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MAGAZIN

BODENSEE

KONSTANZ MAGAZIN

IMPE RIA & KO NZ IL

Europa zu Gast in Konstanz D IE MAIN AU

Paradiesinsel im Bodensee B O D E N S E E FO RU M

600 Jahre Tagungstradition Ausgabe 2016/2017 Deutschland/Österreich € 5,– Schweiz CHF 6.–

K U LT U RGE S CH IC HT E N

Musik, Museen, Theater & mehr


Wir

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Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt.

Wir begeistern – seit 1862.

Unsere Mitarbeiter sind es, die Sie begeistern. Durch ihre tägliche Leistung, ihre Kompetenz, ihre Art, Verantwortung zu tragen. Weil unsere Mitarbeiter ein Teil unserer und Ihrer neuen Volksbank Konstanz sind. www.vobakn.de


Foto: Dagmar Schwelle/TIK

LIEBE LESERINNEN UND LESER! it dem Konstanz Magazin wollen wir neue Perspektiven auf Konstanz ermöglichen. Gemeinsam mit dem Stadtmarketing Konstanz und weiteren Partnern aus der Stadt und ihrem Umfeld schreiben wir das fort, was mit unserem „Bodensee Magazin Spezial – Konstanz“ schon vor Jahren begonnen hat. Konstanz, die größte Stadt am Bodensee, ist und bleibt ein bedeutender Kristallisationspunkt für die gesamte Vierländerregion Bodensee. Wir zeigen den Bodensee in seiner Vielfalt und in unseren verschiedenen Publikationen zusammengefasst als Einheit, als einheitlichen Erlebnisraum.

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In der Stadt Konstanz bündeln sich diese Besonderheiten der gesamten Bodenseeregion wie in einem Brennglas. Stadtteile und Ortsteile mit ganz unterschiedlichen Ausprägungen und jeder Teil mit besonderem und spezifischem Flair, die Mainau, das Wollmatinger Ried, zahlreiche Grünflächen in der Stadt lassen eine intakte Natur erleben. Museen, Theater, Philharmonie, Kunst im öffentlichen Raum und vieles mehr prägen eine spannende Kulturszene in der Stadt. Hightechfirmen, Existenzgründer, die größten touristischen Unternehmen der Bodenseeregion und ein ebenso bürgernaher wie gastfreundlicher Einzelhandel sowie eine vielfältige Bildungs- und Hochschullandschaft unterstreichen die Aussage: Wirtschaft und Wissenschaft, mit zwei exzellenten Hochschulen und insgesamt 16.000 Studierenden, sind in Konstanz gut aufgestellt.

as macht diese Stadt so einzigartig? Ist es diese Konstanz über Jahrhunderte? Die besondere Lage? Die kulturelle Vielfalt oder die intakte Natur? Oder die pulsierende Wirtschaft und die Wissenschaft mit den beiden exzellenten Hochschulen? Diese Fragen haben wir dem Verlag und uns selbst gestellt, bevor wir dieses Magazin wiederaufleben ließen. Spannende Geschichten, überraschende Einblicke hinter die Kulissen und das ein oder andere Kuriosum sind dabei heraus gekommen. Das neue „Konstanz Magazin“ überrascht mit frischen Fotos und Perspektiven, zahlreichen Daten und Fakten sowie Geschichten, die selbst der ein oder andere Konstanzer bisher nicht kannte.

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Kultur, Natur sowie Wirtschaft & Wissenschaft prägen diese Stadt, die über Jahrhunderte das Bewährte erhalten hat und zugleich Platz für Neues ließ. Das Konzil vor 600 Jahren ist bis heute präsent – insbesondere im Jubiläumsjahr – und bietet faszinierende Anekdoten, die bei spannenden Stadtführungen erlebbar werden. Ausstellungen wie „Das Tägermoos – ein deutsches Stück Schweiz“ runden die an jeder Ecke spürbare Geschichte ab. Tipps zum Shoppen & Relaxen, Übersichten zu den Events wie dem Seenachtfest, dem Weihnachtsmarkt am See oder dem neuen Lichtkunstprojekt sowie viele weitere Informationen z.B. über die Philharmonie und das Theater mit der ältesten bespielten Bühne Deutschlands erwarten Sie in diesem Magazin.

In unserem ebenso persönlichen wie bemerkenswerten Gespräch sagte der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt über seine Stadt: „Zur Zeit geht es uns außergewöhnlich gut“. Dem ist nichts hinzuzufügen. Lesen Sie selbst.

Eine Stadt - ein Team: Für die konstruktive Zusammenarbeit und die große Hilfsbereitschaft bedanken wir uns an dieser Stelle bei allen Partnern herzlich. Der gelebte Spirit ist in diesem Magazin spürbar.

Thomas Willauer & das Team von Labhard Medien

Eric Thiel & das Team von Stadtmarketing und Tourist-Information Konstanz

KONSTANZ MAGAZIN 1


KULTUR 600 Jahre Konstanzer Konzil Europa zu Gast ......................................................................................................10 Peter Lenk im Gespräch Die Imperia und ihr Schöpfer ............................................................................16 Helmuth Macke in der Wessenberg-Galerie Tod im See .............................................................................................................34 Kunstgeschichten Kunst im öffentlichen Raum .............................................................................62 Philharmonie Konstanz Das Orchester zum See ......................................................................................68 Theater Konstanz Theater öffnet Türen ...........................................................................................70 NATUR Insel Mainau Paradiesinsel im Bodensee.................................................................................18 Grün in Konstanz Wo Natur groß geschrieben wird ......................................................................24 Naturnah Das Wollmatinger Ried........................................................................................28 Das Tägermoos Gemüse aus dem „Zweiherrenland“ ................................................................30 WIRTSCHAFT & WISSENSCHAFT Bodensee Schiffsbetriebe ...................................................................................36 Bodensee-Therme Konstanz ..............................................................................42 Michael Reichle im Gespräch Siemens Postel, Parcel & Airport Logistics ....................................................50 600 Jahre Tagungstradition ...............................................................................54 Bodenseeforum ....................................................................................................56 Kostenloses WLAN ..............................................................................................58 Innovationsgeist am Technologiezentrum Konstanz ...................................59 Der Spirit der Uni Konstanz ..............................................................................60 Auf Einkaufstour ..................................................................................................72 KO N S TA N Z E R S P L I T T E R Hätten Sie’s gewusst?..........................................................................................06 Auf ein Bier mit ...................................................................................................46 Konstanz à la Carte ..............................................................................................78 Sehen und Staunen ..............................................................................................84 Schöne Aussichten aufs Älterwerden .............................................................87 Die Konstanzer Vororte.......................................................................................88 Die Konstanzer Stadtteile ...................................................................................90 Weihnachtsmarkt am See...................................................................................92 Impressum .............................................................................................................94 Wussten Sie, dass ................................................................................................95 Event-Highlights ..................................................................................................96

Mehr Informationen zu Konstanz und zum Bodensee: www.labhard.de

www.labhard.de 2 KONSTANZ MAGAZI N

www.konstanz.de/smk


Foto: Dagmar Schwelle/TIK


Rheinkilometer Null: Am Konstanzer Pulverturm beginnt die offizielle Kilometermessung des Rheins.


Theater seit 1607 Mit seinen drei Spielstätten Stadttheater, Werkstattbühne und Spiegelhalle ist das Theater Konstanz nicht nur eine der größten kulturellen Einrichtungen am Bodensee, sondern auch die älteste dauerhaft bespielte Bühne Deutschlands. Ein besonderes Jubiläum - Hochwasser vor 200 Jahren 1817 wurde mit 6,36 Metern der höchste Wasserstand am Pegel Konstanz gemessen. Eine Tafel an der Wand des Hauses Marktstätte 16 erinnert an die Überflutung von Markstätte, Paradies und Tägermoos. Das Hochwasser folgte auf das „Jahr ohne Sommer“ 1816. 35 Meter Das Minarett der Mevlana-Moschee in der Reichenaustraße war bei seiner Fertigstellung im Jahr 2001 das höchste in Deutschland. Höher sind mittlerweile nur die beiden Minarette der Kölner Moschee mit je 55 Metern, wenngleich deren Eröffnung noch aussteht. Instrumente für die großen Bühnen dieser Welt Der Konstanzer Gitarrenbauer Jerry Auerswald gilt als einer der profiliertesten Könner seines Fachs. Auf der Kundenliste finden sich illustre Namen wie der mittlerweile verstorbene US-Superstar Prince und die irische Rockband U2. Kleinod in Allmannsdorf Wer bei den Suchmaschinen im Internet die Stichworte „offene Bethalle“ eingibt, der landet unweigerlich bei der Loretto-Kapelle auf dem Staader Berg. In der überdachten Bethalle vor dem Außenaltar der schlichten Kapelle werden noch heute Gottesdienste in ganz besonderer Atmosphäre gefeiert. Zufrieden, zufriedener, LAGO Das LAGO gilt als eines der erfolgreichsten Shoppingcenter Deutschlands. Im sogenannten „Shoppingcenter Performance Report“, der die Zufriedenheit der Ladenbesitzer ermittelt, belegt das LAGO deutschlandweit regelmäßig Platz 1. Diplom Das Europäische Diplom für geschützte Gebiete ist eine vom Europarat vergebene Auszeichnung. Das Diplom wurde bisher für 70 Gebiete in 25 Staaten vergeben, sieben davon in Deutschland. Darunter befindet sich auch das Wollmatinger Ried am südwestlichen Stadtrand von Konstanz.

Die Landesgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen wird von Kunstwerken in Form von Tarotfiguren des Künstlers Johannes Dörflinger markiert. Hier zu sehen: Der Magier.

Hätten Sie’s

GEWUSST?


Täglich 15.000 Radler in der Stadt Auf der Fahrradbrücke über dem Seerhein wurden bei einer Zählung 2015 mehr Radfahrer registriert als auf den meistbenutzten Strecken in den sogenannten „Fahrradhauptstädten“ Freiburg und München. Das Rad ist in Konstanz ein sehr beliebtes Fortbewegungsmittel, da man schnell und einfach jeden Teil der Stadt erreichen kann. Vorreiter, oder besser Vorradler Als eine von zwei Städten bundesweit testet Konstanz ein Transportfahrrad-Mietsystem. An 15 Standorten in der Stadt werden 30 Lastenräder positioniert und können für den Transport von schweren Einkäufen oder anderen Besorgungen ausgeliehen werden. Seit kurzem ist es auch möglich, sich mit einem Rikscha-Taxi durch die Stadt chauffieren zu lassen. 90 Jahre „Roter Arnold“ Den Spitznamen verdanken die roten Linienbusse in der Stadt dem Baubürgermeister und Chef der Technischen Betriebe, Fritz Arnold, zu der Zeit, als der Busbetrieb in Konstanz aufgenommen wurde. Die Jungfernfahrt war am 4. März 1927 von Konstanz nach Staad. NEU: Die großen Busanhänger ab Herbst 2016. Fa(h)rbwege Blau ist die Farbe, mit der das Wegenetz der Radler zukünftig erkennbar gemacht werden soll. Das ist Teil des Handlungsprogramms Radverkehr, das die Erhöhung des Anteils an Fahrradfahrern am Konstanzer Verkehr von 24 auf 28 % zum Ziel hat. Konzil – Machtspiele – Illuminationen Ganz im Zeichen einer lebendigen Erinnerung an das Konstanzer Konzil werden im Oktober 2016 in der einsetzenden Dämmerung ausgesuchte Orte in der Altstadt allmählich in faszinierende Projektionsflächen verwandelt. Erfrischend, belebend, kostenlos Ob aus Kunstwerken oder schlichten Wassersäulen – aus gleich 17 Brunnen im Stadtgebiet und in den Vororten sprudelt kostenloses Trinkwasser.

Kunst statt Abschottung Die Kunstgrenze zwischen Konstanz und Kreuzlingen sucht weltweit ihresgleichen. Obschon EU-Außengrenze, markieren statt eines Zaunes 22 Skulpturen des Künstlers Johannes Dörflinger die Landesgrenze zwischen Deutschland und der Schweiz. Iltis16 Das Bodensee Racing Team der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) hat auch 2016 wieder einen Rennwagen Iltis 16 für die „Formula Student“ konstruiert und wird sich auf bekannten Rennstrecken mit anderen Hochschulen messen. Neben der Universität ist die HTWG eine zweite hochrangige Bildungseinrichtung der Stadt Konstanz. Exzellente Hochschulen Die Universität Konstanz belegt international Platz 7, bundesweit Platz 1 im Ranking „THE 150 Under 50“ der besten Universitäten unter 50 Jahren, und die Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung belegt bei bundesweiten Hochschulrankings regelmäßig Spitzenplätze. In Konstanz leben und lernen rund 16.000 Studenten aus 80 Nationen. Schlaue Energie von morgen Namhafte Unternehmen und Forschungsinstitutionen der Energiebranche haben sich zur Plattform Solarlake-Konstanz zusammengeschlossen, die sich umfassend mit der Energieversorgung von morgen befasst. Seit nunmehr drei Jahren setzt man mit „smart energy“ einen besonderen Themenschwerpunkt. Biotechnologie, IT & Digitalwirtschaft – Hand in Hand Die Netzwerke BioLAGO und cyberLAGO verknüpfen die High-TechBranchen Life Science und Digitalwirtschaft ausgehend von Konstanz rund um den Bodensee. Sie verbinden über 150 Mitglieder aus Wirtschaft und Wissenschaft und unterstützen die Umsetzung von Ideen in Produkte mit dem Ziel, branchenspezifische Fragestellungen zu lösen. Meister Adebar zu Gast am See Seit nunmehr vier Jahren hat der Campingplatz Klausenhorn in Dingelsdorf zwei klappernde „Dauercamper“. Ein Storchenpaar kehrt jedes Jahr an den See zurück und zieht hier seinen Nachwuchs auf. Zu Ehren der gefiederten Gäste gibt es im Mai ein großes Storchenfest.

Foto: Ximeg/wikimedia.org

Flotter Reporter vor 600 Jahren Im Rosgartenmuseum ist eine von weltweit 16 erhaltenen Handschriften der Chronik des Konstanzer Konzils zu sehen. Verfasst wurde sie von einem Patriziersohn der Stadt, Ulrich Richental, der die bunten Geschichten vom Rande der großen Kirchenversammlung notierte. Wenig Betrieb, Bodensee-Idylle pur Zwei Geheimtipps im Tägermoos sind die idyllisch unter Pappeln am Rhein gelegene „Seerheinschänke Kuhhorn“ und etwas weiter rheinabwärts die gemütliche „Badi Tägerwilen“, ein Freibad mit kleiner Gartenwirtschaft und buchbarer Grillstelle.

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Foto: Dagmar Schwelle/TIK


Konstanz – die Stadt zum See.


Foto: Achim Mende

ENGLISH SUMMARY Six hundred years ago, Constance hosted the largest congress of the Middle Ages, the Council of Constance. Religious and secular leaders from all over Europe met on Lake Constance for four years to discuss spiritual and worldly matters. The principal reason for the Council was that in the early 15th century, three popes had claimed the right to the Chair of St. Peter and thus domination over Christianity, a situation that caused problems, not only when it came to practising religion on a day-to-day basis. This “earthly Trinity” also led to difficulties at court. Which of the three popes should King Sigismund crown as emperor? The focus of the celebrations in 2016, the third year of the anniversary of the Council of Constance, is on the “Living Middle Ages” with its eventful history and on the role of women under the aegis of

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Imperia. 2016 is “Imperia year”. For more than 20 years, the entrance to Constance harbour has been graced by this nine-metre-tall statue by artist Peter Lenk. It embodies one of the many courtesans who stayed in Constance during the Council. The name refers to a literary figure by Honoré de Balzac. During the Council of Constance, Balzac’s Imperia is said to have seduced members of the highest ranks, who all succumbed to her beauty, thereby elevating her to the status of the “real queen of the Council”. On her hands she bears Martin V, who was elected pope in 1417, and King Sigismund of Luxembourg, who initiated the Council in Constance. The religious and secular leaders appear as pawns in the hands of the gigantic “queen”. This also raises the question of how great her power really was.


EUROPA zu Gast 600 Jahre Konstanzer Konzil 2014 – 2018 Vor 600 Jahren wurde Konstanz zum Schauplatz des größten Kongresses des Mittelalters. Aus ganz Europa, von Lissabon bis Riga, von Irland bis zur Türkei – kurz: aus aller Herren Länder trafen am Bodensee kirchliche und weltliche Oberhäupter zusammen, um vier Jahre zu beraten. Wie kam es zu diesem außergewöhnlichen Zusammentreffen?


Frauen des Konzils

Imperia – das Kurtisanenwunder Keine andere Frau beflügelt die Fantasien zum Konstanzer Konzil mehr als die berühmte Kurtisane. Peter Lenks Denkmal am Konstanzer Hafen trägt das seine dazu bei, schließlich zieht die 9 Meter hohe Statue nun schon seit mehr als 20 Jahren alle Blicke auf sich. Honoré de Balzac war es, der die römische Kurtisane mittels kreativer Schreibfeder kurzerhand ins Konstanzer Konzil dichtete. Schon vor ihm waren andere Dichter von der „anspruchvollsten und launischsten Dirne des Erdenrundes“ tief beeindruckt. Die „echte“ Imperia lebte Anfang des 16. Jahrhunderts in Rom. Insbesondere Imperias Charme und Intelligenz wurde von Zeitgenossen gepriesen, als „Kaiserin der Liebe und Schönheit“ wurde sie betitelt, weil „nichts und niemand ihrer Schönheit gleichkam“ – so ein römischer Zeitzeuge. Zu Imperias Liebhabern zählten neben Bankiers, Dichtern und dem Maler Raffael auch hochrangige Mitglieder des Klerus.

Frauen des Konzils

Birgitta von Schweden – dreifache Heilige

DREI PÄPSTE, EIN KONZIL

nfang des 15. Jahrhunderts nahmen drei Päpste gleichzeitig den Stuhl Petri und damit die Herrschaft über die Christenheit für sich in Anspruch, ein Umstand, der nicht nur bei den alltäglichen Religionsausübungen zu Problemen führte. Auch im königlichen Berufsalltag rief die „irdische Dreifaltigkeit“ Schwierigkeiten hervor. Welcher der drei Päpste sollte König Sigismund zum Kaiser krönen? Also traf sich König Sigismund 1413 mit Papst Johannes XXIII. im italienischen Lodi, um ein Konzil einzuberufen. Die Ortswahl fiel auf Konstanz, und rund elf Monate später traf der Papst in Konstanz ein, der König folgte am Heiligen Abend 1414.

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Aber nicht nur König und Papst kamen an den Bodensee: Der Konstanzer Bürger Ulrich Richental zählt in seinen Aufzeichnungen stolze 72 460 Personen. Papst Johannes XXIII. soll mit 600 Personen angereist sein, der König von Dänemark brachte neben seiner Entourage sogar 300 Pferde mit! 5 Patriarchen reisten mit 118 Mann Gefolgschaft an, 22 Kardinäle mit 3056 Leuten im Gepäck, es kamen 47 Erzbischöfe, 145 Bischöfe, 92

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Weihbischöfe, 1323 Äbte, 500 geistliche Fürsten, Professoren und Doktoren, Herzöge und Grafen, alle in Gesellschaft. Dazu kamen hunderte Handwerker, Spielleute, Huren und und und. Eine Handschrift der Richental-Chronik, die das ganze trubelige Geschehen eindrucksvoll und anschaulich illustriert, ist heute noch im städtischen Rosgartenmuseum zu bewundern. In Konstanz wurden alle drei Päpste von der Konzilversammlung abgesetzt und es kam zur ersten und bis heute einzigen gültigen Papstwahl nördlich der Alpen – in einem Kaufhaus direkt am Bodensee. Martin V. wurde hier am 11.11.1417 zum neuen Einheitspapst gewählt. Im April 1418 löste sich die Gesellschaft nach und nach auf. 600 Jahre später erinnert die Stadt Konstanz mit einem umfangreichen Programm an das bedeutendste Ereignis der Stadtgeschichte. 2014 bis 2018 ist jedes Jahr einer Persönlichkeit des Konzils und einem heute wie damals gültigen Thema gewidmet, um das facettenreiche Geschehen aus verschiedenen Blickwinkeln zu würdigen. www.konstanzer-konzil.de

Nicht viele Heilige teilen das Schicksal der Birgitta von Schweden, von drei Päpsten heiliggesprochen zu sein: 1391, nur wenige Jahre nach ihrem Tod, erfolgte ihre erste Kanonisation. Da es zu Beginn des 15. Jahrhunderts allerdings zunächst zwei, dann sogar drei Päpste gab, konnten sich die Gläubigen nicht auf die Rechtmäßigkeit der Heiligsprechung verlassen. Daher reiste eine schwedische Delegation zum Konstanzer Konzil und erreichte, dass Papst Johannes XXIII. im Februar 1415 Birgitta erneut heiligsprach. Allerdings floh Johannes kurz darauf unpapstmäßig aus der Stadt, sodass die schwedischen Gesandten erkennen mussten, dass sie auf den Falschen gesetzt hatten. Schließlich wurde Birgitta 1419 durch den in Konstanz gewählten Einheitspapst Martin V. erneut kanonisiert. Birgitta, geboren 1303, hatte bereits als Kind Visionen. Im Alter von 14 heiratete sie und führte zwei Jahrzehnte ein glückliches Familienleben mit acht Kindern. Mit ihrem Mann verband sie eine tiefe Gläubigkeit, 1341 brachen beide zu einer Wallfahrt nach Santiago de Compostela auf. Nach ihrer Rückkehr zogen sich die Eheleute in verschiedene Klöster zurück. Im Kloster empfing die „Braut und das Sprachrohr Christi“ weitere Offenbarungen, die sie schriftlich festhielt. Ihre Visionen beeinflussten von da an die Darstellungen von Maria und Christi Geburt. Ein sogenannter „Birgitten-Altar“ befindet sich im Konstanzer Rosgartenmuseum. Birgitta engagierte sich auch politisch, so versuchte sie u.a. zwischen England und Frankreich zu vermitteln. 1373 verstarb sie in Rom.


Frauen des Konzils

Witwe Fida Pfister – wohlhabende Wirtin des Jan Hus Die heute bekannteste Konstanzer Bürgerin zu Konzilzeiten ist die Witwe Fida Pfister. Sie beherbergte den böhmischen Theologen Jan Hus im November 1414 in der St. Pauls Gasse, der heutigen Hussenstraße. Es ist der akribischen Recherche des Konstanzer Heimatforschers Gernot Blechner zu verdanken, dass wir relativ viel über die fürsorgliche „Witfrau“ wissen, als die sie von den Zeitzeugen beschrieben wurde. Streckenweise wie ein guter Krimi liest sich sein Aufsatz „Auf den Spuren der Fida Pfister“, der das Leben einer vermögenden Frau nachzeichnet. Fida stammte aus einer angesehenen Meersburger Familie, ihr Vater sowie ihr Bruder waren Bürgermeister auf der anderen Seeseite. Sie war die zweite Frau des Konstanzer Stadtrats Hans Pfister, der schon vor Beginn des Konzils verstorben war. Auch wenn sie knapp 50 Jahre länger lebte als ihr Mann, heiratete sie kein zweites Mal und war dennoch sehr vermögend. Aus den Konstanzer Steuerbüchern geht hervor, dass sie nicht nur über viel Geld sondern auch verschiedene Anwesen verfügte. Fida hatte mindestens zwei Kinder: Ihre Tochter trat 1425 ins Meersburger Frauenkloster ein. Ihr Sohn wählte ebenfalls eine geistliche Laufbahn und wurde wahrscheinlich Kaplan im Konstanzer Münster.

2016 – VERGESSENE FRAUEN

2017 – HABEMUS PAPAM

Mit dem Themenjahr „Lebendiges Mittelalter“ rückt die Konzilstadt die Damenwelt der Konzilzeit in den Fokus der Feierlichkeiten. In Ulrich Richentals Konzilchronik sind Frauen nur am Rande dargestellt – so die angereisten Adeligen, Verkäuferinnen auf dem Markt oder prozessierende Nonnen. Es ist also an der Zeit, den Frauen 2016 ein eigenes Themenjahr unter der Schirmherrschaft von Imperia zu verschaffen: Neben den schon sagenumwobenen Prostituierten des Konzils, erzählt das Jubiläum die Geschichten von Königinnen, Heiligen und reichen Konstanzer Witwen bei Kunstinstallationen, Stadtrundgängen, zahlreichen Vorträgen und musikalischen Angeboten.

Am 11. November 1417 wurde Papst Martin V. auf dem Konstanzer Konzil zum Papst gewählt. Mit der bis heute einzigen gültigen Papstwahl nördlich der Alpen konnte das abendländische Schisma beendet werden. In kriegerischen Zeiten schafften es die europäischen Teilnehmer sich friedlich auf einen Papst zu einigen: So waren an der Wahl neben den Kardinälen auch kirchliche und weltliche Wahlmänner beteiligt. An diesen lösungsorientierten Diskurs der damaligen Konzilteilnehmer knüpft das vierte Jubliäumsjahr an. 2017 macht sich als „Jahr der Religionen“ den interreligiösen Dialog in allen Facetten zur Aufgabe.

