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AUSGABE 03/2016

AB IN DIE HÖHE

URBANES WOHNEN MIT HOLZ

KOMMUNIKATION MIT GLAS | TRAUMKÜCHE IN DER PRAXIS | HOLZ UND WEITERBILDUNG


Damit Ihre Ideen nicht im Bodenlosen verschwinden

GrĂźndungstechnik AG Techniques de fondation SA Erstellt Pfahlfundationen von Grund auf richtig

Lochackerweg 2 Postfach 147 CH-3302 Moosseedorf marti.fundation@martiag.ch

Tel. 031 858 44 80 Fax 031 858 44 95 www.martiag.ch


LIEBE LESERIN, LIEBER LESER, Einer der grössten Schriftsteller und Intellektuellen der Schweiz im 20. Jahrhundert war auch Architekt. In den 40er- und beginnenden 50er-Jahren unterhielt Max Frisch ein eigenes Architekturbüro. Die Ergebnisse seines Schaffens wirken aber nicht nur aus heutiger Sicht eher schlicht. Mehrere biedere Ein­ familienhäuser und ein Freibad heben einen nicht gerade in den architekto­ nischen Olymp. Das war nur die Reproduktion des vorherrschenden Zeitgeistes. Bekannt wurde Frisch durch seine provokanten Publikationen zum Thema Städtebau der Schweiz. Sein Aufenthalt in den USA in den 50er-Jahren öffnete ihm die Augen und liess ihn über den Tellerrand der Schweizer Gedankenwelt hinausschauen. Er prangerte die Spiessbürgerlichkeit und Ängstlichkeit der Schweizer Architektur an. Frisch lag dabei nicht falsch. Die kontroversen ­Debatten, die seinen Publikationen folgten, belegen dies. Der Zeitgeist einer historischen Epoche beschäftigt uns auch in dieser Ausgabe. Die Ausstellung «ZUKUNFT VON GESTERN» stellt aussergewöhnliche Utopien der Architektengruppen Future Systems und Archigram vor. Die Werke des 1968 nach London emigrierten tschechischen Architekten und Gründers von Future Systems, Jan Kaplicky, ´ spiegeln die Folgen des Aufbruchs von 1968, den Rahmen des Kalten Krieges und des Fortschrittsoptimismus der Moderne auf die Architektur wider. Im Sinne von Max Frisch gilt es auch heute immer zu überlegen, wie Architektur Zeichen setzen kann. In diesem Sinne stellen wir in dieser Ausgabe auch ­einige Projekte vor. Zwischen den älteren Sandsteingebäuden an der Zürcher Bahnhofstrasse sticht die braune Metall-Glas-Konstruktion des Modissa-Hauses hervor. 40 Jahre nach seiner Erstellung wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und einer Totalsanierung unterzogen. Wir präsentieren die ­Lösungsansätze. Eine spannende Glas-Lösung spielt hier eine zentrale Rolle. Auf jeden Fall wird es in den nächsten Jahren in der Schweiz auch um das Thema Verdichtung und Höhe gehen. Dabei kann Holz im urbanen Raum eine wichtige Rolle spielen. Wir können uns vom Bild der klassischen Holzhütte lösen. In der norwegischen Stadt Bergen ist vor Weihnachten 2015 das derzeit höchste Holz-­ Wohnhaus der Welt mit Namen «Treet» (Baum) nach 15 Monaten Bauzeit ab Fun­ dament eingeweiht worden. Solche Bauten sind auch in der Schweiz vorstellbar. Georg Lutz

Chefredaktor bauRUNDSCHAU lutz@rundschaumedien.ch www.baurundschau.ch

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INHALT BEEINDRUCKENDE SANIERUNG

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Natürlich ist Glas und lässt Licht in unsere Häuser. Früher war dies ein Privileg der Eliten. Heute ist Glas eine gestalterische Komponente, die abedr viel mehr kann als durch kleine Scheiben Licht in das Innere eines Raumes zu lassen. Glasflächen werden immer grösser und opulenter. Mit Glas gelingt die Kunstfertigkeit, Architektur in die Landschaft zu integrieren, ohne diese zu stören. So verwischen die Aussen- mit den Innenräumen. Wir präsentieren in unserem Schwerpunkt einige spannende Beispiele.

«ZUKUNFT VON GESTERN» 1968 war ein Schlüsseljahr. Die Jugend der Welt war auf der Strasse. Gleichzeitig lebte man den technologischen Fortschritt. Es war das Jahr vor der Mondlandung. Der Zeitpfeil kannte nur eine teleogene Zielrichtung. Allerdings schwebte das drohende Szenario des Kalten Krieges immer wie ein Fallbeil über dem Geschehen. Das prägte auch die Architektur. Die Ausstellung «ZUKUNFT VON GESTERN» stellt aussergewöhnliche Utopien der Architektengruppen Future Systems und Archigram vor.

PROJEKT MIT VORZEIGECHARAKTER

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Bis zum Sommer 2018 entsteht auf dem Felix-PlatterAreal in Basel ein neues Spital für Altersmedizin. Mit der Realisierung des siegreich aus einem zweistufigen Gesamtleistungs-Wettbewerb hervorgegangenen Projekts der Arbeitsgemeinschaft ARGE HandinHand soll das Spital «in neue Sphären abheben». Der bei uns publizierte Beitrag verdeutlicht die neuen Dimensionen.

HOCHHÄUSER AUS HOLZ

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Immer weiter empor mit Holz – International ist ein regelrechtes Wettrennen um das höchste Holzgebäude im Gange. Den derzeitigen Rekord hält Norwegen mit 14 Geschossen; in Österreich stehen 24 Geschosse vor der Realisierung. Baut auch die Schweiz bald Hochhäuser aus Holz? Wir stellen die Möglichkeiten vor.


RAUM FÜR VISIONEN

Damit Ihre Architektur nicht an der Lifttüre endet. In vielen Gebäuden wirkt der Aufzug wie ein Fremdkörper. Das muss nicht sein. Unsere Ingenieure, Planer und Techniker sind von Anfang an für Sie da, wenn es darum geht, einen Lift Ihren Ideen anzupassen. Sie denken mit. Sie zeigen Lösungen auf. Sie tüfteln und entwickeln. Das eröffnet neue Möglichkeiten und Wege, Ihre Visionen zu realisieren. Mit genau dem Lift, nach dem Ihr Projekt verlangt. www.lift.ch


INHALT

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WOHLFÜHLWÄRME MIT MODERNSTER TECHNIK Holzheizungen tragen landläufig noch einen altbackenen Ruf mit sich herum. Ein Kachelofen wirkt in einem alten Bauernhaus gemütlich, aber was hat er in Neubauten zu suchen? Von diesen Vorurteilen sollten wir uns verabschieden. Der Kachelofen ist in ein System eingebunden. Alle Komponenten – Kachelofen, Wärmetauscher, Pufferspeicher, Wand- und Bodenheizung – bilden eine Einheit. Wenn man das Haus verlässt, arbeitet das System vollautomatisch mit Pellets weiter.

94 TRAUMKÜCHE REALISIEREN Eine neue Küche ist eine Investition für mindestens ein Jahrzehnt und mit beachtlichem finanziellem Aufwand versehen. Zudem ist heute kaum mehr eine Küche nur ein Funktionsraum, sondern will in das übrige Wohnensemble integriert werden. Da gilt es, komplexe Hürden zu meistern. Wir stellen einige Lösungsvorschläge vor.

WIR SIND VOR ORT Unter anderem sind wir in den nächsten Monaten an folgenden Messen und Veranstaltungen vor Ort. Gerne können Sie im Vorfeld mit uns Termine vereinbaren. Auf Wunsch schauen wir in Ihrem Unternehmen auch persönlich vorbei.

RUBRIKEN Editorial1 Architektur6 Garten42 Bauen50 Aus- & Weiterbildung 66 Umwelt & Technik 76 Innenarchitektur92 News48 Kolumne60 Impressum112

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Bauen & Modernisieren, www.bauen-modernisieren.ch Holz Basel, www.holz.ch Bau + Energiemesse, www.bau-energie.ch

IM WEB Wir halten Sie zwischen den Ausgaben mit aktuellen News, Fotostrecken, Kolumnen und Analysebeiträgen auf dem Laufenden. Sie sind gerne eingeladen, sich crossmedial zu beteiligen. Zum Beispiel mit News: 1 000 Zeichen, Bild und URL. Besuchen Sie www.baurundschau.ch


© S AM / Christian Kahl


VOM MASS DER DINGE AUSSTELLUNG ÜBER DIE WIRKUNGSGESCHICHTE VON ANDRÉ M. STUDER von Georg Lutz

Die Sommerausstellung 2016 des «S AM» (Schweizerisches Architekturmuseum, www.sam-basel.org) in Basel zeigt anhand von Originaldokumenten erstmals einen Gesamtüberblick über das Schaffenswerk des 2007 verstorbenen Schweizer Architekten André M. Studer. André M. Studer ist nicht Mainstream, er besetzt, innerhalb der Schweizer Architektur nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Nische. Architektur, Mensch und Umwelt sollen in Beziehung gesetzt werden. Der damalige Zeitgeist hatte andere Prioritäten. Die Moderne wollte immer grösser und höher sein. Studers ausdrucksstarke, organische Formensprache beinhaltet beispielsweise fliessende Dächer und gelungene Materialkompositionen aus Holz und Beton. Viele Architekten der Nachkriegszeit des letzten Jahrhunderts sind vergessen. Studers Werke fallen noch heute auf. Er wollte über den Tellerrand der engen Architektur hinausschauen. Grenzen sollten verschoben werden. Basierend auf Proportionstheorien entwickelte Studer seine eigene Auffassung einer ganzheitlichen Architektur. Studer realisierte ab Mitte der 1950er-Jahre mehrere bedeutende Sakralbauten sowie rund 30 Wohnhäuser. Daneben entstanden Wettbewerbsbeiträge und Projekte für futuristisch anmutende Feriensiedlungen, grosse Wohnkomplexe und ganze Stadtplanungen, Kultur- und Spitalbauten sowie für eine grosse Anzahl von katholischen Kirchen. Als Individualist wahrte er Distanz zu den tonangebenden Architektennetzwerken. Gerade daher sind seine Bauten auch heute noch für Anregungen gut. Auch im Schwerpunkt auf den kommenden Seiten geht es um Architektur, die auffällt und doch funktional ist.


ARCHITEKTUR

KONSTRUKTIVER GLASBAU GLAS MIT SYMBOLKRAFT von glasstec

«Glas als gestalterische Komponente» ist besonders für Architekten aus dem Segment Repräsentationsbauten ein wichtiges Modul für die Bereiche Kultur, Politik und Wirtschaft. Glas im Einsatz als konstruktiv tragender Werkstoff enthebt heutzutage immer häufiger Zweckbauten seine Zweckmässigkeit. Historische Beispiele bieten die Gewächshäuser in London (Kew Gardens) oder Brüssel (Laeken) aus dem 19. Jahrhundert: Glasbau auf höchstem Niveau und über 130 Jahre alt. Flaches Glas war zu jener Zeit noch ein kostspieliges Baumaterial. Damals vermittelten diese offenen Gewächshäuser den Bürgern den aktuellen Stand der Technik und gleichzeitig den Reichtum der Auftraggeber. Was diese Beispiele zeigen: Mit Glas gelingt die Kunstfertigkeit, Architektur in die Landschaft zu integrieren, ohne diese zu stören. Glas vergrössert Räume und verbindet das Innen mit dem Aussen.

Königliche Gewächshäuser Laeken / Brüssel.

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n Anlehnung an derartige Glasarchitektur zeigt der renommierte Architekt Frank Gehry beim 2014 eröffneten Ausstellungsgebäude der Fondation Louis Vuitton in Paris, wie zeitgemässer Glasbau auf höchstem Niveau umgesetzt werden kann. Eingebettet in viel Grün am Rande des Bois de Boulogne mutet die zwölfteilige Dachkonstruktion wie übereinandergelegte Segel an. Der bekennende Freizeitsegler Gehry hatte die Intention vom Segelschiff unter voller Fahrt.

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Keine der 3 600 Einzelscheiben, die sich zu einer Gesamtfläche von 13’300 qm zusammenfügen, gleicht der anderen. Unterschiedliche Biegegrade von plan bis zu 3 Meter Radius bedurften einer beson­ deren Verarbeitung. Auch in sicherheitstechnischen Belangen sollten die verwendeten Baustoffe alle in Frankreich geforderten Auflagen erfüllen. Zum Einsatz kam Verbundsicherheitsglas (VSG) in Kombination mit einer 1.52 mm

starken hochsteifen Zwischenlage aus ­S entryGlas® Ionoplastfolie der Kuraray ­Europe GmbH. Als Glas verwendete man sechs und acht Millimeter dicke Scheiben aus vorgespanntem Glas. Das VSG musste mittels modifizierter Biegeöfen und Glasbiegemaschinen frei geformt werden, um die hohen Konstruktionsansprüche zu erfüllen. Die 6 mm dicke Innenscheibe wurde mit ­einer reflektierenden Beschichtung und ­einem weissen keramischen Siebdruck


© Rainer Hardtke

© Christian Lambiotte

ARCHITEKTUR

© Jansen AG

Konstruktiver Glasbau in der Fassade einer Druckerei in Irland.

Der vom Meer aus weithin sichtbare Kulturbau öffnet sich mit einer raumhohen Glasfront zum Wasser hin.

fugen. Hierbei wurden Dichtungsmassen von Dow Corning verwendet. Das gesamte Bauwerk ist hinsichtlich seiner verwendeten Materialien auf Langlebigkeit und Sicherheit angelegt. Schliesslich wird es erst in 48 Jahren von der Fondation Louis Vuitton in die öffentliche Hand ­übergeben.

STATISCH TRAGENDES GLAS

v­ ersehen und ist zu 50 % opak. Das ist wichtig, um die wertvollen Musealien vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen. Daneben erzeugt es einen angenehmen, blendfreien Lichteinfall. Um ein störungsfreies Gesamtbild des einzelnen Segels zu gewährleisten, setzten die Konstrukteure und der Architekt auf eine Klebeverbindung zwischen der Verbundglasstruktur und den Rahmen sowie beim Ausfüllen der breiten Dehnungs­

Wie das Stiftungsgebäude in Paris zeigt, haben Glasscheiben eine eigene Tragwirkung und können als statische Elemente im konstruktiven Glasbau genutzt werden. Damit wird Flachglas vom Sekundär- zum Primärwerkstoff. Keine störenden Verstrebungen, keine metallischen Lichtreflexe – Glas pur. Zusätzlich lässt sich die Tragwirkung des Glases verstärken, wie das Beispiel der Louis Vuitton Stiftung ebenfalls verdeutlicht. Nicht nur die Tragfähigkeit, auch die Resttragfähigkeit des Glases nach einem möglichen Glasbruch kann so ermöglicht werden. Mit geeigneten, statisch wirk­ samen Folien, lassen sich schon heute Verbundgläser herstellen, die sogar ein

Begehen der gebrochenen Scheibe zulassen – bei gleichzeitiger Glasdickenreduzierung von fast 30 Prozent! Die statischen Eigenschaften der verwendeten Folien, das Schubmodul, werden zukünftig eine wichtigere Rolle bei der statischen Berechnung von Bauteilen spielen. Sie gibt Auskunft über die linear-elastische Verformung, hervorgerufen beispielsweise durch eine Scherkraft. Konstruktiver Glasbau steht und fällt mit der Befestigungsvariante des Materials an der Tragkonstruktion. Professor Ulrich Knaack von der TU Darmstadt und der Delft University of Technology bringt es auf den Punkt: «Fassadentechnik ist heute High End an der Baustelle.» Die gebräuchlichste Version ist eine linienförmig gelagerte Verglasung. Horizontale wie vertikale aussen liegende Pfosten-­ Riegelkonstruktionen mit innenliegenden Pressleisten und elastischen Auflagerungen z. B. aus Silikon sind die Hauptbestandteile dieser Variante und sorgen für eine schlanke Silhouette.

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ARCHITEKTUR

Bei der punktgelagerten Halterung fixieren Haltebolzen aus Edelstahl die Glasscheibe, Profile entfallen ganz. Dafür muss das Glas durchbohrt werden, wodurch eine hoch konzentrierte Spannung am Bohrloch entsteht. Deswegen kann bei der konventionellen Punkthalterung nur vorgespanntes Glas verwendet werden (ESG, TVG). Neben der Möglichkeit der Durchbohrung können bei hinterlüfteten Fassaden Klemmhalter an Ecken und Fugen die Scheibe an Ort und Stelle halten. Ein sogenannter Hinterschnittanker erfüllt die gleichen Aufgaben wie ein durch­ gebohrter Punkthalter-Bolzen. Allerdings ist das Bohrloch konisch und nicht durchgängig. Auf der Aussenseite der Glas­ fassade entsteht eine komplett glatte Oberfläche, was die Reinigung erleichtert.

STRUCTURAL GLAZING UND COMPOSITE GLAZING

Ebenso hat sich bei der geklebten Scheibe einiges getan. Wurden früher einzelne ­Gläser scheibenweise mit einer Unterkonstruktion verbunden, ob nun punktgehalten, über Pfosten- und Riegelkonstruktionen oder geklebt, übernimmt heute die Scheibe an sich statische Eigenschaften. Besonders anschaulich ist dies dem deutschen Unternehmen Sedak beim Apple Cube auf der 5th Avenue in New York gelungen. Ein reiner Glaswürfel, bei dem die Glasscheiben die statischen Eigenschaften übernehmen – ohne Rahmenkonstruktion oder störende Pfosten und Riegel. Der Kubus besteht pro Seite aus nur noch drei jeweils fünflagigen Verbundsicherheitsglas-Platten mit schubfesten Ionoplast-Zwischenlagen in den

© sedak GmbH & Co. KG

Seit etwa 15 Jahren werden Glasscheiben fest in die Fassade verklebt. Hier haben sich zwei Vorgehensweisen etabliert. Bei

beiden Verfahren wird die Scheibe mit einem dauerhaften und witterungsbeständigen Silikonkleber auf die tragende Konstruktion aufgeklebt. Während beim Structural Glazing (SG) die tragende Konstruktion bzw. das Profil aus Materialien wie Alu­ minium, Kunststoff oder Holz sein kann, kommt beim Composite Glazing ausschliesslich GFK zum Einsatz.

­ bmessungen 3.3 m x 10.3 m. Die verbinA denden Titanfittings wurden erstmalig in das VSG einlaminiert. In Verbindung mit der analog ausgeführten Dachkonstruktion, biegesteif und selbsttragend, ergibt sich eine ebenso transparente wie minimalistische Gebäudehülle aus Glas. Die Scheiben der Dachkonstruktion hat der Glasveredler Sedak übrigens im Laminationsverfahren gebogen, damit Regenwasser leichter ablaufen kann.

POSITIVE NEBENERSCHEINUNGEN BEI KONSTRUKTIVEM GLASBAU Die Entwicklungen der vergangenen Jahre an der Fassade haben weitere Produkte abseits der Fassade hervorgebracht und verändert. So werden Geländerbrüstungen mit statischen Eigenschaften immer beliebter. Ob auf der Aussichtsplattform, dem Dachrestaurant oder der schicken Penthouse-Wohnung: Wichtig ist der ungestörte Blick. Und sicher soll er sein. Neben der Erweiterung der gestalterischen Freiheit des Architekten bietet Glas im Bau noch mehr als nur optische Vorteile. Die vorgeformten und profilierten Glaselemente können massgeschneidert auf der Baustelle angeliefert und verbaut werden. Zugelassene vorgefertigte Glasbaumodule für Glanzglasgeländer werden vor Ort in die Unterkonstruktion eingeklickt, stufenlos justiert und sind sofort «betriebsbereit». Das spart wertvolle Zeit bei der Planung von Grossbaumassnahmen – und oftmals auch Geld. Voraussetzung dafür sind exakte Vorgaben und sorgfältige Berechnungen seitens des Architektur- und Ingenieurbüros, die es ­ermöglichen, die strengen DIN- und ENAuflagen seitens der Gesetzgebung im Hinblick auf Sicherheit und Statik zu erfüllen. Und Glashersteller bzw. -Verarbeiter, die über einen modernen Maschinenpark verfügen. Hier ist die Branche in Deutschland gut aufgestellt. Mittelständische Unternehmen nutzen die Gelegenheit und stellen sich mehr und mehr auf anspruchsvolle Nischenprodukte ein.

«STRUCTURAL GLAZING LIGHT» FÜR DEN PRIVATKUNDEN

Apple High Profile Store; Fifth Avenue Cube, 2006; USA; New York.

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Kein echter konstruktiver Glasbau, aber ein technisch inspirierter Nebeneffekt von Structural Glazing sind heute geklebte Glasscheiben im privaten Wohnungsbau. Immer gefragter sind die schlanken Profile der geklebten Fenster nicht nur im Win­ tergarten- oder Terrassenüberdachungs-­ Segment. Diese zukunftsweisende Technik


ARCHITEKTUR

mit wenig tragenden Teilen und störender Optik ist ebenso für den privaten Hausbau sehr attraktiv. Heute werden selbst in Bestands­ immobilien Fensterausschnitte vergrössert, bodentiefe Scheiben eingesetzt, Gefache in historischen Fachwerkbauten mit Glas gefüllt. «Der Trend ist klar: Es wird heute viel hochwertiger saniert und neu gebaut als vor einigen Jahren», stellte Martin Langen von B+L Marktdaten auf einer Fachtagung der GKFP bereits vor zwei Jahren fest. Grosse Fensteröffnungen im Mauerwerk sind dank hervorragender thermischer Eigenschaften und dichter Profile möglich. Der Markt reagiert darauf mit bemerkenswerten Produkten. Klassische Pfosten-Riegelkonstruktionen teilen mit einer A ­ nsichtsbreite von 50 mm grossflächige Fenster- und Schiebetürenelemente. Die schlankere Variante von GIP Glazing z. B. kommt mit 15 mm weniger aus. Trotzdem wird ein Wärmekoeffizient von 0.90 W / (m2K) erreicht.

CHANCE FÜR DIE FENSTERBAU-BRANCHE Geklebte Fenstersysteme durchdringen zunehmend den Markt. Seit 2010 ist der Anteil von 2.9 % auf über 11 % gestiegen. Für die Branche erschliesst sich eine Marktnische, um sich gegen Billiganbieter aus dem Osten einen Vorsprung zu verschaffen. Einige Fensterhersteller haben ihr Programm komplett auf das neue Produkt umgestellt und sich damit ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen. Das geklebte Fenster hat schliesslich einige bemerkenswerte Vorteile aufzubieten. Gerade bei der Debatte um die vierfache Isolierverglasung wird es die Fensterbauer und Monteure freuen, dass geklebte Fenster mit geeigneten Scheiben in unterschiedlichen Dicken um 20 % weniger Gewicht aufweisen können, als die herkömmlichen Block-Lösungen.

20. – 23. September 2016

DIE WELT IST EINE SCHEIBE www.glasstec.de

Daneben überzeugt es durch eine wesentlich geringere Wartungsanfälligkeit. Das geklebte Isolierglas zeigt eine höhere Steifigkeit, die Lastabtragung ist besser und die Fenster langlebiger. Hinzu kommen ausserdem kürzere Lieferzeiten, verbesserte Ug-Werte durch einen besseren Isothermenverlauf und gänzlich entfallenden Windeintritt in den Flügel. Alles zusammengenommen sind das die wichtigen Argumente für den Endkunden, denn geklebte Fenster sind durch geänderte Produktionsverfahren oft keineswegs günstiger.

GLASSTEC 2016 Die glasstec 2016 zeigt im September in Düsseldorf den aktuellen globalen Stand der Technik im konstruktiven Glasbau und liefert damit wichtige Impulse für die globale Glasbranche. Zwei Highlights sind die Sonderschau «glass technology live» mit den Vorträgen im dazugehörigen Symposium und die neue Konferenz «Function meets Glass» am 19. und 20. September 2016.

glasstec 2016  |  20. – 23. September 2016 Messe Düsseldorf  |  www.glasstec.de

mas-concept AG Neugasse 29 _ 6300 Zug Tel. +41 (41) 711 18 00 info@mas-concept.ch www.mas-concept.ch

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© Fotos: Marc Straumann

ARCHITEKTUR

Die Kommunikation zwischen Transparenz und Geschlossenheit wirkt inspirierend.

BEEINDRUCKENDE SANIERUNG PFOSTENRIEGELFASSADE IN BAUBRONZE von Patricia Brandeville

Zwischen den älteren Sandsteingebäuden an der Zürcher Bahnhofstrasse sticht die braune Metall-GlasKonstruktion des Modissa-Hauses hervor. 40 Jahre nach seiner Erstellung wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt und einer Totalsanierung unterzogen.

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ie Zürcher Bahnhofstrasse wird ­gesäumt von Sandsteinbauten. Die meisten davon entstanden in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Erst in den 1960er- und 1970er-Jahren kamen zum Sandstein Werkstoffe wie Glas, Beton und Metall hinzu. PKZ, Omega, Bally, Modissa und Globus heissen die renommierten Geschäftshäuser, die der Denkmalpflege und dem Zürcher Stadtrat so wichtig sind, dass sie ins Inventar der kunst- und kultur-

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historischen Schutzobjekte aufgenommen wurden. Das Modissa-Haus, positioniert an der städtebaulich exponierten Lage der Kreuzung Bahnhof- / Uraniastrasse, steht seit Mai 2014 unter Denkmalschutz; Stadt und Eigentümer haben einen verwaltungsrechtlichen Vertrag unterschrieben. Gewürdigt wird das Gebäude unter anderem ­wegen der feinmaschig strukturierten ­Metall-Glas-Fassade und der gebogenen Eingangspartie. Blickfang ist die erkerartige

Eckpartie, die als riesiges, geschossverbindendes Schaufenster Einblick ins Innenleben des Modehauses gewährt. Die Denkmalpflege lobt das bewusste Zusammenspiel von Transparenz und Geschlossenheit, welches insbesondere in der Nacht mit der ­Innenbeleuchtung seine vollständige Wirkung entfaltet. Das sechsstöckige Gebäude besticht durch die durchgehende Glasfassade, welche den Innen- mit dem Aussenraum verbindet.


ARCHITEKTUR

Die aufwendige Glas-Metall-Konstruktion im Bogenbereich überrascht.

FASSADE AUS BAUBRONZE UND GLAS Das Modissa-Haus wurde von 1973 bis 1975 von Werner Gantenbein erbaut. Das Architekturbüro Steigerconcept aus Zürich wurden vom familiengeführten Unternehmen Modissa beauftragt, den Flagship-Store in der Zürcher Innenstadt den heutigen Anforderungen und Ge­ setzgebungen anzupassen. Mit dem ­Totalumbau des Innern, des prestigeträchtigen Geschäftshauses an der Bahnhof-­ strasse 74, wurde auch die denkmalgeschützte Fassade einer Generalsanierung unterzogen. Die Fassade des Modehauses besteht aus zwei Teilen: eine Pfosten-RiegelKonstruktion, welche im Erdgeschoss über zwei Stockwerke verläuft und den zurückgesetzten Haupteingang einfasst. Diese zweigeschossige Fassade mit dem Haupteingang wurde komplett neu an­gefertigt. Da auf dem Markt kein System in Bau-

bronze mit den von der Denkmalpflege ­geforderten Abmessungen erhältlich war, musste eine Spezialkonstruktion entwickelt werden. Diese besteht aus einer Tragkonstruktion aus isolierten Aluminiumprofilen, inklusive statischen Verstärkungselementen. Beidseitige Verkleidungsbleche aus Baubronze wahren den ursprünglichen ­Gesamteindruck. Um die Konstruktion so filigran wie möglich ausführen zu können, wurde bei den Eingangstüren ein Unterflur­ antrieb verbaut.

ELEKTROCHROME VERGLASUNG Vom zweiten Geschoss bis zum fünften Obergeschoss verläuft eine filigrane Pfostenriegelkonstruktion, welche energetisch saniert wurde. Um die Fassade den heutigen Wärmedämmstandards anzupassen, wurden die Isoliergläser ausgetauscht und die bestehende Profilkonstruktion aus ­B aubronze im ursprünglichen Zustand ­belassen.

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ARCHITEKTUR

Das Innenleben des Modehauses wird durch die Architektursprache unterstützt.

TECHNISCHE REALISIERUNG Baubronze ist eine Kupfer-Zink-­ Legierung mit Zusatz von Mangan und Eisen (Kurzzeichen CuZn40Mn2Fe1). Die Oberfläche ist bronze­ähnlich und gegen Witterungs­einflüsse beständig. Baubronze eignet sich zur Herstellung von Strangpressprofilen. Für die Blechverkleidungen hat der Fassaden- und Metallbauspezialist Krapf AG die Legierung CuZN 37 (MS63) verwendet. Dieses Material wird in Tafeln hergestellt und lässt sich sehr gut kalt umformen. Zur Erreichung einer gleichmässigen Oberfläche wurde mit einer Vor­ brünierung unter Einsatz von Chemie der Natur nachgeholfen. Ein zusätz­ liches Bürsten vor dem Brünieren steigert zudem das noble Erscheinungsbild der Baubronze.

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Dank schwellenlosen Schiebetüren von air-lux, weitet sich das Dachrestaurant barrierefrei nach draussen auf die Terrasse.

Die runde Geometrie der Fassade und die Vorgaben der Denkmalpflege verunmöglichten die Montage eines aussenliegenden Sonnenschutzes. Um dennoch einen wirksamen Sonnenschutz gewährleisten zu können, wurde ein elektrochromes Glas eingesetzt. Dieses lässt sich mehrstufig abdunkeln. Die 112 Spezialgläser in der Dimension 2 500 x 800 Millimeter sind extra aus den USA angeliefert worden. Mit ihren Nur-Glas-Fugen, anstelle von Profilen, ist die Fassadenfläche von 580 m2 ein architektonischer Blickfang an prominenter Lage. Das Gebäude hat auch nach der Sanierung seinen ursprünglichen Grundriss behalten. Dies erforderte eine spezielle Glas-Metall-Konstruktion im Bogenbereich. Als Glashalteprofile dienten gewalzte Fensterprofile, welche auf eine vorgängig montierte Stahlbaukonstruktion gesetzt wurden. Das gesamte Paket wurde mit Bronzeblechen beplankt.

Für die Bauarbeiten war ein zeitlich knappes Zeitfenster von zwei Monaten vorgesehen, was für die involvierten Unternehmen eine akribische Planung hinsichtlich Koordi­ nation und Logistik erforderte. So waren unter anderem auch montage- und verkehrstechnisch diverse Herausforderungen zu meistern: Die stark befahrene Urania­ strasse auf der einen Seite und die von Trams und Fussgängern stark beanspruchte Bahnhofstrasse auf der anderen Seite ­bedingten eine besondere Ausführungsplanung. So musste die für die ­Planung und Ausführung der Fassade beauftragte Krapf AG die 41 bis zu 800 Kilogramm schweren Glasscheiben nachts einbauen; hierfür wurde die Uraniastrasse zeitweise gesperrt.

BARRIEREFREIER DURCHGANG Eine echte Perle ist das neu entstandene Rooftop-Restaurant mit grosser Terrasse im sechsten Obergeschoss. Die Vergla-


ARCHITEKTUR

sung in Baubronze mit automatisierten rahmenlosen Schiebeflügeln von air-lux, erlaubt einen fliessenden Übergang vom Innenraum zur Aussenterrasse. Dank der schwellenlosen Konstruktion ist der Durchgang barrierefrei. Die Schiebefenster mit Dimensionen von 2 200 x 2 000 mm von ­air-lux sind dank der patentierten aufblasbaren Dichtung zu 100 Prozent wind- und wasserdicht. Das Dach-Restaurant im sechsten Stock konnte nur wegen der Anpassung der alten Glasfassade an heutige Wärmedämm­ standards sowie der Verwendung von ­Hybridkühldecken realisiert werden. Dies hatte zur Folge, dass sich der Platzbedarf für die Haustechnik nennenswert verkleinert hat und stattdessen zusätzliche Flächen für Verkauf und Gastronomie frei wurden. Der Umbau des Modissa-Flagshipstore ­verlangte eine intensive Zusammenarbeit

zwischen dem Architekturbüro Steigerconcept, sowie der städtischen Denkmalpflege. Insbesondere die denkmalgeschützte Fassade stellte die ausführende Krapf AG vor zahlreiche Herausforderungen. Dank der sorgfältigen Planung und gegenseitigen Abstimmung, konnte durch die Sanierung der grundlegende Charakter des Baukörpers und der Fassade erhalten bleiben. Gleichzeitig gelang es, mit der Anpassung der Gebäudehülle das Gebäude auch energetisch ins Heute zu transformieren.

PATRICIA BRANDEVILLE ist freie Autorin. www.modissa.ch www.steigerconcept.ch www.krapfag.ch

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ARCHITEKTUR

ZWEI GEBÄUDE, EIN PRODUKT BÜROHAUS UND LABOR MIT SCHLITZRINNEN AUSGESTATTET von Katrin Kandula

© Richard Brink GmbH & Co. KG

In unmittelbarer Nähe zueinander liegen das Bürohaus «The Edge» und das Laborgebäude «O|2» im Amsterdamer Stadtteil ZuidAs. Das Wirtschafts- und Finanzzentrum der Niederlande ist geprägt von moderner, geradliniger und nachhaltiger Architektur. An diesen Stil sollte sich auch die Entwässerungslösung vor den Eingängen der beiden Neubauten anpassen.

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Klares Design prägt den Amsterdamer Stadtteil ZuidAs.


EINES DER NACHHALTIGSTEN GEBÄUDE Dem ökologischen Gedanken des Stadtteils entspricht insbesondere das Büro­ gebäude «The Edge» an der Gustav Mahler Laan. Das 40’000 Quadratmeter grosse Bauwerk gilt als eines der nachhaltigsten und intelligentesten der Welt. Der internationale Immobilienentwickler und Investor OVG Real Estate hat es so konstruiert, dass es unter anderem seinen Energieverbrauch stetig dokumentiert und sich den veränderten klimatischen Bedingungen anpasst. Bei der Realisierung arbeitete die OVG Real Estate eng mit ihren Partnern zusammen, insbesondere dem Hauptmieter Deloitte, der weltweit führenden Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft. Durch die intensive Kooperation ist ein Gebäude entstanden, das den Fokus auf Komfort, Gesundheit und Produktivität der Mitarbeiter legt. Für die clevere Technik und die Nutzung fortschrittlicher Innovationen wurde das Gebäude durch die Jury der Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology (BREEAM) mit der höchsten je vergebenen Bewertung ausgezeichnet. «The Edge» hat das Zertifikat «herausragend» erhalten und im Rating 98.36 Prozent erreicht. Damit hat es das vormals höchstplatzierte Londoner Gebäude «One Embankment Place» überholt. Die Gewerbeimmobilie ging in der Kategorie «Office New» als Sieger des BREEAM Awards hervor. Zusätzlich wurde sie mit dem Publikumspreis «Your BREEAM» prämiert. PLP Architecture, London, hat eine Arbeitswelt rund um ein 15-stöckiges Atrium mit Restaurant, Café, Ausstellungs- und Konferenzräumen entworfen. Klimatische und energetische Effizienz ist durch die Form und die Ausrichtung des Gebäudes

© Richard Brink GmbH & Co. KG

Rund um ein 15-stöckiges Atrium bildet sich die Arbeitswelt von «The Edge». © Richard Brink GmbH & Co. KG

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ie Südachse (ZuidAs) Amsterdams hat eine Immobilienkapazität von bis zu 4.2 Millionen Quadratmetern. Ein Grossteil dieses Potenzials soll in den kommenden Jahren ausgeschöpft werden. Geplant ist, das Areal bis 2040 fertig­ zustellen. Dieses ist so konzipiert, dass es sich zum einen international behaupten kann, zum anderen aber auch traditionelle Elemente Amsterdams aufweist. Angedacht ist, eine hochwertige Lebens- und Arbeitsumgebung zu schaffen, die dynamisch und behaglich zugleich ist. Zudem soll ein sicherer, gut erreichbarer und fortwährender Standort entstehen.

ARCHITEKTUR

Dezent fügen sich die Edelstahl-Schlitzrinnen Lamina in den Natursteinbelag ein.

gegeben. Unter anderem tragen Solaranlagen an der Südfassade und ein thermischer Aquiferspeicher1 unterhalb des Hauses zur Energieneutralität bei. Mit seiner Leichtigkeit fügt sich «The Edge» harmonisch in die Architektur des gesamten Stadtteils ZuidAs ein. Schon der Eingangsbereich zeichnet sich durch Geradlinigkeit und ein minimalistisches Design aus. Möglichst dezent und weitgehend unsichtbar sollte sich auch das Entwässerungssystem in den Bodenbelag einfügen. Schmale Rinnen waren gefragt, die gleichzeitig für zuverlässiges Ableiten des anfallenden Regenwassers sorgen. Diese Anforderungen erfüllen die Schlitzrinnen Lamina der Firma Richard Brink. Sie wurden von Mitarbeitern der Tilma Totaal Afbouw B.V.

im Auftrag des Bauunternehmens G & S Bouw sowie den beratenden Ingenieuren der Deerns Group verlegt. Die Entwässerungslösung aus Edelstahl erstreckt sich über den gesamten Sockel des Gebäudezugangs. Insgesamt wurden 41 Meter der Schlitzrinnen verlegt. Dank ihrer Höhenverstellbarkeit passen sich die Rinnen an das Gefälle an. Drei massgefertigte Revisionskästen dienen zur einfachen Reinigung des Systems. Sie lassen sich mittels einsetzbarer Verschlusskästen mit aufschraubbaren Griffen problemlos öffnen, spülen und säubern. Da die Abdeckungen der Revisionskästen als Plattenschale ausgebildet sind, konnte der Naturstein des Eingangsbereichs in sie hineingelegt werden. So ergibt sich ein einheitliches Gesamtbild.

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© Richard Brink GmbH & Co. KG

© Richard Brink GmbH & Co. KG

ARCHITEKTUR

Zwei Ausschnitte prägen den Kubus des «O|2»-Bauwerks. Sie sorgen für eine grosszügige Lichtverteilung im Gebäude.

Zusätzlich verbaute Revisionskästen dienen der Reinigung des Entwässerungssystems.

