Anonymisiertes Beispiel für einen angelernten Arbeiter:
Karl P., 28, ist Vorarbeiter bei einer Reinigungsfirma. Er verdient rund 21.000 Euro pro Jahr. Davon gehen 3554 Euro an die Sozialversicherung und 1.132 Euro bezahlt er an Lohnsteuer. Von den verbleibenden 16.314 Euro bestreitet er seine laufenden Ausgaben und tilgt einen kleinen Kredit. Von seinem monatlichen Bruttogehalt von rd. 1.500 Euro bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern und der Kreditrate 1.099 Euro zum Konsumieren. Für die Zimmer-Küche-Kabinett-Wohnung berappt er 360 Euro, für Strom und Gas rund 50 Euro monatlich. Er fährt einen Kleinwagen mit dem er rund 22.000 Kilometer im Jahr zurücklegt. Für den Wagen bezahlt er einen Kredit mit jährlichen Raten von 720 Euro zurück. Er raucht eine halbe Packung Zigaretten pro Tag und konsumiert ca. eine Kiste Bier pro Woche. Am Sonntag und jeden zweiten Abend geht er zum Wirten. Mit dem WinterUrlaubsgeld gehen sich die Weihnachtsgeschenke für die Eltern und Geschwister sowie ein verlängertes Schiwochenende aus. Den Sommerurlaub verbringt er eine Woche in Osteuropa und sonst in Österreich. Meist mit dem Campingwagen eines Freundes. Mit seinen jährlichen Ausgaben von rd. 15.594 Euro bezahlt er rd. 5.334 Euro an Konsumsteuern. Das sind 34% seines verfügbaren Einkommens, die in der zweiten Besteuerungsrunde an den Staat gehen. Auch absolut ein stolzer Betrag. Immerhin macht die
Summe
der
Konsumsteuern
mehr
aus
als
seine
Lohnsteuer
und
seine
Sozialversicherungsbeiträge zusammen. Seine Gesamtabgabenlast (direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben) beträgt 10.033 Euro oder 48% seiner Jahreszuflüsse. Er liegt damit etwas unter dem Durchschnitt, der bei knapp über 50% liegt. Er
hat
mit
3.800
Euro
kein
großes
Nettovermögen.
Der
einzige
größere
Vermögensgegenstand ist sein Auto. Vermögenssteuern, die andere Steuerart in der zweiten Besteuerungsrunde, spielen für Herrn P. abseits der KESt auf die wenigen Zinsen am Girokonto keine Rolle. Er führt im Jahr „von allem was er hat“ (Jahreszuflüsse und Vermögen) einen Anteil von 40,63% an den Staat ab.
Anonymisiertes Beispiel für eine Büroangestellte:
Andrea L., 32, ist angestellte Controllerin in einem großen Unternehmen. Sie verdient rund 49.000 Euro pro Jahr. Davon gehen 8.784 Euro an die Sozialversicherung und 9.359 Euro bezahlt sie an Lohnsteuer und sonstige Abgaben. Von den verbleibenden 30.857 Euro bestreitet sie ihre laufenden Ausgaben und hat einen Bausparer, den sie mit 1.500 Euro pro Jahr dotiert. Von ihrem monatlichen Bruttogehalt von rd. 3.500 Euro bleiben nach Abzug der Sozialabgaben und Steuern und des Bausparers rd. 2.446 Euro zum Konsumieren. Für die 2 Zimmer-Küche-Wohnung in Grünlage bezahlt sie mit ihrem Freund 650 Euro, für Strom und Gas rund 80 Euro monatlich. Sie fährt einen Kleinwagen mit dem sie als Pendlerin aus Niederösterreich nach Wien rund 28.000 Kilometer im Jahr zurücklegt. Den Wagen haben die Eltern bezahlt. Sie raucht nur gelegentlich und trinkt auch nur gelegentlich Alkohol. Dafür macht sie mit ihrem Freund gerne Wochenendflüge in Europa. Mit dem Winter- und Sommer-Urlaubsgeld geht sich das Sparen und ein ausgiebiger Fernreiseurlaub aus. Der Freund lädt sie auch immer wieder in das Haus seiner Eltern in Kärnten ein. Mit ihren jährlichen Ausgaben in Österreich von rd. 22.857 Euro bezahlt sie rd. 6.517 Euro an Konsumsteuern. Das sind rd. 29% ihres verfügbaren Einkommens, das in der zweiten Besteuerungsrunde an den Staat gehen. Ihre Gesamtabgabenlast (direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben) beträgt im Jahr 2013 rd. 24.680 Euro oder etwas über 50% ihrer Jahreszuflüsse. Sie liegt damit genau beim Durchschnitt, der ebenfalls bei knapp über 50% liegt. Sie hat mit 13.500 Euro ein überschaubares Nettovermögen. Der einzige größere Vermögensgegenstand ist das Auto. Vermögenssteuern, die andere Steuerart in der zweiten Besteuerungsrunde, spielen für Frau L. abseits der KESt auf die Zinsen am Girokonto und beim Bausparer keine Rolle. Sie führt im Jahr „von allem was sie hat“ (Jahreszuflüsse und Vermögen) einen Anteil von 39,44% an den Staat ab.
