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Aus dem Inhalt

Neues aus Kirche und Welt Aus Lehre und Verkündigung Gedanken zu Psalm 29 Bildungsplan 2015 Philipp Matthäus Hahn Hansfrieder Hellenschmidt gibt Vorsitz der Bekenntnisbewegung ab Predigt zu 2.Korinther 13,11f. Stimmen der Väter zum Reformationsjubiläum 2017 Die Barmer Theologische ­Erklärung Aus der Bekenntnisbewegung Aus Kirche und Gesellschaft

ISSN 1618-8306

Juni 2014 Nr.  285

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«


kurz+bündig Personen Bischof Sorg 85

Im zeitigen Frühjahr konnte der frühere württembergische Landesbischof Theo Sorg seinen 85. Geburtstag begehen. Sorg, der vom Pietismus geprägt ist, war von 1988 bis 1994 Landesbischof der Evangelischen Kirche von Württemberg. Davor war er Prälat in Stuttgart und Oberkirchenrat. Badische Christus-Bewegung hat neuen Vorsitzenden: ­Lothar Mößner

Pfarrer Lothar Mößner, der aus dem badischen Pietismus kommt, ist neuer Vorsitzender der Christus-Bewegung in Baden. Der 48-jährige folgt auf Hermann Traub, der 69-jährig im vergangenen November überraschend verstarb. Stellvertretende Vorsitzende sind der Unternehmer Kurt Dittes und der Religionslehrer Jürgen Lauer. Theo Lehmann 80

Am 29. Mai konnte der bekannte sächsische Pfarrer und Evangelist Theo Lehmann seinen 80. Geburtstag begehen. Zu seinen Gottesdiensten in Chemnitz kamen während der DDR-Zeit hunderte meist junger Besucher. Eine große Anzahl von Spitzeln waren auf ihn angesetzt, unter anderem sein Pflegesohn. Lehmann gilt auch als Kenner der 2

Spiritual- und Gospelszene. In den 60er Jahren hatte er über Gospelmusik eine theologische Doktorarbeit geschrieben. Vor einigen Jahren erhielt der engagierte und mutige Theologe und Prediger den Walter-Künneth-Preis.

und besteht seit 165 Jahren. Er zählt 66 000 Mitglieder und regelmäßige Besucher in 597 Ortsvereinen.

Berliner Politologe Klaus ­Motschmann wurde 80

Der Deutsche Evangelische Kirchentag vom 3. bis 7. Juni 2015 in Stuttgart hat seine Losung festgelegt: »damit wir klug werden«. Das Motto ist dem 90. Psalm entnommen und erinnert an die Endlichkeit des Lebens.

Anfang März konnte der theologisch und politisch konservative Politologe Professor Klaus Motschmann seinen 80. Geburtstag begehen. Seit Anfang der 80er Jahre gehörte er zum Leiterkreis der Evangelischen Sammlung in Berlin und zur Konferenz Bekennender Gemeinschaften. Er war über viele Jahre Synodaler der Berlin-Brandenburgischen Kirche und ging in Medienkommentaren mit der evangelischen Kirche ins Gericht. Von 1971 bis zu seiner Emeritierung 1997 lehrte Motschmann Politikwissenschaft an der Universität der Künste Berlin.

CVJM-Westbund bekommt neuen Generalsekretär: ­Matthias Büchle

Am 1. April 2015 wird der derzeitige Generalsekretär des CVJM-Baden, ­Matthias Büchle (52), Generalsekretär des CVJM-Westbundes. Er wurde einstimmig vom Gesamtvorstand als Nachfolger im Amt von Pfarrerin Hildegard vom Baur gewählt. Der CVJM-Westbund ist der größte CVJM-Landesverband

Kirche in Deutschland Motto für Kirchentag

Pfarrer mit Theologie­ professor im Pfarrhaus

Der frühere katholische Priester Wolfgang Schuhmacher, der zur evangelischen Kirche wechselte und die Pfarrstelle in Uehlfeld übernahm, hat nicht nur theologische Gründe, sondern auch solche, die der evangelischen Kirche nicht zum Ruhm gereichen. Denn nach Angaben des zuständigen Neustädter Dekans, Matthias Ewelt, ist Schuhmacher mit seinem Lebenspartner Peter Bubmann im Pfarrhaus. Bubmann ist nicht allein auch Pfarrer, sondern zudem noch Professor für Praktische Theologie in Erlangen. Nach Mitteilung des Dekans sind mit dieser Form des Zusammenlebens, die jeglichem biblischem Verständnis widerspricht, Landeskirchenamt, Regionalbischof, Dekan und Kirchenvorstand einig. Unverständnis kam hingegen aus der Kerngemeinde.

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Sächsische ­Bekenntnis-Initiative

Die Sächsische BekenntnisInitiative (sie vertritt 106 Kirchengemeinden, 253 Gemeinschaften, 32 Gruppen und Werke sowie etwa 8 000 Einzelpersonen), die entstand, als die Landeskirche Sachsens im Januar 2012 beschloss, homosexuelle Pfarrer und ihre Partner könnten in Einzelfällen im Pfarrhaus zusammenwohnen, baut ihre Arbeit aus. Sie berief Matthias Schmidt (50) aus Markneukirchen bei Plauen für zunächst ein Jahr zum hauptamtlichen Koordinator. Seine Stelle wird ausschließlich über Spenden finanziert.

EKD lässt Arbeit an ­Sexualethik ruhen

Sind die vielfachen Proteste gegen die Familiendenkschrift der EKD mit dafür verantwortlich, dass die EKD die Arbeit am Thema Sexualethik ruhen lässt? Die ad-hoc-Kommission zur Sexualethik sei gebeten worden, ihre Arbeit zunächst nicht fortzuführen, sagte Vizepräsident Friedrich Hauschildt vom EKD-Kirchenamt. Der Rat der EKD sehe keine Möglichkeit, die Ergebnisse der Kommissionsarbeit in der laufenden Amtsperiode abschließend zu behandeln. Der nächste Rat der EKD, der im Herbst 2015 gewählt wird, könne entscheiden, wie mit dem Thema Sexualethik und den Vorarbeiten umzugehen sei. Es legt sich der Verdacht nahe, um Spannungen abzubauen, werde auf Zeit gespielt.

Kirche weltweit Eid zur Sexualität

Amtsanwärter für die anglikanische Kirche in Nigeria müssen in Zukunft unter Eid schwören, dass sie nicht homosexuell sind. Der Kirchenrat der anglikanischen Gemeinde St. Matthews in Nigerias Hauptstadt Abuja bekräftigte als erstes Leitungsgremium seine Ablehnung gleichgeschlechtlicher Liebe.

kurz+bündig

Personen +++ Kirchen +++ Glauben +++ »Modernes Leben«

Wegen Danksagung an Gott Dissertation abgelehnt

In Holland ist eine Dissertation abgelehnt worden, weil der Student darin Gott gedankt hatte. Der in Tierzuchtwissenschaft promovierte Student hatte in seine Doktorarbeit geschrieben: »Gott Allmächtiger, ich danke Dir, es ist das Schönste, von

Herzlichen Glückwunsch Altbischof Lohse wurde 90

Der frühere hannoversche Landesbischof Eduard Lohse konnte Mitte Februar seinen 90. Geburtstag begehen. Der gebürtige Hamburger war während des Zweiten Weltkrieges Schnellbootkommandant und studierte anschließend Theologie. Als Professor für Neues Testament wirkte er von 1956 bis 1964 in Kiel und von 1964 bis 1971 in Göttingen. Landesbischof von Hannover war Lohse von 1971 bis 1988. 1975 bis 1978 war er Leitender Bischof der VELKD und von 1979 bis 1985 Ratsvorsitzender der EKD. In dieser Zeit kam auch die revidierte Lutherbibel heraus, was Lohse als das Wichtigste während seines Vorsitzes ansieht. Zwölf Jahre stand er der Deutschen Bibelgesellschaft vor und war auch Präsident des Weltbundes der Bibelgesellschaften. Vor einigen Jahren erhielt Altbischof Lohse in Tübingen den begehrten, hoch dotierten Leopold Lucas Preis.


kurz+bündig Dir geliebt und geachtet zu werden.« Dagegen seien religiöse Danksagungen in einer Doktorarbeit an den Universitäten Tübingen und Heidelberg genauso erlaubt wie andere Danksagungen.

Katholische Kirche Kardinal Marx neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz

Der Papst-Vertraute ­ ardinal Reinhard Marx (60, K München) ist neuer Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz. Die Bischofskonferenz wählte den Erzbischof von München und Freising im vierten Wahlgang mit einfacher Mehrheit zum Nachfolger des Freiburger Erzbischofs Robert Zollitsch, der nach sechs Jahren nicht mehr kandidierte. Marx sieht das Amt als große Herausforderung. »Wir haben einen Aufbruch durch Papst Franziskus, der muss sich verstetigen.«

Bibel 405 Millionen biblische Schriften verbreitet

Die nationalen Bibelgesellschaften haben 2012 weltweit mehr als 405 Millionen Bibeln, Neue Testamente und biblische Schriften verbreitet, was gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung um 24 Millionen oder sechs Prozent sei. Auffallend ist der besonders hohe Zuwachs in Ländern in denen Christen großem Druck ausge4

setzt sind, etwa in Syrien, dem Irak, Ägypten, Indien, Laos und Nigeria. Den größten Zuwachs gab es in Syrien von 19 000 auf 169 000 Schriften. In Ägypten wuchs die Zahl der verbreiteten biblischen Schriften um 25 Prozent auf 2,82 Millionen.

Wechsel im Vorstand des erf

Nachfolger des derzeitigen Vorsitzenden von ERF Medien, Jürgen Werth (62), soll Jörg Dechert (43) werden. Dechert, studierter Physiker, ist bei ERF Medien Bereichsleiter »Content« und damit für die strategische Entwicklung und Verknüpfung der Inhalte in Radio, Fernsehen und Internet verantwortlich. In der ERF-Zentrale in Wetzlar sind rund 180 Mitarbeiter beschäftigt. Der Jahreshaushalt von etwa 14,5 Millionen Euro wird zu 95 Prozent aus Spenden finanziert.

Jahreslosung 2017

Die Ökumenische Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen, deren Mitglieder evangelische, katholische und freikirchliche Werke und Verbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und dem Elsass sind, gab die Jahreslosung für 2017 bekannt. »Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch« (Hesekiel 36,26).

Christenverfolgung Noch nie so viele verfolgte Christen

Mission Wechsel bei Württembergischer Arbeitsgemeinschaft für Weltmission

Gisela Schneider, Direktorin des Deutschen Instituts für Ärztliche Mission in Tübingen, ist neue Vorsitzende der Württembergischen Arbeitsgemeinschaft für Weltmission (diese vertritt etwa 30 kirchliche und freie Missionswerke). Sie folgt auf Pfarrer Bernhard Dinkelaker, der nach 18 Jahren als Generalsekretär der Evangelischen Mission in Solidarität in den Ruhestand getreten ist. Gisela Schneider war als Ärztin mehr als 20 Jahre für das evangelikale Missionswerk WEC International (Weltweiter Einsatz für Christus) in Afrika tätig.

Noch nie zuvor in der Geschichte wurden so viele Christen bedrängt und verfolgt wie in unseren Tagen. In 64 Staaten der Erde, in denen mehr als 200 Millionen Christen leben, wurden im vergangenen Jahr über 2000 Christen getötet, doppelt so viele wie 2012. Zudem wurden zahllose Gläubige systematisch verfolgt und gefoltert. Die Lage der Christen hat sich dermaßen dramatisch verschlechtert, dass vom »weltweiten Krieg gegen das Christentum« gesprochen wird. In Nordafrika, dem Nahen und Mittleren Osten entwickelt sich deren Lage nach dem Sturz der autoritären Regime zum Schlechteren. Der arabische Frühling hat neben Anschlägen auf Kirchen und Christen auch zur Flucht zehntausender Gläubiger geführt.

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Aus Lehre und Verkündigung mm Gewiss, der Gekreuzigte ist von Gott durch den machtvollen Akt der Auferstehung bestätigt worden. Aber selbst über dieser Glorie liegt noch etwas von dem Geheimnis der Niedrigkeit Christi. Pilatus, Kaiphas und Herodes haben nichts von dem Anbruch der neuen Schöpfung zu sehen bekommen. Nur die kleine Schar der Jünger, die bereit war, ihr Leben für den Fürsten des Lebens aufs Spiel zu setzen, wurde gewürdigt, die Siegerherrlichkeit des Kyrios Christos zu schauen.  Adolf Köberle (in: Als Christ denken, S. 14) mm Von dir sich abwenden, o Herr, heißt fallen, sich dir zuwenden, heißt aufstehen, in dir leben gibt ewigen Bestand. Schenke mir bei allen Aufgaben deine Hilfe, in allen Unsicherheiten deine Führung, in allem Leid deinen Frieden.  Augustinus

mm Die Kirche hat ein Recht, von ihren Dienern Bekenntnistreue zu verlangen. Bei jeder Ordination und Installation wird der in ein Amt zu Berufende in feierlicher Weise vor der ganzen Gemeinde gefragt, ob er bereit ist, seinen Auftrag wahrzunehmen gemäß der Heiligen Schrift und den Bekenntnisschriften der Evangelisch-Lutherischen Kirche. Es ist schmerzlich, dass das verpflichtende Ja heute weithin zu einer formelhaften Antwort geworden ist. Man spricht es wohl aus und erlaubt sich doch alle nur erdenklichen Freiheiten im Umgang mit Bibel und Bekenntnis. Nach der Weisung der lutherischen Bekenntnisschriften ist es der hohe Auftrag der Bischöfe, über die Reinheit der Lehre zu wachen und die Gemeinden vor Entstellung und Überfremdung in Wortverkündigung und Sakramentsverwaltung zu schützen. In der Beziehung liegt vieles im Argen. Es ist nicht auszusagen, ja es schreit oft zum Himmel, was heutzutage im Religions- und Konfirmandenunterricht und auf Kanzeln möglich ist, was alles toleriert wird an Verwässerung und Entleerung des christlichen Glaubensgutes, so dass Eltern schon ihre Kinder von einer derartigen Unterweisung abgemeldet haben, um einen Seelenschaden zu verhüten. Adolf Köberle (in: Als Christ denken, S. 32) Informationsbrief 285

