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Aus dem Inhalt

Neues aus Kirche und Welt Aus Lehre und Verkündigung Silvesterlied Die Not ist groß – aber Gott ist größer! Maria und Elisabeth Betrachtungen auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 Evangelisation Herzog Heinrich der Fromme und Katharina Jesus heilt Süchtige Johannes und Wilhelm Busch Aus Kirche und Gesellschaft Aus den Bekennenden Gemeinschaften Buchrezensionen

ISSN 1618-8306

Dezember 2016 Nr. 301

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«


kurz+bündig Kirche in Deutschland

Personen

Beschämendes ­Jubiläum: zehn Jahre »Bibel in ­gerechter Sprache«

Oberkirchenrat Werner Hofmann †

Der langjährige juristische Leiter im Landeskirchenamt der bayerischen Landeskirche, Dr. Werner Hofmann, ist im Alter von 85 Jahren verstorben. Hofmann, der eine konservative Grundhaltung einnahm, war im Kirchenrecht versiert und Mitherausgeber der renommierten »Zeitschrift für evangelisches Kirchenrecht« (verlegt von Mohr Siebeck in Tübingen) und langjähriger Leser des Informationsbriefes der Bekenntnisbewegung. Wechsel von EJW zu »Zieglerschen«

Pfarrer Gottfried Heinzmann (51), Leiter des Evangelischen Jugendwerks in Württemberg (EJW), wechselt zum Jahreswechsel in den Vorstand der »Zieglerschen« in Wilhelmsdorf. Er wird dort Nachfolger von Harald Rau, der am 1. August seinen Dienst als Beigeordneter der Stadt Köln antrat. Kommissarisch übernimmt Jürgen Kehrberger, Fachlicher Leiter des EJW, die Leitung des Jugendwerks bis zum Eintritt in seinen Ruhestand am 1. Juli 2017. 2

Anlässlich des Jubiläums zehn Jahre »Bibel in gerechter Sprache« gab es im Lübecker Dom einen Festakt. 42 Theologinnen und Theologen haben an dieser »Übersetzung« mitgearbeitet, die mittlerweile bereits in vierter Auflage vorliegt. Zu den Befürworterinnen gehörten beim Erscheinen die damaligen Bischöfinnen Margot Käßmann und Bärbel Wartenberg-Potter. Der damalige Rat der EKD gab bekannt, dass die »Bibel in gerechter Sprache« für die Verwendung im Gottesdienst generell nicht geeignet sei. Entscheidendes Qualitätskriterium für Bibelübersetzungen sei »die Treue zum Ausgangstext«. Diese ist bei dieser »Übersetzung« nicht gegeben. Die Anrede »Herr« wird durch »die Ewige« ersetzt. Altbischof Ulrich Wilckens, selbst namhafter Übersetzer, hat in einem Gutachten diese »Übersetzung« einer grundlegenden Kritik unterzogen. Christen sind ausgesperrt

Unter den 3,5 Millionen Bürgern Berlins sind neun Prozent Muslime, neun Prozent katholisch sowie 17 Prozent protestantische Christen. 60 Prozent der Berliner sind konfessionslos. 30 Prozent »eingedeutscht«. Im protestantischen Dom sind Gesänge von Buddhisten und Muslimen zugelassen; der »Marsch für

das Leben« der Christen am 17. September blieb jedoch ausgesperrt.

Ethik »Pille danach« 60 000 im Monat

Rund 60 000 Packungen der »Pille danach« werden laut einer Statistik der Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände jeden Monat in Deutschlands Apotheken abgegeben. Seit der Entlassung aus der Rezeptpflicht im März 2015 sind die als Notfallverhütungsmittel verharmlosten Präparate in Apotheken frei verkäuflich. Vor deren Entlassung aus der Rezeptpflicht betrug der Absatz der Präparate etwa 38 000 Packungen pro Monat. Frauen, die ihrer Apotheke kein Rezept vorlegen, müssen die Präparate bezahlen. Ausgenommen sind Frauen und Mädchen unter 20 Jahren. Im vierten Quartal 2015 legten 86,5 Prozent der Kundinnen, die nach dem Präparat verlangten, kein Rezept vor. Rehabilitierung Homosexueller

Bei der Aufhebung von Urteilen nach dem so genannten »Schwulen-Paragraphen« kommt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) offenbar dem Druck von Antidiskriminierungsstelle und Grünen nach. Es geht um die Rehabilitierung von noch in der Nachkriegszeit wegen Homosexualität verurteilten Männern. Auch eine Entschädigung der

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»Opfer« sei geplant. Bei den Gesetzesplänen geht es um eine Aufhebung von Urteilen nach dem früheren Paragraphen 175 im Strafgesetzbuch, der seit der Kaiserzeit galt.

Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg, dem (liberalen) Rabbiner-Seminar Abraham-Geiger-Kolleg (Potsdam) und dem Liberal-Islamischen Bund (Köln) statt.

Zweifelhafte Ehrung: Homosexuelle zeichnen rheinische Kirche aus

Anne Will und Miriam Meckel haben »geheiratet«

Der Verein Christopher Street Day Mönchengladbach hat der Evangelischen Kirche im Rheinland den Ehrenpreis »Regenbogen Bleistift« verliehen. Grund dafür ist die Einführung der Trauung für gleichgeschlechtliche Paare, die im Januar 2016 die Synode beschlossen hat. Sie sei »ein Meilenstein und noch lange nicht selbstverständlich«, hieß es von Seiten des CSD Mönchengladbach.

kurz+bündig

Personen +++ Kirchen +++ Glauben +++ »Modernes Leben«

Vor rund neun Jahren (2007) machten sie ihre Beziehung öffentlich. Jetzt haben sich die ARD-Talkerin Anne Will (50) und ihre langjährige Lebensgefährtin Miriam Meckel (49, Chefredakteurin der »Wirtschaftswoche«) im August auf dem Standesamt in Düsseldorf das Jawort gegeben. »Ja, wir haben geheiratet«, bestätigte das Paar. Aus juristischer Sicht sind Lebenspartner nicht verheiratet, umgangssprachlich werden sie häufig so bezeichnet.

Berlin: Gottesdienst zu Homo-Parade

Einen Tag vor der Homosexuellenparade Christopher Street Day (CSD) Ende Juli mit fast 500 000 Teilnehmern, lud die Evangelische Kirche Berlin Stadtmitte zu einem interreligiösen Gottesdienst in die evangelische St.-Marienkirche am Alexanderplatz ein. Hauptrednerin war die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. Sie forderte den Bundestag dazu auf, Opfer des früheren Homosexuellen-Paragraphen 175 zu entschädigen. Der Superintendent des Kirchenkreises, Bertold Höcker, hielt die Liturgie und führte durch das Programm. Der »Gottesdienst« fand in Kooperation mit dem

Islam Politische Feigenblätter

Pfarrer Dr. Gottfried Martens (SELK, BerlinSteglitz) wurde für seinen Einsatz für christliche Asylbewerber in Deutschland mit dem Stephanus-Preis ausgezeichnet. In seiner Dankesrede fand Martens kritische Töne, was die Situation von bedrängten Christen in deutschen Erstaufnahmeeinrichtungen angeht: »Wir [mussten] die Erfahrung machen, wie unsere Bemühungen, den bedrängten Minderheiten in den Asylbewerberheimen bei Entscheidungen in Politik und Gesellschaft, leider gerade auch in den großen Kirchen, Gehör zu verschaffen, weitestgehend abgeprallt sind. Immer deutlicher ist mir geworden, dass ich offenbar mit den Einladungen zu politischen Diskussionen letztlich doch nur als Feigenblatt gebraucht werden sollte, um einer bestimmten Wählerklientel gegenüber den Eindruck zu erwecken, man würde sich ernsthaft dieses Themas annehmen.«


kurz+bündig 35 Prozent uneheliche Kinder

35 Prozent aller Kinder in Deutschland kommen inzwischen unehelich zur Welt. In den neuen Bundesländern sind es sogar 59 Prozent, in den alten 29.

Katholische Kirche Bätzig folgt auf Tebartz

Der aus dem Westerwald stammende 55-jährige Georg Bätzig, der 1987 in Trier zum Priester geweiht wurde, wird neuer Bischof von Limburg und damit Nachfolger von Tebartz-van-Elst. Tebartz-vanElst hatte 2014 seinen Posten verloren; er stand wegen der Kostenexplosion beim Bau des neuen Bischofssitzes und seiner Amtsführung in der Kritik.

Verlagswesen Drei evangelische Verlage fusionieren

Weitere Konzentration im evangelischen Verlagswesen: Zum 1. Juli fusionierten der Brunnen Verlag Basel (rund 80 Beschäftigte in 13 Schweizer Städten, vor 95 Jahren gegründet), die Asaph AG Schweiz (sechs Mitarbeiter) und die Asaph GmbH Lüdenscheid (19 Angestellte). Die Asaph-Verlage kommen aus pfingstkirchlicher Tradition. Das neue Unternehmen heißt »Fontis«. Der Brunnen Verlag Basel hat bereits vor zwei Jahren das Verlagslabel Fontis gegründet, um sich von anderen Brunnen Verlagen zu unterscheiden. Geschäftsführer Dominik Klenk 4

sagte, gemeinsam könne effizienter gearbeitet werden. Der Buchmarkt sei in keiner leichten Lage. Teil des Neukirchener Verlags geht an Vandenhoeck

Die Neukirchener Verlagsgesellschaft (NeukirchenVluyn) hat ihr wissenschaftlichtheologisches Programm an den Göttinger Wissenschaftsverlag Vandenhoeck und Ruprecht verkauft. Vom Verkauf nicht betroffen sind der Verlagsbereich »Neukirchener Aussaat« und der Neukirchener Kalenderverlag. Die Marke »Neukirchener Theologie« werde für die nächsten fünf Jahre vom neuen Eigentümer weiter genutzt. In dieser Reihe erscheinen auch Werke evangelikaler Theologen. »Die Theologie des Neuen Testaments« von Altbischof Ulrich Wilckens (Lübeck) und dessen »Kritik der Bibelkritik« sind in dieser Reihe erschienen. Erfolgreicher evangelikaler Verlagsleiter Karlheinz Kern †

Einer der erfolgreichsten evangelikalen Verlagsleiter, Karlheinz Kern, ist im Alter von 71 Jahren heimgegangen. Kern, der bis 2010 mehr als 50 Jahre Mitarbeiter des Verlags der St. Johannis-Druckerei (Lahr bei Offenburg) war und ihn zuletzt leitete, gründete im Alter von 65 Jahren seinen eigenen Verlag – die mediaKern GmbH, die 2012 eine Partnerschaft mit dem evangelikalen Kawohl-Verlag (Wesel am Niederrhein) einging. Von 2003 bis 2006 war Kern auch

Vorsitzender der Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger (VEB). Ehrenamtlich war er Bezirksvorsitzender des Evangelischen Vereins für Innere Mission Augsburgischen Bekenntnisses und seit über 50 Jahren Organist in seiner Heimatgemeinde Meißenheim bei Offenburg.

Kultur Wechsel bei Evangelischer Jugend Stuttgart

Nachfolger von Hans Holzwarth, dem langjährigen Bläserreferenten der Evangelischen Jugend Stuttgart, wird Christof Schmidt. Holzwarth, der altersbedingt in den Ruhe­ stand trat, hat die Konzerte »Starkes Blech« ins Leben gerufen, die alle zwei Jahre im Stuttgarter Alten Schloss stattfinden. Bei einem solchen fand im Sommer der Stabwechsel von Holzwarth zu Schmidt statt. Gerhard Raff wurde 70

Gerhard Raff, studierter evangelischer Theologe und Historiker, der sicher zu den kundigsten Landeshistorikern Württembergs zählt, konnte in Stuttgart-Degerloch, seinem Geburts- und Wirkungsort, seinen 70. Geburtstag begehen. Der »meistgelesene Dialektautor der Welt« betätigt sich als Zeitungskolumnist, Bestsellerautor und Historiker und als Hobbygärtner. Sein Markenzeichen ist Wohltätigkeit: Er fördert Kirchen, soziale Einrichtungen, Stiftungen und Projekte in aller Welt.

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Aus Lehre und Verkündigung

mm Mitten aus der Freude, wunderbarem Glück;m muss ich zu dir, Jesus, einen Augenblick.m Nur, um dir zu danken, dass du sie mir gibst,m halt’ sie auch in Schranken, so, wie du sie liebst.m m Aus dem Arbeitstrubel, o, wie oft zurück;m muss ich zu dir eilen, einen Augenblick.m Um auf meinen Wegen durch Gedräng und Hastm schnell auf dich zu legen meine Sorgenlast.m m Und in allem Leide, allem Missgeschick;m muss ich zu dir flüchten, einen Augenblick.m Wollest so mir’s legen, dass ich’s tragen kann,m und ich auch den Segen spüren mag alsdann.m m So bin ich geborgen, wenn ich Leid und Glückm schnell zu Jesus bringe, einen Augenblick.m Wenn mein Leben steht so in Gottes Hut, m es ganz sicher geht, bei ihm hab’ ich’s gut. Hermann Bezzel (1861–1917)

mm Gottes Wege sind dunkel, m aber das Dunkel liegt nur in unseren Augen, m nicht auf seinen Wegen. Matthias Claudius

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mm Wie alle alttestamentlichjüdische Eschatologie in ihrem Wesen Theologie ist, so ist alle neutestamentliche Eschatologie Christologie oder präziser Theologie als Christologie. Sie spricht von Gottes endgültigem Heilshandeln in Jesus Christus, in seinem Wirken und in seinem Geschick. Sie setzt die Einheit Jesu mit Gott voraus, die Einheit des Sohnes mit dem Vater und des Vaters mit seinem Sohn. Weil Gott ist, indem er handelt, besteht die Einheit zwischen Vater und Sohn in der völligen Gemeinsamkeit und Übereinstimmung ihres Handelns. Bischof i. R. Ulrich Wilckens

mm Christliche Theologie besteht darin, dass wir durch das Wort Gottes in die Nachfolge Christi gerufen werden zur Vorbereitung auf den Tag seiner Wiederkunft in der Gemeinschaft mit allen, die ihn lieben, die seinen Namen tragen und anrufen. Dieses glaube, bekenne und lehre ich in der Gemeinschaft der katholischen [allumfassenden] Kirche, die erbaut ist »auf den Grund der Apostel und Propheten, da Jesus Christus der Eckstein ist« (Epheser 2,20). Reinhard Slenczka

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Silvesterlied Das nachstehende »Silvesterlied« wird in der evangelischen Kirchengemeinde Truchtelfingen zum Jahreswechsel gesungen 1. Ach wiederum ein Jahr entschwunden, ein Jahr, und kommt nicht mehr zurück. Ach mehr als achtmal tausend Stunden sind weg als wie ein Augenblick! Weg meine Tugenden und Sünden! Doch nein: Der Richter aller Welt lässt jegliche mich wieder finden, wenn er vor seinen Thron mich stellt.

4. Nein, Vater, sie sind nicht zu zählen, die Sünden dieses Jahres, nein! Wie kann ich’s Dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert, noch hier zu sein. Zu oft ließ ich mein Herz erkalten, zu oft verletzt’ ich meine Pflicht. Ich darf von dir nicht Rechnung halten; ich zittre, geh nicht ins Gericht.

2. Gedanken, Worte, Tatenheere –, wie? Dürft ihr Gottes Licht nicht scheun? Wenn ich dies Jahr gestorben wäre, wo würd’ jetzt meine Seele sein? Stünd’ ich verklärt bei Gottes Kindern? Wär’ ich von seiner Lieb entflammt? Wie? Oder hätte mit den Sündern der Allgerechte mich verdammt?

5. Nein Vater, sie sind nicht zu zählen, die Gnaden dieses Jahres, nein! Wie kann ich’s Dir und mir verhehlen? Ich bin nicht wert, mehr hier zu sein. Wo fang ich an? Gott, welche Menge vom ersten bis zum letzten Tag! Ich weiß, dass wenn ich Jahre sänge, ich Dir zu danken nicht vermag.

3. Den Gott, der liebt, wie Väter lieben, hat ihn mein Undank nie betrübt? Den Gott, der mir so treu geblieben, hab ich ihn auch so treu geliebt? Lebt’ ich für ihn nach seinem Willen, stets als vor seinem Angesicht, fromm öffentlich und fromm im Stillen, treu dem Gewissen und der Pflicht?

