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Das Studentenmagazin MÄrz/Apr. 14 Ausgabe #9 www.kaepselemagazin.de

Die Stimme vom Äffle

Gratis

Freigeister im Privaten Was Nichtstaatliche Anders machen

Seite 26

Ausland:

in Putins Reich Leben und

studieren in St. Petersburg

Seite 54

eren

Heiko Volz über Kult und Alltag

Seite 34


www.bigfm.de www.facebook.com/RadiobigFM

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Liebe Leserin, lieber Leser, Die Zeit vergeht, das Käpsele bleibt. Im Editorial der Januarausgabe hatten wir noch rumgeheult, dass das Jahr 2013 schon wieder rum ist. Jetzt gehen wir so langsam ins zweite Käpsele-Jahr. Im vergangenen April erschien unsere erste Printausgabe und wir haben es - allen Skeptikern zum Trotz - jetzt schon ein Jahr lang ausgehalten. Die Arbeit an unserem Magazin für die Hochschuleregion Stuttgart/ Tübingen macht großen Spaß. Wir freuen uns natürlich weiterhin über Tipps, Verbesserungsvorschläge und Infos von euch. Wichtig in unserem zweiten Jahr wird es sein, dass das Käpsele noch bekannter wird, damit es weiter wachsen kann. (Ist ja noch ein kleiner Vogel und wenn es groß ist, will es mal ein Flugsaurier werden, hat es gesagt. Wir haben es in dem Glauben gelassen, dass es das kann.) Wenn euch das Magazin gefällt - was es hoffentlich tut - zeigt es euren Kommilitonen und Freunden, schreit es raus in die Welt, liked uns auf Facebook und erzählt es den Firmen, bei denen ihr eure Ferienjobs macht, damit die uns mit Anzeigen unterstützen ;). Jetzt aber genug von uns. Wie geht es euch? Gut? Gute Semesterferien gehabt? Schön. Und sonst? Ja? Na super! Dann können wir ja in die Semesterstartausgabe starten. Das haben wir für euch in unserem prallgefüllten umweltfreundlichen (Nicht-)Hochglanzwerk für euch: Wir haben neidisch festgestellt, dass es zumindest ganz, ganz wenige Leute gibt, die einen besseren Job haben als wir - Tauchlehrer. Außerdem haben wir über verdammt witzige Studenten gelacht und haben sie gefragt, warum sie so verdammt witzig sind. Und natürlich haben wir mit dem Äffle persönlich über seine Liebe zu Stuttgart gesprochen. Naja, fast.

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Und jetzt geht‘s los! Viel Spaß mit dem Käpsele und im neuen Semester!

Das Studentenmagazin

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100 Jahre: Die HS Esslingen feiert. Von strengen Sitten in l채ngst vergangenen Zeiten.

06 Schlag bei den Bikini-M채dels: Was Tauchlehrer Skilehrern voraus haben.

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Keine Ahnung was Crop Science ist? Hatten wir auch nicht. Haben wir jetzt aber. Wir kl채ren auf.

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Aus den Hochschulen 18

Der Neubau der Architekten

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Das Jahrhundert vollgemacht

Die Technikhochschule behebt ihre Raumnot

Die Hochschule Esslingen blickt zurück

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Die wirklich freie Uni

Ein Experiment der Unangepassten

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Studieren im Ausland . . .

. . . diesmal: Russland

Überblick über die Nichtstaatlichen

Eine Auswahl aus der Region

Aus dem Leben 06 In den Nebenjob abtauchen

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Willkommen bei Habib

Über die Skilehrer der sieben Weltmeere

Warum Stuttgart als Filmstandort taugt

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50 Mit dem Rolli an die Uni

Die Stand-up-Studenten

Salim und Moritz produzieren Lacher

Ein Selbstversuch von Joshua Kiefer

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58 Termintipps

Die Stimme vom Äffle spricht

Heiko Volz im Interview

Was geht in den nächsten Wochen?

Aus deR Reihe 10

Freundschaftsdienst

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Bücher des Monats

Eine Kurzgeschichte von Carolin Hafen

Der neueste Tipp und der Liebling der Redaktion

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40 Filme des Monats

Die studieren waaas?!

Diesmal: Crop Science!!

23 Unnützes Stuttgart-Wissen

Die neuesten Tipps und der Liebling der Redaktion

Was du wirklich nicht erfahren musst

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Wie die Skilehrer - nur in sexy Ihr Arbeitsplatz ist dort, wo andere ihr Urlaubsparadies suchen. Als studentischer Nebenjob f채llt der Tauchlehrer eindeutig aus der Reihe. Ein paar Stuttgarter berichten. Von Timo Dersch

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F

hatte, blieb er in gutem Kontakt mit den Besitzern und konnte so in jeder seiner Ferien wieder mithelfen. „Auf Zeit ist es definitiv ür die meisten Studenten mag es ein Traumjob“, erzählt er mit einem Grinsen wie das absolute Paradies klingen. Sommer, im Gesicht. Man genieße die Sonne, den Sonne, Strand, ferne Länder und gemeinsam Strand und das Meer. „Aber auf Dauer kann die Unterwasserwelt entdecken. Allein das: ich mir das nicht vorstellen. Dazu ist es zu Traumhaft. Dafür auch noch bezahlt zu einseitig.“ Trotzdem würde er den Job jedem werden – das kann doch nur der perfekte weiterempfehlen. „Man lernt neue Freunde Semesterferienjob sein. So manch ein Student kennen, erfährt viel über fremde Kulturen hat das Tauchen schon zu seinem Nebenjob und trifft die unterschiedlichsten Charaktere.“ werden lassen. Doch wie sieht es mit den Mythen Felix hat einiges erlebt in seiner Zeit in und Idealvorstellungen des Berufs aus? Ist es Ägypten. Doch wie ist es, in Deutschland als der Traumjob, für den ihn viele halten? Und Tauchlehrer zu arbeiten? „Wir haben immer sind Tauchlehrer eventuell die neuen Skilehrer? wieder Studenten, die bei uns die Ausbildung „Viele junge Menschen, die gerade einen machen und dann noch eine Weile mithelfen“, Tauchschein gemacht haben, entdecken ihr neusagt Saß, der inzwischen dazu übergegangen ist, es Hobby als eine Leidenschaft“, sagt Volker Saß, die Neoprenanzüge der letzten Ausfahrt zum der Inhaber des Tauchsportzentrums Stuttgart Trocknen aufzuhängen. Nicht wenige Anwohner (TSZ), während er Pressluftflaschen an einen in Stuttgart-Botnang, wo der 40-Jährige Kompressor anschließt. „Natürlich ist das gerade seine Schule vor mehr als einem Jahrzehnt für Studenten eine sehr kostspielige Sache.“ eröffnete, fragen sich, wo Deshalb würden viele die „diese Verrückten“ eigentprofessionelle Richtung lich tauchen. Die Antwort einschlagen und sich in ist einfach: In den Seen der weiterführenden Kursen Umgebung, dem Plansee, zum Divemaster, dem dem Untergrommbachsee Auf Zeit ist es definitiv Tauchlehrerassistenten, oder dem Bodensee, dem oder sogar zum Tauchlehrer ein Traumjob. Aber auf „Schwäbischen Meer“. Vielen selbst ausbilden lassen sei gar nicht bewusst, „dass und überall auf der Welt Dauer kann ich mir das man auch bei uns wunderbar an Tauchbasen arbeiten. nicht vorstellen.“ tauchen kann“. Ein anderes Klingt gut. Doch wie sieht Vorurteil, das Volker Saß das in der Praxis aus? häufig begegnet, besagt, tauchen sei nur ein Felix Schneider studiert an der Dualen Hobby für Weltenbummler. „Aber so verrückt Hochschule in Stuttgart und hat genau diesen sind wir gar nicht.“ Weg bestritten. Noch bevor er sein Studium Der Stuttgarter Jan Helwerth, 23, ist einer begann, absolvierte er die Ausbildung zum seiner studentischen Mitarbeiter. Er machte Divemaster an einer Tauchschule in Ägypten. seine Ausbildung im Tauchsportzentrum, bevor Er erhielt sie im Rahmen eines bezahlten er für sein Wirtschaftsstudium nach Würzburg Praktikums im Gegenzug für seine Mitarbeit. zog, arbeitete aber in den Semesterferien Diese Praxis ist im Ausland weit verbreitet, immer wieder für das TSZ. „Dass wir in kaltem aber nicht überall üblich. Volker Saß wägt ab: Wasser tauchen, hat mich nie gestört“, sagt „Bei uns zahlt man zwar für die Ausbildung, er. „Ich fand die Arbeit total toll. Man hat mit kommt aber relativ schnell zu seinem Abschluss den unterschiedlichsten Leuten zu tun, und und kann dann arbeiten gehen.“ Wenn man die das immer in entspannter Atmosphäre.“ Ein meist sechsmonatige Zeit des Sich-Verpflichtens Highlight des heimischen Tauchens ist für ihn gegenrechne, sei es allemal günstiger, für die die Steilwand im Bodensee bei Überlingen, Ausbildung zu bezahlen und dann arbeiten zu wo eine kerzengerade Felswand auf mehr gehen. als 30 Meter Tiefe abfällt. „Das ist ein sehr Für Felix war das keine Option. Er wollte anspruchsvoller Tauchgang und sollte nur von ins Ausland, und das so schnell wie möglich. erfahrenen Tauchern betaucht werden.“ Nachdem er seine Ausbildung fertig absolviert 07


Sebastian Schäfer ist dagegen kein Freund von kaltem Wasser. Der Jurastudent hat seinen Divemasterkurs in Australien auf einem Liveaboard gemacht. Das ist ein Boot, auf dem die Taucher mehrere Tage bleiben und in Kajüten übernachten. In den darauffolgenden Semesterferien jobbte er in Ägypten. Dort herrschen angenehme 27 Grad Wassertemperatur. „Finanziell gesehen ist es definitiv kein Traumjob“, erzählt der 25-Jährige. „Ich habe den Job aber auch nie gemacht, um Geld zu verdienen, sondern um selber die Möglichkeit zum Tauchen zu bekommen.“ Der Job als Divemaster in den Semesterferien mache es möglich, mehrere Wochen im Jahr tauchen zu gehen, ohne sich dabei in Unkosten zu stürzen. Mit dem Geld, dass er dabei verdient, finanziert er sich die Flüge und das Leben in der Ferne. Was davon übrig bleibt, investiert er in neue Ausrüstungsgegenstände. „Ich würde sagen, man arbeitet kostendeckend“, sagt er. Dass es bei diesem Job aber nicht nur um Gegenleistungen in Form von Gratistauchgängen oder guten Konditionen beim Ausrüstungskauf geht, das wird auch bei Sebastians Erzählungen

schnell klar. „Der Job lohnt sich schon allein deshalb, weil man für eine gewisse Zeit dem Alltagstrott entfliehen und einfach nur die Seele baumeln lassen kann.“ Fast täglich lerne man neue Leute aus der ganzen Welt kennen und mache viele interessante Erfahrungen. Besonders in den arabischen Ländern spiele für ihn der kulturelle Austausch mit Einheimischen eine wichtige Rolle. Das lehre einem, offen und aufgeschlossen gegenüber Fremden zu sein, eine Erfahrung, die seiner Ansicht nach im späteren Berufsleben zum Beispiel beim Umgang mit Kunden nur von Vorteil sein könne. Auch den Erwerb und die Vertiefung von Fremdsprachenkenntnisse nennt er als Plus des Nebenjobs. Und was ist mit dem Klischee des Tauchlehrers als neuem Skilehrer? „Ja, an der Tauchbasis sind wir auf jeden Fall das, was der Skilehrer auf dem Berg ist“, sagt Jan lachend. Felix sieht das anders. Er findet: „Tauchlehrer sind nicht die neuen Skilehrer, nein.“ Denn Tauchlehrer zu sein sei viel cooler. „Schließlich sehen wir die Ladys nicht dick verpackt in Schneeklamotten, sondern im knappen Bikini.“

Sebastian Schäfer bei der Arbeit.

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Kurzgeschichte

Freundschaftsdienst von Carolin Hafen

Manchmal, da liege ich irgendwo herum und frage mich existenzielle Fragen wie „Warum ist der Himmel grün?“ und „Warum ist mir so kalt in dieser kaputten Welt?“ und „Warum steckt mein Daumen in einer leeren Dose Cola?“. Ich tastete mit meiner bedosten Hand in mein Gesicht und haute mir das Teil voll auf die Nase. So stellte ich fest: Ich habe eine Sonnenbrille auf. So ein rundes Hippie-Ding mit grünen Gläsern, definitiv nicht meine. So einen Quatsch würde ich mir nie kaufen. Die Frage nach dem grünen Himmel war also schnell beantwortet. Ohne Hippie-Brille ist der Himmel blau. Und wieso, in Gottes Namen, ist der blöde Himmel blau? Ich bin mir ganz sicher, die Decke über meinem Bett besteht aus Beton, oder zumindest aus irgendeinem Material, das keine Sonne durchlässt. Wäre sie nicht aus Beton, also hätte sie ein Fenster, dann könnte ich geradewegs in das Schlafzimmer meiner Nachbarn schauen und rausfinden, warum es da oben immer brummt und poltert und rumst zu nachtschlafender Zeit. Das Pärchen über mir ist sehr aktiv, aber nicht mehr taufrisch. Mir würde womöglich schlecht werden. Es gibt Dinge, die will man nicht sehen. 10

