Marketing Digest #62

Page 1

www.werbeliebe.de

Gib mir mehr! SS 2014 - Ausgabe #62


Überzeugen durch Leistung

Elektronik bewegt die Welt. Wir bewegen die Elektronik. Bewegen Sie mit!

Rutronik ist einer der führenden Distributoren für elektronische Bauelemente. Über 1.200 Mitarbeiter an Standorten weltweit tragen zu diesem Erfolg bei. Wir suchen regelmäßig Fach- und Nachwuchskräfte für Vertrieb, Einkauf, Marketing und Logistik. Quereinsteiger qualifizieren wir durch Traineeprogramme. Nachhaltige Personalentwicklung und eine moderne Arbeitsumgebung bilden dabei die Basis für eine langfristige Mitarbeiterbindung. Unsere aktuellen Stellenangebote sowie Informationen zu unseren DH-Studiengängen und Ausbildungsplätzen finden Sie auf unserer Homepage. RUTRONIK Elektronische Bauelemente GmbH Industriestraße 2 75228 Ispringen Tel. +49 7231 801-1273 career@rutronik.com www.rutronik.com

Vorwort Sie Starten in eine mit uns me sa gemein t! Zukunf

„Gib mir mehr!“ zu keinem anderen Titelthema könnte der MD #62 in diesem Semester besser passen. In dieser Ausgabe wollen wir vor allem den Zeitgeist der heutigen Konsumgesellschaft treffen: Immer größer, immer weiter, immer schneller, immer MEHR! Dabei ist es egal, ob es sich um schönere Autos, reichlich Anerkennung durch viele Likes im Netz oder um mehr Macht und Geld handelt. Tatsache ist, unsere Gesellschaft ist zunehmend unzufrieden mit dem, was sie hat. Und genau mit diesem Streben nach Mehr haben sich unsere Autoren in diesem Semester beschäftigt. Natürlich kommen marketing- und werbespezifische Aspekte dabei nicht zu kurz. Außerdem gibt es wie immer Berichte aus den Praxis- und Auslandserfahrungen unserer Werbeliebenden. Viel Spaß beim Lesen wünschen Janina Feucht und Alina Rüger.

2

MD #62 -G ib

mir mehr !

MD #62 - G ib

mir mehr !

3


Inhalt

− S E L L A T H C I N T S GELD I . E B E I L E B R E W R E BEI D

06

Gib mir mehr Gedanken

07

Der Mann im Mond und die lila Kuh

08

Gib mir mehr weniger?!

10

Gib mir mehr Prozente

14

Mysterium Gestalter

16

#Blogger - Die Spezies der Onlinekünstler

18

Schweden - Warum Schweden?

20

10 Tage, 7 Euro - Ein selbst(verschuldetes) Experiment

22

Das große Gesprächssterben

24

Social Media - Geiler geht‘s nicht

26

#Don‘t copy my style biatch!

28

Liebe (machen) 2.0

30

Mein Date mit der Werbung

33

#Selfies

35

Praxisbericht - Audi AG

37

Stolz und Vorurteil

38

Studentenleben - Hard Working?

40

#Whothefuckisrefill

42

Impressum

Werbeliebe e.V. e.v. ||studentische studentischeKommunikationsagentur Kommunikationsagentur||HS HSPforzheim Pforzheim||www.WERBELIEBE.de www.WERBELIEBE.de||Facebook.com/Werbeliebe Facebook.com/Werbeliebe 4

MD #62 -G ib

mir mehr !

MD #62 - G ib

mir mehr !

5


o

Gib mir mehr Gedanken

? ! ! ? ? ! ! ? ! ? ?!?!?! ? !

Es gibt kein „Alles“. Es gibt immer mehr. Ich will immer mehr und ich weiß, du kannst es mir geben. Ich würde es ja spezifizieren, doch letzten Endes ist es nicht von Bedeutung, in welcher Kategorie es mir an etwas mangelt, ich will einfach nur … mehr. Du bist selbst daran Schuld. Ich kann Unwichtiges nicht mehr von Wichtigem unterscheiden, weiß nicht mal, ob meine Interessen eigentlich deine sind. Du schüttest mich zu mit Informationen und Bildern, zwingst sie mir praktisch auf, doch ich will es so, ich erwarte es, wohlwissend, dass nur du es kannst. Ich will nichts mehr entscheiden können, ich will nichts mehr filtern, ich will schwimmen und danach ertrinken im Meer deiner Möglichkeiten. Deine Möglichkeiten, die so weit gefächert sind, dass ich mir die Unendlichkeit vorstellen kann und eben, weil ich sie vor mir sehe, traue ich mich nicht etwas zu fokussieren. Vielleicht aus Angst, etwas zu verpassen und die Unendlichkeit dadurch zu verlieren. Ich denke, du bringst mich an einen Punkt, an dem Alles Nichts sein kann. Leider kann ich nicht sagen, ob diese Erkenntnis meine eigene oder die von dir vorhergesehene, in gewisser Weise sogar gewollte ist. Schlussendlich versuche ich einen eigenen, klaren Gedanken zu fassen und verlange Zeit, Freiheit und Erinnerung. Ich verlange zu viel, ich weiß, aber wer immer mehr gibt, muss auch damit rechnen, dass immer mehr von ihm verlangt wird.

nehmen und nicht über eine weitere Sache nachdenken müssen, obwohl ich erst angefangen habe mich auf eine erste Sache zu konzentrieren. Gib mir Freiheit, schütte mich nicht zu. Ich weiß gar nicht, ob ich noch frei wählen kann, du zeigst mir etwas wider Willen, ich komm nicht mehr um dich herum, ich fühle mich kontrolliert, nicht frei. Gib mir Erinnerung, schütte mich nicht zu. Wir sind Menschen, keine Maschinen, wie sollen wir den Berg an Informationen verarbeiten, den du vor uns erstreckt hast? Ich kann nichts filtern, so als ob ich immer nur zehn Puzzleteile verschiedener Puzzle kaufen und versuchen würde aus diesen Teilen ein Bild entstehen zu lassen. Meine letzte Erkenntnis, die du mir gibst, ist: Wenn ich sage „Gib mir mehr.“ meine ich „Gib mir weniger:“

Der Autor: René Bogatscher 1.Semester, Visuelle Kommunikation (VK) „Ein Poet aus Papier der in deinen Tränen seine Standfestigkeit verliert.“

Gib mir Zeit, schütte mich nicht zu. Ich will Details in mich auf6

MD #62 -G ib

mir mehr !

Der Mann im Mond und die lila Kuh Kreativität und das notwendige Know-How reichen heute oft nicht mehr aus, um Werbung zu schaffen, die einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Plakat-, Zeitschriften-, Online- und Radiowerbung sowie TV-Spots besetzen zunehmend den öffentlichen Raum und kämpfen täglich um die Aufmerksamkeit der Konsumenten. Ein Duracell-Hase, der dem Sonnenuntergang entgegen paddelt, sticht heute nicht mehr so heraus wie 1993 und trotz immer größerer Investition wird es zunehmend schwieriger, den potenziellen Kunden zu erreichen. Um aufzufallen muss sich die Werbeindustrie immer wieder neu erfinden und Extravagantes präsentieren. Allgegenwärtig sind Personen des öffentlichen Lebens, die mit Slogans und Logos bedruckter Kleidung als Werbeträger genutzt werden. Doch damit nicht genug. Ein Trend, der sich momentan etabliert, ist der Verkauf des menschlichen Körpers als Werbefläche. Ein Mann aus Dresden bot sein Gesicht für ein großflächiges Tattoo gegen den Betrag von 100.000 Euro an. Der Künstler und Dozent Thomas Winkler hatte die Idee, Geld als Werbeträger zu nutzen. Diese wurde 2008 von Studenten der Merz-Akademie in Stuttgart im Rahmen eines Projektes umgesetzt. „Werbung, die garantiert keiner wegwirft“ war nur einer von vielen Slogans, der zu einer Kontroverse über die Grenzen der Werbeflächen führte. Dass der Mond zwar einige Kilometer entfernt, aber schon lange nicht mehr unerreichbar ist, wird in dem Roman „Limit“ von Frank Schätzing aufgegriffen. Die Idee eines Kurztrips zum Mond mit Aufenthalt in einem Luxushotel sowie eines schönen Weltraumspaziergangs klingt heute noch etwas weit her geholt. Gar nicht so absurd ist die Idee aus dem Film Hancock, Werbung auf dem Mond zu platzieren. Das Unternehmen „Moon Publicity“ vermietet bereits heute Werbeflächen die sich im Preisspektrum zwischen 46.000 und 700.000 Dollar bewegen. Geplant ist, dass kleine Roboter Furchen in den Sand ziehen, wodurch Schatten auf dem Boden sichtbar werden. Somit kann man auf dem Himmelskörper schreiben und malen. Heutzutage ist Print- und TV-Werbung von den technischen Möglichkeiten geprägt. So kann mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen aus einer Kuh das Werbesymbol einer Firma werden. Die lila Milka Kuh, die 1973 zum ersten Mal über den Bildschirm lief, wurde mehrfach ausgezeichnet. Was damals als Sensation gefeiert wurde, ist heute nichts Ungewöhnliches mehr. Beinahe jede Werbung enthält virtuelle Objekte und computergenerierte Animationen. Diese Tatsache griff Michael Crichton in seinem Roman „Next“ auf und ging sogar einen Schritt weiter: Was man heute noch digital nachbearbeitet, wird durch Genmanipulation in die reale Welt geholt. So dienten bei Crichton Schildkröten als Werbeträger, deren Panzer nachts die Strände mit dem Firmenlogo des Ölkonzerns „bp“ erleuchteten. Wissenschaftlern ist es

kürzlich in Uruguay gelungen im Dunkeln leuchtende Schafe zu erschaffen. Somit scheint auch die reale lila Milka Kuh nicht mehr fern. Durch den technischen Fortschritt werden der Werbeindustrie kaum Grenzen gesetzt. Wir dürfen gespannt darauf sein, was sich deren kreative Köpfe in Zukunft einfallen lassen.

MD #62 - G ib

Die Autorin: Julia Ebert 1.Semester BW/Media Management & Werbepsychologie „Nicht in ferner Zeit verliere dich, den Augenblick ergreife der ist dein“ (William Shakespeare)

Die Autorin: Mona Rust 1.Semester, BW/Media Management & Werbepsychologie „collect moments, not things“

mir mehr !

7


Minimalismus

Gib mir mehr weniger?!

suchen kann, wie soll man sich auch entscheiden, ohne darüber nachzudenken, dass eine andere Stadt vielleicht noch besser gewesen wäre? Nur ein kleiner Durchhänger im „Sight-SeeingParty-Marathon“ oder ein kleiner Regenschauer kann schon dafür sorgen, dass man in Alternativen schwelgt. Doch am deutlichsten wird es beim allgemeinen Konsum, der Kleidung, den Fast Moving Consumer Goods oder der Technik. Wir haben eine so unfassbar große Auswahl, die dafür sorgt, dass unsere Erwartungen in astronomische Höhen schießen. Barry Schwartz hat dieses Phänomen auf der TED 2005 ganz treffend zusammengefasst. Er ging in einen Laden und wollte eine Jeans kaufen. Früher gab es sie in nur einer Ausführung. Doch neuerdings gab es gefühlte 100 Ausführungen, Slim Fit, Bootcut, Regular, Loose fit, Tapered, etc. Sicherlich passte die Hose viel besser, die er nach einer Stunde Beratung und Anprobe kaufte, als die Hose, die er vorher aus Mangel an Alternativen nehmen musste. Dennoch fühlte er sich nach dem Kauf nicht etwa zufriedener, sondern sogar unzufriedener. Denn seine Jeans passte zwar sehr gut, aber eben nicht perfekt. Und das ist die Erwartung, die man bei derartig großer Auswahl hat. Wie viele Strömungen der Gesellschaft hat auch der Minimalismus eine spirituelle Ebene. Der Buddhismus weiß es seit jeher: Zu viel haben lenkt vom Essentiellen ab. Deshalb war die Empfehlung stets: Mach es langsam, nimm es nicht so wichtig und genieße das Jetzt. Das heißt Fokussierung, also weniger brauchen statt mehr zu kriegen. Das Geheimnis für Glück liegt also darin, sich auf jeden Moment zu fokussieren, weniger zu fordern und mehr zu genießen:

Minimalismus Gib mir mehr weniger?!

Gib mir mehr! Wirklich? Haben wir nicht genug? Oder zu viel? Ohne die Titelthemenwahl der bezaubernden Obrigkeit diskriminieren zu wollen, haben sich die beiden Autoren gedacht, dass es nicht noch mehr sein muss. Aber vielleicht weniger? Also haben sie sich im Netz nach Blogs umgesehen, die eben diese Meinung vertreten. Und in diesen haben sie hauptsächlich einen Ansatz gefunden: Reduktion. Auf unterschiedliche Arten versuchen die Blogger zu kommunizieren, dass weniger manchmal mehr sei. Sie rufen zu Wettbewerben und Spielen auf. So kann man z.B. alleine oder mit mehreren das Folgende machen: Einen Monat lang muss jeden Tag ein Gegenstand verschwinden. Am ersten Tag einer, am zweiten zwei und so weiter. Gewinner ist, wer es bis zum Ende des Monats durchhält oder eben länger als seine Mitspieler. Nun kann man sich die Frage stellen, was das Spiel soll. Frühjahrs-Entrümpelung in neuem Gewand? Nichts Neues irgendwie. Die Blogger behaupten, dass man sich durch das Spiel intensiv mit seiner Habe beschäftige und sich dann bewusst werde, wie viel unnützen Kram man bei sich horte. Und daraus folgend werde einem bewusst, wie wenig man 8

MD #62 -G ib

tatsächlich benötige, um zufrieden zu leben. Mit Hashtags und Leserbriefen, die in Blogs veröffentlicht werden, kann man anderen bei ihrer Umstrukturierung folgen, genauso gut aber auch deren Habe ersteigern. Denn die teilnehmenden Spieler unterscheiden zwischen Müll, Spende und Verkauf, wenn es darum geht, die geforderte Anzahl an Gegenständen bis Mitternacht aus dem eigenen Leben zu entfernen. Dabei solle auch vielen bewusst werden, wie wenig Geld ihr Krempel teilweise wert sei. Aber auch ohne viel recherchieren zu müssen, wird einem bewusst, dass Industriestaaten Überangebot in fast allen Bereichen des Lebens haben. Die Märkte sind bis auf wenige Sparten stark gesättigt, die Produkte sind homogen, was den überflüssigsten Job der Welt wichtig werden lässt – den des Werbers. An einem langen Wochenende können unzählige Orte relativ günstig besucht werden. Der Reiz von Blind Booking liegt nicht nur bei den verminderten Kosten, sondern auch bei der Beeinträchtigung der eigenen Entscheidung. Wenn man die Wahl zwischen 50 europäischen Städten hat, die man gleich günstig bemir mehr !

