auch beim Design. Wir stellen dieses Fahrzeug in dieser Rubrik vor.

Mobilität in all seinen Facetten ist für viele Unternehmen wichtig. Und oft stellt sich da die Frage: Was macht ein gutes Geschäftsauto aus? Über eine halbe Million offiziell als Firmenautos registrierte Fahrzeuge werden in der Schweiz bewegt, sagt eine Statistik von «Auto-i-dat». Ein Firmenfahrzeug ist aber auch ein Prestigeobjekt für den Benutzer. Ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellter Wagen, etwa in der Premiumklasse, kann gut und

Zu den neuesten Trends 2019 und vielem mehr kann man sich demnächst aus erster Hand in der Region informieren: Bald dürfen wir uns nämlich auf die Berner Auto Show im März 2019 und auf die Mobility Days im September 2019 freuen. Auch ein Highlight: Der Gemeinderat von Bern hat den Weg für ein Formel-E-Rennen in der Bundeshauptstadt geebnet. Es soll im kommenden Jahr am 22. Juni stattfinden.

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019


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MOBILITÄT TOYOTA RAV4

REINKARNATION EINES PIONIERS DER GENERATIONENWECHSEL IST VOLLBRACHT: DER NEUE VOLLHYBRID-TOYOTA RAV4 IST EINES DER MEISTBEACHTETEN HIGHLIGHTS IM AUTOMARKT BEI DEN NEUEINFÜHRUNGEN 2019 UND AB SOFORT IM SCHWEIZER MARKT EINGEFÜHRT. AUCH ALS GESCHÄFTSWAGEN IST DIE NEUAUFLAGE DES KOMPAKT-SUV-KLASSIKERS EINE TOP-ALTERNATIVE UND ÄUSSERST GEEIGNET. VON CHARLES STAUBACH

Der neue RAV4 ist aufgrund seines Designs und der Ergonomie sowohl als Familienauto wie auch als Geschäftswagen geeignet.

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as macht ein gutes Geschäftsauto aus? Über eine halbe Million offiziell als Firmenautos registrierte Fahrzeuge werden in der Schweiz bewegt, sagt eine Statistik von «Auto-i-dat», die nach eigenen Angaben verlässliche Fahrzeugdaten als zuverlässige Entscheidungsgrundlage für den Garagisten, Händler, für den Motorradhändler, für den Carrossier, für Flottenbetreiber und für Versicherungen liefern. Ein Firmenfahrzeug ist aber auch ein Prestigeobjekt für den Benutzer. Ein vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellter Wagen, etwa in der Premiumklasse, kann gut und gerne als Lohnbestandteil gelten. Immer mehr im Trend: Hybrid-Kompakt SUV als Firmenautos beziehungsweise Dienstwagen. Energieeffizienz und Sparsamkeit, einfacher Unterhalt und schneller Service sind nebst den ergonomischen und technischen Vorteilen die Killergumente für die Wahl von Kompakt-SUV als Geschäftsauto.

NOCH BESSERE FAHRDYNAMIK Der neue RAV4 Vollhybrid punktet hierbei sowohl im technischen Bereich wie auch beim Design. Er wirkt sowohl bei der Aussen- wie Innenoptik nicht protzig, aber dennoch edel, ist – wie das Wort bereits schon sagt –

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kompakt durchkonzipiert und auch für den Stadtverkehr geeignet. Das Preis-Leistungs-Verhältnis tut sein Übriges, damit für Unternehmer­ innen und Unternehmer der neue RAV4 attraktiv ist. Zumal es ja auch ein Familienauto par excellence ist und mit der Vollhybrid-Technik bestens gerüstet ist. Das Motto ist: Diesel ist out, Vollhybrid ist in. Und so setzt man beim Toyota RAV4 auf einen 2.5-Liter-Benzinmotor und auf zwei E-Motoren mit 222 PS. Damit kommt der RAV4 in 8.1 Sekunden aus dem Stand auf 100 km / h. Der Normverbrauch ist erstaunlich mit 4.5 Litern auf 100 Kilometern (Werksangabe). Neben diesen besseren Fahrleistungen sind Optimierungen beim Allradantrieb und bei der Lenkung vorgenommen worden, und es ist ein insgesamt dynamischeres Fahrerlebnis feststellbar. Die Fahrdynamik wurde nämlich so massgeblich überarbeitet mit dem Effekt, dass insbesondere die Leistungsfähigkeit des Allradantriebssystems nochmals verbessert werden konnte. Bei der Hybridversion verwendet der japanische Hersteller neu entwickelte Elektromotoren, welche die Systemleistung des Hybridsystems effizient umsetzen. Für den zusätzlichen Antrieb der Hinterachse wird ebenfalls ein neuer, zusätzlicher Elektromotor verwendet, der die Hinterräder mit einem hohen Drehmoment versorgt.


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resultiert eine höhere Steifigkeit des Chassis, wodurch die Fahrmanöver präziser gestaltet werden können. Die fünfte RAV4-Generation liefert neue Ausstattungsdetails und verbesserte Assistenzsysteme. Das neue Safety-Sense-Paket beinhaltet einen sogenannten Kollisionsverhinderer – bei diesem sollen Velofahrer / innen und Fussgänger/innen sogar bei Nacht erkannt werden. Weitere Ausstattungs-Highlights: 17-Zoll-Aluräder, Dachreling, LED-Scheinwerfer und ein 7-Zoll-Touchscreen für das Audiosystem. Optional lässt sich der RAV4 unter anderem mit einem Rückspiegel ausstatten, der auch gleichzeitig als Bildschirm für die Rückfahrkamera dient. Aufrüsten kann man auch mit einem 360-Grad-Kamerasystem, einem Panorama-Glasdach oder einem Soundsystem von JBL.

HYBRID-TRENDS Bei der Hybridisierung setzt sich die Plug-in-Technik mehr und mehr durch. Die Plug-in-Fahrzeuge sind aufgrund einer grösseren Batterie teurer, schwerer und aufwändiger, doch der Normverbrauch ist sehr gering. Weil Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge grössere Strecken nur mit dem Strom aus der Batterie fahren können, ist bei ihnen auch der Praxisverbrauch geringer, wenn die tägliche Strecke kürzer ist als die elektrische Reichweite. Vorausgesetzt, der Strom aus dem Netz ist billiger als der Treibstoff für dieselbe Strecke. Plug-in-Hybride werden gern als eine Brückentechnologie gesehen und wiederum als Vorstufe eine Brücken­technologie zur Mobilität mit Wasserstoff. Der schlechte Wirkungsgrad des Verbrennungsmotors, besonders beim Beschleunigen, kann mit einem Hybrid­ system verbessert werden. Wenn der Elektromotor mit seinem hohen Drehmoment aus niedrigen Dreh­ zahlen eine kurze Anschubhilfe leistet, entlastet dies den Benziner. Und beim Bremsen schaltet der E-Motor sofort auf Generator um und nutzt die kinetische Energie, um Strom zu gewinnen, der dann die Batterie speist. Daher sind Hybrid­a utos in der Stadt eine gute Alternative.

Die zwei neuen Antriebssysteme sind sparsamer, aber auch leistungsfähiger als die bisherigen Varianten. Das neue Hybridsystem mit einem 2.5-Liter-­ Benzinmotor kombiniert einen tiefen Verbrauch und Emissionswerte mit mehr Leistung sowie einem optimierten Ansprechverhalten. Das Hybridsystem bleibt auch weiterhin ein Alleinstellungsmerkmal des RAV4 in seinem Segment.