Frauen des Konzils

Barbara von Cilli – König Sigismunds bessere Hälfte Die zweite Frau Sigismunds war eine äußerst gebildete und willensstarke Frau. Eine Kombination, die ihr zusammen mit ihrem Interesse an Astrologie und Alchemie in den Geschichtsbüchern des 19. Jahrhunderts zu einem eher zweifelhaften Ruf verhalf. Nachdem sie am 8. November 1414 in Aachen zur römisch-deutschen Königin gekrönt wurde, begleitete sie ihren Gatten Sigismund nach Konstanz zum Konzil. Ihr gutes Verhältnis zu einigen einflussreichen deutschen Fürsten brachte ihrem Gatten während des Konstanzer Konzils einige diplomatische Vorteile. Im Dezember 1415 reiste sie alleine nach Ungarn zurück und übernahm dort in Sigismunds Namen die politische Verantwortung. Durch ihre erfolgreichen Finanzgeschäfte war sie zudem in der Lage, ihren notorisch klammen Gatten auszuhalten. Bereits zu Sigismunds Lebzeiten entbrannte die Frage der Thronfolge, da das Paar keinen Sohn hatte. Barbara von Cilli präferierte nicht Sigismunds Favoriten, ihren Schwiegersohn Albrecht II., sondern den polnischen König Wladyslaw III. Im Zuge der ehelichen Zwistigkeiten wurde Barbara von ihrem Gatten kurzerhand inhaftiert. Nach dem Tod Sigismunds wurde sie vom neuen König Albrecht II. geächtet und ihre Güter in Ungarn eingezogen – sie selbst konnte aber nach Polen fliehen. Erst 1441 kehrte sie nach dem Tod ihres Schwiegersohns auf ihr böhmisches Anwesen in Melnik zurück, wo sie 1451 an der Pest verstarb. Heute liegen ihre Gebeine in der königlichen Gruft in Prag.

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Fotomontage: Illumination Gbr

PROGRAMM

Auswahl 2016/2017


bis 04. August 2016 Konzilfestspiele auf dem Münsterplatz Umberto Eco: Der Name der Rose Teresia Walser und Karl-Heinz Ott: Konstanz am Meer, Theater Konstanz; Münsterplatz Konstanz bis 21. August 2016 Der Vollstrecker Archäologische Spurensuche Friedrich Ludmann im Rahmen Kunstfonds Konzil; Bodanplatz bis September 2016 Ausfahrten der Lädine St. Jodok Hafen Konstanz ab 20. Juli 2016 Weibsbilder Sieben Triptychen der Designer für Gerechtigkeit; Innenstadt 30. September bis 03. Oktober 2016 Europäische Avantgarde um 1400 Musikfestival mit vier Konzerten an Konzilorten; in Kooperation mit SWR2 02. bis 16. September 2016 Match Installation von Saskia Breitenreicher im Rahmen des Kunstfonds Konzil; Rathaus-Innenhof 06. bis 12. Oktober 2016 Illuminationen Videoinstallationen von Theresa Renn, Jan Behnstedt, Patrick Pfeiffer; Konzilorte bis 30. Oktober 2016 Sonderausstellung zu Hieronymus von Prag Hus-Haus bis Juni 2017 Das Rheinrad Installation von Ulrich Vogel im Rahmen des Kunstfonds Konzil; Rheintorturm

ganzjährig 2016 Jan Hus – Mut zu denken, Mut zu glauben, Mut zu sterben Hus-Haus ganzjährig 2016 Auf den Spuren des Konzils Inszenierte Stadtführungen, Fahrradführungen, Geocaching, u. a.; Tourist-Information 14. November bis 07. Februar 2017 Ringvorlesung: Kloster und Stadt Universität Konstanz, Stadtarchiv, Konzilstadt Konstanz; Speichersaal Konzilgebäude

Ausblick 1. Halbjahr 2017 12. Februar 2017 Premiere: Kaspar und die Riechkugel Familienkonzert und Schülerkonzerte der Südwestdeutschen Philharmonie 24. bis 26. März 2017 Tage der Chor- und Orchestermusik Chor- und Orchesterverband 08. April bis 29. Oktober 2017 Zu Gast bei Juden. Leben in der mittelalterlichen Stadt Ausstellungsprojekt der Universität Konstanz und des Archäologischen Landesmuseums Konstanz; ALM 27. April bis 01. Mai 2017 Papstwahl 2.0 Planspiel für Jugendliche der Oberstufe 25. bis 28. Mai 2017 HandWerkStadt in Kooperation mit der Handwerkskammer Konstanz; Stadtgarten 07. bis 23. Juli 2017 La Juive Oper im Stadtraum

April bis Oktober 2016/2017 KonzilsteLLen Stelenausstellung zum Konstanzer Konzil; Innenstadt

Das vollständige Programm finden Sie im quartalsweise erscheinenden Jubiläumsfolder, im Büro der Konzilstadt Konstanz, Marktstätte 1 (Innenhof Sparkasse) oder unter: www.konstanzer-konzil.de


Die

IMPERIA & ihr Schöpfer

Herr Lenk, Sie haben mit Ihren satirischen Werken inzwischen überregionale Bekanntheit erlangt. Die Imperia ist eines Ihrer monumentalsten Werke und Thema der diesjährigen Konzilfeierlichkeiten. Wie kam es zur Idee?

Wir fuhren damals mit dem Raddampfer Hohentwiel auf den See hinaus, ich sah diesen verrosteten, provisorischen Gittermasten, wo der Leuchtturm war und ich dachte bei mir – es wäre doch toll, wenn hier eine Figur stehen würde. Ich dachte an New York und auch wenn ich dort noch nie war, das hat mich inspiriert. Zu dieser Zeit war von Auftrag noch keine Rede. Und wie es manchmal so ist, holte mich das später wieder ein und der damalige Fremdenverkehrsverein fragte mich, ob ich an genau diesem Platz nicht eine Figur hinstellen würde. Ich hatte mich ja nicht um irgendetwas beworben – das mache ich sowieso nicht. Dann kam ich zusammen mit meiner Frau auf die Idee, hier eine flotte Madame hinzustellen mit Würdenträgern auf ihren Händen, eher ironisch und nicht so pathetisch wie die Freiheitsstatue, natürlich auch nicht ganz so groß. Man wollte sie zunächst Constancia nennen. Das war mir jedoch zu heimatlich. Eine Bekannte hat in einem Buch aus einer ganz kleinen Bibliothek von Balzac die tolldreisten Geschichten gelesen und sagte mir – Mensch mach doch die Imperia. Das war eine tolle Idee – die Imperia ist eine ganz interessante Frau. Die Stadt selber gehörte nicht zu den Auftraggebern?

Der Fremdenverkehrsverein, die Vertreter der Bahn und die Wirte waren die Auftraggeber. Die Stadträte haben Kunst hier im öffentlichen Raum über Jahrzehnte eigentlich verhindert. In diesem Klima war es natürlich schwierig eine Probeaufstellung durchzubekommen. Denn die Stadt war überwiegend für die Figur und die Stadträte dagegen. Und auch jetzt nach 23 Jahren wurde es nicht versäumt, eine der Figuren, die auf der Imperia 16 KONSTANZ MAGAZIN


Foto: Franzis von Stechow

Längst zum Wahrzeichen der Stadt geworden, dreht sich an der Konstanzer Hafeneinfahrt seit 23 Jahren die Statue mit dem Namen Imperia des Künstlers Peter Lenk. Honoré de Balzac erhob die einstige Römerin zu einer literarischen Figur, die als Kurtisane und Lebefrau zur heimlichen Herrscherin des Konstanzer Konzils wurde. The statue by artist Peter Lenk with the name Imperia has slowly turned at the entrance to Constance’s harbour for 23 years, and has long since become the town’s landmark. Originally a lady from Rome, Honoré de Balzac elevated her to a literary figure, a courtesan and bonne vivante, who became the clandestine queen of the Council of Constance.

sitzt, zu skandalisieren, obwohl sie längst zu einer Art Wahrzeichen geworden ist. Deswegen wurde damals die Probeaufstellung abgelehnt. Da das Grundstück aber der Bahn gehört, konnten wir sie bei einer Nacht- und Nebelaktion aufstellen. Die Bürger haben sich dafür eingesetzt, dass die Figur bleibt. In Bayern oder gar anderen Ländern z. B. wäre die Imperia nicht denkbar gewesen. Deswegen will ich mich nicht beschweren. Sie dreht sich jetzt schon 23 Jahre. Die Imperia steht im Zuge der Feierlichkeiten zum Konstanzer Konzil wieder im Mittelpunkt. War die Imperia nur eine fiktive, literarische Gestalt?

Nein, die Imperia, die hat es wirklich gegeben – fiktiv ist, dass sie in Konstanz war. Sie ist nie in Konstanz gewesen. Balzac hatte sie hineingedichtet, weil sie eine weltberühmte Persönlichkeit war und hier in Konstanz zu Zeiten des Konzils mehrere hundert Freudenmädchen verweilten. Aber die echte Imperia war keine Hübschlerin, sie war ein Wunderweib ihrer Zeit, eine Kurtisane aus Rom, eine höchst gebildete Frau und angesehene Persönlichkeit. Sie konnte fünf Sprachen sprechen. Gewiss hat sie sich auch durch ihre erotische Erscheinung emanzipiert, aber man darf sie keineswegs als Prostituierte bezeichnen oder mit den gewöhnlichen Freudenmädchen vergleichen, die den Adel, Klerus und das gewöhnliche

Volk verwöhnt haben. Deswegen stört es mich auch, wenn die Imperia als Prostituierte bezeichnet wird, denn das ist die Geschichte wirklich auf den kleinsten Nenner gebracht. Durch Balzacs Erzählung also erst kam die Imperia nach Konstanz. Bei der Imperia werden Figuren des Konstanzer Konzils satirisch verarbeitet, was zum sogenannten Blasphemievorwurf geführt hat. Wie beurteilen Sie das als Künstler?

Man kann durch die Satire jemanden vorführen, wenn man will. Diese Narrenfreiheit, wie es so schön heißt, habe ich mir aber auch hart erarbeitet. Zum Blasphemievorwurf in Bezug auf die katholische Kirche sage ich Folgendes: Es handelt sich bei den Figuren der Imperia nicht um den Papst und nicht um den Kaiser, sondern um Gaukler, die sich die Insignien der weltlichen und geistlichen Macht angeeignet haben. Und inwieweit die echten Päpste und Kaiser auch Gaukler waren, überlasse ich der geschichtlichen Bildung der Betrachter. Zum Konzil kann ich so viel sagen, dass damals die letzte Chance verpasst wurde, ein korruptes Papsttum abzuschaffen. Deswegen sehe ich in den Konzilsfeierlichkeiten die Chance zum Gedenken und zur kritischen Aufarbeitung einer teilweise fragwürdigen Kirchengeschichte. Es ist wichtig, das Konzil als Anlass zu nehmen, um kritisch zu beleuchten, anstatt nur zu jubeln. Was bedeutet Ihnen persönlich die Imperia?

Sie ist mir wichtig, weil sie eine starke Frau ist und den Blick des Voyeurs zurückgibt. Imperia steht für Frieden und Lust, und spannend ist zu überlegen, was wohl die Menschen denken, wenn sie in 2.000 Jahren im Sumpf des Sees entdeckt werden würde … www.konstanz-tourismus.de, www.peter-lenk.de KONSTANZ MAGAZ IN 17

Foto: Achim Mende

Vom 23. auf den 24. April 1993 stellte Peter Lenk in einer Nacht- und Nebelaktion die Imperia am Konstanzer Hafen auf.


PARADIES.Insel im Bodensee


Das Grün im Blau: Die Blumeninsel Mainau, der vielleicht schönste Teil von Konstanz

ie Insel Mainau ist immer einen Besuch wert. Denn das 45 Hektar große Eiland ist auf Schritt und Tritt ein Erlebnis, bietet in jedem Teil des Parks beeindruckende Ein- und Ausblicke und überrascht dabei immer wieder aufs Neue. In unserer bewegten Zeit ist hier der ideale Ort zum Innehalten und Entspannen. Dazu trägt die jahreszeitlich wechselnde Blütenfülle mit tausenden Tulpen, hunderten Rhododendren, duftenden Rosen, Stauden und farbenfrohen Dahlien aber auch die majestätische Wucht des über 150 Jahre alten Arboretums mit Mammutbäumen bei. Palmen und Zitruspflanzen verleihen der Insel im Sommer mediterranes Flair, exotisches Ambiente bieten das tropische Schmetterlingshaus, in dem sich das Jahr über freifliegende Tag- und Nachtfalter in insgesamt rund 120 Arten tummeln, sowie das Palmenhaus, das rund 20 verschiedenen Palmenarten Schutz bietet – beides ideale Orte gerade auch für kühlere und regnerische Tage. Neben Natur- und Garteninteressierten sowie Erholungssuchenden kommen auch viele Familien auf die Insel. Kinder können sich im Mainau-Kinderland und auf den dazu gehörenden Abenteuerspielplätzen austoben.

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ZEITREISE INS MITTELALTER Im Blumenjahr 2016 nimmt die Insel Mainau die Besucherinnen und Besucher unter dem Motto „Hinter hohen Schlossmauern… Ordensritter und barocker Glanz“ mit auf eine Reise in die Zeit vom Mittelalter bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, als die Mainau noch im Besitz des Deutschen Ordens war. Die Zeit des Deutschen Ordens ist ein bedeutender Meilenstein in der langen Geschichte der Insel Mainau. 2016 werden die insgesamt 534 Jahre der Deutschordenskommende Mainau hervorgehoben und das Leben in der damaligen Zeit erlebbar. So kehren einige der damaligen Bewohner als illustrierte Personen zurück und erzählen an unterschiedlichen Stellen im Park vom Leben und Arbeiten auf der Bodenseeinsel. Passend zum Jahresmotto können sich die Gäste auch kulinarisch auf eine Zeitreise durch mehrere Jahrhunderte freuen. Im Restaurant Schwedenschenke stehen beispielsweise saisonale Menüs aus historisch überlieferten Rezepten auf der Mittagskarte.


DER ÖKOLOGISCHE FUSSABDRUCK

BACK TO THE ROOTS

Heute wird die Mainau als GmbH geführt. An ihrer Spitze stehen die Geschwister Bettina Gräfin Bernadotte und Björn Graf Bernadotte. Mit ihrem Unternehmen, das in und mit der Natur arbeitet, streben die Bernadottes nach einem Gleichgewicht aus ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten, wozu unter anderem der Einsatz von regenerativen Energien zählt.

Die Wurzeln der Familie Bernadotte liegen in Schweden und so werden seit jeher auf der Insel Mainau auch schwedische Traditionen gepflegt. Bereits ein Wimpel in den schwedischen Landesfarben auf dem Schlossdach zeigt die Verbindung der Mainau zu Schweden. Insbesondere an Festtagen wird die Flagge des skandinavischen Landes gehisst. Einer der Höhepunkte im Mainauer Blumenjahr ist das Mittsommerfest, mit dem in den skandinavischen Ländern die Sommersonnenwende gefeiert wird und das auch auf der Mainau mit einem fröhlich-bunten Fest begangen wird.

Ein Logo in Form eines Fußabdrucks signalisiert: Hier beginnt eine Reise zu umweltbewussterem Handeln. Säulen mit einem Guckloch weisen ab 2016 den Besucherinnen und Besuchern den Weg zu einer neu gestalteten Station zum Thema Wasser des Mainauer Nachhaltigkeitsparcours, der aus insgesamt neun Stationen besteht und einlädt, zum Beispiel in die Rolle des Energiemanagers des botanischen Gartens zu schlüpfen.

Auch das Lucia-Fest, das seit dem 16. Jahrhundert in Schweden gefeiert wird, hat die Familie Bernadotte vor einigen Jahrzehnten auf die Bodenseeinsel Mainau geholt. Das Fest, das jährlich am 13. Dezember stattfindet, feiert die Wintersonnenwende. Im Schlosshof wird bereits am 12. Dezember das traditionelle Lucia-Lied angestimmt.

„Wir als Insel Mainau möchten unseren ökologischen Fußabdruck möglichst klein halten.“ Bettina Gräfin Bernadotte, Björn Graf Bernadotte

Die Geschwister Bettina Gräfin Bernadotte und Björn Graf Bernadotte stehen für ein nachhaltiges Konzept für die Insel Mainau.


FASZINATION HUT Das Strasssteinchen auf dem Hut ist ihr Markenzeichen. Seit 2006 präsentiert Diana Gräfin Bernadotte im Hut-Atelier im Schloss Mainau ihre eigene Kollektion, von klassischen Hutmodellen bis hin zu extravaganten Kopfbedeckungen. Modistin, ein außergewöhnlicher Beruf. Wie kam es zu diesem Berufswunsch?

Schon als kleines Mädchen fand ich Hüte faszinierend. Beruflich wollte ich gerne etwas Handwerkliches und Kreatives erlernen und als ich bei einem Hut-Event eine Modistin kennenlernte, war mir sehr schnell klar, dass ich genau dies machen möchte. So begann ich schließlich eine Ausbildung zur Modistin und eröffnete ein Jahr nach meinem Abschluss das Hut-Atelier auf Schloss Mainau.

In diesem Jahr feiern Sie 10-jähriges Jubiläum. Was waren Ihre Highlights?

Jedes Jahr war für sich genommen ein kleines Highlight, mit neuen Kreationen, spannenden Terminen und tollen Kunden. Besonders freue ich mich in jedem Jahr, meine neuesten HutTrends beim Gräflichen Inselfest im Frühjahr und Gräflichen Schlossfest im Herbst auf der Insel Mainau der Öffentlichkeit präsentieren zu dürfen. Seit letztem Jahr biete ich Gruppen nach vorheriger Anmeldung an, mich in meinem HutAtelier zu besuchen und so einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen. Das sind immer sehr schöne Termine. www.gdb-design.de

ZU GAST IM CAFÉ VERGISSMEINNICHT Im Jahr 2010 wurde das Café Vergissmeinnicht, das Teil des gemeinnützigen Vereins Gärtnern für Alle e.V. ist, auf der Insel Mainau gegründet. Im Café arbeiten Jugendliche, die in einer 11-monatigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme auf ihrem Weg ins Berufsleben begleitet werden. Die Initiatorin des Cafés, Sandra Gräfin Bernadotte, erläutert das Projekt. Rund ein Jahr verbringen Sie zusammen mit den Jugendlichen auf der Insel Mainau. Was erlernen die Jugendlichen in dieser Zeit konkret?

Vormittags haben die Jugendlichen Unterricht, an einem Tag der Woche arbeiten sie zusammen mit einer Gärtnerin in unserem Schulgarten und nachmittags helfen die Jugendlichen im Café mit. Die Aufgaben reichen hier von der Mithilfe in der Küche, über die Dekoration des Cafés bis hin zu Service-Tätigkeiten. Wir bereiten die Jugendlichen

WALD ERLEBEN! Seit dem Jahr 2013 gibt es den Erlebniswald Mainau auf dem an die Blumeninsel angrenzenden Festland. Hier können die Besucherinnen und Besucher interaktiv das Ökosystem Wald erleben. Im Zentrum der rund 1,6 ha großen Anlage steht ein Kletterwald mit zahlreichen Elementen eines Hochseilgartens. Kombiniert mit einem Sinnespfad, einer einzigartigen Baumhausarchitektur und einem aufgeständerten Rundweg ermöglicht der Erlebniswald Mainau ein Naturerlebnis rund um das Lebewesen Baum. Mit dem Angebot werden alle Alters- und Interessengruppen angesprochen, die Freude an Bewegung und der Natur haben. Der Erlebniswald wird von einem Team aus Kletterexperten um Prof. Dr. Alexander Klaußner, Geschäftsführer der Mainau Erlebniswald GmbH, betrieben. Weitere Informationen unter: www.erlebniswald-mainau.de.

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so in einem geschützten Rahmen und unter Anleitung eines erfahrenen und geschulten Teams auf das Berufsleben vor, mit dem Ziel, dass sie nach der Maßnahme einen Ausbildungsplatz finden. Gibt es Visionen für die Zukunft?

Schön wäre es, wenn weitere Cafés wie hier auf der Insel entstehen würden aber ich weiß auch, wie viele Partner benötigt werden, dass ein solches Projekt realisiert werden kann. Umso schöner ist es, dass im November 2015 bei Audi in Ingolstadt ein Café Vergissmeinnicht nach dem Vorbild unseres Cafés eröffnet wurde. Als Schirmherrin habe ich die komplette Planungsund auch Umsetzungsphase begleiten dürfen und freue mich, dass nun auch in Ingolstadt in dieser Form Jugendliche auf ihrem Weg ins Berufsleben unterstützt werden. www.gaertnern-fuer-alle.de


VERANSTALTUNGSHIGHLIGHTS 2016/2017 2016 23. September bis 23. Oktober 2016 Herbstausstellung im Palmenhaus, „Eichel, Ecker, Esskastanie“ 30. September bis 3. Oktober 2016 Gräfliches Schlossfest, Schloss Mainau 05. und 06. November 2016 Hochzeitsmesse, „Verliebt – Verlobt – Verheiratet“ 18. November 2016 bis 12. Februar 2017 Winterausstellung auf Schloss Mainau, „Zauberhafte Spielewelten für Klein und Groß – Holzfiguren von Margarete Ostheimer“ Fotos: Mainau / Peter Allgaier

2017 25. bis 28. Mai 2017 Gräfliches Inselfest, „Bummeln – Einkaufen – Genießen“ 30. September bis 03. Oktober 2017 Gräfliches Schlossfest, Schloss Mainau

Tausende Tulpen bilden im Frühling einen bunten Blütenteppich. Ihnen folgen Rhododendren, Rosen und Dahlien.

Mainau GmbH D-78465 Insel Mainau Tel.: + 49 (0) 75 31 3030 info@mainau.de www.mainau.de Die Insel Mainau ist ganzjährig täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet.

ENGLISH SUMMARY

JAHRE SMOT TO 2 0 17 (INSEL X PALME) 2 Zahlenspiel und Farbenplus auf der Insel Mainau

Beim Rundgang durch botanische Kostbarkeiten entdecken die Besucherinnen und Besucher der Insel Mainau im Blumenjahr 2017 an unterschiedlichen Stellen in den Gärten spannende mathematische Zusammenhänge und Zahlenphänomene in der Natur. Wer hätte gewusst, dass Romanesco-Gemüse und die Blüten der Sonnenblume nach einer ganz bestimmten Zahlenfolge, der Fibonacci-Folge, aufgebaut sind? Auf der Bodenseeinsel mit ihren farbenfrohen Blumenbeeten und ihrem mediterran anmutenden Flair findet der Gast viel Raum für Erholung und Genuss. Wem bei der botanischen Quadratur des Kreises mit dem Jahresmotto (Insel x Palme)² der Kopf raucht, der kann beispielsweise beim Blick über den tiefblauen Bodensee und die fernen Alpengipfel entspannt fünfe gerade sein lassen.

Mainau Island is always worth a visit: the 45 hectare island – one of the most significant excursion destinations at Lake Constance – has fresh new experiences and surprises to discover with spectacular insights and views at every turn. Forget the hectic of daily life on a stroll around the Flower Island. Relax and enjoy the changing oceans of flowers throughout the seasons and also the majestic aura of the over 150 year old Arboretum with giant sequoias. Thousands of tulips, hundreds of rhododendrons, scented roses, perennials and colourful dahlias bloom in the park and gardens. Palms and citrus plants lend a Mediterranean flair to the island in summer. The tropical Butterfly House where around 120 species of butterflies and moths flutter in the air throughout the year and also the Palm House which shelters around 20 species of palm trees have a more exotic ambience – these are especially good places to visit on cooler or rainy days. The Teutonic castle completed in 1746 and the castle church St. Marien are architectural highlights of the Baroque era and stand in close proximity to 15 metre tall palm trees.

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Foto: Achim Mende

GRĂœN in Konstanz WO NATUR GROSS GESCHRIEBEN WIRD

ENGLISH SUMMARY Constance is close to nature. Its superb position on Lake Constance and the diverse landscape go to explain its exceptionally high standard of life. Wollmatinger Ried and Mooswiese have been designated nature reserves for some 70 years. Overall, around 60 percent of the town district is under legal protection to preserve the impressive natural beauty for future generations.

Der Konstanzer Stadtgarten mit Konzertmuschel


Foto: Stefan Arendt

Der Lorettowald – verspieltes Grün mitten in der Stadt

onstanz ist eine naturverbundene Stadt. Die schöne Lage am Bodensee und die abwechslungsreiche Landschaft sind ein Grund für ihre außergewöhnlich hohe Lebensqualität. Auch wegen der beeindruckenden Schönheit der Region legten die Menschen hier schon früh Wert auf den Schutz der Natur. So kam es, dass das Wollmatinger Ried und die Mooswiese seit über 70 Jahren als Naturschutzgebiete ausgewiesen sind. Sie zählen zu den ältesten in Baden-Württemberg. Auf der Konstanzer Gemarkungsfläche sind 14 Prozent als Naturschutzgebiet oder als Naturdenkmal ausgewiesen und 31 Prozent als Landschaftsschutzgebiet. Zählt man alle Zahlen zusammen, sind rund 60 Prozent der Stadtgemarkung unter gesetzlichen Schutz gestellt. Das möchte die Stadt bewahren. Auch die Kinder und kommenden Generationen sollen von der schönen und gesunden Umgebung profitieren. Übrigens: Der Loretto-Wald befindet sich im Eigentum der Spitalstiftung.

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„ICH BIN MAL KURZ DRAUSSEN“ Wohnen im Grünen ist in der „Stadt zum See“ vielerorts möglich. Konstanz ist trotz seiner kompakten Strukturen eine Stadt, die viele Grünflächen und Erholungsräume aufweist. So ist die Kernstadt gut mit der Landschaft und dem Bodenseeufer verzahnt. Die maximale Entfernung aus dem innerstädtischen Bereich in die Landschaft bzw. zum See liegt bei rund 1.000 Metern (das entspricht einer Gehzeit von rund zehn Minuten). Diese kurzen Wege sind für Bürgerinnen und Bürger angenehm, wenn sie Erholung suchen. Die stadtnahen Wälder Lorettowald, Universitäts- und Mainauwald und die Erholungsräume, wie zum Beispiel Öhmdwiesen oder Tägermoos sind ein attraktives Angebot und können bei einer engen Verzahnung zwischen Freiraum und Stadt innerstädtische Parkanlagen ergänzen oder sogar kompensieren.


Foto: Dagmar Schwelle/TIK

„Ich bin mal kurz draußen – die Natur vor der Haustür“

NEUE PARKS UND VIELE BÄUME!

