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Kirchen, Klöster & Konzil Zisterzienserkloster

Salem

Konzilstadt

Kloster St. Georgen

Stein am Rhein

Konstanz

Kartause

Ittingen

Bodensee Kirchenbesucher

Westlicher Bodensee Klosterinsel

Reichenau

Kirchen und Klöster

Thurgau

Himmelreich des Barock

Oberschwäbische Barockstraße Stiftsbezirk Klosterstadt St.Gallen Meßkirch

NEU D/A 5,– EUR CH 6,– CHF

TIPPS · TERMINE · ROUTEN


Basilika Weingarten, Foto: Andreas Riedmiller

Impressum ISBN 978-3-944741-53-6 Bodensee Magazin spezial „Kirchen, Klöster & Konzil“ ist eine Publikation der Labhard Medien GmbH Max-Stromeyer-Straße 116 D-78467 Konstanz Tel. +49 (0) 7531 9071-0 verlag@labhard.de www.labhard.de Geschäftsführung Thomas Willauer twillauer@labhard.de Gabriele Schindler gschindler@labhard.de

Autoren Wenn nicht anders vermerkt, wurden uns die Texte von den beteiligten Projektpartnern zur Verfügung gestellt. Layout Brigitte Otto büro 46 Produktion Stephan Bickmann sbickmann@labhard.de

Vertrieb Katharina Schlude kschlude@labhard.de Kartografie map solutions © GmbH, Karlsruhe Druck Druckerei Ferdinand Berger & Söhne GmbH A-3580 Horn

Titelbild Münster Unserer Lieben Frau Konstanz Foto: Achim Mende, Überlingen Bild Rückseite: Klosterkirche Kartause Ittingen Foto: Sandro Schmid Fotos Wenn nicht anders vermerkt, wurden uns die Fotos von den betreffenden Projektpartnern zur Verfügung gestellt.

Wir bedanken uns bei allen Projektpartnern. Die Seiten der Interreg-Projektpartner 7 bis 77 und 93 bis 97 sind gefördert aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung.

© Labhard Medien, 2018


Editorial

Inhalt

Editorial / Inhalt................................. 1 Einführung......................................... 3 Klösterregion Bodensee – Wiege europäischer Kultur

Orte der Gottsuche................................ 7 Über alle Landesgrenzen hinweg ist die Bodenseeregion in ihrer Gesamtheit von Kirchen und Klöstern geprägt. Kirchen und Klöster waren von je her Zentren der Macht, nicht nur aufgrund ihres finanziellen Reichtums, sondern vor allem wegen ihrer geistigen Werte. Mit ihrem in Bibliotheken dokumentierten Wissensschatz, ihren ebenso unterschiedlichen wie eindrucksvollen Bauwerken, war die Region rund um den Bodensee Ausgangspunkt europaweiter kultureller und politischer Entwicklungen von wirklich historischer und schließlich europäischer Dimension.

Klöster am Bodensee

Mönche, Nonnen und ihre Klöster haben seit dem frühen Mittelalter die Landschaft rund um den Bodensee maßgeblich gestaltet. Ihre besondere Wirtschafts- und Lebensweise hat hier nicht nur eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen, sondern auch wichtige Impulse für gesellschaftliche Neuerungen gegeben.

Bodensee Kirchenbesucher

Die Welt heute ist schnelllebiger, die Zeiten hektischer. Immer mehr Menschen fragen nach ihren Wurzeln. Aus diesem Grund haben die Touristiker der Bodenseeregion in enger Kooperation mit den katholischen Diözesen und den evangelischen Landeskirchen in Baden-Württemberg ein von der EU gefördertes Interreg-Projekt „Kirchen, Klöster und Konzil“ initiiert. Das kulturelle und architektonische Erbe der Region ist ein wahrer Schatz und auf den Spuren von Klosterbewohnern und Pilgern finden sich auch heute noch Antworten auf so manche Fragen des Lebens. Mit dem Projekt werden spannende Themen, kulturelle und architektonische Kostbarkeiten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

UNESCO-Weltkulturerbe – Stiftsbibliothek

Mit vielen aktuellen Terminen, Tipps und Routen können sich Gäste und Einheimische auf Spurensuche begeben. Dabei können sie in Konstanz das Münster „Unserer Lieben Frau“, die UNESCO-Welterbe­stätten Kloster­insel Reichenau und Stiftsbezirk St.Gallen, das Zisterzienserkloster Salem, die Kartause Ittingen, barocke Baukunst in Oberschwaben und Spuren des Mittelalters im Thurgau entdecken. Viele Kirchen und Klöster öffnen ihre Türen und Tore und bieten abwechslungsreiche Programme und spannende Veranstaltungen an. Es gibt viele Gründe die Kirchen, Klöster und Kapellen der Bodenseeregion zu besuchen. Die Bodenseelandschaft auf den Spuren von Mönchen und Nonnen, von Pilgern und Wallfahrern neu zu entdecken, ist ein besonderes Erlebnis.

Konstanz...........................................10 Stadt der Kirchen, Klöster und des Konzils

Klosterinsel Reichenau........................22 UNESCO-Weltkulturerbe, Eiland mit Geschichte

Westlicher Bodensee............................32 Thurgau........................................... 42 Kartause Ittingen ­– Klosteranlage St. Katharinental

St.Gallen...........................................58 Oberschwäbische Barockstraße............ 68 Himmelreich des Barock

Salem................................................78 Das Zisterzienserkloster Salem

Klosterstadt Meßkirch......................... 88 Campus Galli – Karolingische Klosterstadt Meßkirch

Stein am Rhein.................................. 90 Museum Kloster Sankt Georgen

Urlaub im Kloster............................... 93 Übernachten in Klöstern, Urlaub für die Seele

Karte................................................ 98 Touren............................................100 Chronologie...................................... 110 Glossar.............................................112

Ihr Team von Labhard Medien Stephan Bickmann

Editorial | Bodensee Magazin Spezial

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Klösterregion Bodensee

Wiege europäischer Kultur

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önche, Nonnen und ihre Klöster haben seit dem frühen Mittelalter die Landschaft rund um den Bodensee maßgeblich gestaltet. Ihre besondere Wirtschafs- und Lebens­weise hat eine einzigartige Kulturlandschaft geschaffen. Mit der landwirtschaftlichen Erschließung der seit der Römerzeit teilweise verödeten Gegenden, mit dem Wiederaufleben von Schriftlichkeit in den Klosterschreibstuben, mit dem Aufblühen der Wissenschaft, ja nicht zuletzt mit der Verbreitung des Christentums und der damit verbundenen geistigen und geistlichen Erneuerung geht ein enormer wirtschaftlicher und kultureller Aufschwung einher, der weit über die Region hinaus wirkte: Mit gutem Recht darf die Bodenseeregion als Wiege mitteleuropäischer Kultur gelten! IRISCHE WANDERMÖNCHE AUF ALTEN HANDELSSTRASSEN Was machte die Region für die Mönche so interessant? Der Bodensee war bereits seit frühester Zeit eine Drehscheibe für Handel und Verkehr. Seine günstige Lage am Nordrand der Alpen mit den Zugängen zu den wichtigsten Alpenquerungen und seine Anbindung an die nach Norden, Osten und Westen führenden Verkehrswegen machten ihn seit der Zeit der Römer zu einem der wichtigsten Verkehrswege der Region. Der Wasserweg bot die Möglichkeit, auch größere Mengen von Gütern kostengünstig zu transportieren. Dabei nahm Konstanz mit dem bis ins frühe Mittelalter zurückreichenden Bischofsitz eine zentrale Rolle ein. Das Bistum Konstanz, das sich von Brienz im Süden bis kurz vor Backnang im Norden, von Kempten im Osten bis Breisach im Westen erstreckte, war bis zu seiner Aufhebung 1821 eines der größten Flächenbistümer im Heiligen Römischen Reich. Die zentrale Lage von Konstanz war auch noch im Spätmittelalter unangefochten und dürfte einer der entscheidenden Gründe dafür gewesen sein, dass Konstanz von 1414 bis 1418 Konzilstadt war. Zwei Voraussetzungen machten die Ansiedlung von Mönchen und den Aufschwung der Bodenseeregion erst möglich: zum einen die Eingliederung der alemannischen Stämme und Stammesführer in das Frankenreich, zum andern die von den Frankenkönigen geförderte Missionstätigkeit iro-schottischer Mönche. Bereits Anfang des 7. Jahr­hunderts gelangte der Ire Columban in die Schweiz und an den Bodensee, wo er in Bregenz ein Kloster gründete, das allerdings bald wieder aufgegeben wurde. Columban selbst blieb nicht in der Region, sondern zog nach Italien weiter. Entlang der alten Verkehrswege im Rheintal und entlang der alten Römerstraßen schritt die Christianisierung voran. Den Anfang bildeten Einsiedeleien im 7. Jahrhundert, wie jene des (irischen?) Mönchs Gallus im damals unwirtlichen Hinterland des südlichen Bodensee­ ufers (heute St.Gallen). Gallus war im Gefolge des Columban an den Bodensee gekommen. Auf den Wandermönch und Missionar Pirmin wird eine ganze Reihe von Klostergründungen oder Klosterwiederherstellungen zurückgeführt. Sein Weg lässt sich von Neuweiler über Weißenburg, Maursmünster und Murbach im Elsass bis zur 724 gegründeten Reichenau verfolgen. Die geschützt auf einer fruchtbaren Insel im Gnadensee

gelegene Reichenau gelangte rasch zu großer Blüte. Das Kloster entwickelte sich zu einem geistlichen und kulturellen Zentrum. Von den klösterlichen Bauten blieben auf der Insel bis heute drei große Kirchen und die frühbarocke Klosteranlage von Mittelzell erhalten. KLÖSTER ALS KULTURELLE UND GEISTLICHE ZENTREN IM KAROLINGERREICH Als Reichskloster war die Reichenau in die Verwaltung des karolingischen Reichs eingebunden. Vergleichbar dem in Rätien gelegenen Müstair und dem von der Reichenau aus besiedelten Kloster Pfäfers im Bistum Chur bildete es eine wichtige Station am Weg vom fränkischen Reich nach Italien. 819 wurde auch das an der Stelle der Einsiedelei des Hl. Gallus von dem Hl. Otmar gegründete Kloster St.Gallen Reichskloster. Wohl in diesem Kontext entstand auf der Reichenau der für St.Gallen bestimmte St.Galler Klosterplan. Auf der Reichenau und in St.Gallen entstanden wichtige Bibliotheken, und in den Skriptorien der beiden Klöster wurden Handschriften geschaffen, die zu den bedeutendsten des Mittelalters zählen. Die St.Galler Bibliothek blieb bis heute erhalten und besitzt unter anderem bedeutende Fassungen der Regeln des hl. Benedikt aus dem frühen 9. Jahrhundert. In ihrem Bestand wurden auch wichtige spätantike Manuskripte, wie Vitruvs „de re aedificatoria“ (Über die Baukunst) überliefert, das im 15. Jahrhundert „wiederentdeckt“ wurde und die Architekturtheorie von der Renaissance bis heute beeinflusst hat. KONSTANZ – BISCHOFSITZ, STADT DER KLÖSTER UND STIFTE Kirchliches Zentrum bildete bis ins Spätmittelalter der Bischofsitz in Konstanz, der sich bis in die Zeit um 600 zurückverfolgen lässt. Den Dienst in der Kathedrale versah das Domstift, von dessen Gebäuden heute nur noch Teile des hochgotischen Kreuzgangs, der Kapitelsaal und die Domschule erhalten sind. Bischof Konrad I. (amt. 934–975) gründete noch das Mauritiusstift, für das die im Kern bis heute erhaltene Mauritiusrotunde nordöstlich des Münsters erbaut wurde. Dabei bestanden oft enge Verbindungen zwischen den Konstanzer Bischöfen zu den bedeutenden Abteien im Bodenseeraum. Wiederholt waren Konstanzer Bischöfe zugleich Äbte in St.Gallen oder auf der Reichenau. Die Kathedrale des Bistums, das Münster in Konstanz, wurde im 11. Jahrhundert weitgehend neu errichtet. Die unter den Bischöfen Lambert und Rumold ausgeführten östlichen Bauteile, die 1058 geweiht wurden, sowie das etwas jüngere, 1089 geweihte Langhaus sind bis heute in großen Teilen erhalten. Sie zählen zu den bedeutend­ sten Bauten dieser Zeit im Bodenseeraum. Zur Infrastruktur der Bischofstadt gehörte auch eine Reihe von Klöstern und Stiften, die als Abbild der Hauptkirchen Roms interpretiert werden. Das 983 von Bischof Gebhard II. gegründete Kloster Petershausen (in dessen barocken Klostergebäude heute das Archäologische Landesmuseum untergebracht ist), war Teil dieses ‚Konzepts’ nach dem Vorbild der römischen Hauptkirchen.

Oberschwaben, Deckenfresko Basilika Weingarten

Einführung | Bodensee Magazin Spezial

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ZEIT DER REFORMEN: BENEDIKTINER, ZISTERZIENSER, PRÄMONSTRATENSER Im 10./11. Jahrhundert erlebte das benediktinische Mönchtum eine Blütezeit, die auch am Bodensee ihre sichtbaren Spuren hinterlassen hat. Besonders aufwendig waren die Anlagen des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Um das bis heute erhaltene Münster gruppierte sich eine ganze Reihe von Kapellen, die eine ganze Kirchenfamilie bildete. Der betont schlicht gehaltene Bau ist ganz vom Geist der Klosterreformen des späten 11. Jahrhunderts geprägt. In dieselbe Zeit reicht das Kloster St. Georgen in Stein am Rhein zurück. Aus der Frühzeit des Klosters haben sich die romanische Klosterkirche und Teile des Kreuzgangs erhalten. Auch die Propstei Wagenhausen bei Stein am Rhein wurde im 11. Jahrhundert gegründet und besitzt noch die Klosterkirche aus der Gründungsphase. Ebenfalls in diese Zeit der Klosterreformen fällt die Stiftung des welfischen Hausklosters Weingarten im Jahr 1056. Die gewaltige romanische Kirche wurde zwar im 18. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt, doch kann der Rest der südlichen Seitenwand heute noch einen Eindruck der ursprünglichen Größe vermitteln. Im 12. Jahrhundert breiteten sich die Reformorden der Zisterzienser und Prämonstratenser auch im Bodenseeraum aus. Während die Prämonstratenser mit ihren Stiften in Weissenau, Schussenried, Obermarchtal und Roggenburg eher in Oberschwaben angesiedelt waren, verfügten die Zisterzienser mit dem 1134 gestifteten Kloster Salem und dessen Tochterkloster Wettingen über zwei bedeutende Niederlassungen in der Nähe des Bodensees und des Hochrheins. Vor allem Salem erlangte im 13. und 14. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung, die sich bis heute in dem hochgotischen Münster dokumentiert. KLÖSTER IN DEN STÄDTEN – DIE BETTELORDEN Das 13. und 14. Jahrhundert war die große Zeit der Bettelorden, allen voran die Dominikaner und Franziskaner, die sich entlang der Hauptverkehrswege ausbreiteten. So verwundert es nicht, dass sich beide Orden früh in Konstanz niedergelassen und dort bereits im 13. Jahrhundert sehr stattliche Klöster errichtet haben. Das ungewöhnlich große Dominikanerkloster, das auf einer Insel der Stadt vorgelagert ist, wird heute als Inselhotel genutzt. In der umgebauten Klosterkirche befinden sich beachtliche Reste von Wandmalereien aus dem 13. und 14. Jahrhundert. Im Zentrum der Hotelanlage liegt der (stark restaurierte) Kreuzgang aus dem 13. Jahrhundert.

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Bodensee Magazin Spezial | Einführung

Das bedeutende Franziskanerkloster ist ebenfalls in weiten Teilen erhalten und wird heute als Schulgebäude genutzt. Auch die Frauenklöster der beiden Orden waren in der Region vertreten. Von diesen, oft kleinen geistlichen Gemeinschaften kann das 1269 gestiftete Dominikanerinnenkloster Zoffingen (Konstanz) auf eine ununterbrochene klösterliche Tradition bis heute zurückblicken. Neben den Franziskanern und Dominikanern siedelten sich in der Bischofstadt 1268 auch die Augustinereremiten an. Von deren Niederlassung hat sich die heute barockisierte Klosterkirche, die heutige Dreifaltigkeitskirche, mit ihren bedeutenden Wandmalereien aus der Zeit des Konstanzer Konzils erhalten. KLÖSTER IN DEN STÄDTEN – ZEIT DER RENAISSANCE Im 15. Jahrhundert entwickelte sich eine neue, moderne Wohn- und Lebenskultur in den Städten, die auch in den Klöstern einzog. In den Jahren 1436 bis 1555 wurde die neue Kirche des Chorherrenstifts Radolfzell (heute Pfarrkirche) erbaut. In dieselbe Zeit datiert der Bau der Chorherrenstiftskirche St. Pelagius in Bischofszell. Der in den Jahren 1487 bis 1519 nach einem Brand errichtete Neubau des Benediktinerklosters Mariaberg bei Rorschach, mit seinen prachtvollen Steinmetzarbeiten gilt als der wohl am besten erhaltene spätgotische Klosterneubau im Bodenseeraum. Ebenfalls noch im 15. Jahrhundert begonnen wurde der Neubau des Konventsgebäudes von Kloster Weingarten, das heutige Alte Kloster in Weingarten. Die in seltener Vollständigkeit erhaltene Abtei St. Georgen in Stein am Rhein erlaubt einen Einblick in das Klosterleben eines städtischen Benediktinerklosters zu Beginn der Neuzeit. Die Räume der Äbte Jodokus Krum und David von Winkelsheim der Benediktinerabtei St. Georgen in Stein am Rhein mit ihren wertvollen Renaissanceausstattungen dokumentieren den hohen Wohnstandard jener Jahre. STRENGE ASKESE: KARTÄUSER – EINSIEDLER IM KLOSTER Eine besondere asketische Form des Klosterlebens praktizierten die Kartäuser. Sie legten ein umfassendes Schweigegelübde ab und widmeten sich vollkommen dem kontemplativen Leben. 1461 wurde den Kartäusern das ehemalige Augustinerchorherrenstift Ittingen übergeben. Die Niederlassungen der Kartäuser zeichnen sich dadurch aus, dass jedem der Brüder ein eigenes Gebäude mit kleinem Garten zur Verfügung steht, die entlang des Kreuzgangs angeordnet sind. Diese spezielle Architekturform ermöglicht dem Mönch ein Leben als Eremit im Kloster. Wesentliche Teile der Ittinger Anlage entstammen dem 17. Jahrhundert. In Buxheim, nördlich des Bodensees, hat sich eine zweite bedeutende Kartause erhalten.


Fotos: Achim Mende

Klosterinsel Reichenau, St. Peter und Paul (links) St.Gallen mit Stiftsbezirk und Alpenpanorama (Mitte) Wallfahrtskirche Birnau (rechts)

ABSCHIED VON DER ASKESE? KLÖSTER IM BAROCK Das ausgehende 16. und frühe 17. Jahrhundert war für den Bodensee­ raum eine Zeit wirtschaftlicher Prosperität. Der Wohlstand spiegelt sich in den zahlreichen anspruchsvollen Neubauten jener Zeit. Die vermutlich größte in dieser Zeit gebaute Anlage, Abtei- und Konventgebäude des Zisterzienserklosters Salem, fiel leider 1697 einem Brand zum Opfer. Im 17. Jahrhundert breiteten sich vor allem unter dem Eindruck der Schrecken des Dreißigjährigen Kriegs in den Städten neue Reformorden wie die Kapuziner aus, von denen sich bedeutende Anlagen nicht nur in Rottweil und Riedlingen, sondern auch in Überlingen erhalten haben. Die Bauten der Kapuziner sind betont schlicht gehalten und bieten einen programmatischen Gegenentwurf zu den zeitgenössischen frühbarocken Anlagen der anderen geistlichen Niederlassungen. Das 18. Jahrhundert bildete nochmals einen Höhepunkt der klöster­ lichen Kultur am Bodensee. In den großen Reichsabteien entstanden umfangreiche und repräsentative Neubauten. Zu den ersten Anlagen zählt der durch einen Brand notwendig gewordenen Neubau des Klosters Salem. 1715 wurde mit dem schon seit längerer Zeit geplanten Neubau in Weingarten begonnen. Die Klosterkirche ist zugleich der größte barocke Kirchenbau Oberschwabens. Auch in St.Gallen hatte man sich schon seit längerem mit Baugedanken getragen, als schließlich 1750 mit dem Bau der heutigen Stiftskirche begonnen wurde. Der Deutsche Ritterorden entwickelte im 18. Jahrhundert gleichfalls eine rege Bautätigkeit in Altshausen und auf der Mainau, wo residenzartige Anlagen entstanden.

KLÖSTER PRÄGEN STÄDTE UND LANDSCHAFT Die Bautätigkeit der Klöster umfasste auch die zu den Klöstern gehörenden Pfleghöfe, die das Bild der Städte mitprägten, sowie Pfarr­kirchen und die Wallfahrtskirchen. So entstanden die Birnau als Wallfahrtskirche des Klosters Salem, die Wallfahrtskirche Baitenhausen bei Meersburg und Steinhausen als Wallfahrt des Prämonstratenserstifts Schussenried. Viele Klöster besaßen seit dem Mittelalter Weinberge an den Ufern des Sees, so die oberschwäbischen Abteien Irsee, Ochsenhausen, Ottobeuren, Schussenried, Weingarten und Weissenau sowie die schweizerischen Abteien Einsiedeln und St.Gallen. Zu den Weinbergen gehörten Verwaltungsbauten, Torkel (Weinpressen) und große Keller. Die Schlösser Hersberg und Kirchberg dienten der Verwaltung klösterlicher Weinberge der Abteien Ochsenhausen und Salem. Pfleghöfe der Klöster Einsiedeln, Irsee, Salem, Schussenried und Weingarten haben sich in Sipplingen und Hagnau erhalten. Im 18. Jahrhundert erlebten die naturwissenschaftlichen Sammlungen, die Bibliotheken und die Schulen der Klöster eine neue, letzte Blüte. Für die bedeutenden Bibliotheksbestände wurden neue prachtvolle Räume geschaffen. Vor allem in den spätbarocken Büchersälen, wie in der Fürstabtei St.Gallen, wurden theologische, philosophische und ordensgeschichtliche Themen zu komplexen Bildprogrammen verwoben. Bereits vom Geist der Aufklärung geprägt ist der klassizistisch umgestaltete Bibliotheksaal in Salem. Im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts verbreiteten gerade die Klöster die neuen Formen des Frühklassizismus im Bodenseeraum. Allen voran ist die Zisterzienser­ abtei Salem zu nennen. Die Säkularisation um 1803 setzte der klösterlichen Kultur im Bodenseeraum ein jähes Ende. Nur an wenigen Orten blieben die Klostergemeinschaften erhalten oder wurden wieder- und neugegründet (wie zum Beispiel das Zisterzienserkloster Mehrerau in Bregenz, das Zisterzienserpriorat in Birnau oder Kloster Hegne). Doch bereits zu früheren Zeiten verfiel so manches Kloster zu Ruinen, Klöster wurden aus unterschiedlichen Gründen aufgegeben, Besitz verkauft, andere Formen des Zusammenlebens und Wirtschaftens erschienen zeitgemäßer. Doch haben die Mönche und Nonnen der Bodenseeregion zu ihrer einzigartigen Kulturlandschaft verholfen, wie sie sich heute in ihrer ganzen Schönheit präsentiert. Text: Ulrich Knapp

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Orte der Gottsuche

Klöster am Bodensee

„Unruhig ist unser Herz, bis es ruht in Gott“. So beschreibt der Kirchenlehrer Augustinus die uralte Sehnsucht des Menschen nach Gott. Eine besondere Form der Gottessuche ist das Leben im Kloster: in einer verbindlichen Gemeinschaft, durch Ordensregeln geleitet und geprägt von einem Rhythmus aus Gebets- und Arbeitszeiten. Es ist ein bewusstes Sich-Herausnehmen aus dem Trubel der Welt und eine tägliche Neuausrichtung zu Gott hin – ein Kontrast zur weltlichen Lebensweise. Heute stehen die Klöster vor neuen Herausforderungen: In den letzten Jahrzehnten hat in Europa die Bedeutung der Religion im Alltag der Menschen abgenommen, und die Klöster sind mit Nachwuchsproblemen konfrontiert. Gleichzeitig ist das Bedürfnis nach Sinnfindung in der Gesellschaft größer geworden. Die Klöster in der Bodenseeregion haben ihren eigenen Weg gefunden, auf das neu erwachte Bedürfnis nach Spiritualität zu antworten.

„EUER KLOSTER IST DIE WELT“ – FRANZISKANERINNEN VON REUTE „Unser Auftrag ist es, zu den Menschen zu gehen, zu denen, die niemanden haben, denen es am Notwendigsten fehlt“, beschreibt Sr. Birgitta Harsch den Dienst ihrer Ordensgemeinschaft. Sie ist Franziskanerin im oberschwäbischen Kloster Reute. Mit den Worten „die Welt ist euer Kloster“ hat der Hl. Franziskus seine Ordensbrüder und -schwestern aufgefordert, aus der Klostergemeinschaft heraus aktiv zu handeln. „Franziskus wollte Menschen die von Gott gegebene Würde zurückgeben“, erzählt Sr. Birgitta. „Das ist unser Kernauftrag.“ Im Kloster Reute folgen die Schwestern diesem Auftrag in verschiedenen Bereichen. Sie nehmen seelsorgerische Aufgaben wahr oder arbeiten in der Alten-, und Krankenpflege, in der Hospizbewegung, mit Flüchtlingen, in der Bildung, in handwerklichen Berufen, in der Hauswirtschaft und in der Verwaltung. Mitte des 19. Jahrhunderts waren in das 1786 aufgelöste Kloster Reute erneut Franziskanerinnen eingezogen. Heute leben hier etwa 170 Schwestern. Jeden Tag versammeln sie sich zu gemeinsamen Gebetszeiten – eine intensive Gemeinschaftserfahrung, wie Sr. Birgitta betont. Ein klösterliches Lebenskonzept wird oftmals mit eingeschränkter persönlicher Freiheit assoziiert. Doch diesem Vorurteil widerspricht Sr. Birgitta: „Ich fühle mich frei, weil ich hier, mit dem was mich ausmacht, einfach sein darf. Und das Evangelium macht mich auch frei. Es gibt mir Ausrichtung

und Halt. Es hilft mir, meinen Alltag zu leben, zu entscheiden, zu handeln und zu reagieren. Aber ich muss mich täglich neu für diese Freiheit entscheiden und immer wieder neu darum ringen.“ Diese Freiheit stellt aber keinen Gegensatz zum Gehorsamsgelübde dar. Denn gehorsam zu sein bedeutet nicht einfach nur das Agieren auf eine Anweisung hin, sondern, wie Sr. Birgitta erklärt, „das Hören auf Gottes Stimme.“ Die Aktivitäten des Klosters Reute sind vielfältig. Dabei sind die meisten Angebote darauf angelegt, Menschen auf der Suche nach Gott zu unterstützen, sagt Sr. Birgitta: „Franziskanische Spiritualität ist eine Spiritualität der Menschwerdung. Die Menschen lechzen in unserer Zeit danach. Es gibt viel Interesse an den Klöstern, an den Orten, wo Stille ist, wo man nicht funktionieren muss, wo man so sein darf, wie man ist.“ Dabei geht es auch darum, den Suchenden einen Ort zu bieten, an dem sie entdecken können, was in ihnen steckt, was sie aus ihrem Leben machen wollen und wohin Gott sie führen will. Die Franziskanerinnen laden beispielsweise dazu ein, für eine Weile im Kloster zu verweilen und mit ihnen den Alltag zu teilen. „Wir haben ganz oft Menschen, die mit uns leben“, erzählt Sr. Birgitta. „Es sind junge Frauen, die mit eigenen Fragen kommen – Glaubensfragen; aber sie sind auch auf der Suche nach ihrem Lebenssinn und Lebensweg.“

Salem, Historiengemälde (links) Die Ordensgemeinschaft des Klosters Reute: Kräuter werden von Hand geerntet und verarbeitet (unten links), Das Backen von Hostien ist ein ursprünglich franziskanischer Auftrag (unten rechts)

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Altar der Egino-Kapelle (großes Bild) Stundengebet in der Egino-Kapelle Die Gemeinschaft der Cella St. Benedikt Pater Stephan im Gespräch Thomas Bachofner, Leiter von „tecum“ Raum der Stille Kartause Ittingen (von links nach rechts)

EINE OFFENE GEMEINSCHAFT – DIE CELLA ST. BENEDIKT AUF DER INSEL REICHENAU In Niederzell – am äußersten Ende der Insel Reichenau – steht St. Peter und Paul, eine der drei romanischen Kirchen. An deren Südseite befindet sich die Egino-Kapelle, in der sich jeden Abend die Gemeinschaft der Cella St. Benedikt zum Gebet versammelt. Die Kapelle ist klein und strahlt mit der Christus-Ikone und den Ampellampen im Chor eine ruhige und besinnliche Atmosphäre aus. Der Psalmengesang und der Klang der Zither füllen den Raum und bieten dem Besucher so die Möglichkeit, den Alltag hinter sich zu lassen, still zu werden und Gott im Gebet zu suchen. „Die Liturgie in der Egino-Kapelle ist das Herzstück der Cella St. Benedikt“, meint Pater Stephan Vorwerk, einer der Mönche. „Wir als benediktinische Gemeinschaft sehen unsere Mission im Stundengebet. Nicht nur für uns alleine, sondern geschwisterlich zusammen mit den Menschen – das ist unsere Besonderheit hier.“ Das tägliche gemeinsame Beten ist fest in der Reichenauer Gemeinde verankert und findet auch bei Urlaubern großen Anklang.

EVANGELISCHE SPIRITUALITÄT IN KLÖSTERLICHEM AMBIENTE – KARTAUSE ITTINGEN Auch Ittingen im Schweizer Kanton Thurgau ist ein Ort mit langer klösterlicher Tradition. Zuerst ein Chorherrenstift der Augustiner, wurde es im 15. Jh. ein Kloster der Kartäuser. Ab dieser Zeit entstand die Architektur, die sich dem Betrachter noch heute lebendig präsentiert. Im Jahr 1848 wurden das Kloster aufgehoben und die Güter verstaatlicht. Heute ist die Kartause eine Stiftung, die versucht, klösterliche Werte zu bewahren: Spiritualität, Kultur, Bildung, Fürsorge, Selbstversorgung und Gastfreundschaft. So beherbergen die Gebäude einen Gutsbetrieb, ein Seminarzentrum, ein Kunstmuseum, ein historisches Museum, ein Hotel mit Restaurant sowie ein Heim und einen Werkbetrieb für psychisch oder geistig beeinträchtigte Menschen. Seit 1982 hat auch „tecum“ hier seinen Sitz. Das Zentrum ist Teil der Evangelischen Landeskirche des Kantons Thurgau und widmet sich vier religiösen Aufgaben: Spiritualität, Erwachsenenbildung, Impulsen zur Förderung des Gemeindelebens sowie Betreuung von Gastgruppen.