DANK TNGA BESSERES RAUMANGEBOT Neu setzt Toyota beim RAV4 auf die New Global Architecture (TNGA) auf, die mit einigen Verbesserungen einhergeht. Dank der neuen Plattform wurden die Karosserieüberhänge im Vergleich zum aktuellen RAV4 um 3.5 Zentimeter verringert, zugleich ist das Fahrzeug leicht geschrumpft, um einen halben Zentimeter auf 4.60 Meter Länge. Gewachsen ist jedoch der Radstand, um drei Zentimeter auf 2.69 Meter. Der neue RAV4 glänzt derweil auch mit einem optimalen Ergonomie-Konzept, welches ein deutlich verbessertes Raumangebot zur Folge hat. Das heisst im Klartext: mehr Beinfreiheit im Fond sowie einen um 79 Liter grösseren Kofferraum (547 bis 1.735 Liter). Durch diese TNGA-Plattform konnte ein tiefer Schwerpunkt und eine optimale Gewichtsverteilung realisiert werden. Daraus

Als eine im Gegensatz zum Vollhybrid und dem Plugin-Hybrid günstigere Art der Elektrifizierung entwickelt sich derzeit die 48-Volt-Technik. Hier sitzt, angetrieben über einen Riemen (RSG) oder integriert zwischen Motor und Getriebe (ISG), ein sogenannter Starter-Generator mit einer recht hohen Leistung von bis zu 15 kW. Dieses Modul ist in der Lage, den Wagen nicht nur sanft zu starten, ISG helfen auch beim Beschleunigen (Boosten), und beide Systeme gewinnen Strom beim Bremsen (Rekuperieren), der dann für Aggregate verwendet wird, die zeitweise benötigt werden. Zudem erlaubt die Technik das «Segeln», denn oft bedarf es bei gemächlichem Dahingleiten so wenig Motorleistung, dass das E-Modul den Vortrieb übernehmen und der Verbrenner ausgeschaltet werden kann. Wird wieder mehr Vortrieb nötig, bringt sich fast unmerk­ lich der Verbrennungsmotor ins Spiel. Insgesamt sind so Verbrauchseinsparungen von bis zu 15 Prozent möglich. : : DIE TESTFAHRER.COM : :

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MOBILITÄT © Citroën

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CITROEN DS3 CROSSBACK

STROM UND DRANG ALS CITROËN VOR EINEM KNAPPEN JAHRZEHNT DIE DS-LINIE LANCIERTE, WAR VON EINER EIGENSTÄNDIGEN MARKE NOCH KEINE REDE. DOCH DIE RESONANZ WAR SO POSITIV, DASS DIE PSATOCHTER NUN MIT DEM DS 3 CROSSBACK DEN SPRUNG IN DIE ZWEITE GENERATION MACHT. VON AUTO-MEDIENPORTAL.NET

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etzt gehen die DS-Modelle in die zweite Generation. Den Anfang machte der DS 7 Crossback, jetzt stösst der DS 3 Crossback nach – als kompakter Crossover-­SUV, der stilistisch durchaus bahnbrechend ist und zudem mit einem interessanten Antriebsportefeuille aufwartet. Denn es gibt ihn nicht nur mit Otto- und Dieselmotoren, sondern auch in einer vollelektrischen Variante. Alle haben Front­antrieb. Konventionell angetrieben kommt der DS 3 Crossback mit einem Diesel- und drei Ottomotoren auf den Markt; stärkste Maschine ist ein 155-PS-Ottomotor mit Acht-Gang-Automatik.

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Mindestens ebenso interessant ist die Elektrovariante: Sie produziert 136  PS und 260 Newtonmeter Drehmoment; das genügt für einen Sprint von null auf 100 km / h in 8,7 Sekunden und eine Spitze von immerhin 150 km / h. An einer 100-kW-Ladestation kann der Lithiumionen-Akku binnen 30 Minuten auf 80 Prozent hochgeladen werden, an einer häuslichen Wallbox ist der Akku in fünf Stunden komplett aufgeladen. Das reicht im WLTP-Zyklus für über 300 Kilometer Reichweite. Die hochflexible CMP-Plattform ist extrem steif und mit einer Vielzahl von Assistenzsystemen ausgerüstet. Die teilautonomen Spurhaltesysteme funktionieren


© Citroën

beim Verbrenner bis zu 180 km / h. Die Matrix-LED-Scheinwerfer liefern Lichtfunktionen auf Ober­k lasse-­Niveau, und der DS 3 Crossback lässt sich per Smartphone öffnen und starten. Man darf übrigens davon ausgehen, dass DS für etliche dieser Funktionen einen erklecklichen Sonderobolus berechnen wird. Der Crossback wäre kein DS, wenn er sich nicht durch aussergewöhnliche Designelemente auszeichnen würde. Schon das Aussendesign ist reduziert und extrem sauber ausgeführt, mit überraschenden Elementen wie den versenkbaren Türgriffen oder den vertikalen Tagfahrlichtern. Die «Haifischflosse» an der B-Säule ist eine Reminiszenz an den Vorgänger. Die Elektro­variante unterscheidet sich nur in Details von den konventionellen Varianten: Der Doppelauspuff verschwindet, mit «Polarweiss»

gibt es eine Sonderfarbe, und wenn sie gewählt wird, kann auch der Frontgrill in Wagenfarbe lackiert werden. Das Interieur ist ausgesprochen hochwertig und eigenständig ausgeführt; das markentypische Diamantenmuster wirkt edel, die Instrumente und Bedienelemente sind futuristisch. Dabei gibt es zahlreiche Individualisierungsmöglichkeiten: Die Ausstattungsniveaus hören auf die Bezeichnung Montmartre, Bastille, Rivoli und Opera; hinzu kommt eine Performance Line und zum Marktstart die Sonderedition La Prèmiere. Marktstart wird im April 2019 sein; die Elektrovariante folgt im Herbst kommenden Jahres. : : WWW.CITROEN.CH : :


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MOBILITÄT AVENIR MOBILITÉ 

STEUERUNG DER MOBILITÄT RADIKAL UMDENKEN – JETZT! UNTER DEM TITEL «VERHALTENSÖKONOMIE UND MOBILITÄT» BESCHÄFTIGTE SICH DIE DIALOGPLATTFORM FÜR INTELLIGENTEN VERKEHR, AVENIR MOBILITÉ | ZUKUNFT MOBILITÄT, IN ZUSAMMENARBEIT MIT DEM BUNDESAMT FÜR RAUMENTWICKLUNG ARE MIT DER FRAGE, WIE ERKENNTNISSE DER VERHALTENSÖKONOMIE ZUR LÖSUNG DER HERAUSFORDERUNGEN IM BEREICH MOBILITÄT UND VERKEHR BEITRAGEN KÖNNEN. FAZIT: KONTEXTUELLE, INDIVIDUELLE UND PSYCHOLOGISCHE FAKTOREN WERDEN VON BEHÖRDEN UND POLITIK BEI DER STEUERUNG DER MOBILITÄT VERNACHLÄSSIGT. DAS KÖNNTE VERHEERENDE FOLGEN HABEN. VON CHARLES STAUBACH UND AVENIR MOBILITÉ

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ie dynamische Wirtschafts- und Bevölkerungsentwicklung führt zu Verkehrswachstum und stellt Politik und Gesellschaft vor enorme Herausforderungen. Der Verkehr und die damit einhergehenden negativen Auswirkungen sind immer auch das Resultat täglicher Mobilitätsentscheide. Im Zentrum steht der einzelne Mensch und sein Mobilitätsverhalten. Entscheidend für die Lösung der Verkehrsprobleme ist deshalb insbe-

sondere auch das fundierte Verständnis der Treiber des menschlichen Mobilitätsverhaltens. Ergänzend zu den klassisch-ökonomischen Ansätzen befasst sich die Verhaltensökonomie, die mit Richard Thaler den aktuellen Wirtschaftsnobelpreisträger stellt, mit dem oft nicht a priori rationalen Verhalten der Menschen. Mehr als 130 Fachleute aus Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft liessen sich im Hotel Bellevue in Bern von Verhaltensökonomen, Behördenvertretern und führenden Organisationen über den Stand der Dinge in diesem Feld informieren.

Kontextuelle Faktoren werden oft von Behörden und Politik vernachlässigt wenn es um die Steuerung der Mobilität geht.

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MOBILITÄT

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Die Experten auf diesem Fachgebiet waren sich einig: Es muss ein radikales Umdenken bei der Steuerung der Mobilität stattfinden. An einer hochrangig besetzten Tagung von AVENIR MOBILITE l ZUKUNFT MOBILITÄT in Bern wurde ein Paradigmenwechsel gefordert.

