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AUSGABE 02 / 2018

DER NEUE PLAN

DIE DIMENSIONEN DER GRUNER GRUPPE

AUS- & WEITERBILDUNG | TREND MICROLIVING | BAUSTOFF LEHM | UMWELT & GEOTECHNIK


Angebot gültig bei Neuabschluss eines Plus Swiss, Plus Europe oder Plus World Abos für 24 Monate. Keine Teil- oder Barauszahlung. Der Rabatt wird als Rechnungsgutschrift gewährt. Aktivierungskosten inkl. SIM-Karte: 49.-

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LIEBE LESERIN, LIEBER LESER,

FEDERFÜHREND IM FASSADENBAU

Die Baubranche trägt mit über sechs Prozent zum BIP der Schweiz bei. 327’000 Mitarbeitende und 25’000 Lernende in über 50 Berufen leisten ihren Beitrag zur gebauten Schweiz. Dabei hat die Baubranche bislang ein etwas staubiges Image. Natürlich errichten die Verantwortlichen sichere Brücken, schnelle Bahntrassees, dichte Staumauern oder gut gedämmte Gebäude. Aber der Beruf Bauingenieur steht bei Studentinnen und Studenten nicht gerade ganz oben auf der Wunschagenda der coolen Berufe nach einem Studium oder einer Ausbildung. Durch die Digitalisierung und den Fachkräftemangel wacht man aber in den Teppichetagen und HR-Abteilungen der Bauunternehmen auf. Man wartet nicht auf die Bewerbungen von möglichen Anfängern oder Quereinsteigern, sondern wird selbst aktiv. Im Rahmen von Workshops oder HR-Messen werfen die Unternehmensverantwortlichen sehnsüchtige Blicke auf die Masterabsolventen. Ein ähnliches Bild ergibt sich auch an der Schnittstelle von Architektur und Technik. BIM (Building Information Modeling) ist ein intelligenter, auf einem 3D-Modell basierender Prozess, der Architekten, Ingenieuren und Bauunternehmern Informationen und Werkzeuge für effiziente Planung, Entwurf, Konstruktion und Verwaltung von Gebäuden und Infrastruktur bereitstellt. Noch haben die Lösungen einige Kinderkrankheiten, und es fehlen oft auch passende Schnittstellen. Aber das dürfte in den nächsten Jahren Geschichte sein. Auch die wissenschaftliche Community hat sich darauf eingestellt. So bietet die Hochschule Luzern – Technik & Architektur Architektinnen, Innenarchitekten, Bauingenieurinnen und Gebäudetechnikingenieuren aktuelle Weiterbildungsmöglichkeiten an. In der vorliegenden Ausgabe haben wir dem Lobbyverband bausinn.ch Platz eingeräumt. Er setzt sich für mehr Wertschätzung für die Schweizer Baubranche und für den Berufsstolz der Baufachkräfte ein. Auf den folgenden Seiten und in unserem Themenschwerpunkt zum Thema Aus- und Weiterbildung wird diese Wertschätzung anhand von konkreten Beispielen belegt.

Was hinter dieser Fassade steckt. Wir sind Ihr Spezialist für technische Federn in allen Bereichen der Bauwirtschaft. Unser hoher Automationsgrad erlaubt die Fertigung einfacher wie auch komplexer Federn und Drahtbiegeteilen. Kostengünstig und genau.

Georg Lutz

Chefredaktor bauRUNDSCHAU g.lutz@rundschaumedien.ch www.baurundschau.ch

Individuell und schnell. Thür + Co. AG Riedwiesenstrasse 16-18 Industrie Aegert CH-8305 Dietlikon Tel. 044 807 44 11 Fax 044 807 44 00 info@thuer-co.ch www.thuer-co.ch


INHALT

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INTERDISZIPLINÄR DENKEN Der technologische Wandel bringt neue Herausforderungen – oft betrachtet das Baugewerbe Gebäude, Baustellen und Verkehrswege noch zu vereinzelt. Um den neuen Anforderungen der Kunden gerecht zu werden, müssen sich die verschiedenen Disziplinen jedoch untereinander vernetzen. Die Gruner Gruppe bietet deswegen ein umfassendes Portfolio mit Tätigkeitsfeldern wie Infrastruktur, Brandschutz und Generalplanung aus einer Hand. Dazu führten wir mit dem CEO, Flavio Casanova, ein Interview.

ÄSTHETISCHE SOLARANLAGEN Bei Solaranlagen kommen einem oftmals optisch lieblose Panels in den Sinn. Heute gibt es weitaus attraktivere Lösungen, und Energieerzeugung und Ästhetik lassen sich kompromisslos kombinieren. Dabei müssen es nicht immer die gewohnten blauen Paneele sein, auch eine Integration in die Fassade ist möglich. Der Beitrag stellt die Gewinner des letzten Solarpreises vor: Ein- und Mehrfamilienhäuser, ein Bürogebäude und ein Fussballstadion.

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ANALOG ODER DIGITAL? Die digitale Transformation ist auch im Bereich Aus- und Weiterbildung ein immer zentraleres Thema. Nicht nur was das Wissen über den Umgang mit digitalen Daten und Geräten angeht, sondern auch die Lehrmethoden werden zunehmend digitaler. Digital Immigrants schrecken vor diesem Thema oft zurück. Dabei ist digital nicht gleich besser: Wer analog etwas nicht versteht, kann es digital kaum umsetzen. Der Beitrag ermuntert zu einer pragmatischen Sichtweise der Digitalisierung, um am Puls der Zeit zu bleiben.

DIE DRAUSSEN-SAISON KOMMT Jedes Jahr im Frühling ist es wieder Zeit, an die Garten­ planung und -gestaltung zu denken. Die Leitmesse Giardina gab im März erste Impulse und feierte zugleich mit der 20. Ausgabe einen runden Geburtstag. Anlass für einen Blick zurück, wie sich die Gartengestaltung in den letzten Jahren gewandelt hat. Aber auch Zeit für einen Blick nach vorne: Wir waren vor Ort und zeigen die zentralen Trends und Lösungen für diese Gartensaison.

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Grenzenlos von innen. Chancenlos von aussen.

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INHALT

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WOHNEN DER ZUKUNFT Was das Thema Wohnen betrifft, zeichnen sich aktuell zwei Trends ab: Die Gesellschaft individualisiert sich immer weiter. Gleichzeitig nimmt der Verdichtungsdruck in den Städten zu. Dazu publizierte das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) eine Studie unter dem Titel «Microliving – Urbanes Wohnen im 21. Jahrhundert» und analysiert Konzepte wie Micoliving und die Zunahme von Single-Haushalten. Basierend auf dieser Studie beschäftigt sich der Beitrag mit den zentralen Thesen zur Zukunft des Wohnens.

DEN BAUGRUND VERSTEHEN

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Wer anspruchsvolle Infrastrukturprojekte plant, braucht oftmals fundierte Kenntnisse über den Untergrund: Ist der Baugrund mit Schadstoffen belastet? Wie sieht die Geologie aus? Aber auch Umweltthemen wie Natur­gefahren und Grundwasserqualität werden immer wichtiger. Hier kommen Unternehmen wie Geotest ins Spiel. Im Interview erklärt ­Frank Bussmann, Geschäftsführer der Filiale in Basel, wie das Unternehmen mit erfahrenen Geologen, Ingenieuren, Geophysikern und Umweltfachleuten beratend zur Seite steht.

WIR SIND VOR ORT

RUBRIKEN Editorial1 Highlight6 Bauen12 Aus- und Weiterbildung  40 Garten  68 Innenarchitektur  82 Architektur104 Umwelt & Technik 114 Business Portrait 116 Kolumnen 24, 31, 46, 66 Kommentare 36, 38 bauRUNDSCHAU empfiehlt 134 Impressum136

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Unter anderem sind wir in den nächsten Monaten an folgenden Messen und Veranstaltungen vor Ort. Gerne können Sie im Vorfeld mit uns Termine vereinbaren. Auf Wunsch schauen wir in Ihrem Unternehmen auch persönlich vorbei. Bauen & Modernisieren, www.bauen-modernisieren.ch OLMA, www.olma-messen.ch Bau + Energie, www.bau-energie.ch

IM WEB Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1 000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.baurundschau.ch


AUS DEM HERZEN DER SCHWEIZER ALPEN Im wunderschönen Simmental ist das Schreinerhandwerk noch ein traditionelles Handwerk. Der Stolz auf unsere Arbeit zeigt sich in jeder von uns individuell angefertigten Küche. Die raue Landschaft, die majestätischen Berge und die unberührte Natur inspirieren dabei unsere Arbeit. Ob Penthouse-Besitzer oder Chalet-Liebhaber, sie alle teilen die Leidenschaft mit uns, die uns dazu motiviert, die exklusiven Küchenträume unserer Kunden wahr werden zu lassen. Die Zbären Küchen werden dabei mit hochwertigsten Materialien in feinster Handarbeit und mit hochmodernen Maschinen gefertigt. Von der kleinen Manufaktur im Herzen der Schweizer Alpen liefern wir die massgefertigten Küchen in die ganze Welt.

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HIGHLIGHT

Der Praxistest für eine richtige Planung erfolgt im Baualltag.

DER PLAN PASST DIE HERAUSFORDERUNGEN PROAKTIV AUFNEHMEN Interview mit Flavio Casanova von Georg Lutz

Immer noch prägen Bilder von einzelnen Gebäuden, Baustellen oder Verkehrswegen die Baubranche. Doch solche Bilder lenken von der eigentlichen Herausforderung, die sich im technologischen Wandel manifestiert, ab. Es geht darum, möglichst optimale Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen wohnen, reisen, ihre Energie beziehen und kommunizieren. Das Planungs- und Ingenieursunternehmen Gruner will hier seinen Teil dazu beitragen, die Philosophie zu verändern. Wir führten mit dem CEO der Gruner Gruppe, Flavio Casanova, ein Interview. Seite 6 // bauRUNDSCHAU


HIGHLIGHT

sein Projekt benötigt und wie man es vor Ort passend umsetzt. Das ist auch für mich spannend: Es macht Spass, mich mit unterschiedlichen Fachplanern über unterschiedliche Projekte auszutauschen. Was hält diese Themen zusammen, sprich, welche Unternehmensphilosophie steht dahinter? Zuerst einmal: Wir legen bei allem, was wir tun, Wert auf fachliche und menschliche Kompetenzen, langfristige Kundenbeziehungen und persönlichen Kontakt. Mit unserem umfassenden Dienstleistungsangebot können wir die Herausforderungen mit vollem Überblick zuerst einmal aus unserem Haus heraus bearbeiten … … Lassen Sie uns das an einem Beispiel verdeutlichen. Gerne. Nehmen wir an, wir haben bei einem Projekt ein Fachplanermandat für die Statik. Nach einigen Wochen merken wir, dass es beim Thema Brandschutz Handlungsbedarf gibt. Das können wir mit unseren Brandschutz-Spezialisten bearbeiten. So muss der Kunde sich nicht mühsam nach einem weiteren Anbieter umschauen und erfährt dadurch keinen Zeitverlust.

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ie Kernkompetenzen Ihres Hauses umfassen acht Tätigkeitsfelder. Das reicht vom Thema Infrastruktur über das Thema Brandschutz und Energie bis zum Thema Generalplanung. Mit jedem dieser einzelnen Themen wäre ein Unternehmen schon gut bedient. Verlieren Sie nicht manchmal den Überblick? Nein, die Vielfalt hat System. Wir wollen den Kunden umfassend betreuen. Und wenn man die Kundenbedürfnisse ernst nimmt, dann braucht es ein solch umfassendes Portfolio. Im Mittelpunkt steht immer die Frage, welche Leistungen der Kunde für

Dafür brauchen Sie erstens Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die auf der Höhe der Zeit vielfältige Qualifikationen anbieten, und wenn es dann wirklich sehr spezifisch wird, doch auch Partner, die Sie ansprechen können. Wie gewährleisten Sie dies auf der konkreten Projektebene? Nehmen wir nur das Beispiel der Strömungstechnik, die beim Thema Brandschutz wichtig ist. Auch die Strömungstechnik haben wir bei uns an Bord. Es gibt aber Bereiche, wo wir mit auf das Projekt abgestimmten externen Partnern arbeiten, auch bei Ausschreibungen. Es gilt hier – wie bei jedem Projekt –, eine gute Führung und Kommunikation sicherzustellen. Genau diese Fähigkeit versuchen wir, unabhängig von der konkreten Konstellation immer weiterzuentwickeln: Unsere Gesamtprojektleiter müssen ein interdisziplinäres Generalistenwissen haben, gepaart mit einer grossen Leadership-Kompetenz, um komplexe Projekte optimal führen zu können. Das hört sich anspruchsvoll an. Welche Werkzeuge stehen bei der Planung zur Verfügung? Um dies zu verdeutlichen, können wir vielleicht einen Blick in die Situation von vor 15 Jahren werfen.

UNTERNEHMENSPORTRAIT Die Gruner Gruppe verfügt als Ingenieurund Planungsunternehmen über ein umfassendes Dienstleistungsangebot für private und öffentliche Bauherren. In den Bereichen Generalplanung, Gebäudetechnik, Infrastruktur, Kon­ struktion, Energie, Brandschutz, Umwelt und Sicherheit berät und unterstützt sie ihre Kunden von der strategischen Planung bis zur Inbetriebnahme von Gebäuden und Infrastruktur. Mit rund 1 000 hoch qualifizierten Mitarbeitenden an über 30 Standorten steht sie für höchste Zuverlässigkeit, Fachkompetenz und Kundenorientierung. Bei Ingenieurmethoden und der Anwendung digitaler Verfahren setzt die Gruner Gruppe Massstäbe und entwickelt sich gemeinsam mit ihren Kunden stetig weiter. Ihre Erfahrung und Kompetenz setzen die Firmen der Gruner Gruppe jeden Tag bei grossen und kleinen Projekten in der Schweiz und international ein. Mit einem neuen Kommunikations-Auftritt macht die Gruner Gruppe dabei ihren (oftmals verborgenen) Beitrag für eine lebenswerte bebaute Umwelt sichtbar. Im Zentrum stehen die Menschen, welche auf den von Gruner geplanten Verkehrswegen unterwegs sind oder in den von Gruner geplanten Gebäuden leben und arbeiten. «Mit Gruner geht der Plan auf», ist die Botschaft. Der neue Auftritt wird ab sofort on- und offline umgesetzt.

Schon damals arbeiteten wir mit CADTools, das waren noch 2-D-Lösungen und nicht wie heute 3-D-Lösungen. Was sich stark verändert hat, sind die Komplexität, die Kommunikation und die spezifischen Tools. Es braucht heute mehr Kommunikations- und Projektmanagementfähigkeiten. Die Projekte sind von der Materialisierung her wesentlich komplexer geworden. Denken Sie nur an die Gebäudetechnik und was hier heute im Bereich Automation und Steuerung alles möglich ist. Das ist jetzt notwendigerweise etwas kursorisch … … Was sich massiv verändert hat, sind die Prozesse, die von der digitalen Transformation betroffen sind. Sie können heute via Collaboration-Tools, mit Sharepoint oder vergleichbaren anderen Lösungen 

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© Manfred Richter

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die Teammitglieder digital sehr viel mehr einbinden. Das betrifft beispielsweise die Führungstechnik. Das erleichtert teilweise die Arbeit, ist aber zum Teil auch eine Belastung. Warum? Die Informationsflut ist kaum zu bändigen. Aber wir haben doch jetzt Werkzeuge zur Verfügung, die genau hier eine Hilfeleistung anbieten? Aber dagegen stehen die erhöhte Komplexität und das immer grössere Kommunikationsvolumen. Man kommuniziert heute oft per Mail und tauscht vielfältige Informationen aus – früher hat man kurz telefoniert. So ist heute die Informationsflut kaum mehr zu bewältigen. Und auch hier ist unser breites Portfolio ein Vorteil. Intern kann man solche Prozesse viel besser steuern, als wenn man zwischen unterschiedlichen Unternehmen und Unternehmenskulturen hin und her wechseln muss. Wie spiegeln sich solche Prozesse zwischen den Hierarchiestufen und in der Organisation wider? In der Gruppe gibt es eine klare Struktur. Wir sind in Firmen organisiert. Unsere wichtigste Einheit ist aber das Projekt. Aktuell bearbeiten wir über 3 500 Projekte. Dabei gibt es viele kleinere und mittlere Projekte und wenige Grossprojekte. Bei grossen Projekten gibt es in der Regel eine interne Projektallianz. Das ist dann eine «Firma innerhalb der Firma». Es geht dabei um den Erfolg des Projekts und nicht um den Erfolg der einzelnen beteiligten Firmen. Das ist eine Balance, um die wir immer wieder kämpfen …

Der Ausbau der Glatttalbahn verbindet unterschiedliche urbane Sektoren.

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Lassen Sie uns ein Projekt, an dem Sie beteiligt sind, konkreter beleuchten. Es geht um das Bahninfrastrukturprojekt Verlängerung der Glatttalbahn im Raum Zürich. Wie ist hier der Ablauf? Vermutlich stehen am Anfang von staatlicher Seite Vorgaben und ein Entwurf und dann muss oft die Bevölkerung via Abstimmung noch einbezogen werden. Springen wir in die Praxis. Was steht am Anfang? Am Anfang jedes Projektes steht eine Bedarfsanalyse. Im konkreten Fall der Glatttalbahn ist das die Aufgabe der staatlichen Institutionen. Es können aber auch schon externe Verkehrsplaner wie diejenigen von Gruner involviert sein. Man stellt fest, dass es diese Tramstrecke braucht, und es wird in der Regel ein


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Neue Werkzeuge ermöglichen bessere Blicke und effizienteres Arbeiten.

Planungskredit realisiert. Der nächste Schritt ist die Erstellung eines Infrastrukturkonzessionsgesuches, also eines Vorprojektes. Dieses wird bereits extern vom Planungsbüro realisiert und von der Bauherrschaft begleitet. Nach weiteren Planungsschritten folgen diverse Planauflageverfahren sowie Volksabstimmungen, falls der Baukredit noch nicht gesprochen ist. Die Auflageverfahren sehen auch für diverse Anspruchsgruppen Einsprachemöglichkeiten vor. Um was für Themen geht es dabei? Sehr oft sind es Landerwerbsfragen, verkehrstechnische Fragen sowie ökologische Fragestellungen. Auch hier bieten wir mit unseren Umweltleuten vielfältige Unterstützung für die Bauherren an. Bezüglich der Planungsleistungen kann es sein, dass sich das Mandat über alle Planungsphasen erstreckt oder es nach einer spezifischen Phase, zum Beispiel vor Baubeginn, eine weitere Planerausschreibung gibt. Im Fall der Glatttalbahn, Strecke Flughafen bis Kloten, gab es eine Ausschreibung über alle Phasen, und wir haben im Rahmen der Ingenieurs­ausschreibung gemeinsam mit Partnern eines von drei Losen erhalten.

Da gibt es eine Arbeitsgemeinschaft? Genau. Wir haben uns aufgeteilt. Unsere Partner planen die Brücken oder kümmern sich um die Verkehrsplanung, und wir planen das Tramtrassee sowie die Haltestellen. Es gilt aber für alle Arbeiten das Vier-AugenPrinzip. Gegenüber dem Auftraggeber sind alle Partner für sämtliche Planungen verantwortlich. Mitgegangen – mitgehangen! Bei solch einem Projekt braucht es zunächst technische Kenntnisse, beispielsweise bei dem Thema Gleistechnik, und planerische Kenntnisse. Von welchem Zeitrahmen sprechen wir hier? Ein Vorprojekt bis zum Konzessionsverfahren dauert mindestens ein Jahr. Es gibt Mitwirkungs- und Einspruchsprozesse, man muss Öffentlichkeitsarbeit organisieren.

«In der Gruppe gibt es eine klare Struktur.»

Auch die verschiedenen Behörden wollen gezielt eingebunden werden. Dieses Projekt erstreckt sich über mehrere Gemeinden. Da gilt es, einige Interessengruppen zu begrüssen. Da wird beispielsweise intensiv über die Anordnung von Haltestellen diskutiert. Das ist die Realität des Schweizer Konsensfindungsmodells. In China würde es schneller gehen? Ja. Aber nur so erreicht man bei uns die breite Akzeptanz für ein solches Projekt. Es ist die Kunst unserer Projektleiter, zusammen mit der Bauherrschaft hier klare Voraussetzungen zu schaffen, damit der Bundesrat und später das Bundesamt für Verkehr (BAV) die Genehmigungen erteilen können. Das Bauprojekt wird weitere zwei Jahre dauern, sodass unter Berücksichtigung aller Prozesse erst 2023 mit dem Bau begonnen werden kann. Die ersten Trams werden 2026 fahren. Eine weitere Hürde sind sicher die Finanzen. Bei Infrastrukturmassnahmen mit einer gewissen Dimension ist das offensichtlich. Oft gibt es den politischen Willen, das Projekt zu realisieren. Daher werden die Kosten bewusst 

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HIGHLIGHT

Die Suche nach Fachkräften führt zu intensiven Kontakten, schon mit Studentinnen und Studenten – hier an der ETH Zürich.

nach unten gedrückt. In der Praxis stellt sich dann heraus, dass diese Pläne Makulatur sind. Das extremste Beispiel, welches mir gerade im Infrastrukturbereich im Sektor Bahn einfällt, ist die Planung des neuen Bahnhofs in Stuttgart (Stuttgart 21). Warum erleben wir zum Glück solche Katastrophenplanungen in der Schweiz nicht? Wir machen Kostenvorschläge auf der Stufe Bauprojekt. Die Gruner Gruppe hat Unternehmerpreise in ihren Datenbanken. Meine Mitarbeitenden kennen in der Regel die Marktpreise. Ein Kostenvoranschlag fällt oder steht mit der Genauigkeit der Angaben des Planers. Wo der Genauigkeitsgrad nicht exakt bestimmt werden kann, deklarieren wir dies auch. Sie stellen dann Puffer auf? Ja, aber auch diese sind deklariert. Der Spielraum hängt sicher auch von der Grösse und dem Zeitrahmen ab. Ein Hochhaus mit einer Planungs- und Bauzeit von maximal drei Jahren haben wir als Profis finanztechnisch im Griff. Bei Megaprojekten wie dem Gotthard-Basis-Tunnel mit 20 Jahren Planungshorizont sieht es etwas anders aus, da verändern sich schon von

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der juristischen, sprich gesetzlichen, Seite während der Planungsphase viele Vorgaben. Nehmen Sie nur das Thema Sicherheit. Da verändert sich die Gesetzeslage in mehreren Dekaden massiv. Aus diesen Gründen kann es zu Kostensteigerungen kommen, die man 20 Jahre vorher nicht auf dem Radarschirm haben kann. Und es kommen keine Politikerinnen oder Politiker, die ein Prestigeprojekt mit niedrigen Kosten realisieren wollen? Doch, auch in der Schweiz gibt es das. Aber wir dürfen und wollen uns nicht instrumentalisieren lassen. Es ist wichtig, bei seinen Kalkulationen zu bleiben , auch wenn es Kostendruck gibt. Ein Leitsatz Ihres Hauses lautet: «Regional verankert und global vernetzt», was kann man darunter verstehen? In der Schweiz heisst dies, dass wir vor Ort bei dem Kunden sein wollen. Unsere föderalistische Ausrichtung zwingt uns auch fast dazu. Global verfügen wir über ein gut funktionierendes Netzwerk im Ingenieurbau, vor allem in der Wasserkraftnutzung und dem Staudammbau. Da braucht es Kooperationspartner und

Experten vor Ort. Beispiel Tadschikistan: Da haben wir von einer italienischen Firma das Mandat erhalten, einen Staudamm zu planen, der zum Teil von Entwicklungsbanken finanziert wird. Sie haben jetzt eine eigene digitale Abteilung gegründet. Ist dies als eine Querschnittsaufgabe organisiert oder gibt es eine eigene Abteilung? Beides. Wir haben eine digitale Strategie verabschiedet und dann einen Geschäftsbereich «Digitale Entwicklung» etabliert. Der Geschäftsbereich treibt Themen wie BIM weiter voran. Für die digitale Transformation in unserem eigenen Hause investieren wir beachtliche finanzielle Mittel in zweistelliger Millionenhöhe. Da geht es auch viel um Schulungen. Daneben hat jeder Kompetenzbereich wie die Gebäudetechnik eigene Verantwortliche, die für die digitale Entwicklung zuständig sind und auf ihre Sparte herunterbrechen, anhand konkreter Pilotprojekte. Wo wird sich BIM durchsetzen? BIM ist dann interessant, wenn es um interdisziplinäre und grössere Projekte geht. Zudem sollten die Ergebnisse und


Daten umstandslos in die Projekte «fliessen». Da gibt es heute noch Schnittstellen­ probleme, gerade im Kostenmanagement. Aber in zwei Jahren sprechen wir nicht mehr davon … Welche Ziele haben Sie sich in den nächsten Jahren im Schweizer Markt gesetzt? Der Umsatz der Gruner Gruppe ist 2017 leicht gestiegen, bei etwa gleichbleibender Anzahl Mitarbeitender. Die grosse Herausforderung ist der Fachkräftemangel. Aktuell haben wir rund 90 Stellen offen. Wir wollen aber vor allem qualitativ wachsen und nicht zu jedem Preis. In den Bauhauptmärkten der Schweiz spielen wir eine wichtige Rolle und wollen dies weiterhin tun. Aber wir wollen auch neue Produkte, zum Beispiel im Bereich «Internet der Dinge», lancieren. Bei alledem planen wir für Menschen, nicht nur für Kunden, und wollen wie seit über 150 Jahren zu einer lebenswerten Zukunft beitragen. Das sagen wir ganz einfach so: Mit uns geht der Plan auf!

Flavio Casanova ist diplomierter Bauingenieur ETH. Er hat den Vorsitz der Gruner Gruppe inne.

Gruner Gruppe | Gellertstrasse 55 | CH-4020 Basel | Tel. +41 (0) 61 317 61 61 | www.gruner.ch

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SPANNENDES UNTER DER SONNE DIE SOLARENERGIE GEHT IHREN WEG von Georg Lutz

Ein gutes Jahr nach dem Ja zur Energiestrategie 2050 ist es um das Thema Solarenergie medial etwas ruhiger geworden. Das ist aber ein falsches Bild. Die Gesetzesänderungen zu Jahresbeginn haben die Rahmenbedingungen für die Photovoltaik positiv verändert. Die nun möglichen «Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch» über Grundstücksgrenzen hinweg eröffnen neue Märkte. Es geht jetzt nicht mehr nur um einzelne Gebäude, sondern ganze Quartiere. Die Potenziale sind da. Die Photovoltaik ist weiter auf dem Weg, sich zu einer tragenden Säule der Schweizer Energieversorgung zu entwickeln. Allerdings sind auch die bremsenden Akteure nicht zu übersehen. Wir stellen auf den folgenden Seiten insbesondere einige ästhetisch hochwertige Beispiele vor.


Stimmen in diesen schönen Innenräumen alle Parameter?

PLANUNGSFEHLER UND BAUMÄNGEL HÄUFIGKEIT UND BEDEUTUNG BEI MINERGIE von Professor Urs-Peter Menti und Andreas Meyer Primavesi

Oft loben die Vertreterinnen und Vertreter von Verbänden oder auch Unternehmen ihre Produkte und Dienstleistungen über den grünen Klee. Defizite ergeben sich erst nach einem kritischen Nachfragen. Nicht so bei Minergie. Hier werden die Bereiche, bei denen es noch Luft nach oben gibt, offen kommuniziert.

© Minergie Schweiz

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BAUEN

Am 9. Januar 2018 wurde in Rheinklingen die erste Auszeichnung für MQS Bau vergeben.

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inergie ist ein Qualitätsversprechen. Und wehe, es wird nicht eingehalten. Ein Bauherr, der ein Minergie-Haus baut oder dann sogar darin wohnt und arbeitet, hat hohe Ansprüche an Minergie. Meist zu Recht: Minergie steht für hohen Werterhalt, Komfort und Effizienz und hält dieses Versprechen mehrheitlich ein, das zeigen diverse Studien. Aber wehe, im Einzelfall ist es im Minergie-Haus zu warm, zu kalt, zu trocken, zu stickig oder zu laut. Täglich kümmern sich die rund 100 für Minergie tätigen Fachleute in den Zertifizierungsstellen und den Geschäftsstellen um Anliegen von Bauherren, Planern und Nutzern. Ideal wäre natürlich, wenn sich niemand mehr über Minergie beklagen müsste,


Garagentore und Haustüren

wenn statt 91 Prozent der Bauherren, die laut dem Bundesamt für Energie wieder nach Minergie bauen würden, 100 Prozent so denken würden.

DREIKLANG DER HERAUSFORDERUNGEN Womit sich die Frage stellt: Wie erreichen wir das? Es bestehen zahlreiche Möglichkeiten. Es geht erstens um eine umfassendere Prüfung und Begleitung der Projekte in Planung, Bau und Inbetriebsetzung. Zweitens steht eine bessere Instruktion der Nutzenden auf der Agenda, damit die Minergie-Häuser optimal betrieben werden. Und drittens sind eine Intensivierung der Weiterbildung, die Qualifizierung der Beteiligten und umfassendere Dokumentationen oder bessere Planungstools zentrale Bausteine.

Garagen- und Hoftor-Antriebe

Um der Sache auf den Grund zu gehen, liess der Verein Minergie im Februar 2018 durch die Hochschule Luzern (HSLU) eine Umfrage bei den 20 Minergie-Zertifizierungsstellen durchführen. Die HSLU befragte insgesamt 40 Prüfpersonen, welche zusammen in den letzten drei Jahren über 10’000 Minergie-Objekte zertifiziert haben, wo bei Minergie Fehler und Mängel entstehen. Und wie man sie vermeiden könnte. Die Aussagen basieren auf den Erkenntnissen der MinergieZertifizierungsstellen in der Planprüfung, der Prüfung zum Zeitpunkt der Inbetriebsetzung und Baustellenkontrollen. Es handelt sich dabei um eine nicht repräsentative Umfrage. Vielmehr stand stattdessen eine Zusammenstellung von subjektiven Eindrücken betreffend Planungsfehler und Baumängel im Bereich Minergie im Vordergrund. Der fachliche Hintergrund der beteiligten Personen setzt sich zusammen aus: Architektur (25 Prozent), Bauphysik (25 Prozent), Gebäudetechnik (25 Prozent), Bautechnik (fünf Prozent), Umwelt (fünf Prozent), andere (15 Prozent).

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RICHTIGE DEBATTE FÜHREN Die Ergebnisse wurden erstmals im Rahmen des IGE-Planerseminars des Instituts für Gebäudetechnik und Energie vom 21. März 2018 unter dem Titel «Planungsfehler und Baumängel: Häufigkeit und Wichtigkeit bei Minergie» präsentiert und stiessen in der Branche auf einiges Interesse. Es wird derzeit rege debattiert, wie man die Qualität im Bau steigern könnte, ob der Performance Gap existiert und wer schuld daran ist. Aber noch wird eher generell debattiert: (zu) wenig über die konkreten Gründe der Fehler und Mängel und kaum über mögliche Massnahmen. Es ist wohl die Verpflichtung für einen Verein wie Minergie, den grossen Daten- und Erfahrungsschatz zugänglich zu machen und offen über Fehler, aber auch mögliche Anstrengungen zur Verbesserung der Situation zu berichten. Die Ergebnisse der Studie decken sich zu grossen Teilen mit den vorgängig aufgestellten Hypothesen, aber nicht überall! Was zu erwarten war: Fehler und Mängel passieren in allen Phasen. Es gibt keine belastbaren Aussagen, dass beispielsweise vor allem Planungsfehler und kaum Ausführungsfehler zu beklagen sind – oder umgekehrt. Mängel haben ihre Ursache gleichermassen in Planung, Bau und Betrieb. Etwas überraschend vielleicht entspricht es nicht der Erfahrung der Prüfstellen, dass Fehler meist im Bereich der Gebäude­technik anzutreffen sind. Etwa gleich häufig werden Fehler an der Gebäudehülle festgestellt.

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BAUEN

kaum Abnahmen von Gebäuden mit Antrags-Einreichung ab Januar 2017). Es ist offen, inwieweit die Erfahrungen von Minergie sich mit konventionellen Projekten decken, aber die Vermutung liegt nahe, dass dem so ist.

HANDLUNGSFELDER Was ist nun zu tun? Minergie hat sich einerseits zum Ziel gesetzt, die Qualitätssicherung in Ausführung und Betriebsphase zu verbessern und dafür in einem langjährigen Prozess die beiden Zusatzprodukte MQS Bau und MQS Betrieb entwickelt. Bauherren und Planer, welche diese QSSysteme anwenden, können mit grosser Wahrscheinlichkeit viele der genannten Probleme umgehen.

Einfach und hochwertig modernisieren – das ist das Ziel der neuen Minergie-Systemerneuerung.

Bei der Lüftung, einem Schwerpunktthema bei Minergie, finden sich die Mängel am meisten im Bereich der Aussenluftfassung. In erstaunlich vielen Fällen ist diese schlecht platziert, mit negativen Auswirkungen auf den Komfort, die Energie­ effizienz und teilweise die Gesundheit (Radon). Erfreulich ist, dass die Qualität der Minergie-­Anträge über die Jahre zugenommen hat: Eine Mehrheit der Planenden ist inzwischen fähig, weitestgehend vollständige und hochwertige Dossiers einzureichen. Die Neuerungen bei Minergie mit zusätzlichen Anforderungen auf Anfang 2017 haben diesbezüglich einen vermutlich temporären Rückschritt bewirkt.

POTENZIAL NACH OBEN Die Erfahrungen der Zertifizierungsstellen bei den Stichprobenkontrollen auf der Baustelle oder nach der Inbetriebnahme sind uneinheitlich: Etwa ein Drittel der Befragten antwortet, dass sie «meistens bis immer» etwas zu beanstanden haben», über ein Drittel «bei den wenigsten bis nie». Zu bedenken gilt, dass es den idealen Zeitpunkt für diese Kontrollen nicht gibt: Bezüglich Gebäudehülle müssen die Begehungen während des Baus stattfinden, denn nach der Inbetriebnahme sind Aussagen zu Dämmwerten, Wärmebrücken oder Luftdichtheit kaum mehr möglich (Letzteres ist bei Minergie P und Minergie A dank Blower-Door jedoch immer möglich).

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Die Gebäudetechnik sollte aber am besten nach der Inbetriebnahme beurteilt werden, ansonsten der korrekte Betrieb der Lüftung, die Einstellung der Heizung oder die Funktionalität der PV-Anlagen und automatisierter Sonnenschutzsysteme nicht beurteilt werden kann. Da zwei Begehungen mit den sehr knapp bemessenen Gebühren bei Minergie nicht möglich sind, wird fallweise ein anderer Zeitpunkt gewählt. Wenig überraschend sind sich die Prüfer einig, dass bei der Instruktion der Nutzer noch viel Potenzial besteht. In Einfamilienhäusern sind die Nutzer oft gut informiert – da oft identisch mit dem Bauherrn; in Mehrfamilienhäusern und anderen Kategorien ist dies weniger der Fall. Die Hauswarte / Betreiber geniessen im besten Fall eine Einführung, aber bei den Mietern und Arbeitnehmern ist oft zu beobachten, dass sie nicht instruiert wurden, wie beispielsweise die Lüftung oder der sommerliche Wärmeschutz korrekt zu betreiben ist. Ebenfalls ziemlich einheitlich ist die Meinung, dass im Rahmen der Inbetriebsetzung der Gebäudetechnik noch Verbesserungen nötig sind. Zu oft wird die Heizung mit Standardeinstellungen übergeben oder die Lüftung nicht richtig einreguliert. Zu bemerken ist, dass bei Minergie seit Anfang 2017 erhöhte Anforderungen an die Inbetriebnahme gelten, die sich noch nicht auf die Ergebnisse dieser Umfrage auswirken konnten (noch

Parallel dazu wurde und wird die Qualitätssicherung im Rahmen der MinergieStandards laufend intensiviert. Die Schwerpunktsetzung in der Prüfung wird in Richtung Lüftung, Heizung, sommerlicher Wärmeschutz und Luftdichtheit verlegt. Wie erwähnt wurden die Anforderungen an die Inbetriebsetzung bereits stark erhöht und eine Verdoppelung der Ausführungskontrollen auf 20 Prozent vorgenommen. Parallel dazu ist Minergie im engen und regelmässigen Austausch mit Bauherren, Planenden, Ausführenden und Hochschulen, um weitere Erkenntnisse zu sammeln. Minergie sieht es zudem als langfristige Aufgabe, mittels Weiterbildungsangeboten, Fachartikeln, Broschüren und Referaten die Erkenntnisse mit der Branche zu teilen, das Wissen und die Erfahrung zu gutem Bauen zu erhöhen und alle am Bau Beteiligten fürs Thema zu sensibilisieren. Damit auch die letzten zehn Prozent unserer Kunden finden: Minergie ist einfach gut!

URS-PETER MENTI ist hauptamtlicher Dozent für Gebäudetechnik und leitet das Zentrum für Integrale Gebäudetechnik (ZIG) an der Hochschule Luzern.

ANDREAS MEYER PRIMAVESI ist Geschäftsführer von Minergie Schweiz. www.minergie.ch


MANCHE DINGE LASSEN SICH NICHT PLANEN. IHRE KARRIERE SCHON. Im Arbeitsalltag kann vieles schiefgehen. Das trifft besonders auf die komplexe Welt des Bauens zu, mit ihren vielen Abhängigkeiten und Überraschungen. Gut, wenn ein Unternehmen da ist, das einem den Rücken stärkt. Gut, dass kollegialer Rat da nicht teuer ist. Und gut, wenn ein Unternehmen die Mitarbeitenden auf die grossen und kleinen Herausforderungen vorbereitet.

Gruner – Und der Plan geht auf.

gruner.ch


BAUEN

INS NETZ GEGANGEN PLANEN, NETZE UND SICHERHEITSAUSRÜSTUNG AUS EINER HAND Interview mit Thomas Feier von Manuela Olgiati

Ein ganzes Lager für hochwertige Kunststoffnetze, Planen und technische Textilien in allen möglichen Ausführungen und Qualitäten steht bereit. Für die Wahl des Materials ist kompetente Beratung nötig. Im Interview spricht Netze- und Planen-Profi Thomas Feier, Inhaber und Geschäftsführer der Loyal Trade GmbH, über Angebot und Dienstleistung. Im Fokus stehen Sicherheitsnetze, die Leben retten können.

«Wir stellen dem Kunden nicht einfach nur die Ware vor die Türe.» Welches sind die Top-Produkte? Ein Dauerbrenner sind Grossformatwerbung, Megaposter und Endlosbanden. Auch Bühnenverkleidungen, Mobile-Flags und Fahnen stehen ganz oben auf der Liste. Immer aktueller wird es, die zukünftige Gebäudegestaltung als Fassadenspiegelung auf die vorgehängten Netze drucken zu lassen. Und dann zählt der gesamte Bereich Sicherheit zu unserem Sortiment. Alles, was es zur Sicherung von Mensch, Tier, Pflanzen oder Material braucht, ist an Lager. Besonders erwähnenswert ist unser permanentes Absturzsicherungssystem sowie die passenden Auffanggurte und Falldämpfer. Attraktive Fassadenspiegelung am Zytgloggeturm in Bern.