Die Insel Reichenau und der Benediktinerorden sind seit Jahrhunderten eng miteinander verbunden. Seit dem 8. Jahrhundert gab es hier ein Kloster, das sich schon sehr bald zu einem bedeutenden religiösen und kulturellen Zentrum entwickelte. Nachdem das Kloster aufgelöst wurde und 1803 die letzten Mönche die Insel verlassen hatten, gab es hier über 200 Jahre lang keine Ordensgemeinschaft. Doch 2001 brachte Pater Stephan zusammen mit einem Mitbruder das benediktinische Leben auf die Reichenau zurück. Im Dezember 2017 kam Verstärkung in die Cella – zwei philippinische Benediktinerinnen bereichern nun die klösterliche Gemeinschaft. Gemeinsam sind sie für die Seelsorge der Pfarrgemeinde zuständig. Zur Insel hat Pater Stephan ein ganz besonderes Verhältnis: „Schon 1992, als ich zum ersten Mal hier war, hat mich die Reichenau fasziniert. Es hat mich in der Seele berührt, dass es hier einen spirituellen Kraftort gibt durch die Kirchen und das, was hier auf der Reichenau entstanden ist. Es hat mich von da an nicht mehr losgelassen.“

„Unser geistliches Leben kann nur ansatzweise mit dem eines Klosters verglichen werden“, beschreibt Thomas Bachofner, der Leiter von „tecum“, das gemeinschaftliche Miteinander. „Wir haben Morgen­ gebete am Mittwoch und Freitag um 7 Uhr und in wärmeren Jahreszeiten eine Atempause um 12 Uhr. Gemeinschaften auf Zeit entstehen während eines Wochenendseminars, eines Kurses oder eines Gottesdienstes.“ Hinsichtlich einer geistlichen Weggemeinschaft hat der Pfarrer der Landeskirche Thurgau eine Vision: „Mein Ziel ist es, dass einige Menschen sich bereit erklären, ins Dorf zu ziehen, um sich hier stärker einzubringen und das geistliche Leben mitzutragen – nicht im verbindlichen Sinne eines Ordens, aber schon mit gewissen gemeinsam erarbeiteten Regeln und einem gemeinsamen geistlichen Weg.“

Das Mönchsein begreift Pater Stephan als eine Suchbewegung nach Gott in der täglichen Arbeit, im Rhythmus des Tages, im Alleinsein und im Gebet. Dabei unterscheidet sich die kleine Gemeinschaft der Cella erheb­ lich von den großen Benediktinerabteien. „Wir sind keine Benediktiner, die hinter einer Klostermauer leben. Auf der Reichenau leben wir mit der Gemeinde, mit den dortigen Menschen, mit den Familien zusammen“, erzählt Pater Stephan. „Wir haben dennoch unsere Zellen, wo wir uns in Gebet und Stille zurückziehen. Aber wir sind ein Haus, in dem die Gastfreundschaft gepflegt wird, wo uns Menschen besuchen können; ein Haus, wo wir eine gewisse Offenheit und auch Flexibilität haben.“

In seinem Angebot lehnt sich „tecum“ besonders an die Spiritualität der Kartäuser an: Stille und Gebet. Noch heute ist die kartäusische Spiritualität im Klostergebäude omnipräsent. „Man hat das Gefühl, der Mönch ist gerade erst aus dem Raum gegangen – es zieht einen hinein“, beschreibt Thomas Bachofner die Atmosphäre in der Kartause. „Wir können an Jahrhunderte des Betens an diesem Ort anknüpfen. Aber es muss immer wieder neu zum Leben erweckt werden.“ Sophie zu Löwenstein / Norbert Kebekus

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Konstanz

Stadt der Kirchen, Klöster und des Konzils

Über 1.200 Jahre währte die Geschichte des ehemaligen Bistums Konstanz. Gegründet um 600, handelte es sich im Mittelalter um die größte deutsche Diözese, die von Stuttgart bis zum St. Gotthard-Pass wie auch von Freiburg bis Kempten reichte und 1414 bis 1418 Gastgeber des Konstanzer Konzils war. Aufgelöst wurde sie 1821. Hintergrund war eine Neuordnung der Bischofssitze und Bistumsgrenzen in Folge der politischen Veränderungen der Nach-Napoleon-Ära. In der Hochzeit des Bistums gab es in der Stadt Konstanz selbst ein knappes Dutzend Klöster und noch mehrere kleinere und größere Kirchen.


Fotos: Achim Mende


An der Hafeneinfahrt von Konstanz dreht sich vor dem Konzilgebäude die Statue mit dem Namen Imperia des Künstlers Peter Lenk, die mittlerweile zum Wahrzeichen der Stadt geworden ist. Honoré de Balzac erhob die einstige Römerin, ein Wunderweib ihrer Zeit, zu einer literarischen Figur des Konstanzer Konzils, bei dem sie als Kurtisane und Lebefrau zur heimlichen Herrscherin des Konzils wurde – oder wie Balzac es ausdrückt: „schon manche Mitra hat sie geplündert, manchen Krummstab seiner Zier beraubt.“ Ob es sich bei den beiden nackten Männlein mit Krone und Tiara um Sigismund und Martin V. handelt? Für Peter Lenk sind es zwei Gaukler, die sich die Symbole der Macht fälschlicherweise angeeignet haben.


Foto: Ulrike Klumpp

Foto: Dagmar Schwelle


Die Konstanzer Kirchenund Klosterlandschaft –

Offensichtliches und Verborgenes

Über 1200 Jahre währte die Geschichte des ehemaligen Bistums Konstanz. Gegründet um 600, handelte es sich im Mittelalter um die größte deutsche Diözese, die von Stuttgart bis zum St. Gotthard-Pass und von Freiburg bis Kempten reichte. Ein Höhepunkt war das Konstanzer Konzil von 1414 bis 1418. Drei Päpste erhoben zu dieser Zeit gleichzeitig Anspruch auf den Stuhl Petri. Um die Einheit der Kirche wiederherzustellen, kamen weltliche und geistige Machthaber in Konstanz zusammen und verwandelten die Stadt in ein theologisches und politisches Machtzentrum. Aufgelöst wurde das Bistum 1821. Hintergrund war eine Neuordnung der Bischofssitze und Bistumsgrenzen in Folge der politischen Veränderungen der Nach-Napoleon-Ära. In der Hochzeit des Bistums gab es in und um die Stadt Konstanz etwa ein Dutzend Klöster und noch mehrere kleinere und größere Kirchen. Noch heute gibt es auch an eher unbekannten oder leicht übersehbaren Ecken wahre Schätze zu entdecken.

DAS MÜNSTER UNSERER LIEBEN FRAU Die ehemalige Bischofskirche ist naturgemäß die größte Kirche in Konstanz. Sie besteht fast ausschließlich aus Sandstein, der in der Nähe der heute schweizerischen Stadt Rorschach gewonnen wurde. Im Kern ist der Bau eine romanische Säulenbasilika, die 1089 geweiht wurde. Während des Konstanzer Konzils war das Münster der wichtig­ ste Ort des Geschehens: Hier berieten sich die Konzilsteilnehmer in sogenannten „sessiones generales“ und trafen wichtige Entscheidungen, hier wurde Jan Hus als Ketzer zum Tode verurteilt und schließlich Martin V. zum neuen Papst gekrönt. Zugänglich ist das Münster täglich zwischen 10 und 18 Uhr. WESTWERK AUSSICHTSPLATTFORM Konstanz von oben: Wer die Gelegenheit und die körperliche Fitness hat, sollte unbedingt die 193 Stufen auf die in 52 Metern Höhe befindliche Plattform des Turmes steigen. Von hier aus hat man eine tolle Sicht auf die Konzilstadt, den See und in den Thurgau. Erstaunlich, wie viele Dachgärten es in der Altstadt gibt! Die Turmbesteigung ist möglich von Mitte März bis Mitte Oktober, werktags von 10.00 bis 17.30 Uhr sowie sonntags und an kirchlichen Feiertagen von 12.30 bis 18.00 Uhr. UNTERE MARGARETENKAPELLE Im Anschluss des Südquerschiffes befindet sich die seit einiger Zeit wieder öffentlich zugängliche Untere Margaretenkapelle. Trauen Sie sich ruhig, die oftmals zugezogene Tür zu öffnen! Erbaut wurde die Kapelle in den 20er-Jahren des 15. Jahrhunderts als Grabkapelle für Bischof Otto III. von Hachberg. Darin befindet sich das aufwändige Grabmal samt Liegefigur von Bischof Otto. Eingerahmt wird sie durch eine hervorragende farbige Wandmalerei, die in perspektivischer Darstellung eine Marienerscheinung über einer Art Balkonbalustrade zeigt. Unbedingt anschauen, aber Rücksicht auf Betende nehmen!

Innenraum des Konstanzer Münsters mit Blick auf Vierung und dahinter dem Hochchor (oben) Krypta des Konstanzer Münsters (unten)

„Der Fleck“ Nicht versteckt, aber doch leicht zu übersehen, befindet sich im Mittelschiff, nur einige Meter vom Westeingang entfernt, eine dunkle Verfärbung im Stein des Fußbodens. Einer Legende nach stand hier der Prager Reformator Jan Hus bei seiner Verurteilung als Ketzer während des Konstanzer Konzils. Hus war Priester und konnte deswegen erst zum Tode verurteilt werden, nachdem er laisiert wurde und somit kein Priester mehr war. Nachdem dieser Akt vollzogen war, fuhr angeblich der Teufel durch ihn hindurch in den Boden und hinterließ einen dunklen Fleck am Boden. Diese Geschichte hält sich nachhaltig.

KRYPTA Der älteste Bauteil des Münsters ist die sogenannte Winkelgangkrypta, die auf das Ende des 9. Jahrhunderts zurückgeht. Mit dem Erwerb der Reliquien des spätrömischen Märtyrers Pelagius Anfang des 10. Jahrhunderts und der Heiligsprechung des Konstanzer Bischofs Konrad 1123 wurde sie erweitert. Man gehe ruhig bis zum Ende durch und werfe einen Blick in den langen Gang, der ursprünglich vom südlichen Seitenschiff zugänglich war. Er diente dem leichteren Zugang zur Krypta.

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Foto: Kath. Altstadtpfarrein KN

Foto: Dagmar Schwelle


MAURITIUSROTUNDE Die Grundmauern der sogenannten Mauritiusrotunde stammen aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist ebenfalls über den Kreuzgang zugänglich. Nach vielen Neu- und Umbauten von Kirchenbauteilen in den folgenden Jahrhunderten wurde um 1300 das ursprüngliche Bodenniveau um ca. 1,65 Meter angehoben. Die Kapelle beherbergt ein Kenotaph. Dieses Heilige Grab beherbergt einen Schrein, der den Sarg Jesu Christi darstellt. Die Kapelle erinnert an die Grabeskirche in Jerusalem, die der Erbauer Bischof Konrad mehrfach besuchte. Man beachte die Statue des Apostels Jakobus oben auf dem Heiligen Grab: Er hält schon mehrere Stöcke und Pilgertaschen für die von hier nach Einsiedeln oder gar nach Santiago de Compostela aufbrechenden Pilger bereit.

DREIFALTIGKEITSKIRCHE Die ehemalige Klosterkirche der Augustiner-Eremiten stammt überwiegend aus dem 13. und 14. Jahrhundert und wurde im 18. Jahrhundert barockisiert. Bemerkenswert sind die während der Zeit des Konstanzer Konzils entstandenen Wandmalereien im Langhaus, welche neben Ordensheiligen auch eine Darstellung König Sigismunds, dem selbsternannten Schirmherrn des Konstanzer Konzils (erste Figur im Nordwesten) zeigt, der ab 1417 im Kloster Quartier nahm und drei Konstanzer Maler mit der Ausmalung beauftragte. 130 Jahre nach dem Bau der Kirche entstand ab 1399 ein weitgehender Neubau, dessen Bodenniveau jedoch wohl aus statischen Gründen um ca. 1,6 Meter erhöht wurde. Gleich nach dem Eingang gehe man nach rechts. Dort kann man in der Tiefe den ursprünglichen Baugrund erkennen. Die Dreifaltigkeitskirche befindet sich in der Sigismundstraße 17 und ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.

Foto: Dagmar Schwelle

SYLVESTERKAPELLE Im Kreuzgang befindet sich hinter einer Spitzbogentür die wunderschöne, fast vollständig ausgemalte Sylvesterkapelle. Dargestellt ist die Passion Christi beginnend mit dem Einzug Christi in Jerusalem bis zur Ausgießung des Heiligen Geistes (Pfingsten). Die Malerei stammt von 1472, musste allerdings schon nach hundert Jahren „restauriert“ werden. Neuerdings kennt man sogar den Auftraggeber der Malerei: Es war die reiche Ravensburger Familie Humpis. Lassen Sie sich auch hier durch die geschlossene Tür nicht von einer Besichtigung abhalten!

KLÖSTER IN KONSTANZ Von ehemals einem Dutzend Klöster hat sich in Konstanz nur mehr das Dominikanerinnenkloster „Zoffingen“ in der Niederburg erhalten. Die meisten Konvente wurden im späten 18. oder 19. Jahrhundert säkularisiert, so auch das ehemalige Dominikanerkloster auf der Insel. Schon ab 1236 konnten auf einer Insel vor den Toren der Stadt die Dominikaner ihre weitläufige Klosteranlage errichten. Während der Konzilzeit diente das Inselkloster zeitweise als Gefängnis für den Prager Reformator Jan Hus. 1785 verließen die letzten Mönche die Insel. Sämtliche Bauten wurden von der Genfer Immigrantenfamilie Macaire übernommen und als Tuchdruck- und Tuchfärbefabrik genutzt. Ein bedeutender Spross dieser Familie war Ferdinand Graf Zeppelin, der Erbauer der Luftschiffe. Er kam 1838 auf der Insel zur Welt. 1874 wurden die Gebäude in ein Hotel umgewandelt, und diesem Zweck dient es bis heute. Dennoch fanden hier 1966 die ersten Vorlesungen der neugegründeten Universität Konstanz statt. Nach der Umwandlung in ein Hotel wurde der Kreuzgang vom Stuttgarter Historienmaler Carl Häberlin mit Wandmalereien versehen, die bedeutende Ereignisse auf der Insel, beginnend mit den Pfahlbauten der Vorzeit bis zur Eröffnung des Hotels, darstellen. Eberhard von Zeppelin als Hotelchef und Auftraggeber bestimmte die Themen, die Häberlin zu malen hatte. Bei einigen Szenen jedoch ist man auf „fake news“ hereingefallen. Beispielsweise wurde der Heilige Pelagius – wenn überhaupt – nicht auf der Insel in Konstanz, sondern in Istrien ermordet. Andere fiktive Ereignisse folgen. Wahrheitsgetreu jedoch sind die dargestellten Konzilszenen. Man sollte übrigens keine Scheu haben, das Hotel zu betreten. Wenn keine Veranstaltungen im Kreuzgang stattfinden, kann man dort umherspazieren und die mittelalterliche Architektur ebenso wie die Geschichtsdarstellungen des 19. Jahrhunderts auf sich wirken lassen.

Konstanzer Stadtgarten mit Blick auf das Münster (oben) Innenraum der Dreifaltigkeitskirche (unten)

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Fotos: Dagmar Schwelle


Mittelalterliche Küche

Andere Zeiten, anderes Essen

Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit sahen die Gerichte aus der Küche noch etwas anders aus als heute. Während in Europa und überhaupt im angelsächsischen Bereich beispielsweise heute eher zurückhaltend gewürzt wird, konnten es früher nicht genug Zutaten sein, die den Geschmack der Grundbestandteile, also Fleisch oder Fisch, stark veränderten. Die Verwendung von Fleisch unterlag bei den unteren Schichten der Bevölkerung starken Schwankungen.

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ährend der Zeit des Konstanzer Konzils etwa konnte sich ein größerer Teil der städtischen Bevölkerung Rindoder Schweinefleisch leisten. Die ländliche Bevölkerung war oft auf den täglichen Gemüseeintopf angewiesen. Bei den Reicheren wurden Pfeffer, Zimt, Honig oder Safran in Mengen verwendet, die für uns heutzutage kaum genießbar wären. Auch die Zusammenstellung der Zutaten mutet manchmal merkwürdig an: „Stockfisch mit Rosinen, gesottener Aal mit Pfeffer, Hecht mit Senf. Dazwischen Pfeffer mit etwas Zucker vermischt, über Brot geröstet.“ Das als zweiter Gang eines Festessens! Ebenfalls gelobt wurden Gänge wie „Eiermus mit Pfefferkörnern, Safran und Honig, ferner Hirse, Gemüse, Hammelfleisch mit Zwiebeln und gebratenes Huhn mit Zwetschgen.“ In einer neapolitanischen Rezeptsammlung des 15. Jahrhunderts findet sich für festliche Gelegenheiten folgendes Gericht: Ein vom Federkleid vorsichtig befreiter Schwan wird mit einer Spanferkelfüllung, sprich fettem Speck, gehack­ter Leber des Spanferkels, Petersilie, Majoran, Pfeffer und „anderen guten Gewürzen“, Käse, Eier, Safran, Zwetschgen und reifen Trauben gefüllt. Der Schwan wird anschließend mit Gewürznelken gespickt, mit Speck ummantelt und gebraten. Dann wird das Federkleid von innen mit Gewürzen, Salz und Zimt eingerieben und dem Braten wieder übergezogen. Der Schwan wird mit Eisenstangen auf einem Holzbrett so befestigt, dass er aufrecht steht. Zum Abschluss noch ein Stofftüchlein in Kampfer und Alkohol getränkt und in den Schnabel gesteckt und vor dem Servieren angezündet – schon ist der „Feuerspeiende Schwan im Federkleid“ fertig. Eine besondere Schwierigkeit kam beim Kochen insbesondere nördlich der Alpen hinzu: Bis zu 140 Fastentage pro Jahr waren im 14. und 15. Jahr­hundert die Regel. Dann war der Genuss von Eiern, Milch, Käse und Butter und dem Fleisch von Warmblütern verboten. In südlichen Ländern gab es Olivenöl. In nördlichen Gegenden jedoch kochte und briet man mit Butter oder Schweineschmalz. Was tun? Wer genügend Geld hatte, konnte sich meist beim jeweiligen Bischof einen „Butterbrief“ kaufen, der es ermöglichte, auch die eigentlich verbotenen Zutaten zu verwenden. Übrigens galten Biber, Otter, Rohr- und Blesshühner als zu den Fischen gehörig. Was aber tun mit dem gemeinen Landhuhn? Hier riet schon der berühmte Abt Hrabanus Maurus im 9. Jahrhundert zu folgendem Vorgehen: „Rupfe es säuberlich, stürze es dann tief in einen großen Topf kochenden Wassers, bis es gar wird. Aus dieser Tiefe herauskommend, kann der Vogel wie alle anderen Schöpfungen des Meeres von geistlichen Personen gegessen werden.“ Außerdem sind die fliegenden Vögel doch am selben Tag erschaffen worden wie die Fische. Interessant auch die Begründung der heiligen Hildegard von Bingen für Geflügel als Fastenspeise: Geflügelfleisch sei unbedenklich, denn es stachle die Leidenschaften nicht auf. Mönche hatten noch andere Möglichkeiten: Kranke Mönche erhielten einen Dispens von den Fastenregeln. Der Krankenstand in den Klöstern war oft sehr hoch! In manchen Klöstern gab es auch einen sogenannten „Saal der Barmherzigkeit“, also einen Raum, der als nicht zum Kloster zugehörig deklariert wurde, sodass bestimmte Essensregeln dort nicht galten. Hohes Haus mit Blick auf St. Stephan (oben); Barriquefässer in der Spitalkellerei (unten) Richental-Chronik: Szenen zum Konstanzer Konzil; Quelle: Rosgartenmuseum Konstanz (rechts)

Übrigens waren auch die Tischregeln lange Zeit andere, so gab es z. B. bis ins späte Mittelalter die Gabel nur in größerer Ausgabe als Vorlegebesteck. Denn: „Fleisch mit einer Gabel zu essen“ kam der Auffassung gleich, dass „Gottes Geschöpfe es nicht wert sind, von des Menschen Hand berührt zu werden.“ Außerdem galt es als „weibisch“, nicht mit den Händen zu essen. Da hat Königin Barbara, die Frau König Sigismunds, während ihres Aufenthalts beim Konzil von Konstanz mit ihrer Essgabel für Aufsehen gesorgt!

Mit Kräutern und Gewürzen gegrillter „gefalteter“ Fisch Ein Rezept aus der Konzilzeit Zutaten 1 fetter Fisch pro Person (Makrele, große Sardine etc.) 1 Strauß Petersilie 1 Strauß frischer Salbei Olivenöl Salz Gewürzmischung 1 Tl Ingwerpulver ½ Tl Korianderpulver ¼ Tl Muskatnusspulver ¼ Tl gemahlener schwarzer Pfeffer Zubereitung Fische waschen und ausnehmen. Am Bauch öffnen, Rückengräte entfernen. Darauf achten, dass die Rückenhaut nicht verletzt wird. Auf allen Seiten salzen und 10 Minuten ruhen lassen. Dann die Haut großzügig mit der Gewürzmischung bestreuen. Die Fische umgekehrt falten, Haut gegen Haut, dabei einige Stengel Petersilie und Salbei dazwischen stecken. Mit Küchengarn festbinden. Einen kleinen Zweig Salbei in einige Löffel Olivenöl tauchen und das Fleisch bestreichen. Im Grill bei kleiner Hitze braten, von beiden Seiten je 5 Minuten. Das geröstete Fleisch darf nur leicht braun sein. Sofort servieren, wenn nötig, mit Salz.

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AUSKUNFT Marketing und Tourismus Konstanz GmbH Bahnhofplatz 43 / Bahnhof D-78462 Konstanz am Bodensee Tel. +49 (0) 7531 / 1330-30 kontakt@konstanz-info.com www.konstanz-tourismus.de www.konstanzer-konzil.de

ZUM THEMA Konzilstadt Konstanz 600 Jahre Konstanzer Konzil 2014-2018 1414 wurde Konstanz zur Konzil­ stadt. 2014 bis 2018 erinnerte die Stadt zum 600. Jubiläum an den größten Kongress des Mittel­ alters. Noch bis Ende Juli 2018 bietet das „Jahr der Kultur“ ein umfangreiches Kultur­programm, das einlädt sich mit der Geschichte des Konzils und der Rezeption in Kunst und Kultur zu beschäftigen. Auch im Anschluss der vierjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten bietet die Stadt am See Konzil­geschichte pur. Mit der Wahl von Martin V., der bis heute einzigen gültigen Papstwahl nördlich der Alpen, konnte das Konstanzer Konzil die Beendigung der Kirchenspaltung als seinen größten Erfolg feiern. Das vierjährige und weitgehend friedliche Miteinander tausender geistlicher und weltlicher Macht­ haber aus ganz Europa ist noch heute Leitbild für die größte Stadt am Bodensee. 600 Jahre später kann man bei einem Spaziergang durch die wunderschöne Altstadt die Zeit des Konzils und dessen Spuren erleben. Egal, ob man sich auf eigene Faust, unterstützt durch digitale oder analoge Leitsysteme, umfangreiche Konzilliteratur oder in Begleitung eines kompetenten Stadtführers auf den Weg ins Abenteuer Konstanzer Konzil macht.

STADTFÜHRUNGEN Ein lebendiges Zusammenspiel von Kultur, Geschichte und Natur ist Reichtum der größten Stadt am Bodensee. Der See, der Künstler und Künstlerinnen inspirierte, die historische Altstadt, die romantische Niederburg mit ihren engen Gassen, Galerien und kleinen Läden, und auch das schöne Alpenpanorama ziehen Jahr für Jahr viele Gäste und Neubürger an.

Im Rosgartenmusem ist u. a. die Konstanzer Ausgabe der Richental-Chronik zu bestaunen. Wenige Schritte weiter begegnen Sie in der Dreifaltigkeits­ kirche dem Mann, der das Konzil nach Konstanz brachte: König Sigismund beauftragte einheimische Künstler, sein Bildnis an die Wände der Kirche zu malen. Informationen rund um das Konstanzer Konzil, zur Geschichte und zu Personen sowie Literaturtipps und Veranstaltungstermine finden Sie unter: www.konstanzer-konzil.de

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Spannend, informativ, historisch: Facettenreiche Stadtführungen nehmen Gäste und Einheimische ganzjährig mit auf eine lebendige Zeitreise durch die größte Stadt am Bodensee. Eines der Highlights dabei: Das Konstanzer Konzil, das als herausragendes Ereignis vor 600 Jahren (1414-1418) noch heute überall in der Stadt präsent ist. Das Konzilgebäude, die Hafenfigur „Imperia“, der Hussenstein und weitere Sehenswürdigkeiten erinnern an dieses mittelalterliche Weltereignis. Mehr zur Konstanzer Geschichte gibt's auf den themenspezifischen Stadtführungen, die mit spannenden Anekdoten, echten Geheimtipps und allerlei Wissenswertem rund um Konstanz faszinieren... 600 JAHRE KONZIL Auf den Spuren des Konzils – von Päpsten, Ketzern, Kurtisanen Erlebbare Historie: Bei dieser Stadtführung erfahren TeilnehmerInnen alles rund um das Konstanzer Konzil und auch weniger bekannte Schauplätze werden erkundet.

Hus in Konstanz – Das Ende eines Reformators Drei Wochen lebte der Prager Reformator Jan Hus in Konstanz in Freiheit, bevor er gefangen gehalten und schließlich am 6. Juli 1415 öffentlich verbrannt wurde. TeilnehmerInnen begeben sich bei dieser Stadtführung auf die Spuren des Reformators und erleben seine Geschichte an Originalschau­ plätzen. Erkundet werden u.a. das Dominikaner- sowie Franziskaner­ kloster, der Münsterplatz und die Hussenstraße – alles Orte, an denen sich Hus aufhielt. Liebe und Fegefeuer Minne, Liebe und Bettgeschichten: Die Stadtführung „Liebe und Fegefeuer“ gibt einen spannenden Einblick in die Betten der Bürger­ Innen vor 600 Jahren. Teilnehmer­ Innen erfahren hier, wie Konstan­ zer trotz Tabus ihre Sexualität auslebten und welche Rolle das ritterliche Ideal der hohen sowie göttlichen Minne im Mittelalter für Kleriker und Adelige hatte. Zu Speis‘ und Trank im Mittelalter Festmähler, Armenspeisungen, Markttreiben, Latrinengruben, Kochrezepte und vieles mehr: Auf Spurensuche danach, was vor 600 Jahren während des Konstanzer Konzils gespeist und getrunken wurde, finden sich zahlreiche Schätze. Neben Bildern geben auch Preislisten, Abrechnungen und sogar Essensreste einen Einblick in die Ess- und Trinkgewohnheiten der Bevölkerung im Mittelalter.


www.eminhasirci.com

Sigismund, dem päpstlichen Sekretär und Humanisten Poggio Bracciolini, einer Konstanzer Fischersfrau oder dem spanischen Hofnarren und Spion des Königs von Aragon, Mossén Borra.

INSZENIERTE FÜHRUNGEN Ein Kardinal und der Sekretär des Papstes geben sich die Ehre Zeitzeugen der einzig gültigen Papst­wahl nördlich der Alpen er­zählen faszinierende Geschichten von dem, was während des Konstanzer Konzils – einem der größten Kongresse des europä­ ischen Mittelalters – geschah. Das Gespräch zwischen Guillaume Fillastre, dem letzten noch überlebenden Kardinal des Konstanzer Konzils; und dem Schriftsteller, Humanisten sowie Sekretär des Papstes, Poggio Braccio­lino, erwecken die Diskussionen und Geschehnisse der damaligen Zeit erneut zum Leben. Hofnarr, Spion und Richental – Ein Rundgang mit Augenzeugen Historischer Chronist des Konzils und Konstanzer Bürger: Augenzeuge Ulrich Richental nimmt TeilnehmerInnen mit auf eine Zeitreise in das historische Konstanzer Konzil vor 600 Jahren. Neben bedeutsamen Orten und Bauten begegnet er dabei weiteren bedeutsamen Protagonisten der damaligen Ereignisse, z.B. Königin Barabara, Ehefrau des römisch-deutschen Königs

Heiliger oder Ketzer? Mit Jan Hus auf Spurensuche Wahrheit oder Legende? Der böhmische Reformator, Hieronymus von Prag, der wie Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannte, begibt sich mit den TeilnehmerInnen dieser Stadtführung auf Spurensuche durch Konstanz. Er beantwortet u.a. die Frage nach dem Fleck im Münster, der nicht abwaschbar ist, deckt auf, ob sich sein Wohnhaus tatsächlich in der Hussenstraße befand und erklärt, warum Jan Hus letztendlich hingerichtet wurde. Mit dem Ritter unterwegs – Durch Konzilszeit und Mittelalter Ritter Schreckenstein und seine Welt: Ob Glauben oder Ängste, große Ereignisse oder alltägliche Dinge, gruselige oder heitere Legenden aus dem Spätmittelalter – diese Stadtführung bietet einen ausführlichen Einblick in die facettenreiche Ritterwelt. Die gemeinsame Reise geht dabei zurück bis zur Zeit des Konstanzer Konzils und lädt die TeilnehmerInnen ein, in dieses bunte Weltereignis einzutauchen. Termine, Preise und weitere Informationen: https://www.konstanz-tourismus. de/erleben-entdecken/kulturgeschichte/stadtfuehrungen.html

DER BESONDERE TIPP

Das Hus-Haus Das Hus-Haus ist seit über 200 Jahren in Konstanz Zentrum der Erinnerung an den tschechischen Gelehrten und Reformator Jan Hus. Weil er Kritik an den damaligen Kirchenverhältnissen übte, musste der Prager Theologe seine Lehre vor dem Konstanzer Konzil verteidigen. Am 6. Juli 1415 wurde er als Ketzer zum Tod auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Der 600. Todestag von Jan Hus war Anlass, die Dauerausstellung im Hus-Haus neu zu konzipieren. Die moderne und ansprechende Ausstellungs­ architektur regt BesucherInnen zum Mitmachen an. Ein Zeitstrahl führt sie auf zwei Stockwerken des Fachwerk­hauses durch die Lebensgeschichte von Jan Hus, seine Lehren und Reformansätze sowie seine Bedeutung für die tschechische und europäische Geschichte bis zur Gegenwart. In einem Raum können die Besucher ihr Wissen über Hus in einem Quiz er­proben, an anderer Stelle lädt eine Multimedia-Konsole zum Test ein: Wären Sie mit Ihrer Einstellung im frühen 15. Jahrhundert selbst als Ketzer verbrannt worden? Öffnungszeiten: 1.4. – 30.9.: Dienstag – Sonntag, 11 – 17 Uhr 1.10. – 31.3.: Dienstag – Sonntag, 11 – 16 Uhr Eintritt: frei, Führungen auf Anfrage www.konstanz.de

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Fotos: Achim Mende


U N E S CO - W E LT K U LT U R E R B E

Klosterinsel

Reichenau

Die Klosterinsel Reichenau wurde im Jahr 2000 in die Liste der Welterbestätten aufgenommen und von der UNESCO zum Kulturerbe der Menschheit erklärt. Die drei erhaltenen romanischen Kirchen sind heute noch sichtbarer Ausdruck der großen Vergangenheit der Abtei. Mit ihrer Architektur und den einzig­ artigen, sorgfältig restaurierten Wandmalereien von St. Georg in ReichenauOberzell gehören sie zu den Meisterwerken der europäischen Kunstgeschichte.


St. Peter und Paul ist eine im Jahre 799 durch Bischof Egino von Verona erbaute Säulenbasilika im Ortsteil Reichenau-Niederzell. Die Kirche, wie sie heute besteht, ist eine dreischiffige Basilika. Sie wurde im 11. Jahrhundert nach dem Abbruch der alten Peterskirche zum Teil auf den alten Grund­ mauern wieder errichtet.


