VINSCHGER GESELLSCHAFT
Bei Freunden in Dreizehnlinden SCHLANDERS/BRASILIEN - Vor 85 Jahren wurde im brasilianischen Bundesstaat Santa Catarina die Gemeinde Dreizehnlinden (Treze Tílias) gegründet. Zwischen 1865 und 1939 sind rund 30.000 Tiroler Emigranten aus Nordtirol, Südtirol und Welschtirol nach Brasilien ausgewandert. Der Gründer von Dreizehnlinden war der Tiroler Andreas Thaler, ehemaliger Landwirtschaftsminister Österreichs. Im Oktober wurde das 85-jährige Jubiläum in Dreizehnlinden gebührend gefeiert. Neben Nordtirolern aus der Partnergemeinde Wildschönau in Tirol, Schützen und anderen Gästen aus Oberösterreich, Bayern und dem Trentino war im Oktober auch eine Delegation aus Schlanders nach Dreizehlinden gereist, bestehend aus Karl Pfitscher, Karl Frischmann und Gerhard Dietl. Im Mittelpunkt der Reise stand die Teilnahme
Im Bild (v.l.): Gerhard Dietl, Mauro Dresch, Cláudia Grander Barbieri, Karl Pfitscher, Walter Felder und Karl Frischmann.
an den Feierlichkeiten in Dreizehnlinden. Am 12. Oktober beteiligten sie sich gemeinsam mit der Bevölkerung an einer Wallfahrt teil, die von der Kirche in Dreizehnlinden bis Babenberg führte, wo Dreizehnlinden 1933 gegründet wurde. Am Abend
wurde im Vereinshaus ein Tiroler Abend mit Musik und mit Auftritten von 12 Schuhplatter- und Volkstanzgruppen aus Dreizehnlinden veranstaltet. Weiter ging es mit einem Tiroler Fest. Am 13. Oktober, dem Gründungstag, wurde ein Gottesdienst gefeiert.
Die Delegation aus Schlanders überreichte dem Bürgermeister Mauro Dresch, der Konsulin Cláudia Grander Barbieri und Walter Felder, dem Obmann der Schuhplattler-Gruppe Lindendorf - sie hatte im August 2018 einen Auftritt in Schlanders - je einen „Berg“ aus Göflaner Marmor auf einem Lärchensockel mit der Aufschrift: „85 Jahrfeier 1933-2018 - Auswanderung der Tiroler nach Brasilien - Delegation Schlanders Südtirol“. Ein weiterer Höhepunkt der Feierlichkeiten war ein Festumzug mit just 85 Gruppen und Festwagen. Die Freunde aus Schlanderser wurden dabei auf die Ehrentribüne geholt. Zu jenen Personen, die seinerzeit ausgewandert waren, gehörte auch Klothilde Platzer aus Glurns. Sie ist vier Wochen vor den Jubiläumsfeierlichkeiten gestorben. Platzer führte in Dreizehnlinden das Gasthaus „Kandlerhof“. RED
RATGEBER - WIRTSCHAFT
Offene Steuerstreitverfahren begünstigt abfinden?
Walter Gasser walter.gasser@gspeo.com Kanzlei Gasser Springer Perathoner Eder & Oliva Naturns - Lana
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DER VINSCHGER 39/18
Das ital. Steuergesetz ist kompliziert und die konkrete Anwendung bestimmter Gesetze oft Ansichtssache. Kein Wunder, dass Finanzamt und Steuerzahler regelmäßig aneinandergeraten. Die Folge: nur im Zeitraum Jänner bis März 2018 wurden in Italien fast 60.000 Steuerrekurse eingereicht! Die Steuergerichtsbarkeit ist deshalb in vielen Provinzen kaum mehr in der Lage, die Flut an Prozessen zu bewältigen. Die ital. Regierung versucht deshalb, für die Steuerzahler Möglichkeiten zu schaffen, die Streitverfahren begünstigt abzufinden, womit die Streitverfahren auch abgeschlossen wären und der Fiskus gleichzeitig auch doch noch was kassiert. Der gewährte Nachlass beträgt bis zu 80% der nachgeforderten Steuern und den Erlass der Strafen. Geht es beim Streitverfahren hingegen nur um Verwaltungsstrafen, wird ein Abschlag von 85% gewährt. Diese Abschläge werden aber nur gewährt, wenn der Steuerzahler bereits in II. Instanz gewonnen hat und somit der Prozess vor dem Kassationsgerichtshof behängt. Kann der Steuerzahler hingegen ein gewonnenes Urteil I. Instanz vorweisen, beträgt der Steuernachlass 50% (bei den Strafen ist immer ein Abschlag von 85% vorgesehen). Liegt noch kein Urteil vor, müssen 100% der Steuern bzw. 40% der Strafen bezahlt werden. In einigen Fällen kann die Abfindung für den Steuerzahler sinnvoll sein, da v.a. das Kassationsgericht in Rom bereits in der Vergangenheit vollkommen gegensätzlich geurteilt hat als die Steuerkommissionen I. und II. Instanz in Südtirol. Wenn ein Prozess schon lange behängt, ist es daher sinnvoll zu prüfen, ob in der Zwischenzeit Rechtsprechung vorliegt, die die eigenen Gewinnchancen reduziert. Der Antrag um Abfindung und die Bezahlung des fälligen Betrages bzw. der ersten Rate muss innerhalb 31. Mai 2019 erfolgen. Beträgt die zu bezahlenden Summe mehr als 1.000 Euro, kann der Betrag auf bis zu 20 vierteljährliche Raten aufgeteilt werden. In der Zwischenzeit haben die Steuerzahler das Recht, die Suspendierung der laufenden Steuergerichtsverfahren bis zum 10. Juni 2019 zu verlangen. Von der begünstigten Abfindung ausgeschlossen sind Steuerstreitverfahren betreffend die Mehrwertsteuer, Zollgebühren, Akzisen auf Zucker sowie die Rückforderung von staatlichen Beihilfen. Nachdem es im Leben bei einem Streit am Ende eigentlich nie zwei Gewinner gibt, ist es sehr sinnvoll diese Möglichkeit der Abfindung genauestens zu prüfen und im Zweifelsfall, die Gelegenheit den Streit beizulegen, zu nutzen. WALTER GASSER