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eit über 20 Jahren sind Sie der Fachspezialist, wenn es um Planen und Netze geht. Wer zählt zu Ihrem Kundenstamm? Die Loyal Trade GmbH ist der Grosshändler für Polyethylen-Produkte sowie bedruckte Textil- und Kunststoffplanen. Unsere Kunden kommen aus allen Branchen und Sparten, wenn es um Sichtschutz, Abdeckung, Absperrung und auch um Promotion und Sicherheit auf Baustellen, Sportanlagen, Strassen sowie Gebäuden geht. Genauso vielfältig ist unser ProduktAngebot. Zum Beispiel für Baustellen, wo Schutz vor Staub, Lärm und Schmutz

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gefragt ist, stehen wir mit einer Vielzahl an Ausführungen und Qualitäten bereit. Was bedeutet bei Loyal Trade «alles aus einer Hand»? Wir stellen dem Kunden nicht einfach nur die Ware vor die Türe. Auf Wunsch beraten wir von der Materialwahl, Gestaltung, Ausführung bis zur Installation. Besonders bei bedruckten Materialien, zum Beispiel den aufwendigen Fassadenspiegelungen, ist unser Know-how für die perfekte Ausführung eminent wichtig. Und natürlich liefern wir vom Kabelbinder bis zur Schraube alles mit.

Was bieten Sie ausserdem in puncto Sicherheit? Auf das wachsende Sicherheitsbedürfnis reagieren wir schon seit geraumer Zeit mit unserem breiten und immer weiterwachsenden Angebot. Reflektierende Netze machen Strassenbaustellen im Dunkeln besser sichtbar. Spezielle Netze beruhigen als Sichtschutz im Strassenverkehr. Aber auch Staub-, Auffang-, Schattier- oder Signalisationsnetze tragen mehr zur Sicherheit bei. Gerade die schnell zu montierenden, temporären Seitenschutznetze, etwa bei verkehrsbeeinflussenden Baustellen oder Events, sind heute eigentlich schon Standard. Ergänzend dazu gibt es einiges an Zubehör wie die flexiblen Wandund Decken-Befestigungsmöglichkeiten.


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Dazu kommt das hochwertige Angebot an persönlicher Sicherheitsausrüstung gegen Absturz (PSAgA), welches wir seit Kurzem in unserem Programm führen. Dies dürfte in der Zukunft zusätzlich noch viel mehr an Bedeutung gewinnen. Gibt es weitere Zukunftstrends? Neu bei Loyal Trade sind die geheizten Wärmematten. Diese Innovation ermöglicht das Weiterarbeiten bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Auf was kann sich der Loyal-TradeKunde verlassen? Wir liefern beste Produkte zum besten Preis und zur richtigen Zeit an den richtigen Ort. Standardprodukte transportieren wir zum Beispiel innert 24 Stunden in die ganze Schweiz. Die hohe Lieferbereitschaft können wir gewährleisten, weil wir über ein grosses, gut sortiertes Lager verfügen. Das ist zwar sehr aufwendig, aber für unsere Kunden sehr wichtig. Und dann noch unsere

Preise – sie sind mehr als nur konkurrenzfähig, ein Vergleich lohnt sich auf jeden Fall. Ausserdem achtet Loyal Trade beim Thema Nachhaltigkeit auf die Umwelt: 90 Prozent der Produkte werden aus wiederverwertbaren Rohstoffen hergestellt. Wir sind konstant im internationalen Kontakt, um über die neuesten Technologien, sei dies in der Anwendung, Qualität und Nachhaltigkeit, für den Schweizer Markt zu recherchieren. Welches sind die grossen Herausforderungen? Beste Produkte und Lösungen für die Anforderungen unserer Kunden zu finden, zählen zu den grossen Herausforderungen. Mit der bestmöglichen Qualität gilt es, das Budget der Kunden einzuhalten. Dies bedeutet, dass wir für unsere Kunden gegenüber unseren Produzenten der Anwalt für Qualität und faire Preise sind. Digitalisierung, Rohstoff-Spekulation, instabile Devisenmärkte, Just-in-time-Produktion, enge Lieferzeiten, aber auch politische

Wirren und Handelskriege – die Abläufe und Entwicklungen werden immer anspruchsvoller, aber auch spannender. Diese Herausforderungen nehmen wir bei Loyal Trade gerne an.

Thomas Feier, Inhaber und Geschäftsführer der Loyal Trade GmbH.

Loyal Trade GmbH I Rietstrasse 1 I Postfach 150 I CH-8108 Dällikon I Tel. +41 (0) 44 760 17 77 I info@loyaltrade.ch I www.loyaltrade.ch

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Dank der Wahl der Materialien und der Farben sowie der klaren Linien fügt sich dieser Neubau ideal in das Dorfbild und die Landschaft von Tamins ein.

ÄSTHETIK UND LEISTUNG PUR WEGWEISENDE BEISPIELE DES SCHWEIZER SOLARPREISES von Georg Lutz

Früher verlegte man Solarpanels einfach und optisch ziemlich lieblos über die Dächer. Das sah und sieht nicht wirklich gut aus. Heute gibt es ästhetisch sehr viel ansprechendere Lösungen. Es geht zum Beispiel nicht mehr nur um die Farbe Blau. Auch in Fassaden integrierte Lösungen machen auf sich aufmerksam. So können unterschiedlichste Bauten passend bedient werden. Im Rahmen der folgenden Beispiele geht es um Ein- und Mehrfamilienhäuser und ein Fussballstadion. Aber auch auf Altbauten ergeben sich ganz neue Möglichkeiten. Der folgende Beitrag stellt die Preisträger des letzten Solarpreises vor.

V

iele potenziell interessierte Solarfreunde spielen mit dem Gedanken, sich eine Solarstromanlage anzuschaffen. Sie haben über die Energie­ erzeugung hinaus auch einen ästhetischen Anspruch. Die Kombination von beiden Aspekten ist heute ohne Konflikte möglich.

DER ENERGETISCH OPTIMALE DREIKLANG Solarlösungen im Alpenraum der Schweiz repräsentieren oft wegweisende Lösungen. So ist es auch in unserem ersten Fallbeispiel. Die Betreiber des Berggasthauses Gamplüt in Wildhaus SG setzen verschiedene Technologien zur Energieerzeugung ein. Auf den Dächern, den Balkonen sowie

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an der Westfassade erzeugen Solaranlagen mit einer Leistung von insgesamt 42 kWp jährlich rund 41’400 kWh, welche in das Netz eingespeist werden. Ergänzt wird die solare Energieversorgung durch eine 80 kW starke Windanlage. Diese liefert jährlich etwa 40’000 kWh / a Strom – auch abends und wenn die Sonne nicht scheint. Eine 27 Quadratmeter grosse solarthermische Anlage in Kombination mit einem 7 000-Liter-Speicher deckt einen Grossteil des Wärmebedarfs für Warmwasser und Heizung. Eine Wärmepumpe und eine Stückholzheizung (CheminéeOfen) decken den Restenergie­bedarf an Wärme, sodass keine fossilen Energien benötigt werden.

ÜBERSCHUSS FÜR ANDERE ZWECKE Dieses Einfamilienhaus (EFH) in Tamins GR besticht durch eine perfekt integrierte, gegen Süden gerichtete PV-Anlage. Die geschuppten Dachflächen mit mono­ kristallinen Solarzellen sind farblich homogen gestaltet und vorbildlich first-, seiten- und traufbündig integriert. Dadurch fügt sich das PlusEnergie-EFH ideal in das bestehende Ortsbild von Tamins ein. Die 17 kW starke PV-Anlage erzeugt jährlich 22’800 kWh / a und deckt den Gesamt­ energiebedarf des PlusEnergie-EFH zu 144 Prozent. Das Gebäude weist einen Solar­stromüberschuss von 6’920 kWh/a auf.


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Um die Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden, wurden spezielle Paneele mit satiniertem Glas verwendet.

Damit können fünf Elektroautos jährlich 12’000 Kilometer CO2-frei fahren.

ENERGIE – NICHT NUR FÜR DEN FUSSBALL Inzwischen befinden sich auf vielen Fussballstadien Solarlösungen. Es steht dort einfach viel Fläche zur Verfügung. Das folgende Beispiel agiert aber auf einer höheren qualitativen Ebene und hat so auch Vorbildfunktion. Seit Frühjahr 2017 ist die integrierte PV-­ Anlage der Fussballarena im Schaffhauser Herblingertal in Betrieb. Die in den LIPO Park Schaffhausen integrierte 1.4 MW starke Fotovoltaikanlage ist in der Schweiz und europaweit die grösste Plus­Energie­ Bau-Anlage eines Fussballstadions. Sie erzeugt jährlich 1’290’000 kWh und deckt so 150 Prozent des Gesamtenergiebedarfs von 860’500 kWh / a des Stadions inklusive Einkaufs- und Gewerbezentrum mit einer Energiebezugsfläche von 13’157 Quadratmetern. Die multifunktionale PV-Anlage besticht im Innern durch eine elegante transluzide PV-Fläche. So sorgt sie für Tageslicht und Schutz der Fussballfreunde vor der Witterung. Mit dem Solarstromüberschuss von 429’500 kWh / a können über 300 Elektrofahrzeuge je 12’000 km CO2-frei fahren.Das hat auch die Verantwortlichen in Europa überzeugt.

Das Berggasthaus Gamplüt nutzt lokale und erneuerbare Energieträger aus Holz, Sonne und Wind.

Mit dem Solarstromüberschuss aus einem Fussballstadion können 307 Elektroautos jährlich 12’000 km CO2-frei fahren.

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Am 18. November 2017 wurden in Wien die Europäischen Solarpreise für herausragende europäische Leistungen und vorbildliches Engagement im Bereich erneuerbare Energien vergeben. Trotz über 70 starken Konkurrenzprojekten aus verschiedenen EU-Ländern zählte auch letztes Jahr wieder ein Schweizer Vorzeige­objekt zu den Gewinnern: Das innovative PlusEnergie-Fussballstadion Schaffhausen wurde mit dem Europäischen Solarpreis 2017 ausgezeichnet.

HOCH HINAUS Der 21-stöckige Grosspeter Tower in Basel BS verfügt über eine 440 kW starke PVAnlage, die alle Fassadenseiten solar nutzt. Die gut integrierten Fassadenanlagen und die 100 kW starke Flachdachanlage weisen zusammen eine Leistung von 540 kW auf. Sie erzeugen jährlich insgesamt rund 252’000 kWh. Bei einem Gesamtenergiebedarf von 903’500 kWh / a resultiert eine Eigenenergieversorgung von 28 Prozent. Der Wärmebedarf des Gebäudes wird über solarbetriebene Erdwärmesonden gedeckt. Der Sockel des Gebäudes wird als Hotel, der Turm für Büroräumlichkeiten genutzt.

PRODUZIEREN UND VERMEIDEN VON ENERGIE Das Mehrfamilienhaus Ebneter in Appenzell AI wurde im Frühjahr 2017 fertiggestellt. Das Minergie-P-Vierfamilienhaus konsumiert 24’300 kWh / a. Für Heizung und Warmwasser sorgt eine solarbetriebene Wärmepumpe. Das Gebäude ist rundum mit dach- und fassadenintegrierten PV-Paneelen ausgestattet. Die 294 Quadratmeter grosse PV-Anlage erzeugt mit 30’200 kWh / a gut 124 Prozent des Gesamtenergiebedarfs. Mit dem Beschluss der Bauherrschaft, auf eine Minergie-­P-Dämmung zu setzen, traf sie einen wichtigen nachhaltigen Bauentscheid: Sie reduziert von Anfang an die im Schweizer Gebäudepark üblichen 80 Prozent Energieverlust. Mit dem Solarstromüberschuss von 5 920 kWh / a können zusätzlich vier Elektroautos jährlich 12’000 km CO2-frei fahren.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. Der Grosspeter Tower nutzt die gesamte Fassade zur Gewinnung von Solarenergie.

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KOLUMNE

EINE RADIKALE ÄNDERUNG MIT VIELEN FRAGEZEICHEN von Claudio De Boni

I

n der Debatte um die Energiestrategie diskutierten die Spezialisten angeregt darüber, Schlagzeilen machte das Thema während des Abstimmungskampfes dennoch nicht: In der Neuerung, Solarstrom über mehrere Gebäude und Parzellen hinweg gemeinsam nutzen zu können, sahen Profis enormes Potenzial, für Laien war die Sache zu komplex. Nun, ein Jahr nach der Abstimmung, sickert die neue Möglichkeit des Solarstrom-Sharings langsam ins Bewusstsein von Bauherrschaften, erste Projekte stehen in der Pipeline. Doch auch die Fragen stauen sich, das zeigte sich an der Swissolar-Photovoltaiktagung Mitte April 2018 in Bern. Ganz zu Beginn stellte BFE-Direktor Benoît Revaz vor 600 versammelten Solarprofis die entscheidende Frage nach der Zukunft des Strommarktes – und gab die Antwort gleich selbst: «Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch werden so oder so eine wichtige Rolle spielen.» In dieselbe Kerbe haute ein erfahrener Praktiker. Adrian Kottmanns Firma BE Netz hat schon über 1 800 Solaranlagen realisiert. Auch für ihn ist glasklar: «Der Zusammenschluss zum Eigenverbrauch wird zu einem Erfolgsmodell für Photovoltaikanlagen.» So weit, so sonnig die Prognosen. In den Mittagsgesprächen war von dieser entschiedenen Euphorie weniger zu spüren. Die einen gaben zu bedenken, dass allein die Aussicht auf zwei Prozent Rendite kaum genügend Kapital für die Energiewende mobilisiere – sowohl beim Zins für die Investitionen als auch für die Verrechnung des Strompreises gelten gesetzliche Obergrenzen. Für andere wiederum waren zu viele rechtliche Fragen ungeklärt: Dürfen zum Beispiel öffentliche Strassen­ beleuchtungen in einen Zusammenschluss zum Eigenverbrauch integriert und so noch grössere Gemeinschaften gebildet werden? Für die ElCom (Eidgenössische Elektrizitätskommission)

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ist die Frage ungeklärt, das BFE bejaht die Frage. Umso gespannter war man auf die Nachmittags-Beiträge. Daniel Sägesser vom Schweizer Solarhersteller Megasol rechnete direkt aus den Büchern der eigenen Solarfarm in Deitingen vor: Der Selbstversorgungsgrad beträgt 47 Prozent, die Kostenein­ sparung beim Strom 40 Prozent. Sein klares Fazit: Grosse Eigenverbrauchsanlagen sind rentabel und energiewirtschaftlich sinnvoll. Doch auch hier folgte das Aber sogleich: Der viel zu langsame Abbau der Einmalvergütungs-Warteliste sei ein Showstopper. Das BFE müsse handeln. Grossanlagen, die neu für die Einmalvergütung angemeldet werden, müssen voraussichtlich sechs Jahre oder mehr auf die Auszahlung warten. Ohne Anstossfinanzierung und politisch günstige Rahmen­bedingungen würden sich Photovoltaikanlagen auch heute noch nicht von selbst bauen. Dass der Wille bei allen Beteiligten da ist, die noch offenen Fragen im Sinne der Solarenergie zu lösen, zeigte schliesslich das mit hochrangigen Vertretern von BFE, Hauseigentümerverband, Mieterverband und VSE besetzte Abschlusspodium: Man ist sich einig, dass für das Erreichen der CO2-Ziele der Photovoltaikausbau massiv zulegen muss und konstruktive Zusammenarbeit unerlässlich ist. Trotz allen Fragezeichen kann man also sagen, wir sind auf einem radikal neuen Pfad mit Hürden, die zu meistern sind, und Chancen, die optimistisch stimmen.

CLAUDIO DE BONI ist Mitarbeiter Kommunikation bei Swissolar. www.swissolar.ch


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GEMEINSAM PRODUZIEREN UND NUTZEN DIE POTENZIALE VON SOLARSTROM von David Stickelberger

Auch wer keine eigene Solaranlage besitzt, hat nun die Möglichkeit, lokal produzierten Sonnenstrom zu beziehen. Denn seit Anfang Jahr können sich benachbarte Liegenschaften zusammenschliessen, um Solarstrom gemeinsam zu nutzen. Dabei profitiert nicht nur der Anlagenbetreiber, sondern auch die angeschlossenen Nachbarparteien.

D

er Solarstrom vom eigenen Hausdach ist heute günstiger als jener, der vom Energieversorger geliefert wird. Und je mehr Haushalte sich die Ernte teilen, desto profitabler ist der Solarstrom. In einem Mehrfamilienhaus gibt es nicht nur die Berufstätigen, die vor allem am Morgen und Abend Strom brauchen, sondern auch das Rentnerpaar, das tagsüber zu Hause ist, den Vater, der seinen Kindern das Mittagessen kocht, oder Gewerbetreibende, die tagsüber arbeiten. So wird möglichst viel Solarstrom zeitgleich mit der Produktion gebraucht und muss nicht ans öffentliche Netz abgegeben werden.

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ÜBER GRUNDSTÜCK­­GRENZEN HINWEG Das Stichwort dazu heisst «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» (ZEV): Seit Anfang Jahr dürfen sich nicht nur Wohnungen im selben Haus, sondern auch mehrere aneinandergrenzende Parzellen zusammenschliessen, um Sonnenstrom vom eigenen Hausdach zu nutzen. Dies gilt unabhängig davon, ob die Beteiligten Eigentümer oder Mieter sind. Im Fall von Mietwohnungen legt die neue Energieverordnung fest, dass der intern verkaufte Strom nicht teurer sein darf als jener, der extern bezogen wird. Wenn der Stromverbrauch des Zusammenschlusses die Grenze von 100 Megawattstunden pro Jahr übersteigt, kann dieser im freien Strommarkt einkaufen, wo er will, und profitiert von den günstigsten Preisen. Bereits ab etwa 25 Wohnungen inklusive Allgemein­ strom wird diese Grenze überschritten.

AUCH MIETER PROFITIEREN Das Gesetz macht nur wenige Vorgaben, wie sich der ZEV zu organisieren hat.

Handelt es sich um ein neues Mietobjekt, können die Mieter zur Teilnahme verpflichtet werden. Bei bestehenden Mietverhältnissen braucht es die Einwilligung der Mieter, was aber angesichts des günstigen Solarstroms kaum eine Hürde sein dürfte. Austreten kann ein Mieter jedoch nur, wenn der Hausbesitzer seine Pflichten vernachlässigt oder wenn er selbst über 100 MWh verbraucht. Wenn sich mehrere Eigentümer zusammenschliessen, müssen sie festhalten, wer den ZEV nach aussen vertritt, wie abgerechnet wird und welches Stromprodukt von aussen bezogen wird. Neu gilt zudem, dass der ZEV seine Messungen selber vornehmen darf. Die Mitglieder des ZEV müssen zwar dem örtlichen Elektrizitätsversorger gemeldet werden, dieser betreibt aber nur noch den Stromzähler beim Netzanschluss des ZEV. Damit können die bisher oft beträchtlichen Kosten für Zählermiete reduziert werden. Allerdings bieten auch verschiedene Elektrizitäts-


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werke die interne Abrechnung des ZEV als Dienstleistung an.

RENTABLE INVESTITION Ein fiktives Beispiel veranschaulicht, wie sich der Betrieb eines Zusammenschlusses zum Eigenverbrauch rechnet: Drei neue Mehrfamilienhäuser mit insgesamt 15 Wohnungen im Stockwerkeigentum sind mit einer Fotovoltaikanlage von 35 Kilowatt Leistung (circa 230 Quadratmeter) ausgestattet, die rund 60’000 Franken kostet. Davon abzuziehen ist der Förderbeitrag des Bundes in Form einer Einmalvergütung von 14’900 Franken. Die Anlage liefert jährlich etwa 33’000 Kilowattstunden Solarstrom. Die Häuser werden mit einer Wärmepumpe beheizt, die so gesteuert ist, dass sie möglichst dann läuft, wenn die Sonne scheint und die Solaranlage Strom liefert. Die Parkgarage ist mit vier Elektro-Ladestationen ausgestattet. So können im Jahresmittel etwa 60 Prozent des Solarstroms zum Zeitpunkt der Produktion verwendet werden und die Stockwerkeigentümer beziehen etwa 20’000 Kilo­ wattstunden weniger Strom vom Netz, der

In Huttwil entsteht bis 2020 das Energiequartier Hohlen mit über 90 Wohneinheiten.

20 Rappen kosten würde. Stattdessen bezahlen sie für den Solarstrom vom eigenen Dach nur 13 Rappen pro Kilowattstunde, dazu kommen noch die Kosten für Messung und Abrechnung von ca. 120 Franken pro Wohnung und Jahr. Der überschüssige Solarstrom wird ans öffentliche Netz abgegeben und vom örtlichen Netzbetreiber mit sieben Rappen pro Kilo­wattstunde entschädigt. Die Solaranlage liefert 25 Jahre lang günstigen Strom und zwei Prozent Zins für das investierte Kapital. Fazit: Eine äusserst interessante

Investition und zugleich ein sinnvoller Beitrag an eine sichere, saubere und nachhaltige Energieversorgung.

DAVID STICKELBERGER ist Geschäftsleiter bei Swissolar, dem Schweizerischen Fachverband für Sonnenenergie. www.swissolar.ch

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DIE RENAISSANCE VON LEHM VORSTELLUNG DES FACHVERBANDES von Doris Müller

Lehm ist mit Holz und Stein der älteste Baustoff der Menschheit. Er fasziniert durch seine vielfältigen Anwendungsgebiete. Auch mit anderen Baustoffen harmoniert er gut. Es geht dabei aber nicht nur um seine gesunden und umweltschonenden Eigenschaften. Allerdings geriet Lehm in den letzten Jahrzehnten in Vergessenheit. Er galt als Baustoff für schlechte Zeiten und arme Leute. Mit den billigen fossilen Energieträgern waren die Baustoffe der Moderne wie Beton trendiger. Die Zeiten haben sich geändert. Der Baustoff Lehm ist wieder da. Allerdings hat er, was Informationen betrifft, noch Luft nach oben. Daher stellen wir im folgenden Beitrag den Fachverband IG Lehm vor.

Lehmbaukurs zum Thema Ofenbau der IG Lehm.

D

ie Organisation IG Lehm Fachverband Schweiz besteht seit den 80erJahren. Bis Ende 1996 wurde die IG Lehm als reine Interessengemeinschaft geführt. Nach den zwei Sonderschau-Auftritten an der Swissbau 1995 und 1997 wurde der Fachverband als Konsequenz des gewonnenen Selbstbewusstseins gegründet. Die IG Lehm, die zuvor als Fachgruppe der SIB (Schweizerische Interessengemeinschaft Baubiologie / Bauökologie) funktionierte, löste sich aus dem Mutterverband heraus und wurde zum selbstständigen Partnerverband. Die IG Lehm zählt heute über 160 Mitglieder, wovon sich aktuell 65 Mitglieder als Firmen

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auf unserer Website www.iglehm.ch präsentieren. Die Firmenmitglieder (KMU und Einzelmann/-frau-Betriebe) kommen aus den Bereichen Planung, Architektur und Haustechnik sowie aus dem Lehmbau, Holzbau, Ofenbau, Gartenbau, Gipser und Maler, Kunst und Naturbaustoffhandel. Die Einzelmitglieder sind teils Einzelfirmen, die nicht im Internet erscheinen wollen, teils private Lehmbauinteressierte und Förderer, neu auch zahlreiche Studenten mit einem vergünstigten Mitgliederbeitrag.

WISSENSVERMITTLUNG ALS ZIEL Der Fachverband richtet sein Ziel klar auf die Ausbildung und den gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Das nationale Netz-

werk verbindet Planer, Unternehmer und Bauherren mit dem gemeinsamen Ziel, den Baustoff Lehm in seiner Umsetzung zu fördern.

DAS PRAXISMODUL WORKSHOP Mit der Einrichtung des Sekretariats als Anlaufstelle für Kurzberatungen und Weitervermittlung von Planern, Baustoffhändlern und Unternehmern entstand ein wichtiges Instrument des Fachverbandes. Der fünf- bis siebenköpfige Vorstand organisiert innerhalb des Ressorts «Kurse / Workshops» seit dem Jahre 2 000 im Schnitt jährlich zwei Lehmbaukurse, die das Bauen und Gestalten mit Lehm in allen Facetten auf aktuellen Baustellen seinen Mit-


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gliedern kostenlos vermittelt. Externen Interessierten ist die Teilnahme an den Kursen zu einem Betrag, der dem Jahresbeitrag für Einzelmitglieder entspricht, möglich. Auf diese Weise sind in den vergangenen Jahren 50 bis 60 Mitglieder zur IG Lehm gestossen und haben mit dem neuen Standbein Lehmbau viel Innovation und Wissen in ihre jeweiligen Betriebe gebracht. Des Weiteren erhalten Fachleute der IG Lehm regelmässig Mandate zur fachlichen Beratung und Planungsbegleitung, welche über das Sekretariat weitervermittelt werden.

STUDIENREISEN DURCHFÜHREN Anfänglich wurden jedes Jahr und neu im Zweijahresrhythmus Studienreisen ins Ausland organisiert, welche Mitgliedern einen Blick in den internationalen traditionellen und modernen Lehmbau bieten. Die zehn- bis zwölftägigen Reisen sind immer ausgebucht und stärken die persönlichen Beziehungen und Netzwerke innerhalb der Mitglieder. Folgende Regionen wurden schon besucht:

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Nur der Brennraum ist aus Schamottesteinen, alles andere aus Lehmsteinen gemauert.

Basel zum Thema windverfrachteter Lehm, sogenannter Lösslehm, statt.

AKTUELLES SCHAFFEN Das Jahresprogramm bietet noch viele andere attraktive Veranstaltungen. Bewährt sind Besichtigungen von aktuellen Baustellen oder fertiggestellten Projekten und Firmenbesuche von Baustoffherstellern. Neu werfen die Verantwortlichen den Blick über die nationalen Grenzen. In einer Vortragsreihe, wo Fachleute ihre ausgeführten Projekte auf der ganzen Welt vorstellen und ihre Erfahrungen weitergeben, werden Wissensstände aktualisiert und vertieft.

In einem zweiten Schritt wird der Ofen mit Lehm verputzt und erstmals eingeheizt.

Vorarlberg, Strasbourg, Amsterdam, Bozen / Meran, Dresden / Leipzig, Portugal, Prag / Brünn, Devonshire / Cornwall, Marokko und Ungarn. Diesen Herbst führt die Reise in die Dauphine und nach Lyon in Frankreich.

GEOLOGISCHE WANDERUNGEN Um die Eigenschaften des Lehms in seinen Ursprüngen zu verstehen, bedarf es, die Inhaltsstoffe des Materials zu ergründen. In Begleitung eines Geologen organisiert die IG Lehm regelmässig ein- oder zwei-

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tägige geologische Wanderungen zu spannenden Fragestellungen in der Entstehungsgeschichte der Tonmineralien. Aus diesem wertvollen Wissen heraus, das an Komplexität kaum zu überbieten ist, sind die Eigenschaften, Ablagerungsorte und Zusammensetzung des lehmhaltigen Erdmaterials für die Teilnehmer besser verständlich geworden. Wer mit Ortslehm arbeiten will, muss an diesen Erkundungstouren unbedingt dabei sein. Die nächste geologische Wanderung findet am Samstag, 16. Juni 2018, im Raume

Zu allen Veranstaltungen, Kursen und Exkursionen sind auch Nicht-Mitglieder herzlich willkommen. Ein vielfältiges Netzwerk ermöglicht, das Know-how über das Bauen mit Lehm zu erweitern und den Austausch zu fördern. Nur so erreichen die Freunde des Lehms die Positionierung des wunderbaren Baustoffs Lehm, der ihm gebührt.

DORIS MÜLLER verantwortet die Öffentlichkeitsarbeit der IG Lehm. www.iglehm.ch


KOLUMNE

LEHM IST ZEITGEMÄSS, DENN LEHM IST ZEITLOS! von Stephan Jörchel

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ie Verwendung von Lehm als Baustoff ist so alt wie die Menschheit. Wurde der Baustoff Lehm in früheren Zeiten jedoch oft aus der Not oder aus Mangel an Alternativen gewählt, ist er heute der Baustoff der Wahl! Vor 20 Jahren war der Baustoff Lehm noch exotisch und bauaufsichtlich ungeregelt. Dies änderte sich entscheidend mit der normativen Regelung durch die «Lehmbau-Regeln» im Jahr 1999. Lehmbaustoffe werden heute immer mehr aufgrund ihrer hervorragenden bauklimatischen Eigenschaften, ihrer ökologischen Vorzüge und nicht zuletzt wegen ihrer ästhetischen Qualität vor allem im Innenbereich gewählt. Hinzu kommt, dass die Produkte inzwischen eine hohe Akzeptanz bei den Verbrauchern besitzen, sind sie doch seit 2013 durch DIN geregelt und entsprechend zu produzieren und zu deklarieren. Der Aufbau von Netzwerken von zertifizierten Fachbetrieben zur Ausführung von Lehmbauleistungen durch die seit 2005 etablierten und handwerksrechtlich anerkannten Weiterbildungskurse Fachkraft Lehmbau (DVL) hilft zudem, immer mehr die Qualität von Handwerksleistungen auf diesem Gebiet zu sichern. Mehr als 240 zertifizierte LehmbauFachbetriebe gibt es inzwischen, die überwiegende Zahl davon in Deutschland, Aber auch in der Schweiz und in Österreich sind die Wachstumsraten beachtlich. Jedes Jahr kommen etwa 20 Betriebe dazu. Die Produktpalette hat sich inzwischen stark erweitert. Gerade im Bereich der Oberflächenveredelung mit Lehmputzen, Lehmfarben und Lehmdünnlagenbeschichtungen gibt es derzeit eine erfreuliche Dynamik. Um die Qualitätssicherung zu gewährleisten,

hat der Dachverband Lehm e.V. entsprechende technische Merkblätter zu diesen Produkten entwickelt. Auch im Segment der Lehm­ platten als Alternative zu üblichen Trockenbauplatten ist eine rege Entwicklung zu verzeichnen. Die derzeit in der Erstellung befindlichen DIN-Lehm­platten werden dieser Entwicklung Rechnung tragen. Inzwischen ist die Qualität des Baustoffes Lehm auch bei der breiten Masse der Bauherren erkannt worden. So gewann ein Holz-LehmHaus den durch die Leserschaft gewählten Preis «Haus des Jahres 2013» der Zeitschrift «Schöner Wohnen». Seit dieser Zeit hat die Renaissance von Lehm als moderner Baustoff an Fahrt gewonnen. Dies ist nur ein Beispiel von prämierten Bauten. Die Tatsache, dass der Anteil der Lehmbaustoffe derzeit geschätzt bei unter einem Prozent des Baustoffmarktes beträgt, lässt das enorme Potenzial erkennen, welches noch vor dem Lehm in der Marktetablierung liegt. Vor allem in der Kombination mit dem weitaus stärker vertretenen Holzbau zeigt der Lehm seine Vorzüge als ökologischer, nachhaltiger, aber auch moderner und anwendungsfreundlicher Baustoff.

STEPHAN JÖRCHEL ist Diplom-Ingenieur und in der Geschäftsführung von Dachverband Lehm e.V. www.dachverband-lehm.de

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Baustelle WKW Beznau: Das Rammen von Pfählen und Spundwänden gehört zu den Kernkompetenzen im Spezialtiefbau.

GUTE LÖSUNGEN FINDEN DIE BIRCHMEIER GRUPPE BAUT AUF ALLEN BÖDEN Interview mit Markus Birchmeier von Manuela Olgiati

Die Birchmeier Gruppe hat in den letzten fünf Jahren ein grosses Wachstum an den Tag gelegt und sich gleichzeitig umstrukturiert und differenziert. Mit rund 400 Mitarbeitenden gehört sie zu den grössten Bauunternehmungen in der Nordwestschweiz. Grund genug, um dem Inhaber und Geschäftsführer in dritter Generation, Markus Birchmeier, auf den Zahn zu fühlen.

D

ie Birchmeier Spezialtiefbau AG ist ein junges Unternehmen innerhalb Ihrer Firmengruppe. Welche Herausforderungen stehen bevor? Es gehört zu unseren Kernaufgaben im Spezialtiefbau, gute Lösungen zu finden, um in den schwierigsten Böden optimal bauen zu können. Durch unsere Unternehmervarianten übernehmen wir oft grössere Risiken wie die Geo- und Hydrologie des Baugrundes, die statische Sicherheit unserer Baugrubenabschlüsse und Pfähle sowie die Preis- und Termingarantie. Dadurch bieten wir unseren Kunden ein Rundumsorglos-Paket an. Bei den vielen Projekten, die wir mittlerweile in der gesamten Schweiz ausführen dürfen, ist es die grösste Herausforderung, unseren Service auf dem hohen Niveau zu halten, für das wir bekannt sind. Wie lassen sich diese umfangreichen Aufgaben bewältigen? Das ist nur möglich, weil wir mit Daniel Kunz, dem Geschäftsführer der Birchmeier Spezialtiefbau AG, und seinem Team über erfahrene Fachmänner verfügen. Ausserdem pflegen wir einen modernen Maschinenpark.

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Im Oktober 2016 hat die Kies + Beton AG Zurzibiet, eine hundertprozentige Tochterfirma der Birchmeier Holding AG, den Betrieb aufgenommen. Das neue Kies- und Betonwerk läuft auf Hochtouren. Sind Sie zufrieden mit der Entwicklung ihres jüngsten Kindes der Firmengruppe? Ja, ich bin ausgesprochen zufrieden. Wir haben einiges in das Werk investiert und dazu eine neue Transportflotte für die Distribution unserer Betonprodukte aufgebaut. Da wir mit unseren Bauunternehmungen Eigenbedarf an Beton haben und über eigene Kiesabbaugebiete verfügen, lag die Umsetzung der Vision auf der Hand. Mittlerweile kaufen einige

«Eigenständigkeit war für uns schon immer wichtig.»

Marktbegleiter bei uns Beton ein, was uns sehr freut. Der grosse Betonausstoss hat unsere Erwartungen übertroffen. Demenstsprechend sind Erweiterungen kurz vor der Umsetzung. Was hat Sie zu diesem Schritt bewogen? Eigenständigkeit war für uns schon immer wichtig. Mein Grossvater hat begonnen mit Kiesabbau, und mein Vater hat den Recyclingbereich aufgebaut. Ich bin nun in die Betonproduktion eingestiegen. Ein entscheidender Kreislauf hat sich geschlossen. Mit der Verwendung von Kiesund Recyclingprodukten haben wir das Deponiegeschäft im Griff. All das ist für mich und nachfolgende Generationen sehr wichtig. Es handelt sich um eine gelungene Rückwärtsintegration. 2017 haben Sie den Aargauer Unternehmerpreis gewonnen. Was bedeutet Ihnen dieser Sieg? Bevor wir den Siegerpreis entgegennehmen durften, wurden wir von der Jury umfassend geprüft. Dabei wurde nicht nur die Vergangenheit, sondern vor allem


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auch die Entwicklung, die Firmenkultur und das Potenzial der Unternehmensgruppe bewertet. Der Sieg war für alle Mitarbeitenden eine schöne Bestätigung für das bereits Erreichte und macht auch Mut, um Neues anzupacken.

projekten, so wie es die mutigen Baumeister vor 50 Jahren bereits gemacht haben. Somit umgehen wir Klumpen­ risiken. Vor- und Rückwärtsintegration von Dienstleitungen sehe ich als Schlüssel zum Erfolg.

Ihr Familienunternehmen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. In welche Richtung zielen das weitere Wachstum und die Entwicklung? Wir verfügen über eine klare Vision. Wir wollen aber nicht auf «Teufel komm raus» wachsen, sondern vor allem dort, wo wir Chancen sehen, die uns finanziell und strategisch weiterbringen. Ein gesundes Wachstum ist für die Mitarbeiter spannend, denn es bringt neue persönliche Entwicklungsmöglichkeiten mit sich. Wir wollen ein möglichst breites Angebot an Dienstleistungen anbieten, die auch geografisch weiter verteilt sind. Dazu gehört auch die Realisierung von eigenen Bau-

Eines fällt besonders auf: Bei Ihnen steht der Mitarbeiter im Mittelpunkt. Ich mag Menschen! Ohne unsere Mitarbeitenden, die sich mit hoher Begeisterung mit dem Betrieb weiterentwickeln, würde es weder Sinn noch Spass machen. Unsere Kaderleute werden in die Strategieentwicklung einbezogen. Gemeinsam im Team erreichen wir unsere Ziele, weil wir uns gegenseitig aufeinander verlassen können. Ich habe meinen Job von der Pike auf gelernt und bin alle Stufen durchlaufen, deshalb ist mir auch eine persönliche Beziehung zu unseren Leuten wichtig. Entsprechend dankbar bin ich für deren grossen Einsatz.

Markus Birchmeier führt die Birchmeier Gruppe in der dritten Generation.

Wie ist Ihr Führungsgrundsatz? Die Menschheitsgeschichte lehrt uns, dass Begeisterungsfähigkeit, Entschlossenheit und Geschwindigkeit zu wichtigen Erfolgen geführt haben. Als Führungsperson habe ich genau das vorzuleben!

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Inselspital, Bern Schneider & Schneider Architekten AG

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Wir bauen auf.


BAUEN

IMMER PASSEND FLEXIBLE DÄMMBEFESTIGUNG OHNE WÄRMEBRÜCKE von Maya Steiger

Unterschiedliche Dämmstärken, verschiedene Dämmstoffe und wechselnde Untergründe auf den Baustellen – immer wieder braucht es andere Schraubdübel zur Befestigung. Aber das muss nicht sein: Es gibt eine praktischere Lösung.

Nur eine Dübellänge für Dämmstärken von 100 bis 400 Millimeter.

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ie Dämmung der Fassade hat sowohl bei Neubauten wie auch bei der energetischen Sanierung bestehender Gebäude einen hohen Stellenwert. Sie bildet einen Grundpfeiler, um die Ziele der Energiestrategie 2050 zu erreichen. Oft ist es jedoch eine Herausforderung, immer einen passenden Schraubdübel für die Dämmplatten parat zu haben. Wer kennt es nicht: Bei einem Bauvorhaben ist es erforderlich, Dämmstoffe in verschiedenen Stärken zu verarbeiten. Dämmstoffdicken von 200 bis 300 Millimeter und mehr sind schon heute keine Seltenheit mehr. Hier braucht es eine flexible Befestigungslösung. Mit dem TOPROC-Gecko kein Problem. Es genügt eine Dübellänge für alle Dämmstärken von 100 bis 400 Millimeter. Das macht die Bauarbeiten flexibel, und der

Dübel-Restbestand lässt sich gleich für die nächste Baustelle verwenden. Das spart Material und Kosten. Zudem ist der Schraubdübel für eine Vielfalt von Dämmstoffen einsetzbar. Ob EPS, XPS, oder PUR – egal auf welche Platte die Wahl fallen mag, er hält sie sicher in der Wand. Beim Untergrund dasselbe: Oft besteht dieser auf der einen Baustelle aus Beton, und bereits beim nächsten Projekt werden es Backsteine sein. Der TOPROC-Gecko lässt sich für alle gängigen Untergründe verwenden. Und noch ein bekanntes Problem: Wenn Befestigungen Wärme von innen nach aussen leiten, zeichnen sich die Dübelteller mit der Zeit an der Fassade ab. Das führt zu grossen Schäden. Der TOPROC-Gecko

steht für eine wärmebrückenfreie Befestigung und verspricht einen wärmepunktbezogenen Chi-Wert von 0.000. Es kann also keine Wärme nach aussen dringen. Das vermeidet Schäden, und es können kleinere kostengünstigere Dämmstoffdicken eingesetzt werden. Als Befestigungsspezialist vertreibt PROFIX den TOPROC-Gecko über den Fachhandel in der Schweiz. Somit ist auch hierzulande ein Produkt erhältlich, das mit einer einzigen Länge alle gängigen Anwendungen abdeckt. Es ist zuverlässig sowohl im Bereich der energetischen Sanierung als auch im Neubau. An geklebt-­ gedübelten Fassaden unterstützt der Schraubdübel den Kleber, sodass das Wärmedämm-Verbundsystem auch hohen Windsoglasten standhält.