EFFIZIENTES LABOR Das Laborgebäude «O|2» der VU (Vrije Universiteit Amsterdam) befindet sich in der De Boele Laan, wenige Meter entfernt von «The Edge». «O|2» steht für Sauerstoff und ist somit ein Lebenssymbol. Es ist ­eines der ersten niederländischen Universitätsgebäude, das für ein spezielles Forschungsthema errichtet wurde. In dem Labor befassen sich Wissenschaftler der VU Universität Amsterdam, des Medizinischen Zentrums der VU und der Universität Amsterdam mit relevanten Aspekten auf dem Gebiet «Human Health & Life Sciences». Indem sie die hochwertige Ausstattung gemeinsam nutzen, werden eine effiziente Zusammenarbeit sowie der Wissens­ transfer ermöglicht. EGM Architekten haben das Labor in Form eines grossen Kubus mit zwei Ausschnitten entworfen. Verwinkelte Säulen unterstützen deren Aufbau. Ein Atrium lässt Tageslicht

in alle Bereiche des 33’000 Quadratmeter grossen Gebäudes dringen. Die erste Ebene dient als grosszügiger Platz mit ­Restaurants, einem Informationscenter, ­e inem Konferenzsaal, Besprechungs­ räumen und einer Fahrradstation. Unter dem Bauwerk befindet sich ein Parkhaus. Auch bei diesem Projekt stand der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund: Beispielsweise erfolgt die Kühlung mittels Wasser aus dem nahe gelegenen See Nieuwe Meer, und das begrünte Dach wirkt isolierend. Die Anforderungen an Funktion und Design des «O|2»-Labors ähneln denen von «The Edge». Klare und dennoch zurückhaltende Formen prägen den Würfel und dessen Fassade. Passend dazu setzten die Verarbeiter des Unternehmens Van Stokkum hier ebenfalls die höhenverstellbaren Schlitz­ rinnen Lamina vor dem gesamten Eingang ein. Da lediglich minimale Spalten vorhanden

sind, die das Wasser ableiten, ermöglicht die schmale Entwässerungslösung den zahlreichen Fussgängern einen komforta­ blen Übergang zwischen aussen und innen. Das System mit zwei Revisionskästen in Sonderanfertigung und 43 Metern Rinne ­fügt sich ebenerdig in den Boden ein. Die Plattenschalen wurden mit dem Beton­ belag des Eingangsbereichs ausgekleidet. Durch die Ausführung in 1.5 Millimeter Edelstahl ist eine optisch ansprechende und dauerhaft hochwertige Lösung entstanden, die den vorderen Gebäudeabschnitt dezent aufwertet. ANMERKUNG 1 Aquiferspeicher (auch Aquifere-Speicher genannt) sind ­unterirdische, natürliche Speicher innerhalb von Gesteinsschichten. Sie werden dazu benutzt, zum Beispiel Solarwärme, Abwärme aus Blockheizkraftwerken oder Kälte saisonal zu speichern. Ein Aquiferspeicher kann zum Beispiel die sommerliche Abwärme für den Winter in einer Tiefe von 280 Metern und die Kälte­erträge aus dem Winter in einer 60 Meter tief gelegenen Schicht speichern. Diese Kälte bzw. Wärme wird dann nach Bedarf in der jeweiligen anderen Jahreszeit wieder entnommen.

Richard Brink GmbH & Co. KG  |  Metallwarenfabrikation und Vertrieb  |  Görlitzer Strasse 1  |  D-33758 Schloss Holte-Stukenbrock Tel. +49 (0) 5207 95 04-0  |  info@richard-brink.de  |  www.richard-brink.de

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ARCHITEKTUR

Die Baumesse. Wo man schaut, bevor man baut.

Quelle: renggli-haus.ch

8.– 11.9.2016 Messe Zürich

Patronat

Halle 6

Do–So 10–18 bauen-modernisieren.ch Ausgabe 03/2016 // Seite 19


ARCHITEKTUR

DER WELT ZUGEWANDT EINFAMILIENHAUS MIT GRENZENLOSER WEITSICHT von Georg Lutz

Architektur: Oppliger Architektur, Burgdorf, www.oppliger-architekten.ch Fotografin: Lea Moser, Bern www.leamoser.ch

H채user mit Seesicht sind f체r den Bauherrn und Architekten ein Traum. Sie sind aber auch eine Herausforderung. Bauen am Hang bietet f체r die Verantwortlichen einige H체rden, wenn man zu einem passenden und nachhaltigen Ergebnis kommen will.

Traumhafte Aussicht darf nicht verbaut werden.

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ARCHITEKTUR

Die rahmenlose Verglasung gibt dem Erdgeschoss sein Gesicht.

D

ie Hanglage über dem Bielersee, wenn sie nicht klassisch verbaut ist, bietet eine wunderbare Aussicht auf den See, die Petersinsel und ein Alpen­ panorama. Genau hier entstand eine beeindruckende Überbauung, in Form einer Villa, die aber nicht überheblich wirkt, sondern mit der Umgebung kommuniziert. Den fantastischen Rahmen wollte auch der Architekt Manfred Oppliger nicht beeinträchtigen. Im Gegenteil, er sollte für den Entwurf bestimmend sein. «Die Aussicht soll uneingeschränkt erlebbar bleiben, ohne dass Balkone oder Kanzeln gebaut werden müssen. Eine sorgfältige Bestimmung der Geschossniveaus war deshalb zwingend», betont der verantwortliche Architekt. Das Motto der Architektursprache könnte mit den Stichworten dezent und klar zusammengefasst werden. Dank der umfassenden rahmenlosen Verglasung im Erdgeschoss addiert sich der beheizte Wohnbereich mit den seitlichen Aussenräumen. So entsteht eine grosszügige Wohnlandschaft, nur begrenzt durch die Mauern der Aussenräume. Die lichtdurchfluteten Räume ermöglichen beeindruckende Blicke nach innen und aussen.

BLICK IN DIE ARCHITEKTURGESCHICHTE Das historische Vorbild heisst Richard ­Joseph Neutra. Er realisierte, in erster Linie in Kalifornien in den Dreissigerjahren des

letzten Jahrhunderts, Häuser, die auch schon mit viel Transparenz arbeiteten. Das Aushängeschild von Neutra waren seine raumhohen Fenster und Spiegel, weite Durchblicke und ebenerdige Glastüren. Auch hier war das Ziel, die Villen mit der Natur verschmelzen zu lassen. Nun liegt der Bielersee nicht in Kalifornien mit seiner trockenen Umgebung. Aber auch hier kommen das Haus und seine Umgebung in ein Gespräch. Die Weinbergmauern, die hier charakteristisch sind, wurden von der Materialseite beim Hausbau, in der Form von Kalkstein, thematisch übernommen und definieren auch die neuen Aussenräume. Der Kalkstein begleitet uns durch das Haus, setzt sich im Innencheminée fort und endet wieder im Aussenraum. Der Bodenbelag ist sowohl innen wie aussen durchgehend einheitlich aus Travertin realisiert.

NEUE TECHNOLOGISCHE FENSTERLÖSUNGEN Nun hatte Richard Joseph Neutra noch nicht die technologischen Lösungen, wie die rahmenlosen Schiebefenster zur Verfügung. Daher sieht die heutige Lösung noch beeindruckender aus. Das Erdgeschoss wurde gegen die spektakuläre Aussicht hin mit dem rahmenlosen Schiebefenster swissFineLine ausgestattet. Der Clou am System mit Dreifach-Verglasung

ist die vollumfängliche Einfügung der hoch dämmenden Leichtmetallprofile in Wände, Boden und Decken. Vom Rahmen bleibt so praktisch nichts mehr sichtbar und ermöglicht fliessende Grenzen zwischen innen und aussen. Dadurch geniesst man eine einzigartige, hindernisfreie Aussicht sowie ein grosszügiges und helles Wohngefühl. Der grosszügige Wohnbereich im Erdgeschoss ist offen und hell. Die grossflächige Fensterfront lässt sich fast ganzheitlich öffnen und erweitert so den Wohnraum nach aussen hin. Die rahmenlosen Schiebefenster swissFineLine können von der Ecke aus pfostenfrei geöffnet oder mehrere Elemente zusammen bewegt werden. Entlang der Aussenmauern sind Bodenlichtbänder eingelegt, welche die Mauern nachts ­p erfekt inszenieren und dank Filigran­ verglasung eine Symbiose aus Innen und Aussen bilden. Der Bedienkomfort wird durch eine automatische Antriebslösung erhöht. Somit lassen sich die Fenster durch die Antriebstechnik rasch und nahezu geräuschlos ­öffnen und schliessen. Barrierefreiheit von innen nach aussen ermöglicht eine maximale Mobilität und Bewegungsfreiheit.

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ARCHITEKTUR

Das Licht und die Struktur der Materialien entfalten insbesondere in der Dunkelheit ihre spannende Wirkung.

TRANSPARENZ IN IHRER SCHÖNSTEN FORM swissFineLine ist das Premiumfenster für anspruchsvolle Bauprojekte und steht für höchste Schweizer Qualität in Design und Technologie. Das Minergie-P-zertifizierte System erfüllt in allen Belangen höchste Anforderungen bezüglich Architekturdesign, Wärme- und Schalldämmung.

Kommunikation zwischen Haus und Umgebung ist stimmig.

Die umlaufenden, hoch dämmenden Rahmenprofile fügen sich nahtlos in Wände, Böden und Decken ein und ermöglichen schwellenlose Übergänge und hindernisfreie Aussichten. Erzeugt wird ein naturverbundenes Wohnerlebnis mit Fenstern, die nicht als Fenster wahrgenommen werden.

DAS PRIVATE HAT SEINEN RAUM Die Statik im Erdgeschoss ist seeseitig auf ein Minimum beschränkt, der Aussensitzplatz auskragend. Jede andere Lösung hätte wieder den Blick beeinträchtigt. Es ist immer wieder überraschend was Bauingenieure heute alles auf die Beine stellen können, das dann auch hält. Ja, und wo kann ich meine private Atmosphäre geniessen? Auch hier hat der Architekt Manfred Oppliger eine Lösung. «Im hangseitigen Bereich des Erdgeschosses befindet sich eine zweigeschossige, vor Einblicken geschützte – abgeschirmt durch das Cheminée – Lounge, die als Rückzugsort im Wohnbereich dient. Im Obergeschoss ­setzen sich die abgeschirmten Räume fort. Es handelt sich um das Kinderzimmer, Schlafzimmer, mit dazugehörenden Nasszellen. Trotzdem haben alle Räumlich­ keiten Seeblick. Seitlich an das Eltern-

schlafzimmer ist ein kleiner Aussensitzplatz angelegt, begrünt und vor Einblicken geschützt. Das Obergeschoss ist ein geschlossener, muraler Kubus mit wenigen Fensteröffnungen – einfach und ruhig. Wie lautet hier die architektonische Botschaft? Oppligers Überlegung dazu: «Er wirkt wie über dem Erdgeschoss schwebend, seitlich auf den Natursteinmauern abgestützt.»

KOMMUNIKATION ZWISCHEN LICHT UND MATERIALIEN Nicht nur der erste Eindruck wird bekanntlich durch die Form der Materialisierung und die Farbgebung beinflusst. Beide Punkte sind absichtlich sehr zurückhaltend gehalten. Naturstein, Gipsglattstrich weiss, im Obergeschoss ein Nussbaumparkett prägen die Szenerie. Für bunte Akzente sorgen nur die farbigen Einrichtungselemente wie die Sessel und die Medienwand.

Dazu passt auch der Pool. Bei Nacht sorgen die beleuchteten Natursteinmauern und die Pool-Beleuchtung für ein spannendes Raumerlebnis. Auch das Licht kommuniziert mit den angeleuchteten Materialien. Der Beleuchtung wurde besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Im Erdgeschoss sind LED-Lichtbänder im Sturzbereich installiert worden, die sowohl Innenraum wie auch Aussenraum gleichzeitig belichten. Entlang der Aussenmauern sind Bodenlichtbänder eingelegt, die die Mauern beleuchten und damit das Grossraumgefühl, Innenraum und Aussenraum, auch nachts erlebbar machen. Der vorgelagerte Überlaufpool mit optisch nahtlos anschliessendem Bielersee transportiert den See an das Haus heran und macht das Baden zum besonderen Erlebnis.

Berger swissFineLine  |  Gerbestrasse 15  |  CH-3550 Langnau im Emmental  |  Tel. +41 (0) 34 409 50 50  |  www.swissfineline.ch

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ARCHITEKTUR

KOSTENGÜNSTIG SANIEREN von Stefan Aebi

Wenn es um das Sanieren von Ein- und Mehrfamilienhäusern geht, ist die Trivent AG – Hersteller von Limodor – mit einfachen und bewährten Lüftungslösungen Ihr Partner.

BAUEN & MODERNISIEREN Treffen Sie uns in Zürich vom 8. - 11.9.2016, auf der Bauen & Modernisieren. Sie finden uns in Halle 5, Stand C25

Die Blende der Limodor-Aussenluftdurchlässe hat eine schwenkbare Klappe, mit der sich der Luftstrom in die gewünschte Richtung lenken lässt.

W

enn bei der Sanierung von Wohnhäusern vorhandene Fens­ terflächen ausgetauscht und Wand- und Dachflächen gedämmt und abgedichtet werden, entsteht eine deutlich dichtere Gebäudehülle. Ein unkon­ trollierter Luftaustausch durch Fugen und Ritzen kann so verhindert werden. Allerdings kann die Gebäudehülle dadurch so dicht werden, dass nicht mehr genügend Frischluft in die Wohnungen gelangt. Schäden durch Feuchtigkeit sind oft die Folge. Dieses Problem kann mit einer nachträglich eingebauten Abluftlüftung gelöst werden.

CLEVERE LÖSUNG MIT EINFACHER ABLUFTLÜFTUNG Das modulare System Aquavent der Liechtensteiner Firma Trivent ermöglicht einen ­definierbaren Luftaustausch und sorgt für ein angenehmes Wohnklima. Es funktioniert mit oder ohne Wärmerückgewinnung. Die Komponenten bewähren sich seit vielen Jahren und lassen sich bei einer Sanierung problemlos nachträglich einbauen.

EINSATZ OHNE GRÖSSERE BAULICHE EINGRIFFE Dank kontinuierlich nachströmender Frischluft durch Limodor-Aussenluftdurchlässe

kommt das System ohne Zuluftleitungen aus. Einerseits können so grössere bauliche Eingriffe vermieden werden, andererseits ist ein solches dezentrales Zuluftsystem immer hygienisch einwandfrei und bis auf den periodischen Filterwechsel wartungsfrei. Aquavent ist eine einfache und günstige Lösung, ältere Gebäude für die Anfor­ derungen moderner Bauart (Isolation und luftdichte Aussenhülle) fit zu machen.

Trivent AG Lüftungstechnik  |  Gruabastrasse 10  |  LI-9497 Triesenberg  |  Tel. 0800 65 42 42  |  info@trivent.com  |  www.trivent.com


© Deutsches Architekturmuseum

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Der Fortschritt kannte nur eine Richtung. Es drohte aber die Apokalypse der atomaren Auseindersetzung: Peanut, 1984.

«ZUKUNFT VON GESTERN» VISIONÄRE ENTWÜRFE VON FUTURE SYSTEMS UND ARCHIGRAM von Georg Lutz

1968 war ein Schlüsseljahr. Die Jugend der Welt war auf der Strasse. Das galt für Chicago, Mexico City, Berlin, Paris und Prag. Gleichzeit lebte man den technologischen Fortschritt. Es war das Jahr vor der Mondlandung. Der Zeitpfeil kannte nur eine teleogene Zielrichtung. Allerdings schwebte das drohende Szenario des Kalten Krieges immer wie ein Fallbeil über dem Geschehen. Das prägte auch die Architektur. Wir stellen im folgenden Beitrag eine Ausstellung des Deutschen Architekturmuseums (DAM) vor.

D

ie Ausstellung «ZUKUNFT VON GESTERN» stellt aussergewöhn­ liche Utopien der Architektengruppen Future Systems und Archigram vor. Im Fokus stehen dabei detaillierte technische Zeichnungen, farbig opulente Collagen und filigrane Originalmodelle, die den Zeitgeist Ende der Sechzigerjahre atmen. Die Werke des 1968 nach London emigrierten, tschechischen Architekten und Gründers von Future Systems, Jan Kaplický, aus den 1980er- und

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1990er-Jahren werden konfrontiert mit den 20 Jahre früher entstandenen Entwürfen der Londoner Architektengruppe Archigram um Peter Cook, Ron Herron, Dennis Crompton, Warren Chalk, Michael Webb und David Greene aus der Sammlung des Deutschen Architekturmuseums. Während Archigram organische Architekturen für das Überleben in unbe­ haglichen Sphären entwarf, nehmen die technoiden Konstruktionen von Future Systems ihren Raum an freundlicheren

Orten in menschenleerer Natur oder in hoch verdichteten Städten ein. Das Gros dieser Utopien blieb auf dem Papier und war als Anregung für das (Über-)Leben in gesellschaftlichen Umbruchphasen erdacht. Die Weltraumarchitektur von Archigram entstand in der von Aufbruch geprägten Zeit der Mondlandung. Future Systems dagegen entwarfen ihre autarken, maschinenartigen Wohnkapseln für eine düstere Welt in der Hochphase des Kalten Krieges.


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in der tschechischen Gesellschaft. Die Bibliothek bleibt auf dem Papier und über der Moldau eine Brache …

DIE GRUPPE ARCHIGRAM 1961, das Jahr, in dem Juri Gagarin als erster Mensch ins Weltall fliegt und in Berlin die Mauer gebaut wird, ist auch das Gründungsjahr der Gruppe Archigram. In einem gesellschaftlichen Klima zwischen Fortschrittsoptimismus und der Angst vor einem Atomkrieg treten die jungen Architekten Peter Cook, Warren Chalk, Ron Herron, Dennis Crompton, Michael Webb und David Greene auf den Plan und ­mischen die englische Architekturszene gründlich auf. Sie hatten sich in der Londoner Baufirma Taylor Woodrow Construction kennengelernt. Bei Archigram steht von Anfang an neben dem Entwerfen auch das Publizieren im Fokus. Der Titel ihrer 1961 gegründeten Zeitschrift «Archigram» ist eine Wortschöpfung aus architecture und telegram. Das Magazin wird von Ausgabe zu Ausgabe umfangreicher und entwickelt sich zu einem wichtigen Sprachrohr für die Architektur der 1960er-Jahre. Der politische Traum in Prag scheitert. Jan Kaplický (mit Faust) auf dem Prager Wenzelsplatz, 1968

JAN KAPLICKÝ UND FUTURE SYSTEMS Jan Kaplický (1937–2009) wächst in einem intellektuell und künstlerisch geprägten ­Elternhaus im Prag der 1950er-Jahre auf. Er studiert an der dortigen Hochschule für Kunstgewerbe und bearbeitet erste kleine Architekturprojekte. Besonderes Interesse hegt er für den technischen Aspekt der Architektur, wobei ihn einerseits die Architektur des tschechischen Funktionalismus und andererseits der amerikanische Flugzeugbau prägen. Nachdem im August 1968 die politische und gesellschaftliche Liberalisierung unter Alexander Dub ek – der Prager Frühling – durch sowjetische Militärs abrupt beendet wird, verlässt Kaplický, wie viele andere, das Land. Der Emigrant Kaplický kommt im Herbst 1968 in Swinging London an und arbeitet dort bis 1983 als freier Architekt sowie für verschiedene Architekturbüros. So ist er zum Beispiel an der Planung von Piano + Rogers’ Centre Pompidou (1971–1977) und von Foster Associates’ Hong Kong & Shanghai Bank (1979–1986) beteiligt.

1979 gründet Kaplický gemeinsam mit dem Architekten David Nixon das Büro Future Systems. Viele ihrer Entwürfe ähneln Konstruktionen aus der Weltraumtechnologie und sollen ihren Platz auf unbewohnten ­Flecken der Erde finden. Sowohl die Fachpresse als auch Peter Cook (Archigram) werden auf Future Systems aufmerksam, sodass in den 1980er-Jahren Ausstellungen in London, Paris, Chicago und Frankfurt am Main stattfinden. Mit dem Einstieg von Amanda Levete erfährt Future Systems 1989 eine Neuausrichtung. David Nixon hatte das Büro zwei Jahre zuvor verlassen. Die neue Devise lautet nun: mehr Bauaufträge und weniger Theorie. Grosse Wettbewerbe folgen. Das Kaufhaus Selfridges ist wohl das bekannteste Gebäude von Future Systems. Es prägt seit 2003 Birminghams Innenstadt. Eines von Kaplickýs letzten Projekten ist 2007 der Neubau der Tschechischen Nationalbibliothek. Nach dem gewonnenen Wettbewerb wird sein amorpher Blob-­ Entwurf Objekt einer erbitterten Diskussion

Archigram nutzt die Musik, die Kunst und die Mode ihrer Zeit nicht nur zur Inspiration, sondern auch als Materialpool für ihre utopisch urbanen Architekturcollagen. Die Prinzipien der Pop-Art dienen dabei der Verbreitung ihrer Utopien. Die Architektur ist bestimmt vom gemeinsamen Interesse an neuen Technologien, gesellschaftlichen Veränderungen und spektakulären Formen. Ihre Stadtprojekte, wie City Interchange oder Plug-in City, zeigen klare ­Bezüge zu den Megastrukturen von Yona Friedman und den Turmstädten der japanischen Metabolisten. 1974 löst sich Archigram auf. Die Mitglieder gehen getrennte Wege, bleiben jedoch weiterhin eng verbunden.

AUSWAHL VON PROJEKTEN VON FUTURE SYSTEMS Coexistence | 1984 | Jan Kaplický, David Nixon, Arup Coexistence ist der Entwurf für ein Hochhaus, das in seiner Dimension auf das ­d amals angenommene Bevölkerungswachstum im 21. Jahrhundert reagiert. In 150 Geschossen und auf einer Fläche von 285’000 Quadratmetern bietet das Gebäude Platz zum Wohnen und Arbeiten für bis zu 10’000 Menschen. Der 650 Meter

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© Kaplicky Centre, Praha

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Immer höher immer weiter: Coexistence (Project 112), 1984.

hohe Turm besteht aus sieben übereinandergestapelten Modulen. Fotomontagen verorten das Hochhaus an Standorten in den hoch verdichteten Städten New York und London. Peanut | 1984 | Jan Kaplický, David Nixon Die kinetische Wohnkabine Peanut ist ein Raum für die Wildnis – ausgelegt für zwei Personen. Auf einem hydraulischen Arm gelagert, lässt sich die erdnussförmige Wohnkapsel in beliebige Positionen bewegen und ermöglicht so immer neue Ausblicke in die umgebende Natur. Die Technologie stammt aus dem Brückenbau und der Fassadenreinigung. Shelter | 1985 | Jan Kaplický Anstoss zu diesem Projekt gab die Hungersnot in Äthiopien 1984 / 85. Das transportable schirmförmige Schutzzelt ist der Entwurf ­einer Notunterkunft für zirka 190 Menschen. Es kann als Unterkunft, Materiallager, Klinik oder zur Verteilung von Nahrung genutzt werden. Zwölf im Boden verankerte Aluminiumrippen bilden das Tragwerk des Zeltes, das von zwölf Personen aufgerichtet werden kann. Das Dach aus weisser Polyestermem-

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bran ist innen metallisiert, wodurch es tagsüber die Sonnenstrahlung reflektiert und nachts den Wärmeverlust reduziert. Bibliothèque Nationale de France | 1989 | Jan Kaplický, Amanda Levete, Arup Im Wettbewerb für die französische Nationalbibliothek durften Jan Kaplicky und Amanda Levete in der letzten Phase ihren Entwurf dem damaligen Präsidenten ­François Mitterrand persönlich erläutern. Sie erhielten den zweiten Preis – Sieger wurde der französische Architekt Dominique Perrault. Der Entwurf von Future Systems teilt den dynamisch geformten Bibliotheksbau durch einen gläsernen Graben in zwei Gebäudehälften, die wiederum jeweils zweigeteilt sind. Die Glasflächen des Grabens sorgen für natürliche Belichtung der Lesesäle und Forschungsabteilungen in den vier Gebäudeteilen. Die ­B üchermagazine sind strahlenförmig in mehreren Untergeschossen angelegt. Frankfurt Kindergarten | 1991 | Jan Kaplický, Amanda Levete Am Kindertagesstätten-Programm der Stadt Frankfurt beteiligten sich auch Future

Systems mit einem organisch geformten Gebäudeentwurf für 100 Kinder im Stadtteil Sossenheim. Das Gebäude sollte die Kinder für die Auswirkungen von Wetter und Natur auf das Leben sensibilisieren. Ein gläsernes Dach ermöglicht die Nutzung der Sonnenenergie, für Licht und Wärme und sorgt gleichzeitig mittels eines innovativen Lüftungssystems für ein natürliches Raumklima. Die Gruppenzimmer der Kinder sind um einen zentralen Gemeinschaftsbereich angeordnet.

AUSWAHL VON PROJEKTEN VON ARCHIGRAM City Interchange | 1963 – 1964 | Warren Chalk, Ron Herron Die Vision eines gigantischen Verkehrs­ knotenpunkts entstand gleichzeitig mit den Neuplanungen der vom Verkehr überlas­ teten Londoner Plätze Piccadilly Circus und Oxford Circus Anfang der 1960er-Jahre. Alle Ebenen werden vom Verkehr in seinen unterschiedlichen ­Formen besetzt; die Abläufe sind maximal durchrationalisiert und ermöglichen schnelles und reibungsloses Umsteigen. Die Gestalt des Knotens ergibt sich aus der Funktion seiner Bestandteile, im Wesentlichen Röhren und Verbindungsstücke.


© Kaplicky Centre

ARCHITEKTUR

Architektonische Zeichen setzen: Bibliothèque Nationale de France, 1989.

Montreal Tower | 1963 | Peter Cook Der Turm, ein Wettbewerbsentwurf und wie Capsule Tower im Auftrag von Taylor Woodrow Construction entstanden, sollte als Veranstaltungsort für Kultur- und Freizeitaktivitäten das Herzstück der Expo 67 in Montreal bilden. Als «erste Erprobung ­unserer Ideen aus Plug-in City», so Peter Cook, sieht der Montreal Tower die Auswechselbarkeit aller konstruktiven Bestandteile vor. Einzelne Elemente, etwa für Ausstellungen, sollten variabel anzufügen, zu ersetzen und zu entfernen sein. Die letzte Entwurfsversion besteht aus einer Tragstruktur aus Röhren mit innenliegenden Aufzügen, in die unterschiedlich geformte Räume für temporäre Nutzungen eingehängt werden können. Plug-in City | 1962 – 1965 | Warren Chalk, Peter Cook, Dennis Crompton Die Vorstellung der Stadt als Megastruktur mit beweglichen und austauschbaren Wohnelementen überstrahlt das gesamte Schaffen von Archigram während der 1960er-Jahre. Mehrere grundlegende Ideen laufen hier zusammen: funktionale Trennung von Konstruktion, Erschliessung und Wohnen, modulare Bauweise, Aus-

tauschbarkeit und Standardisierung, Variabilität von Gestalt, Grösse und Dichte einer Stadt sowie ihre Ausdehnung in die Höhe. Bestandteile der Plug-in City sind eine regelmässige grossmassstäbliche Tragstruktur, die Erschliessungswege und Versorgungstechnik aufnimmt, sowie austauschbare Einheiten oder Kapseln zum Wohnen und Arbeiten. Walking City | 1964 | Warren Chalk, Ron Herron Mit einer Stadt für «world traveller-workers», die sich als autonomer mobiler Organismus wie ein riesiges Insekt fortbewegt, können fremde Planeten, oder auch unwirtliche irdische Gegenden, kolonisiert werden. Umgekehrt ist denkbar, dass ein unbewohnbar gewordener Ort wieder verlassen werden kann – während des Kalten Krieges eine durchaus interessante Vorstellung. So ist diese verspielte Stadtfantasie, eines der bekanntesten Projekte von Archigram und Inspiration für zahlreiche Nachfolger, fest in der Geschichte ihrer Zeit verankert. In Architectural Forum bezeichnete der britische Künstler Peter Blake 1968 Walking City als gedankliche Weiterentwicklung der

beweglichen Ingenieurskonstruktionen der Raketenbauer von Cape Canaveral. Instant City | 1968–1970 | Peter Cook, Dennis Crompton, Ron Herron In den 1960er-Jahren bestand in England, wie überall in Europa, zwischen dem Leben in der Grossstadt und auf dem Land ein deutliches kulturelles Gefälle. Durch das ­Medium Fernsehen wurde dies auch der Landbevölkerung zunehmend vor Augen geführt, deren Verhältnis zur Grossstadt ­zwischen Sehnsucht und Angst schwankte. Hier sollte Instant City Abhilfe schaffen: Wie ein Wanderzirkus reist eine konzentrierte Essenz der Grossstadt in Paketform durch das Land, besetzt parasitär für eine begrenzte Zeit einen provinziellen Ort und bietet den dortigen Bewohnern mit Aktionen zu Bildung, Unterhaltung und Freizeit ein schockartiges, unmittelbares Grossstadterlebnis. Instant City entstand über mehrere Jahre hinweg und wurde von der Kunstfördernden Graham Foundation unterstützt. Es umfasst einen Komplex zusammengehöriger Projekte, die in unterschiedliche Richtungen ausgreifen. Als Medium kamen hauptsächlich Collagen zum Einsatz, die mit ihrer Kombination aus Slogans und Zeitschriftenbildern vor nur noch angedeuteter Architektur der amerikanischen Pop-Art nahestehen. Vor allem durch diese Collagen wurde Archigram einem breiteren Publikum bekannt und mutierte damit vom Insiderphänomen zum festen Bestandteil der 1960er-JahrePopkultur.

DIE AUSSTELLUNG ZUKUNFT VON GESTERN. Visionäre Entwürfe von Future Systems und Archigram. Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt am Main (D), 14. Mai – 18. Oktober 2016.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.dam-online.de

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PORTRÄT VON GREENCITY In Greencity in Zürich Süd verschmelzen Stadt, Natur und Lebensqualität zu einem völlig neuen Quartierkonzept. Die 731 Wohnungen umfassen ein breites Angebot, von individuellen Eigentumslofts über Wohnungen im Stockwerkeigentum bis zu Mietwohnungen (darunter auch ein Drittel Genossenschaftswohnungen). Der urbane Mix aus Wohnflächen, 65’000 Quadratmeter Büroflächen (inklusive Hotel) und 6 600 Quadratmeter für zahlreiche Retail-Angebote: Gastronomie, Sport, Flaniermöglichkeiten – machen aus Greencity einen besonders attraktiven Standort. Unterschiedliche Altersgruppen (Familien mit Kindern, Paare, Singles, Senioren) und unterschiedliche Gesellschaftsgruppen (Mietwohnungen, Eigentumswohnungen / Lofts und Genossenschaftswohnungen, die das Wohnen zu erschwinglichen Preisen ermöglichen) ergänzen sich optimal. Eine kinderfreundliche Freiraumgestaltung (Spielplätze, öffentliche Begegnungsorte) inklusive einer Schule und einer Krippe sowie eine sichere, intuitive als auch alters- und behindertengerechte Wegführung im Areal ist ebenfalls gewährleistet.

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Greencity bietet eine hohe Wohnqualität.


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BAUEN FÜR DIE ENERGIEZUKUNFT GREENCITY IN ZÜRICH von Felix Müller

Greencity in Zürich Süd ist eines der ersten Stadtquartiere der Schweiz, das die Bedingungen der 2000-Watt-Gesellschaft erfüllt. Für Bewohner und Nutzer bedeutet das: ein nachhaltig lebenswertes Umfeld. Greencity wird von der Totalunternehmung und Immobilienentwicklerin Losinger Marazzi realisiert. Das Quartier befindet sich im Moment mitten in der Bauphase und wird etappenweise bis 2020 fertiggestellt.

Grundsteinlegung für die 204 Mietwohnungen in Greencity im März 2016. Vertreter der Losinger Marazzi AG, von Swiss Life und des Architekturbüros Diener & Diener verlegen eine Kassette mit Erinnerungsstücken im Fundament.

A

uf dem Standort der ehemaligen Industriebrache Sihl-Manegg in Z ­ ürich Süd entsteht auf acht Hektaren Grundstücksfläche das zukunfts­weisende Quartier Greencity. Es wurde von Anfang an konsequent nach den ­Zielbestimmungen der 2000-Watt-Gesellschaft ausgerichtet. Greencity umfasst acht Wohnungsbauten mit insgesamt 85’400 Quadratmetern Fläche und 731 Wohnungen, eine Schule sowie drei Bürogebäude, ein Hotel und zahlreiche Verkaufsflächen. Das Quartier setzt nicht nur Massstäbe in Bezug auf Energieeffizienz und Umweltbewusstsein: Auch hinsichtlich der sozialen Durchmischung

und der Mobilität ist Greencity ganz den Prinzipien der Nachhaltigkeit verpflichtet. Das Quartier ist das erste vom Trägerverein Energiestadt zertifizierte 2000-WattAreal der Schweiz. Die Erstzertifizierung stammt aus dem Jahr 2012. Drei Jahre später fand die erste erfolgreiche Rezertifizierung statt.

STANDORTVORTEILE UND SANFTE MOBILITÄT An der Schnittstelle zwischen Zürich Süd und den grosszügigen Grünräumen des Sihltals verfügt Greencity dank der Autobahnen A3 und A4 sowie der National­

strasse 4 über perfekte Anbindungen an den Strassenverkehr. Eine eigene S-BahnHaltestelle (Zürich-Manegg) und mehrere Buslinien rund um das Areal gewährleisten eine gute Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr. Eine reduzierte Anzahl an Parkplätzen (zirka 0.7 Parkplätze pro Wohnung) sowie autofreie Bereiche und Temporeduktionszonen im Quartier ermöglichen den zukünftigen Bewohnern und Nutzern, ihre Mobilität umweltfreundlicher zu gestalten. Rund zehn Prozent der Parkplätze sind für Elektro-Fahrzeuge reserviert. Zwei Carsharing-Standorte sind ebenfalls auf dem Areal vorgesehen.

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ARCHITEKTUR

im Sinne einer optimalen Wertschöpfung gleich zu Beginn in den Entwicklungs­ prozess mit eingebunden. Moderne Tools, wie zum Beispiel die Greencity App, ermöglichen rund um die Uhr das Messen und Reduzieren des eigenen Energieverbrauchs und fördern den Austausch unter den Einwohnern. Hinzu kommt, dass die GreencityBewohnerinnen und -bewohner so Kosten sparen können.

GUT ABGESTÜTZT IN ZÜRICH

Der Spinnereiplatz bei der alten Spinnerei ist ein Treffpunkt und die zentrale Drehscheibe von Greencity.

Zum Nachhaltigkeitskonzept von Greencity gehört, dass die Energieversorgung zu 100 Prozent über erneuerbare Energiequellen sichergestellt wird. Der Strom wird zu rund 70 Prozent vor Ort erzeugt, hauptsächlich über Fotovoltaik-Module auf den Dachflächen. Der Restbedarf wird als Ökostrom zugekauft. Das intelligente Stromnetz «Greencity Grid» steuert die Erzeugung, Verteilung und Speicherung des Stroms. Die überschüssige Elektrizität kann nachts zur Ladung von Elektro-Fahrzeugen genutzt oder im öffentlichen Netz gespeichert werden, wo sie bei Bedarf wieder entnommen werden kann. Für die Kälte- und Wärmeversorgung des gesamten Areals wurde ein innovatives Energiecontracting (Grundwasser / Erdsonden) mit dem Elektrizitätswerk der Stadt Zürich ewz abgeschlossen.

Losinger Marazzi hat bei der Planung von Greencity darauf geachtet, dass die Zielwerte eines niedrigen Energieverbrauchs nicht nur in der Betriebsphase der Immobilien eingehalten werden, sondern auch bei der Erstellung. Gewährleistet wird dies anhand renommierter Schweizer und internationaler Zertifizierungen: Für sämtliche Wohnungsbauten strebt Greencity das MINERGIE- und MINERGIE-(P)-ECO-Label und bei den Bürobauten das Label LEED Platinum Core & Shell an.

WIRTSCHAFTLICHE ZUKUNFTSFÄHIGKEIT Da es schlussendlich an den zukünftigen Bewohnern und Nutzern des Quartiers liegen wird, das Ziel der 2 000-Watt-Gesellschaft im Alltag zu erreichen, werden diese

ZUR LOSINGER MARAZZI AG Federführend bei der Planung, Entwicklung und Realisierung von Greencity ist die Losinger Marazzi AG. In der Schweiz gehört Losinger Marazzi zu den führenden Unternehmen in den Bereichen Immobilienentwicklung, General- und Totalunternehmung sowie Raumplanung. Als Tochtergesellschaft des Konzerns Bouygues Construction verbindet es die Leistungsfähigkeit eines internationalen Gross­ konzerns mit der Flexibilität eines lokal verankerten Unternehmens. Losinger Marazzi hat sich einer innovativen und nachhaltigen Vision verpflichtet. Die Vorgehensweise des Unternehmens berücksichtigt die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen unserer Zeit. Das Ziel ist dabei immer, durch die Gestaltung lebenswerter und zukunftsfähiger Projekte langfristigen Mehrwert zu schaffen und zum Wohlbefinden aller beizutragen. Neben Greencity realisiert Losinger Marazzi in der ganzen Schweiz weitere nachhaltige Quartiere und Stadtteile, zum Beispiel das Ende 2015 fertiggestellte Erlenmatt West in Basel oder Im Lenz in Lenzburg. Beide sind als 2000-Watt-­Areale vom Trägerverein Energiestadt zertifiziert.

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Greencity ist mit seinen Energie- und ­Umweltzielen in der Stadt Zürich gut abgestützt und gilt als einer der Leuchttürme bei der Umsetzung des Volksentscheids zur 2 000-Watt-Gesellschaft aus dem Jahr 2008. Mit einer grossen Mehrheit von 76.4 Prozent stimmten die Zürcherinnen und Zürcher damals Ja zu einer nachhaltigen Entwicklung und insbesondere zur 2 000-Watt-Gesellschaft. Konkret heisst das, dass Zürich seinen Energieverbrauch auf 2 000 Watt pro Person senken und ­seinen CO2-Ausstoss bis 2050 auf eine Tonne pro Person und Jahr reduzieren will sowie erneuerbare Energien und Energieeffizienz fördert und seine Beteiligungen an Atomkraftwerken nicht erneuert.

VON DER ETH ZÜRICH ENTWICKELT Ziel der 2 000-Watt-Gesellschaft ist eine nachhaltige Nutzung der Ressourcen und Energieträger und deren global gerechte Verteilung. Nachhaltig heisst, dass der weltweite Energiekonsum nicht zunehmen darf. Zudem müssen die Treibhausgasemissionen so weit reduziert werden, dass die Klimaerwärmung auf plus zwei Grad Celsius begrenzt werden kann. Global gerecht heisst, dass allen Menschen gleich viel Energie und gleich viele Treibhausgasemissionen zustehen. Entwickelt wurde das Konzept der 2000-Watt-Gesellschaft in den Neunzigerjahren an der ETH Zürich im Rahmen des Programms Novatlantis. Bis heute haben sich zahlreiche Behörden, von der lokalen Ebene bis zum Bundesrat, zum Ziel der 2000-Watt-­ Gesellschaft bekannt.

FELIX MÜLLER FMKomm betreut für Losinger Marazzi die Medienstelle Greencity. www.greencity.ch


ARCHITEKTUR

GUTAUSSEHEND UND PRAKTISCH DIE ÜBERRASCHENDEN UND PASSENDEN FIRMENGESCHENKE Firmengeschenke sind oft fantasielos und passen nicht zur Branche. Es geht aber auch ganz anders. Das Unternehmen Diametral wartet mit spannenden Produkten auf, die zur Branche passen und auf denen dazu zielgenaue Botschaften platziert werden. Wir stellen ein Exemplar vor.

