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Ankunft in einer komplett anderen Welt (20.08.2010, Manila Philippinen)  la u te n d i e e r s te n Ze il e n i n m e i n e m e r s te n Tagebucheintr ag auf den Philippinen. Mein Name is t Michael Gegenfur tner und ich habe als Sozialarbeiter von August 2010 bis Augus t 2011 ein Jahr in der philippinischen Haupt s t ad t Manila ver br acht . Meine Aufgabe bes t and dar in, Slumk inder z wischen vier und sechs Jahr en zu betr euen und ihnen die ›B a sics‹ in Lesen und Schr eiben zu ver mi t teln. W ä h r e n d m e i n e s A u s l a n d a u fe n t h a l t s h a t t e i c h Ze i t zu r eisen um da s L and, die Leu te und der en Kul tur näher kennen zu lernen. Bei dieser Gelegenheit bin ich auf die nördlichen Provinzen K alinga , Ifugao und Mount ain Province der Hauptinsel Luzon ges toßen, denen ich dieses B uch widmen möchte . Schon bei meinem er s ten Aus f lug dor thin war ich über wäl tig t von der Schönhei t und der unber ühr ten Natur dieser G ebiete . Seit der let z ten Reise in die Gegend der philippinischen Kor diller en is t viel Zei t ver gangen und trot zdem tr äume ich bis heu te noch davon , in diese Wel t fe r nab von jegliche r Zivilisation, zur ück zukehren. Die Menschen und deren Kul tur, die sei t Jahr t ausenden k aum ber ühr t wurde , sowie deren Lebensr aum, möchte ich in diesem Buch auch anderen Leu ten näher br ingen. Ich hof fe , ich k ann die B etr achter meines B uches auf eine Reise mitnehmen, die fer n unseres wes tlichen Horizonts lieg t . Somi t will ich auch A nr eiz ge be n , sich daf ür einzu set zen, dass solche Or te auch weiter hin ihren Plat z und ihre B er echtigung auf unser em Planeten haben! Viel Spaß beim Durchblättern und Lesen


dieses Buch?


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Inhalt Die Philippinen 6

Die philippinischen Kordilleren 56

Ifugao 70

Mountain Province 102

Kalinga 108

Traditionelle Tattoos 130


Die Philippinen Einführung Die Philippinen ( Filipino: Republika ng Pilipinas ) sind ein Staat und Archipel im westlichen Pazifischen Ozean und gehören zu Südostasien. Ihren Namen erhielten sie von dem Entdecker › Ruy López de Villalobos ‹, der die Inseln zu Ehren des spanischen Infanten › Philipp Las Islas ‹ Filipinas nannte. Der Archipel, der sich vom 5. bis 21. Grad nördlicher Breite und von 117. bis 125. Grad östlicher Länge erstreckt, bildet nach Indonesien, Madagaskar, Papua - Neuguinea und Japan den fünftgrößten Inselstaat der Welt. Das Südchinesische Meer trennt die Inselgruppe im Westen von Vietnam, die Sulusee im Südwesten von Malaysia, die Celebessee im Süden von Indonesien. Im Osten erstreckt sich die Philippinensee. Die Philippinen bestehen aus insgesamt 7107 Inseln, von denen 3144 mit einem Namen benannt und etwa 880 bewohnt sind. Lediglich elf dieser Inseln haben eine Fläche von mehr als 2500 km². Die größten sind Luzon, Mindanao, Samar, Negros, Mindoro, Panay und Palawan. Nur etwa 1000 sind zudem größer als 1 km². Auf den Inseln fließen insgesamt 421 größere Flüsse und befinden sich 79 natürliche Seen. Die Küstenlinie der Philippinen hat eine Länge von 36289 Kilometer. Der Archipel wird allgemein in drei Großregionen unterteilt: ·    Die Inselgruppe Luzon im Norden, die maßgeblich aus den Inseln Luzon, Masbate sowie Mindoro besteht · Die Inselgruppe der Visayas in der Mitte, die unter anderem die Inseln Palawan, Negros, Cebu, Leyte, Samar und Bohol umfasst ·   Die Inselgruppe Mindanao im Süden, die sich aus der Insel Mindanao, der Insel Basilan sowie dem Sulu-Archipel mit der Insel Jolo zusammensetzt

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Reiser nte in Batad Ifugao

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Im Kern sind die Inseln die Spitzen von über den Meeresspiegel aufragenden submarinen Gebirgsketten, an der Grenze zweier Kontinentalplatten, der ›Philippinischen ‹ und der ›Eurasischen ‹. Großräumig gesehen sind die Philippinen Teil des ›Pazifischen Feuerrings ‹ mit Erdbeben und Vulkanismus als häufigen Begleiterscheinungen dieser Lage an der Plattengrenze. Es existieren derzeit etwa 20 aktive Vulkane, von denen der ›Pinatubo ‹ und der ›Mayon ‹, beide auf Luzon gelegen, in den letzten Jahren besondere Aktivität zeigten. Die höchste Erhebung der Philippinen ist der Berg › Apo ‹. Östlich der Inselgruppe verläuft der Philippinengraben, der mit einer Tiefe von bis zu 10.540 m einer der tiefsten Tiefseegräben der Erde ist. Als Folge von Seebeben können riesige Flutwellen, Tsunamis, an den Außenriffen der Philippinen entstehen. Zwischen den Inseln befindet sich eine Vielzahl von Binnenmeeren und Golfen, die durch Meerstraßen verbunden sind. Die wichtigsten Binnenmeere sind die Sibuyan-See, Samar-See, Visayas-See, Mindanaosee und Camotes-See.

Klima Das Klima der Philippinen wird vor allem durch die Nähe zum Meer geprägt, denn kein Ort ist weiter als 200 km von der Küste entfernt. Das Klima der Philippinen lässt sich als zumeist tropisch und in den höheren Lagen der Gebirge als subtropisch Taifune wie auch bezeichnen. Die durchschnittliche Jahrestemperatur tropische Stürme auf den Philippinen wird mit 26.5  °C angegeben. Die treten in den jährlichen Niederschlagsmengen fallen sehr unterschiedlich aus. Die niedrigsten Niederschlagsmengen Philippinen das fallen in der Region um ›General Santos ‹ mit 965 mm gesamte Jahr auf und die höchsten in der Region um ›Infanta ‹ mit 4064 mm sowie in den zentralen und östlichen Teilen der Insel Luzon. Um die regionalen Klimata zu bestimmen wurde 1921 die ›Corona-Klassifikation‹ eingeführ t. Diese umfasst vier unterschiedliche regionale Klimatypen.

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Klimakarte der Philippinen Typ I erlaubt die Unterscheidung in eine Regen - und eine Trockenzeit. Die Regenzeit wird hierbei von Mai bis November festgelegt, wobei die stärksten Niederschläge von Juni bis September fallen. Dieses umfasst die Regionen Ilocos, den westlichen Teil der Mountain Province, den westlichen Teil der Region Central Luzon und Calabarzon, Metro Manila, Occidental Mindoro, die südlichen Gebiete der Inseln Panay und Negros sowie den Nordwesten der Insel Palawan. Im Klimatyp Typ II gibt es keine Trennung von Trocken - und Regenzeit, Niederschläge fallen das gesamte Jahr, wobei die Hauptniederschlagsperiode von Dezember bis Februar und die geringsten Niederschläge von März bis Mai stattfinden. Dieses umfasst die Regionen Cagayan Valley, den südwestlichen Teil der Region Calabarzon, den Polillo - Archipel, die Bicol Region, den Nordosten der Insel Samar, das südliche Leyte, Teile der Region Caraga und den Nordosten der Zamboanga Halbinsel. Im Klimatyp Typ III gibt es keine Trennung von Trocken - und Regenzeit, Niederschläge fallen das gesamte Jahr, wobei es keine Hauptniederschlagsperiode gibt, jedoch eine niedrige Niederschlagsintensität von Dezember bis März oder von März bis Mai. Dieses umfasst die Regionen des nordöstlichen Luzons, Teile der Region Cagayan Valley, die Provinz Bulacan, die östlichen Teile der Region Calabarzon, Oriental Mindoro, Romblon, Marinduque, den Norden und Nordosten der Insel Panay, Negros Occidental, Siquijor, Zamboanga del Sur, die zentralen und südlichen Teile der Insel Mindanao und des Sulu-Archipels.       Im Klimatyp Typ IV gibt es keine Trennung von Trocken - und Regenzeit, Niederschläge fallen das gesamte Jahr, wobei sich die Niederschläge gleichmäßig über das Jahr verteilen. Taifune und tropische Stürme treten in den Philippinen das gesamte Jahr auf, wobei hier eine klare Zweiteilung des Landes erkennbar ist. Der nördliche und östliche Teil der Inselgruppe wird in den Monaten Juli bis September regelmäßig von zum Teil heftigen Taifunen heimgesucht, die Windstärken von über 250 km/ h erreichen können. Der Rest der Inselgruppe wird über das Jahr von zum Teil heftigen tropischen Stürmen heimgesucht, die große Regenmengen über den Landmassen niedergehen lassen.

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Der ›Nor folk Baumfar n ‹ ist mit einer Höhe von bis zu 20 Meter n die größte Baumfar nar t der Welt .

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» Cyathea Brownii ist die lateinische Bezeichnung für den Norfolk Baumfarn. « ›LIFE ‹ Maga zin

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Tier - und Pflanzenwelt Vor 175000 Jahren, im Mittleren Pleistozän, war der Meeresspiegel so niedrig, dass eine oder mehrere durchgehende Landbrücken zu den umliegenden Regionen Asiens bestanden, die insbesondere von Tieren intensiv genutzt wurden, aber auch vom Homo Erectus und seit ca. 70000 Jahren vom modernen Menschen. Nach Wiederanstieg des Meeresspiegels wurden viele Lebewesen von den übrigen Arten isoliert, so dass sich die vielfältige Tier- und Pflanzenwelt entwickeln konnte. Heute wird Mikrobiogeographisch von dem Palawan – Busuanga –  Mindoro Archipel und dem nördlichen Luzon, Visayas – Mindanao, Halmahera, Molukken und Sulawesi Archipel unterschieden, so dass die Philippinen zusammenfassend zur › indo   – malaiisch – Philippinen Biogeosphärenzone  ‹ gezählt werden. Die philippinische Tierwelt ist der indonesischen sehr ähnlich. Auf den Philippinen existieren insgesamt über 5000 verschiedene Tier- und unzählige Insektenarten sowie 14000 verschiedene Pflanzen. Tamaraus, Carabaos, Papageien, Flughörnchen, Delfine, Krokodile, Schlangen, Koboldmakis, Schildkröten und Echsen zählen dabei zu den exotischsten. Auf den Philippinen lebt eine Vielzahl endemischer Tiere, darunter allein auf Palawan das Palawan-Schuppentier ( Manis oder Paramanis culionensis ), der Rotsteißkakadu (Cacatua haematuropygia), die hauskatzengroße Bengalkatze (Priohailurus bengalensis), der PalawanPfaufasan, die Palawan-Ratte und das Palawan-Bar tschwein. Nur auf den Philippinen verbreitet ist die Philippinenente, eine Art aus der Stockentengruppe. Weitere Tiere sind das Philippinen-Spitzhörnchen, die Mammutschnecke (Ryssota otaheitanader), der Philippinenadler und die Philippinen -Schwarzstrichtaube. Im küstennahen Meer findet man auch heute viele Korallenriffe mit einer weltweit einzigartigen Biodiversität an Fischen, Krustentieren und Weichtieren. 2010 waren laut den Behörden jedoch 96 Prozent aller Korallenriffe stark von der Korallenbleiche betroffen. An den davon weltweit bekannten Korallenriffen, wie dem Tubbatahariff, dem Aporiff und im Cagayan-Archipel haben die Cyanid- und Dynamitfischerei in der Vergangenheit große Schäden angerichtet. Die größte Artenvielfalt der Meeresfauna und - flora finden sich in der Isla Verde Passage, diese gilt als das › Center of the Center  ‹ der Biodiversität in den Meeren und Wasserstraßen der Philippinen. Die meisten Korallenriffe sind bis heute touristisch nicht erschlossen.