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mm Während Weltart im Wandel und Wechsel versinkt, bleibt, der den Willen Gottes tut in Ewigkeit. Hermann Bezzel

mm So lasset uns halten an dem Bekenntnis, für das unsere Väter landesflüchtig, heimatlos, ehrlos, wehrlos geworden sind; an dem Bekenntnis, in dessen Schatten ich dereinst meinen letzten Seufzer aufgeben will. Es ist nicht ein von Theologen ersonnenes Bekenntnis, sondern das Bekenntnis, das die Gemeinde mit ihrem Herzblut erlebt hat und mit ihrem Herzblut vertreten muss.  Hermann Bezzel

�� Tiefen Frieden in der Welt, stille Kraft, die in den Proben hält, Liebe, die sich zu dem Elend neigt, Demut, die vor Gott im Staub sich beugt, Freude, die wie helles Sonnenlicht auch durch schicksalsschwere Wolken bricht. Einen starken, unentwegten Mut, der bereit, zu wagen Gut und Blut. Eine unermüdliche Geduld mit des Nächsten Schwachheit oder Schuld. Einen Glauben, der dem Adler gleich sich hineinschwingt in das Himmelreich, dem unmöglich nichts und nichts zu schwer! Dieses wünsch ich dir, was brauchst du mehr? Eva von Tiele-Winckler

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Gebt dem Herrn Ehre und Macht Psalm 29 Friedemann Schwarz

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ebt dem Herrn Ehre und Macht. David gibt uns in seinem Psalm die rechte Anweisung. Unsere Ehre ist nicht wichtig. Allein Gottes Ehre ist wichtig. Seine Ehre ist Seine unerschöpfliche Macht, die wir erkennen dürfen in allem, was Er tut, aber auch in allem, was wir in Seinem Namen tun dürfen. Das ist die Ehre Seines Namens, dass Er alles vermag, im Himmel und auf Erden, in der Urzeit und in der Endzeit, im Großen und Kleinen, in unserem Leben, heute, hier und jetzt. Vor Ihm dürfen wir uns niederwerfen in heiliger Pracht (Psalm 29,2, Zürcher Übersetzung). Ist das möglich? Wir in »heiliger Pracht«? Wir können doch nur fliehen vor dem Angesicht Gottes. In »heiliger Pracht«? Das wäre ja Gottes eigenes Wesen? Ein unerhörter Gedanke im Alten Testament. Aber in den Worten Davids, hier im 29. Psalm, deutet sich schon die Tiefe und Erfüllung des Neuen Testaments an. Die neutestamentliche Gemeinde darf die erlösende Gewissheit haben: Wir dürfen uns bergen in einem neuen Kleid, in einem prachtvollen Kleid. Es ist ein Kleid, das Gott uns schenkt, ein Kleid, in dem wir vor Gott treten dürfen. »Christi Blut und Gerechtigkeit, das ist mein Schmuck und Ehrenkleid, damit will ich vor Gott bestehn, wenn ich zum Himmel werd eingehn« (Leipzig 1638, EG 350,1). Nur in dieser »heiligen Pracht« können wir Gott begegnen. Wir mögen sonst tausend Wege suchen, um Gott zu finden. Wir mögen in Engelszungen zu ihm reden, uns verzückt in der

Friedemann Schwarz Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30

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Gegenwart Gottes wähnen oder in mystischer Versenkung uns ihm nahe glauben. Nur in diesem neuen Kleid, in »heiliger« Pracht, können wir Gott begegnen. Wir können dieses Kleid nicht selber weben, auch nicht in einem religiösen Akt an uns reißen. Es ist Gottes Geschenk und Gnadenakt. Nur wenn Er sagt: »Gebt ihm ein neues Kleid«, – dann erst erglänzt mein Leben in »heiliger Pracht«. »Wer bin ich, wenn es mich betrifft, ein Abgrund voller Sündengift. Wer bin ich Lamm in deiner Pracht? Ein Mensch, der Engel weichen macht! So rein, so schön, so auserwählt, dass mir’s an Worten zur Beschreibung fehlt.« Ernst Gottlieb Woltersdorf Ein unüberwindbarer Graben trennt uns von Gott. Glauben wir, diesen Graben überspringen zu können? Einfach »anbeten«, uns in die Gegenwart Gottes einfach begeben, oder gar uns in sie hinein »lallen«? Können wir mit dem »lieben Gott« auf »Du und Du« sein, wie mit dem besten Kumpel? Haben wir ganz vergessen, dass Gott ein »heiliger« Gott ist? Haben wir vergessen, dass Sein Anblick dem Sünder den Tod bringt? Gott begegnen ist eine Begegnung ganz anderer Art. Jakob, der Enkel Abrahams hat sie gemacht. Er überlebte die Begegnung mit dem lebendigen Gott, und sagte dann staunend: Ich habe Gott von Angesicht gesehen (… und habe doch überlebt). Es war ein Kampf auf Leben und Tod, und erst in dieser Grenzsituation ist ihm die Sonne der Güte Gottes aufgegangen, und er durfte dann ohne Furcht Gott schauen. Für Jakob war diese Begegnung nicht die Krönung einer letzten religiösen Höchstleistung, sondern Kapitulation vor dem Lebendigen und Heiligen, vor Jahwe, der begonnen hatte, in seinem Leben sich zu offenbaren. Wollen und suchen wir wirklich eine Begegnung mit Gott? Suchen wir eine solche Begegnung mit Gott, die uns das Leben nimmt, vielleicht aber auch schenkt? Juni 2014

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Martin Luther ist so Gott begegnet. In seiner bitten, dass die »Stimme des Herrn« (Zürtiefen Lebens- und Gottesangst, in der Abgrün- cher Übersetzung), sein »Schall« (Buber), sein digkeit seines religiösen Suchens, ja, in seinem »Donner« (Menge), sich wirksam und mächtig Ende, hat er Gott erfahren. Gott hat sich ihm erhebt. Insbesondere in seiner Kirche, die ja gnädig zugewandt und riss ihn aus aller Not »Schöpfung des göttlichen Wortes« ist. Ohne und allem religiösen Wahn heraus. In Gericht dieses Wort vergeht die Kirche, kann sie nicht und Gnade ist er Gott, dem Lebendigen, be- erhalten bleiben. Ohne dieses Wort ist die Kirche nur eine Belastung für die Gesellschaft. gegnet. Rechnen wir damit, dass der scheinbar Be- Ohne dieses Wort kann die Kirche nicht mehr das sagen, was sonst niemand kannte, der unheimlich Unbesagen kann. Als »Kirche der kannte werden könnte? Suchen mm Aber die frohe Wörter« ist sie überflüssig. Als wir eine echte Begegnung, die Botschaft des Evan»Kirche des Wortes« hat sie ihre nicht nur ein Glücksgefühl, sonDaseinsberechtigung, weil Gott dern auch ein schmerzliches Op- geliums ist, Gott tritt in seinem Wort zur Welt kommt. fer und einen Zerbruch bedeuten uns in den Weg. Gott So betet Jesus im »Hohenprieskönnte? Die Propheten im Alten will uns begegnen. Er terlichen Gebet«: »Heilige sie in Testament konnten nach einer deiner Wahrheit: Dein Wort ist Begegnung mit dem lebendigen sucht uns in seiner die Wahrheit« (Johannes 17,17). Gott sagen: Ich war, als wäre ich Liebe, damit wir das Darum bitten wir, dass Gottes tot. Solche Begegnung wollen Wort mächtig ergeht, wir doch nicht. Oder? Unser re- Leben finden. WW damit, was tot ist in Kirche und ligiöses Selbstwertgefühl will das Gemeinschaften, zu neuem Leben erwacht, nicht. Deshalb findet der religiöse Mensch in WW damit wir dem Reich Gottes nicht mehr mit Wahrheit den lebendigen Gott nicht. unserem menschlichen Vermögen nachhelAber die frohe Botschaft des Evangeliums ist: fen, Gott tritt uns in den Weg. Gott will uns begegnen. Er sucht uns in seiner Liebe, damit wir das WW damit wir zur geistlichen Armut und zum unermesslichen Reichtum der Kirche des WorLeben finden. Dazu muss Er uns in den Weg tes wieder finden, treten. Er musste den Christenhasser Saulus von seinem Reittier werfen, damit er in seinem WW damit wir aus der babylonischen Gefangenschaft der »christlichen« Religion wieder zur religiösen Eifer zur Besinnung kam. Er musste Freiheit des Evangeliums zurückkehren. Martin Luther beinahe vom Blitz erschlagen lasWir brauchen nur dieses eine, dass Gottes sen, um ihn zum Nachdenken zu bringen. Und beide lernten verstehen: In Christus ist Gott uns Wort wie »Donnerhall« ergeht, dass der »Donallen in den Weg getreten, und legt uns, den ner« des Herrn (Menge), die Stimme Gottes ertappten und verletzten Sündern, den Mantel (Luther), Sein Schall (Buber), uns und alle Welt seiner Barmherzigkeit um, den blutgetränkten vom Tode zum Leben erweckt. Hier Psalm 29 in Gänze, nach Martin Buber Mantel seiner Lebenshingabe und seines Sterbens am Kreuz, für uns, die Sünder. (Aus Ehrfurcht vor dem geoffenbarten Gottes»Werft euch nieder vor dem Herrn in heili- namen Jahwe, wird er in dieser Übersetzung ger Pracht« (Zürcher Übersetzung), übersetzt umschrieben, jeweils mit Großbuchstaben): Martin Buber mit: »Werft euch Ihm im Erglänzen der Heiligung hin.« Ein Harfenlied Davids »Christus ist uns gemacht zur Heiligung« (1.Korinther 1,30). In Christi Vollkommenheit 1 Zollt Ihm, Göttersöhne, dürfen wir uns bergen und so den Ewigen und zollt Ihm Ehre und Macht! Lebendigen anbeten, uns vor ihm niederwerfen. 2 Zollt Ihm seines Namens Ehre, Wir dürfen uns niederwerfen vor dem, der werft euch Ihm im Erglänzen der Heiligung hin! mit seinem Wort von Anfang an regierte und in alle Ewigkeit mit seinem Wort regieren wird. »Er thronte schon über der Flut« (Buber), und 3 Sein Schall ist über den Wassern, »als König thront Er in Weltzeit« (Buber). der Gott der Ehre hat gedonnert, Er sprach, und es geschah. So in der Schöp- Er über den vielen Wassern. fung. Er wird auch mit seinem Wort die Neu- 4 Sein Schall ist in der Kraft, schöpfung vollenden. Sein Schall ist in dem Glanz, Um Gottes schöpferisches, Leben schaffen- 5 Sein Schall bricht Zedern entzwei, des Wort, dürfen wir bitten. Wir dürfen da­rum zerbrochen hat Er die Libanonzedern. Informationsbrief 285

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6 Wie ein Kalb lässt er sie hüpfen, Libanon und sirjon wie ein Wisentjunges. 7 Sein schall haut feuerlohen aus, 8 Sein schall macht die Wüste sich winden, sich winden, er, die Wüste von Kadesch. 9 Sein schall macht die Hindinnen kreißend sich winden und er schält die Wälder ab. und in Seiner Halle spricht alles: ehre!

10 er thronte schon über der flut, als König thront er in Weltzeit. 11 er wird Wehr seinem Volke geben. er wird sein Volk segnen mit frieden. mit herzlichen segenswünschen Pfarrer friedemann schwarz

Meine Lebensdaten und Stationen in Kürze ich wurde am 13. Dezember 1947 in Herrenberg geboren. mit drei Geschwistern bin ich aufgewachsen. mein Vater war von beruf Lehrer. meine eltern prägten mich und meine Geschwister in einem lebendigen, landeskirchlichen elternhaus, in dem auch pietistische impulse lebendig waren. mit 13 Jahren verlor ich meinen Vater. eine bewusste Wende in meinem Leben geschah bei einer evangelisation mit billy Graham. als Jugendlicher war ich im CVJm in sindelfingen aktiv. am Pfarrwiesen-Gymnasium in sindelfingen legte ich 1968 das abitur ab. Kurz vor dem abitur wurde mir der ruf Gottes in den vollzeitlichen Kirchlichen Verkündigungsdienst deutlich. 1968/69 besuchte ich das sprachenkolleg der Württembergischen Landeskirche in stuttgart. im sommersemester 1970 begann ich das studium der evangelischen theologie, Germanistik und Philosophie an der Johann-Wolfgang Goethe universität in frankfurt. ab dem Wintersemester 1970/71 wechselte ich dann zum theologie-Vollstudium nach tübingen, wo ich 1976 das erste theologische examen ablegte. Das zweite theologische examen absolvierte ich 1979 in tübingen. bis 1979 war ich im Vikariat in blaubeuren bei ulm. 1979 verheiratete ich mich mit ursula, geb. Häfele aus stuttgart. es folgte die Pfarrverweserzeit in mochenwangen (Dekanat ravensburg) in einer Diasporagemeinde (mit 19 teilorten). Von 1981 bis 1984 war ich dann dort in meiner ersten Pfarrstelle. Von 1979 bis 1984 versah ich neben der Gemeindearbeit in mochenwangen 8

auch das bezirksjugendpfarramt im Dekanat ravensburg. in den Jahren 1984 bis 1992 sammelte ich erfahrungen in der Doppelgemeinde spielberg-egenhausen (Dekanat nagold). Von 1992 bis 2004 war ich geschäftsführender Pfarrer in der Kirchengemeinde trossingen. Hier sammelte ich wichtige erfahrungen in einer großen Gemeinde (6 000 Gemeindemitglieder) mit vielfältigen organisatorischen und repräsentativen aufgaben. im Jahre 2002 starb meine erste frau. eine riesige aufgabe mit fünf Kindern, die im studium und zum teil noch in der schule waren, war zu bewältigen. im Jahr 2004 wechselte ich nach zwölf Jahren Gemeindepfarramt in trossingen auf die Pfarrstelle engelsbrand bei Pforzheim. Die jüngste tocher (24 Jahre) ist zu Hause. sie lebt noch bei uns, nachdem sie vor zehn Jahren erkrankt ist. seit 2008 bin ich wieder verheiratet mit Lilija, aus Volgograd (russland). sie ist von beruf Kinderärztin, hat drei erwachsene Kinder und arbeitet jetzt seit zwei Jahren in der Psychiatrischen Klinik in Calw-Hirsau als assistenzärztin. Die Verkündigung des evangeliums in lutherischer freiheit, war mir immer ein Herzensanliegen. Hier, im Zentrum der lutherischen reformation, sehe ich die mitte für mein Denken und Leben und allen Dienst. im Januar 2013 trat ich mit 65 Jahren in den ruhestand und lebe seither in egenhausen im schwarzwald. Friedemann Schwarz Juni 2014

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Bildungsplan 2015: Abschied von der Humanität Eine Argumentationshilfe JoHanneS FreY

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ie rot-grüne Koalition in baden-Württemberg hat einen bildungsplan für die schulen des Landes vorgelegt, an dem sich in Zukunft der gesamte schulunterricht orientieren soll. aus diesem anlass geben wir eine argumentationshilfe, die nicht auf den konkreten anlass beschränkt ist, sondern für die ganze Diskussion um Homosexualität, Gender-mainstreaming, »sexuelle Vielfalt« usw. orientierung geben soll. Dabei steht hier einmal nicht die biblische argumentation im Vordergrund. Denn dass die bibel die lebenslange einehe zwischen mann und frau als die gottgewollte Gestalt menschlicher sexualität lehrt, steht ja außer frage. Hier wird dagegen die auseinandersetzung im raum der Gesellschaft in den blick genommen. es genügt nicht, wenn wir einander im frommen Kreis bestätigen. Wir müssen unsere Position

auch nach außen vertreten. Wir müssen deutlich machen, dass die biblische sexualethik nicht ein sonderfündlein religiöser fundamentalisten ist, sondern sehr wohl vernünftig begründet werden kann, weil sie der Wirklichkeit entspricht. Wenn wir für den – auch rechtlichen – Vorrang der ehe vor anderen formen sexueller Praxis eintreten, versuchen wir damit nicht, dem säkularen staat religiöse normen aufzuzwingen, wie uns immer wieder vorgeworfen wird. im Gegenteil verteidigen wir den staat gegen den Herrschaftsanspruch ideologischer normen. Dazu wollen die folgenden Überlegungen eine Hilfe sein.