POLITIK UND BEHÖRDEN SETZEN VOR ALLEM AUF PREIS UND ZEIT ALS STEUERUNGSMITTEL Denn in der Schweiz setzen Politik und Behörden fast ausschliesslich auf Preis und Zeit als Steuerungsmittel des Mobilitätsverhaltens, obwohl evidenzbasierte Forschung belegt, dass viele weitere Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Wahl des Verkehrsmittels spielen. Politik und Behörden in der Schweiz gingen, so wurde berichtet, immer noch davon aus, dass Menschen bei der Wahl des Verkehrsmittels hauptsächlich auf Zeiteffizienz und Kosten achten. Entsprechend würden sich die Bestrebungen zur Lenkung des individuellen Mobilitätsverhaltens vor allem auf diese zwei Faktoren konzentrieren. So bekämen Debatten wie beispielsweise jene über Pendlerabzüge, dynamische Billettpreise oder Parkplatzgebühren jeweils immer mehr Gewicht als andere, herausfordernde Aspekte. Tatsache sei nämlich, dass die Menschen auch nach ganz anderen Kriterien ihr Mobilitätsverhalten anpassen.

KONTEXTUELLE, INDIVIDUELLE UND PSYCHOLOGISCHE FAKTOREN

© PEXELS

Mobilitätsfachleute sprechen hierbei gerne von der stiefmütterlichen Behandlung «kontextueller Faktoren» wie das Wetter oder der Wochentag und von individuellen Faktoren wie die Art der Aktivität (Freizeit oder Beruf, Einkaufen oder Ausgehen) und die Gewohnheiten. Auch die

psychologischen Faktoren wie zum Beispiel das «Freiheitsdenken» oder das Bedürfnis nach grösstmöglicher Flexibilität werden bei der Steuerung der Mobilität durch Behörden und Politik massiv unterschätzt. Ergo: Mobilitätsverhalten basiert auf weit mehr Faktoren als Zeiteffizienz und Kosten. Die Forderung ist also klar: Solche gewichtigen kontextuellen, individuellen und psychologischen Entscheidungskriterien müssen öfter und prominenter in die politische Debatte einbezogen werden. Die Wichtigkeit dieses Umdenkens würde durch die Resultate in der empirischen Verhaltensforschung gestützt und belegt. Nur so könne man systematische Fehleinschätzungen der Wirksamkeit von Preis- und Zeit-Anreizen verhindern. Eine aktuelle Studie zum Mobilitätsverhalten (Autoren: FehrAdvice) zeige zudem deutlich, dass reine Preis- und Zeit-Anreize oft nicht zur beabsichtigten Wirkung führe. Der Mensch gewichte insbesondere beim Einkaufsverkehr die Kosten- und Zeitfaktoren des gewählten Verkehrsmittels viel weniger stark, als bisher allgemein angenommen wurde. Viele zusätzliche Faktoren wie beispielsweise die Bequemlichkeit, die Wetterbedingungen oder die Kombination des Einkaufens mit anderen Tätigkeiten würden das Mobilitätsverhalten markant beeinflussen. Es brauche daher ein fundamentales Umdenken bei der Entwicklung von Anreizsystemen auf der Basis von Verhaltensforschung.

VERHALTENSÖKONOMIE HILFT BEI DER LÖSUNG VON MOBILITÄTSPROBLEMEN Nicole Mathys vom Bundesamt für Raumentwicklung im Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) bezifferte am Forum «Verhaltensökonomie und Mobilität» die volkswirtschaftlichen Kosten für den motorisierten Strassen- und Schienenverkehr, dessen Infrastruktur und die damit zusammenhängenden Unfall- und Gesundheitskosten mit über 10᾽000 Franken pro Kopf und Jahr. Laut Mathys könne auch die Verhaltensökonomie einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Mobilitätsprobleme leisten. Das Fazit von Hans Werder, Präsident von AVENIR MOBILITE l ZUKUNFT MOBILITÄT: «Es braucht einen Paradigmenwechsel in der Mobilitätsforschung, in der Mobilitätspolitik und in der Mobilitätspraxis. Es gibt in der Schweiz noch immer Studien, die nur auf Preis- und Zeitfaktoren fokussieren. Es zeigt sich jedoch, dass die Realität viel komplexer ist. Es ist an der Zeit, die Erkenntnisse der Verhaltensökonomie bei allen Mobilitätsthemen miteinzubeziehen. Zukünftige verkehrspolitische Entscheide müssten auf Evidenz beruhen und nicht auf blossen Annahmen zum menschlichen Verhalten.» Neue Aspekte wie «virtuelle Mobilität» werden immer wichtiger.

: : WWW.ZUKUNFT-MOBILITAET.CH : :

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BEAUTY & GESUNDHEIT JAHREIN, JAHRAUS NEHMEN WIR ES UNS FEST VOR: MEHR SPORT, WENIGER FAST-FOOD UND MEHR ZEIT FÜR SICH. OFTMALS LEICHTER GESAGT ALS GETAN. STOLPERSTEINE GIBT ES RUND UM DAS THEMA GESUNDHEIT GENUG. UND FÜR DIE EFFEKTIVE UMSETZUNG DIESER VORSÄTZE FEHLT ES AUCH NICHT ZULETZT AN FUNDIERTEM WISSEN ÜBER ERNÄHRUNG UND SPORT. VON SWENJA WILLMS

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itnessstudios erleben Hochkonjunktur, neuartige Superfoods füllen die Regale der Supermärkte, und ein Diättrend jagt den nächsten. Immer mehr Menschen legen Wert auf eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil. Schliesslich verspricht dieser eine höhere Lebenserwartung von bis zu sieben Jahren. Doch auch kaum in einem anderen Lebensbereich wimmelt es auch so sehr von Irrtümern und Mythen wie beim Thema Gesundheit. Sind Kohlenhydrate wirklich Dickmacher? Worauf muss bei veganer

Ernährung geachtet werden? Und sollte auf das Feierabendbier lieber verzichtet werden? Antworten auf die wichtigsten Ernährungsfragen liefert Dr. Philipp Gerber vom Universitätsspital Zürich. Im Interview beleuchten wir unterschiedliche Ernährungsmethoden, gehen Mode­ erscheinungen auf den Grund und suchen nach dem Erfolgsrezept für den ideal ausgewogenen Lifestyle. Dieser kann durch richtig gesetzte Ziele und mit einem aufgefrischten Wissensstand schnell und effektiv erreicht werden.

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BEAUTY & GESUNDHEIT

VOLKSGESUNDHEIT

WICHTIGE ERNÄHRUNGSFRAGEN DIE LEBENSERWARTUNG BEI SCHWEIZER FRAUEN UND MÄNNERN HAT SICH SEIT 1997 BEI DER GEBURT BEI FRAUEN UM ZWEI JAHRE AUF 84.5 UND BEI MÄNNERN UM DREI JAHRE AUF 81.4 JAHRE ERHÖHT. DIESE POSITIVE ENTWICKLUNG STEHT IM KONTRAST ZUR GEFÜHLTEN WAHRHEIT, WONACH WIR AUFGRUND VON HANDYSTRAHLEN, FASTFOOD UND STRESS AM RANDE EINER VOLKSGESUNDHEITLICHEN APOKALYPSE STEHEN. IM GESPRÄCH BELEUCHTEN WIR DEN ERNÄHRUNGSPART UND GEHEN DABEI DER FRAGE NACH, WAS WIR GUT MACHEN UND WO ES TROTZ POSITIVER ENTWICKLUNG VERBESSERUNGSPOTENZIAL GIBT. INTERVIEW MIT DR. PHILIPP GERBER VON BEAT HÜRLIMANN

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r. Philipp Gerber ist seit 2014 Leiter des Fachbereichs Klinische Ernährung an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am UniversitätsSpital Zürich. Das Dienstleistungsangebot der Klinik umfasst unter anderem die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit Übergewicht / Adipositas, Diabetes mellitus und weiteren Hormon- und Stoffwechselkrankheiten sowie auch die Beratung im Bereich Ernährung und Risikofaktoren.