D

er Leuchtmeter (Leuchtmeter 3.0 LM) ist eine WELTNEUHEIT! Er kombiniert einen hochwertigen KunststoffGliedermassstab mit einer integrierten ­L ED-Beleuchtung. Er ist ein langlebiges Hightech-Produkt. Mit einer Länge von zwei Metern wird er aktuell zur «längsten Taschenlampe» der Welt. Mit ihm ist das ­Arbeiten in schlecht beleuchteten Räumen oder an unzugänglichen Stellen wie zum Beispiel hinter Heizungen, Schränken, in Schächten, Motoren, Maschinen kinderleicht. Haarrisse in Rohren können punktgenau sichtbar gemacht werden.

Abgeknickt und leuchtend kann er in die Brusttasche oder Hosentasche gesteckt werden, und man hat beide Hände frei zum Arbeiten. Die LED-Beleuchtung wird bei acht Zentimeter an einem fühlbaren Punkt anund abgeschaltet. Um eine bestmögliche Energieeinsparung zur erreichen, besitzt der Leuchtmeter eine Elektronik mit Abschaltautomatik nach fünf Minuten. Mit diesem Produkt leuchten die Augen der Kunden! Neu: jetzt auch mit integriertem NeodymMagnet im ersten Glied, um Schrauben, ­Nägel, Werkzeuge aus Schächten, Motoren oder Maschinen herauszuholen.

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© Fotos: Gasser Fassadentechnik AG, St. Gallen

ARCHITEKTUR

Fassaden aus Terracotta faszinieren farb- und formtechnisch und verleihen der Gebäudehülle eine einzigartige Optik.

Die Fassaden sind mit Terracotta-Riemen horizontal verkleidet.

ZEICHEN SETZEN MONOLITHISCHE ZWILLINGE von Patricia Brandeville

Am Rande eines gutbürgerlichen Wohnquartiers in einer Vorortsgemeinde von Basel ragen zwei formschlüssige Gebäude heraus, die zusammen eine markante monolithische Einheit bilden. Die beiden «Häuser Adrina» überzeugen durch ihre klare Geometrie, die durch die aussergewöhnliche Gebäudehülle zusätzlich betont wird.

A

ls Teil der Agglomeration Basel ­geniesst Oberwil die Nähe zur Stadt und bietet dennoch die Ruhe einer ländlichen Wohngemeinde. Einerseits hängt das Dorf an den städtischen Siedlungsstrukturen und hat viel Bausubstanz, welche die ungebremste Entwicklung der 70er- und 80er-Jahre dokumentiert. Andererseits finden sich auch schöne, gut erhaltene Teile des alten Dorfes mit Riegelbauten, die zum bäuerlichen Leben gehörten. Das Wohnquartier Bertschenacker ist geprägt von einer Überbauung, die in den Jahren 1996 bis 2007 erstellt wurde. Das ganze

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Gebiet unterliegt einem Gestaltungsplan, der eine einheitliche Bebauung mit Satteldach und Ziegelbedeckung vorsieht.

MONOCHROM UND MONOLITHISCH Anders als die bestehenden Wohnbauten bestechen die beiden neuen «Häuser Adrina» durch ihre scharfkantige Kubatur. Die Kren Architektur AG aus Basel hat mit den beiden weissen Volumen die Öffnung des Quadranten gegen Osten durch die zweiteiligen und in der Materialisierung ­zurückhaltenden Baukörper sensibel relati-

viert. Es entstanden zwei unifarbene Einfamilienhäuser mit überdurchschnittlich grossen und präzise geschnittenen Öffnungen. Sie bilden eine Mikro-Nachbarschaft und stehen als Zwillinge auf einer gemeinsamen Plattform. Im Untergeschoss sind die beiden Gebäude miteinander verbunden und werden jeweils über die UnterniveauGarage erschlossen. Neben dem Veloabstellplatz befinden sich hier Hobbyraum, Keller und Haushaltsraum. Über eine Treppe vom Untergeschoss aus oder über den Haupteingang wird das Erdgeschoss erreicht, das jeweils ein Gäste-WC, die


ARCHITEKTUR

­ üche sowie Wohnen / Essen umfasst. Die K eigentliche Wohnfläche ist quadratisch und wird um einen gedeckten Aussensitzplatz erweitert, der in das Gebäudevolumen ­eingeschnitten ist. Die Plattform, auf der die beiden Häuser stehen, markiert mit ­ihrer Betonumrandung in subtiler Weise die Grenze von privatem und öffentlichem Aussenraum.

GEGENGLEICHE ANORDNUNG Die Grundrisse der beiden Einfamilienhäuser sind jeweils spiegelverkehrt angeordnet, sodass die Terrassen vor Einblicken des Nachbarn geschützt sind. Dort, wo sich die beiden Gebäude bis auf rund zwei Meter nahe kommen, ist die Fassade fensterlos. Im Gegensatz dazu lassen zur Terrasse hin raumhohe und über drei Viertel der Gebäudebreite verlaufende Glasschiebetüren ­Tageslicht bis weit ins Gebäudeinnere ­fluten. Wohnen und Essbereich gruppieren sich zur Terrasse hin, hinter einer Trennwand befinden sich Eingang und Entree, die Gästetoilette sowie die Küche und das Treppenhaus. Im darüber liegenden Obergeschoss – die private Ebene – liegen drei Schlafzimmer, zwei Bäder und Ankleideräume. Im Dachgeschoss befinden sich jeweils ein Studio, ein Bad sowie ein Reduit. Die Materialisierung der Innenräume ist generell sehr zurückhaltend gestaltet. Wände und Decken sind in neutralem Weiss gestrichen. Ebenso sind Einbauschränke und ­Türen weiss gehalten. Dies ermöglicht den Bewohnern viel Freiraum für die individuelle Möblierung sowie für ein ganz persönliches Formen- und Farbenrepertoire. Der Boden des Wohnbereiches sowie die Treppe sind in Jurakalkstein konzipiert, die Schlafräume setzen sich mit einem Nussbaumparkett ­bewusst ab. Die Bäder sind kontrastreich in Schwarz-Weiss gehalten; Boden und Ablageflächen sind in schwarzem Naturstein (Nero Assoluto), die Wände mit weissem Glasmosaik belegt oder verputzt ausgeführt.

Neben der klaren räumlichen Gestaltung des Innern ist es insbesondere auch die Gebäudehülle, die die beiden Gebäude ausser­ gewöhnlich macht. Einerseits betont die durchgehende, formschlüssige Fassade, die ohne jegliche Absätze oder Rücksprünge auskommt, das sauber geschnittene ­Gebäudevolumen. Andererseits unterstreichen die Wahl und die Verarbeitung des ­Fassadenmaterials das klar ablesbare geometrische Volumen der Gebäudeform. Die gesamte Gebäudehülle ist einheitlich mit grossformatigen profilierten Fassadenelementen aus Terracotta-Riemen horizontal verkleidet. Die Gebäudeecken und Kanten sind scharfkantig ausgebildet, die Fensteröffnungen zeichnen sich durch klare Metallkanten bewusst ab. Das Material der Terracotta-Riemen ist natürlich strukturiert und steht mit seinen 1 150 m2 Oberfläche in Kontrast zur klaren Linienführung des ­G ebäudevolumens. Zugleich nimmt der monolithische Baukörper mit seiner hellen Farbgebung Bezug auf die Fassaden der bestehenden Bauten des Quartiers.

NATURFASSADEN, DIE BESTECHEN Die Terracotta-Fassade wurde von der Gasser Fassadentechnik AG aus St. Gallen geplant und geliefert. Sie verbindet urbane Tradition mit modernster Technologie. Die ausschliesslich mit Terracotta hergestellten und unverwechselbaren Naturtonfassaden überzeugen Architekten und Kunden weltweit. Fassaden aus Terracotta faszinieren nicht nur farb- und formtechnisch durch ihre einzigartige Optik der Gebäudehülle, auch die technische Umsetzung, die dahintersteckt, ermöglicht ein vielseitiges Spektrum an technischen und optischen Raumlösungen. Die Elemente sind eine spezifische Serie der TERRART-Fassaden. Diese Technik gewährt vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten in der Fassadenstruktur und überzeugt durch natürliche und nachhaltige Materialien, welche die unverwechselbare linienbetonte Optik definieren. Brenntechniken erlauben es, praktisch alle Vorgaben für Farben und Oberflächenstrukturen nach genauen Standards zu erfüllen, wodurch in der TerracottaFassadengestaltung neue Massstäbe gesetzt werden. Bei den Oberflächen ist ein breites Spektrum möglich, zum Beispiel natur, geschält, gekämmt, geschliffen. Die Terracotta-Riemen wurden im Querschnitt so konzipiert, dass die fertige Fassade eine

geschuppte Überdeckung darstellt, ähnlich einer Stülpschalung. Als Unterkonstruktion wurde das ATK102-System gewählt. Diese erlaubt es, dass die einzelnen Platten ohne grossen Aufwand nachträglich ein- und ausgebaut werden können. Bei dem Projekt «Häuser Adrina» wurde die gesamte Unterkon­ struktion vormontiert. Das heisst: Alle Halteklammern sind auf die genaue Position geplant und befestigt worden. Die ­intelligente Unterkonstruktion sowie die Vormontage ermöglichten eine sehr schnelle und wirtschaftliche Ausführung, sowohl für die Fassade wie auch für das Dach. Was die «Häuser Adrina» aussergewöhnlich macht, ist die über die seitlichen Fassaden bis übers Dach zum Giebel verlaufende einheitliche Gebäudehülle: Die Fassade aus hellen Terracotta-Riemen wird streng geometrisch über die bündigen Dachflächen gezogen. Die beiden Zwillingshäuser nutzen ihre Fassade, um ganz bewusst die klare Formgebung zu unterstreichen und den Fokus auf die wenigen, jedoch grossen Öffnungen zu legen.

DIE VERANTWORTLICHEN VON «HÄUSER ADRINA» Architekten: KREN Architektur AG, Basel Verleger: M. Wüthrich Zimmermann GmbH, Zunzgen Systemlieferant Fassadenbekleidung und -unterkonstruktion: Gasser Fassadentechnik AG, St. Gallen Unterkonstruktions-Aufbausystem: BWM ATK 102 Bekleidung: Terracotta, NBK TERRART®-Produkte

PATRICIA BRANDEVILLE ist freie Autorin. www.kren.ch www.gasserfassadentechnik.ch

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ARCHITEKTUR

PROJEKT MIT VORZEIGECHARAKTER DER WEGWEISENDE NEUBAU EINES SPITALS FÜR ALTERSMEDIZIN von Peter Rahm

© Visualisierungen: wörner traxler richter planungsgemeinschaft mbh, Levin Dolgner

Bis zum Sommer 2018 entsteht auf dem Felix-Platter-Areal in Basel ein neues Spital für Altersmedizin. Mit der Realisierung des siegreich aus einem zweistufigen Gesamtleistungs-Wettbewerb hervorgegangenen Projekts der Arbeitsgemeinschaft ARGE HandinHand soll das Spital «in neue Sphären abheben», so die Worte der Spitalleitung. Der folgende Beitrag verdeutlicht die neuen Dimensionen.

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Die Architektur des Neubaus soll die Altersmedizin der Zukunft unterstützen.


ARCHITEKTUR

D

as 200 Millionen Franken teure Projekt ist aber auch eines der ersten BIM-Projekte der Schweiz. Unter dem Begriff Building Information Modeling (BIM) wird im Bauwesen weltweit der Weg zur Digitalisierung der Prozesse in Projektierung, Planung, Ausführung und Dokumentation beschritten. Zu erwarten ist, dass es in Zukunft keine Bauprojekte mehr geben wird, die nicht mit BIM geplant werden, so wie es heute praktisch keine Projekte mehr gibt, die mit Tusche gezeichnet werden. Das auf Altersmedizin spezialisierte FelixPlatter-Spital ist nach dem Universitätsspital Basel das zweitgrösste Spital der Stadt. Das Unternehmen beschäftigt rund 850 Mitarbeiter und ist seit Januar 2012 verselbstständigt. Jedes Jahr werden rund 3 000 Patientinnen und Patienten behandelt. Doch die im Jahr 1967 erstellten Spitalgebäude genügen den heutigen baulichen und ­betrieblichen Anforderungen nicht mehr. Im April 2013 publizierte die Bauherrschaft aus diesem Grunde einen zweistufigen Gesamtleistungs-Wettbewerb für den «Neu­ bau Felix-Platter-Spital, Basel». Ziel des ­G esamtleistungs-Wettbewerbs war ein ­finanziell tragbarerer Spitalneubau, welcher optimale Prozesse zulassen, wirtschaftliche Betriebs- und Unterhaltskosten generieren, architektonisch hochstehend ist sowie innerhalb des Projektperimeters ein Erweiterungspotenzial ausweist. In der anonym gehaltenen ersten Stufe des Wettbewerbs reichten bis Ende August 2013 insgesamt neun Teams ihre Dossiers ein. Das Beurteilungsgremium bewertete in der Folge Qualität und Wirtschaftlichkeit der eingereichten Vorschläge und legte der Bauherrschaft vor, welche Projekte ein gutes Potenzial für die Projektkonkretisierung aufweisen und welche Teams zur Teilnahme an der zweiten Stufe des Wett­ bewerbs eingeladen werden sollten. Die Bauherrschaft entschied sich im November 2013, vier Teams zur nächsten Stufe einzuladen. Im Dezember 2014 stellte die Bauherrschaft das Siegerprojekt «HandinHand» offiziell vor. Hinter dem Neubauprojekt steht ein Konsortium aus schweizerischen und deutschen Firmen: ARGE BAM Swiss AG / BAM Deutschland AG / Marti Generalunternehmung AG Bern, dazu wörner traxler richter planungsgemeinschaft mbh mit Holzer Kobler Architekten, Health Company Dresden GmbH und club L94 Land-

schaftsarchitekten GmbH. Am 26. März 2015 hat die ARGE HandinHand alle Unterlagen zu Erlangung der Baubewilligung eingereicht und hofft, ab Ende Juli 2015 mit den Bauarbeiten starten zu können.

SPITAL FÜR DIE ZUKUNFT Anlässlich der Präsentation des auserkorenen Siegerprojektes im Dezember 2014 ­formulierte die Spitalleitung ihre grossen ­Erwartungen an das künftige Spital mit folgenden Worten: «Ich hoffe, das Spital wird mit dem Neubau in neue Sphären abheben», so die Aussage von Verwaltungsrat Peter Tschudi. Weiter war die Rede von «Altersmedizin der Zukunft» und einer «einzigartigen Institution mit Modellcharakter». Auszeichnen soll sich der Neubau unter anderem durch kurze Wege und auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete Räume. «Alte Menschen sind unsere Patienten, für sie ­planen wir ein attraktives Ambiente», sagt Spital-Direktorin Ursula Fringer. Der viergeschossige Neubau befindet sich auf einer rund 18’000 Quadratmeter grossen Teilfläche des insgesamt 53’000 Quadratmeter umfassenden Spitalareals. Die Zahl der Betten wird gegenüber dem aktuellen Stand um 90 auf 240 reduziert. Vorgesehen sind ausschliesslich Doppelzimmer. Bereits heute gilt das Felix-Platter-Spital als führendes universitäres altersmedizinisches Zentrum der Nordwestschweiz. Im Neubau ­können erstmals alle Leistungen unter einem Dach angeboten werden. Neben der stationären und ambulanten Pflege sowie der Lehre und Forschung mit den drei Stand-

beinen Kognition, Mobilität und Ernährung werden auch örtlich das Basel Mobility Center und die Memory Clinic ins neue Spital eingebunden. Am 1. Juli 2018 soll es nach rund dreijähriger Bauzeit eröffnet werden. Die veranschlagten Kosten inklusive aller Inneneinrichtungen ­belaufen sich auf 200 Millionen Franken. Davon stehen 80 Millionen Franken als Eigenkapital zur Verfügung, der Rest wird über den Kapitalmarkt finanziert. Die Bauherrschaft hatte sich vorab zum Ziel gesetzt, das Spital in der Schweiz zu bauen, welches mit den vorhandenen beziehungsweise refinanzierbaren Finanzmitteln erstellt und betrieben werden kann. Entsprechend klar waren im Wettbewerb auch die diesbezüglichen Vorgaben formuliert.

SIEGREICHES PROJEKT Das Projekt «HandinHand» besticht einerseits durch die subtile architektonische und städtebauliche Ausformulierung. Es ist ein genaues Passstück im Schnittpunkt von Wohnquartier, öffentlicher Infrastruktur und der Architektur-Ikone des alten FelixPlatter-Spitals. Andererseits verspricht das neue Spital eine gute Aufenthaltsqualität für die Patienten mit einem attraktiven Aussenbezug. Zwischen Spitalneubau und dem bestehenden Felix-Platter-Spital ist ein öffentlich zugänglicher Park geplant, der auch eine spätere Umnutzung des Areals des heutigen Spitals berücksichtigt. Die Struktur der einzelnen Nutzungseinheiten sowie die Organisation von Pflegestationen und Supportdiensten beziehungsweise

Virtuelle Planung und Bausimulation in den Alltag von Architektur und Bau einfliessen lassen. (Raummodell Allplan Allfa)

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ARCHITEKTUR

SOFTWARE UNTERSTÜTZT Im zweistufigen Gesamtleistungs-Wettbewerb für den Spitalneubau in Basel hat das Siegerteam BAM Swiss und Marti Holding AG gemeinsam mit den federführenden Architekten wörner traxler richter in Arbeitsgemeinschaft mit Holzer Kobler Architekturen die vom Bauherrn definierten Vorgaben an eine Projektumsetzung mit BIM mit Unterstützung der BIM-Software Allplan umgesetzt. Als intelligente und leistungsfähige Plattform ist Allplan die perfekte Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung der Methode BIM. Für die Kommunikation und den Datentransfer mit anderer Software stehen dem Anwender mehr als 50 Dateiformate, darunter auch das Import / Export-zertifizierte Austauschformat IFC (Industry Foundation Class) für den Austausch von 3-D-Modellen, zur Verfügung. Dies ermöglicht eine reibungslose, interdisziplinäre Zusammenarbeit von Architekten, Ingenieuren, Kostenplanern, Bauunternehmern und Facility-Managern.

Die Software ermöglicht die direkte Anbindung an das Facility Management. (Flächenschema Allplan Allfa)

Verwaltung ermöglichen eine grosse Flexibilität für künftige Nutzungsanpassungen. Bei Bedarf könnte der Neubau schon heute oder auch erst zu einem späteren Zeitpunkt problemlos um eine Etage ­aufgestockt werden. So gäbe es Räumlichkeiten für zwei weitere Stationen mit je 40 Betten. Aber auch das Innenleben des neuen ­S pitals mit über 1 370 Räumen hat das siegreiche Projekt mit möglichst hoher Flexibilität geplant, um bei möglichen Veränderungen der Ansprüche in den kommenden 30 bis 40 Jahren auf einfache Weise die erforderlichen Anpassungen vornehmen zu können.

PROJEKTVORGABE BIM Was in anderen Ländern gesetzlich bereits vorgeschrieben ist, steht in der Schweiz erst am Anfang: die Digitalisierung der Prozesse in Planung, Ausführung und B ­ etrieb mit Building Information Modeling (BIM). Dieser Begriff wurde vor gut 20 Jahren eingeführt und gilt heute als «Werkzeug» der Zukunft. BIM hat die Aufgabe, alle Bauinformationen über das Bauwerksmodell und die Teilmodelle zu koordinieren. So kann sich jeder auf die für ihn

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r­ elevanten Informationen und Darstellungen konzentrieren. Wichtig ist nur, dass alle zusammen arbeiten können und immer auf dem gleichen Informationsstand sind. Das erreicht BIM. Zu den ersten BIM-Projekten in der Schweiz zählt der Neubau Felix-PlatterSpital. Der Projektleiter des Spitalneubaus, Jean-Luc Perrin, setzt als Vertreter des Bauherrn von Anfang an auf den Einsatz von BIM. Als einer der Pioniere von BIM in der Schweiz bringt Perrin den Nutzen einer virtuellen Planung und Bau­ simulation mit der folgenden Aussage auf den Punkt: «Benutze die Maus statt den Presslufthammer.» Weiter vertritt er die Meinung, dass BIM für die Projektentwicklung, -realisierung und -dokumen­ tation von (Spital-)Bauprojekten heute zwingend ist. Welchen wirtschaftlichen Nutzen BIM bringen kann, zeigt das Beispiel Grossbritannien, wo der Einsatz von BIM bei öffentlichen Grossprojekten bereits heute Pflicht ist. Gemäss Schätzungen hat die britische Regierung dank BIM bis heute rund zwei Milliarden Euro einsparen können. Zudem konnten zwei Drittel der Projekte termin- und budgetgerecht fertiggestellt werden.

Diese Aussage bestätigt auch Dirk Hennings, Geschäftsführer von BIMwelt GmbH. Er hat den BIM-Prozess für das Felix-­ Platter-Spital im Auftrag von wörner traxler richter an vorderster Front begleitet. «Dank des Einsatzes von Allplan Allfa, der bidirektional mit Allplan verknüpften Software­ lösung für infrastrukturelles und technisches Facility Management, konnten wir die umfangreichen Anforderungen des Bauherrn effizient umsetzen.» Allplan Allfa ermöglicht die komfortable Verwaltung der Raumattribute sowie eine Kontrolle der zu erwartenden Unterhaltskosten. Die direkte Anbindung an das Facility Management steht ganz im Sinne des Building Lifecycle Management. Denn Informationen über die technische Wartung sowie die Kontrolle der Unterhaltskosten, welche die Baukosten um ein Mehrfaches übersteigen, müssen später über die gesamte Lebensdauer ­einer Immobilie für alle Beteiligten einfach zugänglich sein. ANMERKUNG © Allplan Schweiz AG, Wallisellen ZH, www.allplan.com

PETER RAHM ist freier Journalist aus Gossau ZH. www.felixplatterspital.ch


ON TOUR 2016 / 17

e il v

ARCHITEKTUR

Bradford College, UK I Bond Bryan Architects I www.bondbryan.com

BIM ARENA LUZERN ZÜRICH BASEL BERN ST. GALLEN

BIM ist eine grosse Herausforderung. Als Pionier in der BIM-Forschung teile ich gerne mit Ihnen mein Wissen und meine Erfahrungen zur BIM-Methode.

MODERATOR Prof. Manfred Huber, dipl. Arch. ETH SIA Professur für Digitales Entwerfen und Bauen FHNW

«LIVE», WIE MIT BIM GEARBEITET WIRD. MEIN BIM-MODELL UND DIE ANDEREN

BIM-EINFÜHRUNG Was braucht es um für die Zukunft „ready for BIM“ zu sein?

PLANUNGSPROZESS MIT BIM BIM als Anreiz und Schlüssel für eine möglichst effiziente Planung.

Marcel Wyss

Dipl. Architekt MA FH CAS Architektur AG

SIA-NORMENWERK UND BIM Was leistet das Merkblatt SIA 2051 BIM und die dazugehörige Dokumentation? Prof. Manfred Huber

Dipl. Arch. ETH SIA Professur für Digitales Entwerfen und Bauen FHNW

MODELLKONTROLLE Welche Software brauchen wir für die Prüfung der Modelle? Dominique Blaser

BIM-Produktmanager IDC AG

Urs Huber und Raman Misinovic Dipl. Architekten FH fsp Architekten AG

NOVEMBER 2016

SEPTEMBER 2016

MEIN BIM-MODELL UND ICH

BIM ALS ERFOLGSSCHLÜSSEL FÜR INVESTOREN UND BAUHERREN BIM-WETTBEWERB «AUSSCHREIBUNG» Was sind die Vorteile einer BIM-Ausschreibung? Andreas Kohlhaas Dipl. Phys. GSP Network GmbH

BIM: MEHR MODELL ODER MEHR PROZESS? Dass BIM ein Prozess ist, bei dem digitale Bauwerksmodelle zur Anwendung kommen ist mittlerweile etabliert. Wen betrifft jetzt was mehr? Prof. Manfred Huber

Dipl. Arch. ETH SIA Professur für Digitales Entwerfen und Bauen FHNW

OPEN BIM UND IFC Was bedeutet OPEN BIM und IFC? Peter Breitenmoser Senior Consultant IDC AG

JANUAR 2017

ERFAHREN SIE

VERLAGERUNG DER INFORMATIONEN IM PLANUNGS- UND BAUPROZESS Verursacht die Informationshaltung in Modellen einen höheren Aufwand? Prof. Manfred Huber

Dipl. Arch. ETH SIA Professur für Digitales Entwerfen und Bauen FHNW

BIM-WETTBEWERB «UMSETZUNG» Gibt es architektonische Potentiale im Wettbewerbsprozess durch BIM? Sven Kowalewsky Dipl. Ing. Architekt jessenvollenweider architektur ag

WEITERE INFORMATIONEN UND ANMELDUNG:

http://www.idc.ch/bim-live-arena www.idc.ch


© Eibe Soenneken

ARCHITEKTUR

BDA ARCHITEKTURPREIS «MAX40 – JUNGE ARCHITEKTEN 2016» 6. Juli – 16. Oktober 2016 Eine Ausstellung des Bund Deutscher Architekten BDA im Lande Hessen e.V., Frankfurt am Main im Deutschen Architekturmuseum (DAM)

Preisträger 01 Quartierszentrum Ringheim, Grossostheim: o5 architekten BDA – Raab Hafke Lang, Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke, Ruben Lang, Frankfurt am Main (D).

«MAX40 – JUNGE ARCHITEKTEN» NEUER ARCHITEKTURPREIS von Georg Lutz

Der Bund Deutscher Architekten (BDA) hat einen Wettbewerb für junge Architekten organisiert. Die Preisträger von «max40 – Junge Architekten 2016» sind jetzt im Deutschen Architekturmuseum (DAM) in Frankfurt am Main (D) zu sehen.

A

uch bei den Architekten haben Neueinsteiger einen schweren Stand. Sie müssen sich erst einen Namen erarbeiten. Daher ist das Schaffen von öffentlichen Plattformen begrüssenswert. Mit dem Preis im Rahmen von «max40 – Junge Architekten 2016» macht der BDA auf die Arbeit von jungen Architekten in Deutschland aufmerksam und fördert die Auseinandersetzung um gute Architektur, die durch die Ideen, Konzepte und Lösungen junger Kollegen bereichert

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wird. Der Preis steht für das Selbstverständnis des BDA, für funktionale, räumliche und ästhetische Qualitäten im Sinne von Bauherrn, Nutzern und Bürgern einzutreten und gute Architektur bekannt zu machen. Die von der Jury anerkannte hohe Qualität der eingereichten Arbeiten stand einer Teilnehmerzahl gegenüber, die sichtbar macht, wie schwer es für junge Architekturbüros in Deutschland ist, eine Bauaufgabe über-

tragen zu bekommen. Es müssten daher, so die Juryvorsitzende Susanne Wartzeck, «alle Anstrengungen unternommen werden, die Berufschancen für junge Büros zu verbessern». Allerdings sei zu befürchten, dass sich, insbesondere vor dem Hintergrund anstehender Gesetzesänderungen, wie der Neureglung des Vergaberechts, die Lage nicht verbessere. Die Begründungen der Jury sahen für die einzelnen Objekte wie folgt aus:


ARCHITEKTUR

Mit dem Quartierszentrum in Ringheim schufen die Architekten Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke und Ruben Lang einen Ort der generationenübergreifenden Begegnung, der sich durch seine klare tektonische Sprache und seinen selbstbewussten Ausdruck als Mittelpunkt auf dem Schulcampus zwischen Schule, Sportplatz und Turnhalle behauptet. Dabei wurde das Hauptvolumen – ein grosser Saal – zwischen zwei massive, geschlossene Baukörper eingespannt, in denen die dienenden Funktionen untergebracht sind. Der vielseitig nutzbare und unterteilbare Allzweckraum, der sich beidseitig mit einer raumhohen Verglasung zum Aussenbereich öffnet, ist in seiner Ästhetik von der Klarheit und Einfachheit der verwendeten Mate­ rialien, hell pigmentierten Holzwerkstoffplatten, Sicht-Zementstrich und Sicht­ betonstützen, geprägt. Die grossformatig verglasten Öffnungen sind von sieben ­tiefen Sichtbetonlaibungen gerahmt, die der Fassade ihren harmonischen Rhythmus geben. Durch die räumliche Tiefe dieser umlaufend abgeschrägten Betonwandungen wird das Relief der Fassade gestärkt und gleichzeitig eine Übergangszone zwischen Innen- und Aussenraum geschaffen. Sowohl die klare Tektonik als auch die disziplinierte Detaillierung sind Ergebnis einer grossen Sorgfalt und stärken in ihrer haptischen Qualität den baulichen Gesamtausdruck. Dem jungen Architektenteam ist es so gelungen, eine selbstverständliche wie identitätsstiftende Architektur zu schaffen, die im Einklang mit der Bauaufgabe steht. (Für die Jury: Professorin Lydia Haack)

STUDIO RAUCH ARCHITEKTUR Stephan Rauch, München Doppelhaus in Moorenweis. Bestechend einfach, unaufgeregt, angemessen. Mit diesen Attributen lässt sich das Doppelhaus in Moorenweis bei einer ersten Annäherung beschreiben. Eine schwarze Perle im Einerlei der zahllosen Siedlungsgebiete mit gesichts- und charakterlosen Wohn- und Schlafstätten. Ein Haus, das selbstverständlich auf dem Grundstück steht, sich behauptet – trotz seiner ruhigen und einfachen Erscheinung – oder gerade deswegen. Ein be-

merkenswertes Beispiel, wie in der Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen des Bauherrn und den örtlichen Bauvorschriften etwas Besonderes entstehen kann. Stephan Rauch hat mit den Vorgaben des Bebauungsplanes nicht gehadert, sondern diese als Chance erkannt. Die beim flüchtigen Hinsehen bisweilen irritierende Wirkung der spiegelsymmetrischen Giebelfassade verleiht dem Gebäude etwas Spannungsvolles. Die äussere Erscheinung macht neugierig auf das Innenleben. Das, was das Äussere verspricht, wird innen in gleicher Qualität und Anmutung fortgesetzt. Mit wenigen und einfachen Mitteln wird über die beiden Hauptwohngeschosse hinweg eine spannungsvolle Raumabfolge geschaffen, mit interessanten Durch- und Ausblicken. Zusammengefasst: Wohnen pur! Der Architekt und der Bauherr sind für das ­gelungene Werk zu beglückwünschen! Alles in allem ein sehr erfrischender Architekturbeitrag, auch über den Preis hinaus ein Plädoyer für die Unbefangenheit, mit der man sich dem eher alltäglichen Thema des Doppelhauses nähern kann. (Für die Jury: Markus Lanz)

SU UND Z ARCHITEKTEN Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski, München Pavillon für Kinder, München. Das kleine Nebengebäude für eine Kindertagesstätte in München bietet Abstellmöglichkeiten für Spielgeräte und einen Sanitärraum, nah bei den Aussenspielflächen. Gleichzeitig entsteht ein überdachter Freiraum, der vor Regen und Sonne schützt. Den Entwurfsverfassern gelingt es, aus dieser Bauaufgabe aufgrund der Materialwahl und den sehr präzisen Fügungen ein kleines Schmuckstück zu entwickeln. Massstäblich und geradezu selbstverständlich setzt sich der Baukörper aus Holz in die Freianlagen der Kita. Ein seitlicher Zugang über eine Rampe und eine Öffnung zum Westermühlbach stellen feine räumliche Bezüge her. Die leicht erhöhte Plattform kann als Sitzgelegenheit oder zum Spielen genutzt werden. Der überdachte Einschnitt öffnet sich zu den Freiflächen und bildet ­einen kleinen Bühnenraum aus. Die Jury überzeugt der gewissenhafte Umgang mit dieser kleinen Bauaufgabe, und sie hofft, dass dieses gelungene Beispiel eines ­Nebengebäudes Schule macht! (Für die Jury: Susanne Wartzeck)

© Florian Holzherr

Joachim Raab, Jan-Henrik Hafke, Ruben Lang, Frankfurt am Main Quartierszentrum Ringheim, Grossostheim.

Preisträger 02 Doppelhaus in Moorenweis (D): STUDIO RAUCH, Stephan Rauch, München. © su und z Architekten

O5 ARCHITEKTEN BDA

Preisträger 03 Pavillon für Kinder, München: su und z Architekten, Stefan Speier, Reinhard Unger, Florian Zielinski, München.

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© Michael Compensis, www.we-shoot-it.com

ARCHITEKTUR

Preisträger 04 Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München: tillicharchitektur, Kurt Tillich, München.

TILLICHARCHITEKTUR Kurt Tillich, München Produktions- und Bürogebäude Die Textilmacher, München. Der Gewerbebau, der die Produktionsund Büroflächen eines Unternehmens aus dem Bereich Stickerei und Textildruck beherbergt, ist eine wohltuende Ausnahme in einem überwiegend ungestalteten Industriegebiet im Münchner Norden. Der Baukörper nutzt seine exponierte Lage auf einem Eckgrundstück für den besonderen Auftritt: kraftvoll, selbstbewusst, eigen, aber nicht eitel oder gar geschwätzig. Der dreigeschossige Quader wird durch ein Gebäuderaster gegliedert, übergrosse Fensteröffnungen zeigen sein Innenleben. Die Sandwich-Fassadenmodule mit ihrer Schale aus poliertem, mattgrauem Beton wirken sauber zusammengefügt. Die «gefaltete» Oberfläche erinnert dabei ungezwungen an etwas Textiles. Durch Faltung lässt

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sich bekanntlich auch ein dünnes Material (etwa Blech) stabilisieren. Indem der Architekt diese konstruktive Technik mit einer Betonfassade illustriert, erhält der eigentlich schwere Bau etwas Leichtes – eine hintergründige Spielerei mit den visuellen und technischen Erfahrungen des Betrachters. Diese Doppeldeutigkeit, nicht zuletzt aber auch seine innere Grosszügigkeit und Flexibilität, machen das Gebäude zu einem beispielhaften Beitrag einer zeitgemässen Industriearchitektur. (Für die Jury: Nils Ballhausen)

BUERO WAGNER &  STUDIO_KREFT Fabian A. Wagner, Herrsching am Ammersee und Andreas Kreft, München Bar Gamsei, München. Auch wenn die kleine Cocktailbar Gamsei mit ihrer besonderen Philosophie der Ver-

arbeitung von Naturprodukten nur zwei Jahre im Glockenbachviertel in München existieren konnte, so haben die Architekten Fabian A. Wagner und Andreas Kreft im Jahr 2013 mit ihrer Innenraumarchitektur doch einen ganz besonderen Ort geschaffen, den die Jury des BDA mit e ­ inem Preis auszeichnen möchte. Die Cocktailbar überzeugt neben ihren guten Details und sauberen Fügungen mit einer konsequenten Integration unterschied­licher Funktionen in ein Gestaltungskonzept. Die Atmosphäre des Raumes mit seiner ungewöhnlichen Nutzungsidee ist geprägt von einer klaren Linienführung, Ordnung und Reduktion auf das Wesentliche, ohne dabei monoton oder steril zu wirken. Vielleicht haben beim Einsatz des regionalen Eichenholzes Analogien zur Tradition bayrischer Wirtshäuser durchaus eine Rolle gespielt. Nachvollziehbar wurde handwerkliches Können genutzt und in eine moderne, eigenständige und


© Jann Averwerser, www.jannaverwerser.com

ARCHITEKTUR

innovative Sprache übersetzt, die der Aufgabe einer Bar gerecht wird und dem Raum seine besondere Atmosphäre verleiht. Die selbst hergestellten Produkte der Cocktailbar werden dabei optimal in Szene gesetzt. Hier «hängt der Himmel nicht voller Geigen», aber die Decke voller weisser Keramikflaschen mit den selbst hergestellten Likören und Essenzen. Sowohl im Zusammenspiel der Materialien als auch in der hochwertigen Verarbeitung werden die subtile Gesamtkonzeption und eine sorgfältige Planung erkennbar und geben dem Ort seinen unverwechselbaren Charakter. (Für die Jury: Professorin Andrea Wandel)

MAX OTTO ZITZELSBERGER München Sanierung historischer Stadel, Kneiting.

© Simon Jüttner / Sebastian Schels, www.pk-odessa.com

Preisträger 05 Bar Gamsei, München: BUERO WAGNER, Fabian A. Wagner, Herrsching am Ammersee und STUDIO_KREFT, Andreas Kreft, München.

Eine Scheune am Dorfrand von Kneiting, in der Nähe von Regensburg gelegen. Ein ganz normaler Holzstadel, der nichts weiter sein will als eben ein Holzstadel. Aber was für einer. Ein vorhandenes, noch intaktes Satteldach mit roten Ziegeln. Eine Holzkonstruktion, leicht ergänzt und auf ein neues Fundament gehoben. Mit einer neuen Fassade. Einerseits gefügt wie früher, andererseits verbrettert auf ungewöhnliche, zeitgemässe, gar grossstädtische Art. Schattenwerfende, ungewöhnlich kurvig abgeschnittene Querbretter gliedern die Wetterseite. Mit horizontalen Unterteilungen, die es erlaubten, dass die Bretter nicht zu lang sein brauchten, sodass kürzere und damit billigere Bretter verwendet werden konnten. Die Bretter mit kleinen Fugen erlauben eine gute Durchlüftung. Das kleine, normale und doch ganz und gar ungewöhnliche Werk steht für das erste Haus eines jungen Architekten. Noch ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter bei Prof. Florian Nagler. Aber schon bald werden wir uns seinen Namen merken müssen. So viel handwerkliche, fast romantische Poesie der Fügungen sieht man selten. Und das ist ganz gross! (Für die Jury: Peter Cachola Schmal)

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. Preisträger 06 Sanierung historisches Stadl, Kneiting: Max Otto Zitzelsberger, München.

www.dam-online.de

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NACHHALTIGES WASSERPARADIES UMWELTFREUNDLICHE LÖSUNGEN FÜR KLAREN GARTENTEICH von Georg Lutz

Unser Planet wird nicht ohne Grund als «blauer Planet» bezeichnet. Wasser bedeckt eine Fläche von über 70 Prozent dieser Erde. Wir verdanken dem Wasser unsere Existenz. Das Thema Wasser transportiert viele symbolische positive Bedeutungen. Reinheit, Weisheit oder Tugend lauten die Stichworte. Im Wasser wollen wir Entspannung und Gelassenheit finden. Leider hat der Homo sapiens dem Wasser auch schon schwer zugesetzt. Unsere Binnengewässer haben wir in den letzten Jahren in Teilen wieder mehr Qualität zuführen können. Die Meere sind aber weiter eine Müllkippe. In unserem Garten können wir die positiven Verhaltensweisen, die dem Wasser helfen, mit wenigen Mitteln umsetzen. Ein Teich ist eine kleine Ruheoase, die das Leben im Garten nachhaltig aufwertet. Ein Teich mit Fischen und Pflanzen braucht aber Pflege. Leider steht oft noch die «chemische Keule», beispielsweise gegen Algenwachstum, im Vordergrund Es geht aber auch anders, und inzwischen haben viele Hersteller auf biologische Produkte umgestellt. Ausgabe 03/2016 // Seite 43


© Picturegarden | Rohner

© Picturegarden | Rohner

Rosafarbene Blütenwolken im Herbst: die klassische Japan-Herbstanemone (Anemone hupehensis).