»Kompetenzen« statt Inhalte für alle fächer werden fünf gemeinsame »Leitprinzipien« festgelegt: W W W W W

Johannes Frey Die anschrift des autors finden sie auf seite 30 informationsbrief 285

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berufliche orientierung (bo) bildung für nachhaltige entwicklung (bne) medienbildung (m) Prävention & Gesundheitsförderung (P) Verbraucherbildung (V)

Diesen Leitprinzipien werden eine fülle von »Kompetenzen« zugeordnet. »mögliche inhalte« haben lediglich eine dienende funktion für die Vermittlung von Kompetenzen. inhalte scheinen damit beliebig austauschbar. 9


Im Jahr 1633 konnte Galileo Galilei der Hinrichtung nur dadurch entgehen, dass er seine Überzeugung, die Erde kreise um die Sonne, öffentlich widerrief. Diese Überzeugung entsprang der Beobachtung der Himmelskörper und ihrer Bahnen. Aber sie entsprach nicht dem Glauben der damals tonangebenden Kreise und verfiel darum der öffentlichen Ächtung.

Einziger Lerninhalt: Akzeptanz sexueller Vielfalt Aber alle diese Kompetenzen sollen »unter dem Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt« vermittelt werden. »Sexuelle Vielfalt«, also die Gleichwertigkeit aller sexuellen Orientierungen und Lebensformen, ist somit der einzige Lerninhalt, der verbindlich vorgeschrieben ist, und zwar für alle Schulen und alle Fächer. Wohlgemerkt: Nicht die – zweifellos vorhandene – Existenz sexueller Vielfalt, sondern deren Akzeptanz soll den Schülern aller Klassen in allen Fächern beigebracht werden. Sowohl die Vernunft wie auch der Glaube müssen hier radikal widersprechen.

Ideologie statt Wissenschaft Im Jahr 1633 konnte Galileo Galilei der Hinrichtung nur dadurch entgehen, dass er seine Überzeugung, die Erde kreise um die Sonne, öffentlich widerrief. Diese Überzeugung entsprang der Beobachtung der Himmelskörper und ihrer Bahnen. Aber sie entsprach nicht dem Glauben der damals tonangebenden Kreise und verfiel darum der öffentlichen Ächtung. Heute scheinen wir in jene voraufklärerische Zeit zurückzukehren. Aus der wissenschaftlichen Beobachtung der menschlichen Sexualorgane ergibt sich zweifelsfrei, dass diese im 10

Zusammenspiel mit denen des jeweils anderen Geschlechts der Fortpflanzung dienen. Der auf das andere Geschlecht gerichtete Sexualtrieb sorgt dafür, dass sie auch zum Einsatz kommen. Ein auf das eigene Geschlecht gerichteter Geschlechtstrieb hebt die Funktion der Geschlechtsorgane auf. Dadurch entsteht ein Gegensatz zwischen psychischer (geistig-seelischer) und physischer (körperlicher) Disposition (Verfassung). Der Mensch als Geist steht also im Widerspruch zu sich selbst als Leib. Dieser Widerspruch kann mit einer Harmonie zwischen Seele und Leib nicht gleichwertig sein. Vielmehr setzt seelische Gesundheit eine ganzheitliche Identität und Harmonie mit sich selbst voraus. Darum haben wir die Aufgabe, unsere Selbstwidersprüche auf allen Gebieten zu überwinden. Dazu gehört auch das Gebiet der Sexualität. Aus einer empirisch wissenschaftlichen Betrachtung ergibt sich das logisch zwingend. Das ergibt sich aber auch aus dem Schöpfungsglauben der Weltreligionen. Und es folgt ebenso eindeutig aus den Vorgaben der Evolutions­ theorie und auch des Intelligent Design. Nur die Sexualität zwischen Mann und Frau entspricht der leiblich-seelischen Beschaffenheit des Menschen. Diese Einsicht der Vernunft gerät nun aber in Widerspruch zu dem Glauben der tonangebenden Kreise an eine angebliche sexuelle Vielfalt. Juni 2014

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Und deshalb verfällt sie – wie einst die Einsicht des Galilei – der öffentlichen Ächtung. Um dieser Ächtung zu entgehen, beten viele gegen ihre wissenschaftliche Einsicht die vorgeschriebene Glaubenslehre nach. Sie bringen ein »sacrificium intellectus« (ein Opfer der Vernunft). Aber wer seine Vernunft opfert, verfällt unausweichlich der Unvernunft.

Rückkehr des Totalitarismus? Die Nationalsozialisten haben dem deutschen Volk mit der Etablierung ihrer Rassenlehre ein solches Opfer der Vernunft abverlangt. Das Ergebnis ist bekannt. Und nun wird erneut die gesamte Erziehung der nachfolgenden Generation einem vernunftwidrigen Prinzip unterworfen. Und wie einst im Dritten Reich und in der »DDR« und der Sowjetunion und heute noch in Nordkorea wird Kritik an der herrschenden Ideologie kriminalisiert. Hier sind nicht nur Christen, sondern alle demokratisch und freiheitlich gesinnten Menschen zum Widerstand verpflichtet!

Angeborene Homosexualität? Immer wieder wird behauptet: Homosexuell ist man. Das ist einfach so. Dafür kann niemand etwas. Homosexualität wäre also eine genetische Disposition (Veranlagung) wie braune Haare und blaue Augen. Aber Fortpflanzungsunfähigkeit kann naturgemäß nicht vererbt werden. Wir wissen aus der Wissenschaft von der Vererbung, dass Gene, deren Träger sich nicht fortpflanzen, tendenziell verschwinden. Also könnte nur ein gesellschaftlicher Zwang zu heterosexueller Betätigung die Weitergabe eines »Schwulengens« ermöglichen. Mit der gesellschaftlichen Duldung homosexuellen Verhaltens müsste also die Zahl homo­sexuell empfindender Menschen drastisch

zurückgehen, weil das »Schwulengen« ja nun nicht mehr weitergegeben wird. Aber auch abgesehen von diesen Überlegungen haben sich alle Meldungen von der angeblichen Entdeckung eines ­solchen Gens als Falschmeldungen herausgestellt.

Programmierte ­Entwicklungsstörung Entwicklungspsychologie: Homoerotische Phase Alle Heranwachsenden durchlaufen eine so genannte »homoerotische Phase«: Sie beschränken eine Zeit lang ihre Kontakte weitgehend auf das eigene Geschlecht. Sie bilden Jungs- bzw. Mädchen-Cliquen. Mädchen haben in dieser Zeit eine »beste Freundin« und Jungs ihren »besten Kumpel«. Sie orientieren sich an Vorbildern des eigenen Geschlechts. Früher fiel diese Rolle zum Beispiel einem herausragenden Pädagogen zu, wie ihn Erich Kästner beispielhaft im »fliegenden Klassenzimmer« in dem unvergesslichen »Justus« verewigt hat. Auch ein älterer Jugendlicher oder junger Erwachsener, der herausragende Leistung mit herausragender Sittlichkeit zu verbinden wusste, konnte solch ein Vorbild sein. Diese Jungmänner- und Jungmädchenfreundschaften und die Bewunderung für Helden und Vorbilder des eigenen Geschlechts hatten durchaus eine erotische Dimension, insofern sie durch die Sehnsucht nach Nähe und nach Anerkennung durch das jeweilige Gegenüber gekennzeichnet waren. Daher hat die Entwicklungspsychologie den Begriff »homoerotische Phase« gebildet. Diese Freundschaften waren aber erstens vorübergehend, wenn sie nicht mit dem Erwachsenwerden in lebenslange Männer- oder Frauenfreundschaften übergingen, wobei die erotische Dimension verschwand. Und zweitens hatten diese Beziehungen nichts mit Sexualität zu tun.

Alle Heranwachsenden durchlaufen eine so genannte »homoerotische Phase«. Sie orientieren sich an Vorbildern des eigenen Geschlechts. Früher fiel diese Rolle zum Beispiel einem herausragenden Pädagogen zu, wie ihn Erich Kästner beispielhaft im »fliegenden Klassenzimmer« in dem unvergesslichen »Justus« verewigt hat. Informationsbrief 285

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Die stellvertretenden Präsidentin des Landtags von Baden-Württemberg, Brigitte Lösch, scheint den Hinweis auf die bis zu siebenfach erhöhte Selbstmordgefährdung Homosexueller falsch zu deuten. Die Studie, der Frau Lösch diese Zahl entnommen hat, beweist genau das Gegenteil von dem, wofür Frau Lösch sie in Anspruch nehmen möchte.

Diese Phase hat entwicklungspsychologisch die Funktion, sich der eigenen Geschlechtsidentität gewiss zu werden, bevor man eine Beziehung zum anderen Geschlecht eingeht und selbst in die Verantwortung als Anführer und Vorbild für eigene Kinder eintritt. Fehlentwicklung Verschiedene negative Faktoren können dazu führen, dass ein Mensch in der homoerotischen Phase stecken bleibt. Solche Faktoren können z. B. sein: Das Fehlen des gegengeschlechtlichen Elternteils, sexueller oder seelischer Missbrauch, eine übermäßig enge Beziehung zum alleinerziehenden Elternteil, Gewalt (physisch oder psychisch) zwischen den Eltern, übermäßige Verwöhnung. Aber seit dem Umbruch von 1968 mit der Sexualisierung aller Lebensbereiche besteht die größte Gefahr darin, dass ein junger Mensch durch Missbrauch oder durch Indoktrination bzw. Desinformation dazu verführt wird, seine homoerotischen Gefühle sexuell zu interpretieren und dann auch sexuell auszuleben. Das kann dazu führen, dass ein Mensch es nicht schafft, seine biologisch gegebene Geschlechtlichkeit als Mann oder Frau mit seiner geistig-seelischen Identität in Einklang zu bringen. Je stärker junge Menschen in der Phase der Identitätsfindung mit Aussagen konfrontiert werden wie: »Homosexualität ist eine Schöpfungsvariante«, »Homosexualität ist eine frei 12

wählbare Option«, »Heterosexualität ist anerzogen, von der Kirche oder einem Patriarchat oktroyiert«, und je mehr die Väter als Vorbilder und die Familie als Ort der Identitätsbildung ausfallen, umso wahrscheinlicher wird es, dass die Identitätsfindung misslingt. Junge Menschen sind nicht homosexuell, sondern sie werden durch die Genderpropaganda homosexuell gemacht. Das wird erst recht der Fall sein, wenn die Erziehungsinstanzen von der Kinderkrippe bis zur Universität die jungen Menschen mit der Lüge von der »sexuellen Vielfalt« indoktrinieren. So wird die Umsetzung des Bildungsplans 2015 unsere Kinder seelisch krank machen und ihre seelische Reifung verhindern.

Suizidalität Hier ist noch ein Wort zu der Diskussion um die bis zu siebenfach erhöhte Selbstmordgefährdung Homosexueller erforderlich. Der Hinweis entstammt einer Verlautbarung der stellvertretenden Präsidentin des Landtags von BadenWürttemberg, Brigitte Lösch am 5. Mai 2013, die damit die Werbung für Homosexualität in der Schule begründen wollte. Allerdings beweist die Studie, der Frau Lösch diese Zahl entnommen hat, genau das Gegenteil von dem, wofür Frau Lösch sie in Anspruch nehmen möchte. Der – homosexuell lebende – Autor Gary Remafedi erklärt: »Die Suizidversuche konnten nicht mit Diskriminierung, der Erfahrung von Gewalt, Verlust an Freundschaften oder der derzeitigen persönlichen Einstellung zur Homosexualität erklärt werden.« Plausibel ist dagegen eine andere Erklärung: Junge Menschen kommen mit dem oben beschriebenen Widerspruch zwischen ihrer biologischen und ihrer geistigen Identität nicht zurecht. Zwei Identitäten kämpfen gegeneinander offenbar im – leider allzu häufigen – Extremfall auf Leben und Tod. Juni 2014

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Indoktrination statt Emanzipation Der Bildungsplan 2015 schmückt sich wie die gesamte Gender-Ideologie mit dem Ehrentitel der Toleranz. In Wahrheit aber verbirgt sich dahinter nackte Intoleranz. Eine Meinung wird vorgegeben. Wer anders denkt, wird diskriminiert. Unsere Kinder sollen nicht über alle biologischen, soziologischen und ökonomischen Aspekte der Geschlechtlichkeit und der verschiedenen Lebensformen und sexuellen Orientierungen einschließlich aller Risiken und Nebenwirkungen informiert und so zu einem sachlich begründeten Urteil befähigt werden, sondern sie sollen zur Akzeptanz aller sexuellen Orientierungen und Lebensformen erzogen werden. Die eigenverantwortliche Stellungnahme zu, die freie Entscheidung dafür oder dada­ gegen, wird gerade nicht angestrebt. Wo aber nur noch zum Ja-Sagen erzogen wird und das Nein-Sagen verboten wird, da ist das Ziel nicht mehr der freie, selbstverantwortliche Mensch, sondern der gehorsame Untertan, der nur noch nachspricht, was von oben vorgegeben wird.

