Gründer-Journal 2025

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UNABHÄNGIG & WELTOFFEN

2025/Nummer 25

Sieg in Manila: Ohne Männer

Sinnlose Bürokratie hemmt Gründung

Roland Koch von der „Ludwig-Erhard-Stiftung“ zur sozialen Marktwirtschaft

Frankfurt. - Ludwig Erhard (4. Februar 1897– 5. Mai 1977), Wirtschaftsminister und später Bundeskanzler, hat nach dem Krieg mit dem „Wirtschaftswunder“ den Wohlstand gebracht, hat unter anderem 1948 durch die Freigabe vieler Preise die Marktwirtschaft in Gang gesetzt. Und er hat 1967 auch dafür gesorgt, dass seine Bestrebungen um die soziale Marktwirtschaft nicht verloren gehen durch die Gründung eines Vereins mit dem Namen „Ludwig-Erhard-Stiftung“. Für den seit 2020 wirkenden Vorsitzenden Roland Koch ist ganz klar: die soziale Marktwirtschaft muss nicht neu erfunden werden. Alle aktuellen Fragen können mit ihr bewältigt werden.

In einem Gespräch hat Andreas Hammer als Herausgeber des „Gründer-Journal“ mit Roland Koch die aktuellen Fragen erörtert unter dem Motto, welche wirtschaftlichen Maßnahmen würde Erhard heute umsetzen, um die Gründungsdynamik anzukurbeln. Für Hammer ist dies von besonderer Bedeutung, hatte er doch schon 2008 in einem Interview mit Koch, damals noch „Landesvater“, die Situation des „Gründerlandes Hessen“ erörtert.

Roland Koch sieht das Problem der schrumpfenden Gründungsdynamik zu einer Hälfte in der Psychologie und zwar hier in zwei Teilen. Da sei zunächst das Arbeitsethos, das nichts Dummes sei, sondern eine persönliche Befriedigung und eine Nutzung der eigenen Gestaltungsmöglichkeit. Der andere Teil ist unsere Gesellschaft selbst, die im Vergleich zu anderen Gesellschaften unge-

wöhnlich innovationsskeptisch sei. In vielen aufstrebenden Wirtschaften, sagt Roland Koch, sei man neugierig auf die moderne Medizin, auf Robotics, auf Daten-

In Deutschland muss Neugierde gefördert werden, muss Neugierde prämiert werden, allerdings seien die Finanzierungsrandbedingungen nicht gut. Koch dazu:

verarbeitung – in Deutschland tun junge Leute etwas total Neues aber unter dem Motto „muss das sein“.

„Ein nennenswerter Teil des Rückganges, den wir im Augenblick bei uns haben, hat mit der Bürokratie zu tun. Wir sind sozu-

sagen beim Mindset. Da gibt es Menschen, die machen sich unabhängig davon, die sehen das nicht, die machen das einfach. Es könnte mehr sein, wenn das Mindset besser wäre“.

Roland Koch zitiert die „unaussprechlich bürokratische Anforderung“: Menschen werden zu sinnlosen Arbeiten gezwungen. Und Koch zitiert weiter und nennt die „starren Arbeitsverträge, die steuerlich schwergemachten Beteiligungsmöglichkeiten für Start-up-Mitarbeiter, die Dokumentationspflichten“. Die bürokratischen Regeln führten dazu, dass der Mensch keine Zeit mehr habe, etwas zu erfinden und es auf den Markt zu bringen. „Er muss nämlich die Regeln der Bürokratie einhalten.“

Fazit von Roland Koch: Man muss die Psychologie ein Stück ändern, man muss die Finanzierung ein Stück ändern, man muss die Bürokratie ändern.

Zum Bürgergeld hat Roland Koch eine deutliche Meinung: Es hält die Empfänger vom Arbeiten ab. Bei den unteren Lohngruppen würden sich die Gelder bei einer Familie mit zwei Kindern zu einem Lohnabstand von rund 200 Euro zum Nettoeinkommen addieren. Und dieser Unterschied sei leicht „mit einem kleinen Schuss Schwarzarbeit“ zu verdienen. (wi.)