„Das Meer im Tropfen, statt alle Tropfen im Meer.“ Durch Reduktion (da wir meist schon zu viel haben) und Fokussierung sollen wir Qualität statt Quantität erreichen. Denn über Qualität schaffen wir ein „genug“. Klassische Buzzwords sind Fulfillment, Focus und Mindfulness. Das ständige „Mehr“ sorge für Lähmung, also „Paralysis instead of liberation“. Durch die Reduktion des eigenen Interesses auf Essentielles könne Erfüllung gefunden werden. Das werde deutlich am Leben von Mönchen, deren Alltag auf den ersten Blick alles andere als abwechslungsreich oder spannend erscheint. Doch durch die begrenzte Anzahl an Tätigkeiten oder Gegenständen sei es ihnen möglich, sich auf einzelne, wichtige Dinge zu konzentrieren und in diesen Erfüllung zu erleben. Sie hatten kein „Mehr“. Wir haben diese Grafik gebastelt, um es bildlich zu machen. An Punkt A und C hat der Mensch unterschiedlich viele Gegenstände oder Aktivitäten, aber das selbe Niveau von Zufriedenheit bzw. Glück. Minimalismus versucht durch Fokussierung und Reduktion das Maximum des Graphen zu erreichen, hier Punkt B. Ganz ohne Spiritualität: Der Mensch ist ein relatives Geschöpf. So nimmt er zum Beispiel Geschwindigkeiten relativ wahr.

ob das vielleicht gar nichts für uns wäre. Wir wollen immer mehr und driften in eine Art Wettbewerb ab, in dem wir komplett vergessen, dass es nicht darum geht, möglichst viel gesehen oder ausprobiert zu haben, sondern die einzelnen Dinge vollständig aufzunehmen und sie zu genießen. Der Genuss eines einzelnen Erlebnisses geht durch die riesige Auswahl an Alternativen verloren bzw. trübt ein. Wir schaffen es nicht, uns von den unzähligen Alternativen zu befreien und einfach das zu genießen, was wir gerade haben oder machen. Stattdessen überlegen wir, was man alles machen könnte. Das Gras ist auf der anderen Seite des Zauns immer grüner, das wissen nicht nur die Tiere auf der Weide. Aber es ist unklug, auf die grünere Seite zu wechseln. Denn der neue Nachbar hat einen noch grüneren Rasen. Und so geht es weiter. Warum freuen wir uns nicht über unseren Rasen und genießen ihn? Zusammenfassend: Entspannt euch. Ihr müsst nicht euren Schrank entrümpeln, um den Moment genießen zu können. Ihr müsst nicht jeden Tag einen Gegenstand mehr loswerden, um Qualität über Quantität gehen zu lassen. Sicherlich ist das hilfreich, aber nur ein Ansatz. Denn im Endeffekt ist es ebenfalls mit Aufwand und Ablenkung verbunden, ständig mit sich selbst zu argumentieren und begründen zu müssen. Stattdessen könnt ihr lieber mal probieren, die getroffenen Entscheidungen mit einem gewissen Abstand zu genießen und das Gute darin zu sehen. Nicht ständig darüber nachdenken, wie viele Alternativen es gibt und was diese alles bringen könnten. Scheinbar waren sie im Moment der Entscheidung aus einem Grund schlechter als die von euch gewählte. Und genau aus diesem Grund könnt ihr darüber stehen und braucht euch von der Auswahl nicht ablenken lassen.

Der Autor: Juan Jacobo Jimenez 4. Semester BW/Media Management & Werbepsychologie „Why don’t you ever see hippopotamus hiding in trees? Because they’re really good at it.“

Wer mal längere Zeit mit 180 km/h über die Autobahn gefahren ist und danach Baustellen bedingt auf die Hälfte abbremsen musste, der meint nebenher laufen zu können, so langsam fahre er. Ebenso verhält es sich zwischenmenschlich. Ständig überlegen wir, was andere gerade machen, wir beneiden unsere Mitmenschen um tolle Weltreisen und Partys, unabhängig davon, MD #62 - G ib

Der Autor: Guido Reher 4. Semester BW/Marketingkommunikation & Werbung

„Früher war mehr weniger Lametta.“ mir mehr !

9


Gib mir mehr Prozente!

„Samstag 0:32 Uhr, Stuttgarter Innenstadt: Eine Gruppe betrunkener Jugendlicher beleidigt Passanten, wirft Flaschen umher und beschmiert Parkbänke. Die Polizei erteilt einen Platzverweis.“ Meldungen wie diese lesen, hören oder sehen wir permanent über diverse Kanäle der Medien. Hat unsere Gesellschaft ein Drogenproblem? In welcher Wechselwirkung stehen Rauschmittel und Kultur? Wo liegt der Reiz an Drogen wie Alkohol und wie macht sich das die Werbeindustrie zunutze? Laut aktuellen Studien sind in Deutschland 1,2 Millionen Menschen alkoholabhängig und weitere 2 Millionen konsumieren Wein, Schnaps und Bier in gesundheitsschädlichen Mengen. Besorgniserregende Zahlen finden viele Experten. Der MD steht in diesem Semester unter dem Motto „Gib mir mehr“. Können wir einfach nicht genug bekommen von Gerstensaft und Grappa? Ärzte warnen: Langjähriger Konsum schädigt erwiesenermaßen den Magen-Darm-Trakt, die Blase und nicht zuletzt die Leber. Ich werde im Folgenden aber keine wissenschaftliche Analyse zu den Gefahren des Alkohols anstellen, sondern den Sachverhalt etwas anders beleuchten. Ganz umgehen kann man 10

MD #62 -G ib

diesen Aspekt jedoch nicht. Es ist nun einmal Realität, dass Jugendliche heutzutage immer früher und exzessiver zur Flasche greifen. Eine WHO-Erhebung belegt, dass in Deutschland knapp 50% der 15-Jährigen männlichen Jugendlichen mindestens einmal pro Woche Alkohol konsumieren, was Deutschland im internationalen Vergleich eine Spitzenposition in dieser unrühmlichen Statistik beschert. Einzig die englische Jugend (rund 55%) verweist Deutschland auf Platz 2. Woher kommen diese hohen Prozentsätze? Nun, es gibt viele Traditionen, bei denen seit Jahrhunderten Alkohol zum festen Programm gehört. Man wird, überspitzt gesagt, zum Alkoholiker erzogen. Bei quasi jeder gesellschaftlichen Veranstaltung wird ein Sekt zu Beginn oder ein Ramazotti als Digestif gereicht. Vom täglichen Feierabendbier ganz abgesehen. Alkohol gehört einfach dazu. Er ist gewissermaßen das Bindemittel, das unser soziales Gefüge zusammen hält. Was wird ein US-Amerikaner, Inder oder Südafrikaner antworten, wenn man ihn fragt, mit was er Deutschland verbindet? Höchstwahrscheinlich wird er antworten: Autos, Bier und Oktoberfest. mir mehr !

Apropos: die großen Volksfeste in Stuttgart und München legen Jahr für Jahr neue Rekordbilanzen vor. Das hängt auch unweigerlich stark mit dem vieldiskutierten Bierpreis zusammen. Auf der Theresienwiese kostete 2013 das Maß zwischen 9,40 Euro und 9,85 Euro. „Gib mir mehr!“ gilt also gleichermaßen für das feierwütige Volk und die Käfers oder Grandls dieser Welt. Jeden September und Oktober locken die Veranstalter Millionen von Einheimischen und Touristen in die Biertempel der Brauereien und Festwirte. Ein groteskes Schauspiel, das so deutsch ist, wie Pünktlichkeit oder Schwarzwälder Kirsch. Diese Massenevents mit integrierter Lizenz zum Gelddrucken sind perfekt inszeniert von den veranstaltenden Agenturen. Womit wir beim Thema wären: Wie wird im Bereich Alkohol/Tabak werbewirksam kommuniziert? Sehr schön festmachen lässt sich dies an diversen Kampagnen von großen Brauereien und Tabakkonzernen. Paradebeispiele dafür sind vor allem der Marlboro-Cowboy und das Beck’s Schiff. Die Idee, Freiheit, Männlichkeit und Kraft durch die Personifizierung des American Dreams verkörpern zu las-

sen, wurde schon 1954 bei der 1934 vom Werbetexter Leo Burnett gegründeten, gleichnamigen Agentur entwickelt. Der wohl bekannteste Darsteller des Marlboro-Mannes war der Schauspieler Wayne McLaren, der ironischerweise 1992 nach übermäßigem Zigarettenkonsum an Lungenkrebs verstarb. Man kann im Sinne der Kampagne nur hoffen, dass es sich wenigstens um Marlboro Glimmstengel handelte, die ihn das Leben kosteten. Ganz nebenbei betreut Leo Burnett Worldwide heute 8 der 10 meistverkauften Consumer Brands der Welt, darunter CocaCola und Procter&Gamble-Produkte. Natürlich versuchen die Konzerne getreu dem MD-Motto „Gib mir mehr“ den Konsumenten zum Kauf zu verführen. Dazu lösen sie die Kampagne vom eigentlichen Produkt los und spielen stark auf Emotionalität an. Freiheit und Unkonventionalität sind hier oft zentrale Punkte. Sehr einleuchtend ist diese Vorgehensweise, wenn man sich vor Augen führt, dass die Produkte eigentlich nur zerstörend auf den Körper wirken. Man muss ein Lebensgefühl vermitteln - perfekt umgesetzt von Marlboro. Im Nachhinein betrachtet, machte diese Kampagne die Tabakmarke zum Weltmarktführer.

MD #62 - G ib

mir mehr !

11


Gib mir mehr Prozente!

Das gleiche Instrument setzte auch Beck`s mit der äußerst erfolgreichen Kampagne um den grünen Dreimaster und den Sailaway-Song um. Diese Liste könnte man beliebig fortsetzen: Jever mit einer Strandszenerie, Cinzano Asti mit Dolce Vita in Venedig und so weiter. Dass es auch ganz anders geht, zeigt uns z.B. das Astra-Bier. Hier wird mit plakativen und meist frechen Sprüchen, Aufmerksamkeit erhaschenden Motiven oder sogar mit der Kiezattitüde à la straight outta St. Pauli geworben. Headlines wie: „Wer wird Milieunär?“ erregen einfach Aufmerksamkeit. Dieser Weg wird vom Verbraucher honoriert: Seit Jahren gilt Astra als absolute Trendmarke der Andersdenkenden. Auch bei der Medienwahl ist Astra außergewöhnlich. Hauptsächlich wird über Werbeplakate geworben, die die Eigenheit der Marke verkörpern sollen.

entbehrliche Rituale. Entsprechend wird auch dafür geworben: Man will Gefühle erzeugen und den Verbraucher eben gerade nicht zum Nachdenken anregen. Wie man sich letztendlich in der Cannabis-Frage entscheidet, ist kaum abzusehen. Sind für uns legale Rauschmittel nicht mehr genug und brauchen wir immer stärkere Drogen um Spaß zu haben? Vielleicht beschreibt „Gib mir mehr“ den Geist der Zeit einfach recht treffend. Als mündige Bürger müssen wir uns heute öfter denn je die Frage stellen: „Ist weniger manchmal doch mehr?“

Illegale Drogen sind weiterhin ein großes Problem in Deutschland: Rund 30% der Bevölkerung haben sich schon mindestens einmal mit Cannabisprodukten berauscht. Sollte man sich nicht aber die Frage stellen, ob der Gesetzgeber oder die Konsumenten die Wurzel des Übels sind? Viele Experten sind der Meinung, die weltweite repressive Politik gegen Cannabis ist gescheitert. Uruguay ist seit diesem Jahr das erste Land, in dem Cannabis komplett legal ist. Auch in den Vereinigten Staaten haben die Bundesstaaten Colorado und Washington die Droge freigegeben. Daneben wird hierzulande die Opposition gegen bestehende Regularien immer stärker. „Die strafrechtliche Drogenprohibition ist gescheitert, sozialschädlich und unökonomisch“, so steigt das Experten-Netzwerk „Schildower Kreis“ in die Erörterung seines Vorschlags zur Legalisierung des Cannabiskonsums in Deutschland ein. Laut „Süddeutscher Zeitung“ haben die 122 namhaften Professoren des Strafrechts eine Petition, die in der Einsetzung einer Enquetekommission durch den Bundestag münden soll, unterzeichnet. Linke und Grüne signalisieren Unterstützungsbereitschaft für das Papier, das anstrebt die Drogenpolitik auf den Prüfstand zu bringen.

Guter Einstieg in eine Karriere voller Energie

bei den Stadtwerken Pforzheim:

Den Drogenmarkt liberalisieren? Es hat den Anschein, dass manche wirklich nie genug bekommen können. Die Motivationen der einzelnen Unterstützer sind aber wohl verschiedene: Während es bei den Grünen in der Natur der Sache liegt für die Legalisierung von Cannabis zu plädieren, geht es bei den Linken wohl eher um Stimmenfang. Das Netzwerk der Rechtsprofessoren zielt, nach eigener Aussage, auf Entkriminalisierung ab, ein Abrutschen in die Szene solle verhindert werden.

Verschiedene Ausbildungsberufe ■ Duale Studiengänge ■ Praktika ■

Bei Interesse steht Ihnen die Personalabteilung zur Beantwortung Ihrer Fragen gerne zur Verfügung. personalabteilung@stadtwerke-pforzheim.de oder telefonisch unter 07231/39-1043.

Nicht zuletzt könne so dem organisierten Drogenhandel das Handwerk gelegt werden. Kartelle und mafiöse Vereinigungen würden zusammenbrechen, da der Handel mit Cannabis 60% des weltweiten Umsatzes mit illegalen Drogen ausmacht. Und vielleicht würde sich der eine oder andere gestresste Berliner Abgeordnete und mancher Hochschulprofessor einfach gerne mal einen Joint anzünden. Abschließend kann man sagen, dass Alkohol und Tabak elementare Bestandteile unserer Kultur sind und das auch so bleiben wird. Was kein Plädoyer für den hemmungslosen Konsum sein soll, aber man muss sich bewusst sein, dass sie einfach zentrale Punkte unserer Lebensweise sind - liebgewonnene und un12

MD #62 -G ib

Informationsveranstaltungen für Schulklassen ■ Themen für Bachelorarbeiten ■ Aushilfsjobs für Studenten ■

Der Autor: Maximilian Pohlner 2. Semester BW/Marketingkommunikation & Werbung „Stillstand ist Rückschritt.“

mir mehr !

Die SWP Stadtwerke Pforzheim GmbH & Co. KG ist der Energiedienstleister für Pforzheim und die Region Nordschwarzwald. Mit neuen Produkten positioniert sich die SWP auch bundesweit. Über 80.000 Kunden vertrauen der Kompetenz der SWP in allen Energiefragen. Mit über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erzielt die SWP-Gruppe einen Jahresumsatz von ca. 300 Mio. Euro. Weitere Informationen über die SWP erhalten Sie unter: www.stadtwerke-pforzheim.de MD #62 - G ib

mir mehr !