Foto: Theo Keller


Eiland

mit Geschichte

Die Reichenau ist heute nicht nur als geschichtsträchtige Klosterinsel, sondern auch als Gemüse- und Ferieninsel bekannt. Mit einer Länge von 4,5 Kilometern und einer Breite von 1,5 Kilometern ist sie die größte der drei Bodenseeinseln. Auf der Hochwart, dem höchsten Punkt der Insel – 440 Meter über dem Meeresspiegel, aber nur 45 Meter über dem Seespiegel – genießt man die beste Rundumsicht.

i

m Süden bildet der Seerhein die Grenze zur Schweiz. Am gegen­ überliegenden Ufer erhebt sich der thurgauische Seerücken, in der Ferne erkennt man bei Föhnwitterung deutlich die Alpen. Im Westen schließen sich die Halbinsel Höri und der Zeller See an. Bei klarem Wetter reicht die Sicht bis in den Hegau mit seinen Vulkankegeln und weiter bis in die Ausläufer der Hegaualb. Richtet sich der Blick nach Norden, haben wir den Gnadensee vor Augen, dahinter die Hügelland­ schaft des Bodanrücks. Im Osten schließlich verbindet das Band der Pappelallee die Insel mit dem Festland. Sie durchzieht das Schilfmeer des Wollmatinger Rieds mit seinen vorgelagerten Flachwasserzonen.

DIE KIRCHEN ST. GEORG Anlass für den Bau der St. Georgskirche war ein Reliquiengeschenk. Abt Hatto III., der 896 im Gefolge König Arnulfs zu dessen Kaiser­ krönung nach Rom gereist war, erhielt dort von Papst Formosus das Haupt des hl. Georg. Hatto ließ die kostbare Reliquie auf die Reichenau bringen, wo sie ihren Platz in der Krypta der neuerrichteten Kirche fand. Mit dem heutigen schlichten Bau stehen noch große Teile der Basilika, wie sie im 9. Jahrhundert errichtet wurde.

Inmitten des Untersees erhebt sich die Insel mit ihren drei Ortsteilen, die sich um die drei erhaltenen Kirchen herum gruppieren. Südlich des ehemaligen Klostergeländes, in Reichenau-Mittelzell, liegt zwar schon seit Jahrhunderten das gemeindliche Siedlungszentrum, dennoch ist auffällig, dass die Insel keine geschlossene Siedlungsform besitzt. Die über viele Generationen hinweg erfolgte Realteilung hat die Siedlungslandschaft in kleine Parzellen gegliedert. Einzelhöfe, Weiler und Glashausflächen wechseln sich mit unbebauten Freiflächen ab. Sanft geschwungene Rebberge und in verschiedenen Grüntönen leuchtende Gemüseanbauflächen bestimmen das Erscheinungsbild.

DIE ABTEI Zur Zeit der Karolinger und Ottonen war das Inselkloster eines der bedeutendsten geistigen und kulturellen Zentren im Reich. Von adligen Stiftern mit großzügigen Schenkungen ausgestattet, besaß das Kloster eine ausgedehnte Grundherrschaft. Seine Äbte gingen als hochrangige Politiker in die Geschichte ein. Über Jahrhunderte fungierten sie als Berater der Könige und Kaiser, als Diplomaten und Gesandte. Häufig waren sie Erzieher oder Vertreter der minderjährigen Königssöhne. Abt Hatto III. beispielsweise war zeitweise Erzkanzler des Reichs und Vormund des sechsjährigen Königs Ludwig des Kindes. Ebenso gewichtig waren die Leistungen der Abtei auf dem Gebiet der Wissenschaft, der Dichtung, der Kunst und der Architektur. Bedeutend­ ster Vertreter der lateinischen Literatur war Walahfrid Strabo. Aus seiner Feder stammen zwei heute noch berühmte Werke. Die „Visio Wettini“ schildert in Hexametern die Jenseitsvisionen des Mitbruders Wetti; der „Hortulus“, eine lateinische Dichtung über den Gartenbau, gibt Einblick in die mittelalterliche Kräuterheilkunde. Im ehemaligen Klosterbezirk der Insel wurde ein „Kräutergärtlein“ angelegt, in dem die von Walahfrid beschriebenen Pflanzen zu sehen sind. Auf dem Gebiet der Buchmalerei erreichte die Klosterschule höchstes Niveau. Besonders die für Kaiser Otto II., Otto III. und Heinrich II. illustrierten Prachthandschriften erlangten weltweite Beachtung. Die wenigen erhaltenen, reich verzierten Codices werden in den jeweiligen Bibliotheken als unschätzbare Kostbarkeiten gehütet. Die zehn berühmtesten gehören seit 2003 zum Welterbe „memory of the world“.

Pirmin, der Klostergründer Im Jahr 724 erschien der Wanderbischof Pirmin, um auf der bis dahin unbewohnten, unwirtlichen, von dichtem Gestrüpp bewachsenen Insel Reichenau ein Kloster zu gründen. Aus Meaux bei Paris kommend und mit einem Schutzbrief des karolingischen Hausmeiers Karl Martell ausgestattet, wurde er in dessen Auftrag von den einheimischen Grafen auf die Insel geleitet, die ihm zum Wohnen geschenkt worden war. Der Legende nach hausten dort in sumpfigem Gelände wilde Tiere, Kröten und giftige Schlangen. Kaum aber, so heißt es in dem Bericht, berührte Pirmin den Boden des Eilands, da verließ das scheußliche Getier fluchtartig die Insel und stürzte sich ins Wasser. Drei Tage und drei Nächte soll die Flucht gedauert haben. Danach habe Pirmin mit vierzig Helfern begonnen, die Insel von dem dichten Gesträuch zu befreien, um sie in eine bewohnbare Stätte zu verwandeln.

Ankunft Pirmins auf der Insel, Gemälde von 1624 (oben). Wandmalereien in St. Georg (unten)

Insel Reichenau | Bodensee Magazin Spezial 29


Acht großflächige, mehr als vier Meter breite und über zwei Meter hohe Wandbilder im Mittelschiff illustrieren die Wundertätigkeit Jesu. Oben und unten schließen sich breite perspektivische Mäanderbänder an, seitlich werden die Bilder durch Ornamentfriese von­ ein­ ander getrennt. Zwischen den Fenstern befinden sich stehende Apostelfiguren. Unterhalb, in den Arkadenzwickeln, sind in Rundbildern Porträts von Äbten als „Stützen der Kirche“ im eigentlichen und im übertragenen Sinn dargestellt. Die acht Bildszenen stellen Wundertaten, Heilungen und Totenerweckungen dar und sollen dem Betrachter die Macht Jesu über Naturgewalten, Krankheiten, Leben und Tod vor Augen führen.

Die Kuhhaut

Ereignis auf die Reichenau gekommen war. Bischöfe und Adlige von nah und fern, die Prominenz der damaligen Zeit, sei in großer Zahl eingetroffen, um an den Feierlichkeiten teilzunehmen. Während Heitos Vierungsbau für lange Zeit unverändert blieb, wurde der Westteil der Abteikirche mehrfach umgebaut. Sein heutiges Erscheinungsbild erhielt das Westwerk unter Abt Berno. Es wurde kurz vor seinem Tod im Jahr 1048 in Anwesenheit Kaiser Heinrichs III. geweiht. Auch die Gestalt des offenen Dachstuhls stammt aus jener Zeit.

Der Niedergang der Abtei war mit dem wirtschaftlichen Abstieg wie auch mit dem Verfall des klösterlichen Lebens verbunden. Erst im 15. Jahrhundert setzte wieder ein geregeltes monasti­ sches Leben ein. Abt Fried­rich von Warten­ berg begann mit dem Bau des gotischen Chors im Osten des Münsters, der aber erst 1555 vollendet wurde. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts ließ Fürst­bischof Jakob Fugger neue Konvents­gebäude auf der Südseite des Münsters errichten. Nach der Fertigstellung der Anlage wurde das „Alte Kloster“ auf der Nordseite abgebrochen. Lediglich der Westflügel ist noch in Teilen erhalten. Die Fuggerschen „neuen“ Konventsgebäude dienen heute als Sitz der Gemeindeverwaltung, im dazugehörigen weitläufigen Keller keltert der Winzerverein den Reichenauer Wein.

Auch Profanes gibt es an den Wänden von St. Georg zu sehen. Oberhalb des Eingangs zur Krypta auf der Nordseite – ehemals die Frau­ enseite – sehen wir vier Teufel, die eine riesige Kuhhaut auseinanderbreiten. Ein fünfter Teufel sitzt darauf und versucht das, was die zwei etwas oberhalb dar­gestellten Frauen zu schwatzen haben, auf ihr niederzuschreiben. Das allerdings „geht auf keine Kuhhaut“. Die Malerei stammt aus dem 14. Jahrhundert.

Nach heutigem Wissensstand entstanden die Wandbilder in der zweiten Hälf­te des 10. Jahrhunderts. Sie gehören damit zu den frühesten Zeugnissen ihrer Art nördlich der Alpen und stehen im engen Zusammenhang mit der im Reichenauer Skriptorium entstandenen Buchmalerei, die um 1000 ihren Höhepunkt erreichte. Zahlreiche Details bei der Ausführung der Malerei und der Umgang mit einzelnen Motiven sind den Buch­illustrationen und den Wandmalereien gemeinsam. Dabei hatten die Wandmaler die Buchillustrationen nicht direkt kopiert, sondern waren in der Lage, frei und kreativ damit umzugehen.

Im Lauf der Geschichte waren die Malereien mehreren Bearbeitungen und teilweise auch schädigenden Renovierungen ausgesetzt. In den Jahren 1981–1990 wurden die Malereien in St. Georg mit modernsten wissen­schaftlichen Methoden eingehend untersucht und sorgfältig restauriert. Nach heutigen Maßstäben steht in denkmalpflegerischer Hinsicht die Erhaltung der Substanz an erster Stelle. Der hohe Besucher­andrang, der Feuchtigkeitsschwankungen und Turbulenzen hervorruft und damit die Verschmutzung fördert, stellt dabei für die Wandbilder eine große Belastung dar. ST. MARIA UND MARKUS UND DER EHEMALIGE KLOSTERBEZIRK Die von ihrem Ursprung älteste Kirche der Insel ist das Münster St. Maria und Markus, die einstige Abteikirche, an die sich ehemals der Klosterbezirk anschloss. Kirche und Klosteranlage haben sich über viele verschiedene Stadien zu ihrem jetzigen Erscheinungsbild entwickelt. Der einfache Holzbau des Klostergründers Pirmin wurde schon nach wenigen Jahrzehnten zu klein und noch im 8. Jahrhundert durch einen etwa 40 Meter langen Steinbau ersetzt. Nördlich davon schlossen sich ein Kreuzgang und ein zweigeschossiges Mönchshaus an. Bald schon wurden auch diese Bauten erweitert, denn in der Mitte des 9. Jahrhunderts zählte der Inselkonvent 134 Mönche. Während diese Klosteranlage nur noch in unterirdischen Spuren erhalten ist, können wir die Entwicklungsstufen der Abteikirche bis heute nachvollziehen. So stammen das östliche Querhaus und die Vierungsbögen aus der im Jahr 816 geweihten dreischiffigen Kreuzbasilika, die Abt Heito errichten ließ. In der damaligen Welt wurde der Neubau mit großem Interesse aufgenommen: Schon zwei Tage vor der Einweihung sei der See voller Schiffe gewesen, berichtet Walahfrid Strabo, der – selbst noch ein Kind – erst kurz vor diesem

ST. PETER UND PAUL Die nach ihrer Entstehungszeit zweitälteste Kirche, St. Peter und Paul, findet sich am westlichen Ausläufer der Insel. Als Gründung des ehemaligen Bischofs Egino von Verona, der aus alemannischem Adelsgeschlecht stammte, wurde sie am 2. Juni 799 geweiht. Im Vergleich zu den damals bestehenden Bauten auf der Insel muss sie ein regelrechter Prachtbau gewesen sein. Grabungen ergaben, dass sie eine größere Grundfläche hatte als die um 800 bestehende Abteikirche, die immerhin 100 Mönchen Platz bot. Auch die Reste von Wandmalereien und aufwändigem plastischem Schmuck lassen auf eine einem Bischof durchaus standesgemäße Ausstattung schließen. Die Kirche, wie sie heute besteht, ist eine dreischiffige Basilika. Sie wurde im 11. Jahrhundert nach dem Abbruch der alten Peterskirche zum Teil auf den alten Grundmauern errichtet. Ihr Innenraum war schon zu Beginn mit reichen Malereien ausgestattet. Die heute noch sichtbare Malerei in der Apsis stammt aus den Jahren 1104–1105 und ist in drei Zonen gegliedert. In der obersten Zone ist die Maiestas Domini dargestellt, begleitet von den vier Evangelistensymbolen. Rechts und links huldigen St. Petrus und St. Paulus. In der mittleren Zone finden sich die zwölf Apostel, von denen allerdings durch ein im 15. Jahrhundert eingefügtes Fenster nur noch zehn zu sehen sind, darunter sind Propheten abgebildet. Um 1750 erfuhr die Kirche eine umfassende Neugestaltung im Rokoko-Stil. Seit einigen Jahren besteht im ehemaligen Niederzeller Pfarrhaus wieder eine Benediktiner-Cella, deren Mönche heute die Pfarrseelsorge auf der Insel versehen. Gäste und Einheimische können an den Stundengebeten teilnehmen. Monika Spicker-Beck

St. Georgskirche (oben). Münster St. Maria und Markus (unten).

Insel Reichenau | Bodensee Magazin Spezial 31


Foto: Palik


Museum im „Alten Rathaus“ und neues Museumsgebäude (oben) Schatzkammer im Münster St. Maria und Markus (Mitte) Prozession anlässlich eines Inselfeiertages (unten links) Historische Bürgerwehr (unten rechts)

AUSKUNFT Tourist-Information Pirminstraße 145 D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 / 92 07-0 info@reichenau-tourismus.de www.reichenau-tourismus.de

Cella St. Benedikt Seit September 2001 gibt es wieder Benediktiner auf der Reichenau. Zunächst galt dieser Versuch, benediktinisches Leben auf der Insel wieder entstehen zu lassen, als Projekt für drei Jahre. Durch die positive Resonanz vieler Menschen wurde die Cella St. Benedikt 2004 offiziell als abhängiges Haus der Erzabtei Beuron errichtet und ist somit in die Ordensstruktur der benediktinischen Konföderation eingebunden. Zum Stundengebet der Mönche in der Egino-Kapelle der Kirche St. Peter und Paul in ReichenauNiederzell sind die Besucher der Insel herzlich willkommen. www.benediktiner-reichenau.de Inselfeiertage Die große Vergangenheit spiegelt sich heute noch in den drei Inselfeiertagen, an denen nach dem Hochamt im Münster St. Maria und Markus die Reliquienschreine aus der Schatzkammer, begleitet von der historischen Bürgerwehr und den Trachten, in einer Prozession über die Insel getragen werden. Markusfest 25. April Heilig-Blut-Fest Montag nach Dreifaltigkeitssonntag Maria Himmelfahrt 15. August

Fotos: Th. Keller, Reichenau

ZUM THEMA

DER BESONDERE TIPP

Museum Reichenau

Weltkulturerbe Klosterinsel Reichenau Die Inselbesucher können sich im MUSEUM REICHENAU in drei Museums­ einheiten über die herausragende kulturhistorische Bedeutung der Reichenau informieren. Gemeinsam mit den drei romanischen Kirchen bilden die Museen, die sich in unmittelbarer Nähe dazu befinden, ein „Informationsnetzwerk“ zum UNESCO-Weltkulturerbe „Klosterinsel Reichenau“. Zu den präsentierten Ausstellungsthemen gehören u.a. die Baugeschichte der Kirchen, die Dichtungen des Mönchs Walahfrid Strabo, der auf der Reichenau entstandene so genannte St.Galler Klosterplan, das Wirken des wissenschaftlich tätigen Mönchs Hermann des Lahmen und die Reliquienverehrung. Einen Schwerpunkt bildet die Darstellung der Reichenauer Buchmalerei. Öffnungszeiten aller Museumsgebäude: April–Oktober täglich jeweils 10.30–16.30 Uhr Juli+August täglich jeweils 10.30–17.30 Uhr Nov–März Sa, So, Feiertag jeweils 14.00–17.00 Uhr MUSEUM REICHENAU Ergat 1+3, D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 / 99 93 21 oder 92 07-0 info@museumreichenau.de www.museumreichenau.de

Insel Reichenau | Bodensee Magazin Spezial 33


Westlicher Bodensee

Bodensee Kirchenbesucher

Es gibt viele Gründe die Kirchen, Klöster und Kapellen in der Bodenseeregion zu besuchen – ob ihrer Baukunst wegen, als Pilger und Wallfahrer oder zur stillen Einkehr. Seit Jahrhunderten sind sie Kraft- und Zufluchtsorte, sie bieten auch heute noch Gelegenheit, sich von der Hektik des Alltags zu erholen und innezuhalten. Werden Sie Bodensee Kirchenbesucher, wandeln Sie auf den Spuren von Mönchen und Nonnen, von Pilgern, Wallfahrern und entdecken Sie die Bodenseelandschaft neu! Der Veroneser Bischof Radolt gründete 826 am Ufer des Bodensees seine kleine Zelle aus der die Stadt Radolfzell hervorging. Seiner Kirche schenkte er Reliquien dreier Heiliger, die noch heute als Hausherren hohe Verehrung genießen. 1436 errichtete die damals reichsfreie Stadt dieses prächtige spätgotische Gotteshaus.


St. Peter und Paul

in Hilzingen

In Hilzingen steht die schönste Rokoko-Dorfkirche der Boden­s­ee­region. Außen fein gegliedert, besticht sie innen durch ihre Klarheit: das sechsachsige Kirchenschiff ist vor der Chorwand korbbogenähnlich ausgeweitet und schafft so Raum für vier Neben­ altäre, die den Blick zum Hochaltar hin lenken. Die Akustik lässt sich eindrucksvoll bei den Konzerten des Hilzinger Barocksommer erleben. Am 3. Sonntag im Oktober, dem Erntedankfest, ist die Kirche reich geschmückt mit Bildern, die aus Früchten, Körnern und Samen gelegt sind.


Kirchen, Klöster und Kapellen

am Westlichen Bodensee

Die Suche nach Vergebung von Sünden, das Bedürfnis nach Schutz und damit verbunden die Verehrung von Heiligen oder der Wunsch, Dankbarkeit zu zeigen für eine wunderbare Heilung, das waren über Jahrhunderte hinweg treibende Kräfte für viele Menschen, besondere, als heilig verehrte Orte aufzusuchen. So schufen sich die Bewohner der Bodenseeregion ihre eigenen Stätten religiöser Verehrung. Wer offenen Auges die Region durchwandert, kann sie heute noch finden und er wird erstaunt sein, welche Ausstrahlungskraft sich diese Orte des Heils bis heute bewahrt haben. Heute haben sich zu den Pilgern Touristen und Kulturinteressierte gesellt, sie alle sind in den Kirchen willkommen.

d

er Kirchenbesucher wird die Kirchen, Klöster und Kapellen eingebettet finden in die natürliche Landschaft des Westlichen Bodensees: die Klosterinsel Reichenau mit ihren drei erhalten gebliebenen und unter UNESCO-Schutz stehenden Kirchen ruht mitten im Untersee, die Pfarrkirche St. Johann und St. Veit in Gaienhofen-Horn thront hoch über dem See in bester Aussichtslage, die Wallfahrts- und ehemalige Kloster­kirche auf dem Schiener Berg liegt in einer Senke am Ort eines alten keltischen Heiligtums. Am alten Hegauer Pilgerweg von Engen nach Hilzingen liegt etwas versteckt ein ganz besonderer Ort: die Heiliggrabkapelle auf dem Kapellenhof in Hilzingen-Weiterdingen. Hilzingen selbst beherbergt mit der Rokoko-Kirche St. Peter und Paul die Schwesterkirche der berühmten Wallfahrtskirche Birnau. Beide Meisterwerke wurden von dem aus Vorarlberg stammenden und in Konstanz ansässigen Baumeister Peter Thumb erbaut. Dieser berühmte Baumeister schuf mit der Stiftsbibliothek St.Gallen einen der bedeutend­sten Bibliotheksräume des Barock. Architektonische Schätze gibt es einige zu entdecken in einer Landschaft, in der sich schon zu Zeiten der Römer erste Christen niedergelas­sen hatten. Sie bauten ihre Kirchen in die Überreste römischer Garnisons­städte. So ist das Konstanzer Münster auf den Mauern eines römischen Kastells erbaut. Von 585 bis 1821 war die größte Stadt am Bodensee Bistumssitz, sie galt dank des Nachbaus der fünf Haupt­ kirchen Roms als das ‚roma secunda‘, das zweite Rom. Gerne Bistumssitz geworden wäre die Stadt Radolfzell. Als in Konstanz die Reformation eingeführt wurde, flüchteten Chorherren und Domkapitel in die Stadt und bereicherten das gotische Münster mit zahlreichen Kunstwerken. Damals war das 1436 begonnene gotische Kirchenschiff gerade fertig gestellt worden. Besonders eindrucksvoll wirkt der prächtige Chor, heute gekrönt von einem übergroßen Kreuz, das Papst Benedikt XIII. bei seiner Messe in Freiburg als Altarschmuck gedient hatte.

Jakobus, Konstanzer Münster (links) Pieta aus der Wallfahrtskirche auf dem Frauenberg, Bodman (oben rechts)

Die Region ist voll solcher sakralen Schätze und voller Geschich­ ten und Anekdoten, die der Kirchenbesucher bei Führungen in den Städten und Kirchen der Region erfahren kann. In fast jedem Ort der Region stehen Kirchen und Kapellen, nicht jede konnte in den „Bodensee Kirchen­ besucher“ aufgenommen werden. Sie erzählen Geschichten von Heiligen, die Menschen geholfen haben, von Vertreibung und Zuflucht, erinnern an schreckliche Ereignisse ebenso wie an wunder­same Rettung. Die großen Kunst- und Kulturepochen prägten den Baustil der Kirchen; ihre Skulpturen, Fresken, Fenster und Altäre zeugen von einer kunstreichen Vergangenheit. Das kulturelle Erbe der Kirchen und Klöster in der Bodensee­region ist bis heute lebendig geblieben. Wallfahrten werden festlich begangen, kirchliche Feiertage sind zugleich Festtage, an denen Einheimische und Touristen gemein­sam feiern. Das Hausherrenfest in Radolfzell und die Inselfeste auf Klosterinsel Reichenau ziehen zahlreiche Besucher an. Wer der Hektik des Alltags entfliehen will, kann die Abgeschiedenheit und Ruhe eines Klosters aufsuchen. Wem der Sinn nach einer spirituellen Auszeit steht, nutzt die Bildungsangebote des Klosters Hegne und genießt die weitläufigen Grünanlagen um das Hotel St. Elisabeth, nimmt an den morgendlichen Impulsen in der Haus­kapelle oder am Qigong unter freiem Himmel teil. Die Broschüre BodenseeKirchenbesucher ist in den Touristinformationen am Westlichen Bodensee erhältlich oder zu bestellen bei: REGIO Konstanz-Bodensee-Hegau e.V. Im Kohlgarten 2, D-78343 Gaienhofen info@bodenseewest.eu www.bodenseewest.eu www.bodensee-kirchenbesucher.eu

Westlicher Bodensee | Bodensee Magazin Spezial 39


Beten mit den Füßen –

Pilgerwege am Westlichen Bodensee

Pilgern bewegt und Bewegung bringt die Gedanken in Schwung. Wer sich bewegt, ist auf dem Weg zu seinem Ziel. Oder zu sich selbst. Immer mehr Menschen machen sich (wieder) auf den Weg, auf die Suche nach Sinn und Spiritualität, oder um einfach wieder klar denken zu können. Seit 1987 der Europarat in Straßburg die Jakobus-Pilgerwege zur ersten Kulturstraße Europas erhoben hat, findet die alte Übung des Unterwegs-Seins immer neue Anhänger. Der Bodenseeraum ist seit Jahrhunderten Sammlungsort und Drehscheibe für Pilger.

z

wei Hauptpilgerwege queren die Region: die aus dem württembergischen kommenden Zugänge zum Jakobsweg führen zum Kloster Beuron im Donautal. Von dort führt die via beuronensis über Meßkirch und Überlingen oder durch den Hegau bis in die alte Bischofsstadt Konstanz. Von Ulm her quert der Jakobsweg Ober­ schwa­ben. In Buchhorn (heute Friedrichshafen) und in Meersburg steigt der Pilger ins Schiff nach Konstanz. Dort auf der Südseite des Konstanzer Münster beginnt der Schwabenweg. Noch sind es 2340 km bis Santiago de Compostella, doch die wenigsten, die hier ihre Pilgerschaft fortsetzen, wollen bis an das „Ende der Welt“ laufen. Die Bodenseeregion selbst ist ein uraltes Pilgerziel. Wer sich zum Pilgern entschließt, beginnt seinen Weg gleich nach dem Schließen der Haustür. Im Rucksack ist das Vesper verstaut, zum Pilgern braucht es wenig. Der Weg führt durch wunderschöne

Epitaph eine Jakobspilgers im Konstanzer Münster (oben) St. Stephan, Konstanz (unten Kapelle Maria auf Schrotzburg, Öhningen-Schienen (rechts)

Landschaften, immer wieder öffnen sich weite Ausblicke und immer führt der Weg zu einem dieser Kleinode am Wegrand. Die Kapellen sind Ruhe- und Rückzugsort, Ort für eine Pause und zugleich ein Ort zum Auftanken für die Seele. Manch einer pilgert lieber allein, dabei ist Pilgern eigentlich ein geselliges Erlebnis. Aus dem Donautal, vom Wallfahrtsort Kloster Beuron kommend, muss sich der Wanderer beim 1212 gegründeten Zisterzienserinnenkloster Wald entscheiden, ob er zu Fuß bis nach Konstanz pilgern will (p Hegauer Jakobsweg) oder ob er es wagt, bei Überlingen den See mit der Fähre zu überqueren (pLinzgauer Jakobsweg). Beide Wege sind von einem Team um Bruder Jakobus Kaffanke mit der Jakobsmuschel ausgeschildert worden. Eine genaue Wegbeschreibung findet man in dem Büchlein „Du stellst meine Füße auf einen weiten Weg“, welches Fredy Meyer 2007 herausgegeben hat.

Westlicher Bodensee | Bodensee Magazin Spezial 41


und Konstanz gelegen – ist heute im Heimatmuseum Stockach zu finden. Von Stockach aus war schon Graf Eberhard von Nellenburg mit seiner Frau Ita 1072 nach Santiago gepilgert. Das Grab des seligen Grafen in der Schaffhauser Klosterkirche Allerheiligen ist heute ein (touristisches) Pilgerziel. Fredy Meyer hat in seiner Beschreibung des Jakobsweges auch die Geschichten und Legenden gesammelt, die mit den einzelnen Stationen verbunden sind. So geht die Wallfahrtskapelle Frauenberg hoch über Bodman auf ein Brandunglück im Jahr 1307 zurück, bei dem auf wundersame Weise der Stammhalter des Hauses Bodman gerettet wurde. Vom Bodanrücken aus, mit weitem Blick über den See ins thurgauische Hinterland, führt der Weg vorbei am geschützten Mindel­see nach Allensbach, von wo aus ein Abstecher auf die Kloster­ insel Reichenau lohnt, und zum Kloster Hegne. Hier wirkte die 1913 verstorbene Selige Schwester Ulrika, zu deren Verehrungsstätte zahl­ reiche Pilger kommen und auf deren Fürsprache sie vertrauen. Im zum Kloster gehörende Hotel St. Elisabeth findet der Pilger ein Pilgermahl und eine Pilgerunterkunft.

Nicht immer folgt der Pilgerweg den historischen Pfaden des Mittel­ alters. Aus den damaligen Wegen sind heute oftmals Landstraßen und Hauptverkehrswege geworden. Statt der Landstraße bevorzugt der Pilger nun ruhige und naturschöne Wanderwege, die immer wieder einen Blick in den weiten Raum ermöglichen und wo man Ruhe und Entspannung finden kann. Der Jakobsweg ist so zu einem aussichts­ reichen Wanderweg geworden. Den Pilgerweg säumen zahlreiche Kapellen, Bildstöcke und Dorfkirchen. Es kann zum Suchspiel werden, in den Kirchen und Kapellen die Figur des Apostel Jakobus zu finden. Immer zu erkennen ist er am Pilgerstab, der Pilgertasche, der aufgenähten Muschel und seinem das Knie bedeckenden Mantel. So war auch der einfache Bürgersmann gekleidet, nur dem Adel und den heiligen Aposteln standen bodenlange Gewänder zu. Nicht immer sind die dem Jakobus geweihten Altäre und Kapellen erhalten geblieben. Die Glocke der ehemaligen Jakobskapelle in Rißtorf – an der Weggabelung nach Freiburg, Schaffhausen

In Konstanz vereinigen sich die aus dem Norden über und um den See herum führenden Pilgerwege zum Schwabenweg nach Kloster Fischingen und Kloster Einsiedeln. Wer das quirlige Leben der ehemaligen Bischofsstadt meiden will, kann nach dem Überqueren des Bodanrück den Wallfahrtsort Radolfzell aufsuchen und von dort in der Ruhe und Stille der Natur über den Schiener Berg nach Stein am Rhein pilgern. Information und Infoflyer zum Jakobsweg: REGIO Konstanz-Bodensee-Hegau e.V. Im Kohlgarten 2 D-78343 Gaienhofen info@bodenseewest.eu www.bodenseewest.eu Büro der Beuroner JakobspilgerGemeinschaft Benediktusweg 1 D-88631 Beuron www.via-beuronensis.de

Wer pilgert darf auch genießen, das war zu allen Zeiten so. So bietet die evangelische Kirche auf der Halbinsel Höri „Pilgern auf Badisch“ an. Die Tour führt in die mit Bildern von Otto Dix geschmückte Petruskirche in Öhningen-Kattenhorn und in das direkt am Seeufer gelegene Seehotel Höri, wo der Pilger nach dem Kunst­genuss mit einem exquisiten 3-Gänge-Pilger-Menü verwöhnt wird. Buchung und Information: Kultur- und Gästebüro Gaienhofen www.gaienhofen.de weitere Touren zu „Pilgern auf Badisch“: gibt es auf www.kirche-im-tourismus-am-bodensee.de

Mooser Wasserprozession (oben) Wallfahrtskapelle Frauenberg (unten) Pilgerdarstellung im Augustinerchorherrenstift Öhningen (rechts)

Westlicher Bodensee | Bodensee Magazin Spezial 43


Kartause Ittingen –

ein bedeutendes Kulturdenkmal

Als ehemaliges Kloster und heutiges Kultur- und Seminarzentrum verbindet die Kartause Ittingen auf einzigartige Weise klösterliche Werte wie Kultur, Spiritualität, Bildung, Fürsorge, Gastfreundschaft und Selbstversorgung.


Im ehemaligen Wohn- und Lebensbereich der Kartäusermönche ist seit 1983 das Ittinger Museum untergebracht, das der Geschichte des Ortes und den Eigenheiten des Kartäuserordens gewidmet ist. In den authentisch erhaltenen Räumlichkeiten öffnen sich lebendige Zugänge zu längst vergangenen Welten.