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«Geschäftsführer Bern»: Dr. Gerber, wieso leben Schweizerinnen und Schweizer heute länger? Dr. Philipp Gerber: Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nach wie vor Todesursache Nummer eins. Aber genau hier gibt es grosse Fortschritte. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Blutzucker oder erhöhte Cholesterinwerte können heute medikamentös viel besser behandelt werden. Und es wird erfreulicherweise weniger geraucht.


BEAUTY & GESUNDHEIT

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Was kann man gegen zu viel Cholesterin tun? Die Höhe des Cholesterinspiegels hängt stark von den Genen ab. Deshalb empfehle ich im Alter zwischen 30 und 40 Jahren einen ersten Check der Werte. Selber kann man nicht sehr viel tun dagegen. Trotzdem, ob man Risikopatient ist, bereits Medikamente nimmt oder gute Werte hat, genügend Bewegung und eine gesunde Ernährung sind immer zu begrüssen. Übergewicht und Bewegungsarmut sind Faktoren, welche die Werte verschlechtern können. Welche Rolle genau spielt die Ernährung bei der Herz-Kreislauf-­ Risikoprävention? Ernährungskomponenten sind sehr wichtig, und wir haben heute glücklicherweise zunehmend verbreitete Ernährungsformen, die Freude bereiten, den Menschen schmecken und die gut für den Herzkreislauf sind. Ein Beispiel ist die mediterrane Ernährung. Viel Gemüse, Früchte, helles Fleisch, Fisch, gesunde Öle, gewisse Hülsenfrüchte und nicht allzu viele Kohlenhydrate. Leider gehören feine Pizzen und Pasta nicht dazu. Mediterrane Ernährung, mehr als eine weitere Modeerscheinung? Absolut. Es gibt eine Interventionsstudie dazu. Probanden mussten sich ein paar wenige Jahre mediterran ernähren, und man hat festgestellt, dass diese weniger häufig Herzkreislauferkrankungen hatten als solche, welche mit anderen Diätformen behandelt wurden. Hier wissen wir also ganz direkt, dass eine Ernährungsform Herzkreislauferkrankungen reduzieren kann. Wie schlecht sind Fette? Bis vor 20 Jahren lag der Fokus bei den Fetten. Heute sind es eher die Kohlenhydrate, die man zu beschränken empfiehlt. Bei den Fetten ist die Qualität wichtig. Grössere Anteile Tierfette sollte man meiden und sich auf gesunde Fette konzentrieren. Pflanzliche Öle sind sehr gut. Olivenöl ist ein sehr gutes Fett, aber auch Rapsöl, das in der Schweiz produziert wird. Fische haben deutlich bessere Fette in der Zusammensetzung als fetthaltiges rotes Fleisch. Bei den Fetten ist der Fokus also mehr darauf zu legen, welche Fette verwendet werden und nicht wie viel. Wie sieht der ideal geschöpfte Alltagsteller aus? Wir arbeiten mit einer ausgewogenen Ernährung und dem dreigeteilten Teller, bestehend aus Kohlenhydratportion, Eiweisskomponente und Gemüse. Die Kohlenhydrate sollten nicht mehr als einen Drittel ausmachen. Der grosse Pastateller ohne Beilage ist nicht das, was wir empfehlen. Die Fette kommen meistens automatisch dazu mit den Saucen. Mikronährstoffe sind Vitamine und Spurenelemente. Bei einer ausgewogenen Ernährung mit ausreichend Gemüse und Früchten ist man genügend mit Mikronährstoffen versorgt und braucht keine Zusätze. Die Faustregel heisst fünf am Tag, also fünf Portionen Gemüse und Früchte pro Tag. Genügend Eiweisszufuhr ist sehr wichtig, was heute aber nicht immer gewährleistet ist. Etwa bei älteren Menschen ist der Muskelabbau ein Thema. Wir versuchen den Eiweisskonsum zu fördern. Beim Konsum von Eiweissquellen

Dr. Gerber leitet den Fachbereich Klinische Ernährung am Universitäts Spital Zürich.

wie Fleisch-, Fisch- oder Milchprodukten sollte man sich daher weniger einschränken als bei den Kohlenhydraten. Worauf muss man bei vegetarischer oder veganer Ernährung achten? Zur vegetarischen Ernährung hat man einiges an Studien und weiss, dass man sich sehr gut und günstig vegetarisch ernähren kann. Sie hat auch gewisse Vorteile. Bei den Veganern stellt sich unter anderem die Frage, wie sie zu den Eiweissen kommen. Man kann mit veganen Produkten den Eiweissbedarf ohne Eiweisspulver decken, aber es braucht das entsprechende Wissen. Es ist daher keine Form, die man vorbehaltlos empfehlen kann. Einfach rein aus wissenschaftlicher, ernährungstechnischer Sicht.

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BEAUTY & GESUNDHEIT

Im Gespräch empfiehlt Dr. Gerber die mediterrane Ernährungsform.

Ein Glas Wein pro Tag soll gesund sein? Tatsächlich hat man Alkohol lange als Schutzfaktor gesehen. Das ist jetzt mit neueren Studien wieder etwas infrage gestellt. Schützt Alkohol wirklich? Wahrscheinlich ist es so, dass kleine Mengen, also ein Glas Wein pro Tag, keinen gross negativen Einfluss hat. Ob es aber positiv ist, das ist nach neusten Daten nicht gesichert. Also doch lieber Wasser. Wie viel davon braucht der Mensch? Es gibt Empfehlungen, die sagen, drei Liter für Männer und zwei Liter für Frauen pro Tag und das zusätzlich zur Ernährung. Es gibt aber wenig Daten, die das stützen. Mit anderthalb bis zwei Litern pro Tag ist man im normalen Alltag gut bei den Leuten. Da braucht es nicht viel mehr.

Was bringen all die Schlank- und Starkmacher-Cocktails? Wenn wir eine Mahlzeit beginnen, geht ein ganzer Zirkus aus Hunger- und Sättigungshormonen los. Er steuert, dass wir nicht zu viel und nicht zu wenig essen und dass alles richtig verarbeitet wird. Aber ob ein solcher Zirkus noch richtig funktioniert, wenn wir uns mit Cocktails ernähren, bleibt etwas offen. Es fehlen uns Daten, die sagen, ob die Aufnahme in konzentrierter Form wirklich etwas bringt. Krankheitsbedingte Mitarbeiterausfälle verursachen hohe Kosten. Worauf sollte man Mitarbeitende hinweisen? Wer sich gut und ausgewogen ernährt, genügend Gemüse und Früchte isst, braucht auch während der Grippeperiode keine Vitaminpräparate. Im Winter empfehle ich den Anteil der besonders VitaminC-haltigen Zitrusfrüchte zu erhöhen, die Grippeimpfung, die für niemanden falsch ist, und Hygienemassnahmen wie Händewaschen.