Anonymisiertes Beispiel für einen leitenden Beamten:
Richard U., 54, ist leitender Beamter in einem Ministerium. Er verdient rund 72.800 Euro pro Jahr. Davon gehen 11.369 Euro an die Sozialversicherung und 16.056 Euro bezahlt er an Lohnsteuer und sonstige Abgaben. Von den verbleibenden 45.375 Euro bestreitet er seine laufenden Ausgaben und kann darüber hinaus für seine Kinder sparen. Von seinem Jahresgehalt bleiben nach Abzug seiner Steuern und Abgaben und seiner Ersparnis von 8.000 Euro noch 37.375 Euro zum Konsumieren. Damit kommen er und seine Frau recht gut aus. Er fährt einen Mittelklassewagen aus deutscher Produktion. Seine Frau arbeitet als Vertragsbedienstete bei einer Landeseinrichtung. Er ist ein starker Raucher und trinkt auch gelegentlich Alkohol. Urlaub und Ausflüge werden in Österreich gemacht, weil er gerne in den Bergen ist. Er vermietet eine Wohnung wobei ihm nach Abzug aller Kosten gerade einmal 1400 Euro im Jahr übrig bleiben, der versteuern muss. Daneben hat er noch Finanzerträge (im wesentlichen Zinsen) von ein paar tausend Euro. Mit seinen jährlichen Ausgaben von rd. 37.375 Euro bezahlt er rd. 13.200 Euro an Konsumsteuern. Das sind rd. 35% seines für Konsum verfügbaren Einkommens, das in der zweiten Besteuerungsrunde an den Staat gehen. Seine Gesamtabgabenlast (direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben) beträgt im Jahr 2013 rd. 42.165 Euro oder etwas über 54% seiner Jahreszuflüsse von rd. 77560 Euro. Er liegt damit über dem Durchschnitt, der ebenfalls bei knapp über 50% liegt. Er hat mit 356.000 Euro ein schönes Nettovermögen angespart. Das Geld steckt in einer Eigentumswohnung und in diversen Sparbüchern und Fonds. Für Vermögenssteuern (Grundsteuer) wendet er 260 Euro im Jahr auf. Er führt im Jahr „von allem was er hat“ (Jahreszuflüsse und Vermögen) einen Anteil von 9,79% an den Staat ab.
Anonymisiertes Beispiel für einen erfolgreiche Unternehmer und Investor:
Josef S., 58, ist ein erfolgreicher Unternehmer und Investor. Er hat seine Firmen verkauft und sich an mehreren Unternehmungen als Investor beteiligt. Er bringt sich bei seinen kleineren Beteiligungen auch aktiv sein. Er verdient rund 6 Mio. Euro an Dividenden, Finanzerträgen und Stiftungsausschüttungen pro Jahr. Davon gehen 1,558 Mio. Euro an direkten Steuern an den Staat. Zudem liefert er weitere 316.535 an indirekten Steuern ab. Nur bei der Sozialversicherung kommen nur 9.340 Euro an. Er ist privat versichert und hat aktuell nur ein kleines Geschäftsführergehalt bei einer seiner Beteiligungen. Er ist viel unterwegs und verbring viel Zeit im Flugzeug. Er hat ein Haus in Frankreich und eine Wohnung in Zürich. Er hat sich 2013 wieder ein neues Auto gekauft, das er gerne in Italien ausfährt. Von seinem Jahreseinkommen wird ein Gutteil angelegt, was sein Finanzvermögen jährlich wachsen lässt. Er unterstützt diverse Vereine und Organisation sowohl privat als auch mit Geldern seiner Stiftung. In Summe führt er 1,884 Mio. an den Staat ab. Mit seinen jährlichen Ausgaben in Österreich von rd. 2 Mio. Euro bezahlt er rd. 316.535 Euro an Konsumsteuern. Das sind rd. 8% seines verfügbaren Einkommens, das in der zweiten Besteuerungsrunde an den Staat gehen. Seine Gesamtabgabenlast (direkte und indirekte Steuern sowie Sozialabgaben) beträgt im Jahr 2013 rd. 1,884 Mio. Euro oder rd. 31 % seiner Jahreszuflüsse. Er liegt damit deutlich unter dem Durchschnitt von 50%. Er besitzt mit rd. 58,9 Mio. ein beachtliches Nettovermögen, das sich auf Immobilien, Firmenanteile und Stiftungsvermögen aufteilt. Die Steuern auf seinen Vermögensbestand und auf seine Vermögensanschaffungen machen im Jahr 2013 rd. 25.600 Euro aus. Er führt im Jahr „von allem was er hat“ (Jahreszuflüsse und Vermögen) einen Anteil von 3,24% an den Staat ab.
