Page 1

Das Studentenmagazin Sept./Okt. 13 Ausgabe #6 www.kaepselemagazin.de Gratis

Massives Interview Ju spuckt Töne an der Uni

Seite 15

Blick durchs Schlüsselloch So leben Studenten in Stut tgart und Tübingen

Seite 26

Ausland:

Dolce Vita selbst gemacht Leben und studieren In Mailand

Seite 54


Liebe Leserin, lieber Leser, herzlich willkommen an den Hochschulen der Region Stuttgart/ Tübingen! Wenn du Semesterferien hattest, hoffen wir, dass du deine Freizeit gut genutzt und genossen hast, und jetzt fit und voller Elan in den Herbst und das Wintersemester startest. (Ja, wir haben uns das auch immer vorgenommen . . . ) Falls du in diesem Semester mit dem Studium anfängst, freuen wir uns darauf, dich ab jetzt auf deinem Weg durch die akademische Welt begleiten zu dürfen. Du hältst ein Studentenmagazin in den Händen, das die gesamte Region vernetzt. Hiermit sagen wir dir höchstoffiziell „Hallo“! Und jetzt geht’s los! Zum Semesterstart haben wir, wie immer, interessante Geschichten für dich: Wir haben uns in Studentenbuden umgesehen, haben Tipps für dich, wie du am besten mit Lernblockaden umgehst und haben uns einmal umgehört, warum die Profs so lange brauchen, um deine künftigen Klausuren zu korrigieren. Außerdem haben wir diesmal ein paar tolle Goodies und Angebote mit im Heft. Wir haben Freikarten für den TV Bittenfeld in der zweiten HandballLiga, Studententickets, um die Stuttgarter Kickers in der Dritten Fußball-Liga anzufeuern, tolle grüne Kopfhörer, Gutscheine für den Perkins Park und vieles mehr. Etwa eine Waschmaschine, wenn du . . . hier unterschreibst . . . Nein, kleiner Scherz. Eine Waschmaschine gibt es nicht. Das andere coole Zeug aber wirklich! Wie du all das ergattern kannst? Blättere einfach weiter. Wir wünschen einen schönen Start ins Semester und machen uns währenddessen schon einmal an die Produktion der nächsten Ausgabe!

Generated by CamScanner

Cheerio,

Das Studentenmagazin

03


12

Wie lange braucht ein Prof für die Korrektur der Klausur? Wir haben uns umgehört.

26 Leberwurst als Nudelsoße? Kein Problem! Zumindest in Studenten-WGs.

24

Blick ins Jahr 2084: Jostein Gaarder sorgt sich in seinem neuen Roman um die Natur.

04


Aus den Hochschulen 06 Crowdfunding aus Hohenheim

46 Sparen in Vaihingen

Zwei Studenten sammeln Geld

Was die Study-Deal-Karte so alles kann

12

50 Kein Aufschrei in Esslingen

Beeilt sich der Prof?

Fristen für die Korrektur von Klausuren

Wie Hochschulen die Frauenquote steigern

43 Studieren und Bundesliga Peter Jungwirth erzählt vom Lehramtsstudium

Aus dem Leben 26 Wie leben Studenten heute?

54 Studieren im Ausland

Zu Besuch hinter verschlossenen Türen

Heute mit: Mailand

20 Wie ist es eigentlich . . .

60 Termintipps

. . . in den Krieg zu ziehen?

Was geht in den nächsten Wochen?

36 Was tun beim Blackout? Eine Frau vom Fach gibt wertvolle Tipps

Aus deR Reihe 32 Vom Mann, der nicht . . . Eine Kurzgeschichte von Marc Bensch

18 Unnützes Stuttgart-Wissen Was du wirklich nicht erfahren musst

24

15 Einmal Popstar und zurück Ju von den Massiven Tönen übers Studieren

40

Filme des Monats

Die neuesten Tipps und der Liebling der Redaktion

Bücher des Monats

Der neueste Tipp und der Liebling der Redaktion

05


Crowdfunding auf Schwäbisch Was ist eigentlich Crowdfunding? Unser Autor hat sich bei einem jungen Unternehmen aus Studenten und Absolventen der Uni Hohenheim umgehört, die anderen Jungunternehmern auf die Sprünge helfen. Von Timo Dersch

06


I

n Zeiten von Bankenkrisen und zusammenbrechender Märkte wird es für Kleinunternehmer und Existenzgründer immer schwieriger, Darlehen von Kreditunternehmen zu bekommen. Die Bankenkrise hat zu einer weltweiten Kreditverknappung geführt. Da aber gerade diese Kredite benötigt werden, um die Wirtschaft wieder anzukurbeln, befinden sich Unternehmer in einem Teufelskreis. Besonders Jungunternehmer und Existenzgründer sind von der Kreditverknappung betroffen. Sie stellen eine Risikogruppe für den Kreditgeber dar. Das Internet scheint aber doch nicht für alle Deutsche Neuland zu sein. Seit einiger Zeit gibt es hier Abhilfe: Crowdfunding heißt das neue Modewort, das immer öfter in den Medien zu hören ist. Der berühmte Hollywoodregisseur Spike Lee macht es, und auch die deutsche Produktionsfirma Brainpool hat damit den „Stromberg“-Kinofilm finanziert. Die Produzenten des deutschen Erotikfilms „Hotel Desire“ nutzten die Methode, und selbst die amerikanische Freiheitsstatue wurde schon durch Crowdfunding restauriert. Aber wie funktioniert dieses Crowdfunding eigentlich, und kann ich damit auch meine eigene Geschäftsidee finanzieren lassen?

Eine Art der Mikrofinanzierung „Crowdfunding ist eine Art der Mikrofinanzierung, die mittels Internetplattformen durchgeführt wird,“ erklärt Sebastian Schuhl, Geschäftsführer des Stuttgarter Anbieters Crowd Nine. „Künstlerische Projekte, soziale Vorhaben oder Unternehmen können sich auf der Plattform präsentieren und dort um potenzielle Investoren werben. Die wiederum können vielversprechende Projekte unterstützen und später vom Unternehmenserfolg profitieren.“ Die Investitionen fangen schon bei sehr geringen Beträgen an. Die Idee ist, möglichst viele Kleininvestoren (also die Crowd) zu finden, um ein vorher festgelegtes Investitionsziel zu erreichen. Daher wird die Toleranzschwelle für die Investition gesenkt. Ganz so neu ist die Idee allerdings nicht. In den USA wird das Geldeinsammeln über das Internet

Diese Bluttat ist garantiert straffrei Kommen Sie zur Blutspende in die Blutzentrale des Klinikums Stuttgart. Werden Sie Blutspender auf Dauer. Helfen Sie Leben retten. Blutspendezeiten Mo 7.00 –10.00 Uhr 15.30 –18.30 Uhr Di 7.00 –12.45 Uhr

Mi 11.30 –18.30 Uhr Do 7.00 –12.45 Uhr Fr 7.00 –12.45 Uhr

Neuspender bitten wir, spätestens eine Stunde vor Ende der Spendezeit zu kommen. Informationen zu zusätzlichen Öffnungszeiten und der Möglichkeit zur Terminvereinbarung unter www.klinikum-stuttgart.de Blutspende jetzt auch im Klinikum Ludwigsburg im Ambulanten Tumorzentrum (ATZ), jeden Donnerstag von 16 bis 18.30 Uhr. Ein Angebot des Instituts für Transfusionsmedizin und Blutspendedienst Klinikum Stuttgart Weitere Informationen: Telefon 0711 278-34701

Klinikum Ludwigsburg Posilipostrasse 4 71640 Ludwigsburg Ambulantes Tumorzentrum (ATZ)

Bei uns ist Ihre Blutspende nicht umsonst.


bereits seit zwanzig Jahren betrieben. Und wenn man so will, können das Subskriptions-, und das Pränumerationsmodell, mit dem im 17. Jahrhundert Verleger ihren Buch- und Zeitschriftendruck durch Abonnements im Voraus finanzierten, als direkter Vorläufer angesehen werden. Ähnlich wie bei heutigen Crowdfunding-Projekten wurden hier Anreize geschaffen, wie etwa der Erhalt einer Vorabausgabe oder die Nennung des Förderers auf dem Titelblatt.

Investoren sind Sponsoren Dies ist nämlich genau der Knackpunkt des Konzepts. Crowdfunding-Investoren identifizieren sich mit dem Projekt. Der Investor informiert sich über die Idee, die hinter seiner Investition steht, und kann so bewusst Jungunternehmer unterstützen, deren Ideen er toll findet. Das findet gerade in der Film- und Medienbranche häufig statt. Mittels einer bereits vorhandenen

Die Crowd-Nine-Geschäftsführer Nicola Tomaschko (l.) und Sebastian Schuhl

08

Fangemeinde können neue Filme unabhängig von den Einfluss nehmenden Filmstudios durchgeführt werden. Hollywoodregisseur Spike Lee musste hierfür allerdings heftige Kritik einstecken. Dass ein wohlhabender Regisseur es nötig habe, von seinen Fans Geld einzusammeln, und damit eine Methode nutzte, die ja eigentlich den Nachwuchs unterstützen solle, kam nicht überall gut an. Seine Reaktion: „Das ist doch alles nichts Neues. Früher habe ich eben Briefmarken geklebt, um Sponsoren für meine Filme zu finden, heute nutze ich das Internet.“ Genau genommen muss man aber bei der Begrifflichkeit unterscheiden. Crowdfunding stellt im eigentlichen Sinne für den Geldgeber keine Investition dar sondern ein Sponsoring einer Idee. Dies ist zum Beispiel der Gedanke hinter den Filmfinanzierungen. Der Sponsor erhält nicht etwa einenTeil vom Erlös des Films, sondern Premierenkarten, Fanartikel oder, je nach Höhe der Spende, auch Statistenrollen, einen Platz für seinen Namen im Abspann und Ähnliches. Bei der regionalen Crowdfunding Plattform


Die Boxen, die das Unternehmen 4e solutions herstellt, wären ohne Crowdfunding wohl nie entstanden Crowd Nine, die Sebastian Schuhl gemeinsam mit seinen Kommilitonen und ehemaligen Studenten der Universität Hohenheim ins Leben gerufen hat, ist der Geldgeber aber auch Investor mit möglichem Renditeanspruch (also anteiliger Auszahlung des Unternehmensgewinns). Diese Form wird in Deutschland eigentlich als Crowdinvesting bezeichnet.

Crowdinvesting heißt das Zauberwort Ein ganz anderes Modell also unter dem Modebegriff des Crowdfundings? „International wird Crowdinvesting als Equity Crowdfunding bezeichnet, weshalb wir auch bei diesem Begriff geblieben sind“, erzählt Schuhl im Interview. „Die Vielfalt an Begrifflichkeiten mag etwas verwirrend sein, ist aber durchaus normal für eine derart junge Branche.“ Bei Crowd Nine geht es also um beides, Investition und Identifikation. „Wir wollen Unternehmen aus der Region die

Möglichkeit geben zu wachsen“, sagt Nicola Tomaschko. Gemeinsam mit Sebastian Schuhl ist er Geschäftsführer der jungen Plattform. Die beiden haben sich während des Studiums kennengelernt. „Uns ist besonders die regionale Nähe zwischen Unternehmen und Investoren wichtig. Durch diese Nähe wird zum einen eine ganz besondere Unterstützung möglich, wie zum Beispiel Information, Weiterempfehlung


und Marketing. Zum anderen wollen wir hierdurch unseren Beitrag leisten, Arbeitsplätze in der Region zu sichern und somit den Wirtschaftsstandort Stuttgart zu stärken.“

Interessant für Studenten Und das funktioniert bisher richtig gut. Mit dem Filderstädter Unternehmen 4e solutions GmbH wurde die erste erfolgreiche Finanzierung der Plattform abgewickelt. Die Filderstädter stellen unter ihrem Markennamen „ajaa!“ Lebensmittelboxen aus nachhaltigen Rohstoffen her. Die sind recycelbar, CO2-neutral, und vor allem nicht gesundheitsschädlich. Denn wie Untersuchungen vor kurzem gezeigt hatten, enthalten viele Lebensmittelverpackungen Weichmacher, die als krebserregende Stoffe gelten. Durch neun Investoren konnten mittlerweile schon über 15.000 Euro zusammenkommen, um die Geschäftsidee zu unterstützen. Das Geld war dringend nötig. Denn der Erfolg gibt den Filderstädtern recht. „Nachdem wir sehr viel positive Resonanz für unsere Lebensmittelboxen erhalten hatten, hat uns ein Schweizer

10

Unternehmen einen Großauftrag über 50.000 Babylöffel aus unseren nachhaltigen Rohstoffen gegeben. Ohne das Crowdfunding wäre dieser Erfolg so nicht möglich gewesen“, sagt Raphael Stäbler, Firmengründer und Geschäftsführer der 4e solutions. „Das Crowdfunding ist natürlich gerade für Studenten oder junge Hochschulabsolventen interessant, die den Schritt in die Selbstständigkeit wagen möchten“, sagt Sebastian Schuhl. „Aber nicht nur das, auch wer sich nach Praktikumsstellen umschaut, ist bei uns oder einem unserer ,gefundeten‘ Unternehmen in hochspannenden Branchen bestens aufgehoben. Crowdfunding ist ein wachsendes Feld, und deshalb suchen wir auch Unterstützung in verschiedensten Positionen. Bei uns erhält man die seltene Gelegenheit, die spannende Entwicklung des Crowdfundings hautnah mitzuerleben.“

Mehr Infos gibt es im Internet unter: www.crowdnine.de


11


Lahme Profs? Wem ist das nicht auch schon passiert? Man lernt wie verrückt auf eine Prüfung, und dann? Dann hört man monatelang nichts. Die Hochschulen der Region haben das erkannt. Manch eine hat sogar gehandelt. Von Markus Brinkmann

12


V

iktor ist sauer. Vor fast zwei Monaten hat er seine Abschlussarbeit abgegeben. Gerade war er am Institut und wollte sich nach der Note erkundigen – wieder einmal. Doch nichts. Die Sekretärin musste ihn enttäuschen: „Ihr Name steht leider noch nicht auf meiner Liste.“ So wie Viktor geht es vielen Studenten. Sie haben viel gebüffelt oder eine Hausarbeit oder ihre Abschlussarbeit geschrieben. Bei der Korrektur lässt der Prof sich dann Zeit, fährt in den Semesterferien lieber in den wohlverdienten Urlaub oder forscht in seinem Gebiet. Wer dabei die Studenten vergisst, macht einen Fehler. Denn bei Abschlussarbeiten kann das Warten zu Problemen führen: Ohne Note kein Abschluss, ohne Abschluss kein Job. Die Unis und Hochschulen der Region haben das erkannt. Lahme Professoren? Soll es nur noch in Ausnahmefällen geben, wie die Umfrage der Käpsele-Redaktion ergeben hat.

Uni Stuttgart „Eine fixierte, uniweite Regelung darüber, wie lange die Korrektur von Prüfungen dauern darf, gibt es derzeit nicht“, erklärt Matthias Gaugele, der Leiter des Prüfungsamtes der Uni Stuttgart. Er könne sich aber durchaus vorstellen, dass einzelne Studiengänge, Fachbereiche oder Institute solche Vorgaben oder Empfehlungen eingeführt hätten. Lediglich eine zentrale Vorschrift gibt es definitiv nicht.