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Umweltschutz Die Philippinen sind eines der artenreichsten Ökosysteme der Welt und gehören zu den 17 artenreichsten Regionen der Erde, daher auch die Bezeichnung ›Megadiversityland‹. Doch der schnelle Bevölkerungswachstum und der damit verbundene Siedlungsdruck führen zum Raubbau an den natürlichen Ressourcen. Der Zustand der philippinischen Umwelt hat sich so sehr verschlechter t, dass die Regierung darauf mit anspruchsvollen Umweltgesetzen reagierte. Von diesen ist das Republikgesetz 7586, auch bekannt unter dem Namen › National Integrated Protected Area System ‹ (NIPAS), das anspruchsvollste in der Durchsetzung. Insgesamt wurden rund 35000 km² der Fläche der Philippinen als Naturschutzgebiete gemäß der Richtlinien des NIPAS-Gesetzes ausgewiesen. Von diesen sind rund 21300 km² terrestrische und 12700 km² marine Schutzzonen. Die Umweltgesetze der Philippinen sollen den Regenwald ebenso schützen wie das Meer mit seinen Korallenriffen, die Fischbestände, die endemischen Tierarten sowie die zur Eigenversorgung notwendigen Flächen der ör tlichen Bevölkerung. So wurden in den letzten Jahren, aufgrund des Bevölkerungs- Bei der Abfallentdrucks, die Klassifikation von 37 Nationalparks in sorgung stehen die ›Protected Landscapes ‹ und ›Natural Parks ‹ um- Philippinen noch gewandelt, so dass es oftmals eine Vielzahl von immer vor gewaltigen Bezeichnungen für die Naturschutzgebiete in der Literatur gibt. Auch soll durch den Ausbau des öffent- Problemen lichen Nahverkehrs die Luft in den Städten sauberer werden. Des Weiteren soll die Klärung der Abwässer gefördert werden, dafür wird jedes Jahr ein Preis für den saubersten Fluss der Philippinen vergeben. Bei der Abfallentsorgung stehen die Philippinen noch immer vor gewaltigen Problemen, da sich die Mehrzahl der Bevölkerung eine geregelte Abfallentsorgung nicht leisten kann. Trotz aller Probleme gehören die Philippinen zu den wenigen Ländern der Erde, die ihre Emissionen an Kohlendioxid signifikant senken konnten.

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Orchidee in ›Ujah‹ Ifugao

» Orchideen wachsen wie Unkraut in diesem Land . «

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Bevölkerung Die Bezeichnung für die Einwohner ist Philippiner bzw. Philippinerin, Eigenbezeichnung Filipino oder Filipina ( spanisch ) und Pinoy oder Pinay (Tagalog, Umgangssprache ). Die Gesamtbevölkerung liegt laut Zählung aus dem Jahr 2010 bei 92337852 Einwohnern.

Volksgruppen Sie setzt sich in der Mehrheit ( 95 Prozent ) aus ethnischen Gruppen zusammen, die › austronesische ‹ Sprachen sprechen, in sukzessiven Wellen aus Taiwan eingewandert sind und sich mit späteren Einwanderern aus Südchina vermischten. Sie können in vier große Gruppierungen unterteilt werden: ·      Christen, die durch die spanische Kolonialherrschaft geprägt wurden. Sie bilden mehr als 90 Prozent der philippinischen Bevölkerung ·     Moslems, die erst in der amerikanischen Kolonialzeit unterworfen wurden. Etwa 5 Prozent der philippinischen Bevölkerung gehören dazu ·     Stämme, die kaum vom Islam und den Spaniern beeinflusst wurden ·    Daneben besteht das Volk zu 1,5 Prozent aus Chinesen, die seit dem 9. Jahrhundert auf den Philippinen eine wirtschaftliche Rolle gespielt haben. Heute haben ca. 10 Prozent aller Filipinos in irgendeiner Form chinesische Vorfahren. Sie sind im Gegensatz zu den Chinesen in Indonesien stärker in die philippinische Gesellschaft integriert ·    Ethnisch gemischte Bevölkerungsgruppen machen weitere 1 Prozent der Bevölkerung aus und spielen aufgrund der Kolonialgeschichte weiterhin eine wirtschaftlich wichtige Rolle, obwohl die Chinesen ihnen zunehmend Konkurrenz bereiten. Neben malaiisch -  spanischen ( diese leben vorwiegend im Süden Mindanaos und sprechen eine spanische Kreolsprache, nämlich Chavacano ), gibt es auch etwa 300000 chinesische und rund 20000 japanisch - malaiische Filipinos. Offiziell leben nur noch 17000 spanischstämmige Filipinos im Lande

Tieflandvölker Die Idee einer philippinischen Identität entstand zuerst bei christlichen Tieflandbewohnern, die unter spanischer Kolonialherrschaft standen und im Konflikt mit dieser ein Nationalbewusstsein als Filipinos entwickelten.

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Über f ülltes Jeepney Kalinga

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Jeepneys sind ein beliebtes Transportmittel ╤

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Noch heute gibt es Spannungen zwischen den in allen Bereichen dominierenden christlichen Tieflandbewohnern einerseits, und den überwiegend muslimisch geprägten Hochlandbewohnern andererseits, die sich teilweise in bewaffneten Konflikten entladen. Unter den christlichen Tieflandbewohnern bilden die Tagalen, welche auf der Insel Luzon leben, die zahlenmäßig größte Gruppe. Sie machen 28,1 Prozent der Bevölkerung aus und ihre Sprache, das Tagalog, ist die Amtssprache der Philippinen. Weitere Gruppen sind die Cebuanos und Sugboanon (13,1 Prozent ), die Ilokanos ( 9 Prozent ), die Bisayas/Binisayas (  7,6 Prozent ), Hiligaynons oder Ilonggos ( 7,5 Prozent ), die Bikolanos ( 6 Prozent ), die Waray ( 3,4 Prozent ), die Pangasinans, die Kapampangans, die Waraynons, die Masbatenyos, die Ibanag und die Butuanons. Die Maranao, Maguindanao, Samal, Yakan, Badjo, Tausug und die Jama Mapun zählen zu den muslimischen Tieflandbewohnern, die vorwiegend im Süden und Westen Mindanaos und auf dem SuluArchipel leben.

Traditionelle Stämme Diese Stämme leben in unzugänglichen Hochländern, aber auch in abgelegenen Tieflandgebieten und auf entlegenen Inseln. Sie wurden nicht oder nur wenig von Spaniern oder Moslems beeinflusst. Folgende Gruppierungen können unterschieden werden ( insgesamt gibt es mehr als 100 Stämme ): ·     Auf Luzon leben die Apayao, Tingguian, Kalinga, Bontok, Kankanai, Ifugao, Ibaloy und die I- wak, die zusammenfassend auch Igorot genannt werden. Sie leben in Nordluzon an den Hängen der 2022 bis 2702 Meter hohen Berge und erbauten die legendären Reisterrassen ·     Die Ilongot leben ebenfalls auf Luzon ·    Auf Mindoro leben die Mangyan in sieben Stämmen, den Iraya, Alangan, Batangan, Tadyawan, Buhid, Hanunoo und Ratagnon, hauptsächlich im Landesinneren der Insel ·     Auf Palawan leben die Stämme der Palawanvölker : die Kagayanen in der Gemeinde Cagayancillo, die Molbog auf Balabak und anderen Inseln vor Palawan, die Tagbanuwa, die Batak und die Tau't Batu. Dabei wird für all diese Stämme auch zusammenfassend die Bezeichnung › die Palawan ‹ verwendet. Ihre Siedlungsgebiete werden durch Straßenbau und eine Vielzahl von Minenprojekten bedroht

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Kinder aus dem Vier tel ›Binondo‹ Manila

·    In Mindanao leben die Mamanwa, Manobo, Manobo Bilit, Manobo, Tasaday, Mandaya, Mansaka, Kalagan, T ' boli und die Subanu. Sie werden zusammenfassend auch Lumad genannt ·     Die Badjao auf dem Sulu-Archipel, von denen viele in den letzten 50 Jahren nach Malaysia gewander t sind. Sie werden gerne mit den indonesischen Badjo verwechselt, da beide Gruppen als Seenomaden leben ·    Die Tumandok auf Panay : bis auf die Bergstämme in Luzon, die von den Amerikanern christianisiert wurden, sind diese Stämme weiterhin animistisch. Durch den Einfluss der Zivilisation und der Mehrheitsgesellschaft ist ihre kulturelle Identität akut bedroht

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Ureinwohner in aus Batad vor ihrem Haus Ifugao

Leben ist geprägt durch die Arbeit auf den Reisfeldern. « » Ihr

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Die Aeta ( auf Luzon ), Mamanwa ( auf Leyte und Mindanao in Surigao del Norte ), Ati ( auf Panay ) und andere negritische Ureinwohner der Philippinen sind genetisch mit den Bewohnern der Andamanen verwandt. Von ihnen gibt es nur noch etwa 30000. Sie leben in größeren Gemeinschaften auf verschiedenen Inseln, u.a. Luzon, Panay und Negros.

Sprachen Laut Ethnologen werden auf den Philippinen 171 Sprachen gesprochen; praktisch jede Region hat ihre eigene Sprache oder Dialekt. Die meisten Sprachen auf den Philippinen sind malayo -polynesische Sprachen, die einen Zweig der austronesischen Sprachen darstellen.

Philippinische Sprachen Tagalog ist die Amtssprache der Philippinen. Als Teil der austronesischen Sprachen ist Tagalog direkt verwandt mit dem Indonesischen und Malaiischen, Fidschianischen, Maori, Hawaiischen, Malagasy, Samoanischen, Tahitianischen, Chamorro, Tetum und den austronesischen Sprachen von Taiwan. ·     Tagalog wird vorwiegend auf der Insel Luzon gesprochen. Nur etwa 25 Prozent der Filipinos sprechen Tagalog, aber Filipino (Umgangssprache, die dem Tagalog ähnelt) wird von etwa 80 Prozent gesprochen und verstanden. Tagalog wird im allgemeinen Sprachgebrauch, in TV- Stationen ( sogar Nachrichten ), Zeitungen und bei Radiosendern verwendet, aber auch in offiziellen Ansprachen wird ein Tagalog  - Englisch -  Gemisch ( ›Taglish  ‹ ) benutzt. Teilweise werden auch spanische Wörter verwendet. ·     Weitere elf Sprachen werden von mindestens einer Million Menschen gesprochen: Cebuano, Iloko, Hiligaynon oder Ilonggo, Bikol, Waray Waray, Kapampangan, Pangasinan, Kinaray -  a, Maranao, Maguindanao und Tausug. Diese zwölf Sprachen werden von mehr als 90 Prozent der Bevölkerung gesprochen. ·       Cebuano, nach Tagalog die wichtigste philippinische Regionalsprache, wird von 15 Prozent der Bevölkerung vorwiegend im Süden, in Zentral -Visaya sowie im Norden und Westen Mindanaos gesprochen.

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Gemeinsam mit Hiligaynon, Waray -Waray ( mit 9 Prozent Sprachanteil ) und anderen zählt Cebuano zu den Visayassprachen. Eine weitere wichtige Regionalsprache ist Iloko (12 Prozent).

Philippinisches Spanisch Spanisch war bis 1973 eine Amtssprache der Philippinen und wurde zeitweise auch von etwa 10 Prozent der Bevölkerung gesprochen. Die meisten Spanischsprechenden waren Mestizen oder kamen aus der Oberschicht. An Universitäten wurde meist auf Spanisch unterrichtet, auch viele Zeitungen erschienen in dieser Sprache. 1901 wurden die Philippinen eine amerikanische Kolonie. Die Amerikaner führten Englisch als erste Amtssprache ein. So verlor Spanisch immer mehr an Bedeutung, auch der Unterricht fand bald nicht mehr auf Spanisch statt. Chavacano ist eine spanischbasierte Kreolsprache mit etwa 500000 Sprechern in Zamboanga, Cavite und Ternate.

Englisch Englisch kam erstmals 1898 auf die Inseln. Durch amerikanischen Einfluss ist Englisch neben dem Filipino heute die Durch amerikanischen zweite Amtssprache und wird von etwa 125000 Menschen (meis t Amer ik aner n) als Mu t ter - Einfluss ist Englisch heute sprache gesprochen. Für mehr als 50 Prozent der die zweite Amtssprache Filipinos ist Englisch eine wichtige Zweitsprache. Das Englische ist in Schulen ab der 3. Klasse und in den Hochschulen die Unterrichtssprache und unter anderem die Arbeitssprache in der Geschäftswelt.

Chinesisch Die chinesische Minderheit auf den Philippinen stammt zu 90 Prozent aus der Provinz Fujian und spricht damit Fukienesisch ( Min Nan ), wobei auch Hochchinesisch, Taiwanisch und Kantonesisch gesprochen werden. Aufgrund der Philippinisierungspolitik von Diktator Ferdinand Marcos, die die Nutzung des Hochchinesischen in chinesischen Schulen verbot, spricht die jüngere Generation vermehrt Tagalog untereinander.

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Religion Religionszugehörigkeit laut einer Volkszählung im Jahr 2000: Katholiken 81,04 Prozent, Muslime 5,06 Prozent, Protestanten 2,82 Prozent, Iglesia ni Cristo 2,31 Prozent, Unabhängige Philippinische Kirche ( Iglesia Filipina Independente/Aglipayan ) 1,98 Prozent, Siebenten -Tags -Adventisten 0,80 Prozent, United Church of Christ in the Philippines 0,55 Prozent, Zeugen Jehovas 0,50 Prozent. Zu den kleineren Religionen, die nicht mehr eigens im Ergebnis der Volkszählung angeführt wurden, zählen Mormonen ( laut Eigenangaben, die bei den Mormonen über der Volkszählung liegen, 0,6 Prozent ). Dazu kommen Animisten (besonders bei den indigenen Stämmen), Buddhisten ( meist Chinesen, wenige Filipinos ) und Hindus ( Inder ). Anders als Malaysia und der Westen Indonesiens wurden die Philippinen kaum vom Buddhismus oder Hinduismus geprägt. Es gab allerdings Handelsbeziehungen zu den Großreichen ›Sri Vijaya ‹ und ›Majapahit ‹, sowie einen regen Handel mit dem Kaiserreich China. Die alte ›Baybayin  - Schrift ‹ ähnelt der ›Kawi-Schrift ‹ aus Indonesien, die wiederum indische Vorbilder hatte.