Wenn wir schon bei den Zahlen sind. Wie hoch ist unser täglicher Kalorienbedarf? Es gibt keine präzise Regel. Der Durchschnitt liegt meist irgendwo zwischen 2 000 und 2 500 Kilokalorien pro Tag. Der Verbrauch ist aber Welche Rolle spielt die Psyche bei der Ernährung? sehr individuell und hängt von vielen Faktoren Was ich persönlich im Zusammenhang mit Ernähab. Selbst bei Menschen mit gleichem Geschlecht, rung als etwas Wichtiges anschaue, ist die Acht«HEUTE SIND ES EHER DIE Gewicht, Essen und gleicher Arbeit kann der Ver- KOHLENHYDRATE, DIE MAN ZU samkeitsbewegung, Mindfulness auf Englisch. Wir brauch sehr unterschiedlich sein. Man kann den machen vieles gleichzeitig und überall, aber wir sind BESCHRÄNKEN EMPFIEHLT.» Verbrauch natürlich messen. nie dort, wo wir wirklich sind. Bei der Ernährung ist das auch so. Häufig sehe ich in der Sprechstunde Menschen, die mit GeWorauf sollten wir beim Salz- und Zuckerkonsum achten? wicht zu kämpfen haben, die aber gar nicht realisieren, was sie essen. Sie Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die Empfehlungen eben müssen lernen, sich auf die Mahlzeiten zu fokussieren, darauf, was sie essen, wieder nach unten korrigiert. Sie sagt, nicht mehr als fünf Gramm Salz und auf die Menschen, mit denen sie zusammen sind. 25 Gramm Zucker. Es ist eigentlich so, auf zugesetztes Salz oder zugesetzten Zucker sollten wir möglichst verzichten. Salz ist in vielen GrundnahrungsWie beurteilen Sie die Anstrengungen der Angebotsseite? mitteln, Frischprodukten und Gemüsen bedarfsdeckend vorhanden. Mit Wenn wir Supermarktketten anschauen, sehen wir, dass die Regale immer dem Zucker, der zu den Kohlenhydraten gehört, verhält es sich ähnlich. häufiger durch Marktstände mit Frischprodukten ersetzt werden. Das ist sehr erfreulich, weil unser Körper ein natürliches Empfinden hat, solche Was denken Sie über die Wirksamkeit von Diäten? Speisen auch attraktiv zu finden. Man hat mit Kindern eine mehrtägige Diäten sind insofern was Gutes, weil die Absicht dahinter grundsätzlich poBuffetstudie durchgeführt. Am Anfang nahmen sie Süssigkeiten und sitiv ist. Wir wissen aber alle, dass sie nur temporär funktionieren. Wenn Pommes. Doch nach einer gewissen Zeit begannen sie auch anderes auszuman eine Ernährungsumstellung vornimmt, muss diese zum Lebensstil probieren. Wir haben eine gesunde Einstellung gegenüber einer gesunden passen. Nur so kann es langfristig funktionieren. Im Trend sind IntervallErnährung. Aber das Angebot muss sichtbar sein. Bleibt die ökonomische fastendiäten. Dabei lässt man mal eine Mahlzeit aus oder fastet jeden Frage. Gutes und gesundes Essen ist nach wie vor teuer. Für wenige Franken zweiten Tag. Da gibt es auch Daten, dass das durchaus gut ist für den hat man beim Conveniencefood rasch zwei- bis dreitausend Kalorien Körper, und unsere Vorfahren hatten auch Fastenperioden. Man hat gejagt, beisammen. Wenn man das mit gut ausgewogener Ernährung erreichen gegessen und bis zur nächsten Jagd gefastet. Wichtig ist, dass die Ernähwill, kostet das wesentlich mehr. rungsform zum Lebensstil passt und keine Qual ist. Wenn jemand sagt, ich : : WWW.USZ.CH : : esse kein Frühstück, sondern nur mittags und abends, kann das gut sein.

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TRAVEL & LIFESTYLE

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BAUEN & WOHNEN WENN DIE TAGE WIEDER LÄNGER WERDEN UND DIE SONNENSTRAHLEN KRÄFTIGER, IST ES ZEIT, AN DIE GARTENPLANUNG ZU DENKEN. EIN EIGENES KRÄUTERBEET IST PRAKTISCH UND EINFACH ZU PFLEGEN. HIER KANN DIE MINZE EIN ECHTES MULTITALENT SEIN: SIE PEPPT GERICHTE AUF UND VERLEIHT GETRÄNKEN EINEN HAUCH VON SOMMERFRISCHE. VON FREYA MOHR

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it den ersten Sonnenstrahlen erwacht die Natur langsam wieder zum Leben. Die Vögel fliegen zurück aus dem Süden, die Bienen summen und wir suchen uns ein sonniges Plätzchen, um die Wärme aufzusaugen. Wer einen eigenen Garten oder Balkon hat, denkt jetzt vielleicht schon an die Bepflanzung und plant die ersten Setzlinge. Wie wäre es dieses Jahr mit einem eigenen Kräutergarten? Petersilie, Schnittlauch und Basilikum gehören hier zum Standard, aber auch frische Minze kann so

einigen Gerichten den letzten Feinschliff geben. Jeder kennt die Pfefferminze. Es gibt aber noch so viele andere Arten – jede mit eigenständigen Geschmacksnuancen, Duftnoten und Blattformen. In den warmen Jahreszeiten verleiht Minze kühlen Getränken das gewisse Etwas, Cocktails wie der Mojito sind ohne sie nicht komplett und sommerliche Salate schmecken ein bisschen nach Süden. Das Gute: Minze lässt sich sowohl im eigenen Garten als auf dem Balkon einfach anbauen. Wir zeigen die wichtigsten Tricks und Kniffe.

WINTER : : 2018/19


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BAUEN & WOHNEN

MINZE IM GARTEN UND AUF DEM BALKON MINZENDUFT LIEGT IN DER LUFT

DIE MINZE IST EIN MULTITALENT. IHRE AROMATISCHEN BLÄTTER SCHMÜCKEN KÜHLE DRINKS, PEPPEN JEDE TEEMISCHUNG AUF UND VERLEIHEN SOMMERLICHEN GERICHTEN EINEN HAUCH VON EXOTIK. JETZT BUHLEN DIE VERSCHIEDENEN SORTEN IN DEN SCHWEIZER GÄRTNEREIEN UM AUFMERKSAMKEIT UND ANIMIEREN ZUM SAMMELN. VON OTHMAR ZISWILER

Die Erdbeerminze ist eine kleinblättrige, sehr aromatisch nach Erdbeeren duftende Sorte.

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pricht man von der Minze, zaubert die Erinnerung sogleich einen erfrischend-aromatischen Duft in die Nase, der nach Sommer riecht. Wer sich der Familie der Minzen einmal genauer annimmt, merkt schnell, dass Minze nicht gleich Minze ist. Unglaublich, wie viele Duftnuancen es bei den unterschiedlichen Arten und Sorten gibt. Nebst der allseits bekannten Pfefferminze gibt es so viel mehr zu entdecken! Da sind die «Fruchtigen», zu denen die Erdbeer-, Orangen- oder Ananasminze zählen, die Krause Minze mit ihrem gewellten Blattrand oder Teeminzen wie die Marokkanische Minze. Letztere ist vor allem in Nordafrika weit verbreitet. Bei manchen Gerichten wie dem Couscous-Salat spielt die Minze geschmacklich eine tragende Rolle, und auch der berühmte

GESCHÄFTSFÜHRER FRÜHLING : : 2019

Mojito-Cocktail wäre ohne ihren Duft nicht er selbst. Es gibt sogar eine gleichnamige Minzensorte, die sich für den Drink besonders gut eignet.

DIE MINZE STETS IM AUGE BEHALTEN So gut Minzen duften, so einfach sind sie zu pflegen. Ein sonniger bis halbschattiger Standort mit durchlässigem, eher feuchtem Boden genügt, sie wachsen zu lassen. Und wie! Gefällt es ihnen, entwickeln sie einen nicht zu unterschätzenden Ausbreitungsdrang und erobern rasant ganze Gartenbeete. Es sei denn, man weist sie mit einigen Tricks in die Schranken. Durch regelmässiges Verpflanzen oder mittels einer einfachen, selbst gebauten Wurzelsperre behält man sie jederzeit im Griff. Dazu von einem grossen Kunststofftopf den Boden herausschneiden und diesen im Beet einsenken, sodass nur noch der obere Rand zu sehen ist. Mit Substrat


BAUEN  & WOHNEN

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auffüllen, die Minze einpflanzen und gut angiessen. Es empfiehlt sich, die Minzen alljährlich im Frühling auszugraben, den Wurzelballen zu teilen und sie an anderer Stelle neu einzupflanzen. Minzen lassen sich übrigens auch problemlos in Töpfen auf dem Balkon ziehen. Auch dort sollten sie ab und zu ausgegraben, geteilt und in neue Erde gepflanzt werden, damit sie über die Jahre vital bleiben und immer neue Triebe bilden.