Uni Hohenheim Auch an der Uni Hohenheim gibt es keine einheitliche Regelung. Doch hat sich der Lehrstuhl Marketing von Prof. Dr. Markus Voeth etwas Besonderes ausgedacht und eingeführt: Ein Service-Versprechen. Damit garantiert der Lehrstuhl zehn Service-Qualitäten. Darunter fallen Garantien wie die Beantwortung einer E-Mail innerhalb von 24 Stunden oder dass alle Vorlesungen immer pünktlich ins Netz gestellt werden. Dazu soll es alle Unterlagen immer online geben. Und auch um Prüfungen und Hausarbeiten geht es im Service-Versprechen von Voeth. Unter Punkt 5 heißt es: „Alte Klausuraufgaben sind bei uns online verfügbar

und werden in ausgewählter Form in Übungen mit Ihnen besprochen. Ihre Diskussionen alter Klausuraufgaben in den jeweiligen ILIASForen werden von uns inhaltlich begleitet.“ Außerdem verspricht das Team des Lehrstuhls, Klausurergebnisse spätestens vier Wochen nach dem Klausurtermin, wenigstens aber rechtzeitig vor dem Folgeprüfungstermin, sofern in der Vorgaben der Fakultät kürzere Fristen vorgesehen sind, zu veröffentlichen. Und auch um das Thema Abschlussarbeiten geht es im Service-Versprechen. Punkt 9 lautet: „Die Erstkorrektur von Abschlussarbeiten schließen wir bereits innerhalb von vier Wochen nach Abgabe der Abschlussarbeit ab.“ In der Allgemeinen Rahmenprüfungsordnung Bachelor sei die Empfehlung in §15 acht Wochen nach Abgabe. In der Prüfungsordnung Diplom §24 IV 1 werden wie beim Master (§23 V) sogar zwölf Wochen nach Abgabe empfohlen. Überprüft werden soll das Ganze von einem unabhängigen studentischen Beirat. An ihn können sich die Studenten auch anonym wenden. Gemeinsam mit diesem Rat wird dann geschaut, ob es sich tatsächlich um einen Verstoß gegen das Versprechen handelt. Das Ergebnis soll dann auf der Homepage veröffentlicht werden – mit Erklärung.

Uni Tübingen An der Universität in Tübingen seien die Korrekturfristen für Bachelor- und Masterabschlussarbeiten einzeln für jeden Studiengang in der Studienprüfungsordnung geregelt, teilt die Pressestelle auf Anfrage mit. Im Allgemeinen würde dabei die Frist aus der Regelung in der Musterprüfungsordnung übernommen. Danach sollte die Korrektur der Arbeit vier Wochen nach der Abgabe abgeschlossen sein. Die Überwachung dieser Frist sei Aufgabe des Prüfungsausschusses. Es gebe zudem spezielle Regelungen für Krankheitsfälle unter den Prüfungen und ähnliche Verzögerungen. Anders sei der Fall bei Hausarbeiten. Sie fallen unter „studienbegleitende Prüfungsleistungen“. Hierzu gebe es keine Zeitvorgaben in den Prüfungsordnungen. „Es ist aber selbstverständlich, dass die Korrektur bei Hausarbeiten wie Klausuren zeitnah erfolgen sollte“, erklärt Pressereferentin Antje Karbe. 13


Hochschule der Medien An der HdM heißt es, dass sich die Frage nicht pauschal beantworten lasse. Man begrüße es, wenn Professoren und Lehrbeauftragte die Prüfungen ihrer Studenten so schnell wie möglich bewerteten. Doch müsse berücksichtigt werden, dass Professoren wie Lehrbeauftragte in der Regel noch einen Vollzeit-Job in der Medienbranche haben. „Je nach Fach muss ein Dozent eine extrem unterschiedliche Anzahl von Prüfungen, teilweise auch in mehreren Fächern, korrigieren und bewerten“, sagt Pressesprecherin Kerstin Lauer. Denn die Prüfungsarbeiten würden an der HdM von den Dozenten selbst korrigiert. Die Anzahl schwanke von wenigen Prüfungen bis zu 350 Klausuren in der Spitze. „Dafür ist ein unterschiedliches Zeitbudget erforderlich.“ Haus- und Projektarbeiten könnten an der HdM alleine oder in Teams (zwei bis maximal drei Personen) geschrieben werden. „Das spielt bei der Korrektur ebenfalls eine Rolle“, sagt Lauer.

der PH festgeschrieben, oder bei den Abschlussarbeiten im Lehramt durch das Kultusministerium festgelegt sind. „Je nach Art der Arbeit beträgt die Korrekturzeit vier oder acht Wochen“, erklärt Anne Nörthemann von der Pressestelle der Hochschule. In den jeweiligen Rahmenordnungen für Lehramtsstudenten heißt es, dass die Bewertung von schriftlichen Modulprüfungen nicht länger als acht Wochen dauern darf. Bei Bachelor- und Masterstudenten darf diese Bewertung lediglich vier Wochen dauern. Die Korrektur von Hausarbeiten darf bei Lehramtsstudenten maximal zwei Monate dauern. In der Prüfungsordnung heißt es dazu weiter: „Wer an der Begutachtung der Arbeit verhindert ist, leitet das Exemplar der Arbeit unverzüglich dem Prüfungsamt zu, das die Begutachtung durch eine andere prüfungsbefugte Person veranlasst.“ Für Bachelor- und Masterarbeiten haben die Prüfer maximal acht Wochen Zeit. Bewertungsräume für die wissenschaftlichen Hausarbeiten, die Teil des Staatsexamens sind, sind in den jeweiligen Verordnungen des Kultusministeriums über die erste Staatsprüfung geregelt.

Hochschule Esslingen

Fazit

An der Hochschule in Esslingen gibt es lediglich an der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege eine festgelegte Frist, die in der Prüfungsordnung geregelt wird. „Für die Bewertung von Bachelor-Arbeiten haben Prüfer vier Wochen Zeit“, teilt Pater Väterlein, Prorektor für Lehre und Informations- und Kommunikationstechnik, mit. Daneben gebe es in jedem Semester Fristen für die Eingabe von Noten für Klausuren, Referate und Ähnliches. „Die liegen knapp zwei Wochen nach dem Ende der Prüfungszeit im Juni/Juli und rund vier Wochen nach dem Ende der Prüfungszeit im Februar/März“, sagt Väterlein. Weitere Regelungen gebe es allerdings nicht, teilt Manuela Nieß, die Leiterin der Studentischen Abteilung der Hochschule, mit.

Einheitliche Fristen über die Dauer der Korrekturen von Hausarbeiten, Prüfungen oder Bachelor- und Masterarbeiten gibt es nicht. In vielen Fällen sind die Hochschulen schon ein Stück weiter als die Universitäten. Wer nach acht Wochen noch kein Ergebnis vorliegen hat, der sollte sich erst einmal an seinen Professor wenden. Dabei ist ein persönliches Gespräch meist sinnvoller als eine unpersönliche Mail. Hilft das auch nicht, dann sollte man sich an den Studiengang wenden. Vom Gang zum Anwalt raten selbst Anwälte für Bildungsrecht ab. Das sei meist sehr teuer und bringe nichts.

PH Ludwigsburg Es gibt für die verschiedenen Arbeiten und Prüfungen je nach Studiengang verschiedene Fristen, die in den Prüfungsordnungen

14


Cruisen an der Uni

Manchmal fragt man sich, ob man mit Songtexten die Zukunft vorherbestimmen kann.�


Die Massiven Töne gehören zu den Bands, die den deutschen Hip-Hop groß gemacht haben. Im Jahr 2005 erschien ihre letzte Platte. Seitdem ist es ruhiger um die Jungs aus Stuttgart geworden. Rapper Ju hat die Zeit genutzt und an der Hochschule der Medien (HdM) studiert. Im Interview erzählt er, wie das Rappen sein Leben verändert hat. Von Markus Brinkmann

Ju, in einem Songtext der Massiven Töne heißt eine Zeile „Einmal Star und zurück“ – beschreibt das auch dein Leben? Es gibt viele Textzeilen, die ich mir heute anhöre und von denen ich denke, dass es im Nachhinein so passiert ist. Manchmal fragt man sich, ob man mit Songtexten die Zukunft vorherbestimmen kann. Aber die Zeile selbst haben wir nicht über uns geschrieben. Damals schwappte die erste Casting-Welle nach Deutschland. Bands wie wir kamen aus dem Underground und haben sich etwas aufgebaut. Deshalb haben wir die gecasteten Popstars nicht anerkannt. Aus heutiger Perspektive passt diese Textzeile natürlich auch auf uns – aber das war nicht so gedacht.

Ihr wart deutschlandweit bekannt, seid bei MTV und Viva hoch- und runtergelaufen, wart in den Charts – hat das dein Leben verändert? Klar hat es das. Selbstverständlich. In vielerlei Hinsicht. Das Wichtigste ist, dass man etwas erreichen kann, wenn man selbst daran glaubt. Wir haben damals an das Rapding geglaubt und es geschafft, das so zu transportieren, dass die Leute uns gefeiert haben. Das hat uns die Bestätigung gegeben weiterzumachen. Aber auch die Chance zu haben, rumzukommen, hat mich verändert. Wir waren ja nicht nur in Deutschland unterwegs, sondern dank des Goethe-Instituts beispielsweise auch in China, Korea und Südafrika. So konnte ich selbst sehen, was auf der Welt passiert. Dadurch lebst du nicht einfach nur in deinem Dorf.

War für dich immer klar, dass du nach der Musikkarriere studieren gehen möchtest? 16

Ja, ich wollte mir auf jeden Fall die Möglichkeit offen halten. Deshalb habe ich mich 1996 dazu entschieden, noch mein Abi zu machen. In dem Jahr ist die erste Platte „Kopfnicker“ erschienen, und ich hatte mich bewusst für die Musik entschieden. Aber ich habe zu mir gesagt: Du machst jetzt dein Abi, ganz egal wie schlecht es wird. Und es wurde sehr schlecht. Ich war quasi nur in der Schule, um die Zeit abzusitzen. Das Wochenende waren wir meistens unterwegs, und dann saß ich völlig übermüdet im Unterricht. Aber ich wollte mir dieses Türchen offen lassen.

Warum hast du dich für die HdM entschieden? (Lacht) Es war die einzige Hochschule, die meine Bewerbung noch rechtzeitig bekommen hat. Ich hatte mir damals eine dreimonatige Auszeit genommen und bin nach Portugal zu meiner Familie gegangen. Da habe ich überlegt, was ich eigentlich machen möchte. Interessiert hat mich Architektur, das Bauingenieurwesen, Medizin oder Medien im weiteren Sinne. Also habe ich mich vom Strand aus mit einer Postkarte beworben. Die HdM war die einzige Hochschule, von der ich eine Antwort bekommen habe.

Was hat dich am Studium der Medienwirtschaft interessiert? Ich hatte ja jahrelang mit Medien zu tun. Da war es irgendwie naheliegend, dass ich mich damit beschäftige. Ich wollte einen Gesamtüberblick bekommen. Und so war es dann auch im Studium. Ich habe viel Neues dazugelernt, aber einiges auch schon gewusst. Ich hatte allerdings viele Baustellen in dieser Zeit. Meine Zwillinge wurden gerade geboren,


die Musik und das Studium. Der Nachteil war, dass ich mich nie so hundertprozentig auf eine Sache konzentrieren konnte. Ich habe deshalb auch länger studiert. Aber so habe ich viel mehr Kollegen kennenlernen können, das hatte auch seine positiven Seiten.

Du warst 33 Jahre alt, als du dein Studium begonnen hast. War es ein Nachteil, später studieren zu gehen? Mir war bewusst, dass es schwer sein würde, in den Lernprozess reinzukommen. Aber das erste Jahr ist dann super gelaufen. Also nein, es war kein Nachteil. Vor allem auch deshalb, weil ich glaube, dass ich durch die Musik jung geblieben bin und auch noch jung aussehe. Deshalb bin ich gar nicht so aufgefallen. Es war eher inspirierend zu sehen, wie die jungen Studenten an der Uni Gas gegeben haben. Natürlich hatte ich mein Studentenleben vermutlich anders ausgelebt, wenn ich jünger gewesen wäre und nicht schon so viel gefeiert hätte. Ich musste nicht mehr auf irgendwelchen Studentenpartys auf dem Klo kotzen.

Viele deiner Mitstudenten haben dich sicher noch als Rapper gekannt. War das am Anfang schwierig? Nein, gar nicht. Im Gegenteil. Die sind damit ganz locker umgegangen. Sie sind auf mich zugekommen und haben direkt gefragt. Und dass ich Ju von den Massiven bin, hat dann ziemlich schnell die Runde gemacht – auch unter den Professoren. Es war sogar eher cool, weil die Leute mir geholfen haben. Außerdem fanden sie es cool, dass ich mich trotz Karriere und Familie noch an die Uni getraut habe.

Hat dir der Bühnenerfolg im Studium weitergeholfen? Schwere Frage. Der Bühnenerfolg selbst sicher nicht. Ich hatte beispielsweise immer Schwierigkeiten, wenn ich eine Präsentation halten musste. Das war nie meine Stärke. Auch wenn ich mal vor Tausenden von Leuten auf der Bühne stand, das war immer schwierig. Vielleicht liegt es daran, dass es immer schwieriger ist, vor einer kleinen Gruppe von

Menschen zu stehen als vor einer großen.

Rapstar, Student oder Arbeitnehmer, welcher Job macht am meisten Spaß? Den meisten Spaß hast du dann, wenn du dir erlauben kannst, das zu machen, was dir auch Spaß macht. Ich habe jetzt nach dem Studium bei einer Agentur als Texter angefangen. Das war der beste Einstieg ins Berufsleben für mich. Ich konnte da kreativ sein. Das macht mir Spaß, und da sehe ich auch eindeutig meine Stärken. Ich habe nach dem Studium lange überlegt, was ich machen soll. Aber am Ende hat sich dann alles ergeben. Am liebsten würde ich natürlich Musik machen. Aber das ist heutzutage nicht mehr so einfach – man hat eine andere Perspektive auf das Leben, andere Prioritäten und eine andere Verantwortung. Ich weiß auch, dass man davon nicht leben kann. Aber eins ist klar, ich werde immer Musik machen. Perfekt wäre natürlich, wenn ich alles machen könnte.

Was würdest du den heutigen Studenten mit auf den Weg geben? Die jungen Studenten müssen sich viel mehr zutrauen. Sie haben viel Know-how. Macht was daraus. Traut euch das zu machen, wozu ihr Bock habt. Das kann funktionieren oder auch nicht. Aber ganz egal wie es läuft, man zieht seine Erfahrungen daraus. Das ist das, was zählt. Ich bewundere es, wenn Leute sich trauen, etwas Neues zu machen.

Ju, eigentlich João Dos Santos, geboren 1974 in Lissabon, kam im Alter von fünf Jahren nach Stuttgart. Mit den Massiven Tönen stand er von 1991 an auf der Bühne. Auch heute noch macht Ju Musik. Mehr dazu findet Ihr im Netz unter: https://soundcloud.com/mister-santos.