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KOMMENTAR

ENERGETISCHE SANIERUNGEN – TRANSPARENT UND FAIR von Natalie Imboden

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ie Kosten für energetische Sanierungen müssen fair und transparent zwischen Mietenden, Vermieter / innen und der öffentlichen Hand geregelt werden. Eine Studie des Bundes (Energetische Sanierung. Auswirkung auf Mietzinsen, 2014) kam zu folgenden Erkenntnissen: Aus Eigentümersicht sind energetische Sanierungsmassnahmen «meist rentabel». Hingegen sind Mieterinnen und Mieter mit einer Nettomehr­ belastung konfrontiert, da die Mietzinserhöhungen nach Sanierungen in den allermeisten Fällen höher sind als die Kosteneinsparungen, die aus dem reduzierten Energieverbrauch resultieren. Dazu kommt, dass ein Mieterwechsel tendenziell dazu führt, dass die Mietzinserhöhung nach einer Sanierung höher ausfällt als bei Objekten, in denen es zu keinem Mieterwechsel kommt. Eigentümer kündigen oft ganze Häuser leer, um sie nach der Sanierung zu viel höheren Preisen zu vermieten. Energetische Sanierungen werden dann teils für unverhältnismässige Mietzinserhöhungen missbraucht. Es wäre nicht korrekt, wenn Eigentümer daran verdienen, indem sie die vom Gebäudeprogramm subventionierte Wertsteigerung auf die Miete schlagen. Zur Verbesserung fordert die Initiative «Mehr bezahlbare Wohnungen», dass Programme der öffentlichen Hand nicht zu Verlusten von preisgünstigen Mietwohnungen führen dürfen. Der Mieterverband (SMV) hat sich erfolgreich dafür eingesetzt, dass Fördergelder bei der Berechnung der wertvermehrenden Investitionen abgezogen werden müssen und damit die Mietzinserhöhungen tiefer ausfallen. Zudem verlangt der SMV, dass keine Fördergelder bezahlt werden, wenn den Mieterinnen und Mietern gekündigt wird. Die Fördergelder sollen dazu beitragen, Sanierungen für Mietende finanziell erträglicher zu machen, bei Leerkündigungen werden die Wohnungen aber zu Marktpreisen

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vermietet. Wichtig ist die Transparenz der Vormiete, wie dies in einzelnen Kantonen bereits heute üblich ist. Die Kantone sollen kontrollieren, dass Fördergelder nur ausbezahlt werden, wenn Kontrollen der Mietzinserhöhungen stattfinden, um missbräuchliche Mietzinserhöhungen zu verhindern. Notwendig sind flächendeckende individuelle Heizkostenabrechnungen, damit die Mieterinnen und Mieter mit Sparanstrengungen ihre finanzielle Belastung verringern können. Sinnvoll wäre auch eine Verpflichtung für die Erstellung des Energieausweises in allen Gebäuden und dessen Offenlegung gegenüber Mieterinnen und Mietern bei Vertragsabschluss. Eine Studie der Bundesämter für Energie und Wohnen (Januar 2015) hat gezeigt, dass die Sanierungskosten bei umfassenden Überholungen einen höheren Anteil an Unterhalt enthalten. Wissenschaftlich wird die heutige Regel, wonach bei umfassenden Überholungen 50 bis 70 Prozent der Kosten als wertvermehrende Investitionen gelten, bestritten. Daher wäre eine Anpassung sinnvoll, wonach der Anteil zwischen 20 und 40 Prozent liegt, was den Realitäten entspricht, wie sie auch in der Praxis festgestellt werden. Die heute ungleiche Lastenverteilung bei Sanierungen muss zugunsten der Mieterinnen und Mieter korrigiert werden.

NATALIE IMBODEN ist Generalsekretärin des Schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverbandes, SMV. www.mieterverband.ch


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KOMMENTAR

ENERGETISCHE SANIERUNGEN KOSTEN VIEL GELD von Kathrin Strunk

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nsere Gesellschaft hat verschiedene Ziele. Zum einen soll der Ausstoss an Treibhausgasen gesenkt werden, um so dem Klimawandel entgegenzuwirken. Zum anderen soll Wohnraum in hoher Qualität und zu vernünftigen Bedingungen verfügbar sein. Diese beiden Ziele widersprechen sich teilweise, denn die energetischen Sanierungen, die den Energieverbrauch von Gebäuden reduzieren sollen, sind nicht gratis zu haben. Um die Eigentümer von Wohnhäusern dazu zu motivieren, ihre Gebäude besser zu dämmen, wurden verschiedene Fördermassnahmen beschlossen. Denn aus rein finanzieller Sicht lohnt sich eine energetische Sanierung meist nicht. Wer sein Einfamilienhaus komplett neu isoliert, bezahlt dafür viel mehr, als er später bei den Energie­kosten einspart. Das Gleiche gilt auch für Mehrfamilienhäuser mit Mietwohnungen. Auch wenn sich energetische Sanierungen nur mit Blick auf die Nebenkosten nicht lohnen, steigt der Komfort für die Bewohner sanierter und besser gedämmter Wohnungen. Dieser höhere Komfort sollte den Mietern auch etwas wert sein, und die Mietzinserhöhungen sind daher berechtigt. Höhere Qualität ist schliesslich auch bei anderen Produkten oder Dienstleistungen nicht gratis. Der Vorwurf, Vermieter profitierten doppelt von den Fördermassnahmen des Bundes, ist falsch. Vermieter dürfen nur jenen Teil der Investitionen auf die Mieter überwälzen, der nach dem Erhalt der Fördergelder noch anfällt. Wenn ein Vermieter also 500’000 Franken in die energetische Sanierung eines Mehrfamilienhauses investiert und vom Bund einen Förderbeitrag über 50’000 Franken erhält, darf er nur die restlichen wertvermehrenden Investitionen auf die Mieter überwälzen. Typischerweise gilt nur etwa die Hälfte dieser Investitionen als wertvermehrend, in unserem Beispiel dürfte der Vermieter also noch 225’000 Franken an die

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Mieter weitergeben. Je grösser der Fördertopf der Bundes, desto mehr profitieren also auch die Mieter, da sie dann einen kleineren Teil der Investitionen tragen müssen. Typischerweise betragen diese Fördergelder nicht mehr als zehn Prozent der gesamten Bausumme, die Kosten für den Vermieter sind also erheblich. Fördergelder, die für die Ziele der Energieeffizienz vorgesehen sind, sollen auch nur zur Erreichung dieser Ziele eingesetzt werden. Sie sollen nicht mit sachfremden Themen wie etwa dem preisgünstigen Wohnungsbau vermischt werden. Für den preisgünstigen Wohnungsbau gibt es separate Fördermethoden wie beispielsweise den Fonds de Roulement oder auch günstiges Bauland. Der HEV Schweiz lehnt deshalb eine Koppelung der Fördergelder für energetische Sanierungen an die Mieten entschieden ab. Die Kosten der CO2-Reduktion müssen von allen Bewohnerinnen und Bewohnern der Schweiz getragen werden: sowohl von Mietern als auch von Eigentümern. Im Gebäudebereich sind denn auch schon erhebliche Einsparungen an Treibhausgasen erreicht worden: Seit 1990 konnten die Emissionen um 26 Prozent reduziert werden. Demgegenüber sind die Emissionen durch die Industrie um 17 Prozent zurückgegangen, und diejenigen des Verkehrs haben sogar um vier Prozent zugenommen.

KATHRIN STRUNK ist Volkswirtschaftliche Mitarbeiterin des HEV Schweiz. www.hev-schweiz.ch


‘Immer kochendes Wasser zur Hand, das empfand ich als sehr praktisch.’

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DER WIND DREHT SICH WANDEL DER GENERATIONEN BEI DER AUS- UND WEITERBILDUNG von Georg Lutz

Wer sich mit dem Thema Aus- und Weiterbildung auseinandersetzt, kommt an den Befindlichkeiten der unterschiedlichen Generationen nicht vorbei. Die Generation X, auch Generation Golf genannt, hat in den Achtzigerjahren das Licht der Welt erblickt. Karriere gilt in dem eher individuell angelegten Lebensentwurf als wichtiger Baustein. Die Mitglieder der Generation X sind gut ausgebildet und arbeiten, um sich ein materiell abgesichertes Leben leisten zu können. Im Gegensatz zu ihrer Vorgänger-Generation, den Babyboomern, stellt die Generation X die Arbeit nicht vor andere Bedürfnisse, sondern betrachtet diese eher als Mittel zum Zweck. Für HR die Verantwortliche ist die Generation Y, die wichtigste Zielgruppe, da sie gerade aus den Ausbildungsorten in ihren ersten Job einläuft. Bei ihr soll Arbeit wieder vermehrt auch Sinn machen und Abwechslung bieten. Selbstverwirklichung und Teamarbeit gehen hier Hand in Hand. Sie bewegen sich in virtuellen Welten sehr selbstverständlich und können sich gut vernetzen. Das sind optimale Voraussetzungen, um den Fachkräftemangel anzugehen und die Digitalisierung der Baubranche erfolgreich zu bewältigen.


AUS- & WEITERBILDUNG

Strategische Denkmodelle, die analoge und digitale Felder in der Aus- und Weiterbildung mit einbeziehen, sind gefragt.

ZWEI GETRENNTE WELTEN? DIE ANALOGEN UND DIE DIGITALEN HANDLUNGSFELDER von Urs Wiederkehr

Heute muss alles digital sein und einen Beitrag zur digitalen Transformation leisten. Zudem will man uns weismachen, dass alles neu sei und die Digital Natives im Vorteil bei dieser Wandlung seien. Ist das wirklich so? Schaut man zurück, so verwendet man Big Data und Smart Data, Modellbetrachtungen und Algorithmen schon seit Jahren. Und die Digitalisierung in die Breite wird schlussendlich kontinuierlich ablaufen. Die folgenden Überlegungen sollen auch Digital Immigrants ermuntern, sich der neuen Situation pragmatisch anzunähern, um so am Puls der Zeit dabei zu sein. Seite 42 // bauRUNDSCHAU


AUS- & WEITERBILDUNG

E

s gibt alte Zitate, die wirken heute sehr aktuell: «Man muss eben Alles sammeln», hat 1885 der spätere Professor für Botanik an der Universität Zürich, Hans Schinz (1858 – 1941), seiner Mutter geschrieben. Er hat seine plötzliche Flucht aus Deutsch-Südwestafrika begründet, denn seine Methoden des Sammelns haben, verständlicherweise, den Zorn der Einheimischen auf sich gezogen. Die Reise in dieses Land, das heute Namibia heisst, hat monatelang gedauert, und Schinz hat die einmalige Chance wahrgenommen, zoologische, ethnologische und anthropologische Objekte nach Zürich zu bringen. Dabei hat er sein ethisches Gebaren komplett vergessen. Auf jeden Fall hat seine grosse Sammlung die Basis für sein lebenslanges Forschen und für das Ausstellungsgut des Zürcher Völkerkundemuseums geliefert. Dieses ist noch heute im Alten Botanischen Garten in Zürich angesiedelt, gleich gegenüber dem SIA-Hochhaus.

DIE ZIELGERECHTE REDUKTION Dank des Umfangs seiner Sammlung (volume), der Bandbreite der Exponate (variety), dem unternehmerischen Wert für Schicks Forschungstätigkeit (value) und der Sicherheit bezüglich Original­ exponaten (validity) kann seine Sammlung von Expeditionsgut mit heutigem Vokabular als eine Form von Big Data bezeichnet werden. Schinz hat sich ein Leben lang Zeit genommen, aus diesem grossen Datenhaufen die für ihn benötigten sinnvollen Daten auszufiltern – sprich die Smart Data. Schon er hat gewusst, dass er später die grosse Datenmenge für die Anwendung zielgerecht reduzieren muss.Und auch heute, über 100 Jahre später, gehört es nicht zu den einfachsten Tätigkeiten,

«funktion & ästhetik in perfektion»

Ausgabe 02/2018 // Seite 43


Die Reduktion von Big Data in Richtung Smart Data ist eine alte Angelegenheit.

im Detail abzuschätzen, welche Wissens­ themen es im Unternehmen wert sind, genauer studiert zu werden. Dieselben Fragen stellen sich immer auch beim individuellen Aneignen von Wissen. Hätte man mich vor 40 Jahren gefragt, als 17-jähriger Gymnasiast mit Berufswunsch Ingenieur, welches Schulfach für mich später die grösste Wichtigkeit haben wird, hätte ich niemals vorausgesagt, dass es die Sprache sein wird, also Fach «Deutsch». Ich habe damals die Möglichkeit genutzt und die an unserer Mittelschule dank initiativen Mathematiklehrern vorhandene Computer­infrastruktur rege angewendet. Meine Mutter, welche die spätere Bedeutung der damaligen EDV ganz falsch eingeschätzt hat, wäre es lieber gewesen, wenn ich mich – noch – mehr mit Goethe beschäftigt hätte … Heute brauche ich beides und vieles Weitere.

SCHWARZ-WEISS-DENKFIGUR Verfolgt man die Medien und die Branchenmeinung, so wird einem weisgemacht, dass zwei getrennte Welten bestehen: Entweder gehört man zur Fraktion der digitalen, dann ist man modern, oder man gehört der analogen Welt an, dann ist man hoffnungslos altmodisch. Und nach 1980 Geborene sind Digital Native, die alles aus dem digitalen Umfeld bereits mit der Muttermilch erhalten haben. Umfragen vom Frühjahr 2018 zeigen, dass Berufsschüler wohl fit auf Instagram sind, aber

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an einer Google-Abfrage mit richtiger Interpretation scheitern. Also ist es ganz falsch, mit dem alten Wissen Tabula rasa zu machen, und sich ultimativ den neuen Begebenheiten anzupassen. Betrachtet man die ganze Sache nüchtern, so entdeckt man schnell, dass zwischen den beiden scheinbar getrennten Welten diverse Analogien bestehen: Auch im digitalen Bereich sind zum Beispiel Architekten tätig. Sie beschäftigen sich mit dem Aufbau und der Struktur von Hardware-Bestandteilen, von SoftwareModulen und von Datenbanken. Sowieso, jede digitale Anwendung benötigt ein passendes computerisiertes Modell. Nur so können Daten, Informationen und Wissen aus der realen Welt auf das digitale Modell übertragen werden. Leider werden solche Analogien viel zu wenig aufgezeigt. Und es ist oft auch kein Lehrangebot vorhanden, welches entsprechende Überlegungen in den Basics aufzeigt. Der Umgang mit Daten wie auch deren Aggregation zu Informationen und zu Wissen kann sowohl analog wie digital erfolgen. Weiss man nicht, wie es analog passiert, so ist auch kein Verständnis für die digitale Umsetzung da. Leider werden viele ältere Praktiker mit grosser Erfahrung von den Schlagworten der Digitalisierung verunsichert und damit von den notwendigen Diskussionen ausge-

schlossen. Hier wünsche ich mir mehr Entgegenkommen und passende individuelle Entwicklungsmassnahmen.

ÜBERSICHT UND TEAMARBEIT Nicht zu unterschätzen ist in einer digitalen Welt die fehlende Übersicht. Programmcode besteht wie alle digitalen Abbilder schlussendlich aus einzelnen Bits, die entweder auf 0 oder 1 stehen. Auch Regeln zur Datensicherheit oder zum Datenschutz sind so definiert. In diesem Sinne ist es viel einfacher, ein physisches Gebäude bezüglich Einbruchschutz und Zugänglichkeit zu beurteilen. Und für den Fall der Fälle lässt sich rasch noch ein Vorhängeschloss anbringen. Eine Überprüfung des wirksamen Schutzes eines digitalen Systems auf Eindringlöchern ist dagegen viel schwieriger vorzunehmen. Planen ist Teamarbeit. Sowohl innerhalb wie auch zwischen stets neu zusammengewürfelten Planerteams ist das Knowhow-Gefälle gross. Eventuell lohnt es sich, über den Tellerrand zu schauen und die Verfahren im Theaterbereich und beim Sport zu kopieren: So bringt der Theaterregisseur und Intendant Christoph Marthaler sein ganzes Team mit, zum Beispiel die Dramaturgin Stefanie Carp, oder ein Fussballcoach besetzt sämtliche wichtige Posten mit seinen Vertrauensleuten. Ich weiss, gewisse Regelwerke und Traditionen verunmöglichen diesen Teamgedanken noch.


AUS- & WEITERBILDUNG

FEELING ENTWICKELN Die Formen der Aus- und Weiterbildung im Bauwesen werden auch in Zukunft unterschiedliche sein. Es gibt Personen, die mit einem dicken Buch in einem geschlossenen Raum und in Ruhe die besten Lernergebnisse erzielen. Andere präferenzieren den Frontalunterricht an einem regelmässig stattfindenden Kurstermin. Andere holen sich punktuell in digitalen Lernumgebungen ihr Know-how. Welches die beste Methode ist, muss jeder selber entscheiden. Die Unternehmung muss ein Feeling für die einzelnen Mitarbeitenden entwickeln. Ungelöst ist sicher die Frage eines grösseren Weiterbildungsefforts von stark ins Tagesgeschäft eingebundenen Personen. Dafür muss, nicht nur für das Bauwesen, eine passende Lösung gefunden werden: Leider erlauben

die heutigen Formen, eine längere Abwesenheit der Schlüsselpersonen weder zeitlich noch finanziell. Entsprechende Überlegungen sind in den politischen Gremien im Gange. Hans Schinz ist vor 160 Jahren geboren worden. Trotzdem, schon 15 Jahre früher, hat die Engländerin Ada Lovelace, die erste Programmiererin der Welt, einen Algorithmus beschrieben. Und 1938, drei Jahre vor seinem Tod, ist erstmals in einer Patentschrift der Begriff «digital» aufgetaucht. Schinz hat vermutlich davon nichts gewusst. Heute würde er sich mit Computer-Botanik beschäftigen und botanische Simulationsmodelle aufbauen. Aber sein Grundlagewissen, das er sich nicht nur auf seiner umstrittenen AfrikaExkursion angeeignet hat, könnte er, da

bin ich mir absolut sicher, in passender Form, anwenden können. «Was der Bauer nicht kennt, das frisst er nicht», heisst ein Sprichwort und meint damit Personen, die gegenüber Neuerungen nicht aufgeschlossen sind. Hier ist ein gegenseitiges Zuhören und Unterstützen gefragt. Ohne Offenheit gegenüber Neuem geht es nicht. Es wird auch in Zukunft Personen geben, die sich rascher auf neue Pfade begeben, und solche, die es gemächlicher nehmen. Und sie werden über alle Altersklassen verteilt sein. Auf jeden Fall lohnt es sich, die Sache gelassener anzugehen und pragmatisch einwirken zu lassen. Wichtig ist, die gewollte Richtung zu verfolgen und dabei einen eigenen, aber steten Entwicklungs­ rhythmus zu finden.

QUELLEN Böhnke Alexander, Schröter Jens: Analog / Digital – Opposition oder Kontinuum?, Medienbrüche, transcript-verlag, Bielefeld, 2016, Form 1 / 2018, Weiterbildung für Architekten und Ingenieure, SIA 2018, Historisches Lexikon der Schweiz, www.www.hls-dhs-dss.ch (25.4.2018), Ergänzungen aus Archiv Urs Wiederkehr, Diverse punktuelle Ergänzungen und Überprüfungen über wikipedia.org und Gabler Wirtschaftslexikon www.wirtschaftslexikon.gabler.de, «Jugendliche sind fit auf Instagram, aber schwach beim Googeln», Aargauerzeitung / Nordwestschweiz, 24.4.2018

URS WIEDERKEHR ist Leiter Geschäftsbereich Dienstleistungen und SIA-Form (Weiterbildung), Geschäftsstelle Schweizerischer Ingenieurund Architektenverein SIA, Zürich. Analoge und digitale Kompetenzen gilt es zusammenzudenken.

www.sia.ch/form


KOLUMNE

FACHHOCHSCHULE – QUO VADIS? von Bernhard Berger

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m das duale Bildungssystem wird die Schweiz international beneidet. Ob Matur und Universität oder Lehre und Fachhochschule, viele Wege führen zum Ingenieurwesen. Seit der Einführung der Fachhochschulen 1998 sind diese einem permanenten Umstrukturierungsprozess ausgesetzt und stehen heute als unbestrittene Pfeiler in der Schweizer Bildungslandschaft da. Die Hochschulen stehen heute im Wettbewerb, nicht nur wenn es um Forschungsbeiträge geht, sondern auch was die Anzahl Studentinnen und Studenten anbelangt. Die Finanzflüsse sind so ausgelegt, dass mitunter die Anzahl Studierende darüber entscheidet, wie viel Geld eine Hochschule zur Verfügung hat. Es liegt in der Logik der Sache, dass Fachhochschulen auf diversen Ebenen um Studentinnen und Studenten buhlen. Das reicht von klassischen PR-Massnahmen über moderne Unterrichtsgebäude bis hin zu hippen Ausbildungsgängen. Die Anforderungen an die Qualifikation der Studierenden dürften dabei gegenüber dem Druck nach Quantität ab und an hintenanstehen. Nichtsdestotrotz wächst in der Planerbranche die Unzufriedenheit über die aktuelle Situation. Viele Unternehmen beklagen sich über die mangelnde Qualität der Absolventinnen und Absolventen, über fehlendes Grundlagenwissen und fehlendes Bauprozess-

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verständnis. Diese müssen dann in den Unternehmen in Grundsätzlichem nachgebildet werden, obwohl sie ja eigentlich einen Tertiärabschluss haben. Steht da ein hippes Gefühlsmomentum über den trockenen Qualitätskriterien? Die Schweizerische Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen usic hat mitunter aus diesem Grund kürzlich eine Arbeitsgruppe Bildung ins Leben gerufen. Ziel dieser ist es, die Diskussion um die Ausbildungsqualität an den Fachhochschulen anzustossen und ohne Scheuklappen führen zu können. Es dürfen auch die Fragen nach der Anzahl und der sinnvollen Grösse einer einzelnen Schule gestellt werden. Unsere Mitglieder sind klar der Meinung, dass eine Verbesserung der Ausbildungsqualität dem Wohle der Studentinnen und Studenten, der Unternehmen und somit des Wirtschaftsstandortes Schweiz dient.

BERNHARD BERGER ist Präsident der Schweizerischen Vereinigung Beratender Ingenieurunternehmungen usic und CEO der Rapp Gruppe. www.usic.ch/de


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AUS- & WEITERBILDUNG

Energie- und gesundheitsbewusst: Plusenergiehaus in Thun, Architektur Atelier Adrian Christen und Minergie A-Eco-Haus in Rosshäusern, AAB Architekten (v. l. n. r.)

ZUKUNFTSFÄHIGES BAUEN DIE BAUBRANCHE BRAUCHT NACHHALTIGKEITS-LEADER von Dr. Thea Rauch-Schwegler

Nachhaltige Baukultur wird als unternehmerischer Erfolgsfaktor immer wichtiger. In Zukunft kommt kein Marktteilnehmer mehr darum herum, dieses Thema als Führungsinstrument in seine Unternehmenskultur zu integrieren. Die Kompetenzen zur Umsetzung dieser komplexen Aufgabe vermittelt ab 2019 ein neuer Lehrgang mit eidgenössisch anerkanntem Expertendiplom.

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ie Schweiz gehört im Rahmen der UN-Staatengemeinschaft zu den progressivsten Ländern, was das Erreichen der Nachhaltigkeitsziele aus der Agenda 2030 angeht. Gemäss Botschafter Michael Gerber dürfte unser Land mit seiner Innovationskraft eine Leader- und Vorbildfunktion einnehmen. Dabei kann das Baugewerbe einen zentralen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten.

Dass die Bauwirtschaft die Lebensqualität von Städten, Gemeinden und Siedlungen massgeblich beeinflusst, ist offensichtlich. Mit einem erhöhten Verantwortungsbewusstsein für die attraktive und gesundheitsfördernde Gestaltung von Bauten und deren Umgebung erzielt die Baubranche langfristig auch gute Renditen und steigert letztlich die unternehmerische und gesellschaftliche Wertschöpfung. Um die Ziele der Agenda 2030 zu erreichen, ist es aber wichtig, dass Investoren und Unternehmer die grossen Zusammenhänge kennen und

ihr Bewusstsein für die Verantwortung gegenüber Natur und Gesellschaft schärfen. Allerdings ist sich ein Grossteil der Baubranche dieser umfassenden Aufgabe offenbar nur bedingt bewusst. Denn 2017 haben lediglich 27 Prozent der grössten Unternehmen aus dem Baugewerbe in ihren Jahresberichten Umweltkriterien miteinbezogen. Die Integration von Nachhaltigkeitszielen in die Unternehmensstrategie bringt künftig klare Wettbewerbsvorteile, denn zukunftsweisendes Bauen verleiht den Unternehmen Innovationskraft. Dies erfordert aber eine grundsätzliche Offenheit für neue Ansätze, Reflexionsfähigkeit bezüglich Corporate Social Responsibility (CSR) sowie eine Erweiterung des eigenen Blickfeldes über das aktuelle Tagesgeschäft hinaus. Orientierung für Mitarbeiter von Planungs- und Handwerksbetrieben bietet ab Herbst 2018 der revidierte Vorbereitungskurs für die eidgenössische Berufsprüfung zum gesunden und nachhaltigen Bauen.

Fünf Module vermitteln theoretische Grundlagen und praktische Umsetzungsansätze. Zu den Themen gehören unter anderem umfassende Energiekonzepte, Rezyklierbarkeit von Materialien, Innenraumklima und Gesundheit, Lebenszyklus-Analysen, Ökobilanzen, ökologische und soziale Kriterien. Ab Herbst 2019 steht der erste schweizerische Diplomkurs mit eidgenössischem Abschluss zum Experten für gesundes und nachhaltiges Bauen bereit. Dieser baut auf der eidgenössischen Berufsprüfung auf. Zurzeit konzipiert das Bildungszentrum den Kurs in Zusammenarbeit mit Hochschulen und Unternehmen nach neusten Erkenntnissen aus Wissenschaft und Praxis. Neu durchlaufen Studierende Module zur nachhaltigen Unternehmensführung und -kultur. Mit diesen Kompetenzen steigern sie die Wirksamkeit ihrer Projekte und die Glaubwürdigkeit als Anbieter von langfristig besseren Lösungen, um im hart umkämpften Markt zu überzeugen.

Bildungszentrum Baubiologie | Binzstrasse 23 | CH-8045 Zürich | Tel. +41 (0) 44 451 01 01 bildungszentrum@baubio.ch | www.bildungszentrumbaubio.ch

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DIE ARBEIT MIT KRANEN IST UNSERE LEIDEN­ SCHAFT.

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AUS- & WEITERBILDUNG

VERÄNDERUNGSPROZESSE ANSTOSSEN DIE DIGITALISIERUNG BEGINNT IN DEN KÖPFEN von Iris Wirz

Die Baubranche erwirtschaftet neun Prozent des BIP, bietet vielseitige und vor allem auch rasche Karrieremöglichkeiten und ächzt doch unter einem Mangel an Nachwuchs und qualifizierten Fachkräften. Während die technologische Entwicklung rasant fortschreitet, sich Prozesse in Bauprojekten tiefgreifend verändern und die Wissensbasis konstant erweitert wird, ist das veraltete Bild der Bauberufe in vielen Köpfen – gerade bei Eltern – noch fest verankert. Das Image muss sich wandeln, damit die Nachwuchskräfte für die Umsetzung der Digitalisierung vorhanden sind.

Lernende motivieren in Bahnhöfen Passanten zum Spielen mit Bauklötzen und stellen ihre Berufe vor.

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ie Baubranche in der Schweiz beschäftigt 327’000 Mitarbeitende, darunter 25’000 Lernende in rund 50 Lehrberufen. Alljährlich bleiben zum Schuljahresbeginn noch um die 3 000 Lehrstellen unbesetzt, obwohl im Bau die Mindestlöhne nach der Lehre zu den höchsten überhaupt zählen. Fachkräfte wie Bauführer, Werkstattleiter oder mit Abschluss HFP sind ausgesprochen gesucht. Ein 26-jähriger Bauführer mit abgeschlossener

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Lehre als Gerüstbauer und noch in der Weiterbildung zum Bauführer kann bereits auf ein Monats­salär von CHF 9 000 kommen. Warum fehlt es also am Nachwuchs? Trotz der hervorragenden Entwicklungschancen kämpft die Branche mit dem veralteten Image, das Eltern und Lehrpersonen oft noch aus der eigenen Kindheit in ihren Köpfen haben. Dieses Bild wollen die Trägerorganisationen von bausinn.ch ändern.

2015 vom Verband AM Suisse initiiert, wird bausinn.ch heute mitgetragen von Gebäude­hülle Schweiz, dem Schweizerischen Gerüstbau-Unternehmer-Verband SGUV, dem Schweizerischen Maler- und Gipser­unternehmer-Verband SMGV und dem Verein für Schweisstechnik SVS. Im Fokus steht die Wertschätzung der Berufsleute im Bau. Denn ohne Wertschätzung gibt es kein gutes Image. Und ohne gutes Image fehlen die Nachwuchskräfte.


50 BERUFE – VIELE FRAGMENTE FORMEN EIN BILD Die «blinden Flecken» in der Wahr­ nehmung der Bauberufe könnten auch daran liegen, dass die Bau­ branche ein sehr breites Spektrum an Berufen, Produkten und Leistungen abdeckt. Wie unterschiedlich die Tätigkeiten sind, zeigen bereits die Beispiele aus sechs Baubranchen: Der Gipser, der die Fassade des historischen Hotels renoviert, die Malerin, die modernen Restaurants italienisches Flair gibt, der Maurer, der die neue nachhaltige Wohnsiedlung baut, die Metallbaukonstrukteurin, die den schusssicheren Lift plant und in der Umsetzung überwacht, der Schweiss­ fachingenieur, der für eine sichere Stahlbrücke über dem Fluss sorgt, der Dachdecker, der Photovoltaik-Anlagen auf Dächern installiert und hilft, die Energiestrategie umzusetzen, und der Gerüstbauer, der die Freiluftbühne aufbaut und für die Sicherheit von 3 000 Eventgästen sorgt.

STAUBSCHICHTEN AUF DEM IMAGE Das Konzept von bausinn.ch basiert auf den Erkenntnissen der Studie «Berufswahl heute». In deren Rahmen sind bis jetzt 1 300 Personen persönlich und telefonisch interviewt worden: Jugendliche, Eltern,

Medien, Lehrpersonen, Lernende, Berufsbildner, Bildungsexperten, Berufsberater und Politiker. Die Berufe der Baubranche sind gemäss der Studie bekannt und stossen bei den Jugendlichen auf gutes Interesse. Doch das Bild, mit dem Jugendliche, Eltern und Lehrpersonen die Baubranche assoziieren, hat nur selten mit der Wohlfühlatmosphäre in den eigenen vier Wänden, dem schicken Ambiente im Lieblingscafé, dem sicheren Tunnel, der funktionierenden Wasserversorgung oder dem frisch renovierten Museum zu tun. Zudem wird der Bau kaum mit einer erfolgreichen Laufbahn in Verbindung gebracht. Solche verstaubten Vorstellungen führen dazu, dass Eltern die Berufswahl «Bau» oft ablehnen. Damit versperren sie ihren Kindern den Weg in die Baubranche. Denn Familie

und Umfeld beeinflussen die Jugendlichen zu 53 Prozent bei der Berufswahl, gefolgt von den Medien (19 Prozent), der Schule (15 Prozent) und den BIZ (5.75 Prozent). Sollen smarte junge Leute für die Baubranche gewonnen werden, muss auch das Image im digitalen Zeitalter ankommen.

WANDEL VON GRUND AUF UND RUNDUM Die Zeiten für einen Imagewandel sind günstig, steht doch die Branche inmitten eines riesigen Wandels. Mit der Digitalisierung werden viele Bauprojekte heute von Grund auf neu gedacht. Die Lernenden und jungen Berufsleute sind an diesem spannenden Prozess täglich aktiv beteiligt. «Die Nachwuchskräfte werden immer mit neuem Wissen versorgt. Das ist einer der

« Produkte der Keller Spiegel­ schränke AG überzeugen mich, weil sie aus hochwertigen Materialien hergestellt werden und das Angebot vielfältig ist. »

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Sandro Hagen, eidg. dipl. Immobilientreuhänder und Geschäftsleiter, Barrier Immobilien AG, Zürich

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Ausgabe 02/2018 // Seite 51


AUS- & WEITERBILDUNG

ERFOLGSCHANCEN IN DER BAUBRANCHE AUFZEIGEN Bausinn.ch, die neue Informationskampagne im Bau, ist vor zweieinhalb Jahren erfolgreich gestartet und hat immer wieder eine hohe mediale Aufmerksamkeit erzielt. Ausserdem hat bausinn.ch wichtige Botschaften über die Zukunft und die Berufe der Baubranche vermittelt. Über Social Media, Workshops und haptische Erlebnisse werden die spannende Realität und die grossen Erfolgschancen der Baubranche der Öffentlichkeit vermittelt. Der Nachwuchs der Baubranche tritt dabei als Botschafter auf: in Videos auf Social Media, an Mediengesprächen oder an öffentlichen Events wie dem Bauklötze-Spielen in Bahnhöfen.

oft übersehenen Vorteile der dualen Berufsbildung gegenüber dem Studium. Mit den drei Lernorten – Berufsschule, Überbetriebliche Kurse im ÜK-Zentrum sowie der Praxis im Betrieb – kommt der oder die Lernende in der täglichen Praxis im Unternehmen dauernd in Kontakt mit den neuesten Tools, Methoden und Materialien. Das gilt natürlich auch für die zukünftigen Werkstattleiter oder Bauführer. Wissen wird häufig on the job angeeignet und vermittelt. Hinzu kommen die Möglichkeiten von zusätzlichen Weiterbildungen für die Berufsleute. Da steht die schnelle Umsetzung im Alltag im Vordergrund», erklärt Christoph Andenmatten, Präsident von bausinn.ch und Direktor von AM Suisse. Die Digitalisierung hat schon längst in Tausenden von Baufirmen Einzug gehalten. Das ist on the job passiert und geschieht laufend. Gesteuert wird der Prozess auch sehr stark von den gesellschaftlichen Veränderungen und den steigenden Kundenanforderungen. Die Ausbildung und Weiterbildung in den 50 Lehrberufen folgt dieser Entwicklung.

BAUSTELLEN BIM UND ROBOTIK Das «magische» Stichwort bzw. Synonym für den derzeitigen Wandel im Bau heisst BIM (Building Information Modeling): Eines Tages, so die Erwartungen, wird ein Gebäude in 3-D virtuell begehbar sein, und alle Spezialisten – angefangen vom Architekten über den Planer und Ingenieur bis zum Maler oder Dachdecker – können auf

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der gleichen Plattform in Echtzeit sehen, wo welche Arbeiten geplant oder schon ausgeführt sind. Doch auch BIM muss erst «gebaut» werden, bevor es volle Anwendung erlaubt. Denn für einige Bereiche wie den Metallbau ist der Detaillierungsgrad der Veranschaulichung noch viel zu klein, um in der Praxis zu bestehen. Was passiert, wenn digitale Träume den Realitätstest bestehen müssen, zeigt das Projekt der weltweit ersten, in 3-D-Druck erstellten Stahlbrücke in Amsterdam. 2015 hiess es, dass zwei Roboter direkt vor Ort vor den Augen der ZuschauerInnen über der Gracht aus Stahlfäden eine Brücke bauen würden. Nicht nur ist vieles anders, sondern auch viel später gekommen als gedacht.

Denn effektiv gedruckt wurde die Brücke schliesslich in einer Lagerhalle – allerdings nicht von zwei Robotern, sondern von vier Metalldruck-­Robotern. Die Produktionszeit betrug sechs Monate und wurde Anfang April 2018 als abgeschlossen gemeldet. Nun muss die Brücke noch einige Tests bestehen und gelangt voraussichtlich 2019 zum effektiven Einsatzort.

IRIS WIRZ ist Geschäftsführerin von bausinn.ch. www.bausinn.ch


AUS- & WEITERBILDUNG

Die unterschiedlichen Welten der Baubranche befinden sich im Umbruch – hier in der Metallverarbeitung.

DA BLEIBT KEIN STEIN AUF DEM ANDEREN BAUBERUFE IM WANDLUNGSPROZESS Interview mit Christoph Andenmatten von Georg Lutz

Wissen ist der Baustein für den Erfolg. Das gilt besonders für die sich rasant an neue Anforderungen, Materialien, Methoden und Maschinen anpassende Baubranche.

W

elche Auswirkungen hat die Digitalisierung im Bau? Bereits in den vergangenen 15 Jahren haben sich Bauprojekte massiv verändert. Mit der digitalen Revolution betrifft der Wandel inzwischen die gesamten Prozesse von der Planung im Büro bis zur Realisierung auf der Baustelle. Das geht weit über Building Information Modeling (BIM) hinaus. Neue Tools und Abläufe senken die Fehlerquoten, sparen Zeit und Kosten. Mitarbeitende brauchen anderes Know-how. Damit sich alles gut zusammenfügt, müssen die Betriebe in Schulung der Mitarbeitenden und in Equipment investieren.

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Wie zeigt sich die Digitalisierung in der Anwendung? Tatsächlich hat die Digitalisierung seit einigen Jahren in Tausenden Betrieben

«Heute sind die Berufsleute immer öfter eigentliche Koordinatoren.»

Einzug gehalten. Das zeigt sich oft auch in scheinbar «kleineren» Anwendungen; diese sind in vielen Unternehmen schon so selbstverständlich, dass kaum mehr jemand darüber spricht. Ich nenne einige von zahlreichen möglichen Beispielen: Über das Baustellenpad sind Detailangaben wie Suva-Normen immer und überall abrufbar. Die Zusammenarbeit zwischen Baustelle und Büro ist direkt und schnell: Man macht zum Beispiel auf der Baustelle ein Foto, kennzeichnet eine bestimmte Stelle mit einem Pfeil und erhält im Nu eine passende Antwort vom technischen Büro. Schweiss­ roboter gibt es schon lange, aber die Programmierung dauerte früher einen halben


Wie fliesst das neue Wissen in die Ausund Weiterbildung? Hier sollten mehrere Bereiche unterschieden werden. In der Grundbildung, also der Lehre, werden die Bildungspläne alle fünf Jahre überprüft. Anpassungen sind daher aufwändig und nicht sehr schnell. Ähnlich sieht es in der Höheren Berufsbildung aus, die zur Berufsprüfung und zur Höheren Fachprüfung HFP führt – das entspricht dem früheren Meister. Trotzdem sind die Fachkräfte und die Nachwuchskräfte immer mit neuem Wissen versorgt. Denn sie sind täglich aktiv am Wandel beteiligt. Das ist einer der oft übersehenen Vorteile der dualen Berufsbildung gegenüber dem Studium. Mit den drei Lernorten – Berufsschule, Überbetriebliche Kurse im ÜK-Zentrum sowie der Praxis im Betrieb – kommt der oder die Lernende in der täglichen

Praxis im Unternehmen dauernd in Kontakt mit den neuesten Tools, Methoden und Materialien. Das gilt natürlich auch für die zukünftigen Werkstattleiter oder Bauführer. Wissen wird häufig on the job angeeignet und vermittelt. Hinzu kommen die Möglichkeiten von zusätzlichen Weiterbildungen für die Berufsleute, wie dies beispielsweise auch im Bereich der Europäischen Normen und bei vielen anderen Themen der Fall ist. Doch die schnelle Umsetzung im Alltag steht im Vordergrund. Da sind sicher e-Learning, Webinars und kurze Schulungen ein Thema. Stellen Sie sich vor, alle Anwender eines Smartphones hätten zuerst eine längere Weiterbildung besuchen müssen, um damit umgehen zu können.

