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Wiesbadener Ausgabe III / 2017

Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

30. Exground Filmfest: Fokus Türkei

„insight!“ –

Wiesbadener Fototage

Meeting of Styles: Kunst in der Stadt

Heinrich Kirchhoff –

der „Mäzen der Moderne”

Leder – Welt – Geschichte: 100 Jahre Deutsches Ledermuseum

„Tastetival” 2017 –

Die rheinhessische Genuss-Offensive

Mit Hingabe und Leidenschaft:

Aktionswoche „Wiesbaden engagiert”

kulinart 2017:

Genuss und Stil auf Deutschlands schönstem Campus

Preis: 6,50 €


Inhalt Petra v. Breitenbach, Tatorte Kunst

Shine, Trickfilm-Festival

LOMO,© Flare Film GmbH, Michal Grabowskiunst, exground

...... Nach dem feucht-fröhlichen Sommer folgt ein energiegeladener Herbst, der es wirklich in sich hat. Die kulturelle Fastenzeit ist vorbei, jetzt gibt es frische Nahrung für Hirn und Herz. Willkommen im Reich der Künste! Fotokunst: Die Wiesbadener Fototage feiern in diesem Jahr ihr 10jähriges Bestehen. Vor 15 Jahren gegründet, sind sie mittlerweile eines der ältesten Fotofestivals in Deutschland. Dieses Jahr lautet das Motto „insight” (S. 14). Filmkunst: Vom 26. bis 29. Oktober bitten die Macher mit dem weltweit anerkannten Renommé zum 19. Internationalen Trickfilm-Festival ins Schloss am Rhein. Gezeigt werden über 80 Beiträge aus 22 Ländern, darunter der chinesische Fantasyfilm „Big Fish & Begonia” von Xuan Liang und Chun Zhang als Rhein-Main-Premiere (S. 17). Sein 30-jähriges Jubiläum Mitte November begeht das exground filmfest von 17. bis 26. November mit einem spannenden Festivalprogramm. Zahlreiche internationale Filmgäste präsentieren etwa 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme, darunter internationale, deutsche und Weltpremieren sowie exklusive Vorführungen von Filmen, die in Deutschland nicht im Kino zu sehen sein werden (S. 19). Stadtkunst: Zum neunten Mal laden Wiesbadener Künstler und Kunstinstitutionen Interessierte zu einem Blick hinter ihre Kulissen ein. Am 29. Oktober werden voraussichtlich 30 Standorte mit mehr als 40 Künstlerinnen und Künstlern aus allen Sparten der Bildenden Kunst von 10 – 18 Uhr mitten in Wiesbaden ihre Türen und Tore öffnen (S. 22). Kultur & Kulinarik: Mit dem Herbst hält das TasteTival Einzug in Mainz. Mittlerweile zum 13. Mal treffen sich Genussmenschen, um die drei schönsten Dinge auf Erden – Essen, Trinken, Feiern – in vollen Zügen auszukosten. Der Startschuss fällt am 15. September, die Küchenparty bei Eva Eppard in der „100 Guldenmühle” in Appenheim am 17. November setzt den Schlusspunkt (S. 8). Kenner und Genießer treffen sich seit Jahrzehnten auf der kulinart in Frankfurt. Am 21. und 22. Oktober ist sie zum ersten Mal auf dem Frankfurter Campus Westend zu Gast (S. 10). Für Mohini Goswami aus Wiesbaden ist die Messe der erste große Auftritt – sie wird mit ihren Veganen Cashew Trüffeln garantiert für Überraschung sorgen (S. 4). Sympathisanten des „Wasser des Lebens” haben einen mittlerweile obligatorischen Treffpunkt: die Messe InterWhisky, Europas größte Veranstaltung dieser Art findet dieses Jahr wieder in Frankfurt vom 1. bis 3. Dezember statt. (S. 12).

Meeting of Styles, Foto: Michaela Tsolaki

MENSCHEN

& MEINUNGEN

VEGANE CASHEW TRÜFFEL ARNO GOSSMANN SUSANNE GEIGER IST FEILGOLD GAUMENKITZELEIEN

TASTETIVAL 2017 KULINART FRANKFURT 19. INTERWHISKY KULTUR

& KREATIVES

WIESBADENER FOTOTAGE TRICKFILM-FESTIVAL EXGROUND FILMFEST SCHIRN FRANKFURT TATORTE KUNST THEATERDONNER FRISCHER WIND... KULTURFONDS GARTEN DER AVANTGARDE MEETING OF STYLES SIBYLLE – DIE FOTOGRAFEN RGZM MAINZ DEUTSCHES LEDERMUSEUM MAGAZIN

KULTOUREN I KULTOUREN II ZUSAMMEN LEBEN

WIESBADEN ENGAGIERT MAINZER HERZBALL

S. 4 S. 6 S. 7 S. 8 S. 10 S. 12 S. 14 S. 17 S. 19 S. 21 S. 22 S. 24 S. 26 S. 27 S. 28 S. 35 S. 37 S. 39 S. 40

S. 30 S. 42 S. 48 S. 51

Soudabeh Hassanzadehpashang: Insight, Fototage

Genießen Sie den Herbst! Testen Sie Ihren Gaumen und Ihre Sinne! Ansonsten: viel Vergnügen mit dem aktuellen WIESBADENER, mit Kunst, Kulinarik & mehr.

IMPRESSUM: Herausgeberin, Gesamtkoordination & Gestaltung: media futura • Inh. Petra Esser • Postfach 4122 • 65031 Wiesbaden • Tel. 0611.504.53.11 • Fax: 0611.504.59.98 • www.media–futura.de • mail@media–futura.de • Firmensitz: Balduinstraße 28, 56856 Zell/Mosel • Redaktion: Petra Esser, Tobias Mahlow, Gesine Werner, Konstantin Mahlow • Gestaltung: Petra Esser • Anzeigenleitung: Tobias Mahlow • Titelbild: Jule Kühn, „Weißes Rauschen 03“, „insight“: Wiesbadener Fototage 2017 • Vignetten: Bernd Schneider • Druck: CEWE-PRINT GmbH, 26133 Oldenburg • Redaktionsschluss für die Ausgabe IV/2017: 15.11.2017 • Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung des Verlages • alle Fotos und Logos wurden uns – wenn nicht anders dokumentiert – von den porträtierten Personen/Institutionen zur Verfügung gestellt. WIESBADENER

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MENSCHEN

&

MEINUNGEN

Vegane Cashew Trüffel: hochwertig, reduziert und raffiniert – einfach etwas ganz Besonderes

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ntdecker mitsamt ihren kulinarischen Entdeckungen aufzuspüren, ist das Motto der „Erlebnismesse für Genuss und Stil” namens kulinart, die seit vielen Jahren in Frankfurt stattfindet. Wenn sich am 21. und 22. Oktober die Türen zu dieser Genuss-Veranstaltung öffnen, werden die Besucher auch „Deliciense” kennenlernen, die kleine, feine vegane Cashew Trüffel Manufaktur aus Wiesbaden. Und so viel sei bereits verraten: Die köstlichen Trüffel sind eine wahre Entdeckung!

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Die Gründerin der Manufaktur ist Mohini Goswami, die ihren indischen Namen dem Vater verdankt, dessen Familie in der Nähe von Kalkutta lebt und die sie regelmäßig besucht. Sie selbst ist in der Nähe von Wiesbaden aufgewachsen, doch ihr Interesse an fremden Ländern und Kulturen liegt wohl in den Genen. Besonders fremde Esskulturen faszinieren sie, am liebsten mag sie einfache Gerichte mit raffinerten Gewürzkombinationen. Als kosmopolitischer GenussMensch probiert sie mit viel Spaß und Leidenschaft unterschiedliche Landesküchen und Ernährungsformen aus – so geschehen auf einer Rucksackreise durch Indien, wo sie die Garküchen mit ihren sehr einfachen, aber dennoch raffiniert gewürzten Speisen kennen und schätzen gelernt hat. Um diese Rezepte zu erfahren, absolvierte sie ein Praktikum in einem indischen Restaurant in Kalkutta, das diese Küche anbietet. Der Manager allerdings wollte ebenso von ihrem europäischen Know-How profitieren und bat sie, das Küchenpersonal im Backen zu unterrichten - eine fast unlösbare Aufgabe, wenn man bedenkt, dass es in Indien kaum Backöfen und ca. 40% Vegetarier und Veganer gibt.

Mohini Goswami ließ sich davon nicht abhalten, dachte länger darüber nach, probierte vieles aus, näherte sich dabei immer stärker dem Rohkostbereich und entdeckte schließlich ein veganes Pralinenrezept, dessen Basis sie mit getrockneten Früchten, Nüssen, getrocknetem Gemüse, Blüten und Gewürzen verfeinerte. Freunde, Familie und die ersten Testpersonen waren begeistert, was sie dazu ermutigte, intensiver an dem Thema zu arbeiten. Doch nicht allein die positive Resonanz motivierte sie, sondern auch die Erkenntnis, dass diese Trüffel nahezu perfekt mit ihrer Leidenschaft für hochwertige Zutaten, für klare, reduzierte Produkte, die zugleich etwas Raffiniertes haben und damit etwas ganz Besonderes sind, korrespondieren. Als gelernte Bankerin wollte sie sich aber nicht allein von ihrer Begeisterung leiten lassen. Nun ging sie die Sache strategisch und professionell an, nahm an einem Gründungsseminar teil, führte eine Marktanalyse durch, produzierte und entwickelte weitere Produkte. 2016 war es dann soweit und „Deliciense”, die kleine, feine vegane Cashew Trüffel Manufaktur aus Wiesbaden, wurde gegründet – geleitet von einer Einzelkämpferin, die überzeugt ist, eine Nische gefunden zu haben, die nahezu ideal zum Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung passt. Seitdem hat sie ein beachtliches und zugleich einzigartiges Sortiment aufgebaut: Erhältlich sind Cashew Trüffel die sanft im Geschmack und somit auch wunderbar für Kinder sind, daneben WIESBADENER

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findet man Cashew Trüffel mit außergewöhnlichen Inhalts- und Gewürzkombinationen, Tee-Trüffel mit kostenbaren, erlesenen Teesorten sowie eine Sonderedition von Trüffeln, die speziell für ein Whisky & Trüffel Tasting entwickelt wurden (aber natürlich auch ohne Whisky schmecken). Es geht sogar noch exklusiver: Für einen Schweizer Juwelier hat Mohini Goswami die Trüffel vergoldet. Entzückend, die Himbeer-Trüffel verziert mit kleinen 23 karätigen Gold-Herzen.

Und obwohl Wachstum vorprogrammiert zu sein scheint, gilt für Mohini Goswami weiterhin: small is beautiful. Der Manufakturcharakter soll auf jeden Fall erhalten bleiben, da sie so am besten die Qualität sicherstellen und auf individuelle Kundenwünsche eingehen kann und natürlich auch um weiterhin ausgefallene

Das Sortiment variiert von Jahreszeit zu Jahreszeit: So findet man jetzt im Sommer viele fruchtige und spritzige Sorten – im Herbst werden Sorten mit Kürbis, Apfel, gerösteten Nüssen und intensiven Gewürzen hinzukommen.

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MEINUNGEN

gie ihrer Inspiration. Die erfährt sie, wenn sie ganz andere Manufakturprodukte, die nicht ausschließlich aus dem Food-Bereich kommen, entdeckt, die sie begeistern, weil man die Leidenschaft der Produzenten spürt, die dahinter steht. Dabei entstehen neue Ideen bei ihr zuerst im Kopf. Gedanklich entwirft sie ein neues Rezept, das erst umgesetzt wird, wenn ihr das Bild im Kopf stimmig erscheint. Am Anfang steht das Konzept – am Ende sind es köstliche Trüffel, die exklusiven Genuss garantieren. Die Frankfurter Messe kulinart im Oktober ist ihr erster großer Auftritt. Und wir sind sicher, dass wir Ihnen nicht zu viel versprechen, wenn wir sagen dass Sie überrascht und begeistert sein werden. Weiteres auf: www.deliciense.com

Die ausgefallenen Trüffel schmecken übrigens nicht nur Vegetariern und Veganern, sondern vielmehr Genuss-Menschen, die sich für das Besondere begeistern können, sich gerne eine exklusive Auszeit in Trüffelform gönnen, und so etwas für ihr Wohlbefinden tun. Wer die Trüffel erwerben möchte, kann dies derzeit direkt auf www.delicience.com über das Bestellformular tun (Webshop ist im Aufbau!), oder im Feinkostgeschäft „Trüffels” in Wiesbaden. In Planung ist ein eigener, kleiner Laden, natürlich in Wiesbaden, weil sie die Stadt persönlich sehr schätzt und sicher ist, hier das Klientel zu finden, dass ein solch individuelles und exklusives Produkt zu schätzen weiß. WIESBADENER

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Trüffel zu entwickeln, die ihren Vorstellungen entsprechen: handgearbeitet, mit hochwertigen Inhaltsstoffen, reduziert und klar und dennoch raffiniert – eben so, wie sie es am liebsten mag. Sie ist von diesem Konzept überzeugt und folgt neben ihrer Strate5


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MEINUNGEN

Bürgermeister Goßmann, lange Jahre in der Taunusstraße ansässig und „als zuständiger Sozialdezernent das letzte Jahrzehnt Begleiter des Stadterneuerungsprozesses“, stellte im Bürgerzentrum Adlerstraße die Broschüre „Liebenswert lebenswert – Die Sanierung des Bergkirchenviertels in Wiesbaden 1972-2015“ vor. Es ist eine spannende Zeitreise durch über 40 Jahre Stadtgeschichte.

In seiner letzten Pressekonferenz stellte Bürgermeister Arno Goßmann (2. von links) mit Ortsvorsteher Roland Presber, dem damaligen Wohnungsamtsleiter Dietrich Schwarz und dem damaligen Stadtentwickungsdezernenten Jörg Jordan (von links) die Dokumentation zur Sanierung des Bergkirchenviertels vor. Foto: Gesine Werner

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ine Ära ist zu Ende – Arno Goßmann, allseits hoch angesehener Bürgermeister und Sozialdezernent der Landeshauptstadt Wiesbaden, hat sich in den sogenannten Ruhestand verabschiedet. Spürbar emotional berührt zeigte sich bei der Verabschiedung im prall vollen Rathaussitzungssaal das Plenum durch minutenlanges standing ovations. Anerkennung gab es von allen Fraktionen. Die Bürgermedaille in Gold bekam der frisch ernannte Stadtälteste Goßmann von Parlamentspräsidentin Christa Gabriel und OB Sven Gerich überreicht. Nein, einmischen will sich der „Mann für alle Fälle“ (wie die FAZ lobte) nicht, der statt eines Festaktes die persönliche Verabschiedung vorzog. Gar zu „ruhig“ geht er es aber nicht an. Nach seinem Kanada-Urlaub wird der Jurist Arno Goßmann wieder zum Studenten – die Universität des 3. Lebensalters an der Frankfurter Alma mater offeriert schließlich

schöngeistige Fächer von Literatur bis Philosophie. Zeit hat er ja jetzt. Auch die finalen Termine waren mit Bedacht gewählt. Im Rathaus machte er aus der Begeisterung über jugendliches Engagement keinen Hehl, freute sich bei der Programmvorstellung des „Youth Culture 65xxx!“-Festival als Projekt von „wi&you“ (Amt für Soziale Arbeit) über die Kooperation mit KreativFabrik und Kulturpalast. Schmunzelnd erinnerte sich Arno Goßmann an „lausige Kälte“ früherer Jahre. Jugendliche feierten im Kulturpark am Schlachthof, der Titel „Together against Racism“ ist das Motto. „Wichtig ist mir, dass die Jugendlichen sich selbst ihre Gedanken machen. Es wird nichts vorgegeben.“ Eine Mini-Version von Folklore bei freiem Eintritt – von Jugendlichen geplant und organisiert. A pro popo Jugend: Das „Haus der Jugendverbände“ als „Jungbrunnen“ im früheren Bebop in der Saalgasse zu installieren, war Arno Goßmanns Idee. Es war eine der letzten Amtshandlungen und der Ort bewußt gewählt:

„Es hat sich gelohnt“, dankte Arno Goßmann allen am Prozeß Beteiligten. Der Bürgermeister erinnerte an die Abwendung des geplanten „totalen Kahlschlags mit der Abrißbirne“ und den massiven Protest der Wohnbevölkerung mit folgendem „Umdenkungsprozeß“. Das Quartier wurde in „Blöcke“ eingeteilt. Bewertungskommissionen mit Ortsvorsteher Richard Werner und seinen Nachfolgern gingen mit Fachleuten von Haus zu Haus. Als frühe Form der Bürgerbeteiligung wurde ein Sanierungsbeirat installiert, 1974 ein Sanierungsbüro eröffnet. Für die „behutsame Sanierung des Katzelochs“ wurden rund 66 Millionen Städtebaufördermittel eingesetzt. Gut angelegtes Geld für 174 Wohngebäude, 74 Neubauten, grundsanierte Straßen, 560 Tiefgaragenplätze, Tattersall, Quartiersplatz und das „Berschelsche“. SEG-Geschäftsführer Roland Stöcklin sieht das Interesse von Investoren für das „unglaublich schöne Viertel“. Dr. Jörg Jordan, damals Stadtentwicklungsdezernent und mit Achim Exner ein Kämpfer gegen die Kahlschlagsanierung, nimmt die Kommune in die Pflicht: „Die Stadt hat es politisch in der Hand und kann über das Bauplanungsrecht vieles regeln, also auch „Nein sagen“. Ortsvorsteher Roland Presber, seit 1973 Bürger dieses „tollen Quartiers mit kurzen Wegen einer Kleinstadt“, warnt vor den Folgen auslaufender Mietpreisbindung. Das Viertel soll seine Struktur erhalten und vor Gentrifizierung geschützt bleiben. Gesine Werner

Für soziales Miteinander der Generationen und ein liebenswert lebenswertes Katzeloch Bürgermeister Arno Goßmann ist jetzt im Ruhestand und wird wieder Student 6

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MENSCHEN

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MEINUNGEN

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ie Goldschmiede feilgold steht für Kreativität, Innovation und Präzision.

feilgold, das ist Susanne Geiger. Von der Umsetzung eigener Kreationen über Workshops zur Schmuckherstellung bis hin zum Restaurieren und Reparieren von Schmuckstücken – die

Kunst und Handwerk in Kreativität und Präzision vereint Goldschmiedemeisterin beherrscht nicht nur ihr Handwerk, sondern steht auch für Kompetenz und Kreativität auf ganzer Linie. Ihr Studium der Kunstgeschichte und Ethonologie öffnete zudem den Blick für Historie und ethonologische Bedeutung der Schmuckherstellung. Dieser Blickwinkel findet auch immer wieder Eingang in die eigenen Kreationen. Susanne Geiger öffnet im Oktober wieder ihre Werkstatt. Vernissage: 28. Oktober 2017 von 15 – 18 Uhr WIESBADENER

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Atelier / Workshops Am Schlosspark 103 65203 Wiesbaden 0611 – 45 03 286 0171 – 31 34 456 info@feilgold.de www.feilgold.de Bis Dezember wird dann die aktuelle Schmuckkollektion von Susanne Geiger noch zu sehen und zu erwerben sein. Die Werkstatt ist in der Regel montags bis freitags von 10 – 16 Uhr geöffnet. Wer sicher gehen will, vereinbart einen Termin (0611– 45 03 286).

... Und natürlich können auch persönliche Anfertigungen in Auftrag gegeben werden. ... Oder nehmen Sie an einem der Workshops teil und gestalten Sie unter Anleitung Ihr eigenes Schmuckstück. Die Workshops sind auch ganz hervorragend als originelles Geschenk für liebe Menschen geeignet. ... Und sicher ist auch wieder das eine oder andere für die Vorweihnachtszeit in Planung! Mehr dazu in der nächsten Ausgabe (ab 1.12.) Foto oben links: Iris Kaczmarczyk Foto oben rechts: Alessa Pärn 7


GAUMENKITZELEIEN

Hyatt Regency Mainz: Tastetival, by Marcus Steinbrücker

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ach einem kleinen Appetizer am 12. August in den Zornheimer Weinstuben wird das Tastetival 2017 am 15. September mit einem Paukenschlag offiziell eröffnet. Der Anlass steht dafür, denn 25 Jahre “Selection Rheinhessen” – das muss gebührend gefeiert werden. Alle dürfen mitfeiern, wenn der langjährige, treue Tastetival Partner “Rheinhessenwein e.V.” ins “Alte Weinlager” am Mainzer

Zollhafen einlädt. Mit dem “special event”, bei dem aus gegebenen Anlass die großen Flaschen aus den Kellern geholt werden, beginnt der Veranstaltungsreigen, den die Tastetival Macher 2017 unter das Motto “Landpart(y)ie” gestellt haben: Die insgesamt 12 Veranstaltungen, die von acht Betrieben mit viel Lust und Liebe ausgerichtet werden, führen kreuz und quer durchs rheinhessische Hügelland, wo genüsslich gefeiert, getafelt und einmal mehr gelebt wird wie Gott in Frankreich.