Die Japan-Herbstanemone wirkt zart und filigran. Sie ist in Weiss, Rosa oder Purpur erhältlich und eignet sich auch zum Auspflanzen in den Garten.

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ZEICHEN SETZEN HERBSTLICHE BLÜTENPRACHT AUS DER OSTSCHWEIZ von Othmar Ziswiler

Im Laufe des Sommers haben sich in den Blumenbeeten und Balkonkästen einige Lücken eingeschlichen. Sie lassen sich mit Herbstblühern und dekorativen Gräsern der Marke «Säntispracht» aus Schweizer Produktion wieder füllen, damit auch die Wochen im Herbst bunt bleiben.

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ach den Sommerferien ist die Zeit reif, in den Blumenbeeten und auf dem Balkon noch einmal so richtig durchzustarten, damit es ums Haus bis weit in den Herbst hinein blüht. Lücken in der Bepflanzung, die während der vergan-

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genen Wochen und Monate entstanden sind, lassen sich jetzt mit den passenden Pflanzen wieder schliessen. Herbstlich bepflanzte Gefässe an der Haustüre sorgen für ein einladendes Bild. Idea-

lerweise sucht man sich Pflanzen aus, die ihre Endgrösse bereits erreicht haben, denn viel Zeit zum Wachsen bleibt ihnen nicht mehr. Sie müssen sofort nach dem Kauf repräsentieren und ihre Blütenknospen ­bereit sein, sich bald zu öffnen. So können


© Picturegarden | Rohner

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Repräsentative Pflanzenkugeln aus bizarren, ­stacheldrahtähnlichen Trieben, das ist das Markenzeichen des Silberkopfs (Calocephalus).

DER BRANCHENVERBAND Die Bastard-Schaumblüte (Heucherella) imponiert durch ihr ganzjährig herbstlich anmutendes Laub. Auch als Bodendecker geeignet.

sie ihre Wirkung auf der Terrasse und im Garten sogleich entfalten. Im Herbst wird die Pflanzenpracht etwas dezenter, aber keineswegs weniger spektakulär.

BEEINDRUCKENDES SORTIMENT Zum Angebot zählt eine Fülle an saisonalen Zierpflanzen, Blütenstauden und dekora­ tiven Gräsern in Einzeltöpfen. Dazu gehört das Purpurglöckchen (Heuchera und Heucherella) mit seinem attraktiven Blattschmuck ebenso wie Herbstanemonen (Anemone hupehensis) in Weiss oder Rosa. Ausserdem bieten sich filigrane Gräser, zum Beispiel der zurzeit angesagte Sterntänzer (Rhynchospora) und nicht zuletzt auch winterharte Gräser wie die Rutenhirse ­(Panicum) oder der Feinhalm-Chinaschilf (Miscanthus) an. Am spektakulärsten ist natürlich der Silberkopf (Calocephalus). Die Pflanze entwickelt sich äusserst gleichmäs-

sig wie eine Kugel, was doch sehr erstaunt, wenn man den bizarren Zickzackwuchs der drahtigen Triebe bedenkt.

VORTEILE EINHEIMISCHER PRODUKTION Die Marke «Säntispracht» steht für ein ausgewähltes Blumen-, Stauden- und Gräsersortiment in Grosstöpfen. Die stattlichen Pflanzen gedeihen am Fuss des Säntis auf rund 700 Metern über Meer und sind schweizweit im Fachhandel erhältlich. Sie behaupten sich während ihres Wachstums bei Wind und Wetter und sind dadurch viel robuster als im Gewächshaus gezogene Pflanzen. Das macht sie zu Hause besonders wertvoll: ob auf Balkon und Terrasse, im Garten oder vor dem Haus, «Säntis­ pracht»-Pflanzen bezaubern bis tief in den Herbst hinein. Wo «Säntispracht» drauf steht, ist also Schweizer Qualität und Robustheit «drin».

JardinSuisse ist der Branchenverband des Schweizer Gartenbaus. Ihm gehören 1 700 Betriebe des Gartenund Landschaftsbaus, der Topfpflanzen- und Schnittblumenproduktion, der Baumschulproduktion sowie des gärtnerischen Detailhandels an. Er bietet seinen Mitgliedern eine umfassende Palette an Dienstleistungen. Dazu gehören die Beratung, die Unterstützung bei der Werbung, die Zertifizierung von Produktionsbetrieben und vieles anderes mehr. Der Verband betreut zudem die gärtnerische Berufsbildung von der Grundausbildung bis zur Ausbildung zum Gärtnermeister.

OTHMAR ZISWILER ist verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit von JardinSuisse. www.säntispracht.ch www.jardinsuisse.ch

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Luce Elektro AG plant und realisiert effektvolle Lichtinszenierungen für Gärten, Parks, Wege, Ruhezonen, Terrassen, Innenhöfe, Pflanzen und architektonische Akzente.

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LUCE Elektro AG . Steineggstrasse 34 . 8852 Altendorf . Telefon 055 462 11 33 . Fax 055 462 27 51 . www.luce-elektro.ch


GARTEN

Konturen bekommen durch gezielten Lichteinfluss eine stärkere Wirkung.

Grünen Lösungen durch Lichteinfall zu mehr Bedeutung verhelfen.

STRAHLENDE AKZENTE SETZEN LICHTDESIGN IM GARTEN von Josef Hager

Der Aussenbereich braucht Licht. Durch eine effektvolle Lichtinszenierung können die Gartenräume sich in Orte der Entspannung und Inspiration wandeln. Es braucht aber professionelle Hilfe mit Erfahrung, um zu einer passenden Lösung zu kommen.

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icht ist mehr als nur einfache Helligkeit, bei dem ein Schalter umgelegt wird und ein Spot angeht. Licht prägt wie Wasser unser ganzes Leben. Dabei gibt es wie beim Wasser schlechte und gute Qualität. Was zeichnet nun gute Lichtqualität aus? Licht ist im optimalen Fall, und um nichts weniger geht es hier, das verbindende Spiel von Licht und Schatten. So entsteht die gewünschte Atmosphäre. Nachhaltige Lichtlösungen stehen im Einklang mit der Umwelt und strahlen sie nicht einfach an oder durch sie durch. Eine spannende Lichtatmosphäre hat die Menschen aller Epochen und Kulturen fasziniert und auch die Gartenbaukunst geprägt. Heute können wir mit modernster Technologie noch besser am Feinschliff arbeiten.

Ins richtige Licht gesetzt, wird jeder Garten zu einem einzigartigen Gesamtkunstwerk, in welchem Wege, Büsche, Bäume und Skulpturen sowie architektonische Akzente effektvoll betont werden. Gezieltes Lichtdesign lässt Konturen und Grenzen verschwimmen und macht jeden Garten optisch noch grosszügiger und räumlich füllender. Nach der Theorie kommt die Praxis. Auch in der operativen Arbeitsphase richtet sich das besondere Augenmerk auf die visuellen und funktionalen Aspekte. Dabei sind Probebeleuchtungen im Vorfeld ein wichtiger Baustein. Nach und nach entsteht so, im Dialog zwischen Natur und Technik, die geplante Lichtins­zenierung, individuell

automatisiert nach den Wünschen der Kunden der LUCE Elektro AG. Eine umfangreiche Prüfung der ­gesamten Anlage vollendet die Installationsarbeiten. Von nun an zeigt sich, sobald die Dämmerung eintritt, die ganze Schönheit im stilvollen Lichtglanz. Die LUCE Elektro AG profitiert von den vielfältigsten Erfahrungen aus vielen anspruchsvollen Gartenbeleuchtungsprojekten. Von der Planung bis zur Installation vereinen die Verantwortlichen bei ihren Kunden ästhetische und technische Merkmale zu einem überzeugenden Gesamt-Lichtdesign. Ob Gärten, Wege, Innenhöfe oder Dachterrassen: Über allem steht die Individualität des Projekts.

LUCE Elektro AG  |  Steineggstrasse 34  |  CH-8852 Altendorf  |  Tel. 0041 (0) 55 462 11 33  |  info@luce-elektro.ch  |  www.luce-elektro.ch

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© epr/Crazy Chair

GARTEN

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages lassen sich in einer Hängematte besonders entspannt geniessen.

LUXUS FÜR DAHEIM URLAUBSFEELING PUR IN HÄNGESESSELN UND HÄNGEMATTEN von epr / Georg Lutz

Die einen buchen eine Kreuzfahrt, um den Alltagsstress einmal ganz hinter sich zu lassen, die anderen entspannen lieber in den eigenen vier Wänden, im Garten oder auf dem Balkon. Doch ganz gleich, wo man seine Freizeit verbringt – für das perfekte Sommerfeeling bieten sich vor allem Hängematten und Hängesessel an. Denn sie punkten nicht nur durch ihre ergonomische Qualität, sondern sind auch eine Wohltat für Körper und Geist.

W

er dieses Jahr eine Seereise mit TUI Cruises oder AIDA Cruises geplant hat, sollte nicht versäumen, die eine oder andere Stunde in den hochwertigen Hängematten von Crazy Chair zu verbringen. Die inhabergeführte Manufaktur stattet beide Schiffe mit ihren rückenfreundlichen und wetterfesten Produkten aus.

machen jede Liege zu einem attraktiven Blickfang. Neben den äusserlichen Besonderheiten erweisen sich die ergonomischen Hängematten ebenso als pflegeleicht und überzeugen durch sonnen- und regen­ resistente Materialien. Ein weiterer Vorteil: Mit ihrer speziellen Seilführung und Querstangen-Technik ­garantieren die Wohlfühlobjekte eine hohe Kippstabilität. Verbraucher müssen somit keine Angst haben, bei der kleinsten ­Bewegung herauszufallen. Höchsten Komfort garantieren zudem die innovativen und rückenentlastenden Hängesessel.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.dam-online.de

hl ta els Ed

OOL

Doch dieser Luxus ist nicht nur an Bord der beliebten Hochsee-Kreuzer vorhanden, auch zu Hause lässt es sich indoor wie outdoor hervorragend in einer Hängematte von Crazy Chair relaxen. Verschiedene Modelle – von der 1-Person-Version bis hin zur Familien-Ausführung – sind vorSo besticht das Modell «One» in den rätig. Ausgewählte, robuste Materialien, ­Material-Ausführungen Allwetter, Dinamica aparte Farben und ein modernes Design oder Leder pool inserat 210x65mm+3 poolblau_Layout 1 07.07.16 17:59 Seite 1 durch seine individuell einstell-

bare Sitzneigung, Armlehnenposition und Fussteillänge inklusive Sitzhöhe. Sollte sich keine passende Decke oder ein starker Ast zum Aufhängen anbieten, produziert Crazy Chair für seine Hängematten und -sessel ausserdem die passenden Ständer aus hochwertig vergütetem Edelstahl. Somit ist man für jede Alltagssituation optimal ausgestattet.

T 0 5 5 4 4 0 6 9 15 8855 Wangen SZ w w w. k e m e t e c h . c h Wir freuen uns 03/2016 Ausgabe auf Ihren Besuch. Halle 2 / Stand A24

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8.-11.9.16 | Messe Zürich


GARTEN

FUNKTIONALE PFLANZGEFÄSSE Schöne und hochwertige Gefässe setzen Pflanzen im Innen- und Aussenbereich optimal in Szene. Die aus Polyethylen gefertigten Pflanzgefässe von DEGARDO verfügen über eine pflegeleichte Oberfläche, die sich indoor wie outdoor als schlagfest, UV-stabil sowie witterungs- und temperaturbeständig erweist. Die in ihrer Linienführung an Flusskiesel erinnernde Produktfamilie STORUS ist in zwei granitähnlichen Versionen sowie als transluzente Ausführung mit warm-weisser Beleuchtung erhältlich. Das Modell VARIA bietet sich, mit seiner gegensätzlich geknickten Röhrenform, als Pflanzinsel oder als eleganter Raumteiler an. www.degardo.de

SELBSTVERWIRKLICHUNG MIT GARTENPROFILEN Für die einen ist er die ideale Ruhe-Oase, für die anderen der perfekte Spielplatz für den Nachwuchs – doch die meisten wollen im Garten auch ihrem grünen Daumen freien Lauf lassen. Mit den praktischen Gartenprofilen 3000 von terra-S können Beete, Blumeninseln, geschwungene Pflanzenbögen und perfekt abgegrenzte Wege nach Belieben angelegt werden. Im Sortiment gibt es gerade, biegbare sowie vorgebogene Profile für kreisförmige Einfassungen, 90-Grad-Eckelemente und Zubehör. Die Einfassungssysteme verhindern ausserdem, dass sich Wurzeln und Unkraut ausbreiten. So wird die Pflege auf ein Minimum reduziert und die Gartenarbeit zum reinen Freizeitspass. www.gartenprofil3000.com

LEICHTER LOOK DURCH UNKOMPLIZIERTE MÖBEL Unkomplizierte Möbel verleihen einem Raum und dem Garten oder der Terrasse einen leichteren Look. Der neue Torino Esstisch mit seiner schmalen Tischplatte passt selbst in kleine Essbereiche, Balkone oder Terrassen. Das elegante Design wird durch Anlehnungen an Wassertropfen und Windmühlenflügel betont und verleiht dem Raum zusätzliche Leichtigkeit. Gleichzeitig bietet der Tisch die Möglichkeit, durch das Zusammenstellen eines weiteren Tisches, die Fläche zu vergrössern – und ist so flexibel einsetzbar und eignet sich ideal für Konferenz- und Aufenthaltsräume, genauso wie in Restaurants. Perfekt dazu, passen die Adelaide Stühle. ADELAIDE ist das flexibelste Stuhlkonzept der gesamten BoConcept Kollektion. Der Stuhl kann für viele verschiedene Zwecke verwendet ­werden. Mit Polsterung oder ohne, in Stoff oder Leder – die Kombinationsmöglichkeiten sind schier endlos. Mit der geschmackvollen Outdoor Kollektion kann Adelaide sogar draussen genutzt werden. Dabei verfügt auch die Outdoor-Serie über verschiedene Sitzflächen und die Beine bestehen aus robustem Eukalyptusholz. www.boconcept.ch

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NEWS GARTEN


GARTEN

BEIM WASCHEN STROMSPAREN MIT SONNENWÄRME Mit modernen Heizanlagen, die mit Solarenergie, Gas, Öl oder Fernwärme betrieben werden, lässt sich Warmwasser viermal so effektiv und kostengünstig bereitstellen wie mit Strom. Grosse Verluste und Umweltbelastungen, wie sie bei der Stromerzeugung entstehen, werden vermieden. Waschmaschinen zählen zu den grössten Stromverbrauchern im Haushalt, denn bis zu 90 % der Energie wird beim Waschen zum Aufheizen des Wassers verwendet. Mit dem Vorschaltgerät ALFA MIX kann Warmwasser temperatur- und zeitgerecht in Waschmaschinen eingeleitet werden; der Stromverbrauch wird im Schnitt um 50 % reduziert Ein Haushalt kann damit bis zu 300 KWh Strom im Jahr einsparen. Die Umwelt wird erheblich entlastet, denn 1 KWh weniger Strom bedeutet im Kraftwerk 4 KWh weniger Energie aus Kohle, Öl, Gas oder Atom und eine Reduktion der damit verbundenen Schadstoffe und Abwärme. Besitzer von Warmwasser-­Solaranlagen haben einen weiteren Vorteil: Durch Einsatz von solar erwärmtem Wasser beim Waschen und Spülen erhöht sich die Ausnutzung ihrer Anlage und die Amortisationszeit verkürzt sich um ca. 3 Jahre. Der elek­tronisch geregelte Warmwassermischer ALFA MIX kann vor jede Waschmaschine geschaltet werden und ist sehr leicht zu bedienen. www.sumatrix.ch

INDIVIDUELLE GEWÄCHSHÄUSER Bei der Fülle an verschiedenen Gewächshäusern fällt es nicht jedem Gartenfan leicht, die richtige Lichtinsel auszuwählen. Das österreichische Unternehmen Princess besticht durch seine vielseitige, individuelle und bedarfsorientierte Produktplanung. In drei Grössen lieferbar, zeichnen sich ihre Gewächshäuser ganzjährig als solide und ­absolut korrosionsbeständige Konstruktionen aus. Aus glasklarer, langlebiger und UV-Licht-stabiler Acrylverglasung hergestellt, gewähren sie ausserdem eine hochwertige Wärmeisolation. Hinzu kommt, dass sich auch über 40 Jahre alte Modelle ganz unkompliziert modernisieren, erweitern oder im Schadensfall reparieren lassen. www.princess-glashausbau.at

VIEL PLATZ FÜR JUNGES GEMÜSE Pflanzen, harken, Unkraut jäten und regelmässiges Giessen helfen, den Stress des Alltags auszublenden und vollkommen in eine Welt von Ursprünglichkeit einzutauchen – sozusagen back to the roots. Wer mit Leidenschaft dabei ist, wenn es um das Züchten von eigenem Gemüse oder Kräutern geht, für den sind Hochbeete die ideale Lösung. Die vertikalen Hochbeete cube 2 und 4 von hecht international zum Beispiel bieten mit zwei bis vier Pflanzkästen und einem Fassungsvermögen von circa 30 Litern pro Kasten viel Platz für junges Gemüse – und nehmen dabei selbst kaum Raum ein. Durch die Höhe der ­K ästen ist ein rückenschonendes Gärtnern garantiert. www.hecht-international.com

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GRENZEN DURCHBRECHEN HOLZ IM URBANEN RAUM von Georg Lutz

Die Zeiten, in denen man beim Thema Bauen mit Holz nur an Blockhäuser dachte, sind definitiv vorbei. Heute gibt es Hochhäuser, Hallen und frei schwebende Brücken aus Holz. «Nicht machbar» ist keine Ausrede mehr. Fast jede Herausforderung kann angegangen werden. Der Bogen der unterschiedlichen Formen des Baustoffes Holz spannt sich von massiven Balken über schmale Bretter bis hin zu Platten aus Fasern und Partikeln. Auch in unterschiedlichen Kombinationen, beispielsweise mit Stahl, Beton und Kunststoff, macht Holz eine gute Figur. Heute haben hybride Konstruktionen Vorfahrt. Auch die Architektur mit Holz bedient sich der Potenziale eines alten Baustoffs. Heute wird aber dabei auf modernste Technik gesetzt. Die Verantwortlichen in der Branche brauchen hier immer wieder Angebote zur Weiterbildung. «Lebenslanges Lernen» ist hier kein Fremdwort. Tradition, Technik, Forschung, Effizienz und Bildung kommen zusammen. Das ist keine einfache Herausforderung, macht aber Lust auf Zukunft. Ausgabe 03/2016 // Seite 51


© Aussenvisualisierung: OLN OFFICE LE NOMADE

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HOCH HINAUS DAS BAUEN MIT HOLZ SUCHT DIE HÖHE von Michael Meuter

Immer weiter empor mit Holz – International ist ein regelrechtes Wettrennen um das höchste Holzgebäude im Gange. Den derzeitigen Rekord hält Norwegen mit 14 Geschossen; in Österreich stehen 24 Geschosse vor der Realisierung. Baut auch die Schweiz bald Hochhäuser aus Holz?

HOHO_WIEN Bewilligt: Holz-Hochhaus in Wien (Bauherrschaft: cetus Baudevelopment GmbH, Wien; Architektur und Planung: Rüdiger Lainer + Partner ZT GmbH, Wien; Tragwerksplanung, Bauphysik und Gebäudetechnik: RWT + ZT GmbH, Wien; Brandschutzplanung: Kunz, Maria Enzersdorf).

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n der norwegischen Stadt Bergen ist vor Weihnachten 2015 das derzeit höchste Holz-Wohnhaus der Welt mit Namen «Treet» (Baum) nach 15 Monaten Bauzeit ab Fundament eingeweiht worden. 51 Meter hoch, zählt es 14 Geschosse. In erster Näherung kann man sich das Bauprinzip des Hauses mit seinen 62 Wohnungen wie ein Schubladenmöbel vorstellen: Ein festes Tragwerk fasst eingeschobene ­Elemente. Der umhüllende Rahmen mit Verstrebungen ist im Grunde von einer Fachwerkbrücke abgeleitet. Man hat es bei dem Haus sozusagen einfach in die Senkrechte gestellt. Die Brettschicht­ holzträger, geschützt hinter Glas oder Metall, bilden nun das Gerüst für vorgefertigte, gestapelte Wohnmodule. Selbst die Aufzugschächte und Treppenhäuser sind aus Holz. Diese Bestmarke könnte indessen schon bald ein Projekt in Österreich in den Schatten stellen: Gleich zehn Geschosse mehr als der Norweger «Baum» wird das Holz-Hochhaus «HoHo_Wien» aufweisen. Das 84 Meter hohe Gebäude entsteht demnächst in der Seestadt Aspern im Norden der österreichischen Hauptstadt. Genau genommen handelt es sich sogar um drei Holz-Hochhäuser, die in einem L angeordnet sind, wobei die beiden Nachbarn des rekordhohen Baus 57 und 40 Meter messen. Geplant sind ein massiver Erschliessungskern und darum herum Holzbau plus Holzfassade. Es handelt sich also um einen Hybridbau, der gemäss seinen Entwerfern aber doch zu drei Vierteln aus Holz bestehen wird. Für Architektur und Planung zeichnet das Wiener Büro Rüdiger Lainer + Partner ZT GmbH verantwortlich. Die Baugenehmigung ist im Herbst 2015 erteilt worden, Baustart soll gemäss letzten Informa­ tionen im Herbst dieses Jahres sein.

«VIA CENNI» Kommen wir zu einem weiteren spannenden Hochhaus. Das Projekt «Via Cenni» in ­M ailand umfasst vier neungeschossige ­Gebäude, die untereinander durch weitere zweigeschossige Gebäude verbunden sind. Der realisierte Entwurf ist aus einem ­Architekturwettbewerb hervorgegangen. ­Bestandteil der Planung sind nicht nur Wohnungen, sondern auch Gemeinschaftsräume und ein Park von 1 000 Quadratmeter. Die Wohnungen werden teilweise zu Vorzugspreisen vermietet, zum Teil mit einer Vereinbarung zum künftigen Ankauf.

TREET Gebaut: Haus «Treet» im norwegischen Bergen mit 14 Geschossen in Holz (Bauherrschaft: Baugenossenschaft Bergen og Omegn Boligbyggelag, NO-Bergen; Architektur: Artec AS, NO-Laksevåg/Bergen; Tragwerksplaner: Sweco, NO-Oslo).

Das Projekt wurde von Anfang an als Holzbau mit einer Tragstruktur aus Brettsperrholzplatten (BSP) konzipiert und entworfen. Der Entscheid dazu fiel primär aufgrund von Nachhaltigkeitsüberlegungen. Die kurze Bauzeit und das gute Isolationsverhalten waren für die Bauherrschaft weitere wichtige Kriterien für die Ausführung dieses P ­ rojektes als Holzbaulösung, wie Tragwerksplaner Prof. Dr. Andrea Bernasconi erklärt.

TÜRME AUS HOLZ Mit neun Geschossen über dem Boden und relativ geringen Grundrissabmessungen – circa 13.5 x 19 m bei 27 Meter Höhe – können die vier Hochhäuser dieses Projektes als Türme bezeichnet werden. Die dazuge-

hörige Tragstruktur, gilt somit ohne Zweifel als Ingenieurtragwerk und musste unter strenger Einhaltung der Regeln des konstruktiven Ingenieurholzbaus entworfen, konstruiert, berechnet und nachgewiesen werden. Zudem waren Besonderheiten zu berücksichtigen, etwa die Schlankheit der Türme oder die Tatsache, dass sie in Italien stehen, das bekanntlich als Erdbeben­ gebiet gilt. Diesem Thema wird derzeit grosse Aufmerksamkeit gewidmet, obwohl die Gegend um Mailand nicht als besonders stark exponiert gilt. Das Projekt der Tragstruktur musste eine Genehmigung der obersten Baubehörde Italiens erhalten, damit überhaupt eine B ­ aubewilligung ­erteilt werden konnte.

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© BOB BBL

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© Innenvisualisierungen: cy architecture OG

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mehrgeschossigen Bauen mit dem nachwachsenden Rohstoff sogar eine Vorreiterrolle. Seit 2005 entsteht in der Schweiz ­jedes Jahr eine Vielzahl grosser Wohn-, Büro- oder Schulbauten, oft in gemischten Bauweisen mit Holz. Im MehrfamilienhausNeubau ist der Anteil der baubewilligten Tragkonstruktionen aus Holz steil von ­praktisch null auf heute bereits rund sechs Prozent angestiegen. Damit besetzt der Holzbau bei grossen Volumen zwar noch immer erst eine Nische. Man sollte sie in ihrer Dynamik jedoch nicht unterschätzen. 2015 entstanden rund 500 neue Mehrfamilienhäuser in Holzbauweise.

Flexible und nutzerbezogene Grundrissgliederung sorgt für lange Lebensdauer.

Unter den neuen, 2015 in Kraft getretenen Brandschutzvorschriften hat sich Holz als Baustoff ohne Sonderregelung normalisiert. Das verleiht dem Holz im Bau und Ausbau noch einmal kräftige Wachstumsimpulse. Holz kann jetzt zum Beispiel auch bei Beherbergungsbetrieben wie Hotels und Altersheimen oder bei Verkaufsgeschäften bis 30 Meter Gesamthöhe zum Zug kommen. Unter bestimmten Voraussetzungen sind auch Hochhäuser mit Holz möglich. Wäre das nicht eine logische Erweiterung der bisherigen Praxis? Schliesslich haben sich mehrgeschossige Holzbauten im ­urbanen Raum bereits gut etabliert. Angesichts des hohen Materialeinsatzes für Hochhäuser würde es auch aus Sicht von Energie und Klima Sinn machen, zur Erstellung von Hochhäusern künftig verstärkt das nachwachsende, CO2-speichernde Material Holz zu nutzen, in dem sehr w ­ enig graue Energie steckt.

ÖKONOMIE SETZT GRENZEN Die Herausforderungen: Tragwerksplanung, Brandschutz und effiziente Nutzbarkeit mit 75 Prozent Holzanteil erreichen.

TRAGSTRUKTUR AUS BRETTSPERRHOLZ Das gesamte Holztragwerk ist auf dem ­eingeschossigen, unterirdischen und grossflächigen Betonfundament verankert. Die dreidimensionale, geschlossene Tragstruktur besteht aus vertikalen und horizontalen, flächenförmigen Tragelementen, die untereinander kontinuierlich verbunden werden. Diese tragenden Flächenelemente werden durch BSP-Elemente gebildet. Biegebalken und Stützen werden sehr selten und nur als lokale Verstärkung bei einzelnen Öffnungen oder Übergängen eingesetzt.

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Die regelmässig und robust konzipierte räumliche BSP-Tragstruktur kann als sehr leistungsfähig und nahezu passend für die Erdbebenbeanspruchung bezeichnet werden. Bei diesem Projekt sind zudem sämtliche Anforderungen aus dem Erdbebeningenieurwesen strikte eingehalten.

HÖHER HINAUF AUCH IN DER SCHWEIZ? Wenn sich Österreich und Italien solche Projekte zutraut: kann das die Schweiz nicht auch? Schliesslich gehört unser Land mit zur Weltspitze im Holzbau und spielt im

«Hochhäuser in Holz sind aussergewöhnlich, aufsehenerregend und eignen sich für ein Wettrennen: Wer baut das höchste Hochhaus in Holz?», meint der Holzbauingenieur Stefan Zöllig, der in den letzten Jahren viele grosse Objekte im Holzbau mitgeprägt hat. So hat sein Büro Timbatec etwa den grössten Holzwohnbau der Schweiz mit 300 Wohnungen geplant, der jetzt unter dem Namen «sue & til» in Oberwinterthur entsteht. Doch Zöllig relativiert: «Die grosse Masse der Holzanwendung liegt nicht in der Höhe, sondern in der Breite. Nach unserer Sicht sind Hochhäuser in Holz ein Ikonenmarkt, der zwar interessant, aber in der Masse untergeordnet bleiben wird.»


© Andrea Bernasconi, Yverdon / LIGNUM

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sich der Mehraufwand netto pro Geschoss wieder aus.»

ÜBERRASCHEND HOHE AKZEPTANZ FÜR DAS HOCHHAUS Wenn schon, dann also richtig hoch hinaus mit Holz, könnte man das zusammenfassen. Aber wollen Herr und Frau Schweizer überhaupt in Hochhäusern wohnen? Zwar kam es zu Zeiten der Hochkonjunktur nach dem Krieg zu einem eigentlichen Hochhausboom an den Stadträndern oder gleich ganz auf der grünen Wiese, wo man im Namen des Fortschritts eigentliche «Wohnmaschinen» mit Alpenblick errichtete. Diese Bauten ­gelten heute jedoch als unattraktiv. Chic ist dagegen neuerdings das Hochhaus mit Mischnutzung in der Innenstadt, das als metropolitanes Statussymbol eine zahlungskräftige Klientel anzieht. Findet das Hochhaus in solcher Machart neuen Zuspruch?

VIA CENNI, MAILAND, 2013 Bauherrschaft: Fondo Abitare Sociale, Polaris Investment Italia SGR SPA Architektur: Prof. Arch. Fabrizio Rossi Prodi, Arch. Simone P. G. Abbado, Arch. Marco Zucconi, Rossiprodi Associati S.R.L. Tragwerksplanung Struktur Brettsperrholz: Prof. Dr. Andrea Bernasconi, Ing. Cristina Zanini Barzaghi, Ing. Maria Rosaria Pes, Borlini e Zanini SA

Eine wesentliche Rolle für diese Begrenzung spielt die Ökonomie, insbesondere der Bodenpreis sowie die am Standort erzielbaren Mieten oder Verkaufspreise. Denn je mehr Stockwerke gebaut werden, desto

maler inh. b.blaser

höher klettert der Aufwand für Planung, Einhaltung von Bauvorschriften, Tragwerk, Fassade und Installationen. Dafür können auf der gleichen Grundfläche mehr Quadratmeter Nutzfläche erstellt werden. «Es wird mehr Hochhäuser in Holz geben. Die Grenze ist mit zehn Geschossen noch längst nicht erreicht. Es wird allerdings eine Lücke geben zwischen zehn und etwa 16 Geschossen», vermutet Zöllig. Denn ab der Hochhausgrenze von 30 Metern, das heisst bei rund zehn Geschossen, steige der Aufwand für Brandschutz und Erschliessung sprunghaft an. «Der Feuerwiderstand erhöht sich von 60 auf 90 Minuten, und die Bauteile aus Holz müssen gekapselt werden, also zum Beispiel mit Gips auf allen sechs Seiten ummantelt werden. So fällt der Mehraufwand insgesamt höher aus als der Mehrnutzen durch mehr Geschosse. Erst bei mehr als etwa 16 Stockwerken zahlt

Das Büro Zimraum Raum + Gesellschaft gibt mit der im Februar 2016 veröffentlichten Studie «Akzeptanz städtischer Dichte» erstaunliche Antworten auf diese Frage für die Stadt Zürich, die sich immer wieder als eigentliches Labor entpuppt, was das Bauen angeht – nicht nur im Bereich Holz. Gemäss Befund von Studienautorin Joëlle Zimmerli könnte sich fast die Hälfte der ­B efragten vorstellen, in einem Haus mit acht oder mehr Stockwerken zu wohnen – vor allem in innerstädtischen Quartieren und in der Nähe von S-Bahn-Stationen.

MICHAEL MEUTER ist Verantwortlicher Information von ­Lignum, Holzwirtschaft Schweiz in Zürich. www.lignum.ch

fischer

malerfischer.net

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© Häring, Eiken

BAUEN

Eine Kita, hier in Fehraltorf im Kanton Zürich, kann vom Aufbau her als Flüchtlingsunterkunft verwendet werden und umgekehrt auch.

BAUEN FÜR FLÜCHTLINGE WAS DER HOLZBAU LEISTEN KANN von Michael Meuter

Am 19. Mai informierten der Aktionsplan Holz des Bundesamtes für Umwelt, Holzbau Schweiz und Lignum an der Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau in Biel über die Unterbringung von Flüchtlingen in der Schweiz sowie über die Qualitäten von Flüchtlingsunterkünften in Holzbauweise. Das Dialogangebot zur Vernetzung von Holzbau-Anbietern und Behördenmitgliedern stiess mit rund 50 Teilnehmenden auf regen Zuspruch. bauRUNDSCHAU stellt im folgenden Beitrag die zentralen Punkte vor und setzt damit eine kleine Reihe zum Thema Architektur und Flüchtlinge fort.

D

ie Vorteile moderner, modularer Holzkonstruktionen liegen auf der Hand: Sie sind schnell aufgebaut, flexibel im Gebrauch, winter- und sommertauglich, vielfach erprobt, behaglich, dauerhaft, wiederverwendbar, ökologisch und werden regional produziert: Waldwirtschaft und Holzverarbeitung sind überall im Land mit hoher Kompetenz verankert.

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Nach der Erstnutzung als Flüchtlings­ unterkunft können solide gefertigte Modulholzbauten in Schulen, Sozialwohnungen oder Büros umgewandelt werden.

ZUSAMMENSPIEL VON STAATLICHEN EBENEN Der Asylbereich ist komplex und erfordert als Verbundaufgabe das Zusammenspiel

von Bund, Kantonen und Gemeinden, wie Katrin Graf (Staatsekretariat für Migration SEM) erklärte. Der Bund ist für den Empfang, die Registrierung, das Asylverfahren und die Erstunterbringung der Flüchtlinge in Bundesasylzentren zuständig. Dabei handelt es sich um Kollektivunterkünfte mit 250 bis 500 Plätzen, in denen die Flüchtlinge wenige Wochen bis wenige Monate


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verbringen. Zum Zug kommen temporäre (z. B. Zivilschutz- oder Militäranlagen, Hallen) ebenso wie dauerhafte Lösungen (Neuoder Umbauten). Die zur Verfügung stehenden Plätze in dauerhaften Unterkünften sind derzeit auf etwa 1 900 limitiert; derzeit ist eine namhafte Erweiterung im Gang. Ziel sind etwa 15 grosse Zentren mit insgesamt etwa 5 000 Plätzen. In einem zweiten Schritt werden die Asylsuchenden – teils bereits mit, teils noch ohne Asylentscheid – gemäss Verteilschlüssel den Kantonen zugewiesen. Die Kantone übernehmen nun die Unterbringung, Betreuung und Integration bzw. den Vollzug der Wegweisung im Falle eines abschlägigen Asylentscheids. In kantonaler Obhut finden die Flüchtlinge in der Regel wiederum in Kollektivunterkünften Platz. Am Ende sind die Gemeinden für die langfristige Unterbringung, Betreuung und Integration zuständig. Auf dieser Stufe kommen gemäss Graf vor allem individuelle Unterbringungsformen wie Wohnungen infrage.

DIE SICHT DER GEMEINDE Die Kantone sind zur Erfüllung ihrer Asylaufgaben immer wieder unmittelbar darauf angewiesen, dass die Gemeinden dazu Hand bieten. Der Kanton Bern wollte letztes Jahr die Berner Vorortsgemeinde Wohlen dazu verpflichten, 100 Plätze in der lokalen Zivilschutzanlage für Asylsuchende bereitzustellen, wie Gemeindepräsident Bänz Müller berichtete. In der Gemeinde war man allerdings der festen Überzeugung, dass eine unterirdische Unterbringung aufgrund der damit einhergehenden psychischen Belastung für die Asylsuchenden sowie ihrer Isolation im Dorf die schlechteste aller Lösungen sei. Am Ende wurde die Unterbringung von fünf Grossfamilien in einem leer stehenden Bauernhaus möglich. Gemeinde, Kirchgemeinde, Heilsarmee und viele Freiwillige engagieren sich zugunsten des Betriebs der Unterkunft und von Beschäftigungsmassnahmen für ihre Bewohner. 30 Einzelpersonen – es handelt sich um Frauen aus Eritrea – kamen in Wohncontainern unter. Zur langfristigen Unterbringung von Flüchtlingen hat die Gemeinde Wohlen zudem einen Wohnungspool ­g eschaffen, dank dem die sozial schwache Gruppe in Form von Untermietverhältnissen Zugang zu «normalen» Unterkünften findet.

KNOW-HOW-AUFBAU Das Büro NRS in situ (Zürich / Basel) hat sich in den letzten vier Jahren intensiv mit Asylunterkünften in jeder Art von Materialisierung auseinandergesetzt und dabei ein heute weitherum anerkanntes Know-how aufgebaut, wie Referent Pascal Angehrn ­erklärte. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehöre, dass es unbedingt notwendig sei, die Bau- und Zonenordnung und die Möglichkeit von Ersatzmassnahmen voll auszuschöpfen. Der «kreative Umgang» mit Baunormen helfe, die Kosten in den Griff zu bekommen. Grün- und Gemeinschaftsräume bezeichnete Angehrn als essenziell; Letztere erforderten aber viel Fingerspitzengefühl, damit sie wirklich funktionierten. Zentral ist aber aus Angehrns Sicht vor allem langfristiges Denken: 15 Jahre und mehr müsse der Horizont für eine temporäre Siedlung betragen; der Akzent solle dabei ganz ­unschweizerisch darauf liegen, Reserven zu schaffen, die sich nach und nach aktivieren liessen. Von Anfang an solle eine Nachnutzung thematisiert werden. Rein temporäres Bauen sei nicht wirtschaftlich, so Angehrn.

«AUS DEM KRISENMODUS HERAUSFINDEN» Richard Zemp (Kompetenzzentrum Typologie & Planung in Architektur CCTP, Hochschule Luzern) stellte in Biel Überlegungen zu städtebaulichen Aspekten und zur Standortwahl bei Flüchtlings­ unterkünften an. Seine Grundthese: Migration prägt seit je die Entwicklung der Städte. Deshalb, so Zemp, gelte es in Sachen Asyl aus dem «Krisenmodus» herauszufinden und Migration als Teil der Stadtplanung zu begreifen. Dem Standort einer Flüchtlingsunterkunft komme erstrangige Bedeutung zu; er solle eine echte Einbettung im Quartier möglich machen. Grünflächen und soziale Infrastruktur seien unabdingbar, so Zemp. Nutzbringend sei es, Poten­ ziale im Bestand der Innenstadt zu identifizieren und zu aktivieren: Möglichkeiten zum Schliessen von Baulücken oder von Aufstockungen, Umnutzungen und Nachverdichtungen bestehender Siedlungen. Den Fokus lege man am besten auf die Schaffung kleinerer, verteilter Standorte, um eine sozial gemischte Entwicklung zu fördern.

Klassische Lösungen sind oft defizitär, fördern Vorurteile und behindern die Integration.

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© Renggli, Sursee

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Eine Renggli-Modellierung mit unterschiedlichen Funktionsräumen.