Diskriminierung Der Widerstand gegen den Bildungsplan und gegen die Privilegierung abweichender sexueller Orientierungen und Lebensformen wird als Diskriminierung gebrandmarkt. Wenn damit die Abwertung von Menschen mit bestimmter Einstellung gemeint ist, dann beruht dieser Vorwurf auf einem Missverständnis. Wir schätzen alle Menschen, gleich welchen Glaubens, welcher Rasse, politischen Einstellung, sexueller Orientierung usw. gleich wert. Eine andere Sache dagegen ist die Frage nach der Bewertung verschiedener Verhaltensweisen. Da machen wir sehr wohl Unterschiede! Es gibt akzeptable Verhaltensweisen und es gibt inakzeptable Verhaltensweisen. Keine Verhaltensweise ist schon deswegen akzeptabel, weil sie vorhanden ist. Im Gegenteil: Die Verantwortung des Menschen besteht gerade in der sittlichen Bewertung der unterschiedlichen Verhaltensweisen. Die Kriterien dazu werden in einer offenen Gesellschaft immer umstritten sein. Und so müssen Schwule und Lesben genau so wie Christen und Konservative, Neomarxisten und Neonazis damit leben, dass in der Gesellschaft auch andere als ihre eigenen Maßstäbe und Werturteile vertreten werden. Allerdings ist jedes soziale System darauf angewiesen, dass gesellschaftlich erwünschte Informationsbrief 285

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Verhaltensweisen gegenüber unerwünschten Verhaltensweisen bevorzugt werden. Wer sich gemeinschaftsfördernd verhält wird bevorzugt gegenüber dem, der sich gemeinschaftsschädlich verhält. Und so muss es erlaubt sein zu fragen, ob es für unsere Gesellschaft förderlicher ist, Kinder zu bekommen oder ob es förderlicher ist, keine Kinder zu bekommen. Es muss erlaubt sein zu fragen, ob eine Lebensweise, die die Ausbreitung von AIDS begünstigt, wünschenswerter ist als eine Lebensweise, die die Ausbreitung von AIDS verhindert. Wenn solche Lebensformen unterschiedlich behandelt werden, hat das nichts mit Diskriminierung zu tun. Es ist lediglich die Anwendung der elementaren Lebensregel, dass ein Verhalten, das der Gemeinschaft nützt, belohnt wird und ein Verhalten, das der Gemeinschaft nicht nützt oder ihr gar schadet, nicht belohnt wird. Wenn also Homosexuelle für ihre Partnerschaften die gleichen Privilegien einfordern, wie sie das Grundgesetz für die Ehe zwischen Mann und Frau vorsieht, dann ist von ihnen erst einmal der Nachweis zu erbringen, dass sie den gleichen gesellschaftlichen Nutzen bringen, wie die Ehe. Andernfalls können sie zwar ihre Beziehung rechtlich in Entsprechung zur Ehe definieren, aber sie können keinesfalls die gleichen Privilegien beanspruchen. Denn sie können weder Kinder hervorbringen, noch können sie Kindern, wenn sie welche annehmen, einen Vater und eine Mutter bieten.

Fazit: Wir fordern Freiheit! Wir sollten uns nicht entschuldigen, wenn wir an der Gender-Ideologie Kritik üben. Wir sollten vielmehr die grundgesetzlich garantierte Freiheit der Meinung, die Freiheit der Rede, die Freiheit der religiösen und weltanschaulichen Überzeugung genau so für uns in Anspruch nehmen, wie andere das auch tun. Wir sollten uns nicht durch Totschlagvokabeln wie Diskriminierung, Intoleranz, Verhetzung, rechte Gesinnung usw. mundtot machen lassen. Wer auf solche Diffamierungen zurückgreift, zeigt damit nur, dass ihm die Argumente fehlen. Wir sollten uns vielmehr der Stärke unserer Argumente bewusst sein und von allen, die unsere Position nicht teilen, verlangen, dass sie sich einer rationalen argumentativen Auseinandersetzung stellen – ohne Diffamierungen und ohne Diskreditierung und ohne Denkverbote. Wer dazu nicht bereit ist, disqualifiziert sich selbst. W 13


Mathematiker Gottes Der Mechaniker-Pfarrer Philipp Matthäus Hahn (1739––1790) Walter Rominger

Hinführung Knapp zehn Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt trägt die evangelische Kirche dieses Ortes den Namen ihres wohl nicht allein bedeutendsten Pfarrers, sondern dessen bedeutendsten Bewohners überhaupt. Es handelt sich bei diesem Ort um Onstmettingen auf der Zollern-Alb, der ebenso wie meine Heimatstadt Ebingen inzwischen zu der durch Zusammenschluss gebildeten Albstadt gehört. Die Rede ist von der Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche, die im Sommer 2013 ihr 175-jähriges Jubiläum feiern konnte (1888 eingeweiht), wiewohl eine Vorgängerkirche (abgebrochen 1887) viel älter ist, der erhalten gebliebene Turm gar aus dem 13. Jahrhundert stammt. Als die heutige PhilippMatthäus-Hahn-Kirche eingeweiht wurde, leb­te deren Namensgeber bereits seit fast 100 Jahren nicht mehr. Philipp-Matthäus-Hahn-Kirche heißt sie auch erst seit 1974 (als solche kann die Gemeinde 2014 deren 40-jähriges Jubiläum begehen).

Doch Philipp Matthäus Hahn hat Bedeutung für die ganze Region, und das, obwohl er nur sechs Jahre Pfarrer in Onstmettingen gewesen ist. Er war nicht allein Pfarrer, sondern in der sicher spärlich bemessenen Freizeit und in Nachtstunden auch Tüftler und Erfinder; er wies eine ungewöhnlich hohe mathematische und technische Begabung auf. Ein vor etlichen Jahren ihm zu Ehren eingerichtetes Waagenmuseum in Onstmettingen zeigt an, in welche Richtung sein Forscher- und Erfinderdrang gingen, wobei Waagen lediglich ein Segment dessen sind. Die im weiteren Umkreis von Onstmettingen ausgebreitete feinmechanische Industrie (z. B. Waagenproduktion, hauptsächlich in AlbstadtEbingen und Balingen) geht mit auf vom Mechaniker-Pfarrer Philipp Matthäus Hahn ausgehende Impulse zurück und bedeutete zu ihrer Zeit für die Bewohner der kärglichen Alblandschaft Rückgang der Armut und das Aufkommen von (zunächst bescheidenem) Wohlstand, der aber durch das Sterben der Textilindustrie dieser Gegend während der vergangenen Jahrzehnte wieder gefährdet sein könnte. Im Herbst diesen Jahres werden es 275 Jahre, dass der Mechaniker-Pfarrer Philipp Matthäus Hahn geboren wurde, was durchaus Anlass dazu bietet, sich Leben und Werk dessen in Erinnerung zu rufen.

Der Theologe Walter Rominger Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30

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Geboren wurde Philipp Matthäus Hahn am 25. November 1739 in Scharnhausen auf den Fildern (bei Esslingen am Neckar). Der eiJuni 2014

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genwillige Vertreter eines biblisch orientierten und weltoffenen Pietismus, der selbst als einer der »Schwäbischen Väter« des Pietismus gelten darf, wurde nach vierjähriger Vikarszeit in verschiedenen württembergischen Gemeinden – unter anderem bei Christoph Friedrich Oetinger (1702–1782), dem damaligen Dekan von Herrenberg – Pfarrer. Von daher dürfte es nicht so ganz überraschen, dass er noch mehr Schüler Oetingers als des so geschätzten Denkendorfer Klosterpräzeptors und Alpirsbacher Prälaten Johann Albrecht Bengel (1687–1752) war. Seine erste Pfarrstelle war Onstmettingen, die er von 1764 bis 1770 versah. Dieser schloss sich dann Kornwestheim nördlich von Stuttgart in den Jahren 1770 bis 1781 an; daselbst wurde Karl Friedrich Harttmann (1743–1815) sein Nachfolger, der u. a. als Prediger und Professor der Karlsakademie in Stuttgart Lehrer Friedrich Schillers (1759–1805) war und auf den das so gehaltvolle Kirchenlied »Endlich bricht der heiße Tiegel« (EKG 305) zurückgeht, das sich im (neuen) Evangelischen Gesangbuch (EG) leider nicht mehr findet. Von Kornwestheim wechselte Philipp Matthäus Hahn 1781 auf die Pfarrstelle in Echterdingen, südlich von Stuttgart auf der Filderebene gelegen. Hier verstarb der theologisch und naturwissenschaftlich so überaus Begabte und Vielbeschäftige, erst im 51. Lebensjahr stehend, am 2. Mai 1790. Philipp Matthäus Hahn vertrat das Prinzip einer »Totalität der Wahrheit«, was sein Streben nach einem umfassenden System förderte, in welchem von einem Zentralpunkt aus einerseits alle Glaubenswahrheiten sichtbar werden und andererseits dieser in allen Teilwahrheiten. Dafür, so Philipp Matthäus Hahn, sei Forschen unter Anleitung des Heiligen Geistes nötig. Dies bedeutet Absage an autonome Vernunft und ebenso an (wissenschaftliches) Arbeiten unter Absehen von Gott (als wäre Gott nicht). Diese Einsicht wird von bleibender Aktualität bleiben. Aber genauso bleibt seine andere, der zufolge der Glaube ohne eigene Gedankenarbeit keine Frucht trägt. Christlicher Glaube der seine Glaubensinhalte nicht mehr durchdenkt und lediglich rasch »Bekehrte« machen will, kann sich keineswegs auf Philipp Matthäus Hahn berufen. »Es ist besser, den Text recht zu erklären, als auf die Bekehrung anderer loszudringen, sonst gibt es Gläubige ohne Verstand.« Doch er sprach sich auch deutlich gegen falsche Intellektualisierung des christlichen Glaubens sowie – im Zeitalter der Aufklärung bei einem von der Heiligen Schrift geleiteten evangelischen Theologen nur zu gut verständlich – Moralisierung desselben aus. »Jesu Hauptsache ist nicht Informationsbrief 285

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die Tugendlehre, sondern ein fester Glaube an Gott als Regenten über alles Große und Kleine. […] Der kindliche Glaube an Gott ist die Hauptsache der Bibel.« Damit konnte für Phi­ lipp Matthäus Hahn Gott »kein außerweltlicher Gott« sein. Vielmehr wolle Gott durch seinen unergründlichen Ratschluss seine Liebe in jedem Christenleben sowie in der Geschichte der Menschen und schließlich durch die Wiederkunft Jesu verwirklichen, was zur Allversöhnung hinführen dürfte. Philipp Matthäus Hahn vertrat, ausgehend vom Epheser- und Kolosserbrief (vgl. Erbauungsreden über den Brief Pauli an die Kolosser) neben den »Offenbarungen des inneren Menschen« eine kosmische Vision des Christentums. Leidenschaftlich predigte er deshalb vom »Gottesreich«, mit dessen baldigem Kommen er rechnete, wobei hierauf auch Bengels Berechnungen Einfluss genommen haben dürften. Weil bei Philipp Matthäus Hahn die Menschlichkeit Christi überbetont erschien und ebenso der »göttliche Funke« im Menschen, erwirkte das Stuttgarter Konsistorium einen zumindest teilweise Widerruf. Obwohl Philipp Matthäus Hahn eigenständige (altpietistische) Gemeinschaften (»Stunden«, die von »Laien« geleitet wurden) gründete, von denen allerdings keine nach ihm benannt wurde (die Hahn’schen Gemeinschaften/Stunden sind nach seinem Namensvetter Johann Michael Hahn, 1758–1819, einem schwäbischen »Laientheologen« benannt), hielt er dennoch Rechentrommel von Philipp Matthäus Hahn, Onstmettingen, vor 1770; Landesmuseum ­Württemberg, Stuttgart

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an Nutzen und Notwendigkeit der »sichtbaren Kirche« fest. Die noch bestehende altpietistische Stunde in Onstmettingen führt sich auf Philipp Matthäus Hahn zurück. Außer diesen Gründungen »altpietistischer« Gemeinschaften wurde Philipp Matthäus Hahn auch diakonisch in den Gemeinden aktiv. In Onstmettingen etwa soll er darauf gedrungen haben, Eltern sollen ihre Kinder zur Schule anhalten und nicht zur Arbeit aufs Feld schicken.

wissenschaftliche Professur in Tübingen angeboten haben. Doch Philipp Matthäus Hahn war zu sehr Theologe und Seelsorger, der sich von Christus in das Amt der Kirche berufen wusste, als dass er dieses Angebot angenommen hätte. Wie sehr er Theologe aus der Schule Johann Albrecht Bengels blieb, zeigt sich daran, dass er auf seinen astronomischen Uhren das Jahr 1836 als »Welt-Ende Gericht« eingraviert hat. Das Leben Philipp Matthäus Hahns verlief spannungsvoll. Dies fand seinen Niederschlag in Tagebüchern, welche nicht für die ÖffentlichDer Tüftler und Erfinder keit bestimmt waren. Sie sollten ihm persönlich Freilich, Philipp Matthäus Hahn nimmt zur Rechenschaft vor Gott und für das brüderliW schon dadurch, außer dass er Theologe auch ex- che Gespräch dienen. zellenter Naturwissenschaftler war, eine SonderDas Philipp-Matthäus-Hahn-Museum in stellung ein. Er entwickelte Waagen, Uhren, asAlbstadt-Onstmettingen (Albert-Sauter-Str. tronomische Geräte und Rechenmaschinen; vor 15) öffnet mittwochs, samstags, sonntags und allem diese machten ihn bekannt. Durch seine an Feiertagen jeweils von 14 bis 17 Uhr seine große mathematische und technische Begabung Pforten für interessierte Besucher. war ihm auch die Gunst des württembergischen Herzogs sicher. Dieser soll ihm auch eine natur-

Theologische Arbeit an vorderster Stelle Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt gibt nach 17 Jahren den Vorsitz bei der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« ab Walter Rominger Seit annähernd 50 Jahren besteht die Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«. In dieser Zeit hat sie vier Vorsitzende gehabt. Abgesehen von ihrem ersten, Pastor Paul Tegtmeyer, hatten die drei nachfolgenden dieses Amt jeweils recht lange inne. Doch keiner konnte auf eine so lange Zeit als Vorsitzender