ÜPPIGES ERNTEGLÜCK Die beste Abhilfe gegen übermässiges Wuchern schafft die regelmässige Ernte der duftenden Zweige. Die Blätter lassen sich frisch für aromatische Tees verwenden oder an einem luftig-schattigen Ort trocknen und anschliessend in einem geeigneten Gefäss dunkel lagern. So ist über das ganze Jahr für Nachschub gesorgt. Für die Ernte ein gut geschärftes Messer verwenden und die Triebe lediglich um rund ein Drittel ihrer Höhe einkürzen. Dies geschieht idealerweise, bevor die Pflanze zur Blüte kommt. Dann nämlich sind die Duftstoffe am stärksten ausgebildet. Abgeschnittene Zweige können auch eingefroren werden, dies konserviert den intensiven Duft am besten.

DIE MINZEN – EINE GROSSFAMILIE Zur Gattung der Minzen gehören rund 30 verschiedene Arten. Viele davon sind ursprünglich in Europa zu Hause. Daraus sind zahlreiche Kreuzungen mit verschiedenen Geschmacksnoten entstanden, sei es auf natürliche Weise oder durch gezielte Züchtung. Eine von ihnen ist die Pfefferminze (Mentha x piperita). Nicht selten wird der Begriff «Pfefferminze» mit «Minze» gleichgesetzt, was botanisch gesehen allerdings nicht korrekt ist. Denn nicht jede Minze ist auch eine Pfefferminze. Vielmehr ist sie eine von vielen innerhalb der grossen Familie der Minzen. Mit ihrem sehr hohen Mentholgehalt sticht sie aber besonders hervor und gehört wohl darum zu den bekanntesten Familien­vertretern. Die intensiv duftende Pfefferminze ist nicht nur als Gewürz- und Teepflanze geschätzt, sondern soll bei Kopfschmerzen sowie Magen-­ Darm-Erkrankungen eine heilende Wirkung haben. : : WWW.JARDINSUISSE.CH : :

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ebensqualität im Alter bedeutet für jede Person etwas anderes. Um den Gästen den Alltag so angenehm und komfortabel wie möglich zu gestalten, stehen ihnen bei Tertianum zahlreiche individuell nutzbare Serviceleistungen sowie ein abwechslungsreiches Veranstaltungsprogramm zur Verfügung. Die Bereitstellung der Sicherheitsinfrastruktur und das Angebot an Aktivitäten sind bereits im Pensionspreis inbegriffen. Die übrigen Dienstleistungen können die Gäste à la carte beziehen, was sich sehr vorteilhaft auf die Gesamtkosten auswirkt. Die Palette reicht von der internen Spitex über Reinigungsund Wäscheservices bis zum hochstehenden gastronomischen Angebot im hauseigenen Restaurant.

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KOLUMNE

QUALITÄT HAT IM ARBEITSLEBEN VORFAHRT VON ANDREAS BRESCHAN

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urch die Büroräumlichkeiten der Schweiz rollt eine Erneuerungswelle. Die klassischen ungemütlich lauten Grossraumbüros und die noch älteren in Reihen geschalteten «Einzelzellen» sind weitgehend Geschichte. Wer heute drehbare, gepolsterte Sessel um einen Tisch herum gruppiert sieht und sich frägt, ob er sich nun in einem Esszimmer oder einem Büro befindet, bekommt als Antwort: sowohl als auch. Wer zeitweilig im Home-Office arbeitet oder sich bei einem Co-Working-Anbieter eingemietet hat, kennt kaum noch Grenzen zwischen privater und geschäftlicher Sphäre. Im Zuge dieser Entwicklung hübschen auch Unternehmensverantwortliche ihre Büros auf. So lässt man beispielsweise einmal in der Woche einen Früchtekorb bringen, stellt einen Töggelikasten auf, schafft Wohlfühloasen mit Power Water und Kaffeevollautomaten und dergleichen mehr. In den Zeiten des Fachkräftemangels gilt es, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu binden. Eine gute Atmosphäre gehört einfach dazu und steigert am Ende des Tages, so versichern uns dies die HR-Experten, die Team- und Leistungsfähigkeit.

perspektiven bieten, und gerade der letzte Punkt, die Frage der Generationengerechtigkeit, ist für uns im Hinblick auf unsere Zukunft in besonderem Mass von Bedeutung. Um das alles im hektischen Tagesgeschäft auf die Reihe zu bekommen, braucht es ein durch klar messbare Kriterien definiertes Führungssystem. Unternehmen, die mit dem Label «Friendly Work Space» ausgezeichnet sind und diese Führungsphilosophie leben, profitieren gleich mehrfach: Sie arbeiten nicht nur in einer motivierenden, von gegenseitigem Respekt geprägten Umgebung, in der sie angemessen gefordert und gefördert werden, sondern erfahren auch fachliche und persönliche Wertschätzung. Ergo: Sie dürfen ein Arbeitsklima erwarten, in welchem der Chef und die Kollegen darauf achten, dass sie sich wohlfühlen und entfalten können. Ich lebe und erlebe dies jeden Tag in unserem Hause und bin davon überzeugt, dass dies ein entscheidender Faktor für unseren Erfolg ist.

So weit die theoretische Sichtweise. In der Praxis hat aber der Arbeitsalltag in der Schweiz noch Luft nach oben. Eine Obstschale aufzustellen, ist «Nice to have», verändert aber nicht die Unternehmensphilosophie. Wer heute die Arbeitswelten in eine positive Richtung verändern will, braucht umfassende Ansätze, die transparent sind und von unabhängiger Seite überprüft werden können. Eine noch so schöne Bürowelt kann Mängel in der Führung nicht wettmachen. Wir bei Hörmann setzen auf das Qualitätslabel «Friendly Work Space». Seit 2015 wurde die Hörmann Schweiz AG mit dem Qualitätslabel «Friendly Work Space» ausgezeichnet. Das Label steht für eine erfolgreiche Umsetzung von betrieblichem Gesundheitsmanagement (BGM) und für das systematische Engagement für gute Arbeitsbedingungen der Mitarbeitenden. Die Beurteilung und die Labelvergabe erfolgen durch die Gesundheitsförderung Schweiz, eine Stiftung mit dem gesetzlich verankerten Auftrag der Prävention. Die Qualitätskriterien verfolgen einen Ansatz, dem eine umfassende Interpretation der Gesundheit zugrunde liegt. Im Zentrum steht das ganzheitliche Wohlbefinden der Mitarbeitenden, und dazu gehört eben weit mehr als eine gefällige Büroeinrichtung. Ein motivierendes und respektvolles Arbeitsklima, die Vereinbarkeit von Beruf und Freizeit und die aktive Förderung der Gesundheit stehen dabei ganz oben auf der Agenda. Zudem gilt es, die kontinuierliche Optimierung der Arbeitsabläufe im Fokus zu behalten, um Ressourcen zu schonen. Die strikte Einhaltung der Arbeitssicherheit ist ein weiteres wichtiges Handlungsfeld. Last but not least steht sechstens die Integration von jungen Menschen in das Berufsleben im Fokus. Ihnen wollen wir attraktive Entwicklungs­

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ANDREAS BRESCHAN Geschäftsleiter der Hörmann Schweiz AG. Nordringstrasse 14 CH-4702 Oensingen Telefon +41 (0)62 388 60 60 info@hoermann.ch : : WWW.HOERMANN.CH : : : : WWW.FRIENDLYWORKSPACE.CH : :


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STYLE MODE UND ZEIT GEHEN HAND IN HAND. KEINE MODESAISON WIRD OHNE NEUE TRENDS EINGELEITET. DIE FASHION-­INDUSTRIE LEBT VON EINER SICH STETS WANDELNDEN GARDEROBE. DER ANSPRUCH AN QUALITÄT UND HERSTELLUNG DER VIELEN UNTERSCHIEDLICHEN KLEIDUNGSSTÜCKE SCHRUMPFT DABEI STETIG. DENN ES MUSS SCHNELL GEHEN. ES GILT, DER KONSUMFREUDIGKEIT DER KUNDEN SO ZÜGIG WIE MÖGLICH NACHZUKOMMEN. IM GEGENSATZ DAZU STEHT DIE HAUTE COUTURE, DIE ZEITAUFWÄNDIGE HANDARBEIT IN ANSPRUCH NIMMT UND MODE ALS LANGLEBIGE KUNST ANSIEHT. VON SWENJA WILLMS

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ie Zyklen der Modetrends werden kurzlebiger. Eine Mode­ saison folgt auf die nächste, die Kundschaft der Mode­ schöpfer erwartet laufend Neuheiten aus der Branche, hetzt Trends hinterher und ist auf der Suche nach dem besten Schnäppchen. Günstige Preispolitik und Konsumwahnsinn stehen vor Qualität und Komfort. Was zählt, ist ein Kleiderschrank gefüllt mit den angesagtesten Kleidungsstücken und Trends. Modehäuser wie H & M und Zara produzieren dabei oftmals Kopien von angesehenen Designerstücken zu einem Bruchteil des ursprünglichen Preises. Oft sind diese bereits in den Kaufhäusern erhältlich, bevor die Designerware eintrifft.