UFER FÜR ALLE

Die Pflege innerstädtischer Grünflächen und Parkanlagen tragen zur hohen Lebensqualität und Attraktivität eines Stadtteils bei. Sei es für die Erholung nach der Arbeit, für einen kurzen Spaziergang oder den Ausflug mit Kindern. Der in den letzten Jahren neu angelegte Palmenhauspark, der HeroséPark und die Grünfläche zwischen neuer Rheinbrücke und Europahaus zeigen, wie attraktive Grünflächen in der Stadt entstehen. Auch Neu- und Nachpflanzungen von Bäumen spielen eine große Rolle, um die Stadt grün zu halten: jährlich pflanzen die Technischen Betriebe rund 200 neue Bäume im Stadtgebiet. Dabei werden weitaus mehr Bäume gepflanzt als entfernt. Auf einem Fleck ergäben die Neupflanzungen bereits einen stattlichen Wald!

Für Konstanz spielt das Bodenseeufer naturgemäß eine wichtige Rolle. Das Seeufer ist eines der meist genutzten Naherholungs- und Freizeitgebiete der Stadt und wird von Bürgern und Touristen viel und gerne genutzt. Durch die halbinselartige Lage verfügt die Gemarkung Konstanz über eine rund 31 km lange Uferstrecke. Davon sind 18 Kilometer als Promenade für die Öffentlichkeit begehbar. Während am gesamten Bodensee nur noch rund ein Drittel des 273 km langen Ufers als „naturnah“ bezeichnet werden können, besitzen 46 Prozent der Konstanzer Ufer eine „hervorragend bis sehr gute“ und 20 Prozent eine „gute bis noch gute“ Qualität. Diese guten Werte sind der verantwortungsvollen städtischen Politik zu verdanken. In Konstanz findet keine weitere Siedlungsentwicklung in Bereichen statt, die dem See zugewandt sind. www.konstanz.de Walter Rügert

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ENGLISH SUMMARY Wollmatinger Ried stretches along the Seerhein, where the Upper and Lower Lakes meet. It is one of the oldest and most important nature reserves on the German shores of Lake Constance. Countless rare and some nearly extinct animal species and flora can be observed here in their natural environment.

NATUR

nah

DAS WOLLMATINGER RIED

An der Schnittstelle zwischen Ober- und Untersee erstreckt sich das Naturschutzgebiet „Wollmatinger Ried“. Zwischen Badetrubel und kulturellen Sehenswürdigkeiten befindet sich hier noch ein Stück weitgehend unberührter Natur. Das Ried ist eines der ältesten und bedeutendsten Naturschutzgebiete am deutschen Bodenseeufer. Seine ufernahen Riedflächen, Streuwiesen und Auwälder beherbergen eine faszinierende Tier- und Pflanzenwelt. Zahlreiche sehr seltene und fast ausgestorbene Tier- und Pflanzenarten können hier in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden. www.nabu-wollmatingerried.de


Foto: Achim Mende


Ein europäischer Arbeitsplatz: Saisoniers aus vielen europäischen Ländern arbeiten auf den Feldern im Tägermoos. Unten: Zwiebelernte 1902: Die auf Märkten der ganzen Schweiz gefragten Tägermoos-Zwiebeln wurden in Weidenkörben zur Eisenbahn gebracht. Die Körbe trugen die Namensinitialen der Bauern.

Gemuse

DAS TÄGERMOOS

aus dem „Zweiherrenland“

Ein staatsrechtliches Kuriosum vor den Toren der Stadt Konstanz

rühmorgens fährt der Konstanzer Gemüsegärtner Rainer Schächtle mit seinem kleinen Transporter über den deutsch-schweizerischen Grenzübergang zu seinem Arbeitsplatz. Der liegt in der Gemarkung „Tägermoos“ – auf Schweizer Hoheitsgebiet. Seit Generationen betreibt Schächtles Familie auf einer Teilfläche des rund 150 Hektar großen Grünlands den Gemüseanbau. Einen Personalausweis hat Rainer Schächtle niemals dabei, denn ein Staatsvertrag aus dem fernen Jahr 1831 sichert ihm beim Grenzübergang zu seinen Feldern besondere Rechte zu.

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Das so genannte „Tägermoos“, ein rund 150 Hektar großes Grünland mit Gemüsefeldern, Gewächshäusern, einem Badeplatz am Rhein und Kleingärten jenseits der Landesgrenze, gehört überwiegend der Stadt Konstanz und einigen Gemüsegärtnern, ist aber Teil der Schweiz. Die Gemarkung hat in der Schweiz sogar den Status einer eigenen Gemeinde, doch die wird von der deutschen Stadt Konstanz verwaltet. Eisern hat die Stadt Konstanz in den vergangenen 500 Jahren ihre besonderen Rechte an diesem staatsrechtlichen Kuriosum verteidigt. Im so genannten „Schwaben- oder Schweizerkrieg“ 1499 verlor die freie Reichs- und Bischofsstadt Konstanz ihr natürliches Hinterland: Die kriegerischen Eidgenossen hatten den Thurgau besetzt und ihrem Herrschaftsgebiet endgültig einverleibt. Damit rückten die Grenzen der Eidgenossenschaft bis an die äußeren Stadtmauern von Konstanz heran. Die

Stadt behielt jedoch ihre angestammten Rechte als Feudalherrin über einige Vogteien, so auch über das „Tägermoos“. Fruchtbare Felder, Wiesen, eine Ziegelei und der städtische Galgen wurden sozusagen zum „Zweiherrenland“ und damit eine Quelle jahrhundertlanger Konflikte. Die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts entfremdeten die Nachbarn noch weiter voneinander, das Tägermoos drohte 1945 für Konstanz gar verloren zu gehen, als die Schweiz von den Alliierten angehalten wurde, deutsche Vermögenswerte im Land zu liquidieren beziehungsweise, wie im Fall von Konstanz, deutsche Verbindlichkeiten einzutreiben. Mit dem Erlös sollte die Schweiz eine Sühneleistung dafür erbringen, dass sie wirtschaftlich umfassend mit Nazi-Deutschland kooperiert hatte. Deutsche und Schweizer Verhandlungspartner verhinderten, dass das Tägermoos verkauft wurde, um Konstanzer Kredite in der Schweiz abzulösen. Weithin bekannt geworden war das äußerst fruchtbare Schwemmland seit dem 18. Jahrhundert durch den Gemüsebau der Bauern aus dem Konstanzer Stadtteil Paradies: Kohlköpfe, Zwiebeln, Lauch, Rettich und anderes Gemüse wurden auf die Märkte der Nord- und Ostschweiz verschickt. Geräucherte Felchen und Blässhühner aus dem Seerhein, die dort von Konstanzer Fischern gefangen und von Jägern erlegt worden waren, galten als Spezialität auf deutschen und Schweizer Bürgertischen. Sie wurden während der österreichischen

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AUSSTELLUNG

Auf 150 Hektar fruchtbarem Ackerland entsteht überwiegend biologisch angebautes Gemüse, das unter anderem in drei Hofläden frisch verkauft wird.

Herrschaft über Konstanz (1548 bis 1806) sogar bis an den Wiener Hof geschickt – in kleine Kisten verpackt, mit Stroh umwickelt und von Natureis aus dem Bodensee gekühlt. In Krisenzeiten half die Gemüse-Produktion aus dem Schweizer Nachbarland der Stadt Konstanz mehrfach, durch die schlimmsten Zeiten zu kommen. Denn immer durften die deutschen Gemüsebauern die Früchte ihrer „deutschen“ Felder auch zollfrei in ihre Heimatstadt einführen – eines der Privilegien aus dem Staatsvertrag von 1831. Während des Ersten Weltkriegs und in den Krisenjahren danach blühte an dieser Grenze

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Das Rosgartenmuseum Konstanz widmet dieser eigenwilligen Gemüsebautradition im „Zweiherrenland“ von 16. Juli bis 30. Dezember 2016 eine große Ausstellung: „Das Tägermoos – Ein deutsches Stück Schweiz“. Im Südverlag Konstanz erscheint dazu ein Bildband, der dieses spannende Stück Grenzgeschichte in Geschichten und prächtigen Illustrationen beleuchtet. „Nahrhafte“ Führungen bietet das Rahmenprogramm, Gruppenbuchungen sind ganzjährig möglich, Infos unter: www.konstanz.de. Anfragen an das Museum: ines.stadie@konstanz.de

zwischen dem „Tägermoos“ und dem Konstanzer Stadtteil Paradies außerdem der EinfuhrSchmuggel: Gemüsebauern und ihre Ehefrauen waren darauf spezialisiert, Schweizer Kaffee, Schokolade und Tabakwaren in immer ausgeklügelteren Verstecken in das notleidende Baden zu schmuggeln, dem alle diese Güter fehlten. Ausgehöhlte Holmen von Heuwagen, in Unterröcke genähte Taschen und wasserdichte Kanister im Jauchefass waren praktische Verstecke für Schmuggelgut. Professionelle Schmugglerbanden aus Zürich, München und Berlin transportierten derweil über den nahen Grenzbach Saccharin, aber auch Kokain und Heroin aus

Das Buch zum Thema jetzt erschienen im Südverlag Konstanz „Das Tägermoos“ 192 Seiten/EUR 19,90

Schweizer Pharmaproduktion – in den 1920er Jahren eine heiß begehrte und in den Metropolen teuer bezahlte Konterbande. Einmal wurde sogar ein Tunnel entdeckt, der unter der Staatsgrenze hindurch gegraben worden war und der den professionellen Schmugglern als Warenkanal diente. Diese Zeiten sind an der inzwischen nur noch wenig kontrollierten EU-Außengrenze im „Tägermoos“ lange vorbei. Wo einst uniformierte deutsche Zöllner standen, herrscht heute fast freie Fahrt, was nicht wenige Anwohner bedauern: Die derzeit verunsicherte Bevölkerung wünscht sich die ständig präsenten Grenzwächter zurück. Auf


Foto: Archiv

Grenzenlos tafeln Die Nachbarstädte und -gemeinden Konstanz, Kreuzlingen und Tägerwilen luden ihre Einwohnerinnen und Einwohner im Mai 2014 zu einem grenzüberschreitenden Fest ins geschichtsträchtige Tägermoos ein. Hintergrund war das Aufeinandertreffen der verschiedenen Teilnehmer am Konstanzer Konzil, die zwischen 1414 und 1418 aus allen Teilen der damals bekannten Welt nach Konstanz gereist kamen. König Sigismund, der selbsternannte Schirmherr des Konzils, war Namensgeber des grenzüberschreitenden Anlasses.

Fotos: Rosgartenmuseum

An einer 300 Meter langen Tafel begegneten sich 1.000 Nachbarn aus vielen Kulturen und Generationen der Grenzregion. Alle Gäste bewirteten sich gegenseitig mit mitgebrachtem Essen und machten so vielfältige Begegnungen möglich, ganz im Sinne des „Jahres der europäischen Begegnungen“. Und wo, wenn nicht im Speisen, zeigt sich die Vielfalt Europas?

(Oben links) Grenzüberschreitende Tafel: Aus Anlass des „Konziljubiläums“ trafen sich Deutsche und Schweizer an einer langen Tafel im Tägermoos. Oben: Gemüseanbau im Schatten des Konstanzer Münsters. Links: Erschütternde Schicksale spielten sich an diesem einst drei Meter hohen, 1939/40 errichteten Grenzzaun ab: Vor allem jüdische Flüchtlinge hofften hier die vermeintlich rettende Schweiz zu erreichen.

der Schweizer Seite werden inzwischen wieder verstärkt stichprobenartige Kontrollen durchgeführt, vor allem, seit der Schweizer Einkaufstourismus Konstanz als El Dorado entdeckt hat und an manchen Tagen Tausende Eidgenossen nach Konstanz hinein und vollbepackt wieder hinaus fahren. Im fruchtbaren „Tägermoos“ wachsen derweil noch immer knackige Salate, Spinat, Rettiche, Radieschen, rote Beete und die berühmten Kohlköpfe. Vor allem die nach strengen Schweizer Vorgaben in Bio-Qualität angebauten Gemüse-Erzeugnisse sind sehr gefragt, nicht zuletzt als Be-

standteil der berühmten milchsauer vergorenen „Biotta“-Säfte, die am Rande des Tägermoos produziert werden. Auch heute noch liefern die Gemüsebetriebe ihre Produktion vorwiegend an Schweizer Abnehmer, darunter qualitätsbewusste Supermärkte und Bio-Ketten. Wie lange diese fast 600 Jahre alte Tradition indes fortdauert ist ungewiss: Kaum einer der Gemüsegärtner hat einen Betriebsnachfolger, den meisten Kindern ist die Arbeit im Feld zu hart, sie haben sich andere Berufe gewählt. Dabei schwören nicht nur die Konstanzer auf das gesunde Gemüse aus dem staatsrechtlichen Kuriosum an der deutschschweizerischen Grenze.

ENGLISH SUMMARY Tägermoos, an area of pastureland with vegetable fields and greenhouses, belongs predominantly to the town of Constance and several farmers, but is part of Switzerland. It is under the administration of the town of Constance. During the Swabian or Swiss War of 1499, Constance lost its natural hinterlands, and the borders of the Swiss Confederacy moved right up to the town’s outer walls. However, Constance retained its rights over Tägermoos, and the fertile fields including a brickyard and the town’s gallows became an area with two owners. In times of crisis, the vegetables grown there helped the town of Constance through the worst periods. The vegetable farmers were allowed to import the fruits from their fields into the town without having to pay duty – one of the privileges set out in the treaty of 1831. During World War I, smuggling was rife: Vegetable farmers brought Swiss coffee, chocolate and tobacco to destitute Baden. Crisp lettuce, spinach, radishes, beetroot and the famous cabbage heads are still grown in Tägermoos today. And not only the people of Constance swear by the healthy vegetables grown in this constitutional curiosity.

Tobias Engelsing KONSTANZ MAGAZ IN 33


Fotos: Rosgartenmuseum

Helmuth Macke: Selbstbildnis mit Pfeife; 1934; Öl auf Pappe; 36 x 31 cm; Kunstmuseum Singen, Dauerleihgabe des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe

Unter dem Titel : „Sie gehören alle zueinander – Helmuth Macke im Dialog mit seinen expressionistischen Künstlerfreunden“ widmet die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz dem Künstler eine Ausstellung, die in Kooperation mit dem Kunstmuseum Ahlen erarbeitet wurde. Sie läuft vom 17.9.2016 bis 15.1.2017 im Kulturzentrum am Münster. Es erscheint ein Katalog. Städtische Wessenberg-Galerie Wessenbergstraße 43 78462 Konstanz Tel. +49 (0) 7531 900921 www.konstanz.de/wessenberg

Tod im See Das tragische Schicksal des Malers Helmuth Macke

Zeitlebens stand er im Schatten seines berühmten Verwandten: Helmuth Macke, Vetter des vier Jahre älteren Malers August Macke. Zu Unrecht, denn er war ein hervorragender Maler, der mit expressiven Landschaften, ausdrucksstarken Porträts und farbintensiven Stillleben beeindruckte. Im Sommer 1936 kam er unter dramatischen Umständen im Bodensee ums Leben: Sein Boot kenterte im Sturm, Macke ertrank. Zum 80. Todestag begibt sich die Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz auf Spurensuche zum Leben und Werk des 1891 in Krefeld geborenen Künstlers.

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ENGLISH SUMMARY All his life, Helmuth Macke stood in the shadow of his cousin August Macke, and yet he is considered a member of the pioneering generation of Rhenish expressionists. Helmuth Macke, who was born in Krefeld in 1891, painted impressive landscapes, expressive portraits and colourful still lifes. During his time on Lake Constance, he preferred to paint the hilly landscape of the Höri peninsula through the seasons. Macke died in summer 1936 under dramatic circumstances in Lake Constance: His boat capsized in a storm and he drowned. On the 80th anniversary of his death, the Wessenberg Gallery in Constance retraces the life and works of the artist.

Auf Kandinskys Terrasse in München (v.l.n.r.): Wassily Kandinsky, Cuno Amiet. August Macke, Helmuth Macke, Anna Amiet, Heinrich Campendonk, Louis Moillet, 8. Oktober 1911; Nachlass: Margarete Macke

elmuth Macke zählt zu der wegweisenden Generation der so genannten rheinischen Expressionisten, deren Kunst nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten als „entartet“ galt. Bereits mit sechszehn Jahren studierte er an der Krefelder Kunstgewerbeschule. Kurz danach begann die lange Zeit des Kriegsdienstes, gefolgt von den existentiell schwierigen Jahren während der Weimarer Republik. Doch Helmuth Macke fand Anerkennung von  Künstlerkollegen, Museumsdirektoren und Sammlern.

H

Lange hielt es ihn nie an einem Ort, mehrfach wechselte er nach 1919 den Wohnsitz, und auch privat mochte sich der Maler, der auf Fotos oft melancholisch blickt, nicht dauerhaft binden. 1929 erhielt Macke den begehrten Rompreis – im Süden lernte er dann auch seine Frau, die damals 29-jährige Margarete kennen. Sie war es, die die Idee hatte, an den Bodensee zu ziehen, um dem

wachsenden politischen Druck auszuweichen. Auf der abgelegenen Halbinsel Höri, die durch Hermann Hesse in Künstlerkreisen schon bekannt geworden war, mieteten sie eine alte Mühle, die sie herrichteten. Am Bodensee begann für Helmuth Macke nochmals eine Zeit intensiver künstlerischer Arbeit. Besonders oft malte er die hügelige Hörilandschaft im Wechsel der Jahreszeiten. Doch dieses fruchtbare Schaffen fand ein jähes Ende. Am 8. September 1936 entschloss sich der Künstler, mit einem Bekannten noch einmal auf den See zu fahren. Plötzlich kam ein Sturm auf und ihr Boot kenterte. Ein Kursschiff eilte herbei, konnte jedoch nur den Begleiter retten. Helmuth Macke dagegen verließen die Kräfte. Den ihm zugeworfenen Rettungsring bekam er nicht mehr zu fassen, er ging unter – sein Leichnam wurde nie gefunden. Barbara Stark

Helmut Macke Frau mit Giesskanne am See; 1933 Tempera auf Karton; 46 x 37,5 cm Privatbesitz

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Foto: Achim Mende


SCHIFFS betrieb Die Menschen, die Schiffe, der See


Foto: Inka Reiter

„Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu arbeiten.“

Rocco Fazzari ist Schiffsführer mit Leib und Seele. Das Bild zeigt ihn auf dem Motorschiff „Karlsruhe“ im Konstanzer Hafen.

MIT LEIB & SEELE Was wäre der Bodensee ohne die Bodensee-Schifffahrt? Immerhin kreuzt hier eine der größten Flotten eines europäischen Binnensees zwischen Deutschland, der Schweiz und Österreich. Zusätzlich zum Linienverkehr laden die Schiffe der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) mit vielen Themenfahrten dazu ein, den Bodensee an Deck zu genießen. Standort der deutschen Bodenseeflotte ist Konstanz. Eigner sind die Konstanzer Stadtwerke. Mit der Schifffahrt, den Bädern und der Insel Mainau sind die größten touristischen Unternehmen in Konstanz angesiedelt.

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Foto: Sven Jaenecke

Morgenstimmung: Noch ruhen der See und die Schiffe der Weißen Flotte, und lediglich die Imperia in der Konstanzer Hafeneinfahrt ist in Bewegung. Aber für Rocco Fazzari heißt es bald: Leinen los!

LEINEN LOS! Hafen Konstanz, es ist noch früh, vereinzelt flanieren schon Menschen über die Hafenpromenade. Für Rocco Fazzari, Schiffsführer bei den Bodensee-Schiffsbetrieben, heißt es bald: Leinen los! Die Schifffahrt am Bodensee hat Saison. Und was gibt es da Schöneres, als die malerischen Städte und die liebliche Landschaft vom See aus zu erleben? Zahlreiche Touristen, aber auch Einheimische fahren mit der Weißen Flotte, wie die Schiffe am Bodensee genannt werden: Rund 2,2 Millionen Fahrgäste zählen die BSB pro Jahr. „An einem schönen Sommertag habe ich bis zu tausend

WISSENSWERTES Gäste an Bord,“ so Rocco Fazzari. Ruhig und sicher lenkt er das große Schiff aus dem Konstanzer Hafen, von links grüßt die Imperia, die große Statue des Künstlers Peter Lenk, die, einst umstritten, mittlerweile zum Wahrzeichen der größten Stadt am Bodensee geworden ist. Das Schiff verlässt den Konstanzer Trichter und nimmt langsam Fahrt auf, vorbei ziehen die prächtigen Jugendstil-Häuser der Seestraße, die Bodensee-Therme Konstanz und das Strandbad Horn. Die Aussicht begeistert Rocco Fazzari immer wieder aufs Neue: „Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu arbeiten. Ich bin

Die Bodensee Schifffahrt ist international. Partner der BSB sind die Vorarlberg Lines in Österreich, die Schweizerische Bodensee Schifffahrt und die Schifffahrt Untersee und Rhein. Die grenzüberschreitende Zusammenarbeit findet im Rahmen der Vereinigten Schifffahrtsunternehmen (VSU) statt. Ein eindrückliches Beispiel internationaler Zusammenarbeit vollzog sich kurz vor Ende des 2. Weltkrieges. Die Nazis hatten den Befehl ausgegeben, die Schiffe zu versenken. Nach Verhandlungen zwischen der Deutschen Reichsbahn und der Schifffahrtsinspektion Romanshorn, überführten deutsche Kapitäne in einer Nacht-und-Nebel-Aktion am 25./26. April 1945 die Schiffe in Schweizer Häfen. Am 17. Mai wurden die Schiffe unter Aufsicht eines französischen Marinekommandos in ihre Heimathäfen zurückgebracht.

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Schiffsführer mit Leib und Seele.“ Dabei ist er vor genau 30 Jahren eher zufällig zur Schifffahrt gekommen. Lange hat der gelernte Kfz-Mechaniker bei der Deutschen Bahn in der Werkstatt gearbeitet. Damals gehörte die Bodensee-Schifffahrt noch zur Bahn; als sich die Gelegenheit bot, tauschte Rocco Fazzari die Zug-Waggons gegen das Schiff ein. „Ich wollte unbedingt in Konstanz bleiben, ich bin hier groß geworden und fühle mich mit der Stadt sehr verbunden“, berichtet der gebürtige Italiener.

nen Kollegen versteht er sich hervorragend: „Wir sind im Sommer zehn bis zwölf Stunden zusammen auf dem Schiff, da ist es wichtig, dass man sich gut versteht.“

Kein Tag auf dem See gleicht dem anderen: „Ich liebe die frische Luft, die wechselnden Wetterverhältnisse und dass ich mit Menschen arbeite“, schwärmt Fazzari von seinem Beruf. Wichtig ist für ihn auch ein starkes Team an Bord. Mit sei-

Doch zurück an Bord: Die Sonne ist mittlerweile untergegangen, Rocco Fazzari lenkt das große Schiff in den Konstanzer Hafen zwischen Imperia und Molen-Häuschen. Der Anblick des vertrauten Hafens bedeutet für ihn nun: „Feierabend“.

Abwechslung bringt auch der Wechsel vom Sommer an Bord zum Winter an Land. Wenn die Hauptsaison vorbei ist, arbeitet Rocco Fazzari im Hafenbetrieb, da die Schiffe winterfest gemacht werden müssen und vertritt zudem den Hafenmeister in Konstanz.

Foto: Achim Mende

Teresa Wolf

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ENGLISH SUMMARY The BSB (Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH) with its fleet of 12 motor ships offers regular scheduled services across the entire lake as well as day trips, themed excursions and chartered cruises. With some 2.2 million passengers a year, the BSB is one of the largest tourism providers in the region. The oldest ship still in service on scheduled routes is the “Baden” (built in 1935), the newest is the “Überlingen” (2010). The company dates back to 1824, when the first steamboat was used for scheduled boat trips.

Bodensee-Schiffsbetriebe GmbH Hafenstraße 6 D-78462 Konstanz Tel.: +49 (0) 7531 3640-0 info@bsb.de www.bsb.de


ENGLISH SUMMARY

Foto: Archiv BSB

Whether you prefer modern or nostalgic flair, the “White Fleet” on Lake Constance has boats to suit all tastes. The oldest boat belonging to the BSB dates back to 1935: The MS Baden went into operation at a time when transport was a much less hurried affair. But it already belonged to the generation of ships that no longer ran under steam, but with diesel. Today, the MS Baden, designed in the era of the larger three-deck ships for leisure travel in the 1930s, is admired as a floating monument and is still in service on regular scheduled trips.

Schwimmendes

DENKMAL Nostalgie trifft Moderne ögen Sie’s nostalgisch? Oder doch lieber moderner? Kein Problem, die „Weiße Flotte“ auf dem Bodensee hat alle Varianten der Schifffahrt zu bieten. Schließlich stammt das älteste Schiff der Bodensee-Schiffsbetriebe (BSB) aus dem Jahr 1935: Das Motorschiff (MS) „Baden“ wurde in einer Zeit in Betrieb genommen, in der es verkehrstechnisch noch etwas gemütlicher zuging. Allerdings gehört es schon zu der Generation von Schiffen, die nicht mehr unter Dampf, sondern mit Diesel fuhren.

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Heute wird das MS „Baden“ als schwimmendes Denkmal bewundert. Zusammen mit dem Schwesterschiff „Schwaben“ (gebaut 1937) ist es als Denkmal eingestuft worden. Sie zählen zur Ära der großen Dreideckschiffe der 1930er Jahre, die für die Nutzung im Freizeitverkehr ausgelegt

waren. Im Innern wird das MS „Baden“ durch qualitativ hochwertige Holzeinbauten, das MS „Schwaben“ durch die Treppenräume und Salons im Stil des Art déco geprägt. Beide werden nach wie vor im Kursverkehr eingesetzt. Diese markanten Passagierschiffe stehen in einer großen Tradition. Bis ins Jahr 1824 reicht die Geschichte der Kursschifffahrt auf dem Bodensee zurück. Damals wurde der erste regelmäßige Kursverkehr zwischen Friedrichshafen und Rorschach mit dem Dampfschiff (DS) „Wilhelm“ eingerichtet. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts fuhren die Bodenseeschiffe unter der Flagge der Eisenbahn, 1920 kamen sie zur Deutschen Reichsbahn, später zur Deutschen Bahn. In den 20er Jahren entstanden auch die ersten Motorschiffe. Weil diese wirtschaftlicher waren, ersetzten sie nach und nach die Dampfschiffe.