13


Mysterium Gestalter Weißt du noch, wie es war, als man im Kindergarten am großen Tisch mit der Erzieherin saß und drei Stunden lang Bilder gemalt hat, ohne ein einziges Mal den Gedanken zu hegen - was soll ich denn jetzt noch malen? Ob es ein Bild für Mama oder Opa war oder ob du einfach alle Stifte auf die Seite geschmissen und deine Hände in Farbe getunkt hast, um das nächste Kunstwerk zu erschaffen - es gab immer etwas, dass uns eingefallen ist, oder? Mal unter uns - wie stellst du dir einen typischen Gestalter vor? Natürlich kann es keinen typisch kreativen Menschen geben, doch ein paar Charakterzüge und Verhaltensweisen haben alle Künstler bzw. Gestalter gemeinsam. Ich glaube viele Gestalter sind im Kopf wie Kinder. Sie sehen die Welt als Spielplatz, auf dem sie sich austoben, ihre Augen auf Plakaten herumtollen und alle Eindrücke in sich aufsaugen können. Sie haben das Bedürfnis, die Welt zu erforschen und zu erfahren, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Zuhause füttern wir unseren Geist mit diesen Eindrücken und werden im besten Fall dadurch produktiv. Es besteht kein Zweifel, dass das massive Wachstum von visuellen Eindrücken Gestalter zunehmend unter Druck setzt. Wenn ich ein kreatives Loch habe, ist mein erster Weg an meinen Laptop und ins Netz. Sonst gibt es in meinem Studentenzimmer auch nicht mehr Möglichkeiten. Zeit um sich draußen bei einem Spaziergang einen klaren Kopf zu machen, ist nachts um 2 Uhr vor Abgabe der Arbeit blöderweise meistens auch nicht. Also, her mit der Inspiration aus dem Netz! Aber wenn ich im Internet auf Websites wie Pinterest, Tumblr oder Kunst-Blogs herumlungere, dann bin ich danach meist unproduktiver als zuvor. Hier sieht man mal wieder, wie sehr wir uns von der Technik abhängig machen und unsere Selbstständigkeit Stück für Stück aufgeben. Ich würde sogar vorsichtig behaupten, wir sind zu faul geworden unser Gehirn zu nutzen, wie es die Generation vor uns noch musste. Indem Gestalter nach Inspiration im Netz oder in Büchern Ausschau halten, wird der eigene Gedankenfluss manipuliert. Wir geraten immer schneller in Versuchung zu kopieren, wenn uns das im Kopf herumschwirrt, was wir eben noch betrachtet haben. Der Schriftsteller Henry James sagte nicht umsonst, dass ein Autor jemand sei, bei dem „nichts verloren geht“. Aber was uns wirklich zu guten Gestaltern macht, ist aus Inspiration etwas Neues zu erschaffen. Neue kreative Ideen! Die Frage, die sich hier stellt - wie soll man bei der Masse an vorhandenem Design etwas noch nie Dagewesenes erschaffen? Als ich heute Abend mit meinem Mitbewohner Lukas (Schmuckdesignstudent) am Tisch saß, kamen wir auf das Thema zu sprechen. „Mir fällt vor allem in der Schmuckbranche auf, dass die Gestalter auf der ganzen Welt durch das Internet denselben Input haben. Durch Websites, die als Inspirationsquellen genutzt werden, vereinigen sich die einst vielseitigen Stile zu einem einheitlichen Brei. Früher haben sich aufgrund der unterschiedlichen Kulturen und Lebensumstände gleichzeitig individuelle 14

MD #62 -G ib

Stilrichtungen etabliert. Heutzutage füttern Gestalter aller Welt ihren Kopf mit demselben „Essen“. Und was am Ende dabei herauskommt ist - entschuldigt - beinahe dieselbe Scheiße.“ Aber ich finde er hat Recht: „Es ist viel seltener geworden, dass Gestalter aus diesem einheitlichen Schema ausbrechen und ihr eigenes Ding durchziehen. Ich gebe den neuen Medien eine Teilschuld daran. Es ist eben einfacher und schneller, zu kopieren als zu kreieren.“ Kreativität ist nicht auf Knopfdruck abrufbar, auch wenn es auf viele so wirken mag. Sie ist oft mysteriös und unvorhersehbar. Ideen kommen manchmal aus dem Nichts und verschwinden plötzlich, wenn man sie am meisten braucht. Als Designer stehen wir jeden Tag vor der Aufgabe, in kurzer Zeit viele Ideen hervorzubringen. Es mag so aussehen, als würden uns die Ideen nur so zufliegen oder sie wären plötzlich da, ohne dass wir etwas dafür tun müssten. Doch unsere Ideen entstehen nur, wenn wir unser Gehirn mit Input füttern oder unseren Gedanken beispielsweise in Form von Tagträumerei freien Lauf lassen. Ohne neue Eindrücke, ohne Beobachten, Analysieren und Verstehen mir mehr !

entstehen auch keine neuen Gedanken im Kopf. In gewisser Weise stimmt es, dass unsere Arbeit das Produkt unserer Umwelt und unserer Erfahrungen ist.

Die Autorin: Jasmin Höger 1. Semester Visuelle Kommunikation (VK)

Wikipedia hat mir geflüstert, dass man unter Inspiration allgemeinsprachlich „eine Eingebung, etwa einen unerwarteten Einfall oder Ausgangspunkt künstlerischer Kreativität“ versteht. Und damit möchte ich an diesem Punkt abschließen. Also hier mein Tipp an alle Gestalter oder an diejenigen, die es werden wollen: Es heißt nicht umsonst „unerwarteter Einfall“. Die Menschen da draußen wollen keine Kopien, sie wollen neue Kreationen von euch. Weg vom Laptop, wenn ihr ein kreatives Loch habt. Ein kleiner Spaziergang oder ein Treffen mit Freunden ist oft hilfreich, um einen klaren Kopf zu bekommen und sich inspirieren zu lassen. Leider hat noch niemand herausgefunden, wie unser imaginäres Gedächtnis wirklich funktioniert - deshalb muss bis dahin jeder seinen eigenen Weg finden, um wieder ein bisschen Kind im Kopf zu werden.

MD #62 - G ib

„How did the hipster burn his tongue? He drank his coffee before it was cool.“

mir mehr !

15


#Blogger - die Spezies der Onlinekünstler

#Blogger - Die Spezies der Onlinekünstler Ob auf YouTube, twitter, Instagram oder Facebook: Für manche sind sie pure Inspiration, für manche jedoch die Neuzeitplage des 21. Jahrhunderts – Blogger. Da trifft man sich mit einer Freundin, will ihr das neue Video von XY auf YouTube zeigen und bekommt schon auf der Startseite Videovorschläge, wie man sich am schönsten die Nägel lackieren kann. Bitte, wer braucht sowas schon? Das Internet bietet eine große Plattform: Mode, Beauty, Reisen, Interior oder Essen – jeder Blogger lebt seine „Individualität“ anders aus. Manche spezialisieren sich auf einen Bereich, es gibt aber auch Alleskönner. Wie werde ich denn jetzt Blogger? Kauf‘ dir ein fetziges H&M-TShirt, schieß‘ ein Selfie mit Duckface und veröffentliche es auf deinem vorher erstellten Blog. Natürlich dürfen die passenden #hashtags nicht fehlen, damit deine Kreativität auch weit verbreitet wird. Beginne mit zwei Einträgen am Tag und poste dann immer mehr von deinem interessanten Leben. Mach zusätzlich Werbung auf Instagram und Facebook, sodass auch alle deine Freunde sehen, wie hip dein neues Outfit ist. Wenn du diese Spielregeln befolgst, wirst du der King deiner Follower. Du brauchst jedoch ein dickes Fell, denn der tägliche Shitstorm deiner Hater ist natürlich vorprogrammiert. Es kann ja nicht jeder deinen Geschmack feiern. Als Ottonormalverbraucher fragt man sich da schon, welchen Sinn und Zweck diese Selbstinszenierung hat. Für die einen ist es natürlich nur Spaß, andere aber machen es zu ihrem Beruf. Denn wenn du es voll drauf hast, kannst du mit deiner besonderen Gabe auch richtig fette Kohle verdienen. Häufig besuchte Blogs werden nämlich ausgestattet bzw. von Firmen gesponsert. Diese benutzen bekannte Blogger als Marketingstrategie: Karl Lagerfeld schenkt dir also ein 4000 Euro Chaneltäschchen, du machst wie immer ein Foto von dir und schon wird Werbung gemacht (und dein Geldbeutel aufgefüllt)! Werden dir die Berufe Trendsetter oder Stylist zu langweilig? Macht nix! Du kannst ja immer noch Koch, Restaurantkritiker, Reiseführer und Innenarchitekt werden. Dokumentiere deinen Kurztrip nach Paris und lass deiner Kreativität freien Lauf. Klar, weißt du als Insider, wo man am besten shoppen und essen gehen kann oder wo die schönsten Sehenswürdigkeiten sind. Reisen hin oder her, deine Kamera muss stets einsatzbereit sein! Obacht! Check‘ auf jeden Fall bei jeder Reise in einem Hotel mit kostenlosem WLAN ein – deine Follower warten schon sehnsüchtig auf deine täglichen Posts.

lich ernährst du dich ja doch gesund und ausgewogen. Für manche bist du eben eine Art Vorbild. Tine Wittler reloaded Do it yourself! – den Bachelor als Innenarchitekt hast du schon in der Tasche, deshalb werden fleißig neue Wohn- und Dekorationsideen gepostet. Ob modern oder nostalgisch, in deinem Blog ist alles vertreten. Die „neusten“ Vintageteile findest du auf dem wöchentlichen Flohmarkt, um diese etwas aufzupeppen wird geschleift, gesprayt, gemalt und bezogen. (Ob das dann danach so toll aussieht, ist Ansichtssache.) Ok... ja, sorry. Vielleicht haben wir den Bogen etwas überspannt und das Ganze zu sehr ins Lächerliche gezogen. Über Blogeinträge und deren Sinn lässt sich natürlich streiten. Persönlich finden wir, dass das Internet hilfreiche und interessante Blogs zu bieten hat. Bei Reiseblogs wird die Lust zum Reisen durch tolle Momentaufnahmen und intensive Reiseberichte geweckt. Man entscheidet sich aufgrund eines Blogs vielleicht auch für den ein oder anderen Ort, der nicht erste Wahl war. Auch Foodblogs können sehr hilf- und ideenreich sein. Ausgefallene Rezepte oder auch Tipps zur individuellen und abwechslungsreichen Ernährung können das Kochen oder Backen verschönern. Die oft professionellen Fotos erwecken Lust zum Nachmachen und Selbstkreieren. Interior-Blogs sind jedoch nur dann interessant, wenn sie auch von „echten“ Profis oder Bloggern mit einem gewissen ernstzunehmenden „Know-How“ stammen. Mode- und Beautyblogs sind oft total überladen, voller Selbstinszenierung und kaum individuell. Aus diesem Einheitsbrei herauszustechen, gestaltet sich schwierig. Längst nicht alle sind brauchbar, präsentieren verwackelte Bilder und nerven mit ihrer selbstüberzeugten „Kreativität“. Wir fragen uns natürlich: Was kommt denn als nächstes? Über was wird denn in Zukunft so gebloggt? Vielleicht konnten wir dich ja zu neuen Blogideen inspirieren – also ran an den Speck!

Die Autorin: Helen Seitter 1.Semester BW/Werbung & Marketingkommunikation „Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick.“

Die Autorin: Anna-Sophia Bauer 1.Semester BW/Werbung & Marketingkommunikation

Heute schon gefuttert? Da du ja auch Fooddesigner bist, weißt du, wie du dein Essen stets ins richtige Licht und gut in Szene setzen musst. Ob vegane Muffins, Lowcarb Rezepte oder eine Portion Pommes, bei deinen Fotos bekommt jeder Hunger oder den Anreiz ein paar Pfunde kullern zu lassen, denn hauptsäch16

MD #62 -G ib

„Whoever controls the media, controls the mind.” (Jim Morrison – The Doors)

mir mehr !

MD #62 - G ib

mir mehr !

17


Gehirn aus, Gadget an

Schweden - Warum Schweden?

Gerücht, dass die Schweden ein stilsicheres Volk sind, welches sich jederzeit bewusst, aber nicht aufdringlich, sowohl einkleidet als auch einrichtet. Ich rede hier nicht von IKEA - vor allem junge Leute zehren stark von den zahlreichen Second Hand Shops in der Stadt und den noch zahlreicheren Flohmärkten zur Sommerzeit. Das bezieht sich nicht nur auf Privatwohnungen, sondern auch auf Cafés, Restaurants und Bars. Mir ist während meines Aufenthaltes nicht ein Ort aufgefallen, der nicht bewusst und stilgerecht eingerichtet wurde. Mein Tipp: Auf jeden Fall und jederzeit die typischen FastfoodAdressen links liegen zu lassen und sich die Zeit für die echten einheimischen Lokale nehmen. Echte Freunde: Schon die Rektorin der Universität Göteborg prophezeit in ihrer Willkommensansprache, dass man hier Freunde fürs Leben kennen lernt und sie hat Recht! Dennoch muss man auch auf eine gewisse Zurückhaltung von Seiten der Einheimischen vorbereitet sein. Understatement gehört nun mal zum „swedish way of life“. Englisch sprechen hier übrigens alle, absolut jeder und das auch sehr routiniert, die Kommunikation sollte also für den typisch deutschen Studenten kein Problem sein. Das ist natürlich ein Vorteil, aber es bedeutet auch, dass man es, zumindest wenn man nur für ein Semester bleibt, schwer haben wird Schwedisch zu lernen. Überhaupt darf man nicht erwarten, dass man mit Schweden eine neue Welt betritt, spätestens wenn man die LIDL-Leuchtreklame sieht wird man sich manchmal fragen, ob man nicht noch in Deutschland ist. Dieser Eindruck wird noch verstärkt, da man recht häufig deutschen Studenten oder Touristen über den Weg läuft. Auch ansonsten wirkt Schweden nicht fremd, man wird nur selten im Supermarkt stehen und nicht Wissen, was man da vor sich hat oder was man kaufen soll und was nicht. Wer also einen extremen kulturellen Umbruch erleben möchte, sollte sich also wenn möglich vielleicht eher Richtung Asien orientieren.

Schweden - Warum Schweden?

Warum Schweden? Als Teenager hatte ich das Glück viele Sommerurlaube mit meiner Familie im Süden Schwedens zu verbringen und wie es wohl bei den meisten Besuchern der Fall ist, möchte man, wenn man einmal dort war, auch immer wieder zurückkehren. Daher fiel mir meine Entscheidung nach Göteborg zu gehen nicht besonders schwer. Ich bin, während ich schreibe, immer noch in Göteborg, Schwedens zweitgrößter Stadt und ich kann schon jetzt sagen, dass diese Entscheidung sicherlich eine der besten war, die ich je getroffen habe. Kurze Tage, schlechtes Wetter: Wenn man Glück hat so bekommt man, wenn man sich für das Sommersemester entscheidet, vielleicht noch etwas vom wunderschönen schwedischen Winter mit. Das bedeutet viel Schnee und nicht so extrem niedrige Temperaturen, wie man das vielleicht erwarten würde, denn die wirklich kalten Tage sind im Januar normalerweise schon vorbei.

18

MD #62 -G ib

Dennoch muss man auf ungemütliches Wetter in Form von Wind und Regen vorbereitet sein und darauf, dass man vielleicht für mehrere Tage am Stück sehr wenig Tageslicht sehen wird. Aber es sei gesagt, dass diese Zeit des Leidens vorbeigeht und man anschließend mit einer traumhaften Sommerzeit belohnt wird. Wer also wie ich von Januar bis Juni in Schweden ist, bekommt beides: Skandinavischen Winter und schöne Sommertage. Außerdem bekommt man die wundersame Transformation der Stadt zu sehen, welche mit den ersten wärmeren Tagen Ende März in jeder Beziehung aufzublühen beginnt. Gemütliche Wohnungen: In Folge des schlechten Wetters verbringt der durchschnittliche Schwede sehr viel Zeit drinnen und dort weiß er es sich jederzeit stilsicher und äußerst gemütlich einzurichten. Tatsächlich ging mir mehr als einmal beim Betreten der WG eines schwedischen Kollegen das Herz auf, angesichts der warmen und angenehmen Atmosphäre. Es ist kein

mir mehr !