Römisch - K atholische Kirche Die Mehrzahl der Filipinos ( nach ungefähren Schätzungen 83 Prozent ) sind Katholiken. Das Land ist das größte christlich geprägte Land in Südostasien. Die Katholische Kirche entstand auf den Die katholische Kirche Philippinen mit der Ankunft der Spanier 1521 und der hat heute einen großen Konvertierung von 800 Einheimischen auf Cebu, wo am Einfluss auf die Politik 31. März 1521 die erste Messe auf philippinischem Boden zelebriert wurde. Doch erst Ende des 16. Jahrhunderts und die philippinische beschlossen die Spanier, das ganze Land zu christianisieren, Gesellschaft um den aus dem Süden vordringenden Islam im Land zu schwächen. Bis dahin konvertierten nur wenige Filipinos zum Katholizismus. Seit 1590 kamen spanische und mexikanische Missionare des Jesuitenordens und andere katholische Orden auf die Insel mit der Aufgabe der Zwangsbekehrung der Einheimischen zum Katholizismus.

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Gottesdienste wurden meist in den jeweiligen Sprachen des Landes abgehalten, so sollte die Christianisierung erleichtert werden. Bis Mitte des 17. Jahrhunderts waren die Philippinen, mit Ausnahme des Südens und einiger Bergregionen, christianisiert. Die katholische Kirche auf den Philippinen hat heute, insbesondere in ländlichen Gebieten, einen großen Einfluss auf die Politik und die philippinische Gesellschaft. Auf den Philippinen wurde auch die größte Marienstatue der Welt errichtet. Die Marienstatue von Montemaria ist 102 Meter hoch, höher als die Freiheitsstatue in New York ( 96 Meter ) und die JesusStatue in Rio de Janeiro (100 Meter ). Täglich passieren ungefähr 200 Schiffe die Isla -Verde-Straße, von welcher aus die Statue zu sehen ist.

Islam Der Islam erreichte die südlichen Philippinen erstmals Ende des 14. Jahrhunderts und breitete sich bis zum 16. Jahrhundert auf den ganzen Philippinen aus. Heute ist er jedoch nur noch in Mindanao und auf den Inseln der Sulusee verbreitet. Etwa 4 Millionen Filipinos sind Muslime. Bis in die 1970er-Jahre spielte der Islam auf den Philippinen kaum eine Rolle. 1968 praktizierten nur knapp 20 Prozent der philippinischen Muslime den Islam. Seitdem erfuhr er jedoch einen Aufschwung. Viele philippinische Muslime wie auch ihre malaysischen und indonesischen Nachbarn wurden konservativer und nahmen die islamischen Regeln ernster. Viele muslimische Filipinos fühlten sich zudem eher Malaysia zugehörig als den überwiegend katholischen Philippinen. Zahlreiche Muslime wanderten daher nach Malaysia aus.

Einheimische Religionen Die ursprünglichen Religionen werden noch in vielen indigenen Stämmen gepflegt. Häufig haben sich auch alte Glaubensvorstellungen mit Christentum und Islam verschmolzen ( Synkretismus ). Volksglaube, Animismus und Schamanismus werden auch durch Personen vertreten wie dem ›Albularyo‹ ( auch Hilot, Manghihilot oder Manggagamot ), einem Heiler oder Medizinmann, oder dem › Babaylan  ‹ ( auch Mammalian ), einem religiösen Führer.

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Die ›UST‚ (Univer sity of Santo Thomas) in Manila besit z t ihre eigene katholische Kirche.

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Joan Gr ace Wilson, ehemalige Studentin

» Die University of Santo Thomas ist die grösste katholische Universität  der  Welt.«

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Geschichte Vorkoloniale Zeit Die archäologischen Ausgrabungsstätten im ›Cagayan Valley ‹, die im Norden der Insel Luzon liegen, widerlegten die frühere Annahme, dass die Philippinen ein weitestgehend isolierter Inselarchipel waren. Die ältesten menschlichen Artefakte konnten auf ein Alter von 1,7 Millionen bis 900000 Jahren datiert werden und stammen vom Homo Erectus. Die ältesten Fossilien des Homo Sapiens Sapiens wurden auf ein Alter von ca. 67000 Jahre datiert. Eine weitere bedeutende Ausgrabungsstätte liegt in Zentral Luzon, sie wird › Arubo  ‹ genannt. Bei den Ausgrabungen konnten Faustkeile aus der Jungsteinzeit geborgen werden, welche in das Zeitalter des ›Acheuleen‹ datiert wurden. Seit prähistorischer Zeit bewohnen ›Negritos ‹, genauer gesagt die Volksgruppe der ›Aeta‹, als ursprünglichste Bevölkerung die Philippinen. In der Zeit von 3000 bis 2500 v. Chr. wander ten austronesische Stämme von Taiwan her kommend südwärts ins Land ein und verteilten sich von dort aus weiter Richtung Süden. Diese Siedler schufen die ersten künstlerischen Darstellungen auf dem Gebiet der Philippinen. Diese sind als › Petroglyphen von Angono  ‹ bekannt geworden. Vom 7. bis zum 13. Jahrhundert kamen Teile der Philippinen unter den Einfluss von ›Sri Vijaya ‹ und später von ›Majapahit ‹. Bis heute sind Wörter aus dem Sanskrit in den philippinischen Sprachen erhalten. 1917 wurde in Mindanao eine indisch-malaiische Goldstatue aus der Majapahit-Zeit gefunden. Ein noch wichtigerer Beleg für die kulturelle Verbindung zum malaiischen Kulturraum stellt die › Laguna-Kupferplatte  ‹ dar, die aus dem 9. Jahrhundert stammt und in einer Mischung aus Sanskrit, Altjavanisch, Altmalaiisch und altem Tagalog geschrieben wurde, in einer Schrift, die der javanischen ›Kawi  - Schrift ‹ ähnelt. Südchinesische Händler hatten auf die Region ebenfalls einen großen Einfluss, was sich an zahlreichen Porzellanfunden aus der Zeit der chinesischen Song - Dynastie zeigt. Sie gründeten bereits im 9. Jahrhundert ›Tondo ‹ als Handelsniederlassung. Tondo wurde ab 1279 die Hauptstadt des Luzon - Reiches, das bis 1571 bestehen sollte. Andere weitreichende und langanhaltende Handelskontakte offenbarte die archäologische Ausgrabungsstätte ›Butuan‹ im nördlichen Mindanao. Die philippinischen Kaufleute nutzten den Bootstyp des ›Balangay‹

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auf ihren Handelsrouten, mit dem sie Malakka, Borneo, Ternate und Myanmar erreichen konnten. Ein anderer Schiffstyp war die Dschunke, von der eine vor der Insel Busuanga entdeckt wurde. Diese wird als › Lena Shoal ‹ Dschunke bezeichnet. Es wird heute angenommen, dass Tondo ein bedeutendes Zentrum für den Dschunkenhandel des Mittelalters und ein Drehkreuz für den Handel mit China darstellte. Wahrscheinlich kam in dieser Zeit der Buddhismus zusammen mit chinesischen Händlern auf die Philippinen und vermischte sich mit lokalen Traditionen. Auch ließen sich durch die Ausgrabungen in Butuan Handelskontakte mit Persien aus dem 9. Jahrhundert nachweisen. Der Islam kam bereits Ende des 13. , Anfang des 14. Jahrhunderts über Handelskontakte, die von arabischen Händlern gepflegt wurden, auf die südlichen Philippinen. Zusammen mit den Handelskontakten kamen auch malaiisch - muslimische Einwanderer auf den südlichen Inselarchipel. Die muslimischen Einwanderer brachten neben ihrer Kultur, Religion und Bildungswesen auch das politische Herrschaftssystem aus dem malaiischen Raum mit auf die südlichen Philippinen. Um 1390 erreichte ›Raja Baginda ‹ den Sulu-Archipel. Er war einer der ersten, die nachweislich missionarisch tätig wurden. Dieser stammte aus dem Adel der ›Minangkabau ‹ und soll ein Nachfahre des Propheten Mohammed gewesen sein. Ein anderer bedeutender Missionar des 15. Jahrhunderts war ›Serif Kabungsuan ‹. Er Um 1530 wurde stammte aus der Region Johor und war vor allem auf der Insel Mindanao tätig. In der Folge der verstärkten Ein- Maynilad (heute wanderung und Missionierung entstanden verschiedene Manila) als PalisadenSultanate, deren Herrscher sich als ›Rajahs‹ be- festung an der zeichneten. Die bedeutends te Gr ündung eines Mündung des Flusses Sultanats war die des Sultanats von Sulu mit einer Hauptstadt auf der Insel Jolo. Es entstand um 1450 durch die Pasig in die Krönung von ›Abu Bakr ‹, der der Überlieferung nach die Manilabucht gegründet Tochter des ›Raja Baginda ‹ heiratete. Abu Bakr selbst stammte aus Palembang auf der Insel Sumatra. Zusammen mit anderen Einwanderungswellen ab Mitte des 15. Jahrhunderts aus dem malaiischen Raum verbreitete sich der Islam bis in die Küstenregionen der Insel Luzon. Um 1530 wurde ›Maynilad ‹ ( Manila ) als Palisadenfestung an der Mündung des Flusses Pasig in die Manilabucht gegründet. Die Gründer von Manila, malaiische Rajas aus Brunei, wählten einen bislang unbesiedelten Ort, der bis zur spanischen Eroberung im Jahre 1571 auf 10000 Einwohner wuchs.

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Einkaufss tr aße in ›Quiapo‹, einem Stadt vier tel von Manila .

» Manila

ist heute mit geschätzten 12 Millionen Einwohnern die boomende Hauptstadt der Philippinen . «

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Spanische Kolonialzeit Christianisierung Als die Spanier 1565 die Philippinen als ihre Kolonie beanspruchten und es somit Neuspanien angliederten, war der Islam noch nicht tief verwurzelt, so dass es ihnen nicht schwerfiel, auch die muslimische Bevölkerung zum Christentum zu bekehren. Außerdem wurde die Christianisierung der Philippinen weitgehend friedlich durchgeführt, unter anderem wurden animistische Praktiken weitgehend geduldet, von denen einige bis heute überlebt haben. Der Buddhismus, der vermutlich neben dem Islam im 16. Jahrhundert die vorherrschende Religion auf den Philippinen war, wurde bald nur noch von der chinesischen Minderheit praktiziert. Angesichts ihrer Niederlage gegen die Spanier im Jahre 1571 konvertierten die Rajahs von Manila, ›Rajah Sulayman ‹, ›Rajah Lakandula ‹ und ›Rajah Matanda ‹ zum Katholizismus. Dafür durften sie einige Privilegien behalten und wurden ins koloniale Herrschaftssystem integriert. Durch die weitgehende Einbindung der einheimischen Häuptlinge in das koloniale Herrschaftssystem entstand die soziale Schicht der ›Principalia  ‹, die als Mittelsmänner und Nutznießer des Kolonialsystems diese über Jahrhunderte festigten. Ein anderer sehr wichtiger Machtfaktor in der philippinischen Kolonie waren spanische Mönche und Priester. Aufgrund ihrer Rolle in der Missionierung und in den späteren Gemeinden waren sie oft die einzigen Spanier, die eine einheimische Sprache beherrschten. Sie lebten im Gegensatz zu den Kolonialbeamten, die nur auf Zeit im Lande waren, mehrere Jahrzehnte im Land. Sie wurden als Vermittler unverzichtbar und somit sehr mächtig. Im Süden der Philippinen war der Islam zum Zeitpunkt der Ankunft der Spanier bereits tiefer verwurzelt, so dass die dortigen Moslems, von den Spaniern ›Moros ‹ genannt, nicht das Christentum annahmen.

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Ich selbs t habe als Sozialar beiter in dem Vier tel ›Binondo‹ in Manila gear beitet. Die Zus tände vor Or t sind schockierend.

Koloniale Wirtschaft In der frühen Kolonialzeit bildete der Galeonenhandel zwischen Manila und Acapulco die wichtigste Einnahmequelle für die Kolonie. Silber aus den Minen der neuen Welt wurde von Acapulco nach Manila verschifft und dort benutzt, um chinesische Waren wie Seide und Porzellan zu kaufen. Da bis zum 18. Jahrhundert nur die Portugiesen mit Macao das Recht hatten, die chinesische Küste direkt anzusteuern, war man auf chinesische Händler angewiesen, die sich in einem eigenen Viertel vor Manila ansiedelten, dem heutigen Binondo, wo sich auch heute die Chinatown von Manila befindet. Im frühen 19. Jahrhundert änderte sich die wirtschaftliche und politische Situation. Mexiko wurde unabhängig, so dass die Philippinen nicht mehr zu Neuspanien gehörten, sondern zum ersten Mal direkt von Spanien aus verwaltet wurden. Der Galeonenhandel nach Acapulco war nicht mehr möglich und wurde 1815 eingestellt. Die Philippinen wurden nach und nach dem Welthandel geöffnet, so dass für Teile der einheimischen ›Principalia  ‹ sowie Mestizen der Wohlstand ermöglicht wurde. Einige konnten daher ihren Kindern ein Studium, oftmals sogar in Europa, finanzieren. Es entstand die Schicht der › Ilustrados  ‹, die durch neue, freiheitliche Ideen aus Europa beeinflusst wurden.