AKTIONSPLAN HOLZ Der Aktionsplan Holz des Bundesamtes für Umwelt setzt die Ressourcenpolitik Holz des Bundes um. Von 2009 bis 2016 initiiert und unterstützt der Aktionsplan Projekte, die sich mit dem Rohstoff Holz und seiner Verwertung auseinandersetzen. Die Umsetzung ist eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Kantonen und der Wald- und Holzwirtschaft. Der Aktionsplan fokussiert auf sechs thematische Schwerpunkte und wird laufend weiterentwickelt. www.bafu.admin.ch/aktionsplan-holz

HOLZBAU SCHWEIZ Der Branchenverband Holzbau Schweiz versteht sich als Dienstleistungs- und Kompetenzzentrum im Markt und ist für die ganze Holzbaubranche tätig. Seine Hauptaufgabe sieht er in der praxisorientierten Vermittlung und Verankerung von aktuellem Wissen und der nutzenorientierten Vernetzung der Mitgliedsfirmen. www.holzbau-schweiz.ch

LIGNUM Lignum, Holzwirtschaft Schweiz ist die Dachorganisation der Schweizer Wald- und Holzwirtschaft. Sie vereinigt sämtliche wichtigen Verbände und Organisationen der Holzkette, Institutionen aus Forschung und Lehre, öffentliche Körperschaften sowie eine grosse Zahl von Architekten und Ingenieuren. Dazu treten zwei Dutzend regionale Arbeitsgemeinschaften. www.lignum.ch

INTERNATIONAL FÜHRENDE KOMPETENZ IM HOLZBAU

diese Herausforderung in einem strengen Kostenrahmen mit Bravour.

In einem zweiten Teil stellten führende Schweizer Holzbau-Anbieter in Biel konkrete bauliche Lösungen vor. Der Holzbauingenieur Pirmin Jung, dessen Büro an drei Standorten in der Schweiz sowie an einem Standort in Deutschland tätig ist, berichtete über den Bau einer dreigeschossigen Erstunterkunft am Flughafen Frankfurt-Hahn in Holzbauweise. Für Planung und Realisierung der Unterkunft mit 48 Zimmern und einer maximalen Kapazität von 192 Betten standen gerade einmal 75 Tage zur Verfügung. Bauplaner und Holzbauer meisterten

Der anschliessende Vortrag von Max Renggli (Renggli AG, Sursee) liess keinen Zweifel daran, dass die Schweizer Holzbaubranche aufgrund ihrer international führenden technischen Kompetenz und der heutigen Möglichkeiten industrieller Vorfertigung nicht zuletzt auch unter Kostenaspekten ganz vorne mithalten kann, wenn es darum geht, Unterkünfte für Asylsuchende bereitzustellen. «Modulares Bauen mit Holz ist heute Hightech mit Swissness-Faktor», sagte Renggli. Die

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Holzmodulbauten sind nach der witterungsgeschützten Fertigung in der Werkhalle in Stunden vor Ort montiert und in wenigen Tagen bezugsbereit.

FLEXIBLE LÖSUNGEN FÜR DEN ASYLBEREICH Richard Jussel (Blumer-Lehmann AG, ­Gossau SG) bekräftigte die besondere ­Eignung des Holzmodulbaus für Flüchtlingsunterkünfte. «Modulbauten sind prädestiniert für den Asylbau. Sie sind flexibel, schnell und leicht verschiebbar. Und die Qualität ist gleich wie bei Fixbauten, da werden keine Abstriche gemacht», sagte Jussel. Die Modulbauten von Blumer-Lehmann werden schlüsselfertig angeboten. Je nach Bedürfnis stehen die Optionen Kauf, Kauf / Rückkauf, Miete oder Leasing zur Auswahl. Die Holzbranche bietet mit der TelefonHotline der Lignum in Zürich eine dauernde Anlaufstelle für technische Fragen zum Bauen mit Holz, wie Hansueli Schmid von Lignum Technik als abschliessender Referent der Tagung erklärte. Lignum ist die Dachorganisation der Holzbranche und widmet sich schwergewichtig der Infor­ mation der Planer über die sachgerechte Anwendung von Holz im Bauwesen. Von einem Gemeindevertreter aus dem Publikum wurde die Frage gestellt, wie man bei der Ausschreibung Holz – respektive Schweizer Holz aus dem Gemeindewald – berücksichtigen könne. Für eine planende Gemeinde mache es Sinn, das eigene Holz für den Bau zu verwenden. Der Leiter der Abteilung Wald im BAFU, Rolf Manser, wies auf zwei vom Bund in Auftrag gegebene Rechtsgutachten hin und empfahl den von Lignum entwickelten Leitfaden «Ausschreibung von Bauten mit Schweizer Holz».


© Liesch Ott Architekten, Chur

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Klare Funktionen, die für unterschiedliche Zielgruppen eingesetzt werden können.

BREITERE PERSPEKTIVE NOTWENDIG Insgesamt spannte die Nachmittagsveranstaltung in Biel ein ausserordentlich detailreiches Panorama der Herausforderungen im Asylbereich sowie der seitens Holzbranche bereitstehenden Lösungen auf. Mehrere Referenten wie auch Hans Rupli, Zentralpräsident von Holzbau Schweiz, der als Moderator durch den Nachmittag führte, öffneten darüber hinaus die Tür zu einer übergeordneten Perspektive auf das Thema Bauen für Flüchtlinge. Aufgrund seiner politischen Belastung wird dieses Feld nur zu gern isoliert, zweitrangig und möglichst kurzfristig betrachtet. Jedoch schälte sich in Biel klar heraus, dass es sich dabei im Grunde um ein Segment eines grösseren Zusammenhangs handelt: die Schaffung bezahlbaren Wohnraums für sozial Schwächere. Dies ist klar eine Langfristaufgabe, die in Stadt und Agglomeration von besonderer Bedeutung ist.

IM DIALOG BLEIBEN Der soziale Wohnungsbau braucht eine gesellschaftliche wie finanzielle Basis. Ebenso notwendig sind architektonische und städtebauliche, teils sogar raumplanerische Überlegungen. Eine kurzfristig und tem­ porär orientierte Abarbeitung des Asyl-

Pflichtenhefts unter typischerweise rigiden Kostenvorgaben bzw. geringer Mittelallokation führt fast notwendig zu einem nur teilweise befriedigenden Resultat, das keine Wirkung über den Moment hinaus erzielt. Eben deswegen, weil der soziale Wohnungsbau nicht nur in der Dimension des Bauens für Flüchtlinge eine komplexe Querschnittsaufgabe darstellt, die nach nachhaltigen Investitionen ruft, regte HolzbauSchweiz-Präsident Hans Rupli zu Ende der Veranstaltung eine Fortführung des Bieler Austauschs an: in Form einer Trialog­ plattform zwischen der öffentlichen Hand, ­Investoren / Finanzindustrie und der Holzbau­ wirtschaft. Holzbau Schweiz will den Aufbau einer solchen Plattform zeitnah prüfen.

GRAUBÜNDEN EMPFÄNGT ASYLSUCHENDE AB 2017 MIT HOLZ Holzbauten eignen sich in vielfacher Weise ganz besonders zur Bereitstellung von Wohnraum für Flüchtlinge. Ein Beispiel aus dem Bündnerland: Asylsuchende, die dem Kanton Graubünden zugewiesen werden, beziehen ab 2017 eine Unterkunft im neuen Erstaufnahmezentrum in Churwalden. Es entsteht auf dem kantonseigenen Areal des Zivilschutzausbildungszentrums Meiersboden und bietet Platz für 180 Personen.

WEB-PLATTFORM Die besonderen Stärken von Holz für Flüchtlingsunterkünfte bringt eine schlanke dreisprachige Website auf den Punkt. Sie weist auf bauliche Lösungen führender Anbieter im Holzbau hin und stellt Adressen und weitere Informationen zum Thema «Bauen mit Holz für Flüchtlinge» sowie technische Beratung zum Holzbau bereit. Auf der Website finden sich alle Präsentationen des Bieler Informationsanlasses. www.fluechtlingsunterkuenfte.ch www.logementspourmigrants.ch www.alloggipermigranti.ch

MICHAEL MEUTER ist Verantwortlicher Information von Lignum, Holzwirtschaft Schweiz in Zürich. www.lignum.ch

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KOLUMNE

KUNDENTÄUSCHUNG MIT UNLAUTERER WERBUNG von Michael Tibisch

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V-Spots mit höhnischen Botschaften, Anzeigen mit ver­ meintlich klimafreundlichen Inhalten: Mit dieser Strategie wirbt die Erdöl-Vereinigung um die Gunst ihrer Kunden. Unter Zuhilfenahme irreführender Aussagen und Preisvergleichen zulasten von Fernwärmeverbünden missachteten sie unlängst gar das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb. Zu diesem Schluss kam die Schweizerische Lauter­ keitskommission, die eine entsprechende Beschwerde von Holzenergie Schweiz gut­ geheissen hat.

Preisvergleich für den Durchschnittsadressaten nicht nachvoll­ ziehbar. Stattdessen werde dem Leser suggeriert, der Wärme­ bezug aus einem Fernwärmenetz koste mehr als doppelt so viel wie bei einer Heizölfeuerung. Im Weiteren wurde die EV aufgefor­ dert, die Aussage zu unterlassen, wonach angeblich «der Heiz­ betrieb von Holz- und Fernwärmeanlagen nicht für die gesamte Wärmeversorgung ausreicht und daher ein wesentlicher Anteil von der Ölheizung über­ nommen wird.» Zwar ist es nicht unüblich, dass Fernwärmenetze die Spitzen- und Notlast mit Heizöl abdecken, jedoch beträgt dieser Anteil höchstens 30 Prozent, eher aber fünf Prozent und weniger. Notabene werden bereits viele Anlagen vollumfänglich mit erneuerbarer Energie betrieben und ­benötigen gar kein Heizöl.

Aus verschiedenen Kreisen häuften sich die Empörungen über Fehlinformationen seitens der Erdöl-Lobby, mit denen sie in der vergangenen Wintersaison auf Kunden­ fang ging. In der Folge hatte der Branchen­ verband Holzenergie Schweiz im Frühjahr 2016 bei der Schweizerischen Lauterkeits­ Bereits im vergangenen März hatte die kommission (SLK) eine Beschwerde gegen SLK zwei Beschwerden von Greenpeace gegen die EV sowie gegen den Verband die Erdöl-Vereinigung (EV) eingereicht, um zwei Behauptungen betreffend Versor­ der Schweizerischen Gasindustrie gebilligt. gungssicherheit und Preisvorteil zugunsten Damals wurde unter anderem die Empfeh­ des Heizöls durch die unabhängige Institu­ lung abgegeben, die Erdöl-Lobby dürfe in Zukunft nicht mehr behaupten, eine neue tion prüfen zu lassen. Der abschliessende Michael Tibisch ist Kommunikations­ Entscheid der SLK gab den Beanstan­ Ölheizung sei in jedem Fall die kostengüns­ verantwortlicher bei Holzenergie Schweiz. dungen von Holzenergie Schweiz recht tigste Lösung. Holzenergie Schweiz fordert und bestätigte, dass die kommerziellen Aussagen der EV nicht die EV auf, ihre Kommunikation unverzüglich zu überarbeiten: Die vergleichsfähig und damit unzulässig sind. Desinformation der Erdöl-Lobby auf Kosten erneuerbarer Energien ist nicht nur unsportlich, sondern hindert uns auch daran, den ­Umbau der Energieversorgung mit klaren Fakten voranzutreiben. Beim Corpus Delicti handelte es sich um einen Werbeflyer mit der Überschrift «Bleiben Sie unabhängig und halten Sie Ihre Heizkos­ ten im Griff!», der Ende 2015 schweizweit an Kunden von Heizöl­ lieferanten verteilt wurde. In besagtem Inserat wurde ein durch­ MICHAEL TIBISCH schnittlicher Vollkosten- bzw. Wärmegestehungspreis von über 16 Rp./kWh dem reinen Brennstoffpreis für Heizöl von 7.5 Rp./kWh ist Projektleiter Kommunikation bei Holzenergie Schweiz. gegenübergestellt, in dem keinerlei Investitions- und Betriebs­kosten inbegriffen waren. Wie die SLK begründete, sei der kommunizierte www.holzenergie.ch

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BAUEN

SPAREN SIE SICH DIE FAXEN! Die Swisscom plant, Ende 2017 alle Analog- und ISDN-Telefonanschlüsse abzuschalten. Dies betrifft auch herkömmliche Faxgeräte. In der Schweiz geraten dadurch rund drei von vier Firmen unter Zugzwang. Kein Grund die Hände zu verwerfen. Mit einer durchdachten Vorbereitung lassen sich danach sogar Prozesse optimieren. Dolphin Systems AG ist einer der wenigen unabhängigen Faxservice-Spezialisten, welcher diesbezüglich eine umfassende Beratung anbietet.

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ie Swisscom folgt bei der Umstellung auf All-IP dem internationalen Trend. Die Deutsche Telekom schaltet das analoge Netz nur ein Jahr später ab. Andere Länder werden folgen.

WESHALB DIE ABSCHALTUNG? ISDN revolutionierte zwischen dem Ende der 80er und dem Anfang der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts weitläufig die Welt der Telekommunikation. Zum ersten Mal stand ein moderner Standard zur Verfügung, mit dem gleichzeitig Sprache und Daten transportiert werden konnten. Für die Mehrzahl der privaten Nutzer ist es bereits selbstverständlich ein digitales Komplettangebot mit zusätzlichen Funktionen zu nutzen: Telefonie, HighspeedInternet, zeitversetzte TV-Angebote,­Streaming sowie Filme und Serien «on demand» usw. Doch solche Datenmengen können nur moderne Netzwerke via IP bewältigen – mit weniger Bandbreite bei gleichzeitig höherer Kapazität. Daher ist es nicht verwunderlich, dass nun bald die Geschäftswelt an der Reihe ist.

UMSTELLUNG ALS CHANCE Die Umstellung bietet die Möglichkeit, grundlegend über die Zukunftsfähigkeit der Telefonie-Infrastruktur in der eigenen Unternehmung nachzudenken. Neben klassischen inhaus gehosteten Telefon­ anlagen sind extern betriebene CloudLösungen in aller Munde. Ist die Infrastruktur für eine voll digitalisierte Lösung einmal umgesetzt, können Unternehmen jeder Branche und Grössenordnung viel flexibler auf neue Anforderungen reagieren. Die wirtschaftlichen Vorteile lassen sich natürlich schlecht quantifizieren. Jedoch kann durch die Optimierung des administrativen Aufwands, der Grundgebühren und anderen Telekommunikationskosten einiges eingespart werden.

Ende 2017 schaltet Swisscom die bewährten Analog- und ISDN-Telefonanschlüsse ab. Tausende von Unternehmen stehen deshalb unter Zugzwang!

WAS MUSS GETAN WERDEN? Am Anfang sollte eine detaillierte Analyse durchgeführt werden. Diese ermöglicht die Entwicklung eines technisch und finanziell vernünftigen Lösungskonzepts. Von der Einholung der ersten Offerte bis zur vollendeten Umstellung sollten Firmen vier bis acht Wochen einplanen. Offerten vergleichen und interne Koordination benötigen am meisten Zeit. Die Umstellung kann man dann oft innerhalb eines Tages oder sogar im Laufe weniger Stunden realisieren.

DEN RICHTEN PARTNER FINDEN Viele Firmen sind mit diesen Aufgaben jedoch überfordert. Vor allem diejenigen, deren Unternehmensprozesse auf der Kommunikation per Fax basieren oder Teil davon sind. Sicher ist: Mittel- bis langfristig verschwinden analoge Faxdienste vom Markt. Webbasierende Cloud-Lösungen wie eCall ersetzen nach und nach diese

Dienste. eCall, die Faxlösung von Dolphin Systems AG, ist komplett unabhängig von der firmeneigenen Telefonie und Infrastruktur. Das Unternehmen aus Wollerau bringt mehr als 20 Jahre Erfahrung im Schweizer IT-Markt und Online-Faxbusiness mit. Deshalb ist es ein idealer Partner, wenn es um die Beratung und Umsetzung bezüglich einer solchen Lösung geht.

FOKUS AUF DER BESTEN LÖSUNG Ein weiterer entscheidender Vorteil, den Dolphin gegenüber den grossen Telekom­ anbietern vorweist, ist die Unabhängigkeit. Es besteht kein Druck, unbedingt eigene Produkte oder Services verkaufen zu müssen. Dadurch kann eine kostenlose rundum Beratung zum Thema angeboten werden – mit Fokus auf der für ein Unternehmen besten Lösung.

Dolphin Systems AG  |  CH-8832 Wollerau  |  Tel. +41 (0) 44 787 30 70  |  www.dolphin.ch  |  www.ecall.ch/alles-ueber-ip-2017

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Minergie geht mit der Zeit: Der erfolgreichste Schweizer Baustandard will auch in Zukunft eine wichtige Rolle auf dem Baumarkt spielen. Im Bild: LU-001-A-ECO, Mehrfamilienhaus 1023 Boll, Kirchrainweg in Kriens.

NEUSTART STRATEGISCH AUFGEGLEIST MINERGIE RICHTET SICH NEU AUS von Minergie

Im Kontext veränderter Rahmenbedingungen richtet sich Minergie neu aus. An der Generalversammlung des gleichnamigen Vereins stellte Präsident Heinz Tännler konkrete Neuerungen vor und informierte über die Weiterentwicklung des erfolgreichsten Schweizer Baustandards.

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ie 18. ordentliche Generalversammlung des Vereins Minergie fand Mitte Juni 2016 in Fribourg statt, erstmals mit dem neuen Geschäftsleiter Andreas Meyer Primavesi. Präsident Heinz Tännler, Regierungsrat und Landammann des Kantons Zug, informierte über die Hintergründe der Neuausrichtung von Minergie und erste konkrete Ergebnisse der neuen Strategie.

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HAND IN HAND Wesentliche Treiber für die Neuausrichtung von Minergie sind die technischen Entwicklungen, die Energiestrategie 2050 und die Mustervorschriften der Kantone im Energiebereich MuKEn 2014. Diese sind energetische Mindestanforderungen, die von allen Bauten erfüllt werden müssen. Sie verfolgen das Ziel des «Nahezu-null-Energie­ gebäudes» (NZEB). Es ist so gebaut, dass

ihm im Jahresverlauf nahezu null Energie zugeführt werden muss, weil die benötigte Energie auf dem Grundstück, aus dem ­darunter liegenden Erdreich, am oder im Gebäude produziert wird.

ÜBERARBEITUNG BESTEHENDER STANDARDS Die MuKEn 2014 können dank der Vorarbeit von Minergie strengere Anforderungen


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an den Energiebedarf stellen, als der bisherige Basisstandard von Minergie dies vermochte. Damit alle Minergie-Standards ab 2017 mit den MuKEn 2014 kompatibel sind und auch in Zukunft einen Mehrwert gegenüber den gesetzlichen Anforderungen bieten, werden die Standards Minergie, Minergie-P und Minergie-A nun überarbeitet. Die Einführung einer Gesamtbilanz trägt der Tatsache Rechnung, dass sich dank hoch effizienter Gebäudehüllen der Fokus weg von der Heizenergie hin zu Warmwasser, Beleuchtung und Geräten, also im Wesentlichen hin zur Elektrizität verschiebt. Ab 2017 sind zudem alle Minergie-Gebäude teilweise oder ganz (Minergie-A) mit eigenproduzierter Energie zu versorgen. Neu soll für alle Minergie-Bauten ein einfaches Monitoring vorausgesetzt werden. Die Daten, die damit erhoben werden, dienen der Sensibilisierung der Nutzer und der künftigen Betriebsoptimierung. Neue Minergie-Gebäude werden künftig ohne Verbrennung fossiler Energien beheizt; Ausnahmen gibt es für die Fernwärmenetze und die Spitzenlastabdeckung. Am kontrollierten Luftwechsel hält Minergie fest, doch die Vorgaben werden flexibilisiert. Die Zertifizierung soll weiterhin den Grundsätzen der Einfachheit folgen, und die Anforderungen von Minergie sollen mit moderaten Mehrkosten erreicht werden können. Die bewährte Zusammenarbeit mit dem ­Verein eco-bau in den Bereichen Gesundheit und Bauökologie wird weitergeführt, und bezüglich Nachhaltigkeit arbeitet Minergie eng mit dem Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS) zusammen.

NEUE HANDLUNGSFELDER ERSCHLIESSEN Die Veränderungen in der Schweizer Energielandschaft und die starke Position der Marke Minergie ermöglichen die Erschliessung neuer Handlungsfelder. An der Generalversammlung wurden drei neue P ­ rodukte präsentiert, nämlich das Qualitätssicherungssystem MQS, Minergie-S als Dienstleistung zur Optimierung bestehender ­G ebäude, sowie die Minergie-System­ erneuerung für die vereinfachte, etappierbare Gesamterneuerung von G ­ ebäuden.

QUALITÄTSSYSTEM FÜR BESSERE BAUQUALITÄT Mit der Ausdehnung der heute bestehenden Qualitätssicherung auf den gesamten Bauprozess sorgt das Qualitätssystem MQS für bessere Bauqualität. Das ist dringend nötig: Die Behebung von Baumängeln ­kostet jährlich zirka 1.6 Milliarden CHF. Die Verschärfung der Musterverordnung der Kantone MuKEn 2014 wird diese eindrückliche Zahl vermutlich noch vergrössern. Fehler an Gebäudehülle und Gebäudetechnik bei «Nahezu-null-Energiegebäuden» wirken sich erheblich auf die Bauqualität und die Energieeffizienz aus. Mit MQS wird Minergie auch in der Bauphase aktiv, fordert eine umfassende Baudokumentation und verlangt systematisch Inbetriebsetzungsprotokolle zu Heizungs- und Lüftungsanlagen.

OPTIMIERUNG BESTEHENDER GEBÄUDE Minergie-S soll die Qualitätsansprüche von Minergie in puncto Wohnkomfort und Energieeffizienz während des Betriebs ­garantieren. Mittels Datenerhebung und Begehung vor Ort soll eruiert werden, ob

Massnahmen zur Optimierung möglich sind. Der erfolgreiche Abschluss der Optimierung soll mit einem Minergie-Betriebszertifikat bestätigt werden.

MINERGIE-SYSTEMERNEUERUNG: SANIERUNG IN ETAPPEN Rund 1,5 Millionen Gebäude in der Schweiz weisen ein enormes Sanierungspotenzial auf – vor allem aus energetischer Sicht. Hier setzt die Minergie-Systemerneuerung an. Sie wurde an der Swissbau 2016 lanciert und umfasst fünf Systemlösungen, die auf bestehende Bauten und individuelle Bedürfnisse der Bauherrschaften abgestimmt werden können. Sie kombinieren Massnahmen in den Bereichen Gebäudehülle und Gebäudetechnik. Eine besondere Stärke des Erneuerungskonzepts ist die Möglichkeit der Umsetzung in Etappen über mehrere Jahre. Damit adressiert Minergie eines der grossen Hindernisse bei energetischen ­Sanierungen: die Finanzierbarkeit. Gleichzeitig wird sichergestellt, dass die einzelnen Massnahmen aufeinander abgestimmt sind.

PERSONELLE UND ORGANISATORISCHE VERÄNDERUNGEN Auch personelle und organisatorische ­Veränderungen waren ein Thema an der Generalversammlung. Vizepräsident Ruedi Kriesi, Vorstandsmitglied Martin Hofmann und der ehemalige Geschäftsführer Christian Röthenmund wurden offiziell verabschiedet. Neu in den Vorstand gewählt wurde Franz Sprecher vom Hochbauamt der Stadt Zürich. Als neuer Vizepräsident wurde Hansruedi Kunz vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft AWEL der Baudirektion des Kantons Zürich ernannt. Auch der Verein selbst gibt sich eine neue, zukunftsorientierte Struktur: Das langjährige Agenturmodell wird aufgegeben; künftig wird Minergie die Schlüsselpersonen, insbesondere den Geschäftsleiter und die Mitglieder der Geschäftsleitung mit Verantwortungsbereichen gemäss Organigramm, selbst einstellen. Die dafür notwendigen Statutenänderungen wurden an der Generalversammlung genehmigt.

MINERGIE ist der Baustandard für Wohnkomfort mit spezifischem Energieverbrauch. www.minergie.ch

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© Eternit

BAUEN

Dächer können sehr vielfältig sein. Es stellt sich unter anderem die Frage der Kosten-Nutzen-Relation.

DAS REIHENHAUS MIT STEILDACH KOSTENEFFIZIENT UND UMWELTFREUNDLICH von Melanie Wallner

Reihenhäuser sind auch in der aktuellen Bausaison eine gefragte Lösung. Für viele Bauträger gilt in der Planung die Frage nach der geeigneten Dachform. Vor der Entscheidung für eine Dachkonstruktion sollten einige Faktoren beachtet werden – das belegt eine aktuelle Studie der TU Wien.

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erade bei jungen Familien erfreut sich das Reihenhaus besonderer Beliebtheit. Abhängig von der Lage und Grösse sind sie meist günstiger als freistehende Häuser und für kleine Familien wesentlich komfortabler als eine Wohnung. So kommt spätestens, wenn sich der erste Nachwuchs ankündigt, das Thema der aktuellen Wohnsituation zur Sprache. Zunutze machen sich dieses Wissen Bauträger wie auch Genossenschaften und errichten ganze Reihenhaussiedlungen. Auftrag­ geber und Planer achten hierbei meist auf die Kosten-Nutzen-Aspekte der Errichtungskosten versus Erträge, vor allem in der Auswahl der Dachkonstruktion.

FLACHDACH ODER STEILDACH «Da das Steildach aufgrund der Konstruktion etwas planungsintensiver als das Flachdach ist, es meist mit zu hohen Herstellungskosten in Verbindung gebracht wird und Nachhaltigkeit, wie langfristige Erhaltungskosten, ohnehin selten berück-

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sichtigt werden, entstehen in Österreich immer mehr Reihenhäuser mit Flachdach», vermutet Alfred Steingress, Sprecher der Initiative Pro Steildach. Doch eine Untersuchung des Forschungsbereichs für Industriebau und interdisziplinäre Bauplanung der TU Wien beweist, dass vor allem langfristige Kosten des Daches nicht zu unterschätzen sind. In der Fallstudie, durchgeführt von Prof. Iva Kovacic, wurden zwei unterschiedliche Dachtypen von Reihenhäusern – das Flachdach mit dem Steildach – im Lebenszyklus verglichen. Die Ergebnisse fallen teilweise überraschend aus und zeigen, dass das Steildach mit nicht so hohen Kosten verbunden ist, wie oft befürchtet wird. Im Gegenteil: Mittelund langfristig betrachtet erweist sich das Steildach sogar als günstiger als das Flachdach. «Anfänglich ist die Dachkonstruktion bei einem Reihenhaus mit Steildach teurer, jedoch im Lebenszyklus von 50 Jahren kostengünstiger», fasst Studienleiterin Prof. Kovacic zusammen.

DAS PERFEKTE DACH FÜR DIE FAMILIE Für junge Paare, die sich gerade erst für ein Reihenhaus entschlossen haben, spielt der finanzielle Aspekt eine wichtige Rolle. Hier sollte jedoch neben den Anschaffungs­ kosten auch der Erhaltungsaufwand genauestens unter die Lupe genommen werden. Im Rahmen der TU-Studie wurde eine bestehende Reihenhausanlage untersucht. Basierend auf realen Planungsunterlagen wurden zwei Reihenhäuser – ein Steildachund ein Flachdach-Reihenhaus – einander gegenübergestellt. Um den Heizwärme­ bedarf besser gegenüberstellen zu können, wurde ein mittig platziertes Haus in der ­R eihenhausanlage gewählt. Betrachtet man die Gesamt-Lebenszykluskosten für 50 Jahre, bezogen auf das gesamte Gebäude, so ist das Reihenhaus mit Steildach anfänglich teurer, jedoch im Lebenszyklus kostengünstiger. Ein Flachdach-Reihenhaus dagegen weist höhere Erhaltungs­ kosten auf. Gerade die Tatsache, dass das


Steildach geringfügig teurer in der Grund­ investition ist und somit einen höheren Kaufpreis hat, ist für Familien mit ohnehin knappen Budgets problematisch. Aus diesem Grund soll die anfängliche Investition so niedrig wie möglich gehalten werden. Daher fällt die Entscheidung meist auf das günstigere Flachdachobjekt, ohne dabei die Folgekosten zu berücksichtigen.

© VELUX

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DAS STEILDACH ALS BEITRAG EINER NACHHALTIGEN ZUKUNFT

MEHR PLATZ DANK DACHSCHRÄGEN Das Steildach schafft nach einem Ausbau des Dachgeschosses zusätzlichen Wohnraum, so wird der Baugrund optimal genutzt. Die Bauordnung bestimmt unter anderem die maximale Gebäudehöhe, die ein Objekt nicht überschreiten darf. Abhängig von der Bauklasse und den Kantonen sowie ­Gemeinden variiert diese Maximalhöhe. Bei Giebelfronten kann diese aber je nach Bauordnung überschritten werden, somit generiert das Steildach zusätzliches Volumen. Auch ein Reihenhaus ohne Dachausbau hat mehrere Vorteile: Zum einen werden Anschaffungskosten niedriger gehalten.

Ein Steildach schafft zusätzlichen Raum.

Zum anderen ermöglicht es einen schrittweisen Ausbau und somit eine nachträg­ liche Objektwertsteigerung, da Wohnnutzfläche geschaffen wird.

WARTUNG UND INSTANDHALTUNG Ein Dach ist rund um die Uhr und über Jahrzehnte hinweg jeglicher Witterung ausgesetzt und ist somit eines der am stärksten beanspruchten Bauteile eines Hauses. Da es meist nicht im direkten Blickfeld des ­B etrachters liegt, wird es in der Instand­ haltung oft vernachlässigt. Die Folgen beim Flachdach sind meist schwerwiegender als beim Steildach: Beispielsweise durch Laub verstopfte Entwässerungsrinnen verhindern den Abfluss von Regenwasser oder Schneeschmelze. Bleibt dies beim Flachdach unbemerkt, dringt früher oder später stehendes Wasser durch das Dach in den Wohnraum ein und richtet erhebliche kostenintensive Schäden an. Bei einem Steildach hingegen läuft das Wasser problemlos über die Dachfläche ab. Flachdächer sind ausserdem aufgrund ihrer horizontalen Konstruktion höheren Belastungen ausge-

setzt, wie beispielsweise durch Schnee. Die Gebäudebewegungen, Schwingungen und Vibrationen der Konstruktion selbst können die Abdichtungen binnen kurzer Zeit porös und undicht machen. Das macht das Flachdach besonders pflegeintensiv. Zudem werden Häuser mit Flachdach infolge des geringeren Eigengewichts der Dachkon­ struktion bei schweren Stürmen leichter abgedeckt. Wesentlich besser steckt das Steildach Witterungseinflüsse weg und ist so gut wie wartungsfrei: Regenwasser fliesst schneller ab, und auch Schneemassen rutschen dank des Neigungswinkels rascher herunter. «Somit ist das Steildach im Vergleich zum Flachdach weniger wartungsintensiv und infolgedessen in der Instandhaltung deutlich günstiger», erklärt Prof. Kovacic.

MELANIE WALLNER organisiert die externe Medienbetreuung der Initiative Pro Steildach. www.meinsteildach.at

© Eternit

Nachhaltigkeit und der verantwortungsvolle Umgang mit der Umwelt sind wichtige Themen unserer Zeit. Das spiegelt sich in jeglichen Lebenslagen wider. Egal, ob bei der Mülltrennung oder dem Umstieg vom Auto zum Fahrrad, Umweltbewusstsein liegt im Trend: Diese Entwicklung zieht sich bis zum Hausbau und somit auch zur Dachauswahl. «Ökologisch betrachtet hat das Steildach mehr Vorteile als das Flachdach. Auf den Lebenszyklus von 50 Jahren gesehen, liegt die Ersparnis des Steil­ daches gegenüber dem Flachdach bei 22 Tonnen CO2. Betrachtet man die Kosten für den Bauteil Dach, also die Dachhülle inklusive der Konstruktion, ist das Flachdach zwar um zehn Prozent kostengünstiger pro Quadratmeter Dachfläche, jedoch am Ende des Lebenszyklus mehr als doppelt so teuer wie das Steildach», erklärt Prof. Kovacic. Diese Kostendifferenz der Herstellungskosten ist im Wesentlichen den eingebauten Dachfenstern im Steildach zuzuschreiben. Die dadurch gewonnene natürliche Belichtung durch das Dach verbessert jedoch die Lebensqua­ lität erheblich. Dank des verwendeten ­Baumaterials Holz, ist der Bauteil Dach beim Steildach in der Ökobilanz günstiger und wirkt sich zusätzlich positiv auf die Umwelt aus.

Auch die Ökobilanz spricht für das Steildach.

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AUS- & WEITERBILDUNG

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AUS- & WEITERBILDUNG

LERNEN, LERNEN UND LERNEN DIE NOTWENDIGKEIT VON AUS- UND WEITERBILDUNG von Georg Lutz

Mit folgenden Sätzen rennt man offene Türen ein: Unternehmen müssen innovativ und wettbewerbsfähig agieren. Die Qualifikation und vor allem die Weiterqualifikation sind dabei wichtige Bausteine. Heutiges Know-how ist morgen schon wieder überholt. Vor diesem Hintergrund kommt einer gezielten Weiterbildung im Rahmen von Unternehmen eine wichtige Bedeutung zu. Soweit die Theorie, die in Sonntagsreden beschworen wird. In der Praxis sieht das schon anders aus. Nehmen wir das Beispiel der angestrebten Energiewende. 49 Prozent des Verbrauchs fossiler Energieträger und 37 Prozent des elektrischen Energieverbrauchs gehen auf die Nutzung bestehender Gebäude zurück. Sind die Akteure und Verantwortungsträger der Baubranche auf die Herausforderungen der Innenverdichtung, selbstverständlich mit hoher Lebensqualität oder der Solarenergie, die in den nächsten Jahren dezentrale Energiespeichermöglichkeiten braucht, vorbereitet? Wir von bauRUNDSCHAU glauben, dass es hier noch Luft nach oben hat, und publizieren daher ab dieser Ausgabe eine Rubrik mit dem Namen Aus- & Weiterbildung. Auf den folgenden Seiten beginnen wir mit dem Thema Holz als Baustoff und Weiterbildung. Ausgabe 03/2016 // Seite 67


AUS- & WEITERBILDUNG

IN ZUKUNFT DIGITAL VERNETZT NEUES WEITERBILDUNGSANGEBOT von Charles von Büren und Thomas Rohner

Das neue CAS «Digitale Vernetzung im Holzbau» der Berner Fachhochschule (BFH) verweist in die Zukunft des Bauens mit Holz. Zu lernen ist, wie digitale Prozesse in Entwurf, Planung, Ausführung, Bewirtschaftung und Umbau zu beherrschen sind und welche Chancen und Potentiale sich daraus für den Holzbau ergeben. Fachjournalist Charles von Büren und Thomas Rohner, Studienleiter und Prof. für Holzbau und BIM an der BFH im Gespräch mit Enrico Uffer.

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nnovation ist wichtig. Im Gespräch betont der Geschäftsleiter der Uffer AG in Savognin, Enrico Uffer: «Bei der Uffer AG wird Know-how nicht als Zustand sondern als laufender Prozess verstanden.» Die Firma Uffer arbeitet als Unternehmungsverbund schwergewichtig im Bereich Holzbau, aber auch als Baumeister, Gipser und generell für Planung, Bauleitung und Energiekonzepte als General- und Totalunternehmen. Wer innovative Lösungen anstrebt, muss offen für andere Standpunkte, nachhaltige Ansätze und neue Produkte sein. Uffer arbeitet in einem Netzwerk mit TechnologieLeadern aus den Bereichen Bau-, Energie- und Haustechnik. Ein Anliegen sind schnelle interne Wege und ein umfassendes Wissen, die vereinfachte Abläufe rund um das Bauen ermöglichen.

LEITOBJEKT FÜR PRAXISNAHE WEITERBILDUNG Für den Weiterbildungskurs «Digitale Vernetzung im Holzbau» hat die Firma Uffer ein Leitobjekt mit sämtlichen Daten zu Architektur, HLKS-Planung, Statik-, Bauphysik-, Brandschutzkonzept, Holzkonstruktion sowie die CNC-Daten zur Verfügung gestellt. Es handelt sich um ein Hotel in Modul­ bauweise, «Bever Lodge», ein Objekt das

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Betrachtungen und Berechnungen am einzelnen Modul oder am gesamten Gebäude zulässt. Das Leitobjekt zieht sich als roter Faden durch den ganzen Weiterbildungskurs. Die Dozierenden aus Lehre, Wirtschaft und Forschung referenzieren ihre Inhalte am Leitobjekt und schaffen so für die Teilnehmenden einen systematischen und kontinuierlichen Wissensaufbau – ein grosses Plus für die Kursteilnehmer. Der Kurs richtet sich an Kaderleute aus Architektur, Holzbau, Ingenieurwesen, Projektmanagement und Produktionsleitung, die anspruchsvolle Aufgaben im Holzbau übernehmen.

den Unternehmer Enrico Uffer zur Digitalisierung im Holzbau und für wen dies alles eine Herausforderung wie auch eine Chance darstellen kann, befragt:

DIGITALE BAUKULTUR AUF DER BASIS VON TRADITION UND HANDWERK

Seit wann ist der Begriff der digitalen Vernetzung für Sie, Herr Uffer, als Unternehmer eine Realität im Berufsalltag? Die Vertreter der Holzbranchen in der Schweiz sind grundsätzlich «Prototypbauer», im Denken wie im Handeln. Das hat viel mit Tradition und Berufsstolz zu tun. Zurückschauend war es ein laufender Prozess der nun schon seit mehr als zehn Jahren läuft. Wir haben uns immer gefragt, was kommt nach der Einführung von CAD, CNC, CAM? Wie könnte diese digitale Entwicklung einen zusätzlichen Mehrwert erzeugen?

Für den Werkplatz Schweiz sind die Digitalisierung und die Industrialisierung die grosse Chance, alle Prozessketten vom wachsenden Baum bis zum fein verarbeiteten Wohnmodul zu optimieren. Es ergibt sich eine digitale Baukultur basierend auf Tradition, Handwerk und einheimischen Werkstoffen. Der Fachjournalist Charles von Büren und Thomas Rohner, Studienleiter CAS Digitale Vernetzung und Prof. für Holzbau und BIM an der BFH haben

Haben Sie eine entsprechende Ausbildung absolviert? Ich habe wie die meisten in unserer Branche eine klassische technische Ausbildung mit betriebswirtschaftlichem Nachdiplomstudium erlebt. Diese Kompetenzen miteinander zu verschmelzen ist Teil der täglichen Praxisarbeit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die digitale Vernetzung diesen Prozess in Zukunft beschleunigen wird.


© Uffer AG

© Uffer AG

AUS- & WEITERBILDUNG

Enrico Uffer an seinem Arbeitsplatz.

Das Hotel «Bever Lodge» wurde in Modulbauweise realisiert.