Entspannung Pur: Vor allem für die Gestalter unter den Lesern wird es interessant sein zu hören, dass an der Hochschule für Design (HDK) eine völlig andere Einstellung zur Arbeit vorherrscht, als man das aus Pforzheim gewöhnt ist. Das hat sicherlich auch mit dem schwedischen Lebensstil zu tun: Wo der Deutsche hetzt und stresst, wird in Schweden erst mal Kaffee getrunken und Pause gemacht. Das beeinträchtigt die Produktivität indes nicht, im Gegenteil, vor allem für kreative Energie ist es ein willkommener Nährboden und im Allgemeinen beginnt man nach kurzer Zeit die Schweden für ihr ausgeglichenes Auftreten zu beneiden. Lebensmittel haben einen Wert! Ähnlichkeiten im Supermarkt oder in Restaurants zu deutschen Angeboten können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich die Preise für den Lebensunterhalt leider deutlich von denen in der Heimat unterscheiden. Lebensmittel und Drogerieartikel sind im Schnitt 10 bis 20 Prozent teurer als in Deutschland, was unter Anderem daran liegt, dass es in Schweden keinen Discounterkrieg gibt. Hier heißen die Supermärkte aber COOP, ICA oder Hemköp. Diese drei sollte man auch aufsuchen, wenn man nach echten schwedischen Nahrungsmitteln Ausschau hält. Sicher ist in jedem Fall, an spürbar höheren Lebensunterhaltskosten kommt man nicht vorbei. Dennoch wird dieser Umstand von den Einheimischen bereitwillig akzeptiert, da hier richtigerweise noch die Meinung

vorherrscht, dass Lebensmittel etwas Wertvolles sind, für die sich Geld auszugeben auch lohnt. Wichtig zu wissen ist es außerdem, dass man in Schweden fast ausschließlich mit Kreditkarte bezahlt, einige Geschäfte nehmen gar kein Bargeld mehr an, nur auf Flohmärkten wird noch in bar bezahlt. Unterkunft gesucht: Hohe Kosten machen sich leider auch bei den Wohnungspreisen bemerkbar. Verfügbarkeit und Kosten von Studentenwohnungen sind in etwa mit denen im Stuttgarter Raum zu vergleichen. Eine ausgeprägte WG-Kultur nach deutschem Vorbild wird man hier wahrscheinlich vergeblich suchen. Ich hatte auch nach mehreren Wochen keinen Erfolg mit meiner Suche auf eigene Faust. Es ist ungemein wichtig, sich für eine der speziell für ausländische Studenten reservierten Wohnungen zu bewerben. Mir und meinem Kollegen gelang es in unserer ersten Wahl und im gleichen Gebäude untergebracht zu werden. Diese liegt im Norden der Stadt in Kviberg, die mit der Tram ca. 10 – 15 Minuten vom Zentrum entfernt ist. Sie bietet geräumige und moderne Ein-Zimmer-Appartements mit Miniküche und Badezimmer an. Ein Waschraum und die Sauna (!) muss gebucht werden. Zum kleinen aber ausreichenden Fitnessstudio hat man jederzeit Zugang. In Anbetracht dieser Tatsachen sehe ich die knapp 500 Euro monatliche Miete als einigermaßen gerechtfertigt an. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um die günstigste Unterkunft, wie gesagt, es stehen mehrere Orte zur Auswahl. Was bleibt: Es ist jetzt gerade einmal Anfang April, das heißt ich habe noch zwei Monate Studienzeit und womöglich einen ganzen Monat Freizeit vor mir. Und schon jetzt kann ich sagen, dass es mir schwer fallen wird zu gehen und diese Umgebung oder die neuen Freunde zurückzulassen. Sicherlich bin ich hier mit anderen Voraussetzungen angekommen, als manch anderer, der ohne Erfahrungen mit Land und Leuten hier ankommt. Ich habe im Gespräch mit anderen Austauschstudenten festgestellt, dass diese in Göteborg keine besonders lebendige Stadt sehen und vielleicht eine Art Großstadtflair vermissen. Wer in ihr eine „Party ‚til tomorrow“ Stadt à la Berlin sucht, wird hier nicht fündig werden. Dennoch ist diese Stadt auf ihre Weise lebendig, nur eben nicht auf eine hektische, wie sie manch Deutscher gewohnt ist. An Wochenenden gibt es kaum eine Bar, in der nicht Live Musik gespielt wird und alleine schon mit dem Ausprobieren der zahlreichen Biersorten, die allerorts angeboten werden, kann man einige Zeit verbringen. Für mich ist es nach zweieinhalb Jahren Studium in Deutschland eine willkommene Abwechslung zum deutschen Studienalltag, in dem Leistung permanent unter Druck entstehen muss. Ich empfehle jedem Schweden zu wählen, der in seiner Studienzeit wertvolle Erfahrungen, neue Bekanntschaften und Perspektiven für seine Arbeit und Leben sucht, denn ob man nun eher aktiv oder gemütlich orientiert ist, man wird hier nicht enttäuscht werden.

MD #62 - G ib

Der Autor: David Oberschmidt 5.Semester Industrial Design „Jetzt sind die guten alten Zeiten, nach denen Sie sich in zehn Jahren zurücksehnen werden.“ (Peter Ustinov)

mir mehr !

19


10 Tage - 7 Euro | selbst(verschuldetes) Experiment Es ist Mitte des Monats. Beim Onlinebanking kommt mir nur in rot-leuchtender Schrift entgegen: „Ihr Saldo steht im negativen Bereich. Bitte berichtigen Sie dies mit einer Überweisung.“ Vielen Dank, liebe DKB! Auf diese Lösung wäre ich nie gekommen. Das traurige an dieser Situation ist aber, dass ich diesen Satz schon allzu gut kenne. Er leuchtet mir fast jeden Monat ins Gesicht. Langsam stelle ich mir dazu ein hämisches Grinsen auf der anderen Seite des Bildschirms vor, so in etwa wie Heath Ledger als der Joker in „Batman“, der lachend schreit: „Kim, why so poor?“ Es ist die altbekannte Tragödie - zu viel Monat am Ende des Geldes. Was tut man nun, wenn es erst der 15. des Monats ist und man bis zum Monatsende kein Geld bekommt? Durch diese Frage entstand letztendlich ein gewissermaßen gezwungenes Experiment: Ich musste mit sieben Euro 10 (zehn) Tage überleben. In den Die ersten paar Tagen war ich noch überwiegend positiv gestimmt. In meinem Kühlschrank befanden sich einige Grundnahrungsmittel sowie Schupfnudeln, Gemüse und Bier. Außerdem hatte ich noch Vorräte an Kartoffeln, Kaffee und Bier. Es schien als ob ich mindestens die erste Woche ganz gut überstehen würde. An guter Recherche darf es bei solchen Experimenten dann natürlich nicht scheitern, dem Internet sei Dank! Besonders halfen mir die vielen Filmarchive, in denen ich mir beispielsweise von Bear Grylls erklären lassen konnte, welche Raupen ich essen darf - natürlich nur für den Notfall. Zum Glück war die Wasser-Rechnung ja schon bezahlt, damit konnte ich schon mal viele seiner Tipps ausschließen. Laut einer Umfrage, die ich mir gerade ausgedacht habe, klagen 76% aller Studenten monatlich über Geldprobleme. Bei solch einer Zahl wundere ich mich allerdings viel mehr darüber, was die anderen 24% richtig machen. Die ersten paar Tage vergingen wie erhofft essens-technisch sehr angenehm, mit nur wenig vorhandener Kochkunst konnte ich Meisterwerke wie Kartoffelauflauf und Gemüse-Nudel-Pfannen kreieren. Morgens konnte ich mir auf meinem Toast sogar noch Putenbrust und Frischkäse gönnen. Ganz munter habe ich meine Äpfel, Bananen und Pfirsiche gegessen, mit dem einfachen Gedanken, dass diese sowieso bald faulen. Mittags habe ich es mir erlaubt, nicht in der Mensa, sondern zuhause meine letzte Pizza zu essen. Offensichtlich hat dies dazu geführt, dass mein Kühlschrank nach vier Tagen schon sehr viel ärmlicher aussah. Das „Luxus-Leben“ wurde somit beendet, der Essenspyramide habe ich im Rückspiegel noch zu gewunken und die Vorsätze meiner Mutter wurden auch aus dem Fenster geschmissen. Ab Tag 5 gab es kein Gemüse, Obst oder Fleisch mehr. Entgegen aller Erwartungen hatte ich allerdings noch Bier. Es war also Halbzeit und ich hatte zwar kein Essen mehr im Kühlschrank, allerdings waren meine Vorräte noch intakt und die sie20

MD #62 -G ib

ben Euro hatte ich mir auch aufgehoben. Beim Einkaufen habe ich noch nie - und werden hoffentlich auch nie wieder - so streng auf die Preise geschaut. Jeder Student und jeder „Hartzer“ war bestimmt schon einmal in der Situation gewesen, mit einem Taschenrechner durch den Supermarkt laufen zu müssen. Ich kam mir beinahe vor wie bei der Ostereiersuche, nur dass ich bei Lidl nicht nach glänzenden Schokoeiern gesucht habe, sondern nach der günstigsten haltbaren Milch. Meine neue „Diät“ beinhaltete eigentlich nur noch: Nudeln mit Butter, Kartoffeln mit Butter oder Brot - mit Butter. Am 7. Tag war ich dann so verzweifelt, dass ich mir eine App heruntergeladen habe, welche dafür angepriesen wurde, einfache Rezepte mit den Zutaten, die gerade im Haus sind, erstellen zu können. Es war nur schade, dass die App mit Tomatenmark, Toast, Milch und Kartoffeln nicht so viel anfangen konnte. Egal, klarer Herstellungsfehler - sofort wieder vom Handy gelöscht. Da muss man dann halt „old-school“ sein, und ein Kochbuch aufschlagen. Und sogleich hatte ich meinen neuen besten Freund für die kommenden drei Tage gefunden, ein Kapitel namens „Am Ende des Monats“ in einem Kochbuch für Studenten. Mit den letzten sieben Euro kaufte ich mir also Dinge wie Käse, Kartoffeln und Nudeln. Abends machte ich mir munter selbstgestampften Kartoffelbrei mit Käse und dachte, dass das eigentlich gar nicht so schlecht ist. Man könnte dieses „7-Eurofür-10-Tage-Leben“ ja mal öfters machen, dann hat man auch nicht so ein schwerwiegend schlechtes Gewissen, wenn man mal wieder bei H&M in der Umkleide steht. Dieser Gedanke verflog allerdings wieder sehr rasant als ein Blick auf den Vorrat verriet, dass nur noch eine sehr einsame Flasche Bier übrig war. Der Moment war also gekommen, hier sollte ich brechen. Dies war meine 13. Heldentat und verdammt nochmal Herkules wäre stolz auf mich gewesen. Ich aß tapfer meinen Kartoffelbrei weiter und trank mein Wasser.

so wenig Energie, dass ich mich aufrichtig gewundert habe wie wir Israeliten nur mit Fisch und Brot so lange durch die Wüste hätten laufen können. Es war allerdings der letzte Tag und ich wollte so kurz vor dem Ziel auch nicht aufgeben. Auf meiner Mensakarte befanden sich noch 50 Cent. Ich bin fast zu den Äpfeln in der Cafeteria gesprungen und die Kassiererin wurde bestimmt noch nie von einer Studentin mit einem Apfel derart angestrahlt. Der Apfel führte dazu, dass ich mich wieder etwas leichter in die Vorlesungen schleppen konnte, jedoch hatte ich dank mangelnder Nervennahrung einen gefühlten IQ vergleichbar mit dem von Daniela Katzenberger. Mein letztes Abendmahl habe ich dann sogar genüsslich gegessen, mit dem Gedanken, dass Nudeln und Kartoffeln bald ersetzt werden würden durch Gemüse, Obst und Bier. Am nächsten Tag loggte ich mich dann wieder voller Vorfreude beim Onlinebanking ein und habe fast meinen Bildschirm abgeknutscht. Ich war nun nicht mehr Oliver Twist, der nach mehr Suppe bettelt, ich war viel eher Dumbledore, der mit einem simplen herbeiwinken ganze Säle mit Essen füllte. Lidl habe ich an dem Tag gefühlt leer gekauft. Erst an der Kasse wurde mir dann klar, dass dies nur die Menge von einem, der normal zwei, wöchentlichen Einkäufe war. Erst nach diesem Einkauf, unter diesen Umständen, wurde mir klar, wie viel wir eigentlich für Essen im Durchschnitt ausgeben. Das ist natürlich auch akzeptabel. Wie ich schmerzlich herausgefunden habe, ist es wirklich nicht möglich nur mit Brot und Wasser zu verweilen. Es ist nun auch gut zu wissen, dass man eigentlich auch mit wenig Geld auskommen kann. Trotzdem, die erste Pizza nach meiner zehn Tage Tortur kann ich nur vergleichen mit der Euphorie nach den bangen drei Minuten Wartezeit beim Ablesen des Schwangerschaftstest. Was mir dieses Experiment allerdings wirklich gezeigt hat, ist, dass hoffentlich auch ein Job am Ende des dunklen StudienTunnels wartet, welcher mir erlaubt taschenrechnerlos einen Einkauf zu tätigen.

Die Autorin: An meinem 8. Tag lag ich melancholisch auf dem Küchenboden - die fehlenden Vitamine machten sich langsam bemerkbar - als meine Mitbewohnerin mit einer riesigen Tüte zur Tür hereinkam. Sie erzählte mir aufgeregt auf welche WG-Party es in den nächsten Tagen gehen sollte, während ich nur mit Entsetzen zusehen konnte, wie sie ihre Champignons, Äpfel und den Ziegenfrischkäse auspackte. Mein Fach im Kühlschrank konnte an dem Zeitpunkt nur eine fast leere Packung Tomatenmark und eine leere Tüte Milch vorweisen. Der Obergau kam dann als sie mich voller von Nährstoffen unterstütztem Elan fragte, ob sie ihren Traubensaft und ihren Mozzarella nicht bei mir ins Regal stellen könne, da sie keinen Platz mehr habe. In diesem Moment dachte ich noch, dass Judas wenigstens 12 Stück Silber mitgebracht hatte. Am besten erinnere ich mich an den letzten Tag meiner selbstverschuldeten Diät. Mein Kreislauf hätte die Pointe eines schlechten Witzes sein können,. Ich war mir nicht sicher, ob ich es die Treppen hoch oder runter schaffe. Ich hatte mir mehr !

Kim Rogers 2.Semester BW/Media Management & Werbepsychologie „Hakuna Matata“


Das große Gesprächssterben

uns trotz zeitlicher und räumlicher Distanz mit alten Freunden vernetzt zu bleiben. Wir sehen wohin andere reisen, welche Veranstaltungen sie besuchen und was sie bewegt. Informationen zu sammeln und zu verteilen war früher mühsam und ist heute leichter wie nie zuvor. Der Mensch sehnt sich nach Neuigkeiten, denn das Gehirn will nicht gelangweilt werden. Was hält uns dann nicht besser auf Trab als permanent vernetzt und auf dem neusten Stand zu sein? Dem Internet sei dank! Meines Erachtens haben die neuen Medien unsere Art und Weise der Kommunikation revolutioniert und bereichert. Wir haben viel mehr Möglichkeiten uns unseren Freunden oder gleich der ganzen Welt mitzuteilen. Jedoch spielt auch hier die Dosis eine wichtige Rolle. Wer sich nur noch über das Smartphone oder Chats unterhalten kann, verpasst doch viele schöne Momente, die man nur erleben kann, wenn man gemeinsam über die Tollpatschigkeit des anderen lacht. Und was geht schon über ein echtes Gespräch unter Freunden?

Die Autorin: Alina Rüger 4. Semester BW / Mediamanagement & Werbepsychologie „Wenn das Leben uns in die Knie zwingt, tanzen wir Limbo“

Das große Gesprächssterben

„Habt ihr schon gesehen, was Julia gepostet hat? Ganz schön peinlich!“ Abwesendes Nicken. Schweigen. Nur das gelegentliche Klicken einer WhatsApp-Nachricht unterbricht die drückende Stille am Tisch. Szenen wie diese sind keine Seltenheit mehr. Aus diesem Grund vermuten einige zurecht: Jugendliche hätten sich heutzutage nichts mehr zu sagen. Wenn Sie sich treffen, seien alle mit ihrem eigenen Smartphone beschäftigt – man müsse ja im Kontakt mit den nicht anwesenden Freunden bleiben. Internet, Smartphones und Co. hätten unsere Kommunikationskultur zerstört. Doch wie viel steckt wirklich hinter dieser Behauptung? Die zwischenmenschliche Kommunikation hat sich durch die neusten technischen Errungenschaften verändert, daran besteht kein Zweifel. Ob die Digitalisierung der Kommunikation dabei geschadet hat, ist fraglich. Während man früher kleine Zettelchen durch die Bankreihen schicken musste oder sich auf gut Glück auf dem Spielplatz getroffen hat, müssen die Kinder und Jugendlichen heutzutage nur noch ihr Handy zücken und ein paar Minuten später hat sich die Nachricht über die schreckliche Frisur der Lehrerin verbreitet. Es ist offensichtlich: Man kommuniziert neuerdings einfacher, 22

MD #62 -G ib

schneller und an viele Empfänger gleichzeitig. Was früher nur den Massenmedien möglich war, kann heute jeder. Ein Post genügt und schon hat man die breite Masse innerhalb von Sekunden informiert. Vom Gesichtspunkt der Schnelligkeit und Reichweite haben die neuen Medien klare Vorteile, doch ermöglichen sie es auch anonymer und unpersönlicher zu kommunizieren. Versteckt hinter Nicknames fällt es den Usern zusehend leichter ihre Meinung im World-Wide-Web zu publizieren. Dabei agieren die meisten sehr unüberlegt und direkt – wie sonst kommen derart ausschweifende Shitstorms zustande? Die zeitliche und räumliche Distanz zwischen den miteinander kommunizierenden Personen lässt die Hemmschwelle der Interaktionspartner sinken. Dadurch, dass man sich nicht direkt gegenüber steht, traut man sich schnell Dinge zu „sagen“ (besser: zu schreiben), über deren Formulierung man sich normalerweise lange im Voraus Gedanken gemacht hätte. Doch das Smartphone schützt uns vor den Reaktionen der gegenüberstehenden Seite.

mir mehr !