Ich setzte mich auf und stellte fest, ich lag nicht in meinem Bett, sondern auf Michaels neuem, knallrotem Sofa. Gemütliches Teil, eigentlich. Allerdings hatte ich auf einer halbvollen Chipstüte und einem Turnschuh genächtigt. Beides zog ich unter mir hervor, beides gehörte nicht mir. Kenne ich jemanden mit Schuhgröße 46? Bestandsaufnahme; gestern, ich bin ganz sicher, wachte ich in meinem Bett auf, also mit Bettzeug und einem Dach über dem Kopf. Ich stand auf, zog mich an, hübschte mich auf, trank einen Kaffee und fuhr zu Michael. Ich half bei seinem Umzug, ich erinnere mich an jede Menge Kram – also Kartons und Möbel und Klamotten und hässliche Pflanzen, die ein neues Heim verschandeln sollten. Ich erinnere mich deutlich an das rote Sofa und dass wir, eine Horde Umzugshelfer, der Meinung waren, wir sollten sofort mit der Einweihungsparty beginnen. Dann wird alles grün. Ich machte mich derweil über die Chips her, zog den linken Schuh an, weiß der Geier, wo meine Schuhe geblieben sind, und dachte nach. Ich hab ja auch noch einen Job. Als ich aufwachte, war mir nicht klar, ob heute meine Anwesenheit erforderlich wäre. Ich tastete mit meiner bedosten Hand nach mei-


ner Hosentasche – das Handy war noch da. 17 Anrufe in Abwesenheit. Der Chef, die Sekretärin, die Arbeitskollegin, die Nette, die Schlampe, die Putzfrau. Hui. Ich glaube meine Anwesenheit war tatsächlich dringend erforderlich. Ruhe bewahren. Da es schon Mittag war und ich verkatert, außerdem eh schon zu spät dran, beschloss ich, noch etwas weiterzupennen. Das Grün beruhigt ungemein. „Heee“, rief jemand. „Cherio“, rülpste ich. In dem Moment kotzte jemand aus einem Fenster im ersten Stock in den Vorgarten. Niels. Da fiel mir wieder ein, was passiert war. Michael, dieser Geizkragen, hat uns den ganzen Tag ackern lassen und wollte dann nicht mal ein Bier springen lassen, als Lohn. Geschweige denn eine Pizza. Von Prosecco für mich und die Damen vom Wohnungs-StylingTeam fange ich erst gar nicht an. Der Kotzer würgte nochmal, aber es kam nichts mehr. Ich sah mich um. Wir hatten ganze Arbeit geleistet, wir müssen im Kollektiv echt sauer gewesen sein, gestern. Michas Kram stand fein säuberlich im Garten. Die Schränke waren aufgebaut, der Computer angeschlossen, selbst die Lampen hatten alle Strom. Das Bett stand bezogen und einsatzbereit unter freiem Himmel. Die Bücher standen im Regal, der Esstisch war schön gedeckt, als hätten wir hier ein perfektes Dinner veranstalten wollen. Am Kleiderständer hing ein gebrauchtes Kondom. Spaß gehabt hatten wir wohl auch. Es dauerte mehrere Minuten, bis Niels den Weg aus der Wohnung in den Garten gefunden hatte. Im Gartenhaus hatten noch zwei von unserer Truppe genächtigt, aus der Wohnung kamen weitere drei Umzugshelfer geschlurft. „Boah, da oben sieht‘s aus!“, sagte Marc und klopfte sich Verpackungsmaterial, Styroporkügelchen und Klebeband von Hose und Pulli. Ich weiß, wo er geschlafen hat bzw.

in welchem Haufen. Und ich weiß, dass er gegen Verpackungsmaterial allergisch ist. Er wohl noch nicht. „Wo is‘n Micha?“, fragte Niels. Das war die Frage aller Fragen. Das Zentrum des Universums, sozusagen. „Wat weiß denn ich?“ „Und wo ist mein Lieferwagen?“, fragte Marc. „Was machen Sie hier?“, fragte ein Mann in schickem Schwarz und strenger Mütze. Da sind wir wieder bei den existenziellen Fragen. Ein aufmerksamer Anwohner hatte unseren Lieferwagen abschleppen lassen, weil er im Halteverbot stand, und die Polizei angerufen. Wie nett. Da Michaels Kram aber schon hier im neuen Garten war und wir mit Feiern angefangen hatten, fiel uns weder der fehlende Lieferwagen noch ein fehlender Micha auf. Der Polizist klärte uns nun darüber auf, was die Nachbarn uns zur Last legten. Ruhestörung, eh klar. Dass sich jemand wirklich über das rammmelnde Pärchen in Michas Bett aufregte, überraschte mich. Ich kann mich an keine Sauereien erinnern. Betretenes Schweigen, keiner will es gewesen sein. Mit der nichtbedosten Hand rief ich Michael an. Nach dreiundzwanzig Tutern nahm er ab. Der muss auch gut gesoffen haben. Er fand sich auf dem Parkplatz des Abschleppunternehmens wieder. Er hatte im Auto gepennt. Wohl dem, der einen festen Schlaf hat. Ich hörte, wie er aus dem Auto stolperte und frische Luft in seine Lungen presste. Ich sah ihn regelrecht vor mir, das Telefon am Ohr, mit der anderen kratzte er sich am Allerwertesten und fragte sich umschauend, in welchem Stadtteil er sich wohl aufhielt. „Und?“, fragte er mit kratziger Stimme, „kommst du morgen? Die alte Wohnung muss noch gestrichen werden.“ „Klar“, sagte ich, „warum auch nicht?“

Carolin Hafen ist Schwabe; gebürtiger Zweiundachtziger. Drittgeborene, konservativ erzogen, liberal geraten, von der Vergangenheit geprägt. Arbeitet mit der Sippe im Bauwesen; Malen nach Zahlen bekommt so eine Bedeutung. Schreibt aus Besessenheit, weil sie nichts anderes kann. Oder will. Lebt fürs Schreiben, schreibt fürs Leben gern, lebt ihr Schreiben, hier! www. zweifragezeichen.wordpress.com


Die akademischen Klassenclowns Salim und Moritz studieren in Stuttgart und Tübingen. Die beiden könnten unterschiedlicher nicht sein. Eines eint sie aber. In ihrer Freizeit stehen sie regelmäßig auf der Bühne und bringen Menschen zum Lachen. Von Christian Ignatzi

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S

alim Samatou steht auf der Bühne, das Mikrofon in der Hand, von Spots beleuchtet. Er redet mit dem Publikum, als säßen darin alte Kumpels. „Wisst ihr, dass Schnecken ganz schön rassistisch sind?“, fragt er. „Die weißen haben Häuser, während die schwarzen obdachlos sind!“ Das Publikum johlt. Bei seinem Auftritt im Stuttgarter Club Universum tritt der Wirtschaftsinformatik-Student der Dualen Hochschule beim Comedy Clash auf. Einer Spaßveranstaltung, die Marc Balluff ins Leben gerufen hat, um in Stuttgart für Lacher zu sorgen. Neben Stars der Comedy-Szene dürfen dort immer mal wieder Newcomer an den Start. So wie Salim. Der Student, der eigentlich aus Bad Kreuznach in Rheinland-Pfalz kommt, hat Balluff bei einem Auftritt überzeugt. „Er hat mir sofort einen Slot angeboten“, freut sich Salim. Vor 200 bis 300 Leuten im Uni – ist er da kein bisschen nervös? „Nein, ich ziehe immer die anderen im Backstageraum auf und versu-

che, sie im Scherz nervös zu machen“, sagt Salim. Auf der Bühne wirkt der 20-Jährige so routiniert, dass sofort klar ist: Der macht das nicht zum ersten Mal. „Ich war schon im Kindergarten immer der Klassenclown“, erzählt er. Klar, wie man es von einem Comedian eben erwartet. Erstaunlich ist seine Coolness auf der Bühne trotzdem, hat er doch erst im vergangenen September mit seiner neuen Leidenschaft angefangen. „Ein Freund von mir, Benaissa aus Köln, hat mich mit seiner Gruppe Rebell Comedy auf Deutschland-Tour eingeladen“, erzählt er. Die Vorgabe, dreimal das gleiche Programm zu spielen, fiel ihm aber nicht leicht. Salim schreibt seine Gags nicht auf. „Das ist bei mir viel Improvisation“, sagt er. „Wenn ich irgendwo auf etwas Witziges stoße, merke ich es mir und erzähle es auf der Bühne.“ Das sorgt zwar dafür, dass seine Zuschauer bei ihm nie zweimal das exakt gleiche Programm sehen, dafür lacht er selbst manchmal über seine Witze, was er „voll schlimm“ findet.

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schreibt gerade an seiner Magisterarbeit über Komiktheorie und die Harald-Schmidt-Show. „Der ist mein großes Vorbild“, bekennt er. „Schließlich ist er auch Schwabe.“ Moritz, der dieses Jahr 30 wird, oder Mitte 20, wie er es nennt, macht schon etwas länger Comedy als Salim. „Auch ich war immer der Klassenclown, klar“, sagt er. „Allerdings gab es auch Kinder, die witziger waren als ich, und das hat mich immer furchtbar aufgeregt.“ Als Marc Balluff, eigentlich bekannter Stuttgarter DJ, der regelmäßig im Zollamt und im Zwölfzehn auflegte und für Radioclash Konzerte veranstaltete, in Stuttgart mit seinem Comedy Contest startete, wusste er noch nicht, dass er Moritz Keller damit den Start in eine Comedy-Karriere ermöglichen würde. Der heute 39-jährige Balluff hat in Pforzheim Marketing studiert. „Deshalb kenne ich mich natürlich gut mit dem Promoten von Veranstaltungen aus“, erzählt er. 2009 bemerkte er, dass er bei den Poetry Slams im Keller Klub die witzigen Beiträge immer am besten fand. „Also dachte ich, es wäre cool, wenn es ein Event gäbe, wo nur die Lustigen auftreten“, sagt er.

Beim Strukturieren, Analysieren und Hinterfragen hat mir das Studium sehr geholfen.“ Moritz Keller (im Bild oben) ist beeindruckt von Salims Improvisationsleistung. „Ich fand‘s assi, als er sagte, es sei erst sein dritter oder vierter Auftritt, als ich ihn einmal gesehen habe. Der macht das so beeindruckend, dass es schon eine Frechheit ist“, sagt er – und fängt an zu lachen. Ganz so ernst meint er das nicht. Schließlich ist er selbst Comedian. Im Gegensatz zum Kollegen bereitet er sich aber lang und breit auf seine Auftritte vor. „Beim Strukturieren, Analysieren und Hinterfragen von Texten hat mir das Studium sehr geholfen“, sagt er. Moritz Keller studiert Neuere Deutsche Literatur und Amerikanistik und

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Gedacht – getan: „Ich wollte die erste Veranstaltung im Goldmarks machen, natürlich schon mit dem Uni im Hintergrund.“ Also lud er die ersten Comedians ein und pflasterte Stuttgart mit Plakaten zu. „Die hab‘ ich gesehen und mich einfach mal initiativ beworben“, erinnert sich Moritz Keller. Das war 2011. Als einer der geplanten Künstler ausfiel, bekam er die Chance. „Und so eröffnete ich den ersten Comedy Clash mit meinem Programm“, sagt Moritz. „Das war geil, gleich vor 200 Leuten, die alle gelacht haben.“ Inzwischen hat er zwei weitere Comedy-Clash-Auftritte hinter sich. „Der


zweite war scheiße, der dritte wieder gut“, sagt er. Auftritte, in denen man keine Lacher produziere, seien selten, kämen aber vor. Da müsse man durch. „Zum Beispiel beim 50. Geburtstag eines Bekannten meiner Eltern. Das kann ich keinem empfehlen.“ Die Kunst sei es, trotzdem dranzubleiben. Thematisch scherzt Salim über alles, außer über Ethno-Themen. Oft geht es um Tiere, wie in seinem Schneckengag, manchmal um die Hochschule. „Das ist fast immer Situationskomik, etwa aus Bewerbungsgesprächen“, sagt er. Selbst in seine Präsentationen an der DHBW baut er gerne komische Elemente ein. Das liegt in seiner Natur. Auch Moritz redet in seinem Programm ab und zu über seine Hochschule. Aber auch über Lkw, die die linke Spur auf der Autobahn blockieren, über Gelbe Säcke in Tübingen und feiernde junge Leute, die auch nicht mehr das seien, was sie einmal waren. „Ich experimentiere noch. Schließlich heißt es in der Comedy: Find your own voice.“ Was Moritz oft einbaut, sind intellektuell anspruchsvolle Gags. „Da muss man einen Mittelweg finden“, sagt er. „Das darf nicht zu

Wenn ich irgendwo auf etwas Witziges stoße, merke ich es mir und erzähle es auf der Bühne.“ viel sein, ich will aber auch nicht ganz damit aufhören.“ Und wie soll es bei den Nachwuchscomedians weitergehen? Nach dem Studium beim dualen Partner IBM will sich Salim zumindest nicht ausschließlich auf die Comedy konzentrieren. „Das mache ich lieber umsonst, oder mal für ‘nen Döner“, sagt er und lacht. Comedy ist sein Hobby, und so soll es bleiben. Moritz Keller denkt anders. Der Kabarettist Klaus Birk, dessen Tochter mit Moritz in der Theatergruppe der Uni Tübingen ist, bot ihm kürzlich an, bei einem Kabarett-Klub mitzuwirken, den er in Stuttgart aufbauen will. In einer Kneipe

neben der Liederhalle soll ein Ensemble von fünf Komikern regelmäßig auftreten. „Wenn das klappt, würde ich mich 30 Jahre lang aufregen, dass ich nicht mitmache.“ Plan B wäre ein Job in einer Werbeagentur. Auch da könnte er kreativ arbeiten. Wichtig sei jetzt aber erst einmal, das Studium abzuschließen, denn: „Ich bin so langsam an einem Punkt, an dem man gern mal fertig ist.“

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Die Raumnot der Architekten Seit neun Jahren ist bekannt, dass an der Hochschule für Technik (HFT) eine Fläche von mehr als 4000 Quadratmetern für Lehre und Forschung fehlt. Ein Neubau soll vom kommenden Jahr an die Probleme lösen. Die Studenten dürfen sich auf Veränderungen einstellen. Von Markus Brinkmann