Heute ist die BSB GmbH eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke Konstanz. Die Flotte ist in den vergangenen Jahrzehnten modernisiert worden. Die neue Generation mit MS „Lindau“ (Baujahr 2006) und „Überlingen“ (2010) mit ihrer prägnanten Form, stehen für diese Ära. Zur Weißen Flotte zählen insgesamt zwölf Schiffe, die im Kursverkehr unterwegs sind. Die BSB bieten zudem Themenfahrten, unter anderem zu den Bregenzer Festspielen oder mit kulinarischen Angeboten sowie Charterfahrten an. Schließlich ist eine Schifffahrt die schönste Art, den Bodensee zu erkunden. Wer eine der vielen Attraktionen am Ufer besuchen will, greift am besten zum Kombiticket: Im Preis ist der Eintritt zur Insel Mainau, zu den Pfahlbauten in Unteruhldingen oder auf den Pfänder in Bregenz bereits enthalten – eine rundum bequeme Angelegenheit. www.bsb.de Josef Siebler KONSTANZ MAGAZ IN 41


WASSER. Landschaft Die Therme liegt direkt am Seeufer, eingebettet in die liebliche Bodenseelandschaft. Die Architekten haben dem lichtdurchfluteten Bad die Konturen eines Schiffskรถrpers gegeben. Wie ein Schiffsbug weisen der Saunabereich und das Restaurant in Richtung See. Nur die riesige Glasfront trennt die Badenden von der Seelandschaft.


BADESPASS Wellness-Vergnügen Bodensee-Therme Konstanz Zur Therme 2 D-78464 Konstanz Tel.: +49 (0) 7531 3630-70 kontakt@konstanzer-baeder.de www.therme-konstanz.de Öffnungszeiten: Täglich von 9 bis 22 Uhr, Sauna ab 10 Uhr Dienstags Damensauna (außer an den Feiertagen und während der Schulferien des Landes Baden-Württemberg)

Die Bodensee-Therme Konstanz bietet Badespaß und Wellness-Vergnügen pur. Sehr beliebt ist die Sauna. Sie wurde deshalb deutlich erweitert und bietet großzügige Räume. Saunameisterin Denise Schütz macht es großen Spaß, für den richtigen Aufguss zu sorgen. „Zu unserem Angebot gehören vielfältige Wellness-Pakete“, berichtet sie. 44 KONSTANZ MAGAZIN


EINZIGARTIGE LICHTELEMENTE Bereits 2009 fanden die Architektur und das Gesamtkonzept der Therme internationale Anerkennung. Herausragend auch die einzigartigen Lichtelemente von Künstler Markus Brenner, die an ungewöhnlichen Plätzen angebracht sind. So verwandeln zum Beispiel in den Duschen installierte Lichtkörper Wassertropfen in Millionen kleiner Prismen und steigern so das sinnliche Erlebnis des Badegastes.

chon die Römer wussten, was gut für Körper und Geist ist. Als Archäologen am Konstanzer Münster Reste eines Kastells aus spätrömischer Zeit ausgruben, fanden sich die Grundmauern einer großen Badeanlage. Die Entspannung im und am Wasser hat hier eine lange Tradition. Die Bodensee-Therme setzt diese Tradition zeitgemäß fort. Wer sich im Freien und zugleich im Warmen aufhalten möchte, taucht ein in das große ThermalAußenbecken. Außerdem bietet die Therme ein großes Freibad. Erfrischungssuchende gelangen über einen Steg direkt in den Bodensee. Die nahen Alpen bilden das überaus beeindruckende Panorama.

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Denise Schütz liebt diese sinnlichen Eindrücke: „Die Umgebung und die Aussicht sind für mich etwas ganz Besonderes.“ Da macht die abwechslungsreiche Arbeit noch mehr Freude. Neben der Aufsicht am Beckenrand hat sie vielfältige Aufgaben. Sie hilft bei den Reinigungsarbeiten, bei

der Analyse der Wasserqualität, erledigt kleinere Reparaturen und plant Events. „Ich bin alles in einem: Saunameisterin, Sportlehrerin, Chemikerin, Hausmeisterin, Reinigungskraft, Eventmanagerin, Security, Sanitäterin und Lebensretterin.“ Nach dem Bad oder dem Saunagang empfiehlt sich der Gang nach draußen: Die sanfte Brise am Seeufer wirkt sehr erfrischend.

THERMALWASSER Die Therme wird komplett aus einer Thermalquelle gespeist. Das Quellwasser gelangt mit 29,6 Grad Celsius an die Oberfläche. Mit seinem Gehalt an Mineralsalzen entspannt es die Muskeln, schont die Gelenke, fördert die Beweglichkeit, erweitert die Gefäße und steigert die Durchblutung. Denise Schütz beobachtet zufrieden die positive Wirkung: „Wenn unsere Gäste ganz entspannt die Therme verlassen, macht es einfach Freude, zu einem erholsamen Tag beigetragen zu haben.“ Josef Siebler

ENGLISH SUMMARY Constance’s thermal baths are situated right on the lakeshore, set in the lovely landscape of Lake Constance. The architects have given the lightflooded spa the form of a ship, with the sauna and restaurant pointing into the lake like a ship’s bow. Only the enormous glass facade separates bathers from the lake itself. Those who want to be outdoors and be warm at the same time can plunge into the outdoor thermal pool. There is also a large open-air pool. The thermal pool is fed with water from a thermal spring, which reaches the surface at a temperature of 29.6 degrees Celsius. Its high mineral salt content helps to relax the muscles, rest the joints, promote mobility, expand the blood vessels and improve circulation.

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Über Geschichte und Blütezeit, Rheinkilometer Null und Privates sprachen Johanna Lambach und Thomas Willauer mit OB Uli Burchardt (Mitte).

Auf ein Bier mit ... ... Uli Burchardt, Oberbürgermeister der Stadt Konstanz

Herr Burchardt, nach vier Jahren als Oberbürgermeister dieser Stadt: Was

Können Sie überhaupt noch durch die Stadt gehen, ohne an jeder Ecke eine

hat das Amt mit Ihnen gemacht?

kommunalpolitische Aufgabe zu entdecken? Oder können Sie die Stadt auch

Uli Burchardt: Nichts Überraschendes, denke ich. Wie das Leben generell einen Menschen verändert, so verändert einen auch ein solches Amt, und das ist nichts Schlechtes. Man kann schließlich nur jedem wünschen, sich weiterzuentwickeln. Ich habe gewusst, dass dies ein Amt ist, das viel Zeit und Energie braucht und das einen manchmal fast aufreibt. Andererseits gibt es viele gute Entscheidungen und positive und schöne Begegnungen, so dass es unterm Strich die richtige Entscheidung war. Sie würden also sagen, es ist auch für Sie als Mensch ein Gewinn?

Absolut! Das Amt besteht aus einer Vielfalt von Themen und Aufgaben und man begegnet vielen Menschen. Das ist für mich einfach das Richtige.

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einfach mal genießen?

Beides. Ich habe mir durchaus erhalten, die Stadt auch mal aus einer gewissen Distanz zu sehen und mich in diesen Momenten nicht für alles verantwortlich zu fühlen. Und dennoch: Wann immer ich durch die Stadt gehe, sehe ich irgendetwas, was getan werden muss. Ich will es aber auch sehen. Ich will sehen, wie sich Dinge verändern. Und was vorwärts geht. Wenn ich mit Sonnenbrille und Musik im Ohr durch die Stadt gehe, dann ist das für mich sowohl Erholung als auch ein steter Denkanstoß.


Werden Sie oft angesprochen, wenn Sie durch die Stadt gehen oder wenn Sie einkaufen?

Das hängt davon ab, durch welche Straßen ich gehe (lacht). In der Niederburg erkennen mich viele, auf der Marktstätte wenige. Hier sind eben viele von auswärts. Ich gehöre zu den Leuten, die gerne selber einkaufen. Viele Leute freuen sich, wenn sie mich sehen, aber da spricht mich selten jemand an und sagt „Hallo, wo ich Sie gerade sehe, ich hätte da folgende Sache ...“. Nein, es wird respektiert, dass ich gerade etwas Privates mache. Ihr Vater, Prof. Dr. Lothar Burchardt, ist Historiker und war Professor an der Uni Konstanz und hat an einem opulenten Werk zur Konstanzer Geschichte maßgeblich mitgeschrieben. Wie beeinflusst Sie der Gedanke, selbst Stadtgeschichte zu schreiben?

Die Beschäftigung mit Geschichte war in meiner Familie allgegenwärtig. Ich selber bin nicht unbedingt jemand, der historisch überaus bewandert wäre, aber ich glaube, die Geschichte von Konstanz ist mir doch recht vertraut. Ich denke, wer die Geschichte der Stadt versteht, der versteht auch, warum die Stadt so ist wie sie ist. Konstanz ist immer gut damit gefahren, im Zweifelsfall nicht alles mitzumachen, das scheint wie ein genetischer Code dieser Stadt zu sein. Kurzum, ich denke, man muss die Linie schon

Foto: Dagmar Schwelle/TIK

Schmuckstück der Renaissance: Uli Burchardts Arbeitsplatz, das Konstanzer Rathaus.

rückblickend verstehen, um sie vorausschauend verlängern zu können. Und um das noch hinzuzufügen: Ich bin sicher, die Historiker werden eines Tages auf die Jahre 2010 folgende blicken und sagen „Das war eine Blütezeit dieser Stadt.“ Denn zurzeit geht es uns einfach außergewöhnlich gut. Konstanz die größte Stadt am See – das ist schon mal ein wichtiges Merkmal. Was macht die Stadt sonst noch so besonders?

Wenn ich Gäste hier begrüße, dann gehe ich zunächst auf die einfachen Dinge ein, zum Beispiel auf den „Rheinkilometer Null“, der hier in Konstanz beginnt. Und die sehr spezielle geographische Lage am Rande der Bundesrepublik. Die Konstanzer Altstadt ist das einzige linksrheinische deutsche Territorium entlang der Grenze mit der Schweiz. Die historisch enge Nachbarschaft mit der Schweiz war und ist etwas Besonderes mit speziellen Chancen wie Herausforderungen. Das wichtigste historische Ereignis in der Geschichte der Stadt nach dem Konzil 1414-1418 aber war die Gründung der Universität vor 50 Jahren. Sie ist das prägende Element dieser Stadt mit den Studierenden und ihrem Selbstverständnis als ReformUni. Heute gehört sie zu den zehn besten jungen Universitäten der Welt. Darauf können wir stolz sein. >>


Historische Gebäude, urige Weinstuben, romantische Gassen: Die Niederburg ist Konstanz’ ältester Stadtteil.

In Ihrem Buch „Ausgegeizt! Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip“ legen Sie ein Bekenntnis zu Qualität und Nachhaltigkeit ab. Kann man die-

haftigkeit und für ihre Politik, genauso will ich nicht verhehlen, dass ich Herrn Kretschmann sehr schätze. Er ist ein guter Landesvater.

ses Prinzip in der Kommunalpolitik durchhalten?

Das lebe ich jeden Tag! Sowohl als Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft, der Stadtwerke und anderer Gesellschaften als auch häufig genug im Gemeinderat beim Thema Stadtentwicklung und Stadtsanierung. Fachleute wissen, dass Konstanz diesbezüglich qualitativ gute, auf Nachhaltigkeit bedachte Arbeit leistet. Nachhaltigkeit ist nach wie vor eines meiner wesentlichen Themen. Ich rede nicht jeden Tag darüber, aber ich lebe es. Sie sind sowohl CDU- als auch Attac-Mitglied, das heißt doch, konservativ und links gleichzeitig zu sein. Sind Sie der Kretschmann der CDU?

(Lacht) Der Gründungsgedanke von Attac war die Besteuerung von Finanzgeschäften und ich finde, dass der Finanzsektor nach wie vor viel zu wenig von seiner Wertschöpfung in die Gesellschaft reinvestiert. Die Mitgliedschaft bei Attac war für mich immer ein Zeichen für soziale Marktwirtschaft und gegen Raubtierkapitalismus. Gewalttätige Demonstrationen sind selbstredend zu verurteilen, und ich bin auch nicht gegen TTIP. Ich teile also nicht jede Position von Attac. Genauso bin ich nicht mit allem einverstanden, was die CDU macht, aber sie ist die Partei der sozialen Marktwirtschaft. Das ist die Nahtstelle von beidem. Und ich bewundere Angela Merkel für ihre Stand-

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Glauben Sie, dass die grün-schwarz Regierung in Baden-Württemberg ein Erfolg wird?

Ja! Ich werbe seit langem für Schwarz-Grün. Da habe ich nie Zweifel daran gehabt, dass das eine gute Verbindung ist. Die Stadt verändert sich in rasantem Tempo, es wird viel gebaut. Wie reagieren die Konstanzer darauf?

Richtig, momentan bauen wir Jahr für Jahr einige hundert Wohnungen in der Stadt und trotzdem herrscht noch immer ein enormer Druck auf dem Wohnungsmarkt. Diese vielen Neubauten beäugen viele Konstanzer mit einer gewissen Skepsis und sagen „Was passiert da? Warum verändert sich das so schnell?“. Im Moment sind wir, auch bedingt durch die niedrigen Zinsen, in einer stark beschleunigten Entwicklung, aber wir dürfen diese auch nicht abwürgen. Denn wenn wir das tun, dann würde sich hier das Geld durchsetzen. Und das darf nicht unser Anspruch sein, sondern wir wollen auch in Zukunft eine Stadt sein, in der jeder leben kann, der Feuerwehrmann, die Altenpflegerin, die Kindergärtnerin und der Chefarzt. Ich verstehe die Besorgnis und Skepsis und das Bedürfnis, die Entwicklung anzuhalten. Aber das können und das dürfen wir nicht!


Jetzt noch die Bitte, die folgenden Sätze zu ergänzen. Wenn ich auf den See schaue ...

Wenn ich mir eine Frage wünschen dürfte, die ich beantworten soll,

… bin ich immer wieder beeindruckt.

dann lautet diese …

Wenn ich morgens ins Rathaus gehe …

Ich werde oft gefragt, ist der Gemeinderat wirklich so schlimm? Meine Antwort: Ich bin heute mehr denn je davon überzeugt, dass im Gemeinderat viele Jahrzehnte lang gute Entscheidungen getroffen worden sind. Heute profitieren wir davon. Konstanz ist eine Stadt mit sehr viel Substanz im materiellen wie im übertragenen Sinn und das darf sich der Gemeinderat ruhig ans Revers heften.

... freue ich mich meistens auf den Tag, der vor mir liegt. Wenn ich spät abends nach Hause komme …

... bin ich in der Regel erschöpft, aber zufrieden. Meine drei Lieblingsplätze in Konstanz ...

... verrate ich nicht (lacht). Also gut: Kuhhorn, Fahrradbrücke, St. Katharina. Wenn ich über die Marktstätte gehe ...

... verstehe ich , dass vielen Konstanzern die Innenstadt manchmal zu voll ist. Ich gehe samstags …

... wenn überhaupt nur mit dem Fahrrad in die Stadt. Wenn ich an die Geflüchteten denke ...

Fotos: Dagmar Schwelle/TIK

... finde ich, dass wir Kommunen in Deutschland sehr stolz sein können auf die Arbeit, die wir da geschafft haben im letzten Jahr. Aber wir sind zu langsam, die Leute in Arbeit zu bringen, in die Schulen zu bringen und zu klären, wie es weiter geht.

BIOGRAFIE Geboren 1971 in Konstanz, humanistisches Gymnasium, Lehre als Landwirt, Studium der Forstwirtschaft in Weihenstephan, bis 2004 viele Jahre Mitglied der Geschäftsleitung bei Manufactum und Geschäftsführer von MAGAZIN. Berater im strategischen Marketing für namhafte deutsche Unternehmen. Seit 2012 Oberbürgermeister der Stadt Konstanz. Mitglied der CDU und bei attac. Mitglied der Kommission „Nachhaltig leben – Lebensqualität bewahren“ der CDU, Mitglied des Dialoges „Nachhaltige Stadt“ des Rates für Nachhaltige Entwicklung.


Stets gut sortiert mit Automatisierung Im Gespräch mit Michael Reichle, Geschäftsführer von Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics

Herr Reichle, können Sie uns bitte kurz erläutern, in welchen

Würden Sie uns einige Fakten nennen, damit wir eine Vorstel-

Bereichen Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics tätig ist?

lung bekommen, wie stark Ihre Position in Ihrer Branche ist?

Michael Reichle: SPPAL ist ein führender Anbieter in den Bereichen Brief- und Paket-Automation sowie in der Gepäck- und Frachtabfertigung am Flughafen. Softwarelösungen und Kundenservice vervollständigen unser Portfolio. Seit Juni 2015 sind wir eine eigenständige GmbH unter dem Dach der Siemens AG. Als 100-prozentige Siemens-Tochter ist unser Unternehmen so aufgestellt, dass es in seinem mittelständisch geprägten Wettbewerberumfeld besser und schneller agieren kann. In 20 eigenen Niederlassungen weltweit arbeiten rund 3.000 Mitarbeiter für uns. Unser Firmensitz und größter deutscher Standort ist Konstanz.

Da gibt es tatsächlich einige beeindruckende Daten: 14 der Top-20 Passagierflughäfen weltweit zählen zu unseren Kunden; so zum Beispiel die Flughäfen von Peking, London, Dubai und Los Angeles, um nur einige zu nennen. Fast 900 Millionen Passagiere jährlich durchlaufen allein diese 14 Flughäfen – also mehr als jeder vierte Passagier weltweit. Außerdem vertrauen 14 der Top-20 Paketdienstleister weltweit auf Siemens-Technologie – von UPS bis Royal Mail. Eines der Paketzentren, die wir in Deutschland ausgestattet haben, kann bis zu 190.000 Pakete pro Stunde sortieren.

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Und dann noch ein Beispiel aus dem Briefgeschäft: Pro Jahr werden 176 Milliarden Briefe mit Siemens-Technologie sortiert. Das bedeutet, mehr als jeder zweite Brief, der irgendwo verschickt wird, kommt auf seinem Weg mit einer Sortiermaschine von Siemens in Kontakt. Wie beurteilen Sie denn die Zukunftsaussichten in Ihrer Branche?

Vor allem im Paket- und im Flughafenbereich besteht weiter großes Wachstumspotenzial. Der Internet-Handel sorgt für ein sprunghaftes Wachstum im Versand von Warensendungen. Fast jeder von uns bestellt heute im Internet und möchte diese schnellstmöglich erhalten. Mit unseren Technologien im Bereich Paketsortierung sorgen wir dafür, dass die bestellten Waren schnell und stundengenau zugestellt werden. Flugzeuge sind schon heute fast alltägliche Verkehrsmittel, und dieser Trend verstärkt sich weiter. Allein in den USA werden im Jahr 2034 rund 1,2 Milliarden Flugreisende unterwegs sein. Das wirkt sich auch auf unser Geschäft positiv aus: Zum Beispiel wickeln wir gerade einen strategisch wichtigen Auftrag am William P. Hobby Airport im texanischen Houston ab. Auch der chinesische Flughafenmarkt ist sehr dynamisch: Dort werden im Jahr 2034 rund 1,3 Milliarden Passagiere erwartet. Um die Infrastruktur entsprechend vorzubereiten, ar-

beiten wir in China gerade an zwei großen Projekten, nämlich in Hongkong und in Guangzhou. Haben Ihre Innovationen auch Einfluss auf unser tägliches Leben?

Ob bei Bestellungen über das Internet oder als Flugreisende – von unseren Innovationen profitieren tatsächlich nicht nur unsere Kunden, sondern wir alle. Im Jahr 2015 haben wir zwei Innovationspreise gewonnen, einen davon für unsere Label Learning Software für Paketsortieranlagen. Dazu muss man wissen, dass ein Label von Hermes völlig anders aussieht als das der DHL oder eines von der chinesischen Post. Mit unserer Software können Paketdienstleister dem Lesesystem bisher unbekannte Etiketten einfach und unkompliziert bekannt machen. Sobald das Lesesystem die zu verarbeitenden Etiketten kennt und automatisch lesen kann, ist eine vollautomatische Sortierung möglich – und damit die pünktliche Lieferung Ihrer Internetbestellung bei Ihnen zu Hause. Ähnliche Herausforderungen gibt es im Flughafenbereich. Jeder kennt die Tags an den Koffern, die schon mal verknittert oder angerissen sind. Diese Gepäckstücke müssen normalerweise ausgeschleust werden zur manuellen Erfassung, die Daten eingetippt und die Tags nachgeklebt werden. Unsere

Made in Konstanz: Briefsortierung auf dem höchsten Niveau. Die integrierte Lese- und Videocodiermaschine kann bis zu 60.000 Briefe pro Stunde sortieren.


Das Open Mail Handling System sortiert alles schnell, schonend und zuverlässig – von der Postkarte bis zum kleinen Päckchen.

neue Lösung basiert auf digitalen Darstellungen des Gepäckstücks und nutzt eine hochzuverlässige Software zur optischen Zeichenerkennung, um die Flugnummern und Flughafen-Codes auch auf zerrissenen Labels zu erkennen. Damit reduziert das System die Abfertigungskosten; wir als Flugreisende profitieren von einer schnelleren Gepäckabfertigung, unser Koffer kommt gemeinsam mit uns pünktlich am Ziel an. Wir haben diese Technologie für unsere Post- und Paketsortieranlagen entwickelt und seit Jahren erfolgreich eingesetzt und übertragen die Kompetenzen jetzt erfolgreich auf unsere anderen Branchen. Kommen Ihre Innovationen denn auch bei den Kunden gut an?

Ja, in den letzten anderthalb Jahren haben wir eine ganze Reihe unserer neu entwickelten Produkte auf dem Markt platzieren können. Gerade haben wir eine moderne Sortieranlage für Restmail an die portugiesische Post CTT übergeben. Die Anlage verarbeitet Sendungen, die für Paketsortieranlagen zu klein und für Briefsortieranlagen zu groß sind. Die Zahl dieser Päckchen wächst vor allem durch den Internethandel mit Asien immer weiter stark an. Ein weiteres Beispiel ist ein großer Auftrag des chinesischen Flughafens Guangzhou. Dorthin liefern wir unsere neue TrayTechnologie. Dabei wird das Gepäckstück auf ein kleines Wä-

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gelchen geladen, eben den „Tray“. So können wir das Gepäck möglichst schnell und effizient über große Distanzen befördern. In dieser Disziplin sind wir Weltmeister: Unsere TrayAnlagen erreichen Spitzengeschwindigkeiten von zehn Metern pro Sekunde. Die Stadt Guangzhou ist auch unter dem Namen Kanton bekannt und zählt mit weit über 20 Millionen Einwohnern zu den größten Metropolregionen der Welt. Stimmt es, dass Sie meist als Maschinenbau-Unternehmen betrachtet werden nicht als Software-Spezialist?

Was man auf den ersten Blick sieht, sind die riesigen, mechatronischen Sortieranlagen, das ist richtig. Manche sagen dazu „heavy metal“ mit Automatisierung. Ohne entsprechende Software-Kompetenz wird man auf dem Markt aber nicht bestehen. Wir haben uns in diesem Bereich im April 2015 durch die Akquisition der Firma Axit verstärkt. Mit unserer Tochter bieten wir eine Cloud-Technologie zur lückenlosen Verfolgung von Sendungen an. Alle Beteiligten der Logistikkette – von der Fertigung über den Transport mit LKW, Schiff oder Flugzeug bis ins Logistikzentrum und zur Auslieferung – können auf die gleichen in der Cloud hinterlegten Daten zugreifen. Unsere mechatronische Basistechnologie mit intelligenter Software zu kombinieren und den Kunden so eine Optimierung ihrer Prozesse zu ermöglichen, das ist unser Weg.


CAMPUS KONSTANZ

Sie sind einer der größten Arbeitgeber in Konstanz und das letzte verbliebene große produzierende Unternehmen. Was spricht für den Standort Konstanz?

Mit dem Umzug in die Lilienthalstraße im Herbst 2015 haben wir uns erneut zu Konstanz und zu unserer eigenen Fertigung bekannt. Wir als Wirtschaftsunternehmen, das sich im internationalen Wettbewerb beweisen muss, müssen aber auch wirtschaftlich arbeiten. In Konstanz haben wir die Mitarbeiter mit dem nötigen Know-how und der Erfahrung, um erfolgreich global zu agieren. Die Lilienthalstraße bietet uns eine bessere Infrastruktur als die Bücklestraße: Wir transportieren unsere Anlagen zunächst auf Lastwagen und dann weiter per Schiff, deshalb müssen wir über die Straße schnell Richtung Norden kommen. Außerdem ist die gute Anbindung zum Flughafen Zürich entscheidend. Ein wichtiger Standortfaktor für unser Unternehmen ist auch die Nähe zur Universität und zu den Hochschulen: Wir betreiben einen aktiven Wissens- und Technologietransfer mit der Forschung und bieten Studierenden die Möglichkeit, Gelerntes in die Praxis zu übertragen, beispielsweise durch Praktika, Bachelor- und Masterarbeiten. Umgekehrt wollen wir natürlich Nachwuchskräfte schon während ihres Studiums kennenlernen und für uns begeistern. Verbundenheit zu einem Standort setzt auch immer eine gute Zusammenarbeit mit den Behörden vor Ort voraus.