Das Leben der Kartäusermönche

in der Kartause Ittingen

Das Leben der Kartäuser war ganz der Kontemplation und der Suche nach Gott gewidmet. Stille und Einsamkeit der Kartäuser bilden einen wichtigen Ausgangspunkt für eine aktuelle Auseinandersetzung mit spirituellen Werten.

nser Bemühen und unsere Berufung bestehen vornehm­lich darin, in Stille und Einsamkeit Gott zu finden.“ So steht es im Kapitel 12 der Kartäuserregel. Schweigen, Stille und die Konzentration auf die Suche nach Gott sind für das Leben der Kartäuser von zentraler Bedeutung. Das einsame Leben in der Mönchszelle bildet die Voraussetzung, um zu dieser Ruhe zu gelangen, um ganz frei und „leer“ für Gott zu sein. Zudem legen die Mönche ein strenges Schweigegelübde ab, und der Kontakt mit der Aussenwelt wird weitgehend abgebrochen. Die streng geregelte Abfolge von Arbeit, Studium, Kontemplation, Gebet und Meditation wird als dauernder Gottesdienst verstanden. In der Kartause Ittingen lässt sich die streng kontemplative Lebens­ führung der Mönche anschaulich nacherleben. Der aufwändig gestaltete Essraum, die kargen Mönchszellen und die reich geschmückte Kirche im Ittinger Museum präsentieren sich so, als ob die Mönche noch hier lebten und beteten. Wer durch Kreuzgänge, Arbeitsräume und Gärten wandelt, dem öffnen sich Einblicke in eine Welt, die aufgrund der strengen Ordensregeln der Kartäuser normalerweise verschlossen bleiben. Modernste Vermittlungsinstrumente bringen dem Publikum die Schicksale von Menschen und Gebäuden näher. In den Mönchs­ klausen kann man auf Bildschirmen in Handschriften blättern, die hier Jahrhunderte zuvor geschrieben wurden. Ein Audioguide bietet vielfältige Informationen zum Gesehenen und lässt den Besuch des historischen Ortes zu einem unvergesslichen Erlebnis werden. EINST UND HEUTE 1848 beschloss der Thurgauer Grosse Rat die Aufhebung der Klöster und die Verstaatlichung ihrer Güter. Die Mönche mussten Ittingen verlassen, womit das klösterliche Leben nach rund sieben Jahrhunderten ein Ende fand. Ab 1867 nutzten Private das ehemalige Kloster als repräsentativen Landsitz. 1977 wurde die Anlage durch die privat­ rechtliche Stiftung Kartause Ittingen gekauft, restauriert und mit der Unterstützung von Partnern einer neuen Nutzung zugeführt.

Das Betriebskonzept orientiert sich an den klösterlichen Werten Kultur, Spiritualität, Bildung, Fürsorge, Gastfreundschaft und Selbstver­ sorgung. Neben dem grosszügigen Bauernhof mit eigenem Weinbau und Käserei gibt es ein Heim und einen Werkbetrieb sowie eine Gärtnerei mit 60 geschützten Arbeitsplätzen. Eine Gastwirtschaft in der stilvoll restaurierten Mühle, ein Hotel mit 68 Zimmern und ein Klosterladen verwöhnen Besucher und Seminargäste mit hochwertigen Produkten aus eigenem Anbau. Die beiden Museen in den historischen Gebäuden bieten ein vielfältiges Programm zu Themen der Geschichte und Kunst. Hier findet sich auch der Raum der Stille, der dazu einlädt, in das Schweigen und die Ruhe des Ortes einzu­ tauchen. Konzerte auf höchstem Niveau haben sich bei Liebhabern der Kammermusik einen Namen gemacht. Das tecum, Zentrum für Spiritualität, Bildung und Gemeindebau, bietet ein umfangreiches Kursprogramm im Erwachsenenbildungsbereich an. In der Kartause Ittingen ist somit ein lebendiges Kultur-, Seminar- und Begegnungs­ zentrum von grosser Vielfalt entstanden. WEINBAU IN DER KARTAUSE ITTINGEN So wirklich reich, wie die Klöster St.Gallen oder Reichenau, war die Kartause Ittingen nie. Die Zeichen eines durchaus bemerkenswerten Wohlstands sind aber bis heute überall zu finden. So zeugt die wohlgeordnete Aneinanderreihung von Gebäuden mit den unterschiedli­ chsten Funktionen von einem gut ausgestatteten Betrieb, und in der Kirche erzählt ein Bildprogramm aus der Barockzeit nicht nur vom Selbstbewusstsein der kleinen Mönchsgemeinschaft, sondern auch von den offensichtlich nicht unbeträchtlichen finanziellen Mitteln, die für die Ausstattung zur Verfügung standen. Wer nach der Herkunft des Wohlstands fragt, dessen Blick fällt bald auf die gut funktionierende Landwirtschaft des Klosters. Die Kartause Ittingen gehörte zur Mönchszeit zu den grössten Weinproduzenten des Bodenseeraums. Weinbau und Weinhandel waren für die Kartause Ittingen seit dem Mittelalter von zentraler Bedeutung. Der Wein diente

Kunst erleben Auf dem Gelände der Kartause Ittingen sind zahlreiche Kunstwerke anzutreffen, die zur umfangreichen Sammlung des Kunstmuseums Thurgau gehören. U.a. trifft man schon unmittelbar vor dem Zugang zum ehemaligen Klosterareal auf den beeindruckenden LOOP des Künstlerduos Bildstein | Glatz, einen knapp 15 Meter hohen Doppel­ looping. Unmittelbar vor den Museen werden die Besucher von metallisch schimmernden Tierskulpturen begrüsst, und Jenny Holzers Steinbänke brechen die Idylle der Mönchsgärten auf. Des Weiteren finden sich im Aussenraum Werke von Hans Ruedi Fricker, Joseph Kosuth und Hemauer/Keller.

Ansicht Kartause in der Handschrift Agio Melos (oben) Barocker Innenraum der Kirche in der Kartause Ittingen (unten)

Thurgau | Bodensee Magazin Spezial 49


Foto: Sandro Schmid


Detail Barocker Innenraum Kirche (links)

nicht nur der Versorgung der Mönche und ihrer Angestellten. Das Wein­geschäft war seit dem 17. Jahrhundert durch Investitionen in die Infra­struktur und wachsendes Knowhow laufend erweitert worden, was dem Kloster stetig wachsende Einnahmen bescherte und die Kartause schliesslich zum reichsten Thurgauer Kloster machte. Die Französische Revolution und die darauf folgenden politischen Umwälzungen brachten Einschnitte in die perfekt abgestimmte Wirtschaft der Mönche mit sich. Doch auch nach der Auflösung des Klosters und dem Verkauf an Private blieb der Weinbau ein zentrales wirtschaftliches Standbein der Kartause Ittingen. Selbst als Reblaus und der falsche Mehltau die Erträge bedrohten und dank der neuen Eisenbahn billige Weine aus dem Ausland die lokalen Produkte konkurrenzierten, wurde in der Kartause Ittingen der Weinbau weiterhin gepflegt. Bis heute ist dieser Betriebszweig einer der wichtigen unternehmerischen Aktivitäten der Stiftung Kartause Ittingen. Dabei zählt weniger der finanzielle Ertrag, sondern das Prinzip der Selbst­ versorgung: Produziert wird, was dann auch im eigenen Restaurant serviert und im Klosterladen verkauft wird. WOHLSTAND UND KRISEN 1867 erwarb der junge Landwirtschaftspionier Victor Fehr (1846–1938) die Kartause Ittingen, um sie als landwirtschaftliches Mustergut und repräsentativen Familiensitz zu nutzen. An die stolze Weintradition der Kartäuser anknüpfend, kümmerte sich die Familie Fehr von 1867 bis 1977 über drei Generationen hinweg engagiert um den Weinbau der Kartause Ittingen. Der Anspruch, nur die beste Weinqualität zu produzieren, blieb auch nach dem Tod von Victor Fehr 1938 in der Familie Tradition. Sein Sohn Edmund Fehr und dessen Tochter Dorothee Fehr führten den Gutsbetrieb auch unter den erschwerten Bedingungen der Nachkriegszeit weiter. In den 1970er-Jahren war die Einrichtung der Trotte der Kartause veraltet. Der schlechte Zustand der Fässer, Schläuche und Standen wirkte sich direkt auf die Qualität der Weine aus. Erhebliche Investitionen wären nötig gewesen, um dem hohen Qualitätsanspruch der Kartäuserweine weiterhin gerecht zu werden. Nachdem ein Hagelschaden die ganze Traubenernte komplett vernichtet hatte, beschloss die gesundheitlich angeschlagene Dorothee Fehr, den Weinbau ganz einzustellen und die Weinberge an die Gebrüder Alfred und Jürg Saxer aus Nussbaumen zu verpachten. Nun wurde der Wein aus der Kartause Ittingen, darunter auch der Stiftungswein, im Keller der Gebrüder Saxer in Nussbaumen gekeltert. Dank moderner Technik im Keller und dem Engagement der Pächter stieg die Qualität der Kartäuserweine rasch. Seit 1991 keltert die Stiftung Kartause Ittingen den Ittinger Wein wieder in eigenen, neu gebauten Kellern im Kloster. Qualität ist heute das oberste Gebot, was sich in zahlreichen Auszeichnungen zeigt. NEUE SPEZIALITÄTEN IN DER ITTINGER WEINPALETTE Die Produktepalette der Ittinger Weine präsentierte sich 1977 ver­ gleichs­weise bescheiden: ein Rotwein und zwei Weissweine standen im Angebot. Mit der Ambition, möglichst für jeden Gast für jede Gelegenheit den passenden Wein bereitzuhalten, musste die Auswahl zwingend vergrössert werden, etwa durch die Kelterung eines Weissherbstes. Da die Sortimentserweiterung zu Beginn aufgrund der schweizerischen Gesetzgebung nicht über neue Sorten erfolgen konnte, wurde einem Trend folgend begonnen, einen Teil der Ernte, vorab von den besten Lagen, extraktreicher zu keltern und in Eichenfässern auszubauen. Mit solchen Massnahmen wurde die Produktepalette mit Spezialitäten erweitert. Mehrere Versuche brauchte es, um auch im Bereich des Süssweines ein qualitativ gutes Produkt anbieten zu können. Mittlerweile können, abhängig von der Qualität der gelesenen Trauben, schöne edelsüsse Dessertweine aus Pinot Noir gekeltert werden und auch der Likörwein nach dem Verfahren des Portos begeistert die Liebhaber solcher Spezialitäten.

Der grosse Weinkeller der Kartause Ittingen In den 1720er-Jahren verlieh der Neubau des Westflügels der Westseite der Klosteranlage ihr heutiges Erscheinungsbild. Im 18. Jahrhundert wurde das Wein­ geschäft der Kartause Ittingen bedeutend ausgeweitet. Daher war der Wunsch nach einem grossen Keller ein gewichtiger Grund dafür, ein so grosses Gebäude zu errichten, das den Vorgängerbau bedeutend übertraf. Das Fassungsvermögen des Kellers dürfte eine Million Liter deutlich überschritten haben. Der Keller wird heute als Ausstellungs- und Veran­ staltungsraum des Kunstmuseums Thurgau genutzt und ist als Teil des Museums öffentlich zugänglich. Der Boden wird durch eine Installation des amerikanischen Konzeptkünstlers Joseph Kosuth eingenommen. Der Titel „Eine verstummte Bibliothek“ verweist auf die Auflösung der reichen Büchersammlung zum Zeitpunkt der Klosterschliessung. In die grauen Schieferplatten ist im Sandstrahlverfahren das Inhaltsverzeichnis des handschriftlichen Bibliothekskatalogs der Kartause Ittingen von 1717 eingeschrieben.

Thurgau | Bodensee Magazin Spezial 51


Bildlegende Blild links

Klosteranlage

St. Katharinental

Die idyllische Klosteranlage lädt zum Feiern und Verweilen ein.

Thurgau | Bodensee Magazin Spezial 53


Kornhaus St. Katharinental. Der fünfgeschossige Massiv­bau aus dem Spätmittelalter erhält Mitte des 18. Jahrhunderts sein heutiges Aussehen. Bemerkens­ wert sind der schwenkbare Holzkran zum Aufziehen von Säcken sowie die echten und symmetrisch aufgemalten Aufzugsöffnungen mit gemeinsamem Klebdach. Auf dem First steht ein doppelarmiges Caravaca-Kreuz als Religionssymbol und Heilszeichen.


Schaudepot St. Katharinental

– ein Schweizer Unikat

Die ehemalige Klosteranlage St. Katharinental ist ein Ausflugsziel der Extraklasse. Neben einer prachtvollen Barockkirche beherbergt das Areal eine moderne Rehabilitationsklinik mit exzellentem Gastrobetrieb sowie das schweizweit einzigartige Schaudepot St. Katharinental. Hier, im ehemaligen Kornhaus mit seinen weitläufigen «Getreideschütten», ist die umfang­reiche volkskundliche Sammlung des Historischen Museums Thurgau untergebracht. Dieses aussergewöhnliche Museumskonzept zwischen klassischer Ausstellung und offenem Magazin begeistert das Publikum seit über 20 Jahren.

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in unscheinbares Messer mit stark abgewetzter Klinge und klobigem Holzgriff liegt auf der Anrichte. «Dieses Essbesteck benutzte mein Vater während seines ganzen Lebens. Er hat es immer wieder nachgeschliffen und den zerbrochenen Griff mit dem Aststück eines Holunderstrauches ersetzt. Die metallene Zwinge stammt übrigens von einem alten Skistock.» Lächelnd erklärt dies der Besitzer eines stattlichen Bauernhofes, der dem Museum keineswegs wertlose Kleinigkeiten, sondern gediegene Erbstücke seiner Vorfahren schenken möchte. Nicht der materielle Wert macht jedoch ein Objekt für eine volkskundliche Sammlung interessant, vielmehr zählt die dahinterstehende Lebensgeschichte. Das bescheidene Messer symbolisiert auf eindrückliche Weise, wie eine frühere Generation mit Materialien umgegangen ist, wie die Dinge repariert wurden und welchen Stellenwert das Sparen hatte. OBJEKTE ERZÄHLEN GESCHICHTEN Über 10‘000 Gebrauchsgegenstände des Alltags vom 17. bis zum 20. Jahrhundert sind im Schaudepot St. Katharinental ausgestellt. Auf geführten Rundgängen tauchen Besucherinnen und Besucher in die Welt ihrer Gross- und Urgrosseltern ein und entdecken das Leben von damals mit den Augen von heute. Was bewegte etwa frühere Pferdebesitzer dazu, zum Schutz ein Stück graviertes Hirschgeweih an ihr Fuhrwerk zu hängen? Weshalb weist eine «Kornharfe» auf eine äusserst fortschrittliche Betriebsführung hin? Was bedeutet ein eingedrücktes Scherenmotiv auf einem Dachziegel? Das Faszinierende bei der Erkundung der historischen Schätze im Schaudepot sind die Geschichten, welche die Objekte erzählen, die dahinterstehenden Menschen, ihre Mentalität und Wertvorstellungen. Anhand der Alltagsgegenstände lässt sich Ostschweizer Geschichte rekonstruieren. Sie illustrieren zudem manch pikantes Detail aus der Vergangenheit, das aus heutiger Sicht bizarr erscheinen mag. Typisch emmentalische Geräte aus hiesigen Bauernhäusern beispielsweise belegen die ausgeprägte Berner Binnenmigration in den Thurgau. Eine «Fliete» diente nicht nur zum Aderlass, mit abgezapftem Blut lebender Rinder wurden auch hierzulande Blutwürste gestreckt. Fast so befremdlich mutet heute die Vorstellung an, dass der Empfang eines 1961 neu eingeführten Büro-Kugelschreibers persönlich bestätigt werden musste und man im Verlustfall haftbar war. Ein Objekt des 21. Jahrhunderts ist ein kleines Paket gefärbtes Wundpflaster für Dunkelhäutige. Es zeigt auf symbolische Weise einen demografischen Wandel an.

Weintrotte aus Niederneunforn am Standort der früheren Klostertrotte im Erdgeschoss. Der Raum hat sein Inneres mit Eichensäulen und Unterzügen von 1680 bewahrt. Trotten sind im Thurgau seit dem 13. Jahrhundert bekannt. Das abgebildete Exemplar stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert, erhielt 1812 eine neue Spindel und blieb bis 1950 zum Pressen von Obst in Gebrauch.

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Die Klosterkirche St. Katharinental ist eine herausragende Schöpfung des süddeutschen Barocks, 1732 bis 1734 von Johann Michael Beer erbaut. (oben) Schmiede aus Guntershausen bei Berg TG. Neben unzähligen Einzelobjekten verfügt das Schaudepot St. Katharinental über mehrere komplette Werkstätten ländlicher Handwerksbetriebe. Sie wurden am alten Standort dokumentiert, abgebaut und dem Originalzustand nahe wieder eingerichtet. (unten)

ANFÄNGE IN DEN 1970ER JAHREN Die volkskundliche Sammlung des Historischen Museums Thurgau ist seit 1997 im Kornhaus des ehemaligen Klosters St. Katharinen­ tal untergebracht. Sie umfasst vier thematisch gegliederte Ausstellungs­etagen auf über 2000 Quadratmetern Fläche. Dem Schaudepot St. Katharinental vorangegangen ist eine langjährige Aufbau- und Pla­nungs­phase. Bereits in den 1970er Jahren bestand die Absicht, in der Kartause Ittingen ein «Bauernmuseum» einzurichten. Dem Kunstmuseum wurde jedoch der Vorzug gegeben. Als Alternative bot sich die Komturei Tobel an, doch wurde dieses Projekt – nicht zuletzt aufgrund der hohen Gebäudesanierungskosten – an einer Volksabstimmung 1991 knapp abgelehnt. Ein Glücksfall ist das Entgegenkommen der Spital Thurgau AG, welche die denkmalgeschützte Kornscheune dem Historischen Museum nach und nach überlassen hat. ARCHITEKTONISCHES ERBE Das Schaudepot St. Katharinental ist Teil ei­ner einzigartigen Klosteranlage, deren prunkvolle Kirche zu den ausgewogensten Raumschöp­ fun­gen des vorarlbergisch-schwei­­zerischen Barocks zählt. Zur Gründungs­zeit im 13. Jahr­ hundert gehört das Kloster zu den Hauptzentren der mystischen Bewegung. Das intakte architektonische Erbe in idyllischer Umgebung macht heute das besondere Cachet von St. Katharinental aus. Brautpaare finden hier eine romantische Kulisse für ihren besonderen Tag. Die weitläufige, direkt am Rhein gelegene Anlage ist zudem ein perfektes Ausflugsziel für Gruppen. Neben den kulturgeschichtlichen Ausstellungen und periodisch durchgeführten grösseren Anlässen im Schaudepot finden auch Konzerte und Führungen in der Kloster­ kirche statt. Zur Geschichte des Klosters unterhält die Denkmalpflege Thurgau ein kleines Hausmuseum. Auf Anfrage steht ein thematisch vielfältiges Angebot mit kulturellen und kulinarischen Perlen zur Verfügung, das inspirierende Stunden in einer herrlichen Gegend verspricht. Peter Bretscher Cornelia Tannheimer

Mostindien hautnah Im Schaudepot St. Katharinental werden Erinnerungen geweckt. Hier beherbergt das Historische Museum Thurgau die umfangreichste Sammlung zur ländlichen Alltagskultur in der Ostschweiz. Einzigartig ist nicht nur die Vielfalt und Fülle der über 10‘000 Originalgegenstände, sondern auch deren atmosphärische und publikumsnahe Präsentation. Staunen und entdecken Warum waren die Thurgauer Bauern im 19. Jahrhundert landwirtschaftliche Pioniere? Welches häusliche Geschick brauchte eine Frau vor 200 Jahren? Wie sah die Werk­ statt eines Schreiners in vorindustrieller Zeit aus? Vier Stockwerke zu den Bereichen Rebbau, Landwirtschaft, Transport, Handwerk, Textilproduktion und Hausarbeit ermöglichen auf 2000 Quadratmetern eine Ent­deckungstour in vergangene Zeiten. An thematischen Führungen tauchen Besucherinnen und Besucher in die Welt ihrer Vorfahren ein und gewinnen einen nachhaltigen Eindruck vom Leben und Arbeiten in der Ostschweiz vor 100 Jahren. Das Haus am idyllischen Rheinufer ist ein ideales Ausflugsziel für Gruppen. Der Besuch lässt sich mit der Besichtigung des Barockjuwels Klosterkirche St. Katha­ rinen­tal und dem Genuss eines kulinarischen Leckerbissens in der Cafeteria am Rhein verbinden. Weitere Informationen und Buchungen: Tel. +41 (0) 58 345 73 80 www.historisches-museum.tg.ch

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AUSKUNFT Stiftung Kartause Ittingen Kartause Ittingen CH-8532 Warth Tel. +41 (0) 52 748 44 11 info@kartause.ch www.kartause.ch

Ittinger Museum Kunstmuseum Thurgau Tel. +41 (0) 58 345 10 60 sekretariat.kunstmuseum@tg.ch www.kunstmuseum.ch

ÖFFNUNGSZEITEN/ FÜHRUNGEN Ittinger Museum Kunstmuseum Thurgau Mai–September 11–18 Uhr täglich Oktober–April Mo-Fr 14–17 Uhr Sa / So 11–17 Uhr Öffentliche Führungen werden nahezu jeden Sonntagnachmittag um 15 Uhr angeboten. Das Spektrum der Führungen reicht von Rundgängen durch die Räume des ehemaligen Klosters mit der Barockkirche über Gärten und Kräuter bis zu zeitgenössischer Kunst und Kultur. Veranstaltungen werden unter www.kunstmuseum.ch angekündigt. Für Gruppen werden massgeschneiderte Führungen zu vielfältigen Themen angeboten. Auf Anfrage sind Führungen ausserhalb der Museumsöffnungszeiten möglich.

ZUM THEMA Spiritualität wird in der Kartause Ittingen auch heute noch gelebt. Besucher können im frei zugänglichen Labyrinth aus Hunderten von Thymianpflanzen den Weg zur Mitte gehen oder im Raum der Stille meditieren, innehalten und Kraft aus der Stille schöpfen. Das tecum, Zentrum für Spirituali­ tät, Bildung und Gemeindebau der evangelischen Landeskirche bietet vielfältige Veranstaltungen und Kurse zu aktuellen Fragen der Spiritualität, Religion und des Zusammenlebens.

KULTUR Kammermusik

Museen

Ittinger Pfingstkonzerte Die Ittinger Pfingstkonzerte sind ein Garant für Kammermusik auf höchstem Niveau. Seit 1995 gelingt es jedes Jahr, hochkarätige internationale Musiker nach Ittingen einzuladen. Die Konzerte an diesem idyllischen Ort haben sich bei Kennern und Liebhabern der Kammermusik weit über die Region hinaus einen Namen geschaffen.

Geschichte und Kunst Den Kern der Kartause bildet das Ittinger Museum mit seiner lebendigen Präsentation der Geschichte des Ortes und der Eigenheiten des Kartäuserordens. Einblick in ganz andere Welten bietet das Kunstmuseum Thurgau. Die Sammlung bietet als Höhepunkte neben dem Nachlass von Adolf Dietrich ausgesuchte Werke von Aussenseiterkünstlern sowie Arbeiten international bekannter Persön­lichkeiten, die speziell für diesen besonderen Ort geschaffen wurden. Attraktive Wechsel­ausstellungen machen das Museum zu einer Destination, die bei Kunstfreunden weit über die Grenzen der Region hinaus einen hervorragenden Ruf geniesst. www.kunstmuseum.ch

Ittinger Sonntagskonzerte Kammermusik der Extraklasse bieten die Ittinger Sonntagskonzerte im Winterhalbjahr. Die Matinee-Konzerte begeistern die Besucher mit herausragenden Solisten und Ensembles sowie einer raffinierten Programmgestaltung. Mit der Remise hat die Kartause Ittingen einen Konzertsaal, der auch höchsten Ansprüchen an die Akustik genügt. 58 Bodensee Magazin Spezial | Thurgau


WAS SONST Selbstversorgung Wie die Kartäusermönche früher kommen auch die Gäste des Ittinger Kultur- und Seminar­zen­trums in den Genuss der hochwertigen Spezialitäten, die auf rund hundert Hektar Feld, Rebberg, Wald und Gärten sowie in den Stallungen und Gewässern leben und gedeihen. Ohne Umwege werden die Rohstoffe aus nachhaltiger Landwirtschaft vor Ort zu auserlesenen, natur­ belassenen Produkten veredelt. Sie sind im Restaurant und im Klosterladen erhältlich. Hotelbetrieb 68 stilvoll-moderne Hotelzimmer in der Kartause Ittingen laden ein zum Verweilen. Im Übernach­ tungs­preis inbegriffen ist die Benützung der hoteleigenen Fahrräder, mit denen die idyllische Umgebung erkundet werden kann.

DER BESONDERE TIPP

St. Katharinental – gedeckter Tisch für festliche Anlässe Die Gastronomie St. Katharinental bietet das passende Ambiente für eine Feier, einen Imbiss oder einen Apéro im Anschluss an eine Führung. Das ehemalige Kloster verfügt über verschiedene historische Räumlichkeiten, in den Sommer­ monaten beliebt ist die Cafeteria direkt am Rheinufer. Für Tischreservationen, Apéros und/oder Menüs für Gruppen kontaktieren Sie bitte die Hotellerie St. Katharinental unter Tel. +41 (0) 52 723 76 00.

Zauber und Vielfalt der Gärten Mehr als 1.000 Rosenstöcke und die grösste historische Rosensammlung der Schweiz verwandeln die Anlage jedes Jahr in einen einzigartigen Blütentraum. Blumen-, Kräuter-, Gemüse-, Hopfen- und Weingärten lassen sich mit dem Audioguide auf vier Themenpfaden entdecken.

Thurgau | Bodensee Magazin Spezial 59


Foto: Achim Mende


U N E S CO - W E LT K U LT U R E R B E

St.Gallen Stiftsbezirk

Hier soll meine Ruhestätte sein!

Die Legende berichtet, dass im Jahr 612 der irische Mönch Gallus im Steinachtal über eine Wurzel stolperte. «Hier soll meine Ruhestätte sein»: Mit diesem Psalmwort (Ps 131,14) entschloss er sich zum Bleiben und baute sich eine Hütte. Anhänger gesellten sich zu ihm, eine erste Kirche und ein Kloster entstanden. Ein Jahrhundert später wurde die etwas eingeschlafene Gallussiedlung von Otmar neu belebt. Das Kloster St.Gallen wurde vom 8. bis zum 11. Jahrhundert zu einem Brennpunkt der abendländischen Wissenschaft. Es war ein Hort der Kultur und eine Stätte von grosser Strahlkraft. Aus dieser Blütezeit sind zahlreiche Handschriften und Urkunden erhalten. Sie sind für die Erforschung des Frühmittelalters von zentraler Bedeutung. 1805 wurde das Galluskloster nach mehr als einem Jahrtausend aufgehoben. Die UNESCO brachte es der Ewigkeit noch näher, indem sie es 1983 zum Weltkulturerbe erklärte.


Das Fürstenland

St.Gallen

Zwischen Wil und Rorschach liegt nicht nur die Stadt St.Gallen mit ihrem Klosterbezirk, sondern auch eine Landschaft, durchdrungen von Geschichte. Diese zeigt sich in Bauwerken aus dem hohen und späten Mittelalter und der Barockzeit. Gedient haben die Gebäude dem Gottesdienst, der Verwaltung und der Versorgung der Landschaft, deren Fürst zugleich der Abt von St.Gallen war. Auf der relativ kurzen Strecke gibt es u. a. diese Bauwerke zu entdecken:

RORSCHACH: KORNHAUS Das Kornhaus überblickt den Hafen von Rorschach. Das Gebäude diente der Versorgung des fürst­ äbtischen Territoriums mit Getreide. Hier beginnt auch die Fürstenland­strasse, die von Rorschach über St.Gallen und Gossau nach Wil führt.

WIL: HOF In Wil lädt der Hof zu Wil, auf den die Altstadt zuläuft, zu einem Besuch ein. Er diente als äbtische Residenz. Der Bau stammt aus dem Spätmittel­alter; zwischen 1468 und 1481 liess Abt Ulrich Rösch das Gebäude ausbauen. Heute beherbergt das markante Gebäude die Stadt­bibliothek und das Stadtmuseum.

BERNHARDZELL: KIRCHE «Ihr habt gesehen, dass diese Braut schön ist», so beschrieb Pater Iso Walser die Pfarrkirche von Bernhardzell, ein barockes Juwel, in seiner Predigt zu deren Einweihung. Er liess diese Perle der Fürst­ abtei St.Gallen erbauen, und er liess es sich nicht nehmen, sie am 19. Sonntag nach Pfingsten 1778 selbst einzuweihen.

Kloster Neu St. Johann Neu St. Johann liegt im Toggenburg, das seit dem frühen 16. Jahrhundert reformiert ist. In diesem Kontext stellt das ehemalige Kloster eine Ausnahme­ erscheinung dar und setzt einen Akzent in die landwirtschaftlich genutzte Umgebung. Das Kloster St. Johann (damals noch etwa 10 Kilometer talaufwärts gelegen) spielte in der Reformations­geschichte eine wichtige Rolle. Von dort aus sollte die katholische Gegenreformation das aufrührerische Toggenburg unter die Herrschaft des Fürstabts von St.Gallen zurückbringen. Die heutigen Kloster­anlagen, Neu St. Johann genannt, weil sie auf eine Neugründung nach einem Brand zurückgehen, stammen aus den 1620erJahren und sind im nachgotischen Stil erbaut. Heute lädt die Kirche des ehemaligen Klosters zu einem Besuch.

Luftaufnahme Klosterkirche Neu St. Johann (links oben) Klosterkirche Neu St. Johann – Bibliothek hinterer Teil (links unten)

St.Gallen | Bodensee Magazin Spezial 63


Der Barocksaal

HĂśhepunkt einer Reise durch St.Gallen

Der Barocksaal der Stiftsbibliothek symbolisiert die Bedeutung des Weltkulturerbes St.Gallen; in wechselnden Ausstellungen lassen sich hier Buchschätze aus 1300 Jahren ununterbrochener Bibliotheksgeschichte bewundern. St.Gallen | Bodensee Magazin Spezial 65


Der spätbarocke Raum der Stiftsbibliothek St.Gallen wurde zwischen 1758 und 1767 erbaut. Er zählt zu den schönsten Bibliotheksbauten weltweit.


Aktuelle Ausstellung

An der Wiege Europas: Irische Buchkultur des Frühmittelalters

Zum Europäischen und Schweizer Jahr des Kulturerbes 2018 zeigt die Stiftsbibliothek St.Gallen ihre berühmten irischen Handschriften aus dem Frühmittelalter. Sie sind Ausdruck der Blüte einer Mönchskultur, die vom 6. bis 9. Jahrhundert die geistige Entwick­lung Europas wesentlich mit prägte. Nirgends kann das so exemplarisch auf­ gezeigt werden wie im 612 vom Iren Gallus gegründeten Kloster St.Gallen. In der Stifts­bibliothek ist die schönste Sammlung irischer Handschriften des Frühmittelalters auf dem europäischen Festland erhalten geblieben. Wer sie betrachtet, steht an der Wiege des mittelalterlichen Europa.


Der Erd- und Himmels­globus

von St.Gallen

Hierbei handelt es sich zwar «nur» um eine Replik, doch um eine möglichst original­getreue, die auf die wechselhafte Geschichte des Globus verweist.

a

ufgrund der auf dem Globus dargestellten Seeschlacht von Lepanto (zwischen der katholischen Liga unter den Venezianern und dem Osmanischen Reich) lässt sich sagen, dass der Globus frühestens 1571 bemalt worden ist. Er beruht auf einer Weltkarte von Gerhard Mercator aus dem Jahr 1569 und stellte somit damals den neuesten Stand der Geographie dar. Allerdings sind die topographischen Details hauptsächlich für Europa einigermassen passend aufgezeichnet, etwa die Berge als braune Maulwurfshügel – auf den meisten anderen Kontinenten stimmen diese jedoch kaum mit der Realität überein. Einige Jahre nach seiner Herstellung in Schwerin gelangte der Globus als Schenkung – oder geheime Finanztransaktion – an das Kloster St.Gallen. Dort blieb er bis 1712, als die Zürcher ihn im Verlauf eines Konfessions­konflikts entwendeten und ab­transportierten. 2006 konnten sich Zürcher und St.Galler nach langem Hin und Her einigen, dass der Globus als Replik in den Barocksaal zurückkehrt, wo er jetzt die Erde und den Himmel abbildet.