Wer Nickl heißt, muss kochen können. Das stellen Gastkoch Benny Nickl und Hausherr Frank Nickl am 17. September und am 3. November in “Nickl’s Speisekammer” in Biebelsheim unter Beweis. Eskortiert werden die Herren Nickl von Gastgeberin Monika Nickl. Wie gewohnt hat sie die Weine für die beiden Abende mit viel Liebe zum Detail zusammengestellt. Im September kommen edle Tropfen aus Franken vom Weingut Wirsching ins Glas. Die Veranstaltung im November baut den Pfälzer Weinen eine Bühne. Zu Gast ist das Weingut “von Winning” aus Deidesheim. Gekocht wird in bester Nickl-Manier: Sinnlich saisonal und gekonnt genial. “Rheinhessen trifft die Welt” heißt es am 14. Oktober im “Hyatt Regency Mainz” im Restaurant “Bellpepper”. Bereits zum vierten Mal hat sich eine der Erfolgsgarantinnen für diesen besonderen Abend angesagt: Mit Christina Fischer wird’s nie langweilig, denn die Weinfee aus Köln gehört zu den besten Sommelièren weit und breit. Kommunikativ geht es auch an den Kochstationen der Hyatt Köche zu, wo die besten Tropfen aus Rheinhessen auf Kochkunst, die über den Tellerrand blicken lässt, treffen. Beim Speed Dating mit Tataki vom Thunfisch aus

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GAUMENKITZELEIEN

Fernost und Ceviche aus Südamerika wird es garantiert spannend. Ins Reich der Träume lädt das Team des Atrium Hotels am 21. Oktober ein. Auf Wolke Sieben sollen die Gäste der Wein- und Genussparty beseelt durch neue kulinarische Sphären “schweben” und einen Abend lang einmal ihre Träume leben. Eigens dazu verwandelt sich die weitläufige Hotellandschaft in eine Traumfabrik – mit Traumtänzern auf der Bühne, traumhafter Deko und verträumten Lichtinstallationen. Der flüssige Traumstoff kommt aus dem Traumland Rheinhessen. Das Küchenteam läuft zur Hochform auf und macht selbst kühnste Träume wahr. Ein Abend wie im Paradies – einfach traumhaft. Ums Wohlfühlen und Schlemmen im Kreise von lieben Freunden und um das Thema Heimat ohne Grenzen geht’s auch am 27. und 28. Oktober im Bassenheimer Hof. “Heimatliebe” heißen die beiden garantiert wieder ganz schnell ausgebuchten Abende, die das Team hinter Michael Müller in Person von Dagmine Wolf und Jochen Dietz gerade vorbereiten. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Alles wird perfekt arrangiert. Nur Küchenchef Jochen Dietz nimmt sich die Freiheit, auch diesmal wieder aus dem Bauch heraus zu kochen. Die Weine kommen an beiden Abenden ganz aus der Nähe – aus Ingelheim vom preisgekrönten Weingut Dautermann. Jodeln vor Glück – im “Fachwerk Im Eulengarten” kann das passieren, denn was man sich hier fürs Tastetival 2017 ausgedacht hat, verspricht ein echter Glückstreffer zu werden. Von vielen echten Glücksmomenten schwärmen Heimkehrer, die in der Steiermark Urlaub gemacht haben. Am 28. Oktober holt die Eulengarten Crew das grüne Herz Österreichs auf die Teller. Atrium Mainz: Tastetival by Nathalie Zimmermann

Hyatt Regency Mainz: Tastetival, by Marcus Steinbrücker

Das Viergang-Menü lässt die Geschmacksknospen tanzen vor Glück und macht die Herzen froh. Eben echt steirisch und verdammt köstlich. Und die Weine? Ein Heimspiel made in Rheinhessen. Charaktertypen, von denen man gar nicht genug bekommen kann. Einsteigen und ab geht’s – immer dem Wein hinterher. Die Rheinhessentour ist der absolute Tastetival-Hit – und das seit vielen Jahren. Blitzschnell ausgebucht und sehnsuchtsvoll erwartet. Gaaanz entspannt und jedes Mal aufs Neue erfrischend anders. Die Erlebnistour für Wein- und Feinschmecker startet am 1. November im Atrium Hotel in Mainz-Finthen. Angefahren werden vier Weingüter, die gemeinsam mit den Tastetival Köchen dafür sorgen, dass die Gäste mit allen Sinnen erfahren: Das ist rheinhessische Gastfreundschaft, so schmeckt’s bei uns im Weingut Franz in Appenheim, im Sekthaus Raumland in Flörsheim-Dalsheim, im Weingut Flick in Bechtoldsheim und

bei Weinqueen Eva Vollmer in MainzEbersheim. „Schwäbisch liebt rheinhessisch” – das ist im Restaurant “mundart” in Saulheim einfach so. Die Hebestreits sind der lebende Beweis dafür. Er aus dem Schwarzwald, sie eine Eingeborene aus Rheinhessen. Gemeinsam verwöhnen sie ihre Gäste mit Herz und Hand. Und das wird auch beim schwäbisch-rheinhessischen tete a tete nicht anders sein. Wer also Lust auf eine länderübergreifende Liebesbeziehung und auf die Begegnung mit Rehmaultasche und Duett von heimischen Obstsorten hat, der ist hier goldrichtig. Am 4. November stellen die Hebestreits unter Beweis, wie köstlich ihre Liebe schmeckt. Schon gewusst? Eva ist zurück im Paradies. Mit der “100 Guldenmühle” hat die hochdekorierte Küchenfee ein paradiesisches Refugium gefunden. Sie teilt es gerne mit ihren Gästen und lädt Freunde zu sich nach Appenheim ein. Zum Tastetival macht sie, die zu den Begründern der erfolgreichen Veranstaltungsreihe gehört, die Kellertüren ganz weit auf lässt es bei Wein, Musik und Mühlenschmaus mal wieder so richtig krachen. Trinken statt Degustieren, Fingerfood statt Silberlöffel und Hula Hoop statt steife Hüfte – das ist heute schon gesetzt. Am 17. November kann man sie alle probieren und sich von Eva im Paradies verwöhnen lassen. Alle Veranstaltungen auf einen Blick unter: www.tastetival.de Buchungen: Jeweils bei den einzelnen Betrieben

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enner und Genießer treffen sich seit Jahrzehnten auf der kulinart in Frankfurt. Am 21. und 22. Oktober 2017 ist sie zum ersten Mal auf dem Campus Westend zu Gast. Neue Location, bewährtes Programm: Auch dieses Jahr darf man auf der Genussmesse kulinart wieder gespannt sein, womit die rund 70 Aussteller ihre Besucher verwöhnen und begeistern werden. Begleitet wird kulinart auch 2017 von den langjährigen Partnern Meckatzer Löwenbräu und von Miele mit ihrer beliebten Live-Kochshow. Ein kulinarisches Highlight setzt dieses Mal mit Sicherheit die spanische Gastregion Galicien. Die köstliche galicische Küche ist bekannt für ihre Meeresfrüchte,

Gin, oder „Frankfurter Tradition vergeistigt“, wie die Macher sagen. Noch individueller ist auf der kulinart nur der Private Gin-Baukasten, mit dem man aus acht Botanicals seine ganz persönliche Mischung ansetzen kann. Nach dem Motto „Aus dem Regal kann jeder“ liegt der Gin zum Selbermachen voll im aktuellen Individualisierungstrend. Deutlich stärker der Tradition verpflichtet sind die feinfruchtigen Apfelessige Dr. Höhl’s Bioess aus vollreifen Bio-Äpfeln von deutschen Streuobstwiesen. Der Essig nach der originalen Rezeptur von 1779 wurde erst vor kurzem neu aufgelegt. Und der naturtrübe Apfelessig von Dr. Höhl wurde 2015 mit dem „EatHealthy“ Award ausgezeichnet. Was man aus Äpfeln noch Schönes gewinnen kann, zeigt uns der Obsthof am Steinberg: Hier

kulinart 2017: Genuss und Stil auf Deutschlands schönstem Campus ihr hochwertiges Rindfleisch, ihre Weine und die „Tarta de Santiago“. Lassen wir uns überraschen, welche Delikatessen auf der Miele Kochbühne live zubereitet werden. Neben einigen neuen und bewährten Ausstellern mit Köstlichkeiten aus aller Welt steht dieses Jahr mehr denn je die hessische Region und Tradition im Mittelpunkt der Messe. Auf die Spitze treibt das Gin Sieben mit einer Gin-Kreation, die auf dem traditionellen Frankfurter Rezept der Grünen Soße basiert. Nach über einem Jahr Entwicklungsarbeit gelang es, die Essenzen der 7-Kräuter-Mischung aus Boretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpinelle, Sauerampfer und Schnittlauch zusammen mit dem obligatorischen Wacholder auf den Alkohol zu übertragen. Ergebnis ist ein überraschend ausgewogener 10

gibt’s das echte „hessische Stöffche“, sortenreine Apfelweine. Von den Streuobstwiesen in die Weinberge: Das Winzerhotel Sandwiese der Familie Schäfer in Worms-Herrnsheim lädt die kulinart Besucher herzlich dazu ein, den Wonnegau und seine Weine für sich zu entdecken. Während die Gäste entspannen, kombiniert die junge Generation im Weingut die traditionelle und moderne Weinerzeugung zu guten Tropfen, die einfach Freude machen. Im Herzen des Hochsauerlands fertigt Riffelmanns Manufaktur in Handarbeit Senfe nach dem traditionellen Kaltmahlverfahren – darunter der „Grobe Westfale“, aber auch die „Süße Sauerländerin“. Aus Wiesbaden kommt die feine vegane Cashew Trüffel ManufakWIESBADENER

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tur Deliciense. Auf ihrem kulinart Stand erwarten den Besucher außergewöhnliche Kompositionen mit ausgewählten Superfoods und exotischen Gewürzen. Jeder Trüffel ist ein Unikat – mit Liebe von Hand gefertigt und verpackt. Die Liebe zu seiner „Nonna“ bringt Vito Leone mit sizilianischen Köstlichkeiten nach Großmutters Rezeptur zum Ausdruck: Olivenöl, Pasta, Saucen, Wein und Kaffee der Fattoria Leone stammen allesamt direkt aus ökologischem Anbau vom Erzeuger aus Sizilien. Antonio und Viktor, Mathilde und María heißen die Café- und Espressosorten der Kaffeerösterei Weidmann, von denen einige bereits beim Verkostungswettbewerb der Deutschen Röstergilde mit Gold ausgezeichnet wurden. Für Inhaberin Christine Weidmann ist Kaffee ein Produkt, für das man sich Zeit nehmen muss – von der Herstellung über die Zubereitung bis zum Genuss. Dass sie und ihr Team dieses Ziel mit großer Achtsamkeit verfolgen, kann man schmecken – beispielsweise auf der kulinart. Während viele der kulinart Aussteller außerhalb der Messe z. B. für Nachkäufe am besten online erreichbar sind, haben erfreulicherweise auch einige kleine feine Lieblingsgeschäfte aus der Innenstadt einen Stand auf der kulinart 2017. Die Pâtisserie Anna Reckmann zum Beispiel. Ihre Philosophie: „Die Pâtisserie ähnelt der Alchemie: es ist die Kunst, Stoffe zu etwas Neuem zusammenzuführen und in etwas Wunderbares zu verwandeln.“ Schon der Anblick ihrer kleinen Kunstwerke aus Früchten, Biscuit, Schokolade und vielen weiteren köstlichen Zutaten genügt, um genau zu wissen, was sie meint. Ein Genuss sind auch die Schokoladen-, Pralinen- und Eis-Kreationen von Pott au Chocolat. Marielis Langehenke und Manfred Glatzel WIESBADENER

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haben die gemeinsame Liebe zur Schokolade in der ganzen Welt entdeckt und sie zusammen in den „Pott“, nach Dortmund, gebracht. Im August eröffnen sie ihre erste Zweigstelle in Frankfurt. Auf der kulinart erhalten die Besucher einen exklusiven Vorgeschmack darauf. Fast so etwas wie eine eigene kleine Genussmesse findet man in den Regalen von Feine Emma im Frankfurter Nordend: feine Delikatessen aus deutschen Manufakturen, erlesene Gewürze, edle Spirituosen und vegetarische sowie vegane Feinkost. kulinart präsentiert ein „Best of“ aus dem saisonal wechselnden Sortiment. Die Frankfurter Käsestube fokussiert sich dagegen ganz auf „Gutes aus Milch“. Käsesommelier Vartan D. Kevorkyan bietet hier über 200 handwerklich hergestellte Käsesorten aus Hessen und Europa an. Unter dem Motto „Frankfurt wird schöner“ führt das selbsternannte „Gute-Laune-Kaufhaus“ Liebesdienste schließlich Feinkost aus Sonnenländern mit skandinavischem Wohndesign zusammen. Das Ladengeschäft in Frankfurt eröffnete erst vor kurzem unter neuer Adresse mit erweitertem Konzept, Besucher der kulinart kommen bereits im fünften Jahr in den Genuss der Verschönerungsexperten. Weitere Informationen unter www.kulinart-messe.de kulinart 2017 – Messe für Genuss und Stil 21. und 22. Oktober 2017 Frankfurt, Casinogebäude am Campus Westend der GoetheUniversität Öffnungszeiten: Samstag 12-22 Uhr und Sonntag 10-19 Uhr Eintritt für Besucher: 12,- € 11


GAUMENKITZELEIEN

19. InterWhisky in Frankfurt

Auf Du und Du mit der großen Whiskywelt

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ie InterWhisky 2017 findet vom 01. – 03. Dezember auch dieses Jahr wieder im Gesellschaftshaus Palmengarten statt. Die Räumlichkeiten bieten den Besuchern ein exklusives Ambiente und verschiedene Erlebniswelten in einem einzigen Gebäudekomplex. Einerseits sehr zentral und verkehrsgünstig, andererseits frei zugänglich am Rande des Palmengartens gelegen, vereint das Gesellschaftshaus auf 2.200 m² in perfekter Kombination Tradition und Moderne. Deutschlands älteste Whiskymesse ist mittlerweile für rund 8.000 Besucher ein fester Bestandteil im Terminkalender. Auch in diesem Jahr dürfen sich whiskybegeisterte 12

Kenner und Genießer wieder auf eine große Auswahl internationaler Aussteller und Marken freuen. Die namhaftesten Größen der Whisk(e)ybranche, aber auch immer mehr kleinere, unabhängige Destillerien aus dem In- und Ausland kommen nach Frankfurt zum alljährlichen Familientreff. Das Rahmenprogramm ist so abgestimmt, dass „Whisk(e)y-Einsteiger” und „-Profis” gleichermaßen Wissenswertes über das „Wasser des Lebens” erfahren können. Besucher können Whisk(e)ys aus Schottland, Irland, Kanada, Japan, Belgien, Deutschland, der Schweiz und den USA verkosten. In kostenlosen Whisky-Seminaren („Whisky Forum”) sowie weiterführenden „Master Classes” haben sie die WIESBADENER

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GAUMENKITZELEIEN

Möglichkeit, noch tiefer in die Welt des Whiskys einzutauchen. Abgerundet wird das Programm durch schottisches und irisches Food mit passender musikalischer Unterhaltung. Anlässlich des Branchenevents wird auch der neue „Whisky Guide Deutschland 2018” vorgestellt und die begehrten „Germany’s Best Whisky Awards” verliehen werden. Ein besonderes Highlight der Messe ist das „Whisky Talk & Dinner”, welches Whiskybegeisterte zu einem exklusiven Vier-Gänge-Menü einlädt. Dazu werden diverse „Whisky-Raritäten” verkostet und von internationalen TopReferenten (Destillerie-Manager, Masterblender, etc.) kenntnisreich vorgestellt. Die Idee zur InterWhisky hatte Christian H. Rosenberg, Geschäftsführer der Medienbotschaft Verlag & Events GmbH und Herausgeber des Magazins „Der WhiskyBotschafter”. Nun schon zum 19. Mal stattfindend, hat sich die InterWhisky vom kleinen Fachbesucher-Event in den ersten Jahren zu einer großen internationalen Veranstaltung entwickelt. Auch in diesem Jahr übernimmt der Bundesverband der Deutschen Spirituosen-Industrie und -Importeure e.V. (BSI) die Schirmherrschaft über die InterWhisky.

Veranstaltungsort Gesellschaftshaus Palmengarten Palmengartenstr. 11 60325 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten Freitag, 01. Dezember 2017: 14 – 21 Uhr Samstag, 02. Dezember 2017: 12 – 21 Uhr Sonntag, 03. Dezember 2017: 12 – 19 Uhr www.interwhisky.com www.facebook.com/InterWhisky WIESBADENER

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KULTUR

&

KREATIVES

Levitation I: Julia-Murakami

„insight” – Wiesbadener Fototage feiern 10jähriges Bestehen

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ie Wiesbadener Fototage feiern in diesem Jahr ihr 10jähriges Bestehen. Vor 15 Jahren gegründet, sind sie mittlerweile eines der ältesten Fotofestivals in Deutschland. Was 2002 mit einer Ausstellung zum Thema „Experimentelle Fotografie” begann, hat sich längst zu einer festen Institution der überregionalen Kunstszene entwickelt. Alle zwei Jahre zeigen Kunstschaffende ihre aktuellen Werk unter einer jeweils wechselnden thematischen Klammer. Die eingereichten Arbeiten sollen die Gedanken der Fotografen sichtbar machen und Einblicke in ihre Lebenswelten und Themen mit der jeweils eigenen Bildsprache geben. Die Herausforderung besteht darin, Gedankenwelten, innere Bilder oder biographische Elemente dem Betrachter nahe zu bringen. 14

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In diesem Jahr könnte es besonders spektakulär werden, denn die Überschrift lautet „insight” – es geht um Einblicke in die künstlerische Arbeit, aber auch in die Menschen und ihre emotionale Welt. Die ausgewählten Arbeiten vermitteln beim Betrachten Spannung, sie fordern dazu heraus, selbst Antworten zu suchen. Sie machen die diesjährigen Wiesbadener Fototage vielleicht zu den bisher persönlichsten. Da geht es immer wieder um Gegenwärtiges und Abwesendes: Menschen in ihrer eigenen Erlebnis- und Lebenswelt, Menschen, die jemanden vermissen oder in einer bedrückenden Umgebung leben. Experimentelle Arbeiten „zünden” die Phantasie des Betrachters, bevor sie ihren eigentlichen Inhalt preisgeben. Raum und Zeit werden greifbar, fast immer läuft es aber darauf hinaus, daß der Mensch selbst im Mittelpunkt

steht – und seine Pläne, unerfüllten Wünsche oder nicht erreichten Ziele. Viele der Arbeiten haben einen doppelbödigen, ironischen Unterton. Alle halten dem Betrachter einen Spiegel vor und geben das Ansinnen, Einblick zu nehmen, zurück: Schaut in Euch selbst! Dieses gemeinsame Eröffnen und Gewinnen von Einblicken ist ein zutiefst kommunikativer Vorgang, im Grunde eine Form stiller Zwiesprache und als solche eigentlich der Kern dessen, was mit den Wiesbadener Fototagen seit ihrer Entstehung beabsichtigt war: Künstler und Publikum miteinander in den Dialog treten zu lassen, damit die jeweiligen Aussagen nicht unverstanden verhallen, sondern gehört und diskutiert werden. „Einblick” ist dabei nicht auf eine Richtung beschränkt: so wie der Betrachter Einblick in die Welt des Künstlers nehmen kann, versteht dieser dann auch die Rezeption des Publikums WIESBADENER

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besser, weil er aus dem heraus, was es aus seinem Werk bezieht, seinerseits Einsichten gewinnen kann. Der Einblick, den wir beim Betrachten der verschiedenen Arbeiten gewinnen können, ist aber auch ein Einblick in uns selbst, denn die Rezeption von Kunst besteht darin, unsere eigenen Ansichten und Vorbehalte zu den Aussagen des Anderen in Beziehung zu setzen, sie mit ihnen abzugleichen und in eine Auseinandersetzung zu bringen. Auf diese Weise wird „insight” auch zu einem reflexiven Vorgang. Jenseits der allgegenwärtigen Bilderfluten und der kommerziellen Verwertung des fotografischen Bildes bieten die Wiesbadener Fototage einen Raum, in dem individuelle, kontroverse und spannungsreiche fotografische Konzepte ihren Platz finden. Dadurch sollen Auseinandersetzungen mit künstlerischen Positionen in Gang gesetzt werden. Die Auswahlkriterien für die Beiträge gründen sich auf die Ursprünglichkeit der Fotografie und ihren immanenten Sichtweisen sowie Entstehungsbedingungen, die weniger vom Markt bestimmt werden, sondern von der Auseinanderset-

Workshops im WerkRaum Photographie Lecture mit Frank Deubel der analog arbeitende Photograph gibt Einblicke in seine Arbeit. Donnerstag, 7. September von 18.00 Uhr bis 19.30 Uhr. Begrenzte Teilnehmerzahl; Anmeldung unter: fd@frankdeubel.de Reinhard Berg – www.reinhard-berg.de “Selbstportraits” im Fotostudio Werkraum Photographie am 25.10. von 11 bis 17 Uhr Dieser Workshop beschäftigt sich mit der richtigen Lichtsetzung und der Inszenierung einzelner Teilnehmer im Fotostudio. Anmeldung unter: Lichtbild1@t-online.de Frank Deubel – www.frankdeubel.de Experimentelle Analogphotographie Intensiver 2-tägiger Photoworkshop mit Frank Deubel am 4 und 5. November mit begrenzter Teilnehmerzahl. Preis incl. Filme, Entwicklung, Kontaktabzüge und Imbiss: 140,--Euro Nähere Auskunft: 0611– 46 09 90 oder: 0176-393 031 29 Anmeldung unter: fd@frankdeubel.de Mit den Mitteln von Zeit, Blende und Brennweite werden die Möglichkeiten des photographischen Experimentes mit der analogen Spiegelreflexkamera ausgelotet. Über Nacht werden die Filme entwickelt und Kontaktabzüge erstellt. Auf Grundlage der Bildanalyse werden die photographischen Schwerpunkte des 2.Tages festgelegt. Eine funktionierende analoge Spiegelreflexkamera wird vorausgesetzt. WIESBADENER

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zung mit den Voraussetzungen des Mediums und seinen ästhetischen Möglichkeiten. Die Wiesbadener Fototage suchen den intensiven Kontakt mit dem Publikum und wollen den Zugang zum Medium Fotografie so direkt wie nur möglich gestalten (ohne Eintrittsgelder). Ziel ist es nicht nur das Fachpublikum und Kunstinteressierte zu erreichen, sondern auch die jüngere Generation. Die Veranstalter verstehen sich deshalb auch nicht als eine Gruppe von Galeristen, die ihre Verkaufsstrategien optimieren wollen, sondern als Festival und Diskussionsforum mit nahem Kontakt zu den Künstlern und ihren Arbeiten. Deshalb sind die Anwesenheit von Ansprechpartnern, Fotografengesprächen und Führungen genauso wichtig wie die Begleitung der Ausstellungen durch einen Katalog. WIESBADENER 15


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Soudabeh Hassanzadehpashang: Insight

In diesem Jahr werden bei den Wiesbadener Fototagen zwei Förderpreise von je 1.500,-- Euro ausgelobt. Diese Förderpreise, gestiftet von der SV SparkassenVersicherung, werden als Publikumsund Jurypreis ausgeschrieben. Der Publikumspreis bezieht die Besucher der Ausstellung in die Bewertung der besten fotografischen Serie mit ein. Dadurch wird der Diskurs zwischen Fotografien, Fotografen, Veranstaltern und Publikum gefördert.

Die Preisverleihung findet am Mittwoch, den 13. September, um 17.00 Uhr im Atrium der SV SparkassenVersicherung statt. Die Weiterentwicklung der Fototage wird vom Kulturamt als wichtigstem Partner begleitet und finanziell gefördert. Die bewährte Zusammenarbeit mit der Filmbühne Caligari findet weiterhin als erfolgreiche Rahmenprogrammserie statt. In der Reihe „Fotografie im Film” werden diesmal drei

Katja Gehrung: Ich wollte noch so viel mit dir verreisen

Fotografen-Filme aufgeführt (Infos unter: www.wiesbadenerfototage2017.de) Ab 2019 werden die Wiesbadener Fototage dank des Kulturfonds Rhein-Main in einen neuen Ausstellungsrhythmus wechseln, so dass durch die Synchronisation mit den Städten Darmstadt und Frankfurt jedes Jahr im Wechsel in einer der drei Städte ein Fotofestival stattfindet. Wiesbadener Fototage vom 26.8. bis 10.9.2017 Ausstellungsorte: Ministerium für Wissenschaft und Kunst Rheinstr. 23 – 25 SV SparkassenVersicherung Bahnhofstr. 69 Kunsthaus Wiesbaden Schulberg 10 Frauenmuseum Wörthstr. 5 Öffnungszeiten jeweils am Wochenende: Fr., Sa. und So. von 13 bis 18 Uhr. Vernissage: am 26.8. um 19 Uhr im Kunsthaus. Der Eintritt ist frei! www.wiesbadener-fototage2017.de

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aus: Gokurosama, Supinfocom Arles, Frankreich

Festival der Animation „Filme im Schloß” lädt vom 26. bis 29. Oktober in die FBW – Deutsche Film- und Medienbewertung, Schloß Biebrich, zum 19. Internationalen Trickfilm-Wochenende Wiesbaden ein. Das ob seines künstlerisch hohen Niveaus über Deutschland hinaus angesehene Festival präsentiert in diesem Jahr 80 Beiträge aus 22 Ländern, darunter zwei programmfüllende Filme, der chinesische Fantasyfilm „Big Fish & Begonia” von Xuan Liang und Chun Zhang als Rhein-MainPremiere und die in Japan mit dem dortigen Akademiepreis ausgezeichnete Manga-Verfilmung „In This Corner of the World” des Regisseurs Sunao Katabuchi (beide mit deutschen Untertiteln).