In Konstanz läuft die Zusammenarbeit mit den lokalen Instanzen ausgezeichnet. Das hat erst kürzlich der Umzug an unseren neuen Standort wieder gezeigt. Unser bisheriges Firmengelände an der Bücklestraße soll städtebaulich weiterentwickelt werden. Wir haben uns hier sehr flexibel gezeigt und uns für ein neues Firmengelände auf dem Campus Konstanz entschieden. Umgekehrt konnten wir durch die hervorragende Zusammenarbeit mit lokalen Investoren, Stadtverwaltung und mit dem Konstanzer Gemeinderat zügig mit den Bauarbeiten für unsere neue Fertigung beginnen. Eine echte Win-Win-Situation, wie man Neudeutsch sagt. Die Verbundenheit mit der Region gilt es natürlich an allen unseren Standorten zu pflegen. Hier sind unsere Mitarbeiter unser wichtigstes Kapital: Egal ob in Düsseldorf, Nürnberg, Frankfurt oder hier in Konstanz, von den USA bis China – unsere Mitarbeiter identifizieren sich mit SPPAL, aber natürlich auch mit ihrem jeweiligen Standort. Abschließend zu Ihnen persönlich: Wie fühlen Sie sich als gebürtiger Schwarzwälder in Konstanz?

Für uns ist Kundennähe das A und O. Deshalb bin ich persönlich häufig zu Kundengesprächen rund um den Globus unterwegs und halte mich leider viel zu selten im schönen Konstanz auf. Bei unserem Umzug an den See sind meine Frau, meine drei Söhne und ich von den Konstanzern herzlich willkommen geheißen worden. Wenn ich hier bin, genieße ich das Leben gemeinsam mit meiner Familie in vollen Zügen. Als gebürtiger Schwarzwälder habe ich mich auf meine Zeit hier in Konstanz sehr gefreut. Im Winter gehe ich gerne auf Skitouren, im Sommer Bergsteigen oder ich unternehme Motorradtouren. Mit der Lage hier am See und an den Alpen ist Konstanz die ideale Ausgangsposition für meine Hobbys – das macht für mich echte Lebensqualität aus. Michael Reichle ist seit 1997 bei Siemens tätig und übernahm 2014 die Position des Geschäftsführers der Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics GmbH (SPPAL), die ihren Firmensitz in Konstanz hat. Der gelernte Wirtschaftsingenieur ist verheiratet und hat drei Kinder.

Einst Standort der Konstanzer Pharmaunternehmen, ist das Campus-Gelände heute Sitz zahlreicher kleiner und mittelständischer Firmen. Auf dem rund 100.000 Quadratmeter großen Gelände steht Mietern in den Labors und Bürohäusern eine Nutzfläche von in etwa derselben Größe zur Verfügung. Neben dem Finanzamt als Mieter des Gebäudes F11 am Kreisel in der Riedstraße finden vor allem Firmen aus der Pharma- und Life Science-Branche in der modernen hochwertig technischen Ausstattung am Campus ideale Arbeitsbedingungen. BioLAGO als bodenseeumspannende Wirtschaftsförderung für die Life-Science-Branche ist ebenfalls auf dem Campus zu finden. Mit Siemens Postal, Parcel and Airport Logistics (SPPAL) hat auch einer der größten Arbeitgeber von Konstanz am Campus ein neues Headquarter bezogen. Auch die Produktion des Weltmarktführers bei Bau von Postund Gepäcksortieranlagen zieht mit in die Byk-GuldenStraße, wofür sogar eine neue Halle gebaut wird. www.campus-kn.de

About Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics GmbH, headquartered in Constance, Germany, is a leading provider of innovative products and solutions in mail and parcel logistics and automation as well as in airport logistics with baggage and cargo handling. Software solutions and customer services along the complete product life cycle complete the portfolio. The company has an installed base in more than 60 countries worldwide. Major customers include renowned airports as well as postal and parcel service providers around the globe. In June 2015, Siemens Postal, Parcel & Airport Logistics GmbH started as legally independent entity within Siemens. www.siemens.com/logistics

Mit hochmodernen Trays sorgt Siemens für eine schnelle und effiziente Gepäckabfertigung am Flughafen.


Tagung &Kultur Was mit dem Konstanzer Konzil begann, findet seine Fortsetzung im Bodenseeforum: 600 Jahre Tagungstradition in Konstanz!

„Ich denke, dass es damit eine neue Farbe in der Konstanzer Kulturwelt gibt. Wo eine neue Halle Einzug erhalten hat, führte das immer auch zu einer Belebung des Interesses und zu einer Erweiterung des kulturellen Angebots. Ein ganz wichtiger Aspekt dabei: Wir können eine Fülle an neuen Künstlern ansprechen, die zuvor an Konstanz vorbeigezogen sind.“ Dieter Bös, Geschäftsführer von KOKO & DTK Entertainment

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„Ob Tagung, Kongress oder Konzert, bei jeder Veranstaltung im Bodenseeforum ist es uns wichtig, die Inspiration, für die Konstanz steht, erlebbar zu machen.“ Dr. Thomas Karsch, Geschäftsführer des Bodenseeforum Konstanz

Kongresse, Konzerte & Events direkt am Wasser Starke Argumente sprechen für das neue Bodenseeforum. Zunächst die einzigartige Lage am Wasser. Das Konstanzer Veranstaltungshaus liegt nämlich direkt an der umgestalteten, großzügigen Seerhein-Promenade. Glasfronten öffnen von fast jedem Raum aus einen Panoramablick aufs Wasser und die nahe Altstadt. Das Bodenseeforum eröffnet am 21. Oktober 2016 und gibt der Kultur in der Stadt einen neuen Schub.

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Für Tagungen und Kongresse wird das Bodenseeforum Konstanz eine Location mit hohem Erinnerungsfaktor werden. Sogar einen eigenen Bootsanleger am Seerhein bekommt das Haus, ein charmantes Extra. Selbstverständlich stimmen auch die Basics für gelungene Veranstaltungen. Ein variables Raumkonzept, professionelle Unterstützung in allen Fragen der Kongressorganisation und modernste Medientechnik entsprechen den höchsten Anforderungen an ein Kongresszentrum. Das Bodenseeforum profitiert von seinem Umfeld: Konstanz ist als Standort einer Exzellenz-Universität und einer renommierten Hochschule jung im Geist – und immer in Bewegung. Wenn der Kopf voll ist, dann ist Erholung hier ganz nah. Die charmante Altstadt mit ihren kleinen Cafés und Weinstuben ist nur einen kurzen Spaziergang vom Veranstaltungshaus entfernt. Ebenfalls in Laufweite: der Konstanzer Bahnhof und mehrere Hotels. Informationen zum Verlauf des Umbaus und bald zu Terminen unter: www.bodenseeforum-konstanz.de VERANSTALTUNGEN

ENGLISH SUMMARY The Bodenseeforum, Constance’s new event venue, is situated directly on the spacious promenade along the shores of the Seerhein, the narrow stretch of water between the Upper and Lower Lakes of Lake Constance. Glass facades in almost every room offer panoramic views of the water and the old town nearby. Thanks to its high-end equipment, it can be used for all kinds of purposes: As well as events and concerts, it will host congresses and meetings. The venue will even have its own boat dock. The Bodenseeforum, which opens on 21 October 2016, will be the largest venue in Constance.

21. Oktober 2016: Bürgerabend 23. Oktober 2016: Tag der offenen Tür 31. Oktober 2016: Halloweenparty 5. November 2016: Ball der Wirtschaft 18. November 2016: Konstanzer Unternehmerfrühstück 19./20. November 2016: Flair Designmarkt 9. Dezember 2016: Breakin‘ Mozart – Klassik meets Breakdance 30. Dezember 2016: The 12 Tenors 31. Dezember 2016: Silvesterparty 3. Januar 2017: ABBA GOLD – The Concert Show 4. Januar 2017: Soweto Gospel Choir 5. Januar 2017: Best of Musical Starnights 28. Januar 2017: Der kleine Prinz – Das Musical 18./19. März 2017: Gesundheitstage Bodensee KONSTANZ MAGAZ IN 55


Es ist eine Kooperation zweier starker Partner. Gemeinsam erwarben die Stadt Konstanz und die IHK HochrheinBodensee ein Gebäude des Solar-Unternehmens Centrotherm Photovoltaics AG am rechten Rheinufer. Ab dem 15. August 2016 ist der neue Sitz der Wirtschaftskammer die Reichenaustraße 21. Am Seerhein entsteht eine moderne Stätte der Begegnung für die Mitgliedsunternehmen und für die an Bedeutung gewinnende Aus- und Weiterbildung. Die IHK erweitert und modernisiert damit ihr Angebot in Konstanz.

Am Seerhein tut sich was

NEUER SITZ DER IHK

Fragen an den Hauptgeschäftsführer der IHK Hochrhein-Bodensee, Prof. Dr. Claudius Marx

Herr Prof. Dr. Marx, als IHK-Hauptgeschäftsführer waren Sie der Motor für dieses Engagement. Im Zuge von Digitalisierungstrends und virtuellen Lern- und Lehrmöglichkeiten erscheint die Investition in ein modernes Gebäude für die Aus- und Weiterbildung vielleicht manchem überraschend. Was waren die Beweggründe der IHK?

Prof. Dr. Claudius Marx: Die Aus- und Weiterbildung liegt uns sehr am Herzen. Am alten Standort im Ortsteil Paradies sind wir in Sachen Kapazität und Modernität an unsere Grenzen gestoßen: schwer auffindbar, kein Parkraum, zu kleine Räume, nicht mehr zeitgemäße Lehr- und Lernumgebung, fehlende Barrierefreiheit und Probleme mit dem Brandschutz und und und. Die stetig steigende Nachfrage an ein fachspezi-

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fisches Aus- und Weiterbildungsangebot war dann das entscheidende Kriterium, nach neuen Räumlichkeiten zu suchen. Am Seerhein entsteht eine Aus- und Weiterbildungsstätte, die eine nachhaltige Bereicherung für unsere Region darstellen wird. Modernes Lernen ist sicher auch digital gestütztes Lernen in virtuellen Räumen unabhängig von Zeit und Raum. Aber eben nur auch. Die physische Begegnung von Menschen, und zwar von Lehrenden und Lernenden, aber auch die der Lernenden untereinander, in einer modernen, zeitgemäßen Umgebung ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für erfolgreiche Bildung. Bildung ist auch ein sozialer Prozess, weshalb sie in der Gruppe und in der Dynamik der realen Begegnung besser gelingt. Digital gestütztes Ler-


ENGLISH SUMMARY It is a joint project between two strong partners. Together, the town of Constance and the Upper Rhine - Lake Constance Chamber of Industry and Commerce bought the building from the solar company Centrotherm Photovoltaics AG. From 15 August 2016, the chamber of commerce will have its new offices here at Reichenaustraße 21. It will be a state-of-the-art meeting point for member companies and a centre for training and further education, which is increasingly gaining significance. In this way, the Chamber of Industry and Commerce is expanding and modernising its offering in Constance.

nen kann dazu kommen, die produktive Interaktion vor Ort ersetzt sie nicht. Das bestätigt regelmäßig das Feedback unserer Teilnehmer und der Mitgliedsunternehmen. Bund und Land unterstützen den Umbau der Flächen für die Aus- und Weiterbildung nicht zuletzt deswegen als überbetriebliche Bildungsstätte. Das neue Haus wird moderne Rahmenbedingungen und eine angenehme, attraktive Lernumgebung bieten. Ihr Kammergebiet umfasst die Landkreise Lörrach, Waldshut und Konstanz. Warum engagieren Sie sich so stark in Konstanz?

Konstanz ist, auch historisch gesehen, der Sitz unserer Kammer. In Kooperation mit dem Miteigentümer, der Stadt Konstanz, und dem von ihr

betriebenen Veranstaltungs- und Kongresshaus (Bodenseeforum) hat sich eine tolle Chance für unsere neue Zentrale ergeben. Die Idee entstand bereits 2013 im Gespräch mit dem Oberbürgermeister Ulrich Burchardt. Der Wunsch der Stadt nach einem Kongresshaus und die Suche der Kammer nach neuen Räumlichkeiten waren die Grundlage für unser gemeinschaftliches Engagement und die Konzeption. Der Leerstand im ehemaligen Centrotherm-Gebäude bot sich als Chance mit einem relativ schmalen Zeitfenster. Lage, Erreichbarkeit, Verkehrsanbindung, Kubatur – alles versprach, perfekt zu passen. Hier galt es, entschlossen, zuverlässig und kooperativ zu handeln. Schnell zeigten sich Synergien, für uns wie auch für die Stadt Konstanz, namentlich in

der Veranstaltungsorganisation, zumal die nähere Umgebung mit Hotel und Gastronomie wie geschaffen dafür scheint. Der projektierte Landesteg am Seerhein als Startpunkt für das Rahmenprogramm ist da nur noch die Kirsche auf der Torte (lacht). Dessen ungeachtet sind wir nicht nur in Konstanz aktiv. Bereits im vergangenen Jahr konnten wir am Standort Schopfheim ein neues Bildungszentrum eröffnen. Der Erfolg und das positive Feedback bekräftigen unser Engagement am Sitz der Kammer. Mitarbeiter und Ehrenamt freuen sich schon auf den neuen Standort und ein offenes, neues Haus für unsere Mitgliedsunternehmen. www.konstanz.ihk.de

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Foto: Stadtwerke Konstanz

KonstanzWLAN Kostenlos mobil surfen n der Konstanzer Innenstadt steht ein öffentliches WLAN-Netz auf topmoderner Glasfaserbasis zur Verfügung. Im Hafen, auf der Marktstätte und in der Rosgartenstraße können die Besucher seither nach Herzenslust kostenfrei surfen. Und so funktioniert’s: Der Benutzer wählt das WLAN „KonstanzWLAN“ aus und akzeptiert die AGB. Dann einfach mit einer unverschlüsselten Seite starten – fertig.

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Das KonstanzWLAN ist ein Kooperationsprojekt zwischen den Stadtwerken Konstanz, der Stadt Konstanz und dem Konstanzer IT-Unternehmen mdbw GmbH. So stellen die Stadtwerke das Glasfasernetz, die Anschlüsse an das Internet sowie den ServerBetrieb im eigenen Hochleistungs-Rechenzentrum. Die Firma mdbw kümmert sich um die Projektierung der WLAN-Hardware sowie die Einrichtung der Verwaltungsplattform. Das Digital-Kompetenz-Netzwerk cyberLAGO, in dem sowohl die Stadtwerke als auch mdbw engagiert sind, fungierte als Geburtshelfer des Projektes und wird zukünftig die strategische Weiterentwicklung betreuen. Mit der digitalen Infrastruktur, bestehend aus Glasfasern im Boden gepaart mit topmoderner WLAN-Technik, bieten sich für den Standort Konstanz viele Chancen. So ist geplant, dass sich das KonstanzWLAN weiter im Stadtgebiet ausbreitet. Zudem entsteht die Möglichkeit, neue Partner mit an Bord zu holen (z.B. Mobilfunkanbieter, Hochschulen), um energetisch effizientere, kostenschonendere, strahlenärmere und qualitativ bessere Netze zu schaffen. Dieses WLAN ist ein Teil der digitalen Infrastruktur der Zukunft. Weitere Informationen: www.stadtwerke-konstanz.de/wlan 58 KONSTANZ MAGAZIN

ENGLISH SUMMARY In Constance, you can get mobile internet for free: A public WiFi network with state-of-the-art fibre optic technology is available in the town centre. Visitors around the harbour, on the Marktstätte and in Rosgartenstrasse can now surf to their heart’s content. The project was set up by the town’s utility company Stadtwerke Konstanz together with the town council and the IT company mdbw GmbH. The plan is to further expand the network in town with a digital infrastructure using underground fibre optic cables coupled with ultra-modern WiFi technology.


Technologiezentrum Konstanz e.V. Blarerstraße 56 D-78462 Konstanz Tel. +49 (0)7531 20050 tzk@tz-konstanz.de www.tz-konstanz.de Erb Frey Riegger GbR

Tel. +49 (0)176 56816550 info@fruitcore.de www.fruitcore.de

InnovationsGeist Brutstätten für Gründer mit innovativen Konzepten

us dem Technologiezentrum Konstanz (TZK) und der Hochschule Konstanz Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) gehen immer wieder hochinnovative Ausgründungen hervor. Jüngstes Beispiel ist HORST – sein korrekter Name lautet „Highly Optimized Robotic Systems Technology“ – ein von HTWG-Absolventen entwickelter, 70 Zentimeter großer MehrachsRoboter, der sich strecken und bücken, um die eigene Achse drehen und kräftig zupacken kann.

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ben Jahres haben nun Absolventen der HTWG die Zusage für eine solche Förderung erhalten. „Uns freut es sehr, dass wir uns zunehmend als Hochschule positionieren können, an der Gründergeist herrscht“, sagt HTWG-Präsident Prof. Dr. Carsten Manz. Prädestiniert hierfür ist die breite anwendungsbezogene Fächerkombination der Hochschule, zum Beispiel aus den Fakultäten Maschinenbau, Informatik oder Elektrotechnik und Informationstechnik.

Der Bedarf an Robotern wird aufgrund der zunehmenden Digitalisierung und Automatisierung auch bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) steigen. Doch bisher sind die vielseitigen Helfer teuer und meist schwer zu bedienen. Diese beiden Kritikpunkte werden von HORST getilgt. Die Väter von HORST sind Tobias Erb, Manuel Frey und Jens Riegger. Neu im Team ist Tobias Kuentzle, Absolvent der Hochschule Karlsruhe. Mit HORST vergleichbare Industrieroboter, die über eine Traglast von zwei Kilogramm verfügen, kosten in der Grundausführung ab 18.000 €. Preise, die für KMU zu hoch sind. Neben der Industrie soll HORST, der in etwa die Hälfte kosten soll, auch Bildungseinrichtungen zugutekommen. Aus finanziellen Gründen gibt es dort heutzutage, wenn überhaupt, meist nur einen einzelnen Vorführ-Roboter. Künftig könnten sie sich mehrere kleine Roboter leisten, die das gemeinsame Arbeiten ermöglichen.

Ein Teil der Gründerförderung der Hochschule ist die umfangreiche Beratung bei der EXISTAntragstellung, die in Kooperation mit dem Gründernetzwerk Konstanz alle lokalen gründungsberatenden Organisationen vereinigt. Im TZK haben Gründer die Möglichkeit, günstig Räume zu mieten, Infrastrukturangebote zu nutzen und Beratungsmöglichkeiten wahrzunehmen. „Die jungen Unternehmen profitieren vom Netzwerk im Haus, denn letztlich sind alle der rund 40 Unternehmen in einer ähnlichen Lebenslage“, sagt Stefan Stieglat, Geschäftsführer des TZK. „Die enge Kooperation und der vertrauensvolle Austausch mit dem TZK ist für unsere Positionierung als innovationsfördernde Hochschule sehr wertvoll. Wir ziehen gemeinsam an einem Strang, damit Start-ups in Konstanz der erfolgreiche Markteinstieg ermöglicht wird“, sagt Präsident Prof. Dr. Carsten Manz.

Das Konzept für Entwicklung, Produktion und Vertrieb des Roboters überzeugte auch die Gutachter des Förderprogramms EXIST des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Zum zweiten Mal innerhalb eines hal-

Eng ist der Kontakt im Ausgründungsbereich auch zwischen der Universität Konstanz und dem TZK. Auch hier gibt es institutionelle Verbindungen, vielfachen gegenseitigen Austausch und natürlich Gründerteams, die ihre Geschäftsideen in den Räumen des TZK verwirklichen.

Von links: Tobias Erb, Jens Riegger, Tobias Kuentzle, Manuel Frey mit „HORST“

ENGLISH SUMMARY The Technologiezentrum Konstanz (TZK) and the University of Applied Sciences (HTWG) have produced numerous highly innovative spin-offs. The most recent example is HORST, or “Highly Optimized Robotic Systems Technology”, a 70-centimetre-high, multi-axle robot developed by graduates of HTWG. It can stretch and bend, turn around its own axle and do hard work. The robot’s development, production and distribution are funded as part of the EXIST programme set up by the Federal Ministry for Economy and Technology (BMWi). The University of Konstanz also cooperates closely with the TZK in founding new companies.

Anja Wischer / Stefan Stieglat KONSTANZ MAGAZ IN 59


Foto: Achim Mende

ENGLISH SUMMARY The University of Konstanz, which celebrates its 50th anniversary in 2016, is one of the best research universities in Europe. It has succeeded in the German Excellence Initiative since its conception in 2007. The principle of teaching based on research ensures that students can benefit as much as possible from advances made through research. Visitors to the university are impressed by the spirit of optimism, enthusiasm for research and teaching as well as an openness for new ideas. The University of Konstanz supports young researchers and is known for promoting equal opportunity and helping its members balance academic and family life. The university library, whose doors are open 24 hours, seven days a week, has won numerous awards. It is therefore hardly a coincidence that the university performs exceptionally well in national and international rankings every year.


2.280 Mitarbeiter ++ 12.000 Studierende aus 80 Nationen ++ 6.600 Räume ++ 3.800 Essen täglich in der Mensa ++ 1.04 Mio. Euro Einkaufsvolumen

DER SPIRIT der Universität Konstanz Zu ihrem 50. Geburtstag steht die Universität Konstanz exzellent gut da

ie Universität Konstanz steht auf dem Gießberg. An ganz bestimmten Standorten auf dem Campus ist der Blick frei, sowohl auf den Bodensee als auch auf die Alpenlandschaft. Zu diesen Blickpunkten gehört neben dem Büro des Rektors auch die Mensa, der nachgesagt wird, sie biete den schönsten Ausblick deutscher Universitätsmensen überhaupt. Die Universität Konstanz, die im Jahr 2016 unter dem Motto „Universität Konstanz: Ein Model(l) wird 50“ ihren 50. Geburtstag feiert, kann nicht ohne ihre geradezu paradiesische Umgebung gedacht werden. Universität Konstanz, das ist immer auch: Bodensee, Alpen und die Vierländerregion Bodensee. Sie hat die Internationalität quasi vor der Haustür. Der Auftrag, über die Grenzen hinaus in die Welt hinein zu wirken, wurde ihr bereits bei ihrer Gründung 1966 ins Stammbuch geschrieben. Die Universität Konstanz zählt zu den besten Forschungsuniversitäten Europas. In Deutschland gehört sie zu den elf Universitäten, die mit ihrem Zukunftskonzept im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder gefördert werden. Ihr Ruf als Stätte von Forschung und Lehre ist hervorragend. Der Qualitätsstandard der Universität Konstanz kommt nicht von ungefähr, sondern ist Resultat eines Konzepts. Das Programm, das sich die Universität Konstanz im Zusammenhang mit der Exzellenzinitiative selbst verordnet hat, lautet: „Modell Konstanz – für eine Kultur der Kreativität“. Das so bezeichnete „Zukunftskonzept“ ist nichts anderes als die konsequente Umsetzung der Gründungsvision: Als dynamische Reformuniversität mit flachen Hierarchien, kurzen Wegen, die eigenen Strukturen beständig weiterentwickeln. Als Campus-Universität ist die Universität Konstanz wie geschaffen für den kreativen Austausch zwischen den Fächern und zwischen den Forschenden und Studierenden. Das ebenfalls von Anfang an hochgehaltene Prinzip der Lehre aus Forschung sorgt

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dafür, dass die aktuell rund 12.000 Studierenden von den Erfolgen in der Forschung maximal profitieren. Der „Spirit“ der Universität Konstanz ist legendär. Wer von außen kommt, schwärmt von der nicht nachlassenden Aufbruchsstimmung, von der Begeisterung für Forschung und Lehre und der Offenheit für das Neue. Bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hat die Universität Konstanz bundesweit Pionierarbeit geleistet. Eine Kultur der Kreativität kann nur mit unterstützenden Rahmenbedingungen gelingen. Entsprechend hat sich die Universität Konstanz für ihre Gleichstellungsund Familienförderung einen Namen gemacht. Letzteres findet ihren sichtbarsten Ausdruck in einem Kinderhaus, das mit großer Flexibilität die unterschiedlichsten Bedürfnisse der gesamten Mitarbeiterschaft in Sachen Kinderbetreuung gewährleistet. Die mehrfach für ihren Service ausgezeichnete Freihandbibliothek hat sieben mal 24 Stunden in der Woche geöffnet. Das alljährliche hervorragende Abschneiden der Universität Konstanz in nationalen und internationalen Rankings ist somit kein Zufall. Neben Forschung und Lehre gehört auch der Dialog mit der Öffentlichkeit zum Selbstverständnis der Universität Konstanz. Die zahlreichen wissenschaftlichen und kulturellen öffentlichen Veranstaltungen sind längst unverzichtbarer Bestandteil des geistigen Lebens in der Bodenseeregion. Auf den Gießberg gezogen ist die Universität Konstanz 1972, als die ersten Gebäudeteile fertiggestellt waren. Heute ist der Komplex auf der Liste der Bau- und Kunstdenkmäler BadenWürttembergs zu finden, die dazugehörige Kunst am Bau ist ein Spiegel herausragender Gegenwartskunst. Die Universität Konstanz steht gut da auf dem Gießberg. www.uni-konstanz.de Maria Schorpp

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Kunst im Ăśffentlichen R aum

ENGLISH SUMMARY Public art shapes the image of a town in various ways by exerting an artistic and cultural force. Some artworks gain such notoriety that they even become landmarks, and their individual character gives towns a distinct look. Every artwork that we come across in our daily lives or on travels tells a story that is often worth listening to. Constance features a wide spectrum of diverse artworks with many different styles and from different eras. Artworks in Constance tell of the town’s medieval history, of sloping church squares, of century-old customs and of fiery disputes about taste in art. Whether you come from nearby or further away, it is worth visiting the fascinating public art in Constance. A brochure is available in German from the Tourist Information office and the Kulturzentrum near the cathedral with information on the artworks as well as exciting art routes to walk along.


Kunst im öffentlichen Raum soll heute mehr denn je in das Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger sowie der Besucherinnen und Besucher einer Stadt rücken. Nicht zuletzt, da die Objekte das Bild einer Stadt künstlerisch wie auch kulturell prägen. Kunst im öffentlichen Raum wertet das Stadtbild auf und träg zur Identifikation mit der Stadt bei. Einzelne Kunstwerke haben sich durch ihre Berühmtheit sogar zu Wahrzeichen einer Stadt entwickelt und geben durch ihren individuellen Charakter der Stadt ein Gesicht.