Gegenpol der Fast-Fashion-Bewegung ist die Haute Couture. Die gehobene Schneiderkunst gilt als Königsklasse der Fashion-Industrie und erfordert langwierige Handarbeit und hochwertige Materialen. Die chinesische Designerin Guo Pei weiss dieses Handwerk zu beherrschen. Ihre Krea­ tionen erwecken durch üppige Stickereien, Farben und Materialien ein Stück Tradition wieder zum Leben, erzählen von Mythen und Legenden. Die Herstellung der Kollektionen nimmt dabei mehrere tausend Stunden in Arbeit. Die opulenten Roben von Guo Pei geniessen dadurch hohen Status und schweben über die Laufstege dieser Welt: von Bejing nach Paris, Mailand und NewYork.

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STYLE

Marianna Feher ist Inhaberin der ZANA Boutique AG. ITALIENISCHE MODE

SÜDLÄNDISCHE LEBENSFREUDE IN BERN MIT DEM FRÜHJAHR WIRD ES DRAUSSEN WIEDER WÄRMER – DIE WARMEN WINTERMÄNTEL, DICKEN PULLOVER UND LANGEN HOSEN VERSCHWINDEN SO LANGSAM AUS DEM KLEIDERSCHRANK UND MACHEN PLATZ FÜR NEUES. AUF DEN FASHION SHOWS WAREN DIE TRENDS FÜR DIESEN FRÜHLING UND SOMMER BEREITS ZU SEHEN. HÖCHSTE ZEIT, SICH NEU EINZUKLEIDEN UND LUFTIGE STOFFE UND SINNLICHE SCHNITTE WILLKOMMEN ZU HEISSEN. VON MARIANNA FEHER

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talien ist das Land der Mode. Auf der Fashion Week in Mailand präsentieren italienische Topdesigner und Luxuslabels jährlich ihre Kollektionen für die nächste Saison. Es ist der Ort, an dem Trends entstehen. Die ZANA-Boutique aus Bern steht in langjährigem Kontakt mit führenden Modedesignern aus Italien. So erkennt die Boutique früh, in welche Richtung sich der Trend entwickelt – und

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kann für die Kunden aus dem vielen Guten das Beste auswählen. Die neuen Kollektionen sind bereits eingetroffen. So steht dem Frühjahr und Sommer 2019 modisch nichts mehr im Wege. Kunden finden Kreationen, die sie andernorts vergeblich suchen. Die stilistische Bandbreite reicht von subtil-exklusiver Eleganz bis hin zu


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Im «Schuh-Laboratorium» von Santoni entstehen handgefertigte Schuhe mit liebevollen Details.

fröhlich-frecher Extravaganz. Dies stets gemischt mit einem guten Schuss Italianità. Ebenso wichtig wie die Ästhetik sind die Materialien und deren Verarbeitung. Was die Kunden erwerben, hält über den Tag hinaus – und macht auch nach langer Zeit noch Freude.

MODE FÜR AUSSERGEWÖHNLICHE FRAUEN UND MÄNNER Wer gewisse Ansprüche hat, was Damenmode betrifft, und das Besondere sucht, findet bei ZANA Donna in Bern sein Lieblingsstück. Sei es ein Kostüm mit einem detailverliebten Schnitt oder eine Bluse aus farbenfroh fliessenden Qualitätsstoffen. Auch Herren, für die das Besondere das ganz Normale ist, finden mit ZANA Uomo einen Herrenausstatter, der ihre Philosophie versteht und teilt. Die Boutique bietet die ganze Vielfalt italienischer Mode. Herren können sich versuchsweise in ein neues modisches Ich verwandeln, die faszinierende Sinnlichkeit italienischer Designer entdecken und mit unterschiedlichen Stilen experimentieren. Die Modeberater begleiten dabei fachkundig, machen Vorschläge und erklären, wenn etwas nicht funktioniert. Die Boutique führt erstklassige italienische Kollektionen von Top-Brands und Designern wie Moschino, Ermanno Scervino, Alberta Ferretti, Philosophy, Red Valentino und Tagliatore. Was Schuhe betrifft, finden Freunde

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Alberta Ferretti legt Wert auf Stil, Weiblichkeit und Glamour. Ihre bodenlangen Roben sind begehrt in aller Welt.

des italienischen Geschmacks hier beispielsweise Modelle von Santoni. Die Marke steht für die italienische Tradition der Handwerkskunst.

FACHKUNDIGE BERATUNG Mode ist nur so gut, wie sie vermittelt wird. In der ZANA-Boutique treffen die Kunden auf fachlich versierte Mitarbeitende. Engagement für den Nachwuchs und das Ausbilden künftiger Modefachleute wird hier grossgeschrieben. Die Mitarbeitenden leben und lieben exklusive italienische Mode und freuen sich, diese Passion mit den Kunden zu teilen. Ziel ist es, dass die Kunden den Laden nach ihrem ersten Einkauf glücklich lächelnd verlassen – und bei ihrem nächsten Besuch bereits freude­ strahlend anreisen. Beratung ist dem Team daher sehr wichtig. Jeder Mitarbeitende nimmt sich gerne Zeit für die Kunden – nach Voranmeldung auch ausserhalb der Öffnungszeiten. Ein Anruf genügt und der Laden gehört ganz dem Kunden. Das ist Personal Shopping und ein entspanntes Shoppingerlebnis ganz nach dem Motto der Berner Boutique. Gut beraten kann für die Mitarbeitenden allerdings auch heissen, von bestimmten Stücken abzuraten. ZANA-Mitarbeitende möchten die Kunden einkleiden, nicht verkleiden. : : WWW.ZANA.CH : :

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STYLE FASHION IKONE GUO PEI

VON BEIJING NACH PARIS BIS EINE IHRER OPULENTEN ROBEN FERTIGGESTELLT IST, KANN ES SCHON EINMAL EIN PAAR JAHRE DAUERN. GUO PEI GILT SEIT JEHER ALS DIE BRILLANTESTE COUTURIÈRE CHINAS, DEN INTERNATIONALEN DURCHBRUCH VERDANKTE SIE JEDOCH DER BARBADISCHEN SÄNGERIN RIHANNA. VON ANKA REFGHI

Vom Glanz der letzten Kaiserdynastie Chinas inspiriert: die Kreationen von Guo Pei

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eder erinnert sich an den legendären Auftritt, als sich Rihanna an der Met Gala 2015 in einem 25 Kilogramm schweren gelben Kleid aus Satin mit Pelzbesetz und kaiserlichem Umhang auf dem roten Teppich zeigte. Zum Thema «China: Through the Looking Glass» hatte sich die Sängerin für eine spektakuläre Robe der chinesischen Designerin Guo Pei entschieden. Ein Kleid, das von 100 Arbeitern in rund 50’000 Stunden gefertigt worden war. Während die Internet­Community das Kleid mit boshaften Memes parodierte, die von «Big Bird» aus der Sesamstrasse bis Käsepizza reichten, erstarrte die internationale Modewelt vor Ehrfurcht für die bis dahin in westlichen Breitengraden weitgehend unbekannte Designerin. In ihrem eigenen Land galt Guo Pei schon längst als die brillanteste Couturière überhaupt, die zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zwei Jahrzehnten gekrönte Häupter ebenso ausstattete wie die politischen Eliten und A-Lister ihres Landes.