Walter Rominger Die Anschrift des Autors finden Sie auf Seite 30

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zurückblicken wie der württembergische Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt, der nun, im 80. Lebensjahr stehend, nach 17 Jahren dieses Amt in jüngere Hände abgegeben hat. Hansfrieder Hellenschmidt übernahm den Vorsitz der Bekenntnisbewegung vom damaligen badischen Ruhestandspfarrer Hans Georg Meerwein (†) und auf dessen Empfehlung. Mit einer überwältigenden Anzahl von Stimmen wurde er gewählt. Dabei war er nicht einmal ein Theologe, der aus den Reihen der Bekenntnisbewegung kam, sondern in gewisser Weise ein Quereinsteiger. Hans Georg Meerwein war auf ihn aufmerksam geworden und wandte sich an ihn, den versierten und profilierten Theologen, mit der Bitte, die Redaktion des zweimonatigen Informationsbriefes zu übernehmen. Hansfrieder Hellenschmidt, damals noch geschäftsfühJuni 2014

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render Pfarrer der großen Schwarzwaldgemeinde Bad Wildbad, fand sich für diese Aufgabe bereit, hatte er darin doch bereits Erfahrung durch seine Mitarbeit am Rundbrief der Evangelischen Sammlung in Württemberg. Damit war sein weiterer Weg bei der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« bereits in gewisser Weise vorgezeichnet. Als er dann das Pensionsalter erreicht hatte und seinen Ruhestand in Filderstadt-Sielmingen bei Stuttgart begann – in der Nachbargemeinde Bonlanden war er viele Jahre Pfarrer –, da ließ er sich rufen, das Amt des Vorsitzenden der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« anzunehmen; er verstand dies denn auch als einen ihm von Gott zugewiesenen Auftrag. Denn an sich war es zu der Zeit keine lukrative und leichte Aufgabe, diesen Posten zu übernehmen. Divergierende Ansichten waren damals selbst innerhalb der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« virulent. Er übernahm den Vorsitz also in keiner leichten Zeit. Aber in gewisser Weise konnte er auch das Vertrauen des Neulings für sich verbuchen. Er gewann im Laufe der Zeit immer mehr an Vertrauen, was allein schon daran deutlich wird, dass er 17 Jahre lang den Vorsitz innehatte, in dieser Zeit satzungsgemäß mehrmals wiedergewählt werden musste und nun auf eigenen Wunsch und entgegen der Bitte so mancher, aus diesem Amt schied. Von Anfang an hat er – wie er dies bereits als aktiver Pfarrer und Vorsitzender der kirchlichtheologischen Arbeitsgemeinschaft eines Kirchenbezirks tat – darauf Wert gelegt, dass theologische Arbeit in der Bekenntnisbewegung an vorderster Stelle steht und dadurch Vergangenes nicht länger für Querelen in der Gegenwart sorgt und die Zukunft verbaut, gemäß der tiefen Einsicht des Apostels Paulus: »Ich vergesse, was dahinten ist, und strecke mich aus nach dem, was da vorne ist« (Philipper 3,13). Wie Hansfrieder Hellenschmidt als Pfarrer ein großes Arbeitspensum bewältigen konnte, eine schnelle Auffassungsgabe bewies und Zeitströmungen geistig-geistlich recht zu deuten wusste, so hat er dies auch bei der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« getan. Es handelt sich dabei nicht allein um eine natürliche Gabe, sondern genauso um eine Gnadengabe. Als von vielen, auch von Hochgebildeten und Belesenen, die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre zwischen römisch-katholischer Kirche und Lutherischem Weltbund bejubelt wurde, da war ihm längst klar, dass dies die Aufgabe des reformatorischen Zentrums bedeutet und die Heilsgewissheit auf der Strecke bleibt. Informationsbrief 285

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Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt gibt nun, im 80. Lebensjahr stehend, nach 17 Jahren das Amt des Vorsitzenden der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« in jüngere Hände ab.

Er kam über die Schriftleitung des Informationsbriefes in die Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium«. Diesem Heft galt denn auch von Anfang an sein großes Interesse. Denn, das hat er aufgrund seiner guten Auffassungsgabe und geistig-geistlichen Klarsicht rasch erkannt: Die Bekenntnisbewegung lebt, wenn nicht ausschließlich, so doch vor allem in diesem alle zwei Monate erscheinenden Blatt. Innerhalb kurzer Zeit ist es ihm gelungen, das Heft zu einem auch in Fachkreisen beachteten Organ zu machen, ohne dass daraus ein Fachblatt für einige theologische Insider geworden wäre. Mit dazu beigetragen hat auch eine dem Inhalt gemäße kongeniale Gestaltung durch einen Grafiker, den Hansfrieder Hellenschmidt ausfindig machte. Er hat nach Autoren gesucht, zu ihnen Kontakt aufgenommen, sie besucht und Verbindung gehalten. Dass der Informationsbrief heute so dasteht, ist vor allem ihm zu verdanken. In seiner Ausrichtung trägt er deutlich die Handschrift von Hansfrieder Hellenschmidt. Es ist ihm, freilich zusammen mit einem zwar recht überschaubaren, aber doch 17


festen Autorenstamm gelungen, Themen die kenntnisbewegung und deren Fortgang in der für die Gemeinde relevant sind, in einer für die Fürbitte gedacht. Gemeinde gut verstehbaren Form aufzugreifen, Für die Zukunft ist Hansfrieder Hellenaufzubereiten und umzusetzen. Es ging darum, schmidt zusammen mit seiner Frau Renate ein gute biblisch-reformatorische Lehre allgemein- guter Ruhestand zu wünschen. Dass dieser verständlich zu bieten, womit eine Lücke ausge- theologiefrei bleibt, ist nicht anzunehmen, alfüllt wird, da kaum ein kirchliches oder theolo- lein schon, aber nicht nur, durch seine Zusage, gisches Organ Vergleichbares zu bieten vermag. weiterhin am Informationsbrief mitzuarbeiten. Für dieses »Alleinstellungsmerkmal« gibt es im- Aber ihnen beiden ist zu wünschen, dass sie nun mer noch viele Interessenten. zusammen noch dieses und jenes unternehmen Bekannt ist auch, wie die können, wozu vorher, von ihm verfassten Beiträge mit durch sein, ja eigentmm Es ging darum, gute – häufig Auslegungen eines lich ihrer beider Engagebiblisch-reformatorische ment in der BekenntnisBibelwortes – von den Lesern Lehre allgemeinverständgeschätzt sind. Sein Traktat bewegung »Kein anderes »Falsche Propheten sind unter Evangelium« zu wenig lich zu bieten, womit eine uns«, erschienen im vergangeZeit verblieb. Verbittert Lücke ausgefüllt wird, nen Oktober, musste in großer blickt er auf keinen Fall da kaum ein kirchliches Stückzahl nachgedruckt werauf die 17 Jahre seines den; noch immer wird es teils in Vorsitzes zurück. Er hat, oder theologisches Organ vielen Exemplaren angefordert. wie er dies zumindest im Vergleichbares zu bieten Hansfrieder Hellenschmidt kleinen Kreis schon bevermag. hatte unmissverständlich die kannt hat, gerne Arbeit Einsicht gewonnen, dass sound Verantwortung bei wohl in der Kirche als auch in der Gesellschaft der Bekenntnisbewegung übernommen und ein Traditionsverlust ohnegleichen stattfindet wahrgenommen; er habe in diesen Jahren wahrund das reformatorische Bekenntnis und das scheinlich mehr wirken können als in all den Erbe der Glaubensväter sich auf dem Rückzug Jahren seines aktiven württembergischen Pfarrbefinden. Da die Christenheit nicht mehr in der dienstes. Und so mag es sogar dazu kommen, Lage sei, sich das Erbe der Väter anzueignen, sei dass er die Aufgaben, die er für die Bekenntnisder Glaube substanzlos geworden und habe sich bewegung »Kein anderes Evangelium« wahrgedie Irrlehre ohne nennenswerten Widerstand nommen hat, nun sogar ein stückweit vermissen ausbreiten können. Deshalb sei es das Anliegen wird. Als der »eiserne Kanzler«, Otto von Bismarck gewesen, durch den Informationsbrief und die Bibelfreizeiten in Schrift und Bekenntnis zu von dem jungen Kaiser Wilhelm II. gewisser­ unterweisen, so dass falsche Lehre erkannt und maßen in den Ruhestand versetzt wurde, entstand eine Karikatur mit dem Titel: »Der Lotdiese dann abgewehrt werden könne. Wenn er sich nun auch in den wohlverdien- se geht von Bord«. Es ging denn ja auch mit ten »Ruhestand« verabschiedet, so heißt das dem Deutschen Reich bergab. Bismarck konnte nicht, dass dann von ihm gar nichts mehr zu le- nicht mehr wirken; der junge Monarch hörte sen und zu hören sein wird. Er wird weiterhin nicht auf ihn, den erfahrenen Politiker. So wird an unserem Informationsbrief mitarbeiten und es bei der Bekenntnisbewegung nicht kommen. soweit als ihm möglich auch noch Bibelfreizei- Außer dass Hansfrieder Hellenschmidt noch ten durchführen, die in den vergangenen Jahren selbst mitarbeiten will, sind seine Beiträge und so viel Anklang gefunden haben. Möge ihm der seine brüderlichen Ratschläge weiterhin sicher Herr der Gemeinde weiterhin diese Gedanken- auch bei einer veränderten Vorstandschaft willklarheit schenken. kommen. Zum Abschluss möchte ich, der ich über viele Freilich wäre all diese konzentrierte, durchaus gesegnete Arbeit zumindest in diesem Um- Jahre mit ihm zusammengearbeitet habe, mich fang kaum möglich gewesen, wenn ihm nicht für diese Zusammenarbeit dankbar zeigen. Es seine Frau Renate wie bereits in seinen aktiven war ein fruchtbares, stets konstruktives ZusamPfarrerjahren, so auch hier, tatkräftig und damit menarbeiten. Ich werde es wohl vermissen, wenn entlastend zur Seite gestanden hätte. Die Stun- ich nicht mehr so häufig mit ihm zusammenden, die sie für die Bekenntnisbewegung aufge- kommen kann, denn unsere Zusammenkünfte bracht hat, stehen freilich nirgends, außer beim waren stets mehr als reine »Dienstgespräche«. Herrn der Kirche, verzeichnet. Und so manches Sie glichen eher theologischen Gesprächen unMal hat sie, ebenso wie ihr Ehemann, der Be- ter Brüdern. Das habe ich immer geschätzt. W 18

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Zuletzt, liebe Brüder, freut euch … Predigt zu 2.Korinther 13,11f. HanSFrieder HellenScHmidt Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! 2.Korinther 13,11f.

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s ist sonntag geworden. ein tag ist uns gegeben, in dem wir einkehr halten und vor Gott zur ruhe kommen sollen. aber der Lärm der vergangenen Wochen hallt noch nach. bis in diesen augenblick hinein will er uns gefangen nehmen. Denn wir sind beunruhigt und überrascht ob dem, was sich am Horizont politischen Geschehens in den vergangenen Wochen gezeigt hat und sich immer noch beängstigend vor unsere augen stellt. Völker sind in bewegung geraten und die friedenspolitik hat gelitten und risse bekommen. Hilflos hantieren Politiker mit Drohungen und sanktionen. es ist wahr: Die Welt hat keinen frieden. und wie ist es bei uns, in unserem Leben, in unseren Gemeinden und Kirchen? sind wir ein ort des friedens? Leben wir aus dem, was uns Christus zugesprochen hat: »Den frieden lasse ich euch, meinen frieden gebe ich euch« (Johannes 14,27)?

Hansfrieder Hellenschmidt Die anschrift des autors finden sie auf seite 30 informationsbrief 285

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eigentlich brauchen wir keine weiteren fragen zu stellen. Denn es ist zu offensichtlich, dass sich auch in der Kirche und in den Gemeinden Gegensätze reiben und Gegnerschaften gebildet haben. sie sind nicht zu übersehen, wenngleich wir bemüht sind, sie zu überhören, zu kaschieren und unter den teppich zu kehren. als der apostel Paulus die Worte unseres Predigttextes an die Korinther geschrieben hatte, hatte er es mit einer in sich gespaltenen Gemeinde zu tun. Konflikte und Konkurrenzen waren aufgebrochen. ein unrühmlicher Personenkult war im Gange. Die einen hielten es mit einem Verkündiger namens apollos, einem gelehrten und redegewandten Juden, die anderen schlugen sich auf die seite der apostel Paulus oder Petrus und wieder andere wollten alleine Jesus angehören. aber nicht nur das, da leugneten doch einige in der Gemeinde die auferstehung. Damit rührten sie gefährlich an das fundament christlichen Glaubens. auch lagen schwerwiegende sünden und missstände offen zu tage. Der apostel nennt unter anderem: unzucht in vielerlei Gestalt und Götzendienst. Paulus war entsetzt und fragte die Korinther: Was macht ihr da? Was soll der skandalöse Personen- und starkult? seht ihr nicht, wie er euch auseinandertreibt? »ist Christus etwa zerteilt?« ihr männer und frauen von Korinth erkennt ihr denn nicht die Gefährdungen? Die spaltungen haben risse geschaffen. schmutzige Wasser bindungsloser und sittenwidriger Praktiken einer sich selbst überdrüssig gewordenen Gesellschaft dringen in die Gemeinde ein. Wie könnt ihr zulassen, dass die sünden der Welt unter euch raum greifen, zersetzen und machen, dass ihr das Ziel eures Glaubens verfehlt, nämlich die auferstehung aus den toten und den eingang in das reich Gottes? »oder« – so schreibt der apostel – »wisst ihr nicht, dass die ungerechten das reich Gottes nicht ererben werden? Lasst euch nicht irreführen! Weder unzüchtige noch 19