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A

n der Baustelle in der Breitscheidstraße ist sicher der eine oder andere schon einmal vorbeigekommen. Dass dort die Hochschule für Technik ihren Erweiterungsbau errichtet, ist kein Geheimnis. Rund 18 Millionen Euro investiert das Land Baden-Württemberg in den Neubau. Die Folgen sind weitreichend, auch für die Studenten. Denn von 2015 an werden sie mehr Platz haben. Das führt zu Umstellungen: Die Hochschule teilt die Bauten neu zu. Im Neubau wird die Fakultät für Architektur und Gestaltung ihren Platz finden. Danach werden das Bauingenieurwesen, die Bauphysik und die Wirtschaft den Bau 3 beziehen. Damit sind diese Fakultäten direkt über ihren wichtigsten Laboren untergebracht. Vermessung, Informatik und Mathematik sind bereits im Bau 2 untergebracht. Damit, schreibt Rainer Franke, der Rektor der HfT in der Zeitschrift der Hochschule, werde in absehbarer Zeit jede der drei Fakultäten ihr eigenes Stammhaus haben. Notwendig war der Neubau in der Breitscheidstraße schon länger. Doch richtig auffällig wurde die Not erst im Jahr 2005. Eine Analyse über den Platzbedarf der einzelnen Fakultäten des Diplomstudienprogramms ergab Gravierendes. Es fehlten mehr als 4000 Quadratmeter Fläche, die für die Lehre dringend nötig waren. Die Umwandlung der Diplomstudiengänge in Bachelor und Master verschärfte den Platzmangel weiter. Franke schreibt, dass es bei damals 2200 Studenten und dem nun zehnsemestrigen, zweistufigen Studiensystem abzusehen war, dass das Flächendefizit weiter steigen werde. Mittlerweile hat die Hochschule 3700 Studenten und 37 Bachelor- und MasterStudiengänge. Sie verteilten sich auf neun Gebäude rund um die Schelling-, Kiene- und Breitscheidstraße sowie auf einen angemieteten Standort in der Lautenschlagerstraße. Im Jahr 2007 nahm das Land den Erweiterungsbau der HfT deshalb in das Hochschul-Impulsprogramm des Landes auf. Gesamtbudget: 18 Millionen Euro – einschließlich aller Nebenkosten. Der Neubau sollte auf dem Grundstück entlang der Breitscheidstraße entstehen. Schließlich

schrieb die Hochschule einen Wettbewerb aus, den das junge Architekturbüro „berger röcker architekten“ aus Stuttgart gewann. „Es ist ein Zeichen für die Architekturstadt Stuttgart, dass sich ein junges, ortsansässiges Büro durchgesetzt hat“, sagt Franke. Es sei aber auch ein wichtiges Signal für die Hochschule, denn die Fakultät Architektur und Gestaltung trage entscheidend zum guten Ruf der HfT bei. Man könnte sich vorstellen, dass es schwierig ist, als Architekt ein Haus für Architekten zu bauen. „Es ist sehr viel besser gelaufen als erwartet“, sagt Peter Röcker. „Unsere Arbeit wird nicht behindert, kritisiert oder dergleichen.“ Er sei froh darüber, dass nicht ständig mitentworfen oder mitentwickelt werde. „Das ist schließlich unser Job.“ Trotzdem nutzt die HfT den Neubau natürlich als Studienobjekt für ihre Studenten. „Wir dokumentieren den Bau und begleiten ihn“, sagt Rainer Franke. „In den nächsten Jahren wird er erstes Exkursionsobjekt sein.“ Anhand der Probleme und Herausforderungen der Architekten könne man den Studenten gut demonstrieren, wie mit Sichtbeton gebaut werde und was dabei passieren könne.

Rektor Franke glaubt an bessere Arbeitsbedingungen Der Neubau wird nun über fünf Ebenen errichtet. Im Erdgeschoss und in den drei oberen Geschossen werden Hörsäle, Präsentationsund Ausstellungsflächen sowie Bürobereiche für die Fakultätsverwaltung untergebracht. In einem ersten Untergeschoss werden große Werkstätten angeordnet, das zweite Untergeschoss dient der Unterbringung der technischen Anlagen. „Der Erweiterungsbau wird einen wesentlichen Beitrag zu besseren Arbeitsbedingungen an unserer Hochschule leisten“, freut sich Franke. Besonders ist das Raumkonzept, das sich die Architekten ausgedacht haben: Erdwärme soll mit Hilfe von Wärmepumpen für die Beheizung und Kühlung des Gebäudes genutzt werden. Darüber hinaus wird die Wärmeversorgung durch Fernwärme unterstützt. 19


Ein Blick ins Foyer des HfT-Neubaus

So groß die Freude über den Neubau bei den Verantwortlichen der Hochschule ist, zeigt sich doch, dass diese seit ihrer Gründung immer wieder mit Platzproblemen zu kämpfen hatte, zumindest laut Rektor Franke. Die Begriffe Raumnot und Finanznot hätten immer wieder eine Rolle gespielt. Denn der Neubau der damaligen Königlichen BauGewerkeschule wurde auf dem Gelände der Stallungen des Königs gebaut. Damit hatte die Schule zum ersten Mal eine eigene Adresse direkt an der ersten bürgerlichen Gartenanlage der Stadt, die zeitgleich eröffnet wurde. Das Gebäude habe damals den breiten Bildungsauftrag im Baubereich symbolisiert, den die Schule immer vertrat. Der Erste Weltkrieg verschonte deren Gebäude noch. Doch im Zweiten Weltkrieg wurde die Schule weitgehend zerstört – vor allem im Inneren. Es folgten der Wiederaufbau von 1948 an und die Boomjahre in den Fünfzigern. Damit begann auch eine Blütezeit der Hochschule – seit 1938 wurde sie Staatsbauschule genannt. Wieder machten sich Raum- und Finanznot bemerkbar. Der damalige Rektor Rolf Schmalor stellte 1982 deshalb zum 150-Jahr-Jubiläum fest, dass man zwar stolz auf das Erreichte sein könne, das aber nicht für die räumliche Situation der Hochschule gelte. „Es sei denn, man preise 20

das Wunder einer weit über die Grenzen Stuttgarts hinaus anerkannten Ausbildung von Baufachleuten, das trotz ständiger Raumnot und unzureichender Ausstattung geschehen ist“, schreibt Schmalor im Jubiläumsband. Er spricht von einem „Jubiläum des erfolglosen Bemühens seit 100 Jahren“, was das Bauliche betrifft. Ungeachtet dessen baute die Hochschule ihr Studienprogramm seit der Umwandlung zur FH weiter aus. Außerdem kamen einige Erweiterungsbauten hinzu. Bis in die 90er Jahre waren das der heutige Bau 2 an der Willi-Bleicher-Straße, Bau 4 an der Kienenstraße sowie der Bau 3, bei dem es sich faktisch um einen kompletten Neubau handle, der von einer Arbeitsgruppe der Hochschulprofessoren geplant worden sei. Mit dem jüngsten Projekt scheint eine lange Zeit des Raummangels endlich beendet. „Der Erweiterungsbau beseitigt die Defizite“, glaubt Franke. Trotzdem sei das Wachstum der Hochschule mit dem Ausbauprogramm 2012 nicht berücksichtigt. Neue Probleme, die dadurch entstünden, müssten anderweitig gelöst werden. Die HFT will weitere Flächen anmieten. „Vor allem die Hochphase der nächsten fünf bis zehn Jahre muss überbrückt werden“, sagt Franke.


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as!? a a W n diere

nce Diege s2: tCru op scie Fol

Neulich auf der USS Enterprise – also neulich im Sinne von in etwas mehr als 200 Jahren. Captain James Tiberius Kirk und Commandor Spock wollen eigentlich einen gemütlichen Nachmittag in den unendlichen Weiten verbringen, ein bisschen über Gefühle debattieren, als sie plötzlich ein Hilferuf von der Brücke erreicht. Sie eilen heran, denn eine neue Gefahr bedroht die gesamte menschliche Zivilisation, ein Bösewicht, so schrecklich, dass man es sich nicht vorstellen mag. Sein Name: Crop. Doch halt, kehren wir zurück in die Gegenwart, in der, zumindest soweit uns die Informationen dazu vorliegen, Crop keine galaktische Gefahr, sondern eine bodenständige Wissenschaft ist. Crop Science beschäftigt sich mit Nutzpflanzen und müsste jedem ein Begriff sein, der auch nur einen Hauch Ahnung von Agrarwissenschaften hat. Allen anderen, zu denen bis vor kurzem auch der Autor dieser Zeilen gehörte, ist dieser Text gewidmet. Die Universität Hohenheim ist zu Recht stolz darauf, dass man in Deutschland wohl vergebens ein so reichhaltiges agrarwissenschaftliches Studienangebot an einer Hochschule suchen würde. Der vier Semester dauernde englischsprachige Masterstudiengang Crop Science bietet 40 Plätze, die nicht nur unter Deutschen begehrt sind. Internationalität ist

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Trumpf, geschätzt zwischen 40 und 50 Prozent der Studenten sind Ausländer, in anderen Studiengängen der Agrarwissenschaftler sind es sogar noch mehr. Wer sich für Crop Science entscheidet, bekommt es zurzeit noch mit drei Fachbereichen zu tun. Erstens: Plant Breeding and Seed Science, also die Wissenschaft von der Pflanzenzüchtung und die Auseinandersetzung mit Saatgut. Zweitens: Crop Protection, also eine Beschäftigung mit Strategien für den Pflanzenschutz. Und drittens: Crop Physiology and Nutrition. Einige der Fragen hier: Wie ernähren sich Pflanzen, welche Symbiosen gehen sie ein, und wie kann ihre Qualität verbessert werden? Demnächst müssen sich Studieninteressierte nach Angaben der Studiengangskoordinatorin Kerstin Hoffbauer auf eine Umstrukturierung einstellen. Der Breeding-Block bleibt demnach unberührt, die anderen beiden Bereiche werden zusammengelegt. Neuer Schwerpunkt dann: Biotechnology and Protection. Ein Ziel von Crop Science: ein besseres Verständnis von Pflanzen und ihren biologischen, physiologischen, molekulargenetischen und biometrischen Prinzipien und Prozessen im Dienste der Ernährung zu entwickeln. So gesehen so ziemlich das genaue Gegenteil eines Star-Trek-Bösewichts. (ben)


Die Uhrzeit ist am Rathausturm auf jeder der vier Seiten ablesbar. Neben dem großen roten Ziffernblatt auf der Marktplatzseite ist auch eine Uhr angebracht, die die Mondphase anzeigt. Eine solche findet man auch auf der Rückseite, zum Altbau hin. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden in Stuttgart mehr als 300 Straßen zu Propagandazwecken umbenannt. Schon 1933 machte man die Planie zur Adolf-HitlerStraße. Auch ein Abschnitt der Stuttgarter Straße in Feuerbach trug diesen Namen. Der Charlottenplatz wurde zur Danziger Freiheit, der Marienplatz zum Platz der SA. Vor genau hundert Jahren gab es 318 registrierte Kraftfahrzeuge in Stuttgart. Zunächst leisteten sich vorwiegend Unternehmen die kostspieligen Transportmittel. Heute sind in unserer Landeshauptstadt allein mehr als 220.000 Autos auf Privatpersonen zugelassen. Weitere unnütze Fakten über Stuttgart gibt es im Netz auf www.unnuetzes-stuttgartwissen.de oder auf Facebook. 18


Buch des Monats

In der Hitze Südfrankreichs

Simon Beckett ist Krimi-Fans ein Begriff, klar. Das ist doch der mit den Büchern über den forensischen Anthropologen David Hunter. Mit „Chemie des Todes“, „Kalte Asche“, „Leichenblässe“ und „Verwesung“ ist der Autor berühmt geworden. Doch sein neuestes Buch ist anders. Denn David Hunter spielt in Becketts neuntem Thriller keine Rolle. Trotzdem ist „Der Hof“ ein Krimi – wenn auch nach anderem Muster. Sean ist auf der Flucht. Wovor? Man weiß es nicht. Er muss nur weg. Mit seinem Auto rast er durch die Felder Südfrankreichs. Es ist heiß. Immer wieder schaut Sean auf den Beifahrersitz. Dort ist ein riesiger roter Blutfleck. Woher er kommt? Der Leser wird es erst im Laufe des Romans erfahren. Jedenfalls stellt Sean sein Auto ab und flieht zu Fuß – bis er einen stechenden Schmerz im Bein spürt. Sean sitzt in einer rostigen Eisenfalle fest. Fast verblutet und beinahe bewusstlos wird er schließlich von den hübschen jungen Frauen Mathilde und Iris gerettet. Doch wer 24

glaubt, dass Sean in Sicherheit ist, hat sich getäuscht. Denn der Vater Arnaud duldet eigentlich keine Fremden in seinem Haus. So weit die Haupthandlung. Denn „Der Hof“ erzählt eigentlich zwei Geschichten. Simon Beckett schiebt immer wieder Seans Erinnerungen dazwischen. Nach und nach begreift der Leser, dass nicht nur der Bauernhof in Südfrankreich ein dunkles Geheimnis besitzt, sondern auch Sean selbst. Für DavidHunter-Fans ist der Krimi gewöhnungsbedürftig. Die Geschichte zieht sich oft in die Länge, und Beckett verfängt sich in Details. Dafür ist die Spannung subtiler als in Becketts anderen Büchern. Hat man sich an diese neue Art des Autors gewöhnt, darf man sich auf ein wirklich spannendes Buch freuen. Auch allen anderen Krimi-Fans sei der Griff zu „Der Hof“ geraten. Spannung garantiert. (msb) Simon Beckett, Der Hof - Krimi/ Thriller, Wunderlich Verlag, 464 Seiten, ISBN: 978-3805250689, 19,95 €


Der Liebling der Redaktion

Süchtig nach Schnapspralinen

Eines Tages steht er einfach so vor der Tür und fragt nach Eiern und Mehl, weil er sich gerne Pfannkuchen backen würde – Marc-Uwe Klings neuer Nachbar. Das klingt zunächst nicht ungewöhnlich. Wenn es sich dabei allerdings um ein Känguru handelt, das kurz darauf auch noch ungefragt bei ihm einzieht, hört der Spaß auf. Oder fängt er gerade erst an? Bei den „KänguruChroniken“ des in Stuttgart geborenen Kleinkünstlers, Autors und ehemaligen deutschsprachigen Poetry-Slam-Meisters ist Letzteres der Fall. In der WG und auf den Straßen Kreuzbergs erleben sein Känguru und er fortan viele Abenteuer. Was schon nach kurzweiligem Lesevergnügen klingt, ist handwerklich kaum besser zu machen. Klings intellektuelle Sprache, die subtile und weniger subtile Gesellschaftskritik und die politische Einstellung des Kängurus, das Kommunist ist und nach eigenen Angaben einst im Vietkong war, fließen zu einem Gesamtkunstwerk zusammen, das seinesgleichen sucht. Besonders schön: die im klassischen Stil geschriebenen Kurzgeschichten, die stets in einer Pointe enden, bauen aufeinander auf. Die Beziehung des nach