„Big Fish & Begoni” erzählt die Geschichte eines Mädchens namens Chun, das in einem mystischen Reich, belebt von magischen Wesen, lebt. In einem Ritual wird sie durch ein Wasserportal befördert, um die menschliche Welt in Form eines roten Delfins zu erleben. Dort begegnet sie einem Fischer, Kun. Zwischen den beiden entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft und Verbindung, die sie beide in Gefahr bringt. „In this Corner oft he World” erzählt die Geschichte von Suzu, die 1945

in der Nähe von Hiroshima lebt und allmählich mit den schrecklichen Folgen des Krieges konfrontiert wird. Es geschieht nicht viel in diesem Film, der Tableaus vom Leben am Stadtrand versammelt, Alltagsszenen im Zeichen der Armut und der Allgegenwart einer tödlichen Kriegsbedrohung. Gerade dieser beiläufige Realismus, die genau beobachteten Details angesichts des Widersinns einer nichts in Frage stellenden Gesellschaft, bewegt und irritiert. Das atomare Inferno von Hiroshima findet dann fast

aus: Hot Dog Hands, Matt Reynolds, USA

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aus: J’aime les filles, Produktionsfirma: Office national du film du Canada. Buch, Animation, Regie: Diane Obomsawin

beiläufig statt, manifestiert sich aber umso eindringlicher in den Panoramen der zerstörten Stadt und den lethargisch-leeren Kinderaugen. Darin erzielt der Film eine ähnlich niederschmetternde Intensität wie „Die letzten Glühwürmchen” (1988) von Isao Takahata, der ebenfalls die Absurdität der Bombe thematisiert, auch wenn bei Katabuchi ein wenig mehr Hoffnung in die totale Verwüstung fließt. Unter dem Motto „Best of International Animation 2016/ 2017” laufen in vier Programmen

36 Beiträge, darunter die Hauptpreisträger der jüngsten internationalen Trickfilmfestivals und -wettbewerbe, u.a. Annecy, Zagreb, Ottawa, Stuttgart, Siggraph, Oscar und Annie Award. Zum ersten Mal seit 2000 wird wieder ein rein deutsches Programm gezeigt, ferner eine internationale Auswahl der bemerkenswertesten Diplom- und Studentenfilme („Young Animation”) und am Sonntagvormittag die „Tricks für Kids”.

aus den „Best-of”-Programmen, an Diplom-und Studentenfilme und das deutsche Programm vergeben. Preisstifter sind die Firma Filmsortiment.de, Hamburg, der Ortsbeirat Wiesbaden-Biebrich und die SV SparkassenVersicherung Holding AG, Wiesbaden. Der traditionelle „Preis des Kulturamts der Landeshauptstadt Wiesbaden”, dotiert mit 1.000 Euro, geht an einen Filmemacher oder eine Filmemacherin.

Mit Geldprämien gekoppelte Publikumspreise werden an Beiträge

Als Veranstalter fungieren die Freunde der Filme im Schloß in Zusammenarbeit mit dem Kulturamt, der FBW und der Omnimago GmbH, Ingelheim. Finanziell unterstützt wird das Festival vom Kulturamt und der HessenFilm und Medien GmbH.

Spielplan

Donnerstag, 26.10. 18:00 Best of International Animation 2016/2017 (1) 20:15 Best of International Animation 2016/2017 (2) – Mit der Verleihung des “Preises des Kulturamts der Landeshauptstadt Wiesbaden” – Freitag, 27.10. 17:30 Best of International Animatin 2016/2017 (3) 19:45 Langfilm “Big Fish & Begonia” (VR China) mit deutschen Untertiteln 22:00 Best of International Animation 2016/2017 (1), Wiederholung Samstag, 28.10. 17:15 Best of International Animation 2016/2017 (2), Wiederholung 19:30 Langfilm “In This Corner of the World” (Japan) mit deutschen Untertiteln 22:00 Best of International Animation 2016/2017 (3), Wiederholung Sonntag, 29.10. 11:15 Tricks für Kids 15:45 Young Animation: Diplomfilme 18:00 Best of German Animation 20:15 Best of International Animation 2016/2017 (4) 18

Kartenreservierungen sind ab 1. September unter www.filme-im-schloss.de sowie Telefon 0611 / 84 07 66 und 31 36 41 möglich. Kartenvorverkauf in Wiesbaden: TicketBox (Galeria Kaufhof), Kirchgasse, 65185 Wiesbaden, und Gaststätte „Ludwig”, Wagemannstr. 33-35 Kartenvorverkauf in Mainz: TicketBox Mainz, Kleine Langgasse 4, 55116 Mainz. Eine Einzelkarte kostet 7 €, eine Festivalkarte 50 €. WIESBADENER

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ein 30-jähriges Jubiläum Mitte November begeht das exground filmfest feierlich in der Wiesbadener Caligari FilmBühne, dem Murnau Film-theater und dem Kulturpalast mit einem spannenden Festivalprogramm. Zahlreiche internationale Filmgäste präsentieren etwa 200 unabhängig produzierte Lang- und Kurzfilme, darunter internationale, deutsche und Weltpremieren sowie exklusive Vorführungen von Filmen, die in Deutschland nicht im Kino zu sehen sein werden. Daneben gibt es Rahmenveranstaltungen mit Workshops, Ausstellungen, Partys und Podiumsdiskussionen. Der Länderschwerpunkt beim diesjährigen exground filmfest ist dem außergewöhnlichen Film- und Kulturschaffen in der Türkei gewidmet.

Leinwand-Lyrik und Donald Trump im Film

Zum Jubiläum haben sich die Festivalmacher einige Besonderheiten einfallen lassen: So wird es am Montag, den 20. November, um 20 Uhr im Caligari ein außergewöhnliches Filmerlebnis mit Ralph Turnheim geben. Unter dem Titel WHITE ZOMBIE POETRY vertont der einzige professionelle Stummfilmerzähler im deutschen Sprachraum den Stummfilmklassiker WHITE ZOMBIE von 1932 live, lyrisch und mit viel Wiener Schmäh (http://leinwand-lyrik.de). Im Rahmenprogramm XTRA analysiert Urs Spörri vom Deutschen Filminstitut in einem unterhaltsamen Vortrag die skurrile Filmkarriere des Donald Trump. Anhand von Ausschnitten aus Film- und Fernsehfilmen, in denen Trump kurze, meist Cameo-Auftritte hatte, zeigt Spörri,

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wie der 45. Präsident der Vereinigten Staaten zu seinem Image kam. Zum Festivaljubiläum kehrt die Eröffnungsfeier seit langer Zeit wieder ins Kulturzentrum Schlachthof zurück. Dort und im Kulturpalast Wiesbaden finden auch weitere Veranstaltungen der Reihe XTRA statt, unter anderem ein Film-Quiz.

Mutige Filme im Fokus Türkei

Das Filmland Türkei kann auf eine über hundertjährige Geschichte zurückblicken, mit namhaften und international preisgekrönten Regisseuren, darunter Yýlmaz Guñey, Semih Kaplanoglu und Nuri Bilge Ceylan. Auch im exground-Programm waren in der Vergangenheit immer wieder türkische Filme vertreten, darunter z.B. der Oscar©-nominierte MUSTANG (R: Deniz Gamze

30. Jubiläum beim exground filmfest vom 17. bis 26. November 2017 in Wiesbaden Fokus Türkei // 200 Filme // Engagement für Geflüchtete WIESBADENER

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Das exground filmfest hat sich seit seinen Anfängen 1990 vom experimentellen Underground zum international anerkannten Filmfestival entwickelt, das unabhängig produzierte Spiel-, Dokumentar- und Experimentalfilme auf die große Leinwand bringt. Veranstaltet wird das Festival vom Verein Wiesbadener Kinofestival e.V. – ausschließlich in ehrenamtlicher Arbeit. Fast 14.000 filmbegeisterte Besucher im Jahr 2016 zeugen von der großen Beliebtheit des Festivals. www.exground.com Ergüven), der 2015 bei den exground youth days den Publikumspreis gewann. „Die lebhaften Diskussionen des Publikums mit den eingeladenen Filmemachern und Filmemacherinnen haben gezeigt, dass es ein großes Interesse an der türkischen Kultur, aber auch an den schwierigen politischen Verhältnissen und deren Auswirkungen auf den Alltag der Kulturschaffenden gibt“, erklärt Andrea Wink vom Festival-Organisationsteam. „Dank sehr guter Kontakte zu den Mitarbeitern der Organisation „Turkish Film“ sind wir in der Lage, zum diesjährigen Fokus Türkei ein ebenso vielfältiges wie anspruchsvolles Sonderprogramm mit vielen mutigen Filmen

zusammenzustellen.“ Ein Highlight steht bereits fest: Die restaurierte Fassung von YOL – DER WEG von Yýlmaz Guñey und Serif Gören. Der Film zeigt ein harsches Portrait der Türkei nach dem Militärputsch von 1980. In Cannes erhielt der Film 1982 die Goldene Palme, 2017 feierte die restaurierte Fassung erneut Weltpremiere an der Côte d’Azur. Geplant sind im Fokus neben einem Filmprogramm, und den begleitenden Diskussionen außerdem in Zusammenarbeit mit dem Nassauischen Kunstverein eine Ausstellung zur Videokunst türkischer Künstler/ -innen sowie ein Konzert der türkischen Band BABA ZULA aus Istanbul, die westliche-Rockmusik mit orientalischen Klängen verbindet.

exground youth days: Engagement mit geflüchteten Jugendlichen

Auch in diesem Jahr setzt das exground filmfest sein Engagement für Geflüchtete fort. Im Rahmen der exground youth days wählen junge Geflüchtete unter anderem Filme für den Internationalen Jugendfilm-Wettbewerb aus und erstellen in einem Stop-Motion-Workshop animierte Kurzfilme, die dann beim Festival jeweils vor einem Langfilm der exground youth days gezeigt werden. Ein Film wurde für die youth days bereits ausgewählt: LOMO – THE LANGUAGE OF MANY OTHERS von Julia Langhof. In dem Debütfilm, der auf dem Münchner Filmfest Premiere feierte, postet der eigensinnige und rebellische Karl auf seinem Blog „The language of many others“ persönliche Aufnahmen seiner wohlhabenden Familie. Nach einer geplatzten Liebschaft beginnt Karl desillusioniert ein gefährliches Spiel und überlässt seinen Followern die Macht über sein Leben. Bis zur Programmverkündung im Oktober hat die Auswahlkommission die Qual der Wahl aus 3.000 eingereichten Beiträgen und den Fundstücken aus diversen internationalen Festivalbesuchen eine Auswahl zu treffen. Foto links: aus: lomo-the-language-of-many-others

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Glanz und Elend in der Weimarer Republik

pfe, gesellschaftliche oziale Spannungen, politische Käm e Revolutionen und Umbrüche, aber auch künstlerisch Weimarer Republik. In Neuerungen charakterisieren die t wirf die Schirn Kunsthalle einer großen Themen ausstellung 7 einen Blick auf die Kunst 201 r Frankfurt ab dem 27. Oktobe 1933. Direkte, ironische, im Deutschland der Jahre 1918 bis auch prophetische Werke wütende, anklagende und oftmals Demokratie und zeichnen verdeutlichen den Kampf um die Krise und am Übergang. das Bild einer Gesellschaft in der

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reiche Künstlerinnen und Die Probleme der Zeit bewegten zahl lichkeit und des Alltags, auf Künstler zu einer Spiegelung der Wirk us oder „Naturalismus”. Mit der Suche nach einem neuen Realism die Geschichten ihrer Zeitgeindividueller Handschrift hielten sie tung des Ersten Weltkriegs nossen einprägsam fest: Die Verarbei aten und von „KriegsSold en mit Darstellungen von versehrt öffentlichen Lebens, die des iten chke gewinnlern”, die Persönli ustrie und die zunehmende Großstadt mit ihrer Vergnügungsind und wirtschaftlichen AbgrünProstitution, die politischen Unruhen das Rollenbild der Neuen Frau, de werden ebenso verhandelt wie und 218 – Homosexualität die Debatten um die Paragrafen 175 nderungen durch die Industriund Abtreibung –, die sozialen Verä eisterung für den Sport. alisierung oder die wachsende Beg eindrückliches Panorama eiIn der Zusammenschau entsteht ein m Beginn an Aktualität und ihre ner Zeit, die auch 100 Jahre nach hat. ren verlo Diskussionspotenzial nicht Unbehagen der Epoche, Im Fokus der Ausstellung steht das wie auch in einem breiten das sich in den Motiven und Inhalten hen Räumen führt sie atisc stilistischen Spektrum zeigt. In them den, Leipzig, Rostock, Dres in, Berl Darstellungen und Szenen aus Hannover zusammen, die bisStuttgart, Karlsruhe, München und achtet wurden. lang eher getrennt voneinander betr ung rund 200 Gemälde, GraDie Schirn vereint in dieser Ausstell ten sowie von bislang wenig ann fiken und Skulpturen von 62 bek stlern,darunter Max Beckmann, beachteten Künstlerinnen und Kün rad Felixmüller, George Kate Diehn-Bitt, Otto Dix, Dodo, Con Grundig, Karl Hubbuch, Grosz, Carl Grossberg, Hans und Lea ede Lohse-Wächtler, Elfri Lotte Laserstein, Alice Lex-Nerlinger, Radziwill, Christian z Fran er, Jeanne Mammen, Oskar Nerling Richard Ziegler. und lz Scho rg Schad, Rudolf Schlichter, Geo ate und Fotografien liefern Historische Filme, Zeitschriften, Plak tionen. darüber hinaus Hintergrundinforma Glanz und Elend in der Weimarer 27. 10. 2017 – 25.2. 2018 Kunsthalle Schirn Römerberg, 60311 Frankfurt Öffnungszeiten: Di, Fr – So 10 – 19 Uhr 22 Uhr u. Do 10 – III/2017 MiWIESBADENER www-schirn.de

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Foto oben: Schad: Halbakt, 1929 Foto unten: Georg Grosz: Straßenszene Kurfürstendamm Berlin

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andere Werk käuflich zu erwerben. Tatorte Kunst in Wiesbaden wächst – noch nie waren so viele Standorte und TeilnehmerInnen mit dabei! Was einem Besucher sonst verborgen bleibt, ist der Einblick in die Ateliers und Werkstätten. Das sehr reizvolle Ambiente vieler Tatorte verzaubert und verwundert zugleich. Besucher dürfen über so manche einfallsreiche Raumlösung staunen. Treten Sie an diesem Tag mit Kunstschaffenden in Kontakt und bekommen Sie einen Eindruck über die Arbeiten der Künstlerinnen und Künstler, die in den letzten 12 Monaten entstanden sind.

Gisela Grosshaus: „Erloschene Feuerstelle im Eis“, Kanada 2009/2017

Die teilnehmenden Ateliers, Galerien und KünstlerInnen 2017: Andrzeij Klamt | Galerie Pokusa | Sandra Trösch | Annegret Hoffmann | Rosana Wesselhöft | Heidi Wörner | Esc-space Fotogalerie | Martin Rathsfeld | Uta Weil | Annette Scharner | Reinhard Berg Galeriegemeinschaft H22 (Amador Vallina, Ditta Krebs, Peter Bernhard, Susan Geel, Victor Mantsio) | Anna Bieler | Bernd Schneider | Rüdiger Steiner | Jochen Schnepf | Nora Katthöfer | Angela Cremer | Andrea Frank | Gülben Börger Kunstmodul | Andreas Gleich | Christa Göppert | Iris Kaczmarczyk | Mireille Jautz | Richard Seelbach | Andreas Petzold | Christian Hain | Willi Schmidt + | Immo Eitel | Frauenmuseum | Gisela Grosshaus | Gerhard Hegemann | Jürgen Weis | Markus Quiring | Petra von Breitenbach | Angelina Dalinger | Inka Grebner | Katja Rosenberg | Myriam Hoyer | Versorgungsstation: Crema Catalana

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esucht werden: Neugierige, Kunstliebhaber, Begeisterungsfähige, Freunde der Kunst, Suchende, Flaneure, Passanten... Kurz: Besucherinnen und Besucher. Zu finden sind die Tatorte: In Ateliers, Werkstätten, Galerien, Museen, Kellern, Hinterhöfen, Wohnungen, Mansarden, Läden und Scheunen. Das Objekt der Begierde: Fotografie, Film, Malerei, Zeichnung, Assemblage, Skulptur, Objektkunst, Soziale Plastik, Buch, Aktionskunst und Installation. Es ist wieder soweit! Am Sonntag, den 29. Oktober 2017 öffnen die Ateliers in Wiesbaden-Mitte und im Bezirk Rheingau-Hollerborn mit 30 Atelierstandorten und 43 Künstlerinnen und Künstlern zum neunten Mal. Besucherinnen und Besucher sind in der Zeit von 12 – 18 Uhr herzlich willkommen, sich einen Überblick zu verschaffen und mit den „Tätern” ins Gespräch zu kommen oder auch das eine oder

Über die teilnehmenden KünstlerInnen kann man sich auf der Website www.tatorte-kunst.de informieren; hier ist auch ein Wegweiser zu finden, der den Besuchern hilft, zu den einzelnen Tatorten zu kommen. Dank der Sponsoren NASPA, SVSparkassenversicherung, Kulturamt Wiesbaden und den Ortsbeiräten Rheingau Hollerborn und Wiesbaden-Mitte wird es wieder eine Ausstellungsbroschüre geben, reich bebildert mit informativen Texten von den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern, gestaltet von der Grafikerin Iris Kaczmarczyk, zu erstehen für 5,-- € an jedem der Kunstorte. Außerdem gibt es Flyer mit allen Atelieradressen und Stadtplan sowie Litfaßsäulenplakatierungen, die in Wiesbaden und seinen Vororten auf Tatorte Kunst aufmerksam machen werden. Die Ateliers sind am Sonntag, den 29.10.2017. von 12– 18 Uhr geöffnet. Text: Petra von Breitenbach Flyer/Plakat/Logo/Webseite: Iris Kaczmarczyk WIESBADENER

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Beim Ballett-Doppelabend „Roughlines” mit dem Hessischen Staatsballett zieht die für Hofesh Shechter typische Bewegungssprache seiner Choreographie „In your rooms” das Publikum in seinen Bann.

Satansbraten bietet teuflischen Budenzauber, Carmen trifft Volksfeind und Prinzlinge werden zum Terrorteam Theaterdonner auf den Brettern in Wiesbaden, Darmstadt und Mainz

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o geht spektakuläres Grusical heute: Mal eben das Kleine Haus im Meenzer Musentempel entern und zur dreistöckigen „Kommunalka“ in Moskau umbauen, die auf allen Ebenen samt Hinterbühne (!) „bespielt“ wird, inklusive „Teufels Gang“, echtem Langohr und echter Draisine, kopflosem Berlioz und Ballettstunde mit Kater. Regisseur Jan-Christoph Gockel hat aus Michail Bulgakows Opus magnum „Meister und Margarita“ im Hexenkessel einen vierstündigen Bilderrausch gebraut, mischt persönlich mit als Satansbraten von Intendant (!) und kredenzt den bislang größten Budenzauber. Theaterblitz & -donner satt, Tanz der Satire. Martin Herrmann, Matthias Lamp, Rüdiger Hauffe, Sebastian Brandes, Clemens Dönicke, Antonia Labs, Vincent Doddema, Leonie Schulz, Lilith Häßle und Nicolas Fethi Türksever trumpfen lustvoll auf. Das Publikum aus „Untoten“ erlebt den Teufelsball final auf der Hinterbühne. Odschin charrascho! 24

Seitenwechsel auch beim hinreißenden Mainzer Hörtheater „Tamáss“ im transkulturellen Festival „Orientation“. Die Musik spielte im Saal und zum Hören wurde auf die Bühnenbretter gebeten. „Tamáss“ – Grenze oder Berührung – wurde ausgelotet vom Ensemble LebiDerya, Abdel Karim Shaar, Joss Turnbull, Genevieve King, Alexandra Samoulidou, Maren Schwier & Co., die Kammermusik & Jazz, arabisches Klagelied & Gospel aufeinander treffen ließen. Begegnungen auf Augen- und Ohrenhöhe. Weiter so! In Mainz sind die „postfaktischen“ Wutbürger los, machen Tamtam (8tung – Fake!). Der als Volksheld gefeierte Kurarzt Thomas Stockmann (Klaus Köhler), der einen Umweltskandal aufdeckt und so den eigenen Bruder (Henner Momann als aalglatter Politiker) aufschreckt, wird angegiftet. Henrik Ibsens „Volksfeind“ wird in Dariusch Yazdkhastis Sicht mit Luther-Zitat, angeblich „freiem Disput“ samt Rednerpult und satirischen Elementen (populistische Journaille: Sebastian Brandes & Nicolas F. Türksever,

schmieriger Vereins-Chef Armin Dillenberger) zum erschreckend aktuellen Lehrstück. Das Publikum diskutiert sogar draußen weiter... Prinzlinge als Terrorteam. Hört das familiäre Niedermetzeln nie auf? Stammvater Tantalos fing mit Sohnesmord an, der Götter Fluch gilt seit Generationen. Hausregisseur Niklaus Helbling erzählt das Euripides-Drama um den Muttermörder „Orestes“ (Nicolas F. Türksever) und seine Komplizenschwester Elektra (Lilith Häßle), Schön-Helena (Leonie Schulz) und den abgehalfterten Königsonkel Menelaos (Murat Yeginer) sowie den rachsüchtigen Opa Tyndareos (Armin Dillenberger) als zeitlos blutrünstige Parabel. Der miniock-uniformierte Chor kann unter Anführerin Antonia Labs auch HipHop. Als Freund Pylades (Rüdiger Hauffe) zu offener Gewalt animiert, werden die Prinzlinge zum Terrorteam. Wird Zeit, daß Apoll (Henner Momann) als kitschige Presley-SheriffKopie antanzt und eine Art Happy End befielt.

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Alles Jesus. Shakespeare läßt grüßen: Das närrische Paar (Evelyn Faber & Tobias Lutze) macht bella figura als running gag. Erich Fromm, Schwester Teresa & KH Böhm sind auch da. Und die Witwe eines Autounfallopfers sagt zu dem Fahrerflüchtigen, der ihren Mann auf dem Gewissen hat, ein letztes Wort. „Danke.“ Verstehe das, wer kann. Der ungereimte Abend zieht sich wie Kaugummi, leise murrend sucht eine Reihe von Leuten das Weite. Den finalen „Teufelsball” von Jan-Christoph Gockels Spektakel „Meister und Margarita” nach Michail Bulgakow feiert das Publikum auf der Hinterbühne mit.