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»Binondo

ist heute eines der

ärmsten Viertel Manilas.«

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Ar tur Chr zanowski, Sozialar beiter

»Bis heute leben unzählige Filipinos in den Slums und Armutsvierteln Manilas.«

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›Parola‹, ein Slum im Her zen Manilas.

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Reformen und Revolutionen Die erste große Zäsur in der spanischen Kolonialherrschaft auf den Philippinen war die britische Invasion im Jahre 1762, die bis 1764 andauern sollte. In deren Folge entwickelten sich Aufstände in der Ilocos - Region und Pangasinan. ›Diego Silang ‹ führte einen Aufstand an und es gelang ihm 1763 die bedeutende Stadt ›Vigan ‹ einzunehmen. Er verbündete sich mit den Briten, doch hielten sich diese nicht an ihre Zusagen, so dass er am 28. Mai 1763 ermordet wurde. Seine Frau Gabriela führte den Aufstand fort, wurde jedoch im September 1763 verhaftet und hingerichtet. Im Jahr 1762 brach in der Provinz Pangasinan der ›Palaris -Aufstand ‹ aus, der zunächst ebenfalls erfolgreich war und erst 1765 niedergeschlagen werden konnte. In der Folge dieser Ereignisse wurde vielen Filipinos klar, dass die spanische Oberhoheit nicht ewig dauern könne. Von besonderer Bedeutung für die Philippinen war die Säkularisierungsbewegung innerhalb der katholischen Kirche, die von ›Pedro Pelaez ‹ in den 1850er -Jahren begründet wurde. Die Bewegung forderte die ›Philippinisierung ‹ der Kirche und eine Beschränkung der Macht der spanischen Ordensgemeinschaften. Die Bewegung war von liberalen Ideen geprägt, die die Gleichberechtigung von Filipinos und Spaniern forderte. 1868 fand in Spanien eine Revolution statt, so dass der liberale Gouverneur ›Carlos Maria dela Torre ‹ auf die Philippinen geschickt wurde, der liberale Reformen durchführte und unter anderem die Pressezensur abschaffte. 1871 war diese Phase jedoch vorbei. Insbesondere entfalteten die spanischen Mönchsorden auf den Philippinen wieder ihre Macht. Am 20. Januar 1872 brach im ›Fort San Felipe ‹ die ›Cavite Meuterei ‹ aus, die jedoch schnell niedergeschlagen wurde. In der Folge der Meuterei wurden jedoch die Priester ›Mariano Gómez ‹, ›José Burgos ‹ und ›Jacinto Zamora ‹ inhaftiert. Die spanischen Kolonialbehörden nutzten das Ereignis, um sich unliebsamer Zeitgenossen, die für ihre fortschrittlichen Ideen bekannt waren, zu entledigen. Die drei Priester wurden am 17. Februar 1872 hingerichtet, was einen Aufschrei des Entsetzens in der Bevölkerung auslöste. Die drei Priester sind bis heute als ›Gomburza  ‹ ein Begriff im Gedächtnis der Filipinos. ›José Rizal ‹ ( philippinischer Nationalheld ) gab später an, dass dieses Ereignis sein gesamtes Weltbild veränderte.

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Die Bezeichnung ›Filipino ‹, die früher nur für spanische ›Kreolen‹ benutzt wurde, wurde auf alle Einwohner des Landes ausgeweitet. Die ›Propagandabewegung ‹, die aus Europa von philippinischen Studenten und Exilanten betrieben wurde, sowie die kurzlebige ›La Liga Filipina  ‹, die kurz nach ihrer Gründung durch José Rizal in Manila sofort von den dortigen Behörden verboten wurde, hatten zunächst nicht die Unabhängigkeit der Philippinen zum Ziel, sondern Gleichberechtigung der Filipinos und philippinische Sitze in den spanischen ›Cortes ‹. Doch für einige ging dies nicht weit genug. Von 1896 bis 1898 fand unter der Führung des ›Katipunan‹ die ›Philippinische Revolution ‹ statt, die in ihrer Endphase praktisch in den ›Spanisch  - A merikanischen ‹ Krieg überging. Im Verlauf der Revolution wurde im Juli 1897 die erste provisorische Die USA erkannten Republik ausgerufen, die Republik von ›Biak -  na  - Bato  ‹. die junge philippinische Am 1. November des gleichen Jahres wurde die erste Republik nicht an provisorische Verfassung der Philippinen verabschiedet, die am 15. November in Kraft trat. Die Republik und bekämpften sie wurde jedoch mit der Unterzeichnung des Vertrages von Biak-na-Bato in San Miguel zwischen der philippinischen und der spanischen Partei am 15. Dezember 1897 wieder aufgelöst.    Bereits zu Beginn der Auseinandersetzung zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten wurde die spanische Flotte durch amerikanische Schiffe in der Schlacht in der Bucht von Manila vernichtet. Ein Großteil des Landes war jedoch zu diesem Zeitpunkt bereits unter philippinischer Kontrolle, worauf am 12. Juni 1898 die philippinische Unabhängigkeitserklärung erfolgte, welche weder von der alten noch der neuen Kolonialmacht anerkannt und vom Rest der Welt gar nicht erst wahrgenommen wurde. 1899 folgte die Konstitution der ersten philippinischen Republik.

Amerikanische Kolonialzeit Die USA erkannten die junge philippinische Republik nicht an und bekämpften sie im ›Philippinisch-Amerikanischen Krieg ‹ von 1899 bis 1902 massiv. Etwa eine Million Filipinos (20 Prozent der Gesamtbevölkerung) kamen während dieser Zeit ums Leben, und das Land wurde zur amerikanischen Kolonie. Unterstützung erhielten die philippinschen Revolutionäre lediglich aus Hongkong .

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Bereits am 20. Januar 1900 wurde die › Schurman-Kommission ‹ von › McKinley ‹ berufen. Sie sollte Vorschläge für einen Übergang zu einer zivilen Kolonialverwaltung ausarbeiten. Diese Ergebnisse wurden im Januar 1901 vorgelegt. Im März 1901 wurde daraufhin ›William Howard Taft ‹ zum Vorsitzenden der nach ihm benannten ›Taft-Kommission ‹ berufen und auf die Philippinen entsendet, um eine zivile Kolonialverwaltung zu etablieren. Er baute den Obersten Gerichtshof der Philippinen auf, zu dessen ersten Vorsitzenden ›Cayetano Arellano ‹ 1901 berufen wurde. Außerdem ist ein öffentliches Bildungswesen etabliert worden. Es wurden auch Vorbereitungen getroffen um eine Zweikammer-Legislative zu schaffen. Die Taft-Kommission bildete nach Vorbild des US-Systems das Oberhaus und die ›Philippinische   - Versammlung ‹ das Unterhaus, erste Wahlen zu letzterer wurden am 30. Juni 1907 durchgeführt und am 16. Oktober im ›Manila Grand Opera House ‹ konstituiert. 1904 wurde im Süden der Philippinen, der von den Spaniern nie ganz erobert werden konnte, von den Amerikanern die › Moro Province  ‹ gegründet und militärisch kontrolliert. Dadurch kam es zum ›Moro Amerikanischen ‹ Krieg, der von 1903 bis 1913 andauerte und durch den US-General ›John Pershing ‹ beendet werden konnte. So wurde aus der in spanischer Zeit eher formellen Zugehörigkeit der Moslemgebiete zu den Philippinen eine faktische. Auf der Insel Mindanao wurden große Monokulturen amerikanischer Konzerne angelegt, wie zum Beispiel Ananasplantagen. Es kam in den 1920er - und 1950er - Jahren außerdem zu staatlich geförderten Siedlungsprogrammen, bei denen Christen aus dem Norden und aus der Mitte der Philippinen in den Süden gebracht wurden. Der heutige Konflikt im Süden der Philippinen hat seine Wurzeln in dieser Zeit. Mit Inkrafttreten des ›Philippine Autonomy Acts ‹ 1916 wurden den Filipinos mehr Aufgaben übertragen, dazu löste die philippinische Legislative das bisherige Parlamentssystem ab, so dass man ab diesem Zeitpunkt von einem halbautonomen Status der Philippinen sprechen kann. In diesem Zweikammersystem waren nunmehr nur noch Filipinos vertreten. 1935 gab es den Beschluss einer Teilautonomie für die Philippinen mit dem Ziel der Unabhängigkeit bis 1945. Kurz darauf wurde die Einwanderung von Filipinos in die USA erheblich eingeschränkt. ›Manuel Quezon ‹ wurde Präsident des ›Commonwealth der Philippinen ‹. Das Parlament ist auf der Nationalversammlung auf ein Einkammersystem reduziert worden. 1940 wurde sich wieder auf ein Zweikammersystem

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verständigt und der ›Commonwealth Kongress ‹ entstand. 1937 ist das Frauenwahlrecht durchgesetzt worden und von diesem Zeitpunkt an konnten sich Frauen auch für politische Ämter bewerben. Quezon holte sich später ›Douglas MacArthur ‹ als Militärberater hinzu, der beim Aufbau eigener philippinischer Streitkräfte half. 1941/42 kämpften philippinische und amerikanische Soldaten vergeblich gegen die eindringende japanische Armee. Von 1942 bis 1945 wurden die Philippinen im Zuge des Zweiten Weltkriegs von Japan besetzt. Etwa eine Million Filipinos starben durch das brutale Besatzungsregime der japanischen Armee, etliche Städte sind in Schutt und Asche gelegt worden. Am 4. Juli 1946 wurden die Philippinen offiziell in die Unabhängigkeit entlassen. Die USA behielten einige Jahrzehnte lang wirtschaftliche Sonderrechte und militärische Stützpunkte auf den Philippinen und spielen bis heute eine wichtige Rolle in der philippinischen Politik.

Auf den Kalk s teintafeln des ›Amer ican Cemeter y‹ sind 36285 Namen von Per sonen eingr avier t, die bis heute ver miss t werden. Allesamt sind Opfer des Zweiten Weltk r iegs auf den Philippinen.

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Der American Cemetery in

Manila 40


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615000   Quadratmeter Fläche beherbergen die größte US    amerikanische Gräberstätte des Zweiten Weltkriegs.

17206 Soldaten liegen hier begraben.

36285     Personen werden bis heute vermisst.

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Philippinische Republik Nach der Unabhängigkeit galt zunächst einmal die Verfassung von 1935 weiter, in der die Philippinen eine Präsidialrepublik nach amerikanischem Muster waren. Der Einfluss der USA blieb weiterhin sehr groß, unter anderem ließen sich die USA am 14. März 1947 für die Dauer von 99 Jahren die Hoheitsrechte über 23 Militärstützpunkte garantieren. Die Philippinen entsandten wiederum 1951 fünf Bataillone in den Koreakrieg, um den USA zu helfen. Gegen Aufstände durch die kommunistischen › Hukbalahap  ‹, einer ehemaligen Widerstandsbewegung gegen die japanische Besatzung, gab es von den USA Ausrüstung und amerikanische Militärberater, unter anderem den CIA-Agenten ›Edward Lansdale ‹, der später in Vietnam eine wichtige Rolle spielen sollte. Um den Aufstand zu entschärfen, wurde in den 1950er - Jahren die Umsiedlung armer Bauern in den Süden der Philippinen verstärkt gefördert. Im Jahre 1963 kam es zu einem Konflikt mit Malaysia, da die Philippinen ›Sabah ‹ als früheren Bestandteil des Sultanats von Sulu beanspruchten. Diese Problematik ist bis heute nicht gelöst. Aufgrund von Konflikten zwischen christlichen Siedlern und muslimischen Einheimischen kam es in den 1960er - Jahren immer mehr zu Konflikten im Süden der Philippinen. 1968 wurden einige muslimische Armee  -Rekruten erschossen, die sich weigerten, an einer Geheimoperation zur Rückeroberung Sabahs teilzunehmen. Als Reaktion auf dieses Massaker bildeten sich die ersten separatistischen Bewegungen auf den Südphilippinen. Im Jahre 1965 wurde der populäre junge Politiker ›Ferdinand E. Marcos ‹ zum Präsidenten gewählt. 1971 wurde Marcos als erster Präsident der Philippinen wiedergewählt, wobei die Wahl als solche sehr umstritten war. Im selben Jahr ließ Marcos eine verfassungsgebende Versammlung einberufen, um die veraltete Verfassung von 1935 zu ersetzen. Gegner von Marcos verdächtigten ihn deshalb des Versuches, die Beschränkung auf zwei Wahlperioden umgehen zu wollen. Ab 1970 hatte es Marcos außerdem sowohl mit dem ›First Quarter Storm ‹ zu tun, einer linken Studentenbewegung, die unter anderem seine Amtsführung, den pro- amerikanischen Kurs geißelte, als auch mit einer neuen maoistischen, kommunistischen Guerilla, der ›New People ' s Army ‹ ( NPA ) und der ›Alex Boncayao-Brigade ‹ ( ABB ).