Metallbau Stahlbau

Tag, heute wenige Minuten. Die «Bauwerk Daten Modellierung», wie BIM auf Deutsch heisst, macht unter anderem den Spitalbau effektiver. Durch die 3-D-Technik kann man während der Planung das Gebäude mit einer Virtual-Reality-Brille betreten und die jeweils optimalen Wege für das Pflegepersonal und die Patienten finden. So wird im späteren Spitalalltag sehr viel Zeit gespart. Ein anderes Beispiel: Früher hat man im Metallbau Pläne für Bauteile erstellt und diese in einem sehr aufwändigen und teuren Verfahren in die Maschine eingegeben. Heute kann der Plan direkt in die Maschine integriert und dann sofort genutzt werden.

Wie wandeln sich die Arbeitsplätze auf dem Bau? Der Mensch muss heute keine schweren Lasten mehr tragen; das übernimmt der Kran oder die Maschine. Der Ablauf auf der Baustelle wird dank der digitalen Hilfsmittel auch immer besser geplant – die Wege sind kürzer. In den Werkstätten sorgen modernste Luftfilteranlagen für gute Luft. Alternative Energien und sparsamere Maschinen senken den Energieverbrauch. Schutzmassnahmen, Schulung und Training erhöhen die Arbeitssicherheit – angefangen von der attraktiven und zweckmässigen Arbeitskleidung. So tragen beispielsweise die Gerüstbauer ein spezielles Kleidungsstück, das sie am Gerüst befestigen und das Unfälle verhindert. Auch die Lärmbelastung ist deutlich gesunken.

Offen oder verglast, frei stehend oder mit dem Gebäude verbunden – ein Balkon vermittelt zwischen innen und aussen und steigert das Wohnerlebnis. Wir gestalten Balkone von A bis Z inklusive statischer Berechnung.

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AUS- & WEITERBILDUNG

Was bedeutet das für die Tätigkeiten? Heute sind die Berufsleute immer öfter eigentliche Koordinatoren. Das betrifft zum Beispiel den Metallbau ganz stark. Der Metallbauer oder die Metallbauerin muss wissen, welche Werkstücke noch selber hergestellt oder besser fertig oder halbfertig eingekauft werden. Es wird Wissen gebraucht, wo die besten Preise und Qualitäten zu erhalten sind und wie das alles am besten zu organisieren ist. Die MetallbauerInnen brauchen Kenntnisse in der Oberflächenbehandlung und müssen genauer arbeiten als früher. Neben dem technischen und mathematischen Verständnis und den handwerklichen Fertigkeiten sind auch Organisationstalent und Verhandlungsgeschick gefragt. Zudem muss sie oder er wissen, wie die hochwertige und teure Ware sicher transportiert wird, ohne dass Schäden entstehen. Dafür gibt es heute bereits spezielle Techniken. Schliesslich wird auf der Baustelle montiert. Da muss sich der Metallbauer oder die Metallbauerin mit den anderen Baufachleuten vernetzen und mit dem Kunden kommunizieren können.

CHRISTOPH ANDENMATTEN ist Präsident von bausinn.ch und Direktor von AM Suisse. Die schnelle Umsetzung steht auf der Baustelle, wie auch beim Thema Weiterbildung im Vordergrund.

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In-box

Elemento Due von Dellco Tecnica revolutioniert die Konstruktion bodenebener Duschen.

”Form follows function”, dieser Satz des Architekten Louis Henry Sullivan, im Laufe der Jahrzehnte wieder konträr diskutiert, hat seine Gültigkeit endgültig verloren. Längst existieren Form und Funktion gleichberechtigt nebeneinander. Mehr noch, die Funktion muss zwar sichergestellt sein, sich aber immer mehr der Form anpassen. Eine technische Herausforderung, vor allem in so delikaten Zonen wie dem Badbereich, wo sich die zu verbauenden Elemente unterschiedlichen Anforderungen zu stellen haben: Integration in das Gesamtbild, zuverlässige Dichtigkeit, gesicherte Materialbeständigkeit, ökonomische Verarbeitung. Innovativ, revolutionär, rationell Elemento Due, das Komplett-System für eine einfache und dichte Konstruktion

Elemento Due: Das Komplett-System aus Edelstahl für die bodengleiche Dusche

bodenebener Duschen aus der Innovationsschmiede Dellco Tecnica, wird dem Gesamtanspruch an Form und Funktion auf der ganzen Linie gerecht. Das finale Ergebnis erfüllt die architektonischen Vorgaben und begeistert den Auftraggeber. Gleichzeitig erfüllt Elemento Due die Ansprüche der beteiligten Handwerker, weil es nicht nur formal-funktional revolutionär ist, sondern auch den Einbau rationalisiert und so zu einer nicht zu unterschätzenden Arbeitserleichterung für den Sanitärfachmann wie auch den Plattenleger führt. Gewerkeübergreifende Schnittstellen Das All-in-One-System Elemento Due bildet eine homogene Einheit aus Rahmen, Rinne, Schiene und Ablaufsystem mit herausnehmbarem Geruchsverschluss. Dadurch wird die Montage vereinfacht, der Arbeitsprozess beschleunigt. Gleichzeitig erleichtert dieses Konzept die Zusammenarbeit zwischen Sanitärfachmann und Plattenleger durch maximale Kompatibilität der zu verbauenden Materialien. ... und die erweiterte Ausführung, das Elemento Due Plus ist auch schon in Arbeit: Das Komplettsystem mit integrierter Vorrichtung zum Einbau der Glasscheibe für Walk-In-Duschen mit freistehender Seitenwand.

Und noch eine Innovation von Dellco Tecnica: Die ’IN-BOX‘ Das Wandnischen-Bauteil aus Edelstahl ist leicht zu verfliessen und eine echte Innovation in jeder Hinsicht. So werden sich die Installateure und Fliesenleger an der schnellen und einfachen Montage in jeder Bad- und Küchenwand erfreuen. Mit allen gängigen Abdichtungsmaterialien absolut wasserdicht einzubauen – so lässt sich gut arbeiten. Ob als Standard-Version, mit LED-Technik, LED-Flächenlicht aus Corian® oder mit praktischem Haltegriff: Die IN-BOX verkörpert einen optisch ästhetischen Platz für alle Gegenstände, die Ihnen in Bad und Küche wichtig sind. Perfekt. Praktisch. Professionell.

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AUS- & WEITERBILDUNG

GANZ IN DER PRAXIS INNOVATIONEN AUF DEM BAU LERNEN von Iris Wirz

Die klassischen Bilder aus der Baubranche sind Vergangenheit. Sie prägen aber immer noch unsere Vorstellungswelten. Um diese Bilder gerade auch bei der jungen Generation aufzubrechen, braucht es Vorbilder. Wir stellen daher vier vor. der neuen Generation von hydrophilen Verputzarten, die Verschmutzungen durch Algen verhindern. Dieser Putz, welcher vor allem an Wärmedämm-Verbundsystemen angewendet wird, ist biozidfrei und umweltfreundlich. Der Algenbewuchs muss somit nicht mehr mit umweltschädlicher Chemie bekämpft werden. Vielmehr werden die Gesetze der Bauphysik genutzt, um die Bildung von Tauwasser zu verhindern.

TRANSPARENTE BRANDSCHUTZTÜREN PLANEN Ron Mathis befestigt Solarmodule.

V

orurteile über die Baubranche halten sich hartnäckig. So denken beispielsweise junge Frauen nur an Männer, die bei kaltem Wetter im Dreck und im Schlamm stehen. Die Realität sieht oft ganz anders aus. Um solche einseitigen Bilder aus den Köpfen zu bekommen, helfen konkrete und personalisierte Beispiele.

ABDICHTER: SOLARTECHNOLOGIE FÜR DEN BALKON Der 20-jährige Ron Mathis lernt Abdichter, ein Beruf der Gebäudehüllen-Spezialisten. Sein Arbeitgeber Schürch-Egli in Sempach hat ein neues Montagesystem für Solarmodule auf Flachdächern patentieren lassen. Photovoltaik wird dank der viel dünneren Komponenten auch an einer runden Fassade oder an Balkongeländern eingebaut. Ron Mathis: «Bei einem auf Süden ausgerichteten Balkon produzieren die Solarzellen bis zu 70 Prozent des Stroms – und das Geländer verursacht kaum Mehrkosten. Fassaden und Geländer mit Photovoltaik produzieren im Gegensatz zu Dächern selbst im Winter bei tiefem Sonnenstand viel Strom. Und selbst transparente Schattensysteme könnten Strom produzieren.» Das Marktpotenzial

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ist da. Denn immer noch besteht bei über einer Million Gebäude Sanierungsbedarf.

GIPSER-TROCKENBAUERIN: BIOZIDFREI VERPUTZEN Recycling und Langlebigkeit von Materialien sind aktuelle Anforderungen des Klimaschutzes. Mit diesen Themen hat die 18-jährige Angela Koch alltäglich zu tun. Sie macht bei Halter & Colledani in Sarnen eine Zusatzlehre als Gipser-Trockenbauerin. Begeistert ist sie von der ökologischen Seite ihres Berufes, wie zum Beispiel der Recyclierbarkeit von Gipsplatten, oder von

Die 19-jährige Metallbaukonstrukteurin Céline Werren ist in einem Unternehmen tätig, das sich dem Thema Sicherheit verschrieben hat. Die SWM Metallbautechnik in Biglen hat mit ihren 50 Mitarbeitenden neuartige transparente Brandschutztüren entwickelt, die wie normale Schiebe­türen oder Glastüren aussehen. Sie sind zum Beispiel bei SBB, Post, Kantonalbank Bern oder bei Aldi im Einsatz. Auch für den Schutz vor unberechtigtem Zugang zu Gebäuden hat ihr Arbeitgeber Lösungen parat. Sie sind im Sozialbereich, bei Banken und in der öffentlichen Verwaltung gefragt. Nach Terroranschlägen gehen bei SWM Metallbautechnik jeweils entsprechende Anfragen ein. Deshalb liefert das Unternehmen nicht nur transparente Brand-

Angela Koch kümmert sich ganz praktisch um das Klima.


Bei Céline Werren (links) steht Sicherheit ganz oben auf der Agenda.

schutztüren, sondern auch schusssichere Elemente. Beim Schutz vor unberechtigtem Zutritt kommen Iris-Scanner, Gesichtserkennung oder Motorriegelschlösser ins Spiel. Céline Werren plant und konstruiert auch bei Projekten im Bereich Sicherheit mit. Das Unternehmen SWM Metallbautechnik wurde 2016 für seinen vorbildlichen Bausinn ausgezeichnet.

MAURER: DIGITAL VERMESSEN Der lernende Maurer Pascal Ackeret (16) kommt in der Ausbildung mit BIM (Building Information Modeling) in Berührung. Die «Bauwerk Daten Modellierung», wie es auf Deutsch heisst, erschafft das Gebäude erst virtuell. Pascal Ackeret erklärt, wo die digitale Technologie nicht nur Kosten senkt, sondern auch Leben retten kann. «In der Firma Marti haben wir mehrere Projekte mit BIM realisiert. Eins betrifft das Felix-Blatter-Spital in Basel, das bis 2019 fertiggestellt wird. Der Bau von Spitälern profitiert vom BIM extrem, denn die komplizierte und verwinkelte Bauweise eines Spitals kann zum Problem bei der Benützung werden. Durch die 3-D-Technik kann man während der Planung das Gebäude mit einer Virtual-RealityBrille betreten.» Das heisst, dass die jeweils optimalen Wege für das Pflegepersonal und die Patienten gefunden werden.

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Für Pascal Ackeret (rechts) ist BIM kein Fremdwort mehr.

IRIS WIRZ

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AUS- & WEITERBILDUNG

POSITIVE AUSSTRAHLUNG UNTERNEHMEN MIT VORBILDLICHEM BAUSINN von Iris Wirz

bausinn.ch hat 2016 und 2018 Unternehmen aus sechs Baubranchen für ihren vorbildlichen Bausinn ausgezeichnet. Die folgenden drei Firmen haben sich 2018 qualifiziert. Das Wohl der Mitarbeitenden, der Nachwuchs und die Aus- und Weiterbildung liegen ihnen besonders am Herzen.

I

n jeder Branche braucht es Leuchttürme, die eine positive Ausstrahlung haben. Nicht im Sinne eines einzelnen unerreichbaren Solospielers, sondern als Vorbild mit Nachahmer-Potenzialen.

ZUFRIEDEN UND SICHER Das Regensdorfer Gerüstbauunternehmen Meier + Ritter AG fördert aktiv die Aus- und Weiterbildung sowie die Gesundheitsvorsorge von Mitarbeitenden. So wird täglich vor Arbeitsbeginn gemeinsam ein Training zur Gleichgewichtsförderung verbunden mit einem Aufwärmprogramm durchgeführt, um muskuloskelettale Erkrankungen zu verhindern. Das Personal kann so nicht nur länger im Arbeitsmarkt bleiben, sondern das Wissen auch an die Lernenden weitergeben. «Uns geht es nicht nur ums Nehmen, sondern wir legen auch viel Wert darauf, unseren Mitarbeitenden etwas zurückzugeben. Durch unseren Aufwand sind sie nicht nur motiviert und zufrieden, sondern auch sicherer unterwegs», erklärt Blasius Böll, Geschäftsleiter, Meier + Ritter AG. Die 1971 in Zug gegründete Meier + Ritter AG bietet Fassadengerüste, Spengler- und Dachdeckergerüste, Zugänge, Treppentürme, Bauaufzüge, Kamingerüste und Notdächer für sicheres Arbeiten am Bau an. Um den Qualitätsanforderungen der Kunden gerecht zu werden, passt sich die Firma fortlaufend an Entwicklungen in der Branche und an Fortschritte im Gerüstbau an. Die Meier + Ritter AG ist 2018 für vorbildlichen Bausinn ausgezeichnet worden.

Der Metallbau kommuniziert nicht nur mit anderen Materialien wie Glas, sondern auch mit der Sonne.

die komplette Palette eines Metallbauunternehmens abgedeckt. Grundvoraussetzung für das Erreichen der Ziele sind die interessierten und engagierten Mitarbeitenden. Um auch in Zukunft den zunehmenden Anforderungen der Kunden gerecht zu werden, nutzt die Frei Metallbau AG neue Planungssoftware-Möglichkeiten zu ihren Gunsten

und plant damit nicht nur schneller, sondern auch agiler. Einen Schwerpunkt setzt das Unternehmen auf neue Technologien: Zu 80 Prozent verwendet es selbst gewonnene Solarenergie, und zu 50 Prozent wird mit dieser auch Auto gefahren. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem Nachwuchs. «Unsere Mitarbeitenden gehen nicht nur

FLACHE HIERARCHIEN Das Familienunternehmen Frei Metallbau AG aus Herrliberg wird bereits in der vierten Generation geführt. Mit 98-jähriger Erfahrung wird das traditionelle Handwerk aufrechterhalten; gleichzeitig werden ständig innovative Arbeitsmethoden und Vorgehensweisen entwickelt. Mit bereits 33’333 schweizweit durchgeführten Projekten im Metallbau wird

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Qualität im Gerüstbau schafft Sicherheit auf dem Bau und an Events.


kollegial und respektvoll miteinander um, sondern sie werden auch in den Betriebsprozess integriert. Bei unserem Betriebskonzept 4.0 erhalten sie auch Entscheidungsmöglichkeiten und können mitbestimmen, wie die Arbeitsplätze und Maschinen umgestellt werden sollen. Durch das Konzept werden Arbeitsprozesse vereinfacht und rationalisiert», präzisiert Fabian Frei, Geschäftsleiter, Frei Metallbau AG.

FÜR PROFIS.

NACHWUCHS HAT VORFAHRT Die schweizweit und international tätige rund 300-köpfige Vanoli AG aus Zofingen setzt auf gut ausgebildete Fachkräfte, die digitale Arbeitsgeräte bedienen und den zum Teil komplexer werdenden Bauablauf ganzheitlich nachvollziehen können. Der Nachwuchs wird auf diese Herausforderungen vorbereitet, indem ihm selbstständige Arbeitsbereiche übertragen werden und er Lehrlingsprojekte von A bis Z ausführen kann. Bis zu 20 Ausbildungsplätze bietet die Vanoli AG in der Deutschschweiz sowie in der Romandie an und bildet den Nachwuchs in verschiedenen Berufen aus. «Bei uns steht der Mitarbeiter im Vordergrund. Er wird auf seine Aufgaben vorbereitet und ausgebildet. Jeder Lernende wird durch einen fix zugeteilten Praxisbildner ausgebildet und lernt verschiedene Tätigkeiten und Abläufe kennen. Da alle Lernende während der Ausbildung einen Fremdeinsatz absolvieren, wird das Verständnis für die Abläufe und Mechanismen im gesamten Unternehmen gestärkt», fasst Anne Chantal Sigrist das Konzept zusammen. Sie ist Leiterin Nachwuchsförderung und Entwicklung bei der Vanoli AG, die in diesem Jahr von bausinn.ch als vorbildlich ausgezeichnet worden ist. Die Haupttätigkeit der Vanoli AG besteht in der Bearbeitung von Projekten in den Bereichen Gleisbau, Gleistiefbau, Bahnbau, Bahnsicherheit, Tiefbau, Betonbau, Pressbohrvortrieb, Projektmanagement und Erhaltungsmanagement.

Den Nachwuchs von Anfang an in Planung und Projekte mit einbinden.

IRIS WIRZ ist Geschäftsführerin von bausinn.ch.

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© Carmen Helde

Karriere und private Vorhaben unter einen Hut bringen. Die grafische Infotafel der Gruner Gruppe gibt Hinweise.

BAUINGENIEURE GESUCHT ERWARTUNGSHALTUNGEN VON ARBEITGEBERN UND STUDENTEN von Georg Lutz

Im April warteten Personaler an einem HR-Anlass der ETH Zürich, fast schon sehnsüchtig, auf die Masterabsolventen im Fachbereich Bauingenieure, um ihren Fachkräftemangel zu lindern. bauRUNDSCHAU war vor Ort und sprach mit einigen Firmenverantwortlichen, wie sie ihre Kommunikationsstrategie ausrichten.

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rücken, Tunnels, Umwelttechnologie, Wasserkraftanlagen, Strassen- und Schienennetze sowie Wohn-, Büro- und Industriebauten – die Aufgaben von Bauingenieuren sind vielfältig und anspruchsvoll. Sie spielen in unserem täglichen Leben eine nicht mehr wegzudenkende Rolle und müssen immer höheren Ansprüchen genügen. Unsere moderne Gesellschaft braucht eine zuverlässige, leistungsfähige und sichere Infrastruktur. Nur gilt das Berufsbild nicht gerade als prickelnd. Dieses Bild bestätigt Adrian Kohler von der Gruner Gruppe. Die Ausgangslage stellt sich für ihn wie folgt dar. «Wir suchen neue Leute und haben offene Stellen zu besetzen. Berufseinsteiger, Praktika, aber auch Quereinsteiger. Die Planungs- und Ingenieursbranche kämpft mit ihrem Ruf. Der ist

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nicht gerade sexy.» Das liegt nicht unbedingt in den Tätigkeiten begründet, führt er weiter aus, sondern eher am Ruf der Unternehmen. Das sind traditionsreiche Unternehmen, die historisch gewachsen sind. «Die Verantwortlichen sind eher konservativ gestrickt. Der Brand wirkt für viele junge Interessierte verstaubt.»

HANDLUNGSFELDER ANGEHEN Was kann man in solch einer Situation machen? Adrian Kohler warnt vor überstürztem Aktionismus. «Man kann eine super Marketingkampagne aufbauen und ein Feuerwerk an Sprechblasen und optischen Gefälligkeiten raushauen. Dann sind die Leute, aber schnell wieder weg. Der Theorie-Praxis-Gap ist einfach zu gross. Wie kann man es besser machen? Für Kohler geht es um moderne Arbeitsformen

und moderne Führung. Modern gestalten heisst nicht in erster Linie mit der neusten Software zu glänzen oder coole Rechner auf trendigen Schreibtischen zu platzieren. Es geht in erster Linie um eine gute Atmosphäre. Das ist der wesentlich wichtigere Hebel. Warum ist die Gruner Gruppe bei diesem ETH-Anlass? «Wir wollen weniger reden, sondern mehr zuhören», betont Kohler. Und weiter: «Wir haben die Masterabsolventen zu einem Workshop eingeladen und sind dann an dieses Kontakttreffen gegangen. Wir erscheinen hier nicht mit dem Lautsprecher, sondern mit dem Mikrofon.»

BEDÜRFNISSE EINSPEISEN Die Studierenden und Absolventen wollen, dass sie es mit einem Unternehmen zu tun haben, welches mit ihnen wächst. Die


AUS- & WEITERBILDUNG

Diese Punkte bestätigen die These, dass für die aktuell junge Generation gemeinsame Werte, die gerade aufgeführt wurden, wieder eine wichtigere Rolle spielen. Im Gegensatz zur «Generation Golf», bei der das Individuum und die Karriere viel mehr im Vordergrund standen. Es geht heute um sinnhafte Arbeit, die in einem spannenden Team stattfindet. Das Sichtwort «Work – Life – Balance» spielt auch eine wichtige Rolle, wird aber oft nur oberflächlich verwendet. Aus Arbeitgebersicht wird oft zu schnell der Stab über diesem Thema gebrochen. Es geht nicht darum, etwas Fun zu haben, im Gegenteil, die gute Verbindung von voller Leistungserbringung und eine Flexibilität, die die jeweiligen privaten Bedürfnisse wie ein Kinderwunsch unter einen Hut bringt, steht im Vordergrund.

GENDER GAP VERKLEINERN Wie sieht der Gender Gap aus? Das Thema Bauingenieur ist sicher noch sehr männlich geprägt. Aktuell sind in den Masterklassen zwischen 60 und 70 Prozent Männer. Aber es sind umgekehrt auch 30 Prozent Frauen, die sehr aktiv sind. Das haben auch die Diskussionen an dem Anlass gezeigt. Als Unternehmen darf ich nicht nur die männlich geprägten Normkarrieren im Hinterkopf haben. Was spricht denn Frauen in diesem Beruf an? Im Bereich Umwelttechnik hat die Gruner Gruppe inzwischen einen höheren Frauenanteil. Hier spielt nicht nur um das Thema Umwelt eine Rolle. Die Sensibilitäten von Arbeitgeberseite sollten geweckt sein. Abschliessend betont Kohler: «Wir haben aus diesem ETH-Anlass wieder viel mitgenommen. Uns wird der Spiegel vorgehalten. Jetzt müssen wir genau analysieren, was wir wie umsetzen können.» An dem ETH-Anlass sind weitere Handlungsstrategien erkennbar. So verweist

© Carmen Helde

grosse Angst, trotz der guten Qualifikation, ist, dass sie in eine Maschine kommen, in der sie zurechtgebogen werden. Das läuft dann nach dem Motto: Hier haben Sie Ihren Arbeitsplatz und ab heute können Sie funktionieren. Diese Menschen wollen aber aufgenommen und unterstützt werden. Es gibt einen zweiten wichtigen Punkt. Die Studierenden wollen von ihrem zukünftigen Arbeitgeber eine Arbeitsumgebung vorfinden, bei der Stichworte wie Team, flache Hierarchie oder Kollegialität wichtig sind.

Personaler stellen sich nicht nur zur Verfügung und reagieren, sondern agieren offensiv.

Jacqueline Pauli von zpf. Ingenieure auf ihre kleinen, persönlichen Strukturen, die aber spannende und berühmte Bauwerke realisiert haben. Dazu gehört das VitraHaus in Weil am Rhein oder das Kunstmuseum in Basel. «Das fällt auch den potenziell Interessierten auf.» Die roten Profi-Werkzeuge von Hilti kennt nun fast jeder, der schon an einer Baustelle vorbeigelaufen ist. René Salu von Hilti setzt auf Kommunikation im Internet. Für ihn spielt bei Xing oder Linkedin die erste Geige, um zu neuen Fachkräften zu kommen. Anna Fankhauser von der B + S AG will in erster Linie mit den Besucherinnen und Besuchern persönlich in die Kommunikation einsteigen. Mund-zu-Mund-Propaganda ist für sie immer noch sehr wirksam. «Es geht eben nichts über ein persönliches Netzwerk, das man bei Bedarf aktivieren kann.» Für Daniela Fortunato von AF TOSCANO ist es fast ein Naturgesetz, hier zu sein. Ich muss auf solchen Messeterminen Präsenz zeigen. Solch eine Aussage würden andere Messeveranstalter heutzutage sicher auch

gerne hören. In Rotkreuz liess die Roche Diagnostics International AG ein zentrales Verwaltungsgebäude errichten. Mit der Glasfassade sowie den tragenden Stützen stellt es sich als atemberaubendes Gebäude dar, das mehr ist als nur ein Betonbau. Die SACAC AG war hier führend beteiligt. Solche Gebäude brauchen enormes Fachwissen, und die Verantwortung ist gross. Lukas Unteregger von der SACAC sucht nicht nur an diesem ETH-Anlass kommende Fachkräfte, die solche Bauten mit realisieren. Da können wir von bauRUNDSCHAU nur viel Erfolg wünschen. Der Bedarf an qualifizierten Bauingenieuren ist gross.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.bs-ing.ch www.gruner.ch www.hilti.ch www.toscano.ch www.zpfing.ch

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AUS- & WEITERBILDUNG

ALTER BAUSTOFF UND GANZ NEUE HERAUSFORDERUNGEN FIT FÜR EINE DIGITALE BAUKULTUR von Thomas Rohner

Die Baubranche ist in der digitalen Transformation angekommen. Schlagworte wie BIM prägen den Geschäftsalltag. Wie gehen Anbieter von Weiterbildungskursen mit diesem Kulturwandel um? Der folgende Beitrag beleuchtet die Strategie der Berner Fachhochschule BFH.

D

ie Methode Building Information Modeling BIM etabliert sich in der Schweizer Bauwirtschaft zusehends. Immer mehr Projekte werden mittels digitalem Zwilling geplant, simuliert, gebaut und geleitet. Beim Holzbau, der durch seinen hohen Vorfertigungsgrad eine Vorreiterrolle innehat, wird heute bereits ab dem BIM-Modell produziert. Aber welche Veränderungen bringt die Digitalisierung im Holzbau, und was braucht es noch, dass sich BIM definitiv durchsetzt?

DIE EXZELLENZ HOLZ ALS WEGBEREITER IM BAUWESEN Der Holzbau übernimmt die Rolle des Wegbereiters im Bauwesen. Wie kann es sein, dass ein derart alter und traditioneller Baustoff eine Vorreiterrolle spielt? Die Antwort liegt in einer Schwäche des Holzbaus, der Witterungsabhängigkeit. Auf den ersten Blick erscheinen Frage und Antwort widersprüchliche Bilder zu erzeugen. Bei näherem Hinsehen löst sich der Widerspruch aber auf. Die geschilderte Situation führte schon in der Vergangenheit dazu, dass möglichst viele Bauprozesse weg von der Baustelle in die Werkstatt verlagert wurden, womit der wichtigste Schritt der Vorfertigung vollzogen war. Die konsequente Vorfertigung verlangt nach einer koordinierten Planung und nach dem Vorhandensein aller Planungsdaten.

Komplexe Holzkonstruktion, SWATCH-Gebäude in Biel, Architektur: Shigeru Ban.

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Heute wird bereits ab 3-D-Modell produziert. Planung und Produktion sind also bereits sehr eng vernetzt. Es handelt sich aber um geschlossene BIM-Systeme mit wenigen oder keinen Schnittstellen nach aussen. Damit die Kommunikation mit anderen Projektbeteiligten über das BIMModell laufen kann, müssen beispielsweise Fachinformationen hinzugefügt werden. Das gemeinsame Format heisst


AUS- & WEITERBILDUNG

IFC (Industry Foundation Classes). Bildlich kann man sich IFC als Umzugskarton vorstellen: man packt zum Beispiel Produkt­ informationen hinein und erwartet, dass diese ohne Verluste oder Beschädigungen beim Empfänger ankommen. Aber nicht nur die Planungsmodelle werden sich ändern, sondern auch die Prozesse während der Bauphase. So werden in Zukunft zum Beispiel auch Bausitzungen stark digital getrieben sein. Es müssen also auch nicht mehr alle Beteiligten vor Ort auf der Baustelle sein. Aber ist das immer besser? Eine grosse Herausforderung wird sein, die zwischenmenschliche Qualität nicht zu verlieren.

NEUE DIGITALE BAUKULTUR ENTSTEHT Dieser Wandel vom analogen zum digitalen Bauen bedingt, dass sich eine neue digitale Baukultur entwickelt. Die Integration von Plänen, Daten und Produktdefinitionen im BIM-Modell reicht nicht aus, um eine breite Akzeptanz und Umsetzungskompetenz zu erreichen und das Potenzial der Methode auszunutzen. Es braucht weit mehr. Es braucht einen Kulturwandel. BIM wird heute in Projekten zwar häufig gefordert, aber (noch) nicht verstanden. So werden beispielsweise von der Baukommission die Pläne dann schlussendlich dennoch in Papierform angefordert.

KEIN PATENTREZEPT FÜR KULTURWANDEL Ein Patentrezept für den Kulturwandel gibt es nicht. Wichtig erscheint, dass der

BERNER FACHHOCHSCHULE Im Baubereich zählt die Berner Fachhochschule zu den führenden Schweizer Hochschulen. Mit dem umfassenden Bildungsangebot sowie der starken Ausrichtung auf die angewandte Forschung und Entwicklung gilt sie als Kompetenzzentrum für die Holz- und Baubranche. Aktuelle Kurse der Weiterbildung sind: • Kurs Projektmanagement • Kurs Erdbebengerechte Holzbauten • CAS Holztragwerke • CAS Strassenverkehrssicherheit (ab Herbst 2018 auch auf Französisch) • CAS Strassenverkehrsanlagen und Geotechnik www.ahb.bfh.ch/wb

Komplexe Fertigungsprozesse im Holzbau.

Wandel ohne äusseren Zwang erfolgt. Die Beteiligten müssen Lust an der neuen Technologie und Methode verspüren. Als Fachhochschule ist wichtig, dass wir unseren Teil zu diesem Kulturwandel beitragen. Wir entwickeln und vermitteln neue Wissensinhalte und Kompetenzen, neue Wege in der Didaktik und Methodik für die Aus- und Weiterbildung zur optimalen Förderung von jungen, zukünftigen Leistungsträgerinnen und Leistungsträgern, die mit Leichtigkeit und Freude an neue Technologien herantreten. Andererseits wollen wir auch bei anderen Akteuren Akzeptanz schaffen. Deshalb beinhaltet unsere BIM-Roadmap nicht nur den Teil BIM4students, sondern auch BIM4staff, BIM4externals und BIM4research. Damit garantieren wir einerseits die Verknüpfung von Forschung und Lehre und übernehmen andererseits Verantwortung durch eine aktive Mitarbeit in schweizerischen und europäischen Kommissionen. Mit der einmaligen Kombination der Kompetenzen im Holzbau, der Architektur und des Bauingenieurwesens können wir bei dieser Weiterentwicklung einen wertvollen Beitrag leisten. Forschungen dazu werden im neu gegründeten Institut für digitale Bau- und Holzwirtschaft der Berner Fachhochschule bearbeitet. Die BFH integriert BIM sukzessive in alle Lehrgänge, in ganzen Blockkursen wie den Special Weeks oder Projektwochen; interdisziplinär und methodisch vielfältig. Zudem bietet die BFH-Weiterbildungen wie Informationsveranstaltungen, Modulkurse oder CAS an. Die Angebote in der Weiterbildung richten sich hauptsächlich an Berufsleute des oberen Kaders, die sich mit BIM befassen

und weiterbilden wollen. Das CAS Digitale Vernetzung im Holzbau (nächste Durchführung: Frühjahr 2019, www.ahb.bfh.ch/ casdigitalevernetzung) beispielsweise versetzt Teilnehmende in die Lage, Planungsund Produktions­prozesse nach BIM und Industrie 4.0 zu verstehen und zu führen. Unter der internationalen Leitung von buildingSMART arbeiten wir mit anderen Fachhochschulen und Universitäten sowie «Bauen digital Schweiz» an Lehr- und Lernzielen neuer BIM-Ausbildungslehrgänge. Hier unterstützen auch Soziologinnen, Kommunikationsfachleute und MethodikSpezialisten. Dank dieser transdisziplinären Vernetzung ist das Fundament für eine digitale Baukultur gelegt.

IN RICHTUNG SELBSTVERSTÄNDLICHKEIT Der Holzbau hat jahrzehntelange Erfahrung darin, was es braucht, um eine Selbstverständlichkeit zu erreichen. Beharrlichkeit, ehrliche Argumentation, Forschung und ganz viele, erfolgreiche Beispiele haben dazu geführt, dass Holz als Baustoff eine unbestrittene Selbstverständlichkeit erreicht hat. BIM wird genau dasselbe erleben. Höchstwahrscheinlich werden wir in einigen Jahren nicht mehr von BIM sprechen, aber die Methode wird bleiben und selbstverständlich werden.

THOMAS ROHNER ist Professor für Holzbau und BIM an der Berner Fachhochschule BFH. www.ahb.bfh.ch

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KOLUMNE

DIGITALE TRANSFORMATION MUSS NICHT ROCKET SCIENCE SEIN! von Professor Dr. Stella Gatziu Grivas

D

ie digitale Transformation ist in aller Munde und zwingt die Unternehmen zum Handeln. Auch für die Baubranche bietet die digitale Transformation viele Chancen. Dafür braucht es neben einer ganzheitlichen Digitalisierungsstrategie vor allem ein Investment in entsprechende personelle Ressourcen. Der Begriff digitale Transformation wird geradezu inflationär verwendet. Doch worin besteht die digitale Transformation konkret? Da gehen die Meinungen weit auseinander. Der Begriff beinhaltet einerseits eine digitale Evolution. Damit ist der Entwicklungsprozess der verschiedensten technologischen Errungenschaften gemeint, der schon seit langer Zeit besteht. Die stetige Verbesserung ermöglicht immer neue Wege, Produkte auf dem Markt anzubieten, Projekte durchzuführen, mit Kunden und Partnern zu kommunizieren beziehungsweise sie zu beraten und Prozesse zu optimieren, indem Medienbrüche eliminiert werden. Andererseits besteht die digitale Transformation aus Disruption. Hierbei werden komplett neue Businessmodelle entwickelt, die das Unternehmen ganz neu im Ökosystem positionieren. Es entstehen neue Organisationsformen und Partnerschaften. In der Baubranche wird die digitale Transformation oft mit der Einführung des «Building Information Modelling» (BIM) als eine zentrale technologische Neuerung in Verbindung gebracht. Die damit verbundene durchgängige, zentrale Verwaltung und Koordination von Projektinformationen hat grosse Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse und die Art der Zusammenarbeit bei Bauprojekten. Veränderte Arbeitsprozesse führen zu neuen «digitalen» Berufsbildern. Denn die Digitalisierung eliminiert nicht nur Arbeitsstellen, sondern schafft gleichzeitig auch neue Tätigkeitsfelder. Anders gesagt: Eine erfolgreiche Digitalisierung benötigt entsprechende Ressourcen. Daher sind spezifische Weiterbildungsangebote zentral für Mitarbeiter in allen Stufen. Diese neuen Rollen wirken sich auf die Strukturen der Unternehmen aus. Geschäftsmodelle fallen weg, gleichzeitig entstehen neue. Für

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die stark von KMU getriebene Planungs- und Baubranche ist dies ein kritischer Punkt, was die unternehmerische und gesellschaftliche Entwicklung betrifft, denn genau dort besteht die digitale Transformation aus Disruption. Die Baubranche gehört jedoch generell zu den Branchen mit einem tendenziell geringen Digitalisierungsgrad. Entsprechend herrscht nicht selten eine eher abwartende Haltung vor, was Digitalisierungsbemühungen betrifft. Das gilt vor allem für kleine und mittlere Unternehmen. Sie verpassen dabei die Chance, mithilfe neuer Technologien Prozesse und Zusammenarbeit zu optimieren und das Unternehmen ganzheitlich zu transformieren. Die Verantwortlichen sollten sich jedoch keinesfalls zu digitalen «Schnell­schüssen» verführen lassen. Besonders KMU profitieren von einem einfach anwendbaren und ganzheitlichen Vorgehen für die Festlegung der strategischen Stossrichtung und die Steuerung der Umsetzung. Immer mit dem Gesamtunternehmen im Fokus. Voraussetzung dafür ist eine Standortbestimmung. Zudem müssen die technologischen Möglichkeiten eruiert werden. Dann können systematisch die Bereiche definiert werden, wo eine Transformation angegangen werden soll – nachhaltig. Das bedeutet, möglichst mit bestehenden Ressourcen zu arbeiten und den Faktor Mensch nicht zu vergessen. Digitale Transformation muss nicht Rocket Science sein!

PROFESSOR DR. STELLA GATZIU GRIVAS ist Leiterin des Kompetenzschwerpunkts Cloud Computing, Digitalisation & Transformation der FHNW und Mitgründerin des FHNW Spin-offs abiliCor. www.fhnw.ch


Sie möchten Ihre Fassade begrünen und suchen dafür die optimale Lösung? Mit KletterMax bieten wir Ihnen ein ausgeklügeltes System für Ihr Fassadengrün. KletterMax ist leicht und auf allen Unterlagen montierbar, rostet nicht und lässt sich beliebig neu zusammenbauen. So dass Ihr Spalierobst, Ihre Kletterrosen und Clematis wunderschön aufblühen und nicht durch die abgestrahlte Wärme der Wand verbrannt werden. Fassadenbegrünungen sehen nicht nur schön aus, ihr Schattenwurf fungiert auch als Wärmedämmung und trägt zu einem angenehmen Wohnklima bei. Setzen Sie auf KletterMax und lassen Sie Ihre Pflanzen in den Himmel wachsen. Neofas AG Ringstrasse 24 CH-8317 Tagelswangen Telefon +41 52 354 51 00 www.neofas.ch


KÜNSTLICHE NATÜRLICHKEIT DER CHARME VON GARTENAUSSTELLUNGEN von Georg Lutz

Natürlich sind Naturschutzgebiete, aber nicht unsere Gärten. Trotzdem sehnen wir uns nach «der Natur». Diese Sehnsucht präsentiert sich bei den Projekten von Gartenbauern, die sie in dem künstlichen Umfeld von Messehallen, mit viel Liebe zum Detail, realisieren. Die Giardina hat hier den Anspruch, selbst Themen aufzugreifen, die von führenden Gartengestaltern umgesetzt werden. Während in den Nullerjahren durch die architektonische Beeinflussung eine gewisse geometrische Strenge in der Bepflanzung und Gesamtinszenierung der Gärten vorherrschte, folgt die Giardina bei den jüngsten Ausgaben dem gesellschaftlichen Trend hin zu mehr Natürlichkeit – genauer gesagt der künstlichen Natürlichkeit. Gärten, die dank der Pflanzenvielfalt dem Menschen Erholungsraum mit einheimischer Fauna, Schutz und Nahrung bieten, sind heute gefragter denn je.