Hintergrundinformationen zur Plattform SteuernZahlen.at Wie kam es zur Idee der Website? Bei der Frage danach, warum es nahezu unmöglich erscheint, ein gerechtes Steuersystem zu entwickeln, ist der Verein Respekt.net auf die fehlende Steuertransparenz, als Grundproblem gestoßen. Es beginnt bei den einzelnen Steuerzahlenden. Keiner weiß darüber Bescheid wie viel Steuern sie oder er insgesamt zahlt. Die Lohn- oder Einkommenssteuer ist noch bekannt, aber die vermögensbezogenen Steuern (KESt, ImmoESt oder Grundsteuer) schon nicht mehr. Bei den zahlreichen Konsumsteuern (Alkohol-, Bier-, Tabak-, Mineralöl-, motorbezogene Versicherungs-, normale Versicherungs- und Feuerschutz- sowie Mehrwertsteuer, Energie-, Gebrauchs-, Flug-, Fremdverkehrs- und Lustbarkeitsabgabe, GIS-Beitrag, Abwasser-, Wasser-, Müllentsorgungsgebühren etc.) fehlt Frau und Herrn Steuerzahler aber jedes Gespür.
Haben die Hüter des Steuergelds Interesse an Transparenz? Nach ausgiebigen Recherchen beim Finanzministerium, bei den Kammern und bei Steuerberatern wurde schnell ersichtlich, dass es heute in Österreich kein Hilfsmittel gibt, um seine Gesamtsteuerlast als Steuerzahler mit vertretbarem Aufwand zu ermitteln. Die traurige Wahrheit ist, dass der einzelne Steuerzahler bei seinem Wunsch nach Transparenz von der Politik alleine gelassen wird. Noch viel schlimmer ist aber, dass die Politik und die dafür zuständige Einrichtung BMF auch selbst gar nicht wissen wie viel die österreichischen Steuerzahler jeweils zahlen, denn es wird in Österreich keine integrierte Gesamtsteuerstatistik zu den Erwerbstätigengruppen (Arbeitnehmer, Unternehmer, Beamte, Selbständige sowie Land- und Forstwirte) erstellt. Es gibt nur eine integrierte Lohn- und Einkommenssteuerstatistik. Damit fehlen die vermögensbezogenen Steuern und sämtliche Konsumsteuern in dieser Statistik. Ohne das Wissen von wem wie viel Steuern eingehoben werden und wer die größte Steuerlast in Österreich trägt, ist eine nüchterne Debatte über eine gerechte Steuerreform unmöglich.
Was ist das Ziel der Transparenz-Plattform? Das Ziel von SteuernZahlen.at ist es, die eigenen Steuerleistungen (aus direkten und indirekten Steuern) für jeden erfahrbar zu machen. Dafür ist eine anonyme Datenerfassung vorgesehen, die mit Rechenregeln im Hintergrund unterlegt ist. Am Ende führt die
Dateneingabe zu einer Abschätzung der Gesamtsteuerleistung. Für die Bewertung der eigenen Steuern ist der Vergleich zum Durchschnittswert von Frau und Herrn Österreicher vorgesehen. Zudem gibt es auch eine Darstellung, welche öffentlichen Leistungen (z.B. Kindergarten- oder Schulplätze) man mit seiner Steuerleistung abdecken würde. Wenn die Website ein Erfolg wird und mehrere tausend Datensätze gesammelt werden können, dann kann in einem weiteren Schritt eine Gesamtstatistik erstellt werden, aus der ersichtlich wird, wie groß die Steuerlast für bestimmte Steuerzahlergruppen ausfällt. Die Daten können somit etwa zum Vergleich von einzelnen Erwerbstätigengruppen miteinander sowie innerhalb der Gruppen oder zwischen den Geschlechtern und Altersgruppen herangezogen werden. Im Gegensatz zu bestehenden Datensätzen umfasst die Sammlung von SteuernZahlen.at dann Daten zu den Einkommens-, Vermögens- und Konsumsteuern.
Damit wird erstmals (!) eine österreichische Gesamtsteuerstatistik ermöglicht.
Wie funktioniert Steuernzahlen.at und was wird erfasst?
Die Nutzung von SteuernZahlen.at ist anonym. Für das Downloaden der Auswertungen müssen Alter, Geschlecht, Erwerbstätigengruppe, Bundesland sowie die anonymen Echtdaten abgespeichert werden.
Der Aufbau der Transparenzplattform SteuernZahlen.at ist in groben Zügen wie folgt: 1. Steuern auf das Einkommen 1. Lohneinkommen 2. Gewinneinkommen Selbständigkeit, Unternehmertum sowie Land- & Forstwirtschaft 3. Arbeitslosengeld 4. Nachbarschaftseinkommen 5. Transfereinkommen 2. Steuern auf das Vermögen 1. Immobilien und Immobilientransaktionen 2. KESt-pflichtige Erträge 3. Schenkungs- und Erbschaftssteuern 4. Kapitalverkehrssteuern 5. Vermögensbestand ohne Immobilien 3. Steuern auf den Konsum 1. Alkohol und Tabak 2. Reisen und Ferien 3. Haushalt und Energie 4. KFZ-Nutzung 5. Umsatz-, Vergnügungs- und Versicherungssteuern