68 Bodensee Magazin Spezial | St.Gallen


AUSKUNFT St.Gallen-Bodensee Tourismus Bankgasse 9 CH-9001 St.Gallen Tel. +41 (0) 71 227 37 37 info@st.gallen-bodensee.ch www.st.gallen-bodensee.ch

ÖFFNUNGSZEITEN/ FÜHRUNGEN Die Kathedrale steht tagsüber Besuchern offen. Während Gottes­diensten sind touristische Besuche oder Führungen nicht gestattet. Die Stiftsbibliothek ist täglich von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Über die wenigen Schliesstage informiert die Homepage der Stifts­bibliothek. www.stiftsbibliothek.ch Der Stiftsbezirk ist Thema verschiedener Publikationen. Hingewiesen sei auf den «St.Galler Stadtführer mit Stiftsbezirk» (erhältlich bei St.Gallen-Bodensee Tourismus an der Bankgasse 9, in den Buchhandlungen der Stadt oder über den Buchhandel). Eine Fachbuchhandlung in Sachen Stiftsbibliothek St.Gallen ist der Museumsshop der Stiftsbibliothek (gleiche Öffnungszeiten wie die Stiftsbibliothek).

Stiftsbibliothek St.Gallen Klosterhof 6D CH-9000 St.Gallen Tel. +41 (0) 71 227 34 16 stibi@stibi.ch www.stiftsbibliothek.ch

ZUM THEMA St.Gallen ist trotz kleiner Bevölkerungszahl (70.000) ein blühendes Zentrum für Dienstleistungen und kulturelle Veranstaltungen. Stadt und Klosterbezirk bereichern sich heute gegenseitig. Das war nicht immer so: Mit der Glaubens­ spaltung des 16. Jahrhunderts lebten sie sich auseinander; eine Binnenstadtmauer trennte die Stadt vom Kloster, das ein eigenes Stadttor errichtete. Der Stiftsbezirk St.Gallen war bis 1805 das Verwaltungs­zentrum des sanktgallischen Kloster­ staates. Damals beschloss der St.Galler Stadtrat die Aufhebung des Klosters mit 36 zu 33 Stimmen. Die Stiftsbibliothek zeigt im Barocksaal zweimal jährlich wechselnde Sonderausstellungen zu Themen rund um die Klostergeschichte. Eindrücklich sind die originalen Handschriften, die gezeigt werden.

KULTUR St.Gallen ist eine Kulturstadt mit einem reichhaltigen Angebot. Von der grossen Oper bis zum zeitgenössischen Tanztheater oder Musikfestivals (z. B. «Nordklang») – die Stadt St.Gallen zeichnet sich in allen Sparten durch ein attraktives und vielfältiges Kultur- und Unterhaltungsangebot aus. www.theatersg.ch Mit Ausstellungen zu Kunst, Kultur, Natur und Geschichte leisten die Museen im Stadtpark, das Textilmuseum und die Institutionen im Lagerhaus einen wichtigen Beitrag für das Kultur­leben der Stadt.

In den vergangenen Jahren haben sich aber vor allem die St.Galler Festspiele im Kloster­hof (Juni/ Juli) zu einem Gross­anlass entwickelt. www.stgaller-festspiele.ch Außerdem ist ein neues Kultur­zentrum entstanden: Die Lokremise, ein paar Gehminuten vom Hauptbahnhof St.Gallen entfernt. Als grösstes noch erhaltenes LokomotivRingdepot der Schweiz ist sie ein einmaliger Ort für Tanz, Theater, Film, Kunst, Gastronomie und mehr. www.lokremise.ch

St.Gallen | Bodensee Magazin Spezial 69


Foto: Achim Mende


Himmelreich

des BAROCK

Der Oberschwäbische Barock ist ein einzigartiges Phänomen! In einem Zeitraum von rund 150 Jahren, zwischen dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Auftreten Napoleons, zwischen Renaissance und Klassizismus, entstanden in Oberschwaben eine Welt und ein Kunstschaffen, das die Region bis heute prägt und den Besucher immer wieder aufs Neue staunen macht.

s

ichtbarste Monumente der Epoche sind die in der Region zwischen Wiblingen und St.Gallen so beeindruckend erhaltenen Residenzen, Klöster und Kirchen und ihre so grandios mit Malereien und Skulpturen, mit Stuck und Kunsthandwerk ausgeschmückten Innen­räume. Aber nicht nur: Im Dienst des katholischen Glaubens entstehen musikalische und literarische Werke, die nicht nur die Schöpfung feiern, sondern zugleich dem Menschen Sinn und Ordnung der Welt und seines Daseins erklären. Das barocke Oberschwaben als Gesamtkunstwerk! Diese Welt des barocken Oberschwabens ist aber kein lebloses historisches Überbleibsel. Sie lebt bis heute fort – nicht nur in der Landschaft und ihrer Gestaltung, in Architektur, Kunst und Musik, sondern auch und ganz speziell in der lebensfrohen Mentalität der Menschen. Die Freude am Leben, am leiblichen Genuss, an Musik, Fest und Spiel wurzelt, da besteht kein Zweifel, tief im Barock. Für die Oberschwaben, die mit dem Barock aufwachsen, ist er ein „Stück sichtbar gewordenes Seelenleben. So ähnlich wie die Butterbrezel und das Fasnetstreiben“ (Thomas Moritz Müller, Künstler und Journalist). So betrachtet ist der Barock – gerade in Oberschwaben – nicht nur ein akademischer Kunststil, nach dem eine Epoche benannt wurde, sondern eben auch eine Lebenseinstellung, die es ermöglicht, in der Welt beheimatet zu sein und sich seines Daseins zu erfeuen. Das steckt an! Man muss nämlich nicht in dieser geseg­ neten Region geboren sein, um dieses Lebensgefühl zu erfahren, ja sich ihm zu ergeben. Eine Fahrt entlang der Oberschwäbischen Barockstraße, ein Besuch in einem der Schlösser und Klöster, in einer der großartigen Stadt- oder Dorfkirchen, der Genuss eines Orgelkonzerts oder eines Festes, vielleicht in Verbindung mit einem guten Bier oder einem wunderbaren Wein vom Bodensee, eignen sich bestens, um in jedem Gast die „Oberschwäbin“, den „Oberschwaben“ zu wecken. Und so ist das barocke Oberschwaben vor allem eine Einladung, eine Einladung zu vielfältigem Kunstgenuss und entspannter, hoffentlich selig­machender Lebensfreude!

UNTERWEGS ENTLANG DER OBERSCHWÄBISCHEN BAROCKSTRASSE Innerhalb von sechs Themenwelten lässt sich auf den Spuren des BAROCK die Region von Wiblingen bis St.Gallen (CH) bereisen. Besucher können BAROCK bestaunen, BAROCK erleben, BAROCK entspannen, BAROCK erlauschen, BAROCK genießen und sogar BAROCK erschaudern.

A8

Ulm

Hauptroute Ostroute Südroute Westroute Verbindungsroute

Kloster Wiblingen Kloster Roggenburg Ehingen Munderkingen Veringenstadt Riedlingen

Kloster Heiligkreuztal Sigmaringen Leibertingen

A7

Donau

Biberach Bad Buchau

Mengen

Inzigkofen

Gutenzell-Hürbel Ochsenhausen

Steinhausen Rot an der Rot Bad Saulgau Bad Schussenried Kürnbach Aulendorf Bad Waldsee

Kloster Sießen

Meßkirch

Oberstadion

Kloster Habsthal Kloster Wald Pfullendorf

A96

Kartause Buxheim

Memmingen Ottobeuren

Bad Wurzach i. A. Leutkirch i. A. Weingarten

Hilzingen

Basilika Birnau Insel Mainau Konstanz

Wolfegg Ravensburg

A96

Kißlegg i. A. Kloster und Schloss Salem Neues Schloss Wangen i. A. Argenbühl Meersburg Neues Schloss Tettnang Isny i. A. Friedrichshafen

Kempten i. A. A7

Schloss Achberg

Langenargen Bod ense e

SCHWEIZ

Bregenz

St. Gallen

ca. 20 km

Trogen

ÖSTERREICH

Ulf Hailer Links: Wallfahrtskirche Steinhausen

Oberschwäbische Barockstraße | Bodensee Magazin Spezial 71


Foto: Frank MĂźller, Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen


Große und kleine

Kunstschätze erkunden

Adelspracht und Kirchenprunk – diese Stichworte stehen für pompöse Architektur mit üppigen Formen und lebendigen Farben und werden sofort mit der Epoche des BAROCK in Verbindung gebracht. Viele Kirchen, Klöster und Schlösser im Himmelreich des BAROCK lassen den Besucher sofort erkennen, dass es sich hier um barocke Architektur handelt. Wer jedoch mit offenen Augen die Oberschwäbische Barockstraße bereist, wird auch die kleinen Kostbarkeiten entdecken.


Fotos: Christiane WĂźrtenberger


Fünf Stationen

im Himmelreich des BAROCK

Die Klöster und Schlösser an der Oberschwäbischen Barockstraße sind auch Zeugnisse einer überaus lebensfrohen Weltauffassung. Begeben Sie sich auf eine Reise in eine Genussregion.

n

atürlich kann man in dieser Gegend eine Kunst­ reise machen und möglichst viele der über 100 Klöster, Kirchen und Schlösser besuchen, die ab dem 16. Jahrhundert im Zuge der Gegenreformation erbaut wurden. Oder man genießt die Oberschwäbische Barockstraße mit allen Sinnen. Begibt sich auf die Spuren­ suche der lebensbejahenden Barockzeit, in der die Menschen auch aus der Erfahrung des Dreißigjährigen Kriegs ganz im Hier und Jetzt leben wollten. Fünf GenussStationen stellen wir vor:

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REGIONALE BIERE: SCHLOSSBRAUEREI AULENDORF

Bier brauen dürfen – dieses Privileg genossen zu Barockzeiten viele Klöster Oberschwabens, heute wird die Tradition durch viele kleine Craft-Brauereien wiederbelebt. Eine von ihnen gehört Flo Angele. „Klar bin ich ein barocker Typ“, meint der Chef der Schlossbrauerei Aulendorf: „Ich esse gerne gut, ich trinke gern Bier, ich sitz gerne mit meinen Freunden zusammen. Barock ist hier in Oberschwaben heute vor allem eine genussvolle Lebensart.“ Seit 2014 braut der Bio-Brauer mitten in Aulendorf in der eigenen, kleinen Brauerei sein helles, naturtrübes Reibolf (rückwärts gelesen Flobier) und wechselnde Spezialbiere. Ausgeschenkt werden die Produkte im eigenen Wirtshaus, dem „Schalander“, und in einigen Restaurants in und um Aulendorf. Kaum Lieferwege, keine Filtration, keine Haltbarmachung, das garantiert Frische und Qualität. Und was mag der barocke Typ Flo Angele außer Bier und Essgenuss noch? Er spielt gerne Theater, erlebt gerne Theater und hat unterm Dach der Brauerei eine Kleinkunstbühne eingerichtet, die „Spielerei“. Das ganze pralle Leben eben. www.schlossbrauerei-aulendorf.de

DER BIBLIOTHEKSSAAL IM KLOSTER SCHUSSENRIED

Was für eine Pracht! Und so viele Bücher! Rücken an Rücken stehen sie in den hellblauen, mit goldener Farbe verzierten Regalen im Bibliothekssaal des ehemaligen Klosters Schussenried. Erst beim Herantreten merkt man: Das sind ja gar keine Bücher, das ist alles nur gemalt. Schöner Schein, typisch für das Zeitalter des Barock bzw. des Rokoko. Die Bücher standen in den Schränken dieses Mitte des 18. Jahrhunderts entstandenen, üppig ausgestalteten Lese- und Festsaals – einem der berühmtesten Kunstschätze entlang der Oberschwäbischen Barockstraße. Das riesige Deckengemälde, das der Maler Franz Georg Hermann und der Bildhauer Fidelis Sporer gemeinsam schufen, stellt neben der Geschichte der Kirche die göttliche Weisheit sowie Wissenschaften und Künste dar. Und es erinnert an einen ganz besonderen Mönch: Pater Mohr (1575–1625), der mit einem Fluggerät aus Gänsefedern die göttliche Ordnung ein wenig auf den Kopf stellen und fliegen lernen wollte. Man verbot ihm das bald. Aber der Mann, der auch Orgelbauer, Musiker, Schmied und Gärtner war, ging als Leonardo da Vinci Oberschwabens in die Geschichte ein. Von Bruchlandungen erzählt man sich. Aber auch davon, dass der fliegende Caspar Mohr über dem Kloster seine Runden drehte. Wahr? Zumindest eine schöne Geschichte. www.kloster-schussenried.de

Kostümführung mit dem fliegenden Pater Mohr im Bibliothekssaal des Kloster Schussenried (oben) Wirtshaus Schalander, Aulendorf (unten)

„Das Barock hat Oberschwaben geprägt. Wir genießen oft und gerne.“ Bio-Bierbrauer Flo Angele, Schlossbrauerei Aulendorf

Oberschwäbische Barockstraße | Bodensee Magazin Spezial 75


Fotos: Christiane WĂźrtenberger


Gastwirtschaft Fidelisbäck in Wangen (oben) BAROCK genießen im Hotel-Restaurant Grüner Baum in Bad Waldsee (unten)

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OBERSCHWÄBISCHE SEELEN VOM FIDELISBÄCK IN WANGEN

Hand in Hand arbeiten die beiden Bäcker am frühen Morgen im Fidelisbäck in Wangen im Allgäu: Der eine bricht die Oberschwäbische Seele mit den Händen aus dem Teig, formt sie und legt sie auf den sogenannten Seelenschießer, einen langen Holzstiel mit zwei breiten Vertiefungen vorne. Der andere schiebt die Seelen in den Ofen. Das Tempo ist hoch, die traditionsreiche Bäckerei mit der kleinen Gaststube backt 2 000 bis 2 500 Stück am Tag. Oberschwäbische Seelen sind baguetteartige Backwaren mit Kümmel und Salz. Früher wurden sie vermutlich vor allem zu Allerseelen gebacken. Heute gibt es sie tagtäglich und in mehreren Varianten. Die vom Fidelisbäck sind über die Grenzen Wangens hinaus bekannt. Woran das liegt? Fidelisbäck-Inhaberin Ursula Mönch meint, am Geheimrezept alleine bestimmt nicht, denn eigentlich kenne jeder die Zutaten. Aber: „Bei uns werden sie besonders knusprig, weil sie noch paarweise in den Ofen geschossen und direkt nach dem Formen auf der Herdplatte gebacken werden.“ Außerdem arbeitet man bei Fidelisbäck ohne Backmischungen, lässt dem Teig die nötige Zeit. Und man hat halt auch schon ein paar Jährchen Erfahrung. Denn den Fidelisbäck gibt es seit mindestens 1505 – und die Seelen wohl auch fast so lange. In der Barockzeit jedenfalls waren sie schon bekannt. Noch etwas, Frau Mönch? Ja: „Unsere Seelen kommen direkt aus dem Paradies!“ Wie bitte? Das klingt jetzt aber sehr barock. „Die Adresse“, meint Ursula Mönch, „unser Fidelisbäck liegt in der Paradiesstraße Nummer 3.“ Und die ist schon alleine eine kleine Reise wert: Sie startet am Stadttor aus dem 14. Jahrhundert und verläuft, von alten Häusern gesäumt, bis zum Marktplatz. Der Fidelisbäck mit Fassadenmalereien von Toni Schönecker liegt bald hinterm Tor. In der Bäckerei gibt‘s links Backwerk, rechts in der Gaststube auch Leberkäse und Bier. www.fidelisbaeck.de

Bäckermeister Norbert Kiechle vom Fidelisbäck bietet Seelen feil

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BAROCKMAHL IM GRÜNEN BAUM IN BAD WALDSEE

Hauptsache bunt: Die grünen Knöpfle färbt Berthold Schmidinger mit Spinat, die roten mit Rote-Beete-Saft, die gelben mit Safran. Im Barock liebte man es exzentrisch, gegensätzlich und üppig, falls man es sich leisten konnte – und das galt auch fürs Essen. Berthold Schmidinger, Chef und Koch im traditionsreichen Grünen Baum im Herzen von Bad Waldsee, experimentiert gerne mit den Rezepten von damals, veranstaltet Abende mit barocken Menüs. „Wir Köche sind immer offen für Neues“, meint er. Entwickelt hat er die Idee der Barockabende mit dem Bad Waldseer Stadtarchivar Michael Barczyk. Der forscht über die Epoche und hat sich auch ausführlich mit ihren kulinarischen Gepflogenheiten beschäftigt. Schmidingers Barockessen besteht immer aus mehreren Gängen und wird so auch zum Geschichtsunterricht. Denn die „Brennte Supp“ mit Dinkelmehl, Most, Gemüsebrühe und geröstetem Brot, die es als Vorspeise gibt, war eine Speise der einfachen Leute und des Bürgertums. Das Mousse von Seefischen mit Molke und wilden Kräutern genoss vor allem der Klerus. Die zahme Ente mit wilden Beeren, Kraut und Rüben war ein Adels- und Bürgergericht. Und die Knöpfle? Das waren die Knödel im Barock. Die eine oder andere exzentrische Note haben wir übrigens von damals übernommen: Wild mit Preiselbeeren? Eindeutig barock. www.baum-leben.de

Berthold Schmidinger unternimmt in der Küche gern Ausflüge in die Zeit des Barock

Oberschwäbische Barockstraße | Bodensee Magazin Spezial 77


Fotos: Christiane Würtenberger

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ZOGENE KÜCHLE IM OBERSCHWÄBISCHEN MUSEUMSDORF KÜRNBACH

Und die Bauern, wie lebten sie im Barock? Im Museumsdorf Kürnbach in Bad Schussenried stehen mehr als 30 altoberschwäbische ländliche Wohn- und Wirtschaftsgebäude aus verschiedenen Jahrhunderten, darunter auch Bauernhöfe aus der Barockzeit. Damit die vergangenen Zeiten lebendig werden, leben im Museum auch Exemplare alter Nutztierrassen. Und es gibt Vorführungen des damaligen Handwerks. Monika Ströbele macht für uns heute Zogene Küchle, eine Bauernspeise, die man in der Region immer noch zur Fasnacht isst. Die Museumspädagogin zieht den Hefeteig aus Dinkelmehl über ihren Handrücken lang und backt ihn in Fett aus. Durch das Ziehen des Teigs werden die Küchle in der Mitte hauchdünn und knusprig, an den Rändern bleiben sie schön dick. Noch so ein Gegensatz, wie ihn die Leute im Barock liebten. Mit Zimt und Zucker ein wahrer Genuss! www.museumsdorf-kuernbach.de

Oberschwäbische Barockstraße Sie umfasst 760 Kilometer, vier Routen und über 50 Barockerlebnis­ stationen. Mehr Informationen zum Barock und zur Region unter www.himmelreich-des-barock.de

78 Bodensee Magazin Spezial | Oberschwäbische Barockstraße


AUSKUNFT Alle Informationen zur Oberschwäbischen Barockstraße gibt es bei der Oberschwaben Tourismus GmbH Neues Kloster 1 88427 Bad Schussenried Tel. +49 (0) 7583 92638-0 www.oberschwaben-tourismus.de www.himmelreich-des-barock.de www.facebook.com/oberschwabenallgaeu #wirsindbarock

Weitere Stationen entlang der Oberschwäbischen Barockstraße:

Kißlegg www.kisslegg.de

Kloster Ochsenhausen www.kloster-ochsenhausen.de

Bad Schussenried www.bad-schussenried.de

Kloster Heiligkreuztal www.kloster-heiligkreuztal.de

Ottobeuren www.ottobeuren.de

Kloster Schussenried www.kloster-schussenried.de

Kloster Wiblingen www.kloster-wiblingen.de

Ferienregion Nördlicher Bodensee www.noerdlicher-bodensee.de

Bad Waldsee www.bad-waldsee.de

Memmingen www.memmingen.de

Weingarten www.weingarten-online.de

Bad Wurzach im Allgäu www.bad-wurzach.de

Neues Schloss Tettnang www.schloss-tettnang.de

Wolfegg www.wolfegg.de

Biberach a. d. Riß www.biberach-riss.de

Ochsenhausen www.ochsenhausen.de

Naschende Putten und heilige Leiber Prunkvolle Schlösser und Gebeine in kostbaren Gewändern: Etwas bizarr ist die Barockzeit aus heutiger Sicht und gerade deshalb faszinierend. Hier kann man Barockkirchen bestaunen, im Klostergarten entspannen, üppige Barockmenüs genießen, Orgelmusik erlauschen, den größten Blutritt Europas erleben oder beim Anblick verzierter Gerippe erschaudern. Ein Routenführer der Oberschwäbischen Barockstraße präsentiert die Region zwischen Donau und Bodensee innerhalb von sechs Themenwelten. 750 Kilometer, 4 Routen und drei Länder Die Oberschwäbische Barockstraße besteht aus vier Routen und führt durch Deutschland, Österreich und Schweiz an großen und kleinen Schätzen der Barockzeit entlang. Von Wiblingen bis St.Gallen und Sigmaringen bis Kempten können die eindrucksvollsten Barockschlösser der Region besichtigt werden. Der reich geschmückte Bibliothekssaal im Kloster Wiblingen, das prächtige Neue Schloss in Kißlegg oder das Neue Schloss Tettnang sind Zeugen der Grenzenlosigkeit barocker Kunst. Alle Informationen rund um die sechs Themenwelten erhalten Sie unter: www.himmelreich-des-barock.de.

Den Routenführer erhalten Sie kostenfrei bei der Oberschwaben Tourismus GmbH Neues Kloster 1, 88427 Bad Schussenried Tel. +49 (0) 7583 92638-0 info@oberschwaben-tourismus.de www.oberschwaben-tourismus.de www.facebook.com/oberschwabenallgaeu www.instagram.com/oberschwabenallgaeu

Oberschwäbische Barockstraße | Bodensee Magazin Spezial 79


Das Zisterzienserkloster

Salem

Die Mönche hatten der ersten im Mittelalter entstandenen Klosteranlage den heiligen Namen Salem nach dem biblischen „Ort des Friedens“ gegeben. Salem, seit 2009 zum großen Teil im Besitz des Landes Baden-Württemberg, ist noch heute dank Schule, Weingut (und Wohnsitz) des Markgrafen von Baden, beider Kirchengemeinden, der Basilika Birnau und zahlreicher interessierter Gäste in den Museen, bei Ausstellungen und Veranstaltungen ein überaus lebendiges Ensemble, das sein besonderes Flair als „Ort des Friedens“ bewahrt hat.


Fotos: Achim Mende


Über dem Bodensee thront die Wallfahrtskirche und Barockbasilika Birnau. Mit ihrem wunderschönen Bildprogramm und den Stuckaturen Joseph Anton Feuchtmayers zieht sie zahlreiche Besucher an. Ebenso die Wallfahrten, die übers ganze Jahr Pilger an den Bodensee führen. Die Basilika wurde im Auftrag des Zisterzienserklosters Salem erbaut.


Zwischen Repräsentation

und Askese

„Der hochwürdige, des Heiligen Römischen Reiches Prälat und Herr des königlich eximierten, konsistoralen und unmittelbar freien Reichsstiftes und Münsters der allerseligsten Jungfrau Maria von Salem regierender Abt der beiden kaiserlich-königlichen und königlich apostolischen Majestäten wirklicher Geheimer Rat“. So lautete der offizielle Titel von Anselm II. Schwab, 38. Abt in Salem von 1746 bis 1778.

n

och deutlicher hätte er seine politischen Ambitionen als Prälat der Reichsabtei Salem nicht formulieren können. Und eindrucksvoll präsentiert der vom „Bauwurmb“ ergriffene Abt seine Funktion sowie die Stellung Salems im Reich durch seine außer­ ordentlichen Bauvorhaben, mit denen er Salems Erscheinungsbild nachhaltig prägte: Neugestaltung des Münsters mit Alabasteraus­ stattung im klassizistischen Stil, Vierungsturm mit 16 Glocken, der Neubau einer gewaltigen Orgelanlage mit über 7.000 Pfeifen, die Ausstattung des Abt-Appartements mit feinstem Rokoko-Stuck, Einrichtung und Ausstattung der Bibliothek, nicht zuletzt die Verlegung der Marienwallfahrt und Neubau der Wallfahrtskirche Birnau. Allein den Kaisersaal, das Herzstück der Prälatur im repräsentativen Teil des Klosters, ließ Anselm in seiner Programmatik und Ausstattung weitgehend unangetastet. Zu wertvoll hinsichtlich seines Bildschmucks und dessen Bedeutung erschien der Kaisersaal dem Kloster und dem Abt: Als freie Reichsabtei und Konsistorialstift untersteht Salem nur dem Kaiser und dem Papst – jeder Besucher im Kloster musste dies begreifen.

Würde man sich als Gast des Abtes im 18. Jahrhundert der Klosteranlage nähern, fielen sofort Anselms ambitionierte Neu- und Umbauten, Ausdruck seines fürstlichen Repräsentationsbedürfnisses, ins Auge: prächtige, von Alleen gesäumte Chausseen, die zum Kloster führen, der (damals noch stehende) 60 Meter hohe Glockenturm des Münsters, Obstspaliere, mit Statuen geschmückte Brunnenanlagen in den Klos­ ter­höfen und Gartenanlagen – nicht nur die Innenräume, sondern sogar der Pferdestall prächtig ausgestattet; nicht zu vergessen: die ehrwürdige Mönchskirche mit reichstem ornamentalem und figürlichem Schmuck. Dies alles erscheint als Widerspruch zu dem von Askese, Demut und Armut geprägten Lebensideal der Mönche, von dem die Zisterzienser auch Vorgaben für Anlage und Ausstattung ihrer Klöster ableiteten. Doch zurück zu den Anfängen: Wie kamen die Zisterzienser an diesen Ort? Wie entwickelte sich das Kloster im Laufe der Jahrhunderte und wie konnte trotz Armutsbekenntnis der Mönche eine solch „fürstliche“ Anlage mit schlossartigem Erscheinungsbild entstehen?

Foto: Achim Mende

Kloster und Schloss Salem (unten). Portrait Abt Anselm II. Schwab (oben links) Ofenkacheln mit histor. Bildmotiven aus dem Klosterleben (oben rechts)


VON DER EIGENEN HÄNDE ARBEIT LEBEN Der Orden der Zisterzienser hatte sich im 11. Jahrhundert im Burgund als Reformbewegung aus dem Benediktinerorden herausgebildet. Man wollte wieder zurück zum Kern monastischer Lebensformen, wie sie die Regeln des Hl. Benedikt von Nursia beschreiben; diese Regeln sollten „richtig“ interpretiert und wieder streng wortgenau befolgt werden. In offener Kritik an den bestehenden Verhältnissen in den Benediktiner­ klöstern sollten die Mönche nicht durch Zuwendungen der Weltlichen existieren oder den Zehnten einfordern, sondern „von der eigenen Hände Arbeit leben“. Vorbildliche Lebensweise, die Einführung einer Ordensverfassung (Charta caritatis), effizientes Wirtschaften, vor allem aber auch die charismatische Persönlichkeit des Hl. Bernhard, Abt von Clairvaux (1090–1153) führten zu einer hohen Akzeptanz und damit raschen Ausbreitung des Ordens in Europa. AUS SALEMANSWILARE WIRD SALEM 1134 stiftete Guntram von Adelsreute den Ort Salemanswilare und weitere Güter dem aufstrebenden Orden. Möglicherweise sollte Guntram als Parteigänger der Staufer durch die Klostergründung staufischen Einfluss im Welfengebiet sichern. Jedenfalls war Salem in der weiteren Geschichte den Staufern eng verbunden. 1137 bezog der Gründungskonvent von zwölf Mönchen aus dem Kloster Lützel im Elsass unter Abt Frowin (1137–1165) das neue Kloster. Ob der Ort Salmansweiler damals ein intaktes Dorf oder eine Wüstung war, ist nicht bekannt. Ebensowenig kennt man Aussehen und Ausmaß der ersten mittelalterlichen Klosteranlage. Die Mönche hatten dem Kloster den ‚heiligen‘ Namen Salem (nach dem biblischen „Ort des Friedens“) gegeben, der alte Ortsname Salmansweiler war aber bis ins 19. Jahrhundert als Bezeichnung des Klosters gebräuchlich.

Das Kloster besaß wohl bereits eine recht imposante romanische Kirche; denn zu den ältesten Überresten Salems zählen die mächtigen Dachziegel von der ersten Klosterkirche, die im gotischen Neubau zum Teil wiederverwendet wurden. (Diese ältesten, zum Teil beschrifteten Ziegel sind heute im Münster ausgestellt.) Bereits in den ersten Jahrzehnten nach der Gründung gelang es dem Kloster durch weitere Stiftungen, aber auch durch Erwerb von Grund und Boden seine Wirtschaftsflächen gewaltig auszudehnen. Zum Kloster­besitz gehörten landwirtschaftliche Güter nicht nur rund um das Klosterareal bis an den Bodensee, sondern auch in weiter entfernten Regionen – im Hegau, im Schwarzwald, in Oberschwaben und auf der schwäbischen Alb. Eine wirtschaftliche Blütezeit erlebte das Kloster unter Abt Eberhard I. von Rohrdorf (1191–1240), der dem Kloster fast fünfzig Jahre vorstand. Das wirtschaftliche Wachstum der Abtei und die Ausdehnung seines Besitzes wurden dadurch begünstigt, dass der Orden im 13. Jahrhundert längst die strengen Vorgaben zur Eigenwirtschaft gelockert und den Lebensverhältnissen angepasst hatte; Grunderwerb war nun erlaubt. So konnte das Kloster seinen Landbesitz arrondieren, weitere Grundstücke kaufen und sogar in den Städten Besitz erwerben. Um 1250 bewirtschaftete das Kloster 22 Grangien (landwirtschaftliche Großhöfe), die Produkte verkaufte man in den Städten in eigenen Pfleghöfen, den sogenannten Salmans­ weiler Höfen. Neben Land- und Viehwirtschaft war vor allem der Weinbau Erwerbsgrundlage. Zum nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg trug aber auch der Salzhandel bei, den das Kloster seit Eberhards Zeiten erfolg­reich betrieb. 1201 hatte der Salzburger Erzbischof den Salemern eine Salzpfanne bzw. einen Salzstock bei Hallein geschenkt.