© MCH Messe Zürich / Giardina


© MCH, Messe Zürich

GARTEN

«Out of Africa» von Berger Gartenbau ist eine atemberaubende mediterrane Gartenlandschaft, akzentuiert mit einer Einrichtung von Livingdreams.

WECHSELNDE HERAUSFORDERUNGEN HEUTIGE GARTENWELTEN AN DER GIARDINA von Georg Lutz

Die Schweizer Gartenbranche spiegelt jedes Jahr aufs Neue, im Rahmen der Giardina, das Leben im Garten. Im März feierte die international grösste Indoor-Gartenveranstaltung einen runden Geburtstag. Die 20. Ausgabe stand auf der Agenda der Besucher. Es ist immer wieder imposant zu erleben, wie aus nüchternen Messehallen spektakuläre Gartenwelten sich entwickeln. Der Blick zurück zeigt zudem auch, wie sich der Fokus auf den Garten und Herausforderungen im Garten gewandelt haben. Wir waren an der Giardina und haben einige zentrale Trends aufgeschnappt. Zudem präsentieren wir einige ausgewählte Lösungen, die sich zu Leuchtturmobjekten entwickeln könnten. Seite 70 // bauRUNDSCHAU


© Georg Lutz

A

ls die Giardina 1997 erstmals parallel zur muba in Basel stattfindet, dominieren schlichte Rasenflächen mit willkürlichen Bepflanzungen, wenig einladende Sitzplätze und schauderhafte Betonkübel das Bild des Schweizer Gartens. In den Neunzigerjahren steigt aber der Anteil an Wohneigentum. Die Garten­ bilder verändern sich. Der Garten rückt in der Gesamtgestaltung des Eigenheims zunehmend in den Fokus.

© Georg Lutz

Patrick Allmann, Initiant und Gründer der Giardina, erkennt das steigende Bedürfnis nach einem Gegenpol zum immer schneller werdenden Alltag und hat die Vision einer Ausstellung, die dem Leben im Garten eine Bühne gibt. Er findet mit der Messe Basel einen Partner, und zusammen kreieren sie die Veranstaltung, die eine neue Schweizer Gartenkultur einläuten sollte. «Die Giardina ist heute ein unverzichtbarer Wirtschaftsmotor für die Gartenbranche und bestimmt die Konjunktur des Markts massgeblich mit. Zusammen mit den besten Gartengestaltern aus der Schweiz und dem nahen Ausland erschaffen wir jährlich ein Gartenerlebnis, welches europaweit einzigartig ist», betont Christoph Kamber, Exhibition Director der Giardina.

SCHAUFENSTER DER GRÜNEN BRANCHE Einer, der diese Wende in der Schweiz geprägt hat, ist Enzo Enea. Als die Giardina als Sonderausstellung der muba erstmals «Bühnenpräsenz» erhält, gehört er als Aussteller zur treibenden Kraft. Nachdem sich der Visionär bereits auf die grosse Schaubühne internationaler Gartenkunst getraut und an der international renommierten Chelsea Flower Show einen der begehrten Awards gewinnt, beflügelt er mit seiner innovativen Denkund Arbeitsweise auch die Visionen der Giardina. 1999 baut er an der Giardina erstmals einen Garten in Originalgrösse und lanciert das Herzstück der Ausstellung: lebensgrosse Schaugärten. Der grosse Erfolg inspiriert eine ganze Branche. In den folgenden Jahren werden die Schaugärten an der Giardina zum Mekka für Gartenliebhaber und Eigenheimbesitzer. «Den Machern der Giardina gelingt es Jahr für Jahr, die richtigen Entwicklungen in der Gartenbaukunst zu erkennen und diese zukunftsweisend umzusetzen», sagt Carlo Vercelli, Geschäftsführer JardinSuisse.

«AfterWork» präsentiert die Spross Ga-La-Bau AG eine Komposition aus ungenutzten Schiffscontainern und Gegenständen des Alltags. Das ist ein Symbol der globalen Welt im privaten Refugium neu interpretiert.

ANZIEHUNGSKRAFT BEI BESUCHERN Dass die Giardina auch nach 20 Jahren nicht an Faszination verloren hat, führt Enzo Enea auf die realitätsnahen Präsentationen zurück. Die Giardina entführt die Besucher jährlich in eine Gartenwelt mit reellen Düften und Texturen und präsentiert eine wahnsinnige Vielfalt an Pflanzen, Materialien und Produkten, erklärt der renommierte Gartenarchitekt. Das Ziel der Ausstellungsmacher ist es denn auch, der Gartenbranche künftig einen Rahmen zur Verfügung zu stellen, innerhalb dessen sich Publikums- und Fachbesucher von sinnlichen Gartenwelten inspirieren lassen können. «Die Möglichkeit, sich an einem Ort zu verschiedenen Themen inspirieren zu lassen und aus der virtuellen Welt herauszubrechen, ist einmalig. Und dies jährlich

zu einem Zeitpunkt, wo sich Menschen nach grauen Monaten auf das Erwachen der Natur freuen», sagt Enzo Enea, Enea Landscape Architecture.

AM PULS DER ZEIT Ein wichtiger Grund für den anhaltenden Erfolg der Giardina ist der Anspruch der Macher, stets Themen aufzugreifen, die von führenden Gartengestaltern umgesetzt werden. Während in den Nullerjahren durch die architektonische Beeinflussung eine gewisse geometrische Strenge in der Bepflanzung und Gesamtinszenierung der Gärten vorherrschte, folgt die Giardina bei den jüngsten Ausgaben dem gesellschaftlichen Trend hin zu mehr Natürlichkeit. Gärten, die dank der Pflanzenvielfalt dem Menschen wertvollen Lebensraum und der einheimischen Fauna Schutz und Nahrung bieten,

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© MCH, Messe Zürich

© MCH, Messe Zürich

GARTEN

«Il dolce far niente» zeigt, im Rahmen einer grünen Idylle, einen Badebrunnen aus Calanca Gneis und ein wunderschönes Liegebett, gestaltet von Egli Grün.

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© MCH, Messe Zürich

GARTEN

«Herbert & Helen» ist ein Naturgarten, der auf Familienleben ausgerichtet ist und auf wenig Raum sogar einen Badeteich beinhaltet, von Winkler Richard Naturgärten.

ZENTRALER WOHNRAUM Unabhängig von der Grösse des Aussenbereiches lässt sich jeder Wohn- und Lebensraum um ein Naturparadies erweitern. Selbst kleine Innenhöfe und Vorgärten, die früher als einfache Grünflächen gehalten wurden, werden zu kompakten Gärten

mit Wohnqualität gestaltet. Dabei verlangen kleinere Räume genauso viel Planung und sollten auf die Lebensgewohnheiten der Bewohner zugeschnitten sein, ohne jedoch überladen zu wirken. «Je kleiner ein Garten ist, umso grosszügiger muss er geplant sein», bestätigt Peter Richard von Winkler Richard Naturgärten. «Das Spiel mit Weiten und der Einsatz von Nischen und getrennten Lebensbereichen sorgen für grosszügige Perspektiven.» Dabei soll der Raum im Freien nicht nur grosszügig erscheinen, sondern auch ganzjährig für ein optisches Highlight sorgen. Marcel Egli von Egli Grün Sirnach erklärt: «Da kleine Gärten oft direkt vom Wohnzimmer aus sichtbar sind, sollte die Gestaltung auch im Herbst und Winter attraktiv wirken. Bei der Planung wählen wir deshalb gerne eine Kombination aus immergrünen Gehölzen und Pflanzen mit Herbstfärbung oder setzen markante Wuchsformen als Blickfang ein.»

© Georg Lutz

sind heute gefragter denn je. Dieser Wunsch geht einher mit den Auswirkungen des Klimawandels. So müssen Pflanzen mehr Stress aushalten. Als Gestalter des Aussenraumes steht die Gartenbranche heute der Natur Pate. Die individuell vorgefundenen Bedingungen sind aber immer unterschiedlich. Daher braucht es Planungen, die mit dem Ort kommunizieren. Die Integration von Gärten in die Architektur und Städteplanung sowie die Berücksichtigung der Biodiversität sind wichtiger denn je. Gartengestalter können nicht nur den Lebensraum verschönern und die Lebensqualität verbessern, sondern auch das Mikroklima positiv verändern. «Mit unseren Gärten wollen wir mit einer grossen Vielfalt an Pflanzen wertvollen Lebensraum für den Menschen schaffen und gleichzeitig der einheimischen Fauna Schutz und Nahrung bieten», sagt Peter Richard, Winkler Richard Naturgärten.

HERAUSFORDERUNGEN THEMATISIEREN Auch im Jubiläumsjahr richtet sich der Blick auf eines der grossen Themen in unserer Gesellschaft: die Gestaltung des Wohn- und Lebensraums in Zeiten hoher

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GARTEN

© Georg Lutz

Bodenpreise, zunehmender Urbanisierung und verdichteten Bauens. Die besten Gestalter der Schweizer Gartenszene kreieren passend zum Thema kleine und grosse Schaugärten, welche das Publikum und die Fachbesucher gleichermassen inspirieren werden. Gleichzeitig widmet sich die Giardina der Ausseneinrichtung: «Die moderne Bauweise mit grossen Fensterfronten rückt den Garten visuell viel stärker in den Fokus als früher und bedarf einer wohnlichen Inszenierung», so Antoine Berger, Berger Gartenbau.

INDIVIDUELL WIE DAS WOHNZIMMER

© MCH, Messe Zürich

Auf dem Vorplatz des Messegeländes präsentieren Feuerring und Chris Züger Gaumenfreuden. Lodernde Flammen zeichnen das Bild einer einzigartigen kulinarischen Reise voller Wärme und Geselligkeit.

Während früher einfache Plastikmöbel und Sonnenschirme die Gärten dominierten, finden Kunden heute bei der Einrichtung des Aussenraums viel Design und schönes Handwerk. «Gerade in kleineren Aussenräumen arbeiten wir oft mit Gartenmöbeln auf Mass. Massgefertigte Tische oder Loungemöbel nutzen den Raum ideal aus und sorgen so für perfekt abgestimmte Proportionen», weiss Nicole Hoch von Living­ dreams. Textilien aus fliessenden Stoffen

Im «Tanz der weissen Blüten» entsteht ein Garten nach dem Vorbild klassischer englischer Architekturgärten. Hier lässt die STOBAG AG weisse Blüten tanzen.

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© MCH, Messe Zürich

GARTEN

und weichen wetterfesten Materialien sind echte Stimmungsmacher und sorgen auch draussen für ein wohnliches Ambiente. «Hochwertige und zeitlose Möbelstücke lassen sich durch den Einsatz von wunderschönen Kissen, organisch geformten Lampen oder verspielten Laternen immer wieder neu erfinden», bestätigt Nicole Hoch. Mit Töpfen, Gefässen und Körben werden Pflanzen und Blumen perfekt in Szene gesetzt. Eine durchdachte Aussenbeleuchtung bereitet dem Aussenraum eine warme Ausstrahlung, während Feuerschalen, Grillplätze bis hin zu Outdoor-Küchen Gärten oder Terrassen in einen vollwertigen Wohn- und Essraum verwandeln. Auch ein Wellnessbereich lässt sich im Aussenraum einrichten. So kann man sich im eigenen Garten oder auf der Terrasse im kühlen Nass erholen.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. «East Meets West» von Enzo Enea symbolisiert eine Hommage an die internationalen Arbeiten des Landschaftsarchitekten. Das ist Multi meets Kulti im Garten.

www.giardina.ch

AUS DER NATUR – INS DESIGN BESUCHEN SIE UNSER NATURSTEIN–CENTER Das Naturstein-Center in Hinwil bietet eine kompetente Beratung des gesamten Sortiments, welches auch Granit, Marmor, Kalkstein und den Bollinger Sandstein einschliesst. Widerstandsfähig, klassisch und gut kombinierbar bietet der Stein viele Gestaltungsmöglichkeiten. Erschaffen für die Ewigkeit – Müller Naturstein

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GARTEN

Wie Holz: optisch kein Unterschied, aber leicht in der Pflege.

MIT HOLZTERRASSEN AKZENTE SETZEN SYSTEMLÖSUNGEN FÜR DEN TERRASSENBAU Interview mit Gianluca Iaccarino von Lone K. Halvorsen

Sich auf der eigenen Terrasse oder dem Balkon ausruhen bedeutet pure Entspannung. Eine Holzoptik weckt dabei positive Emotionen und bietet Wohlfühlcharakter. Dass es neben Massivholz noch eine pflegeleichte Alternative gibt, beweist der Holzimporteuer PRODUX.

I

n den letzten zehn Jahren hat die Anwendung von Holz- und WPC-Decks – Dielen aus Wood-Plastic-Composite – im Aussenbereich markant zugelegt, sei dies für Terrassen, Balkone, Gartenanlagen oder Poolumrandungen. Während der warmen Jahreszeit verlegt sich das Wohnzimmer quasi ins Freie. Zeitgleich mit dieser räumlichen Ausweitung sind auch die Ansprüche der Benutzer an die Terrassendecks gestiegen.

EINZIGARTIGE TERRASSENOPTIK MIT TREX-TERRASSENDIELEN Terrassendielen aus WPC verleihen jeder Terrasse einen ganz neuen, individuellen Look. Das US-Unternehmen TREX entwickelte die Produktgruppe seit ihrer Erfindung vor über 20 Jahren kontinuierlich weiter.

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Nachdem sich die Dielen bereits seit Jahren auf dem nordamerikanischen Markt bewähren, exportiert das Unternehmen seit circa zehn Jahren in die ganze Welt. Ob in der Karibik, in Südafrika, in Australien oder in Norwegen – die TREX-Qualität hält allen Witterungsbedingungen stand. Ihre Ummantelung aus neun verschiedenen Komponenten ist fest mit dem massiven Dielenkern verbunden. Der Mantel ermöglicht nicht nur den sehr realistischen Holz-Look, sondern schützt die Dielen auch gegen Witterung, Kratzer und Verschleiss. Der Schweizer Holzimporteur PRODUX bietet WPC-Vollprofildielen von TREX in vier verschiedenen Holzoptiken und Längen an. Eine günstigere Alternative sind die PX-WPC-Hohlkammerprofile.

NATÜRLICHER BODENBELAG AUS HOLZ Die Lebensdauer eines Holzbelages im Aussenbereich hängt stark von der Nutzung ab. Für eine lange Lebensdauer von etwa 15 Jahren müssen die Grundsätze des konstruktiven Holzschutzes berücksichtigt werden. PRODUX hat sich auf Thermoholzdielen aus Esche und Kiefer sowie Massivholzdielen aus MondholzLärche und Douglasie spezialisiert. Decks aus Massivholz eignen sich bestens für Balkone, Poolumrandungen, Garten­ lauben und Terrassen. Beim Gehen werden die Schritte leicht abgefedert und der Boden fühlt sich warm an. Allerdings ist zu bedenken, dass Massivholzdecks infolge der Witterung grossen Beanspruchungen


GARTEN

ausgesetzt sind. Die Grundlage für einen dauerhaften Terrassenbelag aus Massivholz ist die richtige Konstruktion. Zudem ist es wünschenswert, dass der Holzbelag nach Regengüssen so rasch wie möglich wieder trocknet. PRODUX ist seit mehreren Jahren als TREX-Vertreter in der Schweiz tätig. Was ist der Unterschied zu herkömmlichen WPC-Herstellern? Die Qualität. Eine korrekt installierte TREXTerrasse ist das Beste, was es auf dem WPC-Markt gibt. Die Oberfläche ist so widerstandsfest, dass selbst ein Hammerschlag keine Spuren hinterlässt. Zudem ist die Farbe unglaublich dauerhaft. So bleibt die Terrasse über Jahrzehnte schön. Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit TREX? Wir kaufen seit Jahren unsere Produkte auf der ganzen Welt ein und vertreiben

«Man sollte WPC und Holz nicht miteinander vergleichen.» sie in der Schweiz und ganz Europa. Dass wir dabei unseren Abnehmern auch einen soliden und individuellen Service bieten, hat auch die Firma TREX erkannt. Welches Produkt steht zuoberst auf der Liste von Fachhandel und DIY-Ketten? WPC hat in den letzten Jahren Marktanteile gewonnen. Aktuell wird im Total immer noch mehr Holz verkauft. Ich denke, in Zukunft pendelt es sich bei fifty-fifty ein.

Welche Vorteile hat WPC gegenüber Holz? Man sollte WPC und Holz nicht miteinander vergleichen. Wer eine Holzterrasse will, wird kaum eine WPC-Terrasse installieren. Die Eigenschaften, die eine natürliche Holzterrasse hat, kann man nicht kopieren oder imitieren. Es gibt aber viele Kunden, die ganz gerne eine Terrasse haben möchten, aber die Eigenschaften von Holz nicht so mögen. Eine Holzterrasse vergraut mit der Zeit und braucht viel Pflege. In diesem Fall kommen sehr oft Steinplatten zum Einsatz. WPC, insbesondere TREX, bietet eine tolle Alternative zu Steinplatten. Es sieht zudem viel schöner aus und ist genauso pflegeleicht und dauerhaft wie Stein. Darüber hinaus bestehen TREX-Dielen aus 95 Prozent recyceltem Material. Bei den zunehmenden Problemen mit Kunststoffabfällen ist dies heutzutage auch ein äusserst wichtiger Punkt.

PRODUX concepts & services AG | Industriestrasse 27 | CH-4703 Kestenholz Tel. +41 (0) 62 959 90 90 | info@produx.ch | www.produx.ch

Unser Versprechen: MEHR ZUHAUSE.

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GARTEN

Mit einer Verglasung lassen sich die ersten Sonnenstrahlen auch bei kälteren Temperaturen auf dem Balkon geniessen.

DRAUSSEN UND DOCH DRINNEN MEHR GEMÜTLICHKEIT MIT VERGLASTEN AUSSENRÄUMEN von Milena Hofer

Der Livingtrend «Cocooning» hat die Terrassen und Balkone längst erreicht: Stylische Lounge-Ecken und Hochbeete zieren die Aussenflächen. Doch oft trüben Wind, Wetter oder Lärm den unbeschwerten Balkon- und Terrassengenuss. Die dezente Verglasung von COVER und das filigrane SIO Terrassendach machen Sitzplatz und Terrasse zur Wohlfühloase und zum Treffpunkt für die ganze Familie.

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ass Balkone und Terrassen ein massgebliches Kriterium für die Attraktivität eines Wohnraums sind, ist bei der SIO AG längst kein Geheimnis mehr. Seit über 20 Jahren fertigt das Unternehmen das rahmenlose Schiebe-DrehSystem von COVER in Olten. Dabei war von Anfang an klar: Ein Schutz für den Balkon oder die Terrasse darf das Erscheinungsbild der Fassade nicht beeinträchtigen, und die Nutzer sollen weiterhin die freie Sicht nach draussen geniessen können.

FILIGRAN UND GLEICHZEITIG ROBUST Design und Systemtechnik konzentrieren sich bei COVER auf das Wesentliche: Schmale, stranggepresste Aluminiumprofile ohne Kunststoffteile bilden die Halterung für die strebenfreie Verglasung. Die einzelnen Glasflügel lassen sich dank der

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Aufhängung am oberen oder unteren Aluminiumprofil und der äusserst robusten, kugelgelagerten Rollen mühelos bewegen. Feinste Belüftungsschlitze zwischen den einzelnen Glasflügeln sorgen für die automatische Dauerbelüftung des Systems. Dadurch ist die lästige manuelle Belüftung überflüssig, was Langzeitschäden an der Fassade ausschliesst. Durch den Einsatz von hochwertigen Systemkomponenten und dem ausgereiften Know-how in der Produktion sind die Balkon- und Terrassenverglasungen äusserst wartungsarm. Über 16'000 zufriedene Kundinnen und Kunden sind der Beweis für die Nachhaltigkeit des Systems: Durch das Eindrehen der Glasflügel ist die Reinigung der Aussenseite schnell, einfach und sauber erledigt. Und selbst bei einer Nachregulierung der Anlage durch Verän-

derungen an der Decke sind keine aufwändigen Ausbauarbeiten notwendig.

VIELFÄLTIG UND SPEZIALISIERT Egal, ob gerade, rechteckig oder poly­ gonal – mit COVER können Kunden praktisch für jeden Grundriss die perfekt passende Verglasung planen. Jahrelange Erfahrung und ein ausgeklügeltes System ermöglichen das einwandfreie Verschieben der Glasflügel auch bei herausfordernden räumlichen Gegebenheiten. Für viele Nutzerinnen und Nutzer ist es immer wieder ein Highlight zu sehen, dass sie die Glasflügel auch übers Eck verschieben und so als schmales platzsparendes Paket vor die Hauswand ausdrehen können. Bei Planung und Montage können sich die Kunden auf Spezialisten verlassen: Das eigene Planungsbüro bietet verschiedene


Planungshilfen, damit es Konzepte schnell und flexibel umsetzen kann. Autorisierte Partner montieren anschliessend die COVER Verglasungen.

DACH ÜBER DEM KOPF Nicht immer werden Balkone und Terrassen mit einer Überdachung geplant. Für mehr Balkon- und Terrassengenuss bietet die SIO AG ein filigran-elegantes und in Olten gefertigtes Aluminiumdach an, welches sich ästhetisch an COVER orientiert. Sparrenabstände von bis zu einem Meter verleihen dem Dach Luftigkeit und lassen den Raum mit Licht durchfluten. Das Terrassendach schützt nicht nur vor Regen, Laub und Dreck, sondern schafft durch die direkt im Dachsparren integrierte optionale Beleuchtung auch eine gemütliche Atmosphäre bis in späte Abendstunden. Je nach Bedürfnis lässt sich das SIO-Terrassendach mit dem SchiebeDrehsystem von COVER auch nachträglich

Balkon oder doch lieber Wintergarten: Die dezenten Glasflügel lassen sich einfach öffnen und schliessen.

problemlos und einfach zur ganz oder teilweise verglasten Terrasse erweitern. Dolce far niente in den eigenen vier Wänden. So lässt sich der Sitzplatz oder Balkon einfach nur geniessen, auch wenn sich –

wie so oft in unseren Breitengraden – das Wetter plötzlich verschlechtert, eine kalte Bise aufkommt oder der Winter bereits Einzug hält. Am besten jetzt die Energie des Frühlings nutzen und sich mit COVER eine eigene Wohlfühl-Oase schaffen.

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WELLNESS PUR DIE SAUNA IM GARTEN von Georg Lutz

Der Besuch in einer Sauna bedeutet Auszeit von dem stressigen Lebensalltag. Wer selbst eine besitzt, kann sich glücklich schätzen. Nur steht diese Sauna oft versteckt im Keller. Jetzt gibt es aber den Trend, nach finnischem Vorbild die Sauna im Freien, sprich, im Garten, zu platzieren. Der Garten entwickelt sich immer mehr zum Wellnessraum. Dazu gehört sie einfach: die Sauna. Wir präsentieren die Gründe. Das Weiterziehen des Holzbodens bei Sauna und Badeoase lässt die Grenzen zwischen Natur und Nutzungsbereich geschickt vermischen.

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iese unschätzbar kostbaren Momente voller Lebensfreude, in denen die Hektik und der Stress des Alltags ganz schnell weg sind, sind schon bald wieder Realität. Die Realität hat einen wichtigen Namen. Immer mehr Immobilienbesitzer investieren in die Aufenthaltsqualität ihrer Gärten, um diese kostbaren Momente noch besser ausnutzen zu können. Ein ganz grosses Thema dabei: Gartensaunen. Denn gerade an schwül-heissen Sommertagen, wie sie in unseren Breitengraden häufig vorkommen, wirkt ein Saunabad mit anschliessender Abkühlung an der frischen Luft oder im Pool nicht nur entspannend, sondern eben auch besonders erfrischend. Was wie ein neuer Trend wirkt, ist letztlich das Wiederentdecken der traditionellen finnischen Saunakultur: Die Sauna steht

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ja dort ohnehin immer hoch im Kurs – aber ganz besonders beliebt sind die traditionellen Saunahütten an den unzähligen Seen. Heute hat man dazu eine moderne Technik zur Verfügung.

INDIVIDUELLE MÖGLICHKEITEN Mit rustikalen Vorbildern der finnischen Seen haben die modernen Aussensaunen inzwischen fast nur noch die Grundidee gemeinsam. Die Idee dahinter lässt sich einfach beschreiben: Rustikale Saunahütten sind von gestern. Mit variablen Baukastensystemen aus einzelnen Modulen lassen sich die modernen Saunen ganz nach Gusto individuell anordnen, vor allen Dingen in öffentlichen Saunagärten. Die durchdachte und wetterfeste Konstruktion in Holzständerbauweise mit starker Wärmeisolierung führt zu geringem Energieverlust. Nebst einem kleinen Vorraum bietet das Beispiel TALO des Anbieters Klafs genügend

Platz für eine Dusche, welche mit den dunklen Steinplatten einen schönen Kontrast zur Sauna bildet. Je nach Wunsch existieren weitere Gestaltungsmöglichkeiten, wie die Realisation eines Vordaches oder die Reduzierung auf das Wesentliche, nämlich nur auf eine elegante Sauna. Das Weiterziehen des Holzbodens bei Sauna und Badeoase lässt die Grenzen zwischen Natur und Nutzungsbereich geschickt vermischen. Der unmittelbare Zugang zum Naturpool ermöglicht optimale Saunagänge mit abwechselnden Schwitz- und Abkühlungsphasen.

RICHTIGE PLANUNG Selbstverständlich braucht auch der Aufbau einer Sauna eine strategische Vorgehensweise. Sonst kann es auch hier zu bösen Überraschungen kommen. Eine grobe Planung mit Zeichnung und To-doListe für die Vorbereitungen und den Bau


GARTEN

sind wichtig. Experten gilt es, früh genug in dies Planung mit ein zu beziehen. Sie besorgen auch alle nötigen Unterlagen und Formulare für die Genehmigung. So vergisst man beispielsweise nicht, was bei einem Starkstromanschluss wichtig ist. Das Saunabaden im eigenen Garten ist auf jeden Fall ein ganz besonderes Erlebnis – umgeben von natürlichem Ambiente erleben Sie Ihren Garten neu und zu jeder Jahreszeit anders. Deshalb lässt sich die TALO auf Wunsch mit einem grosszügigen Panoramafenster aus Glas ausstatten, das den schon durch die Glastüren geprägten offenen Eindruck noch verstärkt und ungestörte Ausblicke ermöglicht. Durch die Glastüren und das Glasfenster fällt zudem viel Tageslicht in das Innere.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.klafs.ch

Für die Innenverkleidung der TALO-Sauna von Klafs wurden Fichten-Softline-Paneelen verwendet.

Ihr Spezialist für die Reinigung und Pflege von Holz-, WPCund Steinterrassen.

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MICROLIVING VERDICHTETES WOHNEN von Georg Lutz

Lange gab es in der Schweiz beim Thema Wohnfläche nur einen Trend: Die Zahlen gingen nach oben. Inzwischen ist ökonomisch der Verdichtungsdruck in urbanen Gebieten sowohl national als auch international klar sichtbar. Heute nimmt in den Städten erstmals die durchschnittliche Wohnfläche pro Person wieder ab. Technologisch eröffnet insbesondere die Digitalisierung Chancen für neue Wohnkonzepte und -formen. Und sozial führt die fortdauernde Individualisierung und Flexibilisierung von Lebensentwürfen zu einem dynamischen Wandel der Anforderungen an Wohnen und Wohnungen. Auf den folgenden Seiten geht es um zwei zentrale Trends: Microliving und die Singularisierung des Wohnens.


INNENARCHITEKTUR

Das Singledasein ist heute auch positiv besetzt. Das schlägt sich in der Atmosphäre der Wohnung nieder.

URBANES WOHNEN IM 21. JAHRHUNDERT THESEN ZUR ZUKUNFT DES WOHNENS von Stefan Breit und Detlef Gürtler

Das Thema Wohnen befindet sich in einem Umbruch, das Wohnen in Single-Haushalten nimmt zu. Zwei Trends spielen eine zentrale Rolle: die Individualisierung der Gesellschaft und der Verdichtungsdruck in Städten. Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) hat dazu unter dem Titel «Microliving – Urbanes Wohnen im 21. Jahrhundert» eine Studie publiziert. Wir stellen im folgenden Beitrag eine Zusammenfassung und Auszüge mit zentralen Thesen zur Zukunft des Wohnens vor.

W

ohnen hat tausend Gesichter: Kaum eine der 4’351’846 Wohnungen in der Schweiz gleicht der anderen. Zu unterschiedlich sind die Werte, Lebensstile, Möglichkeiten und Wünsche der einzelnen Bewohner. Zu dieser Unterschiedlichkeit kommt dazu, dass sich die Anforderungen an das Wohnen ständig verändern. So wie sich die Men-

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schen an ökonomische, technologische und soziale Veränderungen anpassen, passt sich das Wohnen sukzessive dem Menschen an. Ökonomisch ist der Verdichtungsdruck in urbanen Gebieten sowohl national als auch international eine starke Treibkraft. Er führt dazu, dass in Städten erstmals die durchschnittliche Wohnfläche pro Person wieder abnimmt.

Technologisch eröffnet insbesondere die Digitalisierung Chancen für neue Wohnkonzepte und -formen. Und sozial führt die fortdauernde Individualisierung und Flexibilisierung von Lebensentwürfen zu einem dynamischen Wandel der Anforderungen an Wohnen und Wohnungen. Zwei Wohnphänomene, die mit diesem Wandel zusammenhängen, werden in dieser Studie


INNENARCHITEKTUR

nicht, weder in Europa noch anderswo auf diesem Planeten. Dennoch lässt sich eine Solo-Typologisierung ableiten, die so zu einem besseren Verständnis der Alleinwohnenden beiträgt. Diese Typologie stützt sich sowohl auf soziodemografische als auch auf biografische Gemeinsamkeiten und folgt dabei dem Konzept des «Fluid Life»: Die moderne Biografie ist geprägt von einem gesünderen Leben bis ins hohe Alter, längeren Orientierungsphasen, mehr Freiheiten und ständigen Umbrüchen. Die Biografie ist nicht mehr Schicksal, sondern wurde gestaltbar.

EINPERSONENHAUSHALTE – MICROLIVING Entsprechend finden sich in allen Lebensphasen Anlässe für Solo-Lebensabschnitte – die potenziellen Nutzergruppen für Einpersonenhaushalte reichen vom jungen, ausländischen Austauschstudenten bis zur alten, alleinstehenden und lokal verankerten Seniorin. Das heisst natürlich noch lange nicht, dass diese Lebensabschnittsnomaden auch alle bereit sind, auf kleiner Fläche zu wohnen. Sie repräsentieren vielmehr die Normalität, dass heutzutage an verschiedenen Punkten des Lebenslaufes immer wieder eine (un)freiwilliges Bedürfnis entstehen kann, allein zu wohnen.

DIE STUDIERENDEN besonders betrachtet: Micro­living und die Singularisierung des Wohnens.

FOKUS AUF DIE ALLEINWOHNENDEN Schon länger sind die Alleinwohnenden die mit Abstand wichtigste Haushaltsgrösse in der Schweiz. Dabei zeigt sich innerhalb dieses Segments ein grundlegender Strukturwandel: Machten früher die älteren, verwitweten Frauen den Grossteil der Alleinwohnenden aus, bilden heutzutage jüngere Männer und Frauen zwischen 30 und 60 Jahren die Mehrheit. Das hat auch mit einem neuen Verständnis des Alleinwohnens zu tun: Während früher unter dem Begriff des Singles die Übriggebliebenen zusammengefasst wurden, diejenigen, die keinen Partner oder keine Partnerin fanden, macht sich heutzutage ein stolzes und bewusstes Selbstbild des Alleinwohnens breit. Entsprechend zieht sich das Alleinwohnen neuerdings durch die ganze Gesellschaft. Zumindest als Lebensabschnittslösung ist der Einpersonenhaushalt in allen Bevölkerungsgruppen angekommen und akzep-

tiert. Ausgehend von den Alten, meist Verwitweten, beschreibt diese Studie weitere typische Nutzerinnen und Nutzer von Einpersonenhaushalten: die Studierenden, die Multilokalen, die Bescheidenen, die Solo-Männer und die Solo-Frauen sowie die G-Erwachsenen – getrennt oder geschieden. Sie alle bringen unterschiedliche Wohnbedürfnisse mit sich, zum Beispiel bezüglich der gebauten Infrastruktur oder der zur Verfügung gestellten Services. Während der junge Student möglicherweise einen ruhigen Raum zum Arbeiten und eine Bar auf der Dachterrasse zum Abschalten braucht – dies alles zu günstigen Konditionen wohlverstanden –, braucht die verwitwete ältere Dame vielmehr ein offenes Ohr für Gespräche und Unterstützung bei den Herausforderungen des Alltags.

SOLO-TYPOLOGIEN Wer wohnt heute allein? Ausgehend von einer individuellen Betrachtungsweise gibt es «den» Bewohner, «die» Mieterin, «die» Familie, «die» Alten, «den» Single

Die Studierenden bilden die erste wichtige Gruppe der Alleinwohnenden. Sie sind zwischen 16 und 30 Jahre alt und kommen nicht selten für ihr Studium in eine fremde Stadt, in der sie noch wenige Leute kennen. Für sie ist das Zuhause hauptsächlich eine Tankstelle, ein Ort zum Schlafen, um ihren Körper zu pflegen, zu regenerieren und sich ganz allgemein zurückzuziehen. Ihr Bedürfnis nach Interaktion ist verhältnismässig hoch. Sie sind jung und flexibel, bleiben vielleicht nur ein Semester, maximal das gesamte Studium, bevor sie in die nächste Wohnung weiterziehen. Die Zahl der Studierenden in der Schweiz ist zuletzt stark gestiegen: Seit der Jahrtausendwende hat sie sich von rund 125’000 auf 240’000 fast verdoppelt, mit einem im internationalen Vergleich sehr hohen Anteil an ausländischen Studenten (16.8 Prozent), die zwingend eine Unterkunft benötigen – und auch eher allein wohnen als Einheimische. Da trotz MOOCS (Massive Open Online Courses) und boomender EducationTechnology die physische Vor-Ort-Präsenz im Studium mittelfristig nicht an Bedeutung

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STUDIEN-DOWNLOAD Die im Auftrag der i Live (Schweiz) AG verfasste Studie «Microliving – Urbanes Wohnen im 21. Jahrhundert» des Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) kann über einen kostenfreien Studien-Download bezogen werden. URL: www.gdi.ch/microliving18.

verlieren wird, wird für die kommenden zehn Jahre eher von einem weiteren leichten Anstieg der Anzahl Studierender ausgegangen, die Zeit des stürmischen Wachstums ist jedoch vorbei. Die Szenarien des Bundes­amts für Statistik gehen bis 2025 von einem Anstieg auf maximal 275’000 aus.

DIE BESCHEIDENEN Die Gruppe der Bescheidenen, auch Minimalisten oder Reduktionisten genannt, lebt bewusst, vermeidet Überfluss und verzichtet daher freiwillig und ohne ökonomischen Druck auf Wohnfläche. Für sie ist das Zuhause ein Spiegelbild ihrer selbst. Letztlich jedoch handelt es sich bei den Minimalisten wohl um eine Minderheit, deren Mächtigkeit auch medial überbewertet wird. Dazu zählen etwa diejenigen, die bewusst auf Wohnfläche verzichten, um mehr finanzielle Möglichkeiten für andere Aktivitäten zu haben, oder jene, die sich in sozialen Medien schon einmal damit brüsten, mit nur hundert Gegenständen zu leben und dem Konsum abgeschworen

zu haben. Dennoch könnte sich ein SmallLiving-Trend zum nächsten Modebegriff wie «vegan» oder «autofrei» entwickeln und an Bedeutung gewinnen – als Ausdruck einer Lebensweise, bei der der ökologische Gedanke im Zentrum steht.

DIE MULTILOKALEN Bei dieser Gruppe handelt es sich um all jene, die an mehreren Orten zu Hause sind. Einerseits gehören dazu die multi­lokal Wohnenden, die mehrere Wohnorte gleichzeitig haben. Dies ist regelrecht zu einem Lebensstil geworden, denn bereits 28 Prozent aller Schweizerinnen und Schweizer leben an mehreren Wohnorten. Andererseits gehören dazu aber auch solche, die ihre Wohnorte ständig wechseln und sich mit ihrer transportablen Identität einfach überall zu Hause fühlen. Es sind tendenziell junge oder jung gebliebene, mobile und anpassungsfähige Personen, für die es beim Wohnen keine Nationalitätsgrenzen gibt. Sie leben den Lebensstil des digitalen Nomaden, sind gut ausgebildet und brauchen wenig, um sich zu Hause zu fühlen – Internetverbindung, Arbeitsräume und eine Community genügen bereits, egal in welcher Stadt sie sich gerade aufhalten. Viel mehr als Schlafen, Ausruhen und Körperpflege findet zu Hause nicht statt, Arbeit und Karriere scheinen wichtiger. In diese Gruppe fallen auch all die projektbezogenen Angestellten mit befristeten Arbeitsverträgen, Geschäftsreisende, akademische Gäste und kurzfristig gesuchte qualifizierte Fachkräfte.

DIE SOLO-MÄNNER UND SOLO-FRAUEN Bei dieser Gruppe handelt es sich um die Noch-nicht-Festgelegten, um diejenigen, die früher etwas ironisch mit dem Peter-Pan-Syndrom in Verbindung gebracht wurden. Sie stehen für ein Ideal von Unabhängigkeit, sind flexibel, geniessen die Freiheit, sich nicht festzulegen und keine Kompromisse eingehen zu müssen. Sie vertreten ein bewusstes und stolzes Verständnis des Alleinseins, wohnen in den Trendquartieren der Stadt. Mit zunehmendem Anstieg des Heiratsalters sowie mit dem Bedürfnis nach einer längeren Ungezwungenheit wird diese Gruppe zukünftig wohl noch wichtiger, tendenziell wird sich auch der Anteil von Frauen und Männern angleichen.

DIE G-ERWACHSENEN Es handelt sich bei dieser Gruppe um Erwachsene, die getrennt oder geschieden sind («plötzlich Single») oder sich neu orientieren. Für viele bedeutet das Zuhause, ein Dach über dem Kopf zu haben – eine Notunterkunft nach der Trennung vom Partner oder der Partnerin. Sie müssen sich zuerst neu ausrichten, das Leben wieder ordnen und verbringen daher auch vermehrt Zeit zu Hause. Sie sind hungrig nach neuen sozialen Kontakten, bleiben aber nur so lange, wie sie müssen. Doch auch längerfristig kann es sein, dass sie sich ein Zuhause allein einrichten. Mit der fortschreitenden Fluidisierung der Lebensphasen wird wohl auch diese Gruppe noch wachsen – bereits heute hat sie eine grosse Bedeutung erlangt.