Dass das Ausbleiben der Reaktionsbeobachtung des anderen nicht immer von Vorteil ist, erklärt sich unter anderem anhand des Sender-Empfänger-Modells. Aus psychologischer Sicht ist Kommunikation ein wechselseitiger Prozess zwischen einem Sender und einem Empfänger. Informationen und Botschaften werden dabei vom Sender verschlüsselt und an den Empfänger übermittelt. Die Entschlüsselung der Botschaft obliegt dem Empfänger, der die Botschaft völlig frei interpretieren kann. Genau in diesem letzten Schritt lässt sich ein Problem der medienvermittelten Kommunikation erkennen. Durch den Verlust der nonverbalen Kommunikation, bestehend aus Gestik und Mimik, entsteht ein erweiterter Interpretationsspielraum, der schnell zu Missverständnissen führen kann. Smilies und Emoticons können das Geschriebene zwar leichter interpretierbar machen, jedoch besteht auch hier die Gefahr, dass der Sender seine wahren Emotionen bewusst überspielt. Ob man die Digitalisierung der zwischenmenschlichen Kommunikation nun als Schaden oder Bereicherung betrachtet, liegt im Ermessen jedes Einzelnen. Facebook und Co. ermöglichen es MD #62 - G ib

mir mehr !

23


Social Media - Geiler geht’s nicht

Social Media - Geiler geht‘s nicht

Foto vom Badesee mit Retro-Filter: 23 Likes. Selfie mit einem Starbucksbecher in der Hand: 45 Likes. Schnappschuss mit der kleinen Babykatze: 67 Likes. Ein Kommentar vom Schwarm: unbezahlbar. Social Media Plattformen wie Facebook, Instagram, Twitter und YouTube sind inzwischen fester Bestandteil des Alltags vieler Menschen, egal ob man zu Hause auf dem Computer bei Facebook guckt, was die Freunde so treiben oder versucht vielleicht schon längst erloschene Freundschaften aufrecht zu erhalten. In der Vorlesung auf dem iPad hat man neben dem BWL-Skript noch die Twitter-App geöffnet, um auf dem neuesten Stand zu bleiben. Unterwegs checkt man eben mal auf dem Handy, was die Freunde auf Instagram aus ihrem Leben bildlich festgehalten haben und mit ihren Followern teilen wollen. Besonders wichtig dabei ist das Feedback in Form von Likes, Kommentaren und Ähnlichem - je nach Plattform: Auf Facebook gibt es den „Daumen hoch“, auf Instagram ein „Gefällt-Mir-Herz“ und auf Twitter einen „Favorisieren-Stern“. Wie auch immer man das nennen mag, viele Menschen - vor allem jüngere - suchen sich dadurch Bestätigung und Aufmerksamkeit für ihr Leben, das auf den Social Media Plattformen natürlich möglichst interessant und aufregend dargestellt wird. Wer kennt es nicht: Man postet Fotos, Videos oder Links auf Facebook und Co. und wartet gespannt auf die Reaktionen. Schnell merkt man, was in den sozialen Netzwerken gut ankommt, welche Posts besonders oft geliked und kommentiert werden. Bei manchen geht das sogar so weit, dass der Post wieder gelöscht wird, wenn die Reaktionen darauf eher verhalten sind. Das nächste Mal wird sich dann wieder mehr Mühe gegeben bei der Auswahl des Motivs und der Spruch dazu muss auch origineller sein. Selbstverständlich freuen wir uns alle über positive Reaktionen, wenn wir etwas aus unserem Leben teilen. Und sind auch ein bisschen enttäuscht, wenn es niemanden interessiert. Deshalb lernen wir schnell, was gut ankommt und richten unsere persönliche „Öffentlichkeitsarbeit“ auf die Gesetze der sozialen Aufmerksamkeit aus. Die Regeln sind klar: Je angesagter die Location ist, in die man eincheckt, desto mehr Leute sind beeindruckt. Je stylischer das 24

MD #62 -G ib

Outfit auf dem Selfie, desto mehr begeisterte Kommentare. Also überlegen wir genau, was wir von unserem Leben preisgeben. Wir wägen ab, selektieren und präsentieren dann die bestmögliche Version von uns. Steigert man sich in diese Welt aber zu sehr hinein, kann es auch zu Stress ausarten, ständig etwas Aufregendes aus dem eigenen Leben in die digitale Welt hinausposaunen zu müssen. Denn was ist, wenn mal gar nichts Spannendes passiert, wenn man einfach mal einen schlechten Tag hat? Die Außenwirkung wird plötzlich das Allerwichtigste, was zur Folge hat, dass man anfängt das eigene Leben zunehmend durch die Augen anderer zu betrachten. Ab einem gewissen Punkt kann diese Selbstdarstellung im Netz sogar zu einem regelrechten Zwang werden, wodurch man das Gefühl für sich selbst zu verlieren beginnt. Bei manchen geht der Trend der Selbstdarstellung so weit, dass sie damit sogar berühmt werden und Geld verdienen.

derer abhängt, sollte sich mal Gedanken machen. Jeder hat ein Verlangen nach Anerkennung, keine Frage. Aber wer seinen Tagesablauf danach ausrichtet, wann er welches Foto von sich bei Instagram teilt, sollte innehalten und überlegen, ob es nicht auch ganz schön anstrengend ist, sich ständig im Netz von der Schokoladenseite präsentieren zu müssen. Vielleicht sollten wir uns alle viel öfter mit einem Eis auf eine schöne Wiese setzen und das Leben genießen. Einfach so. Ohne davon ein Foto zu machen, ohne uns einen passenden Spruch zu überlegen, ohne ein Tweet oder einen Post bei Facebook. Einfach nur die Vögel zwitschern hören und die frische Luft atmen. Nur für uns selbst und niemanden sonst.

Die Autorin: Laura Jäkel 2.Semester BW/Marketing „Nordisch By Nature“

Da wäre beispielsweise Instagram, die von Facebook für eine Millarde Dollar gekaufte Plattform, auf der man Fotos mit Filtern versehen und mit seine Followern teilen kann. Obwohl Instagram hierzulande im Vergleich zu anderen Social Media Plattformen noch etwas hinterherhinkt, gibt es eine Gruppe, die momentan Instagram mit ganzer Kraft ausschöpft. Es ist eine eigenartige Elite von nach Ruhm hungernden Teenies, die so viele Instagram-Follower haben, dass sie wahrscheinlich einen Putsch in einer Kleinstadt organisieren könnten, wenn sie nicht einfach nur wirklich nette Kids wären, die ihr Leben damit verbringen, mit ihren Handys zu spielen. Die Uniform der Instagram-Teenies besteht aus strahlenden Augen und perfekter Haut. Die Jungs sehen alle wie Bieber-Klone aus und die Mädchen wie die Freundinnen von Surfern. In fünf Jahren wird wahrscheinlich eine von ihnen die neue Paris Hilton. Jeder wird sie kennen und keiner weiß warum. Zum Beispiel ein dänischer Justin Bieber-Verschnitt, der vor kurzem aus unerfindlichen Gründen bei Sony unter Vertrag genommen wurde, kommt mittlerweile fast auf eine Million Follower. Shout-Outs - bei denen bekannte Instagram-Nutzer die Profile ihrer Freunde verlinken und ihnen damit mehr Aufmerksamkeit verschaffen - sind zur neuen Währung geworden. Einige Nutzer lassen sich sogar im echten Leben für die virtuellen Shout-Outs bezahlen. Was also 14-Jährige mit iPhones in Social-MediaHuren verwandelt hat, die ihre eigene Existenz ausbeuten. Nur, dass sie es selbst sind, die sich vermarkten, direkt an die sie anhimmelnden Fans. Die Selbstdarstellung in sozialen Medien ist aber nicht vollends negativ, denn für manch einen entwickelt sich daraus auch eine Art Ansporn, aus dem eigenen Leben wirklich etwas zu machen und so das Optimum aus sich heraus zu holen. Positives Selbstdarstellen ist für jeden ein Anliegen, nicht nur im Internet. Wer sich über einen netten Kommentar oder ein paar Likes freut, hockt noch lange nicht in der Selbstoptimierungsfalle. Wer aber merkt, dass die eigene Stimmung stark von der Bewertung anmir mehr !

Die besten Jobs im

Nordschwarzwald

www.jobs-im-nordschwarzwald.de Finden

n– mitmachwein mitge nen Und was interessiert Dich? Wir wollen ein erstklassiges Job-Portal werden und daher interessiert uns Deine Meinung zu unserer Jobbörse. Mach bei unserer Online-Umfrage mit und hilf, unser neues Job-Portal für alle Jobsuchenden besser zu machen. Unter den Teilnehmern der Umfrage werden tolle Preise verlost. www.jobs-im-nordschwarzwald.de/umfrage MD #62 - G ib mir mehr !

25


#Don’t copy my style biatch!

ner neuen revolutionären Bewegung entwickelt. Einzigartigkeit wird durch diese fiesen Faker überall eben mal kurz durch den Dreck gezogen und schon war‘s das. Ein Teufelskreis. Aber was soll‘s - yolo! „You only live once“, wie die coolen Kids von heute sagen würden. Noch so ein Lifestyle, der weite Kreise zieht. Dieses Akronym ist übrigens Jugendwort des Jahres 2013 und einfach die Antwort auf alles. Daher wahrscheinlich auch dessen inflationärer Gebrauch. Macht ja auch Sinn. Wie man sieht, macht die Individualität einer Person mittlerweile schon viel mehr aus als nur Kleidung. Beispielsweise hinterlässt man immer mehr einen bleibenden Eindruck, wenn man wahllos mit Amerikanismen um sich wirft, um seinen Standpunkt zu vertreten. Schließlich muss man ja einen Weg finden, um den Leuten klarzumachen, wer der „Babo“ ist. Also ein bisschen Swag im Gang, Tunnels im Ohr und von mir aus fesche Strähnchen im Haar, schon ist man irgendwie einzigartig. Easy peasy. Doch grungsätzlich gilt: Wenn man sich nicht richtig verkaufen kann, sollte man es lieber gleich lassen. Alles andere wäre nämlich unwirtschaftlich. Na, wobei - yolo, haters gonna hate! #peaceout

Die Autorin: Viktoria Orschlet 2. Semester BW/ Media Management & Werbepsychologie „I solemnly swear that I am up to no good.“

#Don‘t copy my style biatch!

Don‘t copy my style biatch! Ein besonders buntes Modell der neuen Nikes, eine Snapback mit dem Logo eines Sportteams aus den USA - mit dem man eigentlich nichts verbindet - und ein schwarzes T-Shirt mit einer eindeutigen Botschaft in Form von nur einem einzigen Wort, wie zum Beispiel „me“ oder „no“ (natürlich gehashtagged) - und fertig ist das Swagger-Outfit für Anfänger! Was auch super ankommt, ist die etwas heruntergelassene Hose und noch ein wenig „Bling-Bling“. Perfekt. Und schon kann geswagged werden! Seit der dufte Rapper „Money Boy“ mit seinem Cover „Dreh‘ den Swag auf“ einen für manche Menschen unerklärlichen Erfolg landete, hat sich der Swag in den Köpfen und Kleiderschränken der heutigen Jugend ausgebreitet wie ein Virus. Manch einer würde diesen Trend auch eher als eine innere Einstellung, ja sogar als Lifestyle beschreiben, der sich von dem der „Normalos“ abhebt. Ob man diesen nun in der ursprünglichen Bedeutung „secretely we are gay“ auslebt oder nicht, ist dabei jedem selbst überlassen. Was damals noch „cool“ war, hat heute Swag und zwar so viel, dass es 2011 sogar zum Jugendwort des Jahres ge26

MD #62 -G ib

wählt wurde. Na, wenn das mal kein Epic Fail ist... Hinzukommt ein weiteres wandelndes Phänomen namens „Hipster“. Hautenge Jeans, ein bis obenhin zugeknöpftes Hemd, optional ein Pullunder und idealerweise eine Nerdbrille. Diese scheinbar braven Jungs und Mädels heben sich lieber fein gebürstet und gestriegelt vom Rest ab. Mal so nebenbei, warum steckt sich eigentlich keiner mehr die Hosen in die Socken? Ob man in sich nun den Hipster, den Swagger oder eine andere Art von Scene-Kid entdeckt hat, ist im Grunde egal, die Devise lautet: Hauptsache kein Mainstream! Denn wer will schon so sein wie die breite Masse? Das sind doch alles Doofies, die keine Ahnung von Mode haben. Der nächste Schritt zur Individualisierung lautet: Wir lassen uns Piercings stechen, hat nämlich keiner. Und Tattoos! Die haben ja noch weniger Leute. Der Selbstdarstellung sind heutzutage ja tatsächlich keine Grenzen gesetzt. Ob man sich alle zwei Wochen die Haare in allen erdenklichen Tönen färbt, Körperschmuck an interessanten Stellen trägt oder einfach nur einen auffälligeren Kleidungsstil hat, die Absicht dahinter ist mehr oder weniger dieselbe: Sich mir mehr !

zeigen, wie man wirklich ist - nämlich ganz und gar anders als der Rest der Welt. Und je abgedrehter das Äußere, desto besser kommt mein toller, einzigartiger Charakter zum Vorschein - oder nicht? Doch auch hier gilt es, die schmale Gratwanderung zwischen „Ein-gewisses-Stilbewusstsein-haben“ und „DieserJemand-hat-wohl-besondere-Bedürfnisse“ zu bewältigen. Okay, wirklich individuell wäre man heutzutage wahrscheinlich eher, wenn man diesen Humbug lassen und einfach ungeschminkt, untätowiert, ungepierced, ungefärbt, aber hoffentlich nicht ungewaschen herumlaufen würde. Ob es diese bescheidene Art von Mensch noch gibt, ist jedoch ungewiss. Falls ja, würde die Gesellschaft diesen Fall doch sowieso wieder als langweilig und öde abstempeln. Wenn man das ganze mal objektiv betrachtet, sind wir alle ein mehr oder weniger bunter Haufen, der sich in eine bestimmte Richtung bewegt und an keinem Trend vorbeikommt. Es ist aber auch wirklich schwer gegen den Strom zu schwimmen, vor allem, wenn sich ein vermeintlicher Gegenstrom wiederum zu eiMD #62 - G ib

mir mehr !