Zur Person Roland Koch, 1958 in Frankfurt am Main geboren, ist deutscher Manager, Rechtsanwalt und ehemaliger Politiker (CDU). Von April 1999 bis August 2010 war er Ministerpräsident des Landes Hessen, danach von 2011 bis 2014 Vorstandsvorsitzender des Baukonzerns Bilfinger. Seit November 2017 ist er Professor of Management Practice in Regulated Environments an der Frankfurt School of Finance & Management. Seit November 2020 ist er Vorsitzender der Ludwig-Erhard-Stiftung. Roland Koch, dessen Vater auch in der Politik aktiv war, ist verheiratet und hat zwei Söhne. Quelle: Wikipedia

IN FÜNF JAHREN: FÜHREND BEI

START-UPGRÜNDUNGEN?

Die hessische Start-up-Szene soll in fünf Jahren gründungsführend sein, hat die hessische Digitalministerin Prof. Dr. Kristina Sinemus auf

eine entsprechende Anfrage von Gründer-Journal-Herausgeber Andreas Hammer mitgeteilt. Und gleichzeitig erläuterte sie, dass der Startup-Beauftragte Holger Follmann dem Digitalministerium zugeordnet sei. „Wir haben einen echten Experten für uns gewinnen können, der uns unterstützt, in fünf Jahren führend bei Start-up-Gründungen zu sein“, so Sinemus.

Es sei begrüßenswert, so Sinemus weiter, dass es neben dem „TechQuartier“ eine weitere Initiative gebe, um Start-ups in Frankfurt und der Region ein Zuhause zu geben. Da die Nachfrage sehr hoch und das „TechQuartier“ seit einiger Zeit voll vermietet sei, freue man sich, mit dem „Bertramshof“ über einen weiteren Standort mit der Möglichkeit, Büroflächen anzumieten, zu verfügen. Es werde ein „Powerhouse“ entstehen. Die Ministerin dazu: „Beide Angebote stärken die Start-up-Szene auf ihre eigene Weise und ziehen gemeinsam an einem Strang. Genau dies benötigen wir.“

Andreas Hammer
Roland Koch
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Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft

Fürth: Dokumentation, Ausstellung, Forschungszentrum

„Man lernt Ludwig Erhard kennen“

Interview mit dem Fürther Bundestagsabgeordneten Tobias Winkler

Tobias Winkler: Ihr Diktiergerät ist ja ein Grundig-Gerät. Max Grundig ist einer der großen Söhne von Fürth. Die großen Söhne sind Henry Kissinger, Ludwig Erhard, Max Grundig, ein Weltkonzern, und Gustav Schickedanz mit Quelle.

Andreas Hammer: Das sind bekannte Wirtschaftsnamen. Können Sie etwas zum „Ludwig Erhard Zentrum“ sagen, weshalb es gerade in Fürth etabliert wurde?

TW: Man hat den Eindruck, dass man ihn hier kennenlernen kann. Heute noch.

AH: Können Sie uns eine schöne Anekdote von Ludwig Erhard erzählen?

TW: Da gibt es eine, die immer wieder erzählt wird, die natürlich wahrscheinlich viele zitieren. Das war die Frage, welche Zigarrenmarke er am liebsten rauchen oder bevorzugen würde. Und dann war seine schnelle und spontane Antwort, die er wohl öfter wiederholt hat: geschenkte!

AH: Rauchen Sie denn auch mal gerne so eine dicke Zigarre wie Ludwig Erhard?

Auf den Spuren von Ludwig Erhard

Begeistert war das Frankfurter IHK-Vollversammlungsmitglied Andreas Hammer nach einem Besuch des Ludwig Erhard Zentrums in Fürth über diese einzigartige Ausstellung und die Dokumentation der Wirtschaftsgeschichte zu Zeiten von Ludwig Erhard (1897–1977). Hammer (rechts), der als Gründungsspezialist Wirtschaftsgeschichte seit vielen Jahren „pur erlebt“, hatte das Zentrum in Begleitung der Vorsitzenden des „LEZ“, Evi Kurz, und des MdB´s Tobias Winkler (CSU) besucht. Ein Playmobil-Männchen (Ludwig Erhard im Sessel) – was sonst – hatte sich der Frankfurter als Souvenir mitgenommen.