Schnapspralinen süchtigen Beuteltiers und seines Mitbewohners entwickelt sich stetig, erlebt Höhen und Tiefen, und irgendwann sind der „notorische Kleinkünstler“ und sein ständig plappernder Freund trotz ständiger Streitereien ein Herz und eine Seele. Dann und wann findet sich wohl jeder Leser in einem der beiden Hauptcharaktere wieder. Oder er wünscht sich zumindest, selbst so agieren zu können, wie es die beiden manchmal tun. Nervende Hunde von breitkreuzigen Glatzköpfen durch den Park kicken, den Hausmüll an der Kinokasse abgeben oder Grammatikfehler auf Graffiti übersprühen – wollen wir das nicht alle? Mark-Uwe Klings „KänguruChroniken“ lassen zumindest ein wenig davon träumen. Und wer nicht genug von den Geschichten des Chronisten bekommen kann: Am 10. März erschien der dritte Teil der KänguruKurzgeschichtenreihe, „Die KänguruOffenbarung“. Ein Muss für jeden Fan. Tipp: Wer zu faul zum Lesen ist, sollte sich unbedingt das Hörbuch in der Liveversion zulegen. (ci) Marc-Uwe Kling, Die Känguru-Chroniken Kurzgeschichten, Ullstein, 272 Seiten, ISBN 978-3548372570, 8.99 €. 25


Die Emanzipation des Geistes Eine wirklich freie Universit채t - das ist der Traum einer Gruppe junger Menschen, die in Stuttgart ein Experiment der Selbstverwaltung und Selbstentfaltung gestartet haben. Anders sein als die Staatlichen wollen auch private und kirchliche Hochschulen. Motto: Vielfalt und St채rke durch Individualit채t. Von Ben Schieler

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D

ie Geschichte des Uniexperiments kennt viele Anfänge. Einer davon spielt vor sechseinhalb Jahren in Freiburg im Breisgau und beginnt mit einer Horde Abiturienten – und ihren Lehrern. Den Schülern passte nicht, was ihnen auf dem Weg zur Reifeprüfung vorgesetzt wurde. Mehr als das passte ihnen nicht, wie es ihnen vorgesetzt wurde, mit Methoden, die Ansprüchen und Bedürfnissen der Gegenwart gnadenlos hinterherhecheln, die träge und anpassungsunwillig sind. Die Schüler beschränkten sich nicht aufs Lamentieren, sie konzentrierten sich auf die Aktion. Zehn von ihnen verließen die Schule, gründeten den Verein Methodos, engagierten eigene Lehrer und verpflichteten sich aufs selbstständige Lernen. Ein Jahr lang bereiteten sie sich auf die Abiprüfung vor. Mit Erfolg. Das Modell blieb keine Eintagsfliege. Neue Abiturienten wuchsen nach. Methodos erfindet sich seit seinem Start permanent neu, weil jede Gruppe ihre eigenen Vorstellungen, ihren eigenen Gestaltungswillen mitbringt. Alia Ciobanu, Abijahrgang 2011 und Autorin des Buchs „Revolution im Klassenzimmer“, hat sich diesen revolutionären Geist bewahrt. Sie probierte es an der Uni Freiburg, begann dort ein Philosophie-Studium, resignierte aber rasch. „Am meisten enttäuscht hat mich die Passivität“, sagt sie. „Ich dachte, ich würde dort auf Menschen voller Neugierde treffen. Stattdessen bin ich auf die Konsumhaltung gestoßen, wegen der ich drei Jahre zuvor die Schule verlassen hatte.“ So kam es, dass Alia mit anderen Desillusionierten im Herbst 2012 auf einer Tagung der Plattform - Berufswege für junge Menschen auf der Suche nach ihrer Berufung in Witten zusammentraf. Sie überlegten sich, wie man ein Studium individueller, erkenntnisorientierter und schrankenloser gestalten kann. Die Lösung? Eigeninitiative, Willen – und eben eine gehörige Portion Neugierde. Die Idee für das Uniexperiment war geboren. Das Glück und der Zufall wollten es so, dass dieses Uniexperiment im September 2013 seine Basis im Stuttgarter Osten fand, in der Schellbergstraße 44 unweit der Uhlandshöhe, in einem Haus, das ihnen das Freie Jugendseminar Stuttgart zur Verfügung

Alia Ciobanu stellte. Dort lebt und wirkt sie nun, die bunte WG aus derzeit 14 Experimentierfreudigen, verteilt auf acht Zimmer, die sich ihrer Verpflichtungen entledigten, um gemeinsam etwas aufzubauen. Einige sind in ihren Zwanzigern, wenige über 30, der Älteste Mitte 40. Studienabbrecher wie Alia sind genauso darunter wie Menschen, die sich trotz Hochschulabschluss nicht am Ende des Lernens wähnen, oder andere, denen der Staat die Fachhochschulreife abspricht. Zu letzteren zählt Martin, 20, aus Gechingen bei Calw. „Studieren ist für mich ein existenzielles Bedürfnis. Ich kann gar nicht anders, als zu versuchen, mir Sachverhalte klarzumachen und Zusammenhänge zu verstehen“, sagt er. Das Schienendenken vieler, die mit dem Beginn ihres Studiums den Weg in einen Konzern schon gepflastert sehen, widerstrebt ihm. Er will kein Format bedienen oder erfüllen. „Aufgaben“, glaubt er, „finden einen.“ Das gilt auch für die Projekte, die im Uniexperiment die anderswo üblichen Studiengänge ersetzen und so breit gefächert sind wie die Mitglieder der Gruppe. Alia geht der Frage nach, was Demut ist, woher sie kommt und was sie bewirken kann. Martin lebt einen Gestaltungsdrang aus und beschäftigt sich mit Architektur, Stadtplanung und Stadtgestaltung. Johannes, 21, aus Böbingen an der Rems möchte Geräusche und Töne materiell zu fassen bekommen und sie als Schauspiel auf die Bühne bringen. Und Max, 27


26, Elektriker aus dem hessischen Marburg, verfolgt gleich mehrere Projekte: Arbeiten mit Stein und Marmor zum Beispiel, oder Göttersagen und Religionen. „Die Motivation, etwas bewegen zu wollen, hat bei uns ein Superklima geschaffen“, sagt er.

Unweit der Uhlandshöhe: Johannes, Max und Martin Studienabschlüsse im klassischen Sinne können die Immatrikulierten nicht machen. Aber das stört keinen. Das Fundament des Uniexperiments sind bohrende Fragen, der Wunsch nach Selbstentfaltung und der Drang, festgefahrenen Denkprozessen etwas entgegenzusetzen. Das wird jedem deutlich, der sich durch die Webseite des Uniexperiments wühlt. Sie zeugt von strotzender Energie – und von dem Chaos, das wohl bei einer Gruppenzusammensetzung wie dieser unvermeidbar ist, das man deswegen nachsehen muss. Nach einem halben Jahr will die Gruppe im Rahmen eines offenen Wochenendes Ende März Bilanz ziehen und einen Weg finden, wie sie ihre Vision von der Alternative verbessern und das Angebot verstetigen kann. Kooperationspartner, egal ob für individuelle Projekte oder das Kollektiv, sind willkommen. Verbindungen bestehen bereits zur zehn Minuten Fußweg entfernten Freien Hochschule 28

Stuttgart. Sie ist eine von mehreren nichtstaatlichen, aber staatlich anerkannten Hochschulen in der Region, die sich mit speziellen Angeboten etabliert haben. Im Falle der Freien Hochschule ist das die Ausbildung von Waldorfschullehrern. Das Seminar für Waldorfpädagogik verfolgt laut der Sprecherin Daniela von Pfuhlstein ebenfalls einen alternativen Anspruch in der Lehre. „Unsere Studenten fragen sich, wie sie Schule und Unterricht so gestalten können, dass Kinder ihre Ideale, Fähigkeiten und Zukunftsimpulse finden und verwirklichen können“, sagt sie. Wirft man einen näheren Blick auf das Angebot der privaten oder kirchlichen Hochschulen, bemühen sie sich auf zwei unterschiedlichen Wegen von ihren staatlichen Pendants abzuheben. Entweder sie bieten etwas, das es sonst nicht gibt wie die evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Tübingen, oder Anlaufstellen zum berufsbegleitenden Studium wie die Hamburger Fernhochschule und die Württembergische Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie. Letztere stellt sich im Sommersemester unter anderem in Stuttgart neu auf. Oder sie versuchen bekannte Studieninhalte abseits vom Massenbetrieb der Staatlichen attraktiver zu gestalten. Die Freie Kunstschule Stuttgart etwa wirbt mit einer individuelleren Betreuung und niedrigeren Einstiegshürden gemäß dem Leitsatz „Ars filia libertatis“ – frei nach Friedrichs Schillers Ausspruch „Kunst ist eine Tochter der Freiheit“. Die Esslinger LaziAkademie rühmt sich, mit ihren Lehrplänen auf Trends schneller zu reagieren. Die SAEInstitute wollen durch neuestes Equipment und eine familiäre Atmosphäre punkten. Und die MHMK, die Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation, nach eigenen


Angaben die größte private Medienhochschule Deutschlands, sieht ihre Absolventen nicht nur durch eine praxisorientierte Ausbildung und ein obligatorisches Auslandssemester optimal auf die Berufswelt vorbereitet. Durch gute Kontakte in die Wirtschaft könne man Absolventen auch besser vermitteln. Die Career Managerin der MHMK in Stuttgart, Dagmar Brüssau, ist – das dürfte nicht überraschen – ein Fan privater Hochschulen. Ihre Begründung aber spricht dafür, dass sie eine Überzeugungstäterin ist. „Ich habe selbst sowohl an einer staatlichen als auch an einer privaten Hochschule studiert“, sagt sie. Die Situation an privaten Hochschulen sei nachweislich komfortabler, weil die Betreuungsrate besser sei. „Du gehst als Student weniger unter“ – ein Satz, den man so oder so ähnlich von Vertretern nichtstaatlicher Hochschulen häufig hört. Doch individuelle Betreuung hat ihren Preis. Und wenn es ums Geld geht, versteht nicht nur der Schwabe keinen Spaß mehr. Der Verdacht der Profitorientierung und Gewinnmaximierung steht im Raum, ein generalisiertes Vorurteil, „das nur ganz schwer auszurotten ist“, wie Markus Merz, der Leiter der Merz Akademie Stuttgart, bedauert. Das ärgert ihn, weil der Vorwurf zumindest bei Hochschulen wie seiner, die vom deutschen Staat als gemeinnützig anerkannt sind, schlichtweg nicht gerechtfertigt sei. Die Hochschule für Gestaltung, Kunst und Medien (siehe Foto auf Seite 26) blickt auf eine fast 100 Jahre lange Geschichte zurück. Albrecht Leo Merz gründete sie 1918, seine Geschichte weist Parallelen zu den Gestaltern des Stuttgarter Uniexperiments auf. Merz sympathisierte mit der Jugendbewegung vor dem Ersten Weltkrieg, deren Anhänger sich gegen das Bildungsbürgertum stellten und das „Wissen vom rechten Leben“ erwerben wollten, das sie in Schule und Elternhaus vermissten. Die Chronik zum 90-jährigen Bestehen des Familienunternehmens berichtet, was Merz 1913 auf dem Fest der Freideutschen Jugend auf dem Hohen Meissner bei Kassel seinen Zuhörern in einer feurigen Rede entgegenschmetterte: „Was redet ihr pausenlos, ihr Schwätzer, tut endlich was!“ Ein Kindergarten, eine Schule mit Internat und eben eine Hochschule tragen heute

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Markus Merz ist seit mehr als 30 Jahren Leiter der Merz-Akademie den Namen Merz, und Albrecht Leos Enkel mahlen, wie sie mahlen. Schon gar nicht will Markus, inzwischen auch schon seit mehr er das schweigend hinnehmen. Als die Merz als drei Jahrzehnten Leiter der Akademie, Akademie unter dem Ministerpräsidenten hält die Vorstellungen des Opas von einem Lothar Späth 1985 die staatliche Anerkennung Zusammenspiel von geistigem Erkennen erhielt, seien private Hochschulen als Stätten und schöpferischem Gestalten weiter hoch. vielfältiger Bildungschancen ergänzend zu Spätestens als Student sollte man seiner den staatlichen Hochschulen noch politisch Ansicht nach lernen, gewünscht gewesen, selbstständig zu deninzwischen sieht er sich ken und zu handeln. Der – auch von der grün-roBegriff der „Autorschaft“ ten Landesregierung liegt Markus Merz beson– „wie ein Bittsteller“ ders am Herzen. Bei allem, Was mit den behandelt. Arndt was seine Studenten tun Geisteswissenschaften an Oschmann, der Sprecher und gestalten, sollen sie des baden-württemberkritisch reflektieren und der Uni Stuttgart passiert, gischen Ministeriums für einen Gesellschaftsbezug ist eine Katastrophe.“ Wissenschaft, Forschung herstellen. Die Theorie und Kunst, würdigt nimmt deswegen an der die nichtstaatlichen Merz Akademie einen übergeordnet großen Hochschulen zwar dafür, dass sie das Angebot Stellenwert ein. Sie läuft nicht nur nebenerweitern und ergänzen, die Zuschüsse an die her, sondern ist verschränkt mit gestalteriTräger ist wegen steigender Studentenzahlen schen Inhalten. Dass an etlichen staatlichen aber faktisch gesunken, laut Oschmann um Hochschulen die Geisteswissenschaften als fünf Prozent pro Kopf. brotlos verschrien sind und unter Kürzungen Markus Merz kritisiert das. Seiner Ansicht darben, fuchst ihn gewaltig. „Was zum nach müsste es noch deutlich mehr privaBeispiel an der Uni Stuttgart passiert, ist eine te Hochschulen geben, um die staatlichen Katastrophe“, sagt er. Gegenstücke zu entlasten. Voraussetzung sei Es ist nicht der einzige Anlass für Merz, mit eine kritische Durchleuchtung und dadurch staatlichen Stellen im Clinch zu liegen und eine gesicherte Qualität. „Aber die Mittel, nicht so recht zu verstehen, warum die Mühlen das zu überprüfen, haben wir längst.“ 30