6. Ich danke Dir für alle Gnaden, die Du dies Jahr der Welt erzeigt. Ach eile, Herr die zu entladen, die noch das Elend niederbeugt. Ja aller, aller Menschen Seelen will ich, mein Heiland, Jesus Christ, aufs Neue Deiner Huld empfehlen, weil Du doch aller Heiland bist.

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Die Not ist groß –– aber Gott ist größer! Zu Jeremia 23,1––6 Zum ersten Advent Bernhard Bonkhoff

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b und zu hängen Briefkästen nicht an Haustüren, sondern irgendwo mitten in Häusern, in Speisesälen oder in Fluren von größeren Firmen, in Altenheimen oder in Krankenhäusern. Sie dienen auch nicht dem Postboten bei der Postzustellung. Diese Briefkästen heißen »Kummerkasten«. Hier kannst du deinen Kummer loswerden. Denn Maulen und Nörgeln allein helfen nicht. Den Kummer in sich hineinfressen: Das hilft auch nicht. Das macht höchstens krank und unzufrieden. Aber wir haben, jetzt besonders, da mit dem heutigen Tag das Reformationsjahr 2017 in der evangelischen Kirche beginnt, so allerhand für den Kummerkasten auf Lager und auf dem Herzen. Wie wird so ein Kummerkasten funktionieren? Irgendwann wird eine Sekretärin oder eine Pflegekraft den Kummerkasten öffnen und die Kummerzettel ihrem Chef bringen. Dann werden die Botschaften gelesen und hoffentlich auch besprochen. Vor allem wird eine Frage die Lesenden interessieren: Wer hat da geschrieben? Hat dieser Absender bei uns überhaupt eine Stimme? Oder ist das wieder so ein grundsätzlich Unzufriedener, ein Nörgler und Besserwisser? Können und wollen wir seinen Kummer überhaupt anhören und ernstnehmen? Oder bügeln wir das weg, indem entweder überhaupt nichts geschieht oder dem Bekümmerten einige warme Worte von Verständnis hingedrückt werden? Deine Erwartungen sind überzogen … Aus Gründen der Gleichbehandlung können wir doch nicht … Ihr Vorschlag würde zu hohe Kosten verursachen …

Bernhard Bonkhoff Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30 INFORMATIONSBRIEF 301

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Heute, am ersten Tag des neuen Kirchenjahres öffnet ein Anderer den Kummerkasten des Volkes Gottes: Gott selbst. Er selbst will sich seiner Herde annehmen und sie suchen. Passen wir genau auf, was da geschieht. Bei dieser Kummerkastenöffnung fällt nichts von all dem Kummer, den Gottes Herde hat, unter den Tisch. Da werden die Bekümmerten nicht aussortiert nach Frau Wichtig und Herrn Unwichtig, sondern bei Gott hat alles sein Gewicht, denn er allein kennt die Herzen. Bei ihm ist keine Bitte umsonst, keine Klage zum Fenster hinaus geredet. Denn bei dem lebendigen Gott heißt es stets: Ich rede es, und ich tue es auch. In den sechs Versen unseres Textes heißt es fünf Mal: So spricht der Herr! Er, der Herr und König seines Volkes gibt vor, was jetzt angesagt ist. In seiner Kirche gilt nicht die Tagesordnung der Welt, sondern hier sagt er, was jetzt Chefsache ist. Gott spricht: Ich will! Die Diagnose lautet: Ihr Hirten lasst die Herde meiner Weide umkommen und zerstreut sie. Ihr, die ihr dazu bestellt und ordiniert gewesen seid, meine Herde zu weiden, ihr habt nicht nach meiner Herde gesehen. Siehe, ich will euch heimsuchen um eures bösen Tuns willen, spricht der Herr. Das will ich tun. Das muss ich tun. Denn ihr habt sträflich euren Dienst vernachlässigt, zu dem ihr berufen worden seid. Ihr habt euch entpuppt als Mietlinge, die sich selbst weiden, die sich am Fett der Herde sattgegessen haben. Ihr habt Wasser gepredigt und selbst Wein getrunken. Aber jetzt ist Schluss mit lustig. Ab jetzt ist es Advent – zu Deutsch: Der Herr kommt. Er besucht und erlöst sein Volk. Daraus folgt: Ich will die Übriggebliebenen meiner Herde sammeln aus allen Ländern; ich will sie wiederbringen zu ihren Weideplätzen, dass sie sollen wachsen und viel werden. Gott sammelt die Letzten, die Allerletzten, die Fußkranken der Nation, die keine Stimme haben, die verarmt und entmutigt durchs soziale Netz gefallen sind. Es sind die, die nicht besucht 7


werden, nachdem sie den Tod eines Angehöri- müsste in der Herde Christi wieder alles gründgen erlebt haben. Es sind die, nach denen kein lich vom Kopf auf die Füße gestellt werden, Hirte mehr fragt, wenn sie aus Altersgründen denn der gute Hirte ist bei den Übriggebliebenicht mehr zum Gottesdienst laufen können. Es nen, den Geringen und den Schwachen in der sind die, die krank waren und auf den Besuch Welt. Und der gute Hirte sagt ganz dringlich ihres Seelsorgers warteten, und und eindringlich zu denen, die vergeblich gewartet haben. Es mm Der große Hirte ihn hören und die ihm gehorsind die Eltern, denen kein Reli- tauscht sein Personal chen: »Wer mir dienen will, der gionslehrer geholfen hat, als das folge mir nach; und wo ich bin, Kind Probleme in der Schule aus. Denn die Ausgeda soll mein Diener auch sein. hatte, das von Mitschülern ge- brannten können nicht Und wer mir dienen wird, den mobbt wurde. Es sind Alleinmein Vater ehren« (Johanmehr brennen für Jesus. wird erziehende, die für das Neugenes 12,26). borene keine Paten gefunden Die nicht mehr zuhause Das Dritte, was Gottes erhaben und doch froh wären, sind im heiligen Wort klärter Wille ist, das steht am wenn ihr Kind bald getauft werSchluss unseres Abschnitts aus den könnte. Wenn sich der Herr des Lebens, wie sollen Jeremia 23: »Ich will Hirten der Übriggebliebenen seiner sie den Anvertrauten in über sie setzen, die sie weiden Erde selbst annehmen will, wa- dem Wort Gottes eine sollen, dass sie sich nicht mehr rum erkennen diejenigen, die fürchten noch erschrecken noch in seiner Herde Verantwortung Heimat geben können! heimgesucht werden, spricht übernommen haben, nicht, was Die mit ihrem Auftrag der Herr.« Der große Hirte jetzt zu tun ist? tauscht sein Personal aus. Denn schon ganz persönlich Ist uns jene Stelle der Heidie Ausgebrannten können ligen Schrift denn nicht mehr nicht mehr klarkomnicht mehr brennen für Jesus. präsent, wo es heißt: »Als er das men in der eigenen Die nicht mehr zuhause sind im Volk sah, jammerte es ihn; denn Wort des Lebens, wie Lebenspraxis, wie sollen heiligen sie waren verschmachtet und sollen sie den Anvertrauten in zerstreut, wie Schafe, die keinen sie andere lehren, ohne dem Wort Gottes eine Heimat Hirten haben« (Matthäus 9,36). selbst dieser Lehre zu geben können! Die mit ihrem Wo ist das? Evangelische Kirche Auftrag schon ganz persönlich im Jubeljahr 2017. Ich will, gehorchen? nicht mehr klarkommen in der spricht der Herr. Vom auferstandenen Christus eigenen Lebenspraxis, wie sollen sie andere lehheißt es im Osterlied (Evangelisches Gesang- ren, ohne selbst dieser Lehre zu gehorchen? buch 114,8): »Dein Jesus lebt, es hat kein Not, Gott selbst kann es nicht mehr mit ansehen, daer ist noch bei den Schwachen und den Geringen rum wird er in sein Werk andere Hirten berufen. in der Welt.« Aber wenn das seine Kirche ver- Und der wird einen neuen Davidssohn senden. gessen hat, so wie die spätmittelalterliche Kirche Der soll ein König sein, der wohl regieren und mit ihrem Ablasshandel, mit ihren Prunkbauten Recht und Gerechtigkeit im Lande üben wird. in ihrem Zentrum, wo angeblich alle Wege hin- Und dies wird sein Name sein, mit dem man ihn führen, dann ist jetzt wieder eine Reformation nennen wird: nötig, denn Jesus Christus spricht: Was hoch ist vor den Menschen, das ist ein Gräuel vor Gott Der Herr –– unsere Gerechtigkeit. (Lukas 16,15). Wer ein wenig herumkommt im Land, der kennt die Problemviertel in den Alle, die ihn hören und ihm nachfolgen, bilVororten der Städte, der sieht die ausgebluteten den seine Kirche, leben von seinem Wort, sind Dörfer in strukturschwachen Regionen, wo in Gäste an seinem Tisch. Das ist Kirche, seine Kirmanchen Straßen jedes zweite Haus leer steht, che. Gott will und wird dafür sorgen, dass sie wo Fuchs und Marder hausen, wo in den lee- lebt und blüht. Darum lass sterben, was sterben ren Fensterhöhlen das Grauen wohnt. Und die will, wie geschrieben steht: Was veraltet und meisten dieser Dörfer haben noch eine Kirche, überlebt ist, das ist seinem Ende nahe (Hebräer wo vielleicht noch alle 14 Tage oder noch alle 8,13). Jesus Christus, der Gekreuzigte und Aufvier Wochen ein Gottesdienst stattfindet, wo erstandene ist unsere Gerechtigkeit. »All unsre aber der Hirte anschließend gleich wieder weg- Not zum End er bringt. Gelobet sei mein Gott, fährt zum nächsten Termin, wo dann aber auch mein Heiland groß von Tat« (EG 1,2, Macht nur noch die fünf oder die zehn den Feiertag hoch die Tür). Er wird sich seiner Herde selbst heiligen, so wie es in Gottes Gebot heißt. Ja, es annehmen. Es ist Advent. Er ist im Kommen.W 8

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Maria und Elisabeth Betrachtung zum Advent Lukas 1,39––56 Eduard Haller

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n der Kunstgeschichte, beim Betrachten alter Altarbilder, in farbigen Glasfenstern der Kathedralen, in Stein gehauen als Figuren: Hundertmal ist diese geheimnisvolle und wunderbare Szene dargestellt worden, die Lukas erzählt: Maria und Elisabeth begrüßen sich. Sie begegnen einander auf dem Gebirge Juda. Das junge Mädchen ist der alten Frau entgegengeeilt zum Besuch. Das Mädchen aus Nazareth ist die Greisin auf dem Gebirge Juda besuchen gegangen. Warum ist das in der hohen Zeit des Glaubens so oft dargestellt worden: »Maria besucht Elisabeth«? An beiden Frauen ist Wunderbares geschehen. Das verbindet sie. Beide erwarten gegen ihre Erwartung ein Kind. Das Mädchen von Nazareth trägt im Schoß den Herrn der Welt, die Greisin aus Judäa trägt den Herold dieses Herrn. Und weil der Herold und sein Herr, weil der Vorläufer und der lang Erwartete zusammengehören, darum gehören jetzt auch Maria und Elisabeth zueinander. An ihnen beiden hat sich ereignet, was Maria in ihrem Lobgesang sagt: »Er hat seine Magd in ihrer Niedrigkeit angesehen.« Das ist das weltwendende Geheimnis der beiden Frauen: Sie sind die von Gott »Angeschauten«. An der Welt- und Zeitenwende stehen zwei von Gott »angeschaute Frauen«. Diese besondere Zuwendung Gottes hebt sie heraus aus dem Gewöhnlichen und Alltäglichen. Sie sind beide als Werkzeuge unserer Erlösung berufen. Das stellt sie gleichsam auf einen Gipfel, von dem aus die Welt und die Zeiten überblickt werden. Marias Lobgesang ist solch ein Gipfel der prophetischen Sicht der Dinge, die sich un-

Eduard Haller Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30 INFORMATIONSBRIEF 301

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ter Gottes erlösendem Blick ereignen. Da werden im Magnifikat Mariens weltweite Horizonte eröffnet, das Mädchen aus Nazareth überblickt und sagt Dinge, die nur als prophetische Deutung ewiger Hintergründe zu verstehen sind. »Von Gott angeschaut« sind beide Frauen. Das führt sie zusammen. Denn die solchermaßen »Angeschauten« können nun ihrerseits gar nicht anders, als dass sie nun einander auch anschauen müssen. Von Gott Gegrüßte und von Gott Besuchte können nun nicht anders, als dass sie auch einander begrüßen und besuchen. Wenn irgendwo, dann gilt hier das alte Sprichwort besonders: »Einer allein glaubt es nicht.« Wirklich: Einer allein kann das gar nicht begreifen und bewältigen, dass Gott diese (zur Zeit der beiden besonders) anscheinend gottverlassene Welt und Erde, dieses Flecklein Land Juda mit seinem ewigen Bürgerkrieg und damit diesen unseren störrischen Planeten samt seinen Menschen zum Gegenstand seines »Anschauens«, zum Gegenstand seiner Liebe erklärt hat. Wirklich: Ein einzelnes Menschenherz allein ist überfordert mit dem (»wer dies Wunder fassen will«, wie wir im Lied singen, Verfasser Christian Fürchtegott Gellert, Evangelisches Gesangbuch Nr. 42, Strophe 3, Evangelisches Kirchengesangbuch Nr. 34, Strophe 3), was da mit dem nahenden Weihnachten sich unter uns verbreitet. »Woran soll ich das erkennen?« hat der vom Engel bei seinem Opfern im Tempel angeschaute Vater Zacharias gefragt. »Wie soll das zugehen?« hat das Mädchen Maria auf die Ankündigung des Engels Gabriel gefragt. Der so fragt, ja fragen muss, das ist eben der arme kleine Mensch mit seinem schnell verzagten Herzen, das immer ein wenig zu klein, ein wenig zu zögernd ist angesichts des Gottes, der nun seine auf Weihnachten geradezu stürmisch heranstürmende Gnade lautwerden lässt. Der kleine Mensch, der in Israel tausend Jahre auf die Gnade dieses Messias gewartet hat, und nun, wo die göttlich heimsuchende Gnade anklopft, fragt nach einem Pfand, einem Zeichen, einem Halt, einer Hilfe für den fast überforderten Glauben. Das Zeichen soll ihm bestätigen, 9


Die Heimsuchung – Detail aus dem Kramer­ fenster im Ulmer ­Münster, aus der Straßburger Werkstatt des Peter Hemmel von Andlau, um 1480. dass dem allem wirklich so sei, dass Gott nun so kommt, so seltsam unscheinbar und menschlich, er, auf den sie so lange gewartet haben. Lächeln wir ja nicht über diese Bitte nach einem Zeichen, diese Frage nach einem Unterpfand. Das ist so menschlich, ist so verständlich. Verdächtig, ja übermenschlich wäre es, wenn es anders wäre. Dieser müde und fragend gewordene Glaube, der gehört zum Adventlicht hinzu, der zitternde Schatten unsererseits zu seinem Licht, dem Licht dessen, der da kommt. Wer hier Schwierigkeiten sähe, der wüsste nichts von Gottes Heiligkeit und des Menschen Unwürdigkeit, von Gottes Größe und der Klugheit des menschlichen Herzens, der hätte keine Ahnung, kein Gespür mehr für die Größe des Wunders, das nun die Distanz zwischen Gott und Mensch überbrücken wird. Nun aber gehört das zu Gottes heimsuchender Barmherzigkeit, die sich zu uns auf den Weg gemacht hat, nun gehört es zu seinem 10