Wären Sie bereit gewesen, einen Kurs wie ihn die AHB jetzt anbietet zu besuchen? Ja, auf jeden Fall. Der Lektionenplan ist sehr abwechslungsreich gestaltet und verspricht viele spannende Einblicke in die Vernetzung der digitalen Welten. Ist das Thema Digitale Vernetzung vor allem für Holzbauer und Unternehmer wichtig. Oder auch für Architekten und Ingenieure? Die digitale Vernetzung ist vor allem dann spannend, wenn sie in der ganzen Prozesstiefe zur Geltung kommt. Nur so ist eine Effizienz- und Qualitätssteigerung überhaupt möglich. Wenn die Vernetzung dann auch noch branchenübergreifend funktioniert und alle Prozesse über das Gesamtwerk funktionieren, sind wir gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft. Aber Hand aufs Herz – das ist noch ein langer Weg. Welches sind in Stichworten die Vorteile von Kenntnissen zur Digitalen Vernetzung im beruflichen Alltag? • einfache und klar strukturierte ­Kommunikation • Steigerung der Planungssicherheit • einfache Überwachung der Prozesse • Verknüpfung der CAD / CNC Daten mit Zeit, Kosten und Prozesse • Steigerung der Effizienz durch Vermeidung von Schnittstellenproblemen Wer die digitalen Prozesse beherrscht, übernimmt künftig eine zentrale Rolle im Planungsteam. Welche Chancen und neue Rollen sehen Sie für den Holzbauingenieur und den Holzbauer und

welche Anforderungen werden künftig an diese gestellt? Die Chancen, bereits im Planungsteam eine führende Funktion zu übernehmen, steigen mit der Zunahme der Komplexität der Aufgaben. Wenn die Evaluation nicht mehr in der Submissionsphase über den Preis, sondern bereits viel früher über die Qualität der Dienstleistungen erfolgt, ist das immer ein Vorteil. Ein breites und vernetztes Fachwissen, welches vielfach bereits bei der Positionierung der strategischen Geschäftsfelder beginnt, ist in der Holzbaubranche sehr ausgeprägt. «Schnelldenken» und «Machermenta­ lität» sind aber auch mit digitalen Prozessen nicht zu ersetzen. Wie beurteilen Sie den Ansatz der Berner Fachhochschule, den neuen Weiterbildungskurs anhand eines konkreten, realisierten Leitobjekts aufzubauen? Es ist natürlich ein Vorteil wenn Praxisbeispiele die Leitplanken setzen. Abschliessend ist es immer aufschlussreich, die in der Theorie gewählten Ansätze mit der tatsächlich umgesetzten Lösung zu vergleichen. Das macht die Analyse der eigenen Arbeit einfacher.

«Die Chancen … steigen mit der Zunahme der Komplexität der Aufgaben»

CAS DIGITALE VERNETZUNG IM HOLZBAU Zielpublikum: Kaderleute aus Architektur, Holzbau, Ingenieurwesen, Projektmanagement und Produktionsleitung Lerninhalte: • BIM (Building Information Modeling): Definitionen und Grundverständnis, Verständis für Fachinformations­ modelle, Schnittstellen etc. • Digitale Prozesse: Entwurf, Planung, Ausführung, Bewirtschaftung, Umbau • Digitale Produktion: Digitale Kette CAD-CAM, Solid-Modeling, Topologie­ modellierter Körper, Parametrische ­Modellierung, Integration aller Gewerke in die CAD-CAM-Kette • Digitale Vernetzung: BIM-Konzept, ­Industrie 4.0 etc. ECTS: 12 Credits nach ECTS Ausbildungsdauer: 27. Oktober 2016 bis 10. März 2017 Ort: Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau, Solothurnstrasse 102, Biel Information und Anmeldung: ahb.bfh.ch/casdigitalevernetzung Partner: National Centre for Com­ petence in Research (NCCR) Digital Fabrication der ETH Zürich, Bundesamt für Umwelt BAFU – Aktionsplan Holz, Holzbau Schweiz, Schweize­rische Zentralstelle für Baurationali­sierung CRB, EnergieSchweiz

Berner Fachhochschule  |  Architektur, Holz und Bau  |  Solothurnstrasse 102  |  CH-2500 Biel  |  Tel. +41 (0) 32 344 03 30 wb.ahb@bfh.ch  |  www.ahb.bfh.ch

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AUS- & WEITERBILDUNG

WEITERE AKTUELLE WEITERBILDUNGSANGEBOTE: CAS Gebäudeschutz gegen Naturgefahren, Start: 27. September 2016 ahb.bfh.ch/casgebaeudeschutz CAS Digitale Vernetzung im Holzbau, Start 27. Oktober 2016 ahb.bfh.ch/casdigitalevernetzung CAS Solararchitektur, Start: 9. Februar 2017 ahb.bfh.ch/cassolarchitektur

HOLZTRAGWERKE IN DER PRAXIS ZWEITE DURCHFÜHRUNG DES WEITERBILUNGSANGEBOTS von Berner Fachhochschule

Mehrgeschossige Holzbauten werden höher, weitgespannte Holzkonstruktionen aussergewöhnlicher. Spezialistinnen und Spezialisten mit entsprechendem Fachwissen sind gefragt. Zum zweiten Mal bietet die Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau 2016 mit dem CAS Holz-Tragwerke eine gezielte Weiterbildung an.

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er Holzbau hat in den vergangen Jahren einen Quantensprung gemacht. Neue Holzwerkstoffe und Verbindungssysteme, neue Berechnungsund Konstruktionsmethoden haben aus Holz einen Hightech-Werkstoff gemacht. Der moderne Holzbau entfaltet immer wirksamer sein Potenzial, er gewinnt an Höhe und Tragweite. Mehrgeschossige Holzbauten werden grösser, weitgespannte Holzkonstruktionen aussergewöhnlicher.

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AUS- & WEITERBILDUNG

Durch die vielfältigen Möglichkeiten mit Holz als Baustoff der Zukunft steigt auch die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften. Das entsprechende Wissen vermittelt das CAS Holz-Tragwerke der Berner Fachhochschule.

GELUNGENE MISCHUNG AUS THEORIE UND PRAXIS Der Weiterbildungskurs findet 2016 zum zweiten Mal statt. Die Teilnehmenden der ersten Runde 2014 zeigten sich insbesondere angetan vom Praxisnutzen des CAS. «Ich habe eine sehr gute Vorstellung vom Tragwerk erhalten und wie man gewisse Dinge auch noch lösen könnte», so ein Teilnehmer aus dem Architekturbereich. Auch die Exkursionen wurden positiv ­hervorgehoben, so etwa die Werkbesichtigung bei der ERNE AG Holzbau. Sie boten Gelegenheit zum vertieften Austausch. Auch Studienleiter Andreas Müller, Professor für Holzbau und Baukonstruktion an der Berner Fachhochschule, zeigt sich ­zufrieden: «Die erste Durchführung 2014 war ein schöner Erfolg. Wir erreichten eine gute Mischung der Dozierenden, von theoretischen und praktischen Inputs und es herrschte reger Austausch zwischen den Teilnehmenden, Dozierenden und auf den Exkursionen.»

MEHRGESCHOSSIGE HOLZ­ BAUTEN UND WEITGESPANNTE HOLZKONSTRUKTIONEN

fügen nach dem Abschluss über fundiertes Wissen darin, Holztragwerke zu konstruieren und zu bemessen; sowohl im Bereich der mehrgeschossigen Holz- und Hybridbauten wie auch bei weitgespannten Konstruk­ tionen und Freiformen aus Holz. Die Dozierenden setzten sich zusammen aus ausgewiesenen Fachleuten aus der der Wirtschaft

im Bereich Holzingenieur­wesen und Holzbau sowie erfahrenen Fachspezialisten aus Forschung und Entwicklung. Der Zeritifikatskurs wurde in enger Zusammenarbeit mit Fachleuten aus der Planung und Holztechnik entwickelt und zeichnet sich durch seinen intensiven Praxisbezug aus

CAS HOLZ-TRAGWERKE Zielpublikum: Technikerinnen und Techniker HF Holzbau, Bauingenieurinnen und Bauingenieure, Holzbauingenieurinnen und Holzbauingenieure, Architektinnen und Architekten Inhalt: • Einführung und Grundlagen zu Tragwerksentwurf, Nachweisverfahren, materialspezifischen Eigenschaften, Bemessung und Brandschutz, Exkursion • Mehrgeschossiger Holzbau: Grundlagen, Entwurf, Analysen, Gebäude­ aussteifung und –stabilität, Planung und bauliche Umsetzung, Projektarbeit • Verbundbau: System, Konzepte, Bemessung • Weitgespannte Konstruktionen: Einführung, Stabilität und Bemessung Sonderträger, Kosten / Wirtschaftlichkeit, Freiformen und Schalentragwerke, Verbindungssysteme, Exkursion • Baudynamik im Holzbau: Einführung, Schwingungsverhalten, Erdbebensicherheit • Zustandserfassung und Ertüchtigung bestehender Holzbauten: Methoden, Grundlagen SIA 269 / 5, Analyse Ausbildungsdauer: 15. September 2016 bis 03. Februar 2017 Ort: Berner Fachhochschule Architektur, Holz und Bau, Solothurnstrasse 102, Biel Information und Anmeldung: www.ahb.bfh.ch/casholz-tragwerke

Der Zertifikatskurs vermittelt die material­ spezifischen Eigenschaften des Baustoffs Holz sowie die vielfältigen Möglichkeiten des Ingenieurholzbaus. Die Teilnehmenden ver-

Das CAS Holz-Tragwerke ist Teil des MAS Holzbau, kann aber auch einzeln besucht werden. Weitere Informationen zum MAS Holzbau: ahb.bfh.ch/masholzbau Partner: Bundesamt für Umwelt BAFU – Aktionsplan Holz, Lignum Holzwirtschaft Schweiz

Berner Fachhochschule  |  Architektur, Holz und Bau  |  Solothurnstrasse 102  |  CH-2500 Biel  |  Tel. +41 (0) 32 344 03 30 wb.ahb@bfh.ch  |  www.ahb.bfh.ch

Weiterbildung mit Praxisbezug CAS Holz-Tragwerke | Start: 15. September 2016 CAS Gebäudeschutz gegen Naturgefahren | Start: 27. September 2016 CAS Digitale Vernetzung im Holzbau | Start: 27. Oktober 2016 CAS Solararchitektur | Start: 9. Februar 2017

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Student: Cyril Rutz

AUS- & WEITERBILDUNG

Nolliplan der Gemeinde Schwellbrunn: Der Traum vom Dorf als öffentlicher Ort. Je heller der Ort desto öffentlicher wäre er, doch sind alle mit dem Auto unterwegs.

LEHREN – LERNEN – FORSCHEN ARCHITEKTURSTUDIUM ZWISCHEN THEORIE UND PRAXIS von Prof. Daniel A. Walser

In der Schweiz gelangen Studierende mit einem berufsnahen Hintergrund an die Fachhochschulen. Dadurch sind diese noch immer näher an der Praxis als die vom Gymnasium kommenden Studierenden, welche an Hochschulen studieren, selbst wenn diese Grenzen immer fliessender werden. Der direkte Bezug zum Beruf ist eine echte Chance.

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n der Hochschule für Wirtschaft und Technik HTW Chur wird in der Architektur- aber auch in der Bauingenieurausbildung stark Wert auf die ­Berufsbefähigung des Bachelor-Studiums gelegt. Die Studierenden sollen keine Angst vor der heutigen Komplexität des Bauprozesses haben und sich kompetent in den Bauprozess einbringen können. Bereits 1930 ermahnte Otto Salvisberg, dass die akademische Architekturausbildung Studierende am damaligen Polytechnikum in Zürich «zu eigenem Schauen, ­e igenem Denken und Schaffen und zu ­eigener Leistung zu befähigen und ihn, mit sauberer Baugesinnung ausgestattet». Doch dies dient nur einem Ziel: Die Studierenden «für die praktische Arbeit vorzubereiten». Ein Praktikum in einem Architekturbüro ist noch immer die direkteste Möglichkeit sich mit dem Bauprozess und den Anforderungen im Architekturbüro

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vertraut zu machen. Doch leistet gerade der Unterricht viel für die Formierung des Denkens. Die Studierenden brauchen sowohl solides Fachwissen wie auch theoretisch fundierte Werkzeuge um später effektiv arbeiten zu können. An einigen Beispielen aus meinem eigenen Unterricht suche ich dies im Folgenden zu erläutern. Als ich 1999 an der HTW Chur als wissenschaftlicher Mitarbeiter angefangen habe, hat mir der damalige Studienleiter, der Bau­ ingenieur Jürg Conzett, lapidar erklärt, dass man das lehren soll, was einen selber interessiert und wo man auch selber etwas lernen könne. Dann lernen beide: Die Studierenden aber auch die Dozierenden.

ENTWERFEN: AUS DER PRAXIS FÜR DIE PRAXIS Die mit dem Entwerfen beschäftigten Fachbereiche, wie Entwurf, Konstruktion und Städtebau, sind dafür prädisteniert effektive Fragestellungen zu bearbeiten. Im Rahmen

des Unterrichts im Fach Städtebau erarbeiteten die Studierenden 2010 und etwas detaillierter 2015 mögliche Entwicklungspotentiale für die Gemeinde Schwellbrunn im Kanton Appenzell Ausserrhoden. Ziel der Projekte war spezifische Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung der Gemeinde zu erarbeiten. Wichtig war dabei sich nicht nur auf das Zentrum zu fokussieren, sondern auch mit den umliegenden Teilen der verzettelten Gemeinde auseinanderzusetzen und sich klar zu werden, was die starke ­M obilisierung für die Entwicklung der ­G emeinde bedeutet. Wenn die höheren Schulen und meisten Arbeitsstellen ausserhalb der ­Gemeinde liegen. Gemeinden funktionieren heute in ihrem alltäglichen Gebrauch so wie früher einzelne Quartiere. Sie sind Teil eines grösseren Systems. Diese mobile Lebensweise ist urban, obwohl sie im v­ ermeintlich ruralen Raum stattfindet. Die Architektur muss immer spezifisch sein, ­damit der Ort besser wird.


Selbst theoretische Fächer wie Architekturtheorie oder Architekturgeschichte können den Studierenden wichtige Werkzeuge in die Hand geben, um ihre Entwürfe präziser zu fassen und zu entwickeln. Hierbei geht es nicht darum historische Konzepte zu wiederholen, sondern aus ihren räumlichen und konstruktiven Möglichkeiten zu lernen und diese für die Gegenwart fruchtbar zu machen. In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Möbelhersteller USM analysierten die Studierenden im Frühlingssemester 2015 modulare Gebäude. Die Ergebnisse wurden später in einer Ausstellung präsentiert, wo sowohl die Lehre in Architekturgeschichte als auch -theorie vorgestellt wurde.

Student: Reto Gmür

Strukturmodel der Maison Clarté von Le Corbusier als Recherche über das modulare Bauen.

Haupthotel der alpinen Siedlung Flaine von Marcel Breuer.

Student: Manuel Della Cristina

THEORIE: RETHINK THE MODULAR, LEHRE ALS FORSCHUNG

AUS- & WEITERBILDUNG

WAHLFACH: DIE MODERNE STADT IN DEN ALPEN Der Besuch gebauter Architektur zeigt direkt die Chancen aber auch Grenzen von spezifischen Konzepten. Für das Bauen in den Alpen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich einmalige Siedlungen, die heute der jungen Generation nicht mehr bekannt sind, doch damals zentrale Marksteine im Architekturdiskurs waren. Durch ihre architektonische Stringenz und klaren Ausformulierung sind sie bis heute vorbildlich. Im Herbstsemester 2015 besuchten wir in den Französischen Savoyen neugegründete Städte in den Alpen wie Flaine (1961-76) des Bauhausschülers Marcel Breuer, Les Arcs (19672003) der ehemaligen Mitarbeiterin von Le Corbusier Charlotte Perriand und Avoriaz (1966-2003) des Atelier d’Architecture d’Avoriaz.

Pendlerbewegungen im Unterengadin: Das Tal wird zum gelebten Dorf.

Architektur unterrichten, heisst sich in das aktuelle Geschehen involvieren und den Studierenden Werkzeuge in die Hand ­geben, damit sie sich aktiv in den Bauprozess einbringen können. Dabei spielen Konstruktion, Struktur, Raum aber auch der spezifische Ort eine entscheidende Rolle. Im alpinen Raum, wo sowohl die territorialen, kulturellen aber auch die klimatischen Anforderungen erhöht sind, ist dies besonders wichtig. Die HTW Chur versucht ihre Studierenden darauf gezielt vorzubereiten.

PROF. DANIEL A. WALSER ist Architekt, forscht und unterrichtet am Institut für Bauen im alpinen Raum IBAR der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur in den Bereichen Architektur­g eschichte, -theorie und Städtebau. www.htwchur.ch

Architektur und Bauingenieurwesen Bachelor-Studium

Von der Planung über die Konstruktion bis zur Baurealisation – die Bachelor-Studiengänge Architektur und Bauingenieurwesen der HTW Chur bereiten Sie auf die zukünftigen Herausforderungen als Architektin/Architekt oder Bauingenieurin/Bauingenieur vor. Legen Sie Ihren Grundstein: htwchur.ch/bau

FHO Fachhochschule Ostschweiz

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AUS- & WEITERBILDUNG

DAS WISSEN AUF DEN STAND BRINGEN ÄSTHETIK UND TECHNIK AM BAU IM EINKLANG von Manuel Pestalozzi

TAGESSEMINARE «ZUKUNFTSGERECHTE ARCHITEKTUR» Aufbruch mit neuen Standards SNBS, Plusenergie-Gebäude (SIA 2031), Minergie, GEAK, MuKEN Weitere Informationen: Jürg Kärle, Projektleiter energie-cluster.ch, Tel. 031 318 61 12, Monbijoustrasse 35, 3011 Bern juerg.kaerle@energie-cluster.ch | www.energie-cluster.ch

Visualisierung der Sanierung des Plusenergie-Mehrfamilienhaus Hofwiesenstrasse / Rothstrasse in Zürich.

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© Viridén + Partner AG, Zürich

Der Gebäudebestand muss einen wesentlichen Beitrag leisten, will die Schweiz die Ziele der Energiestrategie 2050 des Bundes erreichen. Die neuen Tagesseminare «Zukunftsgerechte Architektur» des energie-cluster.ch verhelfen zu einem Überblick und bieten Unterstützung. Highlight ist die Präsentation einer grösseren innerstädtischen Wohnliegenschaft, die in ein Plusenergie-Gebäude verwandelt wird.


AUS- & WEITERBILDUNG

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as Zielpublikum der Tagesseminare sind Fachleute aus den Bereichen Architektur, Planung, Ingenieur­ wesen, Gebäudetechnik, Gebäudehülle, Solar / Fotovoltaik und Holzbau. Auch Zuständige aus der Immobilienbewirtschaftung, von Energieversorgern der öffentlichen Hand und für Investoren versorgen sie mit wertvollen Informationen und Tipps. Die Referate haben das Ziel, ­Wissenslücken zu schliessen und be­stehende Kenntnisse zu aktualisieren. Schliesslich tut sich im Bereich Energieeffizienz sehr viel.

NEUE REALITÄTEN Die Massnahmen zum Erreichen einer hohen Energieeffizienz im Gebäudebereich sind zwar etabliert und stossen auf breite Anerkennung. Doch sie entwickeln sich ständig weiter. Entsprechend werden ­Labels und Standards laufend überprüft und der Entwicklung angepasst. Die Tagesseminare «Zukunftsgerechte Architektur» vermitteln unabdingbares Wissen zu den

Standards SNBS, Plusenergie-Gebäude (SIA 2031), Minergie, GEAK, und MuKEn, welche Massstäbe für die technische Qualität, die Leistungsfähigkeit und die energetische Bilanzierung setzen. Eine zukunftsgerechte Architektur darf sich aber nicht auf das Einhalten bestimmter Messwerte beschränken. Sie besitzt eine Verantwortung gegenüber den Nutzerinnen und Nutzern wie auch der allgemeinen Öffentlichkeit. Sie muss diese durch eine anmutige, nicht bloss auf das Energiesparen ausgerichtete Gestaltung von ihren Qualitäten überzeugen. Im Tagesseminar gilt deshalb ein besonderes Augenmerk der Fassade – insbesondere der Frage, ob sie sich mittels Fotovoltaik auch zur Energieproduktion nutzen lässt.

EIN LEUCHTTURM FÜR DIE PRAXIS Energiemanagement und -produktion vor Ort sind weitere Themen, die von kompe-

tenten Fachpersonen in Referaten behandelt werden. Die Teilnehmenden erfahren, wie Heizungs-, Lüftungs- und Elektro­ installationen mit der Gebäudeautomation zu einer wirkungsvollen Gesamtlösung vereint werden. Der Bezug zur Praxis erfolgt mit der Präsentation des Sanierungsprojekts Mehrfamilienhaus Hofwiesenstrasse / Rothstrasse in Zürich, einem nationalen Leuchtturmprojekt des Bundesamtes für Energie (BFE). Architekt Karl Viridén von Viridén + Partner wird darlegen, wie das aufgestockte Gebäude mit einer «aktiven Glasfassade», die elektrischen Strom produziert, zum PlusenergieGebäude wird. Der Besuch des Tagesseminars «Zukunftsgerechte Architektur» ist daneben auch eine optimale Gelegenheit, Networking zu betreiben und sich mit ausgewiesenen ­Expertinnen und Experten auszutauschen. Es ist gut investierte Zeit.

energie-cluster.ch  |  Monbijoustrasse 35  |  CH-3011 Bern  |  Tel. +41 (0) 31 381 24 80  |  Fax +41 (0)31 381 67 42 sekretariat@energie-cluster.ch  |  www.energie-cluster.ch

Zukunftsgerechte Architektur .

TAGES SEMIN ARE

Aufbruch mit den neuen Standards SNBS, Plusenergie-Gebäude (SIA 2031), Minergie, GEAK, MuKEn Für Fachleute aus den Bereichen Architektur, Planung, Industrie, Gebäudetechnik, Gebäudehülle, Holzbau, Energieversorgung, öffentliche Hand und Investoren

Träger

2016

ZÜ R I C H : Freitag , Ort: Au ditorium 2. September 2016 , FFHS, Regens B E R N: dor f Mittwo ch, 21. Ort: Au Sep la, GIBB , Lorrain tember 2016 estr. 5a, ST. GA Bern L L E N: D onnerst Ort: The ag, 3. N atersaa ov. 2016 l 2, Lok , r e mise, S KOSTE t. Gallen N TAGE S S EM I CHF 48 NAR 0.– bzw . CHF 3 vom en 80.– für ergie-clu Mitglied st Downlo er ad, Verp er.ch, inkl. Unt erlagen flegung -

Jetzt anmelden unter www.energie-cluster.ch

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© epr/SOLARvent

EFFIZIENZ MIT KOMFORT-PLUS UMWELTSCHONENDE PELLETHEIZUNG BIETET HOHE LEISTUNG von Georg Lutz

Nachhaltigkeit ist heute fast ein beliebiges Schlagwort. Es muss immer wieder erst mit glaubwürdigen Inhalten gefüllt werden. Im Zeichen der Energiewende gilt es, langlebige Produkte ressourcenschonend herzustellen. Das gilt für den schonenden Umgang mit natürlichen Rohstoffen ebenso wie für einen sparsamen und effizienten Einsatz von Energie- und Stromquellen. Ein effizientes Heizsystems, das nachhaltig im Sinne von Natur und Umwelt arbeitet, eine warme Atmosphäre bereitet und darüber hinaus auch noch den Geldbeutel schont, ist möglich. Hier bieten sich Pelletheizungen an. Denn moderne Systeme vereinen eine äusserst hohe Effizienz mit einer sehr schadstoffarmen Verbrennung. Zudem geht die saubere Funktionsweise mit einer starken Heizleistung einher. Modernste Partitionsbrenner überzeugt mit sehr hohen Wirkungsgraden. Selbst im Standardbereich von vier bis sechs Kilowatt werden gute Wirkungsgrade der Feuerung erreicht. Nach dem Aufbau lässt sich der Betrieb der Pelletheizung sowohl manuell über das Farbtouchpanel an der Anlage selbst kontrollieren als auch weltweit steuern. Von wem ist hier die Rede? Von der neuen Pelletheizung iQ 3.0 von SOLARvent.


UMWELT & TECHNIK

FEURIGE WOHLFÜHLWÄRME INNOVATIVE KAMINE von epr / Georg Lutz

Wir kennen noch die Kachelöfen und Cheminées von Opa und Oma. Heutige Lösungen versprechen nicht nur neue Technologien, sondern auch wohlige Wärme für das ganze Haus – und das bis zu 18 Stunden mit Pellet- oder Scheitholzfeuer. Es geht beides! Innovative Kamine machen es möglich.

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n unserem Leben spielt das Phänomen Feuer eine bedeutende Rolle. Sprachlich gesehen ist man für einen Menschen, den man mag, «Feuer und Flamme». Beruht das auf Gegenseitigkeit, lernt man sich bei einem «Candle-Light-Dinner» besser kennen. Ist auch dieser Abend von Erfolg gekrönt, folgen später hoffentlich zahlreiche romantische Momente – am liebsten im gemeinsamen Zuhause vor dem eigenen Kamin. Besonders stimmungsvoll wird es, wenn bei der Auswahl der Feuerstelle auf hohe Qualität gesetzt wird.

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DIE FARBE DER FLAMMEN Prädestiniert dafür sind die Kamine und Kaminöfen mit mehreren Eigenschaften und zwei Holzlösungen. Denn diese bringen nicht nur eine tolle Atmosphäre, sondern bieten auch grosse Flexibilität und Abwechslung für den eindrucksvollen Feuergenuss. Der Clou: Die innovativen Hingucker funktionieren nicht nur gänzlich ohne Strom und entlasten so den Geldbeutel – man hat auch die Wahl zwischen Stückholz- und Pelletbefeuerung und kann, sobald der Brennraum abgekühlt ist, problemlos in nur wenigen Minuten umstellen. So entscheidet man je nach Lust und Laune, ­welche Feuerart man wann geniessen möchte. Dabei steht das Pelletfeuer dem Flammenspiel einer klassischen Scheitholzverbrennung optisch in nichts nach. Mehr noch: Aussergewöhnlich ist, dass je nach Modelltyp nach bestimmter Zeit die Feuerfarbe wechselt. In den ersten ein bis zwei Stunden scheinen somit die Flammen in einem für ein Holzfeuer typischen gelb-roten Ton, bevor sie dann in eine blaue Farbe wechseln. Anschliessend entwickelt sich im Inneren ein roter Glutstock, durch den sich die Wärmeabgabe im Feuerraum fortsetzt. So geniessen die Bewohner je nach Modelltyp nicht nur sechs Stunden lang pure Feuerromantik, sondern insgesamt auch bis zu 18 Stunden angenehme Strahlungswärme – und das ohne nachlegen zu müssen.

WÄRMEPUMPEN-REGELUNG/STEUERUNG

alpha home Die intelligente Einzelraum-Regelung für alpha innotec-Wärmepumpen. Einzigartige Kommunikation zwischen EinzelraumRegelung und alpha innotec Wärmepumpe Max. Energie- und Heizkosteneinsparung durch die Nutzung von Originalzubehör Einfach installiert in Neubau und Sanierung Kinderleicht zu bedienen und personalisierbar

ES FREUT UMWELT, GELD­BEUTEL UND ATMOSPHÄRE Da der Wirkungsgrad bei rund 90 Prozent liegt und die nur zu 0.3 Prozent übrigbleibende Restasche biologisch abbaubar ist, freut sich neben dem Portemonnaie auch die Umwelt. Übrigens: Für Flexibilität steht auch die Ausstattung der Kaminlandschaft. Denn sie kann sowohl als Wand- und Eckeinbau realisiert als auch mit modernem Glas, wertigem Naturstein oder klassischer Klinkerwand ausgestattet werden. Starterpaket für Heizsysteme mit Radiatoren

Starterpaket für Heizsysteme mit Fussbodenheizung

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.maxblank.com

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UMWELT & TECHNIK

Ein Kachelofen wirkt heute sehr modern.

Pellets haben einen hohen Wirkungsgrad und sind CO2- neutral

UMFASSENDE LÖSUNG DER KACHELOFEN HEIZT DAS GANZE HAUS von Michael Heusser

Holzheizungen tragen landläufig noch einen altbackenen Ruf mit sich herum. Ein Kachelofen wirkt in einem alten Bauernhaus gemütlich, aber was hat er in Neubauten zu suchen? Von diesen Vorurteilen sollten wir uns verabschieden. Es geht heute ganz anders. Der Kachelofen ist in ein System eingebunden. Alle Komponenten – Kachelofen, Wärmetauscher, Pufferspeicher, Wand- und Bodenheizung – bilden eine Einheit. Wenn man das Haus verlässt, arbeitet das System vollautomatisch mit Pellets weiter.

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ellets und Stückholz waren früher zwei unterschiedliche Welten. Das «Herz» dieses Systems ist weiter der Kachelofen im individuellen Design, bei dem das Know-how eines guten ­K achelofenbauers gefragt ist, um den Kunden die Wünsche zu erfüllen. Der Kachelofen ist aber von einer ganzen Reihe von interagierenden Modulen umgeben. Sie werden im Folgenden vorgestellt. ­Dabei verwendet Heusser Feuer & Keramik die Lösungen des österreichischen Anbieters HAFNERTEC.

HOLZ UND PELLETS In das Innenleben des Kachelofens kommt ein DFR – Dual Fire Room. Mithilfe dieser Entwicklung werden Pellets und Stückholz im selben Feuerraum verbrannt. Das Pelletfeuer verbrennt mit Naturzug – mittels Sauganlage – und verursacht so kein permanent störendes Geräusch wie eine Förderschnecke für Pellets oder ein Luftgebläse. Nach jedem Abbrand wird der Rost vollautomatisch und vollständig gereinigt. Eine einzige Regelung steuert den Kachelofenabbrand, die Pelletzufuhr und Zündung sowie den Pufferspeicher, Flächenheizung und, falls erforderlich, die Solaranlage. Der Kachelofen produziert die Energie für das

gesamte Haus. Dabei hat der Nutzer die Wahl: manuell – händisch mit Stückholz, ohne Umbau im selben Feuerraum – oder vollautomatisch.

H-TEC-KACHELOFENSYSTEME Die Systeme sind so optimiert und haben einen Wirkungsgrad von bis zu 90 % – ­wobei der Nutzungsgrad wesentlich höher ist als bei herkömmlichen Kesseln, weil die Energie dort erzeugt wird, wo sie auch ­gebraucht wird.

H-TEC-PUFFERSYSTEME Die HAFNERTEC-PUFFERSYSTEME wurden genau auf die Anforderungen abgestimmt und die speziell programmierte Steuerung regelt alle Abläufe, damit keine Energie verschwendet wird. Selbstverständlich wird das Brauchwasser hygienisch aufbereitet.

H-TEC-FLÄCHENHEIZUNG Die schnell reagierende Flächenheizung ACTIFLOOR liefert Strahlungswärme ins ganze Haus. Sie kann gleichsam im Trocken- wie auch Nassbau montiert werden. Zusätzlich kann die H-TEC-FLÄCHENHEIZUNG in den heissen Sommermonaten auch als Kühlung eingesetzt werden. Wohngenuss pur.

H-TEC-WÄRMETAUSCHER Die spezielle Energieentnahme ist der Kernpunkt des Systems. Aus dem inneren, geschlossenen Heissluftraum des Kachelofens wird Energie abgesaugt und in Warmwasser umgewandelt. Dadurch wird der Kachelofen vollständig regulierbar.

DIE KRAFT DER SONNE INTEGRIEREN Jede Energie ist kostbare Energie! Vor allem wenn diese gratis ist. Darum bietet HAFNERTEC auch eine ganz besondere Solaranlage an. Die MULTIFLOW Solaranlage passt die Fliessgeschwindigkeit der Intensität der Sonneneinstrahlung an und produziert vorrangig Brauchwasser. Dadurch kann die Brauchwasserherstellung über den Sommer auch ohne Befeuerung des Ofens sichergestellt werden. Besondere Lösungen wie das Fernwarten via LAN oder SMS – schicken Sie dem Ofen eine SMS, und dieser heizt sich ein – findet bei Endkunden grosse Anerkennung. Die Kachelofenzentralheizung ist mehr als der aktuelle Stand der Technik im Heizungsbau. Diese Systeme erfreuen sich mittlerweile in ganz Europa grösster Beliebtheit.

Heusser Feuer & Keramik  |  Zelglistrasse 14  |  CH-8406 Winterthur  |  Tel. +41 (0) 52 202 38 95 info@heusser-ofenbau.ch  |  www.heusser-ofenbau.ch  |  www.hafnertec.com

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UMWELT & TECHNIK

INTELLIGENTE LÖSUNG ALPHA HOME VON ALPHA INNOTEC von Alois Koller

Kinderleicht Energie- und Heizkosten sparen.

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eizkosten sparen bei höchstem Wohnkomfort – alpha home, die neue Einzelraumregelung von alpha innotec, macht´s möglich. Einmal programmiert, können Hausbesitzer ihre Wohlfühltemperatur für jeden einzelnen Raum per App einstellen. Auch das Brauchwarmwasser lässt sich so ganz nach Bedarf temperieren. Das System hält die per App eingestellte Temperatur – für jeden Raum und unter Berücksichtigung externer Faktoren. So reduziert alpha home die Heizleistung auto-

Es gibt einen spannenden Weg, Einzelraum- und WärmepumpenRegelung miteinander zu kombinieren. Wir stellen ihn vor. matisch, wenn etwa die Frühlingssonne kräftig wärmt oder das Kaminfeuer zur Dämmerstunde brennt. Treten plötzlich Minusgrade auf, ruft das System mehr Leistung ab. Das garantiert hohen Wohnkomfort und hilft zugleich, Energie zu sparen. Basis von alpha home sind die Steuer­ einheit (Control Box) und die zentrale Funkeinheit (Gateway). Raumsensoren ­erfassen die Temperaturen in Räumen mit Fussbodenheizung, bei Heizkörpern ist diese Funktion in die Radiatorantriebe ­integriert. Die Kommunikation läuft ka­

bellos über ein zuverlässig arbeitendes Funksystem mit einer Reichweite von bis zu 30 Metern. Die wichtigsten Pluspunkte sind: • Intelligente Kommunikation zwischen Wärmepumpe und Einzelraum-­Regelung. • Unkomplizierte Installation und ­Bedienung durch moderne Z-Wave–Funktechnologie. • Ideale Nachrüstlösung: Kombi­ nation mit bestehender Ausstattung ­problemlos möglich.

alpha innotec  |  c/o ait Schweiz AG  |  Industriepark  |  CH-6246 Altishofen  |  Tel. +41 (0) 58 252 20 00 info@alpha-innotec.ch  |  www.alpha-innotec.ch

WellnessBau seit 1969

Ausgabe 03/2016 // Seite 81

Fi tness-Par tner AG 9410 Heiden +41 71 898 4 0 00 w w w.f i tness-par tner.ch


UMWELT & TECHNIK

Die Wärme von Pelletöfen erzeugt eine behagliche Atmosphäre.

VIELFÄLTIGE ARGUMENTE NUTZEN DIE VORTEILE VON PELLETÖFEN von Flammorama

Der Charme von Pellets hat vielfältige Facetten. Die Leistungswerte sind vergleichsweise überzeugend, die Benutzerfreundlichkeit und der Nutzungsgrad überraschend. Zudem kann das gesamte Haus geheizt werden.

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er Pelletofen steht in einer viel­ fältigen Konkurrenz zu fossilen Brennsoffen, aber auch zu einigen regenerativen Lösungen. Daher steht am Anfang eines Entscheidungsprozesses die Frage nach dem Warum: Wo liegen die Vorteile des Pelletofens? Zunächst bedeutet die Entscheidung für einen Pelletofen, einen wirtschaftlichen und umweltfreundlichen, aber in erster Linie äusserst praktischen Brennstoff zu verwenden.

HÖCHSTER WIRKUNGSGRAD Er ist wirtschaftlich, weil er im Vergleich zu fossilen Brennstoffen eindeutig geringere Kosten gewährleistet. Er kostet zirka 25 Prozent weniger als Erdgas und zwei Mal weniger als Dieselöl und das in Zeiten niedriger Preise bei fossilen Brennstoffen.

SAUBERE VERBRENNUNG Die Pelletöfen bieten auch aus ökologischer Sicht höchste Qualität, weil sie so entworfen wurden, dass eine effiziente und saubere Verbrennung mit über 90 Prozent

Wirkungsgrad und mit niedrigsten Emissionsstufen garantiert wird. Jede Pelletheizung nutzt der Energiebilanz und damit dem Klima. Bei der Verbrennung in der Pelletheizung wird zwar CO2 freigesetzt, dieses hat aber der Wald, aus denen die Pellets hergestellt werden, bei seinem Wachstum zuvor auch absorbiert und gleichzeitig S ­ auerstoff produziert. Daher sind Holzpellets CO2-neutral.

EINFACHER GEBRAUCH Die Entscheidung für Pellets bedeutet auch Benutzerfreundlichkeit und Komfort. Pellets sind inzwischen im Grosshandel in handlichen Säcken erhältlich, erzeugen keinen Schmutz und hinterlassen im Vergleich zu klassischen Holzlösungen weniger Asche. Ausserdem haben Pelletöfen den grossen Vorteil, auch automatisch ­betrieben werden zu können. Hierzu werden Ein- und Ausschaltung nach den eigenen Bedürfnissen reguliert. Pelletöfen sind echte Mini-Heizungen. Sie können durch Kanalisierung der Luft mehrere Räume ­erwärmen oder das Wasser von Heizkörpern und Bädern erhitzen.

INNOVATIVE TECHNOLOGIE Die Debatte zu Feinstaub bei Holzheizungen hat auch die Debatte über Pelletöfen erfasst. Wir bieten aber Lösungen an, die den Ökodesign-Richtlinien 2022 in Bezug auf Emissionen und Umweltverträglichkeit entsprechen. Damit ist der Kunde auf der sicheren Seite. Die brennende Flamme wird in weniger als drei Minuten realisiert. Zudem kann man mit einer verringerten Zündzeit rechnen, die den Zündvorgang um 40 Prozent reduziert. Die Entleerung der Aschereste gilt immer noch als zusätzlicher Zeitaufwand und damit als Nachteil der Pelletöfen. Bei uns gibt es Öfen, die nur eine wöchentliche Entleerung dank grösserer Aschenkästen benötigen. Die Beheizung von mehreren Räumen ist mit dem patentierten System Comfort Air® problemlos möglich. Abschaltbare Warmluftgebläse finden Kunden bei uns in der grössten Ofenausstellung der Schweiz in Rupperswil.

Flammorama AG  |  Wiesenweg 40  |  CH-5102 Rupperswil AG  |  Zürcherstrasse 64  |  CH-8952 Schlieren ZH Tel. +41 (0) 62 889 80 60  |  info@flammorama.ch  |  www.flammorama.ch

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© epr/Grundfos

UMWELT & TECHNIK

Ermöglicht auch bei bestehenden Anlagen einen problemlosen hydraulischen Abgleich: die innovative Heizungs-Umwälzpumpe Alpha3.