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Nichtstaatliche Hochschulen Merz Akademie Standort: Stuttgart-Ost Studiengänge: Gestaltung, Kunst und Medien, Bachelor und Master (seit 2012). Im Bachelor mit den drei Studienrichtungen New Media, Film und Video oder Visuelle Kommunikation. Studenten insgesamt: 270 Anfänger pro Semester: durchschnittlich 35 Lehrpersonal: 10 Professoren, 60 Lehrbeauftragte Kosten: 374 € (Bachelor) bzw. 395 € (Master) monatlich + 75 € Einschreibegebühr Förderung: BAföG, Studienkredite, Stipendien des Freundeskreises der Merz-Akademie Web: www.merz-akademie.de

Freie Hochschule Stuttgart Seminar für Waldorfpädagogik

Standort: Stuttgart-Ost Studiengänge: Lehramt an Waldorfschulen und Eurythmie, Bachelor und Master. Auch Seminarstudiengänge für Menschen ohne Hochschulzugangsberechtigung Studenten insgesamt: ca. 300 Anfänger pro Semester: ca. 70 Lehrpersonal: 25 hauptamtliche Dozenten, ca. 80 Gastdozenten Kosten: 900 € pro Semester Förderung: BAföG und Stipendien Web: www.freie-hochschule-stuttgart.de

Hamburger Fernhochschule Standort: Stuttgart-Nord und -Ost, mehr als 50 weitere in Deutschland Studiengänge: diverse ausbildungs- oder berufsbegleitende in den Bereichen Wirtschaft und Technik sowie Gesundheit und Pflege Studenten insgesamt: 1135 (in Stuttgart) Anfänger pro Semester: ca. 85 Lehrpersonal: mehr als 50 Dozenten Kosten: zwischen 125 € und 295 € monatlich (Bachelor) bzw. 390 € (Master) Förderung: Aufstiegsstipendium oder über den Arbeitgeber Web: www.hamburger-fh.de

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Freie Kunsts

Standort: StuttgartStudiengänge: Basis und Studium Freie K Studenten insgesam Anfänger pro Seme Lehrpersonal: 15 Do Kosten: 1500 € pro Förderung: BAföG u Fördervereins Web: www.freie-kun


in der Region - eine Auswahl

schule Stuttgart

-Münster sstudium (2 Semester) Kunst (6 Semester) mt: 72 ester: 20 bis 25 ozenten Semester und Stipendien des

SAE-Institute Stuttgart Standort: Stuttgart-Feuerbach und 55 weitere weltweit Studiengänge: diverse in audiovisuellen Medien (Diploma, Bachelor und Master) Studenten insgesamt: ca. 250 (in Stuttgart) Anfänger pro Semester: 75 Lehrpersonal: ca. 100 Dozenten Kosten: ab 2040 € Förderung: Studienkredite und Finanzierungspläne Web: www.stuttgart.sae.edu

MHMK Stuttgart Standort: Stuttgart-Bad Cannstatt, München, Köln, Hamburg, Berlin und Mailand Studiengänge: in den Bereichen Medien und Kommunikation, Design und Management (Bachelor) Studenten insgesamt: 300 (in Stuttgart) Anfänger pro Semester: ca. 25 im Sommer, ca. 85 im Wintersemester Lehrpersonal: 10 ProfessorInnen, zwischen 35 und 40 freie Dozenten Kosten: Semestergebühren 4900 € + 200 € Anmeldegebühr. Förderung: flexible Zahlungsmodelle, diverse Stipendien, BAföG. Web: www.mhmk.de

Lazi Akademie Esslingen Standort: Esslingen am Neckar Studiengänge: Film und Mediendesign, Fotografie und Fotodesign sowie Grafik- und Kommunikationsdesign Studenten insgesamt: 150 Anfänger pro Semester: 15 pro Fachbereich Lehrpersonal: 23 Kosten: Zwischen 440 € und 540 € monatlich Förderung: BAföG Web: www.lazi-akademie.de

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Über Lucky Luke zu Äffle & Pferdle Heiko Volz ist der Mann hinter den Texten der schwäbischen Kultfiguren. Ein Gespräch an einem seiner Lieblingsorte in Stuttgart - dem Monte Scherbelino. Von Ben Schieler

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Ich habe zwei Jahre in Frankfurt gelebt, aber es zieht mich immer wieder nach Stuttgart zurĂźck.“

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Heiko, du hast dir als Ort für das Gespräch den Monte Scherbelino gewünscht. Warum? Weil er einen der schönsten Blicke auf Stuttgart liefert. Ich komme hier immer wieder gerne hoch, um mich zu entspannen und den Blick schweifen zu lassen.

Welche Gedanken kommen dir dabei? Eigentlich nur positive. Ich schaue von hier oben immer nach auffälligen unbekannten Gebäuden und versuche bis zum nächsten Mal herauszufinden, was für welche es sind. Angesichts der Trümmer denke ich aber auch an die Geschichte Stuttgarts. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs musste der 15-jährige, spätere Erfinder von Äffle & Pferdle, Armin Lang, gemeinsam mit seinen Klassenkameraden als Flakhelfer an die Geschützstellungen, die auf feindliche Bomber schießen sollten. Sein sechs Jahre jüngerer Bruder Volker schlich sich mit Hefezopf von der Mutter durch den Wald zu ihm hoch. Volker Lang war auch an der Entwicklung von Äffle & Pferdle beteiligt und spricht heute das Pferdle.

Bist du ein Lokalpatriot? Aufgewachsen bin ich im Schwarzwald, dann auf den Fildern. Dort gab es immer viel Grün. Der Wald war gleich hinterm Haus. 1994 zog ich in den Stuttgarter Westen. Auch hier ist der Wald nicht weit. An Stuttgart gefällt mir der Mix aus Stadt und Land. Zwei Jahre lang arbeitete ich in Frankfurt. Aber es zog mich wieder zurück. Zum Stadtleben habe ich seit meiner Zeit als Verlagsleiter beim Stadtmagazin Prinz eine tiefe Beziehung. Damals war ich in jedem Club, auf jeder Party, kannte jedes Restaurant, jedes Fitnessstudio und jeden Szene-Frisör. Na ja, fast.

Du hast an der Württembergischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakadamie (VWA) studiert. Wie kam es dazu? Nach der Schule wusste ich zuerst nicht, was ich machen soll. Ich war ein großer ComicFan, habe auch welche für mich gezeichnet. So begann ich 1980 eine Ausbildung zum Verlagskaufmann beim Ehapa-Verlag, bei dem 36

zum Beispiel Asterix, Micky Maus und Lucky Luke erschienen. In der Redaktion und im Marketing gefiel es mir am besten, eine Stelle im Marketing gab es aber nur bei einem abgeschlossenen Studium. An der VWA lief das berufsbegleitend. Unter der Woche arbeitete ich bis 17 Uhr im Verlag in LeinfeldenEchterdingen. Dreimal die Woche hatte ich von 18 bis 21 Uhr in Stuttgart Kurse. Am Samstagvormittag musste ich manchmal auch hin. Es war ein recht hartes und kompaktes Studium. Fachbegriffe wurden beispielsweise kaum erklärt, vieles als selbstverständliches Wissen vorausgesetzt. Anfangs waren wir etwa 60 Studenten. Gepackt hat es nur jeder vierte von uns.

Ein richtiges Studentenleben war also nicht drin? Nein, es war eher eine Doppelbelastung. Wobei ich den Vorteil hatte, ein reguläres Einkommen zu beziehen. Wir sind dann halt nach 21 Uhr noch um die Häuser gezogen. Meist auch in typische Studentenkneipen. Und weil mir die Kurse für Wirtschaftswerbung gefielen, habe ich gleich noch ein MarketingStudium hintendran gehängt.

Wie ging es nach dem Studium weiter? Ich habe eine klassische MarketingKarriere durchlaufen, Marketingassistent, Produktmanager, Marketingleiter, bis hin zum Verlagsleiter. Vor zwölf Jahren habe ich mich dann selbständig gemacht. Ich arbeite heute als Marketing- und PR-Berater, Werbetexter und Konzeptioner, Journalist und Autor. Meine erste Stelle habe ich schon 1987 bekommen, als ich noch ein halbes Jahr lang Studium vor mir hatte, unter der Voraussetzung, dass ich den Abschluss schaffe. Das ist eben so: Man braucht dieses Papier, um sich bewerben zu können. Das wollen die Arbeitgeber sehen. Aber viel wichtiger ist das, was man gelernt hat, was man im Kopf mitnimmt und dann täglich umsetzen kann. Und man hört das ganze Leben nie auf zu studieren.

Du hast auch schon als Gast- und Fachdozent an der Akademie der media Vorträge gehalten. Wie erlebst du die Studenten von heute?


Ich habe den Eindruck, Studenten sind heute aufgeschlossener und selbstbewusster, aber auch konsum- und erfolgsorientierter. Früher waren sie etwas revolutionärer, gesellschaftskritischer und lässiger. Ich glaube aber, dass das eine Wellenbewegung ist. Das wandelt sich wieder.

Du bist in vielen Medien- und Marketingbereichen aktiv. Welchen Stellenwert nehmen Äffle & Pferdle in deinem Berufsleben ein? Die Arbeit mit Äffle & Pferdle ist nicht am besten bezahlt, macht aber am meisten Spaß. Wenn ich für Werbeagenturen, Verlage, TV-Anstalten oder für Unternehmensberater arbeite, verdiene ich natürlich besser. Ein angenehmer Nebeneffekt ist, dass die Figuren bekannt sind und einen hohen Sympathiewert haben. So verhelfen sie mir zu neuen Kontakten und Aufträgen. Durch die beiden habe ich auch ein riesiges Netzwerk, was für mich als Selbständigen sehr wichtig ist.

Erleben Äffle & Pferdle dank des Internets eine Renaissance? Ja, ein bisschen ist das so. 1996 verstarb Armin Lang. 1999 wurde die Produktion neuer Spots eingestellt. Durch Veränderungen des regionalen Werbefernsehens benötigte der SWR keine neuen Folgen mehr. Eine Zeit lang brachte er Wiederholungen, dann gar nichts mehr. Aber auf der Webseite, bei Youtube oder bei Facebook zeigte sich, wie groß die Fangemeinde trotzdem noch war. Als 2008 Silberbrunnen eine Marktforschung betrieb, um herauszufinden, wie beliebt Äffle & Pferdle noch sind, war die Resonanz riesig. Auf Youtube sind es Millionen Klicks. Auch bei Facebook passiert richtig was. Ich poste jeden Morgen etwas zwischen dem Brezelholen und dem Frühstücken. Wenn dann ein Post 3500 „Gefällt mir“ bekommt und eine Reichweite von 180.000 erreicht, weil er 2000-mal geteilt wurde, ist das schon irre. Aber auch die Bücher beim Esslinger Verlag, die wir in den vergangenen drei Jahren gemacht haben, sind Bestseller in Baden-Württemberg.

Heiko Volz, geboren 1961 in Calw, kam nach der Ausbildung als Verlagskaufmann an die Verwaltungsund Wirtschaftsakademie BadenWürttemberg in Stuttgart. 1985 bis 1991 studierte er dort Wirtschaftswerbung und Marketing. Nach langjähriger Tätigkeit in Verlagshäusern machte er sich 2002 als Marketing/PR-Berater und Medienentwickler selbständig. Seit 1999 denkt er sich als Autor die Geschichten für Äffle & Pferdle aus, seit 2010 leiht er dem Äffle seine Stimme.

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Neu im Kino:

Lone Survivor – Action, Drama, USA. Start: 20.3.2014. Regie: Peter Berg. Mit: Mark Wahlberg, Emile Hirsch, Taylor Kitsch, Ben Foster, Eric Bana u. a. (121 Minuten)

Der einsame Patriot Ein vierköpfiges Team der Spezieleinheit Navy SEALs begibt sich angeführt von Marcus Luttrell (Mark Wahlberg), auf der Suche nach einem hochrangigen Taliban-Mitglied in die Berge der afghanischen Provinz Kunar. Aufgrund eines unvorhergesehenen Zwischenfalls flüchten die vier Soldaten bald vor einer kleinen Armee der Taliban. „Lone Survivor“ basiert auf dem gleichnamigen Buch, geschrieben von Luttrell höchstpersönlich, und erzählt von den wahren Ereignissen dieser Operation. Und auch wenn hier von sehr traumatischen Begebenheiten erzählt wird, benötigt man eine gehörige Portion amerikanischen Patriotismus, um diesen Film gänzlich genießen zu können. Die Elitesoldaten wirken sehr austauschbar, und nach Jahrzehnten voller Kriegsdramen hat das Setting auch nichts Frisches mehr zu bieten. Anfangs wird noch versucht, die vier Protagonisten als Familienmenschen zu zeichnen und ihnen Tiefe zu geben, doch nach einer kurzen Einsatzbesprechung geht es auch schon direkt mit dem Helikopter in Richtung Kriegsgebiet. Dort bleibt und endet der Film auch. Es wird geschlichen, geschossen und in die Luft gejagt. Um die Spannung länger aufrechtzuerhalten, hätte unter Umständen ein anderer Titel gewählt werden müssen. (ay)

Siri 2.0 Theodore Twombly (Joaquin Phoenix) versucht seine Scheidung zu verarbeiten und zieht sich immer weiter aus der Gesellschaft zurück. Er kauft sich ein neuartiges Betriebssystem mit der ersten künstlichen Intelligenz. Nach kurzer Kalibrierung stellt sich eine Frauenstimme als Samantha (Scarlett Johansson) vor. Von diesem Zeitpunkt an begleitet die omnipräsente Samantha Theodore auf jedem seiner Geräte. Zeitlich ist der Film in der nahen Zukunft angesiedelt, und noch nie sah die Zukunft so realistisch aus. Die Mode hat sich geringfügig verändert, und auch die Technik hat sich nachvollziehbar weiterentwickelt. Allgemein ist das Szenenbild aus einem Guss. Alles wirkt ästhetisch und wie aus einem Architektur-Magazin. Schauspielerisch liefert jeder Akteur Höchstleistungen ab. Allen voran Scarlett Johansson, die allein durch ihre Stimme komplexe Gefühle vermittelt, die so mancher Schauspieler nicht einmal mit Zuhilfenahme seiner physischen Präsenz darbieten könnte. „Her“ ist sicher kein klassischer Liebesfilm, sondern ein Film über Liebe in jeder ihrer Formen. Auch – wenn nicht sogar vor allem – über Trennung und Einsamkeit. Ein Film für Menschen jeglichen Beziehungsstatus. (ay) 40