»Anschauen« des kleinen Menschen hinzu, dass er mit seinen Zeichen nicht spart. Gerade die Advents- und Weihnachtsgeschichten sind voll von solchen Zeichen. Zeichen über Zeichen wird da gewährt: Dem Priester Zacharias soll sein Verstummen nicht bloß Strafe sein, sondern eben auch ein Zeichen, eine Hilfe zum Glauben. Darum gehört dazu der Lobgesang, in den er ausbricht, als sein Verstummen zu Ende ist, und den wir das »Benedictus« nennen. Und der jungen Maria wird als Zeichen genannt die Schwangerschaft ihrer hochbetagten Verwandten. Und für diese, Elisabeth, ist das Zeichen, dass sich das Kind in ihrem Schoß bewegt beim Gruß der Maria. Und den Hirten von Bethlehem werden Krippe im Stall und Windel als Zeichen genannt. Für die Weisen aus dem Orient ist’s ein Sternzeichen am Himmel, das ihnen vorauswandert und dem sie nachziehen. Zeichen allesamt für das Große und Entscheidende, für das Wunder, das jedes menschliche Fassungsvermögen übersteigt: Gott ist dabei, diese verwundete, verwüstete Menschenwelt heimzusuchen. Er sendet seinen Sohn! Nun soll auch dies für alle Zeiten gelten: Jeder Begnadete, jeder Glaubende, jeder »Angeschaute« darf dem andern »Angeschauten« ein solches Zeichen sein! Welche Freude, wenn ich einem demütig Glaubenden begegne. Das darf eine Krücke für den hinkenden Glauben sein, eine Stütze für das müde werdende Herz, so dass es wieder staunt. Ausdrücklich hat der Engel die fragende Maria an ihre Verwandte Elisabeth gewiesen: »Siehe, auch sie ist mit einem Sohn schwanger in ihrem Alter und ist bereits im sechsten Monat, obwohl man sie für unfruchtbar hielt.« »Denn bei Gott ist nichts unmöglich.« Um eben dieses Zeichens willen läuft Maria den weiten Weg über das Gebirge Juda. Die beiden haben einander jetzt nötig. Menschen unter seinem Gnadeneinbruch, Menschen des Advents brauchen einander, sie müssen sich sehen, sie müssen sich grüßen, sie müssen sich gegenseitig die Wahrheit des Gotteshandelns bestätigen, müssen es bezeugen, was höher ist als alle Vernunft: den Gottesfrieden, der jetzt heraufzieht. Für sich allein kann ein Mensch allerlei und sehr verschiedenes glauben. Aber dieses neue, diese Gnade Gottes über der Welt im Messias des Alten Bundes, das kann man nur miteinander und füreinander glauben – darum nicht nur Maria allein und Elisabeth allein, sondern eben: Maria und Elisabeth. Der Glaube des Neuen Bundes ist zu allererst vom Glauben des Alten Bundes begrüßt. Darum feiern wir wieder miteinander und DEZEMBER 2016

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kommen zueinander. Adventszeit ist die Zeit des Zusammenkommens: dass die von Gott Gegrüßten einander grüßen, dass die von ihm Besuchten einander aufsuchen, die von ihm Angeschauten einander anschauen, dass in der Gemeinde eins dem andern zusingt: Er hat unsere Niedrigkeit angesehen, meine und deine! Wir stehen im Gottes-Advent, du und ich. Maria und Elisabeth – im Beisammensein dieser beiden Frauen dürfen wir ein vorbildliches Urbild der adventlichen Gemeinde sehen. Es ist nicht von ungefähr, es ist sogar in höchstem Maße bedeutungsvoll, dass dieses Urbild in den Gestalten zweier schwangerer Frauen besteht. Zweier Frauen, deren besonderen Zustand unsere Sprache so ausdrückt: Sie sind »in der Hoffnung«, sind »guter Hoffnung«, sind »in Erwartung«. Damit ist ja ein Unterschied ausgesagt zwischen dieser Art von Hoffnung und allem möglichen anderen, was Menschen sich sonst zusammenträumen und zurechtlegen an Hoffnungen und Erwartungen. Andere Hoffnungen »hat« man, »hegt« man, »macht« man sich. Mit dieser Hoffnung aber, mit der Hoffnung auf den Herrn, mit der Adventserwartung, da steht es eben wie es mit der Schwangerschaft dieser beiden Frauen steht: Gott hat diese Hoffnung entzündet. Jede erwartet ihr Kind, sie hat es noch nicht als sichtbares Gegenüber, sondern als verborgenes Gegenüber, sie hat es noch nicht im Arm, und doch bestimmt es ihre Wege. Dieses Kind ist da, so wahr die Schwangere selbst da ist. Es prägt ihre Tage, erfüllt ihr Denken, bestimmt ihr ganzes Tun und Lassen. So ist das doch. Und genau so ist es mit der adventlichen Hoffnung der christlichen Gemeinde auf den kommenden Herrn. Wir hegen da nicht irgendwelche Träume, wir machen uns da keine selbstgebastelten Hoffnungen, nein, sondern wir »sind in Erwartung«, wir »sind in der Hoffnung«, und so begegnen wir einander als miteinander in die Hoffnung hineingenommene, hineingestellte Menschen. »Maria und Elisabeth«. Doch das Zusammenkommen der Glaubenden, die Versammlung der Hoffenden, diese Gemeinde der »Angeschauten« erschöpft sich nicht in solchem gegenseitigen Stärken. Es geht im Advent nicht bloß um ein genüssliches Zusammensein derer, die da etwas wissen, was andern noch verborgen ist. Es geht nicht um eine flüsternde Geheimniskrämerei. Sondern die von Gott »Angeschauten« lassen das Lob Gottes laut werden. »Und Elisabeth wurde mit dem Heiligen Geist erfüllt und rief mit lauter Stimme«, also weithin hörbar, wie ja schon von Maria ihr berühmter Lobgesang berichtet ist: Beides zusammen, die Lobgesänge der beiden INFORMATIONSBRIEF 301

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Frauen, das ist alles andere als ein verborgen – intimes Zwiegespräch, sondern hell und voll tönt es hier in die Welt hinaus bis heute. Keine fromme Plauderei im Winkel, sondern Worte, unter denen Nationen und Jahrhunderte aufhorchen werden, erschreckt und getröstet. Um des Kindleins willen, das im Kommen ist, wird etwas laut über dem Weltlauf, der Weltgeschichte, ihren Hintergründen in den Gottesgedanken über die Menschheit insgesamt. Vielleicht hat Maria kaum ihren Namen ­schreiben können. Aber der Ansturm Gottes, der nun kommt, und den sie buchstäblich im eigenen Leib erfährt, der legitimiert sie zu einem Leitartikel über Jahrtausende hinweg, zu einem letztgültigen Leitwort über das Verhältnis von Gottes Gedanken und der Menschen Geschick. »Er vollbringt machtvolle Taten mit seinem Arm«, lautet es da. Gerade als die Magd, die Gott in ihrer Niedrigkeit angeschaut hat, weiß sie wie kein anderer um die Art und Weise der göttlichen Machtausübung. Sie weiß, dass Gottes Macht in der Gnade besteht und dass nun die Geschichte beginnt von Gottes endgültiger Herablassung zum Niedrigen und Verachteten und dem, was klein ist in der Welt. Sie weiß, dass Gott seinen Namen nicht ins Firmament schreibt, sondern in den Staub der Erde, dass er sein Reich nicht auf Glanz und Gloria der Welt baut, sondern auf die Ohnmacht eines kleinen Kindes, das da kommen soll. Sie weiß, dass nun ein-für-alle-Mal Gott seinen Siegesweg untendurch geht als den Weg der Armut, der Missdeutung und des Elends, um alle Elenden zu erlösen. Darum sieht Maria auch das Ende – und das Kindlein aus dem Leib der Elisabeth wird es ebenfalls unüberhörbar ansagen, das allem Stolzen und Erhabenen und Protzigen auf Erden naht. Weil sich Gott endgültig den Habenichtsen zuwendet, darum gibt es von nun an nur eine wirklich hoffnungslose Situation: nämlich dass einer in einsamer Höhe und Herrlichkeit auf selbstgezimmertem Thron, in einem Traumschloss von Sicherheit und Selbstgenügsamkeit verharren wollte. Dort oben ist die Luft dünn. Gottes Wind weht von jetzt an in der Tiefe. Dort oben aber ist alles schon verspielt und verloren. Gott ist bei Maria und Elisabeth, und »er zerstreut alle, die in ihrem Herzen hochmütig sind«. Wer nicht mit Maria und Elisabeth Advent feiern will, der wird in kalter Einsamkeit erfrieren. Maria und Elisabeth rufen uns zu sich he­runter: in die Gemeinschaft der Begnadeten, der Menschen im Advent.W 11


Reformation in der Kirche 1517 und 2017

Betrachtungen auf dem Weg zum Reformationsjubiläum 2017 Reinhard Slenczka

Bereitung zum Sterben Die Bereitung zum Sterben: »[…] aber der enge Gang des Todes macht, dass uns dies Leben weit und jenes enge dünkt. Darum muss man das glauben und an der leiblichen Geburt eines Kin­ des lernen, was Christus sagt: ›Eine Frau, wenn sie gebiert, so hat sie Schmerzen, denn ihre Stunde ist gekommen. Wenn sie aber das Kind geboren hat, denkt sie nicht mehr an die Angst um der Freude willen, dass ein Mensch zur Welt gekom­ men ist‹ (Johannes 16,21). Also im Sterben muss man sich in der Angst erwägen und wissen, dass danach ein großer Raum und Freude sein wird.«1 Nicht die theologischen Kontroversen und politischen Auseinandersetzungen waren bei der Reformation für Luther entscheidend, sondern die Unterweisung von Theologen im akademischen Unterricht und die Erbauung und Ermahnung der Gemeinden in Gottesdienst und vor allem in Predigten. Das zieht sich durch den ganzen Lebensweg Luthers bis zu seinem Tod: Reformation ist Umkehr und Erneuerung durch die Verkündigung des Wortes Gottes und die Wirkung der Sakramente.

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Die Predigten Luthers wurden fortlaufend in Sammlungen von Nachschriften seiner Schüler verbreitet und sind daher bis heute nicht nur erhalten, sondern in dankbarem Gebrauch. In diesen Rahmen fällt auch eine Reihe von Predigten, die 1519 bis 1521 als »Sermone« ausgearbeitet und in hohen Auflagen in der Form von kleinen Heften verbreitet wurden. Dazu gehört auch der »Sermon von der Bereitung zum Ster­ ben« (1519),2 der gerade dort eine große Hilfe zur Glaubensstärkung und Glaubenströstung ist, wo uns oft die Worte fehlen oder wo man auch krampfhaft nach Rat und Hilfe sucht. Die Anweisungen Luthers sind ganz direkt, gestützt auf die Wirkung des Wortes Gottes und der ­Sakramente. Das beginnt mit dem weltlichen Abschied: »Dieweil der Tod ein Abschied ist von dieser Welt und allen ihren Händeln, ist es nötig, dass der Mensch sein zeitlich Gut ordentlich verschaffe, wie es soll oder er es gedenkt zu ordnen, dass nicht blei­ be nach seinem Tod Ursache zu Zank und Hader oder sonst eines Irrtums unter seinen nachgelas­ senen Freunden. Dies ist ein leiblicher oder äu­ ßerlicher Abschied von der Welt und wird damit Urlaub und Abschied dem Gut gegeben.« Darauf folgt der »geistliche Abschied«, und der beginnt damit, dass »man vergebe freundlich, lauter um Gottes Willen allen Menschen, wie sie uns beleidigt haben, wiederum auch zu begehren Vergebung lauter um Gottes Willen von allen Menschen, die wir oft ohne Zweifel beleidigt ha­ ben, zum wenigsten mit bösem Beispiel oder wenig Wohltaten, wo wir das schuldig gewesen wären nach dem Gebot brüderlicher, christlicher Liebe, auf dass die Seele nicht behaftet werde mit irgend­ einem Handel auf Erden«. DEZEMBER 2016

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Wenn auf diese Weise die Beziehungen zu unseren Mitmenschen rechtlich durch Ordnung des Nachlasses und geistlich durch Zuspruch und Empfang der Vergebung geordnet sind, folgt nun die Sterbebegleitung durch den Empfang der Sakramente; Luther erwähnt die Beichte, das Abendmahl wie auch die Letzte Ölung, welche nach Jakobus 5,13–16 im Gebet für einen Kranken und Sterbenden sowie in der Beichte und Absolution besteht. »Denn die Sa­ kramente sind nichts anderes als Zeichen, die zum Glauben dienen und reizen, wie wir sehen wer­ den, ohne welchen Glauben sie nichts nütze sind.« Entscheidend ist bei dem allen die Glaubensstärkung durch die Sakramente: So »soll man je zusehen mit allem Ernst und Fleiß, dass man die heiligen Sakramente groß achte, sie in Ehren habe, sich frei und fröhlich darauf verlasse und sie gegen die Sünde, den Tod und die Hölle also erwäge, dass sie weit darüber schlagen. Dass man sich auch viel mehr mit den Sakramenten beküm­ mere als mit den Sünden. Wie aber die Ehre recht geschehe und was die Tugend [Kraft/Wirkung] sei, muss man wissen. Die Ehre ist, dass ich glaube, es sei wahr und geschehe an mir, was die Sakra­ mente bedeuten, und alles, was Gott darin sagt und anzeigt, dass man mit Maria, der Mutter Gottes, in festem Glauben spreche: ›Mir geschehe nach deinen Worten und Zeichen‹.« Wo man – leider auch in christlicher Seelsorge – meint, Kranken und Sterbenden durch Gespräche und das Besprechen von Gefühlen helfen zu können, wird von Luther auf das Ringen hingewiesen, das im Sterbenden aufbrechen kann und das durch die Sakramente ausgelöst und zugleich getragen wird. Luther verweist auf die Bilder, die in Krankheit und Sterben, aber nicht nur hier, einen Menschen überfallen können. Bilder aber sind ebenso Anschauung wie Einbildung, und wir kennen ihre Kraft, selbst im Traum, wie sie tief und beherrschend auf das Bewusstsein wirken können. Bilder können das Gemüt bedrücken und ängstigen; sie können auch erfreuen und trösten. Wer wüsste das nicht aus eigener Erfahrung? Auf diesen unergründlichen Bereich zielt die Wirkung der Sakramente, wenn man sie in dem vorgestellt bekommt, was sie sind und was sie geben. Gegenstand, Inhalt, aber zugleich Wirkung ist das, was Christus für uns ist und getan hat. Das Ringen im Menschen vollzieht sich in dem Ringen zwischen den Unheils- und Schre­ ckensbildern von Tod, Sünde und Hölle mit der ewigen Verdammnis, und auf der anderen Seite den Heilsbildern vom Tod Christi, seinem LeiINFORMATIONSBRIEF 301

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den und Sterben für die Sünde der Welt und seinem Sieg über Hölle und Tod in seiner Auferstehung. In diesem Ringen geht es darum, dass der Blick auf Christus gerichtet wird (dazu mag man einem Sterbenden ein Kruzifix in die Hand geben): »Wie geht das zu? Es geht also zu: Du musst den Tod im Leben, die Sünde in der Gnade, die Hölle im Himmel ansehen, und dich von dem Ansehen oder Blick nicht lassen treiben, wenn dir gleich alle Engel und alle Kreatur, ja wenn’s dich auch dünkt, Gott selbst [!!] anders vorlegen, was sie doch nicht tun, aber der böse Geist macht einen solchen Schein […]« Oft hat Luther diesen Vorgang des Glaubensringens seiner Gemeinde, so in einer Osterpredigt, beschrieben und dazu aufgefordert: »Du aber lerne, dass du alle deine Heiligkeit von dir werfest und dieses Bild Christi dir also einbildest, als wissest du nichts von dir. Eben wie deine Au­ gen sich selbst nicht sehen, wenn du vor die hin gehst. Auf dass du allein Christum, der von den Toten auferstanden, Sünd und Hölle überwun­ den hat, in deinem Herzen habest. Das helfe uns unser lieber Herr Christus Jesus. Amen.«3 Das überlieferte Sterbegebet Luthers mag eine Hilfe in aller Sprachlosigkeit oder auch Geschwätzigkeit sein: »Allmächtiger, ewiger, barmherziger Herr und Gott, der du der Vater unseres lieben Herrn Jesus Christus bist: Ich bin gewiss, dass dein Wort wahrhaftig ist in allem, was du gesagt hast und haben willst; denn du kannst nicht lügen. Du hast mir am Anfang deinen lieben einzigen Sohn Jesus Christus zugesagt; er ist gekommen, mich zu erlö­ sen von dem Teufel, vom Tod, von der Hölle und allen Sünden. Dazu hat er mir zu allem Schutz nach seinem gnädigen Willen die Sakramente der Taufe und des Abendmahls geschenkt, in denen er mir Vergebung der Sünden, ewiges Leben und alle himmlischen Güter angeboten hat. Im Ver­ trauen auf diese Zusage habe ich sie gebraucht und im Glauben an sein Wort mich fest darauf verlassen und sie empfangen. Daher zweifle ich nicht daran, dass ich sicher und in Frieden bin vor Teufel, Tod, Hölle und Sünde. Ist dies nun meine Stunde und dein göttlicher Wille, so will ich friedlich und in Freuden auf dein Wort gerne von hinnen scheiden. Amen.«4 W

1) WA 2, 686,2–8. 2) WA 2, 685–697 und in vielen anderen Ausgaben bis heute verbreitet. 3) WA 52, 252,36ff. 4) Frieder Schulz, Die Gebete Luthers, Gütersloh 1976, Nr. 624, WA 54, 491.