17


Das Inselbad in Untertürkheim war Stuttgarts erstes Freibad. Als einfaches Schwimmbad wurde es 1924 eingeweiht und von Paul Bonatz – dem Architekt des Hauptbahnhofs – bis 1929 erweitert und zu einem „Schwimm-Stadion“ umgestaltet, da das Freibad für das 15. Deutsche Turnfest 1933 geplant wurde. Drei Stahlbetontürme reihen sich auf der südöstlichen Hügelkette Stuttgarts aneinander. Sie sind für Bild- und Tonfunk verantwortlich. Der Fernsehturm (Radio), der Fernmeldeturm (Radio/Fernsehen/Mobilfunk) und der Funkturm – mit 93 Metern der kleinste der drei Türme. Da er für den Funkverkehr von Polizei und Feuerwehr zuständig ist, gilt er auch als „Polizeifunkturm“. Am Rande des Kurparks in Bad Cannstatt besaß Gottlieb Daimler eine Villa. Im Gewächshaus seines Gartens entwickelte er gemeinsam mit Wilhelm Maybach den ersten schnelllaufenden Verbrennungsmotor. Aufgrund der geräuschintensiven Arbeiten vermuteten die Nachbarn Daimlers eine „Falschmünzerei“ im Gartenhäuschen und riefen die Polizei. Weitere unnütze Fakten über Stuttgart gibt es im Netz auf www.unnuetzes-stuttgartwissen.de oder auf Facebook. 18


Wie ist es eigentlich... ... in den Krieg zu ziehen?

Stell dir vor, es ist Krieg, und du musst hin. Undenkbar? FĂźr fast 5000 deutsche Soldaten ist das kein Gedankenspiel. Es ist Alltag. Dietmar Barro ist einer von ihnen. Von Felix BĂśpple


M

eine Frau hat gewusst, ein Einsatz kommt irgendwann mal wieder auf uns zu. Und wenn es dann so weit ist, kommt er immer ungelegen. Dann hätte man ihn lieber früher oder später. Aber wenn er da ist, ist er da.“ Oberstleutnant Dietmar Barro sitzt im Konferenzraum der 10. Panzerdivision in Sigmaringen. Seine Uniform scheint maßgeschneidert, die Schulterklappen zieren zwei Sterne, umrankt von Eichenlaub. In wenigen Wochen wird er nach Afghanistan aufbrechen. Zweimal war er bereits am Hindukusch auf Friedensmission. Eine Friedensmission, die für die Soldaten Krieg bedeuten kann. Politiker winden sich gerne mit Floskeln wie „kriegsähnliche Situation“ um eine klare Antwort. Aber: „Für einen Soldaten, der unter kriegsähnlichen Bedingungen handelt, für den ist das Krieg. Formaljuristisch mag die Lage in Afghanistan kein Krieg sein. Das interessiert den einzelnen, Soldaten aber nicht.“

Wie erklärt ein Soldat seiner Familie und seinen Freunden, dass er schon wieder in einem Krisengebiet sein Leben riskieren muss? „Freude löse ich mit dieser Nachricht nirgends aus. Aber seit wir in Afghanistan sind, ist klar, irgendwann muss ich da auch mal hin. Trotzdem ist meine Frau vom kommenden Einsatz nicht sehr begeistert“, sagt Barro nüchtern. Vor allem zu Hause ist die Vorbereitung ein einziger Spagat. Er zieht in den Krieg, setzt sich Gefahren aus, kann sich nicht sicher sein, unversehrt zurückzukehren. „Das muss ich meiner Familie klar sagen, ohne sie und mich dabei unnötig verrückt zu machen.“ Er kenne Kameraden, die den Einsatz gegenüber der Familie verharmlosen: „Das ist fein, solange nichts passiert. Aber wenn etwas passiert, lade ich die Probleme so nur auf meine Frau ab.“ Hin- und hergerissen ist Barro auch in den Tagen vor dem Abflug. Er möchte dann nicht mehr die Nachbarn hören, die ihm erzählen, wie schlimm das alles

21


ist. Der Aufbruch nach Masar-e-Sharif ist dann ein Stück weit Erleichterung. „Im Flieger ist diese ganze Vorbereiterei und die Durchdenkerei vorbei. Man ist auf dem Weg, und wenn man ankommt, hat man seine Aufgabe.“ Wenn los, dann los. Die Anspannung, nach Hause zu wollen, kommt erst später. Die Zeit bis zur Rückkehr zählt Barro vom ersten Tag an. „Am Anfang frustriert es eher, den Batzen noch vor sich zu sehen. Aber wenn man sieht, wie sich mit der Zeit etwas bewegt, ist das eine Stütze.“

Viel Zeit nachzudenken bleibt nicht Fällt es schwerer, das erste oder das zweite Mal in den Einsatz zu gehen? Barro sieht sich im kahlen Konferenzraum um, überlegt lange. „Mir ist es das erste Mal deutlich einfacher gefallen“, sagt er schließlich, „Ich weiß mittlerweile, was alles auf mich zukommt. Die ständige Gefahr, die Trennung von der Familie, keine Privatsphäre, ich bin 24/7 im Dienst. Auf das alles kann ich jetzt schon verzichten.“ Abschalten ist unmöglich. Selbst die Gespräche beim Feierabendbier drehen sich um die Arbeit. Persönlich wird es eher selten. „Wenn Männer zusammensitzen, wird meistens über oberflächliche Themen gesprochen, persönlich wird man da eher selten.“ Zum Krieg gehören Gefechte, Verwundete, im schlimmsten Fall Gefallene. „Wer war es? Wo war es? Das sind die zwei ersten Fragen, wenn so ein Funk reinkommt“, sagt Barro. „Das belastet dann sehr. Vor allem natürlich, wenn ich die Leute gekannt habe. In solchen Situationen fragt man sich: ‚Lohnt es sich?‘“ Viel Zeit bleibt dafür aber nicht. Die Arbeit muss immer laufen. „Als erstes muss die Telefonleitung abgeschaltet werden, damit keine Gerüchte nach draußen gehen.“ Die Kollegen müssen Berichte verfassen, Informationen sammeln, Kameraden trösten. „Es ist interessant zu sehen, wie professionell alles beim zweiten oder dritten Mal abläuft. 22

Weil jeder weiß, die Kameraden und ihre Angehörigen verdienen einen reibungsfreien Ablauf.“ Nach sechs Monaten wird Barro zurückkehren. „Als Erstes werde ich meine Frau und meine Kinder umarmen, einfach das Zu-Hause-Sein genießen. Das mag banal klingen, aber da freue ich mich jetzt schon drauf“, Barro huscht ein flüchtiges Lächeln über das sonst so ernste Gesicht. Die Vorfreude ist ihm anzusehen. Der Krieg verändert Menschen. Viele Soldaten kommen traumatisiert nach Hause. Diese Erfahrung musste Barro nicht machen. „Durch den Einsatz habe ich aber einen anderen Blick auf die Dinge. Wenn ich sehe, mit wie wenig sehr viele Menschen auskommen müssen, relativieren sich die Probleme zu Hause.“ Afghanistan gehört zu den ärmsten Ländern der Welt und ist seit über 30 Jahren gezeichnet von Kriegen und Naturkatastrophen. Persönlich schränkt er sich zwar nicht ein, aber „ich bin mir viel bewusster, in welcher luxuriösen Situation ich bin“.

Wie-ist-es-eigentlich.de ist ein Blogprojekt von Journalismusstudenten. Sie befragen Menschen, wie sich bestimmte Erlebnisse, Situationen oder Geschehnisse anfühlen. Im Internet gibt es eine Sammlung dieser Geschichten. Im Käpsele erscheint monatlich ein Text aus der Reihe als Serie.


Skiiiiiiiiifoan!

Das Käpsele und der ERD präsentieren: Das Winter-Saisonopening 2013! Komm mit uns für ein Wochenende nach Savognin in der Schweiz! Am 14./15. Dezember heißt es: Skispaß und Hüttengaudi. Was wir euch bieten? - Busfahrt ab Stuttgart nach Savognin und zurück. - 1 x Übernachtung / Frühstück / Abendessen im Hotel CUBE Savognin - Freie Nutzung der Hoteleinrichtungen wie Fitness, Sauna, etc. - Eintritt zur Opening-Party im CUBE Club - 2-Tages-Skipass der Bergbahnen Savognin Was das kostet? - 149 Euro pro Person im 4-Bettzimmer - 169 Euro pro Person im 3-Bettzimmer - 189 Euro pro Person im 2-Bettzimmer

INfos und Anmeldung: ERD e.V. Tel. o711/82032210 oder www.erd.de


Buch des Monats

Düstere Zukunftsvision

Zugegeben: „2084 - Noras Welt“, der Titel des neuen Romans von Jostein Gaarder, erinnert sehr an das Buch, mit dem er bekannt geworden ist: „Sofies Welt“, das vor 20 Jahren auf den deutschen Markt gekommen ist. Doch damit hat es sich auch schon fast mit den Parallelen. In „Noras Welt“ geht es nämlich nicht um die Geschichte der Philosophie. Es geht um eine sehr viel dringendere Frage: Können wir unsere Umwelt und unser Klima retten? Ein schweres Thema für einen Roman – doch dass so etwas funktionieren kann, hat bereits Frank Schätzing mit seinem Bestseller „Der Schwarm“ gezeigt. Gaarder geht das Thema jedoch anders an. Er verlegt seine Handlung in die Träume seiner Hauptakteurin Nora. Die 16-Jährige erlebt, wie es im Jahr 2084 auf der Erde aussieht. Sie träumt von ihrer Urenkelin Nova, die ihr die Katastrophen der Zukunft in einem Brief schildert. Reflexartig denkt man an Sofies Welt, in der die 15-jährige Sofie geheimnisvolle 24

Briefe empfängt. Doch die Schilderungen von Nova sind dramatisch: Der Meeresspiegel ist gestiegen, Klimaflüchtlinge ziehen Richtung Norden, wo es noch einigermaßen sicher zu scheint, und zahlreiche Tierarten sind bereits ausgestorben. Alle Tiere, die es nicht mehr gibt, kann man im Tierpark Den Haag virtuell erleben – dort soll an die zerstörten Ökosysteme der Welt erinnert werden. Gaarder gelingt es dabei, eine düstere Zukunftsvision zu entwickeln. Damit will er seine Leser wachrütteln. Doch das gelingt nur ansatzweise. Zu oft plätschert die Geschichte einfach nur so vor sich hin, sie ist zu banal. Das liegt leider auch an der Protagonistin selbst. Während die Neugierde von Sofie und das Geheimnis um ihren unbekannten Briefeschreiber den Leser packten und fesselten, klappt das bei Nora leider nicht.(msb) Jostein Gaarder, 2084 – Roman, Carl Hanser, 192 Seiten, ISBN 978-3446243125, 14.90 €


Der Liebling der Redaktion

Das Virus im Menschen

Passend zur Bundestagswahl wollten wir an dieser Stelle eigentlich „Die Stadt der Sehenden“ des 2010 gestorbenen portugiesischen Literaturpreisträgers José Saramago vorstellen. In seiner brillanten Ode der Politikverdrossenheit lässt der wütende alte Mann und Kommunist eine ganze Horde an Wahlberechtigten aus Protest leere Stimmzettel abgeben und eine erst verdutzte, dann verbrecherisch reagierende Regierung zurückbleiben. Doch das Buch – und das ist ein Jammer – ist nicht mehr lieferbar. Zu verstehen ist es jedoch im vollen Umfang ohnehin nur, wenn man den nicht minder guten Vorgänger „Die Stadt der Blinden“ kennt. Ohne Vorgeplänkel eröffnet Saramago seinen 2008 verfilmten Roman mit der plötzlichen und unerklärlichen Erblindung eines Autofahrers, der weitere folgen. Zu den Opfern zählt auch der Augenarzt, der den ersten Blinden untersucht. Wie ein Virus scheint sich die Krankheit zu übertragen, woraufhin die in Panik versetzte Regierung alle Erblindeten in eine verlassene Irrenanstalt interniert und sich selbst überlässt. Die zur Bewachung eingesetzten Soldaten haben einen Schießbefehl, sollte

jemand die Flucht versuchen. In der Anstalt reißt derweil eine Gruppe der Eingesperrten die Kontrolle an sich – und errichtet ein Schreckensregime im Kleinen. Die einzige Hoffnung der anderen ist, ohne dass sie das wissen, die Frau des Augenarztes. Sie hat ihre Erblindung nur vorgetäuscht, um bei ihrem Mann zu bleiben – und scheint auf seltsame Weise immun gegen das Virus. Saramagos Stil ist ein wenig irritierend, verzichtet er doch auf Anführungsstriche. Doch das sollte niemanden abschrecken, dieses kraftvoll philosophische Buch in die Hand zu nehmen. In jedem zweiten Satz steckt ein kleiner Giftpfeil, der auf die Unerbittlichkeit entwürdigter gesellschaftlicher Verhältnisse zielt. In den Augen des Meisters der Symbolik ist der Mensch dem Menschen ein Wolf, erst recht, wenn es ihm gelingt, Macht über einen anderen zu erlangen. Was Saramago in „Die Stadt der Blinden“ anreißt, treibt er in „Die Stadt der Sehenden“ auf die Spitze. Die Doppellektüre lohnt. Zum Glück gibt es Bibliotheken. (ben) José Saramago, Die Stadt der Blinden – Roman, Rowohlt, 400 Seiten, ISBN 978-3499224676, 9.99 € 25


Wohnst du noch?