MEHR KOMFORT, WENIGER KOSTEN INNOVATIVE UMWÄLZPUMPE OPTIMIERT DEN HEIZBETRIEB epr / Georg Lutz

Wenn im Wohnzimmer tropische Temperaturen herrschen und andere Räume trotz voll aufgedrehtem Thermostatventil nicht richtig warm werden, ist das nicht nur ärgerlich, sondern auch teuer. Denn eigentlich sollte die Heizungsanlage so eingestellt sein, dass die Wärme möglichst gleichmässig verteilt wird. Fachleute nennen das «hydraulischer Abgleich». Ist die Anlage nicht abgeglichen, bedeutet das in der Regel störende Geräusche, schlechte Wärmeverteilung und vor allem bis zu 20 Prozent mehr Heizenergiebedarf.

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er solche Probleme mit seiner Heizung hat oder eine ältere ­Anlage austauscht, sollte einen hydraulischen Abgleich durchführen lassen. Dabei werden einmalig für jeden Raum Wärmebedarf und Volumenstrom bestimmt und entsprechende Voreinstellungen am Rohrnetz vorgenommen. Bisher waren dafür aufwändige Berechnungen oder Messungen nötig. Mit einem neuen Verfahren von Grundfos geht das jetzt deutlich einfacher. Voraussetzung ist die neue Umwälzpumpe Alpha3. Dieses spezielle Modell kann zusätzlich zum ganz normalen Betrieb wie ein Sensor genutzt werden und liefert die Daten für den hydraulischen Abgleich. Der

Installateur wertet sie mit einem speziellen Lesegerät aus und nimmt die erforder­ lichen Voreinstellungen an den Ventilen vor. Das Ganze dauert im Normalfall weniger als eine Stunde. Das Verfahren eignet sich für Zwei-Rohr-Systeme mit Radiatoren und erfüllt relevante Fördermöglichkeiten. Der Einbau der Pumpe lohnt sich nicht nur für den hydraulischen Abgleich. Die Alpha3 ist die effizienteste Heizungsumwälzpumpe ihrer Klasse und übertrifft bei Weitem die gesetzlichen Vorgaben. Mit ihrer intelligenten Regelung AutoAdapt passt sie sich automatisch an die Anforderungen an und verbraucht immer nur so viel Energie wie ­gerade nötig. Mit einfachem hydraulischen Abgleich und hoch effizientem Betrieb

spart die Pumpe also doppelt – der Austausch eines älteren Modells rechnet sich schon nach kurzer Zeit. Das innovative Konzept der Alpha3 ist kürzlich mit dem renommierten Plus-XAward-Gütesiegel 2016 in den Kategorien Innovation, High Quality, Funktionalität und Ökologie ausgezeichnet worden.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.grundfos.de

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UMWELT & TECHNIK

Auch im Sommer kann es zu Unwettern kommen. Und dann lautet die Frage: Wohin läuft das Wasser ab?»

REGENWASSER FREIEN LAUF LASSEN FUNKTIONELLER PFLASTER AUS BETONSTEIN SENKT ABWASSERGEBÜHREN von erp / Georg Lutz

Ob Regen oder Sonnenschein: Wer Einfahrt, Hof, Terrasse oder Garten neu gestaltet, sollte nicht nur auf Optik, sondern auch auf Funktionalität Wert legen, damit sein Aussenbereich jedem Wetter standhält. Komplett versiegelte Bodenflächen beispielsweise können unerwartete Nachteile für Umwelt und Geldbeutel mit sich bringen. Regenwasser kann hier nicht auf natürliche Weise versickern und muss in die Kanalisation abgeleitet werden. Das hört sich zunächst unproblematisch an, kann jedoch die Abwassergebühren in ungeahnte Höhen treiben. Seite 84 // bauRUNDSCHAU


© epr/Betonstein

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ie viel Regen fällt, kann man nicht beeinflussen. Was mit diesem auf dem eigenen Grundstück passiert, ob er dort versickert oder in den Kanal geleitet wird, schon. Viele Gemeinden oder andere staatlichen Behörden stellen heutzutage das Ableiten von Niederschlags­ wasser gesondert vom Trinkwasserverbrauch in Rechnung. Dadurch können sich Regen oder Schnee manchenorts zu einem erheblichen Kostenfaktor entwickeln. Eine sinnvolle Lösungsmöglichkeit zum Thema Entwässerung stellen versickerungsaktive Flächen dar. Schaffen lassen sich diese beispielsweise mithilfe von funktionellen Pflastern aus B ­ etonstein. Dank ihnen gelingt es, das Problem der Flächenversiegelung, zu entschärfen und der Natur kostbares Regenwasser zurückzugeben. Bei den innovativen Systemen gelangt das kühle Nass über die Fugen oder direkt durch den Stein in die Tiefe – und das sogar bei starken Regengüssen! Niederschlagswasser sammelt sich also nicht am Wegrand oder wird mit Schmutzwasser vermischt und in den nächsten Kanal abgeleitet, son-

Sieht schick aus und senkt die Abwassergebühren, denn Regen kann hier einfach versickern und muss nicht in den Kanal abgeleitet werden. So profitieren Umwelt und Geldbeutel gleichermassen.

dern es dringt direkt dort in den Boden ein, wo es hinfällt. Auf diese Weise trägt das versickerte Wasser zur Grundwasserneubildung und zum Hochwasserschutz bei und muss zudem nicht erst aufwendig gereinigt werden. ­Dadurch bleibt das ökologische Gleichgewicht erhalten, und es entstehen keine ­zusätzlichen Kosten. Übrigens: Unversiegelte feuchtigkeitsdurchlässige Flächen dienen nicht nur als «Speicherraum des

Niederschlags», sondern sie verhindern darüber hinaus ein schnelles Aufheizen von Stadtgebieten in den Sommermonaten. Betonpflaster sind vielseitig.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.betonstein.org


UMWELT & TECHNIK

PROFESSIONELLES BOHREN NUTZEN UND INFORMATIONEN AUS DER TIEFE Interview mit Didier Blétry von Georg Lutz

Mit modernsten, vollhydraulischen Raupenbohrgeräten bohren die Spezialisten der Blétry AG in die Tiefe. Dabei geht es um die Nutzung des Grundwassers und die Nutzung der Erdwärme durch Sonden. Wer in eine Tiefe von bis zu 270 Metern ins Innere der Erde bohrt, muss viele Normen und Richtlinien berücksichtigen. Das braucht grosse Erfahrung und eine enge Zusammenarbeit mit Heizungsplanern, Geologen sowie den kantonalen Ämtern. Auf der Suche nach Grundwasser: Baugrund-Untersuchungen in Lostorf.

I

hr Kerngeschäft befindet sich im Rahmen der Bohr- und Trenntechnik. Das ist aus unterschiedlichsten Blickwinken ein herausforderndes Thema. Sie sind zum Beispiel dem Grundwasser auf der Spur. Wie sieht die Qualität des Grundwassers im «Wasserschloss» der Schweiz aus? In der Schweiz ist die Qualität des Wassers in Ordnung. Hier haben ja die Kantone die Bodenhoheit der Entscheidungen, und sie machen mit ihren Vorgaben eine gute Arbeit. So laufen Baubewilligungen, welche das Grundwasser beeinträchtigen könnten, auch über das Amt für Umwelt. Da sitzen Leute, die verstehen ihre Arbeit und haben das Grundwasser immer im Blick. Daher darf man nicht überall oder nur mit Auflagen bauen? Genau. Das ist unsere zentrale Grundlage. Die neuen Bedrohungen heissen Nanooder Mikropartikel aus Plastik und Pharmarückstände. Wie sieht die Situation hier aus? Da sind wir noch mitten in wissenschaft­ lichen Untersuchungen. Sie liegen richtig, das ist eine Herausforderung, die wir gemeinsam angehen müssen. Abwasser-

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kläranlagen haben hier zu kämpfen. Solange wir hier nicht überzeugende Filterlösungen haben, müssen wir auf Vermeidungsstrategien setzen. Düngemittel aus der Landwirtschaft, sprich Nitratbelastungen für das Grundwasser, sind auch noch nicht nachhaltig gelöst. Die Situation ist noch nicht dramatisch, aber die Arbeit geht uns in den nächsten Jahren sicher nicht aus. In der Nähe von Altlasten, beispielsweise wenn neben früheren Tankstellen gebaut werden soll, gibt es für Ihr Haus aber sehr konkreten Handlungsbedarf. Wie gehen Sie da vor? Wir organisieren die Probebohrungen und übergeben die Ergebnisse dann den verantwortlichen Behörden im Kanton, und diese legen Szenarien für die Sanierung fest. Unsere Aufgabe ist, hier den Zugang zu realisieren. Wärmepumpen und Geothermie sind im Zeichen der Energiewende sicher ein immer wichtigeres Thema. Wo liegen hier die zentralen Herausforderungen? Grundsätzlich ist auch hier die enge Zusammenarbeit mit dem Amt für Umwelt zentral. Gerade auch hier im Aargau müssen der

Bauherr, aber auch wir immer mehr Auflagen berücksichtigen. So muss beispielsweise jede Bohrung ab 100 Meter vertikal vermessen werden. Es geht primär um Nachbarschaftskonflikte. Es kann sein, dass die Befürchtung da ist, dass der Nachbar einem die Wärme abgräbt. Hier stellt sich die Frage, wem die Wärme im Untergrund gehört. Und, wem gehört sie? Einfache Antwort: Sie gehört dem Kanton. Der Bauherr erhält eigentlich eine Konzession mit der Bohrbewilligung, die Wärme für 20 Jahre zu nutzen. Durch die Vermessungen kann man hier klare Grundlagen für Entscheidungen treffen. Das gilt dann sicher auch für die juristischen Auseinandersetzungen? Ja, es geht dann um den erlaubten Rahmen der Abweichung. Dann gibt es immer Auseinandersetzungen um die Quantität bei der Entnahme von Trinkwasser oder der Nutzung durch die Erdsonden. Bei Erdsonden geht es um die Erstellung eines Rasters, der die Entfernungen zwischen den einzelnen Sonden festlegt. Beim Grundwasser dürfen die bestehenden bewilligten Anlagen nicht tangiert werden. Wenn das


Wasser durch eine Neuentnahme plötzlich die Temperatur verändert, geht das natürlich nicht. Daher gilt es auch immer, die Temperatur zu messen und im Abstrom die Kältefahne zu berücksichtigen. Mit welchem Material arbeiten Sie? Der Antrieb beim Bohren funktioniert ­hydraulisch. Die Kraft erzeugt ein Dreh­ motor, der dahinter geschaltet ist. Dann kommt es immer auf den Bohrdurchmesser an, mit welcher Technologie man arbeitet. Wir realisieren Kleinfilterbohrungen bis zehn Zoll Durchmesser. Da erhalten Sie eine Förderleistung mit bis zu 2 500 Litern pro Minute. Wie sehen die Bohrköpfe aus? Das sind hohle Stift-Bohrkronen, sprich Rohre, die man nach unten treibt und das Bohrmaterial nach oben fördert. Am Schluss ist man auf der gewünschten Endtiefe, je nach Bodenaufbau meist zwischen 20 und 30 Metern. Der Innenteil ist hohl, damit man den Brunnen mit der gewünschten Filterstrecke abteufen kann. Dann kommt im Ringraum Filterkies zum Einsatz, und Rohr für Rohr werden die Bohrrohre wieder ausgebaut. Ein Brunnen ist nicht der klassische Dorfbrunnen, um dies für Laien nochmals zu verdeutlichen? Nein. Unsere Brunnen sind in den Grundwasserkörper integriert, und wir arbeiten mit PVC-Rohren oder den qualitativ hochwertigen Chromstahl-Wickeldraht-Filtern, zunächst je mit Vollrohren. Im Grundwasserkörper sind die Rohre dann geschlitzt. So kann das Grundwasser eintreten. In das Brunnenrohr ist dann die Grundwasserpumpe integriert, die das Grundwasser nach oben fördert. Oben wird dann beispielsweise die Wärme entzogen zum Heizen oder Wärme abgegeben zum Kühlen. Sie sind aber nicht nur in der Schweiz tätig. Verraten Sie uns den am nächsten liegenden und den am weitesten entfernten Arbeitsplatz? Der nächstliegende Arbeitsplatz war im Werkhof in unserem Kanton Aargau. Dort nutzen wir das Grundwasser zum Heizen. Der am weitesten entfernte Arbeitsplatz war auf Livingston Island, die zweitgrösste Insel der Südlichen Shetlandinseln vor der West­antarktis. Das war ein Forschungs-

Einbau eines Edelstahl-Brunnenrohrs.

projekt mit der Universität Zürich. Dort haben wir Permafrost-Bohrungen realisiert. Um was ging es da? Es geht um ein ganzes Netz von Bohrungen auf der Welt, die den Permafrost untersuchen, um an verlässliche Daten für den Klimawandel zu kommen. Unser Schwerpunkt liegt im Aargau. Und Ihre grösste Baustelle? In Aarburg durften wir bei einer neuen ArealÜberbauung total acht Filterbrunnen erstellen, mit denen die verschiedenen Gebäude mit Grundwasser beheizt werden. Im Herbst gehen wir im Raum Rafz auf Wassersuche für den Kanton Zürich, da sollen verschiedene Sondierbohrungen mit Brunnenausbau bis 100 Meter erstellt werden. Ein Familienunternehmen hat keine eigene grosse F&E-Abteilung. Wie entwickelt Ihr Haus neue Innovationen? Es geht um ein gutes Beziehungsnetz zu den Herstellern, bei denen man Informationen bekommen und Weiterbildungen organisieren kann.

«Beim Grundwasser dürfen die bestehenden bewilligten Anlagen nicht tangiert werden.»

Arbeit unter schwierigen Bedingungen: Bohren am Jungfraujoch.

Sie arbeiten in einem Hochwährungsland. Sicher haben Sie einige Marktmitbewerber aus dem europäischen Ausland? Ja, deutsche Anbieter haben es beispielsweise bei Erdsonden probiert. Sie sind aber alle wieder zurückgerudert. Warum? Es geht, wie am Anfang erwähnt, um viele Auflagen, die in den Kantonen unterschiedlich geregelt sind. Wir haben zudem national 26 Umweltgesetze, die zu berücksichtigen sind. Das schreckt Anbieter von ausserhalb ab. Auch ist die Schweiz geologisch sehr komplex. Beim Thema Grundwasser haben wir nur bei Grossbrunnen mit Mitbewerbern aus dem Ausland zu rechnen. Wie funktioniert die Kundengewinnung für Ihr Haus? Im Grundwasserbereich erfolgt die Anfrage meist über ein Geologie-Büro. Sie müssen sich, lange bevor die eigentlichen Bauarbeiten für das Projekt beginnen, rund um die Fragen des Grundwassers kümmern: Hat es Wasser, wie viel Wasser hat es, reicht es für das angepeilte Projekt mit der Wärmepumpe? Die Geologie liefert den entsprechenden Bericht mit den empfohlenen Szenarien an die Bauherrschaft und Behörden im Kanton ab. Bei Erdwärmesonden haben wir dem­ gegenüber viel mit Architekten oder Planern zu tun. Ist professionelle Kommunikation wichtig? So oder so, eine gute Vernetzung und qualitativ hochwertige Arbeit sind der Grund­ stein für weitere spannende Projekte.

Blétry AG  |  Benkenstrasse 52  |  CH-5024 Küttigen  |  Tel. 0041 (0) 62 839 00 20  |  www.bletryag.ch

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UMWELT & TECHNIK

QUALITÄT HAT VORFAHRT KEINE KOMPROMISSE FÜR DEN ANWENDER von VKR (Verband Kunststoff-Rohre und -Rohrleitungsteile)

Obgleich die Bezeichnung «Qualität» an sich keine Bewertung beinhaltet, wird der Begriff im Alltag häufig wertend gebraucht. Die Redewendung bezieht sich jedoch darauf, dass in der Alltagssprache Qualität öfters ein Synonym für Güte ist. Man spricht dann von «guter» oder «schlechter» Qualität. Kauft ein Kunde ein Produkt oder eine Dienstleistung und erfüllen diese ihre Zwecke für den Kunden, so haben sie im allgemeinen Sprachgebrauch eine «gute Qualität». Tatsächlich hat sich der Begriff «Qualität» im wirtschaftlichen Alltag als ein allgemeiner Wertmassstab etabliert, der die Zweckangemessenheit eines Produkts, einer Dienstleistung oder eines Prozesses zum Ausdruck bringen soll. Dieses Verständnis zeigt sich etwa im Ausdruck «Qualitätsarbeit». Sie findet häufig in einem bereichsübergreifenden, die Qualität der einzelnen Ergebnisse sichernden System statt. Die Planung, Steuerung und Kontrolle aller hierzu nötigen Tätigkeiten wird als Qualitätsmanagement bezeichnet. Als Ergebnis entsteht das «Qualitätsprodukt».

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etrachtet man einmal die eingegangenen Schadensfälle bei den Herstellern von Kunststoffrohren und -formteilen, ist diese Aussage zu hinterfragen. Auf der Baustelle werden oftmals jegliche Anforderungen an Qualität nicht eingehalten. Gründe dafür gibt es genügend; keine Zeit, schlechtes Wetter, keine oder schlechte Fachausbildung, etc. Sicher­heit durch hohe Qualität – umgesetzt in Zertifizierungen von Produkten und Ausbildung respektive Weiterbildung von Verarbeitern – sind jetzt und künftig vermehrt

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gefragt. Neben der Produktqualität ist vor allem die Verarbeitungsqualität für den Erfolg der Projekte entscheidend.

PRODUKTEQUALITÄT Normen und Zulassungsempfehlungen stellen einheitliche Standards sicher und sorgen für Qualität in einem durch starken Wettbewerb geprägten Markt. Der VKR ist weiterhin in technischen Kommissionen und Normengremien aktiv und stellt mit der c+s ®-Zertifizierung die Qualität für Kabelschutzrohre sicher.

C+S ®-ZERTIFIZIERUNG FÜR KABELSCHUTZROHRE Die erwähnte Güteanforderung wurde von Fachleuten im Verband Kunststoff-Rohre und – Rohrleitungsteile (VKR), in Zusammenarbeit mit Experten von ElektrizitätsVersorgungs-Unternehmen (EVU) und von unabhängigen und neutralen Prüfstellen erstellt und legt die Kriterien an Rohre, Formstücke und das System von vollwandigen Rohrleitungssystemen aus Polyethylen (PE) fest, die zur Verwendung im erdverlegten Kabelschutz, einschliesslich


UMWELT & TECHNIK

der Montage auf Brückenkonstruktionen und Flussüberquerungen, für den Kabelschutz im Bereich der Telekommunikation, sowie der Elektroenergieversorgung (Hochund Niederspannung) vorgesehen sind. Sie regeln Qualitätsanforderungen und Prüfmethoden an den Werkstoff, die Geometrie, die mechanischen Eigenschaften sowie die Kennzeichnung mit dem Gütezeichen <c+s> ®. c+s ®-zertifizierte Kabelschutzrohre er­ lauben den Einsatz von hochwertigem Recyclat. Damit leistet die Branche einen wertvollen ökologischen Beitrag. Die Güteanforderungen allein sind keine Gewähr für die Güte von Rohrleitungssystemen, dazu müssen die einschlägigen Verlegerichtlinien VSE (Druckschrift 1103d, Ausgabe 2010) zusätzlich eingehalten werden. Weitere Informationen zu c+s® finden Sie unter www.vkr.ch in der Rubrik KABELSCHUTZ.

QPLUS-ZERTIFIZIERUNG FÜR ABWASSERSYSTEME Die Abwasserleitungen sind in ihrer Gesamtheit die teuerste Infrastruktur der Schweiz. Ihre Qualität bestimmt die Qualität von Boden, Trinkwasser und Gewässer. Dichte und statisch perfekte Leitungen dienen dem Umweltschutz. Oft ist der Einsatz eines Qualitätsrohres in Betracht auf die Gesamtbausumme nur im Promille­ bereich teurer als ein weniger gutes Rohr. Die Vorteile sind jedoch erheblich.

Qplus zertifiziert Produkte für Abwassersysteme aller Art, sofern sie die QplusQualitätsrichtlinien erfüllen. Hersteller, welche Produkte für den Abwasserbereich herstellen, haben damit die Möglichkeit, auf freiwilliger Basis nachzuweisen, dass ihre Erzeugnisse die schweizerischen Prüfanforderungen erfüllen, welche einiges über dem Level der Europa-Normen liegen. So kann der Anwender leicht erkennen, ob er es mit einem Fabrikat zu tun hat, das ihn bei korrekter Montage weitgehend vor Schadensfällen bewahrt. Unabhängige Prüflabors führen im Auftrag der Antragssteller und nach Vorgaben der QplusRichtlinien die Prüfungen durch, die durch die Organisation Qplus beurteilt werden. Aufgrund der eingereichten Prüfatteste fertigt Qplus die entsprechenden Zertifikate aus und pflegt die Qplus-Datenbank auf www.qplus.ch. Qplus ist ein Verein nach Schweizer Recht. Mitglieder sind die Verbände VSA, suissetec und der Verband für Kunststoffrohre VKR. Die Geschäftsstelle wird von einem Geschäftsführer geführt. Ihm zur Seite stehen Fachleute aus Behörden und Unternehmen, sowie Planer und Vertreter der Industrie. So ist eine schlanke Organisation mit umfassendem Know-how und breiter Abstützung gewährleistet. Qplus wurde 1979 vom Schweizerischen Spenglermeister- und InstallateurVerband (SSIV, heute suissetec) und vom Verband Schweizer Abwasser- und Gewässerschutzfachleute (VSA) unter dem

Namen «Arge Liegenschaftsentwässerung SSIV-VSA» mit dem Ziel, Schweizer Qualitätsstandards für Produkte im Abwassersektor festzu­legen, gegründet. Dies wurde nötig, da in den 60er- und 70erJahren immer mehr untaugliche Produkte auf dem Markt auftauchten und sich daraus resultierend die Schadensfälle häuften. Weitere Informationen zu Qplus finden Sie unter www.qplus.ch

VERARBEITUNGSQUALITÄT Eine der wichtigsten Aufgaben des VKR ist die fachgerechte Durchführung von Ausund Weiterbildungskursen. Konti­nuierlich werden das Angebot und die Inhalte der Kurse den aktuellen Bedürf­nissen des  Marktes angepasst. Neben der bewährten Erst- und Verlängerungsausbildung «Schweissen und Verlegen von druckbeanspruchten, erdverlegten Rohrleitungen aus PE und PVC» in Aarau, in der Westschweiz und im Tessin, wurden in den letzten Jahren Planerkurse und die Aus­ bildung für die Anbindung von Erdwärmesonden (Geothermiekurse) mit grossem Erfolg lanciert. Die Kurssaison des laufenden Jahres in Aarau und La Rama wurde bereits mit Erfolg abgeschlossen. Erneut konnten 485 Teilnehmer in der sachgerechten Verarbeitung von Kunststoffrohrsystemen und Anbinden von Erdwärmesonden mit den neuen, über­arbeiteten Kursunterlagen ausgebildet werden. Die Online Anmeldung für die Kurssaision 2017 wird ab mitte September freigeschaltet werden. Aktuelle Informationen zum VKR Kursund  Weiterbildungsangebot sind unter www.vkr.ch abrufbar.

Verband Kunststoff-Rohre und -Rohrleitungsteile (VKR)  |  c/o Swiss Plastics  |  Schachenallee 29C  |  CH-5000 Aarau Tel. +41 (0) 62 834 00 60  |  Fax +41 (0) 62 834 00 60  |  info@vkr.ch  |  www.vkr.ch

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© epr/Gutjahr Systemtechnik GmbH

UMWELT & TECHNIK

Mithilfe der zuverlässigen Drainagesysteme wird die Terrasse zum sicheren und attraktiven Lebensmittelpunkt.

GEZIELTE ENTWÄSSERUNG MIT FLÄCHENDRAINAGEN BALKON- UND TERRASSENBELÄGE SCHÜTZEN von epr / Georg Lutz

Balkon und Terrasse gelten als Wohlfühloasen und bieten den idealen Rückzugsraum, um sich vom Alltag zu entspannen. Daher ist es wenig überraschend, dass viel Herzblut in die Pflege und Gestaltung dieser Bereiche gesteckt wird. Doch was viele nicht bedenken: Die Beläge, die im Aussenbereich verwendet werden, sind zwar dauerhaft wasserdicht, ihre Fugen aber nicht. Daher erfolgt nach dem Winter oft das böse Erwachen, denn Feuchtigkeit und wackelnde Beläge sorgen für fleckige Oberflächen und Unebenheiten.

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iese Schäden lassen sich durch eine wirksame Drainage jedoch von vornherein vermeiden. Das gilt auch für die derzeit gerne angebotenen grossformatigen Keramikfliesen. Sie werden ­bevorzugt für die Verlegung im Splittbett oder auf Stelzlagern empfohlen. Aber auch hier können Probleme auftreten. Bei der Verlegung im Splittbett liegen die Beläge oft nach kurzer Zeit uneben, und aus den Fugen wächst Unkraut – eine Folge des Wassers in der Konstruktion. Die Verlegung auf Stelzlagern ist mit hygienischen Nachteilen verbunden: Ober­ flächenschmutz gelangt über die offenen

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Fugen auf die Abdichtungsebene. Dort entsteht bald ein faulender Schlamm aus Laub, Erde und Staub, der nicht nur unangenehm riecht, sondern auch Ungeziefer anlockt. Zudem wird die Gefahr grösser, sich beim Barfusslaufen an scharfen Kanten zu verletzten. Solche Schäden werden durch Drainagen nachweislich verhindert. Es handelt sich dabei um Kunststofffolien, die unter den Belägen verlegt werden. Wasser, das über die Fugen eindringt, kann durch das unterseitige Kanalsystem der Drainage abfliessen. Dadurch, dass sich Feuchtigkeit in der Konstruktion nicht mehr staut, werden Belagsunebenheiten, Unkraut in den Fugen oder hässliche

Kalkausblühungen schon im Vorfeld vermieden. Hinzu kommt, dass die Platten mit geschlossenen Fugen verlegt werden. Das sorgt für ein hochwertiges Erscheinungsbild, erleichtert die Reinigung und verhindert «müffelnde» Beläge.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.schöne-terrassen.de


UMWELT & TECHNIK

REGENWASSER SINNVOLL NUTZEN HAUSWASSERWERK FÜR DIE BEWÄSSERUNG VON HAUS, HOF UND GARTEN con epr / Georg Lutz

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ie eigene Wasserversorgung für Haus, Hof und Garten wird bei Grundstücksbesitzern immer beliebter, denn sie senkt den Wasserverbrauch und die Kosten. Auch der Umwelt kommt es zugute. Dank der untertauchbaren, mehrstufigen Zisternenpumpe SBA von Grundfos wird die Nutzung von Regenoder Brunnenwasser nun besonders leicht, denn als anschlussfertige Komplettlösung konzipiert, ist die Steuerung bereits integriert. So lässt sich die SBA einfach und flexibel und ohne separate Steuerungseinheit installieren. Mit ihrer mehrstufigen Hydraulik, die einen hohen Wasserdruck erzeugt und drei Kubikmeter Wasser pro Stunde befördert, können mühelos der Garten bewässert, die Toilette gespült oder die Waschmaschine betrieben werden. Vorteilhaft ausserdem: Durch die Verwendung von hochwertigen Materialien wie Edelstahl und Technopolymer ist das Hauswasserwerk hoch korrosionsbeständig. Da es zum Betrieb eingetaucht wird, arbeitet es nicht nur flüsterleise, sondern es können

Blétry

ihm auch frostige Zeiten nichts anhaben. Höchste Sicherheit bieten zudem der doppelte Trockenlaufschutz und der automatisch rücksetzende Motorschutz.

© epr/Grundfos

Während man in manchen Ländern versucht, den Regen mit Tänzen heraufzubeschwören, gehen in Nordeuropa pro Jahr durchschnittlich etwa 750 Liter des kühlen Nass auf einen Quadratmeter Boden nieder – viel zu viel, finden viele Hauseigentümer und Fachleute. Dennoch ist unbestritten, dass der Niederschlag lebensnotwendig für Mensch und Tier sowie für das gesamte Ökosystem ist. Daher sollte man mit dem kostbaren Gut, denn das ist Wasser, sparsam und bewusst umgehen. So kann Regen- und Brunnenwasser in vielen Bereichen, zum Beispiel bei der Gartenbewässerung, beim Wäschewaschen oder der Toilettenspülung, anstelle von hochwertigem Trinkwasser verwendet werden.

Erhältlich ist die SBA in zwei Ausführungen: Für klare Medien aus Tanks oder Behältern eignet sich die Variante SBA-A, die mit einem bodennahen Edelstahleinlaufsieb ausgestattet ist. Für Wasser mit ­h ohem Sedimentanteil, also Schmutz­ partikeln, empfiehlt sich die Variante SBA 3-45AW, die über ein schwimmendes Entnahmesieb verfügt, um klares Wasser kurz unter der Wasseroberfläche zu entnehmen.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.homeplaza.de www.grundfos.de

AG

GrundwasserNutzung

5024 Küttigen • • • • • •

Erdsondenbohrung Grundwasserbohrung Sondierbohrung Brunnen-Sanierung Beton-BohrungAusgabe 03/2016 // Seite 91 062 839 00 20 • info@bletryag.ch


INNENARCHITEKTUR

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INNENARCHITEKTUR

KOMMUNIKATION HAT VORFAHRT DIE MODERNE UND OFFENE KÜCHE von Georg Lutz

Früher war eine Küche ein abgeschlossener Funktionsraum. Vielleicht gab es eine Durchreiche, normalerweise musste man durch eine Tür gehen. Heute ist die Küche erstens ein Kommunikationsraum, in dem nicht nur eine Person vor sich hinwerkelt, sondern miteinander kommuniziert wird, und zweitens kommuniziert die Küche mit ihrer Architektursprache mit den angrenzenden Räumlichkeiten und wenn möglich mit dem Aussenbereich. Die Küche ist kommunikationsfreundlich und funktional. Sie ermöglicht einen ergonomischen Arbeitsablauf und den schweifenden Blick in den freien Raum. Das Aussen und das Innen kommunizieren miteinander.

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INNENARCHITEKTUR

Küche ist heute Funktions- und Kommunikationsraum. Das spiegelt sich auch in der Küchenarchitektur wider.

DIE TRAUMKÜCHE DER KÜCHENRATGEBER von Rainer Klein

Eine neue Küche ist eine Investition für mindestens ein Jahrzehnt und mit beachtlichem finanziellen Aufwand versehen. Zudem ist heute kaum mehr eine Küche nur ein Funktionsraum, sondern will in das übrige Wohnensemble integriert werden. Da gilt es, komplexe Hürden zu meistern. Wir publizieren im folgenden Beitrag Auszüge und leicht redigierte Texte aus dem Küchenratgeber des Branchenverbandes küche schweiz.

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it den Informationen aus dem gemeinsamen Beratungsgespräch erarbeitet der Küchenspezialist eine Planung mit Offerte, die die Wünsche des Kunden widerspiegelt. Die Planung ist ein Prozess, der Kreativität, technisches Wissen und Zeit erfordert, um punktgenau Vorstellungen des Kunden umzusetzen. Die Offerte ist das Resultat umfangreicher Abwägungen, Abklärungen und Berechnungen. Springen wir in die Praxis. Eine neue Küche ist eine langfristige Investition. Der Qualität der Ausführung kommt daher besondere Bedeutung zu. Die Gesamtkosten über die Lebensdauer der Küche wiegen dabei mehr als die reinen Beschaffungskosten. Besonders wichtig ist, dass man einen zuverlässigen Küchenspezialisten als Partner an seiner Seite weiss, der sachkundig durch diesen Prozess führt, berät und Interessen wahrnimmt. Damit die Wünsche und Vorstellungen mit den Möglichkeiten der räumlichen Gegebenheiten in Einklang gebracht werden können, finden in der Regel mehrere Beratungsgespräche statt.

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Je klarer die Wünsche und Bedürfnisse an den Küchenspezialisten formuliert werden, desto gezielter und effektiver kann er einen ersten Gestaltungsvorschlag unterbreiten. Dieser enthält bereits einen hohen Detaillierungsgrad und ist aussagekräftig. Damit verbunden sind planerische und kreative Leistungen, Abklärungen und vieles mehr. Es ist üblich und gerechtfertigt, dass dem Kunden diese Leistung verrechnet werden kann. Je sorgfältiger die Ausarbeitung der Planung und der Offerte, desto geringer die Fehler im Bau, Mängel und unangenehme Folgekosten. Der gute Küchenspezialist ­erbringt alle notwendigen Serviceleistungen. Der Kunde setzt auf das Know-how des Spezialisten bei der Planung, Koordination und Organisation (Architekt, Handwerker) Ihres Küchenbaus.

GRUNDRISSE – EINE VIELFALT VON MÖGLICHKEITEN Die Küche als Werkstatt, Begegnungsstätte und Ort, an dem Kochen zelebriert wird, soll immer so angelegt sein, dass die

Haupttätigkeit in Richtung Aussicht oder in Richtung Kommunikation (Tisch / Wohnzimmer) ausgerichtet ist. Die Küchen­ arbeit verteilt sich auf 70 Prozent im Bereich Rüsten, Zubereiten, Waschen und auf 30 Prozent im Bereich Kochen. Bei der Planung gilt es, darauf zu achten, dass die Laufwege kurz sind und die ­Anordnung der Möbel und Geräte Ihren Arbeitsabläufen ergonomisch entgegenkommt. Die Wunschküche braucht so detailreich wie möglich eine Skizze, die mit dem Spezialisten besprochen wird. Er kennt die Planungsgrundsätze, nutzt jeden Raum optimal und setzt die Visionen des Kunden bestmöglich um.

ZU BEACHTEN BEI DER ­KÜCHENPLANUNG • Eventuell Bodenbelagswechsel im Umbau

• Heizkörper und Fensterhöhen • Kollisionsgefahren in den Ecken • Eine repräsentative Wohnküche ­benötigt rund 18 bis 25 Quadratmeter.


INNENARCHITEKTUR

Planung ist ein Prozess, aus dem am Schluss sich die passende Küche entwickelt.

DESIGN – FRONTEN, ABDECKUNGEN, GRIFFE UND LICHT Gesellschaftliche Entwicklungen, neue Wohnformen und technische Innovationen prägen die Küchentrends. Harmonie, Funktion und passendes Design liegen im Empfinden jedes Einzelnen. Noch nie war das Angebot an Farben, Formen und Materialien so umfassend wie heute.

und praktischer Finessen vom Küchenspezialisten zeigen zu lassen. Schub­laden mit Dämpfungsmechanismus, Hochschrank­ auszüge, Ecklösungen, Abfalltrennsysteme und vieles mehr tragen zu einem ­mühelosen Kochvergnügen bei.

HINWEISE FÜR DIE PRAKTISCHE KÜCHE • Genügend Arbeitsfläche zwischen

In seiner Ausstellung präsentiert der Küchenspezialist die vielfältigen Materialien und Formgebungen. Die eingebauten Referenzküchen sind Referenzbeispiele und verwirklichen die Vorstellungen des Kunden in seinem ganz persönlichen Stil. Der Küchenspezialist kennt die Neuheiten und Trends und unterstützt bei der Wahl der passenden Lösung.

TIPPS FÜR DEN KÜCHENBAU • Mitspracherecht für alle Nutzer b ­ ereits bei der Planung und Gestaltung

• Lichtverhältnisse des Raumes ­berücksichtigen

• LED-Lichtsysteme vergleichen • Griffe oder grifflose Systeme

MÖBEL – FUNKTIONALITÄT UND TECHNIK Ob Wohn-, Ess- oder Arbeitsküche: Dank heutiger Technik sind Form und Funktion vereint. Es gilt, sich die Palette technischer

­Kochen und Waschen

• Ergonomie – auf Körpergrösse der ­Benutzer abgestimmt

• Ecklösungen optimal nutzen • Arbeitsflächenbeleuchtung planen • Arbeitssteckdosen vorsehen

GERÄTE – LASSEN KEINE WÜNSCHE OFFEN Der Küchenspezialist stellt die neusten Koch-, Gar- und Kältetechniken vor und berücksichtigt dabei die vorhandenen ­individuellen Kochgewohnheiten. Abluft oder Umluft, Haube oder Kochfeldabzug? Der Küchenspezialist zeigt auf, welche Lösung für den Dunstabzug geeignet ist. Ob Backofen, Dampfgar- oder Dampfbackgerät, Kombigeräte, Mikrowellen, Kühlschränke, energie- und wassersparende Geschirrspüler, Induktionskochfelder, Tischflächengrill, das Wasser kochend oder mit Kohlensäure versetzt aus dem Wasserhahn und vieles mehr – der

­ üchenspezialist kennt das umfangreiche K Angebot und kann optimal beraten.

NÜTZLICHE HINWEISE – FÜR IHR KOCHVERGNÜGEN • Es gilt, sich mit den neuen Koch­ techniken und Gewohnheiten von Kunden auseinanderzusetzen. • Bei Neukonzeption Abluftleitungen ­gewährleisten. • Gesamtlüftungskonzept für alle Zonen (Wohnraum, Küche und Nasszone) früh in der Planung berücksichtigen. • Sanitäre Leitungsführungen optimieren. • Bei Minergie-Abluft kontrollierte ­Lüftungen vorsehen, um Problemen mit dem Cheminée vorzubeugen. • Falls Minergie-Zertifizierung vor­ gesehen ist, die Anforderungen und Standards bereits bei der Planung ­berücksichtigen.

RAINER KLEIN ist Geschäftsleiter von küche schweiz www.kueche-schweiz.ch

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MEHR BEWEGUNG DIE STRATEGISCH AUFGEBAUTE KÜCHE von Thomas Wiesmann

© Fotos: Marco Blessano | Fotografie

Seit bald 45 Jahren baut Thomas Wiesmann Küchen. Ebenso lange ist dieser «ganz spezielle Raum» Dreh- und Angelpunkt seines Denkens und Handelns: Was macht eine intelligente Küche aus? Dieses Wissen gibt er regelmässig an Fachvorträgen weiter – und hier exklusiv für bauRUNDSCHAU.