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Evangelisation Theo Lehmann

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s liegt ein Auftrag vor, ein Befehl! Und zwar von allerhöchster Stelle. Der Allerhöchste, der Chef des Universums, der gesagt hat: »Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden«, der sagt: »Darum geht hin und macht zu Jüngern alle Völker: tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie halten alles, was ich euch befohlen habe« (Matthäus 28,18–20). Das ist der so genannte Missionsbefehl. Ein Befehl ist kein Diskussionsgegenstand. Die einzige angemessene Reaktion gegenüber einem Befehl ist der Gehorsam. Stellen Sie sich vor, der oberste Befehlshaber der Streitkräfte des Landes X erlässt einen Befehl. Daraufhin tritt erst mal der Generalstab zusammen, prüft den Inhalt, die Unterschrift, die Faxnummer des Absenders usw. Da einige Generäle der Meinung sind, dass der Befehl aus den und den Gründen gar nicht vom Chef sein kann, entspinnt sich eine Diskussion darüber, wer, welche Gruppe aus welchen Gründen mit welchen Absichten diesen Befehl formuliert hat. Jedenfalls wird der Befehl nicht ausgeführt und nicht nach unten durchgestellt. Später gelangen einige Exemplare doch in die Hände der Mannschaften und werden wiederum auf den Mannschaftsstuben diskutiert. Auch hier kommt man zu dem Ergebnis, dass es nicht nötig ist, den Befehl auszuführen, weil a)  die Autorschaft des obersten Befehlshabers nicht absolut gesichert ist, b) man als Fußsoldat schließlich schon genug zu tun hat und c) bei den sonntäglichen Appellen von den Vorgesetzten nie über das Thema gesprochen wurde. Sie verstehen, was ich mit diesem Gleichnis sagen will. Jesus, der Herr, hat einen Befehl er-

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teilt. Der Generalstab, also die Theologenschaft, hat den Text untersucht und festgestellt, dass der Text nicht von Jesus, zumindest nicht in der vorliegenden Form, stammen kann, und hat Erwägungen über den wirklichen Autor und seine Motive angestellt. Christen an der Basis haben zwar den Befehl läuten gehört, sind aber der Meinung, dass sie schließlich schon genug anderes zu tun haben und halten die Sache deswegen für nicht so wichtig, weil in der sonntäglichen Verkündigung so gut wie nie von diesem Befehl gesprochen wird. Oder wann haben Sie in Ihrer Kirchengemeinde mal eine Sonntagspredigt zum Thema Mission gehört? Ja, über die Fortsetzung – »Siehe, ich bin bei euch alle Tage« – haben wir durchaus Predigten gehört. Wobei in den meisten Fällen übersehen wurde, dass diese Verheißung nicht denen gilt, die ungehorsam zu Hause hocken geblieben sind, sondern denen, die sich gehorsam auf die Socken gemacht haben, um die Heimatlosen, Verlorenen nach Hause zu rufen. Dazu sind wir von Jesus aufgerufen. Dabei sucht er Mitarbeiter. Allerdings ist sein Rat der Mitarbeiterwerbung nach unseren heutigen Begriffen, Erfahrungen und Methoden einfach unmöglich: »Danach sonderte der Herr andere siebzig aus und sandte sie je zwei und zwei vor sich her […] und sprach zu ihnen: Die Ernte ist groß, aber der Arbeiter sind wenige. Bittet den Herrn der Ernte, dass er Arbeiter aussende in seine Ernte. Geht hin: Siehe, ich sende euch wie Lämmer unter die Wölfe« (Lukas 10,1–3). Was Jesus anzubieten hat, klingt nicht gerade verlockend. Und wie er sich hier bei der Anstellung neuer Mitarbeiter anstellt, das ist geradezu ungeschickt; man merkt bei jedem Satz: Jesus ist kein Manager, und von Betriebspsychologie, public relations und Erlebnisschienen versteht er nichts. Statt die Arbeit ein bisschen schmackhaft zu machen, redet er gleich von der erdrückenden Größe des Auftrags. Statt zur Hebung der Arbeitsmoral mit Erfolgen zu winken, weist er nur auf Misserfolge hin. In Galiläa hat er so wenig erreicht, dass er die dortigen Städte unzugänglicher nennt als die berüchtigten Beispiele gottloser Städte früherer Zeiten. Und in Jerusalem erwartet ihn erst recht kein Erfolg, sondern eine Kreuzigung. Vor sich und hinter sich Misserfolg, und ausgerechnet daran erinDEZEMBER 2016

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nert er seine Jünger bei der Aussendung. Noch tive, die durchaus ehrenwert sind. Dazu gehönie in der Geschichte der Menschheit hat ein ren auch, dass wir Mitglieder werben, weil wir Eroberer seine Soldaten zu einer gewaltigeren Steuerzahler brauchen, oder dass wir aus Liebe Aufgabe mit einer solchen ernüchternden Er- zu den Verlorenen Rettersinn entwickeln müsöffnungsrede ausgesandt, wobei zu beachten sen. Diese Motive sind ehrenwert, aber nicht ist, dass Jesus nicht, nachdem er die Größe und tragend. Bei Jesus finden wir sie jedenfalls Dringlichkeit des Auftrags geschildert hat, sagt: nicht. Bleiben wird doch nüchtern! Das einziUnd jetzt marsch marsch an die Arbeit. Sondern ge tragende Motiv für die Mission ist schlicht er sagt: »Bittet den Herrn der und einfach der Gehorsam. Es Ernte, dass er Arbeiter in seine mm Mitarbeiter in der liegt ein Auftrag vor! Ein BeErnte aussende.« Für »aussen- Ernte Gottes wird man fehl! Dem gilt es zu gehorchen. den« steht im Urtext »ekbalizeWo hat denn Jesus jemals seine in« – »hinauswerfen«. Bei dieser nicht durch den Anreiz Jünger so agitiert, dass er sie bei Ernte, bei der man so wenig der Arbeit, sondern ihren Gefühlen gepackt oder von Erfolg sieht und von der durch den Anstoß des gesagt hätte, »aus Liebe zu den man nichts hat (in der Kirche Verlorenen müsst ihr losgehen«. kann man finanziell auf keinen Heiligen Geistes, der Seine Begründung der Mission grünen Zweig kommen), da einen aus der Ruheist ganz anders. »Mir ist gegeströmen die Arbeiter nicht von alle Gewalt im Himmel und stellung rauspelzt und ben selbst. Mitarbeiter in der Ernte auf der Erde. Darum [das ist die Gottes wird man nicht durch an die Arbeit schubst. Begründung, weil ich der Herr den Anreiz der Arbeit, sondern Bevor wir uns also in die bin, darum – und jetzt kommt durch den Anstoß des Heiligen der Befehl] geht hin.« Geistes, der einen aus der Ru- Hände spucken und an Es geht um die Ausführung hestellung rauspelzt und an die die Arbeit gehen, müsdes Befehls, egal ob die Kirche Arbeit schubst. Bevor wir uns sen wir die Hände falten am Wachsen oder Schrumpfen, also in die Hände spucken und verfolgt oder frei, finanzkräftig an die Arbeit gehen, müssen und um Mitarbeiter oder arm ist. Ich war zu einer wir die Hände falten und um flehen. Um Mitarbeiter, Zeltevangelisation eingeladen, Mitarbeiter flehen. Um Mitar- die frei sind vom Zwang die von einer Baptistengemeinbeiter, die frei sind vom Zwang de veranstaltet wurde, hinten im des Erfolgsdenkens und die sich des Erfolgsdenkens und äußeren Osten unseres Landes. durch keinen Misserfolg irre die sich durch keinen Baptisten leben nicht von Kirmachen lassen an der Verheisondern von SpenMisserfolg irre machen chensteuern, ßung: Die Ernte ist groß. Nur den. Die Gemeinde bestand aus wer das glaubt, kann Missionar lassen an der Verhei47 Personen und hatte keinen sein. Nur vom Heiligen Geist ßung: Die Ernte ist groß. Prediger. Sie hat sich das größte Berufene können Menschen zu Zelt gemietet, das die Baptisten Jesus rufen. haben (ich glaube, das kostet 5000,– Euro pro Es ist erstaunlich, mit welchem Scharfsinn Einsatz) mit 500 Plätzen, und dann ging’s los; neuerdings Kirchenleitungen und andere Gre- und das machen die jedes Jahr, jedenfalls war es, mien mit langer Leitung erkennen, dass sich als ich dort war, schon das fünfte Mal. Wie ist Kirchen und ihre Kassen immer mehr leeren. so etwas möglich? Oder fragen wir umgekehrt: Was lehrt uns das? Wir müssen Mitglieder wer- Warum ist das in einer landeskirchlichen Geben! Mission ist angesagt. Und es gibt zitierfä- meinde nicht möglich? Warum wird so wenig higes Material zuhauf von Bischöfen, Synoden, evangelisiert? Konferenzen, die die Mission zur Hauptaufgabe Ich war auf einer großen internationalen erklären. Schön und gut. Aber es geht in der Konferenz der Lausanne-Bewegung. Einer der Mission doch nicht um die Zukunft des Glau- Sprecher wollte uns erklären, warum seiner bens und der Gläubigen in unserem Land, weil Meinung nach die Kirche so wenig missioniert. die demnächst in der Finanzkrise landen. Alle Mit meisterhafter Rhetorik sagte er: diese Begriffe wie »Kirchenaustritte«, »Mitglie- »We have the people. We have the money.We have derschwund«, »finanzielles Ausbluten« usw. ha- the tools. But we don’t have the will.« ben in der Diskussion über den missionarischen Das heißt: »Wir haben die Leute. Wir haben Auftrag der Kirche überhaupt nichts zu suchen. das Geld. Wir haben die Mittel. Aber wir haben Leere Kassen und Kirchenbänke sind kein trag- nicht den Willen.« Ich bin überzeugt, dass diefähiges Missionsmotiv. Es gibt eine Menge Mo- ser Mann Recht hatte.W INFORMATIONSBRIEF 301

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Herzog Heinrich der Fromme und Katharina Karl-Hermann Kandler Seit 1505 war Freiberg Residenz. Die Ämter Freiberg und Wolkenstein hatte Herzog Georg der Bärtige von Sachsen seinem jüngeren Bruder Heinrich als eingeschränkt selbständiges Herrschaftsgebiet übergeben. Heinrich hatte sich in Friesland, das kurze Zeit den albertinischen Wettinern gehörte, nicht bewährt. 1501 war er nach Jerusalem gepilgert und am Grab Christi zum Ritter geschlagen worden. Danach begab er sich nach Santiago di Compostela und hatte schließlich Kaiser Maximilian gedient. Ein bedeutender Herrscher war Heinrich gewiss nicht, vor allem kein entschlossener. Am liebsten ließ er alles laufen. Er verhielt sich den Freibergern gegenüber loyal, versuchte aber, die Selbständigkeit der Stadt einzuschränken und in die Rechtsprechung einzugreifen. Das ließen sie sich nicht gefallen. Heinrich gab weitgehend nach. Zunächst bekämpfte er ebenso wie sein Bruder Georg die Reformation. Als bei drei Hoffräulein seiner Frau Katharina (von Mecklenburg) ein Neues Testament in der Übersetzung Martin Luthers gefunden wurde, verwies er sie vom Hof. Auf Verlangen des Domdechanten erließ er ein strenges, antireformatorisches Fastengebot. Aber die Freiberger zeigten immer offener ihre Sympathie für die Reformation der Kirche. Als sich Katharina selbst von 1525 an der Reformation aufgeschlossen zeigte, versuchte sie, auch Heinrich dahingehend zu beeinflussen. Katharina ließ in der Schlosskapelle reformatorisch predigen. Heinrich tat nichts dagegen. Und wenn das Herzogspaar zu den Verwandten nach Torgau zum kurfürstlichen Hof

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reiste, sorgte Katharina dafür, dass für Heinrich ein Stuhl der Kanzel gegenüber gestellt wurde, so dass Heinrich trotz seiner Schwerhörigkeit das von Luther gepredigte Evangelium auch hören musste. Sie erreichte schließlich, dass ihrer beider Sohn Moritz vom Dresdner Hof abberufen und nach Wittenberg an den kurfürstlichen Hof geschickt wurde. Heinrich nahm 1535 mit Anton von Schönberg einen sich zur Reformation bekennenden Adligen zum Rat. Am 29. September 1536 erteilte er schließlich das »Exercitium«, die Erlaubnis zur freien Religionsausübung in den Kirchen der Stadt. Damit konnte die Reformation am Neujahrstag 1537 eingeführt werden. Freilich hatten schon vorher einige Prediger in der Stadt evangelisch gepredigt. Auf Druck Katharinas widersetzte sich Heinrich den Forderungen seines Bruders in Dresden, denn dieser hatte genau die Einführung der Reformation in Freiberg verhindern wollen. Obwohl Heinrich finanziell von Georg abhängig war, ließ er sich nicht von ihm erpressen. Als Heinrich am 17. April 1539 erfuhr, dass sein Bruder in Dresden gestorben war, brach er sofort von Freiberg auf und erreichte noch am Abend Dresden. Georgs Söhne waren noch vor ihrem Vater verstorben. Alle Versuche, die Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen auch nach Georgs Tod zu verhindern, schlugen fehl. Sofort nach seinem Regierungsantritt leitete Heinrich die Einführung der Reformation im ganzen Herzogtum ein. Das entsprach zwar dem Wunsch der breiten Bevölkerung, aber nicht dem aller Adligen, die auch finanzielle Nachteile befürchteten, etwa die Versorgung ihrer nachgeborenen Kinder in den Klöstern. Mit Heinrichs Regierungsantritt in Dresden war die Zeit, in der Freiberg Residenz war, vorbei. Vor seinem Tod 1541 hatte er bestimmt, im Freiberger Dom bestattet zu werden. 150 Jahre lang war dann hier die Grablege der albertinischen Wettiner. Ob er wegen seiner Pilgerfahrt oder wegen der Einführung der Reformation »der Fromme« heißt, ist umstritten.W DEZEMBER 2016

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Jesus heilt Süchtige Drogensüchtige in einer Familie Martin Holland

Die Familie Isenburg Bis zu zehn Drogensüchtige sitzen beim Essen um den Tisch und schlafen in einem Haus mit Familie Isenburg und ihren Kindern. Alles haben sie gemeinsam. Alle Türen sind nicht abgeschlossen, weder das Elternschlafzimmer noch das Zimmer der Tochter, solange sie noch nicht auf der Bibelschule war. Nur das Büro mit den Akten ist verschlossen. Einige Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren kommen aus dem Gefängnis. Unter Drogen haben sie so einiges hinter sich, einer mit 19 Jahren drei Morde. Meistens haben sie eine bis sieben Entziehungskuren hinter sich – erfolglos abgebrochen. Sie sind therapieresistent. Seit über 25 Jahren lebt Familie Isenburg so rund um die Uhr mit den Drogensüchtigen gemeinsam als »Familie«. Erst seit wenigen Jahren nimmt das Ehepaar seinen Urlaub ohne die Männer.

Wer wagt so etwas? So einen hingebungsvollen Einsatz können Isenburgs nur bringen, weil sie an Jesus glauben und ihm dienen wollen. Herr Isenburg, gelernter Zimmermann, kam zum Glauben an Jesus und wollte etwas für ihn tun. So ging er auf die Bibelschule Seeheim, wo er seine Frau, eine Krankenschwester, kennenlernte. Nach seiner Fortbildung als Arbeitstherapeut für Alkoholsüchtige, wurden beide gerufen, sich Drogensüchtiger anzunehmen. Der Verein Gefährdetenhilfe Wegzeichen e. V. kaufte in Enzklösterle, einem Luftkurort zwischen Pforzheim und Freudenstadt (im Schwarzwald), ein ehemaliges Wanderheim. Der Protest der Gemeinde war massiv. Die Drogensüchtigen könnten die Kurgäste verprellen. Die Presse nahm den

Wie kommt es zur Sucht? Karl Marx hatte spöttisch behauptet: »Religion ist Opium fürs Volk.« Inzwischen hat es sich gezeigt, dass Opium die Religion für das Volk ist. Der Glaube lässt in unseren Tagen nach, die Sucht nimmt entsprechend zu. Offensichtlich braucht die Seele etwas, was nur der Glaube geben kann. Droge ist Ersatz für den fehlenden Glauben. Wer sich von Jesus geliebt weiß, erfährt eine Geborgenheit, die ihm Lebenskräfte schenkt. Am Anfang der Sucht steht oft die Verwöhnung, eine Folge des Wohlstandes, wo im Elternhaus dem Kind alle Wünsche erfüllt werden, so dass der verwöhnte Mensch mit den Schwierigkeiten in Schule und Beruf nicht fertig wird, Drogen nimmt und in die Sucht flieht. Ein zweiter Einstieg in die Sucht ist die Sehnsucht nach Liebe. Darum hat Gott die Ehe gestiftet und mahnt Paulus die Mütter, sich ihrer Kinder anzunehmen. Für Süchtige ist so wichtig, die Geborgenheit in einer Familie zu erleben, die Liebe einer Mutter, die die schmutzige Wäsche wäscht, ohne sich zu ekeln, und die Liebe eines Vaters, der sich Zeit nimmt für sein Kind, ihm in den Schwierigkeiten des Alltags beizustehen. Liebe fördert und fordert heraus, mithelfen zu müssen. So erfahren sie auch die Liebe Gottes in Jesus, der uns vergibt.