Blick nach Wiesbaden

Das Hessische Staatsballett vereint im Abend „Rough Lines“ zwei israelische Künstler. Mit seiner Choreografie „In your rooms“ wurde Hofesh Shechter 2007 in London zum Shootingstar. Der wohl „wichtigste Tanzabend in Grossbritannien seit der Jahrtausendwende wurde mit Tim Plegges Compagnie jetzt einstudiert, das Publikum in Darmstadt und Wiesbaden war gebannt. Die typischen ShechterBewegungen, oft mit gebeugten Knien und tiefer Haltung, üben in ihrer tänzerischen Wucht zwischen Nähe und Distanz einen Sog aus. Live gespielte Musik (Nell Catchpole) und Lichtdesign (Lee Curran) fördern die Magie. Itmar Serussis „Fall“ zeigt elf Personen in roten, transparenten roten Gewändern (Priester?), die zu nervtötendem Technosound (Richard van Kruysdijks) unter einem Baldachin die Dynamik einer Gruppe durchbuchstabieren. George Taboris „theologischer Schwank“, die Hitler-Persiflage „Mein Kampf“, ist Eingeweihten noch von Werner Tritzschlers atemberaubendem Abend (1988 mit Zygmunt Apostol und Till Krabbe) am Wiesbadener Haus erinnerlich. Die selten gespielte Farce ist in Bernd Mottls anspielungsreicher Inszenierung eine der bildkräftigsten Produktionen der aktuellen Intendanz. Tabori zeigt den jungen Provinzler Adolf H. (prägnant: Stefan Graf) in seiner geistigen Beschränkung als armselige Kreatur im Wiener Obdachlosenasyl. Der sensibel-kluge jüdische Buchverkäufer Schlomo Herzl (anrührend: WIESBADENER

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Uwe Kraus) nimmt ihn unter die Fittiche, von Koscher-Koch Lobkowitz (eindrücklich: Benjamin KrämerJenster) widerstrebend unterstützt. Michael Birnbaum als genüßlich schlachtender Himmlisch und das vorwitzig naive Gretchen (Llewellyn Reichmann) ergänzen das Dreamteam. Kammerschauspielerin Monika Kroll liefert als Frau Tod im Chanelkostüm ein hinreißendes Kabinettstückchen ab. Unbedingt sehenswert. Chapeau! Das Spielzeitmotto „Einzelgänger“ nahm sich Thomas Jonigk mit seiner Szenenfolge „Es begab sich aber zu der Zeit“ vor und führte bei seiner bedeutungsschwangeren Bibelexegese selbst Regie. Ein dunkler Holzverschlag mit abgesplitterter Rückwand markiert eine Klapse. Der stumme, angeblich „sanfte“ Patient (Paul Simon) verweigert nicht die Sprache – „er spricht bloß einfach nicht.“ Er gackert, bevor er dann tobt. Eine psychiatrische Gutachterin am Rande des Nervenzusammenbruchs (Kruna Savic) himmelt den Patienten an (?). Ein blinder Masseur sieht wieder.

Blick nach Darmstadt

Wer die üblichen Verdächtigen an Klischees erwartet, ist in Sandra Leupolds Darmstädter Inszenierung der weltweit meistgespielten Oper fehl am Platze. Im „Jahrbuch Opernwelt 2016“ wurde die erfrischende Making-of-Sicht von Georges Bizets opéra comique (!) „Carmen“, die auf der Urfassung mit gesprochenen Dialogen basiert, zur „besten Aufführung“ nominiert. Probenatmosphäre mit multifunktionalen Stühlen und das Ensemble in Alltagsklamotten auf der Bühne. Die Projektionsfläche Carmen ist eine starke Frau, muß nicht wirklich sterben. Tamara Gura zieht als selbstbewußte Carmen zum Schluss ihr blutiges Kleid aus und geht zur Seite. Die Besetzung mit Thomas Blondelle (Don José), Katharina Persicke (Micaéla), Krysztof Szumanski (Escamillo) und David Pichlmaier (Le Dancairo) läßt die Farben der vokalen Palette leuchten. GMD Will Humburg sorgt beim gut aufgelegten Orchester für Klangpracht. Text und Fotos: Gesine Werner

Georges Bizets Dauerbrenner-Oper „Carmen” wird in Sandra Leupolds Darmstädter Inszenierung im „Jahrbuch Opernwelt 2016” zur „besten Aufführung” nominiert. Die wohlfeilen Klischees sind gegen den Strich gebürstet.

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Die Leuschner-Schule wird zum „Hot Spot Theaterschule” ertüchtigt: Kulturpreisträgerin Priska Janssens (links) mit ihrem technischen Direktor Siegbert Micheel und Kreishandwerksmeister Siegfried Huhle im Atrium der WLS vor Ort.

Frischer Wind unter die Flügel Kulturpreisträgerin Priska Janssens startet mit „Zukunftsmusik“, „Hot Spot Theaterschule“ und der „Arche 2.2 Unterwegs“ neu durch „Kinder brauchen Wurzeln und Flügel“ forderte Altmeister Goethe. Mit „frischem Wind für Wiesbadens Schulen“ geht die vielsaitige Theaterfrau Priska Janssens „beflügelt“ ins Schuljahr 2017/2018. Die Wiesbadener Kulturpreisträgerin Janssens startet neu durch mit einzigartigen Vorhaben wie dem „Hot Spot Theaterschule“. Mit der „Lilie der Inklusion“, der Bürgermedaille in Bronze und dem Mixed Up-Preis gewürdigt, wurde die Vertragslaufzeit der erfolgreichen Theaterpädagogin nach 15 Jahren Aufbau und Leitung des Staatstheater-Jugendreferats (jetzt „Theaterwerkstatt“) abrupt beendet. (Der „Wiesbadener“ berichtete – „Frau Janssens muß weg“). Im Musentempel heißt die Parole „Umstrukturierung“. Schon AltRom praktizierte Umorganisation. „Es ist eine phantastische Methode. Sie erzeugt die Illusion des Fortschritts, wobei sie gleichzeitig Verwirrung schafft, die Effektivität vermindert und demoralisierend wirkt.“ (Gajus Petronius, 100 n. Chr.) Am 30. September 2017 geht der „heiße Punkt» an den Start. 26

Das innovative Projekt ist eine Kooperation des Kulturamtes Wiesbaden mit Semiramis e. V., der Leuschner-Schule und dem Verein Ehrenamt für Kultur. Eine prall gefüllte Wundertüte ist das Angebot „für alle Klassen in allen Schulen, von Vorschule bis Abitur. Natürlich freuen wir uns auf Menschen mit Handicap und Fluchthintergrund.“ Die WLS wird als „Spielstätte“ von Experten ertüchtigt. Siegfried Huhle, Kreishandwerksmeister und Metallbau-Firmenchef, findet Theaterspielen „toll, weil es die Persönlichkeit entfaltet, der Sprachentwicklung hilft und den Charakter der Kinder stärkt. Um so besser können wir die Jugendlichen in die Ausbildung integrieren.“ Der „Hot Spot Theaterschule“ deckt als Netzwerk alle Sparten ab, bietet Technik und Kostüme. „Wir verstehen uns als „work in progress“ und leben vom kreativen Austausch aller Interessierter.“ Im hochkarätigen Team sind die frühere Konrektorin Christine Rupp-Kuhl, Technikdirektor Siegbert Micheel, Wolfgang Ott (früher Vize-GMD) und Cellist/Komponist Cornelius Hummel, Opernsängerin Sarah Jones, Tänzerin Valerie Sauer und

Erste Geigerin Gisela Reinhold dabei Schulkinder komponieren eigene „Zukunftsmusik“ – die „Kunstvoll“– Projektförderung vom Kulturfonds Rhein-Main macht es möglich. Die Ökumene lebt! „Arche 2.2“ ist eine Kooperation von evangelischer und katholischer Kirche mit der Stadt Wiesbaden und der Wiesbaden-Stiftung. Inklusive Angebote für Menschen mit Fluchterfahrungen bietet „Arche 2.2 Unterwegs“ – Musik, Tanz, Theater, Film, Fotografie und Film. „Fremde werden Freundinnen und Freunde“ im Theaterprojekt mit Geflohenen und Einheimischen in Wiesbaden. „Mutter Arche“ lädt geflohene Mütter ein, sich unter professioneller Anleitung von Sara Nabil & Priska Janssens im NKV künstlerisch zu betätigen. www.hotspot-theater.de keb.wiesbaden@bistum-limburg.de Text und Foto: Gesine Werner

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„KulturMut“ mausert sich zum Dauerbrenner – Stiftungsarbeit macht gemeinsame Sache mit Crowdfunding. Der Kulturfonds ist bei der 5. Auflage wieder starker Projektpartner der Crowdfunding-Initiative „kulturMut“ der Aventis Foundation mit der Internetplattform „Startnext“. Im offenen Vergabeprozeß bestimmen Bürgerinnen und Bürger per Crowd über das Preisgeld von rund 250.000 Euro. Schon 85 Projekte wurden mit rund 1,4 Mio Euro finanziert.

Als „Autor im Transit” stellte Sasa Stanisic (2. von links) für hr2-Kultur und den Kulturfonds RheinMain im Hessischen Hauptstaatsarchiv Wiesbaden seine nur Stunden zuvor beendete Auswanderer-Story über die utopische Siedlung „Bettina” in Texas vor. Archivrat Dr. Rouven Pons und Dr. Julia Cloot vom Kulturfonds RheinMain begrüßten den vielfach preisgekrönten Autor aus dem bosnischen Visegrad.

U

nd schon wieder erweitert die „Kultur für Alle“ ihr Terrain: Dem Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main gehört jetzt auch die Stadt Oestrich-Winkel als Kooperationspartnerin an.

Oktober 2017 ins Landesmuseum lockt, läßt sich der Kulturfonds nicht lumpen und steuert 230.000 Euro bei. „Heinrich Kirchhoff. Ein Sammler von Jawlensky, Klee, Nolde...“

In den kommenden drei Jahren wird sich die Stadt durch die Erfahrung eigene Mitwirkung entscheiden, ob sie dann „richtige Eigentümerin und dauerhafte Mitstreiterin beim Kulturfonds werden möchte,“ ist Geschäftsführer Dr. Helmut Müller optimistisch.

Dr. Müller ist begeistert über „den spannenden Ansatz, den Weg der wiederhergestellten Sammlung Kirchhoff zugänglich zu machen. Die Lebenswege von Jawlensky und Kirchhoff sind in Wiesbaden eng verschlungen .“

Die im Innenhof von Schloß Reichartshausen gastierenden „Shorts at Moonlight „ wurden schon vom Kulturfonds gefördert. „Kultur ist kein Luxus. Sie ist eine Notwendigkeit.“ Den chinesischen Nobelpreisträger Gao Xingjian zitiert der Kulturfonds im Programmheft der Internationalen Maifestspiele und förderte reaktionsschnell zwei Barockopern. Bei der Blockbusterschau „Der Garten der Avantgarde“, die ab 27.

Wieder wird das „exground“-Filmfestival (2017 Schwerpunkt Türkei) gefördert. Selbstredend bekommen die Literaturtage mit dem Wiesbadener Eigengewächs Frank Witzel als Gastgeber eine Finanzspritze. Die „10. Wiesbadener Fototage“ werden gefördert (13.000 Euro) und auf Initiative des Kulturfonds ab 2019 als Triennale in jährlichem Wechsel mit den Darmstädter „Tagen der Fotografie“ und dem Frankfurter „Ray“-Projekt stattfinden.

27 Projekte aus Musik, Film, bildender Kunst und Theater bewarben sich, 25 Projekte wurden gefördert. „Der Kulturausschuß unter Vorsitz von Staatssekretär Ingmar Jung ist beeindruckt und hat beschlossen, 2017/18 weiterzumachen mit der Option der dauerhaften Etablierung.“ Zum fünften Mal legt der Kulturfonds sein Jugend-Bildungsprojekt „kunstvoll“ auf und bringt Kultur an Schulen. Die Jury fördert u.a. „Tanz in Schulen“ vom Künstlerhaus Mousonturm mit der Wallschule Ffm., der IGS Herder Ffm. und IGS Jawlensky Wiesbaden. „Fame“ vom Verein Burgfestspiele e.V. mit der Diltheyschule Wiesbaden ist dabei. „Zukunftsmusik“ des Vereins Semiramis e.V. mit der Wilhelm Leuschner-Schule Wiesbaden wird von Priska Janssens realisiert. „Wir freuen uns, in diesem Projekt eine neue Form der Kooperation fortzuführen. Es wäre zu schade gewesen, wenn Kulturpreisträgerin Janssens aus Wiesbaden wegginge“, lobt Dr. Müller die Theaterpädagogin. Eigene Reihen erfindet der Kulturfonds auch und zielt mit dem neuen Format „Weltmusik“ ab Herbst 2017 auf eher klassisches Konzertpublikum. Text und Foto: Gesine Werner

„Kultur ist kein Luxus – sie ist eine Notwendigkeit“ Kulturfonds Frankfurt Rhein-Main erweitert sein Terrain, fördert Vielfalt und bringt Weltmusik an den Start WIESBADENER

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Der Garten der Avantgarde Heinrich Kirchhoff – der „Mäzen der Moderne”

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atier und enau 100 Jahre nachdem der Priv e bedeusein ff hho Kirc rich Hein Kunstsammler Avantgarde tende Sammlung mit Werken der gezeigt hatte, wird erstmals im Museum Wiesbaden mmengeführt. zusa diese nun am selben Ort wieder eswende 1908/09 Kirchhoff (1874–1934) ließ sich zur Jahr dem Wunsch, sich in der Kurstadt Wiesbaden nieder mit Natur zu widmen. dort seinen Leidenschaften Kunst und eine Kollektion e Hier stellte er innerhalb weniger Jahr Künstler wie der n eite zusammen, die hochwertige Arb inte. Auf seine vere c Mar z Fran Paul Klee, Emil Nolde und Jawlensky nach WiesEinladung hin kam auch Alexej von Lebensende nieder. baden und ließ sich hier bis an sein enstraße 10 bot Die Villa von Kirchhoff in der Beethov den der Hausherr ten, mit ihrem außergewöhnlichen Gar es Idyll. Botanikisch dies para selbst angelegt hatte, ein gleichermaßen n ware e siert eres Freunde und Kunstint bsichtigte schon früh, magisch angezogen. Kirchhoff bea zu öffnen und mit ihr seine Sammlungen für alle Bürger tadt zu einem Zenals beispielhaftem Lehrstück die Kurs en zu lassen. werd erne trum der künstlerischen Mod hhoffs wurde vorDer Beginn der Kunstsammlung Kirc en Impressionismus nehmlich durch Gemälde des deutsch pür für Qualität Ges n gelegt. Mit einem bemerkenswerte erke des von ptw Hau r mle erstand der Wiesbadener Sam beförderten t hick gesc und en Paul Cassirer viel gerühmt ann, Lovis erm Lieb Max ng: ichtu Stilr Triumvirats dieser e Freilichtmalerei, Corinth und Max Slevogt. Die neuartig ben hatte und chrie die sich dem Malen vor der Natur vers üssen orieinfl Mal den an den aus Frankreich kommen derts zur hun Jahr 20. des ng entierte, gehörte noch Anfa Künstler Die rde. ntga Ava ten hätz vom Kaiser wenig gesc tum rger en Großbü wurden hingegen beim aufstrebend hfraNac en groß r eine äußerst populär und erfreuten sich it erze sein , ann erm ge. 1918 gab auch Kirchhoff bei Lieb Im rag. Auft in nis Bild sein der gefragteste Porträtmaler, n zahlreiche weitere Umkreis des großen Meisters erhielte uss des ImpressioKünstler, deren Werke unter dem Einfl des Sammlers. Hierzu nismus entstanden, die Beachtung s, Oskar Moll oder gehörten Wilhelm Trübner, Julius Hes ermann, der wieLieb Max der junge Max Beckmann. Zu tand eine lebensents war, en derholt zu Gast in Wiesbad lange Freundschaft.

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ff‘ bildeten die ExDas Herzstück der ‚Sammlung Kirchho en Weltkriegs hatErst des pressionisten. Bereits während formal expresund e nsiv inte te Kirchhoff begonnen, farb exemplanach er te such ielt Gez n. sive Bilder zu sammel um den Facettenreichrischen Spitzenwerken seiner Zeit, zu können. Kirchhoff tum des Expressionismus abbilden ke nach Wiesbaden Wer war bemüht, die Künstler seiner präch ihre Kunst Ges chen einzuladen und im persönli WIESBADENER

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er war wiederum eine eigene künstleri verstehen zu lernen. Mit jedem Mal tistilis wie n tige geis sten den chie vers sche Position vertreten, wodurch die und ein umfassendes Gesamtbild des n nde enfa mm zusa gen mun Strö schen gelten. Schließlich hatte der Umsturz deutschen Expressionismus widerspie zu en Demokratie in vielerlei Hinsicht von der Monarchie zur ersten deutsch tküns en tand ents us hera Zerstörung Veränderungen beigetragen. Aus der te trak -abs risch met geo h durc g estaltun lerische Ideen einer neuen Lebensg dinsky und Lyonel Feininger waren Kan sily Was , Klee l Pau . nen Konstruktio Weimar beigetreten. Ein Jahr später 1921/22 als Lehrer dem Bauhaus in e u. In jener Zeit begann Kirchhoff sein kam auch László Moholy-Nagy hinz en dies n ebe nd hme rn und sich zune impressionistischen Werke zu veräuße Bauhaus-Vertretern zuzuwenden. er, in dieser Zeit besonders für die Mal Heinrich Kirchhoff engagierte sich bot ‘ erne Mod den. Als ‚Mäzen der die noch am Beginn ihrer Karriere stan g, Unterkunft und Atelierplatz. So erun Förd e nsiv inte er ihnen in Wiesbaden mOrt, die häufig das Umfeld des Sam entstanden zahlreiche Arbeiten vor runte ff hho Kirc den , stler Kün e eutendst lers zeigen. Der für Wiesbaden bed rte ntie h seinem Schweizer Exil orie stützte, war Alexej von Jawlensky. Nac . Eine 1920/21 zu diesem Zweck land tsch sich Jawlensky wieder nach Deu in keiner Stadt so erfolgreich wie in arrangierte Wanderausstellung war auf etragen hatte Heinrich Kirchhoff, der Wiesbaden. Maßgeblich dazu beig der ten ‚Gar en sein in ihn und s erwarb Anhieb fünf Gemälde des Künstler ft sich wenig später tatsächlich dauerha ließ ky lens Jaw d. einlu rde‘ Avantga ers, Mal nde Abstraktion im Werk des in Wiesbaden nieder. Die zunehme erkehrenden Themas – nämlich der wied s eine seine serielle Bearbeitung , ination Kirchhoffs und führten dazu Gartenvariationen – weckten die Fasz nter daru rb, erwa s stler Kün Arbeiten des dass er im Laufe der Zeit über 100 lde. emä Ölg 50 als iger nicht wen größter Bedeutung entpuppten sich Als für das Museum Wiesbaden von Bekker vom Rath. Sie begann um 1920 die Besuche der Künstlerin Hanna rscheinlich war es Kirchhoff, der als selbst Kunst zu sammeln. Sehr wah . chkeit diese Idee in ihr entstehen ließ Künstlermagnet und starke Persönli h Eric ptwerken von Max Beckmann, Ihre private Kunstsammlung mit Hau lensky oder Karl Schmidt-Rottluff kam Jaw Heckel, Adolf Hölzel, Alexej von 1987 an das Museum Wiesbaden. kam abrupt. 1933/34 wurde sie aufDas Ende der ‚Sammlung Kirchhoff‘ n aus dem öffentlichen Raum entfernt grund der politischen Umwälzunge ckgegeben. Kurz darauf verstarb Hein und der Familie des Sammlers zurü ten führ läge lssch und familiäre Schicksa rich Kirchhoff. Politische Ereignisse durch die Familie nach und nach ich ießl schl ng dazu, dass die Sammlu rsetzbares Stück gesammelte Kunstaufgelöst wurde. Damit ging ein une Garten wurde zum Opfer des Zweiten geschichte verloren. Der einzigartige ke aus der ehemaligen ‚Sammlung Weltkriegs. Heute finden sich die Wer sten Museen wieder (u.a. MoMA, Kirchhoff’ weltweit in den renommierte ropolitan Museum, alle New York). Solomon R. Guggenheim, The Met Der Garten der Avantgarde Heinrich Kirchhoff: , Nolde Ein Sammler von Jawlensky, Klee 27.10. 2017 – 25.2. 2018 Museum Wiesbaden Friedrich-Ebert-Allee 2 65185 Wiesbaden Öffnungszeiten: Di, Do 10 – 20 Uhr Mi, Fr – So 10 – 17 Uhr www.museum-wiesbaden.de WIESBADENER

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Fotos S. 28: 1915 oben: Lovis Corinth, Selbstbildnis, ildnis Kirchhoff, 1920 unten: Conrad Felixmüller, Familienb Fotos S. 29: d Flechtheim vor dem oben: Heinrich Kirchhoff und Alfre baden, 1918. Wies ums Muse des ang reing Hinte baden, Beethovenstraße 10, Wies in hoff Kirch en Gart unten: Der um 1920. 29


KULTOUREN

Ausstellungskurator Dr. Rolf Faber und Klaus Zengerle, Vorsitzender des Verschönerungs- und Verkehrsvereins Biebrich, zeigen erstmals Hans Canons Porträt des Herzogs Adolph zu Nassau im Wiener Exil.

Ein Landesherr und europäischer Regent „200 Jahre Herzog Adolph von Nassau“ – Exzellente Raritätenschau im Biebricher Heimat-Museum Die Beletage des Biebricher Museum für Heimatund Industriegeschichte strahlt in Nassauer Pracht und ist ganz in Blau und Orange gehalten. Mit einer exzellenten Sonderschau gilt es, „200 Jahre Herzog Adolph von Nassau“ gebührend zu feiern. Der am 24. Juli 1817 in Schloß Biebrich geborene letzte nassauische Landesherr regierte das 60 Jahre existente Herzogtum von 1839 bis zur preußischen Annexion 1866. Unverhofft führte Adolph von 1890 bis 1902 als Großherzog die Regierungsgeschäfte von Luxemburg. Der exilierte Souverän blickt durch Augengläser ernst auf die Gäste. Hans Canons 1877 gemalte Porträt des Herzogs im Wiener Exil ist erstmals zu sehen, die Brille des Herzogs liegt in einer Vitrine. Hausherr Klaus Zengerle, Vorsitzender des Verschönerungs- und Verkehrsvereins Biebrich, würdigte die überragende Bedeutung der Schau „Sie wird sich nicht wiederholen.“ Die Eröffnung mit vielen noch nie gezeigten Raritäten erzeugte enormes Interesse. Elise Fink-Weydert, Präsidentin des Luxemburger Freundeskreises Rhein-Main e.V., wünschte der wertvollen Schau allerdings „den repräsentativen Rahmen von Schloß Biebrich“. Als Initiator führte Historiker Dr. Rolf Faber kenntnisreich ein. „Die nassauische Zeit ist eine der wichtigsten Epochen unserer Heimatgeschichte und darf nicht in Vergessenheit geraten.“ Der langjährige Vorsitzende des nassauischen Altertumskunde-Vereins steuerte persönliche Leihgaben bei. Den „Herzoglich Nassauische Militärund Civildienstorden, gestiftet 1858“ bekam der Kurator von Adolphs Urenkel Großherzog Henri von Luxemburg und Herzog zu Nassau. Das einzige erhaltene Kaffeegedeck mit Wappen aus Schloß Biebrich, das auf Seide geschriebene Lobgedicht des Hofstaates und die Büste von Herzogin Elisabeth Michaelowna sind bis November zu sehen. Info und Führungen: Bernhard Gläser 0611 – 66399 Museum.biebrich.wb@t-online.de Text und Foto: Gesine Werner

Golden Boxing Gym-Cheftrainer Rashid El Bakri ist mit Recht stolz auf seinen 13jährigen Sohn Nadir, amtierender Deutscher Meister seiner Gewichtsklasse.