Her – Sci-Fi, Romanze, USA, Start: 27.3.2014. Regie: Spike Jonze. Mit: Joaquin Phoenix, Scarlett Johansson, Rooney Mara, Amy Adams u. a (126 Minuten)


Das Leben - ein Puzzle Da sitzt er nun, der Xavier (Romain Duris), skypend mit seinem Verleger in Paris – und fragt sich, wie zum Teufel nur ihn das Leben nach New York führen konnte, erst in die Wohnung zweier Lesben in Brooklyn, dann nach Chinatown, verlassen von seiner Frau Wendy (Kelly Reilly), die aus Paris geflohen ist und nun mit dem Neuen am Central Park residiert. Xavier, der Schriftsteller, will das „Chinesische Puzzle“ (so der Originaltitel) knacken und bekommt Unterstützung von Freunden, die sich ihrerseits fragen, wieso das Leben mit Ende 30 noch immer so kompliziert ist. Mit „L’Auberge Espagnole“ (siehe unten) fing alles an, mit dem „Wiedersehen in St. Petersburg“ ging es weiter. Nun führt Cédric Klapisch einen Teil der alten Barcelona-WG wieder zusammen. Die existenziellen Fragen sind alles andere als neu, das aber macht Klapisch mit charmanten Einfällen wett. Etwas schade: die im Film vergangene Zeit deckt sich nicht mit der Realität, da waren Richard Linklater, Ethan Hawke und Julie Delpy in der „Before“-Reihe konsequenter. Dennoch: kein herausragender, aber ein unterhaltsamer Film für alle, die der Fehlschätzung nachhängen, das Leben werde im Laufe des Älterwerdens automatisch einfacher. (ben)

Beziehungsweise New York – Komödie, Drama, Frankreich, Start: 01.05.2014. Regie: Cédric Klapisch. Mit: Romain Duris, Kelly Reilly, Audrey Tautou u. a. (117 Minuten)

Der Liebling der Redaktion:

Babylon in Barcelona

L’Auberge Espagnole - Komödie, Spanien, Frankreich, Start: 13.11.2003. Regie: Cédric Klapisch. Mit: Romain Duris, Audrey Tautou, u. a. (122 Minuten)

Wer sich in einer globalisierten Welt durchsetzen will, sollte mehrere Fremdsprachen beherrschen. Da Spanisch hoch im Kurs steht, bricht der 25-jährige Pariser Wirtschaftsstudent Xavier (Romain Duris) für ein Jahr nach Barcelona auf – nur um dort in einer WG mit einem Italiener, einer Britin, einem Deutschen, einem Dänen, einer Belgierin und einer Spanierin zu landen. Babylonische Sprachverwirrungen und das Aufeinanderprallen von echten und vorurteilsbehafteten kulturellen Unterschieden sind programmiert – und dann verknallt sich Xavier auch noch in eine verheiratete Frau. „L’Auberge Espagnole“ ist der Erasmus-Film schlichthin. Wer zögert, ob er sich auf das Abenteuer eines Auslandssemesters einlassen soll, dürfte sich durch dieses zwei Stunden lange Eintauchen in das bunte Leben der Internationalität überzeugen lassen. Die, die ihren Aufenthalt schon hinter sich lassen, werden lächeln in Gedenken an eigene ähnliche Erlebnisse. Die lebendige Inszenierung von Cédric Klapisch tut ihr Übriges: „L’Auberge Espagnole – Ein Jahr Barcelona“ macht Geschmack aufs Leben. (ben) 41


Stuttgart ist viel schöner als Berlin Im Juni startet der Film „Willkommen bei Habib“ in den deutschen Kinos. Gedreht wurde er in Stuttgart – produziert von Arek Gielniks Firma Indi Film. Der ehemalige HdM-Student ist überzeugt: Die Stadt bietet gute Geschichten. Von Ilkay Aydemir

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it seiner Arbeit als Radio- und Fernsehtechniker war Arek Gielnik nicht zufrieden. Also entschied er sich im Alter von 25 Jahren für ein Studium an der Hochschule der Medien (HdM). „Recht offen“, wie er sagt, ist er an die HdM und den Studiengang Audiovisuelle Medien herangegangen. Die Flexibilität gefiel ihm, auch dass sich der Kurs permanent neu erfindet. An Polygonen zu zupfen und monatelang an einem Bild zu arbeiten war dagegen weniger interessant für ihn. Erst in der Mitte des Studiums kristallisierte sich heraus, was er eigentlich wollte: Filme produzieren. Gielnik drehte mit seinem Kommilitonen Dietmar Rasch „Eislimonade für Hong Li“, ihren Abschlussfilm über den DDR-Fotografen Thomas Billhardt. Auf Anhieb schaffte es das Duo auf die Berlinale. „Der Erfolg dieser Doku hat im Endeffekt zur Gründung unserer gemeinsamen Produktionsfirma geführt“, sagt Gielnik heute. Zumal: In seiner Zeit als Aufnahmeleiter beim Südwestrundfunk (SWR) sah er bald ein, dass er sich nicht in den Senderstrukturen zurechtfinden würde.

Advertorial

Mobile Ideen braucht das Land Zum vierten Mal schreibt die MFG Innovationsagentur den „Baden-Württemberg Goes Mobile Award“ aus. Gefragt sind vielversprechende mobile Ideen, dieses Jahr in den Kategorien „Stationärer Handel trifft E-Commerce“, „Public Sector Goes Mobile“, „Mobile Housemate 2.0“ und „Inhouse App-Lösungen für KMU“. Studenten und (zukünftige) Jungunternehmer können sich bis zum 31. März bewerben und bis zu 10.000 Euro pro Kategorie gewinnen. Mentoren aus der Wirtschaft stehen hinter den Kategorien und werden die Gewinnerteams in der Umsetzungsphase unterstützen. Was den BW Goes Mobile Award auszeichnet, ist der Fokus auf das Kommerzialisierungspotenzial. Die Gewinner werden nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch konkret für Pitching-Situationen geschult und beraten. Die Mentoren sind die Unternehmen Kärcher, ITM, KDRS, Mackevision und CIT. Nach der Jurysitzung im April werden alle Gewinnerteams und ausgewählte Einreicher

zu einem viertägigen Creative Camp an den Bodensee eingeladen. Internationale Coaches bringen die Teams hier in Sachen Pitching, Finanzierung und Geschäftsmodelle auf Trab. An den letzten beiden Tagen wird es international, wenn Entrepreneure aus ganz Europa dazustoßen. Am 27. März 2014 bietet der MFG Talente-Tag Bewerbern die letzte Chance, passende Teammitglieder zu finden und auch die Mentoren kennenzulernen. Das Event im Literaturhaus Stuttgart hält in den Pausen eine nach „Suche“ und „Biete“ organisierte Networking-Ecke für die Bewerber bereit. Weitere Infos: www.bw-goes-mobile.mfg.de 43


Und so gründete das Duo im Juli 2001 in im weiteren Prozess involviert. „In meinen Ludwigsburg die Indi Film GmbH. Der erste Augen ist der Produzent derjenige, der im Film, „Landliebe“, sei so etwas gewesen wie Hintergrund die Fäden ziehen sollte.“ „Bauer sucht Frau“, „nur dokumentarisch Seine persönliche Geschichte spiegelt sich und authentisch“, meint Arek lachend. Im in seiner Arbeit wider. Als er aus Polen Laufe der Zeit kamen Spielfilme dazu – ohne nach Deutschland kam, sprach er kein Wort große Umstellungen. „Geschichten erzählen Deutsch und freundete sich zuerst mit Türken ist Geschichten erzählen“, erklärt Gielnik. und Griechen an. „Ich habe keine eindeu„Format und Genre kann man wählen, wie tige Nationalität. Ich fühle mich eher als es am zugänglichsten ist.“ Seit 2011 hat Europäer“, sagt er. Vielleicht will er desIndi Film seinen Sitz in Stuttgart – und will wegen interkulturelle Geschichten erzähbleiben. Denn die Firma sei hier inzwischen len - und Stuttgart scheint der ideale Ort so weit integriert, dass es keinen Sinn mehr dafür zu sein. Auch die neueste Produktion ergeben würde, den Standort zu wechseln. „Willkommen bei Habib“, die von Anfang Juni „Wir haben ein sehr gutes an in den Kinos zu sehen Verhältnis zum SWR und sein wird, dreht sich um zur MFG.“ die Themen Heimat und Doch was sind eigentlich Zugehörigkeitsgefühl. Als Arek Gielniks Aufgaben Drehort war Berlin im als Produzent? „Meine Ich habe keine eindeutiGespräch, wo Mitgründer Kinder fragen mich das ge Nationalität. Ich fühle Rasch wohnt und arbeiauch ständig.“ Tatsächlich tet. „Es ist nicht zu leugist es gar nicht so kom- mich eher als Europäer.“ nen, dass in Berlin das pliziert. Alles beginnt mit größte kreative Potential der Ideensuche. Entweder wird ein eigener Deutschlands sitzt.“ Letztlich fiel die Wahl Stoff entwickelt, oder Autoren stellen ein aber auf Stuttgart. „Man denkt zwar immer, fertiges Drehbuch vor. Da Indi Film hauptdass es in Berlin viel mehr Migranten gibt, sächlich Langfilme produziert, dauert der vor allem wegen Kreuzberg und Neukölln. gesamte Herstellungsprozess meistens zwiAber in Stuttgart leben prozentual viel mehr schen drei und fünf Jahre. „Ich muss einMenschen mit Migrationshintergrund“, sagt er. schätzen können, ob das Material auch in Woran das liegt? „Ich glaube, die Integration der nahen Zukunft noch interessant sein hat hier um einiges besser funktioniert.“ Das könnte.“ Fällt das Urteil positiv aus, geht es hat inzwischen auch dafür gesorgt, dass sich an die Finanzierung, ans ewige Telefonieren die türkische Presse sehr interessiert an Film und Jonglieren mit Zahlen. In der Regel wäre und Region zeigt. Für Arek Gielnik steht fest: die Arbeit des Produzenten an dieser Stelle „Ich lebe sehr gern in Stuttgart. Hier gibt es beendet. Da Indi Film jedoch ein vergleichbar Stoffe, die man erzählen kann und definitiv kleines Produktionshaus ist, ist Gielnik auch sollte.“ 44


Von Zucht und Ordnung Die Hochschule Esslingen wird 100. Anlass für einen Blick zurück in eine Zeit, in der Lehrende erst streng über Sitten wachten – und sie dann verrohen sahen. Von Julia Knorr

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ylinder auf dem Kopf, Bierkrug in der Hand und eine Leiter unter dem Arm: So ziehen alljährlich die Absolventen der Hochschule Esslingen durch die Stadt und feiern ihren Abschluss. Der Kandelmarsch hat eine lange Tradition. Entstanden ist er im Jahr 1922 nach einer Kneipentour. Einige angeheiterte Esslinger Studenten hatten den Einfall, eine zehn Meter lange Leiter von einem Grundstück in die Stadt zu tragen. Dort angekommen, verbot ein Polizist ihnen, mit der Leiter auf der Straße zu gehen, ein weiterer verscheuchte sie kurz darauf vom Gehweg. „Deswegen tragen die Absolventen heute noch ihre Leitern mit einem Fuß auf der Straße und dem anderen auf dem Bürgersteig“, erklärt Professor Hans Ruoß schmunzelnd. Der 71-Jährige war dreieinhalb Jahrzehnte lang an der Hochschule Esslingen tätig und hat sich in den vergangenen Monaten intensiv mit ihrer Geschichte beschäftigt. Denn der Hochschulstandort Esslingen feiert in diesem Jahr sein 100-Jahr-Jubiläum.

Wie es wohl war, vor 100 Jahren Student zu sein? Damals sprach man in Esslingen von Schülern. „Die hatten nicht so viel Freizeit“, weiß Professor Ruoß, „in der Anstalt herrschte Zucht und Ordnung.“ Wer fehlte oder sich im Unterricht nicht benahm, musste mit einer Strafe rechnen. So lässig wie heute war das Studentenleben also nicht. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg ging es lockerer zu. Den Lehrern gefiel das weniger. „Die Sitten verrohen, und die Moral lässt nach“, sollen sie sich beschwert haben. Was würden sie da erst über die oft geschwätzigen oder gar abwesenden Studenten von heute sagen? Den Studentenverbindungen hingegen waren die Lehrer sicher wohlgesonnen. Natürlich spielten Geselligkeit und Zusammenhalt für die Bundesbrüder eine wichtige Rolle, aber die meisten Gruppen unterstützten auch die fachliche Diskussion an der Hochschule. Die Mitgliedschaft in einer Verbindung war unter den Schülern begehrt. Im Schulgebäude besaß jede Burschenschaft ihre eigene Ecke – trotzdem gab es keine Rivalitäten. Bis heute arbeiten sie lieber zusammen als gegeneinander.

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Genauso wie die Verbindungen mit der Zeit gegangen sind, haben sich die Studieninhalte dem technischen Fortschritt angepasst: Zum Maschinenbau gesellten sich Fachrichtungen wie zum Beispiel Elektrotechnik, Informatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Manche Dinge sind aber auch gleich geblieben. „Die anwendungsbezogene Lehre, der Unterricht in kleinen Gruppen und die gute Verbindung zur lokalen Industrie – das zieht sich wie ein roter Faden durch unsere Geschichte“, meint Ruoß stolz.

