Am Limit, aber voll engagiert

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VINSCHGER THEMA

„Personalmangel bringt uns an die Grenzen“ Georg Horrer: „Es braucht verstärkt eine berufsbegleitende Ausbildung und eine höhere Entlohnung.“ Hartmut Pircher und Franca Marchetto, möchten, aufgenommen werden können.“ Im die Leiterin des Bereiches Wohnen bei der Gegenteil, „wir haben eine lange Warteliste.“ Lebenshilfe, die Tätigkeit und das Arbeiten in den Wohngruppen. „Wir geraten an die Grenzen“ Mitarbeiterteam sank von 25 auf 17 Hand in Hand mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie sah sich auch das Haus Slaranusa mit teils großen Schwierigkeiten und bis dahin nie dagewesenen Herausforderungen konfrontiert. Abgesehen davon, dass sich das Virus im Zuge der zweiten Welle ab November 2020 nicht nur bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ausbreitete, sondern auch das Mitarbeiterteam erfasste, kam es später aufgrund der Impflicht zu Suspendierungen und schließlich auch zu Kündigungen. „Nun sieht es leider so aus, dass die Mitarbeiterzahl von 25 Voll- bzw. Teilzeitbeschäftigten in der Zeit vor Corona auf 17 gesunken ist“, gibt Wilfried Kaserer zu bedenken. „Wir bräuchten dringend mindestens 8 neue Kräfte“, ergänzt Georg Horrer, um die derzeit 22 Bewohnerinnen und Bewohner gut betreuen und begleiten zu können. Erschwerend dazu kommt laut Kaserer und Horrer, „dass bei weitem nicht alle Personen, die bei uns wohnen und leben Fotos: Lebenshilfe Schlanders

SCHLANDERS - Wer im Haus Slaranusa der Lebenshilfe Vinschgau in Schlanders arbeitet, hat nicht mit Geräten und Maschinen zu tun, sondern mit Menschen. Mit Personen, die unterschiedliche Beeinträchtigungen haben und für die das Wohnhaus im Haus Slaranusa sowie die Wohngemeinschaft im Holzbruggweg das Zuhause sind. „Ich lebe nicht an deinem Arbeitsplatz. Du arbeitest in meinem Zuhause!“ Diese Worte, zu lesen auf einem gemalten Bild im Wohnhaus, bringen die Wünsche und Sichtweise der betreuten Menschen klar und einfach auf den Punkt. Für das Betreuerteam sind diese Worte zugleich ein Auftrag: „Wir sind sozusagen die Familie der Bewohnerinnen und Bewohner, und zwar an 365 Tagen im Jahr, Tag und Nacht. Vieles, was auch in ‚normalen’ Familien gemacht wird, geschieht auch hier bei uns. Wir gehen ins Kino, verbringen zusammen die Freizeit, machen Ausflüge und sind auch an Wochenenden zusammen.“ So beschreiben Georg Horrer, der Bereichsleiter für Arbeit in der Lebenshilfe und Leiter des Hauses Slaranusa, der Leiter der Wohngruppen Wilfried Kaserer, der Leiter des Arbeitsverbundes Martin Nagl, die Krankenpflegerin Sieglinde Platter, die Sozialbetreuerin Claudia Dietl, der Sozialbetreuer

22 Bewohnerinnen und Bewohner werden derzeit im Wohnhaus der Lebenshilfe Schlanders und in der Wohngemeinschaft im Holzbruggweg betreut und begleitet.

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DER VINSCHGER 09/22

Dass sich der Mitarbeiterschwund auch negativ auf das verbliebene Team auswirkt, liegt auf der Hand. „Vor Corona waren wir noch fast wie eine große Familie, nachher wurde plötzlich vieles schwierig oder unmöglich“, blickt Claudia Dietl zurück, die seit 1996 als Betreuerin im Wohnhaus arbeitet. „Gemeinsam ins Kino gehen, eine Pizza essen oder zusammen in den Urlaub fahren war nicht mehr denkbar.“ Dass familiäre Klima habe Schaden genommen und auch die Beziehungen zwischen den Betreuten und Betreuenden hätten gelitten: „Die Bewohnerinnen und Bewohner sind uns ja ans Herz gewachsen.“ Dass der Personalmangel die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an ihre Grenzen gebracht hat und nach wie vor bringt, bestätigt auch Hartmut Pircher, der seit 12 Jahren als Quereinsteiger im Wohnhaus arbeitet. Zuvor hatte er 20 Jahre während der Sommermonate als Hirte verschiedene Almen in der Schweiz und im Trentino bewirtschaftet. Arbeit und Ausbildung Zum Sozialbetreuer wurde Hartmut im Zuge einer berufsbegleitenden Ausbildung. Später unterstützte ihn die Lebenshilfe bei einer Zusatzqualifikation (Sozialpsychiatrie). „Die Kombination von Arbeit und Ausbildung empfand ich als sehr sinnvoll,“ blickt Hartmut zurück. Die unterschiedlichen Dienstzeiten im Wohnhaus, in dem 5 Wohngemeinschaften im Turnusdienst betreut werden, bezeichnet er als abwechslungsreich. Die unterschiedlichen Aufgaben, wie Kochen, Tätigkeiten bei der Freizeitgestaltung oder unterstützende Pflegemaß-