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BLÜTE IM MITTELALTER Sichtbarer Ausdruck von Salems Erfolgsgeschichte im Mittelalter ist das gotische Münster, das Abt Ulrich II. von Seelfingen (1282–1311) ini­ tiierte. Unter Abt Ulrich erreichte das Kloster nicht nur eine wirtschaftliche und spirituelle Blüte, sondern auch die höchste Mitgliederzahl; nach Quellenberichten bewirtschafteten 310 Mönche und Konversen den Klosterbesitz, was den Neubau der Mönchskirche im gotischen Stil erforderte: In jeder Hinsicht hatte man nun höhere Ansprüche. Zwar erlitt Salem auch Rückschläge und Notsituationen wie z. B. in den Bauernkriegen und im Dreißigjährigen Krieg. Doch die über die Jahrhunderte immer wieder bestätigte Reichsunmittelbarkeit Salems, verbunden mit durch Kaiser und Papst gewährten Privilegien sowie schließlich die Gründung einer „Oberdeutschen Kongregation“ des Zisterzienserordens (1619), der Salem vorstand, veranlassten die Äbte zu repräsentativen Um- und Neubauten. Unter Abt Thomas I. Wunn (1614–1647) erfolgten umfangreiche Baumaßnahmen mit dem kompletten Neubau des Konventsgebäudes und zahlreicher Wirtschaftseinrichtungen (wie z. B. dem heute noch genutzten großen Weinkeller im Oberen Langbau). Als in einer kalten Märznacht 1697 ein explodierender Ofen einen Großbrand auslöste, lieferte besonders die nach den Zerstörungen des Dreißigjährigen Kriegs erfolgte prächtige Ausstattung mit Stucka­ turen und Ölgemälden den Flammen Nahrung, wie Augenzeugen berichteten. Von der hohen künstlerischen Qualität der Ausstattung zeugen, abgesehen von Spolien, einige wenige Objekte, die vom Brand verschont geblieben sind, wie zum Beispiel der Marienaltar von Bernhard Strigel (1460–1528). Der Konvent entschloss sich augenblicklich zum Abriss der Brandruine und zum vollständigen Neubau der Konvents- und Abteigebäude. REPRÄSENTATIONSLUST IM BAROCK Die Äbte Emanuel Sulger (1680–1698) und Stephan I. Jung (1698–1725) ließen durch den Vorarlberger Baumeister Franz Beer zwei baugleiche Vierflügelanlagen als Konventsgebäude und Prälatur, verbunden durch einen Mittelbau, errichten. Dass die repräsentative barocke Um­gestaltung die gesamte Klosteranlage (und die Landschaft darüber hinaus!) mit einschloss, zeigen eindrucksvoll ideale Ansichten des 18. Jahrhunderts mit symmetrisch angelegten Hof- und Gartenanlagen, neu gestalteten Wirtschaftsgebäuden und repräsentativen Ställen sowie dem Neubau der Bruderschaftskirche mit einer gewaltigen Kuppel (der allerdings nie ausgeführt wurde). Barocke Repräsentationslust und Prestigedenken hatten sich nun endgültig im Zisterzienserkloster durchgesetzt. Auch die nachfolgenden Äbte Konstantin Miller (1725–1745), Stephan II. Enroth (1745–1746), der den Neubau der Wallfahrtskirche Birnau initiierte, sowie Anselm II. Schwab (1746–1778) verfolgten den weiteren repräsentativen Ausbau Salems. Obwohl man versuchte, im Erscheinungsbild dem Anspruch und der Bedeutung Salems als Reichsabtei, als Landesherrschaft sowie als Wirtschaftsmacht gerecht zu werden, so hat man keineswegs zisterzien­ sische Tugenden vernachlässigt; dazu zählen effizientes Wirtschaften sowie Innovationen, vor allem im landwirtschaftlichen Bereich, wie z. B. die Einrichtung einer Obst- und Gehölzbaumschule, die Einführung von Stecklingen „exotischer“ Obstsorten aus dem Ausland oder ein ausgeklügeltes Be- und Entwässerungssystem im Salemertal. Aber auch soziales Engagement wie die Gründung der „Ordentlichen Waisenkassa“ (1746), des Armenhauses Wespach (1784) oder der Bau einer öffent­ lichen Schule (um 1790) betrachteten die Mönche als ihre Aufgabe. War die repräsentative Erscheinung nach außen in den Augen der Äbte und ihrer Zeitgenossen sicher erforderlich, so unzweifelhaft bestanden die Äbte auf Einhaltung der Ordensregeln nach innen. So hat Anselm längst gelockerte Regeln im Konvent wieder verschärft. Und trotz üppiger Bewirtung hochgestellter Gäste hielten die Äbte persönlich die strengen Fastenvorschriften ein.

Durch diese vielfältigen Maßnahmen der Äbte erlebte Salem im 18. Jahrhundert eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Ihnen verdankt man nicht nur das heutige bauliche Ensemble mit seinen Kunstschätzen, sondern sie prägen die gesamte Region bis auf den heutigen Tag. VOM KLOSTER ZUM SCHLOSS Kurz vor der Säkularisation wurde Salem noch umfassend im klassizis­ tischen Stil umgestaltet, sogar einige neue Bauwerke errichtet. Doch im Herbst 1802 ging das klösterliche Leben dem Ende zu. Am 4. Dezember 1802 übernahm die Markgrafschaft Baden Salem in ihren Besitz. Der Konvent, der zunächst weiterbestanden hatte, löste sich schließlich aufgrund unüberbrückbarer Differenzen mit der weltlichen Domänenverwaltung am 23. November 1804 endgültig auf, die Mönche gaben ihr monastisches Leben auf und wurden in markgräfliche Dienste übernommen oder sie verließen, abgefunden mit Pensionen, Salem. Nach Auflösung des Klosters hat man in Salem zu jeder Zeit versucht, die Gebäude und Räume angemessen zu nutzen. Dabei blieb der Charakter des Klosterensembles weitgehend erhalten. Das prächtig ausgestattete und bis heute kaum veränderte Sommerrefektorium der Mönche wird seit dem 19. Jahrhundert als Betsaal der evangelischen Kirchengemeinde genutzt. Das Münster ist seit 1808 Pfarrkirche der katholischen Kirchengemeinde Salem. In der Landwirtschaft knüpfte man an die klösterliche Tradition an: Unter den Markgrafen wurde die Land- und Forstwirtschaft, der Wein- und Obstbau nicht nur fortgeführt, sondern modernisiert und die Erträge ausgebaut. Und man besann sich auf eine weitere klösterliche Tradition, nämlich die Bildung und Erziehung. Prinz Max von Baden veranlasste 1906 die Einrichtung einer Gewerbe- und Haushaltsschule, 1919 einer landwirtschaftlichen Winterschule. 1920 schließlich gründete er zusammen mit Kurt Hahn ein Internat für Jungen und Mädchen, die renommierte Schule Schloss Salem, die heute große Teile der Anlage nützt. Birgit Rückert

Der Mönch im Weinfass Eine der bekanntesten Salemer Kloster-Anekdoten verbindet sich mit einem gewaltigen Fass, das um die Mitte des 15. Jahr­ hunderts auf Veranlassung von Abt Georg I. Münch (1441–1451) gebaut worden sein soll und eine Füllmenge von rund 40 Fuder (= 60.000 l) aufgewiesen haben soll. Stets mit den besten Weinen befüllt, schöpfte man nur an hohen Festtagen aus dem Fass und der Kellermeister trug die Kellerschlüssel stets achtsam bei sich. Als er jedoch einmal fest eingeschlafen war, stibitzte ihm ein besonders trinklustiger Mönch den Schlüssel. Nach der Abendmesse schlich er sich oft in den Weinkeller und schöpfte aus dem Fass, bis eines Abends der Kellermeister den Zapfhahn ausgetauscht hatte. Also stellte der durstige Mönch eine Leiter auf, stieg auf das Fass und öffnete die Tür des riesigen Spund­ lochs. Er trank gierig so viel Wein, dass ihm schwindlig wurde, er in das Fass hineinfiel und dort ertrank. Als der Kellermeister mit einer Stange den Füllstand des Fasses prüfen wollte, stieß er auf den Körper des ertrunkenen Mönchs. Der Kellermeister erzählte nichts von seinem Fund, da er be­fürch­tete, der Wein könnte durch den Leichnam bei seinen Mitbrüdern als verunreinigt gelten. Also zog er den ersoffenen Trunkenbold aus dem Fass und begrub ihn heimlich bei Nacht. Erst kurz vor seinem Tod gestand der Kellermeister sein Vergehen, starb aber, ehe er das heimliche Grab verraten konnte. So muss der Mönch bis heute ruhelos im Keller als Gespenst umherirren. Hört der Besucher von heute Sandalenschritte und ein leises Kratzen, als ob jemand mit Fingern über metallene Fassreifen reißt, dann weiß er: Der Mönch ist nicht weit ...

Sommerprälatur Schloss Salem (oben) Salemer Münster innen (unten)

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AUSKUNFT Kloster und Schloss Salem Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg Eingangspavillon Schloss Salem D-88682 Salem Tel. +49 (0) 7553 / 916 53-36 schloss@salem.de www.salem.de

Bodensee-Linzgau Tourismus e.V. Unteres Tor Schloss Salem D-88682 Salem Tel. +49 (0) 7553 / 91 77 15 tourist-info@bodensee-linzgau.de www.bodensee-linzgau.de

ÖFFNUNGSZEITEN/ FÜHRUNGEN Öffnungszeiten 1. April–1. November Mo.–Sa. 9.30–18 Uhr, Sonn- und Feiertage von 10.30–18 Uhr Wintersaison: 2. November–31. März Sa., Sonn- und Feiertage 11–16 Uhr. Klostermuseum geöffnet, Schloss und Kloster geschlossen. Öffentliche Führungen jeden Sonntag um 15 Uhr, Treffpunkt Klostermuseum. Gruppenprogramme und Weinproben auf Voranmeldung unter: Tel. +49 (0) 7553 / 916 53-36 oder schloss@salem.de Besichtigung, Führungen Während der Saison täglich Führungen durch Kloster und Schloss. Münster, Museen und Ausstellungen sind ohne Führung zu besichtigen. Während der Hauptsaison: Erlebnisbus im Stundentakt – verbindet Schloss Salem mit dem Bahnhof Salem, Unteruhldingen (Pfahlbaumuseum) und dem Affenberg.

ZUM THEMA Abt Anselm II., die Musik und der Wein Bereits wenige Jahrzehnte nach der Klostergründung widmeten sich die Salemer Mönche dem Weinbau. Die Kultivierung von 88 Bodensee Magazin Spezial | Salem

Reben war ein wesentlicher Bestandteil der Wirtschaftstätigkeit der Klöster im Bodenseeraum. Der Seewein war allerdings nicht sehr geschätzt, ein Versuch des Salemer Abtes Anselms II. (17461778) den Seewein am Wiener Hof einzuführen, scheiterte kläglich – er war den kaiser­lichen Majestäten zu sauer. Dennoch kam die gute Organisation des Zisterzienserordens und der enge Austausch der Zisterzienser­klöster untereinander Salems Weinwirtschaft zugute, denn die Zisterzienser waren Spezialisten im Weinbau. Spätes­ tens seit der frühen Neuzeit bezog Salem, wenn auch in kleinen Mengen, zudem Wein aus dem Burgund – dem Ursprungsland des Zisterzienser­ordens. Seit seinem blamablen Experiment in Wien war Abt Anselm um Qualitäts­verbesserung beim Wein äußerst bemüht. Aber auch in Kunst, Architektur und Musik setzte Anselm höchste Maß­stäbe. So beauftragte er im Zuge einer umfassenden künstleri­schen Neugestaltung des Münsters einen der berühmtesten Orgel­bauer seiner Zeit, Karl Joseph Riepp, mit

dem Bau einer außer­ordentlichen Orgelanlage. Kosten spielten keine Rolle, höchste Qualität war gefordert. Karl Joseph Riepp war zu dieser Zeit bereits hochangesehener Orgelbauer in Dijon im Burgund, betätigte sich aber nebenbei als Weinbauer und Händler von Wein und Delikatessen. So lieferte er aus seiner Werkstatt nicht nur Orgelpfeifen nach Salem, sondern – wie wir aus dem regen Briefverkehr zwischen Anselm und Riepp wissen – Zitrus­früchte, Olivenöl, Dijonsenf sowie besten Wein aus Spanien und Frankreich. Doch nicht genug: Mit Riepps Orgelpfeifenlieferung trafen Reben „mit Wurzeln“ aus dem Burgund in Salem ein, die Burgunder­ reben brachten bald guten Ertrag. Anselms Qualitätsoffensive ist also gelungen – heute noch gedeiht bester Spätburgunder am See.

WAS SONST Weingut Markgraf von Baden Ganz in zisterziensischer Tradition steht der Weinbau in Salem: Was die Mönche über Jahrhunderte pflegten, führte das Weingut Markgraf von Baden zu neuen Höhen. Im 1620 erbauten Weinkeller reifen früher wie heute vorzügliche Weißweine und Spätburgunder Rotweine von den besten Lagen am Bodensee. Weinverkauf im historischen Torkel (alte Weinpresse), ganzjährig geöffnet. Vinothek Schloss Salem www.markgraf-von-baden.de

Schlossgastronomie Markgräflich Badischer Gasthof „Schwanen“ im ehemaligen Postwirtshaus des Klosters; Restaurant, Gästezimmer. Museumscafé im „Feuerwehrmuseum“. Weinstube „Zum alten Gefängnis“ www.schlosshotel-schwanen.de Feuerwehrmuseum Die Geschichte des Feuerwehrwesens und der Löschtechnik im Zisterzienserkloster Salem beginnt mit einem verheerenden Brand im März 1697. Aus dieser Erfahrung heraus wurden die Salemer Zisterzienser Vorreiter in Brandschutz und Löschtechnik. Das neu konzi­ pierte Feuerwehrmuseum in Salem erzählt diese Geschichte vom 16. bis ins 20. Jahrhundert – Spritzen und Geräte, Technik, Innovationen und bahnbrechende Ideen werden mit den Unternehmerpersönlichkeiten und deren Biografien verknüpft. Klostermuseum Das Klostermuseum in der Prälatur mit dem Zweigmuseum des Badischen Landesmuseums präsentiert „Meisterwerke der Reichsabtei“. Das Museum führt den Besucher chronologisch vom Hochmittelalter bis zum Spätbarock durch die wechselvolle Kunst- und Baugeschichte der einzigartigen Zisterzienserabtei. Absolutes Glanzstück der Ausstellung ist der Salemer Marienaltar von Bernhard Strigel, der um 1507/08 den Altar für die Marienkapelle schuf.


Foto: Achim Mende

DER BESONDERE TIPP

Wallfahrtskirche Birnau Die Basilika Birnau ist eine Wallfahrtskirche und ein Barockjuwel am Nordufer des Bodensees ca. 8 Kilometer von Kloster und Schloss Salem entfernt. Sie ist auch eine bedeutende Station der Oberschwäbischen Barockstraße. Zwischen den Jahren 1746 und 1749 wurde sie für die Reichsabtei Salem von dem Vorarlberger Baumeister Peter Thumb errichtet. Die Basilika ist reich an Stuckwerk, Skulpturen, Putten und Altären Joseph Anton Feuchtmayers. Außen relativ schlicht gehalten, beeindruckt die Birnau beim Betreten der Kirche mit den reich verzierten Innenräumen und Ornamenten allerorten. Berühmt geworden ist Feuchtmayers Putto „der Honigschlecker“ links oberhalb des Bernhardsaltars. Der Honigschlecker symbolisiert einerseits das rhetorische Talent des Hl. Bernhard von Clairvaux, des bedeutendsten Abtes des Zisterzienserordens,andererseits die Versuchung als Verfehlung. Die Deckenfresken enthalten zahlreiche Anspielungen und Bezüge auf die Reichsabtei Salem und deren Geschichte. Im Mittelpunkt des Bildprogramms steht die Gottesmutter Maria. Zentrum der Marienverehrung ist das altehrwürdige Gnadenbild des Hauptaltars, eine spätgotische Sitzstatue der Madonna mit dem Christuskind. Von großer Bedeutung ist auch die Darstellung der Maria als „Weib der Apokalypse“, die symbolisch die Schlange, als Urheberin der Ursünde, zertritt. Die Ikonographie in der Basilika Birnau ist im Allgemeinen sehr komplex und erfordert eine eingehende Exegese. Gerade das macht die Birnau so spannend und für Kirchenfreunde zu einer wahren ikonographischen Fundgrube. Der Prälatenweg Auf den Spuren der Zisterzienser von Kloster und Schloss Salem zur Wallfahrtskirche Birnau: Der Prälatenweg verband auf kürzester Strecke das Kloster mit seiner Bootsanlegestelle in Maurach und weiteren Grangien. Mit dem Neubau der Wallfahrtskirche Birnau wurde aus dem Wirtschafts- ein Prozessionsweg. Heute ist der Prälatenweg ein beliebter Wander­­weg durch die idyllische Landschaft der Bodenseeregion. Öffnungszeiten der Basilika Sommer: 7.30–19 Uhr, Winter: 7.30–17.30 Uhr

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Meßkirch Das Stadtbild Meßkirchs wird bereits von weitem durch das Renaissance-Schloss der Grafen von Zimmern und die Barockkirche St. Martin geprägt. Beim Gang durch die mittelalterliche Altstadt wandelt man auf den Spuren berühmter Persönlichkeiten, denen Meßkirch den Bei­ namen „badischer Geniewinkel“ zu verdanken hat. Liebhaber alter Automobile und Motorräder sollten das Oldtimermuseum nicht verpassen. Das Martin-HeideggerMuseum informiert über den bekannten Philosophen, die Kreisgalerie Schloss Meßkirch bietet Kunstinteressierten eine Dauerausstellung mit ausgewählten Werken aus der Kunstsammlung des Landkreises Sigmaringen von der gotischen Plastik und barocken Altartafelbildern bis zu Werken zeitgenössischer Kunstschaffender sowie mehrmals im Jahr wechselnde Sonderausstellungen. Ebenfalls einen Besuch wert sind die vielfältigen Veranstaltungen rund um das Schloss: Konzerte, Kabarett- und Kleinkunstveranstaltungen, Freilichtaufführungen und vieles mehr! Tourist-Information Meßkirch Hauptstr. 25-27 D-88605 Meßkirch Tel. +49 (0) 7575 20646 info@messkirch.de www.messkirch.de www.schloss-messkirch.de


Campus Galli – Karolingische Klosterstadt Meßkirch

Es ist ein Projekt, das vor 1200 Jahren begann…

Handwerker arbeiten seit fast 5 Jahren daran, ein mittelalterliches Kloster zu bauen, wie es Mönche im 9. Jahrhundert auf der Insel Reichenau gezeichnet und beschrieben haben: eine große Abteikirche, Wohnräume, Werkstätten, Stallungen und Gärten. Auf der Mittelalterbaustelle „Campus Galli“ bei Meßkirch soll im Laufe der kommenden Jahre eine ganze Stadt im Wald entstehen!

d

och wie baute man vor 1200 Jahren? Wie spaltete man Schindeln, schmiedete eine Axt oder färbte die Wolle? Welche Getreide wuchsen auf den Äckern und welche Heilkräuter in den Gärten? Die Mittelalterbaustelle ist gleichermaßen ein Forschungs­ projekt wie ein Freilichtmuseum, die Besucher tauchen in eine Welt ein, in der es keine Maschinen gibt, jeder Arbeitsschritt von Hand gemacht werden muss, mühsam, bei Wind und Wetter. Bäume werden gefällt und mit der Axt zu Balken behauen, Gewänder genäht, der Acker bestellt. Beim Schreiner riecht es nach frischem Holz und die Glut der Schmiedewerkstatt pulsiert hell im Takt der Blasebälge, während der Schäfer die Tiere zur Weide führt. Der Besucher erlebt bei „Campus Galli“ all die Dinge, die auch den Alltag der Menschen im Mittelalter bestimmten. Jeder Tag ein wenig anders, je nach Jahreszeit, je nach Baufortschritt. Seit fünf Jahren wird nun an Campus Galli gearbeitet. Es wurden zahlreiche Werkstätten errichtet und eine Kirche aus Holz gebaut. Ab 2018 wird intensiv an einer großen Scheune gebaut, in der die Mönche früher ihre Garben eingelagert und das Korn gedroschen hätten. Daneben wird an einem Obst- und einem Gemüsegarten gearbeitet, dessen Zaun und Mauer die Hühner und Ziegen aussperren soll. Die großen Klöster wie St.Gallen und Reichenau entstanden durch die Hand von Steinmetzen, Zimmermännern, Schmieden und vielen weiteren Handwerkern. Die Klöster waren Orte des Wissens und des Glaubens und damit wichtige Pfeiler, auf denen die mittelalterliche Gesellschaft ruhte.

Pfosten mit geschnitzten Flechtwerkmuster für die Kirche (oben links) Platz am Rathaus „Marktbrückle“ (Mitte) Meßkircher Stadtbild von oben (unten)

Campus Galli – Karolingische Klosterstadt Meßkirch Öffnungszeiten 2018 24. März bis 04. November täglich von 10 bis 18 Uhr, Mo. Ruhetag (außer an Feiertagen) Eintrittspreise Erwachsene: 9 €, Kinder bis 16 Jahre: 6 € Schüler, Studenten mit Ausweis ab 16 Jahren 7 € Familien mit Kindern von 6 – 15 Jahren 21,50 € Weitere Preise und Gruppenpreise auf Anfrage. Führungen für Gruppen nach Voranmeldung. Kontakt Tourist-Information Meßkirch, Tel. +49 (0) 7575 206 47 booking@campus-galli.de, www.campus-galli.de

Bau einer Mauer im Obstgarten (links), Holzkirche (Mitte), der Altar wird aufgerichtet (rechts)

Klosterstadt Meßkirch | Bodensee Magazin Spezial 91


Stein am Rhein

Museum Kloster Sankt Georgen

Neben den grossen monastischen Zentren in St.Gallen und auf der Insel Reichenau prägte eine Vielzahl kleinerer Klöster die mittelalterliche Kulturlandschaft von Hochrhein und Bodensee. Eine der Perlen befindet sich im Städtchen Stein am Rhein: Das ehemalige Benediktinerkloster Sankt Georgen hat den Sprung in die Gegenwart in erstaunlich intaktem Erhaltungszustand geschafft. Ein Rundgang durch das Klostermuseum lässt die Besucherinnen und Besucher in eine vergangene Welt eintauchen.

u

m das Jahr 970 als Eigenkloster der Schwäbischen Herzöge auf dem Hohentwiel gegründet, verlegte Kaiser Heinrich II. das Kloster zu Ehren des Drachentöters St. Georg an den Ausfluss des Rheins aus dem Untersee. An diesem wichtigen Verkehrsknoten bauten die Benediktiner ab 1007 eine beeindruckende Klosteranlage auf. Sie lässt sich noch heute in allen wesentlichen Teilen erfahren, von den Ökonomiebauten und Gästehäusern um die drei Klosterhöfe über die ehemalige Kloster- und heutige Stadtkirche mit ihren spätmittelalter­lichen Fresken bis hin zu den Gebäuden der Klausur, die in einem Besuch des Klostermuseums zu besichtigen sind. Der Museumsrundgang führt durch die Abtskapelle, durch Winterund Sommerrefektorium, Kapitelsaal, spätmittelalterlichen Kreuzgang und Klostergarten zu den ehemaligen Wohnzellen der Benediktinermönche und den Privaträumen der Äbte. Hier, in den Gebäuden der Prälatur, die unter den letzten drei Klosteräbten vor der Reformation errichtet und ausgeschmückt wurden, erwarten die Besucher die Höhepunkte des Klosterrundgangs: Eine reiche Ausstattung an Täfelungen und Schnitzwerken sowie zahlreiche Wandgemälde zeugen von Wohlstand und Bildung der letzten Mönche in Sankt Georgen.

Hauptattraktion bildet der Freskenzyklus des Festsaals, eines der frühesten und bedeutendsten Zeugnisse der Renaissancemalerei nördlich der Alpen. Er wurde unter David von Winkelsheim um 1516 ausgeführt, dem letzten Abt vor der Aufhebung des Klosters durch die Reformation. Abt David verpflichtete für die Ausmalung namhafte Künstler des süddeutschen Raums, unter anderem einen Sohn der bekannten Augsburger Malerfamilie Holbein. Das Bildprogramm beweist humanistische Bildung und Weltläufigkeit: Figuren der antiken und christlichen Mythologie stehen neben grossen szenischen Bildern aus der Geschichte Roms und Karthagos sowie einer vielteiligen und in ihrer Art einmaligen Darstellung eines spätmittelalterlichen Jahrmarktes beim Ort Zurzach. Gerade das Jahrmarktspanorama mit seinen zahlreichen Protagonisten und Episoden vermag ein faszinierendes Schlaglicht zu werfen auf die Lebenswelten des ausgehenden Mittelalters. In diesen Räumen legt die Klosteranlage Zeugnis ab von Zeiten eines regen Austausches entlang der europäischen Wasser­ strasse Rhein, die nicht nur Menschen und Güter sondern auch humanistische Bildung und Kultur miteinander verband.

Der „Bannhof“ (Klostergarten) von Kloster Sankt Georgen (links) Das Calefactorium mit der Einführung in die Klostergeschichte (rechts)

Stein am Rhein | Bodensee Magazin Spezial 93


AUSKUNFT Museum Kloster Sankt Georgen Fischmarkt 3 CH-8260 Stein am Rhein Tel. +41 (0) 52 741 21 42 klostermuseum@bak.admin.ch www.klostersanktgeorgen.ch

ÖFFNUNGSZEITEN/ FÜHRUNGEN Museum Kloster Sankt Georgen Geöffnet April – Oktober Dienstag – Sonntag, 10.00 – 17.00 Uhr Montags geschlossen. Führungen durch die Kloster­ anlage und das Museum für Gruppen bis 20 Personen können im Museum gebucht werden. Spezialführungen mit Bruder Martinus zu Leben und Alltag im Kloster über Tel. +41 (0) 52 624 02 16.

Tourismus Stein am Rhein Oberstadt 3 CH-8260 Stein am Rhein Tel. +41 (0) 52 632 40 32 tourist-service@steinamrhein.ch www.steinamrhein.ch

WAS SONST nordArt-Theaterfestival Jeweils im August steht Kloster Sankt Georgen im Zeichen der Kleinkunst. Das Theaterfestival nordArt bespielt allabendlich die Klosterbühne im barocken Amtmannssaal. Weitere Vorstellungen für Familien werden auf der Klostersaal-Bühne im Winter­refektorium gezeigt. Vor und nach den Vorstellungen lädt die Bar in der Klostertrotte zu einem Apéro oder Imbiss ein. Das ganze Programm des Festivals mit den Bühnen im Kloster, im Asylhof und auf der Schiff­ lände findet sich unter: www.nordart.ch.

Blick in den Festsaal von Kloster Sankt Georgen (oben) Osttrakt, Kirche und Heilpflanzengarten von Kloster Sankt Georgen (unten links) Blick auf Kloster Sankt Georgen (unten rechts)

94 Bodensee Magazin Spezial | Stein am Rhein

nordArt-Theaterfestival 2018 Vom 8. bis 18. August 2018 findet die 10. Ausgabe des nordArt-Theaterfestivals statt. Das Jubiläum wird mit einem Sonderprogramm gefeiert. Detaillierte Informationen unter: www.nordart.ch. Kirchenmusik Über das ganze Jahr hinweg finden in der Stadtkirche St. Georgen Konzerte der Kirchenmusik statt, inklusive ein grosses Konzert zur Adventszeit. Die Konzertdaten sind publiziert auf der Homepage von Tourismus Stein am Rhein unter: www.tourismus.steinamrhein.ch.


Urlaub für die Seele

gastfreundliche Orte am Bodensee

Heraustreten aus dem Trott des Alltags, innehalten, zur Ruhe kommen – Urlaub ist für viele auch die Zeit, über grundsätzliche Fragen des Lebens nachzudenken. Die Sehnsucht nach Stille und Naturerfahrung und der Wunsch nach spirituellen Erfahrungen ergänzen einander. Urlaub im Kloster liegt da im Trend: Die Angebote reichen von Wanderexerzitien über Besinnungstage bis zu Malen in der lichtdurchfluteten Kreativ­werkstatt. In der Bodenseeregion laden zahl­reiche Klöster und kirchliche Einrichtungen dazu ein, auszuspannen und aufzuatmen. Und immer findet sich auch Zeit für ein Gespräch.

KLOSTER HEGNE MIT HOTEL ST. ELISABETH Das Hotel St. Elisabeth ist das moderne Tagungs- und Urlaubs­domizil des Klosters Hegne. Es liegt am stillen Teil des westlichen Bodensees, dem Gnadensee. In seinen acht klimatisierten Tagungs­ räumen finden kleine Gruppen oder Konferenzen mit bis zu 150 Personen Platz. 84 Komfortzimmer bieten Hotelgästen Unterkunft. Für deren leibliches Wohl sorgt das Küchen-Team des Haus-Restaurants, das neu über eine erweiterte Terrasse, gemütliche Sitz­nischen und

einen Front­cooking-Bereich verfügt. Das Referat Bildung des Klosters ist im Hotel angesiedelt. Hier wählen Hotel- wie Tagesgäste aus einem reichen spirituellen Angebot, das von Meditationen bis hin zu Kreativkursen reicht. Junge Menschen auf der Suche nach der eigenen Berufung finden im Haus Franziskus Unterstützung und Heimat auf Zeit. Das Haus Ulrika steht Pilgern wie Passanten offen, aber auch Menschen in Not, die ein offenes Ohr oder Fürsprache suchen.

Kontakt: Hotel St. Elisabeth Konradistr. 1, D-78476 Allensbach-Hegne, Tel. +49 (0) 7533 9366-2000 Mail: info@st-elisabeth-hegne.de www.st-elisabeth-hegne.de und www.kloster-hegne.de

Urlaub im Kloster | Bodensee Magazin Spezial

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HAUS INSEL REICHENAU

CELLA ST. BENEDIKT, REICHENAU

Maritimer Charme und süd­ländische Gelassenheit – die Lebensart des Bodensees wird im Haus Insel Reichenau hautnah erlebbar. Umgeben von einer blühenden Landschaft aus Gemüsegärten und Weinreben liegt das Haus mit eigenem Strand und großzügiger Außen­anlage direkt am Südufer der Insel Reichenau. Das Familien- und Tagungshaus der Erzdiözese Freiburg bietet einen besonderen Rahmen für einen abwechslungsreichen Urlaub sowie für Seminare. In den 48 gemütlichen Familien­appartements findet man erholsame Ruhe. Vielfältige Freizeitangebote ermöglichen spannende Momente für die ganze Familie.

Seit 2001 gibt es auf der Insel Reichenau wieder Benediktiner­ mönche. In der Cella St. Benedikt in Niederzell laden die Mönche mehrmals täglich zum Stundengebet in die Egino-Kapelle der Kirche St. Peter und Paul ein. Seit Dezember 2017 sind philippinische Benediktinerinnen ein lebendiger Teil der Cella St. Benedikt.

Kontakt: Haus Insel Reichenau Markusstr. 15, D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 9955-0 reichenau@familienferien-freiburg.de www.familienferien-freiburg.de

Kontakt: Cella St. Benedikt Eginostraße 19, D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 995852 www.benediktiner-reichenau.de

Informationen zu den genauen Gebetszeiten finden Sie auf der Website der Cella St. Benedikt.


KLOSTER REUTE – FRANZISKANISCHE GASTFREUNDSCHAFT AUF VIELFÄLTIGE WEISE

Schloss Hersberg – ein Haus mit Tradition und Atmosphäre, um­geben von sanften Hügeln und Weinbergen in der einmalig reizvollen Bodenseelandschaft mit herrlicher See- und Alpensicht. Somit bietet das vom Pallotiner-Orden geführte Haus die besten Rahmenbedingungen für Bildungsveranstaltungen, Seminare sowie für Erholung für Leib und Seele. Die Parkanlage um Schloss Hersberg mit dem Rosengarten und dem Panorama-Pavillon, der nahe Hochberg als gern besuchter Aussichtspunkt, der Apfelweg und viele andere Rad- und Wander­ wege der Gemeinde Immenstaad sowie ein Strand- und Hallenbad bieten viele Freizeitmöglichkeiten.

Das Kloster Reute bei Bad Wald­s­ee ist das ganze Jahr über offen für alle Menschen, die Ruhe, Spiritualität und Lebensorientierung suchen. Das Bildungshaus Maximilian Kolbe bietet ein reiches Programm für Einzel­ gäste, Paare, Familien sowie für Gruppen, die in klösterlicher Konzentration tagen möchten. Im Haus St. Elisabeth können Frauen eine Zeit lang mit der Schwestern­gemeinschaft leben. Für Kinder(-gruppen) und Jugendliche gibt es das Jugendhaus St. Josef. Der großzügige Klostergarten mit Kräuter- und Duftpflanzen­labyrinth gibt Gedanken und der Seele Raum. Darüber hinaus laden Gebetszeiten, verschiedene Kapellen und die Pilgerstätte zum Verweilen und Auftanken ein.

Kontakt: St. Josef-Hersberg Schloss Hersberg 1, D-88090 Immenstaad Tel. +49 (0) 7545 9350 info@hersberg.de www.hersberg.de

Kontakt: Franziskanerinnen von Reute Klostergasse 6, D-88339 Bad Waldsee Tel. + 49 (0) 7524 7080 www.kloster-reute.de

Foto: Franziskanerinnen von Reute e. V.