Götzendiener, Ehebrecher, Lustknaben, Kna- heim zum Vater. Und er wusste wohl, dass man benschänder, Diebe, Geizige, Trunkenbolde, nicht so hinschlendernd sich in das Vaterhaus Lästerer oder Räuber werden das Reich Gottes einschleichen und dann einfach wieder da sein ererben« (1.Korinther 6,9f.). kann. Darum bekannte der Heimkehrer: »Vater, Ein offenes Wort. Man möchte sagen: Paulus ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor warum so deutlich? Muss denn das alles aufge- dir; ich bin hinfort nicht mehr wert, dass ich zählt und benannt werden? Wer so redet verletzt dein Sohn heiße.« die Liebe! Fällt dir nicht auf, dass neue Zeiten Und dann geschah das ganz und gar Unerneue Ordnungen schaffen, die den Menschen wartete. Der Vater läuft dem Sohn entgegen, von überholten Moralvorstellungen befreien? fällt ihm um den Hals und küsst ihn. Mit dem Der Apostel muss so reden. Er sieht die Kir- Kuss der Vergebung holte er den Sohn wieder in che Jesu Christi bedroht. Denn wer die Aufer- sein Haus des Segens und Friedens. Mit großer stehung leugnet, reißt dem Glauben das Herz Freude kleidete er ihn ein, gab ihm das Gewand aus dem Leib. Dem Apostel der Sohnschaft, wie auch seinen ist es bitter ernst. Er kann und mm Gott will die Buße vollen Anteil am Vater zurück. darf nicht schweigen, weder zu und gewährt sie jedem, So ist Gott. Er ist Vater. Er wendiesem noch zu jenem. Lässt er det sich dem, der umkehrt zu, den Korinthern ihr frivoles bis der umkehrt. Die ganze nimmt sein Bekenntnis an und vergibt. schamloses Treiben durch, wird Heilige Schrift redet er mitschuldig am Sterben der davon. Ihr Zeugnis gilt Der himmlische Vater wird Kirche. Denn ist die Verkünsich auch von uns nicht abwendigung nicht mehr lauter und bis auf den heutigen den, wenn wir von unseren Sünden lassen, umkehren und begibt die Posaune keinen reinen Tag. Wir dürfen umTon mehr, verspielen Kirche, kennen. Tun wir es! Gleich heute kehren, denn es wartet und Gemeinde und ihre Glieder die lassen wir uns nicht aufhalBerufung – und Gott wird sich ein Vater auf uns. Jesus ten! Die Umkehr ist die einzige aus Steinen Boten des Reiches selbst verbürgt sich Lösung für unsere zerfahrene SiGottes schaffen. tuation in der Kirche, in unseren Das ist der Ernst. Hier ist we- dafür im Gleichnis vom Gemeinden und nicht minder für der apostolische Arroganz noch verlorenen Sohn. unser Leben. Unsere Chance, in liebloser Mutwillen im Spiel. einer Gesellschaft, die von einem Nein, der Apostel ist nicht der Richter seiner unreinen Geist durchdrungen ist, Kirche Jesu Brüder. Er nennt die Sünden beim Namen, Christi und Botschafter an seiner Statt zu bleium allen den Ernst der Lage deutlich zu ma- ben, ist die Heimkehr ins Vaterhaus Gottes und: chen. Wer zur Christusnachfolge berufen ist, dass wir uns willentlich seinem Willen untersteldarf nicht in den Sünden der Welt bleiben und len, wie er uns in der Bibel offenbart ist. sich mit ihnen beflecken. Paulus ruft darum zur Dass es dazu komme, stellt der Apostel auch Umkehr: »Lasst euch zurechtbringen, lasst euch uns, wie damals die Korinther, unter den Semahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden!« genswunsch: »Die Gnade unseres Herrn Jesus Die Gruppierungen sollen sich auflösen und Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinzur Einheit des Leibes Jesu Christi, zur Gemein- schaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!« schaft des Glaubens und des Bekenntnisses zuHat uns die Gnade Jesu Christi erneuert, die rückkehren; die, die die Auferstehung bestreiten Liebe Gottes erreicht und in die Gemeinschaft und die Gemeinde in die Irre führen, sollen von des Heiligen Geistes gestellt, kehren Ordnung ihrer Torheit lassen und die, die mit sündigen und Frieden zurück und wir werden unser LePraktiken ihren Leib befleckt und ihre Seele ver- ben so führen und unsere Arbeit so tun können, unreinigt haben, sollen sich im Wasser der Buße dass daraus eine gute Frucht für Gottes Reich erreinigen und Gottes Wort wieder die gestalten- wächst. Dann werden in einer Welt des Streites de Kraft ihres Lebens sein lassen. und Unfriedens Kirche und Gemeinden ein Ort Gott will die Buße und gewährt sie jedem, des Friedens und eine Heimstatt Christi sein, ein der umkehrt. Die ganze Heilige Schrift redet Ort der Zuflucht für alle, die leer, ausgebrannt davon. Ihr Zeugnis gilt bis auf den heutigen und heimatlos geworden sind und an der offeTag. Wir dürfen umkehren, denn es wartet ein nen Wunde eines geschlagenen Gewissens leiden. Vater auf uns. Jesus selbst verbürgt sich dafür Um nicht weniger geht es heute und morgen. So im Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der in die sei denn »die Gnade unseres Herrn Jesus ChrisLaster und Verirrungen der Welt Verstrickte tus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft hatte den Weg der Sünde verlassen und kehrte des Heiligen Geistes« mit uns allen! W 20

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Das Reformationsjubiläum 2017 Stimmen der Väter

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m 1. Juli 1523 strömte in Brüssel eine unabsehbare Menge Volkes auf dem Rathausplatz zusammen. In feierlichem Zuge erschienen die drei Bettelorden mit Kreuz und Fahnen und nahmen vor dem Rathause Aufstellung. Um 11 Uhr wurde der jüngste der drei Augustiner, Heinrich Voss, mitten auf den Markt geführt, auf dem das Schafott errichtet war, das er, mit priesterlichen Gewändern angetan, besteigen musste. Nachdem an ihm die Entweihung vollzogen und ihm die priesterlichen Kleider abgenommen waren, geschah das Gleiche an seinen beiden Gefährten Johann Esch und Lambert van Thorn. Unter Anstimmen des Tedeums bestiegen Heinrich Voss und Johann Esch den Scheiterhaufen und ergriffen, bis aufs Hemd entkleidet, den Pfahl, an dem sie den Feuertod erdulden sollten. Ehe sie noch selbst erstickt waren, hatten die Flammen das Tau verzehrt, mit dem sie an den Pfahl gebunden waren. Als sie schon ganz von den Flammen eingehüllt waren, hörte man einen von ihnen noch laut rufen: »Herr Jesu, Sohn Davids, erbarme dich unser.« Der Eindruck, den das freudige Sterben dieser Glaubenszeugen hervorrief, war ein so großer, dass die Inquisition es nicht wagte, auch den dritten der Verurteilten, Lambert von Thorn, dem Feuertode zu übergeben. Er wurde nochmals in das Gefängnis zurückgebracht, wo er um vier Tage Bedenkzeit gebeten haben soll. Ist er auch nicht so ruhmvoll gestorben wie seine beiden Gefährten, so ist doch auch er bis zum Tode im Bekenntnis zum Evangelium standhaft geblieben. Im Kerker ist er vermutlich am 1. März 1524 heimlich umgebracht worden. Luther hat den Tod dieser beiden ersten Märtyrer des Evangeliums in einem ganz im Volkstone gehaltenen Liede verherrlicht, dem ersten Erzeugnis seiner Dichtkunst, das als fliegendes Blatt in alle Lande hinausging und das nicht wenig zur Verbreitung des Evangeliums beigetragen hat. Das Lied beginnt mit der Strophe: Ein neues Lied wir heben an, Das walt Gott, unser Herre. Zu singen, was Gott hat getan Zu seinem Lob und Ehre. Zu Brüssel in dem Niederland Wohl durch zween junge Knaben Hat er sein Wundermacht bekannt, Die er mit seinen Gaben So reichlich hat gezieret. Informationsbrief 285

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Bernhard Friedrich Wilhelm Rogge (1831–1919) war evangelischer Theologe und Hofprediger. Darauf zeichnet Luther in großen Zügen den standhaften Glauben der Gemarterten und berichtet weiter von ihrer Ausstoßung aus dem Orden und der Zerstörung ihrer Priesterweihe: Sie raubten ihn’n das Klosterkleid, Die Weih’ sie ihn’n nahmen; Die Knaben waren des bereit, Sie sprachen fröhlich: Amen! Und dann lässt Luther den schönen Gedanken folgen: Da schickt Gott durch sein Gnad also, Dass sie recht Priester worden; Sie selbst ihm mussten opfern da Und gehen im Christenorden. Besonders erhebend ist der Schluss: Die Asche will nicht lassen ab, Sie stäubt in allen Landen, Hie hilft kein Bach, Loch, Grub und Grab; Sie macht den Feind zu Schanden. Die er im Leben durch den Tod Zu schweigen hat gedrungen, Die muss er tot an allem Ort Mit aller Stimm und Zungen Gar fröhlich lassen singen. Der Sommer ist hart vor der Tür. Der Winter ist vergangen. 21


Die zarten Blümlein gehn herfür. Der das hat angefangen, Der wird es wohl vollenden. Amen. Von noch größerem einfluss aber für den fortgang der reformation in den niederlanden ist ein brief Luthers gewesen, den er an die evangelischen in Holland sowie an ihre Glaubensgenossen in brabant und flandern schon ende Juli 1523 gerichtet hat. in ihm begrüßt er den tod der beiden Glaubenszeugen mit Danksagung: »Die Zeit ist angebrochen«, so schrieb er, »dass wir das Girren der turteltauben hören, und dass die blumen hervorsprossen in unserm Lande«. er preist die evangelischen in Holland, denen vor aller Welt der Vorzug geworden, dass sie nicht allein das evangelium hören und kennen, sondern dass sie auch die ersten sind, die um Christi willen schaden, schande, angst und not, Gefängnis und Gefahren sollten erfahren, und nun so stark geworden sind, dass sie es mit ihren beiden Perlen Jesu Christi, Henricius und Johannes, ihr Leben nicht geachtet haben, auf dass Christus möchte gepriesen werden. Dann fährt er in der sprache der damaligen Zeit wörtlich fort: »ach, wie gar ein geringer Ding ist’s, von der Welt geschändet und getötet werden, denen so da wissen, dass ihr blut köstlich (Psalm 9,13; Lukas 22,14) und ihr tod teuer ist für Gottes augen, wie die Psalmen singen. Was ist die Welt gegen Gott? Welch eine Lust und freud haben alle engel gesehen an diesen zwo seelen! Wie gerne wird das feuer zu ihrem ewigen Leben von diesem sündlichen Leben, von dieser schmach zur ewigen Herrlichkeit geholfen haben! Gott gelobt und in ewigkeit gebenedeit, dass wir erlebt haben rechte Heilige und wahrhafte märtyrer sehen und hören, die wir bisher soviel falscher Heiliger erlebt und angebetet haben. Wir hier oben, in oberdeutschland, sind bisher noch nicht würdig gewesen, Christo ein solch teures wertes opfer zu werden, wiewohl unser Glieder viel nicht ohne Verfolgung gewesen und noch sind. Darum, meine allerliebsten, seid getrost und fröhlich in Christo, und lasst uns danken seinen großen Zeichen und Wundern, so er angefangen hat unter uns zu tun. er hat uns da frisch neue exempel seines Lebens vorgebildet. nun ist es Zeit, dass das reich Gottes nicht in Worten, sondern in der Kraft stehe. Hier lehrt sich’s, was da gesagt sei: seid fröhlich in trübsal (römer 12,12). es ist eine kleine Zeit (spricht Jesaja, Kapitel 54,7), dass ich dich verlasse; aber mit ewiger barmherzigkeit will ich dich aufnehmen. und der 91. Psalm, Verse 14 und 15: ich bin (spricht Gott) mit ihm in trübsal; ich will ihn erretten und will ihn zu 22

ehren setzen: denn er hat meinen namen erkannt. Weil wir dann die gegenwärtige trübsal sehen, tröstliche Verheißung haben, so lasst uns unser Herz erneuern, guten muts sein und mit freuden dem Herrn uns schlachten lassen. er hat’s gesagt, er wird nicht lügen: auch die Haare auf eurem Haupte sind alle gezählt (matthäus 10,30). bittet für uns, liebe brüder, und untereinander, auf dass wir die treue Hand einer dem andern zu reichen, und alle in einem Geist an unserem Haupt Jesu Christo halten, der euch mit Gnaden stärke und vollbreite zu ehren seinem heiligen namen, dem sei Preis, Lob und Dank bei euch und allen Kreaturen in ewigkeit, amen.« Aus: Bernhard Rogge Das Evangelium in der Verfolgung Verlag Heinrich Wulfers, 12. Auflage Köln 1930

Dietrich Bonhoeffer (1906–1945)

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ie Kirche, die die reformation feiert, lässt dem alten Luther seine ruhe nicht, er muss herhalten zu allem schlimmen, was heute in der Kirche vorgeht. man stellt ihn, den toten mann, in unsere Kirche, lässt ihn seine Hand ausstrecken, auf diese Kirche weisen und mit allem Pathos der selbstsicherheit immer wieder sagen: »Hier stehe ich, ich kann nicht anders« […] es ist ja doch einfach nicht wahr, oder es ist unverzeihlicher Leichtsinn und Hochmut, wenn wir uns hinter dieses Wort verschanzen: Wir können anders. Dietrich Bonhoeffer, zitiert nach: Dietrich Bonhoeffer. Dargestellt von Eberhard Bethge Reinbeck bei Hamburg 1976 (1. Auflage) Rowohlt Verlag, S. 50 Juni 2014

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Die Barmer Theologische Erklärung von 1934 Karl-Hermann Kandler

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mmer wieder wird versucht, die theologische erklärung von barmen aus dem Jahr 1934 zu einem gemeinsamen evangelischen bekenntnis als Grundlage für eine einheitliche evangelische Kirche in Deutschland zu erklären. Wäre das nicht gut? sollten nicht endlich die Lehrunterschiede überwunden sein? Würden wir damit nicht ein glaubwürdiges Zeugnis ablegen?