27


Liebes Dr. Sommer-Team

Liebe (machen) 2.0

nen von Menschen in der näheren Umgebung erleichtert. Man loggt sich mit seinen Facebook-Profildaten ein und durch Zufall wird einem ein Foto angezeigt, welches man „liken“ oder wegklicken kann. Erst nachdem beide User sich gegenseitig als interessant einstufen, können sie miteinander chatten. Spamnachrichten oder plumpe Anmachen werden somit verhindert und man erhält nur Nachrichten von Personen, die man auch selbst attraktiv findet. Menschen, die kein Risiko bei der Partnersuche eingehen wollen, melden sich bei der umsatzstärksten Online-Partnerbörse Deutschlands an – PARSHIP. Durch Beitragszahlungen und die Kosten für das Persönlichkeitsgutachten wird dem Entstehen von Fake-Profilen oder ähnlichem entgegengewirkt. Bei dieser Plattform steht die reine „Beziehungsfindung“ im Vordergrund. „Akademiker und Singles mit Niveau“ sollten ihr Glück bei ElitePartner suchen. Auch hier werden hohe Beitragszahlungen verlangt, denn „Liebe ist kein Zufall“. Oft wird dabei bei zahlungspflichtigen Portalen von „Abzocke“ gesprochen, denn viele User ärgern sich darüber, dass sie keinen passenden Partner finden und dafür viel Geld zahlen müssen. Hier sieht man ganz klar: Geld allein macht nicht glücklich, denn (wahre) Liebe kann man nicht kaufen.

Liebe (machen) 2.0

Uli sitzt aufgeregt und voller Euphorie in einem Café. Heute trifft er sich nach langer Zeit mit Sarah. Vor allem ihre schönen blauen Augen, ihr blondes langes Haar und ihre sinnlichen Lippen haben es ihm angetan. Das Kennenlernen wurde durch lange Gespräche über gemeinsame Interessen und Zukunftspläne harmonisiert. Verträumt rührt er in seiner Kaffeetasse herum, als eine liebliche Stimme zu ihm spricht: „Hallo Uli, ich bin Sarah!“ Voller Erwartungen blickt er auf und traut seinen Augen nicht: Wer ist diese Frau? Wo ist die Sarah von den Fotos? Solch eine Situation haben mit Sicherheit schon viele Menschen, die Dating-Plattformen benutzen, erlebt. FakeProfile, unehrliche Angaben und falsche Persönlichkeiten sind dort täglich anzufinden. Diesen Plattformen sind keine Grenzen gesetzt: Je nach Vorlieben, Verlangen, Neigungen und Gelüsten kann man sich bei den verschiedensten Communities anmelden. Mit „Anything’s possible“ wirbt die Dating-Plattform LOVOO. Täglich melden sich dort 20.000 neue Nutzer an, um die Liebe ihres Lebens, Freunde oder die „schnelle Nummer“ zu finden. Man hat die Möglichkeit ein Nutzerprofil anzulegen, in dem man 28

MD #62 -G ib

z.B. Interessen, Beziehungsstatus oder das Alter angeben kann. Uli hat sich bei LOVOO angemeldet, um die große Liebe zu finden. „In der Realität traue ich mich oft nicht Frauen anzusprechen. Wenn du bei LOVOO einen virtuellen Korb bekommst, greift es dein Ego nicht allzu sehr an“ , so der zurückhaltende Uli. Menschen sind solche Communities besonders vorteilhaft, denn durch die körperliche Distanz kommen sie mehr aus sich heraus und trauen sich einigeDinge frei heraus zu „sagen“. LOVOO zeigt jedoch auch, dass viele User nur auf Sex aus sind. „Am Anfang bist du noch voller Euphorie jemanden kennenzulernen. Aber oft verlaufen die Gespräche im Sand, da es eben keine Face-to-Face Unterhaltung ist und du keine Emotionen zeigen kannst. Das macht das ganze ziemlich schnell uninteressant. Wenn du dich dann aber mal mit jemandem triffst, merkst du, ob da mehr entstehen könnte oder nicht. Viele Menschen bearbeiten auch ihre Fotos so, dass sie ganz anders aussehen und das Aussehen ist nun mal der erste Eindruck.“

Für Menschen von heute ist es immer schwieriger jemand passenden zu finden, denn die Ansprüche eines Einzelnen werden immer höher. Damit hat aber auch der technische Fortschritt etwas zu tun: Menschen sitzen nun einmal häufig vor ihren Computern oder Handys. Warum sollte man das nicht nutzen und mit der schönsten „Sache“ der Welt verbinden? Obwohl die digitale Kommunikation schon längst den Alltag beherrscht, sind Dating-Portale immer noch umstritten. Vielen Menschen ist es peinlich zuzugeben, dass sie Plattformen wie PARSHIP nutzen oder ihren Partner dort kennengelernt haben. Wie man an Uli und Nadine sieht, sind auch ihre Erfahrungen noch völlig durchwachsen und unterschiedlich. Jeder geht mit dem Thema anders um. In ein paar Jahren wird Online-Dating jedoch wahrscheinlich völlig legitim sein, denn unsere Gesellschaft befindet sich derzeit in einem kommunikativen Wandel. Neue Generationen werden sich vermutlich nur noch über das Internet kennenlernen. Letztendlich ist jeder seines Glückes Schmied und wir sind uns sicher, dass es für jeden die große Liebe da draußen gibt. Ob du sie im Internet oder auf der Straße kennenlernst: Für jeden Topf gibt es einen passenden Deckel.

Auch für homo- oder bisexuelle Menschen wurden Dating-Portale entwickelt, bei denen man Fotografien mit pornografischen Inhalten freischalten oder in einer neutral gehaltenen Version nutzen kann. Wie bei vielen anderen Communities werden auch hier spezielle (sexuelle) Vorlieben und Neigungen in einem Nutzerprofil festgehalten. “Make friends, get dates, have sex” ist das Motto des international bekannten Portals Planet Romeo. Es ist mit mehr als 1,5 Millionen registrierten Benutzern weltweit das größte deutschsprachige Chat- und Kontaktportal für schwule, bi- und transsexuelle Männer im Internet. Um homo- oder bisexuelle Frauen kennenzulernen, kann Frau sich bei Lesarion oder Lesopia anmelden. Nadine, 25 Jahre alt aus Hamburg, nutzt Lesarion seit ungefähr einem Jahr. Sie hat, trotz ihrer Ängste „erwischt“ zu werden, weitaus gute Erfahrungen mit der Community gemacht: „Ich hatte insgesamt drei Treffen. Daraus wurde eine Romanze und eine Beziehung.“ Sie nutzt die Community um Erfahrungen zu sammeln. „Es ist überhaupt kein Ding Freunde zu finden, da sich dort auch nur Leute anmelden, die einsam sind und Sex oder eine Beziehung haben wollen.“ Für Nadine ist Lesarion vor allem eine Hilfe zur Selektion, denn für Frauen ist es schwer Lesben auf Anhieb auf der Straße zu erkennen. Dank Lesarion ist es den homosexuellen Damen möglich schon vorab zu entscheiden, wer einem optisch und von den Profilangaben her gefällt.

Die Autorin: Helen Seitter 1.Semester BW/Werbung & Marketingkommunikation „Hat die Blume einen Knick, war der Schmetterling zu dick.“

Die Autorin: Anna-Sophia Bauer 1.Semester BW/Werbung & Marketingkommunikation „Whoever controls the media, controls the mind.” (Jim Morrison – The Doors)

Jeder kennt die Kennenlerngeschichte seiner Eltern und man hört sich diese auch immer wieder gerne an,denn es ist ja der Anfang einer Liebesromanze. Durch das Kennenlernen im Internet fällt dieser erste interessante und intensive Abschnitt einer Beziehung weg. Früher hat man sich in der Schule kleine Liebeszettelchen geschrieben, heute läuft vieles nur noch über Facebook und Co. Das „Persönliche“ geht dadurch immer mehr verloren.

Die „seriösere“ Alternative ist Tinder. Hier wird das Kennenlermir mehr !

MD #62 - G ib

mir mehr !

29


Mein Date mit der Werbung - Zu Gast bei Kolle Rebbe

Dass in der Werbebranche Nachwuchsmangel herrscht, ist mittlerweile ein alter Hut. Gerade an qualifizierten Bewerbern mangle es in der Agenturbranche. So sagte Stefan Kolle in einer Diskussionsrunde der Welt zum Thema Nachwuchsproblem: „Der Mangel an guten Bewerbern ist für viele Agenturen das größte Wachstumshindernis.“1 Dabei mangelt es nicht an qualifizierten Nachwuchskräften, jungen Menschen, die die Werbung lieben und Bock auf den Job haben. Die meisten Studenten sind mittlerweile einfach nicht mehr bereit unter aktuellen Bedingungen in die Branche einzusteigen. Dabei fehle es nicht nur an angemessener Vergütung, sondern auch an adäquaten Weiterbildungsmöglichkeiten und allgemeiner Wertschätzung.2 Qualifizierter Werbenachwuchs ist also knappe Ware. Wonach entscheidet sich also ein solcher „Werbeliebender“ (*hust*), wo er sich bewirbt und wo nicht. Der Agenturarbeitgeber des Jahres Kolle Rebbe3 hat sich da etwas ganz besonderes ausgedacht.

30

MD #62 -G ib

Frei nach dem Motto „Liebe geht durch den Magen“ lädt Kolle Rebbe am 15.05 zum Meet & Eat. Über 5 Gänge hinweg sollen auserwählte Nachwuchsleute von Kolle Rebbe‘s Führungsriege bekocht und bespaßt werden. Und das bei diesen Menschen zuhause, ganz privat. Außerdem bekommt jeder der glücklichen Gewinner eine Eintrittskarte zur ADC Afterparty und eine Übernachtung direkt auf dem Kiez. Ein Date mit der Werbung also. Kolle kocht, Junioren essen. Klingt doch super. Ich als ausgesprochener Fan von gutem Essen und lustigen Wortspielen, mache mich sogleich auf die Suche nach einem Haken. Aha! Das Event findet während dem ADC Festival statt. Es geht wohl nur um Kreativjunioren und ich bin BWLer...Schade. Wenige Stunden vor Einsendeschluss, erscheint der Aufruf zum Mitmachen erneut auf meinem Facebook Feed. Jetzt will ich es aber wissen, durchkämme die Teilnahmebedingungen und finde nichts, was mich eindeutig vom Wettbewerb ausschließt. „Du willst dabei sein? Poste einfach, warum.“ Na gut. Meine Einsendung beschreibt den aktuellen Inhalt meines Kühlschranks und meine große Liebe für gutes Essen und tatsächlich erhalte mir mehr !

ich am Folgetag die freudige Nachricht: Ich bin dabei. Geil. Um 17 Uhr geht es los. Neben Organisator Thomas Stritz, seines Zeichens Pressedirektor und verantwortlich für New Business, empfangen uns zwei weitere charmante Mitarbeiter der Agentur, Simone Gehrke (HR) und Alexa Schulze (Strategie/Konzept). Sie werden uns den Abend über begleiten und sicherstellen, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Dabei hilft außerdem ein lieber Taxifahrer, der uns den ganzen Abend durch Hamburg chauffiert. Ich bin die letzte der Runde, die sich in der Agentur einfindet und tatsächlich die Einzige, die nicht Design studiert, an Filmen mit Wes Anderson gearbeitet hat oder bei den ADC Junior Awards eingereicht hat. Oops. Nach einem kurzen Agenturrundgang beginnt die bunte Fahrt im naheliegenden Wasserschlösschen zum Aperitif. Hier schaut Stephan Rebbe vorbei und gibt uns neben ein paar inspirierenden Worten („Der Kolle und ich sind der Beweis. Auch mit durchschnittlicher Intelligenz kann man es weit bringen.“) auch ermutigendem Rat („Wenn ihr für das was ihr tut, brennt, wenn

ihr Spaß daran habt, dann bleibt dabei und zieht es durch. Es lohnt sich.“) mit auf den Weg. Schnell noch ein Gruppenfoto geschossen und ab ins Großraumtaxi zum ersten Stop: Vorspeise. Als die Abendstunden vergehen, erhalte ich einzigartige Einblicke in die trauten Heime der Kolle Rebbe Werber, esse Risotto mit dem Art/Text Ehepaar Ritter, springe Trampolin in Stefan Kolle‘s Garten, genieße Nachtisch mit Fabian Frese und trinke schwäbischen Tequila mit Matthias Erb. Die Dekadenz der Aftershow Party lässt sich hier gar nicht gebührend beschreiben. Schon ein bisschen surreal das Ganze. Einige Tage nach dem Event besucht der Studiengang Marketing-Kommunikation wie jedes Jahr Hamburger Agenturen. In seinem Vortrag betont Thomas Stritz, dass es Kolle Rebbe wichtig sei sich für den Nachwuchs einzusetzen und für diesen auch seine Türen zu öffnen. Wortwörtlich, wie ich nun weiß. Eine derart intime Atmosphäre und Herzlichkeit hatte ich im Vorfeld allerdings nicht erwartet. Vor allem aber hatte ich nie das Gefühl auf einem Recruiting

MD #62 - G ib

mir mehr !

31


Mein Date mit der Werbung - Zu Gast bei Kolle Rebbe

Event zu sein. Kolle Rebbe präsentiert sich mit dem Meet & Eat auf eine erfrischende Art und Weise – sympathisch, menschlich, bescheiden. Mein Date mit der Werbung hat folglich alle Erwartungen übertroffen. Ich muss sagen: Kolle Rebbe, ich will dich wieder sehen.

Das geht raus an alle Spinner, denn ihr seid die Gewinner!

1: http://www.welt.de/print-welt/article510190/Auch-die-Werbung-braucht-eine-NachwuchsOffensive.html 2: http://www.horizont.net/aktuell/agenturen/pages/protected/Nehmt-uns-ernst-Werbeliebe-nimmt-die-Agenturen-in-die-Pflicht_117801.html 3: http://www.horizontjobs.de/bewerber/karriere/trends/HORIZONT-Imageanalyse-KolleRebbe-ist-bester-Agenturarbeitgeber_120541.html

Die Autorin: Julia Mutter 7.Semester Werbung

„Haters gonna hate, potatoes gonna potate.“

#Selfies

© Kolle & Rebbe

Jeder hat es schon einmal getan, ob zu zweit, als Gruppe oder allein - es gibt kein Entkommen. Es hat uns alle gepackt. Beim Joggen, in der Disco, beim Essen, auf dem „Stillen Örtchen“, egal wo - egal wann - egal warum. Wobei, gibt es überhaupt ein „warum“? Mittlerweile heißt es bevor wir etwas tun: „Stop - just let me take a SELFIE!“ Sie gehen um die Welt, die Bilder von mir, von dir, von euch, von ihnen. Nicht einmal die Oscars, die ach so super noble und elegante Veranstaltung ist noch sicher vor dem Bann, in dem wir uns alle befinden. Vor dem Drang uns zu präsentieren und der Welt zu zeigen, keiner ist wie ich, wie wir. Keiner macht so coole Dinge wie wir. Oder ist es nicht nur das? Was bringt uns noch dazu, uns so zu präsentieren und sogar zu verkleiden. Selfie bedeutet doch eigentlich nur ein Selbstporträt, wo also ist das Problem? Warum der Hype, das Aufsehen um dieses kleine Wörtchen oder geht es etwa doch um mehr? Es ist doch nichts Besonderes mehr, nur von sich ein Selfie zu

32

MD #62 -G ib

mir mehr !

machen kurz bevor man in die Uni geht oder ähnliches. Nein, das ist es auch nicht. Aber der Hang zum Skurrilen, zum immer Ausgefalleneren, das ist es doch, was so reizvoll ist. „Oh mein Gott, nur 100 Likes auf Facebook!“ oder „Nur 50 Follower auf Instagram?“ Da kann man sich schon fragen, wie das gepusht werden kann. Die Antwort lautet: Vielleicht ein Selfie auf einer Beerdigung - schon mal probiert? Oder ein Selfie beim Sprung in eine Hochzeitstorte? Der neueste Schrei für Jugendliche: After-Sex-Selfies. Ganz besonders beliebt bei den 16-20 Jährigen, wenn sie dort erschöpft auf dem Bettrand sitzen und mit zufriedenem Gesichtsausdruck in die Kamera linsen. Hashtag #aftersex und die Sache ist erledigt. Meist sind es aber doch die Menschen, die im realen Leben kaum etwas von sich preisgeben wollen, die After-Sex-Selfies posten. Seid ihr es nicht mit euren Rollkragenpullis und den langen Hosen, die über die kurzen Shorts der anderen lästern? Ironisch nicht?