DER WENDEPUNKT Doch Rihannas Auftritt war ein «Boost» auf internationalem Parkett. Noch im gleichen Jahr widmete ihr das «Musée des Arts Décoratifs» in Paris eine erste Einzelausstellung, ein Jahr später wurde Guo Pei von der ehrwürdigen «Chambre Syndicale de la Haute Couture», dem französischen Dachverband für Couture, als Gast-Designerin an die Pariser «Haute Couture Week» ein­geladen. Der Erfolg ihrer Debüt-Kollektion «Courtyard» war durchschlagend und brachte ihr nicht nur einen Platz auf der Liste der 100 einflussreichsten Personen des «Time»-­Magazins ein, sondern auch auf der Liste der 500 einflussreichsten Personen des «Business of Fashion», die die globale Modebranche prägen.

MÄRCHEN, MYTHEN UND LEGENDEN Zu Recht, denn Guo Peis Kreationen sind an Üppigkeit und filigranster Handwerkskunst kaum zu überbieten. Als moderne Botschafterin ihres kulturellen Erbes erweckt sie durch ihre ebenso kunstvollen wie extravaganten Roben die einstige Pracht der letzten Kaiserdynastie Chinas und traditionelle Handwerkspraktiken wieder zum Leben. Ob jahrtausendealte Tradition der Stickerei oder der Malerei, die Kreationen von Guo Pei erzählen Märchen, Mythen und Legenden, die Gemälde und Stickereien im Laufe der Jahrhunderte vermittelt haben. Sie suggerieren die Opulenz des Königshauses und verbinden dabei die Geschichte mit zeitgenös­si­scher Innovation und westlichem Stil. Doch sie erzählen auch von dem Spannungsfeld zwischen chinesischer Tradition versus westlicher Moderne, Akzeptanz versus Vorurteile und Aufrechterhaltung eines gesunden, lukrativen Geschäfts versus Verfolgung teurerer und seltener Techniken.

DIE ERSTE GENERATION DESIGNERIN, DIE PIONIERIN Dabei kommt Guo Pei selbst eher aus bescheidenen Verhältnissen. Ihre Eltern, zwei Anhänger der Kommunistischen Partei, stehen damit bis heute sinnbildlich für den Spagat Guo Peis zwischen Herkunft und Haute Couture. 1967 in Beijing geboren, erwachte schon früh ihre Leidenschaft für die Geschichte Chinas und die Schneiderei. Vor ihrer Zeit im Kindergarten wuchs sie zunächst bei ihrer Grossmutter auf, die noch während der Qing-­D ynastie geboren worden war und der kleinen Guo Pei von den Kleidern berichtete, die sie als junge Frau getragen hatte. Die Vorstellung an die mit den schönsten Blumen bestickten Kleider weckte in Guo Pei den Wunsch, in Zukunft selber Kleidung anzufertigen. Doch der Weg zu ihrem Traum bedurfte einiger Umwege. «Vor 30 Jahren», so Guo Pei, «gab es in China bis nach der Revolution keine Mode, kein solches Wort dafür. Und selbst vor 20 Jahren gab es in China kein sogenanntes ‹Modedesign›». Stattdessen belegte Guo Pei ab 1982 an der «Beijing School of Industrial Design» ein vierjähriges De­sign­programm

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für eine technische Ausbildung in Zeichnen und Modellbau. Als sie ihre Lehrerin bat, ihr beim Entwerfen eines voluminösen Kleides zu helfen, das sie in den Filmen gesehen oder in den Geschichten ihrer Grossmutter gehört hatte, schickte die Lehrerin sie in ein Kostümgeschäft. Doch Guo Pei liess sich nicht beirren und brachte sich die Kunst der Stickerei selber bei. In den ersten zehn Jahren nach ihrem Studium arbeitete sie für grosse Hersteller, wo sie Konfektionskleider herstellte, kündigte aber 1997 den sicheren Job, um ihr Rose Studio in Beijing zu eröffnen. Ihr wahres Couturier-Talent aber wurde ihr erst bewusst, als sie ihren heutigen Mann und Partner Cao Bao Jie, einen Textilhändler, kennenlernte, der sie mit Stoffen aus Europa und Stickereien aus dem Westen in Berührung brachte.

VON TÜR ZU TÜR Um ihre Traumkleider zu realisieren, benötigte sie Sticker. Da dieser Berufsstand jedoch während der Kulturrevolution nicht hoch angesehen war, war das Kunsthandwerk weitgehend verloren gegangen. Durch Zufall erfuhr sie von einigen Stickern, die einst für die Königsfamilie gearbeitet hatten und sich noch in der Provinz Hubei auf dem Land befanden. Guo Pei zögerte nicht und reiste in die Provinz, wo sie buchstäblich begann, an die Türen von Häusern zu klopfen, deren Vorhänge in den Fenstern bestickt waren. Mit Erfolg, denn 2006 präsentierte sie ihre erste Haute-Couture-Kollektion mit dem Titel «Samsara» an der «China International Fashion Week», die kaum kunstvoller gefertigt hätte sein können. Die Kollektion, die aus 43 atemberaubenden Kreationen bestand und von Napoleons Militäruniformen inspiriert war, sollte sich als federführend für ihren weiteren Stil erweisen.

ZWISCHEN OST UND WEST Heute beschäftigt Guo Pei in ihrem chinesischen Studio rund 500 Mitarbeiter, davon 300 Sticke­r innen, die sich der Herstellung ihrer atemberaubenden Kreationen widmen, die pro Kleid bis zu 750’000 Euro kosten und deren Fertigstellung schon einmal zweieinhalb Jahre in Anspruch nimmt. Und Guo Pei ist Perfektionistin. Dem traditionellen chinesischen Textilhandwerk und dem Streben nach Perfektion verpflichtet, müssen die Kleider nicht selten auch mehrmals überarbeitet werden, bis sie ihren Ansprüchen genügen. Seit der Gründung eines zweiten Ateliers 2015 in der renommierten Pariser Rue Saint Honoré pendelt die Designerin zwischen beiden Kulturen und schlägt damit die wohl atemberaubendste Brücke der Haute Couture.

GUO PEI – COUTURE BEYOND Das im Rizzoli-Verlag erschienene Buch «Guo Pei: Couture Beyond» gibt einen fantastischen Überblick über das Schaffen der chinesischen Ausnahme-Designerin aus den Jahren 2002 bis 2017. : : WWW.GUO-PEI.FR : :

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VORSCHAU & IMPRESSUM

VORSCHAU DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT MITTE JUNI 2019

STANDORTPORTRÄT BERN OST DIE HIGHLIGHTS IN DER NÄCHSTEN AUSGABE: OHA MESSE THUN, HINTERGRUNDGESCHICHTEN UND DOSSIERS AUS DER WIRTSCHAFT, STANDORT­PORTRÄT BERN OST, UND VIELE SPANNENDE INTERVIEWS MIT FÜHRUNGSLEUTEN

Herausgeber rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110 CH-4132 Muttenz / Basel Telefon +41 (0) 61 335 60 80 Fax +41 (0) 61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch Verleger Francesco J. Ciringione Verlagsleitung Hasan Dursun Mitglied der Geschäftsleitung Hasan Dursun Boris Jaeggi Projektleitung Franco D'Elia f.delia@rundschaumedien.ch

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Beat Hürlimann, JoW, Guo Pei, PEXEL, Shutterstock, Toyota, Tertianum Management AG. Bei allen übrigen Bildern liegen die Bild­rechte bei den jeweiligen Inserenten. Jahresabo Vier Ausgaben CHF 19.– Einzelpreis CHF 6.– info@rundschaumedien.ch ISSN 2624-6457 Wiedergabe von Artikeln und Bildern auszugsweise oder in Ausschnitten erfolgt nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt.


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Geschäftsführer Bern 01/2019  

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