DIE ALTEN

Der Blick auf die Zukunft des Wohnens und seine zentralen Trends.

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Zu Hause sein bedeutet für sie Erinnerungen, Familie, Gleichgesinnte. Sie schlafen, schauen TV, essen, ruhen – oder anders ausgedrückt: Sie verbringen einen Grossteil ihrer Zeit in den eigenen vier Wänden. Sie sind kaum noch mobil, bleiben, wo sie sind, und sind affin für externe Services. Es handelt sich dabei mit Abstand um die grösste Gruppe unter den Alleinwohnenden. Je älter, desto grösser ihr Anteil – und desto weiblicher. In den meisten Fällen handelt es sich um Menschen, deren Partnerin oder Partner entweder in einem Altersheim lebt oder bereits gestorben ist. Sie sind meist nicht freiwillig allein und ziehen nur aus ihrer Wohnung aus, wenn es gar nicht anders geht. Zwar nimmt der Anteil der Älteren an der Gesamtbevölkerung deutlich zu,


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Kollektive Wohnformen in wechselnden Patchwork-Zusammensetzungen gewinnen an Bedeutung.

das Gleiche muss aber nicht für deren Anteil an den Alleinwohnenden gelten – insbesondere, wenn die Verwitwungsdauer abnimmt.

SECHS WOHNTRENDS Folgende Wohntrends, die sich durch die ganze Gesellschaft ziehen, gewinnen an Bedeutung.

1. COLLECTIVE DIVERSITY Wohnformen differenzieren sich weiter aus, kollektive Wohnformen gewinnen an Bedeutung. Das Standardmodell des familiären Wohnens wird seltener, neue Lebensstile und Familienstrukturen erfordern und ermöglichen neue Wohnformen. Auch diese werden jedoch in den meisten Fällen gemeinschaftlich sein.

2. PEAK HOME Momentan erfüllt eine einzelne Wohnung eine Vielzahl von Funktionen: Schlafplatz, Kochnische, Reinigungsort, Wohnzimmer, Arbeitsstätte, Erholungsraum, Wohlfühloase oder Stauraum – ein «Heim», das so erst im 20. Jahrhundert entstanden ist. Im digitalen Zeitalter werden diese Funktionen dekonstruiert und neu zusammengesetzt. Vermehrt wird nur noch das Basis­angebot in den eigenen vier Wänden genutzt, der Rest ist ausgelagert – es

kommt zu einer Co-Evolution zwischen Wohnung, Nachbarschaft und Stadt.

3. PLATFORM LIVING Wohnen wird flexibler, und auch die Immobilie wird ein bisschen mobil. Der mobile, temporäre und multilokale Lebensstil der digitalen Nomaden greift weiter um sich, Wohnungen müssen zwar als Hardware immobil bleiben, können aber als Software an Flexibilität gewinnen. Plattformstrategien für Immobilien können Flexibilität und Mobilität maximieren.

4. AUGMENTED CONVENIENCE Technologie kann Wohnen zu einem höchst personalisierten Erlebnis machen. Technologische Entwicklungen bergen das Potenzial, das Zusammenwohnen neu zu organisieren. Entwicklungen in Bereichen wie Virtual Reality, Spracherkennung oder Chatbots können dazu beitragen, dass Wohnen zu einem massgeschneiderten Erlebnis mit maximaler Bequemlichkeit wird.

5. BRANDED LIVING Wohnen wird zur Marke. Um die individuellen Lebensstile der Bewohnerinnen und Bewohner besser als bisher zum Ausdruck zu bringen, entwickelt sich ein Markenwohnen. Zukünftig wohnt man deshalb weniger mit Strasse und Hausnummer,

sondern mehr mit Labels: im James, auf dem Hunzikerareal, bei der PWG. Es eröffnet sich ein Marktpotenzial für internationale Wohn- Netzwerke.

6. SOMEWHERE STRIKES BACK Wohnen verliert seine Unschuld. Je stärker der Trend zum mobilen, offenen Lebensstil wird, desto stärker wird auch der Gegentrend zur verwurzelten, einfachen Lebensweise – das «Somewhere», der bestimmte Ort, als Gegensatz zum «Anywhere», dem Irgendwo, wie das der britische Journalist David Goodhart nennt. Zusammen mit dem wachsenden Druck, nachhaltigen, gesunden und bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, kann dies sogar zu einer gesellschaftlichen Ächtung besonders aufwendiger Wohnformen führen. Die Individualisierung des Wohnens durchdringt und prägt die Gesellschaft. Hieraus ergibt sich eine Abkehr von der All-in-oneLösung des klassischen Familienhaushalts – für jede einzelne Funktion stellt sich damit die Frage, inwieweit sie Teil der Privatsphäre sein sollte oder inwieweit auch nachbarschaftliche oder öffentliche Lösungen dafür infrage kommen. Sowohl Bewohnern und Kommunen als auch Unter­ nehmen eröffnen sich dabei bislang noch kaum genutzte Gestaltungspotenziale.

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WOHNEN MIT DIGITALER SCHICHT Das Wohnen am Anfang des 21. Jahrhunderts steht vor einem Paradigmenwechsel, der in seiner Dimension und Tragweite mit dem Übergang zum Wohnen im Industriezeitalter vergleichbar ist. Die räumliche Funktionstrennung und physische Standardisierung, die zur Industriekultur des 19. und 20. Jahrhunderts passen, werden in der Epoche der Digitalisierung infrage gestellt und durch Strukturen ersetzt, die prämoderne Konzepte mit postmoderner Convenience verbinden. Die Digitalisierung legt sich dabei wie eine weitere Software-Schicht in die Baukörper der eigenen vier Wände hinein. Zu den traditionellen vier Schichten (Rohbau, Innenausbau, Inneneinrichtung, Aneignung durch persönliche Gegenstände) kommt eine weitere, eine fünfte Schicht hinzu. Diese digitale Schicht ermöglicht es, Wohnen neu zu denken; und sie erzwingt es vermutlich auch. Sie kann die Wohnung für die Umwelt öffnen und zum Teil einer Gemeinschaft machen. Sie kann angebundene Abgeschiedenheit organisieren und das Leben bei Bedarf ins Haus holen. Damit entstehen neue Chancen für Wohnkonzepte, die sich vom umbauten Raum lösen, der traditionell von Immobilienanbietern vermarktet wird. Und es entstehen

neue Herausforderungen, etwa zur Kooperation mit der Umgebung, mit der Stadt. Die Immobilie setzt sich nicht als Parasit in das von der Stadt geschaffene Ambiente, sondern ist ein Bestandteil des Ökosystems Wohnumfeld, schafft und prägt es mit. Physisch am sichtbarsten wird der WohnParadigmenwechsel in der Dekonstruktion der bislang mit Wohnen untrennbar verbundenen Funktionen. Kochen, Essen, Wäschewaschen, Fernsehen sind nur einige Beispiele für Funktionen, die sich von der Privatsphäre der eigenen Wohnung lösen können – und gemeinschaftlich, auf der Etage, in der Nachbarschaft, auf städtischer Ebene ein neues Leben finden können. Unsere Zeit schafft beste Voraussetzungen, Wohlbefinden von Flächenverbrauch zu entkoppeln: Viele neue Bedürfnisse beim Wohnen wie eine schnelle Internetverbindung oder der Zugang zu anderen Menschen werden entweder unsichtbar oder nicht mehr so flächenintensiv wie früher gestillt. Das kann den Befürchtungen, dass Wohnen auf kleinem Raum Stress auslöst und somit gesundheitsschädlich ist, entgegenwirken. Das rein numerische Mass der verfügbaren Quadratmeter als Indikator für Wohnraumqualität wird zwar nicht in der Irrelevanz verschwinden, wird aber an Bedeutung verlieren. In Zeiten, in welchen Menschen immer mehr, immer länger und

Digitalisierung legt sich wie eine weitere Schicht über den Baukörper.

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immer wieder alleine wohnen, hängt die gefühlte Qualität von Wohnraum von dessen Fähigkeit ab, Interaktion und Gemeinschaft zu kreieren. Der Zugang und die Begehrlichkeit von geteilten Flächen sowie die Qualität sozialer Interaktionen werden zukünftig die Wohnraumqualität noch wesentlicher beeinflussen, als sie das heute bereits tun. Doch das ist nicht einfach. Für alle Alleinwohnenden stellt sich die Herausforderung, die ein Zitat der Trendagentur K-Hole treffend auf den Punkt bringt: «Früher wurden Menschen in Gemeinschaften geboren und mussten ihre Individualität finden. Heute werden Menschen als Individuen geboren und müssen ihre Gemeinschaft finden.» Denn ohne Möglichkeiten, die das Individuum mit der Gemeinschaft verbinden, ist die Existenz als Individualist nicht möglich.

DETLEF GÜRTLER ist Senior Researcher am GDI Gottlieb Duttweiler Institut.

STEFAN BREIT ist Researcher am GDI Gottlieb Duttweiler Institut. www.gdi.ch


HARO PARKETT Landhausdiele Plaza 4V Der großzügige Premiumboden. Extrabreit. Extralang. Extraschön. www.haro.com


Elegant mit Meerblick: die Masterküche aus dem edlen Tropenholz Ziricote.

KOCHEN IN 170 METERN HÖHE SCHWEIZER KÜCHENPRÄZISION FÜR DAS FÜRSTENTUM MONACO von Freya Mohr

Die legendäre Rennstrecke, Casinos und elegante Hotels – dafür ist Monaco bekannt. Wer dieses Szenario beim Kochen überblicken kann, lebt in einer Luxussituation. Ganz oben auf dem Tour Odéon thront ein Penthouse der Extraklasse: Infinity-Pool mit eigener Wasserrutsche, 3 500 Quadratmeter Wohnfläche und Luxusküchen der Schweizer Küchenmanufaktur Zbären – natürlich mit Blick über die Stadt und das Mittelmeer.

E

s ist wohl der Traum eines jeden Küchenmanufakteurs: Er bekommt die Zusage für die Küchenausstattung in einem Penthouse. Nicht irgendeines, sondern das Sky Penthouse im Tour Odéon in Monaco. 3 500 Quadratmeter, fünf Stockwerke, vier Küchen – mit Terrasse, Infinity-Pool und 360-Grad-Panoramablick ist wohl eine der luxuriösesten und teuersten Wohnungen der Welt. 170 Meter ragt der Turm in die Höhe und spiegelt das Blau des Meeres wider. Der höchste Wolkenkratzer des Fürstentums ist ein PrestigeProjekt der Eigentümerfamilie Marzocco, ein regional bekanntes Immobilienunternehmen. Als Architekt fungierte der Monegasse

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Alexandre Giraldi, der in Monaco bereits den Yacht Club entwarf. Wer bei diesem Bau mitmacht, versteht sein Handwerk – ganz so wie die Schweizer Küchenmanufaktur Zbären. Für den Geschäftsleiter Benjamin Zbären war «das Projekt an und für sich sehr interessant». Dabei hatte der Bau einige Hürden zu überwinden.

VON DER SCHWEIZ NACH MONACO 2010 kam die Familie Zbären zum ersten Mal auf die Baustelle; Vater Enrico mit seinen beiden Söhnen Benjamin und Matthias. Da war der Aushub schon ein Jahr im Gange. Für die Eigentümerfamilie hat die

Küchenmanufaktur bereits privat Küchen gebaut. Durch diesen Kontakt kam die Einladung, eine Ausschreibung und ein Konzept für den Küchenausbau vorzulegen. «Lange haben wir nicht gewusst, ob wir den Auftrag überhaupt bekommen», sagt Zbären. Am Ende konnte er sich gegen die Konkurrenten durchsetzen. Bis zur Fertigstellung der Küchen dauerte es dann trotzdem noch mehrere Jahre. Seit 2017 ist das Penthouse bezugs­ bereit. Rund ein Jahr dauerte es, die Küchen einzubauen. Eine lange Zeit, in der Zbären immer wieder vom schweizerischen Simmental nach Monaco fahren musste.


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550 Kilometer von den mächtigen Bergen und der urigen Alpentradition bis zum azurblauen Mittelmeer und dem sonnig-leichten Lebensgefühl. Von vornherein war klar, dass eine Küche aus Antikund Altholz in diesen Breitengraden nicht infrage kam.

KLARE LINIEN UND EXKLUSIVE MATERIALIEN Schwarzer Onyx, edle Tropenhölzer und kühles Edelstahl passen sich der modernen Bauweise des Hochhauses an. Das Design der Küche und die Wahl der Materialien waren ein Zusammenspiel: Benjamin Zbären und sein Team schlugen Grundrisse vor, Bodenbeläge und Armaturen, der Pariser Innenarchitekt Alberto Pinto liess kleine Details einfliessen, die Eigentümerfamilie Marzocco wägte die Kosten ab. Nicht immer ganz einfach, die extravaganten Wünsche aller Beteiligten unter einen Hut zu bringen. Denn für Zbären sollte es auch «funktional passen» und nicht nur ein extravagantes Designobjekt sein. Am Ende entstanden vier individuelle Charakter-­ Küchen – ganz so, wie man es von Zbären Küchen gewohnt ist. Die Hauptküche erstrahlt in Edelstahl – speziell patiniert, damit es bisschen dunkler wirkt. Wenn die nächsten Dinner-Partys anstehen oder ein Apéro auf der Dach­ terrasse, ist die semi-professionelle Küche mit Top-Geräten ausgestattet. Natürlich ist diese Küche den Profis vorbehalten – der Hausherr kocht in den zwei Masterküchen: entweder in der grossen Masterküche aus dunklem Ziricote-Holz, die durch einen Essenslift mit der Haupt­ küche verbunden ist. Oder in der kleinen Kaffeeküche aus indischem Apfel, um schnell ein Frühstück zuzubereiten. Die vierte Küche ist für die Angestellten – Eiche furniert, Anthrazit lackiert. Bevor das Team von Zbären die Küchen allerdings in ihrer vollendeten Form einbauen konnte, gab es noch eine grosse Herausforderung zu meistern.

PERFEKTION IN DER VERARBEITUNG Die grösste Hürde war hierbei nicht der lange Transport der Küchenmöbel und Materialien mit dem LKW von der Schweiz nach Monaco. Und auch nicht die Euro-

Für die grossen Gaumenfreuden: In der Hauptküche aus Edelstahl lässt es sich gut kochen.

Krise, die so manche Budget-Planung und Offerten durcheinanderbrachte, sondern die Infrastruktur im Hochhaus selber. Das Zbären-Team stand vor der logistischen Frage, wie es die Materialien bis in den 49. Stock bringen sollte. Lastenaufzüge gibt es im Tour Odéon nicht. Ein Helikopterflug war ausgeschlossen – Unterlastflüge sind in Monaco verboten, eine Ausnahmebewilligung gab es nicht. Und der Aussengerüstkran vom Rohbau war schon längst wieder abgebaut. Es blieben nur die kleinen Personenlifte, um das ganze Material zu befördern. «Also mussten wir alles in relativ kleinen Teilen anfertigen», erläutert Zbären. Grosse Steinplatten oder lange Holzelemente standen ausser Frage. Das bedeutete Präzisionsarbeit für den Küchenbauer: Die Fugen in den Arbeitsplatten oder an der Wandvertäfelung wollten genau durchdacht sein, damit am Ende das Auge nicht an Unregelmässigkeiten hängenbleibt. Und das tut es auch nicht. Wer auch immer in das Penthouse einzieht, findet eine Traumküche vor – besser gesagt vier Traumküchen.

Dunkles Holz trifft auf helle Wandbekleidung aus Onyx.

Zbären Kreativküchen AG | Bahnhofstrasse 26 | CH-3777 Saanenmöser | Tel. +41 (0) 33 744 33 77 | design@zbaeren.ch | www.zbaeren.ch Zbären Kreativküchen AG | Gerechtigkeitsgasse 29 | CH-3011 Bern | Tel. +41 (0) 31 311 18 80 | design@zbaeren.ch | www.zbaeren.ch

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Die Landhausdielen Plaza Eiche Markant integrieren sich perfekt in renovierte Altbauwohnungen.

GROSSZÜGIGKEIT IN IHRER SCHÖNSTEN FORM PARKETTBÖDEN FÜR JEDEN GESCHMACK von Bernd Reuß

Eiche als klassische Hölzer, geölte Oberflächen, die natürlich wirken, und Holzdielen mit Struktur sind aktuell in Mode. Dazu kommen Holzböden, die auf Antik gemacht sind. Mit dem Schlossdielenformat der Landhausdiele Plaza hat HARO gleich mehrere Trends auf einmal vereint. Seite 92 // bauRUNDSCHAU


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S

ich die Natur ins Haus zu holen, liegt voll im Trend. Warum also nicht das Wohnzimmer mit einem hellen Eichenparkett auslegen oder die Küche im modernen Landhausstil einrichten? Ein hochwertiger Holzboden sorgt durch seine Optik für Natürlichkeit, vermittelt Gemütlichkeit und gibt dem Raum eine warme Atmosphäre. Tendenziell setzen sich geölte Holzoberflächen gegen lackierte Holzböden durch. Ausserdem im Kommen sind Holzfussböden mit strukturierten Oberflächen, die dem Boden eine gewisse Unregelmässigkeit geben. So wirkt er, wie schon mehrere Jahre genutzt, und verleiht dem Raum einen Vintage-­Charme oder Retro-Look.

um eine normal strukturierte Variante ergänzt. Somit kann der Handel noch gezielter Kunden ansprechen, die den besonders natürlichen Look mit normaler Strukturierung bevorzugen. Und auch Kunden, denen absolute Pflegeleichtigkeit das wichtigste Kaufkriterium ist, finden nun schneller ihr Traum-Parkett.

Sortiment selbstverständlich mit den üblichen Qualitätsmerkmalen, die HARO von anderen Parkettherstellern unterscheiden.

ÜBERZEUGENDES PARKETT

• Schlossdielenformat

Plaza, die Schlossdiele mit den technischen Vorteilen von Mehrschichtparkett und der beeindruckenden Raumwirkung, liegt voll im Trend und positioniert sich als äusserst interessante Alternative zur Standard-Landhausdiele. Dazu überzeugt das aktuelle Plaza-Landhausdielen-­

DIE VORTEILE VON HARO PARKETT AUF EINEM BLICK: 240 x 2 200 Millimeter

• 3-Schicht-Aufbau mit Vollholz-­ Stabmittellage

• Deckbelagsdicke: 3.5 Millimeter • Top-Connect-Verlegesystem • problemlos auf Fussboden­­heizung verlegbar

Diese aktuellen Einrichtungstrends erfüllt die Landhausdiele Plaza durch ihr Format einer Schlossdiele mit den RundumSorglos-­Eigenschaften eines technisch perfekten Mehrschichtparketts. Die Kombination aus 240 Millimeter Dielen-Breite, die lebendige Strukturierung und die authentischen Oberflächen im Look geölten Holzes machten Plaza bereits kurz nach der Markteinführung zu einem Bestseller. Jetzt gibt es die Landhausdiele in vier zusätzlichen Varianten – für noch mehr exklusive Verkaufsargumente im Handel.

NOCH MEHR OBERFLÄCHEN-AUSWAHL Bei den anspruchsvollen Plaza-Kunden hatten sich vor allem die Eiche Sandweiss Markant strukturiert sowie die Eiche Markant Strukturiert als Topseller etabliert. Bis dato waren diese nur mit der atmungs­ aktiven Naturöl-Oberfläche naturaLin plus erhältlich. Um Kunden die Entscheidung auch für die Böden zu erleichtern, die höchsten Wert auf Pflegeleichtigkeit legen, gibt es diese beiden Parkettböden seit Beginn des Jahres 2017 auch mit dem naturaDur-Finish. Denn diese Oberflächenbehandlung bietet den authentischen Look einer geölten Fläche mit dem schützenden Effekt einer Versiegelung. Ebenso hoch in der Käufergunst standen aber auch die Plaza-Varianten Eiche Markant und Eiche Sauvage mit stark strukturierter Oberfläche und dem natürlich wirkenden naturaLin plus-Finish. Diese beiden Produkte hat HARO jetzt

Mit natürlichen Holzböden zieht die Natur in den Innenraum ein.

Hamberger Flooring GmbH & Co. KG | Postfach 10 03 53 | D-83003 Rosenheim Tel. +49 (0) 80 31 70 07 14 | info@haro.com | www.haro.com

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DEN SCHALTER UMLEGEN INNOVATIVE STECKDOSEN UND STILVOLLE SCHALTER von Freya Mohr

Sie fallen kaum auf, aber jeder fasst sie täglich oft an. Erst wer sich über Lichtschalter und Steckdosen Gedanken macht, merkt, wie sich ihr Design auf ihre Funktionalität und den Raum auswirkt. Dass es ästhetisch und funktional immer noch ein bisschen besser geht, zeigt die Max Hauri AG mit einem neuen Steckdosen- und Schalterprogramm.

Das farbige Designprofil lässt den Rand der Steckdose «modino priamos» in hellem Blau erstrahlen.

J

eder kennt das Problem: Oft decken Netzadapter oder Winkelstecker die anderen beiden Steckplätze ab. Mit der «modino priamos»-Linie von der Max Hauri AG ist dieses Ärgernis passé. Auf der technischen Seite bringen die 3 x Typ13-Steckdosen mit der neuen, patentierten Dosenanordnung die Lösung dieses bekannten Problems. So ist jeder Steckplatz immer nutzbar.

DEZENTE FARBE FÜR DOSEN UND SCHALTER Der Produzent elektrotechnischer Bauteile und Systeme bringt mit «modino priamos» ein zeitlos schönes Steckdosen- und Schalterprogramm auf den Markt, das durch technische Raffinesse und ein modernes und innovatives Design überzeugt. Zum Beispiel sind durch den Verzicht auf Zwischenrahmen die Schaltflächen ausserordentlich gross gehalten. Das Design wirkt dadurch sehr edel und ermöglicht eine

praktische und treffsichere Bedienung. Ein zentrales Element des Installationsprogramms sind die austauschbaren Designprofile in verschiedenen, attraktiven Farben. Steckdosen und Schalter lassen sich damit farblich individuell auf die Umgebung abstimmen und ermöglichen dezente, individuelle Farbtupfer. Sogar eine fluoreszierende Variante, die in der Dunkelheit zum Schalter führt, ist verfügbar. Die Farb­ rahmen lassen sich jederzeit ganz einfach abnehmen. Dies ermöglicht eine einfache Reinigung der Produkte, ohne dass die dahinterliegende Wand verschmutzt.

EINFACHE INSTALLATION Auch an die zeitsparende Installation durch den Elektriker hat die Max Hauri AG gedacht. Schalter und Steckdosen sind mit schraublosen Anschlussklemmen ausgestattet. Die rückseitig im 45-Grad-Winkel angeordneten Klemmen sorgen zudem für mehr Raum zur Platzierung von Kabeln und Drähten. Dank

USB-Steckdose 3.4A zum Laden von Smartphones und Tablets.

der Normmasse ist das «modino priamos»Sortiment auch bei Umbauten und Renovationen einsetzbar. Bestehende Installationen können problemlos ersetzt werden. Die Max Hauri AG beweist mit der «modino priamos»-Linie einmal mehr Innovationsstärke. Die individualisierbaren Komponenten im eleganten Design sorgen in jeder Umgebung für Aufsehen und frischen Wind. Alle Produkte der Linie fügen sich in ihrer Machart sehr gut in bereits vorhandene sowie in neue Wohnlandschaften ein.

Max Hauri AG | Weidstrasse 16 | CH-9220 Bischofszell | Tel. +41 (0) 71 424 25 25 | info@maxhauri.ch | www.maxhauri.ch

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Deine Brand-Social-Media-Plattform Lass dich von Brands, Experts, Stores und Community inspirieren!


Italienische Sportwagen in das richtige Licht gesetzt.

HERAUSFORDERUNGEN IN GROSSEN RÄUMEN LED-LEUCHTEN IN INDUSTRIE UND HANDWERK von Carlo Vogel

Lichtlösungen in grossen Räumen haben besondere Herausforderungen zu meistern. Sie müssen den Raum komplett ausleuchten, aber auch auf den Punkt Licht produzieren können. Zudem dürfen die Energiekosten nicht davongaloppieren.

I

n den meisten Fabrikationshallen kommen üblicherweise Leuchten mit Entladungslampen oder Lichtbänder mit Leuchtstofflampen zum Einsatz. Um auf Arbeitshöhe eine gute Ausleuchtung zu erreichen, waren bisher sehr viele Leuchtkörper oder sehr hohe Leistungen notwendig. Der Installationsaufwand und Energieverbrauch von solchen Anlagen ist enorm. Es gibt aber Alternativen. Folgende Merkpunkte sind zu beachten. Um erstens den Mitarbeitern optimale Arbeitsbedingungen zu bieten, ist eine gute und blendfreie Ausleuchtung unab-

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dingbar. Zweitens ist der Unterhalt dieser Anlagen sehr aufwendig, da sie in grosser Höhe installiert sind und der regelmässige Ersatz der Lichtquellen dementsprechend aufwendig und teuer ist. Um in einer circa 2 300 Quadratmeter grossen Halle mit Raumhöhe zehn Meter eine Beleuchtungsstärke von Em 300 Lux zu erreichen, waren bisher 288 Leuchten mit total 36 kW nötig. Heute kann man das mit 72 LED-Leuchten und 8 kW erreichen. Die Ersparnis an Energie und Stromkosten sind gewaltig, je nachdem hat sich eine solche Investition schon in

drei bis vier Jahren amortisiert. Auf jeden Fall ist es bei solchen Projekten besonders wichtig, die Bedürfnisse genau abzuklären. So haben die Verantwortlichen eine klare Grundlage. In der Folge kann mit einer massgeschneiderten Lösung dann das Optimum herausgeholt werden.

UMFASSENDE EINSATZBEREICHE Eines der Produkte der 3F Filippi Schweiz GmbH heisst 3F LEM (Light Emitting Modules). Diese Leuchte wurde für maximale Effizienz und Lebensdauer in unserem Werk im Mutterhaus in Pianoro entwickelt. Es gibt sie für jeden Einsatzbereich von


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UNTERNEHMENSPORTRAIT

Die Produktion von Autos braucht eine optimale Ausleuchtung.

8 000 bis 39’828 Lumen. Ihr Einsatzbereich reicht von der kleinen Werkstatt bis hin zu den Mega-Produktionshallen – zum Beispiel im Automobilbau. Mit über 40 verschiedenen 3F-LEM-Ausführungen ist immer eine optimale Leuchte verfügbar. Je nach Situation und Bedürfnissen kann auch eine Kombinationslösung mit an-

deren Typen wie zum Beispiel LINUX oder Beta gefunden werden. Für eine umfassende Planung ist unser Team in der Schweiz und Italien bestens ausgebildet und kann mittels modernster Berechnungsprogramme sehr effizient eine Analyse und einen Lösungsvorschlag für Ihren Betrieb erstellen.

Seit 1952 beschäftigt sich 3F Filippi mit Licht. Die Erforschung des Lichts, die effektivste Anwendung und die effizienteste Umsetzung setzen die Verantwortlichen in ihren Leuchten um. Die Firma liegt sanft eingebettet in den Hügeln vor den Toren Bolognas. Die Region ist nicht nur wegen ihrer Küche bekannt. Hier schlägt das Herz des italienischen Maschinenbaus. Unternehmen wie Ferrari, Maserati, Ducati oder IMA haben in dieser Region ihre Wurzeln. In diesem Umfeld produziert der Familienbetrieb in der zweiten Generation. Die Inhaber­ familie Bonazzi ist an vorderster Front im Einsatz, sie investiert jeden verdienten Euro in die Entwicklung, um noch effizienter und somit konkurrenzfähiger zu werden. Sie achtet darauf, dass das Know-how in der Firma bleibt und nur wenig von Zulieferern produziert wird.

3F Filippi Schweiz GmbH | Russmatten 32 | CH-4624 Härkingen | Tel. +41 (0) 62 390 00 44 | info@3f-filippi.ch | www.3F-Filippi.ch

Wer auf Draht ist, baut einfach auf LUXOR Das Smart Home-System LUXORliving LUXOR von Theben – das war die erste Wohnkomfort-Steuerung überhaupt. Jetzt wird LUXOR smart: LUXORliving ist so einfach, dass der Einsatz Freude macht: einfach installieren, anschließen, in Betrieb nehmen, fertig. Wer auf Draht ist, plant mit LUXORliving – die clevere Variante für die Hausautomatisierung. Ideal für Neubau und Komplettrenovierung.

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www.luxorliving.ch


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AUF DER ZIELGERADEN GEOMETRISCHE FORMEN UND KLARE LINIEN EROBERN DAS BADEZIMMER von Geog Lutz / epr

© epr / hansgrohe / Hansgrohe SE

In keinem Raum des Hauses steht der Komfortgedanke so sehr im Mittelpunkt wie im Badezimmer. Die Möglichkeiten heutzutage sorgen dafür, dass hier ein privater Wellness-Bereich entstehen kann. Das gilt sowohl für den Neubau als auch für die Renovierung der alten Nasszelle. Fast genauso wichtig ist es allerdings, dass auch bezüglich der Optik alle Ansprüche erfüllt werden. Wir stellen zwei Beispiele vor.

Ein Dream-Team: Die Linien Raindance E und Metropol harmonieren wunderbar und sorgen im Badezimmer für einen perfekt abgestimmten Gesamteindruck.

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er Badexperte Villeroy & Boch hat mit Vivia eine Kollektion im Sortiment, die höchsten Komfort mit zeitgemässem Design verbindet. Nicht umsonst wurde das Duschpaneel 2016 mit dem iF Design Award ausgezeichnet. Überhaupt lässt der Duschbereich keine Wünsche offen: Die flachen Duschböden aus Quaryl® sorgen dank der höchsten Antirutschklasse C nicht nur für einen sicheren Stand und sind dabei fusswarm, sondern sind sowohl in Standardgrössen erhältlich als auch individuell zuschneidbar. So können sie jeder Raumdimension einfach angepasst werden. Auch in Sachen Möblierung wird Vivia höchsten Ambitionen an ein ansprechendes Äusseres und komfortablen sowie praktischen Funktionen problemlos gerecht. Die Hoch- und

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Unterschränke, allesamt mit einer Push-toopen-Auszugstechnik ausgestattet, bieten eine Menge Stauraum. Letztere überzeugen zudem durch eine flexible Inneneinteilung sowie praktische Accessoire-Boxen. In der Waschtischkonsole integriert sind zahlreiche Extras wie etwa ein aufklappbarer höhenverstellbarer Spiegel, ein geschlossener Stauraum sowie eine grosse Ablagefläche. Herausnehmbare Boxen, ein Vergrösserungsspiegel und ein Handtuchhalter runden die vielseitige Waschplatzlösung ab. Echte Hingucker sind auch die Becken der Vivia-Waschtische: Durch abgeschrägte Kanten erscheinen sie leicht und filigran. Praktisch ist ausserdem ihre Tiefe, die es beispielsweise ohne Probleme erlaubt, die Haare im Becken zu waschen.

Last but not least hat man bei Vivia auch eine Auswahl an unterschiedlichen Farben und Oberflächen – von hochglänzend über sanft bis hin zu Holzoptiken. Auch wenn Geometrie in der Schule für viele von uns nicht wirklich zum Lieblings-Lernstoff zählte, bestimmen Quadrat, Kreis und Co. doch viele Bereiche unseres Alltags. Ob das Stoppschild an der Ecke, der klassische Schal mit Karomuster oder moderne Kunstwerke an der Wand: Klare Linienführung und zeitlose Eleganz wissen vielerorts zu überzeugen. Nicht zuletzt auch im Badezimmer.

SCHLICHT UND EDEL Der Bad-Spezialist hansgrohe hat den Trend zur geometrischen Gestaltung auf-


gegriffen und sich bei der Kreation einer neuen Kollektion an der puristisch-klaren Formgebung orientiert. So setzt das Raindance-E-Brausenprogramm – wahlweise als komplett vorinstallierte Showerpipe oder als Kopfbrause für Wand- oder Deckenmontage erhältlich – ein markantes Statement in jeder privaten Wellness-Oase. Für besonderen Duschgenuss sorgen die verbesserte Air-Technologie sowie die clevere Anordnung der Strahldüsen mit einer Kombination aus sanften und intensiven Duschstrahlen. Denn während die Düsen im Zentrum eng beieinanderliegen, um Shampoo- und Seifenreste mühelos abzuspülen, vergrössert sich nach aussen hin der Düsenabstand, sodass Schulterpartie und Körper von einem deutlich sanfteren Duschstrahl verwöhnt werden. Ihr schlichtes, edles Design macht die Raindanc- E-Modelle ausserdem zum optimalen Partner für das vielfältige Sortiment der hansgrohe-Metropol-Armaturenlinie. Drei verschiedene Griffvarianten halten für jeden Geschmack das Passende bereit – egal, ob flächiger Hebel-, filigraner Bügel- oder

© epr / Villeroy & Boch

INNENARCHITEKTUR

Filigrane Optik: Die Becken der Vivia-Waschtische kommen äusserst leicht daher.

eleganter Armaturengriff mit integrierter Select-Bedienung, die eine Steuerung des Wasserflusses via Knopfdruck erlaubt. Durch die geometrischen Formen lassen sich individuelle Akzente setzen: Ein quader­ förmiger Waschtisch beispielsweise als skulpturale Säule ist ein Highlight und wird durch den bodenstehenden MetropolWaschtischmischer perfekt inszeniert. Sein kubischer Grundkörper mit geradliniger Formensprache und markantem Design ergänzt die Raindance-E-Brausen hervorragend und trägt so zu einem stimmigen

Gesamteindruck in Sachen Bad-Ambiente bei. Auch Dusch- und Wannenarmaturen als Auf- oder Unterputz­lösung sind Teil der Metropol-Kollektion.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.villeroy-boch.com/vivia www.hansgrohe.de/trends

IHR WOHNTRAUM BEGINNT HIER Alle Branchen unter einem Dach. Das ist das Konzept der Bauarena, das Ihnen effizient und umfassend Informationen und Inspirationen zu Ihrem Bauvorhaben liefert. Kompetente Beratung, Bemusterungen zum Anfassen, Produkte zum Ausprobieren – so macht Bauen Spass. Die Bauarena hat für Sie während 300 Tagen im Jahr geöffnet. Montag – Freitag 9 – 18 Uhr Samstag 9 – 16 Uhr

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Ästhetisch bestechend und funktional wirksam wird HPL im Badezimmer eingesetzt.

FUNKTIONELLES MIT ALLEN SINNEN BEGREIFEN NEUE NUTZUNGSMÖGLICHKEITEN DURCH HPL (HIGH PRESSURE LAMINATE) von Manuela Olgiati

Ein langlebiges und widerstandsfähiges Oberflächenmaterial, das antibakteriell ist und gleichzeitig unzählige Gestaltungsmöglichkeiten für die Raumgestaltung ermöglicht, bietet das High Pressure Laminate (HPL). Die Argolite AG, als einziger HPL-Hersteller der Schweiz, wertet mit dem funktionalen und dekorativen Material Wände und Arbeitsflächen auf.

H

PL bietet viele Vorteile. Es eignet sich hervorragend in den eigenen vier Wänden: Küchen und Badezimmer lassen sich optimal mit diesem hochwertigen Material auskleiden. Für den Kunden bedeutet dies, dass beispielsweise Dusch- und Küchenrückwand besonders fugenarm und nebst dem geringen Reinigungsaufwand auch funktionell sind. HPL ist beständig gegen Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen. Die Schichtstoffplatten von Argolite verhindern das Eindringen von Feuchtigkeit und bieten dazu zahlreiche Möglichkeiten mit hohen hygienischen Eigenschaften. Mit dem

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oberflächenbildenden Melaminharz mit Silberionen von Sanitized® haben Bakterien keine Chance. Wegen dieser positiven Eigenschaften wird HPL oft an öffentlichen Orten wirksam eingesetzt. Dazu zählen Schulen, aber auch Läden, Hotels, Spitäler, Fassaden, Vordächer und Fahrradunterstände lassen sich mit dem edlen Material aufrüsten.

FACHWISSEN UND SOLIDES HANDWERK Seit 1953 produziert die Argolite AG aus Willisau Schichtstoffplatten. Mit dem sensibilisierten Verständnis für das Material –

SO SETZT SICH HPL ZUSAMMEN High Pressure Laminat oder HPL besteht zu 70 Prozent aus Papier und 30 Prozent aus Harz. Die sogenannten Kernlagen bestehen aus Kraft­ papieren, die mit Phenolharz getränkt sind. Die Dekorpapiere wiederum – das heisst die oberste, sichtbare Papierschicht – sind mit Melaminharz imprägniert. Das 0.9 Millimeter starke HPL kann auf einen beliebigen, den Anforderungen des Kunden entsprechenden Träger gelegt werden.


INNENARCHITEKTUR

nach der Qualitätsnorm «EN438» HPL (High Pressure Laminate) genannt – steckt auch in der Produktion eine ungebremste Begeisterung und Freude. Das sieht man den Produkten an. Und fühlt es auch. Die Argolite AG produziert schweizweit exklusiv. Hinter einem grossen Schatz an Fachwissen steckt solides Handwerk. Durch die Kombination aus innovativen Technologien und der Erfahrung langjähriger Mitarbeiter auf allen Produktionsstufen kann das Unternehmen qualitativ hochwertiges High Pressure Laminate herstellen.

UNTERSCHIEDE SIND SICHTBAR HPL lässt sich optimal als Oberflächen­ material im Innen- und Aussenbereich, sowohl für den horizontalen als auch für den vertikalen Gebrauch einsetzen – aber wo sind dann die Unterschiede zu herkömmlichen Laminaten? Aller Anfang beginnt in der Produktion. Argolite produziert die 0.9 mm starken HPL-Oberflächen in einem ersten Produktionsschritt. Dabei wird in einer Hochdruckpresse eine Verbindung geschaffen, die zu 70 Prozent aus Papier und zu 30 Prozent aus Harzen besteht. Das Ergebnis dieses Prozesses ist ein plattenförmiges Material, das eine extreme Widerstands­fähigkeit aufweist, funktional einsetzbar ist und diverse ästhetische Variationen erlaubt. Dieses wird anschliessend auf einen den Anforderungen entsprechenden Träger belegt.

Multifunktional und magnethaftend: Dank HPL sind die Wände im Schulzimmer etwas Besonderes.

Motiven erhältlich. Der Schlüssel zu diesem Gestaltungsreichtum liegt im Fertigungsverfahren. Die Oberflächenstruktur der Platte, sei dies zum Beispiel in Hochglanz, matt oder raumatt, ergibt sich durch das Strukturgeberblech, das seine Beschaffenheit beim Pressvorgang an das HPLMaterial weitergibt. Dieses Prinzip verbindet sich mit den Oberflächenmaterialien und Dekorpapieren und schafft so einzigartige Muster und Farben.

VIELSEITIG EINSETZBAR HPL von Argolite versieht Wände, Möbel oder Türen sogar mit zusätzlichen Eigenschaften. Etwa dann, wenn eine Rückwand der Küche oder die Schrankfronten in einer

Schule magnethaftend werden. Oder je nach Wahl der Oberflächenstruktur der Effekt eines Whiteboards entsteht und die Platten als beschreibbare Schrankverkleidung dienen. Auch kann eine Türe, die mit diesem Material belegt ist, unterschiedliche Raumtemperaturen ausgleichen. Dank der Vielfalt an Gestaltungsmöglichkeiten können Kunden ihr eigenes HPLUnikat erschaffen und ganze Wohnräume damit auskleiden. In der Kollektion «Argotex» zum Beispiel ist die Plattenoberfläche mit Stoff versehen, während bei «Argoprint» die Kunden persönliche Fotosujets auf den Platten abbilden können. Alle Varianten eignen sich für Neu- und Umbauten.