Fürth. Hinter dem Rathaus in Fürth steht das Geburtshaus von Ludwig Erhard, unzerstört im Zweiten Weltkrieg wie der angrenzende Platz. Direkt gegenüber das „Ludwig Erhard Zentrum“ (LEZ), das Dokumentations-, Ausstellungs-, Begegnungs- und Forschungszentrum für Ludwig Erhard und die Soziale Marktwirtschaft, getragen von der 2013 gegründeten öffentlichen Stiftung Ludwig-Erhard-Haus. Ihre Vorsitzende ist Evi Kurz. Die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern und die Stadt Fürth sind maßgebliche Fördergeber.

Am 4. Februar 1897 erblickt Ludwig Erhard als zweites von vier Kindern des katholischen Philipp Erhard und seiner evangelischen Frau Augusta das Licht der Welt. Ludwig schließt 1916 eine Lehre als Einzelhandelskaufmann in Nürnberg ab. Trotz Behinderung nach einer Erkrankung an Kinderlähmung wird er zum Kriegsdienst eingezogen und 1918 in Flandern schwer verwundet. 1923 heiratet er die vier Jahre ältere Kriegerwitwe Luise Schuster (1893-1975), geborene Lotter, die Tochter Lore in die Ehe mitbringt. Zusammen haben beide die Tochter Elisa-

Ein Haus in Gmund am Tegernsee ist Rückzugsort der Familie.

Auf dem Bergfriedhof wird Ludwig Erhard, der am 5. Mai 1977 an Herzversagen in Bonn gestorben war, am 12. Mai 1977 beigesetzt.

Ludwig Erhard, „Vater der Sozialen Marktwirtschaft und des deutschen Wirtschaftswunders“, hat als Bundeswirtschaftsminister (1949-1963) die Nachkriegsgesellschaft mitgestaltet. Von 1963 bis 1966 war er Bundeskanzler. In einer 1400 Quadratmeter großen Dauerausstellung lernt der Besucher Ludwig Erhard kennen, entdeckt die Zeitgeschichte, erlebt Soziale Marktwirtschaft.

Stiftungsvorsitzende Evi Kurz: „Wir waren ein tolles Team“

stellt Ludwig Erhard nicht auf einen goldenen Sockel, es wurde ein moderner Lernort geschaffen. Der Rundgang führt aus einem kleinen Zimmerchen des Altbaus in den großen Zukunftsraum mit fünf Themen auf riesigen verspiegelten Screens. Da wird klar: Ludwig Erhard ist heute noch aktuell.

TW: Es ist natürlich für den großen Sohn der Stadt. Er ist in Gesellschaft mit einigen anderen, aber grundsätzlich ist er natürlich schon eine herausragende Persönlichkeit, die Fürth hervorgebracht hat. Und der besondere Reiz an diesem „Ludwig Erhard Zentrum“, der, glaube ich, auch zum Erfolg der Wissensvermittlung beiträgt, ist die Authentizität durch diesen Ort, direkt am Geburtshaus. Das ist einzig und allein mit dem Namen Evi Kurz verbunden. Idee, Umsetzung bis jetzt hin zum Betrieb ist alles ihr Verdienst.

AH: Was gefällt Ihnen am besten an dem Zentrum?

TW: Diese Authentizität. Hier ist Ludwig Erhard geboren, und das wird vermittelt. Also, man meint, es zu spüren.

TW: Nein. Es fällt vielleicht unter Jugendsünde, dass ich auch mal versucht habe, an einer Zigarre zu ziehen, aber es ist mir damals nicht bekommen, und ich befürchte, es würde mir heute auch nicht bekommen. Da haben sich die Zeiten doch geändert.