Wie zeigt Familie Isenburg die Liebe? Sie ist für ihre Männer da: Wer jahrelang die Nacht zum Tag gemacht hat und dann am helllichten Tag bis Mittag geschlafen hat, tut schwer, am Morgen in der Frühe aufzustehen. Der normale Tagesablauf beginnt in der Fami-

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Protest auf. Nur der Ortspfarrer und der Bürgermeister sahen in dem Plan ein Werk Jesu. Isenburgs beteten. Am Ende des Jahres kam ein Jahrhunderthochwasser. Die Drogensüchtigen sprangen ein und halfen, wo es nötig war. Das wirkte bei den Bürgern die Einsicht, dass Jesus am Wirken war.

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lie mit Frühstück am Morgen. Familie Isenburg hat drei Ziele: 1. Sie nimmt die Männer in Liebe an und versucht, sie zu verstehen. 2. Die Männer sollen die Liebe Jesu erfahren und zum Glauben an ihn kommen. Denn nur er vergibt die Schuld eines verpfuschten Lebens, nur er füllt den Mangel an Liebe und die Sehnsucht nach einem erfüllten Leben aus. 3.  Die Männer werden bewegt, mit der Zeit stetig zu arbeiten, nach dem biblischen Wort: »Sechs Tage sollst du arbeiten […]« Denn Arbeit gibt ein gesundes Selbstbewusstsein. Die Süchtigen sollen tüchtige Bürger dieser und der kommenden Welt werden. Dem entspricht der Tagesablauf: Morgens wird um 7 Uhr gefrühstückt. Danach folgt die Andacht. Es ist erstaunlich, wie nach Singen, Beten, Bibellesen ein tiefsinniges Gespräch über Gottes Wort möglich ist. Manches Gemeindeglied wäre überrascht, mit welchen Gedanken die Bibel von den Männern durchdacht wird. Anschließend geht es an die Arbeit je nach Leistungsfähigkeit: Die Neuen sind im Haus, wo es genügend zu putzen und den Garten zu pflegen gibt. Die anderen arbeiten im »Zweckbetrieb« mit Heckenschneiden auf dem Friedhof, Gartenpflege in Privatgärten, Platten legen oder z. B. in Wildbad das Heilbad einmal im Jahr zu reinigen. Arbeit gibt es genug. Die Abende sind gefüllt: am Montag mit Hausbibelkreis, am Dienstag Gespräch über einen Film. Der Mittwoch ist frei für Gespräche untereinander usw.; freitags sind die Jugendlichen des Ortes eingeladen.

Warum macht Familie Isenburg diese Arbeit? Sind sie sozial oder diakonisch gesonnen? Im sozialen Bereich ist der Auftraggeber der Sozius, der Mitmensch. Er braucht Hilfe, er fordert sie in unseren Tagen auch. Er weiß, dass er ein Recht darauf hat. Der Sozialstaat hat die entsprechenden Gesetze erlassen. Im diakonischen Bereich ist Jesus Christus der Auftraggeber. Er verlangt von den Seinen, für andere da zu sein. Jesus erlaubt uns nicht die Frage: Hat der Süchtige die Hilfe verdient, oder ist er nicht selbst schuldig an seiner Not? Jesus erlaubt uns auch nicht zu fragen: »Lohnen sich diese Arbeit und die Hilfe?« Im sozialen Bereich sind solche Fragen selbstverständlich, vor allem, wenn das Geld knapp wird, erst recht, wenn der Sozialstaat keine Reichen mehr hat, denen er Geld wegnehmen kann, um es umzuverteilen. 18

So reduzierte der Sozialstaat die Kur für Alkoholiker von einem halben Jahr auf ein Vierteljahr. Und dann wird z. B. diskutiert, ob es sich lohne, einem 75-Jährigen noch zwei neue Hüften einzuoperieren. Erinnert sei an das Buch von Heidi Schüller »Die Alterslüge«, die im Schattenkabinett 1993 als Gesundheitsministerin vorgesehen war. Vom National sozial  ismus will ich schweigen. Weiß doch jeder, wie brutal dieser sich anfangs so sozial gebende Staat mit den Menschen umging, die behindert waren. Graf Zinzendorf hatte Recht, als er sagte: »Humanität ohne Divinität wird zur Bestialität.« Herr und Frau Isenburg nehmen sich der Drogensüchtigen um Jesu willen an.

Was kommt dabei heraus? Einer der Männer hatte seine Drogenkarriere mit zwölf Jahren begonnen. Nach drei vergeblichen Entziehungskuren kam er zum Glauben, wurde frei, machte das Abitur und studierte Sozialarbeit. Inzwischen arbeitet er im Jugendamt einer größeren Stadt als Suchtbetreuer. Ein anderer kam mit etwa 20 Jahren stark reduziert mit wenig aussichtsreicher Zukunft nach Enzklösterle. Dort kam er zum Glauben an Jesus und wurde frei. Bei der Arbeit im Gartenbau stabilisierte er sich. Herr Isenburg schlug ihm vor, eine Lehre als Landschaftsgärtner in Hohenheim zu machen, was er sich zunächst nicht zutraute. Aber dann packte er die Lehre, machte die Gesellenprüfung und bekam Boden unter die Füße. Schließlich nahm er den Vorschlag an, die Meisterprüfung zu machen. Nach einem Jahr hatte er sie und wurde im »Zweckbetrieb« angestellt und bildet jetzt ein, zwei Lehrlinge, ehemalige Drogensüchtige, aus. Mit der Genehmigung des Ausbildungsbetriebes berief ihn die Innung in die Prüfungskommission. Vor 14 Jahren hätte ihm das niemand zugetraut. So ein Aufstieg beflügelt die anderen Drogensüchtigen. Andere machen eine Lehre als Installateur oder in anderen Berufen.

Wovon lebt die »Familie«? Am Anfang war Schmalhans Küchenmeister. Herr Isenburg bekam ähnlich wie seine Frau 400 DM als Taschengeld bei freier Kost und Logis für sich und ihre drei Kinder. Bei 800 000 Euro Schulden war nicht mehr drin. Als ein neuer Vorsitzender kam, bestellte ihn die Hausbank ein und schlug vor, aufzugeben. Der Leiter der Bank ließ sich überzeugen, dass die Gefährdetenhilfe ein Glaubenswerk sei und bete. DEZEMBER 2016

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So schlug er schließlich vor: Die Evangelische Bank hält noch still, verlangt aber jeden Monat die Vorlage der Gewinn- und Verlustrechnung. Nach zwei Jahren schrieb die Bank: Es genüge einmal im Jahr die Vorlage des geprüften Jahresabschlusses. Das Diakonische Werk Württemberg schrieb ebenfalls dem Vorsitzenden, er solle bei der desolaten finanziellen Lage aufgeben. Ohne einen Bettelbrief und ohne staatliche Zuschüsse erhörte Jesus die Gebete und gab durch viele kleine – keine einzige größere Spende –, dass Herr und Frau Isenburg den Lohn wie ein Gemeinschaftspfleger der Apis, einer pietistischen, landeskirchlichen Gemeinschaft, ­ bekommen. Im November 2015 konnte die letzte Rate der Bankschulden abgezahlt werden.

Die Gefährdetenhilfe lehnt jeden Zuschuss von Staat und Kirche ab. Wenn Jesus die Arbeit will, wird er das Geld geben, sonst gibt die Gefährdetenhilfe diesen Dienst auf. Das hat seinen guten Grund. Denn die staatlichen Stellen wie die Bundes- und die Landesversicherungsanstalt wollen, wenn sie Geld geben, dann auch mitreden und verlangen z. B. die Anstellung eines Psychotherapeuten. Was nützt der, wenn die Drogensüchtigen schon mehrere, einer sieben, Kuren erfolglos abgebrochen haben? Da muss ein anderer Weg zur Heilung eingeschlagen werden: Die Gefährdetenhilfe in Enzklösterle wagt es mit Familie Isenburg im Glauben an Jesus, unseren Heiland und Retter.W

Aus der Geschichte des Pietismus Zwei wichtige Christuszeugen: die beiden pietistischen Pfarrer Johannes und Wilhelm Busch 2016 –– Gedenkjahr für die beiden Brüder: vor 60 Jahren ging Johannes und vor 50 Jahren Wilhelm heim Walter Rominger Zwei in ihrer Art teils ungleiche Brüder mit gleichem Ziel –– Menschen zum Retterheiland Jesus Christus einzuladen: Johannes und Wilhelm Busch Im zu Ende gehenden Jahr 2016 erscheint es angebracht, zweier Männer zu gedenken, die dem Pietismus des vergangenen Jahrhunderts über ein paar Jahrzehnte – und jeder auf seine Wilhelm Busch (1897–1966)

Walter Rominger Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30 INFORMATIONSBRIEF 301

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Johannes Busch (1905–1956)

Art – viel gaben: an Johannes Busch, der vor 60 Jahren heimging und an dessen älteren Bruder Wilhelm, den der Herr vor 50 Jahren aus dem irdischen Dasein abberief und der – zumindest heute – der bekanntere dieser beiden ist. 19


Auch wenn sie persönliche Unterschiede aufwiesen, die noch deutlich werden, so gibt es doch auch kaum zu übersehende Gemeinsamkeiten bei beiden. Sieht man auf ihre geistliche Herkunft und auch Entwicklung, so gleichen diese einander: Ihre gemeinsamen geistlichen Wurzeln liegen, vermittelt durch den Vater, Dr. Wilhelm Busch, im (reformierten) rheinischen Pietismus und bei der Basler Mission und im schwäbischen Pietismus, für den ihre Mutter steht (geborene Kullen aus Hülben auf der Schwäbischen Alb). Entsprechend dieser Herkunft aus einem gesunden Pietismus ist für deren Verkündigung charakteristisch der »Respekt vor der Bibel«, das Bekenntnis zu Jesus dem Sünderheiland, eine Ethik, die Selbstdisziplin fordert, gleichzeitig jedoch, ganz am Vorbild Jesus orientiert, dem irrenden Bruder mit Erbarmen begegnet im Wissen darum, wie man selbst auf das Erbarmen Gottes angewiesen bleibt und ein »brennender missionarischer Eifer«, der auch, weil vom Priestertum aller Gläubigen überzeugt, nach geeigneten, ebenfalls von Jesusenergie vibrierenden Mitarbeitern sucht. Beiden ist überdies gemeinsam, dass sie die meiste Zeit ihres gesegneten Lebens und Dienstes im »Ruhrgebiet« verbrachten: Johannes in Witten, Wilhelm in Essen. Durch ihre Dienste entstanden besonders in Essen, Witten und Mülheim Zentren erwecklichen Christseins. Und schließlich weisen beide dieselbe geistliche Frucht auf: Waren sie doch für Generationen Wegweiser zu Christus, auch nach ihrem Abscheiden, wennschon dann Wilhelm in stärkerem Maße, wohl deshalb, weil er mehr an »Lesestoff« hinterlassen hat und seine zahlreichen Bücher auch heute noch gelesen werden und segensreich wirken.

Johannes Busch –– der Seelsorger Johannes Busch, geboren am 11. März 1905 in Wuppertal und aufgewachsen in Frankfurt am Main, ist ein früh Vollendeter. Wenig mehr als 50 Jahre alt, ging der Vater von sechs Kindern nach einem Autounfall am 14. April 1956 in Bochum heim; er verstarb an den Folgen eines Verkehrsunfalls auf einer Dienstfahrt (Fahrt zu einer Evangelisation), als ein Betrunkener, der von einer Karnevalsfeier kam, seinen kleinen Wagen mit seinem »Straßenkreuzer« rammte. Seine theologische Ausbildung hatte er an den evangelischen Fakultäten von Bethel, Tübingen, Basel und Münster (u. a. bei Karl Barth) erhalten. Dann wurde er 1930 Pfarrer in einem Bergarbeiterbezirk in Witten an der Ruhr. Als aktives Mitglied der Bekennenden Kirche 20

(BK) ab 1933 wurde er zum Bundeswart des westdeutschen Jungmännerbundes und später zum Landesjugendpfarrer in Westfalen berufen. Nach seiner Rückkehr aus englischer Kriegsgefangenschaft war Johannes Busch der so genannte »Reichs-Evangelist« und »ReichsSeelsorger«, der immer voll Erbarmen den Einzelnen im Blick hatte. Er war ein demütiger und zugleich fröhlicher Christuszeuge. Sein Einsatz galt dem »freien Werk in der Kirche« und der Mitverantwortung der Laien in der Kirche. Er wirkte auf zahlreichen (Evangelisations)Reisen im In- und Ausland durch Predigten, Vorträge, Evangelisationen und Rüstzeiten besonders unter Jugendlichen. Kaum mehr vorstellbar erscheint heute, dass Johannes Busch in der EKD-Synode war, dort dessen Wort Gewicht hatte und dessen Schlussandachten Wirkung zeigten. Wenn er auch weniger als sein Bruder Wilhelm veröffentlicht hat, so doch etliches Wichtige für das geistliche Leben. Dabei ist besonderer Erwähnung wert sein bis heute viel beachtetes Buch: »Stille Gespräche. Seelsorge für Mitarbeiter« (1985 bereits 13. Auflage); ebenfalls Erwähnung finden soll: »Ausländer auf Befehl« (1953). Sechs Monate nach dem Heimgang des Christuszeugen Johannes Busch verfasste dessen Bruder Wilhelm die ergreifende Biografie: »Johannes Busch – ein Botschafter Jesu Christi« (1956). Heinrich Kemner (1903–1993), der Gründer und langjährige Leiter des Rüstzentrums Krelingen, war Vikar in Witten und besonders von Johannes Busch geprägt, urteilte über ihn und dessen älteren Bruder Wilhelm: »Bei den Buschs konnte man sehen, wie natürlich Glaube und Christentum Menschen prägen. Man sagte damals: Ein Busch ist mehr wert als ein ganzer Wald von Pastoren.«

Wilhelm Busch –– der kämpferische Evangelist Wilhelm Busch, der ältere der beiden Brüder, wurde am 27. März 1897 in Elberfeld geboren und ging am 20. Juni 1966 in Lübeck auf der Rückreise von einer Evangelisation auf Rügen (DDR) heim. Im Ersten Weltkrieg war Wilhelm Busch Freiwilliger und Offizier. Vor Verdun wurde er, nach eigenen Aussagen, »von Jesus ergriffen«. Sein Theologiestudium absolvierte er in Tübingen, wo ihn vor allem Adolf Schlatter und Karl Heim prägten. Ab 1924 war er für 38 Jahre Pfarrer in Essen an der Ruhr: zunächst in einer Bergarbeitergemeinde, dann DEZEMBER 2016