Kunst Geschichten

Jedes einzelne Kunstwerk, dem wir in unserem Alltag oder auf Reisen begegnen, hat eine Geschichte zu erzählen, der es sich zuzuhören lohnt. Die Kunstwerke erzählen von mittelalterlichen Stadtgeschichten, von schrägen Kirchplätzen, von jahrhundertealten Brauchtümern und von flammenden Streitigkeiten über Geschmack in der Kunst. Ob Besucher nun von weit weg oder aus der Nähe kommen, eine Tour entlang der spannenden Kunstwerke des öffentlichen Raums in Konstanz lohnt sich! Beispielhaft sollen hier einige Kunstwerke aus dem Konstanzer Stadtraum vorgestellt werden, die dazu einladen, sich ihrer Geschichte zu widmen und die Objekte selbst bei einem Stadtspaziergang aufzusuchen.

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RATHAU S FA S SADE N-FRES KEN Die einzigartigen, farbenreichen Fresken an der Fassade des Konstanzer Rathauses zeigen im venezianischen Renaissance-Stil historische Ereignisse der Stadtgeschichte. Der ruhige Rathaus-Innenhof lockt mit weiteren Kunstwerken und l채dt, wenn man sich eine kurze Auszeit vom gesch채ftigen Treiben der Stadt w체nscht, zum Verweilen auf den B채nken ein.


PROMETHEUS Stolz thront der blitzeschwingende Prometheus an der Fassade der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung. Geschaffen wurde die metallene Skulptur vom bekannten Überlinger Künstler Werner Gürtner. Die Figur des Prometheus stammt aus der griechischen Mythologie und verkörpert als Überbringer des Feuers und Grundsteinleger der Technik symbolhaft alle technischen Bereiche.

KARL STEUER BRUNNEN Die Fasnacht ist aus Konstanz genauso wenig wegzudenken wie das stattliche Münster. Einem der berühmtesten Vertreter der Konstanzer Fasnacht, dem Komödianten Karl Steuer wurde 1998 in der Wessenbergstraße ein Denkmal in Form eines Trinkwasserbrunnens in der Altstadt gesetzt.

IMPERIA 9 Meter hoch und 18 Tonnen schwer ist die gewaltige Figur von Peter Lenk und erinnert nicht nur zufällig an die New Yorker Freiheitsstatue. Ebenso gewaltig wie die Ausmaße der Figur der Hübschlerin war auch der Streit, der bereits vor ihrer Enthüllung 1993 entbrannte. Mittlerweile ist die Figur zu einem Wahrzeichen der Stadt und beliebten Fotomotiv geworden. Die Figur dreht sich auf dem Sockel des alten Konstanzer Leuchtturms am Hafen, in den eine Pegelmessstation integriert ist.


MÜNSTERBRUNNEN Im Zuge der Neugestaltung des Münsterplatzes wurde der Münsterbrunnen vor einigen Jahren von seinem ursprünglichen Standort entfernt. Eine Rückkehr des Brunnens war zuerst nicht vorgesehen, weshalb die Wiederinbetriebnahme des Brunnens im Sommer 2015 mit großer Freude zusammen mit seinem Künstler Franz Gutmann gefeiert wurde. Auf dem schräg abfallenden Platz fungiert die glatte Wasseroberfläche als Wasserwaage und bietet einen Kontrast zur steilen Kirchenfassade. Am Brunnenstock lassen sich Adam und Eva entdecken, die an den

Fotos: Kulturbüro Konstanz/Michael Schrodt

steten Fluss zwischen Leben und Tod erinnern.

Ursprünglich verkörperte Kunst im öffentlichen Raum Erinnerungs- und Informationskultur großer Persönlichkeiten und Ereignisse in Form von Denkmalen. Auch in Konstanz finden sich mitunter bis zu viele Jahrhunderte alte Kunstwerke, die von Kaisern und Königen, sowie ihren Kriegen und Machtkämpfen zeugen. Seit den 1950er Jahren hat sich der Charakter von Kunst im öffentlichen Raum gewandelt, sodass die Stadt seitdem als Plattform für die Präsentation von Kunst gesehen wurde. Den Künstlerinnen und Künstlern stand von nun an jede Form, jedes Thema und jede Umsetzung für ihre Werke offen.

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Die Erweiterung des Verständnisses von Kunst im öffentlichen Raum hat bewirkt, dass das Stadtbild nicht mehr nur durch Denkmäler, sondern auch von Arbeiten geprägt wird, die in einem spannenden Kontrast und Beziehungsverhältnis zum Rhythmus der Stadt stehen. Seitdem erinnert Kunst im öffentlichen Raum nicht nur, sondern ästhetisiert, irritiert und regt zum Denken an. Die Künstlerinnen und Künstler schaffen durch ihre Werke eine Auseinandersetzung des Betrachters mit der Stadt in einer ganz neuen Art und Weise. Und nicht nur mit der Kunst, sondern vielmehr auch mit dem Stadtraum. Dieser wird zum Kunstraum, zum Handlungsraum, zum Raum für aktive Teilhabe. Er ist veränderlich und kann individuell gestaltet, genutzt und betrachtet werden. Neben der permanent ausgestellten Kunst, präsentieren sich in Konstanz auch temporär regelmäßig zeitgenössische Künstler mit ihren Werken. Konstanz ist ein wunderbares Beispiel, wie mannigfaltig Kunstwerke das Stadtbild prägen und die Identität einer Stadt und ihrer Bürger zum Ausdruck bringen können. Bei einem Besuch in Konstanz sollten Sie sich die Zeit nehmen, einige dieser Kunstwerke aufzusuchen und auf sich wirken zu lassen. Bei der Tourist Information und im Kulturzentrum am Münster ist eine Broschüre mit Informationen zu den Kunstwerken erhältlich, die Ihnen zudem spannende Kunstwege für einen Spaziergang präsentiert. Axel Pasligh

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Die nächste Kunstnacht Konstanz Kreuzlingen findet am 8. April 2017 statt. Informationen finden Sie unter: www.kunstnacht.de


WANDLUNGEN, 3 ORTE, 3 SÄTZE Auf dem Benediktinerplatz nahe des Seerheins findet sich eine Arbeit des renommiertesten deutschen Stahlbildhauers Ansgar Nierhoff. Der Professor für bildende Künste erhielt zahlreiche Auszeichnungen und gewann 1990 den Wettbewerb zur Gestaltung des Platzes.

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Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz

DAS ORCHESTER zum See WELTWEIT EINZIGARTIG

FÜR GROSS UND KLEIN

In Deutschland gibt es etwa 130 Kulturorchester, also Orchester, die regelmäßig mit festangestellten Musikerinnen und Musikern Konzerte absolvieren. Damit findet man beinahe ein Viertel aller weltweit agierenden professionellen Symphonie- und Theaterorchester in der Bundesrepublik. Ein einzigartiger Umstand, der im UNESCO-Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen ist. Eines dieser Orchester ist die Südwestdeutsche Philharmonie mit Sitz in Konstanz. Gleichzeitig ist es das einzige am Bodensee und gehört damit zu den wichtigsten Kulturträgern des deutschen Südwestens.

Weitere zielgruppenspezifische Angebote ergänzen das Spektrum. Für Kinder, Familien und Schüler beispielsweise ein breitgefächertes Programm für Musikvermittlung. Die Konzerte des kleinen eduART stehen hierbei für Lernen, Spaß und Freude an der Musik und sind so konzipiert, dass Jung und Alt auf ihre Kosten kommen. Auch die zahlreichen Kammerkonzerte mit Ensembles aus Mitgliedern der Südwestdeutschen Philharmonie bieten eine interessante Ergänzung zum Orchesterprogramm, wie auch Kooperationen mit den beiden Hochschulen der Stadt.

Würden sich die über 60 Orchestermitglieder zu Probenbeginn in ihrer Muttersprache begrüßen, tönte „Guten Tag“ in 21 verschiedenen Sprachen. Fließend beherrschen sie alle die Sprache der Musik, handelt es sich doch um hochqualifizierte und an renommierten Hochschulen ausgebildete Spezialisten und Meister ihres jeweiligen Instrumentes.

Zu erwähnen bleiben noch die Sonderkonzerte. Aktuell bietet sich den Interessierten beispielsweise die Möglichkeit eines jährlichen dreitägigen Mozart-Festivals im Steigenberger Inselhotel im Winter oder eine neue Konzertreihe im Konstanzer Münster mit der monumentalen Symphonik von Anton Bruckner im Sommer. Die schönste Open-Air-Bühne am Bodensee, die Insel Mainau, bespielt das Orchester ebenso alljährlich, wie auch den Stadtgarten, mit dem Gratiskonzert »Klassik am See« zum jährlichen Saisonabschluss.

DEUTSCHER VIZEMEISTER

IN DER REGION DAHEIM, MIT WELTBÜHNEN VERTRAUT

Die Philharmonischen Konzerte im ehrwürdigen Konzil stellen mit bedeutender Konzertliteratur von Barock bis zur Moderne sowie international bekannten Solisten und Gastdirigenten das Herzstück der Orchesterarbeit dar. Die Konzertreihen, die im Abonnement buchbar sind, erfreuen sich eines außergewöhnlich großen Zuspruchs. Eine Studie belegte kürzlich, dass im Schnitt der Abonnenten je Einwohner der Stadt die Konstanzer Philharmoniker deutscher Vizemeister sind.

Die Südwestdeutsche Philharmonie ist in Konstanz zu Hause, mit über zwei Dritteln des jährlichen Konzertangebotes in der Region verankert, aber auch mit den Bühnen der Welt vertraut. Seit über dreißig Jahren spielt das Orchester regelmäßig in der Tonhalle Zürich, im weltberühmten Konzertsaal KKL in Luzern oder in der Sala Verdi in Mailand. Tourneen führten die Philharmonie beispielsweise schon nach Athen, Toledo, China und Japan.

21 NATIONEN – EINE SPRACHE

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Konzerte der Südwestdeutschen Philharmonie – eine Auswahl 5.01.2017 | Konzil Konstanz Neujahrskonzert – Ein bunter Strauß voller Melodien 11., 13., 14.01.2017 | Bodensee-Therme Konstanz Liebe Macht Nass 27., 28., 29.01.2017 | Festsaal Inselhotel Konstanz Wolfgang am See 19.02.2017 | Festsaal Inselhotel Konstanz Kaspar und die verschwundene Riechkugel – Ein Mitmachkonzert für Kinder ab 6 Jahren. 20. und 21.02.2017 | Konzil Konstanz Fasnachtskonzert 24.03.2017 | Bodenseeforum Konstanz Letzte Fahrt 24.05.2017 | Konzil Konstanz Summertime – Jazz meets Classic 2.06.2017 | Münster Konstanz Bruckner III Weitere Informationen zm Konzertangebot und print@home findet man unter www.philharmonie-konstanz.de

ÜBER ALLE GRENZEN HINWEG Die unmittelbare Nähe zur Schweiz, macht den Grenzübertritt für die Menschen in der Region zu einer alltäglichen Selbstverständlichkeit. Internationale Gäste wie unter anderen Gidon Kremer, Tabea Zimmermann und Rolando Villazón gehören zur Liste der berühmten Solisten, mit denen das Konstanzer Orchester schon musizierte, aber auch Musiker aus anderen Genres, wie Peter Fox oder Max Herre. „Grenzüberschreitend“ wirkt es auch, wenn zur Saisoneröffnung auf einer Autofähre, während der regulären Öffnungszeiten in der Therme am Beckenrand, am Roulett-Tisch im Casino, in der Großraumdiskothek oder gar im Festzelt des Oktoberfestes gespielt wird. Bei all dem geht es jedoch am Ende um etwas, das sich nicht so einfach in Worte fassen lässt. Es ist das Lebendige der live erlebten Musik, das uns ohne jeden Filter intim berühren kann. Und so versucht das Orchester auch in Konstanz mit vielfältiger Musik zu verbinden und mit ihrer ansteckenden Art und Weise einfach zu erfreuen.

ENGLISH SUMMARY The Southwest German Philharmonic Orchestra based in Constance is one of the most important cultural bodies in southwest Germany. The orchestra’s core work comprises concerts in the venerable Council Building with a repertoire ranging from baroque to modern music and featuring internationally renowned soloists and guest conductors. This is supplemented with a music education programme, eduART concerts and chamber concerts with ensembles including members of the Southwest German Philharmonic Orchestra. The programme is rounded off with a three-day Mozart Festival in the Steigenberger Inselhotel in winter, a series of concerts in the cathedral with monumental symphonic works by Anton Bruckner in summer, and the open-air concerts on Mainau Island and in the town park as well as a free “Classic on the Lake” concert that marks the end of the season. KONSTANZ MAGAZ IN 69


ENGLISH SUMMARY Constance’s theatre may be situated on the very edge of Germany, but it is right in the midst of things. Plays have been put on here since 1607, making it the oldest performing theatre in Germany. Under the direction of Christoph Nix, the theatre has opened up more to the town and to the world, attracting more than 100,000 spectators every year. Awarded the accolade of “Convincing theatre work outside major theatre centres”, the “small” playhouse on Lake Constance with its 21-strong ensemble regularly shakes the foundations of universal truths, challenges and encourages debate. After all, that is exactly what theatre is about! Art that is created only in collaboration with the audience, always with the risk of being touched, or recognising oneself within the character on the stage.


THEATERöffnet TÜREN

Premieren Spielzeit 2016/17 07.10.16

Anton Tschechow – Onkel Wanja, Stadttheater 08.10.16

Karen Köhler – Helden! Oder warum ich einen grünen Umhang trage und gegen die Beschissenheit der Welt ankämpfe (JTK 13+), Spiegelhalle 09.10.16

DIESE KUNST WIRD GEMACHT – VOR UNSEREN AUGEN

Samuel Beckett – Endspiel, Werkstatt 21.10.16

Das Theater Konstanz: Ganz am Rande von Deutschland, aber mitten im Geschehen. Seit 1607 wird hier Theater gemacht und es ist damit die älteste bespielte Bühne Deutschlands. Mit der Intendanz von Christoph Nix öffnete sich das Theater immer weiter zur Stadt und der Welt und erreicht so seit Jahren über 100.000 Zuschauer pro Jahr. Profilierte Regisseure wie Wolfram Mehring, Johanna Schall, Neil LaBute, Andrej Woron oder Anna-Sophie Mahler bereichern die Stadt. Das Theater ist auf Festivals in Kuba, Malawi, Togo, Kanada und im Irak vertreten. Von dem nationalen Theatermagazin "Die deutsche Bühne" mit dem Prädikat "Überzeugende Theaterarbeit abseits großer Theaterzentren" ausgestattet, rüttelt das „kleine" Schauspielhaus am Bodensee mit seinem 21-köpfigen Schauspiel-Ensemble dabei immer wieder an den großen Wahrheiten, hinterfragt und regt zu Diskussionen an. Und genau das ist es was das Theater ausmacht! Kunst, die nur in der Gemeinschaft mit dem Publikum entsteht, immer mit der tatsächlichen Gefahr berührt zu werden, sich selbst im Fremden auf der Bühne zu entdecken.

Kirsten Stina Michelsdatter – Schwarz ohne Zucker, Werkstatt 28.10.16

I am glad I found you –Musikalischer Abend nach Navid Kermanis Roman „Das Buch der von Neil Young Getöteten“, Stadttheater 13.11.16

Gerdt von Bassewitz – Peterchens Mondfahrt (JTK 6+), Stadttheater 25.11.16

Molière – Der Geizige, Stadttheater 27.11.16

Der Mond und das Boot (JTK 3+), Werkstatt 10.12.16

Anthony McCarten – Superhero (JTK 14+), Spiegelhalle 20.01.17

WER WERDEN WIR SEIN? DAS PRINZIP HOFFNUNG

Ferdinand Bruckner – Die Rassen, Stadttheater 11.02.17

In der Spielzeit 2016/17 beschäftigt sich das Theater Konstanz auch thematisch auf den Brettern seiner drei Spielstätten mit dem Fremden und der Heimat – der idyllische Bodensee wird dabei zur Metapher: Was befindet sich unter der glänzend schimmernden Oberfläche? In einer Zeit, in der staunend eine Welt betrachtet wird, die überall in Umbruch und Aufruhr befindlich scheint – was als bekannt erschien, wird fremd. Die Grundfesten der gesellschaftlichen Überzeugungen bekommen Risse, wie es Ernst Bloch in den ersten Zeilen von „Das Prinzip Hoffnung“ beschrieb: „Wer sind wir? Wo kommen wir her? Wohin gehen wir? Was erwarten wir? Was erwartet uns? [...] Der Boden wankt, sie wissen nicht warum und von was.“ In diesen Zeiten erscheint Konstanz wie eine ruhige, friedliche Idylle, die sich silbern glitzernd in der Oberfläche des Bodensees widerspiegelt. Und doch spürt man, blickt man länger auf das Wasser, in den Brechungen des Lichts die unberechenbare Tiefe des Sees, die dieses Spiegelbild verzerrt. Auf der ältesten bespielten Bühne Europas wird den Sachen auf den Grund gegangen.

Rainer Werner Fassbinder – Angst essen Seele auf, Spiegelhalle 17.02.17

Euripides – Die Bakchen, Stadttheater 24.03.17

Bertolt Brecht – Der gute Mensch von Sezuan, Stadttheater Ab 31.03.2017

Invasion!, Werkstatt 08.04.17

Roberto Saviano – Gomorrha (JTK 15+), Spiegelhalle 06.05.17

Ferdinand von Schirach – Terror, Stadttheater 07.05.17

Siegrid Behrens – Anfall und Ente (JTK 5+), Werkstatt 19.05.17

Theater Konstanz Inselgasse 2-6 78462 Konstanz Tel. +49 (0) 7531 900150 www.theaterkonstanz.de Tickets: theaterkasse@konstanz.de

Alla fine del mare – Nach Motiven von Federico Fellinis Film „Schiff der Träume“, Stadttheater 23.06.17

Friedrich Schiller – Wilhelm Tell, Münsterplatz


Foto: Achim Mende

Das Konstanzer Münster bietet grandiose Rundumsicht auf Altstadt und See.

Einkaufs TOUR Die höchste Erhebung im heutigen Konstanzer Stadtgebiet südlich des Seerheins ist der Münsterhügel, etwa sieben Meter über dem Wasserspiegel des Bodensees gelegen. Dominiert wird der Platz vom aufragenden Turm des Münsters „Unserer Lieben Frau“, Bischofssitz um das Jahr 600 n. Chr., im Jahr 780 erstmals urkundlich erwähnt. Das Münster war für gut zwölf Jahrhunderte die Kathedrale der Bischöfe von Konstanz und diente als Sitzungssaal des Konzils von Konstanz (1414–1418). Die Aussicht vom Münsterturm bietet einen faszinierenden Blick über den See und auf die Dächer und Dachterrassen der Altstadt. Wer den Aufstieg über 193 Stufen auf die Plattform in 40 Meter Höhe wagt, kann sich hier einen ersten Überblick über die historische Innenstadt und über eine Route für einen Einkaufsbummel machen, zu dem wir hier aufbrechen.

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START INS EINKAUFSWUNDERLAND

Beim Überqueren des Münsterplatzes in Richtung Innenstadt passieren wir das Wessenberghaus, das die Städtische Galerie beherbergt, der Innenhof des gleichnamigen Restaurants bietet sich für eine erste kleine Pause an. Unweit von hier gelangen wir in die Zollernstraße. Diese Straße erinnert noch heute mit ihrem geschichtsträchtigen Namen an das Konstanzer Konzil, denn im Hohen Haus residierte vor 600 Jahren Friedrich von Zollern, der während des Konzils zum Markgrafen

von Brandenburg ernannt wurde. Heute „residiert“ in diesem einmaligen Ambiente das Einrichtungshaus „Wohnform“. In vierter Generation als Familienbetrieb geführt, gehört es dem Verband „Creative Inneneinrichter“ an und ist mehrfach preisgekrönt. Skandinavisch hochwertig wird es ein paar Häuser weiter bei Bent Sörensen. Überhaupt ist die Zollernstraße ein Paradebeispiel, wie man sich Einkaufsstraßen heute wieder wünscht. Hier wechseln mit einnehmend schön dekorierten Schaufenstern, Schmuckateliers, Modegeschäfte, Lederwaren und Schuhgeschäfte ab. Im Dolce Vita Coffee Shop kann man nicht nur den Espresso kaufen, den man gerade trinkt, sondern auch gleich eine hochwertige Macchina dazu erwerben. Und wem der Sinn schon wieder nach einer Pause steht und hier einen Platz im „Guten Hirten“ bei Tamara ergattert, der kann sich wirklich glücklich schätzen, denn die Plätze sind heiß begehrt.

Morgens um neun ist die Welt noch in Ordnung – noch herrscht kaum Betrieb in der Zollernstraße. Mit ihren schön restaurierten Häusern führt sie direkt auf das „Hohe Haus“ zu.

Foto: Bodenseebilder.de

Ein guter Start, die spezielle Konstanzer Einkaufsatmosphäre zu erleben, bietet sich bei einem kurzen Abstecher in die Niederburg, dem ältesten Stadtteil von Konstanz, mit kleinen Lädchen in engen Gassen. An der Südseite des Münsterplatzes liegt die altehrwürdige Buchhandlung Homburger & Hepp. 1921 als Münster-Buchhandlung gegründet, ist sie seit 1953 in Familienbesitz und bietet ein ausgesuchtes Sortiment an literarischen Publikationen.


Fotos: Dagmar Schwelle/TIK

Die Marktstätte ist idealer Treffpunkt für Jung und Alt und bester Zwischenstopp bei einer Shoppingtour.

DIE STADT DER KURZEN WEGE Über den Fischmarkt gelangen wir zum zentralen Platz der Stadt, der Marktstätte. An der Stirnseite zu sehen, der Kaiserbrunnen. 1897 geschaffen und in den 1980ern von dem Bildhauer Gernot Rumpf neu gestaltet, versteckte er darin zahlreiche Anspielungen auf die Konstanzer Vergangenheit. Unter anderem symbolisiert ein mehrköpfiger Pfau die von drei Päpsten gleichzeitig regierte Kirche. Die Marktstätte ist der richtige Platz für qualitätsbewußte Käuferinnen und Käufer. Zwei alteingesessene Konstanzer Traditionsgeschäfte – der Herrenausstatter Zwicker und Optik Hepp – bieten hier Produkte vom Feinsten. Wir setzen unseren Rundgang fort und überqueren die Marktstätte vorbei am Kaiserbrunnen, links zweigt die Rosgartenstraße ab. Am Anfang befindet sich gleich das Rosgartenmuseum. Es bietet einen Querschnitt durch die Geschichte, Kunst und Kultur des Bodenseegebietes und der Stadt Konstanz von der Steinzeit bis heute. Ganz idyllisch und fast ein Geheimtipp, das kleine Museumscafé im Innenhof.

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Jedoch, es zieht uns in die Kanzleistraße. In dieser zentralen Einkaufsstraße liegt das historische Rathaus von Konstanz. Das ehemalige Zunfthaus der Leinweber aus dem 16. Jahrhundert ist heute Sitz des Oberbürgermeisters sowie Teilen der Stadtverwaltung. Die Fassade zur Kanzleistraße wurde 1593 im venezianischen Renaissance-Stil umgebaut. An der Front finden sich historische Fresken von 1864, die Szenen und Personen aus der Stadtgeschichte darstellen. Auch der im Renaissancestil dekorierte Innenhof ist sehenswert. Am Ende der Kanzleistraße öffnet sich der Obermarkt mit Blick auf die schöne Fassade des Hotels Barbarossa, vor uns das Modehaus Fischer mit Mode für den Mann. In Blickrichtung Laube auf der linken Seite der Paradiesstraße das Bücherschiff, ein Buchgeschäft, das erstaunliche 62 Mal im Jahr Themenschaufenster dekoriert. Ein paar Meter weiter, Itta & Bremer, mit schönen Dingen für Interior, Design, Architektur und Wohnen. Wir hingegen schwenken nach links in die Hussenstraße, vorbei an der Hofapotheke zum Malhaus und der Parfümerie Gradmann. Die 1864 in Konstanz gegründete Parfürmerie befindet sich


„Ich nenne Konstanz gerne die Stadt der kurzen Wege. In der Innenstadt findet man ein Sortiment, das kaum Wünsche offen lässt und das alles im Umkreis von ein paar Gehminuten. Durch den hohen Anteil inhabergeführter Geschäfte gibt es wenig Sortimentsüberschneidungen, was der Markenvielfalt zugute Christian Ulmer, Vorsitzender der Vereinigung der Einzelhändler kommt.“

Jeden Dienstag und Freitag ist Markt auf dem Stephansplatz. Dann müssen die Autos auf dem Parkplatz den Salatköpfen weichen.

im „Haus zum blauen Sattel“. Haus und Firma sind seit fünf Generationen in Familienbesitz. Mit dem Schnetztor als Teil der Stadtmauer vor Augen, biegen wir beim Kaufhaus Karstadt links auf den Augustinerplatz, der unterirdisch Autos und oberirdisch verschiedene Geschäfte und Stores beherbergt – und stehen wieder, allerdings nun am Ende, auf der Rosgartenstraße. Nicht weit entfernt, ein paar Meter in die Rosgartenstraße hinein, ein weiteres Traditionsgeschäft, das Stammhaus des Metzgereibetriebes Otto Müller. Hier gibt es echte Metzgereispezialitäten, dafür bürgt das Siegel „Gutes vom See“. Himmlisch auch das Angebot an verführerischen Torten und Gebäck im Rosgarten Café im Haus „Zum Engel“, das schon während der Zeit des Konstanzer Konzils dem einen oder anderen Reisenden als Gasthof und Schlafstätte diente.