Erfolgreiches Boxen als „Schachspiel” mit sozialer Komponente Klar, so gut wie der Ex-Weltmeister und singuläre Regent der Königsklasse des Boxens Dr. Steelhammer Wladimir Klitschko sind sie (noch) nicht. Aber die Schützlinge von Rashid El Bakri „schlagen“ sich wacker. Das gilt in erster Linie für den Filius Nadir El Bakri (13), Deutscher Meister seiner Gewichtsklasse. Als „bester Kämpfer“des Abends ging Ilias Kallousch (13), Champion der offenen Süddeutschen Boxmeisterschaften, aus dem Ring. Umjubelt wurde auch Lokalmatador Emreh Göcmen, Zum ersten Golden Boxing Event „Duelle der Champions“ hatte das Team El Bakri die Sporthalle am Elsässer Platz mit gut 1000 Interessierten gefüllt. Daniel Tischer überbrachte Grüße als Präsident des Hessischen Boxverbandes. Lothar Herborn, Behindertensportbeauftragter der LH Wiesbaden, lobte neben die soziale Arbeit und die Integrationsleistung. „Golden Boxing Gym Wiesbaden e.V.“ unter Vorsitz des Cheftrainers Rashid El Bakri hat ein Jahr nach Gründung 120 Mitglieder, praktiziert Teamgeist, Fairneß, Gewaltprävention und steht an der Spitze hessischer Boxvereine. Treffen der Talente: Amar Chaoui (16) ist im U17-Kader für die EM qualifiziert, Rashid Stein (16) ist dreifacher Deutscher Meister und Vize-Europameister. „Schwer erfolgreich“ sind die Mädels: Deutsche Vizemeisterin ist Cheyenne Bluhm (15), kommt aus Darmstadt zum täglichen Training und boxt um die DM. „Boxen ist wie Schachspiel von der Technik her“, sagt Rashid El Bakri, 1996 jüngster Profiboxer im Leichtgewicht, Deutscher Meister und achtfacher Hessenmeister. Dem Wissbadener Bub aus boxbegeisterter Familie mit marokkanischen Wurzeln, wurde von „Trainerlegende Walter Fischer im Boxclub Kohlheck“ das Boxen beigebracht. Sein Konzept für waffenlose Selbstverteidigung hat was. Und die Begegnung mit den KlitschkoBrüdern ist eine eigene Geschichte. Info: golden-boxing-gym outlook.de Text und Foto: Gesine Werner

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Blick in das sogenannte „Goethezimmer” des Brentanohauses zu Winkel, in dem der Dichterfürst 1814 eine gute Woche als hochedler Gast logierte.

Das Kleinod der Romantik lädt mit lebendiger Aura am Tag des offenen Denkmals ein Alles so schön wohnlich hier. Familie Brentano ist kurz ausgeflogen und bald retour. Der wohledle Gast aus Weimar lustwandelt unter den Platanen mit Blick zum Rhein... Das Brentano-Haus in Oestrich-Winkel, 1751 von Max Ackermann erbaut und 1804 von Franz & Georg Brentano erworben, ist als Ensemble mit Gartenanlage seit 2014 Eigentum des Landes Hessen. Das historische Ambiente versprüht durch die Original-Möblierung und Ausstattung eine solitäre Aura von Wohnkultur und Lebensgefühl. Alles atmet die Geschichte eines geistig-kulturellen Zentrums der Rheinromantik. „Das Haus soll auch künftig als authentischer Ort die Romantik präsentieren in lebendiger Wohnatmosphäre, nicht museal steril“, betont der Experte Professor Dr. Gerd Weiß. Als Gründer und Vorsitzender des Freundeskreises Brentano-Haus e.V. die Idealbesetzung, ist der frühere Präsident des Hessischen DenkmalpflegeLandesamts, Mitglied des Verwaltungsrats des Freien deutschen Hochstifts (neben Oestrich-Winkel zweiter Gesellschafter der Trägergesellschaft Brentano-Haus Winkel gGmbH) engagiert. Zum Sommerfest mit breit gefächertem Programm wird am 10. September, dem Tag des Offenen Denkmals, eingeladen. Genau 200 Jahre nach der Errichtung 1817 wird um 11 Uhr das Badehaus eröffnet und als origineller Veranstaltungsort eingeweiht, behutsam frisch saniert durch die o.g. Trägergesellschaft, gefördert von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Angela Baronin von Brentano lädt zum literarischen Spaziergang durch den Brentanogarten. Im Badehaus geht es um „Sophie de la Roche und die Brentanos“ mit Dr. Claudia Bamberg. Klaus Brantzen kennt die „Launen des Pegasus“. In der Brentano-Scheune wird „Goethe: zauberhaft“ im Kinderprogramm von Sylvia Schopf. Zum „Hör-mal im Denkmal“ bittet der Freundeskreis in die Brentanoscheune: Das Duo Claste fordert mit Akkordeon und Violine: „Hör mal – romantisch“. www.freundeskreis-Brentano-Haus.de Text und Foto: Gesine Werner

Eine Stabübergabe unter Freunden ging bei der altehrwürdigen Casino-Gesellschaft über die Bühne: Das frisch ernannte Ehrenmitglied Georg Schmidt-von Rhein (rechts) wünscht dem neuen Vorstandsvorsitzenden Peter Schirmer (links) „eine glückliche Hand”.

Freundschaftlicher Stabwechsel beim Forum für Kultur, Geschichte und Geselligkeit Die Casinogesellschaft Wiesbaden, seit 2015 auch offizielle „das Forum für Kultur, Geschichte und Geselligkeit“, zeigt auch künftig Flagge. Als „die drei Elemente, die das Leben dieser Gesellschaft prägen“, hatte Vorstandsvorsitzender Georg Schmidt-von Rhein (aktiv eingebunden in das oralhistory Projekt „Geschichte und Geschichten“ des Stadtarchiv-Fördervereins) dekretiert: „Mit der Kultur einer Gesellschaft steht und fällt das Leben des Einzelnen, der Familie sowie die gesamte Struktur eines Staates.“ Amtsnachfolger ist der Jurist Peter Schirmer, der sich kurz und prägnant dem Auditorium vorstellte. Namens des Magistrats sprach der neue Kulturdezernent Axel Imholz „die höchste Anerkennung der Landeshauptstadt“ aus für „nachhaltiges Engagement“ und bedauerte augenzwinkernd das Fehlen einer „diamantenen Bürgermedaille“ für den vielfach Geehrten. Georg Schmidt-von Rhein wurde per Urkunde zum Ehrenmitglied der Casino-Gesellschaft, die in seiner 14jährigen Amtszeit auf mehr als 100 Mitglieder anwuchs und in der Stadtgesellschaft eine wichtige Rolle spielt. Der Stabwechsel wurde vor vollem Haus vollzogen mit illustren Gästen wie Parlamentschefin Christa Gabriel und Martin Michel (Wiesbaden-Marketing), Thomas Michel (Wiesbaden-Stiftung), Doris Wiemer (Burgfestspiele e.V.) und Katharina Queck (Theaterfreunde) sowie Professor Dr. Gerd Weiß (Freundeskreis BretanoHaus), Goethe-Spezialist Hartmut Schmidt und Dieter Börgers, als Stuhlmeister der Freimaurerloge Plato ein guter Nachbar. In seiner Laudatio ließ Dr. Ulric Kotthoff Meilensteine wie die spektakulären Ausstellungen („Napoleon & Nassau“/ „Wiesbaden im Biedermeier“) und Schmankerl wie den dann doch noch erfolgten Besuch des amtierenden Luxemburger Herrschers Revue passieren. Von wegen Ruhestand. Georg Schmidt-von Rhein plant für 2019 die nächste Schau unter dem Arbeitstitel: „Wiesbaden im Umbruch – Von Nassau nach Preußen.“ Text und Foto: Gesine Werner

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Alt-OB Achim Exner (links) und Professor Dr. Joachim Thüroff (rechts) nehmen den Gastgeber des gemütlichen FreundschaftsGaladinners, Benefiz-Organisator Dieter Werner, herzlich in die Mitte.

Openair-Wiegenfest mit „the Voice” Joan Faulkner und engagierten Medizinmännern Wenn ein vielfach hoch dekorierter, schon ewig engagierter Benefizorganisator zur FreundschaftsGaladinner-Show einlädt, ist eine Fete in wunderbar lockerer Atmosphäre mit sympathischem Networking-Flair garantiert. Daß der Stimmenvulkan „the Voice” Joan Faulkner in Begleitung ihres kongenialen Jazzpianisten Gustav Csik der hellauf begeisterten Festgesellschaft tüchtig einheizte mit „Golden Hits from America”, setzte der Feier das Sahnehäubchen auf. Der frühere OB Achim Exner gab sich ebenso die Ehre wie der (kurz vorbeischauende) Amtsinhaber Sven Gerich, der frühere Parlamentschef Wolfgang Nickel mit Gemahlin Helga, WMK-Direktor Christoph Nielbock und designierte Sozialstadtrat Christoph Manjura sowie die frühere WK-Lokalchefin Ingeborg Salm-Boost. Über den Rhein gekommen waren einige Medizinkoryphäen. Professor Dr. Jens Lutz, Leiter Nephrologie der I. Medizinischen Klinik an der Unimedizin Mainz, Vorsitzender des Fördervereins Niere e.V., hatte kurz zuvor mit Dieter Werner erstmals ein öffentliches Patientenforum mit Ex-Fußballprofi Thomas Zampach als Stargast durchgeführt. Professor Dr. Thomas Münzel, Chefarzt am Zentrum für Kardiologie, Kardiologie I der Unimedizin Mainz, lud mit seiner Stiftung Mainzer Herz zum „Herzball 2017” am 18. November in das Schloß der Domstadt ein. Eine anrührende Laudatio auf das „Geburtstagskind” Dieter Werner hielt Professor Dr. Joachim Thüroff, Präsident der Internationalen Urologie-Societät und als Nierenexperte eine Kapazität mit Weltruf. Der frühere Urologie-Chefarzt der Mainzer Uniklinik erinnerte an den Einsatz von Dieter Werner als Gründungsvorstands-Mitglied der Deutschen Stiftung Niere und Harnwege e.V. (DSNH), der seine lebensrettende Operation der achtjährigen Rafah aus Damaskus zum Nulltarif ermöglicht hatte. Gemeinsam mit dem Bundesverdienstkreuzträger hatte Professor Thüroff 1999 die Stiftung gegründet.

AG-Vorsitzender Günter Noerpel, Mäzen Reiner Winkler und Dr. Rolf Faber (von links) stellen das Biebricher Geschichten-Buch vor.

Biburgia, Goethe und der Nebeljungenstreich zu Biberich Dr. Rolf Faber stellt „Biebricher und Mosbacher Geschichte(n)” vor Biburgia trifft Richard Wagner und Goethe feiert 65. Wiegenfest bei Hofe im Schloß... Biebrich, gerne als „Versailles am Rhein“ bezeichnet und seit 2008 „Ort der Vielfalt“, gibt es jetzt als Druckwerk „zum Mitnehmen“. Das Biebricher Rathaus als „Erinnerung an Zunft und Bürgerstolz, Unabhängigkeit von Landesherr und Kirchenfürst“ ziert den Titel einer zünftigen Gemeinschaftsarbeit. Das Buch „Biebricher und Mosbacher Geschichte(n)“ von Dr. Rolf Faber vereint 35 Aufsätze zur Ortsgeschichte und nassauischen Landeshistorie, von 1981 bis 2016 im Festprogramm der Gibber Kerbegesellschaft 1909 e.V. erschienen. Zum 70. Geburtstag wünschte der Biebricher Bub Rolf Faber, passionierter Historiker mit Jura-Dissertation zum Herzogtum Nassau, pekuniäre Geschenke zur Drucklegung. „Sein Herzenswunsch ist in Erfüllung gegangen“, freute sich Günter Noerpel als Vorsitzender der AG Biebricher Vereine und Verbände, die als Herausgeberin fungiert. Dem früheren Biebricher Bauunternehmer, langjährigen AG-Förderer und Buch-Mäzen Reiner Winkler ist das reich bebilderte Werk gewidmet. Gibber Kerbegesellschafts-Boß Hans-Jürgen Hubert druckte das Buch. Mosbach und Kloster Eberbach sind Thema. Kaiser Willem Zwo und Herzog Adolph zu Nassau, die Geistesgrößen Wilhelm Dilthey und Wilhelm-Heinrich Riehl treten auf. Seit 1993 nimmt die Gibber Kerbegesellschaft „Frauen als aktive und fördernde Mitglieder“ auf, wird informiert. „Zu Biberich hab ich Steine verschluckt...“ Der Mainzer „Nebeljungenstreich“, von Heine im „Wintermärchen“ verewigt, fehlt nicht. Der Tradition von Handwerk und Industrie gelten eigene Beiträge. Vom Buch sehr angetan, erwarb Klaus Zengerle als Vorsitzender des Verschönerungs- und Verkehrsvereins Biebrich erste Exemplare für sein Museum „Wir schätzen uns glücklich, den Geschichtsexperten Dr. Faber in unseren Reihen zu wissen.“

Text und Foto: Gesine Werner Text und Foto: Gesine Werner

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Sind vom Freiwilligentag begeistert: Professor Dr. Walid Hafezi (Hochschule RheinMain), Anna-Marita Leibbrand (FWZ), die Studentinnen Beatriz Gonzalez und Carolin Kupka sowie Schirmherr Sven Gerich (von links) im Rathaus.

Als „Heldin” oder „Held” ins Ehrenamt schnuppern Am 2. September startet der Freiwilligentag 2017 Sie tun Gutes und die Medien reden darüber: Am Samstag, den 2. September, geht es um 10 Uhr los mit dem Freiwilligentag 2017. Zum 9. Mal in Folge wird bis 16 Uhr tüchtig angepackt, das Freiwilligen-Zentrum Wiesbaden kooperiert mit der Hochschule RheinMain. Die erfolgreiche Arbeit wird in der „Camera“ Unter den Eichen zünftig gefeiert: „Alle legen sich schwer ins Zeug und sind abends total fertig und total glücklich“, berichtet OB Sven Gerich als Schirmherr. „Ein Tag – ein Team – ein Ziel“: Rund 230 Aktive sind tätig. Im Volksbildungswerk e.V. gibt es eine „Schnippeldisko“, bei der Johanniter-Unfall-Hilfe gehen „Seniorinnen und Senioren auf große Fahrt“. Der MalteserHilfsdienst plant einen Ausflug in die Fasanerie, die Median Klinik NRZ Wiesbaden hat helfende Hände in der neurologischen Klinik bekommen. Im Christian Groh-Haus der Zuhause GmbH steigt das Herbstfest mit „herbstlichem Gestalten“. Die Nassauische Blindenfürsorge bietet ein Kegelturnier an. Das Altenhilfezentrum Konrad Arndt bekommt Unterstützung beim Spaziergang mit der älteren Generation. Das „Repair Café 4 all e.V.“ bietet ein Repair-Café für und mit Geflüchtete(n) an. Neun Studierende sind das Team des „Service Learning“-Projektes Freiwilligentag Wiesbaden“. Carolin Kupka, Beatriz Gonzalez, Linda Glabiszewski, Alina Arnold, Tabea Hansen und Johanna Chebreab sind wie Max Gaßner, Tom Boden und Simon Schaldach beim „learning by doing good“ an Bord. Professor Dr. Walid Hafezi setzt auf den Schneeballeffekt. Anna-Marita Leibbrand vom Vorstand des FWZ, der „Drehscheibe für bürgerschaftliches Engagement“, lobt die gesellschaftliche Teilhabe. Gabriele Groh-Leu von der IfB-Stiftung und Pirkko Krämer von Evim betonen: „Am Aktionstag wird die Welt reingetragen ins Haus und die Freiwilligen können Ängste abbauen.“ www.eintagsheld.de www.fwz.de

„Sprühen, was die Düse hält” ist die Devise beim Hip Hop aus der Dose. Meeting of Styles-Gründer Manuel Gerullis wird mit dem Kulturpreis der LH Wiesbaden gehrt.

Ritterschlag für den farbenfrohen HipHop aus der Dose Kulturpreis für Manuel Gerullis und das „Meeting of Styles” GratulARTion! Der farbenfrohe HipHop aus der SprühDose macht die Stadt zur „Leinwand” und bekommt in der hessischen Landeshauptstadt den Ritterschlag: Manuel Gerullis, hat 1995 das „Wall-Street-Meeting” am Schlachthof begründet. Jetzt ist der weltweite Netzwerker der Graffitikultur ist mit seinem „Meeting of Styles” Wiesbadener Kulturpreisträger. „Das ist ne schöne Auszeichnung und Wertschätzung.” Der bodenständige Gründervater sieht die mit 5000 Euro dotierte Ehrung als Aufwertung der Graffitikultur, dankt der langjährigen Unterstützung von Jugendamt und Sozialamt. Die Legende, Anfang der Siebziger durch FilzstiftWandkritzeleien des Schülers „TAKI 183“ und Nachahmern im „Big Apple“ entstanden, lebt. „Respect your next!“ ist der globale HipHop-Slogan. „Zeitalter des Überflusses“ ist das Jahresmotto des MOS. Die homebase Wiesbaden avancierte zum weltweit bekannten Graffiti-Mekka – beweist langen Atem. 1989 zeigte Manuel G. im Tattersall die Schau „Gegen das Alltagsgrau“. Vor exakt 30 Jahren, Anno 1997, initiierte der Kulturbotschafter auf dem Schlachthofareal rund um die 2002 abgerissenen Hallen das historisch erste „Wall-Street-Meeting“ mit den Stars der Szene. Graffiti-Ikone „King“ Blade/New York sprühte sein legendäres U-Bahn-Graffiti als „Piece“ im „Bubble-Style von 1975“ weltexklusiv (!) ein zweites Mal. 2010 hat Manuel Gerullis mit der „Aktion Farbenfroh“ den Verein „Kontext – Zentrum für urbane Kultur e.V.“ gegründet, der im Ehrenamt das „Kontext“ an der Welfenstraße mit Jugendkultur betreibt. Manuel Gerullis ist immer mittenmang, gerade waren rund 100 Sprayer am Kasteler Kreisel kreativ zugange. Im September stehen die USA an. Im Oktober ist der aktuelle Kulturpreisträger wieder auf Achse zu den Meetings in Mexico City und Ecuador. www.meetingofstyle.com www.buntic-media.de Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Grundsteinlegung für den Erweiterungsbau der Igstadter Rosegger-Schule mit Wibau-Geschäftsführer Andreas Guntrum, Schuldezernent Axel Imholz, Parlamentspräsidentin Christa Gabriel, Ortsvorsteherin Anita Hebenstreit und Schulleiterin Lucia Kurth (von links).

Montessori-Pädagogik bekommt mehr Raum am Lindenplatz in Igstadt „Heida!” singen die Schulkinder munter auf hebräisch von „Freude!” und die Sonne strahlt mit allen Gästen auf dem Lindenplatz um die Wette. Stadtrat Axel Imholz greift mit Blick auf den Erweiterungsbau der Rosegger-Schule das Motto der „Freude, Freude, Freude!” gerne auf. Für den neuen Schuldezernenten ist die Grundsteinlegung in Igstadt eine Premiere. „Es ist ein gelungenes Angebot für die Kinder und den ganzen Stadtteil” bedankt er sich bei allen Beteiligten, daß so viele Interessen „unter einen Hut gebracht” wurden. „Es ist eine Herausforderung in engem Umfeld und extremer Hanglage, aber der Lindenplatz bleibt erhalten”, begrüßte Andreas Guntrum neben der Schulgemeinde viele Gäste aus Igstadt „zum Heimspiel” wie Ortsvorsteherin Anita Hebenstreit und Stadträtin Sigrid Möricke als Aufsichtsratsvorsitzende. Der Wibau-Geschäftsführer erinnerte höchst „engagierte” Diskussionen mit der Bevölkerung vor Ort, deren Anregungen in die Planungen eingeflossen seien.

Stammgast bei Jazz im Hof und Publikumsmagnet zugleich ist die Barrelhouse-Jazzband, die von Ausnahme-Pianist Christof Sänger und Lady Bass Lindy Huppertsberg bereichert wird.

Publikumsmagnet mit samtweichen Tönen und leidenschaftlich swingender Eleganz Samtweich und mit südlichen Rhythmen angereichert schweben die Töne über die Luisenstraße. Die vielfach ausgezeichneten Dreamboys der Barrelhouse Jazzband, von der kongenialen „Lady Bass“ Lindy Huppertsberg ergänzt, gaben sich bei Jazz im Hof als Stammgäste die Ehre. Die zeitlos klassischen Jazz-Urgesteine, schon 1968 zu Ehrenbürgern von New Orleans erklärt, zogen fein aufeinander eingepegelt mit Nonchalance alle Register ihres profunden Könnens. Ein Hauch von Old New Orleans wehte durch den Hof, als wär´s ein „Barrelhouse“ (eine Jazzkneipe in alten New Orleans). Die Sonne strahlte auch, als bekäme sie es bezahl. Zum 100. Geburtstag der Jazz-Schallplatte gab es wohlklingende Musikgeschichte auf die gespitzten Ohren – aus dem Repertoire des brillanten Joe „King“ Oliver und die Barrelhouse Jazzversion eines Beatles-Hits. „Let it be“. Eben. Das Publikum ließ sich gerne in Goldene Zeiten entführen und geizte nicht mit Szenenapplaus.

Der Erweiterungsbau mit Aufzug, gläsernen Gruppenräumen, Dachterrasse und öffentlich nutzbarem Versammlungsraum wird durch eine gläsernen Übergang mit der denkmalgeschützten Grundschule verbunden. Zum Kostenpunkt von 4,4 Millionen Euro werden durch den 30 Meter langen Anbau 900 Quadratmeter mehr Nutzfläche geboten, „die Unterrichts-Container und die Computer im Flur” sind ab Sommer 2018 Vergangenheit.

Swingende Eleganz bei geradezu traumwandlerisch sicherer Präzision auch in halsbrecherisch rasanten Passagen, die das Kopfkino ankurbeln und zum entrückten Lauschen animieren, sind das Alleinstellungsmerkmal des Ausnahme-Pianisten Christoph Sänger. Ein energiesprühender Tänzer auf der Tastatur, der mit expressivem Spiel und temperamentvollem Ganzkörpereinsatz beeindruckt.

„Es wird richtig gut, dieses grüne Klassenzimmer für die Kinder im Herzen von Igstadt”, freut sich Parlamentschefin Christa Gabriel. „Wir geben jetzt richtig Gas!” OB Sven Gerich will zum „Neujahrsempfang auf der Sonnenterrasse mit Fernblick” kommen. Lucia Kurth, Leiterin der nach Montessori-Prinzipien reformpädagogisch arbeitenden Grundschule, betonte: „Ein positiver Schulbau ist ein wichtiger Lebensraum, der als vorbereitete Umgebung den nötigen Schutz für geistige und seelische Entwicklung bietet mit ganzheitlicher Wirkung.”

Und er kann auch mozärtlich, Chopin und Gershwin, wie der Live-Mitschnitt „Jazzsession” klangvoll beweist. Ein hinreißendes, auch meditatives Hörerlebnis mit Eigenkompositionen bietet die frisch gepreßte CD „descending river”. Christof Sänger tourt auf Einladung der Soundhill Records Osaka mit Shinichi Kato (b) und Manabo Haghimoto (dr) durch Japan. Bei der 35. Barrelhouse Jazzparty „New Orleans in our Hearts“ in der Alten Oper Frankfurt (14.10.) ist Christof Sänger wieder an Bord.