AH: Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Andreas Hammer

Zur Person

AH: Man kann sich hier dem Menschen Ludwig Erhard persönlich nähern. Als ob man ihn kennen würde?

Tobias Winkler (CSU), Jahrgang 1978. Nach dem Studium der Politischen Wissenschaften in München Mitarbeiter für Europaabgeordnete. Seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Quelle: Wikipedia

Der Anfang war mühsam. Mit dem Ludwig-Erhard-Initiativkreis vor mehr als 20 Jahren hat es begonnen. Die Politik ins Boot zu holen war nicht einfach. Aus dem Kanzleramt mit Angela Merkel kam eine formale Absage: Ludwig Erhard gebe es schon in Bonn mit der Ludwig-ErhardStiftung als eingetragenem Verein, der unter Helmut Kohl Geld bekommen habe. Aber Evi Kurz ließ nicht locker und erläuterte Staatsminister Neumann das Konzept. Es wurde hoch gelobt, beanspruchte aber mehr Platz, als das Geburtshaus bieten konnte.

18-Millionen-Euro-Projekt

beth.

Der Ausgangspunkt für das „Ludwig Erhard Zentrum“ war der authentische Ort, sagt Evi Kurz. Initialzünder, Ideengeber und Unterstützer war der Ludwig-ErhardInitiativkreis Fürth e.V. Eine Stiftung wurde gegründet, um das Geburtshaus zu erwerben, 2013 begann die behutsame Sanierung und die Umgestaltung zu einem Ausstellungsort. „Wir waren ein tolles Team, und wir hatten alle noch nie ein Museum gemacht. Ich hatte lediglich einen Schuhkarton mit Exponaten.“

Am 20. Juni 2018, dem 70. Jahrestag der Wirtschafts- und Währungsreform von 1948, wird das „Ludwig Erhard Zentrum“ mit einem großen Bürgerfest eröffnet. Die Bundesrepublik Deutschland, der Freistaat Bayern, die Stadt Fürth und die Stiftung LudwigErhard-Haus hatten das 18-Millionen-Euro-Projekt verwirklicht.

Dem Beirat gehörte ein „großer Museumsmann“ an, den sie mit den Worten zitiert: „Frau Kurz, das klappt nie, das können Sie überhaupt nicht machen.“ „Und ich erwiderte, das müssen wir tun, das muss klappen.“

Rückblickend sagt Evi Kurz, man habe den frischen Blick gehabt, den Blick vor allem des Besuchers. Der Zeitstrahl der Schau

Das Geburtshaus zeigt den „Fürther Erhard“ in der Zeit bis 1945. Der markante Neubau ist dem Politiker Erhard, der Sozialen Marktwirtschaft sowie der Bundesrepublik Deutschland gewidmet. Der Rundgang endet nicht mit dem Tod Ludwig Erhards 1977, sondern führt das Fortleben seiner Ideen vor Augen.

Tobias Winkler (l.) und Andreas Hammer (r.)
Andreas Hammer
Evi Kurz

Auch in Manila wird gepitcht

Eindrücke von einem Event der Auslandshandelskammer

Dienstreise nach Fernost: Andreas Hammer (60), Diplom-Betriebswirt und seit über 30 Jahren erfolgreicher Gründungsberater, zudem Herausgeber des Fachmagazins „Gründer-Journal“, berichtet von der „Mabuhay Germany“, eine Messe, auf der sich deutsche Unternehmen präsentieren.

Während andere Frankfurter sich genüsslich im Flugsessel zurücklehnen und ihren Urlaub schon beim Start genießen, ist eine Geschäftsreise in den Fernen Osten ein anstrengendes Moment, gespickt auch mit Überraschungen.

Doch darum ist es wiederum reizvoll, sich auf ein Abenteuer einzulassen.

Als Gründungsberater war ich im Auftrag eines hessischen FacilityService-Dienstleisters in Fernost unterwegs, um auf den Philippinen Krankenschwestern und Pflegekräfte für unsere Krankenhäuser anzuheuern. Verbunden habe ich dies mit Recherchen für mein geplantes neues Fachbuch „Firmengründung in Südostasien“.