Wie leben Studenten in Stuttgart und T端bingen? F端r wenig Geld in Bruchbuden? F端r teures Geld in Bruchbuden? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Zwei Beispiele. Von Sanja D旦ttling


I

n Stuttgart-Hofen ist nicht viel zu spüren von der Großstadt. Neben dem MaxEyth-See reihen sich Schrebergärten an Reihenhäuser, auf den Hügeln sind Weinberge. Hier wohnt Eva Muck (Name geändert) in einem Mehrparteienhaus, das von außen nicht die schönste Fassade hat. Doch wenn man bei ihr auf dem Balkon sitzt, entschädigt der Blick dafür - in den Garten, wo der Wind in den Bäumen weht. Auf dem Balkon wachsen Tomaten. „Manchmal kommen Eichhörnchen vorbei“, sagt Eva. Oder Wildenten vom See. Die Studentin wohnt seit September 2010 in der Einzimmerwohnung mit Parkplatz, Keller und Badewanne. Sie zahlt 360 Euro warm. „Als ich hier eingezogen bin, waren die Fensterfront und die Balkontür alt. Mir kam immer wieder der gesamte Rahmen entgegen“, erzählt sie von ihren Anfängen in der Wohnung. „Ich habe mich gar nicht mehr getraut, das Fenster zu öffnen. Als die kalten Tage begannen, hat es überall durchgezogen“, sagt sie. Die Heizungskosten für diesen ersten Winter in Stuttgart waren enorm: „Fast 400 Euro habe ich fürs Heizen gezahlt.“ Und dennoch musste Eva lange auf die Vermieterin einreden, bis das Fenster ersetzt wurde. Die

enorme Nebenkostenrechnung hat sie selbst gezahlt. Viel Geld für die Studentin. Heute sagt sie: „Ich wusste damals noch nichts zum Mieterschutz und auch nicht, was meine Rechte sind.“ Eva hat von der zweiten Klasse bis zum Abitur in Italien gelebt, „da war das ganz anders mit dem Mieten“. Doch die Fensterfront ist nicht ihr einziges Problem gewesen. „Ständig sind mir die Glühbirnen explodiert“, erzählt sie. Es dauerte, bis sie die richtigen gefunden hatte. Außerdem hatte sich eine Ameisenstraße durch ihre Wohnung etabliert. „Da hat der Trick meiner Mutter mit der Zahnpasta geholfen“, sagt sie. Jetzt, drei Jahre nach ihrem Einzug, haben sich diese Probleme zwar gelöst.Trotzdem. Eva bleibt skeptisch: „Ich warte die ganze Zeit darauf, dass wieder was passiert“, sagt sie nur halb im Scherz. Trotz dieser Schwierigkeiten wollte sie nicht ausziehen. Schließlich hatte sie lange gebraucht, um überhaupt eine Wohnung zu finden. Fast 50 Wohnungsbesichtigungen hatte sie hinter sich, bevor sie erfolgreich war. „Deshalb war ich auch extrem froh, endlich etwas zu haben“, sagt sie. „Ich habe des Gefühl, jetzt richtig angekommen zu sein.“ Auf die Frage, was an ihrer Wohnung

27


das Beste ist, antwortet sie: „Der Balkon, das Bad mit Badewanne und die Lage.“ Außerdem sei es schön, etwas Eigenes zu haben. „Duschvorhang und solche Sachen – das ist alles meins, das ist nicht geliehen. Das ist ein gutes Gefühl.“ Eva ist einer der wenigen jungen Menschen in dem Haus. „80 Prozent der Leute hier sind über 60“, schätzt sie. Wegen der Hellhörigkeit der Wände kann sie sowohl RTL 2 von drei Etagen darüber mit anhören als auch damals

28

den Fußball-WM-Kommentar des Nachbarn. Eine andere Nachbarin staubsaugt morgens um halb sieben – jeden Tag, und sehr aggressiv. „Man gewöhnt sich daran“, sagt Eva. „Inzwischen schlafe ich dann einfach weiter.“ Wie überall, sagt sie, gibt es nette und blöde Nachbarn. Der Hausmeister bringt zum Beispiel hin und wieder Kirschen aus seinem Garten vorbei. Eva studiert an der Fernuniversität Hagen, der einzigen staatlichen Fernuniversität, deshalb kann sie eigentlich wohnen, wo immer sie will. Nach Stuttgart kam sie wegen ihres damaligen Freundes. Weggehen will sie jetzt nicht mehr. „Stuttgart ist Heimat für mich“, sagt sie, „ich bin stolz darauf, Stuttgarterin zu sein.“ Eva studiert Kulturwissenschaften, und versucht immer, Lokales aus Stuttgart in ihre universitären Arbeiten einzubinden. Im Moment arbeitet sie an einer Aufgabe zum Thema außereuropäische Geschichte. Und selbst dabei hat sie einen Bezug zu Stuttgart gefunden: „1928 gab es eine KolonialAusstellung in Stuttgart, da wo heute die Uni-Bib ist. Da wurden echte Menschen ausgestellt! Das ist jetzt mein Ansatzpunkt“, sagt sie. Eva fällt es leichter, Themen mit Bezug zu Stuttgart zu lernen. „Ich glaube, dass das an der Fernuni einmalig ist, dass man seine Interessen so frei wählen kann.“


Wichtiger Tipp: Bloß nicht barfuß gehen

Was sie an Stuttgart mag? „Die Menschen hier sind offener als andere Deutsche.“ Vielleicht würden nicht alle dieser These zustimmen, aber Eva hat es so erlebt. „Auch den Dialekt finde ich klasse. Ich spreche ihn nicht, aber ich verstehe ihn ganz gut“, sagt sie. Als die Handwerker kürzlich den Balkon neu strichen, hat sie ihren Vorrat an echten schwäbischen Schimpfwörtern erweitern können. Doch obwohl Eva an einer Fernuniversität studiert, braucht sie die Nähe zur Stadtmitte. Dort trifft sie sich mit ihrer Lerngruppe aus anderen Studenten der Fernuni. Außerdem braucht sie hin und wieder Bücher aus den Bibliotheken in Stuttgart. Von StuttgartHofen braucht die Stadtbahn 20 Minuten zum Hauptbahnhof. „Besser kann man es von der Lage her doch nicht haben“, sagt sie. Nur dass die VVS nicht einsieht, dass auch ein Student der Fernuni hin und wieder mit der Bahn fahren muss und deshalb ebenfalls Anrecht auf ein Studententicket hätte, stört sie. Meistens geht sie zum Lernen aber ohnehin an den Max-Eyth-See, der direkt vor ihrer Haustür liegt. Das ist „wie Urlaub“, sagt Eva und zitiert den Slogan ihrer Fernuniversität: „Studieren, wo es am schönsten ist.“

Schön ist vielleicht nicht gerade das Adjektiv, mit dem Peter Gruber, Adam Fink und Frank Klose (alle Namen geändert) ihre Bude in der Tübinger Altstadt beschreiben würden. Sie sind drei der vier Mitbewohner in der Studenten-WG und teilen sich eine 120 Quadratmeter große Wohnung für 100 bis 200 Euro Miete pro Kopf. Ein Spottpreis für die Toplage. Der Grund: Die Wohnung ist alt. Im Flur ist die Tapete mit Reißnägeln festgehalten, überall liegen offene, verschiedenfarbige Kabel an den Wänden entlang. Adam bezeichnet die Wohnung als „heruntergekommen, aber nicht eklig“. Sich barfuß im Haus zu bewegen ist trotzdem nicht zu empfehlen. „Wir befinden uns im größten Zustand der Entropie“, sagt Peter. Eine Freundin verglich die Wohnung einmal mit einem albanischen Männerwohnheim. Hinzu kommt: Das Haus ist schief. „Meine Schwester wird immer seekrank, wenn sie durchs Wohnzimmer läuft“, sagt Peter. Weil es so steil bergab geht. Zwischen 15

29


und 20 Zentimeter ist das Haus auf der glaubt nach Aussage der Jungs noch immer einen Seite niedriger. Im Wohnzimmer an den Kuppeleiparagraphen. Vielleicht sind steht die große, verratzte Couch und neben die Jungs auch einfach unkomplizierter. Hin der Schaufensterpuppe und dem antiquaund wieder besuchen sie ihre Vermieterin. rischen Home-Entertainment-Schrank mit Dann trinken sie bis in die Morgenstunden Plattenspieler und Schwarz-Weiß-Fernsehen Wein. „Die Unterhaltungen wiederholen sich der kleine Holzofen. zyklisch“, erklärt Peter, Zentralheizung gibt’s „weil die Vermieterin hier nicht. Im Winter ist sich an vieles, was sie das Wohnzimmer meisgesagt hat, dann gar tens der einzige geheiznicht mehr erinnert.“ te Raum im Haus, und alle Einen Mietvertrag Nichts ist toll an dieser Mitbewohner sammeln sich besitzt niemand in der dort. Im Badezimmer sieht Wohnung, aber man darf Wohnung. „Das ging auf man im Winter nicht selten alles machen“ Handschlag“ sagen sie, Eiskristalle an den Fenstern. die Vertrauensbasis zwiInnen. 200 Euro zahlen sie schen Vermieterin und pro Person für das Holz. Mietern ist groß. Sie bieAbfallholz aus der Industrie, tet oft an, Reparaturen betont Adam. Nicht billiger, aber nachhaltiger zu zahlen, und beschenkt ihre Jungs mit Essen als normales Holz. Die Tübinger Mentalität ist und Alkohol – dafür kümmern die sich ein wenig verinnerlicht. um die alte Dame. „Wenn bis zum Nachmittag Die Gemeinschaft ist eine reine Männer-WG. ihre Post nicht reingeholt wird, klingeln wir Die alte Dame, die die Wohnungen vermieschon mal und fragen, ob alles gut ist“, sagt tet und im Erdgeschoss des Hauses wohnt, Adam. Im Regal im Flur ihrer WG türmen sich 30


Pfandflaschen, im Wäschezimmer hält ein Spanngurt die Waschmaschine vom Wandern durch die Wohnung ab. Die Philosophie der Bewohner: „Wenn man verranzt anfängt und mit einem niedrigen Lebensstandard, dann hat man danach bessere Aufstiegschancen.“ Obwohl unkonventionell, kommen sie doch ganz ohne Planung nicht klar. Adam ist für Reparaturen, Peter fürs Putzen zuständig. Frank kümmert sich um „die Kommunikation mit der Außenwelt“, zum Beispiel mit der Vermieterin und Ämtern. Frank, der in der Kinder- und Jugendpsychatrie arbeitet, ist auch der WG-Psychotherapeut. „Nichts ist toll an dieser Wohnung“, fasst Peter zusammen, „aber man darf alles machen.“ Und das tun sie: Golf mit fauligen Äpfeln, gemeinsam erstellte Collagen mit nackten Frauenbeinen, die die Wände zieren und eingetretene Türen nach einem heftigen Streit – die Wohnung muss einiges mitmachen. Die Bewohner zelebrieren ihr Dasein als junge, intellektuelle Studenten-WG und sind „eine echte WG“, sagt Peter. Keine Zweckgemeinschaft. Das kommt vielleicht auch daher, dass die Mitbewohner sich schon

vor dem Zusammenziehen kannten und miteinander befreundet sind. „Wir machen halt so langweilige WG-Scheiße“, fassen es die Jungs zusammen. Bei der einen Party haben sie über das in der Badewanne gekühlte Bierlager gepinkelt, als WG-Erfahrung. Im Nachhinein meinten sie: „Sonderlich einfallsreich war das eigentlich nicht.“ Sie genießen ganz offensichtlich ihre Narrenfreiheit. Obwohl zwei von ihnen vergeben sind, wollen sie nicht mit ihren Freundinnen zusammenziehen. „Lieber werde ich hier morgens mit einem geschrienen ,Mongo!‘ begrüßt als mit Babygeschrei“, sagt Peter. Der Umgangston ist rau, aber herzlich. Oder, wie Adam es mit gesundem Selbstbewusstsein beschreibt: „Wir haben ein triviales Niveau, aber das leisten wir uns, weil wir alle schlau sind.“ Wer nicht mit Beleidigungen begrüßt wird, der weiß, dass angespannte Stimmung herrscht. Dennoch lebt die WG meist friedlich zusammen, abgesehen von der eingetretenen Tür. Die schönste ist sie nicht, ihre Wohnung. Aber Charme hat sie. Deshalb sind die Jungs stolz darauf. Und auf ihre Wohngemeinschaft.

31


Kurzgeschichte

Vom Mann, der nicht auf sich selbst hören wollte von Marc Bensch

I.

Ein Klick, kurz warten, nichts Neues. Warum auch, so kurz nach dem letzten Aktualisieren? War ja schon da, die Mail. Geschickt von seiner Adresse, aber nicht von ihm geschrieben. Wie war das möglich? Ein Hack? Kaum vorstellbar. Ein Spaß? Von wem denn? Eine Racheaktion? Niemand kannte sein brandneues Passwort. „Toni, du wirst heute einer Frau begegnen. Sie wird dich umhauen, aber sie wird dich ins Unglück stürzen. Renn weg, lass die Finger von ihr.“ Toni dachte an FutureMe. Der Kaffee neben ihm erkaltete. Ein Monat war es her, kurz nach Conny, gegen Ende der Nacht und der Flasche Wodka Blutorange, da stieß er auf die Seite: „Schreib 32

‘ne Nachricht in die Zukunft“. Geliefert an die eigene Adresse. Zeitpunkt frei wählbar. Er schrieb „Na du Penner! Noch alleine?“ und schickte die Frage auf die Minute genau ein Jahr weiter. Dann rannte er aufs Klo. Kotzen. Das war jetzt wohl PastMe. FutureMe umgedreht. Saß da irgendwo irgendwann sein auf feine Formulierungen achtendes fünf, zehn oder 20 Jahre älteres Ich und nahm Kontakt zur Vergangenheit auf? „Toni, du wirst heute einer Frau begegnen. Sie wird dich umhauen, aber sie wird dich ins Unglück stürzen. Renn weg, lass die Finger von ihr.“ Konstantin Hiller klickte auf Antworten. „Und was wenn nicht?“ In der Küche leerte er den Kaffee in die Spüle.


Im Bad angelte er Parfüm aus dem Spiegelschrank. Im Wohnzimmer klickte er auf Senden und Empfangen. Keine neuen Nachrichten. Als Toni das Haus verließ, war sein Blick zu starr, um die neue Nachbarin zu bemerken, die ihm lange nachschaute. „Was’n los?“, fragte ihre Freundin, die mal eben ums Eck war, Kippen holen. „Hab‘ grad den Typen von nebenan gesehen. Bisschen panne, aber süß.“ Ihre Freundin seufzte. „Du und die Kerle ...“

II.

Draußen die Dämmerung. Drinnen ein Klingeln an der Wohnungstür. Draußen eine Frau, die Toni nicht kennt. Ihr Frischgeduschtundgepudertduft schlägt ihm entgegen. „Hallo Konstantin“, sagt sie, grinst, zeigt auf sein Klingelschild und klimpert mit den Wimpern. „Ich bin Jenny. Ich wohn‘ jetzt hier.“ Sie macht eine Kopfbewegung nach rechts zur halboffenen Tür. Er sagt nichts, nickt nur, starrt ihr in den Ausschnitt. Ist der mit Absicht so? „Ich wollt‘ mir grad‘ ‘ne Flasche Rotwein aufmachen, so als Willkommenstrunk. Aber ich find meinen Öffner nich. Der is irgendwo in ‘ner Kiste.“ Er schaut sie an. Kommt da noch was? Nein, da kommt nichts mehr. „Warte kurz“, sagt Toni und geht in die Küche. Sie wartet nicht, kommt rein, linst ins Wohnzimmer. Er gibt ihr den Öffner. „Hier Jenny. Willkommen im Haus.“ „Wollen wir nich bei dir ...?“, fängt sie an. „Ein andermal“, sagt er und stellt sich vor die Tür zum Wohnzimmer zum Wohnzimmertisch zum Laptop zum Browser zur neuen Nachricht. Auf seinem Fußabstreifer fragt sie sich, ob er schwul ist. Oder einfach nur ein Arschloch? Oder beides?

III.

Während Jenny in ihre Wohnung geht, die Tür so zuschlagend, dass er es hören muss,

den Öffner auf die Arbeitsplatte in der Küche schleudernd, weil sie keinen Bock mehr auf Wein hat und ohnehin keine Gläser – die lagern in Zeitungspapier verpackt neben ihrem Öffner in einer der elf Kisten –, sich auf die Matratze neben dem noch nicht aufgebauten Bett werfend, wird Toni an den Rechner zurückkehren, um die neue Nachricht noch einmal zu lesen. „Lieber Toni, zu viel über seine Zukunft zu wissen, kann gefährlich sein. Vertrau mir in dem Punkt. Wie verlockend die Vorstellung auch sein mag, wie sehr du es zu brauchen glaubst: lass nicht zu, dass sie in deine Wohnung kommt. Du wirst es sonst bereuen.“ Toni wird über die Worte nachdenken – und über die ganze Sache insgesamt. Er wird überlegen, ob es Sinn hat, mit sich selbst zu diskutieren. Er wird sich fragen, ob das nicht vielleicht doch ein Scherz ist und welche Konsequenzen das dann für alle anderen Zufälle oder Nichtzufälle des Tages hätte. Er wird sich auf seine Couch legen und die Augen schließen, um besser denken zu können. Er wird auf seinen Balkon gehen und eine Zigarette rauchen, weil vielleicht ja wenigstens das beim Denken hilft. Und dann, bevor es zu spät nachts ist, bevor er in ihren Augen als Freak gelten kann, als notgeil-verzweifelter Sonderling, wird er sein Phone in die Hand nehmen, sie suchen, sie finden, ihr schreiben. Und sie wird antworten. Innerhalb weniger Sekunden, spätestens nach ein paar Minuten. Immer und immer wieder. Bis es tiefste Nacht ist und nicht mehr nur er der Freak.