Seite 96 // bauRUNDSCHAU


INNENARCHITEKTUR

D

ie Küche wird immer mehr zu einer Prestigeangelegenheit, zu einem «Sehnsuchtsort» gar. Dies habe ich kürzlich in einer Medienmitteilung ­lesen können. Gut so! Sehe ich doch auch so, solange diese Prestigeangelegenheit auch funktioniert und nicht nur schön dasteht. Ob Prestigeangelegenheit oder «Sehnsuchtsort», die Küche ist und bleibt der wichtigste Raum in einer Wohnung oder in einem Haus und – was wir gerne vergessen – der vielschichtigste, nicht nur technisch gesehen. Heute, wo praktisch alle Küchen offen gebaut, Teil von Ess- und Wohnräumen werden, wird ihre Planung darum noch komplexer. Umso seltsamer mutet es an, dass die ­Küche zuweilen behandelt wird wie die Gästetoilette im Untergeschoss. So kommt es mir oft vor, leider. Bei einer Renovation wird eine Wand heruntergerissen und die Küche neu möbliert. Bei einem Neubau wird auf dem Reissbrett eine Ecke aus­ gespart und dann mit Küchenmöbeln und -maschinen bestückt. Heute geschieht das natürlich mit einem Computerprogramm, aber das kommt auf das Gleiche heraus. Und es wird auch nicht besser, wenn man hier eine preisgekrönte Designküche reinstellt. Warum spricht man von der Küche als Prestigeangelegenheit und widmet ihrer Planung nicht mehr Achtsamkeit? Weil eine Küche eine Küche ist? Und die Bewohner und Bewohnerinnen schauen dann schon, wie sie mit ihr zurecht kommen? Diese Zeiten sollten endgültig vorbei sein. Es geht nicht nur darum, dass die Küche anders daherkommen sollte, da sie jetzt Teil des Lebensraums geworden ist, sondern weil unsere Lebensgewohnheiten sich verändert haben und sich mitunter täglich ver­ ändern, weil wir Menschen sehr viel individueller leben. Die Familienmodelle haben sich gewandelt und differenzieren sich aus. Das soll, das muss bei der Küchenplanung berücksichtigt werden. Auch beim Wohnungsbau, selbst beim sozialen Wohnungsbau, gibt es Dinge, die man heute zwingend anders machen könnte, aber nach wie vor gleich handhabt. Hierzu nur ein kleines Beispiel. Es mag banal tönen, aber nur für die, die nicht selber in der Küche Hand anlegen müssen. Das Spülbecken! Immer noch werden serienmässig kleine Becken eingebaut, mit dem kleinen – heute sinnlosen –

MEHR LICHT, MEHR LUFT, MEHR RAUM

Wer die Gunst hat, selber zu bauen, in eine Küche investieren zu können, sollte darum vor allem eines investieren: genug Zeit für die Planung. Genug Zeit, sich die richtige Küchenbauerin oder den richtigen Küchenbauer zu suchen. Und hier würde ich es halten wie mit meinem Arzt: Wer mir nicht zuhören kann, wer nicht auf meine Fragen eingehen kann, ist wohl nicht der Richtige.

Wir leben anders, wir kochen anders, es wird selten mehr stundenlang eingekocht. Es braucht in der Regel mehr Arbeits­ flächen, weil mehr gerüstet wird, es braucht mehr Stauraum, weil mehr recycliert wird, dies alles ist zu bedenken.

Wir Küchenbauer sind Expertinnen und ­Experten für den Bau der Küche. Die Kundschaft aber ist theoretisch Expertin für ihr Leben, für ihre Bedürfnisse, für ihre Gewohnheiten. Und diese gilt es zu eruieren.

Resteausgussbecken. Eine unsinnige und nutzlose Installation. Dieser Platz sollte für ein grosses Spülbecken genutzt werden, wo man auch ein Backblech reinigen kann, ohne dass man die ganze Küche unter Wasser setzt.

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© Fotos: Marco Blessano | Fotografie

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Thomas Wiesmann kämpft für die moderne Küche und gegen alte Gewohnheiten.

WEITERE INFORMATIONEN «Ich will mehr Bewegung im Küchenbau!» Fachvortrag von Thomas Wiesmann an der Messe Bauen & Modernisieren in Zürich «Wie baue ich meine Traumküche» täglich 13.30 – 15.00 | Halle 7, Raum K6 Das ganze Denken des führenden Schweizer Küchenbauers vermittelt Thomas Wiesmann täglich in seinem Fachvortrag «Wie plane ich meine Traumküche». Gleichzeitig demonstriert er es – komprimiert auf 40 Quadratmetern – mit seiner Küche EVEREST SKY, kombiniert mit dem COVERT REDUIT in Halle 3. Stand Wiesmann Küchen Halle 3, Stand D02

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DAS «AHA!»-REAKTIONSPRINZIP In meinen Vorträgen versuche ich, dem Publikum die verschiedenen Aspekte, die verschiedenen Schichten des Küchenbaus näherzubringen. Wo beginnt man? Was will man und was will man sicher nicht mehr? Dabei geht es, bevor es um Farben, Fronten oder Materialen geht, um etwas ganz anderes: unsere Gewohnheiten. Es geht um die guten und um die weniger ­guten Gewohnheiten in unserem Alltag. Wir hängen an ihnen, auch wenn sie manchmal unsinnige Marotten sind. Wie zum Beispiel dieses Restausgussbecken. Ich habe Kundinnen, die wünschen sich dies, weil sie immer eines hatten. Tatsächlich braucht es nie viele Worte, bis dieses «Aha!» kommt, bis es ihnen wie Schuppen von den Augen fällt. Eine der schlimmsten Gewohnheiten, die wir aber haben, ist die Gewohnheit, Dinge zu sammeln. Dies ist ein erster Handlungspunkt: Küche aus­ misten. Was liegt in allen Schubladen und

Schränken, was wir nie, aber auch gar nie benutzen? Das geht von Messerchen und Speziallöffeln bis hin zur Pasta-Maschine, die zwar gekauft, aber nach der ersten Pasta-Orgie vor etlichen Jahren im Oberschrank auf bessere Tage wartet und wie aus einem Dornröschenschlaf wachgeküsst werden will. Der Oberschrank ist so ein weiterer Moment, den es zu beachten gilt. Wir versorgen hier Dinge, die wir nicht oft brauchen. Vasen, Schüsseln, die Pasta-Maschine – aber auch Lebensmittel! Dann wundern wir uns, wo plötzlich die Motten herkommen, weil wir die Haferflocken und Gerstenkörner, die wir in einem Anfall von ­«gesünder essen wollen» zwar gekauft, aber wegen unseres hektischen Alltags schliesslich vergessen haben. Oberschränke sind für gar nichts gut. Oberschränke sollten eigentlich verboten werden. Auch weil man immer ein Trepp-


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Mehr Licht, mehr Platz, mehr Raum.

chen oder einen Stuhl braucht, um da hochzukommen. Letztlich bedeutet das Reduktion, Reduktion auf das Maximum meiner Bedürfnisse. Was heisst: Was will ich wirklich und was will ich nie mehr. Erst jetzt geht es um Materialen und Farben und Formen. Jetzt geht es um den Boden, um Fronten, Maschinen und ­Möbel – und um das grosse Ganze. Auch hier ist es gut, die richtige Küchenbauerin oder den richtigen Küchenbauer an der Seite zu ­haben. Experten, die einem mit ihrem Wissen zeigen können, was es auf dem Markt gibt, was Bestand hat, was funktioniert.

DAS MENSCHLICHE MASS – DAS MASS ALLER DINGE Viele bauen heute am Menschen vorbei. Das finde ich. Zu gross, zu monströs, zu bombastisch. Das brauchen wir nicht wirklich. Sicher nicht in der Küche. Die Küche ein «Sehnsuchtsort»? Und dann steht da ein Koloss von Kücheninseln, vier Meter

lang und 1.40 Meter breit. Es sind jetzt sieben Jahre her, als mich eine Dame um Rat gebeten hat. Sie war klein und zierlich und sehr unglücklich mit ihrer Küche. Als ich sie zu Hause besuchte – was ich immer tue, bevor es an die Planung geht –, brauchte sie mir nicht viel zu erklären. Es war so ­augenscheinlich. Die Frau verschwand schier in ihrer Küche. Das brachte mich auf die Idee von EVEREST SKY. Eine Insel ­bestehend aus neun Elementen. Acht sind bedienbar für Stauraum, Geschirrspüler und Kehricht. Das neunte Element in der Mitte nimmt die Technik auf und das Modul für den herausfahrbaren Dampfabzug. Gleichzeitig entwickelten wir in unserer Manufaktur das COVERT REDUIT. Einen Raum, direkt erreichbar durch die Front, unsichtbar, wo es keine Schränke braucht, sondern nur offene Regale. Ein begehbarer Schrank, wo alles verschwinden kann, was in der Küche nicht gebraucht wird – und Oberschränke überflüssig macht! Das

COVERT REDUIT nimmt etwas Raum, aber schafft Platz. Das ist für mich die Zukunft der Küche: Reduktion auf das Maximum der Bedürfnisse. Kleiner, kompakter und intelligenter für mehr Platz, mehr Raum und mehr Licht. Ist die Küche eine Prestigeangelegenheit? Prestige tönt immer etwas nach Blendwerk. Ich sehe die Küche darum lieber und nüchterner als eine nachhaltige Investitionsangelegenheit. Eine Investition die sich lohnt, vorausgesetzt man investiert nicht nur Geld, sondern auch Zeit für die bestmögliche Planung.

THOMAS WIESMANN war lange Präsident von küche schweiz. www.wiesmann-kuechen.ch www.bauen-modernisieren.ch www.küche-schweiz.ch

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ENERGIEEFFIZIENT UND INNOVATIV SKANDINAVISCHES BELEUCHTUNGSDESIGN von Luxion Lighting GmbH

Energieeffiziente und innovative Beleuchtungslösungen zeichnen sich durch Qualität und Funktion aus. Die Kompetenz des Anbieters Riegens liegt in Lichttechnik für Büros, im Gesundheits- und Bildungswesen, in Industrie und Einzelhandel sowie in Aussenbeleuchtungen. Wir stellen die Lichtphilosophie und einige dazu passende Beispiele vor.

B

eleuchtung ist für die Verantwort­ lichen von Riegens viel mehr als nur Licht. Und deshalb entwickeln sie die Produkte mit dem einen Ziel: hochwertige Beleuchtung mit geringstmöglichem Energieverbrauch. Riegens macht dies mit einem Erfahrungsund Innovationsschatz seit über 60 Jahren. Das Unternehmen wurde 1956 in Kopenhagen gegründet. Riegens ist heute einer der grössten Beleuchtungshersteller in Skandinavien. Der Sitz des Unternehmens befindet sich in Odense, Dänemark, mit ­einer Tochtergesellschaft in England und Vertriebsbüros in vielen Teilen Europas. 2015 übernahm die norwegische SG Armaturen Riegens. Beide Unternehmen haben eine starke Position im Markt für Lichttechnik und Wohngebäudebeleuchtung.

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Riegens steht für innovative Lichtlösungen in zeitgenössischer Ästhetik mit einem ­verantwortungsvollen Umweltbewusstsein gegenüber Mensch und Natur. Das Design-Spektrum reicht von klassisch bis modern. Der Angebotsbogen spannt sich von schlichten oder stimmungsvollen über vornehm zurückhaltende bis hin zu gezielt hervorhebende Innen- und Aussenbeleuchtung, die eine reizvolle Balance zwischen Architektur und Licht schafft. Mit Respekt vor lokaler Bautechnik kre­ ieren Riegens-Leuchten ein stimmungsvolles Lichtambiente, das die prägnante Architektur unterstreicht und sich dieser anpasst. So verschmelzen zeitlose Designs mit dem Beleuchteten zu einem baulichen Ganzen.

Neben einem ausdrucksstarken Produktportfolio bieten die Skandinavier, die mit der Luxion Lighting GmbH auch in der Schweiz vertreten sind, auch massgeschneiderte Lichtlösungen an.

EINIGE FALLBEISPIELE Die folgenden Anwendungsbereiche im Aussenraum präsentieren einige der vielen Riegens-Projekte:

2.


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1. 1. BELEUCHTETE SCHULE Die Grund- und Gemeinschaftsschule ­Dalumskole in Odense Dänemark ist repräsentativ im gesamten Schulbezirk und wurde 2015 / 16 renoviert, die Innen- und Aussenbeleuchtung eingeschlossen. Riegens hat die neue Beleuchtungslösung ­geliefert. In Klassenzimmern, Gemeinschaftsräumen, Garderoben, auf den Gängen und auf dem Schulhof wurden Place-Leuchtenköpfe auf bereits angebrachte Masten ­installiert. Die neue Beleuchtungslösung bringt eine deutliche Energieeinsparung ­sowie mehr und besseres Licht mit sich.

2. EINBINDUNG IN DAS STADTBILD CircLED – Einbindung der Leuchten in das vorhandene Stadtbild; mit dem Umfeld verschmelzend; passt sich den wechselnden Erfordernissen an; zeitloses Design; prägt die Umgebung massgeblich; energe­ tisches und umweltschonendes Konzept; Lichtverteilung, wo und wie sie gebraucht wird; individuelle Wahlmöglichkeit der Lichtlösung; zeitlose Ästhetik; zielführend und wegweisend; angenehmes und diskretes Lichterlebnis.

3. LED UND EFFIZIENZ Die Rax Downlights wurden entwickelt, um Beleuchtungskosten zu reduzieren,

4.

ohne dabei die visuelle Qualität in Innenräumen einbüssen zu müssen. Das einzigartige Reflektordesign in Kombination mit der neuesten LED-Technologie garantiert hohe Effizienz.

4. TAGESLICHTSIMULATION MIT DYNAMISCHER BELEUCHTUNG Das Büro der onkologischen Abteilung im Krankenhaus Herning ist ein weiteres Fallbeispiel. Das Projekt wird genutzt mit dem dynamischen Tageslichtrhythmus. Das ­Programm Tageslichtrhythmus läuft täglich von 06:00 bis 21:00 Uhr, wonach die ­Beleuchtung automatisch zur Abendbeleuchtung übergeht. Es wurde eine grafische Lösung gewählt, die folgende Funktionen beinhaltet: Tageslichtrhythmus für morgens, mittags und abends sowie intensives Licht zum Arbeiten und Reinigen. Darüber hinaus kann das Licht je nach Bedarf gedimmt werden. Es sind DiLED 3-line Prisme LED TW (2700-6500 Kelvin) installiert.

5. LICHT FÜR DAS LERNEN Nørresundby-Gymnasium ist ein allgemeines Gymnasium für Abitur und Fachhochschulreife im Norden Jütlands. Klare Werte, ­langjährige Traditionen und Zukunftsoptimismus sorgen für eine aufgeschlossene Schule, wo Schüler und Lehrer in Gemein-

6.

samkeit zu einem fachlichen, anerkennenden und inspirierenden Umfeld beitragen. Das NørresunbyGymnasium hat eine umfassende Renovierung erfahren. In den Gängen sind RAX150 und Concido 150 installiert. Im Speisesaal und Foyer wurden Concido 150 sowie Rax200 angebracht, und die Büros wurden mit Frame sowie Concido 100 ausgestattet. DiLED Opal Ra>90 IP44 und RAX150 mit weissem Reflektor wurden in der neuen Industrieküche sowie in der Kantine / Cafeteria installiert.

6. OPTIMALE BÜROBELEUCHTUNG Mit einem einmaligen Design bietet Molior Corner jede Menge Flexibilität, um eine andersartige Beleuchtungslosung zu kreieren. Die einzigartige Optik garantiert eine optimale Lichtsteuerung mit einer niedrigen Blendung (UGR<19). Die Kombination aus der besonders designten Optik und den Vorzügen der LED-Technologie schafft eine optisch einzigartig und zugleich energieeffiziente Lösung. Molior ist die ideale Beleuchtungslosung für Bürobeleuchtung, mit einem flachen Profil von 35 Millimeter Höhe sowie Versionen für Versenkte- und Oberflächenmontage.

Luxion Lighting GmbH  |  Landstrasse 71 / Ost  |  CH-4303  |  Kaiseraugst  |  Tel. +41 (0) 61 500 51 41  |  info@luxion.ch  |  www.luxion.ch

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3.


Unsere LED-Einbauleuchten

sind lichtstark, energieeffizient und langlebig!

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Seite 102 // bauRUNDSCHAU

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Luxion Lighting GmbH Landstrasse 71 4303 Kaiseraugst

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Die Revoluxion in Sachen Licht!

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Schlankeres Rahmenprofil bringt mehr Glasfläche.

Fenstersysteme können immer verbessert werden, dann profitiert davon auch der Kunde in der Praxis.

SPAREN MIT HOCHWERTIGEN FENSTERN KLUGE BAUHERREN BERÜCKSICHTIGEN INSTALLATIONS- & ENERGIEKOSTEN von Christian Wenger

Wer ein Haus baut oder eine Liegenschaft renoviert, wird oft von Angeboten regelrecht überflutet. Viele Unternehmen locken mit tiefen Installationskosten. Dabei kann ein vermeintlich günstiges Angebot im Laufe der Jahre deutlich höhere Kosten verursachen. Ein Blick auf die Qualität lohnt sich in jedem Fall.

A

n Fenster werden vielfältige An­ forderungen gestellt. Sie sollen ­einerseits schön anzusehen sein und dem Gebäude ein Gesicht verleihen; andererseits sollen sie Licht und Wärme einlassen und dabei Zugluft oder Lärmübertragung weitgehend eliminieren. Wer Fenster ersetzt, verfolgt dabei vor allem ein Ziel: die Reduktion von Wärmeverlusten. Die Glasfläche soll dabei so gross wie möglich sein. Deshalb kann es sich lohnen, einen zweiten Blick auf das Rahmenprofil zu werfen. Wie schlank ist das Profil? Wie viel Schatten wirft es? Wie gross ist die entsprechende Glasfläche? Da gehört das Fenstersystem von Sirius zu den besten. Das äusserst schlanke Rahmenprofil erlaubt eine deutlich grössere Glasfläche, was oft auch den Dämmwert des ganzen Fensters verbessert.

MEHR LICHT DURCH GRÖSSERE GLASFLÄCHEN Je schlanker das Rahmenprofil ist, umso grösser wird die Glasfläche. Dadurch flu-

tet deutlich mehr gesundes Tageslicht in die Räume, was sich positiv auf das Wohlbefinden der Menschen auswirkt. Darüber hinaus lässt sich mit dem Einsatz von entsprechendem Glas leicht ein Minergie- oder Minergie-P-Standard erreichen. Wärmeverluste über die Fenster werden minimiert und gleichzeitig die wohltuende und energiereiche Sonnenstrahlung eingelassen. Das spart gleich doppelt Energie, nämlich bei der Beleuchtung und beim Heizen. Jahr für Jahr.

KOMFORTABLE UND SICHERE SCHIEBEFENSTER Die besonderen positiven Eigenschaften von möglichst grossen Glasfronten erfordern allein schon wegen des hohen Gewichts Schiebefenster. Hier setzen SiriusFenster Massstäbe in Sachen Komfort und Sicherheit. Auch grosse, schwere Schiebefenster gleiten sanft und leise zur Seite. Es sei denn, ein Eindringling versucht sich von aussen Zugang zu

verschaffen. Dann sorgt die besondere Konstruktion der Sirius-Schiebefenster dafür, dass sie nicht ausgehebelt wer­ den können und sicher verschlossen bleiben. Zu Recht tragen Sirius-Fenster den Namen des hellsten Sterns am Nachthimmel. Sie gehören dank ihrer durchdachten Konstruktion zu den besten am Markt. Die Eschbal AG in Ober-Ohringen bei Winterthur, die das System entwickelt und laufend verbessert, legt grossen Wert auf gute Kontakte zu Architekten, Bauherren und Fensterbauern in der ganzen Schweiz. Nur so kann sie veränderte Bedürfnisse aus erster Hand erfahren und ihr Fenstersystem laufend verbessern. Diese lokale Verankerung sowie der hervorragende Service und die Ausbildung von Nachwuchskräften gehören deshalb zu den Grundpfeilern und leisten dadurch einen wichtigen Beitrag zur Sicherung des Werkplatzes Schweiz.

ESCHBAL AG  |  Aspstrasse 9  |  CH-8472 Ober-Ohringen  |  Telefon +41 (0)52 320 08 08  |  info@siruis-fenster.ch  |  www.sirius-fenster.ch

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INNENARCHITEKTUR

BUSINESS PORTRAIT

Seite Gläser 104mit// einer bauRUNDSCHAU G-Laser®-Innengravur, die mit LED beleuchtet werden, ermöglichen erstaunliche Effekte und verzaubern mit einer speziellen Atmosphäre.


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Individuelle Kreativität, langjährige Erfahrung, Präzision und höchste Kompetenzen in der Spiegelmanufaktur sind die Voraussetzung für die hoch qualitativen Glaselemente im Innenbereich.

MEHR DAVON ÜBERRASCHENDE GLASWELTEN IM INNENRAUM von Georg Lutz

Klar, Glas ist transparent und lässt Licht in unsere Häuser. Das ist seit hunderten von Jahren so. Wobei die Glasflächen immer grösser und opulenter werden. Gerade im Innenraum kann Glas aber sehr viele architektonische Zeichen setzen. Das Unternehmen Galvolux ist dafür ein spannendes Beispiel. Wir stellen seine Glaswelten vor.

D

as ist ein typisches Beispiel, wie erfolgreich ein Familienunternehmen sein kann. Galvolux wurde 1900 als Spiegelmanufaktur gegründet. Noch heute ist es eher Manufaktur als Fabrik, a ­ llerdings mit neusten Technologien und Fertigungsprozessen ausgestattet. Die Verantwort­ lichen sind immer auf der Suche nach neuen Glaslösungen, die Anbieter in den Sektoren Innenarchitektur und des Innenausbau weiterbringen. Die Flexibilität und die Synergie zwischen industrieller Produk­ tion und handwerklicher Arbeit erlauben so, massgefertigte Produkte genau nach Kundenwunsch zu realisieren. Auf diese Philosophie aufbauend können die Verantwortlichen mit den vielen vorteilhaften und bekannten Eigenschaften des

Glases – vielfältig bearbeitbar, ökologisch, recycelbar, resistent, angenehm in der Haptik – arbeiten und Lösungen in Richtung personalisierbarer Ästhetik gestalten. Im Folgenden präsentieren wir einige Beispiele.

DIGITALDRUCK AUF GLAS Die zahlreichen und wohlbekannten Vorteile von Glas, wie leichte Verarbeitbarkeit, Umweltfreundlichkeit, Wiederverwertbarkeit und Festigkeit, werden ab jetzt durch einen weiteren Aspekt ergänzt, der in der zeitgenössischen Innenausstattung unverzichtbar ist: die Möglichkeit, den Look den Wünschen des einzelnen Kunden individuell anzupassen. «Zero» ist – nomen est omen – nur der ­Anfangspunkt einer neuen Interpretation der

Design-Line für Glas-Küchenabdeckungen der Galvolux. Das ambitiöse Projekt, das ständig weiterentwickelt wird, bietet den Kunden aussergewöhnliche Anregungen an. Dank der technischen Weiterentwicklung der Galvodeco®-Drucktechnologie, die bis jetzt als Küchenrückwände und für ­M öbelverkleidungen angeboten wurde, ­e rweitert die «Zero»-Kollektion nun das Spektrum auch auf Küchenarbeitsplatten in allen Formen und Grössen. Die Kollektion ist in sechs Metallicfarben und den Nuancen Weiss und Schwarz lieferbar und passt somit nahtlos in das Programm von Innenarchitekten und Designern. Gold, Bronze, Kupfer, Titan, Aluminium und Kohlenstoff lauten die innovativen, metallisierten Farbtöne der «Zero»-Kollektion.

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INNENARCHITEKTUR

Die neue Gravurtechnik G-Laser® von Galvolux ermöglicht, Bilder und Vektorgrafiken in höchster Qualität auf der Glasoberfläche oder im Glaskern zu reproduzieren. Durch die Gravur im Glaskern können dreidi­ mensionale Bilder wiedergegeben werden. Gläser mit einer G-Laser®-Innengravur, die mit LED beleuchtet werden, ermöglichen erstaunliche Effekte und verzaubern mit einer speziellen Atmosphäre.

PIXEL FLOORING Die Lösung PixeI Flooring eignet sich ideal für Böden und Treppen. Dort kann eine beeindruckende visuelle Wirkung erreicht werden die die einzigartigen ästhetischen Qualitäten von Glas mit den nach den wichtigsten internationalen Standards zertifizierten rutschhemmenden Eigenschaften vereint. Die Fläche wurde bearbeitet, um die nach den wichtigsten internationalen Normen zertifizierten rutschhemmenden Eigenschaften zu gewährleisten. Die Pixel-Flooring-Gläser gehören zur Madras®-Glaskollektion, der neuen Produktlinie, die von Gavolux exklusiv für die

Schweiz importiert und vertrieben wird. Sie sind mit transparenter und geätzter Oberfläche lieferbar und können in den Farben der Palette lackiert und emailliert werden.

RÄUME GESTALTEN Die bekannte Galvolux-Kollektion von Galvolam®-Verbundsicherheitsglas wird um mehrere avantgardistische, technische und dekorative Lösungen bereichert. Mit den sieben verschiedenen Produktlinien haben Innenarchitekten und Designer dank modernster Glasverarbeitungstechnologien die Möglichkeit, private, kommerzielle und öffentliche Räume perfekt zu gestalten. Transparent oder transluzent, versilbert, mit textilen oder metallischen Einlagen, mit fotorealistischer Galvodeco®Beschichtung – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Auch in Kombination mit der qualitativ hochstehenden und wert­ vollen Oberfläche von Acilux® ergeben sich neue Anwendungsmöglichkeiten. Galvolam® ist die Lösung, um die Wünsche von Kunden im modernen und trendigen Innenausbau zu verwirklichen.

Durch die Gravur im Glasinneren können dreidimensionale Bilder wiedergegeben werden.

Trittfeste Glaslösungen mit einer spannenden Ausstrahlung.

Seite 106 // bauRUNDSCHAU

Vektorgrafiken in höchster Qualität auf der Glasoberfläche oder im Glasinneren reproduzieren.

BUSINESS PORTRAIT


INNENARCHITEKTUR

VORFAHRT FÜR SICHERHEIT Das mit Galvodur® gehärtete Glas wird als Sicherheitsglas betrachtet, da es infolge eines Bruchs in tausend kleine Splitter zerbricht, die für die Sicherheit der Menschen keine Gefahr darstellen. Um die Qualität zu gewährleisten, sind die Galvodur ®gehärteten Gläser zertifiziert und tragen das Qualitätssiegel UNI und CE und sind EN-12150-normengetreu. Die Glashärtung kann zusammen mit der Galvodeco ®Technik verbunden sowie für die Realisierung von Sicherheitsspiegel angewendet werden. Galvodur® wird für alle Anwendungen, die eine hohe Sicherheit, mechanische Beständigkeit und Beständigkeit gegen Temperaturwechsel (thermischer Schock) benötigen, eingesetzt.

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.galvolux.com

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Eine Nespressomaschine muss gut und schnell sein.

PRAXIS UND OPTIK VERSCHMELZEN PRÄMIERTE HELFERLEIN FÜR DIE KÜCHE von Georg Lutz

Die jährliche Verleihung des Konsumentenpreises «KüchenInnovation des Jahres» hat ein zentrales Ziel: besonders verbrauchergerechte Produkte hervorzuheben und so konkrete Hilfestellung für Kaufentscheidungen zu geben. Wir stellen im folgenden Beitrag drei Preisträger aus dem Hause KitchenAid vor.

S

eit Einführung der legendären Küchenmaschine im Jahre 1919 und des ersten Geschirrspülers 1949 hat KitchenAid sich einen Ruf als führender Hersteller, der immer wieder DesignIkonen entwickelt sowie erworben und ­bietet mittlerweile auch Gesamtlösung für den Küchenbereich an. Von Küchenutensilien über Klein- bis hin zu Grossgeräten reicht das Sortiment, das allen passionierten Gourmets professionelle Leistung und Raffinesse bis ins kleinste Detail liefert.

Seite 108 // bauRUNDSCHAU

Zum zehnten Mal wurde in diesem Jahr der Konsumentenpreis für die «Küchen­ Innovation des Jahres» von der unabhängigen Initiative LifeCare verliehen. Die ­ARTISAN Nespressomaschine, der ARTISAN Präzisions-Presse-Kaffeezubereiter sowie das Spiralschneider-Attachment von KitchenAid gehören zu den herausragenden Produkten in der Kategorie «Elektro­ kleingeräte». Alle drei Produkte überzeugten Jury und Konsumenten gleichermassen in den Beurteilungskriterien Funktionalität und

Design, das Spiralschneider-Attachment wird zudem für seinen hohen Innovationscharakter ausgezeichnet.

ARTISAN NESPRESSOMACHINE Die ARTISAN Nespressomaschine lässt das Herz eines jeden Kaffee-Liebhabers höher schlagen. Das in Kooperation mit Nespresso entstandene intuitiv bedienbare Kapsel-Ladesystem verfügt über einen eleganten Hebel, welcher das Einlegen der Kapseln erleichtert. Dank eines Edelstahl-


INNENARCHITEKTUR

heizelements und der kurzen Aufwärmphase von nur 25 Sekunden kommt jeder schnell in den Genuss des perfekten Kaffees – ob kräftiger Espresso oder cremiger Lungo.

ARTISAN PRÄZISIONS-PRESSEKAFFEEZUBEREITER Die innovative Produktneuheit arbeitet nach dem Prinzip der traditionellen French Press, bietet jedoch zusätzliche Eigenschaften, die diese Brühmethode weiter verbessern. So müssen Kaffeeliebhaber zum exakten Dosieren nicht mehr auf eine zusätzliche Waage zurückgreifen, sondern können die Menge des Pulvers direkt im Gerät abwiegen. Über ein digitales Display, das sich im Griff des Gerätes befindet, können Gewicht und Brühzeit jederzeit ­abgelesen werden.

SPIRALSCHNEIDER-­ ATTACHMENT Mit einem multifunktionalen Messer-System (4-in-1), das neun Kombinationen – vom Spiralschneiden über das Schneiden von Scheiben bis hin zum Schälen und Ent­ kernen ermöglicht – bietet KitchenAid ein

Schälen und Schneiden wird immer einfacher und professioneller.

tolles Zubehör für die Küchenmaschine. Ab sofort lassen sich ohne grosse Mühe ­Zwiebel- oder Apfelringe zubereiten, aber auch Kartoffeln und Rote Beete schälen. Für alle, die gerne viel Obst und Gemüse in den Speiseplan integrieren, ist das neue Zubehör ein absolutes Must-Have.

Eine Dienstleistung der SAHB

Hindernisfrei wohnen Mit der Exma VISION unterhält die SAHB eine ganzjährige Ausstellung mit Ideen und Lösungen zur Förderung der Selb­ ständigkeit und des hindernisfreien Wohnens. • Einrichtungen für Bad, Dusche und WC • Situationsgerechte Küchenausstattungen • Sitz- und Plattformtreppenlifte • Weitere praktische Alltagshilfen Unser Highlight: ein verstellbares Badezimmer, mit dem sich eine individuell angepasste Einrichtung im Massstab 1:1 erleben lässt. Der Besuch unserer Ausstellung Exma VISION lohnt sich – unsere Fachleute beraten Sie unabhängig und kompetent. EXMA VISION Industrie Süd Dünnernstrasse 32 4702 Oensingen T 062 388 20 20 exma@sahb.ch www.exma.ch

GEORG LUTZ ist Chefredaktor von bauRUNDSCHAU. www.kitchenaid.de www.kuecheninnovationspreis.de


© Yohan Zerdoun

© Yohan Zerdoun

INNENARCHITEKTUR

Der Teppich Eco Syn wurde in den Bürobereichen verlegt.

SELBSTERKLÄRENDES GEBÄUDE DIE BODENLÖSUNG IM FRAUNHOFER-GEBÄUDE IN BAYREUTH von Kathrin Spohr

Das neue Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau in Bayreuth (D) wurde mit dem Teppich ECO SYN von Carpet Concept ausgestattet. Ein innovativer Boden, auf dem sich zukunftsgerichtete Forschungsideen optimal entwickeln lassen.

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er von Bayreuth aus Richtung Süden unterwegs ist, dem bietet sich ein neuer, spannender Ausblick. Allein das grossformatige, netzartige Muster der Fassade lässt erahnen: Es ist kein gewöhnliches Gebäude, das da vor kurzem auf der Anhöhe von Wolfsbach «gelandet» ist. Es handelt sich um das neue Zuhause ­eines renommierten Forschungsinstituts, dem Fraunhofer-Zentrum für Hochtemperatur-Leichtbau, HTL, das nun in exponierter Lage den Technologiepark Wolfsbach erweitert. Aus der Nähe wird deutlich: Die prägnante Fassade präsentiert sich in einem ungewöhnlichen Material, in Keramik mit Craquelé-Effekt. Und das aus gutem Grund. Das Kölner Architekturbüro kister scheithauer gross (ksg) wollte so die Forschungsschwerpunkte des Instituts – dazu gehört die Keramik-Faserentwicklung für Hochtemperatur-Isolationen – nach aussen sichtbar machen. «Schon während der Jurysitzung war ich überzeugt, dass der Entwurf von ksg exakt unserem Wunsch nach einem funktionalen und zugleich ausdrucksstarken Forschungsgebäude gerecht werden kann», erinnert sich Dr. Friedrich Raether, Leiter des Fraunhofer-Zentrums HTL. Der neue Gebäudekomplex des Instituts mit einer Bruttogesamtfläche von 5 800 Quad-

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ratmetern wurde im Sommer 2015 fertiggestellt. Vorausgegangen war ein im Jahr 2012 bundesweit ausgelobter Wettbewerb, in dessen zweiter Phase kister scheithauer gross aus insgesamt fünf Architektur­ büros als Gewinner für die Gesamtplanung hervorging. «Zwei Aspekte haben den Entwurf bestimmt: ein Maximum an städtebaulicher Wirkung und die Optimierung der funktionalen Struktur des Gebäudes», erklärt Architekt Johannes Kister. Eine Vielzahl unterschiedlichster Funktionen – Laborräume, Werkstätten, Ofenhallen, Produktentwicklung, Chemikalienlager sowie Büro- und Besprechungsräume – musste auf einer Fläche von 2 600 Quadratmetern funktionsorientiert untergebracht werden. Eine komplexe Aufgabe, die nur über Gespräche mit Mitarbeitern im Institut zu lösen war, wie Kister beschreibt: «Teil unserer Methodik ist es, Arbeitsabläufe ganz genau unter die Lupe zu nehmen und mit den künftigen Nutzern des Gebäudes zu besprechen. «Mit den so gewonnenen Erkenntnissen konnte das Architekturbüro eine klare und kompakte architektonische Ordnung entwickeln.

BLICKFANG MIT WEITBLICK Einem quadratischen, eingeschossigen Technik- und Laborbereich schliesst sich ein schmaler, zwei- bis dreigeschossiger

Büroriegel an. An der Schnittstelle zwischen den beiden Funktionsbereichen sind Sanitärräume und Umkleiden sowie der Aufenthaltsbereich angeordnet. Der Bürotrakt ragt über das abschüssige Gelände hinaus und bietet den rund 80 Mitarbeitern dank grosszügiger Fensterfronten ein weitläufiges Panorama über ganz Bayreuth. Und umgekehrt. Dieses Architekturkonzept, das schon aus der Ferne Blickfang ist, gewährt auch aus nächster Nähe spannende Einblicke: in die Arbeit der Forscher, die etwa Materialien und Komponenten sowie Mess- und Simula­ tionsverfahren für den Einsatz bei hohen Temperaturen für wichtige Anwendungen in der Energie-, Antriebs- und Wärme­ technik entwickeln.

SCHÖNE FORSCHUNGS­ BÜROWELTEN Die Idee der klaren visuellen Ordnung setzt sich konsequent im Interieur fort. Während in den Labors und Werkstätten funktional sinnvolle Materialien und Farben eingesetzt werden, haben Foyer, Besprechungsräume und Büros einen anderen Look: Warme Materialien, frische Farben dominieren. Die gesamte Innenarchitektur sollte auf das Institut zugeschneidert werden. «Das ist aussergewöhnlich. Derartige Entscheidungen hängen sehr vom Kunden ab. Die


INNENARCHITEKTUR

Bauherren des Fraunhofer-Instituts wollten mehr. Ihnen war klar, dass ihr Haus eine Botschaft ist, eine Visitenkarte von aussen und von innen», erklärt Kister. Für die ­Büros wünschte das Fraunhofer-Zentrum eine atmosphärische Qualität, die weit über die einer nüchternen Denkzelle für forschende Nerds hinausgehen sollte. ­Boden, Decken, Wände, Einbauten – alles sollte aus einem Guss kommen.

«Wenn man mehr als nur Nadelfilz in einem Büro haben möchte, dann bietet Carpet Concept die Qualität, die wirklich überzeugt», sagt Kister. Der mehrfach mit Designpreisen ausgezeichnete Teppich ECO SYN gewinnt seinen Charme durch die

© Yohan Zerdoun

Und so hat ksg den Forschungsanspruch in eine räumliche Qualität transportiert, die nun für die Kunden des Instituts deutlich sichtbar ist. Drei Besprechungsräume mit Wänden aus mittelbraunem, edlem Holz sind direkt vom Foyer aus zugänglich. Alle «Holzschachteln» – so nennt Kister sie – sind miteinander verbunden und lassen

sich so flexibel auf unterschiedliche Meeting-­ Situationen adaptieren. Überall ist Parkett ausgelegt, selbst auf den Treppen, die in die erste und zweite Etage führen. Hier markiert der andere Boden – der Teppich ECO SYN von Carpet Concept in hellem Grau – eindeutig einen neuen Bereich des Instituts, die Büroetagen. Ein Layout-Mix aus offenen Bereichen mit loungigen Sitzelementen, Teeküchen und Büroräumen. Die Wände präsentieren sich mit eigens für das Institut entworfenen Einbauten.

plastischen Effekte der exzellenten, gewebten Garne, die dynamische Oberflächen erzeugen. Hier, im Institut, liegt der innovative und hochwertige Teppich an der richtigen Stelle. Prof. Dr. Alfred Gossner, Vorstand der Fraunhofer-Gesellschaft, scheint überzeugt von dem Gesamtkonzept der Architekten: «Mit diesem Neubau verfügt das Fraunhofer-Zentrum für HochtemperaturLeichtbau über eine moderne Forschungsinfrastruktur, die in Kombination mit dem Know-how der Forscherinnen und Forscher des HTL eine solide Grundlage für innovative Lösungen im Bereich der Hochtemperaturmaterialien und -prozesse bietet.» Mit der ungewöhnlichen Architektur seines Instituts setzt die Fraunhofer-Gesellschaft Zeichen. Allein die keramische Fassade ist eine Innovation. Johannes Kister: «So etwas ist noch nie zuvor produziert worden. Diese grossformatige geometrische Struktur setzt sich aus lauter Unikaten zusammen. Wir haben hier eine Ornamentik generiert, die in einer spielerischen Art und Weise wirtschaftlich umsetzbar ist.» Die KeramikIdee kam dem Institut auch aus weiteren Gründen entgegen: Keramik ist nämlich ein äusserst strapazierfähiges und nachhaltiges Produkt!

KATHRIN SPOHR ist Designjournalistin und arbeitet u.a. für die Agentur Grosz-Herzig Kommunikation in Köln. Im Institut wird Keramikfaser entwickelt. Einen inhaltlichen Bezug dazu schafft die Fassade in Keramik mit Craquelé-Effekt.

www.carpet-concept.de www.htl.fraunhofer.de

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AUSGABE 03/2016

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