Nach der Pandemie, die persönliche Gespräche unmöglich machte, waren jetzt „alte“ und neue Kontakte zu den europäischen Handelskammern (EccP) geplant.

Das

Ich war mit der Thai-Airways von Bangkok nach Manila geflogen und blieb dort 4 Tage. Innerhalb der Megametropole Manila hatte ich eine Unterkunft in Makati, dem internationalen Finanz- und Wirtschaftszentrum, gebucht. Makati hat knapp 600.000 Einwohner und ist das nobelste, fortschrittlichste und sauberste Viertel der Stadt.

Noch in Deutschland vorbereitet, stand ein Gespräch mit dem deutschen Botschafter Dr. Andreas Michael Pfaffernoschke in Makati auf dem Programm. Zum Glück sind es nur 20 Minuten Fußweg zum Plaza-Gebäude, in dem die Botschaft „Unterschlupf“ ge-

funden hat. Mit dem Taxi hätte die Fahrt in der Rush Hour knapp eine Stunde gedauert.

Während der Plauderei, die neben einem „Berliner Bären“ stattfand, erwähnte der Botschafter so ganz nebensächlich, dass am nächsten Tag das „zentrale deutsch-philippinische Event in Manila“ stattfindet. Und er lud mich zur „Mabuhay Germany“ (eine Messe) ein. Mabuhay ist ein philippinischer Gruß und etwa mit „Du sollst leben“ zu übersetzen. Die Überraschung war perfekt.

Doch noch ein Wort zum „Bären“. Der zwei Meter hohe und 50 Kilogramm schwere Bär aus Kunststoff steht seit 2016 dort als Werber für ein tolerantes und freies demokratisches Deutschland. Als Botschafter Pfaffernoschke im August 2023 die Auslandsvertretung übernahm, hatte er sofort den Bären in „sein Herz geschlossen“ als heimatlichen Aspekt.

Der nächste Tag war zwar anstrengend, aber doch sehr aufschlussreich. Der Wecker im Hotel klingelte bereits um 4.30 Uhr, denn um 7.30 Uhr fand vor Ort die Registrierung der geladenen Gäste statt. Und ich wollte und musste pünktlich in Halle A des World Trade Centers in Pasay City sein.

Ausrichter der dreitägigen Messe, die pünktlich um 8.30 Uhr eröffnete, war die DeutschPhilippinische Handelskammer, Inc, (GPCCI). Wie üblich bei solchen Veranstaltungen gab es eine umfangreiche Eröffnungszeremonie. Um es kurz zu machen, da war zunächst Stefan Schmitz, der damalige Präsident von GPCCI, der dazu aufrief, an den Aktivitäten teilzunehmen. Botschafter Pfaffernoschke lobte die anhaltenden Handels- und Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und den Philippinen und wies auch auf das 70-jährige Jubiläum der diplomatischen Beziehungen hin. Für das philippinische Ministerium für Handel und Industrie wies Staatssekretärin

Eine Jury ohne Männer

SCHÖNHEITSWETTBEWERB IN MANILA MIT 40 KANDIDATINNEN

Blanca Kim Bernardo-Lokin auf das Engagement zu sauberer erneuerbarer Energie hin. Deutschland, so ihr Wunsch, soll ein strategischer Partner für die Philippinen werden.

Christopher Zimmer, Geschäftsführer der Deutsch-Philippinischen Handelskammer, mit 35 Jahren Erfahrung im Vertrieb bei der Lufthansa, gab sich große Mühe, stellte drei philippinische Öko-Start-ups als Beispiele für die Fortschritte bei nachhaltigen Technologien und Praktiken auf den Philippinen vor. Große deutsche Firmen wie Allianz, Lufthansa und TÜV-Rheinland waren zahlreich mit eigenen Ständen vertreten. Auch die Start-up Pitch-Arena spielte eine bedeutende Rolle. Allerdings gibt es einen Unterschied zu unserer Frankfurter Pitch-Arena. In Manila wird nicht um Kredite gepitcht, sondern um Investorengelder.