IV.

Sie war ihm im Café aufgefallen. Am besagten Tag. Ihre Blicke hatten sich getroffen und er hatte gewusst, dass sie gemeint gewesen war.

V.

Toni steht vor Jennys Tür. Er hört Geräusche, nicht mehr so hammerlaut wie am Nachmittag - die Nachtruhe beginnt in diesem Haus pünktlich, darauf achtet der Kehrwochenrentner aus dem dritten Stock -, aber er hört sie noch. Stimmen, Lachen, Möbelgeschiebe. Nach seinem Klingeln hört er nur noch Schritte. 33


Nicht Jenny macht auf, sondern jemand, den er nicht kennt. „Ja?“ Schwer zu glauben, dass die Person gerade gelacht haben könnte. „Ist Jenny da?“, fragt er und braucht für die drei Wörter länger als für alle Drei-WorteSätze zuvor in seinem Leben, abgesehen von jenen drei unausgesprochenen bei Conny. „Ich bin Toni, von nebenan.“ Diesmal ist er es, der eine Kopfbewegung hin zu einer einen Spalt geöffneten Tür macht. „Ach der.“ Sie geht in die Wohnung zurück. „Jenny“, ruft sie. „Schwing deinen heißen Arsch hierher. Du hast Besuch.“ Jenny tritt in den Flur, und Toni wundert sich über die Veränderung ihres Gesichtsausdrucks. „Hallo“, sagt sie. „Entschuldige die Störung“, versucht es Toni. „Brauchst du meinen Flaschenöffner noch?“ Sie atmet durch die Nase, verschwindet kurz, kommt wieder, drückt ihm das Ding in die Hand. „Vielen Dank. Und einen schönen Abend euch noch“, sagt er. „Hm“, antwortet sie und schließt die Tür. Als er in seine Wohnung zurückkehrt und Maria den Öffner präsentieren will, bleibt er mitten in der Aktion hängen. Sie hat sich ausgezogen und sitzt auf seinem Sofa. „Was ist los?“, fragt sie und lacht ihn an, lacht ihn aus. „Hast du noch nie nackt Wein getrunken?“ Nicht beim ersten Mal, denkt er, sagt aber nichts. „Komm her“, befiehlt sie, und er kommt. Sie legt ihre Hand auf seinen Hüftknochen, stellt sich auf ihre Fußspitzen und küsst ihn.

„Los“, sagt sie. „Mach‘s dir bequem und besorg uns die passende Musik. Ich mach‘ den Wein auf und hol‘ uns Gläser.“ „Über der Spüle“, sagt er, und es klingt in seinen Ohren wie ein Stottern. Er schaut ihr nach, wie sie davonfedert. Sie streckt ihren Rücken durch und schaut über ihre Schulter, lächelt ein Lächeln der Selbstgewissheit. Ihm bleiben nur Augenblicke zu überlegen, wie bequem er es jetzt haben möchte.

VI.

„In der Nacht von Freitag auf Samstag ist es in der Südstadt zu einem spektakulären Raubüberfall gekommen. Nach Angaben der Polizei verabreichte eine junge Frau bei einem einvernehmlichen Treffen mit dem Geschädigten in dessen Wohnung in der Grazer Str. 43 K.-o.-Tropfen und entwendete Bargeld sowie Wertsachen in Höhe von rund 5000 Euro. Die Polizei sucht Zeugen. Die Tatverdächtige ist zwischen 25 und 30 Jahre alt, etwa 1,60 Meter groß, schlank und vermutlich Deutsche. Sie trug zur Tatzeit ihre schwarzen Haare zu einem Pferdeschwanz gebunden.“ So stand es am Montag in der Tageszeitung. Ganz klein in den Polizeimeldungen, zwischen der Prügelei im Rotlichtviertel und dem Verkehrsunfall auf dem Stadtring. Ganz klein und doch riesig. Tonis Oma rief ihn noch am Vormittag an. „Das ist ja ein fürchterliches Haus, in dem du da lebst. Hast du denn nichts mitbekommen von der Sache, mein Bübchen?“ Markus lieh Toni fürs Erste seinen ausrangierten Laptop. In der E-Mail von Konstantin Hiller an Konstantin Hiller stand: „Sag nicht, ich hätte dich nicht gewarnt.“

Unter dem Pseudonym Marc Bensch schreibt Ben Schieler seit 2009 Romane und Kurzgeschichten. Weitere Informationen und Texte auf www.buchbensch.de 34 34


36


Was macht man, wenn man Lernblockaden hat? Was, wenn der Kopf einfach nicht mehr will? Unsere Gastautorin gibt wertvolle Tipps. Von Ruth Meinhart

M

anchmal ist scheinbar der Wurm drin. Man lernt und lernt, ist inhaltlich fit und denkt, die Prüfung kann kommen, und dann läuft doch alles schief: Blackout, Leere, Brett vorm Kopf in einer Klausur oder Schwindel und Stimmversagen bei der Präsentation. Ein Phänomen, das in der Regel sehr unangenehm, bei dem ein oder anderen sogar berufsentscheidend sein kann. Die Symptome sind mehr oder weniger ähnlich: Unwohlsein, schwitzende Hände, Herzklopfen, Klos im Hals, Stein im Bauch, nervige Gedanken wie „Ich kann das nicht!“, „Nicht schon wieder!“, „Bloß nicht versagen!“, und dann kommt die Blockade in Form eines Blackouts oder sonst wie. Man sitzt da wie erstarrt, und die einfachsten Dinge, die man vielleicht vor der Prüfung noch jemand anderem erklärt hat, sind nicht mehr abrufbar. Einfach weg, verschollen im Irrgarten des eigenen Gehirns. Bei Max ist es zum Beispiel immer so, dass seine Stimme versagt, sobald er eine Präsentation vor der ganzen Gruppe machen soll. Das ist schon seit seiner Schulzeit so. Sobald er vorne steht, ist er wie ausgewechselt. Seine sonst so starke Stimme ist nun schwach und kaum wiederzuerkennen. Er ist unruhig, unkonzentriert und würde am liebsten davonlaufen und tritt auf der Stelle. Alle Übungspräsentationen, die er zu Hause erfolgreich absolviert hat, sind nun vergessen, und es ist für ihn der reine Horror. Was ist passiert? Neurologisch läuft ein internes Schutzprogramm an, das unser Überleben sichern soll, mehr nicht – und doch so wirkungsvoll! Eine abgewandelte Form unseres menschlichen Verhaltens kann man bei Tieren, die in Bedrängnis kommen und einer realen Todesgefahr gegenüberstehen, beobachten: sie greifen an, flüchten oder stellen sich tot, um ihr Fortbestehen zu sichern. Es werden also verschiedene Verhaltensweisen genutzt, um das eigene Überleben zu sichern.

Der sogenannte Angriff-oder-FluchtMechanismus ist sehr schön bei Säugetieren zu beobachten: Wird ein Büffel von Löwen angegriffen, rennt er in der Regel weg. Klappt dies allerdings nicht mehr, geht er zum Angriff über und attackiert seinerseits in der Hoffnung, den oder die Angreifer so loszuwerden und mit dem Leben davonzukommen. Bei Reptilien wird sehr oft der Totstellreflex aktiviert: Kommt eine Echse in Bedrängnis, stellt sie sich tot, verharrt in äußerster Ruhe und hofft, als Beute übersehen zu werden. Manchmal klappt das auch, besonders, wenn sich zwei Angreifer um die vermeintlich tote Beute streiten und sie aus den Augen lassen. Was hat das nun mit Blockaden und Blackouts im Studium zu tun? Sehr viel, denn im übertragenen Sinne passiert hier genau dasselbe, nur dass die Bedrohung nicht wirklich gegen unser Leben gerichtet ist. Es mag im ersten Moment komisch erscheinen, wenn man das sich-tot-stellen eines Gnus mit einem Blackout in einer Klausur vergleicht. Ist bei dem einen die Lebensgefahr sichtbar, ist sie bei dem anderen nicht wirklich vorhanden. Entscheidend für den Auslöser der Reaktion ist allerdings nicht die Situation und eine reale Bedrohung, sondern die Höhe der Stresshormone im Körper, und die können in Prüfungssituationen immens sein und eine solche Schutzreaktion auslösen. Dabei prüft unser Gehirn unsere momentane Situation ständig auf potenzielle Gefahren und gleicht sie auch mit früheren Erlebnissen ab: Gab es schon einmal ein negatives früheres Erlebnis, wird entsprechend reagiert. Hatte man also in einem Fach schon einmal ein negatives Erlebnis und ist durch die Prüfung gefallen, kann diese Prüfung von unserem Gehirn als gefährlich eingestuft werden, und es wird alles dransetzen, nicht wieder in eine solche Bedrohung zu kommen. Bei Max ist es genauso. In der achten Klasse musste er vor der Klasse ein Referat halten und hat sich versprochen. Der Lehrer hat die Augenbraue hochgezogen, und die ganze Klasse hat gelacht und sich noch Wochen 37


später über ihn lustig gemacht. Peinlich, war es für ihn, peinlich und beängstigend. Und bei jeder neuen Präsentation vor einer Gruppe kommen genau diese Gefühle wieder in ihm hoch. Wie gerne würde er sie abstellen. Der Angriff-oder-Flucht-Mechanismus verkörpert sich durch ein Angreifen (sehr selten, aber doch) des Lehrers zum Beispiel durch einen Taschenrechner, der aus einer Mischung aus Wut und Frustration nach Aufforderung und Weigerung, an der Tafel etwas vorzurechnen, durch die Klasse geworfen wird, oder auch durch ein Buch, das man wütend auf das Pult knallt. Diese oder ähnliche nicht kontrollierbaren Verhaltensweisen kommen selten vor, gibt es aber doch. Häufiger ist allerdings die Flucht anzutreffen: Nach der Aufforderung, etwas zu tun, oder kurz nach Erhalt der unlösbaren Aufgabenblätter in einer Prüfung rennt man – wieder unkontrolliert - aus dem Saal, man flüchtet in übertragenem Sinne vor der Situation. Auch das Unwohlsein vor einer Prüfung, das zum krankheitsbedingten Nichterscheinen führt, kann als Flucht bewertet werden. Der Totstellreflex wird durch das klassische Blackout ausgelebt, bei dem man sich von einer auf die andere Sekunde an nichts mehr erinnern kann, was man kurz vorher noch wusste. Man stellt sich tot und hofft, dass die Situation unbeschadet an einem vorübergeht. Wenn die Bedrohung vorbei, die Klausur also vorüber und der Professor wieder verschwunden ist, atmet man tief durch, und das Leben geht weiter. Was passiert dabei im Gehirn? Für beide Verhaltensweisen sind unterschiedliche Gehirnareale zuständig: Der Totstellreflex wird im Hirnstamm, dem ältesten Teil unseres Gehirns, ausgelöst, den wir tatsächlich mit Reptilien gemein haben. Ist die Lage ausweglos, fährt der Körper auf Stand-by, nur die lebensnotwendigen Dinge, wie Herzschlag 38

und Atmung, werden reguliert, der Rest wird runtergefahren bis die Situation bereinigt ist. Der Angriff-oder-Flucht-Mechanismus wird vom limbischen System, dem sogenannten Säugetiergehirn, geregelt. Ohne die Lage kognitiv zu analysieren, wird blitzschnell gehandelt. Das Großhirn denkt viel zu komplex, um hier eine Entscheidung im Bruchteil einer Sekunde zu fällen und durchzuziehen. Beide Reaktionen lassen sich also entwicklungsgeschichtlich auf die Anfangszeiten der Evolution zurückverfolgen. Spannend ist dabei allerdings, dass dieses Verhalten bei uns Menschen auch in Situationen eingesetzt wird, bei denen der eigentliche Sinn, das Sichern unseres Überlebens, gar nicht zur Diskussion steht. Man könnte einen Blackout oder eine Denkblockade also als eine Fehlschaltung oder Fehlinterpretation deuten, bei denen mit alten Methoden auf neuzeitliche Probleme reagiert wird. Tatsächlich passen sich die alten Teile unseres Gehirns nicht in der rasenden Geschwindigkeit an unser Leben an, wie unsere Umwelt. Und hier liegt auch das Problem: Wie wird man diese Reaktion wieder los? Reine Analyse und ein kognitives Betrachten mit dem Großhirn bringen, der ein oder andere mag es schon versucht haben, nichts. Man kommt zwar zu der Erkenntnis, dass es alles halb so schlimm ist und man sich beim nächsten Mal einfach besser vorbereiten und konzentrieren muss, weg ist ein Blackout dadurch aber bei weitem nicht. Hirnstamm und limbisches System haben für Analyse und Selbsterkenntnis nun mal kein Verständnis. Es gibt mehrere Methoden, die sich anbieten, solche Denkblockaden einfach und schnell zu lösen. EFT – emotional freedom technique –, die Methode der emotionalen Freiheit ist dabei eine, die man schnell erlernt und bei vielen Problemen alleine anwenden kann. Angelehnt an die klassische chinesische Akupunktur werden dabei bestimmte Punkte


im Gesicht und am Oberkörper, sogenannte Meridianpunkte, nicht mit Nadeln, sondern durch ein leichtes Beklopfen mit den Fingern angeregt, während man sich auf das zu lösende Problem konzentriert. Dadurch werden der Auslöser (zum Beispiel Sprechen vor der Gruppe) und die automatisch ablaufende Reaktion (zum Beispiel Versagen der Stimme) voneinander abgekoppelt. Die Meridianpunkte (siehe Grafik auf Seite 38) können auf einer der beiden Körperseiten (rechts oder links) mit der rechten oder der linken Hand leicht beklopft werden. 1 Zwischen den Augen 2 Neben dem Auge 3 Jochbein unter dem Auge 4 Unter der Nase 5 Unter dem Mund 6 Schlüsselbein Max geht zu einem Lerncoach, der sich auf Blockaden spezialisiert hat. Hier wird ihm die Methode gezeigt und wie er alleine damit umgeht. Sein Fall ist einfach: Er konzentriert sich auf die alte Geschichte, stellt sie sich im Kopf detailliert vor und klopft ein paarmal auf jeden Punkt. Dazu sagt er einfach nur „Lass

los!“. Nach ein paar Klopfrunden beginnt sich die Situation zu verändern, und die Intensität der Gefühle wird kleiner. „Verrückt!“, sagt er. „Verrückt, aber sehr wirkungsvoll!“ Am Ende sieht man ihm die Erleichterung richtig an und Präsentationen vor einer Gruppe werden für ihn zum Kinderspiel. Warum das so ist und was genau dabei abläuft, kann niemand mit absoluter Bestimmtheit erklären, obwohl es einige Erklärungsmodelle gibt. Dass es so ist und dass es auch bei tieftraumatischen Erlebnissen hervorragende Ergebnisse erzielt, wird durch Erfahrungsberichte und Studien belegt.

Ruth Meinhart ist Autorin und Lerncoach. Sie beschäftigt sich mit den verschiedenen Lern- und Denktypen und auch damit, was das Denken und den Lernerfolg blockiert. Ihre Neuerscheinung, das Buch „Denk! – wie du tickst und was dich hemmt“, ist gerade auf den Markt gekommen. Um das Thema zu vertiefen, hat sie die DVD „Lernstress ade mit EFT“ erstellt. Beide erhältlich: www.gedankensprungverlag.de

39


Neu im Kino:

Achtung, Werbung!