ST. JOSEF-HERSBERG, IMMENSTAAD


KLOSTER UNTERMARCHTAL – MUTTERHAUS DER BARMHERZIGEN SCHWESTERN

KATHOLISCHE AKADEMIE WEINGARTEN

Hier können Gäste Kraft tanken für den Alltag. Die Ruhe, die moderne Vinzenzkirche und das schöne weitläufige Klostergelände laden ein zu Besinnung, Einkehr, Stille, Begegnung, Erholung sowie zum Tagen und zum konzentrierten Arbeiten. Das Kloster Untermarchtal ist Sitz der Ordensleitung der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul. Es ist ein Ort der Einheit und Zusammengehörigkeit der Kongregation der Barmherzigen Schwestern und bildet den geistigen Mittelpunkt der Gemeinschaft.

Lichte Gänge, bemalte Stuck­decken und die direkt angrenzen­de berühmte Basilika St. Martin prägen den Charakter des Tagungs­ hauses der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart im Südflügel des ehemaligen Benediktinerklosters Weingarten. „Dialog und Gastfreundschaft“ lautet das Motto; Offenheit, Freundlichkeit und Internationalität sind gelebter Alltag. Ihre barocke Architektur verleiht der Tagungsstätte einen ganz besonderen Charme. Die Besucher erwartet ein unvergleichliches Ambiente mit modernen Tagungsräumen und geschmackvoll ausgestatteten Gästezimmern. Zudem gibt es regelmäßig zeitgenössische Kunstausstellungen.

Kontakt: Barmherzige Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul Margarita-Linder-Str. 8, D-89617 Untermarchtal Tel. +49 (0) 7393 30-0 www.untermarchtal.de und www.bildungsforum-kloster-untermarchtal.de

Kontakt: Katholische Akademie - Tagungshaus Weingarten Kirchpl. 7, D-88250 Weingarten Tel. +49 (0) 751 5686-0 weingarten@akademie-rs.de www.akademie-rs.de/tagungshaeuser/weingarten


AUTOBAHNKAPELLE HEGAU – EINE RASTSTÄTTE FÜR DIE SEELE

Die Geschichten der Bibel werden lebendig im Nomaden­zelt des Abraham und im Lehmhaus einer Familie aus der Zeit Jesu. Die Klosterschreib­stube vermittelt die hohe Kunst der Buchherstellung im Mittel­alter, gedruckt werden kann auf der nachgebildeten Druckerpresse des Johannes Gutenberg. Spannend ist die Suche nach Bibelspuren im Alltag heute, im Forum für Neugierige gibt es Zahlen und Fakten, Wissens­wertes und Erstaunliches rund um die Bibel zu entdecken und auszuprobieren. Zum Verweilen lädt der Raum der Stille sowie der Bibel- und Kräutergarten im idyllischen Innenhof ein.

Umgeben vom Panorama der herrlichen Hegaulandschaft mit ihren Vulkanbergen liegt direkt an der A 81 die ökumenische Emmaus­ kapelle. Hier sind alle Reisenden willkommen, die auf ihrer Fahrt auf der Autobahn in Richtung Süden einmal innehalten wollen. Eine eigene Gemeinde hat die Autobahn­kapelle nicht, dennoch finden hier sonntagvormittags um 11.00 Uhr Gottesdienste statt, zu denen alle eingeladen sind: die zufällig vorbeikommenden Reisenden genauso wie alle Gottesdienstbesucher, die gezielt die besondere Kapelle an der Autobahn anfahren.

Kontakt: Bibelgalerie Meersburg Kirchstraße 4, D-88709 Meersburg Tel. +49 (0) 7532 5300 info@bibelgalerie.de www.bibelgalerie.de

Die Autobahnkapelle liegt an der A 81 Stuttgart – Singen beim Rasthaus Hegau-West. Adresse: Zur Engener Höhe 14, D-78234 Engen Koordinaten: N 47° 51' 38", O 8° 47' 16" www.autobahnkapelle-hegau.de

Foto: Foto Wöhrstein

BIBELGALERIE MEERSBURG – DAS FAMILIENFREUNDLICHE BIBEL-ERLEBNISMUSEUM


VERINGENSTADT

ROTTWEIL

Wehingen Stetten am kalten Markt Aldingen

Klosterkirche Inzigkofen

TROSSINGEN

SIGMARINGEN

SPAICHINGEN 32

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313

Leibertingen

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Kloster Habsthal

„Karolingische Klosterstadt Meßkirch“

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311

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Kloster Wald

PFULLENDORF

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SINGEN

Sylvesterkapelle Goldbach

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ÜBERLINGEN

Zisterzienserkloster Salem

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Salem

Franziskanerkloster RADOLFZELL Wallfahrtskirche Überlingen Birnau GOTTMADINGEN Birnau Münster und 15 34 Kloster Kloster Radolfzell 31 Adelheiden MA Kloster Uhldingen33 Grünenberg Kloster Allerheiligen Mühlhofen Kloster Klosterinsel Reichenau Schaffhausen Hegne Kloster UNESCO Weltkulturerbe MEERSBURG St. Katharinental Mainau DeutschWallfahrtskirche ordensschloss REICHENAU Stetten St. Genesius Kloster SCHAFFHAUSEN Hagnau Kloster St. Georgen Diessenhofen Kloster Schlatt 13 Feldbach KONSTANZ 31 Klosterkirche Öhningen Steckborn Wagenhausen Klosterkirche Triboltinger Imme Klosterkirche St. Ulrich und Afra Klosterinsel Werd St. Michael Nikolauskapelle 14 Stein am Rhein Evangelische Kirche B KREUZLINGEN 16 Kapelle Wallfahrtskirche St. Leonhard 4 Kath. Kirche 7 O Klingenzell St. Remigius Münsterlingen Kartause Ittingen

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1

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WALLISTELLEN

FISCHINGEN

Kloster Fischingen

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Kloster Wiblingen

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Kloster Heiligkreuztal

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Klosterkirche Gutenzell

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Kloster Ochsenhausen

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Wallfahrtskirche Steinhausen

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Kloster Sießen

Klosterkirche St. Verena Rot a. d. Rot

Steinhausen

BAD SAULGAU

Kloster Schussenried

Rot an der Rot

Bad Schussenried

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Kreuzherrnkloster Memmingen

MEMMINGEN

Aulendorf

Ostrach

Kloster Ottobeuren

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BAD WALDSEE

Rokokokapelle im Kloster Maria Rosengarten

Kloster Reute

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Leutkirch

Wolfegg WEINGARTEN

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Basilika Weingarten

Kloster Weißenau

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RAVENSBURG

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FRIEDRICHSHAFEN Eriskirch 31

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Kloster Mehrerau

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Benediktinerkloster Mariaberg

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DORNBIRN


W E G E Z U K I R C H E N U N D K L Ö S T E R N I M B O D E N S E E R AU M

Ausflüge ins Himmelreich des BAROCK

Klöster und Kirchen entlang der Oberschwäbischen Barockstraße VERINGENSTADT

Kloster Wiblingen

Riedlingen

Kloster Heiligkreuztal

Stetten am kalten Markt

Kloster Roggenburg

Heiligkreuztal Klosterkirche Inzigkofen

Gutenzell-Hürbel

Klosterkirche Gutenzell

BIBERACH

SIGMARINGEN

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Leibertingen

Kloster Sießen

Kloster Habsthal

„Karolingische Klosterstadt Meßkirch“

Klosterkirche St. Verena Rot a. d. Rot

Steinhausen

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Kloster Schussenried

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Bad Schussenried

Kreuzherrnkloster Memmingen

MEMMINGEN

Aulendorf

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Kloster Ottobeuren

Altshausen

Kloster Wald

PFULLENDORF

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BAD WALDSEE

Rokokokapelle im Kloster Maria Rosengarten

Kloster Reute

DEUTSCHLAND

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Stockach 98 34

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Sipplingen Sylvesterkapelle Goldbach

Kloster Adelheiden 33

Klosterinsel Reichenau UNESCO Weltkulturerbe

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RAVENSBURG

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Kloster Hegne

Basilika Weingarten

Kloster Weißenau

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UhldingenMühlhofen MEERSBURG

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Meckenbeuren

Mainau DeutschDer oberschwäbische Barock ist ein einzigartiges Phänomen. In einem Zeitraum von rund ordensschloss Stetten 467 Hagnau Kloster 150 Jahren zwischen Ende des Dreißigjährigen Krieges und dem Auftreten Napoleons, 30 13 Feldbach KONSTANZ 31 Neukirch TETTNANG Steckborn zwischen und Klassizismus, entstanden Triboltinger Renaissance Immenstaad in Oberschwaben zwischen Ulm und Klosterkirche St. Ulrich und Afra Nikolauskapelle Evangelische Kirche Bodensee16eineKREUZLINGEN Welt und ein Kunstschaffen, das die Region bisFRIEDRICHSHAFEN heute prägt. B

llfahrtskirche Genesius

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Kapelle St. Leonhard Kath. Kirche St. Remigius Münsterlingen

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Wallfahrtskirche Steinhausen

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Kloster Ochsenhausen

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Deutschordensschloss Achberg

In der Zeit der Gegenreformation13nutzt die katholische Langenargen Kirche die E Künste, um sich als Verfechterin des wahren Glaubens zu präsentie-Kressbronn WEINFELDEN N ren. Sichtbarste Zeugnisse dieser Paritätische EpocheKirche sind ROMANSHORN die so beeindruckend S mit erhaltenen Residenzen, Klöster und Kirchen und ihre so grandios 16 14 Amriswil Malereien, Skulpturen, mit Stuck und Kunsthandwerk ausgestatteten E Innenräume. Aber nicht nur Architektur undGalluskapelle darstellende Kunst feiern Arbon 11 Stiftskirche die neue Zeit: Im Dienste des katholischen Glaubens entstehen musiHorn St. Pelagius SCHWEIZ Bischofszell ROREvangelische kalische und literarische Werke, die dem Menschen Ordnung KircheSinn und SCHACH 1 der Welt WIL und des Daseins erklären. 1

Der römische Märtyrer Dioscorus in der Klosterkirche Wald

102 Bodensee Magazin Spezial | Routen

96

St. Lorenz Basilika Kempten

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LINDAU Kanonissenstift Lindau

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BREGENZ Kirche St. Gallus

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Benediktinerkloster Mariaberg

Gesamtkunstwerke sind auch die Kirchen mit ihrer Ausstattung: überStiftsbezirk St. Gallen UNESCO Weltkulturerbe bordend-pompös die Stuckaturen, ST.GALLEN heiter-spielerisch die Malereien und Skulpturen, wie die zahlreichen Putten, die die Kirchenräume bevölkern. Ehrfurcht gebietend dagegen sind die Altäre, anbetungswürdig die Heiligenfiguren und die „Heiligen Leiber“, wie die prachtvoll gewandeten Reliquien und Skelette genannt werden.

Kloster Fischingen

32

12

Kloster Mehrerau

A14 13

Isny im Allgäu

200

DORNBIRN


Bedeutende Bibliothekssäle: Kloster und Schloss Salem, Kloster Schussenried, Kloster Wiblingen, Kloster Ochsenhausen Kirchen mit bedeutenden Orgeln: Münster Salem, Basilika Weingarten, Wallfahrtskirche Steinhausen, Klosterkirche St. Georg Ochsenhausen, Klosterkirche St. Verena Rot a. d. Rot, Basilika St. Alexander und Theodor zu Ottobeuren Barocke Klöster und Kirchen, Wallfahrtskirchen, „Heilige Leiber“ s. Oberschwäbische Barockstraße S. 68

INFORMATIONEN Holzhey-Orgel in der Klosterkirche St. Verena in Rot a. d. Rot

Oberschwaben Tourismus GmbH Neues Kloster 1, 88427 Bad Schussenried Tel. +49 (0) 7583 92638-0 www.himmelreich-des-barock.de

Zum Gesamtkunstwerk kommt schließlich die Musik hinzu. Die Barock­ musik Oberschwabens wurde als durch und durch gegenreformatorischen Schöpfung verstanden, sie hatte einen so hohen Stellenwert, dass so mancher Zeitgenosse bemerkte, in den Klöstern Oberschwabens sei die Musik wichtiger als die Theologie und Seel­ sorge. So war es nur folgerichtig, dass viele Kirchen mit der „Königin der Instrumente“, der Orgel, neu ausgestattet wurden. Meisterwerke der europäischen Orgelbaukunst sind daher in oberschwäbischen Kirchen zu finden (und zu hören). Neben den Kirchen waren die Bibliothekssäle die schönsten Räume in den Klöstern. Bibliotheken waren nicht mehr nur Arbeitsräume, sondern die Klöster beanspruchten für sich, das Wissen der Welt zu versammeln: Omnes thesauri sapientiae – alle Schätze der Welt, so lautet das Motto der Bibliothek Wiblingen. Ein schlichter Raum genügt dafür nicht, hier braucht man Säle. Bibliotheken galten als Orte des Wissens und waren zugleich Ausdruck des gehobenen Kunstgeschmacks der geistlichen Bauherren. Architektur, Malereien und Skulpturenschmuck sollten thematisch ineinandergreifen, allerdings nicht zum Selbstzweck: Im Mittelpunkt der künstlerischen Ausstattung stand – ganz im Sinne der Gegen­ reformation – die Verherrlichung der „göttlichen Weisheit“. Der Bildschmuck sollte verdeutlichen, dass ‚echte‘ Aufklärung nur aus dem christlichen Glauben heraus geschehen kann.

„Kirchliche Irrlehrer“ im Bibliothekssaal im Kloster Schussenried

Routen | Bodensee Magazin Spezial 103


W E G E Z U K I R C H E N U N D K L Ö S T E R N I M B O D E N S E E R AU M

Klöster und Kirchen

im Thurgau Salem

314

Franziskanerkloster RADOLFZELL Wallfahrtskirche Überlingen Birnau GOTTMADINGEN Birnau Münster und 15 34 Kloster Kloster Radolfzell 31 Adelheiden MARKD Kloster Uhldingen33 Grünenberg Kloster Allerheiligen Mühlhofen Kloster Klosterinsel Reichenau Schaffhausen Hegne Kloster UNESCO Weltkulturerbe MEERSBURG St. Katharinental Mainau DeutschWallfahrtskirche ordensschloss REICHENAU Stetten St. Genesius Kloster SCHAFFHAUSEN Hagnau Kloster St. Georgen Diessenhofen Kloster Schlatt 13 Feldbach KONSTANZ 31 Klosterkirche Öhningen Steckborn Wagenhausen Klosterkirche Triboltinger Immensta Klosterkirche St. Ulrich und Afra Klosterinsel Werd St. Michael Nikolauskapelle 14 Stein am Rhein Evangelische Kirche Kurzrickenbach B 16 KREUZLINGEN Kapelle Wallfahrtskirche St. Leonhard 4 Kath. Kirche 7 O Klingenzell St. Remigius Münsterlingen Thur

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Stiftskirche St. Pelagius

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Kloster Fischingen

ST.GALLEN

Eine Auswahl KLOSTERKIRCHE ST. MICHAEL IN PARADIES (BEI SCHLATT) Die Kirche des ehemaligen Klarissinnenklosters wurde 1602 geweiht und im frühen 18. Jh. barockisiert. Im Innern eine grosse Nonnenempore. KLOSTER ST. KATHARINENTAL Im Areal des ehemaligen Dominikanerinnenklosters St. Katharinental nimmt die 1732–1738 von Baumeister Beer von Bleichten errichtete Kirche mit ihrer mächtigen, aber schlichten Giebelfassade eine wichtige Position ein. www.denkmalpflege.tg.ch KLOSTER WAGENHAUSEN Die am Rhein gelegene ehemalige benediktinische Klosteranlage wird durch die kleine frühromanische Pfeilerbasilika von 1085 aus­ gezeichnet. Die Glocke ist 1291 datiert.

104 Bodensee Magazin Spezial | Routen

PFARR- UND WALLFAHRTSKIRCHE MARIAHILF IN KLINGENZELL Die Kapelle steht an einem schönen Aussichtspunkt über dem Untersee. Im Innern eine eindrückliche geschnitzte gotische Pietà. WALLFAHRTSKAPELLE ST. OTMAR, INSEL WERD Die Wallfahrtskapelle St. Otmar wurde über dem letzten Wohnort des Heiligen, der 759 auf der Insel verstarb, errichtet. Die Insel ist über eine Brücke vom Festland erreichbar. ROKOKOKIRCHE DER KARTAUSE ITTINGEN, WARTH Die ehemalige Klosteranlage beeindruckt als architektonisches Baudenkmal und beherbergt heute u.a. zwei kantonale Museen. Das geistige Zentrum der Anlage ist die prächtige Rokokokirche. www.kunstmuseum.ch, www.kartause.ch KLOSTER FELDBACH Von der brandzerstörten Anlage des ehemaligen Zisterzienserinnenklosters ist nur das Altkloster mit seinen Bauten des frühen 17. Jh. am Seeufer erhalten.

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DORF 33 Meckenbeuren 30

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KAPELLE ST. NIKOLAUS IN TRIBOLTINGEN Der spätromanische Bau erhielt wohl um 1500 einen polygonalen Chor. Im Innern Wandmalereien des 14. Jh. und der Zeit um 1500.

KLOSTERKIRCHE ST. ULRICH UND AFRA IN KREUZLINGEN Die ehemalige Klosterkirche des 17. Jh. wurde nach einem verheerenden Brand im Jahr 1963 wieder aufgebaut. Eriskirch 31Sie beinhaltet in der Ölbergkapelle eine reichhaltige plastische Darstellung der Leiden Christi mit etwa 250 Langenargen Arvenholzstatuetten der Jahre 1720–1730.

FRIEDRICHSHAFEN

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EVANGELISCHE KIRCHE IN KURZ­R ICKENBACH, KREUZLINGEN Die Kirche des 17. Jh. enthält Teile der spätromanischen St. Peterskapelle und Evangelistenfenster von Gian Casty E aus dem Jahr 1966.

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Arbon Horn

RORSCHACH 1

Benediktinerkloster Mariaberg

KATHOLISCHE KIRCHE ST. REMIGIUS IN MÜNSTERLINGEN Die Barockkirche des ehemaligen Benediktinerinnenklosters, das im frühen 18. Jh. vom Seeufer hangaufwärts verlagert wurde. Die Konventbauten werden heute vom Kantonsspital Münsterlingen genutzt.

KAPELLE ST. LEONHARD IN LANDSCHLACHT

iftsbezirk St. Gallen

NESCO Weltkulturerbe

Die Innenwände der kompakten Kapelle mit Dachreiter als Glockenturm sind grossflächig mit spätmittelalter­ lichen Wandmalereizyklen bedeckt.

PARITÄTISCHE KIRCHE ROMANSHORN Der Gründungsbau auf dem Sporn am Nordrand des Hafenbeckens geht auf das Jahr 779 n.Chr. zurück. Der in seiner heutigen Erscheinung spätmittelalterlich geprägte Sakralbau wurde bis zu den Neubauten der beiden Konfessionsteile im frühen 20. Jh. von den Katholiken und den Reformierten als Hauptkirche genutzt.

GALLUSKAPELLE ARBON Im Jahr 612 n.Chr. sollen hier Gallus und Columban an Land gegangen sein. Die archäologischen Reste unter dem romanischen Bau sind möglicherweise der karolingischen Epoche zuzuweisen. EVANGELISCHE KIRCHE HORN Die 1929/1930 vom Architekten Emil Schäfer errichtete Kirche liegt direkt am See. Die Erscheinung des Sakralbaus besticht durch seine kubische Schlichtheit. STIFTSKIRCHE ST. PELAGIUS IN BISCHOFSZELL Die ursprüngliche dreischiffige Pfeilerkirche des 9. Jh. wurde in mehreren Etappen erweitert und erneuert. KLOSTER FISCHINGEN Grosse Barockanlage des ehemaligen Benediktinerstifts auf dem Pilgerweg zwischen Konstanz und Einsiedeln. Kirche und Kloster weisen eine prächtige Ausstattung des 18. Jh. auf. www.klosterfischingen.ch

INFORMATIONEN KLOSTER ST. KATHARINENTAL

WARTH

Klosterführungen: Amt für Denkmalpflege Tel. +41 (0) 58 345 67 00 betty.sonnberger@tg.ch www.denkmalpflege.tg.ch

Ittinger Museum Kartause Ittingen, CH-8532 Warth Tel. +41 (0) 58 3451060 www.kunstmuseum.ch www.kartause.ch

Anlässe in der Klosterkirche: Hotellerie der Klinik St. Katharinental Tel. +41 (0) 52 723 76 00 Hotellerie.ksk@stgag.ch Schaudepot St. Katharinental: Tel. +41 (0) 58 345 73 80 www.historisches-museum.tg.ch

KLOSTER FISCHINGEN Verein Kloster Fischingen 8376 Fischingen Tel. +41 (0) 71 978 72 11 info@klosterfischingen.ch www.klosterfischingen.ch

Klosterkirche der Kartause Ittingen

Routen | Bodensee Magazin Spezial 105


Öhningen Wagenhausen Stein am Rhein Klosterinsel Werd

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Kloster St. Georgen

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KREUZLINGEN

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Wallfahrtskirche Klingenzell

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Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt Immenstaad Dominikanerkloster

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W E G E Z U K I R C H E N U N D K L Ö S T E R N I M B O D E N S E E R AU M Thur

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Kartause Ittingen Die großen Mönchsorden Kartause Ittingen

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Benediktiner, Zisterzienser, Kartäuser Leben und Architektur 7

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Wallfahrtskirche Birnau

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Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt KREUZLINGEN

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Stiftskirche St. Pelagius

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Benediktinerkloster Mariaberg

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Kloster Hegne

Wallfahrtskirche REICHENAU Kloster St. Genesius Kloster St. Georgen Diessenhofen 13 Kloster Feldbach Klosterkirche Öhningen Steckborn Triboltinger Wagenhausen Nikolauskapelle Klosterinsel Werd 14 Stein am Rhein

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Franziskanerkloster Überlingen Birnau

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Klosterinsel Reichenau UNESCO Weltkulturerbe

Kloster St. Katharinental

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Kloster Fischingen

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UNESCO Weltkulturerbe UNESCO Weltkulturerbe

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Die Klosterlandschaft Bodensee zeichnet sich aus durch ihre Vielzahl an Orden, die seit ihrer Entstehung den Bodenseeraum in landschaftlicher und architektonischer Hinsicht prägen. H Heute noch sichtbar sind die Spuren der Orden, die in vielfacher Weise die jeweiligen Lebens­ Mönchs­gemeinschaft unter ihrem ersten Abt formen und Regeln widerspiegeln, aber auch Fragen aufwerfen. Das klösterliche Leben war Ottmar seit 749 nach der Benediktsregel. geprägt von Armut, Demut und Abgeschiedenheit von der Außenwelt, der Alltag der Mönche Aus dem frühen Mittelalter haben sich keine war streng reglementiert. Doch verwundert auch manches: Wie passen Armutsgelübde, architektonischen Reste mehr erhalten; doch SINGEN Sylvesterkapelle prächtige Architektur und wertvolle künstlerische Ausstattung zusammen? In der Architektur der weitläufige Stiftsbezirk mit seinen prächGoldbach Salem kann man diese314 Grundsätze noch ablesen: auf der einen Seite die die nüchternen Zellen der tigen barocken Bauten zeugt noch heute von Franziskanerkloster RADOLFZELL Wallfahrtskirche Überlingen Mönche, andererseits prächtige Repräsentaionsräume wie Bibliotheken oder reich geschmückte über­ ragenden Bedeutung des Klosters Birnau der GOTTMADINGEN Birnau Münster und 15 34 Kirchen. Drei monastische Orden – Benediktiner, Zisterzienser, Kartäuser – veranschaulichen St.Gallen. Kloster Radolfzell 31 Kloster UhldingenMARKDORF 33 die vermeintlichen Widersprüche zwischen Askese und Repräsentationslust. Kloster Adelheiden Mühlhofen Kloster Grünenberg Kloster Allerheiligen Kloster Allerheiligen Auch auf der Reichenau folgt man auf Schritt Klosterinsel Reichenau Klosterinsel Reichenau 33 Hegne Schaffhausen Kloster Schaffhausen UNESCO Weltkulturerbe UNESCO Weltkulturerbe undMEERSBURG Tritt den baulichen und kulturellen Leis­Meckenbeure St. Katharinental Mainau DeutschREICHENAUGebet, geistige ordensschloss Stetten Klös­ ter eingeführt. Arbeit, tungen der Benediktiner: Die drei erhaltenen BENEDIKTINER: Wallfahrtskirche Kloster SCHAFFHAUSEN St. Genesius Hagnausind heute noch sichtKloster soziale Für­ sorge, aber auch handwerkliche romanischen Kirchen St. Georgen Die „Regula“ des Heiligen Benedikt von Nursia Diessenhofen 30 13 Kloster Feldbach Klosterkircheund Grundlage per­­ licheTriboltinger Tätigkeiten prägten KONSTANZ das barer Ausdruck der31großen Vergangenheit der (5./6. Jh.) war Ausgangspunkt Öhningenund kör­ Steckborn Wagenhausen Immenstaad Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt Nikolauskapelle Leben der Benediktiner. Klosterinsel. Mit ihrer Architektur und den einfür die14meisten abendländischen Mönchs­ Werd Stein am Rhein Klosterinsel KREUZLINGEN FRIEDRICHSHAFEN zigartigen, Bsorgfältig restaurierten Wandmale­ gemein­schaften und wurde unter Karl Wallfahrtskirche dem 16 Klingenzell Großen (768-814) für die Klöster des FranDas älteste Benediktinerkloster7 der Bodensee­ reien gehören sie zu den Meisterwerken 4 O Eriskirc kenreichs vorgeschrieben. Durch Benedikt region ist St.Gallen. Lebte der Hl. Gallus, europäischer Kunstgeschichte. Das Museum und von Aniane wurde um 816 die Regula schließ- der sich 612 hier niedergelassen hatte, noch Reichenau informiert über Baugeschichte D Thur 1 13 Langenargen Buchkunst, aber auch die wissenschaftliche lich vereinheitlicht und verpfichtend für alle als Eremit, richtete sich die nachfolgende Kartause E

Ittingen

WEINFELDEN

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FRAUENFELD

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INFORMATIONEN und literarische Tätigkeit bedeutender Reiche­ nauer Mönche wie Hermann dem Lahmen und Walafried Strabo werden thematisiert. Auch Konstanz hatte mit Kloster Peters­ hausen eine benediktinische Mönchgemeinschaft. Zur Infrastruktur der Bischofststadt gehörte eine Reihe von Klöstern und Stiften, die als Abbild der Hauptkirchen Roms interpre­ tiert wurden. Das 983 von Bischof Gebhard II. gegründete Kloster Petershausen (in dessen barocken Klostergebäude heute das Archäologische Landesmuseum untergebracht ist), war Teil dieses ‚Konzepts’ nach dem Vorbild der römischen Hauptkirchen. Im 10./11. Jahrhundert erlebte das benediktinische Mönchtum eine Blütezeit. Besonders aufwendig waren die Anlagen des Klosters Allerheiligen in Schaffhausen. Der schlicht gehaltene Bau ist ganz vom Geist der Kloster­ reformen des späten 11. Jahrhunderts („Hirsauer Reform“) geprägt. In dieselbe Zeit reicht das Kloster St. Georgen in Stein am Rhein zurück. Aus der Frühzeit des Klosters haben sich die romanische Kloster­ kirche und Teile des Kreuzgangs erhalten.

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Auch in diese Zeit der Klosterreformen fällt die Stiftung des welfischen Hausklosters Weingarten im Jahr 1056. Obwohl die gewaltige romanische Kirche im 18. Jahrhundert durch einen Neubau ersetzt wurde, kann der Rest der südlichen Seitenwand heute noch einen Eindruck der ursprünglichen Größe vermitteln. ZISTERZIENSER: Im 11. Jahrhundert hatte sich im Burgund eine Mönchsgemeinschaft von den Benediktinern abgespalten mit dem Anspruch, sich wieder strenger an den Regeln des Hl. Benedikt aus­zurichten. Das in Citeaux gegründete „Neue Kloster“ sollte Ausgangspunkt für die Erfolgs­ geschichte des Zisterzienserordens werden, der sich rasch in ganz Europa ausbreitete. Mit dem 1134 gestifteten Kloster Salem und dessen Tochterkloster Wettingen verfügte der Zisterzienserorden über zwei bedeutende Niederlassungen in der Nähe des Bodensees und

SALEM

WARTH

Kloster und Schloss Salem Staatliche Schlösser und Gärten Baden Württemberg, D-88682 Salem Tel. +49 (0) 7553 9165336 www.salem.de

Ittinger Museum Kartause Ittingen, CH-8532 Warth Tel. +41 (0) 58 3451060 www.kunstmuseum.ch

KONSTANZ Portal Klosterkirche Petershausen Petershauser Orgelkultur Verein der Freunde und Förderer der Gebhardsorgel St.-Gebhard-Platz 12, 78467 Konstanz www.petershauser-portal.de

KLOSTERINSEL REICHENAU Tourist Information Pirminstraße 145, D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 92070 www.reichenau-tourismus.de

des Hochrheins. Vor allem Salem erlangte im 13. und 14. Jahrhundert eine herausragende Bedeutung, die sich bis heute in dem hochgotischen Münster dokumentiert. Der Reichtum der Abtei, aber auch ihre weitgehende politische Unabhängigkeit als freie Reichsabtei und Konsistorialstift ist heute noch an den reprä­ sen­tativen, in der Barockzeit von Grund auf erneuerten Klosteranlage erkennbar. KARTÄUSER: Während sich die Klosteranlagen der Benedik­ tiner und Zisterzienser in ihren architektonischen Bestandteilen und Funktionen der Gebäude im Großen und Ganzen gleichen, weisen die Klöster der Kartäuser wesentliche Unterschiede auf, die in einer besonderen monastischen Lebensform begründet sind. Der im 11. Jahrhundert entstandene, streng asketische Reformorden versucht, die monastische Lebensform des Einsiedlers mit dem Leben in der Gemeinschaft (Koinobiten) zu verbinden. So kommt zu Kirche, kleinem Kreuz­gang und gemeinschaftlich genutzten Räu­ men ein weiterer großer Kreuzgang hinzu, um den sich Zel-

ST.GALLEN St.Gallen-Bodensee Tourismus Bankgasse 9, CH-9000 St.Gallen Tel. +41 (0) 71 2273737 www.st.gallen-bodensee.ch

SCHAFFHAUSEN Museum zu Allerheiligen Schaffhausen Klosterstraße 16, CH-8200 Schaffhausen Tel. +41 (0) 52 6330777 www.allerheiligen.ch

STEIN AM RHEIN Museum Kloster Sankt Georgen Fischmarkt 3, CH-8260 Stein am Rhein Tel. +41 (0) 527412142 www.klostersanktgeorgen.ch

len oder kleine Häuschen mit je eigenen Gärtchen gruppieren. In diesen leben die Kartäusermönche in völliger Abgeschiedenheit und verlassen sie nur zu ganz bestimmten Anlässen wie dem gemeinsamen Chorgebet, wöchentlichen Spaziergängen oder an hohen Festtagen. Dieser besonderen Lebensform kann man heute noch in der Kartause Ittingen nach­ spüren. 1461 übernahmen die Kartäuser das ehemalige Kloster der Augustinerchorherren und verwirklichten hier ihr Leben in Kontemplation und Stille. Die nüchternen Zellen oder Häuschen verweisen auf das karge, entbehrungsreiche Leben der Mönche, im Kontrast dazu stehen die reich geschmückten Gemein­ schaftsräume und die Klosterkirche. Dies ist aber nur ein scheinbarer Gegensatz: Denn die opulente Ausstattung dient allein dem Gottes­lob, ist nur adäquates Mittel, dem Gottesdienst die ihm zustehende Würde zu verleihen.