Karl-Hermann Kandler Die anschrift des autors finden sie auf seite 30 informationsbrief 285

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so einfach ist das nicht. sicher haben ende mai 1934 lutherische, reformierte und unierte Christen in barmen ein gemeinsames Zeugnis gegen die irrlehren der nationalsozialistisch gesinnten Deutschen Christen abgelegt. Vor allem waren es die Übergriffe des nationalsozialistischen staates in die angelegenheiten der Kirche, die zum Protest führten. schon im Herbst 1933 hatte martin niemöller gegen die rückhaltlose anerkennung des staates und gegen die Übernahme des so genannten arierparagraphen innerhalb der Kirchen, der auch jüdische mitbürger christlichen Glaubens aus dem kirchlichen Dienst ausschloss, aufgerufen. am 11. september 1933 bildete sich der Pfarrernotbund, dessen mitglieder in diesen maßnahmen eine Verletzung des bekenntnisstandes und eine Gefährdung der identität der Kirchen und ihrer Verkündigung sahen. aus dem Pfarrernotbund 23


Der im Mai 1934 von der ­Barmer Bekenntnissynode durch die Barmer Zeitung und Handelsblatt – Wupptertaler Zeitung herausgebrachte Sonderdruck mit ausführlichem Bericht über die verschiedenen Veranstaltungen und der Erklärung der Barmer Bekenntnissynode wurde von der Geheimen Staatspolizei eingezogen und beschlagnahmt. bildete sich die Bekennende Kirche. Die »Bekenntnisgemeinschaft der Deutschen Evangelischen Kirche« konstituierte sich am 22. April 1934 in Ulm. Nur noch drei (lutherische) Landeskirchen waren »intakt«, also nicht von den Deutschen Christen beherrscht: Bayern, Hannover, Württemberg. Für den 29. Mai 1934 wurde zu einer ersten Bekenntnissynode nach Wuppertal-Barmen eingeladen. Vertreter aller Landeskirchen nahmen daran teil. Auf ihr hielt der lutherische Theologe Hans Asmussen das Hauptreferat, auch eine »Erklärung zur Rechtslage der Bekenntnissynode« wurde vorgelegt. Diese Synode verabschiedete dann die Theologische Erklärung, die von drei Theologen – den Lutheranern Hans Asmussen und Thomas Breit und dem Reformierten Karl Barth –, zu denen dann noch der Lutheraner Hermann Sasse stieß, erarbeitet worden war. Gegen eine gemeinsame Erklärung gab es von lutherischer Seite Bedenken, vor allem bei Sasse. Er brachte zwar keine theologischen Bedenken gegen 24

Einzelaussagen der Erklärung vor, war aber davon überzeugt, dass, weil die sichtbare Kirche aus Einzelkirchen besteht, die ihre Identität in ihren jeweiligen Bekenntnissen haben, ein die Einzelkirchen übergreifender Zusammenschluss nicht als Kirche zu begreifen sei. Andere brachten theologische Bedenken vor. Sie waren davon überzeugt, dass die Erklärung zu stark von Barths theologischen Auffassungen bestimmt sei. Die Bedenken sind weithin im endgültigen Text berücksichtigt worden, vor allem wurde die These 5 umformuliert, um sie politisch weniger brisant erscheinen zu lassen. Karl Barth hat später die Legende verbreitet, bei der Abfassung des Textes hätte die lutherische Kirche geschlafen und die reformierte gewacht. So stimmt das nicht. Eine dreistündige Mittagspause hatte man verabredet, in der jeder der drei Theologen (Sasse war nicht dabei) den Wortlaut überdenken sollte. Doch Asmussen musste sich wegen einer starken Migräne hinlegen, Breit hatte dringende dienstliche TeleJuni 2014

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fongespräche zu führen. Tatsache bleibt aber, erkennt die Theologische Erklärung zur gegendass Barth weithin den Wortlaut der Thesen wärtigen Lage der Deutschen Evangelischen bestimmt hat. Kirche im Zusammenhang mit dem Vortrag Wie sind die Thesen nun zu werten? Es emp- von Pastor Asmussen als christliches, biblischfiehlt sich, den Wortlaut zur Hand zu nehmen reformatorisches Zeugnis an und nimmt sie auf (Evangelisches Gesangbuch, Nr. 810). Berück- ihre Verantwortung. 2. Synode übergibt diese sichtigt werden muss, dass hinter der Erklärung Erklärung den Bekenntniskonventen zur Erardie oben beschriebene Situation stand. In ihr beitung verantwortlicher Auslegung von ihren musste ein klares Zeugnis gegeben werden. Auf- Bekenntnissen aus.« Man war aber davon überfallend bleibt aber, dass gerazeugt, wie es Asmussen zum Schluss sagte, dass »Gott uns de der Anlass für die Bildung mm Ihre Bedeutung hat die der Bekennenden Kirche, die Barmer Erklärung als ein hier ein gemeinsames Wort in Übernahme des Arierparagraden Mund gelegt hat«. phen für Pfarrer und Kirchen- Zeugnis, das in die damalige Die Bedenken Sasses waren beamte, mit keinem Wort in Situation hinein gesprobegründet, ja, sie erwiesen der Erklärung erwähnt wird. chen wurde und wesentlisich in der Zukunft als zutrefGegenüber These 1 wird vorfend. Vor allem nach 1945 gab gebracht, dass Jesus Christus chen Irrtümern der Deutes immer wieder Vorstöße, die nicht das »eine Wort Gottes schen Christen widersprach. Theologische Erklärung als [ist], das wir zu hören haein Bekenntnis anzusehen, ja, Als solche ist sie auch ben«, sondern dass auch das als ein Bekenntnis, das über Gesetz Gottes zu hören ist. wegweisend für die Chrisden anderen Bekenntnissen Auch die sozialethische These tenheit, wenn diese in eine steht. Sagte man in Barmen, 2 kann nicht auf die Bindung dass die jeweiligen Bekenntan Jesus Christus beschränkt ähnliche Situation gerät. niskonvente, der lutherische werden. Gegenüber These 3 Ja, es ist durchaus ernstlich und der reformierte, die Erist zu sagen, Jesus Christus ist zu fragen, ob wir uns heute klärung von ihren Bekenntnissen aus auslegen sollten, so doch nicht nur im Heiligen forderte man nun, dass die luGeist gegenwärtig. Es wirkt nicht in einer vergleichbasich aus, dass die Thesen von ren Situation gegenüber therischen bzw. reformierten Bekenntnisse von der Barmer keiner trinitarischen Grund- den Irrtümern einer dem Erklärung auszulegen seien – aussage ausgehen. Gegen These 4 wird vorgebracht, die Zeitgeist hinterher laufenübrigens genau so, wie dies Kirche würde, als »Gemein- den Kirche befinden. dann später bei der Leuenschaft von Brüdern« (Schwesberger Konkordie von 1973 – tern sind nicht erwähnt) verstanden, eine doch gegen ihren ausdrücklichen Wortlaut – geschah nötige Disziplinarordnung ausschließen. These und noch immer geschieht. Schon während des 5 kommt der lutherischen Zwei-Reiche-Lehre Kirchenkampfes in der Zeit des Nationalsoziaerfreulich nahe. Zu These 6 ist zu sagen, dass lismus kam es zu Überspitzungen. Die Bekenntsicher Gott frei ist, wem er seine Gnade zuwen- nissynode der Altpreußischen Union hat 1937 det, aber zugleich muss doch gesagt werden, die Barmer Erklärung »als unumgängliche Vodass er sie in Jesus Christus an Wort und Sa- raussetzung« bezeichnet, »ohne welche die bei krament gebunden hat. Diese Frage zu stellen uns geltenden Bekenntnisse nicht recht gelehrt ist vor allem auf dem Hintergrund nötig, dass und wahrhaft bekannt werden können«. Noch Barth sich so entschieden und konsequent ge- weiter ging Dietrich Bonhoeffer, der damals gen die Kindertaufe ausgesprochen hatte. sagte, Gott selbst sei für den Spruch dieser SyDie Barmer Bekenntnissynode hat der Erklä- node verantwortlich, hinter Barmen könne man rung zugestimmt. Sasse war vor der Beschluss- nicht zurück, »weil wir hinter Gottes Wort nicht fassung abgereist. Er hielt prinzipiell daran mehr zurückkönnen«. Damit wurde die Barmer fest, die Synode sei »nicht befugt, gemeinsam Erklärung geradezu der Heiligen Schrift gleichfür die Konfessionen eine Lehrerklärung ab- gestellt. zugeben«. Die Lutheraner forderten, die ErWie ist nun die Barmer Theologische Erkläklärung dürfe nicht als ein Bekenntnis wie das rung sachgemäß zu werten? Sie ist ein aktuAugsburger Bekenntnis oder wie der Heidel- ales Zeugnis, gesprochen in einer bestimmten berger Katechismus verstanden werden. Sie sei Situation. Sie wurde gemeinsam abgegeben. vielmehr ein Zeugnis, das weitere theologische Aber sie ist kein Lehrbekenntnis. Dazu fehlen Arbeit erfordere. Beschlossen wurde: »Synode ganz wichtige Aussagen. Erwähnt wurde schon, Informationsbrief 285

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Die Theologische Erklärung wurde von dem Reformierten Karl Barth (Foto aus dem Karl Barth Archiv, Basel), den Lutheranern Hans Asmussen, Thomas Breit und Hermann Sasse erarbeitet. Karl Barth bestimmte jedoch weithin den Wortlaut der Thesen. dass sie nichts über den Dreieinigen Gott als Grundlage unseres Glaubens sagt. sie sagt weiter nichts oder doch zu wenig aus über die der Kirche gegebenen sakramente, nichts über die Zukunft der Christen, also über die auferstehung, das Jüngste Gericht und das ewige Leben. sie sagt auch nichts über das von den Deutschen Christen so bekämpfte alte testament aus. Das alles wäre aber für ein Grundbekenntnis, wie es das augsburger bekenntnis ist, unerlässlich. Wohl gibt es auch lutherische bekenntnisschriften, die nicht alle Lehraussagen enthalten, aber diese verstehen sich ausdrücklich – so die Konkordienformel von 1577 – als auslegung des augsburger bekenntnisses. ihre bedeutung hat die barmer erklärung als ein Zeugnis, das in die damalige situation hinein gesprochen wurde und wesentlichen irrtümern der Deutschen Christen widersprach. als solche ist sie auch wegweisend für die Christenheit, wenn diese in eine ähnliche situation gerät. Ja, es ist durchaus ernstlich zu fragen, ob wir uns heute nicht in einer vergleichbaren situation gegenüber den irrtümern einer dem Zeitgeist hinterher laufenden Kirche befinden. Die Barmer Erklärung 26

es ist daran zu erinnern, dass trotz mancher forderungen auch nach 1945 die barmer erklärung nicht im rang eines Lehrbekenntnisses in die Verfassungen oder Grundordnungen der deutschen Landeskirchen übernommen wurde, nicht nur nicht in den lutherischen. so wurde in der Grundordnung der evangelischen Kirche von berlin-brandenburg formuliert: »sie bejaht die von der ersten bekenntnissynode in barmen 1934 getroffenen entscheidungen und sieht in deren theologischen erklärung ein von der schrift und den bekenntnissen her auch fernerhin gebotenes Zeugnis der Kirche.« in Greifswald hielt man 1946 fest, die barmer erklärung sei kein bekenntnis, sie sei theologisch noch nicht genug durchgeklärt. in der lutherischen Landeskirche sachsens hieß es, sie trüge nicht den »Charakter eines bekenntnisses« und dürfe kein unionsbekenntnis werden. einige unionskirchen, so Hessen und baden, haben sie freilich in ihre Lehrverpflichtungen bzw. in den Wortlaut ihrer ordinationsgelübde aufgenommen. es bleibt dabei, ein umfassendes Lehrbekenntnis ist die barmer theologische erklärung nicht, aber sie ist ein aktuales Zeugnis. Darin liegt ihr bleibender Wert. W


Aus der Bekenntnisbewegung Friedemann Schwarz neuer Vorsitzender der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« nach 17 Jahren legt der württembergische ruhestandspfarrer Hansfrieder Hellenschmidt den Vorsitz der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« in jüngere Hände. sein nachfolger, friedemann schwarz, wohnhaft in egenhausen im nordschwarzwald, ist ebenfalls Pfarrer der württembergischen Landeskirche. er wurde bei der sitzung des bundesarbeitskreises am 29. märz in Kassel-Wilhelmshöhe mit großer mehrheit zum neuen Vorsitzenden der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« gewählt. Der im Dezember 1947 in Herrenberg bei stuttgart geborene friedemann schwarz studierte in tübingen evangelische theologie, wo ihn besonders otto michel prägte, dem er sich über das studium hinaus verbunden wusste. seine erste Pfarrstelle hatte friedemann schwarz im schwäbischen oberland, einem evangelischen Diasporagebiet, in mochenwangen im Dekanat ravensburg von 1979 bis 1984. Von 1984 bis 1992 versah er die Pfarrstelle spielberg/egenhausen im Dekanat nagold im nordschwarzwald. in den Jahren 1992 bis 2004 versah er eine Pfarrstelle in trossingen und daran anschließend von 2004 bis zu beginn des Jahres 2013 die Pfarrstelle in engelsbrand im Dekanat neuenbürg ganz im nordschwarzwald. seitdem lebt er im ruhestand in egenhausen. Von seinem Vorgänger Hansfrieder Hellenschmidt übernimmt er die bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« in geordneten Verhältnissen. Dem neuen Vorsitzenden ist segensreiche arbeit zu wünschen in einer Zeit, in der die theologischen, kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Verhältnisse immer schwieriger und verworrener werden, die Gemeinde Jesu aber gerade deswegen nur umso mehr auf klare Weisungen und dem aufzeigen gangbarer Wege angewiesen ist. möge Gottes Heiliger Geist friedemann schwarz bei all seinen aufgaben und entscheidungen als Vorsitzender der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« leiten. informationsbrief 285

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als stellvertretender Vorsitzender wurde Pfarrer Johannes frey aus bremen gewählt, der bisher bereits seit vielen Jahren im Geschäftsführenden ausschuss war.

Weitere Änderungen im Geschäftsführenden Ausschuss Weitere Änderungen und eine erweiterung des Geschäftsführenden ausschusses wurden bei der sitzung des bundesarbeitskreises am 29. märz 2014 vorgenommen. bei den so genannten beisitzern sind außer »altgedienten« auch einige neue. Gottfried meskemper (bremen), langjähriges mitglied des Geschäftsführenden ausschusses wurde für weitere fünf Jahre als beisitzer gewählt. Gabriele reimer wechselt von der Kassenführerin zur beisitzerin. neu als beisitzer sind: Prediger Walter Keim, der schon seit 1968 zur bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« gehört, ist Vorsitzender des westfälischen arbeitskreises und ebenso schriftleiter des zweimonatlichen informationsbriefes und martin schunn (neuenbürg bei Pforzheim), der ebenfalls seit vielen Jahren der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« angehört, aus dem schwäbischen Pietismus (Hahnsche Gemeinschaft) kommt und im Hauptberuf Leiter der Verwaltungsstelle des Kirchenbezirks neuenbürg ist. Damit erhöht sich die Zahl der beisitzer von zwei auf vier.