MODEKOMPETENZ UND SHOPPINGVERGNÜGEN An der Kreuzung Rosgartenstraße/Neugasse finden wir geballte Modekompetenz. Noch einmal Zwicker mit Herrenmode; das Mode Forum macht in modernen Räumen mit einem internationalen Sortiment Damen glücklich. Einkaufsvergnügen verheißt gleich gegenüber auch Fischer mit exklusivem Angebot für Damen, ein kleines Stück weiter noch mehr Damenmode im N27. Die passenden Taschen und Koffer dazu bietet Alexander Heitz sowohl für Frauen als auch für Männer. Hier bietet sich wieder eine kurze Verschnaufpause im Il Boccone an. Eine angesagte Location mit üppigem Platzangebot sowohl draußen als auch drinnen. Auf dem Weg dorthin, nehmen wir in der Neugasse noch einen Blumenstrauß mit – das Geschäft von Karen Diessler ist zu verlockend. Linker Hand vom Il Boccone öffnet sich die Bodanstraße, die den Weg in Richtung LAGO und See lenkt. Das LAGO Shopping-Center ist eines der größten und modernsten Einkaufszentren am Bodensee. 70 Fachgeschäfte vereinigen hier einen Mix an ausgesuchten, internationalen Modemarken und Filia-

Die engen Gassen der Niederburg bieten besonderes Einkaufsflair.


Im LAGO Shopping-Center findet jeder das Richtige.

len bekannter Labels. Eine trendige Szenegastronomie mit Sushi-Bar, italienischen Eiscafés und asiatischen Spezialitäten bietet Platz für eine kurze Auszeit. Wer gute Produkte, gute Beratung und noch einen Blick auf den See während des Einkaufs erhaschen will, ist im Sporthaus Gruner, dem LAGO gegenüber, bestens aufgehoben.

Wir garantieren eine klare Herkunft unserer Produkte durch die Zusammenarbeit mit ausgewählten Erzeugerbetrieben aus der Region.

Über den Bahnhofplatz am Bahnhofsgebäude mit TouristInformation vorbei, geht es wieder Richtung Marktstätte, und wir kommen zum Ende des kleinen Einkaufsbummels durch die architektonisch so wunderbare Altstadt von Konstanz. Leider konnte hier nur eine Auswahl der zahlreichen Geschäfte aufgeführt werden. Über die Vielfalt des Angebots mit individuellem Sortiment informiert umfassend der Konstanzer Einkaufsführer, der in vielen Geschäften und bei der Tourist Information kostenlos erhältlich ist oder unter www.konstanz-zieht-an.de. Christian Ulmer / Gabriele Schindler Treffpunkt Konstanz e.V. Die Interessengemeinschaft des Konstanzer Handels und der Gastronomie wünscht Ihnen viel Spaß beim Shoppen und Genießen. Einkaufen von A–Z, Öffnungszeiten und weitere Infos unter: www.konstanz-zieht-an.de

ENGLISH SUMMARY

KONSTANZ I Rosgartenstraße 20 • KONSTANZ I Kilo-Markt, Max-Stromeyer-Straße 49 KONSTANZ I LAGO-Shoppingcenter, Bodanstraße 1 KONSTANZ I St.-Stephans-Platz 4 KONSTANZ I Kaufl and, Carl-Benz-Straße 22 • KONSTANZ I Edeka nah und gut, Hans-Martin-Schleyer-Straße 39 • KONSTANZ I EDEKA Frischemarkt Baur, Staader Straße 2–4 ÜBERLINGEN I Münsterstraße 12 • INSEL REICHENAU I Hirschengasse 9 www.otto-mueller.de

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Constance, the largest town on Lake Constance, has not only a southern flair, but also a very special shopping environment. In no other town on the lake is the historic old town so closely associated with retail as it is here. A stroll through the town centre takes visitors past countless small speciality stores with individual goods, while the department stores and renowned chain stores also offer the latest products. Of course, a day out shopping in Constance with all its diversity should include a visit to the Lago shopping centre. It is situated right in the town centre and holds around 70 attractive outlets. A shopping guide that is available free of charge in many shops and at the tourist information office provides comprehensive information about the wide range of stores.


G ut e r

l e d n a H hat in

z n a t s n Ko eine lan

ge

n o i t i d a Tr

Konstanz – seit über 600 Jahren die bedeutendste Handelsstadt am Bodensee Das Konzilgebäude wurde 1388 als Kaufhaus am See erreichtet und diente fast 500 Jahre lang als Umschlagplatz für Handelswaren am Konstanzer Hafen. Heute finden Sie über 400 Geschäfte in der historischen Altstadt gepaart mit einer abwechslungsreichen kulinarischen Vielfalt in der Gastronomie.

Konstanz zieht an – seit über 600 Jahren!

Viel Spaß beim Shoppen & Genießen! Ihr Treffpunkt Konstanz e.V.

www.konstanz-zieht-an.de

www.konstanz-zieht-an.de

www.a-2-r.de

Die Interessengemeinschaft des Konstanzer Handels und der Gastronomie.


4:16 Uhr // Konstanzer Trichter // Der Fisch ist im Netz

BERUFSFISCHER

Hans Leib

fang FRISCH


Bodenseefischerei Leib Fischladen & Catering Fischenzstraße 50 78462 Konstanz Tel. +49 (0)7531 691717 www.leibamseele.de Konzil-Gaststätten Restaurant, See- Terrassen, Tagungs- und Veranstaltungshaus Hafenstraße 2 78462 Konstanz Tel. +49 (0)7531 21221 www.konzil-konstanz.de

KONZILKOCH

Pièrre Hilaire

11.30 Uhr // Konzil-Gaststätten // Der Fisch wird zubereitet

Manfred Hölzl ist in Konstanz geboren, kommt aus einer Gastronomen-Familie, ist gelernter Koch und betreibt die Traditionsgaststätte Konzil am Hafen in Konstanz seit nunmehr 35 Jahren. Er kennt den See in all seinen Facetten und Aggregatzuständen. Das Konstanz Magazin hat mit Manfred Hölzl über leere Fischernetze und die Auswirkungen auf die Gastronomie gesprochen ...

Der Bodensee – schön fürs Foto, schlecht für die Fischer. Wie sehen Sie als Gastronom die „Seeschlacht“ zwischen Fischern und Naturschützern?

Manfred Hölzl: Ganz schwierig. Wir haben hier ein großes und unglaublich schönes Gewässer, mit einer sagenhaften Artenvielfalt. Der See ist wunderbar sauber, hat quasi Trinkwasserqualität. Für die Fischer ist er inzwischen leider „zu sauber“. Der Phosphatgehalt liegt bei mageren 7 mg, was nicht mehr für eine ordentliche Planktonbildung reicht, das heißt in der Konsequenz zu wenig Futter zum Beispiel für den Felchen. Die Fangquoten haben sich in den letzten Jahren stetig reduziert, und die Berufsfischer können keine vernünftigen Erträge mehr erzielen. Über kurz oder lang werden deshalb viele Berufsfischer aufgeben. Für uns in der Gastronomie heißt das, wir werden zwar immer Fisch anbieten, können aber immer weniger echten Bodenseefisch auf den Teller bringen.

Jahren der See völlig überdüngt war und fast umzukippen drohte, haben die Fische, die sich eher im Uferbereich aufhielten, auch etwas modrig geschmeckt. Diese Zeiten sind lange vorbei, der Fisch aus dem See ist heute hochwertigste Ware und es tut mir fast weh, dass nicht mehr davon verfügbar ist. Ist Fisch aus Aquakultur am Bodensee grundsätzlich eine Alternative?

Aquakultur am Bodensee gibt es im Moment noch nicht, soll aber entwickelt werden. Das ist aber sicher noch ein langer Weg. Ich halte es für eine bedenkenswerte Möglichkeit, weil der Fisch im Freiwasser gezüchtet wird. Wenn man sieht, was aus Aquakultur an Doraden oder Wolfsbarsch aus dem Mittelmeer heute auf dem Markt ist, das ist wirklich gute Ware. Sie beziehen Ihre Fische noch von Bodenseefischern. Wenn Sie Fisch auf der Karte haben, ist er dann auch aus dem See?

Fisch, ein hochwertiges Lebensmittel, wird am See vielfach ersetzt durch Fischimporte aus anderen Ländern. Ist das die Lösung?

Nein absolut nicht. Der hier im See gefangene Wildfisch hat heute wieder eine unglaubliche Qualität, er hat wunderbar festes Fleisch und einen tollen Geschmack. Als in den 70er

Ich spiele da mit offenen Karten: Wenn wir vom Fischer etwas bekommen, dann steht auf der Karte freilich Bodenseefelchen. Zander oder Saibling sind überwiegend Zuchtfische. Das heißt ganz klar, wir deklarieren unsere Ware reell, wenn er aus dem See ist, dann bekommt er den Zusatz Bodensee und wenn nicht, steht dort ausschließlich Felchen, Saibling oder Zander. Daran

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kann sich der Gast orientieren. Klar, bekommt man Lust auf Fisch, wenn man den See sieht. Dieser bietet jedoch nicht nur Felchen und Kretzer. Wir haben hier auch seltenere Fischsorten wie Schleie oder Karpfen aus dem See, und wenn wir vom Fischer eine Trüsche bekommen, wird diese genauso zubereitet. Das sind alles schmackhafte Seefische. Haben Sie einen Lieblingsfisch aus dem See?

Ich esse wahnsinnig gerne Hecht. Eine besondere Delikatesse ist für mich der sogenannte „Grashecht“, den man mit viel Glück im Mai fangen kann. Das sind kleine, bis 500 Gramm schwere Hechte mit guter Portionsgröße. Wenn der Fischer mir einen solchen liefert, ist das ein Fest für mich. Der Grashecht ist unbeschreiblich delikat und hat einen wunderbaren Geschmack. Leider ist auch er sehr selten geworden. Daher sollten Gäste ihn unbedingt kosten, wenn er auf der Karte steht – er ist ein echter Gaumenschmaus. Das Gespräch führte Gabriele Schindler

12:00 Uhr // Konzil-Gaststätten // Der Fisch ist serviert

Konstanz à la Carte gal, ob Fisch, Fleisch oder vegetarisch – Konstanz hat in kulinarischer Hinsicht alles zu bieten. Vom Gourmet-Tempel mit Sterneküche wahlweise mit Seeblick im Ophelia des Hotel Riva an der Seestraße oder in der Altstadt im San Martino. Wer ganz dicht am Wasser speisen möchte, begibt sich am besten auf die Insel ins gleichnamige Hotel. Hier kann in der Zeppelinbar, Geburtsort des Grafen Zeppelins, wahlweise ein Aperitiv oder Digestif eingenommen werden.

E

Hier wird die Sauce Hollandaise zum Spargel noch in mühevoller Hand- bzw. Armarbeit geschlagen. Genussreiche Stunden mit herzhaft regionalen Spezialitäten oder ausgesucht internationalen Gerichten verheißt das Hotel-Restaurant Petershof im Stadtteil Peterhausen, einen Steinwurf vom Seerhein entfernt. Extravagant, asiatisch und hipp wird es in der Essbar, Biofood der Extraklasse findet man in Eugens Bio Restaurant unweit der Marktstätte.

Wer ans Wasser will, jedoch keine Sterne braucht, der ist in der Hafenhalle oder der Hafenmeisterei gut bedient. Direkt am Fährhafen in Staad mit Blick auf Meersburg serviert das Hotel zum Schiff regionale und internationale Köstlichkeiten.

„Le Sud“, eine Genuss-Oase im Herzen der Altstadt nähe Karstadt verwöhnt mit französischen Spezialitäten und Delikatem frisch vom Grill. Etwas versteckt am Stephansplatz das „Café Zeitlos“ – träumerisches Chill out in Kombination mit lockerer Geselligkeit ist hier angesagt.

Gut bürgerliche Küche auf hohem Niveau finden Gäste auch in verschiedenen Stadtteilen. In der Innenstadt sticht das Barbarossa mit seiner üppig bemalten Fassade hervor. Auch das Lokal selbst hält, was die Fassade verspricht. Die Konzil-Gaststätte im gleichnamigen, ehrwürdigen Gebäude direkt am Hafen ist gefragt bei Fischliebhabern.

Wo vor Jahren am Seerhein noch Industriebrachen waren, kann man heute entlang flanieren oder auf Treppen zum Wasser relaxen, Biergärten und Hotelrestaurants haben hier inzwischen ihren Platz. Angeblich die beste „Curry Wurst in town“ gibt es zur Zeit mit Ketchup vom Sternekoch bei Curry-Constanz nicht weit vom Seerhein

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im Industriegebiet. Dazu natürlich internationale Küche – allen voran italienisch – molto bene im Pinoccio oder Löhlinbad, beide an der Laube. Nahezu alle Erdteile gibt es auf den vielfältigen Speisekarten zu entdecken. Im ältesten Stadtteil von Konstanz, der Niederburg, sind zudem Weinlokale beheimatet. In den schmalen Gassen reihen sich Weinglöckchen und –Teufelchen aneinander. Hier bekommt man noch ein richtiges Viertele Bodenseewein. www.konstanz-tourismus.de/themen/ shoppen-schlemmen/schlemmerregion.html

ENGLISH SUMMARY Whether you prefer fish, meat or vegetarian cuisine, Constance offers a wide range of culinary delights: from gourmet temples with award-winning cuisine to good home-made food of the highest quality, extravagant, Asian, trendy or high-quality organic delicacies to Currywurst with ketchup created by top chefs. Niederburg, the oldest part of Constance, is where you can find quaint wine bars. In the narrow lanes of this part of town, you can enjoy wine from Lake Constance in a friendly atmosphere.


Kreatives Handwerk

„made in Konstanz“ Kellerkunst & Weinphilosophie Die Spitalkellerei Konstanz ist Deutschlands älteste, dauerhaft bestehende Foto: Aurelia Scherrer

Stiftungskellerei. Sie ist ein Wirtschaftsbetrieb der Spitalstiftung Konstanz, die im Jahre 1225 gegründet wurde. Zum „dienenden Vermögen der Stiftung“ gehören, neben Grund- und Waldbesitz seit über 700 Jahren, auch Weinberge in Konstanz und Meersburg.

Ruppaner – die einzige Konstanzer Brauerei Craft Beer ist im Trend. Die Konstanzer Brauerei Ruppaner als mittelständisches Familienunternehmen braut seit Gründung im Jahre 1795 auf Grundlage des deutschen Reinheitsgebotes traditionell Craft Beer, besagt der Begriff doch, dass es sich um ein handwerklich gebrautes Bier handelt. Braumeister Dirk Höchsmann entwickelt immer wieder neue Bierspezialitäten, wie das Bio-Schimmele, das Lago Lemon und das Bio Märzen.

Die Einzellagen „Konstanzer Sonnenhalde“ und „Meersburger Haltnau“

Konzilbier 1414 & Bodensee Pils Anlässlich des Konziljubiläums wurde ein besonderes, traditionelles Bier nach dem Zweimaisch-Verfahren gebraut, das bernsteinfarbene 1414 Extra. Zum 500. Jahrestag des Reinheitsgebots wartet die Brauerei Ruppaner mit dem Bodensee Pils auf. An der brauereieigenen Versuchsanlage entwickelte das Brauerteam aus den Hopfenklassikern Hallertauer Tradition, Tettnanger und Perle, sowie den brandneuen Sorten Smaragd und Hallertauer Blanc eine weitere Bierspezialität. Der Versuch war gelungen und die 12.200 LiterSudpfanne rasch befüllt. Der Konstanzer Oberbürgermeister Uli Burchardt, seines Zeichens selbst Diplom-Biersommelier, durfte vorab probieren und war voll des Lobes: „Es ist sehr frisch, hat eine angenehme Süße, ein intensives Hopfenaroma, das nicht bitter ist. Insgesamt ein blumiges, fruchtiges Geschmackserlebnis.“

befinden sich im Alleinbesitz der Spitalkellerei und zählen zu den besten am Bodensee. In den Weinbergen werden überwiegend die für den See typischen, traditionellen Rebsorten Müller-Thurgau und Spätburgunder angepflanzt. Aus dem Spätburgunder wird der bekannte Weißherbst, aber auch ein feiner rubinroter Rotwein bereitet. Der Weinanbau und die eigene Kellerkunst bedeuten in einem so traditionsreichen Weingut wie der Spitalkellerei ein Stück Geschichte und Kultur zu pflegen und zu erhalten. Weitere Informationen: www.spitalkellerei-konstanz.de

Regional & von bester Qualität Bei den Bieren der Brauerei Ruppaner, die ausschließlich Bodenseewasser verwendet, handelt es sich um authentische regionale Qualitätsprodukte. Brauerei-Chef Karl-Bernhard Ruppaner ist sich sicher: „Das braut uns so schnell keiner nach.“ Und das ist gut so, denn im Gegensatz zu Bierfabriken werden in der Familienbrauerei Biere „made in Konstanz“ gebraut. Weitere Infos unter: www.ruppaner.de >> KONSTANZ MAGAZ IN 81


Otto Müller – der Tradition verpflichtet

IMPE RIA EIN KUNSTWERK & EIN EXKLUSIVER WEIN

„Imperia, Cuvee Rot“ ist ein exklusiver Rotwein aus den Rebsorten Regent, Spätburgunder und Cabernet-Mitos aus den Weinbergen der Spitalkellerei Konstanz. Er ist klassisch vinifiziert und für ein Jahr in kleinen Eichenfäßern gereift. Mit seinem dezenten Veilchenbouquet und seinem mit feinen Röstaromen untermalten Duft entfaltet dieser Wein Wärme und Feuer am Gaumen. Der angenehm weiche Gerbstoff und sein gehaltvoller harmonischer Nachgeschmack runden das sinnliche Erlebnis gelungen ab. Die Imperia Sonderedition und alle anderen Weine der Spitalkellerei findet man in der Weinboutique in der Brückengasse in Konstanz. Tipp: Ideal auch als Geschenk! www.spitalkellerei-konstanz.de

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„Solange über der Eingangstür Otto Müller steht, kommt nur das in die Ladentheke, was wir selbst mit Genuss und Appetit essen!“, dieser Satz ihres Großvaters ist für Katharina Müller, die das 1923 gegründete Traditionsunternehmen heute als Geschäftsführerin zusammen mit ihrem Vater leitet, noch immer präsent. Das Sortiment hat sich seit Großvaters Zeiten zwar um reinrassige Konstanzer Spezialitäten wie Konzilherrenwurst, Bodenseeschinken, Comturey-Schinken oder Konstanzer Metzgerle zeitgemäß erweitert; an der Philosophie, alle Wurst- und Fleischwaren in bester Qualität und mit größter Sorgfalt herzustellen, hat sich jedoch nichts geändert. Katharina Müller meistert mit ihren Mitarbeitern den Spagat, mit neuester Technik den überlieferten Rezepten ihrer Familie treu zu bleiben und mit hochwertigen Zutaten, edlen Gewürzen und ohne Geschmacksverstärker, Produkte für höchste Ansprüche herzustellen. Und das schätzen auch die Kunden. Nicht ohne Grund wurde Otto Müller wiederholt von dem renommierten Gourmet-Magazin „Der Feinschmecker“ als eine der besten Metzgereien Deutschlands ausgezeichnet. Darüberhinaus belegen unzählige DLG-Prämierungsurkunden die über Jahrzehnte bestehende hohe Qualität der Müller’schen Produkte.

Auch die von jeher gepflegte Nähe zu regionalen Erzeugern ist für Katharina Müller unabdingbar und sie belegt das mit dem Satz „Wir wissen, wie die Tiere gehalten und ernährt werden und garantieren kurze Transportwege zu unserem Schlachthof“. Otto Müller geht zu den Bauern auf den Schienerberg, ins Deggenhausertal oder auf den Bodanrück, schaut sich die Tiere in ihrem Lebensumfeld an und bespricht sich mit den Bauern. Hochwertige Grundprodukte zu bekommen, ist dabei nur ein Aspekt. Es geht ihr auch um die Stärkung der regional produzierenden Lebensmittelhandwerker und um die Unterstützung regionaler Vermarktungskreisläufe in der Auseinandersetzung mit Discountern. Und es geht ihr natürlich um den Kunden, damit der Firmenphilosophie entsprechend, ein gutes Produkt zu einem für alle fairen Preis über die Ladentheke geht. Großen Wert legt Katharina Müller hier auf persönliche und fachlich kompetente Beratung durch Metzger und fachlich geschultes Personal.

Neben zahlreichen Filialen befindet sich Stammgeschäft in der Rosgartenstraße 20 in der Innenstadt. Alle Läden und Informationen unter www.otto-mueller.de


Seit 1225 in Konstanz Zuhause Ursprünglich gegründet, um arme, kranke und alte Menschen zu pflegen, betreut die Spitalstiftung heute vor allem ältere Menschen. Zur Spitalstiftung Konstanz gehören vier Pflegeheime, zwei Häuser für Betreutes Wohnen, die Tagesstätte „Hand in Hand“ und ein Ambulanter Pflegedienst.

Die älteste Stiftungskellerei Deutschlands mit einer rund 800-jährigen Weinbautradition, verfügt über zwei hervorragende Lagen am Bodensee: die KONSTANZER SONNENHALDE und die MEERSBURGER HALTNAU. Beide sind im Alleinbesitz des Weingutes und mit 20 Hektar ein Teil der Spitalstiftung Konstanz.

Angepasst an die Bedürfnisse älterer Menschen, bietet die Stiftung Pflegeplätze in verschiedenen Stadtteilen an. Angehörige können mithilfe der Tagesstätte eine Auszeit von der Pflege nehmen. Der Ambulante Pflegedienst kümmert sich um die Versorgung im

Besuchen Sie uns im Weingut in Konstanz oder in der Gutsschänke auf dem Rebgut Haltnau in Meersburg. Wir freuen uns auf Sie.

privaten Wohnumfeld. Spitalstiftung Konstanz Luisenstr. 9 78464 Konstanz

Telefon 07531/801-3001 E-Mail: info@spitalstiftung-konstanz.de www.spitalstiftung-konstanz.de

Spitalkellerei Konstanz Brückengasse 16 78462 Konstanz Telefon 07531/12876-0

Rebgut Haltnau Uferpromenade 107 88709 Meersburg Telefon 07532/9732

E-Mail: info@spitalkellerei-konstanz.de www.spitalkellerei-konstanz.de

Genuss hat Geburtstag. 600 Jahre Konstanzer Konzil und 500 Jahre Reinheitsgebot feiern wir mit unseren Jubiläumsbieren 1414 Extra und BODENSEE PILS, zwei Craft Biere in handwerklicher Konstanzer Brautradition. Auf Ihr Wohl!

Das Bier vom See. www.ruppaner.de KONSTANZ MAGAZ IN 83


SEHEN& staunen

Stadtführungen in Konstanz GANZJÄHRIG 600 JAHRE KONSTANZER KONZIL … Auf den Spuren des Konzils – Von Päpsten, Ketzern, Kurtisanen

Als der größte Kongress des Mittelalters zwischen 1414 und 1418 in Konstanz tagte, galt die Stadt als Mittelpunkt des Abendlandes. Bis heute erinnern zahlreiche Monumente an diesen Höhepunkt des geistlichen und kulturellen Lebens am Bodensee. Der Rundgang zeigt bekannte und weniger bekannte Zeugen dieser Epoche wie etwa die Grabplatte des griechischen Philosophen Chrysoloras, Hussens Weg zum Scheiterhaufen oder einfach Orte, an denen es im wahrsten Sinne des Wortes stets „bunt“ zuging... KLASSISCH …

dieser besonderen Gruseltour (Ghost Walk) hören Sie von Vampiren, Geistern und Hexen. Empfohlen für Mutige ab 12 Jahren, inkl. Henkerstrunk. Mit dem Ritter unterwegs – Durch Konzilzeit und Mittelalter

Der werte Ritter von Schreckenstein entführt Sie in das Spätmittelalter. Auf einem Rundgang durch die Konziljahre erfahren Sie „allerley“ darüber, wie die Menschen damals lebten, was sie glaubten und wovor sie Angst hatten. Ritter von Schreckenstein enthüllt Ihnen außerdem Orte und Ereignisse der „großen Geschichte“, aber auch des alltäglichen Lebens. Hören Sie von gruseligen oder ergötzlichen Berichten und Legenden aus jener Zeit der alten Rittersleut.

Gegenwart der Vergangenheit – Klassischer Rundgang

Die Sau rauslassen mit dem Landsknecht

Der „Hit“ unter den Führungen zeigt die Vielschichtigkeit der Konstanzer Gegenwart und Vergangenheit. Vom Konzil mit der „schönen Imperia“ über das Münster und St. Stephan bis hin zur Niederburg mit ihren Weinstuben; (fast) alle Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt werden besucht.

Lassen Sie mit dem Landsknecht „Sebastian von Burtenbach“ auf einem Rundgang durch das historische Konstanz die Sau raus – auch wenn das auf keine Kuhhaut geht – und erfahren Sie Interessantes über die Geschichte der Stadt sowie die deutsche Sprache und ihre Redewendungen. Springen Sie über Ihren Schatten. Werden Sie Teil einer ganz besonderen Tour. Der Landsknecht wird Sie nicht lange auf die Folter spannen.

INSZENIERT … Nachtwächterrundgang in Konstanz

Auf dem Nachtwächterrundgang werden vergangene Zeiten turbulenter Konstanzer Nächte wieder lebendig. Begleiten Sie ihn durch das abendliche, historische Konstanz und erfahren Sie spannende Episoden aus seinem Alltag. Mit der Laterne auf Spuren düsterer Geschichte(n)

Meister Hans, der Konstanzer Henker, nimmt Sie mit auf einen Rundgang zu heimlichen Orten. Machen Sie sich gefasst auf unterhaltsam spannende, aber auch gruselige Begebenheiten des mittelalterlichen Konstanz. Doch Vorsicht – Auf

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IMMER VON APRIL BIS OKTOBER Wände erzählen Geschichte – Kostbare Wandmalereien in Konstanz

Im deutschen Sprachraum ist kaum eine Stadt reicher mit Wandmalereien verziert. Fresken der Gotik übernehmen die Hauptrolle. Ausgehend vom ehemaligen Dominikanerkloster, verbreitete sich diese Kunstform seit dem 13. Jahrhundert über die gesamte, damals bekannte Welt. Die Führung gibt einen Einblick in die sehenswerten profanen und sakralen Kunstwerke sowie in andere Epochen der Malerei.