Text und Foto: Gesine Werner

Text und Foto: Gesine Werner

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www.christof-saenger.de

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om 07. bis 11.Juli war es wieder soweit: Zum bereits 13.mal hat sich die internationale Elite der Graffitikunst am Kasteler Brückenkopf getroffen, um die Welt ein kleines bisschen bunter zu gestalten. Anlass genug, einen genaueren Blick auf die lokale Szene zu werfen, die sich normalerweise außerhalb der öffentlichen Blicke bewegt – zumindest solange, bis das Piece fertig ist. Das Meeting of Styles-Event zählt seit geraumer Zeit zu den Sommerhighlights am Brückenkopf in MZKastel. Im Rahmen einer kleinen Outdoor-Party inklusive HipHopund Reggaelastiger Livemusik, kühlen Getränken und Traumblick über den Rhein finden jährlich knapp 100 Künstlerinnen und Künstler aus aller Herren Ländern zusammen, um die riesigen Betonwände des Brückenkopfes mit ihrer Kunst zu verschönern. Dabei werden jedes Mal auf das Neue die Bilder des Vorjahres übermalt, während man sich zumindest grob an ein allgemeines Motto orientiert – dieses Jahr lautete es „Age Of Abundance”. Besucher sind willkommen und können den Teilnehmern bei der Arbeit rund um die Uhr über die Schulter schauen. Wer das Treffen der Sprühdosenfreunde verpasst hat, kann sich immerhin ein ganzes Jahr lang Zeit nehmen das Ergebnis zu bewundern, bis der Kreislauf wieder von vorne beginnt. Die weltweit an über 250 Orten stattfindende Festivalreihe wurde 2001 gegründet, nachdem mit dem Abriss des alten Schlachthofes in Wiesbaden das Epizentrum der internationalen Graffitiszene verloren gegangen ist. Seit 2002 findet es auch im europäischen Ausland statt, und schon ein Jahr später hat es den Sprung über den Atlantik geschafft. Der Clou für die Sprayer: Bemalt („sprayen” sagt in der Szene kein Mensch) werden öffentlich zur Verfügung gestellte Flächen, womit sich die Meetings in einem entscheidenden Punkt vom alltäglichen Handwerk eines Graffitikünstlers unterscheidet – der Legalität. Interessierte Blicke von Passanten werden normalerweise genauso vermieden wie Tageslicht im Allgemeinen, die Bilder werden hastig und im Schutze der Nacht WIESBADENER

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Meeting of Styles an tagsüber gut sichtbaren Wänden gemalt, an denen genau das eigentlich strengstens verboten ist. Ein paar Wochen später treffe ich Phil (Name von der Redaktion geändert) zum Kaffee. Er ist leidenschaftlicher Graffitikünstler und schon seit Jahren in der Szene in Mainz-Wiesbaden aktiv, auch wenn die „wilden” Jahre, in denen er nachts an den Bahngleisen unterwegs war, bis auf wenige Ausnahmen vorüber sind. Als allererstes klärt er uns schnell über die wich-

tigsten Begriffe der Szenesprache auf: Man unterscheidet zwischen einem Tag, einem schlichten Signaturkürzel, sozusagen die persönliche Unterschrift des Künstlers und klassisches Innenmotiv der meisten U-Bahnen, und einem Piece, einem komplexen, mehrfarbigen und großflächigen Graffito, dass sich nicht ebenso im vorbei gehen anfertigen lässt und als Qualitätsmerkmal gesehen wird. Die meisten Künstler verfolgen, wie auch in allen anderen Kunstbereichen, das Ziel, von möglichst vielen 35


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Menschen wahrgenommen zu werden, vor allem aber von anderen Szenemitgliedern. „Jeder hat mal illegal angefangen, auch die Jungs vom Meeting” erzählt Phil, der etwa Ende Zwanzig ist und damit im gleichen Alter oder gar jünger als viele der Teilnehmer. „Das sind alles keine Kinder mehr. Aber klar, wenn du jünger bist, bist du auch noch zu der ein oder anderen Schandtat eher bereit als im fortgeschrittenen Alter. Irgendwann willst du aber einfach in Ruhe malen und dir den ganzen Stress nicht mehr geben”. Was er genau mit Stress meint, wird im weiteren Verlauf des Gespräches deutlich: Das Weglaufen vor der Polizei, die in der Regel nur sehr wenig Verständnis für die jungen Künstler aufzeigt. „Einmal blieb uns keine andere Wahl als bei Nacht über die Autobahn zu rennen… zumindest konnten wir so erfolgreich die Polizisten abschütteln.” Aber nicht nur das Gesetz, auch der Weg zu den begehrtesten Plätzen birgt Risiken. Die Anfertigung eines sogenanntes Rooftops, ein auf einem Dachvorsprung angefertigtes Piece, kann für die Kunstschaffenden genauso gefährlich werden wie die Arbeit in einem 36

U-Bahnschacht, jedoch ist oftmals in beiden Fällen die hohe Sichtbarkeit der Flächen eine ausreichende Motivation. All das haben die Profis vom Meeting of Styles bereits hinter sich, oder sie machen zumindest gerade eine Pause davon: „Es gib ein Bestimmungsbuch für alle verschiedenen Arten von Zügen in Europa, etwa wie ein Bestimmungsbuch über Vögel für Ornithologen. Für manche großen Sprayer ist es ein Lebensziel, jeden dieser Züge bemalt zu haben.”

Text: Konstantin Mahlow Fotos: Michaela Tsolaki

Das “Meeting of Styles”, das jährlich stattfindende internationale Treffen von Graffiti-Künstlerinnen und Künstlern am Brückenkopf in Kastel, wurde mit dem Kulturpreis 2017 der Landeshauptstadt Wiesbaden ausgezeichnet. Das von Manuel Gerullis und seiner Crew initiierte und organisierte Wiesbadener Graffiti-Meeting genießt weltweit Beachtung und zieht jährlich sowohl internationale Künstlerinnen und Künstler als auch zahlreiche Gäste an. 1997 als „WallstreetMeeting” am alten Schlachthof gegründet, ist das Festival seit 2003 am Brückenkopf in Kastel beheimatet, wo es als „identitätsstiftend” und den Stadtteil bereichernd wahrgenommen wird. Zum 20-jährigen Jubiläum in diesem Jahr hatte sich wieder die Graffiti-Kunstszene in der hessischen Landeshauptstadt eingefunden und die großen Flächen rund um den Brückenkopf mit ihrer Kunst verziert. WIESBADENER

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um ersten Mal wird die Bedeutung der „Sibylle – Zeitschrift für Mode und Kultur” für die Entwicklung der Fotografie Ostdeutschlands in einer Ausstellung komplex beleuchtet. „Sibylle” war eine Frauenzeitschrift in der DDR, die von der Namensgeberin Sibylle Boden-Gerstner gegründet worden war. Die Zeitschrift erschien ab 1956 sechsmal pro Jahr in einer Auflage von nur 200.000 Exemplaren im Verlag für die Frau, Leipzig. Maßgeblich für die Modefotografien waren zu Beginn der 1960er-Jahre Arno Fischer, Günter Rössler, Elisabeth Meinke und Roger Melis, Ende der 1960er-Jahre kamen Michael Weidt und Sibylle Bergemann hinzu. In den 1970er-Jahren folgten Wolfgang Wandelt, Rudolf Schäfer, Ute Mahler, Werner Mahler und in den 1980er-Jahren Ulrich Wüst, Hans Praefke und Sven Marquardt. In der Opelvillen-Schau werden die Fotografen nun mit ausgewählten Bildern vorgestellt. Über zweihundert Werke zeigen die Entwicklungsphasen der ostdeutschen Modefotografie, in die der dokumentarische Stil der sozial engagierten Fotografen einfloss, die die Wirklichkeit aus einer dem Menschen zugewandten Perspektive zeigen wollten. Man suchte neue Wege, dachte gesellschaftsbezogen und war zunächst der Utopie eines Neubeginns erlegen. Orte, wie der Industriestandort Bitterfeld, wurden nicht von der Redaktion vorgeben, sondern frei gewählt. Ziel war es, die normale Frau bei der Arbeit, auf der Straße und im Alltag anzusprechen. Die Frau sollte klug und natürlich sein und nicht länger mondän und damenhaft. Alltagsszenen, die auf der Straße beobachtet werden konnten, übten auf die Modefotografen der Anfangsjahre einen großen Reiz aus. Als die Diskrepanz zwischen sozialistischem Ideal und gesellschaftlicher Wirklichkeit immer offener zu Tage trat, fanden vor allem die jüngeren Fotografen in ihrer Aussage kompromisslosere Bilder. Auch jene Fotografien, die mit Unkonventionellem experimentierten und provozierten, konnten in der „Sibylle” veröffentlicht werden. Die Zeitschrift war in der DDR eine absolute Ausnahmeerscheinung. Trotz beschränkter VeröfWIESBADENER

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fentlichungsmöglichkeiten im autoritären ostdeutschen Regime gelang es, eine Modezeitschrift zum Forum künstlerisch ambitionierter Fotografie werden zu lassen, in dem eine freie Entfaltung und Selbstverwirkli-

Republik. „Sibylle” wurde als Modejournal im staatlichen Auftrag gegründet, das nicht den Konsum stimulieren, sondern didaktisch wirken sollte. Durch die vorgestellten Modeentwürfe des assoziierten Deutschen

SIBYLLE – Die Fotografen Experimentelle Fotografie in der DDR chung der Fotografen möglich war ohne der Zensur anheim zu fallen. Ihre Zeitschrift gründete Sibylle Boden-Gerstner 1956 innerhalb des staatlich kontrollierten Pressesektors der Deutschen Demokratischen

Modeinstituts, des späteren „Modeinstituts der DDR”, sollten kulturelle Maßstäbe gesetzt werden. Nach 1962 setzte mit der Moderedakteurin Dorothea Bertram und 37


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dem von ihr hinzugenommenen Fotografen Arno Fischer eine Neuorientierung ein. Bertram erschien die Zeitschrift als unzeitgemäß mit zum einen biederer, heimischer Mode und zum anderen unerreichbaren Pariser Impressionen. Durch die Fortführung seiner bildjournalistischen Arbeitsweise gelang Arno Fischer eine neue Art der Modefotografie. Er fotografierte seine Modelle, die meist Studentinnen der Modegestaltung waren oder aus deren Umfeld stammten, in alltäglichen Situationen auf Berliner Straßen. Seine Aufnahme eines Models in Bewegung vor einem Gasometer in Berlin 1962 belegt den Umbruch und wurde schnell zur Ikone des Neubeginns der Modefotografie in der DDR. Für den frischen Auftritt des Magazins von 1962 bis 1967 lieferte Fischer die entscheidenden bildlichen Vorgaben. Günter Rössler, der ab 1958 für die „Sibylle” tätig war, trug die Wendung zur dynamischen Bildform mit und fotografierte zum Beispiel 1969 in Budapester Cafés oder Warenhäusern scheinbar eher beiläufig Mode. Im Laufe der Zeit entwickelte Rössler für die Sibylle vielfältigste Gestaltungsmöglichkeiten von der Reisefotografie in Sachen Mode über komplexe Atelierinszenierungen bis zum malerischen Akt. 38

Das erste Sibylle-Heft 1969 kündigte dann Veränderungen an: „Wir werden die Themen in der Sibylle erweitern, weil wir für unsere Anliegen bei der Entwicklung der sozialistischen Lebensweise ein weites Betätigungsfeld sehen.” Die Gruppe der prägenden Fotografen verzeichnete einige Neuzugänge: Roger Melis kam 1967, Michael Weidt und Sibylle Bergemann 1969, Wolfgang Wandelt 1973 und Rudolf Schäfer 1975. Sibylle Bergemann brachte eine besondere Authentizität und Zartheit ein und fand Anerkennung mit ihren selteneren, doch ungewöhnlichen Beiträgen. Die Fotografen Elisabeth Meinke, Roger Melis, Rudolf Schäfer, Wolfgang Wandelt und Michael Weidt teilten ihre Freude am Experimentieren und wurden unterstützt von den Moderedakteurinnen Claudia Engelbrecht und Monika Oppel. Ute Mahler brachte ab 1975 enorme Spielfreude und besondere Fähigkeiten für Inszenierungen mit einfachen Mittel mit. Eine ihrer Domänen waren auch modebezogene Porträts. Gerne nutzte Mahler Naturelemente wie Nebel, Wasser oder Wind. Im Gegensatz zu ihr kontrollierte Rudolf Schäfer seine Aufnahmen und bevorzugte Innenräume oder realisierte seine technisch perfekten Aufnahmen in seinem Studio.

Auch in den 1980er-Jahren behauptete sich „Sibylle” als ein Forum künstlerisch ambitionierter Fotografie und öffnete sich weiter für neue, auch unkonventionelle fotografische Positionen. Durch Sibylle Bergemann kam der nonkonformistische Fotograf Sven Marquardt zur Zeitung. Da es dem jungen Punk polizeilich verboten war, sich in Berlin-Mitte aufzuhalten, konnte Marquardt die Redakteurinnen nur zu Hause aufsuchen. Er fand für seine ModeAufnahmen ungewöhnliche Orte und Inszenierungen. Die 1990er-Jahre brachten nach der Wiedervereinigung große Umbrüche für die Zeitschrift. Marktmechanismen forderten auch ein anderes Erscheinungsbild. Die Redaktionsleitung übernahm Susanne Stein, unterstützt von den erfahrenen Fotografen Sibylle Bergemann, Ute und Werner Mahler. Anfang 1995 wurde die Zeitschrift Sibylle eingestellt. SIBYLLE – Die Fotografen 30. August bis 26. November 2017 Opelvillen Rüsselsheim Ludwig-Dörfler-Allee 9 65428 Rüsselsheim Öffnungszeiten: Mi. 10 – 18 Uhr, Do. 10 – 21 Uhr Fr. bis So. 10 – 18 Uhr www.opelvillen.de WIESBADENER

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ie Stadt Mainz blickt auf über 2000 Jahre Geschichte zurück und ist eine der ältesten Städte Deutschlands. Und wenn in der Erde gewühlt wird, tauchen immer wieder Zeugnisse der Römer auf, die es zu sichten, zu bewerten und für die Nachwelt zu bewahren gilt.

Am 17. und 18. November 2017 wird eingeladen zu den „Tagen der offenen Werkstätten.“

1981 buddelten die Bagger bei Ausgrabungen für den Hilton-Erweiterungsbau „Domflügel“ gar sensationelle Schiffsteile aus. Als „Mainzer Römerschiffe“ machten die spätantiken Wasserfahrzeuge weltweit Furore und entpuppten sich als „archäologische Primärquelle bis dato unbekannter Kategorie“ laut Dr. Ronald Bockius.

Die überlieferten archäologischen Funde sind vielfältig – die Spezial-Werkstätten sind es auch. Die Palette reicht von der Keramik und Glas über Edelmetall bis zu organischen Materialien. An Fachwerkstätten gibt es die Sparten Naßholzkonservierung, Kolorierung, Herstellung von Kopien (die zuweilen verblüffend einem Original ähneln, bestätigt die Autorin). Auch eine radiologische Abteilung hat das RGZM.

Auch bei den Tiefbauarbeiten rund um die Großbaustelle neben dem Museum für antike Schiffahrt (zum RGZM gehörig) kamen archäologische Fundstücke ans Tageslicht. Seit Grundsteinlegung im Mai geht´s nach oben für den Neubau des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) und LeibnizForschungsinstitut der Archäologie. Der Umzug aus dem Schloß ist für 2020 geplant. Ein Mammut an logistischer Herausforderung. 200.000 archäologischen Objekte der Spitzenforschung sollen heil am neuen Standort ankommen. Umzugskisten verkünden: „Hier hat Zukunft AUCH Vergangenheit“. Für Wissenschaftsminister Prof. Dr. Konrad Wolf ist das RGZM ein „Riese“, dessen Kopf „die ganze alte Welt und drei Kontinente überblickt“, dessen drei Beine Mainz, Monrepos und Vulkaneifel für festen Stand sorgen und dessen Arme über Deutschland hinaus reichen. Das RGZM als „ Begegnungsstätte der Neugier und des Wissens“ öffnet im Zweijahres-Rhythmus die Türen für alle Interessierte.

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KREATIVES

Der Arbeitsbereich „Restaurierungswerkstätten“ gilt weltweit als eine der größten und renommiertesten Einrichtungen und hat für die Forschungen des Museums zentrale Bedeutung.

Der „Blick hinter die Kulissen“ bringt spannende Objekte zutage und die Fachleute lassen sich über die Schulter gucken. Es geht um das „Lernen über unsere Vergangenheit für unsere Zukunft.“ Beim „Wissenschaftsmarkt“ vor dem Dom am 9. und 10. September stellt das RGZM seine pädagogische Arbeit vor. „Wir geben der Forschung ein Gesicht.“ www.rgzm.de Text und Fotos: Gesine Werner Fotos von oben nach unten: Inga Vollmer, B.A., gewährt als stellvertretende Leiterin einen Blick hinter die Kulissen der Restaurierungswerkstatt für archäologisches Glas. Goldschmiedemeister Matthias Heinzel, Leiter der Werkstatt für Edelmetallrestaurierung und Goldschmiede, präsentiert restauriertes und historisches Geschmeide. Daniel Usher, Studierender des dualen BA-Studiengangs „Archäologische Restaurierung”, zeigt einen Teil der „Jupitersäule” – eine echt wirkende Kopie.

Für den „Riesen” hat Zukunft auch Vergangenheit Römisch-Germanisches Zentralmuseums in Mainz öffnet die Türen seiner Werkstätten WIESBADENER

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Kabinettschrank, Korea, 19. Jh

LEDER.WELT.GESCHICHTE. 100 Jahre Deutsches Ledermuseum

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itekt Hugo Eberm Jahre 1917 gründete der Arch hen Lehranstalten hardt, damaliger Leiter der Technisc tige Hochschule für (später Werkkunstschule, die heu den Lederstadt eren Gestaltung Offenbach), in der flori mlung von hisSam als eum Offenbach am Main das Mus er Gestaljung ung bild Aus die für torischen Vorbildern produzenten. Bis heute ter, Handwerker und Lederwaren aus allen Kulturen und wurden mehr als 30.000 Objekte sich auf drei SammEpochen zusammengetragen, die Ethnologie und st, Kun lungsbereiche – Angewandte n. eile auft – m Deutsches Schuhmuseu päischen LedergestalZu sehen sind Meisterwerke der euro Schuhwerk aus vier art, tung vom Mittelalter bis zur Gegenw ologische Objekethn de Jahrtausenden sowie herausragen rregion. Pola der und n te aus Amerika, Afrika, Asie

Kofferradio, Offenbach 1950

mit über 15.000 ExponaDie umfangreiche Schuhsammlung r Ethnien aus vier Jahrten umfasst die Fußbekleidung viele römischen Legionäre, der tausenden. Darunter sind Stiefel en, die eleganten isan Kurt er Plateauschuhe venezianisch rreich sowie die Öste von i Siss erin Seidenstiefel der Kais denen er im Dezember Turnschuhe von Joschka Fischer, mit inister der Grünen 1985 zum ersten hessischen Umweltm erbungen ist ein Erw vereidigt wurde. Eine der neuesten Plastikabfällen aus l ßtei Gro trendiger Laufschuh, der zum hen Garnfasern nisc tech zu die ist, llt aus dem Meer hergeste das DLM das weltweit weiterverarbeitet wurden. Damit ist alles rund um den einzige Museum, das ausschließlich ert. Werkstoff Leder sammelt und präsenti o Eberhardt nach Im Zweiten Weltkrieg kooperierte Hug ionalsozialisten und Nat den mit en änd anfänglichen Widerst

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links: Tiroler Truhe, 16. Jh

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er nach vorne. Anfang der 1940erbrachte das Museum unerbittlich weit n eise zum Erliegen, die Sammlunge Jahre kam die Museumsarbeit teilw stark riffe ang ben Bom h wurde durc wurden ausgelagert, das Gebäude das Haus von den amerikanischen e wurd g Krie dem h Nac igt. beschäd nahmt, einige Räume aber noch dem Besatzern als „Warehouse” beschlag ermuseum konnte 1949 anlässlich der DLM überlassen. Das Deutsche Led esse „Lederwarenindustrie und Mar ersten Offenbacher Lederwarenfachm shallplan” wieder seine Türen öffnen.

Ein Museum im Umbruch usst gegensätzlich angelegte AusstelIm Jubiläumsjahr werden zwei bew dbreite des Museums aufmerksam lungen gezeigt, die auf die große Ban falt des Materials Leder und die bemachen sollen. Sie laden ein, die Viel bjekte neu zu entdecken. sondere Qualität der Sammlungso Die Vielfalt des Leders”, die noch bis Die Ausstellung „Linking Leather – n. multimediale, interaktive Installatio zum 22. Oktober zu sehen ist, ist eine ushera die en ab Mitte September Mit LEDER.WELT.GESCHICHTE. werd e Ledermuseum – zum Teil noch tsch Deu das die r ragenden Objekte, übe e ügt, in den Mittelpunkt gestellt. Beid verborgen in den Magazinen – verf n ehe auss s eum Mus des ng ichtu ausr Ausstellungen legen dar, wie die Neu chie vers tellen. Dazu gehört auch, die soll und wie wir uns die Zukunft vors und ie olog ewandte Kunst, die Ethn denen Sammlungsbereiche – die Ang entationen immer wieder neu zu Präs in – das Deutsche Schuhmuseum um anhand der Kulturgeschichte des kombinieren und zu interpretieren, e global zu veranschaulichen. Für dies Leders die Menschheitsgeschichte e tätig in ktor sdire eum Mus als 2014 er Neukonzeption ist die seit Novemb ntwortlich. vera tz schü Flor Inez Dr. erin orik Hist r ene Weg, der ein Querdenken übe Mit der Ausstellung wird der begonn fort, ieht vors Zeit r ode ie welcher Ethn alle drei Sammlungsbereiche gleich e Neuausrichtung und eine zeitgemä isch mat ram prog eine h gesetzt. Durc erLed en genden Schätze des Deutsch ße Präsentation werden die herausra h engetragen worden sind, ästhetisc mm zusa museums, die über 100 Jahre . und inhaltlich neu erfahrbar gemacht eMuseums völlig umgestaltet. Auf insg Dafür wurde ein weiterer Raum des slität ischer Querschnitt durch die qua samt ca. 600 qm wird ein exemplar ermuseums gezeigt. Anhand von vier Led volle Sammlung des Deutschen „Mit wie „Die Lederstadt Offenbach“, übergeordneten Themengruppen ten“ Wel et öffn er hte“ und „Led Leder leben“, „Leder macht Geschic plarisch vorgestellt. exem te bjek ngso mlu Sam werden über 100 e spannende Dialoge und Querverweis Daneben setzt die Präsentation auf ng, mlu Sam die für erst gekaufte Objekt zwischen den Werken: so trifft das Die hundert, auf das zuletzt erworbene. Jahr 16. dem eine Tiroler Truhe aus den mit en mm zusa wird the von Goe Hutschachtel von Johann Wolfgang , Goethes letzter (unerfüllter) Liebe, tzow Leve von e Ulrik von n Hausschuhe m kommen sie erstmals zusammen. gezeigt. Im Deutschen Ledermuseu mEinblicke in die Museums- und Sam Darüber hinaus gibt die Ausstellung e Jahr viele r übe e Vitrine, in der lungsgeschichte. So verweist eine leer igt wurden, auf die aktuelle Diskussi geze er Völk er gen Schrumpfköpfe indi en. fakt Arte n iche schl men diesen on über den korrekten Umgang mit

he und Hausschuhe von

Zylinderhutschachtel von Goet Ulrike von Levetzow

Koptischer Schuh, Nordafrika,

3. bis 6. Jh

LEDER.WELT.GESCHICHTE. m (1917–2017) 100 Jahre Deutsches Ledermuseu 2018 ruar Feb 25. bis 16. September 2017

19 Uhr Eröffnung: 15. September 2017, am Main ch Frankfurter Str. 86, 63067 Offenba Uhr 17 – Öffnungszeiten: Di – So 10 www.ledermuseum.de WIESBADENER

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5 und Schuhe von Kaiserin Elisabeth,186 von Pauline von Metternich, 1860 WIESBADENER 41


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Eine „Affäre” der ganz speziellen Art: Bei „Jazz im Hof” wurde der „Jazz-Dialog” mit passioniertem Spiel realisiert: SaxophonLegende Gustl Mayer ließ sich vom Nachwuchs aus der Leibnizschul- Bigband flankieren. Gitarrist Nick Henderson & Trompeter Julian Hinsken legten sich tüchtig ins Zeug.