MD #62 - G ib

mir mehr !

33


könnten einpacken, denn wer hätte das noch nötig? Wir bräuchten keine Kampagnen mehr die uns bewusst machen wollen: „Eure Kinder sind zu dick“. Nein, denn wir wären alle perfekt, aber halt - individuell natürlich. Denn keiner will mehr so sein wie der andere - um keinen Preis. Jeder will etwas besonderes sein, will MEHR sein und nicht zu hören bekommen: „Oh mein Gott, bist du Mainstream“. Und das sollen unsere Selfies ausdrücken. Anstatt wirklich Spaß mit meinen super individuellen und mega stylischen Freunden zu haben, mache ich lieber noch kurz ein Selfie von uns - wie wir gerade mega Spaß haben und super abfeiern. Wir super individuellen, mega stylischen Menschen packen doch - anstatt tatsächlich abzufeiern - auf der Tanzfläche lieber unser hochmodernes Smartphone aus und schwupps da ist es schon wieder passiert. Wir können es nicht lassen.

Die einen schreien „Pornographie“, die anderen „Halb so wild - war doch nur ein Selfie“. Zwei Aussagen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben und doch so eng beieinander liegen. Von Pornos wollen diese gut situierten Menschen natürlich nichts wissen, ein After-Sex-Selfie ist dabei aber schon mal drin. Aber woher kommt diese Selbstdarstellungssucht? Warum wollen wir der Welt weismachen wir seien perfekt? Einerseits tragen wir T-Shirts mit der Aufschrift „Nobodys Perfect“ andererseits stellen wir Selfies ins Netz auf denen wir 10 kg leichter, unsere Beine viel länger und unser Bizeps doppelt so groß aussieht. Aber wie wäre es, wenn jeder Mann nur halb so stark, muskulös, gut aussehend und charmant dreinblickend und jede Frau nur ein halb so makelloses Gesicht, eine halb so gute Figur, halb so schönes Haar und ein halb so schönes Lächeln wie auf jedem Selfie hätte? Würde unsere Welt nur noch aus Barbies und Kens bestehen? Hersteller für Make-Up, Shampoos und Zahnpasten 34

MD #62 -G ib

Ist also alles an den Selfies schlecht? Oder gibt es auch noch Menschen unter uns, die sich einen Spaß daraus machen? Die gute Nachricht für alle: Es gibt sie! Unsere Retter, unsere Helden, die das letzte Stückchen Humor nicht verloren haben. Die Männer, die sich offensichtlicher Weise in die Position einer Frau begeben: Brust raus, Bauch rein, Hintern raus. Oder jene, die gerade aufstehen und noch zerzaustes Haar haben, weil es noch nicht einmal gekämmt wurde, ihrem Bild aber den Untertitel „Ich - frisch gestylt und ausgehbereit“ geben. Es sind die kleinen Lichtblicke, die uns dazu bringen vielleicht auch diesen Hype nicht ganz so ernst zu nehmen, wie es manch einer möglicherweise tut. Die uns den Glauben schenken, dass es noch Hoffnung gibt für alle verlorenen Seelen, die nicht jeden Moment ihres Lebens als Selfie auf Instagram posten. Es besteht eine Chance für all die altmodischen Leute, die doch tatsächlich versuchen im wahren Leben nach Anerkennung ächzen. Diesen Illusionisten, die noch glauben eine simple Umarmung sei mehr Wert als ein Follower auf Instagram oder ein Like auf Facebook. Manche sehen sie an, als kämen sie von einem anderen Stern, weil sie nach dem Motto: „Weniger ist manchmal mehr“ ihr Leben gestalten. Es darf euch gesagt werden, ihr Träumer: Es besteht Hoffnung, dass auch diese Sucht irgendwann in ihrer Wirkung nachlässt und wir nach einer stärkeren Droge als nur einem Selfie suchen. Und vielleicht haben diese Spinner vom anderen Stern ja irgendwann noch einmal Glück und kommen groß raus, weil alle wieder umsteigen auf das Motto: Weniger ist manchmal mehr!

Praxisbericht - Audi AG Ins tiefe Bayern hat es mich also verschlagen. Ins schöne Ingolstadt an der Donau. Ja, schön ist es wirklich! Ansonsten in etwa so spektakulär wie Pforzheim – vielleicht liegt’s an der identischen Größe? Oder dass der Stadtname von InGOLDESstadt abgeleitet wurde und ich schon wieder in einer Goldstadt gelandet bin. Naja, aber ist ja auch egal, ich bin schließlich nicht zum Spaß hier, sondern um endlich mal was zu arbeiten - wurde auch Zeit! Anfang März, der erste Tag bei Audi steht an. Mit mir fangen 80 andere Praktikanten an – schon außergewöhnlich viel, wie die Damen vom Personal erklären – normalerweise sind es nur zwischen 20 und 50 Praktikanten die jede Woche (!) anfangen. Die Stimmung ist nicht nur am Einführungstag recht locker, sondern auch in meiner Abteilung ausgezeichnet und super entspannt. Was mich dann doch ein bisschen überrascht, ist Audi wie all die anderen Premium Automobilhersteller doch nicht gerade als obercooler Hipster-Club bekannt. Aber nicht nur das überrascht positiv: Bei so vielen Praktikanten sind natürlich gewisse Erfahrungswerte da: Einführung, Museumsbesuch, Werksführung, Abholung des Werksausweis: alles schon organisiert – und bis auf das Einrichten des Laptops funktioniert auch alles einwandfrei. Aber auch das klappt irgendwann, so dass es dann endlich mal mit der Arbeit losgehen kann. Naja fast, erst mal heißt es „Willkommen in der Abteilung Marketing Strategie“: Vorstellung bei gefühlt 50 Leuten, von denen man – tut mir wirklich aufrichtig leid – die meisten Namen sofort wieder vergisst. Nun aber zu meinem Praktikum: Angestellt bin ich im strategischen Marketing/Vertrieb, genauer in der Produktstrategie mit Schwerpunkt „Neue Produkte“. Zusammen mit der Langfristplanung, der Marktforschung und der Markenstrategie sind wir eines von sechs Rädchen in der Gesamtabteilung Vertriebsstrategie (ca. 250 Leute insgesamt). Die Vertriebsstrategie ist neben dem Produktmanagement, der Kommunikation, dem Kundenservice und den verschiedenen Vertriebsregionen, ein weiteres kleines Teilchen des Marketingapparats von Audi. Um es abzukürzen, allein in Ingolstadt arbeiten 35.000 Menschen direkt für Audi. Genug, um auf dem Werksgelände 4 Linien mit Shuttle-Bussen zu haben, die im 10-Minuten-Abstand jedes Eck auf dem Werksgelände erreichen.

Die Autorin: Pia Katz 2.Semester BW/Marketing „Fang nie an aufzuhören, hör nie auf anzufangen.“ (Marcus Tullius Cicero)

mir mehr !

In meiner Abteilung legen wir die Marketinganforderungen an die zukünftigen Produkte von Audi fest und werfen einen Blick in die Zukunft des Unternehmens und des Produktportfolios. Da wir damit einen sensiblen Teil des Unternehmens abdecken, ist aus dem Nähkästchen plaudern wahrscheinlich nicht allzu gerne gesehen. Aber eines ist sicher – es ist unglaublich spannend und interessant einen solchen Einblick in die Geschicke eines Unternehmens zu erhalten – und das Ganze ein Stück weit mitzugestalten. Analyse von Verkaufszahlen und Verkaufsprognosen, Wettbewerbsvergleiche, Interpretieren von Marktforschungsstudien, Zusammenarbeit mit der Technischen

Entwicklung und dem Design: Für alle, die etwas für strategisches Marketing übrig haben und dabei am Ende immer noch nah am Produkt arbeiten wollen, eine perfekte SchnittstellenFunktion. Ein enormes technisches Verständnis ist dabei zwar nicht schlecht, aber keine zwingende Voraussetzung, wie man an meinem Beispiel auch ganz gut sehen kann. Allerdings kommt man auch sehr schnell in die Materie rein (auch wenn man wahrscheinlich nie alle Abkürzungen verstehen wird, die einem im Alltag um die Ohren fliegen. Angefangen bei der Benennung der ganzen Abteilungen und Gremien). Gearbeitet wird vor allem mit PowerPoint. Alles was nicht auf Charts darstellbar ist, ist nicht verwertbar, so scheint es. Aber tatsächlich gewöhnt man sich schnell daran und man lernt, komplizierte Sachverhalte kurz und bündig und so einfach wie möglich darzustellen. Was außerdem hilft, sind ausgeprägte Tischkicker-Fähigkeiten und eine gewisse Offenheit und Geselligkeit: Wie gesagt, die Stimmung in der Abteilung ist zwar oft etwas gestresst, aber nichtsdestotrotz bestens: Zeit für einen schnellen, gemeinsamen Kaffee in der (guten!) Cafeteria bleibt meistens. Ein weiterer Pluspunkt: Wer gerne schöne und schnelle Autos fährt, ist an dieser Stelle ebenfalls richtig. Zwar begrenzen sich die Fahrten meist zur Waschstraße, Tankstelle oder zur Werkstatt, aber vermutlich fahren die wenigsten Studenten regelmäßig den abteilungseigenen S7, SQ5 oder A8 spazieren.Trotz allem muss man sich im Klaren sein: Ein Job im Konzern bleibt trotz all der positiven Nebeneffekt ein Job im Konzern. Gremien, Abstimmungsrunden, Bürokratie (ja, man braucht eine Unterschrift im Fahrtenbuch um das Auto umzuparken), das volle Programm eben! Wahrscheinlich ist das Ganze nicht zu vermeiden, um bei der Größe des Unternehmens alles einigermaßen am Laufen zu halten. Da allerdings nicht nur auf Unternehmensebene, sondern nochmal auf VW-Konzernebene alles abgestimmt werden muss, ist oft sehr viel Geduld gefragt. So viel Spaß die Arbeit auch macht, dessen muss man sich bewusst sein. Alles in allem stimmen die Rahmenbedingungen wirklich bei Audi – nicht umsonst wurde das Unternehmen 2013 zu Deutschlands bestem Arbeitgeber gewählt. Wer Spaß und Interesse an Autos hat, gerne in einem lockeren aber leistungsbereiten Umfeld arbeitet und dazu auch die ein oder andere Überstunde in Kauf nimmt, wird sich bei Audi im Marketing sicher wohlfühlen.

MD #62 - G ib

Der Autor: Kevin Gerlach 6.Semester BW/International Business „Schlagfertigkeit ist etwas, worauf man erst 24 Stunden später kommt.“ (Mark Twain)

mir mehr !

35


Stolz und Vorurteil Pünktlich. Fleißig. Diszipliniert. Aber auch arrogant, geizig und verkrampft. Belächelt aufgrund mangelndem Humor, den Lederhosen und der „German Angst“. Dafür bewundert für Braukunst, Mercedes-Benz und Porsche. Ungefähr so stellt man sich in der Welt da draußen den „typischen Deutschen vor“. Was ist denn nun dran, an den Klischees und Stereotypen? Sind sie pauschalierender und diskriminierender Unsinn oder vielleicht doch nützliche, weil zutreffende Orientierungshilfe? Definiert sind Klischees als „vorgeprägte Wendungen, die ohne individuelle Überzeugung einfach unbedacht übernommen werden.“ Vorgeprägt, ohne Überzeugung, unbedacht übernommen – soweit klar. Aber vielleicht dennoch mit wahrem Kern?

Wir sind wieder da! Das Café Roland hat wieder seine Türen geöffnet. Next dates:

19/06/14 22/06/14 26/06/14 29/06/14

-

Offene Bühne im Café Roland Zeichnen mit Auris & Café Betrieb Vernissage im Café Roland Zeichnen mit Auris & Cafe Betrieb Montag bis Freitag 8:30 bis 10:30 Donnerstag ab 17:00 Sonntag ab 14:00

Theaterstraße 21 Alfons - Kern - Turm 75175 Pforzheim

36

MD #62 -G ib

mir mehr !

Fragt man sich einmal quer über den Pforzheimer Campus, erhält man Adjektive wie: strukturiert, förmlich und ordentlich. Dann: direkt, anpackend, hart arbeitend. Und nicht zu vergessen: Tracht, Bier und Blasmusik. Und im Internet? Da kommt man nicht um die alte Geschichte mit den Badetüchern drum herum, mit denen sich die Deutschen im Urlaub schon vor Sonnenaufgang ihre Liegen reservieren. Vielleicht denkt der eine oder andere jetzt: Jap, jap. Alles schon gehört, ausgelutscht und längst überholt.

Doch vielleicht sind die Unterschiede am Ende gar nicht mehr so groß. Nationale Eigenheiten verblassen zunehmend durch Vernetzung, Einwanderung und Austauschprogramme. Wie oft gibt es ihn denn noch, den typischen Deutschen: Fleißig, konservativ und mit dem besten Liegestuhl am Pool? Wird die nationale Identität nicht auch durch türkischstämmige Schulfreunde, amerikanische Filme und thailändische Reisen geprägt? Natürlich gibt es sie, die nationale Eigenheiten und darauf beruhen - verallgemeinert und zugespitzt - unsere Klischees. Würden die Leute überall gleich ticken, bräuchten wir nicht mehr verreisen und die Welt wäre ziemlich langweilig. Mit Klischees ist es eben wie mit manchem Promi: Kein Mensch braucht sie, aber ohne hätte man wesentlich weniger zu lachen. Man darf das alles einfach nicht so ernst nehmen

Die Autorin: Janina Feucht 4. Semester BW/ Media Management & Werbepsychologie „Herzrasen kann man nicht mähen“

Aber: Hallo Hochschule für Wirtschaft. Hallo VWL-Vorlesung. Und hallo Euro-Krise. In deren Zuge wird nämlich auch diskutiert, ob die deutsche Arbeitswut auf der einen Seite und die mediterrane Disziplinlosigkeit auf der anderen nicht ganz unbeteiligt sind am wirtschaftlichen Nord-Süd-Gefälle der EU. Wo liegt hier der Knackpunkt? Bei einer mehr oder weniger gelungenen Regierungsführung – die Arbeit einiger Spitzenpolitiker also oder doch bei Mentalitätsunterschieden in der europäischen Bevölkerung? Angenommen, es läge tatsächlich an letzterem, ginge es schnell wieder aufwärts, hätten die Krisenländer ein bisschen mehr der deutschen Tugenden. Und damit zurück zu den Badetüchern, dem Strandurlaub und das Lieblingsurlaubsziel der Deutschen: Italien. Da gibt es Giro, inzwischen Rentner, der nachdem er 40 Jahre lang in Deutschland Gastarbeiter war, seinen Ruhestand zuhause in bella italia verbringt. Doch er sieht auch die Probleme seines Heimatlandes: Chaos, Unzuverlässigkeit und der „normale“ italienische Wahnsinn lässt ihn hin und wieder verzweifeln. Das totale Gegenmodell zu dem Land drüben, über den Alpen als strahlendes Vorbild in Sachen Ordnung und Fleiß. Giros Enkelin spielt mit dem Gedanken, nach Deutschland zu ziehen um dort beruflich erfolgreich zu sein. Doch wäre sie denn hier wirklich so begeistert vom deutschen Alltag? Giro hat da so seine Zweifel: Es gibt immer zwei Seiten, er kennt auch die Enttäuschung über die Hektik, das Spießertum. Und die Bordsteine die Abseits der Metropolen spätestens um 20.00 Uhr zu Tagesschau hochgeklappt werden. MD #62 - G ib

mir mehr !