Tübinger Historiker untersuchen Esslinger Hochschulgeschichte Dennoch gab es im Laufe der Jahrzehnte auch Ereignisse, die einen normalen Hochschulbetrieb unmöglich machten. Während der zwei Weltkriege habe man auch in Esslingen Einschränkungen hinnehmen müssen, berichtet Steffen Kaiser. Er studiert Geschichte an der Universität Tübingen 48

und hat mit 13 Kommilitonen die Esslinger Hochschulgeschichte unter die Lupe genommen. Ihre unterschiedlichen historischen Phasen waren Thema eines Seminars unter der Leitung von Professor Ewald Frie. Mehr als ein Semester lang recherchierten die Studenten in Archiven, vertieften sich in alte Dokumente und führten Interviews mit Zeitzeugen. Aus ihren Arbeiten ist ein Buch entstanden, das zum Jubiläum präsentiert wird. „Vor 100 Jahren wurde die ‚Fachschule für Maschinentechniker’ von der Königlichen BauGewerkeschule in Stuttgart getrennt und nach Esslingen verlegt“, erzählt Kaiser. Esslingen war damals eine aufstrebende Industriestadt mit ausreichend Platz für eine Maschinenhalle und Laboratorien, Einrichtungen, die man für eine gute Technikerausbildung als notwendig erachtete. Kaum war die Maschinenbauschule 1914 eingeweiht, musste sie 1917 wieder geschlossen werden. „Es waren einfach immer weniger Schüler da“, erklärt Kaiser, „im Ersten Weltkrieg mussten viele als Soldaten an die Front.“ Um die freien Räume zu nutzen, wurden dort Kriegsinvaliden unterrichtet. Sie sollten wieder in die Lage gebracht


werden, einen Beruf auszuüben - vorzugsweise in der Rüstungsindustrie. Mehr als zwei Jahrzehnte später im Zweiten Weltkrieg war die Situation anders: Die Studentenführer setzten sich dafür ein, die Ausbildung der Schüler fortzusetzen. „Ihre Lehrer sendeten per Feldpost Unterlagen und sogar Bücher an die Front“, schildert Kaiser, „die Schüler schickten ihre Ergebnisse zurück.“ Für Prüfungen wurde ihnen Heimaturlaub zugestanden. Schon zuvor, Ende der 30er Jahre hatte die Staatliche Ingenieurschule, wie sie damals hieß, stetig mehr Schüler aufgenommen. Für die wachsende Rüstungsindustrie unter Hitler wurden Techniker benötigt, und so beschäftigten sich Forschung und Lehre zu dieser Zeit auch mit Flugzeugtechnik. Die Alliierten sahen das natürlich nicht gerne, weswegen sie diese Vertiefung nach Ende des Kriegs wieder abschafften. Bis 1946 besetzten sie außerdem die Hochschulgebäude. Danach konnten die Studenten sie wieder in Beschlag nehmen – zumindest diejenigen, die einen Studienplatz bekamen. Denn die Zahl der Bewerber wuchs weiter, der für sie vorgesehene Platz aller-

dings nicht. In den 60er und 70er Jahren wurden schließlich neue Gebäude errichtet. Die Landesregierung beschloss außerdem, in vorhandenen Räumlichkeiten einfach mehr Personen unterzubringen, und verringerte die sogenannte Nettonutzfläche pro Student von 10,5 auf 7 Quadratmeter. Schon Anfang der 80er Jahre gab es jedoch erneut zu viele Bewerber – als Reaktion griff die Hochschule auf ein von Jugendlichen gefürchtetes Instrument zurück: den Numerus Clausus. Seit 2006 gehört auch die Hochschule für Sozialwesen zur Hochschule Esslingen, an deren mittlerweile drei Standorten 6000 Studenten in 36 Studiengängen lernen. Und wer seinen Abschluss in der Tasche hat, darf mit Leiter und Bierkrug durch die Stadt marschieren – so wie es schon Generationen von Esslinger Studenten getan haben.

Bis Oktober feiert die Hochschule Esslingen ihr 100-Jahr-Jubiläum. Infos zum Programm stehen im Internet auf www.hs-esslingen.de.

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Die Hilfe der Anderen Unser Fotograf Joshua Kiefer studiert in Vaihingen Luft- und Raumfahrttechnik. Alltägliche Fallstricke und Barrieren auf den Wegen brachten ihn auf eine Idee: ein Selbstversuch im Rollstuhl. Von Joshua Kiefer

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ie Nacht war sehr kurz: Bis drei Uhr früh lag ich wach in meinem Bett und grübelte über die kommende Woche. Jetzt, knapp fünf Stunden später, stehe ich dem Rollstuhl gegenüber und spüre mein Herz pochen. Sehr bedacht darauf, von niemandem gesehen zu werden, habe ich ihn aus meiner Wohnung im zweiten Stock eines Studentenwohnheims die Treppe heruntergetragen, um in einem unbeobachteten Moment schnell darin Platz zu nehmen. Ich bin mir unsicher, wie meine Umwelt auf mein Vorhaben reagiert. Meine engsten Freunde wissen Bescheid, und auch der Dialog mit meinen Kommilitonen über Gehbehinderung ist erwünscht. Aber was ich möglichst vermeiden möchte, ist die Verunglimpfung von Menschen im Rollstuhl. Was würdest du denken, wenn dein Nachbar seinen Rollstuhl die Treppe herunterträgt, bevor er darin Platz nimmt, ohne dass du die Chance hast, ihm ein Wieso nachzurufen? Meine erste Illusion platzt nach wenigen Metern: Ich mag sportliche Herausforderungen

und wollte mich auch im Rollstuhl so schnell es geht fortbewegen. Doch trotz großer Anstrengung schaffe ich es nicht einmal im Schritttempo. Selbst auf horizontaler Strecke ist es eher ein stockendes Kriechen statt des flüssigen Rollens, das ich mir ausgemalt hatte. Erste Blicke treffen mich. Ich sehe förmlich den inneren Konflikt zwischen Interesse und Befangenheit. Viele schauen gezwungen zu Boden. Andere zeigen offenes und ehrliches Interesse, ohne dabei Betroffenheit auszudrücken, was mir weniger unangenehm ist. In der Nacht hatte ich mir erste praktische Gedanken über meine Woche im Rollstuhl gemacht. Ich wohne auf dem Campus in Vaihingen und bin mit dem Skateboard in fünf Minuten am Hörsaal. Allerdings liegt auf dem Weg eine wackelige Brücke, und es gibt einige Anstiege, so dass ich mich an diesem Morgen für einen kleinen Umweg entlang der Straße entscheide. Nach nur 20 Metern scheitere ich an einer kaum drei Zentimeter hohen Bordsteinkante. Eines der Räder schaffe ich rückwärts auf die Kante zu wuchten, das andere hängt in der Luft, und mir bleibt nur 51


Selbst wenige Zentimeter hohe Bordsteinkanten können für Rollstuhlfahhrer zum Hindernis werden.

übrig, von neuem Anlauf zu nehmen. Bevor ich meinen vierten Versuch starten kann, eilt ein Passant herbei und bietet mir seine Hilfe an. Angesichts des ankommenden Stromes von Studenten entscheide ich mich dafür, um mir unzählige „Nein, danke“ zu ersparen. Der hilfsbereite Passant ist exemplarisch für die vielfache und offenherzige Hilfe, die ich im Laufe der Woche erfahre. Ständig und ganz selbstverständlich bieten mir Andere Unterstützung an, worauf ich zu meiner eigenen Überraschung auch sehr oft angewiesen bin. An vielen Stellen der Uni Vaihingen merke ich, dass sich jemand Gedanken über die Bedürfnisse von Gehbehinderten gemacht hat. Aber mehrmals bleibe ich ohne fremde Hilfe stecken. Da ist der Zugang zur Mensa, der zwar eine Rampe hat. Die ist aber viel zu steil für Rollstuhlfahrer. Aus eigener Kraft kann zumindest ich sie nicht bewältigen. Genauso ergeht es mir bei vielen anderen kleinen Rampen, zum Beispiel im Hörsaal V55. Sie wirken klein und machbar, aber jede noch so kleine Steigung hat es echt in sich. Besonders berühren mich in dieser Woche 52

zwei Erlebnisse: Als ich am zweiten Tag zur Bordsteinkante zurückkehre und erneut an meinem Rollstuhl zerre, bleibt eine junge Studentin neben mir stehen. Sie ist gehbehindert und ist mir schon mehrmals an der Uni mit ihrem Rollator aufgefallen. „Sehr unangenehm, diese Absätze, nicht wahr?“ fragt sie. Ich stimme ihr zu und freue mich sehr über ihre Aufmerksamkeit. An diesem Tag bewältige ich die Kante zum ersten Mal allein.

Unbekannte Mitstudenten befreien Joshua vom Forever-alone-Platz Zwei Tage später ist es die selbstverständliche Hilfsbereitschaft meiner Kommilitonen, die mich beeindruckt. Wir haben in einem der älteren Chemiesäle ein Tutorium. Mit dem Rollstuhl bleibt mir nichts anderes übrig, als in der ersten Reihe zu sitzen. Genauer gesagt noch vor der ersten Reihe, quasi auf dem Schoß des Dozenten. Mit Hilfe meiner


Freunde habe ich versucht, irgendwie den oberen Eingang des Saales per Aufzug zu erreichen, aber zu diesem Zwischengeschoß führt nur eine Treppe. Gerade als sie mich auf meinen Forever-alone-Platz schieben wollen, bieten mehrere Mitstudenten Ihre Hilfe an. Ich kenne sie nicht persönlich und bin mir auch nicht sicher, ob sie von meinem Vorhaben wissen. Jedenfalls schlagen sie bereitwillig vor, mich gemeinsam die Treppe hinaufzutragen. Natürlich fühle ich mich schlecht, als gesunder Mensch von ihnen getragen zu werden. Andererseits rührt mich die Selbstverständlichkeit ihrer Hilfe gegenüber offensichtlich bedürftigen Menschen. Viele meiner Kommilitonen sprechen mich im Lauf der Woche auf meine Situation an. Ihre Reaktionen sind unterschiedlich und reichen von Unterstützung über Anerkennung bis hin zu komplettem Unverständnis. Dass ich mein Vorhaben wohlüberlegt habe, hilft mir, mit Letzteren umzugehen. Trotzdem fühle ich, dass ich mich diesen Personen besonders erklären möchte. Zu meiner großen Freude entsteht trotz oder sogar besonders bei Kritik ein ernsthafter Dialog über die Bedürfnisse gehbehinderter Menschen. Am intensivsten gestaltet sich der natürlich mit meinen Freunden, die mich täglich zur Mensa hochschieben und über allerlei Absätze und kleine Treppenstufen tragen müssen. Aber auch viele andere Bekannte erkundigen sich nach meinen Erfahrungen und Erlebnissen. Mein erster Tag im Rollstuhl endet am späten Nachmittag mit dem Heimweg, der sich wie eine kleine Ewigkeit anfühlt. Nach zwei Verschnaufpausen und dank eines herzlichen Passanten, der mir am steilsten Teil des Berges hilft, komme ich an meinem Wohnheim an. In einem unbemerkten Moment entsteige ich schnell dem Rollstuhl und trage ihn die Treppe hoch zu meiner Wohnung, der „rollstuhlfreien Zone“. In dem Moment, in dem meine Beine wieder den Boden berühren, spüre ich eine große Erleichterung. Ich drehe die Musik voll auf, gebe meinem Bewegungsdrang nach und genieße die Endorphinausschüttung. Es fühlt sich unglaublich gut an, meine Beine benutzen zu können. Aber mir steht noch eine lange Woche bevor . . .

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Pionier in St. Petersburg

Der 23-jährige Matthias Vöhringer lernte schon als Grundschüler Russisch. Nun hat der Student der Erneuerbaren Energien sein Auslandssemester in dem Land gemacht, das jüngst wieder viel Anlass für Diskussionen gab. Von Ben Schieler 52


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ährend in Stuttgart ein sonniger Tag zu Ende geht, unerwartet frühlingshaft für Ende Februar, sitzt Matthias Vöhringer 9360 Kilometer Luftlinie entfernt in einem Auto auf einem Parkplatz. Es ist 19 Uhr deutscher Zeit, im kalifornischen Monterrey hat der Tag erst begonnen. Der Internetempfang in seinem Hotel ist mies, deswegen hat sich Vöhringer in seinen Mietwagen verzogen. Nach San Simeon, ein bisschen südlicher in Richtung L. A., soll es an diesem Tag noch gehen, aber erst nach diesem Skype-Interview. Und so kommt es, dass Matthias Vöhringer für eine halbe Stunde weder im US-amerikanischen Urlaub noch in der schwäbischen Heimat weilt, sondern in Gedanken, in Russland, in St. Petersburg, wo er bis Ende Januar sein Auslandssemester verbrachte. Russland, das Riesenreich im Osten, ist in diesen ersten Wochen des Jahres 2014 in aller Munde gewesen. In denen der politisch Interessierten genauso wie in jenen der Sportbegeisterten. Das Wettziehen mit dem Westen um die Machtverhältnisse in der Ukraine und die Olympischen Spiele von Sotschi samt Diskussionen über Wladimir Putin und seinem Verständnis von Menschenrechten und Demokratie bestimmten die Schlagzeilen. Auf dem Maidan in Kiew lieferten sich Gegner des prorussischen Präsidenten Viktor Janukowitsch Straßenschlachten mit der Staatsgewalt, bis dieser zurücktrat. Auf der Halbinsel Krim drängte die russische Mehrheit in der Bevölkerung daraufhin wahrscheinlich militärisch unterstützt von Moskau auf eine Abspaltung. USA und EU debattierten über Sanktionen. Die Furcht vor einem neuen Kalten Krieg schwebte im Raum. Matthias Vöhringer sträubt sich dagegen, all das zu beurteilen. Er, der 23-jährige Student der Erneuerbaren Energien im fünften Semester an der Uni Stuttgart, sieht sich nicht in der Position dazu. Dazu, so findet er, sei seine Perspektive zu subjektiv, seien seine Interessen eher technischer als politischer Natur, seine Erfahrungen zu gering. Es sind wenige Sätze, die ihm zu entlocken sind: „Ich glaube, fast jedem Russen ist bewusst, dass im Kreml vieles nicht nach Vorschrift läuft. Trotzdem stehen viele hinter Putin, weil er

sehr viel aufgebaut hat, weil er ein Macher ist“, sagt er. Diese Menschen, ob nun PutinAnhänger oder -Gegner, wenn man so will, der kleine russische Mann und die kleine russische Frau, sind es, die es ihm mit ihrer Art angetan haben. „Sie mögen auf den ersten Blick sehr kühl und forsch wirken, aber wenn man sich mit ihnen unterhält, sind sie überaus freundlich und offen. Dann erweisen sie dir eine Gastfreundschaft, die ich so in Deutschland nicht erlebt habe.“ Wegen ihnen ist er in seinem Auslandssemester nach St. Petersburg gegangen. Wegen ihnen ist er nach Russland zurückgekehrt.