Routen | Bodensee Magazin Spezial 107


W E G E Z U K I R C H E N U N D K L Ö S T E R N I M B O D E N S E E R AU M

Das Leben in der Klausur

Kreuzgänge

314

33

Sylvesterkapelle Goldbach

314

15

Kloster Allerheiligen Kloster Allerheiligen Schaffhausen

Kloster St. Katharinental

SCHAFFHAUSEN

Münster und Kloster Radolfzell Kloster Grünenberg

ÜBERLINGEN

Franziskanerkloster Überlingen Birnau

RADOLFZELL

34

ZisterzienserZisterzienserkloster Salem kloster Salem

Sipplingen

SINGEN GOTTMADINGEN

31n

31

34

81

Kloster Adelheiden

Klosterinsel Reichenau UNESCO Weltkulturerbe

Mainau Deutschordensschloss

Wallfahrtskirche REICHENAU Kloster St. Genesius Kloster St. Georgen 13 Kloster Feldbach Klosterkirche Öhningen Steckborn Triboltinger Wagenhausen Nikolauskapelle Stein am Rhein Klosterinsel Werd

Diessenhofen 14

Kloster St. Georgen

4

Thur

Kartause Kartause Ittingen

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MEERSBURG

MARKDORF

Stetten Hagnau

KONSTANZ

31

Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt Immenstaad Dominikanerkloster KREUZLINGEN

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Wallfahrtskirche Klingenzell

Wallfahrtskirche Birnau

UhldingenMühlhofen

Kloster Hegne

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Salem

B

O

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D

1

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Ittingen WEINFELDEN

7

FRAUENFELD

16

14

S Der Kreuzgang ist ein wesentlicher Bestandteil einer Klosteranlage und dient der Erschließung der umgebenden Kloster- oder Konventsgebäude. Als Teil der Klausur war er ursprünglich nur 98 den Mönchen vorbehalten und für Außenstehende unzugänglich. Wandelgänge oder Galerien umgeben einen rechteckigen Innenhof, der unterschiedlich bepflanzt sein konnte. In der Mitte 31n 31 des Hofes oder in einen der Gänge integriert befand sich 34 meist ein Brunnenhaus. 81

Der Klosterbezirk zu Allerheiligen in Schaff­ Heiligenberg hausen besitzt einen der schönsten und größten romanischen Kreuzgänge in Europa. ZisterzienserZisterzienserDeggenhausertal Sipplingen klosterSalem Salem Seine Besonderheit ist der offene Dachstuhl, kloster Klo 33 Weiße ÜBERLINGEN Ursprünglich war der Kreuzgang einer der wichtigsten Aufenthaltsräume des Klosters, der für der auf einer langen Reihe von Arkaden ruht. SINGEN Sylvesterkapelle Goldbach Salem liturgische Zwecke 314 (Prozessionen), zum Lesen und zum Unterricht genutzt wurde. Die erste Franziskanerkloster RADOLFZELL zeichnerische Darstellung eines Kreuzganges findet sich im St.Galler Klosterplan (um 820). Sehr viel kleiner, aber nicht minder beeinWallfahrtskirche Überlingen Birnau GOTTMADINGEN S Birnau Münster und Der15Kreuzgang ist druckend ist der Kreuzgang des ehemaligen 34 hier das Zentrum eines idealisierten Klosters und umschließt einen quadra­ Kloster Radolfzell 31 Kloster zugänglich gemacht: tischen Hof. Vom Kreuzgang aus werden wichtige Bereiche des Klosters Klos­ t ers St. Georgen in Stein am Rhein. UhldingenMARKDORF 33 Kloster Adelheiden Mühlhofen Ursprüng­ Kloster Grünenberg Kloster Allerheiligen Kirche, Dormitorium, Refektorium und Kapitelsaal. l ich als Kloster der Schwäbischen Kloster Allerheiligen Klosterinsel Reichenau Schaffhausen Kloster Klosterinsel Reichenau 33 Hegne UNESCO Weltkulturerbe MEERSBURG Herzöge auf deren Burg auf dem Hohen­tMeckenbeuren wiel St. Katharinental Mainau Deutschordensschloss In den Klöstern der Bodenseeregion habenWallfahrtskirche sich architektonisch unterschiedlich gestaltete und gegründet,Stetten wurde St. Georgen von Kaiser REICHENAU Kloster SCHAFFHAUSEN St. Genesius Kloster Petershausen Hagnau ausgeschmückte KreuzgängeSt.von der Romanik bis in die Kloster Barockzeit erhalten. Heinrich II. 1007 nach Stein am Rhein verlegt. Georgen Diessenhofen 30 13 Kloster Feldbach KONSTANZ 31 Klosterkirche Das Kloster wurde bis zur Auflösung in der Öhningen Steckborn Triboltinger Wagenhausen Immenstaad Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt Nikolauskapelle Reforma­ tions­ zeit (515/16) mehrfach umge14 Stein am Rhein Klosterinsel Werd KREUZLINGEN FRIEDRICHSHAFEN staltet. BDer spät­mittelalterliche Kreuz­ gang 16 Kloster St. Georgen Wallfahrtskirche Klingenzell zeigt die typischen spätgotischen Kreuz­ 4 7 O Eriskirch rippen­gewölbe und Maß­werkfenster. Sehens­ 31 D wert sind aber auch die bedeutenden Wand­ Thur 1 13 Langenargen malereien des Festsaals aus der RenaissanceKartause Kartause Ittingen E Ittingen Kressb Zeit. 314

WEINFELDEN

7

7

7

108 Bodensee Magazin Spezial | Routen 1

WINTERTHUR

FRAUENFELD

ROMANSHORN 16

14

SCHWEIZ

Stiftskirche St. Pelagius

N

S Amriswil

E Arbon

Bischofszell

11

RORSCHACH


Eine künstlerische Meisterleistung der Barock­ zeit ist der reich stukkierte Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserklosters Salem. Im Süd- und Westteil des Kreuzgangs finden sich Stuckaturen von Joseph Anton Feuchtmayer sowie eine Reihe von Porträtbildern der Salemer Äbte. Der östliche Flügel, der sogenannte Bernhardusgang zeigt einen Gemälde­ zyklus von Andreas Brugger, der das Leben des Ordensheiligen Bernhard von Clairvaux darstellt. S

oster enau

S 30

467

N

1

Die besondere monastische Lebensform der Kartäuser machten im Kloster Ittingen bau­ liche Änderungen nötig. Als die Kartäuser 1461 das bestehende Kloster übernahmen, bauten sie es ihren Zwecken gemäß um: Insbesondere erweiterten sie die bestehende Anlage mit ihrem kleinen Kreuzgang, der die Gemeinschaftsräume erschließt, um einen zweiten, sehr viel größeren Kreuzgang, von wo aus die Mönche in ihre Häuschen gelangten. Der Kreuzgang umschließt wunder­ schön gestalteten Garten, der die Besucher auch heute noch zu Entspannung und Kontem­plation einlädt. Auch in der Bischofsstadt Konstanz kann man in ehemaligen Kreuzgängen dem vergangenen klösterlichen Leben nachspüren. Zum Bischofssitz mit seiner Kathedrale (die während des Konstanzer Konzils als Sitzungssaal diente) gehörte das Domstift, von dem nur noch wenige Gebäude und ein kleiner Teil des hochgotischen Kreuzgangs erhalten geblieben sind.

INFORMATIONEN SALEM

SCHAFFHAUSEN

Kloster und Schloss Salem Staatliche Schlösser und Gärten Baden Württemberg, D-88682 Salem Tel. +49 (0) 7553 9165336 www.salem.de

Museum zu Allerheiligen Schaffhausen Klosterstraße 16, CH-8200 Schaffhausen Tel. +41 (0) 52 6330777 www.allerheiligen.ch

KONSTANZ Dominikanerkloster (Inselhotel) Auf der Insel 1, D-78462 Konstanz Tel. +49 (0) 7531 125-0 www.steigenberger.com/hotels/ konstanz

STEIN AM RHEIN Museum Kloster Sankt Georgen Fischmarkt 3, CH-8260 Stein am Rhein Tel. +41 (0) 527412142 www.klostersanktgeorgen.ch

WARTH Ittinger Museum Kartause Ittingen, CH-8532 Warth Tel. +41 (0) 58 3451060 www.kunstmuseum.ch

Das romanische Kloster zu Allerheiligen in Schaffhausen

Von einem der vielen Klöster hat sich der Kreuz­ gang des ehemaligen Dominikanerklosters erhalten. Der Bettelorden der Dominikaner baute im 13. Jahrhundert auf einer der Stadt vorgelagerten Insel im Bodensee sein Kloster, das heute als Hotel genutzt wird. Im (restau­ rierten) Kreuzgang ist ein historistischer Bil­ der­­zyklus (1888-1904) zu sehen. Die bunten Fresken des Stuttgarter Akademieprofessors und Historienmalers Karl Häberlin (1832-1911) zeigen Ereignisse der Geschichte von Konstanz und der Bodensee­region.

B bronn

Routen | Bodensee Magazin Spezial 109


7

SCHWEIZ

7 1

WINTERTHUR

Stiftskirche St. Pelagius

Arbon 11

Bischofszell

RORSCHACH

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1

Benediktinerkloster Mariaberg

1 B O D E N S E E R AU M WEGE ZU KIRCHEN UND KLÖSTERN IM Kloster Königsfelden Kloster Wettingen

Schriftkultur und Wissenschaft FISCHINGEN

WALLISTELLEN

StiftsbezirkSt.St.Gallen Stiftsbezirk Gallen

ST.GALLEN

Kloster Fischingen

UNESCO Weltkulturerbe UNESCO Weltkulturerbe

St.Gallen – Insel Reichenau – Schaffhausen S

H

SINGEN

15

Münster und Kloster Radolfzell

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Kloster Adelheiden

Kloster Grünenberg

Kloster Allerheiligen Kloster Allerheiligen Schaffhausen Kloster Schaffhausen

Klosterinsel Reichenau Klosterinsel Reichenau UNESCO Weltkulturerbe UNESCO Weltkulturerbe

St. Katharinental

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Kartause Ittingen

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MARKDORF 33

MEERSBURG

Mainau Deutschordensschloss

Meckenbeuren

Stetten Hagnau

KONSTANZ

Kirchen-, Klöster-, Konzilstadt KREUZLINGEN

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Immenstaad

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Wallfahrtskirche Klingenzell

Wallfahrtskirche Birnau

UhldingenMühlhofen

Kloster Hegne

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Wallfahrtskirche REICHENAU Kloster St. Genesius Kloster St. Georgen Diessenhofen 13 Kloster Feldbach Klosterkirche Öhningen Steckborn Triboltinger Wagenhausen Nikolauskapelle 14 Stein am Rhein Klosterinsel Werd

SCHAFFHAUSEN

Salem

Franziskanerkloster Überlingen Birnau

RADOLFZELL

GOTTMADINGEN

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Sylvesterkapelle Goldbach

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Stiftskirche St. Pelagius

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Kloster Fischingen

RORSCHACH 1

Benediktinerkloster Mariaberg

1 Kloster Königsfelden Kloster Wettingen

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ST.GALLEN

Stiftsbezirk St.Gallen Stiftsbezirk St. Gallen

UNESCO Weltkulturerbe UNESCO Weltkulturerbe

Keimzellen europäischer Buchkunst und Wissenschaft Als die irischen Wandermönche im 7. und 8. Jahrhundert den Bodensee erreichten, hatten sie wahre Schätze im Gepäck: Bücher. Mit den ersten Klostergründungen in St.Gallen und auf der Reichenau kam es zu einem Wiederaufleben der Schriftlichkeit in der Bodensee­ region, die Klosterschreibstuben wurden zu Keimzellen der Buchkunst und Wissenschaft. Die karolingischen Herrscher förderten die die neu gegründeten Klöster, und es kam nicht nur zu einem wirtschaftlichen, sondern auch geistigen und kulturellen Aufschwung (‚karolingische Renaissance’). Karl der Große (768-814) hatte nicht nur seinem Hof, sondern vor allem auch den Kleriker und Mönchen im Frankenreich Lesen und Schreiben geradezu verordnet: Die Texte des Christentums sollten „richtig“ abgeschrieben und gelehrt werden. So wurden Klöster auch zu Schulen. In den Skriptorien entstanden allerdings nicht nur religiöse Texte und Bücher, auch wissen­ schaftliche Werke und Literatur der Antike wurden kopiert, mündlich Überliefertes auf­ gezeichnet – es entstanden die ersten Chroniken sowie Heiligenlegenden und Herrscher­ biographien – Neues geschrieben. Die Texte in den Büchern wurden mit (Miniatur-) Malereien (Illuminationen) illustriert und ausgeschmückt.

110 Bodensee Magazin Spezial | Routen

Die Skriptorien in St.Gallen und auf der Reiche­nau brachten Handschriften hervor, die heute zu den bedeutendsten der Welt zählen. Auf der Reichenau entstand der für St.Gallen bestimmte St.Galler Klosterplan – der erste Bauplan einer idealen Klosteranlage. Die Produkte der Schreib- und Malschulen der Klöster waren von so hoher Qualität, dass sie bei Kaisern und Bischöfen begehrt waren. Beide Klöster entwickelten sich mit ihren Biblio­ theken zu geistigen und kulturellen Zentren Europas, ihre materiellen und immateriellen Leistungen sind ausschlaggebend dafür, dass sie heute zum UNESCO-Welterbe gehören.


W

INFORMATIONEN

Der Bestand der St.Galler Bibliothek, eine der ältesten der Welt, blieb bis heute erhalten und besitzt unter anderem bedeutende Fassungen der Regeln des hl. Benedikt aus dem frühen 9. Jahrhundert. In ihr wurden auch wichtige spätantike Manuskripte, wie Vitruvs „de re aedificatoria“ (Über die Baukunst) überliefert, das im 15. Jahrhundert „wiederentdeckt“ wurde und die Architekturtheorie von der Renaissance bis heute beeinflusst hat. Sichtbarer Ausdruck des reichen kulturellen Erbes ist heute der im 18. Jahrhundert im barocken Stil neu gestaltete Stiftsbezirk mit der Stiftskirche und der Bibliothek, in der heute noch wertvollste mittelalterliche Hand­ schriften aufbewahrt und ausgestellt werden.

KLOSTERINSEL REICHENAU

ST.GALLEN

Tourist Information Pirminstraße 145, D-78479 Reichenau Tel. +49 (0) 7534 92070 www.reichenau-tourismus.de

St.Gallen-Bodensee Tourismus Bankgasse 9, CH-9000 St.Gallen Tel. +41 (0) 71 2273737 www.st.gallen-bodensee.ch

WARTH Ittinger Museum Kartause Ittingen, CH-8532 Warth Tel. +41 (0) 58 3451060 www.kunstmuseum.ch

Die Stiftsbibliothek, älteste Bibliothek der Schweiz mit einem einmaligen Buchbestand, ist heute eine aktive Leihbibliothek. Sie besitzt rund 170‘000 Bücher und andere Medien, von denen die nach 1900 erschienenen Dokumente ausgeliehen werden können.

Auch das Kloster zu Allerheiligen in Schaffhausen, das sich im 11. ausgehenden Jahrhundert der sogenannten Hirsauer Reform anschloss, verfügte über eine bedeutendes Skriptorium mit Bibliothek. Über 50 wertvolle Codices mitsamt dem Bibliothekskatalog um 1100 sind bis heute in der Ministerialbiblio­ thek in Schaffhausen erhalten, 10 davon sind im Museum zu Allerheiligen im ehemaligen Klosterbezirk ständig ausgestellt. Sehenswert sind nicht nur die umfangreichen Sammlungen des Museums, sondern auch der romanische Kreuzgang mit seinem umlaufenden Arkaden – einem der größten seiner Art in Europa – sowie die große romanische Basilika (1105 geweiht), eine der bedeutendsten Bauzeugen der Hirsauer Reform.

Foto: Stiftsbibliothek St.Gallen

Von den klösterlichen Bauten der Reichenau blieben auf der Insel drei große Kirchen und Teile der im 17. Jahrhundert umgestalteten Kloster­anlage von Mittelzell erhalten. Vor allem die ottonischen Wandmalereien in St. Georg in Reichenau-Oberzell und die eng damit verbundenen Wandmalereien in der kleinen Sylvesterkapelle von Goldbach bei Überlingen können bis heute einen Eindruck vom Kunstschaffen im Umfeld der Reichenau vermitteln.

Routen | Bodensee Magazin Spezial 111


5.–10. JH. FRÜHES MITTELALTER 719 eigentliche Gründung des Benediktinerklosters St.Gallen durch Otmar

Um 600 erste Kirche St. Stephan, Konstanz

Ca. 480-547 Benedikt von Nursia

Um 600 Gründung Bistum Konstanz

612 Gallus gründet eine Einsiedlerzelle

400

500

724 Gründung des Klosters Reichenau durch den Wanderbischof Pirmin und Bau der ersten Klosterkirche 799 Weihe des ursprünglichen Baus der Kirche St. Peter (und Paul), ReichenauNiederzell

600

700

11.–13. JH. HOCHMITTELALTER 11.–13. Jh. Romanik

12.–16. Jh. Gotik

1049 Gründung des Benediktiner-

klosters zu Allerheiligen in Schaffhausen

1056 Gründung des Benediktinerklosters Weingarten

Anfang des 12. Jh. Neubau St. Peter und Paul, Reichenau-Niederzell

1084 Gründung Kartäuserorden mit Kloster „La Grand Chartreuse“ in Grenoble

1134 Gründung des Zisterzienserklosters Salem

1089 Weihe des Konstanzer Münsters Ca. 1090-1153 Bernhard von Clairvaux, wichtigster Vertreter des Zisterzienserordens

1093 Gründung der Benediktiner-

klöster Wiblingen und Ochsenhausen

1000

1152 Bestätigung der Gründung des Klosters Ittingen durch Papst Eugen III. (ursprünglich Augustinerchorherren-Stift) Ca. 1181-1226 Franz von Assisi, Gründer des Franziskanerordens

1183 Gründung des Prämonstratenserklosters

Schussenried

1236 Gründung des Dominikanerklosters in Konstanz (heutiges Inselhotel)

1100

1200 1760–1830

NEUZEIT 1600–1770 Barock 1720–1770 Rokoko 1746-1749 Bau der Wallfahrtskirche 1704-1708 Bau der

Idda-Kapelle des Klosters Fischingen

1758-1767 Bau des barocken Biblio-

1714-1783 Barocker

1755-1766 Bau der barocken Kloster-

1715-1724 Bau der

1763-1767 Barockisierung der

Neubau der Gesamtanlage des Kloster Wiblingen

1618-1648 Dreißigjähriger Krieg

1600 112 Bodensee Magazin Spezial | Chronologie

Birnau (Kloster Salem)

Basilika Weingarten

theksaals im Kloster St.Gallen

kirche, heutige Kathedrale des Bistums St.Gallen Klosterkirche Ittingen

1700

1789 Französische Revolution


Chronologie

Chronologie 962 Kaiserkrönung Otto I. in Rom, die als Gründungsdatum des seit dem Spätmittelalter sogenannten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation gilt

816 Weihe der Klosterkirche St. Maria (Ursprung des heutigen Münsters), Reichenau-Mittelzell

Um 970 Gründung des Benediktinerkonvents St. Georgen auf dem Hohentwiel, Umsiedlung nach Stein am Rhein 1007

896 Weihe von St. Georg, ReichenauOberzell

983 Gründung des Benediktinerklosters Petershausen durch den heiligen Bischof Gebhard von Konstanz

Ende 9. Jh. Bau der Krypta des

Konstanzer Münsters

800

900 14.–15. JH. SPÄTMITTELALTER 15.–16. Jh. Renaissance

NEUZEIT

1414–1418 Konstanzer Konzil 1415 Reformator Jan Hus (ca.1369-1415) wird als Ketzer verbrannt

1524 Ittinger Sturm - Bildersturm und Klosterbrand in der Reformationszeit

1417 Oddo Colonna wird im Kaufhaus in Konstanz zum Papst gewählt (Martin V.)

1483-1546 Martin Luther

1461 Kartäuserorden erwirbt

1492 Beginn der Neuzeit mit der Entdeckung Amerikas

Kloster Ittingen

1300

1400

1540 Inkorporation des Klosters Reichenau in das Hochstift des Bistums Konstanz

1500

Klassizismus 1803 Reichsdeputationshauptschluss: weltliche Fürsten werden für Verluste während der napoleonischen Kriege entschädigt. Säkularisation: Aufhebung kirchlicher Institutionen und die Verstaatlichung ihres Besitzes sowie die Einverleibung der geistlichen Fürstentümer und Herrschaften des Heiligen Römischen Reiches durch größere Territorialstaaten. 1821 Auflösung des Bistums Konstanz und Gründung des Erzbistums Freiburg

1827 Einsetzung des ersten Erzbischofs

von Freiburg

1848 Gründung des schweize-

rischen Bundesstaates, es folgte die Aufhebung der Klöster

1892 die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz erwerben die ehemalige Sommerresidenz der Konstanzer Fürstbischöfe in Hegne und nutzen es als Kloster

1800

1922 Neugründung des Benediktinerklosters Weingarten (bis 2010) 1977 Wiedererrichtung des Klosters Fischingen 1977-1983 Gründung der

2004 Gründung der

1900

2000

privatrechtlichen Stiftung Kartause Ittingen

Cella St. Benedikt auf der Reichenau

Chronologie | Bodensee Magazin Spezial 113


Glossar Abt lat. abbas = Vater; Vorsteher eines Klosters Abtei lat. abbatia; Kloster, dem ein Abt oder eine Äbtissin vorsteht Apsis Chorabschluss, halbkreisförmig oder polygon Arkaden von Pfeilern oder Säulen getragene Bögen, bezeichnet auch Bogengänge Askese Streng enthaltsame und entsagende Lebensweise Augustinereremiten Mönchsorden, gehört zu den Bettelorden, der sich nach der Regel des hl. Augustinus richtet

Kathedrale Kathedra = Sitz, Stuhl; Kirche, die zu einem Bischofssitz gehört Kenotaph eigentlich „leeres Grab“, Scheingrab, Grabdenkmal Klause/Klausur Kloster; abgeschiedener Wohnort eines Mönchs, für Laien nicht zugänglicher Teil eines Klosters (von lat. claustrum, clausura; davon dt. Kloster)

Koinobiten gr. Koinobion = Zusammenleben; mönchische Lebensform, bei der sich

die Mönche zu einer Wohn- und Lebensgemeinschaft zusammenfinden, im Gegensatz zum Eremitentum

Augustinerchorherren Männerorden, dessen Regel sich auf den hl. Augustinus

Konklave Versammlung der Kardinäle zur Papstwahl Konvent Mitgliedergemeinschaft eines Klosters; baulich: Wohnbereich in einem

Basilika besondere Bauform einer Kirche (unabhängig von der Funktion, Größe oder

Konzil lat. concilium = Versammlung; Zusammenkunft, beratende Versammlung; bei

Benediktiner Mönche des Ordens, der sich auf den hl. Benedikt von Nursia und

kontemplativer Orden Mönchsgemeinschaft, die in Abkehr von weltlichen

bezieht, s. auch Chorherren

Bedeutung); drei- oder fünfschiffiger (Kirchen-)Bau mit breiterem und überhöhten Mittelschiff, der Obergaden mit Fenstern sorgt für Licht seine Ordensregel beruft; kontemplativ ausgerichtet

Bettelorden Dominikaner, Franziskaner, Karmeliten, Augustiner-Eremiten; Orden

mit besonderer Armutsverpflichtung; stehen als Reformorden im Gegensatz zu kontemplativen Orden; im Mittelalter besonders in den Städten angesiedelt, daher im sozialen Bereich und in der Seelsorge aktiv; Verdienste auch im wissenschaftlichen Bereich

Bischof griech. episkopos = Aufseher, Hüter, Schützer; geistlicher Würdenträger der christlichen Kirche mit geistlicher und administrativer Leitung eines bestimmten Gebietes

Brevarium lat. brevis = kurz; auch Brevier, kurzes Verzeichnis aller Teile des Stundengebets

Bruderschaft Vereinbarung geistlicher Gemeinschaften, über den Tod hinaus durch Gebete und Messopfer einander zu helfen

Cella lat. cella = kleiner Raum; Mönchszelle, Klosterzelle; nach Aufgabe des Dormitoriums (gemeinsamer Schlafraum der Mönche) privater Schlaf- und Wohnraum eines Mönchs

Chor abgetrennter, dem Klerus vorbehaltener Kirchenraum, meist durch Lettner oder

Kloster

den christlichen Kirchen Zusammenkunft von Klerikern

Dingen in der Abgeschiedenheit in einem Kloster lebt (vita contemplativa) und durch Askese und Gebet (positiv) auf die Welt einwirkt; im Gegensatz zu Orden, die nach dem Ideal tätiger Nächstenliebe soziale Arbeit leisten (viat activa), s. auch Bettelorden

Kreuzgang Teil eines Klosters/Konventsgebäudes; offene oder (durch Fenster) geschlossene Gänge, die einen rechteckigen Innenhof umschließen

Krypta unterirdischer Bereich einer Kirche, dient oft als Grablege und/oder für besondere liturgische Zwecke, z. B. als Aufbewahrungsort von Reliquien

Laienbrüder Mitglieder einer Ordensgemeinschaft ohne Priesterweihe Liturgie gottesdienstliche Handlungen Missale Messbuch mit Gebeten, Lesungen und Gesängen für die Messfeier Mitra Hohe Bischofsmütze Münster lat. monasterium = Kloster; Mönchskirche, Bezeichnung wird auch für (größere) Kirchen ohne Kloster verwendet

Orden Gemeinschaft, die sich an bestimmte Ideale oder Regeln ausrichtet; religiöse Vereinigung, die nach bestimmten Regeln lebt

Cluniazenser Reformorden, 910 gegründet, der aus dem Benediktinerorden hervor-

Paramente im Kirchenraum und Liturgie verwendete Textilien Patrozinium Fest des Kirchenpatrons Pilaster einer Wand vorgelagerter Pfeiler (nicht freistehend) Prälat Würdenträger (z. B. Abt, Bischof) innerhalb der katholischen Kirche mit leiten-

Dom lat. domus = Haus; Kirchengebäude, eigentlich Bezeichnung für Bischofskirche;

Prämonstratenser im 12. Jh. gegründeter Orden, der das kontemplative Leben

Dritter Orden christliche Laiengemeinschaft, die sich an den Idealen eines Män-

Priorat von einer Abtei abhängiges und einem Prior geleitetes Kloster, bzw. dem

Epitaph griech. taphos = Grab; Gedenktafel mit Inschriften für einen Verstorbenen,

Probst lat. propostus = Vorgesetzter; Vorsteher einer Chorherrengemeinschaft Prokurator Vermögensverwalter eines Klosters Refektorium Speisesaal der Mönche Reformation kirchliche Erneuerungsbewegung zwischen 1517 und 1648, die zur

Schranke abgetrennt

Chorherren auch: Kanoniker, Mitglieder einer Stiftskirche, eines Stift- oder

Domkapitels, die nach einer Ordensregel leben und liturgische Aufgaben an ihrer Stiftskirche erfüllen (z. B. gemeinsames Chorgebet, Messfeiern) ging, benannt nach dem Mutterkloster Cluny im Burgund

aber auch eine große Kirche kann als Dom bezeichnet werden, s. auch Kathedrale ner- oder Frauenordens ausrichtet

angebracht an Säulen oder Kirchenwänden

Eremiten griech. eremos = allein, unbewohnt; Mönche, die als Einsiedler leben wol-

len; ursprüngliche/früheste Formen des Mönchtums; Mönche streben nach Askese in der Abgeschiedenheit (Gegensatz zu koinobitischer Lebensweise von Mönchen)

Fresko Wandmalerei, die auf den feuchten Putz aufgetragen wird Grangien Wirtschaftshöfe, Gutshöfe des Klosters, besonders der Zisterzienser­ klöster

Illumination Gesamtheit des malerischen Buchschmucks, teilweise durch Vergoldungen ergänzt

Inkunabeln Wiegendruck, sehr frühe, mit beweglichen Lettern gedruckte Schriften seit Erfindung des gutenbergschen Druckverfahrens

Jesuiten Ordensgemeinschaft „Gesellschaft Jesu“, gegründet von Ignatius von

Loyola 1534 in der Zeit der Gegenreformation; die Ordensmitglieder sind weder zu einer besonderen Ordenstracht noch zu einem gemeinschaftlichen Leben in einem Kloster verpflichtet; Lebensgemeinschaft in Kommunitäten; früher in der Mission, heute vor allem in Bildungseinrichtungen und in der Wissenschaft tätig

Kanoniker s. Chorherren; Weltgeistliche, die Gottesdienst in einem Dom oder Münster besorgen

Kardinal Vom Papst verliehener religiöser Titel, der zur Papstwahl verpflichtet Karmeliter, Karmeliten ursprünglich von Kreuzfahrern und Pilgern im Karmelge­

birge gegründeter Orden, der sich an der Lebensweise der Eremiten ausrichtete; in Europa schließlich zu den Bettelorden gehörend; Aufspaltung in Beschuhte und Unbeschuhte Karmeliten; bedeutendste Vertreterin: Teresa von Avila

Kartause, auch Karthause Kloster des Kartäuserordens; besondere architektoni-

sche Form: die einzelnen Wohnhäuschen der Mönche gruppieren sich um den Großen Kreuzgang; so wird eine weitgehend eremitische Lebensweise im Kloster ermöglicht

Kartäuser Mönche eines im 11. Jh. gegründeten Ordens, der die Lebensweise eines Einsiedlers mit der in einer Klostergemeinschaft zu verbinden versucht; benannt nach Gründungskloster La Chartreuse; s. auch Koinobiten und Eremiten

114 Bodensee Magazin Spezial | Glossar

der Funktion, Ehrentitel für Inhaber eines höheren Amtes

im Kloster mit Seelsorge und sozialem Engagement verbindet; lebt nach der Augustinerregel Prior zugeordneter Bereich im Kloster

Spaltung des westlichen Christentums in verschiedene Konfessionen (katholisch, lutherisch, reformiert) führte

Reliquie lat. reliquiae = Zurückgelassenes, Überrest; körperliche Überreste eines Heiligen oder Dinge, die mit dem Heiligen in Berührung waren

Retabel gemalte Tafel oder Schrein mit Schnitzfiguren hinter dem Altar Rotunde Baukörper mit kreisförmigem Grundriss Säkularisation Aufhebung kirchlicher Institutionen und die Verstaatlichung ihres Besitzes sowie die Einverleibung der geistlichen Fürstentümer und Herrschaften des Heiligen Römischen Reiches durch größere Territorialstaaten während des Napoleonischen Zeitalters

Schirmvögte König oder Adliger, der ein lehensherrschaftsähnliches Recht an einem Kirchengut (sog. Vogtei) hatte

Spolien lat. spoliare = rauben, plündern; Bauteil oder Fragment eines Gebäudes, das in einem anderen Kontext benutzt/in einem anderen Gebäude verbaut wird

Stift eine mit einer Stiftung (meist Grundbesitz) ausgestattete Körperschaft im Bereich der Kirche

Stundengebet regelmäßige Gebete zur Tages- und Nachtzeit Wallfahrt Reise zu einer heiligen Stätte Zehnt Steuern weltlicher oder geistlicher Grundherrschaft Zisterzienser Reformorden, der sich im 11. Jh. von den Benediktinern abspaltete; Intention zur Ordensgründung war die strengere Auslegung der Ordensregeln des Benedikt von Nursia; benannt nach Ursprungskloster Citaux im Burgund; kontemplativ ausgerichtet


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Bodensee Magazin 2018 Erhältlich im Zeitschriften-Fachhandel

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Bodensee Magazin Spezial - Kirchen, Köster & Konzil  

Die vierte und überarbeitete Auflage des 112-seitigen Bodensee Magazin Spezial “Kirchen, Klöster & Konzil“ führt die Leserinnen und Leser in...

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