Von Dr. David Klebs, Economie Counsellor, der auf Minister-Ebene verhandeln darf, habe ich erfahren, dass die Verhandlungen für das EUPhilippinen-Freihandelsabkommen wieder aufgenommen werden sollen.

Und auch dies will ich in meinem Reisebericht nicht verschweigen. Die Philippinen sind eine echte Demokratie in Südostasien, die Investitionstätigkeit liegt allerdings in den Händen von einem guten Dutzend Familienclans. Dies muss man wissen, wenn man in den Philippinen Geschäfte machen will.

In den vier Tagen hatte ich Gelegenheit, eine Menge Gespräche zu führen. Meine gesetzten Ziele haben sich erfüllt. Beim Rückflug über Bangkok nach Frankfurt konnte ich mich zufrieden im Flugsessel zurücklehnen.

In der Jury saßen keine Männer. Dies war auffällig bei der 60. Miss-Wahl in Manila. Männer gab es nur unter den Zuschauern, und die gaben 600 US-Dollar für eine Eintrittskarte aus. Den wunderschönen Frauen hat dies gefallen, wie die gekürte „Miss Philippines“, die offiziell auf den Philippinen „Binibining Pilipinas“ heißt, nach der Kürung in einem Kurzinterview dem Herausgeber des „Gründer-Journals“, Andreas Hammer, berichtete.

Der Andrang zu dieser „Grand Coronation Night“ war groß, doch dem „Journalisten aus Germany“ gelang es, neben den „Heerscharen“ von Kollegen einen guten Platz vor der Bühne im Aranetta-Colloseum zu ergattern. Gekürt wurde die 22-jährige Myrna Esguerra, ein Studentenmodel aus der Provinz Abra. Sie setzte sich gegen 39 Konkurrentinnen durch. Esguerra räumte an diesem Abend ab mit dem besten Bikini-Contest, mit dem besten Abendkleid und auch mit dem „Binibining Philippines Airlines Award“. Die Krönung nahm die vorjährige Miss Angelica Lopez vor.

Gefragt worden war die Schönheit unter anderem von dem Jury-Mitglied Margie Moran (Miss Universe 1973): „Wenn eine Zeitmaschine Dich in das Jahr 1964

zurückbringen würde, was würdest Du von den philippinischen Frauen des Jahres 2024 erzählen“? Und souverän antwortetet die 22-jährige Myrna: „Wir haben unser Ziel erreicht, nämlich die Ermächtigung der Frauen. Als ich vor fünf Jahren, also mit 17, begann, mein Studium zu finanzieren, da habe ich gemerkt, dass ich es den Frauen zu verdanken habe, die den Weg geebnet haben und uns ermutigen, nach unseren Zielen zu streben.“

Myrna Esguerra – ihr Rufname ist „Ems“ – studiert an einem der Colleges in Pampanga, der Heimatstadt ihres Vaters. Er ist im Dezember 2023 an Krebs gestorben. Jetzt halte die Mutter, die Weberin von Beruf ist, die Familie zusammen, erzählte sie dem „Frager aus Germany“, und sie sei sehr stolz auf ihre Mutter. Und Myrna hat noch große Ziele vor sich. Sie engagiert sich im Umweltschutz und nimmt an landesweiten Aktionen des zuständigen Ministeriums teil.

Myrna Esguerra
Andreas Hammer
Auf den folgenden Plätzen...
Maria
Potential von morgen entfalten: Dabei waren Christopher Zimmer, Geschäftsführer GPCCI, Stefan Schmitz als Präsident der Deutsch-Philippinischen Handelskammer, Andreas Hammer, Herausgeber Gründer-Journal.