Die Argolite AG produziert HPL in verschiedenen Formaten und Stärken. Das Spektrum reicht von 0.9 Millimetern zum belegen bis zu einer selbsttragenden Platten von 2 bis 30 Millimetern Stärke. Als Alleskönner muss das High-End-Material den strikten Vorgaben entsprechen. Die Qualitätsnorm «EN438» setzt mehr als 20 Merkmale für eine Zertifizierung voraus. Zu den wichtigsten gehört die Hitzebeständigkeit bis 180 Grad. Zudem ist das Material antibakteriell und weist hohe Hygienestandards aus. Die Abrieb- und Kratzfestigkeit sowie die Beständigkeit sind gegen Licht oder Chemikalien geschützt.

HAPTISCH UND FUNKTIONAL Im Fall von High Pressure Laminate muss der Kunde nicht zwischen «Funktion» und «Form» entscheiden. Im Gegenteil: Die HPL-Platten sind in einer grossen Auswahl an Farben, Oberflächen, Mustern und

Ein Hingucker ist der exklusive Werkstattbereich mit HPL Argoplax von Argolite.

Argolite AG I HPL-Werk I Ettiswilerstrasse 48 I CH-6130 Willisau I Tel. +41 (0) 41 972 61 11 I verkauf@argolite.ch I www.argolite.ch

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© epr / Wolf-Haus

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MODERN, KLASSISCH, KUBISCH DAS NEUE HAUS – IN ALTEM STIL von Georg Lutz / epr

Kubische Formen erschaffen aussergewöhnliche Architektur und Freiräume. Anfang des 20. Jahrhunderts spielte der Kubismus in der Malerei eine grosse Rolle. Der Trend entwickelte sich damals in Richtung Architektur weiter. Heute erlebt er eine Renaissance. Wir stellen im folgenden Beitrag ein Beispiel vor.

Kubisch, praktisch, gut: Ein markantes Spiel mit kubischen Formen bestimmt das Wesen der Immobilie.

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© epr / Wolf-Haus

INNENARCHITEKTUR

Hell sowie offen und geschützt zugleich präsentieren sich die Wohnräume.

I

m Rahmen der Kunstgeschichte gilt der Kubismus als richtungsweisendster Stil des 20. Jahrhunderts. Neben der Malerei, deren vorrangigster Vertreter Pablo Picasso war, hat der Kubismus auch Einfluss auf die Architektur genommen. Eines der bekanntesten Bauwerke ist das Haus zur Schwarzen Mutter Gottes in Prag mit an einen Kubus erinnernden klaren Kanten. Ein markantes Spiel mit kubischen Formen bestimmt auch das äussere und innere Wesen eines aussergewöhnlichen Fertighauses, das viele Freiräume bietet. Dass Fertighäuser keine 08 / 15-Häuser von der Stange sein müssen, beweist das Haus Edition Selection 236 von Wolf-Haus aus Gefäll eindrucksvoll. Ganz nah orientiert am Begriff «Kubismus», der sich vom lateinischen «cubus» (Würfel) ableitet, wird der Hausentwurf zum modernen Klassiker mit Flachdach. Dabei entstehen um das Haus herum zahlreiche, teilweise überdachte und grosszügig bemessene Aufenthaltsbereiche, die sowohl Schutz als auch Offenheit bieten; im Innern setzt sich die reduzierte Formensprache fort. So entstehen immer neue Rückzugsorte und geschützte Flächen, denn die Architektur führt auch hier das dialektische Spiel zwischen den Gegensätzen fort. Demgemäss scheint beispielsweise die Treppe, die zur lichtdurchfluteten Galerie führt, hinter Glas

zu schweben und verfügt dennoch über die notwendige Sicherheit, die ein Aufgang benötigt.

KUBUS IM FAMILIÄREN ALLTAG Oben angekommen bietet die Galerie dann ein im wahrsten Sinne des Wortes herausragendes Wohngefühl. Im Erdgeschoss sorgen zahlreiche Schiebetüren für Grosszügigkeit und gewähren die Möglichkeit, sie hinter sich zu schliessen und sich zurückzuziehen. Umgeben ist das Haus von einer an zwei Seiten entlang­ führenden Terrasse sowie von einer weiteren Freifläche, sodass auch hier immer wieder neue Orte und geschützte Bereiche entstehen – logisch, dass da auch das Obergeschoss zwei Balkone besitzt! Platz bietet das exklusive Flachdachhaus in Kubus-­Form für eine vierköpfige Familie. Dabei bleibt es sich treu und verfügt über gleich zwei, mit je knapp 20 Quadratmetern grosszügig bemessene, Kinderzimmer, ein eigenes Kinderbad, eine extra Ankleide sowie ein separates Gästezimmer von knapp 15 Quadratmetern.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.wolf-haus.de

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© Wang Ziling


BLICK AUF DIE PROVINZ DIE POTENZIALE VON LÄNDLICHEN RÄUMEN ENTDECKEN von Georg Lutz

Songyang ist ein Kreis der bezirksfreien Stadt Lishui in der südchinesischen Provinz Zhejiang. Er hat eine Fläche von 1 406 Quadratkilometern und eine Bevölkerung von circa 231’400 Menschen. Im Riesenland China mit seinen Wachstumszentren sind solche Zahlen nur Peanuts. Man kennt die Provinzbewohner höchstens als Wanderarbeiter und Hausangestellte, die in den urbaneren Zentren sich auf der untersten sozialen Stufe befinden. Die abschätzende Sichtweise von der Stadt auf die Provinz ist leider in fast jedem Land der Welt bekannt – Stadtstaaten ausgenommen. Die Blickrichtung, zum Beispiel der Regionalentwicklung, muss sich aber ändern und auf Augenhöhe agieren, sonst droht im wahrsten Sinne des Wortes eine gesellschaftspolitische Schieflage. In Songyang tut sich jetzt etwas.


ARCHITEKTUR

BEDEUTUNG ZURÜCKGEWINNEN DIE AKTIVIERUNG LÄNDLICHER RÄUME IN CHINA von Georg Lutz

Die Landflucht in die urbanen Zentren bildet weltweit den mächtigsten Migrationsstrom ab, auch wenn dies in unserer ideologisch geprägten Flüchtlingsdebatte gerne übersehen wird. Die zentrale Frage stellt sich, wie man ländliche Räume wieder attraktiv macht. Eine Herkulesaufgabe, die trotzdem thematisiert werden muss. Auch in China sind in den letzten Jahrzehnten die Megametropolen enorm gewachsen. In erster Linie «Wanderarbeiter» aus den ländlichen Regionen haben sie gebaut, sind oft geblieben und haben ihre Familien nachgeholt. China kennt folglich die Herausforderung der Landflucht. In einer abgelegenen Region versuchen nun Akteure, darunter auch Raumplaner und Architekten, dem ländlichen Raum wieder mehr Gewicht zu geben. Eine Ausstellung würdigt dies.

Brücken in den ländlichen Raum schlagen: Shimen Bridge, Shimen Village.

D

ynamische Urbanisierungsprozesse prägen weite Teile der Welt, besonders in China. Die junge ausgebildete Bevölkerung wandert in die Städte, wohingegen viele ältere Menschen und Kinder in den ländlichen Gegenden zurückbleiben. Das ist in einigen Tälern im Tessin in der Schweiz, im Saarland in Deutschland oder auf dem Massiv Central in Frankreich nicht anders. Es gibt aber auch Unterschiede. Während im europäischen Hinterland Bahnstrecken stillgelegt werden und die digitale Infrastruktur mangelhaft ist, begegnet man der Landflucht in China

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mit neuen Schnellzugtrassees und der Breitbandversorgung bis ins hinterste Bergdorf. Aber auch Architektur, wenn auch nur im kleinen Massstab, schafft positive Zukunftsperspektiven für die kulturelle, soziale sowie ökonomische Entwicklung.

der Revitalisierung ländlicher Gebiete ist nicht nur die Pflege von Traditionen, sondern auch die Gestaltung unserer Zukunft. Es ist ein Thema, das nicht nur in China, sondern auf der ganzen Welt präsent ist.

In der bergigen Landschaft der Region Songyang plante die Architektin Xu Tiantian in Zusammenarbeit mit der engagierten Provinzregierung und der lokalen Bevölkerung kluge architektonische Akupunkturen, durch die eine Art neues «rurales Selbstbewusstsein» entstanden ist. Ziel

Die Region Songyang gilt als «das letzte unentdeckte Gebiet in Jiangnan» und erlangte internationale Bekanntheit durch die vollständige Modernisierung von mehr als 70 staatlich anerkannten traditionellen Dörfern. Gemäss dem Motto «Aktiver Schutz und organische Entwicklung» hat

ABGELEGEN, ABER VORBILDLICH


© Wang © HanZiling Dan

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Budget fand Xu Tiantian für ihre Gebäudeentwürfe Inspiration in unserem traditionellen Vermächtnis und erweiterte es um zusätzliche Elemente, was der ländlichen Gegend neues und organisches Wachstum verschaffte. So greifen die Bauwerke die kulturellen und wirtschaftlichen Merkmale eines jeden Dorfes auf und heben sie deutlich hervor. Durch die präzise Reproduktion dieser Charakteristika ist eine Reihe kleiner, jedoch ausgefeilter, schöner und einzigartiger kultureller, wirtschaftlicher und öffentlicher Einrichtungen in diesem «neuen ländlichen Raum» entstanden, die sowohl von Anwohnern als auch Besuchern genutzt werden können. Die Gebäude bringen ländliche Werte sowie die kulturelle Seele der Gemeinden optimal zur Geltung und ermöglichen es den Dorfbewohnern, sich noch stärker mit ihrer Heimat zu identifizieren und sie schätzen zu lernen.

ERHOLUNG DES LÄNDLICHEN ÖKOSYSTEMS

Songyang in den letzten Jahren «systematisch eine Erholung und Revitalisierung mithilfe Traditioneller Chinesischer Medizin und Akupunktur» verfolgt. Dieser Ansatz diente dazu, den ländlichen Raum zu beleben, die Situation der Anwohner zu verbessern, die Wirtschaft anzukurbeln, die exzellente Kultur zur Schau zu stellen und sowohl die landwirtschaftliche Produktion als auch das wirtschaftliche Leben umweltfreundlich und emissionsarm zu gestalten. Beflügelt durch kulturelle Interessen erkundet die Region so den Weg hin zu einer lebendigen ländlichen Gemeinschaft.

LÄNDLICHEN RAUM FÜLLEN Die Architektin Xu Tiantian kam vor einigen Jahren nach Songyang. Mithilfe innovativer architektonischer Entwürfe verlieh Xu Tiantian ihrer ausgeprägten Leidenschaft für die ländlichen Gegenden Chinas sowie dem Gefühl der Verantwortung gegenüber ihrem Heimatland Ausdruck. Die Bauten berücksichtigen das natürliche Ökosystem der Dörfer und bringen lokal vorhandene Baumaterialien sinnvoll zum Einsatz. Basierend auf dem Prinzip der minimalen Intervention bei begrenztem

Erwähnenswert ist dabei, dass alle Gebäude in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Dorfgemeinschaften, der kommunalen Regierung und ortsansässigen Handwerkern entstanden sind. Selbstverständlich war der Prozess jedoch auch häufig von gegensätzlichen Meinungen hinsichtlich der architektonischen Gestaltung, Ästhetik und Bautechniken geprägt. Nach und nach wich jedoch unsere anfängliche Skepsis einer proaktiven Zusammenarbeit, die bei sämtlichen Mitwirkenden nach Abschluss der Projekte zu einer hohen Zufriedenheit und gesteigertem Selbstvertrauen führte. Alle Beteiligten hatten die Gelegenheit, ihre persönliche Einstellung und handwerklichen Fähigkeiten zu verbessern. Zudem brachte Xu Tiantians Konzept der subtilen Intervention solide und tiefgreifende Ansätze zur Revitalisierung der ländlichen Gebiete hervor. Während einige der neuen Gebäude in das dörfliche Leben eingreifen, indem sie die örtliche Wirtschaftsentwicklung ankurbeln, bauen andere Einrichtungen auf dem kulturellen Vermächtnis der Region auf. An einigen Stellen wurden wichtige baufällige Gebäude saniert; bei anderen Gelegenheiten konnten natürliche Ressourcen auf intelligente Weise zum Einsatz gebracht werden. Eines ist jedoch allen Gebäuden gemein: Sie haben die Erholung des ländlichen Ökosystems und die Wiederherstellung des kulturellen Erbes systematisch gefördert, die Zufriedenheit der Anwohner gesteigert und die

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© Wang Ziling

© Wang Ziling

© Zhou Ruogu

Teahouse, Damushan Tea Valley

Wirtschaft angekurbelt.Aus dieser Perspektive kann man Xu Tiantian auch als eine Art Sozialarbeiterin betrachten – während sie sich dem Design ihrer Gebäude widmete, war ihre Arbeit in diesem schwierigen, jedoch äusserst wichtigen sozialen Umfeld für ihr architektonisches Konzept zugleich von zentraler Bedeutung. Vielleicht müssen herausragende architektonische Werke und ihre Schöpfer genau dieses Ziel verfolgen und auch soziale Verantwortung übernehmen. Mit «Rural Moves – The Songyang Story» eröffnet das Aedes Architekturforum in Berlin ein neues Kapitel in der langen und freundschaftlichen Beziehung, die die international tätige Kultureinrichtung in Berlin seit fast zwei Jahrzehnten mit China aufgebaut hat. In der Fortsetzung dieses gegenseitigen Austauschs erkunden Aedes und ANCB The Aedes Metropolitan Laboratory nun das Hinterland von China.

Brown Sugar Factory, Xing Village

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Architektur spielt bei der Entwicklung grosser Infrastrukturprojekte und auch


ARCHITEKTUR

Bamboo Pavilion, Damushan Area

bei kleineren Lösungen eine wesentliche Rolle. In China lassen sich seit einigen Jahren bemerkenswerte Ansätze in innovativen Bauprozessen finden, die vorhandene Ressourcen und oft schon vergessene handwerkliche Traditionen einbinden. Obgleich nicht alle gemachten Erfahrungen direkt auf europäische Verhältnisse übertragbar sind, geben die von Aedes aufgespürten Beispiele in der Region Songyang spannende Impulse für die Diskussion über die Verbesserung anderer ländlicher Lebensräume.

DAS «BLEIBEN» Mit etwa 400 Dörfern erstreckt sich die Region über das am Fluss Songyin gelegene Tal und die umliegenden Berg­ regionen. Die besondere Landschaft mit sanften Hügeln, schroffen Felswänden, Reisfeldern und Teeplantagen lässt sich in der traditionellen chinesischen Literatur und in vielen Gemälden wiederfinden. Vor diesem beeindruckenden Hintergrund und mit dieser authentischen Kultur ist Songyang schon seit langer Zeit ein be-

liebtes Reiseziel – vor allem für Bewohner der Grossstädte. Zugleich hat sich dort durch verschiedene Modernisierungs­ massnahmen in den letzten Jahren auch ein neues, lebendiges sozio-ökonomisches Gefüge entwickelt. Um weitere Anreize für das «Bleiben» als auch für eine Rückkehr der Städter zu schaffen, arbeiten die Verantwortlichen an weiteren Strategien für die Gesamtentwicklung von Songyang. Neben einer guten Anbindung durch Fernstrassen entstehen zurzeit ein Anschluss an das HighspeedBahnnetz sowie ein regionaler Flughafen. Zudem lassen sich innovative Projekte wie zum Beispiel «Organic Farming» oder «Sustainable Tourism» finden, bei denen der Architektur eine wichtige Rolle zukommt. Allein 80 Fabriken, die den neuen Anforderungen zum CO2-Ausstoss nicht entsprochen hatten, wurden in den letzten Jahren geschlossen sowie teilweise abgerissen, und selbst eine in China bis dahin noch unübliche Mülltrennung wird konsequent durchgeführt.

Xu Tiantian hat bereits in Zusammen­ arbeit mit den jeweiligen Dorfgemeinschaften, der kommunalen Regierung und ortsansässigen Handwerkern eine Vielzahl von Interventionen auf Mikro­ebene umgesetzt. Dazu zählen unter anderem die «Brown Sugar Factory» im Dorf Xing, das Dorfgemeinschaftshaus in Pingtian Village, ein Teehaus und ein Pavillon im Damushan Valley. Bei allen Gebäudeentwürfen fand die Architektin Inspiration in der gebauten Geschichte von Songyang und erweiterte sie um zusätzliche Elemente und Funktionen, was der ländlichen Gegend ein dynamisches und organisches Wachstum verschafft und der neuen Generation moderner Landbewohner konkrete Perspektiven bietet.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.aedes-arc.de

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© Ralph Larmann

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Der Römer in Frankfurt am Main ist übersät mit bunter Leuchtschrift.

MEHR ALS NUR SCHÖNER SCHEIN LICHTKUNST UND ZUKUNFTSDEBATTEN AN DER LUMINALE von Freya Mohr

Licht ist mehr als einfach nur hell. Es erleuchtet die Stadt und gibt Sicherheit in dunklen Ecken. Es lässt sich aber auch genauso gut zur künstlerischen Gestaltung verwenden – für bunte Lichtinstallationen und Videoprojektionen. Frankfurt am Main (D) erstrahlte im März in einem leuchtenden Farbrausch.

B

unte Schriftzüge flackern über das Kopfsteinpflaster auf dem Römerberg. Auch an der Fassade des Rathauses prangen grosse Wörter. Wer über den Platz läuft, den trifft das bunte Scheinwerferlicht. Zur Luminale in Frankfurt am Main

vom 18. bis 23. März 2018 erstrahlte die Stadt in einem neuen, ganz anderen Licht. Der Künstler Philipp Geist inszenierte beispielsweise den Römer als begehbare Lichtinstallation – Menschen und umliegende Gebäude wurden zur

Projektionsfläche. Aber das war nur eines der 35 künstlerischen Arbeiten auf dem Light Walk durch die Innenstadt. Auf einem Spaziergang konnten die Besucher Lichtkunst an Wahrzeichen, Denkmälern und an weniger bekannten Orten entdecken.

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So auch an der Alten Oper – das italienische Künstlerkollektiv Karmachina beleuchtete in einer Videomapping-Show die Geschichte des Gebäudes. Das Bremer Künstlerkollektiv Urbanscreen verwandelte mit dem Illustrator Andreas Preis die Fassade der Europäischen Zentralbank in eine animierte Street-Art-Galerie.

© Oliver Blum

ARCHITEKTUR

IMPULSE FÜR STADTGESTALTUNG Während der Festivalwoche kamen rund 240’000 Besucher zu den 149 Projekten, Lichtinstallationen, Performances und Diskussionsrunden nach Frankfurt und Offenbach. Es drehte sich aber nicht alles um Kunst, «auch aktuelle Fragen der Stadtentwicklung wurden im wahrsten Sinne des Wortes beleuchtet», erklärt Oberbürgermeister Peter Feldmann. Zur neunten Ausgabe hatten die Organisatoren Licht und Kunst mit einer Debatte über urbane Herausforderungen im 21. Jahrhundert verknüpft. Parallel zur Light + Building, Weltleitmesse für Licht und Gebäudetechnik, diskutierten in einem umfangreichen Rahmenprogramm Fachexperten und Künstler aus dem In- und Ausland gesellschaftliche, soziale, ökologische, technologische und künstlerische Aspekte moderner urbaner Entwicklungen. «Mit der Luminale wollen wir langfristig Impulse für eine nachhaltige Stadtgestaltung setzen», sagt Festival­ direktorin Isa Rekkab. Deswegen traten auf der Bühne im ehemaligen Amerikahaus des Instituto Cervantes Wissenschaftler, Künstler, Stadtplaner und Bürger in den Dialog. Sie widmeten sich aktuellen Fragen der Stadtentwicklung; Schwerpunkte der fünf Themenabende waren Umwelt, Architektur, Sicherheit, Menschen und Licht.

NACHHALTIG FÜR FRANKFURT Wer die Luminale verpasst hat, muss jedoch nicht traurig sein. Ein paar Projekte bleiben der Stadt dauerhaft erhalten. Beispielsweise die Illumination der Friedberger Warte: Nach Umgestaltung des

Vergängliche Graffitis: Farbige Illustrationen an der Europäischen Zentralbank.

Platzes wurde nun auch die Warte selbst mit neuer Beleuchtung inszeniert. Das Projekt ist eine Arbeit des Innenarchitekten und Lichtplaners Christian Uitz. Ebenso das Projekt «Licht an» bleibt präsent. Jens Schader erhellt neun als unsicher wahrgenommene, sogenannte Dunkelorte in der Hochhaussiedlung am BenGurion-Ring durch unterschiedlichste leuchtende Elemente. Diese Objektgestaltung rund um die Kirche St. Lioba ist Ergebnis der verschiedenen Sichtweisen

und kreativen Prozesse der im «Bügel» lebenden Bewohner und trägt zur nachhaltigen Verbesserung der Beleuchtung im Quartier bei.

FREYA MOHR ist Redaktorin bei bauRUNDSCHAU. www.luminale-frankfurt.de

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© Mariam Kamara

ARCHITEKTUR

Wohnhaus von Mariam Kamara in Niamey, Niger.

SICHTWEISEN AUSWEITEN DIE AUSSTELLUNG «AFRICAN MOBILITIES» von Georg Lutz

Unsere Bilder zu Afrika sind fast immer noch völlig undifferenziert durch exotische Atmosphären oder durch Katastrophenbilder geprägt. Das ist schlicht einseitig. Die Ausstellung «African Mobilities» der TU München in der Pinakothek der Moderne bebildert daher nicht die Situation in Flüchtlingslagern, obwohl das Thema präsent ist. Es geht in erster Linie um innerafrikanische Sichtweisen, die unsere Blicke weiten.

D

ie Ausstellung «African Mobilities» thematisiert die komplexe Mobilität innerhalb Afrikas – und dies jenseits der international breit geführten Flüchtlingsdebatte. In der gegenwärtigen Situation, in der internationale Grenzen gewaltsam neu gezeichnet, verwaltet und überwacht werden und in der einzelne Länder immer stärker von einem Standortwettbewerb betroffen sind, ist es Zeit, sich Architekturen zu widmen, die auf diese vermeintlich festgesetzten Strukturen reagieren.

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ORTE DER TRANSFORMATION Afrikanische Städte werden hier als Zufluchtsorte und damit in ihrer schnellen Transformation präsentiert, die neue architektonische Typologien, veränderte Infrastrukturen und einen rasant wachsenden Umgang mit digitalen Technologien hervorbringen. Die afrikanische Migration wird hier also als Herausforderung und Chance zugleich gesehen, Architektur und Städtebau neu zu denken. Zur Vorbereitung trafen sich in den vergangenen

zwei Jahren Architekten, Städteplaner, Filme­macher, Künstler, Sozialwissenschaftler und Autoren aus Afrika an 13 verschiedenen Orten: Johannesburg, Harare, Kampala, Addis Abeba, Luanda, Abidjan, Lagos, New York, Dakar, Nairobi, Lubumbashi, Praia und München. In Workshops analysierten sie diese ständig in Bewegung befindliche Welt und nutzten unterschiedliche Medien, um ihre Rechercheergebnisse festzuhalten und mögliche zukünftige städtische Szenarien zu visualisieren. Die


© Olalekan Jeyifous

aus diesen Treffen entstandenen Arbeiten, zu denen Kunstwerke, Comicromane, Filme und Hörbücher gehören, bringt die südafrikanische Kuratorin Mpho Matsipa von der Universität in Witwatersrand in der Ausstellung «African Mobilities» zusammen. Ilze Wolff, Partnerin im Büro Wolff Architects aus Kapstadt, entwirft das Ausstellungsdesign, das die verschiedenen Formen der Dynamik unter Migranten in eine räumliche Komposition fasst.

ZIELGENAUE BEGLEITUNG Anstelle eines Kataloges ist – passend zum Thema – eine Website ab Ausstellungsbeginn Ende April 2018 online: www.africanmobilities.org. Dadurch soll ein breites Publikum auch jenseits der Pinakothek der Moderne erreicht werden. Während der Ausstellungsdauer wird es zusätzlich verschiedene Veranstaltungen geben. «African Mobilities» ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne und der University of the Witwatersrand (Südafrika). Die Initiative wird

Shanty Megastruktur

gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Entstanden ist das Projekt mit Unterstützung des Goethe-Instituts, das sich auch an der geplanten Tournee der Ausstellung auf dem afrikanischen Kontinent beteiligen wird.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.architekturmuseum.de

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ÜBERGREIFENDE VERNETZUNG SMART CITIES von Georg Lutz

Wir leben in einer paradoxen Situation. Einerseits wird die Welt um uns herum immer komplexer, andererseits stehen uns zunehmend intelligente Lösungen zur Verfügung, mit denen wir sehr viel schneller einen Überblick bekommen können. Was sich früher staubtrocken Haussteuerung nannte, läuft heute unter dem Stichwort Smart Buildings. Aber auch dieser Begriff ist fast schon überholt. Die Blicke richten sich über die engere Gebäudehülle, die schon jetzt von einem Datennetz umgeben ist, hinaus. Im Rahmen von Smart Cities produzieren und speichern die Teilnehmenden aus dem Quartier ihre Energie selbst und können dies transparent steuern und überwachen


UMWELT & TECHNIK

BUSINESS PORTRAIT

GESAMTLÖSUNGEN ERARBEITEN DER VIERKLANG GEOLOGIE, GEOTECHNIK, GEOPHYSIK UND UMWELT Interview mit Felix Bussmann von Georg Lutz

Hinter dem Thema Erdwissenschaften verbergen sich komplexe Herausforderungen. Wer einen Tunnel bohrt, muss wissen, wie die Geologie aussieht, und wer auf einem Baugrund steht, der vermutlich mit Schadstoffen belastet ist, will als Investor Klarheit haben. Wir waren in der jüngsten Filiale der GEOTEST AG in Basel und führten mit dem Geschäftsführer Felix Bussmann ein Interview.

Ein schwimmender Temperatursensor wird in ein Sondenrohr eingegeben, um ein exaktes Temperaturprofil des Untergrunds über die gesamte Tiefe der Erdwärmesonde zu ermitteln.

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UMWELT & TECHNIK

I

n den ersten Jahren von GEOTEST beschäftigte Ihr Haus in erster Linie Geologen. Um welche Aufgaben­ felder ging es da? Die Firmengründung der GEOTEST erfolgte 1962 und somit in einer Zeit des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs. Da zu dieser Zeit sowohl in der Schweiz als auch im Ausland zahlreiche grosse Infrastrukturprojekte geplant wurden, war die Nachfrage nach qualifizierten geotechnischen, geophysikalischen und geologischen Dienstleistungen, wie die junge GEOTEST sie anbot, entsprechend rege. Grössere Projekte wurden in der Schweiz unter anderem im Bereich Eisenbahn-, Autobahn- und Staudammbau begleitet. Aber auch Auslandsprojekte, vorab im Vorderen Orient, in Nordafrika und Südamerika standen im Fokus und wurden mit grossem logistischen Aufwand abgewickelt. Dies geschah oft im Auftrag von international tätigen Schweizer Unternehmen. Für die erfolgreiche Umsetzung solch anspruchsvoller Infrastrukturprojekte waren fundierte Kenntnisse über den Untergrund sehr wichtig. Kann man das als Laie so zusammenfassen? Ja, eine Staudammmauer musste und muss im wahrsten Sinne des Wortes sicher stehen. Ein Gründungsziel der jungen GEOTEST war es, als erstes Beratungsbüro in der Schweiz die drei Fachgebiete Geologie, Geotechnik und Geophysik unter einem Dach zu vereinen. Das gab es in der Schweiz zu dieser Zeit nicht. Sie konnten also ein Alleinstellungsmerkmal vorweisen. Warum haben sich Ihre Tätigkeitsfelder dann in den letzten Jahren derart ausgeweitet? In den Siebzigerjahren war in der Schweiz die Rezession stark spürbar. Um nicht ausschliesslich von Auslandsaufträgen abhängig zu sein, wurde eine Diversifikation des Dienstleistungsangebots angestrebt. Zu Beginn kam also die Diversifikation des Angebots gewissermassen aus einem wirtschaftlichen Druck heraus. In den Achtzigerjahren kam es in der Schweiz schliesslich zu einem regelrechten «geologischen Boom». Themen wie beispielsweise Naturgefahren, Grundwasserqualität und weitere Umweltthemen rückten immer stärker in den öffentlichen Fokus. Dazu mussten parallel immer wieder neue Mess-, Untersuchungs- und Beurteilungsmethoden entwickelt werden. Hier konnten wir an vorderster Front mitwirken.

Was hat eigentlich dazu geführt, dass die angesprochenen Umweltthemen in der öffentlichen Wahrnehmung einen Platz fanden? Die wachsende Sensibilisierung der Gesellschaft. Dabei spielten zumeist aufrüttelnde Schlüsselerlebnisse eine grosse Rolle. Bei Naturgefahren waren solche Schlüsselerlebnisse beispielsweise das grosse Unwetter im Kanton Uri 1987 oder der Felssturz 1991 in Randa im Kanton Wallis. Es gab eine gesellschaftliche Forderung nach mehr Sicherheit und Risikominimierung. Die Politik hat reagiert und das revidierte Waldgesetz von 1993 verabschiedet. Es entstand eine Pflicht bei den Kantonen, das Thema Naturgefahren professionell anzugehen, beispielsweise durch die Erstellung von Naturgefahrenkarten. Und da kamen wir wieder ins Spiel. War dieser Prozess der gesellschaftlichen Sensibilisierung auch bei anderen Themengebieten ähnlich? Ja, ein weiteres Beispiel ist die Altlasten­ thematik. Oft wurde bis weit in das 20. Jahrhundert hinein bei der Entsorgung von Industrieabfällen nicht allzu genau hingeschaut. Abfälle, teilweise giftig, wurden in Gewässer gekippt und im Umfeld von Industriebetrieben abgelagert. Mit einem wachsenden Bewusstsein für Untergrundbelastungen und den damit verbundenen negativen Auswirkungen auf unseren Lebensraum wurde der risikobewusste Umgang mit Altlasten auch gesetzlich verankert. So zeigt die Altlastenverordnung von 1998 beispielsweise auf, wie mit belasteten Standorten in der Praxis schadensvorbeugend umzugehen ist. Kommen wir zu den Neunzigerjahren. Die GEOTEST konnte sich in den Neunzigerjahren, als die Naturgefahrenthematik unter anderem durch das revidierte Waldgesetz 1993 in einen breiteren Fokus rückte und schnell Fahrt aufnahm, von Anfang an einen sehr guten Namen im Zusammenhang mit Naturgefahrenmanagement erarbeiten. Auch heute noch stellen Projekte im Zusammenhang mit Naturgefahrenprozessen ein wichtiges Standbein unserer Firma dar. Und wie haben sich diese Projekte in den letzten Jahren verändert? Es geht heute vermehrt um die Umsetzung von Massnahmen und weniger um das Erarbeiten der Grundlagen. Und da können wir, aufgrund unserer fachlichen Breite, wiederum häufig Gesamtlösungen inklusive Baubegleitung anbieten. 

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Beurteilung des Untergrundes und Entnahme von Proben im Rahmen eines Aushubs.

Können wir ein erstes Zwischenfazit wagen, was die Tätigkeitsfelder Ihres Hauses betrifft? Zusammenfassend lässt sich wohl sagen, dass das Wissen über die Zusammenhänge unseres täglichen Lebens mit der Umwelt in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen hat. Die staatlichen Institutionen haben darauf richtigerweise reagiert und den Erbringern von erdwissenschaftlichen Dienstleistungen auf diese Weise neue Tätigkeitsfelder eröffnet. Infrastrukturprojekte stehen aber auch weiter auf unserer Agenda.

instrument für die kantonalen Behörden. Ein ehemaliger Tankstellenstandort sollte im Kataster bereits als Verdachtsfläche eingetragen sein. Bei unserer Arbeit geht es zunächst um die Geschichte des Standorts. Wir gehen in die staubigen Papierarchive. Das ist die historische Untersuchung. Sie ist der erste Schritt und steht vor der technischen Untersuchung. Wir suchen im Rahmen der historischen Untersuchung Anhaltspunkte, mit was für Belastungen im Untergrund zu rechnen ist.

Und wie geht es dann weiter? Wir erstellen zunächst ein Pflichtenheft, also einen Vorschlag, was im Rahmen der folgenden technischen Untersuchung zu untersuchen ist. Dieses Pflichtenheft kommt dann zur zuständigen kantonalen Behörde zur Prüfung. Bei einem positiven Entscheid wird die technische Untersuchung schliesslich realisiert. Beispielweise werden Sondierungen durchgeführt. Die daraus gewonnenen Boden-, Bodenluftoder Grundwasserproben werden in

Springen wir in die Praxis und nochmals in das Altlastenthema. Ich hebe als Bauherr einen Baugrund aus und stosse plötzlich auf die Hinterlassenschaften einer alten Tankstelle … Das Beispiel mit der Tankstelle sollte so nicht passieren. Wir haben seit 1998 eine Altlastenverordnung. Die Kantone wurden verpflichtet, einen sogenannten Kataster der belasteten Standorte zu erstellen. Eine ehemalige Tankstelle müsste dort als Betriebsstandort erfasst sein. Was ist ein Kataster der belasteten Standorte? Und wie würde die Tankstellengeschichte weitergehen? Der Kataster der belasteten Standorte ist hinsichtlich potenzieller Verschmutzungen im Untergrund ein zentrales Planungs­

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Bodenprobe, welche aus einer Sondierung entnommen wurde und die für eine Schadstoffanalyse in einem Speziallabor chemisch untersucht wird.


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spezialisierten Laboren auf Schadstoffe untersucht. Oder aber direkt vor Ort mit eigenen Messgeräten. Können Sie uns ein Beispiel für eine Vor-Ort-Messung verraten? Wir messen Bodenschadstoffe wie Schwermetalle zum Beispiel mit portablen XRFGeräten. Das sind Röntgenfluoreszenz-­ Geräte, die wie eine Laserpistole aussehen. Mit solchen Geräten «scannen» wir das Erdmaterial und erhalten Angaben zu verschiedenen Schadstoff-Konzentrationen. Wie sehen die nächsten Schritte aus? Es geht dann um eine Klassifizierung. Ist der Standort überwachungs- und/oder sanierungsbedürftig. Und es geht selbstverständlich darum, Lösungen aufzuzeigen, wie beispielsweise ein sanierungsbedürftiger Standort bedarfsgerecht saniert werden kann. Da geht es um Kosten und Unsicherheitsfaktoren? Richtig. Solche Situationen sind oft Gift für Investoren. Genau aus diesem Grund ist bei grösseren Bauprojekten die frühzeitige Herstellung einer transparenten Situation wichtig. Denn das Ergebnis einer Altlasten-Untersuchung kann einen wichtigen Einfluss auf die weitere Planung eines Bauprojekts haben: Lässt sich zum Beispiel ein Baukörper verschieben, damit Entsorgungskosten, die durch den Aushub entstehen, gespart werden können?

«Eine unserer grossen Stärken ist sicherlich unsere grosse fachliche Bandbreite.» Sie setzen seit einiger Zeit auch Drohnen als Analysewerkzeuge ein. Sie haben nun den Habichtblick zur Verfügung. Können Sie uns ein Beispiel verraten? Die Eindrücke aus der Luft ermöglichen uns neue Blickwinkel auf eine Situation. Beispielsweise geht es um Felsbeurteilungen. Früher gab es da nur die sehr teure und nicht immer einsetzbare Variante des Hubschraubers oder aufwändige Begehungen am Seil. Wir können nun besser, schneller und unabhängiger eine Schadenplatzbeurteilung bei Naturereignissen durchführen.

Kommen wir zum jüngsten GEOTESTStandort in der Schweiz – Basel. Welche Besonderheiten zeichnen ihn für Ihre Tätigkeitsfelder aus? Für unsere Tätigkeit ist es wichtig, dass wir die lokalen Untergrundverhältnisse kennen und nahe bei unseren Kunden sind. Deshalb sind wir mit der Niederlassung Basel vor Ort und beschäftigen Leute, welche die lokalen Verhältnisse und den lokalen Markt kennen. Das unterscheidet unsere Branche beispielsweise von einem IT-Unternehmen, bei dem die Mitarbeitenden grundsätzlich irgendwo auf der Welt an unterschiedlichen Projekten arbeiten können. Was heisst das in der Praxis? Wie dicht ist der Kies im Untergrund einer Bauparzelle gelagert? Wie sieht die lokale Grundwassersituation aus? Welche Qualität hat der Felsuntergrund – ist er weich oder hart? Welche Kräfte kann man in den Boden abgeben, ohne dass sich eine Brücke oder ein Gebäude setzt? Zur Beantwortung solcher Fragen braucht es viel lokales Know-how und einiges an Erfahrung. 

Wer bezahlt eigentlich die notwendigen Massnahmen zur Untersuchung, Überwachung und Sanierung belasteter Standorte? Die Kosten trägt in der Regel der Verursacher, sofern dieser ermittelt und rechtlich belangt werden kann. Den gibt es aber oft nicht mehr. Was zu kniffligen juristischen Auseinandersetzungen führen kann. Sie machen auch Gebäudeschadstoffanalysen. Mit was für negativen Überraschungen haben wir es da zu tun? Mir fällt da zunächst Asbest ein. Asbest ist sicher der bekannteste Schadstoff in Gebäuden. Es geht aber auch um Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK), Polychlorierte Biphenyle (PCB) und kurzkettige Chlorparaffine (SCCP) sowie um Schwermetalle, zum Beispiel Blei.

Entnahme von Oberbodenproben im Rahmen einer Schiessstand-Sanierung.

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UMWELT & TECHNIK

Welche Eigenheiten stellt die Region Basel für Ihre Tätigkeit dar? Basel ist eine der vier Metropolregionen der Schweiz. Es gibt eine beständige industrielle Tätigkeit. Diese beinhaltet viele bauliche Grossprojekte und eine anhaltend starke Bautätigkeit. Denken Sie nur an die ständig wachsenden grossen Pharma­p layer. Deren Projekte sind oft sehr komplex; es bedarf hier der ganzen Palette unserer Dienstleistungen. Wir können in diesem Rahmen eine «Gesamtleistung Geologie» anbieten. Für Arealentwicklungen und andere anspruchsvolle Bauprojekte ist dies zentral. Wir können hier einen Mehrwert für Investoren und Bauherren schaffen. Wir können aus einer Hand sämtliche Fragestellungen rund um Untergrund und Gebäude­ substanz abwickeln.