Prakti.com – Komödie, USA, Start: 26.9.2013. Regie: Shawn Levy. Mit: Owen Wilson, Vince Vaughn, Rose Byrne, Max Minghella u.a (120 Minuten)

Nachdem die beiden Armbanduhren-Vertreter Nick (Owen Wilson) und Billy (Vince Vaughn) ihren Job verloren haben, scheint ihre letzte Hoffnung eine Stelle bei Google zu sein. Ohne jegliche Internetaffinität schafft es das Duo, eine der heißbegehrten Praktikumsstellen zu ergattern. Dabei handelt es sich jedoch um einen sechsmonatigen Wettbewerb, bei dem nur die Gewinner als Festangestellte übernommen werden. Anfangs werden die zwei Mittvierziger von ihren jungen Konkurrenten noch als chancenlos eingeschätzt, arbeiten sich jedoch schnell nach oben. Was sich nach kurzweiliger Unterhaltung mit dem eingespielten Comedy-Duo Owen/Vaughn anhört, entpuppt sich relativ zügig als zweistündiger Werbespot für Google. Keine zehn Minuten verstreichen ohne eine Großaufnahme des Firmenlogos oder dass einer der Protagonisten betont, wie grandios Google doch sei. Subtil geht anders. Um dieses Konzept wurde ein Film mit eindimensionalen Charakteren, voraussehbaren Twists und flachen Witzen gebaut. Der einzige Punkt, der diesen Film vom Einheitsbrei der Sommerkomödien abhebt, ist leider nur der Werbeaspekt. (ay)

Durch dick und dünn Was passiert, wenn in Hollywood ein Mann einem anderen Mann in die Schulter schießt? Klar, die beiden werden am Ende die dicksten Freunde und ziehen gemeinsam los gegen das Böse in der Welt. Aber was passiert, wenn in Hollywood die CIA, die Armee und ein mexikanisches Drogenkartell aneinandergeraten? Dann entsteht ein unrealistischer, plumper Actionstreifen - werden viele denken. Nicht so bei „2Guns“ von Baltasar Kormákur. Realistisch ist sein Film zwar nicht immer, aber das muss er auch nicht. „2Guns“ lebt stattdessen vom wortwitzigen Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller. Denzel Washington und Mark Wahlberg harmonieren, als wären sie schon gemeinsam in den Kindergarten gegangen. Da bestellen sie sich gegenseitig das Frühstück im Café, das eigentlich keiner von beiden will, oder diskutieren auf einem voll besetzten Parkplatz darüber, welches Auto sie am besten klauen sollen. Dass die Actionkomödie neben ihrem Witz auch noch eine gehaltvolle Story besitzt, die sich immer weiter verstrickt und erst am Ende auflöst, macht „2Guns“ umso sehenswerter. Kurzweilige Unterhaltung, die man so nicht erwartet hätte. (ci) 40

2Guns - Actionkomödie, USA, Start 26.9.2013. Regie: Baltasar Kormákur. Mit: Denzel Washington, Mark Wahlberg, Paula Patton u. a. (109 Minuten)


Helge polarisiert Fast zwanzig Jahre nach „00 Schneider - Jagd auf Nihil Baxter“ kommt nun der zweite Teil der Krimi-Serie von und mit Helge Schneider. Dieses Mal ist er als Kommissar auf der Jagd nach Jean-Claude Pillemann (Rocko Schamoni) alias Die Eidechse. Abseits davon schreibt er seine Memoiren, besiegt aufdringliche Staubsaugervertreter und kümmert sich um seine Tante aus Amerika. Dass es sich bei der Tante um einen bärtigen Mann mit KokosnussBH handelt, ist bei der ganzen Geschichte nur die Spitze des grotesken Eisberges. Denn der ganze Film ist eine Aneinanderreihung von Abstrusitäten. Zwischen kleinen Tanzeinlagen und gestohlenen Hühnern ist ein roter Faden nur schwer zu finden. Mit jedem seiner Werke, seien es nun Filme, Bücher oder Musik, teilt Helge Schneider das Publikum in zwei Lager. Die einen halten sich vor Lachen den Bauch, und die anderen schütteln verzweifelt den Kopf. Bei seiner neuesten Schöpfung verhält es sich nicht anders. Die Fans werden spätestens ins Kino rennen, wenn sie erfahren, dass auch die Musik zum Film von Helge Schneider stammt. Alle anderen können um diesen Film einen großen Bogen machen. (ay)

00 Schneider – Im Wendekreis der Eidechse – Komödie, Deutschland, Start: 10.10.2013. Regie: Helge Schneider. Mit: Helge Schneider, Rocko Schamoni, u.a. (98 Minuten)

Der Liebling der Redaktion:

Jared und die Frauen

Mr. Nobody – Science-FictionDrama, Frankreich, Belgien, Start: 8.7.2010. Regie: Jaco Van Dormael. Mit: Jared Leto, Diane Kruger, Sarah Polley, u.a. (138 Minuten)

Das Leben ist ein holpriger Weg mit ständigen Abzweigungen und dem Zwang, sich für eine Richtung zu entscheiden. An einer solchen Wegkreuzung steht der neunjährige Nemo, der sich auf einem tristen Bahnhofsgleis entschließen soll, ob er nach der Scheidung seiner Eltern mit der Mama in den Zug steigt oder beim Papa bleibt. Nemo Nobody aber hat ein besonderes Talent: Vor seiner Geburt wurde er von den Engeln des Vergessens übersehen, deren Aufgabe es ist, Kindern ihr natürliches Allwissen zu nehmen. So spielt der verzweifelte Wunderknabe im Augenblick des Entscheidungskonflikts mehrere Szenarien durch, alle verbunden mit der Frage, welche Abzweigung wohin führt. Im Mittelpunkt seiner drei Leben stehen drei Ehefrauen. Knapp 100 Jahre später führen alle Wege in einem Gespräch des fast Unsterblichen Nemo mit einem Journalisten zusammen. Der belgische Autor und Regisseur Jaco Van Dormael beweist mit „Mr. Nobody“, wie phantasiereich europäisches Kino sein kann. Sein Film packt, wärmt und absorbiert den Zuseher. Das ist großes Kino, auch auf DVD und Blu-ray. (ben) 41


all Spitzenhandb rena! e-A in der Porsch Wir verlo TV Bitte sen gemeinsam n Spiel in feld 5x2 Ticke mit dem ts für d der Zwe as ite Samstag , 13. O n Bundesliga a TopGroßwall ktober, m g s in der P tadt. Los geht egen den TV o e handball rsche-Arena. Ein s um 17:45 Uh @kaeps elemaga fach eine Mail r an zin.de!

Die nächsten Gegner in der Scharrena: 27. 09., 20 Uhr: TV 1893 Neuhausen 25. 10., 20 Uhr: SC DHfK Leipzig 10. 11., 17 Uhr: DJK Rimpar Wölfe

42


In der Bundesliga hat er gegen den THW Kiel gespielt. Gegen den HSV Hamburg hat er vor fünfstelligen Zuschauerzahlen gespielt. Heute spielt Peter Jungwirth beim TV Bittenfeld - und studiert auf Lehramt. Von Christian Ignatzi

Hast du während deiner Zeit in Wetzlar schon studiert? Gleich in meinem ersten Jahr in Wetzlar habe ich angefangen zu studieren. Da aber zum Zeitpunkt meines Wechsels die Bewerbungsfrist für Deutsch abgelaufen war, habe ich gezögert und überlegt, mich zunächst auf den Sport zu konzentrieren. Mein Mitspieler und Gymnasiallehrer Volker Michel hat mich dann zum Glück überredet, sofort mit dem Studium zu beginnen und Fächer zu belegen, deren Fristen noch nicht abgelaufen waren. Mit dem Fach Deutsch habe ich dann zwei Semester später begonnen.

Wie lässt sich Bundesligahandball mit einem Studium vereinbaren? Es ist schon ein Balanceakt, das Studium mit dem Handball zu vereinbaren. Problematisch ist vor allem, dass die Trainingszeiten je nach Spieltermin variieren und sich mit den Vorlesungszeiten überschneiden. Da ist man dann auf das Entgegenkommen des Dozenten und/oder des Trainers angewiesen, was aber bis auf sehr

wenige Ausnahmen geklappt hat und auch heute funktioniert.

Warum studierst du denn überhaupt? Zum einen wollte ich schon immer studieren, und mein Traumberuf Gymnasiallehrer lässt sich nun mal auch nur auf diesem Weg erreichen. Zum anderen ist eine Ausbildung noch schwerer mit professionellem Handball zu vereinbaren. Außerdem macht das Studentenleben ja auch Spaß.

Wie kamst du zu deinem Studiengang? Meine Eltern sind beide Lehrer – so habe ich sehr früh eine enge Bindung zu dem Beruf bekommen. Ich konnte mir sehr gut vorstellen, später selbst zu unterrichten, da ich bei meinen Eltern auch den Eindruck hatte, dass sie ihren Beruf gerne machen. Die einzig echte Überlegung war, welche Fächer ich studieren soll: Obwohl ich in Hessen begonnen habe, war es mir wichtig, gleichzeitig die Voraussetzungen für ein Studium in BadenWürttemberg zu schaffen. Dafür musste ich ein Hauptfach und ein Nebenfach wählen. Sport war von vorneherein gesetzt, und für Deutsch habe ich mich entschlossen, da ich sprachlich besser bin als in Naturwissenschaften.

43


Wie kam es, dass du damals nach Magdeburg gekommen bist?

Willst du nach dem Studium noch einige Jahre als Profi dranhängen?

Mein damaliger Verein - die HBR Ludwigsburg - wollte für die Saison 2007/08 nach Stuttgart umziehen. Im Zuge dessen ging der Verein leider in die Insolvenz. Nach der JuniorenWM im gleichen Sommer bemühte sich der damalige Sportdirektor des SC Magdeburg, Stefan Kretzschmar, um mich, so dass ich das Angebot nicht ablehnen konnte.

Was nach dem Studium kommt, kann ich noch nicht genau sagen. Eine Idee ist, noch ein anderes Studium anzuschließen, aber natürlich ist auch das Referendariat oder das Dasein als Profi eine Option. Es hat alles seine Vorteile, und ich denke, dass ich die richtige Entscheidung treffe, wenn es dann so weit ist.

Wo soll es in dieser Saison hingehen? Warum bist du zurückgekommen und damit sportlich abgestiegen? Wegen des Studiums? Sicherlich war das Studium auch ein Grund, aber vorrangig haben mir die Visionen des TV Bittenfeld sehr gefallen. Die Möglichkeit, dabei zu helfen und eine andere Rolle in einer Mannschaft zu übernehmen, gab letztendlich den Ausschlag. Da ist es auch nicht tragisch, dass ich nun in der zweiten Liga spiele. Wieder in der Heimat zu sein, freut mich natürlich auch.

Hast du deinen Studienplatz vom Handball abhängig gemacht oder umgekehrt? Ich denke, das Gesamtpaket muss stimmen. Zum Glück musste ich darüber auch nicht wirklich nachdenken, da mit dem TV Bittenfeld und der Uni Stuttgart beide Bereiche optimal zusammenpassen.

Vergangenes Jahr sind wir mit dem TVB auf dem 7.Platz gelandet. Es sollte immer Ziel sein, sich zu verbessern, daher wollen wir die Saison nach Möglichkeit mit Platz sechs, sehr gerne aber noch weiter oben abschließen.

Willst du irgendwann wieder in der Ersten Bundesliga spielen? Natürlich ist es ein Traum, in der Ersten Bundesliga zu spielen, und falls es irgendwann klappen sollte, werde ich jedes Spiel in den großen Arenen genießen. Vielleicht klappt es in naher Zukunft sogar mit dem TV Bittenfeld, was mich natürlich am meisten freuen würde. Aber ich weiß, dass die zweite Liga sehr ausgeglichen ist und Platz sechs schon ein toller Erfolg wäre.

Unterstützen sich die Studenten in eurem Team gemeinsam beim Lernen?

Wie sieht dein Tagesablauf heute aus? An einem normalen Tag ist vormittags und nachmittags Training, so dass ich in den Pausen an der Uni bin. Manchmal ist das ziemlich stressig, weil die Zeit, um von A nach B zu kommen, nicht immer ausreicht. Aber zum Glück tolerieren es die Dozenten oder mein Trainer, wenn ich ab und an zu spät komme.

Hast du noch Zeit für Hobbys, neben Handball und Uni? Während des Semesters bleibt neben Studium und Handball kaum Zeit für andere Dinge. Aber in der vorlesungsfreien Zeit klappt es natürlich schon, ein gutes Buch zu lesen oder andere Dinge zu unternehmen.

44

Leider bin ich der einzige Lehramtsstudent, daher lerne ich eher weniger mit meinen Mannschaftskameraden. Allerdings sind Flo Schöbinger und Michi Seiz, die mit technischer BWL beide das gleiche Fach studieren, ein gutes Team, insbesondere im Bus bei Auswärtsfahrten.

Peter Jungwirth, geboren 1987 in Stuttgart, begann seine Karriere beim TV Kornwestheim. Nach Bundesligastationen in Magdeburg und Wetzlar spielt er seit 2012 wieder in seiner Heimat beim TV Bittenfeld. Er studiert Sport und Deutsch auf Lehramt an der Uni Stuttgart.