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ab 1930 (für mehr als 30 Jahre) Jugendpfarrer und Leiter des Weigle-Hauses (bis 1962). Von Anfang an gehörte er der Bekennenden Kirche (BK) an. Er vertrat die unverfälschte Wahrheit des biblischen Evangeliums gegenüber einer diese entstellenden Ideologie und trat für die Freiheit der evangelischen Jugendarbeit ein und damit gegen eine Okkupation dieser durch die nationalsozialistischen Machthaber. Wegen seiner unerschrockenen, glaubensstarken Haltung war er dreimal inhaftiert und erhielt Reichsredeverbot. Seit 1948 gab er dem Pietismus in dem damals weit verbreiteten Blatt »Licht und Leben«, bei dem er als Schriftleiter fungierte (heute gibt es dieses Blatt leider nicht mehr), eine kämpferische Stimme, indem er zu aktuellen, bedenklichen Entwicklungen in Gesellschaft und vor allem Kirche(n) und Gemeinschaft(en) Stellung nahm. Sein Leben war davon bestimmt, Menschen mit Jesus bekannt zu machen. Deshalb hielt er Evangelisationen im In- und Ausland, zu denen nicht allein viele kamen, sondern auch viele zum lebendigen Glauben an Christus fanden. Wilhelm Busch hatte die Gabe, die Botschaft des Heils theologisch verantwortlich, packend-anschaulich, werbend und gewissenund glaubensweckend in (evangelistischer) Predigt und im »Druck« durch Andachtsbücher, gedruckten Predigten/Predigtbänden und in zeugnishaften Lebensbildern sowie durch Aufsätze in Zeitschriften (vor allem in »Licht und Leben«) Hörern und Lesern zu vermitteln. Eindrucksvoll ist sein »Erlebnisband«: »Plaudereien in meinem Studierzimmer«. Über Jahre verantwortete er die Tersteegen-Glaubenskonferenz in Essen. Wilhelm Busch war so etwas wie der »geheime Präses« des deutschen Pietismus und zugleich ein prophetisch-kritischer »Rufer zur Sache« des Evangeliums im Nachkriegsdeutschland. Um ihn bildete sich ein pietistisch-evangelikaler Schülerkreis, dessen »Mitglieder« das »Erbe« Wilhelm Buschs weitervermitteln wollten und immer noch wollen: Ulrich Parzany, Jugendpfarrer am Weigle-Haus, Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes und proChristPrediger; Herbert Demmer (†), kurzzeitig am Weigle-Haus, dann Vizepräses der westfälischen Kirche; Hans Währisch, rheinischer Pfarrer; Klaus Teschner, Leiter des Amtes für Volksmission in der rheinischen Kirche und Landeskirchenrat; Konrad Eisler, württembergischer Pfarrer, langjähriger Prediger an der Stuttgarter Stiftskirche und viele Jahre ehrenamtlicher Vorsitzender des württembergischen CVJM; Winrich Scheffbuch, württembergischer Pfarrer INFORMATIONSBRIEF 301

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an der Stuttgarter Ludwig-Hofacker-Gemeinde und langjähriger Vorsitzender von »Hilfe für Brüder«. Konrad Eisler und Winrich Scheffbuch sind mit den beiden Brüdern Busch verwandt, über deren Mutter. Hervorzuheben ist unter den zahlreichen Veröffentlichungen von Wilhelm Busch: »Verkündigung im Angriff. Gesammelte Aufsätze über Jugendarbeit, Kirche, Theologie und Pietismus« (hg. v. Hans Währisch, 1968), aber auch das von Ulrich Parzany verfasste Buch über Wilhelm Busch: »Im Einsatz für Jesus. Programm und Praxis des Pfarrers Wilhelm Busch« (1973), vor allem aber der »Klassiker« Wilhelm Buschs, das hunderttausendfach verbreitete evangelistische Buch: »Jesus unser Schicksal« (1992 bereits in 32. Auflage; auch in englischer, französischer und italienischer Übersetzung). Weltweit wird gerade dieses Buch von Wilhelm Busch verbreitet. Immer wieder erfährt man überall in der Welt, dass Menschen beim Lesen dieses Buches zum lebendigen Glauben an Jesus Christus als ihren Herrn gefunden haben und darin gestärkt wurden. Paul Deitenbeck, langjähriger Lüdenscheider Pfarrer, Vorsitzender der Deutschen Zeltmission und im Vorstand der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«, der auch in ihren ersten Anfängen Wilhelm Busch angehörte, sagte so treffend in seinem Nachruf für Wilhelm Busch: »Wilhelm Busch hatte den Mut, gegen den Strom zu schwimmen. Dabei ging es ihm um die abstrichslose Gültigkeit des Wortes Gottes. […] Er war ein Feind aller Kompromisse in Fragen des Evangeliums und des Glaubens. Da ließ er nicht mit sich handeln. Auch wenn er Anstoß erregte.«W Benutzte Literatur: Evangelisches Gemeindelexikon, S. 103: Johannes Busch (Busch), Wilhelm Busch (Lipps); Evangelisches Lexikon für Theologie und Gemeinde (ELThG), Band 1, S. 333: Johannes Busch (R. Scheffbuch); S. 333f.: Wilhelm Busch (R. Scheffbuch); ideaSpektrum 25/2016 vom 22. Juni 2016, S. 14: Mehr als ein Wald von Pastoren, von Wolfgang Bühne.

Bücher von Wilhelm Busch können leicht bezogen werden bei: Buchhandlung Bühne Eisenweg 2 58540 Meinerzhagen Telefon (02354) 7065400 www.leseplatz.de 21


Aus Kirche und Gesellschaft Württembergischer ­Altlandesbischof Hans von Keler † Ende September ist Hans von Keler, württembergischer Landesbischof von 1979 bis 1988, in Herrenberg im 91. Lebensjahr heimgegangen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Altlandesbischof in einem Pflegeheim der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg, der er selbst einmal vorstand – von 1969 bis 1976. Nach seinem Studium war der im November 1925 in Bielitz/Beskiden geborene Hans von Keler ab 1953 Pfarrer in ­Wildenstein, dann Leiter der Landesstelle des Evangelischen Mädchenwerkes in Stuttgart ab 1957 und ab 1963 Pfarrer in Neuenstein. Nach seiner Zeit als Leiter der Evangelischen Diakonieschwesternschaft Herrenberg wurde er 1976 Prälat für den ostwürttembergischen Bereich in Ulm. 1979 wählte ihn die württembergische Landessynode nach mehreren Wahlgängen zum Landesbischof. In den Jahren 1967 bis 1971 war von Keler Präsident der württembergischen Landessynode; in dieser Zeit führte die württembergische Landeskirche die Frauenordination ein (vgl. InfoSpezial Nr. 71, Frauenordination), die von Keler befürwortete, obwohl er eher konservativ dachte; er gehörte in der Synode der Mitte-Gruppierung »Evangelium und Kirche« an. Die evangelisch-theologische Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen verlieh ihm 1982 die Ehrendoktorwürde. Auch in EKD-Gremien hat Hans von Keler mitgearbeitet: 1966 bis 1976 war er Mitglied der EKD-Synode und von 1979 bis 1981 gehörte er dem Rat der EKD an, 1983 bis 1989 dem Exekutivkomitee des Lutherischen Weltbundes. Manche seiner Formulierungen sind fast sprichwörtlich geworden. Am bekanntesten ist wohl: »Das Gebet ersetzt keine Tat. Aber es ist eine Tat, die durch nichts ersetzt werden kann.« (Quellen der Nachricht: Südwestpresse vom 23. September 2016, Südwestumschau, nach epd; Württembergisches Pfarrerverzeichnis, Ausgabe 1988, S. 72)

Bereits Strafe Gottes? Internet-Petition für Homo-Trauung Aufgrund er öffentlichen Segnung der Partnerschaft zweier Frauen, bei der das Ehegelübde gesprochen wurde durch den Böblinger Dekan Bernd Liebendörfer in der dortigen Stadtkir22

Bis zum Redaktionsschluss fand die OnlinePetition » Trauung für alle auch in der Evangelischen Landeskirche Württemberg« 13 052 Unterstützer. che, wurde die Debatte in Württemberg Ende Juni neu angefacht. Mit einer Petition im Internet soll der Druck auf die württembergische Landeskirche erhöht werden. Am 15. August hatte die Kampagne 9200 Unterschriften. Die theologisch liberale und politisch linke »Offene Kirche« zollte Liebendörfer »großen Respekt«, während die »Lebendige Gemeinde« einen Bruch der kirchlichen Ordnung sieht, da die Landeskirche durch zwei Synodalbeschlüsse und ein Rundschreiben des Oberkirchenrats solche öffentliche Segnungen verboten habe. Auch Landesbischof July zeigte sich mit dem Vorgehen Liebendörfers nicht einverstanden. Die württembergische Synode wird sich 2017 erneut mit dem Thema zu befassen haben. Die württembergische Trauagende soll überarbeitet werden. Die württembergische Landeskirche scheint den Weg, den andere Landeskirchen bereits eingeschlagen haben, auch beschreiten zu wollen. Das kann allerdings Strafe Gottes sein; denn das Gericht Gottes fängt am Haus Gottes an (1.Petrus 4,17). (Quelle der Nachricht: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 34/2016 vom 21. August 2016, S. 3, nach epd)

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Aus den Bekennenden Gemeinschaften 20 Jahre CA –– 20 Jahre quer zum Zeitgeist Jubiläumstagung blickt zurück, ohne die Zukunft auszusparen 20 Jahre Bestand. Das ist zwar kein langer Zeitraum. Doch in der heutigen schnelllebigen Zeit erscheint dies als eine halbe Ewigkeit. Mitte der 1990er Jahre gingen Theologen und Laien der »Gesellschaft für Innere und Äußere Mission im Sinne der lutherischen Kirche« im mittelfränkischen Neuendettelsau, die auf den großen lutherischen Theologen und Kirchenmann im 19. Jahrhundert, Wilhelm Löhe, zurückgeht, daran, eine Zeitschrift zu kreieren, die theologische, kirchliche, kulturelle und gesellschaftliche Themen aufnimmt, diese aber gerade nicht im Sinne des jeweils gängigen Mainstream beantwortet. Sie wäre damit ja auch nur eine weitere und somit belanglose Stimme unter vielen. Die Gründer dieser Zeitschrift legten vielmehr Wert auf ein Alleinstellungsmerkmal: Sie wollten Antworten auf bedrängende Fragen geben, ausgehend von Heiliger Schrift und reformatorischem Bekenntnis, welches ja auch das altkirchliche einschließt. Der Name der neu gegründeten Zeitschrift zeigt denn auch deren Richtung deutlich an: »CA [für Confessio Augustana, Augsburger Bekenntnis]. Das lutherische Magazin für Religion, Gesellschaft und Kultur«. Diese Vierteljahresschrift sollte die bewährte Zeitschrift »Concordia«, die immerhin fast 70 Jahre erschien, ablösen und weiterführen, da man erkannt hatte, dass die Situation etwas Neues verlangte. So entstand ein inhaltlich und gestalterisch wahrlich gut »gemachtes« Magazin, das quer zum Zeitgeist stehen wollte und dies bis heute tut. Der deutsch-amerikanische Journalist und Theologe Uwe Siemon-Netto, ein Großer seiner Zunft, drückte dem lutherischen Magazin seinen Stempel auf. Die Herausgeber nahmen nun 20 Jahre des Bestehens, die nicht immer leicht zu bestehen waren und wohl auch in Zukunft nicht sein werden, zum Anlass, im vergangenen September eine zweitägige Zusammenkunft in Neuendettelsau im gastfreundlichen Haus »Lutherrose« durchzuführen. Diese Veranstaltung, von etwa 60 Interessierten aus weitem Umkreis besucht, hatte hochkarätige Referenten und ein – fast zu – dicht gedrängtes Tagungsprogramm aufzubieten. Passend zum Reformationsjubiläum stand es unter der paradox anmutenden Überschrift: INFORMATIONSBRIEF 301

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»Vor uns: Die Reformation. Zurück zum unverfälschten Martin Luther«. Es sollte nicht einfach um sattsam bekannte historische Reminiszenzen gehen. Freilich stellte Professor Thomas Kothmann, der maßgeblich mit Vorbereitung und Durchführung befasst war, einleitend treffend fest: Der grundlegenden Einsichten Luthers brauche man sich nicht zu schämen, wiewohl auch seinem nordamerikanischen Kollegen Robert Kolb zuzustimmen ist, der meinte, der unverfälschte Luther in unseren Tagen ist nicht der von 1520; allerdings hat Kolb auch darin recht: Luther gibt uns nicht Antworten auf alle Fragen, jedoch auf die meisten und die wichtigsten. Nun ist es nicht möglich, auf begrenztem Raum auch nur annähernd dem gerecht zu werden, was an Wissenswertem bei dieser so hochkarätig besetzten Veranstaltung geboten wurde. Doch wird in einer der kommenden Ausgaben von CA das Wichtigste nachzulesen sein, so dass es von den Teilnehmern erneut und von anderen zum ersten Mal bedacht werden kann. So müssen auch die, die nicht dabei waren, nicht darauf verzichten, wobei die Atmosphäre, die bei dieser Zusammenkunft herrschte, sich freilich durch das Lesen nicht einzustellen vermag. Die Gespräche bei den Mahlzeiten, auf den Gängen, in den kurzen Pausen – sie waren gut, blieben aber kurz, was dem dicht gedrängten Programm geschuldet war. Anliegen des Magazins war es von Anfang an, den Zeitgeist zur Rede zu stellen, worauf in einem Rückblick Wolfhart Schlichtung, der von Anfang an bis heute in der Redaktion ist, hinwies. Gleichzeitig benannte er es als Aufgabe, nach 20 Jahren neue Unterstützer zu gewinnen. Matthias Pankau, seit 2006 in der Redaktion des Informationsdienstes der Evangelischen Allianz (idea), wies darauf hin, dass christliche Medien für die Allgemeinheit irrelevant seien und kon23


fessionelle Titel ein Nischendasein fristeten. In einer anschließenden Diskussionsveranstaltung stimmte der erfahrene deutsch-amerikanische Journalist und Theologe Uwe Siemon-Netto dieser Analyse zwar zu, meinte aber, gerade diese Nischen seien zu nutzen. Diese Diskussionsrunde war fachlich gut besetzt mit Helmut Frank, dem Chefredakteur des (bayerischen) Sonntagsblattes, Matthias Pankau, Dominik Klenk, dem Leiter des fontis-Verlags und HansJoachim Vieweger, Referent beim Bayerischen Rundfunk. Übereinstimmung herrschte bei den Diskutanten darin, dass die Zeit für Printmedien hart sei, verursacht durch abnehmende Leserschaft und hohe Produktionskosten, so dass sie durch online-Ausgaben zu ergänzen seien (wobei mit diesen laut Helmut Frank aber nichts zu verdienen ist). Die Hoffnung aber ist keineswegs gänzlich zu begraben. So habe idea Spektrum seine Auflage gegen den Trend steigern können, was auch bei gut gemachten säkularen Magazinen zu beobachten sei (verwiesen wurde auf die hohe und steigende Auflage von »Landlust«). Uwe Siemon-Netto rief dazu auf, Christen sollten sich im Reich zur Linken einbringen, das sich Gott ja keineswegs entgleiten ließe. Er beklagte einen weltweit grassierenden Narzissmus, der nur das eigene Ich im Blick habe. Die Lehre Luthers sei die beste Waffe gegen solchen Narzissmus, da sie den Blick weg von sich selbst und hin auf den Nächsten lenke (vgl. Luthers Schrift »Von der Freiheit eines Christenmenschen«, 1520). Mit der Complet (Nachtgebet) ging der erste von zwei interessanten Tagen zu Ende. Und der folgende begann mit einem eindrücklichen Abendmahlsgottesdienst in der Neuendettels­ auer Dorfkirche St. Nikolai; also in der so traditionsreichen Kirche, in welcher viele Jahre lang Wilhelm Löhe seinen gesegneten Dienst tat. Erzbischof Janis Vanags (Riga/Lettland), seit Jahren mit der Zeitschrift CA verbunden, hielt eine beeindruckende Predigt zu Römer 10,9–17, der Predigtperikope für den darauffolgenden Sonntag (17. Sonntag nach Trinitatis). Dabei machte der Erzbischof deutlich, dass Gerettet-werden-wollen eine radikale Umkehr bedeute. Er führte auch aus, dass es sich lohne, für die Kirche Jesu Christi zu kämpfen, was Janis Vanags seit vielen Jahre gegen große Widerstände tut, da man so auch für das ewige Leben kämpfe – für sich und für andere. Dem Abendmahlsgottesdienst schlossen sich an diesem Vormittag noch zwei theologische Vorträge an: vom emeritierten Bischof (19851996) der Selbständigen Evangelisch-Luthe24

rischen Kirche, Jobst Schöne und dem Pfarrer und freiberuflichen Unternehmens- und Kirchenberater Michael Stollwerk. Jobst Schöne schloss nicht aus, dass Gott seine Gnade entziehen kann. Die stark erfahrungsbezogenen Ausführungen von Michael Stollwerk legten allerdings nahe, dass es so weit – noch – nicht ist. Auf Anregung von Wolfhart Schlichting stellte sich die Versammlung hinter den mit großer Mehrheit gefassten Beschluss der Evangelischlutherischen Kirche Lettlands, die ablehnende Haltung zur Frauenordination im Kirchengesetz festzuschreiben. Erzbischof Janis Vanags wird seit vielen Jahren wegen dieser Einstellung im Lutherischen Weltbund und besonders von bundesrepublikanischen Landeskirchenleitungen angefeindet. Professor Manfred Seitz, ein viel beachteter (emeritierter) Praktischer Theologe aus Erlangen, der ebenfalls seit Beginn mit CA verbunden ist, konnte inmitten dieser hochkarätigen Versammlung seinen 88. Geburtstag begehen. Trotz dieses fortgeschrittenen Alters dürfen wir wohl noch auf manch Lesenswertes aus seiner Feder hoffen. Ein wichtiges Anliegen des Zusammenseins war es, divergierende bekenntnisgebundene evangelikale Vertreter und Gruppen einander näherzubringen, sie aus ihren »Katakomben« (Uwe Siemon-Netto) herauszulocken und zu versuchen, Netzwerke zu bilden. Uwe SiemonNetto hat dies – sicher in Übereinstimmung mit anderen – so ausgedrückt: Mit dem gegenwärtigen – kleinkarierten – Hickhack müsse nun Schluss sein. Es wird interessant sein, die Vorträge in einer der nächsten Ausgaben von CA nachlesen zu können und sich die gesegnete Zusammenkunft dann noch einmal zu vergegenwärtigen. Das lesenswerte Magazin »CA. Das lutherische Magazin für Religion, Gesellschaft und Kultur« kann bestellt werden bei: Freimund-Verlag Missionsstraße 3 D-91564 Neuendettelsau Telefon: 0049-(0)9874689 33-0 Fax: 0049(0)9874689 33-99 E-Mail: info@freimund-verlag.de CA erscheint viermal pro Jahr zu einem jährlichen Preis von 18,80 Euro zuzüglich Versandkosten. DEZEMBER 2016