„Keep Swinging!” im Jazzdialog von alten Hasen mit der talentierten Jugend „Keep Swingin`!“ Keine schlechte Devise für eine Schulband, die in naturgemäß wechselnder Besetzung jetzt schon 40 Jahre zum Mitswingen bittet. Und der unkaputtbare Dauerbrenner „Jazz im Hof“, seit Gründung Anno 1988 von den zwei sympathisch bodenständigen Ministerialen Klaus Riehl und Norbert Kaiser souverän betreut – war für einen jugendfrischen „Jubiläumsauftritt“ gut. So wurde denn der „Jazz-Dialog“ ein ganz besonderes Schmankerl: „Lady Bass“ Lindy Huppertsberg & Classic Affairs gaben sich als hochkarätig besetztes Trio die Ehre – featuring Gustl Mayer. Mit herrlich volltönender „Kanne“ und seiner Combo „Jazz Stampede“ war der Starsaxophonist schon in den späten 90ern ein Garant für Gute-Laune-Musik im Ministeriumshof. Der international renommierte Jazzpianist Christof Sänger bereichert das Trio mit atemberaubender Rasanz und leidenschaftlicher musikalischer Virtuosität. Tobias Schirmer ist in der gut ausgestatteten „Schießbude“ der Herr der tanzenden Schlägel. In ihrer Jubisaison wurde die Bigband der Leibnizschule als Dialogpartnerin geadelt und legte gleich zu Beginn des Sonntagskonzerts tüchtig los, bevor die Bigband – seit 2004 von Diplommusiklehrer Markus Gück zu vielen Erfolg geführt - zur Begleitcombo für Lady Bass mutierte. Gitarrist Nick Henderson & Trompeter Julian Hinsken durften Gustl Mayer flankieren, der aus seiner Freude an dem talentierten Nachwuchs keinen Hehl machte. 1977 hieß es „Jazz geht´s los“ an der Dilthey-Penne mit jugendlich dynamischem Sound und Improvisation. 2011 wurde der 2. Preis beim Landesjugend-Jazzwettbewerb erzielt. Emil Mangelsdorff lobte, eine Konzerttournee führte nach Tallin und Helsinki. Auf der Studio-CD „Foo Birds“ ist ein Best Of der Jahre 2011 bis 2015 zu hören. Beim Jubikonzert mit der Bigband am 24. 11. tritt die „Basic-Band“ auf. Der Clou: Am 25.11. reisen ehemalige Bandmitglieder, Profimusiker wie Frank Runhof („Kicks and Sticks“) und Jens Runstein, aus ganz Deutschland an zur einmaligen Re-Union. Beim Stadtfest bittet die Bigband am 27.9. zum Jazz-Frühstück. (Hauptbühne Dernsches Gelände, Beginn 11 Uhr) www.bigband-leibniz-schule.de Text und Foto: Gesine Werner 42

Sie verkörpern die Goldene Zeit des klassischen Balletts in Wiesbaden: Iskra „Abadjewa” Mateeva-von Hasselbach, Gabriele „Joly” Saint-Ives, Stefania Weber-Herzer, Gastgeberin Vera StifterBornheim, Imre Keres und Ulrike Keres (vorne).

Lebendige Erinnerung an die goldene Zeit des klassischen Balletts Im Wiesbadener Theaterleben hat Ballett eine lange Tradition. Doch erst 1951 wurde von Choreograph Peter van Dyk und Kapellmeister Hans Werner Henze der Versuch einer qualifizierten eigenen Ballettsparte gestartet. Erst der Ungar Imre Keresztes, genannt Keres, machte in seiner 14jährigen glanzvollen Ägide ab 1962 Wiesbaden zum arrivierten Ballett-Zentrum im Rhein-Main-Gebiet. Der einzigartige Zusammenhalt des Ensembles wirkt nachhaltig bis heute, wie sich beim gemütlichen Treffen von rund zwei Dutzend „Ehemaligen“ zeigte bei Sekt und Selters, Kaffee und Kuchen. „Es ist wie bei studentischen Parties – alle bringen etwas mit und tragen etwas bei.“ Ballettschulleiterin Vera Stifter-Bornheim hatte wieder einmal mit ihrem Mann, dem Pianisten Wolfgang Stifter, in die Villa an der Richard WagnerStraße eingeladen. Aus Berlin, München, Ostfriesland, vom Bodensee, aus dem Tessin und aus Paris kamen „die Mitglieder des Ballettensembles des Hessischen Staatstheaters aus der Goldenen Zeit des klassischen Tanzes in Wiesbaden“. Legenden wie Primaballerina Gesine „Kiki“ Poussin und Erster Solist Rolf Pertschinger tauschten sich mit Solistin Inge Runne aus, mit Rosemarie Bischoff (Witwe des langjährigen TechnikDirektors Karl-Heinz Bischoff) und der Bulgarin Iskra Abadjewa. Wolfgang „Goofy“ Krautwig sieht sich als „Hupfdolerich“. Uschi Otto- Elzner (mit Gabriel Sala ein Tanzpaar) und der langjährige Schnürbodenmeister Manfred Otto fachsimpelten mit Barbara Mieth, mit Stefanie „Spitzmaus“ Herzer und Joachim Dellers. Und Imre Keres, einst mit der unvergessenen Clara Gora aus Ungarn gekommen, meinte: „Ich habe 50 Jahre Ballett gemacht, das war mein Leben“. Das Kulissengeplauder drehte sich um Schwanensee und Gajaneh, um Prüfungen in Frankfurt und die Rückenstärkung durch den Chef. Doch das ist eine andere Geschichte. www.ballettschule-stifter-bornheim.de Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Ein befreundetes Trio: Charlotte Brand, die Initiatorin und Organisatorin des Benefiz-Kolonnadenlunchs, umarmt Claus Kleber und Manfred Misselhorn.

Schlemmen für den Guten Zweck in den Theaterkolonnaden Wenn die Interessengemeinschaft Wilhelmstrasse & Quellenviertel (IGW) e.V. einlädt, ist „Schlemmen für den guten Zweck“ angesagt. Der bestens besuchte „Charity-Kolonnaden-Lunch“ wird in seiner dritten „Spiel-Zeit“ zur kleinen Tradition. „Ich wollte einen Lunch im Freien anbieten. Fröhliche Menschen kommen ausgeschlafen zusammen und werden gut unterhalten. Sie genießen ein 3-Gänge-Menü in den historischen Theaterkolonnaden und unterstützen damit die Kultur unserer schönen Stadt“, erklärt Initiatorin Charlotte Brand (die in das oral-history-Projekt des Stadtarchiv-Fördervereins eingebunden ist). Langjährig engagiert im 154 Jahre alten Kur- und Verkehrsverein, jetzt „Freunde der Wiesbaden-Stiftung“ genannt, widmete die frühere Chefin der Confiserie Kunder den Gewinn dem neuen Schwingboden für das Hessische Staatsballett. Bei der Lunch-Organisation war Christoph Michel, Sohn des ebenfalls involvierten Wiesbaden-StiftungVorsitzenden Martin Michel, hilfreich. Eine spezielle „Sommernachtstraum-Praline“ – die als zartschmelzender Gaumenkitzel für Furore sorgte – hatte Neffe Jürgen Brand als Geschäftsführer der Fritz Kunder GmbH für alle Naschkatzen entwickelt. Ballettdirektor & Chefchoreograph Tim Plegge führte an einem Boden-Element die Bedeutung des wirklich „mitschwingenden“ Spezialbodens für die Gesundheit des Ballettensembles eindrucksvoll vor Augen. Ausschnitte aus seinem Ballett „Sommernachtstraum“ nach Shakespeare wurden ebenso gefeiert wir die „Studien einer Tänzerin“ mit Livia Gil. Tenor Benjamin Russell und Chopinpreisträger Waldemar Martynel (Piano) berührten mit ihrer Version der „Winterreise“. Die Choreographie „Dear Mr. Goldberg“ (Programm „Startbahn 2017“) mit Ezra Houben, Kristin Bjerkestrand und Pianist Martynel bekam viel Applaus. Zum Lunch-Finale wurde ein Scheck in Höhe von 4500 Euro von Charlotte Brand, Thomas Michel, Dr. Martin Hackenberg (Stiftungsnetzwerk Wiesbaden) und Christoph Michel übergeben. Text und Foto: Gesine Werner

Ruth Lauterbach (links) macht mit ihrer “persönlichen” Stadtführung Station bei Kathrine Hanisch-Erdenberger (2. von rechts) in ihrer schmückenden Werkstatt „Grünbunt” im Hof der Buchhandlung „erLesen”.

Grünbunt schmückende Werkstatt und Erlesenes Wiesbadens Dichterviertel auf die persönliche Tour Die Fränkin liebt ihren Kiez. Sie kennt die kleinen Läden und versteckten Ecken mit dem liebenswerten Charme. Mit dem Bummel „Wiesbaden Persönlich“ durch Dichterviertel und Wiesbaden Mitte will Ruth Lauterbach ihrer Wahlheimatstadt „etwas zurückgeben“. Der zweistündige Rundgang mit „kleinen Geschichten, Genuß & Augenschmaus“ startet am Brunnen vor dem Eiscafé Paradiso gegenüber des Hauptbahnhofs Die Route führt zur Unteren Albrechtstraße, wo es auf der einen Seite very british zugeht bei „Britmania“ und schräg gegenüber die Zwillinge Nathalie und Jennifer als „Les Deux Dienstbach“ in ihrem liebevoll eingerichteten Restaurant französische Land-Küche pflegen. Über die Adolfsallee mit Blick rüber zur Kultkneipe „Sherry & Port“ geht es zur Ecke Moritzstraße mit dem „Al Gusto“, das glutenfreie Küche bietet und als KiezTreff fungiert. Der Rundgang führt zur Ecke Oranienstraße und dem Eine-Welt-Laden, der ehrenamtlich geführt wird und gerade 30. Geburtstag feiern konnte (wir berichteten). In der Herderstraße lockt das urige Gewölbe „crema catalana“. Mit Herzenswärme bieten Jacqueline und Navin „Jit“ Arkasali hier eine überraschende Melange aus spanisch-californisch-indischer Küche an: „Art+Food – Simply mixed“. Einige Schritte weiter firmiert die Niederwaldstraße 3 als „N3“, wo ein Blick geworfen wird in die Buchhandlung „erLesen“ von Brigitte Endres-Grzybek. Durch den Hausflur geht’s zu „Grünbunt“ im Hof mit der „schmückenden Werkstatt“ von Kathrine HanischErdenberger, der legendären „Zaubernuß“-Floristin. Vorbei an „Hugo & Tilda“ und der Metzgerei Rembser wird der Ring überquert. In der Galerie „KunstModul“ von Gülben Börger in der Luxemburgstraße sorgt Ako Karims Klarinettentrio mit Jazz und Klezmermusik für klangvollen Sound. Bei „Weinveritas“ am Luxemburgplatz endet die Tour. www.wiesbaden.de www.gruenbunt.de www.ako-karim.de Text und Foto: Gesine Werner

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„Luther 95” in der Marktkirche: Zum Reformationsjubiläum malte der Rheingauer Künstler Michael Apitz „seinen” Martinus Lutherus MDXVII auf 95 gleichgroße Tafeln und setzte sie in einer Mitmachaktion zum Gemälde von rund 4 Metern Höhe zusammen.

Der Platz zwischen Landesmuseum und dem neuen Rhein-MainCongressCenter (RMCCV) nimmt Form an. Verkehrsdezernent Andreas Kowol und Tiefbauamtsleiterin Dr. Petra Beckefeld besichtigen das Areal „mit Aufenthaltsqualität”.

Re-Formation wagen! SchauFenster der theologischen Revolution mit Luther aus 95 Tafeln

Ein Platz im Farbton „Wiesbaden” für das Landesmuseum

Die Re-Formation im 500. JA! nach Luthers revolutionärem Thesenanschlag wird munter zelebriert. In Wiesbaden steht das Jubiläum unter dem Motto „Darauf stehe ich!“ Hochsommerliche Temperaturen beim zentralen, ökumenisch orientierten Fest des evangelischen Dekanats am 25. Juni mit Dekan Dr. Martin Mencke und Prominenz verschiedener Glaubensrichtungen, aus Politik und Gesellschaft. Nach dem Familiengottesdienst in der überfüllten Marktkirche ging es mit „Lutherwaffeln“, Musik von Wolf Dobberthin (Saxophon) und Andreas Karthäuser (Keyboard) unter freiem Himmel weiter. Das Anschlagen eigener „Thesen“ an die hölzerne Marktkirchentür war erwünscht. Gemäß Luthers „standhaftem“ Auftritt vor dem Kaiser in Worms wurde ein roter Sockel aufgestellt und es weht ein Hauch von Hydepark London, wenn Interessierte mit oder ohne Luther-Batschkapp ihren „Standpunkt“ bekennen. Bis 31. Oktober wird das „Darauf stehe ich!“ beim Wort genommen. Den Clou steuerte Michael Apitz mit „Luther 95“ bei. Der Künstler aus Eltville malte „seinen“ Martinus Lutherus MDXVII (mit leichtem Silberblick) auf 95 Tafeln und setzte sie per Mitmachaktion zum Monument von 1517 (!) Zentimetern vor der Kanzel zusammen. Das XXL-Bild tourt durch die EKHN-Region (inkl. Paulskirche!) und gastiert zum Jahresende in Kloster Eberbach. Endspurt des Jubiläums: Pastorin Sabine Poralla widmet den „Frauen der Reformation“ ihren Vortrag. „Wiesbaden im 16. Jahrhundert“ stellt Stadtarchivleiterin Dr. Brigitte Streich vor. „Vergnügt, erlöst, befreit“ sind die Abende über Grundgedanken der Reformation mit Pastorin Bea Ackermann (Evangelische Kirche Auringen). „Reformation wagen“: Dr. Susanne Claußen stellt „Bürger, Bauer, Edelmann in Zeiten großer Veränderung“ vor. Am 30. Oktober feiert die „Reformationsnacht“ der Lutherkirche in das Jubiläum hinein, bevor am 31. Oktober um 11 Uhr der zentrale Gottesdienst in der Marktkirche beginnt. www.dekanat-wiesbaden.de Text und Foto: Gesine Werner

„Es ist alles hervorragend organisiert und liegt im Zeitplan..“ Stadtrat Andreas Kowol und Tiefbauamtsleiterin Dr. Petra Beckefeld sind beide mit`m Radl da und verkünden unisono:„Wir werden mit dem Eingang zur Innenstadt fertig bis Anfang 2018.“ Der neue Verkehrsdezernent hat die berühmte Baustelle zwischen dem Rhein-Main-CongressCentrum und Landesmuseum „geerbt“. Andreas Kowol zollt allen Beteiligten beim Rundgang Respekt und hat für den eigens entwickelten ocker-beige Farbversion des Belags (passend zur RMCC-Fassade) den Namen parat: „Das ist der Farbton Wiesbaden“. Enge Abstimmung mit dem Landesmuseum ist dem Stadtrat wichtig: „Wir setzen das Museum in Szene.“ Das Land Hessen restauriert dessen Kolonnaden. Auf der Museumsseite ist der Gehweg streckenweise verlegt mit Betonsteinen, die Misere der maroden Natursteine der Fußgängerzone soll vermieden werden. „Schön und haltbar geht Beides“, versichert die Tiefbauamtsleiterin. Auf rund 6000 Quadratmetern Fläche entstehen neue Bürgersteige, die Straßengestaltung der FriedrichEbert-Allee mit lediglich drei Fahrspuren samt neuer Mittelinsel sowie Radfahrstreifen in beide Richtungen. Vor dem Museum und vor dem RMCC werden große Wasserbassins mit einer Tiefe von wenigen Zentimetern installiert. Das Mikroklima wird verbessert, Sitzgelegenheiten sollen zum Verweilen einladen. Das „zusammengehörige Ensemble“ soll durch „sieben leicht verschiedene, weißgraue und hellbraune Materialien im Straßenbereich und auf den Fußverkehrsflächen“ sichtbar werden. Die Tiefbauamtsleiterin spricht bei der Fahrbahn von einer „halbstarren Decke aus Beton und Asphalt“ und meint Die doppelreihige Platanenallee wird durch 16 Spitzahornbäume ergänzt. Im Etat von 2,9 Millionen Euro ist auch der Straßenbelag der Kreuzung Rheinstraße / Wilhelmstraße enthalten. Text und Foto: Gesine Werner

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Gemeinsam feierten im Logenfestsaal Stadtrat Dr. Oliver Franz, Großlogenvereinigungs-Altgroßmeister Professor Dr. Klaus Horneffer Parlamentspräsidentin Christa Gabriel, Festrednerin Dr. Julia-Maria Schenck zu Schweinsberg und Dieter Börgers als Stuhlmeister der Loge Plato.

Ein hochkarätig besetzter Neujahrsempfang zum Johannisfest Das „neue Jahr“ im Juni feiern? Klingt ein wenig seltsam, hat aber historischen seinen tieferen Sinn: Der Neujahrsempfang der Loge Plato im Orient Wiesbaden wird mit seiner dritten Einladung schon langsam zur Tradition. Das „Maurerjahr“ 6017, Profane sprechen von 2017, begann mit dem Johannisfest. Johannes der Täufer ist der Schutzpatron der „Werkmaurer“, den Vorfahren der Freimaurer. Die Freimaurerloge „Plato zur beständigen Einigkeit in Wiesbaden“ ist der älteste Verein der Landeshauptstadt. Am 6. August 1778 profaner Zeitrechnung war in Schloß Biebrich die Loge „Zur beständigen Einigkeit“ unter Vorsitz des regierenden Fürsten Carl Wilhelm von Nassau-Saarbrücken-Usingen, Protector und erster Meister vom Stuhl der Loge, gegründet worden. Eingesetzt wurde sie mit Patent der Schottischen Direktional-Loge Joseph zum Reichsadler. In der Constitutionsurkunde ist das maurerische Datum „Wetzlar, den 6ten August 4465“ verzeichnet. Beim Neujahrsempfang mit rund 100 geladenen Gästen war die Stadt Wiesbaden durch die Erste Bürgerin, Parlamentspräsidentin Christa Gabriel und ihren Amtsvorgänger Wolfgang Nickel vertreten. Die Glückwünsche des Magistrates zu „300 Jahren Logenwesen“ und zur „festen Verankerung in der Gesellschaft“ überbrachte Stadtrat Dr. Oliver Franz kurz vor seinem Amtsantritt als Bürgermeister. Professor Dr. Klaus Horneffer, dessen Großvater Ernst Horneffer von 1922 bis 1952 Plato-Bruder war, betonte als Alt-Großmeister der Vereinigten Großloge von Deutschland das Neujahrsritual der drei Johannisrosen als Sinnbild für „Licht, Liebe, Leben“. Dr. Julia-Marie Schenck zu Schweinsberg, Gräzistin der evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Mainz, widmete ihren tiefgründigen Festvortrag dem Namensgeber unter dem Titel:„Platon - Philosoph und Poet“ und sieht thematische Aspekte der Zeit von Platon und Sokrates als hoch aktuell an. Text und Foto: Gesine Werner

Der preisgekrönte junge Poet und Chansonnier Cyprès entführte mit seiner Band beim Rheingau-Musik-Festival in die Welt von Brassens, Aznavor & Moustaki.

Französische Musik-Poesie und eine vino-logische Farbenlehre, die hinters Licht führt „Wir treffen den richtigen Ton“ nimmt die SEG durchaus berechtigt für sich in Anspruch, übernimmt gerne „sensible Projekte der Stadtentwicklung“ und zeigt ihr Händchen auch mit der Unterstützung des Rheingau-Musik-Festivals. Als „Spielstätte“ diente das Familienweingut Fritz Allendorf in Oestrich-Winkel. Als Ouvertüre gab es Schnutentunken mit Ansage. Hausherr Ulrich Allendorf führte „hinters Licht“. Als gewitztes Bühnentalent kredenzte der Winzer seine „Farbenlehre“, die den Gaumen überlistete und verblüffende Genüsse offerierte. Das Geschäftsführerduo Andreas Guntrum und Roland Stöcklin konnten am lauen Sommerabend unter den gut gelaunten Gästen auch den scheidenden Bürgermeister Arno Goßmann mit Gattin Jenny Willett-Goßmann begrüßen, ebenso den früheren SEG-Geschäftsführer Dietrich Schwarz. Am Rande des Abends wurden in persönlichem Plausch aktuelle SEG-Projekte angetippt wie der Nordenstadter Hainweg. Im September beginnt die Erschließung für die 650 neuen Wohneinheiten. „2018 geht es mit dem Hochbau los.“ An der Bierstadter Höhe sind derzeit 62 Wohnungen im Bau. Am westlichen Schloßpark in Biebrich entstehen in den nächsten Monaten rund 100 Wohneinheiten. Die „Stadtreparatur am American Arms Hotel“, das inzwischen leer steht, dürfte bald in Gang kommen. „Chanson Francaise“: Ein junger Pariser Songpoet alter Schule vom Rang eines Brassens oder Moustaki machte klar – der Rheingau liegt in Südfrankreich. Mehrfach preisgekrönt, ist Cyprès (Anthony Afonso) „Lieblingskünstler des Jahres 2016“, vertonte Victor Hugo, entführte zum Montmartre und versteht sich auf schwarzen Humor. Einfühlsam begleitet von Anais Laffon (Violine) und Anne-Charlotte Jan-Muger am Violoncello und Barfuß-Kontrabassist Matthieu Baud, kurbelte der Poet („Ad Victoriam“) das Kopfkino mächtig an. Zum Wegträumen schön und berührend. „Cyprès hat direkt ins Herz gezielt“ und „das ist ein Songpoet mit Esprit und Klasse“ hieß es. Das Publikum war restlos verzaubert. Ein Chansonabend der Extraklasse mit langem Nachhall. Text und Foto: Gesine Werner

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Der Tango ist sein Lebenselixier. Der charismatische Tänzer und Choreograf Gabriel Sala – dessen kultiger „Salon Tango” inoffiziell als „sechste Sparte” im Musentempel” gilt, lädt auch mit 75 Lenzen ins Punkfoyer.

GratulARTion zum Goldjubiläum: Die kulturpreisgekrönten „Velvets”, alias Dana Bufkova, Bedrich Hanys und Tochter Barbara Naughton, zeigen die Origialpuppen ihres legendären „Kleinen Prinzen“.