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Die Marcos-Diktatur Im Jahre 1972 gab es eine Serie von Bombenanschlägen, von denen man allerdings heute vermutet, dass sie von Militärs durchgeführt wurden, um Marcos einen Vorwand für das ›Kriegsrecht ‹ zu liefern. Am 21. September 1972 erklärte Marcos das Kriegsrecht, ließ Oppositionszeitungen und - s ender schließen und veranlasste die Inhaftierung zahlreicher Oppositioneller. 1973 ließ er eine neue parlamentarische Verfassung ratifizieren. Das Kriegsrecht wurde zwar 1980 aufgehoben und es kam 1981 sogar zu einer Parlamentswahl. Bei dieser wird aber bis heute massive Wahlfälschung vermutet. Während der Marcos - Diktatur kam es zu massiven Repressalien gegen Oppositionelle. Manche wurden jahrelang in Untersuchungshaft gehalten, unter anderem der prominente Rivale › Benigno Aquino Jr.  ‹. Im Zuge der Bekämpfung der NPA kam es in manchen Provinzen zu Repressalien gegen die Landbevölkerung. Etliche Oppositionelle oder vermutete Kommunisten verschwanden entweder spurlos oder wurden schwer verstümmelt aufgefunden, eine Praxis, die vom Militär › salvaging  ‹ (erretten) genannt wurde. Unterdessen bereicherten sich Marcos, seine Frau Imelda und seine Freunde, während die Auslandsschulden der Philippinen immer weiter stiegen. Es wurde viel Geld für Prestigeprojekte ausgegeben, unter anderem für eine Herzklinik und einen Filmpalast. Am 21. August 1983 wurde der Oppositionsführer Benigno Aquino Jr. bei dem Versuch das Land am Flughafen von Manila zu betreten, ermordet. Daraufhin entwickelte sich eine breite Oppositionsbewegung gegen Marcos, die dieser mit vorgezogenen Neuwahlen zu begegnen versuchte. Nach der gefälschten vorgezogenen Präsidentschaftswahl vom Februar 1986, demonstrierten mehr als eine Million Filipinos auf der › EDSA-Avenue ‹ in Manila und forderten Marcos  Rücktritt. Die katholische Kirche unterstützte die Demonstranten, woraufhin sich der Protest über das gesamte Land ausweitete und als › EDSARevolution ‹ in die Geschichte einging. Durch die Weigerung des Militärs, die Demonstration gewaltsam aufzulösen, sah sich Marcos am 25. Februar 1986 gezwungen nach Hawaii zu fliehen. Die Witwe des ermordeten Benigno Aquino Jr. und Oppositionsführerin, ›Corazón Aquino ‹, wurde am selben Tag als die neue Präsidentin vereidigt.

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Politik Am 11. Februar 1987 trat eine neue Verfassung in Kraft und seit 1987 sind die Philippinen wieder eine Präsidialrepublik. Der Präsident hat weitreichende exekutive Befugnisse und beruft das Kabinett ein. Der Kongress besteht aus Repräsentantenhaus und Senat. Vom 20. Januar 2001 bis zum 30. Juni 2010 war ›Gloria Macapagal  Arroyo  ‹ Staatsoberhaupt ( zuvor Vizepräsidentin ). Sie wurde am 30. Juni 2004 trotz verschiedener Vorwürfe massiver Wahlfälschungen, die in der Folgezeit noch bestätigt wurden, (  Tonbandmitschnitte der Fälschungsvereinbarungen, im weiteren Verlauf auch präzise Aussagen von reuigen Mitgliedern der Wahlkommission) erneut vereidigt. Am 18. November 2011 wurde gegen sie ein Haftbefehl erlassen. Ihr wurde vorgeworfen, die Ergebnisse der Senatswahl 2007 manipuliert zu haben. Macapagal Arroyo ist Nachfolgerin von › Joseph E. Estrada ‹, der Viele Politiker gehören nach Verlust seiner Machtbasis als Folge von Korruptionsauf den Philippinen einer vorwürfen und des Drucks von Demonstrationen seinen Amtssitz vorzeitig verlassen hatte. Die erst 2006 politischen Dynastie  an durchgeführten Vernehmungen entlasteten ihn jedoch weitgehend und wiesen vielmehr auf einen engen Vertrauten Arroyos hin, ›Chavit Singson ‹, Gouverneur von ›Ilocos Sur ‹, der für seine Geschäfte im Bereich des illegalen Glücksspiels schon bekannt war. Nach einer Verurteilung durch ein von ihm nicht anerkanntes Sondergericht (›Sandiganbayan ‹) gewährte ihm Arroyo ein › bedingungsloses Pardon‹. Eine sinnvolle Politik war deshalb zwischenzeitlich kaum möglich. Die Regierung musste sich ständig gegen neue Beweise ihrer Illegitimität wehren. Gleichzeitig war sie mit der Abwehr vermeintlicher oder tatsächlicher Putschversuche beschäftigt. Um beispielsweise eine öffentliche Ansprache an das Volk in Manila zu halten, benötigte die Präsidentin 2006 etwa 13000 Polizisten und Soldaten. Am 10. Mai 2010 wurden Wahlen (u.a. für das Präsidentenamt) auf den Philippinen durchgeführt. Dabei wurde in hohem Maß auf Computertechnik zurückgegriffen, um keinen Zweifel an den Ergebnissen der Wahl zuzulassen. Gleichwohl wurde die Bekanntgabe des endgültigen amtlichen Endergebnisses auch dieses Mal durch Vorwürfe der Wahlmanipulation überschattet. Techniker der beteiligten Firma haben die einfachen Eingriffsmöglichkeiten an den Wahlcomputern detailliert dargelegt.

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Am 30. Juni 2010 wurde ›Benigno Aquino III. ‹ als Präsident vereidigt. Die philippinische Politik ist sehr personenbezogen, so dass Par teien keine so große Rolle spielen. Viele philippinische Politiker gehören einer politischen Dynastie an. So ist zum Beispiel Macapagal-Arroyo, die Tochter des ehemaligen Präsidenten ›Diosdado Macapagal ‹, oder der Sohn von Ferdinand Marcos, ›Ferdinand Marcos Jr. ‹, auch ›Bong - Bong  ‹ genannt, Gouverneur / in der Heimatprovinz, und der Sohn des ehemaligen Präsidenten ›Ramon Magsaysay ‹ , ›Ramon Magsaysay Jr. ‹ , Senator. Vor allem Popularität und regionale Zugehörigkeitsgefühle zählen oft viel mehr als Sachthemen. In den letzten Jahren sind viele Schauspieler, ehemalige Basketballstars und ähnliche Medienpersönlichkeiten in die Politik gegangen. 2006 wurden die Philippinen für ein Jahr in den UN - Menschenrechtsrat (Council on Human Rights) aufgenommen. Eine Wiederwahl ist möglich, allerdings auch eine Abwahl wegen massiver Menschenrechtsverletzungen im eigenen Land. Das im Dezember 2006 in Cebu geplante Gipfeltreffen wurde kurzfristig angeblich wegen des Wetters abgesagt. Von der Opposition wurde jedoch auch die Angst vor Massenprotesten gegen Versuche, die Verfassung ohne entsprechende Verfahren zu ändern, angeführt. Anfang 2007 informierte sich der UN-Beauftragte ›Philipp Alston ‹ über die umstrittene Menschenrechtslage. Nach anfänglichem Widerstand erhielt er den unveröffentlichten vorläufigen Bericht der so genannten › Melo-Kommission  ‹. Hier wird zum ersten Mal auch von offizieller Seite die Verwicklung des Militärs, besonders des ›Generals Palparan ‹, in die politischen Morde gegen Linke belegt.

Demokratiesituation Seit dem Ende der Marcosdiktatur hat es immer wieder politische Unruhen auf den Philippinen gegeben, so dass von einer stabilen Demokratie keineswegs die Rede sein kann. Im August 1987 und Dezember 1989 gab es Putschversuche des Oberst ›Gregorio Gringo   Honasan ‹. Im Jahr 2003 kam es zu einer Meuterei von Marinesoldaten unter Leutnant ›Antonio Trillanes ‹, bei der ein Hotel besetzt wurde. Die Soldaten gaben jedoch friedlich auf und wurden vor ein Militärgericht gestellt. Im Jahre 2006 gab es einen angeblichen Putschversuch, der zur Ausrufung eines Notstands durch Präsidentin Arroyo und einigen Verhaftungen führte.

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Kind in tr aditionller Kleidung Kalinga

» Indigene Völker sind heute Minderheiten. « 49


Sowohl Arroyo als auch Aquino kamen jeweils 2001 und 1986 aufgrund von Demonstrationen und durch Überlaufen führender Militärs an die Macht, so dass formal gesehen die Rechtsstaatlichkeit verletzt wurde. Im Jahr 2001 kam es zu Demonstrationen und zu Krawallen von ›Estrada-Anhängern ‹, die die neue Präsidentin durch Militär niederschlagen ließ. Es gab Tote und Verletzte. Bis heute ist die politische Situation sehr stark polarisiert. Die offensichtlich gefälschten Wahlen von 2004 und die in der Folge zahlreich politisch motivier ten Morde gegen Linke, aber auch Menschenrechtsaktivisten, haben die Situation zusätzlich erschwert. Die Wahlen 2007 brachten trotz massiver Einschüchterungsund Fälschungsversuche (internationale Beobachter fühlten sich sogar in Afghanistan sicherer ) einen Erdrutschsieg für die Opposition. Der wegen des Putschversuchs immer noch inhaftierte ›Trillanes ‹ gewann ohne jeden Wahlkampf einen Senatssitz. Am 29. November 2007 gelang es den Verantwortlichen des Putschversuches von 2003, während einer Anhörung das Gerichtsgebäude von Manila zu verlassen und sich nach einem Marsch durch die Innenstadt von ›Makati ‹ in einem Hotel zu verschanzen. Angeführt wurde die Gruppe von Antonio Trillanes und dem Brigadegeneral ›Danilo Lim ‹. Ein Aufruf an Soldaten, sich ihnen anzuschließen, blieb aber ohne Wirkung, und die Putschisten ergaben sich schließlich den Sicherheitskräften, als diese drohten, das Hotel zu stürmen. Am 23. November 2009 kam es in der Provinz ›Maguindanao ‹ zu einem Massaker an Zivilisten, bei dem 57 Menschen Am 23.11. 2009 ermordet wurden. Das Massaker stand im Zusammenwurden bei einem hang mit den Wahlen vom 10. Mai 2010. Der Hauptverdächtige aus dem ›Ampatuanclan‹ hat für die Massaker in Mindanao ehemalige Präsidentin Macapagal Arroyo u.   a. 2004 57 Menschen ermordet (Präsidentschaftswahlen) und 2007 (Senatswahlen) die Wahlen massiv gefälscht bzw. fälschen lassen. Die Opposition bekam jeweils 0 Stimmen. Der frühere Botschafter der Philippinen in den USA, ›Maceda ‹, verweist in einem Beitrag der oppositionellen ›The Daily  Tribune ‹ vom 11. Dezember 2009 darauf hin, dass schon zuvor 200 Morde und andere Gräueltaten von den Ampatuans in der Gegend verübt worden sind, ohne das bisher juristische Konsequenzen gezogen wurden. Der Regierung Arroyo wurde 2006 vorgeworfen, über 800 politisch motivierte Morde nicht aufgeklärt zu haben.

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Minderheitenkonflikte Vor der Ankunft der Spanier bestanden die Philippinen aus ›Barangays  ‹ (Gemeinden) verschiedener Völker und Stämme, die vielfältig untereinander vernetzt waren. Spanien kolonisierte den größten Teil des Archipels und in 300 Jahren entstand eine philippinische Mehrheitsidentität. In einigen Gebieten, wie in den philippinischen Kordilleren mit den Stämmen der ›Igorot ‹ im Norden und den Gebieten der ›Moro ‹ und ›Lumad im Süden ‹, wurden die Menschen kaum beeinflusst. Die spanische Kolonialzeit prägte die unter ihrer Kontrolle stehenden Menschen: die erlittene Ausbeutung, das feudale Wirtschafts system, später das halbfeudale ›Hazienda-System ‹, die zentralisierte Regierung, die christlichen und spanischen Einflüsse. Außerdem schaffte sie Minderheiten: die Menschen, die an der Peripherie der wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Veränderungen leben und ihre indigenen Traditionen bewahren.