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Altbischof Wilckens übt scharfe Kritik an Homosexuellen-Trauung Die entsprechenden Entscheidungen in den Synoden seien »gravierende Verstöße gegen elementare Wahrheiten der Heiligen Schrift und damit auch des Bekenntnisses ihrer Kirchen«. Die Argumente, dies zu bestreiten, seien geistlich ohne Recht und Kraft. »Sie beruhen weithin auf Missdeutung«, schreibt er in einem Beitrag für idea. Ulrich Wilckens war von 1981 bis 1991 Bischof des Sprengels Holstein-Lübeck der nordelbischen Kirche. Diese gehört heute zur Nord-Kirche. Wilckens ist ein weltweit geachteter und beachteter Ausleger des Neuen Testaments und Bibelübersetzer. Bisher haben die evangelischen Kirchen von Baden, Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Hessen-Nassau und Rheinland die Trauung homosexueller Partnerschaften ermöglicht. Begründet wird diese Praxis laut Wilckens so: Das Entscheidende einer kirchlichen Trauungshandlung sei die ernsthafte Absicht von zwei Menschen, in verlässlicher Liebe und Treue zusammenzuleben und dafür den Beistand Gottes zu erbitten. Eine »starke Meinungsoffensive« sorgt, so der Altbischof, außerdem für einen solchen Druck, »dass Verweigerungen der Anerkennung gleichgeschlechtlicher Ehen und überhaupt der Freiheit sexueller Praxis als geradezu widernatürliche Gefährdung der Menschenrechte gilt«. Außerdem wolle sich die evangelische Kirche nicht länger dem Verdacht aussetzen, Homosexuelle zu benachteiligen. Deshalb beeilten sich landeskirchliche Synoden, »durch möglichst rasche Durchsetzung von Trauungen gleichgeschlechtlicher Mitglieder diese moralischen Verdächtigungen aus der Welt zu schaffen und so im allgemeinen Konsens zu bleiben«. Wilckens zufolge widerspricht die Homo­ sexuellen-Trauung jedoch biblischen Weisungen. Demnach sei die Ehe Mann und Frau vorbehalten. Das sechste Gebot »Du sollst nicht die Ehe brechen« verbiete unter anderem auch den Sexualverkehr zwischen Männern und Frauen des gleichen Geschlechts. Dies gelte sogar als »Gräuel« und sei damit eine Beleidigung Gottes (3.Mose 18,20–22; 20,13). Im Neuen Testament spreche der Apostel Paulus von gleichgeschlechtlichem Verkehr (Römer 1,26ff.) »im Zusammenhang von Götzendienst als unentschuldbarem Frevel gegen Gottes ›Herrlichkeit‹«. Angesichts solcher Aussagen der Bibel habe weder der einzelne Mensch das Recht, in gleichgeschlechtlicher Praxis zu leben, noch die Kirchen, »solche Paare gottesdienstlich im Namen Gottes zu segnen«. Auch die kirchlichen INFORMATIONSBRIEF 301

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Befürworter dieser Handlung wüssten, dass eine Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit Ehepaaren »im Umkreis biblischer Ethik völlig undenkbar« wäre. Sie argumentierten jedoch, dass das Nein zu gleichgeschlechtlicher Praxis in der Bibel auf damaligen kulturellen Normen beruhe. Da eine Abhängigkeit davon durch die Entwicklung seit der Aufklärung überwunden sei, könne die Kirche – jedenfalls die protestantische – sich der gegenwärtigen Norm theologisch problemlos anschließen. Dieser Argumentation widerspricht Wilckens: »Es ist Gottes Wille, dem die Kirche zu entsprechen hat.« Er stehe über allen Normen kultureller Gegebenheiten: »Das galt in Zeiten des Alten und Neuen Testaments genauso, wie es heute zu gelten hat, wo die ›Entwicklung‹ des modernen gesellschaftlichen Bewusstseins ihre ethische Norm gegen den Willen Gottes durchzusetzen beansprucht.« (vgl. zur biblischen Beurteilung der Homosexualität auch den Beitrag von Altbischof Wilckens im Informationsbrief Nr. 299 vom August 2016, S. 14–18)

Zeitschrift »hoffen + handeln«

Pfarrer Dieter Fischer, der langjährige Vorsitzende des Trägervereins der Zeitschrift »hoffen + handeln« und deren vormaliger Redaktionsleiter, konnte seinen 80. Geburtstag in Heiligenzell begehen. Dieter Fischer war Pfarrer in Schiltach, Öschelbronn und Rastatt und von 1990 bis 2002 Vorsteher am Diakonissenmutterhaus in Nonnenweier. Neuer stellvertretender Vorsitzender des Vereins ist Pfarrer Gerd Ziegler (*1963) aus Rheinstetten, der zuvor zehn Jahre Pfarrer in Neckargerach und neun in Rußheim (bei Karlsruhe) war. (Quelle der Nachricht: hoffen + handeln, August/September 2016, S. 12 und 15)

Gottesbezug, der keiner war Die theologisch konservative »Sammlung um Bibel und Bekenntnis« in Norddeutschland hat das Scheitern der Initiative für einen Gottesbezug in der Landesverfassung Schleswig-Holsteins begrüßt. Die vorgeschlagene Formulierung sei »ein diffuses Gemix von religions-weltanschaulichem Allerlei« gewesen, kritisierte der Vorsitzende, Pastor Ulrich Rüß (72). Der Text habe neben religionsverschiedenen Gottesvorstellungen auch den Humanismus, kulturelle Vorstellungen und andere religiöse Quellen gleichrangig zugelassen. »Somit wurde letztlich ein Gottesbezug abgelehnt, der keiner war.« (Quelle der Nachricht: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 32/33/2016 vom 7. August 2016, S. 3, nach epd)

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Aus der Bekenntnisbewegung Württembergischer Mahner Hans Lachenmann † Im Alter von 88 Jahren ist der geschätzte Autor am Informationsbrief der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«, Kirchenrat i. R. Hans Lachenmann, in Satteldorf bei Crailsheim, wo er seinen langen, aber recht ausgefüllten Ruhestand verbrachte, bereits Ende August, heimgegangen. Hans Lachenmann war ein unerschrockener und unermüdlicher Mahner für die bleibende Gültigkeit der Heiligen Schrift für kirchliche Lehre und kirchliches Leben. Der württembergische Theologe leitete von 1981 bis 1992 die kirchlichen Lehrgänge für den Pfarrdienst in Stuttgart; in diesen wurden Diakone, Missionare, Jugendreferenten sowie kirchlich engagierte Laien zu Pfarrern ausgebildet. Zuvor war er zwölf Jahre lang Dekan des ostwürttembergischen Kirchenkreises Crailsheim. Zwölf Jahre lang gehörte er der württembergischen

Landessynode an. Von 1977 bis 1989 war er auch Mitglied der EKD-Synode. Für den Arbeitskreis »Lebendige Theologie heute« war er Mitverfasser einer kritischen Stellungnahme zum Positionspapier der württembergischen Landeskirche zur Situation homosexueller Mitarbeiter, das die Zugehörigkeit von Homo- und Heterosexuellen zur Kirche als Bereicherung bezeichnete. Die Erklärung wurde von zahlreichen prominenten Theologen, etwa den beiden Tübinger Neutestamentlern Peter Stuhlmacher und Martin Hengel (†) und von Rainer Mayer (Stuttgart) unterschrieben. Professor Rainer Mayer, auch Autor am Informationsbrief, bezeichnete den Heimgang Hans Lachenmanns als einen großen Verlust. »Die Propheten unter uns, die noch Mut haben, werden weniger.« (Quellen der Nachricht: ideaSpektrum 36/2016 vom 7. September 2016, S. 31, Südwest; Württembergisches Pfarrerverzeichnis, Ausgabe 1988, S. 86)

Buchrezensionen Theo Lehmann, Theos kleine Kanzel Es sind, so muss zumindest auch beim Interessierten an der evangelikalen Szene der Eindruck entstehen, gerade mal noch drei der bekannteren evangelikalen Persönlichkeiten, die sich nicht im zugegebenermaßen breiten Strom dieser (Frömmigkeits)Richtung, die sich seit Jahren mehr und mehr dem allgemein herrschenden theologisch-kirchlichen Trend anschließt, bewegen: der geschätzte Prediger, Autor und Musikkenner Theo Lehmann (Chemnitz), der nicht weniger beachtete langjährige proChrist-Prediger und Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes Ulrich Parzany (Kassel) und schließlich der seit Jahrzehnten als Chefredakteur des Informationsdienstes der Evangelischen Allianz (idea) tätige Helmut Matthies (Wetzlar). Alle drei kommen in dem dankenswerterweise von Andreas Späth (Ansbach) besorgten schmalen, doch inhaltlich gewichtigen Buch zu Wort. Das ist zu begrüßen. Und dass das Büchlein innerhalb weniger Wochen drei Auflagen erfahren durfte, spricht für dieses. 26

Viele Male hat Theo Lehmann die seit Jahren Woche für Woche in idea erscheinende Rubrik »Die kleine Kanzel« verfasst. Keiner kam in dieser geschätzten idea-Spalte auch nur annähernd so oft zu Wort wie der frühere sächsische Jugendpfarrer und Evangelist. 60 dieser kurzen Betrachtungen zu einem Bibelvers des mittlerweile 82-jährigen Chemnitzers sind in diesem Büchlein gesammelt, geordnet nach der Reihenfolge der biblischen Bücher, wobei das Neue Testament gegenüber dem Alten dann doch überwiegt. So manches Mal spürt der Leser deutlich, dass ein bestimmtes politisches Ereignis im Hintergrund steht. Theo Lehmann tut das, was ansonsten in Predigten, Textmeditationen, auch auf Kalenderblättern und neueren Andachtsbüchern so häufig ausfällt. Er benennt, wie es um den (natürlichen) Menschen steht und was sich bei diesem ändern muss: Er ist Sünder und kann als solcher vor Gott nicht bestehen; durch Glauben an und Lebensübergabe an Jesus Christus als seinem (neuen) Herrn wird er aus dem Reich der Finsternis in das Reich Gottes versetzt; ein Herrschaftswechsel findet statt. Darauf kommt DEZEMBER 2016

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es an. Theo Lehmann, der begnadete Evangelist, ruft deshalb in die Nachfolge, lockend und auch geradezu drängend, weil ihm bewusst ist, dass der Mensch sich ändern muss. Er zeigt in aller wünschenswerten Deutlichkeit, dass Glaube und Nachfolge keine Schönwetterreligion bedeuten; diese »Wellness«-Religion hält den Widerwärtigkeiten, die gelebtes Christsein mit sich bringt, niemals stand, weder Leid und Leiden noch gar Unterdrückung und Verfolgung. Es ist wohl kaum übertrieben, zu sagen, dass dieser Weckruf und Ruf in die Nachfolge in jeder der Kurzandachten geschieht. Ohne zumindest fragend zu werden dürfte so gut wie niemand diese Auslegungen lesen. Diese eignen sich auch, gerade in einer Zeit, in der wir allenthalben unter einer allgemeinen Verflachung und Angleichung der christlichen Botschaft leiden, auch als tägliche Andachten: Jeden Tag eine dieser biblischen Betrachtungen – und wenn man durch ist, dann schadet Wiederholung nichts und Langeweile wird sich nicht so schnell einstellen. Kenntnisreich zeichnet Helmut Matthies den Lebensweg Theo Lehmanns nach (S. 75–83). Dabei wird überaus deutlich, wie Theo Lehmann in seinem ganzen Leben nicht auf Rosen gebettet war (er erlebte und überlebte das so schreckliche Bombardement auf Dresden im Frühjahr 1945), und das auch wesentlich mit deshalb, weil er das klare deutliche Wort nie scheute, was die Mächtigen in der DDR freilich auf den Plan rief und diese eine stattliche Anzahl von Spitzeln auf ihn ansetzen ließ. Irdische Machthaber stellt er infrage, weil er letzten Gehorsam allein dem Herrn schuldet; freilich nur mit dem Wort; doch dieser kann ja recht wirkungsvoll sein, wie sich an seinem »Fall« zeigt. Sein kurzes Vorwort (S. 11) beendet Ulrich Parzany mit: »Lieber Leser, wenn Sie sich von Gottes Wort treffen lassen, treffen Sie Gott. Das wünsche ich Ihnen.« Dem ist nichts hinzuzufügen. Das möge sich einstellen. Das, und nichts anderes, will Theo Lehmann. Viele sollen noch, das ist das große Anliegen Theo Lehmanns, zum Glauben an Jesus, den Christus, kommen; denn »Gott will alle«. Dem Buch ist auch weiterhin weite Verbreitung zu wünschen. Es wird reichlich Frucht bringen. Walter Rominger Theo Lehmann, Theos kleine Kanzel hg. v. Andreas Späth, Ansbach 1. Auflage Juni 2016 2. und 3. Auflage Juli 2016 Verlag Logos Editions, broschiert, 88 Seiten ISBN 978-3-9458180-3-9 INFORMATIONSBRIEF 301

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Das Buch ist über Logos Editions zu beziehen: Postfach 1131 91502 Ansbach Telefon (09871) 444-956 Fax (09871) 444-954 E-Mail: ksbb-bayern@gmx.net Oder im gut sortierten Buchhandel Mengenstaffel:    1 Stück 6,90 Euro    5 Stück je 6,00 Euro   10 Stück je 5,50 Euro   25 Stück je 5,00 Euro   50 Stück je 4,00 Euro   75 Stück je 3,50 Euro 100 Stück je 3,00 Euro

Karl Baral, Handbuch der biblischen Glaubenslehre Grundlage für Glauben und Leben Innerhalb von gut 20 Jahren erscheint das »Handbuch« – eigentlich eine umfangreiche Laiendogmatik, die jedoch auch wissenschaftliche Fachdiskussionen aufzunehmen vermag – des inzwischen emeritierten württembergischen Pfarrers Karl Baral bereits in vierter Auflage (was bei theologischen Fachbüchern eher selten ist), welche gegenüber den beiden ersten Auflagen überarbeitet und wesentlich erweitert ist (auch schon die 3. Auflage war dies). Wenn ein Buch sich über so viele Jahre hält, immer wieder neu aufgelegt wird und, um auch gerade theologisch-kirchliche Fehlentwicklungen aufzunehmen, vom Verfasser überarbeitet und erweitert wird, dann spricht solches für das »Erzeugnis«. Das »Handbuch« von Karl Baral ist zu Recht »erfolgreich« – auch wenn dieser Ausdruck bei einem Werk, in welchem es um geistliche Inhalte geht, nicht so recht zu passen scheint. 27