Wechsel im Amt des Kassenwarts auch beim Kassenwart hat sich ein Wechsel vollzogen. Der bisherige stellvertretende Vorsitzende der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium«, Hans Lauffer aus filderstadt-sielmingen bei stuttgart hat von Gabriele reimer aus Dortmund das amt des Kassenwartes übernommen. Grund des Wechsels ist die beruflich starke forderung von Gabriele reimer, der sie durch die Leitung eines altenpflegeheimes ausgesetzt ist. seit Hans Lauffer im ruhestand ist, kann er sich zeitlich mehr der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« widmen, weshalb er den zeitaufwändigen und anspruchsvollen Posten des Kassenwarts übernimmt. frau reimer hat über viele Jahre die finanzen der bekenntnisbewegung »Kein anderes evangelium« mit viel umsicht verwaltet. für ihre solide arbeit sind ihr der Geschäftsführende ausschuss und der bundesarbeitskreis zu großem Dank 27


verpflichtet. Im Geschäftsführenden Ausschuss und im Bundesarbeitskreis wird sie weiterhin verbleiben. Mit Hans Lauffer übernimmt kein Neuling das Amt des Kassenführers, sondern ein alter Hase. Er ist nämlich nicht allein der Nachfolger von Gabriele Reimer, sondern war auch deren Vorgänger. Über Jahre hat er die

Finanzen der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« verwaltet und damit solide und sparsam gewirtschaftet. Einarbeitungszeit als Kassenführer braucht er nicht. Hans Lauffer möge sein neues altes Amt unter dem Segen Gottes ausführen. W

Aus Kirche und Gesellschaft terschiedlichen sexuellen Orientierungen und Identitäten in und vor einer öffentlichen Toilette gezeigt, um für gegenseitige Akzeptanz zu werben. Laut dem Gender-Mainstreaming definiert sich das Geschlecht eines Menschen vor allem über Erziehung und soziale Einflüsse nicht über die biologischen Geschlechtsmerkmale. (Quelle der Nachricht: Wochenendmail aus Bretten vom 4. April 2014, nach pro)

Claudia Janssen, Nikolaus Schneider und ­Simone Mantei vor der Eröffnungsfeier für das neue »Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie« in Hannover.

EKD eröffnete ein Studienzentrum für Genderfragen Die Evangelische Kirche eröffnete am 7. April ihr neues Studienzentrum für Genderfragen in Kirche und Theologie. Ziel soll eine »Inte­ gration von Gender-Perspektiven in das kirchliche Handeln« sein. Die Studienleiterinnen des Zentrums sind die Professorin Claudia Janssen und Simone Mantei, zwei feministische Theologinnen. Schlimm ist zudem, dass der designierte Landesbischof der badischen Landeskirche und Vorstandsvorsitzende des neuen Zentrums, Jochen Cornelius-Bundschuh, die Eröffnungsfeier moderierte. Als Gastredner wirkten der EKDRatsvorsitzende Nikolaus Schneider und die Präses der EKD-Synode, Irmgard Schwaetzer, mit. Das Studienzentrum geht aus dem feministischen Familienbildungszentrum hervor, das von Hofgeismar in Hessen nach Hannover gezogen ist. Ende Februar sorgte eine Werbekampagne der evangelischen Frauen- und Männerarbeit für Aufsehen, die sich ebenfalls mit GenderTheorien und unterschiedlichen sexuellen Orientierungen und Identitäten befasst. In einem Video werden Menschen mit offensichtlich un28

Neuer Diakoniepräsident: Mehr Miteinander von Diakonie und Gemeinden Geht es nach dem Willen des designierten Diakoniepräsidenten Ulrich Lilie, so soll Diakonie mehr evangelisches Profil erhalten. Das ist löblich und lässt sich hoffentlich durchsetzen. Pfarrer Ulrich Lilie, der designierte neue Präsident des Diakonischen Werkes der EKD, hat es auf den Punkt gebracht: Die Diakonie braucht ein unverwechselbares und deutlich erkennbares evangelisches Profil. Der 56-jährige Diakoniepfarrer aus Düsseldorf folgt am 1. Juli dem vormaligen badischen Oberkirchenrat Johannes Stockburger, der in den Ruhestand tritt. Lilie zufolge gehört es zum evangelischen Profil, dass Mitarbeiter über ihre Wertvorstellungen und ihren Glauben Auskunft geben können. Das gelte besonders für Führungskräfte. Der missi-

Pfarrer Ulrich Lilie, der designierte neue ­Präsident des Diakonischen Werkes der ­Evangelischen Kirche in Deutschland Juni 2014

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onarische Aspekt werde innerhalb der Diakonie eine größere Rolle spielen. Mission geschieht für ihn ganzheitlich auf Augenhöhe und nicht von »oben herab«. Auch wünscht sich Lilie ein stärkeres Miteinander der Diakonie mit den Gemeinden. Sie könnten Andachten und Gottesdienste in Heimen anbieten. Auf diese Weise kämen Wort und Tat zusammen. (Quelle der Nachricht: Wochenendmail aus Bretten vom 4. April 2014)

Baden-­Württem­berg: Homo­paare bei Kirchen­steuer gleichstellen Eingetragene gleich­ geschlechtliche Lebens­ partnerschaften werden in Baden-Württemberg nun auch bei der Kirchensteuer der Ehe gleichgestellt. Verpartnerte Schwule und Lesben genießen künftig die Vorteile des Splittingtarifs, teilte das Finanzministerium mit. Das Land folgt damit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts. Finanzminister Schmid (SPD) sieht darin einen weiteren Schritt zur umfassenden Gleichstellung. Auch das Kirchensteuer-Abzugsverfahren soll vereinfacht werden. (Quelle der Nachricht: Wochenendmail aus Bretten vom 4. April 2014, nach epd)

Belgien erlaubt Sterbehilfe für Kinder Hartmut Steeb wird 2014 mit dem Stiftungspreis der Stiftung Ja zum Leben ausgezeichnet.

Stiftungspreis 2014 von Ja zum Leben Der Vorsitzende des Treffens Christlicher Lebensrechtsgruppen (TCLG) und Generalsekretär der Deutschen Evangelischen Allianz, Hartmut Steeb (60, Stuttgart), erhält den diesjährigen Stiftungspreis der Stiftung Ja zum Leben im Sommer in München. Mit diesem Preis werden Persönlichkeiten bzw. Organisationen geehrt, die sich um die Verbreitung des Familiengedankens und den Schutz des menschlichen Lebens, insbesondere der ungeborenen Kinder und ihrer Mütter, verdient gemacht haben. (Quelle der Nachricht: Der Stiftungspreis der Stiftung Ja zum Leben vom März 2014, S. 6)

Uganda: lebenslange Haft für Homosexuelle Während in der westlichen Welt die Rechte von Homosexuellen beständig gestärkt werden, geht das zentralafrikanische Land Uganda den entgegengesetzten Weg. Dort droht Homosexuellen ab sofort lebenslange Haft. Homosexuelle und Lesben werden demnach härter verfolgt, womit das afrikanische Land ein bereits bestehendes Verbot von Homosexualität deutlich verschärft. (Quelle der Nachricht: Südwestpresse vom 25. Februar 2014, S. 1, nach epd)

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Als erstes Land Europas hat Belgien die aktive Sterbehilfe für Kinder ohne Altersgrenze erlaubt. Das Gesetz hierzu sieht vor, die seit 2002 legale Sterbehilfe für Erwachsene auf Minderjährige auszudehnen. Voraussetzung soll sein, dass das Kind unter »ständigen und unerträglichen« körperlichen Schmerzen leidet und der Tod in Kürze eintreten werde. Ein Psychologe oder Psychiater muss sicher sein, dass das Kind die Tragweite seines Wunsches überblickt. Ebenso ist die Zustimmung der Eltern nötig. (Quelle der Nachricht: Südwestpresse vom 14. Februar 2014, S. 1, nach epd)

Macht digitale Welt unfrei? Diese Ansicht vertritt offenbar der evangelische Theologieprofessor Werner Thiede (Erlangen). Seiner Ansicht nach stellt das Internet die technischen Bedingungen für eine Diktatur bereit. »Der anvisierten Digitalisierung aller Dinge wohnt ein totalitärer Zug inne.« Von den Kirchen fordert der Theologe »mehr Sensibilität für die Zweischneidigkeit des digitalen Schwertes«. Die digitale Revolution schaffe nicht nur neue Freiheiten, sondern mache Menschen oft auch unfreier. »Und keine Twitter-Andacht ersetzt den Gottesdienst in der Kirche.« (Quelle der Nachricht: Evangelisches Gemeindeblatt für Württemberg 10/2014 vom 9. März 2014, S. 3, nach epd)

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(Mt 24/25)

Die Botschaft der Endzeitreden Jesu angesichts der Weltlage heute Herbstfreizeit mit Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt vom 8. bis 15. September 2014 im Christlichen Begegnungszentrum Aichenbach, Schorndorf Kirche und Gesellschaft sind in turbulenzen geraten. ein unruhiges Wesen hat die menschen ergriffen. Geld und sex suggerieren erfüllung. Der entfesselte Leib feiert urstände. Weggewischt und verworfen ist die Gottesfurcht. Der suggestionskraft eines befreiten Lebens können sich nur wenige entziehen. Was ist hier im Gange? apokalyptische Ängste greifen um sich. Wer kann das Geschehen in der Zeit deuten? Jesus spricht vom ende. täglich treten uns Zeichen, die dem ende vorauslaufen, vor augen. sie rufen uns zur Wachsamkeit. Wir sollen nicht aufgeschreckt hin und her laufen und auf dieses oder jenes starren. Jesus hält uns an, unsere Häupter zu erheben und auf dem Weg ihm entgegen, unsere sendung zu erfüllen. es gilt mit den Pfunden zu wuchern. endzeitliche aufgeregtheit darf uns nicht aufhalten, hinzugehen und den becher kalten Wassers zu reichen. Die

angefochtenen gilt es zu trösten und die verachteten und geschlagenen Glieder am Leibe Christi aufzurichten. auch im ende, das mit Jesu eintritt in die Welt begonnen hat, wartet Jesus auf frucht. Dem, der im Gehorsam hingeht und nach der Weisung der schrift handelt, wird Jesus lohnen: »… das habt ihr mir getan«! Diese Verheißung ist die freude des Jüngers. sie weckt seine sinne zur Wachsamkeit und stärkt seinen Willen zum Gehorsam. trotz aller Widerstände, die der unreine Geist unserer Zeit gegen ihn stellt, wird er hingehen, seine »Glieder« zu »Waffen der Gerechtigkeit« einsetzen, seinen Leib rein halten und tempel des Heiligen Geistes sein lassen. Diesem und anderem aus den endzeitreden unseres Herrn wollen wir in der freizeit nachdenken.

Die Anmeldungen sind zu richten an: Christliches begegnungszentrum aichenbach 73614 schorndorf Christian-friedrich-Werner straße 57 telefon (07181) 5536 · fax (07181) 61297 e-mail: info@msoe-aichenbach.de

Anfragen und Auskunft: Hansfrieder Hellenschmidt telefon (07158) 69569 fax (07158) 9157494 e-mail: hans.hellenschmidt@gmx.de Preise: Zimmer mit Dusche und WC: 39,– euro

Mitarbeiter an diesem Heft: Pfarrer Johannes frey ofener Weg 3 28816 stuhr telefon (0421) 5228910 e-mail: johannes.frey@kabelmail.de Pfarrer Hansfrieder Hellenschmidt rötlenstraße 26 70794 filderstadt telefon (07158) 69569 fax (07158) 9157494 e-mail: hans.hellenschmidt@gmx.de

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Kirchenart Professor Dr. Karl-Hermann Kandler enge Gasse 26 09599 freiberg telefon (03731) 23545 fax (03731) 218150

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Weitere Exemplare des Informationsbriefes für Juli 2013, Heft 279 und April 2014, Heft 284 sowie des Traktats »Falsche Propheten sind unter uns« können bei der Geschäftsstelle bestellt werden. Geschäftsführender Ausschuss Vorsitzender der Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« e. V. Pfarrer friedemann schwarz Gartenstraße 21 72227 egenhausen telefon (0 74 53) 9 58 01 64 e-mail: friedemann.schwarz@gmail.com

Weitere Mitglieder des Geschäftsführenden Ausschusses Walter Keim Kiebitzstraße 14 45897 Gelsenkirchen telefon (02 09) 15 55 98 22 fax (02 09) 15 55 98 24 e-mail: Walter@Keim.de

Stellvertretender Vorsitzender Pfarrer Johannes frey ofener Weg 3 28816 stuhr telefon (04 21) 5 22 89 10 e-mail: johannes.frey@kabelmail.de

Gottfried meskemper Voltastraße 26 28357 bremen telefon (04 21) 25 60 40 fax (04 21) 2 05 34 56 e-mail: Gottfried.meskemper@t-online.de

Schriftführer Walter rominger mehlbaumstraße 148 72458 albstadt telefon und fax (0 74 31) 7 44 85 e-mail: w.rominger@t-online.de

Gabriele reimer beurhausstraße 31 44137 Dortmund telefon (02 31) 5 84 46 96 fax (02 31) 5 89 36 37 e-mail: Gabriele.reimer@gmx.de

Kassenwart Hans Lauffer osterstraße 25 70794 filderstadt telefon (0 71 58) 48 31 fax (0 71 58) 94 78 73 e-mail: hans.lauffer@t-online.de

martin schunn Hölderlinstraße 9 75334 straubenhardt telefon (0 70 82) 2 02 75 e-mail: m.schunn@kvst-nb.de

Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« e. V. Geschäftsstelle: Walter Rominger Mehlbaumstraße 148 72458 Albstadt Telefon und Fax (07431) 74485 E-Mail: w.rominger@t-online.de www.keinanderesevangelium.de

Mit Fragen bezüglich der Spendenbescheinigungen wenden Sie sich bitte an unseren Kassenwart Hans Lauffer. Sie erreichen ihn telefonisch unter (0 71 58) 48 31, per Fax 94 78 73 oder per E-Mail an hans.lauffer@t-online.de. Bankkonten Volksbank filder e. G., (bLZ 611 616 96) Konto-nr. 65 500 016 iban De34 6116 1696 0065 5000 16 biC (sWift)-Code: Geno De s1 nHb Postgirokonto schweiz: Postgiroamt bern nr. 30-195 56-2 iban CH21 0900 0000 3001 9556 2 biC PofiCHbeXXX

Nachsendeanträge bei der Post kommen bei der Bekenntnisbewegung nicht als Adressänderung an. Deshalb auch bei Umzügen die Adressänderung durch untenstehenden Abschnitt an die Geschäftsstelle weitergeben. Für Neubestellung, Adressänderung und Abbestellung ausschneiden und einsenden an: Bekenntnisbewegung »Kein anderes Evangelium« Geschäftsstelle: Mehlbaumstraße 148, 72458 Albstadt

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Er mache uns im Glauben kühn und in der Liebe reine. Er lasse Herz und Zunge glühn, zu wecken die Gemeine. Und ob auch unser Auge nicht in seinen Plan mag dringen: Er führt durch Dunkel uns zum Licht, lässt Schloss und Riegel springen. Des wolln wir fröhlich singen! Friedrich Spitta, EG 259,3


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