Terror und Konflikte Vor allem im Süden Mindanaos kommt es immer wieder zu bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Rebellen der separatistischen › MNLF ‹ (Nationale Befreiungsfront der Moros), der islamistischen ›MILF‹ ( Islamische Befreiungsfront der Moros ) und Regierungstruppen. Die MNLF regiert heute die › Autonomous Region ‹ in ›Muslim Mindanao ‹ (deutsch: autonome Region im muslimischen Mindanao), während die islamistische MILF sich weiter für einen eigenständigen Moslem  - Staat einsetzt, der aus den Inseln Mindanao, Palawan, Basilan und dem Sulu-Archipel bestehen soll. Die ›Abu Sayaf ‹ sind wiederum eine terroristische Gruppe, die durch Entführungen und Anschläge bekannt wurde (Osama bin Laden soll Anhänger dieser Gruppe gehabt haben). Im Zuge dieser Auseinandersetzungen kommt es auch immer wieder zu terroristischen Angriffen, wie etwa den Bombenanschlägen auf den internationalen Flughafen in ›Davao City ‹ im Frühjahr 2003 sowie auf ein Hafenterminal in Davao etwa zur selben Zeit. Beide Anschläge forderten mehrere Todesopfer. Des weiteren kommt es immer wieder zu religiös begründeten Anschlägen auf christliche Kirchen. Aufgrund dieser Gefährdungssituation wurden unter anderem vom ›Deutschen Auswärtigen Amt ‹ in der Vergangenheit mehrmals Reisewarnungen für die Philippinen (speziell für Mindanao) herausgegeben.

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Es handelt sich nur sehr oberflächlich betrachtet um einen reinen Religionskonflikt. Eine andere der zugrunde liegenden Ursachen ist beispielsweise das von den Vereinigten Staaten durchgesetzte Landgesetz von 1903, das Christen gestattete, bis zu 23 Hektar Land zu besitzen, während der Landbesitz für die muslimische und nichtchristliche Bevölkerung auf 10 Hektar begrenzt war. Dieses Gesetz bildete nur einen Baustein einer andauernden systematischen Enteignungskampagne. In den 1950er - Jahren wurde die systematische Einwanderung christlicher Siedler nach Mindanao durch Der Bürgerkrieg auf die philippinische Zentralregierung in Manila gefördert. Die muslimischen Einwohner wurden damit in ihren Mindanao forderte ab angestammten Gebieten zur Minderheit. den Siebzigerjahren des 20. Diese Faktoren führten letztlich zu einem der Jahrhunderts bis 2002 nach größten vergessenen Kriege unserer Zeit : der BürgerAngaben der Weltbank krieg auf Mindanao forder te ab den 70er - Jahren des 20. Jahrhunderts bis 2002 nach Angaben der mindestens 120000 Opfer Weltbank mindestens 120.000 Opfer, die Mehrzahl von ihnen Zivilisten. Zahlreiche Versuche zu ernsthaften Friedensabschlüssen zu gelangen scheiterten unter anderem an einer fehlenden langfristigen Perspektive für die Region, die einen fairen Interessenausgleich aller Beteiligten und Betroffenen bieten würde.

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Stoff aus Mindanao Foto

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Schnit zereien aus ›Uhaj‹ Ifugao

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The spirit of the Philippine Cordillera ╤

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Landkar te der Provinzen der philippinschen Kordilleren

17° 0‘ N , 121° 30‘ O


Die philippinschen Kordilleren Allgemein Die philippinischen Kordilleren sind ein aus mehreren Gebirgsketten gebildetes Gebirge auf der Hauptinsel Luzon. Man unterscheidet die westliche Kordillere ( Z ambales  -  B erge), die mittlere Kordillere (Cordillera Central) und die östliche Kordillere ( Sierra Madre). Die zwischen der ›Sierra Madre ‹ und ›Cordillera Central‹ gelegenen ›Caraballo-Berge ‹ sind der zentral gelegene Gebirgsknoten der philippinischen Kordilleren.

Cordillera Central Die Cordillera Central ist das ausgedehnteste Bergland auf Luzon, es umfasst eine Fläche, die ein Sechstel der Gesamtfläche Luzons ausmacht, das entspricht 18300 km². Es entsteigt der großen Ebene Luzons und reicht bis an die Nordküste. Die Breite der Kordillere schwankt zwischen 60 und 90 Kilometer. Es verlaufen mehrere, kettenartige, fast parallel verlaufende Gebirgszüge in nord  - südlicher Richtung. Es lassen sich drei Hauptketten unterscheiden: Auf die westliche Küstenkordillere (Malayakette) folgen die Zentralkordillere (Cordillera Central ) und die ›Poliskette ‹ . Bei der im Westen verlaufenden Malayakette liegen die größten Höhen um 1800 Meter im Vergleich zur Hauptachse des Berglandes, der Zentralkordillere, die Höhen von über 2700 Meter aufweist. Bei der weiter im Osten verlaufenden Poliskette kommt es zu den höchsten Erhebungen der Hauptinsel Luzon mit dem › Mount Pulag ‹ ( 2922 Meter ). Alle Gebirgsketten erfahren nach Norden hin eine Abflachung bis auf 1000 Meter im Küstenbereich, die höchsten Erhebungen befinden sich im Südteil. Im Westen begleitet ein schmales Vorland die Kordilleren, im Osten flachabfallendes Hügelland.

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Aussicht auf die philippinischen Kordilleren Mountain Province

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Philippinische Kordilleren

Die Kordilleren sind dicht bewaldet und dehnen sich bis an den Fluss ›Cagayan ‹ aus. Der Cordillera Central entspringen zahlreiche Flüsse wie der Agno , der Abra  und der Rio Chico , die am Berg ›Data‹ ihre Quellen haben. Weitere große Flüsse sind der Abulug , der Amburayan und der Laoag . Im Tal des ›Magat-Rivers ‹ liegt der Magat-Stausee. Dieser ist der größte Stausee der Cordillera Central.

Geologie der Cordillera Central Die Cordillera Central setzt sich aus Graniten, Ergussgesteinen, Sandsteinen, Schiefertonen und Kalken zusammen. Das Grundgebirge tritt in einem zentralen Streifen zutage, es besteht jedoch keine Klarheit über die tatsächliche Ausdehnung. Im Westen und Osten schließen sich weiträumig vulkanische Ablagerungen an. In der Poliskette werden die ›Andesite ‹ ( feinkörniges vulkanisches Gestein) im Osten von Sandsteinen überlagert. Ihnen sind an zahlreichen Stellen jungtertiäre Kalke aufgelagert, vor allem auf den Höhen. Die Malayakette hingegen ist vorwiegend ›porphyrisch ‹ (das porphyrische Gefüge ist durch deutliche Größenunterschiede der Minerale im Gestein gekennzeichnet). Westwärts sind Sandsteine und Schiefertone angelagert. Es ergibt sich eine charakteristische Formenwelt in Abhängigkeit vom Gesteinsmaterial: ·  Ergussgesteine: allgemein unregelmäßige Formen herrschen vor. Die Horizontlinien sind unregelmäßig und gezackt ·   Sedimentdecken: hier sind lange und ruhige Linien charakteristisch ·  Kalkgebiete: es herrschen jungtertiäre Kalke vor   ; auf Gebirgshöhen finden sich flache, plateauähnliche Formen, die Anlage fand in der morphologischen Frühzeit des Gebietes statt. In der Regenzeit führen diese zur Sumpfbildung Den größten Flachformrest trägt die Cordillera Central auf Höhe des Berg ›Data ‹ und um › Baguio ‹. Anzeichen dafür, dass die Kordilleren relativ jung sind, sind Merkmale wie steile Hangformen und das Zurücktreten der Terrassenreste in den Tälern.

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Vic tor Bacculi, Tourguide

»Baguio City war wegen der kühleren Temperaturen zwischen 1910 und 1975 in den Sommermonaten Hauptstadt der Philippinen.«

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Philippinische Kordilleren

Caraballo-Berge Die Caraballo - Berge trennen die zentrale Luzon Ebene, in der der ›Pampanga  ‹ (drittlängster Fluss auf den Philippinen) fließt, vom CagayanTal. Man bezeichnet dieses kuppige, breitwinkelnde Bergland, welches Höhen von bis zu 1680 Meter erreicht, auch als zentralen Gebirgsknoten, da hier die Cordillera Central Nord - Luzons mit der Sierra Madre verknüpft ist. Die Caraballo - Berge bilden die Wasserscheide zwischen den Cagayan - Nebenflüssen und dem Pampanga.

Ostkordillere ( Sierra Madre) Die von Nordosten heranreichende Sierra Madre biegt weiter südlich um und wird nun als Ostkordillere bezeichnet. Der höchste Berg der Sierra Madre ist der 1850 Meter hohe Berg › A nacuao ‹. Wie die Sierra Madre und der zentrale Gebirgsknoten, die Caraballo - Berge, ist auch die Ostkordillere Luzons nur wenig erforscht. Grundgebirgsmaterial, Andesite und Kalke sind die wichtigsten Baustoffe. Die Höhe des Gebirges nimmt nach Süden hin allmählich ab, auch die Breite des Berglandes wird geringer. Südostwärts der › L aguna Bay‹ kann man nur noch von einem Hügelland sprechen. Das bedeutendste Naturschutzgebiet in der Sierra Madre ist der › Northern Sierra Madre Natural Park  ‹. Im Bereich der mittleren Sierra Madre befindet sich der ›Angat-Stausee ‹, dem über 90 Prozent des Trinkwassers für die Metropolregion Metro Manila entnommen wird.

Westkordillere ( Zambales -Berge) Die Zambales  -Berge bilden die Westfront der philippinischen Kordilleren. Die Formen der Berge sind sehr unterschiedlich. Im Norden, wo die Ausläufer in die den Golf von ›Lingayen ‹ im Westen begrenzende Halbinsel hineinziehen, befinden sich weiträumige Verebnungen im tiefliegenden Flachhügelland. In der Breite von Lingayen beginnt das eigentliche Bergland, dass sehr schnell Höhen von 1000 Metern erreicht. Die zentral gelegenen größten Erhebungen erreichen bis zu 2037 Meter am Berg ›Tapulao ‹.

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Klima Grobe Einteilung der Klimazonen der philippinischen Kordilleren: ·   Westküste (Zambales-Berge): Typisches südostasiatisches Monsunklima mit einer langen Trockenzeit von November bis Mai und einer intensiven Regenzeit von Juni bis Dezember ·  Landesinnere (Cagayan Tal ): Kurze Trockenzeit von März bis Mai und wenig intensive Regenzeit von Juni bis Februar ·  Ostküste (Sierra Madre): Keine ausgeprägte Trockenzeit, am meisten Regen fällt von November bis Januar

Kultur In dem Gebiet, das weitgehend mit dem Regierungsbezirk ›Cordillera ‹ zusammenfällt, leben eine Vielzahl indigener Stämme, wie zum Beispiel die ›Igorot ‹ , die ›Ifugao ‹  und die › Ibaloi ‹ . Die Ibaloi hatten bis zum Tage ihrer Christianisierung eine einzigartige Technik ihre bedeutenden Gesellschaftsmitglieder zu mumifizieren. Diese sind als ›Kabayan‑Mumien‹ bekannt geworden. Berühmt sind die bei Im zentralen Gebirgsstock der Cordillera Central finden Banaue gelegenen Reissich eine Vielzahl der ältesten kulturellen Zeugnisse des terrassen, die zum Menschen auf dem Gebiet der Philippinen: die sogenannten Weltkulturerbe der Petroglyphen (prähistorische Felsmalereien) von Bontoc sind als nationales kulturelles Erbe der Philippinen ein- UNESCO gehören gestuft worden. Die zentrale und östliche Kordillere beherbergt bedeutende Grabungsstätten, die zusammenfassend als ›Archäologische Ausgrabungsstätten im Cagayan Valley ‹ bezeichnet werden und eine Neubewertung der Besiedlungsgeschichte des Inselarchipels ermöglichten. Die bekanntesten Städte der Cordillera Central sind ›Banaue ‹ und ›Baguio ‹. Berühmt sind die bei Banaue gelegenen Reisterrassen, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Die Spanier konnten in der Kolonialzeit ihre Herrschaft in dem schwer zugänglichen Gebiet nicht durchsetzen. Nach der Unabhängigkeit setzte sich das Unverständnis zwischen der zentralen Regierung und den Igorot fort. Dies führte zur Bildung der Widerstandsbewegung ›Cordillera People's Democratic Front ‹ (CPDF) und zu gewaltsamen Vorfällen zwischen Regierung und den Igorot.

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›Tr icycle ‹ (meis t benut z tes For tbewegungsmit tel auf den Philippinen) in Banaue Ifugao

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Vic tor Bacculi, Tourguide

»Der Ort Banaue mit seinen 21000 Einwohnern ist als erster Anlaufpunkt für eine Reise in die philippinsche Kordillera perfekt geeignet.«

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Auszug aus dem Buch ›Long time ago in IfugaolandTimeless Folk tales for Children ‹ von Elizabeth Mamanglo.

Geschichten aus Ifugao » Apo Intanap  « » Children we are spending much for medicine and hospitalization. Yet I am not getting any better. I also heard you are planning to sell our rice field for the same purpose. Please stop your plan. You have spent all your savings. We better ask for my discharge tomorrow and go home. We leave everything to ›Maknongan ‹. Do not worry, I am already old  « , grandmother Intanap  said to her children . She had been sick of diabetes for a year and was back and forth to hospital. »Mother, we cannot go home yet until you get well «. One of her children, a nurse, said: »We need to sell the rice field for your medication. We can always buy another one when you get well «, she continued. » I cannot allow that  «, the old woman was getting irritated. »That is inherited property. You must treasure that as we did. I tell you it is useless to spend more on medicine. I am getting from bad to worse. We have thrown away over a hundred thousand pesos for what you call insulin injections and dialysis for nothing. That would have been very much less if we had ›baki ‹ (prayer ritual in general with pigs or carabaos as offerings and done in times of sickness or thanksgiving ) of even one or three pigs  «.