Hus in Konstanz – Das Ende eines Reformators

Der Prager Reformator Jan Hus wurde am 6. Juli 1415 wegen Ketzerei in Konstanz öffentlich verbrannt. Doch bevor dies geschah, lebte er in der Stadt erst drei Wochen völlig frei, später dann in Gefangenschaft. Währenddessen hielt er sich im Dominikaner- und Franziskanerkloster, am Münsterplatz und in der Hussenstraße auf. Der Rundgang lässt die Geschichte dieser Orte wieder aufleben. Von Wuostgräben und anderen „stillen“ Örtchen

Hinter den steinernen Fassaden von Konstanz versteckt sich so manch eine Feuergasse oder ein Hinterhof, die ein ganz anderes Bild der einst mächtigen Bischofsmetropole präsentieren. Selbst Ortskundige werden aus dem Staunen nicht mehr herauskommen; das Mittelalter lebt, im Verborgenen, hier in Konstanz!

MITTELALTER-GESCHICHTE(N) … Liebe und Fegefeuer

In vielen Dingen waren die Menschen im Mittelalter gar nicht so anders als wir. Sie ließen es sich gut gehen, pflegten sich und legten schöne Kleider an, um eine gute Figur zu machen und auch, um beim anderen Geschlecht zu landen. In diesem Rundgang geht es um hohe Minne nach ritterlichem Ideal, um göttliche Minne, die nicht nur von Klerikern erlebt wurde und um die Liebe der Bürger und kleinen Leute. Neben den Idealvorstellungen soll vor allem davon gesprochen werden, wie die Menschen trotz ständiger Drohung mit dem Fegefeuer und ewiger Verdammnis ihre Sexualität gelebt haben. Zu Speis‘ und Trank im Mittelalter

Was aß man während der Konzilsjahre in Konstanz? Wir begeben uns auf Spurensuche: Festmähler und Armenspeisungen, Markttreiben und


Plumpsklogruben. Beschreibungen, Abrechnungen, Preislisten, Bilder und Essensreste dienen uns als Informationsquellen. Und originale Bodensee-Kochrezepte aus dem 15. Jahrhundert. Denn davon gibt es überraschend viele!

(UN-)REGELMÄSSIG INSZENIERT … Hofnarr, Spion und Richental – Ein Rundgang mit Augenzeugen

Unterirdische Ausstellung. Die Kastellruine am Münsterplatz

Zu Beginn und am Ende der Römerherrschaft gab es in Konstanz Kastelle, die heute nur noch an Verfärbungen in der Erde erkennbar sind. Die Spätantike aber hat eine mächtige Mauer und einen oktogonalen Festungsturm hinterlassen. An der Grabungsstelle im unterirdischen Museum – bei Mauer und Turm – werden die Ergebnisse der Ausgrabungen gezeigt und erklärt.

Als das Konzil stattfand, galt es weitreichende theologische und politische Fragen zu klären. Der Zeit- und Augenzeuge Ulrich Richental gibt Aufschluss. Folgen Sie ihm, dem Konstanzer Bürger und historischen Chronisten, durch die Stadt. Treffen Sie auf dem Rundgang Königin Barbara, Ehefrau des römisch-deutschen Königs Sigismund oder den päpstlichen Sekretär und Humanisten Poggio Bracciolini, aber auch eine Fischersfrau und nicht zuletzt den spanischen Hofnarren und Spion des Königs von Aragon, Mossén Borra.

Foto: Dagmar Schwelle/TIK

DIE RÖMER IN KONSTANZ …


Foto: Dagmar Schwelle/TIK

Pfaffen, Ketzer, Kurtisanen – Mit der Imperia durchs Mittelalter

Mit Witz und Charme führt „Imperia“ die Besucher durch das mittelalterliche Konstanz. Sie stellt dar, welche skurrilen Zustände in den Klöstern herrschten. Sie erzählt über die Sorgen und Nöte der Menschen im Mittelalter und lässt die Sehnsüchte einer Welt aufleben, die heute gern verklärt gesehen werden. Durch die Stadt mit der Spielmannsfrau

Die Spielmannsfrau weiß genau, wie die Konstanzer Bürgersleut lebten – egal, ob reich oder arm, Hure, Nonne, Richter, Mönch oder Bettelvogt. Was erzählten die Dichter, die in der Stadt Station machten? Deftig, poetisch, sinnlich und humorvoll ist die Sprache einer Zeit, in der sich der Mensch am Duft des Lebens berauschen konnte, nur um sich gleich auf der Straße wiederzufinden, die ins Verderben führt.

(TAT-)ORTE … Der Bodenseetatort. Folgen Sie einer heißen Spur

Auf den Spuren von „Tatort“-Kommissarin Klara Blum passiert die Führung markante Drehorte des Bodensee-Tatorts in der Konstanzer Innenstadt. Erfahren Sie viel Insider-Wissen über einen Drehtag in Konstanz, eine spannende Verfolgungsjagd auf dem Rhein oder einen Mord in den engen Gassen der Niederburg. Auf Wunsch können Sie auch „covered locations“ von innen besichtigen wie beispielsweise eine Konstanzer Weinstube aus dem „Schwedischen Freund“. Doch Vorsicht, oft wird der Fernseh-Zuschauer hinters Licht geführt.

Heiliger oder Ketzer? – Mit Jan Hus auf Spurensuche

WISSENSWERTES – Alle Preise, Termine, Treffpunkte finden Sie unter: www.konstanz-tourismus.de – Kartenverkauf: Tourist-Information im Bahnhof oder Online über RESERVIX – Führungen für Gruppen können ganzjährig zu jedem beliebigen Termin gebucht werden. Infos: stadtfuehrung@konstanz-tourismus.de

Fotos: TIK

Tourist-Information Konstanz Bahnhofplatz 43 | Im Bahnhof D-78462 Konstanz info@konstanz-tourismus.de www.konstanz-tourismus.de

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Foto: TIK/Schwelle

War Jan Hus ein hagerer Mann mit Vollbart oder eher stämmig und bartlos? Wohnte er wirklich in einem Haus in der Hussenstraße? Warum befindet sich in einem Hotel ein ehemaliger Kerker? Wieso ist auf dem Boden im Münster ein Fleck, den man nicht entfernen kann? Aus welchen Gründen wurde Hus wirklich hingerichtet? Was machte ihn so gefährlich? Hieronymus von Prag bringt ans Licht, was Wahrheit und was Legende ist.


Tertianum Konstanz Brotlaube 2a 78462 Konstanz Tel. +49 (0)7531 12850 info@konstanz.tertianum.de www.konstanz.tertianum.de

Schöne Aussichten aufs Älterwerden Die Tertianum Residenz in Konstanz ist ein Alterswohnsitz der Extraklasse: Beste Innenstadtlage in stilvoller Architektur, großzügige Wohnungen, erstklassiges Service- und Dienstleistungsangebot, gehobene Gastronomie, niveauvolle gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungen, attraktiver Wellnessbereich. Hier bekommt der Begriff „betreutes Wohnen“ eine neue, exklusive Bedeutung. Das Konstanz Magazin hat mit der neuen Direktorin Friederike Cossardeaux über das TertianumKonzept und ihren Start in Konstanz gesprochen.

Was hat Sie nach Konstanz geführt?

Friederike Cossardeaux: Bevor ich im Mai hierher kam, war ich die letzten 15 Jahre in der Hotellerie in der Schweiz in den Bergen tätig und wollte unbedingt Mal was Anderes sehen, am liebsten eine Stadt und idealerweise ans Wasser. Da kam das Angebot vom Tertianum mit Aussicht auf die Stelle in Konstanz gerade recht. Das Tertianum wurde Ende 2014 verkauft und die neuen Besitzer wollten auch eine neue Ausrichtung – den Hotelcharakter mehr herausstellen, den Service ausbauen, eventuell eine Concierge einstellen, das Angebot für Bewohner im Luxussegment erhöhen. Das alles hat perfekt für mich gepasst.

leicht aufkommt, wird man hier extrem aufgefangen. Zum Beispiel haben wir 23 Einzel-Pflegeappartments, diese sind mitten im Haus und nicht abgetrennt in einem separaten Teil und haben Zugang zu allen anderen Einrichtungen. Sowohl in der Pflege als auch im „normalen“ Wohnbereich mit insgesamt 87 Wohnungen in verschiedenen Größen vermitteln wir unseren Gästen das Eingebundensein in die Residenz mit allen ihrem Komfort, der Hilfestellung und Sicherheit, ohne die absolute Respektierung der Integrität, Souveränität und Unabhängigkeit der Bewohner und Bewohnerinnen aus den Augen zu verlieren. Das war jetzt die Innenansicht Tertianum.

Was ist das Besondere an dem Haus in Konstanz?

Inwieweit ist die Stadt oder die Region wichtig?

Natürlich Konstanz und der See, die Lage mitten in der Stadt und doch quasi eine Oase der Ruhe, durch die innenliegenden grünen Gärten. Das Haus atmet Großzügigkeit, bietet Raum und Licht und hat doch ein ganz persönliches Ambiente man kennt alle Bewohner, man hat sehr viele Kontakte untereinander. Die Rezeption ist quasi das kommunikative Zentrum, wo sehr viel passiert. Gerade im Alter, wenn das Thema Einsamkeit viel-

Das Tertianum ist integraler Bestandteil von Konstanz und wir haben offene Türen. Am 3. Juli, dem Tag der offenen Gärten, sind wir auch dabei und die Einwohner sind eingeladen zu schauen, was eigentlich alles hinter diesen für Konstanz so geschichtsträchtigen Mauern steckt. Auch beim Kulturprogramm spielt Konstanz eine wichtige Rolle. Wir haben eine Partnerschaft mit der Philharmonie, Theaterbesuche werden angeboten,

wir bieten Stadtrundgänge, organisieren aber auch Festspiel und Opernbesuche. Daneben machen wir zwei, drei eigene Veranstaltungen pro Woche, kleinere, wie Lesungen, größere, wie das Format TTT (Talk im Tertianum), einer moderierten Gesprächsreihe mit Menschen aus Politik, Kultur oder Wirtschaft. Dann haben wir natürlich sehr viele externe Besucher im Haus. Auch die „Krone“, die zur Zeit ein neues Gesicht bekommt, ist eine Begegnungsstätte. Die „Krone“ wird zu „Colette“, einem Restaurant im Brasserie Stil, das sich in anderen Häusern schon bewährt hat. Tim Raue, ein Sternekoch aus Berlin, wo auch das Stammhaus des Tertianum ist, war bezüglich des Restaurantkonzeptes beratend tätig. Die Konstanzer dürfen sich also auch hier auf ein neues hochwertiges Gastronomieangebot freuen.

ENGLISH SUMMARY Tertianum in Constance is a luxury retirement residence. It is situated right in the heart of town with stylish architecture, spacious apartments, first-class service, sophisticated catering, high-class social and cultural events, and an attractive spa area. KONSTANZ MAGAZ IN 87


Fotos: Thomas Bichler (www.seeundberge.de)

ROHNHAUSERHOF Dettingen liegt im Herzen des Bodanrück, umgeben von leuchtendgelben Rapsfeldern und grünen Wäldern. Zahlreiche markierte Spazierund Wanderwege erschließen die entspannende Landschaft mit ihren sanften Hügeln und versteckten Seen, so auch zum Rohnhauserhof. Im, aus dem 14. Jahrhundert stammenden Hofgut wird das Bodensee Rapsöl produziert, das unter anderem auch im eigenen Hofladen erhältlich ist.

VOR.Orte Die drei Konstanzer Vorortgemeinden Dettingen-Wallhausen, Dingelsdorf mit Oberdorf und Litzelstetten liegen auf dem Bodanrück, einer großen Halbinsel. Sie erstreckt sich aus Westen bis Konstanz in den Bodensee, liegt zwischen dem Überlinger See mit der Insel Mainau und dem Untersee mit dem UNESCO Weltkulturerbe Insel Reichenau und ist immer eine Reise wert.

SCHIFFSLÄNDE Die Schiffslände in Dingelsdorf öffnet die Tür zum Bodensee. Hier legen Kursschiffe nach Überlingen, Unteruhldingen, zur Insel Mainau, nach Meersburg und nach Konstanz ab. Im Dingelsdorfer Rathaus informiert eine umfangreiche Sammlung über das Weltkulturerbe Pfahlbauten.


AUF DEM OLBER Der Aussichtspunkt „Olber“ liegt auf halbem Weg zwischen DettingenWallhausen und Dingelsdorf. Von dem mit einem Kreuz geschmückten, höchsten Punkt reicht die Aussicht weit über den Überlinger See, zur Altstadt von Überlingen, zur Wallfahrtskirche Birnau und zu den Pfahlbauten in Unteruhldingen. Der Olber ist – wie auch der benachbarte Aussichtspunkt am Purren bei Litzelstetten – ein Etappenziel des neuen Premiumwanderwegs „SeeGang“. 

YA C H T H A F E N W A L L H A U S E N Wallhausen bildet mit dem landeinwärts gelegenen Dettingen eine Einheit und war noch bis in die 1950er Jahre ein wichtiger Güterhafen. Heute ist der beliebte Erholungsort ein Revier für Hobbysegler und Kanuten. Eine ganzjährige Schiffsverbindung mit dem MS Seegold ermöglicht Ausflüge ins gegenüberliegende Überlingen. Zwischen Wallhausen und Dingelsdorf laden zwei große Strandbäder zum Baden und Relaxen ein. Der Eintritt in diese ist kostenfrei.

HÖHENWEG Auf dem bei Wanderern und Radlern beliebten Höhenweg zwischen Dingelsdorf und Litzelstetten schweift der Blick zurück zur über 500 Jahre alten Pfarrkirche St.Nikolaus und zum gegenüberliegenden Ufer von Überlingen. www.konstanzplus.de

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Wollmatinger Ried

Kreuzlingen/CH

Stadelhofen

Paradies Imperia

Altstadt

Tägermoos

Insel Reichenau

Petershausen Ost Petershausen West Therme

Industriegebiet

Hörnle

Fürstenberg

Wollmatingen


Litzelstetten Wallhausen

Dingelsdorf

STADT

Teile& mehr

Königsbau

Allmansdorf Universität

Staad

Egg Fähre

Insel Mainau

Foto: Achim Mende

Dettingen


Foto: Achim Mende

ENGLISH SUMMARY Set against the breathtaking panorama of Lake Constance and the Alps, Constance’s annual Christmas market is perfect for a stroll and to enjoy the food and drink. In a historical setting, 170 retailers, artisans and restaurateurs invite visitors to shop and linger.


LICHTER WEIHNACHTSMARKT AM SEE

Meer

Atemberaubendes See- und Alpenpanorama, Weihnachtsschiff mit Ständen, doppelstöckige Christbaumschänke und viele weitere Highlights. 170 Händler und Kunsthandwerker aus der Region laden zum gemütlichen Flanieren ein. Im Bodensee spiegeln sich 10.000 Lichter, das Konzil ragt majestätisch in den Winterhimmel, duftende Leckereien locken zum Probieren und die historische Altstadt überrascht mit 100.000 Geschenkideen. www.weihnachtsmarkt-am-see.de

KONSTANZ MAGAZ IN 93


IMPRESSUM

ISBN 978-3-944741-27-7

Katharina Schlude, Vertrieb (kschlude@labhard.de) Helga Stützenberger, Grafik (stuetzenberger@angrik.de) Claire Gordon-Kühl (Übersetzungen)

Verlag, Konzeption, Redaktion, Anzeigen

Projektpartner

Labhard Medien GmbH Max-Stromeyer-Straße 116 D-78467 Konstanz Tel. +49 (0)7531 90710 verlag@labhard.de, www.labhard.de

Stadtmarketing Konstanz GmbH: Marion Baumeister, Andrea Mauch, Eric Thiel Wirtschaftsförderung der Stadt Konstanz: Friedhelm Schaal, Stefan Stieglat Pressebüro der Stadt Konstanz: Dr. Walter Rügert Konzilstadt Konstanz: Ruth Bader, Arabella Schwier Kulturbüro der Stadt Konstanz: Angelika Braumann, Axel Pasligh Stadtwerke Konstanz: Josef Siebler, Teresa Wolf Konstanzer Museen: Dr. Tobias Engelsing, Barbara Stark Treffpunkt Konstanz: Christian Ulmer, Andrea Riegel Tourist-Information Konstanz GmbH: Norbert Henneberger, Petra Meyer-Mundt

Konstanz Magazin ist eine Publikation der Labhard Medien GmbH und Bestandteil der Produktfamilie Bodensee Magazin

Thomas Willauer, Geschäftsführer (twillauer@labhard.de) Gabriele Schindler, Geschäftsführerin (gschindler@labhard.de) Claudia Manz, Mediaberatung (cmanz@labhard.de) Stephan Bickmann, Mediaberatung (sbickmann@labhard.de) Holger Braumann, Redaktion (hbraumann@labhard.de) Johanna Lambach, Redaktion (jlambach@labhard.de)

Insel Mainau GmbH: Florian Heitzmann, Franz Petzold Südwestdeutsche Philharmonie: Beat Fehlmann, Martina Kraus Theater Konstanz: Dani Behnke, Adrian Herrmann, Maike Piechot Druck

Rollenoffset, PVA, Landau Auflage: 30.000 Exemplare Fotos

Wenn nicht anders vermerkt, wurden uns die Fotos von den betreffenden Einrichtungen, Organisationen und Unternehmen zur Verfügung gestellt. Titelbild

Hafen Konstanz, Dagmar Schwelle/TIK Alle Rechte vorbehalten:

Labhard Medien GmbH Dank

Wir bedanken uns bei allen Partnern, Werbekunden und Fotografen für die gute, konstruktive Zusammenarbeit und freundliche Unterstützung.

Alles aus einer Hand Sie sind auf der Suche nach einer passenden Immobilie in Konstanz? Oder Sie möchten ein Objekt oder ein Baugrundstück verkaufen? Für alle Fragen rund um das Thema Immobilien steht Ihnen die Immobilien GmbH Maus & Werner mit Tat und Rat kompetent zur Seite. Wir haben uns höchste Servicequalität auf die Fahnen geschrieben und das ist für uns nicht nur eine Phrase, sondern täglich gelebter Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie. Was immer Sie benötigen, von uns bekommen Sie es – alles aus einer Hand.

Wollmatinger Straße 59 · 78467 Konstanz· www. seeimobilien.com info@seeimobilien.com · Tel. +49 (0) 7531 939497

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Foto: Achim Mende

Wussten Sie,

DASS ... … in Konstanz der Erfinder des Zeppelins geboren wurde? … die Fähre Konstanz – Meersburg im Jahr 1928 die erste Binnenfähre für Kraftfahrzeuge in Europa war? Noch heute verkehrt sie rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr. … der älteste Baum des botanischen Gartens Insel Mainau – ein Tulpenbaum - bereits im Jahr 1830 gepflanzt wurde? … die einzige Papstwahl nördlich der Alpen 1417 in Konstanz stattfand? … für den Rheinkilometer 0 die alte Rheinbrücke festgelegt wurde? … die Stadt in früheren Jahrhunderten mehrere Anläufe unternommen hatte, um schweizerisch zu werden? … im Jahr 1814 von Konstanz aus die badische Revolution erfolgen sollte? … im Sommer auf der Mainau rund 10.000 Rosen in fast 1.000 Sorten im Italienischen Rosengarten und in der Promenade der Wild- und Strauchrosen blühen? … es auf dem Gelände der heutigen Bodensee-Therme bereits seit 1890 ein Strandbad gegeben hat? … Konstanz rund 300 Jahre zu Österreich gehörte? … die Strandbäder Hörnle, Dettingen und Wallhausen als Geschenk an Bürger und Gäste keinen Eintritt verlangen?

DER BESONDERE TIPP:

YACHTCHARTER AM BODENSEE Diese Premiumyacht RIDIMARE kann ab sofort gebucht werden – für einen Ausflug mit der Familie, Freunden oder Geschäftspartnern; Platz für max. 10 Passagiere mit einem Salon, Toiletten, einer Vorder- und Mittelkajüte, ein Grill sowie einem Sonnendeck am Bug. Alle Infos unter www.ridimare.de

KONSTANZ MAGAZ IN 95


Foto: Schenkl

EVENTHIGHLIGHTS Juli 2016 bis Juli 2017

27.07.2016 Mainau Open-Air Dieses Jahr gastiert am 27. Juli Dirigent Justus Frantz seiner Philharmonie der Nationen. www.philharmonie-konstanz.de 27. 07. bis 30.07.2016 Weinfest An zahlreichen Ständen von regionalen Winzern, Wirten, Gastronomen und Vereinen können Weinfreunde edle Tropfen aus der Region und Übersee genießen. www.weinfest-konstanz.de

und weiter auf das Weihnachtsmarkt-Schiff lädt ein buntes, vorweihnachtliches Treiben zum Besuch ein. www.weihnachtsmarkt-am-see.de

Aktionen entführt die Besucher für eine Nacht in der ganzen Stadt in die spannende Welt der Wissenschaft. www.konstanzer-wissenschaftsnacht.de

31.12.2016 Silvester am See Mit einem großen Seefeuerwerk heißen die Konstanzer den Jahreswechsel willkommen. Ob an Land oder zu Wasser auf einem der zahlreichen Silvesterschiffe, am See ist der Start ins neue Jahr immer ein Highlight.

25.05. bis 28.05.2017 HandWerkStadt Verschiedene Handwerksbetriebe präsentieren in offenen Werkstätten ihr Können - die Besucher können dabei den Meistern ihres Faches über die Schulter schauen. www.hwk-konstanz.de/handwerkstadt

10.08. bis 13.08.2016 Sommernächte/Seenachtfest Das größte Sommerfest am Bodensee zieht Jahr für Jahr Tausende von Besuchern aus der Region an. Höhepunkt ist das größte, grenzüberschreitende Seefeuerwerk Europas, bei dem der nächtliche Bodensee zur Kulisse wird. www.seenachtfest.de, www.sommernaechte.com

Februar 2017 Fasnacht Ho Narro – so begrüßen die Narren die fünfte Jahreszeit, die schon seit dem Spätmittelalter in Konstanz Tradition hat. In den „wilden Tagen“ gehört die Stadt denen, die sich auf die närrische Atmosphäre einlassen. www.butzenlauf.de

20.08.2016 Rock am See Das größte Open-Air Rock Festival direkt am See feiert in diesem Sommer das 30-jährige Bestehen mit Auftritten von MUSE, THE LIBERTINES, BAD RELIGION und vielen mehr. www.rock-am-see.de

März 2017 BSB Saisoneröffnung Jedes Frühjahr, wenn die Schifffahrtsunternehmen für den Bodensee und Rhein ihren Betrieb aufnehmen, treffen sich sechs österreichische, deutsche und Schweizer Schiffe zur großen Flottensternfahrt. Ein spektakulärer Saisonauftakt mitten auf dem See. www.bsb.de

16.09 bis 03.10.2016 Konstanzer Oktoberfest In Dirndl und Lederhosen genießen über 100.000 Besucher jedes Jahr bei Maß und Musik die zünftige Stimmung direkt am See. www.oktoberfest-konstanz.de 30.09. bis 02.10.2016 Europäische Avantgarde um 1400 Weltweite Spitzenensembles lassen Musik aus der Konzilzeit auf historischen Instrumenten an Schauplätzen des Konzils erklingen. www.konstanzer-konzil.de 09.10.2016 Verkaufsoffener Sonntag www.treffpunkt-konstanz.de 06.10. bis 12.10.2016 Illuminationen Die mittelalterliche Stadt wird mit der Abenddämmerung zum lebendigen Schauplatz. Lichtkunst live erleben. www.konstanzer-konzil.de 24.11. bis 22.12.2016 Weihnachtsmarkt Von der Marktstätte bis an den Hafen 96 KONSTANZ MAGAZIN

18.03. bis 19.03.2017 Gesundheitstage „Gesundheitstage Bodensee“ – die neue Konstanzer Messe bietet den exklusiven Begegnungsrahmen für Fachpublikum und Ratsuchende im Bodenseeforum. www.gesundheitstage-bodensee.de 02.04.2017 Verkaufsoffener Sonntag www.treffpunkt-konstanz.de

25.05. bis 28.05.2017 Gräfliches Inselfest Mainau Beim Gräflichen Inselfest heißt es jedes Jahr „Bummeln, Einkaufen, Genießen“. Über 70 nationale und internationale Aussteller bieten alles rund um das Thema „Trends & Lifestyle für den Gartenliebhaber“. www.mainau.de 08.06. bis 11.06.2017 Internationale Bodenseewoche Vier Tage mit spannenden Segelregatten und Ruderwettkämpfen, Wasserski-Shows, einer Ausstellung rund um den Wassersport und zahlreichen Darbietungen an Land und auf dem Wasser. www.internationale-bodenseewoche.com 14.06. bis 25.06.2017 Zeltfestival Zehn Tage voller Musik und guter Unterhaltung erleben die Besucher beim Zeltfestival und Street Food-Festival in Konstanz. www.zeltfestival.com 24.06. bis 25.06.2017 Grenzüberschreitender Flohmarkt Der grenzüberschreitende 24-Stunden-Flohmarkt ist einer der schönsten und größten in Deutschland und der Schweiz. Rund um die Uhr kann gefeilscht, gelacht und entdeckt werden. www.flohmarkt-konstanz.de

08.04. bis 29.10.2017 Zu Gast bei Juden. Leben in der mittelalterlichen Stadt Ausstellung der Uni Konstanz in Zusammenarbeit mit dem Archäologischen Landesmuseum zur jüdischen Geschichte in der Bodenseeregion im Archäologischen Landesmuseum. www.konstanz.alm-bw.de

07.07. bis 23.07.2017 La Juive Die Oper zum Konstanzer Konzil kehrt an den Originalschauplatz des Geschehens zurück: Eine Klanginszenierung im Stadtraum. www.konstanzer-konzil.de

13.05.2017 Lange Nacht der Wissenschaft Ein abwechslungsreiches Angebot an vielen Präsentationen, kniffligen Aufgaben und aufregenden Mitmach-

Neben dieser Auswahl gibt es eine Übersicht unter: www.konstanz.de/tourismus


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Konstanz Magazin 2016