Spara muasch! Die Fachgeschäfte in Stuttgart-Vaihingen wollen die Studenten der Universität in ihrem Stadtbezirk halten. Helfen soll dabei die Study-Deal-Karte. Und die sorgt dafür, dass Vaihingens Studenten ganz schön sparen können. Von Christian Ignatzi

46


B

Unternehmer waren zunächst aber skeptisch. Nach vielen Gesprächen und einem ständigen Austausch, unter anderem auch mit der eim Bücherflohmharkt gibt es ein Schwabengalerie, hatte Ingo Vögele schließGratisbuch, wenn man für fünf Euro einkauft. lich 50 Läden zusammen, die den Vaihinger Beim Sportladen gibt es vier Teile zum Preis Studenten mit Rabatten entgegenkommen von drei. Und der Metzger um die Ecke bietet wollten. Szenen, wie sie Ingo Vögele bei sein gesamtes Sortiment zu einem Rabatt Umfragen erlebt hat, sollen in Zukunft nicht von zehn Prozent an. Was ein bisschen klingt mehr vorkommen: „Da waren Leute dabei, wie Einkaufen mit einem Gewerbeschein die haben zum Teil schon seit zwei oder drei beim Großhändler, ist in Stuttgart-Vaihingen Jahren in Vaihingen studiert und waren nicht für Studenten Realität. Mit der Study-Dealeinmal im Vaihinger Stadtkern.“ Karte ist das möglich. Ingo Vögele hat eine Nicht nur Vaihinger Geschäfte und eigene Unternehmensberatung in Vaihingen. Studenten haben bisher von der Aktion profiFür den Verbund Vaihinger Fachgeschäfte tiert. Etwas ungewöhnlich war die Geschichte (VVF), den Bund der Selbständigen Vaihingen eines freiwilligen Feuerwehrmanns. „Er ist (BDS) und das Stadtbezirksmanagements der in den Stadtkern gefahren, weil er sich Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt eine Study-Deal-Karte besorgen wollte“, sagt Stuttgart entwickelte er das Konzept, bei dem Vögele. „Auf dem Weg in den Ortskern hat er Studenten Sparen können. die Freiwillige Feuerwehr entdeckt und sich Er erinnert sich an den Start : „Das war spontan entschlossen, Anfang 2012, als wir uns beizutreten.“ erstmals zusammengesetzt Doch neben nützhaben. Wir haben überlegt, lichen Angeboten wie man so etwas am besten und Rabattaktionen aufzieht, welche Angebote gibt es auch Läden, man machen könnte und Wir wollen, dass sich die welche Firmen beteiligt sein Studenten mit dem Bezirk deren Angebote nicht ganz so gut anzukomkönnten“, erzählt er. Die Vaihingen identifizieren.“ men scheinen. Bei Idee haben die Vaihinger von ihnen gibt es noch der Uni Hohenheim, wo es Verbesserungsbedarf, schon Ende 2011 eine spezieldamit Studenten einen le Rabattkarte für Studenten großen Nutzen davon haben. „Ein Metzger gab. Die Intension hinter der Rabattaktion ist bietet zehn Prozent auf seine Weißwürste“, klar: „Wir wollen Leben in den Stadtbezirk sagt Ingo Vögele, der nicht glaubt, dass eine bringen“, sagt Ingo Vögele. „Studenten Weißwurst für einen Stuttgarter Studenten sind für die Unternehmen eine interessante als großes Lockangebot taugt. Ein andeZielgruppe und eine Anbindung an ein positives res Angebot, das zumindest Fragen aufUmfeld ist immer auch ein Standortfaktor zur wirft, ist die Aktion eines Anwalts, der einen Identifikation mit dem Stadtteil.“ Bisher sei Gratisnewsletter anbietet, wenn man ihm die es bei den Studenten Tradition gewesen, mit Study-Deal-Karte vorzeigt. der S-Bahn zur Schwabstraße zu fahren, wenn Angebote, die besser ankommen, sind zum sie einkaufen wollten. „Dabei gibt es auch in Beispiel Freigetränke im Restaurant, wenn Vaihingen sehr gute Einkaufsmöglichkeiten.“ man dort etwas zu essen bestellt. Ein Italiener Vögele spricht von einem bilateralen bietet Gratis-Bruschetta an, während man auf Nutzen. Ein Modellversuch an der HdM hat seine Pizza wartet. „Dann gibt es zum Beispiel gezeigt, dass die Studenten dort die Studynoch einen Friseur, der gestaffelte Rabatte Deal-Karte sehr gut annehmen und die für Studenten anbietet“, erzählt Ingo Vögele. Angebote nutzen. „Da haben wir aber gerade Wer zum ersten Mal zum Haareschneiden voreinmal 3000 Studenten erreicht“, sagt Vögele. beikommt, zahlt nur die Hälfte. Beim zweiten Die Ausweitung auf die Uni Vaihingen war der Besuch sind es 30 Prozent und beim dritten nächste, logische Schritt. Im Oktober 2012 Besuch nur noch zehn. Wenn es dem Kunden ging das Projekt offiziell in die Pilotphase. Die 47


gefällt, wird er vielleicht auch zum vollen Preis wiederkommen. Auch wichtig für die Study-Deal-Macher: Hotels. Hotels? Für Studenten, die in Vaihingen wohnen? „Klar brauchen das die Studenten nicht selbst, aber viele sind zugezogen und bekommen häufig Besuch von Familie und Freunden. Die wollen natürlich irgendwo übernachten und in den Wohnheimen ist dafür kein Platz“, erläutert Vögele. 56 Geschäfte machen derzeit beim Study Deal in Vaihingen mit. Erkennbar sind sie an dem hellblauen Aufkleber mit dem großen QR-Code, der gut sichtbar von außen angebracht ist. In Zukunft sollen noch mehr Läden sich an der Aktion beteiligen. „Wir wollen mindestens 60 Teilnehmer haben, die ihre Rabattaktionen anbieten“, sagt Ingo Vögele. Ziel ist es, irgendwann 100 Rabatte anbieten zu können. Finanziert wird das Projekt über einen Jahresbeitrag, den die teilnehmenden Unternehmen zahlen. Außerdem gibt es einen Zuschuss über 2000 Euro vom Vaihinger Bezirksbeirat. Kosten entstehen den Machern unter anderem dadurch, dass die Webseite

48

komplett auf Englisch übersetzt wird. „Das machen wir, weil wir wissen, dass wir viele ausländische Studenten in Vaihingen haben“; sagt Ingo Vögele. An der Universität in Stuttgart-Mitte wird es übrigens keinen Study Deal geben. „Das wäre der falsche Weg. Unser Ziel ist es ja, die Studenten in den Außenbezirken zu halten, und sie nicht durch Rabattaktionen in die Innenstadt zu locken“, sagt Ingo Vögele.

Wer auch von den Rabattaktionen profitieren will und in Vaihingen oder Hohenheim studiert, kann sich seine Study-Deal-Karte einfach bei den teilnehmenden Geschäften besorgen. Weitere Infos gibt es im Netz: www.studydeal-vaihingen.de www.studydeal-hohenheim.de


DANCE& MUSIC DATUM ORT MODERATION DANCE

4

11. Oktober 2013 · 19:30 Uhr Theaterhaus Stuttgart Eric Gauthier

Gauthier Dance · Dance Company Theaterhaus Stuttgart Stuttgarter Ballett John Cranko Schule Ballett Basel Ballett Pforzheim Luca Tanzprojekt featuring · Zodwa Selele & Luigi Scarano („Sister Act“)

MUSIC

Dacia Bridges · Stuttgart Martina Eisenreich Quartett · München

UND

Illustration: Andreas Hykade · Plakatgestaltung: www.rieger-grafik.de

EINTRITT KARTEN

Überraschungsgäste

26,50 € · ermäßigt 21,50 € inclusive Gebühren Gruppen ab 10 Personen 25,00 € pro Person Theaterhaus Stuttgart · Tel.: 0711 4020720 · www.theaterhaus.com SKS Erwin Russ · Tel.: 0711 1635321 · info@sks-russ.de

49 Benefizveranstaltung zugunsten der Olgäle-Stiftung für das kranke Kind e.V.


Kein #Aufschrei in Esslingen Ein staatliches Programm bringt der Hochschule Esslingen in den kommenden f端nf Jahren drei neue Professorinnenstellen. In der j端ngeren Vergangenheit hat sich in Sachen Gleichberechtigung bereits vieles getan. Von Christian Ignatzi

50


E

rfolg wird an Karrieren und Firmen gemessen. Das ist für eine Gesellschaft schlecht.“ Die Prorektorin der Hochschule Esslingen, Stefani Maier bringt es auf den Punkt. In der Gesellschaft müsse ein Wertewandel stattfinden. „Wir müssen Familien entlasten und nicht in den Leistungsdruck zwängen.“ Dann, glaubt Maier, wird es auch endlich mehr Professorinnen an Deutschlands Hochschulen geben. Schon jetzt tut ihr Arbeitgeber aber viel dafür, dass sich das ändert. Die Hochschule hat sich mit einem Gleichstellungskonzept an einer Ausschreibung für ein Professorinnenprogramm der Bundesregierung beteiligt, in der nun 96 Hochschulen ausgewählt wurden, davon 16 in Baden-Württemberg. Im Rahmen der 2008 gestarteten ersten Auflage des Programms wurden schon einmal 260 Professorinnen berufen. Für die zweite Auflage stellen das Bundesbildungsministerium und die beteiligten Bundesländer zusammen wieder 150 Millionen Euro zur Verfügung.

Der Tipp von Chauvis: Heiraten statt Studieren Esslingen ist einer der Standorte, die für das Programm ausgewählt wurden. „Das ist eine tolle Sache für uns“, sagt die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule, Gabriele Gühring. Die Mathe-Professorin hatte den Antrag für das Professorinnenprogramm gestellt. In den kommenden fünf Jahren soll er der Hochschule drei neue Stellen für Professorinnen finanzieren. „Das schafft natürlich einen großen Anreiz für Hochschulen, da sie Mittel in Höhe von bis zu 2,25 Millionen Euro bekommen können“, sagt Gühring. Insgesamt sind 202 Professorenstellen an der Hochschule Esslingen besetzt. Von ihnen sind 36 an Professorinnen vergeben. 25 davon allein in der Fakultät Soziale Arbeit, Gesundheit und Pflege, sagt Gühring. In den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) sind es bisher nur neun. „Wir freuen uns auf mehr Kolleginnen im Bereich der Naturwissenschaft und Technik, denn je

mehr Frauen hier lehren, desto besser ist der Vorbildcharakter, so dass immer mehr Frauen sich einen Beruf in diesem Bereich vorstellen können“, sagt die Professorin. Das ist auch das Ziel der Hochschule. „Zum einen wollen wir natürlich mehr Professorinnen bei uns haben“, sagt Gühring. Ziel sei es, den Anteil in den nächsten Jahren von rund 18 auf über 20 Prozent zu steigern. Dabei soll die Zahl in den Fakultäten aber unterschiedlich wachsen. „In der Informationstechnik soll sie sich von einer auf zwei Professorinnen verdoppeln“, erklärt Gühring. „In der Betriebswirtschaft soll sie sich sogar verdreifachen.“ Ein ambitioniertes Ziel wie es scheint und in der Theorie schön und gut. Das Problem ist für viele Hochschulen aber zunächst einmal, dass für die zu besetzenden Stellen auch Professorinnen gefunden werden müssen. Beim letzten Professorinnenprogramm, das 2008 startete, konnte die Hochschule nur zwei von drei Stellen besetzen. Doch Gabriele Gühring, die selbst erst seit 2008 an der Hochschule ist, hat das damaligeGleichstellungskonzept noch einmal an einigen Stellen weiterentwickelt und damit noch interessanter für Frauen gemacht. Das fängt schon bei den Studentinnen an. „Das ist nämlich unser zweiSprachkurse tes großes Ziel“, Spanisch - Quechua sagt Gühring. „Wir wollen natürAuslandpraktika lich auch mehr Tandemprogramm Studentinnen in Bildungsurlaub den technischen Studiengängen Ausüge haben.“ Der Salsatanzen Mangel an jungen und vieles mehr Frauen in den ACUPARI Fächern sei das Grundpro-blem: Asociación Cultural Peruano Alemana Keine www.acupari.de

Cusco - Peru

51


Professorin Gabriele Gühring Studentinnen – keine Professorinnen. Das Zahlenverhältnis, sagt auch Stefani Maier, sei immer noch eindeutig: „In harten Ingenieurfächern haben wir derzeit gerade einmal vier Prozent Studentinnen.“ Das neue Gleichstellungskonzept der Hochschule Esslingen zielt konkret auf junge Frauen. Regelmäßige Schülerinnenworkshops sollen dafür sorgen, dass sie schon zu Schulzeiten an die Hochschule kommen und dort einen Einblick in die naturwissenschaftlichen Fächer erhalten. Ein dreistufiges Mentoringprogramm soll zudem helfen ein Netzwerk aufzubauen. Studentinnen betreuen Schülerinnen, ältere Studentinnen die Erstsemester und Frauen aus der Industrie die älteren Studentinnen. „Das Netzwerk ist etwas, was gerade Frauen oft fehlt, auf der anderen Seite aber enorm wichtig für das spätere Berufsleben ist“, sagt Professorin Gühring. Es sei wertvoll für Studentinnen, Ingenieurinnen kennenzulernen, die schon mitten im Berufsleben stehen. Eine wichtiges Instrument, mit dem die Hochschule nun nach Bewerberinnen auf Professorenstellen sucht, ist eine Datenbank, die die Landeskonferenz der Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen 52

für Angewandte Wissenschaften in BadenWürttemberg und der Dualen Hochschule im Land initiiert hat. Akademikerinnen können sich dort eintragen, ihr Profil mitteilen und somit auf sich aufmerksam machen. Hochschulen können dann aus diesem Fundus Bewerberinnen einladen. Neben der Möglichkeit sich vorzustellen, bietet die Datenbank im Internet Informationen, Strategietipps und Angebote auf dem Weg zur Professur. Eines ist klar: In Esslingen brauchen sich junge Frauen nicht scheuen, Professorin zu werden. „Wir sind im Vergleich zu den Männern gleichberechtigt und werden auch von den Studierenden gleichberechtigt respektiert“, sagt Gabriele Gühring. In den vergangenen 20 Jahren hat sich in Sachen Gleichstellung viel getan. Als junge Professorin hat Gühring keine schlechten Erfahrungen mehr machen müssen, „ich habe aber von älteren Kolleginnen gehört, dass sie im Studium gefragt wurden, ob sie nicht nur einen Mann an der Uni suchen“, erzählt sie. Stefani Maier hat noch selbst andere Zeiten erzählt. Sie ist sei 1990 an der Hochschule und damit eine der dienstältesten Professoren in Esslingen. „Früher war das eine Männerwelt, in der man sich schon einmal blöde Sprüche anhören musste“, erinnert sie sich. „Ob ich nicht lieber heiraten wolle statt ein Studium zu beginnen, wurde ich zum Beispiel gefragt.“ Heute sei das Rollenbild aber auf dem richtigen Weg. Viele Familien einigen sich auf gleichberechtigte Teilzeitmodelle. „Mein Mann und ich haben uns das aufgeteilt, einmal hat er in Teilzeit gearbeitet und einmal ich“, erzählt Maier. Und mittlerweile sind ihre Kinder auch 24 und 27 Jahre alt. Das, sagt Gabriele Gühring, ist ein weiterer Grund, warum Frauen heute kein Problem mehr in der ehemaligen Männerwelt haben. „Wenn die erwachsene Tochter eines Professors selbst Ingenieurin geworden ist, akzeptiert er junge Frauen in dem Beruf ohnehin.“ Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung. In Esslingen sowieso.

Das Onlineportal für junge Akademikerinnen findet ihr im Internet unter www.lakof-bw.de


Entspannung mit perfektem Sound: Mit KROMBACHER’S FASSBRAUSE hochwertige Kopfhörer in Apfelgrün gewinnen Die warmen Sonnenstrahlen des Spätsommers laden noch einmal zum Picknicken, Sporteln und Entspannen im Park ein. Optimal ausklingen lässt man die warme Jahreszeit mit dem passenden Soundtrack auf den Ohren. Spätsommerliche Töne klingen nämlich erst richtig gut mit einem stylischen und leistungsstarken Paar Kopfhörer. Das Modell „Beats Solo HD“ von Dr. Dre in sattem Hellgrün schindet nicht nur optisch Eindruck, sondern hebt automatisch die Stimmung durch einen besonders klaren Klang. Mit einem guten Song auf den Ohren und einer Flasche KROMBACHER’S FASSBRAUSE in der Hand lassen sich relaxte Momente wie Chillen am See oder laue Nächte noch besser genießen. KROMBACHER’S FASSBRAUSE wird nur aus natürlichen Zutaten hergestellt und schmeckt dadurch erfrischend fruchtig, angenehm süß und gleichzeitig dezent herb – und ist dabei 100% alkoholfrei. Gewinnt mit KROMBACHER’S FASSBRAUSE und dem Käpsele die Beats Solo HD-Kopfhörer von Dr. Dre, sowie die neue Sorte Apfel zum Probieren daheim. Mehr Informationen findet ihr auch unter www.krombachers-fassbrause.de. Einfach eine Mail mit „Kopfhörer“ an gewinnspiel@kaepselemagazin.de!