»Die

Geschichten der Ifugao

werden hauptsächlich

mündlich

überliefert. «

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Philippinische Kordilleren

»My dear Ina, › baki ‹ will not cure diabetes. It is medicine  « her nurse daughter insisted. This time the old woman kept quiet but they saw teardrops in her eyes. The other children cautioned their sister to shut up her mouth. Three of the elder children left the room to talk outside. »What our mother said is true  « the eldest brother said. »We are spending money uselessly. She is getting worse. Why don‘t we make our mother happy by giving into her long time wish. Each of us five children will buy a pig and have › baki ‹ the soonest possible time. « They called the rest and agreed. They were discharged from the hospital. Friends and neighbours paid visits to Apo Intanap   finding her sicklier than ever. The parish priest and town pastor also paid a visit and prayed with her. Everyone thought she was going to die. However, on the day five pigs were brought to their front yard, her face brightened. More so when her eldest grandson came forth with a carabao accompanied by four respected shamans to perform ›baki ‹. She greeted them and chewed ›betelnuts ‹. The › baki ‹ started in the late evening and was finished in the afternoon of the next day. Surrounded by their relatives, friends and neighbours, Apo Intanap  seemed to forget her sickness. She even partook of the meal after the ceremonies. She also tried to help monitor the distribution of the take home meat share. »See to it that each one has a share  « she said to her sons. Two months later, the town pastor and the parish priest took time one after the other to visit  Apo Intanap . A big surprise awaited them. It was unbelievable. The then thin and pale old woman regained her health. She was busy tending her sweet potatoe farm. »How are you? « the pastor said. »Oh, I am very much alright « she gladly answered. »Thank you for your prayers and the prayers of the shamans. You all prayed for me to be well. ›Maknongan‹ is merciful to those who call on him. Now I have just planted sweet potatoes. Next time you come they will be ready for snacks «, she added joyfully. Apo Intanap lived than expected and saw her great grandchildren.

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Statue eines Reisgot ts Ifugao

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Fr au in einem Jeepney Ifugao

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Ifugao Ifugao ist eine Provinz in der administrativen Region Cordillera, auf der Insel Luzon im Norden der Philippinen. Die Hauptstadt der Provinz ist ›Lagawe ‹. Ifugao dehnt sich auf 2517 km² aus und wird von ungefähr 180700 ( Stand vom 1. August 2007 ) Menschen bevölkert. Die Provinz ist berühmt für die Reisterrassen, die zum Weltkulturerbe gehören. Im Westen der Provinz liegen Teile des ›Mount - Data-Nationalpark ‹ auf dessen Gebiet. Im Tal des Magat-Rivers  , im Osten der Provinz, liegt der Magat-Stausee. Ifugao bedeutet in der Sprache der Einheimischen ›Menschen der Erde ‹.

Das Volk der Ifugao Bei den Ifugao handelt es sich um eine altmalaiische Ethnie, die in den schwer zugänglichen philippinischen Kordilleren auf Nord - Luzon lebt und zu den Igorot  gehört. Angaben über die Anzahl ihrer Mitglieder variieren stark. Die Ifugao betreiben bis heute traditionellen Bodenbau. Ihre Vorfahren legten ein System von Hangterrassen mit Kanälen zur künstlichen Bewässerung an, welches ihnen seit mehr als zweitausend Jahren zum Anbau von Nassreis dient. Wegen ihrer oft sehr geringen Fläche müssen die einzelnen Terrassen mit Grabstöcken bearbeitet werden. Der Reisanbau wird ergänzt durch die Kultivierung von Camote (Süßkartoffeln), Mung-Bohnen und Getreide. Die politische, soziale und wirtschaftliche Organisation beruht vor allem auf bilateralen Verwandtschaftsgruppen ohne formelle Führerschaft. Die Siedlungen von fünf bis zehn Gebäuden liegen über große Flächen verstreut, jeweils in der Nähe der zu bewirtschaftenden Terrassen. Tiere (vor allem Hühner und Schweine) werden vornehmlich für religiöse Zeremonien und Opferrituale gehalten. Die Priester der Ifugao berichten von mehr als 1500 verschiedenen Göttern, die unterschiedlichen Lebensbereichen zugeordnet werden wie Reisanbau, Kopfjagd, einzelnen Krankheiten usw. Die Ifugao besaßen lange Zeit keine Schrift, Mythen wurden mündlich überliefert. Erst im 20. Jahrhundert verschwand die Tradition der Kopfjäger aufgrund von neuen Gesetzen der Amerikaner. Noch heute leben die Ifugao weitgehend isoliert von der christlichen Majorität auf den Philippinen.

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Philippinische Kordilleren

Die Reisterrassen von Banaue Die Reisterrassen sind das wichtigste Kulturerbe der Ifugao, weshalb ›Bulol ‹, der Gott des Reises, diesen Reichtum beschützen soll. Ein Reispriester der Ifugao, genannt ›Mumbaki ‹, vollzieht dabei alle wichtigen Zeremonien, die den Reisanbau das Jahr über begleiten und eine gute Ernte garantieren sollen. Wenn die ersten Arbeiten im Reiszyklus beginnen, muss er drei Hühner schlachten. Das Blut der Hühner verrät, ob der Reisgott mit der Arbeit des Erntehelfers zufrieden ist. Der Anbau auf den Reisterrassen folgt dabei nach einem festen Prinzip: Jeder Stamm sichert sich das Recht auf eine Terrasse, das heißt, jedes Feld bleibt im Familienbesitz. Die Reisterrassen zählen zum Weltkulturerbe. Die Einheimischen nennen sie das achte Weltwunder oder ›Stufen zu den Himmelswelten ‹. Sie sind die ältesten Reisterrassen der Welt und wurden einst von den Ureinwohnern erschaffen.

Die Reisterrassen und UNESCO 1995 nahm die UNESCO die Reisterrassen von Banaue als Weltkulturerbe auf. Besonders eindrucksvoll sind die Terrassen um die nahegelegene Region ›Batad ‹. Sie werden auch das › Amphitheater  ‹ genannt, weil die Felder sich wie Stufen um das Dorf reihen. Nur sechs Jahre später kam die Landschaft auf die Rote Liste der gefährdeten Denkmale, denn die Mauern, die die Terrassenanlagen zusammenhalten, müssen ständig saniert werden. Die Arbeit ist anstrengend, Maschinen oder gar Wasserbüffel können nicht eingesetzt werden. Dafür sind die Felder zu klein und die Wege dorthin zu steil.

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Reisfelder in Batad Ifugao

» Reis

ist das Grundnahrungs mittel der Ifugao. «

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Die Reis ter r assen von Batad (das ›Amphitheater‹) Ifugao

» Die

ältesten Reisterrassen der Welt. «

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Die philippinische Bezeichnung für Hütte ist

» Kubo wird in Ifugao das traditionelle Haus ge nannt

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«


Batad Batad ist ein Dorf der Stadtgemeinde Banaue der Region Ifugao. Es liegt in den philippinischen Kordilleren und ist für die im UNESCO Weltkulturerbe aufgenommenen Reisterrassen bekannt.

Eine Reise nach Batad Von der philippinischen Hauptstadt Manila erreicht man Banaue mit dem Bus innerhalb von zehn Stunden. Banaue liegt etwa 1200 Meter über dem Meeresspiegel. Der Ort ist noch relativ unbekannt, vereinzelt trifft man ein paar Backpacker. Obwohl die Reisterrassen weltberühmt sind, hat der Tourismus die Ortschaft Banaue kaum vereinnahmt. In die Region Batad gelangt man am besten von Banaue aus mit dem typisch philippinischen Geländewagen, dem ›Jeepney‹. Die letzten acht Kilometer müssen allerdings zu Fuß über einen Berg zurückgelegt werden. Der große Aufwand wird aber belohnt, von hier aus hat man den wohl besten Blick über die Reisterrassen.

Das ›Ling Ling O‹ (in der Spr ache der Ifugao) wird tr aditionell von den Ureinwohner n der Kordiller a als Tat too, Ket te oder Ähnliches getr agen. Es bedeutet Wohls tand, Glück und Fr uchtbar keit.

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Auf dem Weg nach Batad mit dem Jeepney ╤

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Jeepney bei Batad

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Seit mehr als 20 0 0 Jahren betreibt das Berg volk der Ifugao den tr aditionellen Reisanbau auf den küns tlich angeleg ten Reis ter r assen von Banaue. Sie selbs t nennen ihre Reis ter r assen ›Stufen zu den Himmelswelten‹ oder auch ›achtes Welt wunder ‹ .

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Die Reis ter r assen von Batad bei Sonnenaufgang Ifugao


Philippinische Kordilleren

Das Ende der Ifugao? Zwar haben die Reisterrassen für die Ifugao einen hohen ideellen Wert, verschaffen ihnen aber nur ein geringes Einkommen. Eine wachsende Bevölkerung, Abholzung und Wasserknappheit bewirken, dass die meisten Bauern nicht mehr genug Reis produzieren können. Hinzu kommt, dass die Arbeit auf den Feldern sehr anstrengend ist, und oft nur ein - bis zweimal im Jahr geerntet werden kann. Viele Ifugao sichern sich daher ein zusätzliches Einkommen in der Tourismusbranche oder pflanzen an den steilen Hängen Süßkartoffeln. In den letzten Jahren brachte der geringe Ertrag der Reisfelder immer mehr junge Leute dazu, nach Manila und andere Städte auszuwandern.

Kinder aus Batad Ifugao

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Junge Reispf lanzen Ifugao

»Jung pf  lanzen werden zum Wachsen in den Schlamm gedrückt .«

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» Zweimal pro Jahr kann der Reis geerntet werden. «

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Er ntezeit Ifugao

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Reisbauer aus Batad

»Für die Ernte einer Reiszelle werden mindestens drei Arbeitstage benötigt.«

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Reiser nte in ›Buscalan‹ Kalinga

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»Die Reisterrassen haben einen sentimentalen Wert, sie sind das Erbe unserer Kultur und unserer Vorfahren.« Reisbauer aus Batad

»Mein Volk kann ohne die Reisterrassen nicht überleben.« Reisbauer aus Batad

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Reisbauer aus Batad Ifugao

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»Die Arbeit auf den Reisfeldern ist oftmals zermürbend und

einfältig.« Reisbauer aus Batad

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Reispar zellen bei Uhaj Ifugao

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Reisbauer beim Sanieren seiner Reispar zelle Ifugao

»Die Reparatur und Instandhaltung der einzelnen Reiszellen gilt als eine der wichtigsten Aufgaben für die Bewohner .«

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Far ne an den H채ngen der Reis ter r assen Kalinga

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» Erst wird der Reis vom Stengel gelöst und dann gestampft. «

Bündel von Reis nach der Er nte Ifugao

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Den Reis ter r assen droht der Ver fall inner halb der nächs ten 50 Jahre, da mehr und mehr Jugendliche nicht länger am Feld ar beiten wollen und Ar beit in Manila suchen.

» Den Reisterrassen droht der Verfall innerhalb der nächsten 50 Jahre. « ZDF Auslandsjour nal

Steinmauer n dienen als Befes tigung z wischen den einzelnen Reis ter r assen Ifugao

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Aussicht aus einer tr aditionellen H端t te Ifugao

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Str aĂ&#x;enar beiter aus Sagada Mountain Province

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Mit dem Jeep von Banaue nach Sagada ╤

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Philippinische Kordilleren

Sagada Sagada ist eine kleine Stadtgemeinde in der ›Mountain Province  ‹. Die Stadt liegt in einem kleinen Tal auf einer Höhe von ungefähr 1600 Meter. Sie hat geschätzte 11200 Einwohner und erstreckt sich auf einer Fläche von 83.3 km². 1995 gehörten 95 Prozent der Einwohner zum Stamm der › Kankan - ey  ‹, der zu den Igorot zählt.     Interessante Ausflüge zu den Bergstämmen in der Gegend von Sagada sind möglich. Bei Besuchen sollte man jedoch immer einen einheimischen Tourguide als Begleitperson buchen.

Anreise Die Anreise kann mit Bussen ab Baguio erfolgen. Die Fahrzeit von Baguio nach Sagada beträgt ungefähr sieben Stunden.

Die Fahr t von Baguio nach Sagada bietet atember aubende Panor amaausblicke in die Berg welt der Zentr alkordilleren.

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Sonnenaufgang in Sagada Mountain Mountain Province Province


Sagada is t f ür die sogenannten ›Hängenden Särge‹, einer ur spr ünglichen Begr äbnisfor m, bekannt. Einwohner, die mindes tens in der dr it ten Gener ation aus Sagada s tammen, werden zum Teil bis heute in ›Hängenden Särgen‹ bes tat tet. Die Igorots dieser Region wollen nicht unter der Erde liegen, denn sie glauben, dass die Seele der Toten unter der Erde er s tick t. Die Seele der Ver s tor benen soll kommen und gehen können, wie sie möchte.