Viel mehr als „ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann”...

Die einzigartig zauberhafte Puppenspiel-Pantomime feiert Goldenes Jubiläum!

Tango ist laut Enrique Santos Discépolo „ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.“ Für die argentinische Tanzlegende Gabriel Sala ist der Tango Lebenseinstellung „und ein wichtiges Kapitel der Kultur- und Sozialgeschichte.“ Ach was – der Tango ist sein Leben! Gerade ist Gabriel Sala runde 75 geworden – glaubt dem Zeitzeugen im oral-historyprojekt „Geschichte & Geschichten“ des Stadtarchiv-Fördervereins kein Mensch – und scharrt mit den Hufen. Den Sommer über war der agile künstlerische Leiter auf Achse und brachte die neue Spielzeit in trockene Tücher. „Mit Spaß und Elan konnte ich anläßlich meiner Reise nach Buenos Aires Musiker interviewen, anschauen, Verträge besprechen und dann...“ Das Resultat sind sieben Tango-Nächte in der Spielzeit 2017/18. Sein „SalonTango“ hat sich Kultstatus erarbeitet und zieht inzwischen ein Publikum aus der ganzen RheinMain-Region an. Zum Start am 8. September kommt Sänger Mario Pinnola mit dem Quintett „Tango Pianissimo“ aus Argentinien. Am 3. Oktober, dem „Tag der deutschen Einheit“ beginnt das Tangoshow-Konzert von „Ciudad Bajgon“ schon um 19 Uhr im Kleinen Haus. Zum dritten Mal stehen 10 Musikanten mit vier Bandoneons, Gesang und Tanz auf der Bühne. Danach gilt im Foyer: „Alles Tango!“ Am 8. Dezember gastiert das beliebte „Cuarteto Rotterdam“ zum dritten Mal in Wiesbaden, um „Abschied vom Jahre 2017“ zu feiern. Im Februar 2018 kommt das „Sexteto Visceral“ aus Buenos Aires und feiert in Wiesbaden Europapremiere. Das Septett „La de Angelis“ trägt den Namen von Alfredo de Angelis, einer der beliebtesten Tangomusiker. Die glorreichen Sieben kommen am 13. April ins Prunkfoyer. Die IMF 2018 können im Wonnemonat auch Tango: Am 18. Mai gastiert das „in Europa beliebte große Tango-Orchester“, das sich nach dem Musiker Juan d` Arienzo genannt hat. „La d`Arienzo“ bittet zur Konzert-Show und spielt zum Tanz auf. Zum Saisonfinale macht das „Sexteto Gato“ aus Buenos Aires am 16 Juni Station bei Gabriel Sala auf der ersten Europatour. www.staatstheater-wiesbaden.de Text und Foto: Gesine Werner 46

Herzliche GratulARTion zum Goldenen Jubiläum! Kaum zu glauben, aber das einzige Schwarze Theater Deutschlands hat seit 50 JA!ren sein Domizil in der Wahlheimat Wiesbaden. Den Kulturpreis der hessischen Landeshauptstadt hatten „die Samtenen”, aktiv eingebunden in das Oral history-Projekt „Erlebte Geschichte & Geschichten“ des Stadtarchiv-Fördervereins, zum 40. Geburtstag bekommen. Mit der unvergleichlichen, zutiefst seelenvollen Kunst lassen sie – international vielfach ausgezeichnet und auf Gastspielen umjubelt – die Puppen tanzen. Sie „zaubern“ als unsichtbare Magier mit Licht und schlagen eine Brücke zwischen Wiesbaden und Prag. Als „Glücksfall für Wiesbaden und ein prächtiger Edelstein der Theaterkunst“ wurden sie bei der Kulturpreisverleihung vom damaligen OB Dr. Helmut Müller, der sich als Fan der hinreißenden „Zauberflöte“ outete, gewürdigt. Dana Bufkova und Bedo Hanys seien für ihr Lebenswerk, ein „phantasievolles Experimentallabor“ auszuzeichnen. Als langjähriger Fan und fördernder Wegbegleiter hielt der frühere Schulleiter und spätere Kulturstadtrat Peter J. Riedle eine anrührend persönliche Laudatio. Ihre eigene, unglaublich spannende Geschichte mit der Odyssee quer über den Globus bis nach Wiesbaden präsentiert das Ensemble in der multimedialen Revue „Grenzen-Los“. Tochter Barbara Naughton hat als künstlerische Leitung das Konzept mit neuen Facetten erweitert und lädt gerne zu Gastspielen ein. Zum Goldjubiläum wurde wieder einmal eine ganz besondere Produktion gestemmt: „Der blaue Vogel“ ist ein zu Unrecht in Vergessenheit geratenes, poetisches Stück des belgischen Nobelpreisträgers (!) Maurice Maeterlinck. Auch die romantische Oper um die kleine Meerjungfrau „Rusalka“ steht auf dem Spielplan – und als unschlagbare Klassiker ist der wunderbare „Kleine Prinz“ zu sehen. Am 23. September wird die neue Spielzeit eröffnet mit einem Blick in die Zukunft. Und es darf gefeiert werden. www.velvets-theater.de

Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Standing ovations beim Sommerkonzert in Kloster Eberbach für die Solistinnen Marika Dzhaiani (Sopran), Melanie Ickert (Violine) und Leonie Steuer (Trompete) sowie das Jugend-SinfonieOrchester unter WMA-Direktor Christoph Nielbock (von links).

Ungewöhnlich viel Prominente gratulierten Klaus Zengerle, der in der Staatskanzlei das Bundesverdienstkreuz am Bande: von Kultusminister Professor Dr. Alexander Lorz ans Revers geheftet bekommt.

Sommerkonzert als spiel- und sangesfreudige Fülle des Wohllauts in Kloster Eberbach

Ein Bundesverdienstkreuz für den „Herrn der Brunnen”, der Spuren hinterläßt

Die Wiesbadener Musikakademie, die mit der Wiesbadener Musik- und Kunstschule im vergangenen Jahr ihr Silberjubiläum fulminant zelebrieren konnte, machte wieder einmal Furore.

Ehre, wem Ehre gebührt für einen, der Spuren hinterläßt. Solch „großer Bahnhof“ ist nicht üblich. Der Bundespräsident ließ durch den hessischen Kultusminister das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichen. Und die komplette Stadtspitze kam in die Staatskanzlei und gratulierte dem „besonderen Menschen“ Klaus Erich Zengerle – protokollgerecht oder spontan.

Vom leidenschaftlich präsentierten, äußerst talentierten Können der drei jungen Solistinnen Leonie Steuer (Trompete), Melanie Ickert (Violine) und Sopranistin Marika Dzhaiani und vom klangschön auftrumpfenden Jugend-Sinfonie-Orchester der WMA/WMK unter feinfühliger Stabführung von Direktor Christoph Nielbock war das Publikum hingerissen. Der frenetische Applaus wollte nicht enden. Ohne eine Zugabe aus Niels Wilhelm Gades poetisch anrührenden „Seelenlandschaften“ kamen die jungen Musikschaffenden an diesem sommerlich heißen Sonntagnachmittag nicht aus dem voll besetzten Laiendormitorium des Kloster Eberbach. Christoph Nielbock hatte auch ohne Jubiläum wieder Raritäten gewählt. Ludwig van Beethovens Ouvertüre zu August von Kotzebues Schauspiel „König Stefan“ (dem ungarischen Herrscher) ist selten zu hören. Das junge Sinfonie-Orchester ließ festlich pralle Klangpracht, durchaus auch mit ungarischem Feuer, ertönen Mit Mozarts Huldigungsarie „A Berenice – Sol nascente“ wußte sich Sopranistin Marika Dzhaiani in Szene zu setzen. Die aus Georgien stammende, erkennbar bühnenerfahrene Solistin verströmte vokalen Glanz, ließ mit zuweilen leicht scharfer Höhe die Koloraturen perlen wie an einer Kette. Dieses Talent dürfte noch Karriere machen: Violinistin Melanie Ickert, die mit der „Fantaisie brillante sur Faust“ des polnischen Geigers Henryk Wisniawski begeisterte, lieferte ein Bravourstückchen ab. Mit souveräner Virtuosität werden alle Register anspruchsvoller Technik gezogen, selbst in hohen Lagen überzeugt der warme Ton fernab von Pathos. Eine fulminante Leistung bot auch Leonie Steuer, die sich in Joseph Haydns „Es-Dur-Konzert für Trompete“ mit funkelnden Tönen als vielversprechende Solistin an der Klappentrompete empfahl und umjubelt wurde. www.wma-wiesbaden.de

Als „ungewöhnlich“ wertete der Minister, ebenfalls „zugezogener Biebricher“, die Promi-Dichte. Professor Dr. Alexander Lorz sieht die Zengerle-Verdienste, die „ohne Sie niemals auf die Beine gestellt worden wären und oft etwas mit Wasser zu tun haben“, mit geschärftem Augenmerk: „Das war Zengerle!“ Der Schwarzwälder kam 1962 „der Liebe wegen“ zu seiner Frau Ingrid nach Wiesbaden, war für die Dyckerhoff und Widmann AG tätig. Der Wahl-Biebricher ist als langjähriger Chef des „Verschönerungs- und Verkehrsverein Biebrich am Rhein 1870“ unermüdlich, realisierte Fontäne im Schloßpark und RheinuferPromenade, das Wasserareal mit Flötenspieler, den sanierten Galatea-Brunnen, den Marienbrunnen vor St. Marien, das Taufbecken der Hauptkirche und den Albert-Wappenstein am Rheinufer. Wiesbadens erste Bürgerin und Parlamentspräsidentin Christa Gabriel lernte den „Herrn der Brunnen“ zuerst telefonisch kennen, bevor sie mit „schon zwei Einweihungen“ feierte und dankte für „tolles Engagement“. Oberbürgermeister Sven Gerich ermunterte den Geehrten, auch weiter „den Stein ins Rollen“ zu bringen. Für den Ortsbeirat zollte der Landtagsabgeordnete Horst Klee Anerkennung: „Du hast nie nach Problemen geguckt, sie lieber gelöst.“ Bürgermeister Dr. Oliver Franz lobte den „Mann der Tat“ als „Leuchtturm“. Klaus Zengerle zeigte sich von der Würdigung „überwältigt“ und gab anekdotische Details zum Besten. Mit einem Blick in die Historie Biebrichs wünschte Historiker Dr. Rolf Faber weitere Aktivitäten des Geehrten.

Text und Foto: Gesine Werner Text und Foto: Gesine Werner WIESBADENER

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Es geht hoch her auf dem KiKo-Jahrmarkt

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Foto: Reinhard Berg

om 14. bis zum 23.Juni fand in Wiesbaden die Aktionswoche „Wiesbaden Engagiert” statt, in dessen Rahmen lokale Unternehmen die Möglichkeit haben, soziale Projekte in der Region tatenkräftig zu unterstützen. Zwei davon haben wir genauer unter die Lupe genommen.

Projekten aus der unmittelbaren Wiesbadener Umgebung zu engagieren und sich in Teamarbeit vor Ort einzubringen. Dabei wird auf der einen Seite das Projekt aktiv unterstützt, während auf der anderen der Teamgeist gestärkt und neue Erfahrungen gewonnen werden – eine klassische Win-winSituation für alle Beteiligten.

Bereits seit 2005 veranstaltet das Amt für Soziale Arbeit in Wiesbaden die Aktionswoche, die zu Beginn nur aus einem Tag bestand und seither kontinuierlich gewachsen ist. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus lokalen Unternehmen bekommen die Gelegenheit, sich in verschiedenen gemeinnützigen

Über die Jahre ist daraus eine beispiellose Erfolgsgeschichte entstanden, die seit den ersten Aktionen bis heute 1005 Projekte und über 10.000 Teilnehmer vorweisen kann, wie uns Karoline Deissner, vom CC-Servicebüro im Amt für Soziale Arbeit stolz erzählt. Auf einer alljährlich im Frühjahr

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stattfindenden Projektbörse präsentieren die gemeinnützigen Projektanbieter den eingeladenen Kooperationspartnern ihre Vorhaben, die genauso unterschiedlich ausfallen wie die teilnehmenden Unternehmen: Sowohl mittelständische Betriebe als auch ‚global player‘ der Rhein-Main-Region entscheiden sich für ein oder mehrere Projekte, die von gemeinnützigen Einrichtungen, Schulen und Kitas, Jugend- und Behinderteneinrichtungen, Altenheimen, zahlreichen sozialen Vereinen sowie Naturschutzorganisationen geleitet werden. Innerhalb der Projektwoche engagieren sich die Helfer schließlich aktiv vor Ort, sei es mit logistischer oder körperlicher Unterstützung, und verbringen einen oder zwei volle Tage mit den gemeinnützigen Partnern. Wir haben zwei solcher Projekte einen Besuch abgestattet. Weitere Infos unter: www.wiesbaden.de/ aktionswoche

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Das Hochbeet nimmt Formen an!

Unser erster Ausflug führt uns ans Ende von Wiesbaden-Sonnenberg, das an jenem Mittwochmorgen noch etwas verschlafen wirkt. In der betreuten Wohngemeinschaft der EVIM Gem. Behindertenhilfe GmbH in der Rambacher Straße 31 herrscht dagegen schon absoluter Hochbetrieb. Das Integrationsunternehmen iba (individuelles betriebliches arbeiten e.V.), tätig im Reinigungsgewerbe, Instandhaltung, Haustechnik sowie Garten- und Landschaftspflege, errichtet im Garten der Wohngemeinschaft ein Hochbeet, das späDas kann sich sehen lassen

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Foto: Iris Kaczmarczyk

ter von den Bewohnern bepflanzt und gepflegt werden soll.

fertig und die Stimmung im Garten ausgelassen.

Das Hochbeet ist dabei so konzipiert, dass es von jedermann leicht zu erreichen ist, ohne sich ständig den Rücken verbiegen zu müssen. Die Helfer von iba haben nicht nur das neue Beet aufgebaut, sondern auch die Planung organisiert und die nötigen Gerätschaften bereitgestellt.

Sechs Menschen leben hier und werden aufsuchend, d.h. bedarfsorientiert betreut, da sie in Teilbereichen des Alltaglebens, nicht aber rund um die Uhr Hilfe benötigen. Das neue Beet ersetzt eine ältere, länger nicht mehr genutzte Fläche, die ungünstig neben einen größeren Baum gelegen war. Die Betreuer erhoffen sich, den Bewohnern damit den nötigen Anstoß für eine selbstständige Einrichtung und Instandhaltung eines kleinen Gemüse- und Kräutergartens zu geben, der dann von den Bewohnern genutzt werden kann. Die Idee scheint gut anzukommen: Herr K., der hier seit zwei Jahren wohnt und von einer „super Unterstützung” durch EVIM berichtet, erzählt bereits von den gemeinschaftlich geplanten Kräutern für das Beet und ihrer späteren Verwendung in der Küche. Auch der Bereichsleiter der iba, Herr Münzer, ist nach zwei Tagen harter Arbeit vollends zufrieden. Als wir gehen, setzten sich die Bewohner, Betreuer und engagierten Helfer gerade zum gemeinsamen Grillen zusammen.

Als wir von Julian Rosentritt von der EVIM Behindertenhilfe begrüßt werden, ist das Beet schon fast Foto: Iris Kaczmarczyk

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Hier ist Geschicklichkeit gefragt

Gegrillt wird auch eine Woche später auf dem KiKo-Jahrmarkt des Kindertreffs Kostheim. Seit 16 Jahren hat der gemeinnützige Verein, der mittlerweile über 250 Mitglieder zählt, seinen Sitz in der Kostheimer Hauptstraße 11 und organisiert, neben einem täglich stattfindenden offenen Treff, vor allem Kinderfeste, die nach verschiedenen Mottos gestaltet sind. Die Geschäftsführerin von KiKo, Corinna Bewersdorf, sowie Gründungsmitglied Birgitt Albrecht führen uns über das Gelände, das an dem heutigen Tag als Jahrmarkt mit zahlreichen liebevoll aufgebauten Attraktionen für die Kleinen gestaltet ist, inklusive eines mehrstöckigen Geisterhauses. Überall spielen lachende Kinder und klappern nach und nach die einzelnen Stände ab, während am Eingang die ersten Eltern erscheinen und frischen Kuchen für einen Spendenverkauf vorbei bringen. Seinen Ursprung hatte der Kindertreff einst in einer Bürgerinitiative, mittlerweile ist er fest in Kostheim etabliert und wird von Familien und Kindern der Nachbarschaft beinahe täglich besucht, ob privat oder als 50

Foto: Reinhard Berg

Besucher auf einem der Feste. Ein von der Stadt finanziertes Team aus Pädagogen, Psychologen und Lehrern arbeitet hier zusammen mit einem ehrenamtlichen Vorstand. In diesem Sommer unterstützen gleich mehrere Unternehmen den KiKo-Jahrmarkt: Hoffmann Service, tätig im Gewerbe Gebäudereinigung und Dienstleistungskonzepte und schon seit mehreren Jahren finanzieller Unterstützer von Kiko, hat sich um das Grillgut, Sachspenden und Laufpreise gekümmert, HS Gebäudereinigung, ebenfalls als Spender seit Jahren dabei, um Kuchen und Salate. Die Firma Mobile Rocks aus Mainz hat ein Kinderkarussell, wichtiger Bestandteil eines jeden Jahrmarktes, vor Ort aufgebaut, und Schülerpraktikantin Leonie hat sich um die Plakate und Flyer gekümmert. Das Resultat kann sich sehen lassen: Der Jahrmarkt ist gut besucht und wird begeistert von den Kindern angenommen. Zurück im Büro lässt sich festhalten, dass die Aktionswoche „Wiesbaden Engagiert” auch dieses Jahr wieder einmal ein voller Erfolg für die Stadt und allen Beteiligten ge-

wesen war. Zuweilen gewinnt man den Eindruck, die Unterstützung der Projekte läuft so eingespielt und reibungslos von der Hand, dass es sich über die Jahre schon zu einem Selbstläufer entwickelt hat, aber dabei übersieht man nur allzu leicht die bemerkenswerte Hingabe und Leidenschaft der Teilnehmer auf beiden Seiten, die das Ganze überhaupt erst möglich machen. Wir wünschen den Projekten und allen Teilnehmern, dass das noch viele Jahre so bleiben wird. Konstantin Mahlow

Infos & Anmeldungen für 2018: Landeshauptstadt Wiesbaden – Der Magistrat CC-Servicebüro Caroline Deissner Amt für Soziale Arbeit Abteilung Jugendarbeit 5104 Konradinerallee 11 65189 Wiesbaden Tel.: 0611 31-5466 Mobil: 0151 15196551 Fax: 0611 31-3952 E-Mail: cc-servicebuero@wiesbaden.de WIESBADENER

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Professor Dr. Thomas Münzel, Chefarzt am Zentrum für Kardiologie (Unimedizin Mainz) und Gründervater der Stiftung Mainzer Herz, feiert mit dem Herzball im Kurfürstlichen Schloß den 10. Geburtstag der Stiftung. Foto: Gesine Werner

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r ist ein Wiederholungstäter, uns Udo, der unkaputtbare Ausnahmerocker Udo Lindenberg. Schon wieder hat die Rocklegende sich engagiert und mal eben zwei Zeichnungen spendiert. Mit einem Selbstporträt gratuliert er der „Stiftung Mainzer Herz“ zum Jubiläum: „Prof. Thomas Münzel – 10 Jahre Mainzer Herzstiftung – Gratuliere, weiter powern! Euer Udo“. Mit der anderen Arbeit schickt er ein „Powerherz“ an den Rhein. Professor Dr. Thomas Münzel, Chefarzt am Zentrum für Kardiologie, Kardiologie I der Unimedizin Mainz und Initiator der Herzstiftung, ist der Rockmusiker aus seiner Zeit am UKE Hamburg bekannt. Ein Panikrocker läßt sich nicht lumpen und hat schon neun Bilder zur Versteigerung gestiftet. Sein jubilierendes „Powerherz“ war einem Bieter 12.000 Euro wert und erhöhte Udos bislang erzieltes Spendenergebnis auf 70.000 Euro. Rund 300.000 Deutsche erleiden jährlich einen Herzinfarkt, an dem 65.000 Erkrankte sterben. Der 2007 gegründeten Stiftung liegt logischerweise die Präventionsarbeit bei Kindern und Jugendlichen buchstäblich „am Herzen“, betont Gründervater Professor Dr. Münzel . Feiern für den Guten Zweck: Schon zum 8. Mal bittet die Stiftung Mainzer Herz zu ihrem „Herzball“ in das Kurfürstliche Schloß der Domstadt. Am 18. November wird mit dem Jubiläumsball der 10. Geburtstag der Stiftung zelebriert – in edlem Ambiente mit attraktivem Programm und exklusivem Menü. Die Band „Jammin Cool“ spielt zum Tanz auf. Wie im Vorjahr moderiert die Journalistin Lisa Ruhfuss aus Berlin das Programm und Frank Elstner, Kuratoriumsmitglied der Stiftung, zieht wieder einen ÜberraWIESBADENER

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schungsgast aus dem Hut. Professor Dr. Münzel präsentiert die Höhepunkte der 10 Jahre mit special guests. „Mit den erzielten Spenden werden die Leuchtturmprojekte der Stiftung - die „Kinderakademie Gesundheit“ und die „Gutenberg Gesundheitsstu-

1. FSV Mainz 05 Unterstützer gewonnen werden. 2017 haben sich unglaubliche 102 Schulklassen aus RLP, dem Saarland & Hessen beworben. 51 Schulklassen mit 1300 Schulkindern (auch aus Wiesbaden) können am Gesundheitsunterricht teilnehmen.“ Den Rekorderlös des letzten Jahres von 130.000 Euro möchte der Initiator „noch weiter steigern.“ Wiederbelebung ist ein Thema, das uns alle angeht. „Wir wollen den Kindern erfolgreiche Wiederbelebung beibringen.“ Die Herzstiftung bietet eine Kindervorlesung mit anschließenden Praxis-Übungen an: „Kinder retten Leben (kids save lives)“ mit Professor Dr. Bernd Walter Böttiger aus Köln, der als „Papst der Wiederbelebung“ gilt. Die Erwachsenenvorlesung „Erfolgreich wiederbeleben“ schließt sich an. Diese Doppelveranstaltung am 26. September beginnt um 16 Uhr (Unimedizin Gebäude 505, Hörsaal).

„Weiterpowern” mit dem Charity-Event Mainzer Herzball Stiftung Mainzer Herz feiert 10. Geburtstag mit dem „Herzball“ im Kurfürstlichen Schloß / Doppelvorlesung in der Unimedizin die“ als weltweit größte Präventionsstudie – gefördert.“ Vorstandsmitglied Professor Münzel berichtet: „Für die Kinderakademie konnten mit der AOK Rheinland-Pfalz/Saarland, mit „Together with friends“ und dem

www.herzstiftung-mainzer-herz.de Bei Interesse am Herzball: info@herzstiftung-mainzer-herz.de Gesine Werner

Der Herzball 2017 wird wieder von Lisa Ruhfuss moderiert und das Kuratoriumsmitglied Frank Elstner präsentiert einen weiteren Überraschungsgast im Schloß. Foto: Stiftung Mainzer Herz

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WIESBADENER

III/2017

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WIESBADENER 03/2017  

Das Magazin für Kunst, KulTouren und Lebensfreude

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