VINSCHGER GESELLSCHAFT
Ingrid Hofer auf Lesereise im Vinschgau VINSCHGAU - Von Mitte bis Ende Oktober war die Kinderbuchautorin Ingrid Hofer (im Bild) auf Lesereise in den Bibliotheken des Vinschgaus. Am 18. Oktober begeisterte sie die Grundschüler und Grundschülerinnen von St. Valentin, Reschen und Langtaufers in der Bibliothek von St. Valentin. Alle Augen hingen am roten Karton, aus welchem Ingrid den braunweißen Teddy Eddy zog und aus seinem spannenden Leben erzählte. Dann ertönte das Teddy Eddy Lied aus dem Lautsprecher, Ingrid sang (sie komponiert und singt alle ihre Lieder selber) und tanzte und alle Kinder sangen und tanzten mit. Wie auf ihrer Webseite zu lesen, möchte Ingrid dafür sorgen, „Kinder wieder zum Lesen, Singen und in Bewegung zu bringen.“ Und das gelingt ihr auch. Sie hat auch einen eigenen YouTube Kanal und eine Kinderliederkiste auf Spotify. Im Vinschgau wurde sie von Gudrun Kuenrath (Bibliothek Mals) entdeckt und 2023 von Raimund Rechenmacher (Mittelpunktbibliothek Schlanders) eingeladen. Nach der Lesung in St. Valentin fuhr sie gleich wieder nach Hause nach Lustenau in Vorarlberg, wo ihre drei Kinder auf sie warteten. Aber auch ernste Themen sind Ingrid nicht fremd. Im Februar 2024 wurde ihr Anti-Mobbing-Song „Hör auf“, den sie im Auftrag der Koordinationsstelle Mobbing der Bildungsdirektion Vorarlberg geschrieben hat, veröffentlicht. Als Hauptschülerin selbst gemobbt, hofft sie, mit diesem Song zur Sensibilisierung der Gesellschaft für dieses Thema beizutragen. Ingrid Hofer hat den herzlichen Empfang bei den Vinschgern sehr geschätzt und wird sicher wiederkommen. WOLFGANG THÖNI
10 DER VINSCHGER 20/24
„Geschichte vor unserer Haustür“ Das war das Motto eines Vortragsabends in Schluderns. SCHLUDERNS - Der gut besetzte Saal des Vuseums zum Saisonausklang war der Lohn für einen interessanten Vortragsabend, zu dem die Museumsleitung mit Präsident Toni Patscheider eingeladen hatte. Neue Forschungen zu St. Johann in Taufers im Münstertal stellte David Fliri anhand von Urkundenfunden im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg vor. Für den jungen Archivar am Österreichischen Staatsarchiv war Seestauung 1950: Verzweifelt versuchte man den Rest der letzten Ernte der Auftritt in der Nachbarge- einzubringen ... dann kam das Wasser. meinde Schluderns so etwas wie ein Heimspiel. Kein Heimspiel Nach der Weltgeschichte wicklung im Tal zu setzen. Der war aber der Inhalt seines Vortra- eine Wirtschaftsgeschichte Intitiator Schuster habe sich aber ges, in dem es um die Kreuzzüge „verspekuliert“ und sei 1881 in Das Ziel müsse darin bestehen, Konkurs gegangen, führte Lutt aus. ging und um die Belagerung der ägyptischen Hafenstadt Damiet- „aus dem Vinschgau ein zwei- Das Misslingen des Fohlengartens te 1218. Es ging um Swiker von tes Pinzgau zu machen“, zitierte in Schluderns hatte aber zur Folge, Reichenberg, der dem „Orden Alexander Lutt in seinem Refe- dass der Ursprungshengst aller vom Hospital des Heiligen Jo- rat aus dem Tiroler Volksboten Haflinger, der Hengst „249 Folie“, hannes“ die Johanneskapelle von vom 6. Oktober 1875. Lutt ist in Schluderns entdeckt wurde. Taufers überschrieben hatte. Fast hauptamtlicher Mitarbeiter des gleichzeitig habe Kaiser Friedrich Museumsvereins und hat wie Die Tragödie hinter II. dem Deutschen Orden die sein Vorredner Geschichte und dem Wahrzeichen Kirche St. Karpophorus in Tarsch Archivwissenschaften in Wien geschenkt, so Fliri. Spätestens studiert. Die Aussagen im „VolksNach den Entdeckungen und ab 1230 wurde St. Johann „das boten“, über die Bedeutung des Erkenntnissen der Archivare folgSpital“ genannt, erfüllte aber eher Fohlengartens in Laas - heute ten Geschichten aus dem Musedie Rolle eines „Xenodochiums“, Fohlenhof - und der Notwendig- um Vinschger Oberland. Valentin einer Herberge. Eine weitere keit, einen 2. Fohlengarten in Paulmichl (Jahrgang 1957) und Schenkung in Taufers soll eine Schluderns zu gründen, schrieb Sebastian Prieth (Jahrgang 2002) Marienkapelle gewesen sein. Fliri Lutt dem Johann Schuster aus erzählten im Wechsel von der konnte in seinen Forschungen Göflan zu. Wegen der verwandt- Geschichte der Seestauung in nachweisen, dass es sich um die schaftlichen Verbindungen zum der Gemeinde Graun. Sie verspätere Martinskapelle handeln Mareinhof in Vetzan auch „Ma- traten die 3. und 4. Generation muss. Die Behauptung, St. Johann reiner Hansele“ genannt, setzte der Betroffenen und waren geund seine romanischen Fresken sich Schuster vehement und über- zwungen, das Unrecht nicht verhätten durch einen Dorfbrand zeugt für die Gründung eines 2. gessen zu lassen und trotzdem 1383 Schaden genommen, konnte Fohlengartens in Schluderns ein das Beste aus dem See zu machen. der Historiker als „Falschmel- in der Hoffnung, dadurch einen Ihre Erzählungen vom „Jahrhundung“ widerlegen. Anreiz für die wirtschaftliche Ent- dert-Unrecht“ der Seestauung klangen authentisch und sehr nahe an einem Ereignis, das im Gemeindewappen für immer aufscheint und zu einer Sehenswürdigkeit geworden ist. Paulmichl und Prieth dokumentierten ihre Ausführungen mit ergreifenden Aufnahmen aus dem Bestand des Museums Vinschger Oberland. Sie gestalteten den Vortragsabend im Vuseum (v.l.): Sebastian Prieth, Valentin Paulmichl, Toni Patscheider, David Fliri und Alexander Lutt.
GÜNTHER SCHÖPF