Wie sieht Ihre Branche aus. Es gibt sicher Mitbewerber. Wie positioniert sich die GEOTEST AG in ihrem Markt? Eine unserer grossen Stärken ist sicherlich unsere grosse fachliche Bandbreite. Wir unterstützen die Projekte unserer Kunden mit einem in der Schweiz einzigartig vielfältigen Dienstleistungsspektrum, welches wir laufend mit innovativen Methoden ergänzen. Dies erlaubt uns, insbesondere bei komplexen Projekten die bereits angesprochene «Gesamtleistung Geologie» anzubieten. Diese Gesamtleistung beinhaltet auf der einen Seite einen breiten Strauss an massgeschneiderten Dienstleistungen, auf der anderen Seite bieten wir aber einen «Single Point of Contact», das heisst einen erfahrenen Projektleiter, der die Anliegen der verschiedenen Planer aufnimmt und bei uns intern weiterverteilt. Für unsere

Kunden und die weiteren Projektbeteiligten bietet dieses Vorgehen den Vorteil, dass Sie es von unserer Seite mit einer klar definierten Schnittstelle zu tun haben. Das führt zu einer höheren Effizienz bei komplexen Bauvorhaben. Welche Ziele haben Sie sich in den nächsten Jahren in Basel gestellt? Mein Ziel als Geschäftsführer in Basel ist der Aufbau eines Netzwerks von zufriedenen Kunden, die uns immer wieder das Vertrauen schenken. Vertrauen ist hierbei ganz zentral, da wir unter anderem mit Risiken arbeiten. Wir finden für und mit unseren Kunden im Rahmen des technisch Möglichen und unter stetiger Berücksichtigung von Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit die bestmögliche Lösung.

Felix Bussmann ist Geschäftsführer der GEOTEST AG in Basel. Eine Drohne ist inzwischen ein wichtiges Arbeitsgerät. Er lässt eine Drohne starten.

GEOTEST AG | Freilager-Platz 3 | CH-4142 Münchenstein | Tel. +41 (0) 61 205 87 50 | basel@geotest.ch | www.geotest.ch

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BUSINESS PORTRAIT


UMWELT & TECHNIK

Teilweise produzieren Wind- und Solaranlagen mehr Strom, als gebraucht wird.

AUF NACHHALTIGKEIT SETZEN MIT ERD- UND BIOGAS DER ENERGIESTRATEGIE 2050 NÄHERKOMMEN von Kurt Schmidlin

Erdgas und Biogas mit ihren Speicher- und Verteilinfrastrukturen sind ein Schlüsselelement für den Umbau der Energiesysteme. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zur künftigen, erneuerbaren und nachhaltigen Energieversorgung der Schweiz – und zwar sowohl bei der Wärmeerzeugung als auch zur Speicherung von Energie, wie folgender Beitrag aufzeigt.

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rdgas, ursprünglich aus Biomasse entstanden, besteht aus über 90 Prozent aus Methan, das einfachste Kohlenwasserstoff-Molekül fossiler Energieträger. Erdgas ist ein geruch- und farbloses, brennbares Gas, das in seiner handelsüblichen Form und ohne aufwendige Umwandlungsprozesse gewonnen wird. Das Einsatzgebiet von Biogas liegt vor allem als Prozessenergie, Heizenergie und Treibstoff in der Mobilität. Für die Produktverfügbarkeit wird Erdgas vermehrt in flüssiger Form transportiert und auch gelagert. Erdgas hat das Potenzial, im Verbrennungsprozess den Ausstoss von Schadstoffen und Treibhausgasen effizient und massgeblich zu senken. Ohne Berücksichtigung des Biogasanteils verbrennt Erd-

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gas sauber und setzt weder Feinstaub noch Russ frei. Im Vergleich mit anderen fossilen Brennstoffen stösst Erdgas 25 Prozent weniger CO2 und kaum Stickoxyde aus. Gesamthaft entlastet der Erdgasverbrennungsprozess die Schadstoffbilanz anderer fossiler Energieträger um rund 70 Prozent. Das heimische, erneuerbare Biogas entsteht durch Vergären biogener Abfälle wie Gülle, Klärschlamm, Mist, Speisereste oder Grüngut. Es enthält einen Methangehalt von 50 bis 70 Prozent. Biogas aus erneuerbaren Quellen und aufbereitet auf Erdgasqualität verbrennt CO2-neutral. Ein enormes Sparpotenzial an CO2-Ausstoss bietet der Gebäudebereich. Die Wärme­

erzeugung zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung ist zukünftig ein immer stärkeres Zusammenspiel unterschiedlicher Technologien. Erdgas- und Biogas-betriebene Heizungen eignen sich dank ihrer flexiblen und effizienten Eigenschaften besonders zur Modernisierung. Das Sparpotenzial ist abhängig vom aktuellen Verbrauch. Es reicht von mindestens 20 Prozent bei einer Sanierung des Heizsystems ohne weitere Massnahmen bis zu einer Einsparung von 30 bis 70 Prozent beim Einsatz von Wärmepumpen und Solarkollektoren. Bei der energetischen Gesamtsanierung einer Liegenschaft beträgt das Sparpotenzial bis hin zu 80 Prozent und mehr. Wie so etwas genau aussieht, zeigen folgende vier Heiz- und Wärmetechnologien:


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GAS-BRENNWERTHEIZUNG Moderne Gas-Brennwertheizungen wandeln die eingesetzte Energie nahezu verlustfrei in Wärme um. Sie sind einfach zu installieren, flexibel, zuverlässig, wartungs­ freundlich und energiesparend. Durch die Beimischung von Biogas lassen sich die CO2-Emissionen weiter reduzieren. GasBrennwert-Heizkessel überzeugen mit hohem Normnutzungsgrad. Sie nutzen die in den Abgasen gespeicherte Energie und steigern so den Wirkungsgrad erheblich. Damit ist dieses System eine umweltfreundliche Heizanlage mit maximaler Funktionssicherheit und ausgezeichnetem Komfort.

DAS DREAM-TEAM «ERDGAS-SOLAR» Eine Solaranlage kann 50 bis 60 Prozent des Warmwasserbedarfs durch Sonnenenergie decken. Der Energieertrag ist fast zum Nulltarif zu haben, und die Sonneneinstrahlung in der Schweiz ist genügend gross, um ein wirtschaftliches Betreiben einer Anlage zu garantieren. Die beiden klimafreundlichen Techniken Erdgas und Solarenergie lassen sich perfekt kombinieren. An sonnigen Tagen läuft die Solaranlage, und in sonnenarmen Zeiten stellt die Steuerung bei Bedarf automatisch auf Erdgas oder Biogas um. Der Komfort ist durchgehend gewährleistet. Besonders energiesparend sind kondensierende Gaskessel mit modulierendem Brenner. Diese passen die Flammengrösse stufenlos dem jeweiligen Wärmebedarf an. Zur Solar­ anlage gehört auch ein Speicher, der die Energie zwischenlagert.

GASWÄRMEPUMPEN Gaswärmepumpen verbinden die Vorzüge der Erdgas-Brennwertheizung und der Wärmepumpentechnik. Gaswärmepumpen werden mit Erdgas oder Biogas betrieben. Durch die zusätzliche Nutzung der Umweltwärme (Solar, Luft, Wasser, Erde) lässt sich der Energieverbrauch um bis 40 Prozent reduzieren.

STROMERZEUGENDE HEIZUNGEN Nach dem Prinzip der Brennstoffzellenheizung, nur effizienter, funktionieren die Stromerzeugenden Heizungen (SeH). Sie arbeiten nach dem Prinzip der Wärmekraftkopplung im Mikrobereich und erzeugen zeitgleich Strom und Wärme. Eine SeH erzeugt bedarfsgerecht für das eigene

Bisher findet Erd- und Biogas vor allem in der Mobilität als Kraftstoff Verwendung.

Haus, überschüssiger Strom lässt sich an das öffentliche Verteilnetz abgeben. Das Erdgasnetz und seine Möglichkeiten Aber nicht nur in der Wärmeerzeugung bieten Erd- und Biogas ein Einsparpotenzial an CO2-Emissionen. Denn das Gasverteilnetz der Schweiz kann mehr, als nur Erdgas und Biogas in erdverlegten Pipelines geräuschlos von A nach B bringen. Die Transport- und Speicher-Infrastruktur kann in Zukunft zu den Problemlösern unseres Energiesystems gehören und dazu beitragen, die Stromnetze im Einklang mit dem angestrebten Ausbau der erneuerbaren Energien zu entlasten. Mit der Umsetzung der Energiestrategie 2050 nehmen Photovoltaikanlagen, Gezeiten-, Solar- und Windkraftwerke einen immer grösser werdenden Stellenwert ein. Sie produzieren Strom, der nicht immer regelmässig anfällt. Je nach Wetter entsteht damit eine Überproduktion, die im Verlauf von anderen Wetterlagen wieder zur Verfügung stehen soll. Diese Verfügbarkeit zu einem späteren Zeitpunkt sollen Power-to-Gas-Anlagen ermöglichen, die überschüssigen Strom aus erneuerbarer Energieproduktion durch

UNTERNEHMENSPORTRÄT Die Gasverbund Mittelland AG (GVM) ist eine überregionale Erdgasver­sorgerin der Schweiz. Sie beschafft und transportiert Erdgas im Sinne einer Bündelung zu bestmöglichen Konditionen im Auftrag der ihr angeschlossenen 15 Lokalversorger und ihrer Direktkunden im Mittelland sowie in der Nordwestschweiz. Dazu betreibt GVM ein eigenes Hochdrucknetz mit Übergabestationen.

Methanisierung in synthetisches Gas umwandeln. Bereits heute sind etliche solcher Power-to-Gas-Anlagen mit beachtlichen Leistungen in Betrieb, in der Schweiz beispielsweise in Solothurn. Dieses synthetische Gas lässt sich zusammen mit Gas aus unterschiedlichsten Quellen im Erdgasnetz den Verbrauchern für thermische Anwendungen zuführen oder in Wärmekraftkopplungs-Anlagen wieder zu Strom für den Last-Ausgleich umwandeln. Das Netz leistet damit einen Beitrag zu einer gesamtwirtschaftlichen Optimierung des Energiesystems und hilft, die CO2-Ziele zu erreichen.

Gasverbund Mittelland AG | Untertalweg 32 | CH-4144 Arlesheim | Tel. +41 (0) 61 706 33 33 | info@gvm-ag.ch | www.gvm-ag.ch

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OHNE PROBLEME SCHNELL UND EINFACH ZUM SMART HOME von Georg Lutz / epr

© epr / Jung.de

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Cleverer Online-Konfigurator erleichtert Planung und Umsetzung. Elektroinstallationen machen uns das Leben schlicht einfach. Im folgenden Beitrag präsentieren wir einige Beispiele.

Die eigenen vier Wände in ein «intelligentes Zuhause» verwandeln.

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mart Home, sprich, das «intelligente Zuhause», ist längst in aller Munde – und für immer mehr Bauherren soll es möglichst rasch Realität werden. Was aber gilt es zu beachten? Wer hilft bei der Planung? Und wie erreiche ich möglichst rasch mein Ziel: das eigene Zuhause zum Smart Home zu machen? Wie einfach und schnell die Planung des eigenen Smart Home sein kann, das beweisen Lösungen wie die des Unternehmens Jung mit seinem Online-Konfigurator auf Basis von Feelsmart. Ähnlich

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wie bei den bekannten Neuwagen-Konfiguratoren vieler Automobilhersteller braucht der Bauherr hier kein umfassendes Wissen über die komplexen elektronischen Zusammenhänge, um ans Ziel zu kommen. Es genügen wenige Angaben und die Auswahl des Designs. Der Grundriss von Haus oder Wohnung reicht als Basis aus – und schon ermittelt der «Jung by Feelsmart»-Konfigurator anhand der Anzahl von Räumen, Fenstern und Türen den individuellen Bedarf an Bedienelementen sowie den zu-

gehörigen technischen Komponenten zur Vernetzung. Danach werden entsprechend vier Ausstattungsvarianten vorgeschlagen, von «Basis» bis «Premium». Daran anschliessend kann der Bauherr aus über 25 Zusatzoptionen wählen, um die er sein Smart Home ergänzen möchte. Hierzu zählen zum Beispiel MultiroomSteuerung, Gartenbewässerung, Energie-


IP macht mobil … Türkommunikation über Netzwerk verbrauchsmessung oder Anbindung an die Türsprechanlage. Er sieht während der Auswahl jederzeit den Hersteller-Listen­­ preis und hat die anfallenden Kosten so stets im Blick. Nach Abschluss seiner Konfiguration erhält der Bauherr eine Datei mit einem eindeutigen Code. Damit geht er zu dem Elektrofach­ betrieb seines Vertrauens. Dieser berät ihn abschliessend, stimmt letzte Feinheiten und Optionen ab und kümmert sich um die Umsetzung der Planung – und schon ist das eigene Smart Home zum Greifen nahe.

EIN SMART HOME KENNT KEIN ALTER Das Gefühl, wenn man als junger Erwachsener in die erste eigene Wohnung zieht, ist unvergleichlich: endlich selbstbestimmt leben, ohne von jemandem abhängig zu sein oder auf andere hören zu müssen! Im Laufe der Jahre und gerade im Alter kann es aber immer wieder dazu kommen, dass zu Hause Barrieren entstehen – zum Beispiel, wenn das Hinaufziehen der Rollläden zum Kraftakt wird. Elektroinstallationen können uns dann unterstützen, die liebgewonnene Freiheit in den eigenen vier Wänden nicht aufgeben zu müssen.

Mobile Türkommunikation erspart den Gang zur Wandsprechstelle. Mit dem Besucher kann bequem via Smartphone oder Tablet kommuniziert werden. Eine TC:Bus Türsprechanlage wird via SIP-Gateway an das IP-Netzwerk angeschlossen. Die Video-IP-Aussensprechstelle VIPPUK mit direktem Netzwerkanschluss präsentiert sich als Stand-alone Lösung. Über die APP sind alle Funktionen, wie bei einer herkömmlichen Videoinnensprechstelle nutzbar: sehen, hören, sprechen.

Dass ein Smart Home den Komfort zu Hause steigert, liegt auf der Hand. Aber dass es das Wohnen im Alter beziehungsweise bei körperlichen Einschränkungen auch wunderbar vereinfacht, setzen wir damit nicht immer in direkten Zusammenhang. Dabei können kleine, smarte Veränderungen schon so viel bewirken wie zum Beispiel der Einbau von Bewegungsmeldern. Sie sorgen in Durchgangsräumen wie dem Hausflur immer genau dann für Helligkeit, wenn sie benötigt wird, zum Beispiel nachts auf dem Weg ins Badezimmer. Umständliches Tasten nach dem Schalter und das Übersehen von Stolperfallen gehören damit der Vergangenheit an. Auch das elektrische Bedienen der Rollläden kann sehr hilfreich sein, wenn das manuelle Hochziehen immer schwerer fällt. Besonders komfortabel wird es aber durch die Vernetzung verschiedener Funktionen. Wer eine Haussteuerung besitzt, kann etwa Heizung, Jalousie, Beleuchtung und Klimaanlage ganz einfach über das Smartphone oder Tablet bedienen. Gerade wenn man nicht mehr so agil ist, lassen sich dadurch viele unnötige Laufwege vermeiden. Aber ist der Einbau von Haustechnik nicht kostspielig und aufwendig? Nein! Denn es gibt Smart-Home-­ Lösungen zum Nachrüsten, die ausschliesslich über Funk laufen, wie coviva von Hager. Alles, was man dazu benötigt, ist ein Elektro­ handwerker, der hinter der bestehenden Elektroinstallation, wie etwa dem Lichtschalter, einen Funk-Einsatz einbaut. Dieser wird mit der coviva smartbox drahtlos verbunden. Sie ist die Schnittstelle, die alle Funktionen bündelt. Visualisiert und gesteuert werden diese ganz einfach über die dazugehörige App auf Smartphone, Tablet oder PC. Dank des intuitiv bedienbaren Menüs ist die Steuerung extrem leicht – auch für Best Ager.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.jung.de www.das-intelligente-zuhause.de

www.kochag.ch


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Licht an, Licht aus. Dimmen. Heizung regeln und Jalousien steuern. Bequemer geht’s nicht.

LIZENZFREI UND INTUITIV EIN NEUES SMART-HOME-SYSTEM FÜR EINFAMILIENHÄUSER von Stephanie van der Velden

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Ein Smart-Home-System, das im Grunde eine zertifizierte KNX-Anlage ist – aber nur mit den wesentlichen Funktionen. Dass so etwas funktioniert, zeigt LUXORliving. Das System ist unvergleichlich einfach in Installation und Betrieb.

Wir sind mit unserer WohnkomfortSteuerung aus dem Jahr 2005 praktisch der Erfinder des Smart Home», meint augenzwinkernd Tino Schlaich, Produktmanager von LUXORliving bei Theben. «Schon bei unseren ersten Steuerungen für diesen Bereich sollte der Elektriker die ganze Anlage ausschliesslich mit einem Schraubenzieher einstellen und programmieren können. Das kam am Markt sehr gut an. Deshalb stand auch bei LUXORliving die einfache Inbetriebnahme immer ganz oben im Lastenheft.» Den Schraubenzieher hat inzwischen natürlich der Laptop ersetzt. Der Clou sind die Software-Tools «LUXORplug» und «LUXORplay».

So lässt sich die bestehende Installation spielend ändern, sie bietet ein erhebliches Einsparpotenzial und eröffnet mehr Gestaltungspielräume bei der Wahl des gewünschten Schalterprogramms. Die Hardware besteht aus rund einem Dutzend Sensor- und Aktor-Bausteinen sowie wenigen Zentralgeräten. Diese sind KNXzertifiziert, bieten aber weniger Funktionen als ein normales KNX-Gerät. Aus diesem Grund ist zur Inbetriebnahme keine Engineering-­Tool-Software (ETS) der KNX Association nötig, sondern nur die sehr einfach zu bedienende und kostenlose Software LUXORplug.

INSTALLATION: FLEXIBEL UND OFFEN

Die Software übernimmt die Inbetriebnahme und listet automatisch die Komponenten auf – jedes Gerät hat eine eindeutige, nur einmal vergebene Nummer, über die es immer wieder identifiziert werden kann. Der Installateur gibt die Anzahl der Geschosse und Räume an, die er mit Namen

Das neue Smart-Home-System wird genauso verkabelt wie jede andere KNX-­ Installation. Leuchten, Rollläden oder auch andere Anwendungen lassen sich per Software beliebigen Tastern zuordnen.

SIMPLES PLUG UND PLAY

versehen kann. Danach wird er die Komponenten den Räumen zuweisen und mit Klarnamen versehen wie «Jalousie Kinderzimmer». Im nächsten Schritt setzt er die Parameter für die einzelnen Aktoren, verbindet sie grafisch mit den Sensoren und legt bei Bedarf Gruppen an, etwa alle Jalousien eines Zimmers. Für die Visualisierung genügt ein Android- oder iOS-Smartphone. Damit lädt sich der Anwender die kostenlose App LUXORplay herunter. Diese übernimmt bei der ersten Verbindung mit der Systemzentrale alle Bezeichnungen der Räume und Schalter. Die grafische Gestaltung ist vorgegeben, sodass die Visualisierung mit dem ersten Start einsatzbereit ist. Der Anwender kann nun Zustände von Lichtern, Jalousien, Rollläden und anderen allgemeinen Einstellungen visualisieren und verändern. Er kann beispielsweise jedem Aktorkanal ein Zeitprogramm zuweisen oder Szenen definieren.

Theben HTS AG | Im Langhag 7b | CH-8307 Effretikon | Tel. +41 (0) 52 355 17 00 | info@theben-hts.ch | www.theben-hts.ch

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BICULT LED DIE LICHT-REVOLUTION AUF DEM SCHREIBTISCH


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DAS GEBÄUDE DENKT MIT SMART-HOME-SYSTEME MACHEN DEN ALLTAG KOMFORTABLER von Manuela Olgiati

Das Steuern von Licht, Jalousien, Multimediasystemen, Lüftung und Gebäudesicherheit wird mehr und mehr zur Realität. Zwar ist die Bedienung der Gebäudeautomation einfach, aber die Kommunikation zwischen den Systemen oft noch eine Herausforderung. Das Unternehmen Antcas aus Roggwil (BE) zeigt individuelle Komplettlösungen.

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mmer mehr Eigentümer von Liegenschaften setzen in komplexen Bürogebäuden und Wohnhäusern auf die optischen und technischen Möglichkeiten modernster Smart-Home-Funktionalitäten. Eine automatische Steuerung erleichtert in vieler Hinsicht den Alltag und macht das Leben komfortabler. Eine Herausforderung sind die verschiedenen Steuerungen – Antcas Control vereint mehrere Systeme miteinander und ermöglicht so die verschiedensten Smart-Home-Anwendungen.

WENIGER HANDGRIFFE IM HAUSHALT

der Lamellenwinkel nach der Höhe der Sonne geführt. Das verhindert eine Überhitzung der Räumlichkeiten. Zudem schützen ein Windwächter und die kostenlose Hagelschutzfunktion die Jalousien und Markisen optimal. Wertvoll ist auch ein Dachfenster, das sich selbstständig bei Regen schliesst.

Mit Ancas Control kann der Eigentümer verschiedene Szenen erstellen und so verschiedene Einstellungsszenarien abspeichern. Beispielsweise die Lichtstimmung «Guten Morgen», bei der im gleichen Moment das Licht angeht und sich die Kaffeemaschine aufheizt. Mittels Szenen ist es möglich, einen Bewegungsmelder komplett zu deaktivieren, sodass im Heimkino nicht unabsichtlich im Korridor das Licht angeht, wenn man den Raum kurz verlässt. Die Beleuchtung lässt sich auf eine komfortable Art via App oder Webbrowser von überall aus regeln. Gerade im Sommer ist ein lauschiger, gut befeuchteter Garten wichtig. Eine einfache Installation erlaubt

Natürlich muss auch das Raumklima stimmen: Die intelligente Steuerung sorgt für eine optimale Wohlfühltemperatur. Zudem bringt die Lüftung eine bessere Luftqualität in das Gebäude und kann im Sommer dank der Kommunikation mit der Wetterstation und den Wetterdiensten überhitzte Räume in der Nacht angenehm herunterkühlen.

DIE PERFEKTE TEMPERATUR Vollautomatisch und nach Mass kann die Beschattung sein: Das System von Antcas steuert Jalousien von Gebäuden intelligent je nach Sonnenstand an. Dazu wird

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Der Vergleich der Pläne zeigt: Mit Automation (links) wird der Installationsaufwand deutlich verringert.

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eine automatische Bewässerung des Gartens oder der Büro­pflanzen. Diese erfolgt mittels Erdfeuchtesensoren und mit der Regenvorhersage. Die Bewässerungs­ anlage springt von alleine an und im Nu sind alle Pflanzen befeuchtet – ohne Mehraufwand für den Hausbesitzer. Taster sind ein wichtiger Bestandteil der Steuerung eines Smart Home. Dank der batterielosen EnOcean-Taster, welche über Funk mit dem System kommunizieren, lassen sich sehr preiswerte Installationen erzielen. So bedeutet dies ein Einsparpotenzial von bis zu 40 Prozent an Rohren und Kabeln. Es ist jedoch problemlos möglich, auch KNX- oder Elektronik­ taster anzubinden.

MEHR SICHERHEIT IM HAUS Wenn es um die Sicherheit geht, ist der erste Gedanke oft eine Alarmanlage. Doch ein Smart Home kann viel mehr als das: Wasserbruchmelder benachrichtigen frühzeitig über defekte Leitungen. Motor­ überwachung von Abwasserpumpen und Zirkulationspumpen für Aquarien und Schwimmbäder können Verstopfungen lange vor dem Ausfall erkennen und die Benutzer frühzeitig benachrichtigen. Und eine Feuchtmessung warnt vor Schimmel im Haus.

Die batterielosen Funktaster lassen sich sogar auf Glas befestigen.

es, nahezu jedes Gerät einzubinden. Die modulare SPS-Konfiguration verringert nicht nur den Installationsaufwand, sondern optimiert auch die Wartungskosten. Defekte Teile, wie zum Beispiel Relais, kann der Elektriker einfach austauschen. Ausserdem spart die kompakte Bauform in der Verteilung sehr viel Platz im Vergleich

zu anderen Systemen ein. Bei grösseren Projekten muss oftmals viel Zeit in die Kommunikation zwischen den einzelnen Steuerungen investiert werden. Dies ist bei Antcas Control nicht der Fall. Die Steuerungen lassen sich komplett über den Webbrowser auf dem Server konfigurieren und dann blitzschnell in die Steuerung schreiben.

Ein weiterer Vorteil ist die frühe Anzeige bei Störungen von Geräten, wie Brauchwarmwasser und Heizung. Antcas Control fasst das Problem übersichtlich zusammen und informiert den Benutzer. Aber natürlich ist auch an die Sicherheit des Hauses gedacht: Nach dem Verlassen des Gebäudes vergisst man oft, Fenster oder Türen abzuschliessen. Das Smart-HomeSystem benachrichtigt dank der Tür- und Fensterüberwachung sofort, falls ein Fenster oder eine Türe offen steht.

DIE STEUERUNG IM BLICK So einfach wie die Bedienung ist auch das Einrichten des Antcas-Servers. Es ist keine zusätzliche Software notwendig und er lässt sich über den Webbrowser programmieren. Die Einfachheit der Steuerung reduziert zudem Wartungs- und Installationskosten, und eine direkte Anbindung der Speicherprogrammierbaren Steuerung (SPS) vereinfacht die Konfiguration. Die vielen Schnittstellen erlauben

Die modulare Steuerung sorgt für geringere Wartungskosten.

Antcas GmbH | St. Urbanstrasse 31 | CH-4914 Roggwil | Tel. +41 (0) 62 956 80 00 | info@antcas.com | www.antcas.com

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Die Vision der Smart City wird langsam Realität.

SMART CITY DISZIPLINEN DER BAUBRANCHE VERNETZEN von Freya Mohr

Die Schweizer Bauwirtschaft steht unter Druck: Gefordert sind nicht nur kosten- und flächensparendes Bauen, sondern auch nachhaltige und effiziente Ansätze. Hier bieten neue Technologien grosse Chancen. Sie bringen aber auch neue Herausforderungen mit sich. Einen Denkanstoss und erste Fallbeispiele gab der Workshop «Von Smart Building zur Smart City – sechs Perspektiven» an der Hochschule Luzern.

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nsere komplexe Welt verlangt nach intelligenten Lösungen, Stichwort Smart Buildings oder sogar Smart Cities. Dies ist zukünftig aber nur möglich, wenn die Baubranche ihr Wissen vernetzt und innovativen Lösungen aus allen Fachdisziplinen das Feld bereitet. Aber wie kann die Branche den hohen Anforderungen des 21. Jahrhunderts gerecht werden? Bruno Bébié, ehemaliger Energiebeauftragter der Stadt Zürich, ist überzeugt, dass smarte Themen in Zukunft zunehmen werden. Allerdings gelinge für ihn beispielsweise eine 2 000-Watt-Gesellschaft nur, wenn die Baubranche die Herausforderungen vernetzt betrachtet. Ohne Frage haben Smart-Home-Systeme und intelligente Infrastrukturen das Potenzial, den Energieverbrauch und auch die Betriebskosten wesentlich zu senken. Hier sind jedoch Kompatibilität und Komplexität, die Investition im Vergleich zum Benefit, aber auch der Datenschutz und die Datenhoheit noch Hürden, so Fabian Etter, Verwaltungsrat der Elektro Etter AG. Und diese gilt es zuerst zu überwinden. Eine

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mögliche Lösung bietet die Smart Energy Link AG an. Am Beispiel eines innovativen Bauprojektes zeigte der Geschäftsführer Tobias Stahel die Vorteile eines energetisch vernetzten Quartiers auf und präsentierte das Smart-Energy-Link-System. Mit diesem soll eine Vernetzung optimal gelingen, und eine Verknüpfung von Strom, Wärme, Verkehr und Smart Home in einem System entstehen. Ein weiterer Punkt sind die Baukosten, die sich durch die Digitalisierung der Baubranche verringern lassen. Alain Veuve, Parallel Entrepreneur in Technology und CEO der Parashift AG, sieht hier grosse Marktchancen und ist überzeugt, dass in Zukunft fundamental günstiger gebaut werden muss. Hierbei kommen komplett neue Geschäftsmodelle wie beispielsweise das digital integrierte Gebäude oder «Home as a Service» ins Spiel. Ein Beispiel, wie so etwas funktioniert, ist das Gartenhochhaus Aglaya in Risch Rotkreuz (ZG). Johanna Gerum, Projektentwicklerin Zug Estates AG, veranschaulichte, wie die Durchgängigkeit der Daten konkret ge-

währleistet werden kann und sich mit BIM und Lean Management sowohl Fehler als auch Kosten reduzieren lassen. Ein weiteres innovatives Pilotprojekt ist die Smart City Basel Wolf (BS). Für Lukas Ott, Leiter der Kantons- und Stadtentwicklung im Präsidialdepartement des Kantons Basel-Stadt, müssen alle Bereiche des städtischen Lebens von Gesundheit über Bildung bis zur Mobilität in der Smart City zusammenfinden. Damit diese Ideen und Visionen eine Zukunft haben, geht es jetzt vor allem darum, einfach anzufangen. Ott erklärt: «Wir müssen Spielräume schaffen, damit wir ausprobieren und allenfalls auch scheitern können. Damit kommen wir einen Schritt weiter.»

FREYA MOHR ist Redaktorin von bauRUNDSCHAU. www.hslu.ch


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HUBWARE SVEN Basic Der digitale Assistent für Zuhause SVEN Basic visualisiert die digitalSTROM-Funktionen auf einem einzigen Bildschirm. Dazu gehören nicht nur die Regelung von Temperatur, Licht, Klima und Audio, sondern zusätzlich auch Online- und Wetterdienste, sowie die Anzeige des Energieverbrauchs. SVEN ist per Plug-and-play innert kurzer Zeit installiert und liest automatisch die benötigten Daten aus dem bestehenden digitalSTROM-Server aus. Das 7-Zoll Display lässt sich an der Wand anbringen oder frei in der Wohnung platzieren. Auch für Verwaltungen von Liegenschaften bietet das kosteneffiziente System SVEN neue Möglichkeiten: Dank individueller Kommunikationsmöglichkeiten mit dem Mieter lassen sich Informationen einfacher austauschen und ermöglichen ein Wohnen der Zukunft. Komfortabel – die zentrale Bedienung für das ganze Haus › Steuerung von Licht und Beschattung › Zentrale Temperaturregelung › Integrierter Wetterdienst Energieeffizient – den Stromverbrauch stets im Griff haben › Anzeige des Stromverbrauchs › Stromsparen bei Abwesenheit › Eco-Modus für die ganze Wohnung

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Eine begrünte Fassade lockt nicht nur Vögel an – auch heimliche Untermieter nisten sich ein.

DIE NATUR ZIEHT EIN GEBÄUDE INTERAGIEREN MIT IHRER UMGEBUNG von Jonas Jäger

Mit der zunehmenden Verstädterung wächst bei vielen Menschen der Drang, wenigstens zeitweilig ein naturnäheres Leben zu führen. Das «Zurück-zur Natur» ist aber nur selten wörtlich zu nehmen, denn auf die ganzen erworbenen Fortschritte der Zivilisation möchte nicht verzichtet werden. Naturnahe Lebensräume werden vor die Tür geholt – und das nicht ohne weitere Folgen.

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iele sehnen sich nach mehr Grün. Die Lösung liegt sprichwörtlich nah: In der Stadt werden naturnahe Lebensräume integriert. Gleichzeitig versuchen Stadtplaner und -entwickler Bauvorhaben wie Wohnsiedlungen, Einzelgebäude und Erholungsgebiete in ihre natürliche Umgebung zu integrieren. Von dieser natürlichen Umgebung hängt das Auftreten von sogenannten Schädlingen in und an Gebäuden ab: Stadterneuerungsprojekte stören die bisherigen Lebensräume, als Folge verlagern sich Nage­tier- und Insektenpopulationen zu nahe­g elegenen Gebieten. Der Bau neuer städtischer Zentren und Transportsysteme bietet Schädlingen Bewegungsfreiheit und frische Lebensräume. Zum Beispiel ermöglicht die Erweiterung eines Schienensystems in die Vorstädte eines Stadtzentrums den Ratten, neue Gebiete zu betreten. Mit der Einflussnahme auf die Bepflanzung und der Gestaltung der Heimgärten und -gelände, wie beispielsweise der richtigen Wahl an

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Bodendeckern, Pflanzen mit attraktiven Früchten, Abständen zum Gebäude und Bauart von Teichen, lässt sich das Risiko eines Schädlingsbefalls vermindern.

SCHWACHPUNKTE GESUCHT In der Gebäudeplanung in der Schweiz sind gebäudetechnische Komponenten wie Storen, Fenster, Tageslicht und Lüftung Dauerthemen. Interessenkonflikte am Gebäude wie zum Beispiel Begrünung versus Stromgewinnung an der Fassade nehmen auch in Zukunft zu. Das Klima in der Schweiz eignet sich dazu, Flachdachbereiche für den Aufenthalt auszuarbeiten. Eine Dachbegrünung hilft, die Temperatur in den Innenräumen zu senken oder den Regenabfluss zu verzögern, was wiederum die Kanalisation entlasten kann. Ausserdem erhöht eine Begrünung der Fassaden und Aussenhüllen das Aufkommen von Vögeln markant und unterstützt die Expansion der Biodiversität – was gut ist. Jedoch muss die Biodiversität eines in Pla-

nung befindlichen Objekts dabei mit der bereits existierenden Biodiversität der näheren Umgebung korrespondieren. Bei Entstehung von Kleinstgewässern entwickeln sich Mücken, und diese dringen in Häuser ein. Begrünte Gebäude ziehen vor allem in südlichen Gefilden unter anderem Moskitos an, und Vögel können verschiedene Schädlinge einschleppen. Das bedeutet für den Menschen, sich diesen Gefahren zu stellen. Oft lernt der Mensch, mit Ungeziefer und Lästlingen zu leben. Oft kann das Ungeziefer aber auch unerträglich belastend oder zur Gefährdung für die Gesundheit werden. Das hängt stark von den Verhältnissen in der Umgebung ab: In städtischen Gebieten, vor allem bedingt durch die zeitweilige Konzentration von vielen Menschen auf kleinem Raum, lassen die hygienischen Verhältnisse teils zu wünschen übrig – beispielsweise an der Fliegenkontamination mit dem Fäkalindikator Escheria coli commune (E. coli) zu sehen.


UMWELT & TECHNIK

Deshalb müssen Planer neben den visuellen und ökologischen Werten bei der Gebäudeplanung auch das Schädlingsmanagement einbeziehen.

DIE WILDNIS «MANAGEN» Mittels präventiven Ansätzen des Schädlingsmanagements weisen Aussenhüllen beispielsweise keine Einstiegsstellen auf beziehungsweise lassen sich diese vorab sorgfältig abdichten. Somit können durch vorausschauende Planung und durch sorgfältige Ausführung spätere Schäden verhindert werden. Dazu zählen beispielsweise Isolationsschäden durch Nager, aber auch das Einnisten von Kleinvögeln, denn ihre Nistplätze in Storenkästen oder unter Dachuntersichten sind eine mögliche Ursache für das Ansiedeln von verschiedenen Vorratsschädlingen. Bei der Planung von Neu-, Um- und Anbauten oder von Sanierung sowie bei der Auswahl geeigneter Konstruktionen und

Grünbereiche, die für Erholung und Ruheaktivitäten gedacht sind, siedeln sich in der Höhe an.

Materialien macht es Sinn, Erkenntnisse über ökologische Zusammenhänge und die Lebensweise der umgebungsbedingten Schädlingsarten zu kennen und zu nutzen. So führen beispielsweise Dehnungsspalten zwischen den Elementen von hinterlüfteten Fassaden zu Verstecken für die unterschiedlichsten «Mitbewohner». Mit der

Kombination von Fachwissen in der Bauplanung und der Erfahrung zur schädlingsdichten Gebäudehülle lässt sich der Schädlings­befall beziehungsweise dessen Ursachen beseitigen. Deswegen fördert die Ratex AG das sachlich-fachliche Miteinander in der Planung und in der Sanierung von Gebäuden unterschiedlichster Nutzung.

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VORSCHAU &  IMPRESSUM

VORSCHAU DIE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT IM AUGUST 2018 Folgende Schwerpunkte stehen auf unserer Agenda:

Vertikal und horizontal Dach- und Fassadenbegrünungen

Ummantelt Die Gebäudehülle und Energie / Effizienz

Wünsche erfüllen Das Planen von Traumküchen

Handlungsbedarf Verdichtungsstrategien und Umnutzung in urbanen Räumen

Gut integriert Fenster und Türen

Mut für das Besondere Farbige Atmosphäre in Innenräumen

Richtige Wahl Elektrische Infrastruktur auf Höhe der Zeit

Mehr rausholen Building from Waste – Einsatz von Grauer Energie

Gesprächsbedarf Logistik und Kommunikation auf dem Bau

Herausgeber rundschauMEDIEN AG St. Jakob-Strasse 110 CH-4132 Muttenz / Basel Telefon +41 61 335 60 80 Telefax +41 61 335 60 88 info@rundschaumedien.ch www.rundschaumedien.ch Verleger Francesco J. Ciringione Verlagsleitung Hasan Dursun h.dursun@rundschaumedien.ch Mitglied der Geschäftsleitung Boris Jaeggi b.jaeggi@rundschaumedien.ch Serhat Tok s.tok@rundschaumedien.ch Projektleitung Carmen Helde c.helde@rundschaumedien.ch Verkauf & Marketing Michele Zito m.zito@rundschaumedien.ch

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Chefredaktion Georg Lutz g.lutz@rundschaumedien.ch Redaktion Freya Mohr f.mohr@rundschaumedien.ch Leitung Produktion & Grafik Lorena Saum l.saum@rundschaumedien.ch Korrektorat / Lektorat Brigitte Battaglia Aboservice info@rundschaumedien.ch Autoren Bernhard Berger Stefan Breit Claudio De Boni epr Professor Dr. Stella Gatziu Grivas Detlef Gürtler Lone K. Halvorsen Milena Hofer Natalie Imboden Jonas Jäger Stephan Jörchel

Professor Urs-Peter Menti Doris Müller Andreas Meyer Primavesi Bernd Reuß Thomas Rohner Kurt Schmidlin Dr. Thea Rauch-Schwegler Maya Steiger David Stickelberger Kathrin Strunk Manuela Olgiati Stephanie van der Velden Carlo Vogel Urs Wiederkehr Iris Wirz Interviews Christoph Andenmatten Markus Birchmeier Felix Bussmann Flavio Casanova Thomas Feier Gianluca Iaccarino Titelbild Gruner Gruppe Bilder 3F Filippi Schweiz GmbH, Antcas GmbH, Argolite AG,

bausinn.ch, Berner Fach­ hochschule, Birchmeier Gruppe, Elitextur GmbH, GEOTEST AG, Gruner Gruppe, Hamberger Flooring GmbH & Co. KG, IG Lehm, InsaTech AG, Klafs GmbH & Co. KG, Loyal Trade GmbH, Max Hauri AG, PRODUX concepts + services AG, Profix AG, Ratex AG, Sattler SUN-TEX GmbH, Shutterstock, SIO AG, Solar Agentur Schweiz, Telcona AG, Theben HTS AG, Zbären Kreativküchen AG Jahresabo Vier Ausgaben CHF 19.– Einzelpreis CHF 5.90 info@rundschaumedien.ch ISSN 2504-1142 Wiedergabe von Artikeln und Bildern auszugsweise oder in Ausschnitten, nur mit ausdrücklicher Genehmigung der Redaktion. Für unverlangte Zusendungen wird von der Redaktion und dem Verlag jede Haftung abgelehnt.


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