Das Werk besteht aus sieben Teilen. In einem ersten Teil erklärt der Verfasser die Grundvoraussetzungen für sein »Vorhaben« unter anderem Offenbarung Gottes und Gültigkeit der Heiligen Schrift. Im zweiten Teil (»Von Gott«) werden Gottesbegriff, Dreieinigkeit und dessen Handeln thematisiert, dem sich dann im folgenden dritten Teil (»Von der Schöpfung«) Gottes und des Menschen Umgang mit der Schöpfung anschließt, bevor mit dem anschließenden (»Vom Menschen«) die biblische Anthropologie folgt, die Lehre vom Menschen (als Geschöpf und Sünder, in der Beziehung der Geschlechter zueinander, in der Volksgemeinschaft und in seiner Beziehung zu Erdland und Tier). Im fünften Teil (»Von Christus«) behandelt Baral Person (Zwei-Naturen-Lehre), Weg und Werk Christi und – neben anderem – in einem in­ struktiven Exkurs, wie in Kirchen- und Theologiegeschichte die durch Christus bewirkte Versöhnung zwischen Gott und Mensch gedeutet wurde. Dem schließt sich ein sechster Teil (»Die persönliche Zueignung des Heils«) an, in welchem Baral unter anderem davon handelt, wie Gott durch die »Gnadenmittel« (media salutis): Wort und Sakrament (Taufe und Abendmahl), das Heil des Menschen wirkt. Im anschließenden siebten Teil (»Das Reich Gottes und die Vollendung«) geht es um die so genannten »eschatologischen« Themen, kurz gesagt, um das, was im Großen und Ganzen noch aussteht, jedoch verheißen ist und sich anbruchhaft bereits abzuzeichnen beginnt. Gelungen sind die beiden Anhänge: »Gottes Segenshandeln« und »Hebräisches und griechisches Denken«, womit gerade Gängiges und Gewünschtes aufgenommen aber gleichzeitig auch kritisch hinterfragt wird, insofern doch ein Übermaß von Segenshandlungen im Schwange sind, was der Verfasser im allgemeinen bereits kritisch sieht, bestimmte aber freilich deutlich und zu Recht ablehnt (Segnung homosexueller Partnerschaften). Hebräisches und griechisches Denken sieht Baral als nicht kommensurabel an, was unter anderem im Hinblick auf den evangelisch-katholischen Dialog von Bedeutung ist, da im Katholizismus eine Synthese dieser beiden Denkweisen vertreten wird. Baral verfolgt eine in erster Linie an der Heiligen Schrift orientierte Sicht, was freilich zu begrüßen ist, damit auch eine reformatorische, wenn auch keine konfessionalistische, so doch eine im Wesentlichen lutherische. Besonderer Erwähnung bedarf, dass er viel Fachliteratur verarbeitet hat. Die »Laiendogmatik« von Karl Baral ist zu empfehlen; ihr ist weite Verbreitung unter Theologen und »Laien« zu wünschen. 28

Und am Schluss sei der Wunsch des Rezensenten geäußert: »Dieser vierten Auflage möge doch schon bald eine fünfte folgen.« Walter Rominger Karl Baral Handbuch der biblischen Glaubenslehre Grundlage für Glauben und Leben 4. überarbeitete und erweiterte Auflage Nürnberg 2016 Verlag für Theologie und Religionswissenschaft (VTR), (1. Auflage Hänssler Verlag 1994) Paperback, 528 Seiten, 24,95 Euro, ISBN 978-3-94-175034-0

Hans-Gerd Krabbe, Zwölf Köpfe der Reformation: Valdès, Wyclif, Hus, Luther, ­Melanchthon, Zwingli, Oekolampad, Bucer, Brenz, à Lasco, Bullinger, Calvin Es mag der Eindruck entstehen: Angesichts des bevorstehenden Reformationsjubiläums sei des vielen Büchermachens kein Ende. Dann taucht bei jeder Neuerscheinung die berechtigte Frage auf, ob diese denn überhaupt nötig ist und eine Lektüre derselben deshalb lohnt. Für das angezeigte Buch des badischen, in Praktischer Theologie promovierten Pfarrers HansGerd Krabbe trifft es indes zu, dass sein Erscheinen zu begrüßen ist. Weniger deshalb, weil das, was er bringt, nicht auch anderswo zu finden wäre, sondern vor allem deshalb, weil er eine Fülle von Informationen auf schmalem Raum gut allgemeinverständlich zusammenzufassen versteht. Und genau deshalb, weil er eine perDEZEMBER 2016

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sonale Engführung was die Reformation anlangt, nicht vollzieht, was häufig geschieht. So macht Hans-Gerd Krabbes Veröffentlichung deutlich, dass es neben den »Hauptreformatoren« Luther, Zwingli, Calvin – auch noch Melanchthon, die biographisch und lehrmäßig seit langem gut erfasst sind, eine ganze Reihe anderer Glaubenszeugen gab, deren Bedeutung für die Ausbreitung biblisch-reformatorischer Lehre keineswegs unterschätzt werden darf. Dazu wird deutlich, dass die Reformation im 16. Jahrhundert zwar der »erfolgreiche« Versuch einer Erneuerung der Kirche im Sinne Jesu Christi war, wenn schon nicht der erste in »evangelischem« Verständnis, wiewohl auf Valdès, Wyclif und Hus (die Krabbe behandelt, S. 11–31), die so genannten »Vorreformatoren«, besser noch nicht der Begriff »Reformator« Verwendung findet, da für diese zutrifft, dass das, was als reformatorische Erkenntnis gelten darf, bei ihnen nicht (vollständig) ausgebildet war und deshalb besser von radikalen (Er)Neuerern gesprochen wird. Die Zeit für eine Erneuerung der Kirche an Haupt und Gliedern war eben in den Jahrhunderten vor der Reformation noch nicht reif. Deshalb blieben sie denn auch »erfolglos«, wiewohl ihre Gedanken dann bei der Reformation im 16. Jahrhundert Eingang fanden. Bei jedem der »zwölf Köpfe der Reformation« gelingt es dem Autor, auf wenigen Seiten (zwischen gut fünf und gut 20) dessen Biographie und theologische Ausrichtung mit ihrer jeweiligen Besonderheit herauszustellen, sowie deren Übereinstimmung und Beziehung untereinander, jedoch auch Unterschiede und Brüche zu benennen. In einer Zeit einer allgemeinen Reformationsvergessenheit (Gerhard Ebeling sprach bereits vor Jahrzehnten von einer »Luthervergessenheit«), vermag die Veröffentlichung Krabbes eine Lücke zu schließen, gerade auch deshalb, weil die jeweiligen Kapitel überschaubar bleiben, selbst für solche, die keine umfangreichen »Wälzer« mehr bewältigen können. Krabbe beschließt seine Ausführungen mit »Schlussfolgerungen: Was könnte dies alles für Menschen heute bedeuten?« (S. 154–156) und zieht damit Folgerungen für die Gegenwart aus der grundstürzenden Erkenntnis von einst, die jedoch nie veralten, weil sie aus dem Wort Gottes, das ewiglich bleibt (Jesaja 40), gezogen sind. Der LIT-Verlag hat eine weise Entscheidung getroffen, das schmale, auf Konzentration bedachte Bändchen von Krabbe, das ausdrücklich zu empfehlen ist und dem nachhaltige Wirkung zu wünschen ist, in seine »Theologische Orientierungen« (Band 24) aufzunehmen. Es bietet INFORMATIONSBRIEF 301

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theologische Orientierung und findet, so die Hoffnung des Rezensenten, viele bereitwillige Leser. Walter Rominger Hans-Gerd Krabbe Zwölf Köpfe der Reformation: Valdès, Wyclif, Hus, Luther, Melanchthon, Zwingli, Oekolampad, Bucer, Brenz, à Lasco, Bullinger, Calvin Münster 2016 Paperback, 166 Seiten, 19,90 Euro LIT-Verlag ISBN 978-3-643-13394-6

Karl Müller, Die weltumspannende Kirche Jesu Christi. Auslegung des Epheserbriefs für die Gemeinde Ein begeisterter Ausleger und begnadeter Prediger, der kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Karl Müller. Der Pfarrer i. R. hat sich keineswegs zur Ruhe gesetzt, sondern erklärt der zum Gottesdienst versammelten Gemeinde und einer Lesergemeinde immer wieder ganze biblische Bücher. Nun liegt bereits der neunte Band vor, in welchem sich Karl Müller, der sich deutlich zum Calvinismus bekennt, den Epheserbrief vorgenommen hat. Das Thema dieses Briefes ist die weltweite Kirche Jesu Christ. Und so geht es dem Verfasser auch ganz wesentlich darum, die Kirche Jesu Christi, die er freilich in der Ortsgemeinde sieht, lieb und wert zu machen, wobei er allerdings zu Recht auf eine an der Heiligen Schrift orientierten Gemeinde Wert liegt; ansonsten ist ja auch keine Kirche Jesu Christi vorhanden. Ein Großteil des Epheserbriefes wird in Predigten erklärt, der Rest mehr in Form von Bibelarbeiten bzw. Bibelstunden Vers für Vers erläutert. Dieses Buch ist zu empfehlen – in einer Zeit eines allgemeinen Predigtnotstandes allemal. Karl Müller Kirche Jesu Christi. Auslegung des Epheserbriefs für die Gemeinde Gambacher Predigten, Band 9 Haiger-Sechshelden 2016 Eigenverlag, broschiert, 140 Seiten 10,– Euro zzgl. Porto Der Predigtband ist vom Autor direkt zu ­beziehen: Pfarrer Karl Müller Platz de Plombieres 4 35708 Haiger-Sechshelden Telefon (02771) 42255 E-Mail: Karl-Esther@web.de 29


Reformation –– eine bleibende Aufgabe Einladung zur Freizeit der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« vom 18. bis 23. Juni 2017 im EC Begegnungs- und Bildungszentrum in Woltersdorf bei Berlin Liebe Freunde der Bekenntnisbewegung, zwei Jahre ohne Begegnung auf einer Freizeit liegen hinter uns. Pfarrer Hellenschmidts Freizeiten und das damit verbundene Erleben und der Austausch fehlen vielleicht auch Ihnen. Ein kleiner Kreis engagierter Menschen möchte deshalb vom 18. bis 23. Juni 2017 eine Freizeit zum Thema »Reformation – eine bleibende Aufgabe« anbieten. An vier Vormittagen und Abenden wollen wir aus den Briefen des Apostels Paulus an die Römer, Galater und Epheser schöpfen und über Luthers fünf Soli der Reformation referieren und darüber mit Ihnen ins Gespräch kommen. Die Nachmittage bieten Ihnen u. a. die Möglichkeit, die Spuren des Liederdichters Paul Gerhardt in Berlin, Mittenwalde und Lübben wahrzunehmen oder aber die Schönheit der näheren und ferneren Umgebung zu erwandern oder zu erfahren, z. B. per Kahn im Spreewald. Die Tage werden gerahmt durch Andachten am Beginn und Ende jeden Freizeit-Tages.

Unterkunft

Wir wohnen im EC-Begegnungs- und Bildungs­ zentrum in Woltersdorf, im östlichen Speckgürtel Berlins.

Kosten

Die Kosten für die Freizeit betragen voraussichtlich etwa 480 Euro und beinhalten Unterkunft (Zimmer mit Dusche/WC), Vollverpflegung, das Vortragsprogramm und die nachmittäglichen Ausflüge, inkl. aller Eintritte und Führungsentgelte.

Anmeldung

Bitte reservieren Sie Ihren Platz bei Matthias Jaglitz Alter Schulweg 1 49774 Lähden Telefon (05964) 959160 Fax (05964) 959159 oder E-Mail: matthias.jaglitz@ewe.net

Das genaue Freizeitprogramm wird in einer der nächsten Ausgaben veröffentlicht und zuvor allen Reservierenden zugesandt werden. Liebe Leserinnen und Leser, Seit 1. Februar gelten neue Regeln für den europaweiten Zahlungsverkehr. Banken und ­Sparkassen dürfen keine Zahlungsaufträge mehr mit der Angabe der Kontonummer und ­Bankleitzahl entgegennehmen. Es muss bei Überweisungen und Lastschriften die IBAN ­angegeben werden. Wir bitten Sie daher nur noch Einzahlungsscheine ab Heft April 2016 zu verwenden!

Mitarbeiter an diesem Heft: Pfarrer Dr. Bernhard Bonkhoff Marktplatz 21 66424 Homburg Pfarrer Eduard Haller Sömmerlistraße 45 Altersheim CH-9000 St. Gallen (Schweiz) Telefon +41 (071) 2721816

Dekan Martin Holland Denzenberghalde 3 72074 Tübingen Telefon (07071) 252322 Fax (07071) 858083 E-Mail: m.r.holland@gmx.de Kirchenrat Professor Dr. Karl-Hermann Kandler Enge Gasse 26 09599 Freiberg Telefon (03731) 23545 Fax (03731) 218150

Pfarrer Dr. Theo Lehmann Wittgensdorfer Straße 82 B 09114 Chemnitz Telefon (0371) 3362915 Fax (0371) 3363915 Walter Rominger Mehlbaumstraße 148 72458 Albstadt Telefon und Fax (07431) 74485 E-Mail: w.rominger@t-online.de

Professor Dr. Reinhard Slenczka, D. D. Spardorfer Straße 47 91054 Erlangen Telefon und Fax (09131) 24139 E-Mail: Grslenczka@aol.com

Für den Inhalt der Artikel sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Die Meinung des Verfassers deckt sich nicht in allen Fällen mit der des Schriftleiters.

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Weitere Exemplare des Informationsbriefes für Juli 2013, Heft 279 und für Juli 2014, Heft 286 sowie die Traktate »Falsche Propheten sind unter uns«, »Ist Gott interreligiös?«, »Gemeinsame Feier des Reformations­ jubiläums 2017?« sowie der Sonderdruck »Gleichgeschlechtliche Beziehungen im evangelischen Pfarrhaus?« können –– auch in größerer Stückzahl –– bei der Geschäftsstelle bestellt werden. Geschäftsführender Ausschuss Vorsitzender Pfarrer Johannes Frey Ofener Weg 3 28816 Stuhr Telefon (04 21) 5 22 89 10 E-Mail: johannes.frey@kabelmail.de Schriftführer Walter Rominger Mehlbaumstraße 148 72458 Albstadt Telefon und Fax (0 74 31) 7 44 85 E-Mail: w.rominger@t-online.de Kassenwart Hans Lauffer Osterstraße 25 70794 Filderstadt Telefon (0 71 58) 48 31 Fax (0 71 58) 94 78 73 E-Mail: hans.lauffer@t-online.de

Weitere Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses Gabriele Reimer Beurhausstraße 31 44137 Dortmund Telefon (02 31) 5 84 46 96 Fax (02 31) 5 89 36 37 E-Mail: Gabriele.Reimer@gmx.de Martin Schunn Hölderlinstraße 9 75334 Straubenhardt Telefon (0 70 82) 2 02 75 E-Mail: cmschunn@gmail.com

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« e. V. Geschäftsstelle: Walter Rominger Mehlbaumstraße 148 72458 Albstadt Telefon und Fax (07431) 74485 E-Mail: w.rominger@t-online.de www.keinanderesevangelium.de

Helmut Schlee Gartenstraße 15 a 47506 Neukirchen-Vluyn Telefon (0 28 45) 9 49 09 50 E-Mail: HelmutSchlee@gmx.de

Mit Fragen bezüglich der Spendenbescheinigungen wenden Sie sich bitte an unseren ­Kassenwart Hans Lauffer. Sie erreichen ihn telefonisch unter (0 71 58) 48 31, per Fax 94 78 73 oder per E-Mail hans.lauffer@t-online.de Bankkonten Volksbank Filder e. G., (BLZ 611 616 96) Konto-Nr. 65 500 016 IBAN DE34 6116 1696 0065 5000 16 BIC (SWIFT)-Code: GENO DE S1 NHB Postgirokonto Schweiz: Postgiroamt Bern Nr. 30-195 56-2 IBAN CH21 0900 0000 3001 9556 2 BIC POFICHBEXXX

Nachsendeanträge bei der Post kommen bei der Bekenntnisbewegung nicht als Adressänderung an. Deshalb auch bei Umzügen die Adressänderung durch untenstehenden Abschnitt an die Geschäftsstelle weitergeben. Für Neubestellung, Adressänderung und Abbestellung ausschneiden und einsenden an: Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« Geschäftsstelle: Mehlbaumstraße 148, 72458 Albstadt

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Auf den Tag warten, da Gott eine neue Erde schafft, das gibt ein frohes und ein ernstes Christentum. Friedrich Bodelschwingh d. Ä. (1831–1910)

Informationsbrief Dezember 2016  

Aus dem Inhalt / Neues aus Kirche und Welt / Aus Lehre und Verkündigung / Silvesterlied / Die Not ist groß – aber Gott ist größer! / Maria...

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