MIT 23 SCHON KFZ-MEISTER

Karl-Heinz Balaba hat es geschafft. Er hat sich selbstständig gemacht, hat fleißig gelernt und bei der PitchArena Erfolg gehabt. Allerdings sind die Wege nicht immer geradlinig verlaufen, aber trotzdem erfolgreich. Mit 23 Jahren ist Karl-Heinz Balaba bereits Kraftfahrzeugtechnikermeister und wenig später zugleich alleiniger Geschäftsführer von „Kfz-Service Balaba UG“ in Friedrichsdorf im Taunus.

Lkw- und als Pkw-Mechatroniker und war so erfolgreich, dass er 2022 für die Meisterschule freigestellt wurde. Seit dem 4. März 2023 kann er sich Kfz-Meister nennen. Er arbeitete in einer freien Werkstatt und hatte dann das Glück, die Werkstatt mit über 200 Quadratmetern zu übernehmen.

Da Karl-Heinz Balaba für diesen Schritt in die Selbstständigkeit Kapital brauchte, kam er mit dem Gründungsspe-

Das Licht der Welt erblickte der Kfz-Meister 1999 in Singen, sein Vater, ein Jugoslawe, seine Mutter, eine Philippinin. Schon als Kind musste er den Eltern helfen, die der deutschen Sprache nicht mächtig waren. Und weil die Familie arm war, wurden alle Schulfreizeiten gesponsert. Es wurde auch eisern gespart, denn der Vater schickte einen Teil des Einkommens in die Philippinen. Dort entstand ein dreistöckiges Haus, das als Hotel bewirtschaftet wird. In Deutschland besuchte die Familie die Tafel.

zialisten Andreas Hammer in Kontakt, der ihm die weiteren Bahnen aufzeigte. Karl-Heinz Balaba nahm an der PitchArena teil, die, wie es landläufig unter Spezialisten heißt, der „Türöffner“ für einen Kredit sei. Er hatte Glück. Einer der acht Kreditgeber war sofort bereit.

Der Junior stellte sich frühzeitig die Frage: „Was soll ich machen nach der Mittleren Reife?“ Er probierte vieles aus, beispielsweise Altenpflege, Gastronomie und auch das Kfz-Handwerk. Ein Praktikum bei einem AutoHersteller gab den Ausschlag. Er lernte das Handwerk als

Doch nicht immer ist der Weg geradlinig. Trotz ausgezeichneter Kreditverhandlungen und entsprechenden Änderungen im Businessplan lehnte Balaba in letzter Minute ab und wechselte zu einem anderen Kreditinstitut (das übrigens auch in der Pitch-Arena vertreten ist). Das notwendige Startgeld im höheren fünfstelligen Bereich hat er inzwischen als Kredit von der KfW erhalten. (wi.)

Impressum: Gründer-Journal 2025/Nr. 25

Herausgeber: Gesellschaft für Existenzgründungsberatung mbH

V.i.S.d.P.: Andreas Hammer, T8 Tower, Taunusanlage 8, D-60329 Frankfurt am Main, Telefon: 069/87001732, gruenderjournal@ingruendung.de Nachdruck, auch auszugsweise, mit Quellenangaben erwünscht, Belegexemplar erbeten – Abonnementpreis: € 2,50.

Layout: Christian Weiß, designwut

Autoren: Georg Wittenberger, Andreas Hammer

Fotos: Titelseite Roland Koch von Kristin Langholz, linsenmomente, Lilium-Jet von picture alliance/Geisler-Fotopress/Thomas Bartilla, Prof. Dr. Kristina Sinemus von Prof. Dr. Wolfram Wrabetz. Seite 3 und 4: Nachdruck aus Tichys Einblick, Ausgabe 02/2025. Seite 4: Lilium-Jet von picture alliance/Geisler-Fotopress/Thomas Bartilla, Andreas Hammer von Koko Kaung. Seite 6: Logo Pitch-Arena von Olivier Baurein/IHK Frankfurt am Main.