5000 Kilometer mit der Transsibirischen Eisenbahn durchs Land Ein Interesse für alles Russische hat Matthias Vöhringer schon früh entwickelt. In seiner Heimat auf der Schwäbischen Alb lernte er in der Schule von der ersten Klasse an die Sprache, machte in der zehnten Klasse einen Schüleraustausch in die Ukraine und reiste nach seinem Zivildienst für einen Monat durch Russland. Von St. Petersburg ging es erst in die Hauptstadt Moskau, dann mit der Transsibirischen Eisenbahn mehr als 5000 Kilometer Richtung Osten – nach Irkutsk an den Baikalsee: ein Abenteuer. Die neue Kooperation der Uni Stuttgart mit der Staatlichen Polytechnischen Universität St. Petersburg kam ihm gerade recht. Als Erster nutzte er die Chance für den Sprung an die Hochschule mit ihren 28.000 Studenten und hat es nicht bereut, trotz der organisatorischen Geburtsschwierigkeiten, die eine solche Premiere naturgemäß mit sich bringt: wegen fehlender Onlinesysteme zur Studienplanorganisation wurde er, an Ort und Stelle angekommen, von einem Büro ins nächste geschickt. Aber: „Ich wollte mein Russisch verbessern“, sagt er. Und das ist ihm gelungen. „Ich kann jetzt sehr viel besser Konversation betreiben.“ Verwunderlich ist das nicht. In seiner Zeit von August bis Januar nahm er an gleich zwei Sprachkursen teil, einem regulären und einem für technisches Russisch. Nur zwei der fünf 55


Da war‘s noch grün: Matthias Vöhringer im botanischen Garten in St. Petersburg Fächer, die er besuchte, wurden auf Englisch gelehrt. Zudem schloss sich der passionierte Handballer einer lokalen Mannschaft an und trainierte als einziger Ausländer dreimal die Woche mit.

Atom- und Gaskraft überlagern die erneuerbaren Energien Der direkte Kontakt bestimmte auch das Unileben. Sehr verschult sei es, berichtet Vöhringer. Statt mit ein paar Hundert Kommilitonen in einer Übung oder Vorlesung zu sitzen, versammelten sich in den klassenähnlichen Kursen häufig nur etwa 20 Studenten. Dass ihn das Semester unmittelbar für sein Studium nicht übermäßig weiterbrachte, hatte er schon erwartet. Der Umgang mit erneuerbaren Energien sei zwar durchaus Thema in Russland. „Aber niemals so spezialisiert und detailliert wie bei uns.“ 56

In der Energieerzeugung spielten sie nur eine kleine Rolle. Sie werde nach wie vor bestimmt von Atom- und Gaskraftwerken, mit denen Vöhringer wiederum in Deutschland seltener in Kontakt kommt. Aber es sind letztlich andere Geschichten des Alltags, die für ihn dieses halbe Jahr besonders und erinnerungswürdig machen. Die Begegnungen mit anderen Austauschstudenten bei seinen regelmäßigen Gängen ins Fitnessstudio zum Beispiel, das ihm wie eine „sowjetische Gewichtheberbude“ erschien. „Dort habe ich festgestellt, wie sehr Sport verbindet“, sagt er. Oder die Auseinandersetzungen mit den Mitbewohnern im internationalen Wohnheim, in denen er mit zweien anderen ein Zimmer teilte, das nach deutschen Maßstaben für einen ausreichend ist.„Weil sie im Nebenzimmer auch zu dritt waren, kann man sich vorstellen, dass da immer etwas los war“, sagt er. Einmal pro Woche wiederholte sich zudem an der Uni ein Ritual, das befremdlicher klingt, als es war: Was sich wortwörtlich übersetzt


Kriegsvorbereitung nennt, ist in Wirklichkeit nur ein Sporttag mit gewissem Drill. Kurz bevor Matthias das Land verließ, zeigte sich der bis dahin sehr milde russische Winter doch noch einmal von seiner harten Seite. Bei einem Trip nach Moskau bibberte er bei minus 25 Grad, in St. Petersburg fror der Fluss Newa zu. Die Olympische Flamme auf dem Schlossplatz von St. Petersburg hat er noch erlebt, hat noch mitbekommen, wie sehr sich das Land und die Menschen auf die Spiele von Sotschi gefreut haben. Dann reiste er ab. Weiter nach Kalifornien, zu seiner Freundin, die dort ein Praktikum machte und danach mit ihm zu einem Roadtrip aufbrach. Es ist eine andere Welt, in die er da hineingeraten ist, eine Welt, in der man sofort gegrüßt und gefragt wird, wie es einem geht, wenn man in einen Supermarkt spaziert. „Ein wenig oberflächlich“ findet er den American Way of Life, will das aber nicht verurteilen, will die westliche und die östliche Mentalität nicht gegeneinander aufwiegen. Was er sich wünscht, ist Respekt. „Ich finde es ein wenig schade, wenn Deutsche oder Amis über Russland witzeln“, sagt er. „Man sollte sich gegenseitig ernst nehmen.“

Da war’s dann nicht mehr grün. Matthias Vöhringer an der zugefrorenen Newa.

Genug zu Essen für alle. Jetzt. Und in Zukunft. Erfahren Sie, wie ! www.oxfam.de/mahlzeit 55


Termine

Stuttgart Party

Konzerte

Kultur

Samstag Clubbing Samstag, 15.3. 21 Uhr 7 Grad

Eskimo Callboy Samstag, 15.3. 18.30 Uhr LKA

Rolf Miller Samstag, 15.3. 20 Uhr Theaterhaus

Monday Classic Montag, 17.3. 22 Uhr Boa

Garden of Delight Montag, 17.3. 20.30 Uhr Biddy Early‘s Irish Pub

Poetry SlaM Sonntag, 16.3. 20 Uhr Keller Klub

Early Bird Donnerstag, 20.3. 20.30 Uhr Schocken

September Leaves Donnerstag, 20.3. 20.30 Uhr Merlin

effi brieSt Freitag, 21.3. 19.30 Uhr Staatstheater

Irie Sunday Sonntag, 23.3. 18 Uhr Goldmarks

Tim Fischer Sonntag, 23.3. 19.30 Uhr Theaterhaus

Poetry Slam - Dead or alive Sonntag, 23.3. 19 Uhr Theaterhaus

Tearoom Jam Mittwoch, 26.3. 19 Uhr Jugendhaus Mitte

Frühlings Erwachen Mitttwoch, 26.3. 20 Uhr Altes Schauspielhaus

Daniel Vagant Freitag, 28.3. 20 Uhr Sideways

Alle Sieben Wellen Freitag, 28.3. 20 Uhr Komödie im Marquardt

Sportfreunde Stiller Dienstag, 1.4. 20 Uhr Porsche Arena

Marc-Uwe Kling Montag, 31.3. 20 Uhr Theaterhaus

Rebecca Ferguson Freitag, 4.4. 20 Uhr Theaterhaus

Onkel Wanja Samstag, 5.4. 19.30 Uhr Staatstheater

Monstertruck Dienstag, 8.4. 20 Uhr Keller Klub

Karikatürk Freitag,11.4. 20 Uhr Renitenztheater

Judith Holofernes Montag, 14.4. 20 Uhr Theaterhaus

Frühlings Erwachen Montag, 14.4. 20 Uhr Altes Schauspielhaus

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Rocknacht Freitag, 28.3. 21 Uhr LKA

Monday Classics Montag, 31.3. 22 Uhr Boa

dreaMweekend Freitag, 4.4. 23 Uhr Barcode

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Termine

Stuttgart Party

Konzerte

Kultur

After Work Party Donnerstag, 10.4. 22 Uhr Boa

Bap Dienstag 15.4. 20 Uhr Liederhalle

Alle sieben wellen Donnerstag, 17.4. 20 Uhr Komödie im Marquardt

Liebevoll loves students Donnerstag, 17.4. 23 Uhr Zwölfzehn

Otto Mittwoch, 23.4. 20.07 Uhr Liederhalle

Die Deutsche Ayse Mittwoch, 23.4. 20.15 Uhr Theaterhaus

Keller MIxtape Mittwoch, 23.4. 23 Uhr Keller Klub

Lifesigns Sonntag, 27.4. 19 Uhr Schleyer-Halle

Ein bett für vier Sonntag, 27.4. 18 Uhr Theaterschiff

Einsteins Verrat Monag, 5.5. 20 Uhr Altes Schauspielhaus

Die Kay Ray Show Dienstag, 8.5. 20 Uhr Renitenztheater

Ludwigsburg Party

Konzerte

Kultur

Students vs. Pussycat Club Freitag, 21.3. 21 Uhr Pussycat Club

Jason Derulo Sonntag 16.3. 20 Uhr Arena

Johann König Samstag 22.3. 20 Uhr Scala

Grunge-Crossover Samstag, 22.3. 21 Uhr Rockfabrik

The Poodles Donnerstag 20.3. 20 Uhr Rockfabrik

Steiners Theater Samstag 29.3 19.30 Uhr Forum am Schlosspark

Transmission Samstag, 22.3. 22 Uhr Four Runners Club

Within Temptation Mittwoch, 9.4. 20 Uhr Arena

Dudenhöffer als Becker Sonntag 30.3. 20 Uhr Scala

This ist Tanzverbot Donnerstag, 17.4. 22 Uhr Rockfabrik

Tankard Sonntag 4.5. 19 Uhr Rockfabrik

matthias Richling Freitag, 11.4. 20 Uhr Forum am Schlosspark

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Termine

Esslingen Party

Konzerte

Kultur

Diesel-Disco Freitag 21.3. 21 Uhr Dieselstraße

Chris Thompson Samstag 22.2. 20.30 Uhr Dieselstraße

Eisenstein Freitag 21.3. 19.30 Uhr WLB

Battle of the beatz Freitag 21.3. 22 Uhr One

Scorpion Child Freitag 4.4. 20 Uhr Komma

Eure Mütter Samstag, 26.4. 20 Uhr Neckar Forum

Set it off goes Freitag 28.3. 22 Uhr One

Noise Massacre Samstag 5.4. 20 Uhr Komma

Die goldenen zwanziger Mittwoch 30.4. 15 Uhr WLB

Birthdayparty März Samstag 29.3. 22 Uhr One

Frauendisco Samstag 5.4. 20 Uhr Dieselstraße

Diesel-Disco Freitag 11.4. 21 Uhr Dieselstraße

Walpurgisnacht Mittwoch 30.4. 20.30 Uhr Dieselstraße

Diesel Salsa Party Montag 5.5. 21 Uhr Dieselstraße

Diesel-Disco Freitag 16.5. 21 Uhr Dieselstraße

Tanzen! nach Herzenslust Sonntag 11.5. 16 Uhr Dieselstraße


Termine

Tübingen Party

Konzerte

Kultur

HeadbangerS Metal Party Samstag, 15.3. 22 Uhr Bierkeller

Judith Goldbach Quartett Dienstag, 18.3. 20 Uhr Café Latour

der Bürger als Edelmann Dienstag, 18.3. 20 Uhr Zimmertheater

Keller Gefühle Freitag, 21.3. 22 Uhr Bierkeller

Go!Zilla Mittwoch, 19.3. 21 Uhr Epplehaus

Dirty old Storys Freitag, 21.3. 20 Uhr Club Voltaire

dance together Freitag, 21.3. 23 Uhr Club 27

Philharmonie BRatislava Freitag, 21.3. 20.15 Uhr Festsaal, Uni

Dark visions Freitag, 28.3. 22 Uhr Club 27

Ryan O‘Reilly Sonntag, 23.3. 19 Uhr Club Voltaire

Rockmageddon Freitag, 4.4. 22 Uhr Bierkeller

Carrousel Freitag, 28.3. 21.30 Uhr Café Haag

Vollmondtanz Samstag, 12.4. 21 Uhr Sudhaus

Abschied und Gegenwart Donnerstag, 3.4. 18 Uhr Stiftskirche

Tübinger Zaubergala Sonntag, 30.3. 15 Uhr LTT

Tanzen und Feiern Donnerstag, 17.4. 20.30 Uhr Uhr Sudhaus

Katakombenkonzert Samstag, 5.4. 20 Uhr Suhdaus

ComedyStube Sonntag, 6.4. 19 Uhr Sudhaus

dance together Freitag, 25.4. 23 Uhr Club 27

Duo-Abend Donnerstag, 10.4. 20.15 Uhr Festsaal, Uni

Offene Bühne Mittwoch, 16.4. 20 Uhr Sudhaus

My heart goes boom Samstag, 26.4. 22 Uhr Bierkeller

JazzPostBop Freitag, 25.4. 20.20 Uhr Sudhaus

Judas Freitag, 18.4. 20 Uhr Zimmertheater

Tanzen und Feiern Donnerstag, 8.5. 20.30 Uhr CSudhaus

Kakkmaddafakka Samstag, 10.5. 20.30 Uhr Sudhaus

Theatersport Sonntag, 27.4. 20 Uhr LTT

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Das Haus Samstag, 22.3. 20 Uhr Zimmertheater

Lesebühne Kopfgeburt Mittwoch, 26.3. 20 Uhr Club Voltaire

Oblomow Freitag, 28.3. 20 Uhr LTT


Das nächste Käpsele erscheint am 15. Mai. Die Themen: - Studenten in Seelen-Not: Besuch beim Berater - Studenten in Platz-Not: Hochschulen expandieren - Studenten in Zeit-Not: Wie man schnell liest

Impressum: Käpsele – Das Studentenmagazin

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Herausgeber (V.i.S.d.P.): Markus Brinkmann (msb) und Christian Ignatzi (ci) Anzeigen: Christian Ignatzi anzeigen@kaepselemagazin.de Redaktionsleitung: Ben Schieler (ben) Autoren: Ilkay Aydemir (ay) Timo Dersch (td) Joshua Kiefer (jos) Julia Knorr (jul) Gastautor: Carolin Hafen Fotografen: Joshua Kiefer (34/35, 37, 52) Ben Schieler (S. 3, 10, 28)

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dierotationsdrucker 63


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Ausgabe #9 des Studentenmagazins.

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