53


Verliebt in Milano Die Hohenheimer KoWi-Studentin Elena SchrÜck hat es in die unitalienischste Stadt Italiens verschlagen. Gefallen hat’s ihr trotzdem. Von Ben Schieler


W

enn Italiener von Monaco sprechen, meinen sie nicht zwingend das Reiche-LeuteParadies an der Côte d‘Azur. Monaco heißt auch München, was gut ins Selbstverständnis der Großstadtbayern passt, die sich gerne als Bürger der nördlichsten Stadt Italiens sehen. Was das mit Mailand zu tun hat? Nun, wenn man den Spieß umdreht, ließe sich Milano als südlichste Stadt Deutschlands bezeichnen. „Von der Mentalität her sind die Menschen dort nah an uns dran“, sagt Elena Schröck. Deswegen war die Kommunikationswissenschaftsstudentin der Uni Hohenheim auch skeptisch, als ihr Erasmussemester in der Lombardei begann. Am Ende hat es ihr dann doch gefallen – und das nicht nur, weil an der Uni ein wenig Verlässlichkeit dem süditalienischen Easy-Going mit Sicherheit vorzuziehen ist. Die Geschichte von Elena Schröck und Mailand ist eine Geschichte voller Liebe, aber keine Geschichte voller Liebe auf den ersten Blick. Nach Belgien oder Skandinavien hätte sie in

ihrem Auslandssemester auch gehen können, sie aber wollte nach Italien, um die Sprache zu lernen. Die 1,4-Millionen-Einwohnerstadt, die tatsächlich näher an Stuttgart als an Rom liegt, versprühte anfangs jedoch einen spröden Charme. „Mailand ist die unitalienischste Stadt Italiens“, sagt sie. „Kleine Gässchen oder süße Cafés sind dort Mangelware.“ Der Charme entfaltete sich erst mit der Zeit – beim Schlendern. Natürlich hat es sie an den Dom gezogen, doch noch wohler hat sie sich woanders gefühlt: im Künstlerviertel Brera und in Navigli am Naviglio Grande, dem Fluss der Stadt.

Surreales mit dem serbischen Topmodel Dort, wo viele Studenten zusammenkommen, steppt nachts der Bär. Aber er tut es auf eine legere Art und Weise, ganz anders als an den Orten Mailands, die das Bild des dortigen Nachtlebens prägen. Der Bunga-Bunga-Style der überlaufenen Nachtlokale mit ihren gesal-

Charmante Atmosphäre: das Navigli-Viertel.

56


zenen Preisen und der unflexiblen Musikauswahl übte wenig Anziehungskraft auf Elena Schröck aus. Denn dort, so scheint es, karikiert sich das Dolce-Vita-Italien selbst. „Überall siehst du alte Typen und junge Tussen, lauter Models oder Möchtegernmodels in riesigen High Heels und Miniröcken.“ Mit einer Vertreterin dieser Kategorie machte Elena Schröck hautnahe und surreale Erfahrungen. Das Mädel, Zweite der serbischen Version von „Germanys next Topmodel“, teilte mit ihr in einer Wohngemeinschaft ein Doppelzimmer, erzählte fröhlich quakend aus ihrem Leben und begann irgendwann, die Grenzen von Eigentum verschwimmen zu lassen. Elenas Klamotten, Elenas Schuhe, Elenas Essen waren plötzlich auch ihre Klamotten, ihre Schuhe und ihr Essen. „Ich hatte bald gar keine Privatsphäre mehr“, sagt die Hohenheimerin. Als ihre Zimmergenossin Anfang Juni von ihrer italienischen Agentur gefeuert wurde und in einer Nacht-und-NebelAktion verschwand, ohne dass Elena Schröck davon etwas mitbekam, hatte sie zwar fortan ein Doppelzimmer für sich, ihr fehlte aber ein Schlafanzug. „Mittlerweile“, sagt sie, „kann ich darüber lachen.“

Wenig Eigeninitiative und Interaktion an der Universität Es sind wohl Erfahrungen wie diese, die einen Erasmus-Aufenthalt zum Erlebnis und zur Erinnerung machen, Erfahrungen für die persönliche Entwicklung und weniger für die fachliche. Natürlich hat auch Elena Schröck Vorlesungen und Kurse an der Uni besucht, wenn auch weniger als anfangs vorgenommen. Sie hat einen Sprachkurs gemacht, der sie so weit brachte, dass sie sich inzwischen auf Italienisch verständigen kann, nicht fließend, aber gut genug. Sie saß in Veranstaltungen namens Sociologia della Comunicazione und Sociology of Consumption, die häufig recht trocken waren, weil sie wenig Eigeninitiative förderten und wenig Interaktion boten. „Ich habe das Studium in Hohenheim während meiner Zeit in Italien anders zu schätzen gelernt“, sagt sie. Eine Ausnahme bildete der Kurs Language of Advertising, gehalten von


Elena Schröck (dritte v. l.) im Kreise ihrer neugewonnenen Freunde.

Susanna Revoltella. Die Frau aus der Praxis ist aber auf ewig mit einer Annäherung verbunden eigentlich Mitarbeiterin einer Werbeagentur. sein wird. Auf der Zugfahrt saß Elena Schröck Doch auch diese positive Abwechslung im neben einem spanischen Erasmusstudenten eher langweiligen Unialltag änderte nichts aus Sevilla, der inzwischen ihr Freund ist. Die daran, dass sich das Leben Terminkalender der beiden, anderswo abspielte: im die jeweils wieder in ihrer persönlichen Austausch mit Heimat leben, sind nun ganz anderen Gaststudenten, auf eine Fernbeziehung mit Engländern, Franzosen, ausgelegt. Sie ist das, was Deutschen und vor allem: Ich wollte mir beweisen, vielleicht am stärksten bleibt mit Spaniern. von der Liebe zu und in dass ich in der Fremde „Party, Kultur und Mailand. Selbstständigkeit“ sind ohne Katastrophe Die fünf Monate in der unifür Elena Schröck die bestehen kann.“ talienischsten Stadt Italiens zentralen Bausteine von gingen schnell vorüber. „Ich Erasmus. Sie hat alles wollte mir beweisen, dass ich mitgemacht, zu Beginn vor allem ersteres. in der fremden Umgebung ohne Katastrophe Mit dem Freundeskreis, der dadurch entstand, bestehen kann“, sagt Elena Schröck. Sie hat es ging es auf Tour, in den Süden nach Apulien geschafft. Im nächsten Sommer will sie ihren oder Neapel zum Beispiel, in jenes andere Bachelor in Hohenheim machen – und sicher Italien. Oder nach Genua, die Hafenstadt, deren bald einmal in die Lombardei zurückkehren. Charme sich zwar auch in Grenzen hält, die Die Sehnsucht ist jetzt schon groß. 58


Du suchst einen Korrektor!? Wir haben ihn! Unser Korrektor (Berufserfahrung bei 端berregionalen Tageszeitungen) liest deine Abschlussarbeiten, Hausarbeiten oder ... Tageb端cher. Schreib ihm einfach eine E-Mail an korrektor@kaepselemagazin.de.


Termine

Stuttgart Party

Konzerte

Kultur

Keller Mixtape Mittwoch, 18.09. 22 Uhr Keller Klub

EMMA6 Dienstag, 17.09. 20 Uhr Universum

Mondscheintarif Mittwoch, 18.09. 20.15 Uhr Theaterhaus

Komme was wolle Donnerstag, 19.09. 18 Uhr Zollamt

Washington dead cats Freitag, 20.09. 20.30 Uhr Goldmark‘s

Caveman Donnerstag, 19.09. 20.15 Uhr Theaterhaus

Monkey Business Freitag, 20.09. 23 Uhr Schräglage

Wrongkong Samstag, 21.09. 20 Uhr Keller Klub

Eure Mütter Donnerstag, 26.09. 20 Uhr Theaterhaus

Big Fun Samstag, 21.09. 23 Uhr Tonstudio

Classic Rock Roadshow Montag, 30.09. 20 Uhr Keller Klub

Ein Bett für Vier Samstag, 28.09. 20 Uhr Theaterschiff

Hip-Hop Donnerstag Donnerstag, 26.09. 23 Uhr Tonstudio

Cro Samstag, 05.10. 20 Uhr LKA

Im Auftrag ihrer Kanzlerin Samstag, 05.10. 20 Uhr Renitenztheater

Get down Mittwoch, 02.10. 23 Uhr Mono Bar & Club

Wire Montag, 14.10. 20 Uhr Club Universum

Rosige Zeiten Samstag, 12.10. 20 Uhr Renitenztheater

Flux Friday Freitag, 11.10. 22 Uhr Keller Klub

Sideways unplugged Samstag, 12.10. 20 Uhr Sideways

Der Kaufmann von Venedig Freitag, 18.10. 20 Uhr Altes Schauspielhaus

I LOVE REGGAETON Samstag, 19.10. 22 Uhr T-O12

Bruno Mars Montag, 21.10. 19.30 Uhr Schleyer-Halle

Der Putzteufel Samstag, 19.10. 20 Uhr Komödie im Marquardt

SET IT OFF - TURN UP Samstag, 19.10. 23 Uhr Proton

Irish Folk Festival Sonntag, 27.10. 19 Uhr Theaterhaus

Das Boot Donnerstag, 31.10. 20 Uhr Altes Schauspielhaus

Discofox Floor Samstag, 26.10. 23 Uhr ADTV-Tanzschule

Fiddler‘s green Sonntag, 03.11. 19 Uhr LKA

Antéchrista Freitag, 08.11. 20.30 Uhr International Theatre

60


Termine

T端bingen Party

Konzerte

Kultur

Vollmondtanz Samstag, 21.09. 22 Uhr Sudhaus

Patrick Richardt Freitag, 29. 09. 20 Uhr Sudhaus

T端r auf, T端r zu Donnerstag, 26.09. 20.15 Uhr LTT

Stu/Dance Studentenparty Mittwoch, 25.09. 21 Uhr Top 10

Semesterer旦ffnung Samstag, 19.10. 20.15 Uhr Festsaal, Neue Aula

Three Kingdoms Samstag, 05.10. 20 Uhr LTT

Vollmondtanz Samstag, 12.10. 22 Uhr Sudhaus

Milky Chance Dienstag, 22.10. 20 Uhr Sudhaus

Lenz Donnerstag, 24.10. 20 Uhr Zimmertheater

LuschT Party Donnerstag, 31.10. 22 Uhr Sudhaus

Klavierabend Donnerstag, 31.10. 20.15 Uhr Festsaal, Neue Aula

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran Dienstag, 29.10. 20 Uhr Zimmertheater

61


Termine

Ludwigsburg Party

Konzerte

Kultur

CLassic Rock Dienstag, 17.09. 20 Uhr Rockfabrik

McKinley Black Samstag 21.09. 20.30 Uhr Die Luke

Berlinskibeat Samstag 21.09. 20 Uhr Marktplatz

Radau und Rabatz Klub Freitag,20.09. 21 Uhr Waldhaus

Manilla Road Donnerstag, 26.09. 20 Uhr Rockfabrik

Karl Dall Freitag 04.10. 20 Uhr Waldorfschule

Hot in here Samstag, 21.09. 23 Uhr Pussycatclub

Slaughterfest Mittwoch 16.10. 20 Uhr Rockfabrik

Poetry Slam Samstag 05.10. 20 Uhr Literatur Café

Soul2Soul Samstag, 05.10. 23 Uhr Pussycatclub

Fatones Dienstag 05.11. 20 Uhr Literatur Café

Impro-Workshop Montag, 21.10. 18 Uhr Literatur Café

Party

Konzerte

Kultur

Urbaniced Friday Freitag 20.09. 22 Uhr One

The Financial Crash Samstag 28.09. 20.30 Uhr Dieselstraße

Matinee Sonntag, 22.09. 11 Uhr Schauspielhaus

Birthday Party Freitag 27.09. 22 Uhr One

The Boys Mittwoch 02.10. 20 Uhr Komma

Die Physiker Donnerstag 10.10. 19.30 Uhr WLB

Diesel-Disco Freitag 18.10. 21 Uhr Dieselstraße

Honig Sonntag 27.10. 20.30 Uhr Dieselstraße

Poetry Slam Samstag 19.10. 19.30 Uhr Komma

Diesel-Disco Freitag 08.11. 21 Uhr Dieselstraße

The Wave Pictures Dienstag 05.11. 20.30 Uhr Komma

Egmont Freitag 25.10. 19.30 Uhr WLB

Esslingen

62


Das nächste Käpsele erscheint am 15. November. Die Themen: - Voll freizügig oder was? Studenten bei Facebook - Skalpelle im Stream: Die Sectio Chirurgica - Kicker mit blauem Herz: Fabian Gerster studiert

Impressum: Käpsele – Das Studentenmagazin

Käpsele GbR Theodor-Heuss-Straße 109 71067 Sindelfingen redaktion@kaepselemagazin.de Herausgeber(V.i.S.d.P.): Markus Brinkmann und Christian Ignatzi Anzeigen: Chris O’Connor anzeigen@kaepselemagazin.de Redaktion: Markus Brinkmann (msb) Christian Ignatzi (ci) Ben Schieler (ben) Autoren: Ilkay Aydemir (ay) Timo Dersch (td) Sanja Döttling (sad) Gastautoren: Felix Böpple Ruth Meinhart Illustratorin: Verena Tribensky

Fotografen: Ben Schieler (S. 03 und 32) Timo Dersch (S. 08 und 09) Felix Böpple (Seite 21) Christian Ignatzi (Seite 46 und 48) Besondere Foto- und Lizenzhinweise: Cover: Foto © 0711 Entertainment S. 06: Foto CC weisserstier (http://www.flickr.com/photos/alfreddiem) S. 10: Grafik CC Media Funders (http://www.flickr.com/photos/mediafunders) S. 12: Illustration © Verena Tribensky S. 15: Foto © 0711 Entertainment S. 23: Foto oben CC Florian Forster (http://www.flickr. com/photos/fforster), Foto unten © Fotostudio Pierre Oettli, Chur S. 24: Foto © Niklas Lello, Cover © Hanser Verlag S. 25: Foto CC Elisa Cabot (http://www.flickr.com/photos/76540627@N03), Cover © Rowohlt S. 26: Foto © Peter Gruber

S. 27/28/29 oben: Foto © Eva Muck S. 29 unten/30/31: Foto © Peter Gruber S. 34: Foto Tilo Schmidt, © Marc Bensch S. 36/38/39: Cover, Grafik und Foto © Gedankensprungverlag S. 40/41: Plakate © Verleiher S. 42/43: Fotos © TV Bitenfeld S. 50/52: Fotos © Hochschule Esslingen S. 54/55: Foto CC Angelo Amboldi (http://www.flickr. com/photos/angelocesare) S. 56/58: Fotos © Elena Schröck Ein Dank für das Erfinden, Entwerfen und Designen des Käpsele (der Vogel) geht an seinen Schöpfer Timo Rehm. Vertrieb: Flyertyre Gymnasiumstr. 43 70174 Stuttgart www.flyertyre.de Auflage/Erscheinungsweise: 30.000 Stück/monatlich Das Käpsele ist auf Recyclingpapier gedruckt

dieses Exemplar wurde bei www.dierotationsdrucker.de gedruckt

dierotationsdrucker 63


KaepseleSeptember13  
KaepseleSeptember13  
Advertisement