37


Studentenleben - Hard Working? Angeblich gibt es ein Klischee, das besagt, Studenten seien äußerst faul, würden den ganzen Tag verschlafen und sich abends betrinken. So ein Schwachsinn! Wo das wohl herkommt? Ein hartes Leben führen wir Studenten. Fünf Tage in der Woche verbringen wir in der Hochschule und am Wochenende müssen wir zusätzlich noch lernen, um den Stoff zu verarbeiten, jede Vorlesung nach- und die nächste vorzubereiten. Kein Vergleich zum Arbeitsleben, bei dem man nach Hause kommt und sich einfach auf die faule Haut legen kann. Bei uns hingegen ist ein ausgereiftes Management gefragt, um die zahlreichen Herausforderungen des Studentenlebens erfolgreich zu meistern - für uns BWLer natürlich nicht das geringste Problem. Bereits morgens geht es los mit der Busfahrt. Bei den hochalpinen Strecken, die zur Hochschule zurückgelegt werden müssen, kann es manchmal zum Problem werden, das Gleichgewicht zu behalten. Zu den Stoßzeiten allerdings braucht man sich darum weniger zu sorgen. Da ist das Umfallen nahezu ein Ding der Unmöglichkeit. Für alle die gerne kuscheln: Hier kommt man sich schnell näher. Wenn jemandem trotz armem Studentenleben auch ein Auto zur Verfügung steht, stellt sich die Frage, was wohl das geringere Übel ist. Sich den adrenalingeladenen Busfahrern anvertrauen oder lieber selbst fahren? Das Hauptproblem bei Letzterem ist allseits bekannt: die Parksituation. Selbst wenn man Glück hat und sich nach einigem Warten vor der Schranke mit einhergehendem Blockieren der Straße Einlass in den Hochschulparkplatz verschafft hat, bedeutet das noch lange nicht, dass auch eine freie Parklücke zur Verfügung steht. So gebildet und aufgeschlossen wir Studenten ja bekanntlich sind, mit dem Einparken hapert es ein bisschen. Aber was soll’s, man muss nicht alles können und für jegliches Motorisierte sind ja auch eigentlich unsere Kollegen auf der anderen Straßenseite zuständig.

Wenn dann auch noch die Mensa-Schlange bis zur Treppe geht, ist die Cafeteria mit den leckeren Milka-Muffins eine Ausweichmöglichkeit. Danach wieder schnell in die Vorlesung, eine erneute waghalsige Busfahrt – endlich zu Hause. Doch damit ist der Tag noch nicht vorüber. Für alle gut gelaunten, nachtaktiven Studenten steht mindestens einmal wöchentlich Party auf dem Programm. Wie jeder weiß, ist Präsenz auf Partys und ähnlichen Events eine der wichtigsten Pflichten im Studentenleben, auch wenn es womöglich am nächsten Tag die Aufmerksamkeit und Lernbereitschaft ein klein wenig beeinträchtigen könnte. Für Wirtschaftler sind soziale Kontakte eben enorm wichtig und wo könnte man die schon besser pflegen. Am nächsten Morgen geht es von vorne los: Und täglich grüßt das Murmeltier. Wenn zum Ende des Semesters die Klausuren vor der Türe stehen, setzt der Prüfungsstress ein. Anfangs ist er kaum bemerkbar und nur wenige leiden unter ihm, doch plötzlich verbreitet er sich wie ein gefährlicher Virus, bis alle angesteckt sind. Wenn das einmal eingetreten ist, herrscht absoluter Ausnahmezustand. Obwohl wir ja – wie schon gesagt – jede Woche alle Vorlesungen gründlich vor- und nachbereitet haben. Aber das ist ja noch ein Weilchen hin. Daran wollen wir erst denken, wenn es wieder soweit ist. „Just-In-Time“ nennt man das in der Betriebswirtschaft. Alles so geplant, alles so gewollt.

MD #62 -G ib

Balkon mit

Aussicht au

eumstraße 4, Pfor zheim

f den Schu

ttberg

Separate Küche

Fazit: Wer sich ein entspanntes, ruhiges Leben wünscht, sollte sich das mit dem Studieren besonders gut überlegen 339 € warm, ab

sofor t bis Mär

z 2015

Die Autorin: Christine Schwarz 2. Semester BW/Media Management & Werbepsychologie

Nachdem man schließlich schlechten Gewissens sein Gefährt in der Kurve oder gleich vor der Treppe abgestellt hat, muss man nur noch fix die aktuellen Arbeitsunterlagen ausdrucken und dann ab in die Vorlesung. Obgleich der Dozent es mit der „Good Prof“- oder der „Bad Prof“-Methode versucht (Namen werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genannt), im Acht-Uhr-Block halten sich sowohl Aufmerksamkeit, Begeisterung als auch Anwesenheit in Grenzen. Merkt ja keiner. In der zweiten Runde wird es meist besser, wobei gegen Ende alle der langersehnten Pause entgegenfiebern. Je nach Stundenplan beginnt um 11.15 Uhr die ideale Zeit zum Mittagessen. Wenigstens kann man sich bei dieser Zeiteinteilung morgens das Frühstück sparen. Somit geht es in die Mensa zum Essen. Wahlessen 1, Wahlessen 2, „Gut und Günstig“ in zwei verschiedenen Ausführungen. Durch das Pasta- und Salatbuffet und den Wok wird das Angebot dann doch etwas vielseitiger als es sich vorerst anhört. Die Ernüchterung holt einen allerdings ein, wenn man feststellen muss, dass im Wesentlichen alles gleich schmeckt. 38

1 Zimmer, 28 m², Mus

„Ohne Spaß kein Fun!“

Marie sucht einen Nachmieter.

(Und wir mehr Leute wie Marie.)

Marie Schreuder (5. Semester BWL/Werbung) hat aus dieser Stellenanzeige eine Immobilienanzeige gemacht. Bezahlt von ihrer neuen Agentur. Clever. Deshalb ist sie ja auch bei uns. Du bald auch? Oder willst du die Wohnung? Meld dich doch auf jeden Fall mal bei marie.schreuder@thjnk.de

mir mehr !


#WHOTHEFUCKISREFILL

Diesen Aspekt sollten wir besonders berücksichtigen, was nicht immer sehr einfach war, weil wir alle nur so vor Kreativität sprudelten. Daher fand ich es sehr gut, dass uns sie Agenturen teilweise „an die Leine“ genommen haben. Am zweiten Tag stellten die Gruppen ihre Ideen bei einer kurzen Präsentation der Agentur und den anderen Teams der Agentur vor. Danach wurden die internen Sieger gewählt, das heißt, dass sich die Agentur das Team und das Konzept heraussucht, indem sie das größte Potential sieht. Aber auch wenn es nicht das eigene war, hatte man anschließend die Chance, dem Gewinner Team unter die Arme zu greifen. Und so ist es am Ende immer noch ein bisschen Gruppenarbeit. Letztendlich kommt es dann zum großen Finale, bei dem alle internen Sieger der Agenturen vor eine Jury treten, die dann den finalen Sieger bestimmt. Das ist REFILL und so läuft es ab! Mir hat es sehr viel Spaß gemacht und ich konnte endlich etwas Kreativität ausleben. Ich bin erst im 2. Semester und kreative Fächer sind hier noch Fehlanzeige. Trotzdem finde ich REFILL auch für höhere Semester sehr interessant, da die Studenten die Gelegenheit bekommen, ihr theoretisches Wissen aus den Vorlesungen anzuwenden. Außerdem war ich sehr von unserem Kunden, dem Deutschen Roten Kreuz, begeistert, denn es handelt sich ja hierbei um eine Marke, die für Verantwortung und Sicherheit steht. Jeder von uns könnte das DRK einmal benötigen, sei es auf einem Festival oder weil man einen Unfall hatte. Der Kunde hatte für mich also eine persönliche Relevanz und ich hatte auch das Gefühl, durch die Arbeit für diese Marke etwas Gutes zu tun.

#Whothefuckisrefill

Ihr wollt euch kreativ austoben und erleben, wie es in der Werbebranche so abläuft? Dann seid ihr bei REFILL genau richtig: Zwei Tage kreatives Arbeiten, fünf Agenturen, ein echter Kunde! So macht das Studium doch Spaß! Ich war dieses Jahr selbst mit am Start und wollte euch einmal mein persönliches Feedback geben, um auch die Letzten mit dem #WHOTHEFUCKISREFILL Fieber anzustecken. Ich bin sicher, viele von euch spielen mit dem Gedanken, einen Berufsstart in einer Agentur zu machen. Ich für meinen Teil konnte mir bis REFILL kein genaues Bild von deren Arbeit machen. Diese beiden Tage haben mir geholfen, eine Frage zu beantworten: Ist das Arbeiten in einer Agentur eigentlich das Richtige für mich? Kann ich mir diesen Beruf überhaupt vorstellen? Wenn ihr euch diese Frage vielleicht auch stellt, empfehle ich euch REFILL wärmstens! Doch was genau verbirgt sich eigentlich hinter REFILL, was kann man in diesen zwei Tagen erleben? REFILL ist ein zweitägiger Workshop an der Hochschule Pforzheim, der den Studenten einen Einblick in die heutige Werbebranche ermög40

MD #62 -G ib

licht. Bei dieser Gelegenheit kommen bekannte Agenturen aus ganz Deutschland extra ins schöne Pforzheim, um ihnen einen kurzen, aber tiefen Einblick, in die Welt der Werbeagenturen zu gewähren. Dieses Jahr waren die Agenturen Jung von Matt/Neckar, Scholz & Friends, Serviceplan, Saatchi & Saatchi und Thjnk zu Gast. Zu Beginn des Workshops stellten sich alle Agenturen einzeln vor und erläuterten ihre Kernkonzepte, auf die sie sich bei jedem Auftrag stützen. Außerdem haben mehrere ein paar Spots mitgebracht, um den Studenten die fertigen Arbeiten zu präsentieren. Im nächsten Schritt wurde jeder Teilnehmer einer Agentur zugeteilt und bildete zusammen mit anderen ein Team. Innerhalb dieses Teams arbeiteten die Studenten die nächsten Tage ein eignes Konzept aus, das möglichst allen Anforderungen des Kunden gerecht wurde. Das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Pforzheim-Enzkreis e.V. war der interessante Kunde von REFILL 14. Der Auftrag lautete neue Fördermitglieder zu gewinnen, um mehr Spenden zu bekommen, die mir mehr !

ihre laufenden Projekte unterstützen. Ihre Wünsche und den Auftrag an sich bekamen die Gruppen in Form eines kurzen Briefings mitgeteilt. Auf diese Art läuft es auch bei den Agenturen ab. Demnach werdet ihr also schon als echte, etablierte Agenturen behandelt. Dieser Punkt hat mir persönlich sehr gefallen, da man einen reellen Eindruck von der Agenturarbeit erhält. Danach beginnt die Phase der Ausarbeitung in den einzelnen Teams. Endlich Zeit, sich sowohl kreativ als auch strategisch auszuleben. Besonders spannend war es, mit den Meinungen von den anderen Teammitgliedern konfrontiert zu werden und die einzelnen Standpunkte auszudiskutieren. Während dieser Phase wurden die Studenten natürlich immer wieder von den Agenturen unterstützt. Diese kommen zu den Gruppen und nehmen sie ein bisschen an die Hand, damit sie sich am Anfang nicht verrennen. Ich habe mir zu Herzen genommen, dass es sehr sinnvoll ist, zuerst eine Strategie zu erarbeiten, bevor man sich zu sehr auf die kreative Seite schlägt. Schließlich war das Kernproblem des DRK neue Fördermitglieder anzuwerben, sprich mehr Geld zu bekommen. MD #62 - G ib

Ein weiterer Pluspunkt war in meinen Augen eindeutig die Organisation, es wurde rund um die Uhr für unser Wohl gesorgt. Wir wurden mit Snacks und Getränken versorgt und am Abend des ersten Tages haben wir alle gemeinsam an der Hochschule einen Grillabend veranstaltet. Die Stimmung war genial und es ergab sich noch einmal die Gelegenheit, ein lockeres Gespräch mit den einzelnen Agenturen zu führen. Alles in allem war dieser Abend sehr entspannend und hat mir gezeigt, dass die Mitarbeiter der Agenturen einfach auch nur Menschen sind und nach dem ersten harten Tag, genau so kaputt waren wie wir. Also ist die Antwort auf meine Frage: Kann ich mir die Arbeit in einer Agentur vorstellen, definitiv beantwortet! Ja, das ist durchaus eine Option für mich. Nutzt die einzigartige Chance, macht bei REFILL mit!

Die Autorin: Arabella Heinold 2. Semester BW/Marketingkommunikation & Werbung „Es gibt nichts Schöneres, als geliebt zu werden, geliebt um seiner selbst willen oder vielmehr trotz seiner selbst.“ (Victor Hugo)

mir mehr !

41


Impressum Herausgeber: Danksagung:

werbeliebe e.V. – studentische Kommunikationsagentur

Projektleitung: Alina Rüger Janina Feucht

Redaktion, Autoren & Korrektorat: Anna-Sophia Bauer, René Bogatscher, Julia Ebert, Janina Feucht, Kevin Gerlach, Arabella Heinold, Jasmin Höger, Laura Jäkel, Juan Jacobo Jimenez, Pia Katz, Julia Mutter, David Oberschmidt, Viktoria Orschlet, Maximilian Pohlner, Guido Reher, Kim Rogers, Alina Rüger, Mona Rust, Christine Schwarz, Helen Seitter

Vielen lieben Dank an alle, die an der Erstellung dieser Ausgabe des MD beteiligt waren und ihre Finger im Spiel hatten. Besonderer Dank gilt natürlich den Autoren für die fleißige Schreibarbeit, den Korrektoren und den Illustratoren für all die kleinen Meisterwerke. Besonderes Dankeschön und Lob geht an die Layouter für die nächtliche Bastelarbeit und ihre Strapazierfähigkeit. Außerdem bedanken wir uns recht herzlich bei den Anzeigenkunden.

− L E G N A M E T F Ä R FACHK . E B E I L E B R E W R E BEI D

Bildrechte: Jasmin Höger Dustin Semerrav - Alkohol & Drogen Bamboo Creative (www.bamboocreative.net) - Minimalismus Kolle & Rebbe - Mein Date mit der Werbung

Layout & Grafik: Anschrift:

Ömer Gör Jasmin Höger

Hochschule Pforzheim Werbeliebe e.V./Marketing Digest Tiefenbronner Str. 65, 75175 Pforzheim

Illustrationen: René Bogatscher

Akquise & Angebotsabwicklung: Alina Rüger Janina Feucht Guido Reher Johanna Höllerer

Fotoshooting: Ömer Gör - www.oemergoer.de Model : Robert Zumkeller

Druck: viaprinto – CEWE COLOR AG & Co. OHG

Auflage: 2000 Exemplare

Erscheinung: Einmal pro Semester Namentlich gekennzeichnete Artikel geben nicht zwingend die Meinung der Redaktion wieder. Der Abdruck von Beiträgen ist nur unter Angabe der Quelle gestattet; um ein Belegexemplar wird gebeten.

42

MD #62 -G ib

mir mehr !

Werbeliebe e.V. | studentische Kommunikationsagentur | HS Pforzheim | www.WERBELIEBE.de | Facebook.com/Werbeliebe


Meine Sparkasse & ich finden, wer noch lernt, soll nix löhnen müssen.

GiroFree: Das kostenlose Konto für alle in Schule, Ausbildung, Studium, FSJ.

i

terCa s a M e v i s nklu

rd

URL:http://s.de/edd

www.sparkasse-pfcw.de/iqgirofree

Konzentrieren Sie sich auf Ihr Leben – wir halten Ihnen den Rücken frei. Mit GiroFree: SparkassenCard, MasterCard, plus card – drei Karten, zig Extras und alles gratis für Sie. Holen Sie sich jetzt die besten Leistungen vor Ort bei Ihrer Sparkasse Pforzheim Calw.


Issuu converts static files into: digital portfolios, online yearbooks, online catalogs, digital photo albums and more. Sign up and create your flipbook.