Gepitcht und gewonnen

Neunzig Sekunden Erläuterung anstatt eines möglichen FünfMinuten-Vortrages haben dem Arzt Edmund von Werner (Seligenstadt) bei der IHK Frankfurt gelangt: Bei der vom Land Hessen geförderten RKWGründungsberatung hatte er in der in Deutschland wohl einmaligen „Pitch-Arena“ die anwesenden Bankmanager überzeugen können. Drei Kreditinstitute wollten dem Mediziner den Weg in die Selbstständigkeit finanzieren. Von Werner entschied sich für die Frankfurter Sparkasse (Fraspa), wohl auch, wie er in einem Gespräch mit dem „Gründer-Journal“ sagte, dank seines Beraters, dem Frankfurter Gründungsspezialisten Andreas Hammer. „Er kannte den Fraspa-Vertreter“, und so sei alles seinen bewährten Gang gelaufen.

„Mediziner macht sich in Sachsenhausen mit KfW-Kredit selbstständig“

Mit dieser Gründung hat Edmund von Werner, der in jüngster Zeit an der Universität Frankfurt promoviert wurde und der seit April 2024 nach der bestandenen gesetzlichen Prüfung als Facharzt praktiziert, für die nächsten 15 Jahre ausgesorgt. Als Untermieter einer radiologischen Praxis hat er dort einen etwa 20 Quadratmeter großen Raum als Praxis gemietet. Der „Vermieter“, ein anerkannter Radiologe mit den modernsten Geräten, eröffnete am 1. Mai 2024 diese Praxis.

Hilfspersonal braucht der 49-Jährige, jetzt in Seligenstadt mit Familie lebend, nicht. Er kann seine Patienten zur Weiterbehandlung gleich eine Tür weiterschicken. Und so ist es auch verständlich, dass sich der gewünschte KfWKredit, der im Übrigen bereits ausgezahlt ist, nur auf 70.000 Euro beläuft, ganz im Gegensatz zu seinem Vermieter, der wohl mit einem siebenstelligen Betrag investiert. Zwei Monate hat das Prozedere gedauert, vom ersten Treffen mit dem Gründungsspezialisten Hammer, den er übers Internet fand, bis zur Auszahlung des Kredits. „Und wenn die Weihnachtsfeiertage nicht gewesen wären, hätte ich das Geld noch früher erhalten“, sagt der Mediziner. Behandeln wird der Orthopäde, Osteopath und Chiropraktiker nur Privatpatienten. „Die Honorare der Kassen sind so gering, dass ich bei jedem Patienten drauflegen müsste“, betont er.

Auf einigen Umwegen ist Edmund von Werner (geboren 1975 in Bad Soden-Salmünster) zum Facharzt gelangt. Nach dem Abi-

tur 1995 in Hanau und dem Zivildienst beim Roten Kreuz machte er eine dreijährige Ausbildung als staatlich anerkannter Physiotherapeut in Bad Orb. Die nächsten zehn Jahre war er Physiotherapeut bei verschiedenen Sportabteilungen in Frankfurt, so auch bei der Eintracht Frankfurt und den Frankfurter Lions. Danach folgten das Studium der Osteopathie in Belgien und der Chiropraktik in England. Von 2011 bis 2017 studierte er Humanmedizin in Frankfurt und war zuletzt Assistenzarzt in den Kliniken in Langen und Seligenstadt. 2022 legte er in Frankfurt seine Dissertation „Perioperative Transfusionen und Auftretenswahrscheinlichkeit von Tumorrezidiven“ vor. (wi.)

Fakten im Businessplan

Helmut Markwort, von 1993 bis 2010 Herausgeber des Nachrichtenmagazins „Focus“, hat es offensichtlich gefallen. Seinen Slogan „Fakten, Fakten, Fakten und immer an die Leser denken“ hatte der Gründungsberater Andreas Hammer nämlich in seinen Seminaren als Erläuterung für den Aufbau eines Businessplanes eingebaut und dabei auch die Herkunft nicht verschwiegen. In der Villa Rothschild in Königstein bei einem Treffen amüsierten sich Markwort (links) und Hammer bei einem guten Tropfen über diese „Übernahme“.

Verlinken wir uns auf

Karl-Heinz Balaba (von links) und sein Werkstatt-Team

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