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»Sagada ist

bekannt für das Echovalley, einer Schlucht, in der die

Hanging Coffins

zu sehen sind . «

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Beim Wandern in der Gegend von Sagada Mountain Province

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Philippinische Kordilleren

Kalinga Kalinga ist eine landumschlossene philippinische Provinz in der administrativen Region ›Cordillera ‹. Sie hat geschätzte 174000 Einwohner und erstreckt sich über eine Fläche von 3164.3 km². Die Hauptstadt ist ›Tabuk City ‹. Der ›Balbalasang - Balbalan - Nationalpark ‹ liegt im Nordwesten der Provinz. Im Uhrzeigersinn grenzt sie an die Provinzen Mountain Province im Süden, Abra im Westen, Apayao im Norden, Cagayan im Nordosten und Isabela im Osten. Die Provinz liegt im östlichen zentralen Sektor der Cordillera Central. Kalinga ist ein Wort aus der Sprache der ›Ibang ‹ und ›Gaddang ‹ und steht übersetzt für ›Kopfjäger ‹.

Kultur Es gibt viele verschiedene Stämme in der Provinz. Wegen dem bergigen Terrain und der Kriegerkultur waren die ›Kalinga‹ ( N ame der ansässigen Bevölkerung ) imstande, ihre Kultur beizubehalten, sogar während der Besetzung durch die Spanier, der Japaner und der Amerikaner. Die Kalinga betreiben mit den Ifugao den intensivsten Reisanbau in den philippinischen Kordilleren. Außerdem sind sie bekannt für ihre Fähigkeiten im Töpfern, Flächten, Weben und dem Umgang mit Metall. Gesprochen wird ein eigener Dialekt, das › Ilancano ‹, dass sich in kleinen Nuancen zwischen den verschiedenen Bergdörfern unterscheidet. Die Dorfbewohner erkennen an der Aussprache, aus welchem Dorf eine Person stammt. Die Kalinga waren früher gefürchtete Kopfjäger. Heute kann man noch bei älteren Männern die Tätowierungen des Oberkörpers bewundern, die nur einem echten Kopfjäger erlaubt war. Auch schöne Mädchen wurden bei den Kalinga früher tätowiert. Tattoos wurden in der Regel mit Schweinen bezahlt. Da die Prozedur des Tätowierens als äußerst schmerzhaft gilt, ist sie heute fast ausgestorben. Die Kalinga halten sich stets an ihr Stammesrecht und nehmen ihre Angelegenheiten selbst in die Hand. Für ein friedliches Zusammenleben der Bergdörfer wird zwischen den Ältesten ein sogenannter ›Peace Impact ‹ ( Friedensvertrag ) geschlossen. Für jedes Dorf ist ein eigener  Friedensvertrag  erforderlich. Der sogenannte Peace Impact  wird von einem Bewohner gehalten und kann auch vererbt werden. Die Erben können aber auch die Übernahme des Friedensvertrags ablehnen.

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Besteht zwischen zwei Dörfern ein Friedensver trag, so können sich die Bewohner beider Orte gegenseitig problemlos besuchen. Bei Streitigkeiten versucht der Inhaber des Peace Impacts , die Ältesten beider Or te oder die gesamte Dorfgemeinschaft, eine Lösung zu finden. Dieses Verfahren hat faktisch die Funktion eines Gerichtes. Die festgelegten Regeln sind aber nur mündlich überliefert. Gibt es zwischen zwei Orten keine Einigung, so kann der Peace Impact  wieder gekündigt werden. Dann sollte man als Einwohner des einen Dorfes besser nicht mehr in das des anderen gehen.

Tr aditionell gewebter Stof f aus ›Tinglayan‹ Kalinga

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Die Reis ter r assen von ›Tulgao‹ in der Nähe von Tinglayan Kalinga

Eine Reise nach Kalinga Ein guter Ausgangspunkt für Touren ins Gebiet der Kalinga ist der Ort ›Tinglayan ‹. Von Bontoc aus fährt man mit dem Jeepney ungefähr zwei bis drei Stunden . Die Straße führt teilweise hoch in die Berge, immer entlang des Chico Rivers. Es ist eine landschaftlich schöne Gegend mit steilen und hohen Gebirgsketten. Von dem Or t Tinglayan aus sind wunderbare zwei oder drei Tagestouren ins Reich der Kalinga möglich. Empfehlenswert sind z.  B. die heißen Quellen auf der Strecke zwischen den kleinen Bergdörfern ›Tulgao ‹ und ›Dananao ‹, die Orte ›Butbut ‹ , ›Loncong ‹ oder ›Buscalan ‹ . Dor t ist das ursprüngliche Leben der Bergbewohner noch weitgehend erhalten. Wer in diese Dörfer reist sollte auch an einige Geschenke denken : Trockenfisch und Streichhölzer sind z.  B . sehr gefragt bei den Einheimischen.

» Die Reisterrassen von

Kalinga

sind kaum von

Touristen

besucht. «

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Lauren Faus tino, Filmemacher in

»Victor Bacculi auch Chupper genannt, ist der vermutlich berühmteste Tourguide Kalingas.«

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Vic tor Bacculi, von den Einheimischen auch ›Manong Chupper‹ genannt, is t der ver mutlich bekanntes te Tourguide Kalingas. Anzutref fen is t dieser meis t in dem Or t Tinglayan..

Vic tor Bacculi, Tourguide und ehemaliger Bürger meis ter von Tinglayan Kalinga

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Tanzauf f 端hr ung auf dem Unoy fes t Kalinga

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» Das findet

Unoyfest  jährlich

in

Tinglayan statt.« Vic tor Bacculi, Tourguide

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Während der Ver ans taltung pr äsentieren Schüler der ör tlichen Gr undschulen urspr üngliche Kos tüme und Tänze.  

Mädchen beim Tanz Kalinga

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Viele Zuschauer aus nah und fer n, teilweise auch Tour is ten, kommen j채hr lich im M채r z nach Kalinga , um dem Spek takel des Unoy fes ts beizuwohnen.

Zuschauer Kalinga

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Beim Unoy fes t handelt es sich um eine Ar t ›Er ntedank fes t ‹ zuguns ten des einheimischen Reisanbaus.

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Tr aditioneller Tanz Kalinga

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HĂślzer und Bambusrohre werden als Musikins tr umente ver wendet.

Kind aus Tinglayan in ur spr Ăźnglicher Bekleidung Kalinga

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Aussicht auf die Berge von ›Buscalan‹ Kalinga


Kinder aus Buscalan Kalinga

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Zu Fuß auf dem Weg von Tinglayan nach Buscalan ╤

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Aussicht auf Buscalan Kalinga

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Die Eingeweide von Wasserb端f feln und H端hner n z辰hlen zu den Delikatessen in Buscalan.

Eingeweide eines Wasser b端f fels Kalinga

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Die schmückenden Ket ten der Kalinga und Ifugao bes tehen aus bunten Per len, die of tmals aus Kor allenskelet ten herges tellt werden.

» Der Schmuck der Kalinga wird von Generation zu Generation weitergereicht. «

Schmuck einer Ureinwohner in Kalinga

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Eine ›Str aße‹ in Buscalan Kalinga

Die Bewohner Buscalans leben unter einfachs ten Bedingungen. Die Ar beit auf den Felder n wird ohne Maschinen ver r ichtet, gekocht wird über dem Lager feuer.

» Schweine werden von den Kalinga wie Haustiere gehalten . «

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Philippinische Kordilleren

Die Tradition des Tätowierens Das ›Batek ‹ (   Tribal Tattoo) ist eine fast von der Bildfläche verschwundene Kunstform in Kalinga, die die jüngere Generation nicht mehr versteht. Heutzutage werden Gangs und Kriminelle damit assoziiert. Eine weiterer Aspekt für den Verfall der alten Tradition ist der Glaube, dass das Batek hart verdient werden muss und nur noch den alten Kriegern der Kopfjäger gebührt. In der heutigen Zeit gibt es keine Kopfjäger mehr, somit sterben auch deren Tattoos immer mehr aus. Ein Batek im Design der Kopfjäger zu tätowieren wird heute sogar teilweise als Beleidigung gegenüber der alten Generation aufgefasst. Die einzelnen Muster der Tattoos bestehen oft aus geometrischen Formen. Jedes Design hat eine eigene Bedeutung. Das Batek wurde unter anderem auch als billige und schöne Körperbedeckung angesehen. Nachdem das Tattoo einmal auf der Haut platziert wurde, dauert es längere Zeit (bis zu drei Wochen), bis die Wunde wieder verheilt ist. Je nach Länge des Heilungsprozesses wird Kokusnussöl oder Schweinefett auf die Wunde aufgetragen. Besonders auf die Frauen wurde nach der Zeremonie des Tätowierens Druck von den Eltern und der Gemeinde ausgeübt, da ein Tattoo bekommen zu haben bedeutete, eine erwachsene Frau geworden zu sein. Damit wurde von ihr erwartet, eine Familie zu gründen und Kinder zu gebären. Das Batek soll die Männer › mangkusdor  ‹ (stark ) und die Frauen ›abumaru‹ (attraktiv) machen. Personen ohne Tattoo wurden als minderwertig betrachtet.

Die Auswirkungen des Kolonialismus auf das Batek Ursprünglich nannten die spanischen Eroberer die tätowierten Inselbewohner › Pintados ‹ ( die › Angemalten ‹). Aus alten Aufzeichnungen geht hervor, dass bei weitem nicht die gesamte Bevölkerung der vorkolonialen Philippinen tätowiert war. Da das erklärte Ziel der Spanier und später der US  -  Amerikaner die › Zivilisierung  ‹ der indigenen Bevölkerung war, was soviel wie Auslöschung der ursprünglichen Kultur und Ersetzen durch die neue, westliche Kultur bedeutete, waren die Kolonialmächte und die katholische Kirche darum bemüht, die Tradition des Tätowierens aus der Gesellschaft zu verdrängen.

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T채towier ter Unter ar m Kalinga

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» Das erste Tattoo Fang Ods war eine Phyton und eine Leiter.« Vic tor Bacculi, Tourguide

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GanzkÜr pertätowier ung Kalinga

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Der Name der letzten Tattoo künstlerin ist

» Fang Od hat die letzte Generation der Kopfjäger tätowiert

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«


Als Wer k zeug zum Stechen des Tat toos dient ein Stock , an dem eine ›Kalamansinadel‚ (philippinische Zitr usfr ucht) befes tig t wird. Dieser wird als Stechnadel ver wendet.

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Fang Od hat das Tätowieren von ihrem Vater er ler nt . Die Entscheidung, eine Tätowierer in zu werden, hat sie nicht selbs t gef ällt; sie war gez wungen, diesem Ber uf nachzugehen, um Geld f ür ihre Familie zu verdienen.

»You cannot take personal belongings with you when you die but your tattoos.« Fang Od, Tätowierer in

›Gannao ‹ , die Schwes ter Fang Ods Kalinga

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Als er s tes wird das Tat toodesign mit Far be auf die Haut vorgezeichnet. Ger adlinige Elemente werden mit eingef är bten Gr ashalmen aufgetr agen. Die Far be wird aus Wasser ver meng t mit abgeschabtem Ruß, der sich beim Kochen über dem Feuer an den Kochtöpfen ablager t, herges tellt.

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Beim Auf tr agen eines Tat toodesigns auf die Haut Kalinga

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Während dem Stechen des Tat toos wird die Haut durch tiefe Eins tiche ver wundet. Dies f ühr t zu roten Schwellungen, die teilweise noch Tage später Schmer zen bereiten können.

»Beim Handtapped Tattoo wird die Farbe durch eine Klopfbewegung in die Haut tätowiert. «

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Selbs t kleine Tat toodesigns benรถtigen lange Zeit zur Fer tigs tellung.


Nadelw채lder im Nebel Kalinga

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Quellenverzeichnis

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Impressum

Konzeption, Satz und Layout: Michael Gegenfurtner Hochschule für Angewandte Wissenschaften Würzburg Fakultät Gestaltung 2. Semester Typografie Sommersemester 2013 Dozent: Christina Hackenschuh Erscheinungsort: Würzburg, Deutschland Auflage: 9 Stück Format: 242 x 292 mm Papier  : IGEPAgroup Munken Print white 115 g/qm Schriften: Gill Sans MT, Caviar Dreams, Garamond Druck: XPress Digital Media GmbH, Würzburg Bindung: Buchbinderei Bauer, Würzburg © Texte: Michael Gegenfurtner © Bilder  : Michael Gegenfurtner Danke an: Alfred und Christine Gegenfurtner Lauren Sevilla Faustino Mai Calapardo Victor ›Chupper  ‹ Bacculi Anne Hampp Joan Grace Wilson Michael Claus Florian Zeilberger Wolfgang Landauer


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Filipinas  

This book-design project about the Philippine Islands was created during my lectures in Typography. The origin for my interest in this count...

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